Ladurners Blog für Einblicke in unübersichtliche Landschaften

Bomben auf Syrien sind das Ende des moderaten Iraners Rohani

Von 28. August 2013 um 14:59 Uhr

Der Westen wird einen Militärschlag in Syrien führen. Das scheint sicher. Welche Folgen diese Intervention hat, ist sehr schwer vorauszusehen, da es in Syrien eine ganze Reihe von Akteuren gibt. Dazu gehören nicht nur das Regime Assads und die zahlreichen Rebellengruppen, es zählen auch regionale Mächte dazu wie Iran, Saudi Arabien, die Türkei und Israel – sowie Russland und die USA. Wenn der Westen eingreift, dann verändert sich die Lage und wir wissen nicht, wie alle diese Akteure reagieren werden. Anders gesagt: Die Risiken eines Militärschlages sind zu weiten Teilen unkalkulierbar.

Eines allerdings kann man jetzt schon sagen: Bombardieren die USA Syrien, dann sind die Nuklearverhandlungen mit dem Iran tot. Damit verschärfen sich die Spannungen mit dem größten Land des Mittleren Ostens. Ein Krieg gegen den Iran rückt damit als Folge einer Intervention in Syrien näher, denn Israel und die USA haben immer wieder betont, dass sie einen nuklear bewaffneten Iran nicht tolerieren werden. Der Iran ist aber nicht nur einer der mächtigsten Staaten der Region, er ist auch einer der wenigen, die noch stabil sind. Von Tunesien über Ägypten bis in den Irak spannt sich derzeit ein Bogen der Instabilität.

Das “iranische Opfer” einer westliche Intervention in Syrien hat einen Namen: Hassan Rohani. Der am 3. August vereidigte neue Präsident Irans hat viele Hoffnungen geweckt, im Iran wie auch im Westen. Er hat in seinem Wahlkampf immer wieder betont, dass er die Nuklearkrise lösen möchte. Er hat dies zu einer Priorität seiner Politik gemacht.

Nun ist Rohani gewiss eine Mann des Systems, doch er ist von einer Mehrheit der Iraner gewählt worden. Und der Wählerauftrag an ihn ist klar: Beende die internationale Isolation unseres Landes!

Wenn US-Raketen auf Damaskus niedergehen, dann wird Rohani keinen Weg mehr finden können, mit den USA zu reden. Das Syrien Assads ist nämlich ein enger Verbündeter Irans. Und Iran hat den Westen immer wieder eindringlich vor dem Eingreifen gewarnt. Selbst wenn Rohani auch im Falle eines Militärschlages immer noch mit dem Westen reden wollte, er könnte nicht mehr. Denn täte er es, würden ihn die Hardliner im eigenen Land in die Zange nehmen. Bomben auf Syrien machen aus Rohani eine lahme Ente – nicht einmal einen Monat nach seinem Amtsantritt. Das ist ein dramatischer politischer Kollateralschaden.

Nun werden Hardliner sagen, dass dieser Schaden nicht ins Gewicht falle, weil Teheran ohnehin nicht ernsthaft verhandeln wolle. Doch das ist eine zweifelhafte Behauptung.

 

Kategorien: Allgemein, Iran
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Rohani betreibt wie sein Vorgänger eine Hinhaltetaktick.
    Der Iran will die Atombombe denn er will Israel auslöschen.

    Wie er gesagt hat diese wunde stelle muss weg

    • 28. August 2013 um 15:21 Uhr
    • harry thomann
  2. 2.

    wieder so ein witziger ladurner kommentar. das eingreifen sei ein “hohes risiko” weil man nicht weiß was daraus sonst noch folgt. ja, eh, zufällig ist das immer so, weil niemand in die zukunft blicken kann. aber dafür kann ladurner ganz genau prophezeien was der iran machen wird. ohne risiko. sehr interessant. vielleicht kennt er auch die lottozahlen? :)

  3. 3.

    Diese Reaktion ist natürlich einkalkuliert, wird aber nicht benannt, wie so vieles in diesem “Konflikt”. Tatsache ist, dass Rohani nicht mehr viel Zeit bleiben wird. Denn nach Syrien steht der Iran als nächster Programmpunkt auf der Abschussliste. Darum geht es ja, erstmal die Risikofaktoren beseitigen.
    Wenn man die Geschehnisse im Zusammenhang betrachtet, kann man sehen, dass ein Punkt nach dem anderen abgehakt wird, um die Sache eskalieren zu lassen. Nämlich von dem Staat, welcher eben die besseren Waffen hat, und von daher draufhaut, wenn er es für nötig hält. Kotzt mich an, vor allem, wie unsere Medien da mitmachen.

    • 28. August 2013 um 16:58 Uhr
    • kleinempfaenger
  4. 4.

    Herr Ladurner, ich teile Ihre Sorge in Bezug auf die eskalierenden Folgen eines Militärschlags gegen Syrien. Dass jetzt wie schon so oft als ultima ratio von Regierungen, aber auch von Intellektuellen in Europa und im östlichen Mittelmeerraum nach Waffen gerufen wird, zeigt wie gut erneut die Durchsetzung eigener Machtinteressen in den Monaten der sich anbahnenden Krisen verschleiert werden konnte.

    Die der Krise in Syrien zugrunde liegenden Konflikte sind sicherlich nicht mit einfachen Lösungen zu bewältigen. Ausgangslage waren und sind auch weiterhin interne politische und soziale Konflikte in Syrien selbst. Doch ihre heutige Eskalation ist auch das Ergebnis von Versäumnissen internationaler Akteure. Allen voran steht das Versäumnis, mit den Konflikten rechtzeitig im Sinne einer an Prozessen orientierten Konfliktbearbeitung umzugehen. Schuldzuschreibungen helfen bei der Konfliktbewältigung genauso wenig wie die Appelle, die wir in den letzten Monaten aus Berlin gehört haben. Die Spannungen mit der iranischen Regierung über das Atomprogramm und ihre regionalen Vormachtansprüche gegenüber den absoluten Monarchien auf der Arabischen Halbinsel, die machtpolitischen Gegensätze zwischen den USA und Russland, die Folgekonflikte aus den Interventionskriegen im Irak und in Afghanistan, die ungelöste Situation der Palästinenser sowie die unterschiedlich gelagerten Interessen europäischer Staaten im Nahen Osten haben verhindert, dass Einflüsse in Ägypten und in Syrien geltend gemacht wurden, die die heutige Eskalation vielleicht verhindern konnten.

    Für ihre Entscheidungen in diesen Konflikten sind die jeweiligen Akteure verantwortlich. Sie könnten jedoch auch heute noch umsteuern. Jetzt den Dialog mit denjenigen verstärkt führen, die ihn – wie die neue iranische Regierung – angeboten haben, Energie in konstruktive Ansätze zur Deeskalation oder zur Eindämmung der Gewalt – in Ägypten oder im Libanon – fließen lassen, auf gemeinsame Positionen der einflussreichen Mächte USA, China und Russland drängen – dies zum Beispiel ist immer noch machbar. Hierin lägen dringende Aufgaben für die offizielle deutsche Diplomatie, die über gute Zugänge zu allen Akteuren im Konfliktsystem verfügt, wahrscheinlich die besten, die zurzeit bestehen.

    Die weitere Eskalation des Konflikts und seine internationale Ausweitung wird es nicht einfacher machen, Frieden herbeizuführen, Demokratie zu fördern und Menschenrechte zu schützen. Die Zusammenhänge und Interessen offen zu legen und auf sofortige Umsteuerung zu drängen, darin liegt die Aufgabe einer Zivilgesellschaft, die für demokratische Werte, für Menschenrechte und gegen Diskriminierung und Verfolgung eintritt.

    Hagen Berndt

    • 28. August 2013 um 17:00 Uhr
    • Hagen Berndt
  5. 5.

    [...] Amerikanische Bomben auf Syrien hätten weitreichende Folgen für Nahost. Irans neuer Präsident zum Beispiel könnte dann keine Atomverhandlungen mehr führen. Ein Kommentar ZEIT ONLINE: Politik [...]

  6. 6.

    So wie ich das momentan einschätze wird der Einsatz, wenn er denn gefahren wird, doch stark in seinem Volumen begrenzt sein und sich nicht unmittelbar bzw bedeutend auf die Lage auswirken. Dafür die hier zurecht aufgeführten Kollateralschäden in Kauf zu nehmen, empfinde ich als zumindest bedenklich. Man müsste erst die Untersuchungsergebnisse vor Ort abwarten und gegebenenfalls den Sicherheitsrat entscheiden lassen. Bei einem unpassenden Votum kann man dann ja immer noch über einen Eingriff ohne UN-Mandat reden.

    • 28. August 2013 um 17:13 Uhr
    • pima
  7. 7.

    Andere Hypothese:

    Iran hat ein strategisches Interesse an Atomwaffen nicht an Syrien.

    Die Wirtschaftssanktionen wirken und behindern das iranische Atomwaffenprogramm.

    Iran wird daher unabhängig vom Ausgang der Syrienkrise Gespräche zur Aufhebung des Embargos suchen müssen.

    Die Vorstellung, dass Herr Rohani sich an den “Wünschen” der Wähler und nicht an den politisch-strategischen Interessen des Systems, dessen Mann er ist, orientiert dürfte wirklichkeitsfremd sein.

    • 28. August 2013 um 17:13 Uhr
    • tb
  8. 8.

    Ich sehe nicht, dass nach einem kurzen Militärschlag die Tür für Gespräche für längere Zeit zu wäre. Entscheidend sind außerdem die informellen, direkten Verhandlungen zwischen Washington und Teheran. Wahrscheinlich auch deswegen votiert Obama für ein begrenztes Eingreifen.

  9. Kommentar zum Thema

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