Ladurners Blog für Einblicke in unübersichtliche Landschaften

Was Drohnen anrichten

Von 11. April 2013 um 14:54 Uhr

Drohnen töten den Feind aus der Distanz, präzise und billig. Eigene Soldaten sterben dabei nicht. Opfer unter den Zivilisten werden minimiert. Das ist der ideologische Kern des Drohnenkrieges. Er ist sehr verführerisch. US-Präsident Barack Obama setzt seit geraumer Zeit auf Drohnen und mehr und mehr Regierungen folgen seinem Beispiel. Die Aufrüstungsspirale ist im vollen Gange. Über neunzig Staaten entwickeln Drohnen oder haben sie bereits.

Auch der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière ist ein erklärter Drohnenanhänger, nur aus Wahlkampf-Gründen ist er jetzt von der Idee abgerückt, die Bundeswehr umgehend mit bewaffneten Drohnen auszustatten. Wie seine Amtskollegen verspricht auch er sich Sicherheit durch diese neue Waffentechnik.

Die Realität freilich sieht anders aus. Drohnen werden heute fast nur in Stammesgebieten eingesetzt – im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan, in Jemen, in Mali, auf den südlichen Philippen, in Somalia. Die Stämme haben ihren eigenen Ehrenkodex: “Wenn Sie in diesen Gebieten einen Menschen töten, schaffen Sie sich vielleicht 100 Feinde!” Das sagt der pakistanische Autor Achbar Ahmed. Er hat ein ebenso erschütterndes wie aufklärendes Buch über den Drohnenkrieg geschrieben: The Thistle and the Drone.

Man kann dort nachlesen, was die Drohnenkrieger nicht hören und nicht sehen wollen. Dieser Krieg wird gegen sehr rückständige Gesellschaften geführt, er zerstört ihren sozialen Zusammenhalt, er radikalisiert sie und zwingt sie geradezu zur Reaktion.

Unsere fortgeschrittenen Gesellschaften führen also einen erbarmungslosen Krieg gegen Stämme. Das Ergebnis ist noch mehr Gewalt — sie destabilisiert die betroffenen Staaten. An Pakistan lässt sich das am besten zeigen. Je stärker man den Krieg in den Grenzregionen intensivierte, desto härter waren die Reaktionen. Die pakistanischen Taliban wurden mit dem Beginn des Drohnenkrieges stärker. Sie sind heute eine Bedrohung für den Staat. Der Hass gegen den Westen wächst in der pakistanischen Gesellschaft insgesamt.

Achbar Ahmed kennt die Stammesgesellschafen. Er hat als politischer Beamter im Grenzgebiet zu Afghanistan gearbeitet. Er weiß um ihre Rückständigkeit, wie auch um ihren Stolz und den eisernen Willen, die eigene Identität zu verteidigen. Und er weist auf etwas hin: Auch Osama bin Laden war ein Stammeskrieger.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ergänzend dazu:

    “Obama’s drone war kills ‘others,’ not just al Qaida leaders
    Contrary to assurances it has deployed U.S. drones only against known senior leaders of al Qaida and allied groups, the Obama administration has targeted and killed hundreds of suspected lower-level Afghan, Pakistani and unidentified “other” militants in scores of strikes in Pakistan’s rugged tribal area, classified U.S. intelligence reports show. ”

    http://www.mcclatchydc.com/2013/04/09/188062/obamas-drone-war-kills-others.html

    Und Reinhard Erös , Leiter der Kinderhilfe Afghanistan:

    „Wir haben seit drei Jahren etwa eine Verzwanzigfachung der Drohnenangriffe, sowohl in Ost-Afghanistan sowie in West-Pakistan. Das heißt, die Zahl der Opfer unter der afghanischen Bevölkerung nimmt dramatisch zu. Der Hass der Paschtunen, also der Hauptgruppe in Afghanistan, auf die Besatzer, also auf die Amerikaner, nimmt dramatisch zu.“

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1934619/

  2. 2.

    Der Blog enthält m. E. viele unbelegte Behauptungen und sehr wenig kohärente Argumentation. Das macht eine Auseinandersetzung unmöglich. Da nur ein sehr gegrenztes Einsatzgebiet für Drohnen erwähnt wird (Stammeskriege), ist die sehr generell gehaltene Überschrift irreführend.

    • 11. April 2013 um 17:37 Uhr
    • Dieterf
  3. 3.

    Ob es den Menschen, auf den die Bombe geschmissen wurde, interesiert ob das Ding jetzt von einem Kampfjet oder einer Drohne abgeworfen wurde wage ich zu bezweifeln. Schlussendlich macht es keinen Unterschied, woher also die Aufregung.

    • 11. April 2013 um 17:48 Uhr
    • Juergen Scholz
  4. 4.

    Ich verstehe nicht wie sie die Anschaffung von Kampfdrohnen mit Einsätze in Stammesgebieten in Zusammenhang bringen und diesen dann als Argument dagegen verwenden. Die Drohnen drängen die Regierungen nicht dazu Zivilisten im Nahen Osten zu töten …

    • 11. April 2013 um 17:54 Uhr
    • Tsiehtitna
  5. 5.

    Ist das ein Hass auf die Drohnen, also die spezifische Technik der Kriegführung, oder auf die Kriegführung an sich, unabhängig von der Technik?
    Die Mazedonen, Briten und Sowjets haben in Afghanistan keine Drohnen eingesetzt – der Widerstand war dennoch erbittert und unbezwingbar (wobei die Mazedonen durch Heirat und Integration noch am erfolgreichsten waren). Scheint also nicht unbedingt an der Technik zu liegen.

  6. 6.

    Was Ulrich Ladurner gegen den Einsatz von Drohnen anführt, sind im Kern Argumente gegen einen Einsatz von Waffen allgemein. Wenn jedoch die Feindlage klar ist so weit eine Lage im Kriege überhaupt klar sein kann, dann ist die Drohne eine in vielfacher Beziehung ideale Waffe! Gerade weil sie überlegt und praktisch ohne eigene direkte persönliche Gefahr eingesetzt werden kann. Und genau deshalb wäre sie auch eine wichtige Waffe im meist grausamen und selten zu gewinnenden Kampf gegen Partisanen !. Und hier (Beispiel Afghanistan) könnte sich der Nachteil eines Kampfes gegen Partisanen endlich abmildern lassen. Bisher hatten die Partisanen oft den Vorfeil des Geländes. Jetzt wären sie – nach erfolgter Aufklärung – von einem sogar weit entfernt sitzenden Feind – bedroht. Diesen Vorteil darf sich kein Militär entgehen lassen.

    • 11. April 2013 um 18:00 Uhr
    • Jokus
  7. 7.

    So kurz , klar und wahr kann geschrieben werden.
    Danke an Ulrich Ladurner.
    Warum beteiligt sich unser Deutschland trotzdem weiterhin an völkerrechtswidrigen Militäreinsätzen der USA-Nato?
    Wem soll die vom Westen losgetretene Destabilisierung der großen Welt am Ende dienen?
    Werden unsere Enkel das je verstehen?

    • 11. April 2013 um 18:01 Uhr
    • doris-helga
  8. 8.

    Ich gehe davon aus, dass wir Deustschen über kurz oder lang auch Drohnen anschaffen müüsen. Insbesondere, wenn wir eine glaubwürdige Rolle innerhalb des NATO-Bündnisses spielen wollen und in Zukunft öfter mit Einsätzen wie in Afghanistan rechnen müssen.

    Es ist auf jedenfall besser eine Maschine in den Krieg zu schicken, als dass man die Gesundheit und das Leben der eigenen Soldaten aufs Spiel setzt.

    Falls wir die Drohnen nicht anschaffen, werden wir irgendwann einmal von der Technik überholt und unsere Soldaten werden ihr Leben gegen eine Maschine riskieren müssen – eine schauderhafte Vorstellung.

    Krieg ist grundsätzlich ethisch unverantwortlich, leider gibt es auf der Welt immer wieder Staatschefs, mit denen man einfach nicht reden kann. Wie es zum Krieg zweier Parteien bedarf, bedarf es auch zweier Parteien für den Frieden.

    • 11. April 2013 um 18:02 Uhr
    • buzzsaw
  9. Kommentar zum Thema

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