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Der Kampf gegen Ebola dient auch Militär-Interessen

 

Es ist ein Glück, dass US-Präsident Obama Soldaten einsetzt, um die Ebola-Epidemie in Westafrika zu bekämpfen. Ein Glück, weil niemand sonst sich so massiv engagiert, weder Deutschland noch andere europäische Staaten, die über die Ressourcen verfügen, um den überforderten westafrikanischen Staaten beizustehen.

Trotzdem: Armeen verfolgen die strategischen Ziele ihres Staates. Das ist ihre Aufgabe. Auch wenn Soldaten helfen, sind sind sie keine Hilfsorganisationen – sie sind immer Partei.

Das Handbuch der amerikanischen Armee zur Aufstandsbekämpfung, FM-3-24, bezeichnet alles von “medizinischer Hilfe bis zu Infrastrukturprojekten” als Form der “Sicherheitskooperation”.  In FM 3-24  – eine Art Bibel des US- Militärs – steht in umständlichen Sätzen zu lesen: “Auch wenn nicht jede Aktivität der Sicherheitskooperation der Aufstandsbekämpfung dient, so kann Sicherheitskooperation ein effizientes Instrument zur Aufstandsbekämpfung sein. Diese Aktivitäten helfen den USA und dem Gastgeberland, Glaubwürdigkeit zu gewinnen und für das Gastgeberland Glaubwürdigkeit aufzubauen. Das kann Aufstände verhindern helfen, bevor sie entstehen…”

Umgemünzt auf Liberia, wo derzeit 3.000 US-Soldaten eingesetzt sind, heißt das: Die Soldaten dämmen Ebola ein, sie stabilisieren aber auch die liberianische Regierung und sie polieren den Ruf der USA auf. Die strategische Bedeutung dieses Einsatzes wird klar, wenn man sich den geopolitischen und militärischen Kontext der amerikanischen Hilfe vergegenwärtigt: Die USA kämpfen an mehreren Fronten um Afrika.

Da ist zunächst die wirtschaftspolitische. China ist heute in vielen Bereichen die einflussreichste Nation in beträchtlichen Teilen des Kontinents. Die USA haben das geschehen lassen. Erst Präsident Obama versucht nun an Boden zu gewinnen. Anfang August lud er zum US-Afrika Gipfel nach Washington. Fast fünfzig afrikanische Staatschefs kamen. Es war der größte Gipfel dieser Art in der Geschichte. Amerikanische Unternehmen versprachen Investitionen in Höhe von 33 Milliarden Dollar.

Dann gibt es die sicherheitspolitische, die militärische Front. Die USA führen seit einigen Jahren einen verborgenen, aber sehr intensiven Krieg gegen den Terror in Afrika. Offiziell hat Amerika nur eine einzige Militärbasis auf dem afrikanischen Kontinent: Camp Lemonnier in Djibouti. Doch die US-Armee hat vor acht Jahren Africom gegründet, ihr sechstes Regionalkommando. Allein das ist ein Zeichen für die gestiegene sicherheitspolitische Bedeutung Afrikas für die USA. Africom koordiniert alle militärischen Aktivitäten auf dem afrikanischen Kontinent: von Drohnenangriffen über die Entsendung von Spezialeinheiten bis hin zur Ausbildung afrikanischer Partner-Armeen.

Seit einiger Zeit arbeiten die amerikanische und die französische Armee eng zusammen, insbesondere in der Sahelzone, aber nicht nur dort. Jüngst haben amerikanische Spezialeinheiten einen Kommandanten der somalischen Al Shabaab Miliz ums Leben gebracht, angeblich kam der entscheidenden Tipp von den Franzosen.

Die Militarisierung Afrikas schreitet voran — auch die durchaus willkommene Hilfe der USA in Liberia ist ein Teil dieses Trends.

Übrigens: Das Hauptquartier von Africom liegt Deutschland, um den Sitz beworben hatte sich vor acht Jahren Liberia. Die USA lehnte das Angebot ab. Stuttgart schien ihnen sicherer als Monrovia.

21 Kommentare


  1. Wenig verwunderlich, dass die USA Afrika in großen Teilen kontrollieren wollen.
    Der Kontinent ist rohstoffreich und wirtschaftlich vielversprechend. Das haben die Rivalen Russland und China auch erkannt und die USA wollen natürlich nicht das Nachsehen haben, deshalb stationieren sie ihre Soldaten da, damit sie afrikanischen Ölquellen und Minen einnehmen können.


  2. Hilfeleistung sollte ja eigentlich immer Sympathie für den Helfenden nach sich ziehen.

    Liest man den Beitrag, drängt sich allerdings anderes auf:
    “Jede gute Tat findet ihre Strafe.”


  3. Immerhin schaffen es die Amerikaner bis nach Afrika, um dort Vertrauen aufzubauen. Die Deutschen bleiben dank maroder Technik auf halber Strecke liegen…

  4.   HH1960

    Man kann ja vieles konstruieren, aber die Schlussfolgerung des Artikels finde ich nun sehr weit hergeholt. Gelinde gesagt!

  5.   exilium

    Komischerweise kommen 16-25% der US-Ölimporte aus der Gegend aber natürlich ist man dort nur aus christlicher Nächstenliebe.


  6. I love you Ebola-Chan!

  7.   bämbäm

    Wenigstens wird jetzt endlich mal geholfen! Man kann immer auf Amerika schimpfen, jedoch waren es wieder einmal die USA, die als erstes wirklich auf hoher politischer Ebene reagiert haben.

    Wenn Ebola in Deutschland ausbräche, bräuchte Deutschland auch Hilfe!

    Ich kann es nicht glauben, dass es für solche Fälle keinen strickt einzuhaltenden Plan gibt, wie international geholfen werden MUSS!

  8.   HMRothe

    Die Zeiten ändern sich… Beim letzten US-Einmarsch unter Leitung der Herren Charles Taylor und Prince Johnson vor 25 Jahren kam flankierend noch der Michael Jackson Love Song “Liberian Girl” heraus, auf solche Sentimentalitäten verzichtet man inzwischen

  9.   Bob8R

    Danke für den Hinweis auf das Feldhandbuch der US Armee. Daraus lässt sich nicht nur die bekannte Partnering Strategie ableiten, in FM 8-284 (Umgang mit Opfern von Biowaffen) wird der richtige Umgang mit Opfern von Ebola beschrieben.


  10. Warum aber nicht gleich so? Es ist ja nicht falsch zu helfen und dabei Interessen zu verfolgen, wenn diese Hilfe
    1. nachhaltig ist
    2. nicht nur dazu dient, die örtlichen Reichtümer unter Umgehung der Interessen der Bevölkerung aus dem Land zu schaffen
    3. nicht lediglich dazu dient, einigen Oligarchen zu Gefallen zu sein und sich den Gewinn mit diesen zu teilen.
    4. mithin: zu allseitigem Nutzen gewährt wird.

    Der Marschallplan war erfolgreich. Natürlich einfacher durchzuführen, weil ähnliche Kulturen aufeinander trafen. Aber erfolgreich, weil große Teile der Bevölkerung davon profitierten, nicht nur einige wenige.

    Ein Wettbewerb der Größmächte um die effektivste Hilfe zur Entwicklung und Vorsorge: wahrscheinlich eine Utopie, aber eine Lösung für allerhand Probleme, die NGO’s mit ihrer begrenzten finanziellen Ausstattung nicht werden leisten können.

    In der Tat aber: Hilfe durch das amerikanische Militär macht zunächst mißtrauisch. Und es wäre ein langer Weg, nach all den Jahrzehnten der Außenpolitik nach dem Motto “In die Steinzeit zurückbomben”, “In den Arsch treten” und was man sonst so gewohnt ist von den Haudraufs, wieder Vertrauen aufzubauen.

    Klingt aber gar nicht so dumm. Diese Art Wettbewerb könnte weltweit Unterstützer finden. Er ist – bisher jedenfalls – auch wohl der chinesische Weg, Recht erfolgreich, wie man weltweit sehen kann.