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Die M5S verhöhnt Italiens Wähler

Von 5. April 2013 um 14:18 Uhr

Die Bewegung Movimento 5 Stelle (M5S) von Beppe Grillo nimmt für sich in Anspruch, die einzige Kraft Italiens zu sein, die einen Wandel will. Das ist ihr gutes Recht. Verstörend bei Grillo sind seine Sprache, seine Arroganz und seine autoritären Neigungen. Nach Grillos Diktion sind alle anderen politischen Parteien nichts weiter als Angehörige eines morschen Systems, das zum Untergang verurteilt ist. Jeden Versuch der etablierten Parteien, Italien eine Regierung zu geben, verspottet Grillo.

Das ist ein schwerer Fehler. Wenn Grillo und seine Leute sich über die anderen Parteien lustig machen, dann verhöhnen sie die große Mehrheit der Wähler, die nicht für die M5S gestimmt hat. Angesichts der Propaganda Grillos muss man daran erinnern: Ein Viertel der Italiener, die wählen gegangen sind, haben für M5S gewählt — eine Mehrheit ist das bei Weitem nicht.

Doch Grillo und sein M5S führen sich auf, als seien sie die einzigen Repräsentanten des italienischen Wahlvolkes. Das sind keine rein propagandistischen Aussagen, sondern sie zeigen den ideologischen Kern Grillos. Er sieht sich als Inkarnation eines imaginierten Volkswillens. In ihm und durch ihn spricht das Volk mit einer Stimme. Darum sagt er auch, er wolle nicht “25, 30 oder 60 Prozent, sondern 100 Prozent” der Stimmen. Grillo sieht sich als Mann, in dem sich der uniforme Volkswillen manifestiert. Der Führer als Agent des Volkes — das ist ein gefährliches ideologisches Konstrukt.

Es gibt den einen Volkswillen freilich in der Wirklichkeit nicht. Die italienische Gesellschaft besteht — wie jede andere moderne Gesellschaft auch – aus Individuen mit unterschiedlichen Interessen. Und diese Individuen wählen Parteien, darunter (immer noch) auch etablierte Parteien. Wenn Grillo den Willen der Wähler wirklich respektieren würde, dann müsste er tun, was zu den schwierigsten und wichtigsten Aufgaben des Politikers gehört: Kompromisse suchen.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Es ist leider die Eigenheit eines ganz bestimmten politischen Spektrums, sich für die universelle Antwort zu halten und für die Mehrheit zu sprechen. Das die Mehrheit dennoch anders wählt, erklärt man mit “Gehirnwäsche”, “Beeinflussung” und anderen Ausflüchten.

    Man möge mir erklären warum z.B. die Linke in Deutschland stets bei 5-8% dümpelt und dennoch weiter davon fabuliert für die Mehrheit der Menschen zu sprechen.

    Was in Italien passieren wird ist vorprogrammiert. Grillo pokert und hofft, dass er bei einer anstehenden Neuwahl noch mehr Wähler bekommen wird. Ich bin der festen Überzeugung genau das Gegenteil wird passieren. Die Protestwähler werden erkennen, dass Grillos Partei die Möglichkeit etwas zu verändern nicht ergriffen hat.

  2. 2.

    Dieser Mann ist eine Gafahr für Italien und Europa, denn jeder “Führer” mit 100% Führungsanspruch ist eine Gefahr für eine vielschichtige Gesellschaft.

  3. 3.

    Grillo respektiert die Waehlerschaft der M5S, und fordert den Diskurs mit den etablierten Parteien ohne dabei die eigene Linie aufzuweichen. Daran ist nichts authoritaeres, es ist Standhaftigkeit die diese Bewegung auszeichnet, und nicht Konformitaet!

  4. 4.

    Grillo nimmt also für sich in Anspruch, den Willen des gesamtem italienischen Volkes zu repräsentieren.

    Klingt ja fantastisch. Hitler dachte 1933 dasselbe (nur beim deutschen Volk).

  5. 5.

    Anti-Grillini-Artikel der x.te,

    womit der Autor bzw. dieses Medium die Intelligenz seiner Leser verhöhnt.

  6. 6.

    Sorry – Aber das ist keine Standhaftigkeit sondern Borniertheit und Sturheit.
    Ohne Kompromisse kann KEINE Demokratie leben !

    Am Ende kann nur Silvio Berlusconi von dieser Haltung profitieren !!

    Es ist noch garnicht so lange her da sind alle über Peer Steinbrück hergefallen nur weil er Pepe Grillo als das bezeichnet hat was er ist
    ein Clown nichts weiter …

  7. 7.

    Eine viel größere Verhöhung der Wähler finde ich ja, wenn die gewählten Parteien sich vorrangig damit beschäftigen, irgendwie an die Futtertröge der Macht zu gelangen und sich dort möglichst lange mit den absurdesten Versprechungen zu halten versuchen und eben dies auch scheinbar der hauptsächliche Beweggrund für politisches Engagement ist und nicht, politisch irgendetwas zu ändern oder gar zu verbessern (also ich mein jetzt nicht für sich selbst, oder irgendwelche Mafia-Freunde und Geschäftspartner) zu wollen.

    Als grundsätzliche Verhöhnung der Wähler empfinde ich übrigens “Expertenregierungen”, insbesondere jene, deren Vorsitzende früher auf der Gehaltsliste von Goldman-Sachs standen.

  8. 8.

    @Mr Head #1
    “Es ist leider die Eigenheit eines ganz bestimmten politischen Spektrums, sich für die universelle Antwort zu halten und für die Mehrheit zu sprechen. Das die Mehrheit dennoch anders wählt, erklärt man mit “Gehirnwäsche”, “Beeinflussung” und anderen Ausflüchten. ”

    Ist ja nicht ganz abwegig, wenn für einen großen Teil der (hiesigen, in Italien ist es kaum anders) Bevölkerung, die einzige politische Meinungsbildung aus sporadischen Abendnachrichten-Konsum besteht, wo als einzige “Botschaft” das Bild einer lächelnden und oder händeschüttelnden Frau Merkel (wer lächelt muss Erfolg haben und wer Hände schüttelt, kümmert sich) oder eines Peer Steinbrück, der irgendwas mit “sozialer Gerechtigkeit” verkündet und mal als Finanzminister mit Merkel zusammen die dt. Sparguthaben gerettet hat, hängen bleibt.
    Investigativer Journalismus, das Wissens-Fundament mündiger Bürger, ist ein Nischenprodukt (ZEIT inklusive). Der Massenmarkt wird von Werbung und PR gebildet.
    Für eine behauptete Demokratie reicht das, für eine tatsächliche nicht.

  9. Kommentar zum Thema

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