16. Februar 2017 – Ausgabe 8

Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Ich habe selbst noch keine Kinder. Dennoch habe ich mich sehr auf die Titelgeschichte gefreut. Denn natürlich ist die Erziehung in einer Zeit mit einem allgegenwärtigen Smartphone, der Auflösung von Öffentlichem und Privaten, und einem globalen Wettbewerb schwieriger geworden. Leider beschäftigt sich der Autor lediglich das x-te Mal mit der Degradierung Trumps als US-Präsidenten. Schade. Aus meiner Sicht ist das eine Themaverfehlung. Man hätte auch eine andere Frage stellen können: Sind Grenzen nicht etwas Positives? Haben nicht erst Entgrenzungsprozesse dazu geführt, dass mehr Menschen als je zuvor unter Depressionen, Burnout etc. leiden? – Christian Orth


Leserbrief zu „Fake-News im Vatikan“ von Evelyn Finger

Es ist nicht verwunderlich, dass hier immer wieder von „Reformen“ in der katholischen Kirche gesprochen werden; welche „Reformen“? Verwaltungsreformen im Vatikan – nach dem Konzil waren welche; Benedikt XVI. hat einige veranlasst – so wird jetzt auch einiges notwendig sein; das ist ja – wie in jeder non-profit-organisation – mal notwendig. Also, welche sog. Reformen werden hier gemeint? Die Lehre des Herrn „reformieren“ – wird dies her gemeint? Das wäre sicherlich nicht im Sinne unseres Herrn und Gottes! Der Apostel Paulus sagt in Gal 1, 8 „wer ein anderes Evangelium verkündet als ich, der sei verflucht“; ist doch klar und eindeutig – oder?!

„Darum lässt Gott sie der Macht des Irrtums verfallen, so dass sie der Lüge glauben“ 2 Thess 2, 11. Hier wird suggeriert – das bedarf alles einer sog. Reform; es wird darsgestellt als seien hier Architekten am Werk die der Statik sehr böse sind, dass sie sich nach ihr richten müssen, wenn ihr Haus Bestand haben soll. Arme Irre! Dominus Jesus sagt sachlich und objektiv was Sache ist. Das kirchliche Bodenpersonal ist nicht Verfügungsberechtiger über die wahre Lehre unseres Herrn und Gottes Jesus Christus; sondern auch sie unterstehen dem Wort dieses Gottes – für alle Zeiten! Sie neigen immer dazu, die Wahrheit zu verfälschen, sie den Menschen maul-gerecht zu machen. „Sie haben den geraden Weg verlassen und sind in die Irre gegangen“ 2 Petr 2, 15. Sicherlich für viele Menschen „dummes Zeug“;  „für die Welt ist das Kreuz Torheit für uns aber das Heil“! – Dr.Dr.  Michael Joseph Schaaf


Leserbrief zu „Falsche Feinde“ von Uwe Jean Heuser

Alles OK. Den Eurokurs hat die EZB durch ihre Maßnahmen abgesenkt. Deswegen exportiert Deutschland (zu) viel. Jedoch “Nur können die Deutschen ausnahmsweise nichts dafür.” ist zumindest etwas schief. Deutschland hätte das schon geändert haben können, wenn es schrittweise und vorsichtig, aber doch deutlich die MwSt-Erstattung für Exporte heruntergeregelt und die Exportfirmen veranlasst hätte, diese ihre Kostenerhöhungen an die ausländischen Kunden weiter zu geben. Das hätte, wenn man ein wenig nachdenkt, wie ein Ei des Kolumbus per Saldo fast nur Vorteile gehabt. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Ergänzend zu Ihrer umfangreichen Recherche zum Thema, wie Kinder an das Wissen der heutigen Zeit herangeführt werden können, möchte ich auf das „homeschooling“ hinweisen, das in Deutschland verboten, in umliegenden Ländern jedoch erlaubt ist.

Ich habe die große Freude, eine nach England ausgewanderte deutsche Familie beim homeschooling beobachten zu können. Die vier Kinder, zur Zeit 3-5-7-9 Jahre alt, sind bilingual, englisch und deutsch, sie sind erfolgreich im Sport, spielen, so es das Alter ermöglicht, ein Instrument ihrer Wahl. Ich erlebe die Kinder als ausgesprochen kreativ, sozial und außergewöhnlich interessiert an allem was um sie herum passiert. Die Kinder haben eingeschränkten Zugang zu smartphones, ohne großes Interesse an Spielen damit zu entwickeln. Viel mehr nutzen sie die Geräte um z.B. im Kontakt mit Familienmitgliedern auf dem Kontinent zu sein, aber auch um eine weitere Sprache über eine App zu lernen oder Matheaufgaben zu lösen.

Die Familie folgt keiner speziellen Ideologie. Die Kinder sind in ein soziales Netz gut integriert und können sich dank homeschooling entsprechend ihren intellektuellen Fähigkeiten bilden.

Es ist mir aus diesem Grund ein Anliegen, Sie zu bitten, auch dieses Thema in Ihrem nächsten ZEIT-SCHULE zu berücksichtigen. Vielleicht interessiert es Sie, dass in den Pfingstferien ein homeed-camp in S-England stattfindet, wo Sich die Familien treffen können.  Die Kinder werden in einem Zirkus betreut, wenn die Eltern sich in Diskussionsgruppen zum Erfahrungsaustausch treffen. – Sabine Krause-Holzer


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Eine der direkten und indirekten Leitfragen: Warum wird im Elternhaus kaum noch gebildet, erzogen und unterrichtet? Dazu gibt es einen interessanten Hinweis bereits bei Martin Luther, der im Reformationsjahr nicht unterschlagen werden sollte:

„Dass dies durch die Eltern nicht geschieht, hat mancherlei Ursachen. Zum einen sind etliche einfach nicht so rechtschaffen und pflichtbewusst, dass sie es täten, obgleich sie es könnten….

Zum zweiten ist die große Mehrheit der Eltern leider unfähig dazu und weiß leider nicht, wie man Kinder erziehen und lehren soll…

Zum dritten….haben sie vor anderen Geschäften und der Haushaltung weder Zeit noch Raum dazu…..
Weiter gibt es etliche, die keine Kinder haben. Die kümmern sich daher auch nicht um diese Sache…..
Darum wird es nun dem Rat und der Obrigkeit zukommen, die allergrößte Fürsorge und Gewissenhaftigkeit dem jungen Volk zu widmen.“

Bereits vor 500 Jahren ruft Luther deshalb zur Gründung von Volksschulen auf. Er macht sich außerdem für die Ausbildung von Volksschulehrern (nicht nur Lateinschulmeistern) stark sieht und dabei nicht nur die Notwendigkeit, mit Hilfe des Lesens die Bibel zu lesen und dadurch zu einer selbst verantworteten Religiosität zu finden, sondern auch den direkten Nutzen für die Berufsfindung und für den damit verbundenen, selbst erworbenen Wohlstand, indem er Eltern davor warnt, bei sich und ihren Kindern nicht vorrangig um die Bequemlichkeit der „Bauchsorge“ bemüht zu sein. – Dr. Hartmut Karg


Leserbrief zu „Assads Hölle“ von Mohamed Amjahid

das Interview mit Herrn Serrih stimmt mich nachdenklich. Er hat recht mit der Aussage, dass der Westen es sich teilweise zu einfach macht. Doch es bleiben Fragen:

– Warum die Attacke nur auf den Westen? Machen es sich Lander wie Saudi-Arabien nicht auch ziemlich einfach?

– Wenn man persoenlich solche Graeuel erfaehrt wie Herr Serrih, dann ist es unertraeglich zu erfahren, dass andere Menschen weiter weg nicht sofort eine Notwendigkeit zu handeln sehen. Doch die Reaktion des Westens ist nicht so ungewoehnlich: Wie hat Herr Serrih (sofern er schon alt genug ist dafuer) auf den Voelkermord in Ruanda reagiert? Wuerde er in einer aehnlichen Situation z.B. 200000 Fluechtlinge aus Ruanda aufnehmen und militaerisches Eingreifen befuerworten? Und wuerden das die syrischen BuergerInnen insgesamt befuerworten?

Dass uns Leid in der Ferne weniger beruehrt ist menschlich, aber deshalb nicht akzeptabel (gleiches gilt z.B. fuer das neugierige Anstarren von Unfallopfern). In beiden Faellen hilft es den Verstand einzuschalten und deshlab waere etwas weniger moralische Selbstgerechtigkeit auf beiden Seiten hilfreich. – Sabine Moehler


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Wer hat diese anspruchsvollen Zeilen mit falschem Ergebnis geschaffen, geschrieben, als Leitlinie vorgegeben?? Ich habe keinen Verfasser feststellen können.

Ich wollte ihm/ihr  sagen: wenn Sie das gut finden, was in den Familien, in den Schulen, auf der Straße heute von vielen Kindern/Jugendlichen – weit mehr als vor 10,20,30,40,50 Jahren – gelebt und als Erzogene gezeigt wird, dann graust mir vor den nächsten 10 Jahren.

Wenn die Eltern die Charakter-Werte – pünktlich, ehrlich, zuverlässig, höflich, ordentlich, fleissig, sparsam, hilfsbereit, geduldig, rücksichtsvoll, gutes Benehmen – nicht mehr ihren Kindern vermitteln wollen oder können, und wenn Gerichte und Mütter Kindeswollen vor Kindeswohl stellen – aus welchen Gründen auch immer – dann gehen wir einem noch schwierigeren gesellschaftlichen Zusamennleben entgegen, als wir derzeit schon erleben. Ich statt wir wird noch mehr gezüchtet werden . Die heutigen „europäische Zustände“  finden Sie gut?? In welcher europäischen Welte leben Sie – behütet bei Mama, abgelegen im Dorf, auf einer Insel?? Doch nicht etwa in einer größeren Stadt, in einem Ballungsgebiet, auf der Straße? Schon starker Tobak, den sie da mit elitären Worten schildern. – Albrecht von Hagen


Leserbrief zu „Martin, wir wollen den Sieg von dir!“ von Matthias Geis

Seit Willy Brandt hat kein SPD-Chef und Kanzlerkandidat das sozialdemokratische Herz berührt, wie Martin Schulz. Beide stehen in in ihrer Zeit für eine politische Vision, die wider der herrschenden Vernunft zu den politischen Gegebenheiten gerichtet ist. Dies war bei Willy Brandt die neue Ostpolitik, dies ist bei Martin Schulz viel mehr in der Verkörperung seiner Person als in den bisherigen Worten zum Thema, die neue Europäische Perspektive für dieses Deutschland.

Auf dem Boden der wirtschaftlichen und geopolitischen Machtkonstellationen hat sich in den letzten 2 Jahrzehnten eine politische Dominanz Deutschlands in Europa entwickelt, die ihre Mitglieder immer stärker an den Rand drückt und – als Gegenreaktion – die nationalistischen Tendenzen beflügelt. Die Kanzlerin mit der Union steht zu dieser Dominanz Deutschlands, sicher auch verführt durch die Ratio der amerikanischen Politik, in der der Stärkste auch die Führungsverantwortung übernehmen muss. Sie ist mit dieser politischen Ratio – auch in der öffentlichen Wahrnehmung vieler Menschen – in Europa mehr zum Teil des Problems denn als Teil zu dessen Lösung geworden. Sowohl der Brexit als jetzt auch Donald Trump heben neue europäische Gefühle, die Martin Schulz durch seine bisherige politische Vita sehr viel glaubwürdiger repräsentiert als die Kanzlerin.

Der kommende Wahlkampf wird daher ein Wahlkampf über die Zukunft Deutschlands in Europa werden, zu der mit Martin Schulz dann nicht mehr nur eine Defensiv-Position eines Europas als Ausdruck der politischen Vernunft sondern eine Offensiv-Position zu einem internationalen Europa zur Wahl steht wider die Vernunft nationaler Interessenpolitik. – Michael Parbs-Dalitz


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Über die Zeit-Themen muss ich manchmal lächeln, sie bewegen sich oftmals zwischen Plattitüden und Plaudern aus dem Nähkästchen.

Das Thema „Wer setzt Kindern noch Grenzen“ ist alt, und doch nicht gelöst. Ich sage Ihnen auch warum:

Wer setzt in der Gesellschaft ÜBERHAUPT noch Grenzen? Befinden wir uns alle nicht zwischen großer Freiheit (links) und Sehnsucht nach Orientierung (rechts)?

Das wäre mal ein Thema, das es lohnen würde zu erörtern. (Und so ist es doch überhaupt nicht verwunderlich, dass unsere Sprösslinge sich ebenso verhalten – wie die Alten…) – S. Ritter


Leserbrief zu “ Busse stehen kopf, Bürger auch“ von Hanno Rauterberg

In der letzten Printausgabe der Zeit berichten Sie über am 13. 2. angeblich abgeklebte Stolpersteine (zur Erinnerung an Holocaust-Opfer) in Dresden. Damit haben sich zwar Rechte im Netz gebrüstet, aber das hat es wohl nicht wirklich gegeben, wie die „Sächsische Zeitung“ am Mittwoch berichtete:

Zitat SZ:

Weder einen Hinweis auf die Täter noch auf die Tat fand die Polizei bei ihren Ermittlungen zu angeblich überklebten Stolpersteinen in Dresden. Eine Gruppe, die sich „Freie Aktivisten“ nennt, hatte bereits am Montag im Internet behauptet, solche Gedenksteine, die an ermordete Dresdner Juden erinnern, überklebt zu haben. Dazu veröffentlichte die Gruppe entsprechende Fotos. Die Polizei überprüfte daraufhin alle Dresdner Stolpersteine, sagte Sprecher Marko Laske am Dienstagnachmittag. „Wir haben nichts gefunden.“ Zitatende.

Es handelt sich bei Ihrer Darstellung wohl um die Unwahrheit. Damit liefern Sie leider ein weiteres Beispiel für einseitige Berichterstattung (eine sehr wohlwollende Charakterisierung) über den Osten Deutschlands, speziell Dresden. Über die durchgängig positive Aufnahme des auf dem Theaterplatz installierten Gräberfelds vonn Bootsflüchtlingen berichten Sie nichts. Natürlich! – Thomas Hanke


Leserbrief zu „Martin, wir wollen den Sieg von dir!“ von Matthias Geis

Als ich den Artikel las, fragte ich mich, was das denn für ein Niveau ist, ähnelt es doch sehr dem der anderen Zeitung mit den vier großen Buchstaben. Immer schön bis nah an die Gürtellinie, am besten noch ein wenig darunter.

Warum die ZEIT das Geschreibsel des Herrn Reul als Basis für einen Artikel nimmt, bleibt wohl ihr Geheimnis.

Und übrigens, auch ich esse gerne gut. –  Anne Sieben


Leserbrief zu „Prominent Ignoriert: Wahres Schwein“

Die Bauernregel ist leider nur rudimentär gebracht. Der Geamttext lautet: „Steht das Schwein auf einem Bein, Ist der Schweinestall zu klein. In Panik rennt es schnell hinaus, Bis nach Berlin, ins Bundeshaus. Schaftt es sogar ins Kabinett, Macht sich dort dick und rund und fett. Hinterläßt noch seinen Mist, Obwohl davon genug dort ist!“ – Rudolf Reinhardt  


Leserbrief „Wo seid ihr, Kollegen?“ von Arnfried Schenk

Mit großem Interesse begann ich den Artikel „Wo seid ihr, Kollegen? Frankfurter Grundschullehrer klagen über zu hohe Arbeitsbelastung und zu schlechte Schüler. Was ist da los?“ zu lesen. Ich stimme mit den Grundthesen überein und freue mich sehr über die Aufmerksamkeit für das Thema „Zu viel Arbeit für zu wenige Menschen“ im Schulbereich. Gerade in so einem Artikel sollte allerdings darauf geachtet werden, dass Vorurteile, also Urteile, die vorm eigentlich Wissen gefällt wurden, auch noch ausgeschrieben werden. „Man liest: Aysche, Muhammad, Caleria, Dragan, 23 Namen, nur zwei davon lassen auf deutsche Muttersprachler schließen“ ist genau so eine Aussage. Wir befinden uns nicht in den 80ern und haben eine Menge Kinder in der zweite und sogar dritten Generation nach der Migration vieler Mitbürger_innen. Das Wort Muttersprache ist sowieso überholt, Germanisten und Erziehungswissenschaftler nennen das Erstsprache. Diese Kinder wachsen öfter mit Deutsch im Haushalt auf, als Sie denken. Ich habe mehrere Kinder in meiner Stadtteilschulklasse in Hamburg, deren Name etwas anderes suggerieren könnte, als es die Realität ist. Ich würde Sie wirklich bitten von solchen Verallgemeinerungen abzusehen. Darzustellen, wie viele kein ausreichendes Deutsch können, wäre ja kein Problem… Lehrer und die Gesellschaft weiterhin darauf zu polen, dass sie beim Hören/Lesen solcher Namen auf die Herkunft schließen und das Sprachvermögen vorbeurteilen, ist wie People of Color als potentiell schlechte Schüler mit schlechten Deutschkenntnissen abzustempeln! Differenziertes Schreiben und Berichten über Schule und gesellschaftliche Probleme geht anders. – Sarah Schnoor


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Als jemand, die 3 Kinder großgezogen hat und als Pädagogin tätig ist, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Ihr Artikel komplett an der Fragestellung vorbeigeht. Gemeint sind doch nicht die Grenzen Trumps, sondern ganz konkret die Grenzen der Erziehung jeder einzelnen Mutter, jedes einzelnen Vaters hierzulande. Müssen wir wirklich momentan jedes Thema mit Trump in Verbindung bringen? Was sollen diese postfaktischen Pseudozusammenhänge? – Hildegard Schuster


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Ich bedanke mich für Ihren Artikel in der ZEIT.

An der von Ihnen zitierten Aussage von Martin Schulz über die „selbst ernannten Eliten“ und die „hart arbeitenden Menschen“ beschlich mich, wie Sie, ein Ungefühl, das Sie mir bestätigt und erhellt haben. (Ich denke, das freut Sie, das soll es ja auch) Schon das Wort „selbst ernannt“ ist irreführender Blödsinn. Es gibt doch kein Elitemitglied, das nicht irgendwo diplomiert oder/und gewählt wurde, das reicht von Herrn Schulz bis zu Hitler, man kann auch noch was erben (Trump).

Ich hab dazu zwei ergänzende und vertiefende Gedanken.

1.)

In dem Buch »Amerika vor Kolumbus« von Charles C. Mann las ich folgenden Satz: »Das Schreiben beginnt mit dem Zählen. Wenn eine Kultur groß genug wird, schafft sie eine Elite, die alles, was als wichtig gilt, überwachen muss…«. Auf der Basis von Rechnen, Lesen und Schreiben. D.h. auch Bürokratie. Den Beginn davon kann man datieren auf ca 8000 vor Christus, sowohl in Mesopotamien, als auch sehr früh in Mittelamerika.

2.)

Die Geschichte im Alten Testament von Josef und seinen Brüdern. Diese wollten ihren Bruder umbringen, weil er hübscher, begabter und deshalb bevorzugt war. Er taucht dann in der Elite von Ägypten wieder auf, weil er gut rechnen, schreiben und lesen kann und überhaupt klug ist. Am Ende rettet er noch generös seine Brüder. (Zwischendurch wird er noch von einer hoch gestellten Frau angemacht, aber auch dabei bleibt er klug)

Die CDU hat den Widerspruch bei Schulz sofort instinktsicher erkannt, verbindet das aber gleichzeitig mit einer, wie ich auch finde, »Schmutzkampagne«. Es geht also los. Dennoch finde ich Schulz, wie einige Ihrer Kollegen, im Augenblick einen »Glücksfall« für unsere Demokratie und die sonst untergehende Sozialdemokratie. Ich will aber auch Frau Merkel und einigen anderen Elitepolitikern meine Anerkennung gar nicht verwehren.

Ich frage mich, schlägt Schulz bewusst und mit Kalkül diesen populistischen Ton an? In dieser populistischen Zeit. Oder reicht seine Bildung nicht, weil er kein Abitur hat? Aber als Buchhändler..?

Ich frage mich auch: fühlen Sie und ich uns als Mitglieder einer intellektuellen Elite mit Abitur nur angegriffen und meinen uns verteidigen zu müssen? Vielleicht auch. Aber das wäre nicht der Kern der Sache!

Bzw. warum eigentlich nicht? Es bleibt doch festzustellen, wer schreiben und lesen kann, kann mehr als der, der es nicht kann. »Das wird man doch noch mal sagen dürfen!« – Prof. Karsten Schwerdtfeger


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Eltern sind unsicher, wie sie ihre Kinder richtig erziehen

Die Unsicherheit vieler Eltern ist von Herstellern für Babyartikel aber auch gewollt. Diese können sich dann in als Expertenhilfe getarnten Werbeplattformen, wie zum Beispiel dem HiPP Baby- und Elternforum, „informieren“. Dort erfahren sie unter anderem, wer Gläschenkost statt Selbstgekochtem füttere, mache mit der Nährstoffzusammensetzung nichts falsch und habe dann auch noch mehr Zeit zum gemeinsamen Spielen. Die Angst, etwas Wichtiges falsch zu machen, wird hier bewusst ausgenutzt. – Mal davon abgesehen, dass laut der Internetseite der Gesellschaft für Kinderernährung in Dortmund kaum ein Gläschen namhafter Hersteller die empfohlene Nährstoffzusammensetzung aufweist.

Und so geht es munter weiter: Um ein Töpfchen mit Ipad-Halterung zu verkaufen, brauche ich schon ziemlich verunsicherte Eltern. – Helena Krebs


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Wie schade! Leider verstärkt das Heft mit der Frage, wie bloß Erziehung geht und der Aussage, man weiß es nicht, alles unklar! die Unsicherheit der Eltern nur noch mehr. Dabei zeigt ihr doch die Vorteile der autoritativen Erziehung (Hier gibt es übrigens auch empirische Befunde) ganz klar! Man hätte mit einem verlagerten Fokus auch ein deutlich konstruktiveres Bild von Elternschaft und Erziehung zeichnen können und Eltern damit Sicherheit und Entspannung geben können. Wäre das nicht dramatisch genug?  – Katharina Odebrecht


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

“Er”ziehung ist einfach nicht mehr das verbindende Wort für unsere junge Generation. Es muss” Be”ziehung werden, damit wären einige Brücken leichter geschlagen. – Adelheid Wijgmans


Leserbrief zu „Der Kampf um die Windmühlen“ von Christiane Grefe Und Stefan Schirmer

Ich habe selten einen so oberflächlichen Artikel in der ZEIT gelesen zu einem inzwischen recht brisanten Thema, das auch für den Wahlkampf wichtig werden wird.

Anstatt des albernen Fotos eines Toilettenhauses, das fast die halbe Seite einnimmt, hätte man den Platz nutzen und einige Fakten schreiben sollen, z.B. warum es inzwischen sage und schreibe 630 Bürgerinitiativen gibt, die sich gegen den weiteren Ausbau  von Windparks engagieren – bestimmt nicht, weil die Menschen sich langweilen oder ein wenig blöd sind: „Bürger verlieren den Überblick…kennen auch nicht die technischen Möglichkeiten, um etwa Seeadler oder Fledermäuse zu schützen“ oder „Viele Anwohner verkennen vor lauter Aufregung, wie viel Einfluss sie noch nehmen können“.

Warum nennen Sie keine technischen Möglichkeiten zum Schutz von Seeadlern und Fledermäusen? Warum erläutern Sie nicht, wie die Anwohner noch Einfluss nehmen können? Diese Informationen hätten Ihren Artikel extrem bereichert.

Die Bürger, die sich in diesen Initiativen zusammentun sind auch nicht zwangsläufig von „Rechtspopulisten“ geködert, wie Sie unterstellen. Auch der Zusammenhang zwischen der „Angst vor Überfremdung durch Flüchtlinge“ und der „Angst vor Windkraft“ ist mir unbegreiflich (Ihr Zitat des CSU-Bundestagsabgeordneten Göppel).

Sie tippen so viele Dinge an, ohne interessante und informative Details zu bringen: Sie erwähnen, dass Herr Raake die 150 m hohen Mühlen „Monster“ nennt, dass 26.000 WKA Ende 2015 auf dem deutschen Festland Strom erzeugten.

Kein Wort darüber, dass im übrigen Norddeutschland meist nur noch WKA von mindestens 200 m Höhe aufgestellt werden, kein Wort über den „Wegwerfstrom“, der zwar produziert, aber nicht abgenommen werden kann, da die Stromnetze noch nicht fertig sind. Das sind Fakten, mit denen sich die Bürgerinitiativen befassen, da jeglicher weiterer Zubau von Windkraftanlagen unsinnig ist, solange der erzeugte Strom nicht genutzt oder gespeichert werden kann. Wahrscheinlich „störte die Mitstreiter von Herrn Günter Raake die Windkraft lange nicht“, weil ihr Ausbau bisher nicht so blind und unsinnig vorangetrieben wurde wie jetzt. Wer stellt sich denn heute schon mal ein Auto in die Garage, weil in 10 Jahren eine Zufahrt zu seinem Grundstück gebaut werden soll?

Da schreiben Sie mit Hinweis auf Fukushima, 90 % der Deutschen wären sich einig, dass die Energiewende sein muss. Ja glauben sie denn, der Energiewende ist damit Genüge getan, dass man überall Windräder hinstellt, die abgeschaltet werden müssen, wenn der Strom nicht abgenommen werden kann? Und wenn kein Wind weht, müssen herkömmlichen Anlagen wie Atom- und Kohlekraftwerke wieder herhalten. Diese können also beileibe nicht alle einfach abgestellt werden, solange man versucht, die Energiewende allein mit Windkraft zu meistern – ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ebenso wie die Bürgermeisterin von Rügen, die nicht in der Lage war, auf Nachfragen zu antworten, wie Sie schreiben, weil „Wir sind ehrenamtlich tätig und keine Fachleute auf dem Gebiet“, sich dann auch nicht anmaßen sollte, für neue Windmühlen auf Rügen zu werben, so sollten auch Sie Ihrem Artikel keine bestimmte Tendenz geben, solange Sie sich nicht wirklich mit dem Thema befasst haben. – Gertraut Koch


Leserbrief zu „Atommacht D?“ von Josef Joffe

Dieses gedankliche Abwägen von Herrn Joffe, ob Deutschland Atombomben haben sollte, benutzt falsche Gewichte. In die Waagschale zu legen ist die Frage, ob die Welt Atomwaffen braucht, was atomare Bewaffnung bedeutet, und die Antwort mit den Gewichten von Klugheit, Humanität, Sittlichkeit und Verantwortungsbewusstsein abzuwägen. Die Zerstörungskraft des weltweit vorhandenen atomaren Arsenals reicht, um die gesamte Menschheit, Tierwelt, ja die gesamte Biosphäre mehrfach zu töten bzw. auf Jahrtausende radioaktiv zu verseuchen. Es gibt kein Lebewesen in unserer Mitwelt, das je einen solchen Irrsinn geplant oder verwirklicht hat. Land und Meer starren vor Missiles, Bomben und U-Booten mit Massenvernichtungswaffen. Allein in Deutschland, Italien, Belgien, den Niederlanden und der Türkei lagern als Faustpfand der NATO an die 200  einsatzbereite, US-amerikanische Atomsprengköpfe.Weltweit sind es an die 15 000 wie die Zeit in der gleichen Ausgabe das SIPRI zitiert.

Dagegen nennt Herr Joffe die atomare Bewaffnung der Briten und Franzosen „schwachbrüstige Arsenale“. Was denn noch, – darf´s ein bisschen mehr sein? fragt die Metzgersfrau: Es darf etwas weniger sein, viel weniger, sehr viel weniger, und zwar in allen Ländern, in allen, Herr Joffe! Von der Abschaffung dieser Waffen hat nicht nur Obama bei Amtsantritt „ geträumt“. 93 % der Deutschen sind laut einer FORSA-Umfrage vom vergangen Jahr für deren Abschaffung. Es wäre ein sittlicher Fortschritt der menschlichen Gesellschaft, für den wahrscheinlich die Mehrheit unserer Artgenossen sehr dankbar wäre. Und es ist ein sittliches Debakel, das Deutschland die internationalen Bemühungen um deren Ächtung bis anhin sabotiert.

Für unsere Erde könnte eine früher oder später entfesselte atomare Option allerdings die Notbremse sein, ein aktiviertes Selbstmord-Gen, mit dessen Hilfe eine Gattung Lebewesen sich selbst dezimiert und beseitigt, die begonnen hat, mit ihrer unkontrollierten und ökologisch völlig aus dem Ruder gelaufenen Vermehrung und ihrem verantwortungslosen Verhalten wie eine Krebserkrankung die Biosphäre zu zerstören. Die ganze Dummheit und seelisch geistige Unreife unserer Gattung Mensch zeigt sich doch exemplarisch allein schon an dem zigfachen Overkill ihrer verheerenden Massenvernichtungswaffen. Manche Menschen nennen das süffisant <Abschreckung>, was in Wirklichkeit die gesamte globale Population, Freund wie Feind, in atomare Geiselhaft nimmt. Zeitgeist? Nein, das ist <The Bottle Imp>, unser Zeitgespenst, und leider all zu real und bereits aus der Flache entwichen. – Dr.med. Carl-Michael Budcke


Leserbrief zu “ Schieritz, der Wasserfenchel“ von Peter Dausend

Aktuell reihen Sie sich ein in die bereits recht lange Reihe derer, die baustoppende Lebewesen – nicht ohne jeglichen höhnischen Unterton –  als bizarre Ursachen bizarrer Wirkungen vorführen. In Ihrem nächsten Beitrag könnten Sie ja den Menschen als bizarre Ursache einer Leistung darstellen, die zuletzt ein Meteorit vor 65 Millionen Jahren schaffte: ein irgendwie auch unterhaltsames Massensterben von mehr als 75% aller zuvor existierenden Arten. Aber Gott sei Dank wird dieses unmittelbar drohende Massensterben nur von unbedeutenden und alarmistischen Käseblättern wie „Nature“ als unmittelbar drohend dargestellt, während sich seriöse Blätter wie die ZEIT eher auf den adäquaten Spott über baustoppende Lebewesen mit komi – chen Eigennamen konzentrieren. Herzlichen Glückwunsch und Dausend Dank! – Christian Voll


Leserbrief zu „Prominent Ignoriert: Wahres Schwein“

Ihre Stellungnahme auf Seite 1 in Nr. 8 vom 16.2.2017 (s. Anhang) ist beschämend und typisch für Ihre Meinung zur Landwirtschaft. Schlecht recherchiert und mit eigenem Kommentar versehen. Leider erlebe ich häufig diese Art von Journalismus in Ihrer Zeitung. – Dr. Heino Prigge


Leserbrief zu „Das Letzte“ von Finis

Wer auch immer den Artikel unter „Finis“ in der ZEIT vom 16. Februar verbrochen hat, kennt Alice Schwarzer wirklich nur aus „Funk und Fernsehen“ und hat ihr dort auch nicht richtig zugehört. Ganz sicher aber hat der oder die Autor(in) noch nie einen Text von ihr oder die EMMA gelesen. Das ist billigstes und dümmstes Alice-Schwarzer-Bashing, außerdem feige, so eine Häme ohne Angabe des Verfassers zu verbreiten. Ich tippe mal auf Sabine Rückert, mit so einer Dreckarbeit macht sich ja bei der ZEIT kein Mann die Finger schmutzig. Pfui Teufel, der ZEIT absolut unwürdig! – Claudia Wenzl


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Sie machen es sich zu leicht, Herr Jessen. Indem Sie die unsägliche Polemik der Populisten von Trump bis Le Pen vorführen, was simpel ist, suggerieren Sie die Alternativlosigkeit des Establishments. Die offensichtlichen Mängel der Populisten belegen jedoch nicht die Weisheit der sogenannten Eliten. Diese haben im Gegenteil den Puls der Zeit, wie wir heute merken, auf fatale Weise überhört. Ihr listiger Hinweis auf den SPD-Kanzlerkandidaten ändert daran auch nichts. – Dr. Andreas Schäfer


Leserbrief zu „Einer wird gewinnen“ von Oliver Fritsch

Man kann Philipp Lahm zu seinem Entschluss, nach dieser Saison mit dem Fußballspielen  aufzuhören und nicht Sportdirektor des FC Bayern zu werden, nur gratulieren.  Genau wie bei seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft nach der WM 2014 hat er damit wieder den richtigen Zeitpunkt für seinen Abschied getroffen, anders als viele andere Fußballprofis wie etwa Ballack und Schweinsteiger, die nicht einsehen konnten oder wollten, dass sie ihren Zenit weit überschritten hatten und Ansprüche stellten, denen sie selber nicht gerecht wurden. Auch seine Weigerung, anschließend Sportdirektor des FC Bayern zu werden, ist wohlbegründet:  Er hat es einfach nicht nötig, nach dem Vorbild von Nerlinger oder Sammer als machtloser  Grüßaugust oder selbsternannter Kettenhund von Hoeneß‘ und Rummenigges Gnaden seine  Zeit zu verschwenden.  Ganz nebenbei hat er durch seine klare Haltung dem scheinbar allmächtigen und allwissenden  Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Hoeneß dessen Grenzen aufgezeigt.  – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Fake-News im Vatikan“ von Evelyn Finger

Es gibt im Vatikan ein Change-Management laut diesem Artikel.   Seit wann gibt dieses Management und welche Änderungen  im Bereich Sexualmoral sind in der Planung? Bis dato gab es nur eine marginale Änderung zur Zulassung von Wiederverheiraten zur Kommunion.   Bleiben die Verbote wie künstliche Empfängnisverhütung  und Sexualität vor der Ehe,  dürfen Schwule weiterhin nicht Priester werden, auch wenn sie zölibatär leben?  – Dieter Fiebelkorn  


Leserbrief zu „Ingenieur? Ingenieurin!“ von Axinja Hachfeld

Natürlich kann kluge Pädagogik Mädchen für Naturwissenschaften und Mathematik begeistern. Ein erfolgreicher Physik-Unterricht (oder Mathematik-, Chemie-, Biologie-Unterricht – ich bin selbst Physiker) hängt weniger von Lehrplänen und gendersensibler Sprache ab als davon, ob es einem Physiklehrer oder einer Physiklehrerin gelingt, die Schüler nachhaltig für Physik zu begeistern. Und dazu bedarf es exzellenter Lehrkräfte.

Überspitzt ausgedrückt ist es doch so, wer als Physiker Renommee erlangen will, geht als Forscher an ein Forschungsinstitut oder eine Universität. Wer Geld verdienen will geht in die Industrie. Und der Rest bleibt dann für die Schulen und das sind folglich meist nicht die Top-Leute (einige hervorragende Lehrkräfte natürlich ausgenommen).

Wir brauchen die besten Pädagogen und Fachdidaktiker in den Schulen, dann wird es nicht nur mehr Mädchen in den MINT-Fächern geben. – Martin Hoheisel


Leserbrief zu „Unter Berührzwang“ von Bernd Ulrich

Auch wenn man die Auftritte von Herrn Höcke nicht mag, sollte DIE ZEIT ihn korrekt zitieren: Bernd Ulrich benennt Björn Höcke als „den mit dem Schandmal“. Dieser Ausdruck stammt jedoch nicht von Höcke; denn er sagte genau: „Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat“. Ein Denkmal der Schande ist nicht mit einem Schandmal (oder Schandfleck) gleichzusetzen. Ein Denkmal der Schande kann durchaus auch als „schmerzhaftes Denkmal an unsere Schande“ verstanden werden. Ob dies Höcke so gedacht hat, weiß er allein. Bernd Ulrich glaubt dies wohl nicht; aber das sollte DIE ZEIT dann auch nur als Vermutung und nicht wie ein Faktum behandeln. – Prof. Dr. Joachim Fruböse


Leserbrief zu „Ami goes Home“ von Martin Klingst und Jörg Lau

Ein bisschen klingt es bei Ihnen an, man hat sich etwas vorgemacht. Wobei ich noch einen Schritt weitergehe würde. Schließlich hat fast 50% der Bevölkerung dem Establishment die rote Karte gezeigt. Man muss das auf der Zunge zergehen lassen. Die Ursache ist keine leichte Unzufriedenheit, hier wurde die Führung abgelehnt.

Während unsere  Transantlantiker nicht müde werden von unseren Werten zu sprechen, hat das für die Hälfte der Amerikaner keinen Wert mehr. Es ist jetzt genau 100 Jahre her, das die USA auf der Weltbühne erschienen sind und sich als Großmacht etablierten. In dieser Zeit ist viel passiert und so mancher US Bürger ist wohl zu dem Schluss gekommen, es hat sich nicht gelohnt.

— Fangen wir mit 1917 an. Die USA treten in den 1.Weltkrieg ein und sorgen dafür, das England und Frankreich den Krieg gewinnen. Nach Christopher Clark hat Frankeich den Krieg als Revanche für 1870 genau 20 Jahre lang vorbereitet. Und Dank der USA auch gewonnen. Wilson sprach vom Selbstbestimmungsrecht der Völker, England und Frankreich haben dafür gesorgt, das es für alle galt, nur nicht für Deutsche. Im Gegenteil, Deutschland wurde 10 Jahre lang gedemütigt und damit die Voraussetzungen geschaffen, das der Faschismus die Oberhand gewinnen konnte. Zum Schluss hatten Hitler, Mussolini , Franko und Stalin Einfluss. Der 1.Weltkrieg war die Urkatastrophe das 20.Jahrhundert. Und die Amerikaner haben sie für die Verursacher entschieden.

— Für den 2.Weltkrieg sind die USA zu loben, das ist keine Frage. Sie haben große Lasten und Opfer auf sich genommen, um dem verbrecherischen NS-Regime Einhalt zu gebieten. Aber ohne ihre Unterstützung der Alliierten 1917 hätte es den 2.Weltkrieg und den NS-Staat wahrscheinlich überhaupt nicht gegeben.

— Und nach dem 2.Weltkrieg ging es weiter. Das Eingreifen der USA im Iran 1953 kommt einem moralischen Super Gau gleich. Zusammen mit England wird ein demokratisch gewählter Ministerpräsident Mossadegh abgesetzt und durch einen Diktator Schah ersetzt. Man wollte Einfluss auf die iranischen Ölfelder nehmen. Durch den Terror des Schah wird der Widerstand von der Straße in die Moscheen verdrängt. Es ist die Geburtsstunde des Fundamentalismus, von den USA und England erzwungen.

— Über Vietnam (1961 bis 1975) braucht man nicht viel sagen. Die amerikanische Gesellschaft hält den Vietnamkrieg für einen GAU.

Afghanistan 2001, ein Kriegseinsatz (ohne Ergebnis) der zu einem Dauerproblem geworden ist.

Irak 2003. Ein völkerrechtswidriger Einsatz, der uns auch nach 12 Jahren noch  über die Flüchtlingswelle nach Europa heute in Anspruch nimmt. Ein Krieg der den religiösen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten explodieren lies.

Guantanamo, Abugreib, Chile, die Wirtschaftspolitik in Süd-und Mittelamerika, es gibt  nichts viel was diesen angeblich so hohen Werten dieser Transantlantiker entsprechen würde. Allgemein kann man feststellen, die Amerikaner haben viele Kriege begonnen, aber keinen mit einer Zukunftsperspektive für die betroffenen Völker beendet. Mit einer Ausnahme, der des 2.Weltkrieges. Hier hatte Stalin  allerdings Bedingungen geschaffen, die ein reagieren der Alliierten erforderlich machte. Stalin wollte aus der DDR ein Musterschaufenster des Sozialismus machen, in einem Europa mit damals  noch starken kommunistischen Parteien in Frankreich und Italien.

Heute hält man den neuen Raketenschirm in Polen gegen Russland gerichtet für eine neue Sicherheit. Man muss wahrscheinlich alles abwählen, was sich mit dem Begriff Transantlantiker verbindet. In 2017 werden Raketen als Sicherheit verkauft! Für wie dumm wird die Öffentlichkeit gehalten? Ende des 19. Jahrh. wollte Bismarck durch Verträge Sicherheit erreichen. Weil man ihm nicht gefolgt ist, haben wir ein blutiges 20.Jahrhundert erlebt. Seine Nachfolger wollten sich damals auf militärische Stärke verlassen. Und denselben Fehler macht die heutige politische Führung wieder, sie setzt wieder auf Bedrohungsszenarien! Und das nach 2 Weltkriegen!

Immer wieder taucht das Wort Selbstbestimmungsrecht der Völker auf. Wilson hat es 1919 propagiert. England und Frankreich haben dafür gesorgt, das es für alle gelten sollte, aber nicht für Deutsche. Und heute darf es nicht für Russen gelten. Die Ukraine ist uraltes russisches Einflussgebiet. Nach der verständlichen Ausweitung der Nato über Polen und die Baltischen Staaten war für Russland in Bezug auf die Ukraine die rote Linie überschritten. Vor allem auch, weil der Westen sich nicht verpflichtet sah, Russland durch die ermöglichte Neuordnung 1989 irgendwie entgegen zu kommen. Man lies Russland geographisch, militärisch und wirtschaftlich abstürzen. Und wenn Putin dies heute ändern will, wird über ihn geschimpft.

Das eine Regelung mit Russland nicht auf Kosten Polens und der Baltischen Staaten erfolgen darf, ist selbstverständlich. Wenn man aber russische Interessen in Bezug auf die Ukraine z.B.  ablehnt, dann kommt man auch nicht weiter und die Konfrontation hält an. Wenn man an eine politische Lösung denkt, dann darf diese grundsätzlich nicht zu Lasten eines Verlierers gehen, auch nicht zu Lasten der Ukraine. Aber beteiligt ist sie allemal. Die Ukraine sollte von Ost wie West profitieren. Bisher stellt sich Brüssel in Kiew hinter rechtsgerichtete, gegen Russland eingenommene Kreise. Als westlicher Frontstaat gegen Russland gerichtet, kann die Ukraine langfristig aber nur verlieren.

Wir haben uns daran gewöhnt, amerikanische Interessen als selbstverständlich zu akzeptieren, andere Interessen ( russische z.B.) aber als unbegründet.

Die Transantlantiker sonnen sich auch heute noch im Sieg über die Sowjetunion. Das wäre tatsächlich etwas zu feiern, wenn man den Sieg  im Nachhinein nicht durch falsches Verhalten  verspielt hätte. Schließlich stehen wir heute wieder vor einem neuen Kalten Krieg. Und ohne Gorbatschow wird es diesmal anders ausgehen. Auch hat sich das Entgegenkommen Russlands 1989 nicht ausgezahlt. Im Gegenteil. Sie hatten zum Schaden auch noch den Spott. Der Westen kann ganz schön arrogant sein ( und dumm).

Unsere Elite ist nicht ehrlich. Wenn man glaubt, das es einem nützt, dann sind Grenzen heilig, Verträge heilig. Andererseits, wenn europäische Gesetze unmodern werden, werden sie einfach vergessen. Dann weisen europäische Gesetze plötzlich eine Halbwertszeit auf, die aus der Milchbranche bekannt sind.

Auf eine gewisse Weise ist die amerikanische Nation zu bewundern. Nach 100 Jahren wird ein Schlussstrich gezogen und eine Rückbesinnung eingeleitet. Haben sich die 100 Jahre Weltmacht für den Bürger ausgezahlt? Die Lasten und Opfer waren erheblich. heute sind 50% der Bevölkerung der USA der Meinung, der Einsatz hat sich nicht gelohnt. Wird dieser Rückbesinnungsprozess erfolgreich sein? Zweifel sind angebracht. Die heutigen Akteure haben keine Erfahrung. Und die abgewählte Elite geht auf Konfrontationskurs. Und der Leitspruch “Make America great again”, der eigentlich immer gegolten hat, jetzt aber erstmalig offen ausgesprochen wird, wird Widerspruch herausfordern.  Das heißt alles nichts Gutes. Leider. – Reiner Püschel


Leserbrief zu “ Busse stehen kopf, Bürger auch“ von Hanno Rauterberg

Ihr Autor muss offenbar Falschbehauptungen und Unterstellungen aneinanderreihen, um sein eigenes Ressentiment zu pflegen. Also: Die Dresdner Proteste kommen aus der Mitte der Bevölkerung und nicht (nur) von Pegida und Abendlandrettern. Selbstverständlich war das anglo-amerikanische Moral Bombing der Dresdner Innenstadt ein kriegsunerheblicher Akt der Vergeltung und Erniedrigung der Bevölkerung, und zwar jenseits von der Mitschuld am Hitler-Regime. Es geht bei den derzeitigen Protesten in Dresden keineswegs um Schuldbefreiung und Opferstolz, sondern um die oktroyierte Instrumentalisierung des Dresdner Gedenkens an die Opfer für die Syrien-Politik des Westens. Über die Situation in Syrien, ihre Urheber und ihre Ursachen kann man streiten, aber bitte unvoreingenommen und nicht an der Frauenkirche am 13./14. Februar. – Manfred Dubrow


Leserbrief zu “ Der Musterflüchtling“ von Nadine Ahr und Joanna Nottebrock

Im Frühjahr 2016 ist der syrische Arzt 26 Jahre alt. Im Oktober 2014 sei er nach Deutschland gekommen, müsste also damals 24 Jahre alt gewesen sein und habe auch schon einige Monate zuvor in Syrien gearbeitet. Zumindest in Deutschland wäre dies bei einem mindestens 6 Jahre dauernden Studium kaum möglich. Wie passt das zusammen ohne Abstriche in der Ausbildung (Schule/Studium) – Dr.Michael Wuestemann


Leserbrief zu „Assads Hölle“ von Mohamed Amjahid

Zur Frage was der Westen tut:  u.a. den www.civilmarch.org Civil March for Aleppo initiiert von Anna Alboth. Ich war auch für einen Tag dabei…. – Marion Claus


Leserbrief zu „Sanftmut predigt Hass“ von Marco Stahlhut

Schon lange möchte ich Ihnen schreiben und vorschlagen, die Rubrik „Glauben & Zweifel“ doch inhaltlich zu erweitern und vielleicht sogar prinzipiell daraus eine Seite für Spiritualität entstehen zu lassen, wobei wir natürlich ausführlich klären müssten, was wir unter Spiritualität verstehen. Aber Tatsache ist, dass Spiritualität aus der allgemeinen gesellschaftlichen Diskussion abhandengekommen ist , obwohl diese für mich einer der wichtigsten Ebenen unserer immer größer werdenden Entwurzelung und den damit verbundenen Krisen ist.

Und nun sehe ich einen Bericht über Buddhismus und falle dabei fast von meinem Stuhl! Es gibt wirklich wenige, vollkommen verblendete, buddhistische Mönche auf dieser Welt und genau über einen dieser Mönche schreiben sie eine ganze Seite? Natürlich ist das eine vollkommene Verblendung und Missverstehen der Lehre was dieser verlorene Mann da macht, mit schrecklichen Folgen!
Aber ich werde so oft mit diesem Mann konfrontiert und kann es eigentlich nicht mehr hören!

Warum berichten Medien immer nur mehr über das Negative? Buddhismus im Allgemeinen und ganz besonders im Westen, schafft so viel Neues, und unterstützt inzwischen so viele Menschen auf ihrer Suche nach Spiritualität, oder vielleicht anders gesagt, auf der Suche nach dem was da noch ist, was wir tief in uns spüren, aber wir kognitiv nicht verstehen können und uns dafür die Methoden abhandengekommen sind! Ich bitte wirklich um eine Antwort! Warum berichten sie zum Beispiel nicht über das Entstehen der deutschen Gefängnismeditationsgruppe, die sich nächste Woche gründet? – Andreas Hagn


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Unterschiedliche Auffassungen über Erziehung von Eltern und Lehrern sind nicht neu. Sie hat es zu allen Zeiten gegeben. Gerade im Lutherjahr möchte ich an einen Aufsatz  seines Weggefährten PHILIPP MELANCHTHON erinnern, in dem dieser das schwere Los der Lehrer beschrieb:

„Denn kein Mülleresel hat jemals so viel Leid erlebt, als wer Knaben zu lehren hat. Wird ein Knabe einem Lehrer zum Unterrichten übergeben, so ist er meistens schon durch das Haus verdorben. Weil er die Schlechtigkeit kennt und sogar schon gekostet hat, so mangelt es ihm an Liebe und Bewunderung für die Wissenschaft; im Gegenteil, er haßt dasselbe; verachtet seinen Lehrer und bringt die übelsten Gewohnheiten von Hause mit. Mit einer derartigen Mißgeburt muss  nun der Lehrer sich abplagen…Worin aber besteht nun der Lohn und der Dank für so viele Mühe? Das ist in der That das allertraurigste. Alles bisher Erwähnte ist Scherz und Kinderspiel im Vergleich zu dem, was jetzt noch kommt.

Die Besoldung ist so gering, dass man den Katheder mit Recht unfruchtbar genannt hat. Denn einen Tagelöhner bezahlt man besser als den Lehrer. Kaum kann man sich des Hungers erwehren. Hinzu kommt noch der Undank der Schüler, welche der Ansicht sind, dass sich niemand schlechter verdient macht, als die Lehrer. Ja, sie hassen dieselben, als ob sie Henker wären. Wie die Knaben selbst, so machen es auch die Eltern.

Sie bedenken nicht, dass sie einen großen Teil ihrer Sorgen  auf die Lehrer abladen. Ja sie werfen sogar das bißchen Gehalt demselben vor. Hat der Sohn etwas recht gemacht, so hat der Lehrer kein Verdienst dabei; hat er sich aber vergangen, so ist natürlich der Lehrer schuld. Die Eltern machen es so wir Diogenes, der dem dabeistehenden Pädagogen eine Ohrfeige gab, als dessen Zögling Anlass zum Tadel gab. In keinem Berufe gibt es so viel Widerwärtiges als in dem des Lehrers, unter allen Sterblichen sind die Lehrer die geplagtesten.” (Quelle: Lateinische Rede von Melanchthon „de miseriis paedagogorum“ in der Übersetzung von Prof. Dr. Karl Hartfelder: Philipp Melanchthon als Praeceptor Germaniae, Hofmann, Berlin 1889 Monumenta Germaniae Paedagogica, Bd. 7, S. 406-410) Ganz so krass ist es doch heute nicht mehr. – Guido Seelmann-Eggebert


Leserbrief zu „Unter Berührzwang“ von Bernd Ulrich und „Wessen Schande ist das?“ von Anne Hähnig Und Martin Machowecz

Man sollte es  nicht ableugnen: Die Holocaust-Gedenkstätte in der Mitte Berlins ist ein Denkmal der Schande. Aber die Deutschen sollten  stolz darauf sein, dass sie den Mut fanden, dieses Mahnmal zu errichten. Das unterscheidet uns  von jenen anderen Nationen, die ihre Verbrechen unter dem Staub der Geschichte begraben oder  den Japanern, die den Kriegsverbrechern des 2. Weltkriegs einen Gedenkschrein errichteten, wo sie auch von führenden Politikern geehrt werden. Wer ein solches Mahnmal verunglimpft wie der Josef Goebbels der AfD, zeigt uns, dass  die finstere Vergangenheit selbst für die Generation der Enkel noch nicht zu einer abgeschlossenen Episode der Geschichte geworden ist. – Armin Steinmüller


Leserbrief „Wo seid ihr, Kollegen?“ von Arnfried Schenk

Zu meiner Person: Ich bin pensionierte Schulleiterin einer Grundschule. Mein nunmehr erwachsenes Kind hatte Lese- Rechtschreibschwäche; ich habe ihr etwa 3 Jahre lang Nachhilfestunden gegeben, jeden Tag 30 Minuten, fünfmal in der Woche. Erfolgreich.

Ich weiß also ganz sicher, dass die eine Schulstunde pro Woche,, oft ausgefallen, die wir vom Ministerium gegen Legasthenie zu meiner Diesntzeit erhalten haben, nicht ausreicht.

Einer mir gut bekannten, freundlichen und tüchtigen Rektorin einer Grunschule habe ich angeboten, Nachhilfestunden an ihrer Schule zu erteilen. Sie hat sich gefreut.

Dann rief sie ganz entsetzt an: Die KollegeInnen können mich nicht in ihren Stundenplan einbauen.

Nun präzisierte ich, was ich eigentlich wollte: Nachhilfestunden nachmittags  erteilen im Fach LESEN  für eine kleine Gruppe von zwei bis drei hiesigen Kindern (an anderer Stelle habe ich für Flüchtligskinder Geld gespendet), deren Eltern ihnen nicht helfen können; an eine gute Betragensnote habe ich nicht gedacht. Ich sprach an, evtl. geeignete Software benutzen zu wollen.

Folgende Antwort habe ich von der Rektorin erhalten:

Ich muss Kinder für Dich auslosen oder bestimmen, die dann bevorzugt werden.

Für alles, was im Schulhaus läuft, trägt die Schulleitung die Verantwortung. Ich muss also anwesend sein.

Du bist im rechtlichen Sinn eine schulfremde Person, und ich muss alle entsprechenden Vorschriften beachten.

Die Schulhäuser sind nachmittags bis 17.00 Uhr mit ca. 155 Kindern in der FGTS belegt, dort arbeiten zurzeit etwa 11 Mitarbeiterinnen. Wir haben in dieser Zeit keine räumlichen Kapazitäten mehr. Das Kinderhaus platzt aus allen Nähten. Dort ist ja sowieso bis 18.00 Uhr die Betreuung durch „Barmherzige Organisation XXX“. Ich muss Kinder auslosen oder bestimmen, die dann bevorzugt werden.

Für alles, was im Schulhaus läuft, trägt die Schulleitung die Verantwortung. Ich muss also anwesend sein.

Du bist im rechtlichen Sinn eine schulfremde Person und ich muss alle entsprechenden Vorschriften beachten.

Die Schulhäuser sind nachmittags bis 17.00 Uhr mit ca. 155 Kindern in der FGTS belegt, dort arbeiten zurzeit etwa 11 Mitarbeiterinnen. Wir haben in dieser Zeit keine räumlichen Kapazitäten mehr. Das angeschlossene Kinderhaus platzt aus allen Nähten. Dort ist ja sowieso bis 18.00 Uhr die Betreuung durch die  „Barmherzige Organisation XXX“. Außerdem ist noch türkischer und italienischer Unterricht und Hausaufgabenhilfe der „Barmherzigen Organisation XXX“. Nebenbei muss dann auch noch gereinigt werden.

Ich muss bei der Stadt die Benutzung des Gebäudes durch Dich genehmigen lassen.

 Ich als Schulleitung bin leider nicht mehr in der Lage, mich um einzelne Kinder zu kümmern. In meiner Schule (Zwei Gebäude, weit entfernt voneinander), haben wir zurzeit 310 Kinder, 31 Lehrkräfte, 16 FGTS Mitarbeiter, 5 Integrationshelfer. Ich kann mich nicht mehr um solche Kleinigkeiten kümmern, sonst werde ich krank. Den Lehrerinnen geht es übrigens auch so. Die können nicht auch noch den Nachhilfeunterricht für einzelne Schüler betreuen und organisieren.

 Viele Grüße

(Zahlen leicht verändert, um Wiedererkennen zu vermeiden)
Die Antwort ist  in allen Teilen berechtigt. Es ist so. Es bleibt kein Platz in den Köpfen der Lehrkräfte und Schulleitungen für zusätzliche Aktivitäten in der Schule. Diese, wenn auch von außen, vergrößern die Menge der Arbeit und des Stresses.

Die Rektorin hat sich die Mühe gemacht, mir ausführlich zu schreiben, wofür ich ihr herzlich danke. – Anonymer Leser


Leserbrief zu “ Der Musterflüchtling“ von Nadine Ahr und Joanna Nottebrock

Ihr Artikel behandelt die Herausforderungen und die Grenze der Integration, unparteiisch, aber mit sensibler Einsicht in die fremden Eigenschaften. Es ist ein sehr gelungener Artikel, den ich in dieser Thematik leider sehr selten lese.

Der Integrationsprozess bedeutet ständige Konfrontation mit der Fremdheit auf allen Ebenen, was nie ein Ende nimmt, solange man lebt. Wie in einer Liebesbeziehung setzt man sich einer Fremdheit aus und transformiert sich bis zur äußersten Grenze, lustvoll oder qualvoll, je nachdem. Aber im Laufe der Jahre erreicht man einen bestimmten, unter Umständen schmerzhaften Punkt, wo man seine eigene Grenze der Identität klar erkennen und behutsam bewahren soll, sei es die intellektuelle, sei es die mentale, und wo man irgendwann sagen muss; ich bin ich, du bist du, ich denke und fühle mich anders als du. Sollte man jedoch hinzufügen; trotzdem liebe ich dich, dann besteht man die uralte, harte Prüfung, die uns allen zumutbar ist. – Ai Kretschmer-Nakashima


Leserbrief zu „Atom-Macht Europa“ von Peter Dausend und Michael Thumann

Es kann doch nicht Sinn und Zweck sein, wenn es einen Atomwaffensperrvertrag gibt, diesen zu missachten um wieder für nukleare Aufrüstung zu werben. Wozu dann die ganze Arbeit über Jahrzehnte verteilt?

Wie wahrscheinlich ist denn ein nuklearer Holocaust, wenn jede größere Nation Atomwaffen besitzt?

Wir müssen in der Tat doch einfach nur über den Atlantik schauen. In den Vereinigten Staaten darf jeder eine Waffe führen. Wie oft gibt es dort Schießereien und Amokläufe! Wie oft wird in den Medien über Tote nach Schusswaffengebrauch in den USA berichtet! Es heißt eigentlich, die Waffe dient der Selbstverteidigung. Nur was nützt dies, wenn alle so nervös sind, dass bei der kleinsten falschen Bewegung sofort der Abzug betätigt wird!

Europa ist ein wirtschaftlich sehr starkes Bündnis, es muss nur verstehen was damit möglich ist. Wenn die Amerikaner sich gegen den Freihandel und den Wettbewerb positionieren, muss Europa andere starke Partner finden. Die gibt es und diese Partner sind auch kooperationsbereit. Ich denke wirtschaftliche Sanktionen sind weit tiefgreifender und wirkungsvoller als militärisches Säbelrasseln! Diplomatie vor Aufrüstung!

Eine weitere Kuba Krise möchte doch wohl niemand!  – Yves Pulst

P.S. Wenn die Briten meinen Europa erpressen zu können, hoffe ich dass Europa eine geeignete Antwort parat hält.


Leserbrief zu „Müttermacht“ von Elisabeth von Thadden

Was will uns Frau von Thadden mit Ihrem Artikel über „Müttermacht“ eigentlich sagen?

Sollen Frauen in exponierten Positionen nicht schwanger werden? Sind fünf Kinder zu viel? Weiße Bekleidung ist für Frauen, die nicht mehr Unschuldig sind nicht angemessen? … Meinen Sie, dass Frauen deshalb schwanger werden, um das werdende Kind für Ihre Zwecke politisch zu instrumentalisieren? Das scheint mir doch alles sehr weit her geholt.

Ihre Aussagen lassen nur eine Interpretation zu: „Liebe Karrierefrauen, wenn ihr schwanger werdet, bleibt zu Hause und verhaltet euch still.“

Ist das ihr Ernst? –  Andrea Walter


Leserbrief zu „Fake-News im Vatikan“ von Evelyn Finger

Ihr Beitrag beginnt mit  „…, als die Erde noch eine Scheibe war …“. Auch im Mittelalter wurde die Kugelgestalt der Erde in gebildeten Kreisen nicht angezweifelt, und zu diesen kann man „Die mächtigsten Familien Roms, die die Kardinalshüte unter sich ausknobelten“ zählen. Der kopernikanische Streit ging nicht um die Scheiben- oder Kugelgestalt der Erde, sondern darum, ob die Erde oder die Sonne im Mittelpunkt des Weltalls stünde und welcher Himmelskörper „sich doch bewege“ (auch wenn nicht sicher ist, ob Galilei sich so ausgedrückt hatte). Dazu der Beitrag in der Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Flache_Erde , in dem auch eine Darstellung des Gossouin de Metz aus dem 14. Jhdt. wiedergegeben ist, auf der zwei Personen, erst Rücken an Rücken, sich voneinander entfernen und nach einer halben Erdumrundung einander Antlitz zu Antlitz begegnen. Bereits im Altertum war die Kugelgestalt der Erde bekannt, und dieses Wissen wurde auch innerhalb der Kirche weitergegeben. – W.A. Kreiner


Leserbrief zu “ Zeiten des Aufruhrs“ von Ulrich Ladurner

Ob KI zu einer Bedrohung wird, das hängt von uns ab. Das mit Ford ist eine schöne Geschichte, sie mag sich ähnlich zugetragen haben und ist gut für das Image der Unternehmer. Aber wenn nur ein Unternehmer in einem Industriezweig „menschlich“ ist, geht er wegen überdurchschnittlichen Kosten pleite. Deshalb verschleiert diese Geschichte nur den Einfluß der Gewerkschaften. Bisherige Technologieschübe wurden nur durch den Zusammenschluss der Betroffenen zum Wohle Aller produktiv. Unser Problem heute ist nicht eine neue Technologie, unser Problem ist die Individualisierung. Solange die Glorifizierung des Erfolges aus eigener Kraft Wirkung zeigt, solange gibt es keine Solidarität unter den Betroffenen – bestenfalls Mitgefühl. Wenn die Blütenträume der Computerindustrie wahr werden, dann kommen wir um ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht herum. Das kann kein Land alleine regeln, wenn die Industrie global wirtschaftet, muß auch der Druck global sein. Finanziert werden kann das nur durch Steuern auf produktive Elektronik – notfalls so hoch, daß sich der Einsatz der Maschinen nicht mehr „rechnet“. Es kann sein, daß dann eine neue Legende ähnlich der des Fordismus entsteht, aber treibende Kraft wird immer der Druck von „unten“ sein.  – Schmidt


Leserbrief zu „Falsche Feinde“ von Uwe Jean Heuser

Es ist nicht das erste mal, dass mich ein Beitrag Heusers auf der  Titelseite sehr mißfällt. Vor einigen Wochen habe ich aber eine Replik  aus Zeitgründen sausen lassen. Diesmal habe ich ein paar Tage Zeit gelassen, und den Artikel noch mal  gelesen – etwas ruhiger…  Ich betone, dass ich es für unverantwortlich halte, einen  undifferenzierten Beitrag auf der Titelseite zu bringen. Schließlich  ist es in Zeiten wie diesen einmal wichtiger als sonst, dass die Presse  sachlich richtige Informationen und Meinungen „liefert“. Insbesondere  zielt das auf den Titel des Beitrages ab, nämlich das „zu Unrecht“. Das  stimmt nicht.

Meine Kritik im Einzelnen, anhand von Zitaten:  … weil Mario Draghi mit Nullzins und Geldflut genau das erreicht  hat, was er wollte: Der Euro-Kurs ist gegenüber dem Dollar gesunken.  Es sollte eigentlich erwähnt werden, dass die EZB … (warum immer  Personen benennen, die EZB als Institution ist verantwortlich; wie es  geschrieben ist wird nur der Stammtisch befeuert, zumal „Draghi“ beim  Stammtisch eh schon allergische Reaktionen hervorruft) … aufgrund der  europäischen Regeln keine länderspezifischen Geldpolitiken handhaben  darf. Aber auch wenn das möglich wäre (z.B. Zinspolitik) trifft eine  Senkung des Euro natürlich alle gleichermaßen. Ein Ziel ist eben, den  Euro für die schwachen Staaten besser abzubilden (nebst Inflation  erzeugen wollen). Die EZB nimmt in Kauf, dass der Euro für Deutschland  zu schwach ist. Nicht von ungefähr hat die EZB schon seit Jahren  Fiskalpolitik und/oder Lohnanhebungen in Deutschland  angemahnt, um  weniger selbst aktiv werden zu müssen. Die Deutschen können also sehr wohl etwas für den entstandenen Zustand: Verschleppung von politisch notwendige (aber unpopuläre) Maßnahmen.   Als Sparer leiden die Bundesbürger unter den Nullzinsen.  Finanzielle Repression hat es grob im Zeitraum von 1945 bis 1980 auch  gegeben.

Der Unterschied zu damals: die nominellen Zinsen waren höher. Der Realzins aber vergleichbar. Damals begehrte niemand auf. Obwohl die  Situation eigentlich vergleichbar war. Die höhe der Nomimalzinsen  machen blind für eine differenzierte Sichtweise. Die aber tut not.   Weil die billige Währung das Exportieren leichter macht, fehlt den  Unternehmen der Druck, immer effizienter und besser zu werden.  Hier erlaube ich mir einen Abstecher. Mit dieser Aussage habe ich  übrigens keine Probleme. Nach dem Interview mit Fratszcher und Fuest  (Dez. 2016) habe ich Herrn Fuest einige Anmerkungen zukommen lassen. Seine rechte Hand (Anja Hülsewig) schrieb zurück:   Sofern die Konkurrenzsituation keine Preiserhöhung zulässt, wäre die  zunehmende Verlagerung der Produktion ins Ausland infolge der  Einführung eines Grundeinkommens die Folge. Zum anderen dürften  Arbeitgeber die Beschäftigung abbauen und verstärkt Maschinen  einsetzen, um die Produktivität zu steigern. Das würde diejenigen mit  der geringsten Produktivität zuerst treffen.  Lesen Sie statt „Einführung eines Grundeinkommens“ einfach „erstarken  des Euro“. Was ich nur sagen will: Die Exportindustrie hat es offenbar  lieber so wie es ist, anstelle von sich anstrengen zu müssen (das Ifo  ist ja ein wirtschaftsnahes Institut). Man kann es auch nie recht machen…  Zurück zum Beitrag.

Lohndumping kann man Deutschland auch nicht mehr vorwerfen.  An sich richtig, aber: diese Lohnsteigerungen waren über, überfällig. Zwischen 2000 und 2008 betrug die Reallohnsteigerung magere -0,1%. Weit  abgeschlagen innerhalb Europas. Was jetzt passiert, ist nur der Anfang  einer Korrektur, die übrigens aufgrund des schwächer gewordenen Euro  locker wettgemacht wird. Warum wird dieser zeitlich wichtige  Zusammenhang weggelassen? Man darf auch nicht vergessen, dass  kumulierte Ungleichgewichtsprozesse viel Zeit brauchen, bis eine  Korrektur tatsächlich Wirkung zeitigt.

Deutschland als kranker Mann Europas.  Ich weiß noch, dass alle Welt (hierzulande) sich darüber beschwerte,  dass die EZB keine länderspezifische Geldpolitik betreiben darf. Sonst  wäre Deutschland ja nicht so krank gewesen.   Heute ist die Bundesrepublik der lebende Beweis, dass Reformen sich  lohnen.  Es sind einige ausländische Ökonomen (z.B. Krugman), die darauf  hingewiesen haben, dass es auf den Kontext ankommt. Aber weil  Deutschland auf diese eigene Erfahrung beharrt, und dies der  Bevölkerung auch so verkauft (Stammtisch), ändert sich nichts. Solange  es der Politik an Mut mangelt, die Agenda 2010 zum einen kritisch zu  hinterfragen und zum anderen im Kontext der Umstände damals und heute  zu differenzieren, wird sich nichts ändern, weil das Wahlvolk eben  keine ehrliche Bewertung jener Agenda vermittelt bekommt. Bei diesem  Thema kommt mir unwillkürlich der Spruch hoch „am deutschen Wesen soll  die Welt genesen“. Dann schweige ich noch von Kauders „Europa spricht deutsch“ Ich vertiefe das jetzt nicht, und belasse es mit dem Hinweis auf die  Paradoxa, die sich aus der Saldenmechanik (Rationalitätenfallen) ergeben.   und deren Kurs passt nicht zu Deutschland, so wie der Wert des Dollar  nicht immer zu Kalifornien passt.  Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. In den USA gibt es wie in  Deutschland so etwas wie einen Länderfinanzausgleich. Ohne dieses „Tool“ wäre Trump wahrscheinlich vor vier Jahren schon Präsident geworden  (wenn er sich damals zur Wahl gestellt hätte).  Das war es…  – Rob Maris 


Leserbrief zu „Assads Hölle“ von Mohamed Amjahid

Herr Serrih irrt, wenn er von einem Stellvertreterkrieg spricht. Es handelt sich um einen muslimischen Konfessionskrieg (im 21. JH!), in dem keine Seite eine Spur von Versöhnungsbereitschaft zeigt. – Werner Koetz


Leserbrief zu „Atom-Macht Europa“ von Peter Dausend und Michael Thumann

Die sich mit zunehmender Vehemenz selbst in besonneneren Zeitungen wie FAZ und jetzt DIE ZEIT ausbreitende Diskussion darüber, dass Europa, ja sogar Deutschland zur Abschreckung eine eigene Atommacht aufbauen müsste, ist mir und vielen in meinem Umkreis vollkommen unverständlich und stößt auf enormen inneren Widerstand.

Die Geschichte der bisherigen Abschreckung durch nukleare Machtmittel wird immer wieder sehr verzerrt abgebildet. Auf alle Fälle ist die Behauptung so nicht wirklich in dem Sinne richtig, dass diese Art der Abschreckung bisher der Garant für die Abwesenheit neuer großer Kriege in Europa und transatlantisch war. Ja, es ist geradezu fatal, daran zu glauben und daraus die Berechtigung herzuleiten, dass diese Form der Abschreckung nötigenfalls von Europa und von Deutschland weiter geschultert und gesichert werden sollte.

Wie oft gab es nicht schon derartige Grenzsituationen, die bekannt wurden, bei denen es nur durch äußerst glückliche Umstände nicht schon früher zum Ausbruch eines nuklearen Schlagabtausches gekommen ist. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass Kontrollmechanismen versagen und /oder dass es doch zum bewussten und gewollten Einsatz nuklearer Waffen kommt, ist unglaublich groß. Käme es dazu – Europa stünde im Zentrum der unvorstellbaren Katastrophen mit irreversiblen und irreparablen Konsequenzen, Deutschland mitten drin. Es ist unbegreiflich, wie leichtfertig über das Thema nukleare Aufrüstung (und auch sonst Aufrüstung allgemein!) debattiert wird. Noch unverständlicher, wie wenig die Gegenstimmen zu Gehör kommen, geschweige denn ernst genommen werden. Welche Interessen stecken bloß dahinter, uns alle derart zunehmender entsetzlicher Kriegsgefahren und -zerstörungen auszusetzen, die mit solcherart Aufrüstung und Aufbau eines hierfür nötigen entsprechenden Feindbildes erforderlich sind? Was ist bloß los?

Das oberste Gebot müsste heute mehr denn je lauten: Unter allen Umständen Verbot nuklearer Waffen weltweit. Sofortiger Beginn dahin führender ernst gemeinter Abrüstungsverhandlunge auf allen Seiten. Auf UN-Seite haben sich bereits über zwei Drittel der Nationen erst kürzlich für ein entsprechendes Verbot ausgesprochen! Russland und die meisten NATO-Staaten, auch Deutschland, haben sich diesem Votum widersetzt, China(!) und Pakistan immerhin der Stimme enthalten. Merkel selbst hat noch vor wenigen Jahren zugesichert, sich für ein generelles Verbot einsetzen zu wollen! Und jetzt? Die deutsche Seite will an den demnächst weiter anstehenden UN-Verhandlungen nicht einmal teilnehmen! Welcher Druck wird da auf Politiker (und offensichtlich auch auf Medien) ausgeübt, dass es zu einer solchen Situation wie jetzt kommen kann. Wer übt ihn aus? Wo bleiben die Politiker, die sich für ernstgemeinte und bedingungslose Annäherung, für Abrüstungsverhandlungen und intensive friedensorientierte Diplomatie einsetzen? Die glaubhaft an einer Deeskalation der bestehenden Konflikte mit Ziel einer Auflösung der Konflikte und der Feindbilder arbeiten? Wir wollen doch Entwicklung zu Frieden und nicht zu Krieg und Zerstörung! – Dr. Christian Harms


Leserbrief zu “ Hör zu, Boss!“ von Leonie Seifert

Die Autorin bringt Beispiele für unterschiedliche Führungsprinzipien, deren Relevanz für ein möglichst breites Unternehmensspektrum (Größe, Marktgebiete) doch sehr fraglich sind. Letztlich mündet ihre Schlussfolgerung darin, dass von allen Beispielen etwas Positives darin verwirklicht werden kann, wenn der Chef Verantwortung übernehmen, aber auch abgeben (=delegieren) kann. Darüber hinaus sollen sie ihre Mitarbeiter in deren Wünschen wahrnehmen und diese zu schätzen wissen. Eine Erkenntnis, die nach den langen Ausführungen wahrlich überrascht!

Als ehemalige und langjährige Führungskraft sehe ich diejenige Tatsache als diskussionsbedürftig, wonach Umfragen ergeben, dass sehr viele Angestellte ihre Chefs weder charakterlich noch fachlich qualifiziert für die Führungsfunktion sehen. Nach meinen Erfahrungen zieht sich diese „Wahrheit“ von der Unternehmensspitze über das mittlere Management bis auf unterste Führungsebenen durch.

Nach wie vor ist es erstaunlich, welche „Führungsnullen“ heute noch ihr Unwesen in Unternehmen treiben.

Deswegen müssen tiefergehende Untersuchungen sich mit charakterlichen und fachlichen Eigenschaften eines Chefs beschäftigen und vor allem mit der Frage, wie diese Chefs an ihre Plätze gekommen sind.

Wer trifft die Entscheidungen darüber? Welche Qualifikationen habe diese Entscheider? Wo finden sich hierfür Lehrstühle der BWL und ihrer Nachbardisziplinen in der Forschung?

Ich hätte erwartet, dass die Autorin Leonie Seifert in diesen Fragen die Sinnspitze ihres Artikels findet und dazu vielleicht Ansätze aufzeigt. – Dipl. Kfm. Hubert Klötzer


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Nicht nur die Wortwahl „ Ein jämmerlicher Irrtum“ ist daneben, der Artikel zeigt, dass Herr Jesse nichts verstanden hat. Es geht nicht um ein semantisches Problem der Definitionsgenauigkeit der Eliten, sondern um das Fehlverhalten eines nicht kleinen sichtbaren Teils der Eliten, das heißt der Politiker in gehobenen Positionen, der Wirtschaftsführer und auch der Meinungsbildner in den Medien. Die Selbstversorgung der Abgeordneten, die Gehälter von vielen Vorständen und Geschäftsführern, deren Betriebsrenten, die Korruption in den EU-Behörden, das Verschweigen von Kriminalität und vieles mehr, alles das sind Skandale, mit denen sich viele Bürger nicht abfinden wollen. Wenn die Medien nicht darauf im Sinne eines aufdeckenden und investigativen Journalismus eingehen, werden Populisten immer mehr Auftrieb bekommen. –  Martin Lindner


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Well – persönlich hab‘ ich die Maßgabe umzusetzen versucht, dass wir Eltern keinen Anspruch darauf haben, unsere Kinder zu vermurksen, ihnen die Zukunft zu verbauen, sie an Körper, Geist und Seele zu schädigen, gefährden.

Kinder müssen nicht – Kinder wollen angeleitet werden.

Man muss sich nur die tottraurigen, verwahrlosten, oft ganz bösen Gesichter der Kinder anschaun, denen diese Zuwendung vorenthalten wurde.

Was braucht’s zur Erziehung? – ganz wenig: Zuwendung, Zeit, Humor, und Phantasie… – und noch ein paar ganz und gar nicht aufwendige gute Einfälle – wie Mitmachen, Einbinden, Vertrauen, Challenge, Zurückstellen der eigenen Wichtigkeit, des eigenen Glanzes… (man bleibe mir auf Distanz mit der Belehrung von zusätzlich noch Liebe als Kriterium – wenn man allein die Lieblosigkeit beobachtet, mit der heutzutage die Kinder günstigsten Falles noch als Kostenfaktor, und Hindernis in der Selbstentfaltung gesehen werden – mal abgesehen davon, wie viele dieser Kinder zunächst schon mal vollends ohne LIEBE gezeugt wurden).

Was es jedenfalls nicht braucht ist das Zumüllen der Kinder mit Liebes-Ersatz in Form von Scheinzuwendung durch den heutzutage so wohlfeilen materiellen Aufwand bis zum Überdruss – inklusive SUV Transport bis fast hinein in den Kindergarten, und später die auffälligsten Protzereien des bewussten Einzelkindes gegenüber seinen etwas schlichter daher kommenden Klassenkameraden. Nicht die Altersgenossen werden dabei bloßgestellt – sondern allein der kleine Protz-wider-Willen.

Und – vergesst alsbald all den PiPi-Kram aus der Berater- und (Pseudo-) Psychologen-Riege

…und vieles andere mehr.

Die Hilflosigkeit und Unbeholfenheit zu solchen Aufgaben kann man doch garnicht besser darstellen als durch einen mit Fragezeichen derart gesättigten, zugemüllten, vollends unleserlichen Leitartikel des Herrn Heinrich Wefing. – Hans von Schack


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Es geht ja möglicherweise noch viel weiter. Die Bereiche, in die der Populismus sich eineschleicht und in denen man ihm vielleicht nur noch „bedingt abwehrbereit“ gegenüber steht, sind mittlerweile  eventuell noch größer, als man vermuten könnte.

Lesen Sie doch einmal im Wirtschftsteil DIE Zeit N° 8, „Die Welt wird immer instabiler“.

Dort sagt die Oxfam-Leiterin Winnie Byanyima: „Wir erleben seit einigen Jahren, dass die Reichen und die großen Konzerne die globalen Regeln immer stärker zu ihren Gunsten umschreiben, und deshalb wird die Welt immer ungerechter. Die gute Nachricht ist: Jeder vernünftige Mensch versteht, dass wir das ändern müssen.“ – und DIE ZEIT reagiert: „Wir wundern uns über Ihren Optimismus.“

Angesichts der Erörterungen in Ihrem oben genannten Artikel, hätte man doch eine wachsam-aufgeklärte Entgegenung erwarten müssen, wie etwa: „Wir wundern uns über Ihren Populismus. In Würdigung Ihrer Erkenntnisse wäre das doch für ein Flaggschiff-Medium das mindeste gewesen. Oder nicht?  – Bernd Nickel


Leserbrief zu „Martin, wir wollen den Sieg von dir!“ von Matthias Geis

Den Titel möchte ich nicht schreiben – der ist einfach daneben, wenn auch damit klar zum Ausdruck kommt, dass es hier um etwas undifferenziertes geht. Es sieht so aus, als würden die Gestalter der Seite schon wissen, dass da was faul ist: Wenn Fans von den Beatles in Ekstase geraten sind damals, war das privat und hatte keine politischen Auswirkungen für alle.

Wenn Menschen in Ekstase fallen wegen Martin Schulz, ist Alarm angesagt, weil die Projektionen auf Schulz keine privaten sind, sondern politische Auswirkungen haben werden. Bisherige Leistungen, Fehlleistungen, Habitus und Persönlichkeitsstruktur müssen schon auch beachtet werden, nicht nur das, was jemand so in Worte fasst, um bewundert zu werden.

Ekstase ist eine emotionale Projektion. Für ein verantwortliches Kreuz bei der Wahl braucht es schon eine vollständige Wahrnehmung.

Das Foto ist die eigentlich wichtige Aussage, wenn auch verschlüsselt. Ob das ekstatische Schulz-Anhänger blicken (wollen)? –  Heike Schalles


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Nach Ihrer Aussage ist Elite für die haßerfüllte rechtsgerichtete Szene gleich Bildung/Kultur, die sich als „Verteidigung der einst etablierten Ordnung“ sieht.Warum ist das in der Vergangenheit (Kolonialismus, Faschismus, Rassismus, Antisemitismus) so gelaufen und setzt sich bis heute fort? weil die Kluft zwischen beiden Extremen nicht behoben worden ist.Die weiterhin bestehende große Bildungsungleichheit bedingt durch die Kluft zwischen Arm und Reich, sprich Chancenungleichheit ist u.a. die  Ursache dieses wieder aufbrechenden Übels. Wo waren für Millionen Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und den daraus resultierenden zerrütteten Familien und  geschädigten Kindern und Jugendlichen angepaßte Kampagnen für breite politische Bildung, öffentliche Diskussionsveranstaltungen auf verständlichem Niveau, bezahlbare Kunst- und Kulturangebote in Institutionen, ausreichenden, gut ausgestatteten Ganztagsschulen und Jugendzentren, um ihnen Gelegenheit des Verstehens und Lernens politischer Zusammenhänge zu ermöglichen? Weil dies nicht- oder nur unzureichend geschehen ist, sondern Ungleichheit im Gegenteil weiter zunimmt, erleben wir nun erneut europa- und weltweit die erschreckenden Konsequenzen, von denen wir in naiver Weise geglaubt hatten, daß der demokratische Westen sie für immer überwunden hätte.

So wie wir nicht anerkennen wollen, daß die Flüchtlinge indirekt das Produkt der Kolonisation mit nachfolgender Unterstützung der z.T. daraus resultierenden Diktaturen waren und  sind bei weiterhin bestehender Ausbeutung dieser Länder durch den Westen, so verharmlosen wir die eklatante Chancenlosigkeit hinsichtlich Bildung und Aufstieg eines großen Teils der Bevölkerung hier und erst recht welt und wundern uns auch noch. – Teresa Scholl


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Ihr Artikel in der Zeit Nr.8, „Hass auf die da oben“ hat mich sehr beeindruckt, bringt er das Problem doch nicht nur auf den Punkt, sondern analysiert es präzis und in aller Nüchterheit.

Er zeigt die Gefahr des neuerlichen Erfolges von macht= besessenen und verantwortungslosen Volkstribunen und man kann nur hoffen, dass Ihr Aufruf zum Nachdenken über die verheerenden Folgen gehört und ernst genommen wird !!

Gerade in der augenblicklichen politischen Situation können wir es in unserem Land nicht leisten, Populisten nachzulaufen. – Dr.Richard Stolze


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Ich habe Ihren o.g. Artikel mit großem Interesse gelesen.

Sie beschreiben darin den „naturalistischen Fehlschluss“ der Rechten, nach dem nur das unverbildet Rohe echt und edel sein könne.

Interessanter Weise habe ich in den letzten Wochen in den gentrifizierten Vierteln Kölns die Beobachtung gemacht, dass auch die Linke und die bourgeoise Elite einem ähnlichen Denkmuster anhängen; hier wird das „einfache und natürliche Leben“ als Leitbild verfolgt.

Das treibt nun in dieser Spielart wiederum absurde Blüten, den vermeintlich konsumverzichtenden Hyperkonsumismus von Manufakturware haben sie in Ihrer Zeitung vor einigen Wochen in der Rubrik Z anschaulich dargestellt.

Urban Gardening, Stadthonig und Bio-Rote Beete vom eigenen Balkon müssen als naturverbundenes Leben herhalten.

Studenten und Studentinnen kleiden sich in Outdoor-Funktionskleidung gegen die Unbillen des Stadtklimas, während die Arrivierten und Betuchten in englischen Filzstiefeln und Wachssteppjacken mit trekkergroßen Landrovern kalbsgroße Hunde durch enge urbane Viertel chauffieren.

Auch in dieser Gruppe, die die neue Rechte als „Elite“ darstellt sehe ich eine große Entfremdung (im ungefähr Marxschen Sinne) gegenüber unseren Lebensumständen.

Dieser wird auf ähnlich absurde Weise begegnet; wo jedoch die neue Rechte die Unsicherheit nach außen trägt und aktionistisch Abschottung gegen die Globalisierung und einen vermeintlichen Feind von außen fordert, flüchtet sich die „Elite“ in ein ebenso exklusives biedermeierliches urbanes Bullerbü.

Dieses Stadtidyll darf jedoch in seiner Schizophrenie nicht hinterfragt werden, daher bleibt man lieber unter seinesgleichen, damit die Widersprüche nicht offensichtlich bleiben.

Auch dies ist also eine Bewegung der Distinktion und der Spaltung. Für die, die den habituellen „secret handshake“ kennen und die finanziellen Mittel haben, um mitzuspielen.

Letztendlich sehe ich es so:

Wir leben in einer „westlichen Welt“, in der unbequeme, selbstverschuldete Konflikte beginnen, uns einzuholen.

Die Rechte reagiert mit einer aggressiven Gegenbewegung nach außen, die Linke reagiert mit einem eskapistischem Selbstbetrug, den aufrechtzuerhalten viel habituelle und diskursive Disziplin verlangt.

(Es bliebe zu untersuchen, ob die Verteidigung der habituellen und diskursiven Grenzen, innerhalb derer dieser Selbstbetrug funktioniert, nicht mit den von der Rechten oft erhobenen Lügenpresse- und Political Correctness-Vorwürfen zusammenhängt.)

Ich hoffe, dass ich mich klar ausdrücken konnte und dass ich vielleicht einen interessanten Gedanken habe formulieren können. – Gereon Stefer


Leserbrief zu “ Déjà-vu in Rüsselsheim: Opel steht zum Verkauf“ von Dietmar H. Lamparter und Claas Tatje

Jedoch dreht es sich hier vielmehr darum wie es bei den Opelanern weiter gehen könnte und wie sehr der PSA – Konzern schon jetzt bei OPEL mitredet und nicht wie GM die Opeltochter besonders in den letzten 8 Jahren geradezu heruntergeknebelt.  Ein Recherchierender blick auf die Verkaufsstrategien in den Autohäusern hätte gezeigt wie sehr GM die Opelproduktpalette  aus dem Markt drückt. Es gibt mittlerweile zu fast jedem Opelmodel ein passendes Zwillingsmodell von Chevrolet zu einem wesentlich geringeren Preis. Es handelt sich hier um Technisch nahezu identische Fahrzeuge und werden paralel Da es kleineren Opel Autohäuser, die ausschließlich Opel anbieten, so gut wie gar nicht mehr gibt , wird der Kaufinteressent bei den großen Anbietern immer auch auf die günstigere Alternative von Chevrolet stoßen. Diese Vorgehensweise ist nicht geade Opelfreundlich, trifft allerdings leider den Zeitgeist der „ Einbahnstraßen„ denkenden Manager ! – Bodo Klimmek 


Leserbrief zu “ Hör zu, Boss!“ von Leonie Seifert

Vielen Dank für diese spannende Reportage, die uns auf den Nordcampus der Göttinger Universität führt, zum wohl letzten Ort der Wissenschaftswelt, an dem an der zentralen Frage der Wirtschaft geforscht wird: Wer hat die Kokosnuss geklaut?  – Peter Häußermann


Leserbrief zu “ Der Musterflüchtling“ von Nadine Ahr und Joanna Nottebrock

Die Bemerkungen des Chefarztes „Professor Willenbrock“ bzgl. der Arbeitsmoral deutscher Ärzte – sie tragen zu  seinem Leidwesen keine Anzüge zu Vorstellungsgesprächen, wollen ein Leben neben dem Beruf und auch noch Elternzeit – illustrieren die wichtigsten Gründe für den Ärztemangel an deutschen Kliniken: Steile Hierarchien und schlechte Work-Life-Balance. Hinzu kommt, dass gerade in den populäreren Disziplinen wie z.B. der Kinder- und Jugendmedizin, an den Kliniken über viele Jahre hinweg ausschließlich befristete Arbeitsverträge ausgegeben werden. Ärzte an Universitätskliniken können sogar bis zum 15 Jahren, bei Drittelmittelfinanzierung ihrer Stellen sogar darüber hinaus, befristet angestellt werden.

Weiterhin frage ich mich, wie die Einhaltung des Fastens am Ramadan mit der verantwortungsvollen Tätigkeit eines Arztes vereinbar sein soll. Hierunter muss zwangsläufig die Patientensicherheit leiden. Dieser Punkt wird in Ihrem Artikel leider nicht ausgeführt, zeigt aber deutlich, dass dem syrischen Kollegen seine Religion offenbar wichtiger als das Wohlergehen seiner Patienten zu sein scheint. Dies lässt mich dann doch sehr an seiner Integrationsfähigkeit zweifeln. – Dr. Sebastian Wien


Leserbrief zu „Prominent Ignoriert: Wahres Schwein“

Ach wie gut, dass es mal wieder die Gelegenheit gibt, über die sogenannte Agrarlobby her zuziehen. Ich verkneife mir den Drang, komplexe Zusammenhänge zu erklären, fände es allerdings erfrischend wenn zur Abwechslung beim Bashing um das Thema Landwirtschaft und Lebensmittel mal Verbraucher dran wären („Ist der Skandal erst aus dem Fernsehen, kann das 1-Euro-Schnitzel wieder auf dem Tisch stehen“) oder eine ausführliche Recherche darüber wie Großschlachtereien und Lebensmittelkonzerne ihre Einkaufspreise gestalten bzw diktieren. Bei Interesse vermittle ich gerne einen Kontakt zu einem, der Ihnen dazu tatsächliche praktische Erfahrung schildern kann. Bis dahin ist es aber wohl einfacher, in bewährter Manier die kleinste Lobby aufs Korn zu nehmen, kennt man ja schon.  – Inken Hansen


Leserbrief zu “ Hör zu, Boss!“ von Leonie Seifert

An der angegeben Stelle heisst es: Zwei Drittel (von 1000 Befrgaten) der Angestellten „halten“ Ihren Chef für charakterlich und fachlich ungeeignet.

Mit dieser Formulierung wird die Aussage in einen persönlichen Ermessensraum gestellt und damit relativiert (das ist eine Feststellung).

Eine andere, mögliche, Aussage ist: Gemäß einer Umfrage der Personalberatung Rochus Mummert sind Chefs überwiegend charakterlich und fachlich ungeeignet, wie 2/3 von 1000 befragten Angestellten angaben. – Raine Brings

P.S.: Wer,wenn nicht Betroffener, sollte das sonst anhanf welcher Kriterien beurteilen? Und welche Belege gibt es, diese Darstellung auszuschliessen?


Leserbrief zu “ Hör zu, Boss!“ von Leonie Seifert

Ohne Worte! Hat die letzten paar Sätze mal jemand gegengelesen? Was auf der krampfhaften Suche nach einem guten Schluss so alles schief gehen kann… – Jenny


Leserbrief zu „Atommacht D?“ von Josef Joffe

Auch nach siebzig Jahren kann sich niemand in Europa für nuklear bewaffnetes Deutschland erwärmen, und es ist gut so. Desto besser dass diese Option nicht mehr zu Disposition steht. –  Marek Pelc


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Der Begriff Elite wird anders als im Feuilleton vom 16.02. beschrieben nicht durch Personen besetzt sondern beschreibt eine Art moralische Keule die oft bei den kleinsten Gegebenheiten den Menschen hier im Land gezeigt wird. Vielleicht das beste Pseudonym für Elite ist das Unwort des Jahres 2015, der Gutmensch. Mit diesem Wort sind nicht die Mehrheit der hilfsbereiten Menschen in unserer Gesellschaft gemeint die sich in lobenswerter Weise um Flüchtlinge kümmern sondern die Wenigen, die mit vorwurfsvoller Mine einen Teil der Bevölkerung allein durch ihr auftreten als „Schlechtmensch“ deklarieren. Obwohl diese „Schlechtmenschen“ oft einfach keine Mittel, Zeit oder auch Bildung haben um sich im selben Maße zu angaschieren.

Weiter Beispiele wären der veggie Day der Grünen, Fuchs du hast die Ganz gestohlen im Magen einer Veganerin oder die ständige Nörgelei an der Polizeiarbeit in Deutschland usw. usw. usw.

2009 machte mich ein Kollege in einem Gymnasium in Bayern darauf aufmerksam, das Handwerker, die im Gebäude Arbeiten zu verrichten hatten um stehende Gymnasiasten herum laufen mussten obwohl die Handwerker oft schwere Lasten schleppten. Da die Realschule im selben Gebäude untergebracht ist schauten wir uns voller Neugier das Verhalten der Realschüler Schüler an. Wenn ein Handwerker schwer zu tragen hatte wichen diese Schüler automatisch aus.

Es geht nicht um eine Personengruppe oder einzelne Menschen, es geht um ein elitäres Verhalten, das wie es scheint bereits in den Gymnasien vermittelt wird. – Klaus Lang


Leserbrief zu “ Busse stehen kopf, Bürger auch“ von Hanno Rauterberg

Der Beitrag von Herrn Rautenberg irritiert und ärgert mich. Denkt man den Standpunkt des Autors zu Ende, dann müsste sich jeder Künstler, der sich heute mit seinem Werk in den öffentlichen Raum begibt, dem antidemokratischen Zeitgeist anbiedern und seine Kunst danach ausrichten, dialogunfähige Bürger nicht zu provozieren. Das wäre dann aber keine Kunst mehr. Kunst darf und soll provozieren. Sie mag Fragen aufwerfen, in erster Linie aber steht sie für sich selbst. Möglicherweise kann sie Dialoge befördern.

Wenn aber Betrachter etwas, was nicht in ihr enges Weltbild passt, von vornherein ablehnen und denunzieren, dann ist kein Dialog möglich. Dass aus dem „Friedensmal ein Zeichen des Zwists geworden“ ist, wie Herr Rautenberg beklagt, ist meines Erachtens nicht dem Künstler zuzuschreiben, sondern Zeichen der Dialogunfähigkeit und fehlenden Empathie seitens Pegida und Co. – Barbara Walther


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

in einem land , das laut „dauermeldung“ seiner kanzlerin von menschen und nicht von mündigen bürgern – war einmal

früher der normalzustand – bewohnt wird , braucht man sich nicht mehr wundern , wenn diese seelisch – geistige

dauer – verbalmassage zu einer verbreitung des „morbus postfaktus“ bei vielen geführt hat.

das bauchgefühl regiert ´halt und es ist ja auch so bequem!…wohl auch zum regieren…

wenn nämlich jeder das erledigen würde , was seine pflicht ist , dann wären die probleme eher marginal.

nun ist aber erziehung , unterrichten wie auch regieren meistens dröge und zähe „körnerarbeit“ –

nicht „prickelnd , spannend oder noch besser im mittelpunkt eines wie auch immer gearteten

öffentlichen interesses“ für den ausführenden protagonisten.

auch ist das lob ungewiss…

wichtiger scheint mittlerweile das positionieren und zerreden des anderen geworden zu sein , als  sich

mit dessen anliegen ernsthaft auseinanderzusetzen.

empathie und kritischer diskurs sind m.e. zu leeren worthülsen verkommen in einem alltag , in

dem sich viele nur noch um sich selbst drehen.

das wirkt sich nicht nur bei der erziehung und bildung von kindern aus!

sollte also houellebecq recht behalten mit seiner vision einer opportunistischen unterwerfung unter einen „neokapitalismus“ ? – Dr.Thomas Dieterle


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Es ist auch bezeichnend, dass der brisanteste und aufschlussreichste Artikel „Der Hass auf die da
oben“ im Feuilleton erscheint. Der Hype von Schulz zerlegt sich nicht von selbst, wenn er die Parolen
der Nationalisten gegen die Eliten übernimmt. Das ist Volksverdummung und sollte nicht als
Populismus abgetan werden. Die sogenannten Eliten, das sind auch die NGOs, die besten Kräfte aus
Wissenschaft, Philosophie, Wirtschaft und Umweltpolitik. Hetze gegen die Eliten machten die
Faschisten in aller Welt, heute angeführt von Putin, Erdogan und Trump. Die politischen Parteien werden dem internationalen Faschismus nichts entgegen setzen können, von sich aus werden sie keine Veränderungen herbeiführen, zu sehr sind sie den eigenen Machtansprüchen und den Lobbyisten ausgeliefert. Und was machen die sogenannten Nichtregierungsorganisationen? Der
Name sagte schon aus, dass sie auf verlorenem Posten sind, jede NGO hat sein eigenes
Betätigungsfeld auf dem sie nur partiell etwas bewirken und allein doch machtlos sind. Die Spenden
an die NGOs geben dem Bürger das Gefühl, dass er etwas getan hat zur Rettung der Welt. Dabei wäre es so einfach, Organisationen wie Greenpeace, Amnesty International, Club of Rome etc.
verfügen über arbeitsfähige Strukturen, sind keine Spontis, jedoch allein können sie nur wenig
bewirken. Das Beste wäre eine „Internationale der Eliten“, raus aus dem eigenen selbstgenügsamen
Anspruch auf Weltverbesserung. Der Name Elite sollte seinen entsprechenden Stellenwert erhalten,
das sie da ist um etwas zu verändern, den politischen Parteien nicht das Feld überlassen , den
Lobbyisten Paroli bieten, indem sie deren Aufgabe übernehmen. Eine Plattform für die Weltpolitik
erstellen, die UNO umkrempeln, Schluss machen mit Veto, die Massenmörder vor Gerichte stellen
und verhindern dass die Politiker ihnen in den Arsch kriechen. Die M enschen werden die neue
Organisation unterstützen mit Massendemonstrationen und Streik, wenn es nötig ist, Schluss mit
Verbot von „politischen“ Streiks. Und die Zeitungen wie die Zeit? Schluss machen mit ausgewogenen fein säuberlich recherchierten Artikeln, wirkliche Partei ergreifen, keine Angst vor Auflage, dann sind Zeitungen nicht besser als Politiker. Alles leicht gesagt, aber der Mensch, zusammen mit seinen Eliten, kann was bewegen, wenn er will. –Ulrich Trabandt


Leserbrief zu „Assads Hölle“ von Mohamed Amjahid

Das Interview mit Herrn Serrih treibt einen die Zornesröte ins Gesicht. Es ist erbärmlich wie der Westen hilflos daneben steht und das ganze Elend gewähren lässt. Statt sich mit Trump oder Putin täglich zu beschäftigen und sich in uferloser Kritik ergehen, sollten sie mit Trump und Putin nach einer schnellen Lösung suchen. Es ist auch ein großes Ärgernis, wenn die Medien ihre Arbeit nur noch im moralisieren sieht. Unsere politische Elite hat die Linie längst überschritten, um ihr noch Vertrauen entgegenzubringen. Der zur Zeit größte Populist Herr Schultz denkt nur an seine Partei, anstatt mit der seinen Kollegen und dem Koalitionspartner nach Wegen zu suchen, wie das Dilemma in Nahost minimiert werden kann.  Das wäre zielführende und ehrlichere Politik. Es muss doch möglich sein, in den Gefahrengebieten mit den Hilfskräften und der Bundeswehr Zentren vor Ort einzurichten, wo sie dem mörderischen Treiben der Terroristen einigermaßen sicher sind. Jetzt bei der Sicherheitskonferenz in München wäre es geboten gewesen, darüber ernsthaft zu sprechen. Was wird wieder gemacht: Hohlsprech und übermorgen geht man wieder auseinander und  es wird weiter wie bisher regiert.   – Gunter Knauer 


Leserbrief zu “ Der Musterflüchtling“ von Nadine Ahr und Joanna Nottebrock

Besten Dank zunächst einmal für einen guten Artikel. Ich schreibe Ihnen diesen Brief nicht unbedingt zur Veröffentlichung, sondern weil ich gern wissen möchte, was wirklich vorgegangen ist, und ob Sie dazu nicht-veröffentlichte Informationen haben. Denn eigentlich steckt da ein kleiner Skandal drin.

Wie Sie sagen, haben Sie Herrn Alkhyoti 9 Monate lang in Deutschland begleitet. Sie berichten allerdings auch über die Stationen seines Lebens bis zu seinem Eintreffen in Deutschland, — und da liegen ein paar potentiell unsaubere Knackpunkte im Tun des „Musterflüchtlings“, über die Sie allzu schnell hinweggehen.

Von der deutschen Botschaft im Libanon, so berichten Sie, habe er ein Visum für einen „Sprachkurs für Ärzte“ für 6 Monate bekommen. „Nach dem Sprachkurs würde er sich Arbeit als Arzt suchen, dann würde er seine Frau nachholen …“. Wie kann das sauber gehen ? Sie schreiben es zwar nicht, aber es klingt so als ob der Mann kein Wort Deutsch sprach, als er sich anmeldete. Da ist doch etwas faul. Sprachkurse für Ärzte, die bei der absoluten Beginnerstufe anfangen A-0 anfangen, gibt es meines Wissens nicht. Solche Spezialkurse machen sowieso (in jeder Sprache) erst Sinn ab der Stufe B-2.

Das Visum, das allgemein für „isolierte“ Sprachkurse (die nicht zum Studium führen) ausgestellt wird, läuft für 3 Monate und kann auf 12 Monate verlängert werden. Auf 6 Monate begrenzt wird es eigentlich nur, wenn nicht genügend finanzielle Mittel nachgewiesen werden konnten, um 12 Monate zu erreichen.

Jede Sprachschule weiß natürlich und informiert entsprechend, dass in 6 Monaten keinesfalls von A-0 aus eine Sprachkompetenz zu erreichen ist, die zur Ausübung ärztlicher Tätigkeit reicht. Das wäre nämlich die Stufe C-1, die man nach 1 Jahr harter Sprachhlernarbeit erreicht, währenddessen man allerdings keine Erwerbstätigkeit ausüben darf. Im übrigen ist das Visum für Sprachkurse nur verlängerbar über 12 Monate hinaus, wenn wiederum ausreichende finanzielle Mittel nachgewiesen werden; eine einfach anschließende Aufnahme von Erwerbstätigkeit ob als Arzt oder als Hilfsarbeiter ist ausgeschlossen.

Hier ist also, so mein Schluss, in einer Weise herumgetrickst und fehlinformiert worden, um ein Visum zu erhalten, dass einem die Haare zu Berge stehen. Und das soll ein „Muster“ sein ? Einfach mal Asyl beantragen, weil man keinen Job findet, den man ohnehin legal niemals hätte aufnehmen dürfen ? Ich hoffe bloß, der Trick spricht sich nicht überall herum !!! Ein prima Geschäft für die Sprachschulen tut sich da auf.

Um welche Sprachschule, die Herrn Alkhyoti ja schließlich für das Visum „einladen“ musste, handelt es sich eigentlich ? – Kurt Gamerschlag


Leserbreif zu “ Amerikas Wissenschaftler machen mobil – ein Aufstand für die Vernunft“ von Christoph Dösser

Auch Ihr Beitrag ist unaufrichtig. Trump wird keinen Gelehrten oder Wissenschaftlicher des Feldes verweisen.  Es geht um eine ganz andere Flüchtlingsgruppe, das sollten sie wissen. Flüchtlinge, die im Zuge der Volkswanderung gen Westen unterwegs sind und deren Identitäten unklar sind. Das hätte man auch bei uns so halten müssen. Auch die doppelten Staatsbürgerschaften waren schon verkehrt. Wer logisch denken kann, der wird auch zu dieser Erkenntnis kommen. Bei uns wird alles mit einer lebensfremden Ideologie erklärt.  – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Der Kampf um die Windmühlen“ von Christiane Grefe Und Stefan Schirmer

Dieser Streit dürfte nicht ausbrechen, wenn unsere Politik energisch ihre eigenen Vorschläge verfolgen würde, denn unser Umweltministerium hat ein 10-stöckiges Haus vorgestellt, das seinen ganzen Strom auf dem eigenen Gelände erzeugt (mit Wind und Sonne), also müsste die Industrie gezwungen werden, dass sie sich auf die Produktion solcher kleiner Einheiten umstellt, das wäre die konsequente Energiewende ohne Arbeitsplatzverluste und ohne Überlandleitungen. – Bernd Roth


Leserbrief zu „You’re fired“ von Steven Hill

Herr Hill zitiert in seinem Artikel die Anekdote von Henry Ford II und seinem Gewerkschafter. Die heutigen Technologiekonzerne scheinen es mir da einfacher zu haben:

Auf Twitter zum Beispiel seien ja angeblich inzwischen viele Bots aktiv, die fleissig retweeten und damit für „Umsatz“ sorgen. Dann braucht man auch den Menschen als Abnehmer der Nachrichten nicht mehr unbedingt. – Jochen Schmähling


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Heilige Einfalt! Ich weiß nicht, ob Ihre Recherche betreibende Louisa Reichstetter nur eine Fleißarbeit mit der „Kleinen Geschichte der Erziehung“ abliefern sollte, aber den hochkarätigen, im Impressum aufgeführten Redakteuren müsste doch aufgefallen sein, wie widersprüchlich die Angaben sind. Da wird der DDR vorgeworfen, „Erziehung erneut zu einem Mittel der Einschüchterung und Konformierung“ missbraucht zu haben, was sicher partiell zutrifft. Erhellend, ernüchternd und entlarvend ist jedoch der Hinweis aus dem Jahre 1970 (!). Da erfährt der erstaunte einstige DDR-Bürger, dass in diesem Jahr Bayern die Prügelstrafe in Schulen abgeschafft hat! Aber das hatte in Bayern sicher nichts mit Einschüchterung zu tun, sondern stärkte gewiss das Selbstbewusstsein der Geprügelten.

Dazu noch zwei Fakten: die Prügelstrafe in den Schulen wurde in der DDR im Jahr ihrer Gründung, 1949, abgeschafft; in der Bundesrepublik 1973 und in Bayern nicht 1970, sondern 1980. – Dr. paed. Lutz Behrens

 

09. Februar 2017 – Ausgabe 7

Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

„Verdienen diese Männer, was sie bekommen?“, lautet Ihre Titelfrage im Wirtschaftsressort. Vorsichtig deutet der Inhalt an, dass die Titelfrage mit sehr viel Berechtigung auch umgekehrt hätte lauten können: „Bekommen Krankenschwester, Bäcker oder Verkäuferin, was sie verdienen?“ Dahinter steht die Frage der Verhältnismäßigkeit, z.B. was die persönliche Arbeitsbelastung betrifft. Oder: Wenn das Gehalt „oben“ als o.k. angesehen wird, was ja sein kann, wieviel müsste man „unten“ draufpacken, damit es gerecht bleibt?

Wie bedeutend dieser Tenor werden könnte, machen die ersten Reaktionen auf die vom Gerechtigkeitsthema geprägte Kandidatur von Martin Schulz deutlich. Ob der Kandidat dies Thema glaubwürdig durchhalten kann, muss er noch beweisen.

Das Thema „Gerechtigkeit“selbst, längst nicht nur den Lohn betreffend. so scheint mir, wird Bestand haben.  Daran könnte sich entscheiden, welchen Erfolg die gefährliche Stimmungsmache der Populisten haben wird, die unser demokratisches Gemeinwesen bedroht. – Reinhard Kniepkamp


Leserbrief zu „Ich will Verbote!“ von Sebastian Dalkowski

Sie mögen sich wundern, dass ich nicht zu den „Christian Lindners und Freihandelsphilosophen“ dieser Welt gehöre, und beim Lesen Ihres Artikels dennoch über Ihre weltfremde und naive Argumentation schockiert war.

Ich bin SPD-Mitglied und weder ein Fan von Sigmar Gabriels anbiederndem Stil gegenüber Lobbyisten (Schulz und Steinmeier sei Dank, hat das nun ja auch endlich ein Ende) noch von der FDP, obwohl ich Herrn Lindner – Inhalte mal beiseite – für ein rhetorisches Ass halte und seine Pressekonferenzen stets mit Freude verfolge.

Herr Dalkowski prangert die Bequemlichkeit unserer Gesellschaft an, deren Konsum nicht von Nachhaltigkeit für die Umwelt und nachfolgende Generationen geprägt ist. Damit hat er selbstverständlich recht.

Aber kann es die Lösung sein, Verbote zu fordern, nur damit „wir uns keine Gedanken mehr darüber machen, ob das, was wir tun, der Umwelt oder unseren Mitmenschen schadet“? Solch einen Zustand als neue Freiheit zu propagieren? Frei nach dem Motto: „Kann nicht sein, was nicht sein darf“? Das wäre bequem, verdammt bequem, und zudem ein Armutszeugnis für eine sozial-liberale Gesellschaft!

Besten Dank für das Lesen meines ersten (!) Leserbriefes – Vanessa Theil


Leserbrief zu „Ich will Verbote!“ von Sebastian Dalkowski

In der Umwelt – Diktatur des Herrn Dalkowski würde ich nicht leben wollen! Und: ich esse täglich Salat -habe aber noch nie den an der Kühltheke in Plastik verpackten Fertigsalat mit Plastik Gabel erworben.

Den gibt es nur, weil Leute wie der Autor ihn kaufen. Ließen sie es sein, würde er verschwinden, ganz ohne Verbot! –  Elisabeth Mayer


Leserbrief zu “ Kalter Bürgerkrieg“ von Moritz Aisslinger, Kerstin Kohlenberg Und Nicola Meier

In der aktuellen Ausgabe der ZEIT findet sich in dem ansonsten sehr aufmunternden und hoffnungsvollen Dossier auf S. 14 die Bildunterschrift: „1.2.2017, Standing Rock, North Dakota: Ein Indianer protestiert gegen den Bau einer Ölpipeline“. Indianer?? Sind das nicht die rothäutigen Gesellen mit dem Federschmuck auf dem Kopf, die Friedenspfeife rauchen, wenn sie nicht gerade johlend ums Lagerfeuer tanzen oder auf Büffel schießen? Ich finde, es wäre der ZEIT angemessen, wenn die Redakteure sich in diesem Zusammenhang die Bezeichnung „Native Americans“ angewöhnen könnte, statt mit dem I-Wort weiterhin Klischeepflege zu betreiben. – Nora Oehmichen


Leserbrief zu „Mit dem Panzer mittendurch“ von Mia Raben

Zur polnisch-jüdischen Geschichte gehört auch der Hirtenbrief des Primas der polnischen röm.-katholischen Kirche Kardinal Hlond von 1936. Hierin heißt es wörtlich: „Es besteht ein jüdisches Problem, und es wird weiter bestehen, solange Juden Juden bleiben…Es ist Fakt, daß die Juden die katholische Kirche bekämpfen; sie sind Freidenker und bilden die Vorhut des Atheismus, der bolschewistischen Bewegung und revolutionärer Aktivität. Es ist Fakt, daß der jüdische Einfluß auf die Moral fatal ist. Ihre Verleger verbreiten pornographische Literatur. Es ist wahr, daß die Juden betrügen, Wucher betreiben und weiße Sklaverei. Es ist wahr, daß in Schulen der Einfluß der jüdischen Jugend auf die katholische Jugend von einem religiösen und ethischen Gesichtspunkt aus bösartig ist. Aber,  so ist es eben“.

Zitiert nach: Celia S. Heller, On the Edge of Destruction, New York 1980, S.113 Das Buch stellt klar, daß die Polen die Juden bereits an den Rand der Vernichtung getrieben hatten und die Deutschen diese nur noch vollenden mußten. – Prof.em.Dr.Karl-Heinz Kuhlmann


Leserbrief zu „Die Schande von Dortmund“ von Martin Machowecz

Ihre Analyse scheint mir verfehlt. Sie schreiben der Hass rühre aus einer Haltung westdeutscher Besitzstandswahrung. Dem widerspreche ich. Vereine wie Dynamo Dresden, Hansa Rostock oder Energie Cottbus spielten jahrelang in den obersten beiden Ligen mit ohne sich ähnlichen Anfeindungen ausgesetzt zu sehen wie neuerdings RB Leipzig.

Auch die Hoffenheimer sahen sich schon mit verschmähenden Plakaten der Etablierten beleidigt.

Und ja, die Schläger sind das hässliche Gesicht der m.E. weit verbreiteten Ablehnung dieser Retorten à la RB, 1899 oder Wolfsburg. Auch ich habe mit deutlich mehr Herzblut Fußball geschaut, als noch nicht immer die gleichen gewonnen haben und auch die Kleinen große Erfolge feierten. Wenn man aber um Erfolg zu haben seinen Namen und seine Farben preisgeben muss, ist das zumindest schade für den Sport und bestimmt ein Zeichen der Zeit.

„Und Ihr macht unseren Sport kaputt“ richtet sich nicht gegen ostdeutsche sondern ist der verzweifelte Ruf nach Fußballromantik. –  Stefan Weingärtner


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Neben dem Betrug ist die Untreue der wesentlichste Tatbestand des Wirtschaftsstrafrechts.  Die gültige Fassung des Untreuetatbestandes stammt vom Juni 1933 (!) und wird von  vielen Experten zu Recht als viel zu unbestimmt und unscharf angesehen.  Die jüngsten Exzesse bei der Vergütung und Versorgung von Vorständen bei Daimler, VW und  der Deutschen Bank, um nur die Spitze des Eisberges zu nennen, wären undenkbar, wenn  die dafür verantwortlichen Aufsichtsräte wegen Untreue zur Rechenschaft gezogen werden  könnten.  Ohne Änderungen in der Gesetzgebung bzw. in der Rechtsprechung wird sich nichts bewegen. Wie sie ganz richtig schreiben – von altgedienten Managern in den Aufsichtsräten ist nicht zu erwarten, „dass sie ein System austrocknen, das sie selbst so gut genährt hat und noch bis heute nährt.“  – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Ich will Verbote!“ von Sebastian Dalkowski

Ein Riesenlob für Ihren Artikel „Ich will Verbote“ in der aktuellen Ausgabe der Zeit. 100%ige Zustimmung. Von selbst passiert nichts – auf Eigenverantwortung zu setzen bringt nichts, weil sehr viele (die meisten) von uns einfach zu egoistisch oder zu bequem sind. Der Artikel sollte an jedes Mitglied des Bundestages verteilt werden. Ich bin sehr gespannt auf die Reaktionen der anderen Leser ;-).  – Marianne Haslbeck


Leserbrief zum Titelthema „Aufstehen gegen Trump“

Wie schon bei Trumps Charakterisierung der NATO als „obsolete“ haben Sie auch „We make America great again“ offenbar zu vordergründig interpretiert. Hat er nicht gesagt „We make America grate again“?

(Um Ihnen den Blick ins Wörterbuich zu ersparen: to grate – verärgern, beleidigen, verletzen) –  Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Feuer im Herzen“ von Evelyn Finger

Bei aller Sympathie für den hoffnungsfrohen Artikel der geschätzten Evelyn Finger (u. dem Lob für diese Seite in der ZEIT) in Sachen Ökumene erscheinen mir  Anfragen not-wendig über das bessere ökum. Klima, „die neue Freundschaft“… hinaus.

Es bleibt das zentrale ökum. Thema der vielen konfessionsverbindenden Paare u. Familien (was die kath. Amtskirche betrifft) weiterhin ungelöst in der „noch nicht möglichen vollen Gemeinschaft im Herrenmahl“ (im neuen Wort der DBK, u.a. auch zur Zulassung wiederverheiratet Geschiedener). Dabei ist die „Zulassung konfessions- verbindender Ehepaare zur Kommunion …ja theologisch längst geklärt – das bleibt aber offiziell wirkungslos“ (Johanna Rahner, Die ZEIT v.2.2.2017, 46).

Was soll diese rituelle Ökumene-Rhetorik vom „Schmerz der Trennung zwischen den Kirchen…in einer solchen Ehe“?!

Schon 1970 äußerte Prof.(!) Kasper: „Die konfessionellen Differenzen sind heute höchstens zweit- oder drittrangig, daß man allen Ernstes fragen muss, ob wir überhaupt noch das Recht haben, in getrennten Kirchen zu leben“ (Publik v.

6.11., S. 23).

Wann, wenn nicht hier u. jetzt im Jahr des Reformationsgedenkens 2017 ist es an der Zeit für ökum. Aufbruch u. Bewegung. „In dieser ökumenischen Perspektive könnte 2017 für ev. wie kath. Christen eine Chance sein. Wir sollten sie nutzen.

Es täte beiden Kirchen gut, vielen Menschen, die darauf warten, u. der Welt, die zumal heute unser gemeinsames Zeugnis braucht“ (Kardinal Kasper, 2016). – Karl-Dieter Müller


Leserbrief zu “ Sind Auffanglager in Nordafrika sinnvoll?“ von Mariam Lau und Caterina Lobenstein

Mitgefühl für die Flüchtlinge wird nicht reichen, die Probleme der Migration in diesem Europa in den Griff zu bekommen. Die Emotionalität, die aus dem Artikel von  Caterina Lobenstein spricht, ist kein Ansatz für eine Erfolg versprechende Lösung. Es ist derzeit sicher unrealistisch anzunehmen, daß die EU-Mitglieder sich auf eine gerechte Verteilung ankommender Migranten verständigen und ein entsprechendes Abkommen auch vollziehen.

Deutschland allein wird nicht in der Lage sein, einen Flüchtlingsandrang wie im Herbst 2015 nochmals zu verkraften, es würde höchstwahrscheinlich politisch kollabieren, nicht nur wegen der AFD. Eine tragfähige Lösung des Problems bietet Frau Lobenstein nicht an. Das Argument, daß mit Auffanglagern das Asylrecht abgeschafft würde, reicht nicht aus. Wie Mariam Lau bin ich der Auffassung, daß das Genfer Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge von 1951 nur zu retten ist, wenn alle aufnehmenden Bevölkerungen es auch akzeptieren. Anzumerken ist, daß unser grundgesetzlich geschütztes Asylrecht, wie es zur Zeit praktiziert wird, von den Gründern der Verfassung nicht so vorgesehen war. Realistisches Vorgehen ist angesagt. – Klaus Grasenick  


Leserbrief zu „Unheimlich entspannt“ von Elisabeth Raether

In Ihrem Artikel beklagen Sie sich darüber, dass die deutsche Öffentlichkeit mit „vollständiger Leidenschaftslosigkeit zur Kenntnis nimmt“, dass Marine Le Pen die Präsidentschaftswahlen in Frankreich gewinnen könnte.

Meiner Meinung nach gibt in unserem Lande viele Menschen, die das mit großer Sorge erkennen und die dabei durchaus nicht leidenschaftslos sind.

Sie beschreiben (durchaus richtig), was nach einem Sieg Le Pens passieren könnte und fragen am Ende Ihres Artikels:

„Wo sind die Antworten der Deutschen? Wo sind die Vorschläge derer, die Europa nicht zerstören wollen?“

Jetzt frage ich Sie: Wo sind Ihre Antworten, wo sind Ihre Vorschläge? Sie geben in Ihrem Artikel nicht ansatzweise zu erkennen, was Sie anders machen würden, oder was Sie konkret von der „leidenschaftslosen deutschen Öffentlichkeit“ erwarten.

Soll ich mir ein Plakat malen „Le Pen muss weg!“ und durch meine kleine Stadt laufen? – Hans-Peter Dropschewski


Leserbrief zu „Die Schande von Dortmund“ von Martin Machowecz

Der Beitrag von Martin Machowecz trifft den Nagel auf den Kopf. Die Vorbehalte und Vorwürfe, mit denen sich RB Leipzig vor allem seit dem Aufstieg in die erste Bundesliga konfrontiert sieht, sind unerträglich und mehr als scheinheilig. Wenn man dem Verein vorwirft, er sei ein „Retortenverein“, der nur dank eines Großsponsors so erfolgreich agiert, dann möge man bitte auch die anderen Spitzenvereine des deutschen Fußballs nach diesem Maßstab beurteilen. Sind Vereine wie Bayern München oder Borussia Dortmund nicht nur so erfolgreich, weil sie für Millionen Spieler anderer Clubs aus dem In- und Ausland kaufen und das Geld dafür dürfte bei weitem nicht allein aus den Erlösen für die Eintrittskarten aus den Spielen stammen. Im Übrigen sind die Gehälter der Manager dieser Clubs und die ihrer Spieler mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches höher als bei RB Leipzig. Man sollte also nicht mit Steinen werfen, wenn man selber im Glashaus sitzt.

Was die Ausschreitungen im Spiel gegen RB Leipzig letzen Samstag betrifft, ist mir unbegreiflich, wie trotz angeblich regider Einlasskontrollen derartig viele und große Transparente mit ihren üblen Parolen in die Arena gelangen konnten. War das etwa sogar gewollt? Auch das Agieren des Herrn Watzke im Vorfeld des Spieles sowie das Verhalten des Trainers während des Spieles dürften die Stimmung im Stadion im negativen Sinne angeheizt haben. Beide sehen das offensichtlich bis heute völlig anders. Ihre lapidaren Entschuldigungen vor der Presse lassen mich zu dieser Schlussfolgerung kommen. –  Dr. Karlheinz Großkopf


Leserbrief zu “ Kalter Bürgerkrieg“ von Moritz Aisslinger, Kerstin Kohlenberg Und Nicola Meier

Zum Nachtisch gibt’s einen Druckfehler zum Schmunzeln. Letzte Spalte S. 15: „… in Aquakulturen werden unter Wärmelappen Fische gezüchtet.“ Bekommt da jeder Fisch seinen eigenen Lappen?  Erwärmt und erheitert grüßt – Almut Stribeck


Leserbrief zu „Die Schande von Dortmund“ von Martin Machowecz

10 Gebote für Borussia

Sehr geehrter Herr Watzke! Verehrter Herr Zorc! Lieber Thomas Tuchel!

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Als MSV Duisburg Fan liebe ich die Borussia bei sieben guten Jahren mit Jürgen Klopp; dazu unglaublichen Spielen, deren Verlauf (Malaga z. B.) manches Mal ans Wunderbare grenzten … Ich schätze Thomas Tuchel mit seiner Mainzer Herkunft.

Jetzt müsst ihr handeln; die (Fußball-) Welt will Taten sehen.

Wenn Ihr Charakter habt – und das habt Ihr – würdet Ihr – und jetzt folgen meine 10 Gebote –

1.- beim nächsten Heimspiel der Leipziger in Eurem Stadion Plakate mit Entschuldigung zeigen.

  1. Eine Menschenkette rund um das Stadion für fairen Fußball („Fußball ist Liebe“) zulassen und dazu ermutigen.
  2. Würde Thomas Tuchel einige Worte  v o r  dem nächsten Heimspiel an die Fans richten; besser noch: Sie zu dritt. Dazu eine Anzeige in den Zeitungen und der Stadionpost.
  3. Würden Sie die Gastfreundschaft der Dortmunder erwecken (geht mit gutem Beispiel voran!) und die harmlosen Leipziger Fans vor oder nach der Begegnung zu Euch nach Hause einladen: am besten Übernachtung mit Frühstück.
  4. Würden Sie – als Wiedergutmachung – ein Heim der Salisianer Don Boscos, einem Orden für Straßenkinder und Straßenfußballer in allen Teilen der Welt unterstützen. Monatlich mit einer spürbaren Summe (5000 Euro?).
  5. Würdet Ihr Euch um eine Versachlichung in der Diskussion über Sponsoren bemühen, wie Bayer, SAP, DB, Audi und VW, Signal Versicherung, Telekom und natürlich Brausehersteller.
  6. Erinnert Euch an Eure Wurzeln: die Anfänge des BVB gehen auf einen katholischen Geistlichen (Kaplan) zurück; eine Dank- und Gedenkminute für die restlichen Heimspiele ist sinnvoll.
  7. Die verletzten Fans und Polizisten schließt Ihr in Euer Gebet ein. Der Stadionsprecher könnte dieses Gebet einladend vortragen und dem Spiel voranstellen.
  8. Ihr bittet die kommenden Schiedsrichter in einer vergleichbaren Situation das Spiel mit dem Anpfiff gleichzeitig abzupfeifen; denn das Spiel, das keines ist, ist dann schon vor dem Spiel gelaufen.
  9. Geht zu den nächsten Spielen zu Fuß ins Stadion und geht in Euch!

Euer Fußball, Klopp und den BVB liebender Bernhard Weskamp

Ich bin katholischer Pfarrer im Ruhrgebiet, MSV Fan und Straßenfußballer … – Bernd Weskamp


Leserbrief zu „Jetzt ist es an uns!“

Sollte bis zur Bundestagswahl 2017 möglichst jede Woche in allen Tageszeitungen erscheinen.  In Oberschulen, Fachschulen,Universitäten, etc. aushängen! An öffentliche Werbeflächen plakatiert werden!

Finanziert durch Spenden! Vielleicht stehen auch öffentliche Mittel zur Verfügung!? – Dieter Krause


Leserbrief zu “ Sind Auffanglager in Nordafrika sinnvoll?“ von Mariam Lau und Caterina Lobenstein

Jährlich fließen ca. 1000 Milliarden Dollar aus den armen Ländern zu uns, den Reichsten dieser Erde. Tendenz stark zunehmend. Diese Gelder werden in schlecht regierten Ländern durch korrupte Machenschaften erworben und in den sicheren Hafen rechtsstaatlich geschützter Märkte geschleust. Unsere Politik lässt beide Seiten gewähren. Diese systematische Ausbeutung der Armen ist die wahre Schande für den Westen. Solange unsere Wertegemeinschaft dies nicht unterbindet, sind keine wirklichen Lösungen in Sicht. Mit 1000 Milliarden Dollar pro Jahr könnten sich die armen Länder vielleicht sogar selbst auffangen. Ohne Lager. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zum Titelthema „Aufstehen gegen Trump“

Auf der Titelseite der „Zeit“ vom 9. Februar stehen zwei Fotos. Das linke Foto zeigt eine Frau in einer Menschenmenge mit offenem Mund und zwei hochgereckten Mittelfingern. Das rechte Foto zeigt Donald Trump im Profil bei starkem Gegenwind mit verzerrtem Gesicht, Sturmfrisur und einer nach hinten wehenden Krawatte. Die Unterzeile zu diesen Fotos lautet: „In ganz Amerika formiert sich Widerstand gegen den Präsidenten – und zeigt Wirkung“ Ja, der Widerstand zeigt Wirkung, aber leider genau die Wirkung, die Donald Trump auch beabsichtigt: Hass und Angst!

Trump macht seit seinem Amtsantritt genau dort weiter, wo er im Wahlkampf aufgehört hat. Seine Dekrete, Aussagen, Interviews und Tweeds haben nur ein Ziel, Hass und Angst zu säen. Dies ist ihm, Dank der Medien, auch schon im Wahlkampf sehr gut gelungen. Kein anderer Präsident der USA hat ein Land so sehr gespalten und wurde wenige Tage nach seinem Amtsantritt so sehr gehasst, wie Trump. Leider macht der Hass nicht an Ländergrenzen halt und so wurde der Hass durch die Medien über die ganze Welt gespült. Kaum eine Talkshow in Deutschland, die sich seit 3 Wochen nicht mit Trump und den Auswirkungen seiner Politik beschäftigt. Was will Trump? Wie gefährlich ist Trump? Müssen wir uns in Europa schützen? Was wird mit der Nato? Nicht nur die USA, auch Europa und die Welt ist verunsichert. Muslime, Schwule und Mexikaner haben sogar Angst vor Trump. Und das ist genau sein Ziel. Trump möchte Hass und Angst verbreiten und dies gelingt ihm seit seinem Amtsantritt leider sehr sehr gut. Applaus gab es ja schon von den „Fachleuten“ in Sachen  „Angst, Schrecken und Hass“, Al Quaida und IS.

Wir tuen gut daran, nicht die Mittelfinger in die Höhe zu recken und dem Hass und der Angst keinen Raum zu geben. Die USA, aber auch Europa und Deutschland können diesem Mann klar und deutlich entgegentreten, mit Werten, mit dem Hinweis auf Menschenrechten und mit ganz viel Liebe und Achtung. Liebe ist das Gegenteil von Hass und deutlich größer und stärker.“ – Ralf Huber


Leserbrief zu “ Sind Auffanglager in Nordafrika sinnvoll?“ von Mariam Lau und Caterina Lobenstein

Caterina Lobenstein weiß genau, welche Probleme  Transferzentren in Nordafrika mit sich bringen könnten, doch was sind ihre Alternativen? Die EU ist heute in der Asylpolitik tief gespalten, Schleuser bringen ihre „Kunden“ in Lebensgefahr, Menschen ohne Bleiberecht stehen nach Monaten oder gar Jahren vor der Abschiebung. Außerdem werden unsere Politiker nicht müde zu versichern, dass es Flüchtlingsströme wie 2015 nicht mehr geben dürfe. Das wird derzeit leider nur mit Transferzentren in Nordafrika gehen, hoffentlich bald verbunden mit einem europäischen Asylrecht und einem modernen Einwanderungsrecht. Es könnte auch viele skeptische EU-Bürger überzeugen, wenn die „Weltmeister der Willkommenskultur“ die Realitäten zur Kenntnis nähmen. Eine vom Philosophen Lichtenberg stammende Weisheit besagt: “ Man weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“ – Brigitte Schellnhuber


Leserbrief zu „Die Schande von Dortmund“ von Martin Machowecz

Sehr verwundert habe ich den Artikel „Die Schande von Dortmund“ in der letzten Ausgabe gelesen. Herr Machowecz führt Rasenballsport Leipzig als Gegengift für den Populismus ein und bedient sich dabei eines unfassbaren Populismuses. Zunächst wird den Anhängern von Borussia Dortmund wieder einmal völlig zu Unrecht vorgeworfen sie würden vor der voranschreitenden Kommerziallisierung des eigenen Vereins die Augen verschließen, was jeglicher Grundlage entbehrt. So ist vor allem die Fanszene in Dortmund dafür bekannt, sich bei kritischen Fragen des öfteren auch gegen den eigenen Verein zu äußern, sei es in Fragen der Ticketpreise oder bei der fragwürdigen Auswahl der Länder, in denen man seine Trainingslager abhält.

Anschließend wird wieder einmal fernab jeglicher Grundlage ein West-Ost Konflikt heraufbeschworen, der plötzlich der Grund für die Ausschreitungen sein soll. Wie man zu dieser Einschätzung kommen kann, ist aufgrund des friedlichen Pokalspiels von Union Berlin in Dortmund, in keinster Weise nachzuvollziehen. Ähnliche Proteste gegen einen Verein, wie man sie zuletzt im Stadion sehen konnte waren lediglich gegen die TSG aus Hoffenheim zu verzeichnen, die nun wahrlich keinen Ost-Verein darstellt. Auch die Behauptung, diese Anhänger würden den Fußball in den Händen jener (westdeutschen) Vereine halten wollen, die schon immer da waren, zeigt wie wenig sich hier mit dem Protest an sich auseinander gesetzt wurde. Der Protest richtet sich durchaus gegen die Übernahme von Fußballvereinen, durch Geschäftsmänner und Milliardäre, die den Sport für ihre Zwecke benutzen. Davon kann man halten was man möchte und man kann natürlich argumentieren, dass dieses Verhalten nicht erst durch Rasenballsport Leipzig Einzug in den deutschen Fußball erhielt. Was sich nicht verschweigen lässt, ist das Rasenballsport Leipzig eine neue Dimension dessen darstellt. Ein Verein, der offensichtlich keine Mitglieder möchte, der das Logo des Sponsors im Vereinswappen trägt und der einen Namen für einen Verein erfinden muss wie „Rasenball“ um das charakterische RB zu erschaffen, hat in dieser Form zuvor nicht exisitiert. Interessant wäre zu sehen was passiert, sollten Union Berlin oder Dynamo Dresden den Sprung in die Erstklassigkeit dieses Jahr schaffen. Ähnliche Proteste sind hier nicht zwingend zu erwarten.

Zu guter Letzt wird Rasenballsport Leipzig dann noch als der einzige Verein in Deutschland bezeichnet, der es schafft pure Leidenschaft mit absoluter Gewaltlosigkeit zu kombinieren. Mal abgesehen davon, dass durch diese Aussage etlichen Amateurvereinen die Leidenschaft abgesprochen wird, sollte man vor einer solchen Aussage doch erst einmal die Entwicklung in Leipzig abwarten. Das erste Jahr in der Bundesliga ist sicherlich nicht das Ende der Fahnenstange und ob in fünf bis zehn Jahren die Stimmung in Leipzig immer noch so familiär ist kann bezweifelt werden. So stellt das Stadion auch gewissermaßen immer einen Querschnitt der Bevölkerung dar und ob potentielle „Randalierer“ nicht auch aus Leipzig kommen und eines Tages den Weg in den Fanblock finden bleibt abzuwarten.

Insgesamt wird ein einmaliger Vorgang, der hier keineswegs schön geredet werden soll, genutzt um Konflikte heraufzubeschwören, die nicht exisitieren und einer Fanszene werden Dinge vorgeworfen, die sich faktisch nicht begründen lassen. Vielleicht sollte der Autor des Textes öfter Spiele des Gegengifts für Populismus besuchen.  – Daniel Hülsmann


Leserbrief zu „Was wir von den Medien erwarten dürfen“ von Uwe Jean Heuser

Vielen Dank für diesen äußerst realistischen Blick auf die Medienwelt. Obwohl vollkommene Objektivität unmöglich ist, haben Sie Recht, dass zu häufig ein zu einseitiges oder überzogenes Bild der Realität gezeichnet wird. Hinzu kommt, dass Finanzexperten und andere Fachleute in Wirtschaft, Politik, Fernsehen und Printmedien häufig mit einem unfassbaren Maß an Zuversicht zukünftige Entwicklungen vorhersagen möchten. Studien* haben gezeigt, dass vermeintliche Experten kaum bessere Vorhersagen treffen als es ein Münzwurf tun würde. Und dennoch wägen wir Leserinnen und Leser uns in der Sicherheit, einen aufschlussreichen und erhellenden Blick in die Zukunft zu erhalten. „Die Illusion, wir verstünden die Vergangenheit, fördert die Überschätzung unserer Fähigkeit, die Zukunft vorherzusagen“, schrieb Kahneman treffend. Ich vermute, daran wird sich auch in Zukunft nicht viel ändern. Das Eingeständnis, die Welt ist zum großen Teil von Zufall bestimmt, ist vielen eine zu unangenehme Wahrheit. – Dario Sonnenburg


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

In einer freien Marktwirtschaft können Aufsichtsrat (inkl. Gewerkschaften!), Vorstand und die Aktionäre Vergütungen frei aushandeln und gewähren.

Wenn es die Firma verkraften kann, ist das deren Sache.

Es bleibt dem Staat (also den Bürgern) durch die Steuergesetzgebung überlassen, welcher Anteil dem Gemeinwohl zusteht.

Bis zu einem als fair angesehenen Betrag könnte die Steuerlast günstiger gestaltet werden als bei Einkommen weit darüber. So bliebe es den Managern überlassen, ob sie eher viel verdienen oder eher weniger Steuern zahlen wollen.

Beides sollte sich ausschließen.

Das setzt natürlich eine entsprechend besetzte und befähigte Steuerfahndung voraus, die dann auch eintreibt was der Gemeinheit zusteht. (merkwürdig, daß die Steuerfahndung meist so gravierend unterbesetzt ist! „Ein Schelm, wer…“)

Und es setzt voraus, daß auch für große Vermögen oder Großverdiener eine Offenbarungspflicht bestünde, ähnlich wie die Pflicht zur Offenlegung für ALG II-Empfänger. (irgendwo habe ich mal gelesen, vor dem Gesetz seien alle gleich. Wo war das nur? „Ein Schelm, wer…“)

Allerdings fördert dies wieder nur den anhaltenden Reflex der Politik, für alles neue Steuern zu erfinden und draufzusatteln.

Anstatt das bestehende Steuersystem endlich einfacher und gerechter zu machen.

Seit dem „Die-Steuer-paßt-auf-einen-Bierdeckel-Wahlkampf“ hört man allerdings in dieser Richtung nichts mehr („Ein Schelm, wer…“)

Es setzt natürlich auch voraus, daß sich die Politik mit Experten (z.B. Steuerprofessoren) zusammensetzen müßte und daranginge Probleme im Hier und Jetzt anzugehen und zu lösen, anstatt sie immer in die Zukunft zu verschieben und den nachfolgenden Generationen aufzuhalsen.

Daran scheint die Politik aus „unerfindlichen“ Gründen kein Interesse zu haben. („Ein Schelm, wer…“) – Wolfgang Michel 


Leserbrief zu „Was wir von den Medien erwarten dürfen“ von Uwe Jean Heuser

Besten Dank für dieses artistische Kunststück, nämlich:

Mit der einen Hand sich „an der eigenen Nase zu fassen“ und mit der anderen Hand „vor der eigenen Haustür zu kehren“!

Diese Form von Sichtbarmachung, können nur die Medien leisten, weder die Politik, noch die Wirtschaft, noch die Religionen können das!

Deshalb ist es so wichtig, dass Sie hier den Vorreiter geben!

Warum sollte also die Kolumne FAKT ODER FAKE nur während dieses Wahljahres erscheinen? Die brauchen wir immer! – Horst Köppl


Leserbrief zu „Unheimlich entspannt“ von Elisabeth Raether

Wir Menschen mit unseren Allmacht Vorstellungen. So überheblich und von uns selbst überschätzt. Glauben wir könnten Dinge ignorieren, nur weil sie uns nicht gefallen. Wir schränken unseren Blick absichtlich ein. Sehen die Krisen, die Unsicherheit durch Kriege, Hunger, Flüchtlingsströme, Wirtschaftsturbulenzen, Umwelthemen, Digitalisierungswahn usw. und blenden aus. Es überfordert uns.

Daher der Wunsch, die Zeit zurückzudrehen. Alles soll so sein wie früher. Sich wieder vor der Außenbedrohung sicher fühlen! Früher war nicht alles so schnell, unübersichtlich und beängstigend. Die Menge der Bedrohungen war geringer. Es gab Ost und West, es gab die Guten und die Bösen. Es gab die Retter und die Zerstörer. Jetzt weiß man gar nicht mehr so genau, wo der richtige Weg ist. Eine klare Zuordnung wird immer schwieriger.  Die Fronten verwischen immer mehr. Was ist richtig, und was ist falsch? (Das Sicherheitsgefühl nimmt immer mehr ab.)

Dieses Ausblenden ist zum großen Teil einfach nur menschlich. Um zu funktionieren und uns auf Alltägliches zu konzentrieren, müssen wir diese Fähigkeit haben. Ausblenden bedeutet aber auch, man kann es wieder einblenden. Was jetzt passiert ist, dass es ignoriert, dementiert und verneint wird. Umweltprobleme werden dementiert. Die sind nicht Mensch gemacht. Ganz normale Zyklen. Kriege, Hunger und Flüchtlingsströme gehen uns nicht an.  Das sind Probleme Anderer.

Wenn wir dann völlig überfordert sind, vereinfachen wir. Dann wollen wir nur Antworten. Das ist schon mal besser als keine Antworten. Richtungsweisungen. Ansagen, wohin wir gehen sollen. Die, die wir dafür gewählt haben, richten das schon. Die Rufe nach Trump, Putin, Erdogan, die Wählerstimmen sind nichts anderes als ein Ruf der Verzweiflung. Zuerst war da die Angst vor den vielen unverständlichen neuen Dingen der Globalisierung, dann wird man abgehängt und das Versprechen, dass es jeder folgenden Generation immer bessergehen wird, ist gebrochen. Daraus entsteht die Wut. Aus der Wut heraus blenden wir vieles aus.

Wir Menschen mit unseren Allmacht Vorstellungen, leben nicht jeder für sich, sondern in einer großen, weltweit vernetzten, voneinander abhängigen Welt, mit einer wachsenden Weltbevölkerung. Die vernetzte digitalisierte Welt hat die Welt kleiner werden lassen. Es hat die Menschen näher zusammengebracht. Und diese Vernetzung können wir nicht mehr abstellen! Das werden auch die Autokraten nicht. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen.

Der Mensch ist ein Herdentier. Man will sich in Nischen mit seiner Herde zurückziehen. In Nationalismen, Patriotismus und Abschottung. Wir können jedoch die Perspektive nicht einfach nach innen kehren und dann wird alles wieder gut. Die Probleme sind vielfältig und dürfen und können nur mit nachhaltigen, demokratisch legitimierten Mitteln justiert werden. Das Aufweichen der Gewaltenteilung, die Einschränkungen der Meinungsfreiheit, die Zensur, die Machtanhäufung einzelner Personen und auf der anderen Seite, der Ruf nach den starken Männern und Frauen (J) die alles richten werden, sind gefährlich. Die Heilsversprecher, wie Trump, Putin, Erdogan, Orban, in Südamerika und auf der ganzen Welt versprechen genau diese einfachen Lösungen! Und die Menschen wollen Lösungen haben. Nur die sind nicht so einfach! Man will den Lügen glauben. Da steckt auch irgendwie ein Teil Wahrheit drinnen?!!? Wird so gesagt!

Diese Überheblichkeit führt uns dazu, kurzfristig zu denken und zu emotionalen, statt zu rationalen Lösungen, zu kommen.  Die kleine Herde ist uns wichtiger als der verwirrende Blick nach außen. Auch das führt uns dazu, einer starken Führungspersönlichkeit folgen zu wollen .Wir sind ein Teil von einem Ganzen. Ganz individuell und einzigartig, wie so vieles auf diesem Planeten. Wir tun alle und alles miteinander. Unsere DNA, unsere Baustoffe, unsere Bestandteile sind von dieser Erde. Wir sind aus den Baustoffen der Erde entstanden, so wie alles Leben auf diesen Wurzeln beruht. Es ist ein fortwährender Entwicklungsprozess. Alles wächst, gedeiht, blüht auf und stirbt. Das Sterben schafft den Humus damit Neues wachsen, entstehen kann. Wie immer, das einzige was sicher ist, ist, dass es sich verändert. Auch die Weltordnung und Wirtschaftsordnungen unterliegen Veränderungen. Diese Veränderungen finden gerade statt.

Die Nato, EU, WTO (Welthandelsorganisation) und viele Multinationale Vereinbarungen werden in Frage gestellt. Der Brexit ist Realität. Bilaterales und Nationales werden in den Mittelpunkt gestellt. Handelskriege, mit dem Mittel der Währungskriege und Strafzöllen sind angekündigt. Reise- und Meinungsfreit gehen zurück. Trump hat eine ganze Glaubensgemeinschaft ausgeladen. Ganze Weltregionen, so wie große Teile Afrikas, werden mehr und mehr alleingelassen. Multinationale Interessen der Regierungen nehmen ab. Wir gehen in eine andere Ära. Viel Bekanntes wird zerstört. Stirbt ab.

Die Frage ist doch eigentlich: Was bewirkt dieser Rechtsruck, dieser erstarkende Nationalismus dieser Ruf nach Stärke? Bringt er die Isolierung oder bringt er die Anderen, uns, dazu, näher zusammen zu rücken? Lässt es uns nicht besser erahnen was wir überhaupt wollen? Ein Teil ist Demokratie, mit Meinungs- und Pressefreiheit, Minderheitenrechte, Gewaltenteilung. Ein anderer Teil ist eine intakte Umwelt, Frieden, materieller emotionaler und sozialer Wohlstand in denen Kompromisse erarbeitet werden. Nicht der Stärkere setzt sich durch. Aus unserer Blase aussteigen und kämpfen, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Aufwachen und die Augen aufmachen! Der Umbruch, der gerade stattfindet, ist real.

Die Welt ist geteilt. Gespalten. Es gibt die eine Masse der Nationalisten, aber es gibt auch eine große Masse, die diese Veränderungen kaum ertragen können, fassungslos, und erst langsam anfangen zu begreifen, was hier passiert. Aber bitte nicht gleich wieder einschlafen! Bitte nicht gleich einlullen lassen, mit den Aussagen “das wird schon wieder“! Wir stehen dem ganzen scheinbar hilflos gegenüber. Wir müssen dem aber entgegenstehen. Nicht klein beigeben.

Nicht der Lauteste und der Stärkste hat recht. Auch mit leiser Stimme, Zurückhaltung und Freundlichkeit kann man seine Meinung gut vertreten.

Kleine Bewegungen! Justierungen! Wir können beeinflussen, wir beeinflussen. Jeder in seinem Umfeld, indem wir reden und unsere Werte verteidigen. Wir haben unser Bewusstsein und können zielgerichtet agieren und kommunizieren. Die Demokratie retten. Ein Kulturkampf entsteht.

Geplant werden muss für die Zeit nach dieser Ära des Vandalismus. Nicht der anderen Masse den Raum kampflos übergeben!! Auf dem Humus der abgestorbenen alten Ordnung wird Neues wachsen müssen. Lasst uns nicht die Scherben wieder zusammenkitten, sondern andere, neue Weltordnungen, Wirtschaftsordnungen, globale internationale Organisationen, Weltregierungen denken. Dazu gehört es, die Privatvermögen zu begrenzen. Dass sich niemals wieder ein Mensch eine Präsidentschaft der USA mit seinem Privatvermögen erkaufen kann. Eine Weltregierung mit dem Auftrag der Nachhaltigkeit erarbeiten. Eine Wirtschaftsordnung mit mehr regionalen Wachstumsansätzen durchsetzen. Weltwährungsreform mit einer globalen Währung wissenschaftlich erforschen. Börsenregulierungen strukturieren, u.v.m.

Ich fühle mich als Mensch aus Deutschland, Europäischer Bürger, Demokrat und Weltbürger besser als als Weißer, Christ und Deutscher mit Wut im Bauch. – Tilman Hans Gotschlich


Leserbrief zu „Splatter-Star Trump“ von Josef Joffe

Ihre eigene Zeitung Herr Joffe betreibt munter die Trump-Hysterie. Man vermisst die klugen Analysen, die Sie postulieren. Auch Sie vermeiden das Aufbauschen nicht in Sachen Trump, was immerhin eine Stufe unter der Trump-Hysterie ist. – Marek Pelc


Leserbrief zu “ Sind Auffanglager in Nordafrika sinnvoll?“ von Mariam Lau und Caterina Lobenstein

Ich möchte hier meine bescheidene Meinung zu den beiden kurzen Artikeln pro und contra Auffanglager in Nordafrika loswerden.

Was bringt es, eine Stimme für Auffanglager sprechen zu lassen und sie auf der gleichen Seite wieder zum Schweigen zu bringen?

Der Beitrag von Frau Lobenstein ist ein hilfloser Aufschrei nach Solidarität, die in Europa scheinbar abhanden gekommen ist. Er entkräftet alle Argumente in Laus Artikel, nennt aber keine Alternativen.

Wer sich bis Nordafrika durchgeschlagen hat, den wird ein abgelehnter Asylantrag nicht aufhalten, die gefährliche Überfahrt nach Europa zu wagen. Schwarzafrikaner, die nach einer besseren Lebensperspektive suchen, deren Flucht von Familie und Freunden unter Entbehrungen mitfinanziert wurde, werden es mit allen Mitteln versuchen, nach Europa zu gelangen.

Was wir aber brauchen ist Optimismus.

Eine Alternative wäre, dass die Flüchtenden Asylanträge in ihren Heimatländern stellen. Dafür muss Europa Ressourcen in den Auslandsvertretungen der EU-Länder zur Verfügung stellen. Es gäbe weniger Sprachprobleme, die Hilfe könnte direkt vor Ort ansetzen. Traumatische Fluchterfahrungen, Schlepperwesen und überfüllte Schlauchboote wären Geschichte.

Frau Lobensteins Artikel knüpft in sehr destruktiver Weise an Herr Laus Artikel an und lässt den Leser mit einem Gefühl, dass man doch sowieso nichts ändern könne, allein.

Wir aber brauchen mehr Optimismus und den Mut zur Alternative. – Wilfried Fuß


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Danke für die Recherche und den wenigstens ansatzweise kritischen Artikel. Was mir fehlt ist das Erkennen eines Zusammenhangs mit der zerrütteten politischen Glaubwürdigkeit und Bindekraft – und der Mitverantwortung der genannten Lenker dafür. Diese bestimmen seit Jahren die Argumentationslinien der Politik. Die FDP tat es in den 90ern als „Neiddebatte“ ab, wenn man warnte vor den Auswüchsen in den Chefetagen. Seit Jahren dient noch jede Partei in Regierungsverantwortung mehrheitlich der Ideologie dieser Herren, die zu einer gesellschaftlichen Zersplitterung geführt hat. Und das bei vorhandenem Reichtum. Wem fühlen sich die Herren mit Ihrem „Eigentum“ denn verpflichtet? Was für fade Begriffe dienen den Konzernlenkern zur Erklärung Ihrer abgehobenen Bezüge. Da ist die Welt am auseinanderfliegen und sie sprechen von „kontraproduktiv“ und „weltfremd“, wenn man zaghaft auf ihre Mitverantwortung für die gesellschaftlichen Fliehkräfte, ja die Schattenseite ihrer Entscheidungen anspricht. Da wird als „legitim“ bezeichnet, was als entfesselter Ego-Wahn Schwächeren die Luft abdrückt. Und als „legal“ wird bezeichnet, was ganze Heerscharen von Anwälten an Gesetzeslücken aufspüren, um dem Staat, also der Allgemeinheit, Steuermittel zu entziehen. Und das nennen wir dann unser westliches Modell. Und darin wird dann in der Not das „unternehmerische Risiko“ auf die Öffentlichkeit abgewälzt. Gewinne, das wissen wir, werden dagegen gerne privatisiert. Solche scheinbar „legale und legitime“ Umverteilung bedeutet Diskriminierung in Reinform und wirkt zunehmend zersetzend und explosiv.

Und es scheint tatsächlich kaum mehr ein Unterschied zwischen einer auf die eigene Machtfülle ausgelegten und bei Bedarf menschenverachtenden Selbstherrlichkeit und den Mechanismen bei Hofe zu Zeiten des Sonnenkönigs.

In Ihrem Blatt vergleichen Sie den Führungsstil des Unternehmers Donald Trump mit dem von Kaisern und Königen in der absolutistischen Zeit. Mag sein.

Aber erscheint es nicht als eine logische Konsequenz des politischen „Marktmechanismus“, die Weltgeschehnisse gleich direkt – ohne Vermittlung durch Politiker – durch Konzernlenker zu entscheiden? Mit Trump fällt doch lediglich eine Maske ab und es wird die hässliche Einseitigkeit sichtbar, welche sich auf eigene Macht- oder Gewinnmaximierung fixiert und sich gegen friedlichen Handel und Wandel und gegen eine solidarische Ermöglichung von Leben und Leben lassen wendet: Ein für das Zusammenleben und allgemeine Wohlergehen und den demokratischen Rechtsstaat zerstörerischer Nationalismus kriecht aus dem Schatten. Umkehr, raus aus dem Reformstau steht an. – Kai Hansen


Leserbrief zu „Mein Gott, Schulz!“ von Marc Brost, Martina Kix Und Fabian Klask

Sind Sie schon auf diesem Nieveau angelangt um sich über Herrn Schulz an Jesus abzuarbeiten? Es ist ja denkbar dass Sie es gar nicht wollten, aber auf billigere Art und Weise können doch die, die so etwas verbreiten wollen gar nicht ihren Erfolg feiern. Es reicht doch, wernn diese armen Irren ihre Botschaft in dieser Form verbreiten, da kommen Sie legen diesen Chaoten den roten Teppich aus und geben denen die zweite Seite einer doch bisher noch seriösen Zeitung wie der „Zeit“. Durch Ihre Überhöhung von Herrn Schulz schaden Sie ihm höchstens, statt ihm zu helfen.

Ja, Jesus war auch politisch aktiv, aber in diese Höhen ist bisher kein Mensch, kein Politiker gekommen und auch Herr Schulz wird das nicht schaffen. Außerdem ist Ihre Art der Darstellung ein Faustschlag für jeden gläubigen Christ und anderer Jesusverehrende Gläubigen ins Gesicht, ganzeinfach zum kotzen!!! Ich bin kein SPD-Parteimitglied, dennoch gehört Herr Schulz zu den Personen denen man ob seiner Aktivität Respekt zollen kann, ihn aber ob dessen ins „Gotthafte“ zu überhöhen ist in hohem Maße dem eigentlichen Thema abträglich und für Herrn Schulz schädlich. Dabei hat Herr Schulz bis jetzt eigentlich noch gar nichts gemacht für die deutsche Politik. Bitte jetzt verschonen Sie uns in Deutschland mit „Trumpschen“ Verhältnissen, was Sie bis angerichtet haben reicht bereits. – Dieter Fendesack


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

In Deutschland sind die Gehälter von Top- Managern unanständig hoch, das hat sogar ein hoher CDU- Politiker festgestellt. Die SPD möchte daher eine Obergrenze einführen, was zu einem Aufschrei bei den Betroffenen geführt hat. Eine Obergrenze für Gehälter mag auch verfassungsrechtlich bedenklich sein. Mich wundert aber, dass noch niemand auf den naheliegenden Gedanken gekommen ist, den Spitzensteuersatz stufenweise zu erhöhen. Das Bundesverfassungsgericht hat nämlich in 2016 in einem Urteil festgestellt, dass Steuersätze auch oberhalb von 50 % zulässig sind. Zur Zeit beträgt der Spitzensteuersatz bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 53.666 €  42%, und steigt ab einem Einkommen von 254.000 € auf 45%. Was spricht eigentlich dagegen, hier noch etwas draufzulegen, es brauchen ja keine 80 % sein, wie in USA unter Roosevelt? Natürlich nicht nur für Wirtschaftskapitäne, sondern beispielsweise auch für Spitzenfußballer und Filmgrößen. Abgesehen von der damit erzielten „sozialen Gerechtigkeit“ würde auch der Fiskus von den erhöhten Steuereinnahmen profitieren. – Dr. Peter Dodel


Leserbrief zu „Ich will Verbote!“ von Sebastian Dalkowski

Der Turbokapitalismus des 21.Jahrhunderts ist darauf angewiesen, dass der enthemmte Konsument ohne gewissenhaftes Abwägen und ökologische Skrupel zugreift bei allem, was die Produktpalette bereit  hält. Seine Verfechter denken sich, um Kunden zu gewinnen, die bizarrsten Dinge aus, vom konsequent völlig wirkungslosen Medikament über Wegwerf-Geschirr bis hin zu rosagefärbten Globen und Erdbeerjoghurt ohne Erdbeeren. Wer all diese Dinge braucht? Wir nicht, aber unser ökonomisch-politisches System, das den Profit zum obersten Wert erhoben hat. Wie naiv muss man sein, um auf staatliche Verbote zu hoffen! – Susanne Windheuser


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Menschen die der Ansicht sind, dass sie hunderte Male mehr Wert sind als andere, tun mir persönlich Leid. Sie sind nach meiner Definition krank. Wenn ein System Kranke an die Spitze hievt, ist das System krank. Einziger Ausweg ist ein Systemwechsel. Bedingungsloses Grundeinkommen und ein Verhältnis von maximal 1:4 zwischen schlechtesten und besten Verdienst, wären Beispiele für Schritte in Richtung gesundes System. Stellt Euch vor keiner muss mehr um die Zukunft bangen. Das würde einen Motivationsschub hin zu einem besseren Leben auslösen. Dann können wir diesen Herren mit ihren Millionen helfen gesund und zufriedener zu werden. – Martin Novotny


Leserbrief zu „Hier gibt’s am wenigsten für Ihr Geld“ von M. Breitinger Und J. Tönnesmann

Mit Interesse habe ich den ZEIT-Beitrag über den Nahverkehr gelesen (Zeit #7, S. 22-23). Dazu folgende Bemerkungen:

1) Die Leistung oder Güte eines Nahverkehrs an den Faktoren „Preis Einzelfahrkarte“ und „Abfahrtenmenge“ zu messen, halte ich für zu vereinfachend  und nicht hilfreich, um eine abgewogene Beurteilung zu ermöglichen. Grundsätzliche finde ich den Ansatz, Fahrtmenge und Preise ins Verhältnis zu setzen sinnvoll. Mir ist aber nicht klar, warum ausgerechnet die Einzelfahrkarte einen Tarif repäsentativ abdeckt. Hier hätten auch Mehrfahrten- oder Monatstarife berücksichtigt werden sollen. Schon eine geringe Veränderung am Preis der Einzelfahrkarte hat einen großen Einfluss auf die Position und Bewertung einer Stadt. Auch bei der anderen Größe, der Anfahrtenmenge/Einwohner, fehlen mir weitere relevante und zu berücksichtigende Faktoren, beispielsweise die Netzabdekcung im 24-Stundenverlauf und die Dichte der Haltestellen bzw. räumliche Abdeckung von Stadtvierteln.

Die aus der Beurteilung gezogenen Schlüsse sind nur dann gültig, wenn die Ergebnisse auch bei veränderter Operationalisierung der Einflussgrößen (Abfahren, Preis) im Wesentlichen unverändert bleiben. Hat civity entsprechende Sensitivitätsanalysen durchgeführt? Wo können sich die Leser darüber informieren?

2) Bei der Beschreibung des Dresdner Nahverkehrs wird leider nicht beschrieben, auf welche Mengen von Fördergeldern oder sonstiger finanzieller Unterstützung die DVB zurückgreifen konnten. Das ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Aspekt, wenn im Vergleich von 2 Städten auch Ursachenforschung für die unterschiedliche Qualität beschrieben wird.

3) Den Vergleich der Abos finde ich unvollständig und damit irreführend. In den Ruhrgebietsstädten (Verkehrsverbund VRR) gibt es durchaus Monatskarten, die Extras wie Personen- oder Fahrradmitnahme  ermöglichen. Außerdem gibt es hier die Option, die Reichweite der Karte deutlich zu erweitern. Sofern es so ist, hätte die Infografik deutlich hervorheben sollen, dass sich die Preise auf die günstigste Monatskarte beziehen, die eine uneingeschränkte Nutzung im jeweiligen Stadtgebiet erlaubt.

Einigen Beobachtungen möchte ich hingegen ausdrücklich zustimmen, so z. B. dem Eindruck, dass Parkgebühren keine entsprechende Preissteigerung erfahren und das Parken ohne Parkticket (oder Falschparken) nicht ausreichend sanktioniert bzw. bepreist werden. – Christoph Schürmann


Leserbrief zu „Unheimlich entspannt“ von Elisabeth Raether

Marine Le Pen, Beppe Grillo, Geert Wilders: Ist ihr Erfolg nicht auch ein Resultat der sehr unsolidarischen, egoistischen Politik Deutschlands seit Schroeder ?  – Hermann Weigmann


„Die Verprollung der Politik“ von Adam Soboczynski

Den Hinweis in Sp.2, oben auf Adorno („Der Trumpismus, der auch ein Produkt der … Unterhaltungs- und Kulturindustrie ist, …“) möchte ich durch ein Wort von A. Schweitzer (1875-1965) ergänzen: „Die USA-Massenverblödung. die … immer mehr um sich greift, ist eine der schlimmsten Kriegsfolgen.“ – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Ohne großen Bruder “ von Adam Tooze

Zuerst wird in dem Beitrag ein demokratisch gewählter US-Präsident zum „narzisstischen Soziopathen“ erklärt. Es wird ihm weiter vorgeworfen, dass er – als Repräsentant US-Ameri8kanischer Interessen, von den Europäern nicht mehr über den Tisch ziehen lässt. Dies betrifft – wie Adam Tooze schreibt – sowohl militärische Angelegenheiten (Europa soll einen angemessenen Beitrag zu seiner eigenen Verteidigung leisten), wie auch in wirtschaftlichen Bereichen, wo sowohl – wie es bei Tooze steht – Washington, der IWF und die europäische Kommission den deutschen Handelsbilanzüberschuss beanstanden.

Es scheint, dass man diese beiden Forderungen – die jeder vernünftige, weitsichtige und gegenwartskritische USA-Politiker stellen sollte – als empörend und soziopathisch betrachtet. Dabei ergeben sie sich aus dem Kontext der augenblicklichen, weltweiten Krisensituation, die durch die hemmungslose Globalisierung und einen totalen Kontrollverlust über ihre Folgen (Finanz- und Migrationskrise) entstanden ist. Nur ein wilder Eber, wie Donald Trump, kann den ersten Schritt zu einer neuen Weltordnung schaffen. Sympathisch ist er mir nicht – doch es wird jetzt einer gebraucht, der den ersten brutalen Schritt in eine neue Richtung schafft. Evolutionär-allmählich kann man die angehäuften Weltprobleme der neoliberalen Globalisierungsprozesse und ihre Folgen – Migration, Elend in Afrika und abgehängte Verlierer neoliberaler und industrievernichtender Prozesse in Europa und den USA – nicht verifizieren. Man sollte dabei überlegen, ob es im Bereich des „Kapitals“ und der „Wall Street“, die immer wieder als Trump-Verbündete bemüht werden, ausschließlich neoliberale Fanatiker und unreflektierte, geldgierige Finanzweltspekulanten agieren. Ich glaube, dass es dort etwas differenzierte Positionen vertreten werden, die – auch bei Teilen der Wirtschaftswelt – aus der wachsenden Angst vor der unberechenbaren wirtschaftlichen Folgen der Globalisierung und der nicht mehr übersichtlichen, wie auch immer bedrohlich werdenden Finanzspekulation resultieren. Die bisherige Himbeerbub-Gutmensch-Politik, der abgehobene „Eliten-Liberalismus“ , wie auch die bereits unzählige, doch völlig unwirksame Geldfresser – die internationalen Organisationen mit UNO an der Spitze – sind offensichtlich nicht im Stande diese Probleme zu lösen und diesen Gefahren entgegenzuwirken. Sie stellen keine Problemlösungen dar, sie sind ein Teil der gegenwärtigen Probleme. Die sie tragende  Programmatik  ist nichts anders, als das falsche Bewusstsein der neoliberalen Globalisierung und der pseudoliberalen Eliten, die jetzt in vielen ihnen nicht genehmen Prozesse und Fakten, das Ende ihres Zeitalters wettern.

Desweiteren wäre es seitens der Europäer ausgesprochen dumm, eine Russlandpolitik ohne die USA und ohne eigene militärische Stärke zu betreiben. Eine enge Allianz zwischen Europa und Russland ohne die USA, wäre aus der Sicht der USA – übertrieben gesagt – fast ein „casus belli“ und gleichzeitig ein politisches Armutszeugnis der Europäer. Darüberhinaus, ist das tief marode Russland ein zukünftiges Wideraufbau- und Entwicklungsprojekt für die Europäer. Doch nicht zu vergessen: nur für die Europäer eine Nummer zu groß. Auch hier wird es nur zusammen mit den USA gehen.  Genau so ein Zukunftsprojekt ist der Nahe und der Mittlere Osten. Nach dem klar wird, wer dort die Steuer hält: die Türkei, der Iran oder (unwahrscheinlich, da zunehmend marode) Saudi-Arabien, wird es an die Arbeit gehen. Diese Beute müssen sich die USA und die Europäer auch teilen müssen. Dies geht auch nicht ohne den Aufbau einer europäischen Militärstärke und auch nicht ohne ein großes Projekt der Beherrschung und Kontrolle neoliberal-globalistischer Umtriebe. Es wird dabei wohl auch so sein, dass die Zukunft nicht internationaler Organisationen gehören wird, sondern einem neuen Modell der Zusammenarbeit starker Nationalmächte, die verstehen werden, dass nur über eine unter ihnen vereinbarte, streng durchgesetzte Kontrolle, eine sinnvolle  – also gerechte – Steuerung der globalen (nicht der globalistischen) Wirtschaftsentwicklung möglich wird.

Donald Trump ist vielleicht der Rammbock (doch kein Erfinder) dieser neuen Entwicklung. Um dies zu prüfen, sollte man nun aufhören zu jammern und zu schreien, zu schimpfen und zu blöken.  Man sollte endlich sachlicher und analytischer werden, sonst verpasst man vielleicht eine historische Wende. Vordenken – nicht nachdenken! Vielleicht geht eine Epoche Eine, in die wir noch allzu verliebt sind. – Dr. Andreas Billert


Leserbrief zu „PRÄVENTION: Gar nicht erst krank werden“

Leider ist es ein Trugschluss, dass man im Winter durch Stoßlüften die (relative) Luftfeuchte in Räumen erhöhen kann – es ist nämlich genau umgekehrt! Dazu folgender physikalischer Exkurs:

Luft nimmt mit steigender Temperatur bis zur jeweiligen Sättigung immer mehr Wasser(dampf) pro Kubikmeter (m³) auf: bei 0 °C ca. 2 g, bei 10 °C ca. 10  g, bei 20 °C ca. 20 g, bei 30° ca. 30 g; bei diesen Werten sind das jeweils 100 % Luftfeuchte. Ein trockenes Zimmer von 20 °C hat noch eine Feuchte von ca. 40 % und somit gibt es in dessen Luft noch 8 g/m³ Wasser. Beim Stoßlüften und einer Außentemperatur von ca.  0 °C sowie einer relativen (Außen-)Feuchte von 100 % (= Nebel) strömen 2 g/m³ in den Raum und 8 g/m³ hinaus. Die 2 g/m³ erwärmen sich auf 20 °C und sind dann nur noch 10 % relative Feuchte. Also ist der Raum jetzt trockener als vor dem Stoßlüften; q.e.d. – Volker Morstadt

PS: Wegen dieses Mechanismus können feuchte Keller nur im Winter durch Lüften trockengelegt werden, niemals jedoch im Sommer.


Leserbrief zu „Die Masche der Big Boys“ von Fritz Schaap

Tausend Dank für diesen anschaulichen Bericht, das Buch „Jeder Tag gehört dem Dieb“ von Teju Cole vertieft diese Dramatik und zeigt die Konfliktsituation auf, in der sich „Rückkehrer“ befinden! – Ruth Schütz


Leserbrief zu “ Entgleiste Leistung“  von Matthias Breitinger et al.

Soeben habe ich in der aktuellen Ausgabe unter Wirtschaft im Artikel „Entgleiste Leistungen“ gelesen, dass mein Ticket 2000 der Essener Verkehrs AG weder übertragbar sei noch die Mitnahme weiterer Personen oder eines Fahrrads anbiete. Das ist nicht richtig. Habe ich das Diagramm falsch interpretiert? Wie kommt es zu dieser inkorrekten Darstellung?

Das Aboticket der EVAG ist super: Werktags ab 19:00 und am Wochenende kann ich im ganzen Verkehrsverbund fahren und noch zwei Erwachsene und Fahrrad mitnehmen.

Übertragbar ist das Ticket ebenfalls.

Die meisten Ruhrgebietsstädte fahren dieses System, und auch die sind im Diagramm anders dargestellt. Für eine Erklärung wäre ich dankbar. – Katrin Sons


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Über die Höhe der Einkommen und Boni der Unternehmensvorstände oder Manager lässt sich streiten, falls sie mit der erforderlichen Sorgfalt, der gebotenen Umsicht, der dazugehörigen Kreativität und Seriosität ihre Unternehmen in die Zukunft führen und für den Erhalt der Arbeitsplätze in ihrem Verantwortungsbereich Sorge tragen. Im Gegenzug müssen sie jedoch zumindest finanziell geradestehen, falls sie durch Unfähigkeit, Misswirtschaft, frühzeitigen Abgang o. ä. ihren Unternehmen und somit auch den Arbeitnehmern Schaden zufügen.

Dennoch bleibt die gesamte Diskussion über die Managergehälter unglaubwürdig, da die “heiligen Kühe” der Nation in der seit Jahren im Raum stehenden Diskussion völlig außen vor bleiben: Dutzende, wenn nicht Hunderte von Profifußballspielern, sonnen sich in ihren Millionengehältern und verdienen zumindest gleichviel oder lachen die Unternehmensvorstände in finanzieller Hinsicht aus, zumal sie Verantwortung, falls hier dieser Begriff überhaupt zutrifft, für maximal zehn Mitspieler haben und auch bei schlechter Leistung und andauernder Formschwäche keine Abstriche im Einkommen befürchten müssen. Hier über eine adäquate Leistung zu sprechen, verbietet sich von selbst.  – Rudolf Pfadenhauer


Leserbrief zu “Seit’ an Seit’ mit den Arbeitgebern” von Claas Tatje

Die Vergütung der Mitarbeiter bei der IG Metall ist bestimmt 50% mit daran schuld, dass die Gewerkschaften zum zahnlosen Tiger geworden sind. Viele machten und machen bei den Arbeitgebern Karriere und bekommen viel Geld und Pensionen. Die Gehälter der Mitarbeiter bei der IGM sind fast geheim nur Insider wissen was sie bekommen. Noch geheimer sind die Gehälter der gewählten Funktionäre wie Bevollmächtigte der Verwaltungsstellen, Bezirke und Vorstand. Ich war lange Vertrauensmann und auf meine Frage „Was bekommt ihr brutto im Monat“ bekam ich nie eine Antwort oder es wurde hingewiesen was die Arbeitgeber bekommen und das müsste uns das auch wert sein. 10 000€/Monat für einen Bevollmächtigten einer mittelgroßen Verwaltungsstelle wird angenommen.  Was bekommt dann der 1. Vorsitzende (alles eingerechnet) brutto?

Das ist mit der Grund, (man kennt sich zugut) dass jahrelang die Tarifergebnisse mager ausfielen. Hätten die Funktionäre so viel wie die Tarifverträge der Mitglieder in den Betrieben würde es wahrscheinlich anders aussehen bei den Tariferhöhungen jedes Jahr. – Günther Preßer


Leserbrief zu „Bus und Bahn: Der Grosse Städtevergleich”

Die Zahl der Haltestellen-Abfahrten pro Tag und 100 Einwohner ist keineswegs ein fuer die Qualitaet des staedtischen Nahverkehrs aussagestarker Wert; dazu haengt er zu sehr von anderen Faktoren ab: Beispiele: (1) Wie leicht finde ich in der Innenstadt einen Parkplatz. (2) Wie eignet sich eine Stadt zum Radfahren; Beispiel Stuttgart, wo die unterschiedlichen Hoehenlagen das Radfahren behindert, eignet sich weniger als Hannover; Berge spielen also doch eine Rolle. (3) Das Vorhandesein von Schwester- oder Satellitenstaedten (Nuernberg: Fuerth bzw. Langwasser) wird mehr Menschen den oeffentlichen Nahverkehr in Ansruch nehmen lassen. Also: Ihr “grosser Staedtevergleich” sagt herzlich wenig aus ueber die jeweilige Qualitaet des staedtischen Nahverkehrs. Zeitverschwendung. – Hermann Weigmann


Leserbrief zu „Unheimlich entspannt“ von Elisabeth Raether

Seit 25 Jahren lebe ich nun in Frankreich, und bis zum Ende letzten Jahres war ich felsenfest davon überzeugt, dass Marine Le Pen niemals Präsidentin werden könnte. Doch muss ich der Analyse Ihres Leitartikels leider voll und ganz zustimmen. Donnerstag abend konnte man auf France 2 die « unheimlich entspannte » und siegessichere Marine Le Pen in voller Grösse auf sich wirken lassen.

  1. Fillon wird es sehr schwer haben, seine Affaire vergessen zu machen, und bei M. Macron ist für meinen Geschmack zu viel Heiterkeit und zu wenig Programm. Benoît Hamon scheint man in Deutschland nicht für voll zu nehmen, ich habe zumindest bisher noch keinen Kommentar über den einzigen Kandidaten mit einer postiven Vision für die französische Gesellschaft in der Zeit gelesen (meine einzige deutsche Quelle). Wie man es auch wendet, im Moment kann niemand Marine Le Pen gefährlich werden und ihre Wahl könnte dramatischere Folgen haben, als die Wahl Trumps. Hoffen wir, dass wir nicht Recht behalten !

Wenn ich Ihnen jedesmal schreiben würde, wenn mir ein Artikel von Ihnen besonders gefällt, würden meine Mails bald in Ihrem « spam » landen. Also nur kurz ein grosses Kompliment für Ihren Beitrag zum Feminismus. Hat mir sehr gefallen.

An der Küchenfront auch noch ein paar Komplimente : ich wollte schon schreiben, dass mir Ihre Texte (« Zutaten mit Migrationshintergrund ») noch besser gefallen als die Rezepte, aber das wäre gelogen, denn Letztere sind genial, wir essen mindestens zwei bis dreimal die Woche nach « E.R. ». Meine französischen Freundinnen fragen ebenfalls speziell nach Ihren Rezepten. Haben Sie schonmal darüber nachgedacht, Ihr Buch in Frankreich herauszubringen ?

Zum guten Schluss noch ein Rezept von meinem Blog, dass Ihnen gefallen könnte : Türkische Nudeln oder Pâtaturques unter https://letempsaujardin.com/2015/10/30/trop-de-persil/Heike Bourlier


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Wie steht es um die Idee, die deutsche Steuergesetzgebung zu entschlacken, zu effizientieren, „Schlupflöcher“ zu schließen? Und so von Höchstverdienern (wem dienen diese – eigentlich?) und damit von Konzernen das abzuverlangen, was jedem „normalen“ Arbeitnehmer und Unternehmer abverlangt wird: Der Solidarbeitrag zur Gesellschaft. Der Krieg ist vorüber, das Land wirtschaftlich saniert, weshalb noch steuerliche Anreize für Wachstum? Vielleicht kann die Redaktion ja in einem der nächsten Ausgaben den ausgewiesenen Gehältern einmal die tatsächlich entrichteten Steuern beiseit‘ stellen und das dann mal mit Durchschnittseinkommen vergleichen. Und vielleicht kann man mit den so möglicherweise gewonnen Geldern einen Grundstock für das bedingslose Grundauskommen legen. – Volker Homann


Leserbrief zu „Die Schande von Dortmund“ von Martin Machowecz

Ich lebe seit ca. 50 Jahren im Ausland und in meiner grenzenlosen Dummheit muss ich Vegessen haben, dass Fussball nicht an der Wiedervereinigung teilgenommen hat, da man im Jahr 2017 noch von ostdeutschen und westdeutschen Vereinen spricht;  Was geht mich der Holocaust an ? Als Deutscher, waehrend des Krieges geboren stelle ich die gleiche Frage, sehe ich doch den Holocaust als ein grausames und absolut verwerfliches historisches Ereignis,  Wie es im Laufe der Geschichte leider haeufig passiert is –nicht mehr und nicht weniger; Sagen Sie mir bitte jetzt welche Bedingungen man mir auferlegen sollte; Fuer meine schon geplante Reise in meine Heimat hoffe ich dass man mich unbehelligt ein – und aus-reisen laesst Und dass  ich mich nach wie vor  stolzer Besitzer eines deutschen Passes nennen darf ?  – Dr. Heinz Kestermann


Leserbrief zu „Hier gibt’s am wenigsten für Ihr Geld“ von M. Breitinger Und J. Tönnesmann

Bei Ihrer Leistungsrecherche im Nahverkehr des Ruhrgebietes, also VRR, ist Ihnen ein Fehler unterlaufen. Bei allen Abos des Ticket 1000 also Normalticket ist an Werktagen abends sowie an Wochenenden die Personenmitnahme ohne weitere Kosten möglich – was aber am Ergebnis nämlich dass es zu teuer ist, nichts ändert – Anna Konincks


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Frau und ich haben erst seit kurzem Ihre Zeitung abonniert, weil wir nach Jahrzehnten mit unserer hiesigenTageszeitung inhaltlich und stilistisch nicht mehr zufrieden waren. Aber über was Sie uns in dieser kurzen Zeit alles informiert haben, hätte ich nie für möglich gehalten. Um auf o.g Themen zurückzukommen, entsteht bei mir der Eindruck, dass in manchen Vorstandsetagen einige Raffkes, Nieten und Betrüger sitzen, die für ihr Fehlverhalten und ihre Mißwirtschaft auch noch hochbezahlt werden. Denn von „Verdienen“ im Sinne des Wortes kann ja keine Rede sein, wenn durch deren Agieren am Rande oder jenseits der Legalität für das jeweilige Unternehmen Milliardenschäden entstehen (z.B. Deutsche Bank oder VW) und letzten Endes Arbeitnehmer durch Entlassungen dafür büßen müssen, während die „feinen“ Herren auch noch Boni kassieren. Wenn dabei auch noch sogenannte Gewerkschaftler mit im Boot sitzen, die ja die Interessen der Arbeitnehmer vertreten und derartigen Mißständen entgegen treten sollten, dann kann ich nur sagen: Pfui Teufel! Weiter so, bleiben Sie dran. – Klaus Szogas


Leserbrief zu „Mein Gott, Schulz!“ von Marc Brost, Martina Kix Und Fabian Klask

Weder bin ich besonders religiös, schon gar nicht bigottisch. Aber, dass man dem „Herz-Jesu- Bild“ (Zeit Nr.7/2017) das Gesicht von Herrn Schulz verpasst, finde ich, geht zu weit.  Traurig, dass Ihre Zeitung so etwas ihren Lesern zumutet. Die sozialen Netzwerke (Internet) sind eine Seuche mit üblem Ausgang. Leserin der „Der Zeit seit Jahren“. – Helene Raffl


Leserbrief zu “ Kalter Bürgerkrieg“ von Moritz Aisslinger, Kerstin Kohlenberg Und Nicola Meier

Danke für den gut gemeinten Versuch der Klarstellung von jounalistischer Haltung. Aber m.E. geht es grundsätzlich nicht darum, ob der Anteil des fremdenfeindlichen Erlebnisses an der Entscheidung zur Kündigung nun 5% oder 80% betrug. Für mich ist jedes fremdenfeindliche Ereignis eines zu viel, da brauche ich keine Details. Die Beschreibung des Altenburger „Bürgerforums“ als ein „Grüppchen…“ empfinde ich als eine gefährliche Verharmlosung. Dort wird mit billigen populistischen und falschen Behauptungen Hass und Unfrieden gestiftet, auch gegen die Landrätin persönlich. Es geht – wenn schon von Komplexität die Rede ist – auch nicht nur um Altenburg. Es ist kein rechtes Nest. Aber: „Der Schoß ist fruchtbar noch“ – heißt es bei Brecht. Hass gegen Juden und Intellektuelle hat sich in Deutschland schon einmal verheerend in den Köpfen breitgemacht.

Das Dossier über Amerika zeigt mir, wie demokratisches Engagement und Pragmatismus gegenüber Einwanderern funktionieren kann. Warum melden sich bei uns nicht mehr prominente Vertreter von Wirtschaft, Verwaltung, Politik und intellektueller Elite zu Wort, um für Migranten einzutreten und Offenheit zu praktizieren? Mit Erschrecken fallen mir Parallelen auf, wenn deutsche Politiker die Abschiebung von Migranten als Wahlkampfmittel einsetzen, statt endlich Verantwortung zu übernehmen für gravierende Mängel im Umgang mit „Gefährdern“ im Falle des Berliner Attentats. Aber das alles scheint ja kaum jemanden in der Öffentlichkeit wirklich aufzuregen.  – Carola Arnold


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Ich finde es richtig, die Entlohnung der DAX-Chefs zu thematisieren, insbesondere die Mitwirkung von SPD Funktionsträgern beim höchsten bekannten Managergehalt des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des VW Konzerns, Herrn Winterkorn. Wenn jetzt, der von vielen als Heilsbringer der SPD gefeierte Herr Schulz (s. auch Mein Gott Schulz in der gleichen Ausgabe), wieder einmal wie seine Vorgänger Schröder und Gabriel, vollmundig von den hart arbeitenden kleinen Leuten spricht, und einen gesetzlichen Maximallohn fordert, dann empfinde ich das als Heuchelei und eine Beleidigung der Intelligenz der sogenannten „kleinen Leute“. Es ist zu befürchten, dass diese Doppelmoral weitere Wähler für rechtspopulistische Parolen empfänglich macht.  – Dieter Klein


Leserbrief zu „Die Gespenster von Belgrad“ von Andrea Jeska

als regelmäßiger Leser der ZEIT erscheinen mir Ihre Artikel zu allermeist seriös. Jedoch stoße ich heute in der aktuellen Ausgabe auf Seite 4 und 5 auf einen Bericht samt Fotos über die Flüchtlingssituation in Belgrad, daneben zwei Meinungsbeiträge zur Frage, ob Auffanglager für Flüchtlinge in Nordafrika sinnvoll seien samt einer Statisik zu auf der Flucht Ertrunkenen – und unmittelbar darunter eine Anzeige für eine Luxusuhr (siehe Anhang). Man wird quasi vor die Wahl gestellt, die EU-Flüchtlingspolitik zu kritisieren oder sich die neue Cartier-Uhr für 21.800 Euro zu kaufen (laut der Cartier Webseite). Was für ein skandalöser Zynismus, besonders in Winter, besonders in diesen Tagen. Zugleich gehört die Doppelseite in die Vitrine als Musterbeispiel unserer heutigen sozialen Ungleichheit und die eigene Verstrickung in eben diese. Ich bin grundsätzlich von der Menge an Werbung in der ZEIT irritiert, aber hier wird eindeutig eine moralische Grenze verletzt. – Martin Pairet


Leserbrief zu “Kino auf Rädern” von Adrian Lobe

Interessanter Artikel, aber wer haftet in diesen Wundermobil mit Dauerbespaßung im Falle eines Unfalls? Auf die Autobauer würde ich mich ja nicht verlassen. Da ist mir das ehrliche Taxi bzw. der Wagen mit Chauffeur lieber und menschenfreundlicher. Die Vorstandsetagen der Automobilbranchen  scheinen  sich ja sehr zu langweilen bzw. verdrängen offenbar immer noch Begriffe wie Verantwortung, Haftung usw. Kein Wort dazu. Verständlich, aber auch ein Armutszeugnis. – Mag. Afra Margaretha


Leserbrief zu „Ich will Verbote!“ von Sebastian Dalkowski

Sehr erfrischend und sehr wahr. Wollen Sie diesbezüglich nicht eine kleine Reihe eröffnen? Ökologischer Fußabdruck, Artensterben, Klimawandel; Zudem soziologische Prognosen, die so langsam tatsächlich eintreffen? Ist der Bericht von Jorgen Randers („2052“) schon wieder so lange her, dass er nicht mehr aktuell ist? Wollen wir den Unzufriedenen im reichen Teil der Welt weiter vorgaukeln, wir könnten sie durch ewiges Wachstum in noch mehr Überfluss hinein noch glücklicher bzw. wieder glücklich machen? Wer soll diese Erwartungen erfüllen? Donald Trump? Marine Le Pen? Müssen wir tatsächlich erst alles verlieren, bevor wir den Kurs ändern? Klartext wäre die Aufgabe der ZEIT. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu “Auf dem Rückzug” von Carlo Masala

Und ein passendes Beispiel für die Irrwege, auf denen die deutsche Politikwissenschaft auch meiner Meinung nach unterwegs ist. Ein solcher Irrweg stellt sich  mir auch in der „Arndt-Debatte“ in Greifswald dar. In der nun schon 4. Kampagne seit der Wiedervereinigung haben Politikwissenschaftler und Historiker der Universität mit einer kleineren Zahl ihrer Studierenden im Senat die Streichung von „Ernst-Moritz-Arndt“ aus dem Namen der Universität durchgesetzt. Eine breitere aktuelle Diskussion dazu gab es bei dieser erneuten Kampagne nicht mehr. Dass nach dem Entscheid des Senates, zu dem es trotz erheblicher rechtlich zu beanstandender Verfahrensmängel kam, ein Proteststurm der Mitglieder der Universität und der Bürger der Region losbrach, „überraschte“ die Initiatoren und zeigt den von Carlo Masala kritisierten „Rückzug aus der Öffentlichkeit“ bestimmter, sich als „Eliten“ fühlender Gruppen an deutschen Universitäten – wenig Antworten auf brennende gesellschaftliche Fragen dafür unermüdliches Engagement auf selbst ausgewählten Schauplätzen. – Prof. Dr. med. Otto-Andreas Festge


Leserbrief zu “ Sind Auffanglager in Nordafrika sinnvoll?“ von Mariam Lau und Caterina Lobenstein

Leider gibt es wenig Hoffnung, dass sich die Probleme, die durch die in Europa Zuflucht suchenden Afrikaner entstehen, durch die Einrichtung von Auffanglagern, die auch verräterisch als Rückführungslager bezeichnet werden,  in den nordafrikanischen Staaten lösen lassen. Die Vorschläge des Bundesinnenminsters bieten Scheinlösungen, zwar immer juristisch unangreifbar, aber doch sehr papieren, sie werden an der Realität scheitern. Selbst wenn mit europäischem Geld Lager gebaut, Europabeamte zur Prüfung delegiert, Wachpersonal geschult und beaufsichtigt würde, wird die Zahl der Einreisewilligen weiter steigen und jede Planung überrollen. Mit der Überbelegung wird die Gewalt von beiden Seiten, zwischen den Insassen und den Bewachern, zunehmen.  Um sich ein gutes Gewissen zu bewahren, wird Thomas de Maisiere wegsehen müssen wie von Afghanistan, wo nicht die Sicherheit des Herkunftslandes gegeben ist, sondern eine schwache Regierung die Rückführung hinnehmen muss.

Ein anderer Bundesminister verfolgt die richtige Strategie. Entwicklungshilfeminister Müller will die Lebensverhältnisse in Afrika verbessern. Das geht nur, wenn alle in Deutschland, möglichst alle in Europa bereit sind, in den Ländern Afrikas eine eigenständige Industrie und Landwirtschaft aufzubauen. Wenn wir darauf verzichten, dort den Überschuss an Lebensmitteln und von Second-Hand-Ware abzusetzen, sondern eine Binnenwirtschaft fördern, die den Menschen Arbeit, Einkommen und eine Perspektive gibt, werden die Ursachen der Wanderungsbewegung bekämpft und nicht nur ihre für alle Betroffenen inhumanen Folgen. Dazu gehören in erster Linie Zurückhaltung unserer Exporteure und Ausfallbürgschaften für Investitionen, die gemeinsam mit einheimischen Fachleuten umgesetzt werden sollen. Unsere Wirtschaft und auch der IWF müssen anerkennen, dass nur Länder mit eigener Wertschöpfung Partner im Welthandel sein können. Es geht darum, Handel zu betreiben, der diesen Ländern nützt, und nicht, sie nur als Absatzmärkte zu betrachten. – Jürgen Kirschning


Leserbrief zu „Mit leichter Hand“ von Thomas Meyer

Seit Beginn meines Jura-Studiums (1968), damals  mit der Lektüre in seiner Allgemeinen Psychopathologie und der Psychologie der Weltanschauungen, haben mich bis heute Gedanken von Karl Jaspers zur Reflexion angeregt, zuletzt (2016) seine Notizen zu Martin Heidegger.

Ich glaube, dass es für jeden, der über sich und die Welt im Hier und Jetzt nachdenkt, weniger bedeutsam ist, welche Wirkung Jaspers zu seiner Zeit als Hochschullehrer bei seinen Kollegen, als Autor philosophischer Werke bei seinen Kritikern oder mit seinen Beiträgen zu damals aktuellen Themen in den Medien hatte. Vielmehr zählt das, was geistige Weite öffnet, den Blick frei macht, Freude am eigenen Denken hervorruft und in seiner geistigen Klarheit einfach begeistert. Das findet sich überall in seinen Werken zu den verschiedensten Themenbereichen.
Wir werden mitgenommen zu Orientierungspunkten, zu Aussichtspunkten eines philosophierenden Menschen und werfen den Blick auf unsere geistige Landschaft und ihre Bewohner.

Er war ein Suchender. Er hat es sich nicht leicht gemacht, und uns macht er es auch nicht.
Belehren oder Ratschläge erteilen wollte er nicht. Lehren ziehen aus dem eigenen Denken und die eigene Lebensführung  danach auszurichten, hat er als Aufgabe jedes Einzelnen angesehen.
So gibt es die Anekdote von Studenten des Theologen Karl Barth, der in Basel seine Vorlesung unter dem Hörsaal von Jaspers hielt. Sie hörten auch mal bei ihm rein und meinten, wenn es Karl Barth nicht gäbe, würden sie ihm folgen. Dazu Jaspers: Wie gut, dass es Karl Barth gibt.

Golo Mann, der bei ihm promoviert hatte, schreibt über ihn in seinem Brief vom 29.10.1945 an Erich von Kahler:
„…. In Heidelberg I saw nothing but Professors, especially Jaspers who was simply insatiable in talking and listening. He has become very white, thin and old and he and his (jewish) wife used to carry poison with them all through the last year. I must say that I respect him greatly in spite of his weaknesses. …” – Norbert Becker


 

02. Februar 2017 – Ausgabe 6

Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Ein prophetischer Artikel! Ein altes Schauspiel mit neuen Darstellern! Das Nachdenken über diese Lektüre kostete mich 5 Stunden Nachtschlaf. Die Mahner wurden schon immer verfolgt. – Detlef Hagge


Leserbrief zu „2+2=5“ von Josef Joffe

Ja, in Ihrem kurzen Kommentar bleiben 2+2=4.

Trotzdem ist der letzte Absatz äußerst manipulativ und liefert meiner Meinung nach wieder einmal einen berechtigten Grund für Kritik an meinungsmachender und verkürzender Darstellung durch die Medien – auch ich wäre fast auf Ihre Zahlenspiel hereingefallen.

Freilich haben nur 26 Prozent der Wahlberechtigten für Donald Trump gestimmt. Trotzdem war die Stimmenanzahl, die auf Trump entfielen fast genauso groß wie die für Clinton.

Dass nur 53,1 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl gehen, und dass man durch das Wahlmännersystem seit 240 Jahren mit etwas weniger Wählerstimmen eine Wahl gewinnen kann – dafür kann Donald Trump nun wirklich nichts. – Benedikt Flurl


Leserbrief zu „Godard irrt“ von Katja Nicodemus

Welch wunderbare Zeilen über den größten Tennisspieler aller Zeiten!

Federers Aufschlag ist vielleicht in seinen frühesten Kindestagen mal auf der Grundlinie aufgeprallt (dann allerdings sicher nicht mit 220 km/h). In den letzten 15 Jahren jedenfalls nicht mehr, denn das wäre ja ein so katastrophaler Fehlschuss, der noch nicht mal mir passiert (1. Verbansliga Mittelrhein). Schade, dass Sie in der ZEIT niemanden haben, der Ihnen hätte helfen können! – Torsten Heydrich

P.S.: Wäre es vielleicht möglich, dass Sie mir den Artikel auf den Sie sich beziehen: ZEIT Nr. 48/07 senden könnten?


Leserbrief zu „Innere Unsicherheit“ von Nadine Ahr et al.

Mit Fassungslosigkeit habe ich Ihren sehr guten Bericht über den Zustand unserer Polizei gelesen.Ich bin sicher nicht die Einzige,die sich Sorgen zu der inneren Sicherheit der Stadt macht.

Die Konsequenz,die daraus folgt,kann nur bedeuten,dass es mehr ausgebildete Polizisten gibt, und diese mit einer Ausstattung ausgerüstet werden,damit sie ihren Arbeitsalltag bewältigen können.

Geradezu skandalös ist,dass die Verantwortlichen – also die Politiker der jeweiligen Ressorts sowie der Polizeipräsident Herr K.Kandt, es nicht für nötig erachten,für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung standen!  Wer sollte es dann sonst tun?In diesem Zusammenhang,sei an die  Ereignisse der Zwanziger Jahre erinnert, wo sich z.T. durch Hinnahme der Gewalt,die Zustände zu Gunsten der Radikalen Parteien entwickeln konnten.

Es ist erschreckend,dass von der SPD nur wenige – außer der damalige Bezirksbürgermeister H.Buschkowskx von Neukölln,eine klare Linie vertreten,und danach handeln.Das ist die einzige Möglichkeit,der Gewalt zu begegnen! Arroganz und Schweigen der Verantwortlichen führt in die falsche Richtung und sind meines Erachtens unverantwortlich. – Marion Detzler


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Ihren Bericht habe ich mit großer Sorge und z.T. auch mit entsetzen gelesen. Was für ein Gebräu ist da entstanden? Vieles von dem las, hörte ich bereits aus anderen redaktionellen Quellen. Nun beschäftigt mich die Frage wie stabil ist eigentlich das staatliche System in den USA, oder anders gefragt welche Möglichkeiten bestehen denn wirklich unter welchen Szenarien den Staat auszuhöhlen und dann einen Systemwechsel hin zu einer diktatorischen Staatsform zu formen. So, wie Sie den Bericht angelegt haben, erfüllt er mich nur mit Sorge und Angst und von daher wäre es sehr hilfreich die Szenarien zu einem Systemwechsel zu beschreiben und in einem Ihrer nächsten Berichte zu veröffentlichen. – Klaus Voßwinkel


Leserbrief zu „Sie können mehr als nur rosa Blumen malen“ von Jana Gioja Baurmann

ich möchte mich auf diesem Weg für den Beitrag von Frau Baurmann bedanken. Ich bin ausgesprochen froh, dass die konservative und selbst auf nachvollziehbare Argumente durchaus verzichtende Darstellung von Herrn Binswanger nicht unwidersprochen bleibt. –  Doris Boden


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

Was Herr Schwägerl hier vertritt (allgemeine Dienstpflicht), ist genau das, was mir schon seit dem Aussetzen -war das so ? – der Wehrpflicht  in Deutschland durch den Kopf geht.Genau !

Wo besteht heute noch in Deutschland institutionell die Möglichkeit für junge Leute, Mitbürger  aus anderen Lebenswelten zu treffen  ? ( In den letzten Hauptschulen , den neuen Sekundärschulen ? Bei der freiwilligen Feuerwehr? In der Polizeiausbildung ?)

Neu ist für mich, den Gedanken des Gesellschaftsdienstes auf ältere Bürger im Ruhestand auszuweiten .
Auch das halte ich für einen guten Gedanken , der verwirklicht werden sollte. (Gut , dass er auch einen finanziellen Apekt hinzufügt !)

Wir haben gesellschaftlich viel zu wenig Kontakt untereinander,wissen viel zu wenig voneinander und ein gemeinsamer Dienst an unserer gesamten Gesellschaft würde helfen, uns gemeinsam zu achten,zu einen und zu stärken. – Horst-M.Gerngreif


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

Ihr Artikel spricht mir aus der Seele!!!

Ich bin 47 Jahre und habe 5 Kinder und das Haus wird immer voller, aber es ist wie ein Tagebuch und all´ die kleinen Dies und Das sind und waren mein Leben und mein Ich. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich an all die schönen Momente und Zeiten ohne sie erinnern kann. Auch von meinen Großeltern und Onkel und Tanten besitze ich solchen Kleinkram an denen meine Seele hängt. Z.B. liegt auf unserer Garderobe ein Hut von meinem Onkel, den er stets trug, als ich Kind war und mein Locher habe ich von meinem Großvater geerbt…

Was ich fragen wollte, wie sieht das Bild aus, das in ihrem Schlafzimmer hängt, ist es das Deckblatt von Z oder etwas ganz anderes. – Tabea Melekian


Leserbrief zu „Kleine Fehler, großer Schock“ von Kerstin Bund Und Claas Tatje

Herr Dr. Grube hat hier in Stuttgart nichts befriedet, sondern das Gegenteil ist der Fall. Das Tricksen und Täuschen der Bevölkerung durch die PSU und ihres obersten Ex-Chefs‘, Herrn Dr. Grube, ist hier in Stuttgart ganz schlecht angekommen. Wir müssen hier in weiten Teilen mit einer bereits jetzt gravierend zerstörten Infrastruktur zurechtrecht kommen – siehe Stadtbahn- und S-Bahn-Betrieb. Privateigentum wird beschädigt. Persönlichkeitsrechte mit Füßen getreten, wie z. B. das Recht auf körperliche Unversehrtheit, wenn es um die Nachtruhe und die Feiertagsruhe geht.  Auch das Feinstaubproblem der Stadt wurde und wird verschärft durch die anhaltende Zerstörung unserer Parkanlagen und den rund um die Uhr stattfindenden Baubetrieb.

Wenn er auch erst nach der Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung Bahnchef wurde und somit das Projekt übernommen hat; er selbst hat das Treiben um Stuttgart 21 weiterhin zugelassen. In der Finanzierungsvereinbarung war nämlich explizit der 31.12.2009 als möglicher spätester Beendigungstermin für S21 festgelegt. Ein möglicher Ausstiegsgrund war ein Anstieg der Kosten auf über 4,5 Milliarden Euro. Kein anderer als Dr. Grube hatte im Spätjahr 2009  sog. Kosteneinsparungspotentiale entdeckt und die Kosten für das Projekt angeblich gerade soweit zurechtrücken können, dass die Kündigung der Finanzierungsvereinbarung und eine geordnete Beendigung des Projekts obsolet erschien. Zu diesen plötzlich aufgetauchten „Kosteneinsparungspotentialen“ gehörte auch die Reduktion der Tunnelwanddicken im kritischen Untergrund. Dr. Grube trägt also die volle Verantwortung. Ein verantwortungsvoll handelnder Bahnchef mit genügend Mut hätte dieses Projekt zu diesem Zeitpunkt also gerade noch rechtzeitig beenden können und müssen.

Dieses ist nur ein Aspekt – und ein nicht unwichtiger für das Hinschmeißen des Herrn Grube, nehme ich an – nachdem sich nunmehr die Probleme um Stuttgart 21 zunehmend verschärfen. – Barbara Sandhoff


Leserbrief zu „2+2=5“ von Josef Joffe

Danke für diese „Zeitgeist“-Verstehenshilfe in Sachen Trump mit Hilfe der Literatur! Aber warum fand Dostojewski die obige Lösung zumindest auch „bezaubernd“? Oder denken wir an Lektüre aus Kindertagen. Singt da nicht Pippi Langstrumpf noch immer: „Ich mach mir die Welt, …, wie sie mir gefällt…“ Neigen wir, die „Vernünftigen“,  nicht vielleicht dazu, die Macht unserer Gefühle zu unterschätzen, hier z. B. die von Freiheit und Abenteuer und Verfügungsgewalt über andere? Denn diese Gefühle belohnt unser Belohnungssystem um so mehr, je mehr sie auf eine nahezu ununterbrochene, nun aber vor allem von Angstgefühlen getriebenen Aufmerksamkeit in der massenmedialen Öffentlichkeit treffen. Diese Wirkung schafft ihrerseits umso wirkmächtigere „objektive“ Tatsachen, je mehr ein Mensch an einer narzisstischen Selbstüberschätzung leidet, die auf Unsicherheitsgefühlen beruht. So wird auch ein „demokratisch“ gewählter Präsident zum Spielball – sowohl von Machtinteressen und „unvernünftigen“ Überlegenheitsgefühlen anderer als auch von entsprechend „vernünftigen“ Überlegenheitsgefühlen und Ängsten  bei uns. Wie wird der „Zeitgeist“ mit solchen Zusammenhängen umgehen? – Eckhard Heumann


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Lassen Sie mich auf Ihren Artikel mit einem Schmunzeln und einer kleinen persönlichen Statistik antworten:

Von den vier Katzen, die ihr Leben bisher mit mir teilten, haben zwei nicht einmal Stubenfliegen oder Hausspinnen gefangen. Die dritte Katze schaffte statistisch 0,5 Mäuse pro Jahr, und das vierte Tier hat – ja, Sie haben recht! –  in 17 Jahren mindestens 10 Vögel erlegt!

Meine – unwissenschaftliche  – Erhebung lässt daher einen möglichen differenzierteren Blick auf die von Ihnen genannten 13 Millionen Stubentiger zu. Darüber hinaus weiß ich aus verlässlicher Quelle, dass ein nicht unerheblicher Teil dieser Millionen sein Dasein als Stubentiger daselbst fristet; ebendiese nicht verlassen darf und seine Karriere maximal als Hausspinnenmörder beenden darf.

Die Idee mit der Katzensteuer hat noch weitere Phantasien in mir losgaloppieren lassen: ich sehe dunkel gekleidete sonnenbebrillte Gestalten um die Häuser streichen und heimlich Gärten und Eingänge ausspähen. Sie kommen von der „KGEZ – Katzengebühreneinzugszentrale“. Schafft Arbeitsplätze, und Bewegung ist gesund.

In diesem Sinne grüßt Sie recht herzlich eine Katzen- und Kastrationsfreundin (für Katzen!) – Susanne Middelberg


Leserbrief zu „Kleine Fehler, großer Schock“ von Kerstin Bund Und Claas Tatje

Die Deutsche Bahn steht vor erheblichen Herausforderungen – neben Dauerbrennern  wie Schienennetz, Güterverkehr und Stuttgart 21 (sowie seit einigen Jahren die Billigkonkurrenz  der Fernbusse im Personenverkehr) müssen neue technologische Konzepte entwickelt und umgesetzt werden, wie es z. B. in der Automobilindustrie unter dem Schlagwort Digitalisierung  schon seit Jahren geschieht.

Hierfür ist der Konzern in der Spitze denkbar schlecht aufgestellt: Grube war ein Vertreter der  traditionellen Bahnphilosophie, und daher sind die Vorbehalte gegen ihn im Aufsichtsrat durch- aus berechtigt. Dem von der Kanzlerin zum Kronprinzen erhobenen Ronald Pofalla fehlen sämtliche fachlichen (und wohl auch Management-) Kenntnisse und Fähigkeiten, einen Konzern wie die Deutsche Bahn in die Zukunft zu führen – ganz zu schweigen von Herrn Dobrindt, dem Minister für Verkehr und, jawohl, digitale Infrastruktur, der in seiner monomanen Fixierung auf die Ausländermaut die Führungskrise der Bahn mitverschuldet hat. Angesichts der Bedeutung des Schienenverkehrs für unser Land ist dies mehr als ein Jammer, es ist eine Schande. –Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Wenigstens Reden“ von Özlem Topçu

Ja, man muss mit Autokraten sprechen! Nein, Autokraten sind nicht per Definition „Männer“!

Vorsicht mit dem Begriff „Wahrheit“. Von der Definition von Wahrheit über „Fake News“ zur Zensur ist ein kurzer Weg. Demokratie beruht nicht auf Wahrheit sondern auf Interessenausgleich, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit – das alles in dem Bewusstein, dass es „Wahrheit“ nicht gibt, schon gar nicht in der Politik. – Gerd Reese


Leserbrief zu „Kleine Fehler, großer Schock“ von Kerstin Bund Und Claas Tatje

„ … er befriedete die Protestler von Stuttgart 21 …“ Wie bitte? Nächsten Montag haben wir die bereits 358.  (das ist Guinness-Buch-rekordverdächtig!) Montagsdemo gegen Stgt. 21. Selbst an den bitterst frostigen letzten Montagen kamen jeweils viele Hunderte  von – nein, nicht Protestlern, welch abschätziges Wort der ZEIT  für viele blitzgescheite Leute und Redner, darunter auch viele ZEIT-Abonnenten – sondern aus bis heute anhaltend überwältigend guten Gründen Protestierenden,  Nachdenkenden, für ihre Stadt verantwortlich Fühlenden und Handelnden.  – Eberhard Rapp  


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

In diesen turbulenten Zeiten ist die deutsche medienpolitische Elite in der Verantwortung, den Menschen weltweit zu erklären, was Demokratie ist und was Wahrheit. Die Beispiele England (Brexit), USA (Trump), Ungarn, Polen und vielleicht bald auch Frankreich und die Niederlande zeigen, dass weder die direkte noch die repräsentative Demokratie uns schützen vor alten weißen wütenden Männern, die rassistisch sind und undemokratisch.

Schon Rousseau erklärte, dass das Gemeinwohl a priori feststehe und von allen freien Menschen automatisch angestrebt werde, und dass Menschen mit egoistischen Sonderinteressen unfrei seien und „zur Freiheit gezwungen“ (Originalton Rousseau) werden müssten. Josef Joffe betont zurecht, dass die Wahrheit objektiv sei, und dass nur 26% der Amerikaner Trump gewählt hätten. Die Hamburger rotgrüne Regierung haben immerhin 32% der Wahlberechtigten gewählt.

Unsere demokratischen Parteien und Leitmedien in Deutschland zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich einig sind in der Bestimmung des Gemeinwohls (außer der AfD natürlich!). Daher ist auch eine allgemeine Dienstpflicht für junge und alte Menschen im Sinne des Gemeinwohls zu befürworten. Kritikern, die sich etwa auf Heinrich Heines Diktum berufen, Robespierre sei die blutige Hand Rousseaus gewesen, sei gesagt: Dieser Heine, was war denn dem sein Vaterland, Frankreich?  – Klaus Lüßenhop


Leserbrief zu „Kleine Fehler, großer Schock“ von Kerstin Bund Und Claas Tatje

Herr Grube fiel in Stuttgart immer nur durch faktenfreie Duchhalteparolen auf, weder durch aktuelle Sachkenntnis noch durch Gespür für eine Situation. Meinen Sie, der Schwarze Donnerstag am 30.9.2010 hätte stattfinden können ohne die Zustimmung des Bahnchefs? Ich kenne niemanden unter den Demonstranten für einen optimierten Kopfbahnhof, der sagen würde, Herr Grube hätte als Bahnchef den Konflikt befriedet. Er hat mit seinen Sonntagsreden alles immer nur noch schlimmer gemacht, und seine Fehlentscheidungen werden den Bahnverkehr in ganz Deutschland noch lange ausbremsen. – Dorothee Speck


Leserbrief zu „Laut und zäh“ von Siri Hustvedt

Amerika hat mit Trump den Kandidaten der niederen Instinkte zum Präsidenten gewählt, einen Mann, der Anstand, Moral, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie so unverhüllt lächerlich gemacht hat, dass kein Zweifel an dem, was zu erwarten war, herrschen konnte. Der Teil seiner Wähler, der angeblich gute Gründe für seine Wahl hatte, verdient keine Absolution, gezählt wird die abgegebene Stimme, nicht die Motivation. Auch sie tragen die Verantwortung für Trumps Regierung.

Nicht wenige seiner Wähler haben allerdings genau diesen Kandidaten mit Freuden gewählt. Ob rechte Radio- und Fernsehsender oder Internetseiten wie Breitbart news hatten die Bahn für Lüge, Verachtung und Hass bereitet, die durch die Wahl dieses Präsidenten nun scheinbar legitimiert sind. Es ist beängstigend zu sehen, wie dünn offensichtlich der Firnis der Humanität und Zivilisation ist und wie leicht sich selbst in wohlhabenden, rechtsstaatlich geordneten Gesellschaften atavistische Instinkte mobilisieren und instrumentalisieren lassen. Es ist die Frage, ob der Widerstand laut und zäh genug sein wird oder ob nicht Trump und Co. im Verein mit den Zynikern, den Opportunisten und den Ängstlichen die Oberhand gewinnen. Nicht zuletzt wird das entschieden durch das große Geld, wenn z.B. Bastionen wie CNN oder die New York Times in die Hände von Trump-Freunden geraten, wenn der Widerstand marginalisiert werden kann. – Tilli Isemann-Schollweck


Leserbrief zum Thema „Trump-Schock“

Bei der Lektüre der heutigen Zeit-Ausgabe (Nr. 6 vom 2.2.2017) war ich überrascht, über welch subtilen politischen Humor die Zeit Redaktion verfügt: nach einem Artikel über den Trump-Schock und das Einreiseverbot auf Seite 3 folgt auf Seite 10 eine viertelseitige Werbeanzeige mit dem Inhalt: „Freiheit spüren. Sehnsucht stillen. Mit dem Schiff (und mit Stil) über den Atlantik nach New York! Die Freiheitsstatue hat ihren Trauerflor abgeworfen und winkt fröhlich, freundlichst, Ihre Zeitreisen.“ – Dr. Dietmar Heinz


Leserbrief zu „Die paywall kommt“ von Heike Buchter

Warum beträgt die Unternehmenssteuer in Deutschland nur 15,8%? Warum wird die Gewerbesteuer nicht dazu gezählt? Das vermittelt einen falschen Eindruck. – Claudia Lechte


Leserbrief zu „Der Bauchredner“ von Roman Pletter

Das ist wieder mal ein Artikel, den ich überhaupt nicht verstanden habe! Herr Tichy ist mir aus etlichen Auftritten im ARD – Presseclub bekannt. Mir ist an Herrn Tichy nichts aufgefallen, was mich an Pegida oder AfD erinnern könnte. Offensichtlich ist Ihr Redakteur (Roman Plettler) dermaßen abgehoben, dass er die Meinungen „normal“ denkender Menschen nicht mehr kennt geschweige denn akzeptiert! –  Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

In turbulenten Zeiten braucht EUROPA eine allgemeine Dienstpflicht für junge Leute!

Großbritanien kehrt Europa den Rücken, Amerika schottet sich ab, in vielen Staaten gibt es Bestrebungen sich hinter seine Grenzen zurückzuziehen (in einigen die Grenzen zu erweitern)!

Europa ist jahrzehntelang den umgekehrten Weg gegangen:

Jahrhundertelange „Erbfeindschaften“ sind vergessen, Grenzen wurden durchlässig, lösten sich auf, kein Grenzbaum blockiert die Fahrt durch einen Kontinent der unterschiedlichsten Kulturen!

Europa hat Großes erreicht! Staaten, die sich zusammen tun, Menschen, die sich frei über viele Nationen bewegen können um dort zu leben und zu arbeiten. Und das alles ohne die eigene Kultur zu verleugnen!

Wie die Menschheit friedlich zusammenleben kann, wird in Europa erprobt, nicht ohne Fehler und Rückschläge, doch es ist der richtige Weg! Nirgends in der Welt ist man bisher so weit gekommen, sind Grenzen so offen, gibt es eine gemeinsame Währung.

Und deshalb ist Europa es Wert dafür zu kämpfen:

Die Nato ist obsolet! Die europäischen Partner engagieren sich nicht genug für das westliche Verteidigungsbündniss?

Stimmt! Es ist Zeit, dass Europa für seine Interessen einsteht und für sie kämpft!

War es nicht auch Rücksichtnahme auf amerikanisiche Bedenken, dass eine eurpäische Armee in Konkurrenz zur Nato stehen könnte?

Waren es nicht auch die Briten, die ihre Militärmacht nicht in einer europäischen Armee aufgehen lassen wollten?

Jetzt ist der Moment unsere Kräfte zu bündeln und selbst europakritische Regierungen, wie die Polens haben angedeutet, dies mitzutragen. Europa muss nicht nur die Idee der Freiheit verkörpern sondern auch verteidigen, zum Beispiel an den Grenzen der baltischen Länder.

Eine allgemeine Dienstpflicht, die nicht nur die Armee sondern auch soziale und ökologische Einrichtungen tragen würde, sollte dabei ganz Europa STRESSTAUGLICHER machen. Mindestens die Hälfte der Zeit wären die Männer und Frauen im Ausland tätig, wobei ihnen dort auch die Sprache und Kultur des Gastlandes vermittelt wird. Freundschaften werden sich über einen ganzen Kontinent erstrecken, wer würde dann noch eine Mauer hochziehen oder diesen Bund verlassen wollen. –   Ralf Grünewald


Leserbrief zu „Sie können mehr als nur rosa Blumen malen“ von Jana Gioja Baurmann

Mädchen von Mathe fernhalten ? Und das dann noch pseudoempirisch belegen ? Ja, das hätte so manchem ganz gut ins Konzept gepasst, denn in Naturwissenschaft und Technik sind viele gutbezahlte Jobs zu finden. Da hält man(n) sich doch gerne die Konkurrenz vom Leib.

Frau Baurmann sei Dank, dass sie den tieferen Zusammenhang aufdeckt: Dort, wo es um die Gleichberechtigung schlecht bestellt ist, sind Mädchen tatsächlich geringer motiviert für die MINT-Fächer. Woran das wohl liegt ? Ein Beispiel: Im Gymnasium meiner Kinder gab es einen Mathematiklehrer, der oft und gerne seine Meinung kundtat, für Mädchen reiche es aus, bis vier zählen zu können, denn das wäre die maximale Zahl von Kochplatten. So etwas soll keinen Einfluss auf die Neigungen und Interessen haben ?

Ich unterrichte selbst Mathematik und stelle fest, dass bei jungen Erwachsenen mit technischer Ausrichtung die Frauen meist zur Spitzengruppe gehören.  – Rüdiger Meinardus


Leserbrief zu „Betreten verboten!“ von Alice Bota

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen.  Darin schildern Sie u. a. Ihre Erlebnisse auf Veranstaltungen mit Lesern.  Dass Leser der ZEIT glauben, dass die Redaktion die Themen und Inhalte an ihre Korrespondenten vorgeben, irritiert mich zu tiefst.  Woher kommt diese Vermutung der Leser? Die ZEIT ist doch Revolverblatt!  Ich habe die ZEIT auch schon sehr viele Jahre im Abo und stelle gerade in den letzten Jahren einen selbstkritischen Umgang mit Themen und Formulierungen fest.

Das gefällt mir und gibt mir ein gutes Gefühl, dass ich immer besser informiert werde.  Auch dann, wenn die Umstände schwierig sind, so wie Sie in Ihrem Artikel über die Ukraine beschreiben.  Gut finde ich auch bei vielen Recherche-Artikeln den Infokasten, in dem Angaben zu den Umständen der journalistischen Arbeit gemacht werden; wer hat wen wann wo wie oft getroffen usw.  Ich wünsche Ihnen bei Ihren Recherchen weiterhin viel Kraft und Erfolg. – Franziska Hermanns


Leserbrief zu „Der heitere Populist“ von Georg Blume und Elisabeth Raether

Kann Le Pen Präsidentin werden? Wie soll sie die absolute Mehrheit bekommen? Das ist sehr unwahrscheinlich (S. Umfragen) Außerdem könnte sie nicht regieren, da sie keinen einzigen Abgeordneten im Parlament hat. Beim Mehrheitswahlrecht muss ein Kandidat die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang haben oder die relative im zweiten Wahlgang. Meistens gibt es aber nur noch zwei Kandidaten im 2. Wahlgang, sodass wiederum die absolute Mehrheit notwendig ist. Die FN hätte meiner Meinung nach extrem wenig Abgeordnete. Macron hat nicht einmal eine Partei. Wie soll er regieren? – Gérard Dugave


Leserbrief zu „Die paywall kommt“ von Heike Buchter

So wie Sie die Grenzausgleichssteuer beschreiben, erscheint sie mir in ihren Auswirkungen doch sehr mit unserer Mehrwertsteuer vergleichbar, nur dass letztere transaktionsbezogen erhoben wird, während erstere anhand der Unternehmensbilanz ermittelt würde. Im Ergebnis wird jeweils der mit Endkunden im Inland erzielte Umsatz mit 20 % (USA) oder 19% (Bundesrepublik) belastet. Mit einer solchen Steuer sollte man nicht die WTO befassen, sondern vielmehr mit den USA über die Dauer des Einführungszeitraums sprechen. Eine schlagartige Umstellung beschert den USA Inflation und vernichtet Investitionen bei den Handelspartnern. Mittel- bis langfristig könnte man den USA aber kaum vorwerfen, wenn sie – endlich – ihr strukturelles Handelsbilanzdefizit in den Griff bekommen wollten.

Noch ähnlicher wäre die Besteuerung übrigens, wenn die bisherige US-Unternehmenssteuer im Gegenzug nicht abgeschafft, sondern auf 14% gesenkt würde. Unsere Körperschaftssteuer beträgt ja auch nur 15%. Dann wäre die Summe der Steuerbelastung jeweils 34 % (plus Gewerbesteuer hier und lokale Mehrwertsteuer dort).

Leider haben die Amerikaner mit der Wahl von Trump auch für eine Steuersenkung gestimmt, die ihre Staatsfinanzen weiter aushöhlen würde. Aber das ist deren Angelegenheit, nicht unsere. – Andreas Genau


Leserbrief zu „2+2=5“ von Josef Joffe

Wo ist der wunderbare nüchtere Schreibstil von J. Joffe geblieben? Es scheint, dass die Tump Hysterie auch ihn erfasst hat. Mit Orwell lässt sich Trump nicht beschreiben, ich bin überzeugt,dass Joffe es auch weißt. Die ausverkauften „1984“-Exemplare sind lediglich eine Panik- und Modeerscheinung der urbanen Mittelschicht in drei US-Staaten, die sich H. Clinton erhofft hatten. – Marec Pelc


Leserbrief zu „Schläge nach dem Terror “ von Wolfgang Bauer

Die Frage, ob in der Hektik unmittelbar nach dem Weihnachtsmarkt-Anschlag einem zunächst Verdächtigten Gewalt und sogar Folter angetan wurde (für diese Tatbestände reicht übrigens das deutsche Strafrecht, da muss man nicht gleich UN-Resolutionen bemühen), wird wohl ungeklärt bleiben, da hier die Aussage des Betroffenen gegen die Aussagen der Polizei stehen.

Was nun die Glaubwürdigkeit des Herrn Baloch angeht, so sollte man in Erwägung ziehen, dass bereits seine Behauptungen zu den vorgebrachten Asylgründen äußerst zweifelhaft sind: der Konflikt zwischen Beluchi-Separatisten und der Regierung hatte seinen Höhepunkt vor über zehn Jahren schon überschritten, und von dem „vergessenen Krieg“ in Beluchistan war zuletzt um 2005 die Rede – wobei es sich dabei nie um einen Bürgerkrieg gehandelt hat. Baloch war damals 14 Jahre alt, und somit ist die angebliche Flucht mit diesem „Krieg“ kaum glaubhaft zu begründen. Bedauerlicherweise wird aber in dem Zeit-Artikel die Mär vom „Krieg, über den in Europa niemand berichtet“ und vor dem B. geflohen sein will, offenbar ungeprüft und unkritisch übernommen und macht so voreilig aus dem irregulären Migranten uns Asylbewerber aus Pakistan einen potentiellen Flüchtling. Übrigens wird auch unterschlagen, dass B. im November 2016 bereits polizeibekannt war – allerdings nur als Kleinkrimineller. – Prof. Bernd Leber


Leserbrief zu „Wir stehen alle im selben Wind“ von Steffen Martus

Bei aller Euphorie über Raoul Schrotts Erste-Erde-Epos muss man das Versäumnis des fleißigen Rechercheurs und Skribenten beklagen, die nomen est omen Ur-Schrott-Theorie nicht berücksichtigt zu haben. So hätte es in Anlehnung an Luthers Übersetzung der ersten Johannes-Worte heißen können: im anfang war der schrott und der schrott war bei gott und gott war der schrott. In Spinozas Diktion: deus sive natura. Und laut Goethe: Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, Ich muss es anders übersetzen.

Kein Wunder, dass Immanuel Kant angesichts des bestirnten Himmels vor Bewunderung und Ehrfurcht erstarrte: Alles Schrott da draußen und hienieden sowieso. Ob das moralische Gesetz in mir schrottreif geworden ist, wird wohl nach der Lektüre des kosmologischen Wälzers offen bleiben. – Alfred Schubert


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Ihr  Artikel „Kampf dem System“ sollte in allen Zeitungen veröffentlicht werden, in allen Schulen gelesen werden, in jedem Eck des öffentlichen Raums veröffentlicht werden, in allen Medien publiziert werden.

Bitte sorgen Sie für eine große Verbreitung!!!Dr. Alexander Tillinger


Leserbrief zu „Die paywall kommt“ von Heike Buchter

Im Absatz 6 wird behauptet, die Unternehmenssteuer in Deutschland beträgt 15,8 %. Das ist nur die halbe Wahrheit. Die Unternehmenssteuer (Gewinnsteuer) bei Kapitalgesellschaften errechnet sie wie folgt:

Körperschaftsteuer incl. Soli                     15,82 %

Gewerbesteuer je nach Hebesatz ca.      15,00 %

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Gesamt                                                     31,82 %

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Peter Gerdes


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

In der aktuellen ZEIT No.6 vom 2. Februar 2017 äußerte sich die Autorin Linda Tutmann zum Thema Minimalismus. Dabei fällt auf, dass sie sich offenbar nur sehr peripher mit der Essenz dieses Lebensstils beschäftigt hat. Die Autorin reduziert den minimalistischen Lebensstil auf “Es gilt als schick, so gut wie nichts zu haben” und beschreibt Minimalisten als “Anhänger der leeren Lehre”. Leider verpasst Frau Tutmann hier die Chance, sich tiefer damit auseinanderzusetzen, wofür Minimalismus tatsächlich steht, denn wie man aus dem Artikel herausliest, scheint sie der wahren Grundidee in keinster Weise abgeneigt zu sein.

Zu allererst sei gesagt, dass Minimalismus als Begriff keine fixe Definition hat. Stattdessen bietet es eine Hand voll Grundwerten, aus denen sich jeder frei bedienen kann. Einer dieser Grundwerte besagt: “Liebe Menschen, benutze Dinge. Das Gegenteil kann nie funktionieren”.

Im Wesentlichen geht es darum zu reflektieren, in welchem Verhältnis man zu seinen eigenen Besitztümern steht. Minimalismus kritisiert den gesellschaftlichen Fokus auf den Besitz von Objekten, von Dingen, als Definition von Erfolg und sozialem Aufstieg. Sich den Porsche mit 40 endlich leisten zu können und es damit “endlich geschafft zu haben”, das ist das Lebensmodell, dem sich der Minimalismus entgegenstellt. Er mahnt an, sich nicht über den Besitz von Objekten zu definieren, sondern stattdessen über Erlebnisse und Erinnerungen. Dr. Travis Bradberry hat diese Idee in einem Artikel in der Huffington Post (oben verlinkt) einmal wunderbar auf den Punkt gebracht: „Buying an Apple Watch isn’t going to change who you are; taking a break from work to hike the Appalachian Trail from start to finish most certainly will.“

Definiere dich über all das, was du erlebt und gelernt hast und über die Menschen, mit denen du dein Leben teilst. Definiere dich nicht darüber, ob du eine teurere Uhr am Handgelenk trägst als dein Gegenüber. Um nichts anderes geht es.

Wie extrem sich diese Lehre jedoch in der Praxis äußert, ist jedem selbst überlassen. Es gibt Minimalisten wie Andrew Hyde, die nur 15 Dinge besitzen, und es gibt “Minimalisten”, die lediglich beschlossen haben, bewusstere, langfristigere Kaufentscheidungen zu treffen und weniger verschwenderisch zu leben.

In unserer Gesellschaft wird viel Geld für Krams ausgegeben.

Ein zweiter Grundwert des Minimalismus besagt, Objekte danach zu beurteilen, ob sie das eigene Leben erfüllter machen, und sich von all dem Clutter zu trennen, der zur Belastung wird. Die Autorin Linda Tutmann missversteht diesen Grundwert schon in der Überschrift ihres Artikels. Sie fragt: “Wie soll jemand, der nicht mal bereit ist, ein altes T-Shirt aufzubewahren, Menschen die Treue halten?”. Unabhängig davon, dass sich dieser Zusammenhang grundsätzlich nicht erschließt, ist diese Frage auch eine bösartige Unterstellung: Du trennst dich von unnützem Zeug? Dann bist du mit Sicherheit auch ein untreuer Mensch. Das ist ganz offensichtlich Blödsinn.

Der Minimalismus mahnt an, es mit dem Konsum nicht zu übertreiben. Und dafür hat er gute Gründe, wie sich anhand von wenigen Zahlen belegen lässt:

– In einem durchschnittlichen amerikanischen Haushalt befinden sich 300.000 Objekte (Quelle).

– Jeder zehnte Amerikaner mietet sich Platz zum Lagern von Objekten an, die nicht mehr in den eigenen Haushalt passen (Quelle).

– Im Schnitt besitzen 10-jährige Kinder in Großbritannien 238 Spielsachen, nutzen davon aber nur 12 pro Tag (Quelle).

– 47% der amerikanischen Haushalte leben sparen keine (Quelle).

– Amerikaner geben mehr für Schmuck, Schuhe und Uhren aus als für private Bildung (Quelle).

Diese Liste lässt sich noch deutlich weiterführen.

 

Und nicht nur theoretisch, auf praktisch lässt sich jedes Jahr z.B. am Black Friday beobachten, was passiert, wenn Menschen um die besten Schnäppchen streiten. (klick hier)

Minimalismus lehrt, nicht nur ungehemmtem Konsum zu widerstehen, sondern sich zusätzlich auch von Dingen zu trennen. Während die ZEIT-Autorin Linda Tutmann jedoch Angst hat, jemand wolle ihr ihr Lieblingsbild über dem Bett wegnehmen, weil es keine Funktion erfüllt, ist vielmehr das Gegenteil der Fall. Minimalismus sagt: Investiere in Dinge (Objekte, Erlebnisse), die dich glücklich machen und trenne dich von Dingen, die dich belasten. Zahlreiche Bilder, riesige Vinyl-Sammlungen, nichts davon wird verurteilt. Dass angeblich jeglicher Besitz wegrationalisiert wird und nur noch Spotify und digitale Fotos erlaubt sind, wie Frau Tutmann behauptet, ist Quatsch. Es geht nicht um den funktionalen Wert, sondern um den Emotionalen.

Sich von Dingen zu trennen, sie zu spenden, zu verkaufen oder im Notfall auch wegzuschmeißen, macht die emotionale Bindung erst sichtbar. Sich zu sagen “Ich besitze 5 verschiedene Pullover. Mehr brauche ich nicht. Wenn also ein neuer hinzukommt, gebe ich einen Alten weg.” erhöht die Wertschätzung für das einzelne Objekt. Es macht den Kauf von Dingen bewusster, weil er Konsequenzen hat. Ist man bereit, für diesen neuen Pullover einen alten wegzugeben? Brauche ich überhaupt einen Neuen? Nur weil er billig ist, ist das wirklich ein Grund, ihn zu kaufen? Es geht nicht darum, Bilder wegzuschmeißen, weil sie keinen funktionalen Wert erfüllen. Es geht darum, das Wert zu schätzen, was man besitzt, anstatt sich ständig auf das zu fokussieren, was man besitzen könnte.

„You have this thing that you were obsessed about. But then the new version comes out and now you no longer care about the one you have. In fact, the one you have is a source of dissatisfaction.“ – Konstantin Escher


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

Mit großer Zustimmung habe ich den Artikel von Christian Schwägerl gelesen. Wünschenswert wäre es, wenn alle Parteien sich dieses Themas auch im bevorstehenden Wahlkampf positiv annehmen könnten. Sie würden damit ein klares Signal an unsere jungen Wähler richten. Dieses Thema darf allerdings im Wahlkampf durch Ablehnung von Parteien nicht als Stimmenfanginstrument missbraucht werden.

Um dieses sinnvolle, den Zusammenhalt in der Gesellschaft fördernde und persönlichkeitsentwickelnde Instrument durchaus auch attraktiv anzureichern, wäre eine Verknüpfung auf europäischer Ebene mit EU-Mitgliedsländern, die ebenso einen Sozialdienst verlangen, im gegenseitigen Austausch denkbar. Der Anreiz, den Sozialdienst auch im europäischen Ausland absolvieren zu können, könnte viel von dem Gefühl einer aufgezwungenen Pflicht nehmen und würde den europäischen Gedanken mit Leben füllen. – Hans-Wilhelm Hoffmann


Leserbrief zu “ Wie viel Schulz erträgt das Land?“ von Fabian Klask und Matthias Krupa

Ihr Artikel über Martin Schulz, den Mann der verbrannten Erde und der Erzeuger des Schuldenchaoses in Würselen unter dem die ganze Stadt seit Jahren leidet, ist die dümmste und erlogenste Propaganda, die ich jeh gelesen habe.

Und die Behauptung man könnte aus dem Insolenzbad Aquana ins Wurmtal schauen zeigt mir das Sie nur „dumm abgeschrieben“ haben ohne vor Ort gewesen zu sein.

Wenn dieser Mann dann Kanzler ist und ein weiteres Mal Chaos hinterlässt wie auch in Brüssel um sich die Taschen voll zu machen und seinen Machthunger zu stillen, dann werden Sie vllt. bereuen was Sie da geschrieben haben um Ihm zu Stimmen zu verhelfen. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „»Neue Verteilungsdebatte«“ ein Gespräch mit den Soziologen Luc boltanski und Arnaud Esquerre, geführt von Gero von Randow

Ws geht um den Artikel „Neue Verteilungsdebatte“. Ich bin Abonnentin, Witwe, 66 Jahre alt, keine Kinder, in Rente seit 01.0.2015. Das Interview mit den Herren Esquerre und Boltanski hat mir sehr gefallen. Vor allem die Aussage von Herrn Boltanski zur Werbung. Mir ist das auch schon öfter aufgefallen, auch in Ihrer Zeitung und im Magazin. Die Preise in Ihrem Shop haben ein erhöhtes Preisniveau, so dass nicht jeder diese Sachen kaufen kann. Ich werde mir das erwähnte Buch der beiden „Eine Kritik der Ware“  kaufen. Der letzte Satz von Herrn Esquerre „Wo also ist deren Anteil am Wertezuwachs“ ist eine Frage, die sehr berechtigt ist. Denn mein Eindruck ist, dass die Politiker hierzulande sich mehr um Lobbyisten und das eigene Säckl kümmern anstatt  um das „gemeine“ Volk. Das wird so lange gut gehen, bis es zu spät ist. Ich könnte noch viel zu diesem Thema schreiben, da es mich sehr beschäftigt. Ich selbst bin sehr gut versorgt und könnte sagen, das interessiert mich nicht. Aber ich habe Augen um zu sehen und Ohren um zu hören ……- Undine Mix-Falter 


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

Der Autor führt gute Gründe für eine allgemeine Dienstpflicht auf – und vergisst doch aus meiner Sicht den Wichtigsten: Wir brauchen wieder eine Organisation, in der sich Menschen aller Schichten begegnen. Die Reichen schicken ihre Kinder in selbstverwaltete Kindergärten, sie besuchen Privatschulen und an der Uni begegnen sie auch nur mit geringer Wahrscheinlichkeit Kindern aus Hartz-IV-Familien. Für viele dieser Kinder der oberen Mittelschicht gilt als arm wer nicht zum Christmas-Shoppingnach New York fliegt.

Umgekehr verlassen Kinder aus armen Familien nur selten ihren Stadtteil, Menschen deren Eltern allmorgendlich zur Arbeit gehen, kennen sie nur aus dem Fernsehen.

Für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft ist das verheerend.Ich denke gerne an meine Zivildienstzeit zurück, in der ich Menschen aller Schichten und Einkommensverhältnisse kennenlernen durfte – auch solche, die aus vermeintich sicheren sozialen Höhen abgestürzt waren.

Eine allgemeine Dienstpflicht (aus der man sich nicht freikaufen kann!) wäre eine wirkliche Bereicherung für alle. – Holger App


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

Es gibt immer wieder diese Artikel in der Zeit, nach deren Lektüre ich dem/ der Autor(in) einfach nur schreiben möchte: Toll!. So auch diesmal. Ich möchte Ihnen aber auch gerne darüber hinaus eine kleine Geschichte von mir erzählen.

Vor vielen Jahren (ich bin jetzt 49) benötigte ich ein neues Fahrrad. Ich liebe Fahrräder. Die Technik und deren Ästhetik. Ich muss vor fast jedem Fahrradladen stehen bleiben und mir die Räder anschauen. Der Laden meines Vertrauens hatte zu dieser Zeit einige interessante Angebote, die ich wieder und wieder probefuhr. Der Verkäufer war irgendwann schon ein wenig genervt von mir und übte irgendwann eine wenig Verkaufsdruck aus, dem ich mich damals gerne fügte. Er maß meine Beinlänge und bestimmte darüber die Rahmengröße, die anders war als die des Rades, welches ich ausprobiert hatte. So erhielt ich also ein Fahrrad, mit dessen Rahmengröße ich eigentlich nicht 100% glücklich war (etwas zu klein). Ich fahre es noch heute. Nach unzähligen Modifikationen.

Ich kaufte das Fahrrad mit einer damals sehr modernen 8-Gang Nabenschaltung. Nach ein oder zwei Jahren fand ich, dass diese Nabenschaltung irgendwie schwergängig sei und kraftraubend. Zufällig bekam ich dann einen neuen Kollegen, der nicht nur Radsportler war sondern auch solchen modischen Trends wie Single Speed Fahrrad fahren folgte. Nach einigen Recherchen fasste ich den Mut einfach mein Fahrrad umzubauen. Ich ersetzte das Hinterrad mit der leidigen Nabenschaltung durch ein Hinterrad ganz ohne Schaltung. Single Speed halt. So fuhr ich mit dem Rad ebenfalls ein- zwei Jahre, bis ich auch damit nicht mehr glücklich war, da das Anfahren mit so einem einzelnen Gang (ich wählte damals eine recht hohe Übersetzung, damit ich bei meiner üblichen Reisegeschwindigkeit nicht mit super hoher Frequenz treten musste) doch recht mühsam war. So baute ich mir eine Kettenschaltung ein. Mit der fuhr ich ebenfalls ein paar Jahre. Zwischenzeitlich baute ich noch verschiedene Lenker ein (um die zu kleine Rahmengröße auszugleichen), verschiedene Vorbauten und verschiedene Pedale. Letztes Jahr merkte ich, dass mir das Radfahren (ich fahre damit täglich zur Arbeit) mittlerweile zu erschöpfend war. So entschloss ich mich einen recht teuren Elektromotor einzubauen. Also wieder das Hinterrad ausgewechselt und durch ein Hinterrad mit Motor ersetzt. Akku an den Trinkflaschenhalter, Kabel, fertig. Zuletzt habe ich mir noch ein hinteres Schutzblech auf das Vorderrad montiert (geht jetzt nach vorne deutlich weiter über den Reifen), da mir bei Regen immer zu viel Wasser hochspritze. Da ich damit etwas schneller unterwegs bin habe ich außerdem noch ein größeres Kettenblatt am Tretlager montiert. Wahrscheinlich habe ich noch mehr an dem Fahrrad umgebaut, was mir jetzt spontan nicht alles einfällt.

Ich bleibe immer noch vor jedem Fahrradgeschäft stehen und muss mir die Räder dort anschauen. Häufig finde ich dabei ein Fahrrad, dass ich toll finde und denke, dass ich dieses oder jenes gerne hätte. Und dann denke ich an mein Fahrrad, dass mich so häufig genervt hat, in das ich aber auch so viel Zeit und Energie gesteckt habe. Nicht nur durch die Umbauten. Natürlich auch durch die vielen tausend Kilometer, die ich darauf gefahren bin, darauf geschwitzt und mich auch häufig gequält habe (auch durch viele Sättel, die ich ausprobieren musste). Und die vielen Stunden, die ich es geputzt und gepflegt habe. Wer weiß, ob ich mich jemals davon trennen kann. – Mirko Strick


Leserbrief zu „Im Wunderland der Korrektheit“ von Josef Joffe

Zunächst vielen Dank an DIE ZEIT für eine weitere Folge in „Wir diskutieren ein Thema – u. U. auch kontrovers“ Das ist das, was ich an Ihrer Zeitung so schätze und für meine eigene Meinungsbildung für so wichtig halte. Zum Thema.

Vielen Dank Herr Joffe für Ihre Erwiderung auf Herrn Staas. Sie spricht mir aus dem Herzen. Doch was Sie beide nicht benennen sind die beiden wichtigsten Fundamente allen Handelns: Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Ohne aus allem eine Ideologie zu machen. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit auszuüben sind für mich sehr wichtige Voraussetzungen in einem Gespräch, einer Auseinandersetzung, einem Streit. Bei den PCisten vermisse ich sie weitgehend. Warum?

Ich finde den zitierten Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes richtig und sehr wichtig. Doch was immer von den PCisten (vielleicht sogar bewusst) bei der Anwendung missachtet wird, ist die Tatsache, dass es um Menschen geht, die vor dem Gesetz gleich zu behandeln sind: z. B. gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit, unabhängig von Geschlecht und Hautfarbe. Doch die Neigung zur Ungleichbehandlung steckt in uns allen und ist eher eine menschliche Eigenschaft, die unabhängig ist von Geschlecht, Hautfarbe oder anderem und nur teilweise anerzogen wird:

Warum wird mit einer männlichen Hebamme so umgegangen http://www.zeit.de/2010/28/S-Hebammen ?

Würden die PCisten ehrlich anerkennen, das Menschen unterschiedlich sind und Gleichbehandlung nur dann möglich ist, wenn Unterschiede für den Gegenstand der Entscheidung zu Behandlung keine Rolle spielen, wäre viel gewonnen.

Zwei Beispiele:

Ich fühle mich noch sicherer im Flugzeug, wenn die erste Durchsage des Kapitäns im Flieger von einer Kapitänin kommt, weil Frauen die besseren Fähigkeiten im Steuern habe (das sage ich als Sicherheits-Ing. für High Risk-Anlagen). Sind Männer deshalb unsichere Piloten?

Ich fühle mich sicherer als Mitarbeiter im Rettungsdienst (habe ich 10 Jahre geleistet), wenn ich einen kräftigen männlichen Kollegen an meiner Seite habe beim Transport eines Patienten in einem engen Treppenhaus auf einer Trage in Über-Kopf-Haltung der Trage, wo einfach die größere Körperkraft benötigt wird und man nicht mal eben absetzen kann um sich zu erholen. Sind Frauen deshalb im Rettungsdienst ungeeignet?

Die Beispiele zeigen, wären alle ehrlich, dann ginge es tatsächlich um Gleichbehandlung und nicht um stumpfe Gleichmacherei. Empfehlung: Lesen Sie DIE ZEIT. Es gab einige interessante Artikel, die deutlich machen, was „Kleinigkeiten“ dazu beitragen können Menschen in die Arme von AFD und Co. zu treiben. Es werden sogar solche Leute nachdenklich, von denen man eher eine PC-konforme Haltung unterstellen würde, siehe Autor des zweiten Links:

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2016/52/junge-afd-nachwuchs-politiker-ziele-feindbilder oder hier

http://www.zeit.de/2016/12/alternative-fuer-deutschland-waehler-profil-afd-uwe-junge

Im Umgang mit dem den Leuten „auf der Straße“ habe ich bei meiner Arbeit eines für mich gelernt:

Komm runter von Deinem akademischen Ross, von Deiner pharisäerischen Haltung „Ich stehe auf der guten Seite“, ich bin political correct. Dann erlange ich Zugang zu den Menschen, sie hören mir zu und ich erlange Glaubwürdigkeit. Sie ist die Grundlage für VErtrauen, das wir heute in unserer Gesellschaft dringend benötigen, aber immer mehr verlieren. – Michael Pëus


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Müssen wir uns bei Trump bedanken, dass wir uns endlich Gedanken um unsere Werte und Institutionen machen? Die Autoren verweisen auf die Zeit der APO vor 50 Jahren. Die sind damals auf die Straße gegangen und haben ihre Ziele laut und teilweise und demokratisch vorgetragen.

Unter den Zeichen von Globalisierung, Pluralismus und Meinungsfreiheit, die uns ja so viele Vorteile bringen (auch Trump!), hat doch schon längst der zugelassene Abbau der Institutionen und Werte begonnen. Wir diskutieren über die Verschärfung von Anti-Terror-Gesetzen und über Flüchtlinge als mögliche Terroristen. Was ist mit den „Terroristen“ auf der Straße? Im Jahr 2014 3.581 Tote durch Verkehrsunfälle, 9.044. Tote durch Unfälle im Haushalt, 971 Tote durch Arbeitsunfälle: Verschärfen wir die Regeln? Wir schaffen es nicht einmal, die bestehenden Regeln zu kontrollieren und zu sanktionieren. Gleiches im Steuerbereich. Mir werden Einkommenssteuern direkt vom Lohn abgezogen. Wer Spielraum und „gute“ Steuer- und Bankberater hat, lässt sein Geld auf irgendwelchen Fonds und Inseln verschwinden, um gleichzeitig über schlechte Schulen, Straßen und staatliche Vorsorge zu jammern. Weil dem Staat (also mir) wichtiges und viel Geld entzogen wird. Und Steuerbetrüger dann als Fußballvereins (?)-Präsidenten zu Vorbildern werden.

Auch „Die Zeit“ jubelt über

  • die günstigen Übernachtungskosten bei Airbnb, vergisst aber, dass damit Mietpreise in Innenstädten steigen, Hotels nicht ausgelastet sind, Hotelmitarbeiter entlassen werden müssen,
  • Uber und seine Preise, vergisst aber, die dadurch arbeitslos werdenden Taxiunternehmen und -fahrer.

Im Artikel schreiben Sie, dass Institutionen funktionieren, wenn sie „mutig sind, optimistisch, wenn sie vom Vertrauen der Bevölkerung getragen werden“. Wo finde ich solche Institutionen in Deutschland? So genannte „Fußballfans“ dürfen Steine, Flaschen, Pyrotechnik auf Polizisten, Ordner, Kinder, Familien werfen. Wären die Institutionen (Polizei, Staatsanwaltschaft, Fußballklubs) mutig, würden dieser Straftäter am gleichen Tag verhaftet, beschleunigt verurteilt, auf Lebenszeit aus dem Verein ausgeschlossen und kein Journalist würde Verständnis für eine „Pyrotechnik-Kultur“ aufschreiben.

Wir haben alle hier viel zu tun. Sie als Journalisten darüber zu berichten, unbequeme Fragen zu stellen, Argumente zu vermitteln und ich als Leser und Bürger zu wählen, mich vor Ort einzumischen und genauso unbequeme Fragen zu stellen. – Wolfgang Krause


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

Konsum mit eingeschaltetem Gehirn!

Wie immer, die Dosis macht das Gift. Auf der einen Seite die Entwicklung des Minimalismus, die mich sehr freut, auf der Anderen der unkontrollierte Konsumrausch (jedem Mainstream hinterher, keine reparierfähigen Produkte, Massenware etc.).

Vielleicht, meine große Hoffnung, kann sich hier ein Gleichgewicht entwickeln?

Wenn jemand Monate braucht (in denen er nichts kauft) um ein bestimmtes Produkt zu suchen und dann zu kaufen um sein kahles Heim damit für Jahrzehnte zu schmücken, ist doch schon sehr viel erreicht. Alle sind entsetzt über die ozeanischen Müllstrudel und sind doch alle direkt/indirekt daran beteiligt. Wie gesagt: Weniger ist mehr! Wenn das Weniger auch noch Erinnerungen innehat, umso besser. –  Kristina Baginski


Leserbrief zu „Wieviel Nähe darf es sein?“

500 Jahre nach Luther sind die EKD und der Vatikan weiter von einander entfernt,  als je zuvor!

In den fundamentalen Aussagen der altkirchlichen Glaubensbekenntnisse gibt es jedenfalls keine Übereinstimmung mehr. So wird auf „evangelischer“ Seite weitgehend sowohl die Jungfrauengeburt, als auch die leibliche Auferstehung der Toten nicht mehr geglaubt, ja sogar die Auferstehung Jesu Christi in eine weiter andauernde Bedeutung seiner Lehre umgedeutet. Die Botschafterin des Reformationsjubiläums Margot Käßmann nennt Joseph  den leiblichen  Vater Jesu und die „Jungfrau“ Maria nur noch eine selbstbewußte junge Frau, – wobei damit das Geheimnis der Menschwerdung Gottes von ihr völlig der „Vernunft“ preisgegeben wird.

Vor diesem Hintergrund erübrigen sich alle Bemühungen um Einigung in der Ämterfrage und im Verständnis der Eucharistie. Die Reise der EKD nach Rom verdient insofern das Urteil : Außer Spesen nichts gewesen. – Prof.em.Dr.Karl-Heinz Kuhlmann


Leserbrief zu „Im Wunderland der Korrektheit“ von Josef Joffe

Für den ernsthaft interessierten Leser, der natürlich auch „1984“ sowie den Beitrag von Christian Staas vom 19. Januar gelesen und daraufhin PC im Internet recherchiert hat, mag es zunächst beeindruckend sein, dass JJ sich nicht auf die im Internet gefundenen 13 Mio. Einträge bezieht, sondern sich auf die eine Erklärung im Duden beschränkt. Dann folgt allerdings eine Seite voller Beispiele als „Entgegnung“ auf die ebenfalls mit vielen Beispielen bestückte Seite von Christian Staas, die jedoch ebenso wenig eindeutig zu vermitteln vermag, was die PC nun wirklich ist.

Vielleicht sollten wir uns in diesem Zusammenhang die „Goldene Regel“ – nicht in der komplizierten Form Kants Imperatorischen Imperativs sondern wie wir sie kennen und als „Goldene Regel des Mittelalters“ häufig bezeichnen – in Erinnerung rufen: „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg auch keinem andern zu!“

Die GR ist ein Appell aus Zeiten (nicht des Mittelalters sondern) lange vor unserer Zeitrechnung und wurde in vielen Kulturen dieser Welt zum moralischen Maßstab gesetzt. Sie beinhaltet die Grundlage menschlichen friedlichen Zusammenlebens – und ist vermutlich gerade deshalb utopisch in ihrer Umsetzung – aber erstrebenswert, gerade auch im Umgang mit der „Political Correctness“! – Hans Jürgen Hahn


Leserbrief zu “ Wie viel Schulz erträgt das Land?“ von Fabian Klask und Matthias Krupa

So so; einer, der sich von Mr, „Steueroase Luxenburg“, Herrn Claud Junker die Plete küssen lässt soll jetzt die Steuerhinterziehung bekämpfen? Leute aus „kleinen“ Verhältnissen sind sehr anfällig für diese subtile Korruption der Macht vertreten durch ihre „tollen“ Repräsentanten, siehe auch ein gewisser Herr Schröder (Genosse der Bosse). – Dieter Herrmann


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

Ihren Beitrag finde ich mutig, aber notwendig. „Gefühlt“ wurde die Wehrpflicht erst gestern abgeschafft, man hat sich gerade daran gewöhnt. Diejenigen, die die Hals über Kopf getroffene Entscheidung falsch fanden, bekommen jetzt recht. Die Zeiten ändern sich schnell und grundlegend. Der jungen Generation ist nicht vorzuwerfen, dass sie keinen Gemeinsinn hätte, obwohl in manchen Kreisen der Individualismus überwiegt. Das Problem für die Gutwilligen, die sich einbringen wollen, ist die berufliche Belastung, gerade bei jungen Familien. Unser Förderverein gestaltet zu dieser Frage einen Abend, an dem junge Menschen darüber berichten, wie sie Beruf, Familie und gesellschaftliches Engagement unter einen Hut kriegen. Gerne schicke ich Ihnen in der Anlage eine Ankündigung zu diese Veranstaltung am 16.02.17. Wenn Sie Gelegenheit haben zu kommen, möchten wir sie herzlich dazu einladen. – Klaus Tuch


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Exzellente Artikel an dem Journalisten vom Fach am Werk waren, wie man es von der „ZEIT“ erwartet. Sehr gut wurde die Aushöhlung des demokratischen Staatswesens der USA durch den gewissenlosen Missbrauch und Verhöhnung des Legalitätsprinzips durch Donald Trump (und seinen diabolischen Chefstrategen Steve Bannen) dargestellt als auch die Manipulation der öffentlichen Meinung. Nennt man nicht eine skrupellose  Politik, die es mit der Wahrheit nicht so genau hält, ihre Ziele auch  mit moralisch verwerflichen  Mitteln anstrebt und versucht durchzusetzen: Machiavellismus? Ein Trost, das öffentliche Gewissen in den USA lebt, meldet sich zu Wort und möge deshalb der Himmel eines Tages in das Spiel sich einmischen, das gegen ihn  gespielt wurde.  – Johannes van den Boom 


Leserbrief zu „Sie setzen ein Volk unter Strom“ von Claus Hecking

es ist schon ganz interessant, was Sie da Ihren Lesern mitteilen. Doch ist Ihr Beitrag aus meiner Sicht etwas einseitig.

1.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Chinesen auf den kompletten Ersatz der Verbrennungsmotore durch E-Motore setzen und nicht auf Verringerung des MIV. Das ist wohl eher unzutreffend, denn auch die Chinesen werden sicherlich versuchen, den Stau sowie den Flächenverbrauch durch PKW in ihren Städten abzubauen. Das aber ist nicht durch Fahrzeug-Ersatz, sondern nur durch Ausweitung des öffentlichen Verkehrs möglich. Und da tun die Chinesen schon einiges:

Dr. Josef Doppelbauer, Vertreter der „European Union Agency for Railways“ verglich während eines Vortrag am 19. September 2016 den chinesischen mit dem europäischen Fernverkehr (Etwa gleich große Fläche und etwa die doppelte Einwohnerzah lin China):

– Europa hat etwa 9000 km High-Speed-Strecken und China 19000.

– Europa hat etwa 900 High-Speed-Züge, China 4000.

– Bis 2020 sind in China gewaltige Zuwächse geplant.

Und was die Chinesen im Fernverkehr schaffen, wird wohl auch im ÖPNV möglich sein.

2.

Ihre Aussagen zu den Batterien für Landfahrzeuge, die hier ja das A und O sind, sind meines Erachtens sehr optimistisch.

Da ergibt sich zunächst die Frage: Woher nehmen Sie eigentlich Ihre Aussage „Doppelte Energiedichte in 2-3 Jahren“ ?

Dann fehlt m.E. auch eine Aussage hinsichtlich des Ausgangsmaterials für Batterien. Ist es nicht so, dass die Ausgangsmaterialien in der Erdkruste recht dünn gesät sind, und dass dadurch bei massiver Inanspruchnahme die Kosten rapide steigen werden? Und ist es nicht so, dass die Batteriekapazität mit der Anzahl der Ladungen sinkt und die Batterien nach etwa 1000 Ladezyklen erneuert werden müssen?

Ich wünsche den Herren Breitfeld und Kirchert viel Glück. Doch bleiben bei mir Zweifel für ihr Vorhaben. – Dieter Schuster


Leserbrief zu „Im Wunderland der Korrektheit“ von Josef Joffe

Ich habe schon seit einiger Zeit den Verdacht, dass PC (Political Correctness) in der heutigen Form zum Maulkorb für die Meinungsfreiheit wird. PC hat es immer schon in der verschiedensten Form gegeben, im praktizierenden Sozialismus wie im Faschismus. Sie war immer die Planierwalze hin zum Autoritären. Siehe heute USA, Polen, Türkei. Praktische Demokratie heißt immer das gesellschaftliche Gleichgewicht wahren, dazu gehört selbstverständlich eine antidiskriminierende Sprechweise. Demokratie ist nicht einfach, das Gleichgewicht muss immer neu erarbeitet werden. – Jürgen Scharnhorst


Leserbrief zu „Innere Unsicherheit“ von Nadine Ahr et al.

Ihr Dossier ist atemberaubend. Berlin ist wohl der Extremfall einer Erscheinung die die gesamte Bundesrepublik betrifft. Nach 25 Jahren in Brasilien fallen mir doch einige Unterschiede auf, sagen wir im Vergleich zu den 80er-Jahren:

  1. Museumsbesuch: heute typischerweise 10 EUR für ein großes Museum. Früher: keine 20 DM, sondern einige wenige DM (4 bis 5?) 2. In jedem Bahnhof gab es beheizte Wartesäle.
  1. Anzahl Polizisten: deutlich mehr als heute (wie Sie selbst schreiben).
  1. Anzahl Staatsanwälte: siehe 5.
  2. Sonstige Öffentliche Angestellte und Beamte: deutlich mehr (Sie schrieben vor einigen Wochen von Investitionen in die Infrastruktur die nicht ausgeführt werden weil es an Verwaltungsbeamten fehlt).
  1. Bundeswehr: deutlich größer.
  2. Marode Schulen: damals kein Thema.

Wenn nun also der Staat früher mehr ausgegeben hat als heute, heute aber besonders hohe Einnahmen hat („die Wirtschaft brummt“), dann fragt man

sich: Wohin geht denn das ganze Geld das er früher hatte? Wirtschaftlich bin ich blutiger Laie, und meine Beispiele sind nicht quantitativ. Sie haben sowohl die wirtschaftliche Kompetenz als auch ausgiebige Möglichkeiten der Recherche. Wäre das nicht auch ein interessantes Thema für ein Dossier? – Frank Hrebabetzky


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

Ein dreistöckiges Haus in Italien, das 18 Jahre viel genützt wurde und als Alterssitz gedacht war, wird nun in andere Hände übergeben. Zum einen haben viele Objekte in Haus und Garten Ihre Sinnhaftigkeit für das letzte Viertel des Daseins an Bedeutung eingebüßt, zum anderen ist es verantwortungslos, den Erben einen Wust von Ballast zuzumuten. So ergibt sich eine auf den Kopf gestellte Pyramide: Ganz unten die Entsorgung an diverse Mülltrenn-Stationen in der Umgebung, darüber Geschenke an Freunde und Nachbarn, den Ortschronisten, den Pensionistenclub, das Pflegeheim, andere Bedürftige, die nach Nachfrage Verwendung haben. In der Pyramidenetage darüber sind schon Transporte angesagt: Nach Innsbruck, vor allem Bilder und Skulpturen, die als Geschenke dienen oder über unsere Geschäft verkauft werden können. Und dann die große – am Kopf stehende – Basis: Möbel, Bilder, Skulpturen und Objekte in jeder Winzigkeit oder Größe, die mit uns über die Lande und die Zeiten gezogen sind. Alle völlig ohne bedeutenden Wert – weder im Dorotheum noch bei Sotheby’s anbietbar. Aber lebensbegleitend mit jeweils einer oder mehreren unverzichtbaren Geschichten und Anekdoten: Die in Innsbruck mehrmals herumgewandert sind, nach Bagno Vignoni reisten, von dort nach Radi, dann an den Gardasee und nun ihren Weg zurück nach Innsbruck und nach Osttirol als unsere Begleiter antreten. Vermutlich ist es ihre (und unsere) letzte Übersiedlung. Zurücklassen dieser liebgewonnen Begleiter ist völlig unmöglich. Das gilt natürlich auch und in primis für  das(Mit-)Reisen von Büchern. Habent sua fata libelli! – Dieter Tausch


Leserbrief zu „Innere Unsicherheit“ von Nadine Ahr et al.

Ich bin kein Freund davon, ständig nach einer stärkeren Polizei oder gar mehr Überwachung zu rufen und halte die deutschen Gesetze im Großen und Ganzen für ausreichend, um auch mit dem Terrorismus und organisierter Kriminalität fertig zu werden. Was die ZEIT da aber über Zustände bei der Berliner Polizei berichtet, kommt für mich der Kapitulation des Rechtsstaates gleich. Neben den materiellen und natürlich auch persönlichen Schäden, die die Opfer unmittelbar erleiden, wiegt der politische Schaden, der hier angerichtet wird, noch sehr viel schwerer. Umso unverständlicher ist die Dickfelligkeit mit der die Verantwortlichen die unfassbaren Zustände einfach ignorieren und nicht einmal Stellung beziehen können oder wollen.   – Priv.-Doz. Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Andreas Zabel


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Mit Ihrem Artikel über die Zerstörung des gesellschaflichen Systems ist für mich endlich der entscheidende Puzzelstein aufgetaucht, der alle bisherigen Fragmente der Trump’schen Politik zu einem – noch unvollständigen, aber erkennbaren – Gesamtbild zusammen fügt.

Er zerstört das System unter Verwendung der Möglichkeiten des Systems und zeigt am Ende auf die Unfähigkeit des Staatssystems, mit ’seinen‘ Herausforderungen umzugehen; der Schritt zu einer kompletten Änderung der Regeln und Gesetzmäßigkeiten nach seine Vorstellungenist dann nur noch ein kleiner. Das Schlimme wird sein, dass Trumps Befürworter nicht erkennen werden, was am Ende entstehen wird: eine Diktatur – welche nicht zu ihrem Nutzen agieren wird!

Die Zukunft wird schwarz – fast überall auf der Welt sind schließlich vergleichbare Entwicklungen zu beobachten – und es wird schnell gehen. Was im Detail entstehen wird, kann wohl nicht vorhergesagt werden, aber für die Bürger westlicher Staaten wird die Zeit der Offenheit, Toleranz und gesellschaflichen Weiterentwicklung nun vorbei sein.

Freuen wir uns, dass wir sie erleben durften – kämpfen wir dafür, dass sie vielleicht irgendwann einmal wiederkommt. Demokratie und Freiheit: RIP. – Eberhard Goette


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Tja, jetzt kommt die Ernüchterung und auch, zumindest bei mir, ein wenig Bangen vor der Zukunft. Da hat man geglaubt, Trump will bloß rasch seine Wahlversprechen einlösen und schnell liefern. Aber  laut dem Artikel von Frau Kohlenberg, Herrn von Randow und Herrn Wefing steckt ein weitreichenderes  Ziel hinter seinem Handeln, das perfide Kalkül, die Intuitionen in den USA zu zerstören und die  amerikanische politische Kultur, so wie wir sie kennen, zu sprengen.  Ich fürchte, die Autoren des Artikels haben recht. Es gibt zwar hoffnungsvolle Zeichen, dass sich bei den  Amerikanern Widerstand dagegen formiert. Aber bei der Geschwindigkeit, die Trump vorlegt, wird dieser  Widerstand den Ereignissen nur hinterher laufen können.   Hoffentlich lernen die Politiker in der EU und in unserer Regierung daraus, wie unser liberale Demokratie aktiv zu verteidigen ist. Ich fürchte nicht ….. aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt! – Dr. Thomas Henn 


Leserbrief zu „Die Ausweitung der Kampfzonen“ von Slavoj Žižek

Ich bin erschrocken, dass eine liberale Wochenzeitung einen Beitrag von Slovoj Žižek veröffentlicht, in dem der Poststrukturalist bekennt, er würde, weil sie sich „stärker am Schutz von Arbeiterinteressen“ orientiere, Marine Le Pen zur französischen Präsidentin wählen und dafür das Projekt eines vereinten Europa und die Ideale der freiheitlichen Demokratie aufgeben. So wie die Kommunisten in den 1930er Jahren die Sozialdemokraten als „Sozialfaschisten“ diffamierten und den Untergang der Weimarer Republik in Kauf nahmen, behauptet Žižek, der Unterschied zwischen der neofaschistischen Kandidatin und dem Konservativen Francois Fillon sei „rein formaler Natur“. Zum Glück läuft es in Frankreich aber nicht auf die Alternative Le Pen oder Fillon hinaus, sondern mit Emmanuel Macron gibt es einen Kandidaten, der für mehr Offenheit und für mehr Europa steht und trotzdem die Franzosen begeistert. Es gibt nämlich noch Menschen, die sich nicht von rassistischen Vorurteilen und nationalistischen Ressentiments leiten lassen. So schnell kann eine politische Theorie von der Wirklichkeit überholt werden. – Jürgen Thiede


Leserbrief zu „Sinnlos gelitten“ von Miriam Gebhardt

Eine Frage und auch Anmerkung: Hat der Hausarzt einen Palliativmediziner hinzugezogen und hat eine ethische Fallbesprechung stattgefunden? (Ich bitte um eine Antwort von Frau Gebhardt.) Ich selbst habe in einer ähnlichen Situation eine Gesprächsrunde zwischen Angehörigem, Hausarzt/auch Palliativmediziner und Pflege moderiert. Die Pflege bestand damals auf der PEG-Sonde (auch aus Furcht vor dem MDK, dessen Rolle in diesem Artikel überhaupt nicht zur Sprache kommt) und hatte beim Amtsgericht Klage eingereicht.

Das Protokoll dieser Gesprächsrunde mit all seinen durchaus differenzierten Betrachtungen und dem Entschluss gegen eine weitere PEG-Sonde wurde dann dem zuständigen Richter vorgelegt, der daraufhin das Verfahren unter Hinweis auf unsere Ausführungen, die ja eigentlich keine gesetzliche Grundlage haben, eingestellt hat. Die Patientin ist dann wenig später friedlich verstorben. Die Gerichte, auch nicht BVG oder EVG, werden die persönlichen Verantwortung gegenüber dem individuellen Schicksal nicht abnehmen können. Oder: Die Flucht vor das Gericht ist die Verweigerung der eigenen Verantwortung in einer beteiligten Gemeinschaft. – Eckart Schermuly 


Leserbrief zu „Sinnlos gelitten“ von Miriam Gebhardt

Ans Bett gefesselte Probanden

Die Patientenbiografie des Heinrich S. ist erschütternd und seine Sekundärleiden wie die Versteifung zeigen den Pflegenotstand in Deutschland. Möge Herr S. seinen Frieden finden. Ich möchte Gedankenexperiment wagen:

Der schwer kranke, stark behinderte Heinrich S. litt an Demenz. Im November letzten Jahres wurde eine Neuregelung des Arzneimittelgesetzes beschlossen, fortan sind diesbezügliche Medikamententests an nicht einwilligungsfähigen Patienten erlaubt. Nehmen wir an, Herr S. hätte Jahre vorher einmal der Teilnahme an Mediakmenten-Tests zugestimmt. Wäre es nach der aktuellen Rechtsprechung möglich gewesen, an dem im wörtlichen Sinne ans Bett gefesselten Mann die (Neben-)Wirkung von noch nicht zugelassenen Alzheimer-Medikamenten zu erproben? Wäre eine solche Versuchsanordnung für die Pharmaforschung wissenschaftlich sinnvoll oder ökonomisch attraktiv? Kann eine Patientenverfügung oder der Angehörigen-Wille eine einmal gegebene Zustimmung zu Medikamententests revidieren?   – Mark Rozin 


Leserbrief zu “ Wie viel Schulz erträgt das Land?“ von Fabian Klask und Matthias Krupa

Ich bin ein “ Arbeitersohn “ und stamme aus sehr einfachen Verhaeltnissen. Mit Realschulabschluss und Lehre begann ich ueber den “ zweiten Bildungsweg “ 1973 ein Fachhochschulstudium , welches ich nach einer sehr anstrengenden Studienzeit mit Diplom abschloss. Schon sehr frueh in jungen Jahren war ich fuer mehrere Jahre beruflich im “ Nahen Osten „. Viele Freundschaften mit moslemischen Einheimischen , darunter etlichen moderaten palaestinensischen Ingenieuren konnte ich damals schliessen. Allerdings gilt fuer mich heute als “ bekennender Christ “ : Der Islam , bisher klaeglich gescheitert , gehoert eben nicht zu Deutschland.

Wann endlich fassen wir uns ein Herz , um den arabischen Fluechtlingen bei uns die “ gewaltige und befreiende “ Botschaft des biblischen Evangeliums nahezubringen ? Oder sind wir etwa zu egoistisch und denken erst mal an uns ? Und da bin ich schon bei einem meiner Hauptanliegen an die Traditionspartei SPD. Als ich noch Heranwachsender war , da galten die Gymnasiumbesucher schon als was besonderes . Schon in der von mir besuchten freikirchlichen Jugendgruppe  bekam ich zu spueren , dass die jungen Damen und Herren mit kuenftigem Abitur schon was besonderes waren. Ein verstecktes “ Elite-Denken “ bahnte sich schon damals an. Nun – dies ist lange her und jetzt ist Wahljahr und da geht es wohl den sogenannten Eliten an den Kragen. Und da freu ich mich ueber den fuliminanten Neustart der Genossen unter Schulz.

Ich bin dabei und unterstuetze als Nichtparteimitglied gerne den Kanzlerkandidaten. Allerdings nur , wenn folgende Themen auf die Agenda kommen : Bestrafung von Kriminellen wie Winterkorn und Konsorten , radikale Reform unseres Rentensystems und humane Mietgesetze fuer Mieter . Und aussenpolitisch : Kooperation mit Putin im Kampf gegen den Islamismus und vor allem eine sinnvolle Nahostpolitik . Dies beinhaltet die Unterstuetzung der moderaten Kraefte bei den Palaestinensern und das Unterlassen von einseitigen Verurteilungen von arabischen Machthabern. Sollte ich aber in den kommemden Monaten den Eindruck gewinnen , dass die SPD lahmt aufgrund eigener falscher Themen – dann spring ich ab vom “ SPD-Volldampf-Wahlkampfzug „. Jetzt heisst es erst mal Aermel hoch und hart anpacken und schuften – vor allem fuer die “ Partei-Oberen „. –  Dipl.Ing. Erwin Chudaska 


Leserbrief zu „Im Wunderland der Korrektheit“ von Josef Joffe

Was wäre DIE ZEIT ohne Josef Joffe! Vielen Dank für ihren Beitrag „Im Wunderland der Korrektheit“.

Die Auswirkungen der PC schlagen bis zur Diskussionskultur im Gymnasium durch. War es bis vor ca. 15 Jahren völlig normal, dass Schülerinnen und Schüler in Diskussionsbeiträgen ihre Meinungen offen und nachdrücklich äußerten, ist das heute keineswegs mehr der Fall. Selbst durch Provokationen lassen sie sich nicht mehr locken.

Nach den Ursachen befragt, kommen Äußerungen wie: „Bestimmte Dinge sagt man heute nicht offen“ oder „Ich weiß nicht, ob ich meine Meinung politisch korrekt genug ausdrücken kann“.

Unter diesen Bedingungen junge Leute zu kritischer Haltung und zur Kritikfähigkeit zu erziehen, ist wesentlich schwieriger geworden. – Rainer Stein


Leserbrief zu „Sinnlos gelitten“ von Miriam Gebhardt

Der Artikel „Das Geschäft mit den Sterbenden“ beinhaltet neben der Beschreibung einiger wirklichen Tatsachen eine Unterstellung von merkantilen und unmoralischen Beweggründen bei der Behandlung schwerstkranker Patienten auf der Intensivstation. Dies kann nicht den publizistischen und journalistischen Regeln entsprechen.

Die intensivmedizinische Behandlung ist offensichtlich teuer und muss entsprechend vergütet werden, um diese Art der Therapie zu ermöglichen. Zur Verdeutlichung stellen Sie Sich vor, dass die intensivmedizinische Behandlung nicht gewährleistet werden könnte, falls sie für die medizinische Einrichtung mit einem finanziellen Verlust einhergeht. Zudem existieren verschieden Formen der Intensivstationen mit unterschiedlichen Möglichkeiten der Behandlung.

Aufgrund der Erkrankungsschwere der genannten Patienten besteht eine hohe Letalität, sodass trotz maximaler Therapie nicht jeder der genannten Patienten geheilt werden kann oder überlebt. Für verschiedene Krankheitsbilder kann eine spezielle Wahrscheinlichkeit genannt oder errechnet werden, dennoch bleibt die Behandlung individuell und ob ein Überleben gesichert werden und eine Behandlung erfolgreich ist entscheidet sich erst in deren Verlauf, sodass ein vorzeitiger Abbruch nicht gerechtfertigt sein kann. Besteht ein infauste Prognose, wird in Übereinstimmung mit dem Patientenwillen, den Angehörigen und der gültigen Rechtslage, welche ein wesentlicher Faktor in der speziellen Behandlungssituation ist, entschieden, inwieweit die Behandlung fortgeführt, eingeschränkt oder gar abgebrochen wird.

Aus den beschriebenen einzelnen Krankheitsverläufe, laienhaften Vermutungen und allgemeine Schlüsse zu ziehen und diese in ihrer Zeitung ernsthaft zu veröffentlichen gleicht der Verleumdung und kann nicht hingenommen werden. Die Art und der Aufbau unseres Gesundheitsystems sind ein unabhängig zu diskutierendes Thema.

Seit über 20 Jahren habe ich Ihre Zeitung gelesen und werde dies nun beenden, da die Art und Weise Ihrer Berichterstattung zu oberflächlich und häufig nicht wahrheitsgemäß geworden ist. Ihre Schlagzeilen und Artikel hinterlassen ihrerseits den Eindruck, ohne Berücksichtigung des Inhalts und der Wahrheit, Aufmerksam erhaschen zu wollen. Dies trifft insbesondere für die digitale Berichterstattung und den Auftritt im Internet zu, was in der Tat für die Meinungsbildung gefährlich ist.  – Dr. med. Robert Karl Zahn


Leserbrief zu „Sind wir an alldem schuld?“ von Bernhard Pöksen

Postfaktische Wissenschaft

Wir sind im postfaktischen Zeitalter angekommen. Es wird Zeit mit all diesen Lügen aufzuräumen. Nur wollen wir aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Situation unsere Erkenntnistheorie umwerfen? Wollen wir die Frage nach dem Grundsätzlichsten, nach Wissen, mit Realismus beantworten um so aufzuzeigen, was Wahrheit und was Lüge ist? Und ist nicht gerade diese Antwort darauf postfaktisch? – Florian Jauernig


Leserbrief zu “Die große Abrechnung” von Matthias Krupa

Leider haben weite Teile der Medien in Deutschland lange unterschätzt, welch zerstörerische Kraft für die Demokratie von Leuten wie Jarosław Kaczyński ausgeht. In einem bereits im Juni 2011 in der „ZEIT“ veröffentlichten Widerspruch hat der Verfasser dieser Zeilen darauf hingewiesen, dass Kaczyński – damals noch Oppositionsführer – die politische Kultur des Landes demontiert, demoliert und demoralisiert, indem er die regierende Elite und die bestehenden Institutionen infrage stellt, Andersdenkende ausschließt und schließlich die polnische Nation zum Maß aller Dinge erhebt. Damit lag auf der Hand, dass PIS sich zu einer (reaktionär)revolutionären, antisystemischen, autoritären, nationalistischen Bewegung entwickelt, die nicht auf Zivilgesellschaft, Vielfalt und Kooperation setzt, sondern Homogenität und Konfrontation anstrebt.

Das politische Ziel besteht zurzeit darin, Staat und Gesellschaft von Grund auf umzubauen, obwohl lediglich knapp 19 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimme der PIS gegeben haben. Der Begriff >Rechtsruck< erscheint in diesem Zusammenhang wie eine klare Verharmlosung der „Programmatik“ einer Partei, die bei der Verleumdung ihrer politischen Gegner systematisch an das aus der Volksrepublik Polen gut bekannte Vokabular anknüpft und somit das „Kontrafaktische“ perfekt verkörpert. – Dr. hab. Dariusz Adamczyk


Leserbrief zu “Die große Abrechnung” von Matthias Krupa

Seit über fünf Jahren bin ich Professor in Polen an der Politechnika Koszalińska (ehemals Köslin) und lehre dort etwa alle zwei Wochen.

Die Einschätzungen Ihres Artikels teile ich im Grundsatz. Mir fiel schon oft auf, dass neben den Banken auch der Einzelhandel, z.B. Lidl, Netto, Marché, Biedronka (Portugal), die Logistik, z.B. DB Schenker, die Müllabfuhr, z.B. Remondis, der Automobilbau, z.B. Fiat, Daewoo, General Motors, VW, der Schienenfahrzeugbau, z.B. Bombardier, und anderes weitgehend in ausländischer Hand sind – und dieses ein potentielles Problem darstellt. Allerdings ist in meinem Kollegenkreis von einer Unterstützung der jetzigen Regierung nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil. Das Programm 500 Plus (Kindergeld) wird als zu undifferenziert, eigentlich nicht finanzierbar und nicht nachhaltig genug eingestuft (rausgeschmissenes Geld). Die Machenschaften der Regierung, z.B. die Beugung der Verfassung, werden als peinlich und schädlich für Polen angesehen.

Was Sie in Ihrem Artikel nicht thematisieren ist die räumliche Verteilung der Stimmen für Regierung (PiS) und Opposition (PO).

Präsidentschaftswahl 2015:

http://www.wyborynamapie.pl/prezydenckie2015/pierwszatura.html

Parlamentswahl 2011:

https://pl.wikipedia.org/wiki/Wybory_parlamentarne_w_Polsce_w_2011_roku

Die Karten der Wahlergebnisse sprechen für sich und lassen Raum für Interpretationen. Ich beteilige mich an den wissenschaftlichen Arbeiten meiner polnischen Fachgesellschaft. Die dortigen Kollegen kommen ausschließlich aus den ocker eingefärbten Regionen.

Bei der Parlamentswahl 2015 hat die PO deutlich verloren. Nach meiner Einschätzung hatte das zwei Gründe: 1.) Nach dem Wechsel von Tusk zur EU konnte die schwache Nachfolgerin Ewa Kopacz nicht die Lücke füllen. 2.) Im Jahr nach dem Beginn des Ukraine-Konflikts war die Angst vor russischer Expansion vor allem im Osten Polens sehr groß, so dass die PiS dort sehr viele Stimmen sammeln konnte. Das dürfte heute eventuell wieder etwas anders aussehen.

Der gleiche Effekt beeinflusste die Präsidentenwahl. Duda, der Gewinner der Wahl, hat nur in sieben von 16 Wojewodschaften gewonnen, Komorowski dagegen in neun. Duda konnte jedoch im Osten mit starken Mehrheiten punkten. Aber schon kurz nach der Wahl hat Duda durch seine Unterschrift die Beugung der Verfassung durch die Regierung in der Frage der Neubesetzung von Richterstellen beim Verfassungsgericht mitgetragen und dadurch nach Umfragen 10% bis 20% der Zustimmung verloren. Duda hätte danach bei einer erneuten Wahl wahrscheinlich keine Mehrheit mehr gehabt – trotz seines regelmäßig charmanten Auftretens, oft zusammen mit seiner Frau.

Meine polnischen Freunde hoffen inständig, dass die zerstörerische Energie der aktuellen Regierung begrenzt und ein Regierungswechsel in zweieinhalb Jahren noch möglich bleibt.  – Wolfgang Kresse


Leserbrief zu „Innere Unsicherheit“ von Nadine Ahr et al.

Jenseits der Statistiken sollte in der Öffentlichkeit das Bewusstsein der Folgen von Straftaten stärker gefördert werden. Kriminalität ist eben kein Bereich, in dem man, wenn man nicht erwischt wird, irgendetwas Positives erreichen kann. Mit krimineller Energie schadtet man sich in jedem Fall selbst. Man schränkt den Radius seiner Handlungsoptionen, und damit seiner Weltsicht, vorsätzlich oder leichtfertig ein. Freiheiten verwandeln sich in Abhängigkeiten von der Bedrohung, verhaftet zu werden, auch dann, wenn man das durch aggressives und/oder unauffälliges Verhalten versucht zu kompensieren. Es sollte mal darüber nachgedacht werden, ob durch verstärkte Aufklärung darüber, dass kriminelle Handlungen nie zu einem echten positiven Ziel führen können, die Hemmschwelle zu entsprechenden Biografien erhöht werden könnte – zum Schutz Gefährdeter. –  Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Innere Unsicherheit“ von Nadine Ahr et al.

Es ist schön, dass Sie versuchen das Berliner Chaos die Innere Sicherheit betreffend bloßzulegen und zu ordnen. Kriminalitätsbekämpfung, egal ob Wohnungseinbrüche, Diebstahl oder Verkehrsvergehen, ist hier politisch nicht erwünscht, weil nicht möglich. Ein Paradies für Kriminelle. Und versucht der alte oder der neue Senat gegenzusteuern? Fehlanzeige, es wird weiter gewurstelt. Der Innensenator duckt sich weg. Bürger die sich seit Jahren engagieren, werden mit Floskeln, den wenigen Erfolgsmeldungen und vielen Zahlen, die sich bei genauem Hinsehen als Katastrophe erweisen, abgebügelt. Veraltetes Equipment, lustlose Politiker, (zu Recht) ärgerliche Polizisten. Ich wundere mich allerdings auch, wie vorsichtig die GdP agiert. Interessant übrigens: die Anträge für den kleinen Waffenschein sind in Berlin im letzten Jahr um ca. 400% gestiegen. – Herbert Kolokewitzsch


Leserbrief zu „Wenigstens Reden“ von Özlem Topçu

vielen Dank für Ihre Artikel „Türkische Abrissarbeiten“ in der ZEIT Nr. 4 und „Wenigstens reden“ in der ZEIT Nr. 6 sowie Ihre detailreichen Beobachtungen im ZEITmagazin Nr. 6 aus der Redaktion von „Cumhuriyet“. Ich habe sie gern gelesen und sehe sie als gelungene Beiträge zur Versachlichung der Berichterstattung über eine insgesamt enttäuschende und gefährliche Entwicklung. Natürlich muss Frau Merkel immer wieder in die Türkei reisen – und diesmal rechtzeitig vor dem großen Referendum, um nicht als unfreiwillige Wahlhelferin missbraucht zu werden, wie Frau Dagdelen MdB (Die Linke) befürchtete. Natürlich muss sie „wenigstens reden“ wie in allen privaten oder politischen Konflikten, in denen sich Positionen festgefahren haben. Aber gibt es eine Erklärung dafür, dass „die Türken ihre Demokratie so gnadenlos demontieren“ wie Sie schreiben (Die ZEIT Nr. 4)? Hat deutsche und europäische Politik dieses Land „am langen Arm verhungern lassen“ (sorry für dieses Bild aus dem Boxsport)? Oder fehlen der türkischen Mehrheit Geduld und Gelassenheit für die längeren Wege in Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung? – Karl Neuwöhner


Leserbrief zu „Stimmt’s?“ von Walther Schärke

Ihre berechtigte Frage ‚Macht kiffen dumm?‘ hätte eine bessere Antwort verdient. Oder überhaupt eine.

Bei einigen kiffenden Neuseeländern hat sich also der IQ im Laufe von mehr als zwei Jahrzehnten um fast eine halbe Standardabweichung verringert, soso. Grösse der Stichprobe: 41! Kontrollgruppe: Fehlanzeige.

Mein Mathelehrer hätte gesagt: ‚Dat is n Beweis für gar nix‘. ‚Bedenkenswert‘, wie Herr Drösser schreibt sind solche „Ergebnisse“ eben nicht, sondern einfach Statistikmüll.

Die richtige Antwort wäre übrigens gewesen: Nein.

Es sei denn du bist Teenager und übertreibst. Dann: Ja.

Deutlich effektiver dimmst du deine Birne dennoch definitiv durch Dauerdaddeln.

Ich vermute, dass unsere Neuseeländer mit der Zeit einfach die Lust an diesen ständigen (und wissenschaftlich fragwürdigen) IQ-Tests verloren hat. Eigentlich ziemlich intelligent… – Markus Kreuzheck


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

Als ich Ihren Artikel, Herr Schwägerl, gelesen hatte, war ich sehr begeistert von Ihren vielen interessanten Vorschlägen und Ideen. Ihre Ansätze gehen meiner Meinung nach in die richtige Richtung, sowohl für die Allgemeinheit als auch für unsere Jugendlichen im Besonderen. Gerade nach oft vielen Jahren nur „Kopfarbeit“ wäre eine soziale oder praktische Tätigkeit in den vielen von Ihnen aufgeführten möglichen Bereichen sicherlich eine gute Abwechslung. Ich glaube, es könnte für viele Jugendliche eine positive Zeit sein und vielleicht würde auch manche/r in diesem Dienst den Beruf fürs Leben finden! Das wäre doch wunderbar! Den Urlaub in Neuseeland kann man auch noch später machen! Man muß doch schließlich noch Träume haben! – Margarete Fuchs


Leserbrief zu „Das Liebste töten“ von Claudia Wiggenbröker

zu Ihrem Artikel „Das Liebste töten“ vom 2.2.17, in dem es um das Auftreten von Zwangserkrankungen bei Müttern nach der Geburt ihres Kindes geht, habe ich folgende wichtige Anmerkung:

In dem Artikel heißt es, die Frauen hätten „den Drang, ihr Kind umzubringen“. Jedoch ist eben dies nicht der Fall. Vielmehr leiden die betroffenen Frauen unter unwillkürlich im Gedankenstrom auftretende GEDANKEN, dem Kind Gewalt anzutun. Diese Gedanken sind so aversiv, dass sie versuchen, die Gedanken zu unterdrücken und alle potenziellen „Gefahrensituationen“ (z.B. mit dem Kind allein sein) meiden, was wiederum dazu führt, dass die Zwangsgedanken verstärkt auftreten. Ganz sicher haben die betroffen Frauen jedoch NICHT den Drang, ihrem Kind Gewalt anzutun. Vielmehr stellt dies ihre größte Angst, ausgelöst durch die Zwangsgedanken, dar. – Dipl.-Psych.Alexandra Gräter


Leserbrief zu „Tag der Deutschen Bahn“ von Jens Jessen

Meinetwegen auch ein Tag für die DB, wenn es der besseren Beförderung dient. Aber der Vorschlag 30. Januar ist ganz schlecht. Nicht, weil das mein Geburtstag ist (wirklich!). Sondern weil es der „Tag der Machtergreifung“ ist. Sie wissen schon: Hitler wird Reichskanzler usw., das war ein großer Feiertag im Dritten Reich. Mit diesem Stigma wollen wir die DB doch nicht belasten. – Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

Das sehe ich genauso: Liebevoll angehäufte Objekte und Souvenirs sind ebenso wie treue Freunde wichtige Weggefährten im Leben. Aber es gibt auch Wackelkandidaten, z.B. Literatur zu Themen die ich vielleicht gerne aufgreifen würde, aber eben nur vielleicht. Hier kommt mir zugute, dass meine Frau in Zweifelsfällen den zur endgültigen Klärung der Sachlage erforderlichen Pragmatismus aufbringt. Das ist wichtig; schließlich muss für neue Gegenstände, an die ich mein Herz hängen will, Platz geschaffen werden. Dazu zählt, soviel steht fest, ihr Essay, weil er dazu beigetragen hat, die eigene, eher intuitive Vorgehensweise und somit mich selbst besser zu verstehen. Daher hat er das Recht, ausgeschnitten und an exponierter Stelle aufbewahrt zu werden. – Walter Kaspers


Leserbrief zu „Gezielte Desinformation“ von Eva Wolfangel

Wie kann es sein, dass ein Artikel mit so essenziellen Informationen auf der 2. Seite im Wissen Teil verschwindet? Informationen über die Zusammenhänge die die Veränderung unserer Welt so entscheidend mit beeinflusst haben, ohne denen es wahrscheinlich keinen Präsidenten Trump geben würde oder auch keine so starke AFD und so fort.

Warum  lassen wir als Gesellschaft eine so starke Einflussnahme, Verbreitung von Unwahrheiten, überhaupt zu? Mit diesen falsch verstandenen Auslegungen von Freiheit können wir doch inzwischen umgehen! Aber anscheinend doch nicht, und die Positivismus – Argumentationsindustrie der großen Player aus dem Valley vereinnahmt alles immer mehr. – Andreas Hagn


Leserbrief zu „Sind wir an alldem schuld?“ von Bernhard Pöksen

Doch, wir sind an alldem schuld! Eine Entgegnung auf Bernhard Pörksen

Der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen geht in seinem Artikel „Sind wir an alldem schuld?“ (DIE ZEIT vom 2. Februar 2017) dem Vorwurf nach, ob nicht die Geisteswissenschaften mit ihrer konstruktivistischen Beliebigkeit das postfaktische Szenario, unter welchem die westlichen Gesellschaften derzeit leiden, erst ermöglicht haben. Aber nein, so Pörksen, denn die „Kritiker von Postmoderne und Konstruktivismus verwechseln die Seminarsituation und den beherrschenden Denkstil sehr spezieller, vergleichsweise machtloser geisteswissenschaftlicher Milieus mit der allgemeinen politischen Großwetterlage.“ – Stimmt das wirklich? Werden nicht in eben diesen Seminaren jene Eliten ausgebildet, die später in Redaktionen, Regierungen und Universitäten den Mainstream der Meinungen vorgeben, von dessen Richtigkeit sie überzeugt sind? Und doch, wie leicht fielen manche Gewißheiten wie ein Kartenhaus in sich zusammen, unterzöge man sie nur einem „Faktencheck“. – Beispiele gefällig?

  1. Welcher Faktor zeigt die höchste Korrelation mit der Länder-Performanz im PISA-Vergleich? Ist es die Klassengröße? Das Schulsystem? Die Motivation? Frontalunterricht ja oder nein? Autoritäre oder liberale Lehrer? Computer in den Klassenzimmern? Keines von alledem, es ist der durchschnittliche Intelligenzquotient des jeweiligen Landes. Eine lineare Beziehung besteht zwischen den IQs der Länder und deren PISA-Performanz (beide Indizes jeweils mit Singapur an der Spitze). Dabei dürfte es solche eindeutig feststellbaren und auch erheblichen Intelligenzunterschiede gar nicht geben, denn wie stellt es die UNESCO, die Kulturinstitution der Vereinten Nationen, in bester behavioristischer Manier in ihrer „Declaration on Race and Prejudice“ von 1978 fest: „All peoples of the world possess equal faculties for attaining the highest level in intellectual, technical, social, economic, cultural and political development“ und „the differences between the achievements of the different peoples are entirely attributable to geographical, historical, political, economic, social and cultural factors.“ Also ausschließlich kulturelle und nicht etwa angeborene, also genetische Faktoren seien demnach verantwortlich für den Erfolg. – Der Trierer Philosoph Michael Schmidt-Salomon nennt einen Fehlschluss wie jenen, den die UNESCO in ihrer Deklaration von 1978 zum Ausdruck bringt „Normativen Kulturalismus“. Es kann nicht sein, was nicht sein darf, und wenn die Faktenlage noch so eindeutig ist.
  2. Bis in Koalitionsverträge hinein hat die Überzeugung, dass „das Geschlecht“ ausschließlich ein „soziales Konstrukt“ sei, Eingang gefunden. Dies äußere sich beispielsweise in der Wahl des – geschlechtsspezifischen – Spielzeugs; die jeweilige Vorliebe von Jungen und Mädchen sei allein durch Eltern, „Peers“ und die rosarote Welt der Spielzeugläden bestimmt. Und doch: Männliche und weibliche Rhesusaffenkinder, die nie einen Spielzeugladen von innen gesehen haben, weisen eine vom Menschen ununterscheidbare geschlechtsspezifische Spielzeugpräferenz auf – die männlichen Jungtiere spielen lieber mit Modellautos („Dingen“) als mit Barbiepuppen („Subjekten“), und die weiblichen halten es gerade umgekehrt. Braucht man da, und warum eigentlich, für Menschen wirklich ein anderes Erklärungsmodell als für Affen? Mädchen mit Androgenitalem Syndrom („congenital adrenal hyperplasia“, CAH), einer angeborenen Hormonstörung, die später im Leben eine phänotypische Vermännlichung zur Folge hat, weigern sich nicht nur, mit Mädchenspielzeug zu spielen, sie ziehen auch Jungs eindeutig als Spielkameraden vor und werden überproportional häufig lesbisch. All das ist immerhin seit 1975 bekannt. – Sollte hieraus nicht langsam mal der Schluss gezogen werden, dass die Geschlechtsidentität und damit verbundene Verhaltensweisen auch genetischen Ursprungs sind?
  3. Der Soziologe Gunnar Heinsohn hat „Ockhams Rasiermesser“ – das überaus nützliche Prinzip, nach welchem ein Wissenschaftler derjenigen Erklärung, die mit den wenigsten zusätzlichen Annahmen auskommt, stets den Vorzug geben sollte – auf die Entstehung von Kriegen und Bürgerkriegen angewandt. Braucht man tatsächlich, um die Entstehung eines Krieges zu erklären, Konstrukte wie „Einkommensverteilung“, „Kolonialgeschichte“ oder „Religion“? Nein, man braucht sie nicht, denn der Faktor mit dem höchsten „Erklärungswert“ ist der Altersaufbau der Gesellschaft. Heißt, überproportional viele junge Männer im Verhältnis zur restlichen Bevölkerung („Youth Bulge“) stellen einen sehr zuverlässigen Prädiktor („Kriegsindex“) für das Auftreten sozialer Unruhen dar. Aber wird sein Modell in den Feuilletons oder im Politikteil der Zeitungen thematisiert? Etwa im Hinblick darauf, ob es wirklich die politische EU ist, die den Frieden in Europa garantiert, oder ob der Schlüssel zum Frieden nicht eher im Erreichen einer seit langem konstanten und teilweise sogar rückläufigen Bevölkerungsdichte auf diesem Kontinent liegt?

Die Liste der widerlegbaren postfaktischen Überzeugungen und die traurige Rolle, welche die Universitäten, und darin nicht nur die Geisteswissenschaften, bei deren Fortschreibung spielen, ließe sich fortsetzen: Medizinische und tiermedizinische Fakultäten dürfen die Homöopathie propagieren, nach der „geistartige Kräfte“ (Samuel Hahnemann) in komplett wirkstofflosen Zubereitungen heilsam seien; eine agrarwissenschaftliche Fakultät promoviert Doktoranden, die sich der Kupferchlorid-Kristallisation zum „Testen“ der Lebensmittelqualität verschrieben haben, eine okkulte „Methode“, welche in der als Pseudowissenschaft geltenden Anthroposophie Rudolf Steiners wurzelt. Und kein Universitätspräsident oder Minister zeigt genügend Rückgrat, solchen Unfug zu beenden, indem er einschlägigen Fakultäten beispielsweise die Steuergelder entzieht.

Jedes dieser Beispiele stellt im Grunde einen Beweis für das Versagen der akademischen Bildungseinrichtungen dar. Würden „die Eliten“ das, was eindeutig belegt werden kann, auch standhaft als Kanon des Wissens vertreten, und würden Ministerien, Redaktionen und andere Verantwortliche nicht jeder Mode folgen, sondern Qualitätsstandards setzen, was ihre Aufgabe wäre, dann würden Pseudowahrheiten und „alternative Fakten“ heute sicherlich nicht den gesellschaftlichen Raum einnehmen, den sie derzeit für sich beanspruchen. – Jobst Meyer


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

Dass ein freier Bürger in einem freien Land Hand- und Spanndienste zu leisten hat wie im Mittelalter, widerspricht völlig einem modernen Verständnis über das Verhältnis zwischen Bürger und Staat. Das gilt erst recht, wenn es offenbar vorrangig darum geht, den Wohlstandszöglingen (man hört förmlich das Adjektiv „verweichlicht“ heraus) Zucht und Ordnung und Respekt beizubringen. Gerade in Deutschland haben wir in Kaiser-, Nazi- und DDR-Zeit schlechte Erfahrungen damit gemacht, wenn der Staat meinte, seinen Untertanen irgendwelche staatstragenden Tugenden vermitteln zu müssen. Meint etwa, wer „Stresstauglich werden“ sagt, in Wahrheit: Wir müssen einen neuen Menschen erziehen, auf dass unser Volk nicht an  den Degenerationserscheinungen der Zeit zugrunde geht (von wem stammt wohl dieses Zitat)? Zweifelhaft erscheint auch die als selbstverständlich hingestellte These, man lebe „in gefährlichen Zeiten“. Das Gefährlichste, was einem heutzutage passieren kann, sind Autofahren und Hausputz. Nein, Herr Schwägerl, das ist der falsche Weg. Die Idee des Westens ist die der Freiheit und die gilt es zu verteidigen. Auch dadurch, dass man Thesen wie „Armee als Schule der Nation“ eine Absage erteilt. Den Wert freiheitlicher Demokratie durch un- oder unterbezahlte Zwangsarbeit vermitteln zu wollen, wie Sie es offenbar vorschlagen, wird nicht funktionieren.  – Dr. Lorenz Claussen


Leserbrief zu „Wie viel Nähe darf es sein?“

500 Jahre Reformationsfeier

Am 17. und 18. April 1521 musste sich Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms vor Kaiser Karl V. verantworten. Er war hier vorgeladen und aufgefordert seine Schriften und Überzeugung zu widerrufen.

Hier sprach er die Worte: “Mein Gewissen ist im Wort Gottes gefangen. Deshalb kann und will nichts widerrufen. Denn es ist unzuverlässig und unredlich, gegen das Gewissen zu handeln. Ich kann nicht anders. Hier stehe ich. Gott helfe mir. Amen!

Martin Luther, und die Reformatoren wie Jan Hus, Johannes Calvin, Guillaume Farel und andere, erinnern uns nachdrücklich an den Ursprung unseres Glaubens, die Bibel und Jesus Christus. Wir machen uns bewusst, dass wir unseren Glauben durchdenken sollten, dass unser persönliches Gewissen geschärft und erweckt werden soll.

Für Luther war Sola scriptura, lat. = „allein durch die Schrift; und allein Christus“ der Theologische Grundsatz der Reformation. Maßgebend für die reformatorische Theologie war die Heilsbotschaft, die allein durch die Bibel vermittelt wird und durch keine Ergänzung von kirchlichen Überlieferungen bedurfte.

Luther hat dafür gekämpft, die Lehren der Kirche mit der Bibel in Einklang zu bringen. Er hat auf viele unbiblische Vorstellungen aufmerksam gemacht und sie abgelehnt: den Verkauf von Ablassbriefen, die Verehrung von Heiligen und Reliquien die Überzeugung, Priester und Heilige ständen als Vermittler und Fürsprecher zwischen Gott und den Menschen. Er hinterfrage auch die Überlieferung der Kindertaufe und lehnte die Lehre von der „Unsterblichkeit der Seele“ ab.

Als protestantischer Christ kann sich genaugenommen nur bezeichnen, wer sich nicht auf seine eigenen Werke beruft um vor Gott zu bestehen, sondern allein durch das Opfer Jesu Christi. Wer nie aufhört, sein Denken und Handeln an Hand der Bibel zu hinterfragen und zu reformieren. Wer sich weder an der Meinung und Wertvorstellung der Gesellschaft, ihren Gefühlen und seinen eigenen Meinungen orientiert, sondern sein Gewissen am Wort Gottes schärft.

Das Jubiläum der Reformation nach 500 Jahren zeigt uns einen Mann des Glaubens, der unerschrocken und mutig, seinen Glauben und seine Überzeugung lebte. Ein Mann der die zehn Gebote Gottes lehrte und respektierte. Der sich nicht dem Gesellschaftsdruck beugte, um sich deren Vorstellungen an zu passen.

Luther hatte eine Reformation begonnen, die aber heute nicht zu Ende geführt ist. Trotz der heutigen Abkehr von der Autorität der Bibel, sollte auch nach dem Prinzip „Sola Scriptura“ die Reformation im 21.Jahrhundert weitergeführt werden. – Hans Woywod


Leserbrief zu „Sind wir an alldem schuld?“ von Bernhard Pöksen

Politik und Kriminalität gehören zusammen wie sie Siamesischen Zwillinge. Da ist kein Platz für Psychologie. „Alles geschieht hier und jetzt“wie die wunderbare Schauspielerin Isabelle Huppert auf der gleichen Seite in der „Zeit“ erzählt. „Es gibt keine imaginäre Konstruktion, es gibt nichts Vorgefasstes“.  Genauso läuft auch die Politik ab. Die politische Wissenschaft ist nur in den Hochschulen zu gebrauchen.  – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Der Dirty Eater ist zurück!“ von Moritz Hermann

Als ich den Artikel in der Z bezüglich der Rückkehr des Dirty Eater las, kam mir folgender Gedanke:

Obwohl ich die Distanzierung von jeglichen quasireligiösen Essenstrends löblich finde, so wie ich die Distanzierung von allen quasireligiösen Strömungen löblich finde, finde ich doch, dass der Dirty Eater zu Unrecht als Rebell dargestellt wird, der es all den Paleos und Veganern der siebten Stufe mal so richtig zeigen will. Oftmals wird der Grund simpel sein, warum er zu Tütenessen und Fast Food Burger greift, anstatt sich von Radiccio und Möhren zu ernähren. Er hat kein Geld, sich gesund zu ernährend. Und mit diesem Blickwinkel wirkt der Beitrag – meiner Meinung nach – recht zynisch und dann doch im Kulturkreis der Quasireligion gefangen. Schade! – René Lange aus Leipzig


Leserbrief zu „Auf Mission“ von Heike Buchter

„In dem Artikel „Auf Mission“ berichtet Heike Buchter von der unlauteren Praxis, steuerfinanzierte Schulen in die Hände von privaten Betreibern zu geben, die nichts als Gewinnmaximierung anstreben. Pädagogik? Unwichtig? Lerner? Mittel zum Zweck. Diese Charter-Schulen werden als unethisch dargestellt und erweitern das düstere Bild der neuen US-Regierung um eine haarsträubende Dimension.

Doch Obacht: Schon seit Jahrzehnten ist die geschilderte Privatisierung steuerfinanzierter Schulen Gang und Gäbe in Schweden. Ja, in Deutschlands eigenem Bullerbü werden Schüler mit gratis Führerschein oder Laptops an die jeweilige Schule gelockt. Dort wird dann lehrerloser Unterricht betrieben, da Lehrkräfte bekanntlich Geld kosten, oder Distanzunterricht eingeführt, da man so die Mieten für Schulgebäude einspart.

Weshalb wird dies in dem Artikel nicht erwähnt? Würde es nicht ein anderes Bild ergeben, wenn wir die schwedischen Schulen, die mit wenigen Ausnahmen gewinnorientiert arbeiten, neben die Michigans stellten? Oder wollen wir den verklärten Blick auf das Nachbarland nicht beschädigen, indem wir aufdecken, dass vor unserer Haustür Hunderttausende von Schülern privaten Investoren aus dem In- und Ausland als Spielball für Profit dienen?

Trumps Politik polarisiert und verleitet zur Schwarz-Weiß-Malerei. Möge die ZEIT nicht in diese Falle tappen.  – Katrin Geneuss


Leserbrief zu „Innere Unsicherheit“ von Nadine Ahr et al.

Sie beschreiben eine seit sehr vielen Jahren anhaltende Entwicklung und zeigen die Willenlosigkeit der verantwortlichen politischen Vertreter. Meine Ergänzung zu Ihrem Bericht: Belassen sie die Fakten. Tauschen die Namen. Statt Berlin setzen sie Bremen ein. Es ist ein Trauerspiel.  – H. Harders


Leserbrief zu „Wir sind Dinosaurier“ von Dagny Lüdemann

herzlichen Dank für diesen engagierten Artikel über die beiden Tierfilmer, deren Bilder und Geschichten auch meine Jugend begleitet haben und die mir immer noch viel Spaß bereiten.

Schade, dass der BR die Zusammenarbeit aufgekündigt hat, er erhält doch auch sonst jede Menge Urgestein, was eine Aufgabe der dritten Programme sein sollte. Etliches davon besorgt bestimmt keine hohen Einschaltquoten – ein Komödienstadl aus dem Jahr 1977 am Samstag um 20:15 Uhr etwa?

Ich habe die Herangehensweise der beiden Tierfilmer immer sehr geschätzt und erinnere mich heute noch an die Keas, die sämtliche Gummiteile des Unimogs sauber herauslösten oder die Bisons, die hintereinander auf dem freigeschaufelten „Gehweg“ neben dem Highway in Alaska liefen oder die Maus, die mitten auf der Straße in einem Schlagloch lebte. Diese „Tiere vor der Kamera“ wurden mir in biologisch treffenden, unterhaltsamen Worten nähergebracht, so dass sie mir im Gedächtnis geblieben sind. Man konnte, wie Sie zurecht schreiben, die harte Arbeit des Tierfilmers ein Stück weit miterleben und ich habe Hans Schweiger immer für das Ausharren in allen möglichen Unterständen und unter widrigen Bedingungen bewundert. Das große Verdienst der beiden Tierfilmer ist in meinen Augen, dass sie mich als Zuschauerin praktisch in ihrem Unimog mitnahmen und ich mich fühlte wie auf einer Campingtour – nur mit viel spannenderen Eindrücken. Ich stimme Herrn Arendt zu, wenn er sagt, dass es bei den gängigen Formaten nur um eine Aneinanderreihung von spektakulären Aufnahmen geht. Sie sind nach vermeintlich zugkräftigen Themen zusammengeschnitten, werden reißerisch angepriesen und mit dramatischer Musik untermalt – und sind doch nur künstlich. Nach 45 bzw. 60 Minuten fühlt man sich wie durch eine Waschmaschine geschleudert und kann nur noch rudimentär aufzählen, was man gesehen hat. Das macht Tiere zu austauschbaren Attraktionen und ihren Lebensraum zur Kulisse. Daher freue ich mich auf die DVDs der Herren Arendt und Schweiger! – Dr. Agnes Becherer


Leserbrief zu „Das Liebste töten“ von Claudia Wiggenbröker

In ihrem Artikel schildert Claudia Wiggenbröker sehr bewegend das Leid einer jungen Mutter, die von Zwangsgedanken, ihr neugeborenes Kind zu töten, gequält wird. Leider nennt die Verfasserin als einzige Hilfe Verhaltenstherapie mit der wenig Hoffnung vermittelnden Aussicht, dass solche Patientinnen nur selten geheilt würden und die Betroffenen auch nach einer Therapie mit der Angst leben müssten, dass die Zwangsgedanken bei einer weiteren Schwangerschaft zurückkommen. Als langjährige Abonnentin Ihrer Zeitung (die ich sonst sehr schätze) fällt mir immer wieder auf, dass Sie das Bild vermitteln, bei psychischen Erkrankungen gäbe es nur Verhaltenstherapie – ein Verfahren, das damit arbeitet, die Symptome abzutrainieren, mit derart zweifelhaften Erfolgen, wie hier auch beschrieben, da die den Symptomen zugrundeliegenden Ursachen nicht verändert werden.

Vereinfacht formuliert: Tötungsimpulse gegenüber einem Kind, das man ja immer auch liebt, sind Ausdruck dafür, dass Liebe und Hass in dieser Beziehung auseinanderklaffen und es der Betroffenen nicht geglückt ist, beide Gefühle in ihrer Persönlichkeit zu verbinden und damit zu steuern. Um dies zu erreichen, bietet sich eine psychoanalytische Behandlung an. Ich würde mir wünschen, dass Sie Ihren Lesern einen Hinweis auf dieses bewährte Verfahren nicht vorenthalten. – Annegret Wittenberger


Leserbrief zu „Tag der Deutschen Bahn“ von Jens Jessen

Protest! Es gibt kein Nord-Süd-Gefälle, sondern ein Süd-Nord-Gefälle. Und ein Nord-Süd-Gesteige. Der Einwurf ist nicht ernst zu nehmen. – Ernst Lang


Leserbrief zu „Nur Du und ich“ von Constantin Van Lijnden und Christel Mitchell

Ich kenne den Autor nicht, aber wenn ich seinen Artikel lese, steigt vor meinem geistigen Auge ein naiver, sehr junger Mann ohne Lebenserfahrung hoch. Oder: Der Autor ist älter und nicht ganz so naiv, schafft es aber überhaupt nicht, den Text NICHT frauenfeindlich, anklagend und hoffnungslos unpsychologisch rüberzubringen.

Ich fürchte, es gibt Menschen, die solche Sätze ernst nehmen; Sätze wie „gebrochen von der Ehe mit einer Frau“ (Die Frau hat ihn also gebrochen. Soso, böse, böse, böse Frau!) oder „wann aus Liebe Hass wurde“ (Sie halten die Art von krankhafter Nichtbeziehung, die dieser Mann hat, für Liebe?) oder „Tom war verzweifelt. Er hätte an Einsamkeit ertrinken können….“ (Hier hört sich der Puppenkauf wie eine gute Entscheidung an, wie etwas, das man aus Selbstfürsorge tut. Dass der Mann in Therapie gehört, um alleine mit dem Leben klarzukommen, ist für den Autor keine entfernte Ahnung gewesen?).

Liest man als Frau den Artikel, kann man sich nur mit Grausen abwenden vor der kindlichen Anklage gegen die Frauen, die diesen armen, schwachen, doch nur die Liebe suchenden Mann mit Boshaftigkeit und Killerinstinkt „gebrochen“ und ausgenommen haben. Wäre vielleicht eine gute Idee gewesen, ein klitzekleines bisschen dieses kindlichen und pathologischen Benehmens nicht ganz so neutral zu reportieren, als sei es irgendwie das gesunde Verhalten eines Erwachsenen, der einfach Pech hat. – Beate Mischke


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

Ich könnte eine ganzseitige Erwiderung auf Ihren Text schreiben. Ein Tipp: Drehen Sie jeden Satz um und beziehen Sie ihn auf sich. Und dann gucken Sie mal, wie gut es Ihre eigenen Ängste und Muster trifft. Zum Beispiel: „Ich glaube, dass Minimalisten mit aller Kraft versuchen, etwas zu kontrollieren…das Leben selbst.“ Da muss man als Leserin laut lachen – wie wenig kommen Sie sich selber auf die Schliche! Genau das tun doch Sie: Sie wollen das Leben kontrollieren, indem Sie die Vase mit frischen Blumen versorgen und das rote Kleid tragen. Sie wollen Dinge behalten, weil Sie Angst davor haben, dass andere Sie „entrümpeln“ könnten. Ich habe selten jemanden gesehen, der so viele Ängste vor Veränderung und Kontrollverlust hat wie Sie – und Sie machen das, was typisch ist für unreflektierte Menschen, Sie zeigen mit dem Finger auf andere.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie ehrlich mit sich sein können. Sie können andere Menschen nicht kontrollieren und verhindern, dass sie eigene Entscheidungen treffen. Sie können nur lernen, Ihre eigenen Ängste ehrlich zu sehen und dann auch aufhören, alles auf andere zu übertragen, was eigentlich Ihrs ist. – Beate Mischke

 

26. Januar 2017 – Ausgabe 5

Leserbrief zu „Welch eine Ironie!“ von Mark Schieritz

Welch ein gelungener Abschluss:“Das muss nicht so bleiben.“ Mir fehlt dahinter, um die Bedeutung des davor geschriebenen noch ein wenig zu untermauern, das Ausrufezeichen.

Und wenn ich das so sagen darf, ist gerade in diesem speziellen Fall Martin Schulz die wahrscheinlich bessere Wahl. Denn er hat schon mehrmals bewiesen, dass er sich im Kreise großer Namen sehr gut zu behaupten weiß! Wir sind nicht der Schoßhund der Amerikaner! – Yves Pulst


Leserbrief zu „Das Letzte“ von Fines

Mein lieber Scholli „FINES“. Es geht kein Weg daran vorbei, der Journalismus liegt genau wie Europa am Boden. Vielleicht schon unterm Boden.  Seit Jahrzehnten sind die Medien zur 4. politischen Kraft herangereift. Die Politik lässt sich davon leiten, die eigentlich besorgniserregend ist. Die Macht hat sich zu Gunsten der Medien verschoben. Früher konnten Sie unbeschwerter Ihre Meinung kundtun. Heute geht das nicht mehr.  Das Interesse an Politik hat in den letzten Jahren stark zugenommen.  Die einseitige Berichterstattung in der Flüchtlingspolitik hat das Fass zum überlaufen gebracht. Alle, die die Flüchtlingspolitik stark kritisiert haben, wurden von den Medien als Populisten hingestellt und noch schlimmer als Nazianhänger tituliert. Nichts von dem stimmt.

Es hat sich in unserem Staat ohnehin eine politische Kultur entwickelt, die alles was nicht sozialistisch durch die Gegend läuft von Medien (auch von der Zeit) permanent diskriminiert.  Bayern ist das beste Beispiel. Obwohl hinreichend bekannt ist, auch in Journalistenkreisen das Bayern eine Vorzeigeland ist . Auf fast allen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zahlen schreibt Bayern die besten Zahlen. Sie lügen also ständig willentlich und wissentlich.  Wenige Kollegen, wie zum Beispiel der große Kollege Claus Jacobi, sind noch oder waren noch unter den fairen Journalisten zu finden, die nicht im Sog der Masse der Journalisten mitliefen.

Regelmäßig nimmt der Freistaat Bayern zum Vergleich der anderen Bundesländer den ersten Platz ein. Sie haben die wenigsten Arbeitslosen, die wenigsten Schulden, die niedrigste Kriminalität, die klügsten Schüler, die wenigsten Scheidungen. den besten Fußball. In Forschung und Wirtschsftswachstum rangiert Bayern weit vor allen anderen Bundesländern.

All das, wird sträflich von den Medien ignoriert. Keiner will Sie einschüchtern. Sie sollten Größe zeigen und nicht beleidigend darauf reagieren. Aber wahrscheinlich haben Sie deshalb Ihre wahre Identität verbergen wollen. Ein schlechtes Gewissen scheinen Sie doch zu haben. Ihre personifizierten Lügen wagen Sie nur anonym zu schreiben. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Nie wieder Hausaufgaben““ von Magdalena Hamm

Nie wieder Hausaufgaben an einer Grundschule in Norddeutschland und dadurch mehr Harmonie zu Hause, mehr Zeit zum Spielen, mehr Zeit für den Unterricht, mehr Gerechtigkeit, weil jetzt alle Kinder ohne helfende Eltern auskommen. Was für ein Gewinn!

Werden Eltern, die ihren Kindern bisher bei den Hausaufgaben geholfen haben, künftig keine Ideen mehr haben, wie sie ihre Kinder fördern können? Werden Kinder jetzt zu Hause keine Hilfe mehr benötigen? Was ist mit den Effekten, die durch eigenständiges Lernen zu Hause möglich sind? Eine inhaltliche Auseinandersetzung findet außerhalb der schulischen Räume statt, und die Lerninhalte werden dadurch mental nicht alleine in der Schule verortet. Die Selbstdisziplin wird eingeübt, Arbeits- und Denkstrukturen werden gelegt. Ein unverzichtbares Gut.

In der Schule sollte Unterrichtszeit immer auch als Lernzeit verstanden werden. Wenn den Kindern anstatt Hausaufgaben „extra Übungszeit“ gegeben wird, dann ist auch das Unterrichtszeit. Ist diese Übungszeit effektiver als regelmäßige Hausaufgaben? Braucht man nicht beides? Die Zeit zur Besprechung und auch Kontrolle der Hausaufgaben sollte als Unterrichtszeit verstanden werden, als Lernzeit, und nicht als Zeit, die dem eigentlichen Unterricht fehlt. Natürlich ist der Lehrplan gefüllt. Wie wäre es, wenn man von Zeit zu Zeit die Hausaufgaben reduziert, anstatt sie bis auf einige Ausnahmen ganz abzuschaffen? – Dr. Christine Meinhardt-Remy


Leserbrief zu „»Es gehört nicht jeder dazu« – »Ein Schreckensgedanke«“ ein Streitgespräch zwischen Frauke Petry (afD) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne), die Fragen stellten Matthias Geis und Tina Hildebrand

Da wirft sich die Wölfin den Schafspelz über, frisst einen Haufen Kreide, weil es sich so besser von irgendwelchen Werten schwafelt, und das bisslose Lämmchen von den Grünen fällt auf diese Taktik rein. Die Basis und treibende Kraft jener Partei, nämlich der dumpf geifernde

Hass- und Hetzmob, kommt so gar nicht erst in den Blick.- Auch von Seiten der ZEIT-Reporter kommt nichts außer, sagen wir, vornehme

Zurückhaltung.- Das war kein Beitrag zur politischen Diskussion und Information sondern eine Werbeveranstaltung für diese Partei da, die versucht, sich so mit Ihrem Wohlwollen Einfluss auf den demokratischen Sektor der Gesellschaft  zu verschaffen.- Das war ganz mies. –   Jürgen Wißner


Leserbrief zu „Keine macht der Lüge“ von Marina Weisband

Die größte Zuschauermenge bei einer Amtseinführung? Jeder sieht die Fakten durch seine eigene Brille.

Trumpsleute zählen natürlich nicht nur die Zuschauer vor dem Capitol, sonder auch die vor den TV-und-Netz-Bildschirmen weltweit dazu. Andere Leute zählen nur die, die zwischen Capitol und Washington Monument standen.

Die Eiferei über die Mengenangabe entspringt einer fehlenden Zusatzinformation. Diese hätten Sie eigentlich zugunsten beider Seiten in ihrem „Eifer“ erwähnen müssen. – Jürgen Kastner


Leserbrief zu „Lasst die Mädchen doch mit Mathe in Ruhe“ von Mathias Binswanger

PISA kann wohl nicht als Evaluation von einzelnen Interventionsmaßnahmen interpretiert werden. Dafür muss man schon genauer gucken, was da hilft und was nicht.

Zudem: Studien zeigen, dass sowohl Lehrer als auch Schüler in Stereotypen verhaftet sind, danach bewerten und unterrichten bzw. Leistung und Begeisterung zeigen. Stereotype nich zu reproduzieren sollte deshalb Ziel von Interventionen sein. Lediglich für die Attraktivität von Mathe und co zu werben reicht sicher nicht.

Aufgeben kann jedenfalls nicht das Ziel sein. Dafür brauchen wir die Mädchen zu sehr als Fachkräfte in der Naturwisenschaft. – Katharina Odebrecht


Leserbrief zu „Trumpistan“ von Josef Joffe

Hier irrt der geschätzte Josef Joffe. Trump ist zwar der 45. Präsident der USA, er hatte aber nicht 44 Vorgänger sondern nur 43. Wie das? Ganz einfach: Dem 23. Präsidenten, S. Grover Cleveland, gelang, bisher als einzigem Präsidenten, nach einer Pause von vier Jahren die Wiederwahl zum 25. Präsidenten, in der er William Mc. Kinley, dem 24. Präsidenten, das Amt überlassen musste.  – H.-Jürgen Borchelt


Leserbrief zu „Fuck You Silicon Valley?“ von Alard von Kittlitz

Eine provokative Überschrift ist OK.  Alard von Kittlitz hat nichts verstanden von „go west, Ihr Genies….“

Anscheinend ist der Redakteur ein Schwarzmaler und voller Neid, warum die US eine Kultur der technischen Innovation schaffen kann, die in Deutschland nicht aus den Startlöchern kommt!

Denn warum haben fast alle namhaften deutschen Autobauern und deren Zulieferer Entwicklungscluster in der so kritisierten US Region ?  Die Antwort ist eindeutig. Weil man sonst den Anschluss an innovativen Produktentwicklungen wie das autonome Fahrzeug verlieren würde !

Sachlich gesehen mutiert Deutschland zu einer Region mit optimierten Fertigungskompetenz. Aber die großen Innovationen in der Elektronik und SW Technologie werden schon längst wo anders vorangetrieben. Oder haben wir noch irgendwo deutsche handy’s oder kaufen wir deutsche Fernseher ? Nein , in kundennahe innovative Produkte hat Europa inklusive Deutschland den Anschluss schon längst verloren !

Also geben wir doch deutsche Autobauer eine Chance im Bereich der innovativen Entwicklung noch mit zu spielen und begrüßen wir das Interesse für die Silicon Valley Mentalität statt alles nur schwarz zu reden. Nur so hat man hier zulande die Chance eine florierende Automobilindustrie erfolgreich Richtung mobility solutions des 21 Jahrhunderts, mit autonomen und elektrischen Fahrzeugen , aus zu bauen und viele Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. –   Henk Rippen


Leserbrief zu „Mit Gewicht in die kurve “ von Angelika Franz

Schon interessant was Ihre Autorin Angelika Franz schreibt . Sie steht im bus anscheinend immer mit dem Rücken in Fahrtrichtung ( Ich selbst wie die meisten Menschen bevorzugen den Blick nach vorne ) . So neige ich mich in einer Linkskurve des Busses tatsächlich nach links um nicht umzukippen . Ihre rückwaerts stehend Autorin allerdings darf sich dann tatsächlich nach rechts neigen . Daß allerdings die römichen Fahrer im Circus Maximus mit dem Rucken in Fahrtrichtung standen wußte ich bisher nicht . – Stephan Eitel


Leserbrief zu „Hygge“ von David Hugendick

wie schade, dass Ihr Artikel Dänemark unerfahrenen Lesern keine Vorstellung davon vermittelt, wie sich hygge anfühlt.

Den meisten deutschen Dänemarkurlaubern fällt, wenn sie das Ferienhaus verlassen und mit Dänen- egal welchen Berufsstandes – in Kontakt kommen, eine überraschend angenehme selbstsichere Entspanntheit auf, von der gern etwas abfärben dürfte. Diese Unangestrengtheit hat etwas mit hygge zu tun.

Louisa Thomsen Brits hat es ungefähr so ausgedrückt: Hygge ist, wenn wir uns um uns selbst und um andere kümmern.Hygge beschreibt die Art, Verbundenheit zu erzeugen, Seele und Herzlichkeit in unser oft überspanntes, komplexes Leben zu bringen. Hygge ist die Kunst, Nähe zuzulassen. –  Christine Tischer


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Bei aller Wertschätzung für Herrn Soboczynski:  Was Trump sein will, sieht man an den Fotos, auf denen er dreinzublicken übt, wie er sich vermutlich vorstellt, dass tatkräftige und entschlossene Charaktere dreinblicken, und politisch sprechen kann er womöglich nicht anders, als er eben spricht. Vom Bruch mit einer Tradition politischen Sprechens könnte man nur reden, wenn prinzipiell die Möglichkeit/die Fähigkeit gegeben wäre, diese auch fortzusetzen, denn der Bruch mit einer Tradition scheint dem Sprachgebrauch nach immer mit einem intentionalen Akt verbunden. Oder will man einem Verkaufsverbot in den USA vorbeugen? – Prof. Dr. Bernd Schwarz


Leserbrief zu „»Es gehört nicht jeder dazu« – »Ein Schreckensgedanke«“ ein Streitgespräch zwischen Frauke Petry (afD) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne), die Fragen stellten Matthias Geis und Tina Hildebrand

Ich hatte nicht den Eindruck, dass die beiden Frauen, Frauke Petry und Katrin Göring-Eckardt  s i c h   streiten. Die Frauen streiten. Und zwar tauschen sie sachlich ihre Argumente aus. Streiten heißt Leben, ist sogar eine rabbinische Weisheit. Nur kleine Kinder streiten sich im Sandkasten um Eimer und Schaufel. – Ilse Vogel


Leserbrief zu “ Marx hätte Ceta gewollt – Was FDP-Politiker Kubicki an dem linken Denker schätzt“ ein Gespräch geführt von Stefan Willeke

das wird Kubicki nicht gemeint haben, wenn er meint, Marx würde heute für Freihandelsabkommen wie Ceta stimmen.  Eine Rede über die Frage des Freihandels, gehalten am 9. Januar 1848 in Brüssel schließt mit:

„Aber im allgemeinen ist heutzutage das Schutzzollsystem konservativ, während das Freihandelssystem zerstörend wirkt. Es zersetzt die bisherigen Nationalitäten und treibt den Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie auf die Spitze. Mit einem Wort, das System der Handelsfreiheit beschleunigt die soziale Revolution. Und nur in diesem revolutionären Sinne, meine Herren, stimme ich für den Freihandel.“

Der Importzoll auf Getreide belastete damals die Arbeiter. Soweit war Marx für Freihandel, beklagte aber, dass die Arbeitslöhne gesenkt wurden und sich die „Freihändler“ heftig gegen die Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von 12 auf 10 Stunden wehrten. Die zerstörerische Wirkung der britischen Textilexporte auf die indische Textilwirtschaft war Marx bewusst. Vermutlich auch die unfreundliche Art, mit der die Briten den Chinesen den Opiumhandel nahe brachten: mit zwei Kriegen und Millionen Opfern – vom Krieg und vom Opium. – Gerhard Schroeder


Leserbrief zu Bildunterschrift in „»Ich war kein braver Schüler«“ von Leonie Seifert

Eigentlich war ich der Ansicht, das die „Feuerzangenbowle“ als Kultfilm im deutschen Bildungsbürgertum hinreichend bekannt ist. So kann ich es überhaupt nicht verstehen, dass keinem Redakteur und/oder Korrekturleser (falls es diesen Beruf überhaupt noch gibt) aufgefallen ist, dass Heinz Rühmann nicht einen Lehrer darstellt, sondern den besonderen Schüler Pfeiffer – den mit den fff! Ich hoffe darauf, dass Sie diesen Fehler in der nächsten Ausgabe korrigieren. – Dr. P. Mühlner


Leserbrief zu “ Die letzten Radikalen“ von Elisabeth von Thadden

Hunde und Katzen seien eine Belastung für die Umwelt und daher auch zu Recht zu besteuern – um den Bestand steuern zu können. Ich bin mir nicht sicher, ob man das postfaktisch oder ignorant nennen soll. Nichts auf der Erde belastet ebendiese so stark, wie der Mensch. Der auch der einzige ist, der glaubt eine Umwelt zu haben. Alle anderen Lebewesen leben nämlich IN der Welt. Der Mensch sorgt dafür, dass Vögel zu den bedrohten Arten zählen – und geißelt dann Katzen als verantwortlich für deren Aussterben. Wer so argumentiert, müsste sofort für die Einführung einer Babysteuer und für die Abschaffung des Kindergeldes sein. Keine Kinder mehr und das Umweltproblem Mensch wäre in hundert Jahren gelöst.

Und außerdem: es gibt ja wirklich nichts Wichtigeres, keine größeren Probleme, die zu lösen sich die Politiker zur Aufgabe machen könnten, als: Katzen. – Jürgen Weltzer, Hundepension Starzach


Leserbrief zu „Fuck You Silicon Valley?“ von Alard von Kittlitz

Ich habe mir die aktuelle ZEIT nur wegen der Ankündigung des Artikels „Fuck you, Silicon Valley“ gekauft und wurde nicht enttäuscht. Man ist im allgemeinen Mainstream,  den auch die ZEIT pflegt eher gewohnt entweder Hymnisches zum Silicon Valley zu lesen, s. auch aktuell den Beitrag Herrn Schmitts auf S. 31 zu sprechenden Kühlschränken etc. oder Angstvoll-Ehrfürchtiges (s. Broy/Precht, S. 8).

Wie erfrischend nun zu erfahren, daß ein auch wohl wesentlich Jüngerer als der Schreiber dieser Zeilen (fast 58 J.) einen ungestümen Hass gegen die größenwahnsinnigen Geldgierigen des Silicon Valley hegt, das für mich schon lange nur noch  „Silly con Valley “ geschrieben wird. Hass ist eigentlich kein schönes Gefühl – wenn es aber wie beim Autor und mir selbst doch gewaltfrei daherkommt ist es sogar noch politisch korrekt.

Das abscheulich Abstoßende an den von Ihnen genannten Figuren ist ja, daß sie nicht nur sagen: Wir wollen ganz schnell viel Geld verdienen und vor allem mehr als die Andern. Das ist nicht schön, aber man kennt es. Das Widerliche ist,  daß es mit diesem Erweckungserleben verknüpft ist, daß man mindestens die Welt besser machen wolle etc. Aber wie man alle Menschen der Welt mit sauberem Wasser und funktionierenden Toiletten versorgt interessiert keinen im tiefen Tal der Supernerds. Absurd das tatsächliche Bemühen um Unsterblichkeit – ein alter Menschheitsmythos, aber eben ein Mythos. Wie abgrundtief dämlich muß man sein, solch ein Ziel überhaupt in Augenschein zu nehmen, wo jeder Grundschüler schon weiß, daß so etwas (und wenn nur alle 150 Jahre alt werden) ein grausames Ende der Menschheit bedeuten würde.

Dann  der Machbarkeitswahn: in einem ähnlich unsäglichen Beitrag Claus Klebers fürs ZDF sagte vor einiger Zeit ein deutscher Valleyist, wahrscheinlich Herr Thiel, „warum sollen wir nicht doppelt so groß und viermal so alt werden wie jetzt (oder so ähnlich). Ja – vielleicht weil wir dann nicht mehr durch die Tür passen? Auch Wikipedia gibt schon vor: Alles Wissen der Menschheit jederzeit an jedem Ort der Welt – Größenwahn allerorten.

Aber das ist deren Vision: der Unsterbliche, der im selbstfahrenden Auto über die Erde rast, im Auge die blutzuckermessende Kontaktlinse, allseits das moderne Gold der Digitalidioten ausscheidend, nämlich Date Daten Daten.

Neben demn dämlichen Big Data Gewäsch (man forsche einmal nach dem noch analogen Datentod der Stasi) ist noch ein sehr schönes Hassobjekt das Internet der Dinge. Alles ist mit allem vernetzt – nur wozu? Schon allein absurd wegen der vielen Manipulationsmöglichkeiten. Will ich, daß in meinem Urlaub sich John und seine Freunde in Atlanta/Georgia abends einen Spaß draus machen, meinen internetfähigen Gefrierschrank online abzutauen?

Und wie genau benannt das ehrfürchtige Erwarten der offensichtlich nicht zu kritisierenden Digitalisierung, eine Art messianischer Heilserwartung die kommen muss, weil sie es KANN, plus die imbezile „Künstliche Intelligenz“ und die Roboter die uns Arbeit abnehmen, die wir gerne noch selbst täten.

Man findet kein Ende, deswegen mache ich jetzt erst mal Schluß: aber ganz ehrlich: ich würde mir überhaupt und speziell in der ZEIT mehr kritische Beiträge zum digitalen Unsinn wünschen – und zwar aus verschiedenen Sichtweisen: Philosophie, Politik, Psychologie etc. Kritisch heißt für mich auch: die Visionen überprüfen. Und daß Maschinenstürmer nicht nur rückwärts gewandt sind.

Flächendeckend wird doch das selbstfahrende Auto niemals kommen – oder glaubt jemand ernsthaft, daß ein Auto mit 15 Kameras und x- Sensoren im Stadtverkehr von Djakarta, Mexico City, Bangkok etc. eine Überlebenschance hat?

Vielleicht mal ein Sonderheft dazu? Wenn Sie einen Leserbeitrag dazu brauchen, bin ich gerne dabei. – Dr. med. Uwe Zeller


Leserbrief zu „Hygge“ von David Hugendick

Nicht nur die Dänen kennen ein besonderes Wort für diese Art der gemeinsamen Ruhe und Entspannung.

In meiner Heimat, dem Hunsrück, gibt es das entsprechende bisher unübersetzbare aber unverkennbar ähnliche „Gehaichniss“

Das ist zum Beispiel ein glühend heißer Ofen mit den Bratäpfeln vom Opa obendrauf, wenn man als Kind an einem eisigen Schneetag völlig durchgefroren vom Schlittenfahren in die warme Stube kommt.

Und darin sind die Hunsrücker Profis. Es fragt sie nur niemand danach, wie das geht. Und ungefragt werden Sie´s nicht erzählen. – Jürgen Wagner


Leserbrief zu „Daten essen Seele auf“ von Richard David Precht und Manfred Broy

Ist es wirklich so, dass hunderttausende Arbeitsplätze als direkte Folge des digitalen Fortschritts drohen wegzufallen? Und ist es tatsächlich die alleinige Aufgabe der Politik entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen um dem entgegenzuwirken? Nun, was würde denn passieren, wenn die Menschen ihre Arbeit verlören, den Sinnspender des bisherigen Lebens? Und was würde unsere viel gelobte und hoch entwickelte Wirtschaft machen, träfe dies ein? Wie bei jeder Revolution, müssen alle Zahnräder ineinander greifen! Mensch und Maschine, Politik und Wirtschaft, die Gegenwart und die Zukunft! Es heißt doch, wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere.  Könnte man auch daraus schließen, dass, fiele aufgrund der digitalen Revolution ein Arbeitsplatz weg, ein anderer vollkommen Neuer entstünde? Ich denke, diesen Kraftakt der Veränderung kann Niemand ganz allein und ohne Hilfe stemmen. Dazu bedarf es einer homogenen und dynamischen Gesellschaft. Es wird sich zeigen, ob die Deutsche dieser Aufgabe gewachsen ist. – Yves Pulst 


Leserbrief zu „Krustentier“ von Lisa Zeitz

Diesen guten Beitrag kann ich in einigen Punkten ergänzen. Erstens. Der dort genannte „unbe-kannte Augenzeuge“, der Dürer die Vorlage für seine kongeniale Zeichnung und seinen Holzschnitt lieferte ist Vanentim Fernandez. Er ist Mähre und ist in Lisabon als Makler für die deutschen Kauf-leute wie die Welser tätig. Sein eigentlicher Beruf ist aber der eines Druckers, und er gilt als der bedeutendste Typograph Portugals zu dieser Zeit. Daher ist seine Zeichnung des Nashorns auch konzis und genau. Seine Zeichnung schickt er nach Augsburg zu seinem Geschäftskorrespondenten und dieser gibt sie an Dürer weiter. So kann Dürer daraus eine exzellente Zeichnung an-fertigen und diese setzt er dann in einen Holzschnitt um, von dem er wohl mehr als hundert Exemplare abzieht und die seine Frau verkauft. Als Dürer mit seiner Frau 1515 in Antwerpen ist, verkaufen sie dort die Zeichnung und einige Holzschnitte. Die Zeichnung wird noch heute im British Museum in London aufbewahrt und ausgestellt. Zweitens. Dürer hat nicht, wie Walton Ford meint, „die dicke Haut in einen Panzer umgedeutet“, sondern bei dem fraglichen Nashorn handelt es sich um ein indisches Panzernashorn. Dieses hat einzelne, voneinander abgesetzte Lederplatten, die wie ein Panzer wir-ken. Die heute bekannteren afrikanischen Nashörner haben dagegen eine durchgehende Lederhaut. Dürer hat das indische Panzernashorn also richtig wiedergegeben. Drittens. Dürer hat in Antwerpen auch Erasmus getroffen und ihn dort porträtiert.

Thomas Morus, der später im Jahr 1515 auch in Antwerpen ist, hat die Nashorn-Zeichnung und den Holzschnitt gesehen und ist davon stark beein-druckt. Und so schreibt am 31.10.1516 von London aus an Erasmus, dass er seinem ironischen Buch, dem er etwas später den Titel „Utopia“ gibt, auch einen ironischen Titel geben wolle. Und damit könne er den wegen ihrer falschen Leidenschaftlichkeit ungebildeten Menschen (er meint da-mit vor allem die Machthaber) „eine Nase drehen, die länger als die des Nashorns sei“. So nennt er dann sein Buch „Utopia“. Das „U“, griechisch „OU“ bedeutet die Leugnung einer Tatsache, und das steht im Gegensatz zu „µñ“, gesprochen „mä“, das die Ablehnung einer Sache ausdrückt. Folglich heißt Utopia „das Land, dessen Existenz von den Alten geleugnet wird“. So steht es auch ausdrück-lich im „Hexastichon“ einem der Vorsatzgedichte in der lateinischen Originalausgabe der Utopia. Wir ha-ben damit den Fakt, dass der Anblick der Nashorn-Zeichnung von Dürer bei Morus zu der Entste-hung der Idee beiträgt, den Titel seines Utopia-Buches zu finden. Und der Utopiebegriff hat dann in die Weltliteratur, Philosophie und Politik breiten Eingang gefunden, auch wenn er dabei vielfach missdeutet wird. Insgesamt zeigen die hier zusätzlich aufgeführten Fakten zusammen mit denen, die Lisa Zeitz nennt, dass das genannte Nashorn, das von 1513-1516 in Europa war, und seine Zeich-nung durch Dürer einen immensen Einfluss auf die europäische Kultur genommen haben.
Ich habe die oben genannten Sachverhalte genauer und ausführlicher in meinem folgenden Buch dargestellt:

Lothar Wolfstetter, DIE BEZIEHUNG DES MENSCHEN ZU ANDEREN TIEREN: Am Beispiel des Nashorns und Einhorns, Materialis 2014,  ISBN 978-3-88535-480-2, 54 S. A4 m 11 Abb in Spiralbindung, 8,90 €

Dort nehme ich dies auch zum Ausgangspunkt, um die allgemeine Beziehung des Menschen zu den anderen Tieren am Beispiel des Nashorns zu problematisieren. Denn das Wollnashorn war für die Frühmenschen wie den Neandertaler das hauptsächliche Beutetier in Europa und Asien und wurde von ihm dort wohl auch ausgerottet. Dann war es lange Zeit nicht mehr im Bewusstein präsent, aber  zugleich nur verdrängt, denn es fand seit der Antike und im Mittelalter als Einhorn Eingang in die Mythen der Religion und wurde später zum Symbol der weltlichen Liebe in Literatur und Kunst. Und heute ist es wiederum von der Ausrottung bedroht, während zugleich bei seinen Bewahrungs-
versuchen das ausgeprägte Sozialverhalten erkannt wird. – Lothar Wolfstetter


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Wir lesen gerne die Zeit und schätzen die seriöse und ausgewogene journalistische Arbeit Ihrer Autoren.

Nun lesen wir in der Ausgabe Nr. 5 mit Interesse den Bericht von Adam Soboczynski über den Amtsantritt von Donald Trump und seiner beachtlichen Rede anlässlich seiner Vereidigung. Die Reihe der höchst interessanten und bedenklichen Zitate gipfelt unübertroffen in dem folgenden „Und jetzt noch ein längeres Zitat: Wir wollen arbeiten, aber das Volk selbst…“, welches sich laut ihrem Artikel mit einem Ausschnitt aus Hitlers Rede deckt. Dies ist eine ungeheuerliche Parallele und Anschuldigung und würde unserer Meinung nach viele heftige Reaktionen in der Weltpresse erwarten lassen. Bei der Suche nach weiteren Reaktionen darauf wurden wir allerdings nicht fündig. So stießen wir weiters auf den Wortlaut der gesamten Trump-Rede u.a. in ihrem Online-Artikel vom 20.1. und waren entsetzt, dieses Zitat und auch andere von Herrn Soboczynski zitierte Ausschnitte im Originaltext gar nicht zu finden. Wir bitten sie um Aufklärung! – Johannes Bock


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

In der Zeit Nr. 5 wird im Artikel von Adam Soboczynski ein Zitat Trumps aufgeführt, in dem er angeblich Teile einer Rede Hitlers verwendet („Und jetzt noch ein längeres Zitat: „Wir wollen arbeiten, aber das Volk selbst,…“). Können Sie mir sagen, wann Trump diese Zitate verwendet hat?

In dem Artikel wird suggeriert, dass sie Teil seiner Vereidigungsrede waren, dies wird in diversen Blogs inzwischen so weitergegeben. In den veröffentlichten Abschriften Trumps‘  Vereidigungsrede finde ich aber dieses Hitler-Zitat nicht?! – Eckart Linow


Leserbrief zu „America first!“ von Jörg Lau

Mit großem Interesse verfolge ich Ihre Berichterstattung zur neuen US-Regierung und den aktuellen Vorgängen in den USA. Dabei bin ich sehr dankbar, in einem Land zu leben, in dem eine qualitätsvolle und unabhängige Berichterstattung erfolgen kann.

Aus Interesse, was die „andere Seite“ zu sagen hat schaue ich mir auch die Inhalte auf der Seite „Breitbart News“ an, welche meist ein sehr gegensätzliches Bild zeichnen.

Könnten Sie nicht einmal Stellungnahmen zu solchen Artikeln, wie zum Beispiel diesem verfassen? Das würde mich sehr interessieren und möglicherweise auch einen Dialog initiieren.

Vielen Dank für Ihre gute Arbeit! – Matthias Heitmann


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Ihr Artikel hat mich aus der Bahn geworfen.  So sehr, dass ich selber erst einmal recherchiert habe, ob ich nicht einem „Fake“ erliege. Ich mag nämlich keine Verschwörungstheorien.  Und eigentlich vertraue ich der Zeit!  Ihre Analyse ist aber korrekt, das hat mich noch viel mehr schockiert.  Die Inaugurationsrede von Trump zitiert Adolf Hitlers Antrittsrede zur Machtergreifung.

Nach meinem Gefühl—vielleicht liege ich da ja falsch—hat Ihre Recherche aber eine Menge Sprengkraft.  Soweit ich weiß hat das noch kein US-Medium aufgegriffen.  Hatten Sie kontakt dazu zu Medien in den USA?  Bei einem solchen Plagiat, dass ich eigentlich nur Bannon zutraue, muss doch eine Nachfrage der Presse dazu kommen.  Und wenn das keiner aufgreifen möchte, ist es nicht unsere Pflicht als deutsche, diese Frage zu seiner Rede bei einem Besuch in Deutschland an Ihn zu richten?  Ich bin schockiert, die Textpassagen sind zu eng an Hitlers Rede angelehnt, als das dies ein Zufall sein kann.  Dieses Plagiat darf nicht in der Zeitgeschichte untergehen.  Mir läuft es kalt den Rücken runter, weil es so entlarvend ist.

Vielen Dank für Ihre tolle Arbeit. – York Wollatz

P.S. Sie als Journalisten machen so tolle Arbeit in unserem Land, kommunizieren Sie auch Ihre Arbeitsstandards, damit Sie weiterhin geschätzt werden.


Leserbrief zu  „Ich eine Islamistin ? Schauen Sie mich doch an !“  von Mariam Lau

In ihrem Artikel zeichnet Mariam Lau ein detailliertes Bild von der Staatssekretärin Sawsan Chebli . Ich empfinde die Frau mit dem hübschen Gesicht als fordernd, arrogant und undankbar –  und genau das drückt auch ihr Gesicht aus. Als 70-jährige, ehrenamtliche Flüchtlingshelferin habe ich viele junge Flüchtlinge kennengelernt, die oben genannte Wesenszüge auch zu erkennen geben. Natürlich sind die dankbaren Flüchtlinge, die ich kenne, in der Mehrzahl. Warum antwortet Frau Chebli nicht auf die Frage wovon ihre Familie gelebt habe ?  Grob gerechnet waren es rund 1,5 Mio. € allein für die Grundsicherung – die tatsächlichen Sozialleistungen sind weitaus höher – die der Steuerzahler für sie und ihre Familie gezahlt hat. Da ist schon Dankbarkeit angesagt. Und man kann erwarten, dass Frau Chebli – insbesondere als Staatssekretärin – nicht solchen Unsinn verzapft, dass die Scharia mit unserem Grundgesetz kompatibel sei ! Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Chebli den Koran nie richtig gelesen hätte.

Der als radikal geltende Imam Kamouss predigt und Chebli sitzt als einzige Frau  unverschleiert in der ersten Reihe ? Da wittere ich Ungemach !  Grundsätzlich ist gegen den JUMA- Kreis nichts einzuwenden,  bedenklich ist nur die Zugehörigkeit Einzelner zur Muslimbruderschaft oder Ditib . Man weiß, wie die Muslime dort ticken.

Ich engagiere mich als alter Mensch mit meiner ganzen Kraft für die Flüchtlinge. Zum Freundeskreis meiner Familie gehören auch Muslime, mein Enkel hat türkische Wurzeln. Aber ich habe ganz entschieden etwas gegen Menschen, die zu uns geflüchtet sind, die alle durch unser Sozialsystem versorgt werden, die sich aber nicht integrieren wollen, die weder unsere Sprache erlernen wollen noch unsere Gesetze halten. –   Rita Mielke


Leserbrief zu „Mit Gewicht in die kurve “ von Angelika Franz

In der ZEIT Nr. 5 vom 26.1.2017 ist der Redakteurin Angelika Franz im Artikel „Mit Gewicht in die Kurve“ auf Seite 34 ein (Denk-)Fehler unterlaufen:

„Rennt ein Pferd durch eine Linkskurve, lehnt der Fahrer sich – beim Versuch, die Balance zu halten – nach rechts.“

Das ist falsch! Man lehnt sich in einer Kurve immer zur Kurveninnenseite, in diesem Falle also nach links. Auch wenn ich eine Linkskurve laufe, neige ich mich nach links, um der Zentrifugalkraft entgegenzuwirken.

Probieren Sie es aus! – Manfred Krajewski


Leserbrief zu “ Darf das in den Unterricht?“ von Julia Bernewasser

Dürfen darf das schon – nur gehen tut es nicht! Dass Hitlers „Mein Kampf“ in der jüngsten oder einer der älteren Editionen in den Geschichtsunterricht eingebracht wird, ist ebenso unwahrscheinlich wie, dass Golo Manns Wallenstein oder Ernst Kantorowicz’ Friedrich II., Friedrich von Raumers Geschichte der Hohenstaufen oder Theodor Mommsens Römische Geschichte darin Berücksichtigung finden. Die Lektüre mehrere hundert, gar über tausend Druckseiten einer wissenschaftlichen Edition oder Darstellung ist in einem Fach, dessen Stundenvolumen in den letzten Jahren permanent gedrosselt wurde, aus Gründen des Umfangs schlichtweg nicht praktikabel.

Doch darum geht es doch eigentlich auch gar nicht. Nicht ob die Neuedition von „Mein Kampf“ für den Unterricht taugt, ist kontrovers, sondern inwiefern die darin enthaltende Ideologie in einer nur durch die distanzierende Kommentierung ihrer wissenschaftlichen Bearbeiter Eingang in den Unterricht finden kann – oder besser: darf? – macht den Streitpunkt aus.

Wie kann man da argumentieren, die Neuedition eigne sich nicht für den Geschichtsunterricht und ebenso wenig für die Lehrerausbildung und dürfte auch nicht den Weg in die Hände akademisch gebildeter Lehrer finden? Wenn die nationalsozialistische Ideologie, die zu einem nicht unerheblichen Teil in „Mein Kampf“ ausformuliert wurde, zu den dem Geschichtsunterricht curricular vorgeschriebenen Gegenständen zählt – wie das in allen Ländern der Bundesrepublik Deutschland der Fall ist –, dann gehört die Neuedition selbstverständlich in die Hände von Lehrern, die aufgrund ihres geschichtswissenschaftlichen Studiums damit umzugehen wissen. Und ebenso selbstverständlich kann eine Auseinandersetzung mit ihr in der Lehrerbildung Berücksichtigung finden, damit die Studierenden lernen, wie sie als Lehrer mit derartigen Angeboten der Geschichtswissenschaft zu verfahren haben. Und in den Unterricht gehört das Buch insofern, als selbstverständlich neuere Schulgeschichtsbücher Auszüge aus ihm in sich aufnehmen werden. Damit ist dann auch die Gefahr gebannt, dass geschichtswissenschaftliche Erträge ungefilterten Eingang in den Geschichtsunterricht erhielten. Dazu hat der für ihn verantwortliche Staat nicht nur formale Hürden in erklecklicher Zahl errichtet, dafür hat er vor allem die Akademisierung der Lehrerbildung betrieben. Dass irgendein Geschichtslehrer – wenn nicht wider besseren Wissens – die Neuedition ohne ein geschichtsdidaktisches Arrangement in den Unterricht einbringen würde, das zum kritischen Umgang mit ihm anregt, darf man – schon aufgrund der Ausführungen der zitierten Praktiker – nicht nur hoffen, sondern in höchstem Maße vermuten.

Warum also die Hysterie? Sollten wir Quellen aus dem Geschichtsunterricht verbannen, die Gedankengut transportieren, das moralisch anstößig ist? Dann erfahren die Schüler nichts mehr über die Anfänge des rassistischen Nationalismus bei Ernst Moriz Arndt (so argumentiert B. Erenz, in: Die Zeit Nr. 5 (26.01.2017), S. 612) oder eben über die des nationalsozialistischen Denkens bei Adolf Hitler. Dann erfahren sie nicht mehr, wie solche Gedankengebäude entstehen, weil sie gar nicht erfahren, dass es sie gegeben hat.

Wenn es Geschichtsunterricht geben und der Nationalsozialismus darin eine (besondere) Rolle spielen soll, dann kann man in einer akademischen Welt schwerlich darüber debattieren, ob die jeweils am besten editieren Quellen dafür und darin Berücksichtigung finden sollten. Das ist schlicht ein Gebot der geschichtswissenschaftlichen Redlichkeit, das weder geschichtsdidaktisch ausgehoben werden kann, noch mit den Zielen eines Geschichtsunterrichts kollidiert, der mündige Bürger zu erziehen sucht, die sich nicht zuletzt über das Gewordenheit der Gegenwart Auskunft zu geben vermögen. – Prof. Dr. W. Hasberg


Leserbrief zu „So kommen Sie durchs »Kapital«“ von Gero von Randow

Der Artikel von Gero von Randow ist aufschlussreich, weil hier unfreiwillig demonstriert wird, wie in der Deutschen Kommunistischen Partei das „Kapital“ von Karl Marx gelesen und falsch interpretiert worden ist. Das beginnt mit der sog. Arbeitswerttheorie. Von Randow schreibt, dass die Kosten  des Warenwerts aus der „durchschnittlichen“ Arbeitszeit für die Herstellung der Ware ergeben. Einmal geht es nicht nur um die durchschnittliche Arbeitszeit, sondern darum, ob die Ware als Ergebnis verausgabter privater, arbeitsteiliger Arbeit als „gesellschaftliche“ Arbeit anerkannt wird. Das ist nur der Fall, wenn sich ihr Tauschwert auf dem Markt realisiert, die Ware also gekauft wird.

Es kommt daher nicht nur auf die Produktion, sondern auch auf die Bedingungen in im Austauschprozess an, um zu wissen, was diese gesellschaftlich bestimmte durchschnittliche Arbeitszeit ist.  Der gesellschaftliche Wert und darum geht es Marx, wird daher erst in der Zirkulation abschließend festgestellt. Es kommt also auch auf die Nachfrage nach Waren und die Konkurrenz auf dem Markt an. Es spielt daher der Gebrauchswert oder Nutzen der Ware ebenfalls eine entscheidende Rolle. Deshalb sind die kommerziellen Lohnarbeiter auch produktive Arbeiter, weil sie dafür sorgen, dass die Waren Käufer finden können.

Von Randow vertritt hier die Variante einer Arbeitswerttheorie, die davon ausgeht, dass der Wert einer Ware in der Produktion gebildet wird und vor dem Austauschprozess bereits feststeht. Kritiker haben dies als die „Pfannkuchentheorie“ des Wert bezeichnet, so als seinen die Waren mit Arbeitswert gefüllt wie ein Pfannkuchen mit Marmelade. Die Verwechselung von Arbeitskraft mit Arbeit ist kein Kunstgriff (Volte), sondern bis heute die Realität. Die Gewerkschaften fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit, also Lohn für Arbeit und nicht für Arbeitskraft. Anderseits fordern sie, dass der Lohn für Vollzeitarbeit zum Lebensunterhalt reichen muss.

Hier sind sie nahe an der Marxschen These, dass der Lohn für den Aufwand der Reproduktion des Alltagslebens darstellt und dieser Lohn auch unter diesen Wert der Arbeitskraft gedrückt werden kann (im Niedriglohnsektor oft Realität). Von Randow ist, was seine Interpretation des „Kapital“ betrifft, nicht auf der Höhe der Zeit. Von der ZEIT kann auch nichts anderes erwartet werden. Wenn wir Marx kritisieren wollen ( was durchaus sinnvoll ist), dann auf höherem Niveau. – Michael Wendl


Leserbrief zu „Fuck You Silicon Valley?“ von Alard von Kittlitz

Wie arm ist denn diese Argumentation? Sie rufen nach Diskurs und liefern eine Jammerorgie.

Die Fakten zu denen Sie im grossen Bogen Stellung beziehen, stammen aus einer, ehrlich gesagt auch aus meiner persönlichen Perspektive, mässigen TV-Doku. Damit hätte Ihr Artikel eigentlich schon in der Redaktionskonferenz durchfallen müssen: Sie üben Kritik an Zuständen und Personen, die Sie also nur vom Hörensagen kennen. Basierend auf einer für die TV-Sendung sehr selektiv gewählten Sicht auf das Phänomen Silicon Valley. Sollte das anders sein, Sie also tatsächlich Informationen aus eigenem Eindruck besitzen, dann wäre es besser diese zu benennen um dem Anspruch an die Qualität der „Zeit“ gerecht zu werden.

Inhaltlich ist die Kritik nahe an der Grenze zum Prä-Pubertären. Wer nicht die grossen Probleme der Welt löst (Frieden, Hunger in Afrika, Flüchtlingsströme) hat kein Recht auf Ihre Anerkennung. So reden in der Tat 14jährige, wenn ihr moralisches Weltgewissen erwacht. Umgekehrt haben Sie mit Ihrem Wunsch selbststeuernde LKWs wegen der Verluste an Arbeitsplätzen zu ächten, sicherlich eine Kandidatur bei DJT-Preis um den „Back to the 50s“ Preis sicher.

Ich verbinde persönlich 59 Jahre Lebensalter (und damit die Möglichkeit zum Vergleich über eine einigermassen lange Zeit) mit der Erfahrung als Unternehmensgründer im Silicon Valley (also Erfahrungen aus erster Hand). Natürlich gibt es dort auch unsympathische Typen. Natürlich gibt es dort Hype. Aber vor allem gibt es dort eine extrem positive Einstellung, mit neuen Ideen und harter Arbeit eine bessere Zukunft zu gestalten. Das ist allerdings diametral anders als die in ihrem Artikel geäusserte Jammerhaltung, dass besser alles so bleiben möge wie es ist, bevor man nicht 100% sicher ist, nebenwirkungsfrei eine optimale Welt zu schaffen. Ich habe dabei kein Problem, mich auf die Seite der Gründer im Silicon Valley zu schlagen. Sie arbeiten statt zu nörgeln und sie lösen tatsächlich Probleme. Sogar unter Armen und Hungernden. Und wenn ich den gleichen Platz in der „Zeit“ bekomme, schreibe ich Ihnen die auch gerne mal im Detail auf. – Ralph Treitz


Leserbrief zu „Fuck You Silicon Valley?“ von Alard von Kittlitz

Ihr Artikel über das Silicon Valley tat gut. Endlich einmal kein Hochgesang. Erschreckend. Schade, dass der Bericht nicht im Hauptteil erschien. Ich habe mich immer gewundert und geärgert, wie maßegende Personen, die über Ihre Firmen und Informationsmittel undemokratisch und selbstherrlich Einfluss nehmen, von Regierungen und Parteien u.a. hofiert werden. Besonders deutlich ist mir der ergebene Empfang von Hr. Zuckerberg. Auch die Überschätzung von Apple und dem früheren Chef gehören in diese Reihe. – Elisabeth Hettwer


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

In dem Artikel [1] vom Autor Adam Soboczynski wird mit falschen Trump-Zitaten gearbeitet. Hinter dem Satz „Und jetzt noch ein längeres Zitat“ wird der Eindruck erweckt, dass Präsident Trump seine Rede 1:1 bei Adolf Hitler abschrieb. Jedoch: Trump hat das (so) nicht gesagt, und selbst bei geringschätzender Übersetzung kommt das so nicht raus.

Ich las diesen Absatz im ZEIT-Artikel, stockte, wunderte mich, dass dies in einer Woche niemandem aufgefallen sein soll, suchte im Netz die Texte der Trump-Rede und verglich sie mit dem, was (im Artikel richtig wiedergegeben) Hitler bei der Antrittsrede sagte. Um sicher zu gehen und aus Zeitnot fragte ich im Kommentarbereich [2] und sehe mich jetzt bestätigt: Was als Trump-Zitat bezeichnet wird wurde weder so noch „irgendwie“ ähnlich von Trump gesagt.

Meine persönliche Meinung dazu: Trump ist der schlechteste und schlimmste Präsident den die USA hatten bzw. den ich in meinen 50 Jahren erlebte. Jede seiner Lügen, jede seiner zweifelhaften Erlasse usw. sollen und müssen kritisiert werden. Dabei müssen (wir) bei der Kritik aber ehrlich sein, nichts wäre schlimmer als sich auf sein Lügenspiel einzulassen und mit „Gegenlügen“ zu arbeiten. Sonst stehen sich zwei Gegner gegebüber: Einer der lügt und einer der das Vertrauen verspielt hat. – Michael Renner, Redakteur von „Die Flaschenpost“ – Das Nachrichtenmagazin der Piratenpartei

[1] http://www.zeit.de/2017/05/donald-trump-politische-kommunikation-rhetorik-sprache/komplettansicht
[2] http://www.zeit.de/2017/05/donald-trump-politische-kommunikation-rhetorik-sprache?commentstart=97&cid=11351201#cid-11351201


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Ich habe betroffen Ihren Beitrag Feuilleton/ „Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen“ vom 26.Januar 2017 Seite 37 gelesen.

Hier werden wortgleiche Passagen zu Hitlers Rede vom 10.02.33 aufgezeit. Ich konnte diese Passage:

„Und jetzt noch ein längeres Zitat: „Wir wollen arbeiten, aber das Volk selbst, es muss mithelfen. Es soll nie glauben, dass ihm plötzlich Freiheit, Glück und Leben vom Himmel geschenkt wird. Alles wurzelt nur im eigenen Willen, in der eigenen Arbeit (…). Glaube niemals an fremde Hilfe, niemals an Hilfe, die außerhalb unserer eigenen Nation, unseres eigenen Volkes liegt. In uns selbst allein liegt die Zukunft des amerikanischen Volkes. Wenn wir selbst dieses amerikanische Volk emporführen durch eigene Arbeit, durch eigenen Fleiß, eigene Entschlossenheit, eigenen Trotz, eigene Beharrlichkeit, dann werden wir wieder emporsteigen – genau wie die Väter einst auch Amerika nicht geschenkt erhielten, sondern selbst sich schaffen mussten.“

bei Trumps Antrittsrede vom 20.01. nicht finden. Bezieht sich das oben zitierte auf eine andere Rede Trumps? – Markus Lübke


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Gerade habe ich diesen Artikel gelesen:

http://www.zeit.de/2017/05/donald-trump-politische-kommunikation-rhetorik-sprache

Adam Soboczynski behauptet hier, dass Donald Trump in seiner Vereidigungsrede wortwörtlich aus einer Rede von Adolf Hitler zitiert, nämlich aus dieser hier:

http://www.stefanjacob.de/Geschichte/Unterseiten/Quellen.php?Multi=68

Er schreibt, dass Trump „lediglich „deutsch“ und „Deutschland“ durch „amerikanisch“ und „Amerika“ ausgetauscht“ habe.

Das ist nicht korrekt. Oder übersehe ich etwas? Ich kann dieses Zitat nicht in Trumps Rede vom 20.01.2017 finden.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-01/rede-amtsantritt-donald-trump-inauguration-komplett

Christine Bais


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Den von Ihnen zitierten Abschnitt aus der Rede von Donald Trump wollte ich im englischen Originaltext nachlesen.

http://www.zeit.de/2017/05/donald-trump-politische-kommunikation-rhetorik-sprache/komplettansicht

Ihr Ausschnitt:

[ (…) Und jetzt noch ein längeres Zitat: „Wir wollen arbeiten, aber das Volk selbst, es muss mithelfen. Es soll nie glauben, dass ihm plötzlich Freiheit, Glück und Leben vom Himmel geschenkt wird. Alles wurzelt nur im eigenen Willen, in der eigenen Arbeit (…). Glaube niemals an fremde Hilfe, niemals an Hilfe, die außerhalb unserer eigenen Nation, unseres eigenen Volkes liegt. In uns selbst allein liegt die Zukunft des amerikanischen Volkes. Wenn wir selbst dieses amerikanische Volk emporführen durch eigene Arbeit, durch eigenen Fleiß, eigene Entschlossenheit, eigenen Trotz, eigene Beharrlichkeit, dann werden wir wieder emporsteigen – genau wie die Väter einst auch Amerika nicht geschenkt erhielten, sondern selbst sich schaffen mussten.“ (…)  ]

Leider habe ich diesen Abschnitt in der durch die Time veröffentlichten textlichen Aufzeichnung nicht entdeckt:

http://time.com/4640707/donald-trump-inauguration-speech-transcript/

Jedoch ist dieser Abschnitt teilweise wörtlich in Quellen zur Deutschen Geschichte zur Parteitagsrede von Adolf Hitler vom 30.01.1933 zu finden.

Ich befürchte, Sie sind hier einer „frisierten“ Übersetzung aufgesessen. Eine wörtliche Übernahme von Texten aus der NS-Zeit durch die Trump Administration erscheint mir selbst in diesen Zeiten zu unglaublich. Vielen Dank für eine Rückmeldung falls ich mich hier irre. – Daniel Koch


Leserbrief  zu „Hingehen, wo es brodelt und stinkt“, das Gespräch führte Martin Spiewak

Endlich einmal der Versuch einer Analyse der medialen Kommunikation resp. des Journalismus. Wie verheerend schlechte Informationspolitik sein kann, erleben wir gerade im Hinblick auf den Brexit und vor, während und nach den Wahlen in Amerika. Weitere Beispiele lassen sich rund um den Erdball finden. Berichterstattung ist immer subjektiv, auch dort, wo sich gute Journalisten zumindest bemühen, einigermaßen neutral und umfassend zu informieren. Sie gibt es noch, allerdings zunehmend weniger. Gründe dafür sind mangelhafte Ausbildung, wirtschaftliche Zwänge der Medien, in denen fest angestellte Journalisten durch Praktikanten/Volontäre etc. ersetzt werden. Medien sind Unternehmen,  die ihre Handelsware, Kommunikation und Information, immer schneller verbreiten  müssen. Diese wirtschaftlichen Interessen in Verbindung mit einem extrem hohen Zeitdruck durch den digitalen Wettbewerb bleiben nicht ohne Auswirkungen auf den Informations- und Wahrheitsgehalt. Dies sind fatalen Auswirkungen auf „die vierte Gewalt“ in diesem Land, die den Spagat zwischen neutraler Berichterstattung und Wirtschaftsinteressen in weiten Teilen immer weniger schafft. Eine unabhängige, glaubwürdige und dem Wahrheitsgehalt orientierte  Presse ist ein Eckpfeiler der demokratischen Grundordnung. Sie muss substanziell dazu beitragen, diesem Anspruch höchstmöglich gerecht zu werden. – Liane Heinze


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Im Artikel „Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen“ von Adam Soboczynski am 27. Januar 2017 (http://www.zeit.de/2017/05/donald-trump-politische-kommunikation-rhetorik-sprache/komplettansicht) wird behauptet, dass der 45. Präsident der USA in seiner Inaugurationsrede Teile aus Hitlers Antrittsrede von 1933 übernommen hätte. Das wäre ein ungeheuerliche Tatsache, die auf die Titelseiten aller deutschen Nachrichten gehören würde und eine Schlagzeile von internationaler Tragweite sein müsste.

Ich war empört und bin der Behauptung des Artikels aufgesessen, habe ihn in Sozialen Medien geteilt und einige Reaktionen erhalten. Dennoch wunderte ich mich, dass noch niemand diesen Aspekt öffentlich gemacht hatte. Und obwohl ich Vertrauen in die Seriösität ihrer Zeitung habe, habe ich selbst die Behauptung zu verifizieren versucht. Mein Ergebnis: Tatsächlich hat Hitler die in dem genannten Artikel zitierten Sätze gesagt.  Aber der neue US-Präsident hat sie in seiner eigenen Rede -entgegen der Behauptung – nicht verwendet! Im Artikel von Herrn Soboczynski ist ein Link auf die Übersetzung der Rede (http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-01/rede-amtsantritt-donald-trump-inauguration-komplett) allerdings nur in Ausschnitten. Da ist das Zitat nicht zu finden. Also habe ich noch zwei Mal die ungekürzte Rede im Original gehört. Und auch hier wird klar, dass der Immobilienmogul die angeblichen Hitler-Sätze nicht gesagt hat.

Dass Ihre Zeitung in einer so aufgeheizten politischen Zeit, in der Begriffe wie „Lügenpresse“ und „Fake News“ zum weitverbreiteten Vokabular werden, einen so gewichtigen Fehler macht, hätte ich nicht erwartet. Sie unterstellen dem Mann Hitlers Worte zu plagieren, was er nachweisbar nicht getan hat. Aber er hat von seiner „Bewegung“, vom „Blut der Patrioten“ gesprochen und gefordert, dass „Amerikaner nur bei Amerikanern“ kaufen sollen. Das sollte doch schon Hinweis genug für die These des Artikels von Herrn Soboczynski sein. Leider ist Ihr Autor nicht nur übers Ziel hinausgeschossen, er hat mit seiner weitergehenden Behauptung die Glaubwürdigkeit Ihrer Zeitung beschädigt. Denn sein Artikel verbreitet sich weiterhin bei Facebook und Co.. Ich hoffe mein Hinweis ist hilfreich. – Olaf Kröck


Leserbrief zu „Einer wird fehlen“ von Bernd Ulrich

Bitte lassen Sie die Kirche im Dorf. Auch wer Sigmar Gabriel mag, sollte ihn nicht zum „zweitwichtigste(n) Politiker des wichtigsten Landes Europas“ hochstilisieren. Nach dieser Logik wäre Mike Pence ja der ‚zweitwichtigste Politiker der Weltmacht USA‘. – Heinz Dieter Mück


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

In Ihrem Zeitartikel vom 26.1.2017 mit dem o.g. Titel behaupten Sie, dass D. Trump einen kompletten Artikel aus Hitlers Sportpalastrede vom 10.2.1933 übernommen hat und lediglich „deutsch“ und „Deutschland“ durch „amerikanisch“ und „Amerika“ ausgetauscht hat.

Wenn man sich die Antrittsrede von D. Trump, wie Sie in dem Zeitartikel vom 20.1.2017 wörtlich  wiedergegeben wurde, durchliest, sucht man allerdings diese Passage vergebens.

Würde hier nur schlampig recherchiert oder ist das ein weiterer Beweis für „alternative Fakten“!

Wenn Ihre Behauptung allerdings zutrifft ist es unerklärlich, warum namhafte amerikanische Zeitungen diese Ungeheuerlichkeit nicht aufgegriffen haben. – Lothar Matthies


 

 

19. Januar 2017 – Ausgabe 4

Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Wer Trump verstehen, sich seine bisherigen Erfolge erklären und sein mögliches zukünftiges  Scheitern abschätzen will, sollte sich das Gebaren typischer amerikanischer Großkonzerne  in der vor-digitalen Zeit vor Augen führen: Mit aggressiven Management-Methoden, meist ohne  Rücksicht auf die Geschichte, die Kultur, die Strukturen und die sonstigen Eigenarten der Märkte und mit einem Führungspersonal, das weniger nach fachlicher Kompetenz, sondern primär nach Durchsetzungsvermögen gegenüber der Belegschaft und der Konkurrenz ausgewählt wurde,  versuchte man, oft mit großem Erfolg, den Shareholder Value zu steigern. Aber: General Electric schmückte sich einst mit dem Etikett „Most admired company of the world“ und musste doch z. B. GE Capital sang- und klanglos begraben, und Walmart ist in Deutschland  krachend gescheitert. Die Hybris des Donald Trump könnte zu ähnlichen Ergebnissen führen. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Ein interessanter Artikel von Herrn Joffe. Fragen bleiben offen, woher die Annahme kommt, dass Trump „hochintelligent“ sei – ich vermag nicht dagegen argumentieren, aber ein kleiner Beleg wäre nicht schlecht, und was in Sachen Globalisierung bis 1914 und dann erst ab 1970 maßgeblich passierte: „Die erste Globalisierung endete 1914, die zweite begann um 1970.“ In einem ersten Impuls würde man sagen, Globalisierung findet seit Menschengedenken immer stärker statt. – Eike Arnold


Leserbrief zu “ Ein rechtes Urteil“ von Heinrich Wefing

Die NPD ist verfassungsfeindlich und wird dennoch nicht verboten, weil unbedeutend! Sehr kurios, denn darin liegt eine Kehrtwendung des Bundesverfassungsgerichts zu seinem KPD-Urteil in 1956, wonach „Eine Partei … auch dann verfassungswidrig im Sinne des Art. 21 Abs. 2 GG sein (kann), wenn nach menschlichem Ermessen keine Aussicht darauf besteht, daß sie ihre verfassungswidrige Absicht in absehbarer Zukunft werde verwirklichen können.“ Könnte es sein, dass diese Kehrtwendung auch mit einem anderen, im Urteil nicht erwähnten aktuellen Grund zu tun hat, etwa dem, der alles andere als unbedeutenden AfD zumindest die rund 1,5% NPD-Wählerstimmen zu entziehen, die sie wahrscheinlich im Falle eines NPD-Verbots bekäme? Dies ist deshalb nicht abwegig, weil die Richter am Bundesverfassungsgericht unter Durchbrechung des Gewaltenteilungsprinzips nicht von der Richterschaft, sondern von Bundestag und Bundesrat, also den regierenden etablierten Parteien, gewählt werden. – Dr. Csaba Láng


Leserbrief zu „Die ist einfach nicht authentisch“ ein Gerpäch mit Roland Berger, geführt von  Laura Cwiertnia

Da haben Sie den Roland ja ganz schön auf das Glatteis gelockt! Die Beurteilung wie er sich da gehalten hat soll jeder Leser selbst durchführen, lediglich eine Äusserung möchte ich, als Unternehmensberater, korrigieren.

Der Unternehmensberater, also auch ich, trägt keinesfalls eine größere Verantwortung als Lehrer, Ärzte oder Journalisten. Denn erstens entscheidet er  N I E , sondern stets der Unternehmer und zweitens trägt er  N I E  die Konsequenzen, sondern der Unternehmer und das Unternehmen in seiner Gesamtheit!

Insgesamt ist die Beraterbranche sowohl überschätzt, als auch überbezahlt. Warum, seit wann und in welcher Art wäre ein separater Artikel! – Torsten Heydrich


Leserbrief zu „Leinen los, die Insel legt ab“ von John F. Jungclaussen

Von Großbritannien gingen einmal die großen, Welt wirksam  gewordenen, theoretischen Anstöße für Freihandel und internationalen Wettbewerb aus. Als Stichwort genügen die Namen:  Adam Smith, John Stuart Mill,  David Ricardo. Das Vereinigte Königreich trieb die globale Handelsverflechtung – auch später durch den Finanzplatz London – mächtig voran. Als „Empire“ entwickelte Großbritannien eine weitaus größere Strahlkraft in weltwirtschaftlichen Fragen als  Portugal, Spanien Holland oder Frankreich. Nun ist aber – wie die ZEIT ja schreibt – seit dem EU-Beitritt des UK Anfang der 7oer Jahre des vorigen Jahrhunderts der Anteil des Außenhandels am britischen Sozialprodukt kontinuierlich zurück gegangen. Dies fällt zusammen mit einer beispiellosen De-Industrialisierung des ältesten Industrielandes der Welt, nämlich Großbritannien. Lange Zeit übte man sich im UK an einer fest hämischen Kritik gegenüber der Bundesrepublik.   Während das UK selbst die modernsten Dienstleistungen,  insbesondere im Finanzbereich,  erfolgreich betreibe, sei Deutschland im Festhalten an güterwirtschaftlichen Strukturen rückständig.^^ Der Brexit muß  nun vor diesem Hintergrund ganz anders erklärt und gelesen werden. Ausgerechnet das UK verabschiedet sich vom Wettbewerbsprinzip und vom Freihandel und macht das eigene Territorium Menschen dicht gegenüber der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte. Premierministerin Theresa May versucht einen Verzweiflungsakt, sich aus dem Wettbewerb innerhalb des EU-Binnenmarktes zu verabschieden. Wichtige Unternehmen, die noch güterwirtschaftlich im UK produzieren, sind längst in ausländischer ( insbesondere deutscher und indischer) Hand. ^^ Daß Großbritannien meint, sich aus dem Gewebe internationaler Rechtsbeziehungen so einfach einmal lösen zu können, ist ein einziger Treppenwitz der Wirtschaftsgeschichte. Nicht das UK übernimmt als“ europäisches Singapur“ die Geschicke der Weltwirtschaft, sondern das UK wird weiterhin Übernahmekandidat für Investoren aus aller Welt bleiben. So sind nun einmal die wirtschaftlichen Machtverhältnisse. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

In der neuen Ausgabe der Zeit findet sich auf Seite 13 ein hervorragender Artikel : Zur Wahl steht :die Demokratie. Ich habe ihn mir von eurem  Archiv zusenden lassen, um ihn möglichst vielen Leuten weiterzugeben.

Meine Bitte: Widmet doch diesem Thema regelmäßig Artikel, damit dieses Denken auch hier Schule macht. Denn das ist wirklich ein guter Weg, Menschen das Gefühl zu geben, an Entscheidungen teilzunehmen und wahrgenommen zu werden.   – Josef Völker 


Leserbrief zu “ Ein rechtes Urteil“ von Heinrich Wefing

Artikel 21 Absatz 2 GG lautet: „ Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig. Über die Frage der Verfassungswidrigkeit entscheidet das Bundes-verfassungsgericht.“

Gemäß Artikel 21 Absatz 2 GG hat das Bundesverfassungsgericht  dem klaren Wortlaut nach keinesfalls primär über ein Parteiverbot zu entscheiden, es hat allein die Frage der Verfassungswidrigkeit und zwar ausschließlich  hinsichtlich der Ziele der Partei zu beantworten, nicht  die Frage wie effektiv die Partei bei der Verfolgung dieser Ziel war oder zur Zeit ist.

Das Bundesverfassungsgericht hat, dies entnehme ich den Ausführungen des Artikels, entschieden, dass die NPD hinsichtlich ihrer Ziele verfassungsfeindlich und damit verfassungswidrig sei.

Damit ist die eigentliche Arbeit des Bundesverfassungsgerichtet getan. Wird eine Partei für verfassungswidrig erklärt, so treffen grundsätzlich gemäß § 32 Abs.1 PartG die von den Landesregierungen bestimmten Behörden im Rahmen der Gesetze alle Maßnahmen, die zur Vollstreckung des Urteils (Vollzug des Verbotes verfassungswidriger Parteien) erforderlich sind.

Nach § 32 Abs. 3 PartG kann das Bundesverfassungsgericht die Vollstreckung nach § 35 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht jedoch in Einzelfällen abweichend von den Vorschriften des § 32 Absatz 1 und 2 PartG regeln. Dies bedeutet: das Bundesverfassungs-gericht kann den Nicht-Vollzug seiner Entscheidung anordnen.

Dies wird es dann, wenn nach dem Verhältnismäßigkeitsprinzip anzunehmen ist, dass der Vollzug einen unverhältnismäßig großen Aufwand darstellt angesichts der Offenkundigkeit des Darniederliegens einer als verfassungswidrig angesehen Partei.

Ein Problem, das sich mit hoher Wahrscheinlichkeit allein erledigt, oder so minimiert ist, dass es eben nicht mehr problematisch ist, muss nicht noch mit großem Aufwand aus der Welt geschafft werden.
Dies muss die Matrix für die womöglich weitläufigeren Ausführungen des Bundesverfassungs-gerichtes sein. Alles andere wäre gegen klare verfassungsrechtliche Vorgaben.

Wollten die Richter des Bundesverfassungsgerichts im Umgang mit Extremisten erst Streit und keine Verbote, wie im Obersatz des Artikels zum Ausdruck gebracht, dann hätten sie ihre roten Roben an den Nagel zu  hängen und sollten den Weg als Politiker wählen.

Artikel 21 Absatz 2  GG hat gerade durch die Fokusierung  auf die  „Ziele“ einer Partei, dem Rechtsstaat die Möglichkeit gegeben, dem Grundsatz „Wehret den Anfängen !“ im Bedarfsfall rechtzeitig Rechnung tragen zu können. – Dr. Manfred Regler


Leserbrief zu den Leserbriefen „Es fehlt nicht nur an Geld“ zu Julia Friedrichs: „Jedes fünfte Kind ist arm“

Als Erwiderung zu einem Leserbrief von Claudia Füßler möchte ich bemerken, dass die kinderlosen Ehepaare keineswegs pauschal weniger Ausgaben haben, denn sie zahlen doppelt in Krankenkassen, Pflegeversicherung (sogar erhöhten Beitragssatz), Rentenversicherung (von der Mütterrente und ähnliches gezahlt wird) und mit ihren doppelten Steuern finanzieren sie den Krankenschutz der Familien, die Kindergärten, Kitas, Schulen, Bafög und vieles mehr, das die Kinder der ‚Anderen‘ in Anspruch nehmen können. Weshalb müssen immer diese kinderlosen Ehepaare herhalten, wenn es eigentlich an anderen Fehlentwicklungen liegt, dass Kinder nicht die ihnen zustehenden Lebensumstände haben? Hat sich Fr. Füßler übrigens mal überlegt, dass es auch ungewollt kinderlose Paare gibt, die sich bei ihr dafür auch noch rechtfertigen müssen? –  Dagmar Lundmark


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

So sehr ich Sie als politischen Analytiker schätze, in diesem Artikel vergreifen Sie sich mangels Fachkenntnissen im Urteil. Sie schätzen Herrn Trump als „hochintellligent“ ein, verschweigen uns aber die Quelle Ihrer Schlussfolgerung. All das, was bis dato von Herrn Trump zu hören war, beweist keine außergewöhnliche Intelligenz; die ist auch zum geschäftlichen Erfolg  entbehrlich, dieser taugt somit auch nicht als Beweis. Sie stufen ihn als „nicht verrückt ein“, auch da verschweigen Sie uns, welchem Fachmann Sie diese Erkenntnis verdanken. Trumps Erfolgsgeheimnis scheint in der Tat viel mit seiner Schamlosigkeit zu tun zu haben,  da stellt sich aber automatisch die Frage nach der Quelle dieses Verhaltens.

Aus meiner Sicht wird man Trump nicht gerecht, solange man seine Psychopathologie übersieht oder geringschätzt. Damit meine ich nicht seine narzißtische Persönlichkeitsausprägung an sich, die haben viele Wirtschaftskapitäne und Politiker, ohne deswegen gleich frei von moralischen Standards zu sein, sondern das Ausmaß der subjektiv empfundenen Bedrohung seiner Persönlichkeit, das ihn zu hektischen, unüberlegten, oft selbstschädigenden Reaktionen veranlasst. Trump stellt sich aus gutem Grund keiner Diskussion; er umgibt sich mit lauter Leuten, die von Politik so wenig verstehen wie er, dafür aber seine Sprache sprechen, und die ihm dadurch Sicherheit geben, ohne ihm voraus zu sein. Für die engeren Zwiebelschalen um sich herum rekrutiert er Verwandtschaft, anderen scheint er nicht (mehr) zu trauen.

Möge er seine Experimente mit wirtschaftlichem Isolationismus machen, das ist hier nicht mein Thema. Viel wichtiger ist, dieser Mann ist alles andere als krisenfest, im Grunde mit seiner jetzigen Position heillos überfordert, ein Strahlemann auf dem Höhepunkt seiner narzißtischen Schwellung, jedoch gänzlich ohne Haut und im Grunde voller Angst. Zu befürchten ist, dass er schon ohne objektive Bedrohung seiner Position alles wegschießt, was sich ihm in den Weg stellt; einer realen Krise ist er in keiner Weise gewachsen, es kann alles von ihm erwartet werden.

Moralische Standards werden ihn mangels Vorhandensein an nichts hindern.

So ein Mensch denkt nicht weiträumig, er phantasiert höchstens weiträumig. Sein Denken ist auf das Stabilisieren seines Selbst im Hier und Jetzt gerichtet, auf nicht mehr. Erwarten Sie nicht Strategie von ihm, allenfalls (kurzsichtige) Taktik, dann sind Sie auf der sicheren Seite. – Dr. Hartwig Kulke


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Welche Teufel haben Sie denn da geritten, als Ihnen einfiel, Trump nach der Aufzählung all seiner Missgriffe als „hochintelligent“ (2. Sp.,

oben) zu werten? Hörten Sie denn da nicht das disharmonische Sausen in den Gräbern Ihrer Vorgängerin, der „Gräfin“, und Ihres Vorgängers Helmut Schmidt? Sie widersprechen sich doch selbst, wenn Sie gleich eingangs schreiben „Nur kurz … ging das Fenster der Vernunft bei Donald Trump auf“, denn dazu passt das „hochintelligent“ überhaupt nicht – Grundfeste jeglicher Intelligenz ist nämlich die Vernunft. Ihrem Chefredakteur und der Redaktionskonferenz muss ich vorwerfen, dieses „hochintelligent“ durchgehen gelassen zu haben, oder können Sie gar unbesehen schreiben, was Ihnen gerade so einfällt? Ich erwarte in der nächsten Nummer Berichtigung. – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Die ist einfach nicht authentisch“ ein Gerpäch mit Roland Berger, geführt von  Laura Cwiertnia

Roland Berger hat Recht – die Praxis und die handelnden Personen der Unternehmensberatung  werden in dem Film „Toni Erdmann“ völlig unrealistisch, in einigen Passagen bestenfalls oberflächlich  dargestellt. Es handelt sich nicht einmal, wie Sie schreiben, um eine Persiflage, die als Übertreibung  oder Überspitzung akzeptabel wäre, sondern schlicht um Szenen voller Fehler und Klischees – im  Guten wie im Schlechten. Ein Tiefpunkt ist der in mehrfacher Hinsicht völlig irreale Besuch auf einer Baustelle der Ölfirma.  Und wenn bei einem realen Beratungsprojekt ein nuschelnder Narr mit Zauselperücke auftauchen  würde, der in Beziehung zu einer Beraterin steht (in diesem Fall sogar als Vater), würden die Vorgesetzten  diese Beraterin vor die Alternative stellen, dass entweder der Hanswurst oder sie sofort zu verschwinden  hätte. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zum Titelthema “ Was für eine Vorstellung!“

„Das Publikum beklatscht ein Feuerwerk, aber keinen Sonnenaufgang“ Friedrich  Hebbel (1813-1863, dt. Dramatiker u. Lyriker)

Hebbels Satz passt gut in die gegenwärtige politische Landschaft:

Das Publikum (Teile des „Volkes“) spendet Beifall den marktschreierischen Populisten (Trump) und Volksverhetzern (AFD), die schnell ihr Pulver verschossen haben dürften, nicht aber den demokratischen Kräften, die erst für dauerhaften Frieden, Wohlstand und Freiheit gesorgt haben. – Bernd Schwarz


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Endlich keine spekulativen Sandkastenplappereien mehr, sondern fundamentierte, sachliche Berichterstattung mit historischen Hinweisen, die einiges erklären. Ein konstruktiver kritischer Blick auf die Hintergründe, der künftige Einschätzungen besser eröffnet. Darauf hat man lange gewartet. Dank an das Team Kohlenberg, Lau und Schieritz! –  Marianne Peycke


Leserbrief zu “ Mein Leben mit dem Monster“ von Daniel Kehlmann

Bravo für diesen Augenöffner, bravo auch für den Mut,  dies  als momentaner „US-resident“  an prominenter Stelle so ungeschminkt zu publizieren. Was können Literaten, was könnte die „schreibende Zunft“ (die mehr drauf  hat  als nur zu  twittern)  darüber hinaus  gegen den bevorstehenden Kulturschock tun?

Mein Vorschlag : Den Namen dieses Größenwahnsinnigen, der sich da an keine Regeln hält, konsequent klein schreiben – kleines d, kleines t.  Und wenn wir seinen Namen aussprechen, stottern wir  – kleine Erinnerung an seinen Umgang mit einem Behinderten, dessen Handicap er nachäffte.  Klar, alles reine Symbolik, die diesen herrn kalt lassen wird. Aber man zeigt damit auch, dass man ihm doch etwas entgegen setzen und seine Opposition öffentlich machen kann.

Die wahren Werte und die grandiosen Menschen, die die USA schon hervorgebracht hat, die schreiben wir natürlich umso bewusster …. groß. – Michael Euler-Ott


Leserbrief zu „Blinde Flecke“ von Yannick Haan

Den Beitrag von Yannick Haan kann man nur als postfaktisch bezeichnen. Die Behauptung, die Opfer der Terroranschläge seien selbst schuld ist zynisch. Sie hätten halt mehr für die Integration der Ausländer tun müssen – da stellt sich die Frage, ob dann die deutschen Muslime auch selbst an einem Anschlag auf eine Moschee wären, weil sie halt mehr für die Integration hätten tun müssen und den indigenen Deutschen mehr Respekt hätten entgegen bringen müssen? – Jan Alexander


Leserbrief zu “ Ein rechtes Urteil“ von Heinrich Wefing

Ihren Artikel habe ich mit Aufmerksamkeit gelesen. Der von Ihnen gewählten Überschrift stimme ich vollständig zu, nicht aber Ihren nachfolgenden Ausführungen. Sie sind mir zu vorsichtig und zurückhaltend. Ein klar erkennbarer Standpunkt – nicht nur in der Überschrift- währe bei dieser Problematik wohl angebracht. Gern teile ich Ihnen meine Meinung zu dem Nicht-Verbot der NPD-mit:

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes  ist schwer zu verstehen und für viele Leser wohl nicht nachvollziehbar. Wie kann ein solches Urteil zustande kommen, nachdem anerkannte, deutsche  Politikwissenschaftler parallelen zwischen dem NPD-Programm und der Programmatik der NSDAP zweifelsfrei festgestellt haben ? Das Gericht führt in seiner Begründung aus, das politische Konzept der NPD missachtet die Menschenwürde und ist mit dem Demokratieprinzip unvereinbar.   Eine beachtliche Zahl von Innenministern  aus den Bundesländern haben diesen Verbotsantrag unterstützt und sind zur Entscheidungsverkündung mit Hoffnung nach Karlsruhe angereist. Das Nicht-Verbot der NPD durch das Bundesverfassungs-gericht  kann auf den sehr problematischen Kerngedanken reduziert werden, wonach die NPD wohl rassistisch, nationalistisch und antisemitisch ist, a b e r unbedeutend und ungefährlich,  weil die Mitgliederzahl der NPD (noch !!!) zu gering ist. Auch die NSDAP hat bekanntlich mit wenigen Mitgliedern begonnen und unbeschreibliches Unheil – auch mit ihrer Ideologie – mit angerichtet. Das Kriterium aktuelle Mitgliederzahl hatte das Bundesver-fassungsgericht 1956 beim KPD-Verbot nicht angewendet. Eine solche Rechtsprechung sollte doch sehr zum Nachdenken anregen.

Was denkt wohl die restliche Welt über Deutschland , wenn das deutsche Verfassungsgericht im Kalenderjahr 2017 ein solche Entscheidung trifft und damit der NPD einen „Persilschein“  ausstellt ?

Berthold Brecht schrieb 1941 in seinem Anti-Kriegsstück – Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui –

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ – Dr. Stephan Müller


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Spätsommer 2015. 25 Millionen Wahlberechtigte haben im Parlament keine Stimme. Warum? Weil das Parlament, und mit ihm die Qualitätspresse, sich damit begnügt, den Rädelsführern von AfD und Konsorten diskussionswürdige Positionen abzusprechen. Was nicht falsch ist, aber den 25 Millionen Bürgern ihre Fragen nicht beantwortet und ihre Sorgen nicht nimmt. Noch ist unsere Demokratie zu retten. Man muss nur einmal übers Bruchstückhafte, übers aktuell Taktische hinausdenken, die Sorgen wahrnehmen, eine echte langfristige Perspektive erarbeiten. Noch ist das möglich. So einfach. So schwer. – Angela Paap


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Nach schier endlosen Wochen mit billiger Polemik gegen Trump, die zudem meist mit beachtlicher Arroganz daherkam – noch zu dem der schlimmsten, die ich kenne, der Arroganz der Dummheit,  hat sich Ihr Blatt dieses Mal  ernsthaft mit dem neuen Präsidenten der USA auseinandergesetzt. Ein Fortschritt und dringend erforderlich! Ich hoffe auf Fortsetzung dieses Lernprozesses. – Dr. Erken Schmidt


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Chapeau Herr Joffe, oder- welcome back! Der glühende Bewunderer der konservativen amerikanischen Politiker ist heimgekehrt in das Lager der „Zeit“ und schreibt einen Leitartikel über den schamlosen, größenwahnsinnigen Donald Trump. Das wurde auch „Zeit“!. – Dieter Hasselberg


Lesesrbrief zu “ Stimmt’s?“ von Gudrun Günther

Soeben las ich “Stimmt‘s” (DIE ZEIT, Nr. 4, 2017)  den unsinnigen  Begriff „Klimaerwärmung“ gleich mehrfach.  Man kann das Klima nicht erwärmen!    Hier die Erklärung:  Durch den sog. „Treibhauseffekt“, was allerdings physikalisch ein falscher Begriff ist,  erwärmen sich allenfalls die Erdoberfläche und die Troposphäre.

Die durch anthropogene Aktivitäten verstärkte Erwärmung der  Erdoberfläche und der Troposphäre wird oft als Erderwärmung bezeichnet.  Das ist ebenfalls Unsinn, da ja nur ein sehr, sehr kleiner Teil der Erdmasse erwärmt wird.  Klima ist eine Zustandsbeschreibung der  komplexen Prozesse in der Troposphäre und deren Wechselwirkungen mit der Erdoberfläche.   Eine solche  Zustandsbeschreibung (== Klima)  ist nur für Zeiträume > 30 Jahre und natürlich nur für einen definierten Teil der  Erdoberfläche  einigermaßen sinnvoll.

Eine Masse (im physikalischen Sinne)   kann man erwärmen, aber keine Zustandsbeschreibung.   Bitte diesen unsinnigen Begriff „Klimaerwärmung“ nicht wieder verwenden und auch nicht durch Erderwärmung ersetzen.  Klimaveränderung ist richtig!    Erlauben Sie mir noch folgende Bemerkung:  Mehrfach habe ich die hier beschriebne Verwendung der unsinnigen Begriffe  „Klimaerwärmung“ und „Erderwärmung“ in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ moniert. Mehrere Redakteure begründeten die  Weiterverwendung dieser Begriffe  mit dem Argument, diese Begriffe seien allgemein gut verständlich.  Ich verstehe das nicht!  – Paul Gerhard  


Leserbrief zu den Leserbriefen „Es fehlt nicht nur an Geld“ zu Julia Friedrichs: „Jedes fünfte Kind ist arm“

Zwei Vorurteile in den abgedruckten Leserbriefen sind ärgerlich. Erstens werden die Einzelfälle, die es tatsächlich gibt (Geld kommt Kindern nicht zugute, Eltern sind Alkoholiker, … ) benutzt, um eine sinnvolle zusätzliche finanzielle Leistung an arme Familien generell als nicht notwendig und als nicht zweckmäßig darzustellen. Im Regelfall dagegen wird eine erhöhte finanzielle Zuwendung, so behaupte ich, sowohl für die meisten Eltern, die ihren Kindern gern ein besseres Leben bieten möchten und die für sie eine bessere Zukunft wünschen, als auch für deren Kinder eine zielgerechte Hilfe sein.

Zweitens wird ein scheinbarer Lösungsvorschlag für die Einsparung öffentlicher Mittel gemacht, der auf der Unkenntnis unseres Steuersystems und der Regeln für die Steuererhebung beruht, indem ein Unverständnis darüber geäußert wird, „dass wir immer noch das Ehegattensplitting haben“ und „warum ein kinderloses Ehepaar steuerlich gefördert werden soll“.  Das Splitting fördert jedoch kein Ehepaar, sondern stellt nur sicher, dass ein Ehepaar nicht höhere Steuern zahlen muss als zwei Alleinstehende mit je gleichem Einkommen. Dabei ist im Falle des Ehepaares zu berücksichtigen, dass das Einkommen nicht gemäß dem jeweiligen Erwerbsanteil verbraucht wird, sondern dass das Haushaltseinkommmen gemeinsam, also im Prinzip je zur Hälfte von jedem Partner, verbraucht wird. Die gleiche Besteuerung der für den Verbrauch bereitstehenden Einkommen, ob Ehepartner oder Partner einer eingetragenen Partnerschaft einerseits oder Alleinstehende(r) andererseits, nennt man die Besteuerung gemäß der steuerlichen Leistungsfähigkeit, die das Grundgesetz in Art. 3, Absatz 1 fordert, die also ein Grundrecht ist. – Dr. Ernst Niemeier


Leserbrief zu “ Elf Aufrechte gegen Lügen“ von Peter Dausend, Ulrich Ladurner Und Michael Thumann

Zum Thema fake news hätte ich einen Hinweis, über den es sich lohnen könnte, nach zu denken. Am Besten öffentlich. Man sollte es in den Schulen sagen, wo man lernt (und man lernt es nicht nur da, aber es ist eben ein guter Platz zum Nachdenken): was Vertrauen ist, welche Quellen verlässlich sind, wie sie zu überprüfen sind, und vor allem was objektive Forschung ist, eben nicht ideologische, vom Eigeninteresse geleitete Indoktrination. Man sollte sagen, dass jeder Mensch eine Internetseite starten kann, eine Öffentlichkeit erreichen kann. Und wie man eben verlässliche Quellen findet. Bei Zeitungen weiß man, dass die seriösen Blätter gut überprüft sind und dass es Menschen braucht, die einen unterstützen, um die Info unter das Volk zu bringen.

Also, das wurde in der Diskussionen um fake news irgendwo schon gesagt, aber viele junge Leute scheinen es nicht zu wissen; und viele Erwachsene denken da wohl nicht drüber nach, oder wollen es nicht wissen.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls, im Interesse der Bürgerinnen und Bürger, dass es Menschen bewusst wird, und dass sie wieder das zu schätzen wissen, was man von Lehrern eben erwartet, objektive Darstellung der verschiedenen Positionen, ohne Eigeninteresse. – Sebastian Schröer


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Mister Trump ist nicht intelligent. Wiederholung ist ein Merkmal mangelnder Intelligenz. Auch, wenn es mehere Arten von Intelligenz gibt, unter denen auch die gehört, sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Diese Intelligenz scheint er zwar zu besitzen, aber für einen Mehrfach-Millionärssohn ist das eindeutig zu wenig.

Trump hat wie kaum ein Politiker eine Reihe von Sätzen herausgegeben, die bezeugen, dass er eine Schlangenzunge hat, die symobolisch für die Sprache des Teufels steht. Der Teufel ist nicht nur die dunkelste Form des Egos, sondern kann nur in einem System überleben, das sich der Bewusstheit entzieht. Es versteht sich, dass Intelligenz sich im Reich des Bewusstseins befindet.

Ansonsten fand ich die Analysen Ihrer Kollegen auf den nachfolgenden Seiten doch sehr intelligent, und als wäre Ihre Zunft aufgewacht vom tiefen Schlaf der Illusionen. – Constantin Garyfallakis


Leserbrief zu “ Wie kann es sein, dass im VW-Skandal fast alles in Amerika enthüllt wird und kaum etwas in Deutschland?“ von Felix Rohrbeck, Marcus Rohwetter und Claas Tatje

Winterkorn wusste von nichts…? Wäre er Pinoccio, so würde seine Nase bis Amerika reichen. Doch für über 3000 Euro Ruhegeld täglich kann man das in Kauf nehmen. Der Mann gibt nur scheibchenweise zu, was er ohnehin nicht abstreiten kann. Wahrheit und Konsequenzen werden deshalb nicht zum Tragen kommen, weil sie alle untereinander Verstrickt sind, Konzerne und Politik. Und WEIL (MP Nieders.) das so ist, wird sich der Bürger damit abfinden müssen.

Das wirklich Schlimme am VW-Skandal ist die Tatsache, dass die substantiell Leidenden, die Arbeiter des Konzerns sind. Sie müssen mit Einbußen und Jobverlusten ausbaden, was ihre Führungsebene verbockt hat. Und trotz dieses Betruges an ihren Arbeitern, den Käufern und der Umwelt werden jene der Führungsebene weiterhin in finanziellen und materiellen Überfluss leben können. Durch fette Abfindungen und Umbesetzungen, oder schlimmstenfalls in den Ruhestand. Ein Leben in Saus und Braus ist garantiert. Hallo AfD, ich fürchte, da kommen weitere Wähler-Sympathisanten auf euch zu!! – Kurt Nickel


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz; „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Die beiden Artikel bestätigen voll und ganz die Befürchtungen, die ich schon seit Monaten in Bezug auf Trump und Co. habe. Was mich aber maßlos ärgert, ist Ihre fast beiläufig erwähnte Meinung, Trump wäre „hochintelligent … und nicht verrückt“ und Putin „der Schlaue“. Diese Männer ordnen ihrem Ego alles andere unter, es geht ihnen ausschließlich um ihre persönliche Macht. Und daran gibt es wirklich nichts schönzureden.

Mir drängt sich immer massiver die Frage auf, wie wohl die internationale Presse seinerzeit auf die Machtergreifung Hitlers reagiert hat oder heute reagieren würde. Ich vermute, sehr ähnlich. Trumps Wahl als Anlass zu nehmen, unsere bis dato selbstverständlichen und teilweise auch bequemen Ansichten auf die Waagschale zu legen (und für sie zu streiten) ist richtig – das ist aber auch der einzige Vorteil. Die Gefahren, vor allem für unsere im besten Sinne christlichen Werte, sind um ein zig-faches größer. Mir kommt es vor, als versuchten intelligente Köpfe, nämlich die Ihrer Journalisten, ein Phänomen zu analysieren und zu erklären, für das es keine vernünftige Erklärung gibt. Und damit meine ich Trump selbst und nicht die Gründe, die zu seiner Wahl führten. Zu oft mussten Nationen schon ausbaden, was ihre  geltungssüchtigen und größenwahnsinnigen Führer ihnen aufgebürdet haben. – Ute Birrel


Leserbrief zu “ Ein rechtes Urteil“ von Heinrich Wefing

Der 1. FC Großdeutschland (1. FC GD) ist seit Jahren für sein rüpelhaftes und gefährliches Foulspiel bekannt. Anträge zum Ausschluss sollten nun zum wiederholten mal vom obersten Schiedsgericht entschieden werden. Doch dieses erklärt: Solange nicht zu erwarten ist, dass der 1. FC GD Deutscher Meister wird, darf die Mannschaft wie bisher und mit ihren eigenen Regeln weiterspielen. Unausgesprochener Hintergedanke: Dies gilt ebenso auch für foulspielende islamistische  Mannschaften mit ihren Schariafußballregeln. Die Karlsruher Entscheidung ist für mich in der gesamten Bandbreite Drückebergerei pur!  – Erich Michel


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Wow! Ich habe selten so ein gut erklärendes und lösungsorientiertes Dossier gelesen. Auch wenn man oftmals denkt, man weiß schon alles über die Geschichte der Demokratie. Dass die ursprüngliche Idee das Losverfahren war, war mir wirklich neu. Dieses Dossier sollte Pflichtlektüre für alle politisch Verantwortlichen sein. Die SPD machte Anfang der 1970er Jahre Wahlkampf mit dem Versprechen „Mehr Demokratie wagen“. Wir sollten das ENDLICH ernst nehmen, um unsere Demokratie zu retten. Oder anders gesagt: „It’s the lot, stupid!“ – Michael Hauck


Leserbrief zum Titelthema “ Was für eine Vorstellung!“

Am Tage der Amtseinführung des unsäglichen neuen Amerikanischen Präsidenten kann ich mich eines Kommentars zu Ihrer Titelseite Ausgabe Nr. 4 nicht enthalten.

Sie schreiben darüber, warum Donald Trump zum Fürchten ist und auch deshalb fasziniert.

Ich persönlich kann nichts, aber auch gar nichts Faszinierendes an diesem Mann feststellen. Und auch meine Freunde und Bekannte finden seine Äußerungen und Einstellungen von fragwürdig bis abschreckend. Mit dem kleinen Wörtchen „auch“ suggerieren Sie sogar, dass es noch etwas anderes geben könnte, was an diesem Menschen fasziniert!? Ich und mit mir viele Millionen Menschen müssen demnach blind und taub sein. –  Marina Müller McKenna


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Auf drei Seiten dürfen drei Journalisten die Illusion verbreiten, wenn die Entscheidungen in der Demokratie nur repräsentativ genug seien, wäre die gefährdete Demokratie gerettet. Und nicht Wahlen garantierten repräsentative Entscheidungen, sondern das Losverfahren. Diese Botschaft des Dossiers verkennt das Wesen von Demokratie gleich in mehreren Aspekten. Unterstellt wird nämlich einmal, dass es eine für alle richtige und gute Entscheidung gäbe, wenn ein wirklich repräsentativ zusammengesetztes Gremium entscheiden würde.

Im wirklichen Leben gibt es aber sehr unterschiedliche Interessen. Der Arbeitnehmer beispielsweise hat zumeist andere Vorstellungen von einer richtigen Entscheidung als der Arbeitgeber. In der Demokratie können sich unterschiedliche Interessen organisieren und darum kämpfen, dass sie sich durchsetzen. Darüber hinaus gehört es zum Wesen der Demokratie, dass Entscheidungen in einem transparenten und öffentlichen Diskurs vorbereitet werden. Eine geheime Bürgerversammlung, bei der die Mitglieder noch nicht einmal mit Journalisten sprechen dürfen, ist geradezu das Gegenteil von dem für die Demokratie notwendigen öffentlichen Diskussionsprozess. Schließlich wird verkannt, dass es in der Demokratie auch um Verantwortung geht.

Die auf Zeit legitimierte Herrschaft muss ihre Entscheidungen gegenüber den Wählern verantworten und der Wähler kann auf dieser Grundlage bei der Wahl entscheiden, ob er die Herrschaft verlängern oder eine neue Herrschaft haben will. Diese Möglichkeit des Herrschaftswechsels kann aber dann nicht funktionieren, wenn der Wählergar nicht weiß, wer die getroffenen Entscheidungen zu verantworten hat, weil sie von einem anonymen Gremium getroffen wurde, deren Mitglieder zudem gar nicht wiedergewählt werden können. Die Demokratie ist heute sicher gefährdet. Aber Vorschläge, die das Wesen von   Demokratie verkennen, sind nicht hilfreich, sondern gefährlich, da sie dazu beitragen, von den wahren Problemen abzulenken. – Dr. Ortlieb Fliedner, Autor des Buches „Warum soll ich wählen gehen? Wie funktioniert unsere Demokratie?“


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Herzlichen Dank für den Artikel!

Er hat meinen Blick auf unsere Demokratie dahingehend geweitet: mir wurde bewusst, dass wir bei uns entgegen allen Behauptungen tatsächlich k e i n e Demokratie geschweige denn eine repräsentative Demokratie haben, da große Teile der Bevölkerung nicht mehr in den Parlamenten oder den anderen staatlichen Institutionen abgebildet werden.

De von Ihnen vorgestellte irische Weg  sollte auch von uns begangen werden. Wahrscheinlich kann dann  der allseits grassierende Verdruss über die Politiker und die Institutionen abgebaut werden. Ich werde Ihre Ideen weitertragen! –  Jürgen Zimmermann


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Dies ist ein sehr wichtiger Beitrag zur Neuordnung unserer Prioritäten im Gesundheitswesen. Gewinnmaximierung darf nicht im Mittelpunkt ärztlichen Handelns stehen, sonder der Patient muss im Fokus unserer Bemühungen bleiben. So gesehen sind wir in „freier“ Praxis tätigen Haus- und Palliativmediziner die letzten Instanzen, an die sich Patienten vertrauensvoll wenden können, um eine gute Beratung und Begleitung in der letzten Phase ihrer schweren Erkrankungen zu erfahren. Die Gewichtung und die Vergütung der ärztlichen Behandlung in den Krankenhäuser muss neu geregelt werden. Selbstverständlich ist auch hier die staatliche Aufsicht im Gesundheitsministerium in der Pflicht um die adäquate Versorgung von Patienten sicher zu stellen,  und den Gewinnvorstellungen mancher Krankenhausmanager die rote Karte zu zeigen. –  Dr. med. Charles Woyth


Leserbrief zu „“Wozu der ganze Stress?“ von Kolja Rudzio, Till Schwarze und Frida Thurm

Ich habe das Gefühl, dass der Artikel „Wozu der ganze Stress?“ von Kolja Rudzio, Till Schwarze, Frida Thurm und Sascha Venohr irreführend ist. In diesem geht es um die Lohnentwicklung und die korresponierende Preisentwicklung. So wird ständig vom Medianeinkommen geredet, jedoch nur kurz erwähnt, dass hierbei nur die Einkommen von Vollzeitbeschäftigten berücktsichtigt wurden („was heute im Mittel für Vollzeitarbeit herausspringt: 3.169 Euro“).

Zwar wurde auch nur mit dem entsprechenden Median von 1985 verglichen, doch scheint mir, anhand der Kommentare zum Artikel, dass vielen Lesern dies nicht aufgefallen ist. Es wird offen unter der Annahme diskutiert, dass es sich hierbei um das allgemeine Medianeinkommen handelt, und zwar sowohl von Kritikern als auch von Beführwortern des Artikels. Viele Leser scheinen also den Artikel falsch verstanden zu haben, was natürlich zu Beschuldigungen von falschen Statistiken führt. Es hilft wohl kaum, dass in der Einleitung kurioserweise von einem Paar die in Teilzeit arbeiten die Rede ist, welche also gar nicht in dem vom Artikel genannten Median berücktsichtigt werden.

Die schlechter Verdienenden werden nur kurz angerissen im Artikel und kaum mit Daten abgefertigt. Gerade in diesem Artikel wird ein sehr großer Teil der Bevökerung, jener der im Niedriglohnsektor und Teilzeitbereich (oft ein und das Selbe) seinen Lohn verdient, völlig ignoriert. Das ist erstmal kein Problem wenn im Artikel darauf ausreichend hingewiesen wird, was, und ich wiederhole mich bewusst, anhand vieler Kommentare offensichtlich nicht der Fall ist.

Ich habe keine aktuellen Daten zum allgemeine Medianeinkommen in Deutschland, doch 2010 lag es laut dem DIW Wochenbericht Nr. 45 aus dem Jahr 2011 bei 1772 €. Dieser mag gestiegen sein oder nicht, unterstreicht jedoch wie schnell der Artikel zu irreführenden Schlussfolgerungen führen kann.

Ich hoffe es wird eine Anmerkung dazu geben, auch wenn ich leider weiß, dass viele Menschen diese Anmerkung nie lesen werden. – Alexander Sawatzky


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Unter der Schlagzeile „Der Demolierer“ bezeichnen Sie als Journalist den demokratisch gewählten Präsidenten der USA und unterstellen diesen im weiteren „Größenwahn“ und  „zwanghafte Twitterei“ und dass er die „Regale demolieren will“. Nachdem Sie sich bereits einen Tag nach der Wahl in dieser völlig arroganten, überheblichen Art und Weise über Herrn Trump geäußert haben, darf erwartet werden, dass Sie wenigstens versuchen sollten, Ihre Einschätzungen über andere Menschen, die offensichtlich eine andere Weltsicht besitzen als Sie, mit sachlichen Argumenten zu untersetzen und abwarten bis objektive messbare Ergebnisse der Poltik von Herrn Trump vorliegen.

Das System für das Sie und Ihr Klientel seit Jahrzehnten stehen, ist ja offensichtlich auf breiter Linie gescheitert. Gesellschaftssysteme, die noch nicht einmal ihrer Jugend eine Mindestperspektive (ARBEIT!!) (Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland usw.) bieten können und auf der anderen Seite durch zum Teil eines perversen Konsumverhaltens unsere Erde ruinieren sowie der letzte „OXFAM“ Bericht über die Verteilungsgerechtigkeit sind lediglich in 3 Stichpunkten ausreichende Belege für den Niedergang.

Es wäre deshalb wünschenswert, dass Sie wie auch andere Journalistenkollegen sich auf Ihre Hauptaufgaben , einer halbwegs ausgewogenen seriösen Berichterstattung konzentrieren und nicht ständig auf niedrigstem Niveau im Interesse der „Elite“ agieren. – Wolfgang Benz


Leserbrief zu “Türkische Abrissarbeiten” von Özlem Topçu

Ich lese gerade die Printausgabe meines Abos der Zeit 4/17. Auf Seite 7 wird in der 2.Spalte im 3.Absatz behauptet, dass for eine Verfassungsänderung im türkischen Parlament eine 2/3-Mehrheit notwendig wäre. Anderen Quellen zufolge handelt es sich jedoch um 3/5-Mehrheit, also 60%, für eine Verfassungsänderung im türkischen Parlament, was mindestens 330 der 550 Parlamentarier sind.

Kann es sein, dass dort ein Fehler unterlaufen ist? – Peter Hartmann


Leserbrief zu „“Wozu der ganze Stress?“ von Kolja Rudzio, Till Schwarze und Frida Thurm

In diesem Artikel werden zwei wichtige Punkte nicht berücksichtigt.  Einer ist das Rentenniveau von damals und heute und das in einigen Jahrzenten. Man muss heute zusätzlich selbst vorsorgen und das bedeutet ansparen für das Alter und nicht für ein Eigenheim. Der zweite Punkt ist die Jobsicherheit. Wer arbeitet heute noch sein ganzes Leben bei derselben Firma und mehr noch, wer verbringt sein ganzes Leben an demselben Ort. Eigenheim macht immer weniger Sinn und bei den derzeitigen Preisen können sich auch Doppelverdiener, zumindest wenn beide Angestellte sind, nicht mehr leisten.

Die Leistungen bei Arbeitslosigkeit sind auch deutlich schlechter geworden, so dass der Druck eine neue Arbeit zu finden und das nächste beste Angebot zu akzeptieren grösser ist. Dies wirkt sich wiederum auf das Gehaltsniveau aus. Die Vergleich der Lebensstandards in Punkto Konsum stimmen auch nicht ganz. Fernsehgeräte sind heute deutlich billiger und Reisen auch. Wer konnte sich vor drei bis vier Jahrzenten eine Flugreise leisten? Damals kostete auch das Telefonieren bei dem Monopolisten mit einem grünen Telefon mehr wie mit einem grauen! Die Inflationsrate als einzigen Masstab zu nehmen ist deutlich zu kurz gegriffen. Die Zusammenstellung dieses Warenkorbes ist eben auch eine politische Entscheidung.  – Peter Schu


Leserbrief zu “Holla, the Woodfairy” von Peter Dausend

Bewunderung. Your English makes you so fast nobody after. – Klaus Holzer


Leserbrief zu „Amerika ist groß – und allein mit Gott“ ein Gespräch mit Ayad Akhtar, geführt von Peter Kümmel

Ein gutes Psychogramm Amerikas! Nur wenn es um Konkretes geht (was hätte man nach 9/11 tun, wie hätte man mit Saddam Hussein umgehen sollen, usw.), kommt wie immer, wenn dem Westen der Spiegel vorgehalten wird, entweder Nichts oder nur nebulos Klägliches, was mit Politik nichts zu tun hat. – Werner Koetz, emer. Prof. f. Wirtschaftsinformatik an der HTW d. Saarlandes


Leserbrief zu „Schonungslose Klangkühle“ von Christine Lemke- Matwey

Ganz Deutschland hallt wider vom Glücksgeschrei aus HH: Die Hamburger haben das Rennen gewonnen! Für nur ein knappes Billiönchen ist das weltweit leuchtende Denkmal für die brutale Anmaßung einer arrogant abgehobenen Oberschicht nun doch noch fertig geworden! Das lässt Hoffnung aufkommen, dass es eventuell noch im Verlauf dieses Jahrhunderts, dank der überragenden deutschen Ingenieurskunst, und mit weiterer Milliardenvergeudung, zur Eröffnung des Hauptstadtflughafens, und des neuen Bahnhöfles der Schwäbschen Eisenbahne kommen kann.

Stolz eilten die Polit-Vertreter der Parasiten und Schmarotzer der Oberkaste ins neue Häusle, um denen da unten aufzuzeigen, dass deren Umzug in den HARTZ sich gelohnt hat! Zwar stieg die Kinderarmt der BRD unter dem Regime Merkel von 15% auf nunmehr 20 %! Aber Eltern und Kinder der Hartzer haben bereitwillig den Gürtel enger geschnallt, frohgemut, weil sie mit ihrem Scherflein ein wenig zum Wohlbefinden der da oben beitragen konnten. Sie haben es akzeptiert, dass ihre Politiker das Geld nur einmal ausgeben können, und daher für die da unten keines aufzutreiben war und ist. – Jochen Blankenburg


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Der Erfolg ist Trump garantiert!

Trump hat nicht das Rad neu erfunden! Er hat den Rat der beiden besten Ökonomen der Erde angenommen! Es geht weder um Protektionismus noch um Beendigung des Welthandels sondern um Korrektur der Auswüchse! Die beiden Nobel-Ökonomen Stiglitz und Krugman verlangen ein Ende der seit 200 Jahren verpönten „Beggar-Thy-Neighbour-Policy“, die weltweit von Gierschlünden, Schurken und Ganoven aus dem Giftschrank der Ökonomie recycelt wurde: Die EU subventioniert den Export ihrer überschüssigen Agrarproduktion nach Afrika gegen NULL und ruiniert dort die Landwirtschaft. China tut das gleiche mit Zugangsverhinderung, Einfuhrzöllen, Währungsmanipulation, und Export der gegen NULL subventionierter Stahlproduktion sowie Sonnenkollektoren in die EU!

Wer aus Kalifornien den mit ausgebeuteten rechtlosen 1-$-Löhnern (11 Millionen südamerikanischen Illegalen) produzierten billiger Ausschusswein zu Millionen hl in die EU holt, und diese hier völlig überflüssige Plörre gegen ebensolchen Wein aus der EU in die USA tauscht, erzeugt kein MEHR! So wenig, wie rund um den Erdball aus Übersee in die EU beförderte Äpfel, obwohl die EU ihren eignen Obstertrag gar nicht voll verzehren kann. Ökonomisch ist das Ergebnis NULL! Schlimmer noch: In diesen Fällen wird beiderseits Arbeitslosigkeit importiert! Verlierer sind z.B. die illegalen 11 Millionen 1-US-$-Arbeitssklaven in der Agrarwirtschaft der USA, Europas Winzer, Textil-, und Stahlarbeiter, und die durch umweltschädigende Transporte – und den Klimawandel bedrohte Menschheit; Verlierer sind die durch überflüssigen Welthandel verursachten Erwerbslosen! Breite Bevölkerungsschichten auf beiden Seiten bezahlen Millionenfach mit bösen Einkommensverlusten und betonierter Armut. In der Bilanz muss gegeneinander aufgerechnet werden: Nationaler Güterpreisgewinn gegen die Kosten der Erwerbslosigkeit, die durch unbegrenzten Handel über die Weltmeere erzeugt wird! Siehe Bangladesch! Das könnte heute ebenso dastehen wie Südkorea, wäre es nicht seit 60 Jahren vom falschen Welthandel in Armut einbetoniert worden!

Denn der Welthandel wird leider nicht durch gegenseitige Belieferung mit solchen Gütern, die der andere kaum sinnvoll herstellen kann, sondern durch Lohndumping, Ausbeutung, Sklavenarbeit befeuert. Genau diese unheilige Dreifaltigkeit ist es, die alle deutschen Gierschlünde insgeheim meinen, wenn sie vor Gefährdung des „Welthandels“ warnen! “Sie reden uns vom Sinnvollen und meinen Katun!

Und daher ist Trump der durchschlagende Erfolg sicher, wenn er den katastrophal missbrauchten Welthandel auf das Sinnvolle zurückführt! – Jochen Blankenburg


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Das Problem mit unserer Demokratie liegt in dem gezielt auf Beseitigung der Gewaltenteilung gerichteten BRD-Wahlsystem.  Alle Staatsorgane werden indirekt von der Bundesregierung bestellt. Wenn Merkel ein Gesetz haben möchte, stürmt die gesamte Meute der SPD-Fraktion gehorsam los und apportiert schwanzwedelnd das Gewünschte.

In den alten Demokratien mit dem Mehrheitswahlrecht werden dagegen die Regierungen selbst von der eigenen Partei am kurzen Zügel geführt. Daher liegt auch die Trumpomanie der BRD-Presse neben der Realität. Die wird vom Kongress per Etatrecht gestaltet – und von sonst niemand. Daher war Obama der ohnmächtigste und bedeutungsloseste Präsident seit Washington!

Zum anderen: Die etablierten deutschen Parteien sind von Wahl zu Wahl kontinuierlich moralisch verkommen. Schulbuben und Schulmädchen, fern den realen Niederungen herangezüchtet, mutieren heute zum Berufspolitiker. Machtversessen, Volksvergessen! Vor und nach 9/2017 wieder zu beobachten: Vor der Wahl entleert die CDUFDPSPD-Oligarchie jeweils die Staatskasse und kauft sich die Stimmen der vermutlichen Anhänger. Ergänzend werden denen weiter Wohltaten für die Zukunft zugesichert. Sind die erforderlichen 50 % plus eine Stimme eingefahren, werden die unteren 50 % zur Ausplünderung freigegeben.

2 Beispiele! Erstens: Nahles angekündigte Rentenreparatur. Sie schiebt den oberen 50 % der Werktätigen, den nur unter ihnen vermutlich noch verbliebenen SPD-Wählern, den Luxus von drei Renten zu: Ergänzend zur gesetzlichen Alterssicherung verspricht sie noch in 2017 die Reparatur des bankrotten Riester-Systems, und den Ausbau der Betriebsrenten! Damit verurteilt die studierte Unterschicht-Verächterin die unteren 20 Millionen der Werktätigen, die mangels Einkommen nichts sparen können, zu Altersarmut auf der Basis von Grundsicherung! Die wählen ja doch nur AfD! Mögen sie – die etablierten CDUFDPSPD-Oligarchen brauchen daraus nichts für ihre Sinekure zu befürchten. Die sichert ihnen garantiert die mit Wahlgeschenken bestochene Klientel.

Zweitens: Steuersenkungen. Die sind immer nur Umverteilung nach oben! 80 % der Deutschen zahlen mangels Einkommen kaum oder gar keine Einkommenssteuer! Für die da unten bringt das nichts! In den 10 Jahren der Regierung Merkel stiegen die Großvermögen auf astronomische Höhen, die Zahl der bankrotten Privaten Haushalte auf 8 Millionen, und die Kinderarmut von 15 % auf nunmehr 20 Prozent! In Dänemark wurde die im selben Zeitraum auf > Zwei!!! <  Prozent gesenkt! Das Beispiel Dänemark ist eine Tatsache! Die Jubelperser der ZEIT verschweigen sie seit Jahren, um bewusst das Merkel-Verbrechen an unseren Kindern zu verschleiern! Selbst in dem tiefschürfenden Beitrag in Nr. 2/2017 „Jedes 5. Kind ist arm“ haben die Berliner Hofsänger der ZEIT-Redaktion – Dänemarks Erfolgspolitik unterschlagen, um „Mutti Angelas“ Scheinheiligenschein nicht zu beschädigen!

Wen wundert da noch, dass die Entrechteten und Verarmten sich besinnen und AfD ankreuzen?  – Jochen Blankenburg


Leserbrief zum Titelthema “ Was für eine Vorstellung!“

Ihre gute Berichterstattung zum Thema „Trump“ wird leider arg betrübt dadurch, dass Sie Trumps Unterstützung der israelischen Apartheid ignorieren. Über die Freundschaft zwischen Trump und Netanjahu und darüber, dass Trump die amerikanische Botschaft nach Jerusalem verlegen will, darüber berichten Sie kaum.

Dass Netanjahu die Gunst der Stunde schamlos nutzt und den Bau von neuen illegalen Siedlungen auf der Westbank vorantreibt, da hat er die Unterstützung des amerikanischen Präsidenten. Darüber sollte berichtet werden. Die Allianz zwischen Trump und Netanjahu offenbart die Ähnlichkeit der beiden Charaktere. – Prof. Dr. Elias Jammal


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Über Ihren ausführlichen Artikel habe ich mich sehr gefreut. Ein äußerst lobenswerter und gerade zur Zeit sehr wichtiger Einsatz für Demokratie mit sehr anregenden Gründen und Vorschlägen zu ihrer Verbesserung. Ich danke vielmals und wünsche Ihren Worten weitreichende Wirkung. Doch hie und da habe ich auch Einwände:

  1. Die Athener „Demokratie“ mag von antiken Historikern und Philosophen wunderschön gedacht sein. In Wirklichkeit scheint sie mir aber ein Märchen neuzeitlicher Altphilologen. Die blenden aus, dass in der ganzen Antike, auch in Athen, die meisten Menschen rechtlose Sklaven waren, natürlich ohne Wahlrecht. Schätzungen für den Anteil der Sklaven gehen auch für das antike Griechenland bis zu mehr als 80 % der Bevölkerung. Nimmt man hinzu, das für damalige Zeiten selbstverständlich auch Frauen und Kinder freier Bürger kein Wahlrecht hatten, dass jedenfalls in Athen erst vom 20. Lebensjahr an am politischen Leben teilgenommen werden konnte, dann lässt sich errechnen, dass damals der Anteil der „politischen Klasse“ an der Bevölkerungnoch niedriger war als in heutigen Diktaturen.
  2. Auslosen politischer Ämter? Eine interessante Idee, wirklich nachdenkenswert. Allerdings: In Athen machte das Los keineswegs alle gleich. Ab gesehen von den unter 1. genannten Einschränkungen kam hinzu: Der Losentscheid fand nur unter den  Angehörigen der beiden höchsten Vermögensklassen statt. Ich kann nur vermuten: Das waren wohl  auch die kleinsten .
  3. Aus Irland berichten Sie von einem höchst Interessanten Versuch. Allerdings wurden da nach Ihrem Bericht nicht die Entscheider, sondern nur die Berater durchs Los bestimmt. Die Entscheidung hätte also auch gegen die vom Los Erwählten ausfallen können. Demokratie?
  4. Diese irischen Berater wurden mit außerordentlicher Gründlichkeit auf die Abgabe ihres Rates vorbereitet. Wäre es nicht Aufgabe einer wirklichen Demokratie allen Bürgerinnen und Bürgern eine so intensive Ausbildung zu ermöglichen, dass sie in solchen Fragen ohne zusätzliches Spezialseminar zu einem gut begründeten und verantwortungsvollen Urteil finden können?
  5. Verspielt man mit solchen Losentscheidungen nicht den einen, ganz großen Vorteil den unser derzeitiges System hat: Dass, ganz egal wie eine Wahl ausfällt,  alle Wahlberechtigten sich hinterher sagen müssen: Das haben wir uns selber eingebrockt, also müssen wir es jetzt auch auslöffeln. Ausdrücklich sei betont, das gilt auch für Nichtwähler, den die tragen mit ihrem Verhaltengenau soviel zum Ergebnis bei wie Wähler, nur verteilt sich der Nichtwählereinfluss gleichmäßig auf alle Parteien im Angebot.

Es lebe die Demokratie! Aber gerade wenn und weil sie lebt, darf sie sich auch ändern. Nur bitte nicht zurück ins alte Athen! – Helmut Steiner


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Als ich gestern spätabends den Artikel von Josef Joffe las, erschrak ich und wollte meinen Augen nicht trauen: meint er tatsächlich mit „hochintelligenter Mensch“ Donald Trump?

Wenn dem tatsächlich so ist, dann erlaube ich mir Zweifel an der Intelligenz von Herrn Joffe anzumelden und ich frage mich ernsthaft, wie er es zum Herausgeber der Wochenzeitung gebracht hat. Der Schock sitzt so tief, dass mein Bedarf an „Die Zeit“ vorläufig gedeckt ist. – Angelika Schüsterl


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Ich möchte ein grosses Kompliment an Bastian Berner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius machen für den Artikel im Dossier über die Demokratie (die uns als solche ‚verkauft‘ wurde vor ca. 300 Jahren). Ich fand es äusserst interessant zu lesen was die Iren machen und wie mit Auslosung von Leuten eine Meinungsbildung geschaffen werden kann. Es unterrichtet auch diese Menge Leute im Debattieren und das Angehen von Komplexen Themen. Ich fände es fantastisch wenn das in allen Ländern eingeführt werden könnte!!!

Falls es diesen Artikel in Englisch gäbe – da wäre ich sehr interessiert. Mein Mann ist Amerikaner und würde ihn liebend gern lesen und weiter verbreiten… – Gabriela Scholl


Leserbrief zuDas ist kein Spiel mehr“ von Jana Gioia Baurmann

In der Ausgabe Nr.4 vom 19.Januar 2017, Rubrik Wirtschaft, Artikel „Das ist kein Spiel mehr“ von Jana Gioia Baurmann sind mir zwei Fehler in der blauen Graphik „Der Umsatz wächst“ aufgefallen. Zum einen sind sowohl das Jahr 2016, als auch das Jahr 2019 mit dem selben Betrag von 463 Mio.$ betitelt, während es für 2019 1128 Mio.$ sein müssten, zum anderen sind die 463 auch noch falsch. Es müssten 493 Mio.$ sein wie ich der angegebenen Quelle entnehmen konnte. – Alexander Raab


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Mit großem Interresse habe ich den Artikel „Zur Wahl steht: Die Demokratie“ gelesen (Printausgabe vom 19. Januar 2017, ZEIT Nr. 4) und muss an dieser Stelle ein Lob aussprechen, wie die Thematik und Problematik Demokratie im Artikel präsentiert wird.

Im Rahmen eines Seminares im Studium der Politikwissenschaften befasse ich mich mit dieser „Krise der repräsentativen Demokratie“, die im Artikel angesprochen wird und weiß, dass theoretisch selbst ein Semester nicht ausreicht, um dem Umfang des Themas gerecht zu werden. Demokratie als solche hat schließlich ihren geschichtlichen Ursprung und Werdegang, meint tatsächlich auch mehr, als nur alle 4-6 Jahre zur Wahl zu gehen und ist ganz sicher kein abgehaktes Thema in der Geschichte der Menschheit, steht sie selbst in Ländern mit langer demokratischer Tradition wieder zur Debatte. Insofern überzeugt der Artikel, dass er all diese Punkte aufgreift und es zu verstehen weiß, auch auf Reformideen à la Losverfahren und Bürgerräte einzugehen, und damit ein umfassendes und trotzdem schlüssiges Bild zeichnet.

Jedoch habe ich bis zum Ende der Lektüre auf eine Klarstellung des Zitats „Wie können wir verhindern, dass diese Leute wählen gehen?“ gewartet. Diese Frage mag logisches Resultat eines Grabens sein, der zwischen der Anhängerschaft repräsentativer Wahlen und der Anhängerschaft des Credos „die da oben“ aufgebrochen ist. Diese Frage drückt im Endeffekt ja nicht viel mehr aus, als die in der heutigen Zeit nachzuvollziehende Sorge vor einer Abschaffung der Demokratie durch – ausgerechnet – wahlberechtigte Bürger. Doch sollte man bei all den Sorgen, Reden von Politikern und Reformideen – die meinem Empfinden nach auch ausgesprochen wichtige Denkanstöße und hoffentlich auch Verbesserung mit sich bringen – nicht vergessen, dass solange in einer Demokratie wie sie in Deutschland, Österreich, Frankreich, Amerika und anderen Ländern existiert, Wahlen Kern der Repräsentation sind. Das Wahlrecht ist ein lang umkämpftes Gut sowohl für Frauen wie auch Männer. Und Demokratie meinte weder im alten Griechenland (zumindest der Theorie nach) Ausschluss einzelner Volksgruppen von der Wahl der Volksvertretung, noch sollte es dies heute meinen.

Über dieses als „Politik(er)verdrossenheit“ bezeichnete Phänomen der sinkenden Wahlbeteiligung und der steigenden Zahl von Anhängern populistischer Parteien zu sprechen und zu schreiben ist wichtig und richtig. Auch sich darüber Gedanken zu machen, dass noch Luft nach oben ist und es etliche Verbesserungsmöglichkeiten gibt, gehört zu einer lebendigen Demokratie. Aber die Errungenschaften, die wir durch regelmäßige Wahlen und dem Recht als Bürger auf Beteiligung zu verzeichnen haben, sollten nicht vergessen werden und sicher nicht in der Hitze des Gefechts einzelnen abgesprochen werden.

In diesem Sinne hoffe ich auf weitere kritische Berichterstattung. – Carlotta Schlosser


Leserbrief zu „“Wozu der ganze Stress?“ von Kolja Rudzio, Till Schwarze und Frida Thurm

Es   ist  nur  allzu   verständlich,   dass   auch   Frauen   ihren   Beruf   ausüben   möchten, in   den   sie   viel   investiert   haben,   der   ihnen   Freude   bereitet,     ihnen   finanzielle   Vorteile   verschafft  und   sie   unabhängig   macht.

Dennoch   sollte   vermieden   werden,   zuviel   miteinander   vereinbaren   zu   wollen. Auf   Dauer  wird   dadurch  nicht   nur   das  eigene   körperliche   und   seelische   Wohlbefinden   beeinträchtigt,   sondern   auch   das     Miteinander  in der   Familie.

Wenn   auch   Betreuungsangebote   in   Kita   und   Schule   für  Entlastung   sorgen,   so   darf   man   doch   nie   vergessen,  dass   eine   liebevolle   Zuwendung   zu   seinem   Kind   nicht  „so   nebenbei“  erfolgen kann. Je jünger   die   Kinder   sind, desto  größer   ist   ihr   Bedürfnis   nach  dem   Zusammensein   mit   ihren   leiblichen   Bezugspersonen.   Gerade   die   ersten   Lebensjahre  sind   prägend.  Hier   bauen   die  Kinder  Urvertrauen   auf   und  das   Gefühl   von   Geborgenheit   und   Sicherheit.

Will   man   zuviel   miteinander   vereinbaren,   muss   man   damit   rechnen,   dass  so   einiges  vernachlässigt   wird.  Selbst   wenn  die   Frau  zuhause viel   Unterstützung   durch   ihren   Partner   erfährt,  muten     sich   beide  oft    zu viel  Stress  zu,   wenn   sie   glauben, Familie,   Haushalt,   Kinder,   Beruf  und   erst   recht   Karrieren   miteinander   in   Einklang   bringen   zu   können. Es   geht   natürlich,   fragt   sich   nur,   wie   und   auf   wessen   Kosten. – Gabriele   Gottbrath


Leserbrief zu “Holla, the Woodfairy” von Peter Dausend

Auch wenn es seinerzeit in unserem Englischunterricht hieß “Lieber Beck’s Bier als Shakespeare”, so sind Sie doch haevy on the woodway, wenn Sie denken, dass ich Ihnen the march blow!

Ich habe laut gelacht, als ich Ihren Artikel gelesen habe. Herzlichen Dank dafür! Keep cool und liebe Grüße – Ursula Schneider


Leserbrief zum Titelthema “ Was für eine Vorstellung!“

Vor knapp einem Jahr verkündete ZEIT-Herausgeber J. Joffe prophetisch; „Trump wird’s  nicht“ und fragte abschließend, „ob Trump den loyalen Verlierer gibt“.

Nun haben wir ihn also und nicht Clinton und wissen nicht, ob er Pest oder Cholera repräsentiert, womit beide, Clinton und Trump in der Vorwahlphase vielmals metaphorisch apostrophiert wurden. Flugs stehen nun schon die nächsten Erklärer parat, um zu verkünden, „Warum Donald Trump zum Fürchten ist“, wie in fünf umfangreichen Beiträgen der „ZEIT“ Nr. 4/2017 abgehandelt wird. Auch hier verkündet Herausgeber J. Joffe, dass Trump die liberale Weltordnung, die über Freihandel, Bündnisse und internationale Institutionen definiert seien, niederreißen will. Er verzichtet aber darauf, seine psychiatrische Diagnose vom 11.08.16 zu wiederholen, worin er Trump definitiv zum Geisteskranken erklärt hat.

Es ist nicht mein Anliegen, jeden dieser Beiträge zu analysieren und zu diskutieren, sondern die Medien zu endlich mehr Zurückhaltung hinsichtlich des Spekulierens über die politischen Absichten des neuen Präsidenten und zu weniger Angstmache aufzufordern.

Trumps Vorgänger im Amt mögen zwar artige Reden gehalten haben, aber zum Beispiel G.W. Bush hat dies dann nicht gehindert, den Krieg in Afghanistan zu führen und mit völkerrechtswidrigem Krieg die Krisen in der arabischen Welt auszulösen, deren unsägliche Folgen Europa und vor allem die Bundesrepublik jetzt auszubaden haben.

Es sei hier an die von US-Präsident Wilson im Jahr 1917 entwickelte Vision „Keine Nation sollte danach streben, ihr politisches System auf eine andere Nation oder ein anderes Volk auszudehnen“ erinnert – ein bis heute nicht verwirklichter Grundsatz wirklich Frieden schaffender Politik.  Die heutige Politikergeneration arbeitet leider akribisch daran,  die Mega-Tragödie 2. Weltkrieg baldigst noch zu toppen. Die braven Medien tun leider alles, sie in dieser Hybris zu unterstützen.

Es ist Abwiegeln angesagt, wann und wo immer dies möglich ist!  Es darf nicht um die Übernahme von mehr Verantwortung beim Einmischen in fremde Regionen gehen (Gauck), sondern um geordnete Rücknahme aller aktuellen Einmischungen.

Andernfalls ist Ende des Homo sapiens besiegelt, lange vor dem naturgesetzlich festgestellten Termin – quod erat dicendum! – Hans Anhoeck


Leserbrief zu „Bitte recht freundlich“ von Jens Jessen

Gratulation Herr Jessen zu diesem gelungenen Artikel für Kinder. Das lässt darauf schließen, dass auch er einen erkennbaren Mangel guten Behnehmens (nicht nur bei Kindern!) feststellt. Vielleicht kann er ja als Argumentationshilfe für Eltern dienen, die aus der antiautoritären Erziehungszeit stammen. – Christa Ragaller


Leserbrief zu “ Mein Leben mit dem Monster“ von Daniel Kehlmann

Wenn man den Artikel von Daniel Kehlmann liest, versteht man, warum Trump gewonnen hat. Könnte es sein, dass eine Gesellschaft auch aus Millionen von Nicht-Schriftstellern, Nicht-Professoren und Nicht-Journalisten besteht, die keine New York Public Library Fundraising-Gala besuchen? In unserer Facebook-Ära ist das allgemeine Wahlrecht vielleicht keine gute Idee! – Dr. Salvatore Algieri


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

überzeugte Demokraten befürchten den Untergang  der Demokratie als Staatsform. Der Artikel beschreibt, dass die antike Demokratien in den Stadtstaaten ihre Vertreter per Los ermittelt haben und  erst viel später die  Wahl als wichtige Komponente der Demokratie erfunden wurde.  Aber erstens war die Polis an sich viel kleiner und zweitens handelte es sich um eine Sklavenhaltergesellschaft d.h. der Kreis derer, auf die das Los fallen konnte, war noch einmal viel kleiner, weil nur die Freien und Reichen zur Wahl standen. Letztlich handelte es sich um eine Oligarchie.

Trotzdem ist es dringend notwendig, die Demokratie nicht als selbstverständlich und unverrückbar in der jetzigen Form hinzunehmen, sondern Nachbesserungen vorzunehmen. Es genügt eben nicht, nur verbal eine wehrhafte Demokratie zu beschwören. Insofern ist das irische Modell bedenkenswert. Durch die Einbeziehungen aller Schichten in einen Erkenntnis – und Entscheidungsprozess  wird die Einsicht in das Wesen der Demokratie gefördert, die Motivation zum Mitmachen gestärkt   und  Vorurteile  werden abgebaut. Nicht jede Frage und jedes Problem kann einem so zeitaufwendigem Verfahren  unterworfen werden. Der  Unterschied zu einem Plebiszit , das ja vermehrt ins Spiel gebracht wird, besteht darin, dass erst nach einem Lernprozess  eine konsensuale Empfehlunge abgegeben wird. – Klaus Tuch


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Mit dem obigen Artikel haben Sie ein in der heutigen Medizin extrem wichtiges Problem angesprochen und man kann Sie nur dazu beglückwünschen, dass Sie den in diesem Fall klaren Missbrauch einer medizinischen Behandlung beim Namen nennen. – Prof. Dr. med. Klaus Lang


Leserbrief zu „Political Correctness“ von Christian Staas

Dieser Artikel ist in verschiedener Hinsicht fragwürdig, geradezu grotesk und gefährlich aber wird es in folgendem Passus: „Zu behaupten, ein Zuviel an emanzipativen Bestrebungen bringe notwendigerweise deren Gegenteil hervor, ist daher nicht nur grotesk (solcher Logik zufolge gäbe es Kriege nur, weil es die Pazifisten mit ihrem Pazifismus überbrieben), es ist auch gefährlich.“

Der Autor zeigt hier, ausgerechnet unter expliziter Berufung auf die Logik, wie fatal es gerade für einen Journalisten sein kann, wenn er deren Grundlagen nicht beherrscht: Kurz gesagt, behauptet er (in seinem Klammersatz), aus „A → B“ folge „B → A“. (Tatsächlich folgt aus „ A → B“ natürlich nur: „ nicht B → nicht A“).

Welcher fatalen Verdrehung der Logik hier Vorschub geleistet wird, wird z.B. klar, wenn man sich überlegt, was nach Herrn Staas´ Denkweise aus der Beobachtung folgt, dass alle Attentäter in Deutschland im vergangenen Jahr Muslime waren.

Eigentlich sollte es doch eine der wichtigen Aufgabe seriöser Medien sein, solche gefährlichen Fehlschlüsse zu verhindern und aufzudecken, nicht sie zu verbreiten. – Andreas Obrecht


Leserbrief zu “Terrorist wird Arbeiterkämpfer” von Björn Stephan

In Ihrem Artikel zitieren Sie Herrn Rast damit, dass er mit der Gründung der Gefangenengewekschaft womöglich  eine subtile Rache an dem bundesrepublikanischen Staatspparat ausübt. Wofür könnte er sich denn rächen? Er hat doch die Vorteile eines Rechtsstaats in jeder Hinsicht  in Anspruch genommen.  Die Gründung der legalen Gewerkschaft für Gefangene ist ja ebenfalls eine positive Möglichkeit, die die demokratische Verfassung  der  Bundesrepublik  Deutschland  den Betroffenen  einräumt. Das kann demnach ja nicht als unerwünschte  Schwierigkeit gelten, sondern als Weiterentwicklung  der  demokratischen  Realität.

Auch die Einbindung  der Gefangenen  in Mindestlohn, Bezahlung  der Unterkunft und  der Verpflegung und Mitgliedschaft  in der Rentenversicherung   ist m.E. eine  denkbare und sinnvolle Entwicklung in Bezug auf die spätere gesellschaftliche Eingliederung  der verurteilten Menschen. Die Abwicklung über Bankkonten könnte dabei ein wichtiger Teil sein.

Insgesamt also eine gute „Quittung“, die Herr Rast dem Stast, dem er angehört,.ausgestellt hat.  – Karl Fischer


Leserbrief zu “Türkische Abrissarbeiten” von Özlem Topçu

Die Türkei demontiert nicht. Im Zeichen des Terrors und der fast grenzlosen Armut ist es das einzig Richtige.

Die Träumer im Westen, besonders in Deutschland einschließlich ihres Autors, wollen unbedingt zuschauen, wie Europa immer weiter untergeht. Es gibt solche Spezis, die Neigung zum Sadismus haben.

Die tun gerade so als wenn wir im Paradies durch die westliche Demokratie leben. Die scheinen Immun gegenüber den chaotischen Zustände in unserem Land zu sein. Die wissen nicht wie der Alltag wirklich aussieht. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Jetzt ist Mr Trump im Amte – und Sie fragen am Donnerstag auf Seite 2: Was machen wir, wenn er Erfolg hat?

Diese Frage hat mich extrem verärgert. Es gibt da mehrere Ebenen. Egal wer regiert, es ist wirklich schwierig zu sagen, ob die Amtszeit am Ende ein Erfolg war. Obama wird in Deutschland sehr positiv gesehen, George W Bush sehr negativ  – das ist sicherlich zutreffend, aber hauptsächlich wegen der sehr zahlreichen Fehler und Fehleinschätzungen von George W. Obama hat selber nur sehr wenig hinbekommen. Sehr erstaunlich ist außerdem, dass trotz recht guter Wirtschaftsdaten die Wähler einen solchen Verrückten gewählt haben. So dolle war Obama für die Amerikaner also nicht.

Es gibt einfach nicht die Möglichkeit des Vergleichs: Was wäre wenn Hillary 4 Jahre Präsident gewesen wäre? Am Ende wird Trump seine persönliche Leistungsbilanz vorstellen – die wird sicher sehr speziell sein – die Anmerkungen zu den Zuschauerzahlen bei seiner Einführung lassen da Böses erahnen.

Somit stellt sich die Frage einfach nicht: Kann er Erfolg haben? Wir müssen klar machen, dass wir so wie er im Wahlkampf und nach der Wahl aufgetreten ist, keinen Erfolg haben wollen und auch kein Interesse an der näheren Zusammenarbeit haben. Ich habe schon vor Trump meiner Tochter die Fahrt in die USA untersagt – das Land ist einfach nicht sicher. Ich würde jetzt auch wirtschaftliche Investments dort als sehr riskant betrachten und davon eher absehen. Ich bin sehr verwundert, dass aus den Konzernzentralen nicht deutlicher Kontra kommt. Gestern abend bei Anne-Will war das ja in Ansätzen erkennbar. Hier noch einmal – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – eine Liste mit absoluten NoGos von Mr. Trump:

  • Beleidigungen aller Art – Minderheiten, Personen, andere Staatschefs
  • Wüste Drohungen gegen Gott und die Welt (Verschwörungen …) – Weigerung das Wahlergebnis anzuerkennen
  • Missachtung der Pressfreiheit (You are Fake News)
  • Ignoranz von Fakten – ich würde ihm glatt zutrauen, diese Tage in Frankfurt mit einem T Shirt rumzulaufen – hier muss es doch warm sein. Alternative Fakten halt
  • Missachtung des Grundsatzes Pacta sunt servanda – Reformen an der NATO mögen ja ihren Sinn haben, aber ich habe echt Angst um die Ukraine und das Baltikum. Putin ist kein Witz, sondern eine echte Gefahr
  • Beleidigung der Europäischen Union – „Weitere Austritte werden folgen“

In short: He does not stand for a Basis of constitutional attitude, based on freedom and democracy. Er steht eindeutig außerhalb unser freiheitlichen demokratischen Grundordnung und ist damit kein akzeptabler Gesprächs- und Verhandlungspartner. Im Gegenteil: Er macht sich über unsere Grundsätze lustig und missachtet sie – er ist daher eindeutig ein Feind. Ich wünsche mir, dass dieser Fakt von möglichst vielen klar benannt wird. Und um Missverständnisse zu vermeiden: Das gilt für den Präsidenten und – wahrscheinlich – auch für viele in seinem direkten Umfeld – aber das sind nur wenige Amerikaner. Der Feind ist er – nicht die USA.  – Stephan Siegel


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

bei aller wertschätzung: kann es nicht vielleicht doch sein, dass josef joffe etwas übersieht, wenn er davon spricht, dass die globalisierung   -wie er meint-  märchenhaftern reichtum geschaffen hat, der den grosszügigen sozialstaat alimentiert üund verlierer abfedert ?

märchenhaft ist doch in erster linie nur der reichtum einiger ganz weniger. und dass der sozialstaat ausgerechnet als grosszügig zu bezeichnen wäre, dürfte denjenigen, die mit ihm wirklich zu tun haben wohl kaum einfallen.

in ihrem leitartikel wird aus meiner sicht gar zu behände daran ‚vorbei geschrieben‘, dass sich die grosse zahl der verlierer bei der verteilung des märchenhaften reichtums gewiss nicht gut berücksichtigt sieht, ganz abgesehen von denjenigen, die jedenfalls das vertrauen in einen funktionierenden sozialstaat längst verloren und durchaus berechtigt angst davor haben, auf ihn angewiesen zu sein  –  beide gruppen laufen deswegen den populisten in die arme. letztlich benennt trump genau diese probleme.

allerdings sind es probleme,  die er und seinesgleichen, insbesondere seine milliardärsminister, durch völlig ungebremste und  ungenierte raffgier in den jahrzehnten des globalen neoliberalismus mit heraufbeschworen haben. diese leute werden ganz bestimmt nicht dafür sorgen, dass sich  ihr reichtum auch nur ein bisschen weniger schnell noch weiter vergrössert. mit den sich andeutenden ‚rezepten‘ trumps wird das schon nichts,  mit dieser seiner mannschaft ohnehin nicht.

in einem hat josef joffe hat allerdings recht: trump wird fürchterlichen schaden anrichten können. hoffentlich kommt es doch anders  –  ich würde mich wirklich gerne eines besseren belehren lassen. – Achim Lotz


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Der Artikel ist bösartig und, schlimmer noch, von einer niederschmetternden Ahnungslosigkeit. Keiner der Autoren hat je vor einem 53jährigen Familienvater mit Leukämie gesessen, der verständlicherweise nach jedem Strohhalm greift und bereit ist, ein Wagnis mit neuen Präparaten auf sich zu nehmen, statt in sechs Wochen von dieser Welt zu gehen – und wenn die Chance auf Heilung nur bei wenigen Prozent liegt. Wollen wir ihm diese „Geldverschwendung auf Kosten Todkranker“ vorenthalten? Wollen wir wirklich einer 49jährigen Patientin mit metastasiertem Brustkrebs, die nicht noch wenigstens drei oder vier Jahre ihre kleinen Kindern begleiten will und dafür bereit ist, auch erhebliche Nebenwirkungen durch Chemotherapien zu ertragen, die Behandlung mit dem Verweis aufs Geld verweigern? Ein schrecklicher Gedanke.

Die Autoren sind offenkundig überfordert, sich vorzustellen, das Nichtstun oft keine Alternative ist und der Krebstod leider meist kein friedliches, würdevolles Einschlafen (übrigens auch nicht mit Palliativmedizinern). Den Tod vor Augen, kann und muss man mitunter Risiken eingehen. Wer will es den Patienten und ihren Ärzten verdenken, neue Therapien zu versuchen, an Studien teilzunehmen?  Wer will in diesen existentiellen Situationen wissen oder gar festlegen, was „unnötig“ ist? Hinterher ist man immer schlauer. Dass es nur allzu menschlich ist, die Schuld für alles Leid den Therapien und den Behandlern zu geben, wenn es schief ging: geschenkt.

Stattdessen wird mit einer fragwürdigen Online-Umfrage (aus einem völlig anderen Kontext) suggeriert, dass unnötige Behandlungen Todkranker zur Hälfte aufgrund  „zusätzlicher Erlöse“ verordnet würden. Was für ein Unsinn. Kein einziges Wort zu den obszönen Preisen der Pharmaindustrie und der Preispolitik in unserem Land, dafür desto mehr Unterstellungen, Hinweise auf “finanzielle Interessen“ und „Betrug“. Und dann machen Ärzte auch noch „Studien für die Pharmaindustrie“ (was übrigens, nächster Fehler, sogar Lauterbach nicht „verbieten“ will).

Also liebe Leute, aus ein paar „Erlebnissen in der eigenen Familie“, zweifelhaften Statements frustrierter Altenpfleger und zynischer Gesundheitstheoretiker einen solch banalen Quark anzurühren – das reicht echt nicht für so ein komplexes, hochsensibles Thema, schon gar nicht für die ZEIT. Wer hat das bloß durch gewunken? Meinen Patienten kann ich nur raten, ihre Verfügung auf einen Satz zu beschränken: „Bitte alles Menschenmögliche tun!“ – Christian Hoffmann


Leserbrief zu “Holla, the Woodfairy” von Peter Dausend

„oh you dear little Liese“, ja, Ihr Artikel „goes me mighty on the cookie“! Aber „now let us once five be straight“!, es ist doch so: am Ende müssen die English-speakers ihre Strategie: „why easy when it also goes complicated“ sicherlich aufgeben, weil unser Denglisch einfach(er) verständlicher ist…zumindest für uns ;-)  – „tricky and closed sewed!“

Nun- „nothing for ungood“, aber „this is the mustard I had to give to it“! – Ruth Sahler


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Für diesen Beitrag gebührt Ihnen ein Extralob. Erstmals dass die Abgehobenheit einer scheinbar „Staatstragenden Mittelschicht“ und ein probates Gegenmittel beschrieben wird.

Ich wäre dafür derartige neue Instrumente der Demokratie zu schaffen, aber ich glaube der Weg ist noch weit. – Georg Bayer


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Bei aller Anerkennung der Problematik und der Recherche der Autoren wäre eine differenziertere Betrachtung wünschenswert gewesen. Die Medizin wird als geldverschlingendes  Monster dar gestellt, das Krankenhaus als Tor zur Hölle, gestrickt von karriereversessenen Ärzten und natürlich der profitgierigen Pharmakonzerne, welche die Patienten (hier ausschliesslich in der Opferrolle) melken. Dabei wird jedoch vergessen zu erwähnen, dass es auch die Patienten und deren Angehörige sind, die nicht nur in die im Artikel kritisierten Behandlungen einwilligen, sondern diese eben auch wünschen, auch mit geringen Aussichten auf Erfolg. Dass es eine Überbehandlung mit erheblichen Kosten für das Gesundheitssystem gibt, steht außer Frage. Die Ursache ist aber nicht so monokausal wie im Artikel vermittelt, sondern auch darin zu suchen, dass das Sterben in der Breite der Gesellschaft weiterhin tabuisiert wird. So wird ein Nährboden für diejenigen geschaffen, die wirklich aus der Angst vor dem Tod Profit schlagen.  – Kim Stephanie Dohlich


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Ich bin seit vielen Jahren in der Intensivpflege tätig und seit 9 Jahren Mitglied des Klinischen Ethikkomitees in unserer Klinik.  Auch wir sind auf der Station und in der Ethikberatung regelmäßig mit Fällen konfrontiert, in denen es um die Frage der Übertherapie am Lebensende oder  bei hochbetagten oder schwerstkranken Patienten geht.  In Ihrem Artikel fehlt jedoch ein wichtiger Hinweis: Bei einem nicht einwilligungsfähigen Patienten (das trifft auf viele Patienten mit einem Luftröhrenschnitt zu) muss eine Behandlung immer durch einen Betreuer  oder Bevollmächtigten (meistens ein Angehöriger)  durch dessen Zustimmung legitimiert  sein. Wenn dieser Angehörige zu der Einschätzung kommt, dass der Patient die lebenserhaltende Therapie nicht gewollt hätte, ist es seine Aufgabe dafür zu sorgen, dass gemäß dem Patientenwillen (schriftlich als Patientenverfügung, mündlich als Behandlungswunsch oder mutmaßlich anhand individueller Wertvorstellungen zu Leben und Sterben) gehandelt wird. Das bedeutet,  dass in o.g. Fall bei geklärtem Patientenwillen die lebenserhaltende Therapie  unter palliativmedizinischer  Begleitung beendet werden muss, damit der Patient sterben kann. Diese Entscheidung ist schwierig und Angehörige geraten dabei oft in große Gewissensnöte. Beratung und Hilfe bei der Entscheidungsfindung oder bei Konflikten mit dem Behandlungsteam  bieten in vielen Kliniken mittlerweile Klinische Ethikkomitees an. – Katja Freund


Leserbrief zu „Die ist einfach nicht authentisch“ ein Gerpäch mit Roland Berger, geführt von  Laura Cwiertnia

Liebe Frau Ade,

bitte drehen Sie von Ihrem ausgezeichneten Film „Toni Erdmann“ eine Kurzfassung (max. 30, besser 15 Minuten) für die bedauernswerten Menschen wie Roland Berger, die sonst vorspulen müssen.

Lieber Herr Berger,

kann es sein, dass Sie die Mühen der Ebenen nicht mehr kennen?
Ein Film muss sicherlich vieles zuspitzen, aber dass die Darstellung des Unternehmensberaterberufs hier völlig falsch dargestellt wird, glaubt doch wohl keiner sonst. Vor allem scheint die Einstellung, immer in Zeitdruck sein zu müssen, ja doch auch noch auf Sie zuzutreffen, wenn Sie nicht mal einen so guten und für Ihren Beruf so interessanten Film in einem Stück sehen können. Betroffen hat mich gemacht, dass Sie nicht einmal wissen, wie der DVD-Player funktioniert. Da hat ein Mann eine tolle Villa mit einem Fernsehzimmer und hat keine Zeit, es zu benutzen. Wie traurig!

Liebe ZEIT, liebe Laura,

tolle Interview-Idee, bitte mehr davon!
Dass ich den Film „Toni Erdmann“ im Kino gesehen habe und mich fast 3 Std. nicht gelangweilt habe, brauche ich ja wohl nicht extra zu erwähnen. – Cornelia Grosch


Leserbrief zu „“Wozu der ganze Stress?“ von Kolja Rudzio, Till Schwarze und Frida Thurm

Vielen Dank für ihren Artikel „Wozu der ganze Stress“. Was mir allerdings darin noch gefehlt hat, ist die Beantwortung der Frage, ob auch zwei halbe Gehälter ausreichen würden, eine Familie zu ernähren. Heutzutage möchten ja beide Elternteile gerne arbeiten gehen. Wenn beide ihre Arbeitzeit auf 50% reduzieren würden, könnten sie sich tatsächlich die KiTa-Gebühren sparen. Nun meine Frage: haben sie dann zusammen auch so viel Geld, dass sie sich das „Reihenhäuschen“ in dem sie in dem Artikel sprachen leisten könnten, wenn sie auf Urlaub und Auto verzichten? – Ida Suppanz


Leserbrief zuDas ist kein Spiel mehr“ von Jana Gioia Baurmann

Obwohl ich über 38 Jahre bin/oder genau deswegen, war ich über Ihre Darstellung aus der digitalen Welt schon sehr beeindruckt.

Leider kommt es eher verklärend rüber, dass der einst arbeitslose Jugendliche aus Spanien plötzlich Millionär wird, ein weiterer „Mega-Shooter“ belächelt von nun an das Arztgehalt seines Bruders. Auf das Podest der erfolgreichsten „Mega-Shooter“ gibt es sicherlich so ziemlichen Andrang, doch um dort zu landen bleiben leider viele „abhängige Shooter“ an Ihren heimischen Spielerechner auf der Strecke, sie verpassen Ihre Schulabschlüsse, verlieren die Berufsausbildung aus den Augen und verarmen auf sozialer Ebene. Diese Verknüpfung zu der E-Sport-Tunierwelt hat mir schlicht gefehlt! – Dieter Vogt-Miska


Leserbrief zu „Schonungslose Klangkühle“ von Christine Lemke- Matwey

aus dem etwas dünnen Beitrag Ihrer Autorin zur Raumakustik der neuen Elbphilharmonie kann der musikalisch und akustisch interessierte Leser immerhin einige persönliche Eindrücke von Frau Lemke-Matwey zu den akustischen Eigenschaften dieses Raumes heraushören.

Die zum Ende dieses Artikels aber wie beiläufig eingestreute Frage, ob Thomas Hengelbrock als Dirigent gut genug sei, um das NDR Elbphilharmonie Orchester in die Zukunft zu führen, gehört nicht in diesen Artikel und wird von mir als höchst unfair empfunden.

Wenn die Autorin ihre oben zitierte Meinung veröffentlichen möchte, so sollte sie dies anhand von Konzeraufführungen mit Herrn Hengelbrock als Dirigenten tun und ihre Meinung hierzu sachlich begründen. – Gerd Ruge


Leserbrief zum Titelthema “ Was für eine Vorstellung!“

Trump ist ein Spiegel unserer Gesellschaft und damit ein Widerspruch in sich selbst. – Er vereinigt etwa in sich die Geschliffenheit und Rhetorik eines postmodernen Populisten mit der Unbekümmertheit und Naivität eines feudalen Machtmenschen. Seine Wahl wurde u.a. möglich durch die Unzufriedenheit von Millionen Unterprivilegierten im eigenen Land, denen er eine Abrechnung mit dem Establishment in Aussicht stellte.

In den USA ist es nunmehr Trump, in Europa sind es die populistischen Parteien, Wutbürger oder die neuerdings immer mehr an Zulauf gewinnenden „Staatsfeinde“; global gesehen sind es die Flüchtlingsströme. Der einstige alles beherrschende Konflikt zwischen Ost und West scheint endgültig gegenüber dem neunen globalen und im Übrigen noch unlösbaren Konflikt zwischen Reich und Arm zu verblassen.

Auch der Milliardär und Populist Trump, der selbst im Weißen Haus eine Vorliebe für vergoldete Dekorationen entwickelt und der sich jetzt sogar seine Haare vergolden ließ, kann und wird diese Probleme nicht lösen. – Er ist eine Katastrophe für Europa, für die Welt und die amerikanische Demokratie, die so eine Wahl möglich machte. – Dr. Johannes Hofer


Leserbrief zum Titelthema “ Was für eine Vorstellung!“

Wollen wir der neuen Administration in Washington mit Geduld und Zuversicht eine Chance fuer einen guten Start zugestehen ? Wir duerfen doch annehmen , dass der grosse Stab von Beraterinnen und Beratern auf Donald Trump mit Sachverstand und noetiger Weitsicht einwirken wird . Fakt ist : Donald Trump war ein erfolgreicher Immobilien – und Bauunternehmer. Und sein Vorgaenger. Bitte kein Neid ! Barack Obama hat grosse Verdienste in Sachen “ Reform des Gesundheitswesens “ erbracht. Aber in der Aussenpolitik ist seine Bilanz enttaeuschend. Er hat es nicht geschafft , die verheerenden Fehler seines Vorgaengers Bush im Irak zu korrigieren. Der Nahe Osten , wo ich selber mal mehrere Jahre als Ingenieur leben und arbeiten durfte , war fuer den scheidenden Praesidenten eine “ Riesen-Ueberforderung „. Und heute ? Es sind Peschmerga – , kurdische – und jesidische Kaempferinnen und Kaempfer sowie das russische und syrische Militaer , welche auch stellvertretend fuer uns mit Nachdruck und Entschlossenheit gegen den IS vorgehen. Das Vorgehen der Vereinigten Staaten dort wirkte eher zoegernd. Und der Gipfel fuer das Scheitern Obamas im Nahen Osten ereignete sich erst vor kurzem. Die beschaemende Enthaltung der Amerikaner bei der UN-Resolution gegen Israel bezueglich Jerusalems und einer Zweistaaten-Loesung war nochmal ein hilfloser Akt des scheidenden , oft arrogant und ueberheblich wirkenden US-Praesidenten. Israel wird Obama keine Traene nachweinen. Da koennen wir Europaeer eher ein “ grosses Danke “ in Richtung Moskau senden fuer die entschiedene Haltung Putins gegenueber der groessten Bedrohung im Nahen Osten – dem moerderischen Islamismus. Was koennen wir Europaeer tun angesichts der neuen Administration in Washington ? Wir koennen einiges tun , etwa von einer konstruktiven Partnerschaft zwischen Europa und Amerika bei den Themen “ Sicherheit gegen den islamistischen Terror “ oder “ Sinnvolle Unterstuetzung Israels und der moderaten Palaestinenser “ . Wollen auch wir einen Neuanfang in den transatlantischen Beziehungen ?

Ich finde , wir sollten den Amerikanern eine Chance geben. Gott segne Amerika , aber um so mehr unser Deutschland. – Erwin Chudaska


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Mit Interesse habe ich den Artikel von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak gelesen und wünsche dem Artikel eine breite Leserschaft. Diese Stimmen sind nicht neu, aber sie wirken nach wie vor wie die einsamen Rufer in der Wüste gegen einen enormen, wohl politisch gewollten, zumindest jedoch tolerierten „Verkauf“ der Bürger_innen an die Medizin- und Pharmaindustrie – besonders in der Nähe des letzten Atemzuges.

Neben dem recht neuen Buch von Matthias Thöns, würde ich den beiden Journalist_innen gerne empfehlen, das Thema nicht nur aus Sicht der Medizin zu betrachten, sondern in einen weiten interdisziplinären Zusammenhang zu schauen. Es lohnt sich m.E. das Buch von Reimer Gronemeyer und Andreas Heller (2015): In Ruhe sterben. Was wir uns wünschen und was die moderne Medizin nicht leisten kann, München: Pattloch, wahrzunehmen oder von Thomas Klie (2014): Wen kümmern die Alten? Auf dem Weg in eine sorgende Gesellschaft, München: Pattloch.

Der Artikel in der Zeit beschreibt den Gipfel eines Eisbergs, der seit Jahrzehnten durch die Medikalisierung des Lebens und Sterbens und die Ökonomisierung der Gesundheits(wissenschaften) gewachsen ist. Ivan Illich war eine kritische lesenswerte Stimme, Klaus Dörner ist es heute noch.

Ich wünsche den beiden Autor_innen mehr Mut, auch den letzten Satz ihres Artikels als Auftakt einer Fortführung zu sehen. Es ist auch eine Palliativindustrie entstanden, die es kritisch zu betrachten gilt. Und die Haltung, die m.E. im Artikel deutlich wurde, dass es mehr „Kontrolle“ und „Gesetze“ braucht, ist keine Lösung, die „Macht“ in die Hände der Betroffenen legt.

Gerne würde ich Sie zu einer Themenreihe motivieren, die dieses enorm wichtige Thema, das so sehr über unsere Fähigkeit zu würdevollem Handeln aussagt, interdisziplinär entfaltet. Die „Vormachtstellung“ der Medizin in vielen gesellschaftlichen Diskursen führt einseitig in die Irre.

Noch eine weitere Anmerkung: Die Platzierung der Anzeige zu Pflegehilfsmitteln mitten in dem Artikel, hinterlässt bei mir einen sehr schalen Geschmack. Schade, dass Sie dieser potentiellen Instrumentalisierung Ihrer Leser_innen nicht widerstehen konnten, sondern in die „Gesundheitsmarktkritik“ des Artikels eine Werbung dieses Marktes hineinflechten.  – Carmen Birkholz


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Die Prophezeiung, die Ihr Autor wieder so glänzend dargestellt hat, wird nicht eintreten. Trump ist ein hochintelligenter und mit allen Wassern gewaschener Mann.  Eher wird umgekehrt ein Hut daraus. Europa wird ohne Amerika zwar nicht untergehen, aber ärmer. Und daraus können echte Probleme auf die Menschen zukommen.  Es sei denn, die verhasste AfD kommt eines Tages an die Regierung, dann wird Trump die Deutschen wieder lieb haben. Es kann auch sein, was eher wahrscheinlich ist, das Frankreich und die Niederlande diesen Part übernimmt und Deutschland sich später anschließen wird. Für mich ist nur eines sicher, die etablierten Parteien haben in der Vergangenheit zuviel Mist gebaut und das Geld falsch verteilt. Sie treten heute noch als Geldverschwender auf, was jedes Jahr vom Bundesrechnungshof reklamiert wird. Politisch ist unser Land, um Klartext zu reden, miserabel regiert worden. – Gunter Knauer


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

In den USA ist mit Donald Trump der 45. Präsident vereidigt worden – weltweit wird diskutiert, was dieser Präsident wohl will und was wir zu erwarten haben.

Am 21. Januar 2016 treffen sich die europäischen Populisten in Koblenz um sich, auch vermeintlich gestärkt durch die Wahl von Donald Trump, gegenseitig zu feiern und darzustellen. Absurd klingt es zu hören: „Deutschland braucht Frauke – nicht Angela.“ Nein Frauke Petry brauchen wir sicher nicht – halten wir fest: „Namen sind Schall und Rauch“.

Wir müssen uns die Frage stellen und beantworten, wie es  mit unserer Demokratie aussieht und wie es um unsere Gesellschaft bestellt ist – wir müssen uns dieser Frage stellen und ehrliche Antworten dahingehend suchen, welche Welt wir wollen und brauchen und, auch dies müssen wir uns vor Augen führen, welche Gesellschaft wir unseren Kindern und Enkelkindern vorleben und weitergeben wollen.

Theodor Heuss, der 1. Bundespräsident der jungen Nachkriegsrepublik, sagte es so trefflich: „Demokratie ist keine Zauberformel für die Nöte der Welt. Demokratie heißt auch nicht nur Wählerstatistik, ist nicht nur ein Rechenverfahren, sondern die Anerkennung eines freien Menschentums, das auch im Gegner den Partner sieht, den Mitspieler.“

Der Bogen lässt sich spannen zu unserem derzeitigen Bundespräsidenten Joachim Gauck, der aktuell eine „wehrhafte und streitbare Demokratie“ fordert, denn, wie Herr Gauck sagt, „steht die liberale Demokratie und das politische und normative Projekt des Westens unter Beschuss.“

Damit muss man zu den Auftritten und dem Agieren der derzeitigen Populisten in der Welt und in Europa, wie auch in Deutschland,  kommen – zu den offiziellen Gesichtern dieser Gruppierungen sowie ihrer Mitläufer und Demagogen, zu Gruppierungen der selbsternannten „Retter des christlichen Abendlandes“ und den „Heilsbringern“ – sie, die sich breitmachen mit Sticheln und Hetzen, mit dem Schüren von Ängsten und Unsicherheiten  und im Nachhinein Nachbesserungen von sich geben, dass dies so oder so nicht gemeint und anders zu verstehen sei. Wenn sie denn das „christliche Abendland retten wollen“, dann sollen sie nach diesen christlichen Werten zunächst einmal leben und handeln. Verunglimpfungen von Menschen passen da nicht ins Raster.

Donald Trump ist gewählt und vereidigt – er kam auf demokratischem Weg an die Macht, dies haben wir – hat die Welt zu akzeptieren. Was er will ist klar – hier brauchen wir nicht zuzuwarten. Oft genug hat er sich in Reden und über soziale Netzwerke geäußert – es lässt sich abschätzen, was er will. Ein Mensch, der sich in Reden über Behinderungen anderer Menschen lustig macht, zeigt seinen Charakter – was von ihm zu erwarten ist, ist sicherlich eine Politik nach Manier des „Shareholdervalue“; die demokratischen Strukturen der USA werden auch  Donald Trump sichtbar machen , dass Politik mehr ist als „Deals“.

Abraham Lincoln sagte es: „willst Du den Charakter eines Menschen erkennen, gebe ihm Macht.“

Macht hat Donald Trump nun – sein Charakter ist ja bereits bekannt und wird sich nun weiter den Mitmenschen offenbaren, die den Charakter noch nicht haben sehen wollen.

Zweifelsfrei werden die demokratischen Strukturen der USA diesen Mann in seinem Handeln verschiedentlich ausbremsen können – nur, als Präsident der USA hat er über präsidiale Dekrete die Möglichkeit unmittelbarer Entscheidungen.

Die gegebene Situation bietet für Europa aber auch die Chance der inneren Festigung und Entwicklung der EU – hier haben wir ohnehin dringenden Handlungsbedarf; so, wie sich die EU gibt und darstellt, bietet sie nicht den notwendigen Part in einer offenen und globalisierten Welt. Damit wird Raum denen gegeben, die sich nationalem Gedankengut hingeben und mit dem Streuen von Furcht, Angst und Unsicherheit ein unerträgliches Klima in der Gesellschaft produzieren – den Boden der Demokratie verlassen. Furcht, Angst und Unsicherheit – daraus abgeleitete Wut, sind kein zielführender Begleiter – dies muss unsere Gesellschaft sich verinnerlichen und entsprechend agieren.

Nehmen wir das Beispiel der Flüchtlingsthematik – die Flüchtlingspolitik wird ja in besonderem Maße von den Populisten thematisiert. Wir müssen uns stets auch vor Augen führen, dass die Flüchtlingsbewegungen eine Ursache haben, an der die westliche Welt nicht unbeteiligt ist. Die Flüchtlingsbewegungen, auch dies müssen wir festhalten, kamen nicht überraschend – wir, die Gesellschaft und die Politik haben das heraufziehende Thema und das menschliche Drama ignoriert.

Man kann nun leicht die Entscheidung der Grenzöffnung durch unsere Bundeskanzlerin verurteilen – im Zeitpunkt der Entscheidung hatte Frau Merkel eine humanitäre Entscheidung getroffen und auch treffen müssen – dies ist christliches Handeln für ein Land, welches die Würde des Menschen für unantastbar erklärt und grundgesetzlich verankert hat, dass verfolgte Menschen in Deutschland Schutz finden. Heute darüber zu diskutieren, ob es ein Fehler war, geht an der Sache und an unseren Werten vorbei.

Frau Merkel hatte auch klar und deutlich gesagt: „wir schaffen das.“ Frau Merkel stellte klar und eindeutig das „WIR“ in den Vordergrund – damit sind wir insgesamt angesprochen, wir – die europäische Wertegemeinschaft und jeder Einzelne. Wir dürfen nicht vor Herausforderungen davonlaufen und Hilfe bei Populisten und Stimmungsmachern suchen.

Ausdrücklich bleibt festzuhalten, dass eine europäische Lösung den Flüchtlingsstrom gut verkraften könnte – hier zeigt sich, welchen Weg unsere Wertegemeinschaft EU noch zu gehen hat, um den Herausforderungen der Zeit auf demokratischem Boden gerecht zu werden.

Das sich im Nachhinein viele Probleme in der Thematik ergaben, lässt sich nicht wegdiskutieren – soll aber auch nicht wegdiskutiert werden. Hier sind neben einer gesellschaftlichen Akzeptanz der zu uns kommenden Menschen auch klare Forderungen an den Rechtsstaat und die den Rechtsstaat tragenden Institutionen und Behörden zu richten.

Wären die rechtsstaatlichen Institutionen und Behörden ihren Aufgaben gerecht geworden, hätte es den Anschlag in Berlin nicht gegeben und auch nicht den rechten Terror durch den NSU. Hier darf es keine Beschwichtigungen und unerträgliche Schuldzuweisungen geben, die der Sache nicht gerecht werden können.

Die Gesellschaft neigt zu Pauschalierungen – dies darf nicht sein.

Es darf nun keinen blinden Aktionismus durch die Politik mit Blick auf die Wahlen geben – vielmehr bedarf es einer konsequenten und nachhaltigen Ausrichtung und Anwendung unserer rechtsstaatlichen Gesetze; die derzeitigen Gesetze sind, wenn sie angewendet würden, ausreichend und der Sache dienlich und zielführend.

Stets müssen wir uns vor Augen führen, dass Globalisierung keine Einbahnstraße ist – wir dürfen und können uns dieser Situation nicht entgegenstellen. Was hier von den Populisten verkündet wird, geht an der Sache vorbei und entbehrt jeden Boden. Nationalstaaten werden den Aufgaben in einer offenen Welt nicht gerecht. Wie sieht die Antwort der Populisten auf die weitaus größere Herausforderung in der Wirtschaft aus – der Digitalisierung der Wirtschaftsprozesse? Hier wird es Verwerfungen geben, die weitaus größer sind als die Wirkungen der Globalisierung.

An unsere Politik ist die Forderung zu richten, Demokratie wieder so zu leben wie es Theodor Heuss einmal definierte. Klientelpolitik und Stammtischpolitik ist hier fehl am Platz; es bedarf keiner Polterszenarien z.B. bezüglich Obergrenzen, die vom Grundgesetz, dies aus gutem Grunde, nicht gedeckt sind.

Abschließend noch das Wort von Werner Maihofer: „ Nur Liberalität kann unseren Staat auf dem Boden der Demokratie halten. Nur Liberalität garantiert Demokratie. – Karl-Heinz Dommes


Leserbrief zu „Amerika ist groß – und allein mit Gott“ ein Gespräch mit Ayad Akhtar, geführt von Peter Kümmel

Ein aussagefähiges und aufschlussreiches Interview mit dem amerikanischen  Dramatiker. Die beiden letzten Sätze würde ich – an seiner Stelle interviewt – etwas anders formulieren:

…Es ist eine ausgeuferte, psychoseähnliche Projektion, die Anbetung der eigenen Grandiosität. Diese individuelle Pervertierung des deutschen Idealismus hat sich nie wirksamer ausgeprägt als in der amerikanischen Psyche von Donald Trump, es sei denn man liest das Buch in dem sie  massenhaft vorkommt: Adolf Hitler „ Mein Kampf „ ! – Dr. med. Erdmann Jenkner


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Selten habe ich etwas so Erhellendes gelesen wie dieses Dossier.

Mir stellt sich allerdings die Frage, warum ich mir nie die Mühe gemacht habe, diesen grundlegenden Aspekt der Demokratie (das Losverfahren) zu ergründen. Meine Geschichts- und Politik-Lehrer, sowie alle Autoren sämtlicher Presseerzeugnisse, die ich in meinem 65-jährigen Leben konsumiert habe, sprachen jedenfalls nie darüber. Die Antwort steht ebenfalls im Artikel: Die Demokratie in ihrer gegenwärtigen Form wurde der BRD aus den USA „geschenkt“. Der DDR hingegen hat sie nie jemand nahegebracht, was den Aufstieg von Pegida und Adepten erklärt.

Da in der BRD die Demokratie in der USA-Version schnell als gegeben akzeptiert wurde (der wirtschaftliche Erfolg rechtfertigte das, mit dem philosophoschen Aspekt wollte man sich nicht aufhalten), hat nie jemand nachgefragt und man machte sich auch nie die Mühe, Demokratieunterricht in der Schule wirklich zu verankern.

Dann kamen alle Bürger der ehemaligen DDR hinzu, deren Lebensgeschichte mal schnell zum Irrtum oder bestenfalls „Pech“ erklärt wurde, und die diese Erfahrung an ihre Kinder und Enkel weitergeben. So verliert Demokratie sehr schnell an Akzeptanz, die ja in Deutschland nie selbst erworben, also auch nie wirklich verwurzelt war. Nun kann man nur noch hoffen – auf Menschen mit einer Haltung, nicht mit einer Meinung, denn eine Meinung haben ja meist jene, die keine Ahnung haben. Je weniger ich weiß, desto leichter fällt mir die Meinung zu. – Gerd Reese


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Es kommt öfter vor, dass ich einen Artikel lese mit dessen Aussage ich zwar nicht übereinstimme, mich dann aber dennoch gern mit der Argumentation auseinandersetze. Der Leitartikel von Josef Joffe zu Donald Trump („Der Demolierer“) indes hat mich tief befremdet. Einen Mann, der angeblich noch nie in Gänze ein Buch gelesen hat, als „hochintelligenten Menschen“ zu bezeichnen, ist eine für die ZEIT bemerkenswerte Aussage. Mehr noch verwunderte mich jedoch die Selbstverständlichkeit, mit der Herr Joffe hart arbeitende Menschen, deren Jobs ins billigere Ausland verlagert werden, als „Verlierer“ und „Schwache“ bezeichnet – ohne die ganz offensichtlichen Chancenungleichheiten und Missstände der derzeitigen Weltordnung (die andernorts in der ZEIT ja differenziert aufgegriffen werden) auch nur im mindesten zu hinterfragen. Ist eine solch „abgehobene“ Weltsicht nicht vielmehr ihrerseits Teil der aktuell grassierenden gesellschaftlichen Probleme? – Mario Willmann


Leserbrief zu “ Elf Aufrechte gegen Lügen“ von Peter Dausend, Ulrich Ladurner Und Michael Thumann

Ein sehr interessanter Artikel, aber warum reiten Sie (leider überall in den Medien) so auf dem Begriff „Fake News“ rum und bezeichnen sie nicht als das, was sie sind. Lügen oder Falschmeldungen. Der englische Begriff hört sich in einem deutschen Text so harmlos an. – Angelika Adler


Leserbrief zu „“Wozu der ganze Stress?“ von Kolja Rudzio, Till Schwarze und Frida Thurm

Frauen mit akademischer Bildung sind öfters auch als Mutter Vollzeit berufstätig,als die weniger gebildeten,sprich die Friseuse,die Erzieherin,die Bäckereiverkäuferin etc.Letztere Berufe haben Arbeitszeiten,die nicht durch öffentliche Betreuung abgedeckt sind und die Bezahlung ist im untereren Bereich.

Vereinbarkeithelfer müssen bezahlt werden.Aber all diese intelligenten Frauen leisten frühkindliche Bildung und Familien Arbeit selber,ohne Bezahlung,ist doch auch ein Wert für unsere Gesellschaft,die eins zu eins Betreuung!

Die Vergleiche immer mit dem DDR System sind auch nicht zielführend.Dort wurde auch nicht die Emanzipation erfunden und die Berufstätigkeit der Frauen hatte andere Ziele,viele hätten sich da auch gewünscht sie hätten eine Wahl gehabt.Die rundum staatliche Betreuung ist das wirklich was alle jungen Eltern wollen?

Familie ist heute immer mehr eine Frage der Finanzierung und wer betreut die Kinder,Vater Mutter sollen mehr Zeit dafür haben,aber bitte nicht zu viel,und alles gut geplant. –  Ingrid Müller


Leserbrief zu „Damals“ – Fahrradbild Shenzhen

Die aufgetürmten Fahrräder in Shenzhen mögen auf den ersten Blick skurril aussehen, sind aber nur das Nebenprodukt einer atemberaubenden Entwicklung. Ich bin oft in Shenzhen und habe den Siegeszug der Leihfahrräder im letzten Jahr miterlebt. Die Chinesen fahren wieder Fahrrad! Riesige Horden radelnder Menschen bevölkern die Straßen, es ist cool, sich so fortzubewegen. Es gibt so viele Fahrräder, dass man sich an jeder Ecke eines per App freischalten kann, und es dann nicht mal mehr über die Fußgängerbrücke trägt, weil man an deren Ende ein neues findet. So verändern sich Gewohnheiten ganz schnell. China bemüht sich um umweltfreundliche Verkehrssysteme mit einer Dynamik, von der wir nur träumen können. – Prof. Dr. Oliver Deussen


Leserbrief zu „Ansage – Vorsicht, Handarbeit!“ von Stefanie Flamm

vielleicht wäre die „Bäckerblume“ eine passendere Zeitschrift für ihren Artikel gewesen als „Die Zeit“.

Es tut mir aufrichtig leid, dass ihr Death Metal hörender Bäcker zumachen musste und sie nun einem schwadronierenden Kaffee-Selbst-Röster ausgesetzt sind. Aber mal ernsthaft: Meinen sie dass das ihre hanebüchenen Rückschlüsse von Weltwirtschaft über AfD bis zu Kindererziehung rechtfertigt? Wir Zeitleser und ich denke ich darf hier auch für die Selbstständigen sprechen die von handgefertigten Produkten leben, können doch nichts dafür dass ihnen der Prenzlauer Berg nicht mehr passt. Warum ziehen sie nicht einfach um?

Dann wäre in der Zeit mehr Platz für wirklich relevante und nicht so selbstreferentiell, spinnerte Artikel wie der ihre einer ist. – Frank Wickermann


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Der Artikel hat mein Leben am Sonntagmorgen reicher gemacht! Es scheint eine Lösung für Politikverdrossenheit und dem Erstarken rechtspopulistischer Parteien zu geben. Bitte verfolgen Sie dieses Thema weiter! Ich würde mich freuen, Stellungnahmen vieler verantwortlicher Politiker zu dem Modell der irischen Bürgerversammlungen zu lesen. Hans Eichel hat die systemische Kraft dieses Ansatzes nicht verstanden. – Dörte Budau


Leserbrief zu „Die sonderbare Geschichte der Political Correctness“ von Christian Staas

Wenn dem Autor Christian Staas schon eine ganze Seite in der ZEIT für seinen Aufsatz zur Verfügung gestellt wird, dann hätte er  mit dem Begriff „korrekt“ oder „Korrektor“ schon etwas tiefer schürfen müssen. In alten Lexika wird darauf hingewiesen, dass ein Korrektor( im Lateinischen), zum ersten Mal unter Diokletian eingesetzt, ein Staatsbeamter in der Provinz war, der dem Kaiser die rechtmäßige Amtsführung bestätigen musste. In jüngerer Zeit taucht der Korrektor im Druckwesen und in Verlagen auf. Seine Aufgabe war und ist es, vor dem endgültigen Erzeugen eines Drucks, diesen auf Fehler, falsche Wörter etc. zu durchforsten.

In unserer deutschen Sprache hat das Wort „korrekt“ einen hohen Stellenwert. Nicht nur im grammatikalischen Sinn von falsch und richtig, sondern es wird dem Wort meist auch eine übergeordnete Wertigkeit gegeben.

Zufällig wird es im Englischen mit Ausnahme des „c“ am Anfang fast genauso geschrieben, aber vor allem gleich gesprochen, hat aber dort nicht diese übergeordnete Bedeutung.

Sprache ist ja etwas Lebendiges. Waren früher die meisten Lehrer und Studenten Männer, konnte man(ohne 2. „n“!) bequem von den Studenten, den Lehrern, den Abgeordneten usw. sprechen und schreiben. Das änderte sich Gott sei Dank. Viele weibliche Angehörige in den jeweiligen Bereichen fanden die männliche Pluralform nicht in Ordnung und wünschten sich, dass die weibliche Pluralform mit in der Anrede bzw. in der Bezeichnung mit verwendet werden sollte. Das ist richtig. Nicht jede Frau besitzt solch ein Selbstbewusstsein, wie eine frühere Gemeindratskollegin von mir, die mir in dem Zusammenhang einmal sagte, in der deutschen Sprache gibt es ein Sprichwort: „Jedermann ist ersetzbar! Von Frau habe ich da noch nie etwas gelesen oder gehört“.

Nun wissen wir aus der neueren politischen Geschichte, dass sich die Menschheit nicht in Frauen und Männer aufteilt, sondern, dass es so viele Varianten gibt, dass die ursprünglich verwendeten sieben Buchsraben nicht mehr ausreichen und man sogar einen * (Stern) benötigt, um es korrekt auszudrücken. Wir leben ja auch nebenbei bemerkt, in einem sehr reichen Land. Da kann mit Steuergeld und Beiträgen der Studierenden aus dem Studentenwerk ein „Studierendenwerk“ werden. Die Kosten für den Aufdruck auf Fahrzeuge oder im neuen korrekten Briefkopf  sind ja die berühmten „Peanuts“, die uns die Sache wert sind.

Wenn Herr Staas allerdings meint, die Kritik an dieser Angelegenheit, käme nur aus der rechtslastigen Szene, da möchte ich mich dagegen wehren. Ich bin immer noch ein liberaler, offener und stolzer Bürger dieser Bundesrepublik und stehe nicht nur als Beamter sondern auch als Bürger auf dem sicheren Boden unseres so feinen Grundgesetzes. – Georg Obieglo


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Viel en Da n k fü r ein en Art ik el , der ein e, wie ich finde, wichtige Debatte zum Thema Umgang mit den Möglichkeiten des medinischen Fortschritts an der Grenze des Lebens anstößt. Was mir an Ihrem Artikel missfällt, ist die Darstellung der Mediziner als kühl und ökonomisch kalkulierende Geschäftsleute, die nur Geld verdienen wollen und deshalb wehrlosen Patienten unnütze Therapien verschreiben, welche möglichst ertragreich sind.

Nein, die wesentlichen Ursache für Übertherapien im palliativen Bereich liegen meines Erachtens woanders und werden auch in Ihrer Statistik genannt: 79,2% Sorge vor Behandlungsfehlern und 63,3 % Druck des Patienten (bzw. der Angehörigen erlaube ich mir hinzuzufügen). Woher kommt das? Einerseits sind komplexe medizinische Therapien wie Heimbeatmung oder Heimdialyse breit verfügbar.

Da andererseits heutzutage vom Patienten verlangt wird, aufgeklärt und selbstbestimmt über die Therapie entscheiden zu dürfen, wird die Verantwortung darüber, welche Therapie durchgeführt wird, häufig vom Arzt auf den Patienten übertragen. Und welcher Patient bzw. welche Familie entscheidet sich schon für die Option, „nichts mehr zu machen, wenn noch etwas zu machen ist“?

Die Tragweite des Leidens und der Verringerung der Lebensqualität durch eine Chemotherapie, ein Tracheostoma mit Heimbeatmung oder auch durch eine Operation ist einem Laien vorher häufig nicht bewußt und man will doch „alles probiert haben“. Wenn das nämlich nicht passiert, wird schnell ein Schuldiger gesucht. Der Arzt, der von einer durchführbaren Therapie aufgrund einer schlechten Prognose abrät, ist ein guter Sündenbock.

Für die Ablehnung einer verfügbaren Therapie ist jedoch ein tieferes Verständnis derselben und der Einschränkungen dieser Therapie erforderlich. Außerdem ist es ein längerer Prozess, gedanklich zu dem Punkt zu kommen, einen Therapieabbruch zu akzeptieren. Diese Dinge können nicht in einem einzigen Gespräch vermittelt werden, sondern erfordern einen Aufklärungsprozess über mehrere Tage und viele Gespräche, die häufig lange dauern.

Die Ak zep t a n z ein er S it u a t ion ohn e Heil u n g und die folgliche Einstellung aller medizinischen Heilungsanstrengungen gehört zu den schwierigsten Entscheidungen, die von Patienten und Familienangehörigen abverlangt werden. Diese grundlegende Problematik, die auch aus dem Umgang unserer Gesellschaft mit dem Tod und dem Sterben herrührt, wird in Ihrem Artikel kaum gestreift.

Aus meiner Erfahrung auf der pädiatrischen Intensivstation weiß ich, dass es zu den schwierigsten Aufgaben eines Arztes gehört, einer Familie die Ausweglosigkeit einer Situation zu vermitteln. Viel zu häufig wird dies von der Familie nicht akzeptiert, besonders im Falle von sterbenden Kindern. Natürlich tut ein System, bei dem der Arzt an langen Beratungsgesprächen und einem Therapieabbruch nichts verdient, wohl aber an der Durchführung einer unsinnigen Therapie, nicht Gutes. Es ist eine politische Aufgabe, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass diese falschen Anreize beseitigt werden.

Jedoch ist es auch das Zusammenspiel zwischen der heute verlangten detaillierten Aufklärung des Patienten über eine ausweglose Situation bei gleichzeitig breitem Spektrum der verfügbaren intensivmedizinischen Maßnahmen, sowie der Tatsache, dass es leichter ist, etwas zu versuchen, als etwas unversucht zu lassen, welches verantwortlich ist für die menschlichen Dramen der Übertherapie – und nicht, wie in Ihrem Artikel dargestellt, die Raffgier der Ärzte. Diese Darstellung erschüttert das Vertrauen von Menschen in Ihre Ärzte und deren ärztliche Beratung und verunsichert Patienten und Familien noch mehr. Ich weise daher diese einseitige Darstellung entschieden zurück.- Dr. Ute F. Jarmola, Kinderärztin


Leserbrief zu „Es gibt etwas Höheres“ von Volker Hagedorn

Zunächst ein dickes Kompliment: diese Ausgabe Nr.4 der „Zeit“ war die seit langer Zeit mit großem Abstand tiefgründigste, kompetenteste, facettenreichste und nachdenklichste, gleich welchen redaktionellen Teil man zur Hand nahm – vielen Dank für das hohe journalistische Niveau!

Trotzdem aber eine kleine kritische Anmerkung: In den insgesamt recht einfühlsamen Bericht über die Cembalistin Zuzana Ruzicková hat sich ein Fehler eingeschlichen. Es gibt nämlich von Bach weder ein Französische Suite in e-Moll. noch eine mit der BWV-Nummer 810. Um welche Sarabande handelt es sich hier denn nun? Außerdem kommt die Problematik der von Ruzickova gespielten Cembali nicht genügend zum Ausdruck – um wie viel eindringlicher und vor allem kantabler wären wohl Ihre Einspielungen geraten, wenn sie (wie neben und nach ihr fast alle anderen führenden Cembalisten) sich schließlich doch dem historisch orientierten Cembalo zugewandt hätte! – Prof. Dr. Arnold Werner-Jensen


Leserbrief zu “Holla, the Woodfairy” von Peter Dausend

Einfach köstlich, diese lingua cucinaria anglicana! Wenn man böswillig ist, kann man den Amis auch unterstellen, they did’nt know, where Bartel is fetching the cider, besser jedoch, man lobt sie in diesen Zeitentrump(len) auch einmal: you are heavy on wire; man kann da auch ein „very“ einfügen, das aber nur, wenn es sich nicht um Trump(el)-Anhänger handelt.

Das Gegenstück zu diesen Wörtlich-ins-Englische-Übersetzungen sind natürlich die von mir gerne als Kurzschluss-Übersetzungen aus dem Englischen bezeichneten Fehlgriffe: Carbon = Karbon statt Kohlenstoff; silicon = Silikon, satt Silicium; billion = Billion, statt Milliarde; chain mail = Kettenbrief statt Kettenhemd; chalk = Kalk statt Kreide; confession = Konfession statt Bekenntnis; (to) control = Kontrolle

(kontrollieren) statt Steuerung (steuern, einstellen); eventually = eventuell statt schließlich; to feel frei = sich frei fühlen statt nicht zögern, gerne dürfen; freedom = Frieden statt Freiheit;  textbook = Textbuch, statt Lehrbuch; not really = nicht wirklich statt eigentlich nicht etc. In Wikipedia gibt’s eine lange Tabelle: Liste falscher Freunde #English; darin stehen auch die engl. Begriffe für das falsche deutsche Wort. Diese Liste  sollte eigentlich zur Pflichtlektüre Ihrer Kolleginnen und Kollegen gehören. – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Das Beste zum Schluss. Leider meist nur für Kliniken, die Pharmaindustrie und Pflegemittelhersteller. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Z.B. werden für inkontinente Pflegeheimbewohner anstelle eines Dauerkatheters mit Hinweis auf Infektionsgefahren vom Hersteller und ihrem Netzwerk dringend Vorlagen empfohlen. Der Hinweis auf mögliche Hautschädigungen, Geruchsbelästigungen und durch ein erhöhtes Schamempfinden hervorgerufenes Minderwertigkeitsgefühl bleiben unerwähnt. Das der zu Pflegende das Trinken praktisch einstellt, um sich und der arbeitsüberlasteten Pflegekraft den anstrengenden Toilettenbesuch möglichst zu ersparen, ebenfalls. Vor allem bleibt unerwähnt, dass die Pflegeheime von der Dokumentation des häufigen Verbrauchs von Inkontinenzmaterial enorm profitieren. Der arme Senior wird – auch aufgrund der Folgeschäden – im Pflegegrad höhergestuft und bringt somit mehr Geld ein. Wie ein Lottogewinn erscheint ein hilfloser bettlägriger Heimbewohner ohne informierte Angehörige. Nur wird er selten auch so behandelt. Ein Skandal? Nein, die ganz normale Interessenerflechtung derjenigen Wirtschaftszweige, die den Menschen bis zuetzt ausbeuten wollen.

Roger Kusch, der seinerzeit mit dem Angebot der passiven Sterbehilfe eine Alternative angeboten hatte um sterbewilligen die Gelegenheit zu geben aus dieser fremdbestimmten Zumutung auszusteigen, wude von den Profiteuren weggebissen. So einfach lassen sie sich nicht in die Suppe spucken. Den letzten beissen die Hunde. – Eva-Maria Fahl


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Da hat doch dieser Trump unser sorgfältig gefügtes Puzzle einfach durcheinander gewirbelt! Man könnte jammern, mit mehr oder weniger intelligenten Sprüchen sich über dieses greenhorn erheben – oder die Neuordnung der Welt als Herausforderung ansehen: Das Interessante ist, dass die Puzzleteile sich nicht einfach wieder an ihrer alten Stelle einfügen lassen. Sie scheinen, einmal aus der Ordnung gefallen, lebendig zu werden, ihre Form ständig zu ändern, bis sie einen neuen sinnvollen Platz gefunden haben.

Die Herausforderung geht, meine ich, in erster Linie an die EU, dieses aus einem riesigen Bürokratismus- Apparat enstandene Conglomerat, das bisher viel mehr verwaltet als gestaltet hat.

Spätestens seit dem Zerfall des Ostblocks hätte die EU einen Führungsanspruch anmelden müssen. Sie ist u. a. die größte Wirtschaftsmacht – wenn sie denn ein gemeinsames Konzept hätte. Wie schön wäre es gewesen, wenn sie die SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT, die nicht nur wenigen dienen will, sondern allen, vertreten hätte in einer Welt der „Freien“, ngezügelten Marktwirtschaft. Dort Kante zu zeigen ist immer noch möglich und dringend geboten.

Die EU kann auch Frieden. Im Gegensatz zu den meisten Weltmächten bezieht sie ihre Macht nicht aus militärischem Potential sondern aus aktiver Friedensarbeit. Diese ist ausbaufähig: wieviele geistige und finanzielle Ressourcen sind im Laufe der Menschheitsgeschichte in die Entwicklung von Kriegswerkzeug geflossen – wie wenige in Kriegsvermeidungsstrategien! Selbst der UN- Sicherheitsrat ist ein Kriegsrat, nicht das Gegenteil davon. Hier gibt es viel Platz für Forschung und Strategie, die EU muss sich nur regen, sie könnte die erste kraftvolle FRIEDENSMACHT werden, vielleicht sogar ohne – wie es gerade wieder geschieht – die Rüstungslobby über Gebühr zu pampern!

Auch die beiden zentralen Puzzlesteine, Demokratie und Freiheit sind in unserer alten Ordnung verblasst, müssen neu belebt werden.

DEMOKRATIE kommt nicht aus der Leitung, passt nicht in eine Ich-zentrierte Gesellschaft, die vorwiegend dem Konsum huldigt. Demokratie gründet auf dem Wir, will aktiv gelebt werden. Das ist anstrengend – doch lohnend und notwendig.

Der FREIHEIT ist die VERANTWORTUNG verloren gegangen, die sie gemeinschaftstauglich und damit demokratiefähig macht. Die freie Freiheit kann nur auf einer einsamen Insel gelebt werden, denn sie ist unsozial.

Diese Gedanken und andere mehr hat dieser US- amerikanische Haudrauf provoziert, der die einfachen Lösungen zu kennen vorgibt. Darauf muss es einfach europäische Antworten geben. WER PACKT ES AN? – Dr. Ursula Augener


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Ein faszinierender Gedanke: Per Los ausgesuchte Bürger bekommen die Möglichkeit, konkrete politische Themen zu beraten. Hierbei dürfen sie sich Experten einladen und der ganze Prozess wird von Moderatoren und Pressearbeit begleitet. Am Ende steht ein Bericht an die zuständigen Gremien der repräsentativen Demokratie…. Nicht ganz wie damals in Athen, aber weniger populistisch als die „Volksabstimmungen“ angeblicher direkter Demokratien, wo sich nur wenige Interessierte informieren.

In einigen Gemeinden hat diese Bürgerarbeit schon erfolgreich begonnen. So weit wie in Irland, dass sich das Parlament mit Ethik- Fragen  an sowas traute, ist es leider noch nicht gekommen.

Aus meiner Sicht aber ist es die einzige Lösung die Spaltung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer etc. aufzuhalten.  Hier können wir Leuten eine Stimme geben, die sonst den geschäftstüchtigen Schreihälsen, den Rattenfängern der Extremisten auf den Leim gehen. Zu beobachten in den USA mit Trump, in Österreich mit der FPÖ, bei uns mit der „AfD“, NPD, Pegida usw. Damit ist deren Argument  „die da oben“ endlich weg. Themen wie Integration, soziale Unterstützung, spezielle Bildungsfragen, auch Energiewende, Pflegemodelle usw. wären sicher für viele eine Bereicherung.  Die „Schwarmintelligenz“ unverbrauchter Kreativität könnte genutzt werden. Auch der Respekt vor der Arbeit der Politiker steigt.

Wenn die Parteien auch nur ein minimalstes Interesse haben, dass die Bundestagswahl vom Geist der Demokratie getragen wird, so sollten jetzt schleunigst solche Zirkel initiiert werden, um die politische Information und die aktive Beteiligung der Bürger an unserer Demokratie zu fördern. Gerade im jetzigen Schock der Renaissance von diktaturnahen Systemen (Russland, Polen, Ungarn, Türkei, USA?…) wäre dies dle letzte Chance unsere Gesellschaft zur Verteidigung der freiheitlichen Demokratie zu führen.

Dazu hoffe ich in allen politischen Gremien dieses  Landes auf die Einsicht und den Verzicht auf die Arroganz der Macht…. So steigert man die Wahlbeteiligung der Informierten! – Klaus Weireter


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Ein zehnwöchiger Aufenthalt meines Vaters auf der Intensivstation eines kathoischen Krankenhauses vor seinem Tod bestätigt leider Ihre Erkenntnisse.

Hinweisen darf ich auf ein Buch darüber (und auf den hpd): http://hpd.de/artikel/moechte-ich-niemals-erleben-13609.  – Manfred Schleyer


Leserbrief zu „Die ist einfach nicht authentisch“ ein Gerpäch mit Roland Berger, geführt von  Laura Cwiertnia

Aus der gemeinsamen Sichtung von „Toni Erdmann“ mit einer Gruppe aktiver und ehemaliger Unternehmensberater Mitte Dreißig hätte man sicherlich erkenntnisreichere Reflexionen gewonnen, als von einem arrivierten 79jährigen, der vor dieser Schablone – nachvollziehbarer Weise – sein – fraglos beeindruckendes – Lebenswerk verteidigt. Dem Verfasser dieses Leserbriefes, eher erstgenanntem Typ zugehörig, blieb beim feinsinnig beobachteten „Toni Erdmann“ jedenfalls mehr als einmal erkennungsreflexbedingt das Lachen im Halse stecken und er wäre interessiert zu erfahren, was Maren Ade oder Lotte Brauns zum Output des Kinoabends bei Roland Berger zu sagen hätten. – Matthias Völzke


Leserbrief zu „Die ist einfach nicht authentisch“ ein Gerpäch mit Roland Berger, geführt von  Laura Cwiertnia

Eine tolle Idee,  einen  Mann vom Fach nach dem Film >Toni Erdmann<  und die Rolle der Beraterin zu befragen !  Die Vorwürfe des Fachmanns lauten zunächst, es werde ein >Klischee< bedient, weil die Beraterin sich beim Kurzbesuch zu Hause nicht in den Schoß der Familie fallen lässt. Und später, in der Rolle der Beraterin,  sei  sie   >einfach nicht authentisch<, weil der Fachmann mit dem   Kunden  anders umgegangen wäre.  Schließlich wird dem  ganzen  Film der Stempel der Unglaubwürdigkeit aufgedrückt.  Es mag sein, dass der Boss sein Smartphone zu Hause ruhen lassen kann, eine abhängig Beschäftigte, welche offenbar unter dem Druck steht, sich zu profilieren,  kann das bei der Stippvisite zu Hause eben auch mal   nicht. Was ist daran Klischee ?   Nicht nur dieses der unendlich vielen  Details unseres Arbeitslebens  wird  im Film ausgezeichnet dargestellt !      Die Gründe, weshalb die Beraterin versucht,  ihre Einschätzung der  zu beratenden Firma gegenüber abzumildern,  werden doch deutlich.   Sie  mag diesen unappetitlichen Job in Rumänien überhaupt nicht und liegt deshalb auch mit ihren Vorgesetzten im Clinch.  Dieser versucht sie nun auch noch, mit persönlichen Ratschlägen zu nerven. Sie möchte viel lieber nach Asien.  So legt das Interview die Befangenheit, d.h. den selbstgesteckten Horizont des Fachmanns frei.  Dieser trägt zum Interview  entgegen seiner erklärten häuslichen Gewohnheit einen Anzug mit Krawatte, weil die Presse kommt und Fotos macht.  Ist die dann folgende Performance nun klischeehaft oder authentisch ?  – Wolf Schroedax


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Zu „Der Demolierer“: Wie bitte begründet Herr Joffe eigentlich seine kühne Behauptung, bei Herrn Trump handele es sich um einen hochintelligenten Menschen ? Ich sehe in diesem Menschen eigentlich nur einen widerlichen Frauenverächter, judenfeindlichen Lügner und ausländerfeindlichen Egomanen. Wo gibt es hierbei  auch nur ansatzweise Anzeichen einer hohen Intelligenz ? – Heinz Küssel


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Eine kurze Ergänzung zu diesem guten Artikel. Zur irische Bürgerversammlung gibt es ein altes deutsches Pendant: „die Planungszelle“. Entwickelt und in der Praxis erprobt wurde sie in den

1979 und 1980 Jahren von dem Soziologen Peter C. Dienel. Sie funktioniert nach den gleichen Regeln, wie die irische Bürgerversammlung.

Literatur: Dienel, Peter C. (1978): Die Planungszelle. Eine Alternative zur Establishment-Demokratie. Opladen: Westdeutscher Verlag – Prof. Dr. Uwe Wilkesmann


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Nur ein kleiner Hinweis zu dem sehr guten Artikel „Bis zum letzten Atemzug“: in dem Kasten auf Seite 32 „Vorsorge und Fürsorge“ gibt es im Abschnitt zur Patientenverfügung den Hinweis auf das Angebot des Bundesjustizministerium im Internet. Hierbei handelt es sich nicht um ein Formular, sondern um eine Broschüre mit wichtigen Hinweisen und Formulierungsvorschlägen. Wer Formulare sucht, sollte sich z.B. die Broschüre des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz kaufen oder herunterladen. – Peter Häußer


Leserbrief zu “ Mein Leben mit dem Monster“ von Daniel Kehlmann

Ein Artikel, wie bedrohlich dunkle Wolken vor einem Gewitter. Vielleicht ist die Lage wirklich so düster. Vielleicht war es aber auch einfach unvermeidlich oder sogar notwendig. Die inneren Widersprüche sind einfach zu groß geworden. Jetzt wäre es an der Zeit für eine starke (populistische) Linke, diese aufgeladene Stimmung für eine Neuorientierung von Markt und Demos zu nutzen. Ein weiter so wird es nicht mehr geben. Wir leben in interessanten Zeiten!  – Johannes Stockerl


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Sie treffen in dem Artikel genau den Nerv! Durch die DRG’s und zunehmende Privatisierung des Kliniksektors verkommt der Patient zur reinen Rechengröße, immer mehr Ärzte, aber genauso Kranken- u. Altenpfleger sind ausgebrannt, sind zerrissen von dem Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Aber es gibt -Gott sei Dank- auch Hausärzte, die Ansprechpartner in solchen schwierigen Entscheidungsprozessen sind. In Bielefeld wurde ein gut funktionierendes Palliativnetz aufgebaut mit dem Ziel, Pat. zuhause in dieser Lebensphase zu begleiten. Wir haben erreicht, dass über 80% unserer Patienten zuhause versterben, wenn sie es denn wollen, haben zudem eine gute Anbindung an ein Hospiz. Rund um die Uhr können diese Pat. Hilfe in krisenhaften Situationen vom Hausarzt oder einem Palliativarzt im Hintergrund erhalten. Auch so kann eine Betreuung am Lebensende aussehen!  – Dr.med.Dipl.päd. Matthias Stratmann


Leserbrief zu “ Ein rechtes Urteil“ von Heinrich Wefing

Ein falsches, nicht zuletzt auf dem bitteren Hintergrund der deutschen Geschichte inkonsequentes Urteil des Bundesverfassungs- gerichtes, das hoffentlich keine negativen Konsequenzen für unsere demokratische Verfasstheit haben wird.

Die, wie zweifellos festgestellt, rechtsextreme und verfassungsfeindliche, der NSDAP wesensverwandte NPD aufgrund ihrer (derzeitigen) Leistungsschwäche aus Billigkeitsgründen nicht zu verbieten, sie mithin als Prüfstein unserer streitbaren, mutmaßlich wehrhaften Demokratie einzuordnen, greift in der Gesamtschau bedenklich kurz.

Weder dem, der oder das besonders groß, noch dem, der oder das besonders klein ist, darf de facto das Privileg eigener Rechts- freiheit im öffentlichen Raum zugestanden werden – auch nicht auf Zeit.

Die Richter hätten sich im Hier und Jetzt vom materiellen Prinzip, nicht von einer volatilen Prozentzahl leiten lassen müssen. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „“Wozu der ganze Stress?“ von Kolja Rudzio, Till Schwarze und Frida Thurm

Ich habe gerade ihren Artikel über Eltern, bei denen beide Teile arbeiten, gelesen und ich muss sagen, ich bin nicht besonders angetan.

Ich bin Vater von zwei Kindern, lebe in Berlin Spandau und arbeite 40 Stunden in der Woche. Meine Partnerin arbeitet derzeit 35 Stunden die Woche, gemeinsam kommen wir auf einen Nettolohn von nicht ganz 3000 € im Monat. Sicherlich  klingt das erstmal total viel, aber davon  müssen wir unsere 3Zimmerwohnung bezahlen (950€ pro Monat), zwei Autos (ja wir brauchen zwei, dazu später mehr), Lebensmittel (zwischen  400 und 700€ pro Monat) und sonstige Kosten begleichen.

Also haben wir je nachdem pro Monat laufende Kosten von 1500€ im Schnitt. Wir verdienen aber beide jeweils weniger. Sehen Sie das Problem?

Statistisch gesehen, zählen wir zu den Besserverdienenden.

Nun stecken wir aber ziemlich in der Zwickmühle. Das Gehalt einer Person reicht nicht zum Leben, bei zwei arbeitenden Personen werden uns aber von allen Seiten Steine in Weg geworfen. Zum Beispiel die Kindergärten, die erstaunlicherweise mitten in der Stadt nur Öffnungszeiten von 7 bis 16 Uhr praktizieren können. Wer schafft das? Meine Partnerin und ich müssen beide um 7 auf Arbeit sein! Und wenn wir die Schicht versetzen, so dass meine Partnerin nicht um 7 da sein muss, fängt sie erst um 11 an. Dann habe ich die Kinder abends eine Stunde bevor sie ins Bett gehen und sie die Kinder morgens eine Stunde bevor sie in Kindergarten müssen.

Dazu kommen noch die Wege. Mit Auto liegt unser Kindergarten je nach Verkehr zwischen 30 und 60 Minuten von uns entfernt. Von Arbeit zum Kindergarten brauchen wir beide jeweils ungefähr 45 Minuten. Mit den Öffis zum Kindergarten sind es sogar 75 Minuten aufwärts. Und zur Arbeit 2h für mich und 1h für meine Partnerin.

Ja wir brauchen zwei Autos, anders würden wir es zeitlich überhaupt nicht schaffen. Den es werden nur maximal 11h kindergarten Zeit zugestanden. Das ist vernünftig, aber wenn man bereits 9h Minimum arbeiten ist und ne knappe Stunde zwischen Kindergarten und Arbeit unterwegs ist, werden 11h schonmal ziemlich eng. Und der Kindergarten hat auch nur diese 11h Stunden offen.

Wir haben es definitiv nicht leichter als unsere Eltern früher. Die Probleme haben sich nur verlagert. Man zahlt ein Haufen Geld für mickrigen Wohnraum, wenn man auf Autos angewiesen ist, zahlt man dort saumäßig an die Versicherungen.

Positiv ist dass man in Berlin wenig bis fast nichts für den Kindergarten zahlt.

In Brandenburg sind die Mieten geringer, dafür zahlt man da mehr an Sprit für die Autos und die kindergärtenplätze sind exorbitant teuer wenn man arbeitsfähig ist. Bei unserem Jahres Lohn waren wir bei regelzeit 150€, jede Stunde drüber kostet um die 7 -10% mehr. Regelzeit sind 6h, wir brauchten 11h und haben dementsprechend fast 300€ für den Kindergarten bezahlt, für ein Kind!

Es ist nicht leichter geworden, die Probleme sind anders geworden. Bloß weil das Durchschnittsgehalt gestiegen ist, bedeutet das nicht, dass es den Eltern besser geht.

Ich bin gerne Vater und es tut mir jeden Tag weh wenn ich nach Arbeit die Kinder vom Kindergarten abhole. Wenn wir Zuhause sind, kommt Mama, es gibt Abendessen, Währenddessen wird kurz über den Tag erzählt, danach gehen die Kinder ins Bett weil sie ja am nächsten Tag früh wieder raus müssen.

Es bleibt keine Zeit für die Kinder, bei diesem Spiel… Ich würde gerne mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen. Aber ich bin Instandhalter in der Industrie, für mich gibt es keine Teilzeitmodelle. Meine Partnerin arbeitet im Einzelhandel, sie hat zwar einen Tag unter der Woche frei, dafür arbeitet sie am Samstag und im Schichtsystem.

Ich hoffe ich konnte Ihnen etwas die Augen öffnen, Ihnen etwas zeigen, dass die Welt grade für Eltern nicht so schön ist, wie irgendwelche Statistiker es immer wieder gerne behaupten. – Manuel Montel

 

12. Januar 2017 – Ausgabe 3

Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Sie weisen in Ihrem Artikel sehr differenziert und behutsam  auf einen Mangel in unserer Reaktion auf die Morde vom Breitscheidplatz hin, den ich bisher nur dumpf empfunden habe. Genau wie Ihnen fehlt mir bisher eine nachhaltige Beschäftigung mit den Opfern des Anschlags. Genau wie Sie frage ich mich, ob wir – beabsichtigt oder ungewollt- die Fähigkeit zu trauern verloren haben.

In diesem Zusammenhang muss es schon als besondere Verzichtsleistung angesehen werden, dass der Weihnachtsmarkt für einen Tag geschlossen blieb. Denn – wir wollen uns von Terroristen auf keinen Fall in „unserem Lebensstil“ einschränken lassen geschweige denn ihn uns nehmen lassen, wird mir gebetsmühlenartig immer wieder entgegengehalten. Dazu passt denn auch, dass die öffentlichen Silvester-Partys unter erhöhtem Polizeischutz überall wie gewohnt stattfanden – zehn Tage nach dem blutigen Anschlag.

Es wäre ja auch wirklich zu viel verlangt gewesen, anstatt ein buntes, fröhliches Spektakel auf der Domplatte zu veranstalten, dort in stiller Trauer der toten und verletzten Mitbürger zu gedenken. Wo kommen wir denn hin, wenn wir jetzt schon nicht mehr Silvesterpartys feiern können? Wir würden unsere Identität aufs Spiel setzen. Das ist des Einknickens vor dem Islamistischen Terrorismus denn doch zu viel. Folglich sollten wir unter Inkaufnahme eines leicht erhöhten Risikos im alten Trott und mit möglichst viel Spaß weiterleben. Darauf läuft unsere Auseinandersetzung mit den vielen Anschlägen letztlich hinaus. Und das ist der Wert unserer Gesellschaft, den es zu verteidigen gilt – ein Leben mit möglichst kurzen Spaßpausen. – Heinrich Meißner


Leserbrief zu “ Revolutionär!“ von Ursula März

Selten (nie?) habe ich einen so treffenden, gleichermaßen tiefgründigen und witzigen Artikel zu Mutterschaft in unserem Hier und Jetzt gelesen. Bitte veröffentlichen Sie ihn auch auf Zeit online, um ihn mit anderen teilen zu können. Das erscheint mir lohnender als der 100. Text über einen Furz von Mr. Trump! – Anja von Kanitz


Leserbrief zu „Der falsche Feind“ von Renate Künast

Die Vorsitzende des Rechtsausschusses des Bundestages, Renate Künast, zitiert in ihrem Artikel über das NPD-Verbotsverfahren einen gewissen »Carlo Schmitt« mit der Bemerkung, man müsse auch den Mut zur Intoleranz gegenüber denen aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen. Damit hat sie eine ganz erstaunliche historische Figur erschaffen, die den Vornamen von Carlo Schmid, dem großen sozialdemokratischen politischen Intellektuellen, und den Nachnamen von Carl Schmitt trägt, dem berüchtigten Juristen, der die Hitler-Regierung verfassungsrechtlich beriet. Von Carlo Schmid stammt das Zitat, von Carl Schmitt stammt die Lehre von der »wehrhaften Demokratie«, wonach keine Verfassung ihren Feinden rechtlich die Möglichkeit ihrer legalen Beseitigung einräumen darf. Aber lechts und rinks sind ja nach Ernst Jandl leicht zu velwechsern. Ansonsten hatten sich die beiden wenig zu sagen: Carlo Schmid belächelte den anderen in seinen Erinnerungen (1979) als einen, der aus Ohnmacht radikal wurde. Carl Schmitt löste den Unterschied der beiden Vornamen auf seine Weise auf und nannte Schmid den »Carl mit der Null«. – Dr. Florian Meinel


Leserbrief zu “ Ende der Lovestory“ von Katja Nicodemus

Danke für diesen Artikel. Und dennoch: Könnte die Redaktion der ZEIT sich nicht entschließen, zukünftig nichts aber auch gar nichts zu diesem Donald Trump zu veröffentlichen? Meine Bitte ist illusionär; aber es wäre so wohltuend, die donnerstags neue ZEIT aufzuschlagen in der Gewissheit, nichts über diesen Herren lesen zu müssen.

Sie würden damit auch das negative Vorbild zum Guten wenden: Im „KÖNIG DAVID BERICHT“ von Stefan Heym wird der Historiker Ethan ben Hoshaja, der zuviel weiß, zuTode geschwiegen. Warum nicht einen Trump schon jetzt zu der Nichtigkeit schweigen, die ihm zukommt?! – Lutz Landorff


Leserbrief zu „Ein Berg voll Ärger“ von Nicola Meier

zunächst habe ich mich gefreut, dass DIE ZEIT das Thema Riedberger Horn aufgreift (Ausgabe 3 2017).
Dann war ich sehr enttäuscht, wie flach und einseitig geschrieben dieses „DOSSIER“ war. Eher in einem Nebensatz taucht der Begriff „Landesentwicklungsplan“ auf, der „Alpenplan“ wird als bayerische Angelegenheit dargelegt. Dieser ist jedoch Bestandtei eines Internationalen Vertrages, nämlich derALPENSCHUTZKONVENTION. Diese ist nicht einmal auch nur namentlich erwähnt. Warum hat die Autorin kein Gespräch mit Naturschutzverbänden geführt? Die hätten sie darauf hingewiesen, wie INTERNATIONAL und juristisch tiefgreifend die Problematik wirklich ist!

Auszug aus Wikipedia:
Die Alpenkonvention (AK), formal Übereinkommen zum Schutz der Alpen, ist ein völkerrechtlicher Vertrag über den umfassenden Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Alpen.

Erinnern Sie sich: sie haben damals anläßlich dem Tod von Helmut Schmidt berichtet, er habe immer verlangt, dass der Leser in jedem Artikel etwas lerne. Das halte ich auch für richtig! Also BITTE nicht nur Gefühle wecken, sondern auch hintergründige Fakten und Zusammenhänge erläutern.
Ich bin jetzt sehr verunsichert, ob ich den Berichten der ZEIT aus mir nicht so vertrauten Themenbereichen vertrauen kann. – Heike Dülfer


Leserbrief zu “ Brauchen wir »Reli« noch?“ von Stefan Schmitt

Die gesellschaftlichen Spannungen werden zunehmen. Die Kirchen werden mehr und mehr in die Rolle von Minderheiten geraten. In der schulischen Erziehung sollte daher alle Kraft auf die Vermittlung von Werten und Tugenden gelegt werden, die für das gedeihliche Zusammenleben unterschiedlicher Ethnien, Konfessionen und Weltanschauungen in Deutschland förderlich sind.

Anstelle des konfessionellen Religionsunterrichts sollte ein für alle verbindlicher und gemeinsamer Unterricht in den Grundwerten und –tugenden eingeführt werden, in dem auch die Gottesfrage umfassend und gründlich angesprochen wird. Das Unterrichtsfach könnte nach dem Vorbild des Landes Brandenburg inhaltlich strukturiert sein: „Lebensgestaltung – Ethik – Religion“. Das kleine Luxemburg hat eben mit Zustimmung der Kirchen eine solche Regelung beschlossen. Ähnlich auch die Stadt Hamburg. – Norbert Scholl


Leserbrief zu „Verkaufte Sparer“ von Uwe Jean Heuser

Anstatt sich populistisch über das Ergebnis einer Geldpolitik auszulassen, die Resultat einer auf falschen Voraussetzungen – unterschiedliche wirtschaftliche Stärken der einzelnen Länder, an denen auch keine noch so gut gemeinten Reformen (siehe Griechenland, Einbruch der Nachfrage und soziale und reale Verarmung weiter Bevölkerungskreise) – fußenden Währungsunion ist, wäre es schön gewesen, wenn Sie die ökonomische Lage analysiert hätten. Durch den EURO gelingt es Deutschland, Arbeitslosigkeit in die EU zu exportieren. Die fehlende Nachfrage in den „Krisenstaaten“ kann nur durch öffentliche Schulden finanziert werden. Steigen dort die Zinsen, kommt es zu Staatsbankrotten was wiederum negative Auswirkungen auf unser Land hätte. Wie dieses Dilemma aufzulösen ist, darüber hätte es Sinn gemacht nachzudenken. –  Rüdiger Weigel


Leserbrief zu „Ich mache mir die Welt…“ von Kerstin Bund

In ihrem Artikel  beschreiben sie auf Seite 20 das Starexperiment, mit der angedeuteten Schlussfolgerung, dass, wenn Stare ohne Wasserbecken und Spielzeug keine optimistischen Tendenzen zeigen es bei Martin Herrenknechts Kindheit, ohne Spielzeug, genauso sein müsste. Was ist für sie Spielzeug? Ich glaube nicht, dass das konsumorientierte monofunktionale Spielzeug uns glücklicher oder optimistischer werden lässt. Eher glaube ich, gerade weil Herr Herrenknecht kein Spielzeug hatte und sich aus dem „Nichts“ Spielzeug schaffen musste, ist er so ein kreativer Kopf geworden.

Ich glaube, dass kreative Menschen insgesamt optimistischer sind, denn sie leben mit der Zuversicht, dass sie Lösungen für ihre Probleme finden werden, weil sie das von kleinauf spielerisch geübt haben und sich ihr Gehirn dementsprechend ausgebildet hat. Darum sollte der Raum für Kreativitätsentwicklung (das kann man nicht lehren, man kann nur die Umgebung dafür schaffen und begleiten) ein großer Baustein in unserem Bildungssystem werden und wir uns endlich von dem Bildungssystem : eine Frage und eine richtige Antwort, verabschieden, damit  kreative optimistische Köpfe sich entfalten dürfen. – Karin Dettmar


Leserbrief zu „Träume, größer als das Leben“ von Ursula März

In der neuesten Ausgabe von DIE ZEIT beschreiben Sie ein Comeback des Musicalfilms. Das mag alles richtig sein und ich will darauf auch gar nicht weiter eingehen. Sie wissen sicher, dass der Film bei der Verleihung des Golden Globe „abgeräumt“ hat. Sie wissen auch, dass anlässlich dieser Verleihung Meryl Streep für Ihr Lebenswerk geehrt worden ist und Sie ( und vor allem Ihre Chefredaktion) wissen auch, welche Rede Frau Streep anlässlich dieser Verleihung  gehalten hat. Es war eine flammende Rede gegen Respektlosigkeit und Verunglimpfung von Minderheiten.  Ein solche Rede anlässlich dieses Anlasses ist DIE ZEIT keine Zeile wert? Ich bin entsetzt. Es wird Zeit, sich nach einer anderen Informationsquelle umzuschauen. 50 Jahre Zeitlektüre sind genug!  – Hans-Joachim Albrecht  


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Es mag alles sein, was Sie anführen, aber einer Gedenkminute im Berliner Abgeordnetenhaus resp. im Bundestag hätte alles nicht entgegengestanden – höchstens eine schlechte Erziehung der entsprechenden Menschen. Wenn es jetzt nachträglich geschehen soll, ist es noch beschämender; aber vielleicht kommt man ja auf die Idee, Opfer und ihre Angehörigen dazu einzuladen pp. – Hanna Leinemann


Leserbrief zu „Alles wird anders“  von Matthias Geis

Dafür ist die Zeit noch nicht reif. Frau Merkel wird wiedergewählt. Es gibt keine Alternative und wenn, dann eine schlechte. Herr Schäuble hat Personen vorgeschlagen, wie ich lesen konnte, die allesamt nicht in Frage kommen.

Den Mann, der für Frau Merkel eine echte Gefahr bedeutet hätte, wäre Herr Bosbach gewesen. Europa muss sich natürlich fundamental ändern, das wird für mich ohnehin kommen müssen. Mit Frau Merkel ist das kaum möglich. Ihr Menschenbild ist dafür ungeeignet. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Ich mache mir die Welt…“ von Kerstin Bund

Der Bericht von Kerstin Bund spielt den Ball in die richtige Richtung. Erstens ist die „Stunde der Optimisten“, auch wenn man Entwicklungen wie zum Beispiel die zunehmende soziale Spaltung der modernen Gesellschaften nicht ignorieren darf, ein sehr wirksames politisches Instrument bei der Auseinandersetzung mit dem zwingend von Ängsten lebenden Rechtspopulismus.

Zweitens gibt es Länder wie Dänemark, die nicht zuletzt daraus ihre große wirtschaftliche Stärke ziehen, indem sie Veränderungen sehr aufgeschlossen gegenüberstehen und hierin weniger ein Risiko als vielmehr eine Chance sehen. Deshalb kann Deutschland von diesem Modell, das regelmäßig beim „Happiness Report“ ganz vorne landet, sehr viel lernen, insbesondere was den Mut zu Reformen, die Energiewende oder auch das viel weiter im Alltag verankerte Internet betrifft! –  Rasmus Ph. Helt


Leserbrief zu „Sexualhygiene als Staatsaufgabe“ von Ijoma Mangold

Ich bin etwas ratlos nach dem Lesen Ihres Artikels. Sie schreiben: „… aber hat jetzt für jede sexuelle Identität einen Buchstaben zur Hand …“, aber bei „LSBTTIQ“ fehlt zumindest ein „H“; ist das der Trieb, der „dem freien Spiel der Kräfte“ bei Ihnen allein überlassen bleibt, alles andere sei Staatsaufgabe? Das jedoch hat Elisabeth Scharfenberg nicht vorgeschlagen; es ging ihr allein um Sexualassistenz für Pflegebedürftige und Schwerkranke, und das sicherlich auch nur auf Wunsch. Oder meinen Sie, daß „LSBTTIQ“s Schwerkranke und Pflegebedürftige sind?  – Vielleicht helfen Sie mir auf meine Fragen mit Antworten. – Hanna Leinemann


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Im Gegensatz zum Täter und seiner Familie so beklagen Sie zu Recht ,wurde   seiner Opfer nicht gedacht. „Die Namen der Menschen,die in Berlin zu Tode kamen,waren nicht vernehmbar.“

Wie wäre es denn,wenn Sie in der  „ZEIT“ in Ihrem Artikel oder in Ergänzung dazu ein Zeichen ( z.B. anonymisierte Auflistung ) gesetzt hätten? Leider nicht geschehen und Ihr Artikel läuft ins Leere. – Hans-Georg v. Bechtolsheim


Leserbrief zu “ Die Türkei wechselt das Regime“ von Can Dündar

Weshalb eigentlich ist die wöchentliche Kolumne von Can Dündar so versteckt im Feuilleton? M.E. gehört sie dort nicht hin und vor allem nicht so unter „ferner liefen“.

Ich finde seine Ansicht sehr lesenswert und halte sie für ein wichtiges Sprachrohr für alle, die die Entwicklung der Türkei unter Erdogan kritisch sehen. – Michael Wendling


Leserbrief zu „Abschied von den USA“ von Adam Tooze

Die USA sind eine Demokratie, nicht wahr? Der neue Präsident Trump wurde demokratisch gewählt, nicht wahr, d.h. von mehr als 50% der amerikanischen Bevölkerung?

Statt sich jetzt Sorgen um seine zukünftige Politik zu machen, sollte man sich auch Sorgen um die (Mehrheit der) amerikanischen Wähler machen, nicht wahr? Oder was steckt wirklich dahinter? –  Frank Steyer


Leserbrief zu „Abschied von den USA“ von Adam Tooze

Da gelingt es DER ZEIT doch noch den Absturz eines Mythos zu landen, bevor die Konjunkturfür Horrorszenarien am 20. Januar ein Ende findet. „Das amerikanische Jahrhundert ist vorüber.“ Wer ist jener Herr Tooze, dass er den gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika „eine Lachnummer“ nennen kann? Bitte nicht noch einen zweiten Essay von dem! –  Karl-Josef Michels


Leserbrief zu „Im Kugelhagel der Realität“ von Hanno Rautenberg

In dem Artikel wird „surreal“ und „Surrealismus“ ganz falsch interpretiert und in Beziehung gesetzt. Richtig ist: Der Surrealismus war eine humanistische Bewegung und bedeutet „Überwirklichkeit.“ oder „Supernaturalismus“. André Breton sagte: „Der Surrealismus ist das, was sein wird.“ Es ging dabei um eine Revolution des Denkens und um eine Utopie, nicht um „Absurdes“ oder „Irreales“ und  noch weniger um einen irrlichternden Donald Trump. – Otfried H. Culmann


Leserbrief zu „Löwen ohne Krallen“ von Elisabeth Schlammerl

In der aktuellen Ausgabe sind gleich zwei Fehler zum Thema Fußball:

– S. 18: 1860 München: Bildunterschrift: Meistermannschaft von 1964. Im zugehörigen Text steht dagegen richtig: 1860 wurde nicht 1964, sondern 1966 Deutscher Meister.

– ZEIT-magazin, Lösung des Personenrätsels („Lebensgeschichte“) : Buffon wurde mit Italien nicht 2010, sondern 2006 Weltmeister.

Beides ist natürlich unwichtig. Immerhin: bei gründlicher Recherche bzw. gründlichem Korrekturlesen sollten solche Patzer vermeidbar sein. – Michael Glaser


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Selten hat mich ein Artikel in der ZEIT so berührt als dieser, und selten hat mir ein Artikel so aus der Seele gesprochen!

Seit dem Anschlag von Berlin suchte ich in den Medien nach Informationen und Gesten des Mitgefühls für die Opfer und deren Angehörigen – nichts! Wer waren diese Männer und Frauen, aus welchem Umfeld kamen sie? Dies mit der gebotenen Sensibilität zu erwähnen, hätte allen die Möglichkeit gegeben, Mitgefühl zu zeigen, Anteil zu nehmen. Aber dadurch, dass die Medien diese Menschen überregional verschwiegen hat, wurden sie soz. ein zweites Mal Opfer, nämlich Opfer der Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid anderer.

Demgegenüber wurde der Täter beinahe schon hochstilisiert, sein Leben öffentlich gemacht und damit die Sensationsgier so mancher Zeitungsleser befriedigt. Und damit wurde auch genau diese terroristische Vereinigung ideell unterstützt, nämlich indem man über ihren Attentäter zigmal berichtete (verglichen mit Stars und Sternchen, die nichts mehr fürchten, als dass sie nirgends mehr erwähnt und somit vergessen werden).

Der Täter war in aller Munde,  das Leid der Opfer und der Angehörigen verschwand in der Versenkung, und dazu trug auch die Medienlandschaft bei! – Christine Haider


Leserbrief zu “ Ende der Lovestory“ von Katja Nicodemus

Meryl Streep ist beeindruckend als Künstlerin und sie ist beeindruckend als Mensch, das hat sie nicht zuletzt mit diesem klaren und intelligenten Statement bewiesen.

Es war und ist fürwahr höchst erschreckend, mit welcher Dünnhäutigkeit, Unsouveränität und Orientierungslosigkeit der designierte US-Präsident Donald Trump in der Öffentlichkeit (re)agiert, dort, wo Worte allenthalben Taten sind und schon allein der Tonfall über Resonanz und Dissonanz entscheidet.

Trump kommt mir vor wie ein reich(lich) verzogenes Kind, das bis heute nicht gelernt hat, über den goldenen Tellerrand zu schauen, halbwegs soziale Kompetenz aufzubauen und dafür Infantilität und Egoismus einzugrenzen.

So sehr ich inzwischen die Wutwahl vieler US-Amerikaner besser verstehen und nachvollziehen kann, so sehr graut es mir vor der trumpschen Apologetik und Machthaberei, de facto der Ohnmacht demokratischer Kräfte.

Es wäre also nichts dagegen einzuwenden, wenn noch möglichst viele Hollywood-Größen dem am meisten selbstüberschätzten Präsidenten der USA ordentlich auf die Füße treten würden – verbal natürlich nur. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Der falsche Feind“ von Renate Künast

Carlo Schmid und  Carl Schmitt darf man doch nicht so verwechseln! Carlo Schmid wäre nicht amüsiert. – Heinz Neher


Leserbrief zu „Ein Berg voll Ärger“ von Nicola Meier

Kein Wunder, wenn sich Herr Aloys im Sommer in Mallorca und nicht mehr in Ischgl aufhält. Leseempfehlung: “Unter Leuten” von Juli Zeh. – Dr. Christian Huber


Leserbrief zu “Nachruf auf roman Herzog” von Martin Klingst

In Ihrer Ausgabe Nr. 3 vom 12.01.17 berichten Sie in Ihrem Nachruf auf Roman Herzog folgendes:

„Als baden-württembergischer Innenminister ließ der Christdemokrat Herzog Anfang der 1980er Jahre die Polizei zur Abwehr unliebsamer Demonstranten mit einer umstrittenen „Distanzwaffe“ ausrüsten, die äußerst schmerzhaftes Gummischrot verschoss.“

Aus eigener Kenntnis weiß ich, dass diese Waffe nie in der baden-württembergischen Polizei eingeführt wurde. Sie können das auch in Roman Herzogs Buch „Jahre der Politik“ auf Seite 97 ff nachlesen. – Willi Walther


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Ihren obigen Artikel habe ich als erstes gelesen, in der Hoffnung, endlich einmal etwas über die Opfer zu erfahren. Aber dem war nicht so. Zumindest mir fällt es schwerer, für Opfer zu trauern, deren Namen und Gesichter ich nicht kenne. Abgesehen von zwei oder drei Namen und Photos von Opfern, die aus dem Ausland kamen, gab es keine weiteren Bekanntmachungen. Es gibt bis heute den Block von 12 Toten und eine Anzahl verletzter und schwerverletzter Menschen. Das ist anonym, führt zu großer Betroffenheit und Trauer („Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien.“), geht aber – zumindest bei mir – nicht so zu Herzen, als hätte ich einen Namen oder ein Bild. Nach dem Anschlag in München wurden schnell Namen, Photos und Geschichten veröffentlicht, allesamt von Mitbürgern mit Migrationshintergrund. Tun sich die Deutschen schwer mit der Veröffentlichung ihrer privaten Geschichten? Offensichtlich. Ich wäre wahrscheinlich genauso. Aber dann fällt eben die Trauer auch „nur“ im Block aus.  – H. Wesselny


Leserbrief zu „Abschied von den USA“ von Adam Tooze sowie  „Lasst Euch nicht täuschen“ von Boris Groys

Pax  Americana finita ?? … könnte man sich fragen,   angesichts der sich aufbäumenden Unsicherheiten über den zukünftigen Regierungsstil von Donald Trump. Nun darf man aber nicht vergessen, daß seit Bush II, also dem 2. Iraq-Krieg , ein wirkliches Vertrauensverhältnis zwischen großen Teilen der EU und Washington nicht mehr bestand.  Übrigens haben zu der Erosion der Vertrauensbeziehungen auch das Thema: tendenzieller Wirtschaftskrieg zwischen den USA und der EU sowie die unsägliche Thematik: Ausspionieren Europas durch US-Geheimdienste beigetragen.  Ob es gelingt, die offenbar weg brechende Führungsrolle der USA durch mehr europäische Zusammenrücken – auch militärisch – zu ersetzen, ist höchst zweifelhaft.^^ Völlig un-durchdacht ist die Forderung vieler befreundeter Staaten, Deutschland möge jetzt eine klare Führungsrolle in Europa übernehmen. Eine solche Konstellation wird überwiegend in Wahrheit gar nicht gewollt, schon gar nicht von Frankreich, Italien und auch nicht von dem aus der EU abdriftenden England. Es bleibt dabei, daß das Duo Paris/Berlin eine gewisse Anschubfunktion für europäische Projekte ausüben kann, wenn beide Kapitalen es denn wollen. Eine politische ,alleinige ,Vorreiterrolle für die Bundesrepublik

Anzustreben, würde aber die doch immer noch auf Deutschland lastende,  historische,  Vergangenheit völlig verkennen !! – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Ihr Artikel ist sehr wohltuend indem er auf Versäumnisse der Medien, der Öffentlichkeit und der Politik hinweist, die die Angehörigen der Opfer vom Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz betrifft. Der Kreis der Opfer besteht ja nicht nur aus den Getöteten und den Hinterbliebenen sondern auch aus den (schwer) Verletzten und deren Angehörigen. Psychotraumatologische Forschungen weisen übereinstimmend darauf hin, wie wichtig und unterstützend die gesellschaftliche Anerkennung der Opfer und Überlebenden solcher Extremerlebnisse ist.

Einige Medien – insbesondere im Ausland – machen es vor, aber bei den deutschen Leitmedien scheint es immer noch eine unüberwindliche Zurückhaltung zu geben, über alle Opfer persönliche Berichte und Worte der Gedenkens zu veröffentlichen. Mir ist nicht klar, was hinter dieser Zurückhaltung steht, die beispielsweise die New York Times nach dem 11. September 2001 nicht hatte sondern über alle Opfer berichtete. Ist diese Zurückhaltung etwas spezifisch Deutsches? Ist es, weil individuelle Opferberichte die Qualitätspresse vermeintlich in die Nähe der Boulevardmedien bringt?

Zur neuen Erinnerungskultur, die Sie am Ende anmahnen, gibt es noch einen weiteren Aspekt. Gedenkgottesdienste scheinen der Politik zwar das naheliegenste Mittel ihrer Beileidsbekundung zu sein. Allerdings kann bezweifelt werden, dass solche Gottesdienste für alle Opfer noch zeitgemäss sind. Wir leben in einer jetzt schon säkularen und immer weiter religionsferner werdenden Gesellschaft. Es mag jetzt schon sein, dass Angehörige der verstorbenen Opfer jetzt schon eigentlich davon befremdet sind, dass das staatliche Gedenken als religiöse Veranstaltung daherkommt. Wenn eines Tages die überwiegende Zahl der Opfer eines Extremereignis religionsfern sind, sollte es andere Formen des zentralen Gedenkens geben. Die Medien können in der Zwischenzeit dazu beitragen, dass die hilfreichen Rituale der Trauer auf eine breite als nur die religiöse Basis gestellt werden. – Prof. Andeas Maercker


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Am liebsten wuerde ich diesen Artikel von Nina Pauer sofort vergessen. Doch leider geht das nicht, denn er macht mich gleichzeitig sauer und traurig. Jetzt koennen wir armen Deutschen noch nicht einmal richtig trauern? Und Erinnerung kennen wir angeblich nur als Mahnen, da wir angeblich seit Generationen ein Taetervolk sind?! Bei solchen journalistischen Vorwuerfen moechte ich Gift und Galle spucken und ausserdem mein Zeitabo kuendigen. Ich bin 1972 geboren und sehe mich verdammt noch mal nicht als Teil eines sogenannten ‚Taetervolkes‘ (welch widerliches Wort) und finde es befremdlich und irritierend zu erfahren, dass es immer noch Menschen in diesem Land gibt, die andauernd und zu jedem Anlass die nationalsozialistische Vergangenheit mit ins Spiel bringen.

Vielleicht geht es auch Anderen so.

Getrauert hab ich uebrigens um, die mir voellig unbekannten Toten von Berlin, Nizza, Paris, Bruessel, Istanbul u.s.w., und zwar dort wo echte Trauer stattfindet: im Herzen. Auch das haben vielleicht andere Deutsche getan. –  Christine Anhut


Leserbrief zu “ Walsers letzte Fluchten“ von Jens Jessen

Von Rank auf Ränke mit entsprechender Deutung zu kommen, lasse ich mal dahingestellt sein.
Jedoch: Als Bodensee-Alemannin habe ich immer noch den Satz meines verstorbenen Vaters (Jahrgang 1924) im Ohr, der gelegentlich zu sagen pflegte: “Der hot au de Rank it kriagt/it gschafft”.  Das hieß einfach, er hat die Kurve nicht gekriegt, nämlich die Kurve zum Erreichen einer bestimmten Aufgabe, zum Beispiel für einen besseren/anständigeren Lebenswandel. Auch glaube ich mich zu erinnern, dass Walser dies selbst bei einer entsprechenden Nachfrage so erklärt hat. – Birgit Hubatsch


Leserbrief zu “ Brauchen wir »Reli« noch?“ von Stefan Schmitt

Ihnen sei Dank dafür, dass das auf der Seite GLAUBEN & ZWEIFELN nicht geduldete, sondern verschwiegene und verstoßene ZWEIFELN bei Ihnen Asyl und Aufnahme finden durfte. Ich darf Sie noch ersuchen, sich in der ZEIT für eine Umbenennung in GLAUBEN & GLAUBEN einzusetzen, und damit der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen.

Beim Lesen Ihres Pro und Contra musste ich wieder daran denken: Vor 40 Jahren gab es von Rudolf Walter Leonhardt sein wöchentliches „Pro und Kontra“! Immer wieder waren sie für mich als Schüler, und sicher auch für viele andere, ein interessantes Lese- und anregendes Denkvergnügen.

Nochmals: Dank-sei-Ihnen!  – Manfred Schleyer 


Leserbrief zu “ Brauchen wir »Reli« noch?“ von Stefan Schmitt

Was sich Stefan Schmitt in seiner Polemik gegen den Religionsunterricht an Desinformation leistet, ist schon ein starkes Stück. Dass Religion „Pflichtfach“ sein könne, suggeriert, es gäbe kein Recht auf Nichtteilnahme (das natürlich überall wahrgenommen werden kann).

Am dreisteten ist sein Versuch, den konfessionellen Religionsunterricht mit dem Beginn der Nazi-Herrschaft 1933 in Verbindung zu bringen. Tatsächlich geht die grundgesetzliche Regelung nahezu wortgleich auf den Artikel der Weimarer Reichsverfassung von 1919 zurück. Zugang zum Religionsunterricht haben auch nicht nur die Kirchen, sondern grundsätzlich die „Religionsgemeinschaften“.

Und es geht nicht um „Wertevermittlung“ (auch wenn das leider manche kirchlichen Stimmen insinuieren), sondern um die Vermittlung von Urteilsfähigkeit bei der Wahrnehmung eines Grundrechts unseres Staates: Art. 4 des Grundgesetzes garantiert aktive und passive Religionsfreiheit. Dass diese Urteilsfähigkeit am differenziertesten entwickelt wird, wenn die kritische Reflektion von Religion aus einer Außenperspektive sich verbindet mit binnenperspektivischen Erfahrungen der Lehrkräfte („Konfessionalität“), kann didaktisch als gesichert gelten.

Diskutabel ist die Frage, ob katholischer und evangelischer Religionsunterricht in der Regel getrennt erteilt werden soll. Wie schwierig es ist, religiöse Kenntnisse aus einer vermeintlich kritischen „neutralen“ Perspektive zu vermitteln, lässt sich im Ethik-Unterricht als der Alternative zum Religionsunterricht beobachten. – Prof. Dr. Bernhard Dressler


Leserbrief zu “ Brauchen wir »Reli« noch?“ von Stefan Schmitt

Nach Stefan Schmitt lassen sich die Widersprüche, in die der konfessionelle Religionsunterricht verstrickt sei, am besten auflösen, wenn man „Reli“ abschaffe. Diese lösen sich jedoch weitgehend von selbst auf, wenn Fakten nicht verzerrt oder falsch dargestellt werden. So ist der Katholische Religionsunterricht keineswegs Ergebnis eines „Paktes“ zwischen Hitler und dem Vatikan, sondern bereits in der Weimarer Verfassung (Artikel 149) fest verankert. Sowohl dort als auch im Grundgesetz Artikel 7 wird nicht – wie von Schmitt ausgeführt – den beiden großen Kirchen Zugang zum Unterricht gewährt, sondern Religionsgemeinschaften im Allgemeinen.

Es geht somit nicht um die Einflussnahme von Kirchen auf Schulpflichtige, wie Schmitt schreibt, oder um „glauben lernen“, wie Evelyn Finger (Die Zeit, 3, 2017, S. 66) formuliert. Vielmehr sollen christliche, muslimische und jüdische Kinder und Jugendliche im bekenntnisorientierten Religionsunterricht ihren eigenen Glauben vertieft kennen und kritisch reflektieren lernen.

Dass in einer religionspluralen Gesellschaft zu einer religiösen Positionierung auch die Auseinandersetzung mit anderen Religionen gehört, ist Konsens unter den Verantwortlichen für den Religionsunterricht. In diesem Sinne haben sich kürzlich über 160 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für einen  Religionsunterricht ausgesprochen, der sowohl konfessionell als auch kooperativ ausgerichtet ist. – Prof. Dr. Claudia Gärtner


Leserbrief zu „Verkaufte Sparer“ von Uwe Jean Heuser

Nicht zu entscheiden ist bekanntlich auch eine  Entscheidung. Unsere Politiker scheinen sich bei dem Fall schwer zu tun, zumal es ein stillschweig- endes Einverständnis mit den Maßnahmen der EZB gibt.(Die ZEIT berichtete). Offenbar ist, dass die anfangs snnvoll erscheinenden Aktionen der EZB im weiteren Verlauf immer mehr sinnlos geworden sind, da sie nicht nur nicht greifen sondern wirtschaftliche Schwierigketen auch im Bankensektor hervorrufen, die zu Lasten der Sparer gehen. Wenn die Regierung  trotz der Bedenken der Bundesbank tatenlos zusieht,wie die EZB  weiterhin unverhältnismäßig  viel Geld druckt, werden sich vielleicht andere Parteien des Themas annnehmen. – Wilfried Buscher 


Leserbrief zu „Schöne grüne Welt“ von Mariam Lau

Viel Wahres und Ernstzunehmendes steckt in dieser skizzierten politischen Ausgangslage der Grünen – und doch gilt es, Vorsicht walten zu lassen. Als Kind der 1990er, nach der Wende geboren, war diese Partei immer ein Relikt aus elterlichen Studentenzeiten. Den Jugendjahren entsprungen mutiert nun gerade jene „Partei der Hanfparaden“ zu einem wichtigen Symbol für Sicherheit und Gemeinschaft. Jeder, der das ernstzunehmende politische Agieren der Grünen mit dem abgegriffenen Bild eines hemmungslosen Konsums von Cannabis zu schmälern versucht, sollte dieses Klischee doch bitte zügig in eine dafür vorgesehene Schublade stecken, verschließen, darin lassen und wieder zum eigentlichen Thema wechseln.

Den von so mancher Partei munter propagierten und hübschen Werten „Familie“ und „Heimat“ geht ein Verständnis voraus, nämlich das für die eigenen Kinder, den Partner, die Freunde, die Nachbarn, die Menschen auf der Straße, mit denen sich der eigene Weg kurz kreuzt und für all jene überall in der Welt. Nennen wir dieses reflektierte Verständnis Empathie. Blickt man zurück, so scheint es, trägt die titulierte „Wähler-Abschreckungspartei“ einen guten Anteil daran, den Wählern dieses Verständnis im Kleinen und Großen vor Augen geführt zu haben – damals und heute. Ja, es gibt Akuteres, als die Unisex-Toilette zum Grünen-Wahlslogan 2017 zu machen! Doch ist nicht vielleicht die Idee dahinter, die der Gleichberechtigung aller, eines der ehrlichsten und nachhaltigsten Parteiprogramme aller Zeiten? Ich korrigiere, nicht vielleicht! – Laura Olivia Ehlenberger


Leserbrief zu “ Brauchen wir »Reli« noch?“ von Stefan Schmitt

Von den Einführungsvorlesungen eines Germanisten und eines Philosophen (beide SED-Mitglieder) in Halle in den siebziger Jahren ist die Frage an die Studenten überliefert, welches das wichtigste Buch sei, das sie gelesen haben müßten. Sie beantworteten die Frage selbst: die Bibel. In einigen Kirchen Deutschlands wird erklärt, was Altar, Kanzel usw. zu bedeuten haben – und das an Orten, die nicht von Angehörigen anderer Kulturkreise besucht werden. Religiöse Grundkenntnisse sollten auch heute intensiv als Teil der Allgemeinbildung vermittelt werden, auch als geistiges Rüstzeug in den Auseinandersetzungen dieser Zeit. – Dr. Karl Klaus Walther


Leserbrief zu „Lasst Euch nicht täuschen“ von Boris Groys

Ich sehe die Dinge zwar ebenfalls optimistisch, jedoch mit entgegengesetzter Perspektive. Ich halte die graduelle Rückkehr zum Territorialen für eine der Grundvoraussetzungen für die friedliche Entwicklung in Europa und in der Welt.

Was wir aktuell erleben, ist der Zusammenbruch einer Gesellschaftsauffassung, wie er in seiner Dimension (und in einer seinen tieferen Ursachen) nur mit dem Zusammenbruch des Kommunismus vergleichbar ist. Es ist der von der weltgeschichtlichen Realität (wiedermal) erzwungene Abschied von der (linken) Auffassung, menschliche Gemeinschaften könnten sich ‚unstrukturiert‘ stabil konstituieren. Diese Auffassung hat viele Gesichter, was da alles als angeblich aufgesetzt, künstlich und somit entbehrlich erscheint: Familie, Nation, Heimat, Sprache, Religion und vieles mehr. Den groteskesten Versuch einer ‚Entstrukturierung‘ können wir derzeit mit der Gender-Bewegung und ihrer Erfindung des ‚sozialen Geschlechts‘ erleben. Ich bin gespannt, wie die historischen Folgen des Bestrebens aussehen werden, die kleinste Struktureinheit der Gesellschaft, die menschliche Paarbindung, zu dekonstruieren.

Warum eigentlich die Bemühungen um eine Entstrukturierung? Die Antwort ist relativ einfach: Es ist der Versuch der Tatsache zu entkommen, dass jede gesellschaftliche Struktur, sei sie territorial oder sozial, nicht für alle Menschen nur Vorteile, sondern auch Nachteile erzeugt, z.B. zwangsläufig für diejenigen, die sich außerhalb einer Struktureinheit befinden. Und dieser unangenehme Effekt widerspricht den linken, derzeit durchaus hegemonialen, Gleichheitsauffassungen und -versprechungen fundamental.

Man könnte nun einwenden: Was hat das mit einem Weltstaat zu tun? Sehr viel sogar: Strukturierung von menschlichen Gemeinschaften bedeutet z.B. anzuerkennen, dass Legitimitätsauffassungen keine Universalien sind und dass sich Probleme regional spezifisch ausprägen und dementsprechend auch zu behandeln sind. Außerdem: Strukturen bzw. Strukturgrenzen stellen ‚Sollbruchstellen‘ für Stressbeanspruchungen bereit, auch wenn dies, auf menschliche Gemeinschaften bezogen, zynisch klingen mag. An diesen Wahrheiten arbeitet sich die EU seit Jahren ohne nachhaltigen Erfolg ab. Unlängst hat sie, unter zunehmendem Stress, ein katastrophales Ereignis selbst generiert: den Brexit, der wohl deutlich mehr als nur das Versagen an einer Sollbruchstelle war. Ein Weltstaat mag also zwar formal konstituierbar erscheinen, aber auch dieser wird sich, will er gesellschaftlichen Stress bewältigen, in Struktureinheiten gliedern müssen, die dem Identitätsempfinden und Legitimitätsansprüchen der Menschen entsprechen.

Identität und Legitimität bildet sich nur im sozialen Nahfeld, d.h. nur innerhalb des tatsächlichen Aktions- und Wirkungsradius eines Menschen. Letzteres wussten schon die mittelalterlichen Könige und Kaiser, die sich andauernd der Mühe unterziehen mussten, in ihrem Herrschaftsbereich umherzureisen, um den Zerfall der Gemeinschaft zu verhindern. Die modernen Medien spiegeln uns vor, dass sich unser Nahfeld inzwischen über den gesamten Globus erstreckt. Reine Einbildung: unsere Lebenszeit und Kraft sind begrenzt, und unsere echten, personellen sozialen Interaktionen bleiben mehrheitlich auf einige Hundert Menschen beschränkt. Für Weltstaat-Politiker bedeutet dies: Die modernen Medien mögen Ihnen zwar das physische Herumreisen ersparen, sie ersetzen aber nie die Notwendigkeit, Legitimität z.B. nach Region oder sozialer Schicht ausgerichtet zu generieren, wenn gesellschaftliche Ordnungsprinzipien dauerhaft verwirklicht werden sollen.

Wenn man so will, ist die bisherige Migrationspolitik der EU ein schönes Beispiel für diese Notwendigkeit, denn sie war bereits Politik im Sinne eines ‚gefühlten‘ Weltstaates, in diesem Fall mit übergreifenden Zumutungen über nationalstaatliche Strukturen hinweg. Deren Legitimität wurde stillschweigend angenommen oder vorausgesetzt, aber nie politisch erzeugt und reproduziert. Die inzwischen sichtbaren Resultate und die darin aufscheinende Gefahr des Untergangs von Europa als demokratische Gemeinschaft sollten uns zu denken geben. – Dr. Matthias Wagner


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Ein Thema was mich schon lange verfolgt. Ihre Autorin schreibt all die Versäumnisse auf, die kein vernünftiger Mensch verstehen kann. Und das alles unter den Augen einer Bundeskanzlerin der man eigentlich eine bestimmte Fürsorgepflicht für ihre Bürger (Mutti) nachsagt. Es ist nicht nur ein Versagen der Politik, wie die Autorin richtig schreibt, unfähig zu trauern, das betrifft alle Schichten unserer Gesellschaft. Was ist da mit der heutigen Generation passiert keine vorzeigbare  Trauer für die Opfer mehr aufzubringen.? Liegt es an den Volksvertretern, die sich bestenfalls bei einer Trauer eines ausländischen Bürgers mal sehen lassen. Oder sitzt das tiefer in der Erziehung unserer Kinder in den Öffentlichen Lehranstalten.? Dieses Fehlverhalten ist auch im kriminellen Alltag zu erkennen.  Für mich ist Deutschland ohnehin nicht mehr mein Land. Damit habe ich abgeschlossen. Ich bewege mich ohnehin nur noch aus familiären Gründen in Deutschland. Ansonsten kann mir das Land gestohlen bleiben.  – Gunter Knauer 


Leserbrief zu “ Ende der Lovestory“ von Katja Nicodemus

Ihre Analyse der „Seilschaft“ zwischen dem linksliberalen Hollywood und den Demokraten ist brillant und zweifellos richtig. Gleichwohl waren Auftritt und Rede von Meryl Streep beeindruckend und vor allem beispielgebend. Gerade im Showbusiness, im Kulturbetrieb, ja auch in der Wissenschaft und nicht zuletzt im Spitzensport gibt es zahlreiche Bühnen für engagierte, mit genügend Zivilcourage ausgestattete prominente Akteure, deren öffentlich artikulierte Meinung eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die allgemeine Meinungsbildung hätte.

Vorbild, Idol wird man nicht allein durch die Fähigkeit einen Formel 1 Boliden möglichst schnell über einen Rundkurs zu steuern, einen internationalen Hit zu komponieren, zu singen, Kinosäle durch faszinierende Darstellungskunst zu füllen, Bestseller zu schreiben, brillante philosophische Abhandlungen zu verfassen. Nein, es gilt auch, orientiert an den humanistischen Grundwerten menschlichen Zusammenlebens, öffentlich Haltung zu zeigen, ganz im Sinne von Stéphane Hessel  („Empört Euch“).

Viele von ihnen haben die nötige, auch finanzielle, Unabhängigkeit und könnten sich sogar eine möglicherweise vertraglich untersagte eigene Meinung leisten. Man würde sich auch in Deutschland, in Europa viele Prominente wünschen, die sich positionieren gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Rechtspopulismus, gegen Nationalismus, gegen Neoliberalismus, gegen Egoismus, gegen Verlogenheit und Korruption.

Genau wie Meryl Streep müsste man nicht zwangsläufig auch Namen von Politikern, Managern, Bankvorständen etc. nennen. Bei der Beschreibung der Handlungsweisen würde schnell klar, wer gemeint ist. Es hätte Signalwirkung, würde man als Weltklasseathlet z.B. nicht in Staaten starten, in denen Menschenrechte massiv mit Füßen getreten werden, würde man als gefragter Künstler dort Auftritte verweigern, sich generell bei durchaus zahlreichen Gelegenheiten vernehmlich artikulieren.

Vielleicht ist es naiv zu glauben, dass solche Auftritte wirksamer wären, als skandalträchtige Meldungen in der „bunten Presse“ – einen Versuch wert wäre es allemal. Und  -um Ihre Eingangsworte zu gebrauchen- es wären große Momente.

In diesem Sinne verbleibe ich in unerschütterlichem Glauben an eine aufgeklärte Gesellschaft und hoffe auf noch viele ihrer prominenten Protagonisten. „Die Zeit“ und ihre Macher gehören zweifellos dazu. – Dr. Bernhard Genzel


Leserbrief zu “ Sie können mich einen harten Hund nennen“ ein Gespräch mit Thomas de Maizière,
geführt von Marc Brost und Mariam Lau

Das darf nicht wahr sein. Der Innenminister sieht sich als harten Hund.Das hätte er wohl gerne,damit kann man Wähler fischen. Aber das Format hat er nicht.So bleibt die Aussage eine Geschmacksverirrung.Als harten Hund (neben anderen Verbalinjurien) darf man vielleicht Putin bezeichnen,falls man den Kreml-Mann nicht leiden kann. Aber unser Innenminister? Muss er so tief in die Schmuddelkiste greifen,um Aufmerksamkeit zu bekommen ? – Hans-Emil Schuster


 

 

05. Januar 2017 – Ausgabe 2

Leserbrief zu „Als die Maschinen träumen lernten“ von Ulrich Schnabel

Dem Autor ist ein amüsanter Text gelungen, der eher als Satire denn als Märchen anmutet. Es soll sich offenbar um ein Plädoyer für die Muße und gegen das allgegenwärtige Dogma der Effizienzsteigerung handeln.

So weit so gut. Aber ist es auch als Anregung zu verstehen, über den völlig ungeregelten, rapide zunehmenden Einzug von Künstlicher Intelligenz (KI) in unsere Gesellschaft nachzudenken? Der Autor unterstellt in seiner spielerischen Vision die Möglichkeit einer „humanoid-identischen Intelligenz“ (siehe Human Brain Project) und in diesem Kontext auch das Bestreben, selbst musische Fähigkeiten künstlich auszuprägen.

Leider handelt es sich hierbei ganz und gar nicht um ein Märchen. Eine ganze Heerschar von Wissenschaftlern und Ingenieuren hat sich bereits dieser Zielsetzung verschrieben.

Bevor uns dieser Zug gänzlich unkontrolliert überrollt, sollten wir viel intensiver über die sozialen, politischen und ethischen Implikationen von KI nachdenken und einen Diskurs führen.

DIE ZEIT liefert beständig Beiträge zu dieser Thematik (wie zuletzt in einem mehrseitigen Wirtschafts-Spezial). Allerdings liegt bisher das Gewicht eher auf der technischen Seite. Eine Verlagerung ist wünschenswert. –  Daniel Hardt


Leserbrief zu „Träumt weiter“ von Josef Joffe

Zitat:” Unter Putin … ging Obamas <Neustart> daneben.” Soll der Leser verstehen, dass das an Putin lag? Oder ist es auch denkbar, dass unter US-amerikanischer Führung die USA und NATO in den letzten 25 Jahren den russischen Einflussbereich willentlich immer weiter zurück gedrängt haben? Weiter Zitat: “ Amerikas Rückzug aus der Welt geriet nicht zum Einvernehmen, sondern zur Einladung, sich die Krim zu greifen …” Soll der Leser verstehen, dass Russland keinen vernünftigen, nachvollziehbaren Grund hatte, sich die Krim zu sichern? Hat Russland nicht erfahren, dass Annäherung an oder Aufnahme in die EU auch zur Aufnahme in die Nato zu führen pflegen? Hätte Obama in Putins Stelle wohl dieses Risiko in Kauf genommen, die Krim mit ihrem großen russischen Kriegshafen, welche von Chruschtschow erst der Ukraine zugeordnet worden war, irgendwann in die Nato abwandern zu sehen. Meine Vermutung ist, auch Obama hätte den Anfängen gewehrt. So ist die Welt nun mal. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zu „Auf den ersten Blick“ von Gero von Randow

Anlässlich der Zustände in der Silvesternacht in Köln frage ich mich:

Wie haben die massenhaft zum Feiern (?) nach Köln angereisten Migranten, die im Hauptbahnhof kontrolliert wurden, eigentlich ihre Anreise mit der Bundesbahn finanziert?  Es sind offenbar viele sogar aus der Schweiz gekommen.

Ist es wahr, dass diese jungen Männer auf Grund ihres Flüchtlingsstatus in Deutschland kostenlos und unbegrenzt öffentliche Verkehrsmittel nutzen ?

Vielleicht wäre die Antwort einen kleinen Artikel in der ZEIT wert. – Renate Ehrich


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Ich habe nur einen kurzen Kommentar zu dem Text „Der Herausforderer“ von Kilian Trotier in der aktuellen Zeit. Mit einem Wort: wow! – Jörn Schumacher


Leserbrief zu „Der Feind ist nicht grün“ von Peter Dausend

Nein, Herr Dausend, die Oppositionspartei FDP wird „von der wilden Wut der Vergessenen“ profitieren! Sie (nicht Er) ist wieder da! In der Tat ist die „AfD zu unappetilich“ für viele ehemalige FDP-Wähler. Deswegen werden sie erneut ihre vormals gewählte Partei wieder wählen. Das bringt die notwendigen Prozente über fünf.

Während sich die AfD demontiert, montiert sich die FDP somit neu und wird ihre ehemalige Schlüsselposition aus meiner Sicht wieder erobern können.

Was der AfD dagegen noch fehlt, ist der Verzicht auf die öffentliche Austragung ihrer internen Probleme und ein demagogisch begabter Trump-Verschnitt!

Damit könnte sie die FDP und die anderen „Altparteien“ in Verlegenheit bringen. Unsere demokratische Gesellschaft scheint mir im Wandel und mit diesem Wandel in Gefahr zugleich. – Reinhard Kniepkamp


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Es ist leider nicht so, wie Sie die Probleme benennen, nein, es ist noch viel schlimmer: Aus eigener Anschauung habe ich seit über 20 Jahren Einblick in unterschiedlichste Elternhäuser der Republik, darunter auch Familien mit einem oder mehreren Behinderten, Familien ausländischer Abstammung, Ossis und Wessis.

Benachteiligung ist nicht nur eine finanzielle und nicht nur eine der Armen. Einher geht eine schleichende Entrechtung nicht wehrfähiger Eltern, die sich nicht durch Instanzen klagen und Entscheidungen aussitzen können, vielleicht auch nicht über alle Mittel rechtsstaatlicher Gegenwehr gegen Ämter und Versicherungen informiert sind, Menschen, deren Alltag mit schikanierenden Bürokratieanforderungen so weit ausgefüllt ist, dass für jede Art von Teilhabe oder ambitionierter Erziehung gar kein Platz mehr bliebe.

Ein gewaltiger Malus steckt nicht nur in der ungerechten Verteilung von Bildungschancen, vielmehr in einer unausgegorenen föderalen Bildungspolitik, einzig auf Reproduktion auswendig gelernten Abfragewissens ausgerichtet, einem ausufernden Lehrerdefizit, das schon heute auch in Schulen außerhalb sogenannter Problemviertel, ebenso im städtischen wie im ländlichen Raum, einen regelhaften Unterricht nur schwerlich möglich macht, Schulgebäude, die erhebliche bauliche Mängel mit Gefährdungspotenzial aufweisen und in Städten des Ruhrgebietes den Schulbetrieb in einem förderlichen Umfeld unmöglich machen. Bestrebungen frühkindliche Förderung in Kindergärten per Dekret einzufordern werden mit Herdprämien konterkariert und das notwendige Personal für die hochkompetente Unterstützung des Nachwuchses in Kindergärten steckt bestenfalls in der Ausbildung.

Wer heute offenen Auges durch bundesdeutsche Familienhaushalte, Kindergärten und Schulen geht, wird fassungslos sein, ob der Zustände, die flächendeckend die Frage aufdrängen, wie sich eine entwickelte Gesellschaft diese breite Vernachlässigung ihres größten Kapitals leisten kann, die Vernachlässigung ihrer Kinder. Politische Lippenbekenntnisse haben in den vergangenen zwei Dekaden nichts zum Besseren sich wenden lassen, der Verfall schreitet im Gegenteil fort.   Abhängen meint heute nicht nur Arme auszugrenzen, mehr noch Kindern keine Chancen einzuräumen.  – Jochen Schickert


Leserbrief zu „Erst mal wird gefeiert“ von Uwe Jean Heuser

Ich danke Ihnen.

In einer Zeit, in der sich das absolut unnötige Wort „Narzisst“ epidemisch auch in der vermeintlich besseren Presse ausbreitet, schreibt Ihr Autor Uwe Jean Heuser auf Seite 23 der aktuellen Zeit schlicht „Narziss“, Ihre Korrektoren lassen das stehen und es wird gedruckt.

Das macht Freude. – Hans van Treeck


Leserbrief zu „Uhren sind moderne Diktatoren“ von Amrai Coen Und Björn Stephan

Wundervoller Beitrag-wurde ja auch „Zeit“ dass ihr dieses geschrieben habt. Veranlasst mich so ganz enpassant ein Lob für euch alle auszusprechen.. Wo ihr doch den schönsten Chefredakteur der hiesigen Zeitschridtenlandschaft habt!(smile) Aber ich halte es ja mit den Stones(hoffentlich stimmts) „time is on your side-yes it is“. – Amina Fritz


Leserbrief zu “ Wachsam sein, doch arglos bleiben“ von Evelyn Finger

Sie lassen Menschen zu Worte kommen, die der Proto-Typ des post-faktischen, der Lüge und des Heuchlers ist – zu Eltz – ein psychisch Auffälliger, der seinen Bischof  von Limburg,

Prof. Dr. van Elst, mit anderen – in schamloser Weise verleumdet, herabgesetzt und in böser Absicht mit der Lüge übergossen hat. Das Diözesan-Zentrum St. Nikolaus, Limburg auf dem Domberg, wurde vom Deutschen Kulturrat in einer Anhörung 2013 im nordrheinwestfälischen Landtag: „Als eine gelungene architektonische Lösung für die Altstadt Limburgs bezeichnet.

Immer wieder bringen Sie Menschen zum „Gespräch“, die oft – sehr oft – sich selbst disqualifiziert haben, und das, was sie verkörpern wollen, mit Füßen treten. Dr. Martin Luther würde solche Menschen in seiner Zeit geköpft haben. Das Domkapitel zu Limburg ist in sich korrupt – gefühlsmäßig – und untauglich für diese Ämter; es muss zurück treten!  Der Selige Kardinal Newman hat die treffende Bezeichnungen für solche scheinbare Kirchenmänner; Der Gott-Mensch Jesus von Nazareth und sein Vater lassen sich aber nicht spotten. Diese Menschen zeigen schon viel von ihrer inneren Verfäulnis. Ihre Zeitung ist schon länger nicht mehr im psychischen Bereich auf der Höhe der Zeit! Ein gutes Beispiel des destraströsen psychischen Zustands vieler Zeitgenossen. Na, dann prosit! – Dr. Dr.  Michael Joseph Schaaf


Leserbrief zu „Träumt weiter“ von Josef Joffe

Etwas beunruhigt mich an Ihrer sonst von mir sehr geschätzten Wochenzeitung: Die zunehmende Tendenz der politischen Redaktion, für die gefährliche Verschlechterung der Ost-West-Beziehungen allein Russland verantwortlich zu machen. Besonders der Herausgeber nutzt jede Gelegenheit, dem Leser mit feinem Hämmerchen das Nägelchen der Russlandphobie ins Gehirn zu treiben – auf die Wiederholung kommt es an. Manchmal wird allerdings auch der Vorschlaghammer benutzt. In einem der „Worte des Jahres“ wird der russische Premier Medwedew so zitiert: „Wir sind in die Zeiten eines neuen Kalten Krieges abgerutscht“. Dazu die „Leseanleitung“ eines ungenannten ZEIT-Mitarbeiters: „Medwedew …. verkündet auf der Münchner Sicherheitskonferenz den Bruch zwischen Ost und West“. Dies ist eine krude Manipulation, nichts anderes.

Ich kann der ZEIT-Redaktion nur dringend empfehlen, sich mit der Hinterlassenschaft des wohl besten Russland- experten des vergangenen Jahrhunderts zu beschäftigen: George F. Kennan. In einem Gastbeitrag für die New York Times vom 5. Februar 1997 schrieb er: „Expanding NATO would be the most fateful error of American policy in the entire post-cold war era“. In deutscher Übersetzung fährt er fort: „Diese Entscheidung muss erwarten lassen (…), dass sie die Atmosphäre des Kalten Krieges in den Beziehungen zwischen Ost und West wiederherstellen und die russische Außenpolitik in Richtungen zwingen, die uns entschieden missfallen werden“.

Auch seine Rede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels (1982) ist lesenswert unter sicherheitspolitischen Perspektiven. Am Ende geißelt er den Zynismus und die Korruption des Massenexports von Waffen in Entwicklungsländer. –  Michael Schnatmeyer


Leserbrief zu „Uhren sind moderne Diktatoren“ von Amrai Coen Und Björn Stephan

Soviel Arroganz und gleichzeitig Lieschen-Mülller-haftes Erklären der Welt auf eineinhalb Seiten ist mir schon lange nicht mehr in der ZEIT begegnet – und entspricht auch nicht dem gewohnten Niveau dieser Zeitung. „Die Schule ist erfunden worden, um die Menschen zur Pünktlichkeit zu erziehen und zu veruhrzeitlichen“. Vermittlung von Bildung? Nein. Alles, jedes Thema, das im Artikel angesprochen wird, wird auf das ein und selbe Phänomen zurückgeführt. Vereinfachung kann man das schon nicht mehr nennen – Blödsinn scheint mir da angemessener.

Herr Geißler ist auch an anderen Punkten nicht auf der Höhe der Zeit (obwohl er sich doch als Experte dafür bezeichnet). So zum Beispiel seine Empfehlung zur Gleitzeit. Das hat schon was naiv kindliches. Die wird bereits seit vielen, vielen Jahren praktiziert. Aber das ist ihm wohl entgangen. – Raimund Helbrich


Leserbrief zu “ Vom Gehetzten zum Gestalter“ von Heinrich Wefing

Die zum Thema des kommenden Wahlkampfes erklärte „Innere Sicherheit“ hat eine Ursache. Die Ursache heißt: Öffnung der Grenzen im Herbst 2015 und unkontrollierter Zustrom von Zuwanderern.

 Dies bedeutet, dass wir Menschen im Land haben wie A. Amri, der mit 14 verschiedenen Namen operierte, finanzielle Leistungen erhielt in verschiedenen Bundesländern, und – obwohl observiert und als Gefährder erkannt – unbehindert sich bewegen und agieren konnte. Man darf davon ausgesehen, dass A. kein Einzelfall ist. Man spricht von über 500 dieser Spezies.

 So dürfte man vielleicht einmal die Ursache beim Namen nennen: „Danke, Frau Merkel“ und umfassende Sicherheit fordern. Nur durch radikale Verantwortung kann eine einsame Entscheidung geheilt werden. Es ist bedenklich, wenn die Großzügigkeit unseres Landes so einfach auszunutzen ist. Missbrauch von Sozialleistungen im Bewusstsein der Tatsache, dass jedes 5. deutsche Kind unter die Armutsgrenze fällt, müsste Alarmsignal und Ausweisungsgrund sein. Wollen wir uns eine unkontrollierte Großzügigkeit wirklich erlauben? Wir meinen: Germans first!

 Es ist dringend an der Zeit, überalterte Rechtsgrundlagen der aktuellen Situation anzupassen. So lange abgewiesene Asylbewerber auf Bleiberecht klagen können, werden wir mit Sicherheit keine Innere Sicherheit erreichen.

Wir wünschen uns Konsequenz, maximale Anwendung der Gesetze, Schaffung von lückenlosem Identitätsnachweis, konsequente und sofortige Ausweisung von Menschen, die maßgeblich unsere innere Sicherheit gefährden und das soziale Netz ausnutzen. Vorschlag: Diese einfach mit einer Transall über deren Herkunftsland mittels Fallschirm zurückgeben.

Wir würden uns freuen, wenn Sie diesem Thema innerhalb der ZEIT Raum geben. –  Hermann Krose & Susanne Schumacher


Leserbrief zu „Alle Achtung“ von Jörg Lau

Wie kann man sich denn mit einer solchen Frage so vergaloppieren. “Was wird aus einem Westen,der ohne selbstverständliche amerikanische Vorherrschaft oder auch nur Führung auskommen muss?”

Von welcher amerikanischen Vorherrschaft ist denn hier die Rede?   Ist es die Vorherrschaft der Moral der US-Politik mit dem Ziel von Frieden in der Welt, die nun anstehende Auflösung von Guantanamo (in Amerika wird die Länge eines Jahres anders ermittelt,so zum Beispiel wie bei den Kreationisten wo der intelligente Mensch seit ca. 6000 Jahren über die Erde wandelt) . Oder sind es die Flugzeugträger, Atomwaffen, weltraumgesteuerte Überwachungssysteme zur Erhaltung des “Friedens” nach US-amerikanischer Lesart? Sind es die jetzt gerade stattfindenden Panzeraufmärsche in den Baltikstaaten und sogar der Ukraine um den unmittelbar bevorstehenden russischen Angriff auf Westeuropa zu blocken? Das alles wäre zu klären um zu begreifen, dass hier die Vorherrschaft “der Guten” selbstverständlich anerkannt wird. Was würden wir nur in der Vergangenheit gemacht haben, ohne diese moralische Faust im Nacken?

Diese eine,unter vielen, von Ihnen aufgeworfener Fragen, versteckt in einem ansonsten leidlichen Aufsatz zur Politkaffeesatzleserei des kommenden Jahres verärgert mich!

Eines sollten Sie doch wissen : Nichts ist beständiger als der Wandel! Und wir werden noch genau so weiterexistieren wie bisher, auch ohne Vorlesungen in genehmer Staatsbürgerkunde. Und ich glaube wir sollten uns an dem Mut der Briten, ganz abgesehen ihres seltsamen Votums zur EU, ein Beispiel nehmen. Da gilt es dann ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Lösungen zu suchen. Die wären dann am besten ohne Säbelgerassel der scheinbar wieder Kriegslüstern gewordenen “größten Demokratie”, Entschuldigung das ist ja Indien, der Erde und seiner wie, ich glaube, von ihr abhängenden Herrscherkaste in den verschiedenen Mitgliedsländern der NATO, insbesondere der Obersäbelrasseler von Washingtons Gnaden, ein gewisser ehemaliger Sozialdemokrat aus Norwegen. Der Name ist unwichtig.

Ich würde sehr gerne mit Ihnen in einem gemütlichen Kaffee oder auch Bistro über all diese Fragen ein seriöses Gespräch führen, weil es mich brennend interessiert wie abhängig Sie, der sicher der Atlantikbrücke angehört, sind, und wie Sie ihre Geisteshaltung begründen, dass Sie der Meinung sind Amerika habe das “selbstverständliche Recht” bzgl. der Vorherrschaft der westlichen Hemisphäre. Aber das Alles ist ja vielleicht nur eine Vermutung, ein Denkspiel Ihrerseits. Dann wäre meine Post an Sie gegenstandslos. – Wolfgang Schuckmann


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Julia Friedrichs zitiert in ihrem Artikel über die Kinderarmut (DIE ZEIT, 5.01.2017, S. 54) die Ministerinnen Ursula von der Leyen, Manuela Schwesig und Andrea Nahles mit ihren folgenlosen Klagen über die Kinderarmut. Auch die Autorin stimmt in diesen Chor der Klagen ein, doch scheint Frau Friedrichs, bei der Erklärung für die Gründe der Erfolglosigkeit zu kurz zu greifen. Einer der wichtigsten Gründe dafür, dass sich Politiker so wenig um Kinder kümmern, ist wohl der, dass Kinder keine Wähler sind. Bei den Wahlen zu unseren Parlamenten sind Kinder mit keiner Stimme vertreten. Als ich mich diesbezüglich 2010 an das Familienministerium mit der Bitte wandte, sich um dieses Thema zu kümmern und es nach vorne zu bringen, bekam ich aus dem Familienministerium unter Kristina Schröder die trockene Antwort, für das (Kinder-)Wahlrecht sei das Bundesministerium des Innern zuständig. Solange sich nicht einmal das Familienministerium um die politische Berücksichtigung von Kindern kümmert, wird sich an der Lage der Kinder in unserem Staat nichts Wesentliches ändern. Vielleicht könnte DIE ZEIT dieses Thema wenigstens wieder einmal in die öffentliche Diskussion bringen. – Dr. Wolfgang Breidert


Leserbrief zu „War er’s?“ von Kerstin Kohlenberg

Frau Kohlenberg hat die Lage genau analysiert und das „Kyrillische“ als Sprache entdeckt. Die Sprache des Internet ist das Angloamerikanische, sein Alphabet das lateinische. Wenn die Russen wirklich spioniert haben, mussten sie letztgenanntes benutzen. Ins „Kyrillische“ übersetzen!

Da haben die US-Schlapphüte ja was ganz tolles erfunden. Mit einer solchen Nachricht kann man nur ganz dumme Leute fangen. Dass die Russen in einem Land spionieren, das vor ihrer Haustür Raketen aufstellt, ist selbstverständlich.

Dass sie die Wahl beeinflusst haben, ist unwahrscheinlich. Da die Amerikaner das aber in aller Welt tun, zuletzt in der Ukraine vor den Toren Russlands, glauben sie das Gleiche von den Russen, oder sie wollen uns das glauben machen. – Hartmut Winterfeldt


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Danke für die schöne und sehr persönliche Schilderung ihres großen Vorbildes Jesus von Nazareth.

Ich habe mich persönlich in vielem wieder gefunden , und doch eines fehlt mir , und für mich ist das sehr wichtig nur leider wird darauf seitens der Kirche fast ganz vergessen.

 Sie schreiben , „was mich ausmacht ist allein die Antwort auf die Frage , wie ich zu meinen Mitmenschen bin …..

Ja sehe ich genauso !, aber nicht nur das , sondern wie ich zu allen andere Geschöpfen Gottes bin , sie sind , so finde ich , Gottes vergessene Kinder.

Und für mich schließt das auch alle andere Natur mit ein, das wäre meine ganz persönliche Ergänzung zu ihrem schönen Beitrag gewesen Liebe Grüße aus der Steiermark! – Herbert Mayrhofer


Leserbrief zu „Kunst taugt nicht als Maske“ von Jens Jessen

Herr Jessen wird viel Beifall bekommen für seine vordergründig richtige Aussage, dass „nur ein tadellos tätiges Unternehmen auch einen glaubwürdigen Kultursponsor abgibt“. Ja – soll die Deutsche Bahn doch erstmal für pünktliche Züge sorgen, statt die „Stiftung Lesen“ zu unterstützen! Und Audi soll nicht weiter die Audi Jugendchorakademie sponsern, weil man sich doch als Mitbeschuldigter im Rahmen der Diesel-Affäre im „moralischen Zwielicht“ befinde.

Mit Verlaub – das ist arg weltfremd, dünkelhaft und wohlfeil. Und es ist verantwortungslos. Denn folgte man in der Praxis dieser Überlegung, wäre das in der Konsequenz eine Katastrophe für den Kulturbetrieb. Große Unternehmen sind komplexe Gebilde mit vielen Tätigkeitsfeldern, Organisationseinheiten und Mitarbeitern.

Und die sind Menschen und machen manchmal Fehler. Bei VW und Audi haben vor vielen Jahren einige Ingenieure und Manager moralisch unkorrekt gehandelt, um im Rahmen eines Projekts größere Millionenbeträge einzusparen, und die Unternehmen werden dafür jetzt Strafen in Milliardenhöhe zahlen müssen. Niemand ist über dieses Fehlverhalten mehr erschüttert als die über 99% der Mitarbeiter, die damit rein gar nichts zu tun haben. Soll jetzt auch die Jugendchorakademie, die durch viele Jahre harter Arbeit ein fantastisches Niveau erreicht hat, für diese Verfehlungen anderer in der Vergangenheit büßen? Nein, Kultur-, Wissenschafts- oder auch Sport-Sponsoring ist eine langfristig angelegte Sache, die auf Verlässlichkeit beruht und weitergehen sollte, auch wenn Flecken auf der weißen Weste des Unternehmens sichtbar geworden sind. Und wo bitte ist das blitzsaubere Unternehmen, das über jeden Zweifel erhaben ist und es auch immer sein wird?

Herr Jessen spricht von „Verrat an der Kunst“. Verrat an der Kunst wäre es, die Künstler im Stich zu lassen und sich aus der Verantwortung zu stehlen, weil man wegen eines Fehlers in der Vergangenheit in der öffentlichen Kritik steht. Andersherum hat aber jeder, der Sponsoring-Geld bekommt, das gute Recht, sich von seinem Sponsor zu trennen und dessen Geld nicht mehr anzunehmen. – Reinhard Otten


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Danke für Ihr grundehrliches, wahres, und schönes Jesus-Zeugnis. Das ist es: Jesus braucht keine „Bewunderer“- wie S.Kierkegaard sagte – sondern Nachfolger, die Sein Geist ermächtigt und in die Freiheit von den „Anforderungen der Gesellschaft“ führt, wie es Augustin erfahren hat: „Gib Herr, was Du befielst, und dann befehle, was Du willst.“ Es ist wahr, ohne die Kraft Seines Geistes sind wir überfordert, aber mit ihr können wir wie unsere Väter sagen: „Wer vor Gott kniet, kann vor Menschen gerade stehen.“ Ich grüße Sie herzlich und wünsche Ihnen weiterhin diese Demut überzeugender Jesus-Nachfolge. – Volkhard Scheunemann


Leserbrief zu „Ein Inder rechnet ab“ von Jan Ross

In der Tat scheinen Europa und Amerika schlecht gerüstet, das Weltgeschehen angemessen zu begreifen. Herr Puri bezeichnet die moralische Hysterie als einen der Gründe, die den Westen zu völlig überzogenen, den Realitäten der jeweiligen Länder nicht angemessenen Aktionen verleiten. Das Beispiel Libyen scheint dafür gut gewählt. Der notgedrungene Pragmatismus von Menschen aus Indien, China und Afrika hätte die Katastrophe, die sich dort Dank des westlichen Aktionismus abspielt, mit Sicherheit verhindern können. Was der Westen zudem einfach nicht verstehen will, ist die Tatsache, dass der Rest der Menscheit, ihm seine angebliche moralische Autorität schlicht nicht abkauft. Vom Kolonialismus mal ganz abgesehen, haben sich der Sturz eines gewählten iranischen Präsidenten Mossadegh, eines Salvador Allende in Chile, ein in Batteriesäure aufgelösten kongolesischen Präsidenten Lumumba, sowie die vielfältigen Kooperationen mit Diktatoren aller Art ins kollektive Gedächtnis der Menschen eingebrannt. Ein wenig mehr Bescheidenheit und Demut würden Europa und Amerika bisweilen besser zu Gesicht stehen als moralischer Rigorismus, der unglaubwürdig wirkt. – Dieter Schöneborn


Leserbrief zu „Auf den ersten Blick“ von Gero von Randow

Erlauben Sie mir eine Bemerkung zu Ihrem Artikel, speziell zu folgendem Satz:“Das Verbot ist nach Ansicht deutscher Gerichte sogar dann verletzt, wenn das Aussehen nur ein Motiv unter mehreren war, die Papiere zu verlangen“.

Das Aussehen beeinflußt immer die Art, wie wir Mitmenschen begegnen, auch bei den Polizisten. Je nach eigenen Erfahrungen oder dem woher auch immer vermittelten Image einer Gruppe sind wir vertrauensvoller, offener, mißrauischer etc. Die Nordafrikaner haben ihr Image nachhaltig ruiniert, deswegen hat die ganze Gruppe keine vertrauensvolle Behandlung zu erwarten, bedauerlicherweise auch die Personen, die dafür nicht verantwortlich sind. Dabei teilen sie dieses Schicksal mit vielen anderen Gruppen in der Vergangenheit und Zukunft. Als ich Anfang der 60er Jahre längere Zeit im Ausland war, wurde ich gelegentlich auch als Mitglied einer Mörderbande angesehen, die Millionen Juden ermordet hatte. Ich konnte das nur schweigend hinnehmen. Die Türken wurden sehr lange als nicht besonders bildungsorientiert wahrgenommen und entsprechend behandelt aufgrund der Erfahrungen mit den Deutschkenntnissen dieser Gruppe, was zum Beispiel dazu führte, daß ein sprachlich exzellenter Mensch Anerkennung bis Verwunderung hervorrief. Und nun teilen viele Nordafrikaner dieses Schicksal in unserem Land.

Den Gerichten, auf deren Entscheidungen ihr obiger Satz zurückgeht, müßte Realitätsverlust attestiert werden, wenn sie heute davon ausgehen, daß Nordafrikaner unvoreingenommen behandelt werden. – Dr. Walter Engel


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Der Artikel von Julia Friedrichs über Kinderarmut in Dtld. bringt gute Ansätze und Vorschläge
zur Behebung des gesellschaftlichen Problems. Der ökonomische Aspekt ist natürlich von großer Bedeutung: mehr Geld schafft bessere Rahmenbedingungen und bessere Resultate, jedoch nur wenn der
individuelle Wille des Betroffenen stark genug ist und die Vorbildfunktion des Umfeldes vorhanden ist …..

Dies kommt in der vorliegenden Analyse viel zu kurz. Ohne enorme Anstrengung auf allen Seiten – Kind, Familie, Schule, Wirtschaft, Politik – ist ein Aufstieg nicht zu realisieren. Dies gilt ebenfalls für Kinder und Eltern der gehobenen Schichten!

Auf die überzogenen Vorwürfe gegen die Politik und Gesellschaft möchte ich hier nicht weiter eingehen.
Ich verweise auf zwei Artikel, die der Autorin vielleicht nicht bekannt sein könnten:
1. „Stoppt den Niedergangsdiskurs!“ in Der Spiegel Nr. 38/2016, S. 56 ff.
2. Michelle Obamas Abschiedsrede im Weißen Haus am 6.1.2017: http://www.nytimes.com/2017/01/06/us/politics/michelle-obama-last-speech.html?emc=edit_th_20170107&nl=todaysheadlines&nlid=17347454&_r=0 – Wilfried Götting


Leserbrief zu „Alle Achtung“ von Jörg Lau

Ihr Artikel  hat mich sehr beeindruckt. In der Liste von „Denksportaufgaben“ habe ich zu der Frage, ob man die freiheitliche Ordnung neu justieren sollte, folgende Überlegung:

„Wir sind – mit Recht – stolz auf unseren Rechtsstaat. Jedoch braucht ein Rechtsstaat als Überbau eine moralische Grundhaltung oder – anders ausgedrückt – ein Verantwortungsbewusstsein der Personen, die in diesem Rechtsstaat leben und Verantwortung tragen. Diese Voraussetzung scheint zunehmend verloren zu gehen. Am Beispiel verantwortlicher Politiker oder Wirtschaftsführer möchte ich diesen Gedanken konkret erläutern.

 Es ist offensichtlich, dass die großen Probleme der Zuwanderung von Flüchtlingen ursächlich damit zusammen hängen, dass unsere staatlichen Organe versäumt hatten, rechtzeitig Vorsorge zu treffen, um eine große Anzahl von Flüchtlingen ordnungsgemäß zu registrieren. Damit wäre das herrschende Chaos zu vermeiden gewesen, in dessen Folge auch Kriminelle in unser Land gekommen sind. Die politische Verantwortung für das Versäumnis tragen auf Bundesebene  in erster Linie der Innenminister und die Bundeskanzlerin. Von beiden ist aber nie erwogen worden, persönliche Konsequenzen daraus zu ziehen. Im Gegenteil – beide wollen bei der nächsten Wahl wieder antreten und die Kanzlerin will weiter „dem Land dienen“. In diesem Klima ist es nicht verwunderlich, dass der Innenminister von Nordrhein-Westfalen die Verantwortung für die ungenügende Überwachung eines behördlich bekannten Terroristen auf die unübersichtliche Gesetzeslage schiebt.

Im Bereich der Wirtschaft passiert Ähnliches, was an den jüngsten Beispielen von zwei gefeierten Wirtschaftsführern zu erkennen ist. In beiden Fällen sind zu deren Amtszeit in ihrem Unternehmen kriminelle Vorgänge passiert, die nachträglich zu hohen Strafen für das Unternehmen und in der Folge, aus Kostengründen, auch zur Entlassung von unschuldigen Mitarbeitern geführt haben. Beide „Vorbilder“ lehnen mit dem Hinweis, dass sie von nichts gewusst hätten, jegliche Verantwortung ab und kassieren stattdessen noch Erfolgsprämien in Millionenhöhe.

Ein solches Verhalten von „Vorbildern“ wird auf Dauer das Klima in unserem Land vergiften – daran wird auch unsere vorbildliche Rechtsordnung nichts ändern.“ – Klaus Grieshaber


Leserbrief zu „Träumt weiter“ von Josef Joffe

In Bezug auf Trump hat sich Herr Joffe von Anfang an getäuscht, auch diesmal tut er m.E. so, denn Russland ist kein echter Gegner von USA: wirtschaftlich äußerst schwach, der richtige und gefährliche Gegner ist China. Nixon und Kissinger verbanden sich mit schwachem China gegen die Sowjetunion und jetzt Trump beabsichtigt das Gegenteil. Die von Herrn Joffe angeführten historischen Beispiele sind nicht adekvat, sie beziehen sich auf den Kalten Krieg. Seine Skorpionfabel ist halt nur sugesstiv… – Marek Pelc


Leserbrief zu „Wem gehört’s?“ von Josef Joffe

Ich verstehe, dass Sie die Pointe mit den „arabischen Zahlen“ nicht vermissen wollten… aber auch sie sind von den Indern „gestohlen“. – Marek Pelc


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Wie ist es möglich, dass vernunftbegabte und gebildete Menschen religiös gläubig sind? Die wichtigste Antwort darauf gibt wohl die Psychologie: durch emotionale Konditionierung in der Kindheit. Der Autor liefert durch seine religiöse Biografie dafür eine schöne Bestätigung.

Wie sonst könnte jemand, der imstande ist, biblische Texte zu lesen und zu beurteilen, den biblischen Jesus so einseitig positiv darstellen?

Der Verfasser schweigt sich aus über einen Jesus, der den Menschen nur hilft, wenn seine Glaubensbedingung erfüllt ist. Der den Widerspenstigen, den Zweiflern, den Spöttischen androht, sie ins Feuer zu werfen. Sie dürfen für ihr endliches Fehlverhalten unendlich lange leiden. Ist das Gerechtigkeit, gar Nächstenliebe? Was ist mit dem Jesus, der die Familien seiner Anhänger auseinander reißt und sie in die Armut stürzt – bis heute ein Vorbild für Sektenführer. Wo ist bei Trotier von einem Jesus die Rede, der auf autoritäre Weise Wahrheiten predigt, nur selten angefochten durch Selbstzweifel? Wo von einem, der großspurige Versprechungen macht über die grandiose Zukunft seiner Jünger im Jenseits? Die irdische Endzeit werde noch zu deren Lebzeiten kommen.

War wohl nichts. – Wolfgang Graff


Leserbrief zu „Alle Achtung“ von Jörg Lau

Dass Sie ohne „postfaktisch“ auskommen, gebührt Ihnen Lob. Über Israel aber schreiben Sie in Ihrer gewohnten Bewährungshelfer-Attitüde. – Marek Pelc


Leserbrief zu „Ein Inder rechnet ab“ von Jan Ross

Was für eine intelligenter Beitrag. Besser kann man es kaum sagen: „Eure politischen Führungen fallen einem Journalismus zum Opfer.“ Hardeep Singh Puri sagt das, was ich schon immer gepredigt habe, auch gegenüber der „Zeit“. Auch die übermäßige Gefühlsduselei steht dafür Pate .

Die politische Führung  in Singapur, wo ich über 4 Jahre gelebt habe, denkt ähnlich. Der leider verstorbene Staatschef Lee Kuan Yew hat schon Ende der 70er Jahre vorausgesagt, das Europa auf Dauer keinen Bestand haben wird.

Der Zerfallsprozess ist bereits in vollem Gange. Ich sehe auch keinen Ansatz der etablierten Parteien das signifikant zu ändern. Ohne Not wird sich Europa selbst auflösen, das ist der eigentliche Skandal. – Gunter Knauer


 Leserbrief zu „Wiederbelebung als Mission“ von Elisabeth Niejahr

Sie schreiben „… dreht den Autoschlüssel im Zündloch, aber es bewegt sich nichts.“. Das wundert mich gar nicht, denn in das Zündloch einer mittelalterlichen Vorderladerkanone steckte man eine brennende Lunte, damit sich die Kanonenkugel bewegte. Den Zündschlüssel steckt man dagegen normalerweise in das passende Zündschloss …

Andererseits könnte man die von Ihnen präzise beschriebene Mission von Herrn Vogel und seiner FDP im Wahljahr 2017 durchaus mit einem „Ritt auf der Kanonenkugel“ charakterisieren :) – Harald Kapitza


Leserbrief zu „Uhren sind moderne Diktatoren“ von Amrai Coen Und Björn Stephan

Mit großem Interesse habe ich das Interview zum Thema „Zeit“ mit Professor Karl-Heinz Geißler gelesen. Der Gründe sind mehrere: Zum einen habe ich seit meiner Kindheit ein besonderes Verhältnis zur Zeit, was auch ein Beweggrund für den beigefügten Essay aus dem Jahre 1999 war.

13 Jahre später dann las ich ein Interview in der SZ zum Thema „Zeit“. Der Gesprächspartner war – Sie werden es erraten – Prof. Geißler.Natürlich ließ ich ihm meine Abhandlung zukommen:

„… herzlichen Dank für Ihren klugen Text über die Zeit. Ich habe ihn gern gelesen…“. Ja, über diese Reaktion habe ich mich schon sehr gefreut. Und jetzt, weitere vier Jahre später, ist der Auslöser dafür, mein Traktat erneut auf den Weg zu bringen, ein Interview zum gleichen Thema in der ZEIT…

Gewiß, der kommunikationstechnische Hintergrund hat sich in dreizehn Jahren geändert. Aber vielleicht ist es ja gerade das, was den Beitrag so ‚zeitlos‘ macht?

Mit freundlichen Grüßen aus Mourèze – einer Gegend, in der die Leute etwas anders mit der Zeit umgehen –  Dieter J Baumgart


Leserbrief zu „Danke, Mr. President!“ von Melvyn Krauss

Kann mir jemand die Schlussfolgerung von Melvyn Krauss erklären, warum eine höhere Inflation in den USA den Wert des Euro schmälern sollte ? Bisher war es jedenfalls so, dass höhere Inflation regelmäßig die Abwertung der eigenen Währung zur Folge hatte, jedenfalls keine Aufwertung. Oder handelt es sich hier etwa um einen Übersetzungsfehler? – Frank Lamprecht


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Ich bin sehr dankbar für die Darstellung von Herrn Trotier, wie  Glauben funktioniert.  Nebenbei: Monotheistisch geht sie natürlich nicht.

(Jesus und Gott in dem Fall.) Aber es macht mich schon betroffen, wie weit der Graben zwischen Aufklärung  und  Religion noch ist.

Vielleicht ist es genetisch? Auf jeden Fall freue ich mich für Herrn Trotier, das sein Jesus ihn davor bewahrt hat, schon als Baby in Afrika zu verhungern und ihm eine Messdiener- Karriere in Iserlohn ermöglicht hat. – Oswald Baumeister


Leserbrief zu “ Vom Gehetzten zum Gestalter“ von Heinrich Wefing

Einen großen Dank an Heinrich Wefing, der die Zentralisierung der Sicherheitspolitik in Deutschland in seinem Artikel kurz und knackig auf den Punkt bringt. Dank natürlich auch an de Maiziere, dass er bereit und in der Lage ist aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Wefing hat recht: die Legitimation des Staates steht auf dem Spiel und wir hoffen sehr, dass es gelingen möge, die staatliche Kontrolle zurückzugewinnen.

Der Fall Amri hat zur Genüge bewiesen, dass die Zusammenarbeit der Landesbehörden mangelhaft ist ähnlich wie auch bei der NSU. Wir brauchen effektive koordinierende Funfktionen beim Bund , auch angesichts der russischen Versuche zur Wahlbeeinflussung. –  Dr. Hans-Jürgen und Renate Salz


Leserbrief zu „Auf den ersten Blick“ von Gero von Randow

Das war ein sehr ausgewogener Artikel, der mir geholfen hat, meine Gedanken zu dem Thema ein wenig zu klären. Vielen Dank dafür.  – Barbara Ostrop


Leserbrief zu „Gut ist gut genug“ von Kerstin Bund

Vielen Dank fuer diesen sehr lesenswerten Artikel! Ich habe mich besonders gefreut, dass Sie auch darauf hinweisen, dass wir Frauen mit verantwortlich sind fuer manche fehlende Unterstuetzung. Ich habe schon oft erlebt, dass Frauen einerseits ueber mangelnde Mitarbeit ihrer Maenner klagen, aber andererseits darauf bestehen, dass alles genau so gemacht wird wie es ihnen richtig erscheint bzw. Maennern nicht zutrauen, die Arbeit vernuenftig auszufuehren. Mit einer solchen Haltung kann man vielleicht Hauspersonal zur Arbeit anleiten, aber wohl kaum einen mitdenkenden Partner. Auch die wechselseitigen Verurteilungen der Frauen untereinander sind mir wohl vertraut. Wie schoen, dass sich endlich mal jemand traut das auch offen auszusprechen. – Sabine Moehler


Leserbrief zu „Geschwaechte Richter“ von Elisa Hoven

Endlich mal ein Artikel wie ich ihn mir von der Rubrik „Recht und Unrecht“ erhofft hatte, als sie eingefuehrt wurde! Statt Sex und Gewalt ein gut geschriebener Hintergrundsbericht ueber ein Thema, das in den Medien wenig bis garnicht vorkommt. Ich hoffe Ihr Artikel bleibt keine solche Ausnahme wie er sie derzeit darstellt. – Sabine Moehler


Leserbrief zu „Auf den ersten Blick“ von Gero von Randow

Ausweis zeigen als Diskriminierung? Wegen sowas sind Leute gekränkt? Das riecht nach Verwöhnaroma. Fenster auf und weg damit. Als ich in den ersten Jahren der 80er an der deutsch-französischen Grenze lebte – es war noch eine wirkliche Grenze – und mit dem Bus von Kehl nach Strasbourg fuhr, musste ich immer dann meinen Ausweis zeigen, wenn ich in meinem schmutziggrünen Parka unterwegs war. In normalen Klamotten nicht. Daraus habe ich eine Langzeitstudie gemacht. Und siehe da: Immer im Parka musste ich meinen Ausweis zeigen, in normalen Klamotten fast nie. Es war die Post-RAF-Zeit. Racial Profiling für Deutsche. Die Haltung gab es schon, den Begriff noch nicht. Was ich nicht verstanden habe ist, dass die Grenzbeamten doch wissen mussten, dass niemand mit praktizierter krimineller Energie sich durch Revoluzzerklamotten outen würde, sondern unauffällig wäre. Wie die Leute in Stuttgart, die die Fahrkartenkontrollen in öffentlichen Verkehrsmitteln einst durchführten: Typ Hausfrau mit Einkaufstäschchen oder Rentnertyp mit Baumarkt-Plastiktüte und dergleichen.

Heute sind viele Deutsche harmlos, auch wenn sie beige, gelb, braun oder schwarz aussehen. Es gibt aber kein Zeichen, z.B. ein Pickel zwischen den Augenbrauen, der nur wächst, wenn man die deutsche Staatsangehörigkeit hat und noch nie straffällig war.

Diszipliniert und solidarisch müssen wir durch diese Zeiten durch. – Heike Schalles


Leserbrief zu „Polizisten allein schaffen es nicht“ von Caterina Lobenstein

Seit Herbst 2014 wohnen wir in direkter Nachbarschaft einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Sasel für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge im Alter von 14 bis ca. 18 Jahre. Weder verstehen die jungen, männlichen Flüchtlinge unsere Werte, noch gelingt es den deutschen Betreuern ihnen die Verbindlichkeit unserer Gesetze und Werte zu vermitteln. In von uns u.a auch mit arabisch sprechenden Betreuern geführten Gespräche aus dem Kulturkreis der Jugendlichen in dieser Unterkunft, sagten uns mehrfach diese Betreuer, im dabei sein der Jugendlichen, dass deutsche Gesetze und Werte für die Jugendlichen nicht gelten würden, diese wären ja Moslems.

Diese mangelhafte und inkonsequente Betreuung wird gravierende Auswirkungen bezüglich Akzeptanz und Integration der Flüchtlinge für die Zukunft haben. – Edda und Mathias Minuth


Leserbrief zu „Hier herrscht Klassenkampf“ von Caterina Lobenstein

Ihr Artikel ist ausgezeichnet, er erfüllt die Erwartung die man an eine Zeitung hat: berichten und erklären. Deswegen leiste ich mir Die Zeit auch noch als Arbeitsloser. Jedoch: Warum erst jetzt? Jahrelang hat Ihre Zeitung genau wie die anderen auf die AfD reagiert: lächerlich machen, einseitig kritisieren, Anhänger als zurückgeblieben beschreiben. So wächst die Popularität des Begriffs Lügenpresse.

Dies ist kein Vorwurf, sondern Interesse: Erklären Sie bitte. – Frank Hrebabetzky


Leserbrief zu „Alle Achtung“ von Jörg Lau

Ein sehr nachdenklicher Artikel: Alle Achtung!   Sie haben völlig recht: Der Blick auf die Welt ist,wegen ihrer Komplexität, unübersichtlich,  aber keineswegs unbegreiflich! Voraussetzung dafür ist neben einer guten Bildung,  einem analytischen Kopf und die Kraft, ein Problem lösen wollen.   Wäre die Welt ein Meer, dann wären die Politiker m.E.  wie Schiffbrüchige, die in ihrer Panik nach  absolut Allem greifen, was da angeschwommen kommt. Der Wille zum Überleben im Meer der  Intrigen zwischen Kollegen, Parteien und Medien ist da primär und weniger die Lösung eines Problems!

Ein Beispiel: In der Griechenland Krise wollte man Europa retten, weil das Hemd näher erschien als die entferntere Jacke.  Bis sich herausstellte, daß die Jacke (sprich Flüchtlinge) das weitaus größere Problem war. (Und das Problemhemd verlor man, aus Kapazitätsgründen, bis Wiedervorlage aus den Augen !!!)

Daß dieses Jackenproblem von der Schiffbrüchigen Frau Dr. Merkel nicht gesehen wurde, lag nicht daran, daß es unbegreiflich war, sondern am Unvermögen in einer komplexen Welt durch gutes Datenmaterial und  durch Problemanalyse (eine naturwissenschaftliche Basismethode!) eine Ordnung zu schaffen,  die zu Entscheidungen befähigt hätte. Das fand aber nicht statt, weil sie auch nach einem Jahr Chaos  im Flüchtlingsproblem (s. der Wille zum Überleben…) immer noch behauptete: Wir schaffen das!   Und so grapscht unsere selbstverschuldet schiffbrüchige Regierung weiterhin hektisch nach Allem, was Rettung verspricht! Wie z.B. nach Herrn Erdogan.

Weil in diesem Meer aus selbstverschuldeter Unwissenheit alles Mögliche immer wieder als scheinbare Rettung erscheint,  habe ich jede Hoffnung aufgegeben, von Politikern Problemlösungen zu erhoffen.  Das wird wohl “die ordnende Kraft des Faktischen” übernehmen müssen. Und dann tut es weh!!! – Klaus Riediger


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

In allen Punkten gebe ich ihnen Recht. Dennoch Bei ihrem Fazit was zu tun waere springen sie in die gleiche Ecke in der die quartalsweisen Sprechblasenentleerer auch schon stehen. Mein Frau ist Familienhebamme und hat mit den Janinas Ercans und Saschas zu tun wenn sie noch Baby sind.  In diesen Familien , denen man vom Jugendamt eine Familienhebamme zuweist, sind oft aeltere Kinder und man  kann   wie in einer Zeitmaschine  sehen , wie sich das Leben der Mutter oder Eltern in die Kinder praegt.

Mich packt die kalte Wut wenn ich sehe, dass das Kindeswohl koerperliches Wohl meint. Alle Eltern in Deutschland haben das Recht ihre Kinder zu verdummen wie es ihnen gefaellt. Niemand darf einschreiten , wenn Saeuglinge schon mit der Glotze oder aeltere Kinder mit der Zuckerteeflasche ruhiggestellt werden.

Was waere zusaetzlich zu tun?

Die Niederlaender schreiben die Eltern ab ,alimentieren diese dennoch in Wuerde und kuemmern sich intensiv um alle Kinder in solchen Familien. Damit sind die Niederlande in der Praevention deutlich weiter als Deutschland. Wobei in Deutschland der Grund fuer das Hinterherlaufen in der foederalen Struktur und dem Ehrgeiz von 16 unabhaengigen Sozial- und Bildungssystemen liegt. Fuer die Polemik bedanke ich mich. Anders kann man unsere wirkungsschwache Sozial und Familienpolitik auch nicht ertragen. – Markus Harder


Leserbrief zu „Träumt weiter“ von Josef Joffe

Aus österreichischer Sicht einige Bemerkungen:

Allgemein wird mit Schweigen übergangen, dass der Ost-Westkonflikt eine religiöse >Ursache hat:  Das große Schisma, das die orthodoxen Kirchen von den westlichen Kirchen trennt. Schon 1914 entschied Zar Nikolaus II. – als Oberhaupt aller Orthodoxen – gegen den leidenschaftlichen Widerstand seiner Regierung –und unerwartet für Österreich-Ungarn – Russlands  Mobilmachung  Russlands. Diese führte bekanntlich zum Ersten Weltkrieg. Auch die römisch-katholische Kirche förderte entscheidend die „Machtergreifung“ Adolf Hitlers und seiner Nationalsozialistischen Partei (Reichsermächtigungsgesetz 1933, Reichskonkordat 1934), um das – vermeintlich durch die Revolution geschwächte – Russland zu erobern und die Orthodoxie  mit der Papstkirche gleichzuschalten. Der Holokaust wurde als Kollateralschaden in Kauf genommen – von vielen erwünscht.

Nach dem bewaffneten Überfall auf Österreich am 11.3.1938, der Österreich von allen nationalsozialistischen Verbrechen und seine Jugend vom Wehrdienst in der deutschen Wehrmacht freigehalten hätte, intervenierte die r.k. Kirche – durch den allein zuständigen Papst – mit der „feierlichen Erklärung der österreichischen Bischöfe vom 18.3.1938“ und verpflichtet alle österreichischen Katholiken – damals alle Österreicher außer den gleichzeitig grausam verfolgten Juden-  zur Botmäßigkeit unter den Nazi-Herrschern. Als in Stalingrad das Kriegsglück sich sichtbar wendete, tat dies auch die österreichischen Landeskirche. Die wenigen überlebenden Österreicher der Schlacht von Stalingrad erbaten von ihren russischen „Feinden“ die Restauration ihres – von der r.k. Kirche abgemurksten – Österreich.  Russland erfüllte – im Eivernehmen mit seinen Verbündeten diesen Wunsch mit dem „Staatsvertrag vom Belvedere“ vom 15.5.1955, dem einzigen echten Friedensvertrag des 20. Jh., weil ohne Kriegsschuldklausel.

Dies erzwang  Österreichs heiligmäßiger Staatsmann Leopold Figl, obwohl Landwirt, wissend, dass ein Friedensvertrag mit Kriegsschuldklausel eine Erklärung des Vergeltungskrieges sei (Versailles). Angestiftet von seinen inneren Feinden, wollten die U.S.A. und ihre Spießgesellen in der NATO , Österreich um diesen Frieden bringen, indem sie seinen als Familienvater  in Ehren ergrauten Bundespräsidenten von untadeligen Ruf Dr. Kurt Waldheim als“Nazi-Butcher“ auf die Watchlist  setzten. Diese Erklärung der NATO gegen Österreich eines Vernichtungskrieges blieb – vorerst – verbal – ., weil Russland – und alle Nichtmitglieder des Kriegsverbrecherbündnisses Nato – sich nicht beteiligten. Durch diese Infamierung eines unbescholtenen Familienoberhauptes  stürzte die NATO-  Mitgliedsstaaten  vom Rang von souveränen auf den von Banditen ab.. Was nun das weitere Schicksal der NATO betrifft, so bewegte „Die Arroganz der Macht“ Präs. George Bush II zum mit offenkundigen Lügen begründeten Raubkrieg im Irak, verbunden mit der Plünderung des für die Menschheit unersetzbaren Antikenmuseums in Bagdad, ferner zur gesetzlosen Gefangennahme verbunden mit schamlos-öffentlicher Folter.

In meinem Wohnzimmer fand die Hinrichtung durch den Strang  des  -vermeintlich – besiegten Feindes Saddam Hussein statt. Unter seinem Nachfolger Barak Obama ward mir das Vergnügen zu Teil, seinem eigenhändigen Abmurksen eines ihm unsympathischen Menschen zuzusehen  und sein Verbündeter, Präs. Karssai , beklagte, dieser „Friedensnobelpreisträger“ habe in seiner Amtszeit mit 1,600 „Drohnen“ = Blindekuhbomben – zentausende Unschuldige massakriert.  Daher versuche ich, Donald Trump zu einer zivilisierten  Militärpolitik ohne gesetzlose Gefangenschaft, Folter und  Meuchelmorde zu bewegen. Bis dahin befindet sich die Republik Deutschland in der NATO  in einer sehr schlechten Gesellschaft. Und der militärische Schutz der U.S.A. erinnert an die Erzählung Tolstojs in „Krieg und Frieden“:  „Nach der verlustreichen Schlacht von Borodino ging Napoleon über das Schlachtfeld und sagte zu seinen Offizieren: Gott sei Dank sind die meisten Gefallenen nur Deutsche!“ – Dr. Otto Ludwig Ortner, RA. em. Absolvent der theol Kurse der Erzdiözese Wien


Leserbrief zu „Gut ist gut genug!“ von Kerstin Bund

In Ihrem Artikel Gut ist gut genug! schreiben Sie, dass Sie eine Frau als Vorbild für die Mutterrolle suchen. Und am Ende des Artikels, dass Sie nun Ihren Weg gefunden haben und kein Vorbild mehr brauchen. Zur Bestätigung möchte ich Ihnen meine Erfahrungen schildern.

Ich habe einen Sohn, 21 Jahre, und eine Tochter, 14 Jahre. Ich habe immer in Vollzeit gearbeitet, ebenso mein Mann. Aber das berühmte schlechte Gewissen hat mich nie geplagt. Und unter Schlaftmangel habe ich auch nie gelitten. Folgende Punkte haben uns dabei geholfen:

– Mein Mann und ich haben uns sowohl Hausarbeit als auch Kinderbetreuung gerecht geteilt. Zwar habe auch ich „mütterliches Gatekeeping“ praktiziert, aber nur in überschaubarem Ausmaß: Ich wußte, welche Impfungen anstanden und ob die Kinder neue Schuhe brauchen. Im Gegenzug habe ich mich z.B. beim Kochen vollständig rausgehalten.

– Wir hatten – als die Kinder klein waren – sehr kurze Arbeitswege. Zudem waren unsere Arbeitszeiten relativ flexibel. Das verringert die Belastung und hilft bei Arztterminen und Weihnachtsfeiern im Kindergarten.

– Wir haben uns auf Kinder und Beruf konzentriert. Unsere Freizeitbeschäftigungen drehten sich hauptsächlich um die Kinder. An Wochentagen haben wir abends mit den Kindern gegessen und gespielt, am Wochenende haben wir einen Ausflug an einen See, in den Zoo oder in ein Museum gemacht. Die Urlaube haben wir in einer Ferienwohnung mit vielen Ausflügen verbracht. Und zum Lesen blieb immer noch Zeit, wenn die Kinder im Bett waren.

– Wir haben zwar manche, aber nicht jede vermeintlich wichtige Frühförderung mitgemacht. Meine Kinder waren weder beim Frühschwimmen noch bei der musikalischen Früherziehung, aber beim Frühenglisch. Ich denke, man tut seinen Kindern einen großen Gefallen, wenn man sie einfach spielen lässt. Auch das Frühenglisch war unsinnig.

– Wir hatten Unterstützung von den Großmüttern. Allerdings wohnen beide 500km entfernt. Aber immer, wenn die Kinder krank waren, kam eine Oma. Und manchmal auch zwischendurch. Umgekehrt haben die Kinder dort gerne Ferien gemacht. So hatten wir immer mal wieder eine Woche, in der wir besonders viel arbeiten und abends auch mal ausgehen konnten.

– Die Hausarbeit ist bei uns recht gut organisiert. Wir kochen jeden Tag, aber Extras wie der von Ihnen genannte Blumenstrauß gibt es nicht. Und nicht jede Kinderhose muss gebügelt werden. Und wenn wir etwas in den Kindergarten mitbringen sollten, habe ich einen Käsekuchen gebacken: Zeitaufwand 20 Minuten.

Es gibt natürlich Grenzen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wenn ein Kind gesundheitliche oder psychische Probleme hat, müssen die Eltern im Beruf kürzer treten. Und wenn ein Elternteil eine 60-Stunden-Woche hat, wird es schwierig, wenn das andere Elternteil nicht beruflich kürzer tritt. Aber auch das Bedürfnis der Eltern, Zeit ohne Kinder zu verbringen, sei es beim Sport, mit Freunden oder auf Reisen, sollte zulasten des Berufs und nicht der Kinder gehen.

Meine Kinder jedenfalls sind „gut geraten“, es fehlte und fehlt ihnen nichts. Ich bin überzeugt, dass nichts besser gewesen wäre, wenn ich Teilzeit oder gar nicht gearbeitet hätte. Ganz im Gegenteil: Mit meinem Vollzeitjob war ich sicherlich ausgeglichener und entspannter. –  Dr. Jutta Biltzinger


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Vielen Dank für Ihren klugen und berührenden Beitrag in der Rubrik „Glauben & Zweifeln“, der mir aus dem Herzen spricht. Ich freue mich, dass in einer überregionalen Zeitung dieser Artikel Platz gefunden hat in der Hoffnung, dass möglichst viele Leser auf ihn aufmerksam und von ihm angesprochen werden. Alles Gute für Sie! – Marion Zimmer-Roland


Leserbrief zu „Mein Wortschatz“ von hannes Mittermaier

Auch hier im Alemannischen, dem neben dem Bairischen anderen großen Dialektraum des Oberdeutschen, kennt man Ihr In-Keit-Lassen, nämlich als  „loss mi ukeit (umkeit)“, also lass mich umgefallen/liegen und damit in Ruhe. Das Alemannische Wörterbuch verweist hierzu auf das Deutsche Wörterbuch, 4.2.1, Sp. 2340 und somit auf das mittelhochdeutsche  „geheien“, das u.a. auch hinwerfen bedeutet. Dieses Wort ist also eines der vielen, die Bairisch und Alemannisch aus dem Mittelhochdeutschen bewahrt haben. – Volker Morstadt


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Für den Artikel zum Thema Vorbilder von Kilian Trotier- Der Herausforderer-Jesus  Möchte ich mich herzlich bedanken!! Ein wohltuender, ehrlicher Beitrag. Für uns als überzeugte und begeisterte Christen und Jesus-Nachfolger eine realistische Darstellung des Lebens als Christ im ganz normalen Leben und Alltag mit seinen Herausforderungen. Er ermutigt hoffentlich viele Leser, sich auch auf diesen Weg zu begeben. Es gibt nichts zu verlieren- aber alles zu gewinnen! Diesen Artikel kann man auch gut an Interessierte weitergeben, die Fragen zum christlichen Glauben haben. Also: meine Dank an den Autor und  das Team, das entschieden hat, ihn zu veröffentlichen!! – Ingrid Seeck  


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Da ich mich gedanklich gern  im säkular- religiösen Spannungsfeld  unserer  Gesellschaft  bewege, gehört  Ihre Rubrik  „ Glauben  & Zweifeln „  zu meiner allwöchentlichen Lieblingslektüre. Doch ich frage mich zunehmend, was Sie eigentlich  unter  „ Zweifeln „ verstehen?

Denken Sie ganz überwiegend  an  Menschen, die  im  Glauben  zweifeln oder schreiben Sie auch  für Leser, die außerhalb  der  christlichen Offenbarungsreligion  Sinnerfüllung  suchen ?

Sollte Letzteres der Fall sein, möchte ich Bedenken an der Ausgewogenheit  Ihrer  Beiträge anmelden.
Sicher ist Ihnen bewusst,  dass  etwa ein Drittel der Bundesbürger  keiner der beiden großen  christlichen Konfessionen angehört und bei dem verbleibenden Rest sich eine zunehmende  Ignoranz gegenüber fundamentalen dogmatischen Auffassungen der Amtskirche ausbreitet. Da helfen alle theologischen  Interpretations-und  Auslegungskünste nur begrenzt. – Günter Bergmann


Leserbrief zu „Hier herrscht Klassenkampf“ von Caterina Lobenstein

Herzlichen Dank für Ihren anschaulichen Artikel über Bitterfeld, Afd etc.. Ich habe bisher einen ganz anderen Eindruck von der Lebenssituation der dortigen Bevölkerung gehabt; den muss ich jetzt drastisch korrigieren.

Diese Leute verdienen wirklich unser Mitgefühl (und Hilfe) und nicht die Bundespolitiker oder Frau Merkel, wie es Die Zeit in den vergangenen Wochen (z.B. Herr B. Ulrich) des öfteren getan hat.

Ihnen nochmals herzlichen Dank und alles Gute für 2017. – Reimond Rohde


Leserbrief zu „Pikettys Lehrer“ von Lisa Nienhaus

Vielen Dank für die Informativen Zeilen zu Anthony Atkinson, dessen Buch „Ungleichheit“ mir derzeit interessanten Lesestoff bietet.

Sie zitieren den Wisschaftler in ihrem Beitrag in der ZEIT 2/2017 mit den Worten „Dieser Aufsatz würde sicher mehr Leser finden, wenn er zu dem klaren Ergebnis gekommen wäre […]“. Können Sie mir die dazu gehörige Primärquelle nennen? Sicher habe ich diese Aufgrund der Übersetzung ins Deutsche nicht finden können. – Michael Engelmann


Leserbrief zum Titelthema „Was ist heute ein Vorbild?“

Das ist Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow   * 1939, ein Oberstleutnant a. D. der Sowjetarmee. Am 26. September 1983 stufte nur er als leitender Offizier in der Kommandozentrale der sowjetischen Satellitenüberwachung einen vom System gemeldeten Raketenangriff der USA auf die UdSSR als Falschalarm ein. Ein neues Computersystem hatte nacheinander zwei US-amerikanische Interkontinentalraketen Abschüsse registriert. Dies löste den count down des russischen Atomgegenschlages aus. Petrow konnte nicht wissen, dass durch Wolken fallende Sonnenstrahlen das neue Computer-System getäuscht hatten. Aber er sagte sich, dass die Amerikaner nie so verrückt sein würden, mit nur 2 Raketen anzugreifen. Er drehte deshalb den Schlüssel zum Gegenschlag, der nur noch zwischen seinen Fingen lag, nicht herum. Damit verhinderte er als denkender Mensch den Maschinen Reflex, der uns alle umgebracht hätte in dem Atomkrieg, des befürchteten Dritten Weltkriegs.

(Er wurde für sein Verhalten weder belobigt noch belohnt aber auch nicht bestraft. Es deckte die Unzulänglichkeit des sowjetischen Militärsystems auf und rückte seine Vorgesetzten in ein schlechtes Licht. So bekam er von offizieller Seite einen Verweis für falsche Archivierung von Schriftangelegenheiten, und seine einst vielversprechende Karriere fand ein jähes Ende. Er wurde auf einen weniger heiklen Posten versetzt und verließ die Armee aus eigenem Entschluss wegen seiner kranken Frau. Petrow lebt seitdem in ärmlichen Verhältnissen als Rentner in Frjasino. Am 24. Februar 2012 wurde Stanislaw Petrow mit dem Deutschen Medienpreis ausgezeichnet. [Wickipedia]) – Prof.em. Dr.Hermann Zeumer


Leserbrief zu „Polizisten allein schaffen es nicht“ von Caterina Lobenstein

Als Lehrerin an einer Fachschule für Sozialpolitik habe ich Ihren Artikel mit Interesse gelesen. Jedoch ist mir nicht ganz klar, ob es sich bei der Forderung nach mehr Erzieher tatsächlich „nur“ um Erzieher handelt, also Männern mit einer entsprechenden Ausbildung oder ob Sie auch Erzieherinnen meinen. Ich finde diese Tatsache nicht ganz unwesentlich. Vielleicht meinen Sie ja, dass Männer, die als Erzieher in diesem Bereich tätig sind, pädagogisch zielführender aktiv werden können? Das wäre durchaus eine Herangehensweise, die diskussionswürdig ist.

Oder haben Sie die männliche Schriftsprache als allumfassende verwendet? – Ina Bagdenand


Leserbrief zu „Gut ist gut genug“ von Kerstin Bund

Sie schreiben zwar am Ende Ihres Artikels, dass Sie nun doch kein Vorbild suchen … aber ich finde schon, dass auch Frauen bzw. Mütter Vorbilder haben bzw. finden sollten. Auch ich, Jhg. 1969 mit drei erwachsenen Kindern, war und bin immer auf der Suche nach Vorbildern.

Allerdings teile ich nicht Ihre Meinung in Bezug auf das Vereinbarkeitsthema. Es tut mir sogar weh, immer wieder von Frauen hören zu müssen, dass Sie selber daran schuld sind, wenn sie es nicht schaffen und im Alltag gestresst sind. Der kapitalistischen Wirtschaftsweise wird es freuen, dies zu hören.

Als Coach begleite ich Frauen, die als Akademikerinnen innerhalb „ihrer“  Graduiertenakademie an einem Programm teilnehmen, das sich mit dem Thema „Kompetenzen“ beschäftigt. Die Frauen formulieren ganz deutlich, dass sie mit der Forderung nach einer erwartenden Vereinbarkeit überfordert sind. Ein wichtiger Schritt scheint mir zu sein, dass sie erkennen, dass sie nicht nebenbei Mütter sind, sondern, dass die Familienarbeit mehr als ein Vollzeitjob ist. Sie also über Jahre zwei Jobs, die gesellschaftlich gewünscht sind, gleichzeitig bewältigen müssen.

Vielleicht sollten Sie, als Autorin im Ressort Wirtschaft, die Thematik „Vereinbarkeit“ von der wirtschaftlichen Seite betrachten. Denn für die jahrelange Familienarbeit gibt es keinen Cent und keinen Euro. Ergo kommen Frauen bei der Bewältigung ihrer Aufgaben automatisch in eine Menge Zwänge. Ich schlage den Frauen oft ein Gedankenspiel vor: Wie würde sich ihr Alltag und ihr Leben gestalten, wenn, vom ersten Tag ihrer Schwangerschaft an, diese ihre Leistung und eben die Familienarbeit mit Geld (momentan die einzige Form von  Wertschätung für die Bereitstellung persönlicher Ressourcen an die Gesellschaft) honoriert werden würde? Sie für ihre Familienarbeit bezahlten Urlaub, Krankentage, Gehaltserhöhungen, … bekommen würde, so wie es in der Arbeitswelt in aller Regel üblich ist.  Die Antworten, die ich erhalte, sind spannend und aufschlussreich.

Feministische Ökonominnen und Ökonomen beschäftigen sich schon seit langer Zeit mit dieser Thematik. Ein Blick dahin lohnt sich! – Ina Bagdenand


Leserbrief zu „Erst mal wird gefeiert“ von Uwe Jean Heuser

Gustav Le Bon (1841-1931), Begründer der Massenpsychologie, hätte wohl der These 3 zugestimmt: „Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen mißfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.“

Sowohl Borniertheit als auch Opportunismus sind hiernach menschliche Grundübel, daran ändert aller technologischer Fortschritt nichts. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Hier herrscht Klassenkampf“ von Caterina Lobenstein

Der Bericht von Caterina Lobenstein über die desolaten wirtschaftlich-sozialen Verhältnisse im Raum Bitterfeld und den damit einhergehenden dramatischen Erfolg der AFD sollte einigen politischen Entscheidungsträgern endlich die Augen öffnen. Andernfalls werden – nicht nur in Ostdeutschland – in den nächsten Monaten und Jahren noch viele strukturschwache Regionen und/oder solche mit vergleichbarem sozialem Ungleichgewicht idealer Nährboden für extreme politische (oder auch religiöse) Gesinnung sein.

Den abgrundtiefen Fremdenhass der armen (natürlich gibt es auch ARME DEUTSCHE) Textilsortiererin kann ich keinesfalls gutheißen, dass sie angesichts der offensichtlichen Ungleichbehandlung der angestammten Belegschaft und der neu hinzugekommenen Hilfskräfte – Flüchtlinge – nicht erfreut ist, des Weiteren ständig Angst um ihren erbärmlichen, ungesunden und lausig bezahlten Arbeitsplatz haben muss, wird ihre Weltoffenheit jedoch kaum steigern. Die marode Infrastruktur, die infolge Geldmangels weiter verrottet, verwaiste Einzelhandelsgeschäfte im Stadtkern, indessen an der Peripherie Gigastores entstehen, die jedoch kaum oder gar keine Gewerbesteuern abwerfen der für viele Millionen kultivierte See, welcher von der angestammten Bevölkerung kaum genutzt werden kann, sondern nach und nach meistbietend privatisiert wird – mehr als geug Zündstoff für politische Verwerfungen. – Ulrich van Elst


Leserbrief zu „Zapfsäulen zu Steckdosen“ von Christian Frahm und Jürgen Pander

Das Laden in wenigen Minuten ist nur in seltenen Fällen ein relevanter Fall: wenn man Strecken fährt, die in einer Richtung länger sind als es die Reichweite des Akkus hergibt. Wenn man also drauf warten muss. In der weit überwiegende zahl der Zahl Fälle lädt ein E-Auto Zuhause oder am Zielort: beim Einkaufen, während der Arbeit, beim Sport, während der Kinobesuchs usw. Dort ist es egal, ob es eine oder mehrere Stunden braucht. Mit aktuellen Akkus kommt man bei behutsamer Fahrt 250 bis 400 km weit. Nur gehetzte Fahrer können dann keine halb- oder einstündige Pause machen. Danach wäre der Akku ist bei der heute verfügbaren 50 kW-Schnellladung wieder voll.

Wenn Audi-Chef Stadler eine Kaffeepause als Maßstab setzt, erhöhen sich die Kosten überproportional. Das ist unnötig.

Zur Klimabilanz von E-Autos (Lifetime Cycle) gibt es seit Jahren fundierte Untersuchungen, z.B. des Umweltbundesamtes:

https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/weiterentwicklung-vertiefte-analyse-der

Auch das BMUB hat sich dazu geäußert:

http://www.bmub.bund.de/themen/luft-laerm-verkehr/verkehr/luft-verkehr-download/artikel/klimabilanz-elektromobilitaet/

Danach ist ein Elektroauto auch unter Einbeziehung der kompletten Herstellung weniger belastend für das Klima als ein vergleichbarer Benziner pder Diesel.

Auch Mercedes Benz ist zu diesem Schluss gekommen beim Vergleich des Mercedes B als Benziner mit dem Mercedes B electric drive. Und das beim heutigen Strommix.

Schön wäre es, wenn die deutsche Automobilindustrie endlich E-Autos bauen würde, die die vorhandenen, sehr preiswerten  22 kW-Drehstrom-Ladesäulen voll nutzen könnte und dies nicht der kleinen Zoe von Renault vorbehalten bliebe. Für die Zoe gibt es nämlich annähernd ausreichende Ladesäulen, für VW und BMW, die auf die teure Gleichstromladetechnik angewiesen sind, leider nicht. – Reinhard Schmidt-Moser


Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Nach fast vierzig Jahren im Schuldienst stelle ich fest, a) an der beklagenswerten Situation zu vieler Kinder in unserem Land hat sich kaum etwas geändert, b) die Kritik daran wird folgenlos wiederholt und c) die Politiker versprechen vor jeder Wahl, dass Bildung zu ihren Zielen gehört, und wenden sich nach der Wahl „wichigeren“ Dingen zu. Warum ist das so?

Kinder (und Mütter) haben in Deutschland keine Lobby. Mein Vorschlag: Gebt jedem  Neugeborenen eine Stimme, also ein Wahlrecht, das bis zum 14. oder 16. Lebensjahr von den Eltern, im Zweifelsfall von der Mutter, wahrgenommen wird. Es komme niemand mit dem Totschlagargument, die Kinder seien nicht mündig! Es gibt Hunderttausende alter Menschen, die aufgrund von Beeinträchtigungen aller Art ihr Wahlrecht nicht selbst ausüben können und sich „helfen“ lassen müssen. Und es gibt Millionen Ewachsene, die sich nie um Politik kümmern und daher zu begründeten Wahlentscheidungen nicht in der Lage sind.

Mit dem Wahlrecht für alle würde sich die Situation von Kindern schlagartig verbessern, weil die Parteien – wie bei den Rentnern –  Wählerstimmen ernst nehmen, Kinderstimmen nicht. –  Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Hier herrscht Klassenkampf“ von Caterina Lobenstein

Ein super Artikel über Bitterfeld(-Wolfem), als gebuertiger Sachsen Anhaltiner mit Bindungen zu der Region kann ich Sie für die Reportage nur ausdrücklich loben: Sowohl die durch die Fabrikarbeiterin exemplarisch dargestellten Menschen als auch die (politische, landschaftliche, wirtschaftliche) Umwelt sind genau die Faktoren, die zum Problem Globalisierungangst führen. Man merkt, dass die Regionen hier durch gesellschaftliche Veränderungen abgekoppelt werden -jeder junge Mensch, der einigermaßen etwas auf sich hält, will weg. Das wissen auch die Konzerne, und schauen westlich, südlich, nördlich und ja auch östlich nach Sachsen, wo es zwar oftmals wieso oft im Kapitalismus an Schneid der Führungsregie mangelt, aber dennoch wirtschaftlich bergauf geht seit Jahren. Das leider graue Sachsen Anhalt bleibt da leider auf der Strecke, und wer kann, geht weg. Das ist dann natürlich Sprengstoff für Spannungen. Tja. Was bleibt u tun? Es gab glaube ich mal Überlegungen, S-A (hat uebrigens auch einen.Bindestrich im Namen) mit Thüringen und Sachsen zu „verschmelzen“.
Andererseits sehe ich für mein Bundesland bis auf Halle (wie Sie richtig geschrieben haben -naehe zu Lpz) und evtl. MD schwarz.
Only time.can tell…

PS mit Smartphone geschrieben, wlan geht nicjt, daumen schmerzt, gerne haette ich besser geschrieben,.verzeihung. toller articel. Make saxony anhalt great again. – Philipp Vosshans


Leserbrief zu „Ich klone dich!“ von Jens Tönnesmann

Cooler Zocker?

In seinem Artikel „Ich klone dich!“ über sein Vorbild Oliver Samwer nennt Jens Tönnesmann einige der schlechten Charaktereigenschaften, die Oliver Samwer zugeschrieben werden. Ich kenne Samwer nicht. Ob sie zutreffen, mögen die beurteilen, die mit ihm leben und arbeiten.

Tönnesmann bewundert die Start-up-Fabrik Rocket Internet.

Schauen wir uns das Firmenkonzept genauer an am Beispiel helpling GmbH, eine Firma, an der Rocket Internet eine Beteiligung hält und die dem Muster, Unternehmenskonzepte aus den USA zu importieren, entspricht. Homejoy heißt das us-amerikanische Original.Inzwischen nicht mehr am Markt.

Das Geschäftsmodell von Homejoy und Helpling ist so schlicht wie unappetitlich: selbstständige Putzkräfte werden an Auftraggeber vermittelt, die Firma organisiert die Vermittlung und sichert den Auftraggeber in jeder Hinsicht ab (die Putzkraft mmuss ein Führungszeugnis vorgelegen, helpling übernimmt die Haftung für Schäden, der Kunde darf sich sicher sein, dass die Putzkraft nicht schwarz arbeitet, helpling weist auch auf die steuerliche Absetzbarkeit häuslicher Dienstleistungen hin, organisert die Werbung).
Die Putzkraft kostet den Auftraggeber ab 10,32 € pro Stunde (!) bei regelmäßiger Beauftragung. Deren soziale Absicherung spielt im Geschäftsmodell eine ungleich kleinere, eigentlich gar keine rolle.

Es bedarf keiner großen Rechenkünste, um festzustellen, dass die Putzkraft mit dieser Vergütung für ihre selbstständige Tätigkeit unterhalb dessen liegt, was sie bei unselbstständiger Tätigkeit als gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn erhalten würde, und dass sie, wenn sie für Alter und Krankheit vorsorgen will, deutlich darunter liegen dürfte. Wer selbstständig arbeitet und für harte Putzarbeit angemessen entlohnt werden möchte, sollte eine Stundenvergütung erzielen, die kalkulatorisch auch die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung enthält. D.h. Mindestlohn mit dem Faktor 1,2 hochgerechnet, macht knapp 10,70 € als Untergrenze. Dass Helpling Wegezeiten nicht vergütet, sei nur am Rande erwähnt.

Ein wahrlich cooles Geschäftsmodell. Man könnte es auch skrupellos nennen.

Da gibt es doch aber Regelungen, die solche Formen von Scheinselbstständigkeit sanktionieren? Es gibt „Rechtsgutachten“, die versichern, dass die Vermittlung von Arbeiten über eine solche Dienstleistungsplattform nicht den Tatbestand der Beschäftigung von Scheinselbstständigen erfüllt.

Was ist zu tun?

Im ersten Schritt hilft nur Transparenz:

– Obligatorische Offenlegung der Preiskalkulation gegenüber den Kunden.Das müsste dann so manchem Auftraggeber, der auf Schnäppchenjagd ist, die Schamröte ins Gesicht treiben.

– Informationspflicht gegenüber den Putzkräften hinsichtlich einer netto-/brutto-Arbeitsstunden-Kalkulation.

Dass Dienstleistungsplattformen in die Sanktionierung von Scheinselbstständigkeit einbezogen werden, wäre ein nächster konsequenter Schritt, den der Gesetzgeber zu vollziehen hätte (das gehört in die Arbeiten 4.0-Debatte, Frau Nahles!).

Wie Homejoy in den USA hat auch Helpling GmbH zweistellige Millionenbeträge am Kapitalmarkt eingeworben. Ob sich das rentiert, wissen nur die Anleger.

Ein paar Euros werden allemal bei den Initiatoren hängenbleiben. Immer noch begeistert von dem coolen Typen, Herr Tönnesmann? – Sabine Hübner


Leserbrief zu “ Die Lüge vom perfekten Helden“ von Sabine Rückert

Das Thema der „Zeit“ kommt für viele Freiburger Bürger zur rechten Zeit. Vielleicht wissen Sie, dass 51%  der befragten Bürger gegen eine Umbenennung von Straßennamen ist.  Dennoch wird das Projekt durchgezogen. Die zahlreichen Leserbriefe in der Badischen Zeitung und weitere Beiträge von kompetenten Fachgelehrten können Sie sicherlich aus dem Internet beziehen. Ich selbst könnte Ihnen meine private Sammlung des Materials zur Verfügung stellen. Zum „Anlesen“ empfehle ich Ihnen den Beitrag von Patrick Bahners in der FAZ vom 8.10.2016: „Stadtplanreformer auf dem Holzweg“ und den Leserbrief von Prof. Krumeich in der Badischen Zeitung vom 12.10.2016 unter der Überschrift „Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll“.

Wenngleich es mich zeitweilig reizte, selbst einen Beitrag zu verfassen, nehme ich davon Abstand, da ich, 81 jährig und nur Oberstudienrat in den Fächern Deutsch, Geschichte und kath. Religion unterrichtet habe, mich für die Abfassung  eines fundierten Beitrags  nicht befähigt halte. Ich gehöre eher zur Spezies der „Sammler“. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie oder ein Fachkollege der“ Zeit“ sich dieses Themas annehmen könnte. Als Materialbeschaffer kann ich indessen immer noch dienen. Zudem stehen mir die Materialien im hiesigen Stadtarchiv uneingeschränkt zur Verfügung. Es würde mich sehr freuen, gelegentlich von Ihnen zu hören. – Bernhard Löbbert


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Die Vorschläge, die Infrastruktur in Kindergarten und Schule zu verbessern, sind nicht neu. Dazu gehören Kindergartenpflicht ab dem 3. Lebensjahr, Ganztagsschulunterricht mit Mittagessen usw. Diese Vorschläge sind bisher am politischen Willen und der föderalen Struktur der Bundesrepublick gescheitert. Dass eine Erhöhung des Kindergeldes (und des Kinderzuschlags für arme Familien) und der Richtsätze in den wenigsten Fällen den Kindern zugute kommt, ist auch längst bekannt. Andererseits werden durch die Diskriminierung der Kinder der Unterschicht (Hilfsarbeiter und Hartz-IV-Empfänger) viele Begabungen verschleudert.

Das erste Hindernis für die Förderung der Unterschichtkinder stellen ihre Eltern dar, denn in Nordrhein-Westfalen lehnen die Eltern in 17 % der Schulempfehlungen für den Übergang auf ein Gymnasium in inder 4. Klasse diesen Wechsel ab. Man muss sich daher überlegen, dass die bisherige Methode der ständigen Erhöhung des Kindergeldes und des Kinderzuschlags und der Richtsätze überhaupt nichts gebracht hat. Auch das Teilhabeprogramm kann Kindern aus Suchtfamilien, in denen Alkohol, Gewalt und Drogen an der Tagesordnung sind, nicht wirklich helfen. Es gibt nur einen Weg, begabten Kindern aus solchen Familien eine Chance zur Entwicklung ihrer Begabung zu verschaffen. Dieser Weg besteht darin, dass sie in Gastfamilien, die sie fördern und fordern, untergebracht werden oder aber in Internaten. Damit wäre den Kindern und dem Staat, der ja auch Nutznießer höher Ausgebildeter ist, gedient.

Leider gönnt aber die gutsituierte Bürgerschicht (es ist nicht nur die Mittelschicht, sondern auch die Oberschicht) den Kindern der Unterschicht keinen Bildungsbissen. Daher hat die Hamburger Bürgerschaft vor Jahren die Verlängerung der Grundschulzeit auf sechs Jahre durch Bürgerentscheid abgelehnt, wobei die Wahlbeteiligung der Unterschicht extrem gering war. Die gut situierte Bürgerschicht ist eher bereit, die Transferleistungen zu erhöhen, als das Bildungsprivileg zu teilen. Deshalb muss eine wirkliche und generelle Verbesserung der Bildungschancen der Unterschichtkinder gegen den erbitterten Widerstand der gut situierten Bürgerschicht, die die Bildungschancen ihrer Kinder auf Kosten der Unterschichtkinder fördert, durchgesetzt werden.

Wo sind die Politiker, die sich dieses langfristige Ziel auf ihre Fahnen schreiben? – Dr. Hermann Nanz


Leserbrief zu „Retter vor Gericht“ von Sebastian Kempkens

Beim Lesen des Artikels zweifelte ich erneut am europäischen, in dem   Fall griechischen Rechtssystem.  Gibt es denn für Herrn Blanco und seine Mitstreiter inzwischen eine   adäquate rechtliche Vertretung? Wer übernimmt die Kosten für den   weiteren Prozess?  Ich bin leider weder Anwalt noch spreche ich spanisch oder griechisch.  Kann man trotzdem helfen? Wenn vielleicht auch nur finanziell?  Man kann doch seine „Vorbilder“ für ihre guten Taten nicht ins   Gefängnis gehen lassen…   – Gesche Grabs  


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

In diesem Lande wird nur gejammert!  Arm sind die Menschen welche den schrecklichen 2. Weltkrieg überstanden.  So Ausgebombte und Vertriebene.  Meine Frau und ich sind Kriesgskinder.  In den Nächten saßen wir in den Luftschutzkellern.  Auch tagsüber! Die Schulbücher mußten wir uns in der Regel mit zwei  anderen Kindern gemeinsam  bearbeiten. Immer sorgfältig umhüllt mit Papier. Es war ja alles knapp.

1943 verloren die Familien meiner fraun auch meine in einem Großangriff  auf Wuppertal alles Hab und Gut.  Wir hatten nur das, was man auf dem Leibe trug.  Ein Jahr wurde man dann wohnungslos in der Verwandtschaft hin und her  geschoben.  Kleidung? Sehr knapp! Schuhe? Holzschuhe mit Riemchen. Führte dann im  Winter bei mir zu verfrorenen Zehen.  Nach einem Jahr eine Behelfswohnung mit zwei Zimmern für 4 bzw. 5  Personen. Ohne eigenes WC, Dusche ? – Wochenwanne.  Heizung? Ofen- aber ohne Brennmaterial.  Nach dem Krieg keine Verbesserung. Überall Wohnungsnot und Hunger.  Lehrlinge verdienten 25 Mark im 1. Lehrjahr. Meister in ihrem Fach  kamen auf 90 Mark in der Wochen. War Spitzen Einkommen.  Meine Frau und ich haben sehr früh geheiratet. 1958 haben wir uns um  eine kleine Wohung beworben, da meine Frau schwanger.  Wir zogen das Glückslos! Es hatten sich über 100 Menschen beworben.

Und  wir gewannen! Auch Wohnung ohne Heizung, WC und Dusche.  Sehr schnell hatten wir drei Kinder. Nur ein Einkommenbezieher. Meine  Frau konnte nicht mehr berufstätig sein. Das Kindergartengeld betrug  100 Mark je Kind bei einem sehr knappen Angebot. Kindergeld und all die  anderen Zuschüsse die es heute gibt, gab es nicht.  So war es nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen Menschen.  Trotzdem hat diese arme Generation ihren erheblichen Beitrag zum  Wiederaufbau und dem heutigen Wohlstand geleistet.  Allerdings hatten wir weniger Abwechslung als  heute. Wir waren  ernsthafter. Die Arbeitszeit lag damals bei 50 Stundenwoche.  Der Urlaub bei 10 – 12 Tagen inkl. Samstag.  Vielleicht können Sie verstehen, was wir denken wenn Sie und andere  Journalisten so schreiben wie in ihrem letzten Artikel.  Wer arm ist, muß einfach die Ärmel etwas höher krempeln. – Manfred Lück


Leserbrief zu „Zeig mir mehr !“ von Andrea Jeska

„Domo arigatou !“ für diesen sehr gut geschriebenen, für mich sehr gut nachvollziehbaren, interessanten Artikel ( und die Fotos !!)  über die Shibuya-Kreuzung in Tokyo !!

Ich war schon einige Male, jetzt zuletzt im vergangenen Oktober, in Japan, natürlich stand ich auch an, auf dieser Kreuzung,  auch jedesmal mit einem schweren Kamerarucksack…kann alles, alles, was Sie schrieben, nur bestätigen  !!

Schön, dass Sie auch erwähnten, dass die Japaner es als außerordentlich freundlich und ehrenwert halten, wenn man sie fotografieren möchte ! Den Satz “ Darf ich bitte ein Foto von Ihnen machen ? “ ( ich lerne seit vier Jahren Japanisch ) konnte auch ich schnell vergessen ! Man bedenke, da fliegt ein “ Gajin“ ( “ Fremder“) zwölf Stunden mit dem Flugzeug aus dem fernen Deutschland extra nach Japan, um ein Foto von ihnen zu machen ! Welche Ehre ! Könnte noch viel erzählen…

Danke für das Wiedereintauchen in diese einmalige Stadt ! Ogenkidene, matane ! ( salopp : Alles Gute, Tschüss !) – Jürgen Franke


Leserbrief zu “ Die Lüge vom perfekten Helden“ von Sabine Rückert

Ihre Bewertung des Brudermordes von Kain unterschlägt ein wesentliches Moment:

Kain war Bauer, Abel Hirte; als beide Gott ein Opfer darbrachten (Kain von den Früchten des Feldes, Abel von den Erstlingen seiner Herde) blickte Gott wohlgefällig auf Abels Opfer, aber nicht auf das Opfer Kains. Aus Zorn über diese Mißachtung erschlug daraufhin Kain seinen Bruder. Zur Strafe wurde er von Gott zum rastlosen Umherirren verdammt.

Das Kains-Zeichen, durch das der Mörder vor der Blutrache geschützt wurde, hatte zur Folge, daß Kain nicht aus der immerwährenden Strafe des Umherirrens entlassen wurde.

Übrigens:

„Abel scheint unsterblich zu sein, denn noch immer wird er von Kain erschlagen.“

http://www.literatpro.de/lyrik/kein-frieden-auf-erdenDieter J Baumgart


Leserbrief zu „Auf den ersten Blick“ von Gero von Randow

Anstatt hier einmal wieder die Polizei  zu kritisieren, hätten Sie einmal ein Lob aussprechen müssen, und zwar ein richtiges Lob und nicht nur ein eingeschränktes. Und der Begriff Nafri besteht völlig zu Recht, eine Entschuldigung war nicht vonnöten. Ihre   Darstellung erinnert mich sehr an die Stellungnahme von Simone Peter vond en Grünen über die Silvesternacht. Und vielleicht ist Ihnen auch der Wutbrief der Ehefrau eines Kölner Polizisten bekannt, in dem sie völlig zu Recht die Besserwisser in ihre Schranken verweist. Und wo kommen denn bitte wieder fast 2000 junge Männer auf einmal  her, die fast alle aus den Magrebstaaten stammen? War es noch nicht genug im vergangenen Jahr? Woher nehmen diese Menschen die Frechheit nach dem Inferno des vergangenen Jahres einfach in Köln wieder aufzutauchen und ganz bestimmt nicht, um die Architektur des Kölner Doms zu bewundern!  – Marlis Funk


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Vielen Dank, dass Sie dem Thema „Kinderarmut in Deutschland“ mit dem Artikel „Jedes 5.Kind ist arm“ von Julia Friedrichs eine ganze Seite gewidmet haben. Das wäre eigentlich ein geeignetes Wahlkampfthema. Welche Regierungsparteien sind endlich einmal bereit, das Problem wirklich anzugehen? Ich kann es einfach nicht verstehen, dass wir immer noch das Ehegattensplitting haben. Mir will es einfach nicht in den Kopf, warum ein kinderloses Ehepaar steuerlich gefördert werden soll. Dieses Paar hat ein doppeltes Einkommen, beide können voll arbeiten und sie haben deutlich weniger Ausgaben. Ich habe in meinem Bekannten- und Freundeskreis einige alleinerziehende Eltern. Die haben es wirklich finanziell schwer, wenn der andere Elternteil kaum etwas zahlt. Diese Menschen können lange nicht voll arbeiten. Wer kann heute mit einem Teilzeitjob mit Kind gut über die Runden kommen? Kinder sollten steuerlich deutlich gefördert werden, nicht generell Ehen! – Claudia Füßler


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Vielen Dank für den mutigen Artikel. Hier geht es nicht um weiteres „Wehklagen“, sondern Sie werfen die Frage auf: „Wer hat Interesse an einer Veränderung, bzw. wem nutzt der Status Quo?“

Hier ein paar ergänzende Gedanken, die mich schon lange beschäftigen:

 Die Wohlfahrtsverbände, Kirchenvertreter, Politiker und Medienvertreter, die mit betretenen Gesichtern auf die Kinderarmut hinweisen und Veränderungen einfordern, dienen letztendlich den Besserverdienern, die von den Veränderungen am meisten profitieren.

Hierzu zählen, Erhöhung von Kindergeld, bessere Ganztagsbetreuung, kostenlose Kinderbetreuung, kleinere Klassen, Abschaffung von Studiengebühren. Verkauft wird das Ganze aber als „bessere Teilhabe von Unterschichtkindern“.  Allerdings sind die Mittelschichtseltern die ersten, die die Durchsetzung der Verbesserungen für ihre Kinder einfordern. Sie haben die besseren Mittel und die lautere Sprache, um sich Gehör zu verschaffen. Es ist kein Geheimnis, dass der grünste Rasen am besten bewässert wird und die Mittelschicht, bis hin zu den ganz Reichen, am meisten von der Familienförderung profitieren. Ein gutes Beispiel ist für mich die 2 monatige bezahlte Freistellung für Akademikerväter / Elternzeit. Es ist ihnen kein Vorwurf zu machen, wenn sie die Annehmlichkeiten nutzen, aber sie können gut für sich selber sorgen.

Eine gute Integration gelingt am besten, wenn Kinder aus unterschiedlichen Schichten gemeinsan aufwachsen und voneinander lernen.

Davon sind wir weit entfernt und ich gehe davon aus, dass sich hier nicht so schnell etwas verändern wird. Auch für Flüchtlinge wird Integration gefordert, aber bitte weit weg vom eigenem Einzugsgebiet.

Es darf nicht sein, dass Wohlfahrtverbände, Kirchen, Politiker und Medien unter dem Vorwand, sich für die Bedürftigen einzusetzen, mehr oder weniger die Allgemeinheit bedienen.

Was kann zur Verbesserung der Situation dieser Kinder beitragen?

Zuerst brauchen diese Kinder Verbände, Netzwerke, Politiker ect., die sich wirklich für IHRE Belange einsetzen und die an einer Veränderung der Situation interessiert sind!!!

Dazu gehört auch, die Ausstattung der Schulen und Einrichtungen in Problemvierteln so zu verbessern, dass Eltern aus Mittelschichtfamilien anschließend vor der Tür stehen und um Aufnahme bitten. Dazu gehört, Geld in die Sanierung der Häuser und Wohnungen zu stecken, Problemviertel aufzuwerten und evtl. neue Mieterschichten anzuziehen.

Hier wäre das Geld sicher sinnvoller angelegt, als Hausbesitzern die Wärmedämmung zu finanzieren und ihren Besitz aufzuwerten.

 Die Forderung nach mehr gemeinsamen Lernen, besserer Vermischung der sozialen Schichten sind gute Wünsche,  aber wir werden die räumliche Ausgrenzung nicht so schnell aufheben können, hier fehlt  der Wille und das Interesse der Mehrheitsgesellschaft. Wir können aber das Lebensumfeld dieser Kinder verbessern, durch Aufwertung hrer Viertel und ihrer Bildungseinrichtungen. Wir können ihnen zeigen, dass sie uns, der Gesellschaft etwas wert sind. So wäre das Geld gut eingesetzt!!

 Und noch eine spannende Frage: Was würde passieren, wenn wirklich einmal, wie immer gefordert, das Geld in Problemviertel investiert würde und die anderen zurückstecken müssten? Sicher kein Thema für ein Jahr mit Wahlen.

 Bleiben Sie weiterhin kritisch in ihrer Berichterstattung! – Marlies Wenzel


Leserbrief zu „Auf der Suche nach der Heldenformel“ Anant Agarwala

Ich möchte Ihnen mein Kompliment aussprechen für den Artikel „auf der  Suche nach der Heldenformel“.  Ich habe über den Artikel mit meinen Studenten diskutiert im Rahmen der Unterrichtseinheit: Ethik und Naturwissenschaften.  Ein Student hat gesagt, dass Ihr Artikel den Nagel auf den Kopf trifft.  Vielen Dank für den Denk- und ZEITanstoß.  Mit freundlichen Grüßen Ursula Steiner  – Ursula Steiner


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Mich hat die Reportage von Julia Friedrichs sehr betroffen gemacht! Hier werden Zustände angesprochen, die aufrütteln sollen und – vor allen Dingen – die wir in unserem Land lösen können! Ich habe den Eindruck, dass innenpolitische Themen im Vergleich zu Reportagen aus den Kriegsgebieten, die wir ohnehin nur hilflos verfolgen können, zu kurz kommen. Mein pragmatischer Ansatz wäre, mehr lösbare Probleme und Aufgaben zu thematisieren. Die oben erwähnte Reportage wäre es wert, stärker in den Fokus gerückt zu werden. Ich finde sie im Abschnitt „Z – Zeit zum Entdecken“ zu wenig prominent platziert. – Werner Weber


Leserbrief zu „Verwandlungswunder“ von Angelika Neuwirth

Schönheit der islamischen Religion rührt zu Tränen – Schon 1976 habe ich auf einer einjährigen Reise durch den Orient die kulturellen Schätze des Islam von Istanbul über Persien, Indiens muslimischer Mogul-Vergangenheit bis hin zum indonesischen Archipel bewundern können. Was aber nutzt mir das, ob meiner Sprach- und Hilflosigkeit angesichts der stummmachenden Unkultur des rückwärtsgewandten, zeitgenössischen Islams ?  Das ist so, als würde man versuchen mit der Naturnähe der Nazis, Hitlers Tierliebe für seinen Schäferhund oder gar Adolfs Autobahnen einen im Grunde friedfertigen Faschismus kausal  belegen zu wollen. Mohammed ist, wie Jesus auch, von Protagonisten seiner antiken Zeit zum göttlichen Übermenschen idealisiert worden, woraus agressive monotheistische Weltreligionen entstanden.  Menschlich durchaus verständlich, aber seit wann tragen denn diese mit Blut geadelten Religionen zum Weltfrieden bei ? Etwa wenn christliche Bischöfe zur Akzeptanz eines Islam aufrufen, der die letzten im Orient lebenden Christen massakriert ?   Hilft uns die „Ästhetik“ der islamischen Kulturgeschichte wirklich dabei, den Islam besser zu verstehen ?  Meine Zweifel daran spiegeln sich wieder in Marx‘ Aussage zur Berauschungsfunktion der Religion fürs Volk.  – Thomas Schröder


Leserbrief zu „Rüpel mit Brusthaar“ von Stefan Schmitt

Beim Lesen Ihres Artikels zu einem meiner Kindheitsidole kam mir direkt eine Bemerkung eines guten Freundes in den Sinn. Schon vor Jahren stellte er fest: „Wir wollten alle sein wie Colt, und wir wurden wie Howie!“ Da könnte etwas dran sein. – Markus Kaussen


 

 

29. Dezember 2016 – Ausgabe 1

Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Hut ab. Das ist das Beste, was ich bis heute zum islamistischen Terror gelesen habe. Jeder Satz ein Peitschenhieb gegen unseren unübersichtlichen, schwachen bis hilflosen Rechtsstaat und seine Institutionen. Wann endlich steht eine charismatische, durchsetzungsstarke und überzeugende Persönlichkeit auf und macht unser Staats-und Rechtswesen in unserem liebenswerten Heimatland  wieder robust und wehrhaft. Dieser schreckliche, islamistische „Hass und Vernichtungswillen“ (Musharabash) muss doch mit den Mitteln eines Rechtsstaats zu brechen sein. Anderenfalls müsste man an unserer Demokratie verzweifeln und, wie gehabt, nach anderen Staats-und Herrschaftsformen suchen. Wer sähe nicht diese Gefahr?

Kanzlerin, Justizminister und Innenminister,  aber auch unsere gesetzgebenden Organe sind erkennbar überfordert, zumindest ihrer Ideologie heillos verhaftet und deshalb ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Die Verfasser  weisen zutreffend darauf hin, dass das Rechtsgefühl aller billig und gerecht denkenden Bürger den jetzigen Rechtszustand als Beleidigung empfindet. So haben sich die Bürger ein demokratisches Gemeinwesen sicher nicht vorgestellt. – Josef Vogt


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Anstatt ständig die sog. Sicherheitsgesetze zu verschärfen und die StPO auszuhöhlen, brauchen wir mehr nette und verständnisvolle Psychiater, da schwere psychische Erkrankungen kaum mit den überflüssigen §§ 89a, 66 StGB  bekämpft werden können. – Alexander Gruber


Leserbrief zu „2017 wird toll“ von Josef Joffe

Ich habe mich an einer Kleinigkeit in Ihrer Notiz gestört, Ihr Satz: „Das läßt sich mathematisch beweisen“. Bei dem Verhältnis der Tannenbäume zur wirtschaftlichen Lage handelt es sich um eine Korrelation, nicht um einen mathematischen Beweis. Dies nur am Rande. – Dr. Walter Engel


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

In den fraglichen Moscheen, in denen er verkehrt hat, ist Anis Amri unbekannt. Immer wieder beschweren sich Muslime, dass sie unter Generalverdacht stehen, weil sie sich nicht von Terroristen distanzieren. Hier könnten sie es tun.
„Der schlimmste Feind im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant!“ Dieser Satz ist zeitlos wahr und gilt in jeder Diktatur, ob sie nun faschistisch, kommunistisch, islamistisch oder autokratisch ist. Der Denunziant liefert Regimegegner ans Regime aus, damit das Regime sie verhaften, foltern oder gar töten kann. Die Bundesrepublik Deutschland ist kein Regime, sondern eine Demokratie. Anis Amri und sein Kontaktmänner sind keine Regimegegner, sondern Terroristen. Auch deutsche Muslime sollten den Unterschied kennen. Es sind aber nicht wenige unter ihnen, die Deutschland misstrauen, weil sie sich nicht voll anerkannt fühlen und umgekehrt Ungläubige nicht voll anerkennen. In diesem Konflikt werden sie zwar die Opfer des Terrorismus beklagen, aber die Hintermänner der Täter eher schützen. Fatal, und diskussionswürdig. – Susanne Gründler


Leserbrief zum Thema „Terror in Berlin“

Zur Berichterstattung zum „Terror in Berlin“ – in der aktuellen Ausgabe: Und wieder wird die Kriminalität von Migranten verharmlost. Speziell im Dossier Seite 15/16 werden die Opfer des Berliner Terrors verglichen mit Alltagsfragen der großen Liebe, des Lottogewinns, sowie von jemandem der vom Blitz getroffen wird. Was soll das?

Wollen Sie die Opfer ins Lächerliche ziehen? Verschweigen Sie das Versagen des deutschen Sicherheitsapperates? Die Probleme die von Muslimen ausgehen? Weiß Ihre Atlantikbrücke bereits, das wir jetzt öfters Terror in Deutschland erleben und Sie spielen es damit runter, sodass Terror Alltag wird?

Leider passt dieses Dossier in die komplette Berichterstattung der Zeit in den letzten Jahren. Machen Sie bitte 2017 nicht so weiter, wenn Sie auf Leser angewiesen sind. – Tobias Follmann


Leserbrief zu „Rot-Rot-Radikal“ von Miriam Lau

Ihre Autorin Mariam Lau spricht aus, was viele Bürger auch denken. Ich wünschte mir lieber ein Leben ohne diese Parteien. Die machen das Leben oft so unerträglich, daß einen die Lust vergeht, das politische Geschehen überhaupt noch zu verfolgen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Besten Dank an Thomas Fischer & an DIE ZEIT für oben benannten Artikel, worin ersterer kompetent und überzeugend die unerträgliche Panikmache und Scharfmacherei des Herrn Rainer Wendt – als stünde der Untergang des deutschen Abendlandes unmittelbar bevor – offenlegt, beanstandet und öffentlich widerlegt. Herrn  Wendts einseitig selbstverliebt-autoritäres, unermüdliches Talkshow-Geplapper ist mir seit längerem ein Dorn im Auge und nun folgt sein schriftlicher Lirum-Larum-Löffelstiel-Aufguß, dessen unerträgliches Breigemenge Thomas Fischer gekonnt argumentativ in den Abguß befördert.

Es tut gut zu wissen, daß trotz aktueller Probleme man/frau – angstfrei – zur Kenntnis nehmen darf, daß in diesem sich anderen Völkern öffnenden Land ( wobei freilich eine jährliche Obergrenze ein Gebot der Vernunft ist), die Rate schwerer Gewalttaten wie Mord, Vergewaltigung, Kindesentführung, etc. insgesamt seit Jahrzehnten generell rückläufig ist. Wenn nun noch ein großreformierter Ich-gebe-anderen-gerne-ab-Kapitalismus gepaart mit einem weltweit angestrebten Ich-schließe-die-Schere-zwischen-Arm&Reich-System unauslöschbar und unabwählbar installiert & ratifiziert werden könnte/ würde , dann, ja dann wäre die Frieden anstrengende Weltgemeinschaft einen großen Gerechtigkeitkeitsschritt weiter und Scharfmacherei wie Terroristen verlören immer mehr ihre Legitimität sowie Gefolgschaft. – Abschließend schönen Gruß an Frau Anna von Münchhausen : wir kennen uns unter anderem Namen… Der ZEIT einen guten Rutsch & 1 gutes 2 0 1 7 ! – Paul Zendo


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Ja, es ist eine nationale Aufgabe, was denn sonst, aber da muss dann auch national umgesetzt werden. Dafür muss kollektives Einvernehmen hergestellt werden, für die Werte, die wir gegen den Terrorismus stellen und verteidigen. Für die es sich lohnt, die Zukunft zu gestalten: Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Dafür müssen die gewählten Vertreter der Nation ein klares Bekenntnis ablegen, die Ereignisse in den richtigen Kontext stellen und die Ursachen ansprechen. Das sind komplexe Auseinandersetzungen und Diskussionen.

Nein, es gibt keine einfachen Antworten auf die Frage, mit welchen Mitteln der Terrorismus nachhaltig eingedämmt werden kann. Bestimmt aber nicht durch populistische Phrasen und Anbiederungen. Gleichsetzungen z. B. von globaler Migration oder Religion mit Terrorismus helfen nicht, sondern machen den Bock zum Gärtner.

Offensichtlich gibt es aber ein Problem in der konsequenten Umsetzung der bereits bestehenden Gesetze und Verordnungen. Wie sonst lässt sich das Versagen von Verfassungsschutz, Polizei und Justiz bei den Ermittlungen gegen die NSU erklären, die doch den Pannen im Fall Amri so sehr ähneln. Oder sollten doch Verschwörungstheoretiker beider Couleur Recht haben?

Also bleibt: bestehende Gesetze und Verordnungen umsetzen; öffentlich Farbe bekennen zu unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung – weltweit; Personal bei Polizei, Zoll, Strafvollzug und Gerichten erhöhen sowie Inhaftierungen/Sicherungsverwahrungen tatsächlich umsetzen. Und weltweit für einen gerechteren Zugang zu Nahrung, Wohlstand und Bildung arbeiten und kämpfen. Gegen Lobbyismus und Instrumentalisierung von Partikularinteressen.

So kann uns der Mann ohne Visionen postmortal noch Ratschläge geben! – Hans Henri Süthoff


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Der Chef der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt hat keine Demagogie betrieben, wie Ihr Autor schreibt eher lebt Ihr Autor in einer Welt, die nur er kennt. Deutschland kann er nicht gemeint haben.

Wenn ich lesen muss, dass die Hochschule der Polizei (DHdP) in Münster den arrivierten Ulrich Vosgerau als Lehrstuhlvertreter für Öffentliches Recht engagieren wollte und es zu guter letzt doch nicht tun durften, weil er die Asylpolitik der Kanzlerin stark kritisiert hatte, zeigt mir, wie es tatsächlich um unsere Demokratie bestellt ist.

Ein solcher Vorgang lässt viele Bürger an unsere Meinungs- und Redefreiheit stark zweifeln, wenn sachliche Kritik dazu führt, dass einem anerkannten Wissenschaftler der Lehrauftrag wieder entzogen wird. –  Gunter Knauer


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Mich wundert, dass Sie – wie andere Berichterstatter und Kommentatoren auch – davon ausgehen, dass das Aufgreifen des Terroristen Amri am Stadtrand von Mailand zu nächtlicher Stunde ein Zufall war.

Amri war mehrere Tage der meistgesuchte Mann in Europa, die Sicherheitskräfte waren in höchster Alarmbereitschaft, jeder wußte, welche Bedeutung das Ergreifen des Täters haben würde – und da läuft er rein zufällig nachts in einer unbelebten Gegend einer Streife überden Weg?

Viel plausibler ist es doch wohl, dass es Informationen gab, wo er sich aufhalten könnte, und dass zum Schutz von Quellen und Informanten diese Zufallsgeschichte erfunden wurde. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Rainer Wendt mochte ich nie, weil er sich immer vorbehaltlos als Vorsitzender der Polizeigewerkschaft vor alle Polizisten gestellt hat. M.E. ist ein Großteil aller Polizisten rechtem Gedankengut zugeneigt. Und mit dem was Herr Wendt in seinem Buch zum Besten gibt, bestätigt  und unterstützt er rechtes Denken und Handeln in Kreisen der Polizei.

Rainer Wendt ist jetzt schon eine große Gefahr, als Beamter der Bundesrepublik, für unsere Demokratie. Sollte es ihm  gelingen Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes zu werden,  wie Thomas Fischer vermutet,  käme es einer Katastrophe für unsere freiheitliche Bundesrepublik gleich.

Herr Wendt gehört aus dem Staatsdienst entfernt.

Es sollte mich nicht wundern, wenn er dem Gedankengut der AfD nahesteht.

Seinem Buch hätte er besser den Titel „Mein Kampf „ gegeben. – Heinz Heienbrok


Leserbrief zu “ Der Reiter der Aktienkurse“ von Roman Plette

Ja, es ist schon eine Crux mit den im Original fremdsprachigen Zitaten, deren Übersetzung ins Deutsche dann durch Anführungszeichen markiert wird. Besonders bei englischen/amerikanischen Texten gibt’s erhebliche Fußangeln, vor allem wenn wegen des Zeitmangels kurzschlüssig buchstaben-analog übersetzt wird. Ich habe daher erhebliche Zweifel bezüglich „eine Billion Dollar“ aus dem Trump-Zitat – im Amerikanischen zählt man nämlich nur nach …illionen, überspringt aber die …illiarden. Die amerikanische billion ist also gleich unserer Milliarde. Somit wird das Zitat verständlicher.  – Volker Morstadt


Leserbrief zum Thema „Terror in Berlin“

Heute war ich angenehm überrascht über sämtliche Artikel im politischen Teil, die den Terror betreffen. Ich finde es wichtig und richtig, darauf hinzuweisen, dass unsere Gesetze zu lasch gehandhabt werden, oder tatsächlich zu lasch sind. Es ist wichtig, im Sinne der Rede von Helmut Schmidt vorzugehen, nämlich mit Wort und Tat bestimmt und ohne Umschweife gegen den Terror vorzugehen. Er ist eine Gefahr für unser Land und wir müssen uns dem konsequent stellen.  Auch im Hinblick auf die Wahlen im kommenden Jahr. Was wäre, wenn die  konservativen Parteien keine Chance mehr hätten? Es hilft nur zu zeigen, wir tun alles, um den Terror in unserem Land zu bekämpfen.  – Margareta Martin


Leserbrief zu „Der Prophet, der brillant danebengriff “ von Josef Joffe

Was ist das für eine ZEIT, in der auf Seite 43 ein erschütternder Überblick von Josef Joffe zu der sich selbstzerstörerischen Menschheit in den vergangenen Ein- bis Zweijahrtausenden zu lesen ist und auf S. 44 die genau so erniedrigende Darstellung, die die Jugend (?) des gegenwärtigen Jahrzehtnts zu bieten hat!!

Trotz aller aktivierbaren Bildungsgüter gelingt es mir jedenfalls nicht, mich auf die eben auch nicht rettende Insel von Iris Radisch von Seite 45 zu retten. Auch die von A. Cammann angeschlossenen Jubilare überzeugen mich nicht.

So kehre ich zu dem abgetakelte Medusa-Floß von Josef Joffe zurück und lasse mich in das vernichtende Meer gleiten. – Christa Krüger- v. List


Leserbrief zu „Alles Zufall?“ von Malte Henk

Hier meine Gedanken zu dem umfangreichen Beitrag im Dossier „Alles Zufall?“ von Malte Henk:

Malte Henk fragt: “Alles Zufall?” Die Frage, die er stellt, ist größer als die Antworten, die der Text anbietet. Warum? Zunächst: Wäre alles Zufall, würde ich tatsächlich gefühlskalt meinem Schicksal gegenüberstehen. Tue ich aber nicht. Auch um mich herum sehe ich, dass sich Menschen in besonderer Weise für andere einsetzen, mitfühlen und mitleiden. Es ist also nicht alles im Leben sinnloser Zufall. Denn in dem Zufall, den der Autor beschreibt, steckt kein Leiden.

Der Autor folgt der Konsequenz unseres “modernen” Weltbildes: etsi deus non daretur. Dieser Grundsatz funktioniert für die Wissenschaft super- er versagt allerdings bei der Frage, um die es in dem Artikel von Malte Henk geht.

Der Autor setzt auf seiner Spurensuche nach dem Zufall eine Prämisse: dass Gott bei der Beantwortung seiner Fragen keine Rolle spielen soll. Warum eigentlich nicht? Ganz objektiv gesehen glaubte schon immer eine Mehrheit aller Menschen, dass sich letzte Begründungen, also das, was wissenschaftlich nicht belegbar ist- der Sinn des Lebens- am Besten durch die Frage nach Gott beantworten lässt. Da wäre es tatsächlich gar nicht unlogisch bei der Suche nach Antworten nicht vorschnell bestimmte Anworten gar nicht zuzulassen. Vielleicht liegt die Mehrheit der Menschen gar nicht so falsch?

Meine Antwort ist, dass Gott in die Welt gekommen ist und Mensch wurde. Das schien übrigens auch den Jüngern Jesu vor 2000 Jahren wie ein unmöglicher Zufall- wurde aber dennoch eine für sie stimmige Antwort bei der Suche nach dem Sinn ihres Lebens. Lassen sie den Gedanken einfach mal zu! – Marco Metz


Leserbrief zu „Alles Zufall?“ von Malte Henk

Ich vermute, Sie haben schon einige Zuschriften zu Ihrem Artikel erhalten. Und ja, Sie hätten vielleicht vorher mal einen Mathematiker gegenlesen lassen sollen, zumindest einen Mathematiklehrer, denn die Sache mit dem Zufall ist nicht so einfach, wie es scheint, wenn man mit der Welt der Sprache in die Welt der Mathematik eintritt.

Jedenfalls ist die Vermutung der “meisten Menschen”, die in der Nur-Mädchen-Reihe “etwas Besonderes” sehen, tatsächlich genauso zutreffend, wie Ihre Behauptung “Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass die erste Folge herauskommt, keineswegs geringer als die Wahrscheinlichkeit von Folge zwei, …”. Nur, das sind zwei verschiedene Dinge. Und unpräzise Fragestellungen mit Bezug auf den Zufall werden eben leider schnell falsch beantwortet oder verstanden.

Um in dem gewählten Beispiel zu bleiben, stellen wir uns vor, dass wir nicht nur einen Tag in einer Geburtsklink die Reihenfolge der Geburten von M und J verfolgen, sondern ein ganzes Jahr lang, also 365 Tage. Dann ergäbe sich schon das erste Problem, dass es Tage geben würde, an denen – wie der Zufall so spielt – in der realen Welt weniger oder mehr Babys zur Welt kommen. Das zweite Problem wäre, dass tatsächlich ein klein wenig mehr weibliche Babys zur Welt kommen würden als männliche.

Ihr angeführtes Beispiel ist also kein gutes Beispiel für den reinen Zufall, denn nur unter der Bedingung, dass die Wahrscheinlichkeit für M und J genau gleich ist, kann man behaupten, dass Ihre beiden einzelnen Reihenfolgen

M-M-M-M-M-M

J-M-J-J-M-J

gleich wahrscheinlich sind.

Lassen wir das einmal beiseite und nehmen zudem an, an jedem der 365 Tage eines Jahres kämen dort tatsächlich immer genau 6 Babys zur Welt. Dann sind die oben angegebenen Reihenfolgen als Ergebnisse von z.B. 2 der 365 Tage tatsächlich gleich “wahrscheinlich”. Aber, aber jetzt kommt das große ABER!

“Sind die beiden Reihenfolgen gleich wahrscheinlich? Die meisten Menschen antworten auf diese Frage intuitiv mit Nein. Sie sehen in der Nur-Mädchen-Reihe etwas Besonderes.”

Und diese Menschen haben recht! Sie beantworten die Frage nämlich so, wie man sie verstehen muss. Nämlich:

Betracht man die Ergebnisse von 365 Tagen (365 Versuchen), dann wird man feststellen, dass die Anzahl der Reihenfolgen mit unterschiedlichen Abfolgen von M und J größer ist als die Anzahl von Reihenfolgen mit nur M oder nur J. Und Letzteres haben die “meisten Menschen” intuitiv richtig beantwortet. Diese reinen Folgen sind etwas Besonderes. Sie sind auch seltener als jedes einzelne gemischte Ergebnis. Das würde um so deutlicher, je mehr Tage man auswerten würde.

Aber fasst man nicht alle Tage mit dem gemischten Ergebnis 4J-2M (wie gewöhnlich und intuitiv) zusammen, sondern betrachtet nur genau diese eine Sequenz J-M-J-J-M-J, dann ist die genau so häufig (wahrscheinlich) wie die Reihenfolge M-M-M-M-M-M.

Mathematisch erschließt sich das Ganze unter dem Thema “Binominalverteilung”, ein Thema (Stochastik) der Oberstufe z.B. eines Gymnasiums. Bildlich ähnelt eine Binominalverteilung einem Galtonbrett. Auch wenn die Stochastik nicht so häufig als Leistungskurs in Fach Mathematik unterrichtet wird, so haben wir natürlich immer Vertrauen, wenn Journalisten uns begeistert über neue statistische Untersuchungen und den Zufall berichten. – Jürgen K. Paape, Dipl.-Physiker


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Danke für Ihre Rezension des Buches von Rainer Wendt!  Leider habe ich das Buch selbst nicht gelesen.

Ich teile Ihre Auffassung, dass es gefährlich für ein Gemeinwesen ist , zwischen „wir“ und „den anderen “ in der beschriebenen Weise zu unterscheiden.Gleichzeitig kann auch ich „jeden verstehen, der sagt,dies ist überhaupt kein Rechtsstaat mehr“.

Eine „wehrhafte Demokratie“ muss klug den Weg der Begrenzung der Rechte des Einzelnen mit Blick auf das Wohl aller Bürger steuern – immer bedroht von den Extremen des autoritären Gebarens und der Machtdemonstration einerseits und einer “ Laisser-Faire“ Politik absoluter Verantwortungslosigkeit andererseits.

Dies ist keineswegs eine leichte Aufgabe.

Viele politische Entscheidungen der letzten Jahre haben jedoch dazu beigetragen, meine Zweifel zu wecken, ob dieser Staat in der Lage ist, seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Ich denke, die Bedeutung vom „Auszug der Rechtsprechung aus dem Herzen der Innenstädte“ wird nicht ausreichend bedacht: Vielerorts werden zur Zeit Justizpaläste  – imposante Gebäude des Allgemeineigentums – an Investoren verscherbelt. Gleichzeitig zieht das durch sie symbolisierte Recht irgendwo hin auf die „grüne Wiese“ – in die Unsichtbarkeit und Bedeutungslosigkeit.

Es mag viele gute verwaltungstechnische Argumente für den Umzug geben – trotzdem werden hier wichtige Symbole des Gemeinwesens der „faktischen Macht des Geldes“ überantwortet.

Für die Bewohner der Stadt symbolisiert dies, dass Recht und Gerechtigkeit vor der Macht des Geldes weicht. Dieses Statement ist im Hinblick auf das Lebensgefühl der Bürger – des eigentlichen Souveräns  – nicht zu unterschätzen.

Dabei ist die Bedeutung von Gebäuden im Unbewussten von Menschen offensichtlich: Rathäuser waren schon immer Ausdruck des Bürgerstolzes  – und Justizpaläste demonstrierten die Macht des jeweiligen Herrschers! Heute sollten diese Gebäude den Willen zur Durchsetzung von Gerechtigkeit in dieser Demokratie symbolisieren.

Gleichzeitig gibt es viele Beispiele für die Entfremdung des Bürgers von diesem Staat, der das Gemeineigentum verfallen lässt und das Gemeinwohl aus dem Blick zu verlieren scheint.

Schon in der Grundschule lernt jedes Kind, dass niemand in der Lage ist, für saubere Klassenräume und menschenwürdige Toiletten zu sorgen – oder gar für den regelmäßigen Schulbesuch.

Dies ist im meinen Augen ein Staatsversagen! Aus Frankreich und Portugal weiss ich persönlich, dass es auch anders geht.  Mir sind zahlreiche richterliche Entscheidungen bekannt, die dem Willen zu einer wehrhaften, unabhängigen Demokratie deutlich widersprechen.

Im Gegensatz zu Herrn Wendt habe ich konkrete Handlungsempfehlungen: Klare Regeln dort, wo der Staat dem Bürger gegenübertritt – und genug Geld und Personal diese durchzusetzen!

Im Interesse aller muss diese Demokratie wieder wehrhaft werden. –  Dr.med.Cornelia Heusgen-Schloter, Psychotherapeutin


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Man traut seinen Augen nicht und liest den Text nochmals, mit demselben Ergebnis: ein Pamphlet! Bundesrichter Fischer, Jahreseinkommen über 100.000 Euro, selbst bekannt für Ehrgeiz und Darstellungssucht, wirft dem „Polizeihauptkommissar aus Duisburg“, Jahreseinkommen etwa die Hälfte, vor, sein Buch nur zur eigenen Karriereförderung geschrieben zu haben. Dass ein solcher Beamter aus dem Mittleren Dienst nur Unsinn geschrieben hat ergibt sich daraus folgerichtig.
Für den Leser wäre es ergiebiger gewesen, wenn Fischer und Wendt ein sachliches und gemäßigtes Streitgespräch geführt hätten. Schade um die ganze Seite, die „unserem Autor“ zur Verfügung gestellt wurde. – Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Es ist schon erschreckend, dass Menschen wie Herr Wendt ihre Position is so einer schamlosen Weise ausnutzen, um ihre eigene Machtgier und das Geifern nach Popularität zu befriedigen. Er wäre wünschenswert, wenn sich so jemand eher einer konkreten Problemlösung bei der Polizei zuwenden würde. Aber das ist ja anstrengend und nicht so förderlich für das Image. Daher hoffe ich nur, dass sich die Polizistinnen und Polizisten im Lande von solch einem Gewerkschaftsführer distanzieren, der letztlich seine eigenen Leute nur als inkompetent ansieht und nicht bereit ist, sie effektiv zu vertreten. Und vielleicht sollte Herr Wendt auch mal wieder echten Polizeidienst machen, damit er auch weiß, wovon er spricht. –  Priv.-Doz. Dr. med. Peter Heider


Leserbrief zu „Mein Feind und Helfer“

Dieses Thema wird in den Medien vielfach mit einer gewissen Euphorie bedacht. Die Schreiber und Leser sind sich dabei kaum bewusst, dass eine solche Entwicklung eine sichere Stromversorgung bedingt. Die geltenden politischen Massnahmen verfehlen allerdings, wirtschaftliche Anreise für Investitionen in die Sicherheit der Stromversorgung zu tätigen. Es ist nur zu hoffen, dass diese Entwicklung nicht durch Stromunterbrüche gestoppt wird. – Werner Böhi


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Mit einigem befremden und zuletzt beträchtlicher sorge habe ich Ihren artikel auf seite 1 der letzten ausgabe der ZEIT gelesen. Es ist eine bedrückende erfahrung der letzten ca. anderthalb jahre, in welchem masse nicht nur politiker der afd grundsätze unserer rechts- und verfassungsordnung in frage stellen – jede forderung nach einer obergrenze für flüchtlinge ist eine aufforderung zum offenen verfassungsbruch! – sondern auch journalisten offenbar immer weniger hemmungen verspüren, mit äusserster mühe und häufig nur nach langen auseinandersetzungen erreichte grundlagen unserer rechtsordnung (jedenfalls für flüchtlinge und asylbewerber) zur disposition zu stellen. Ihre drei beispiele hinsichtlich des umgangs mit flüchtlingen und asylberwerbern sprechen da eine nur zu klare sprache: ein ausreisepflichtiger asylbewerber kann eben (zum glück!) nur dann in abschiebehaft genommen werden, wenn ihm die bedrohung der öffentlichen sicherheit auch gerichtsfest bewiesen werden kann (all die johlenden menschen, die bei angriffen auf asylbewerberheime beifakll klatschen bedrohen die öffentliche sicherheit ja wohl auch…). Wer straftaten hierzulande begeht (oder in einem land mit dem wir geeignete rechtsbeziehungen unterhalten), der kann und muss dafür bestraft werden: HIERZULANDE! Eine abschiebung bzw. der verlust des asylrechts ist und darf kein strassmass werden, denn die gewährung von asyl bezieht sich ja, wie die geschichte lehrt, gerade darauf, dass (auch) straftäter vor folter und tod bewahrt werden müssen. Dies hat die bundesrepublik deutschland übrigens auch – mit gutem grund! – so in ihrer rechtsordnung verankert. Sie werden es mir – der noch genau in erinnerung hat, wie es sich anfühlt, wenn erkenntisse irgendwelcher dienste ausreichen, die menschen- und bürgerrechte für die eigene person einzuschränken oder gar auszusetzen – nachsehen, dass ich höchst besorgt reagiere, wenn jemand – wie Sie im genannten artikel – strafmassnahmen schon vorsehen möchte, wenn gar keine straftaten vorliegen. Das mag unangenehm sein, ist aber grundlage unseres rechtssystems, dessen vorzüge wir ja sonst gern anderen, als „unterentwickelt“ angesehen staaten vorhalten.

Nicht weniger bedenklich ist der öffentliche umgang mit dem terminus „terrorist“ (schon Ihr beispiel aus italien lässt angesichts dessen, was wir über die hintergründe des terrors in diesem land in den siebziger und achtziger jahren inzwischen wissen, in dieser sache bedenkliche schlüsse zu!). Sind z.b. PKK-angehörige terroristen? Nach türkischem, aber auch nach eu-recht sehr wohl – immerhin begehen angehörige dieser organisation (die Ihr blatt verharmlosend militante kurdenorganisation nennt) wieder und wieder terroranschläge. Dennoch können mitten in deutschland grossdemonstrationen stattfinden, wo ganz offen die zeichen und symbole der PKK und bilder von A. Öcalan gezeigt werden, ohne dass die polizei tätig würde. Ist der PKK-terror ein tolerierbarer terror? Der türkischen regierung wird zudem von deutschen politikern immer wieder vorgeschlagen, sich mit der PKK doch mal an einen tisch zu setzen und zu verhandeln. Ein vorschlag, der sicher bedenkenswert wäre, wüsste man nicht genau, was passierte, wenn in der türkei grossdemonstrationen stattfänden, auf denen (um bei Ihrem beispiel zu bleiben) bilder von Andreas Bader, Gudrun Ensslin oder anderen RAF-terroristen und deren symbole offen gezeigt würden. Auf diese weise ist der begriff „terrorist“ ein wohlfeiler, weil schwammiger terminus, der zu nichts anderem dient, als dazu trägern dieses begriffs grundlegende rechte unserer verfassungsordnung vorzuenthalten oder abzuerkennen (wie sonst liesse sich die mitwirkung deutscher stellen an den sowohl us-recht wie dem kriegsvölkerrecht widersprechenden drohnenangriffen der us-streitkräfte begründen?).

Auch noch in anderer hinsicht ist „unsere“ position widersprüchlich, um nicht zu sagen heuchlerisch. Nicht nur, dass beträchtliche unterschiede bei der berichterstattung über „westliche“ terroropfer und – beipsielsweise – russische opfer desselben(!) terrors gemacht werden; wir kennen doch die finanziers und drahtzieher der radikalisierung und der finanziellen und logistischen hilfe für terrorgruppen genau! Es ist die kopf-ab-diktatur in saudi-arabien, ohne deren direkte und indirekte hilfe das internationale netzwerk des terrors kaum in der gegenwärtigen form überlebensfähig wäre! Warum also fehlen bis heute wirksame sanktionen gegen die terrorpaten in riad, die auch aus anderen gründen längst vor gericht angeklagt sein müssten? Solange wir dazu nicht bereit sind, müssen wir hier nicht über veränderungen unserer rechtsordnung nachdenken!

Es gibt einen dritten punkt, den ich (leider) bei der lektüre Ihres und ähnlich gelagerter artikel nicht in der lage bin, ausser acht zu lassen. Seit jahren werde ich in der öffentlichkeit angepöbelt, beleidigt und bin mit todesdrohungen konfrontiert. Dass der deutsche stammtisch (weiblich wie männlich) noch beträchtlichen nachholbedarf bei seinen künsten des racial profiling hat, das merke ich nicht zuletzt daran, dass ich nicht nur als „scheiss-moslem“, als „moslemschwein“, sondern auch als „judensau“ tituliert werde. Wenn ich im ice einen von mir reservierten platz einnehmen möchte, auf dem jemand anderes sitzt, dann muss gewärtig sein, dass man „für einen scheiss-moslem“ in einem „deutschen ice“ nicht aufsteht und auch die zur hilfe geholte zugbegleitung mir den platz nicht etwa freimacht, sondern rät, woanders im zug einen freien platz zu suchen. In freiburg wurde mir nach einer üblen verbalattacke geraten, an öffentlichen plätzen doch „etwas zurückhaltender“ aufzutreten (ich war eigentlich gar nicht „aufgetreten“, sondern nur an einer beengten stelle des öffentlichen raumes  a n w e s e n d ), im übrigen wurde mir geraten, verständnis dafür zu haben, dass man in der stadt eben furcht habe und aufgeregt sei. Warum das dazu berechtigen soll, mich als „moslemschwein“ mit dem tod zu bedrohen, das konnte allerdings nicht recht begründet werden. Wieder einmal lief es darauf hinaus, was mir ein anderer vertreter der staatsmacht schon in meiner ostdeutschen heimat angesichts von todesdrohungen auf den weg gab: ich solle das doch einfach „sportlich“ sehen, das sei doch eh nicht ernst gemeint und – im übrigen – solle ich doch (endlich) mal ernsthaft in erwägung ziehen, mein „missverständliches äusseres“ (bart und jarmulke) zu ändern. Selbst davon abgesehen, dass ich gar kein moslem bin und auch meine jüdische abstammung wohl kein rabbinatsgericht hinreichend überzeugen würde: wieweit sind wir in deutschland, wenn leuten, die eben einen mitmenschen mit drohungen überzogen haben, von vertretern der staatsgewalt gedankt wird für ihre aufmerksamkeit beim aufspüren verdächtiger „elemente“? Ich  fühle mich nur zu deutlich an meine ddr-erfahrungen erinnert!

Insofern wäre es dringend erforderlich, dass qualitätsmedien, zu denen Ihre zeitung doch wohl sich zählt, nicht nur die hintergründe und nebenwirkungen von terror und terrorbekämpfung korrekt darstellt, sondern auch das lesepublikum, das diesen nachhilfeunterricht offenbar dringend braucht!, über die grundlagen und grundsätze unserer rechtsordnung intensiv belehrt!

Dass ich diese belehrung an keiner stelle Ihres artikels finden konnte, ist besorgniserregend. Ich kann nur hoffen, dass die politisch verantwortlichen bis zu den mit solchen fragen befassten gerichten mehr sorgfalt und einsicht in das funktionieren einer zivilen rechtsordnung aufbringen. – Prof. Dr. Jakob Ullmann


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Man muss kein Anhänger von Rainer Wendt sein, um ihn vor den unsäglichen Vorwürfen eines deutschen Richters in Schutz zu nehmen. Es gab mal einen „Richter Gnadenlos“ in Hamburg, der schon bei nichtigen Vergehen hohe Strafen verhängte. Dieser Richter wurde Gott sei Dank relativ schnell aus dem Strafverkehr gezogen. Aber es gibt leider auch Richter wie Thomas Fischer, hinlänglich bekannt aus den ZEIT ONLINE- Kommentaren.

Dieser nimmt das Buch von Wendt zu Anlass, seine Meinung sowohl über die Kompetenz der deutschen Polizei als auch über seinen liberalistischen Ansatz der Rechtsprechung kund zu tun. Mit einer kaum zu ertragenden arroganten Ignoranz setzt er sich über Tatsachen in der deutschen Strafjustiz hinweg, Tatsachen, die immer wieder zeigen, wie Straftäter verschont und Opfer verhöhnt werden.

In meinem Buch „Die verantwortungslose Gesellschaft“ habe ich einige konkrete  Beispiele dieser Fischer´schen Rechtsprechungsart aufgeführt. Wenn Herr Fischer Wendt als Demagogen bezeichnet, obwohl dieser nichts Anderes tut, als sich darüber zu beklagen, dass die Polizei hart daran arbeitet, Straftäter dingfest zu machen und dann immer wieder erleben muss, dass Richter wie Fischer diese dann wider besseres Wissen laufen lassen, indem sie so lange nach Entschuldungsgründen für die Straftaten suchen, bis sie sie gefunden haben. Dadurch werden die Opfer ein zweites Mal gedemütigt und statt der Täter bestraft.

Diese Art der Rechtsprechung verbinden Richter wie Fischer in der Regel mit einer der Wirklichkeit entzogenen Attitüde, die jedem, der andere Meinungen vertritt, zum Schämen in die bildungsferne Ecke schickt. Man muss kein Fan von Wendt sein, aber man schütze uns vor Richtern wie Fischer! – Jürgen Tichy


Leserbrief zu „Der geduldete Gefährder“ von Peter Dausend et al.

Und dennoch haben wir allen Grund zum Danken. Der Terror hielt sich bisher in unserem Land doch in Grenzen. Aus dem Nahen Osten , wo ich als Ingenieur mehrere Jahre leben und arbeiten durfte , stammt auch der radikale Islamismus. Aber : die menschenverachtenden Islamisten haben nichts gemein mit der ueberwiegenden Bevoelkerung des Orients , wo ich viele Freundschaften schloss . Und doch werden in Zukunft die Themen “ Terrorabwehr und Kampf gegen den Terror “ weltweit absolute Prioritaet einnehmen. Und da muss Deutschland noch viel Nachhol-Arbeit leisten. Geheimdienste und bestens geschulte Polizeikraefte in Zivil werden noch bessere Arbeit leisten muessen. Und : wir muessen noch mehr von den Israelis lernen , deren Bevoelkerung sich “ sehr wachsam “ verhaelt und dabei auch noch die Lebensqualitaet beibehaelt. Der hinterhaeltige , oft feige Terror muss international koordiniert bekaempft werden. Wir brauchen Taten und keine “ hohlen Politiker-Phrasen „. Und noch was ganz wichtiges fuer unser angeblich “ christliches Abendland “ : Wir duerfen auch mal stille werden und unserem Gott danken fuer seine bis heute unermessliche Bewahrung . – Erwin Chudaska


Leserbrief zu „Das Gegenteil von Dankbarkeit“ von Jochen Bittner

Nach der Lektüre von Jochen Bittners Artikel, war ich mir unsicher, ob es sich hier möglicherweise um einen Gastbeitrag eines Journalisten der zumindest national-konservativen Wochenzeitung Junge Freiheit handeln könnte. Ein Blick auf die Seite von Herrn Bittner bei ZEIT ONLINE hat mich davon sofort wieder abkommen lassen. Steht dort doch geschrieben: Da komme ich her. Aus dem Lokaljournalismus. Da lernt man unmittelbar, was Texte anrichten können. Und bewirken. Ich glaube, dass ich nun froh darüber sein muss, dass DIE ZEIT mit Herrn Bittner einen so verantwortungsbewussten Journalisten beschäftigt, der jegliche Undifferenziertheit, jegliche Pauschalisierung, jegliche Vorverurteilung vermeidet zu Gunsten desen, was ihn antriebt: Hinter die Wahrnehmung zu gelangen, zu dem, was man Wahrheit nennen könnte. Wissend, dass es sie nicht gibt. Aber den Anspruch braucht es.  Ich weiß, dass Ironie immer Gefahr läuft nicht erkannt zu werden, aber in diesem Fall bin ich mir sicher, dass es nicht geschehen wird. – Andreas Kwasniok


Leserbrief zu „Das Gegenteil von Dankbarkeit“ von Jochen Bittner

Vielen Dank für den o.g. Artikel von Jochen Bittner, der mir die Hoffnung zurück gibt, dass niemand „auf Dauer der Versuchung der Vernunft widerstehen kann“ (woran ja Brecht so fest glaubte). Und es ist gut zu registrieren, dass ein Beitrag wie dieser Bittner Artikel nun auch in der „Zeit“ einen prominenten Platz finden und damit dazu beitragen kann, das so notwendige Umsteuern in der gutgemeinten aber für Deutschland und Europa so katastrophalen  Flüchtlingspolitik der Regierung Merkel zu beschleunigen. Das macht Hoffnung für das Jahr 2017. – Gerhard Stolzenberg


Leserbrief zu „Rot-Rot-Radikal“ von Miriam Lau

Der neue Berliner Senat beschädigt genau das, was diese Gesellschaft gerade dringend braucht: Die politische Mitte von Mariam Lau

Es gibt sicherlich vieles an der Berliner Regierung und den entsprechenden Parteien zu kritisieren. Aber so ein populistischer Mist, wie in diesem Artikel zeugt doch nur von eigener Einfallslosigkeit und Recherchefaulheit.  Eine Personalien wie Andrej Holm auf  „Klientelpolitik“ und „alten Genossen“ zu reduzieren und dabei seine Geschichte und seinen Umgang mit der eigenen Vergangenheit wegzulassen und seine Kompetenz zu ignorieren, deutet doch wohl eher auf Klienteljournalismus hin.“ Was diese Gesellschaft gerade dringend braucht: Die politische Mitte?“ -Was will uns Fr. Lau damit sagen? Brauchen wir noch mehr Klientelpolitik für Besserverdienende oder Erben die schnell noch Geld  in eine Berliner (für´s Klientel ja noch bezahlbare) Eigentumswohnung stecken wollen? Andrej Holm steht glücklicherweise für eine andere Stadtentwicklungspolitik.

Liebe ZEIT: Bitte weniger plakative Stimmungsmache. Es sind doch wohl mehr Analysen angebracht und gerechtigkeitsfördernde Ansätze und Konzepte.  Ihr könnt das besser. Ihr habt gute Journalisten. Aber auch leider einige,  die sich selbst und/oder ihre Rolle viel zu großartig finden und so einen Schund hinrotzen. – Kerstin-Elise Niemeier


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ / „Der geduldete Gefaehrder“

In den beiden obigen Artikeln finden sich Bemerkungen zur Polizei, die ich nicht unkommentiert lassen moechte. „Das Argument, man brauche zur Rundum-Ueberwachung jedes Gefaehrders 24 Beamte und sie sei daher nicht leistbar, ist wohl nicht nur arg uebertrieben, sondern kann auch im Ernst kein Hindernis sein.“ Folgende Abschaetzung kann hoffentlich klaeren, woher die Zahl 24 kommt: 24 Stunden Ueberwachung = 3 8-Stunden Schichten, 365 Tage im Jahre/220 Arbeitstage im Jahr = 1.66. Die PolizistInnen muessen paarweise im Einsatz sein.

Daraus alleine ergibt sich ein Bedarf von 10 BeamtInnen, wobei weder die Zeit zum Schreiben von Berichten, Besprechungen etc. noch die Ausgleichszeit fuer Nachtschichten beruecksichtigt sind. Auch das zur Ueberwachung der Kommunikation benoetigte Personal ist darin nicht enthalten.

Soll der Gefaehrder auch ueberwacht werden wenn er die Wohnung verlaesst, sind mehrere Teams noetig, da ja nicht von vorneherein klar ist, wie er sich fortbewegt (zu Fuss/Fahrrad/motorisiert/Nahverkehr). Ausserdem soll er im Regelfalle ja nicht bemerken, dass er ueberwacht wird, da sonst kaum ein Erkenntnisgewinn zu erwarten ist. Geht er z.B. in ein Cafe will man wohl nicht nur wissen, dass er dort ist, sondern auch mit wem und worueber er spricht.

Das verlangt wiederum technische Unterstuetzung.  Sobald also 2 Teams vor Ort im Einsatz sind und die Kommunikationsueberwachung miteingerechnet wird, sind 24 BeamtInnen mitnichten arg uebertrieben. Mich wundert, dass eine solche Aussage derart leichtfertig gemacht wird, wenn sie so einfach ueberprueft werden kann (auch fuer nicht-PolizistInnen wie Sie und mich) Zu der Aussage, das koenne kein Hindernis sein: Vielleicht waere eine Nachfrage bei einigen Polizeistationen angebracht, wie es denn dort um die *derzeit vorgesehene* Personaldeckung bestellt ist.

„Die Sicherheitsbehoerden brauchen eben mehr Personal“  Wenn nun die Politik tatsaechlich Geld bereitstellt, so sind damit noch keine zusaetzlichen Polizeikraefte vorhanden. Die muessen naemlich auch ausgebildet, untergebracht und mit Ausruestung versorgt werden. Keine dieser Aktionen laesst sich in wenigen Tagen oder Wochen durchfuehren. Und geeignete BewerberInnen muessen auch erst gefunden werden, gerade in Ballungszentren. Wie soll sich jemand mit dem Sold eines/r Polizisten/in z.B. eine Wohnung in Muenchen leisten koennen? Gerade dort, wo man sie braucht, ist der Beruf des/r Polizisten/in nicht sehr attraktiv.

Abschliessend moechte ich anmerken, dass ich mir von einer Zeitung mit dem Anspruch der „Zeit“ fundiertere und ueberlegtere Aussagen erwartet haette.  – Sabine Moehler  


Leserbrief zu „Alles Zufall?“ von Malte Henk

So rätselhaft und geheimnisvoll uns der Zufall erscheinen mag, so ist er doch nur eine banale Selbsttäuschung. „Zufällig“ sagen wir, wenn wir ein Geschehen nicht verstehen (durchschauen, vorhersagen,…) können, so dass es gar nicht das Geschehen selbst, sondern nur unser eingeschränktes Verständnis der Welt beschreibt. Und weil wir das nicht für möglich halten, projizieren wir unser Unverständnis in das Geschehen, in das Schicksal, in die Vorsehung oder gar an allerhöchste Stelle. Tatsächlich stoßen wir da auf ein wesentliches Element von Religiosität, das die Philosophen „Kontingenz-Bewältigung“ nennen.

Spätestens hier erscheinen nun die Propheten des „objektiven Zufalls“ und verkünden, dass es eben doch Geschehen gibt, das prinzipiell unerklärbar sei. Sie sagen uns nicht, woher sie das wissen, aber sie tragen stets ein vermeintliches Beispiel mit sich herum: die Quantentheorie. Aber ach, auch das ist nur all zu menschliche Selbsttäuschung, denn der Zufall dort ist schlichtweg eine leicht durchschaubare Folge der Beobachtung. Und dennoch wird wieder eifrig projiziert, entweder in ein Axiom der hehren Theorie oder von einigen der Propheten nochmals an allerhöchste Stelle, die auf diesem Wege die Welt regieren können soll.

Am Ende bleiben nur die beiden Liebenden, die – Händchen haltend – staunen, was alles für Zufälle geschehen mussten, ja, natürlich mussten!, damit sie zusammen kamen. Lassen wir ihnen das Staunen und erklären ihnen nicht, dass immer irgend etwas geschieht und immer irgendwo, irgendwann und irgend zwei Liebende sich finden, glücklich staunend, sehr menschlich. – Prof. Dr. Jürgen Schnakenberg


Leserbrief zu „Der Prophet, der brillant danebengriff “ von Josef Joffe

Die Frage, ob Gott nicht doch eine Rolle im Weltgeschehen spielt und die Bejahung dieser Frage setzt eine Wechselwirkung zwischen Glauben und Gott voraus -die es aber nicht geben kann, da Gott in allen denkbaren Kategorien absolut ist und die Menschen in ihrer Unvollkommenheit nicht erwarten können, dass er in ihre Konflikte eingreift. Die furchtbare Macht des  Glaubens und Gott, auf den sich der Glaube so gerne beruft, sind inkompatibel. Gott lässt sich nicht für den Glauben der  Menschen verantwortlich machen auch wenn sie ihre Ängste und Wünsche in Form des Glaubens an ihn adressieren. Die Geschichte der Menschen folgt leider nicht göttlichem Lenken -wir hätten sonst schon zu Lebzeiten Gerechtigkeit und  ewigen Frieden auf Erden -das was die Christen immer zu Weihnachten erflehen ! Zu hoffen bleibt, dass mit dem jüngsten  Gericht kein Mensch der Beurteilung seines Lebens entgeht  -egal ob ungläubig oder gläubig. Die wahren Schöpfer des  Glaubens sind Bibel, Koran und seine Propheten. Nur Menschen können die heiligen Bücher der großen Religionen  niedergeschrieben haben -egal ob von göttlicher Eingebung beseelt oder geoffenbart. Den Menschen bleibt es nach wie vor  überlassen ihr Tun und Handeln auf dieser Welt nach ihren eigenen Maßstäben zu bewerten. Wer könnte das besser als die  Menschen selbst ? – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Bundesrichter Fischer contra Polizist Wendt: Wer kann wohl Stimmungen, Geschehnisse und Auseinandersetzungen  in der Bevölkerung genauer beurteilen? Sind Lösungsvorschläge für Krisen,  auch wenn sie nicht alle realisierbar sind, nicht allemal besser als ein  hartnäckiges Festhalten an falschen Weichenstellungen? Dass „unser“ Land von Maß und Mitte freiheitlicher und wehrhafter  Demokratie sich immer weiter entfernt, dafür haben so einflussreiche Menschen, wie es die Bundesrichter sind, eine große Mitverantwortung. Polizisten müssen für die Fehler der Eliten als erste den Kopf hinhalten. – Klaus Müller


Leserbrief zu “ Ich werde nicht die Klappe halten“ von Arnfrid Schenk

Verehrte Redaktion, ein typischer Beitrag, der bestimmt nicht dazu beiträgt, daß das Verhältnis zum Islam besser wird. Ich vermute mal, eher wird die Trennung sich noch verstärken. Die Verdrängung von Konflikten, die ideologisch begründete Blindheit von Realitäten ist bei den Intellektuellen Programm. Was schert uns die Realität. Wir haben gleich nach dem Zweiten Weltkrieg Italiener, Spanier, Portugiesen, Polen, Russen und andere Nationalitäten aufgenommen ohne große Schwierigkeiten. Aber das Wort ausländerfeindlich geistert immer noch in den Köpfen einer bestimmten Klientel, die in den sozialen Einrichtungen zu Hause sind. Das nervt viele Bürger. Es geht um den Islamismus und um nichts anderes.

Wo steht geschrieben, daß in unseren Bildungsstätten arabisch gelernt werden muß  – eine völlig unbrauchbare Sprache. Wo steht geschrieben, daß unser Land Bürger aufnimmt, die täglich die Menschenrechte missbrauchen. Ich verwehre mich dagegen, mich von völlig lebensfremden Menschen  belehren zu lassen.  Eine Religion in meinem Land hinzunehmen, die menschenverachtend daher kommt. Ein Mensch in existenzieller Not und Angst um sein Leben gilt Hilfe zu leisten, das kann aber nur ein vorübergehender Zustand sein. Es sei denn, die Muslime schwören von ihrer Religion ab.  Wenn das nicht beherzigt wird, dann gehört in Zukunft die Angst zum alltäglichen Alltag. Was ist denn das für ein Leben.?

Die Eltern von Lamya Kaddor sind aus wirtschaftlichen Gründen in unser Land eingereist, wie die meisten ausländischen Bürger. Wir haben diesen Menschen eine wirtschaftliche Zukunft gegeben. Wir haben es überhaupt möglich gemacht, daß sie aus ihrer Armut herausgekommen sind.  Ich habe noch nie einen Dank von Offiziellen gehört. Ich habe noch nie ein abfälliges Wort über ihre Religion gehört, was eigentlich für jeden aufrechten Bürger völlig normal wäre. Erdogàn ist kürzlich in Köln von den Muslimen, die schon seit 60 Jahren hier leben, wie ein König im Sportpalast zu Köln gefeiert worden.

Einer meiner besten Freunde ist ein Syrier aus Damaskus, der schon seit vielen Jahren in Deutschland als Chirurg in Düsseldorf lebt. Er stammt aus einer Familie mit sieben Geschwistern, einer seiner Brüder war Vize-Polizeipräsident von Damaskus, die sich fast alle unterschiedlich entwickelt haben. Mein Freund lehnt die Religion in der er hinein geboren wurde, nach dem er unsere Gewaltenteilung kennen gelernt hat, heute vollständig ab.  Was ihn besonders in Deutschland stört ist die scheinbar grenzenlose Toleranz gegenüber dem Islam. Und seine syrischen Freunde, die auch in Düsseldorf leben, denken ebenso. Ich habe ihm darauf geantwortet: in Deutschland gibt es zu viel dumme Menschen, das ist unser eigentliches Problem. Unsere Schulkultur taugt nichts. Die Politik möchte keine gebildeten Menschen mehr.  Sie werden das als Spinnerei abtun.

Selbst der große Bassam Tipi hat sich über das Verhalten der Politiker aufgeregt. Keiner hat auf ihn gehört. Der Mann ist stocksauer. Natürlich sind solche Angriffe wie sie Frau Kaddor erlebt, zu verurteilen.  „Wer sich in Gefahr begibt, muss sich nicht wundern wenn er darin umkommt.“ Alte Weisheit.  Ich persönlich möchte nicht tagtäglich mit solchen Menschen ständig aufeinander treffen. Das verletzt mein Menschenbild. Und die Muslime fühlen sich auch nicht wohl in einer freien Gesellschaft – für meine Begriffe zu frei.  Und unsere Bundeskanzlerin ist eine Zumutung für unser Land und auch für Europa. Sie ist völlig überfordert. Das hat später auch Helmut Kohl erkannt. Sie sagte einmal: „Wenn wir den Muslimen nicht helfen wollen, dann ist das nicht mehr mein Land. Sie hätte längst zurücktreten sollen“, denn heute macht Sie das alles.

Diese Frau wird letztendlich auch nicht vor einem Krieg zurückschrecken. Auch dafür wird sie warme Worte finden.  Sie wird überhaupt Probleme haben ein Land zu finden, daß ihren Anforderungen entspricht. Vielleicht irgendeine Insel auf den Solomon Islands im Pacific Ocean. Solange der Islam mit seiner Religion Politik macht, hat er in einem demokratischen Land nichts zu suchen. Hilfsmassnahmen ja aber keine Integration. Das bringt nur böses Blut. – Gunter Knauer 


Leserbrief zu „Der Prophet, der brillant danebengriff “ von Josef Joffe

Als ich den Titel im Feuilleton las, dachte ich spontan an ein „mea culpa“ seitens Herrn Joffe für seine grandiose Fehleinschätzung des amerikanischen Wahlausganges. Aber weit gefehlt! Joffe versucht Samuel Huntington zu widerlegen, geht aber leider auf seine Kernthesen, die u.a. in „Zeit-Punkte“ 4/1995 fein säuberlich aufgelistet sind, nicht ein. Auch ist der Untertitel irreführend, denn in einem Interview (abgedruckt in „Zeit Dokument“ 2 – 2001) antwortet Huntington auf Joffes Frage, ob das Massaker von New York (9/11) der Beginn jener Kampf der Kulturen sei, wie folgt: „ Der Anschlag war zuvörderst ein Angriff gemeiner Barbaren auf die zivilisierte Gesellschaft der ganzen Welt, gegen die Zivilisation als solche. ….Es ist wichtig, dass dieses Verbrechen jetzt nicht den Kampf der Kulturen auslöst.“

Was Huntington nicht vorausgesehen hat war die völkerrechtswidrige und planlose Militärinvasion der USA und Großbritanniens im Jahr 2003 in den Irak. Die ohnehin fragilen Strukturen in diesem Land wurden zerschlagen, verbrannte Erde sowie den sogenannten „Islamischen Staat“, eine der Brutstätten des derzeitigen Terrorismus, hinterließ man beim Abzug der Truppen in 2011. Dieser Zusammenhang wie auch die Tatsache, dass die USA bei fast allen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region, namentlich beim Irak-Iran Krieg, mit auf dem Regiestuhl gesessen haben, wird von Joffe ausgeblendet.

Ob sich Huntington wirklich geirrt hat, sollten wir der Bewertung von Historikern in einigen Jahrzenten überlassen. Sein Verdienst aber war es, Francis Fukuyamas „Unfug“ (Karl. R. Popper) vom „ Ende der Geschichte“ eine in sich schlüssige Vision entgegenzusetzen. – Jürgen Rohlfshagen


Leserbrief zu „Der Prophet, der brillant danebengriff “ von Josef Joffe

Thema verfehlt In der Schule hätte Herr Joffe für seinen Beitrag den Kommentar „Thema verfehlt“ verdient. Samuel Huntington war ein begnadeter Zukunftsforscher, den mancher besser mal genauer studiert hätte. Seine drei Jahrzehnte alten Vorhersagen zur islamischen Resurgenz sind genauestens eingetroffen, insbesondere aber seine, aus politischer Korrektheit, weitgehend ignorierten Aussagen zu den Auswirkungen des exorbitanten panislamischen Bevölkerungswachstums auf die betroffenen Regionen und ihre Folgen.

In den letzten 30 Jahren stellten sich in den muslimischen Ländern des mittleren Ostens und Nordafrikas Geburtenraten bis zu 2.5 % jährlich ein; es sind genau diese destabilisierenden demographischen Auswirkungen auf die islamischen Volkswirtschaften, die den Migrationsdruck auf Westeuropa beflügeln, wie natürlich auch Bürgerkriege und andere innerislamische Konflikte, sowie das Erstarken eines reformunfähigen, radikalen Islams . Gerade für junge Männer zwischen 15 und 35 Jahren sind dies Gründe, ihre Heimatregionen zu verlassen und ihr Glück in Deutschland zu suchen.

Vor allem im Maghreb, aber auch in Syrien, ist dieser Bevölkerungsdruck der ausschlaggebende Faktor für die Konflikte mit Migranten in Spanien (0,2 % Bevölkerungswachstum), den französischen Banlieus, wie auch zunehmend in Deutschland. Dies Aufzuzeigen war Huntingtons großer Verdienst.  Leider ignorieren die UN, wie auch Deutschland, seit Jahren resignierend die globale Bevölkerungsexplosion (Afrika wird in den nächsten 20 Jahren auf 2 Milliarden Menschen anwachsen), anstatt mit Entwicklungshilfe-Anreizen nicht nur das Verbleiben der Menschen in ihren Heimatländern zu beeinflussen, sondern auch die staatliche Kontrolle des schwindelerregenden Menschenwachstums als Hauptursache für den Exodus, einzufordern.  – Thomas Schröder  


Leserbrief zu „Das Gegenteil von Dankbarkeit“ von Jochen Bittner

Vielen Dank für Ihren sehr gut recherchierten, informativen Artikel! Er ist sehr logisch, die Fragen und Antworten kommen an den „richtigen“ Stellen. Die Bedrohung des „Wir“-Gefühls ist außergewöhnlich gut erkannt und argumentiert. Selbst die Lösungsansätze fehlen nicht. Vorsichtig formuliert, aber denkbar, durchaus! Da lohnt es sich wieder Ihre Zeitung zu kaufen! – Angela Zander-Reinert


Leserbrief zu „Das Gegenteil von Dankbarkeit“ von Jochen Bittner

Man sollte es nicht für möglich halten, aber auch die Tugenden müssen ihre Grenzen haben. Diesen Satz von Immanuel Kant sollten sich alle Befürworter uneingeschränkter Hilfsbereitschaft und schrankenloser Mitmenschlichkeit verinnerlichen. – Ernst Lothar Helwig


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Herzlichen Dank für diesen Artikel. Wenn Sie mir beim Lesen gegenüber gesessen hätten, wäre ich Ihnen wahrscheinlich vor Freude um den Hals gefallen. Er wirkt auf mich enorm befreiend, spricht mir aus der Seele. Er hebt das diffuse Gefühl  auf, dass irgendwie die Welt aus den Fugen geraten ist. Mit Ihrer klaren  Zustandsbeschreibung  der derzeitigen politischen Landschaft in Deutschland fühle ich mich wieder bestätigt mit meiner Meinung, meinen Empfindungen. Ihr Artikel hat sogar psychotherapeutische Auswirkungen. Er hat einem bisher diffusen Unbehagen einen Namen gegeben:

„die Beleidigung meines Rechtsempfindens“.

 Es kann wohl kein besseres Beispiel als Ihren Artikel geben,  für die enorme korrigierende Kraft einer freien Presse   und ihre Bedeutung als  wichtiger Stabilitätsfaktor für unsere Demokratie. Nochmals herzlichen Dank dafür. – Reinhard Ravidas Korn


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Thomas Fischer versteht es wie kein anderer überspitzt und zugleich inhaltlich auf einem hohem Niveau zu schreiben. Er traut sich – anders als viele andere Kommentatoren des politischen Zeitgeschehens – dem dumpfen und von Fakten entleertem Geschwätz vom Untergang der Bundesrepublik die Stirn zu bieten. Seine Kritik ist angebracht: In einer Zeit, in der sich Populisten als Sprachrohr der Gesellschaft stilisieren, muss die Stimme der Liberalen umso lauter sein. Verpackt in Ironie und Sarkasmus – letztlich durch den Verriss von Wendts Buch – plädiert Fischer für den Rechtsstaat und das Vertrauen in staatliche Institutionen. Wie alle seiner Kolumnen lesenswert. – Carsten Schier


Leserbrief zum Titelthema „Macht des Zufalls“

Zufall ist das, was einem zufällt. Warum, weshalb, wozu – darum kümmert sich die Phantasie. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten lässt sich ein „homo ordo“ erkennen, den ordnenden und ordentlichen Menschen, der/die/das meint, Strukturen, Linearitäten, Kausalitäten, die Logik also ist kein Zufall, weil sie/er/es meint, alles habe Gründe. Ist sie aber, wie alles andere auch, selbst der Grund der Gründe. Zumindest fällt es uns zu, es so sehen zu können. – Volker Homann


Leserbrief zu „Kopfgeburt“ von Gero von Randow

Die Basis eines menschengemachten datenverarbeitenden Systems bildet die durch das geschaffene System selbst nicht veränderbare Regel, also das Gesetz, das nicht-„0“ „1“ bedeutet, genau „1“ und nichts anderes. Da hat der „natürliche Zufall“ keine Chance: Leben unmöglich. – Volker Homann


Leserbrief zu „Geht doch“ von Sandra Danicke

Ich erlaube mir zu bemerken, dass bestimmte Abläufe – wie zum Beispiel der Bau von Gebäuden – ohne Provisorien unmöglich ist und mancher Auftrag wurde durch Denkarbeit über solche erst an Land gezogen. In dem Buch Organisation im Bauablauf. Fußangeln, Fallstricke und Fallen“ Fraunhofer  IRB Verlag August 2013 habe ich einen großen Teil davon für den Laien verständlich dargestellt. – Günter Kohlbecker


Leserbrief zu „Die Vertrauensfrage“ von Herfried Münkler

Fast hätte ich ihn übersehen. Wieso verstecken Sie einen solchen Artikel im Feuilleton?  er gehört auf die erste Seite! Hat die Zeit keinen Mut, diese klaren Worte dort zu platzieren?

Endlich ein Artikel, der mir hilft in schwierigen Zeiten Schwieriges besser zu verstehen. Ich werde ihn sicher auch morgen noch ein drittes Mal Satz für Satz lesen, meine Freunde und Bekannten darauf hinweisen, um mich mit ihnen darüber auszutauschen. Bitte mehr davon.

Ich beschränke mich mal darauf, auch wenn mir vieles durch den Kopf geht, die RAF Zeiten habe ich übrigens noch gut in Erinnerung. Meine besten Wünsche dem Autor und dem Zeit Team für 2017 – Marlies Haveneth-Paul


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ / „Der geduldete Gefaehrder“

Endlich hat sich anscheinend die banale (und grausame) Realität auch in der ZEIT Bahn gebrochen. Einen solchen Artikel hätte ich mir schon vor über einem Jahr gewünscht. Es musste aber erst viele Tote und Verletzte geben, damit erkannt wird, dass es vielleicht doch nicht so locker und unproblematisch ist, jeden unkontrolliert und unregistriert nach Europa und somit auch nach Deutschland zu lassen, wie es sich die Grünen und die Linke wünschen würden. Endlich beginnt man in Europa langsam zu verstehen, dass Integration eine politische Aufgabe der gesamten Gesellschaft ist, die viele Jahre dauert und zum Teil sehr schmerzhaft sein wird. Das macht ein wenig Hoffnung. Und siehe da, Herr Bittner fordert Auffanglager an den Grenzen des Schengenraums, er nennt sie „Schleusen“, hört sich schöner an, ist ja aber wohl dasselbe. Weiter macht er u.a. den Vorschlag, die Möglichkeit zu eröffnen, Asylanträge in deutschen Botschaften im Ausland zu stellen. Solche Forderungen in einer liberalen, offenen Zeitung wie DIE ZEIT zu stellen, war bis vor ein paar Wochen noch undenkbar. Vielleicht gilt nun endlich auch hier der Satz, frei nach Adenauer, „Was geht mich mein Geschreibe von gestern an, niemand kann mich daran hindern klüger zu werden“. – Horst Weippert


Leserbrief zu  „Große Hoffnung in Trump“ von Sara Blackwell

Es fällt schwer, Sara Blackwells Beitrag ohne Ironie zu kommentieren. Hillary Clinton war nach Trumps Aussage die Kandidatin des dicken Geldes und des Establishments. Nach den Tränen, die ihre Tochter vorübergehend angesichts der Gefahr eines Hillary-Sieges am Boden liegend vergossen hat, schreibt sie erleichtert: „Wir setzen alle große Hoffnung in Trump, denn er ist der einzige Kandidat, der sich für das Thema, das mir am wichtigsten ist, interessiert: der amerikanische Arbeiter.“ Zwar etwas gedämpfter weiter: „Aber jetzt bin ich etwas verunsichert, denn Trump hat nicht nur Disney-Chef Robert Iger, sondern auch die IBM-Chefin Ginni Rometty in sein Beratungsteam berufen. Zwei der größten Feinde es amerikanischen Arbeiters.“ Schaue ich mir sein bisher bekanntes Gruselkabinett an, dann ist das doch Establishment hoch fünf, und wenn ich seine Ausführungen zur Wirtschaftpolitik lese, dann finde ich, er hat die Katze aus dem Sack gelassen: … Deregulierung über alles, niedrige Steuern, freie Fahrt für freie Unternehmen … Ausgehend von der Wall Street steht der Welt wahrscheinlich ein neues Banken-Bonanza bevor. Es kommt mir vor wie die Hitler-Karikatur von John Heartfield: „Hinter mir stehen Millionen“, wo der „Führer“ in seiner eigenartigen Grußpose vor seinen Anhängern steht und die Großindustrie ihm die dicken Geldscheine von hinten iauf die Hand legt. Zur Vorstellung einer besseren Perspektive für die abgehängten amerikanischen Arbeiter, Frau Blackwells Herzblut-Wählerklientel, durch eine künftige Politik zugunsten der Hedgefonds-Heuschrecken fehlt mir die Phantasie – oder er spekuliert darauf, daß diese Arbeiterklientel sich selbst als potentielle Milliardäre sieht und daß das Rennpferd nur guten Hafer fressen muss, damit es für die Spatzen fette Pferdeäpfel scheißen kann. Und wie sie als Frau seine kecken Handgriffe nach anderen Frauen auffasst, möchte ich als Mann nicht weiter kommentieren. – Raimund Scholzen


Leserbrief zu „Das Gegenteil von Dankbarkeit“ von Jochen Bittner, „Rot-Rot-Radikal“ von Miriam Lau und „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Wann hat es das zuletzt gegeben? Als eine „nationale Aufgabe“ sehen es Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing an, einen „wehrhaften“ Staat zu kreieren. Der Rechtsstaat sei derzeit zu schwach und lade in ihren Augen gar zu weiteren Straftaten ein.

Einige Seiten weiter schafft es Jochen Bittner die Anschläge vom 11.September 2001 mit der Aufnahme von Flüchtlingen zu vermengen (Zusammenhang?) und als Lösung eine vorgelagerte Auslese von Immigranten „vor den Toren“ Europas zu präsentieren.

Es gäbe nichts Wichtigeres als den Wunsch nach Sicherheit, meint schließlich Miriam Lau. Die rhetorischen Ausfälle Horst Seehofers werden verteidigt, die Haltung der Grünen aber, so Lau, stärke den Rand. Dass der rot-rot-grüne Senat in Berlin, statt blindem Aktionismus und leerer Rhetorik zu verfallen, lieber „prüft“ und abwägt, erscheint ihr als Ungeheuerlichkeit, ja als ein (für dieses Bild ist sie sich nicht zu schade) „Tritt in den Rücken“.

Angesichts eines so breiten Aufgebots an kurzsichtigen Rufen nach „Sicherheit und Ordnung“ muss man sich schon fragen: Ist nicht auch DIE ZEIT mittlerweile eine Getriebene – eine, der das überlegte Prüfen und Abwägen verloren geht? Man kann nur hoffen, dass die am 29. Dezember erschienene Ausgabe Ausdruck der aufgeladenen Stimmung des letzten Jahres ist und nicht Blaupause für die Berichterstattung und Analysen 2017. – Arne Käthner


Leserbrief zu „Zehensocken und Paarhufer“ von Jens Jessen

Mit Ihrer Zehensocken – Kolumne ist Ihnen vielleicht doch der Gaul der ( Männer-)Phantasie oder besser  gesagt der vom Bambi durchgegangen.

Ich habe solche Strümpfe erstmals 2007 in Japan gesehen als ich meinen Sohn dort besuchte. Er trug übrigens bei seiner Arbeit als Gärtner nicht nur diese  sondern die passenden Zehenstiefel aus festem Stoff dazu, die ihm das Arbeiten oben auf Bäumen sehr erleichterten. Ich habe mir ein Paar mitgebracht und trug diese nun heute früh mal wieder als ich Ihren Text entdeckte. Daß diese Strümpfe oder Stiefel etwas Frivoles oder Entwürdigendes an sich haben könnten…? Im Traum nicht! Da lässt sich wieder bestätigen wie doch alles vom Kontext abhängt! Welches Bild im Kopf der Betrachtenden entsteht ?…Und ob diese weiblich oder männlich sind? Ansonsten alles Gute zum Neuen Jahr wünscht Ihnen – Cornelie Dìaz Cèspedes


Leserbrief zu „Alles Zufall?“ von Malte Henk

An den Zufall glauben muss nur, wer sich die Begrenztheit menschlichen Wissens und Denkens nicht eingestehen möchte: Alle Ereignisse sind als Schnittpunkte sich kreuzender Ketten von Notwendigkeiten darstellbar – leider sind wir Menschen nur selten in der Lage, die Glieder dieser Notwendigkeitsketten auch nur halbwegs vollständig zu beschreiben. Die Zufallsgläubigen bewahren sich mühsam die Illusion, der Mensch könnte doch irgendwie eine Art Prothesengott sein. Die anderen glauben an Gott. An beides zu glauben ist unmöglich: Gott und der Zufall sind inkompatibel!

Ironischerweise entfaltet die Ablehnung des Zufalls das größere emanzipatorische Potenzial: Wer die Notwendigkeitsketten immer weiter verfolgt, stößt auf immer wirklichkeitsnähere Modelle und erfindet die verrücktesten Sachen – und das alles bloß um den Preis eines Quäntchens Demut… – Andreas Goletz-de Ruffray


Leserbrief zu „Alles Zufall?“ von Malte Henk

Zu Ihren sehr interessanten Artikel zwei Gedanken:

1. mein Vater, Maschinenbau Ingenieur im Bereich Qualitätssicherung, Jg. 1936, pflegte gern zu sagen :

 „Gott erschuf auch den Zufall – und bedient sich seiner.“ So kann mans auch sehn…

2. ein Aspekt des Zufalls – oder seiner Umdeutung – ist für mich zunehmend “ Murphys Gesetz“ : bei Wolken am Himmel sorgt der mitgenommene Regenschirm ziemlich sicher dafuür, dass es nicht regnet…..

 Im Volksmund kennt man diesen Versuch , den Zufall zu beeinflussen auch: man wünscht sich “ Hals und Bein – “ oder “ Mast und  Schotbruch“ bzw.  “ wird schon schiefgehen“…. –  Hans Mezger


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Was für ein vorzüglicher Verriss eines Buches, welches mir bei Lesen ebenfalls recht übel aufgestoßen ist. Herr Fischer hat sehr adäquate Worte gefunden für ein Buch welches die Republik wirklich nicht braucht. Hier hat ein Vorsitzender der Polizeigewerkschaft ein sehr ungenaues alarmistisches Buch geschrieben. Aus der Hüfte geschossen sozusagen. Leider bleibt dem Fernsehzuschauer der scheinbar unvermeidbare Herr Wendt in den vielen Talkshows in denen er auftritt auch nicht erspart mit seinen Thesen des vermeintlichen Untergangs. Mit dem Verweis auf andere Länder in Europa die es seiner Meinung nach besser machen möchte man ihm zur allgemeinen Entlastung anbieten, sich vielleicht dann besser dort niederzulassen. Ich bin froh, dass ich in einem Land lebe, wo die Besonnenheit Raum bei den Entscheidungen hat. Wo Fakten noch etwas zählen und eben nicht Demagogen und Populisten. Noch. – Wendelin Ackermann


Leserbrief zu „Das Gegenteil von Dankbarkeit“ von Jochen Bittner

Das Terrorismusrisiko erhöhe sich, je mehr Muslime hier lebten, schließt Jochen Bittner seine selektive Auswahl der entsetzlichsten Verbrechen der letzten Jahre. Eine Aufzählung versuchter und tödlicher Terroranschläge bei denen aber zum Beispiel sowohl die Verbrechen des NSU als auch die Morde Anders Breiviks fehlen. Warum? So könnte man doch auch argumentieren, dass das Terrorismusrisiko sich erhöhte je mehr Norweger, Sachsen oder Christen hier lebten. Mathematisch korrekt wäre auch die Aussage: Das Terrorismusrisiko erhöht sich, je mehr Menschen hier leben. Das Leben ist gefährlich – die tatsächliche Gefahr für Leib und Leben in unserer Gesellschaft ist aber so gering wie nie zuvor und seit Jahren rückläufig, wenn man zum Beispiel den Kriminalstatistiken glaubt.

Aber Statistik und Zahlen interessieren leider offenbar auch in der sonst so erfreulich besonnen reagierenden ZEIT nach Berlin nicht mehr.

Es ist verständlich, dass auf einen Terrorakt wie Berlin zunächst mit „Angst, Abwehr [und] Aggression“ reagiert wird, wie Lorenzo und Wefing in derselben ZEIT ausführen. Insbesondere wenn eventuell eigenen Angehörige betroffen sind.

Von der ZEIT erwarte ich dann, dass das Geschehen und die darauf resultierenden Forderungen eingeordnet werden, anstatt Gauland zu zitieren und sich in AFD-Wähler hinein zu denken, ohne deren Argumente zu entkräften.

Dies geschieht aber, wenn Bittner über Smartphone- und Badeseenverbote schreibt. Zunächst einmal stellt sich die Frage, ob dies wirklich die Beispiele sind, die tragen und angeführt werden sollten? Unabhängig davon, dass Telefonieren am Steuer verboten ist, wäre doch eher der Vergleich mit allumfassenden Tempolimits auf Autobahnen geeignet. Damit soll weder ein Terrorakt relativiert werden, noch Menschenleben gegeinander abgewogen werden. Vielmehr tritt hier abermals der Widerspruch zwischen gefühlter und tatsächlicher Gefährdung zu Tage. Ein einfaches „Na und?“ reicht hier nicht aus, auch wenn es einem AFD-Wähler in den Mund gelegt wird.  Stattdessen müsste dann auch erörtert werden, ob wir als Gesellschaft einerseits tatsächlich das Asylrecht als Grundpfeiler unseres Wertesystems ein zu schränken bereits sind, ohne dadurch sicher sein zu können auch nur einen potentiellen Terroristen von der Einreise ab zu halten. Bundeseinheitliche Tempolimits, mit denen statistisch belegbar Menschenleben gerettet werden könnten, aber einem politischen Selbstmord gleichen.

Ein Fragenkomplex wird im ganzen Artikel gar nicht erst aufgeworfen:

Warum legen wir an geflüchtete Menschen Maßstäbe an, die wir an „uns“ nicht anlegen? Wer stellt die Dankbarkeitsfrage gegenüber Gesellschaft und  Sozialsystem bei deutschen Straftätern? Warum sollten Straftäter unterschiedlicher Herkunft unterschiedlich behandelt werden? Ist Dankbarkeit eine sinnvolle Kategorie in diesem Kontext?

Bittner zitiert Carlo Schmid: Man dürfe „die Asylgewährung nicht davon abhängig machen, ‚ob der Mann uns politisch nahesteht oder sympathisch ist‘“, um dann am Ende eine Unterteilung in Freiheitssuchende und Freiheitsfeinde zu fordern. Dies ist für mich ein Widerspruch. – Steffen Stadler


Leserbrief zu „Rot-Rot-Radikal“ von Miriam Lau

Ihr Artikel über den rot-rot-grünen Senat in Berlin löst bei mir Widerspruch aus.
Sie sprechen das Thema Videoüberwachung an und kritisieren das zögerliche Handeln der rot-rot-grünen Stadtregierung.

Ich hingegen bin der Meinung, dass es genau das ist, was ich von politisch Verantwortlichen erwarte: bedächtig prüfen und dann erst entscheiden. Dass 70% der Bürgerinnen und Bürger nach einem Terroranschlag für mehr Videoüberwachung stimmen, wundert mich nicht, da die Emotionen nach solch schrecklichen Ereignissen – verständlicherweise – immer hochkochen. Jedoch wurde ja auch bekannt, dass der Attentäter des Berliner Weihnachtsmarktes mehrfach auf europäischen Videoüberwachungskameras aufgetaucht ist – genützt hat es offenbar nichts.

Sie erwähnen zwei Gewaltverbrechen in der Berliner U-Bahn, deren Aufklärung durch Videoüberwachung gelingen konnte. Das ist gut so. Aber könnte es nicht einfach ein Hinweis dafür sein, dass wir mit der bisherigen Videoüberwachung gut aufgestellt sind? Warum nach diesen Vorfällen immer gleich ein „mehr, mehr mehr“ gefordert wird, erklärt sich mir nicht. Daher finde ich es durchaus sachgerecht, wenn eine Regierung erst einmal prüft, ob das wirklich erforderlich ist und auch darauf hinweist, dass das seinen Preis hat. Ich erwarte gerade nicht, dass Regierende mit markigen Sprüchen aufwarten und ohne weitere Reflektion die emotionalisierten Forderungen der Bevölkerung umsetzen.
Was die Personalie Andrej Holm angeht, finde ich es ziemlich lächerlich, dem inzwischen 46-jährigen Wissenschaftler noch immer vorzuhalten, dass er als 19jähriger in der alten DDR mal bei einem Stasi-Wachregiment ausgebildet wurde. Dort war er wohl knapp ein Jahr aktiv, bevor der Laden unterging. Ist es nicht möglich, einem 20Jährigen Weiterentwicklung zuzubilligen? Offensichtlich hat sich Herr Holm ja zu einem ernstzunehmenden Wissenschaftler entwickelt, der an nicht ganz unbedeutenden deutschen Universitäten tätig war. Dass er sich kritsch mit dem Neoliberalismus und vor allem mit der überaus bedrückenden Gentrifizierung auseinandersetzt, mag manchem nicht gefallen. Ich finde es sehr ermutigend. Dass sich eine solche Perspektive im Berliner Senat wiederfindet, ist ein positiver Ansatz, der mir bedeutungsvoller erscheint als die Befürchtung, man könne den ganz alten Genossen treu bleiben.

Seilschaften gibt es in der Politik auch in anderen Parteien. Dies nur den Rot-rot-grünen vorzuwerfen, ist aus meiner Sicht scheinheilig. Für mich als Bürgerin ist von Bedeutung, ob dieser Politiker seine Themen, zu denen er ja ausreichend geforscht hat, auch in der Praxis umzusetzen vermag oder damit im Regierungsalltag untergeht. Wenn auch der rot-rot-grüne Senat nur redet, ohne tatsächliche Veränderungen gerade im sozialen Bereich herbeizuführen, dann wäre dies allerdings ein Tritt in den Rücken der offenen Gesellschaft, da es ein Punkt mehr auf dem Negativkonto der Politikverdrossenheit wäre.   – Erika S. Becker


Leserbrief zu „Mein Feind und Helfer“

Seit fast 20 Jahren arbeite ich nun als Krankenpfleger und die in den letzten Jahren vermehrt diskutierten, anscheinend in Zukunft unvermeidlichen Pflegeroboter bzw. die sehr oberflächlichen Berichte darüber verärgern mich immer wieder aufs Neue. Das Wichtigste vorweg: damit Kranke gesund werden und Betreute sich gut versorgt fühlen müssen wir nicht nur unsere Fachkenntnisse einsetzen, sondern ihnen mit menschlicher Zuwendung und Empathie begegnen. Für Zahlensammler in einer technoid-datenverrückten Zeit natürlich schwer vorstellbar und für Roboter schlicht unmöglich zu leisten. Nächster Punkt: unser Beruf ist sicher oft fordernd und belastend, aber die Belastungen als unzumutbar und/oder eklig darzustellen zeugt fast schon von Misanthropie und entwürdigt meiner Meinung nach die uns anvertrauten Patienten. Dieses Zerrbild unserer Zunft entsteht wahrscheinlich bei Zeitgenossen die glatte Touchscreens öfter (und lieber) als menschliche Haut berühren. Weiters ist es äußerst selten notwendig einen Patienten wirklich zu „heben“ – und für diesen Fall gibt es schon längst mechanisch-elektrische Hilfsmittel. Die meisten Transfers bzw. Positionswechsel können von entsprechend geschulten Pflegekräften ohne viel Kraftaufwand durchgeführt werden und sind für die Patienten oft auch noch Therapie und Prophylaxe nebenbei.

Was soll hier ein sündhaft teurer, rudimentär intelligenter, selbstfahrender Krankenzimmerkran besser machen? Und von da an ist es dann noch ein immens langer Weg zu komplexen und diffizilen Bewegungen wie sie z.B. bei der im Artikel beschriebenen Blutabnahme erforderlich wären. Wie soll hier eine Maschine den Menschen mit seinen feinfühligen Händen und seinem ausgereiften Sensorium ersetzen? Wer würde sich ohne Bedenken so einer Kiste mit Nadel ausliefern – oder z.B. sich von ihr waschen lassen? Schließlich: „Zärtlichkeit spendende Maschinenmännchen“? Ich könnte kotzen. Eine viel radikalere Zukunftsvision als diese ganzen langweiligen, Transformer-artigen Nerd-Fantasien wäre jene, in der die Milliarden und Abermilliarden aus der Roboterentwicklung in Dinge investiert werden, die den Menschen direkt helfen und sie in ihrer Selbständigkeit bestärken anstatt beschneiden: Bildung, gerechte Entlohnung, Gesundheitserziehung, leistbares Wohnen, Infrastruktur, Orte für Kinder zum Spielen und Toben, intakte Natur, etc. Ja, ich weiß: das sind jetzt Hippie-Fantasien. Die besten Chancen gebe ich darum den „Blechtrotteln“ nach Lektüre ihres Wirtschaftsteils in der Kriegsindustrie. Als hochpräzise und komplett von Reue und Gewissen befreite Soldatenkameraden bescheren sie mit ihrer „massive killing capacity“ (deutsch: “fett geile fire power“) bestimmt schon dem einen oder anderen Staatenlenker bzw. Rüstungsmanager feuchte Träume. – Mario Hirzinger


Leserbrief zu “Mission einer Sekte” von Jens Jessen

Da macht sich eine rot-rot-grüne Koalition in Berlin entgegen bisheriger Gepflogenheiten die Mühe, in einem 174 seitigen Koalitionsvertrag für alle wesentlichen Politikbereiche sehr konkret die Vorhaben für die kommenden fünf Jahre sich und den Bürgerinnen und Bürgern darzustellen und trifft dann auf ein ZEIT-Kommentator, dem dazu nur als Bewertung „Detailverliebtheit“,“Geschwätzigkeit“ und ein gewisser „Größenwahn auf Nebenschauplätzen“ einfällt. Bislang ergingen sich Koalitionsverträge eher in pauschalen, schwammigen Formulierungen, die oft das Papier nicht wert waren, auf dem sie geschrieben standen und die oft schon am Beginn der Regierungszeit zu heftigen Streitereien zwischen den Koalitionspartnern führte. Statt sich mit den breit ausgeführten Darlegungen zur Wirtschafts-, Wohnungsbau-, zur Schul- und Kulturpolitik und vielen anderen Themenfeldern kritisch und sachlich auseinanderzusetzen, was wegen grundlegender Änderungen zur bisherigen Politik in Berlin sehr lohnenswert wäre, greift der Verfasser das gerade mal eine Seite (von 174) umfassende Thema zur sexuellen Orientierung „LSBTTIQ“ heraus und widmet seinen höchst abfälligen Bewertungen die Hälfte seiner Zeilen. Mir scheint, dass dem Autor sehr wohl bewusst ist, dass dieser Koalitionsvertrag teilweise tiefgreifende politische Veränderungen im Hinblick auf die bisherige neoliberale Politik beinhaltet. Weil ihm aber die ganze Richtung nicht passt, unternimmt er den Versuch mit aus dem Zusammenhang herausgegriffenen Nebensächlichkeiten und Vorurteilen den Vertrag in polemischer, arroganter Art madig und lächerlich zu machen. Die oben zitierten Vorwürfe Geschwätzigkeit, abstruse Detailverliebtheit und Größenwahn auf Nebenschauplätzen  trifft mit Sicherheit auf den Autor Jessen zu. Ob die Berliner Koalition ihren selbstgesteckten Zielen gerecht wird, wird hoffentlich von der ZEIT in der gewohnten Qualität -und nicht wie hier mit Stimmungsmache- kritisch begleitet. – Peter van der Kemp


Leserbrief zu „Frei laufende Maschine“ von Heike Buchter

Die Zukunft von Arbeit, Mensch und Technik – Die Technik hat unseren Lebensstandard erheblich verbessert, seit der industriellen Revolution vor über hundert Jahren. Heute könnten wir gar nicht mehr ohne sie leben – und wollen das auch gar nicht.

Ob es nun Kühlschrank, Waschmaschine und Staubsauger, Kino, Radio und Fernseher, Telefon (heute Smartphone), PC oder Tablet, Auto, Flugzeug oder Eisenbahn sind, unser Leben wäre heute ohne diese unvorstellbar und sehr viel schlechter.

Auch unsere moderne Medizin wäre ohne Technik nicht möglich: Ich bin froh, dass ich nicht zu einem mittelalterlichen Bader gehen muss, um mich mit peinigenden Wundermittelchen traktieren zu lassen, oder (o Graus) mir die Zähne auf einem altertümlichen Jahrmarkt, mit unsäglichen Folterinstrumenten, ziehen zu lassen. Heute haben wir moderne Ärzte und Krankenhäuser, fortschrittliche medizinische Behandlungsmethoden, komplizierte Operationen unter Vollnarkose und angstfreie Zahnarztbesuche ohne Schmerzen.

Doch der Fortschritt hat (wie alles) zwei Seiten. In den vergangenen Jahren sind immer mehr Arbeitsplätze durch Computer und Roboter (allgemein durch Technik) ersetzt worden. Zwar haben einige Menschen einen Arbeitsplatz in einem anderen Bereich gefunden, doch zunehmend haben sie Schwierigkeiten eine neue sinnvolle Tätigkeit zu finden, von deren Arbeit sie leben können.

In den Banken sind die Schalter gestrichen geworden und bei der Bahn gibt es fast keine Fahrkartenverkäufer mehr, als Ersatz nutzen wir nur noch Automaten. Bei Hotlines müssen wir mit künstlichen Betreuern sprechen. Fabrikhallen werden zunehmend menschenleer. Die Arbeit findet bald ohne Menschen statt.

Die ehemaligen Beschäftigten verlieren ihr Einkommen, ihre Existenz. Sie können ihren Lebensstandard nicht mehr halten, die große Wohnung nicht mehr finanzieren, Urlaubsreisen kaum noch durchführen. Die zwischenmenschlichen Kontakte werden geringer und die finanziellen Probleme größer. Es kommt zum sozialen Abstieg. Das Ergebnis sind Armut und Einsamkeit! Manche schaffen den Wandel und finden einen neuen Arbeitsplatz, aber es werden immer weniger, es gibt immer mehr Verlierer!

Zunächst waren es nur einfache Arbeiten, welche die Technik übernommen hat – doch diese wird immer leistungsfähiger. Nicht nur Fließbandarbeiter, auch leitende Tätigkeiten, selbst Programmierer werden irgendwann einmal überflüssig. Bald kann der Mensch gar nicht mehr mithalten gegenüber Computern und Robotern. Viele Berufe fallen weg, doch wir können nicht alle Friseure werden, denn diese werden vielleicht irgendwann auch nicht mehr gebraucht!

Menschen müssen bei ihrer Arbeit hohe Steuern bezahlen, sie bekommen (mehr oder minder) hohe Löhne, die einen beträchtlichen Teil der Produktionskosten ausmachen können. Computer und Roboter arbeiten dagegen vollständig umsonst, sie bekommen kein Gehalt und führen keine Steuern ab – sie streiken nicht und stellen keine unangenehmen Forderungen gegenüber ihren Arbeitgebern.

Damit sind die Arbeiter und Angestellten immer weniger konkurrenzfähig, die Unternehmen setzen zunehmend auf die billigen Maschinen und kaum noch auf die Menschen. Wenn die Technik weiterhin billiger und vorteilhafter bleibt als die menschliche Arbeitskraft und immer leistungsfähiger wird, dann werden die Menschen irgendwann gar nicht mehr gebraucht.

Ein Ausweg aus der Krise kann eigentlich nur darin bestehen, dass die Kosten von Computern und Robotern für die Unternehmen größer werden. Menschen dürfen nicht schlechter gestellt sein, als Maschinen und dürfen den Unternehmen keine höheren Kosten verursachen, als Technik. Es muss alle Arbeit besteuert werden, die universelle Arbeitskraft (AK), zu der auch die Tätigkeit von Computern und Robotern gezählt werden muss, nicht mehr nur die Arbeitsleistung von Menschen, wie es gegenwärtig der Fall ist!

Ich bin ein Freund der Technik, nutze sie gerne und kann ohne sie nicht auskommen, aber ich fürchte die negativen Auswirkungen eines radikalen Wandels. Ist das nun begründet, oder Schwarzmalerei? Es ist wohl noch offen, wie die Entwicklung weitergeht, diese hängt auch von unseren Entscheidungen ab!

Wir dürfen nicht nur durch marktwirtschaftliche Interessen unser Verhältnis zur Technik regeln lassen, sondern wir müssen auch nach dem Nutzen für unsere Gesellschaft fragen. Danach wird es sich erweisen, was aus der Technik wird, ein Fluch, oder ein Segen unserer Zukunft. Wichtig ist, dass wir uns darüber im Klaren sein sollten, das die Technik für den Menschen da sein muss und nicht der Mensch für die Technik! Nur dann werden wir den Weg in eine menschenwürdige neue Welt finden. – Frank-Thomas Kirchberg


Leserbrief zum Thema „Terror in Berlin“

Als ein zunehmend in die Jahre gekommener Leser der „Zeit“ kann man durchaus noch überrascht werden. Mir ist die Zeit vielfach zu ausgewogen und zu wenig Meinung. Insofern überrascht und erfreut es mich, dass das nicht immer so sein muss. In Ihrer ersten Ausgabe von 2017 finde ich sehr gute Beiträge zu den Themen „Terrorismus“ (Yason Musharbash) „Anis Amri“ (Peter Dausend und Team) und vor allem „Asy“ (Jochen Bittner). Insbesondere der Beitrag von Joch Bittner hat mich sehr positiv überrascht. Denn er lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Bravo.

Viele Deutsche wissen, dass Deutschland ein Einwanderungsland sein muss. Und ich denke wie Herr Bittner, dass das Asylrecht zu verteidigen ist. Aber es ist eine Tatsache, dass die aktuellen Entwicklungen weder von den Vätern des Grundgesetzes noch von der so oft bemühten Schaffern der UN Flüchtlings-Charta so vorhergesehen worden sind. Wir müssen hier sicher einiges ändern, um den wirklich Schutzbedürftigen zu helfen und Menschen aus armen Ländern eine andere Einwanderungsperspektive als das Asylrecht zu bieten. Leider beschränken sich viele Journalisten auf Pauschalaussagen und erklären sich selbst zu den Hütern des Grundgesetzes in genau der Form, in der es unsere Verfassungsväter und -mütter das Gesetz vor fast 70 Jahren erschaffen haben. Als ob das „Gottes Wort“ wäre und man die Welt seitdem hätte anhalten können.

Umso überraschter bin ich, mit welcher fachlichen und intellektuellen Kompetenz sich Ihre Zeit-Autoren diesen verschiedenen Themen widmen. Hätten wir nur mehr Journalisten dieser Qualität, die wirklich etwas von der Sache und Ihrem Handwerk verstehen würden.

Ich hoffe, Sie verlieren durch diese klaren (fast schon zeit-untypischen) Positionen keine Leser, sondern gewinnen im Gegenteil noch welche hinzu. – Thomas Nassua


 

 

21. Dezember 2016 – Ausgabe 53

Leserbrief zu „Grinch türkisch“ von Josef Joffe

Vielen Dank für Ihre Glosse. Eine kleine Bemerkung zum Namen der Schule, den Sie als „Lisesi-Schule“ oder „Lisesi“ wiedergeben, was in meinen Ohren seltsam klingt und auch nicht korrekt ist.

Der Blick in ein türkisch-deutsches Wörterbuch zeigt, dass die Grundform des türkischen Wortes schlicht und einfach „lise“ ist (entlehnt aus dem französischen „lycée“, deutsche Entsprechung am ehesten: „Gymnasium“). Der vollständige Name lautet „İstanbul Lisesi“, deutsch in etwa: „Istanbul sein Gymnasium“, eleganter natürlich „Istanbuler Gymnasium“. –  Dr. Johannes Wachten


Leserbrief zu „Himmlische Ruh?“ von Maximilian Probst

Ich denke nicht, dass Sie diesen Artikel in einem Großraumbüro geschrieben hat. Sonst wüssten Sie nämlich, dass es unmöglich ist, sich acht Stunden lang zu konzentrieren, wenn man von 30 Kollegen umgeben ist, von denen 1/3 zwar leise mit ihren Tastaturen klimpert, aber die anderen 2/3 sich entweder miteinander unterhalten oder aber Telefongespräche oder Telefonkonferenzen führen – das auch gerne mal in englisch oder einer anderen Sprache.

 Wir leben im Informations- und Kommunikationszeitalter, und im Arbeitsumfeld wurde vermutlich noch nie so viel kommuniziert wie heute. Das ist für manche Arbeitnehmer akustischer Stress, der sie krank macht. Ein gelegentlicher Peitschenknall ist nichts gegen diese Dauerberieselung mit Sprache. – Albrecht Nestle


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Der Beitrag von Giovanni di Lorenzo hat mich sehr gefreut. Ich meine, er trifft den richtigen Ton und zeigt, wie infam Populisten solche schrecklichen Ereignisse für Propaganda mißbrauchen. Zu diesen Populisten gehört leider wohl auch der Vorsitzende unserer Krippenspiel-Partei aus dem Süden. Wie sehr werden wir streiten müssen für Menschlichkeit und unsere Demokratie? Ich bin jedenfalls dankbar für die Regierungen, die wir in der Bundesrepublik bisher gehabt haben. –  Almut Stribeck


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Natürlich würden wir friedlich miteinander leben, wenn wir keine Feindbilder kultivierten. Dazu müssten wir allerdings der Frage nachgehen, worauf Feindbilder beruhen. Offensichtlich bilden unsere Selbstbilder, die wir auch als unsere Identität bezeichnen, die Grundlage für die Erzeugung von Feindbildern. Wenn ich kein Selbstbild hätte bzw. wüsste, dass ich nicht mein Selbstbild bin, könnte ich mich von Menschen, denen ich noch nie begegnet bin, nicht bedroht fühlen und sie zu Feinden machen.

Der Soziologe Didier Eribon hat den Zusammenhang zwischen Selbstbild und Feindbild anschaulich am Beispiel seiner Herkunftsfamilie beschrieben. Als er seine Familie nach langer Zeit wieder besuchte, stellte er fest, dass die Familienmitglieder, die früher die kommunistische Partei gewählt hatten, nun alle der Front National ihre Stimme gaben. Aus dem früheren „Wir Arbeiter gegen die Bourgeoisie“ sei nun ein „Wir Franzosen gegen die Migranten“ geworden. Man sieht sich nicht mehr als Angehörige einer Klasse, sondern als das zu kurz gekommene Volk, dem die Migranten die Sozialzuschüsse wegnehmen. – Dr. Jens Lipski


Leserbrief zu „Grinch türkisch“ von Josef Joffe

Amüsiert habe ich die Kolumne von J.Joffe „Grinch türkisch“ gelesen, möchte aber dazu anmerken, dass Santa Claus oder Nikolaus alles andere als ein „echter Türke“ war, oder war das ironisch gemeint?

Der „echte“  Nikolaos war, wir Herr Joffe richtig schreibt, Bischof von Myra, und starb im Jahre 345 oder 351, so genau weiß man das nicht. Myra gehörte damals zum Byzantnischen (oströmischen) Reich, Nikolaos war also.Erst tausend Jahre späterwurde Myra vom Osmanensultan Orhan  (1331-1347) erobert, die Bevölkerung getötet oder vertrieben und im osmanischen Reich vergessen. Noch in den 1980er Jahren. als ich Myra das erste mal besuchte, war die Stadt eine Ruinenfeld, auf dem Ziegen und Schafe weideten, die Kirche war eine Ruine. Dass die türkische Tourismusbranche Myra später für Marketingzwecke vereinnamte, steht auf einem anderen Blatt. – Dr. J.Wachtler


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Evelyn Finger scheint die Christin vom Dienst in der Schar der Zeit-Redakteure zu sein. Seltsam klingt wenn sie davon ausgeht, dass wir nicht alle an denselben Gott glauben. Hat sie einmal darüber nachgedacht, dass es nur einen einzigen Gott geben kann dem die vielen Religionen nur verschiedene Namen geben ? Vielleicht ist sie ja zu sehr überzeugte Christin und trägt deswegen Scheuklappen.

Ihr Artikel über die Bedeutung der Weihnachtszeit wiederholt, wie jedes Jahr seit Jahrhunderten, Jahrtausenden,  die Aufforderung, christliche Botschaft und Werte in einen fruchtbaren Zusammenhang mit dem Bemühen der Menschen zu stellen, Kriege zu beenden oder gar nicht erst anzufangen. Nüchterne Zeitgenossen zu allen Zeiten wussten und wissen, dass das vergebliche Hoffnungen sind.

Solange Menschen ihre Konflikte  in unendlicher Selbstgerechtigkeit begründen, verteidigen und dann kriegerisch vollenden, der liebe Gott  aber gar nicht daran denkt einzugreifen oder zu schlichten, sind christliche Weihnachtsbotschaften nur etwas  für den inneren Frieden der Gläubigen oder Ansporn für ihre Nächstenliebe. An sich Werte für sich aber leider  kein Mittel gegen die Feindschaft der Menschen gegen den anderen Menschen. Es ist gleichgültig ob der Fürst  der Finsternis in Gestalt eines Attentäters, blutrünstigen Diktators oder mörderischen Ideologen daherkommt,  sie alle lassen sich von einem Gott nicht vorschreiben was sie glauben tun zu müssen.

Die Vorstellung, dass sich Gott vorbehält, die Zeit danach den Menschen vor sein jüngstes Gericht zu stellen um sein Leben mit der ihm eigenen absoluten Gerechtigkeit zu bewerten versöhnt vielleicht die Menschen auf Erden mit erlittenem Unrecht. – Klaus Reisdorf  


Leserbrief zu „Torten der Wahrheit“ von Katja Berlin

Zum Ende des Jahres einen besonderen Dank an Katja Berlin für ihre Torten der Wahrheit. Sie schaffte es, aus dem Irrsinn des Alltags einen intelligenten und humorvollen Moment zu machen. – Christopher Hagen


Leserbrief zu „Torten der Wahrheit“ von Katja Berlin

Das ist also das Bild, dass die ZEIT-Redaktion von ihren Lesern hat: Ignorant wie ein Social Bot. Schön zu wissen. Ach, das war ja nur Spaß? Haben nicht erst neulich die „Torten der Wahrheit“ genau solche Ausreden kritisiert? Damals behauptete man, Einwände wie der meine würden, wenn die Witze sich gegen Frauen oder Ausländern richten, als politisch korrekter Mist abgetan, bei weißen Männern dagegen als berechtigte Forderung nach Respekt. Vor einigen Wochen wurde deshalb sogar dem Spiel „Mensch ärgere dich nicht“ der „Geist der neuen Rechten“ unterstellt. Also sagen Sie jetzt nicht: „Ärgern Sie sich nicht, war doch nur Spaß.“ Die „Torten der Wahrheit“ waren allerdings schon damals falsch, richtiger wäre die Auswahl: „Richtet sich die verbale Attacke gegen weiße Männer? Ja? Dann ist es freie Meinungsäußerung, andernfalls faschistoider Unsinn“. Glauben Sie nicht? Dann schreiben Sie mal zwei Artikel, einen zum Thema „Warum Männer selbst an ihrer geringeren Lebenserwartung schuld sind“ und einen „Warum Frauen selbst an ihrem geringeren Verdienst schuld sind“ und schauen sie, wo Sie mehr zornige Grüne vor ihrer Haustür finden.

Aber das dürfte Frau Berlin in ihrer unerschütterlichen Meinung nicht rühren. Wo also unterscheidet sie sich von einem Social Bot? Weil sie Recht hat und deshalb sich nicht in Frage stellen muss? Ja, das sieht der „normale Internetnutzer“ ganz anders.

Oder hat Frau Berlin sich selbst miteinbezogen? Dann wäre der Beitrag immerhin etwas witzig und selbstkritisch. Nur: Dass kommt nicht wirklich so rüber. – Jan Alexander   


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Wie kommt Evelyn Finger in ihrem Leitartikel zu Weihnachten dazu, die identitäre Bewegung, die nationalistische Regime in ganz Europa etablieren will, dermaßen aufzuwerten, dass sich scheinbar nur noch zwei Gruppen, nämlich „die Identitären und die Anti-Identitären“ feindlich gegenüberstehen?  Die grobe, verharmlosende Umschreibung beider Lager – die einen „leugnen alle interkulturellen Gemeinsamkeiten und betrachten Religion als etwas unüberwindlich Trennendes“, die „anderen leugnen alle Unterschiede und halten Religionskonflikte für eine fremdenfeindliche Erfindung“ – stellt beide auf eine Stufe und erweckt den Eindruck, als seien beide Seiten auf ihre Weise bloß etwas überspannt und die Lösung bestehe einfach darin, dass man aufeinander zugeht. Bei dieser Aufteilung erhalten die „Identitären“ auch noch das Privileg, mit ihrer Selbstbezeichnung erwähnt zu werden, während alle anderen plötzlich nur noch in ihrer Gegnerschaft zu dieser in Wirklichkeit sehr gefährlichen Bewegung wahrgenommen werden!

Dieser Dualismus ist allerdings bei den Identären selbst zu finden. Ihre Mission ist „das ethnokulturelle Überleben der Völker Europas“. Sie sehen sich, wie man auf ihrer Homepage nachlesen kann, im Gegensatz zu den „alten Rechten (Nazis, Neonazis und Nationalisten)“ als die neuen, sozusagen die guten Rechten. Alte und neue Rechte vereint jedoch, dass für sie die Abstammung der entscheidende, harte Faktor bei der Bestimmung der Nation ist. Unter Nation verstehen sie die „Einheit von Abstammung, Sprache und Kultur“ (Michael F. Vogt). ‚Es ist doch klar: Die Sprache und Kultur kann ich erlernen und mir aneignen, aber die Abstammung? Türke bleibt Türke, Deutscher bleibt Deutscher …´, so die fatale im Grunde rassistische Logik. Deshalb fürchten sich die Identitären vor den Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan und Afrika – allein aufgrund ihrer Abstammung sind ihnen diese Menschen suspekt und werden, wie die Identitären glauben, niemals Deutsche werden können, wenn sie auch noch so gut in die deutsche Sprache und Kultur eintauchen. Integration ist unter dieser Voraussetzung nicht nur abwegig, sie ist lediglich Hirngespinst linker Intellektueller und wertkonservativer Verräter am deutschen Volk!

Was hat das Ganze nun in einem mit dem christlichen Weihnachtsfest zu tun? Aus meiner Sicht besteht ein Zusammenhang nur insofern, als Christen diesen Nationalbegriff endlich in aller Deutlichkeit ablehnen müssen. Wer die Gnade der Taufe empfangen hat, ist Teil der transnationalen Menschheitsfamilie geworden, eingetaucht in die Wirklichkeit des auferstandenen Jesus von Nazareth, in der Liebe den Hass überwindet und in der die Liebe Gottes die Trennung der Menschen nach Abstammung, Nation, Geschlecht, Bildungsgrad und ökonomischer Potenz überwindet, und zwar nicht nur symbolisch, sondern real. Vor Gott sind wir alle gleich, die Armen aber liebt er am meisten! Das sollte man auch an der sozialen Gemeinschaft der Christen ablesen können … Wir Christen haben noch viel zu tun, um in dieser Wirklichkeit Gottes, in seinem Frieden, den die Engel den Hirten auf dem Feld von Bethlehem verkündeten, anzukommen! Gott stehe uns bei und helfe, dass wir Deutschen und Europäer nicht noch einmal den Weg des nationalen Irrsinns gehen, in welchen Schafspelz er sich auch kleiden mag. Gott helfe uns, dass wir vom Kind in der Krippe lernen, dass die Rettung in der frei gewählten Wehrlosigkeit liegt, die – so zeigt uns die Lebensgeschichte Jesu von Nazareth – jenseits von Eden auch im (vorläufigen) Tod enden kann. Als Christen muss uns das nicht schrecken! – Dr. Gudula Frieling


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Es stimmt: das Jahr 2016 hat Deutschland vor große, unbekannte, noch lange nicht überwundene Herausforderungen gestellt: die Integration tausender Flüchtlinge, die scheinbar politische Hilflosigkeit angesichts des Bürgerkriegs in Syrien, die furchtbaren Anschläge auf deutschem und europäischen Boden etc. Aber mit Verlaub: deshalb von einem „entsetzlichen Jahr“ zu sprechen, halte ich angesichts dessen, dass wir uns in Deutschland im Frieden und nicht im Krieg befinden und noch immer nahezu jeder satt mit einem Dach über dem Kopf zu Bett geht, für eine vermessene und dem Format der „Zeit“ unangemessene Aussage. Ich empfehle zur Lektüre den lesenswerten und hoffnungsvollen Artikel von Evelyn Finger direkt neben dem „Schock von Berlin“. – Johannetta Cornell


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Nun ist es also passiert: „Die Täter sind unter uns, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Bomben explodieren werden!“, prognostiziere ich letzten März in einem Leserbrief. Wie wir seit dem Terroranschlag von Nizza wissen, müssen es keine Bomben sein, sondern auch ein schwerer Lkw reicht aus, viele Menschen zu töten. Und wieder kommt der vermutliche Täter aus einem islamischen Staat, ist Asylant, Flüchtling im weitesten Sinne.

„Wird die regierende Klasse trotzdem weiter von ‚kultureller Bereicherung reden’ und Bürger, die nicht dieser Meinung sind, diffamieren, im Extremfall sogar als ‚Pack’ bezeichnen?“, frage ich. Aktuell wird vom Staatsoberhaupt angefangen, wie zu erwarten, protokollgerecht „tiefe Bestürzung“, „Betroffenheit“ über den Terroranschlag  und „großes Mitgefühl“ mit  den Opfern und deren Angehörigen bekundet. Selbst mich erreichte schon eine Mitgefühls-Bekundung französischer Freunde – „à tous les Allemands“.
Damit kann und darf es aber nicht sein Bewenden haben. Es müssen vielmehr grundsätzliche Änderungen politischer Positionen erfolgen. Dazu gehört die Änderung des Asylparagraphen 16a im Grundgesetz, dessen Formulierung an einen geschichtlichen Hintergrund gebunden war, der für die heute als Grund für Asylgewährung dienenden Verhältnisse in der Welt absolut nicht taugt. Ethische Gründe, die jüngst ein Thüringer Bischof  für das Verbot einer Flüchtlings-Obergrenze nannte, haben zuallererst für diejenigen zu gelten, die Flüchtlingsströme verursachen. Sollen etwa Mord und Totschlag, in fast allen Ländern der Islamischen Welt zur alltäglichen Wirklichkeit gehörend, auch bei uns zur Selbstverständlichkeit werden?

Schließlich kann nur Unkenntnis der Weltgeschichte zu der irrigen Meinung führen, man könne und müsse den Bevölkerungsrückgang durch massenhaftes Hereinholen von Menschen völlig fremder Kulturkreise und Religionszugehörigkeiten ausgleichen. Derartige Vermischungen haben stets zu Konflikten und letztlich verheerenden Kriegen geführt. Deshalb forderte ich für die offenbar geschichtsignoranten politischen Führungskräfte, Merkel an der Spitze, die Einführung diesbezüglicher obligatorischer Fachseminare bei den besten Historikern des Landes.

Wir befinden uns erst am Anfang einer mörderischen Spirale, weshalb alle Beschwichtigungs-versuche von oben falsch am Platz sind. Es ist Zeit für ein grundsätzliches, konsequentes  Umdenken und dabei sind „die Menschen mitzunehmen“. – Hans Anhöck


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Mit großer Befriedigung habe ich Ihren Leitartikel der neuesten ZEIT gelesen und danke Ihnen herzlich dafür. Ich freue mich auch darüber, dass eine dezidiert christlich fundierte Meinung an herausragender Stelle erscheint, nachdem Jahrzehnte lang es offenbar als Ausweis von Intellektualität galt, möglichst Glauben und Christentum von sich zu weisen, sich aber oft mit esoterischen oder fernöstlichen Weisheiten zu schmücken.

Auch Ihre vielfältige Rubrik “Glauben und Zweifel” ist eine ungeheure Bereicherung! Nochmals vielen Dank und mit guten Wünschen für ein heilsames Weihnachten. – Dr. med. Johannes Mickler


Leserbrief zu „Stille, deutsche Nacht“ von Derek Scally

Die Iren sind ja bekannt für ihre begrenzte Wahrheitsliebe. Aber das kann kein ausreichender Grund sein, den Prince Consort, der ja als Prinzgemahl auch für seine Heimat Mitverantwortung trug, als einen Hannoveraner zu denunzieren. Albert war selbstredend ein Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha. – Holger App


Leserbrief zu „Grinch türkisch“ von Josef Joffe

Ein wenig gestreichelt haben Sie in Ihrer Kolumne den Mini-Erdowahn von der Lisesi-Schule am Bosporus. Er hätte eine gute Portion mit der Rute verdient! Aber im Ernst: Eigentlich handelt das Fest und die Weihnachtsgeschichte ja von einer Maria und Ihrem Namensvetter Josef. Kein Dach überm Kopf und ein Kind wundersam gezeugt vom himmlichen Vater!

Der „Weihnachtsmann“ ist wohl eine angelsächsische Kultfigur und gehört als Nikolaus eher zum 6. Dezember. Der wiederum hätte sich sehr gewundert, ihn als Türken zu verkleiden. Lebte er doch als Grieche im 4. Jahrhundert in Kleinasien, bevor die seltschukischen Türken 700 Jahre später ins Land kamen. Die Türken haben der Welt manches geschenkt, Türkenkriege und Basare, Genozid-Amnesie, Gastarbeiter und ein Kurdenproblem. Aber mitnichten einen türkischen „Nikolaus“. – Winfried Wolf


Leserbrief zu „Ein Drama in drei Akten“ von Moritz Müller-Wirth

Moritz Müller-Wirth erweckt den Eindruck als habe es 1973 schon die Entscheidung eines DFB-Pokal-Finales per Elfmeterschießen gegeben. Damals war ich noch regelmäßig auf dem (Mönchengladbacher) Bökelberg zu Gast. An Elfmeterschießen in jener Zeit kann ich mich nicht erinnern. Noch 1977 wurde das Pokalendspiel (unentschieden nach Verlängerung) zwei Tage später wiederholt.  Pokalendspiele werden erst seit der Saison 1977/78 (ggf.)durch Elfmeter entschieden. Also hat Günter Netzer ganz bestimmt nicht aus Furcht vor einem Elfmeterschießen „sein“ Tor geschossen. (Vielleicht ist der Autor einfach zu jung.) – Dr. Peter Poerting


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Frau Finger meint „Wir glauben zwar nicht alle an denselben Gott, aber uns verbindet genug, um den Unfriedensstiftern entgegenzutreten.“

3.000 Jahre hat man den alten Ägyptern den Sonnengott Re eingeredet und der jeweilige Pharao sei sein Sohn, beim Mosaischen Glauben heißt der Gott Jehova, bei den Phöniziern Baal, bei den alten Griechen war es Zeus, bei den Römern Jupiter, bei den Germanen Wotan, bei den Muslimen Allah und bei den

Christen ist es Gottvater oder der liebe Gott. Jeder (übrigens immer Männer) dieser religiösen Unfriedensstifter (Propheten, Gottessöhne, Ayatollahs, Imame, Päpste und dgl.) postuliert, seine Religion sei die wahre: Die Juden sind das „auserwählte Volk Gottes“, die katholische Kirche ist die „allein seligmachende Kirche“ und für Muslime sind alle anderen „Ungläubige“. Diese grundsätzlich faschistische Einstellung ist das Gegenteil von Toleranz. Und eher einfache, eher weniger gebildete, eher labile Menschen lassen sich indoktrinieren an Götter und orientalische Erlösungsmärchen zu glauben und folgen unkritisch und untertänig der jeweiligen Priesterschaft.  Und diese salbungsvollen Hassprediger – es gibt Ausnahmen – haben seit Jahrhunderten die Gegensätze geschürt und zahlreiche Kriege verursacht: von den Kreuzzügen (Christen gegen Moslems), der Reconquista in Spanien (Christen gegen Juden und Moslems), dem 30-jährigen Krieg (Katholiken gegen Protestanten) bis zu heutigen aktuellen Feindschaften Islam gegen Judentum und Schiiten gegen Suniten.

Im Namen all dieser Götter – die es de facto noch nie gegeben hat – kämpfen die Gläubigen gegen die Andersgläubigen, die Agnostiker und Atheisten. Auf die Frage „Frieden – wie geht das?“ die Antwort: Eines der Übel sind die Religionen, die Unfriedensstifter. – Johann Ernst


Leserbrief zu „Die kennt keiner mehr“ von Ronald D. Gerste

Sie nehmen die – die Zeit Redaktion bis in ihre Grundfesten erschütternde – Trump Wahl zum Anlass für einen interessanten Artikel über „lost presidents“. Ob sich Donald dereinst in diese illustre Runde einreihen wird, bleibt abzuwarten. Einen haben Sie aber übersehen : B. Obama – den schwächsten und erfolglosesten US- Präsidenten seit Jahrzehnten ! – Dr. Werner Milota


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Der Artikel, „Der Schock von Berlin“ hat mich sehr bewegt. Danke für Ihre offenen, klaren und mutigen Zeilen! Was Herr Pretzell von der AfD getwittert hat, ist schlichtweg unmenschlich. Es ist ein Stich mitten in die Wunde der Angehörigen der Toten. Wieviel Leid erfahren sie jetzt, und wieviel Hass wird von der Afd jetzt geschürt. So entsteht kein Friede.

Was Herr Pretzell sagt, ist wie seelich-geistiger Terror – einfach los, ohne Rücksicht auf Verluste, der Unschuldige mit sich zieht.. so wie der LKW. Daher müssten Ihre Zeilen „Schamloser kann man Leid nicht instrumentalisieren“ in Großbuchstaben geschrieben werden!

Ihnen allen in der Redaktion wünsche ich ein gutes, frohes und friedvolles Fest.  Meine begleitenden Gebete sind Ihnen sicher! – Sr. Emmanuela Köhler


Leserbrief zu „Grinch türkisch“ von Josef Joffe

Herr Joffe irrt, wenn er schreibt: „Santa Claus (Nikolaus) ist nämlich ein echter Türke, der im 3. Jahrhundert in Myra am Mittelmeer geboren wurde.“ Die türkische Besiedlung Kleinasiens begann erst mit dem Eintreffen der Seldschuken im 11. Jahrhundert n. Chr. – Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu „Der Westen ist jetzt im Stresstest“ ein Gespräch mit Wolfgang Schäuble von Marc Brost und Mark Schieritz

Wunderbares Interview: Intelligent, nachdenklich, besonnen und schlagfertig. Ich hoffe, Sie bleiben bei guter Gesundheit und noch lange in der Regierungsverantwortung. Alles Gute für das Jahr 2017. – Dr. Th. Lukowski


Leserbrief zu „Alle Babys tot“ von Christoph Dieckmann

Vielen Dank für diesen nachdenklichen und deshalb so weihnachtlichen Artikel. Den Aussagen des Artikels ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.

Und wiederholen muss ich es auch nicht. Mir persönlich ist es zu Weihnachten sehr wichtig, den Mensch gewordenen Gott in aller freiwillig auf sich genommenen Schutzlosigkeit zu sehen. Der Rest ist unsere Verantwortung.

Nur ein Detail des Artikels mag ich korrigieren. „Was folgt, besingt kein Weihnachtslied“, schreibt Herr Dieckmann. Das ist nicht korrekt. Das Coventry Carol hat genau dies zum Inhalt: Eine Mutter in Bethlehem singt ihr Kind in den letzten, den ewigen Schlaf – die Schergen des Königs Herodes im Anmarsch.

Das Coventry Carol war Teil eines Mysterienspiels, das unter dem Namen The Pageant of the Shearmen and Tailors bekannt ist. Text und Melodie stammen aus dem 16. Jahrhundert. Somit ist dieses Ausnahmelied eines der ältesten Weihnachtslieder, das noch in seiner ursprünglichen Form gesungen wird.

Aufnahmen davon gibt es im englischsprachigen Raum reichlich. Besonders eindringlich ist die der King’s Singers oder die von Tori Amos.  –  Fabian W. Williges


Leserbrief zu „Am Ende bleibt die Liebe“ von Sabine Rückert

Herzlichen Dank für Ihre wunderbaren Anmerkungen zu McCarthys „Die Straße“.

Sie haben nichts über die einfache Ausdrucksweise berichtet, und ich frage mich, ob McCarthys merkwürdige Einstreuungen alter(tümlicher) Wörter auch in der deutschen Übersetzung zu finden sind.

Die Wörter fielen mir als ungebräuchlich auf, wobei aber alle allein aus dem Zusammenhang unmittelbar verständlich sind. Die Verbindung von einfacher Story und Erzählweise mit fesselndem Hintergrund in The Street hat mich an Hemmingways „The Old Man and the Sea“ und an Doctorows „The March“ erinnert.  Mit den besten Wünschen zum Fest und für das Neue Jahr. –  Dietrich Enss


Leserbrief zu „Titelthema: Meine Mission“

Mein Name ist Ida Lieback und ich bin 18 Jahre alt. Als ich heute im Feuilleton der Zeit N° 53 die Texte zu „Titelthema: Meine Mission“ las, war ich sehr gespannt, was wohl kommen würde, und sehr erfreut, da ich kürzlich erst eine längere Hausaufgabe zur Wirkung von Kunst geschrieben habe und diese Texte also gut passten.

Beim Lesen der Texte ist mir jedoch etwas aufgefallen: Während von den 26 Personen, die etwas geschrieben haben, 12 allein aus Bereichen der Kultur (Feuilleton, Theater, Kunst etc.) stammen, ist der Bereich Wissen nur zweimal und der Bereich Politik nur einmal vertreten. Als höchst unregelmäßige, aber interessierte Leserin der ZEIT hätte ich mir gerade bei einer Ansammlung von Texten wie diesen gewünscht, etwas mehr Diversität vorzufinden… Was ist mit den „Sportlern“? Den „Finanzleuten“? Den „Politikern“ und „Wissenschaftlern“?

Natürlich lassen sich nicht alle Journalisten des Kulturbereichs in einen Topf werfen! Aber trotzdem denke ich, dass ein Sportjournalist z.B. von anderen Dingen angesprochen wird, als ein Kunst- oder Theaterkritiker. Bzw. wenn dem nicht so wäre – wäre das nicht auch unglaublich interessant?

Gerade in Zeiten wie diesen, wo man gesamtgesellschaftlich immer weniger „bunt“ und mehr „schwarz/weiß“ sieht, wäre es schön, in diesem Falle von Menschen aus allen Bereichen der ZEIT einen Eindruck zu erhalten, was sie bewegt und was sie ganz persönlich als wichtig erachten.

Trotz dieser „Kritik auf hohem Niveau“ (wie es meine Lehrer immer so schön ausdrücken), finde ich, dass die ZEIT eine tolle Zeitung ist und auch „Titelthema: Meine Mission“ mir beim Lesen viel Freude bereitet hat! Ich wünsche Ihnen allen ein besinnliches Weihnachtsfest. – Ida Lieback


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Fakt you, Frau Finger!

Sie schreiben, die Friedensbotschaft sei ein Märchen aus Nahost. Das mag Ihre gefühlte Wirklichkeit wiedergeben. Auf Seite 10 derselben Ausgabe gibt Herr Schmitt nützliche Tipps im Umgang mit Nicht-Fakten: „Erstens das historisch Offensichtliche betonen.“ Für uns in Mitteleuropa heißt das: 71 Jahre Frieden, und kein Ende in Sicht! Sie werden einwenden, dass Anschläge auf Weihnachtsmärkte nicht Ihre Idee von Frieden sind. Fakt ist, dass es Gewalt-Verbrechen auch in Friedenszeiten immer gab, nur heute deutlich weniger als je zuvor. Frieden ist kein Märchen, schon gar nicht aus Nahost. Frieden ist Wirklichkeit, das Ergebnis zäher Anstrengungen vernünftiger Menschen, erarbeitet in Brüssel und Washington, in Bonn und Paris.

Sie fragen, wie man Frieden erreichen kann, und empfehlen den Glauben. Wenn Sie mich fragen: Augen öffnen und genießen! Herzliche Grüße und friedliche Feiertage für die ganze Redaktion! – Günther Felgner


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Nach dem islamistischen Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin irritiert die Rechtsprechung hierzulande doch in befremdlicher Weise. Nachdem nun klar geworden ist, dass der Terrorist hier von den Sicherheitsbehörden längst überwacht wurde, und dass die Moschee, in der er sich aufhielt, in Berlin als Salafistenmoschee bekannt ist, entsetzt die Handlungsschwachheit der Entscheidungsträger: warum wurde die Überwachung trotz der handfesten Hinweise auf die Planung terroristischer Akte wie Waffenbeschaffung und dschihadistisches Sebstmörderangebot im September aufgegeben? Warum wurde die Berliner Moschee in Moabit trotz des Wissens des Verfassungsschutzes um die Rekrutierung von Dschihadisten nicht längst geschlossen? Das hat mit Religionsfreiheit absolut nichts zu tun!

Diese konsequenzlose Haltung der Justiz ist zudem ein Hohn auf die Arbeit all derjenigen Menschen, die beim Verfassungsschutz, bei den Kriminalämtern und bei der Polizei mit der Überwachung, den Recherchen und der Festnahme krimineller Extremisten beschäftigt sind! Wenn trotz Nachweis krimineller Akte – und die Planung staatsgefährdender Gewaltakte und terroristischer Anschläge gehören dazu! – keine Konsequenz durch Inhaftierung erfolgt, muss die Rechtsprechung entweder besser ausgelegt oder geändert werden!

Die Unmöglichkeit der Rückführung ins Ursprungsland durch einen weggeworfenen Pass verspottet hingegen regelrecht unser Rechtssystem! Ja, warum wird ein Krimineller egal welcher Herkunft, dem Hetze zu Hass und Gewalttaten nachgewiesen werden kann, nicht einfach inhaftiert, sondern von der Staatsanwaltschaft auch noch aus der Abschiebehaft entlassen, damit er seine angekündigten Pläne umsetzen kann? Eine solche Schwäche kann die Justiz der Bevölkerung nicht verständlich und nachvollziehbar machen, sondern provoziert, absichtlich oder unabsichtlich, Gegenreaktionen am rechten Rand der Republik!

Alle Regierungspolitiker, allen voran die der Justiz, sind gefordert: Passen Sie die Gesetze und ihre Auslegung dem Schutz vor Hass und Terror an, und überlassen Sie weder den Islamisten noch der AFD und den Neonazis das Feld! – Dr. Bettina Lange-Malecki


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Ihre hochqualifizierte journalistische Arbeit schätze ist sehr. Gerade  deswegen möchte ich eine Bitte äußern:

Ich würde es besser finden, wenn Sie einen Mörder auch als Mörder  bezeichnen und nicht mit dem – für manch einen durchaus ehrenvollen  Titel „Terrorist“, der eine politische Botschaft nahelegt. Was aber ist  bei dem Massenmord am 19. Dezember 2016 auf einem Berliner  Weihnachtsmarkt die politische Botschaft? Hat da irgendjemand  irgendetwas zu sagen gehabt?

Ich fände es besser, wenn Sie nicht mehr von „Terrorverdacht“ sprechen  würden, sondern erklärten, dass die Polizei nach einem des Massenmordes  und der schweren Körperverletzung in vielen Fällen Verdächtigen fahndet.  Denn das ist etwas ganz anderes – und darum geht es doch in  Wirklichkeit. Meine Befürchtung ist, wenn Journalisten weiterhin die  Terminologie des IS übernehmen, hat das etwas Schillerndes, Anziehendes,  Ehrenvollen für manch einen jungen Mann. Ein Massenmörder jedoch will  keiner sein. Deswegen sollte die Straftat bei ihrem richtigen Namen  genannt werden.

Auch der IS ist ja keineswegs so etwas wie eine idealistische staatliche  Organisation. Es ist eine Mörderbande, die beruflich chancenlose  Kleinkriminelle rekrutiert.  – Ursula Schwarzer


Leserbrief zu „Grinch türkisch“ von Josef Joffe

In Ihrem kurzen Artikel „Grinch türkisch“ (Die Zeit, 21. Dezember 2016, S.10) vermuten Sie „historische Ignoranz“ der Schulleitung der deutschen Schule in Istanbul. Gestatten Sie mir, Ihnen zu widersprechen. Die Abneigung gegen „Santa Klaus“ zeugt im Gegenteil von hoher historischer Kompetenz.

Denn Santa Klaus war auf keinem Fall „ein echter Türke“, wie sie schreiben, er war Grieche, vielleicht nicht ganz echt.

Die genauere Beschäftigung mit dem Bischof von Myra bringt in Erinnerung, dass das Staatsgebiet der heutigen Türkei beginnend seit der für die Seldschuken siegreichen Schlacht bei Manzikert im Jahr 1071 von den Vorfahren der heutigen Türken gewaltsam erobert wurde. Zuvor lebten in diesem gesamten Gebiet 100%ig keine Türken, keine Seldschuken, sondern verschiedene andere Völker. Im Westen der heutigen Türkei siedelten seit dem 3. Jhd. v. Chr. vornehmlich Griechen.

Der Bischof von Myra, der in Patara geboren wurde, war mit allergrößter Wahrscheinlichkeit Grieche (vielleicht mit einem allerdings nur ganz geringen Anteil lykischer Gene). Das dürfte der türkischen Schulleitung überhaupt nicht gefallen. Zuletzt hat die Türkei im Jahr 1923 1,5 Mio. Griechen aus der Westtürkei nach Griechenland zwangsausgesiedelt (gleichzeitig mussten auch 0,5 Mio. Türken Griechenland verlassen). Seit dem Pogrom gegen Juden und Griechen in Istanbul im Jahr 1955 gibt es nur noch 2.500 Griechen in Istanbul.

Die Figur des Nikolaus trägt in sich das Potential, diese historischen Gegebenheiten aufzuspüren. Ich denke, daran hat die türkische Schulleitung kein Interesse.

Na gut, in gewissen Sinne kann man das weitläufige Umgehen dieser Problematik, die ja doch sehr interessant ist, auch als „historische Ignoranz“ verstehen. – Wilhelm Röll


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Deutschland ist erleichtert, dass der Urheber des Berliner Anschlags keinen Schaden mehr anrichten kann. Dass sich aber noch hunderte potentielle Attentäter unkontrollierterweise in Deutschland herumtreiben, trägt nicht unbedingt zur Beruhigung der Lage und zur nachhaltigen Deeskalation bei. – Mag. Martin Behrens


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Der Attentäter von Berlin hat also seine Adresse im Cockpit hinterlassen – Wie ist es erklärbar, dass man auf so plumpe Weise für dumm verkauft wird? Ein Versuch: Im Verlauf der letzten 15 Jahre dient die konsequente Verdummung des Volkes u.a. durch G8, Bologna und Smartphone in Verbindung mit dem massiven Abbau von Sicherheit, der Schwemme von gewalterprobten Armutsflüchtlingen, der Häufung von „Terrorakten“, der Prekarisierung ganzer Bevölkerungsschichten, der Transformation des Öffentlichen in Privates (Arendt) und klandestinen Gleichschaltung merkelfrommer Medien (Habermas) offenbar einer altbekannten Strategie der unsichtbaren Herrschenden: Divide et empera. Das Ziel: Ablenkung von der neoliberalen Verschärfung von Ungleichheit und Beschleunigung der Umverteilung von unten nach oben, die 2008 obszön kulminierte. Spengler hatte Recht, als er vor hundert Jahren das Imperium Romanum mit dem modernen Okzident verglich. Dummheit und Angst werden erneut als Methode angewandt und das Gleiche darf wiederkehren. Aber der Dom ist dieses Jahr sicher und am Wochenende spielt Hertha! – Dr. André Hempel


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Beste Helfer des IS –  Der IS wird sich die Hände reiben. Da haben sie einen Flüchtling aus Nordafrika, einen Gestrandeten zu ihrer Marionette umfunktioniert und diese Amokfahrt auf einem Berliner Weihnachtsmarkt machen lassen. Wirkung: Ein 80Millionen-Volk ist entsetzt, aufgewühlt, terrorisiert. Die Regierung tritt an zu einem Marathon in Sachen Schadensbegrenzung, ein ganzes Jahr „Integration von Flüchtlingen“ wird in Frage gestellt, man fürchtet das Schlimmste für die anstehenden Wahlen….  Ein einziger gehirngewaschener Attentäter genügt, um das  achso stabile Deutschland total aus dem Tritt zu bringen. Wie kann man diese Mega-Wirkung erklären?

Nun, der IS kann ganz  einfach… auf ein riesiges Heer von  Helfern zählen! Mächtige, gut organisierte, strategisch operierende Helfer, die die Botschaft des IS im Nullkommanichts durch die ganze Republik verbreiten. Mit hastig montierten Bildern, O-Tönen und ergriffenen Statements verängstigter Augenzeugen! Kostenlos, und das mit höchster Motivation!  Gemeint sind unsere um Aufmerksamkeit heischenden Medien, die sich bei jedem Terrorakt  förmlich überschlagen, um die „Story“ hautnah und quotenträchtig auf die Bildschirme bzw. die Titelseiten zu bringen. Das geschieht in eilfertiger „Professionalität“, wichtigtuerisch und mit der Deutungshoheit jener, die als erste und schnellste „dran“ waren, gerne mit Live-Bildern und ungefilterten Original-Tönen – es muss ja packend sein und echt wirken. Und: Sie werden weder als Komplizen entlarvt  noch dafür belangt, dass sie diesen ferngesteuerten Terror so dienstbeflissen an die Adressaten transportieren.

Klar, dass genau dies den perfiden Bluttaten des IS die erhoffte Wirkung gibt und den Verbrechern ideal in die Hände spielt. Denn eine singuläre Aktion wird sogleich millionenfach verbreitet, der lokale Vorfall blitzschnell in die ganze Welt gepostet und eine zunächst kleine Zahl Betroffener wird ins Unendliche potenziert – Entsetzen und Angst bannen förmlich die Aufmerksamkeit all der „Davongekommenen“, die jetzt, egal wie weit weg sie waren, „terrorisiert“ sind.

Eigentlich müssten die Terroristen den Medien für diese berechenbar verlässliche und für ihr „Geschäft“ wesentliche Verstärkung danken. Und wenn man den Zynismus auf die Spitze treiben wollte: Eigentlich müssten es bestimmte  Medien in die umgekehrte Richtung auch tun. Tote bringen Quote.

       Hier ein Vorschlag, wie man aus diesem wahrlich unseligen Bündnis herauskommen könnte. Vorweg: Keiner will die Pressefreiheit abschaffen, nein, keiner will die Journalisten zum Weg-Schauen nötigen. Aber man müsste sie dazu bewegen – weil sie nämlich frei sind und  nicht länger als berufsblinde Handlanger fungieren  wollen – die fatale Propaganda einzustellen! Wie viel weniger Terror wäre spürbar (und damit seiner Wirkung beraubt!), wenn die Medien ihre Spanndienste verweigerten. Ja, berichten müssen sie schon… aber bitte in absoluter Reserviertheit, in Selbstbeschränkung und ohne Hype.

Liebe Medien-Macher: Reduziert das Vorgefallene auf die Fakten, verzichtet auf das Dämonisieren und dramatische Aufwerten der Täter, macht diese nicht unnötig „groß“… die sie ja allzu oft nur kleine fehlgeleitete „loser“ waren. Ihr vermeidet dadurch nicht nur das Angestachelt-Werden der nächsten, neuerlich fehlgeleiteten Anhängerschaft, sondern auch die Amok-Läufe anderer Verwirrter, die mit ihren Nachahmer-Taten  ebenfalls – einmal wenigstens in einem unbedeutenden Leben – groß herauskommen wollen.

Um den Vorschlag konkret zu machen: Die Information, dass z.B.  ein Gewalttäter irgendwo in Frankreich einen Pfarrer ermordete, kann auch auf Seite 3 stehen – Fotos eines blut-getränkten Schauplatzes oder entsetzter Augenzeugen tun nichts zur Sache (also gibt es keine Fotos!), eine Verquickung mit dem „Terror-Krieg“ unterbleibt, weil so schnell nicht wirklich bewiesen. Kein schauriges Rauschen im Blätterwald, und trotzdem wäre der Informationspflicht Genüge geleistet…..

Also, prüft, was wirklich dran ist,  wartet die Untersuchungen ab, und weckt  nicht Bilder von teuflischer Bedrohung und „schlafenden Monstern“, die angeblich überall  lauern und jederzeit zuschlagen könnten.

Und wenn Ihr den IS in Eurer Darstellung so schrumpftet und seiner medialen Bühnenpräsenz beraubtet, wäre ein Großteil des Spukes … gar nicht existent.

Schöner Nebeneffekt: Weniger Terror-Hysterie in den Medien würde auch den Rechtspopulisten den Wind aus den Segeln nehmen, denn denen liefert Ihr ja frei Haus den Beweis, wie schwach, ja „unfähig“ unsere freiheitlich ausgerichtete Regierung angeblich  ist. Die Mär, nur mit noch mehr Polizei und immer rigideren Überwachungs-Instrumenten könne man den „Krieg gegen den Terror“ gewinnen, dieser Mär und ihren Erfindern  muss man ja nicht weitere Nahrung geben.

Die Stärke und Überlegenheit unserer Staatsordnung, wenn man denn in diesem martialischen Vokabular reden will, die beruht eh auf Augenmaß,  nüchterner Analyse und dem sich frei Machen von irrationalen Gefühlen. – Michael Euler-Ott


Leserbrief zu „Auf der Suche nach Nummer“ von Stefan Schmitt

Als ehemaliger Zeit-Leser, prüfe ich von Zeit zu Zeit durch Kauf einer Ausgabe der Zeit, ob es nicht an der Zeit wäre, mein Abo wieder zu aktivieren. Aber es hat auch dieses mal nicht funktioniert:

WISSEN: Thema: Astrophysik, es beginnt mit der Frage:

„Dreht sich ein unbekannter Planet um die Sonne“?

Meine Anwort: „Nein, er dreht sich vermutlich um sich selbst, wie alle Planeten“.

Aber er bewegt sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne, wie alle Planeten, was auch bei weiterem Studium des Beitrags deutlich wird. Wenn aber die Bahnebene zur Drehebene mutiert, dann ist das ziemlich stark. Die „mal so, mal so“ Schreibweise hätte meiner Deutschlehrerin sicher noch weniger gefallen, als konsequent falsch.

Nun bleibt mir noch Zeit zu klären, was der Autor wohl mit einem „eisigen Gasriesen“ gemeint haben könnte. Bedingt durch die Physik der Gase sind Gasriesen keineswegs eisig, der uns bekannteste Gasriese (Jupiter) ist im Inneren ca. 24000 Grad warm. Die äußere Atmosphäre (Wasserstoff) ist ziemlich kalt, aber Eis gibt es dort auch nicht.

In der so genannten Boulevardpresse hätte ich so etwas wohl nicht moniert, aber in der Zeit mit der Überschrift „Wissen“, … – Eike Grund


Leserbrief zu „Comeback eines Gezeichneten“ von Christine Lemke-Matwey

In der aktuellen Ausgabe findet sich der Artikel “Comeback eines Gezeichneten”. Aus persoenlichen Gruenden hat mich die Geschichte Stefan Arzbergers sehr beruehrt, auch die ZDF-Sendung”37 Grad” mit einer ausfuerlichen Darstellung des Falls habe ich gesehen.

Stefan Arzberger ist Opfer einer/eines Kriminellen und wurde von der Welle der auf eine Straftat  folgenden Ereignisse ueberrollt, mit gravierenden Auswirkungen auf sein berufliches und privates Leben. Man wuenscht ihm dass er als Musiker wieder Fuss fasst, sein Privatleben ist seine Angelegenheit – einerseits. Andererseits kommt man nicht umhin sich Gedanken ueber das Privatleben des Musikers zu machen wenn man den Fall verstehen will.

Was mich enorm stoert ist die Haltung Stefan Arzbergers – das Einfordern der Unterstuetzung von Familie, Kollegen und Musikinteressierten, kein Wort des Mitgefuehls fuer die Unbeteiligte die fast zu Tode gekommen waere und die Ablehnung jeglicher eigener Verantwortung fuer das Geschehen. Mag sein dass er keine Erinnerung an die Ereignisse jener Nacht hat. Aber bestimmt erinnert er sich (und erinnern sich seine Musikerkollegen) an freie Abende auf Konzertreisen an denen er etwas essen und etwas trinken ging und Dienste von Strichern und/oder Prostituierten in Anspruch nahm. Die Aussage “er ist bekanntermassen kein Kind von Traurigkeit” legt das nahe. In dem Artikel (und auch in der vorausgegengenen Fernsehsendung) wird es als  ganz normal dargestellt, dass jemand  der einen stressigen Beruf hat und viel unterwegs ist  regelmaessig kaeuflichen Sex konsumiert, auch wenn er in einer Partnerschaft und Familie lebt. Die Risiken durch Kriminelle, die im entsprechenden Milieu einer Megacity unterwegs sind, werden ausgeblendet, wenn es um die hemmungslose und scheinbar folgenlose Befriedigung eigener Wuensche geht.

Ueber Stefan Arzberger sind die Ereignisse der verhaengnisvollen Nacht wahrscheinlich nicht aus heiterem Himmel hereingebrochen, es gab da eine Vorgeschichte.  Und wenn man ehrlich mit dem Fall umgehen, dieses aber nicht thematisieren moechte – dann sollte man besser ueberhaupt nicht ueber ihn schreiben.  – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Ich beziehe und lese die „Zeit“ seit vielen Jahren und schätze vor allem Ihre Beiträge, weil Sie einer der wenigen Redakteure sind, der mir den Eindruck erweckt, dass ihm das „audiatur et altera pars“ nicht nur eine den Schein von Objektivität wahrende Farce, sondern ein wirklich ehrliches Anliegen ist.
Ihretwegen oder auch eines leider viel zu selten sich zu Wort meldenden Ulrich Greiners wegen stehe ich weiter treu zu Ihrem Blatt.

Auch war ich vor gar nicht so langer Zeit ganz auf Ihrer Seite, als Sie in einer TV-Talkshow dem leicht nervenden Rechthaber Hans Ulrich Jörges Paroli geboten haben.

Mit umso größerer Verwunderung lese ich in der „ZEIT“-Ausgabe dieser Woche unter Ihrem Kürzel G.d.L., dass nach dem schrecklichen Ereignis vom Anfang der Woche in Berlin, wo alle noch im Dunkeln tappten, nur einer, Marcus Pretzel von der AFD nämlich, schon Bescheid gewusst habe und in  „vergiftender“ und die Opfer dieser Untat „schamlos instrumentalisierender“ Absicht von den “ Toten Angela Merkels“ gesprochen habe.

Ich bin Geschichts- und Politiklehrer und weiß um die Gefährlichkeit rechtsextremer Positionen. Aber trotzdem meine Frage:

Stimmt es nicht, was Pretzel hier gesagt hat? Kann das, was er getwittert hat, deshalb tatsächlich „umso schamloser instrumentalisierend“ und „vergiftend“ sein? Ich stimme Ihnen insoweit zu, als Pretzel den terroristischen Anschlag für sich und seine Partei ausnutzen möchte, aber handelt er damit „schamlos“ und „vergiftend“?

Angela Merkel ist natürlich keine Mörderin und hat es in ihrer gesinnungsethischen Einstellung immer gut gemeint. Aber „gut gemeint“ ist noch lange nicht „gut gemacht“. Merkels permissive Flüchtlingspolitik hat ungewollt mit dazu geführt, dass das Desaster von Berlin in dieser Woche möglich wurde.

Das hat Pretzel meines Erachtens sagen wollen. Und ist es nicht so? Und wenn es so ist, dann kann es nicht „schamlos“ und „vergiftend“ sein, sondern wäre dann eher ein – unter dem Zwang des Twitter-Formats zugegebenermaßen ein wenig schroff ausgefallener – Beitrag zu einer ehrlichen Debattenkultur. –  Janbernd Geuting 


Leserbrief zu „Wie ein Abendmahl – ohne Jesus und Judas“ ein Interview mit Peter Sloterdijk, das Gespräch führten Cathrin Gilbert und Peter Kümmel

Nicht alles, was man bisher von Herrn Sloterdijk in der ZEIT lesen konnte, war wirklich bereichernd. Aber dieses Fußball-Interview jetzt – das ist richtig klasse! – Ernst Hofmann


Leserbrief zu „Geschenkt!“ von Kersten Augustin

Schade, dass der Beitrag zu einem eigentlich interessanten Thema eine einzige Phrasenparade wurde. Das Schenken von Kinderkleidung erlaubt einen Blick in die Zeit vor dem Kapitalismus? Wo ist das her? Aus „100 Phrasen für Schülerzeitungsredakteure der Mittelstufe“? Na klar, das Mittelalter und andere Zeitalter vor 1900 sind bekannt für ihre große Friedfertigkeit. Schade um das Thema. – Jan Alexander


Leserbrief zu „Gleich doppelt abkassiert“ von Andreas Sentker

Doppelt abkassiert reicht nicht hin. Abgesehen davon, dass diese Zeitschriften von den Artikeln leben deren Inhalt ja von jemanden bezahlt wird, der dann wiederum diesen Artikel als Zeitschrift kaufen kann; ich, als Naturwissenschaftler i. R. stets  bezahlen muss wenn ich den Artikel einsehen will, um zu prüfen ob ich ihn für meine zu schreibende Publikation verwenden kann was ja nicht sicher ist und schließlich noch den zu publizierenden Artikel  bezahlen muss, es sei denn ich werde von der Zeitschrift zu einem Artikel aufgefordert. Letzteres ist aber in der Regel auf Grund seiner Bedeutung schon mal woanders publiziert worden.

Um dem Ganzen noch etwas draufzusetzen, als Gutachter für wissenschaftliche Publikationen bei der Royal Society of Chemistry seit ca. 40 Jahren bekomme ich für die Begutachtung keinen Cent, denn es ist Ehrensache, honoris aber kein Honorar. Die Verlage kassieren also mindestens 3mal ab. Die Kosten für eine Publikation sind mir zu hoch, obwohl ich noch einige schreiben würde. Man sollte im Internet Möglichkeiten schaffen, vielleicht ähnlich Wikipedia wo jeder seine wissenschaftlichen Ergebnisse veröffentlichen kann. Diese können ja einer späteren Bewertung unterzogen werden, bzw. jeder Wissenschaftler hat Zugang und kann diese kommentieren. Nur so ergäbe sich eine optimale Ausnutzung der wissenschaftlichen Ergebnisse/Erkenntnisse.

Von allem mal abgesehen davon habe ich in den 70er Jahren mehr als 70% zur Publikation empfohlen, lehne ich heute über 80% ab,  soviel zum „Darstellenmüssen“ in der Fachwelt. – Dr. Joachim Gartzke


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Terror, nicht daran denken.

Natürlich irritiert uns der jüngste Anschlag in Berlin wie alle vorhergegangenen. Aber, sollten wir nicht all diese Ereignisse in der richtigen Relation sehen. Aufgrund von Terror-Anschlägen starben in den letzten 10 Jahren gemittelt etwa 1oo Menschen pro Jahr in Europa, bezogen auf die Einwohner eine Zahl im Promillebereich. Aber allein Deutschland verzeichnete im letzten Jahr 3475 Verkehrstote, 15.000 Alkoholtote und ermordet wurden ohne Terror 2.457 Menschen.

Ist es da richtig, dass jede Terrortat in allen Medien aufgebauscht wird mit Sonderartikeln, Sondersendungen und jedweden Kommentaren, sogar dann schon, wenn man noch gar nichts weiß? Wird nicht gerade dadurch die Angst geschürt? Nützt es in der Tat etwas, Polizei mit Maschinengewehren auf Weihnachtsmärkten patrouillieren zu lassen, die im Zweifel gar nicht eingesetzt werden könnten? Sicher, eine gute Videoüberwachung neuralgischer Orte ist eine defensive Maßnahme, die Abschrecken mag, soweit es sich nicht um Selbstmordtäter handelt.

Bei allen wissenschaftlichen und politischen Fortschritten ist die Welt moralisch leider immer noch da, wo sie immer war, im Primitiv-zustand und der Mensch als krummes Holz wird sich nicht ändern. Folglich müssen wir heute mit der Terrorgefahr leben, aber bei allem was wir tun, sollten wir unsere freiheitliche Lebensweise nicht aufgeben. Der andauernde Notstand in Frankreich z.B. wird Frankreich mehr verändern als die Terroranschläge und gerade das wollten die Terroristen. Dass der Staat sich wappnet, am besten mit EU-weiter Zuständigkeit, die wiederum eine kompatible Systembasis erforderte, ist längst überfällig, wenn wir es mit der EU ernst meinten. Nehmen wir den Terror also als eines der gegebenen Lebensrisiken hin und denken wir nicht daran! – Wolfgang Clausmeyer


Leserbrief zu „Schaut auf diese Schulen“ von Julia Bernewasser

In aller Kürze: Wichtiges Thema, gute Darstellung des Schulalltags im Artikel.

 M.E. fehlt aber das Entscheidende: Wie ist die lange Vorgeschichte und und wer sind  die Protagonisten in der Politik. Aber vor allem: Wem nützt diese Situation? (Stichwort: Bildungssenator spricht von Stärkung der Nachfrageseite (also der Eltern) und meint Schul-Privitasierung, Nachhilfe-Industrie, Hauptakteure hinter PISA usw.)

 Ohne diese Einordnung wird Ihre Bestandsaufname richtungslos; und ohne Richtung lediglich kritische Unterhaltung. Und noch schlimmer: Wurde diese Einordnung bewusst weggelassen? – Andre Duettchen


Leserbrief zu „Himmlische Ruh?“ von Maximilian Probst

An dieser Redaktionssitzung wäre ich gern dabei gewesen. Wie kann es dazu kommen, dass Sie als halbseitigen Aufmacher Ihres Artikels „Himmlische Ruh“ eine Prostituierte in verträumter Wohlfühlatmosphäre posieren lassen und sie auch noch im Weiteren von ihrem stillen Job und den tiefgründigen Freiern schwärmen darf? Und zur Krönung unter der Rubrik CHANCEN – BILDUNG WISSENSCHAFT BERUF? Ich kann leider nicht hoffen, dass es einfach eine Gedankenlosigkeit war – nicht in Ihrer Zeitung.

Darf sich etwa der geneigte Leser freuen, dass mit Trump und Co. der Feminismus endlich wieder dahin verbannt wird, wo er hingehört? Was wollen Sie insbesondere Ihren Leserinnen damit sagen? Ich bin eine flammende ZEIT-Leserin, diese Aufmachung und dieser Beitrag aber machen mich zornig. Sie stellen diese Prostituierte in eine Reihe mit der Erzieherin, dem Bestatter, der Sprengmeisterin, dem Museumswärter, dem Dirigenten und der Dominikanerschwester. Ich zweifle, dass diese von Ihrer Einordnung Kenntnis hatten. – Kerstin Zeidler


Leserbrief zu „Titelthema: Meine Mission“

Ich danke Ihnen von Herzen für diese wunderbare Zusammenstellung dieser Welt mit so vielen Facetten und so viel Kraftquellen und so viel Schönheit in der individuellen Sicht der Dinge. Texte wie diese 26 beschreiben die Freiheit des Denkens und Empfindens, für die wir alle stehen müssen. Ich gelobe hiermit feierlich bis ans Ende meiner Tage der ZEIT die Abotreue zu halten. –  Dr. Patricia Klein


Leserbrief zu “ Jung, geflohen, arbeitslos“ von Nicola Meier

Dieser Artikel zeigt sehr schön, warum die deutsche Presse von gewissen Seiten als Lügenpresse beschimpft wird.

Durch den ganzen Artikel reden Sie von Herrn Sadka als „Flüchtling“. Er ist aber kein Flüchtling, bestenfalls ein Wanderarbeiter.

Er ist zwar aus Syrien geflüchtet, und zwar in den Libanon. Dort hat er sogar Arbeit gefunden, fand aber, obwohl er nichts gelernt hat, dass man seine Arbeit nicht hoch genug bezahlte. Daraufhin ist er in die Türkei weitergewandert, verfolgt wurde er dabei von niemandem. Dort hat er wieder Arbeit gefunden, aber auch dort wurden seine „Fähigkeiten“ nicht so hoch entlohnt, wie er das für angemessen fand.

Daraufhin ist er ohne Not weitergewandert, durch ein halbes Dutzend sichere europäische Länder, bis er endlich in Deutschland gelandet ist. Hier kann man zwar mit seinen Kenntnissen schon gar nichts anfangen, er erhält aber für Nichtstun mehr Geld, als er in seiner Heimat oder im Libanon oder der Türkei für Arbeit erhalten hat.  Da würde er natürlich gern möglichst lange in Deutschland bleiben.

Können Sie mir sagen, wo bei diesem Mann ein Asylgrund liegen soll und was für eine Bereicherung er für unsere Gesellschaft ist oder jemals werden könnte?

Um das noch klarzustellen: Ich habe nichts gegen Ausländer. Ich habe selbst mehr als ein Jahrzehnt im Ausland gelebt. Ich durfte dort aber nicht arbeiten und musste jedes Jahr nachweisen, dass ich ein ausreichendes Vermögen hatte und dass ich außerdem ausreichend Geld für meinen Unterhalt eingeführt habe. Ich fand das weder diskriminierend noch schikanös. Im Gegenteil, unter solchen Voraussetzungen kann man sehr gut mit Ausländern zusammenleben.

Aber Ausländer, die bis in alle Ewigkeit auf Kosten des deutschen Steuerzahlers hier leben, haben wir schon genug. Asylsuchenden soll man selbstverständlich helfen, aber wer durch halb Europa zieht, um nach Deutschland zu kommen, sucht hier kein Asyl sondern ein hohes Einkommen, möglichst ohne Arbeit. – Waldemar Biadacz


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Wenn wir, insbesondere unsere Sicherheitsbehörden, jetzt ohne neues Wissen und ohne neue Fakten, etwas ändern würden, hätten wir vor dem Terroranschlag in Berlin etwas falsch gemacht – und das wäre beträchtlich.

So ist bei aller Trauer und Verzweiflung, bei aller Wut und Angst, zu hoffen, dass unsere demokratische Rechtsstaatlichkeit jederzeit nach innen und nach außen stabil und wehrhaft bleibt.

Keinesfalls Populismus oder gar Demagogie, besonnene Denk- und Handlungsfähigkeit ist allenthalben geboten.

Die bei dem Anschlag ums Leben gekommenen Opfer als „Merkels Tote“ zu bezeichnen zeugt leider davon, dass für einige AfD-Funktionäre nach wie  vor die menschliche und politische Geschmacklosigkeit zum Stilmittel gehört.

Anstatt Mitgefühl und Trauer mit den Opfern und Leidtragenden auszudrücken, werden in widerwärtiger Weise weiterer Hass, weitere Zwietracht geschürt; genau dies jedoch bereitet dem gesellschaftlichen Unfrieden den Weg, nährt die schrecklichen Folgen des Terrors.

Die Aussagen von Horst Seehofer unmittelbar nach dem Berliner Attentat verfolgen ebenfalls diese überaus bedenkliche Stoßrichtung.

Es wäre daher durchaus folgerichtig und konsequent, wen Horst Seehofer und „seine“ CSU, wie vor kurzem vom Partei- vorsitzenden in einem Interview laut angedacht, alsbald in die Bundes-Opposition wechseln würden.

Wer de facto das Geschäft des politischen Gegners, vornehmlich also der Rechtspopulisten, betreibt und potenziert, ob nun aus Opportunismus, Borniertheit oder schlechter bayrischer Tradition, der sollte sich nicht nur ständig verbal hinter die AfD klemmen, sondern dort auch in Rang und Unwürde bundesweit Platz nehmen.

Und zudem endlich das hohe C und das hohe S aus dem parteilichen Namenskürzel streichen – will man sich doch offensichtlich ohnehin nicht an den Termini christlich und sozial messen lassen.  – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Titelthema: Meine Mission“

Ich kaufe die ZEIT nicht regelmäßig und auch noch nicht mal oft.

Bin froh, dass ich diese Ausgabe am Bahnhof in letzter Sekunde geschnappt (und bezahlt) habe, denn die Artikel zu dem Thema  „Meine Mission“ waren es definitiv wert.

Ich habe nicht alle gelesen, aber die, welche ich gelesen habe, haben mir nicht nur gut gefallen, sondern viele Assoziationen ausgelöst und mich zum Denken und Erinnern angeregt.

Und von denen, die ich gelesen habe, gefiel mir die „Erlösung durch Literatur“ am besten.

Das ist was „Ur-Amerikanisches“: „Man konnte gleichzeitig superkomplex und ultraverständlich sein.“ Das ist der Kern von allem Anti-egalitären Wissen.

Das prägt das US-amerikanische Universitätssystem, die Reden, die Sachbücher, und diese Herangehensweise kommt so langsam auch in Goethes Deutschland an….

Und ganz besonders gefiel mir – natürlich – „Schreibst du das jetzt, weil es dem entspricht, wie man die Welt üblicherweise wahrnimmt, oder siehst du es wirklich so?“

Davon leitet sich ab:

Mache ich das jetzt, weil alle das so machen, oder…..  Sage ich das jetzt, weil alle das so sagen, oder…. – Birgitta


Leserbrief zu „Todesangst eines Helden“ von Adam Soboczynski

Den bizarren Titel ihres Artikel mal beiseite lassend, möchte ich Ihnen einen einfachen Rat gebegeben im Namen der durch den letzten Satz* Ihres Beitrages verhöhnten deutschen Theaterliteratur: lesen Sie doch ganz einfach mal:

Dantons Tod, Nathan der Weise, Don Carlos und so weiter…….und so weiter…! Vielleicht fällt Ihnen dabei etwas auf,ich würde es Ihnen wünschen!

*Das ist der glühende Kern des Dramas ( Prinz v. Homburg ) Es gibt hierzulande kein besseres. – Ulrich v. Dobschütz


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Nachfolgend ein Essay und eine Weihnachtsgeschichte, die einander ergänzen und eventuelle Lösungsmöglichkeiten für die in Ihrem Leitartikel gestellte Frage anbieten.

Natürlich sind diese von mir verfaßten Texte nicht als Leserbriefe gedacht. Ich wäre aber erfreut, wenn Sie vor der Spam-Archivierung einen Blick hinein werfen möchten.

                               Wem gehört Gott?

                             Eine Streitschrift

      Es müßte Ihm doch langsam unangenehm sein. Seit Jahrtausenden schlagen sich Menschen um Seinetwillen die Schädel ein. Sie rotten sich gegenseitig aus, machen sich zu Seinem Ebenbild und nehmen Ihm das Wort aus dem Mund, um es im gleichen Moment in sein Gegenteil zu verkehren. Und Er? Er reagiert nicht. Oder scheint es nur so, berührt es Ihn schon, wenn Seine Schöpfung, Sein Werk, das Er angeblich in sieben Tagen – nein, in sechs, am siebten Tag hat er geruht – geschaffen hat?

     Oh ja, sie wissen das ganz genau, diese Wortverdreher, als seien sie dabei gewesen. Aber vor ihnen gab es auch schon Menschen, die sich über Ihn den Kopf zermartert haben.

     Einer von ihnen sagte: „Offenbar bin ich […] um eine Kleinigkeit weiser, eben darum, daß ich, was ich nicht weiß, auch nicht zu wissen glaube.“ *) Leider waren seine Worte in den Wind geredet. Übrig blieben leere Buchstaben und das Morden ging weiter.

     Wird es jemals Menschen geben, die es erleben, daß Er eingreift, seine Schöpfung vom homo sapiens, dem weisen Menschen befreit, auf daß sie sich entwickeln kann und nicht in ihrer Gesamtheit im Chaos endet?

     Ja, wer sind wir eigentlich, was erwarten wir denn? Daß Er uns in den Arm fällt? Wohl kaum, da müßten wir schon selbst was tun…  Aber wie konnte es soweit kommen?

Aus der ersten Frage, die je von Menschen formuliert wurde „Warum?“, und aus den vielen Antworten, die darauf gegeben wurden, Antworten, die nur einen Sinn hatten: Macht über die Fragenden auszuüben, ergab sich die Notwendigkeit, eine oberste Instanz zu installieren, einen Gott! Und weil Macht ein erstrebenswertes, wenn auch hochgiftiges Gut ist, stieg auch der Bedarf an Göttern.

     Der Eine, der Unteilbare, der Schöpfer, trat bald in den Hintergrund, verdrängt aus unseren Köpfen von all den Menschen-Göttern, die doch nur einem Ziel dienten: Macht auszuüben. Wir haben uns von Ihm entfernt, nun müssen wir zusehen, wie wir mit unseren selbst gebastelten Göttern fertig werden.

     Wem gehört Gott? Die Frage ist falsch gestellt. Stattdessen müßte es heißen: Wie werden wir sie wieder los, die selbst geschaffenen Menschengötter?  Indem wir auf MACHT verzichten.

 *) Sokrates, nach Platons Apologie des Sokrates,

http://www.literatpro.de/prosa/021216/wem-gehoert-gott

                      Eine Weihnachtsgeschichte

      Es begab sich aber zu einer Zeit, als die Menschheit wieder einmal inmitten einer Kriegskatastrophe stand, daß auf den Schlachtfeldern eine Blume erblühte. Ihr Kelch war von zauberhafter Anmut und leuchtete in den Farben des Sonnenuntergangs, vom Blauviolett bis zum strahlenden Rot. Ihre Blätter übertrafen an Schönheit die feinste Filigranarbeit.

     Die Kunde verbreitete sich bald um den Erdball, und viele machten sich auf den Weg, die Blume zu suchen. Allen voran die Geschäftemacher. Mit gierigen Blicken streiften sie durch die Landschaft, witterten sie doch großen Gewinn durch Verkauf und Vermehrung der Blume. Doch sie wurden enttäuscht, denn unter ihren Händen veränderte sich die wunderschöne Blume erschreckend. Und zu ihrem Entsetzen hielten die Habgierigen statt der Blüten nur bleiche Knochen zwischen den Fingern.

     Botaniker versuchten, die Blume zu verpflanzen. Doch so sorgsam sie es auch anstellten, die Blume zerfiel in Schutt und Asche, kaum wurde sie aus dem Boden gehoben.

     Die berühmtesten Maler erprobten ihre Kunst an der Blume. Tausende von Kilometern reisten sie, um die Blume zu finden. Es entstanden Gemälde, dem Original täuschend ähnlich, in den Farben des Sonnenuntergangs. Doch als die Maler, wieder im Atelier angekommen, ihre Meisterwerke der Öffentlichkeit vorstellen wollten, da sah man auf den Leinwänden nur zerstörte Häuser, verhungerte Kinder und erschossene Soldaten.

      Niemand konnte das Geheimnis um die Blume erklären. Sie wuchs unabhängig von der Jahreszeit, in schneidender Kälte und unter glühender Sonne. Doch man fand sie nicht in den Luxusgärten der Reichen oder an den Prachtstraßen mondäner Badeorte. An den trostlosesten Stätten der Erde entfaltete sie ihre Schönheit. Auf den Schlachtfeldern, zwischen den Überresten sinnlosen Mordens.

     Und es ging ein Zauber aus von der namenlosen Blume. Wer die Kunde vernahm, machte sich auf den Weg. Zu Tausenden durchquerten die Menschen auf der Suche nach der Blume verwüstete Landschaften, ausgebrannte Dörfer und Städte. Was sie bisher nur vom Fernsehen und aus dem Radio kannten, sahen sie nun mit eigenen Augen: Das also waren die Zeugnisse ruhmvoller Feldzüge.

     Viele unter den Suchenden hatten vergangene Schreckenszeiten am eigenen Leibe erfahren und gern wieder vergessen. Sie würden auch den Anblick des Grauens bald wieder vergessen haben, der sich ihnen auf der Suche nach der geheimnisumwobenen Blume bot. Doch dann sahen sie die namenlose Blume, ein Inbegriff der Schönheit, umgeben von dem, was Macht und Habgier, Unverstand und blinder Haß erzeugt hatten.

     Aus jeder Faser der wunderbaren Blume schrie es den Menschen entgegen, hallte in ihren Ohren und bewegte ihre Gedanken:

     „Seht, das habt ihr geschaffen, weil ihr es nicht verhindert habt!“

      Unauslöschlich wurden diese Worte in die Hirne und Herzen der Menschen gebrannt. Da war niemand, der nicht erschüttert den Heimweg antrat. Doch es war nicht die Faszination der namenlosen Blume, es war die Schuld der Wissenden, die sie nun mit den Daheimgebliebenen teilten.

     Und es kam eine Zeit, da die Worte „…und Friede auf Erden“ kein leerer Wahn mehr waren. Denn die Furcht der Menschen voreinander wich ihrem Verständnis füreinander, weil sie begriffen, daß Frieden und Freiheit nur gemeinsam bewahrt werden können.

http://www.literatpro.de/literaturmotel/eine-weihnachtsgeschichteDieter J Baumgart

 

15. Dezember 2016 – Ausgabe 52

Leserbrief zu „Das Letzte“

Dass Bob Dylan der ehrenwerten Entschuldungszeremonie des Dynamit-Erfinders Alfred Nobel fernbleibt, ist angesichts seiner unter die Haut gehenden Friedensappelle, die er flehend in die der Welt geschickt hat, nicht verwunderlich: „Yes, and how many deaths will it take ‚till he knows that too many people have died? The answer, my friend, is blowin‘ in the wind…“

Den Grundstock von Alfred Nobels Vermögen, das nun dem Wohl der ganzen Menschheit dient, legte schon sein Vater Immanuel als Rüstungsunternehmer, und erst zu spät rührte sich Alfreds Sehnsucht nach Weltfrieden und die Sorge um seinen Ruf in der Nachwelt. Zu Recht hat der Name Nobel heute auch einen würdigen Klang, aber dass Dylan nicht an der Zeremonie teilnimmt, könnte auch als Teil seines persönlichen Lebens- und Friedenswerkes gesehen werden. – Uwe-Carsten Edeler


Leserbrief zu “ Die Kunst des Lügens“ von Jochen Bittner

Super ! Es gibt zu Ihrem Artikel nicht viel hinzuzufügen. Aber helfen Sie mir bitte dabei, Facebook als das zu bezeichnen, was es ist: Fakebook. Wenn das jemand als Lüge auffast, naja, scheisegal. –  Wilfried Schwörer


Leserbrief zu „Er tut, was er sagt“ von Bernd Hagenkord et al.

Er tut, was er sagt gemeint ist damit Franziskus, er wäre authentisch, also: glaubwürdig, offen und ehrlich. Wenn nicht er, wer dann, erhebt er doch den Anspruch, Stellvertreter des Sohnes Gottes zu sein.

Allerdings muß auch ganz klar gesagt werden, er ist nur ein Mensch und Gott sagt es allen Menschen auf Erden im 2. Gebot, DIE BIBEL, Altes Testament, 2. Buch Mose, Kapitel 20, Vers 4, es lautet:

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel noch von dem, was unten auf Erden, noch vo dem, was im Wasser unter der Erde ist. Rom kennt nicht das göttliche 2. Gebot.

Das er der Chef ist, bezeugt im die ganze Welt; die  Welt sollte sehr ernsthaft die Bibel lesen, dort findet sie im Matthäus-Evangelium, Kapitel 23, Vers 9, folgende Aussage: Jesus sagt: Und ihr sollt niemanden <Vater> nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist.

Sind wir, die wir unsere Meinung sagen, nicht auch authentisch? – Wilfried Schwarz


Leserbrief zu “Sie streiten wie zu Hause” von Moritz Aisslinger, Michael Thumann und Özlem Topçu

Wo sind sie denn zu Hause? In Deutschland, dachte ich immer und offenbar ganz naiv. Wenn Sie nicht in Deutschland zu Hause sind, dann gehört ihr politischer Streit auch nicht nach Deutschland. AKP-Mitglieder und Erdogan-Anhänger sollten ihren Wohnsitz in einem ihnen offenbar fremden Land verlassen, um da zu leben, wo sie sich zu Hause fühlen. Und ich möchte mich auch in Zukunft hier zu Hause fühlen. – Dr. Annemarie Neumann-Kleinpaul


Leserbrief zu „Finstere Attacken“ von Marc Brobst et al. und „Wir können auch anders“ von Horst Köhler

Heute möchte ich einmal fragen, wie es eigentlich funktioniert, einen dreispaltigen Artikel mit dem Titel „Finstere Attacken“ von sieben (!) Autoren schreiben zu lassen?

Allein den Satz „Hochqualifizierte Experten sind am IT-Markt ähnlich begehrt wie beidfüßige Mittelstürmer in der Bundesliga“ – könnte ich vielleicht Herrn Dausend zuordnen, alles Andere spiegelt kaum eine Meinung eines Kommentators wider, ist mäßig aktuell, weil auch in der online-Presse schon überall nachzulesen und dient eher der „Angstmache“, die ja von Ihnen eigentlich auch angeprangert wird.

Wie anders dagegen die dezidierte, vorwärtsweisende Meinung eines einzelnen Autors, nämlich die von Horst Köhler, der in seinem Artikel „Wir können auch anders“ klar aufzeigt, wo es eigentlich langgehen sollte! – Jobst Gmeiner


Leserbrief zu „Finstere Attacken“ von Marc Brobst et al.

Eine infame Illustration zu Ihrem Artikel haben Sie sich da einfallen lassen: Eine blutig-rote Axtklinge fährt brutal in die unschuldige deutsche  Wahlurne. Die Klinge steckt auf einem roh und primitiv gezimmerten Stiel, auf dem steht „Made in Russia“. Fehlt nur noch der russische Untermensch mit mongolischen Zügen, der den Streich führt. Rußlandhaß und Rußlandhetze haben halt eine lange Tradition in Deutsch- land. Zur Zeit allerdings ist die paranoide Russophobie in fast allen Medien besonders ausgeprägt. Und obwohl Sie im dazugehörigen Artikel immer mal wieder anmerken, es gäbe keinen Beweis für das, was Sie behaupten, wird munter weiter schwadroniert. – Wolfgang Hupe


Leserbrief zu „Irgendwo im Nirgendwo“ von Thomas Assheuer

Alle fünfundzwanzig Jahre ein Leserbrief – macht drei! Der dritte lautet: Châpeau, Thomas Assheuer! Ein tröstlicher, wenn auch utopischer Überblick über 500 Jahre Utopie. Wir sollten den Mut nicht verlieren. – Georg Afanasjew


Leserbrief zu „Irgendwo im Nirgendwo“ von Thomas Assheuer

Thomas Assheuer führte uns vor Augen, dass das Paradies auf Erden eine unstillbare Sehnsucht geblieben ist. Die Welt lebt  nach wie vor in Sünde; das Jahr der Barmherzigkeit endete im Blutbad von Aleppo. Es ist wohl nicht viel besser geworden mit uns Menschen.

Trotzdem ist jeder Realist auch ein wenig Utopist. Morus diente auch im Tod noch seinem Herrn und Mörder. Zu hohe Ideale zerbrechen scheinbar nicht einmal auf dem Schafott. Aber schreiben konnte er so gut, dass wir noch heute von ihm reden. In einer lebensbedrohenden, unerträglichen  Welt entfloh er in sein Utopia.

Die Wirklichkeit ist aber eine andere geblieben. In der totalen Armut wie auch im totalen Reichtum zerbricht jedes Mitgefühl für den Nächsten. Die Panama Papers sind der Beweis dafür, wie auch die Jugendbanden in Rio, die, wenn es eng wird, in ihre Einzelmitglieder zerfallen.

Das Geld wurde auch nicht abgeschafft, sondern regiert die Welt in einem nie zuvor gekannten Ausmaß. Die Reichen regieren nicht mehr nur über ein Land, sondern sie bereichern sich an der ganzen Welt. Sie werden dafür von der arbeitenden Mehrheit auch noch bewundert, obwohl die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht.

Gemeinwohlorientierung und Privatvermögen bei den Bürgern halten einander gerade noch die Waage. Der Ausflug mit Assheuer nach Utopia hat sich ausgezahlt. – Egon Hofer


Leserbrief zu „2,3 Billionen“ von Peter Praet

Das kommt also dabei heraus, wenn man einen „Verbündeten“ von Notenbankchef Draghi um ein Gespräch bittet:

Die Nullzinspolitik der EZB hat selbstverständlich nicht das Vertrauen in die europäischen Institutionen  stark zurückgehen lassen. (Das Vertrauen war schon seit 2008 ruiniert) Die Gouverneure der nationalen Notenbanken handeln individuell als Personen und nicht etwa „als Vertreter ihrer Länder! (Ein Schelm, der z. B. Mario Draghi etwas anderes unterstellt.) Durch den Ankauf von Staatsanleihen in Höhe von 2,3 Billionen Euro wird „niemand überschwemmt“. (Wie können die Gesprächspartner nur auf solchen Unsinn kommen?) Die Immobilienpreise sind „tatsächlich in „einigen“ Regionen gestiegen, aber das ist kein „europaweites Problem“. (Stimmt. Am Fuße des Ätna blieben die Preise beispielsweise stabil.)

Den Interviewern, Lisa Nienhaus und Mark Schieritz, ist hauptsächlich vorzuwerfen, dass sie beim Thema „Nullzinspolitik“ nur die Frustration der Sparer ins Feld geführt haben, aber nicht die Auswirkungen auf Banken, Versicherer, Stiftungen, Altersvorsorge und…, und… und…!

Zusammengefasst muss man die Äußerungen des Herrn Praet als eine inakzeptable Dreistigkeit, die verheerende Geldpolitik der EZB schön zu Reden,  bewerten. Leider. – H.-Jürgen Borchelt


Leserbrief zu „Ein gnadenloser Optimist“ von Uwe Jean Heuser

Da wird jemand, der sein erstes Tastentelefon als etwas Messianisches empfindet, geradewegs in die Google-Vorstandsetage katapultiert (wohin sonst) und glaubt sich mit seiner servilen Userfriendship zum Hüter unserer persönlichen Daten aufschwingen zu können, obwohl der Konzern genau durch deren Vermarktung  seine Milliardengwinne generiert.

Wer glaubt denn sowas? Dieser Konzern gehört an die ganz kurze Leine. – Bernd Nieberding


Leserbrief zu „Hölle auf Erden“ von Andrea Böhm

Der Rupikon in Europa ist längst überschritten.  Die Sicherheitsorganisationen sind belanglose Einrichtungen, die nur als Arbeitsbeschaffungsmaßnamen zu sehen sind. Die Diplomatie ist im Zeitalter der Selbstzerstörung nur noch Staffage. Selten hat sie produktives erreichen können.  Aber die großen Verwerfungen auf unseren Planeten lassen sich damit nicht mehr lösen. Es ist leicht darüber den Stab zu brechen. Die Politiker werden damit nicht mehr fertig. Wer will den Aufrüsten und sich in kriegerisches Handeln verstricken.  Es wird leider dazu kommen müssen.

Wenn man den Amerikanern genau zuhört, sind die nicht mehr bereit für andere Staaten die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Jetzt muß Europa Farbe bekennen und das wird gesellschaftliche Verwerfungen nach sich ziehn. Das Geschäftsmodell Demokratie wird sich auch reformieren müssen, wenn es überhaupt noch eine Zukunft  haben will. Und wenn ich an unsere Politiker denke, dann habe ich wenig Hoffnung, obwohl es dringend erforderlich wäre. Frau Merkel scheint immer noch beliebt zu sein , obwohl man nun wirklich nicht von großer Politik sprechen kann. Eher ist sie total überfordert.

Eine bestimmte Richtung lässt sich bei dieser Dame nicht festmachen. So kann man nun wirklich keinen Staat regieren. Wenn ich die Presse verfolge, ich spreche nur von Printmedien, die seriös über den Zustand unserer Welt berichten, dann gewinnt man eher den Eindruck, die bekannten Autokraten spielen eher mit unserer Kanzlerin.  Ich halte die Autokratie ohnehin für die bessere Lösung.  Und die Medien wären gut beraten, wenn sie nicht immer der Welt sagen würden, wie was zu laufen hat. Damit hat unser Land immer schlechte Erfahrungen gemacht.  Dieser Charakter scheint besonders bei den Deutschen stark ausgeprägt zu sein. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Oh, mein Gott“ von Josef Joffe

Oh, mein Gott!, Herr Joffe.

„Was man den Geist der Zeiten heißt, ist oft der Herren eigner Geist“ (Goethe)

Dass Sie als offensichtlich Gläubiger kritisieren, dass die meisten Minister des neuen Berliner Senats die Eidesformel „So wahr mir Gott helfe!“ weglassen, obwohl man genauso gut eine Alternativformel wie „So wahr mir die fliegende Untertasse helfe“ weglassen sollte, mag ja noch angehen. Obwohl Religionsfreiheit bekanntlich auch Freiheit von der Religion bedeutet.

Es mag ja auch noch angehen, dass sie die fast vollständige Fehlen des Christentums im Koalitionsvertrag vermissen, obwohl es über die Geschichte des Christentums wenig wirklich Positives, Fortschrittliches zu vermelden gibt.

Aber dass Sie meinen, ohne das Christentum hätten wir längst nicht so viele kulturelle Errungenschaften, ist schon ein starkes Stück. Wer sich ein bisschen in der Kirchengeschichte auskennt, weiß, dass das am Ende des 4. Jahrhunderts gewaltsam und zwanghaft eingeführte Staatskirchentum gegenüber den kulturellen, naturwissenschaftlichen und philosophischen Errungenschaften der römisch-griechischen Antike eine Art Kulturbruch darstellte. Das Jahr 380 n.Chr. markiert einen Paradigmenwechsel von der polytheistisch-multikulturellen Denkweise zu einer monotheistisch-monothematischen. Es entsteht eine Dogmenkultur.

Das nunmehr dominierende Jenseitsdenken, die autoritäre Wahrheitsgewissheit der Kirche und das feudale Lehnswesen, kirchlich abgesegnet, paralysieren Kreativität und Forschung, Bildung und Wissenschaft. Der einst freie Geist zieht sich als Kirchengeist hinter Klostermauern zurück, während öffentliche Schulen, Bibliotheken und Theater verwahrlosen. Die Bibel allein soll’s richten.

Wir hätten also sehr wohl auch kulturelle Errungenschaften, nur eben andere und wahrscheinlich bessere, fortgeschrittenere und vielfältigere. Eine „kulturelle Wüste“ (Martin Walser) hätten wir mit Sicherheit nicht. Insbesondere die katholische Kirche hat weit mehr blockiert, verdrängt, aufgehalten und verteufelt als gefördert. Z.B. hat sie einen im Jahr 1600 der Lebendfeuerbestattung ausgesetzten Giordano Bruno erst im 20. Jh. halbherzig rehabilitiert.

Sie Herr Joffe, mögen ja ein gebildeter Mensch sein. Aber offensichtlich sind Sie, wenn’s ums Christentum geht, auf dem Stand kirchenapologetischer Literatur und Sonntagspredigten erstarrt.

Nur so lässt sich erklären, dass Sie immer noch in einem sonst bildungsgesättigtem Blatt wie der ZEIT auch noch den Unsinn verbreiten dürfen, dass es, so lassen sie den „Herrn der Heerscharen“ sprechen, ohne ihn weder die Trennung von Staat und Kirche noch – und jetzt kommt ein absoluter Hammer! – „die Fundamente der liberalen Demokratie“ gäbe.

Sehr geehrter Herr Joffe, ich kann es kaum glauben, dass sie sich hier allen neueren Erkenntnissen versperren. Das genaue Gegenteil ist der Fall: 

erstens kann von einer wirklichen Trennung von Staat und Kirche nicht die Rede sein. Sie sollten sich mal das Buch von Carsten Frerk vornehmen, der in seiner „Kirchenrepublik Deutschland“ nachweist, dass es eine auch sonst leicht erkennbare unendliche Verfilzung von Politik und Kirche gibt. Deutschland ist in dieser Hinsicht weltweit einzigartig. Ganz zu schweigen von der sonstigen Omnipräsenz der Kirchen in Medien und Gesellschaft. Das lässt sich alles im Einzelnen nachweisen, würde hier aber völlig den Rahmen sprengen.

Zweitens haben sich vor allem die Kirchen jahrhundertelang jedem humanen und rechtsstaatlich-liberalen Fortschritt erbittert widersetzt. Man denke dabei an Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Rechtsstaat, Frauenemanzipation, Aufhebung der Sklaverei  Folterverbot, Abschaffung der Todesstrafe, Freiheit der Kunst, Abschaffung der Prügelstrafe und Tierrechte.

Hier dreist zu behaupten, ohne das Christentum hätten wir keine Fundamente der liberalen Demokratie, ist so wahrheitswidrig, dass es selbst aufgeklärten Theologen den Magen umdrehen müsste. Ich weiß, Sie schreiben in einem überaus kirchenfreundlichen Blatt, aber solche historischen Verdrehungen sind eine intellektuelle Zumutung für jeden treuen ZEIT-Leser, der sich solche historisch Totalverdrehungen verbittet.

Dass uns das Christentum auch eine kulturelle Schatzkammer hinterlassen hat, wird niemand ernsthaft leugnen wollen. Aber ohne die geistig-geistliche Engstirnigkeit der Kirchen wäre höchstwahrscheinlich ein viel größerer und vielfältigerer kultureller Reichtum möglich gewesen. So wie es uns die islamisch-arabische Kultur zwischen dem 8. und 15. Jh. in Südeuropa vorgeführt hat. Eine Kultur überdies, die die griechisch-römische Kultur integriert, die indische, asiatische und persische erfolgreich adaptiert hat. Parallel dazu ist der christliche Norden Europas bis zum 11. Jh. dank der hoch intoleranten Allmacht des Christentums kulturell und wissenschaftlich weitgehend verfallen.

Ab dem 13. Jh. dringt das islamisch-arabische Wissen, v.a. über Cordoba, nach Mitteleuropa. Europa wird zum Nutznießer der heidnischen Antike im arabischen Gewand und erblüht in der Renaissance. Die lange unterdrückten schöpferischen Kräfte finden einen, wenngleich begrenzten, Raum zur Entfaltung.

Und dann haben wir es der Aufklärung im 18. Jh., nicht dem Christentum,  zu verdanken, dass die darauf folgenden Revolutionen Freiheit, Mitbestimmung und Menschenrechte mit sich brachten. Deren Forderungen nach Demokratie, Freiheit und Gleichberechtigung sind die Werte, die heute die westliche Hemisphäre prägen und ihr Ausstrahlungskraft verdanken.

Der Beitrag des Christentums in Gestalt der katholischen Kirche ist zwar seit der Gotik unübersehbar, aber als reine kirchenkulturelle Leistung für die wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Europas von geringerer Bedeutung.

So sind Antike, islamisch-arabische Hochkultur und Aufklärung die eigentlichen Bausteine europäischer Kultur. Sich auf die Legende von der christlich-abendländischen Kultur heute noch permanent in Sonntagsreden oder in leicht süffisant-arroganten Zeitungsbeiträgen zu berufen, zeugt von einer gewissen historischen Fehlinterpretation bzw. Ignoranz, die, unreflektiert wiederholt, auch nicht wahrer wird. Genauso wenig wie die abstruse Behauptung, dass unsere Grundrechte mit den 10 Geboten in Einklang stünden. Wer dies behauptet, so erst Sigmar Gabriel vor kurzem wieder, kennt entweder die Grundrechte oder die 10 Gebote oder beides nur sehr oberflächlich. – Volker Kirsch


Leserbriefe „Immer ist es Putin“ von Alice Bota

Die Kriegslunte an der ukrainischen Zeitbombe Donbass brennt

Obama nimmt das nicht einmal bewiesene Gerücht über russische Hacker zum Vorwand, gegen Russland vorzugehen. Denn der Friedensnobelpreisträger muss noch schnell die Ukraine unter Dach-und Fach der NATO bringen. Der nächste US-Präsident wird nämlich das Demolition-Derby der bisherigen Washingtoner Eliten nicht fortsetzen.

Präsident Putin teilte mit, man erwarte von Präsident Obama eine „Weihnachts- Überraschung“ , nämlich einen PGS – einen Prompt Global Strike gemeinsam mit der NATO. Er versetzte alle russischen S400 Einheiten in Kriegszustand. Das bedeutet,  dass die gesamte Luftraumüberwachung und Abwehr der russischen Armee im Kriegszustand ist.

Natürlich könnte die NATO jederzeit beginnen. Das würde sich aber nicht so gut machen. Es muss doch zu schaffen sein, Putin so zu reizen, dass er den ersten Schritt setzt. Egal wer diesen Krieg beginnt, das militärisch bestens aufgestellte und vom Westen gnadenlos unterschätzte Russland wird ihn auf jeden Fall im Handstreich gewinnen. Danke Qualitätsmedien für das jahrelange Putin-Bashing !! Ihr habt damit sehr wesentlich zu diesem Krieg beigetragen.

Erst dann, wenn Donald Trump seine Amtseinführung noch erlebt, hat die Welt vielleicht endlich eine wirkliche Chance auf Frieden!

Fake – News – Quelle:  https://www.contra-magazin.com/2016/12/der-ukraine-krieg-als-obamas-weihnachtsueberraschung-fuer-europa/Eva Maria Griese


 


Leserbrief zu „Irgendwo im Nirgendwo“ von Thomas Assheuer

Besten Dank für Ihre Ausführungen zu „Irgendwo im Nirgendwo“ vom 15..d.M in der Zeit mit den Überlegungen zu Utopia.
Ihr kenntnisreicher Artikel endet mit den Worten „Heute dagegen verfinstert sich der Horizont der Zukunft, die Zeit ist knapp geworden.“

Dieser Aussage kann man als Naturwissenschaftler nicht zustimmen, wenn man erkennen kann, dass sich ein neues Paradigma bereits abzeichnet, das sehr wohl eine Änderung des Welt-Verlaufes in Aussicht stellt. Freilich auf einer vollkommen anderen Basis als heute. Nur so kann man Hoffnung für die Zukunft gewinnen.

Zu diesem Zweck übersende ich Ihnen zwei Artikel, welche in Kürze in der Zeitschrift „International Journal of Foresight and Innovation Pölicy“ zur Veröffentlichung kommen soll.

Freilich auch dieses neue Paradigma, das sich abzeichnet, wird erst nach langem von den Menschen angenommen werden können. Geduld ist daher für uns alle gefragt. – em. Univ.Prof. Dr. Franz Moser


Leserbrief zu „Gefahr im Anflug“ von Dirk Asendorpf

Als (Selbst)-Bauer von Multikoptern – oder Drohnen – wie Sie diese Gattung Fluggerät nennen,
möchte ich an dieser Stelle doch einmal ein Paar Punkte richtig stellen. Wie ich es eigentlich von
Ihrer Seite und Recherche erwartet hätte:

1. Der Name Drohne ist eigentlich für ferngesteuerte Flugzeuge reserviert. Aber keiner würde
zu einem Modellflugzeug Drohne sagen. Das Thema Modell-Flieger und Kopter, müsste bei einer gesetzlichen Regelung  klar auseinander gehalten werden. Tatsache ist, die ersten militärischen Drohnen wurden tatsächlich aus Modellflugzeugen abgeleitet. Gründe siehe unten:

2. Militärisch sind Multikopter kaum geeignet, da Ihre Flugdauer und Zuladung stark begrenzt ist. (Dagegen können Drohnen, die an die Größe von Geschäftsreiseflugzeugen kommen, bis zu 24h und mehr in der Luft bleiben. Außerdem große Strecken mit hohen Geschwindigkeiten zurück legen und sind auch noch als Waffenträger geeignet .) https://de.wikipedia.org/wiki/Unbemanntes_Luftfahrzeug#Einsatz_und_Entwicklung

3. Schön hätte ich es gefunden, wenn Sie etwas mehr auf die positiven Nutzungen von Multikoptern eingegangen wären. So sehen sich ja wieder die Leute bestätigt, die mir sofort zurufen, ….“daß ist verboten“…. auch wenn ich nur über einem Maisfeld nach Wildschwein-Schaden suche!……..

4. Zusätzlich hätten Sie – da es ja um den Wissen-Teil der Zeit geht – noch ein paar Sätze über die Technik schreiben können. Damit ein Multikopter stabil fliegt, sind hochintegrierte Lage- und Beschleunigungssensoren nötig. Die zusammen mit einigem an Regel-SW den Kopter erst stabilisieren. Ein für den Ing. sehr interessantes Thema.  Hier kommt Technik zum Einsatz, die heute in modernen Autos für Stabilitätsprogramme und als Diebstahlschutz genutzt wird.

5. Was den Missbrauch und unverantwortliche Nutzung von Koptern angeht, bin ich ganz Ihrer Meinung.  Daher fände ich es gut, wenn tatsächlich eine sinnvolle Regestrierung stattfindet.  Daß man beim Betrieb von Modellflugzeugen & Koptern eine „Luftfahrt-Haftpflicht“ abschließen muß, hätte auch noch erwähnt werden können!   Die normale Haftpflicht kommt nicht für ferngesteuerte Luftfahrtgeräte auf! – Fridtjof Schüssler


Leserbrief zu „2,3 Billionen“ von Peter Praet

Leider enttäuschte mich dieser Artikel sehr. Aus zwei Gründen.

  1. Die EZB kauft weiter, bis Ende 2017, 1.7 Billionen , Ramschpapier, obwohl die bereits gekauften 1.0 Billionen nichts gebracht haben.
  2. Es ist doch sicher von allgemeinem Interesse, welchen Banken, welchen Ländern, diese Lasten abgenommen wurden.
  3. Wer zahlt , wenn diese Papiere platzen?

Informationen darüber wären ein gutes Thema für Ihre Zeitung. Dankbare Leser sind Ihnen sicher. – Kurt Gruber


Leserbrief zu “ Moment mal“ von Peter Breuer

Die locker – tiefsinnige Suche von Peter Breuer nach dem Zufallsglück kann einem unvermutet ein solches bescheren ! Danke für den Artikel mit dem auch durchaus reizvollen, sehenswerten Foto. – Volkmar Kleint


Leserbrief zu „Was sie wollen, steht in den Sternen“ von Ulrich Ladurner

Die Sichtweise Ihres Autors ist typisch für die eingefahrenen Strukturen der Altgedienten in der politischen Arbeit. Sie erwarten ein Programm von den „M5S“ Politikern, die das genau nicht wollen. Wenn Sie mit den Bürgern Politik machen wollen, dann lässt sich das mit ihrer Einstellung gar nicht vereinbaren.

Für die Medien ist das gewöhnungsbedürftig – das kann ich durchaus verstehen. Aber genau das ist das Dilemma der heutigen Politik, warum sie vom Bürger nicht mehr akzeptiert wird. Die müssen verstehen lernen, das unser bisheriges Geschäftsmodell nicht mehr trägt. Wenn Sie so wollen, unsere Demokratie muss reformiert werden. Die heutigen Zustände, die schlechter nicht sein können, schreien geradezu nach dringender Veränderung. Ob das von der „M5S“ der richtige Weg sein wird, steht natürlich in den Sternen. Ein Versuch ist das allemal Wert. – Gunter Knauer


Leserbriefe „Immer ist es Putin“ von Alice Bota

Wenn jetzt sogar präsident obama von russischen hackerangriffen spricht, der präsident der weltmacht amerika mit seinen it-weltkonzernen google, facebook, apple etc, so ist das doch eine bankrotterklärung für die eigene it-industrie, vor allem aber für all die unzähligen sicherheits- und geheimdienste. ist dieses in allen bereichen als rückständig und von sanktionen in die knie zwingbare russland in der lage, diese in fast allen bereichen exceptionelle stellung der usa zu beschädigien? sind das fake news oder sind dies recherchierte oder recherchierbare news? ich bin fassungslos, wie schutzbedürftig sich amerika empfindet.

meine frage an die zeit-redaktion : schießt sich und uns da nicht gerade ausgerechnet der präsident, der ja auch für die sicherheit der usa und der wahlen verantwortlich ist, ein riesiges „eigentor“? – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Make Saarland great again!“ von Peter Dausend

Ei, der Dausend! Köstlich, seine Kolumne(n). Auf Hunderttausend kommt vielleicht ein Dausend.  Ei jo – Hans Joachim Bertram


Leserbriefe „Immer ist es Putin“ von Alice Bota

Egal wann man in den letzten Tagen das Fernsehen/Radio einschaltet, oder Zeitungen liest, hört man nur über Putin und seiner Beeinflussung den Wahlen in der US und evt. überall auf der Welt. Ich kann die Aufregung nicht verstehen? O.k. die US Wahlen sind wie die sind. Sie ist passe‘!

Eine einfache Lösung für all die restlichen Wahlen wären: NUR Briefwahlen, oder NUR persönliche Wahlen in einer Schule/Rathaus etc. werden akzeptiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Agent von Putin in einem Briefumschlag passt! – Sylvia Beretta


 Leserbrief zum Titelthema „Utopien“

Der von Helmut Schmidt einst geprägte Satz, „wer Visionen (ergo Utopien) hat, muss zum Arzt“, hat (ungewollt) den Kern des Problems erfasst. Wer zum Arzt geht, erhofft sich nämlich „Heilung“. Nichts anderes sind Utopien. Sie versprechen politische/wirtschaftliche/gesellschaftliche „Heilung“ der derzeitigen Realität. Was historisch leider auffällt ist, dass die extreme Rechte damit meist erfolgreicher war. Die Massen sind nämlich nicht in Scharen Lenin und dem Kommunismus hinterhergelaufen, sondern Mussolini und Hitler. Der Nationalsozialismus und Faschismus ist genau die „Utopie“, die bewusst nicht mit Argumenten, sondern mit Gefühlen anspricht. Diese Methode scheint in unserer postfaktischen Zeit wieder erfolgreich zu sein. Die Linke, geschweige der Liberalismus haben dieser Tatsache im Moment nichts entgegenzusetzen. Dies zu ändern wäre die aktuell wichtigste Aufgabe der linken und liberalen demokratischen Kräfte, doch da ist derzeit „kein Land (= Utopia) in Sicht“! –   Michael Hauck


Leserbrief zu „Die postfaktische Universität“ von Bernhard Pörksen

Mit großem Vergnügen habe ich die Aussagen des obigen Artikels auf meinen Arbeitsplatz angewendet, ein Altenpflegeheim. Das Ententeich-Problem ist zwischen den im goldenen Zeitraum des Prä-dementen sich befindenden  Pflegekräften und den Post-truth-Bewohnern ein immerwährender  Stresstest. Die Ersteren befinden sich als mächtige Gatekeeper in Uniform im Besitz der Deutungshoheit über Wahrheiten, geben strukturelle Sicherheiten und mimen den Mediator in den Wahrheitskriegen von Hunderten privaten Universen. Den Letzteren bleibt der begrenzte dunkle Horizont mit immer größer werdenden Unsicherheiten. Für unsere dementen Schmuddelkinder sollten wir in der Tat empathisches zuhören und übersetzen einüben: erschrecken über den Kontrollverlust inclusive Inkontinenz, Angst vor dem Alleinsein und dem großen Unbekannten. Vielen Dank für diese Inspiration. – Eva-Maria Fahl


Leserbrief zu “ Wer hat Angst vorm neuen Chef?“ von Evelyn Finger

Leider ich nur zwei Tage in Vorfreude, dass ich mit dem Papst Franziskus am Sonntag den 18. 12. zusammen Geburtstag habe. Ich habe Ihnen GEGLAUBT und hatte keinen ZWEIFEL an der Richtigkeit des Termins.

Mein Heimatblättla und dann auch Google sagen was anderes. Sie waren ihm doch z. B. im Flugzeug schon sehr nahe. Hat er da vielleicht den 18. erwähnt?  Mitternachtsgeburt?

Er ist nicht unser Papst aber auch ich bewundere diesen mutigen Mann bei seiner Arbeit gegen diese ….. und wünsche ihm wirklich wenigstens ein bisschen Erfolg. Ihnen wünscht ein schönes Fest und ein erfolgreiches NEUES JAHR 2017. – Klaus-Dieter Schmidt-Rudloff


Leserbrief zu „Hau ihn rein!“ von Christof Siemens ein Gesprach mit Christian Petzold

Lieber Herr Petzold, was Sie da über Fußball geschrieben haben, ist das schönste und seelenvollste, was ich lange gelesen habe. Ich in jetzt 63, und bis vor drei Jahren habe ich auch immer noch ein wenig mit jungen Leuten in der Halle gekickt. Diese Aufregung schon drei Tage vorher! Und wenn man dann die Kugel hatte, und es gelang einem ein Pass ins scheinbare Nichts, aber genau dorthin stürmte dann so ein junger, flinker Kerl, schob nochmal zu einem anderen rüber und der machte ein Tor! Herrlich. Wenn die dann zurück gelaufen kamen (soweit konnte ich ja gar nicht mehr rennen) und mich abklatschten: „Toller Pass, Rudi!“ Ich hatte fünf Tage gute Laune.

Und noch etwas: Genau so einfach und unsagbar klar ist Ihr Film „Barbara“! Unfassbar, wie Sie als Wessi mit diesem Film auf den Punkt zeigen, warum da jemand im Osten bleibt. Alles stimmt. Von der irre schönen Nina Hoss bis hin zu der nervig-schrillen Türklingel. Genau so eine hatten wir auch in den 60er-Jahren. Ihr Film hat sie wiederbelebt. Ihnen und Gladbach alles Gute! – Rudolf Heym


Leserbrief zu „Oh, mein Gott“ von Josef Joffe

Ich halte es für einen erheblichen Fortschritt, wenn Politiker bei Ihrem Amtseid nicht um die Unterstützung übersinnlicher Wesen bitten, die aus irgendwelchen vorzeitlichen Heilslehren und deren heiligen Schriften stammen. Wer ernsthaft glaubt, solche Unterstützung zu benötigen, ist meines Erachtens nach wenig dazu geeignet verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen. – Priv.-Doz. Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Andreas Zabel


Leserbrief zu „Hölle auf Erden“ von Andrea Böhm

Liest man die ZEIT und andere Kommentare, dann ist klar, wer für diese Hölle in Syrien die Verantwortung trägt. Natürlich ist es Assad, der das Bombardement befiehlt und sicher kommen die Jets, die Bomben und Raketen aus Russland. Diese schlichten Tatsachen reichen nun den Kommentatoren in 90% aller Fälle, dazu gehört auch Andrea Böhm, aus um die moralische Schuld der syrischen Regierung festzustellen. Ich möchte hier mal eine kleine Frage stellen, deren Beantwortung zeigt, wie komplex die reale Situation in Wirklichkeit ist.

Es ist nicht so, dass Aleppo ein Sinnbild für den Beginn der „Arabellionen“ ist. Tunesien und Ägypten sind hier zu nennen. Lybien dann lehrte die Menschen, dass die NATO bereit ist für die Freiheit zu bomben. Es folgten Jemen und Syrien. Dort wurden die Proteste nicht nur deshalb sehr schnell gewalttätig, weil die Regierung sehr schnell auf Repressalien setzte, sondern auch deshalb, weil die Opposition sehr schnell von einzelnen Reformforderungen auf „Weg mit dem Regime“ umschaltete. Sie konnte sich auch durch Lybien und den Irak, durch die Politik des Regime-Change ermuntert fühlen. Und sehr schnell war die Opposition bei „Patria libre o morir“. Oder, wie es auf einem Foto von AP auf die Handfläche einer „Rebellin“ geschrieben steht „Unser Blut ist Treibstoff für unsere Revolution!“  Somit war klar, dass es von Seiten der Opposition nur Maximalforderungen gab und sie sich weigerten mit Assad zu verhandeln. Diese Haltung wurde von der Opposition nun bis zum Schluss in erbarmungloser Konsequenz umgesetzt.

Meine Frage ist nun: Wer bestimmt den Preis für eine gewünschte „Revolution“?

Wer also ermächtigte die Rebellen eine halbe Stadt als Geisel zu nehmen und sie dadurch der erwartbaren Repression der Regierung auszusetzen? Ganz schlicht: warum wurde nicht viel früher die weisse Fahne gehisst und eine kontrollierte Niederlage unter internationaler Aufsicht akzeptiert? Warum musste erst das letzte Gebäude zerbombt werden, bis diese Helden aufgaben?

Eine Antwort auf diese Frage führt sehr schnell zu der Frage nach den agierenden Kräften in Syrien. Und ehrlich gesagt möchte ich mir lieber kein Syrien vorstellen, mit solchen tausendfach gespaltenen Bewegungen in einer schwachen Regierung. Lybien und der Irak lassen grüssen: das wäre dann Hölle 2.0. – Achim Hauck


Leserbrief zu „Gefahr im Anflug“ von Dirk Asendorpf

Ein gut recherchierter, interessanter Artikel. Leider habe ich die Drohnenentwicklung bislang nicht verfolgt.

Wenn ich jetzt lese, was alles unternommen wird, um die Bevölkerung vor den Gefahren der Drohnen zu schützen, stellt sich mir die Frage: Warum werden die Drohnen in diesen Massen und für Jedermann produziert und verkauft? In der Konsequenz heißt das, dass mit meinen Steuergeldern Gefahrenabwehr betrieben wird, für etwas, was keiner braucht.

Und was ist mit den Bildern / Filmen, die ohne Wissen von Privatpersonen aufgenommen und dann ins Internet gestellt werden. Z.b. Balkon, Terasse, Strand. Wo und wie wird die Privatsphäre geschützt?

Habe nur ich etwas verschlafen oder wurde dieses Thema bislang in der Öffentlichkeit nicht ausreichend diskutiert?

Auf jeden Fall bin ich jetzt besser informiert, allerdings über die Entwicklung auch besorgt. – Marlies Wenzel


 Leserbrief zu „Das Letzte“

Inzwischen sind wir an Fakenews und diesbezügliche Kommentare aus Wirtschaft und Politik in der ZEIT gewöhnt, aber nun auch im Feuilleton? Oder sollte das ein ironischer Dillen Comment sein?

Bitte lassen Sie uns wissen, wie der Nobelpreis für Literatur an C.Brentano vor der Geburt Nobels hieß, wenn es etwas Ähnliches damals schon gab. – Dieter Zywicki


Leserbrief zu „2,3 Billionen“ von Peter Praet

Zur Person von Peter  Praet ist schon bemerkenswert, dass dieser als gebürtiger Rheinlaender  „fließend Deutsch“ spricht!? –  Kurt Seiffert


Leserbrief zu „Hölle auf Erden“ von Andrea Böhm

Ich widerspreche Andrea Böhm-sie wird sich sicherlich freuen. Kriegsverbrechen werden bestraft- und die ganze Welt setzt sich dafür ein.

 Das 21. Jahrhundert hat für die Menschheit mit dem Inferno von Aleppo seinen ersten Tiefpunkt erreicht. Tausende werden im Namen der Gerechtigkeit und um des Friedens willen bombardiert oder erschossen. Die dünne Schicht, die wir Zivilisation nennen, ist in Syrien zu Staub zerfallen. Zynismus pur findet vor den Augen der Weltgemeinschaft statt. Der Wunsch, dass 2016 ein Jahr der Barmherzigkeit werden möge, hat sich leider Gottes nicht erfüllt.

Mord und Totschlag sind wieder einmal die letzten Mittel der Mächtigsten. Den Preis für ihren Pakt mit dem Teufel zahlen andere. Die Gier nach Macht und Einfluss der Machterhalter um jeden Preis-versteckt hinter einem vorgeschützten und vorgetäuschten Gerechtigkeitssinn-schüren Verderben und Qualen. Das Böse kennt keine Widersacher mehr. Aus den Trümmern der Stadt fließt noch immer Blut.

 Die Nicht-Betroffenen und Unbeteiligten feierten derweil Weihnachten, das Fest der Liebe und entflohen in eine möglichst heile Welt. Das schlechte Gewissen aber bleibt, man kann über Aleppo nicht hinwegsehen.

Finden wir zusammen, und halten wir die Hand über Aleppo! – Egon Hofer


Leserbrief zu „Die postfaktische Universität“ von Bernhard Pörksen

Da hat der Herr Professor aber mal richtig was rausgehauen! Nach einiger Zeit des mühsamen und ermüdenden Lesens kam mir der Verdacht, dass der Herr Professor gar keinen Spaß macht, sondern diesen verschwurbelten Sermon womöglich ernst meint ?! Unfassbar. Gibt es bei Ihnen noch ein Lektorat, welches solch einen verquasten Blödsinn vor dem Druck entfernt? Offenbar nicht. Inhaltlich kann ich mich gar nicht zu dem Beitrag äußern, da dieser durch dieses Fremdwortinferno komplett verborgen blieb. Wäre ich doch nur so gebildet wie der Herr Professor… – Peter Selisko


Leserbrief zu „Irgendwo im Nirgendwo“ von Thomas Assheuer

Die Frage: „Was ist eine gerechte Gesellschaft?“ kann zu keiner stichhaltigen Antwort führen, wenn man zur Kenntnis nimmt: Gerechtigkeit ist ein subjektives Empfinden! Logischerweise kann das jeder anders empfinden und somit ist eine allgemein gültige Definition gar nicht möglich. Das haben kluge Köpfe wie Ludwig Wittgenstein und Karl Popper anerkannterweise bewiesen. Wenn man dieses Erkenntnis negiert, dann kann man endlos darüber diskutieren, was eher gerechter oder ungerechter ist. Da gibt es Stoff für engagierte Streitereien: Das Gehalt von Angela Merkel verglichen mit dem Einkommen des Golfers Tiger Woods; Özil, Messi, Ronaldo im Vergleich mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmer oder dem deutschen Außenminister Steinmeier; Bill Gates mit der Caritas; Helene Fischer mit Ulli Hoeness usw. Oder Gerechtigkeit für Afghanistan, Irak, Syrien, Ägypten, Jemen,

Saudi-Arabien, Libyen usw. Oder alle Religionen, Sekten und politischen Parteiprogramme. Und immer wieder: Für mehr Gerechtigkeit! Oder ungleiche Einkommen von Mann und Frau usw. – Johann  Ernst


Leserbrief zu“Wir können auch anders“ von Horst Köhler

Der frühere Bundespräsident Horst Köhler, den ich sehr schätze, verkennt, daß der Mensch es gar nicht will, daß sich wesentliches in der Klimapolitik ändert. Das zeigen immer wieder die ergebnislosen Versammlungen in der Vergangenheit. Mehr als Absichtserklärungen sind dabei nicht herausgekommen. Ein Zeichen des Unwillen. Er überschätzt den Homo sapiens.

Wenn nicht in den Köpfen der Menschen ein wirkliches Umdenken von statten geht, wird unser Planet damit leben müssen. Das ist so wie in der Politik, die immer erst dann auf den Plan tritt, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.  Die Volksvertreter zeigen eigentlich den Menschen wie man es nicht machen sollte.  Wir können nur hoffen, dass es nicht so schlimm wird, wie viele „Experten“ es voraussagen.

Es gibt aber auch „Experten“, die eine ganz andere Version den Menschen auftischen.  Angeblich gab es im 15. und 16. Jahrhundert schon einmal eine Klimakatastrophe, die ganze Ortschaften vernichtet hat. Damals konnte das nicht durch den Menschen verursacht worden sein. – Gunter Knauer 


Leserbrief zu „Er tut, was er sagt“ von Bernd Hagenkord et al.

Es klingt unspektakulär, beinahe banal, beschreibt man Papst Franziskus mit den Worten: „Er ist als Mensch und als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche authentisch, er tut, was er sagt.“ Dabei ist es zweifellos das größte Lob für einen, der sich der Gabe und der Weitergabe Gottes, dem Glauben, der Liebe und der Hoffnung, erkennbar gemacht hat.

Papst Franziskus gibt dem Haus Gottes Stück für Stück von dem zurück, was viele Menschen besonders hinter den Mauern Roms nicht mehr zu finden glaubten: Demut, Barmherzigkeit und Wahrhaftigkeit.

Die meisten von uns, ob Gläubige, Agnostiker oder Atheisten, haben durchaus eine bewusste Vorstellung von einem friedlicheren, humaneren und gerechteren Leben auf Erden, von einer besseren Welt; es fällt nicht sonderlich schwer, diesen Papst auch in ebendieser Anschauung wiederzufinden. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Auspuffklappe“ von Diether Rodatz

Und ich befürchtete schon, ich steh‘ allein da mit meiner Wut auf Profilneurotiker mit kastratengerechtem „maskulinen Sound“. Danke Diether Rodatz – Richard Grünert


Leserbrief zu „Gefahr im Anflug“ von Dirk Asendorpf

Danke für den hervorragenden, ausführlichen Artikel. Nur einen Aspekt habe ich darin vermisst: wie steht es eigentlich mit der Haftung von Hobby-Drohnen Piloten bei Schadensfällen?
Bei dem Gedanken, dass jedermann, auch wenn er vielleicht noch vollkommen ungeübt ist, ohne jeglichen Versicherungsschutz ein derartiges Fluggerät durch die Gegend jagen darf, packt mich das Grausen ob der nicht mehr zu beherrschenden Luftraum Anarchie.

Als früheres Mitglied eines Modellflug Sportclubs war ich mit einer Schadenssumme von mehren Millionen Euro für Personenschäden pflichtversichert. – Hans Luz


Leserbrief zu „Läuft bei uns“ von Marcus Rohwetter

Das Titelbild ist sehr bezeichnend für den Stand der heutigen E-Mobilität. Während sich die Tonnen-schweren E-Autos lediglich durch Auswechseln des Verbrennermotors durch einen Elektromotor von dem Status Quo des PKWs unterscheiden, sind auch die PEDELECS („E-Bikes“) auf einem Stand von vor 100 Jahren stehengeblieben. Lediglich die Batterietechnologie hat sich mäßig verbessert. Während sich das „Schwitzen“ beim Radfahren durch die Elektrifizierung als Hinderungsgrund weitgehend erledigt hat, ist bei der Witterungsempfindlichkeit und Bequemlichkeit des Radfahrens noch absolut kein Fortschritt zu erkennen. Gerade der Radladen in Mainz protegiert auch weitestgehend eine Freizeitnutzung des PEDELECS in Form von stylischen MTBs ohne Schutzbleche, Gepäckträger etc., die sich für den Alltagsgebrauch in keiner Weise eignen.

 Niemand hat den Mut, mal etwas zwischen dem > 100 Jahre alten Fahrrad und dem heutigen Auto zu entwerfen, das etwa 100 kg Masse hat, einen Faktor 30 bis 50 weniger Energie verbraucht als ein Auto, auf der Radinfrastruktur fahren darf (<1m breit), 4 unabhängige Radnabenmotoren aufweist und als schickes Cabrio beispielsweise auch einen Witterungsschutz gegen Regen, Schnee etc. und einen respektablen Kofferraum bietet. Stereoanlage, Sitzverstellung, Air-Condition etc.

machen die Fahrt ins Büro genauso gemütlich, wie in einem heutigen Auto.

Diese Fahrzeuge fahren leise wie Fahrräder und reduzieren die unsägliche Belastung der Stadtbevölkerung durch Lärm. Die ZEIT sollte vielleicht einmal über das Ingenieurbüro Lindenau und den SUNGLIDER ONE berichten, obwohl das Fahrzeug ebenfalls noch signifikant verbessert werden müsste, aber bereits in die richtige Richtung weist. Oder betrachten sie mal als reine Privatinitiative http://www.jmk-innovation.se. Die Automobilindustrie tut trotz enormer Förderung so gut wie nichts.

 Für solch einen Ansatz würden die Menschen weitaus mehr als für die aktuellen „E-Bikes“ ausgeben. Sie wären nämlich ungleich preiswerter zu betreiben als heutige Autos. Die Politik muss natürlich noch die Rahmenbedingungen anpassen. Außenorts könnten PEDELECS vielleicht 35-40km auf Radwegen fahren dürfen und innerorts nur 25 km/h. Zusammen mit echten Radschnellwegen würde ein unserem Technologieniveau adäquates, modernes Verkehrsmittel entstehen, das für Fernreisen quer in die untere Etage von doppelstöckigen DB-Zug-Wagen passt.

Der Inhalt des Leserbriefes entspricht meiner persönlichen Meinung: –  Dr. Wolfgang Hoppe


Leserbrief zu „Oh, mein Gott“ von Josef Joffe

„(…) so wahr mir Gott helfe. (…) Die anderen neun brachten die Formel nicht über die Lippen.“ – Was soll diese vorwurfsvolle Formulierung? Ich brächte den Satz auch nicht über meine Lippen, weil ich als Agnostiker nicht weiß, ob es einen Gott gibt oder nicht. Und auf jemanden oder etwas schwören, dessen Existenz nicht gesichert ist, erscheint mir nicht sehr intelligent. Da ziehe ich z.B. das Grundgesetz oder die Menschenrechte vor.

Der Weihnachtsmann wird im Berliner Koalitionsvertrag übrigens auch nicht erwähnt. Aber für diesen Skandal gerade jetzt zur Adventszeit hat Herr Joffe kein Wort übrig. Typisch. – Kurt Eimers


Leserbrief zu „Hölle auf Erden“ von Andrea Böhm

Am Samstagnachmittag habe ich Ihre „bittere Wahrheit“ über Aleppo gelesen. Wenig bitterer aber war, was ich ein paar Minuten später in einem Supermarkt beobachtet habe. Wohlgenährte Österreicher schleppen pralle Einkaufstaschen mit allerlei Schlemmereien und beleuchtbaren Rentieren zum Auto, während der Supermarktleiter zwei bettelnde Romafrauen verjagt. Beim benachbarten Punschstandl empören sich einige Supermarktbesucher noch immer über Trumps Sieg, die Streiks der Lufthansa-Piloten und über Flüchtlinge,  vor denen es sich zu schützen gilt.

Es ist Adventszeit, eine besondere Zeit, eine sonderbare Zeit. In Aleppo stirbt die Menschlichkeit und mitten in Europa erleben wir den totalen Verlust von Empathie. Für mich stellt sich immer öfter und immer wieder die Frage, wie kann  es  sein, dass sich unsere Gesellschaft quasi damit arrangiert hat, dass es unter uns Menschen gibt, die scheinbar weniger wert sind als andere?

Man muss kein Kulturpessimist sein, um den Verdacht zu hegen, dass das Projekt Aufklärung zu scheitern droht. Rücksichtslosigkeit, Egomanie und Hass lassen sich zunehmend in den verschiedensten Lebensbereichen unserer Gesellschaft ausmachen. Doch eine Gesellschaft, die auf ihre christlichen Grundwerte pocht, die sich zivilisiert und human nennt, darf nicht gleichgültig und zynisch werden, darf niemals aus dem Blick verlieren, dass die „Verfluchten dieser Welt“ (©Heribert Prantl) aus lauter einzelnen menschlichen Wesen besteht.

Aus Menschen, die Anspruch auf Individualität besitzen und das Recht, nach ihrem Glück zu streben. Nur diese Haltung verhindert Verrohung, verhindert das Erkalten von Empathie, das ein gesellschaftliches Klima hervorbringt, in dem rechtsradikale Politiker salonfähig werden und Rassismus neuerdings „Asylkritik“ heißt. Wir haben den Advent bitter nötig“  – retten wir die Hunderttausenden Menschen, von denen Andrea Böhm schreibt. – Dipl. Ing. (FH) Franz Josef Dorn


Leserbrief zu „Hölle auf Erden“ von Andrea Böhm

Was hätte die westliche Welt denn dort tun können? Einmarschieren, kämpfen gegen Assad, die Russen und den Iran? Und für wen bitte? Ich suche vergeblich nach einer Opposition, für die es lohnt zu kämpfen. Und all die hasenfüßigen Männer, die zu uns geflohen sind, anstatt ihr Land zu verteidigen, was tun die dagegen, dass Assad wieder Oberwasser gewinnt mit Hilfe der unheiligen Allianz aus Russen und Iranern? –  Eva Langhammer


Leserbrief zu “ Der geheimnisvolle Süße“ von Bernd Brunner

Ein wirklich interessanter Artikel –kunstreich und umfassend geschrieben.  Dennoch – mir fehlt ein Hinweis auf das seit dem 18. Jh. verwendete Motiv des Granatapfels auf Meissner Porzellan,

das sogenannte „ Zwiebelmuster“, welches sich direkt von chinesischen Vorbildern herleitet und bis heute wohl das beliebteste Dekor ist. – Konrad Löhnert


Leserbrief zu „Die postfaktische Universität“ von Bernhard Pörksen

Die englische, französische und idealistische deutsche Aufklärung im 17., 18.  und 19. Jh. haben den gemeinsamen Kant“schen Nenner, den Austritt aus einer selbstgverschuldeten Unmündigkeit zu predigen. Als der Siegeszug naturwissenschaftlicher Ratio das spätere Abendland durchwebte, galt das cartesianische Prinzip vernunftbasierter, zwischenmenschlicher Kommunikation plötzlich absolut    . Mystizismus,  Kabbala, deutsche Romantik und aufziehender narzißtischer Nationalismus änderten nichts an der neuen Dominanz der experimentellen Vernunft. – Erst im 20.Jh.  wurde mit der Dialektik der Aufklärung(  Adorno, Horkheimer) offenbar, daß eine rein instrumentelle Vernunft auch nicht zur Befreiung des Menschen aus der selbvstverschuldeten Unmündigkeit führt.  – Die heutige Übersättigung mit dem Slogan: Alternativlosigkeit, führt zum Aufblähen hektischer Sinndeuterei und einer parfümierten,  poststrukturalistischen  Rhetorik. Ob man nun gleich den neuen Rechtspoulismus als Faschismus im libertären Gewande bezeichnenen sollte (Didier Eribon) bedarf fundierterer Analyse.  Tatsache ist, daß der gegenwärtige Rummel um Sinnhuberei den Verlust realen existentiellen Bodenkontaktes beinhaltet. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Oh, mein Gott“ von Josef Joffe

Dürfen Sie im Namen Gottes Fake-News verbreiten?

„Ohne mich gäbe es nach Athen und Rom nichts, was den Westen seitdem ausmacht (…) die Trennung von Kirche und Staat, das Fundament der liberalen Demokratie.“ – so lassen Sie Gott klagen.

Ich finde es unverantwortlich, Gott und die christlichen Kirchen für neuzeitliche Demokratie, Menschenrechte, Rationalität und Vernunft verantwortlich zu machen. Schließlich kämpf(t)en die Kirchen voller Gottvertrauen seit Jahrhunderten dagegen an – und bei Gott nicht ohne Erfolge, auch wenn sie sich immer wieder dem Zeitgeist anzupassen wussten, wie wenige Beispiele zeigen:

  • Die Menschenrechte sind erst in letzter Zeit weitgehend anerkannt worden
  • Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen gibt es in der evangelischen Kirche seit wenigen Jahrzehnten, in der katholischen bis heute nicht.
  • Das kirchliche Arbeitsrecht erlaubt Diskriminierungen, die im säkularen Raum als Rechtsverstöße gelten.
  • Der Religionsunterricht in staatlichen Schulen wird erweitert, der Ethikunterricht bleibt eingeschränkt.
  • Die Kirchen mischen sich ganz selbstverständlich in die weltliche Gesetzgebung ein (z.B. über selbstbestimmtes Sterben entgegen dem Mehrheitswillen in der Bevölkerung)
  • Die „Luther-Dekade“, inzwischen verschämt „Reformationsjubiläum“ genannt, wird aus öffentlichen Mitteln wesentlich mitfinanziert. Mit Martin Luther wird hier ein Mann gefeiert, der in Worten und Taten ein fanatischer Antisemit, ein erklärter Verächter der Vernunft und ein radikaler Kämpfer gegen die Freiheitsbestrebungen des „gemeinen Mannes“ (Deutscher Bauernkrieg) war. Auch ihm ist es zu verdanken, dass die Leibeigenschaft bis ins 19.Jahrhundert rechtens war, gesegnet und genutzt vom Klerus. Diese Form der Versklavung wurde erst im Zuge der (sehr kirchenkritischen) französischen Revolution aufgehoben.

Das „Fundament der liberalen Demokratie“ errichteten in harten Kämpfen gegen das Bündnis von Thron und Altar die Aufklärung, der klassische Liberalismus und die Arbeiterbewegung!  – Ludwig Lauer


Leserbrief zu „Was sie wollen, steht in den Sternen“ von Ulrich Ladurner

Was die Fünf-Sterne-Bewegung will, steht nicht in den Sternen, sondern klar und deutlich, jedem leicht zugänglich im Internet. (http://www.beppegrillo.it/iniziative/movimentocinquestelle/Programma-Movimento-5-Stelle.pdf). Ihr Programm greift sämtliche wichtigen Aspekte des gesellschaftlichen Lebens auf: Staat und Bürger, Energie, Information, Wirtschaft, Verkehrswesen, Gesundheit und Bildung.  – Stéphane Vézina


Leserbrief zu „Oh, mein Gott“ von Josef Joffe

In der chtistlichen Vorstellung lebt nicht Gott  als „der alte Herr mit dem wallenden Bart“. Das ist ein Kindheitsbild aus früheren Zeiten, vermutlich Ihr eigenes?. Das Gottesbild ist immer einem Wandel unterworefen, je nach eigener Verfassung und eigenem Alter. Hätten Sie mit etwas mehr Respekt geschrieben, wäre Ihr Artikel erfreulicher gewesen. – Ursula Borchert


Leserbrief zu „Ein gnadenloser Optimist“ von Uwe Jean Heuser

Soso, der neue Google-Chef glaubt also, dass künstliche Intelligenz das Leben der Menschen besser macht – allen Kritikern zum Trotz.

Und der neue Chef der vereinigten Staaten wiederum glaubt nicht so recht, dass der Klimawandel überhaupt existiert  – natürlich ebenfalls allen Kritikern zum Trotz.
Zwei Zauberlehrlinge, eine Botschaft: „Die Geister, die ich rufe, sind in Wirklichkeit völlig harmlos“.

Preisfrage: Warum gilt der eine als „postfaktisch“ und der andere als „gnadenloser [sic!] Optimist“?
Wieso lese ich über Herrn Trump keine unterschwellig anerkennenden Sätze wie „an seiner Tenniswand des Optimismus prallen wissenschaftliche Fakten und Expertenmeinungen einfach ab“?

Oder umgekehrt: Warum lesen ich Herrn Pichai nicht als „Populisten“ bezeichnet, der „die Abgehängten“ und „Verlierer der realen Welt“ mit unrealistischen Heilsversprechungen einer digitalen Zukunft ködert, in welcher angeblich all das besser sein soll, woran es in der Realität gerade (gefühlt oder wirklich) hapert?

Beispiel: Bereits eine Seite später leser ich in der selben ZEIT einen Artikel, wie ein mazedonisches Dorf massiv, wenn nicht gar wahlentscheidend, in den US-Wahlkampf eingegriffen haben soll durch gezieltes Lancieren von Falschmeldungen – was wiederum nicht zuletzt durch Facebook und Google zu einem lohnenswerten Geschäftsmodell wurde.

Ich bezweifle, dass ein derartiger Eingriff in die Wahl die erklärte Absicht von Google, Facebook und Co war…das wiederum verstärkt für mich aber nur das anfänglich genannte Bild von Google und Facebook als Zauberlehrling, der nicht in der Lage ist, die eigene Auswirkung auf menschliche Intelligenz auch nur ansatzweise im Griff zu haben, gleichzeitig aber davon schwadroniert, das Leben von Milliarden Menschen durch künstliche Intelligenz verbessern zu wollen.

Ich fände es also lobenswert, eine derart realitätsblinde Hybris wie die von Herrn Pichai nicht als „Optimismus“ verherrlicht zu lesen. – Florian Hofmann


Leserbrief zu „Abschied von der Dame“ von Martin Klingst

Hat eine urliberale Wochenzeitung zum Tode einer großen Urliberalen nichts weiter zu berichten als einen Zweispalter über eine „stets vornehm gekleidete, … hochfahrende“ „Bildungstante“?! Hildegard Hamm-Brücher hat in ihren bildungspolitischen Konzeptionen mehr und Profunderes zur Bildungsgerechtigkeit im Spannungsfeld zwischen Leistungs-, Chancen- und Teilhabegerechtigkeit beigetragen als die meisten seit ihr. Sie hat vorgelebt und glaubhaft gemacht, weshalb und in welcher Form liberale Haltung und Überzeugung eine notwendige Dimension unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens ist. Sie zeigte Rückgrat, nie mehr Kategorisierungen von Menschen zuzulassen, weshalb alleine schon sie derzeit schmerzlich zu vermissen ist. Und, nebenbei: sie stand für eine Gesellschaft, in der Frauen nicht mehr auf ihren Kleidungs- und Sprachstil reduziert werden. Ich bin enttäuscht, dass die ZEIT die Gelegenheit hat verstreichen lassen, aus dem traurigen Anlass ihres Todes diese und weitere Dimensionen auszuleuchten – wir hätten vieles über das erfahren, was uns derzeit so schmerzlich fehlt. – Detlef Gaus


Leserbrief zu „Ein gnadenloser Optimist“ von Uwe Jean Heuser

Das war ja schon ein lustiger Kontrast im Wirtschaftsteil der letzten

Zeit: Erst ein Artikel über den Google-Chef, der mein Leben mit künstlicher Intelligenz besser machen will, dann ein Bericht über junge Leute aus Mazedonien, die mit Lügen im Internet Geld verdienen müssen, wobei als Zweitverwerter Facebook und eben Google dienen, die damit wohl letztlich diese Lügen finanzieren. Wo genau arbeitet da bitte die künstliche Intelligenz bei Google und inwiefern wird damit mein Leben verbessert? Leider ist die Rolle von Google und Co. im Lügengespinst-Artikel etwas untergegangen. Es wurde viel über das moralische Dilemma der jungen Lügner aus Mazedonien sinniert, wo aber liegt die moralische Verantwortung der Konzerne, die von den Lügen profitieren? –  Klaus Drescher


Leserbrief zu“Wir können auch anders“ von Horst Köhler

Beim ersten Lesen kommt einem die Argumentation Horst Köhlers recht logisch und ausgesprochen lobenswert vor, doch bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass sie zu wenig Rücksicht auf den menschlichen Charakter nimmt, und dieser ist nun mal bis auf wenige Ausnahmen auf Eigennutz programmiert. Selbst die Natur folgte in der Evolution diesem Prinzip, wie uns die Biologen immer wieder erklären.

Jeder weiß inzwischen, dass der Elektroantrieb für Autos besser für die Umwelt wäre, aber erst wenn dieser auch besser für das Portemonnaie ist, wird er sich durchsetzen. Jeder weiß inzwischen, dass wir den Menschen in den armen Ländern „Bildung, Arbeit und Einkommen“ (Köhler) ermöglichen müssten, wir nutzen diese Länder jedoch weitgehend als Rohstoffquellen und liefern den Menschen dort für teures Geld Fertigprodukte, womit wir ihre Ansätze für eigene Einkommensmöglichkeiten ruinieren.

Auch Köhlers Einsicht, dass unsere Demokratie „Raum und Zeit transzedieren“ müsste, um die notwendigen Lösungen zu erreichen, wird auch in Zukunft ein Traum bleiben: Wahlen in der Demokratie lassen sich nicht damit gewinnen, dass man den Leuten verspricht, mehr Geld für die armen Staaten Afrikas aufzuwenden, und auch nicht damit, dass man sich die Verhinderung einer eventuellen Klimakatastrophe in 100 Jahren auf die Fahnen schreibt. Um zu den notwendigen Einsichten bei den Wählern und damit zu den entsprechenden Ergebnissen zu kommen, reicht offensichtlich der jetzige Bildungsstand (noch) nicht aus, weder bei uns noch in den armen Ländern Afrikas. – Karl H. Kirch