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Aus Todfeinden werden Partner

 

Amerika und die Islamische Republik sind Feinde mit vielen Gemeinsamkeiten. Beide liefern derzeit Waffen an die Kurden Nordiraks, damit sie sich gegen die Terroristen des Islamischen Staats (IS) besser verteidigen können; beide haben darauf gedrängt, dass der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki sein Amt abgibt; beide haben den Nachfolgekandidaten Haidar al-Abadi unterstützt.

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Washington wie Teheran betrachten die IS-Terroristen als tödliche Gefahr, die es zu bekämpfen gilt.

Doch wird die “Kooperation” zwischen den USA und Iran noch weitergehen? Ist das, was wir jetzt erleben, der Beginn einer neuen Freundschaft? Oder wenigstens Partnerschaft?

US-Präsident Barack Obama hat schon in seiner ersten Amtszeit klargemacht, dass er eine Annäherung mit dem Iran sucht. Er will vor allem den Nuklearstreit beilegen. Das war von Beginn an eine sehr riskante Politik. Denn keiner konnte mit Sicherheit sagen, ob denn die iranische Seite eine Befriedung will, ja ob sie dazu überhaupt in der Lage ist. Seit die Iraner aber Hassan Ruhani zum Präsidenten gewählt haben, stehen die Chancen besser. Ruhanis zentrale Wahlversprechen waren genau das: den Streit mit den USA beizulegen und den Iran gegenüber dem Westen zu öffnen.

Bis zum heutigen Tag ist weder der Nuklearstreit beigelegt, noch hat es eine umfassende Befriedung gegeben. Aber es gibt im Angesicht der Gefahr eine intensivierte, pragmatische Annäherung. Sie wird in der Unterstützung der Kurden und der Beschleunigung des politischen Wandels in Bagdad sichtbar.

Was wir in ihren Grundzügen erkennen können, sind die Ansätze einer neuen Sicherheitsarchitektur im Nahen Osten. Gebraucht wird diese dringend. Die USA, die den Nahen Osten weder alleine dominieren können noch wollen, und ein selbstbewusster, stabiler Iran sind die beiden Architekten.

Neu ist das ja nicht.

Bis 1979 waren die USA und der Iran enge Partner in der Region. Amerika war unumstrittene Führungsmacht im Nahen Osten, und der vom Schah regierte Iran diente den Amerikanern als Hilfspolizist am Persischen Golf. Beide waren damit zufrieden. Bis die Iraner 1979 den Schah stürzten und sich mittels der Revolution aus der Partnerschaft verabschiedeten.

Seither gleicht die Beziehungsgeschichte zwischen den USA und dem Iran jener zweier schlecht geschiedener Eheleute. Verständnis? Ausgeschlossen. Verzeihen? Niemals. Krieg? Rhetorisch immerzu, wenn es geht bis zur Auslöschung des anderen.

Möglich, dass dies nun zu Ende geht. Möglich, dass sich beide daran erinnern, was sie voneinander haben könnten.

50 Kommentare

  1.   Chali

    “Beispielsweise liegt Ozeanien abwechselnd mit Eurasien oder aber mit Ostasien im Krieg, während es mit dem jeweils anderen in Frieden lebt. Wenn Ozeanien mit einem Staat Krieg führt, dann führte es schon immer mit diesem Staat Krieg und wird auch in Zukunft immer mit diesem Staat Krieg führen, während man mit dem anderen Staat immer in Frieden lebte und auch in Zukunft immer in Frieden leben wird. Wer das nicht anerkennt, begeht ein Gedankenverbrechen. Es gilt auch als Verbrechen, nicht den je nach Anlass geforderten freudigen, ernsten oder auch hasserfüllten Gesichtsausdruck zu tragen.”

    http://de.wikipedia.org/wiki/1984_%28Roman%29

  2.   30c14

    Die Geschichte lehrt:

    Wann immer sich die USA Islamisten und Islamischen Staaten genähert und immer zugleich auch Waffen geliefert haben… kam früher oder später der Terror in irgendeiner Form dabei raus, zumal die in Washington gerne ihre Freunde je nach Bedarf austauschen.

    Das war in Afghanistan so, auch Irak (obwohl dieser der sekulärste Staat des Nahen Ostens war): Heute Freund, morgen Feind.

    Die Iraner kennen das aber seit jener “Operation Trajax”.

    *) Einzig Riad bleibt das vorerst erspart, zumindest solange Öl fließt.

  3.   lead341

    Ist es denkbar, dass der Iran bei der ganzen Geschichte mit verdeckten Karten (d.h. mit irgendeiner hidden agenda) spielt? Ursache für den Verdacht: wenn der Iran die ISIS-Kämpfer bzw. den Islamischen Staat (IS) tatsächlich als reale Gefahr ansieht, hätte er nicht schon längst kurzen Prozess mit ISIS und Co. machen können? Der Iran sollte doch ohne weiteres dazu in der Lage sein.


  4. Vielleicht hat IS ja sogar etwas Gutes. Alle Staaten dort unten sehen welche Folgen es hat nicht miteinander zu arbeiten und (in)direkt Konflikte zu schüren.

    Wenn nun Saudi Arabien, Türkei, Iran, Ägypten, USA und Israel gemeinsam eine Linie gegen den Terror finden und nun einsehen, dass sich das Zündeln nicht lohnt, dann könnte mittelfrsitig vielelciht sogar Stabilität entstehen.

    Zu hoffen wäre es.

  5.   Armand Arnold

    Wenn zwei Gegner plötzlich einen gemeinsamen Feind ausmachen, bedeutet das noch lange nicht, dass sie Freunde werden müssen. Der Iran verfolgt seine eigene Agenda und eine klare Linie der amerikanischen Aussenpolitik – insbesondere im Hinblick auf den Mittleren Osten – ist gegenwärtig nicht auszumachen. Insofern ist der Iran in der besseren Position und kann sich durchaus Zeit lassen.


  6. Genau so und nicht anders.
    Ich seh schon die Schlagzeilen in 15 Jahren ” Aus Todfeinden werden Partner – Nordkoreakubachinarussland und USA unterzeichnen Sicherheitspartnerschaft” für ein Zweckbündnis gegen die hausgemachte Bedrohung aus der letzten Partnerschaft, irgendwie müssen die 640 Mrd Ausgaben fürs Militär ja gerechtfertigt werden.

    “constant war for constant soldiers” als Staatsdoktrin.


  7. Es wäre zu wünschen.
    Oft schweißt ja das Böse in der Welt enger zusammen als alle guten Wünsche.
    Und in der Not bewährte Partnerschaft hält länger als alle Schönwetter-Freundschaften.


  8. Ach, welch ein geglättetes Geschichtsbild der Beziehungen zwischen dem Iran und den USA uns von Herrn Ladurner hier wieder präsentiert wird. Es gab auch eine Zeit vor 1979. 1953 wurde der gewählte Ministerpräsident Mossadeq von der CIA in einem Putsch gestürzt, und der Schah von den USA als Machthaber (man könnte ihn wohl auch Statthalter bezeichnen) eingesetzt. Die Schreckensherrschaft des Schah wurde bis 1979 von den Amerikanern unterstützt.

    Wenn man nach dieser Geschichte schreibt, “Bis die Iraner 1979 den Schah stürzten und sich mittels der Revolution aus der Partnerschaft verabschiedeten.” ist das schon sehr zynisch – und weit an der Wahrheit vorbei formuliert.

    Welches Recht gibt der USA Anspruch auf eine Führungsmacht im Naher Osten? Welches Recht, dort als Polizist aufzutreten und andere Staaten zu destabilisieren?

    Es geht um das Öl – damals wie heute.


  9. “Möglich, dass sich beide daran erinnern, was sie voneinander haben könnten.”

    Illusionen sind doch was schönes……..

    Derzeit ist der Iran einfach “unser – brauchbarer -Schurke”, alles wie gehabt.


  10. Die Kurden erledigen die Drecksarbeit nachdem sie mit tollen Waffen aus dem Westen ausstaffiert wurden, ein Hoch auf die Waffenlobby.
    Doch einen eigenen Staat werden sie trotzdem nicht bekommen.
    Israel bekam doch sein Existenzrecht durch den Teilungsplan der UNO Im April 1947 auch zugesprochen, doch nicht etwa zu Unrecht.
    Steinmeier der unfähigste Außenminister ever in good old Germania.