Ladurners Blog für Einblicke in unübersichtliche Landschaften

Sprachrohr des Systems

Von 20. September 2013 um 14:37 Uhr

Die prominente iranische Menschenrechtlerin Nasrin Sotoudeh ist frei. Ein weiteres Dutzend politischer Gefangener wird aus dem Gefängnis entlassen. Der neue iranische Präsident Hassan Ruhani sagt, dass sein Land auf keinen Fall “eine Atombombe bauen will”. Gleichzeitig tauscht er einen Brief mit Barack Obama aus, dem Präsidenten des “Satans” USA. Und er bietet sich als Vermittler im Syrienkonflikt an. Es vergeht derzeit also kein Tag, an dem nicht erstaunliche Nachrichten aus Teheran zu vernehmen sind.

Ist Ruhani deswegen der Reformer, der den Iran öffnen wird? Ist er der Mann, auf den der Westen seit Jahren schon vergeblich wartet?

Vorsicht ist angebracht. Hassan Ruhani ist ein Mann des Systems, er war es sein Leben lang. Es ist nicht davon auszugehen, dass er dieses System fundamental ändern will. Er ist kein Revolutionär, sondern – wenn überhaupt – ein Reformer. Ruhani will die Islamische Republik Iran den gegenwärtigen Bedingungen anpassen.

Iran steht außen- wie innenpolitisch unter großem Druck. Die UN haben den Iran wegen der Nuklearfrage schmerzhafte Sanktionen auferlegt. Sie sind zumindest zu einem Teil die Ursache für die tiefe wirtschaftliche Krise, in der sich das Land heute befindet. Das iranische Volk sehnt sich nach einer Normalisierung der Verhältnisse. Ruhani hat die Wahlen gewonnen, weil er genau das versprach.

Mehr Dialog mit dem Rest der Welt, mehr Freiheit im Inneren. Das ist die Antwort, die Ruhani gibt. Man muss sie ernst nehmen, gerade weil Ruhani ein Mann des Systems ist. Denn es ist das System, das durch diesen Präsidenten eine Verständigung zu suchen scheint.

Die entscheidende Frage ist: Wie weit kann Ruhani mit der Liberalisierung gehen, ohne dieses System dabei zu gefährden? Wie viel Liberalisierung kann die Islamische Republik Iran überhaupt vertragen?

Die Antwort darauf wird man nur bekommen können, wenn der Westen Ruhanis Avancen nicht rundweg ablehnt. Die Öffnung muss befördert werden. Und dann werden wir sehen, wie viel davon der Iran verträgt.

Kategorien: Allgemein, Iran
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Die UN haben den Iran wegen der Nuklearfrage schmerzhafte Sanktionen auferlegt. Sie sind zumindest zu einem Teil die Ursache für die tiefe wirtschaftliche Krise, in der sich das Land heute befindet.

    Sie sind zu 90% schuld an der wirtschaftlichen Lage. Ein Land wie Deutschland wäre mit diesen sanktionen innerhalb von 2-3 Monaten mittellos.

    Der Iran kann nahezu keine Geschäfte mehr machen mit dem Ausland, da die Bankgeschäfte sanktioniert werden. Dass der Iran noch einigermaßen gut dasteht, verdankt das Land seiner industriellen Unabhängigkeit.

    Längerfristig wird die Wirtschaft des Iran komplett unabhängig sein.

    Zudem ist dieser Artikel nicht relevant. Der Iran kann nichts tun, um die Sanktionen zu beenden, ausser völlige Unterwerfung. Das wird nicht passieren.

    Die USA haben einfach viel zu viel Interesse, den Iran schwach zu halten, als dass sie diese Sanktionen irgentwann aufheben würden. Völlig egal welche Reformen eingeleitet werden.

    • 20. September 2013 um 16:39 Uhr
    • Grobkorn
  2. 2.

    “Vorsicht ist angebracht. Hassan Ruhani ist ein Mann des Systems, er war es sein Leben lang. Es ist nicht davon auszugehen, dass er dieses System fundamental ändern will. Er ist kein Revolutionär, sondern – wenn überhaupt – ein Reformer. Ruhani will die Islamische Republik Iran den gegenwärtigen Bedingungen anpassen.”

    Nun, den Satz konnte man in den 80igern in ziemlich identischer Form auch über Michael Gorbatschow und Willem de Klerk lesen. Und überhaupt: Was haben “wir” denn zu verlieren? Bestenfalls ein Feindbild.

    Ich sehe überhaupt keinen Grund, warum man Ruhani keine Chance geben sollte, seine Kritiker zu widerlegen. In ein paar Wochen kann man den Mann wahrscheinlich dann auch halbwegs zuverlässig einschätzen. Bis dahin sollte man respektieren, dass er mit vielen positiven Gesten in Vorleistung gegangen ist.

    • 20. September 2013 um 16:40 Uhr
    • eras
  3. 3.

    In wenigen Worten “das RIchtige” gesagt, sehr gut Grobkorn.

    • 20. September 2013 um 17:20 Uhr
    • WhoKnows
  4. 4.

    @Grobkorn
    Einer Ihrer üblichen Kommentare, eine Aneinaderreihung von Thesen und Behauptungen, aber ohne größere Kenntnis der Materie:

    “Daß Iran einigermaßen gut dasteht..” Waren Sie da? Wissen Sie, woran es im täglichen Leben fehlt, natürlich vor allem der weniger wohlhabenden Bevölkerung? An allem! Und vor allem an Arbeit und Geld.

    Woran fehlt es der klerikalen Nomenklatura? An nichts! Denn selbstverständlich findet Außenhandel statt, wenn auch in geringerem Umfang. Und natürlich ist Reichtum im Land – wie auch sonst auch in den ärmsten Ländern der Welt – nur eben besonders verteilt. Wer ist die Nomenklatura? Die oberen Ränge des islamischen Klerus und der Pasdaran, sowie deren “Stiftungen”, die wie eine Krake fast 50 % der Wirtschaft umfaßt haben und mit ihrer Pfründeherrschaft jede Dynamik ersticken. Sie sind unproduktiv und leben von Subventionen aus dem Verkauf des Erdöls, und Bestechungsgeldern.

    Das Land ist nicht einmal in der Lage, sein eigenes Benzin herzustellen und Heizöl wird im Winter knapp.

    Anders als Sie sieht der Großteil der iranischen Bevölkerung nicht die USA als das Reich des Bösen, sondern den ihnen aufgezwungeen “Gottesstaat”.

    Wenn sich die Verhältnisse ändern, werden auch die Sanktionen, die, anderes als Sie behaupten, nicht allein Sanktionen der USA sind, aufgehoben werden. Dann wird natürlich von “Analytikern” wie Ihnen nichts mehr zu hören sein.

    Natürlich muß man, wie “eras” schreibt, Ruhani eine Chance gebe, der Verweis auf De Kler und Gorbatschow ist richtig. Es warten Millionen gut ausgebildete bzw. wirtschaftlich erfolgreiche Exil-Iraner od. solche mit iranischen Wurzeln in Europa und den USA darauf, Iran zu helfen, auf die Beine zu kommen, wenn die Hasardeure und Gotteskrieger endlich das Feld räumen.

    • 20. September 2013 um 18:03 Uhr
    • bijandschan
  5. 5.

    @ bijandschan
    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für die, die “schon mal da waren” und mit den Normalsterblichen gesprochen haben, ergibt sich eben ein anders Bild als für ideologisch Argumentierende. 70% der Iraner sind unter 30 und sie wollen so leben wie andere unter 30-Jährige der Welt, die sie aus ihrer Perspektive heraus als “frei” wahrnehmen. Bildungschancen sind das Zauberwort im Jahr 2013, nicht Antiamerikanismus.

    • 20. September 2013 um 19:24 Uhr
    • naimah
  6. 6.

    Ruhani drückt sich in einer Weise aus, die sich deutlich von der irrationalen Rhetorik der Vorgänger unterscheidet. Es wäre töricht, seinen Versuch der Kontakaufnahme nicht gewissenhaft zu prüfen. Die Welt ist nicht statisch., sondern wandelbar. Warum sollte der Iran eine Ausnahme sein?

    • 20. September 2013 um 19:26 Uhr
    • Joactin
  7. 7.

    Ruhani kommt von gleichem Topf (Systems) und alle sind gleich, Die lugen unserm Volk mit Demokratie Fassaden, nur die westlichen statten für Ihrem Profit machen Reklame für solchem verbrescher und Das Mulahs Verbrecher Regime baut am Atombobbe und die Westlichen Statten
    fahlen immer wieder rein wegen Ihrem Profit und zu Information Die jüngste Verbrechen von Ruhani ist der Befehl zum Ermordung 52 Optionalen Volksmojahedin in Iraq in Camp Ashraf durch die Malekies Spezialeinheiten und Ghods (iranische Spezialeinheiten die in Ausland Operiren), Die Personen war geschützte Personen unter vierte Genever Konvention. Der Ruhani und keiner andre Person kann nicht außerhalb der Systems Operieren, Zum Schluss der Rest ist und bleibt einer Illusion.
    LG Bami

    • 20. September 2013 um 21:46 Uhr
    • Bami
  8. 8.

    @bami
    Die sog. “Volksmudschaheddin”, vom Irak aus operierende militante “Sozial-Islamisten” sind bei der iranischen Bevölkerung genauso beliebt wie das Mollah-Regime. Sie rühmen sich ihrer Attentate und beschweren sich in europäischen Medien, wenn die Mollahs zurückschlagen. Die Mehrheit der Iraner aber will Demokratie, Frieden, ein Auskommen und Bildung für ihre Kinder – und keine gewalttätigen Ideologen und Diktatoren mehr.

    • 20. September 2013 um 23:08 Uhr
    • bijandschan
  9. Kommentar zum Thema

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