Wikileaks, OpenLeaks und die Folgen

Schlammschlacht wird fortgesetzt

Von 9. Februar 2011 um 09:50 Uhr

OpenLeaks ging bekanntlich vor einigen Tagen online. Geplant war der Start des neuen Whistleblowingprojekts zwar erst für einen späteren Zeitpunkt, im Netz waren jedoch Screenshots der noch nicht veröffentlichten Seite aufgetaucht. Ein vorgezogener Start schien einem der Initiatoren, dem Wikileaks-Dissidenten Daniel Domscheit-Berg, ganz offenbar die beste Antwort auf die OpenLeaks-Leaks.

Nun sind auch erste Auszüge des noch nicht veröffentlichten Buchs “Inside Wikileaks” von Daniel Domscheit-Berg auf der Seite www.cryptome.org aufgetaucht, wie Markus Beckedahl auf Netzpolitik.org berichtet. Aus den geleakten Auszügen geht offenbar hervor, dass Domscheit-Berg einige Dokumente, die Wikileaks von Whistleblowern zur Verfügung gestellt worden waren, im Zuge seines Ausstiegs an sich genommen hat. Als Begründung führt Domscheit-Berg laut Beckedahl die unsichere Infrastruktur von Wikileaks an (“Kinder sollten nicht mit Waffen spielen”). An eine Veröffentlichung auf OpenLeaks ist aber allem Anschein nach nicht gedacht. Eine Rückgabe der Dokumente soll allerdings erst erfolgen, wenn Wikileaks über eine sichere Technologie verfügt. Aus Sicht der Whistleblower, die die Dokumente bereitgestellt hatten, dürfte dieser Vorgang jedoch eher etwas uncool sein, wie Beckedahl vermutet.

Über die Hintergründe der beiden Leaks ist übrigens bisher nichts bekannt. Dementsprechend gedeihen diverse Spekulationen. Sie reichen von vermuteten Racheakten bis hin zu angenommenen Marketingstrategien.

Domscheit-Bergs Attacke gegen Assange und sein Portal dürfen auch als Werbung in eigener Sachen verstanden werden. Zentraler Baustein des OpenLeaks-Konzepts ist die Bereitstellung einer zuverlässigen und gegen Zugriffe Dritter geschützten Architektur. Diese Sicherheitsstruktur soll einerseits Whistleblower ermutigen ihre brisanten Materialien bereit zu stellen, andererseits vor allem Partner aus den Bereichen Medien, Gewerkschaften oder NGOs garantieren, es mit einem zuverlässigen System zu tun zu haben. Denn OpenLeaks versteht sich nur als Infrastrukturanbieter für Whistleblower ohne jede Ambition erhaltene Dokumente selbst zu veröffentlichen. Diese Aufgabe fällt ausschließlich den zukünftigen Partnern zu.

Kategorien: Assange, Infowar, Medien, Openleaks
Leser-Kommentare
  1. 1.

    “Denn OpenLeaks versteht sich nur als Infrastrukturanbieter für Whistleblower ohne jede Ambition erhaltene Dokumente selbst zu veröffentlichen. Diese Aufgabe fällt ausschließlich den zukünftigen Partnern zu.”

    Und wie gut das funktioniert haben wir alle gerade noch bei den über 250000 US-Depeschen erlebt. Das funktioniert gar nicht. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern dass irgendein Medium die Depeschen wirklich aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hätte. Es gibt bereits ganze Bücher über Julian Assange, aber keine Bücher über den Inhalt der Depeschen. Es gibt also Bücher über den Überbringer der schlechten Nachrichten, aber niemand möchte über die schlechten Nachrichten sprechen.

    Wenn über Open Leaks geleakte Dokumente ausschließlich den etablierten und von der Politik kontrollierten Medien zur Verfügung gestellt werden, dann kann man seine Dokumente gleich dem BND oder der CIA in den Briefkasten werfen.

    • 9. Februar 2011 um 10:40 Uhr
    • Andreas Schmidt
  2. 2.

    [...] eine Veröffentlichung der Inhalte auf OpenLeaks, dem neuen Enthüllungsprojekt von Domscheit-Berg, sei aber nicht gedacht. Ähnlich äußerte er [...]

  3. 3.

    [...] gleiche Tag waren Auszüge des noch unveröffentlichten Buchs von Domscheit-Berg auf cryptome.org unautorisiert erschienen. Danach hatte eine Schlammschlacht [...]

  4. 4.

    [...] vieles gesagt worden. Gegenseitige Bezichtigungen der Inkompetenz, der Illoyalität etc. wurden ausreichend thematisiert. Auch die neuen Vorgängen um ominöse Datensätze und zugehörige Datenschlüssel, die [...]

  5. 5.

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  6. Kommentar zum Thema

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