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Ein Blog als Work in Progress

 

Das Thema Wikileaks hat Hochkonjunktur. Neue Portale wie OpenLeaks.org oder CrowdLeaks.net sind geplant oder laufen bereits. Und es wird weitere Versuche geben, Wikileaks zu bekämpfen. Gründer Julian Assange wird weiter polarisieren. Debatten über digitale Bürgerkriege werden wieder aufflammen, wenn neue Geheimdokumente auftauchen. Ob es dabei um Regierungen, Militärs, Großbanken oder Medienkonzerne geht, ist zweitrangig.

Währenddessen fließt der Strom der Geschichten, die Communitys oder Redaktionen in den Kriegsprotokollen oder Botschaftsdepeschen finden, beständig weiter. Mal als dünnes Rinnsal mit eher abseitigen Geschichten von regionaler, im besten Fall nationaler Bedeutung, mal als reißender Strom mit spektakulären Enthüllungen von weltpolitischer Relevanz.

Das Thema Whistleblowing im digitalen Zeitalter hat viele Dimensionen. Welche interessiert Sie? Kommentieren Sie. Regen Sie an. Empfehlen Sie. Fordern Sie. Das Leaks-Blog ist ein Work in Progress.

5 Kommentare


  1. Vor einigen Tagen hat Julian Assange der britischen Wochenzeitung New Statesman ein Interview gegeben. Darin hat er erläutert, dass er unter anderem 504 Diplomatenmeldungen zurückgehalten habe, die eine Rundfunkorganisation und den Medientycoon Rupert Murdoch in große Schwierigkeiten bringen würden. Die Meldungen sind Teil der „insurance files“, die Assange zurückhält und die im Falle, dass ihm etwas zustößt, veröffentlicht werden sollen. In deutschen Medien wurden das Interview und die damit verbundene Drohung kaum beachtet.

    Ein Problem wird dabei offensichtlich: Assange benutzt Wissen, das ihm seine Informanten zwecks Publikation haben zukommen lassen, für eigene Interessen. Es mag vielleicht schon okay gehen, wenn ein paar diplomatische Schmonzetten geheimgehalten werden, damit Assange am Leben bleibt. Aber ist Assange in Lebensgefahr oder phantasiert er nur? Sind die Geheimnisse über einen der einflussreichsten Medientycoone unwichtig oder würden ihre Veröffentlichung die Welt ein wenig besser machen? Die Abwägung trifft ein Mann in 007-Manier: Assange selbst.

    Weder gibt es rechtsstaatliche Mittel seine Entscheidungen zu überprüfen, noch tut Assange das, wofür ihm der Informant die Dokumente übergeben hat, nämlich sie zu veröffentlichen. Und schließlich: Es ist doch Assange selbst, der keinerlei staatliche Geheimnisse akzeptiert. Was er zurückhält, ist aber keinesfalls Gegenstand der informationellen Selbstbestimmung.

    Der globalen Gesellschaft hilft nur eines: Jeglicher potenzieller Selbstherrlichkeit von Machern solcher Leaks-Plattformen ist nur durch eines vorzubeugen, nämlich durch viel Wettbewerb untereinander – vielleicht verbunden mit mehr ethischer Transparenz. Schafft zwei, drei, viele Wikileaks!

    Und wenn die klassischen, sogenannten Qualitätsmedien dann merken, dass sie auch selbst einen toten Briefkasten ins Web stellen können – dann werden solche reinen Leaks-Plattformen reichlich überflüssig werden. Und möglicherweise wird man dann von einem Hype um Wikileaks sprechen dürfen.

  2.   apostate

    Das hier fand ich einen spannenden Ansatz:

    „It’s leaking everywhere! Buckets and diapers for the incontinent system? Why Transparency and The Truth™ won’t make you free“

    http://www.classless.org/2010/12/07/chaos-congress-c-side-the-geek-insurrection/

    Davon soll’s wohl mittlerweile/bald auch einen Mitschnitt geben – vielelicht lässt sich das ja in Erfahrung bringen…


  3. „Es geht wie in vergangenen Zeiten um die Frage: mehr Sicherheit oder mehr Freiheit? Wollen wir uns einem Leviathan unterwerfen oder nehmen wir es auf uns, Netz-Bürger zu werden? Freiheit in Anspruch zu nehmen, hat immer schon Anstrengung und Unsicherheit bedeutet. Wer frei sein will, kann Verantwortung nicht an die Herrschenden delegieren. Wer weiß, was im Irak und in Afghanistan geschieht, was der saudische Potentat hinter verschlossenen Türen an Maßnahmen gegen den Iran fordert, wie die deutsche Regierung ihrem Staatsbürger al-Masri den verfasssungsmäßig garantierten Schutz verweigert hat, steht in der Verantwortung. Das ist unbequem. Nicht nur die Herrschenden haben ein Interesse daran, den Widerstand zu brechen.“
    http://gleisbauarbeiten.blogspot.com/2010/12/wir-verschworer.html


  4. Es mag ja spannend sein zu beobachten was passiert aber noch spannender finde ich sich die Frage zu stellen: In welcher Gesellschaft will ich leben und was kann ich tun um dahin zu kommen? Konkret wie „best practice“ (Internet-)Leaking heute unter den gegebenen rechtlichen/medialen/gesellschaftlichen und technischen Voraussetzungen am besten aussehen, wo sind Veränderungen nötig/möglich und wie sind sie zu erreichen.

    Whistleblower-Netzwerk und der dortige Blog (der auf Ihrer Blogroll nicht auftaucht) versuchen sich diesen Fragen ähnlich wie Wikileaks auch schon seit 2006 zu widmen und haben gerade bzgl. nötiger gesetzlicher Schritte auch schon einige konkrete Vorschläge entwickelt. Aktuell gibt es eine E-Petition die gesetzlichen Whistleblowerschutz fordert und die SPD greift dieses Thema unter dem Stichwort „Informantenschutz“ anlässlich des Dioxin-Skandals auch gerade auf. Es wäre schön wenn sich Ihr Projekt dem auch einmal widmen würde.

  5.   David

    „Das Thema Wikileaks hat Hochkonjunktur. Neue Portale wie OpenLeaks.org oder CrowdLeaks.net sind geplant oder laufen bereits. Und es wird weitere Versuche geben, Wikileaks zu bekämpfen.“

    Das impliziert, dass die neuen Whistleblowing-Plattformen gegen WikiLeaks vorgehen würden. Das stimmt aber nicht; sie gehen lediglich ihren eigenen, für sie besser empfundenen, Weg. Bitte etwas sorgfältigere Recherche und/oder eindeutigere Formulierungen.