Wikileaks, OpenLeaks und die Folgen

Das Scheitern der Anderen

Von 11. Mai 2011 um 08:24 Uhr

Der Boom ist unübersehbar. Weltweit findet WikiLeaks Nachahmer. Zuletzt war es das alt-ehrwürdige Wall Street Journal, das stolz den Start des eigenen Leakingangebots Safe House verkündete. Aber die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Wer dem potentiellen Whistleblower bereits in  den AGBs damit droht, Informationen über ihn an Dritte wie zum Beispiel die Polizei weiterzugeben, sollte sich über ausbleibenden Erfolg nicht all zu sehr wundern. Und ist schließlich zum Scheitern verurteilt. Das jedenfalls sagt Patrick Beuth in einem lesenwerten Artikel im Magazin Cicero über die Bemühungen zahlreicher Medien, den Zwischenhändler WikiLeaks mit eigenen Schnittstellen für Whistleblower zu neutralisieren. Aber es sind nicht nur diese strategischen Irrtümer die etliche der Anbieter scheitern lassen werden.

Es sind vor allem technische und rechtliche Aspekte, die große Zweifel aufkommen lassen, ob das Wall Street Journal seine Quellen wirklich schützen kann. Oder will. Schon in den Nutzungsbedingungen von Safehouse steht, man behalte sich das Recht vor, alle Informationen über die Whistleblower ohne weitere Warnung an die Polizei oder an Dritte zu übergeben, wenn es rechtlich geboten sei – oder wenn es nötig ist, um die Rechte des Verlagshauses Dow Jones, in dem das WSJ erscheint, und die Interessen anderer zu schützen. Damit dürften die allermeisten potenziellen Informanten bereits gründlich abgeschreckt sein. Dass die Datenübertragung aus verschiedenen technischen Gründen keineswegs so sicher ist, wie die Zeitung behauptet, macht den Ansatz dann schließlich wertlos.

Vor allem aber beklagt Beuth in seinem Artikel, dass den meisten Akteuren, die jetzt auf den Leaking-Zug aufspringen wollen, der Idealismus fehle. Denn der war es, der den WikiLeaks-Machern wie Julian Assange oder seinem früheren Mitstreiter die Energie gab, mit begrenzten Mitteln eine Whistleblower-Plattform aufzubauen. Was aber noch weit wichtiger war, ist und auch zukünftig sein wird, ist Glaubwürdigkeit. Eine Art Zwillingsschwester des Idealismus. Und diese Glaubwürdigkeit sieht der Autor durch das ungeschickte Agieren zahlreicher Medienhäuser massiv in Frage gestellt. Denn einer der wichtigsten Grundpfeiler von WikiLeaks ist trotz aller strukturell bedingter Intransparenz die Glaubwürdigkeit. Anders als Zeitungsredaktionen hat WikiLeaks zum Beispiel eingegangenes Whistleblowermaterail nie nur zur Komposition eigener Geschichten benutzt, sondern immer auch das Rohmaterial veröffentlicht. Und zwar vollständig.

Kategorien: Medien, Openleaks, Wikileaks, Zensur
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Tja :-). Wie immer, wenn gutes Handwerk von der Industrie übernommen wird, ist das Endprodukt nicht immer schlecht – aber immer schlechter, als das Handwerksstück vorher. Ich war (und bleibe) gegen die flächendeckenden Leaks, die zur Zeit gross in Mode sind – mir sind deren zum Teil nur langfristig wirkenden Kosten zu hoch. Nur habe ich mir vermutlich zu grosse Sorgen gemacht – die Medien werden es schon selber schaffen, die Idee zu diskreditieren. Und zwar in weit kürzerer Zeit, als es jede negative Folgeerscheinung jemals geschafft hätte.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • 11. Mai 2011 um 16:24 Uhr
    • ThorHa
  2. 2.

    Wikileaks ist glaubwürdig.Wikileaks hat Ideale.
    Ist es nicht schön,dass endlich erkannt wird,was Wikileaks eigentlich darstellt?Julian Assange und seine Mitstreiter haben alles gegeben,und der Erfolg hat ihnen recht gegeben.Bis ihnen der Erfolg geneidet wurde und eine Schmutzkampagne Wikileaks in den Dreck ziehen sollte.Doch Wikileaks hat standgehalten.Den Schmutzfinken sei aber gesagt,dass,wer im Glashaus sitzt aufpassen muß,das sich nicht Steine in dem Dreck befinden,mit denen sie um sich werfen.Sonst machts klirr!

  3. 3.

    @Wahrnehmung: Wer sind die Schmutzfinken?

    • 12. Mai 2011 um 11:04 Uhr
    • Markus Heidmeier
  4. 4.

    Herr Heidmeier
    Darauf wollen sie doch nicht wirklich eine Antwort.

  5. 5.

    @Wahrnehmung
    Jünger eines gurus zeichnen sich immer dadurch aus, dass sie jede Kritik an ihrem guru nur als Schlammschmeissen wahrnehmen können? Meldung von heute – Wikileaks wird Mitarbeiter auf Millionensummen verklagen, die solche Informationen über Wikileaks leaken, die Wikileaks als vertraulich kennzeichnet. Ich lach mich schlapp, wenn eine Organisation so offenkundig ihre eigenen, öffentlich verkündeten, hehren Grundsätze versenkt, sobald diese ihr selbst gefährlich werden könnten :-).

    • 12. Mai 2011 um 21:52 Uhr
    • ThorHa
  6. 6.

    Nur in ihren Anfangstagen, sagt die Queen of Arab Hip-Hop, habe sie auf Englisch gerappt. abDer Krieg von 2006, als die Israeli Beirut bomebrdiertan, veranlasste mich, in meine Muttersprache zu wechseln. Ich

    • 14. August 2012 um 14:50 Uhr
    • Doni
  7. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)