Ladurners Blog für Einblicke in unübersichtliche Landschaften
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Das Leben des Marco Camenisch

Von 24. April 2015 um 10:42 Uhr

Die Schweiz hat einen Terroristen hervorgebracht. Ja, Sie haben richtig gelesen: Die Schweiz und Terror sind kein Gegensatzpaare. Im Fall des gebürtigen Bündners Marco Camenisch gehört beides sogar eng zusammen. Im Jahr 1979 sprengt Camenisch aus Protest gegen die Atomkonzerne und den Bau von Staudämmen verschiedene Anlagen von Elektrokonzernen in die Luft. In jenen Jahren gab es in der Schweiz eine breite Bewegung gegen Atomkraftwerke und die Zerstörung der Natur. Sie reichte bis weit in das bürgerliche Lager hinein.

Camenisch, der Sohn eines Schweizer Grenzwächters, kommt zu der Auffassung, dass nur mit Gewalt etwas zu erreichen sei - nicht mit Gewalt gegen Personen, sondern gegen Sachen.

Als ihm 1981 der Prozess gemacht wird, sagt sein Verteidiger: "Der Widerstand gegen die Rechtsordnung, die er als Ordnung zum Schutz der Privilegien wahrnimmt, wurde bei ihm zu einer sittlichen Pflicht (...) Marco Camenisch ist ein klassischer Überzeugungstäter".

Das Gericht will davon nichts wissen. Es sieht in dem 27jährigen einen kaltblütigen Kriminellen. Camenisch bekommt zehn Jahre Zuchthaus. Es ist ein in der Schweiz beispielloses Urteil. Das Gericht hat die ohnehin hohen Anträge des Staatsanwaltes um ein Jahr erhöht! Nach Einschätzung aller Beobachter ist es eine drakonische Strafe. Ein Fehlurteil.

Camenisch erinnert sich an die Urteilsverkündung mit folgenden Worten: "Ich wusste, dass ich fortan im Krieg bin gegen den Staat und seine Repräsentanten!" Es gab für ihn kein Zurück mehr.

Der Journalist Kurt Brandenburger (Er war mal mein Vorgesetzter bei der Schweizer Zeitung FACTS) hat die Lebensgeschichte des Schweizer Anarchisten Marco Camenisch in einem sorgfältig recherchierten Buch aufgeschrieben. Über drei Jahre lang hat Brandenberger Camenisch im Gefängnis besucht und lange Gespräche geführt. Er hat Gerichtsakten und Archive studiert, er hat die Camenischs Tochter getroffen, seine ehemaligen Lehrer und Freunde. Es entsteht so das Bild eines Mannes, der sich in jungen Jahren zwar radikalisierte, aber durch eine unbarmherzige Schweizer Justizbehörde erst richtig auf den Weg gebracht wurde.

Camenisch floh aus dem Gefängnis. Zehn Jahre später wird im schweizerischen Brusio ein Grenzwächter ermordet. In einem Indizienprozess wird Camenisch als Täter verurteilt In der Biographie von Marco Camenisch spiegelt sich die Schweiz. Brandenburgers Buch sei allen anempfohlen, die die Schweiz besser verstehen wollen. Sie werden ein Land kennenlernen, dass zur Rache und extremer Kälte fähig ist.

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Das Modell Australien taugt nicht für Europa

Von 23. April 2015 um 10:50 Uhr

Wenige Tage nachdem über 1.000 Menschen im Mittelmeer ertrunken waren und Europa mit sich selbst rang, was denn nun zu tun sei, meldete sich der australische Ministerpräsident Tony Abbott zu Wort: Er habe die Lösung, Europa müsse nur das australische Modell übernehmen. Auch die australische Außenministerin empfahl gestern in Berlin recht stolz ihre Flüchtlingspolitik.

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Was man gegen die Katastrophen im Mittelmeer tun kann

Von 16. April 2015 um 15:43 Uhr

Auf dem Mittelmeer sind 400 Migranten verschwunden, vermutlich sind sie ertrunken. Wieder stellt sich angesichts dieser schrecklichen Nachricht die Frage: Wie kann man derlei Tragödien verhindern?

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Juristisch allein kann Srebrenica nicht aufgearbeitet werden

Von 8. April 2015 um 17:47 Uhr

Der bosnisch-serbische Ex-General Zdravko Tolimir muss lebenslang hinter Gitter. Die Berufungskammer des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien bestätigte jetzt das Urteil aus dem Jahre 2012. Damit geht der zehnte Prozess zu Ende, der im Zusammenhang mit dem Völkermord in Srebrenica steht.
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Ein harter Mann für Nigeria

Von 31. März 2015 um 19:57 Uhr

Der neue Präsident Nigerias heißt Muhammadu Buhari. Er ist ein Muslim aus dem Norden, ein ehemaliger General, der das Land als Militärherrscher zwischen 1984 und 1985 führte. Er hat den Ruf, ein harter Mann zu sein, mit viel Sympathie für die Armen, bei denen er populär ist.
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Weiße nach Den Haag!

Von 6. März 2015 um 13:25 Uhr

Das Internationale Strafgericht in Den Haag hat bisher nur Afrikaner angeklagt. Einige afrikanische Politiker denunzieren das Gericht deshalb immer wieder als willfähriges Instrument ehemaliger Kolonialmächte. Dazu gehört der Präsident des Sudans, Omar al-Baschir, der großes Interesse an einer Beschädigung des Gerichts hat. Er ist nämlich 2009 wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord angeklagt worden.
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Europas Irak

Von 19. Februar 2015 um 11:48 Uhr

Was für Amerika der Irak ist, das ist für Europa Libyen: eine selbst verschuldete Katastrophe.

Im Rückblick mutet es geradezu unglaublich an, mit welcher Leichtfertigkeit die Nato 2011 in Libyen intervenierte. Sie diente sich den Rebellen als Luftwaffe an und trug entscheidend zum Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi bei.

Ohne jeden Plan schlug die Nato zu, ohne auch nur eine Idee zu haben, wie man Libyen nach Gaddafi gestalten könnte. Ja, es war nicht einmal der Wille da, entsprechende Vorstellungen zu entwickeln. Kaum nämlich war Gaddafi gestürzt, da wandte man sich wieder ab. Niemand schien verstehen zu wollen, welche Kräfte man da freigesetzt hatte und welche destruktive Dynamik da in Gang gesetzt worden war. Wen kümmerte das schon? Die Nato hatte im Namen der Menschenrechte einen Diktator gestürzt! Sie suhlte sich in diesem Wohlgefühl.

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Boko Haram so gefährlich wie Al-Kaida?

Von 28. Januar 2015 um 10:49 Uhr

Die Kämpfer der Terrortruppe Boko Haram haben in den letzten Tagen versucht, Maiduguri einzunehmen, eine Stadt im Norden Nigerias mit zwei Millionen Einwohnern. Die nigerianische Armee hat den Angriff – soweit man den Nachrichten glauben kann – abwehren können.

Trotzdem scheint Boko Haram auf dem Vormarsch zu sein. Ihr letzter spektakulärer, grausamer Erfolg war die Einnahme der Stadt Baga. Dabei soll es zu Massakern gekommen sein, deren Ausmaß nicht feststeht. Die Zahlen schwanken zwischen 2.000 und 150 Opfern. Baga liegt am Ufer des Tschadsees. Dort gab es seit einigen Jahren eine Militärbasis, die mit Soldaten aus dem Tschad und Niger besetzt war. Die Soldaten sind vor Boko Haram geflüchtet. Inzwischen kontrolliert Boko Haram offenbar einen beträchtlichen Teil der Ufer des für die Region wichtigen Tschadsees, rund 150 Kilometer der Grenze zwischen Nigeria und Niger, und 200 Kilometer der Grenze Nigerias zu Kamerun. Mehr als eine Millionen Menschen sind auf der Flucht vor den Kämpfen. Das alles zeigt deutlich, dass Boko Haram zunehmend ein großes Problem für die Region ist.

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Boko Haram ist mehr als ein nigerianisches Problem

Von 21. Januar 2015 um 13:10 Uhr

Nigeria hat auf dem Papier eine starke Armee. Es gelingt ihr aber nicht, die islamistische Sekte Boko Haram zu besiegen. Im Gegenteil. Boko Haram überzieht immer größere Teile Nigerias mit einer gnadenlosen Terrorkampagne. Inzwischen sind nach Angaben der Regierung mehr als eine Million Menschen auf der Flucht.

Das Versagen der nigerianischen Armee hat eine Reihe von Ursachen. Sie ist geschwächt durch Korruption und Misswirtschaft. An Geld mangelt es zwar nicht, auch nicht an Waffen, aber beides kommt bei den Soldaten oft nicht an. Und die wissen nicht, warum sie eigentlich kämpfen sollen. Massendesertionen sind die Folge. Es fehlt eine entschlossene Führung. Die politische Elite des Landes nimmt Boko Haram noch immer nicht als nationale Herausforderung wahr. Sie betrachtet sie eher als ein Problem des nordöstlichen Landesteils.

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Bagas Ende

Von 9. Januar 2015 um 15:30 Uhr

In der Stadt Baga im Nordosten Nigerias gab es einen Militärstützpunkt. Das Besondere an ihm war, dass hier neben nigerianischen Truppen auch Soldaten aus den Nachbarländern Tschad und Niger Dienst verrichteten. Sie hatten Auftrag, die Terrortruppe Boko Haram zu bekämpfen. Die Militärbasis Baga sollte eine Beweis dafür sein, dass die Staaten der Region Boko Haram als gemeinsame Herausforderung betrachten – und nicht nur als ein nationales Problem Nigerias. Das war durchaus ein Fortschritt. Denn lange wurde Boko Haram sträflich unterschätzt.

Die Militärbasis Baga aber gibt es nicht mehr. Boko Haram Kämpfer haben sie in den letzten Tagen überrannt. Angeblich sind die Soldaten der multinationalen Truppe kampflos geflüchtet.

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