24. Mai 2017 – Ausgabe 22

Leserbrief zu „Störzeichen“ von Ijoma Mangold und Thomas Assheuer

Weder die Pro noch die contra -Seite des Artikels, dass die Existenz auf der Kuppel auf dem Berliner Stadtschloss bespricht, mag wirklich überzeugen. Beide Positionen beziehen sich auf die Vergangenheit, die je nach Standpunkt ein Kreuz überflüssig machen oder gar schädlich erachten. Übersehen wird bei beiden Standpunkten, dass Christen nach wie vor in Deutschland dine Rolle spielen und das Kreuzsymbol eine auch politische Aussage ist. Wir treten für die ein, die in Not sind, wird ausgedrückt und auch:“ Wir treten für eine offene Gesellschaft ein“.

Wir brauchen das Kreuz nicht zu verstecken und wir kennen unsere Herkunft. Das Kreuz ist kein Anachronismus, wie es sogar der „Pro“-Kommentator beschreibt, sondern das Kreuz ist aktuell, stellt uns vor Aufgaben und mitnichten sollten wir es verstecken. Es tut uns Menschen in Deutschland gut, wenn wir Muslime als Muslime leben lassen, wenn wir Agnostiker und Atheisten nicht bedrängen, wenn wir Juden oder Buddhisten als Mitschwestern und -brüder für das Leben in einer bedrohten Welt begreifen. Aber es ist legitim und notwendig, christliche Kultur und Zeichen auch aktuell zu leben und nicht zu verstecken. – Dr. Frank Marx


Leserbrief zu „Das gedopte Land“ von Erich Follath

50 Jahre sind schon vergangen seit Israel das Westjordanland als Besatzungsmacht kontrolliert und versucht, mit dem Siedlungsbau Fakten zu schaffen die der 2-Staatentheorie strikt widersprechen. Heutzutage fragt man sich, was Netanjahu genau will wenn es um die Zukunft Israels und die der Palästinenser geht. Man glaubt als Außenstehender Zeuge einer unehrlichen und verschleiernden Politik Netanjahus zu sein. Er versucht mit allen Mitteln der Interessenpolitik seine Vorstellung von einer Verdrängung elementarer Rechte der Palästinenser auf einen eigenen Staat durchzusetzen.

Das er sich dabei auch der Unterstützung des politisch tumben Präsidenten Trump versichern will ist naheliegend. Trump, der keine Ahnung von strukturierter Politik hat denkt wie der naive Protz nur an den nächsten kleinen Scheinerfolg der ihm zu seiner Befriedigung genügt. Netanjahu dagegen ist der mit allen Wassern gewaschene Realpolitiker dem leider auf palästinensischer Seite kein gleichwertiger Politiker gegenüber steht. Wenn es in dem Konflikt Israelis gegen Palästinenser um die beiden Fragen, geht ob und wann endlich der Palästinenserstaat (Westjordanland + Gaza-Streifen) Realität wird oder ob es nur ein vergrößertes Israel sein soll muss man zu der Überzeugung kommen, dass letzteres völlig unrealistisch ist.

Ein palästinensischer Politiker der sich für die Aufgabe seines Staates entscheiden würde hätte nur im Exil eine gewisse Überlebenschance. Sicher gibt es auch Palästinenser die sich ein Leben in Israel unter Israelis vorstellen können -alleine schon deswegen um endlich in Ruhe leben zu können. Wenn aber die Staatengemeinschaft Israel seit Jahrzehnten auffordert die Besatzung des Westjordanlands rückgängig zu machen und auf Seiten Israels nichts entsprechendes geschieht, muss der Westen von sich aus die Initiative ergreifen um den Dauerkonflikt zu beenden. Obama in seiner Zögerlickeit konnte leider nichts bewirken. – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu „Das gedopte Land“ von Erich Follath

Herr Follaths einfache Sicht der Dinge wäre beneidenswert, wenn nicht ein derart schlechter Artikel herauskäme. Ein unfassbarer Zeit-Artikel: 50 Jahre Israel auf 4,5 Spalten mit einigen blutigen Ereignissen. – Jan Albers


Leserbrief zu „Fragt mal was anderes!“ von Susan Djahangard und Jean-Pierre Ziegler

Danke für Ihren Artikel, der in etwa der Beschreibung des Gefühls entspricht, welches ich auch von Freunden und Mitbewohnern kenne, welche wegen ihres Nicht-Klischee-deutschen Aussehens befragt werden.

Ich möchte dem meine eigenen Erfahrungen entgegenhalten:  Über meinen Vater, sudetendeutscher Kriegsflüchtling, habe ich wohl das Aussehen bekommen, welches ich vielleicht als mittelsüdeuropäische Promenadenmischung bezeichnen kann. Auch ich werde öfters mal nach meiner Herkunft gefragt, jedoch nicht von „Biodeutschen“, sondern fast aussschließlich von türkisch-, griechisch-, italienisch- und sonstwostämmigen Menschen. Und ich werde hin und wieder direkt auf türkisch angesprochen.

Die Dialoge sind meist die gleichen wie bei Ihnen:  Woher kommst Du? –  Aus Heidelberg. – Nein, woher stammst Du? – Aus Deutschland. Ich bin Deutscher, und meine Eltern auch. – Ach echt?!

Wenn der türkische Gemüsehändler merkt, dass ich kein Türkisch kann, hält er mich für einen Griechen.  Beim Gyrosladen bin ich ein Türke oder Italiener, etc., israelische Botschaftsangehörige hielten mich für einen Juden.

Mich belustigt das und stört mich nicht im geringsten. Ich sehe darin eher ein Interesse am Menschen und eine Verwunderung über die Abweichung vom Klischee des blonden, großen Deutschen, dem auch ausländischstämmige Menschen erliegen.

Ich halte daher die Frage nach der Herkunft nicht für falsch oder verwerflich. Eher sollte man seine eigene Befindlich- und Emfindlichkeit überdenken, wenn einen die Frage nervt.

Schade daran finde ich, dass man viele Frauen mit dunkler Hautfarbe auf der Straße nicht mit den Augen anflirten kann. Wohl, weil sie selber nicht einschätzen können, ob man sie wegen Ihrer Schönheit ansieht, oder wegen Ihrer Hautfarbe, weshalb sich viele einen indifferenten, in die Ferne schweifenden Blick angewöhnt haben. Natürlich spielt die Exotik immer eine Rolle, aber weshalb sollte man das negativ sehen?

Freuen Sie sich doch über Ihre Besonderheit, bleiben Sie gelassen und werten die Fragen Ihrer Mitmenschen als wohlwollendes Interesse. – Andreas Turnwald


Leserbrief zu „Ein gläubiger Zweifler“ von Martin Klingst

Ich frage mich: „Wie lange hat er denn so grüblerisch, wie auf dem Foto gezeigt, dagesessen? Das ganze Jahr über?“ – Heinz-Peter Luther


Leserbrief zu „Mehr Luft für den Aufstieg“ von Astrid Herbold, Louisa Reichstetter und Anna-Lena Scholz

Ich finde es gut, dass Sie sich in diesem Artikel mit dem Thema Bildungsbenachteiligung in Deutschland befasst haben. Die soziale Herkunft ist immer noch der entscheidende Faktor, der über den Bildungs(miss)erfolg entscheidet, das wird in dem Artikel deutlich. In den Interviews wird zwar angerissen, welche Mühen mit dem sozialen Aufstieg durch Bildung verbunden sind, allerdings wird dieser Aspekt leider nur oberflächlich behandelt. Es wird nicht transparent, welche Bildungshürden es wirklich bzw. insgesamt zu überwinden gilt und vor allem nicht, wie es BildungsaufsteigerInnen gelingt, diese Hindernisse tatsächlich zu überwinden.

Nicht jeder hat das Glück, ein Stipendium zu bekommen, was ist also mit dem „Rest“ der Studierenden, ohne Akademikereltern? Deswegen wäre es interessant, das Thema dieses Artikels noch etwas tiefgehender zu analysieren. Gerade wenn man möchte, dass Studierende, die sich in der Situation des Bildungsaufstiegs befinden von diesem Artikel profitieren, ist es notwendig, mehr auf die Mechanismen einzugehen, die den Bildungsaufstieg erschweren. Meiner Meinung nach bietet dieses Thema genug Potential, um als eigene Serie im Chancenteil der Zeit zu erscheinen. Wünschenswert dabei wären weitere Interviews mit Studierenden erster Generation aber auch mit ExpertInnen auf dem Gebiet der Bildungsforschung (z.B. Aladin el Mafalaani).

P.S.: Die Grafik auf Seite 62 erfordert fasst Kenntnisse aus dem Basismodul Statistik, könnte man die Botschaft der Grafik nicht auch einfacher darstellen, damit sie jedem/jeder auf ersten Blick zugänglich wird? Ein einfacher Trichter hätte seinen Zweck doch auch erfüllt? – Lisa Ferin


Leserbrief zu „Die Parteivorsitzende“ von Sven Siedenberg

Im  Artikel „was bewegt Susanne Wiest?“ ist als Fürsprecher der Idee GRUNDEINKOMMEN auch Götz Werner(dm-Drogerie) erwähnt; warum nicht auch sein mit Matthias Weik und Marc Friedrich gerade erschienenes kleiner 1o-Euro-Buch: SONST KNALLT´S .

Das wäre doch eine gute Ergänzung des gut gemeinten Artikels von Sven Siedenberg gewesen und für Interessierte eine gute Quelle zum Thema „ bedingungsloses Grundeinkommen“. Untertitel: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen. Eine Nachlese-Empfehlung von – Ewald Bergk


Leserbrief zu „Sie jagen vor Reykjavík“ von Fritz Habekuss

Sie jagen vor Reykjavik von Fritz Haberkuss zeigen Sie auf dem 2. Foto: Das gebrochene Auge……

Muss das sein?  Finden Sie das schön? Haben Sie vor nichts mehr Respekt? Unter einer Gräfin Dönhoff hätte es so etwas nicht gegeben. Wem nützt es so etwas zu sehen? Der Tod gehört zum Leben, ganz klar aber  hier dieses? Ein ganz klares PFUI – Hannelore Schmidt


Leserbrief zu „Der Fluch des Talents“ von Hans Ulrich Gumbrecht

Das war ei, wirklich schlechter Artikel. Mario Götze ist krank und kein verschleudertes Talent. Kann man gefälligst so lange warten bis er genesen ist, bevor man solche sinnleeren Zeilen verfasst. Auch die Hypothese dass es möglichst gespaltene und ungerechte Gesellschaften braucht um wahre Talente zu entwickeln ist hanebüchen. – Thomas Oesterle


Leserbrief zu „Zechen statt Fasten“ von Urs Willmann

Zu Ihrem „Fundstück der Woche“ (Zechen statt Fasten,S.34)

Ein solcher Schreibfehler, eine Verwechselung des Klosters Lorsch (gegründet 764, jetzt Weltkulturerbe) mit dem Weinstädchen Lorch im Rheingau, ist für die „Zeit“ doch eher etwas peinlich. Aber dass viele Bauern der später armen Gemeinde Lorsch vom Tabakanbau lebten ist richtig, und es war noch in meiner Kindheit der Fall. Bitte korrigieren! – Prof. Dieter Silber


Leserbrief zu „Räumt auf!“ von Götz Hamann

Die „Eingraiftruppe“ zur Regulierung der digitalen Konzerne liest sich in dem Artikel wie die Stellenbeschreibung für einen Fußball-Schiedsrichter.

Aber kann das funktioieren? Im Fußball sind die Regeln klar und was reguliert werden soll, ist fest gefügt. Im um sich greifenden digitalen Wirtschaftsgeschehen ist indes gar nichts fest gefügt und klar. Ständig werden neue Sachverhalte geschaffen, die beurteilt und ggf. geahndet werden müssen.

Die plumpen Fälle von Übervorteilung sind schnell erkannt und bedürfen keiner Regulierung durch den Staat. Entweder ist es eindeutiger Betrug, dann greift das Strafrecht, oder die Masche ist so grobschlächtig eingefädelt, dass niemand drauf reinfällt.

Aber da gibt es z.B. einen namhaften Anbieter von CAD-Software. Dessen neueste Idee ist, die Computerleistung online anzubieten, die Daten „in der Cluod“ aufzubewahren und so den Nutzer davon zu entlasten, sein Werkzeug ständig auf dem neuesten Stand zu halten. Der Anbieter stellt immer die aktuellste Version zur Verfügung. Ein tolles Angebot. Aber.

Mit jeder Stunde, die ein Nutzer in seine eigenen Konstruktionen steckt, wird er abhängiger von dem CAD-Anbieter. Nur wenn der Nutzer ständig weiter zahlt, kann er überhaupt an seine selbstgeschaffenen Daten dran. Er wird zum Sklaven des CAD-Anbieters.

Was will der Schiedsrichter machen?

Solange die Kosten im Rahmen dessen bleiben, was ein lokal installiertes CAD-Programm mit gelegentlichen Updates auch kostet, ist das eine reelle Dienstleistung. Was aber, wenn der CAD-Anbieter die Preise erhöht? Klar, wenn er statt 100,- $ im Monat plötzlich 1000,- $ verlangt, ist es Wucher und kann vor Gericht gebracht werden.

Aber wenn er schleichend die Schraube anzieht? Im Grunde ist das so wie bei den Banken. Über Jahrzehnte haben sie sich zwischen uns und unser Geld geschoben. Und heute verlangen sie „Gebühren“, wenn wir über unser eigenes Geld verfügen wollen. Auf so etwas kann eine Regulierung erst dann reagieren, wenn es zu arg geworden ist, oder sich das unlautere Verhalten manifestiert, also ggf. erst nach Jahren oder Jahrzehnten.

Und selbst dann stelle ich mir ein „nicht lange fackeln“ interessant vor in Zeiten von Investitionsschutz-Abkommen. Am Ende wird es doch wieder darauf hinauslaufen, dass ein Kläger da sein muss, der ein Gericht anruft, welches urteilt; und dann braucht es den Staat, der das Urteil durchsetzt.  Wie schon immer. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Hokus Pokus“ von Bernd Ulrich

Der Artikel enthält umfassende Überlegungen zu Trump und der amerikanischen Politik, die ich bezüglich Trump und des “War on Terror” des G.W.Bush völlig teile. Bezüglich der amerikanischen außen- und militärpolitischen Grundsätze bin ich auf Grund der Lektüre zweier Bücher des Gründers des US Think Tanks STRATFOR, George Friedman, (The Next Decade, Doubleday, und Die nächsten 100 Jahre, Campus), anderer Ansicht; nicht wegen der darin versuchten geopolitischen Vorhersagen, sondern wegen der Erläuterungen der langfristigen geopolitischen Strategie der USA.

Anderer Ansicht bin ich, weil es geopolitische Strategie der USA ist, ihre absolute militärische Vorherrschaft unbedingt langfristig zu verteidigen, und weil die USA so stark sind, dass die Erzeugung weiteren Terrors und die Fehlschläge im Nahen Osten ihre strategische Position nicht gefährden und von einem Abstieg der USA mittelfristig nicht wirklich etwas zu sehen ist.

Es ist beständige Politik der USA, in allen Weltregionen ( Europa, Russland, China, Indien und Iran/arabische Länder) einen regionalen Hegemon unter allen Umständen zu verhindern, möglichst durch Instrumentalisierung und Unterstützung des jeweils schwächeren Teils; und wenn es gar nicht anders geht, durch eigenes militärisches Eingreifen. Das erklärt die sonst unverständlichen Seitenwechsel der USA in den Irak-Iran-Auseinandersetzungen. Dies hat natürlich G.W Bush gründlich versiebt, indem er dem Iran durch Demontage des Irak das Gegengewicht genommen hat. Dies führt dazu, dass die USA Saudi Arabien militärisch aufzubauen und den Iran trotz des Atomabkommens zurecht zu stutzen versuchen.

Und dies erklärt auch, warum die USA Europa gegen Russland in Stellung bringen und warum sie Russland klein zu halten versuchen und warum sie sich um China große Sorgen machen und warum sie Europa nicht allzu stark sehen möchten, notfalls indem sie der Türkei den Weg in die EU öffnen und somit eine wirkliche europäische Vereinigung langfristig verhindern. Ist das Anti-Amerikanismus oder Realismus? Und kann man das in diesem Falle Unterscheiden? – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zu „Fragt mal was anderes!“ von Susan Djahangard und Jean-Pierre Ziegler

………und es gibt auch Deutsche  mit dunklen Haaren, braunen Augen und  schnell bräunendem Teint ohne Migrationshintergrund . Wenn ich auf die Frage <woher kommst du> antworte, < ich bin Deutsche> kommt in der Regel <ja , aber woher sind deine Eltern>. Nun, die sind auch Deutsche . Wie Großeltern, Urgroßeltern, Ururgroßeltern usw . Nachzulesen in Kirchenbüchern aus dem Sudetenland zurück bis 1709.  Um jedes graue Haar bin ich dankbar, und ich färbe sie nicht . Grau hellt den Gesamteindruck auf und ich werde immer seltener nach meiner Herkunft gefragt, was einen ganz anderen Einstieg in Gespräche ergibt, weil ich anders wahrgenommen werde. Ich stimme dem Artikel voll zu. Dauert wohl noch bis sich (vielleicht auch unbewusste) Vorurteile, die sich als Interesse tarnen, auflösen. – Heike Ehrenfeld


Leserbrief zu „Die Mittelschicht entlasten! Aber wie?“ von Mark Schieritz

Hervoragend klarer Artikel von Herrn Schieritz, sollte Pflichtlektüre aller Politiker werden. Allerdings eine Frage: Es scheint jeweils um Arbeitseinkommen i.e.S. zu gehen. Wo aber bleiben die Renten, Kapital- und Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung?

AfD: Hier differenzieren Sie leider nicht zwischen der „alten“ AfD und der AfD nach der Spaltung sowie der LKR der Herren Lucke, Henkel und Genossen. Denn die gehören ja zu den schärfsten Gegnern der heutigen AfD. Das trägt nicht zu sachgerechter Information bei! – Heinz-Dieter Busch


Leserbrief zu „Mehr Luft für den Aufstieg“ von Astrid Herbold, Louisa Reichstetter und Anna-Lena Scholz

Aus meiner Sicht sind es nur zwei Stellschrauben, die helfen, Kinder aus allen „Schichten“ (!!!) an die Gymnasien und Universitäten zu bringen.

Zum einen sind es das kostenfreie Studium und das Bafög, die die materielle Möglichkeit schaffen und erhalten müssen, dass auch Kinder von Arbeitern und „kleinen“ (!!!) Angestellten den Weg zum Hochschulabschluss finden.

Zum anderen geht es um die gegenseitige Abgrenzung der sogenannten Schichten. Hier geht es nicht nur um Konkurrenz – wer sichert sich am Ende die bestbezahlten Jobs – sondern vor allem darum, Bildung an sich zu schätzen. Dieser Punkt kommt gesamtgesellschaftlich immer mehr unter die Räder, Bildung wird heute hauptsächlich als Mittel zum Zweck gesehen. Und wem Bildung im Kern fremd bleibt, wer sie nur als Mittel zum tollen Job begreift, der zieht sich eher auf die Haltung zurück, die auch der erfolglose Fuchs den Trauben gegenüber einnahm: „Die sind mir zu sauer.“ In meiner Kindheit habe ich die Abgrenzung von unten erfahren, in der sich Stolz und Neid mischten: „Die Gebildeten sind sowieso alles Idioten.“ Bildung müsste also wieder mehr als Wert an sich vermittelt werden, damit auch Kinder aus „bildungsfernen Schichten“ sie ohne Scheu als Gabe zur eigenen Persönlichkeitsentfaltung annehmen können. – Angela Paap


Leserbrief zu „Fragt mal was anderes!“ von Susan Djahangard und Jean-Pierre Ziegler

“Was heißt denn „fei“?“ wurde ich auf dem Pausenhof gefragt. Ich war acht und wir waren gerade von Schwaben nach NRW gezogen. Es war der vierte Ort an dem ich wohnte, vorher aber nur Süddeutschland. „Das finde ich fei gut.“ Tja, eines war klar, ich war kein Einheimischer. Ich war die aus Bayern. Ob es noch fremder gewesen wäre, wenn ich aus Afrika gekommen wäre?

Gibt es Nuancen beim Fremdsein? Die nächste Station war Italien. Blöderweise liefen gerade die Holocaustfilme. Ich war dreizehn, als ich gefragt wurde, ob ich mich schäme Deutsche zu sein. Ich wusste es nicht. Bei der Kappler Entführung rief die Deutsche Schule bei uns an, wir sollten lieber nicht in die Stadt fahren. Mein Vater brachte uns zum Bahnhof und wir fuhren für ein paar Tage außer Landes. Zurück in Deutschland war es nicht besser und ich hatte den Eindruck meine türkischen Nachbarn waren deutscher als ich.

So sammelten sich die Erlebnisse im Laufe der Jahre und beim besten Willen konnte ich mit der Aufforderung Adornos, die Heimat mitzunehmen nichts anfangen. Welche Heimat hätte ich mitnehmen sollen? Auf einem Schulkonzert für Flüchtlinge in der Turnhalle meiner Kinder habe ich Eatemad kennengelernt. Sie kommt aus Syrien und wir sind seit zwei Jahren befreundet. Ich war neugierig, wie es in der Turnhalle aussieht, obwohl uns gesagt wurde, das wäre unhöflich. Sie hat mich untergehakt und mir die Turnhalle gezeigt. Mit ihrer konservativen Art ist sie mir ähnlich.

Bevor sie Deutsch gelernt hat, haben wir uns mit Blicken verstanden. Und ich habe gelernt, wie unwichtig Sprache für die Kommunikation ist.  Derzeit gerade wieder in NRW  wurde mir nach einer Niederlage des FC Köln gegen Bayern geraten, besser zu verschweigen, dass ich aus Bayern sei, das könnte gefährlich werden.

Meine Tochter studiert in Südamerika und eine Kommilitonin schwärmte für Deutschland. Ihre Mutter hatte alle Bücher von Hitler gelesen. Meine Tochter war völlig irritiert und findet es schlicht anstrengend deutsch zu sein. Sie kann jeden verstehen, der diese Identität loswerden will. Ja – Verständnis für die beiden Autoren, die nicht ständig eine Identität übergestülpt bekommen, die man nicht lebt. Lustig finde ich ihre positive Konnotation von deutsch – es ist ein schönes Signal für dieses Land. Gegen aufdringliche Fragen muss man Grenzen ziehen. Aber über interessiertes Fragen sollte man sich auch freuen, denn es ist auch das Fundament von Freundschaft. – Dr.phil. Dr.(RSM) Bettina Vogel-Walter


Leserbrief zu „Über kurz oder lang“ von Henning Sussebach

Das aktuelle Dossier war für mich als Mitteleuropäer mit Standardmaß absolut nichtssagenden und sinnentleert und der Rubrik nicht würdig. Wenn Ihnen wieder einmal kein geeignetes Thema einfällt, bitte nicht über Frisurentrends in friesischen Kleinstädten philosophieren, sondern lieber drei leere Seiten als stillen Protest gegen die zunehmenden Beschränkungen der Pressefreiheit in der Türkei und andernorts bringen. Manchmal ist weniger mehr. – Dominik Dute


Leserbrief zu „Hokus Pokus“ von Bernd Ulrich

Ich vergleiche den Tenor Ihrer früheren Beiträge in der „Zeit“ mit dem neuesten (Hokus Pokus) und komme zum Schluss: Sie hatten „Ihr Damaskus“. Glückwunsch! – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Die Mittelschicht entlasten! Aber wie?“ von Mark Schieritz

„ was würde es kosten…“ die Fragestellung allein ist schon falsch und der Folgesatz „in jedem Fall wird es teuer..“ ist dann schon Unsinn. Die Antwort auf die erste Frage und somit auch auf die Zweite heißt, „Nichts würde es kosten“. Es handelt sich nämlich um eine Umverteilung nicht um eine Bezahlung. Steuereinnahmen werden zurückerstattet, und zwar zu denen, die am meisten einzahlen.  Und was machen die glücklichen Empfänger damit,  essen das Geld auf oder verbrennen es beim Barbecue ?  Es ist eher wahrscheinlich, dass sie das Geld investieren oder für den Konsum ausgeben, vielleicht auch etwas auf die hohe Kante legen.

Das Geld ist also nicht weg sondern nur woanders, gesamtwirtschaftlich gesehen, völlig unerheblich also, das Ganze. Oder doch nicht, anstatt das Steuergelder in wenig kontrollierte Milliardenlöcher verschwinden ( BER ..) geht es ein in den Wirtschaftskreislauf, der zumeist volkswirtschaftlich effektiver  ist, als staatliche Gelder für sinnlose Subventionen und Projekte pulverisieren zu lassen. Den Mittelstand zu entlasten ist nicht teuer sondern äußerst profitabel. – Dr. Bernhard Jung


Leserbrief zu „Fragt mal was anderes!“ von Susan Djahangard und Jean-Pierre Ziegler

vor zwei wochen fühlte ich mich verstanden bzw. bestätigt, als ich henning sußebachs beitrag las, der erklärte, warum er menschen mit migrationshintergrund nach ihrer herkunft frage und argumentierte, er wäre einfach neugierig und fände es ignorant, nicht zu fragen.

die aufforderung von susan dajahangard und jean- perre ziegler in der aktuellen zeit, mal was anderes zu fragen, haben mich aber sehr berührt! ich bedanke mich für die erklärung aus erster hand und muss bekennen, dass ich mir das anders vorgestellt hatte, ja wahrscheinlich  nicht weit genug darüber nachgedacht habe!

ich schäme mich jetzt fast ein bisschen, dass ich das bisher nicht bedacht habe, was mein fragen diesbezüglich signalisiert bzw. was ich denn damit zu erfahren gemeint habe.

ich bin tatsächlich froh, dass mir ab jetzt klar ist: ich erfahre nichts besonderes bei der frage nach der herkunft, ich verstärke lediglich das gefühl der fremdheit bei meinem gegenüber, da ich diese frage nur menschen stelle, die anders aussehen oder heißen. ich wäre von alleine nicht auf die idee gekommen, dass ich damit den ersten schritt in richtung rassismus gehe (der damit beginnt, jemanden als fremd zu erkennen) und kann mir jetzt zum ersten mal vorstellen, dass dieses fragen nicht interesse vermittelt, sondern das gefühl nicht dazu zu gehören. dafür bedanke ich mich bei susan dajahangard und jean-pierre ziegler! –  Brigitte Katt


Leserbrief zu „Der Fluch des Talents“ von Hans Ulrich Gumbrecht

Bezüglich Risikofreudigkeit gibt es an Ihrem Essay nichts auszusetzen, und mit einer Mannschaft, in der John F. Kennedy und Fidel Castro neben Cristinao Ronaldo und Lionel Messi auflaufen, haben sie ein beeindruckendes Team ins Feuilleton der ZEIT gestellt.

Es fehlt allerdings die Treffsicherheit und die Übersicht. Ihr Satz „Wenn Deutschland während der vergangenen Jahrzehnte weder im Sport noch in der Politik als eine Nation der Talente glänzen konnte“ knallt den Ball zum Beispiel vom Elfemterpunkt fast turmhoch über´s Tor.

Ich erlaube mir daher, Sie – pars pro toto – an Boris Becker und Michael Schumacher zu erinnern, die hatten ihre Sportgeräte, sich selbst und ihre jeweiligen Gegner so gut und lange unter Kontrolle, dass man ihnen ernsthaft wohl weder das Jahrhunderttalent noch den Welterfolg absprechen kann.

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Beim Abstieg aus Ihrem Elfenbeinturm in die keineswegs bloß „verwitterte (deutsche) Wirklichkeit“ könnte Ihnen (und den verehrten Redakteuren der ZEIT) übrigens auch Philipp Lahm assistieren, der nicht nur auf dem Fußballfeld, sondern auch als – sehr kluger – Kommentator in der ZEIT schon des öfters geglänzt hat.

Folgt man den – erfreulich demütig wirkenden – Ausführungen von Lahm aufmerksam, dann hat neben all den von Ihnen angeführten Faktoren auch immer der Zufall ein Wörtchen dabei mitzureden, ob ein ganz großes Match knapp gewonnen oder knapp verloren wird.

Ob aus einem Jahrhundertalent wie Mario Götze am Ende ein Weltstar wird, das liegt vielleicht schlicht ganz außerhalb der Sphäre dessen, was man ganz allein mit menschlichem Zutun beeinflußen oder gar endgültig bestimmen kann.

Nicht zuletzt die fünf Tore, die der Bayern-Spieler Robert Lewandowski in bloß neun Minuten am 18. September 2015 gegen Wolfsburg geschossen hat, sollten daran erinnern. Die besondere Ironie damals war übrigens, dass just an diesem Tag der VW-Dieselskandal auf allen Titelseiten war.

*

Selbst was Ihre Einschätzung der Talente deutscher Politiker anbelangt, kann ich mich Ihnen nicht anschließen, sehr geehrter Herr Gumbrecht. Obwohl ich annehme, dass Frau Merkel einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet hat, dass die deutschen Autobauer beim Dieselmotor auf Abwege gekommen sind, und obwohl ich wenig Zweifel habe, dass sie sich mit Ihrem Stehsatz „Keine Obergrenzen“ einen  vollkommen entbehrlichen Ausflug ins Grenzgebiet von Größenwahn und Scheinheiligkeit geleistet hat, würde ich Ihr großes politisches Talent nicht absprechen.

Ich finde zudem – obwohl ich dem Gender-Thema meine konzentrierte Aufmerksamkeit nur sehr selten schenke – auch das völlige Fehlen der expliziten Nennung von Frauen in ihrem Aufsatz, der ja doch auf gesamtgesellschaftliche Erkenntnisse abzielt, etwas befremdlich.   – Peter Jungwirth


Leserbrief zu „Sie jagen vor Reykjavík“ von Fritz Habekuss

Ihr Artikel hat mich sehr interessiert, weil ich als Japanerin sehr oft gefragt worden bin, warum die Japaner die Wale essen. Die Frage hat mich immer irritiert, weil das Walfleisch, als ich in den 70er-Jahren geboren bin, schon längst im normalen Haushalt nicht mehr auf den Tisch gekommen ist. Und so bleibt es bis heute. Das Fleisch gehört eher zu den seltenen Delikatessen. Deshalb hätte ich gerne gewusst, wie oft eigentlich Walfleisch von den normalen Isländern verzehrt wird. Ist das im normalen Supermarkt stets vorhanden? Wie viel kostet es im Durchschnitt?

Nach der Lektüre habe ich die Internetseiten von den japanischen Ministerien und Verbänden, die für den Walfang zuständig sind, gelesen. Ihre gesamte Argumentation ähnelt sehr der von Island und sie behaupten natürlich, dass der Walfleischkonsum zur kulinarischen Tradition gehört. Sie zeigen sogar die idealen Zubereitungen und Restaurantempfehlungen. Wenn ich eine gute Gelegenheit hätte, würde ich das Fleisch schon probieren. Was das Meer uns schenkt, wird dankend angenommen, solange der Prozess die Natur nicht gefährdet, so denke ich als Insulanerin.

Hingegen werde ich schon allein beim Gedanken eine Gänsehaut bekommen, wenn ich etwa Rinderhirn essen müßte. Auf welche Dinge zu verzichten, sei es Wal, sei es Schwein, ist eher eine kulturelle-philosophische Frage. Die ethische Frage wird erst gestellt, wenn ein Lebewesen unnötig viel getötet wird und dessen Rest als Müll entsorgt ist. Aber auf jeden Fall müssen sich alle Länder um den Artenschutz kümmern. Nur der Satz, den der japanische Walfangverband geschrieben hat, ist jedoch in mir hängen geblieben; der Schutz eines Lebewesens bedeutet nicht etwa Bedrohung einer anderen Kreatur? Trotz der etwas übertriebenen und teilweise nationalistischen Argumente könnte ich ihnen sogar recht geben. Mit welcher Berechtigung dürfen wir das tun? – Ai Kretschmer-Nakashima


Leserbrief zu „Mode verstehen“ von Marcus Rohwetter

Zeitungsbeilagen zu einer „Sofortrente“ habe ich schon des öfteren gefunden. Ich habe das nie für seriös gehalten, aber jetzt habe ich für meine Vermutung einen eindeutigen Beleg. Nach meinem Verständnis müßte es sich dabei um eine Verlosung handeln. Dabei wären gleiche Losnummern ausgeschlossen. Jetzt habe  ich von BurdaDirect zwei solche Zettel mit identischen Nummern gefunden. Ich weiß nicht, ob das schon einmal Thema war. Wenn nicht, gehört es mit in diese Kolumne. – F. Kronberg


Leserbrief zu „Ohne die Wehrmacht geht es nun mal nicht“ von Jens Jessen

Ich bin sehr selten mit der Meinung, die Sie in Ihren Artikeln ausdrücken einverstanden. Hier kann ich es einmal fast vorbehaltlos sein. Bravo! – F. Kronberg


Leserbrief zu „Störzeichen“ von Ijoma Mangold und Thomas Assheuer

Heute scheint die Kongruenz von Form und Inhalt ohne Belang. Das Kreuz, geradezu DAS Symbol von Christentum und Kirche scheint seinen Bedeutungsinhalt verloren zu haben. [Viele junge Mädchen hängen es sich um den Hals ohne je getauft worden zu sein, geschweige denn die damit verbundenen und zur Schau gestellten Werte näher zu kennen oder gar zu vertreten.] Wie sonst könnte man das profane Humboldt Forum (in dem ja die kaiserliche Kapelle fehlt!) mit dem Inbild des Sakralen krönen?

Eine neue Kuppel (für die Fernwirkung) in abstrahierter Gestaltung (für die Nähe) löst das Problem. (Norman Fosters Reichstagskuppel – tatsächlich von Leonhardt, Andrä & P. – übernimmt auch nur die äußere Silhouette und zeigt damit sowohl die alte Idee als auch die heutige baukünstlerische Leistung.) Für das „Klingen“ der vergangenen Epoche hat man mit den fake facades schon ausreichende Anstrengungen genug unternommen. Die wache Gegenwart hat schon immer für eine Uminterpretation  historischer Formen gesorgt, selbst im geschichtsbegeisterten Historismus des 19. Jahrhunderts, als zeitgenössische Schulen, Krankenhäuser oder Verwaltungsbauten in’s Gewand des griechischen Tempels schlüpften.

Welchen Gewinn hätten wir, wenn ein Neubau des 21. Jahrhunderts (teilweise ja schon im Kostüm des 18. Jahrhunderts) durch eine sklavisch genaue Detailrekonstruktion seinen Charakter als Nachbau-Kompromiss des 21. Jahrhunderts vollends verlöre? Keine europäische Kunstepoche hat darauf verzichtet, ihre eigenen Werte zum Ausdruck zu bringen. Werte sind einem ständigen Wandel unterzogen und es ist also umgekehrt, Herr Mangold:  Die Gestrigen ertragen es nicht, dass einige ehemaligen Werte heute nicht mehr gelten. Seien wir froh um diesen Wandel, der aus protzigen Residenzen oder parasitären Zwingburgen für die Minderheit fortschrittliche Kultureinrichtungen für die Mehrheit macht! Wir bauen ja nicht für gestern, sondern für heute.

Anachronismen werden nicht immer „als unerträglich empfunden“, wie ja gerade die Schlossrekonstruktion zeigt! Mit ihr hat man doch gerade die städtebaulichen Einsichten der Vergangenheit als auch für heute taugliche Weisheit eingestuft. – Dr. Dietrich W. Schmidt


Leserbrief zu „Mehr Luft für den Aufstieg“ von Astrid Herbold, Louisa Reichstetter und Anna-Lena Scholz

Man kann diese zahllosen Studien über die „Bildungsprobleme“ in Deutschland fast nicht mehr ertragen – Krethi und Plethi stürzen sich mit Freude auf dieses Thema. Und das immer gleiche Ergebnis: Unsere Jugendlichen sind benachteiligt wie nirgendwo sonst auf der Welt!

Was soll dieser Blödsinn! Beginnt der Mensch beim Abitur und dem Hochschulabschluss?

Um Himmels Willen – was ist denn daran so schlecht, wenn den Kindern in manchen Elternhäusern kein Goethe und Schiller beigebracht wird – sie dafür ihren Talenten entsprechend gefördert werden und einen handwerklichen Beruf erlernen – vielleicht sogar den des Vaters! Ich bin Bäckerssohn und habe meinen Hochschulabschluss mit Auszeichnung bestanden – dass ich nicht promoviert habe, lag seinerzeit an den schlechten Einstellungsbedingungen in den Schuldienst – ein Termin später und ich wäre mit Doktortitel und Topnoten auf dem Markt für arbeitslose Lehrer gelandet! Und viele meiner promovierten Freunde und Bekannte kommen aus sog. bildungsfernen Elternhäusern!

Wann begreift diese dämliche Gesellschaft endlich, dass Maurer, Kassierer, Schneider und Tischler für unser alltägliches Zusammenleben wichtiger sind als ein Heer nutzloser Akademiker? – Franz Schneider


Leserbrief zu „Die Mittelschicht entlasten! Aber wie?“ von Mark Schieritz

Vielen Dank für diesen Artikel. Endlich mal jemand, der ordentlich mit den Prozentzahlen umgeht. Eine Bitte an DIE ZEIT: diesen Artikel als Leitfaden all jenen geben, die zukünftig über Mittelstand, Armut, Reichtum, Freibeträge, Spitzensätze usw. schreiben. –  Karlheinz Martin


Leserbrief zu „Ohne die Wehrmacht geht es nun mal nicht“ von Jens Jessen

Der wahre Grund, warum „Flinten-Uschi“ (ugs) Helmut Schmidt abgehängt hat,  ist ein anderer: bis heute gilt er als großer Kanzler! Ohne seine militärischen Vorkenntnisse hätte er Hamburg bei der Sturmflut mit Hilfe der Bundeswehr nicht vor größeren Schäden bewahren können. Und welche Kriegsverbrechen hat er denn begangen? Aber Stauffenberg wird geehrt, der war ja „nie“ Wehrmachtssoldat, sondern „nur“ Widerstandkämpfer. Stattdessen macht die CDU von der Verteidigungsministerin einen gewissen Herrn Filbinger zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. War der nicht Marinerichter mit Unrechtsurteilen und hat sogar im Kriegsgefangenlager noch Urteile im Namen der Nazis sprechen wollen. Ich jedenfalls weiß jetzt, dass „Uschis“ Demokratie- und Geschichtsverständnis sehr seltsam ist. Vielleicht sollte sich lieber weiter um Kindergärten kümmern…. – Peter Helbig


Leserbrief zu „Störzeichen“ von Ijoma Mangold und Thomas Assheuer

Als das Berliner Schloss gebaut worden war regierten darin Leute, die meinten ihre Macht von Gottes Gnade erhalten zu haben. Es ist verständlich, dass diese sich ein Kreuz auf die Kuppel setzen ließen. Doch das Humboldt Forum erinnert ja nur äußerlich an das alte Schloss, hat nun aber eine ganz andere Funktion. Diese sind durch eine demokratische Gesellschaft  bestimmt, in der es nun mal eine Trennung von Kirche und Staat gibt. Also, um Himmels Willen – kein Kreuz auf die Kuppel des Forums. Wäre ein Unding für Demokraten und auch ein Missbrauch des christlichen Symbols. Der Berliner Dom steht ja zum Trost für Kreuzfreunde ganz in der Nähe.  – Rainer Lost


Leserbrief zu „Kein Hobby für Bauern“ von Fritz Habekuss

Im Interview „Kein Hobby für Bauern“ sehe ich den Bauernstand beleidigt. Nun ist Maiszüchtung auf dem Niveau des Herrn Karl für keinerlei blöde Menschen geeignet. Aus dem “ mehr als nur ein Hobby für blöde Bauern“ aber in der Überschrift „Kein Hobby für Bauern“ zu machen legt nahe, dass der für die Überschrift Verantwortliche die Bauern für „blöd“ hält. Schließlich findet sich im Text keine Erklärung, warum Bauern an sich für das Züchten hoher Maispflanzen nicht geeignet wären. Ich lese gerne solche kurzen Interviews über exotische Tätigkeiten. Aber bitte ohne abwertende Floskeln. –  Christoph Schröder


Leserbrief zu “ King of Kita“ von Josef Joffe

Es ist nicht nur so, dass 2-jährige realistischer als Trump sind, sondern sogar jeder Fötus ab der 27. Woche ist nachweislich klüger & intelligenter als Trump – sagen Forscher.

Dümmer als Trump ist auf dieser Welt niemand – mit Ausnahme der Journalisten vielleicht, die im Rausch des Trump-bashings und ihrer Lust am grenzenlosen Mobbing jegliches Gespür für Wahrscheinlichkeiten verloren haben und das, was gemeinhin „gesunder Menschenverstand“ genannt wird.

Ich habe gerade ein fünf-Ausgaben-Test-Abo der ZEIT abgeschlossen. Es reut mich! Im Vergleich zu Zeiten Marion Gräfin Dönhoffs ist die ZEIT kaum zu mehr, als zum Fische einwickeln geeignet. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Mehr Luft für den Aufstieg“ von Astrid Herbold, Louisa Reichstetter und Anna-Lena Scholz

Leider hat man den Eindruck, die Autorinnen des Beitrags haben bewusst alle Fehler gemacht, vor denen deren Kollegen neulich in ihrem Artikel über statistische Fehlinterpretationen gewarnt haben. Zweifellos ist der Bildungserfolg in Deutschland auch vom Elternhaus abhängig. Die zitierten Daten belegen das aber nicht, denn hier ist nicht klar, welcher Anteil auf unterschiedliche Begabungen zurückgeht. Dabei wäre es einfach, den Schulerfolg von adoptierten Kindern zu vergleichen, schließlich gibt es keinen Grund, warum von reichen Familien adoptierte Kinder schlauer sein sollten als andere. So hätte man aussagekräftige Daten bekommen. Warum wurde das nicht gemacht? War es Bequemlichkeit? Oder der Wunsch mit dramatischen Zahlen für eine gerechte Sache zu werden? Im letzten Fall muss man fragen: Hält die ZEIT ihre Leser für so dumm? Vor allem weil auch seriöse Zahlen sicher unterschiedliche Chancen zeigen würden, es für statistische Tricks also gar keinen Grund gibt.

Auch die scheinbar höhere soziale Durchlässigkeit in den 1970er Jahren ist vor allem ein statistisches Phänomen. Damals war in der Elterngeneration die Zahl der Akademiker sehr niedrig, viele Jungakademiker hatten Arbeiter und Angestellte als Eltern. Deren Kinder wiederum gelten heute statistisch nicht mehr als Aufsteiger, weil die Eltern ja schon einen akademischen Abschluss hatten. – Tilman Weigel


Leserbrief zu „Über kurz oder lang“ von Henning Sussebach

Selten hat sich bei mir eine anfängliche Skepsis über einen Artikel so schnell in wahres Mitfiebern gewandelt. Der Text dieser zwei körperlich kaum unterschiedlicherer Autoren ist eine erfrischende Herangehensweise an ein selten so missachtetes gesellschaftliches Thema. Als selbst 2m großer Mann kann ich die Gefühle und Gedanken bestens nachvollziehen – plagt auch mich so manches Mal das Gefühl, irgendwie keinen richtigen Platz auf dieser Welt zu haben, wenn meine Beine und der Tisch im Restaurant einfach keine Freunde werden wollen oder ich im Bus gebeten werde, mich doch nicht so auszustrecken im 4er Abteil – obwohl ich einfach nur normal sitze.

Wirklich interessant erschien mir aber der Kommentar von Herrn Sußebach zum Verhalten der Passanten bei Warteschlangen, in denen er steht. Mir ergeht es exakt gegenteilig – als großer Mann scheine ich die Passanten zum Gedanken zu verleiten, bei mir müsse besonders viel Platz zum Durchgehen sein, und so ende ich grundsätzlich als menschliche Furt durch den Fluss. Woran das liegt, hat sich mir bis heute nicht erschlossen.

Jedenfalls: Besten Dank für einen herrlichen Artikel, dem ich einiges an Freude abgewinnen konnte – vielleicht auch nur, weil ich mich wiederfand.  – Tobias Pollmann


Leserbrief zu „Störzeichen“ von Ijoma Mangold und Thomas Assheuer

Der Streit um das Kuppelkreuz am neuen (alten) Stadtschloss in Berlin zeigt wieder auf, welcher Geist bei Grünen und Linken zuhause ist: unüberbietbare Achtsamkeit, wenn es um die Neutralitätsverpflichtung des Staates in Sachen Religion geht. Jede Form christlicher Symbolik im öffentlichen Raum wird penibel unterdrückt. Gleichzeitig kämpft man für den Moscheenbau, für religiöse Essens- und Bekleidungsregeln, ignoriert Konflikte zwischen Christen und Muslimen in Asylunterkünften, feiert die Gettoisierung ganzer Stadtviertel bestimmter Gruppen als Belebung der Kulturlandschaft, stellt die zaghafte Regung der Einheimischen sich ihrer eigenen Kultur zu besinnen bereits als Affront gegen die Gäste hin.

Die Realität zeigt, dass derart asymmetrisch betriebene Protektion von Gruppen nicht integrationsförderlich ist. Bestimmte Ethnien verlachen diesen Staat, der sich seiner selbst ungewiss ist und einen eigenständigen Standpunkt bereits als Akt der Intoleranz betrachtet. Sie sehen in dem vielorts geduldeten Machtvakuum die Aufforderung eine eigene Ordnung nach eigenen, gewohnten Regeln aufzubauen. Statt Integration findet Entmischung statt. Wenn einer Partei das Anbringen eines Kreuzes hintertreibt, darf sie sich nicht wundern, wenn der Wähler auf dem Wahlschein das Gleiche macht.  – G.Bastek    


 

 

18. Mai 2017 – Ausgabe 21

Leserbrief zu „Wie gut sind sie wirklich?“

Ich war etwas bis ziemlich irritiert, als ich Herrn Thielmanns Beitrag über Mouhanad Khorchide las. Wie kommt Herr Thielmann zu der Behauptung, es gäbe von Herrn Khorchide ein neues Buch, dessen Titel fragt, >>Ist der Islam noch zu retten? <<;  und diese Frage in besagtem Buch klar bejaht wird, indem Herr Khorchide 95 Thesen raus „haut“?

Herr Thielmann meint wohl eher die gemeinsame Streitschrift in 95 Thesen, zwischen Mouhanad Khorchide und Hamed Abdel-Samad, welche den Titel trägt: >>Ist der Islam noch zu retten? <<.

Entweder: Herr Thielmann  bezieht sich in seinem Beitrag, allen Ernstes, auf ein Buch, von dem er nicht einmal dessen Cover gesehen geschweige denn gelesen hat.

Oder: Er hat das Buch gelesen und ist der Auffassung, dass die Thesen Abdel-Samads dermaßen halt- und belanglos sind; dass man sie als bloße Bestätigungen der Thesen, des( in den Augen Thielmanns) Überreformators Khorchide, ansehen könne und sollte.

Da ich weder von Khorchide noch Abdel-Samad bislang etwas las, sah ich das oben genannte Buch als gute Gelegenheit mal beide Sicht- und Denkweisen kennen zu lernen, und das Ganze auch noch in Konfrontation zueinander. Es ist kein literarisches Meisterwerk, sondern seinem Zweck nach einfach und verständlich geschrieben. Auch wenn die Form(was für mich so oder so ein primäres Kriterium für ein Argument ist) Abdul-Samads Argumente hin und wieder zu wünschen übrig lässt, hat er meines Erachtens, im Großen und Ganzen doch die stichhaltigeren. Was mich am meisten stört, ist der Titel des Buches der die Frage stellte, ob der Islam zu retten sei. die Frage ob der Islam zu retten sei, suggeriert, dass der Islam an sich gerettet werden müsse, weil er bspw. vom Untergang bedroht sei – was jedoch nicht der Fall ist.

Deswegen streiten sich die Autoren in dem Buch auch darum, ob der Islam reformiert und nicht ob er gerettet werden kann. Genauer, ob es möglich ist eine Lesart des Korans zu etablieren, die(grob gesagt) alle friedlichen und verbindenden Verse im Koran extrahiert, die eher trennenden Verse relativiert und die strikt trennenden sowie feindseligen Verse ignoriert.um seines selbst willens, hat der Islam eine solche Reformation nicht nötig. Eine solche Reformation, ist einzig und allein für die Integration gläubiger Moslems in westliche Gesellschaften zwingend Voraussetzung. Deshalb geht es auch nicht um die Frage ob der Islam zu retten ist, sondern, ob das friedliche und konstruktive Zusammenleben in den westlichen Gesellschaften gerettet werden kann, wenn der Einfluss des Islams in diesen sowie auf diese Gesellschaften zunimmt. – Tobias Meisborn


Leserbrief zu „Geld futsch, Daten futsch“ von Stefan Schmitt

Den Artikel über den WannaCry-Virus habe ich fast schon mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Dem Autor mangelt es offenbar am Fachwissen, denn die vierte und wichtigste „Ebene der Verantwortung“ wurde komplett ausgelassen: der Dilettantismus der Computer-Benutzer. Es gibt nämlich nur einen einzigen Grund, wieso der Virus sich überhaupt verbreiten konnte: mindestens ein völlig unbedarfter Benutzer hat den Link angeklickt, der in der Spam-Flut der vorhergehenden Woche in einem Email mitgeliefert wurde. Solange Handy-Kunden von T-Mobile eine Email-PDF-Rechnung von O2 öffnen, solange Menschen glauben, Sie hätten bei Euro Millions gewonnen, obwohl Sie nie gespielt haben, oder solange sie DHL-Tracking-Infos öffnen, obwohl Sie nichts bestellt haben, solange werden die Computersysteme weltweit in die Knie gezwungen.

Und anders als es der Autor darstellt, können dafür die „Profis“ in den IT-Abteilungen oftmals gar nicht verantwortlich gemacht werden. Was bereits für viele Heimanwender wegen Ahnungslosigkeit ein Problem darstellt, ist für die IT-Abteilung einer Bank bzw. eines Krankenhauses schlicht nicht möglich, nämlich sämtliche Patches von Microsoft und aller anderen Software-Hersteller sofort nach dem Erscheinen zu installieren. Diese Patches sind teils fehlerbehaftet und müssen vor jeder Installation zuerst auf „Verträglichkeit“ getestet werden, und das mit sämtlichen Applikationen und Hardware-Versionen, die im Einsatz sind. Das kostet Zeit, aber es gewährleistet, dass der Benutzer mit seinem PC jeden Tag arbeiten kann, auch wenn das auf Kosten der Sicherheit geht. Wer das nicht beachtet, wird erleben, dass Dutzende oder Hundert PCs nach dem Neustart einen Bluescreen haben – so erlebt vergangene Woche bei einem der aktuellen Windows-Patches.

Der Gesetzgeber wird nicht umhin kommen, irgendwann einen „PC-Führerschein“ einzuführen, denn die Gefahr, die von einem ahnungslosen Computernutzer ausgeht, ist mindestens so gross wie die von einem Autofahrer. Es hat einfach noch keinen Schaden gegeben, der gross genug war, um das zu verstehen. – Andi Pfaff


Leserbrief zu „Die Gut(en)menschen“ von Jochen Bittner und Sarah Schaschek

Mit Ihrem Beitrag in der letzten Ausgabe der „Zeit“ liegen Sie völlig neben dem Thema.

Mit Gutmenschen werden nicht bezeichnet  Kirchentagsbesucher,  nicht Menschen, die sich für Frieden, für Unterprivilegierte, Machtlose, Ausgegrenzte und gegen die anhaltende Ausbeutung und Zerstörung der Natur einsetzen.

Nein, das sind durchaus ehrenwerte und hoch zu schätzende Mitbürger und die sind nicht gemeint mit dem Begriff „Gutmensch“.

Der Gutmensch ist etwas anderes, er/sie  zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

– er/sie definiert alleine , was gut und was böse ist, was richtig und was falsch ist, er/sie lässt sich auf keine Diskussion  über seine Vorstellungen des „Guten“ ein, seine Meinungen und Handlungen sind alternativlos, er/sie duldet keinen Widerspruch und Andersdenkende sind, ohne dass sie angehört wurden, ahnungslos, abgehängt, reaktionär, egoistisch, rassistisch,  rechtsradikal, gelegentlich auch Nazi und vieles mehr. Es gibt aber immer Alternativen und zwar durchaus wohl durchdachte und ehrenwerte!

– der Gutmensch setzt sich für seine guten Ziele niemals selbstlos ein, handelt niemals im Stillen, sondern er/sie sorgt immer für Öffentlichkeit, in der sein Gutsein möglichst hell strahlen soll. Das zeigt sich, wenn Frau Göring-Eckart ein Selfie mit einem Flüchtlingskind von einer griechischen Insel postet, wenn Frau Roth ihren Auftritt auf dem Gezi-Park in Istanbul, wo sie eine völlig nebensächliche und unbedeutende Rolle spielt,  in die Presse drückt oder wenn der Mann aus dem Norden, der ein Schiff zur Rettung von Bootsflüchtlingen im Mittelmeer ausgerüstet hat, seinen Fernsehauftritt inszeniert . Oft agiert der Gutmensch ohne eigenen Einsatz, ohne eigenes Risiko, die Drecksarbeit machen in der Regel die Stillen.

Man kann das alles auch kurz zusammenfassen: Der Gutmensch ist das Sinnbild von Intoleranz, Arroganz und Selbstverliebtsein – Dr. Wilfried Kurz


Leserbrief zu „Schafft er das noch?“ von Bernd Ulrich, Stefan Willeke und Dominik Butzmann

„Wird er es noch schaffen?“ Nee, „so wird das nix, Herr Schulz“. „Warum schwächelt die SPD?“

Eine Antwort dafür finden Sie vielleicht schon in den von mir zitierten Überschriften aus Ihrer Startseite. Leider muss ich mir jeden Morgen wieder einen Artikel darüber durchlesen, wieso die SPD, Ihrer Meinung nach, gerade auf dem absteigenden Ast sitzt. Wenn ich Glück habe, ist auch mal ein Artikel über die AfD dabei – endlich mal Abwechslung!

Mein Kritikpunkt ist nicht Ihre Kritik an der SPD – die Artikel sind alle ausgezeichnet recherchiert und gut lesbar. Ich kritisiere, dass ich mich langweile, wenn ich auf Ihre Startseite gehe. Und das leider jetzt schon seit mehreren Wochen. Kann es sein, dass Sie gerade Artikelrecycling betreiben? Das Gleiche gilt für Donald Trump – jeden Morgen der gleiche Mist…

Dabei haben Sie doch auch interessante abwechslungsreiche Artikel, nur muss man die leider suchen. Der Teilchen-Blog nimmt beispielsweise immer wieder Themen auf, die im Grunde sehr interessant sind. Nur weiter ausgebaut müssten Sie werden…

Bitte, liebe Zeit-Redaktion, ich lese gerne Ihre Artikel! Aber ich möchte nicht jeden Tag das Gleiche lesen. Zeitungen sollten verschiedene Meinungen und Themen abbilden. Nehmen Sie sich das mal wieder zu Herzen und lassen Sie nicht nur Leute mit verschiedenen Meinungen miteinander reden.
Uta Lambrette


Leserbrief zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Jeder der den Begriff nutzt, um sich abzugrenzen oder andere damit zu diffamieren, bezeichnet sich dadurch selbst als „Schlechtmensch“…

Wie blöd kann man sein? – Rainer Brings


Leserbrief zu „Der Rausschmiss“ von Kersten Augustin Und Sebastian Kempkens

Sie schreiben, dass die Vermieter der zweiten Generation das Haus verkauft haben. Ich vermute folgende Ursachen:

  1. mit einer Miete von etwas mehr als 4 € pro m² ließen sich keine großen Rücklagen bilden.
  2. es besteht Unsicherheit über den Zustand des Hauses (vermutlich Altbau) und damit die Befürchtung, dass unerwartet Schäden auftreten, deren Beseitigung die Rücklagen übersteigen.

Schäden, die liegen können

in der allgemeinen Bausubstanz, im Zustand der Wasserleitungen, Abwasserleitungen, im Zustand der Elektroinstallation, im Zustand des Dachs

  1. es sind jetzt schon notwendige Baumaßnahmen bekannt für

Energieeinsparung, Brandschutz, Erneuerung von Böden usw.

Der Verkauf der Wohnung löste für die Besitzer (die vielleicht nur Einnahmen aus Renten haben) alle diese Probleme, zusätzlich verfügen sie über Bargeld (zur eigenen Sicherheit, vielleicht auch für den einen oder anderen Luxus).

Der neue Besitzer übernimmt die Probleme. Das Gerichtsurteil sorgt für Rechtssicherheit – eines unserer höchsten Güter – löst aber die oben erwähnten (wirtschaftlichen technischen ) Probleme nicht.

Wie könnte eine Lösung ohne „Rausschmiss“ aussehen, bei der auch dem neuen Besitzer keine unzumutbaren Risiken aufgebürdet werden? – Gerhard Raible


Leserbrief zur Grafik zum Titelthema: „Wie Gutmensch bin ich?“ von Jochen Schievink und Stefan Schirmer

Sexismus in der ZEIT – Nein, danke!

Ich bin seit vielen Jahren Leserin der ZEIT. Ich schätze die Vielfalt an Meinungen, die kritischen Diskurse, die klugen Beiträge. In der letzten Ausgabe der ZEIT haben Sie einen Test veröffentlicht, der Auskunft darüber geben sollte, ob man/frau sich selbst als Gutmensch einschätzt.

Einige der Fragen habe mich sehr irritiert, z. B. Sie sehen eine Kollegin in engem Rock und auf hohen Schuhen und denken: a) Geil! (6), b) Schon schön, dass Emanzipation und Attraktivität heute zusammengehen.  (3), c) Das dumme Ding. Übt Verrat an 100 Jahren Freiheitskampf. Und weiß es noch nicht einmal. (2).

Für mich handelt es sich um Sexismus pur! Aus diesen Textstellen tritt Feindseligkeit gegenüber Frauen und eine damit einhergehende Abwertung des weiblichen Geschlechts deutlich hervor. Ich hatte gehofft, dass zumindest die ZEIT sich nicht mehr zu solch unwürdigen Beiträgen hinreißen lässt. Es sollte möglicherweise ein witzig-ironischer Beitrag werden, er ist es für mich als Frau nicht. Ich bin sehr verärgert. – Dr. Michaela Köller


Leserbrief zum Titelthema „Die Gutmenschen“

1.Thema Gutmenschen – Pro und Kontra – Zum Text von Herrn Bittner Im Rahmen Ihrer Zeit-Akademiereihe bieten Sie ein Seminar an, mit dem Sie, eine Auswahl von Zeitredakteuren, vermitteln wollen, was guter Journalismus ist, sein sollte oder auch vielleicht könnte. Der Artikel von Herrn Bittner im Rahemn der Gegenüberstellung unterschielicher Positionen zum oben genannten Thema, belegt nicht ganz diese Anspruch.

Damit meine ich nicht das Handwerkliche des Schreibens, sondern die sich entlang von festen Vorbeurteilungen – man kann auch sagen:  Ettikettierung von Menschentypen – im Kreise drehende Argumentation des von Ihnen, Herr Bittner, verfassten Artikels zur Gegenposition. Getreu dem Motto: „Für manche Menschen bedeutet Denken das Ummöblieren ihrer Vorurteile.“, bleiben Sie, Herr Bittner, in Ihrem Artikel, leider in der von Ihnen selbst gewählten „Wohnung“ und schieben Ihre Argumente –  Ihre „Möbel“ – hin und her ohne damit eien überzeugende antwort auf die anstehende Frage/Thematik zu vermitteln.

Das ganze wirkt daher wenig durchdacht und in diesem Vorurteilshinundhergeschiebe nicht erhellend, sondern ärgerlich, überflüssig: Also, entweder besser oder die Spalte leer lassen – zumal ja das Redaktionsteam den  oben erwähnten Anspruch erhebt.

2.Text: „Bei den Helden von Marxloh“ Dürfen Sie mir die Kontaktadresse des Projekts “ Tausche Bildung fürn Wohnung“  übermitteln? Wenn ja, senden Sie Ihre Nachricht an meine oben ersichtliche E-Mail-Adresse.   Dann nichts für ungut! – Hans-Josef Nieder


Leserbrief zu „Merkel, die Instanz“ von Tina Hildebrandt

„Die Kanzlerin steht für Sicherheit“ – diese Behauptung erfordert wahrlich Chuzpe!

Ist hier wirklich die Frau Merkel gemeint, die Massenüberwachung und unsichere Privatsphäre von Anfang an zugelassen hat, die prekarisierende „Austeritätspolitik als alternativlos“ sakrosankt sprach und die mit dem Hinweis darauf, dass „nationale Grenzen nicht gesichert werden können“, zahlreiche moslemische Terroristen ins Land ließ, die seitdem viele Anschläge verüben und die innere Sicherheit destabilisieren?

Vor dem Wahlkampf jetzt bitte nicht schon wieder diese merkelfromme Berichterstattung; es ist einfach zu weit hergeholt. – Dr. André Hempel


Leserbrief zu „Schafft er das noch?“ von Bernd Ulrich, Stefan Willeke und Dominik Butzmann

Der Artikel ist eine interessante Analyse, die von großer Sympathie für Martin Schulz geprägt ist. Wohl deshalb fehlt eine entscheidende Frage, der sich die SPD stellen muss: ob es nicht doch ein kapitaler Fehlgriff war, ihn als Kanzlerkandidaten auszuwählen. – Horst F. Koops


Leserbrief zu „Du siehst aus wie ich mich fühle“

Danke, liebes ZEIT – Team für das wöchentliche Tierfoto „Du siehst aus wie ich mich fühle“. Jede Woche schneide ich das Foto aus und schicke es per Post an die kleine Tochter meiner Nichte. Die Fotos sind so schön und manchmal so lustig, dass es mir nicht reicht, wenn ich sie alleine anschaue. Die zweijährige Lilli freut sich „tierisch“ über diese Überraschung aus dem Briefkasten. Hoffe, dass es noch viele davon gibt. – Andrea Hoferer


Leserbrief zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Das Gute an der Debatte zu den sogenannten „Gutmenschen“ ist, dass sie bald wieder vorbei ist. Betrüblich hingegen wäre, wenn jemand den Eindruck bekäme, Beiträge wie jene von Jochen Brittner oder Sarah Schaschek hätten das Thema bereits in seiner Tiefe und Breite im Wesentlichen ausgelotet. Rational und fast zynisch der Eine, emotional und fast frömmelnd die Andere.

In Wirklichkeit ist das Menschenbild ein zentraler Dreh- und Angelpunkt unserer Gesellschaftskonzepte. Auch wenn heute auch christlich inspirierte Kreise vielerorts wertvolle menschliche Arbeit leisten: die christlich-abendländische Tradition hat in ihrem Kern ein sehr pessimistisches Menschenbild.

Psychologie, Soziologie, Hirnforschung und Sprachwissenschaft haben jedoch hinlänglich gezeigt, dass der Mensch ein zutiefst gutmütiges und soziales Wesen ist und dass schädigendes und asoziales Verhalten eine Folge von Irritation und Not ist. Moralische Empörung und marktschreierische Forderungen haben derzeit weltweit Konjunktur, sind aber im Grunde bloss phantasielos.

Nicht weil sie einer bestimmten Moral anhängen oder weil sie berühmt werden wollen, kümmern sich Grossmütter um Enkelkinder, gründete Daniel Barenboim ein grenzüberschreitendes Orchester, hat Alexander Fleming die Entdeckung des Penicillin der Öffentlichkeit ohne Profitinteresse zur Verfügung gestellt oder helfen Abertausende weltweit Flüchtlingen und Menschen in Not, sondern rein aus dem Gefühl und dem Bewusstsein, ein Mensch zu sein: aus Mitgefühl.

Haben vielleicht jene, die nicht so grosszügig sind, ein Interesse daran, die Grossherzigen zu verunglimpfen? Das wäre zu bedauern. Womöglich liegt aber gar kein Konflikt vor, ausser die Kirchen und die Ökonomen hätten Angst davor, ihr Meinungsmonopol zu verlieren. Vermutlich wäre das aber für die Menschen insgesamt gesünder. – Dr. Peter H. Boller


Leserbrief zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Gutmensch, du bist – ganz im Gegensatz zu Mephisto – „ein Teil von jener Kraft, die stets das“ Gute „will und stets das“ Böse „schafft“ – wenn du die denkbaren fatalen Folgen deines gegenwärtigen, vermeintlich moralischen Handelns für die Zukunft ausblendest, wenn du den Leitsatz aller verantwortlich Handelnden mißachtest: quidquid agis, prudenter agas, e t  r e s p i c e  f i n e m ! – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu “Vielfalt der Pflege” von Marcus Rohwetter

Kompliment zur Analyse der Crême. Kompliment an jene Köpfe, die erkannt haben wie Menschen denken, fühlen, handeln und genau maßgeschneidert diesen Konsumenten die Befriedigung ihrer Bedürfnisse ermöglichen. Siehe Motivforscher Ernest Dichter. Das gilt für den Gottesdienst, das Popkonzert, das Handy, den Film, den Sport, Guide Michelin, Gault Millau, die Festspiele, die Mode, bis zum Auto. Die Menschen sind nun mal so. Übrigens: die Rezeptur für die Tages- und Nacht-Crême gegen Volksverdummung ist noch immer nicht erfunden. – Johann ERNST


Leserbrief zu „Schafft er das noch?“ von Bernd Ulrich, Stefan Willeke und Dominik Butzmann

Vor lauter Freude, den Vizekanzler-Kandidat endlich los zu sein, jubelten die Genossen den einfachen Buchhändler aus Würselen mit 100 % in den Himmel.

Ganz schön naiv zu glauben, dass der Wähler jetzt überzeugt wäre, man kümmere sich ab sofort um die Belange der hart arbeitenden ärmeren „kleinen Leute“ und um die Beseitigung der Ungerechtigkeiten bei Mieten, Renten, EEG, HartzIV usw.

Was der eine in Berlin bisher nicht versuchte, hat der andere in Brüssel stets vermieden und der Wähler hat auch nicht vergessen was der ehemalige SPD- Vorsitzende Franz Müntefering eins sagte: Es ist sehr unfair die Politiker an ihren Wahlaussagen zu bewerten. So isses. – Anonymer Leser  


Leserbrief zu „Wie empfinden wir Schönheit?“ von Christoph Drösser

Es ist sehr erfreulich, dass die Forschung Kants Ästhetik „bestätigt“. Aber von einem „verkopften Königsberger“ Philosophen zu reden ist Unsinn.  So schrieb er in der Kritik der Urteilskraft (AA V, 467-468):  „Allein meinen, daß es reine, ohne Körper denkende Geister im materiellen Universum gebe … heißt dichten … Ein solches Ding ist ein vernünfteltes Wesen …, kein Vernunftwesen …“  Schon in der Kritik der reinen Vernunft schrieb er (B 75): „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind,“ und er betonte, wenn wir etwas richtig verstehen wollen, müssen wir immer zuerst und so ausführlich wie möglich mit der „mechanischen“ Erklärung beginnen (s. KU AA V, 377-378, 415, 418, 429), weil es ohne eine materielle Welt kein Verständnis gibt (s. Metaphysik Mrongovius (Göttingen:  VI/II, 869). Dass Kant „seine … Studierstube praktisch nie verlassen hat“ und deswegen mit dem „Psycho-Labor“ gefremdelt“ hätte, steht im Widerspruch zu seinen ersten Schriften und seiner Lehrtätigkeit. Während seiner gesamten Karriere hat er Mathematik und Naturwissenschaften gelehrt und wissenschaftliche Entdeckungen von erstem Rang gemacht (s. Volker Gerhardt, Immanuel Kant. Vernunft und Leben (Stuttgart [2002]: 35-37). Zwar betonte Kant, dass wir nicht allein durch Öffnen unserer Augen die Wahrheit sehen können. Wir müssen auch Elemente, die nicht mit den Erscheinungen selber gegeben sind, hinzufügen, um etwas zu verstehen (z.B. ein kohärentes Begriffssystem wie in der Mathematik) und zu handeln (wie z.B. moralische Maxime). Aber das bedeutet nicht, dass Verständnis keine Erfahrung braucht. – Douglas McGaughey


Leserbrief zu „Roh, kraftvoll, intensiv” von Ijoma Mangold

Ein Interview mit erfrischend klaren und einfachen Antworten von Karl-Ove Hausgard, um das Werk von und den Maler Edvard Munch besser zu verstehen.

Eine besondere Bitte dazu, zugegeben, ein bisschen weit hergeholt:   Ist es möglich von dem Bild  Maler an der Hauswand  einen farbigen Druck bis max. DIN A 4  aus Ihrer Druckvorlage zu bekommen ?   Grund meiner Bitte: Als sog. „Pate im Ehrenamt“ bereite ich im Moment den 18. Geburtstag eines aus Guinea Geflüchteten vor. Er hat das große Glück, Praktikum und Ausbildung nach dem Schulabschluß im Beruf Maler und Anstreicher zu bekommen.   Das Bild von Munch würde seiner Geburtstagsmappe beziehungsreich bereichern.   Kosten ? Evtl. für Postversand in starkem Couvert „Nicht knicken“ –  Hartmut Wagener


Leserbrief zur Grafik zum Titelthema: „Wie Gutmensch bin ich?“ von Jochen Schievink und Stefan Schirmer

Ich möchte eine Anmerkung zu dem Quiz „Wie gutmensch bin ich?“ in der neuen Ausgabe der Zeit vom 18. Mai machen, da ich als regelmäßige Zeit-Leserin – online und print – geradezu schockiert über die Qualität und die Assoziationen war, die darin gemacht wurden! Als eine seriöse Zeitschrift, die das Quiz auch noch ausgerechnet im Wissensteil angesiedelt hat, hätte ich erwartet, dass man eine Differenzierung zwischen dem Willen, etwas zu verbessern, und Klischees, die das einfache Schubladendenken vorantreiben und unterstützen, schaffen kann. Darin sehe ich nicht nur Sie als Informationsmedium diskreditiert, sondern auch einen Wert, für den Sie bisher für mich einstanden, verletzt, nämlich den Versuch, verschiedene Perspektiven auf eine respektvolle Art abzubilden. Ich hatte mir unter diesem Quiz etwas völlig anderes vorgestellt und man hätte es deutlich besser gestalten können, eine derartige Diffamierung von Gutmensch sein mit so wenigen Worten war unnötig. Ein guter Mensch sein zu wollen hat hier einen Anstrich bekommen, der keine andere Schlussfolgerung zulässt als die, dass der Versuch zur Korrektheit (siehe letzte Frage, was gestört hat) lediglich etwas ist, über das man sich lustig macht. Aber vielleicht ist das ja auch das Bild, das Sie erreichen wollten.

Für mich passt es nicht zur Zeit und zu der Vielfalt, die sie sonst meist abbildet und ich möchte hiermit meine Enttäuschung zum Ausdruck bringen. Ich hoffe, ich konnte das Klischee eines „empörten Gutmenschen“ aus der McDonaldsfrage mit meinem „Beschwerdebrief“ hiermit ausreichend für Sie erfüllen. – Alina Krobok


Leserbrief zu „Unsere Soldaten“ von Benedikt Erenz

Ihrem Artikel kann ich vom Fazit her zustimmen. Aber dass die Tradition nur deshalb infrage steht, weil die Wehrmacht Ihren verheerenden Feldzug verloren hat und nicht als Sieger hervorgegangen ist, kann kein Argument sein. Man stelle sich vor, sie hätten gesiegt!!! Grausam!

Also dieser Aspekt hätte unbedingt noch in Betracht gezogen werden müssen! – Jutta Hartlich


Leserbrief zu „Schafft er das noch?“ von Bernd Ulrich, Stefan Willeke und Dominik Butzmann

Es dämmert der „Zeit“, dass Martin Schulz, der „Heiland“ und „Heilsbringer“, bloß ein Strohfeuer entzündet hat. Auf die Frage, ob mit der SPD oder Schulz etwas nicht stimmt, gibt es die Antwort: Bei beiden stimmt etwas nicht. Sigmar Gabriel hat durch seinen Vorschlag, Martin Schulz zum Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten zu wählen, bewiesen, wie wenig es ihn interessierte dass der Präsident des EU-Parlaments durch korrupte Beförderungsbeschlüsse und Prämienzahlungen an Freunde wie Markus Engels und „kritikwürdigen Umgang mit Steuergeldern“ („Das

Parlament“) aufgefallen war. Die SPD-Delegierten, die Gabriel zu 100 Prozent enthusiastisch gefolgt sind, haben sich von Sprüchen („Die SPD wird stärkste Partei. Und ich werde Bundeskanzler“) bezirzen lassen.

Helmut Schmidt hätte den Genossen geraten: „Wer Visionen hat, sollte einen Arzt aufsuchen“. Doch auch in der „Zeit“ wurde die „Die Rückkehr des Politischen“ bejubelt, Schulz „Charisma attestiert“ und Politik „neu gemischt“. Erst später („Der vage Europäer“) wurde hinterfragt, welche Rolle Schulz bei seinem Tingeln durch Europas Hauptstädte gespielt hat.

Außer leeren Versprechungen (Eurobonds) und Begeisterungssprüchen ist nichts entdeckt worden. – Theobald Groß


Leserbrief zu „Masken des Lebens“ von Florian Illies

Jawohl, Florian Illis, das Wehrmachtsbild von Helmut Schmid soll nicht nur in seiner Kaserne, sondern auch in allen anderen hängen mit dem Zusatz „Ihr habt großes Glück, nicht missbraucht zu werden“! Das wäre ein verantwortungsbewusst er Umgang mit der Vergangenheit der Wehrmacht. Es ist eine Schande, wie eine Verteidigungsministerin mit dem Schicksal einer ganzen Generation umgeht, die in den Krieg gezwungen wurde. Immerhin haben unsere Großväter und Väter, soweit sie es gegen das Regime vermochten, soldatische Tugenden hochgehalten,auf die keine Armee der Welt verzichten kann. In diesem Sinne müssen Traditionen weiter gepflegt werden und nicht die Truppe verstört werden.Die Generalität hat dazu anscheinend gar keine Meinung? Sie sind doch auch Staatsbürger in Uniform! – Siegfried Linn


Leserbrief zu „Wo laufen sie denn?“ von Marc Brost et al.

Ich finde die Aussage „Wer die Linke wählt unterstützt die CDU“ eine ziemliche Zumutung. Gerade nach 8 Jahren großer Koalition, da kann sich jeder SPD-Wähler an die Nase fassen. Bei dieser Partei habe ich das Gefühl dass man seit Jahren versucht nichts falsch zu machen um irgendwie an der Macht zu bleiben. Aber außer den Stammwählern kauft das langsam keiner mehr ab. Dann wegen mir sogar vier weitere Jahre Merkel-Imperium.

Aber den Vorwurf der Unterstützung lasse ich nicht gelten. Der trifft auf Artikel wie diesen hier zu, oder im Zweifel auf SPD, FDP und die Grünen auch. – Michael Marquardt


Leserbrief zu „Masken des Lebens“ von Florian Illies

Florian Illies offenbart Wunschdenken, wenn er Geschichtsklittung bzw. Übermalen unserer Vergangenheit darin sieht, in einer Kaserne ein Helmut Schmidt-Foto in Wehrmachtsuniform abzuhängen – das seiner Meinung nach doch grade zur Auseinandersetzung mit dessen Weg zum Demokraten bzw. unserem Aushalten solcher schmerzenden, lehrenden Bilder der Vergangenheit beitrage. In seinem Fall, in meinem Fall, bei zig-tausend anderen – ja!

Aber ich bin mir recht sicher, dass in etlichen Kasernen heimlich stramm gestanden wird vor solchen Aufnahmen und es Helmut Schmidt hoch angerechnet wird, dass er „als junger, noch unverbogener Mann“ für die deutsche Sache angetreten sei. Das ist nicht typisch für unsere Soldaten, sondern drückt genauso die Einstellung vieler „unbescholtener“ Mitbürger aus, die sie im Bewusstsein äußern, einer der wackeren Streiter gegen die Political correctness zu sein.

Im zivilen Umfeld finden sich zum Glück genügend Leute, die Gegenposition beziehen. Aber im Kasernenleben? Abhängen, solche Bilder! Passendere Formen finden, um die Auseinandersetzung mit früheren und heutigen Strammstehern neu aufzunehmen!   – Dr. Christa Fischer


Leserbrief zu „Schafft er das noch?“ von Bernd Ulrich, Stefan Willeke und Dominik Butzmann

„Schafft er das noch?“ – Falsche Frage! Erst für ein unerreichbares Ziel kämpfen und dann aus Pflichtgefühl als Juniorpartner in die Große Koalition mit der CDU? Das schadet der Person Martin Schulz, das marginalisiert die SPD weiter und nützt nachhaltig den Populisten. Es ist alternativlos: Die SPD muss im September 2017 raus aus der Unterstützerrolle für die CDU und rein in die Oppositionsrolle, um sich echt zu erneuern und mit einem überzeugenden Profil als dringend benötigte Alternative 2021 parat zu sein. En Marche ! – Reinhard Koine


Leserbrief zu „Geht vor die Tür!“ von Michael Allmaier

Als Versandhändler mit „echtem“ Ladengeschäft kann ich Ihnen zu diesem Artikel nur gratulieren! Sie sprechen mir aus der Seele…denn wenn ich mich auch als Versandhändler über steigende Umsätze und tolle Zahlen freue, so bin ich dennoch zugleich auch Bürger einer kleinen Stadt  in NRW. Und hier auch kommunalpolitisch tätig. Somit kenne ich die Probleme von Handel und Politik und sehe das Sterben des Handels vor Ort. Gerade in kleineren Orten ist eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt worden welche nun – durch die rege online Bestelltätigkeit der Kunden – noch mehr Dynamik bekommt.

Und es gibt nur einen der diese Spirale stoppen kann: der Kunde, unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger. Nur wer vor Ort einkauft engagiert sich auch für seine Heimat, sorgt dafür das die Stadt lebendig bleibt. Und zwar nicht lebendig durch Paketboten auf der Straße sondern durch Menschen und Begegnungen auf Straßen und Plätzen. – Martin Achatzi


Leserbrief zu „Masken des Lebens“ von Florian Illies

Die Reaktion auf vereinzelte rechte Umtriebe in der Bundeswehr in dieser Form halte ich für überzogen. Als wir in den 70-ger Jahren auf dem Flur meiner damaligen Kaserne, von einer Platte mit dem Radiobeitrag Hitlers „Ab 05.45 Uhr wird zurückgeschossen“ geweckt wurden, hielt ich dies für einen makarberen Scherz. Reaktionen der Vorgesetzten gab es nicht, denn es waren junge Unteroffiziere, die sich diesen Spaß erlaubten. Rückblickend muss ich sagen, vielleicht hätten dies Offiziere zum Anlass nehmen müssen, um mit uns über das Dritte Reich zu sprechen, statt in Einweg-Kommunikations-Veranstaltungen der Politischen Bildung Soldaten zu langweilen.

Trotzdem entstand in dieser Atmoshäre die Idee zur Gründung einer Kompaniezeitschrift der Fernspähkompanie 100 mit dem Titel „Oculus Excercitus“. Mein erster Artikel setzte sich mit der noch fehlenden Wahlberechtigung von uns 18-Jährigen auseinander. Wir wurden mit 18 Jahren eingezogen, durften aber erst als 21-Jährige wählen. Dies war der Beginn meiner politischen Sozialisation. Wir sollten heute, statt Bilder zu verbannen, Soldaten ermutigen den politischen Diskurs, zwischen der Situation der Wehrmacht damals und dem was ehemals mit dem Begriff „Bürger in Uniform“ beschrieben wurde, zu führen. – Peter Voß


Leserbrief zu „Die mächtigste Schule der Welt“ von Roman Pletter

Der Artikel geht gibt einen hervorragenden Einblick in die Macht der amerikanischen Ökonomen. Die Schüler des Nobelpreisträgers Robert Solow besetzen viele wichtige Stellen der Finanzwelt. „Eine Idee hält sie zusammen. Aber was, wenn sie falsch ist?“

Dazu ein kurzer Kommentar:

„Einkommen (Output) ist eine Funktion von Kapital und Arbeit.“ Dieser Satz von Solow ist die Grundlage der neoklassischen Ökonomik. Aber dieser berühmte Satz ist falsch!

Das lässt sich schnell zeigen: Alle ökonomischen Größen lassen sich entweder vorher (ex ante) oder nachher (ex post) bestimmen. Das Einkommen lässt sich nur „ex post“ bestimmen, man kann seine Steuererklärung erst am Ende des Jahres abgeben. Dagegen ist eine Funktion „ex ante“ immer berechenbar, wenn man die Werte einsetzt. Da „ex post“ nicht gleich „ex ante“ ist, kann Einkommen nicht eine Funktion (von Kapital und Arbeit) sein! Dieses Resultat bedeutet eigentlich das Ende der neoklassischen Ökonomik. Aber die mächtigste Schule der Welt kann dies Ergebnis leicht ignorieren, abweichende Resultate werden vom Mainstream nicht wahrgenommen. Sie könnten die Macht der mächtigsten Schule der Welt erschüttern.

Dabei ist die mathematische Korrektur relativ einfach. Mikroökonomik und Finanzwesen arbeiten erfolgreich mit statistischer Mathematik, weil die „realen“ und „wahrscheinlichen“ Größen der Statistik genau den ökonomischen Begriffen „ex ante“ und „ex post“ entsprechen.

Makroökonomik basiert auf Differenzialrechnung. Der Satz von Solow führt zum Widerspruch, weil die ökonomischen „ex ante“ und „ex post“ Größen nicht durch die mathematisch entsprechenden „exakten“ und „nicht exakten“ Differenziale beschrieben werden. Diese Mathematik ist in der Makroökonomik unbekannt. Auch die mit diesen Differenzialen verknüpften Größen „Gradient“ und „Rotation“ findet man in keinem Lehrbuch der Makroökonomik. Dabei führt der Gradient (das Gefälle) des Wohlstands zurzeit zum Flüchtlingsstrom nach Europa, und die „Rotation“ ist die Grundlage für den Kreislauf der Wirtschaft, dem zentralen Problem der Makroökonomik.

Ökonophysik ist eine neue Disziplin, welche Ökonomie mit physikalischen Methoden untersucht.

Sie erklärt die „Rotation“ am Beispiel des Kreislaufs von Motors und Wirtschaft. Der Motor benötigt zwei Niveaus, heiß und kalt, die periodisch durchlaufen werden. Je größer die Temperaturdifferenz ist, umso größer ist seine Effizienz. Auch der Wirtschaftskreislauf durchläuft zwei Niveaus, er muss immer billig produzieren und teuer verkaufen. Je größer die Differenz der Niveaus ist, umso größer ist die Rentabilität. Ein gut laufender Motor wird immer heißer, in einer gut laufenden Ökonomie nimmt die Effizienz, die Schere zwischen Arm und Reich, immer zu. Auch die verschiedenen Staatsformen sind Feineinstellungen der Niveaus. Ein starker Motor mit großer Niveaudifferenz entspricht dem Kapitalismus, ein schwacher Motor mit geringer Niveaudifferenz eher dem Sozialismus. Wenn im Kommunismus die Niveauunterschiede verschwinden und das Proletariat das Kapital besitzt, geht die Effizienz auf null und der Wirtschaftsmotor bleibt stehen, wie bei einem offenen Kühlschrank, bei dem sich warm und kalt vermischen.

Solange Wirtschaft und Motor ruhig laufen, braucht niemand einzugreifen. Aber wenn Motor oder Wirtschaft bocken, muss der Mechaniker bzw. der Staat wissen, was zu tun ist. Hier hat die Salzwasserschule Recht und Solow und seine Schüler haben reichlich praktische Erfahrung. Aber diese Erfahrung muss auf einem wissenschaftlichen Fundament beruhen, nur dann können wir sicher sein, dass die Reparatur des Wirtschaftsmotors auch gelingt. – Prof. Dr. Jürgen Mimkes


Leserbrief zu “So süß ist das Verderben“ von Jan Schweitzer

Sie führen in Ihrem Artikel die WHO an, die eine Zuckersteuer fordert und finden das eine gute Idee – vorausgesetzt, dass „gesunde“ Lebensmittel von der Steuer befreit werden. Ich würde von Ihnen gerne wissen, nach welchen Kriterien Sie ein Lebensmittel als „gesund“ beurteilen und ab wann ein Lebensmittel ungesund ist.

Ferner zitieren Sie eine Untersuchung, nach der die Preise für Softdrinks seit 1990 deutlich gesunken sind im Vergleich zu Wasser. Welche Lebensmittel sind nicht billiger geworden in diesem Zeitraum? Mineralwasser bekommt man auch schon für 19 Cent pro Liter. Und wer sagt, dass die Leute vermehrt zu Soft Drinks greifen, seitdem sie angeblich mehr Geld im Portemonnaie haben? Kaufen sie nur zuckergesüßte Soft Drinks? Die Lights und Zeroes haben einen dramatischen Erfolg in den letzten 20 Jahren gehabt.

Seit 1990 trinkt die Welt nicht einfach nur schwarzen Kaffee, sondern man sieht viele Leute mit Bechern voller Latte Macchiato oder Cappuccino durch die Gegend eilen. Milch hat eine ganze Menge Kalorien, mehr als eine vergleichbare Menge Soft Drink. Der Kalorienbeitrag aus diesen Getränken spielt komischerweise in der Diskussion über Übergewicht gar keine Rolle.

Geärgert habe ich mich über die Überschrift. Sie ist einer Bild-Zeitung würdig, aber nicht einer Zeit. Zum Glück fand ich dann im Magazin die sehr persönliche Verteidigung des Zuckers von Matthias Stolz. Ein erfreuliches Kontrastprogramm. – Dr. Bernd Sumfleth


Leserbrief zu „Versteckte Schuld“ von Peter Dausend

Vielen Dank für ihren Artikel zu dem abgehangenen Bild in der Bundeswehrhochschule, Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform. Seit Februar 2017 beschäftigt mich das Thema „Wehrmachtspropaganda im öffentlichen Raum der Gegenwart“.

Hier einige Informationen zur Erläuterung.

In der Wallfahrtskirche Kappl (http://kapplkirche.de) sahen wir im Rahmen einer Studienreise das Fresko der Gottessohn-Halbkuppel von Oskar Martin, Amorbach. Seit 1940 werden dort die Soldaten in Wehrmachtsuniform und die Werke der Barmherzigkeit dargestellt. Ich bin der Meinung, dass die Darstellung „deutscher Soldat reicht dürstenden Kriegsgegnern seine Wasserflasche“ nicht unkommentiert in unsere Gegenwart passt.

Nachdem in Bayern die Denkmalpflege in die Zuständigkeit der jeweiligen Regierungsbezirke fällt, habe ich mich an die Regierung der Oberpfalz gewendet.

Am 10. März 2017antwortet der zuständige Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz Dr. Appl:

„Dr. Schüller   versucht darin eine Interpretation des von Ihnen angesprochenen Bildes“ Die leiblichen Werke der Barmherzigkeit“, die für mich weitgehend nachvollziehbar klingt. Ihre Reaktion auf das Gemälde war eine andere, wobei ich bei der Interpretation der von Ihnen angesprochenen Szene „deutscher Soldat reicht dürstenden Kriegsgegner seine Wasserflasche“ zwar durchaus den nationalsozialistisch geprägten Maler Martin-Amorbach erkenne, allerdings doch bemerkenswert finde, dass 1940, also schon mitten im Krieg, ein Soldat dargestellt wird, der seinen Feinden die Wasserflasche reicht.“

Am Ende des Briefes schreibt Dr. Tobias Appl:„Ich stimme Ihnen zu, dass es wohl sinnvoll wäre, diese Bilder für die Besucher der Kappel besser zu erschließen und zu erklären. Hier besteht sicherlich noch Nachholbedarf. Die Auseinandersetzung mit einer solchen Kommentierung und die Gestaltung etc. liegen allerdings in der Zuständigkeit der Pfarrei Münchenreuth, zu der die Kappel gehört.“

Wenn im halbprivaten Teil der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr“ das Bild „Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform“ entfernt wurde, wie gehen wir mit der Kunst in einer öffentlichen Einrichtung, vor allem in einer Wallfahrtskirche um?

Ich meine, die kritische Auseinandersetzung mit dem Künstler, seinem Schaffen und zu Form und Inhalt des Gemäldes sollte selbstverständlich und der Öffentlichkeit deutlich, unentgeltlich und an zentralem Ort (im Eingangsbereich) zugänglich sein.

Durch Ihren Artikel machen Sie mir Hoffnung, dass auch über das vorhandene und nicht entfernbare Fresko von Kappl berichtet wird. – Christian Lorenz


Leserbrief zu „Kommt noch ein Aufschrei?“ von Götz Hamann

‚Herr Hamann hat Recht: Man muss in den Gesetzentwurf einsteigen, um ihn nachvollziehen zu können. Allerdings hat er selber es offenbar versäumt, sich hinreichend mit ihm zu befassen. Damit stellt er sich auf eine Stufe mit der  panischen Verlags-Kampagne gegen einen angemessenen Ausgleich der Interessen der Rechteinhaber (z.B. Verlagen) mit denen der Studierenden, Lehrenden und WissenschaftlerInnen.

Dabei bedient er sich – ebenso wie einige Verlagslobbyisten, einer klaren Verzerrung des Textes, den die Bundesregierung auf den Tisch gelegt hat. Für die Nutzung von Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträgen in der universitären Lehre soll sich nämlich im Prinzip nichts ändern: Sie war vorher schon in gleichem Umfang erlaubt. Die Nutzung ist dabei keinesfalls ‚freizügig‘ möglich, sondern es geht um die Zugänglichmachung innerhalb von Seminaren, beschränkt auf die Artikel, die innerhalb der Lehrveranstaltung genutzt werden oder der Nacharbeit des Unterrichtsstoffes dienen. Wie kommt er darauf, dass da plötzlich ganze Zeitungsjahrgänge im Universitäts-Netz landen ? Das ist abwegig und wäre weiterhin  klar gesetzwidrig.

Die Abonnements digitaler Zeitungsarchive für den gesamten Campus wären davon also überhaupt nicht betroffen. Der Missbrauch von Studierenden durch Unternehmenskunden zur Recherche in den von Universitäten bezahlten digitalen Zeitungs-Artikeln ist insoweit auch jetzt  schon möglich. Es ist durch die Reform also kein Umsatzrückgang zu befürchten. Das auf auf Zitate in nachgewiesenen wissenschaftlichen Publikationen beschränkte Archiv der Deutschen Nationalbibliothek wird, wie Herr Hamann ja selbst sagt, nicht frei zugänglich sein. Trotzdem lässt er sich, anders, als ich es von einem seriösen Journalisten erwartet hätte, vor den Karren einer bewusst irrführenden PR-Offensive spannen.‘ – Armin Talke


Leserbrief zu „So gelingt das Leben mit der Burka“ von Eva Weber-Guskar

Gelegentlich überkommt mich beim Lesen auch der ZEIT eine ziemliche Wut über offenbar weitgehend ahnungslose Arikelschreiber. Nun ist es anlässlich des o.g. Artikels von Frau Weber-Guskar mal wieder soweit, und ich habe ein wenig Zeit für die Qualität der ZEIT, weshalb ich mich zu Wort melde, auch wenn ich keine weitere Ahnung von Philosophie habe, außer vielleicht die, die man sich als Religions- und Mathelehrerin so nebenbei erwirbt. Nun zur Sache:

Alle vorhandenen Zehennägel sträuben sich mir, wenn ich lesen muss, dass man ein autonomer Salafist sein kann, nur weil man sich dafür entschieden hat, ein Salafist zu sein, und sich dann vielleicht ein Kochrezept frei aussuchen kann.

Meines Wissens ist „autonom“ keine Näherbestimmung realer Entscheidungen, sondern eine Näherbestimmung der Begründung moralischer Entscheidungen. Reale Entscheidungen nun können nie ganz autonom sein (da kein Mensch unabhängig von seinem Umfeld, insbesondere von seinen Mitmenschen sein kann), und sie können nie ganz heteronom sein (da eine Entscheidung eben vom Individuum getroffen werden muss und von niemandem sonst). Somit beinhaltet die Entscheidung, ein Salafist zu sein, durchaus ein wenig Autonomie, insofern nämlich eine Entscheidung gefällt wurde, aber eben auch Heteronomie, da es eines Umfeldes bedarf, welches das „Salafist-Sein“ als Möglichkeit vorgibt und als erstrebenswert darstellt. Aber dies trifft, wie oben gesagt, auf alle menschlichen Entscheidungen zu, weshalb es nichts explizit Autonomes am „Salafist-Sein“ gibt.

Folglich sollte klar sein, dass es keinen Sinn macht, reale Entscheidungen als „autonom“ oder „heteronom“ zu qualifizieren. Jede Entscheidung enthält, wie gesagt, beide Aspekte.

Somit bliebe, soweit ich gerade sehe, die andere Möglichkeit, dass nämlich „autonom“ eine Näherbestimmung der Begründung moralischer Urteile ist. Hier würde nun kein Salafist für sich beanspruchen, autonom entschieden zu haben oder zu entscheiden, da er eben gerade davon ausgeht, dass er mit seinem Handeln dem allgemeingültigen Willen Gottes folgt, womit er originär heteronom argumentiert. Er wird vielmehr sagen, dass er Salafist sei oder seine Frau schlage etc., weil das dem allgemeingültigen Willen Gottes entspreche.

Wenn nun diese beiden Philosophinnen, also die Rezensentin Frau Weber-Guskar und die rezensierte, noch krass denkschwächere Frau Beate Rössler, sich ihr Gehirn verbiegen, um den Burka-Frauen eine letzte Ehre zu retten, dann verwischen sie den Begriff „autonom“ so sehr, dass davon nichts Sinnvolles mehr übrigbleibt. Vielleicht enthält das Buch von Frau Rössler tatsächlich interessante weitere Gedanken, die hier von Frau Weber-Guskar dargestellten Aspekte des Buches sind aber abstruser Blödsinn. – Angela Gatzoflias


Leserbrief zu “Klauen Chinesen unsere Jobs?” von Petra Pinzler

Der Sonnenkönig Frank Asbeck hat versäumt, zu erkennen, dass es seiner Branche ähnlich wie der Textil-, Stahl o. ä. Industrien ergehen wird, wo, auch unter Mithilfe deutscher Anlagentechnik, in Fernost Produktionsstätten hoch gezogen wurden. Den Verbot des Verkaufs deutscher Fabriken hätte er auch noch fordern können.

Bei der Speichertechnologie hat er trotz seiner Marktstärke nichts anderes gemacht, als zugekauft. Dieser  Batteriemarkt wird jetzt von Fernost und teilweise deutschen Firmen beliefert.

Wer über die Jahre durch das EEG verwöhnt wurde, hat es schwer, um zu schalten. Er ist ganz einfach an sich selbst gescheitert. Dafür kann er jetzt in seinem Schloß in Remagen teuren Rotwein trinken, beides dank EEG. – Christian Heinitz


Leserbrief zu “So süß ist das Verderben“ von Jan Schweitzer

Geht es nicht noch ein bisschen drastischer? Ich finde „Verderben“ an der Stelle etwas blass. Ach nein! Kurz dahinter kommt es ja noch: „Das ist fatal“. Echt jetzt? Diese Katastrophenrhetorik im Zusammenhang mit Cola & Co. ist fehl am Platz und ziemlich drüber.

Die Preispolitik von Softdrinks als „fatal“ zu bezeichnen, ist schon rein begrifflich der falsche Ansatz. Definiert man „Fatum“ nämlich als Götterspruch, kann der Mensch gar nicht anders, als zur Limonade zu greifen, fett zu werden und in der unausweichlichen Folge an allen fiesen Zivilisationskrankheiten zu verenden, die die Natur so in petto hat – es ist ihm ja von den Göttern genau so vorherbestimmt. Nimmt man denselben Begriff in seiner gottlosen Variante, die mehr dem Zufall die Ehre gibt, stößt der böse Softdrink dem unschuldigen Menschen unverhofft zu – quasi unerwartet beim Tatort auf dem Sofa. Egal, in welchem Kosmos man sich eher zu Hause fühlt, beiden ist per definitionem gemeinsam, dass die menschliche Entscheidung darin nicht vorgesehen ist.

Tatsächlich entscheidet der Mensch aber, und zwar eigenverantwortlich und das ist gut. „Fatal“ ist deshalb irreführend und falsch. „Dumm“ oder „unvernünftig“ wäre treffender. Man könnte auch von „kurzsichtig“, „genussorientiert“ oder schlicht „gleichgültig“ sprechen. Wer mag auch von „asozial“, weil die ganzen Diabetiker der Allgemeinheit vermeintlich selbstverschuldet auf der Tasche liegen. Diese Wortwahl wirkte dann aber überheblich oder Oberlehrerhaft und das will man wohl auch wieder nicht.

Jetzt mal ganz ehrlich – warum sollte man denn Wasser trinken, wenn einem die süße Alternative besser schmeckt und man die langfristigen körperlichen Folgen dafür billigend Kauf nimmt? Weil Schreckensbilder auf der Limoflasche sind? Wohl kaum. Ich finde diese Idee zur Umerziehung via Angstpädagogik ziemlich fehlgeleitet. Konsequenterweise müssen wir dann auf die Lenksäule schneller Autos bitte auch zerquetschte Unfallopfer drucken, Süßwaren ebenfalls besteuern, eine Fettsteuer einführen und Sportmuffel mit hohen Krankenversicherungstarifen bestrafen. Die Liste der ebenso unerfreulichen wie sicherlich gutgemeinten Risikohinweise ließe sich endlos fortsetzen. Entsprechende Studien und WHO Hinweise fänden sich bestimmt. Letztendlich ist nahezu alles in zu großen Mengen gefährlich – von Geschwindigkeit über Wasser bis zu freiflottierenden Sorgen.

Übergewicht, Diabetes und Krebs – falls man letzteren ernsthaft in die realistischen Risiken von Softdrinks aufnehmen will – sind Folgen eines Lebensstils, der vor allem durch leicht verfügbare Nahrung und zu wenig Bewegung gekennzeichnet ist. Die Weichen für eine Änderung müsste man tatsächlich zügig stellen und zwar möglichst früh: In der Kindheit. Indem man überall sichere Zonen schafft, in denen sich Kinder frei bewegen können. Weitläufige Verkehrsberuhigte Zonen in Innenstädten, bespielbare Innenhöfe und Schulhöfe, die zur Bewegung animieren, wären ein Anfang.

Vielleicht sollte man Eltern auch daran hindern, ihre Kinder überall hin zu kutschieren und sie stattdessen dazu motivieren, die Brut zu Fuß zur Schule zu bringen. Oder wie wäre es mit einer Computersteuer? Man könnte auch Konsolenspiele, fernsehen und lesen verbieten – Tätigkeiten, die man vor allem sitzend erledigt. Im Gegenzug wäre die Einführung von Wandelboni denkbar – einem geldwerten Vorteil von Denkarbeit im Gehen. Das hat Tradition und regt die grauen Zellen an. Bevormundende Eingriffe in die Entscheidungsfindung oder persönliche Prioritätensetzung per Ekelbild wären dann sicher überflüssig. – Nina le Viseur


Leserbrief zu „Masken des Lebens“ von Florian Illies

Ihren Artikel (ZEIT No.21, „Masken des Lebens“) bezüglich der aktuellen Wehrmachtsdebatte habe ich mit Verwunderung und auch einer gewissen Verärgerung gelesen. Bei mehreren Aspekten müssen und dürfen Sie sich meiner Ansicht nach Kritik gefallen lassen, denn nicht alles was sie dort verfasst haben, erscheint plausibel bzw. zutreffend.

Die Bundeswehr ist dem Sinne nach als Armee gedacht, die die Werte und Ideale der Bundesrepublik repäsentieren und verteidigen soll und damit eine bewusste Abkehr von der Wehrmacht. Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass sich die junge Bundesrepublik in der Debatte einer Wiederbewaffnung im Kalten Krieg sehr schwer mit dem Erbe der Wehrmacht getan hat. Die schmerzhafte Erinnerung, die negative Konnotation, die Verbrechen, die mit dem Begriff „Wehrmacht“ einhergehen, sie sollten möglichst nicht Teil des Neuen sein. Der Bruch wurde gesucht, er war gewollt. Dass zwangsläufig, auch aus Gründen des Mangels an politisch und militärisch unbelasteten Personals, ein Rückgriff auf die Wehrmacht und ihre Offiziere erfolgte, ist ein Problem, an dem die Bundeswehr nach wie vor knabbert. Eine „unbefleckte“ Geburt der Armee wurde angesichts der komplexen Rahmenbedingungen unmöglich. Dennoch ist sie keine Wehrmacht 2.0.

Das große Problem für die „Truppe“ blieb über Jahrzehnte, dass es die Bundeswehr nicht geschafft hat, sich aufgrund des „Gründerstamms“ vom „Dritten Reich“-Duktus zu distanzieren. Rechtes Gedankengut konnte in der Bundeswehr florieren, weil die Rahmenbedingungen dies erlaubten. Die Offiziere der jungen Bundeswehr, als auch etliche Bundestagspolitiker, wie etwa Strauss, taten nachweislich das ihrige, die „Wehrmachtglorifizierung“ in der noch jungen Armee salonfähig zu machen. Sei es durch die Benennung von Kasernen nach den Namen von Kriegsverbrechern des Ersten und Zweiten Weltkriegs (Rommel, Hindenburg, Mackensen u.a.), durch das beständige Singen von Liedern aus der Kaiserzeit und dem Dritten Reich und anderen Aspekten.

Nun ist Helmut Schmidt sicher kein Bürger, der als Sinnbild für Ideale und Verbrechen der Wehrmacht verstanden wird. Sein Konterfei in einer Institution der Bundeswehr abzuhängen ist dennoch angebracht – solange es ihn in einer Wehrmachtsuniform zeigt. Denn Schmidt war in der Bundesrepublik nicht als Wehrmachtsoffizier angestellt, er war dort als Verteidigungsminister tätig – und später als Kanzler. Es wäre daher von vornherein angemessener gewesen, ihn in seiner Funktion als Verteidigungsminister im Foto zu präsentieren. Das wäre historisch korrekter, es wäre schicklicher und würde einmal mehr verdeutlichen, dass die Bundewehr kein Hort für sehnsüchtige Wehrmachtstümelei sein soll und darf. Und es ist ein großer Unterschied, ob in den Fotoalben der Familien Väter und Großväter in Wehrmachtsuniform zu sehen sind oder in Kasernen. Denn letzere sind Institutionen des Staates und verfügen somit über einen politischen Bildungsauftrag, strahlen ein Bild nach außen. Zu diesem gehört es nicht, Wehrmachtstümeleien zu hofieren.

Dass eine nun angeblich erfolgende, kontraproduktive damnatio memoriae forciert werde, die – so, wie behauptet, wie immer – eine Fetischisierung der Vergangenheit erzeuge, die sie verhindern solle, ist zu bezweifeln. Denn eine damnatio memoriae hat wahrlich nicht immer eine Glorifizierung bzw. Fetischisierung einer Epoche hervorgerufen. Ich müchte in diesem Sinne nur auf den Caesaren Nero verweisen, dessen Wirken in der Nachwelt immer noch überaus negativ behaftet ist, und auf König Richard II von England, dessen Regentschaft allgemein nach wie vor als „schlecht“ wahrgenommen wird. Dort hat die damnatio ihre Wirkung voll entfacht. Eine Glorifizierung beider Herrscher ist nicht erkennbar.

Dass Sie die Protagonisten des Kampfes von „Nazis gegen Nazis“, also die Gruppe der Attentäter von 1944 als „größte Helden der Zeit des Nationalsozialismus“ bezeichnen, ist so deplaziert, dass einem die Worte fehlen. Opportunistische Heuchler à la Gördeler, der einem „Lebensraumkrieg“ gegen Russland positiv gegenüber stand und einen Erhalt der Konzentrationslager wünschte, oder Menschen, wie Rommel, denen der Tod tausender Menschen durch seine Hand völlig kalt ließ, derart zu erheben, ist geschmacklos und ein Schlag in das Gesicht all jener Opfer, die wahrlich Einsatz für Humanität, Friede und Toleranz zeigten. Und die diesen Einsatz mit dem Leben einbüßten – etwa in Konzentrationslagern.

Dass der „Vorgang“ nicht Gegenstand eines Leitartikels ist, weil Helmut Schmidt einst Herausgeber bei der ZEIT war, wirkt allen Beteuerungen zum Trotz, unglaubwürdig. Es bleibt ein „Geschmäckle“, dass auf biegen und brechen der Altherausgeber gegen alle Eingriffe und mögliche Vorwürfe verteidigt werden sollte. Alleine schon aufgrund der eindeutigen Befangenheit in der Causa hätte es der ZEIT besser zu Gesicht gestanden, zu dieser expliziten Sache zu schweigen – oder aber unbefangene Kollegen, etwa bei der Süddeutschen Zeitung oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, zu bitten, sich der Angelegenheit zu widmen. So bleibt ein mehr als fahler Nachgeschmack. – Fabian Schindler


Leserbrief zu „Kopfschuss: Glatte eins!“ von Jana Gioia Baurmann

Gut möglich, dass sich Schule immer wieder neuen und auch ungewöhnlichen Inhalten und Methoden öffnen sollte – vielleicht auch den Ego-Shootern. Ich glaube nicht, dass es das braucht, aber das mag an mir liegen. Jedoch würde ich erwarten, dass jemand, der für die ZEIT schreibt, sich einen letzten Rest an Objektivität und Distanz bewahrt anstatt eine Art Werbebeitrag zu etwas zu verfassen, wozu es noch gar keine belastbaren Erfahrungen gibt. Aber von jemandem, der „Kopfschuss: Glatte Eins!“ für eine angemessene Überschrift für den Bereich ´Bildung´ hält, ist das vielleicht zu viel verlangt.

Zuletzt stellt sich mir die Frage, ob man pädagogische Ziele wie Motivation und Konzentrationsfähigkeit bei Kindern so von Werten und Inhalten trennen sollte. Ob wir demnächst ein, sagen wir, rassistisches Kriegsspiel auf den Lehrplan nehmen, wenn jemand herausfindet, dass Schüler nach dem Spielen „besser in Mathe“ sind… – Christian Hafner


Leserbrief zu „Die schweigende Mehrheit darf nicht länger schweigen“ von Heiko Maas

Das Internet ist ein internationaler Raum, als solches wäre es naiv zu versuchen nationale Gesetze dort zu verankern. Dies lässt es selbstverständlich nicht zu einem rechtsfreien Raum verkommen, allerdings sollte die Umsetzung nationalen Rechts von nationalen Behörden für die Bürger der entsprechenden Nation übernommen werden.

Sollte eine Nation in der Lage sein den Plattformbetreibern moralische, rechtliche o.Ä. Interessen aufzuzwingen, so werden auch andere Organisationen dazu in der Lage sein. Die Stärke des Internets liegt aber gerade in der Freiheit, nicht von lokalen gesellschaftlichen oder politischen Normen gegängelt zu sein. Sollten Nationen mit illiberalen Normen das Verbreiten von demokratischen Gedanken, Freiheit sexueller Orientierung oder religiöser Toleranz nicht nur lokal sondern auf den Plattformen, die für Viele den Hauptzugang zum Netz darstellen, unterdrücken, wären große Teile der Errungenschaften der Netzgemeinde augenblicklich vernichtet.

Sollte die rechtliche Lage tatsächlich dazu ausreichen Bundesbürger von gewissen Inhalten unter allen Umständen fernzuhalten ist es also die Aufgabe der Exekutive dies sicherzustellen, indem die Zensur – egal wie moralisch integer die Beweggründe dahinter sind, es bleibt Zensur – auf lokaler Ebene durchgeführt wird. Andere Staaten zeigen dass dies durchaus möglich, wenngleich mMn nicht wünschenswert, ist. Wenn aber andere Gruppen die Grenzen der Meinungsfreiheit und der Strafbarkeit von Aussagen anders legen, hat der deutsche Staat keine Handhabe seine Interpretation dieser Werte weltweit verbindlich umzusetzen.

Gerade in Netzwerken wie Facebook, in denen es oft üblich ist unter Klarnamen zu kommunizieren, dürfte es für Strafverfolgungsbehörden nur geringe Schwierigkeiten darstellen Straftäter zu stellen.

Was das Moderieren von Beiträgen angeht, so bieten die meisten Plattformen eine Community- oder Gruppenstruktur an, in der die Community eigene Moderatoren stellen kann um den Austausch im Rahmen selbstgewählter Richtlinien zu halten. Im Gegensatz zur Idee die Betreiber für diese Zensur einzuspannen – was zusätzlich die Gefahr von übervorsichtigem Löschen aus Angst vor Strafen beinhaltet – ermöglicht dieses Modell Teilgruppen, die mit der vorherrschenden Dialogkultur unzufrieden sind, eigene Subsektionen mir entsprechend angepassten Regeln zu gründen, anstatt vor der Wahl zu stehen entweder unter aufgezwungenen Vorschriften weiter zu diskutieren, oder aber den Diskurs komplett zu verlassen. Dadurch ist es möglich sowohl mit ähnlich Denkenden Ideen auszuarbeiten bzw. Gedankenspiele durchzuspielen, ohne ständig auf Einwände, die das Grundlegende Konzept in Frage stellen, eingehen zu müssen, als auch Diskussionen mit Andersdenkenden zu führen, die durch bessere argumentative und mentale Vorbereitung sowohl fachlich ertragreicher, als auch, durch die bewusste Entscheidung zur Konfrontation, ziviler ablaufen, als es in einem nicht moderierten Umfeld zu erwarten wäre.

Sollten gewisse Konzepte rechtlich geächtet werden, wäre nur noch eine einseitige Debatte möglich und Gegenargumente müssten, ohne vorher durch interne Prüfung verbessert worden zu sein, vorgebracht werden, wobei der Vorteil der von allen Beteiligten gewünschten Auseinandersetzung nicht mehr gegeben wäre und das Argument, unabhängig von fachlicher Qualität, bei Meldung einfach entfernt werden würde.

In den vorgebrachten Bereichen von Hass, Drohungen, Lügen und offener Feindschaft scheint es durchaus sinnvoll nach Lösungen zu suchen, die die Vorteile von Toleranz und journalistischer bzw. wissenschaftlicher Meinungsbildung klarstellen. Aber dies muss argumentativ geschehen und nicht durch das Diktat einer vorherrschenden Meinung, welches die Probleme nur verdrängen, keinesfalls aber lösen würde und die Gefahr birgt, Vertreter abweichender Meinungen ins Abseits zu drängen und somit eine Spaltung der Gesellschaft voran zu treiben. – Adrian Feilhauer


Leserbrief zur Grafik zum Titelthema: „Wie Gutmensch bin ich?“ von Jochen Schievink und Stefan Schirmer

Mit großem Befremden habe ich die Zeit-Grafik im Wissen-Teil zum Thema „Gutmenschen“ angeschaut (Ausgabe Nr. 21).  Ich bleibe ratlos zurück.  Ist das jetzt ironisch gemeint? Wenn ja: Dann bin ich wohl nicht zynisch genug, um diese spezielle Sorte Humor lustig zu finden.  Sollte der Test darüber informieren, was die Zeit-Redaktion von den Menschen hält, die in den Medien oft als Gutmenschen bezeichnet werden?  Wenn ja, haben Sie mich beleidigt.  Meines Erachtens spricht aus dieser Grafik eine Haltung, die sozialem Engagement und Mitmenschlichkeit das Wasser abgräbt. Ein gefährliches Spiel in diesen Zeiten.  – Veronika Chakraverty


Leserbrief zu „Die mächtigste Schule der Welt“ von Roman Pletter

Mann, mann, mann, mann – und das nicht nur, weil die von Pletter dargestellte Ökonomengesellschaft ungefähr so männlich ist, wie die oberen Ränge der katholischen Kirche. Der Autor erweckt den unzutreffenden Eindruck als seien Solow und seine Schüler sämtlich Keynesianer. Wenn dem so wäre, hätte es die Cambridge-Cambridge-Kontroverse nie gegeben, in der die Keynesianer aus Cambridge (GB) den Neoklassikern aus Cambridge (USA) (unter ihnen Solow) nachweisen konnten, dass ihre Ein-Gut-Modellwelten teils auf Tautologien hinauslaufen, teils zu falschen Schlussfolgerung etwa in Bezug auf Arbeitsmärkte führen.

Wirklich beunruhigend ist, dass die wissenschaftliche Schule, aus der diese zweifellos mächtigen Männer stammen, nicht zur Kenntnis nehmen will, dass die Ökonomie eine Sozial(!!)-wissenschaft ist. Ökonomische Prozesse laufen nicht wie von Naturgesetzen gesteuert oder wie eine gut ausgedachte Maschine. Ihre Resultate hängen vielmehr immer von Entscheidungen der beteiligten Menschen ab, über die man begründete Vermutungen anstellen, die man aber nicht sicher voraussagen kann. Keynes war das sonnenklar, weshalb er die Ungewissheit über die Zukunft systematisch in seine ökonomischen Überlegungen mit einbezog. Zu der Begeisterung für ausgefuchste mathematische Modelle, die nicht zufällig Mathematiker und Ingenieure anzieht, passt diese einfache Einsicht allerdings nicht. Eine an Keynes anschließende ökonomische Wissenschaft müsste viel stärker mit den Mitteln der historischen und empirischen Sozialforschung arbeiten als das bis heute üblich ist. – Ferdinand Burghardt


Leserbrief zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Gerade habe ich den Artikel über „die“ Gutmmenschen gelesen. Sie nerven und wir brauchen sie. Wer sind denn die Gutmenschen überhaupt? Sind es die Tierschützer und Menschenrechtler? Oder die, die gut finden, was Tierschützer und Menschenrechtler tun und darum spenden? Oder die, die einfach nur gut finden, ohne zu spenden? Oder die, die von Schützern und Rechtlern genervt sind und trotzdem spenden? Sind es Veganer oder Halbveganer oder Viertelveganer? Gehören Vegetarier überhaupt noch dazu oder sind die schon zu lame? Und was ist, wenn ich kein Veganer bin, dafür aber nicht in den Urlaub fliege? Was ist mit Radfahrern? Christen?

Herr Bittner, warum sollen diese ominösen „Gutmenschen“ eine Gefahr für die Meinungsfreiheit und Demokratie sein? Es sind doch Menschen, die zu einem bestimmten Thema oder mehreren bestimmten Themen eine bestimmte Haltung oder Meinung haben und diese äußern. Ist doch voll im Rahmen von Demokratie. Muss ja nicht jedem gefallen, was z. B. ein Veganer über Tieresser oder Frau Roth über Sylvester in Köln denkt. Und seit wann sind „gutmenschliche“ Meinungsbeiträge diskurstötend? Im Gegenteil, macht doch richtig was her, über Gender, Bio, Feminismus und Co. zu sprechen und zu schreiben. Also wer sich dadurch zum Rechtswählen genötigt fühlt…

Frau Schaschek, „die“ Pragmatiker, Durchblicker, Anpacker und Macher sollen an der Weltmisere Schuld sein? Ich dachte immer, ich wäre irgendwie selber Schuld, wenn ich mir aus reiner Eitelkeit, innerer Leere, Geltungsbedürftigkeit oder aus sonst einem niederen Beweggrund mal wieder eine neue Klamotte kaufe, die so ein „Macher“ für fast nichts in Armerleutehausen fertigen lässt. Da kann ich noch so viel gegen Krieg und Hungersnöte sein. Macht mich diese Einsicht jetzt zum Gutmenschen? Wohl kaum ich habe auf die Verwendung von /- innen verzichtet. – Mark Pufal


Leserbrief zu „Die Gut(en)menschen“ von Jochen Bittner und Sarah Schaschek

Die Verfasserin hat das Problem mit den Gutmenschen überhaupt nicht richtig erfasst. Das Bild, das sie zeichnet: gute Menschen, die still und beharrlich daran arbeiten, Missstände zu beseitigen und die Welt besser zu machen, ist kennzeichnend für die Idealisten, die zwar unverdrossen an ihren Idealen festhalten, aber sich doch halbwegs auf die Realitäten dieser Welt einstellen. Als Gutmenschen werden dagegen die selbstgerechten Eiferer bezeichnet, für die  nur die gute Gesinnung zählt, gleichgültig, welche Folgen und Konsequenzen die Umsetzung ihrer Ansichten haben könnte. Damit eng verbunden ist die Diffamierung aller anderer Ansichten und Meinungen, die dem entgegenstehen.

Die schärfsten Kritiker der Gutmenschen sind daher meistens auch gar nicht die „Macher und Anpacker“, denen sie eher gleichgültig sind, sondern jene große Zahl der gemäßigten Normalbürger, die auch meinen, nach moralischen Maßstäben zu handeln  und das  Gute  im Blick zu haben, aber doch dabei die Realität nicht aus dem Auge verlieren und die Probleme wahrnehmen wollen, an denen sich jedes gesellschaftliche und politische Handeln abarbeiten muss.

Daraus entsteht der Ärger über die Gutmenschen, die eben jede Abweichung von der politisch korrekten und moralisch einwandfreien Gesinnung, wie sie von Ihnen definiert wird, gnadenlos ab -qualifizieren und inhaltlich darüber, dass diese Gutmenschen eine realistische Aufnahmen und Diskussion der gesellschaftlichen und politischen Probleme verhindern, wenn diese ihnen nicht genehm sind, und jeden Versuch dazu wahlweise als rassistisch, fremden- oder frauenfeindlich usw. abstempeln und es damit unmöglich machen, Missstände und Problemfelder überhaupt erst einmal angemessen wahrzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen. Diese Art von Gutmenschentum braucht niemand!

Es trägt nicht dazu bei, Probleme ins Bewusstsein zu heben und wirklichkeitsnah anzugehen – das tun eher die moralisch sensiblen und auf realistische Problemlösungen ausgerichteten Normalbürger – sondern blockiert ihre angemessene Wahrnehmung und Diskussion. – Dr. Hans Gerhard Bergmann


Leserbrief zu „Die mächtigste Schule der Welt“ von Roman Pletter

Schulden? Zinsen entmündigen.

Schulden an sich sind doch völlig uninteressant, erst deren Zinsen wirken! Die Zinsentwicklung der letzten Jahre hat doch einen größeren Einfluss auf den fianziellen Spielraum der Bundesregierung als jede mir bekannt politische Entscheidung der letzten 70 Jahre.

So schnell wie sich der Zinsfuss ändern kann, so schnell kann kein Land seine Schulden anpassen. Vermutlich wurde deshalb im Maastrichter Abkommen die 60% Grenze auf die Schulden bezogen und nicht darauf, welcher Anteil des Haushaltes für Zinszahlungen verwendet werden muss (was viel relevanter ist, aber/weil auch volatiler). Wenn die Zinslast erdrückend wird, dann verliert das Parlament seinen Handlungsspielraum. Was dann passieren kann sieht man beispielsweise in Griechenland. Der Souverän wählt, aber die Regierung ist nicht mehr frei in Ihrern Entscheidungen. Sie kann nur wählen ob sie den Bedingugen der Geldgeber für neue Kredite folgt, oder die Staats-Pleite vorzieht.

D.h. in der Diskussion um Staatschulden sollte es viel weniger um deren ökonomischen Nutzen gehen, sondern vielmehr darum, dass man langfristig die Nachfahren in Ihrer Freiheit beschneidet. Politiker wie Bürger (=Souverän) gleichermaßen. Und mit jedem Schritt ein kleines bisschen mehr. Ein Staat, der immer weiter Schulden macht, verpfändet die Demokratie; ein (zu?) hoher Preis für wirtschaftliche Stabilität. – Sebastian Fontaine


Leserbrief zu „Die Trump-Show“ von Josef Joffe

Die Eigenart, sich um „Deals“ zu bemühen, ist laut Trump genetisch („It’s in the genes“). Der ‘Ad-hoc-Präsident‘ folgt dem wie aus der Pistole geschossenen Muster: Übertreibung, Attacke, nötigenfalls Rückzug.

In seinem Buch von 1987 The Art of the Deal schreibt Trump: „I aim very high, and then I just keep pushing, pushing, pushing to get what I’m after. Sometimes I settle for less than I sought…“

Trumps jüngst ad hoc getwitterte Übertreibung und Attacke gegen die Medien meint, er sei Opfer der größten Hexenjagd („greatest witch hunt“), die es je gegen einen US-Präsidenten gegeben habe. – Frank Müller-Thoma


Leserbrief zu „Masken des Lebens“ von Florian Illies

In Ihrem aktuellen Leitartikel in der Zeit („Masken des Lebens“, Nr. 21 vom 18. Mai 2017, S. 1) schrieben Sie: „Die Fotografie von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform darf nicht einfach abgehängt werden“ und urteilen: „In der aufgeregten Diskussion um die Traditionen der Bundeswehr wäre es das Klügste gewesen, das Foto des ehemaligen Wehrmachtsoldaten und späteren Verteidigungsministers nicht abzuhängen, sondern in jeder deutschen Kaserne aufzuhängen“…

Nun kann man Helmut Schmidt sicherlich einiges zugute halten (ich ihm z.B. seine unverbesserliche Raucherei); seine Beteiligung am Überfall auf die Sowjetunion als Offizier einer Panzer-Division gehört aber sicher nicht zu seinen Ruhmesblättern, und auch wenn dies natürlich nicht totgeschwiegen werden sollte, begreife ich nicht, wie Sie daraus schließen können, eine solche Abbildung sei geeignet für den Schmuck von Bundeswehrkasernen.

Ihr Artikel gipfelt in dem Satz: „Der größten Helden aus der Zeit des Nationalsozialismus, der Widerstandskämpfer vom 20. Juli, gedenken wir in Bildern, die sie in Wehrmachtkleidung zeigen.“ Nun waren diese Herren, unter ihnen radikale Antisemiten und Kriegsverbrecher, mit Hitlers Politik und dem Vernichtungskrieg eine ganze Weile sehr einverstanden gewesen und hatten erst nach Stalingrad kalte Füße bekommen, als sie befürchten mussten, dass es Ihnen selber an den Kragen und die Pfründe gehen könnte; und dann waren sie auch noch zu eitel und feige, ihrem Führer selber eine Kugel zwischen die Augen zu knallen (schließlich wollten sie sich nicht wirklich opfern, sondern nach dem Putsch noch selber groß Karriere machen), und zu blöd, ihn mit ihrem Bömbchen auch wirklich zu erwischen.

Wer solche Typen (und nicht etwa die vielen Widerstandskämpfer in Deutschland – etwa die hingerichteten Mitglieder der „Weißen Rose“ – und den besetzten Gebieten) als die „größten Helden aus der Zeit des Nationalsozialismus“ ansieht, ist wohl selber diesem „falschen Korpsgeist“ verfallen (haben Sie eigentlich „gedient“?), den die jetzige Kriegsministerin nach etlichen Jahren im Amt plötzlich abmahnt und ausmerzen zu wollen vorgibt – voraussichtlich ohne großen Erfolg, denn Militär und faschistische Gesinnung gehören nun einmal untrennbar zusammen. – Anonymer Leser


Leserbrief zum Titelthema „Die Gutmenschen“

VW und Konsorten betrügen millionenfach Kunden, pfeifen auf Umweltschutz, nehmen erhöhte Gefährdung von Gesundheit  und Leben der Menschen in unseren Städten in kauf. Diskutiert wird immer noch unter der Überschrift:  „Schummel-Software“, und geistig wie sittlich verwahrloste Vorstände brauchen nach wie vor keinerlei  ernsthafte Konsequenzen zu fürchten.

Bekommt das Kind eines Hartz IV Empfängers zum Geburtstag  vom Opa ´nen Fuffi zugesteckt, läuft man Gefahr, als Sozialbetrüger entlarvt und von einem einfachen Sach-  bearbeiter des Job-Centers angeklagt und, gewaltenverschränkt, sofort verurteilt und mit Leistungskürzungen  bestraft zu werden, falls diese „Sondereinkünfte“ nicht rechtzeitig erklärt werden.  Solange es solche Schieflagen in der öffentlichen Wahrnehmung und Bewertung gibt, reichen bloße Fakten-  checker nicht aus. Es lesen, leider, nicht alle DIE ZEIT.

Um gesellschaftlich relevante Diskussionen in die  Breite zu bringen, braucht man nicht nur Gutmenschen – man braucht nervende Gutmenschen.  Es ist dabei auch erstmal egal, ob es sich um Selbst-  ernannte oder von anderen so Bezeichnete handelt. Denn fehlerfrei ist sowieso niemand. Wer sich dafür hält,  ist eh ein Arsch – oder Dax-Vorstand.  Jedenfalls sollten Diskussionen auch  hierüber weniger mit Tucholsky („Das  Gegenteil von gut ist gut gemeint.“), sondern eher mit Kant (…das Ding mit dem kategorischen Imperativ)  begleitet werden.  – Claus Marquardt


Leserbrief zur Werbeanzeige: Türkei

Da ich unter anderem einen Lehrauftrag in der Türkei habe, beobachte ich die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes sehr genau. In den letzten Wochen ist mir die Werbeanzeige für die Türkei im Wirtschaftsteil aufgefallen, welche seit zwei Wochen auch redaktionelle Beiträge haben. Leider ist aus den Anzeigen nicht ersichtlich, wer diese Beiträge verfasst hat bzw. von wem die Anzeigen finanziert wurden. Könnten Sie bitte darüber Auskunft geben? – Moritz Botts


Leserbrief zu „Schafft er das noch?“ von Bernd Ulrich, Stefan Willeke und Dominik Butzmann

Spät kommt er – aber er kommt. Nach drei krachend verlorenen Landtagswahlen sieht der zuerst umjubelte Kanzlerkandidat der SPD ein, dass die gebetsmühlenartig wiederholte inhaltsleere Floskel „soziale Gerechtigkeit“ nicht ausreicht um Wahlen zu gewinnen, sondern dass da noch mehr Inhalt sein muss. Es wird zwar immer wieder gesagt, dass die Landtagswahlen eben nur das Land betreffen, dass ist aber nur teilweise richtig. Irgendiwe schwebte über allem doch Martin Schulz und speziell die Wahl in NRW hat er ja vorher schon für die SPD gewonnen gesehen und für sich zur Schicksalswahl erklärt – und dann dieses Ergbnis. Der jetztige Versuch, die innere Sicherheit zu thematisieren kommt sehr spät und ist nur eine billige Kopie des CDU-Programms mit ihrem erfolgreichen Innenminister de Maiziere. Aber warum soll der Wähler die Kopie nehmen, wenn er das Original haben kann? – Helmut Jung


Leserbrief zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Aus meiner Sicht sind Gutmenschen jene die sich selbst dafür ernennen und zu allem Überfluss noch andere Menschen für Ihre hundsgemeinen Zwecke missionieren ? ! Gutmenschen “ echte gibt es Heute nicht mehr “ und solche die sich selbst dazu ernennen sind ein enormer Schaden für die gesamte Gesellschaft und unsere Nachkommen ! ! mit den Gutmenschen läuft es wie mit “ politischer Korrektheit “ das hat man halt für Politiker erfunden die damit alle Bürger zu sich und Ihren scheiß Machenschaften verpflichten wollen ! ? das ist wie CUM – EX wenn Sie bei Cum sind dann sind Sie drinnen, bei Ex sind Sie draußen ! ? was für eine Scheißwelt ist das Heute ? ? – FPJ.


Leserbrief zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Ein kurzes Feedback zu Ihren – wie immer lesenswerten – Worten: Ich bin doch der Meinung, dass Jürgen Todenhöfer eine erheblich strittigere Agenda verfolgt als Claudia Roth oder Beyoncé Knowles – denn für „edle Absichten“ allein betreibt Herr Todenhöfer seine Projekte mit einem äußerst ausgeprägten Sinn fürs Geschäft und einfache, polarisierende Wahrheiten. Von den in Teilen höchst umstrittenen Ansichten und Äußerungen des neuen Freitag-Herausgebers zu Israel ganz zu schweigen.
Ich freue mich auf die neue ZEIT-Lektüre! – David Stellmacher


Leserbrief zu „Schafft er das noch?“ von Bernd Ulrich, Stefan Willeke und Dominik Butzmann

Am 15. Mai 2017 wurde von Katarina Barley der Entwurf eines Leitantrag des SPD-Parteivorstandes versandt.

https://www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Beschluesse/Bundesparteitag/170515_Entwurf_WP_nach_PV.pdf

Zu den folgenden Stichworten Fehlanzeige:

  • Wirtschaftliche Konzentration
  • Kartelle
  • Fusionen
  • Monopole
  • Marktbeherrschung
  • Kartellverbot
  • Entflechtung

Habe ich etwas übersehen ?

So sehr man die Bemühungen der SPD, sich jeweils nach ganz links und rechts abzugrenzen, verstehen könnte, die Ordnungspolitik gehört nicht dazu. Sie ist das Fundament der Sozialen Marktwirtschaft für einen funktionsfähigen Wettbewerb. Nicht zuletzt gegen die Köhler‘schen „Monster“ der Finanzmärkte … – Dr. rer. pol. Rainer Feuerstack


Leserbrief zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Vielen Dank für Ihre Nachricht. Differenzanalysen sind sicherlich das tägliche Brot des Journalismus, und das hilft ja auch für „Schubladen“ und Etikettierungen. Wenn Sie – wie ich – quasi zeitgleich eine Nachricht erhalten (vgl. Anlage), nach der sich vermeintliche „Gutmenschen“ noch für die Rettung von Leben, von Würde, für Versorgung und für Menschenrechte einsetzen, dann wird mir bei Ihrer Ankündigung eines Leitartikels über sog. Gutmenschen eiskalt!

Was ist denn Ihre Alternative? Der nicht-gute-Mensch, das Mittelmaß, der schlechte-Mensch, die Ignoranz? Es gibt mehr unter dieser Sonne als die Auflage und die Verkaufszahlen einer durchaus geschätzten Zeitung! – Dr. Lutz Müller


Leserbrief zu „Masken des Lebens“ von Florian Illies

Es ist mehr als bedenklich, dass die sonst so rational tätige Frau Ursula  v. d. Leyen im Übereifer nach der Verhaftung des terrorverdächtigen Bundeswehr-Offiziers A. alle Bundeswehr-Kasernen mit den Namen von Wehrmachtsoffizieren umbenennen will.

Ich denke an die Henning-von-Tresckow-Kaserne in Hamburg. H. v. Tresckow war der mutigste, der tapferste Widerstandskämpfer bis zu seinem Tod 1944.

„Das Kind mit dem Bade ausschütten“ verändert nicht unsere Vergangenheit. Aber vielleicht ändert ja v. d. Leyen noch ihre Meinung, hoffentlich noch rechtzeitig. Ich habe meinen Vater, Oberst G. Hansen, in Uniform in lieber Erinnerung. Er wurde nach dem 20. Juli 44 von NS-Schergen ermordet. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Der Rausschmiss“ von Kersten Augustin Und Sebastian Kempkens

Es macht sich immer gut, die bösen Kapitalisten an den Pranger zu stellen. Unser Fall ist etwas anders gelagert:

Zu aktiver Zeit haben meine Frau und ich unsere Ersparnisse in den Kauf einer Einzimmerwohnung gesteckt in der Hoffnung, unsere Altersversorgung etwas aufbessern zu können.

Unser neuer Mieter hat aber ein Jahr nach seinem Einzug einfach die Mietzahlung eingestellt. Die Nebenkostenabrechnung bleibt er ebenfalls schuldig. Das heißt, dass er seit mehreren Monaten auf unsere Kosten lebt – Hausverwaltung, Wasser, Heizung, usw.  werden ja weiter von unserem Konto abgebucht. Auf einen Kompromissvorschlag unseres Anwalts – Halbierung des Zahlungsrückstands und freiwilliger Auszug – kam keine Antwort……………

Was bleibt uns übrig, als auf Räumung zu klagen. – Heiner Pabst


Leserbrief zu „Masken des Lebens“ von Florian Illies

Als einer der letzten noch lebenden Zeitzeugen einer schlimmen Zeit deutscher Geschichte und Verfehlungen begrüße ich den unter Betreff genannten Artikel. Ich verweise hierbei auf meine Homepage www.veriweber.de mit dem Untertitel “Zukunft braucht Erinnerung”—> Startseite—> Sturmläuten über der Eifel—> Hitlers Wehrmacht? – Veri Josef Weber


Leserbrief zu „Masken des Lebens“ von Florian Illies

leider verstehe ich den Zusammenhang zwischen ihrer Einleitung und dem eigentlichen Thema nicht. Oder geht es hier nur um

die Synchronozität der Ereignisse in New York und Hamburg?

Jedenfalls können nach dieser Logik die Rekruten sich ja ein Poster von Christoph Waltz als SS-Offizier Hans Landa aus Tarantinos Inglourious Basterds in den Spind hängen oder ein Poster des Films Salon Kitty. Das ist dann ambivalent und die Vorgesetzten können rätseln, ob das geht. Eine prima Lernoption für alle Beteiligten!

Und wenn ein Foto von Helmut Schmidt in einer Kaserne an der Wand hängen soll: Warum nicht als Verteidigungsminister? – Johannes Lenz


Leserbrief zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Gute Menschen sind seltene Tiere und sollten beschuetzt werden.

Warum sie heute selten ist, liegt an den Regeln der Evolution, in denen nicht der Beste, sondern der rauheste ueberlebt. Nun gibt es auch „rauhe aber herzliche“ Menschen, aber diese sind eben auch nur aeusserlich hart – eben um ihre Verletzlichkeit zu verstecken – sind also auch, im Grunde, Gute Menshen – vielleicht sogar mit mejhr Ueberlebenschancen!

Offen gut zu sein ist heute nahezu eine heldenhafte Idiotie, denn es muss notwendigerweise auch den Konflikt mit der Umwelt bedeuten – und die ist immer ruecksichtsloser geworden mit ihren Anspruechen der „Individualitaet“ – im Sinne des „ich (allein) bin zu allem berechtigt!“

Das „allein“ wird zwar oft versteckt hnter der groesseren Masse einer (selbst-)bestimmten Gruppe, und es ist erstaunlich, wie sehr diese vielen „Individuen“ im Grunde leere Masse geworden sind – ein wenig wie, meine Frau sagte mir das, die Miniroecke in England weiland von allen Maedchen als Ausdruck der eigenen Individualitaet und des Selbstausdrucks verstanden wurden – wenngleich sie allgemeine Uniform waren.

Gute Menschen haben eben keine „Mode“, sind nicht „modern“, auch nicht „progressiv“ und „liberal“, sondern, in ihrer Verbindung zum erfahrenen Guten und Schlechten, dem Wissen zugeneigt, wie auch der machbaren Zukunft, und der Offenheit gegeueber allen und allem, das in seinen Wuenschen nicht schaedlich ist. Kurz gesagt: ein Kantianer. – Dr. Joern Boost


Leserbrief zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Beide Autor-en/innen sprechen offensichtlich nicht über das gleiche Thema. Während Herr Bittner sich über schlechte und schädliche Unarten von Mainstreamvertretern beklagt, weist Frau Schaschek zu Recht darauf hin, dass einer Gesellschaft der Beitrag von Menschen, die Gutes bewirken wollen, gut tun kann. Die Beiträge wären interessanter oder vielleicht überflüssig gewesen, wenn sie auf einer gemeinsamen Definition des “Gutmenschen” basieren würden; wie z. B. “Gutmensch”, der Gesinnungsethiker (der eine Verantwortungsethik prinzipiell nicht benötigt) und “guter Mensch”, der Verantwortungsethiker, der vom Ergebnis her denkend die Gesinnungsethik mit einschließt und beide gegeneinander abwägt. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zu „Die mächtigste Schule der Welt“ von Roman Pletter

Es gibt keinen Ökonomie- oder Wirtschafts-Nobelpreis, lediglich einen Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften. Dieser wird nicht vom Nobelkomitee sondern von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften vergeben. Wirtschaft ist weder Naturwissenschaft noch um Frieden bemüht. Sie ist heute ein ausbeuterisches, ungerechtes den Naturgesetzten widerstrebendes System. Alfred Nobel wird sich im Grabe umdrehen. – Martin Novotny


Leserbrief zur Grafik Zum Titelthema: „Wie Gutmensch bin ich?“ von Jochen Schievink und Stefan Schirmer

Wie objektiv (wie versprochen) ist ein Test, wenn keine der vorgegebenen Antworten meinem Empfinden entspricht, ich nur das „geringste Übel“

wählen kann (oft mit der geringsten Punkzahl)? In manche Ausgangssituationen kann ich mich nicht hineinversetzen: ich kann mir nicht vorstellen, doch einmal in meinem (bisher 70-jährigen) Leben in ein Fussballstadion zu gehen; das Canetti-Buch habe ich nicht gelesen, werde ich wohl auch nicht. Manche Themen werden im Test nicht angesprochen (z.B. Müllvermeidung, Flugverkehr). Eine Mutter Teresa bin ich nicht – auch nicht im übertragenen Sinn. Heilig bin ich nicht. In Slums gehe ich auch nicht, allein schon deshalb nicht, weil ich dann in ein Flugzeug steigen müsste – oder auf andere Weise einen ziemlichen Batzen Umwelt verbrauchen müsste.

Fazit: Der Test gehört nicht ins „Wissen“, allenfalls in die Beilage „Z“, wie Zeitvertreib. –  Adolf Ronnenberg


Leserbrief zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Ich bin froh, dass wir in Deutschland Zeitungen wie die ZEIT geniessen können. leider geniesse ich die Topthemen, mit denen Sie um die Aufmerksamkeit Ihrer Leser am Zeitungsstand buhlen immer weniger. Ich frage mich einerseits, wozu stellen Sie derart lapidare Themen  wie z.B „Elternliebe“, „Für immer jung“, „Lügen nach Zahlen“, „Himmlisch schön“ als Ihr prominentes, bestes Kaufargument einer renommierten Wochenzeitschrift an diese Position? Das verstehe ich nicht.

Darüber hinaus finde ich es andererseits auch sehr unglücklich, dass unschuldige ZEIT-Leser mit solchen nichtssagenden Titelgeschichten assoziiert werden müssen. Als hätte ich als „ZEIT-lesender Gutmensch“ keine wichtigeren Interessen in meinem Leben.

Und damit komme ich direkt zum aktuellen Titelthema der Ausgabe Nr 21/2017 „Gutmensch“. Jetzt sogar mit einem einseitigen, illustrierten Selbsttest. Liebe Redaktion, wozu? Für wen? MIt welcher Intention? Soll das lustig sein? Soll das selbstironisch sein? Soll es mich zur Reflexion einladen oder gar informativ? Nichts von alledem. Leider hat es für mich nur eine weitere wertvolle Seite in der ehemals anregenden, journalistisch durchgängig anspruchsvollen ZEIT verschwendet. Dabei ist zumindest die Richtung, in die die ZEIT im letzten Jahr verstärkt geht, konsistent. Denn die Bedeutung und der Mehrwert eines Zeitungsteils wie „moderrnes Leben“ hat sich mir bis heute leider immer noch nicht erschlossen. Wenn der Qualitätstrend so weiter geht, verabschiedet sich die ZEIT schneller als ihr lieb ist vom attraktiven Journalismus, den die ZEIT einmal als Herausstellungsmerkmal aufweisen konnte. – Maic staebler


Leserbrief zu „Versteckte Schuld“ von Peter Dausend

Mein Vater war Jahrgang 1930 und kam zuletzt in die HJ.

Wenn er von dieser Zeit erzählte, bekam er immer ein Leuchten in den Augen und schien um Jahre verjüngt.

Lange habe ich ihn dafür verurteilt, bis ich begriff: das war seine Jugend! Das war seine Zeit, in der er die Welt als Individuum anfing wahrzunehmen.

Nun: dumm gelaufen! Aber kann ich ihn dafür verurteilen, daß seine Jugend mißgeleitet und mißbraucht war?

Dies erkennend konnte ich ihm verzeihen und diese Zeit als Teil seines Lebens sehen (ähnlich wie die seines Namensvetters Helmut Schmidt – sie sahen sich sehr ähnlich)

Die Auseinandersetzung mit der persönlichen Geschichte dieser Menschen in Wehrmacht und später Bundeswehr scheint mir viel wichtiger als das – für mich – bedeutungslose Festhalten am Aushängeschild des „Widerstands“ von 1944 (sic!), der nach meinem Dafürhalten einfach zu spät kam (als sich eben alles als auswegslos erwies!) und somit einfach unglaubwürdig ist.  – Wolfgang Michel 


Leserbrief zu „Schafft er das noch?“ von Bernd Ulrich, Stefan Willeke und Dominik Butzmann

Natürlich hat Martin Schulz Fehler gemacht, die er inzwischen ja auch einräumt, und seine Partei hat sich vom Mitgliederjubel und -zuwachs nach seiner „Inthronisierung“, die allerdings viel zu spät kam, täuschen lassen. Hinzu kommt ein offenbar ziemlich unprofessionelles Wahlkampfteam. Aber man muss Schulz auch Gerechtigkeit widerfahren lassen. Die jetzt so großmäulig geäußerte Forderung an ihn, nun „endlich zu liefern“ und konkret zu werden, verkennt doch die – allerdings von der SPD verursachte – Ausgangslage: Die SPD hat wie „Kai aus der Kiste“ im Januar einen Spitzenkandidaten gekürt, der sich in Brüssel ein hohes Ansehen verschafft hat, aber die innenpolitischen Zusammenhänge in Deutschland seit Jahren nicht mehr aus der Nähe verfolgen konnte wie es ein politischer Mandatsträger im Inland nun mal kann. Dass Schulz damit „aus dem Stand“ von Januar bis September 2017 nicht sofort „liefern“ und „aus allen Rohren“ Merkel mit zahlreichen inhaltlichen Kritikpunkten angreifen kann, versteht sich doch von selbst.

Die Bewerbung um das Kanzleramt in der Bundesrepublik ist doch kein „Lehrlingsjob“ bzw. Anlernberuf. Dazu muss man bereits mit handfester innenpolitischer Erfahrung ausgestattet sein, um mit entsprechenden konkreten Forderungen die Amtsinhaberin angreifen zu können. In dieser Frage muss man Sigmar Gabriel eine Mitschuld geben, zu spät gehandelt zu haben. Es war wesentlich früher als zur Jahreswende 2016/17 erkennbar, dass er keine Chance gegen Merkel haben würde. Aber Martin Schulz kann sie nicht haben, wenn man ihm nur wenige Monate Anlaufzeit gibt, von einer angemahnten „Augenhöhe zur Kanzlerin“ ganz zu schweigen, wie sie von manchen Kritikern gefordert wird.

Besonders geärgert habe ich mich über Schulz-Merkel-Berichten, in denen der populistische Vergleich „Weltbühne Merkel“ und „Provinztheater Schulz“ angestellt wurde und wird. Es ist ein demokratiefeindlicher Vergleich „Merkel auf der Weltbühne – Schulz in den Dörfern“. Merkel ist Bundeskanzlerin und hat ihre Arbeit zu machen, dass das in Wahlkampfzeiten ihr zugute kommen kann, liegt in der (Medien-) Natur der Sache, Schulz würde im umgekehrten Fall ja genauso handeln und davon profitieren. Aber Sätze in den Kommentaren und Berichten wie „Merkel empfängt Macron während Schulz über die Dörfer tingelt“ zeugen von einem merkwürdigen, staatshörigen Verständnis von Demokratie und Wahlen.

Das „über die Dörfer tingeln“ ist, wenn Wahlen anstehen, genauso wichtig wie in der Hauptstadt Regierungschefs zu empfangen, mit denen oft nicht mehr als Kaffee getrunken wird. Ein Martin Schulz muss sich derweil auf den Dörfern so manche konkreten Sorgen der Bürger anhören, die ihn wählen sollen oder eben nicht, wenn seine Antworten im Ungefähren bleiben wie das ständige Reden von der „Gerechtigkeit“ – welche Partei will das denn nicht?

Im übrigen hätte ich Merkel von einer vierten Kanzlerkandidatur abgeraten, eingedenk der unrühmlichen „Kohldämmerung“, offenbar fehlte aber wohl jede ernsthafte Alternative in der CDU – was nicht für die von Merkel geführt Partei spricht. Aber die so dramatisch gewandelte Weltlage mit Trump, Putin und Erdogan lässt Merkel wie einen Fels in der Brandung erscheinen, was wohl viele Wähler genauso sehen. Schulz ist das vielleicht eines Tages auch, beim nächsten Mal – mit mehr Erfahrung. – Wilfried Mommert


Leserbrief zu “ Die schweigende Mehrheit darf nicht länger schweigen“ von Heiko Maas

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine bodenlose Frechheit, geschrieben von einem „so genannten Justizminister“, um einmal eine Anleihe bei Donald Trump zu machen, wobei es sich bei dieser Bezeichnung nach einem der letzten ZEIT-Dossiers um alles andere als einen Fake handelt.

Herrn Maas geht es ausschließlich um Zensur ihm unangenehmer Gegner, was aus mehreren Passagen hervorgeht: es ist ausschließlich die Rede von „Rechts“. Plattformen wie indymedia.org, auf denen sich seit mindestens 10 Jahren regelmäßig Linksextremisten zu Straftaten verabreden, über ihre „Erfolge“ berichten, und auf der sogar zum Polizistenmord aufgerufen wurde, kümmern Herrn Maas nicht – im Gegenteil, diese Plattform wurde sogar früher von Rot-Grün mit Preisen bedacht. Er kritisiert, dass Pornografie automatisch rausgeworfen wird, Wortbeiträge aber nicht.

Ich erkläre ihm gerne einmal, abgestimmt auf einen IQ von 80, wieso das Eine softwaremäßig geht, das Andere nicht – aber Herr Maas sollte eigentlich auch so Berater haben, die ihn auf diese Fake-News hinweisen. Herr Maas verweist auf journalistische Meldungen – doch die sind zwangsweise auch nicht frei von Irrtümern oder persönlichen Meinungen. Das Kollektiv Correctiv beispielsweise hinterfragt vielfach nicht Sachverhalte bei den Urhebern, sondern veröffentlicht eigene Interpretationen als absolute Wahrheit und outet sich so als weitere linke Gesinnungsplattform. Und Herr Maas (nicht etwa ein Richter) bestraft einen Betreiber facebook, wenn dieser (und nicht etwa ein Richter) einen Beitrag beanstandet, sondern irgendein Privatier (und nicht etwa ein Richter). Selbst ein Franz Gürtner, Reichsjustizminister von 1932 – 1942, hat wohl mehr Recht auf den Titel „Justizminister“ als Heiko Maas.

Für die Entscheidung, was justiziabel ist und was nicht, ist in einem Rechtsstaat ein Richter verantwortlich – und nicht ein Konzern, ein Journalistenkollektiv oder ein Politiker. Und wenn ein Heiko Maas durchsetzen will, dass niemand ungestraft gesetzwidrige Hetze betreibt, genügt es, den gesetzlichen Anforderungen des herkömmlichen Rechtssystems auch im IT-Bereich Geltung zu verschaffen: niemand darf im Internet unter einen Pseudonym auftreten. Wenn jeder mit dem echten Namen (und Anschrift) in facebook auftreten müsste, wäre dem Spuk schnell ein Ende bereitet, denn selbst ein Lemur würde es sich verkneifen, „Heil Hitler“ zu schreien, wenn sein Name offen daneben steht. Wobei man aber auch einmal das Strafmaß überdenken sollte, denn für die im Artikel genannten 1,5 Jahre für Verbaldelikte kann man in der heutigen Praxis auch zwei Frauen vergewaltigen oder drei Kinder missbrauchen. Aber darum geht es Politikern wie Maas ja nicht, sondern nur darum, Angriffe auf die eigene Macht effektiv zu unterbinden. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Bitte anschnallen!“ von Jörg Lau

Es mutet beinahe ironisch an, im gleichen Artikel über die Reduktion der Redebeiträge der Staatsoberhäupter beim NATO-Treffen aufgrund der kurzen Aufmerksamkeitsspanne des Präsidenten Trumps zu berichten und im Nachgang demselben Herren hochkomplexe geopolitische Analysen zu unterstellen. Kaum vorzustellen, dass diese Person, die sich offenbar keine fünf Minuten auf eine Rede konzentrieren kann, imstande sein soll,  konkrete Vorstellungen bezüglich der Verwendung von NATO-Truppen hat, die über ein mageres Ziel hinausgehen.

Insofern erscheint es fast, als wolle man ihm mehr zutrauen als er in den letzten 119 Tagen seiner Amtszeit bewiesen hat: Nichts.

Wenn das mal nicht zu viel verlangt ist.. – Tobias Pollmann


Leserbrief Zu „Masken Des Lebens“ Von Florian Illies

Die Aufarbeitung Von Rechtsextremismus In Der Bundeswehr Sollte Transparent, Konsequent Und Umfassend Erfolgen.

Somit Bedarf Jeder Sachverhalt Und Jedes Symbol, Der Oder Das Öffentlich Zugänglich Ist, Einer (Zeit)Gerechten Wie Sachlichen Einordnung Und Kontextuellen Einbettung.

Es Kann Dabei Also Weder Um Etwa Private Erinnerungsfotos, Noch Die Unsinnige Fragmentierung Von Lebensläufen Gehen.

Im Übrigen, Altkanzler Helmut Schmidt Hat Dem Staat Und Der Gesellschaft So Viel Authentisches Und Würdiges Hinterlassen, Das Deutlich Und Bedeutend Mehr Geeignet Wäre, Ins Bild Gesetzt Zu Werden. – Ira Bartsch


Leserbrief Zum Titelthema „Die Gutmenschen“

In Aller Kürze:

Die Subtilste Art, Jemandem Zu Schaden, Ist, Ihn Lächerlich Zu Machen. Ihre Titelseite Macht Gute Menschen Lächerlich. Und Wem Nutzen Sie Damit?

Ich Gehe Davon Aus, Dass Das Nicht Ihre Absicht War – Das Macht Es Aber Auch Nicht Besser. – Susanne Seidel


Leserbrief Zu „Kopfschuss: Glatte Eins!“ Von Jana Gioia Baurmann

Wir Unterhalten Uns Über Politik, Literatur, Kindererziehung Und Wie Wir Uns Dem Moment Gefühlt Haben, Als Wir In DARK SOULS Über Den Wall Geflogen Sind Und Anor Londo Mit Eigenen Augen Gesehen Haben. Wir Bezeichnen Uns Gerne Als Die Neuen Männer Und Die Neuen Frauen, Deren Rollen Gerade Neu Definiert Werden. Wir Spielen Computer Und Sind Längst In Dem Alter Angekommen, In Dem Man DIE ZEIT Liest Und Die Kriegskritik Von SPEC OPS THE LINE Versteht. Metathemen Im Computerspielbereich Sind Spannend, Aber Warum Immer Killerspiele? Warum Nicht Mal Darüber Reden, Ob Gegen Extremrabatte Eine Spielpreisbindung Wirksam Wäre? Und Warum Immer Meta? Uns Würde Auch Interessieren „Was Diesen Winter Gespielt Wird“. Wir Wünschen Uns Die Gleichstellung Mit Anderen Medien Und Die Herausarbeitung Des Alleinstellungsmerkmals „Interaktion“ Durch Die Eine Gefühlstiefe Erreicht Wird, Von Der Man Bei Anderen Kunstformen Nur Träumen Kann. – Elefantenjongleur


Leserbrief Zu „Masken Des Lebens“ Von Florian Illies

Dank Florian Illies Wissen Wir Es Nun Also: Helmut Schmidt Wurde Deshalb Zum Vorbildlichen Demokraten, Weil Er Die Wertvolle Erfahrung Des Dienstes In Der Wehrmacht Genossen Hatte. Und Wen Es Stört, Dass Sein Bild Als Fescher Leutnant Im „Ehrenkleid Der Nation“, Ausgestellt In Einer Bundeswehrkaserne, Ungewollt Die Kontinuität Zwischen Wehrmacht Und Bundeswehr Heraufbeschwört, Der Betreibt Geschichtsklitterung.

Unser Exbundeskanzler Möge Die In Dieser Welt Nicht Zu Beweisende Hypothese Verzeihen, Aber Ich Wage Zu Behaupten, Er Würde Zum Bilderstreit Knurren: „Gebt Den Kram Ins Archiv“ Und Zu Jedem, Der Eine Staatsaffäre Daraus Macht: „Dösbaddel!“ – Michael Fritzen


Leserbrief Zu „Masken Des Lebens“ Von Florian Illies

Welch Eine Hysterie Auf Seiten Der Hardthöhe Und Bei Teilen Der Öffentlichkeit! Wie Lange Noch, Bis Aus Kasernen Und Schulbüchern Auch All Die So Schrecklich „Wehrmachtsverherrlichenden“ Fotos Von Graf Stauffenberg In Uniform Verbannt Werden?

Und Wenn Man Schon Dabei Ist: Sollten Nicht Auch Alle Fotos Von General De Gaulle Oder Präsident Eisenhower In Uniform Aus Dem Öffentlichen Raum Verbannt Werden? Immerhin Stehen Diese Uniformen Ebenfalls Für Armeen, Die Sich Willig Für Massenhafte Kriegsverbrechen In Algerien Und Vietnam Instrumentalisieren Ließen. Müssten Wir Nicht Dringendst Unsere Verbündeten Dazu „Erziehen“, Dass Eine Solche Vergangenheit Nicht „Traditionsbegründend“ Sein Kann, Vielmehr Mit Einer Damnatio Memoriae Zu Belegen Ist? – Dr. Sören Kaschke


Leserbrief Zu „Unsere Soldaten“ Von Benedikt Erenz

Bravo Für Ihr Fazit Am Schluss: Die Bundeswehr Braucht Keinen Neuen Traditonserlass…Sondern Eine Neue Tradition: Diejenigen Zu Ehren Die Als Deutsche Militärs Für Die Sache Der Freiheit, Des Rechts Und Des Friedens, Die Für Unseren Staat Gekämpft Haben.

Sie Sprechen Mir Hier Aus Der Seele. Und Ich Gehe Noch Ein Stück Weiter: Nicht Nur Die Bundeswehr, Sondern Wir Alle Sollten Und Müssen Uns Unserer Freiheitlich, Demokratischen Wurzeln Mehr Bewusst Werden, Diese In Unser Bewusstsein Rufen. Wir Haben Hier Eine Lange Tradition, Wir Haben Unsere Jetzige Demokratie Nicht Erst Seit 1949. Nein, Unser Jetzige Demokratie Hat Ihre Wurzeln Bereits In Der Frankfurter Paulskirche Von 1848, Im Hambacher Fest, Im Mainzer Club Der Demokraten Von 1972! Und Es Gab Viele Freiheitlich, Demokratisch Denkende Männer Und Frauen Die Trotz Unterdrückung Und Verbot Für Diese Grundwerte Gekämpft Und Teilweise Ihr Leben Gelassen Haben.

Nur Sind Wir Uns Dieser Tradition Nicht, Oder Nur In Sehr Geringem Umfang, Bewusst. Und Hier Tragen Aus Meiner Sicht Sowohl Die Medien Als Auch Die Staatlichen Organisationen Und Deren Vertreter, Allen Voran Die Bildungsministerien, Eine Große „Mitschuld“. Unsere Geschichte Wird Allzuoft Nur Auf Die Finsteren Jahre Des Dritten Reiches, Des Kaisereichs Und Des 1. Weltkrieges Und Das „Versagen“ Der Weimarer Republik Reduziert Und An Den Schulen (Meist Mehrfach, In Mehreren Jahrgangsstufen Wiederholend) Gelehrt.

Es Wäre Für Uns Alle Gut, Wenn Sich Der Fokus Auch Und Vermehrt Auf Unsere Positiven Geschichtserfahrungen Mit Freiheit Und Demokratie Verschiebt. Deren Errungenschaften, Auch Wenn Sie Vermeintlich Wieder Untergegangen Sind, Mehr- Und Vor Allem Positiv- Herausgestellt Werden. Und Die Weimarer Republik Nicht Nur Als „Vorbereitung“ Für Den Nationalsozialismus Und Als Reiner Fehlschlag Gesehen Wird. Auch Andere Demokratien (Z.B. Frankeich) Mussten Erst Herbe Niederlagen Hinnehmen Bis Sie Sich Tatsächlich Etabliert Hatten. Nur, So Mein Eindruck, Gehen Diese Nationen Selbstbewusster Und Positiver Mit Ihren Demokratieversuchen Um Als Wir Deutsche.

Von Daher Wünsche Ich Mir Mehr Solcher Artikel, Mehr Aufklärung In Allen Medien Über Unsere Demokratischen Vorkämpfer Und Vergangenheit. Und Ich Hoffe, Dass Dies Auch Bei Unseren Staatlichen Organisationen Einzug Hält Und Wir Unserer Demokratischen Tradition Bewusst Werden, Auf Die Wir Durchaus Stolz Sein Können! – Robert Spiers


Leserbrief Zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Vielen Dank Für Diesen „Punktierten“ Artikel!

Mein Größter Wunsch Wäre Jetzt Noch, Dass Sie Ihre Beiden Artikel In Der Art Kombinieren, Dass Das Gute Aus Beiden Artikeln Zur Symbiose Kommt Und Dann Hoffentlich Alle Menschen Dann So Werden!

Denn Ein Bisschen Recht Haben Sie Meiner Meinung Nach Beide, Aber Nur Die Kombination Von Beidem Hilft Die Beiden Extreme Sich Annähern Zu Lassen – Denn Keiner Kann Ohne Den Anderen! – Joachim Fischer


Leserbrief Zu „Masken Des Lebens“ Von Florian Illies

Als Ehemaliger Soldat Und Absolvent Der Helmut Schmidt Universität (Zu Meiner Zeit Trug Sie Leider Noch Nicht Diesen Ehrenwerten Namen) Bedaure Ich Es Sehr, Dass Herr Schmidt Nicht Mehr Am Leben Ist. Ich Hätte Seinen Kommentar Zu Dieser Traurigen Aktion Zu Gerne Gelesen!! – Joachim Fischer


Leserbrief Zu „Masken Des Lebens“ Von Florian Illies

Meinen Großvater Kenne Ich In Der Tat Hauptsächlich Von Fotografien, Die Ihn In Wehrmachtsuniform Zeigen Und Ich Käme Auch Nie Auf Die Idee, Diese Bilder Aus Den Familienalben Zu Entfernen Oder Die Uniform Zu Übermalen. Wie Er Sich Selbst Im Krieg Verhalten Hat Und Was Er In Dieser Zeit Gedacht Hat, Habe Ich Nicht Erfahren. Die Bilder Meines Großvaters Sind Mir Aber Mahnung, Mein Eigenes Verhalten In Schwierigen Moralischen Konflikten Zu Hinterfragen.

Soweit Kann Ich Florian Illies Folgen – Aber Hier Hört Mein Verständnis Für Seinen Artikel Auf. Vieles, Was Helmut Schmidt Zu Seiner Zeit In Der Wehrmacht Gesagt Hat, Gereicht Ihm Nicht Zur Ehre. Sein Bild Mit Einem Kommentar Zu Versehen – Wie Es Peter Dausend In Seinem Artikel Vorschlägt – Ist Das Mindeste, Was Man Im Umgang Mit Dem Traditionsverständnis Der Bundeswehr Erwarten Konnte; Die Entfernung Des Bildes Vor Dem Hintergrund Der Letzten Ereignisse Nur Konsequent.

Ebenso Kommentarbedürftig Wäre Allerdings Auch Illies Letzter Satz Gewesen. Die Männer Des 20. Juli Als „Größten Helden Aus Der Zeit Des Nationalsozialismus“ Zu Bezeichnen Und Sie Damit Über Alle Zivilen Widerstandskämpfer Zu Erheben, Die Sich Dem Naziregime Bedeutend Früher Und Entschiedener Gegenübergestellt Haben Ist Schlicht Widerwärtig. Dieser Artikel Hat Keinen Platz Auf Der Titelseite Der ZEIT Verdient. – Frank Arnold


Leserbrief Zu „Wo Laufen Sie Denn?“ Von Marc Brost Et Al.

Kanzlerin Merkel Wäre In Der Geschichte Der Bundesrepublik Die Erste Regierungschefin, Die Ihre Nachfolge Rechtzeitig Regeln Würde. Weder Die Altkanzler Adenauer, Schmidt Und Kohl Noch Mächtige Ministerpräsidenten Wie Strauß Oder Späth Können Als Blaupause Dienen.

Auf Mich Macht Angela Merkel Den Eindruck Einer Kühl Kalkulierenden Frau Mit Guten Nerven, Die Ihre Macht Unter Allen Umständen Erhalten Will.  Sie Selbst Hat In Strategischer Weitsicht Dafür Gesorgt, Dass Es In Ihrer Partei Auf Längere Sicht Keine Echte Alternative Zu Ihr Geben Wird.

Denn Als Gewiefte Taktikerin Versteht Sie Es, Potenziell Gefährlich Werdende Gegner Frühzeitig Ins Politische Aus Zu Manövrieren Und Sich Selbst Dadurch Zu Einem Alleinstellungsmerkmal Zu Verhelfen.

Obwohl Sie Ihre Erneute Kandidatur U.A. Mit Den Globalen Verwerfungen Begründete Und Sie Sich Selbst Als „Retterin“ Der Freien Welt Sieht, Fällt Bei Genauerer Betrachtung Ihrer Bisherigen Amtszeiten Auf, Dass Ihr Eine Krönung Ihrer Kanzlerschaft Durch Außergewöhnliche Politische Erfolge Verwehrt Geblieben Ist.

Dies Dürfte Vermutlich Einer Der Wesentlichen Gründe Gewesen Sein, Warum Frau Merkel Nach 12 Amtsjahren Ihren Hut Ein Weiteres Mal In Den Ring Geworfen Hat.

Nach Meiner Überzeugung Sollen Die Spekulationen Um Ihre Nachfolgeregelung Lediglich Ein Ablenkungsmanöver Für Den Teil Der Union-Anhänger Darstellen, Deren Vertrauen In Die Politik Merkels In Den Zurückliegenden Jahren Stark Gelitten Hat.

Deren Wahlentscheidung Am 24. September Soll Dadurch Offensichtlich Erleichtert Werden. Die Politikverdrossenheit Früherer Jahre Ist Bei Vielen Bürgern Mittlerweile Zu Einer Politikerverdrossenheit Mutiert.

Das Verbreitete Politische Desinteresse Der Vergangenen Jahre, Das Sich U.A. In Sinkenden Wahlbeteiligungen Ausgedrückt Hatte, War Einer Der Ursachen Dieser Entwicklung.

Die Spaßgesellschaft Und Deren Medialen Auswüchse, Die In Den Neunziger Jahren Ihren Ursprung Hatten, Werfen Bis Heute Ihre Schatten.
Politisches Interesse War Bei Einem Großen Teil Der Bevölkerung Lange Zeit Nicht En Vogue.

Frau Merkel Hat Sich Diesen Umstand Zunutze Gemacht Und Über Die Jahre Einen Kultstatus Als „Mutti“ Aller Bürger Entwickelt. Sie Hat Den Menschen Ein Gefühl Der Sicherheit Vermittelt, Getreu Dem Motto „Liebe Kinder, Lebt Euer Leben, Ich Kümmere Mich Um Alles Andere“.

Spätestens Nach Merkels Entscheidung Im Herbst 2015, Über Viele Monate Eine Unkontrollierte Einreise Von Asylsuchenden Zuzulassen, Sind Viele Bürger Aus Ihrem Politischen Dornröschenschlaf Erwacht.

Nach Monaten Des Staatlichen Kontrollverlustes Hat Merkel Rechtzeitig Vor Der Bundestagswahl In Der Flüchtlings- Und Sicherheitspolitik Wieder Auf Die Harte Tour Umgestellt.

Sie Geriert Sich Den Bürgern Mittlerweile Als Fels In Einer Brandung, Die Sie Zum Großen Teil Selbst Geschaffen Hat. Das Zu Schaffen, Ist Auch Eine Politische Leistung.

Bei Den Beiden Großen Demokratischen Parteien Ist Weit Und Breit Keine Politische Persönlichkeit In Sicht, Die Merkel In Den Kommenden Jahren Politisch Gefährlich Werden Könnte.

Wie Verbreitet Die Frustration Vieler Bürger Über Ihre Kanzlerschaft Ist, Zeigten Ihre Stark Fallenden Umfragewerte Nach Der Kandidatur Von Martin Schulz. Ich Persönlich Bin Weder Von Der SPD Noch Von Schulz Überzeugt.

Dennoch Verband Ich Anfang Des Jahres Mit Der Nominierung Von Schulz Kurzzeitig Die Hoffnung, Dass Meine Befürchtung, Egal Wen Ich Im September Wähle, Am Ende Gewinnt Doch Immer Merkel, Sich Vielleicht Doch Nicht Bestätigen Würde.

Ich Hege Nicht Den Geringsten Zweifel, Dass Merkel Einen Grandiosen Erfolg Bei Der Kommenden Bundestagswahl Einheimsen Wird. Umso Mehr Wird Sie Sich Auch In Der Kommenden Legislaturperiode Als Unentbehrlich Präsentieren Können.

Für Mich Als Seit Meiner Jugendzeit Politisch Sehr Interessierten Bürger Ein Grund, Mich Zukünftig Der „Fraktion“ Der Politisch Desinteressierten Anzuschließen. –  Alfred Kastner


Leserbrief Zu „Schafft Er Das Noch?“ Von Bernd Ulrich, Stefan Willeke Und Dominik Butzmann

Vielen Dank Für Die Umfassende Information. Sicher Wäre Es Noch Interessant Gewesen , Den Titel Des Songs Zu Erfahren Der Von Martin Schulz Berichtet. Ich Vermute, Dass Es Der Etwas  Abgewandelte Titel “Wärst Du Doch In Würselen  Geblieben…” War.

Was Das Erscheinungsbild Anbetrifft Werden Erinnerungen An “Nah-Ost” Wach. Ich Frage Mich  Seit Seinen Ersten Auftritten-Wo Habe Ich Dieses Gesicht Schon Mal Gesehen… – Ulrich Werner


Leserbrief Zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Mit Freude Habe Ich Ihre Beiden Artikel Über Den Gutmenschen Gelesen.  Das Hat Mich Tatsächlich Zum Denken Angeregt, Und Ich Möchte Sie Deshalb Gerne Ein Wenig An Meinen Gedanken Teilhaben Lassen. Ich Halte Wenig Von Diesem Entweder – Oder.

Will Sagen, Wir Brauchen Gutmenschen, Auch Wenn Sie Nerven. Und Sie Haben Auch Häufig Einfach Unrecht. Z.B. Fällt Mir Bei Meinen Recherchen Im Internet Folgendes Auf: Das Kapital Konzentriert Sich Immer Mehr In Den Händen Weniger (Schlecht), Aber Gleichzeitig Geht Der Hunger In Der Welt Zurück (Gut). Es Gibt Aktuell Schreckliche Kriege Auf Unserem Planeten (Schlecht), Aber Langfristig Betrachtet Geht Die Zahl Der Menschen, Die In Kriegen Sterben Zurück (Gut).

Wir Essen Immer Mehr Industriell Verändertes Zeugs (Schlecht), Aber Wir Sind Im Alter Im Schnitt Gesünder Als Vor 50 Jahren (Gut). Die Klimaforscher Versuchen Die Globale Erwärmung Abzumildern (Gut), Aber Dazu Rasen Sie Wie Verrückt Mit Flugzeugen Durch Die Welt Und Produzieren So Eine Menge Erderwärmung (Schlecht). Das Ließe Sich Jetzt Noch Eine Weile So Weiterführen…

Denn Was Mich An Den Gutmenschen Nervt, Ist, Dass Sie So Tun, Als Würden Sie Mit Ihrem Leben Nicht Auch Immer Einen Teil Dessen, Was Sie Ablehnen Mitverursachen. Sicherlich Hat Auch Der Grüne Volker Beck Ein Schönes Großes Haus, Das Nicht Angefüllt Ist Mit Zahllosen Unberührbaren Aus Indien.

Und Meine Öko-Freunde Verbrauchen Mit Ihrem Lebensstil Auch Alle Mehr Als 2 Erden Beim Ökologischen Fußabdruck Trotz Ihres Idealismus. Zusammengefasst: Wir Sind Eigentlich Alle In Widersprüchen Gefangen. Aber Ohne Die Mahner Wird Auch Nichts Besser. – Ralf Seyfried  


Leserbrief Zu „Satte 750 000 Euro“ Von Claas Tatje

Die Kurzmeldung Stammt Zwar Augenscheinlich Nicht Von Ihnen, Sondern Ist Von Irgendwo Übernommen, Aber Als Aufmerksamer ZEIT-Leser Frage Ich Mich Doch, Ob Die Redaktion Die Eigenen Beiträge So Aufmerksam Liest, Wie Sie Dies Vom Leser Gerne Hätte.

Die Meldung Strotzt Nur So Von Populistischen Propaganda-Merkmalen, Deren Beachtung Sie Selbst Uns Lesern Noch Wenige Ausgaben Früher Ans Herz Gelegt Haben (Mal Abgesehen Von Den Offensichtlichen Falschaussagen, Die Für Den Fachmann Obendrein Drinstecken). Nur Einmal Nach Ihren Kriterien: 107 600 Verfrühte Todesfälle – Bezogen Auf Welche Gesamtzahl Und Auf Welche Verfrühung (Mit Bezug Zum Absolutalter Bitte) ? Und Wieso Eigentlich Nur Durch Dieselfahrzeuge ? 38.000 Vorzeitige Tote Hätten Vermieden Werden Können, Wenn Die Autos Auf Der Straße Die Normen Einhalten Würden, Die Für Das Labor Gelten. Das Verleumderische Propaganda Pur, Denn Nicht Die Hersteller Haben Die Normen Gemacht, Sondern Die Politik. Die Fahrzeuge Halten Die Gesetzlichen Normen Ein (Das Sie Es Nicht Tun, Abgesehen Von VW, Ist Eine Lüge), Nur Die Normen Sind Falsch Definiert.

Auf Den Rest Gehe Ich Jetzt Nicht Ein, Auch Wenn Es Ein Leichtes Wäre, Vieles Als Wissenschaftlich Unzulässigen Unfug Zu Entlarven. Aber Noch Mal Zurück Zum Eingangssatz: Lesen Sie Ihre Eigenen Artikel Nicht Gut Genug ? Oder War Das Nur Ein Test Der Leser, Die Ihnen Solche Beiträge Als Kandidaten Für Den Dr.Josef-Goebbels-Preis Für Angewandte Propaganda Vorschlagen Sollen ? Falls Letzteres Der Fall Sein Sollten, Können Sie Das Gerne So Verbuchen. – Gilbert Brands


Leserbrief Zu „Sie Wollen Nur Spielen“ Von Moritz Müller-Wirth Und Jeannette Otto

Zu Dem Artikel „Sie Wollen Nur Spielen“, In Dem Um Die Verbindung Von Vereinssport Und Schulsport Geworben Wird, Habe Ich Folgende Anmerkungen:

  1. Wichtig Ist Auf Die Grundlegenden Strukturellen Unterschiede Zwischen Schulsport Und Vereinssport Hinzuweisen, Damit Die Zusammenarbeit Von Lehrer Und Vereinstrainer So Aufgezogen Werden Kann, Dass Der Lehrplanziele Umgesetzt Werden Können Und Die Schüler Als Team Ein Anforderungsprofil Erhalten, In Dem Sie Sie Sich Persönlich Weiterentwickeln Können.
  2. Der Schulsport Hat Zentral Zum Ziel, Anzuleiten Zum Lebenslangen Sporttreiben (1) Und Fördert Massiv Sozialisation (2) Aufzubauen, Außerdem Soll Die Gesundheit (3) Und Allgemeine Leistungsfähigkeit (4) Im Alltag (4 A) Und Im Beruf (4 B) Gestärkt Werden.
  3. In Der Form Wie Vereinssport Und Schulsport Aktuell In Deutschland Umgesetzt Werden, Bestehen Zwei Zentrale Unterschiede.

3.1. Erstens:

Der Schulsport Wird 1-2 Mal Maximal 3 Stündig Durchgeführt Und Behandelt In Der Regel 10 Sportarten, Nämlich Die Ballsportarten Fußball, Basketball, Handball, Volleyball, Hockey, Badminton Und Die Individualsportarten Turnen, Schwimmen, Leichtathletik, Tanz – Gymnastik; Der Vereinssport Dagegen Wird Wöchentlich In 2-3 Trainigseinheiten Durchgeführt Und Wird In Der Regel Begleitet Von Einer Wettkampfsaison Mit 10-16 Wochenendterminen. Ausgebildet Wird Hier Zumeist Nur In Einer Sportart, Seltener Werden Andere Ballspiele Ins Begleitprogramm Aufgenommen, Zur Abwechslung Beim Aufwärmen Oder In Der Wettkampfpause.

3.2. Zweitens:

Der Schulsport Verläuft Aufgrund Der Lehrrichtlinien Weisungsgebunden Über Die Selbsterarbeitung Und Die Selbstreflexion Der Schüler.

Der Vereinssport Wird Fast Ausschließlich Weisungsgebunden Vermittelt. Das Heißt Der Trainer Sagt Den Schülern Genau, Was Sie Ausführen Sollen, Seltener Begründet Der Trainer Die Übungen. Das Heißt, Ein Problematisieren In Form Eines Warum? Wieso? Weshalb?, Das Die Gründe Offenlegt Und Die Grundlagen-Strukturen Erstellt, Ist In Dem Vereinssport Wie Er Im Aktuell Praktiziert Wird, Nicht Vorgesehen.

  1. Deswegen Ist Zentral, Dass Die Vereinstrainer Die Methodisch-Didaktischen Vermittlungsstrukturen Des Schulsports Mit Seiner Implizierten Zielsetzung Übernehmen. Zum Einen In Der Vermittlung Ihrer Kernsportart Und Zum Anderen In Der Vermittlung Von Anderen Schulsportarten. Damit Können Die Trainer Längerfristig In Der Klasse Arbeiten Und Dadurch Können Trainer Und Schüler Eine Produktive Lehr-Lern-Beziehung Zueinander Aufbauen. Außerdem Stehen Die Trainer Dadurch Für Organisatorische Nachfragen Z.B. Nach Noten, Oder Pädagogischer Führung, Etc. In Einem Bestimmten Zeitlichen Rahmen Zur Verführgung.
  2. Dieses Würde Auf Eine Gemeinsame Unterrichtsplanung Hinauslaufen. Damit Liegt Hier Ein Produktiver Lernimpuls Für Beide Sieten Vor.
  3. Für Die Dritte Seite, Die Der Schüler, Wäre Diese Entwicklng Sehr Produktiv, Weil Eine Sehr Gute Kompetenz-Vernetzung Vorliegt Und Zwei Lehrer-Choaches Bzw. -Manager Zur Verfügung Stehen.
  4. Für Die Vierte Seite, Die Vereine, Wäre Dieses Sehr Produktiv, Weil Hier Qualifiaktionniveaus Erstellt Werden Und Interessen Geweckt Werden, So Dass Eine Nachfrage Nach Vereinssport Geweckt Wird. Extrem Förderlich Ist Die Genannte Vernetzung, Wenn Lehrer Auch Vereinstrainer Sind Und Trainer Als Lehrer-Coaches Und Lehrer-Manager Agieren.
  5. Wichtig Ist Auch Die Erkenntnis, Dass Die Masse Der Leistungs- Und Hochleistungssportler Aus Dem Breiten-Leistungssport Der Vereine Hervorgehen, Z.T. Sogar Noch Mit 18-20 Jahren Noch In Lokalen Vereinen Aktiv Sind, Wie Dieses Zum Beispiel Bei Miroslav Klose Im Fußball Oder Wolfgang Kuck, Einem Langjährigen Nationalmannschaftskapitän Im Volleyball, Der Fall Gewesen Ist. – Harald Koeniger

Leserbrief Zu „Kopfschuss: Glatte Eins!“ Von Jana Gioia Baurmann

In Der Ausgabe Vom 18.Mai Im Artikel „Kopfschuss: Glatte Eins!“ Wird Über Eine Schule In Norwegen Berichtet, Die Nun Auch „E-Sports“ Als Ein Eigenes Unterrichtsfach Anbietet. Ich Möchte Im Folgenden Meine Persönliche Meinung Zu Dem Artikel Äußern.

Der Erste Satz Im Ersten Paragraph, Ich Zitiere: „Es Ist Freitagmittag, Viertel Vor Eins, Als Ein Schüler In Klassenraum 4 Seinem Lehrer In Den Kopf Schießt. Blut Spritzt, Der Lehrer Geht Zu Boden, Um Dann Zu Sagen: „Super Gemacht!“. Die Waffe, Das Blut, Die Zu Boden Sinkende Gestalt – All Das Besteht Aus Pixeln.“, Malt Zunächst Ein Sehr Übertriebenes Bild.

Die Intention Ist Offensichtlich: Es Wird Eine Parallele Zwischen Gewaltdarstellenden Computerspielen Und Einem Amoklauf Gemacht. Diese Absicht Bestätigt Sich, Da Später Im Artikel Auf Einen Terroranschlag In Oslo Hingewiesen Wird, Mit Der Anmerkung, Der Täter Solle Angeblich „World Of Warcraft“ Gespielt Haben. Nun Ist Es So, Dass Es Sich Bei „World Of Warcraft“ Nicht Um Einen Ego-Shooter Handelt (Die Art Von Spielen, Die Im Artikel Als Gewalt Fördernd Dargestellt Werden). Zusätzlich Wird Komplett Darüber Hinweg Gesehen, Dass Es Sich Beim Dem Attentäter Andres Behring Um Einen Rechtsextremen, Islamfeindlichen Massenmörder Handelt, Der Von Psychiatern Als Paranoider Schizophrener Psychopath Diagnostiziert Wurde. Im Ersten Teil Als Auch In Diesem Soll Also Klar Gemacht Werden, Dass Gewaltspiele Die Aggressivität Steigern, Ja Sogar Menschen Zu Mördern Machen. Diese Aussagen Sind Irreführend, Nach Einer Forschung Vom Deutschen Bundestag (2006) Haben „Gewaltdarstellungen […] Auf Die Große Mehrheit […] Keine Oder Nur Schwache Effekte […]“. Die Überwiegende Mehrheit Der Studien Zu Dem Thema Sind Sich Hier In Einem Punkt Einig: Gewaltspiele Sind Höchst Unwahrscheinlich (Wenn Überhaupt) Die Ursache Extremer Gewalttaten.

Sie Gehen Auch Kurz Auf Diese Erkenntnis Ein Und Schreiben „Wissenschaftliche Belege Für Einen [Zusammenhang Zwischen „Killerspielen“ Und „Killern“] Fehlen Jedoch“. Trotzdem Wird Im Text Gesagt, Dass Unter Eltern Und Lehrern Immer Noch „Die Angst Vor Computerspielen Wie Counter-Strike“ Herrscht. Worauf Basiert Sich Diese Aussage?

Allgemein Gibt Der Artikel Den Eindruck Als Wurde Hier Wenig Recherchiert. „Demnächst Soll Auch Dota 2 Angeboten Werden, Ebenfalls Ein Taktik-Shooter.“, Heißt Es Im Artikel. Eine Kurze Google Anfrage Und Ein Klick Auf Wikipedia Zeigt: Nein, Es Handelt Sich Nicht Um Einen „Taktik-Shooter“, Sondern Um Ein Sogenanntes „MOBA“ (Multiplayer Online Battle Arena) Video Spiel, Ähnlich Wie „League Of Legends“, Dass Wiederrum Einem Shooter Nicht Ähnelt.

Meiner Meinung Nach Verfehlt Der Artikel Das Eigentliche Thema. Es Wird Versucht Eine Diskussion Über Gewalt Und Computerspiele Anzusprechen Obwohl Diese Schon Vor Jahren, Und Seit Dem Immer Wieder, Zum Selben Ergebnis Kam. Ein Beispiel War Die Debatte Von ZDF Info „Sind Games Wirklich Nur Ein Spiel“  Von 2014. Dem Gymnasium Arna Vidaregåande Skule Geht Es Um Den Sport, E-Sport, Der Nach Ihrer Meinung Immer Populärer Wird Und Aus Diesem Grund Gefördert Werden Sollte. Der Artikel Gibt Allerdings Den Eindruck, Dass Die Spiele, Die Im E-Sport Gespielt Werden, Gewalt Hervorrufen Und Somit Im Sport, Geschweige Denn Im Klassenraum, Nichts Zu Suchen Haben. Der Leser Wird Hier Falsch Informiert.

Ich Würde Mir Wünschen, Dass Auf Solche Offensichtliche Vorurteile Mehr Geachtet Wird Und Die Informationen Sachlicher Dargestellt Werden. – Falk David


Leserbrief Zu „Kopfschuss: Glatte Eins!“ Von Jana Gioia Baurmann

Ihr Artikel „Kopfschuss: Glatte Eins!“ Läßt Im Untertitel Erhoffen, Dass Hier Ausgewogen Analysiert Wird. Der Artikel Ist Allerdings Eine Einzige Aneinandereihung Von Völlig Unreflektiert Übernommener Argumentation Der Spieleindustrie. Das Ist Kein Journalismus, Das Ist Ein Von Der Spieleindustrie Gekaufter Artikel.

Die Argumente Bewegen Sich Auf So Niedrigem Niveau, Dass Es Zum Weinen Ist. Beispiel: „Viele Erfolgreiche Gründer Sind Spieler, Beispielsweise Mark Zuckerberg.“. Toll! Ich Kenne Auch 90jährige, Die Ihr Leben Lang Geraucht Haben. Folglich Verlängert Rauchen Die Lebenserwartung Und Tägliches Stundenlanges Morden Am Bildschirm Macht Einen Zum Gründermilliardär. – Heiko Friedrichs


Leserbrief Zu „Versteckte Schuld“ Von Peter Dausend

Ich, Jahrgang 1935 – Weißer Jahrgang – Habe Nie Begriffen, Wie Die 12 Jahre Währende Wehrmacht Überhaupt Vorbild Für Die Bundeswehr Werden Konnte – War Sie Doch Eine Looser-Armee Und Fast Noch Schlimmer Teilweise Auch Eine Verbrecher-Armee – Siehe Kommissar-Befehl Und Judenmord. Unser Ideal War Und Ist Doch Immer Noch Der Bürger In Uniform. Als Sogenannter Weißer Jahrgang Ist Das Alles Für Mich Sowieso Nur Theorie, Weil Ich Nie Gedient Habe, Aber Nun Zu Sehen, Wie Stahlhelme, Koppel, Abzeichen, Orden, Alte Waffen, Ein Helmut-Schmidt-Foto Oder Ein Hakenkreuz Ein Problem Sein Sollen, Ist Mir Unverständlich – Wird Hier Nicht Vieles Zu Hoch Gehängt ? – Hans Jürgen Krohn


Leserbrief Zu “ Die Schweigende Mehrheit Darf Nicht Länger Schweigen“ Von Heiko Maas

Mit Seiner Selbstbeschränkung, Die Debatte „Ohne Technikskeptizismus“ Führen Zu Wollen, Greift Herr Maas An Einer Entscheidenden Stelle Zu Kurz. Aus Dem Fatalen Beispiel Der Atomtechnologie, In Der Die Technikgläubigkeit („Das Wird Schon!“) Sich Über Den Skeptizismus („ Keine Nukleartechnologie Ohne Lösung Der Entsorgungsfrage!“) Hinwegsetzte, Wäre Zu Lernen.

In Der Heutigen Debatte Über Die Digitaliserung Der Welt Wird Vergessen: Der Mensch Ist Ein Analoges Wesen Und Wirkliche Empathie Funktioniert Nur Analog. Empathie Im Gebrauch Einer Tastatur  Ist Nicht Wirklich Möglich. Insofern Muss Man Sich Über Die Auswüchse Der Digitaliserten Kommunikation Nicht Wundern. Diese Sind Systemimmanent, Da Die Digitaliserung Des Analogen Menschen Eine Entmenschlichung Darstellt. Der Kampf Von Herrn Maas Gleicht So Einem Kampf Gegen Windmühlenflügel.

Ja, Die Schweigende Mehrheit Darf Nicht Länger Schweigen. Aber Diese Wichtige Debatte Ist Mit Technikskeptizismus Zu Führen, Da Sie Sonst An Einer Entscheidenden Frage Vorbei Geht. – Dietrich Dasenbrook


Leserbrief Zu „Masken Des Lebens“ Von Florian Illies

Ein Helmut Schmidt Bild In Wehrmachtsuniform Gehört Nicht In Eine Bundeswehrkaserne. Ich Bin Entsetzt, Dass Dieses Foto Dort Überhaupt Aufgehängt Worden Ist. Die Bundeswehr Steht – Auch Wenn Sie Bedauerlicheerweise Von Ehemaligen Wehrmachtsoffizieren Aufgebaut Worden Ist – Nicht In Der Tradition Der Wehrmacht Des Dritten Reichs. Die Wehrmacht Hat Im Zweiten Weltkrieg Zahlreiche Kriegsverbrechen Begangen. Sie Huldigte Dem Führer. Sie Verhinderte In Ihrem Bedingungslosen Führergehorsam Nicht Die Zum Scheitern Verurteilte Kriegspolitik Hitleres, Geschweige Denn Stoppte Sie Sie, Als Sich Abzeichnete, Dass Der Krieg Verloren War. Selbst Auf Dem Rückzug Aus Der

Sowjetunion Wütete Sie Weiter Und Brachte Unzählige Zivilisten Um.

Die Bundeswehr In Einem Demokratischen Staat Kann Sich Nicht Auf Diese Vergangenheit Berufen. Sie Muss Ihre Eigene Tradition Begründen. Offensichtlich Sind Die Grundsätze Des Staatsbürgers In Unikform Vernachlässigt Worden, Wenn In Den Kasernen Wieder Devotionalien Der Wehrmacht Ausgestellt Werden. Die Verteidigungsministerin Verdient Bei Ihrem Vorgehen Volle Unterstützung. Florian Illies Auffassung Ist Äußerst Bedenklich. Die Frage Stelt Ich Doch, Warum Ausgerecht Ein Bild Helmut Schmidts Als Jungemwehrmachtsodat Und Nicht Eins Als Verteidigungsminister In Der Kaserne Hängt. Letzteres Wäre Geeignet, Eine Neue Tradition Der Bundeswehr Zu Begründen. Diese Überlegungen Stellt Florian Illies Leider Nicht An.Seine Stellungnahme Ist Kein Guter Einstand Als Neuer Herausgeber Der ZEIT Und Bedeuter Hoffentlich Keine Trendwende Der ZEIT. – Hans-Wilhelm Groscurth


Leserbrief Zu „Masken Des Lebens“ Von Florian Illies

Es Ist Eine Schlechte Posse, Das Foto Des Früheren Verteidigungsministers Und Bundeskanzlers Helmut Schmidt In Wehrmachtsuniform Vom Schwarzen Brett Einer Bundeswehr-Universität Zu Entfernen Und Erinnert An Die Lächerlichkeit Der Zensur. Wir Haben Es Bei Derartigen Fotos, Wie Florian Illies Zu Recht Schreibt, Mit Schmerzenden, Lehrenden „Bildern Der Vergangenheit“ Zu Tun,  Die Man Aushalten Muss. Die Bundeswehr Hat Daher Auch – Und Das Ist Ihr Hoch Anzurechnen – Frühere Angehörige Der Wehrmacht Und Deren Nachkommen Bei Gedenkfeiern Tatkräftig Unterstützt. Es Wurde Stets Wert Darauf Gelegt, Dass In Würdiger Weise An Alle Gefallenen, Ganz Gleich Welcher Nation, Erinnert Wird.  Würde Diese Hilfe Entfallen, So Wäre Dies Für Die Noch Lebenden, Sehr Alten Menschen Ein Schlag Ins Gesicht. Es Gibt Mehr Gemeinsamkeiten Zwischen Den Soldaten Der Wehrmacht Und Der Bundeswehr Als Mancher Sich Eingestehen Möchte, Schon Deshalb, Weil Je Nach Einsatzort Auch Dem Heutigen Soldaten Ein Risiko Für Leib Und Leben Zugemutet Wird.  – Walter Kaspers


Leserbrief Zu „Masken Des Lebens“ Von Florian Illies

Deutschland Wird Immer Bigotter. Einerseits Werden Aus Kasernen Und Der Bundeswehrhochschule Bilder Des Ehemaligen Wehrmachtsoffiziers Helmut Schmidt Entfernt, Andererseits Wird Pompös Das Lutherjahr Gefeiert. Im Gegensatz Zu Helmut Schmidt Ist Mir Martin Luther Nicht Als Philosemit Bekannt. – Rolf Schikorr


Leserbrief Zu „Unsere Soldaten“ Von Benedikt Erenz

Die Im Artikel Von Benedikt Erenz In Nr. 31 DER ZEIT, S. 17, Geäußerte Meinung Spricht Mir Aus Dem Herzen. Es Werden Die Traditionen Verherrlicht, Die Der Großmannssucht Der Deutschen Gedient Haben Und Nicht Oder Nur Spärlich Diejenigen Anderer Traditionslinien, Die Für Eine Parlamentsarmee Viel Wichtiger Sind. In Dieser Hinsicht Sind Meine Befürchtungen Noch Gestiegen Mit Der Abschaffung Der Wehrpflicht. – Dorothee Reißmann


Leserbrief Zu „Kommt Noch Ein Aufschrei?“ Von Götz Hamann

Seit Jahrzehnten Schätze Ich Als Leser Der ZEIT Die Wohlabgewogene Berichterstattung Über Die Unterschiedlichsten Themen. Tendenziöse Und Einseitige Darstellungen Sind Mir In Der ZEIT, Ganz Im Gegensatz Zu Anderen Presseorganen, Noch Nie Aufgefallen. Leider Scheint Der Journalistische Ehrencodex, Nämlich In Beiträgen Über Eigeninteressen Von Verlagen Besonders Sorgfältig Zu Recherchieren Und Gegenargumente Nicht Zu Verschweigen, Im Zitierten Artikel Grob Missachtet Zu Sein.

Zum Verhältnis Von Verlagen Und Bibliotheken, Besonders Zu Den Gesetzlich Zur Sammlung Und Nutzbarmachung Von Verlagserzeugnissen Verpflichteten Bibliotheken Wie Der Deutschen Nationalbibliothek Hatte Das Bundesverfassungsgericht Im Beschluss Vom 18. Juli 1981 (Bverfge 58, 137 (148 F.) Mit Hinweis Auf Bverfge 31, 229) Festgestellt:

„Vom Zeitpunkt Seiner Publikation An Entwickelt Jedes Druckwerk Ein Eigenleben. Es Bleibt Nicht Nur Vermögenswertes Ergebnis Verlegerischer Bemühungen, Sondern Wirkt In Das Gesellschaftsleben Hinein. Damit Wird Es Zu Einem Eigenständigen, Das Kulturelle Und Geistige Geschehen Seiner Zeit Mitbestimmenden Faktor. Es Ist, Losgelöst Von Privatrechtlicher Verfügbarkeit, Geistiges Und Kulturelles Allgemeingut. Im Blick Auf Diese Soziale Bedeutung Stellt Es Ein Legitimes Anliegen Dar, Die Literarischen Erzeugnisse Dem Wissenschaftlich Und Kulturell Interessierten Möglichst Geschlossen Zugänglich Zu Machen Und Künftigen Generationen Einen Umfassenden Eindruck Vom Geistigen Schaffen Früherer Epochen Zu Vermitteln.“

Bibliotheken Stellen Gerade Auch In Zeiten Des Medienwandels Die Institutionelle Garantie Für Die Informationsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) Dar. Auch Für Verlage Gilt Die Sozialpflichtigkeit Des Eigentums (Art. 14 Abs. 2 GG). – Harald Müller


Leserbrief Zu „Besser Nicht Zum Arzt“ Von R . Und J. Schweitzer

Sie Wissen Nicht, Was Sie Tun Mit Ihrem Artikel! Es Ist Sache Der Ärzte, Auf Wichtige Oder Banale Arztbesuche Angemessen Zu Reagieren. Ich Gehörte Gewiß Nicht Zu Den Arzt-Rennern Wegen Jeder Warze. Aber Mein Anhaltender Rücken- Und Bewegungsschmerz Wurde Viel Zu Lange Von Mehreren Ärzten Nicht Ernstgenommen. Mehr Bewegung, Eine Schmerzspritze, Ein Paar Massagen Waren Angesagt. Keine Ordentliche Diagnostik! Nach Über 2 Monaten Wartezeit (Als Kassen-Patientin) Auf Einen Orthopäden-Termin Endlich Eine Überweisung Zum MRT. Nach Weiteren 5 Wochen Warten Auf Diesen Termin Das Niederschmetternde Ergebnis:

Knochen-Metastasen! Dann Endlich Wird Man Durch Einen Hochaufwendigen Medizin-Betrieb Geschoben. Viel Zu Spät, Alles Zu Spät. Jetzt Gibt Es Nur Noch Das Unterdrücken Der Schlimmen Schmerzen Und Das Sich Selbst Beim Abbau Zusehen. Hätte Man Das Verhindern Können? Man Weiß Es Nicht, Aber Man Hätte Es Versuchen Müssen! – Brigitte Krüger


Leserbrief Zu „Schafft Er Das Noch?“ Von Bernd Ulrich, Stefan Willeke Und Dominik Butzmann

Bei Der Landtagswahl In NRW Ist Etwas Für Eine Demokratie Eigentlich Ganz Normales Passiert, Was Nur Leider In Letzter Zeit Durch Populismus Oder Die Fokussierung Auf Einzelne Personen Nicht Mehr So Häufig Stattgefunden Hat: Die Bürger Haben Sich Die Leistung Der Landesregierung Angesehen Und Festgestellt, Dass Es Da Nicht Sonderlich Viel Auf Der Haben-Seite Zu Verbuchen Gab. Genau Dieser Umstand Wurde Dann Durch Die Stimmabgabe Bewertet, Was In Dem Bekannten Desaster Für Die SPD Endete. Eigentlich Sollte Das In Einer Demokratie Die Regel Statt Die Ausnahme Sein. – Priv.-Doz. Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Andreas Zabel


Leserbrief Zu “So Süß Ist Das Verderben“ Von Jan Schweitzer

Das Sind Ja „Harte Worte“!

Ihren O.G. Artikel Habe Ich Mit Einem Lachenden Und Mit Einem Weinenden Auge Gelesen:

Lachend, Weil Es Endlich Eine Offiziell, Anerkannte Erkenntnis Zum Fatalen Zucker Zu Geben Scheint, Dass Sogar Die WHO Eine Zuckersteuer Empfiehlt, Um Wahrscheinlich Die Folgekosten Zu Decken, Die Der Übermäßige Zuckerkonsum Verursacht, Und Um Evtl. Aufklärungskampagnen Weltweit Zu Forcieren, Und Bestimmt, Um In Den Gerichtsverhandlungen Gegen Den Goliath „Cola-Zucker-Lobby“ Erfolgreich Und Wegweisend Zu Bestehen.

Lachend, Weil Es Eindeutige Belege Geben Soll, Dass Zuckergesüßte Getränke Schneller Übergewichtig Und Sogar Adipös Machen Und Folgen Wie Diabetes, Krebs Und Herzinfarkte Riskieren Sollen. Ich Freue Mich Zu Lesen, Dass Dies Alles Schon Lange Bekannt Sein Soll.

Weinend, Weil In Vielen Regionen Dieser Erde Das Trinkwasser Verseucht Und Verkeimt Ist, „Cocacola & Co.“ Die Einzig „Sichere“ Flüssigkeitszufuhr Für Die Menschen Darstellt, Weil „Nestlé & Co.“ Weltweit Trinkwasserbrunnen Aufkauft Und Sauberes Trinkwasser Nur Noch Für Privelegierte Zugänglich Ist, „Cola“ Dann Die Einzig Erschwingliche Alternative Für Die Fast Mittellosen; Dass „Mafiosi“ Hilfsorganisationen Daran Hindern, Wasserquellen Für Heimatlose Zu Renaturieren Und Zu Reinigen.

Weinend, Weil Der Suchtfaktor Dieser Getränke Auf Mehreren Ebenen (Zucker Und Koffein, Taurin Bis Hin Zu Anerkennung Und Prestige, Das Gefühl, Modern Und Fortschrittlich Zu Sein) So Stark Ist: Wer Will Dem Besuch Schon Das Banal-, Kriegs- Oder Arme-Leute-Getränk Wasser Servieren?

Weinend, Weil Die WHO Empfehlungen Herausgeben Kann Wie Sie Will. Da Hört Kein Süchtiger Drauf, Auch Keine Machtsüchtigen In Den Regierungen, Keine Geldsüchtigen In Den Wirtschaftskonzernen. Regierungen Sind Abhängig Von Steuereinnahmen. Wer Die Steuert, Sollte Auch Bekannt Sein. Man Könnte Ja Versuchen, Die Steuer Für Produkte Des Täglichen Bedarfs, Die Industriezucker Beinhalten, Wieder Auf 19% Zu Setzen. Wie Hoch Blieben Damit Die Umsätze Für Die Süßwaren-, Getränke-, Brot- Und Fertiggerichteindustrie? Was Würde Das An Mehrsteuereinnahmen Für Den Bund Bedeuten? Was Würde Sich Ändern (Konsumverhalten / Verschiebung Von Krankheitsbildern / Krankheits- Und Reha- Ersatz- Und Hilfsmittelkosten / Umsätze In Der Pharmazie Und Kosmetik)? Was Würde Der Staat Mit Den Mehreinnahmen Machen? Würde Er In Bildung Und Aufklärung Investieren? Das Könnte Die Produktumsätze Und Damit Die Steuereinnahmen Reduzieren… Er Könnte Die Löcher Im Gesundheits- Und Kranken/Pflegewesen Stopfen, Z. Bsp. Angemessene Löhne Fürs Personal Zahlen, Höhere Berufsunfähigkeitsrenten. Dann Könnten Sich Mehr Menschen An Sonnigen Tagen Eine Kugel Eis Für Einen Euro Leisten ….

Bevor Ich Weiterheule, Hier Ein Paar Fragen Und Hinweise:

Was Ist Der Medizinische Unterschied Zwischen Übergewicht Und Adipositas – Weil Sie Das Im Artikel Getrennt Erwähnen? Wußten Sie, Dass Diabetes Auf Deutsch „Zuckerkrankheit“ Auf Englisch „Saccharine Disease“ Heißt, Der Verursacher Also Klar Benannt Wird Und Darum Auch Lieber Der Begriff Diabetes Etabliert Werden Soll Um Genau Das Zu Vertuschen? Inspizieren Sie Einmal Diabeteskliniken Für Kinder. Das Ist Immer Ein Zuckerl Für Die Kleinen Drin! Seit Wann Konkret Sind Die Zusammenhänge „Zucker – Fatale Krankheiten“ Bekannt Und Durch Wen, Welche Studien? Sie Erwähnen Das Ja In Ihrem Artikel. Zucker Als Schadstoff Anzuerkennen, Dass Urteil Gibt Es Beim Oberlandesgericht Hamburg Nachzulesen. Einen Guten Ersten Einblick Gibt Ihnen BINDER, Franz/WAHLER, Josef (2004): Zucker – Der Süße Verführer. Alles Wissenswerte Und Praktische Tipps. Kirschzarten Bei Freiburg.

Bitte Recherchieren Sie Doch Einmal Offenkundig! – Birgit Lehnert


Leserbrief Zu „Die Mächtigste Schule Der Welt“ Von Roman Pletter

….Es Ist Aber Auch Die Erfolgloseste Schule, Da Es Ihr Lediglich Gelingt, Mit Staatlich Verordneten Preisuntergrenzen Auf Arbeits- Und Gütermärkten, Mit Abschaffung Flexibler Wechselkurse Und  Mit Schuldenfinanzierten Ausgabenprogrammen Den Anschein Wirtschaftspolitischer Kompetenz Zu Erzeugen. Die Rechnung Geht Jedoch Wegen Der Auf Wählerstimmen Abzielen Politik Nicht Auf. Die Schulden Und Preise Steigen  Und Das Wirtschaftswachstum Dümpelt „In The Long Run“ Weiter Vor Sich Hin (Was Auch Der Blick Nach Japan Zeigt!) – Hans Hardenberg


Leserbrief Zu „Wie Empfinden Wir Schönheit?“ von Christoph Drösser

Es Ist Sehr Erfreulich, Dass Die Forschung Kants Ästhetik „Bestätigt“. Aber Von Einem „Verkopften Königsberger“ Philosophen Zu Reden Ist Unsinn.  So Schrieb Er In Der Kritik Der Urteilskraft (AA V, 467-468):  „Allein Meinen, Daß Es Reine, Ohne Körper Denkende Geister Im Materiellen Universum Gebe … Heißt Dichten … Ein Solches Ding Ist Ein Vernünfteltes Wesen …, Kein Vernunftwesen …“  Schon In Der Kritik Der Reinen Vernunft Schrieb Er (B 75): „Gedanken Ohne Inhalt Sind Leer, Anschauungen Ohne Begriffe Sind Blind,“ Und Er Betonte, Wenn Wir Etwas Richtig Verstehen Wollen, Müssen Wir Immer Zuerst Und So Ausführlich Wie Möglich Mit Der „Mechanischen“ Erklärung Beginnen (S. KU AA V, 377-378, 415, 418, 429), Weil Es Ohne Eine Materielle Welt Kein Verständnis Gibt (S. Metaphysik Mrongovius (Göttingen:  VI/II, 869).

Dass Kant „Seine … Studierstube Praktisch Nie Verlassen Hat“ Und Deswegen Mit Dem „Psycho-Labor“ Gefremdelt“ Hätte, Steht Im Widerspruch Zu Seinen Ersten Schriften Und Seiner Lehrtätigkeit. Während Seiner Gesamten Karriere Hat Er Mathematik Und Naturwissenschaften Gelehrt Und Wissenschaftliche Entdeckungen Von Erstem Rang Gemacht (S. Volker Gerhardt, Immanuel Kant. Vernunft Und Leben (Stuttgart [2002]: 35-37). Zwar Betonte Kant, Dass Wir Nicht Allein Durch Öffnen Unserer Augen Die Wahrheit Sehen Können. Wir Müssen Auch Elemente, Die Nicht Mit Den Erscheinungen Selber Gegeben Sind, Hinzufügen, Um Etwas Zu Verstehen (Z.B. Ein Kohärentes Begriffssystem Wie In Der Mathematik) Und Zu Handeln (Wie Z.B. Moralische Maxime). Aber Das Bedeutet Nicht, Dass Verständnis Keine Erfahrung Braucht. – Douglas Mcgaughey


Leserbrief Zu „Chef Des Gutmenschenclubs“ Von Evelyn Finger

Ich Bin Empört Über Das Foto Mit Der Unterschrift: Bedford-Strohm Besucht Obdachlose In München. Hat Ihr Fotograf Baumann Nicht Recherchiert, Wer Der Mann Ist Mit Dem Sich Bedford-Strohm Unterhielt?

Ich Teile Es Ihnen In Kurzform Mit: Es Ist Einer Der Dienstältesten Angestellten Der Straßenzeitung Biss In München.

Weit Über 70 Jahre Alt, Kein Bettler, Kein Obdachloser, Er Verdient Stattdessen Seinen Lebensunterhalt Mit Dem Verkauf Der Zeitung Und Hat Eine Eigene Wohnung.

Ich Erwarte Eine Berichtigung In Der Nächsten Ausgabe Und Eine Entschuldigung Bei Herrn Tibor Adamec, Dessen Anschrift Über Biss, Straßenzeitung München Zu Erfahren Ist. – Heinrich Dartmann-Korsch


Leserbrief Zu „Roh, Kraftvoll, Intensive” Von Ijoma Mangold

Das Abgedruckte Bild Von „Maler An Der Hauswand“ Passt Nicht Zum Interview-Text, Rechte Spalte, Ende Von Absatz 1,  „Anstreichen Der Hauswand“; Der Dargestellte Maler Streicht Nämlich Nicht Die Wand, Sondern Den Fensterrahmen Blau An. Die Diskutanten Hatten Offensichtlich Ein Anderes Original Des Bildes Im Sinn Oder Vor Sich. Fazit: Der Bildredakteur Hat Leider Den Text Nicht Richtig Gelesen. – Volker Morstadt


Leserbrief Zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Mit Sehr Großem Unverständnis Habe Ich Ihre Glorifizierung Zu Der Mit Abstand Miserabelsten Politikerin Deutschlands, Claudia Roth Gelesen. Was Hat Sie Geistig Geritten Eine Persona Non Grata (Zumindest Für Normal Denkende Bürger) Wie Roth – Ihr Motto: Deutschland Verrecke- Zu Einer Gutmenschen Person Zu Stilisieren?

Das Die Redakteure Der Zeit Grünrot Gestrickt Sind, Ist Ja Allgemein Bekannt, Einer Der Gründe Warum Ich Die Zeit Nicht Mehr Im Abo Habe- Ihre Permanente Grünrot Gefärbte Ideologie Ist Nur Noch Nervig. Ich Wundere Mich, Dass Ihr Real-Denkender Kollege Bittner Noch Für Die Zeit Schreiben Darf. Die Gut 5,00€ Für Die Aktuelle Zeit Hätte Ich Besser Einem Obdachlosen Gegeben, Zumindest Hätte Ich Mich In Diesem Moment Als Gutmensch Gefühlt. – Peter Kappert


Leserbrief Zu „Besser Nicht Zum Arzt“ Von R . Und J. Schweitzer

Wenngleich das Beispiel Ihres Sohnes sich wie das klassische Drama eines Fluchs der guten Tat darstellt, so ist das Auftreten eines Leistenbruches vom Auslösemechanismus her zufällig Folge der krankengymnastischen Übung gewesen. Es hätte genauso in der Sportstunde der Schule oder beim Rangeln mit Freunden auftreten können. Wenn die Bauchwand-„lücke“ da ist, bleibt der Auslöser zufällig. Ich vermute aber, dass Ihnen das auch klar ist, und sie diese Episode als dramaturgischen Auftakt für die These Ihres Artikels brauchten.

Dass die Dinge leider nicht immer so eindeutig liegen, möchte ich Ihnen an einem Beispiel verdeutlichen.

Die Briten haben ein sehr gutes Niveau in der Untersuchung über die Nützlichkeit medizinischer Maßnahmen. So hat sich z.B. gezeigt, dass das Risiko, bei einem Menschen ein EKG zu schreiben, z.B. in einer Vorsorge-Untersuchung, ohne dass ein klinischer Hinweis auf eine Herzerkrankung vorliegt, für den Patienten größer ist (nämlich durch Komplikationen bei Folgeuntersuchungen), als das Risiko, eine Herzerkrankung zu übersehen, wenn das EKG in diesem Fall nicht geschrieben wird. Das erzähle ich auch allen Patienten, die bei mir in der Vorsorgeuntersuchung sind und den Wunsch nach einem EKG äußern. Und trotzdem sind meine medizinischen Fachangestellten angehalten, dass bei allen unseren Patienten einmal im Leben ein EKG geschrieben wurde (muss nicht unbedingt in meiner Praxis gewesen sein) – was als Vorsorge auch reicht. Etwa 2% aller Menschen tragen eine Variante der Herzreiz-Ausbreitung in sich, die potentiell durch eine Herzrhythmusstörung zum sofortigen Herztod führen und andererseits mit den heutigen medizinischen Möglichkeiten leicht behoben werden kann. Deswegen werden in Italien bei den Schulkindern zur Einschulung EKGs geschrieben.  Wie der Zufall es will, kam es bei einem Trainer meiner Herzsportgruppe, die ich betreue, vor 2 Jahren zu solch einem tragischen plötzlichen Herztod. Natürlich ist es hier nur eine Vermutung, weil ich bei diesem Ereignis nicht zugegen war; aber er hatte das Alter und die körperlichen Gegebenheiten, dass unter solch einer Reizleitungsvariation eine sonst eher ungefährliche Herzrhythmusstörung (das Vorhofflimmern) sofort in ein komplettes Herzflimmern übergeht unabhängig vom Alter oder der Konstitution des Patienten.

„Besser nicht zum Arzt“ ist daher auch nicht immer die richtige Lösung; neulich erschien in dieser Rubrik der DIE ZEIT das Beispiel einer „banalen“ Handverletzung, die beinahe zum Tod des Patienten geführt hatte.

Normalerweise ist diese Abwägung von gelassenem Abwarten, gezielten Untersuchungen und dann medizinischer Intervention das „normale Alltagsgeschäft“ hausärztlichen Handelns mit dem Patienten. Nachdem in den 80er Jahren die Arztwahl für die Patienten mit der Krankenkassen-Chipkarte freigegeben wurde, haben die Hausärzte allerdings verpasst, sich ein inhaltlich neues Selbstverständnis im Gesundheitssystem zu erarbeiten. Es wird in den Verbänden dann immer argumentiert, dass sich zwar die gesetzlichen Rahmenbedingungen verändert hätten, aber der Inhalt der hausärztlichen Arbeit doch nicht! Die Chance, die Ihnen aus dem Konzept der hausarztorientierten Versorgung von der ersten rot-grünen Regierung Anfang der 2000er Jahre eröffnet wurde, haben die Verbände leider auch verpasst. Stattdessen entwickelte sich ein geradezu paradoxes Szenario: von den Verbandsfunktionären wurde quasi nur über Geld geredet, statt über Inhalte. Und diejenigen, die sonst vornehmlich mit den Finanzen beschäftigt sind, die Krankenkassen, haben in dieser Folge dann die Inhalte definiert. Und so sehen leider die „Hausarztverträge“ heute auch aus.

So bleibt den Betroffenen, sich individuell einen Hausarzt auszusuchen, der einerseits genau hinsieht, andererseits zur gegebenfalls gemeinsamen Beobachtung der Beschwerdeentwicklung gemeinsame Gelassenheit mit dem Patienten entwickelt. – Michael Parbs-Dalitz


Leserbrief Zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Mir hat gefallen, daß Jochen Bittner, ungeachtet der gegenwärtigen  Stimmungslage insbesondere einiger Grünenpolitiker hinsichtlich der Flüchtlingspolitik couragiert Dinge beim Namen nennt, die von einer Großzahl von Journalisten, selbst von Qualitätsmedien, tunlichst unerwähnt gelassen werden.

Die ständige Empörung vieler Grünen, häufig genug in Form politischer Religion vorgetragen und  von Claudia Roth meistens auch noch schrill geäußert, über Andersdenkende ist unerträglich. Die Gegenargumente von Sarah Schaschek haben mich nicht überzeugen können. Ich empfehle der Autorin einmal „Die Niederlage der politischen Vernunft“ von Egon Flaig zu lesen.  – Klaus Grasenick


Leserbrief zu „Merkel, die Instanz“ von Tina Hildebrandt

In diesem Artikel erhält die Bundeskanzlerin viel Lob als eine „Instanz“, als ein Garant für Sicherheit, als Kanzlerin, die doch immer viel Zustimmung für ihre Art und ihren Kurs bekommt. Tatsächlich? Hier wurde wohl außer Acht gelassen, dass es Angela Merkel  „gelungen“ ist, die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl auf 70 Prozenz runterzudrücken. Früher waren 80 Prozent und mehr das Normale. Und zweitens: Das Aufkommen einer nationalistischen Protestpartei, der AfD, und die Zustimmung für deren Kritikhaltung gegen die „Altparteien“ etc. gehen zum großen Teil auf MerkelsPolitikstil – das Vage und Unklare und ihr Desinteresse an Innenpolitik – zurück. Das fehlt leider in diesem Artikel! –André Maßmann


Leserbrief Zu „Schafft Er Das Noch?“ Von Bernd Ulrich, Stefan Willeke Und Dominik Butzmann

Leider fühle ich mich genötigt, Ihnen mitzuteilen, dass Ihr oben erwähnter Artikel für mich eine herbe Enttäuschung ist. Wenn ich das  Niveau dieses Artikels vergleiche mit den Aussagen der Journalisten in der Sendung vom Sonntag ARD um 12.00 Uhr, die dasselbe Thema diskutierten, dann muss ich Ihnen zu meinem großen Bedauern mitteilen, dass das Niveau Ihres Artikels der Bildzeitung zuzuordnen ist und nicht der ZEIT. – Ina Reppekus


Leserbrief Zum Titelthema „Die Gutmenschen“

Dass die Zeit sich ausgerechnet mit dem  Begriff „Gutmensch“, der im Jahr 2015 zum Unwort des Jahres gewählt wurde, in der Titelgeschichte befasst, wundert mich sehr. Das Wort Gutmensch wird verwendet, um Menschen die nach ethischen Prinzipien handeln, als naiv und weltfremd zu diffamieren. Begründet wurde die Wahl als Unwort damit, dass insbesondere diejenigen, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren, mit diesem Wort abqualifiziert wurden. Will die Zeit mit dieser Debatte einen neuen Leserkreis gewinnen? – Winfried Wolf


Leserbrief zu „Kaiser der Kritiker“ von Christine Lemke-Matwey

so wie ich alle Texte von Ihnen mit Begeisterung lese (egal, ob ich einverstanden bin oder nicht), so natürlich auch den Nachruf auf Joachim Kaiser: Wunderschön, absolut „plastisch“, man meint, ihn gestikulierend vor sich zu sehen. Sie haben ihn fast wieder zum Leben erweckt!!! – Irmgard Hammer

 

 

11. Mai 2017 – Ausgabe 20

Leserbrief zum Titelthema „Der Heiland“

Der Titel ist einfach geschmacklos. In den letzten 60 Jahren habe ich DIE ZEIT noch nie auf so niedrigem Niveau erlebt. – Dr. Herwig Freyschlag


Leserbrief zu „Pro und Contra: Sollen wir für Frankreich zahlen?“ von Mark Schieritz und Kolja Rudzio

Die Wahl des neuen französischen Präsidenten hat eine Debatte über die Zukunft der Währungsunion ausgelöst. Der deutsche Finanzminister stößt dabei auf Widerspruch.

Ein Euro-Parlament wäre ja südlastig und schuldenfreudig – ein Phänomen, dass nach dem Brexit ohnehin auf die EU zukommt. Eine Lösung scheint eher darin zu liegen, dass diese Länder einschließlich Frankreich wieder ihre Landeswährungen einführen, mit der sie alle Leistungen (Gehälter, Pensionen, Renten) abgelten und die wieder als primäres Zahlungsmittel für die Privatwirtschaft gilt. Daneben bleibt der Euro mit festen, gestützen Kursen bestehen. Wobei wieder abgewertet werden kann (oder der Euro aufgewertet), wenn es die jeweilige Wettbewerbslage es erfordert. – Gerhard Schroeder


Leserbrief zum Titelthema „Der Heiland“

In der neuesten Ausgabe der ZEIT beschäftigen Sie sich in mehreren Artikeln mit der Zukunft der EU und der Zusammenarbeit Deutschland-Frankreich. Dazu eine Ergänzung, die ich für sehr wichtig halte, aber vermisse:

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich nach dem Krieg u. a. dadurch so erfolgreich entwickelt, weil sie in ihrem Grundgesetz das Ziel der “gleichen Lebensverhältnisse” festgeschrieben hat und dafür u. a. den Länderfinanzausgleich erfunden und weiter entwickelt hat. So ist ein föderalistischer Staat entstanden, der auf dieser Basis den sozialen Frieden trotz gewaltiger wirtschaftlicher Veränderungen erhalten konnte. Muss dieses nicht auch ein Modell für ein vereintes Europa sein?

Ein “Europa der Vaterländer” in dem nationale Eigenheiten beibehalten werden können und darüber ein ausgleichender Organismus, um nicht zu sagen “Staat”, gebildet wird, der den sozialen und auch den politischen Frieden durch Ausgleich bewahrt? Das geht natürlich nur, wenn die reichen Länder die ärmeren Länder oder die in anderen Problemen steckenden Länder unterstützen.

Da wir das reichste Land sind, werden wir Steuergeld bewegen müssen, um die EU, die uns die meisten Vorteile bringt, zu erhalten. Da genügt es nicht, wenn ein Jurist als Finanzminister nur ständig auf sein Recht(haben) pocht. Er muss Geld bereitstellen und das auch politisch vertreten. Wenn wir weiter so tun, als ob wir die Vorteile der EU zum Nulltarif behalten könnten, wird die EU scheitern und zwar an unserer verweigerten Hilfe! Und das wird dann richtig teuer und politisch gefährlich.  – Peter Kayser


Leserbrief zu „Pro und Contra: Sollen wir für Frankreich zahlen?“ von Mark Schieritz und Kolja Rudzio

Ich schätze die analytisch klaren Beiträge von Herrn Schieritz, aber diesmal hat er sich auf ein Genre gewagt, das ihm nicht bekommt:

Polemik, Propaganda, Gesundbeterei. Womit können denn finanzielle Hilfen der EU Herrn Makron dabei helfen, die vielen „revolutionsgeneigten“ Franzosen zur Akzeptanz der Reformen zu bewegen, die sie bisher durch ihre Proteste verhindert haben? Sind z.B. Eurobonds oder eine EU-Arbeitslosenversicherung ein Beruhigungsmittel für die Gewerkschaften, welche die Abschaffung der 35-Stunden-Woche schucken sollen? Und: Frankreich ist kein armes Land, es fehlt ihm ja nicht an Geld. Also kann man ihm auch nicht mit Eu-Geld helfen. – Heinz-Dieter Busch


Leserbrief zu „Längst nicht vorbei“ von Giovanni Di Lorenzo

In der Bundesrepublik wird gegenwärtig eine völlig unsinnige Debatte darüber geführt, wie dem neuen französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron seitens Deutschlands finanziell zu helfen sei. Wenn man mit dem Begriff „Europäische Solidarität“ in der Weise hantiert, daß innerhalb der Gesamt-EU oder zumindest innerhalb der €- Währungszone ein Finanzausgleich nach innerdeutschem Muster herzustellen sei, verkennt man doch vollkommen, daß der europäische Gedanke  nun einmal auf dem nationalen Selbstbestimmungsrecht und  eben nicht auf einem supra-nationalistischen Zentralismus basiert.  Übrigens würde das Bundesverfassungsgericht eine unmittelbare finanzielle Subventionierung Frankreichs durch Deutschland nach dem Geist des Grundgesetzes  zu verhindern wissen.  ^^

Wie in der Entwicklungshilfe kann es sowohl innerhalb der Gesamt- EU wie innerhalb  der €-Währungszone doch nur um Hilfe zur Selbsthilfe gehen und nicht darum, daß  quasi Gläubiger/Schuldnerbeziehungen Abhängigkeiten zwischen den EU-Mitgliedsstaaten  schaffen, die nur in Streit ausarten würden. Deshalb ist Kolja Rudzio zuzustimmen, der sagt, „daß mehr Geld nicht gegen Populisten helfe“. Demgegenüber ist Mark Schieritz zu entgegnen, daß eine  direkte, finanzielle , Subventionierung Frankreichs durch Deutschland keinesfalls ein Weg sein kann, um die französische Gesellschaft und Wirtschaft (also vornehmlich  das dortige  Bildungssystem und den dortigen  Arbeitsmarkt) zu reformieren. Es führt somit kein Weg daran vorbei, das Prinzip der Subsidiarität , also der Selbstverantwortlichkeit der nationalen EU-Mitglieder in Haushaltsfragen als obersten Grundsatz europäischer Zusammenarbeit fest zu schreiben. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Ihr Momentum“ von Tina Hildebrandt

Rine Regierungschefin, die nicht einmal in der Lage ist, die Grenzen des von ihr regierten Landes abzudichten, als „Weltstaatsfrau“ zu bezeichnen, ist ein kühnes Unterfangen.

Unter Frau Merkel ließ sich Deutschland zu einem Auffanglager in einer „unruhigen“ Welt degradieren, was nicht unbedingt als Stabilitätsfaktor anzusehen ist. Und solange die hervorragenden Wirtschaftszahlen oben verteilt werden, aber unten nicht ankommen, stellt sich die Wohlstandsfrage aus holistischer Perspektive. Auch warum und wobei Merkel Macron, dem Präsidenten eines relativ erfolgreichen und wohlhabenden Staates, helfen soll, bleibt weitgehend unbeantwortet, denn Frankreich geht traditionell ohnehin eigene Wege.

Letztlich ist die Schwäche des einen die jeweilige Stärke des anderen und Deutschland hat nur die Wahl, für das kleinere Übel zu votieren, wobei Schulz eine Partei vertritt, die Hartz IV und alle damit verbundenen Folgeschäden zu verantworten hat. – Mag. Martin Behrens


Leserbrief zu „Pro und Contra: Sollen wir für Frankreich zahlen?“ von Mark Schieritz und Kolja Rudzio

Sie veröffentlichen sehr viel Beiträge und Kommentare, in denen im Rahmen der Währungsunion für eine vertiefte Integration und gemeinsame Haftung geworben und argumentiert wird (z.B. http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-05/eurozone-emmanuel-macron-frankreich-5vor8). Was ich massiv in Ihren Beiträgen vermisse, ist der Anspruch einer demokratischen Legitimation, welchen Sie ja  sonst gerne einfordern. Wenn in der Mehrzahl ihrer Beiträge so getan wird, als gehörte die gegenseitige Haftung der Staaten zur Währungsunion, dann muss man auch eine Betrug am Bürger konstatieren.

Bei der Bildung der Währungsunion wurde den Bürgern VERSICHERT, dass es keine gemeinsame Haftung gibt. Wenn sich das ändern soll oder anders ist, dann bedarf es einer nachträglichen demokratischen Legitimation oder eines Austritts aus der Währungsunion. Da es sich um einen fundamentalen Wandel des Gemeinwesens in Deutschland handeln würde, wäre eine Volksabstimmung darüber die wohl demokratischste Variante. Ich denke, Sie werden dies mit vielerlei Argumenten ablehnen, da das wahrscheinliche Ergebnisse einer solchen Volksabstimmung nicht Ihren Wünschen entspricht.

Eine allgemeine Bemerkung: Vor zwanzig Jahren las ich die Zeit sehr gerne.  Aber in den letzten Jahren ist mir der Stil Ihres Journalismus zu unpräzise, selbstgerecht und links-populistisch  geworden. – Dr.-Ing. Mathias Raschke


Leserbrief zu „Pro und Contra: Sollen wir für Frankreich zahlen?“ von Mark Schieritz und Kolja Rudzio

Durch die Liberalisierung führte eine zügellos ideologische Wirtschaftspolitik des Neoliberalismus zur Entstehung der Wutbürger.

Politisch werden sie geführt von Demagogen, die als Populisten die Zerstörung Europas, Putins Strategie,  betreiben. Die Rettung Europas kann nur gelingen, wenn die Euro-Staaten bereit sind aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Deutschland als förderal organisierter Staat hat Erfahrung mit dem Länderfinanzausgleich. Diese Erfahrung muß genutzt werden, um Macrons Vorstellungen für eine Neuordnung der Finanz -und Sozialpolitik erfolgreich umzusetzen. Eine Familie stützt ihre Schwachen, damit sie als Ganzes friedlich miteinander auskommen. Europa – obwohl wir momentan Störenfriede in der Familie haben, wir wollen eine friedliche Familie bleiben. Wir können es schaffen, wenn Paris und Berlin am gleichen Strang ziehen. –  Detlef Seidler


Leserbrief zum Titelthema und „Tiefenrausch“ von Greta Taubert

Da hätte ich mir von der ZEIT ausführlichere Recherchen gewünscht. So liest es sich halt so ein bißchen „Tagesschau“ mäßig. Und bestätigt die landläufige Meinung über dieses komplexe Thema. Die ZEIT kann halt tiefgründig mit Politik, mit Wirtschaft und Wissenschaft. Aber mit solchen Grenzbereichen wie Bewusstseinserweiterung, Drogenpolitik und Esoterik reiht ihr euch weiterhin brav ein in eine kollektive Meinung, die kaum reflektiert wird.

Dabei gäbe es grade zu diesen Themen soviel zu hinterfragen, zu berichten und auszuprobieren, was weit über den gewohnten schwarz/weissen Blickwinkel hinausgeht. Natürlich muss kritisch beobachtet und berichtet werden. Aber die weit verbreitete Meinung über diese Dinge ist so langweilig, so oberflächlich und wird diesen Phänomenen einfach nicht gerecht. Fängt ja schon an bei solch einflussreichen Persönlichkeiten wie Steve Jobbs, die gerne und oft zugegeben haben, dass ohne die LSD-Erfahrung, seine Weitsicht und seine Entwicklungen nicht stattgefunden hätten.

Die ganze Veränderung der Kultur aus den 60er Jahren heraus wurde geprägt durch psychedelische Impulse. Wann hat endlich mal jemand die Eier und gibt das öffentlich in seriösen Medien auch zu? Oder nehmen wir nur die Lebensgeschichte von Albert Hoffmann, dem LSD-Entdecker, der über hundert Jahre alt wurde und sich bis ins hohe Alter hinein in bester körperlicher und geistiger Verfassung befand und zeigte.

Das allerbeste Beispiel für eine Integration in den Alltag. Was die Berichterstattung über solche Themen betrifft, befindet sich die ZEIT leider immer noch in der Grundschule bzw. auf BILD Zeitung Niveau. Schade eigentlich… –  Georg Huber


Leserbrief zum Titelbild

Man fragt sich im Blick auf die Berichterstattung in einer Zeit, in der es politisch drunter und drüber geht und unter der vorhandenen politischen Riege kaum Licht am Ende des Tunnels zu erkennen ist, was ein Politiker tun soll, um nicht entweder verteufelt oder als Heilsbringer diffamiert zu werden. Man hat Herrn Schulz allein wegen seines guten Werte bei Umfragen in der Presse einen Heiligenschein verpasst und bei Herrn Macron tut man nun dasselbe.

Weder Herr Schulz noch Herr Macron haben einen Heiligenschein verdient. Aber sie haben es auch nicht verdient unter Verwendung einer christlichen Symbolik als falsche Heilsbringer abgestempelt zu werden. Diesen Selbstanspruch hat keiner der beiden und dann braucht man es auch nicht, dass man es auf diese Weise kritisch kommentiert. Was soll denn nun bitte ein Politiker leisten oder sein, wie soll sich positionieren zwischen Politikverdrossenheit und Heilserwartung?

Eine solche Darstellung ist Bollevardpresse. In der Tat glaube ich an einen Heiland und Erlöser, den die Menschheit gerade in Krisenzeiten dringend nötig hat. Man hat ihn, wegen seiner Überzeugungen, die nicht ins Schema gepasst haben gekreuzigt. – Reinhard Wick


Leserbrief zum Titelbild

Sehr geehrte hochgeschätzte ZEIT-Macher! Wie konnte Ihnen diese Geschmacklosigkeit mit dem „Heiland“ auf der Titelseite passieren?? Mit der Bitte um Weiterleitung an die nächste Redaktionskonferenz! – L. Thekook-Terhalle


Leserbrief zum Titelbild

« Der Heiland ». « Europas Retter », der an den bundesdeutschen Geldsäckel will. Warum so süffisant, liebe ZEIT? Der neugewählte französische Staatspräsident und politische Senkrechtstarter Emmanuel Macron (39) hat längst noch nicht gewonnen.

Nach der selbstverschuldeten Niederlage sinnt die alte republikanische und sozialistische Polit-Elite Frankreichs auf Vergeltung. Der rechtsextreme Front National, demnächst Les Patriotes, rüstet sich für 2022.

Macrons Ideen und Umsetzungskraft haben mit der tiefen Spaltung des Landes, reformunwilligen EU-Vertretern und dem internationalen Kontext zu rechnen. Trotzdem – oder gerade deshalb: Bonne chance! – Ulla Chabrier Möllers


Leserbrief zu „Luthers Klagen sind schon kurios“ von Evelyn Finger und Stefan Schirmer

Danke für Ihren Artikel „Luthers Klagen sind schon kurios“. Da Jesus keine gespaltene Kirche gestiftet hat, ist diese jedenfalls seit dem „Großen Schisma“ 1053 AD. nur noch im Himmel angesiedelt. Luther hatte auch Verbindungen nach Salzburg, wo sein Lehrer und Beichtvater Johann von Staupitz – ab 1520  bis zu seinem Tod 1524 – Abt des Stiftes St. Peter war.

Seine reiche Korrespondenz mit Martin Luther dieser Jahre ließ aber ein bigotter Fürsterzbischof im 18. Jahrhundert verbrennen. Doch in der am 14.dM. schließenden Ausstellung des Museums der Stadt Wien „Brennen für den Glauben“ ist ein eigenhändiger Brief Martin Luthers an einen Angehörigen des Professorenkollegiums der Wiener Universität ausgestellt – mein altes Hirn erinnert sich nicht an den Namen des Adressaten.

Da ich in meinen Studentenjahren Hauslehrer der Kinder der renommierten Industriegraphologin Ditfurth war, die mir ein Talent für diese Zunft zuerkannte, interessieren mich Handschriften. Ich habe auch einige Kenntnisse durch Literatur erworben. Doch gebe ich keine Befunde von mir geprüfter Handschriften ab, weil dazu nicht befugt. Doch riet ich meiner Führerin durch diese Ausstellung, ein graphologisches Gutachten über die Handschrift Martin Luthers einzuholen, die keine gewöhnliche ist – wen kann das wundern.

Die Spaltungen der christlichen Gemeinde verstehe ich als politisches Phänomen, dessen Hure die Theologie ist, ein Vorwand für politische Differenzen. Als Zivil – und Wirtschaftsanwalt weiß ich, wie schwer es ist, Familien und Gesellschafter  an einem Strang ziehen zu lassen. Meinen Berufswunsch, Lehrer zu werden, vermasselte mir eine falsche Diagnose, die mir den Zugang zum kirchlichen Dienst verschloss. Denn dass ein engagierter Lehrer auf eine Familie verzichten muss, erfuhr ich, als man meinen Vater als „Illegalen Nazi „ von seinem Lehrstuhl vertrieb. Er hat das immer verneint, doch als die Österreichischen Akademie der Wissenschaften ihn – ihr Mitglied und Schrödinger – Preisträger – 30 Jahre nach seinem Tod im Februar 1913 in der Zeitung „Profil“ als „Illegalen Nazi“  veröffentlichte und die Heirat meiner Tochter gefährdete, wandte ich mich über die Deutsche Botschaft an das Bundesarchiv in Berlin.

Die Russen waren so schnell, dass nicht nur die für Berlin gebaute Atombombe den Japanern auf den Kopf fiel, sondern auch das gesamte NSDAP-Archiv erhalten blieb. Mein armer Vater brachte es – weil Anhänger des Ständestaates – nicht einmal zum Parteimitglied. Die erbetene Entschuldigung der ö. Akademie der Wissenschaften erwarten  meine -mittlerweile gut verheiratete – Tochter und ich bis heute. Aber auch meinem Lieblingsprofessor in Princeton, wo ich Jahrgangsbester war, Prof. Otto Butz, erging im gelobten Land der Freiheit nicht besser. Er wies mir meinen Lebensweg, indem er im Herbst 1956 in öffentlicher Vorlesung lehrte: „Die Deutschen sind kein besonders kriminelles Volk, sie haben nur eine besonders tragische Geschichte“! Mit dem Vorwurf, er hätte „pro-Nazi- leanings“ wurde er mit Frau (ob mit Kindern, weiß ich nicht), in’s Elend verjagt. Das sind schlagende Argumente für den Zölibat, nach Custine in seinem Werk „Lettres de Russie“ der Ursprung der europäischen Freiheit erkennt.

Das „ehelose Leben“ bekämpft als “unlebbare Vorschrift“ war in der k.&.k. Monarchie das zwangsläufige Los eines Drittels der Bevölkerung, da die Ehe durch Jahrhunderte den „well to do people“ vorbehalten war.

Und wie es unter protestantischen Potentaten zuging, beschrieb Friedrich v.Schiller in „Kabale und Liebe“. So versuche ich, als Schriftsteller zu lehren, nachdem ich als Anwalt wirtschaftlich unabhängig wurde.

Das auf den Buchmarkt gebrachte Werk können Sie dem Ausdruck der Österreichischen Nationalbibliothek entnehmen. Sehr interessant wäre eine graphologische Beurteilung von Martin Luthers Handschrift – Dr. Otto Ludwig Ortner


Leserbrief zu „Gewählt, nicht geliebt“ von Elisabeth Raether

„Wie wird er sein ? Was wird er tun?“ fragt die ZEIT-Journalistin Elisabeth Raether in ihrem Beitrag „Gewählt, nicht geliebt“.

Zur Stunde weiss das niemand so genau. Etwas mehr Klarheit werden erst die Parlamentswahlen im kommenden Juni bringen. Wird Emmanuel Macrons Partei „La République en marche“ die benötigte Mehrheit erringen oder muss der Präsident eine Koalition bilden?

Kaum je hat eine Präsidentenwahl die französische Nation so gespalten. Macrons zumeist junge Anhänger sind begeistert von den Ideen ihres ungewöhnlichen, ideenreichen, „weder links, noch rechts“-Präsidenten und sehen optimistisch in die Zukunft. Für die aufgeschreckten Republikaner kündigte François Baroin bereits scharfe Opposition an. Die in der Wahl weit abgeschlagenen Sozialisten Benoît Hamons lecken ihre Wunden und warten auf gute Ideen. Mélenchons Partei „Unbeugsames Frankreich“ (La France Insoumise) hat Macron den Kampf angesagt. Die gespaltene Führung des rechtspopulistischen „Front National“ wird der Partei nach Marine Le Pens unsäglichem Auftreten im Fernsehduell mit Emmanuel Macron einen neuen Namen, „Les Patriotes“, verpassen.

Am Tag nach der Wahl Emmanuel Macrons (39) zum 8. Staatspräsidenten der Ve République befand EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger: „Unbequem, aber richtig.“ Selbst Wolfgang Schäuble scheint nicht ganz abgeneigt.

Doch die Lage ist schwierig, wie die Autorin und Frankreichspezialistin in Kenntnis der französischen Medien zu Recht schreibt. Man ist gespannt, wie der von Jesuiten geschulte Macron es bewerkstelligen will, seine Reformen durchzuführen, die feindlichen Lager zusammenzuführen und das meinungsgeteilte Frankreich wieder zu einen.

Wenn man der Plattform fr.wikipedia.org Glauben schenkt, hat Macron 2010 der Redaktions-AG der Tageszeitung Le Monde bei Verkaufsverhandlungen seine unentgeltliche Hilfe angeboten, stand aber insgeheim in Kontakt mit dem Vertreter eines Anbieters. Kommt da noch mehr?

François Hollandes (62) scheinbar väterliches Verhalten gegenüber Emmanuel Macron – „Hollande fasste ihn sanft am Arm, damit er bei der Zeremonie nicht falsch abbiegt.“ – bei den Feierlichkeiten vom 8. Mai am Arc de Triomphe war in Wirklichkeit eine paternalistische Retourkutsche des wenig erfolgreichen sozialistischen Präsidenten, der Macron zum Wirtschaftsminister gemacht hatte, bevor dieser zurücktrat, 2016 seine eigene Partei gründete und mit Erfolg kandidierte. Hollande: „Emmanuel Macron m’a trahi avec méthode.“- Ulla Chabrier Möllers


Leserbrief zum Titelthema

François Hollande hatte 2012 ein 60-Punkte-Programm vorgelegt, an dem er sich als Präsident abarbeiten wollte. Viele haben ihm geglaubt und ihm ihre Stimme gegeben. Er ist krachend gescheitert. Emmanuel Macron, sein Nachfolger und Schüler, wie etliche behaupten, hat solche Vorgaben/Versprechen nicht gemacht. Aber auch er wird krachend scheitern: an den „rancunes“ der Altparteien, an den zänkischen und inkompetenten Splittergewerkschaften, an den festgefahrenen sozialen Institutionen (Wochen- und Lebensarbeitszeiten), an Desintegration und Terrorismus. Von ökologischen und kulturellen Prioritäten ist gar nicht erst mehr die Rede. Wo, um Himmels Willen soll da ein Heiland helfend eingreifen? Vielleicht Schäuble mit „unseren“ Milliarden? – Gérard Carau


Leserbrief zu „Wo kommst Du eigentlich her?“ von Henning Sussebach

Wie viele tolle, einfühlsame Reportagen habe ich von Ihnen schon gelesen und archiviert! Und auch die, über die Frage >Woher kommst Du?< hat mich sofort gepackt. Gestatten Sie mir, die Perspektive des Fremdlings ein wenig zu verschieben: Seit über 40 Jahren werde ich gefragt >Warum sitzt Du/sitzen Sie im Rollstuhl?< und ich empfinde diese zumeist aus  ehrlicher Neugier gestellte Frage, keineswegs als Fehl am Platze. Es kommt nicht auf die (möglicherweise falschen) Worte an, sondern auf die Wärme, die von ihnen ausgeht – oder auch nicht.

Nun bin ich 67 und mich bewegt eine andere Frage, die aber sehr nah dran ist, an der Frage nach dem Umgang mit dem Fremden: >Ab wann habe ich/haben wir das Recht, unsere Identität (das  Eigene in seiner ganzen Widersprüchlichkeit) gegenüber dem Fremden zu bewahren?< Muß ich 20 sein,  40, 60 oder 80 ? Mann sein oder Frau? Für Kinder verantwortlich sein, oder nicht? Alteingessener oder (von weit her kommender) Fremdling sein, der sich diese Identität mühsam aufgebaut hat…. >So lange Du solcherlei Fragen, noch auf diese Weise zu formulieren weißt, mußt Du offen bleiben!< antwortete mir einmal ein guter Freund. Das mag zwar ein guter persönlicher Maßstab sein (auch wenn ich nicht weiß, wie ich ihn, wenn es mir schlecht geht, umsetzen soll); ein allgemein gesellschaftlicher ist (bedingungslose) Offenheit allenfalls in der jugendlichen Blüte des Lebens.

Seinen Sie herzlich gegrüßt- und großen Dank für Ihre Artikel – Dr. Walter Grode


Leserbrief zum Titelbild

Emmanuel Macron ist kein Heiland, er kann auch keine Wunder wirken. Nur, dass er quasi im Alleingang, ohne die Unterstützung einer eigenen Partei, von 65,5 Prozent der Wählerinnen und Wähler zum Präsidenten von Frankreich gewählt wurde, grenzt fast an ein Wunder. Und trotzdem wird auch er alleine nichts erreichen können in einer vernetzten, unübersichtlichen Welt wie der unseren. Was haben wir uns alles von Obama erhofft und erträumt!

Mit Trump sind wir dann aufgewacht. Ähnlich könnte es auch Frankreich mit Macron ergehen, wenn er nicht tausende Mitstreiter findet, die ihn unterstützen und die Massen überzeugen. Sonst bleibt er mit seinen Ideen alleine auf weiter Flur bzw. im Ḗlysée-Palast. Und in Frankreich bliebe alles beim Alten. – Egon Hofer


Leserbrief zu „Glamourös ins Aus“ von Sabine Rückert

Danke für den exellenten Artikel; nur am Schluß „So gesehen, könnte der ….. jetzt auch wieder nach Hause zurückkehren zu seiner Ehefrau“ hat es mich tief erwischt! Ist dieser Vorschlag von Ihnen, auch wenn er ganz am Ende eingeschränkt wird mit „(Wenn sie ihn noch will)“ nicht ähnlich brutal? – Aber, welcher Virus grassiert in SH: Der Eine verscherbelt seine für die SPD und HEIDE gesammelten Stimmen an die CDU; die nimmt sie auch noch an und der MP sucht dann eine Landesmutti, sein Erbprinz zieht der Eigenen eine Minderjährige vor; der heutige MP ….. siehe Ihren Artikel. – Aber die Wählerinnen und Wähler in SH haben gerade die Mischung gefunden, die nun zu einem Ringen um die Mehrheit bei der Regierungsbildung führen mußte, und so denke ich: „Süht dat ut ok noch so slecht, dat löppt sik allens wedder trecht“ – nur Torsten, de geiht baden. – Hanna Leinemann


Leserbrief zum Titelbild

Selten habe ich mich über einen Aufmacher so geärgert wie über den der aktuellen Ausgabe Ihrer Zeitung: Der Heiland (Macron mit Heiligenschein)!!!  Bleiben Sie doch bitte auf dem Teppich! Eine Nummer kleiner hätte auch gereicht! Narzisstische Hypes dieser Art haben wir in letzter Zeit genug erlebt (Obama, Schulz), wer so hochgejubelt wird, kann nur enttäuschen! – Konstanze Burger


Leserbrief zu „Tiefenrausch“ von Greta Taubert

Es ist ja ganz nett, zu erfahren, wie einige Menschen ihren Drogenkonsum verbrämen  und welche Sektenszenen sich immer wieder neu bilden; hatten wir alles schon, Otto Mühl lässt grüßen…

Aber dass sie mit der Überschrift „In Deutschland therapieren …. Psychologen im Untergrund mit illegalen Substanzen“ pausschal  und suggestiv einen ganzen Berufsstand diffamieren, finde ich nicht gerade lustig. – Marlies Haveneth-Paul


Leserbrief zur Rubrik „Der unnütze Vergleich“

Wenn Donnerstag morgens die neue „Zeit“ im Briefkasten liegt, gilt mein erster Blick dem „Unnützen Vergleich“. Fasziniert und ehrfurchtsvoll lese ich, mit welchen absurden Ideen Sie aktuelle Zahlenwerke, die keinen Zusammenhang haben, ins Verhältnis setzen. Die Auswahl der Icons zur grafischen Darstellung rundet die Idee jedes mal ab. Ein bereichernder Start in Tag.

Haben Sie eigentlich irgendwo online die gesammelten Werke zum Nachschlagen veröffentlicht? Nochmals vielen dank für Ihre gutn Ideen. – Carsten Scholz


Leserbrief zu “ Unsere Zerrissenheit ist doch das Beste an der Moderne, was wir haben!“ von Thomas Assheuer

Ein mühseliges, zähes Gespräch. Aber es war wahrscheinlich nicht mehr herauszuholen als dieses ewige fatalistische Geraune über den alles zersetzenden Kapitalismus. Und während man dem Anfang des Gesprächs noch folgen kann oder mag, versinkt Herr Menke zunehmend und am Schluss endgültig im Rausch begrifflich-syntaktischer Kunstwerke ohne erschließbaren Sinn.

Herr Menke erscheint mir als typischer Vertreter jener Philosophen, die behaupten, jedem Interaktions- oder Strukturphänomen der menschlichen Gesellschaft eine beabsichtigte Funktion zuordnen zu können. Und die diese Funktion vorrangig darin sehen, das Wahre, das Richtige, das Gute zu behindern oder aber, den Kreislauf der Dummheit zu zementieren. Gesellschaft wird nicht gesehen als Herauswachsen von Strukturen aus Interessenlagen und Interaktionen, sondern als zielgerichtete Installation von Elementen mit Funktionalität durch die Mächtigen („…der Nationalstaat [war] der Versuch…“), als ‚dunkles Zusammenspiel‘ gewisser Akteure. Wohlgemerkt zum (oft bewusst angestrebten) Nachteil derer, die an diesen Installationen nicht ‚demokratisch‘ beteiligt sind, was immer solch beklagter Mangel z.B. im Zusammenhang mit der Finanzkrise bedeuten soll.

So kann man Politik auffassen, wenn man Politik nicht versteht.

Wenn ich Wolfgang Streecks vorausgegangenes, herausragend stringent und sozialhistorisch begründetes Argumentationsgebäude mit Herrn Menkes Gedankengestrüpp und der darin aufscheinenden Ratlosigkeit vergleiche, dann bedauere ich vor allem, dass es im Gespräch nicht gelungen ist (wahrscheinlich: nicht gelingen konnte), sich aus dem schon Marx zum Verhängnis gewordenen Dogmatismus einer intendierten Funktionalität jeder gesellschaftlichen Struktur herauszuarbeiten.

Das leichtfertige Hantieren mit dem von seiner sozialhistorischen Grundierung befreiten Phänomen des (National-)Staates („es gibt keinen Grund für die Annahme, dass der Staat das tut, was er behauptet: im Namen des Allgemeinen zu operieren“) und die Auffassung von Kultur als sozusagen staatlich verordnetes Ausgleichsmoment befremden. Die Vermischung der Begriffe „Recht“ (kodifizierte Prinzipien des Interessenausgleichs) und „Rechte“ (üblicherweise durchsetzbare Ansprüche) verärgert. Und dass Recht lediglich reaktiv sei, dass es immer wieder den sozialen Entwicklungen nacharbeiten müsse – zu einer solchen Auffassung kann eigentlich nur derjenige gelangen, dessen Wissen und Verständnis darüber, wie vielfältig und komplex Zielsetzung, Maßstäbe und Kodifizierung von Recht in der Welt waren und sind, einen eher bescheidenen Rahmen nicht sprengen. – Dr. Matthias Wagner


Leserbrief zu „Längst nicht vorbei“ von Giovanni Di Lorenzo

Sie haben Recht: Es ist noch längst nicht vorbei (s. Leitartikel 11.5.) Ich habe in den letzten 18 Monate viel über das Thema Globalisierung  gelesen  und einen Vortrag darüber gehalten. Dabei fiel mir auf, dass immer pro und kontra  Globalisierung diskutiert wird, aber nicht darüber, wo Globalisierung sinnvoll und zum Vorteil aller Beteiligten ist und auf welchen Gebieten nicht.  Es gibt unbestrittene Gebiete, wie die Vereinheitlichung von Transportsystemen  für Waren und Daten, der Austausch von Wisse u. A. Wie sieht es mit der Landwirtschaft aus?

Westliche Großproduzenten machen in Afrika die Landwirtschaft kaputt. In Europa selbst ist das Subventionssystem aus den Fugen geraten. Da komme ich auf die Artikel von Schieritz und Rudzio auf S. 2. Wenn Frankreich und D. sich hier auf eine Reform einigen könnten, die dafür sorgt, dass die Subventionen der bebauten Flächen kleiner werden, je größer der Betrieb ist, so wäre mancher kleine Bauer in der Bretagne noch aktiv.

Wenn dann noch von  den Subventionen nicht überwiegend der Landbesitzer ( Das größte Adelssubventionsprogramm  der Geschichte) profitiert, sondern auch der Betreiber, so könnte ein Teil der Globalisierungsfolgen gemildert werden.  Meine Bitte an die Zeit: Ob die Redaktion eine Diskussion anzetteln könnte, bei der nicht das Pro und Kontra sondern das Wie und Wo der Globalisierung angesprochen würde.  Schön, dass es DIE ZEIT gibt! – Dr. Götz Dyckerhoff


Leserbrief zu „Fluchtgefühle? Kenn ich nicht“ von Tina Hildebrandt und Peter Kümmel

Wir haben eine repräsentative Demokratie. Linke und rechte Populisten zeigen täglich, wie notwendig sie ist. Die Komplexität der Wirklichkeit ermöglicht eben nicht jedem Bürger ein qualifiziertes Urteil. Auch nicht mit Hilfe der Medien, die ständig den Eindruck vermitteln, als sei es doch möglich. Da hilft auch kein noch so fesches Agieren mancher ModeratorInnen. Und wenn eine von ihnen meint, dass Frau Merkel nicht so weiter machen könne, wie bisher – hat sich Frau Illner m E schon abqualifiziert für eine Wahlkampf-Moderierung z B zwischen Frau Merkel und Herrn Schulz. – H Georg Meyer


Leserbrief zu „Gegen den Schmerz“ von Harro Albrecht

Das AM Tramadol gehört nicht in die Gruppe der BTM`´s.  Der Anstieg der verordneten Opioide ist u. A. mit der erhöhten Zuhname von Substituierten zu erklären, Ersatztherapie bei Heroinabhängigen.

So viele Ungenauigkeiten, daß ich sie nicht aufzählen kann. Bitte mehr Sorgfalt bei so wichtigen Themen. – B. Maass


Leserbrief zum Titelbild

Bedenken Sie bitte, ob das Titelfoto vom 11.Mai 2017  mit „Macron als Heiland“ Ihrem Stil entspricht. Für uns hatte es „Bildzeitungsniveau“

und hat uns geärgert. Glauben Sie, dass Sie es nötig haben mit solch einem „Aufmacherbild“ neue Leser zu gewinnen? Stoßen Sie nicht eher damit Ihre interessierten Leser vor den Kopf? – Dr. Ralf und Sabine Kaysers


Leserbrief zu „Pro und Contra: Sollen wir für Frankreich zahlen?“ von Mark Schieritz und Kolja Rudzio

Die Frage „Sollen wir für Frankreich zahlen?“ trifft nicht den Kern des Problems. Schon seit der Einführung des Euro wurde gewarnt, eine Währungsunion ohne Ausgleichsmechanismen zwischen starken und schwachen Regionen könne nicht funktionieren. Ein solcher Mechanismen könnte die Freizügigkeit sein, wenn Arbeitnehmer einfach dahin ziehen wo die Arbeit ist.

Das funktioniert aus vielen Gründen nicht. Ähnliche Steuer- und Sozialsysteme würden auch helfen, wie auch im Nein-Kommentar erwähnt. Das wird als der politische „Gottseibeiuns“ angesehen: der offenkundige endgültige Verlust der Souveränität, auch wenn der in Wirklichkeit schon mit dem Euro eingetreten ist. Am Ende bleiben Transferzahlungen und Garantien (wie Eurobonds). Wenn nichts davon kommt, wird die Euro-Zone wahrscheinlich auseinanderbrechen, vielleicht durch den Austritt Frankreichs in fünf Jahren.

Noch eine Bemerkung an die Redaktion: ich finde es reichlich unpassend, diese kleinliche Diskussion noch vor dem Porträt Macrons zu bringen. Etwas mehr Abstand wäre angemessen gewesen, vor allem nach den leidschaftlichen Appellen Ihrer Zeitung zur Wahl in den letzten Wochen. – Lutz Reder


Leserbrief zu „Fluchtgefühle? Kenn ich nicht“ von Tina Hildebrandt und Peter Kümmel

Schreck lass nach: Elefantenrunde wieder mit vier (!) Moderatoren/innen?! Die waren letztens schon aus meiner Sicht die eigentlichen Elefanten, nicht die Kandidaten. Mein Vorschlag: ein/e Moderator/in, der/die Teilnehmern aus dem Publikum Fragen stellen lässt und seine/ihre Rolle im Übrigen auf die Einhaltung der Redezeit beschränkt. Das Publikum könnte man – nach Vorbild der irischen Bürgerversammlungen (DIE ZEIT 04/2017) – durch Losentscheidung zusammensetzen. – Dr. Helmut Jungblut


Leserbrief zum Feuilleton

Morgens, noch im Bett, die neue ZEIT. Gleich einen Blick ins Feuilleton; Das Letzte wie immer zuerst. Dann Der Schnurrbart des Präsidenten (S. 46). Unter der Überschrift: …Istanbul, das Erdogan dabei ist auszulöschen. Geht’s noch verquerer? Der Tag fängt ja gut an!

Dann gleich in der ersten Spalte des Textes das epidemisch wuchernde nachvollziehen. Wie kann etwas leicht nachvollzogen werden, was zuvor gar nicht vollzogen wurde, nicht vollzogen werden konnte? Das (nicht vollziehbare) Missfallen kann allenfalls nachempfunden oder vielleicht auch nur verstanden werden. (Jetzt fehlen nur noch das Verb umsetzen und die Fügung davon ausgehen, die in den Medien wie das Unkraut in vernachlässigten Gärten wuchern.)

Und dann das hässliche und fast immer missbrauchte beziehungsweise („Ernstfall mit Witzfigur“  dritte Spalte, erste Zeile). Zur Nachhilfe ein Beispiel für richtige Verwendung: Apfel- und Birnbäume blühen in rosa beziehungsweise weiß. Nicht gerade schön, aber immerhin richtig.

Wie wär’s mit ein wenig Sprachpflege in der Redaktion? – Siegfried Petry


Leserbrief zur Werbeanzeige Türkei

Mich wundert, dass in der Zeit eine Anzeige zur Türkei abgedruckt wird. Wie ich einer anderen Zeitung entnahm, wird darin auf ein Interview Bezug genommen, welches tatsächlich nicht stattgefunden hat.

1.Wie ist eine solche Werbung zu vereinbaren mit der aktuellen Politik in der Türkei insbesondere gegenüber Journalisten? Als Abonnentin der Zeit würde ich gern wissen, wie dies mit der inhaltlichen Kritik vereinbar ist. Wie werden Grenzen definiert? 2. Wie wird die Zeit auf Fake-Informationen diesen Inhalts reagieren? Findet eine inhaltliche Kontrolle von Anzeigen statt? Oder wird abgedruckt, was bezahlt wird? Für eine entsprechende Rückmeldung wäre ich dankbar. – Cathrin Osterloh & Alexander Meinert


Leserbrief zum Titelthema „Der Heiland“

Als seit 20 Jahren in Frankreich lebendender Auslandsdeutscher kann ich Ihre Einschätzung der Situation nach der Präsidentenwahl voll und ganz bestätigen. Richtig: Wenn Macron scheitert, scheitert auch die EU. Deshalb reicht es nicht, die Franzosen ihre „Hausaufgaben“ machen zu lassen. Die werden das nicht tun, solange sie sich als Opfer eines unlauteren Wettbewerbs sehen; solange Großunternehmen ihre Milliardengewinne am Staat vorbei in EU-Steueroasen für ein paar Prozent versteuern dürfen; solange die Entsenderichtlinie dazu führt, dass am Bau nur noch Osteuropäer arbeiten; solange Deutschland Billigfleisch aus Megaställen und Akkord-Schlachthöfen exportiert, während in französischen Schlachthöfen der Mindestlohn auch tatsächlich gezahlt wird und Videokameras über die Einhaltung des Tierschutzes wachen. Nicht nur Frankreich – auch die EU muss sich ändern! Sonst wird es in 5 Jahren nur noch die Wahl zwischen linken oder rechten EU-Gegnern geben. – Joachim Konrad 


Leserbrief zu „Die Verachteten“ von Jan Ross

Der Britische Census von 1872 listet 58,255 Muslime in Arakan, heute gibt es fast 2 Millionen Rohingyas, weiter wachsend. Der Konflikt wird nicht zu lösen sein, wenn man nicht seine demographische Ursache angeht.

In zahlreichen derzeitigen Bürgerkriegsregionen erfolgte im letzten Jahrhundert eine Vervielfachung der Bevölkerung  (Syrien, Afghanistan, Irak, Jemen, Somalia, Sudan).

Viele uns heute als ungeheure Katastrophen erscheinende Konflikte sind nur ein Vorspiel.

Beispiel Jemen: Einwohner pro Quadratkilometer 1950 / 2015 / Prognose 2050:  8 / 58 / 160. Öl- und Grundwasservorräte fast erschöpft. Trotz Hunger und Bürgerkrieg wächst die Bevölkerung weiter. Lösungen nicht in Sicht.

Wären die demographischen Faktoren in Bürgerkriegsregionen nicht ein paar Artikel wert? – Dr. Holger Schmidt-Endres 


Leserbrief zu „Längst nicht vorbei“ von Giovanni Di Lorenzo

Populismus gedeiht auf dem treibsandigen Boden des Nichtwissens und im Schatten des Nichtgreifbaren.

Das war gewiss schon immer so, fällt allerdings heutzutage deswegen vermehrt auf, weil inzwischen die unqualifiziertesten Meinungen und Statements ihre – im wahrsten Sinne des Wortes – Platt-Formen und ideologisch-heimeligen Echokammern gefunden haben.

Darum ist es in der Tat außerordentlich wichtig, dass die demokratischen Parteien die Zeichen der Zeit erkennen, sachlich-inhaltlich „liefern“ und den Populisten somit die Stimme(n) nehmen.

Laute und radikale Ansagen und Versprechungen wider den gesunden Menschenverstand jedenfalls sind allein in den ersten Monaten dieses (Wahl)Jahres überreichlich gemacht worden.Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Rassismus!“ von Josef Joffe

Der Titel Ihres Kommentars hat mich neugierig gemacht, da ich mich seit einiger Zeit mit dem Thema Rassismus auseinander setze. Beim Lesen hatte ich jedoch kein Verständnis für Ihre Argumentationskette. Sie machen sich über Bonnie Tsui lustig, die sich davon angegriffen fühlt, dass es in fast jedem Restaurant einen asiatischen Salat gibt, da diese Bezeichnung einen ganzen Kontinent verallgemeinert.

Ich habe diesen Ausspruch so verstanden, dass sie nichts dagegen hat, dass es thailändisches, chinesisches, japanisches, koreanisches Essen in New York gegessen wird. Das alles sind asiatische Küchen, die sehr unterschiedlich sind, genauso wie die Kulturen, die dahinter stehen. Was also macht den asiatischen Salat so asiatisch?

Sie haben es anscheinend anders verstanden, da Sie damit argumentieren, dass man dann ja auch kein French Toast, Danish Pastry oder Irish Stew essen dürfte. Ich möchte Sie auf zwei Dinge hinweisen: 1. All Ihre Beispiele sind Landes-spezifisch oder haben Sie schon einmal vom europäischen Gebäck gehört? 2. Bonnie Tsui hat, zumindest in Ihrer Schilderung der Tatsachen, nie behauptet, dass man diese Gerichte nicht mehr essen darf, sondern lediglich gefragt, warum der Salat, den Beinamen asiatisch trägt.

Ich persönlich kann Bonnie Tsuis Meinung sehr gut verstehen und interessiere mich dafür, warum Sie die Frage von ihr so umgetrieben hat, dass Sie sie satirisch kommentiert haben. – Wiebke Spree


Leserbrief zu „Wo kommst Du eigentlich her?“ von Henning Sussebach

Herr Sußebach hat einen wichtigen Hinweis leider sehr im Text versteckt: die Frage ist DANN, aber auch NUR dann, nicht rassistisch, wenn ich JEDE Antwort gelten lasse. Das kann man deutlich machen, wenn man das „eigentlich“ in der Frage weglässt. „Woher kommst du?“ unterstellt nicht „sicher nicht von hier“ – das schwingt aber in dem „eigentlich“ mit.

Dieses „eigentlich“ provoziert falsche Antworten. So wollte ich mal von einer Person, die ich jeden Morgen in der S-Bahn traf wissen, wo sie denn einsteigt, da sie immer schon in der Bahn ist, wenn ich zusteige. Also fragte ich: „Woher kommst du eigentlich?“. Ich bekam ein afrikanisches Land als Antwort – und fragte dann entsetzt zurück: „Aber doch nicht heute morgen???“. Der Lacher löste die kurzzeitige Spannung auf.

WIRKLICH rassistisch ist es jedoch, wenn – und auch das habe ich leider mehrfach erleben müssen – Menschen mit einem nicht-kaukasischen Phänotypus auf Englisch angesprochen werden. Mein (Adoptiv-)Sohn hat dunkle Haut. Sein Englisch ist deutlich schlechter als sein Deutsch. Und doch gibt es immer wieder Deutsche, die hartnäckig mit ihm Englisch sprechen wollen, weil sie es einem Dunkelhäutigen nicht abnehmen, dass er fließend Deutsch spricht. Da werde ich dann auch mal sauer! – Holger App


Leserbrief zu “Die Karte des Schreckens” von Felix Rohrbeck

Viele Bürger werden aufgrund der Verkehrs- und Umweltsituation einsehen, dass mittelfristig Autofahren deutlich teurer werden muss. Eine streckenabhängige Autobahnmaut ist eine der denkbaren Stellschrauben. Deren Erträge könnten zweckgebunden in den Erhalt und den Ausbau des Straßennetzen fließen. Darüber hinaus könnte die Höhe der Maut so festgelegt (oder mit der Zeit angepasst werden), dass Überschüsse direkt zur Finanzierung weiterer Aufgaben des Bundeshaushaltes beitrügen.

Nur: Warum will der Staat ganz offenbar diese einmalige Möglichkeit leichtfertig aus der Hand geben und statt dessen die Renditerwartungen privater Investoren bedienen? Eine gut aufgestellte Bundesbehörde würde die Interessen der Allgemeinheit sicher deutlich besser adressieren.

Und wenn man es ganz einfach haben will: Eine  kontrolliert und für die Autofahrer planbar ansteigende Mineralölsteuer (z.B. plus 1c pro Jahr) hat wahrscheinlich ungefähr den gleichen Effekt: streckenabhängige Verteuerung des Autofahrens (sogar auf allen Straßen), plus zusätzliche Einnahmen des Staates. Warum macht man das nicht? – Dr. Ing. Christian Endrikat


Leserbrief zu „Voll daneben“ von Dirk Asendorpf

Zum Problem Pfandflaschen/Einwegflaschen ist anzumerken, dass das System zuvor bereits in Schweden eingeführt war und die Schweden die gleiche Feststellung gemacht haben: die Einwegverpackungen nehmen zu statt ab. Die Schweden hatten auch bereits herausgefunden, wieso: die wahnwitzigen Investitionen in das Rücknahmesystem müssen sich für die Handelsketten irgendwie lohnen, und das geht nur über die Masse und damit zu Lasten von Mehrweg. Obwohl das alles bekannt war, haben die Grünen unter Trittin das durchgeprügelt (ein déjà vue bezüglich der Maut). Neulich schrieben Sie über eine mögliche Wiederauflage des Unfugs bei Glasflaschen.

Müll darf man auch nicht vermeiden. Gehen Sie beispielsweise mal im Supermarkt an die Wursttheke und bitten Sie darum, alles gleich in eine mitgebrachte Plastikdose einzuwiegen. Geht nicht, ist nämlich verboten. Ähnlich sieht es bei anderen Nahrungsmitteln aus, die durchaus lose verkauft werden könnten.

Wenn man ein wenig weiter denkt, wird es vielleicht verständlich, dass viele Bürger die Nase voll von den Ideologen haben und es lieber mal mit einem Populisten versuchen wollen. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Wo kommst Du eigentlich her?“ von Henning Sussebach

Der Artikel von Henning Süssebach ist das beste, was ich über das Thema bisher gelesen habe, ein sehr differenzierter Aufsatz. Herzlichen Glückwunsch.

Nur ist die Frage auf dem Wahlplakat der SPD falsch gestellt. Sie sollte besser so formuliert werden:

Wo kommt Ihre Familie her? Und als Zusatz: Wahrscheinlich haben Sie ja einen deutschen Pass, deshalb die Frage nach der Herkunft Ihrer Familie.

Ich stelle diese Frage häufig. in Frankfurt am Main hat mindestens jeder dritte Einwohner ausländische Wurzeln unter seinen Vorfahren. Die Reaktion ist regelmäßig erfreut, dass man sich dafür  interessiert.  Häufig fragt man ja schon die dritte Generation, bereits in Deutschland geboren. Häufig ist die Herkunft nur noch am Namen oder einem leichten Akzent zu erkennen.

Sensibilisiert bin ich durch meinen eigenen familiären Hintergrund:

Ich bin in Spanien geboren, habe dort die ersten Jahre meiner Kindheit verbracht. Ich hatte einen franzosischer Mädchennamen und als Kind deutscher Elltern die  deutsche Staatsangehörigkeit. Ich bin also eine echte Europäerin.

Mein französischer Urahn, der katholische Jean-Baptiste Lagois, wurde nach Ende des 7-jährigen Krieges 1763 in die Magdeburger Hugenottenkolonie aufgenommen. Wahrscheinlich war er ein Kriegsgefangener  Friedrich des Großen. Er war Analphabet und unterschrieb seine Einbürgerung mit drei Kreuzen.

150 Jahre später hatte mein Großvater im 1. Weltkrieg mit seinem französischem Namen solche Schwierigkeiten, dass er eine Eindeutschung des Namens in Erwägung zog. 40 Jahre später nach dem 2. Weltkrieg wurde ich als Enkelin nur noch gefragt, ob meine Vorfahren als Hugenotten nach Deutschland gekommen seien.

Nun meine Fragen:

Ab wann in den 254 vergangen Jahren durften wir uns Deutsche nennen? Oder anders formuliert, ab wann empfanden uns die Deutschen als Deutsche ? – Dr.med. Katharina von Loewenich


Leserbrief zu „Wo kommst Du eigentlich her?“ von Henning Sussebach

Vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich finde es bemerkenswert, dass Herr Suessbach ein ausgeprägtes Bewusstsein dafür zu besitzen scheint, wie die Frage nach der Herkunft gestellt werden sollte und in welchem Ausmaß das diesbezügliche „Nachhaken“ bei der ersten Begegnung angemessen ist. Meiner Erfahrung zufolge besteht das Problem eher darin, dass erstaunlich viele Menschen ebendieses Bewusstsein nicht besitzen.

Meines Erachtens stört es viele Menschen mit Migrationshintergrund überhaupt nicht, dass sie nach ihrer Abstammung gefragt werden – zeugt sie doch vom Interesse am Menschen – sondern vielmehr WIE dies häufig geschieht.

Je nach Person und Biographie kann die Formulierung problematisch sein, denn während der syrische Flüchtling sich nicht an der Formulierung „Wo kommt du eigentlich her?“ (oder auch sehr häufig „Nein, ich meine wo kommst du WIRKLICH her?“) stört, kann die tagtägliche Beantwortung dieser Frage für jemanden der z.B. in Deutschland geboren und sozialisiert wurde, dessen Vorfahren seit mehreren Generationen in Deutschland leben und der ggf. sein „Abstammungsland“ bislang nur wenige Male im Urlaub kennen lernen konnte, zermürbend sein, da ausländisch aussehenden Menschen nicht zugestanden wird, dass sie aus Deutschland kommen können und ihnen somit die Möglichkeit abgesprochen wird, sich mit dem Land zu identifizieren und ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln.

Solche Kommunikation ist in der Regel außerhalb der Ebene der bewussten Wahrnehmung der Menschen und in vielen Fällen ist keine negative Intention gegeben, doch erstrebenswert ist m.E. die Entwicklung hin zu einer sensiblen, empathischen Sprachkultur, welche Brücken schafft und auch der gewandelten demographischen Struktur Deutschlands entspricht.

Denn der unreflexive Sprachgebrauch – wie sie häufig von Deutschen mit ausländischen Vorfahren erlebt wird – führt m.E. zur kumulativen Entfremdung und Distanzierung zur Nation. Dabei sind sie gerade nicht als Touristen in einem fremden Land unterwegs, sondern in ihrer Heimat. Insofern denke ich, dass je nach Person die Formulierung „Kann es sein, dass Sie Vorfahren außerhalb von Deutschland haben?“, die empfehlenswertere ist. – Sunil Mahendran


Leserbrief zu „Wer hat den dicksten Fisch?“ von Jana Gioia Baurmann

mit großem Interesse habe ich mich auf Ihren Artikel zum Versandhandel mit Lebensmitteln gestürzt, hatte ich doch gehofft, ich würde dort gut recherchierte Antworten auf meine drängendsten Fragen zu diesem Thema finden. Zum Beispiel die, ob es ökologisch sinnvoller ist, mit dem eigenen Auto zum Supermarkt zu fahren oder sich die Wäre liefern zu lassen. Schließlich fährt ein Lieferwagen für viele Kunden. Aber wie weit? Aus welchen Lagern liefern Amazon und REWE und über welche Strecken muss meine Bestellung transportiert werden?

Wer die dickere Forelle liefert, kann ich ganz leicht selbst ausprobieren. Die Recherche aber kann ich nicht selbst leisten. Vielleicht ist das einen zweiten Artikel zum Thema wert – aktuell wird es ja bleiben. – Christoph Ramm


Leserbrief zu „Wo kommst Du eigentlich her?“ von Henning Sussebach

Als Kind einer weißen Deutschen und eines afrikanischen Vaters (ohne Kontakt zum Vater oder nach Afrika) wurde mir die Frage „Wo kommst du eigentlich her?“ schon häufig gestellt. Jedes Mal fühlt es sich an, als ob meine deutsche Identität angezweifelt wird, aber eine andere Identität habe ich nicht und ich bin stolz Deutsche zu sein. Für mich bedeutet diese Frage Ausgrenzung, denn sie signalisiert, dass ich aufgrund meines Erscheinungsbildes nicht wie jemand aussehe, der ganz gewöhnlich in Deutschland geboren und aufgewachsen ist.

Die Frage nach der Herkunft schmerzt immer wieder aufs Neue, denn anders auszusehen ist in Deutschland nicht nur mit Stolz auf die eigene Exotik verbunden, sondern auch mit der steten Angst vor und den Erfahrungen aus rassistischen Pöbeleien und Angriffen.  Häufig wird die Herkunftsfrage von wildfremden Menschen in den ersten fünf Minuten eines Gespräches gestellt und nicht selten wird hartnäckig nachgeforscht: „woher denn wirklich?“.

Dies bringt mich in die Situation meine Ahnentafel ausbreiten zu müssen um meine deutsche Herkunft und Identität zu rechtfertigen, was ich meinem Gegenüber insbesondere in den ersten Minuten des Kennenlernens niemals zumuten würde.  Sicherlich ist der Frage per se kein Rassismus vorzuwerfen, und Herr Sussebach führt auch an, dass er Antworten wie „Hamburg-Altona“ akzeptiert und nicht weiter nachfragt.

Ich wünsche mir dennoch, dass Hautfarbe und Äußeres heute und in Zukunft immer weniger eine Rolle spielen, denn das Aussehen der Deutschen ist vielfältig.  Ich freue mich immer wieder sehr, wenn mein Gegenüber in den ersten Gesprächen meine Hautfarbe nicht anspricht und es ganz normal zu sein scheint, dass eine Deutsche eine dunkle Hautfarbe hat. – Marie Hermann


Leserbrief zu „Wie Guido ist er schon?“ von Matthias Geis

Muss man einen Artikel schreiben, über jemand, den man nicht kennt, von dem man nicht weiß, was er will, dessen Gedanken und dessen Strategie einem verschlossen bleiben. Nein, man muss nicht und wenn man es dennoch tut, macht man sich unter Fachkollegen lächerlich, betritt journalistisches No Go, wenn man seriösen und fundierten Journalismus anstrebt. Und warum tut man es dennoch: Weil drei Tage später in NRW Landtagswahlen sind und man Herrn Lindner und  die FDP schädigen möchte und zaudernde Wähler überzeugen möchte, er sei nicht der Richtige.

Wer Herrn Lindners Gedanken nicht kennt, hat nicht recherchiert, wer seine Strategie und seine Taktik nicht kennt, hat sich damit nicht beschäftigt.

Wie tief will die Zeit noch fallen? Vor Wochen wurde seitenweise, teilweise kundig, teilweise auf schwachem Niveau über Karl Marx, seine Philosophie und seine Rezeption und seine Strategie berichtet. Ihn schien die Zeit zu kennen, Herrn Lindner leider nicht. Gegen Populismus hilft kein Marxismus, schreiben Sie doch mal bspw. einen kundigen Artikel über die Sprachphilosophie und ihre mögliche Aktualität und über die bildungspolitischen Ideen eines großen Deutschen: Wilhelm von Humboldt. Unsere Gesellschaft ist eine liberal-demokratische, einer Wochenzeitung wie Der Zeit stünde es gut an, auch einmal über große liberale Denker zu schreiben oder zumindest sich einmal Kenntnisse über den Vorsitzenden der FDP zu verschaffen.  – Dr. Peter Stolz


Leserbrief zu „Gewählt, nicht geliebt“ von Elisabeth Raether

Noch hat Emmanuel Macron nicht wirklich gesiegt. Vielleicht denkt er manchmal an Barak Obama, vor acht Jahren der strahlende Hoffnungsträger, dessen Amtszeit jetzt   ohne große Erfolge zu Ende ging – nicht einmal das Gefangenenlager Guantanamo konnte er schließen. Seine Feinde im Kongress hatten ihn erfolgreich neutralisiert und wollen jetzt seine wenigen Erfolge zunichte machen. Werden die Wähler in Frankreich klüger sein als die Wähler in den USA und Macron auch in der Nationalversammlung eine Mehrheit verschaffen oder gibt es die nächsten Jahre einen Kampf, den niemand gewinnen kann? – Armin Steinmüller


Leserbrief zum Titelbild

Ein häßlicheres Titelbild mit Emmanuel Macron und dem Wort “Heiland” hätten Sie kaum finden können. Es ist verachtungsvoll und hochnäsig. Das verdirbt auch “ne nous quittez pas” in Nr. 19. In ihm geht es zudem überwiegend auch nur um Nützlichkeit und Geld. Ist denn ganz vergessen, was Deutschland Frankreich im 2. Weltkrieg angetan hat? Ist denn vergessen, was es bedeutet, dass Frankreich in die Versöhnung mit Deutschland eingewilligt hat? Sie hätten sie auch verweigern können. Was diese Versöhnung bedeutete, habe ich noch einmal neu begriffen, als sich das ehemalige Jugoslwien zerfleischte. Ist Frankreichs Haltung zu uns keines Gedankens und keines Dankes wert? – Heide Kalisch


Leserbrief zu “Die Karte des Schreckens” von Felix Rohrbeck

Eine streckenabhängige Maut auch für PKW wird schon länger in Erwägung gezogen. Im Wegekostengutachten von 2014 (gibt’s als Download beim BMVI), auf dessen Basis die LKW-Maut festgelegt worden ist, findet man auch Werte für Busse, Lieferwagen, PKW und Motorräder, die bisher kostenlos die Autobahnen nutzen. Für einen PKW sind dies übrigens ziemlich genau die 2 Cent pro Kilometer, die Ihre Gutachter als Basispreis angesetzt haben.

Aber ist ein entfernungsabhängige PKW-Maut denn nun schlimm? Das ist doch einfach die Anwendung des Verursacherprinzips. Wer die Infrastruktur viel nutzt zahlt einen größeren Beitrag zu ihrer Erhaltung als wer sie wenig nutzt. Heute gibt es im Straßenverkehr zweckgebunden bzw. zuzurechnen für die Infrastruktur

  • pauschal die Kfz-Steuer (
  • entfernungsabhängig die LKW-Maut für LKW auf Autobahnen und (ab Juli 2018) Bundesstraßen
  • verbrauchsabhängig gemäß Straßenbaufinanzierungsgesetz 50 % des Aufkommens aus der Mineralölsteuer( ohne die Erhöhungen von 1999 bis 2003)

Spätestens bei absinkendem Aufkommen der Mineralölsteuer (z. B. durch verbrauchsärmere Autos oder Elektroautos) wird man sich ohnehin etwas neues zur Finanzierung der Straßeninfrastruktur überlegen müssen.Da ist die entfernungsabhängige PKW-Maut ein nachhaltiges Mittel.

Bei der Eisenbahn gibt es keine Flat-Rate für die Nutzung der Infrastruktur, da kostet jeder Kilometer extra, ohne Unterschied auf dem gesamten Schienennetz (also nicht nur quasi auf der Autobahn). Und gemäß Eisenbahnregulierungsgesetz gilt heute Vollkostendeckung für Betrieb und Instandhaltung des Netzes (Neubauten übernimmt der Bund). Im Fernverkehr liegt z. B. der Anteil der Infrastrukturkosten bei etwa einem Viertel des Umsatzes (aus: Marktuntersuchung Eisenbahnen 2014, herausgegeben von der Bundesnetzagentur). Übertragen auf die Fernverkehrsfahrkarte heißt das: Ein Viertel des Fahrkartenwertes (ohne MwSt) gibt der Bahnfahrer heutzutage direkt für Betrieb und Erhalt der Infrastruktur aus. Dass das kein Aufregerthema ist mag daran liegen, dass der Bahnkunde die Infrastruktur direkt mitbezahlt seit es die Eisenbahn gibt.

Dass der LKW im Güterverkehr gegenüber der Eisenbahn trotz streckenabhängiger LKW-Maut weiterhin bevorzugt behandelt wird und so der Marktanteil der umweltfreundlicheren Eisenbahn seit Jahrzehnten stagniert mögen die folgenden Grafiken veranschaulichen. – Ulrich Wenkemann


Leserbrief zur Werbeanzeige Türkei

Herr Erdogan beschimpft die westlichen Staaten in übelster Form, bezichtigt die Bundesrepublik ein Nazistaat zu sein und Vieles mehr.

Wie habe ich es zu verstehen, dass in der ZEIT Nr. 20 ebendieser Staat eine ganzseitige Anzeige schaltet in dem das Entwicklungspotential der Türkei in den optimistischsten Farben dargestellt wird?

Sind wir wirklich schon so weit gesunken, dass wir um des Umsatzes willen alle unsere Prinzipien über Bord werfen? Das hätte ich der ZEIT nicht zugetraut! – Klaus Müller


Leserbrief zu „Gegen den Schmerz“ von Harro Albrecht

Ich meine mich zu erinnern, dass vor gar nicht langer Zeit Deutschland als schmerztherapeutisch rückständig galt, weil  zu wenig Schmerzmittel, vor allem zu wenig Morphine gegeben werden, obwohl diese doch die nebenwirkungsärmsten Schmerzmittel seien.

An meinem Arbeitsplatz erlebe ich, wie alle Schmerzmittel großzügig ausgegeben werden, meist ohne die Patienten  anzuleiten, sie im akuten Fall zur Vermeidung von Schmerzspitzen vorübergehend regelmäßig zu nehmen. Der Patient nimmt dann während der Schmerzspitze endlich mal eine Tablette Ibuprofen oder Novaminsulfon, beklagt sich anschließend über deren Nutzlosigkeit und verweigert die weitere Einnahme. Dem stets gehetzten  Arzt gegenüber klagt er über Schmerzen, der erhöht die Verordnung, setzt gerne Opioide an, ohne sich darum zu kümmern, was der Patient bisher tatsächlich genommen hat.

Ich wünsche mir als pharmaziefreie Schmerztherapie eine Humanisierung unserer Arbeitswelt. Es ist bestimmt kein Zufall, dass ich regelmäßig am ersten freien Tag nach Arbeitstagen starke Kopfschmerzen habe. – Susanne Sänger


Leserbrief zu „Friede, Freude, Moschee“ von Akif Şahin

Große Anerkennung für die Darstellung seiner Erlebnisse in Moscheen und mit seinen Geschwistern im Glauben! Akif Sahin weist auf ein nicht nur im Islam anzutreffendes Dilemma des Religionsverständnisses hin: Reicht es aus, idealisierte Bilder anzubieten, auf die Gläubige sich ausrichten sollen, oder ist unsere Wirklichkeit doch komplexer, so dass Kritik, Hinterfragungen und die Bereitschaft zu Dialog und Kooperation unbedingt dazugehören, wenn unsere Lebensentwürfe erfolgreich sein sollen. Das geht alle Bürger an, denn die gesamtgesellschaftliche Entsprechung lautet: Vereinheitlichung für Alles und Jedes oder Akzeptanz von Vielfalt, Korrigierbarkeit verfestigter Positionen und Öffnung gegenüber Anderen.

Natürlich brauchen wir im Umgang miteinander Regeln, aber keine endgültigen Verhaltensmuster und keine von der Basis irdischen Lebens abgehobenen. Die aktuelle Frage an Muslime – und an alle Gläubigen – ist, ob sich ihr Glaube an verordneten Vorgaben orientiert, deren Nichtbefolgung Strafen nach sich zieht, oder ob sie eigene Erfahrungen zulassen, die unabhängig von vorgegebenen Standards sind. Religionen wollen uns ja schließlich nicht in exklusiv gepachtete göttliche Sphären, sondern zunächst einmal zu uns selbst führen. Sonst würde Glaube keinen Sinn machen, sondern im Für-wahr-Halten von mustergültigen Bildern mit Objektivitätsanspruch stecken bleiben. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Denken können wir selbst“ von Katrin Schmiedekampf

Ich beziehe mich mit meiner Anmerkung auf Ihren überaus interessanten Artikel „Denken können wir selbst!“ (ZEIT, NR. 20, 11. Mai 2017, auch unter http://www.zeit.de/2017/20/volkswirtschaftslehre-studenten-plurale-oekonomik ), der sich mit den Bemühungen von Studierenden um Reformen der VWL befasst.

Auch im Bereich der schulischen VWL regen sich erste Versuche, die VWL bzw. die Fachdidaktik zu modernisieren. Das Düsseldorfer Netzwerk Bildung für nachhaltige Entwicklung hat eine Schulbuchstudie zum Thema „Didaktische Aspekte der Nachhaltigen Entwicklung in aktuellen VWL-Lehrbüchern in der schulischen Bildung“ angeregt, die inzwischen veröffentlicht ist. Hier geht es um Lehrwerke der VWL in Berufskollegs. Siehe unter https://www.duesseldorf.de/agenda21/projekte/nachhaltigkeit-in-unternehmen-schulen-und-vereinen/projekt-16/schulbuchstudie.html . Möglicherweise trifft diese Studie auf Ihr Interesse. – Klaus Kurtz


Leserbrief zu „Mein Reden“ von Oliver Geyer

Danke, dass Sie diesen persönlichen Artikel über Angst geschrieben haben. Ängste lassen sich auf vielfältige Weise lösen und dadurch gewinnt man mehr Freiheit, als man sich vorstellen kann. Verhaltenstherapie und „einfach irgendwie“ sind nur zwei Möglichkeiten. Wichtig ist, so lange auf der Suche nach der geeigneten Angstlösungsmethode am Ball zu bleiben, bis man die richtige für sich gefunden hat und wieder Angst frei leben kann. Da wo die Angst ist, da geht es lang. Keine Wellnessaktion kann einem auf Dauer so viel Lebensqualität bieten wie eine gelungene Angstlösung. – Maria Sohr


Leserbrief zum Titelbild

Im Artikel „Ist der Heiland wirklich weiss?“ schreibt der Autor als Eingangssatz: Er (Jesus) kam aus Palästina.

Nun, alleine dieser Satz löst bei jemandem, der politisch interessiert und über ein Minimum an Allgemeinwissenverfügt, Fragen an der Seriosität Ihrer Zeitung aus.

Entweder soll hier Jesus als Palästinenser (und damit als Nichtjude) dargestellt  und u.a. auch den Juden das Land Israel abgesprochen werden.
Oder der Autor hat keine Ahnung von Geschichte (das Wort Palästina kommt von Kaiser Hadrian nach dem Bar-Kochba-Aufstand 132 n. Chr.) und zeigt auch keine Bereitschaft für eine seriöse Recherche.

So oder so, für Ihre Zeitung sind solche Artikel keine Werbung und müsste eigentlich vor der Veröffentlichung gestoppt werden. – Dieter Mattmüller


Leserbrief zu „Rote Lippen, schwarze Zahlen – Teenies im Spachtelwahn“ von Nina Piatscheck

Mit großen Interesse habe ich den Artikel zum Thema YouTuber gelesen, denn als Editor at Large von BRAVO, BRAVO GiRL! und BRAVO TubeStars bin ich sozusagen auch Expertin auf dem Gebiet. Eine sehr erwachsene zudem, mein Geburtsjahrgang 1964 macht mich unverdächtig, selbst dieser zügellosen Schmink-Generation anzugehören. So weit ich das beurteilen kann, ist das alles tadellos recherchiert. Leider macht der Beitrag aber den Eindruck, als wäre auch diese Autorin von vorne herein angetreten, ihren Lesern die Beweise dafür zu liefern, was die schon immer wussten, nämlich dass früher alles besser war (oder wenigstens normal). Der Beitrag geht von diesen Thesen aus:

  1. Schmink- und konsumsüchtige Tussis verführen naive bis dumme Mädchen zum maßlosen Kauf von Schminke (die jetzt, unfassbar, nicht mal mehr Schminke heißt).
  2. Die böse „Industrie setzt darauf, dass Jugendliche sich an Äußerlichkeiten orientieren.“ Schreck lass nach! Äh, ist das echt der Wirtschaftsteil? Ja, natürlich tun die das. Und zwar schon immer. Oder hat L’Óreal früher Selbstbehauptungskurse verkauft?
  3. Die jungen Beauty-Vloggerinnen stecken neuerdings mit der Industrie unter einer Decke und verdienen selbst Geld, statt – ja, was? Statt sich brav bei einer Agentur als Model zu bewerben und die anderen das Geld mit ihnen verdienen zu lassen?

Das kollektive Kopfnicken Ihrer über 40-jährigen Leserinnen mit ihren maximal fünf dezenten Schminkprodukten ist Ihnen sicher. Zu schade, dass Die Zeit auf einer Linie mit den Nordic-Talking-Klischees der Mütter dieser dem Schmink-Konsum verfallenen Teenager-Mädchen liegt. Die spannenden, kritischen Fragen sind doch ganz andere! Mir fallen so viele Gegenargumente ein. Darf ich bitte auch was dazu sagen? In Ihrer Zeitung? Darf ich bitte einen Artikel dazu schreiben? – Claudia Lück


Leserbrief zu „So schön ist die Schwermut“ von Hanno Rauterberg

Was Sie für Island hielten ist FINNLAND! Auch ich fand das recht witzig und bin zweimal länger „drin“ gewesen. Eine der sehr spärlichen Ausnahmen auf dieser unbeholfenen und faden Häkelbiennale……….

Übrigens Island: Dafür sind Sie zu jung. An dieser Stelle stand einst der Pavillon von Portugal, der aus mir nicht erinnerlichen Gründen in den späten 1980er Jahren abbrannte.

Später haben – ja richtig – die Isländer – den Platz für einen neuen Pavillon genützt (mit bis auf ein einziges Mal mediokren Auftritten). Heuer aber waren die Finnen in diesem (blauen) Pavillon zuhause. – Dieter Tausch


Leserbrief zu „Pro und Contra: Sollen wir für Frankreich zahlen?“ von Mark Schieritz und Kolja Rudzio

Wenn es einem gut geht, dann weckt das Erwartungen. Zumindest in sozial ausgeprägten Ländern. Zu denen wir nun einmal gehören. Und wirtschaftliche Not in Frankreich kann uns nicht gleichgültig lassen. Der Zusammenhalt in der EU ist langfristig gefährdet. Es ist in unserem Interesse, das die romanischen Staaten wirtschaftlich gesunden.

1.) Jetzt muss man leider feststellen, die bisherigen Vorteile durch die EU und den Euro haben in mehreren Ländern nicht zu wirtschaftlichem Aufschwung geführt sondern zu einem Rückgang und zu einem Anstieg der Verschuldung. Inzwischen gibt es schon Auflösungserscheinungen. Die bisherigen “großen Europäer” haben die EU in eine Sackgasse geführt. Brüssel war unfähig England in der EU zu halten. Es wird gesagt, England habe unakzeptable Forderungen gestellt. Die freie unkontrollierte Zuzugsmöglichkeit wurde in Frage gestellt. Während in Brüssel andere Gesetze, wie das, das jeder Staat für seine Schulden selber aufkommt, zwar noch  gilt, aber nicht angewendet werden. Wenn die Mehrheit sich an einem Gesetz stört, vergisst man es einfach. Wenn man aber nicht will, wie im Falle England, dann ist man hart und unnachgiebig. Brüssel ist nicht konsequent.  Romanische Kreise in Brüssel scheinen an einem Austritt Englands interessiert gewesen zu sein.

2.) Jetzt, nach dem Austritt Englands, haben die romanischen Länder erreicht, das die Sperrminorität der nordischen Länder ( sind es 35% ?) in Brüssel nicht mehr erreicht wird. Die romanischen Länder können nun bestimmen. Das muss für uns nichts Gutes bedeuten. Die Äußerungen von H.Piketty lassen Böses ahnen. Wir hatten eigentlich schon immer wenig Einfluss in der EU . In der EZB  z.B.  haben wir wie Malta eine Stimme. Bezahlen müssen aber wir. Wenn wir weitere Zuständigkeiten abgeben, wird es für uns kritisch. So etwas muss reiflich überlegt werden.

3.) Wenn man jetzt Schritte unternimmt, dann sollten und dürfen diese Macron helfen, sie müssen aber auch langfristig der EU helfen. Eine heutige Hilfe für Macron, die woanders und später nationalistische Bewegungen stärkt, wäre fatal. Hilfe zur Selbsthilfe ja, aber keine Zahlungsverpflichtungen auf ewig.

4.) Wie ist das Beispiel USA zu verstehen? So wie ich es bisher verstehe, sind die USA auch ursprünglich mit einer Schuldenvergemeinschaftung gegründet worden. Bis zum Sezessionskrieg. Anschließend wurde jeder  Bundesstaat für seine Finanzen selber verantwortlich und kann heute auch Insolvent gehen. Trotz gemeinsamer Währung. Das man bei gemeinsamer Währung auch im Falle von Schulden immer gemeinsam einstehen muss, wird von der Praxis nicht gestützt. Im Gegenteil.

5.) Das Verständnis in den romanischen Ländern ist vielfach geprägt, von reinem Egoismus mit keinem Sinn fürs Ganze. So hat Eugenio Scalfari, der Herausgeber der Republica in Italien, vor Längerem in der  “Zeit” verlautet, wenn Deutschland nicht die Schulden des Süden übernimmt, dann lädt es die vierte Schuld auf sich ( nach 1.Weltkrieg, 2.Weltkrieg, Holocaust nun die vierte Schuld.) Seiner Meinung nach macht der Süden Schulden und Deutschland muss sie bezahlen. So einfach stellen sich manche Romanen das Leben vor. Wobei Scalfari ein seriöser sympathischer Mensch ist. Kein Nationalist wie z.B. andere. Nun ist Macron von einem anderen Kaliber. Von ihm ist ein besseres Verständnis zu erwarten. So hofft man noch. Wenn aber Cohn Bendit ein enger Vertrauter von Macron ist, kommen mir heute schon Bedenken.

6.) Wenn von unserer wirtschaftlichen Stärke die Rede ist, dann sollten wir uns daran erinnern, das wir 2006 noch der kranke Mann Europas waren. Erst anschließend haben die Reformen der Agenda 2010 gegriffen. Heute wird so getan, als ob die wirtschaftliche Stärke von uns gepachtete wäre. Ist es aber nicht. Wie schnell eine wirtschaftliche Stärke in Frage gestellt werden kann, erleben wir am Beispiel VW. Es kann über Nacht gehen.

7.) Unsere wirtschaftliche Gesundung seit 2006 und die Agenda 2010 sind ein Beispiel, wie eine Erholung vonstatten gehen kann und wie schmerzhaft das Ganze ist.

8.) Wenn Europa zum Schluss eine Schuldengemeinschaft ist, wo der gewinnt, der am meisten Schulden macht, dann scheitert Europa. Es gibt genügend Länder, in denen Leistung honoriert wird und keine Schulden. Länder, die nur darauf aus sind, Europa den Rang ablaufen zu können. Wenn Europa kein leistungsorientierter Kontinent wird, haben wir verloren.

9.) Es gibt heute Probleme, die nicht in erster Linie mit zu wenig Geld zu tun haben sondern mit Strukturproblemen. Zwei Beispiele:

a.)Die schlimme Situation in den Banlieus hängt mit zu wenig Bildung zusammen. Das ist nicht mit Geld allein zu lösen sondern mit Schulen, um die Kinder in 10 Jahren auf ein besseres Niveau zu heben. Das sind Zeiträume die über eine Präsidentschaft hinausgehen. ( wir bekommen jetzt dasselbe Problem mit den Analphabeten aus Nordafrika)

b.) Das die Selbstmordrate unter französischen Landwirten inzwischen ein Thema ist, hängt zwar auch mit zu wenig Geld zusammen, die Ursache ist aber eine verfehlte Agrarpolitik. Dieser Sektor wird  für die Ernährung der Bevölkerung gebraucht. Er ist demnach enorm wichtig. Die Landwirte aber sehen in ihrer Verzweiflung  teilweise keine Zukunft mehr. Betriebe, die mit einem hohen Kapitaleinsatz arbeiten müssen, Land, Gebäude und Tieren, abhängig sind von Wetter, Sonne und Schädlingen, werden zusätzlich  erbarmungslos Marktschwankungen ausgeliefert die an die Substanz gehen und die sie selber schlecht  vorhersehen können. Und wenn sie es bemerken, können sie in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht darauf reagieren. Die Politik ist rücksichtslos. Sie richtet sich nicht nach den Bürgern und deren Bedürfnisse, sondern nach global handelnden Lobbyistengruppen. Dafür wird sie dann allerdings bisweilen auch zurecht bestraft und abgewählt.

Strukturprobleme zu lösen, braucht Zeit und harte Einschnitte.

Meine Sorge ist, man möchte jetzt schnelle optische Erfolge. Was einerseits verständlich ist, andererseits die Gefahr beinhaltet, das daraus später zusätzliche Probleme entstehen. Und die Stimmung im romanischen Lager uns gegenüber ist nicht gut. Bisher haben Optimisten Europa in eine traurige Situation manövriert. – Reiner Püschel


Leserbrief zu „Unsere Zerrissenheit ist doch das Beste an der Moderne, was wir haben!“ von Thomas Assheuer

Man erkennt, wie schwer es Philosophen haben, einen vernünftigen Rahmen zu setzen und nicht weniger schwer haben es die, die diesen Rahmen durch Befragen erkunden wollen. Sie versuchen mit Bravour und Ausdauer der Logik von Herrn Menkes Argumentationen auf die Spur zu kommen, Widersprüche zu erfragen und das Mitdenken und Mitfühlen in seinen Sätzen in Grenzen zu ermöglichen.

Es geht um die drei Aspekte unserer Gesellschaft Kapitalismus, Demokratie, Recht und ihre Entwicklung im Nationalstaat und die Begrenztheit in der Globalisierung. Nach Menke sind die gesellschaftlichen Gegensätze so tief greifend, dass der Staat nicht mehr behaupten kann im Namen des Allgemeinen zu sprechen. Das wird erläutert durch die Feststellung, dass die Kritik des Fundamentalismus insofern berechtigt ist, weil sie darauf hinweist, „dass der Dreiklang aus Kapitalismus, Demokratie und Recht, überwölbt oder begründet durch Kultur, heute nicht mehr funktionieren kann.“ Aber diese Kritik verwechselt dabei – so Menke – „ an den inneren Spannungen des Liberalismus mit der an der inneren Zerrissenheit und Entfremdung als solcher“. Denn er sagt: „unsere Zerrissenheit ist doch das Beste an der Moderne, was wir haben.“

Man fragt sich, ob nun die Spannungen innerhalb des Liberalismus (das Subjekt gegen das Allgemeine) oder „die Entzweiung von und in sich selbst“ ein besonders neuer oder erhellender Gedanke ist. Dass ein Vertreter der Frankfurter Schule die gesellschaftlichen Fragen mit einem starken Bezug auf die persönlich subjektive Ebene versucht zu beschreiben, irritiert. Auch der Vorschlag, dass eine Alternative zum Liberalismus deshalb „die Entzweiung der Freiheit verwirklichen“ muss, bleibt unscharf.

Offenbar sind das Aufdecken und die Analyse von Entfremdungen, Gegensätzen und Widersprüchen weiter das Anliegen der Linken. Deren (Schein-) Auflösung überlässt man jedoch den Rechten. Den Umbau der Gesellschaft müssen Pragmatiker innerhalb der westlichen Demokratien mit einer großen Prise Kapitalismus und kleineren des Rechts vornehmen.

Die Diskussion über die Entpolitisierung des Rechts legt offen, dass es Menke nicht darum geht, eine rechtliche Struktur durch ein demokratisch gewähltes Parlament zu schaffen oder zu korrigieren, um so Widersprüche in der Gesellschaft zu reduzieren. Er bezweifelt, dass das möglich ist und setzt auf die Politisierung der Gesellschaft. Hier werden erschreckende Deutungen sichtbar. Man ahnt, dass der Weg zu einer totalitären Basisdemokratie und die Negierung einer Funktionselite sehr nahe bei den rechten Bewegungen sind. Die Entfremdung aufzuheben, war immer ein (unsinniger) linker Traum, der aber meist von den Rechten aufgegriffen und mit dem Hinweis auf das Volk, die Nation, die Wurzeln des Ganzen versucht wurde und immer noch wird zu verwirklichen.

Eine gutes Interview und eine interessante Diskussion mit erschreckenden Lichtblicken. – Drs. Gerda und Hans Lazarus


Leserbrief zu „Gewählt, nicht geliebt“ von Elisabeth Raether

Wenn Cohn Bendit Einfluss auf Macron bekommt oder schon hat , dann hat Deutschland nichts Gutes zu erwarten. In der Flüchtlingskrise hat Cohn Bendit verlautet, nicht die Flüchtlinge haben sich an Deutschland zu gewöhnen, sondern die Deutschen sollen sich an die Flüchtlinge gewöhnen.

Cohn Bendit, mit einem französischen Pass ,sollte die Probleme in Frankreich kennen. In den Banlieus oder in Marseille gibt es Wohnviertel zu Hauf, in denen Zugewanderte sitzen, die den Anschluss an die französische Gesellschaft aufgrund zu geringer Bildung  nicht geschafft haben. Die Attentäter in Paris und Brüssel sind dort auch geboren. Sie handelten, weil sie keine Lebensperspektive entwickeln konnten.

Man tut Cohn Bendit kein Unrecht, so glaube ich, wenn man ihm unterstellt, das er Deutschland eine ähnlich schwierige Lage wünscht, wie sie in Frankreich schon lange vorliegt.

In ihm haben wir einen besonders guten Freund. – Reiner Püschel


Leserbrief zu „Wo kommst Du eigentlich her?“ von Henning Sussebach

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel in der letzten Ausgabe der Zeit gelesen. M.E. übersehen Sie leider ein paar entscheidende Punkte:

Ich persönlich habe diese Frage als Kind noch mit großem Stolz beantwortet, obwohl ich aus der zweiten Generation bin. In den letzten Jahren hat sich das aber sehr geändert. Je mehr man Ausländerhass, Diskriminierung und racial profiling mitbekommt, desto vorsichtiger wird man. Ja, alle diese Sachen gibt es in Deutschland! Seit der Flüchtlingskriese wird der Rassismus noch wesentlich deutlicher geäußert – besonders im Internet. Das motiviert nicht gerade Fremde über die Herkunft seiner Hautfarbe zu informieren.

Sie sprechen in Ihrem Artikel Michel Abdollahi an, den ich wirklich sehr bewundere – ganz besonders die Offenheit die Sie beschreiben. Dazu gehört aber eine große Portion Mut. Ich würde mich nicht trauen für mehrere Wochen nach Jamel zu ziehen oder auf Neonazi-Demos über modische Erscheinungen zu diskutieren. Ob er das auch ohne die Kamera könnte?

Ich möchte den fragenden in den meisten Fällen keinen Alltagsrassismus unterstellen. Für den Beginn einer Konversation finde ich sie aber ungeeignet. Ich weiß nämlich in dem Moment nicht, ob jemand meine Berechtigung in diesem Land zu sein in Frage stellen möchte.

Ein interessantes Buch, in dem es um diese Thematik zum Teil geht haben drei Kolleginnen von Ihnen geschrieben: „Wir neuen Deutschen“!

Die Offenheit zu leben, die Sie beschreiben ist leider nicht so leicht zu praktizieren, wie Sie sich das vorstellen. Zumindest nicht hier in Deutschland.  – Marcus Elsäßer


Leserbrief zu „Wie Guido ist er schon?“ von Matthias Geis

Mit Ihrem Artikel stimme ich nicht überein. Westerwelle ist an Ideenlosigkeit gescheitert. Er hat aus der FDP die Partei der Besserverdienenden gemacht. Und kaum in der Regierung 2005, hat er der Hotelbranche eine Halbierung der Steuersätze beschert. Sein Wirken hat weder für die Partei noch für die Nation etwas Gutes bewirkt. Und deshalb ist er mit seiner damaligen FDP zu Recht gescheitert.

Bisher hat Lindner nicht erkennen lassen, das er ebenso naiv ist. – Reiner Püschel


Leserbrief zu „Längst nicht vorbei“ von Giovanni Di Lorenzo

Ziemlich erstaunt habe ich ob. Artikel auf S. 1 der letzten „Zeit“ gelesen. Sie schreiben u.a.:

  1. Die Globalisierung hat die soziale Lage in der Welt verbessert: dies mag in einigen aufstrebenden Entwicklungsländern der Fall sein. In vielen Teilen hat sich die soziale Lage eher verschlechtert. Ich  behaupte, dass dies auch für unser Land gilt. Steigende  Durchschnittseinkommen zeigen ein völlig falsches Bild, da wenige sehr  stark profitiert haben, sehr viele aber stark zurück geblieben sind.
  2. ….sie hat Länder zusammenrücken lassen: Diese Aussage gilt vielleicht für die Zeit bis vor 2 Jahren. Offensichtlich haben Sie nicht mitbekommen, dass seither genau das Gegenteil eingetreten ist.  (USA, Brexit, Türkei, Ungarn, Polen…….)
  3. ….und ein Gefühl der Gesamtverantwortung für Leid und Unrecht auf allen Kontinenten entstehen lassen.   Auf welchem Planeten leben Sie eigentlich? Ich erlebe genau das  Gegenteil. Denken Sie doch mal an das Verhalten der europäischen  Staaten im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise! Oder an die  verheerende Situation in vielen Teilen Afrikas! Von all dem haben Sie  scheinbar nichts mitbekommen.  Ich habe selten einen derartigen Stuß gelesen und bin froh, dass ich  dieses seltsame Blatt abbestellt habe. – Walter Ziegler

Leserbrief zu „Unter Deutschen“ von Dmitrij Kapitelman

Leider ist Herr Kapitelman inzwischen bei Folge 8. Warum sage ich das? Wenn Außenstehende diese Artikel lesen, bekommen sie  den Eindruck, dass es sich hier um eine Konklave der Rechtskultur handelt, in der Gesetzte des Rechtsstaates ausgehebelt sind und  die „von friedlichen Bürgern mit dem Lebensgefühl der Angst, der Wut, der  Ohnmacht“ bewohnt wird.

Der Autor fühlt sich auf der Friedrichstraße in Berlin endlich wieder in Sicherheit und entspannt sich usw. usw. Die Schilderung des Alltages sind Geschichten aus einem Horrorkabinett, wo Flüchtlinge gejagt werden und Bürger nicht sprechbereit sind. Untermalt  wird der Eindruck durch Zeichnungen, die aus einem düsteren Comic stammen könnten, der irgendwo in Mexiko spielt.  Wurden je gesellschaftliche Spannungen durch Stigmatisierung und vertiefende negative Klischees gelöst? Wem Unrecht getan wird, verbockt sich unter Umständen noch mehr.

Somit kann die Artikelserie als nicht hilfreich anzusehen sein, um Spannungen abzubauen.  Im Gegenteil.  Eine Gruppe von Menschen noch mehr an den Rand unserer Gesellschaft zu drängen, hat noch selten etwas gebracht. Hier sind andere, positive Herangehensweisen gefragt.

Um in Bautzen gesprächsbereite Leute mit vernünftigen Ansichten zu treffen, kann ich  das Steinhaus oder die Buchhandlung Kretschmar, beides auf der Stein- straße zu finden, empfehlen. Zu entdecken gibt es so manches sehr Positives im Städtchen.  Das muss man aber auch entdecken wollen.  – Petra Jugl Hartmann


Leserbrief zu „Längst nicht vorbei“ von Giovanni Di Lorenzo

Sie schreiben so schön: Denn die Gefahr, die von populistischen Parteien ausgeht, ist keinesfalls gebannt. Dieser Satz sagt viel aus. Alle diejenigen, die Kritik an den bestehenden Altparteien üben, und nun auf Stimmenfang aus sind, sind Populisten.

Warum aber haben solche neuen Parteigründungen manchmal Erfolg und Zulauf? Weil sie Missstände aufs Korn nehmen. Ein Staat, in dem die Missstände prozentual im Rahmen bleiben, ist nicht gefährdet. Ein Staat, in dem die Missstände ins Gewicht fallen, dort kann in einer Demokratie die bestehende Regierung zum Glück abgewählt werden. Ohne Demokratie blieb früher nur ein gewaltsamer Umsturz übrig.

Sie lassen erkennen, das Sie die Sorgen und Nöte von Bürgern überhaupt nicht interessiert.

— Sicher ist die Globalisierung und der freie Handel ein Segen für die Menschheit. Aber wie das so mit allen Vorteilen ist, es gibt auch Nachteile. Die Verelendung im Rust-Belt in den USA war so eine Folge. Und eine kluge Staatsführung wäre bestrebt gewesen, dieses  Problem zu lösen. Nicht so die westliche Welt. Sie richtet sich nur nach global handelnden Aktiengesellschaften aus. Die Ausbeutung der Arbeiter in den Entwicklungsländern ist ebenso ein Nachteil der heutigen Globalisierung der noch nicht genügend Thematisiert worden ist.

— Das Lohndumping in England aufgrund der Zuwanderung aus Osteuropa ist dort zum Problem geworden. In Europa muss die freie Ortswahl eine Selbstverständlichkeit werden. Aber am Anfang, bei großen wirtschaftlichen Gefällen? War es nicht möglich, diese Regelung zeitlich  aufzuschieben? Bis das wirtschaftliche Gefälle nicht mehr so groß ist? Muss ich Europa heute einer Gefährdung aussetzen? Brüssel meinte ja, deshalb haben wir einen Brexit.

— In Frankreich ist der Selbstmord von Landwirten ein Thema. Bauern sehen aufgrund von Hoffnungslosigkeit keine Zukunft mehr. Anstatt über Marie Le Pen zu schimpfen, sie verspricht, sich der Sache anzunehmen, sollte man fragen, wie kann es sein, das ein für die Ernährung der Nation wichtiger Berufstand in Hoffnungslosigkeit verfällt. (verfehlte Agrarpolitik)

— In den Banlieus lies man Parallelgesellschaften entstehen, wo einzelne Personen zu Attentäter geworden sind. Unfähige Politiker lassen No-Go Äreas entstehen. Inzwischen auch bei uns.

Wenn diese sogenannten Populisten Erfolg haben, dann nur, weil die Etablierten gravierende Fehler machen. Weil die neuen Heilsbringer aber in den seltensten Fällen wirklich geholfen haben, in der Regel haben sie ihre Wähler noch mehr in Probleme hineingeritten, wären Taten angesagt. Helfen würde also nur, wenn die etablierten Parteien sich der Probleme annehmen würden. Eine Verteufelung der Kritiker als Populisten alleine ist fatal. – Reiner Püschel


Leserbrief zum Titelbild

Das Titelbild vom 11.5.2017 hat meinem Vertrauen in die Ernsthaftigkeit Ihrer Zeitung einen heftigen Stoß versetzt. Heiligenschein und Überschrift „Der Heiland“ auf dem Foto von Emmanuel Macron – das ist unter jedem Niveau, gleichgültig ob man Macron schätzt oder nicht. Fehlt nur noch die Anspielung darauf, der Kandidat bzw. jetzige Präsident könne über das Wasser laufen. Hat sich nicht schon bei der Ernennung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten und Vorsitzenden der SPD gezeigt, dass die Verbreitung von solchem Unsinn, d.h. von derlei religiösen Bildern, nicht nur unangemessen, sondern auch politisch dumm ist? – Dr. Birgit Fenner


Leserbrief zu „Gegen den Schmerz“ von Harro Albrecht

Vielleicht irre ich mich; aber ich glaube mich zu erinnern, dass die Schmerztherapie hierzulande vor wenigen Jahren in Ihren Artikeln als Entwicklungsland beschrieben wurde und die Defizite in den entsprechenden Verordnungen der Opioidi gegeisselt wurden. Gerade gegenüber chronischen Schmerzpatienten und hier Rückenschmerzpatienten.

Und jetzt diese „Weisheiten“, die in der Schmerztherapie seit Jahren bekannt sind und in den entsprechenden QZ der Schmerztherapie befolgt werden.

Zu einer seriösen Presse gehört auch die Eigenwahrnehmung, die Rückverfolgung der Berichterstattung .

Und die Spurensuche. Nicht ein paar „Domestiken“ zu zitieren, sondern sich mit der Die Vielfältigigkeit der Schmerztherapie erfahren Sie am besten den entsprechenden Qualitätszirkeln. Besuchen Sie uns mal in Schleswig. – Eckart Schermuly


Leserbrief zu „Schatten-Spender“ von Christian Fuchs Und Fritz Zimmermann

Anlässlich der NRW Wahl etwas zu einem Themenkreis der meiner Meinung nach eine Rolle gespielt haben dürfte. Eventuell etwas zu lang für einen Leserbrief, vielleicht ist´s ja gut genug für einen Artikel.

Wie müsste Migrationspolitik entworfen werden um möglichst wenig Kriegsflüchtlingen zu helfen, rechtsnationale Parteien zu fördern und die EU auseinanderzutreiben ?

Als Allererstes darf Migration keinesfalls mengenmäßig beschränkt werden. Jeder der will, soll kommen dürfen. Die Grenzen müssen offen sein und können sowieso nicht kontrolliert werden, Zurückweisungen sind ein Tabu.

Zweitens ist jedes Hinterfragen der Migrationsmotivation eine Diskriminierung der Einwanderer. Ob Menschen aus Gründen religiöser, sexueller, politischer, ethnischer Verfolgung oder „nur“ Diskriminierung, sei´s aus Armut, Arbeitslosigkeit, Hunger, Bevölkerungsdruck, schlechtem Lebensstandard oder weil man mehr als die erlaubte Anzahl Kinder bekommen will (China, aus gutem Grund) nach Europa einwandern wollen oder Kriegsflüchtlinge laut Genfer Konvention sind, darf keinen Unterschied machen. Auch wenn dann der überwiegende Teil der Weltbevölkerung bei uns asylberechtigt ist.

Drittens müssen uns die Resultate der Migrationspolitik egal sein. Dass am Höhepunkt der Flucht & Migrationswelle zwei Drittel der ankommenden Menschen keine Syrer, zwei Drittel keine Frauen und Kinder waren – sei´s drum. Inzwischen lautet das Verhältnis laut UNICEF/UNHR 80/10/10, 80% der Migranten (UNHCR wording) auf der Mittelmeerroute sind (junge) Männer, 10% Frauen, 10% Kinder. Wir nehmen also die starken Männer mit genug Geld für die Schlepper auf und lassen den Rest, Frauen & Kinder, zurück. Egal.

Viertens müssen wir, die wir diese Migrationspolitik einseitig festgelegt haben, von allen anderen EU Staaten „Solidarität“ einfordern, allerdings ohne Mitspracherecht. Und alle die sich nicht beteiligen wollen als rechtsnationale (Pseudo-) Diktaturen beschimpfen (nicht dass Polen und Ungarn nicht auf dem Weg dahin wären). Das wird den unwilligen Staaten hoffentlich klar machen dass wir den einzig moralisch richtigen und wahren Standpunkt einnehmen.

Überaus hilfreich ist es überdies, eventuelle Probleme, welche sich durch die Zuwanderung ergeben, zu negieren und deren Benenner als Rechtsradikale zu bezeichnen.

Ich finde, die politische Entwicklung in Europa zeigt die Folgen einer solchen, nämlich nicht vorhandenen, Migrationspolitik. Rechtsnationalismus und Radikalismus nehmen zu, die Spannungen zwischen den EU Staaten steigen und beim Brexit wirkte die als „Willkommenskultur“ bezeichnete Konzeptlosigkeit wie ein Brandbeschleuniger. Bemerkenswerterweise sagt die deutsche Bundeskanzlerin Merkel schon lange nichts mehr von nicht kontrollierbaren Grenzen, statt dessen lässt sie in Bayern die Grenzen dicht machen und beschwert sich über „No-Go-Areas“ in Nordrhein-Westfalen (NRW). Die letzten Verteidiger dieser letztendlich kontraproduktiven Migrationspolitik sind Teile der Sozialisten und Grünen, die jetzt gerade in NRW massiv abgestraft wurden. Die Menschen wählen lieber jemanden der einmalig einen Fehler gemacht hat, als jemanden der verspricht an diesem auch weiter nichts zu ändern.

Was wäre also zu tun, wenn Europa das Thema Flucht und Migration bestmöglich (Betonung auf möglich) lösen wollte ?

Zuerst müssten wir uns auf eine Menge an Menschen einigen, die wir jährlich aufnehmen können. Mein Vorschlag wäre, wir setzen uns EU weit das Ziel die Bevölkerungszahl von 510 Millionen Einwohnern zu halten. Bei einer EU weiten Geburtenrate von 1,57 Kindern pro Frau und einer angenommenen Lebensdauer von 80 Jahren ergibt das derzeit eine jährlich mögliche Zuwanderung von 1.370.000 Menschen. Von dieser Quote könnten 40% an Flüchtlinge gehen und 60% an Migranten. Bei diesen Migranten suchen wir analog zum kanadischen Einwanderungssystem aus, welche Menschen mit welcher Qualifikation wir aufnehmen wollen (Punktesystem).

EU Länder mit hohem Geburtendefizit dürfen sich auf Wunsch um eine höhere Einwanderungsquote aus dem Gesamttopf bemühen und die EU würde je aufgenommenem Flüchtling für 10 Jahre Gelder überweisen, analog zu Agrar oder Strukturzuschüssen. Diese würden in das Bildungs und Sozialsystem des Aufnahmestaates investiert. Bei 50.000 Euro pro Flüchtling und Jahr wären das anfangs nur 0,17% des EU BIPs von 15.8 Billionen Euro, nach 10 Jahren Vollauslastung ohne Änderung der Situation maximal 1,7%. Zur Finanzierung dieser Zahlungen kann die EZB speziell zu diesem Zweck unlimitierte Tender wie damals zur Bankenrettung auflegen. (Die zur Rettung der Banken aufgebrachten Summen waren übrigens bei Weitem höher.)

Gleichzeitig muss das Botschaftsasyl wieder eingeführt werden. Wer auch immer auf diesem Planeten sich verfolgt fühlt muss es nur bis zur nächsten Botschaft eines EU Landes schaffen, dort kann er/sie dann um Asyl ansuchen. Wer der Genfer Konvention entspricht wird von der EU per Schiff oder Flugzeug abgeholt. Wer kein Flüchtling ist und trotzdem einwandern will kann ebenfalls in den Botschaften darum ansuchen, würde dann nach Genehmigung ein Einreisevisum erhalten und könnte einen normalen Flug statt eines Schleppers buchen. Das hätte den unfassbar großen Vorteil dass die Menschen nicht in der Sahara verdursten, im Mittelmeer ertrinken oder in libyschen Lagern ausgebeutet werden. Und wir könnten entweder die wirklich Bedürftigen und Hilflosen oder die besonders Talentierten aufnehmen. Nebenbei müssten wir nicht riesige EU Flüchtlingslager in Ländern wie Libyen gegen Milizen und Gangster verteidigen. Eigentlich ausschließlich Positives. Nur die Schleppermafia und diverse Menschenhändler wären pleite.

Das macht es allerdings erforderlich, Menschen, die weder Flüchtlings noch unsere Zuwanderungskriterien erfüllen, ausnahmslos zurückzuweisen. Die Menschen dieser Welt müssen wissen, herrscht in ihrem Land Krieg, finden sie bei uns Schutz. Wollen sie ein besseres Leben, gibt’s es die Möglichkeit der legalen Zuwanderung. Aber es gibt keinen dritten Weg. Sobald wir diesen zulassen, fängt der Kreislauf mit Lagern in Libyen oder anderswo, Schleppern sowie dem Tod in der Wüste und dem Meer wieder an. Menschen die von uns nicht als Flüchtling oder Migrant anerkannt werden oder erst gar nicht am Anerkennung angesucht haben, müssen umgehend wieder in das Land zurückgebracht werden, aus dem sie in die EU aufgebrochen sind, die wirtschaftliche Macht der EU dürfte als Druckmittel für die Rücknahme ausreichen. Und wer sollte dann noch in Bürgerkriegsländer wie Libyen „flüchten“ wenn er weiß, es gibt von dort keinen Weg nach Europa ?

Ich glaube fest daran, wenn die EU zusammenarbeitet und für Flucht und Migration Regeln festlegt, dann können wir dieses Problem lösen. Wir können Menschen in Not helfen, wir können Menschen eine Perspektive bieten und wir können unseren Bevölkerungen die Gewissheit geben dass Zuwanderung nach unseren Regeln und kontrolliert geschieht.

Die Alternative sehen wir jetzt schon. Junge afrikanische Männer, die sich durch die Sahara nach Libyen durchschlagen um von dort übers Mittelmeer in die EU zu gelangen. Mit dem Tod als ständigem Begleiter. Und syrische Mütter mit Kleinkindern bleiben überhaupt auf der Strecke. Dafür wächst in Europa die Intoleranz gegenüber „Fremden“.

Mir ist ein weltoffenes Europa, das vielen Menschen eine Heimat sein kann und will, lieber – zu unseren Regeln. Nachdem wir damit erfolgreich waren können wir die restlichen Industrienationen ja auch noch fragen ob sie sich nicht beteiligen wollen. Und dann wäre da noch die Sache mit der Verbesserung der weltweiten Lebens & Wirtschaftsbedingungen, aber das ist ein eigener Problemenkreis. – Chris Veber


Leserbrief zu „Längst nicht vorbei“ von Giovanni Di Lorenzo

Ich bin weitgehend mit Ihnen einverstanden über die Art und Weise wie Sie auf die Fragestellung, ob die Populisten in Europa und Deutschland zurückgedrängt sind, antworten: „Nur, wenn die etablierten Parteien nicht in alte Muster verfallen! Spricht Selbstgefälligkeit, Wurschtigkeit“, aber auch Machtbesessenheit und zum Teil in die besserwissende Arroganz vieler Parteifunktionäre, die „Die Wahrheit“ verkünden / vermitteln und alle andere doch „keine Ahnung haben“.

Sie haben ja Recht Herr Di Lorenzo, die Gefahr von populistischen Parteien ist keinesfalls gebannt; der Kampf der Populisten hat gerade erst begonnen und, meines Erachtens viel wichtiger noch, die Populisten können nur mit den Fehlern aller anderen gewinnen und nicht aus eigener Kraft.

Aber Herr Di Lorenzo, bitte, führen Sie das tiefer aus: „Die Globalisierung hat die soziale Lage in der Welt verbessert, sie hat Länder zusammenrücken und ein Gefühl der Gesamtverantwortung für Leid und Unrecht auf allen Kontinenten entstehen lassen.“

Die Globalisierung als ganzen (Welt-)Transformationsprozess ist eine Errungenschaft die viele positiven Seiten mit sich bring aber auch viele soziale, politische, wirtschaftliche und umweltspezifische Probleme intensiver und komplexer macht. Nicht alle Folgen der Globalisierung sind schlecht, aber man kann nicht deswegen davon ausgehen, dass sich dadurch die soziale Lage, und zwar in der ganzen Welt, verbessert hat. Vielleicht ist die Globalisierung gefühlt besser aber nicht in der realen Welt, wo Ausbeutung, Kriege, Korruption und Ungerechtigkeit wie Plagen auf der ganzen Welt herrschen.

Und bitteschön Herr Di Lorenzo, Sie nennen Kollateralschäden (das Wort welches in dem Mund eines Oberstgenerals der US-Armee nicht nur dramatisch sondern auch ironisch klingt), die Zunahme der Gefälle zwischen Arm und Reich innerhalb der einzelnen (alle!) Gesellschaften, oder, nennen Sie (auch als Kollateralschäden gemeint) die Einwanderung und Flüchtlingswellen als Gründe für soziale und kulturelle Veränderung in vielen Ländern, was so klingt als ob diese soziale und kulturelle Gefüge gesprengt würden…

Schade, ich mag Ihre Art und ihren Still und Teile mit Ihnen viele Einstellungen, Positionen und Argumente über unterschiedliche soziale und politische Themen über die Sie sich geäußert haben (meist in die Presse aber auch in TV-Talkshows), sonst würde ich Sie nämlich gerne zu „D17 Deutschland spricht“ einladen. – Dr. Adrian Vergara


Leserbrief zum Titelbild

Können Sie mir bitte 2 Photos von „meinem“ Präsidenten Macron mit dem Heiligenschein Schicken?Es war wirklich eine gute Idee.

Vielen,vielen Dank! – Gérard Ménard


Leserbrief zu „Damals – September 1936“ von GVR

In der ZEIT vom 11. Mai 2017 ist auf Seite 11 das bekannte Foto von Robert Capa aus dem Spanischen Bürgerkrieg abgebildet, das den Augenblick zeigt, in dem ein republikanischer Milizionär tödlich getroffen wird. Nun hat Philipp Blom in „Die zerrissenen Jahre. 1918-1938“, Hanser Verlag 2014, Seite 481f. dazu geschrieben, „in Wirklichkeit ist nichts daran (sc. an dem Foto) so, wie es scheint. Detaillierte Nachforschungen haben den genauen Ort, an dem das Bild aufgenommen wurde, identifiziert und gezeigt, dass es dort zum Zeitpunkt der Aufnahme keinerlei Kampfhandlungen gab und dass der abgebildete Soldat nicht von einer Kugel getroffen wurde, sondern bei einem Manöver in vollem Lauf vielleicht einfach gestolpert war, wenn die Szene nicht von vornherein nachgestellt wurde.“

Dass außerdem das Foto nicht von Robert Capa, sondern von seiner Partnerin Gerda Taro aufgenommen wurde, und dass Capa dieses Bild nach dem tragischen Tod von Gerda Taro unter seinem (Künstler-)Namen Robert Capa verkaufte, beschreibt Blom ebenso.

Vorausgesetzt – Philipp Blom hat recht. Hat er das?

Freilich: Egal, wie die Historie wirklich gewesen ist, an der beklemmenden Symbolkraft dieses Fotos ändert das nichts.

Aber es wäre fair, wenn Gerda Taro nicht nur dem Vergessen entrissen, sondern auch ihre Bedeutung gewürdigt würde. – Reinhard Stawinski


Leserbrief zu “ Unsere Zerrissenheit ist doch das Beste an der Moderne, was wir haben!“ von Thomas Assheuer

Demokratie als Rechtsstaat auf der einen Seite und die Auswüchse eines entfesselten Kapitalismus auf  der anderen Seite, so stellt sich die Lage seit Jahren da. Man konnte und musste bisher damit leben, auch wenn uns Politiker jeder Couleur versprachen, die Missstände einer unkontrollierten und eigengesetzlich funktionierenden globalen Finanzindustrie unter Kontrolle zu bringen. Menke sagt, dass der Antrieb durch den Eigennutz durch das klassische Recht in die Schranken verwiesen wurde, während das bürgerliche  Privatrecht von heute es gestattet, nach Belieben eigene Interessen zu verfolgen.

Die eigenen Interessen  brauchen dann nicht mehr ethischen und moralischen Maßstäben genügen. Also rücksichtsloser Egoismus, sprich privater Wille, bei denen, die auch die Mittel in Form von Kapital in (fast) unbegrenzter Menge haben.  Menke spricht von dem Intelligenzvorsprung, den man normalerweise den Eliten zubilligt, der sich aber in  der Finanzkrise nicht zeigen wollte weil deren Steuerung zu komplex war. Dann die entscheidende Frage,  ob die Eliten überhaupt in der Lage sind Selbstinteressen auszublenden wenn es um das Gemeinwohl geht.

Eliten müssten eigentlich ihre vornehmste Aufgabe darin sehen der Politik zu helfen um das immer  komplizierter werdende Zusammenleben von Gesellschaften gerecht zu gestalten. Danach müssten Eliten vollkommen interessenfrei handeln da sie nur dienende Funktion haben dürfen. Weil das so in der Realität  nie vorkommt und das freie Spiel gesellschaftlicher Kräfte und das der Einzelinteressen stets für instabile Gesellschaften sorgt muss der Mensch stets von vorne beginnen Missstände zu analysieren und auf Abhilfe  sinnen. Erst dieser ewige dialektische Prozess von Wahrheitsfindung und Erkenntnis und der sich daraus   ergebende neue Prozess desselben macht das Leben so spannend. – Klaus Reisdorf  


Leserbrief zu “ Ein Westfälischer Friede für Nahost“ von Brendan Simms et al.

Geschichte geschieht immer singulär und als Rekonstruktion vergangener Ereignisse, die erst im Nachhinein in einen Zusammenhang gestellt werden. Allenfalls sind Analogien („Parallelen“) zu früheren Ereignissen herstellbar. Genau das machen die Autoren in ihrem klugen und gelungenen Artikel „Ein Westfälischer Friede für Nahost“ (DIE ZEIT, Nr. 20). Allerdings sollten sie den Beginn der innermuslimischen Auseinandersetzungen nicht auf den iranisch-irakischen Krieg (1980-1988) datieren, sondern auf die Rückkehr Ajatollah Khomeinis aus dem französischen Asyl 1979. Mit der von ihm ausgerufenen „Iranischen Revolution“ (analog dem „Prager Fenstersturz“ von 1618) begann eine Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen in „Middle East“, die bis heute schon 38 Jahre andauert und zu großen geo-politischen Instabilitäten geführt hat.

Das Ausklammern Ägyptens und der Türkei sowie des israelisch-palästinensischen Konflikts macht Sinn. Die ersten beiden Regime treten bisher eher als stabilisierende Faktoren auf und der Konflikt zwischen Juden und Palästinensern folgt einer anderen Logik. Was die möglichen Friedensverhandlungen anbelangt, braucht es wohl wie im Dreißigjährigen Krieg in Mitteleuropa eines Zustandes der allseitigen Erschöpfung, der in Nahost noch nicht erreicht zu sein scheint. Erst wenn die eigentlichen Kontrahenten (Sunniten und Schiiten) ihr Schicksal wieder in die eigenen Hände nehmen und sich aus der Umklammerung von ihren selbsternannten Stellvertretern lösen, besteht  Grund für Friedensverhandlungen, die diesen Namen wirklich verdienen.  Dass unser jetziger Bundespräsident und früherer Außenminister Frank-Walter Steinmeier entsprechend argumentiert hat und immer wieder auf die Verhandlungsoption aufmerksam gemacht hat, verdient Respekt und Anerkennung. – Dr. Hans-Werner Johannsen


Leserbrief zum Titelbild

Denn spätestens seit dem Scheitern des „Erlösers“ Obama wissen wir, den Heiland gibt es nicht – zumindest nicht auf Erden. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Geniales Augenzwinkern?“ von Ulrich Schnabel

Ich bin keine Verfechterin von Political Correctness, aber ich finde die Art, in der Ihr Autor Ulrich Schnabel die Zukunftsprognose Stephen Hawkings kommentiert, absolut unangemessen, gar zum Fremdschämen angetan. Ich zitiere aus Schnabels Beitrag mit der Überschrift

„Geniales Augenzwinkern?“  -Sic!-  : „Wurde der gelähmte Physiker, der nur per Augenzwinkern kommuniziert, von seinem Sprachcomputer falsch verstanden?“  Herr Schnabel hat etwas falsch verstanden, dass es nämlich Tabus gibt, die etwas Kostbares schützen, Tabus, die man nicht brechen sollte, Tabus ohne Verfallsdatum. –  Therese Deitermann


Leserbrief zu „Teure Steuertricks“ von FR

„10 Milliarden hat der Staat durch cum-ex-Geschäfte verloren“

Selbst wenn:

Niemand anderer als „der Staat“ selbst hätte diese Größenordnung zu verantworten.  Nachlässige VERWALTUNG bzw. GESETZGEBUNG kümmerten sich jahrelang nicht um mehrfache eindeutige Warnungen, z.B. auch vom Bundesverband deutscher Banken, und ließen das legale, wenn auch nicht legitime, Schlupfloch offen.

Ich habe keinerlei Verständnis für im Nachhinein zelebrierte Aufregungen .   – Wolfgang Martis


Leserbrief zu „Gegen den Schmerz“ von Harro Albrecht

mit Interesse habe ich Ihren Artikel „Gegen den Schmerz“ gelesen. Als Physiotherapeutin kann ich nur bestätigen, was Sie über die Auswirkungen von langfristig eingenommenen Opioiden schreiben und halte den Text insgesamt für sehr wichtig (ich werde Kopien an meine Patienten verteilen).Allerdings stört mich, was Sie über die multimodale Therapie schreiben. Ich denke, dass es, wenn Sie über Schmerzen im Rücken, Knie und Hüfte informieren nicht Ergotherapeuten sondern v.a. Physiotherapeutinnen (wie neben dem nicht sehr gelungenen Bild erwähnt) sind, die den Patienten über ausgewählte Übungen (Dehnung, Kräftigung usw.) im Sinne eines Pacings (allmähliche Belastungssteigerung) unterstützen. Durch die Schulung der Körperwahrnehmung erfahren die Patienten welche Ausweichbewegungen und Schonhaltungen ihnen langfristig schaden. Ich empfehle jedem interessierten chronischen Schmerzpatienten das Buch, geschrieben von zwei Physiotherapeuten aus Down Under „Schmerzen verstehen“. Darin wird in verständlicher Sprache erklärt wie die Schmerzen entstehen und bestehen bleiben (Schmerzphysiologie) und wie wir ohne Medikamente eine Verbesserung der Schmerzen aktiv erreichen können. Vielleicht sollten Sie sich über die Berufe Physio- und Ergotherapie genauer informieren, denn obwohl es sicher Überschneidungen im Tätigkeitsfeld gibt, werden die Unterschiede dann sicher erkennbar. – Irina Mecklenburg

 

04. Mai 2017 – Ausgabe 19

Leserbrief zu „Lange genug?“ von Julia Bernewasser

In Ihrem Artikel „Lange genug? – Der Streit ums Turbo-Abi wird Wahlkampfthema. An manchen Schulen in NRW dürfen die Schulen selbst entscheiden“, wird unter anderem beschrieben, dass es den Schülern mit G8 an Lebenserfahrung fehlen würde.

Ja, ich bin auch einer mit dem Turbo-Abi.

Jetzt habe ich mich geoutet, dass ich G8 gemacht habe und mir dadurch ein ganzes Jahr an Lebenserfahrung fehlt?

Nach meinem Abitur im Sommer 2015 habe ich eine Ausbildung als Bankkaufmann angefangen. Ich stehe nun kurz vor meiner Abschlussprüfung und kann rückblickend nichts negatives feststellen.

Die fehlende Lebenserfahrung bei G8 hätte ich selbst mit G9 nicht sammeln können. Durch das ersparte Jahr, konnte ich schon früher Lebenserfahrungen sammeln, die man in der Schule nicht hätte sammeln können.

Jeden Tag bekomme ich mit, aus welchen Gründen die Kunden zu mir kommen und was sie bewegt:

Eine ältere Dame, die monatlich ihre Rente abholt, erzählt dabei gerne mal aus der Zeit, als sie mit ihrer Familie im zweiten Weltkrieg flüchten musste.

Ein junger Mann, der täglich kommt, weil er dringend Geld braucht, um sich neue Drogen zu kaufen, aber kein Geld mehr hat.

Ein Mann, der gerade Vater geworden ist, für seine Tochter ein Sparplan eröffnen will und dabei stolz davon erzählt, wie seine kleine Tochter geboren wurde.

Seien wir mal ehrlich, einen Zeitzeugen im Geschichtsunterricht hätte ich bei G9 vielleicht erleben können. Aber zuzusehen, wie sich ein Mensch verändert, wenn er auf Drogenentzug ist, hätte ich selbst bei G9 nur theoretisch im Biologieunterricht lernen können.

Auch das Strahlen eines frischen Vaters, hätte mir so schnell keiner im Unterricht vermitteln können. Ich könnte die Liste an gesammelten Erfahrungen noch ewig weiter führen, höre aber an dieser Stelle auf.

Wirklich fehlen tut mir jetzt mit meinen 19 Jahren dadurch keine Lebenserfahrung. Ganz im Gegenteil, wenn ich mich mit anderen gleichaltrigen unterhalte, die jetzt ihr G9-Abitur machen, merke ich, dass ich wesentlich mehr Lebenserfahrung aufweisen kann als diese. Ich kann verstehen, dass mir die Lebenserfahrung während dem Abitur möglicherweise gefehlt hat und die Lehrer dadurch entsetzt waren, aber für mich bedeutet G8 nicht fehlende Lebenserfahrung, sondern die Chance früher und noch mehr Lebenserfahrung zu sammeln.

PS: Ich gebe zu, dass ich erstmal googlen musste, wie ich einen Leserbrief schreibe, dazu war dann beim Turbo-Abitur doch keine Zeit mehr.  – Felix Deiß


Leserbrief zu „Wie rechts ist die Bundeswehr?“ von Peter Dausend, Martin Klingst und Holger Stark

Wäre es die ‚Bild‘ sähe ich es nach; von der ‚Zeit‘ erwarte ich allerdings mehr ! Die abgebildete Waffe ist eine M und kein MG. Bitte wiki fragen. Man mag es als Detail betrachten- für mein Dafürhalten allerdings ist es etwas peinlich. Besser geht immer ! – Berthold Merkt


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Ein überzeugendes Plädoyer für die deutsch-französische Freundschaft und für ein lebens- und damit erstrebenswertes Europa.

‚Berufspolitiker‘ und Journalisten schlachten politische Fakten, deren Hintergründe und Perspektiven meist kalt-nüchtern aus, nicht selten sogar in vorwurfsvoller Art und Weise. Und hier nun ein Text, von großer Empathie getragen, ja geradezu warmherzig, mit eingestandenen fehlerhaften deutschen Entscheidungen und französischen Besonderheiten und Eigenarten.

Einfach großartig in dieser humorvollen Diktion und Ausgewogenheit.

Ein dickes Dankeschön an die Autoren! Und bitte zukünftig öfter so – in diesen ansonsten recht trüben Zeiten. – Dr. Günter Koch


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Herzlichen Dank für den aufwühlenden Artikel „Ne nous quittez pas“ in dieser ZEIT-Ausgabe 19. Ich glaube, dass es wichtig wäre, diesen Artikel auf französisch zu veröffentlichen.

Falls Sie eine französische Version dieses Artikels besitzen, wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir diese zuschicken könnten, sodass ich ihn mit meinen französischen Bekannten teilen könnte. – Julia Stadler 


Leserbrief zu „Wie rechts ist die Bundeswehr?“ von Peter Dausend, Martin Klingst und Holger Stark

Die Bundeswehr steht nicht in der Traditionsnachfolge der Wehrmacht! Die Klarstellung in dieser Deutlichkeit war längst fällig und durchaus nicht selbstverständlich.

So trugen etwa die in der Nachkriegszeit in Dienst gestellten Zerstörer der Bundesmarine die Namen „Mölders“, „Lütjens“ und „Rommel“. Die Vorbildfunktion dieser zur Zeit des Nationalsozialismus hochrangigen Militärs für unsere Staatsbürger in Uniform darf durchaus bezweifelt werden. – Dr. Jens Bade


Leserbrief zum Titelthema „Das (irre) Geschäft mit der Elternliebe“

Meine Güte, was worte bewirken koennten wenn man sie nicht kritisch liest….was Sie als vertrauen bezeichnen ist aus meiner sicht verantwortungslosigkeit. Was sie als angst bezeichnen ist die fuersorge von Eltern. Wenn technik dabei hilft, prima. Ich bin froh dass die heutige Generation eltern nicht mehr so hart und brutal wie fruehere generationen sind. – Corinna Weiss


Leserbrief zum Titelthema „Das (irre) Geschäft mit der Elternliebe“

Schon wieder Post von Ihnen  und so ein Thema! Als 80-jähriger durfte ich schmunzelnd in meine Vergangenheit schauen.

Bei der Geburt meiner Tochter war ich zugegen und geriet nur in angedeutete Panik als man sie zum Wiegen forttrug. Das freundliche Personal konnte mich beruhigen. Nun kenne ich vier Enkel. tja. – Jürgen Lehmann


Leserbrief zum Titelthema „Das (irre) Geschäft mit der Elternliebe“

Ein wenig verrückt finde ich das schon mit den übertriebenen Babyphones und Kamera unter den Matratzen. Ich denke das ist fast ein „Luxusproblem“ – wenn ich es so wahrnehme sprich beim ersten Kind will Frau Mann alles richtig machen aber ist das die Realität? Die Realität ist doch mit Ausnahme von Menschen am unterem Ende unserer Gesellschaft vielleicht. Die Realität Kinder werden so oder so groß – vielleicht etwas salopp formuliert und wenig herzlos vielleicht, aber so ist es doch oder?

Meine damit – ich habe in Rumänien im letzten Jahr (2016) Kinder

(Roma) gesehen, die haben noch nicht einmal vernünftige Schuhe und täglich etwas warmes zu Essen,zwar rein theoretisch, aber in Wirklichkeit alle zwei bis drei Tage in der Woche. Vergammelte Milchzähne und für unsere Verhältnisse wirklich arm, lernbegierig und lachen viel und sind auf ihre Art zufrieden. Studierende beklagten sich über das nicht rein Veganes Essen auf der Reise, das sind die Luxusprobleme – da schäme ich mich mit meinen fast 60 Jahren eher fremd ohne den Zeigefinger zu erheben, da sie es nicht anders wissen aufgrund von 70 Jahren Frieden und Wohlstand in den letzten 25 Jahren der breiten Masse in unserem Land und größten Teil in Europa.

Dieses zumeist auch in Schulen und Kindergärten von kirchlichen Einrichtungen oder Menschen die sich verantwortlich fühlen für das Gemeinwohl.

Unsere gemeinsame Tochter kann davon träumen so groß zu werden auch für uns eher ein „Luxusproblem“, sie wird im Vergleich zu einigen ihrer Zeitleser eher in bescheidenen Verhätlnissen groß, ob das so schlecht ist weiß ich nicht – aber sie bekommt eine gute Schulbildung und ein kleines Startgeld (3000 Euro) mit 18 für ihr Leben und dann ist sie auf sich gestellt im Hintergrund zu wissen, sie hat trotz Trennung noch Eltern, die sie mögen und so gut es geht unterstützen – mehr geht im Moment nicht. Danke für diesen guten Beitrag der Zeit und ich freue mich den Artikel lesen zu dürfen. Ich wünsche ihnen und ihrer Zeitung alles Gute für die Zukunft und bis zum nächsten Mal. – Sven Leptien


Leserbrief zum Titelthema „Das (irre) Geschäft mit der Elternliebe“

1947  bin ich bin ich wegen Unterernährung verschickt worden als Berliner Kind, bin  in GSTAAD  fast 2 Jahre zur Schule gegangen.

Diese Zeit hat mein Leben geprägt, … weil  der Lehrer mehr nur AUFSICHT war, DIE SCHÜLER HABEN MITEINANDER GELERNT, AUCH DIE NATUR GEHÖRTE ZUM UNTERRICHT. – Elle Kebernik


Leserbrief zu „Es geht doch!“ von Marcus Rohwetter

Es spricht doch dennoch nichts dagegen, absolute Obergrenzen im Steuerrecht festzuhalten! Denn so wäre es möglich, sich im Falle eines Verfahrens konkret darauf beziehen zu können.

Aktuell ist es eher eine Frage der Interpretation. Im Gesetz wird nicht exakt Bezug auf Gehälter genommen, sondern die Deutungshoheit liegt bei den Gerichten. Das ist doch nicht befriedigend.

Und wahrscheinlich fehlt in den Finanzämtern auch das Personal, das nötig wäre, um sich mit diesem Thema gezielt auseinander zu setzen. – Yves Pulst


Leserbrief zu „Leidkultur“ von Josef Joffe

Ihrem Artikel kann ich nur zustimmen. Nationalismus muß tabu bleiben. Die Definition nationaler Interessen sollte in Deutschland akzeptabel sein, da das übrige Europa aus einem Sammelsurium nationaler Interessen und Eigenheiten besteht. Und wenn man seine eigenen Empfindungen und Erwartungen gegenüber Zuwanderern verständlich machen kann, mag das auch die Bereitschaft fördern, sich auf deren emotionale Situation einzulassen. – Dr. Walter Engel


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Ein wertvoller Beitrag! Eine ruhige, sachliche Bestimmung dessen, um was es wirklich geht beim Thema “Leitkultur”. Hinzuzufügen wäre vielleicht, dass die westlichen Gesellschaften in ihren jahrhundertelangen Wertediskussionen zwar die alttestamentarischen und die neutestamentarischen Unhaltbarkeiten thematisiert und überwunden haben; aber den gleichen Prozess bezüglich der Koran-Texte noch nicht geleistet haben. Daher ist es erschreckend und fast besorgniserregend, wenn der deutsche Justizminister bekennt, er “habe den Koran noch nicht gelesen”. Man kann die Scharia nur zurückweisen, wenn man sie verstanden hat! Gleiches gilt für die türkischen Imame: Man kann sie nur ausweisen oder belangen, wenn man sie versteht. Hier liegt noch vieles im Argen!

Es wäre wünschenswert, dass ein so abwägender Autor wie Jochen Bittner sich dem Thema auch weiterhin widmet. – Dr. Peter Michel


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Naiv und kindisch, der Beitrag. Er hinterlässt allenfalls bei Deutschen einen Eindruck wirklicher Ernsthaftigkeit, bei Franzosen eher nicht. Die Franzosen können sich verhöhnt fühlen. Keine schlechte Wahlwerbung für Le Pen. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zu “Jetzt kommt es auf uns an“ von Sigmar Gabriel

Es lässt sich durchaus nachvollziehen, wie eine “einseitige Aufkündigung des Iran-Abkommens durch die Vereinigten Staaten” “im Interesse der USA und Israels sein könnte”. Es ist schon lange der Wunsch Israels, sich durch einen militärischen Einsatz gegen die iranischen Atom-Fazilitäten einen potentiellen Todfeind vom Halse zu schaffen und US-Falken trommeln auch schon seit vielen Jahren für einen solchen Schlag. Und wäre das im Interesse Israels? Wer möchte sich erdreisten, das zu bestimmen? Und wäre es im Interesse der USA? Immerhin würden sich die USA in dieser Angelegenheit Ruhe von Seiten Israels verschaffen. Und wenn der Nahe Osten dann gänzlich in Flammen stünde? Das wäre dann vorwiegend ein Problem Europas (America first). Die USA sind Selbstversorger in Energie, notfalls könnten sie Saudi Arabien ausreichen beschützen. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zu „Geld, diese deutsche Obsession“ von Marc Brost und Mark Schieritz

Eines kann nur stimmen. Entweder: “Wir wollen nicht an das Geld der deutschen Steuerzahler.” Oder: “Die Eurozone braucht zum Beispiel einen gemeinsamen Haushalt, um Investitionen besser anschieben und auf Krisen reagieren zu können.”, einen Haushalt also, in den Deutschland am meisten einzahlt und die Südländer mit Ihrer Mehrheit über den Einsatz bestimmen können. Durch einem gemeinsamen Haushalt kommt doch nicht mehr Geld in die Eurozone, sondern es wird nur umverteilt. So, wie vermutet.- Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zu „Bis zum Besserwissen“ von Stefan Schmitt, Ulrich Schnabel Und Andreas Sentker

Ich habe Ihren Artikel „Bis zum Besserwissen“ nicht gelesen. Schon im ersten  Absatz haben Sie mir die Lust daran genommen, indem Sie mit dem genauso uralten wie platten Scheinwitz eröffnen dass sich 90% der Autofahrer für überduchschnittlich hielten. Ha, Ha!

Anstatt dass aufgeräumt wird mit dem alten Mist, verbreiten sie ihn auch noch unreflektiert weiter und klagen am Ende des Absatzes die Menschheit an, genau dies oft zu tun.

Aber zur echten Wissenschaft. Wenn von 10 Menschen 9 gleich gut Auto fahren und einer schlechter, dann fahren 90% überdurchnittlich gut und glauben dies zurecht. Da gibt es nichts zu Lachen. – Markus Schmidt


Leserbrief zu „Mehr Demokratie wagen“ von Benedikt Erenz und Kiên Hoàng Lê

Der Mainzer Dom ist im Zweiten Weltkrieg 1942, 1944 und 1945 mehrfach von Bomben getroffen worden. Er ist also keineswegs „vom Krieg unberührt“ geblieben.  (Von früheren Kriegen übrigens auch nicht, während derer er unter anderem als Pferdestall und Lazarett diente.) – Alexander Müller


Leserbrief zum Titelthema „Das (irre) Geschäft mit der Elternliebe“

Ich weiß nicht ob Sie Meldungen aus Österreich wollen, aber zu diesem Thema “ Geschäft mit der Elternliebe “ will ich was sagen !  Heute gibt es ja viel zu wenig Eltern in DE + AUT welche sich noch für Kinder entscheiden, das machen ja die Ausländer und viel mehr als wir wollen und vertragen können daher sind jene Eltern aus den eigenen Reihen sehr bemüht für  die wenigen Kinder die wir noch haben viel zu tun und auch alles das zu bieten was Sie selbst vielleicht nicht hatten ! ?

ob das mit Schutzfunktion zu erklären ist denke ich eher nicht, denn Kinder werden ja meist geplant und die dadurch entstehenden Kosten berechnet, vielleicht auch wegen der niedrigen Einkommen berechnet werden müssen ! ?

das hier von der Industrie Geschäfte oder gar irre Geschäfte gemacht werden ist verständlich denn die Anbieter sind Heute eine Masse und jeder kämpft ums Überleben ! ?  schön und ganz wichtig wäre es wenn die leider ohne jeden Verstand agierenden Politiker von “ Ihrem Wahn – ZUWANDERUNG abgehen würden und EIGENE Kinder “ wieder belohnen täten ! !  – Franz Peter JELLY  


Leserbrief zu „Leistung lohnt sich bei euch nicht“ von Mark Schieritz

Bei manchen Punkten hätte man sich etwas Nachhaken gewünscht.

– Leistung

Es entsteht der Eindruck für Herrn Laffer bedeutet Leistung nur mehr Geld zu verdienen oder etwa kreative Software für Dieselmotorsteuerungen zu entwickel?. Das kann doch wohl nicht so platt gemeint sein? Was versteht also Herr Laffer genau unter Leistung?

– Lieblingskurve

Herr Laffer merkt an, dass die Einnahmen beim Steuersatz 0 % auch gleich Null sind ebenso soll es bei 100 % sein. Es sollte aber deutlicher gemacht werden, dass sich das ausschließlich auf Einkommensteuern bezieht. Bei Verbrauchssteuern, wie der Mehrwertsteuer, verhält es sich anders. Ein Mehrwertsteuersatz von 100 % wird niemand davon abhalten, sich etwas zu Essen zu kaufen, wenn er hungrig ist. Was nun die Einkommenssteuer betrifft. Bei einem Steuersatz zwischen Null und Hundert Prozent sollen die Einnahmen positiv sein. Dann sollte es auch eiun Maximum geben. Woher weiß man wo es liegt? Herr Laffer suggeriert, dass es ein ökonomisches Gesetz gäbe, dass jede Steuersenkung, wenn Sie nicht gerade auf den Satz Null fällt, zu mehr Einnahmen führen würde, egal wie der Steuersatz vorher ist. Ist das wirklich so gemeint? Wie unterscheidet man die Fälle: wann sind Steuersenkungen nützlich und wann schädlich?

– Zeitlicher Ablauf

Alle Effekte, von denen Herr Laffer wünscht, dass sie zu höheren Einnahmen führen, treten nicht sofort ein. In der Zwischenzeit muss also ein entsprechendes Defizit durch Kredite ausgeglichen werden. Hier muss geprüft werden wie viel Defizit eine Wirtschaft ohne Störungen des Gleichgewichts verkraften kann. Es ist also keineswegs ein Automatismus, dass eins Steuersenkung immer zu positiven Ergebnissen führt. Kann es nicht auch katastrophal enden? Wie kann man wieder zwischen diesen Fällen unterscheiden?

Vielleichr kann ja Herr Laffer selbst die aufgeworfenen Fragen beantworten. – Dr. G. Zeyer


Leserbrief zu „Wie rechts ist die Bundeswehr?“ von Peter Dausend, Martin Klingst und Holger Stark

Je mehr ich recherchiere, umso weniger wundere ich mich, dass junge Leute, die in der Bundeswehr dienen wollen, von rechtsextremem Gedankengut angezogen werden.

In der Adenauerära wurde die Bundeswehr gegründet mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten. Solange im Rahmen der Wehrpflicht alle jungen männlichen Bürger eingezogen wurden, entwickelte sich innerhalb der Bundeswehr eine Meinungsbildung. Leute, die diplomatische Lösungen gegenüber militärischen Lösungen bevorzugten, hatten es schwer.  (Das war meine persönliche Erfahrung vom 01.07.1975 -30.06.1976).

Jetzt, wo in Deutschland im Augenblick keine Wehrpflicht besteht, interessiert sich für die Bundeswehr offensichtlich nur noch eine Gruppe junger Leute, die bereit ist rücksichtslos unsere angeborenen Grundrechte einzuschränken oder gar abzuschaffen.

Und wenn ich dann bei meinen Recherchen noch mitbekomme, dass ehemalige SS-Leute eine offiziell der NATO unterstellte Partisanenorganisation (oder Stay-Behind oder GLADIO u. a. herumschwirrende Namen), die offensichtlich noch heute existieren, gründeten, dann brauchen wir uns über verlorene Seelen wie Franko A. nicht zu wundern.

Hier muss Frau von der Leyen ansetzen. Sie ist in Friedenszeiten Oberbefehlshaberin der Bundeswehr und hat die Befehlsgewalt, um die Bundeswehr in unsere heutige Zeit zu führen. Ein paar schöne Reden reichen nicht. Vernebelte Kommissköpfe der Bundeswehr müssen lernen, dass wir im  21. Jahr-hundert angekommen sind und die den Menschen angeborenen Grundrechte nicht nur einzuhalten sondern auch zu leben sind.   – Bernd Marterer


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Ein Dossier über die Dortmunder Nordstadt zu lesen, in dem „Im Norden geht die Sonne auf“ nicht erwähnt ist, enttäuscht.

Ich empfinde diesen Spruch, den man  als Leuchtschrift sogar aus dem vorbeifahrenden Zug lesen kann, als hoffnungsstiftend. Erst recht wenn man weiß, dass er vor über 80 Jahren genau mit dieser Intention geprägt wurde – als die Nordstadt wohl auch schon in kritischem Zustand war.  – Dr. med. Dietrich Tamm


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Es ist irgendwie rührend, die die sechs Autoren Peter Dausend, Mathias Krupa, Elisabeth Raether, Gero  von Randow, Mark Schieritz und Michael  Thumann unserem französischen Nachbarland schmeicheln wollen, daß wir von Frankreich viel lernen können und daß die Bundesrepublik in wirtschaftspolitischen Fragen ihre oberlehrerhafte Haltung in Sachen Austerität endlich aufgeben sollte. Aber Bruderküsse und freundschaftliche Gesten machen noch keine konsistente Politik aus. Wichtig für die Beziehung zwischen Staaten ist , daß man notwendigen Streit nicht unsinnig eskalieren läßt.

Man darf auch nicht, wie dies Marine le Pen  leider tut, die Bundesrepublik verleumunden, um so innenpolitisch in Frankreich punkten zu können. Es ist auch wiederum  keine gute Idee , über Deutschland pauschalisierend zu sagen, wir brauchten jemand zu dem wir ein bisschen aufblicken können … und dies sei nun einmal Frankreich, nachdem wir gerade von unserem großen Bruder Amerika schlimm enttäuscht worden seien. Eine solche politische Liebeserklärung ist schlicht und einfach albern. Die Grundlage für eine gedeihliche Beziehung zwischen Staaten ist eine aufrichtige Partnerschaft.

Daß Frankreich nicht nur Atommacht ist, sondern auch das Privileg hat, eines der 5 ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsratest zu sein, ist ein Machtgefälle, das Deutschland akzeptieren muß und ja auch akzeptiert. Selbst für den eher unwahrscheinlichen Fall, daß Marine le Pen die Präsidentenwahl gewinnt, müßte die Bundesrepublik den engen Draht zu Frankreich – so gut es geht – aufrecht erhalten… und dies nicht nur aus wirtschaftlichen sondern letztlich aus weltpolitischen Gründen. An einem Mindestmaß europäischer Solidarität führt kein Weg vorbei. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Man kann die innere Integration von Zuwanderern nicht so einfach einfordern, wie dies aus dem Beitrag von Jochen Bittner herausgelesen werden kann. Die „reflexhafte Abwehr“ einer neuerlichen Aufwärmung der Leitkulturdebatte ergibt sich daraus, daß der Begriff einer °deutschen Leitkultur° (erfunden von Friedrich Merz und Bassam Tibi) sehr schnell als „Moralkeule“ (Martin Walser) mißbraucht werden kann.

Es kommt hinzu, daß aufgrund der deutschen jüngeren Geschichte der von der Sache her triftige  Begriff „Assimilation“ in bestimmter Hinsicht verpönt ist, weshalb er ja auch in der ganzen Diskussion bewußt vermieden wird. Solange sich im Bundestag keine Mehrheit für ein Zuwanderungsgesetz bildet, hat die gesamte Debatte rund um eine °deutsche Leitkultur°  den Charakter einer Ersatzveranstaltung und wirkt irgendwie unaufrichtig. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Ein wirklich erschreckender Artikel über No-go-Areas und/oder No-goverment-Areas in der Dortmunder Nordstadt. Und was steht unter dem Artikel? Eine protzig große Anzeige zum G20 Gipfel, mit dem Titel:

Global Solutions. We send the best global solutions to the G20 leaders. Und genau da liegt das Problem! Local solutions first! – B. Benz


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Auch ein Lob muss mal sein ! Das aktuelle ‚Dossier‘ und die ‚Geschichte‘ gefielen mir sehr gut und das ist Journalismus, wie ich ihn mir stets erhoffe. Über den Inhalt des Dossiers liesse sich stundenlang debattieren, die Immigrationsproblematik beisst sich in den eigenen Hintern, aber das will ich hier lassen.

Ich wurde mit der aktuellen Ausgabe sehr überrascht und freute mich, wenn sich das, ohne blauäugige Multikultiromantik so fortsetzen liesse. – Berthold Merkt


Leserbrief zu „Wie rechts ist die Bundeswehr?“ von Peter Dausend, Martin Klingst und Holger Stark

Nun das ist schnell bentwortet. So weit rechts wie es unsere geselschaft zu laest.das ist nicht nur ein problem der bundeswehr, ds geht durch alle berufsgruppen.ich bin in einen akabemiker haus famiele gross geworden. und habe viele aerzte richter polizisten, Apotehker und paedagogen kennen gelernt, die nie ein hel aus ihrer rechten gesinnung gemacht haben.  ob lehrer pflegekraefte oder regierung dierecktor.alle jene wussten genau wo sie willige helfer fanden ohne sich selbst zu beschmutzen.

Mit freundlichenGrußein zeit leser der nicht rechts ist bitte meinen namen nicht nenen danke. – C. Knaut


Leserbrief zu „Norwegen über alles“ von Marcus Rohwetter

Das war mal wieder eine Super-Punktlandung! Ihre Kolumne ist die ganze ZEIT wert. Natürlich gibt es auch andere tolle, beeindruckende, anregende, bewegende Artikel, aber nur Sie schaffen es fast immer, mir Lachtränen in die Augen zu zaubern. Das letzte Mal schrieb ich einen Leserbrief zu Ihrer Kolumne anlässlich Ihrer wundervollen Analyse der Wirksamkeit von Voltaren. Diese Salbe wurde mir neulich bei einem Hexenschuss von einem guten Freund per E-Mail empfohlen. Ein sehr kluger und lieber Mensch – offensichtlich leider kein ZEIT-Leser. Ich habe diesen Text aufgehoben, schick ich ihm gelegentlich mal als Scan. Machen Sie bitte bloß weiter so. Sollte mir einmal etwas extrem Absurdes auffallen, werde ich Sie bestimmt informieren, nur beschäftige ich mich meistens nicht sehr intensiv mit Werbung.  – Dr. Sabrina Hausdörfer


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Ihr Artikel hat mich wütend zurück gelassen. Da leben drei Ihrer Mitarbeiter ganze drei Wochen in der schlimmen Nordstadt und gehen offensichtlich nur raus, wenn die Polizei kommt und/oder es dunkel ist.

Alles was ich lese, bestätigt einfache Meinungen über Problemviertel. Hier wurde gezielt nach Bestätigungen gesucht und als sie gefunden waren, ging man im Süden ein Eis essen? Ihren Recherchen möchte ich nicht widersprechen. Die von Ihnen geschilderten Probleme sind nicht von der Hand zu weisen und brauchen gute und konsequente Lösungskonzepte. Aber dieser Stadtteil hat genausoviele Stärken. Ich finde keine der Seiten, die ich an der Nordstadt liebe in ihrem Bericht. Es gibt unzählige Gruppen und Initiativen, die das kulturelle und soziale Leben gestalten, Integration ermöglichen, Menschen stärken und zusammen bringen.

Ihnen ist mittlerweile ein ganzer Bildband gewidmet. Es gibt auf dem Nordmarkt einen Wochenmarkt, der ein Beispiel für gelingendes multikulturelles Leben ist. Es gibt ein Kulturzentrum, das selbstbewusst Menschen jeden Alters ein breites Freizeit- und Kulturangebot sichert. Es gibt einen Park, der eins der schönsten Naherholungsgebiete innerhalb des Stadtgebietes darstellt.

Ihre Reporter haben sich kein Viertel angesehen, sondern sich auf den Nordmarkt konzentriert und nach Drogen gesucht. Das ist einfach.

Vielfalt ist eine Herausforderung. Und in der Nordstadt alternativlos. Schreiben Sie das nächste Mal auch über das Licht! – Rabea Wienholt


Leserbrief zu „17 Stunden, ohne Pause“ von Felix Lill

  1. Was tut eine normale Mutter und Hausfrau? Sie ist nicht 17, sondern 24 Stunden für Haushalt und Kinder da – ohne Lohn.
  2. Haben Sie, Herr Lill, schon einmal geputzt? Egal, wie groß der Haushalt, acht (z.B.) Stunden am Stück können Sie nicht täglich saubermachen, so viel Dreck gibt es gar nicht!
  3. „… heimlich Fleischbällchen gegessen …“ für 100 HKD, das sind € 11.70!! Das fällt für mich unter Diebstahl.

Und ganz nebenbei: in Großküchen, Restaurantküchen etc. ist der Verzehr von irgendwelchen Lebensmitteln für das Personal verboten, es sei denn, der Verzehr dient der Verkostung.

In diesem Sinne – sparen Sie Ihr Mitleid für die, die es brauchen! – Sibylle Fischer


Leserbrief zu „Geduld…wird überschätzt!“ von Sandra Danicke

Sie sprechen so viele gute Sachen in Ihrem “Z”-Artikel an (Trantüten an der Kasse, ätzende Selbstdarsteller in Konferenzen, etc.), dass ich nicht verstanden habe, wie Sie Iso einen enttäuschenden Artikel daraus gemacht haben: Dem Marshmallow Test begenen Sie mit Ihrer eigenen Küchenphilosophie, nicht mit wissenschaftlihen Gegenargumenten – alternative Fakten? Hillary Clinton wurde sehr oft attestiert, im Wahlkampf schließlich auch durch Obama, dass sie geduldig gewartet hat, bis Sie mit Ihrer Kandidatur an der Reihe ist. Keiner hat ihr attestiert, sie sei kein alpha-Tier.

Sie hat die Wahl außerdem unglücklich gewonnen – und mir scheint der Sieg Trumps auch ohne Vorbildcharakter, auch wenn man sagen könnte wie sie, er hat sich halt genommen, was er wollte. Schließlich kritisieren Sie Mischel für seine Überlegungen zur Altersarmut, etwas, das man gar nicht wissen könne. Sollte man auch wieder viel Rauchen? Helmut Schmidt wurde auch über 90? Offensichtlich trifft es nicht jeden Rauher, weshalb also kürzer tretten.

Mir scheint, sie haben das alles nicht ausreichend durchdacht. Dabei müssten Sie eigentlich ausreichend Zeit dafür aufgespart haben. –  Dominik


Leserbrief zu „Wie es wirklich ist… als Seelsorger Seelsorge zu brauchen“ von Felix Evers

Auf der einen Seite meinem Respekt für Ihre Offenheit, auf der anderen Seite mein Erstaunen. Wenn Sie ernsthaft beten: „…Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden…“, müßten Sie ausreichenden Trost finden.  Geben Sie sich in Gottes Hand!

Ich bin doppelt so alt wie Sie und halte nicht viel von Kirche, weder von der einen noch von der anderen, aber von der christlichen Botschaft halte ich eine menge. – Immo Richter


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Sie haben die Bedeutung der Wahl und ihre Folgen klar dargestellt. So gesehen stimme ich mit fast allem überein. Wovon ich abraten würde, ist Ihre frankophile Schwärmerei. Warum? :

Europa hat eine schlimme Geschichte hinter sich. Und jetzt wären Strategen erforderlich, die sich an eine Zusammenführung aller Nationalstaaten machen.  Und was haben wir? Schwärmer, die von einem vereinigten Europa träumen. Unsere anglophilen Schwärmer können sich von ihrem Liebesobjekt schon langsam verabschieden.  Wir wollen nicht hoffen, das es mit Frankreich noch ebenso kommt. Die Folgen haben Sie geschildert.

Was von unseren Schwärmern vergessen wird ist, das sich 1914 fast ganz Europa gegen Deutschland verbündet hat : Frankreich, England, Russland, Serbien und zum Schluss Italien (nach Christopher Clark hatte Frankreich seit 20 Jahren an diesem Revanchekrieg 1914 für 1871 gearbeitet). Und um den Sieg zu erringen, musste man die USA einspannen. Damit haben England und Frankreich ihren Weltmachtstatus eingebüßt. Was  Beide bis heute noch nicht richtig verdaut haben. Ohne dieses damalige Komplott 1914 gegen Deutschland hätte es nie einen NS-Staat gegeben und keinen 2.Weltkrieg und keinen Holocaust. Wegen diesem NS-Staat aber wird die heutige Diskussion von dem deutschen Problemstaat beherrscht.  In Brüssel kommt es noch heute ab und zu zu dieser Allianz gegen Deutschland. ( Marie Le Pen, Beppo Grillo, Berlusconi um nur einige zu nennen).

Das bedeutet, das die notwendige und wünschenswerte europäische Einigung ein schwieriges Unterfangen ist. Es werden Strategen gebraucht und keine Schwärmer. – Reiner Püschel


Leserbrief zu „Kleine Gehirnwäsche“ von Georg Blume

Schlimm genug die vermeintlichen messianischen Führertypen Erdogan, Le Pen, Kaczynsky, Orbán, Putin, Trump … Sie verkaufen ihre Ideologie als Religion bzw. ihre Religion als Ideologie. Noch viel schlimmer ist die ungeheuer große Anzahl von Wahlberechtigten, die diese Typen wählen! Sie glauben an Götter,  an Führer. Dominiert von Kirche und Ahnungslosigkeit. Es besteht dringender Handlungsbedarf nach einem zweiten Zeitalter der Aufklärung. Denn es muss gelingen, dass zumindest immer 51 Prozent der Wähler diese mittelalterlichen Diktaturen verhindern. – Johann ERNST


Leserbrief zu „Lange genug?“ von Julia Bernewasser

Den Artikel verstehe ich nicht so ganz. Da werden zwei Schüler gemeinsam ins Gymnasium eingeschult. Dank der Option G8 oder G9 ist dann plötzlich der eine in der 11. und die andere in der 10. Klasse, ohne dass einer von beiden ein Schuljahr wiederholt hätte. Wie geht das? Bei G8 wird doch nicht eine Klasse übersprungen? Oder hat Frau Bernewasser sich das einfach ausgedacht?

Auch verstehe ich nicht, wieso angeblich ausgerechnet die G9-Schüler eine Wochenstunde mehr haben sollen? Klingt für mich unlogisch und hätte auf jeden Fall erklärt werden müssen. – Ursula Saarbeck


Leserbrief zu „Erst regieren, dann kassieren“ von Heike Buchter

Selten hat mich die Lektüre eines Artikels Ihrer Zeitung derart erheitert, wie der Ihrige. Es begann bereits bei dem ‚Auseinanderpflücken‘ des Druckerzeugnisses zwecks besseren Handlings. Nach den Genuss Ihres Beitrages faltete ich die drucktechnisch zusammengehörigen Seiten zusammen und las dabei eine Anzeige der Hyundai Corporation über die enormen Perspektiven wirtschaftlichen Engagements in der Türkei. Im eigenen Haus gehen also wirtschaftliche Interessen über moralische Prinzipien? Wundervolles Kabarett nach dem meterhoch erhobenen moralischen Zeigefinger als Essenz Ihres Beitrages! Die ZEIT- Ausgabe vom 27.04.2017 wurde mit der Zeile ‚Lügen nach Zahlen‘ übertitelt. Als Fazit des zugehörigen Artikels wurden sechs zu stellende Fragen genannt, um trügerischen Zahlen (oder Behauptungen) auf die Schliche zu kommen. Wenden wir diese doch einmal auf Ihren Beitrag an:

  1. Hat der Produzent der Zahl ein plausibles Interesse, will er ein Phänomen groß der klein erscheinen lassen? Einen Hinweis gibt uns die wertende Überschrift des Artikels: “ …folgt damit einer fragwürdigen Tradition“. Wer hat die Kategorie ‚fragwürdig‘ empirisch belegt oder  etwaig  durch representative Untersuchungen der Gesellschaftsmeinung eruiert? Niemand? ALSO MINDESTENS TRÜGERISCH.
  2. Geht es um ein Phänomen, bei dem es schwierig ist, ehrliche Antworten zu bekommen? Es ist zu fragen: liegen Originalverträge über die gezahlten oder zu zahlenden Honorare vor? Die American University in Washington wird lediglich als Schätzquelle angegeben. Ich lese keine Angaben der Betroffenen. Da sind wohl auch keine direkten Antworten zu erwarten? ALSO MINDESTENS TRÜGERISCH.
  3. Ist das Ergebnis politisch opportun? Dies ist nicht eindeutig zu beantworten, da nicht angegeben ist, wer oder was Heike Buchter ist und ob es einen konkreten Anlass für den Artikel gab. ALSO ZUMINDEST FRAGWÜRDIG.
  4. Wer wurde befragt? Und wer nicht? Es habe Häme aufgrund des Honorars von Obama i.H.v. 400.000,- Dollar gegeben. Von wem, und von wievielen? Es habe ätzende Kommentare eines konservativen Senders Fox Business News gegeben. Wer betreibt den Sender und wie groß ist seine Reichweite? Ein angeblicher Ethik-Experte ( James Thurber, American University) ist enttäuscht. Wer ist das und was macht er? Und: schon wieder diese Universität. Lassen sich evtl. keine anderen ‚Experten‘ finden? Es wird als Tatsache festgestellt, dass George W.Bush 30 Mio. Dollar mit Vorträgen verdient hat. Woher kommt diese Zahl? Wer hat sie festgestellt? ALSO MINDESTENS TRÜGERISCH.

Ich beende dies jetzt aufgrund des begrenzten Rahmens. Der Artikel stellt lediglich billige Effekthascherei mit angeblich von einer wie auch immer gearteten moralischen Instanz gespendeten Autorität  dar. Er verkennt schlicht: Diese Leute sind einfach in der glücklichen Lage, aus Ihrer Lebensgeschichte Kapital schlagen zu können. Wer täte das nicht? Vermutlich natürlich Sie, Frau Buchter. – Christof Blanke-Hördemann


Leserbrief zu „Abgewetzt und schön verschrammt“ von Hanno Rauterberg

„Kurt Cobain war der ungewollte Messias des Shabby Chic. Durch ihn wurden abgewetzte Klamotten zur massenhaften Modeerscheinung (Grunge-Look) und schließlich salonfähig. Seitdem sickert es in viele Bereiche: Mode, Kunst, Popkultur, Architektur…
Die Jugend von damals sind nun die Mid-Ager von heute. Und so wie damals (und wie in jeder Epoche) ist der Wunsch da, teilzuhaben an der Gegenwartskultur, am vermeintlich wahren Leben. Doch wie leer muss das Leben der Menschen sein, sich mit einer industriell gefertigten Identität zu identifizieren?
Antiquitäten, die tatsächlich Geschichte in sich tragen, bleiben Ladenhüter. Aber Möbel mit ausgedacht Geschichte sind Bestseller. Genauso: Dielenböden wie aus alten Schiffsplanken – abgenutzt, zerfurcht, mit Relief – herrlich. Doch bei genauerer Betrachtung ist alles nur PVC (noch nicht einmal Holz). Oder: Alte Fachwerkhäuser wie in Sachsenhausen, Frankfurt a.M., vergammeln langsam, weil sich keiner dafür interessiert. Und auf der anderen Seite des Mains hat der Altstadtverein jahrelang zäh dafür gekämpft, dass ein altes Quartier möglichst originalgetreu wieder aufgebaut wird.

Es ist nicht wirklich die Suche nach der verlorenen Identität, sondern gibt dies nur vor. Die Begegnung mit tatsächlicher Identität wird dadurch ja gerade vermieden. Denn diese kann man sich nicht zurecht konfektionieren und dann – wenn man wieder einmal Lust hat, auf eine neue Identität – austauschen. Sie trägt Dinge in sich, die stören oder unangenehm sind, die nicht in das Bild passen, das man sich selber von der Welt oder von sich malt. Sie erfordern eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Bild. Etwas überspitzt gesagt, steckt dahinter eine Angst vor innerer Haltung, vor wirklicher Identität. Denn der Shabby Chic ist kein Bekenntnis zu etwas, sondern eine Abwehrhaltung gegen etwas.“ – Johannes von Alten


Leserbrief zu „Leistung lohnt sich bei euch nicht“ von Mark Schieritz

Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zeitredaktion, Vielen Dank für Ihren Mut ein Interview mit Herrn Laffer zu drucken.

Ich hatte da viel zu schlucken. Herr Laffer äußert, dass er froh sei sich nicht für ein Leben in Deutschland entschieden zu haben, weil er dann vermutlich „noch ein einfacher Universitätsdozent“ wäre. Ich verstehe das dahingehend, dass sein heutiges Einkommen um ein Vielfaches höher liegen dürfte. Seine Argumentation stellt eine Rechtfertigung seines Status dar. Da spielt es keine Rolle, wenn er sich dabei in Widersprüchlichkeiten verstrickt und damit den Eindruck von Altersstarrsinn erweckt.

So äußert er – leider unwidersprochen – dass Unternehmer (gibt es die noch?) viel Geld für Steuerberater und Rechtsanwälte ausgäben, die tatsächlich gezahlte Steuer dadurch viel niedriger ausfiele. Er untermauert das mit einem Beispiel des „smart“ agierenden Warren Buffett, bleibt aber eine Antwort schuldig, warum dieselben Unternehmen bei einem niedrigen Steuersatz von dieser Praxis abrücken sollten.

Er unterstellt, dass Unternehmer mehr Menschen einstellen, wenn sie mehr Geld zur Verfügung hätten. Abgesehen von Investitionen in Automatisierung, die nicht unbedingt zu mehr Arbeitsplätzen führen – profitiert die Mehrheit davon, wenn sich Reiche von der Dividende der Aktienunternehmen (wo ist hier die Leistung?) in den Bahamas die Sonne auf den Bauch scheinen lassen? O.K. vielleicht verschaffen sie ja einigen Inselbewohnern einen Job als Hausdiener. Ob das die Wirtschaft ankurbelt, möchte ich bezweifeln. Die Kurve, die Herr Laffer gezeichnet hat ist genau das, was man sieht: ein Windei. – David Buys


Leserbrief zu „Geduld…wird überschätzt!“ von Sandra Danicke

Ein schöner Artikel, aber viel zu lang! Geht es nicht ein wenig knapper und schneller auf den Punkt? – Hans Becher


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Ein vor Selbstmitleid triefender, peinlicher Artikel, der einen direkt an Churchills Aussage „Man hat die Deutschen entweder an der Gurgel oder zu Füßen“ erinnert.

Gleichzeitig macht der Artikel klar: Am „deutschen Wesen wird die Welt sicherlich NIEMALS  genesen“!!! Und das ist auch gut so!!! – Daniela Pröpper


Leserbrief zu „Geduld…wird überschätzt!“ von Sandra Danicke

Vielleicht entgeht mir die Ironie im Artikel „Geduld wird überschätzt“ von Sandra Danicke; jedenfalls erinnert mich die abschätzige Identifizierung von Geduld mit Faulheit und Feigheit an Äsops Fuchs und seine sauren Trauben.

Dass es dumm ist, sinnlose Zeitvergeudung über sich ergehen zu lassen, wenn man die Möglichkeit hätte, etwas dagegen zu tun, dem stimme ich zweifellos zu. Das hat allerdings auch erst einmal nichts mit Geduld zu tun. Andererseits gibt es nun mal Dinge, Kenntnisse, Fähigkeiten, etc., die man sich nur mit Geduld und Ausdauer erarbeiten kann, selbst wenn man auf die effizientesten Mittel und Methoden setzt. Ob es hilfreich ist, sich stattdessen einzureden, man sei ohne diese ohnehin glücklicher, sei dahingestellt.

Auch der Rosengärtner sitzt ja nicht einfach faul herum und wartet, bis zufällig Rosen aus dem Boden sprießen. Er hat vielmehr alle Hände voll zu tun, um seine Pflanzen zu züchten, zu pflegen und gegen Ungeziefer zu verteidigen. Ist er deswegen weniger glücklich als jemand, der die Geduld dazu nicht aufbringt und stattdessen an den Floristen outsourct? Und schließlich: an der roten Ampel, wo man ja selten eine Alternative hat, einfach ein paar Atemzüge lang die Schwalben am Himmel zu beobachten – das ist vielleicht tatsächlich die gesündere Alternative. – Matteo Gloyer


Leserbrief zu „Erst regieren, dann kassieren“ von Heike Buchter

Zu ihrem Artikel in der letzten Ausgabe, „Zuerst regieren, dann kassieren“ möchte ich folgendes anfügen.

Man muss die Politiker daran messen, wie sehr sie ein Land und ihre Bevölkerung mit ihrer Arbeit fördern und weiterbringen. Will man Politiker haben die viel für ihr Land geben, dann wird man diese auch entsprechend bezahlen müssen. Selbstlose Aufopferung ohne Entgelt wird immer die Ausnahme sein! Daher sollte es einen nicht stören wenn Barack Obama nach seiner Amtszeit durch Vorträge und Memoiren Geld verdient. Es muss ja schließlich keiner diese lesen oder sie anhören. – Thomas Gruber


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Gespannt habe ich das Dossier über die Dortmunder Nordstadt gelesen. Wie  in beinahe allen Berichten über diesen Stadtteil, hat sich auch dieses  Dossier an den bekannten Brennpunkten Nordmarkt, Münsterstraße,  Mallinckrodtstraße abgearbeitet. Das ist zum Teil verständlich, haben  die Redakteure doch eben dort drei Wochen lang gewohnt und sind die  immensen Probleme dort nicht zu leugnen. Doch Aussagen wie „Die  Nordstadt, das ist jetzt ein Ort für Menschen, die niemand haben will“  sorgen mitunter dafür, dass sich die Lage nicht verbessert und Menschen  völlig falsches Bild von der Nordstadt bekommen.

Die Schilderungen in  dem Dossier deuten so an, als würden hier 60.000 Drogenabhängige in  schrottreifen Immobilien hausen. Auswärtige trauen sich aufgrund der  übertriebenen Berichterstattung nicht mehr in die Nordstadt. Dabei gibt  es viele Studenten wie mich, die gerne in der Nordstadt wohnen (wenn  auch, zugegeben, nicht unbedingt am Nordmarkt); man bekommt hier für  vergleichsweise wenig Geld schöne Wohnungen in Bahnhofsnähe ohne mit  hunderten Mitbewerbern um eine Wohnung buhlen zu müssen. Die einzige  Strafttat, der meine Partnerin und ich bisher zum Opfer gefallen sind,  ist der wiederholte Diebstahl unserer Auto-Antennen.  Die Probleme müssen benannt und angegangen werden, doch solange dieser  Stadtteil beschrieben wird, als würde man beim Betreten sogleich Opfer  eines Gewaltverbrechens, wird sich nicht viel ändern. – Leonard Hövelmann


Leserbrief zu „Sein Pfarrer soll ihn missbraucht haben“ von Katja Bernardy und Hannes Leitlein

Mit Abscheu habe ich Ihren Beitrag „Sein Pfarrer soll ihn missbraucht haben“ gelesen. Ich beobachte nun schon viele Jahre wie die katholische Kirche bemüht ist solch schreckliche Verfehlungen Ihrer Geistlichkeit zu relativieren…oder ganz unter den Teppich zu kehren. Es gerät dabei in Vergessenheit, dass die katholische Kirche bis zum heutigen Tag an Kinder und Jugendlichen eine Indoktrination mit unethischem und weltfremden Glaubensgut ausübt, die ich als geistige Pädophilie brandmarke.

Die vom Staat sanktionierte Taufe eines wehrlosen Säuglings ist darüber hinaus in meinen Augen nichts anderes als eine religiöse Vergewaltigung und ein eklatanter Verstoß gegen Menschenrecht.

Der eigentliche Skandal ist aber, dass unsere Vorzeige-Katholiken aus Politik, Wissenschaft und Journalismus beharrlich dazu schweigen – nein, sie statten eine geschichtlich belegbare und in weiten Teilen verbrecherische Institution mit Legitimität und staatlicher Alimentation aus.

Ich wünsche Ihnen einen vergnüglichen Sonntag und uns allen einen guten Ausgang der Wahlen in Frankreich. – Hans-Jürgen Ferdinand


Leserbrief zu „Komplimente an den Hund“ von Nina Pauer

Ich möchte mich bei Ihnen bedanken. Vielen Dank für den mit Abstand besten – oder jedenfalls pointiertesten – Beitrag zur (wieder) aktuellen Leitkultur-Debatte.

Des Öfteren musste ich beim Blick in den Spiegel, den der Artikel einem vorhält, laut loslachen – mal aus der peinlichen Berührtheit des Ertapptseins, mal wegen der gelungen Komposition der Aufzählung.

Sie zeigen: So kann ein unbeschwerter Zugang zu einer an sich ernsten Debatte gelingen, Chapeau! – Lino Schattke


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Vielen Dank für Ihre schnelle und proaktive Veröffentlichung des Artikels auf französisch. Ich bin begeistert!

Einige meiner französischen Bekannten fanden den Artikel sehr ansprechend – insbesondere, da sich die Debatte im französischen Präsidentschaftswahlkampf nicht oft genug um Europe gedreht hat.

Nun hoffe ich, dass die Wahl heute für Europa endet. – Julia Stadler


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Der o.a. Artikel ist das beste, was ich bisher in allen Medien zu diesem Thema gelesen oder gehört habe! – Thomas Steinbach


Leserbrief zu „Mehr Demokratie wagen“ von Benedikt Erenz und Kiên Hoàng Lê

Erneut ein wohltuendes, treffendes Statement von Benedikt Erenz für demokratische Erinnerungskul- tur! Kann doch demokratische Identitätsstiftung nicht allein ex negativo nach dem Motto „Nie wie- der!“ wachsen, sondern muss Vorbilder, Leitfiguren und Plätze der Demokratiegeschichte als Orientie- rungspunkte anbieten! Deshalb wehre sich jeder im Bildungsbereich vor Ort für die demokratische Sozialisation junger Menschen Verantwortliche, wenn im pädagogischen Kompetenzwahn unver- zichtbare curriculare Kerne der Demokratiegeschichte geschreddert werden.

Empfohlen seien hier die „Göttinger Sieben“, die Politiker gern in Bronze gießen lassen und Kultusbürokraten in Sonntagsreden zitieren, bevor sie im Alltag – neoliberalen Spardiktaten folgend – Geschichtsstunden kürzen und den jämmerlichen Rest unter dem Überbau der „Kompetenzorientierung“ so von Fakten „befreien“, dass sie dem Populismus des Postfaktischen geradezu den Weg ebnen und so den Zielen hübsch formulier- ter Bildungsziele in Schulgesetzen zuwiderhandeln. – Rainer Dornbusch


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Was dem Minister offensichtlich kostbar bleibt, ist, dass wir nicht Burka sind! Warum hat er nicht ergänzt: „Wir sind auch nicht Kosakenzipfel. Wir sind nämlich Lederhose und wir sind Schweinebraten und wir sind das jährliche Schreddern oder Vergasen von 40 Millionen Küken, die teils barbarische Massentierhaltung und das Schächten auch großer Tiere.

Und wir sind manchmal ein Niveau, dass es jedem intelligenten Migranten schwer machen kann, sich integrieren zu wollen.“ Eine Leitkultur sollte Schwerpunkte setzen, welche die Zukunft und die Entwicklung unserer Gemeinschaft ins Auge fassen, statt alte tote Pferde zu reiten. Sie sollte wirklich auch dazu beitragen,  unsere Persönlichkeit edler und besser zu machen und das Niveau der Kommunikation unserer Eliten und Meinungsbildner so anheben, dass die Bevölkerung die wirklichen Aufgaben erkennt und sich beteiligen will. Zugespitzt? Ja, aber aus ernsthafter Sorge. – Klaus Lachetta


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Erst neulich habe ich in der ZEIT gelernt: Hinterfrage Zahlen jeder Art. 99% aller Afghanen sind für die Scharia? Wie, bitte, kommt man in einem Land wie Afghanistan zu wirklich repräsentativen Zahlen, wo doch Umfragen selbst in westlichen Ländern oft danebenliegen? Es wäre auch hilfreich zu wissen, wie denn die Menschen türkischer Herkunft zur Scharia stehen. Stellen sie doch den bei weitem größten Ausländeranteil.  Meine (nicht repräsentative !) Erfahrung mit Afghanen aus der Flüchtlingshilfe: Dreiviertel geht nicht in die Moschee, keiner hat es abgelehnt, einer Frau die Hand zu geben (und umgekehrt). Ob sie „unsere“ Werte verinnerlichen werden, ist dennoch ungewiss. Viele der in Deutschland lebenden Türken, die für Erdogan votiert haben sicherlich nicht. Aber viele Anhänger von AfD, Pegida und Co. ebenfalls nicht.

Ansonsten ist de Maizieres Katalog eine beliebige Aufzählung von Gemeinplätzen, Typisch Deutsch als Alleinstellungsmerkmal sind sie sicher nicht, sondern (hoffentlich noch) mehrheitsfähig in ganz Europa. Ber es ist halt wieder Wahlkampf.  – Dietrich Briese


Leserbrief zu „Kinder, das wird teuer!“ von Kerstin Bund

Ich bin selbst niedergelassener Kinder- und Jugendarzt in Münster und habe daher mit großem Interesse Ihren Leitartikel gelesen. Hochaktuell ist Ihre detaillierte Beschreibung, wie von Industrie, Handel und Seelenheilern bestehende Ängste von Schwangeren und Eltern instrumentalisiert und neue Ängste zum gleichen Zweck, nämlich um Reibach zu machen, erschaffen werden.

Es artet allmählich in ein Kampf gegen Windmühlen aus, den neuen Eltern in den ersten Vorsorgeuntersuchungen (z.B. U2 – U4) klarzumachen, dass ein primär gesundes Neugeborenes in einem einigermaßen ordentlichen Zuhause – also in den allermeisten Fällen – nichts weiter braucht als Elternliebe, Muttermilch, Zuwendung, Teilhabe am Familienleben und normale Pflege. Die dafür aufzuwenden Kosten halten sich in überschaubaren Grenzen. Unter Einhaltung dieser Voraussetzungen wird das Kind ganz von allein atmen, trinken, verdauen, Kontakt aufnehmen und sich sogar normal entwickeln. Was dieses Kind nicht braucht sind: technische Sensoren, Alarmgeräte, Kameraüberwachung und irgendwelche Medikamente oder Kügelchen gegen angebliche Koliken, Blähungen und Bauchschmerzen (es sind keine!).

Ebensowenig braucht es Osteopathen, Homöopathen, Psychopathen oder ähnliche teure Heils- und Unheilbringer, die die Zeit von Vater und Mutter für das Kind stehlen und ihr Budget unnötig belasten. Ja, selbst der Kinderarzt wird meist nur für die üblichen aber wichtigen Vorsorgeuntersuchungen gebraucht – nicht für die im Babyalter üblichen Befindlichkeitsäußerungen wie kurze Schreiphasen, Nasenatmungsgeräusche, stressige Schlafrhythmik usw. Dafür sind keine Ärzte nötig. Man frage doch mal die eigenen Eltern, wie Pflegeleicht oder auch nicht man selbst gewesen ist. Da muss man nun einmal durch!

Leider verfällt der Artikel zwischendurch in das altbekannte populäre Ärztebashing – diesmal sind die Frauenärzte und Geburtshelfer dran. Was dort über die Angebote der Frauenärzte geschrieben wird ist unreflektiert, sachlich falsch und soll wohl das von einigen gewünschte negative Arztbild füttern (wollen Sie das wirklich?), das es bei den Patienten und in der Bevölkerung gar nicht gibt.

Ich arbeite in meiner Kinder- und Jugendarztpraxis mit einem Frauenarzt zusammen und kann Ihre Behauptungen (sinnlose iGL-Angebote, Untersuchungsangebote ohne medizinischen Wert, etc.) nicht bestätigen. Wahr ist allerdings, dass die Schwangeren eine sehr gute (Note 1) ärztliche und medizinische Versorgung einfordern. Mit der von den Krankenkassen angebotenen ausreichenden (Note 4!), zweckmäßigen und wirtschaftlichen Versorgung ist niemand zufrieden – weder Patienten noch Ärzte. Zwei Beispiele dafür:

  1. Ultraschalluntersuchungen mit den heutigen modernen, hochauflösenden Geräten bieten nebenwirkungsfrei eine optimale (Note 1+) Überwachung der Schwangerschaft und der Gesundheit des Feten. Nur drei Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft sind unteroptimal. die wesentlichen Entwicklungsphasen des Feten werden nur lückenhaft erfasst – gerade mal ausreichend (Note 4-).
  2. Die im Artikel genannten Infektionen während der Schwangerschaft gefährden die Schwangerschaft, die Mutter und vor allem das Kind in höchstem Maße. Eine Untersuchung auf die Immunitätslage der Mutter bezüglich dieser Krankheitserreger ist oft sinnvoll und unbedingt medizinisch anzuraten. Wenn die Krankenkassen das nicht übernehmen, dann ist das sehr bedauerlich. (Note 4- oder eher 5) Diese Untersuchungen dennoch anzubieten ist unbedingt verantwortungsvoll.

 

Als Arzt sehe ich mich in der Pflicht meine Patienten mindestens gut (Note 2) eher sehr gut (Note 1) zu behandeln. Wenn die Kosten für die dafür erforderlichen Untersuchungen nicht von den Krankenkassen vergütet werden, bleibt nichts anderes als die Patienten zu fragen, ob sie die Kosten selbst übernehmen.

Was ich mir als Arzt sicherlich nicht antun muss ist, eine ausreichende Versorgung wider besseres Wissen als gut oder gar optimal zu bezeichnen, nur um die tatsächlichen begrenzten Leistungen der Krankenkassen (Note 4) zu beschönigen. Dass sehr gute Arbeit ihren Preis hat, gilt übrigens auch für alle anderen Bereiche, nicht nur in der Medizin. Ob wir alle sie so wollen und wie dafür aufzukommen ist, steht auf einem anderen Blatt. Dieses Blatt wird aber nicht von den Ärzten gedruckt.

Ich werden meinen gynäkologischen Kollegen also darin bestärken, sehr gute Arbeit anzubieten und zu leisten, auch wenn dafür die Patientinnen, die das wünschen, zusätzliche Zahlungen leisten müssen außerhalb der Krankenkassenbeiträge. – Pedro Andreo Garcia


Leserbrief zu „Kinder, das wird teuer!“ von Kerstin Bund

Herzlichen Glückwunsch zu diesem sehr gelungenen Artikel! Die Probleme der heutigen jungen Eltern haben Sie sehr genau beschrieben. Ich bin zwar ein Mann, kann Ihnen aber als berenteter Geburtshelfer, der sich über 30 Jahre mit den Problemen junger Eltern viel beschäftigt hat, nur zustimmen. Dabei wird mir auch klar, warum Elternkurse, die den Eltern nachgewiesenermaßen sehr weiterhelfen könnten, von diesen nicht beachtet werden.

Seit 8 Jahren führe ich mit einer Kollegin quasi als Hobby SAFE-Kurse durch (www.safe-programm.de) und erlebe mit den Eltern zusammen, wieviel man mit etwas Aufwand schon frühzeitig tun  kann, um einigermaßen sicher in die Elternschaft zu starten und nicht von den Ängsten beherrscht zu werden. Das, was alle Eltern unserer Kurse immer wieder bestätigen ist inzwischen auch in Langzeitstudien nachgewiesen:

Diese Kurse sind gerade in der heutigen Zeit ausgesprochen hilfreich, kosten aber vor allem Mühe (nicht viel Geld, zumal eine Stiftung für Eltern, die nicht bezahlen können, einspringt). Vielleicht müssen wir eine solche Möglichkeit noch viel bekannter machen! Haben Sie die Möglichkeit und Lust, dazu beizutragen? – Dr. med. Michael Scheele


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Mit Betroffenheit und Unverständnis habe ich das Zeit-Dossier in der letzten Ausgabe gelesen. Betroffenheit, weil ich selbst einige Zeit in der Nordstadt gelebt habe, mich mit ihr schon früh auch wissenschaftlich auseinandersetzte, sie seither in ihrer Entwicklung beobachten konnte und jüngst wieder in einem Forschungsprojekt den Blick auf die Governance eines umfassenden Entwicklungsprogramms namens »nordwärts« in Dortmund richte.

Unverständnis, weil ich den Bericht aus fachlicher Sicht extrem verkürzt und einseitig finde und mir – als jahrzehntelangem ZEIT-Leser – nicht erklärlich ist, dass und warum so etwas in der von mir bislang sehr geschützten Zeitschrift veröffentlich wird. Unverständnis aber auch, weil hier sehenden Auges in Kauf genommen wird, dass ein solcher Artikel vor Ort erheblichen Schaden anrichtet, indem er das große Engagement vieler Menschen als irrelevant und scheinbar wirkungslos darstellt, vor allem aber die Stigmatisierung des ganzen Stadtteils weiter vorantreibt.

Dies schreibe ich Ihnen lediglich, damit der Hintergrund für den beigefügten Leserbrief verständlich wird, den ich ausdrücklich in meiner fachlichen Rolle geschrieben habe und in dem ich mich bemühte, die hier angedeutete emotionale Verfassung nicht durchschlagen zu lassen.

Ich würde es sehr begrüßen,  wenn es einmal Dossiers in der ZEIT zu lesen gäbe, die zumindest den Versuch machten, den (zweifellos vielschichtigen und widersprüchlichen) Wirklichkeiten in solchen »Ankunftsstadtteilen« tatsächlich gerecht zu werden. – Klaus Selle


Leserbrief zu „Wie es wirklich ist… als Seelsorger Seelsorge zu brauchen“ von Felix Evers

Dieser Beitrag ist – leider-  für mich einerseits Ausdruck des modernen Medien-Exhibitionismus , andererseits einer mittelalterlichen Glaubensauffassung.

Emotioneller Schock, Kummer und Verzweiflung des Pfarrers Evers über den Tod seiner geliebten Nichte kann ich gut verstehen, auch der ihm – wahrscheinlich bei den 400 Beerdigungen gespendete –  und nun  abhanden gekommene Trost des  „unerforschlichen Ratschlusses Gottes.“ Nicht aber sein Vorwurf:  „Warum, Gott, hast du das zugelassen?“ als er schon Zeit und Ruhe zum Nachdenken hatte.

Denn wie kann ein gebildeter Mensch des 21. Jahrhunderts einen durch freien menschlichen Willen verursachten, medizinischen Unfall „Gott“ anlasten? Allenfalls der hier versagten elterlichen Auftragspflicht… – Tione Mittl-Raht


Leserbrief zu „Mehr Demokratie wagen“ von Benedikt Erenz und Kiên Hoàng Lê

Danke für diesen schönen, meinungsstarken Text, ich habe beim Lesen aufgeatmet. Es geht also noch was außer Selbstbetrachtung. – Elsemarie Maletzke


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Danke für diesen Artikel. In ihrer Argumentation ist am Schluss aus meiner Sicht ein Denkfehler: in Gesellschaften, die zu 99% die Scharia für richitg halten werden Sie nicht überzeugen können. Das Erbe der Aufklärung wirkt nur bei Personen, die die Afklärung auch mitgemacht oder zumindest mitgedacht haben. – Christian Voss


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Ich fürchte, dass eine starke AfD-Fraktion im Parlament notwendig ist, um die derzeitige und zukünftige Merkel-Regierung zu einer Lösung solcher Probleme zu bewegen. – Christian Voss


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Sehr gefreut hat mich, dass Sie im genannten Artikel die Frage nach der Leitkultur mit dem Böckenförde Diktum verknüpft haben. Leider zitieren Sie den Abschnitt über die Homogenität nicht mit, dieser ist aber sehr erhellend für unsere Gegenwartsdeutung. Böckenförde schreibt: „Als freiheitlicher Staat kann er … nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der … Homogenität der Gesellschaft, reguliert.“ Zunehmende „diversity“ haben die meisten Menschen in unserem Land als zunehmen der Freiheit von den Zwängen einer homogenen Gesellschaft aufgefasst.

Ist jetzt der Punkt erreicht, wo sich die Gesellschaft aufgrund nachlassender Homogenität nicht mehr selbst reguliert und der freiheitliche Staat zu Zwangsmitteln greift, die ihm eigentlich wesensfremd sind? Folgt aus „diversity“ jetzt nicht mehr Freiheit, sondern streckenweise Chaos, daraufhin Zwang und  daraufhin schließllich innere Auflösung des freiheitlichen Staates. Dass die Willkommenskultur verblasst und der Ruf nach einer stärkeren Polizeipräsenz lauter wird, wirkt wie eine Illustration von Böckenfördes Worten. Die Frage, wie wir Homogenität der Gesellschaft ausdrücken und fördern können, ist daher nur zu berechtigt. – Michael Herzer


Leserbrief zu „Geduld…wird überschätzt!“ von Sandra Danicke

Vielleicht liegt es an den Begriffen: ich kann Ihnen nicht ganz folgen. Geduld hat doch nichts mit Faulheit oder Drückebergertum zu tun. Sie ist dann gefragt, wenn uns Aktionismus nicht weiterhilft, aber nicht, wenn wir besser eingreifen sollten. Um in Ihrem Bild zu bleiben: An der Supermarktkasse muss ich oft geduldig sein.

Einfach weil die Kassiererin oder der Kassierer nicht beliebig schnell scannen kann. Wer dann schon wütend wird, nur weil leider gerade keine weitere Kasse geöffnet werden kann, der wird sicher nicht glücklicher sein, als ein geduldiger Mensch.

In Ihrem Beispiel geht es allerdings um ein weiteres Schlüsselwort der von Ihnen kritisierten modernen Lebensideale: Die Achsamkeit.

Und hier möchte ich Ihnen gerne ein Pladoyer für mehr Achtsamkeit schreiben:

Achtsam sein heißt Achtung haben. Achtung gegenüber seinen Mitmenschen, gegenüber allen Mitgeschöpfen, gegenüber unserer Umwelt und auch gegenüber all den Dingen, die uns umgeben. Nein, ich meine nicht, dass man mit einem kleinen Lächeln jede Kleinigkeit einen Moment betrachten soll, auch nicht, dass man mit einer riesengroßen Geduld endlos viele kleine Felder großer Mandalas ausmalt sondern dass man auf die Menschen achtet, die einem begegnen, dass man versucht, sich in sie hineinzuversetzen, sie mit dem eigenen Verhalten nicht zu verletzen.

Wenn ich an der Kasse erst umständlich einpacke, bevor ich der schon wartenden Kassiererin das Geld gebe, verhalte ich mich äußerst unachtsam, gerade wenn auch noch einige andere Kunden anstehen. Achtsamkeit kann aber eben auch sein, dass ich nicht nur mein Kind tröste, das gestürzt ist, sondern mir auch die Mühe mache, die zerrissene Hose, um die es weint, zu flicken. Oder dass ich meine gelesene ZEIT nicht achtlos in die Altpapiertonne werfe, sondern die besten Artikel vorher ausschneide, um sie weiterzugeben.

Leider ist der Begriff „Achtsamkeit“, wie eben auch „Geduld“ von der Mode auf eine völlig unachtsame Art seines tieferen Sinnes beraubt worden. Das finde ich schade, denn für mich ist es der Wert schlechthin, er beinhaltet Nächstenliebe und Gottesliebe gleichermaßen und ist so auch aus christlicher Sicht grundlegend.

An dieser Stelle ist dann auch klar, dass, wer versucht achtsam (im Wortsinn) zu sein, niemals Geduld vorschieben und etwas aussitzen kann. Wer Achtung gegenüber seinem Umfeld verspürt, fühlt sich gedrängt, zu handeln, wo es nötig ist. Ist er noch dazu geduldig, so könnte er sogar noch etwas Zeit zum Nachdenken investieren, um dann auch wirklich sinnvoll zu handeln.

So wünsche ich mir, dass diese Kombination aus Achtsamkeit und Geduld in ihrem ursprünglichen Sinn viele Menschen antreiben möge, das beste aus ihrem Leben zu machen. Und ich denke, dass die Menschen damit glücklich werden können. – Frauke Heins


Leserbrief zu „Geduld…wird überschätzt!“ von Sandra Danicke

Ungenügend recherchiert: Bereits die Überschrift liegt neben der Sache. Achtsamkeit möchte derjenige (wieder) erlernen, der sich von seinem Leben gestresst fühlt und deshalb insbesondere geduldiger mit sich sein möchte. Wer energiegeladen nach dem Bus sprintet und glücklich in den Sitz gleitet, hat jedenfalls in diesem Moment kein Problem, fühlt sich nicht vom Leben gehetzt, sondern durchtrainiert. Bei Achtsamkeit geht es nicht um die Bekämpfung des gesunden Ehrgeizes, der Themen vorantreibt, sondern darum nicht bei jedem persönlich empfundenen Problem aus der Haut zu fahren. Das Leben wieder auf Normalgeschwindigkeit zurückzudrehen und im Moment zu leben, damit man eben die wichtigen Dinge (welches sie auch sein mögen) nicht verpasst. Dies nicht unbedingt wartend hinter einem langsamen, unbeholfenen Kunden an der Supermarktkasse. Achtsamkeit könnte helfen, dieses Warten auszuhalten und nicht den Fokus darauf zu legen, dass es sich um gerade um verbrannte Lebenszeit handelt, denn Abhilfe gibt es in dieser Situation an sich nicht. Und auch Asphaltiere m.E. greifen nicht zu, weil sie ungeduldig sind, sondern weil sie es sich zutrauen. Und Sprichwörter wie „In der Rhe liegt die Kraft“ etc. verwendet man üblicherweise bzw. richtigerweise gegenüber demjenigen, der ausgepowert ist. – E. Becker


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Am Ende Ihres Artikels finden Sie, dass „…ein schöner Nebeneffekt wäre…“. Ihr Optimismus ist respektabel, aber ich kann ihn nicht teilen.

Die eigentlich in vielen Regeln festgelegten Normen des Miteinander der „alteingessesenen“ Deutschen werden doch in unerträglicher Weise

schlicht ignoriert und die Exekutive ist zunehmend nicht in der Lage, diesen Normverletzern ausreichend auf die Finger zu klopfen; auch ohne „Zugezogene“ wurde bereits zu wenig für die Einhaltung der Grundnormen getan.

Aber ansonsten ein dickes Danke für Ihre eindrucksvolle, angenehm kurz gefasste Darstellung der aktuellen Situation. – D. S. Tandler


Leserbrief zu „Wissen hält nicht länger als Fisch“

Bei Punkt 7 ist Ihnen ein haeufiger Fehler passiert: Die ersten extrasolaren Planeten wurden bereits 1992 nachgewiesen. In Nature 355, S. 145 berichten Wolszczan und Frail ueber ein Planetensystem um dem Pulsar PSR1257+12. Die Entdeckung von 51 Peg b 1995 war die erste Entdeckung eines extrasolaren Planeten um einen sonnenaehnlichen Stern. – Sabine Moehler


Leserbrief zu „Leistung lohnt sich bei euch nicht“ von Mark Schieritz

Der Bericht von dem Ökonom Arthur Laffer passt nicht. Ein Gutverdiener will sein Klientel schützen. Die Konkurrenz der Staaten unter einander können sich nur Staaten mit geringer Bevölkerung leisten. Aldi und Co. werden nicht einen Mitarbeiter mehr einstellen,

nur weil sie weniger Steuern zahlen. Das gilt auch für Industriebetriebe. Das freiwerdende Geld wird man für Erhöhung der Effektivität der Firma einsetzen (Personalreduzierung) oder an die Anteilseigner auszahlen.

Was macht ein Gutverdiener mit 100€ mehr im Monat: Er kauft Aktien (keine Umsatzsteuer). Was macht ein Geringverdiener mit 100€ mehr im Monat: Das Geld geht direkt in den Konsum.

Das heißt, wenn der Laden bei Aldi und Co. voller wird, brauchen die mehr Personal, und vielleicht auch ein weiteren Laden. Von den 100€ des Geringverdieners streicht der Staat in Schnitt ca. 15% MWST ein. Weiterhin die Gewerbesteuer der Betriebe und Steuer auf Gewinne werden sich auch erhöhen.

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass alle Steuern nicht zu hoch sind.

Leider sind viele Politiker anderer Meinung. Vor allem nach den Wahlen, um ihre Wahlgeschenke bezahlen zu können. Um gerecht zu wirken, werden Ausnahmen eingeführt, die das Steuerrecht unübersichtlich machen und damit ungerecht. Die Steuer nach dem Bierdeckelprinzip war nicht die schlechteste Idee. – Lothar Kaulbarsch


Leserbrief zu „Mehr Demokratie wagen“ von Benedikt Erenz und Kiên Hoàng Lê

Was für ein wunderbarer Beitrag  von Benedikt Erenz zum Thema „Mehr Demokratie wagen“. Und dieser unverwechselbare Stil! Herzlichen Glückwunsch zu diesem Ihrem Autor.

Solch fundierter, engagierter Journalismus sollte in einem „Blatt mit Anspruch“ einen breiteren Raum einnehmen.

Nichts dagegen, dass Journalisten sich darüber Gedanken machen, ob sie ihr Leben als Grille oder Ameise verbringen wollen; für meinen Geschmack sollte diese pubertäre, egozentrische Befindlichkeitsschreiberei  aber höchstens so viel Platz bekommen wie eine kleine Kolumne.  – Heike Miethe-Sommer


Leserbrief zu „Leidkultur“ von Josef Joffe und „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Immanuel Kant hat schon alles zum erwünschten menschlichen Verhalten – zu dem, was uns leiten sollte – gesagt:

„Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“ Und „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt“ und „Habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen“

DIE Zeit hat das bereits zusammengefasst: http://www.zeit.de/2000/02/NOCH_MAL_VON_VORN_WAS_BEDEUTET_DER_KATEGORISCHE

Was du nicht willst, dass man’s dir tu, das füg auch keinem andern zu. Oder noch kürzer: „Gegenseitiger Respekt!“  möge uns leiten/ unsere Leit-kultur sein! – Ortrud Mauk


Leserbrief zu „Bis zum Besserwissen“ von Stefan Schmitt, Ulrich Schnabel Und Andreas Sentker

Herzlichen Glückwunsch an das Ressort Wissen zum Jubiläum. Schön wäre es aber, wenn solche Ressort, wieder mehr Bedeutung gewännen. Gefühlt wurden in den letzten 20 Jahren vor allem „leichte“ Themen mit neuen Ressorts bedacht. Es wurde das Leben eingeführt, das Magazin wieder belebt und das Ressort Z gegründet. Alles Redaktionen, in den vor allem leichte Themen und Meinungen eine Rolle spielen und die mit dem Feuilleton um den geschliffensten Artikel konkurrieren.

Journalisten lieben diese Ressorts, aber gerade deswegen ist hier ein großer Markt an kostenlosen Angeboten entstanden. Meinung können Blogger genauso gut, der klassische Journalismus hat seine Stärke hat seine Stärke bei der Recherche und den Hintergründen.

Wünschen würde ich mir beispielsweise ein Ressort Gesellschaft, das aktuelle Trends auf wissenschaftlicher Basis hinterfragt. Das Thema Islamismus wird heftig diskutiert, über die Gedanken- und Lebenswelt der hier lebenden Muslime erfahren wir aber wenig. Auch zur „konservativen Revolte“ gibt es viel Meinung und wenig Hintergrund.

Bitte mehr Ressorts, die nicht nur schön formulierte philosophische Stücke bringen, sondern auch Hintergründe. Eben das, was das Netz nicht bietet (oder nur nach aufwändiger Recherche). Gerne im Geist eines kritischen Rationalismus. – Tilman Weigel


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Der Artikel sollte der Pädagogenschaft zur Pflichtlektüre verordnet werden! –

Was aktuell gefragt ist, wäre natürlich eine europäische Leitkultur. Nur: Wo soll die herkommen, wenn die politischen Kapazitäten jetzt mit den Brexiten verbraten werden, wahrscheinlich jahrelang: Die neue unendliche Geschichte des 21. Jahrhunderts!

Für Herrn Bittner, zwei sprachliche Anmerkungen:

Mit der Formulierung z.B. “ Grundnormen d i e s e r Gesellschaft“ – sehr, sehr häufig, fast regelmäßig auch von Politikern so verwendet – tue ich mich schwer. Warum nicht das Bekenntnis zu „unserer  Gesellschaft“? Bei „dieser“ sieht man immer den abweisenden Zeigefinger mit der Assoziation, dass man damit nichts zu tun hat.

Bei „willkommen“ handelt es sich um eine völlig falsche  sprachliche Anwendung, siehe Duden (Nr. 10 Bedeutungswörterbuch). Mit willkommen begrüßt man nur jemanden, den man sich erwünscht hat. Ein angemessenes Wort für die Situation vor zwei Jahren gibt es wohl nicht. –  Und Willkommenskultur geht erst gar nicht, die kann man nicht (wie auch eine Leitkultur) verordnen und insbesondere erst recht nicht so hochstilisieren, wie das geschehen ist. Kultur kann nur über einen langen Zeitraum entstehen (durch entsprechendes jahrelanges „Vorturnen“ von vielen Einzeldisziplinen) und nur Dritte können so etwas dann als Kultur qualifizieren.

Beides ist m.E. mit dem Duktus des Artikels kompatibel, zeigt aber zusätzlich die Kompliziertheit der Thematik. – Ernst Hankammer


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Die massive Ablehnung von links und grün der „10 Gebote“ des Innenministers zum Thema Leitkultur war vorprogrammiert, aber die Kritik aus den Reihen der eigenen Partei ist völlig entbehrlich. Die Richtlinien zum Thema Leitkultur sind jedenfalls nicht nur absolut frei von radikalen Ansätzen, sondern teilweise sogar amikal und insgesamt so grundvernünftig, dass man sie sofort umsetzen sollte. Was an Kategorien wie soziale Gewohnheiten, Bildung, Erziehung, Leistung, Tradition, Kultur, Religionen, Respekt, Toleranz oder Patriotismus und die Ablehnung von Gewalt als Durchsetzungsmethode anrüchig sein soll, bleibt unbeantwortet.

Mit der Masseneinwanderung von sogenannten Fluchtmigranten werden Lebensweisen und Einstellungen importiert, die mit Europa nicht kompatibel sind, aber nachhaltig existieren können, wenn keine verbindlichen Leitlinien definiert werden. – Mag. Martin Behrens


Leserbrief zu „Was kostbar bleibt“ von Jochen Bittner

Hintergründig weniger um das Bekenntnis zu den Werten unserer Gesellschaft, als um die vermeintlich kulturelle Überlegenheit eines mehr oder weniger definierten Deutschseins. Es besteht aber gerade zum Ende dieser großen Koalition auch für die linken Kräfte im Lande, diesen Ball aufzunehmen und ihn selbst zu prägen, sodass sogar ein Bekenntnis zu einer Leitkultur in die Präambel des deutschen Grundgesetzes aufgenommen werden kann, in der zur deutschen Kultur das Bekenntnis zur Freiheit, zur Gleichberechtigung, zur Humanität und zur Solidarität als Leitkultur unseres Landes vorangestellt wird. – Michael Parbs-Dalitz


Leserbrief zu „Kleine Gehirnwäsche“ von Georg Blume

Ich habe ohnehin so meine Probleme mit einem einheitlichen europäischen Staat, der laufend propagiert und zu dem ja sogar ganz gerne die Türkei gezählt wird, wenn auch letztere derzeit nicht so intensiv. 27-28 Nationen, von denen man 25 sprachlich nicht versteht und von 3-4 noch nicht mal die Schrift lesen kann, und gemeinsame Amtssprache ist ausgerechnet noch eine, deren Land gar nicht mehr Mitglied in der EU ist (bekommen die Briten eigentlich Lizenzgebühren, wenn weiterhin in der EU alles in Englisch veröffentlicht wird?).

In den letzten 3-4000 Jahren sind sämtliche Staaten, in die man verschiedene Ethnien gepresst hat, schon aus viel geringeren Gründen auseinander geflogen. Wenn man nun noch erwarten kann, in einigen Jahren allerorts auf unduldsame religiöse Idioten zu treffen, wäre es vielleicht doch angebracht, einmal Lehren aus der Geschichte zu ziehen, bevor diese das Problem wieder einmal blutig löst.  – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Ne nous quittez pas!“ von Peter Dausend et al.

Müsste im obigen Artikel in der „DIE ZEIT Nr. 19, Seite 3 nicht vor allem Camus vor Jean-Paul Sartre genannt werden? – Christl Fuchs


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Ein angstlüsterner Blick durchs Schlüsselloch. Gebührenpflichtig kann man sich angenehm gruseln, um anschließend sein Kreuzchen bei den NRW-Landtagswahlen machen zu  gehn. Und zwar so: los geht’s immer mit  „zu vielen Ausländern“. Da kommt, was man schon hat kommen sehn – kein Wunder, bei so vielen „Molukken“: Crime, Drugs & Sex!

Flächendeckende (!) Prostitutions-Phantasien, vollgeschissener katholischer Altar (oder doch beinahe), der frustrierte Ordnungshüter, abgeschmeckt mit einer Gruselszene zum Dessert. Verrohte Bälger „klatschen“ Ratten hinter Mülleimern in einem Hinterhof der Dortmunder Nordstadt. Nachdem sie eine junge blonde Pädagogin verhöhnt, in Scheiben geschnitten, gebraten und dann vergewaltigt haben. Oder doch nicht? Ärgerlich, aber hier verhalten sich auch die Dümmsten überdeutlich, wie Rollenerwartung es vorschreibt. Zwei deutsche Loser beklagen die guten alten Zeiten, ein SPD-Funktionär treibt Selbstdarstellung und ein Kommissar muss den Jagdhund mimen, der nicht beißen darf. Die Kleinbürger der Region gehen übrigens gerne in die Nordstadt  „Slumming“, d.h. sie  pinkeln besoffen in Jungmännergruppen ungeniert in die Vegetation, da, wo die Polizei nicht weit ist.

Es handelt es sich bei dieser Räuberpistole um ein schönes Beispiel dafür, wie man Bestrafungslust anheizt und die richtige Stimmung für „Waffenbürger“ – kostenlos!- in der online-Ausgabe beim Leser. Ist irgendwem aufgefallen, dass Frauen nur als junge Mütter und Nutten auftreten?  Viele andere sind mittlerweile verscheucht von dort, wo auch die Stadtspitze sie nicht haben zu wollen scheint. Auf zwei 60jährige Frauen kommen in zwei Unterbezirken statistisch drei 60jährige Männer.

Auf drei 50jährige Frauen vier gleichaltrige Männer. Zuviel Dominanzgehabe von allen Seiten – hier die dunklen Gestalten, da der lichte Staat – ist die Folge, zudem die bürgerbeteiligte Planung einer „Vergnügungsspange“ im Viertel. Ob hier die Herrenrasse ab wieder 2023 die Sau raus lassen darf?  Ich wohne hier seit 30 Jahren und freue mich darüber, dass hier nicht alle an allen herumerziehen. Natürlich auch über eine faire intelligente Polizei und kluge „de-musealisierende“ Stadtplanung, wie es seit kurzem gibt. – Sigrid Asamoah


Leserbrief zu „Frankreich entscheidet“

Macron hat gesiegt! Die Europa-Freunde haben gesiegt! Jetzt kommt der fade Alltag, die neue Arbeit. Europa muss umgebaut werden! Wo fingt man an?

Hat die Reihenfolge eine Bedeutung? Der Anfang muss aber unbedingt gelingen! Das „Fundament“ ist eben sehr wichtig.

In Ihrem Zeitartikel steht: „Die Deutschen sind grundsätzlich Pazifisten …“. Pazifismus, was heißt das konkret noch mal … ?

Pazifismus heißt auch eine Friedensbewegung, die eine internationale Friedensordnung anstrebt. Kann man nicht gerade hier den Friedensprojekt der EU an die Ziele dieser Friedensbewegung anpassen? Im Vergleich zum radikalen Pazifismus lässt sie eine militärische Selbstverteidigung als Sicherheit zu. Wofür braucht man dann noch die große Übermacht der Nato als Relikt aus dem Kalten Krieg?

Wen ein Land, wie ein Mensch, mit sich selbst im reinen sein will, dann muss Deutschland diesen „Geburtsfehler“ der Vereinigung Deutschlands 1989/90 schnellstmöglich korrigieren, d.h. entschieden und ohne irgendwelche Bedingungen freiwillig aus dem militärischen Block Nato austreten und sich als Neutralstaat erklären!

Dann darf man mit ruhigem Gewissen sagen: „Die Deutschen sind grundsätzlich Pazifisten“! – Dr.-Ing. L. Bussler


Leserbrief zu „Was haben Sie auf dem Konto“ von Ingeborg Harms

zur Kolumne von Frau Harms „Was haben Sie auf dem Konto?“ empfehle ich, mit den Begriffen „falscher Polizeibeamte, falscher BKA-Beamte“ zu recherchieren.

Sie werden dann feststellen, dass es sich bei den Anrufen um Vorbereitungshandlungen zu banden- und gewerbsmäßigem Betrug handelt. Die Anrufe der Täter erfolgen mit verfälschten Rufnummern (gespooft) aus Callcentern, die meistens in der Türkei sitzen. Die überwiegend älteren Opfer werden durch eine Vielzahl von Anrufen letztlich dazu gebracht, ihr Vermögen, Geld, Schmuck und Gold an vermeintliche Polizeibeamte zur Sicherung zu übergeben.

Der Vermögensschaden der dadurch deutschlandweit entsteht ist immens und beträgt in Einzelfällen über eine Million Euro. – Claudia Sommerrock


Leserbrief zu „Wissen hält nicht länger als Fisch“

Ein schöner, kurzer Beitrag! Trotzdem fehlt mir als Resümee „Bis dahin heißt der Merksatz: Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel.“ Übrigens: Auch am Samstag tut er das. – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Wie gefährlich sind diese Männer für Europa, Herr Timmermans?“ von Matthias Krupa, Ulrich Ladurner und Heinrich Wefing

Ich habe das Interview ein paar Tage nach meiner Rückkehr von einer Ungarnreise gelesen. Was Timmermans über Orbán sagt, ist, gelinde gesagt, eine Untertreibung. Georg Soros wird nicht nur von Viktor Orbán im EU-Parlament als Finanzspekulant beschimpft. Er ist auch das Objekt einer Verleumdungskampagen, die in der Nachkriegszeit ihresgleichen sucht. Auf allen Straßen Budapests hängen antisemitische Plakate, die denen im Stürmer um nichts nachstehen. Siehe Anlage.

Seit den 1990er-Jahren fördert George Soros Demokratieprojekte in Osteuropa. Jetzt soll die von ihm gegründete Zentraleuropäische Universität geschlossen werden. Seit László Botka von der ungarischen sozialistischen Partei (MSZP) als Kandidat für das Premierministeramt aufgestellt wurde und nur noch zwei Prozentpunkten hinter Viktor Orbán liegt (Botka: 44 Prozent, Orbán: 46 Prozent), wird er in einer Hetzkampagne als Marionette des jüdischen Finanzkapitals (repräsentiert von dem Geldverleiher Soros) dargestellt.

Es ist müßig, darauf zu hoffen, daß „Ungarn mit den vorhandenen Instrumenten zu überzeugen und auf dem richtigen Weg zu halten“ sei (Timmermans). Ich habe in der vergangenen Woche mit zahlreichen Künstlern, Wissenschaftlern und Intellektuellen gesprochen. Alle verachten Orbán, alle fühlen sich machtlos, alle fürchten den endgülten Abstieg in den Nazisumpf. Es ist höchste Zeit, die „Gefahr für die Grundwerte“ der Union abzuwehren und den Artikel 7 des EU-Vertrags in Anwendung zu bringen. – Günter Berghaus (Dr. phil. habil.)


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Spannender Bericht, aber zumindest die Aussage, Drogenbesitz sei bei geringer Menge für den Eigenkonsum “ nicht strafbar“,  ist falsch. Es gibt nur die Möglichkeit, in einem solchen Fall von der Strafverfolgung abzusehen, wenn die Schuld gering ist und kein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht ( § 31 a BtMG). Beide Voraussetzungen dürften den Beschreibungen im Bericht folgend nicht vorliegen, so dass es sicher nicht beim bloßen Platzverweis verbleiben wird, sondern auch eine Anzeige zu fertigen ist. Die Entscheidung liegt in jedem Fall bei der Staatsanwaltschaft. – Hans-Werner Riehe


Leserbrief zu „Frankreich entscheidet“

Front national ist salonfähig geworden

Ich erinnere mich noch gut an die Wahl von Barack Obama. Gross war in Europa die Euphorie und noch höher die Erwartungen. Geblieben ist vor allem Enttäuschung. Ist nun Euphorie in Frankreich angebracht? Mitnichten. Immerhin hat jeder dritte Franzose, welcher zur Wahl gegangen ist, eine Rechtsextreme gewählt. Dies ist sehr bedenklich. Natürlich lässt sich das Glas auch halbvoll betrachten.

Marine Le Pen ist nicht gewählt worden oder noch nicht? Denn sollte der neue Präsident Macron die massiven Herausforderungen in Frankreich in den kommenden Jahren nicht ansatzweise lösen können, so dürfte der Front national bei der nächsten Wahl weiter zu legen. Europa mag eine Verschnaufpause bekommen haben, aber nicht mehr und sollte in Brüssel nun wieder zur Tagesordnung übergegangen werden, dann wird der Aufstieg der Rechtspopulisten weitergehen.

Die Unzufriedenheit in vielen europäischen Staaten ist in vielerlei Hinsicht spürbar, einfache politische Botschaften finden in diesem Kontext sehr oft fruchtbaren Boden. Der Front national wird mit dieser Niederlage nicht einfach verschwinden; im Gegenteil. Mit Marine Le Pen ist die rechtsradikale Partei in der Mitte der französischen Gesellschaft angekommen. Emotionale panikartige Übertreibungen sind nicht angebracht, Schönfärberei jedoch wäre genauso falsch. – Pascal Merz


Leserbrief zu „Alex, Ötzi und der Libanesen-Jäger“ von Nadine Ahr, Moritz Aisslinger und Marcel Maffei

Mit großem Interesse habe ich den Bericht mit dem oben genannten Artikel zur Dortmunder Nordstadt gelesen. Je tiefer ich in den Artikel eindrang, um so mehr wuchs meine Enttäuschung über diesen Bericht.

Ich kenne einige der Protagonisten im Artikel persönlich, als Anwohnerin und diplomierte Geografin lebe ich sei rund 30 Jahren in der Dortmunder Nordstadt, mit Nähe zum Borsigplatz.
Seit 11 Jahren biete ich mit meinem eigenen Unternehmen „Borsigplatz VerFührungen“ Stadtteiltouren, jenseits des Mainstream-Tourismus, in allen drei Nordstadtquartieren an.
Hier ein Link zu unserem Unternehmen: http://www.borsigplatz-verfuehrung.de/

Das Unternehmen habe ich unter anderem gegründet weil mir die einseitige „Blaulicht“-Berichterstattung über unseren Kiez unglaublich auf den Geist ging. Auch weil ich den Blick der Menschen für die Besonderheiten der Nordstadt schärfen möchte und damit einer weiteren Stigmatisierung etwas entgegen setzen möchte. Was wir hier machen stärkt den Zusammenhalt der Menschen und schafft eine neue Identität der Anwohner mit dem Lebensumfeld.

Doch nun zu meiner Kritik. Ich möchte vorweg schicken das alles was im Artikel steht der Wahrheit entspricht, dennoch hätte ich mir sehr gewünscht das der Bericht ausgewogen die Probleme der Nordstadt aufzeigt und als Gegenüberstellung auch die vielen positiven Entwicklungen bei uns im Norden.

Just im Dez. 2016 wurde die Dortmunder Nordstadt als Kreativ.Quartier Ruhr ausgelobt, ein Zeichen für die reichhaltige Kunst- und Kreativszene (rund 80 Künstler, ca. 30 Kreativwirtschaftler).
Neben der bunten Szene gibt es viele Aktivitäten im Bereich der wachsenden Gruppe von Studenten die die Nordstadt als Wohnquartier entdeckt haben. Ich selbst bin Vorsitzende des Netzwerks KulturMeileNordstadt e.V., ich gehöre dem Hoeschpark e.V. an, dem Hoesch-Museum e.V., den Naturkundemuseum e.V. den Fredenbaumpark e.V. u.v.m. Sie dürfen mich gern als Nordstadtaktivistin bezeichnen, auch als Nordstadtexpertin werde ich gern gehandelt, einige nenne mich auch liebevoll Miss Borsigplatz!

Nicht aufzählen kann ich die vielen Institutionen und Einrichtungen die sich für Jugendliche ebenso aktuell für Flüchtlinge einsetzen, ganz zu schweigen von den Schulen die sich seit Jahren bemühen in einem Bereich mit hohem Migrationsanteil gut Bildungsarbeit zu leisten. Und schließlich die Subkultur, die Szenekneipen, die drei Programmkinos, die Galerien, Ateliers und alternativen Stadtteilprojekte. Was mir darüber hinaus sehr am Herzen liegt ist die Integrationsarbeit die wir Nordstadtbewohner tagtäglich, ungefragt und vollkommen ehrenamtlich für unsere Stadt leisten.

In der Nordstadt spricht man nicht über Integration mal lebt sie! Die Nordstadt ist der Integrationsmotor für die Gesamtstadt Dortmund. Die Wertschätzung dieser nachbarschaftlichen Leistung fehlt mir nicht nur in Ihrem Bericht, er fehlt mir grundsätzlich in der Betrachtung der drei Quartiere. Darum fordere ich deutlich Solidarität mit den Menschen im Dortmunder Norden, sowohl von unserer Stadtgesellschaft in Dortmund als auch von überregionalen Medien!

Im Artikel werden leider auch nur zwei Quartiere erwähnt, die Nordstadt besteht aber auf dem Hafen-, dem Nordmarkt- und dem Borsigplatz-Quartier, das ist besonders  schade weil es doch am Hafen gerade so richtig aufwärts geht.

All das findet keinen Widerhall in Ihrem Artikel, warum nicht. Die Journalisten haben sich doch immerhin 3 Wochen in Do-Nord aufgehalten. Ich stelle mir die Frage wie der Arbeitsauftrag formuliert war. Denn so blind kann man in unserem Kiez nicht sein, es gibt genügend Möglichkeiten sich „gut“ sprich in fairer Form über die Nordstadt zu informieren.

Ich halte derlei einseitige Berichterstattung für journalistischen Populismus. Von DER ZEIT, die ich und mein Umfeld sehr schätzen, hätte ich einen deutlich ausgewogeneren Journalismus erwartet.

Um hier nicht als beleidigte Leserin dazustehen mache ich Ihnen folgendes Angebot:
Begleiten Sie mich und meine Kunden/Gäste doch mal bei einer unserer Nordstadt VerFührungen und schärfen Sie dabei den Blick für die Besonderheiten und positiven Entwicklungen bei uns in der Dortmunder Nordstadt. – Annette Kritzler


Leserbrief zu „Geduld…wird überschätzt!“ von Sandra Danicke

Zum Artikel von Sandra Danicke:“Die Behauptung, der Geduldige lebe gesünder, weil er sich nicht stressen lasse…….

Der trödelnde Mann an der Kasse erinnert mich an meinen alten Vater, der darauf bestand, seine Einkäufe nach einem bestimmten System einzupacken. Er wurde nie ungeduldig behandelt (Schleswig Holstein).- Ich glaube, die Fähigkeit, Geduld zu haben, ist regional unterschiedlich ausgeprägt. Hier noch ein Beispiel aus meiner Wahlheimat Baden Württemberg: ein älterer Herr
ordert etwas unsicher angesichts des reichhaltigen Angebots des Bäckers: „ein Brot“. – Die Verkäuferin:“ Da sind sie bei uns richtig“. Anschließend berät sie ihn freundlich.

In meiner Heimat Berlin hätte man wohl genervt gefragt: „Na und wat für ens?“- Geduld gegenüber den Mitmenschen, auch mit uns selbst, macht meiner Erfahrung nach das Leben leichter, freundlicher und reicher. – Hendrickje Lohmiller


Leserbrief zu „Wissen hält nicht länger als Fisch“

Erstmal Glückwunsch zum Jubiläum. Das Ressort Wissen ist gelungen und eine Erfolgsgeschichte.

Der genannte Artikel ist interessant, aber bei «14: Computer sind nicht intelligent» musste ich etwas schmunzeln. Es ist schlichtweg falsch, dass mit Software ausgestattete Computer eigenständig lernen. Diese Zuschreibung der «lernenden Maschinen» ist eine Vermenschlichung und bedient genauso ein Klischee wie die angeblich «glücklichen Delphine» die immer lächeln. Sind die ansonsten gut informierten und kritischen Autorinnen & Autoren der ZEIT etwa der Propaganda der Informatiker auf dem Leim gegangen?

Hinter dem wohlmeinenden Spott verbirgt sich indes eine ernste Sorge: Folgt doch die Gesellschaft leichtgläubig den Irrlichtern und Versprechungen der KI-Gemeinde. Dem Tam-Tam und dem Trommelwirbel möchte ich entgegenhalten: Aus Sicht der Mathematik ist in den letzten Jahren nichts Entscheidendes passiert. Es gab keinen «Durchbruch» oder sonst eine Erkenntnis, die es vorher nicht gegeben hätte. Die Algorithmen, die unter dem Kampf-Begriff «Künstliche Intelligenz» zu Markte getragen werden, sind seit vielen Jahren bekannt und verstanden. Auch die sogenannten «Neuronalen Netze» – auch hinter diesem Begriff stehe eine Vermenschlichung und ein Klischee – bezeichnen nichts weiter als ein Klasse von nichtlinearen, parametrisierten Funktionen.  In manchen Anwendungen im Rahmen von Klassifikations-Algorithmen können diese sinnvoll eingesetzt werden; in anderen Fällen sind andere Funktionsklassen überlegen.

Ist es für die kritischen ZEIT-Journalistinnen und –Journalisten nicht eine besonders interessante Aufgabe dem irrationalen Hype die Kraft der Fakten entgegenzusetzen? – Prof. Dr. Martin Bünner


Leserbrief zu „Eltern verhalten sich postfaktisch“ von Manuel J. Hartung

Politische Sprengkraft soll sie haben, die brandneue Analyse der Mercator Stiftung zu G9, eine Ohrfeige sein für alle Politiker, die mit dem Versprechen, zu G9 zurückzukehren, die Wahlen gewinnen wollen!

Einer der wichtigsten deutschen Bildungsforscher, Olaf Köller, wird zitiert und vergleicht die Haltung G9-befürwortender Eltern und Politiker mit Donald Trumps Leugnung der Ergebnisse der Klimaforschung.

“Postfaktisch“ sollen wir Eltern uns also verhalten!

Bei unserer Argumentation stehen nicht Fakten im Vordergrund, unsere politische Meinung und unser Handeln in Bildungsfragen wird eher von unserer perspektivischen Wahrnehmung dem eigenen Wertesystem entsprechend (s. Wikipedia) bestimmt?

Ja, und Gott sei Dank ist das (noch) so!

Dieses elterliche “postfaktische” Verhalten ist und war schon immer die Voraussetzung für die erfolgreiche Aufzucht überlebensfähiger, neurosenfreier Nachkommen.

Dem geht übrigens zumeist der manchmal zu ausgeprägtem “postfaktischen“ Denken und Handeln führende Zustand des Verliebtseins voraus!

Interessant, dass die emotionalen und moralischen Besonderheiten dieser Verbindung , der Eltern-Kind- Beziehung, sogar in der deutschen Rechtsprechung berücksichtigt werden, indem Eltern, die in der Absicht, ihr Kind zu schützen, einen anderen verletzen oder töten, von Seiten der Justiz verständnisvolle Milde erfahren.

Daher ist der Vergleich dieses uralten, lebensnotwendigen Instinkts mit dem egomanen Handeln eines narzisstischen, machthungrigen Menschen, dem neben der Wahrheitsliebe auch der globale Weitblick zu fehlen scheint, wenig treffend, und wurde hier fast schon “postfaktisch” zur politischen Emotionalisierung wenige Tage vor den Landtagswahlen eingesetzt.

Die Analyse selbst taugt angeblich dazu, ein (wenn nicht das) Hauptargument der G8-Gegner schlüssig zu widerlegen, nämlich die deutliche zeitmangelbedingte Abnahme der Freizeitbeschäftigungen bei Schülern:

So würden Sportvereine keinen Einbruch verzeichnen, die Mitgliedszahlen – besonders die der Mädchen- stiegen an, Schülerwettbewerbe boomten.

Ja, hier wurden sicher viele Zahlen erfragt, gesammelt und berechnet, aber:

Hat man auf den Sportplätzen überprüft, ob die Schüler auch wirklich zum Training erschienen?

Hat man ausgeschlossen, dass die Mitgliedschaft aus dem verzweifelten Bedürfnis heraus angestrebt wurde, zeitbedingt fehlende Freundschaften durch geplante soziale Kontakte bei der wöchentlichen Stunde Badminton zu kompensieren?

Oder weiß man sicher, dass die Anmeldung nicht auf Verordnung des Hausarztes gegen die Migräne, durch langes Sitzen bedingte Rückenbeschwerden oder die beginnende Fettleibigkeit erfolgte?

Warum untersuchte man nicht die zahlenmäßige Entwicklung an den Musikschulen, die wegen der kostspieligen Gebühren viel zuverlässiger auf die wirkliche Ausübung dieser Freizeitbeschäftigung schließen ließe?

Und könnte es sein, dass der Boom der Schülerwettbewebe aus der Not der staatlichen Gymnasien geboren wurde, in Konkurrenz zu den (teils privaten und damit von gesetzlichen Vorgaben wie dem G8 ausgeschlossenen) anderen Schulen auch noch genügend Schüler von sich zu überzeugen; Schüler also nur aus Prestigegründen sozusagen halbfreiwillig, und teilweise in der Unterrichtszeit, daran teilnahmen?

So gäbe es noch viele Fragen zu stellen, ohne deren Berücksichtigung eine alltagstaugliche Interpretation der erhobenen Zahlen und Daten unredlich also nahezu “post-postfaktisch” erscheint.

Fragen, die vielleicht allein die Eltern beantworten könnten, würde man auf sie hören….

Die Mercator Stiftung befasst sich unter anderem mit dem Thema der Chancengleichheit. Sie tritt dabei als Verfechterin der Ganztagsschule in Erscheinung.

In ihrer anerkennenswerten Empathie mit sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen unserer Gesellschaft kann man ihr fast schon eine elterlich fürsorgliche Haltung zugestehen, die eben diese Minderheit in den Focus ihrer Betrachtungen stellt.

So werden mit namhaften Forschern Studien durchgeführt, deren Ergebnisse, anders als unsere “postfaktischen” elterlichen Einschätzungen, nun garantiert den Fakten entsprechen sollen Dabei kämpft sie löwenhaft um den „Knochen“ Bildungsausgaben und warnt trotz nachweislich fehlender Vorteile des G8 vor der teuren Re-Reform, da das hierfür ausgegebene Geld dann nicht mehr zur Verbesserung der Chancengleichheit ihrer geförderten Schülergruppe zur Verfügung stehen würde.

Warum aber werden die Interessen der Stiftung und der G9- befürwortenden Eltern derart gegeneinander ausgespielt? Müssen sie sich doch nicht zwangsläufig ausschließen.

Auch ich als Mutter, die sich für das neunjährige Abitur einsetzt, wünsche mir mehr Chancengleichheit für sozial benachteiligte Menschen.

Ebenso sollten die Mitglieder der Mercator Stiftung mein Anliegen respektieren!

Hinschauen und hinhören – auch bei anderen, couragiert den Mund aufmachen, Toleranz und Rücksichtnahme vorleben – unabhängig von Legislaturperioden und dem eigenen Prestige oder Profit.

Gerade als Vorbilder erfüllen Eltern (und Stiftungen) eine wichtige Rolle, die die folgenden Generationen hoffentlich übernehmen werden und ebenfalls weitergeben…!

Ist es in einem reichen, wirtschaftsstarken Land wie Deutschland etwa nicht möglich, den Bildungsetat so zu vergrößern, dass beide Gruppen ausreichend unterstützt und gefördert werden können?

Gibt es nur diesen einen, mittlerweile zerfledderten “Knochen”, an dem von beiden Seiten gezerrt wird?

Und ja, ich verhalte mich gerne “postfaktisch”, finde mittlerweile sogar schmunzelnd Gefallen an diesem vormals von mir nie verwendeten Modewort.

Umarme ich meine Kinder doch aus einer tiefen, warmen Intuition heraus und nicht, weil psychologische Studien dies empfehlen! – Anja Plesch-Krubner


Leserbrief zu „Alles, was recht ist“ von Class Tatje

Wie kann eine untergeordnete Konzernangestellte „dafür sorgen, dass aus Regeln für 620000 Mitarbeiter nicht nur Floskeln werden und sich so etwas wie der Dieselskandal nicht wiederholt“, wenn die Eigentümerfamilien Porsche und Piech und ich schließe Winterkorn und Müller ein „wenig Interesse an harter Aufklärung zeigen“? Harte Aufklärung wird erst möglich sein, wenn Winterkorn, Müller und ihre engsten und vertrautesten Mitarbeiter in Untersuchungshaft sitzen und der eklatante Gesetzesbruch ihres Unternehmens nicht als Schummelei oder Trickserei beschönigt wird, sondern als das behandelt wird, was es ist – ein Verbrechen. Diskussionen um Frau Werner und anderes Moralgefasel lenken nur ab. Von den 620000 Mitarbeitern sind höchstens 60 kriminell und zwar die ganz oben. – Harald Bost


Leserbrief zu „Wie rechts ist die Bundeswehr?“ von Peter Dausend, Martin Klingst und Holger Stark

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Traditionspflege in der Bundeswehr und den dazu auch in der ZEIT erschienenen Artikeln möchte ich Sie auf einen Umstand hinweisen, der mich schon seit einiger Zeit beschäftigt. Es betrifft die Hochstaufen-Kaserne in Bad Reichenhall (deren Namen ja erst 2012 geändert wurde, nachdem sie Jahrzehntelang nach einem General der Wehrmacht benannt war, der nachweislich glühender Nationalsozialist und Antisemit war). Dort ist bis heute der Kaserneneingang mit Wehrmachtssoldaten in Überlebensgröße „geschmückt“, denen man nur verschämt das Hakenkreuz auf der Brust entfernt hat, sowie einem Adler, den man dadurch „entnazifiziert“ hat, dass man das Hakenkreuz durch ein Edelweiß ersetzt hat. Für mich ist es unverständlich, dass solche Symbolik von einem Ministerium geduldet wird, dessen Ministerin sich ja eindeutig positioniert hat mit der Aussage, dass die Wehrmacht in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr sei. – Thomas Armbrüster


Leserbrief zu „Wie rechts ist die Bundeswehr?“ von Peter Dausend, Martin Klingst und Holger Stark

Vielen Dank für Ihren o.a. Beitrag.

Ich möchte noch einen m.E. wesentlichen Aspekt hinzufügen. Ich denke, das erfolgreiche militärische Handwerk lebt von unbedingten vertikalen Abhängigkeitsverhältnissen. In jeder Armee der Welt gehören dazu Befehlshörigkeit, ein gewisser Kadavergehorsam und die dahin führende notwendige Gehirnewäsche. Sicherlich ist das, je nach Tradition oder demokratischem Verständnis, sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die von Ihnen beschriebenen und von Frau von der Leyen beklagten Schikanen und weitere Exzesse sind dafür nahezu unabdingbar.

Der mündige Bürger in Uniform wird vielleicht (wobei ich mir darüber auch nicht allzu sicher bin) keinen Angriffskrieg mittragen, aber er wird wahrscheinlich auch keinen „gerechten“ Verteidigungskrieg gewinnen können. Für diese Erkenntnis wurden meiner Meinung nach genannte unmenschliche Verhaltensweisen bisher stillschweigend toleriert.

Wenn wir uns als Gesellschaft jetzt von dieser Praxis verabschieden und trotzdem unsere Verteidigsbereitschaft nicht aufgeben wollen, gibt es dafür eine Lösung. Wir zahlen dafür im Rahmen der EU oder Nato und verabschieden uns offiziell von der Idee einer eigenständigen Armee. Die Vorstellung von einer demokratisch organisierten, nach humanitären Maßstäben aufgestellten Armee, die dann im Ernstfall auch noch militärisch erfolgreich sein soll, ist m.E. eine Illusion.

Die 2. These Ihres Artikels betraf rechtsradikale Tendenzen und Traditionen in der Bundeswehr.

Ich würde da unterscheiden. Ein rechtes Übergewicht ergibt sich zwangsläufig, da vermutlich fast jede Person, die sich als links und/oder humanistisch geprägt einordnet, einen Wehrdienst in der Bundeswehr für sich ablehnt. Dadurch ergibt sich notwendigerweise eine „rechte“ Mehrheit mit bisweilen rechtsradikalen Auswüchsen.

Die Einordnung der Berufung auf die Tradition der Wehrmacht als rechtsradikal ist vermutlich neu und erst jetzt nach Ableben der letzten Aktiven aus diese Zeit  möglich. Ich vermute, dass sich Ihr verstorbener Herausgeber gegen so eine Darstellung verwart hätte. Dadurch bleibt aber die Bekämpfung dieser falsch verstandenen Tradition m.E. nach trotzdem richtig und muss auf jeden Fall weiter verfolgt werden.

Noch einmal vielen Dank für diesen wichtigen Debattenanstoß und weiter so! – Gunnar Millow


Leserbrief zum Titelthema „Das (irre) Geschäft mit der Elternliebe“

Man sollte endlich mit der negativen Konditionierung der Kategorie Familie aufhören und Kinder nicht ständig als Kostenfaktor darstellen oder mit Begriffen wie „Armutsfalle“, „Jobbremse“ und „Karrierekiller“ in Zusammenhang bringen. Letztlich hängen Pensions- und Familienpolitik kausal zusammen und wer den Generationenvertrag nicht einhält, sollte Restriktionen akzeptieren. Kinder sind die Zukunft jeder Gesellschaft und das demographische Problem mit Einwanderung zu lösen, wird nicht funktionieren, sondern nur zusätzliche Probleme nach sich ziehen. – Mag. Martin Behrens


Leserbrief zu „Leistung lohnt sich bei euch nicht“ von Mark Schieritz

In einem Interview mit der Zeit [Zeit Nr. 19 v. 4. Mai 2017, S. 23] spricht sich der US-Amerikanische Ökonom Arthur Laffer gegen supra- und internationale Regelungen zur Bekämpfung von Steueroptimierung durch Konzerne aus.

Er ist der Meinung, auch ohne ein solches gemeinsames Vorgehen der Staaten sei ein ruinöser Wettbewerb in Form einer endlosen Abwärtsspirale der (Unternehmens-) Steuersätze nicht zu befürchten. Immerhin seinen Unternehmen ja auch auf funktionierende Staaten und deren Infrastrukturen angewiesen. Daher hätten sie selbst kein Interesse an einem solchen, für den Staat ruinösen, Wettbewerb.

Wer’s glaubt, möchte man schreien.

Aber Laffer ist sich nicht zu schade noch einen drauf zu setzen.

Nicht zu Letzt zeige sich am Beispiel vieler afrikanischer Staaten wie recht er habe. Dort seien die Steuersätze mitunter viel zu gering um eine wettbewerbsfähige Infrastruktur zu schaffen. Daher würden sich dort auch keine Unternehmen ansiedeln.

Leider lässt er dann im Dunkeln, was genau die afrikanischen Staaten jetzt anstellen sollten um die nötige Infrastruktur errichten zu können, mit deren Hilfe sie das Geld erst einnehmen könnten, welches sie für ersteres benötigten. Oder vielleicht ist er ja auch der Meinung, wer einmal im Wettbewerb des Marktes unterlegen ist, braucht auch keine zweite Chance mehr.

Natürlich haben Unternehmen großes Interesse an einem stabilen und wohlhabenden Staat mit funktionierender Infrastruktur. Wer bildet denn sonst die Arbeitnehmer an Schulen und Hochschulen aus?

Wer baut denn die Straßen, Schienen und Energienetze um die Produkte zu den Märkten zu schaffen?

Wer sichert die Rechte der Unternehmen durch ein funktionierendes Rechtssystem mit unbestechlicher Justiz, Rechtspflege und Verwaltung?

Die Liste könnte schier endlos so weiter gehen. All das kostet Geld, viel Geld. Geld, das der Staat bevor er es ausgibt im Wege der Steuer einnehmen muss.

Es mag sein, dass ein Steuerstaat wie Deutschland und manch anderes Industrieland aus Sicht eines Unternehmers eine ineffiziente Mittelverwendung betreibt und dazu zu hohe Steuern erhebt. Aber meint Laffer tatsächlich, dass für Unternehmen ein Punkt erreicht sein kann ab dem ihnen die Steuersätze zu gering erscheinen? Was wirklich passiert wenn man den allheilbringenden Wettbewerb unkontrolliert zwischen den Ländern wirken lässt, kann man doch heute bereits staunend beobachten.

Internationale Konzerne greifen liebend gern auf die tatsächlich, im internationalen Vergleich, hervorragenden Infrastrukturen, Sozial- und Rechtssysteme der Industrienationen wie Deutschland zurück. Dort finden sie qualifizierte Mitarbeiter, stabile und effiziente Grundbedingungen und zudem noch große wohlhabende Absatzmärkte.

Auch die Manager die für die Unternehmen handeln, leben gerne in diesen funktionierenden Staaten und nicht auf den Kanalinseln, in Panama oder Delaware.

Aber obwohl sie all das so gerne in Anspruch nehmen, müssen die EU Finanzminister über die Verhinderung von Steuervermeidungsprinzipien beraten, weil die Unternehmen wie Amazon, Apple und Starbucks ihre Gewinne als „Kosten“ für Lizenzrechte in Länder mit Niedrigsteuersätzen verschieben.

Die Unternehmen schauen also nicht einfach bloß, in welchem Land ihnen das Verhältnis aus Steuerbelastung und Grundbedingungen am optimalsten erscheint. Das entspräche einem fairen Wettbewerb. Höhere Steuern würden durch die damit ermöglichten und besseren Grundbedingungen kompensiert. Wenn nicht, müsste der Staat steuern senken oder diese effizienter einsetzen. Stellt beispielsweise ein Staat kostenlose Schulen und Hochschulen zur Verfügung liegen dafür vielleicht die Einstiegsgehälter der Mitarbeiter niedriger, weil selbige nicht mit einem Schuldenberg in das Arbeitsleben starten müssen [vgl. bspw. Einstiegsgehälter der USA mit denen Deutschlands].

Nach diesem System funktioniert der Wettbewerb den Laffer sich vorstellt und den man auch jetzt immer wieder beobachten kann aber nicht. Ganz im Gegenteil, die Unternehmen schauen zunächst wo ihnen die Voraussetzungen gefallen, dort sind sie unternehmerisch tätig und erwirtschaften ihre Profite.

Dann schauen sie in einem zweiten Schritt, in welchem Land die Steuersätze am niedrigsten sind, dorthin verschieben sie die Einnahmen. Ohne Einnahmen bleiben keine Steuern, aber Sozial- und Infrastrukturausgaben, die gibt es zu Hauf.

Dies mag eine logische Folge des von Laffer so gelobten Marktes und Wettbewerbes sein. Aber leider fehlt ihm die Weitsicht oder Ehrlichkeit, dass dem Markt eben wegen seiner Gesetzmäßigkeiten die nur nach Kosten, Ertrag und Effizienz funktionieren, die Macht diesen Kreislauf zu durchbrechen eben fehlt.

Natürlich soll ein Staat nicht unkontrolliert Steuern erheben, natürlich braucht er ein Korrektiv. Aber der ungezügelte Wettbewerb ist dabei sicherlich der Größte Bock im Gartenbaubetrieb. Viel mehr ist es auch hier, wie so oft im Leben, keine „alles oder nichts“ Entscheidung. Viel mehr liegt der Erfolg eines Steuersystems in einem gezügelten und kontrollierten Wettbewerb. Der einerseits das „rase to the bottom“ eben verhindert bevor man, wie die eingangs erwähnten afrikanischen Staaten dem Zynismus des Arthur Laffer ausgeliefert ist. Und anderseits dabei stastliche Ineffizienz und Verschwendung durch Anreizsysteme verhindert.

Darüber kann und sollte man diskutieren. Diese müssten dann aber allen offensten. Nicht bloß Großkonzernen mit internationalen Gesellschaftsstrukturen und den teuersten Steuer- und Gesellschaftsrechtlern, sondern viel mehr auch dem kleinen Gartenbaubetrieb und Angestellten mit familiär gebundenem Wohnort.

Zudem müssten sich Unternehmen ehrlich entscheiden. Will ich in einem Land wirtschaftlich tätig sein, dann zahle ich auch dort Steuern, oder ich lasse eben beides. Rosinenpickerei hat mit fairem und regulierendem Wettbewerb nichts zu tun. – Julius Wieske

 

27. April 2017 – Ausgabe 18

Leserbrief zu „Ich bin nicht fett!“ von Theresa Lachner

Danke! Danke für diesen Artikel der mir aus dem Herzen spricht.

Ich war bis dato immer leicht verlegen, wenn ich zugeben musste das ich nicht in einem Fitnessstudio angemeldet bin.

Ich mit meinen etlichen Kilos zu viel auf den Rippen  besitze diese Frechheit.

Es ist so schon nicht einfach, mein Leben als Aussenseiter: Ich vertrage alles und hab null Allergien.  Zudem esse ich alles, mit Ausnahme von Austern, die sind mir zu glibberig. Ich würde ja auch nicht meinen Bronchialhustenauswurf mit aufgeträufeltem Zitronensaft  verzehren, wenn ich denn einen hätte.

Ihren Artikel würde ich am liebsten auswendig lernen, was mir aber mangels Merkfähigkeit in solchen Dingen nicht gelingen wird.

Er kommt aber in meine Nachttischschublade,  dann werde ich ihn immer wieder lesen. Mich schlapplachen, wenn  mir wieder jemand  wie z.B, meine Nachbarin, die kürzlich von einer wirklich hübschen Figur zu einem dünnen langweilen Pfahl ohne Seitenausschläge (sprich Hüften und  Brüste) mutiert ist, mit ihrer Aussage nach schön definierten(? Hilfe) Oberarmen dank Fitnessstudio erzählt. Zum Glück ist leidet sie unter Logorhöe, ich hätte sie fast gefragt ob Sie ernsthaft krank ist und mir damit vermutlich mitleidige Blicke eingehandelt, da ich es wage nur unkontrolliert von irgendeinem Personaltrainer ohne auf mich abgestimmtes Progamm und festen Zeitplan durch die Gegend zu traben. – Heike Matheus-Bollig


Leserbrief zu „So könnte es kommen“ von Wilfried Buchta

Die Zukunft der arabischen Welt kann man Heute schon im Gaza-Steifen bewundern. – Peter Pielmeier


Leserbrief zu „Lasst sie wählen!“ von Can Dündar

Integrationsdebatte oder warum wir uns ständig im Kreis drehen

Nach dem Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei entbrannte in Deutschland wieder die sogenannte Integrationsdebatte. Ein paternalistischer FDP-Politiker aus NRW forderte „ein umfassendes Bildungsprogramm“ und eine „echte Wertevermittlung des Rechtsstaats“. Meinte er damit wie viele Journalisten und Politiker es taten, die vermeintlich „ungebildeten und dummen Türken“, die bei dem Verfassungsreferendum mehrheitlich mit „Ja“ abstimmten? Meinte er, etwa die „unerzogenen Türken“, deren Vorfahren arme und bildungsferne Bauern waren und die endlich mal „so richtig nach den eigenen Wünschen erzogen“ werden sollten? Der koloniale Geist des 19. Jahrhunderts lässt grüßen.

Meinte er vielleicht die türkischstämmigen Menschen, denen derzeit von vielen, auch Vorbildpersonen, eine, gelinde ausgedrückt, „gute Heimreise“ gewünscht wird, weil sie an einer Wahl teilgenommen haben und ihre Stimme nach ihrem freien Willen und Gewissen abgegeben haben? Oder sind damit die türkischstämmigen Bürger gemeint, denen unterstellt wird, „Reichsbürger“ zu sein, nicht mit beiden Beinen auf der freiheitlichen Verfassung zu stehen, die Demokratie zu missachten, einen bösen Diktator zu unterstützen?

Sowohl „Ja-“ als auch „Nein-Sager“ wollen eine demokratische Türkei

Ich bin davon überzeugt, dass die große Mehrheit der Menschen, die für die neue Verfassung in der Türkei gestimmt haben genauso wie die große Mehrheit derjenigen, die gegen sie gestimmt haben, eine demokratische, rechtstaatliche, stabile und fortschrittliche Türkei wünschen. Bei den Wahlen ging es den meisten Bürgern aber nicht um die Verfassung. Es ging vielmehr darum zu demonstrieren, ob man für oder gegen den amtierenden türkischen Staatspräsidenten ist. Mit den Details der neuen Verfassung haben sich die wenigsten beschäftigt.

Mehr Respekt vor der Souveränität des Wählers

Schlimm ist die Tatsache, dass sich Befürworter oder Gegner des Referendums sowohl in Deutschland wie auch in der Türkei stigmatisiert und ausgegrenzt fühlen. In Deutschland sind es mehrheitlich die „Ja-Sager“, die sich dämonisiert fühlen. In der Türkei dagegen die „Nein-Sager“. Außerdem war es auch nicht die feine demokratische Art einiger europäischer Staaten, so massiv in den Wahlkampf eines anderen Landes eingegriffen zu haben.

Ich habe nämlich noch nicht davon gehört, dass französischstämmige Le-Pen Wähler in Deutschland oder Belgien, Niederlande oder Österreich als „Feinde der Demokratie“ oder „Anhänger einer Diktatorin“ bezeichnet wurden und doch bitteschön das Land zu verlassen hätten. Ebenso wurde nicht davon gesprochen, wie gespalten Frankreich doch aufgrund des Wahlausgangs derzeit sei. Bei dem knappen Brexit-Urteil Großbritanniens (51,9 Prozent zu 48,1 Prozent) sprach auch kaum jemand von einer Zweiteilung der Gesellschaft. Nicht zuletzt ist es höchst entlarvend, wenn subversive Wortführer aus Presse, Politik und Zivilgesellschaft versuchen, eine Art „Gezi 2.0“ heraufzubeschwören.

Kann man NPD-, AfD- und Linksparteiwähler ausweisen?

In der derzeitigen Integrationsdebatte ist folgendes anzumerken: Wie wäre es vielleicht, sich an die eigene Nase zu fassen und zu fragen, woran man selber in all den Jahren gescheitert ist? Möglicherweise wäre es ein erster Schritt, dass diejenigen an Staatsbürgerkursen, Weiterbildungsmaßnahmen zur politischen Bildung und Demokratieseminaren teilnehmen, die dies gerade so laut von „den Türken“ fordern. Menschen, die eine souveräne Stimme und Meinung besitzen aus dem eigenen(!) Land ausweisen zu wollen, erinnert an unschöne Zeiten aus der deutschen Vergangenheit. Falls diese trügerische Logik konsequent vollzogen würde, müssten dann nicht auch NPD-, AfD-, Linkspartei- oder sogar manche CSU-Wähler ausgewiesen und ausgebürgert werden?

Wer also immer noch nicht begriffen hat, dass die Menschen und deren Nachkommen, die vor mehr als einem halben Jahrhundert nach Deutschland eingewandert sind, als eigene Bürger anzusehen, kann noch weitere hundert Jahre über Integration diskutieren. Diejenigen in der Mehrheitsbevölkerung, die selbst in Parallelgesellschaften leben oder sich immer mehr von grundgesetzlichen Werten entfernen, sind aufgerufen, sich in die „Mitte der Gesellschaft“ einzugliedern.

Grundgesetz als Basis der Diskussion

Unsere Gesprächsgrundlage sollte sich eher hierum drehen: Alle Menschen, die sich innerhalb der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland aufhalten, haben die Rechte, Pflichten, Freiheiten, Gesetze und Werte des Landes zu beachten und müssen danach leben. Das Grundgesetz stellt die Basis dar.  Einwanderer aus der dritten, vierten und fünften Generation leben nun in Deutschland. Sie mögen vielleicht ausländische Wurzeln haben, aber sie sind faktisch Deutsche. Die überwältigende Mehrheit dieser Menschen steht nicht, wie der Grünen-Politiker Cem Özdemir es sagte, nur mit den Zehenspitzen auf der Verfassung, sondern ganz fest mit beiden Beinen darauf. Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit ist das A und O. Kurz: Das Grundgesetz, das unter anderem Meinungs- und Religionsfreiheit garantiert, ist nicht verhandelbar.

Wenn dies immer noch nicht erkannt wurde und die Bürger dieses Landes noch immer als „Andere“ oder „Fremde“ gesehen werden, erübrigt sich die Diskussion. Diese Erkenntnisverweigerung und „Befremdung“ des „Anderen“ ist es nämlich auch, die die deutsche Diskussion von den klassischen Einwanderungsstaaten wie USA, Kanada oder Australien unterscheidet. Und zwar mehrheitlich nachteilig unterscheidet. Die Eliten des Landes müssen endlich begreifen, dass wir ein modernes Einwanderungsland sind und Vielfalt und Verschiedenheit als Chance nutzen sollten. Ansonsten drehen wir uns wie seit Jahrzehnten im Kreis und führen alle Jahre wieder unsere Integrationsdebatten, die uns nicht voranbringen. Der Migrationsforscher Klaus J. Bade sagt genau deshalb: „Literaturkenntnis schützt vor Neuentdeckungen“.

Das Rad muss also nicht neu erfunden werden. Es gibt genügend Beispiele und Praktiken, wie Einwanderungspolitik und Integration, also Teilhabe und Eingliederung, gelingen kann. Und wie aus ehemaligen Einwanderern gleichberechtigte Bürger werden. Dafür braucht es keine Sonderrechte, sondern nur das gleiche Recht für alle!

Teilhabe nicht nur fordern, sondern auch aktiv fördern

Die beste Integrationspolitik ist Teilhabe. Gleichberechtigte Teilhabe. Niemand soll wegen seiner politischen oder religiösen Meinung diskriminiert werden. Niemand soll wegen seines Namens, Haut- oder seiner Haarfarbe auf dem Bildungs-, Arbeits- und Wohnungsmarkt ausgeschlossen werden. Wer lautstark nach Integration ruft, muss sich mit den Ausgrenzungsmechanismen bewusst auseinander setzen.

Dies darf nicht rein appelativ erfolgen. Denn Diskriminierung und Ausgrenzung ist laut internationalem Recht ein Straftatbestand. Manchen in Deutschland mag  dies nicht immer bewusst sein, aber es gibt internationale Rechtsverordnungen, die unter der Überschrift hate-crimes geführt werden. Alle Aufforderungen der Antidiskriminierungsstellen haben hierzulande jedoch nur empfehlenden Charakter und keine rechtliche Relevanz. Wir können daher von einem „zahnlosen Tiger“ sprechen. Manche Rechtsprechungen haben nicht selten die Neigung, Diskriminierung zu legitimieren.

Oft wird sogar als Meinungsfreiheit aufgefasst, was sich bewusst gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen oder Religionen von Minderheiten richtet. Doch wehe, die Mehrheitsbevölkerung fühlt sich dadurch angetastet, denn dann werden andere Maßstäbe gesetzt. Bereiche aus der Kunst und Presse, aber auch Urteile im Bereich des religiösen Lebens und Berufslebens dienen hier als Beispiele.

In Großbritannien wird Verschiedenheit anders aufgefasst als im „Alten Europa“. Unterschiede können sehr wohl als Stärken genutzt werden.  Die Kunst ist es, das zu schaffen. Manche Staaten versuchen jedoch, die Diversität zu unterbinden. Neutralität bedeutet aber nicht, dass etwas verboten wird, sondern dass der Staat neutral ist, also weder positiv, noch negativ. Es gibt sozusagen eine Dissonanz zwischen der Bewertung verschiedener Inhalte in Bezug auf Einwanderer und Alteingesessene. Denn auch die Einheimischen sind ehemalige Einwanderer, die es nur vergessen oder verdrängt haben. Auch hier ein anschauliches Zitat von Klaus J. Bade: „Die sogenannte Mehrheitsgesellschaften ohne Migrationshintergrund sind in Wahrheit Gesellschaften mit verlorener Erinnerung an die eigenen Migrationshintergründe.“

Vielfalt und Verschiedenheit als Stärke sehen

Was uns als Gesellschaft voranbringen könnte, ist eine Kultur der Anerkennung von Vielfalt und Verschiedenheit wie in den USA. Dort ist fast jeder Einwanderer stolz darauf ein Amerikaner zu sein. Die Denkweise, die dies in Deutschland seit Jahrzehnten erfolgreich unterbindet, ist diejenige, die sich integrieren müsste. Diesen Damen und Herren wäre zu sagen: „Integriert euch doch mal!” Integration bedeutet Veränderung für beide, falls es mehr als zwei Seiten sind, für alle Seiten. Wenn eine Seite eine Veränderungsphobie hat bzw. sich dem verweigert, ist der Misserfolg vorprogrammiert.

Wir müssen erkennen, dass sich neben den Migranten auch die ehemaligen Migranten, also die jetzige Mehrheitsbevölkerung, integrieren müssen. Ansonsten bekommt man genau die Sätze zu hören, die jetzt viele ungeniert und offen so aussprechen: „Geht doch zurück, wo ihr herkommt!”, „Wenn es euch hier nicht gefällt, dann verlasst doch Deutschland”, „Geht doch zu eurem Erdogan, wenn ihr ihn so toll findet”. Diese Aussagen sind die eigentliche Schande und geistige Bankrotterklärung für eine Einwanderungsgesellschaft. –Yasin Baş


Leserbrief zu „Ein Land steht kopf“ von Elisabeth Raether Und Gero von Randow

Wer immer glaubt, Marine Le Pen hätte eine reale Chance, französische Präsidentin zu werden, hat entweder das kleine 1 mal 1 vergessen, oder will mit einer Art neurotischem Pessimismus Ängste schüren. NEIN –  Frau RAETHER und Herr von RANDOW, damit tun Sie dem Leser keinen Gefallen …

DIE ZEIT ist m. E. immer noch eine seriöse Zeitung und keine Profilierungsbühne für „Schreiberlinge“. – Roland Zahn


Leserbrief zum Titelthema „Lügen nach Zahlen“

Warum Sie statt der extrem gestiegenen Zahl der NIQAB-Trägerinnen bei uns (allein 2016 konnte ich im sonst doch so globalen frankfurter Palmengarten über 100, ganze Busladugen dieser mittelalterlich und male chauvinissimo wirkenden dunklen NIQAB-Gestalten, beinahe angsterregender Tiefschlag gegen jedwede Frauenbewegung) lediglich die  viel, viel kleinere der kaum schlimmeren BURKAS erwähnen, erschließt sich mir nicht wirklich. Als ‚Presselüge‘ bezeichne ich dies dennoch nicht.

Kunst der Auslassung? Der Pseudoakzentuierung? Geschickte Manipulation der tumben Lesermasse? Die sonst und früher so optimal kluge und seriöse und ausgewogene ZEIT enttäuscht mich zutiefst.

„Ich glaube nur die Statistik, die ich selbst gefälscht habe“ (sinngemäß)? Das neue Motto der ZEIT? Bravo! – Helmut Erckens


Leserbrief zu „Willkommen bei uns zu Hause“ von Moritz Von Uslar

Vorhin las ich im Cafe ausführlich die neue „Zeit“. eigentlich greife ich immer gerne zu, wen sie da liegt aber heute hat mich einiges gestört.. Z.B. in dem Artikel eines von Usual o.ä. über ein Stadtviertel in Duisburg. Der Reporter schreibt oft „der Reporter“ – warum? , Manchmal sogar schreibt er „man“. Er war sicher nicht der richtige für eine Reportage über so ein außerst durchwachsenes , ja Elendsviertel – er verharrt völlig in seiner bornierten Beobachtungsattitüde – warum beschreibt er immer, geradezu zwanghaft die Kleidung der Menschen und dann auch noch in Klammern?

Das Ganze wirkt völlig unreif  – eine Reportage in einem solchen Viertel zu unternehmen bedeutet auch etwas Mühe, z.B., dass man sich vorbereitet hat. Fragen beziehungsweise Probleme werden schon gar nicht angegangen – „Man“ scheinen jegliche Schwierigkeiten bzw. Anstrengungen zu viel zu sein. Als ihm vorurteile vorgeworfen werden entgegnet er, „es gäbe Probleme“… Deshalb auch der Schluss: Es war ein Abenteuer für ihn, das er nun mit ein paar Pils bewältigen muss – vielleicht, weil es so langweilg war , das Elend unserer europäischen Nachbarn. – Sibylle Hoffmann


Leserbrief zu „Ode an den Zorn“ von Ulrich Ladurner

Des Öfteren greife ich im Cafe zur Zeit – bei dem Artikel über die Demos in Bukarest, Budapest und, glaube ich in Belgrad habe ich etwas gestaunt über die ständige Beschwörung der „EU“ so als wäre sie eine Person, ein Souverän – Ein Journalist sollte schon auch sachliche Kenntnisse über die jeweiligen Länder/ Städte über die er schreibt, haben. Es fehlt fast überall, das Wissen bzw. ein Verständnis für das Fremde -,z.B dass Ungarn jahrzehntelang von der Sowjetunion und zuvor von den Türken geknechtet war, auch die Polen haben eine sehr schwere Geschichte eines ständignen Hin und Her der Zugörigkiten und der Systeme, Serbien ist sowieso kompliziert….

Ein Journalist sollte schon wissen, wenigstens ein wenig, woher sich ein Land seine Identität nimmt-   ein Nationalstreben schlecht zu machen und eine vermeintliche Demokratie, die nuuur die EU verkörpern würde ohne ein wenig in die HIntergründe zu gehen empfinde ich als dilletantisch. Auch der Artikel der jungen Architektin aus Venezuela wirkt ähnlich unprofessionell – so als hätten die Verfasser gar keine entsprechende Ausbildung um für Ihr angesehenes Blatt schreiben zu dürfen. Unerfreulich ist es letztlich, wenn man den Eindruck gewinnen muss, dass es vor allem Kinder aus verwöhnten Elternhäusern sind, gut ausgebildet, aber außerst borniert, ohne Einfühlungsvermögen und echter Neugier für das Andere. Irgendwo steht geschrieben, dass der Wohlstand die Demokratie gebracht hätte…??? – E.Schäfer-Hoffmann


Leserbrief zu „Ich bin nicht fett!“ von Theresa Lachner

Mein italienischer Kumpel Enzo nennt eine Frau, die mehr damit beschäftigt ist, sich (zb. beim Sex) selbst zu beobachten, als sich gehen zu lassen: show-popperin! Das gilt sicher zunehmend auch für Männer.

Haben Sie also Mitleid mit den Menschen, die offenbar wenig mit sich selbst anzufangen wissen. Im Zweifelsfall haben die sich zu sehr im Studio selbstbefriedigt, um noch ausreichend Kraft zu haben, innerlich Höhepunkte zu haben. Das sage ich mit 1,87 und 72kg… – Jan Albers


Leserbrief zum Titelthema „Lügen nach Zahlen“

Wie wäre es, einmal richtige Zahlen zu veröffentlichen? Z. B. diese: Der Umsatz mit Pelzprodukten hat in den letzten 10 Jahren um 70 %(!) zugenommen. Das ist eine schreckliche Zahl.

Gleichzeitig sind über 75 % der Menschen gegen das Tragen von Pelz.

Seit ich die Reportage über Pelz bei ML mona lisa, ZDF, vom 14.01.17 (ist in der Mediathek noch verfügbar, sehr sehenswert, nur 5 min lang) gesehen habe, bin ich über diese Zunahme und den damit verbundenen Grausamkeiten gegen Tiere so erschüttert, dass ich als Privatperson alles versuche, um etwas dagegen zu tun. In dieser Reportage wurde über die o.g. Zahlen berichtet und auch Gründe dafür genannt: Die Leute tragen heute zwar keine ganzen Mäntel mehr, dafür gibt es umso mehr Pelzkrägen, -bommel und andere Accessoires und die Masse macht’s. Wenn man dann mit offenen Augen durch die Stadt geht, sieht man sie an jeder Ecke; letztens ist mit eine Gruppe kleiner Kinder mit ihren Betreuern entgegengekommen; mindestens vier oder fünf der etwa 20 Kinder hatten einen kleinen Echtpelzbommel an der Mütze.

Kaum jemand bekommt mit wie sehr die Pelzindustrie in den letzten Jahren zugenommen hat und damit das Leiden der Tiere; Füchse, Waschbären, Marderhunde, sogar Hunde und Katzen. In China gibt es mittlerweile riesige Pelzzuchtfarmen (und kein Tierschutzgesetz). Sie werden in winzige Käfige gesperrt, bekommen nur das Allernötigste an Wasser und Futter, müssen frieren, damit der Pelz „schön dicht“ wird. Zur Pelzgewinnung werden sie dann aus dem Käfig gezogen, erschlagen (vor den Augen der verbleibenden Tiere) und – falls noch nicht tot – auch lebendig gehäutet.

Wir haben ein Tierschutzgesetz, welches besagt, dass „kein (Wirbel-)tier ohne vernünftigen Grund getötet werden darf“. Der „vernünftige“ Grund: Ein Bommel an einer Mütze!

Bitte berichten sie in ihrer Zeitschrift über dieses Thema. Was fehlt, ist v. a. Aufklärung. Ich glaube immer noch, dass es sich hier um ein grosses Informationsdefizit handelt. Den Menschen fehlen die dazugehörigen Bilder, wenn öfter darüber berichtet würde, würde es auch keine Akzeptanz mehr für Pelz geben. Auch viele, die heute einen (Echt-)pelzkragen tragen, würden dies dann ablehnen. – Kathrin Dörbaum


Leserbrief zu „Ein Land steht kopf“ von Elisabeth Raether Und Gero von Randow

Egal wer Präsidentin von Frankreich wird nach den Parlamentswahlen kein Mehrheit für Reformen in welcher Ausrichtung auch immer sie sind,

Frankreich wird unregierbar und damit in der Folge auch Europa Handlungsunfähig.Wenn man schon die Ergebnisse in der Zukunft bereits jetzt kommentiert sollte man dies berücksichtigen.Ich wundere mich warum Politiker ,Journalisten,Börsenspekulanten und die EU das nicht sehen wollen.( Das unsere Regierungspoliiker nicht Denken können keinen Plan haben ist bekannt) – Harald Ulrich


Leserbrief zu „Willkommen bei uns zu Hause“ von Moritz Von Uslar

Schön, dass Sie einen realistischen, wenn auch politisch korrekt abgemilderten Einblick in das Problemviertel Duisburg-Marxloh geben. Denn allzu Negatives „kann der Reporter sich leider nicht weiter anhören“. Dafür zitieren Sie ausführlich einen Sozialarbeiter der Arbeiterwohlfahrt, der die wahre Ursache der suboptimalen, Zustände erkennt: „Die Armutsimmigration wird nicht als Chance gesehen, sondern als Belastung“. Dazu passt, dass ein Mitglied der türkischen Gemeinde erklärt: „Diese Menschen aus Bulgarien und Rumänien kommen zu uns, weil es ihnen nicht gut geht. Sie brauchen unsere Unterstützung“.

Da es weltweit sehr vielen Menschen nicht gut geht, warten noch gewaltige Aufgaben auf Deutschland. Ich hoffe, dass diejenigen, die in einer Art Union von Legislative, Exekutive, Judikative und der meisten Medien ( wie der Verfassungsrechtler Herbert von Arnim dargelegt hat, gibt es hierzulande keine wirkliche Gewaltentrennung) diese Zustände herbeigeführt haben, ihren Beitrag zur humanitären Unterstützung leisten und nicht die sozial Schwächeren mit den Folgen ihrer Politik allein lassen. Da die Armutszuwanderer offenbar nicht undankbar sind, sondern SPD wählen, wie erwähnt wird, sollten vor allem Rot-Grün-Wähler in solche sozialen Brennpunkte ziehen, um vor Ort helfen zu können. – Karl Seegerer


Leserbrief zu „Das soll links sein?“ von Bernd Ulrich

Die Linke sieht nicht, was wirklich droht ?  Mag sein.  Die Liberalen sehen nicht, oder wollen nicht sehen, dass das neoliberale Jeder-gegen-jeden und die daraus folgende Einteilung der Gesellschaft in winner und looser, in “Elite” und Unterschicht, den Erfolg von Le Pen und Trump moeglich gemacht haben. – Hermann Weigmann


Leserbrief zu „Willkommen bei uns zu Hause“ von Moritz Von Uslar

Für ihre nächste Reportage schlage ich Ihnen als von Berlin-Mitte Erschöpften vor, ihren Abenteuertrip doch mal im Zoo,im Kuriosenkabinett oder in einer Freakshow zu verbringen.

Auch das könnte sicherlich genauso erfrischend und wohltuend für das Denken sein wie ihr Wochenende in einem abgestürzten Stadtteil in Duisburg.Sie können dort das Ambiente

auch geil finden,es ist bestimmt auch nicht gentrifiziert, nur ihre grüne Bomberjacke könnte schon Standard sein, eventuell sollten Sie dann andere Klamotten tragen. Von Ihrem hippen Wochenende können Sie die Fotos auf Instagram stellen, entspannt ein Pils trinken und angeben.  Ich freue mich für Sie, dass es Ihnen so gut geht. – Anne Hieke Passau


Leserbrief zu „Und wo ist Seehofer?“ von Matthias Geis

Herzlichen Glückwunsch zur Persiflage auf Seite 5: Und wo ist Seehofer?

Sie benutzen auf einer halben Seite 26 mal das Wort ‚konservativ‘ – ohne auch nur anzudeuten, was Sie damit meinen. Ist es am Ende nur eine konservative Leerstelle? – Georg Walenciak


Leserbrief zu „ZEIT Golfen“

Zitat von S. 29: „Wer hier spielt, der sucht Cross-Country-Golf-Spaß und den einmaligen Drive in die australische Seele“.

Meine Meinung dazu: Wer hier hüpft, der sucht verzweifelt seinen früheren Lebensraum. Und was findet er: quadratkilometerweise grünen Asfalt und viel zerstörte Natur mehr. Oh, du umweltfreundlicher Golfsport, vielleicht suchst Du mal den Weg der Erkenntnis ins Sportlerhirn! – Charlotte Schaffarz


Leserbrief zum Titelthema „Lügen nach Zahlen“

Die deutsche Grammatik hat ihre Schwierigkeiten:

Sie behaupten auf S. 1: „1  Mio. Männer gehen in Deutschland täglich zu Prostituierten“.

Da fragt sich der unbefangene Leser:

Gibt es wirklich so viele Sexprotze in Deutschland, die sich das täglich leisten können? Da wäre es doch interessant, von der „Zeit“ zu erfahren,  wieviele Männer nur jeden zweiten Tag sich diesem Vergnügen hingeben! Ihre Überschrift: “ Lügen nach Zahlen“.

Oder wollten Sie sagen:

„Jeden Tag gehen eine Million Männer in Deutschland zu Prostituierten.?“ Schwierig, die deutsche Grammatik. – Gerhard Hinrichs


Leserbrief zu „Kann das Stimmen“ von Stefanie Kara

Nachdem ich ihren aktuellen Artikel Kann das Stimmen gelesen habe ich daraufhin, sensibilisiert das Dossier zum Thema Feinstaub gelesen. Interessant für mich als Leser wäre z.B. zu den einigen Zehntausend Toten pro Jahr (wie viele genau 20.000 oder doch 90.000) die Gesamtzahl der Toten pro Jahr. Des Weiteren wäre eine Definition von der Länge von „Vorzeitig ins Grab kommen“ auch gut um die Anzahl der Toten einzuordnen, besonders wenn man die erste der sechs Genannten Fragen berücksichtigt, die sie am Ende des Artikels „Kann das Stimme?“ berücksichtigt (Und sei es bloß, um sich mit einer „Neuigkeit“ hervorzutun).

Auch bei dem erhöhten Sterberisiko im Vergleich der zwei Brüder aus Essen wären Bezüge auf die sich daraus ergebende Wahrscheinlichkeit an Feinstaub zu sterben interessant zu wissen.

Sollten die sie die Angesprochenen Zahlen zu Verfügung haben, wäre ich an ihnen interessiert. – Florian Eberhardt


Leserbrief zu „ZEIT Golfen“

Auf der Titelseite der Zeit Nr. 18 vom 27. April kündigen Sie im Golf-Magazin unter anderem ‚Frauen auf dem Vormarsch‘ an. Insgesamt neugierig geworden, da selbst keine Golferin und keinerlei Bezug dazu, nahm ich das Heft in die Hand. Und kann mich nicht zwischen Unglauben und Ärger entscheiden:

Die von Ihnen angekündigten Frauen auf dem Vormarsch tarnen sich inmitten der männlichen Kollegen im Heft im Wesentlichen auf 4 großformatigen Fotos zum Thema Mode, obgleich sie mir als ‚Damenmannschaft des Golf-Clubs Hamburg Wendlohe‘ sicher Inhaltliches zum Thema ‚Frauen-Power auf dem Platz‘ zu erzählen gehabt hätten (und das hätte mich wirklich sehr interessiert!). Oder habe ich etwas übersehen? Die Aufmachung erinnert mich an die 1970er Jahre und die immer noch – auch durch Beiträge wie diesen –  fortbestehenden

Genderdiskurs: Der Mann, ganz handelndes Subjekt, hat uns etwas Bedeutsames zu erzählen; die Frau muss erstmal modisch aufgehübscht werden und bleibt als dekoratives Golf-Stilleben im Blick der Betrachter/Innen stehen.

Ich glaube Ihnen eigentlich nicht ganz, dass Sie tatsächlich aussagen wollten, dass die Power dieser golfspielenden Frauen, der golfspielenden Menschen allgemein, in ihrem konstruierten Äußeren bestehe und in nichts weiter. Es kommt aber bei mir so an.

Trotzdem weiterhin Ihre aufmerksame und zumeist sehr zufriedene Leserin – Katja Stüben


Leserbrief zu „Der feuchte Traum des Autors“ von Ijoma Mangold

Sie erwähnen in Ihrer Rezension des Russischen Romanes, „las meninas“

als Beispiel für Mit-im-Bild-sein; leider weiß ich nicht mehr, von wem diese Bildanalyse stammt, doch ist in dieser Lesart „las meninas“ ein stolzes Selbstporträit, das sich über das königliche Elternpaar erhebt; die meninas sind fast Staffage.

Die „großartigste Liebeserklärung, die  ein Mann je einer Frau gemacht hat?“, entstammt den Einstellungen, die auch Palmers Unterhosen-werbungen gestalten. – Paul Zwirchmayr


Leserbrief zu „Sie sind Sklaven“ von Caterina Lobenstein

Keine Frage, der Umgang mit Flüchtlingen in Libyen ist unmenschlich und verabscheuungswürdig. Aber modernes Sklaventum findet man auch bei uns in Deutschland. So berichtet ein nicht-europäischer Einwanderer über die Gleichstellungsprüfung für die Anerkennung von ausländischen Berufsausbildungen, dass er mehrere Monate lang in einer Firma arbeiten muss, ohne jegliche Lohnzahlung. Achtzig –Prozent seiner Berufsausbildung wurden anerkannt, die restlichen 20 % müssen durch ein Praktikum in einer deutschen Firma erworben werden. Die Firmen nutzen dies offenbar gnadenlos aus, in dem sie noch nicht einmal das Lehrlingsgehalt des ersten Lehrjahres zahlen. – Peter Weidmann


Leserbrief zu „Über viele Klippen musst du gehen“ von Daniel Erk

Da darf also ausgerechnet auf einer Bildungsseite Daniel Erk in dem Artikel „Über viele Klippen musst du gehen“ die Leser verdummen, indem er über Martin Schulz schreibt, er sei ein Bewerber für das höchste deutsche Amt.

Isch habe schoon for 50 Jaaren auf mainem Gümnasium geleernt, das der Bundeskanzler erst an Numer trai komt nach dem Bundespräsidenten und dem Bundestagspräsidenten. Und Wikipedia bestäätigt dass noch häute. Wo hat sich Herr Erk verbiltet ? – Bernd Lautenschläger


Leserbrief zu “Unterwegs im Auto-Auto” von Dirk Asendorpf

Komische Träume beschäftigen uns: Im Auto-Auto zum Fenster hinaus träumen oder am Laptop arbeiten – wäre das auch so schön.

Ein riesiger technischer Aufwand wird hierfür getrieben und ein hoch komplexes und damit anfälliges System geschaffen. Durch die erforderliche online-Vernetzung entstehen Sabotagerisiken ggf. mit erheblichen Schadensszenarien z.B. durch Online-Angriffe und das Mobilitätsverhalten ganzer Bevölkerungen wird für die daten-verwertende Industrie mit allen Missbrauchsrisiken verfügbar macht.

Wie viel einfacher und risikoärmer wäre die Aufgabenstellung, die Bahn und den Pkw besser zu vernetzen, die Bahn verlässlicher zu machen, ein einheitliches Tarifgefüge sowie ein gutes und wirklich umfassendes online-Buchungssystem zu schaffen. Wir könnten auf 90% der Strecke zum Fenster hinaus träumen oder am Laptop arbeiten – ganz nach Belieben. Wir würden obendrein Energie sparen, weit weniger Versiegelungsflächen für Verkehrswege benötigen, die Lärmemissionen reduzieren, Kosten sparen und hätten das Bistro an Bord. Wir hätten eine logistisch erheblich einfachere Aufgabenstellung zu lösen und damit schneller das Ziel erreicht.

Die falsche Aufgabenstellung gut gelöst ist eben nicht die beste, sondern – wenn es sehr gut läuft bestenfalls die zweitbeste Lösung. – Tilmann Wolf


Leserbrief zu „Kann das Stimmen“ von Stefanie Kara

Aufklärung über die Fälschung und zweckgerichtete Verwendung von Zahlen?

Dazu musss ein boulevardverdächtiger  Untertitel – 1 Mio Männer täglich zu Prostituierten? – und ein entsprechendes Foto. So angelockte LeserInnen werden über die Korrumpierbarkeit der Zahlen aufgeklärt. Und als Beispiel nehmen Sie gleich danach einen Artikel über die Korrigierung des Sexualstrafrechts. Die beruht auf einer solchen falschen Zahl. Und die  Zahl haben die Feministinnen in Gestalt des Bundesverbandes der  Frauennotrufe in die Welt gesetzt.

Herzlichen Glückwunsch! Mit diesen Tricks können Sie den „Femistinnnen“

gleich zweimal eins auswischen: Soviele Männer gehen nicht zu Prostituierten und eine Verschärfung des Sexualstrafrechts war doch überflüssig! – Brigitte Iffland


Leserbrief zu „Schluss mit der Euphorie!“ von Harald Welzer

Die einen haben was zu sagen, andere nicht. Oder sie dürfen nur mal. Wie gesagt, Zukunft wird das, was man zulässt. Der Beitrag von Harald Welzer liest sich wie ein Wutanfall. Natürlich gedämpft, diszipliniert und temperiert. Ist trotzdem wütende Verzweiflung.

„Schluss mit der Euphorie!“ menetekelt er an der Medienwand. Und recht hat dabei auch. Nur eben kein Recht. Weiß er ja. Deshalb die innere Wut.

Niemand der düsteren Propheten wollte je hinterher recht gehabt haben – die wollten alle samt und sonders vorab verhindern. Den Verlust des  Prophetenstatus hätten sie gern hingenommen. So bleibt eben das Geschwisterband zu Kassandra.

Harald Welzer hat sich noch nicht richtig abgefunden. Er mahnt die Politik. Die sitzt aber schon in einem anderen Zug und ist über sein Winken wenig bekümmert.

Auch dies weiß er. Er hat da zwei schnell vergessene Sätze formuliert, die von Dauer sein werden:

  1. die Feststellung: „Die Auflösung der Demokratie geschieht im Rahmen der Demokratie.“
  2. die Begründung: „Mein Zalando-Paket kann ich heute bestellen, um die Demokratie werde ich mich morgen kümmern.“

Ich hatte ja schon gesagt, ein sehr kluger und dabei auch einfühlsamer Text. Sollte man jetzt lesen, denn wenn sich der Wahrheitsgehalt beweisen wird, dann haben alle ganz andere Sorgen.  – Franz Wanner


Leserbrief zu „Crescendo aus der Konserve“ von Adrian Lobe

Die weltfremden deutschen Autohersteller beschäftigen sich lieber mit Sounddesign, anstatt leistungsfähige Batterien herzustellen. Wer einmal der Faszination einer völlig geräuschlosen Beschleunigung erlegen ist, benötigt Hämmern, Röhren oder Rattern wie einen Kropf. Man muß nicht hören, „was der tut“. Man spürt es ohnehin. Den peinlich blubbernden Porsche nach dem Ampelstart im Rückspiegel zu betrachten und gleichzeitig eine Beethoven Sonate in höchster Brillanz zu hören im Bewusstsein keine fossilen Rohstoffe zu verschwenden bringt mehr Emotionen als sich der Akustik-Ingenieur vorzustellen vermag. Lärmende Fahrzeuge gehören einer vorgestrigen Generation an und sind schlicht uncool. Man sollte sie nicht nur wegen des hohen CO2-Ausstoßes von den Straßen verbannen.

Die EU hat sich erneut von der Autolobby manipulieren lassen. Das wird den Niedergang derselben minimal verzögern aber nicht verhindern. Sie vergibt mit Ihren dümmlichen Vorschriften eine einmalige Chance unsere lärm- und abgasgeplagten Städte geräuschfrei zu machen. Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit von Fußgängern und Radfahrern ist ein Verbot der Verwendung von Smartphones und das permanente Herumwischen und Hineinstarren in dieselben wesentlich zielführender. – Helmut Hassek


Leserbrief zu „Deutsche Selbstgerechtigkeit“ von Felix Dachsel

Danke für diesen Kommentar! Man freut sich ja, wenn man zu diesem Thema nicht nur Unsinn hört (den man in Ö nicht anders als in D hört und liest, leider …). – Dr. Thomas Höhne


Leserbrief zu „Das soll links sein?“ von Bernd Ulrich

Ich bin politisch gar nicht links. Die (europäische) Linke nun aber zum Sündenbock machen zu wollen, falls die (französische) extreme Rechte die nächste Runde der Präsidentschaftswahl gewinnt ist doch reichlich frech.

Die Einstellung gegenüber linker Politik zeugt von einer Arroganz, die im politisch/journalistischen Diskurs nicht mehr zeitgemäß ist. Sie (ein kleines bisschen Neoliberalismus braucht Frankreich nunmal) und die (eine wirtschaftskonforme Demokratie) wissen natürlich, wie der Hase läuft. Deswegen haben sie es ja auch in den letzten Jahrzehnten, in denen Sie politisch/journalistisch an der Macht waren, so hervorragend hinbekommen, die negativen Auswüchse des Neoliberalismus einzudämmen, Europa zu mehr zu machen als zu einem Gefäß des Neoliberalismus und das Nationale an den Platz zu verweisen, der ihm gebührt.

Die Linke dagegen hat zwar ein gutes Herz, aber wirtschaftpolitisch keine einzige Ahnung. Deswegen muss man ihr auch nicht zuhören, sondern kann sie getrost behandeln als wären sie trotzige kleine Kinder, selbst wenn sie demokratisch gewählt sind. Und während die etablierten Parteien selbstverständlich national denken dürfen! können! müssen!, sprich, sich sowohl als Franzosen als auch als Europäer fühlen dürfen, ist die Linke nur international denkbar.

Die Linke jetzt (nachdem der Karren im Dreck ist), aufzufordern Empfehlungen abzugeben, die ihrer politischen Überzeugung widersprechen, ihnen im selben Atemzug nationalistische Tendenzen zu unterstellen (besuchen Sie mal die Webseiter: diem25.org, kennen Sie wahrscheinlich nicht, ist eine europäische linke Bewegung) und ihnen die Schuld an einem möglichen Sieg zuzuschustern ist genau jene Art von Kohl/Schäuble/Basta-Diskurs mit dem Sie junge Leser abschrecken.

Es ist ja nett, dass Sie sich Gedanken über die Glaubwürdigkeit der Linken machen, aber vielleicht sollten Sie schon den Wählern der Linken überlassen, ob diese an Glaubwürdigkeit verliert, wenn sie den Ratschlägen von Herrn Ulrich nicht folgt, oder wenn sie ihre Überzeugungen aufgibt.

Der Gipfel ist aber, einen Artikel, der offensichtlich nicht an ein linkes Publikum gerichtet ist (denn es geht ja nicht um einen echtes Gespräch, sondern um eine Selbstversicherung der alten weißen Männer), mit einem „Vorwärts, Genossen, en marche!“ zu schließen. – Julia Richter


Leserbrief zu „Fremde Freunde“ von Michael Thumann

Gäbe es eine Zeitung namens FascionismWeek – sie würde es fashionabel so titeln:

Netanjahu ist das neue Erdogan. – Kurt Eimers


Leserbrief zu „Keine Strafe für Vergewaltiger?“ von Sabine Rückert

vielen Dank für Ihren sehr aufschlussreichen, aufdeckenden Bericht darüber, wie mit falschen Zahlen Politik in Sachen Sexualstrafrecht gemacht wurde.

Obwohl ich als Frau sicherlich ein Interesse daran habe, dass tatsächlich stattgefundene Vergewaltigungen auch verfolgt werden – ein Sexualstrafrecht, das auf derart emotional-ideologisch gesteuerter Basis entstanden ist, ist nicht das, was ich mir unter dem demokratischen Rechtsstaat vorstelle.

Aber leider ist der smarte Herr Maas darauf hereingefallen. Warum auch immer…

Gut, dass Sie die Hintergründe aufgezeigt haben. Auch auf die Gefahr hin, dass es jetzt wieder ein großes Geschrei aus der „Schwarzer-Fraktion“ gibt. – Erika S. Becker


Leserbrief zu „Müssen Elfjährige wissen, was Transgender ist?“ von Manuel J. Hartung und Mariam Lau

Da kann Frau Löhrmann vor dem Gespräch noch so viel Kreide fressen, im Gespräch zeigt sie wieder ihre – typisch für viele Grüne – belehrende bzw. volkserzieherische Art: „Die FDP denkt…Wir wissen…“ Und dann noch im Gewande des Pluralis Majestatis! Wer ist den wir?

Und dann noch zu einer Wissenschaft (Erziehungswissenschaften) bei der es nicht gerade viele unverrückbare Naturgesetze gibt. Schön zu sehen, dass sich Herr Kretschmann gleich einmal in seiner Replik nicht zu den „Wir“ zählt bzw. besser zählen lässt. Mit einer Vertreterin Frau Löhrmann brauchen sich die Grünen über die schlechten Prognosen für die Wahl in NRW nicht wundern.  – Jens Kruse


Leserbrief zu „Ein Land steht kopf“ von Elisabeth Raether Und Gero von Randow

Nun in vielen landen befinden sich viele machthungrige in der Politik. Auch in Deutschland sitzen viele Beamte und Akademiker in der Politik. ďie sogenannte geistige Elite. Das in Deutschland und anders wo die soziale Verantwortung nur da hingehen verstanden wird das der arbeitnehmer/ außer Beamte und palamemtarier=gut verdienen fuer ihre eigene Staatliche Rente sich beteiligen. So zahlen auch nur die Arbeiter ihren Beitrag an der Arbeitslosen Versicherung. Und es sind die Arbeiter ohne (Beamte,palamemtarier selbständigen ) die durch ihre plichtbeitraegen zur grundversorgung der aerzticher beitragen.

Und auch die ueber zugeneigt gehalten der Fuehrung persoenlichkeiten der Krankenkassen funktionieren aufkommen. Und diese fleißigen Arbeitnehmer außer der pewelegierten Beamten auf Lebenszeit, setzen sich der Willkür der Arbeitgeber aus die je nach wirtschaftlicher Lage ihre Angestellten feuern koennens. Es sind die aerzticher die grossverdiener die Steuern hintergehen.

Die Arbeitnehmer als hoppeln und ex wahre empfinden. Es ist der Staat der milarden ferschleudert. Der keine ruecklagen fuer die Pensionen seiner Angestellten bildet. Es ist der Staat der die sozialen Kassen zu Gunsten seiner Lakaien seiner „fuer sven „plündert. Und es sind die gierigen die ohne Skrupel die Gesetze ihrer Dienst Herren zum Nachteil jener stricken von deinen sie leben. Es ist nur logisch das die USA ihren (hitler) bekommen haben.

Auch Deutschland hat sich aus der sozialen Verantwortung die sich von 45biszur Hartz4refirm fuer ein gesundes Deutschland stark gemacht hat. Das ironische ein Verbrecher hat der Partei die hatz4reform „aus der geistigenaNS mottenkiste“geholt. Die Partei die Jahrzehnte fuer die rechte derer gekämpft hat, die sich im warten Sinne des Wortes zu Tode geschaltet hat um nur eine bescheidene Rente und Altersversorgung fuer sich und ihren Hinterbliebenen zu erwirtschaften.

Und es sind jene Windel Generation die ihren Eltern und auch ihren Enkeln ein gesundes und entspanntes alt werden in wuerde den Ruhestand zu genießen.

Wem wundert es das es die Arbeiter sind die diesse Art der selbst sechziger arroganten Politik Strategen ihre aersche zeigen. Die Revolte ist in Deutschland Dank scheuble und Co angekommen.

Der wohlhabende dem interessiert es nicht wie viel Zinsen sein Sparbuch einbringt er mehr sein Geld auch in der Krise wen sein gläubiger blutend hungernd in der Gosse liegt. gebt deinen die paar Kroaten die sie tun wuerdevollen leben brauchen.wir Arbeitnehmer wir brauchen keine Villen keine Millionen auf dem Konto nur eine gerechte Bezahlung unserer Arbeit und eine gerecht und anstaendige anerkennend unseres Lebens und Altersversorgung. Und eine solidarische Arbeitslosen Versicherung.

Denn es ist Aufgabe des Staates die weichen fuer Arbeitsplätze zu sorgen von deinen die Arbeitnehmer und ihre Familien leben koennens. Keiner will als Bittsteller zum Amt und sich fuer alles rechtfertigen zu messen nur um ein Zuschuss fuer die Musik schule oder eines bildungstraegers zu bekommen.die Schlosser Burgen und Glas Palastes sind nicht von Beamten gebaut worden. Es waren die fleißigen arbeiten die freien Buerger die Arbeit nehmen. kriegt Frankreich jetzt seine Domina ihre koenigin( warum essen sie keinen Kuchen wen sie kein Brot haben) Deutschland hat seine mar gott honneka schon, die mit amtlichen schoeverberrei im selbsmord modus( es gibt nur 2milo.arbeitzlose) es gibt10 Millionen.

Es gibt das Internet und die Leute koennens schoeverberrei von der tatsächlichen der realen Wirklichkeit erkennen und trennen. – Chr. Knaut


Leserbrief zu „Ich bin nicht fett!“ von Theresa Lachner

Oft bin ich mit kritischen Gedanken zu Artikeln zu langsam als dass es zur nächsten Ausgabe reichen würde.

Jetzt möchte ich mit meinem Lob schnell genug sein:

„Theresa Lachner hat mich hoch erfreut mit ihrem ganz unfeministisch daherkommendem, und dabei umso feministischer wirkenden Artikel zu ihrem „stinknormalen“ Körper. Es ist wichtig aufzudecken und  zu bennen wie die mediale und mit-menschliche Umwelt sich erdreistet Frauenkörper zur Disposition zu stellen. “

Nur für die zuständige Redaktion des Zeit-Magazins:

Der Titel „Frauen“ des kürzlich erschienenden Zeit-Magazins war aufgeblasen und großsprecherisch angesichts des Inhalts. Konsequent wäre gewesen die altgedienten Rubriken in das Thema einzubeziehen. Martenstein, Janosch, die Rettungs-Interviewer, vielleicht selbst Tillmann Prüfer und Mirko Bosche ( ggf. Sexspielzeug testen, oder doch besser Haushaltsgeräte für den Mann?), sie hätten bestimmt auch etwas zu „Frauen“ zusagen gehabt. Oder aber die Rubrik für eine Ausgabe an eine Kollegin abgegeben?

Mehr von der Qualität des Artikels von Carolin Würfel hätte ich passender zum Thema gefunden.

Es kann auch nicht darum gehen, dass frau ihr Körper „egaler“ wird, nach Claire Beermann. Immerhin, dieses Heft war ein längst überfälliges, wenn auch seichtes gegensteuern wider die unsäglichen „Modehefte“ oder Pseudo-Modehefte in denen es augescheinlich vor allem darum geht die Mode-Werbeanzeigen passend plazieren zu können. Mein Vorschlag: Tillmann Prüfer mit Theresa Lacher ein gemeinschaftliches Projekt schreiben lassen. Zum Beispiel zum Widerstand des selbstbewussten Konsumenten gegen aufdringliche Mode-Diktate.

Allen Machern von zukünftigen Frauen-Heften (wäre mir eine Freude!) empfehle ich das Kapitel über Feminismus in Ken Wilbers Buch: „Das Wahre, Schöne, Gute“ – Susanne Lypold


Leserbrief zu „Der Horst in mir“ von Peter Dausend

als Abonnent (gelesene  40 Jahre) fühle ich mich bei der Verwendung meines Namens in dieser Form verletzt. Und glauben Sie mir, ich habe Humor, somit ist Herr Dausend für mich ein Vollpeter. – Horst G. Weller


Leserbrief zu „Und wo ist Seehofer?“ von Matthias Geis

Richtig, wenn man „konservativ“ statisch definiert. Aber versuchen wir es dynamisch, der Zeit angepasst. Konservativ heißt: Die Macht da erhalten und zu mehren wo sie schon ist. So gesehen war es in Zeiten der Nationen und des Krieges sicher konservativ größer zu werden (die Kleinstaaten zu einer Nation zusammenzufassen) und die Macht beim preußischen Adel zu halten.

Im Zeitalter des globalisierten Kapitalismus heißt konservativ dann das Kapital zu halten und zu mehren wo es schon ist – also ist die CDU konservativ und die SPD und die Grünen mindestens während ihrer Regierungszeit wohl auch. – Dieter Herrmann


Leserbrief zu „Sie wollen ein faires Land“ von Ana Vargas

Ana Vargas empört sich über die desolate politische und wirtschaftliche Situation in Venezuela. Vermutlich, weil sie als Teil der Eliten (wie sie sagt) nun selbst davon betroffen ist. Als bloß die Ärmeren betroffen waren, hat sie sich wohl kaum empört.

Dass die Eliten dem Grunde nach an dem Desaster selbst schuld sind, verschweigt sie geflissentlich. Denn bei einer einigermaßen ausgewogenen Teilhabe der ärmeren Schichten am politischen Geschehen und am wirtschaftlichen Erfolg wäre wahrscheinlich auch Chavez nicht an die Macht gelangt. Schließlich ist noch zu vermuten, dass die Versorgungsengpässe und die Inflation auch durch eine entsprechende Haltung der Unternehmer verursacht sind, nach dem Motto: „Na denen werden wir es auch noch zeigen!“. – Lettau


Leserbrief zu „Ich bin nicht fett!“ von Theresa Lachner

Ob Frau Lachner zu dick zu dünn oder von normaler Figur ist, interessiert mich absolut nicht, ebenso wenig von Interesse ist für mich ihr Sexualleben.

Was mich aber interessiert ist, wie solch ein Beitrag es wert ist, eine Seite in Ihrer Zeitung zu füllen. – Ruth Rütten


Leserbrief zu „Kann das Stimmen“ von Stefanie Kara

Wollte nur schnell schreiben, wie toll ich den WISSEN Artikel “Kann das stimmen?” in der ZEIT vom 27. April gefunden habe. Wunderbar – mehr davon! Weniger Bullshit und mehr die Augen auf, wie toll könnte die Welt sein… – Jürgen


Leserbrief zu “Hundert Tage” von Josef Joffe

Etwas polemisch könnte man sagen: Merkel in Deutschland kann man berechnen (meistens).

Die nicht erfüllten Wahlversprechen, die Joffe nach 100 Tagen auflistet, sind nach dieser kurzen Zeit nichts sagend. Das deutsche Kommentariat ist sprachlos Trump gegenüber und übt sich in hämischen Pseudoanalysen. Seine Erfolge oder Misserfolge kann man erst nach 2 Jahren bewerten. Es ist aber ein Pech dass Die Zeit wöchentlich erscheinen muss und die Wut auf diesem Emporkommling so groß ist. – M. Pelc


Leserbrief zur Infografik „Optische Täuschung“ von Christoph Drösser und dem Artikel „Kann das Stimmen“ von Stefanie Kara

Herzlichen Dank für diese Infografik und den Artikel im behaupteten „postfaktischen Zeitalter“. Ich habe unlängst mit meinen Mittelstufenschüler*innen das Thema Statistiken bearbeitet, da kommt mir die Gelegenheit für eine unterhaltsame Wiederholung gerade recht, zumal unsere Jugendlichen seriöses Rüstzeug benötigen, wenn sie im Netz unterwegs sind.

Einen Kritikpunkt Stefanie Karas habe ich allerdings nicht nachvollziehen können und ich würde mich über eine Erläuterung freuen, wenn Zeit dafür sein sollte:

Das Beispiel Autoabstinenz zeige eine unseriöse Interpretation.

Wenn 56% der Aussage zustimmen, kaum noch auf ein Auto angewiesen sein zu müssen sei ein Beitrag zu einem guten Leben (und so lese ich diesen Punkt) und ich dies hier als Aussage „A“ bezeichne,

sowie weiterhin annehme, dass nahezu jeder Mensch ebenfalls der Aussage „B“: „Ich wünsche mir für mich ein gutes Leben“ zustimmen würde.

Und wenn also „A“ zu „B“ führt und ich „B“ will, dann will ich doch auch „A“, also dass Gemeinden so strukturiert sind, dass ich weniger auf ein Auto angewiesen bin.

Mir ist dabei schon klar, dass damit die Aussage „C“: „sehr auf ein Auto angewiesen sein zu müssen sei ein Beitrag zu einem guten Leben“ nicht ausdrücklich negiert wird, aber ist es (schon angesichts der doch allgemein als übermäßig empfundenen Präsenz des Autos in Städten) nicht naheliegend anzunehmen, dass die Befragten die Frage genau im Sinne von „A“ gelesen haben und folglich die Behauptung, dass sich eine Mehrheit wünscht, weniger auf das Auto angewiesen sein zu müssen bzw. vice versa weniger auf das Auto angewiesen sein wollen, gar nicht unseriös ist? – Christian Buzuk


Leserbrief zu “Hundert Tage” von Josef Joffe

Ich wäre dankbar, wenn zu der trefflichen Beobachtung von „Hundert Tage“

Donald Trump die beigefügte Kollage an Dr. Joffe weitergeleitet werden könnte.

Dass Trump ähnlich wie den 1. Ministerpräsidenten im „Ländle“  sein „Geschwätz von gestern“ nicht interessiert, mag  in den Fällen zutreffen, in denen n icht schon Gerichtsurteile oder das Kapitol sein Ansinnen stoppen.

Jedenfalls macht Trump Politik offenbar gern so, wie er es als seinen Stil für Deals am Bau vor 30 Jahren publiziert hat. Demgemäß bekundet Trump zunächst sehr hohe Ziele. Im nächsten Schritt versucht er, nachhaltig Druck zu machen, um diese zu erreichen. Klappt dies nicht, macht er einen Rückzug und ist auch mit weniger zufrieden.

Trump schreibt 1987  in „The art of the deal“, diese Art liege in seinen Genen.*

* „I aim very high, and then I just keep pushing and pushing and pushing to get what I’m after. Sometimes I settle for less than I thougth… It’s in the genes.“ Donald Trump „The art of the deal“, 1987 – Frank Müller-Thoma


Leserbrief zu „Crescendo aus der Konserve“ von Adrian Lobe

Meine Hauptmotivation ein Elektrofahrzeug zu nutzen ist durch die Tatsache begründet, dass es leise ist. Bis zu Ihrem Artikel wähnte ich mich als zukünftige Zeitzeugin von wieder wohn- und lebenswerten Städten und Big Cities, da der Stressfaktor No1 Lärm sich durch Elektromobilität von selbst erledigt. Wie naiv! Aber welche Vernunftgründe kommen schon gegen den Wirtschaftsfaktor „testosterongesteuerter Lamborghinikunde“ an? Dieser Mangel an Einsicht in  verpflichtende Notwendigkeiten erinnert stark an weltfremde Rituale vormoderner Gesellschaften. Das Kind im Manne spielt sich noch zu Tode.  Es ist bereits 5 nach 12h. – Eva-Maria Fahl


Leserbrief zu „Die unsichtbare Gefahr“ von Fritz Zimmermann

Einmal abgesehen davon, dass die in Statistiken verarbeiteten Daten allenfalls partiell relevant und dem Säulen-Fussball-Beispiel in der Rolle des Fußballs recht ähnlich sind (das von Ihnen angegebene Adressenbeispiel sagt m.E. gar nichts aus, denn zu den kritischen Tagesstunden sind die Leute in der Regel auf der Arbeit oder dem Weg dorthin), macht Ihr Artikel leider genau das, was Sie in vorhergehenden Ausgaben der Zeit mehr oder weniger angeprangert haben: Lobbyarbeit statt Aufklärung, an Hand der sich jeder eine eigene Meinung bilden könnte.

Entscheidend für den Leser wäre nämlich die Information:

  • Um welche (letztlich anscheinend tötlichen) Krankheiten handelt es sich eigentlich, die dem Feinstaub in die Schuhe geschoben werden ?
  • Welche anderen Ursachen werden für die Krankheiten identifiziert ?
  • Warum soll es letzten Endes der Feinstaub sein ?

Und weitere Fragen dürfte es geben, wenn diese Fragen tatsächlich seriös beantwortet werden können.

Außerdem wird aus irgendwelchen ideologischen Gründen ausgeklammert, die eigentliche Quelle vieler Probleme einzubeziehen: wir als Menschheit sind zu viele. Weniger Menschen produzieren auch weniger, selbst wenn sie ihre Gewohnheiten ansonsten nicht ändern. Wenn die Ur-Bevölkerung der Alt-BRD von 80 Mio auf nunmehr ca. 73 Mio auf dem Gebiet Alt-BRD+DDR abgenommen hat, ist das nicht nur die richtige Richtung, sondern scheint obendrein noch die natürliche Antwort der Natur auf das Zuviel zu sein: mit hohem Lebensstandard sinkt nicht nur die Sterblichkeit, sondern ab einem gewissen Maß an Komfort auch die Geburtenrate. Statt überhaupt einmal darüber nachzudenken gefällt sich die Politik, je nach Couleur, in Gefasel vom Aussterben der Deutschen und der Zuwanderungsnotwendigkeit aufgrund Arbeitskräftemangel (den wir definitiv weder haben noch dadurch beheben könnten) oder Rentenprobleme (die auch anders in de Griff zu bekommen wären und eher verschärft als verbessert werden).

Politiker gehen aus naheliegenden Gründen auf solche Fragen nicht ein, Philosophen und Soziologen sind mit komplizierten Wortschöpfung bereits zu ausgelastet, um an so etwas auch noch zu denken. Sie könnten relativ gefahrlos einen solchen Denkansatz, der nicht nur für unsere Gesellschaft, sondern auch für den Umgang mit Entwicklungsländern Auswirkungen haben dürfte, in die Diskussionsrunde werfen. Lassen Sie sich hier in die Pflicht nehmen? – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Kann das Stimmen“ von Stefanie Kara

Fiel der ZEIT zu diesem wichtigen und interessante Artikel wirklich kein besserer Aufmacher ein als das Bild einer ziemlich nackten Frau? „Sex Sells“ scheint auch bei der ZEIT immer haeufiger ein Argument zu sein. Wenn ich dieses Niveau will, kaufe ich mir die Bild-Zeitung. – Sabine Moehler


Leserbrief zu „Feind der Feinde” von Matthias Nass

Mir fehlt da ein Minimum an Objektivität bei der Bewertung des extrem gefährlichen Nordkorea-Konfliktes. Man kann die Politik des Kim Jong Un nicht gut heißen, aber doch versuchen, sie zumindest ansatzweise zu verstehen. Es gibt eben nicht nur den Standpunkt der USA und Chinas.

Nordkorea befindet sich im Zustand des Waffenstillstandes. Im Volk hat sich tief eingeprägt, mit welcher Brutalität das Land im Koreakrieg dem Erdboden gleich gemacht wurde. Nordkorea hat sich mit der Doktrin „Militär zuerst“ unter gewaltigen Entbehrungen darauf einstellen müssen, jederzeit angegriffen zu werden. An Bedrohungen fehlt es nicht.

Das hat im letzten Jahrzehnt extrem zugenommen. Seit der Bush-Administration zählt Nordkorea zur „Achse des Bösen“. Die so bezeichneten „Schurkenstaaten“ wurden, geführt von den USA, einer nach dem anderen angegriffen, zerstört, Diktatoren liquidiert, Bürgerkrieg angestiftet, Millionen Menschen, soweit sie nicht ihr Leben verloren haben, zu Flüchtlingen gemacht und eine Welle des Terrorismus ausgelöst.

Nordkorea muss in dieser Lage, um seines Überlebens willen Wege finden, nicht ebenso unterzugehen.

Da gibt es nur zwei Möglichkeiten:

Entweder die USA oder mit deren Einverständnis die UNO finden zu einem Friedensvertrag, vielleicht sogar mit der Perspektive einer koreanischen Wiedervereinigung als neutraler Staat;

oder, das gilt solange nicht miteinander sondern übereinander gesprochen wird, muss Nordkorea Mittel vorhalten, die einen Angriff der USA ausschließen. Das geht nur mittels Abschreckung durch kernwaffentragende Raketen, die das Territorium der USA bedrohen. – Christian Schurig


Leserbrief zu „Keine Strafe für Vergewaltiger?“ von Sabine Rückert

Ihr Artikel greift eine interessante Frage auf. Doch angesichts der Tatsache, dass Sie gerade auf unsaubere Argumentationen aufmerksam machen wollen, ist er teilweise erstaunlich wenig sorgfaeltig. Zum Beispiel:

„nicht nur „Anzeigen von Frauen“ (25%)“/“keine identifizierbaren Tatverdaechtigen (20%)“: Wie sahen die Zahlen 1977 aus? Ohne den Vergleich bleibt unklar, ob die genannten Zahlen fuer die Aenderung relevant sind.

Verurteilung wegen „geringerer“ Straftaten: Auch hier waeren die Zahlen von 1977 interessant gewesen.

„Nirgendwo in Europa haben so viele beschuldigte Maenner eine sexuelle Vorbeziehung zur Anzeigeerstatterin wie in Deutschland“. Mit Blick auf den vorhergehenden Artikel Ihrer Kollegin erheben sich bei dieser Aussage folgende Fragen, von denen keine im Text beantwortet wird:

– Wer hat die Statistik erstellt?

– Wirklich in ganz Europa?

– Ist die Gesetzeslage in ganz Europa vergleichbar? Wenn Vergewaltigung in der Ehe nicht strafbar ist und/oder der ungeschriebene Grundsatz gilt, dass eine Frau, die zum Taeter eine Vorbeziehung hat, selbst schuld ist an ihrer Vergewaltigung, dann wird es weniger Anzeigen aus solchem Umfeld geben.

– Wie gross ist der Unterschied? Und sprechen Sie von absoluten Zahlen oder von Prozenten?

Von einem Artikel, der gegen die unsaubere Erstellung und Verwendung statistischer Zahlen vorgeht, haette ich mir mehr Sorgfalt erwartet. – Sabine Moehler


Leserbrief zu „Ich bin nicht fett!“ von Theresa Lachner

Vielleicht war es ein ZEIT-Mitarbeiter, der Frau Lachner gleich dreimal vögelte und ihr danach – zur Belohnung? – eine Seite in der sonst hochgeschätzten ZEIT reservierte?

Oder handelt es sich hier darum, eine Balance/Wiedergutmachung zum Interview von Frau Leibinger-Kammüller herzustellen? Wie ausgewogen, mutig, liberal ist doch DIE ZEIT

Mir graut es vor Frauenspersonen wie Frau L. und einer Redaktion, die ihr hier ein Forum bietet. Bitte, bitte: keine Fortsetzung dieser Flachberichterstattung.

Trotzalledem: Mit heute sonnigen Grüßen aus den Bergischen Wäldern in die GROSSTADT – Boris Meißner


Leserbrief zu „Das soll links sein?“ von Bernd Ulrich

Die Argumentation von Bernd Ulrich greift zu kurz, auch wenn es in der Tat sehr nachdenklich macht, dass viele linke Politiker und Linksinterlektuelle bei der Bewertung von einer Person wie Marine Le Pen auf dem rechten Auge blind zu sein scheinen, da sie damit leider auch unterstrichen, dass sie wenig aus der Geschichte gelernt haben. Denn wenn man sich mit dem Aufstieg der Rechtspopulisten in Europa näher befasst, dann bleibt es ebenfalls wichtig, dass deren Siegeszug in keinem geringen Maße vor allem mit dem Niedergang der Sozialdemokratie als glaubwürdiger Anwalt der Interessen der einfachen Menschen sowie insbesondere der jungen Generation ziemlich direkt in Verbindung steht.

Schließlich hat sich erst hierdurch ein politisches Vakuum ergeben, das dann die selbsternannten Volkssprachrohre, die  eigentlich nur ganz gewöhnliche Karrieristen sind, erfolgreich mit ihren vereinfachenden Parolen  füllen konnten. Deshalb wird nur eine radikale Kehrtwende der gesamten politischen Linken hin zu starken eigenen Inhalten aus ihrer selbst verschuldeten (Akzeptanz-)Krise helfen, zumal bereits Willy Brandt zu der entscheidenden Erkenntnis kam, dass eine Idee wie der Sozialismus nicht ohne Demokratie funktioniert! – Rasmus Ph. Helt


Leserbrief zu „Kann das Stimmen“ von Stefanie Kara

Die im Artikel von Frau Stefanie Kara angeführten Beispiele falscher „Statistik“ entsprechen sicher den Tatsachen.

Wäre es aber nicht richtiger, wenn man für diese Beispiele  lieber den alten Begriff  „Sammelforschung“ nehmen sollte, der wie in den zitierten Fällen falsch oder interessenorientiert ist?

Statistik, wie sie mir als nur ein kleiner Teil aus der Medizin bekannt ist, z. B. zur Ermittlung von Normalwerten oder zur Streuung oder Richtigkeit einer chemischen Analyse, wird nach genauen rechnerischen Methoden und Regeln ausgeführt.

Sehen das seriöse Statistiker nicht ähnlich? – Marianne Foersch


Leserbrief zu „Wir waren durchgeschwitzt“ von Uwe Jean Heuser

Ein guter Artikel und ein informativer und inspirierender Einblick in die Arbeit von NLK. Viele Fragen am Anfang arbeiten sich daran ab, was sie als Frau qualifiziert bzw. anders macht.

Ich würde mir wünschen, daß gleiche Fragen auch männlichen Führungspersonen gestellt würden! Vor dem Hintergrund, was sie als Mann denn eigentlich qualifiziert.

Ansonsten klingt es danach, daß Männer qua Geschlecht zum Führen geeignet sind und die Frauen müssen es erst beweisen. Also nehmt auch mal die Männer in dieser Art „auseinander“! ;-) – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Nicht ohne meine Nation“ von Wolfgang Streeck

vielen Dank für Ihren ausgezeichneten Artikel . Nur kurz vorneweg: Nein, ich bin kein AfD Mitglied, kein AfD  Sympathisant. Gestatten Sie mir bitte aber folgendes anzumerken: Leider fand ich den Artikel etwas schwierig zu lesen; aber vielleicht liegt es daran, dass ich keine ausreichende Kenntnis von soziologischer Literatur habe. Widersprechen möchte ich aber der These: nur die Deutschen träumen  von neoliberaler Grenzenlosigkeit.

Anlässlich einer dieser berühmt berüchtigten Talkshows, diesmal im NDR hat der Moderator und Komiker Klaas Heufer – Umlauf am Freitag, den 28. April gefordert: “Weg von den verdammten Nationalitäten und zurück zur europäischen Identität.” Ich will jetzt nicht diese Aussage diskutieren;  aber lesen Sie einmal bitte dazu im Focus  die Leserzuschriften. Fast 100 % lehnen diese Aussage ab.  Es sind unsere Politiker, die uns das seit Jahren einreden wollen.  Sie haben richtigerweise festgestellt,dass von den anderen EU Staaten  keiner dieses Europa will, wie es unserenPolitikern und Teilen der Elite und  der Presse immer noch vorschwebt.

Und hat nicht Frau Merkel nach dem EU Treffen auf Malta wieder vom Europa der 2 Geschwindigkeiten geschwärmt ( nur mit wem? Mit der CDU/CSU, der SPD, der FDP und den Grünen?) Leider weigert man sich, was die Eliten angeht, in Deutschland immer  noch, die EU Wirklichkeit an zu erkennen. – Ulf Hanel


Leserbrief zu „Willkommen bei uns zu Hause“ von Moritz Von Uslar

Das sich Ihr Autor von Uslar nach Marxloh getraut hat a la bonheur. Es gab Zeiten. da war das Lebensgefährlich.  Ich wohne nur 20 km von entfernt und habe die Gegend in den 80er Jahren kennengelernt.  Zu uns nach Meerbusch kommen heute die Rumänien, wie ich von der Polizei vor Ort hörte, mit geklauten Autos, die für unzählige Wohnungseinbrüche in Meerbusch verantwortlich sind. Die Politik möchte solche Zustände. Wer soll das noch Verstehen. Meine Phantasie reicht dafür nicht aus. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Über viele Klippen musst du gehen“ von Daniel Erk

In Ihrem Artikel kommen Sie zu dem Ergebnis, dass Erfolg ohne Abitur zur Kategorie „der letzten Einhörner“ gehört. Damit stimmen Sie ein in einen einhelligen gesellschaftlichen Tenor, der sich auf diese Weise selbst erhält. Im bürgerlichen Milieu der deutschen Gesellschaft der Gegenwart ist man tatsächlich der Meinung, dass das Abitur der kleinste gemeinsame Nenner ist.

Was sich im Abitur ausdrückt, ist aber weiterhin sehr umstritten und ebenso dessen Qualität. Für dieses Ziel werden unsere Kinder gerade gestutzt, mit Nachhilfe drangsaliert und mit Versagensängsten gefüttert, die das Eigentum der Eltern sind, aber auf diesem Wege transgenerational weitergegeben werden.

Auf der Strecke bleiben hierbei das Vertrauen in unsere Kinder und unser eigenes Vertrauen in die Welt.  Aus jenem grundsätzlichen Vertrauen entsteht aber die Gewissheit eigener Stärken. Es sind aber starke Individuen, die den Normen der bestehenden Bürgerlichkeit jene Freiheit hinzufügen, der wir alle so staunend gegenüber stehen, denn wir müssen zugeben, dass wir alle stolz auf unsere abiturfreien Erfolgsträger sind. Sorgen wir dafür, dass möglichst viele Kinder frei von Versagensängsten aufwachsen und wir werden in Zukunft noch mehr solcher unkonventionellen Biographien beim Erlangen verantwortungsvoller Posten in unserem wundervollen Land zuschauen können.

Immerhin sind die gesellschaftlichen Realitäten immer ein Spiegel der Menschen, die in dieser Gesellschaft leben. Ich möchte alle Eltern ermutigen, ihren Kindern anstelle von Leistungserwartungen mehr  Ich-stärkende Qualitäten vorzuleben. Denn in jedem jungen Menschen stecken wunderbare Möglichkeiten, die sich in körperlicher Gesundheit und geistiger Freiheit entfalten, wenn wir es zulassen. Unser Land bietet hierfür durchaus die Freiheit und die nötigen Rahmenbedingungen.  Damit die „Einhörner“ nicht aussterben. – Dr. Claudia Haseke


Leserbrief zu „Kann das Stimmen“ von Stefanie Kara

Gratulation zur Ihrem hervorragenden Artikel „Kann das stimmen?“

Beruflich am Rande mit Statistik befasst, galt bei uns der Spruch „Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast“. Wie wahr! – Manfred Löhmer


Leserbrief zu “Der Abschlepper” von Philipp Daum

Es macht einen schon nachdenklich, wenn der Bürger den Job der Ordnungshüter übernehmen muß. Meine Hochachtung vor so viel Bürgerengagement, lieber Herr Schwiede!  Aber es stimmt nicht, dass die Ordnungsmacht die schwachen Radfahrer diskriminiert. Im Gegenteil, sie schreitet doch auch nicht gegen Radfahrer ein, die mit Affenzahn über Gehsteige jagen und dabei Kinder und alte Leute erschrecken. Oder, wenn nachts Scharen beleuchtungsloser Radfahrersilhouetten durch die Straßen huschen und unvermittelt vor dem Kühler erschrockener Autofahrer auftauchen.  Polizei und Ordnungsamt sind da sehr fair in alle Richtungen bei der Nichtanwendung von Gesetz und StVO.  – Alfred Bröckel


Leserbrief zu „Die unsichtbare Gefahr“ von Fritz Zimmermann

Ein ausgezeichnet sachlicher Artikel und mal keine grüne Polemik zu diesem ernsten Thema. Erlauben Sie mir bitte ein paar Anmerkungen.  Nicht nur bei der Verbrennung des (vielgescholtenen) Pkw- Dieselkraftstoffs entsteht Feinstaub. Gerade die hochmodernen Einspritz- Benzinmotoren mit komplex entwickelten Brennkammern wurden ebenfalls als Feinstaubquelle ausgemacht.

Die Hersteller reagieren inzwischen, indem sie, wie bereits beim Diesel erfolgreich praktiziert, moderne Benziner- Neufahrzeuge zunehmend mit Partikelfiltern ausrüsten.  Ist der Straßenverkehr mit ca. 12% an der Feinstaubemission beteiligt, so stammt der überwiegende Anteil dieses Volumens aus dem Bremsen-, Reifen- und Fahrbahnabrieb, also weniger aus den Abgasemissionen.

Würde man somit dem abgedroschenen Wunsch einiger selbsternannter ‚Umweltexperten‘ nach einem Fahrverbot für Diesel- Pkw entsprechen, so wären die Auswirkungen auf die Atemluft messtechnisch überhaupt nicht erfassbar. Übrigens: Auch Elektrofahrzeuge erzeugen Verschleißabrieb!

Eine nüchterne Erkenntnis: Der weltweit größte und gefährlichste Feinstaubemittent  ist weiterhin die Natur mit den Hauptquellen Vulkanismus, Bodenerosion, Waldbrand infolge Blitzschlag und Wüstenwind.

Dennoch ist es unbestritten, dass alle von der Zivilisation verursachten Feinstaubemissionen, wo auch immer, so gering wie möglich zu halten sind. Dies jedoch mit dem Vorsatz, wo technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar, bei den Hauptverursachern anzusetzen statt sich in umweltpopulistischer Rhetorik bis hin zur Verteufelung von Automobilen zu verzetteln.  – Dipl. Ing. Michael Deil


Leserbrief zu „Armin, greif an!“ von Stefan Willeke

Dieser Artikel an prominenter Stelle (Seite 2) hat mich doch sehr erstaunt. Armin Laschet wird als „ungewöhnlicher Spitzenkandidat“ sehr sympathisch geschildert, ja im Grunde gar nicht als Politiker. „Wahlkampf liegt ihn nicht“, er steht für „unentschieden“, kann sich eigentlich nicht entscheiden und „Armin, Armin“-Rufe sind ihm „peinlich“. Peinlich, aber nicht im Artikel erwähnt, sollte es Herrn Laschet sein, dass er im Sommer 2015 als Lehrbeauftragter der RWTH Aachen die Leistungsnachweise seiner Studenten verschlampt hat und mit Tricks versucht hat, dieses zu vertuschen. Ergebnis: er wird in Aachen nicht mehr lehren und die Universität hat die Noten von Herrn Laschet nicht anerkannt, die Studenten stehen mit leeren Händen da.* Dies hätte zumindest die Frage aufgeworfen, ob Herr Laschet wohl auch mit den Wünschen der Wählerinnen und Wähler so umgehen wird, wenn er denn überhaupt etwas macht.

Ich denke, das Bild des CDU-Spitzenkandidaten ist von Stefan Willeke sehr geschönt. Warum eigentlich?
Sind die im Text erwähnten unteren Rangplätze in verschiedenen Politikbereichen vielleicht gar nicht so überzeugend, weil das bevölkerungsreichste Bundesland schon deshalb stets mehr Fälle aufweist und zwar im Positiven wie Negativen? Hier zu passt übrigens eine Meldung: Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung hat eine Studie zum Thema Kinderarmut herausgegeben: „Die Kinderarmut ist in NRW um 0,7 Prozentpunkte zurückgegangen, während sie im Bundesdurchschnitt um 0,7 Prozentpunkte zugenommen hat.“

Können die Zeit-LeserInnen in der nächsten Ausgabe mit weiteren Artikeln dieser Art zu den Spitzenkandidaten der übrigen Parteien in NRW rechnen oder handelt es sich hier um einen spezifische Wahlunterstützung?

*  (www.rwth-aachen.de/cms/root/Die-RWTH/Aktuell/Pressemit…, Klausur wird annulliert v. 17.06.2015; www.tagespiegel.de/politik/noten-affaere-hochschule-in-aachen, 15-08-2015, letzter Abruf 16.01.2017; Kölner Stadt-Anzeiger: Lehrauftragt an der RWTH in Aachen: Hat CDU-Landeschef Armin Laschet Noten gewürfelt?, 01.06.2015, letzter Abruf www.ksta.de/nrw/lehrauftrag-an-der-rwth-in-aachen-hat-cdu …., 16.01.2016)

** (www.boeckler.de/wsi_108201.htm)Hans-Jörg Hebebrand


Leserbrief zu „Das soll links sein?“ von Bernd Ulrich

Eine europäische Linke, die sich zunehmend ihrer intellektuellen Überlegenheit und dem notwendigen politischen Pragmatismus beraubt, sägt an dem ohnehin dünnen Ast, auf dem sie sitzt.

Links muss zudem schnellstens einsehen, dass es nicht das neue rechts sein kann, weil der Wähler im Zweifel nun mal dazu neigt,    für das (noch) radikalere Original zu stimmen.

Ganz ohne Frage, Europa braucht seine Linke, aber eben als ein ernstzunehmendes und durchsetzungsfähiges Korrektiv, vor allem gegen rechts. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Ein Land steht kopf“ von Elisabeth Raether Und Gero von Randow

Es wird der Eindruck erweckt, es ginge nur um die Wahl des Präsidentenamtes. Damit ist auch die ZEIT-Redaktion in die Falle des Medienspektakels getappt, das suggeriert, es käme einzig auf den Anführer an. Die Wahl besteht jedoch aus vier Wahlgängen, und der erste Wahlgang hat entscheidende Weichen gestellt, die von der ZEIT überhaupt nicht analysiert werden.

Zur Vorgeschichte, die eine entscheidende Rolle gespielt hat:
Sozialistische Partei PS: Präsident Hollande hat sich vom Sozialismus verabschiedet und die Sozialdemokratie propagiert. Sein Zögling Macron hat diese Wende zur bürgerlichen Mitte hin mitgetragen, aber das sinkende Schiff PS verlassen, um rechtzeitig den vorgeschlagenen Weg à la Schröder/Fischer unter neuem Etikett zu propagieren. Die Minderheit der Sozialisten in der PS hat ihren Kandidaten Hamon in den Vorwahlen durchsetzen können, weil alle anderen mit dem gescheiterten Hollande zu sehr verbandelt waren. Sie sind zu Unterstützern Macrons geworden, weil sie ihr Schiff sinken sahen. Hamon hätte im Bündnis mit Mélenchon den ersten Wahlgang leicht gewonnen, aber keiner der beiden wollte sich dem anderen unterordnen. So schien es, aber in Wirklichkeit hatten beide den entscheidenden dritten Wahlgang im Kopf, in dem es um die Posten im Parlament und damit im ganzen Land geht.
Resultat: Mélenchon repräsentiert die stärkste linke Kraft, die von der ZEIT zu Unrecht nur polemisch ins radikale Abseits gestellt wird, während die faschistoide Rechte vom Front National FN jede Menge Analysen und Publizität erhält.

Parenthese: Schon die mediale Aufmerksamkeit für die AFD oder für Trump hat die Populisten erst zu dem gemacht, was sie sein wollten. Ohne die Aufmerksamkeit und Propaganda der Journalisten wären Petry oder Trump nie so einflussreich geworden. Die Populisten provozieren, und die Medien reagieren wie der Pawlowsche Hund. Trump ist es egal, was er gesagt hat, weil er nach oben wollte und Öffentlichkeit brauchte. Also provozierte. Jetzt macht er eine Politik, die sich am Machbaren orientiert.

Front National FN: Er besteht aus drei Strömungen, die von drei Familienmitgliedern des FN repräsentiert werden: Die katholische, erzreaktionäre antidemokratische Rechte von Marion Maréchal Le Pen, die faschistische antirepublikanische und antisemitische Altrechte des Gründers Jean-Marie Le Pen und die moderne populistische Rechte von Marine Le Pen, die nach dem Vorbild Hitlers alle nationalen und sozialistischen Proteste aufgreift und zu einem Amalgam verrührt, das seine Basis in der Arbeiterschaft und dem Kleinbürgertum hat. Dieses Dreigespann ist entscheidend für die größeren Chancen des FN als 2002, wo der Alterspräsident allein gegen die traditionelle Rechte stand. Entscheidend jedoch ist die Erosion der bürgerlichen Rechten, wie man sie gern nennt. Marine Le Pen ist Erbin eines millionenschweren Familienunternehmens, das bislang noch in Händen ihres Vaters ist. Er finanziert ihren Wahlkampf.

Republikaner oder Gaullisten PR: Sarkozy war 2007 der strahlende Wahlsieger, weil er eine Erneuerung versprach und die traditionelle Rechte so gut bediente, dass er dem FN die Protestwähler abspenstig machen konnte. Er bediente die katholische Rechte ebenso wie die Rassisten und Chauvinisten. Aber nicht nur war er erfolglos, sondern auch korrupt und ebenso wenig präsidiabel wie der vorbestrafte Juppé. S o konnte sich in der kopflosen Partei der Rechtsaußen Fillon mit einem Programm durchsetzen, das dem FN die Wähler streitig machen sollte. Trotz Korruptheit konnte Fillon noch 20 % Wähler überzeugen, denn auch die Le Pens sind nicht ganz koscher. Aber die PR steht vor einem Scherbenhaufen wie der PS. Seine Nähe zu den Positionen vom FN macht deutlich, dass die antirepublikanische Rechte über ein Potential von mehr als 40 % verfügt.

Parenthese: Die sogenannte konservative Rechte beliebt es, sich auf De Gaulle zu berufen, der antirepublikanisch, rassistisch und chauvinistisch war. Nicht umsonst ist die Verfassung Frankreichs, die von De Gaulle stammt, präsidial und den Positionen Erdogans näher als denen Deutschlands. Es wäre, der ZEIT würdig, über diesen Unterschied ein Wort zu verlieren, zumal Mélenchon seinen Wahlkampf darauf fundiert hat. Frankreichs Demokratie hängt am seidenen Faden. Valls hat das Arbeitsgesetz gegen das Parlament durchgesetzt. Der Ausnahmezustand wird zur Dauerzustand, weil die Verfassung von einem Menschen stammt, der als Militär die Republik verachtete. Marine Le Pen setzt ebenso auf das Instrument de Volksabstimmung wie alle Demagogen und Populisten. Vorbild: Hitler.

Was allen ZEIT-Redakteuren entgangen ist: Mélenchon und Hamon haben sich nicht zusammengeschlossen, weil der entscheidende Wahlgang der vierte ist, in dem sich entscheidet, welche Partei welche Macht im Parlament hat. Präsident kann werden, wer will, aber wie sieht die Machtverteilung im Parlament aus?!

Wir haben erlebt, wie der schwarze Präsident Obama nichts für die Schwarzen oder die Armen oder die Häftlinge in Guantánamo machen konnte, weil seine Macht begrenzt war. Trump muss sogar feststellen, dass es außer der Politik noch andere Blöcke an der Macht gibt (Militär, Finanz …), aber selbst in der Politik und trotz Präsidialsystem ist seine Macht nicht unbegrenzt.

Keiner spricht darüber, dass der künftige französische Präsident (Präsidentin?) mit einem Parlament regieren muss, das vielleicht mehrheitlich anders gepolt ist. Diese Frage ist jedoch entscheidend für den Wahlausgang, denn der erste Wahlgang hat gezeigt, dass die Rechte mit Fillon und Le Pen etwa gleichauf liegt mit Mélenchon und Macron zusammen genommen. Selbst wenn Le Pen Präsidentin würde, könnte das Parlament mehrheitlich gegen sie sein und die Regierung stellen.

Parenthese: Die Tatsache, dass Marine Le Pen eine Frau ist, macht sie wählbar, weil ihr Vater ein widerlicher Patriarch ist, der nicht nur Araber und Juden verachtet. Aber für ihre Politik ist das noch weniger relevant als für Hilary Clinton.

Fazit: Der ganze Rummel um die Kandidaten soll für dieses Spektakel werben und zugleich die wirklichen Probleme vernebeln.

Frankreich ist auf Grund seiner politischen Geschichte in einer katastrophalen Situation, die den Volkszorn akkumuliert hat und eine radikale Veränderung verlangt, wenn nicht die faschistoide Lösung dominieren soll. In Ansätzen hat Macron dieses Problem erkannt, aber der einzige Politiker, der darauf eine Antwort versucht, ist Mélenchon mit seiner Abkehr von der aktuellen Verfassung. Er hat erkannt, dass eine neue Republik mit mehr Demokratie gefordert ist.

Es ist wenig hilfreich, wenn einer der intelligentesten Politiker Frankreichs von der ZEIT missachtet und unter die Chaoten eingeordnet wird. Im Gegensatz zu Marine Le Pen, die jede Mange Aufmerksamkeit und seitenlange Artikel erhält, wird Mélenchon totgeschwiegen oder diffamiert. Ich bin kein Anhänger von Mélenchon, aber er ist zumindest auf der richtigen Suche nach Antworten. In einem Land, in dem die Wunden zweier Weltkriege kaum verheilt sind, in dem die deutsche Vormacht schmerzlich wahrgenommen wird, in dem die ökonomische Überlegenheit Deutschlands dank der EU, von der Deutschland am meisten profitiert, ständig zunimmt und Frankreichs Probleme verschärft, hat der Revanchismus einen guten Nährboden. Es stünde der ZEIT gut an, diese Fragen auch zu behandeln, statt Tonbandaufnahmen von gemütlichen Abendessen zu veröffentlichen, auf denen man über Befindlichkeiten plaudert.

Es steht sehr viel auf dem Spiel, was mit der deutsch-französischen Geschichte zu tun hat. Die Bewunderung für Merkel ist die eine Seite. Das Gefühl, von Deutschland mit Hilfe der EU über den Tisch gezogen zu werden, die andere. Die Art und Weise, wie Griechenland von der CDU/CSU geknebelt wird, gibt die Vorlage für alle weiteren EU-Mitglieder. Dieses Thema wird von links und von rechts aufgegriffen, aber den ZEIT-LeserInnen vorenthalten.

Mehr Analyse! Weniger Spektakel! – Gerd Stange


Leserbrief zu „Kann das Stimmen“ von Stefanie Kara

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem sehr lesenswerten Artikel .  Er hat mich begeistert und ich kann all das, was Sie geschrieben haben , unterstreichen.

Ich werde den Artikel in Auszügen im Unterricht einsetzen  und damit die Sinne für Zusammenhänge und Verführung schärfen können. Danke ! – Alois Lienhard


Leserbrief zu „Die unsichtbare Gefahr“ von Fritz Zimmermann

Die Feinstaubdebatte soll im Ergebnis dazu führen, dass sich viele Bürger neue Autos anschaffen müssen. Sie ist ein weiteres großes Unterstützungsprogramm für die heimische Automobilindustrie. Man kann jetzt schon davon ausgehen, dass die Chemie-, Energie oder Flugindustrie keinerlei Auflagen erhalten werden. Die Datensituation ist dabei völlig belanglos.

Beim Rauchen ist demgegenüber die Datenlage völlig eindeutig, trotzdem wird es nicht verboten. Sind da etwa wirtschaftliche Überlegungen wichtiger als gesundheitliche? – Dr. David Wolff


Leserbrief zu „Kann das Stimmen“ von Stefanie Kara

Als Mathematikerin und Aktivistin die viel mit statistischen Zahlen arbeitet, habe ich mich sehr über ihren guten und fundierten Artikel zum Thema Statistik und der Aussagekraft von Zahlen gefreut.

Dass sie die Zahl zur Lohnungleicheit zwischen Männern und Frauen in eine Reihe mit den anderen doch recht fragwürdig interretierten Zahlen stellen, hat mich dann doch überrascht. Die 21,6% für 2017 sind solide erfasst. Ihr Einwand der Lohnunterschied bei gleichen Berufen belaufe sich auf nur 5% was sich weniger extrem anhöre ist zwar richtig (und auch statistisch solide erfasst:-) aber meines Erachtens irreführened. Denn es ist so gut wie Ausgeschlossen, dass Berufe in denen statistisch Frauen häufiger als Männer arbeiten nur per Zufall schlechter bezahlt sind. Es spiegelt vielmehr ein gesellschaftliches Machtverhältnis wider. Die 5% erfassen demnach hauptsächlich direkte Diskriminierung von Frauen, die 21,6% auch strukturelle.

Noch eine Anmerkung zur Datumsetzung: Die Aussage Frauen müssten im Vergleich zu Männern bis zum 18. März oder eben bis zum 7. April umsonst arbeiten ist ebenso falsch wie richtig. Die Frage ist auf welches Referenzjahresgehalt sich das Datum bezieht. Würden Frauen wie Männer gleich bezahlt, müssten Frauen tatsächlich nur vom 18. März bis zum 31. Dezember arbeiten um ihr eigenes Jahregehalt zu erarbeiten, sie arbeiten also bis zum 18. März umsonst. Wollten Sie das Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen verdienen müssen sie vom 1. Januar bis zum 7. April arbeiten – allerdings den 7. April des Folgejahres! Insofern sind beide Daten richtig – es hängt mal wieder davon ab was als Referenzwert verwendet wird.

Man fragt sich wie die Kollegen Krämer, Gigerenzer und Bauer das übersehen konnten – ein Schalk wer hier Absicht unterstellt. – Julia Ehrt


Leserbrief zu „Ich will die Bühne beherrschen“ von Stephan Lebert und Stefan Willeke

Seit längerer Zeit hatte ich wieder einmal die Gelegenheit eine Ausgabe der Zeit zu lesen. Mit Interesse schaue ich immer auf den Artikel Recht und Unrecht. Bei näherem Interesse lese ich ihn ganz. Sehr interessanten Beiträge kommentiere ich mit einem Leserbrief.

Folgende Aussagen von Ihnen finde ich bemerkenswert:

Als junger Mann glaubte ich daran, dass ich einen Situation nur durchdenken, juristisch zu durchdringen. (linke Spalte, Mitte)

Das deutsche Strafrecht ist hoch selektiv. Wir wären sonst ein Volk von Vorbestraften (linkes Spalte 2. Drittel).

Wer verfolgt wird hat viel mit Willkür zu tun.(linkes Spalte 2. Drittel)

In einem Rechtsstaat gibt es keinen Beruf mit solcher Machtfülle verkörpert, wie der des Richters. (rechte Spalte 1. Drittel)

Ich würde mir eine Untersuchung über das Wesen richterlicher Entscheidungen wünschen (rechte Spalte, 1. Drittel)

Es müßte längst eine Diskussion über die Aus- und Weiterbildung von Richter geführt werden. (linke Spalte Mitte)

Diese Aussagen kann ich durch meine durchweg sehr bitteren Erfahrungen (Die Belege dafür sind offen im Internet zu finden) unbedingt stützen und mit dieser Mail auch unterstreichen und verbreiten.

Aus meiner Sicht unbedingt ist daher zu ergänzen:

Verstärkte dienstrechtliche Kontrolle der Richter

Komplettreform der Juristenausbildung

Mehr Bürgerbeteiligung (breites Schöffenwesen) in der Rechtsprechung

vollständige Abschaffung des Anwaltszwanges

Grundsicherung für alle und Abschaffung der erpressbaren freien Berufsstände (Anwälte, Ärzte)

(siehe auch Liste in der beiliegenden Streitschrift)

Forderungen, die Ihnen als Anwalt sicherlich viel zu weit gehen.

Der Verein „Gegen den Rechtsmißbrauch“ (auf cc.)  fordert jedoch diese Dinge seit Jahren und ergänzend einen Justizsombubsmann.

Leider erfahren diese Feststellungen und Anregungen in deutschen Justiz, der Juristenausbildung, den „Spitzenkräften“ der politischen Parteien und offenbar auch in der Medienlandschaft – weil höchst unwillkommen – keinerlei Beachtung oder Berücksichtigung in der juristischen Umsetzung. Alle paar Wochen ein Artikel in der Zeit ist nur ein billiges Placebo. Folgende Belege.

Das Buch von Herrn BMaD Dr. Norbert Blüm „Wider die Willkür“ hatte keinen Nachhall.

Meine beiliegende Verfassungsbeschwerde gegen den obrigkeitsgewollten Anwaltszwang aus der Kaiserzeit vom letzten Oktober mit meiner umfangreichen Streitschrift wurde von der 1. Kammer des 2. Senats unter dem Präsidenten Herr Andreas Voßkuhle einfach vom Tisch gewischt. (Medienecho: Null)

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie Ihr Dasein als zukünftiger Freiberufler im Ruhestand (Rechtsanwälte sind ja kein Rentner), dazu nutzen, Ihre o.g. Forderungen Nachdruck zu verleihen. Ich tue es mit meinen bescheidenen Mitteln, durch Verbreitung dieser Mail. – Carsten Rudolf Brossmann


Leserbrief zum Titelthema „Lügen nach Zahlen“

Ist ‚Lügen nach Zahlen‘ eine Reaktion auf den Wandel der ZEIT?

Euer jüngster Titelbeitrag ‚Lügen nach Zahlen‘ zeigt in klarer Weise wie Journalismus in Zeiten, in denen immer alles noch schneller gehen muss oder noch manipulativer genutzt wird, leider allzu oft irreführend ist oder gar irreführend, ja manipulativ gemacht wird, vielen Dank dafür.  Durch die Flut der Medien und die Geschwindigkeit, in der die heute von uns konsumiert werden, bleibt gerade noch Zeit für Empörung und die Identifizierung eines Schuldigen. Protest! Schimpfen! Mit dem Finger auf andere zeigen! Fertig! dann nächste Nachricht… selber Ablauf. Das war immer für mich der wesentliche Unterschied zwischen den wohl recherchierten und umfassend dargestellten Artikeln der ZEIT und der Mehrzahl der Beiträger der anderen Medien.

Ich will dazu 2 Beispiele aus der ZEIT zitieren, ja, nicht aus der BILD, aber schon in Richtung dieses Niveaus wie ich leider immer öfter konstatieren muss beim Lesen der ZEIT.

Gerade eine Woche zuvor und ebenfalls auf der Titelseite der ZEIT erschien der Beitrag ‚Zurück zu Helmut Kohl!‘.

Ich zitiere in Auszügen: ‚In ihrer Steuererklärung sind die Deutschen ein Volk der Superreichen. Mehr als jeder elfte Arbeitnehmer – das hat jetzt eine Studie ergeben – verdient so viel Geld, dass er den höchsten regulären Steuersatz bezahlen muss, 42 Prozent…..  Er wird vielmehr bereits bei einem Einkommen von jährlich 54000 Euro fällig…. Wird ein Facharbeiter genauso behandelt wie ein Manager, dann ….“.

Alles liest sich so, als würden Manager sowie Facharbeiter den Spitzensteuersatz auf ihr Einkommen bezahlen und somit gleichgestellt sein. Ich sage dazu nur: Lügen nach Zahlen in ihrer Bestform! und das auf der Titelseite der ZEIT genau eine Woche vor dem Artikel ‚Lügen nach Zahlen‘ an eben dieser prominenten Platzierung.

Bekanntlich haben wir in Deutschland ein progressives Steuersystem und das führt dazu, dass Steuern überhaupt erst ab einem bestimmten Einkommen erhoben werden und der Steuersatz dann ansteigt bis zu dem im Artikel ausschliesslich erwähnten Spitzensteuersatz. Nun bin ich kein Steuerexperte, kann aber wie jeder von uns mal beispielhaft die Steuer berechnen mit einem der verfügbaren Tools oder anhand der Steuertabellen.

Der Facharbeiter bezahlt demnach 26% Steuern auf sein Einkommen und der Manager quasi den Spitzensteuersatz von 42%.

Mein Leserbrief soll nicht die Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit unseres aktuellen Steuersystems bewerten aber bitte lernt aus eurem eigenen Titelthema und vermeidet Lügen nach Zahlen in der ZEIT. Und bitte stellt den Artikel ‚Zurück zu Helmut Kohl!‘ von Mark Schieritz an ebenso prominenter Stelle wieder gerade um selbst vertrauenswürdig zu bleiben.

Mit der Veröffentlichung dieses Leserbriefes ist das sicher noch nicht getan.

Das zweite Beispiel, das ich nennen möchte, ist der Artikel ‚Die unsichtbare Gefahr‘. Bitte überarbeitet auch diesen Artikel im Sinne von ‚Lügen nach Zahlen‘ und gebt ihm eine Differenzierung, die er verdient. So wie er ist, zählt auch er zur Kategorie: Protest! Schimpfen! Mit dem Finger auf andere (in dem Fall die Behörden) zeigen! Fertig! Dabei gibt es so viele Punkte, in denen schon viel bewirkt wurde, ganz klare Handlungsfelder in denen dieses noch dringend nachgeholt werden muss und kann und vor allem sehr viel Punkte, die wir selbst in unserem täglichen Leben beachten und ändern können um unseren verantwortlichen Beitrag zu leisten und dann alle glücklicher leben zu können.

Sonst bleibt aus meiner Sicht alles beim Tenor des Artikels: Die Behörden sollen dafür sorgen, dass wir keinerlei und nirgendwo gesundheitlich belastende Feinstaubbelastung haben – und ich ergänze beispielhaft – während wir übers Wochenende wieder für 49 Euro in eine andere Metropole fliegen.

Ist ‚Lügen nach Zahlen‘ eine Reaktion auf den Wandel der ZEIT?

Was wird die Reaktion der ZEIT-Redaktion auf ‚Lügen nach Zahlen‘ sein? Ein Wandel der ZEIT? Gerne! – Dr.-Ing. Bernard Frank


Leserbrief zu „Nicht ohne meine Nation“ von Wolfgang Streeck

herzlichsten dank! wie wohltuend.

der beitrag wäre ein wunderbarer arbeitsauftrag an schulen und lehrer, den text mit ihren schülern zu lesen und zu besprechen. das tun dann  die schüler ebenso zuhause in den familien.

politiker aller parteien lesen ihn laut in den jeweiligen fraktionssitzungen.

eu-politiker schreiben ihn ab, handschriftlich, und hängen ihn dann in ihr büro, an die wand hinter ihrem schreibtisch. jeden morgen lesen sie beim betreten des raumes und bevor sie sich setzen, ihre lieblingssequenzen, auch laut. – Norbert Nowotsch


Leserbrief zu „Kann das Stimmen“ von Stefanie Kara

So wichtig, richtig und auch notwendig dieser Beitrag ist, er wirft doch Fragen auf hinsichtlich der in den Fokus genommenen Beispiele für den problematischen Umgang mit Zahlen und Statistiken. Ich möchte hier exemplarisch herausgreifen, was von den Autoren zum Thema Smartphone-Abhängigkeit bzw. -sucht und den Äußerungen sowie Publikationen des Ulmer Psychiaters Prof. Dr. Manfred Spitzer geschrieben wurde.

Spitzer ist Arzt und u.a. Herausgeber der Zeitschrift NERVENHEILKUNDE im Schattauer-Verlag Stuttgart. Er ist seit Jahren ein kritischer Mahner bezüglich des Themas Internetsucht und Smartphonegebrauch. Wer seine Beiträge liest, wird feststellen können, dass diese zahlreiche Quellen nutzen und diese auch nennen. Ich frage mich nun, warum sein Interview für den Südwestrundfunk und seine E-Mail auf Nachfrage der ZEIT zum Anlass genommen werden, ganz abgesehen vom Umfang der konkreten Problematik Smartphone-Abhängigkeit, seine Interpretationen als „Irreführung der Öffentlichkeit“ zu präsentieren?

Ich halte, wie gesagt, solch einen Beitrag grundsätzlich für bedeutsam. Die Auswahl seiner Teilaspekte (u.a. Prostitution, Armut, Verurteilung bei Vergewaltigung, Verlust von Arbeitsplätzen durch Digitalisierung in der Arbeitswelt, Verhältnis der Bevölkerung zum Auto, ADHS bei Kindern, Todesfälle in Kliniken) erscheint mir jedoch verdächtig interessengeleitet. Es kann auch sein, dass hier die Aktualität dieser Themen in letzter Zeit eine Rolle mitspielt.

Jedoch werden sich die Autoren schon fragen lassen müssen, weshalb gerade solch eine Auswahl getroffen wurde und eine Reihe, für unsere Gesellschaft durchaus lebenswichtigerer Themen, bei denen die Statistik und damit verbundene Zahlen in der Öffentlichkeit missbraucht werden, ausgespart blieben! – Dipl.-Med. Wolfgang Meyer


Leserbrief zu „Nicht ohne meine Nation“ von Wolfgang Streeck

Vielen Dank für Ihren klugen Artikel, der mir aus vollster Seele spricht.

Sie haben den Aspekt nur gestreift, aber für mich ist essentiell, dass demokratische Prozesse immer nur in einem einheitlichen Sprachraum möglich sind. Insofern sind alle Bestrebungen, die EU demokratischer zu gestalten (z.B. durch Stärkung des Europaparlaments), zum Scheitern verurteilt, da die Rückkopplung und Willensbildung mit der Bevölkerung nicht möglich ist, sondern – wie man derzeit auch sieht – auf den eigenen, nationalen Sprachraum beschränkt ist.

Darüber kann auch eine auf europäischer Ebene betriebene  und von massivem Dolmetscheraufwand gestützte Elitenkultur nicht hinweg täuschen, welche durch ihre mangelhafte Rückkopplung mit den Bürgern geradezu das Einfallstor für Lobbyinteressen – hauptsächlich von wirtschaftlicher Seite – bildet.

Nichts gegen eine zwischenstaatliche (im eigentlichen Sinne: inter-nationale) Absprache in außen- und  wirtschaftspolitischen Dingen. Aber bitte kein Primat europäischer Gesetze gegenüber der nationalen Legislative. – Andreas Turnwald


Leserbrief zu „Crescendo aus der Konserve“ von Adrian Lobe

Selten hat mich ein Artikel so wütend und fassungslos gemacht. Da gibt es eine Technik, mit der eine Verheißung verbunden ist. Und damit meine ich nicht die Abkehr von fossilen Brennstoffen, was nur dann wirklich gegeben ist, wenn auch der Strom ohne diese auskommt. Was in meinen Augen die E-Autos attraktiv macht, ist ihr flüsterleises Dahingleiten. Man stelle sich die Steigerung der Lebensqualität für Millionen von Anwohnern verkehrsreicher Straßen vor, den bei uns allen geringeren Stresspegel durch weniger Lärm!

Und nun das: Ich verstehe sofort, dass es für eine Übergangszeit, in der nicht nur E-Autos, sondern auch Ottomotoren auf den Straßen unterwegs sind, angeraten ist, aus Sicherheitsgründen die E-Autos mit Geräuschemissionen zu versehen.

Doch nach allem, was in dem Artikel zu lesen ist, wird ein gewisser „Sound“ nicht nur als notwendig, sondern auch als wünschenswert erachtet – und schon schwindet meine Hoffnung auf eine segensreich leise Autozukunft. Mich wundert gar nicht, dass sämtliche Beteiligte – Autobauer, Akustikingenieure, Autor – Männer sind. Ein Satz wie „Der Sound des Antriebs gehört zum Auto dazu, er ist […] Emotion.“ würde den meisten Frauen nicht im Entferntesten einfallen. – Katharina Schmöhe


Leserbrief zu „Kann das Stimmen“ von Stefanie Kara

Mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag mit dem m.E. etwas reißerischen Titel „Lügen nach Zahlen „Kann das stimmen?“ gelesen.

Ich bin Wirtschaftsstatistikerin und habe viele Jahre an der Wirtschaftsfakultät einer Berliner Universität Wirtschaftsstatistik als „Datengrundlagen der Wirtschaftspolitik“ für Bachelor- und Master-Studierende gelehrt. Genau die Probleme, die Sie in Ihrem Beitrag ansprechen, waren bis vor kurzem Hauptgegenstand meiner Lehrveranstaltung. Dieses Lehrangebot, das auf großes Interesse bei den Studierenden stieß, war aus der Erkenntnis entstanden, dass das traditionelle Statistik-Grundstudium an deutschen und europäischen Hochschulen genau diesen Problemen und Fragen wenig Aufmerksamkeit schenkte und schenkt.

Fragen wie:

– die genaue frühe inhaltliche (Begriffs)Definition der zu analysierenden Inhalte,

– Fragen der Operationalisierung dieser Begriffsinhalte,

– Konzepte der Datengewinnung,

– Konzepte der Datenauswertung,

– Kriterien der Datenqualität,

– kurz: das ganze Paket der Metainformationen hinter den Daten.

Stattdessen wurde und wird der oft sehr formalen statistischen Methodenlehre die meiste Zeit in der Grundausbildung gewidmet.

Es hilft deshalb den sehr heterogenen Datennutzern und Datenkonsumenten sehr wenig, die von Ihnen gestellten Fragen zum richtigen Verständnis der massenhaft verfügbaren Daten zu stellen, weil sie diese in der Mehrzahl der Fälle ohne hinreichende statistische Datenkompetenz gar nicht beantworten können.

Um es kurz zusammenzufassen:

Abhilfe kann nur eine qualifizierte und systematische, in der Schule beginnende bis hin zur Hochschule angebotene Ausbildung schaffen, angefangen mit den wichtigsten Kenntnissen über das System der amtlichen Bundesstatistik sowie der Träger der nichtamtlichen Statistiken Deutschlands sowie EUROSTAT bis hin zu Methoden der deskriptiven Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung.

„Lügen nach Zahlen“ ist auch deshalb sehr oft schlicht und einfach Unkenntnis der Materie und nicht immer manipulativer Vorsatz!

Ausdrücklich bitte ich darum, diesen Leserbrief NICHT zu veröffentlichen, sondern eher als Anregung für weitere Analysen Ihrerseits auf diesem Gebiet zu verstehen.  – Dr. Sibylle Schmerbach


Leserbrief zu „Forschen, zweifeln, Daten teilen“

Ich möchte gerne auf die Leserbriefe in der aktuellen ZEIT Nr. 18 zum Artikel „Raus, raus raus!“ (aus der ZEIT Nr. 16) reagieren.

Meines Erachtens zeigen die beiden letzten von Ihnen gedruckten Leserbriefe genau das Dilemma in dem sich die Beziehung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft (nicht erst seit Kurzem) befindet. Darin argumentieren zwei Leser, dass man doch bitte pseudowissenschaftliche Medizin (Homöopathie) bzw. schlecht informierte Kritik an Impfungen zulassen müsse, um als Wissenschaftler nicht „überheblich“ zu wirken. Das zeigt genau das Problem: Wenn nicht einmal gebildete Leute verstehen, dass die Ablehnung von Homöopathie nicht „überheblich“ ist, dann liegt es offenbar nicht am mangelnden Zugang zu Bildung oder Wissen, sondern an einem tiefer greifenden Unverständnis des wissenschaftlichen Prozesses. Daran muss ein neuer gesellschaftlicher Dialog ansetzen und insbesondere vermitteln, wie die wissenschaftliche Methode funktioniert. – Dr. Leonard Burtscher


Leserbrief zu „Lob der Kontrolle“ von Bettina Schulz

Wir haben es hier in der Tat mit einer neuen, erschreckenden Art  und Dimension von Verbrechen zu tun:  Der „Wert“ einer Kapitalgesellschaft, z. B. einer AG wie Bayern München  oder einer GmbH & Co. KGaA wie Borussia Dortmund, besteht im  wesentlichen aus hochqualifizierten, hochspezialisierten Menschen.  (So etwas gibt es vor allem, aber nicht ausschließlich im Profisport.)

Jemand wettet – z. B. über Aktienoptionen – auf den Werteverfall,  den er dann durch Schädigung – im Extremfall Tötung – dieser  Menschen selbst aktiv herbeiführt.  Es ist müßig zu diskutieren, ob diese Art Verbrechen „schlimmer“  ist als Terrorismus oder andere Kapitalverbrechen. Es ist in jedem  Fall eine neue, schreckliche Kategorie, mit der wir seit dem 11. April 2017  rechnen müssen. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu “Meine Reise um die Welt in 143 Tagen” von Margot Käßmann

Vor 5 Jahren  hat die EKD für Margot Käßmann eine Stelle geschaffen als „Botschafterin des Reformationsjubiläums “ 2017 . Sie muß eine wunderbare Frau sein. Aus ihrem Logbuch erfahren wir , wie sie um die Welt reist mit Talar und Pumps im Gepäck. Die Bibel hat sie auf dem iPad gespeichern und in der Handtasche hält sie viele  Playmobil-Luther- Figuren bereit.Sie schreibt von den Beobachtungen und Begegnungen auf ihrer Reise.

Nur ihre Botschaft als „Botschafterin des Reformationsjubiläums“ kann ich nicht erkennen. Kann es sein, daß die Botschafterin ihre eigene Botschaft ist ?

Am Ende wird deutlich, daß die EKD , die Evangelische Kirche Deutschlands , selbst  einer Reformation bedarf. Sie wird nicht bleiben, wenn sie bleibt wie sie ist. – Christian G. Schnabel


Leserbrief zu „Schluss mit der Euphorie!“ von Harald Welzer

Ein sehr kluger Beitrag von Harald Welzer, der deutlich macht, dass auch in der digitalen Welt das Märchen von des “ Kaisers neuen Kleidern“ topaktuell ist und wir nicht versäumen sollten den gesunden Menschenverstand zu benutzen. – Guenter Wermekes


Leserbrief zu „Deutsche Selbstgerechtigkeit“ von Felix Dachsel

Dieser Artikel wirkt wie eine Blaupause auf Verena Hasels‘ Beitrag ‚Ich bin nicht mehr links‘ in der vorletzten ZEIT.

Unter dem Motto ‚Deutsche Selbstgerechtigkeit‘ mit dem Finger auf alles zu zeigen, was nicht dem ‚Noch‘ – Common Sense einer scheinlinken Schickeria entspricht, weisen vier Finger auf den Autor und seine leichtfüßigen Argumente zurück. Man muss nicht Fan von Jens Spahn sein oder die Kommentare von Frau Mikich lob preisen, ohne ihnen zu konstatieren, Mut zur klaren Kante zu zeigen. Dass der Multi- Kulti- Wahn mancher in bunten intellektuellen Traumschlössern Wandelnden einen objektiven Blick vernebelt und in der Realität nun Alptraumfiguren wie Trump, Orban, Erdogan und Le Pen existieren, könnte mit dem vom Autor zitierten Satz Churchill’s zu tun haben: ‚Die meisten sind bereit zu lernen, aber die wenigsten, sich belehren zu lassen.‘

In der Türkei droht die Wiedereinführung der Todesstrafe? Muss man relativieren, denn zur RAF- Zeiten waren siebzig Prozent der Bundesbürger (u.a. Strauss und Stücklen) für die Todesstrafe. Ist zwar an die vierzig Jahre her, und dass es in der Bundesrepublik aus guten Gründen keinen Volksentscheid gibt, ist Autor Draxler keinen Hinweis wert.

Wer den Doppelpass ablehnt, ist selbst nur neidisch auf seinen ‚Solopass‘? Moment, Stopp, der meint das gar nicht ernst; Draxlers Beitrag kann nur, muss einfach Satire sein…(?) – Erwin Lux


Leserbrief zum Titelthema „Lügen nach Zahlen“

Unabhängiger Journalismus sollte sich zu niemandes Sprachrohr machen – auch nicht zu dem von Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftlern. Gewiss, verschiedene der in dem Artikel von Frau Kara erwähnten Zahlen sind problematisch bis frei erfunden. Aber der dem Paritätischen Wohlfahrtsverband vorgehaltene Armutsindikator ist schlicht und einfach EU-Standard (auch wenn man dort verschämt von Armutsgefährdung oder Armutsrisiko spricht). Sicherlich ist dieser Standard – weniger als 60 Prozent des Median-Einkommens – problematisch, das sind andere Maße aber auch.

Nur dass Herr Krämer eben seinen persönlichen Krieg gegen diesen Indikator führt und Sie ihm kritiklos alles glauben. Die im Text präsentierte Alternative bringt die Gefahr mit sich, dass die Definition von Armut Geizhälsen wie ihm überantwortet wird und sich dann z.B. Kinder gleich am ersten Schultag als „arm“ outen müssen, weil seiner Meinung eine Schultüte nicht zum menschenwürdigen Leben gehört und deshalb von der Sozialhilfe nicht übernommen werden sollte. Das kann man in seinem Buch über Armut nachlesen, wenn man sich die Mühe macht, etwas Hintergrundinformation zu sammeln.

Zu den ADHS-Zahlen: Es stimmt nicht, dass die Daten über den Anstieg auf „willkürlichen Telephonbefragungen“ beruhten; bei der Stichprobenziehung wurde vielmehr das anerkannte Random-Digit-Dialing Verfahren eingesetzt und es wurde versucht, mögliche Verzerrungen durch Gewichtungen auszugleichen, ebenfalls ein ganz gängiges und anerkanntes Verfahren (siehe Morb Mortal Wkly Rep. 2010 Nov 12;59(44):1439-43.). Der Psychologe, der die These des ADHS-Anstiegs kritisiert, heißt übrigens Erik mit Vornamen, nicht Eric, und er hat 135 Studien analysiert, nicht 138 (Int J Epidemiol. 2014 Apr; 43(2): 434–442). So viele Fehler in einem einzigen Absatz sollte man vermeiden, wenn man anderen „Lügen“ vorhält. – Prof. Dr. Wolfgang Ludwig-Mayerhofer


Leserbrief zu „Über viele Klippen musst du gehen“ von Daniel Erk

Bildung und Intelligenz sind zwei Paar Stiefel

Ihr Ausflug ins „Nichtakademische“ hat mir gut gefallen. Bildung und Intelligenz haben – hoppla – nichts miteinander zu tun. Es gibt hochgebildete Menschen, die nicht mit den „normalen“ Anforderungen des Lebens umgehen können, aber Koryphäen in ihren Fachgebieten sind. Und es gibt hochintelligente Menschen ohne große formale Bildung, die nicht in Spitzenpositionen sind, jedoch umfassende Verantwortung für andere Menschen tragen. Womöglich lesen diese sogar DIE ZEIT. Und natürlich gibt es viele Menschen dazwischen. Übrigens: Nicht jede/r Akademiker/in erreicht eine Führungsposition, das geht rein rechnerisch schon nicht. Aber die Chance, als Handwerksmeister/in Mitarbeiter zu führen, ist relativ hoch.

Hören wir auf, Menschen nach ihren Schulabschlüssen zu beurteilen! Warum fragen wir sie stattdessen nicht, wie glücklich sie ihre Arbeit macht? Eine amerikanische Studie hat das vor einiger Zeit getan. Die glücklichsten Menschen waren Floristen, Friseure und Installateure (vor Managern und Wissenschaftlern). – Gaby Feile


Leserbrief zu “Der Abschlepper” von Philipp Daum

Ich kann Herrn Schwiede so gut verstehen! Es ist diese Ungerechtigkeit wenn Mitmenschen das ewig gültige Recht des Stärkeren ausnutzen und z.B. auf Radwegen parken. Leider wir das auch von der Polizei unterstützt; versuchen Sie mal Ihr Fahrrad auf einer Fahrbahn zu parken und stoppen Sie die Zeit bis die Polizei da ist. Das ist dann bestimmt keine „nichteilbedürftige Streife“ mit einer Stunde Wartezeit. Und das nennt man dann Diskriminierung.

Leider begeht der Autor den Fehler einen engagierten Menschen durch dessen eigene Regelverstöße zu desavouieren: bei Rot über eine menschen- und autoleere Straße zu gehen behindert niemanden, das Blockieren von Radwegen schon, das sollte man nicht vergleichen.

Wir sollten uns fragen, warum ärgern sich Autofahrer über jemanden wie Herrn Schwiede? – Uwe Dieckmann


Leserbrief zu „Das soll links sein?“ von Bernd Ulrich

Sicher tun sich weder die Briten mit ihrem Brexit einen Gefallen ( und uns auch nicht) und auch nicht die Amerikaner mit ihrem Donald Trump ( und uns natürlich auch nicht). Diese augenblicklichen Veränderungen hin zu nationalen Bestrebungen haben aber nichts mit einem Versagen auf der Linken Seite zu tun. Hier haben egoistische  Zirkel in London, Brüssel und Washington versagt. Und wie das im Leben so ist, jetzt haben erst einmal andere das Sagen.

Sie haben  Recht mit der Aussage, das so etwas in der Regel fast immer schief gegangen ist. Das, was sich die Benachteiligten erhofft haben, ist zumindest früher nie eingetreten. In Deutschland hat sich ab 1933 daraus eine Katstrophe entwickelt.

Um so ärgerlicher ist das Versagen der bisherigen demokratischen Politiker. Europa ist in einem erbärmlichen Zustand. Nicht weil linke Politiker versagt hätten, sondern weil machtvolle Kreise Europa  und die USA in eine Sackgasse getrieben haben. Verschuldungskrise, Euro-Krise, Griechenland-Krise, Arbeitslosigkeit, Flüchtlingskrise, der Bürgerkrieg in Syrien, Bürgerkrieg in der Ukraine, Verarmung im Rust-Belt in den USA, ganz Afrika steckt in Problemen, der Orient ebenso bis nach Afghanistan. Der Ablauf ist immer derselbe. Die Entwicklung nach dem 1.Weltkrieg war auch nur durch ein völliges Versagen der Alliierten möglich:      1.Weltkrieg, Versailler Vertrag, 1923 Ruhreinmarsch Frankreichs mit nachfolgender Inflation, Krise 1929. Ohne dies alles in der Summe hätte es keinen NS-Staat gegeben.

In Brüssel sitzen keine Kräfte, die die Einigung Europas strategisch angehen. Da denkt jeder nur an Machtansammlung in Brüssel. Europa ist kein Erfolgsrezept mehr. Es spricht für  europäische Bevölkerungen, das sie nicht mehr mitmachen wollen. Nach dem Motto, wenn sich heute wirklich etwas ändern soll, dann muss das System gekippt werden, so glaubt man. Wobei Änderungen langsam und stetig im Detail allerdings hilfreicher wären im Interesse aller. Der Verdacht scheint aber zu sein, dazu sei das bestehende System nicht fähig. Schließlich habe dieses jetzt 20 Jahre Zeit gehabt und diese Zeit nicht genutzt.

In Bezug auf die politische Einschätzung  der Lage muss ich die deutsche Linke in Schutz nehmen. Diese treffen den Sachverhalt in Bezug auf die USA und Russland besser als Sie es und unsere Atlantiker es tun. Die Linke hat aber ein Problem mit dem Wirtschaftlichen. Man möchte jedem per Gesetz einen Arbeitsplatz  und ein entsprechendes Gehalt verordnen , ist aber unfähig Arbeitsplätze entstehen zu lassen. Wenn man  strategisch denkt, dann nur politisch, nicht aber wirtschaftlich. Deshalb sind bisher fast alle sozialistischen Regierungen gescheitert.  (Schröder mit der Agenda 2010 war eine Ausnahme).

Die französische Linke denkt , wenn sie sich nicht eindeutig für Macron gegen Marie Le Pen entscheiden kann, aber weder politisch noch wirtschaftlich strategisch.

Nachdem  Europa aber inzwischen auf eine Transferunion hinsteuert, ist Europa sowieso nicht zukunftsfähig. Auch bisher schon haben all die Vorteile durch die EU und den Euro nur zu einem Anstieg der Verschuldung geführt. Reformieren tut so gut wie keiner. Damit ist es fast egal, ob eine Marie Le Pen an die Regierung kommt. Die Schuldenvergemeinschaftung  bedeutet eh das  Ende des vereinten Europas. Es ist nicht zu verstehen, das hier Niemand die Probleme bei der Entstehung der USA als Lehrbeispiel heranzieht. Dort hat es auch mit einer Schuldenvergemeinschaftung angefangen. Am Ende stand auch wegen der Rassenkonflikte der Sezessionskrieg. Seit diesem Krieg gibt es aber in den USA keine Schuldenvergemeinschaftung mehr, jeder Bundesstaat kann insolvent gehen. Und anschließend kam die wirtschaftliche Blüte. – Reiner Püschel


Leserbrief zu “Meine Reise um die Welt in 143 Tagen” von Margot Käßmann

Endlich mal eine Seite, auf der auch der Zweifel zu dem ihm laut Titel zustehendem Recht kommt! Zwar bei weitem nicht zu 50 Prozent, aber immerhin wurde er nach vielen glaubensseligen Ausgaben einmal nicht völlig unterdrückt. Vielen Dank. Weiter so. – Manfred Schleyer


Leserbrief zu „Crescendo aus der Konserve“ von Adrian Lobe

Sehr interessant, welchen Aufwand die Autohersteller treiben, um den Autos einen Sound zu geben. Leider übersehen Sie, dass Elektroautos eine gute Chance sind, den Lärm in der Stadt zu reduzieren. Autos künstlich durch „acustic vehicle alert system“ laut zu machen widerspricht dieser Möglichkeit. Das Argument, leise Fahrzeuge sind eine Gefahr für Fußgänger, zählt aus zwei Gründen nicht: in Autofreien Städten wie Zermatt gewöhnen sich sogar Touristen an lautlose e-mobile, außerdem sind Fahrräder auch bis 30 km/h schnell und (meistens) klappt das mit Radlern und Fußgängern auch! Oder muss ich demnächst an mein Rad einen Lautsprecher montieren?

Im übrigen besagt die Straßenverkehrsordnung unter §30: „Bei der Benutzung von Fahrzeugen sind unnötiger Lärm und Abgasbelästigungen verboten“. Bußgeld: 10,- EUR

Schade, dass die Zeit das nicht kritischer sieht. – Ulrich von Borstel


Leserbrief zu „Müssen Elfjährige wissen, was Transgender ist?“ von Manuel J. Hartung und Mariam Lau

Es macht mich zornig, wenn ich das Gerede von Frau Löhrmann höre oder lese. Baden-Württemberg kann ich nicht beurteilen. Ich lebe in NRW und das kenne ich umso besser.  Selbst 3 Schüler und durch einen Sitz im Elternbeirat war ich im Schulbetrieb eingebunden. Ich weiß also wovon ich rede, was man von Frau Löhrmann nicht behaupten kann. Ein normaler Unterricht war und ist heutzutage in NRW kaum möglich, weil besonders die linken Parteien Anti Autoritären Unterricht auf ihre Fahnen geschrieben haben.  Selbstfindung war das Zauberwort Die Schüler sollten sich selbst erziehen.

Diktate wurden abgeschafft. Lesen war so gut wie nicht gefragt. Wer den Unterricht nicht folgen konnte musste  sehen wo er blieb.  Die Nachhilfe-Schulen sprießen wie Pilze aus der Erde. Spätestens dann hätte man die Reisleine ziehen müssen. Nichts ist passiert. Unterstützt wurde das alles noch durch die gesetzliche Regelung, das ab Volljährigkeit eines Schülers die Gymnasien den Eltern keine Auskunft über Ihre eigenen volljährigen „Kinder “ geben dürfen.  Wenn der Sohn oder die Tochter kaum zur Schule oder tagelang nicht nachhause kommt oder die Vermutung, daß er in einer Drogenszene Unterschlupf gefunden hat, dann können sie nur einen Detektiv engagieren, um ihre „Kinder“ helfend zur Seite stehen können.

Viele Schulen sind in großer Not. Durch die lebensfremde Schulkultur werden die Schüler zur Dummheit erzogen.  Der Ordnung halber sollte auch gesagt werden, daß es durchaus Schulen geben kann – auch in NRW -, wo man solche Zustände nicht antrifft. Durch die autarke Stellung der Lehranstalten kommt es sehr stark auf die einzelnen Pädagoginnen an. Männliche sind so gut wie gar nicht anzutreffen. Erst ab Gymnasium ändert sich das. Ihre Autoren, die das Interview geführt haben, hätten noch ganz andere Fragen stellen müssen. Das ist nicht als Vorwurf zu verstehen. Vielleicht haben sie auch Kinder und ganz andere Erfahrungen gemacht. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Willkommen bei uns zu Hause“ von Moritz Von Uslar

Als Beispiel wählten Sie zwar Duisburg-Marxloh, aber ähnliche Verhältnisse könnten  auch in einigen anderen Städten wie Berlin, um das Cottbusser Tor oder Stuttgart zu finden sein. Charakteristisch ist jeweils das Konzentrieren von fremden Menschen verschiedenster  Völker oder aber auch von einer Religionsgemeinschaft. Das Völkergemisch kann sich im Laufe von zwei, drei Generationen teilweise assimilieren; Muslime dagegen bleiben unter  sich, entsprechend dem Koran. Noch zwanzig Jahre, dann wird sich der im Jahre 1998 erschienene Zukunftsroman “2046” (nur noch gebraucht im Internet zu erbeuten) leider erfüllen: Wohnungstausch zu Gunsten von Stadtteilen mit islamischer Bevölkerung, in  denen der Ruf des Muhezins erschallen darf und Stadtviertel mit der Urbevölkerung und dem Läuten der Glocken. Dass Deutschland so schnell den Zuständen auf dem Balkan  folgt, wird die “Abendländner” schmerzlich bekümmern.  – Udo Proske


Leserbrief zu “Meine Reise um die Welt in 143 Tagen” von Margot Käßmann

Die Autorin dieses Reiseberichts ist Pastorin der Evang.-lutherischen Landeskirche Hannover; sie ist keine Bischöfin.

Verwundert bin ich über Frau Käßmann`s Aussage Zitat: ..“ich reise grundsätzlich nicht in Länder, wo ich mich verhüllen muss“.

Vor einigen Jahren (2008) war ich Teilnehmerin einer Begegnungsreise mit orientalischen Christen in Syrien und dem Libanon. Wir trafen neben christlichen Patriachen auch Ayatollah Hussein Fadlallah. Er residierte in einem Bunker in einem zerstörten Stadtteil von Beirut. Wir Frauen trugen Kopftuch. ( Ausführlicher Bericht im Buch „Macht-Ohnmacht-Erlöschen?“ tgd-verlag)

Vor vier Monaten besuchte ich zusammen mit meinen beiden Töchtern eine Moschee in Amman (Jordanien). Auch hier mussten wir uns verhüllen. Wir trugen den Mantel mit Respekt vor diesem Gebetshaus, jedoch auch mit einer Prise Humor!

Außerdem habe ich einige interessante, kluge kopftuchtragende Gesprächspartnerinnen kennengelernt…und Zuhause wird zum Erstaunen der Gastgeberin das Tuch ablegt und es kommen schöne Haare zum Vorschein!

Ich wünsche, dass sich die Autorin in die arabische Welt aufmacht, sie wird es nicht bereuen! – Christine Schmale


Leserbrief zu „Kann das Stimmen“ von Stefanie Kara

Ich danke Frau Stefanie Kara sehr für ihren Artikel „Kann das Stimmen?“, der deutlich auf ein latentes Problem aufmerksam gemacht hat, das vielen Diskussionen innewohnt. Die dort oft zugrunde gelegten Zahlen haben bei Vielen oft ein erstauntes Kopfschütteln oder aber ein unbestimmtes Zweifeln ausgelöst,weil sie in einem gefühlten Mißverhältnis zur eigenen Wahrnehmung standen.

Gut, dass endlich die Frage nach der Herkunft und Seriosität der Zahlen behandelt wird.
Allein die angeführten Hinweise auf die Produktion solcher Zahlen, die ja die Grundlage für weitreichende Konsequenzen sind, darf man haarsträubend nennen.

Von den vielen angeführten Beispiele ist sicherlich die seinerzeit vor allem von „Familienministerin“ Frau Schwesig betriebene Kampagne zur Verschärfung des Sexualstrafrechts einer der drastischsten Vorgänge. Hier wurde offenbar schamlos dieses Schema benutzt, mit nicht fundierten, weitestgehend manipulierten Zahlen Gefühle und auch Schlussfolgerungen zu erzeugen, die mit der Realität nur wenig zu tun haben. Dass die Ministerin und die mit ihr offenbar eng zusammenarbeitenden Frauenverbände mit dieser Methode auch noch eine Gesetzesänderung durchgesetzt haben, lässt nichts Gutes bezüglich Solidität und auch Fairness der Beteiligten und des Verfahrens vermuten.

In erschreckender Weise hat Frau Schwesig damit gezeigt, dass sie keineswegs Familienministerin ist, sondern eher bereit ist, eine Hälfte der Familie, nämlich die Männer a priori erst einmal als potentielle Verbrecher zu sehen,die dann von Fall zu Fall von den Frauen bewertet werden müssen.

Man könnte das als unappetitlich und zusammen mit anderen Aspekten des Gesetzes, wie der Gruppenschuld von Unbeteiligten, als rechtswidrig abhaken, wenn das Ganze nicht auch eine stark Partnerschafts-feindliche und eben auch Familien-feindliche Komponente hätte.
Zu guter Letzt hat sie ihrem zweifelhaften Vorgehen noch ihr Eingreifen in ein laufendes Verfahren hinzugefügt, indem sie der letztendlich falsch aussagenden Gina Lisa Lohfink besonderes Gewicht verleihen wollte, was ein besonderes Licht auf die Solidität ihres Agierens und eben auch auf ihren Zahlen-Mißbrauch wirft.

Insgesamt zeigt schon dieses eine Beispiel, dass zwar bei Produkten und Dienstleistungen immer höhere Qualitätsmaßstäbe angelegt und auch durchgesetzt werden, während dort, wo es um grundsätzliche gesellschaftlich relevante Entscheidungen geht, Zahlentricksereien und hinterhältige Manipulationen salonfähig geworden zu sein scheinen. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Die unsichtbare Gefahr“ von Fritz Zimmermann

Wir haben in Deutschland die höchste Lebenserwartung, die wir je hatten. Die Qualität der Außenluft nimmt in den letzten Jahrzehnten beständig zu. Dennoch zeichnet der Autor ein geradezu verstörendes Szenario über die Schädlichkeit von Feinstaub. Er macht jedoch keinerlei Angaben darüber, wie schädlich der Feinstaub für den Menschen denn nun konkret ist. Eine Professorin ist in Sorge wegen der Kaminöfen. Feinstaub erhöht das Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken um 22 %. Ist das jetzt bedrohlich oder eher unbedeutend?

Dabei sind konkrete Zahlen bekannt. Sie werden in zahlreichen epidemiologischen Studien ermittelt und sind beispielsweise über das Internet allgemein zugänglich. Das Umweltbundesamt gibt auf seiner Homepage für die Menschen in Europa eine Verringerung der Lebenserwartung  aus Feinstaub von 8.6 Monaten an. Zum Vergleich: Übergewichtigkeit bedeutet eine Verringerung von 16 Monaten. Ich gehe davon aus, daß der Autor diese Zahlen auch kennt. Warum nennt er sie nicht?

Dieser offensichtliche Unterschied zwischen gefühlter und tatsächlicher Gefährdung ist ein Hinweis darauf, daß es noch ein Thema hinter dem Thema gibt. Feinstaub ist nur  das Symptom. Die eigentliche Ursache ist das Unmut der Menschen über die Entwicklung insbesondere des ständig zunehmenden Straßenverkehrs. – Eckart Krägeloh


Leserbrief zu „Selbstbestrafung“ von Derek Scally

Dieser ‚von aussen ‚ gegen Frau Weidel vorgetragene Angriff ist ein neuer infamer Versuch die AfD als Lesben oder Schwulenfeindlich darzustellen. Herr Scally lesen sie sich das Programm der AfD doch wenigstens durch, bevor sie so einen Artikel schreiben.

Die AfD hat sich ein entsprechendes Programm gegeben. Sie schreibt unter Ziffer 1.13 Ihres Wahlprogrammes 2017 dazu: Unter dem Vorwand der Antidiskriminierung und Toleranz ist „Gender- Mainstreaming“ der Versuch, dem Bürger sein Privatleben vorzuschreiben. —–   Als fächerübergreifende „Sexualpädagogik der Vielfalt „ wird diese Ideologie auch in die Schulen getragen. Deren Methoden und Inhalte verletzen das Schamgefühl von Kindern, weil sie z.B.  für Zwölfjährige nicht Nachvollziehbare  Sexualpraktiken definieren ——- Eine Bewusste Verunsicherung von Kindern —— lehnen wir ab.

Unter“2.04 steht: —– Wir respektieren eingetragene Lebenspartnerschaften, ——

Herr Scally, Sie können sich darauf verlassen, dass Frau Weidel sich in Ihrem weiteren Wirken innerhalb der Partei für eine ihr entsprechende Gestaltung der Familien-Politik in ihrem Sinne einsetzen wird.

Im übrigen kann ich Ihnen versichern, dass es  neben Frau Weidel auch andere Lesben und Schwule innerhalb der AfD gibt. – Joachim Höpfner


Leserbrief zu „Wir waren durchgeschwitzt“ von Uwe Jean Heuser

Es gelingt dem Interviewer Uwe Jean Heuser in der Tat, das Bild einer „Königin des Mittelstandes“ zu entwerfen. Die Patriarchin habe das Arbeitszeitmodell bei Trumpf weiter flexibilisiert und gerade Müttern in der Firma das Leben erleichtert. Kurz nach dem Lehman-Crash habe Frau Leibinger-Kernmüller als neue Chefin von Trumpf gesagt: „Wir halten durch und entlassen keinen Mitarbeiter.“ „Woher kam diese Entschlossenheit?“ Die Chefin weiß auf diese Steilvorlage zu antworten: „Die Entscheidung, dass wir niemanden entlassen, musste gar nicht diskutiert werden. Die war uns mitgegeben von daheim.“ Weiter habe sie dann „die Arbeitszeiten heruntergefahren, die Mitarbeiter haben ihre Stundenkonten abgebaut“. Die Kurzarbeiterzahlungen finden immerhin eine Erwähnung. Kompromisse in der Krise wurden im Vorstand ausgehandelt. Auf die Frage des Redakteurs: „Gegenüber Mitarbeitern sind sie geduldig?, gibt die Chefin sich gnädig: „ Mitarbeitern geben wir viele Chancen. Dieses biblische In-Ungnade-Fallen, sodass man ein für alle Mal erledigt ist, das gibt es bei uns nicht“. In der Sehnsucht nach Stabilität in der Belegschaft, bei fehlender Milieu- und Parteibindung, sieht sie eine Zuordnung in der Firma, die aus der Verlässlichkeit und Treue resultiere, „die wir auch als Familie geben“.

Gottlob gibt es im Konzern verlässliche Betriebsratsstrukturen, eine kompetente und kooperative IG Metall, und damit seit 1995 ein Fülle von Betriebsvereinbarungen, die ohne Betriebsrat gar nicht möglich sind. Nicht nur bei Trumpf waren die kontrollierte Öffnung des Tarifvertrages und die Konfliktpartnerschaft mit dem aus dem Mehrheitsvotum der Belegschaften hervorgegangenen Betriebsrat konstitutiv für die Krisenbewältigungen der deutschen Wirtschaft in der Globalisierungsepoche. Hinzu kam die Bereitschaft der deutschen Arbeitnehmer, die gesetzlich ermöglichten Kurzarbeitsphasen zu Qualifizierungsmaßnahem zu nutzen. Es waren die Wirkungen der deutschen Mitbestimmungskultur, die die Voraussetzung für den Wiederaufschwung in der deutschen Exportwirtschaft und auch bei Trumpf nach 2009 geschaffen haben. Der Michelin-Chef Jean-Dominique Senard erinnerte am 6.10.2012 in der Süddeutschen Zeitung die deutschen Unternehmerkollegen an die Vorteile der Mitbestimmung für die deutsche Wirtschaft. „Man diskutiert knallhart mit den Arbeitnehmervertretern, aber am Ende einigt man sich, und die Gewerkschaften tragen die Konzernstrategie mit. Daraus ergibt sich eine ungemeine Stärke. Sie als Deutsche sind sich Ihres Glücks vermutlich gar nicht bewusst.“

Ein Blick auf den Internet-Auftritt des Trumpf Betriebsrates rückt die Kräfte- und Kompetenzverhältnisse des Konzerns in der Krise ins Lot. Dem Gesprächspartner Heuser aber sei zugerufen: „Vorwärts ins 19. Jahrhundert!“ – Dr. Rudolf Tschirbs


Leserbrief zum Titelthema „Lügen nach Zahlen“

Verdienstvoll entzaubert der Autor das Spiel mit den relativen und absoluten Werten und seiner besonders  manipulativen Wirkung bei der Feststellung von Veränderungsraten. Allerdings überzeugen mich seine konkreten Beispiele nur teilweise: Was ist zum Beispiel daran falsch, einen Single als arm zu bezeichnen, der Monat für Monat mit 1000 Euro netto für seine Miete, seine Versicherungen, seine Mobilität, seine Kommunikation (incl. 17,98 Euro mtl.  Mediengebühr!), seine Weiterbildung, seine Kleidung, seine Körperpflege, seine Medikamentenzuzahlungen und sein Essen auskommen muss?

Das alles sind Dinge, die ein Mensch zum menschenwürdigen Leben mindestens braucht – ein Jahresurlaub ist noch nicht berücksichtigt. Eine weitergehende Definition von Armut wäre möglich, aber sinnlos.  Mir scheint, dass der Autor selbst Opfer der relativierenden Referenzgrößen geworden ist: 60% von 1760 Euro (Medianeinkommen eines Single Haushaltes nach dem Sozio-Oekonomischen Panel des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung) sind 1056 Euro.  Auch das Beispiel der geschlechtsspezifischen Lohnlücke hat der Autor im Rahmen seiner Argumentation unpassend gewählt.

Sie beträgt 21,6% und entsteht im Wesentlichen aus zwei Gründen: Frauen arbeiten überproportional häufig in anspruchsvollen, gesellschaftlich unverzichtbaren und trotzdem empörend unterbezahlten sozialen Berufen und steigen zudem seltener in höhere oder hohe Gehaltsgruppen auf. Letzteres ist in den meisten Fällen den überkommenen Rollenbildern und der unzulänglich ausgestalteten Vereinbarkeit von Erwerbsleben und Familie geschuldet.

Im Übrigen: Auch Frauen können Statistik. 21,6 Prozent Einkommenslücke stehen für 21,6 Prozent unbezahlte Arbeitstage im Jahr. Leider haben das immer noch nicht alle Medienschaffenden begriffen – und viele männliche Statistiker wollen es offenbar nicht zur Kenntnis nehmen. – Christel Riedel

 

20. April 2017 – Ausgabe 17

Leserbrief zu „Zahlen Arbeiter mehr als Aktionäre?“ von Mark Schieritz

Ihre Analyse der Abgeltungssteuer ist zum Großteil nachvollziehbar, Ihre Schlussfolgerungen machten mich beim Lesen jedoch kurz sprachlos.

Wenn Sie argumentieren, dass zur Abgeltungssteuer ja noch die Gewerbe- bzw. Körperschaftssteuer hinzuzurechnen sei, so verschweigen Sie, dass letztere ja von den Unternehmen gezahlt werden, nicht vom Aktionär. Hier werden aus meiner Sicht zwei unterschiedliche Vorgänge zu unrecht vermischt. Außerdem schreiben Sie ja selber: vor der Reform durch Herrn Steinbrück war die Regelung genau so, da hat sich auch keiner beklagt.

Sie schreiben weiter, es sei womöglich mit der Verfassung nicht vereinbar, Kapitalerträge de facto höher zu besteuern als Arbeitseinkommen. Aufgrund welcher Tatsache war es denn dann verfassungskonform, es jahrelang anders herum zu halten? Leistungsloses Einkommen sollte doch weniger schützenswert sein als durch Arbeit erzieltes, meinen Sie nicht?

Auch die Tatsache, dass das Existenzminimum Geringerverdiener schützt, kann kein Argument gegen eine höhere Besteuerung von Kapitalerträgen sein, oder wollen Sie dieses abschaffen? DAS wäre mit Sicherheit nicht verfassungskonform. Bestimmt kann ein „Geringaktionär“ sich seine Steuer zurückerstatten lassen, wenn er denn keine anderen Einkünfte erzielt hat.

Vor allem aber unterschlagen Sie, dass ein Mensch nur über begrenzte Arbeitskraft, theoretisch aber über unbegrenztes Kapital verfügen kann – mit welchem er sich ja die Arbeitskraft anderer kaufen kann. Kapitalerträge bieten so die Grundlage, ohne entsprechende eigene Leistung unverhältnismäßig reich zu werden. Diese systembedingten ungleichen Machtverhältnisse MÜSSEN also durch ungleiche Besteuerung ausgeglichen werden, um Aktionäre nicht immer mächtiger werden zu lassen. Das Resultat fehlender Steuergerechtigkeit können wir jedes Jahr im Armuts-/Reichtumsbericht sehen. Es ist Zeit zu handeln! – Dr. Jörn Lütjens


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Seit anderthalb Jahren warte ich auf so einen Artikel in der ZEIT. Ich kann jedes einzelne Wort aus eigener Erfahrung bestätigen. Danke, danke, danke, Frau Hasel. – Dr. Annette Jung


Leserbrief zu „Wer hat sich jetzt verrechnet?“ von Oliver Hollenstein

Habe Ihren Artikel ” Wer hat sich jetzt verrechnet? “ gelesen und mich zu einer Stellungnahme entschlossen. Mein Denken kreist um das, was ich Bildungspolitisches Dilemma nenne. Bildungspolitiker glauben, Formalen Wissenschaften (Mathematik, IT Technologien) kommt eine herausragende Bedeutung beim Verst¨andnis unserer Welt zu. In diesem Glauben verankern sie Inhalte in Bildungspl¨anen. Meines Erachtens stellen sich diesem Vorgehen Komplexit¨at und Dynamik der Inhalte in den Weg.

  • Vom Blick auf das Analoge Ziffernblatt einer Uhr hin zum Rechnen mit Kongruenzen( math) f¨uhrt ein anstrengender Weg.
  • Anwendungsbezug in Abituraufgaben erscheint mir erzwungen. Angewandte Mathematik gest¨utzt auf IT findet in anderen Ligen statt. Der genannte Anwendungsbezug wirkt fast naiv.
  • Werkzeuge von Softwareentwicklern ver¨andern sich via updates in Quartalsfristen. Schon nach wenigen Quartalen kommt man um Anderungen¨ nicht mehr herum.
  • Millionen Menschen haben smartphones im Gebrauch. Nur wenige fragen, wie es zu deren Funktionsvielfalt ¨uberhaupt kommen kann.
  • W¨urden Mathematiker und IT Experten wie Fussballstars bezahlt, k¨ame die Koketterie ” ich war in Mathe immer schlecht“ vielleicht weniger oft.

Mein Rat an Bildungspolitiker wäre:

  1. Anspruchsvolle mathm. Inhalte aus allgemein verbindlichen Bildungspl¨anen herausnehmen.
  2. Abstrakte mathm. Inhalte Zielgrupp en orientiert (Neigung, Begabung, …) anbieten.
  3. Leistungssp ortler o der Konzertmusiker entwickeln ihre F¨ahigkeiten fr ¨uh in sp eziellen Ausbildungsg¨angen. – Dr. Klaus Miltenberger

Leserbrief zur Anzeigenbeilage:

Der gestrigen Zeit Nr.17 lag das folgende Werbeheft bei. Hierin wird in einer Art und Weise geworben, die ich für Leser der Zeit als nicht angemessen empfinde. Da ich bereits über die Zeitreisen mehrere Reisen gebucht habe, bitte ich von derartigen Beilagen abzusehen. – Ernst-Ferdinand Wächter


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Der Artikel von Frau Hasel hat mich sehr angesprochen. Sich in der eigenen Blase zu bewegen mit Menschen, die die gleichen Ansichten teilen, fühlt sich gut an. Die Konfrontation mit anderen Meinungen aber reißt einen aus der Komfortzone und regt zum Nachdenken an.

Der Journalist Jürgen Wiebicke schreibt in seinem neuen Buch „Zehn Regeln für Demokratieretter“ als Regel Nummer 5: „Verliere nicht den Kontakt zu Menschen, die nicht deiner Meinung sind.“ Er rät, uns im „schwachen Denken“ zu üben. Kling erst mal negativ, meint aber, dass die eigene Meinung immer nur vorläufig ist und geändert werden darf, wenn sich ein anderer Standpunkt als tragfähiger herausgestellt hat.

Wir sollten uns um Offenheit, intelligente Problemlösungen und Partizipation bemühen. Das Lesen von Printmedien und Büchern ist sicherlich ein weiterer Schritt dahin und ein Signal gegen die schnelle Meinungsmache im Internet. – Barbara Demmer


Leserbrief zur Anzeige „Turkey – Discover the Potential“

Eine ganzseitige „Werbung für die Türkei“ wenige Tage vor der so wichtigen politischen Entscheidung genannt „Wahl“. Nun, die Türken haben entschieden. Die Anzeige mag zwar ein gutes Geschäft sein für DIE ZEIT, es war aber ganz sicher der falsche Zeitpunkt! Nicht-Türken sollten sich da doch überhaupt raushalten.

Das war ZEIT im BILD – Niveau ! Ich bin langjähriger Abonnent der Zeit und auch NESTLÉ Aktionär. Sie haben damit die Pressefreiheit überstrapaziert!

Gute Besserung! – Berthold Becker


Leserbrief zu „Schützenhilfe“ von Roman Grafe

Ich möchte vorausschicken, dass ich – abgesehen von einem Luftgewehr auf dem Jahrmarkt – noch nie eine Schusswaffe in der Hand hatte und auch nicht irgendeinem Schützenclub angehöre.

Das ständige Anrennen gegen Waffenbesitzer ist sicher gut gemeint, aber falsch. Von einem Verbot legaler Waffen sind illegale Waffen nicht betroffen, und selbst bei dem immensen Bedarf in den Kriegsgebieten dürfte es bei weitgehend offenen Grenzen kaum ein Problem sein, an Waffen jeglicher Art zu gelangen, wenn man es Ernst meint. Selbst Bund und Länder schleusen ausgemusterte Waffen oft in den internationalen Waffenhandel, um den Neukauf zu Renfinanzieren. Wer Amok laufen will, wird das tun, notfalls mit einem LKW.

Ernst zu nehmende soziologische Studien (siehe Anhang) zeigen im Gegenteil gerade den umgekehrten Trend: je mehr offiziell zugelassene Waffen existieren und je besser die Besitzer an diesen Waffen ausgebildet sind, desto geringer sind Mord und Totschlag mit den Waffen. Gerne wird die US-Statistik als Beweis für die Gefahr herangezogen, wobei aber grundsätzlich unterschlagen wird, dass die Probleme in Gebieten mit illegalen Waffen und Bandentum auftreten, nicht in Gebieten mit hohem Anteil legaler Waffen. Ähnliche Erfahrungen – mit Einzug der legalen Waffen kam die Gewaltkriminalität in die zuvor friedlichen Viertel – haben auch die Briten gemacht.

Bezug auf wissenschaftliche Studien wird beim Argumentieren gegen Waffenbesitz leider nie genommen. Warum eigentlich nicht? – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Spirale der Gewalt“ von Martin Klingst

Diese Kriminalstatistik ist natürlich von Region zur Region sehr unterschiedlich. In unserem Landkreis wurden seinerzeit die Flüchtlinge fast gänzlich in sogenannten dezentralen Unterkünften untergebracht. Diese lagen nicht nur in Randzonen, sondern auch in Wohngebieten und die Flüchtlinge bekamen auch schneller Kontakt zu Einheimischen.

Ein anderes Problem wirkt sich aber momentan auf die „Gewaltspirale“ aus. So ist es insbesondere in Bayern kaum noch möglich für Flüchtlinge die aus Staaten mit geringer Bleibeperspektive oder gar aus sogenannten sicheren Staaten kommen eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Man geht hier auch vermehrt dazu über Flüchtlingen aus diesem Staaten, die schon jahrelang gearbeitet haben, die Arbeitserlaubnis zu widerrufen.

Erfolg dieser unsinnigen Maßnahmen: Sie sitzen in den Unterkünften, sind zum Nichtstun verurteilt und werden dann eher straffällig. Auch wenn man angeblich immer von den zuständigen Stellen vorgibt, Einzelfallentscheidungen zu treffen, ist diese Aussage meist falsch. Eine weitere Problematik ist, dass wir z.B. immer noch Flüchtlinge bei uns haben, die schon mehr als ein Jahr hier sind und noch keinen Bescheid des BAMF haben. Dafür versucht man jetzt mit fragwürdigen Maßnahmen solche abzuschieben, die schon mehrere Jahre geduldet waren und sich gut integriert haben.

Die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe stehen den geschilderten Maßnahmen oft machtlos gegenüber und müssen auch noch die mehr als fragwürdigen Begründungen der Politiker der sogenannten „C“-Parteien und Angriffe von „rechts“ ertragen. Diese Maßnahmen sind alle „integrationshemmend und straftatfördernd“. – Georg Schrenk


Leserbrief zu „Ein halber Triumph“ von Özlem Topçu

Zum Referendum des Neo-Osmanikers: ich vermisse jetzt in allen Kommentaren (auch schon während seiner Attacken auf uns und die EU vorher) die Erwähnung der jüngsten heftigen UN-Kritik an Erdogan wegen mörderischer Menschenrechtsverletzungen in seinem Krieg gegen die Kurden (sowohl zuhause wie wohl auch in Nordsyrien) : immerhin werden ihm dabei 2000 Tote zur Last gelegt , davon 1200 Zivilisten, wobei es sich um Schätzungen handeln dürfte, die vielleicht zu niedrig angesetzt wurden.

Man hat die Vorgänge in der Türkei mit Hitlers „Machtergreifung“ verglichen, in der ich mich sehr gut auskenne. Die Parallelen sind in der Tat unverkennbar. Ein bisher massiver Unterschied zugunsten Hitlers ist aber eben diese von der UN festgehaltene Opferzahl auf kurdischer Seite, der bis zum Nazi-Krieg (1939 ff.) keine auch nur annähernde Opferzahl durch Hitler vergleichbar ist.

Daher ist Erdogan bereits jetzt als Massenmörder zu beurteilen, was aber offenbar in der EU keinem einleuchten will: man verschone uns Deutsche aber fortan mit den üblichen Beschuldigungen : wir hätten Hitlers Terror nicht verhindert. Nun schauen doch 500 Millionen mit nur geringer Empörung und noch weniger Gegenwehr (zugunsten der Hälfte der Türken unter Erdogan) diesem neuen Diktator in statu nascendi zu. Und bezahlen auch noch zig EU-Millionen Euro für Förderprojekte zur „Demokratisierung“ der Justiz !!! und die Landwirtschaft etwa.

Es versteht sich, dass nun alle Türken bei uns der Erdogan-Sympathie verdächtigt werden, da man seine Einstellung keinem ablesen kann. Leider auch nicht den ca. 700000 (???) Kurden und (wievielen?) Aleviten, die einen goßen Teil der Deutschtürken ausmachen. Warum ist von denen so wenig die Rede?

Natürlich ist zu erwarten, dass die Erdoganwähler, die wir – oweh – nicht genug geliebt haben, sofort in die Heimat – zwecks vollen Genusses der herrlichen neuen Verfassung und der Liebe ihres neuen Ata – zurückkehren.

Gauck hat uns übrigens schon gewarnt, dass wir irgendwann Terror von all jenen neuen muslimischen Bürgern zu gewärtigen hätten, die sich hier nicht recht willkommen und umsorgt und gefördert fühlen sollten.

Also eine völlig willkürliche, subjektive Reaktion,  der wir doch nur sehr allgemein vorbeugen können, nicht bei jedem von bald 2-3 Millionen (mit Familienzuzug). Das ist nicht gerade eine Einladung zur ehrlichen Zuwendung, sondern objektive Erpressung. Was sagen Sie dazu?

Der arrogante Islamlobbyist Aiman Mazyek fordert ja  seit Jahren unsere immer vermisste besondere Freundlichkeit zu allen Muslimen ein, ohne dass er zu einer erkennbaren Gegenleistung außer seltsamen Worten (Terroristen sind nie Muslime!)  bereit wäre: was seine Verbands-„Muslimbrüder“ etwa im Hintergrund tun, erfahren wir nicht. Hat er je Frauen vor dem Unrehrenmord, der Zwangsheirat  gerettet? Verhindert er Schläge für syrische Kinder, die laut CHRISMON Nov. 2015 von 2/3 der Eltern geschlagen werden?

Wieso beschäftigt er eine Konvertitin als pädagogische Referentin, die 2003 in der ZEIT den Ehebruch für ein Verbrechen wie Mord erklärte und die Steinigung für angemessen, wenn auch nur exemplarisch, etwa alle 100 Jahre: purer Zynismus, alles im Namen des absurd so genannten „Zentral“rats??? Und danach wird er von den naiven Medien nie befragt: man braucht eben einen flüssig redenden Vorzeigemuslim.

Den Handschlag für Frauen verweigern dürfen nach ihm Muslime auch.  Wohl auch umgekehrt.

Ich habe in der SZ vom 25.3.17 übrigens einen Leserbrief zum islamischen „Haarschamtuch“ (Feridun Zaimoglu)  veröffentlicht. Falls Sie ihn lesen möchten, lassen Sie es mich wissen. Ich las nochmal das paulinische Bedeckungsgebot für Frauen nach (1. Korinther 11) : es gilt nur für den Gottesdienst, und zwar weil sie dort prophetisch reden dürfen, die anwesenden Engel (!!)  aber nicht aufreizen: denn die sind offenbar männlichen Geschlechtes.

Noch zu Erdogan: Es besteht die Gefahr von hiesigen terroristischen Auseinandersetzungen, wenn der Kurdenkrieg so blutig wie bisher weitergeht. Man erinnert sich an die 1990er Jahre. – Guido Kohlbecher


Leserbrief zu „Spirale der Gewalt“ von Martin Klingst

Mit großem Interesse las ich gleich Ihren heutigen (20.4.17)  Leitartikel und den Datenbericht zur Kriminalität der männlich-muslimischen Neuzugänge. Ich freue mich über die Offenheit und Sachlichkeit, wundere mich aber wiederum über die leider immer noch übliche Auslassung der genauen Zahlen von Tötungsdelikten eben unter den Asylanten selber.

Soviel seltenen und gut versteckten Angaben zu entnehmen war, kamen 2015/16 etwa 30 (!!!) „Flüchtlinge“ ums Leben, keiner aber durch deutsche Rechtsradikale. Sind also migrantische Tötungsdelikte  weniger erwähnens- und beklagenswert als von Deutschen Ermordete? Warum scheut die Polizei alle Erläuterungen dazu? Wer erlässt die Anweisung dazu? Glaubte man nach dem Kölner Silvester-Fiasko nicht endlich ein Recht auf vollständige Information zu bekommen, das der elende Minister Jäger (mit Frau Kraft) jahrelang verweigert hatte?

Ich habe  dazu keine Netzrecherchen betrieben, sondern mich auf Medienmeldungen (FAZ, SZ, ARD, ZDF, ZEIT etc.)  verlassen: Sie wissen bestimmt Genaueres, enthalten es uns aber (warum) vor! Schade. Wenn ohne Absicht, müssten Sie bei der Polizei nachfragen!

Was die Dunkelziffern etwa von Sexualdelikten angeht, erfuhr man immer wieder, dass alleinstehende Frauen in den Unterkünften schlecht geschützt sind und keine Anzeige erstatten, auch kaum ernstgenommen werden, wenn der Beschuldigte leugnet, sondern Rache fürchten müssen.  Eine Verlegung erfolgt keineswegs immer.

Im TV wurde berichet, dass Zwangsprostitution in den Unterkünften vorkommt. Nicht angezeigt.

Die Strafen für die brutalen afghanischen Fastlyncher von Suhl (Sept/Okt. 2015) haben wir bis heute nicht erfahren, obwohl Anklage erhoben wurde. Auch der Freiburger Mädchenmörder ist Afghane: ich glaube an deren Friedfertigkeit nicht, zumal nicht gegen Frauen, die sie ja nur verschleiert kennen.

Noch etwas Soziopsychologie: man erzählt uns, die Ankömmlinge seien oft von Gewalterlebnissen (Syrien, Krieg und/oder Flucht) traumatisiert und daher !!! gegen eigene Gewaltausübung (also etwa künftigen Terrorismus) immun.  Dem ist offenbar nicht so,  da man die nackte Gewalt gegeneinander jetzt leichter Hand mit den Umständen des öden Wartens und der unprivaten Unterbringung erklärt. Je nachdem, wie man es braucht! Schwer Traumatisierte sind doch eher gemeingefährlich und können jederzeit ausrasten. Außerdem können sie sich immer herausreden, wenn sie nicht lernen und arbeiten wollen. Wir geben ihnen die Ausreden naiv vor, die von Ärzten gerechtfertigt  werden, wie bei Abzuschiebenden zu Tausenden gewohnt.

Die evangel. Zeitschrift CHRISMON (die Sie ja unterstützen) meldete im Nov. 2015, dass 2/3 der Syrer ihre Kinder schlügen (aber nicht krankenhausreif) ! Wie will der Staat solche Erziehung bei zigtausenden Kindern verhindern? Das kann er doch gar nicht. Später heißt es dann, ja bei den Methoden sei Kriminalität kein Wunder…

Dann sind wir alle wieder schuld, wie doch auch bei den 800 deutschen IS-Kämpfern, also Massenmördern wie die SS-Einsatzgruppen.  Wieso ist das nicht viel schlimmer als brennende Flüchtlingsheime, bei denen seit 2o15 noch keiner zu Tode kam?

Ich verstehe diese Inkonsequenzen nicht… Die Informationen und Stellungnahmen sind oft dürftig und feige. Hat sich Frau Merkel schon mal für unsere 800 Terroristen zuständig erklärt?  Oder ist das Sache der Islamverbände, eines unmöglichen Mazyek etwa mit seinen Muslimbrüdern und seiner Jugendreferentin, die Steinigung für Ehebruch billigt? Herr Mazyek darf sich bei allen Medien seit Jahren dümmlich herausreden, indem er Terror für unislamisch erklärt. Aha. Dann hat er nichts damit zu tun, so wenig wie Merkel und Altmayer und Gabriel. Sagt er das den deutschen Salafisten täglich? Spricht er mit denen? Hat er Frauen vor dem Unehrenmord gerettet? Was leistet der Herr „Zentralrats-„(absurde Selbstbenennung eines kleinen Verbandes)Chef eigentlich für die Integration? Und diese reaktionären Verbände sollen jetzt die Neuankömmlinge „integrieren“?  Worein? In einen Steinzeitislam?

Ist Ihnen bekannt, dass das BVerfG sich bei seinem Kopftuch (d.i. Haarschamtuch)-Urteil 2015  auf die Kleiderordnung der Diyanet stützte? Also auf Erdogans Religionspolitik, die Mädchen ab der Pubertät das Kopftuch vorschreiben will?

Dabei hatte der EuGH noch um 2003 das Verbot in Universitäten (und Schulen?) gebilligt. Also, was hat die BRD bloß gegen Erdogan, wenn doch Lehrerinnen bei uns  Propaganda für den frommen Osmaniker machen dürfen? – Guido Kohlbecher


Leserbrief zu „Gefährlicher Trotz“ von Jörg Lau

„Was stimmt denn nun Herr Lau?“

Haben nun, wie in Ihrer Überschrift suggeriert, zwei Drittel der Deutschtürken für Erdogans Selbstermächtigung gestimmt, oder waren es doch nur die 29 Prozent, die ihre Stimme auch wirklich abgegeben haben. Die großzügige Rundung hierbei auf fast ein Drittel macht übrigens schon wieder einen Fehler im zweistelligen Prozentbereich aus. Wenn ich so einen manipulativen und unseriösen Umgang mit Zahlen und Fakten lesen wollte, müsste ich nicht 4,90 Euro für meine Zeitung ausgeben, da würden 80 Cent auch reichen! – Klaus Kuchlmaier


Leserbrief zu „Wer hat sich jetzt verrechnet?“ von Oliver Hollenstein

Eine kritische Anmerkung und eine Frage zu „Wer hat sich jetzt verrechnet“ (Oliver Hollenstein, Zeit Nr. 17, S. 71):

Auch hier stimme ich der zentralen Aussage zu, dass der im letzten Jahrzehnt erfolgte Paradigmenwechsel in der Schulmathematik zu einer deutlichen Abnahme der  mathematischen Kompetenzen geführt hat (Zitat aus dem 5. Absatz: „Mathematik sei eigentlich die Wissenschaft vom Erkennen von Zusammenhängen, es gehe um  logisches Denken und Abstraktionsfähigkeit. Aber genau das spiele in der Schule nur noch eine untergeordnete Rolle“).

Dazu eine persönliche Bemerkung: Ich war von 1979 bis 2013 an verschiedenen Gymnasien und Gesamtschulen in Schleswig-Holstein als (begeisterter) Mathe-und Physiklehrer tätig,  dazu auch in der Weiterbildung von Lehrkräften und bis zu meiner vorgezogenen Pensionierung als Schulleiter eines Gymnasiums. Vor 4 Jahren habe ich im Alter von 60 Jahren frühzeitig den Schuldienst beendet. Ein Grund dafür war, dass ich schlicht gesagt zusehends die Freude am Unterrichten verloren hatte. Dies nicht zuletzt auch deswegen, weil die neue Mathematikdidaktik (gerade auch im Verbund mit zentralen Prüfungsaufgaben) einen nach meiner Auffassung mathematisch-verständnisorientierten Unterricht  immer weniger möglich macht. Die Relativierung meiner Erfahrungen der Mathematikdidaktikerin Gabriele Kaiser (8. Absatz) möchte ich hinterfragen. Natürlich ist es keine Frage, „dass die Schüler wüssten, was sie mit Mathematik anfangen können.“ (8. Absatz, letzter Satz), die Aussagen im folgenden 9. Absatz  „Wichtiger als Intelligenz sind für die Leistung Motivation und ein positives Verhältnis zum Fach. Angst vor Mathe und schlechte Leistungen verstärken sich gegenseitig“  sind wohl nicht mehr als Binsenweisheiten. Erreicht wird das durch den verstärkten Fokus der Anwendbarkeit der Mathematik als zentralem Unterrichtsinhalt nach meiner Erfahrung leider nicht, ich vermute, dass sogar eher das Gegenteil der Fall ist. In mathematischen Fachkonferenzen an unserer Schule wurde das einmal von Kollegen als Zwang zum Einführung des „Nürnberger Trichter-Prinzips“ beschrieben: Anstelle der Entwicklung von mathematischem Verständnis das Pauken von „Anwendungen“, die zudem häufig nur pseudohafter Natur sind.

Nun meine sachliche Frage zu dem Artikel, denn im 12. Absatz wird ausgeführt „Tatsächlich haben die Bundesländer einiges getan. … , es werden durchschnittlich mehr Stunden unterrichtet.“ Auf welche Quelle bezieht sich sich Herr Hollenstein bei dieser Angabe? Nach meinem Wissen ist das Gegenteil richtig: In der Oberstufe z. B. in Schleswig-Holstein wurde die Anzahl der Mathematikstunden durch den Übergang von Kurssystem zur Profiloberstufe um ca. 20% verkleinert (ich erspare mir die Begründung dieser Zahl, dazu müsste man etwas Statistik betreiben, denn der reine Vergleich der Stundentafeln beschreibt nicht die Veränderungen, die zusätzlich durch den Übergang vom Kurswahlsystem zum Profilfach als Pflichtfach entstehen). Aber auch für die anderen Bundesländer trifft nach meiner Kenntnis die Aussage über „durchschnittlich mehr Unterrichtsstunden“ nicht zu. So listet Stephanie Schiemann in „Mathe = Mathe? Mathematik in den 16 Bundesländern“ auf S. 231 tabellarisch einen Vergleich der Stundenveränderungen in allen Bundesländern auf und kommt zu einem gegenteiligen Ergebnis.

(Quelle: http://www.mathematik.de/ger/presse/ausdenmitteilungen/artikel/dmvm-2013-0087.pdf) – Ulrich Rutter


Leserbrief zum Titelthema „Leider rechts“

Warum konnte Die Zeit nicht den Artikel von Nicolaus Fest zumThema  Islam veroeffentlichen? Wovor haben Sie Angst? Gleichschaltung wie 1933? Warum nicht kontrovers, so wie frueher. – Heiner Thiessen


Leserbrief zu „Gefährlicher Trotz“ von Jörg Lau

Herr Lau hat ganz weitgehend Recht in dem, was er schreibt.

Was ich aber auch bei ihm vermisse, ist die Frage, warum die Hälfte der wahlberechtigten Türken in Deutschland trotz der hohen Bedeutung des Referendums und des zu erwartenden, knappen Ergebnisses nicht zu Wahl gegangen sind.

Kann man von einem intelligenten Türken nicht erwarten, dass er ins Wahllokal geht und eine Nein-Stimme abgibt? – Christopher Hagen


Leserbrief zum Titelthema „Leider rechts“

Leider…am eigentlichen Thema vorbei. Sie möchten sich von der überdurchschnittlichen Berichterstattung über Le Pen und die FN und ihrer Rolle im französischen Präsidentschaftswahlkampf dadurch abheben, dass sie das  Thema feministisch betrachten. Mhm. Und warum erst jetzt dieser Fokus? Warum ausgerechnet ihr Titelbild in der heißen Phase des Wahlkampfes?

Ich finde es nicht gelungen, dass auch sie die blonde Frau aufs Titelbild bringen und damit wieder einmal ihre Partei überproportional hervorheben. Von den politischen Kräfteverhältnissen betrachtet wird Marine Le Pen nicht die nächste Präsidentin Frankreichs werden, selbst wenn sie in den zweiten Wahlgang kommt.

Der französische Wahlkampf ist so interessant und dynamisch, hat 11 Kandidat*innen im Rennen und wir können in Deutschland viel lernen über ein neues Denken- allerdings mehr auf der linken als auf der rechten. Wenn sie den Wahlkampf durch die Genderbrille betrachten möchten, so bieten eher die linken Parteien die interessanten Positionen wie z.B. die Forderung, das Recht auf Abtreibung verfassungsmässig zu verankern (La France insoumise).

Auch ist eine weitere Präsidentschaftskandidatin im Rennen. Vielleicht steht das ja dann auch auf den entsprechenden Seiten, die ab morgen im Handel sein werden. Doch die Frau auf dem Titel wird mich sicher daran hindern, die Zeitung zu kaufen. – Katrin Volck


Leserbrief zum Titelthema „Leider rechts“

Auch wenn Sie bisher nichts über den Skandal VW-ev. Kirche geschrieben haben (?!), hat mich dieses Thema so beschäftigt, dass ich aus der Kirche ausgetreten bin; aber meinen Glauben lass’ ich nicht, nie, nicht:  Die ev. Kirche kassiert einen siebenstelligen Betrag für die Werbung von VW während ihrer Kirchentags Transport-Umzüge mit VW-Fahrzeugen (WDR 5, So. 12.03.2017 ca. 9:40 Uhr, ‘Diesseits v. Eden’), angeblich um den Mitarbeitern von VW zu helfen.

Dabei hat sich die gesamte Leitung von VW bei dem vorsätzlichen Betrug,  die eine Firma ruinieren kann, keinen Deut um die Mitarbeiter gekümmert. Ich fahre nicht, nie, nicht VW.  Alles ist über einen VW-Rahmenvertrag mit der ev. Kirche geregelt (s. Anlage). Ich meine, dass hat Luther nicht verdient und es hat mit dem Auftrag von Demuth und Bescheidenheit der Kirche nichts zu tun.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, dies ist kein Leser- denn ein Laserbrief, der Sie vielleicht zum nochmaligen Nachdenken über einen Satz, den ich Ihrer Redaktion am 02.12.2016 geschickt habe:  ‘Verkommene Kultur: VW, DFB, Deutsche Bank usw.’ (und nun auch die ev. Kirche). Sie ruiniert unseren Staat!  –  Dr. Hans-Joachim Schumann 


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Ich habe Ihren Artikel mit Interesse gelesen. Es ist schon bemerkenswert, welche Realitätsverweigerung in sogenannten liberalen Schichten um sich greift und anerkennenswert, daß Sie die genannten Themen in Ihrem Artikel aufgegriffen haben. – Dr. Walter Engel


Leserbrief zum Titelthema „Leider rechts“

Ich bitte um Differenz. Just ist zB der Rechtsradikale, nein, blatante Nationalsozialist Mahler geflohen. Was unhaltbar ist, ist, dass beinahe alle Medien im rechten Spektrum semantisch nicht mehr differenzieren. Es erweckt den Eindruck, rechts = Nazi. Oder rechtsradikal. Oder wie?

Die deutsche Politdebatte ist m. E. in einem desolaten Zustand oder kann eigentlich nicht geführt werden, wenn nicht die Dichotomie inhaltlich gedehnt wird, sprich, wie erwähnt, rechts einfach mit Nazi gleichgesetzte wird und links… wie denn links? Ist alles, was nichts rechts ist, links? Was ist dann links?   In den angelsächsischen Ländern ist es kein Problem, ein right- oder left-winger zu sein. Man setzt sich an den Tisch und debattiert. ZB der – mittlerweile bei FOX entlassene – Bill O’Reilly debattiert stets mit Stephen Colbert in dessen Colbert Late Night Show. Kontrovers, aber sie redeten.   Und wen interessieren die 20 Intellektuellen, was die über den Sonntag denken? Sind die allesamt links?

Oder ist ein moderater Rechter mit dabei? Gibt es nicht genügend rechte Intellektuelle?   Die Nazis waren nicht dumme Bauersleut, die sich n Armband mit Hakenkreuz und braune Sachen anzogen, nein: deren Denken war intellektuell geprüft und untermauert – siehe Yehuda Bauer „Die dunkle Seite der Geschichte“.

Intellektuelle sind nicht per se „die Guten“. Denn das Gute muss gesucht und gefunden werden:   https://de.wikipedia.org/wiki/Mesotes   Also:   journalistisch korrekt wäre m. E. n gewesen, in Ihrer Werberundmail den Betreff „leider rechtsradikal“ gelesen zu haben. – ACKnappmeyer  


Leserbrief zu „Spirale der Gewalt“ von Martin Klingst

Ich habe Ihren Artikel mit Interesse gelesen und kann Ihren Argumente gut nachvollziehen. Daß Migranten, die keinen Anspruch auf Schutz haben, an der Grenze aufgehalten und abgeschoben werden, halte ich für richtig. Die heutige Praxis an den Grenzen läßt dieses Vorgehen als unwahrscheinlich erscheinen. Die Schutz- und Friedensfunktion von Grenzen wird heute kaum mehr wahrgenommen. – Dr. Walter Engel


Leserbrief zu „Gefährlicher Trotz“ von Jörg Lau

Ich fand in Ihrem Artikel die Deutung des Verhaltens der Deutschtürken als Selbstausgrenzung einleuchtend. Was tun? Ich finde die Abschaffung des Doppelpasses erwägenswert, denn die damit verbundene Absicht wurde nicht erreicht. Nach den für die Wahl zur Staatsbürgerschaft genannten Fristen ist eine Entscheidung für oder gegen Deutschland zumutbar.

Den Beitrittsprozess zu beenden, würde ich als eine zwingende Konsequenz ansehen. Sie dient der Klarheit. Und wenn Deutschland nazistische Methoden vorgeworfen werden, müssen wir türkische Wahlkämpfer genau so wenig dulden wie das Hineintragen ausländischer Konflikte in unsere Gesellschaft durch Bürger mit Migrationshintergrund, die die hiesigen Vorteile geniessen und sie durch ihr Verhalten konterkarieren. – Dr. Walter Engel


Leserbrief zu „Gefährlicher Trotz“ von Jörg Lau

Ein wichtiger Aspekt in dem Artikel von Herrn Lau zum Abstimmungsverhalten der türkischstämmigen Deutschen wird leider nur in einem Nebensatz gestreift („ … traditionell und religiös-konservativ geprägt.“). Meines Erachtens stellt die Religion einen erheblichen Hinderungsrund für das Gelingen von Integration dar. Ihre inhärente Nichtdiskutierbarkeit und ihr Absolutheitsanspruch sind stets Quellen für Aus- und Abgrenzung und jede Religion bietet  reichlich Argumente zur Rechtfertigung eigenen Versagens oder Fehlverhaltens.

Religion und selbstbestimmtes Leben als wesentliche Komponenten einer Demokratie schließen sich aus. Das Ziel sollte es daher sein, Religion und ihre äußeren Zeichen sukzessive (und natürlich gewaltlos) aus dem öffentlichen Leben zu verbannen. Das gilt wohlgemerkt auch für alle andere Formen der Religion als den Islam, selbst wenn diese, zumindest in Deutschland, weitgehend domestiziert sind. Trotzdem ist Deutschland – gerade für Neuankömmlinge aus islamischen Ländern – kein gutes Vorbilder wenn „kirchliche Würdenträger“ in Talkshows sitzen, beim Fernsehprogramm mitreden dürfen, religiöse Feiertage das öffentliche Leben im ganzen Land stilllegen können und Religion an staatlichen Schulen und Hochschulen gelehrt wird. – Priv.-Doz. Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Andreas Zabel


Leserbrief zu „Zurück zu Helmut Kohl“ von Mark Schieritz

Ihr Artikel läßt mich amüsiert und bestürzt zurück.

Amüsiert, weil hier wieder einmal die Wirkungsweise unseres progressiven Steuertarifes schlicht übersehen wird. Wenn man schon Vergleiche zur Ära Kohl anstellen will, dann müßte man sich den gesamten Tarifverlauf anschauen und die auch seitdem gestiegenen Freibeträge berücksichtigen. Wir haben nunmal kein Bierdeckel- Modell a‘ la Friedrich Merz, bei dem sich viele Geringverdiener über eine Steuererhöhung gewundert hätten.

Zur Veranschaulichung des progressiven Tarifs sollten Sie sich Ihren letzten Einkommensteuerbescheid anschauen, dort ist die Durchschnittsbelastung genannt.

Bestürzt, weil unabhängig von Fakten einfach mal die Phrasendreschmaschine angeschmissen wird, warum nicht auch mal postfaktisch sein. Bei ordentlicher Arbeit wäre Ihnen nämlich aufgefallen, dass die Belastung der sog. Geringverdiener überwiegend auf die erheblichen Sozialabgaben zurückzuführen ist, bei denen seit Jahrzehnten gebetsmühlenartig Erleichterung versprochen wird. Die eigentliche Crux und die tatsächliche Bevorzugung der sog. Besserverdienenden liegt hingegen bei der Beitagsbemessungsgrenze oder anders ausgedrückt, die Belastung mit. Abgaben ( Steuern und Sozialabgaben) nimmt prozentual mit steigenden Einkommen ab.

Dies ist sogar in der sozialistisch unverdächtigen Schweiz anders, die keine Kappung kennt.

Aber klar mit soviel Differenzierung bringt man es selbst in der Zeit nicht auf die Seite 1.

So wird es der Politik leicht fallen, nach der Wahl ein wenig kosmetische Anpassung des Tarifverlaufes vorzunehmen, weil kritische Begleitung durch die Presse nicht stattfindet. – Jürgen Sievert


Leserbrief zu „Bonne Chance, Frankreich!“ von Nicolas Truong (»Le Monde«), Adam Soboczynski (Die Zeit)

Das wollte ich schon längst loswerden. Ich ärgere mich über ein Phänomen, das bei der ZEIT immer öfter zu beobachten ist.

Man nehme ein Thema, lasse 10-20 Promis (die üblichen Verdächtigen) darüber schreiben und schon sind 3-4 Seiten gefüllt. Die Beiträge müssen nur hier und da gekürzt werden, dann läßt man das Rechtschreibprogramm drüber laufen und fertig ist die Laube. Minimaler Aufwand, maximaler Output. Da freut sich die Redaktion. Macht doch nichts, wenn die Beiträge so tief wie eine Pfütze sind und der Leser mit Häppchen abgespeist wird. … So werde ich nicht zum ZEIT-Leser, meine Damen und Herren! – Michael Holz


Leserbrief zum Titelthema „Leider rechts“

Wir ahnen, warum das so ist. Als Menschen, die sich als „Mitte Links“ verstehen und so agieren, merken wir aber, wie krank unsere Gesellschaft wird und wie machtlos. Was denken Sie, was bei uns im Miethaus los ist, seit wir einen Burgerladen hier erdulden müssen und wie wir die Ignoranz der Betreiber erleben und wie die Angst der Kommune. . . Wenn man dann eher einfach gestrickt ist, fällt man auf Le Pen und Co herein.- Was tun? Das muss breit und offen diskutiert werden. Die Bürger haben mehr und mehr Angst. Nicht vor den Fremden. Vor der Laschheit und Gleichgültigkeit vieler Verantwortlicher, abereben auch nicht aller . . . – Armin Schubert


Leserbrief zur Beilage: „Aufbruch Lernen – Magazin für digitale Bildung“

Wo wollen Sie mit uns hin? Wo wollen Sie mit der ZEIT hin? Wo wollen Sie und die Kollegen von SZ, SPIEGEL etc. mit dem deutschen Qualitätsjournalismus hin? Müssen wir uns jetzt daran gewöhnen, dass Sie uns alle paar Wochen ein Werbe- und Reinwaschungsmagazin der Firma Google mit ins Haus liefern? Zwei habe ich in vier Monaten gezählt.

Ich habe vor einigen Jahren aufgehört zu „googlen“ bzw. damit begonnen möglichst wenig persönliche Daten nach Mountain View zu  senden, weil es absolut gefährlich wird, wie viel Kontrollfunktion wir einer einzigen Firma über die digitale Sphäre zugestehen. Nachdem Sie sich mit der Firma ja stärker einlassen, bitte ich Sie dringend mal eine Woche lang einen Selbstversuch zu machen: Nutzen Sie nur Suchmaschinen, die keine Daten an Google weitergeben. Nutzen Sie einen Skriptblocker in Ihrem „Browser“, der Ihnen explizit und aktiv aufzeigt welche Schleppnetzfischer gerade per Java-Skript Metadaten über Ihre Internetaktivität abgrasen und geben Sie keine Skripte frei, die von Google Diensten sind. Schalten Sie den Sprachassistenten der Websuche auf Ihrem „Smartphone“ so „aus“ wie es nur geht, denn er analysiert sonst jedes, ggf. auch vertrauliche,  Gespräch welches um Sie herum geführt wird. Schalten Sie Ihr Android Mobiltelefon oder zumindest die Ortsbestimmung per Satellit, o.ä. aus. Damit verschwinden Sie zwar nur begingt von der Landkarte bei Google, aber immerhin werden Sie etwas ortsunschärfer „getrackt“.

Apropos Ortsbestimmung: Eine kleine Vorschau darauf, was Ihr Android Telefon in Bälde alles anstellen wird, um zu wissen vor welchem Einkaufsregal Sie gerade stehen, finden Sie hier: https://patents.google.com/patent/US20160003972A1/en (ist ein bisschen technisch, aber die Kollegen von der Wissenschaftsredaktion können das interpretieren). Welchen weiteren drastischen ökonomischen Tribut das für unseren Einzelhandel bedeuten wird können wir gerne bei Gelegenheit erörtern.

So, jetzt werden sie sagen, der Kerl ist ganz schön paranoid oder naja sind doch ein bisschen viele Daten, die ich da den lieben langen Tag an verschiedenen Stellen der einen Firma „zur treuen“ Verwendung und Vermarktung überlasse und ich mache mal den Selbstversuch eine Woche lang. Die Woche wird nicht ganz leicht, das kann ich Ihnen jetzt schon sagen. Aber es lohnt sich.

Bei mir hat dieser Versuch dazu geführt, dass ich ihn seither fortsetze und ich mich darüber hinaus aktiv für Alternativen zur Orientierung im Internet einsetze. Da die Firma Google fast 100% ihrer Einnahmen, und damit ihres Manipulativpotentials, aus der Vergoldung unserer persönlichen Daten im Werbegeschäft mit ihrer Suchmaschine speist, heißt das zu Ende gedacht, dass wir ganz dringend eine unabhängige, freie und offene Suchinfrastruktur für das Internet aufbauen müssen. Dies muss geschehen, um zum Einen auf Dauer im Netz nicht völlig verraten und verkauft zu werden und zum Anderen, um unserer Wirtschaft einen möglichst unmanipulierten Zugang zu den digitalen Märkten zu verschaffen. Großes Thema, werden Sie sagen. Ja, dem ist so. Müssen wir aber angehen. Wege gibt es. Wir müssen nur einen kleinen Teil unserer ausreichend vorhanden Rechnerkapazitäten in good old Europe geschickt bündeln und ein transparentes und offenes Gegenmodell zur monopolistischen Netzsuche von Google herstellen.

Es wäre mir sehr viel wohler, wenn sich die ZEIT für so etwas engagieren würde, anstatt mir alle paar Wochen ein „Magazin“ zu senden, das mir suggerieren soll, wie nett und unbedenklich die bunte Truppe von Google eigentlich sei. Ich habe mir noch nicht überlegt, nach der wievielten dieser Postillen ich mein langjähriges ZEIT-Abonnement aufgrund des dokumentierten Verlusts journalistischer Unabhängigkeit kündige. Meine Frau hat mir das aber schon vorgeschlagen. Vielleicht ist sie nicht die einzige, die so denkt. – Dr. Stefan Voigt, Wissenschaftler


Leserbrief zu „Fast ganz oben“ von Elisabeth Reather

Wie Sie uns in Ihrem Artikel mitteilen, haben Sie mit Enthusiasmus Donovan´s Buch Der Weg der Männer gelesen. Wie sonst sollten Sie wissen, dass dieses Werk, welches ich nicht zu meiner Lektüre zähle, „im Wesentlichen von seinem Motorrad und seinem Penis“ handelt? Interessant, worauf Sie Ihr Interesse bei der Recherche richten. Aber, bitte, verschonen Sie mich in Zukunft damit, mir Ihren Bekanntenkreis der Pegidisten und Identitären vorzustellen. – Dr. Harald Schnare


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Vielen herzlichen Dank für Ihren ehrlichen und offenen Artikel!

Ich sehe das so ähnlich wie Sie und finde es ausgezeichnet, wie anschaulich Sie geschrieben haben. Man merkt, dass es Ihnen nicht immer leicht gefallen ist zu dieser Haltung zu kommen. Meine Achtung! – Angela Zander-Reinert


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Danke für den Artikel. Ich kann jeden Satz unterstreichen und bin so froh, dass andere ähnlich denken, die auch aus der Rot / Grünen Ecke kommen.

Habe ich mich verändert, die Anderen oder waren sie immer schon so verbohrt, ohne dass ich es registriert habe?

Was mir besonders auffällt ist, dass diejenigen, die am lautesten nach Integration und Sozialer Gerechtigkeit schreien, kaum bereit sind, zu teilen. Sie fordern von anderen und gleichzeitig schützen sie ganz subtil ihr eigenes Wohlergehen. Das macht mich so wütend und lässt auch keine ehrlichen Diskussionen mehr zu.

Diese Veränderung lässt sich schon länger beobachten, bei mir hat sie dazu geführt, dass ich die SZ, viele Jahre unsere Familienzeitung, abbestellt habe. Die Artikel waren mir zu einseitig und zu moralisch aufgeladen. Jetzt bin ich wieder bei der Zeit, bekomme Vielfalt und Denkanstöße geboten!!   – Marlies Wenzel


Leserbrief zu „Zurück zu Helmut Kohl“ von Mark Schieritz

Unter der Überschrift „Zurück zu Helmut Kohl“ ist in einem Artikel des Autors Mark Schieritz  (DIE ZEIT, Nr. 17) zu lesen:

 In ihrer Steuererklärung sind die Deutschen ein Volk der Superreichen. Mehr als jeder elfte Arbeitnehmer  – das hat jetzt eine Studie ergeben – verdient so viel Geld, dass er den höchsten regulären Steuersatz bezahlen muss, 42 Prozent.

Das ist schlichtweg, glücklicherweise, falsch!

Die Berechnung der Einkommensteuer (ESt) ist in Paragraph 32a des Einkommensteuergesetzes für das Jahr 2017 wie folgt geregelt:

Für ein zu versteuerndes Einkommen (zvE) zwischen 54058 und 256303 Euro gilt:  ESt=0,42*zvE-8475,44 €,  für ein zvE größer gleich 256304 Euro gilt ESt=0,45*zvE-16164,53 €.

Hieraus folgt: Bei einem zvE von 54058 Euro beträgt die ESt 26,34 Prozent und nicht 42 Prozent. 42 Prozent ESt sind erst zu entrichten bei einem zvE von rund 550000 Euro. Ein derart hohes zvE hat wohl nicht jeder elfte Arbeitnehmer. Die genannten  Zahlen gelten für die Steuerklasse 1, bei Steuerklasse 3  sind die Werte des zugehörigen zvE zu verdoppeln.

Die Studie, auf die sich der Autor bezieht, stammt vom Institut der Deutschen Wirtschaft, einem arbeitgebernahem Institut, von Verbänden und Unternehmen der privaten Wirtschaft finanziert. Die Tendenz ist unverkennbar: Steuern runter. Für kleine und mittlere Einkommen ist dies sicher geboten, sollen die Steuereinnahmen gleich bleiben, muss die Kompensation bei den hohen Einkommen und den großen Erbschaften erfolgen. – Alfons Blum


Leserbrief zu “ Ich war noch niemals in … Venedig“ von Andrea Jeska

Mit Befremden habe ich Ihren Bericht über Ahmad in Venedig gelesen. Für Sie mag es ein romantisches Geschenk gewesen sein, aber ist es für ihn angemessen?

…Hätten Sie ihm doch lieber eine Luftpumpe und ein Reservereifen für sein Fahrrad geschenkt, dann hätte er sein (ödes) Dorf und darüber hinaus seine Umgebung erkunden können und seine Realität entdecken können! – Angela Zander-Reinert


Leserbrief zu “ Miss America“ von Kerstin Kohlenberg

Just an dem Tag, an dem die amerikanischen Frauen wieder einmal bewiesen haben, wie der Feminismus in USA sich zu Höhenflügen aufschwingt (der Sieg über den Frauenfeind Bill o Reilly), fühlt sich Frau Kohlenberg berufen,  den deutschen Lesern ein „Vor“-bild einer echten modernen, erfolgreichen und emanzipierten Frau vorzustellen, Ivanka Trump. Ausgerechnet von der Frau, von der sich jede halbwegs emanzipierte Amerikanerin distanziert, scheint Frau Kohlenberg tief beeindruckt.

„Ivanka Trump´s dangerous fake feminism“ titelte die new york times bereits zu Beginn des Jahres und sortierte die Dame dort ein, wo sie nach Überzeugung aller informierten politisch gebildeten Amerikaner hingehört: Sie ist Teil einer nepotistischen kriminellen Bande, angeführt von Donald Trump, die notfalls alle Errungenschaften der amerikanischen Demokratie skrupellos verhökert, um sich persönlich zu bereichern. Unamerikanischer geht nicht mehr. Die Betrügereien, Lügen, Intrigen und Blendwerke dieser Sippe könnte man als absurd abtun, würden sie nicht massiven Schaden verursachen – weshalb sich viele Amerikaner einig sind, daß gerade Ivanka Trump gefährlich ist.

Ich empfehle Frau Kohlenberg, einfach einmal „feminists on Ivanka Trump“ zu googlen. Ihr harmloses Hinterfragen, ihre supernaiven Einschätzungen werden dem Ernst der Lage nicht gerecht. Und obendrein schaden sie der Frauenbewegung weltweit. Selten habe ich einen so schlecht recherchierten Artikel gelesen. Frau Kohlenberg beweist eigentlich nur, was für ein rückständiges Frauenbild sie selbst hat: Es gelingt ihr gerade noch, eine gepflegte, charmante, höfliche Frau, die geschminkt in highheels sich zu bewegen weiss und viel lächelt, nicht als oberflächliche Tussi wahrzunehmen.

Aber das öffentliche Verhalten der Ivanka Trump, ihre unverbindliche Art, misinterpretiert sie als Spezifikum dieser einen Persönlichkeit und verkennt, daß offen zur Schau getragene Freude am eigenen Äußeren einfach selbstverständlicher Teil einer fremden, nämlich der amerikanischen Kultur ist und überhaupt nichts über diese Person aussagt.

Eigentlich wäre die Begegnung von Angela Merkel und Ivanka Trump ein schöner Anlass gewesen, einmal das Frauenbild der Deutschen und das der Amerikaner zu vergleichen, und voneinander zu lernen. Und man hätte eine Elizabeth Warren den deutschen Lesern bekannt machen können, die nur eine von vielen emanzipierten Frauen ist. Unsere Zeiten sind zu instabil als daß wir Frauen uns leisten könnten, so oberflächlich weibliche Politik nur zu betrachten. Darum: Liebe Frau Kohlenberg, recherchieren Sie doch bitte gründlicher und lernen Sie im Dienst der Menschheit „to fight like a girl“ – Andrea Rauch


Leserbrief zu „Zurück zu Helmut Kohl“ von Mark Schieritz

Ein Nationalökonom, ich weiß seinen Namen nicht mehr, hat mal nach einer Studie ausgesagt: Wer den Bürgern mehr als 33% seiner Einnahmen wieder abnimmt, lädt dazu ein, das Steuergeld verschwendet wird. Also nicht den Bürgern zu gute kommen lässt, sprich einer Infrastruktur abzüglich der Kosten für die Regierungs- und Parlamentsarbeit und andere Einrichtungen der öffentlichen Hand.

Das zeigt sich jedes Jahr in dem Bericht des Bundesrechnungshofes.

Und das sind jedes Jahr Milliardenbeträge. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Gefährlicher Trotz“ von Jörg Lau

Auch Ihr Beitrag „Gefährlicher Trotz“ passt zu meinem Leserbrief.

Die Deutschen sind überwiegend vielen Ausländern gegenüber, besonders aus muslimischen Ländern und zum Teil  aus Osteuropa sehr zurückhaltend und teilweise abweisend.

Der Irrglaube, daß nur die bekannten Rechten dafür herhalten müssen, ist eine glatte Fehleinschätzung. Und durch den Terror hat sich das bei den meisten Bürgern noch erhöht.

Die türkischen Bürger werden sich in Wirklichkeit auch nicht mit unserer Demokratie abfinden, bis auf wenige Ausnahmen. Auch bei den meisten Türken, die das Referendum abgelehnt haben ist es nicht viel anders.

Das Leben der Einheimischen wird nach wie vor abgelehnt. Das zeigt sich auch in den Mordfällen in der eigenen Familie. Nur wenn ein Deutscher ein türkisches Mädchen lieb, wird sie von der Familie umgebracht. Das kann sich ein zivilisierter Mensch kaum vorstellen. Und das in unserem Land. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wer hat sich jetzt verrechnet?“ von Oliver Hollenstein

Mathematik ist eine Geisteswissenschaft.

Mathematik funktioniert überall im Universum und braucht keine Anwendung durch Physik oder Technik.

Natürlich kann sie auch ohne Anwendung Freude bereiten, doch es setzt Begeisterung, Willen, Durchhaltevermögen und viel Übung voraus. Eigenschaften, die jeder Fußball-Aspirant im Sprotverein schon im Grundschulalter einzubringen aufgefordert ist und in vielen Fällen auch bereit ist, aufzubringen.

Nur durch die Schulzeit hinweg sollen wir spielerisch und ohne Mühen höchste Abschlüsse erzielen und dann auch noch Befriedigung ob der erlernten Minimalinhalte erfahren können – nein! das kann nicht funktionieren.

In unseren Bildungsstätten müssen die Schülerinnen und Schüler wieder gefordert und nicht nur gefördert werden, erst die wirkliche Anstrengung während des Lernprozess bereitet die wirkliche Freude über das neu erworbene Verständnis und Erlernte. – Benedikt Flurl


Leserbrief zu „Zurück zu Helmut Kohl“ von Mark Schieritz

Keineswegs zahlen ledige Verdiener mit einem Jahresbrutto-Einkommen von 54000 Euro 42% Steuer auf ihre Einkünfte. Der Grenzsteuersatz von 42% ist ein Rechenwert der in der Realität erst bei etwa 300000 Euro erreicht wird. Auch ist das Bruttoeinkommen zumeist höher als das zu versteuernde Jahreseinkommen und dann wären bei den 54000 Euro lediglich etwa 28% auf diese Summe fällig – Ingo Hallitzky


Leserbrief zu „Der wahre Gegner der Spieler steht nicht auf dem Feld!“ von Jens Jessen

Fußball ist (wie) unser Leben, eine hundertprozentige Sicherheit vor Gewalt und Geldgier kann (und will) uns nichts und niemand gewährleisten.

Solange der Ball rollt, wird es Spaß und Spannung, aber leider auch Kompromiss- und Rücksichtslosigkeit geben und so werden wir selbst im Sport die Kleinheit des menschlichen Daseins ertragen müssen.

Die Wahrheit liegt, entgegen Otto Rehagels Quintessenz, eben schon lange nicht mehr nur auf dem Platz. – Matthias Bartsch


Leserbief zu „Wie arm ist Deutschland wirklich?“ von Lea Elsässer et al.

ENDLICH! Nach 4 Jahren gegenseitiger Lobhudelei endlich mal die kritische Frage, ob all die Anhäufung von Reförmchen unter dem Strich auch was gebracht haben! Die Antwort tut natürlich im Herzen weh – aber ihre Ehrlichkeit ist notwendig für die Standortbestimmung!! Die für die Zukunft wichtigste Frage steht leider ganz „verschämt“ am Schluss und geht fast unter: wie sollen die jährlich 50.000 Schulabgänger ohne Abschluss je durch „legitimiertes“ Einkommen aus der Armutsgefahr herauskommen? Die haben aber noch 70 Jahre Leben vor sich!!

Für mich unglaublich, was wir unseren Kindern und Enkeln aufbürden – denen es angeblich besser gehen soll! – Franz Berger


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Ich bedanke mich für diese furiose Selbstreflexion! Der Tenor, dass auch linksliberale Milieus ihre Exaltiertheiten und kaum hinterfragten Wahrheiten pflegen, stimme ich voll und ganz zu. Besonders störend ist die Anmaßung, für sich reklamierte Definitionshoheit, die von diesem Milieu (oft, nicht immer) ausgeht: Frau Hansels Gesprächsbeispiele unterstreichen das vortrefflich. Mir geht es ähnlich: Ich bin progressiv, würde mich als Linken bezeichnen, verfüge über einen Migrationshintergrund, wohne in einem „Yuppie-Viertel“, bin glühender Sozialdemokrat – zugleich Abonnent der FAZ, Walser- und Mosebach-Fan und (auch qua meiner Familiengeschichte) sehr fordernd gegenüber dem Islam und dessen Integration in „unsere“ Gesellschaft.

Für mich hieß Linkssein immer: Ambivalenzen auszuhalten und eigene Gewissheiten zu hinterfragen. Leider, und hier ist Frau Hansel abermals zuzustimmen, verschwindet derlei hinter einer „binären Wahrnehmungsstufe“: Schwarz und weiß. Ich bleibe gerne grau. Auch als Linker. – Dr. Gordian Ezazi


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Wenn jemand mit dem autobiografischen Bekenntnis einen Text anfängt und schreibt, immer schon links gewesen zu sein, dann aber ankündigt, sich von dieser Seite der möglichen politischen Einstellungen zu verabschieden, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Es gibt schließlich viele intellektuelle Biografien, die so verliefen – wie beispielsweise die von Jan Fleischhauer. Da ich mich als Jahrgang 1945 noch immer zur Linken zähle, finde ich solche Ankündigungen etwas alarmierend; daraufhin folgt dann häufig eine Entwicklung à la „Die schärfsten Kritiker der Elche/waren früher selber welche“. Ich wünsche mir, dass das bei Ihnen nicht geschieht – vielleicht kann ich dazu einige Überlegungen beisteuern.

Gleich im ersten Absatz Ihres Texts relativieren Sie die Zuordnung „links“ ganz erheblich, indem Sie sagen, Sie entstammten einem „linksliberalen Milieu“. Eben dieses Milieu kritisieren Sie dann, wie ich finde, mit ebenso knappen wie treffenden Beobachtungen und Bemerkungen sehr scharf. Ich kann Ihnen da gut folgen; mir ging und geht es oft sehr ähnlich. Nur: Ist dieses Milieu, das Sie geradezu politisch und moralisch einstampfen, wirklich „links“? Es kommt mir ebenso begrenzt, spießig und oft genug bigott vor wie Ihnen, oftmals auch wenig reflektiert. Manche Ausstattungsmerkmale, die Sie erwähnen, erinnern mich an Milieuanmutungen der „Zeit“ und des „Zeitmagazins“ selbst – notorische Milieusymbole wie beispielsweise diese unsäglichen Armbanduhren, die dort abgefeiert werden, und vieles, was Im „ZEIT-Shop“ per Internet angeboten wird. Da hilft´s auch nicht viel, wenn man, „wenn´s irgendwie geht, das Fahrrad zur Arbeit“ nimmt (womöglich, während die Ehefrau die Kinder mit dem SUV oder zumindest dem großen Volvo-Kombi zur Kita oder zur Schule bringt). –

Dagegen wenden Sie Ihre Erfahrungen mit Geflüchteten, die Sie an Ihre Privatsphäre herangelassen haben. Ich kann Sie Ihnen gern bestätigen: Die (männlichen) Jugendlichen aus der Türkei, die ich Anfang der 80er Jahre in einem 4jährigen Projekt der „Maßnahmen zur beruflichen und sozialen Eingliederung“ in Hannover kennenlernte, waren ganz ähnlich „gestrickt“, ebenso die, die mir in Sachsen vom April 2015 bis zum November 2016 in einem Betreuungsprojekt einer typischen Willkommens-Initiative begegnet sind. Die soziale Arbeit und Sozialpädagogik dort (die ich zeitweise noch immer lehre) ist ein Knochenjob, um den das „linksliberale Milieu“ in der Regel einen großen Bogen macht – ebenso wie um die konkreten Erfahrungen, die dort laufend zu machen und natürlich auch zu verarbeiten sind.

Ich weiß aber nicht: Hat das was mit „links“ zu tun? Die jungen Frauen und Männer, die in solchen Initiativen, bei „Pro Asyl“ oder in Flüchtlingsbeiräten arbeiten, und viele der Ehrenamtlichen, die ich kennengelernt habe, sind meiner Wahrnehmung nach „links“, ohne es selbst zu bemerken oder für sich in Anspruch zu nehmen. Nach „rechts“ gehen diese jungen Leute ebenso wie ich auch schon deswegen nicht, weil wir von Pegida und AfD (die Übergänge sind da in Sachsen eher fließend) oft genug laut schreiend als „linksrotgrünversifft“ etikettiert und verwünscht werden – sie diskutieren auch dann nicht mit uns, wenn wir es ihnen auf dem Silbertablett anbieten. Ebenso würden sie vermutlich solche Männer zum Teufel wünschen wie den von Ihnen erwähnten „älteren Herrn aus der DDR“ – wir hatten und haben sie bei uns häufig als Leute, die in der „Volkssolidarität“ eine sehr praktische Arbeit machen und hoch willkommen sind.

Um kein Missverständnis entstehen zu lassen: Ich sortiere unter „links“ weder umstandslos die Grünen ein noch manche bestimmte Gruppen früherer SED-Mitglieder. Ich glaube vielmehr, dass sich dieser Begriff „links“ derzeit neu erfinden muss. Es erinnert mich stark an 1968, als das ähnlich war – auch damals und in Berlin waren unendlich viele Häutungen erforderlich, um für sich selbst einen halbwegs rutschfesten linken Standort zu finden, der die Bewegungsfreiheit ließ, die man brauchte, um Dogmatismen zu vermeiden.

Ich glaube, dass das heute auch wieder möglich – und nötig –  ist. Ich bin mir aber auch ziemlich sicher, dass das wohl eher nicht mit dem von Ihnen skizzierten „linksliberalen Milieu“ geht. Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass Sie Anhaltspunkte finden können, die Sie davor bewahren, den „Weg der Elche“ zu gehen.  – Prof. Dr. Matthias Pfüller

Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Ich möchte Verena Friederike Hasel für Ihren höchstaktuellen und wichtigen Artikel danken! Die Absage der Podiumsdiskussion in Zürich wegen Protesten gegen die Teilnahme eines AfD Politikers und die Forderung nach dem Ausschluss eines Gärtners aus dem Gartenverein wegen Mitgliedschaft in der AfD sehr treffende Beispiele für das, was ich momentan als das grösste Problem unseres „grossstädtisch geprägten Bildungsbürgertums mit linksliberalen Ansichten“ sehe: Die Überzeugung, dass die eigenen Ansichten „die einzig wahre Form von Menschlichkeit“ darstellen. Und das durch ebendiese Überzeugung Gefahr läuft, nicht mehr genau zuzuhören und hinzuschauen.

Ich wünsche mir mehr Diskussionen darüber, worin Menschlichkeit besteht. Diskussionen, in denen wir wagen, das gewohnte links-rechts Spektrum zu überwinden. – Nina Zhao-Seiler


Leserbrief zum Titelthema „Leider rechts“

Die Vorgänge rund um das Erdogan-Referendum werden zu Recht als ziemlich undemokratisch kritisiert, sie sollten jedoch (auch sich) einmal fragen, ob wir uns zu diesem Thema überhaupt noch eine moralische Hochnäsigkeit leisten können.

In Frankreich wählt man den FN geheim, wie Sie dokumentieren, weil ein öffentliches Bekenntnis mit sozialem Bashing abgestraft wird. Wenn man sich die Zahlen anschaut, ist es wohl so, dass zu den Bashern selbst die gehören, die insgeheim ebenfalls beim FN ihr Kreuz machen. Hier in der BRD ist es nicht anders: selbst wenn man nur Teilthemen der AfD thematisiert, hat man inzwischen besser einen einsatzbereiten Teleskopschlagstock in der Hand, weil das schon obstinate „Kante zeigen“ der Parteien und anderer Gruppierungen von vielen inzwischen in der Form „in die Fresse hauen“ interpretiert wird, womit sie vermutlich noch nicht einmal sonderlich falsch liegen. Oder wie soll man es anders verstehen, wenn eine Kölner Oberbürgermeisterin (und nicht nur die) zunächst mit allen windigen Tricks versucht, einen immerhin gesetzlich vorgeschriebenen Parteitag zu verhindern (noch funktionieren die Gerichte hier besser als in der Türkei) und anschließend, nachdem ihr das misslungen ist, kräftig Öl ins Feuer gießt, indem sie zu „Gegendemonstrationen“ aufruft, wohl wissend, dass sie damit die Krawallmacher nur noch ermutigt.

Dieses inzwischen gewaltsame Mundtotmachen eines großen Teils der Wählerschaft enthebt die etablierten Parteien natürlich auch der Notwendigkeit, sich mit bestimmten Themen ernsthaft auseinander zu setzen und die Parteiprogramme auf „Wählt Merkel!“ und einige August-Bebel-Parolen zu reduzieren (wobei ich Martin Schulz bis zum Beweis des Gegenteils unterstelle, dass er mit dem Namen August Bebel nichts anfangen kann). Aber sie (und auch Sie, die Presse) sollten sich hinterher nicht beschweren, wenn die Wahlen anders verlaufen als gewünscht. Der Unterschied zur Erdogan-Türkei ist jedenfalls nicht mehr sehr groß. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Fast ganz oben“ von Elisabeth Reather

Dass ausgerechnet die französische Rechte- der Front National – Werte und Normen  verteidigt , die Eingang gefunden haben in alle modernen Verfassungen, ist wesentlich zurückzuführen auf das Versagen der 68-er

Eliten der Linken. Diese haben dem Volk seit 50 Jahren ihre

Internationalismus- und Toleranzphantasien verordnet, die Familie zerschlagen und die großen Religionsgemeinschaften als Wertevermittler systematisch bekämpft.

Die Trennung von Kirche und Staat war quasi eine Fundamentalnorm, die auf den Barrikaden der französischen Revolution- gegen Klerus und Adel – erkämpft wurde. Diese in einer wehrhaften Demokratie zu verteidigen hat die Linke aufgegeben. Deshalb ist eine Allianz aus Katholiken, Protestanten, Agnostikern und Atheisten aufgerufen, den Sturm des radikalen Islam auf die Nationen Europa`s abzuwehren. Der Neo-Faschismus ist die Lösung nicht. – Wolfgang Raker


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Frau Hasel, ich kann Ihnen nur voll zustimmen. Diese Erleuchtung habe ich schon vor längerem erfahren dürfen.

Wenn Menschen nur noch ihre Ideologie und deren Durchsetzung im Kopf haben und nicht über die Auswirkungen und Konsequenzen ihres Denkens und Tuns nach- bzw. vorausdenken, dann geht die Balance verloren – gerade im täglichen Leben der Gesellschaft. Beispiel: Ihre Entscheidung für die Schule, welche ich gänzlich nachvollziehen kann.

Die Strategie, erstmal die ideologischen „Scheuklappen-Ideen“ durchzusetzen und dann „schau ‘n mer mal, wie’s weitergeht“ wollte und werde ich künftig auch nicht mehr unterstützen. Der Koalitionsvertrag von „rot-rot-grün“ in Berlin hat für mich das Fass zum Überlaufen gebracht. – Klaus Prinz


Leserbrief zu „Gefährlicher Trotz“ von Jörg Lau

Es bedurfte offenbar erst des gelaufenen Referendums in der Türkei, um in unserem Lande deutlich bewusst werden zu lassen, auf was man sich eingelassen hat, und dies nicht nur in Bezug auf die Türkei, d.h., es wird höchste Zeit, dass auch etwas Mentalpsychologie mit in Betracht gezogen wird. Es ist ja nicht nur das Ergebnis des Referendums der in unserem Lande ansässig gewordenen Türken, was einen in Erstaunen gesetzt hat, sondern es sind auch deren im Fernsehen offenbar gewordenen Einzelbefragungen nach Bekanntwerden des Ergebnisses, die in der Mehrzahl erkennen ließen, was da in türkischen Köpfen gedacht wurde, gedacht wird und leider vermutlich auch gedacht werden wird und sich teilweise geradezu in Schwärmerei für den großen Präsidenten Erdogan äußert, in Gedanken an eine Großtürkei und auch darin, dass man für Deutschland sogar eine „Bringschuld“ unterstellt. Was soll denn da noch alles hingenommen und von deutscher Seite an weiteren Bemühungen geleistet werden, damit sich über Jahre hier Zugewanderte endlich akzeptiert und wohlfühlen können?

Etwa visafreie Einreise, weiterhin unveränderte Doppelpassregelung, weiterhin vorangetriebene Moscheenerstellungen, Kinderehen, Zwangsverheiratungen und Bevorzugung religiöser Regelungen vor unserem Grundgesetz ? Von der beabsichtigten Einführung der Todesstrafe, mangelndem Sprachvermögen und angestrebter Aufnahme in die EU mal ganz abgesehen.

Nachdenklich im Gesamtzusammenhang hat mich insbesondere auch eine im Fernsehen gebrachte Äußerung „unserer“ türkischstämmigen Integrationsbeauftragten, die nach dem Ergebnis des Referendums die Doppelpass-Regelung nicht mit der eigentlichen Referendumsfrage vermischt sehen wollte. Diese Methode der Aufteilung in Einzelprobleme wird übrigens auch von anderen, hier sogar politisch heimisch gewordenen ( Herr Özdemir von den Grünen ausgenommen) gerne praktiziert, und zwar ohne Rücksicht darauf, dass offensichtlich ein mentales Gesamtproblem besteht!

Übrigens: Ich habe überhaupt nichts gegen Zuwanderung einzuwenden, aber klar sollte dabei sein, dass man sich als Zuwanderer an die Gepflogenheiten und insbesondere die rechtlichen Grundregelungen des Landes anzupassen hat, in dem man leben möchte. – Günter Wolf


Leserbrief zu „Außer Kontrolle“ von Caterina Lobenstein

Der dramatische Bericht zu den humanitären Einsätzen der im Mittelmeer tätigen Freiwilligenorganisationen zeigt den Sachkundigen vor allem eines auf: unprofessionelles Handeln gefährdet nicht nur die Schiffbrüchigen, sondern auch die Helfer. Die eigentliche Seenotrettung müssen den seemännischen Profis überlassen bleiben.

Dabei hat nie in Frage gestanden, dass Schiffbrüchige aus Seenot zu retten sind. Rechtsgrundlagen und Verfahren hierzu ergeben sich aus der Seefahrt. Mit Migration oder gar Flucht hat diese Thematik daher zunächst überhaupt nichts zu tun.

Allerdings gehört zur Realität (wie Sie etwa von der zuständigen EU-Grenzschutzangentur FRONTEX oder von IOM, der Internationalen Organisation für Migration der UN beobachtet und berichtet wird), dass die Seenot der betroffenen Migranten von Schleppern absichtlich herbeigeführt wird, um dann anderen Akteuren (z.B. Marine-oder Küstenschutzpatroullien zur See, aber auch im Seegebiet befindlichen Frachter und sonstigen Schiffe die Seenotrettung zu überlassen, zu der diese verpflichtet sind. Eine zynische Arbeitsteilung. Und diese Seenotrettung beinhaltet derzeit eben auch -und das ist wesentlicher Teil des perfiden Geschäftsmodells- den Weitertransport der Migranten an Europas Mittelmeerküste.

Mit der immer näher an die libysche Küste verlagerten Seenotrettung mindern sich damit nicht nur die Kosten für die Schlepper (und deren Kunden, die illegalen Migranten), da weniger Treibstoff, kleinere Boote und kaum noch Navigationspersonal eingesetzt werden müssen: diese Dienstleistung wird ja später von den Seenotrettern bereitgestellt.

Das Dilemma wird seit langem von FRONTEX benannt, und auch der (deutsche) UN-Sonderbeauftragte für Libyen, Martin Kobler, hält die gutgemeinten humanitären Aktivitäten verschiedener NROs (wie etwa Seawatch oder OrganisationJugend Rettet), die illegalerweise auch in libysche Hoheitsgewässer eindringen, für eine direkte Kollaboration mit den Schleppernetzwerken bei der illegalen Zuwanderung nach Europa. Dies umso mehr, als gleichzeitig EU und verschiedene europäische Länder dabei sind, den Aufbau der libyschen Küstenwache zu unterstützen und damit deren Funktion zu verstärken.

Der rechtlich, migrationspolitisch und auch humanitär einzig gangbare Weg wäre die Rückverbringung der Schiffbrüchigen an deren Ausgangspunkt, nämlich an die libysche Küste, ein Vorschlag, der z.B. auch vom österreichischen Außenminister unterstützt wird. Damit würde man den an den Maghreb-Küsten auf die eigene Überfahrt Wartenden Migranten signalisieren, dass entgegen den Versprechungen der Schlepper die Überfahrt nicht klappt. Und da diese Migranten ohne fremde Unterstützung die Reise bis Libyen bewerkstelligt haben, kann man davon ausgehen, dass dies in die andere Richtung auch funktioniert; die derzeitn diskutierten Auffanglager oder dergleichen sind daher nicht notwendig und ohnehin kaum zu organisieren. Gegebenenfalls könnte man bei Bedarf und Interesse die Migranten bei derenn Rückkehr unterstützen. Das wäre für alle Beteiligten sinnvoller und humanitärer, als weiter das Geschäftsmodell der Schlepper zu unterstützen.- Prof. Bernd Leber


Leserbrief zu „Zurück zu Helmut Kohl“ von Mark Schieritz

Während Banken („too big to fail“) mit Steuergeldern gerettet werden, eine Reihe von multinationalen Konzerne kaum Steuern zahlen, „Cum-Ex“ Spezialisten sich beim Finanzamt bedienen, die Steueroasen weiter florieren, wird das  Rückgrat der offenen Gesellschaft, die Mittelschicht, mit voller Härte zur Kasse gebeten, wie Mark Schieritz zutreffend ausführt. Die Ignoranz dieses Phänomens wird vermutlich die politischen Ränder stärken. Auch nützt es wenig, dass sich Wolfgang Schäuble an der schwarzen Null berauscht, die er aufgrund der Zinspolitik der EZB quasi gratis bekommt, aber eine permanente Geldentwertung für viele Menschen in Deutschland nach sich zieht.    – Jürgen Rohlfshagen


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Ich auch nicht. Nach mehr als 30 Jahren habe ich dem Linkssein den Rücken gekehrt. Der Hauptgrund ist der unerträgliche moralische Hochsitz auf dem die Linken, seitdem es sie gibt, Platz genommen haben. Die Grünen sind dabei ausdrücklich eingeschlossen. Diese schier unerträgliche Attitüde sich grundsätzlich moralisch turmhoch über allen anderen Menschen zu sehen und auf sie hinabzublicken. Diese Verachtung aller anderen Milieus und Lebensweisen. Zugeben würden die das nie. Man ist ja sooo tolerant. Besonders abstoßend sind dabei die Bohemelinken, die immer Wasser predigen aber selber gern Wein trinken. Verlogen sind sie häufig auch. Ich habe z.B. über Frau Göring-Eckhardt von den Grünen gelesen (ich glaube in Spiegel Online), dass sie über sich im Bundestagshandbuch angegeben hat sie hätte Theologie studiert, ohne den Hinweis, dass sie das Studium nicht abgeschlossen hat. Keine sehr große Sünde aber vielsagend und irgendwie glitschig. Auf die öffentlichen Einlassungen vieler Linker zu dem 2015 beginnenden Zustrom von Flüchtlingen einzugehen verzichte ich hier, das ist zu haarsträubend und ein Endlosthema. Ich vermeide inzwischen grundsätzlich Diskussionen mit Menschen von denen ich weiß, dass sie links sind. Das führt zu rein gar nichts. Außer zu Ärger, den man dann in sich reinfrisst und an dem man würgen muss. – Klaus-Dieter Marquardt


Leserbrief zu „Wie kriminell sind Flüchtlinge?“ von Martin Klingst und Sascha Venohr

Hiermit möchte ich gerne ein Statement zu Ihrem Bericht in der Zeit Nr. 17 – „Wie kriminell sind Flüchtlinge?“ abgeben.

Frei nach dem Motto „Trau keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“ gehört in die linke Grafik „Gewalttaten“ auch noch der Verlauf der Bevölkerungsentwicklung in den Jahren 2007 bis 2016.

Wie Sie der beigefügten Datei leicht entnehmen können, ist die Bevölkerungszahl in den Jahren von 2007 (82.217.837) bis 2013 (80.767.463) kontinuierlich gefallen und von 2014 (81.197.537) bis 2016 (hier liegen mir leider keine Zahlen vor) wieder weit über den Wert von 2007 gestiegen.

Somit ist der prozentuale Anteil pro Einwohner von Deutschland von 2007 bis 2016 sogar gefallen. Diese prozentuale Abnahme wird sogar sicher noch deutlicher werden, wenn nur der Anteil der 18 – 24 jährigen Menschen betrachtet werden.

Zu einem guten Jounalismus zähle ich auch den korrekten Umgang mit Zahlen und deren Deutung und würde mich freuen, wenn Sie in einer zukünftigen Ausgabe der Zeit auch auf diese Zusammenhänge eingehen würden.

Denn was wir hier in Deutschland zur Zeit sicher nicht brauchen, ist eine Verunsicherung der breiten Masse ohne fundierte Recherche.

Ansonsten treiben auch Sie die Bevölkerung in die Arme der rechten Parteien wie der AfD!!! – Hubert Münzer


Leserbief zu „Wie arm ist Deutschland wirklich?“ von Lea Elsässer et al.

Als drittes von 4 Kindern des Vaters erlernte ich ein Handwerk.wohnte mitreißende im Elternhaus. Mein verfolgen von 3500DM legte ich zu 8% an. Die 5000Dm waren 1980 mein erlag den ich dann in Aktien anlegte. Mit 1700dm als sinngel und Facharbeiter war ich nicht arm. Meine Ausgrenzung war das Papa selbstständiger Arzt war und mir dem Sohn mit schwerbehindrrten Ausweis von jenen die ungelernte waren mir der Arbeitsplatz nicht gegenteilige wurde. wozu ich denn arbeite Papa sei doch sofort reich. Nun Schwester wollte Medizin stiegen, also hatte sie Anspruch auf eine angemessene Unterstellung. Also Auto und Eigentums Wohnung am Studios Ort nahe der Uni.

Ich heiratete meine krankenpflegehelferin mit Kind.

Ich war nicht arm

Mit ca2000dm mit ueber Stunden Kontext ich 100dm fuer meine private Lebensversicherung anlegen Dank der Sozialordnung. Die Scheidung brachte keine grosse veraenderung. Mein neuer Arbeitgeber zahlte mir 2500-3000dm fuer Oldenburg verhaeltnisse herrschaftlichen leben.auch diese Arbeitslosigkeit von ca 12mon. brachte mich nicht in die Schieflage.

Mein verfolgen wuchs. Nach zahlreiche arbeite Platz Wechsel wo jedesmal das Versorgungsgebiet auch ihr ok geben musste und auch bei der arbeitzaufnahme was dazu flehte das der Arbeitgeber dann auch einen rueckzieher machte wenn er erfuhr ich falle unterstützt schwerbehindrrten Gesetz. Oft war ich durch Initiative des Arbeitsamtes langer arbeitslos da alter mit Familie bevorzugt vermittelt wurden. Ich war nicht arm ich bekam ja ca. 1500dm als sinngel.die weder kam1992 als nach der Trennung von Meier Frau und Sohn mein verfolgen auf ca25000DM gewachsen war. Trotz dem verfolgen war es mir nicht moeglichkeit in Ffm.eine Wohnung oder eine Arbeit zu finden. Ozon bei einer Arbeitgeberin, ich las doch keinen schwerbehindrrtenan meine teuren Maschinen , ich bin vom Fach mit gesellenbrief.

Auch das ich in Scheidung lebte und meinen Sohn sicherlich alle 14 Tage sehen wollte war ein Stein des Anstoßes da ja sicherlich lohnpfaendung oder we. besuche mich nicht fuer spontanen ueber Stunden verfügbar war.

Also musste ich meine Altersversorgung wegen Versagens des Staates aufliegen und verleben.dieser Schmarotzer lebte nicht auf Staatskosten dieser Schmarotzer lebte nicht von Papst Geld. Nur das interessierte meine Geschwistern nicht. Alle versuche in Arbeit zu kommen scheiterten an der Tatsache das der statt keine Arbeitsplatzes fuer schwerbehindrrten bereitstellen Worte. Der statt genehmigte sogar Firmen sich frei zu kaufen. Ich war immer noch nicht arm da ich ja jetzt von 1600dm Arbeitslosen Geld lebte als sinngel.  Ich fand eine neue Liebe und zog mit ihr nach hh. Dort musste ich durch Druck des Arbeitsamtes eine 1dm Maßnahme annehmen meine Frau Studentin war schwanger wir waren nicht arm da wir ca2500dm zum Leben hatten.

Ich bekam während der Schwangerschaft kurz vor der Geburt einen Bandscheiben Vorfall noch in der probeweise. Also Entlassung weniger Arbeitslosengeld als vor der Maßnahme mit Kind. Keine Entschaedigung nix.

Seit dem 1997 ohne Arbeit. Mit nur zur zeit mit ca756€brutto muss ich Vater von 2kindern leben kein Geld meine Kinder in Ffm oder Hamburg besuchen zu kommen.kein Geld meine verlorenen 4zaehne zu ersetzen .Kein Geld fuer die muntdusche die meine paradontits gemildert hatte.

Da ich seit 2000kein schwerbehindrrten mehr bin also keine Rente mit 55. Ich wurde aus purer angst meiner Eltern nur auf Verdacht auf epelepsie behandelt. Ich bin arm auch wen Muttern mir ein verfolgen von 25t € hinterlassen hat. Ich komme mit 60nicht mehr aus dem Schlamassel, weil der Staat versagt.dank der hat, hatz 4 Reform eines verbrecherischen der sich an der Gedankenwelt der Nazis bedient. Keine Arbeit kein Geld kein Arzt also ueber lebt nur der Staerkste. – Christian Knaut


Leserbrief zu “ Miss America“ von Kerstin Kohlenberg

Bei dem Artikel „Miss America“ von Kerstin Kohlenberg kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Ist die Frage, ob Ms Trump ihren Vater korrigieren kann wirklich die erste die man sich stellt, wenn man darüber nachdenkt, welchen Einfluss, Posten und Rolle die Dame in einer demokratisch gewählten Regierung hat? Ist es nicht ganz egal, wie sie politisch denkt?

Das wahre Problem ist doch, dass sie mit ihrer offiziellen Position im Weissen Haus Einfluss nehmen kann und das nur, weil sie als Tochter diesen Zugang erteilt bekommen hat. Das ist undemokratisch, korrupt und eigentlich die Praxis von Autokraten und Monarchien. Der Artikel in der aktuellen Zeit scheint damit keinerlei Problem zu haben, erhofft sich von Ivanka Trump gar positive Einflussnahme auf die Regierungsgeschäfte der USA. Das ist nicht ihre Aufgabe. Und es sollte nicht Aufgabe der Zeit sein, so undifferenziert zu berichten und gar noch die Bücher und Modekollektionen der Dame im Artikel zu bewerben.

Genau solche Artikel sind nämlich die PR, die sich die Marke Trump mit Ivanka erhofft. – L. W.


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Vorweg: nein ich bin nicht AfD Mitglied und auch nicht AfD Sympathisant. Dennoch möchte ich mich bei Ihnen für Ihren Mut bedanken, einen solchen Artikel zu schreiben und seiner Veröffentlichung zuzustimmen. Leider steht zu befürchten, dass Sie von Ihrem bisherigen Milieu ( ich hoffe, Sie nehmen mir diesen Ausdruck nicht übel, aber er ist nicht abwertend gemeint und mir fällt auch auf die Schnelle kein besserer ein) geschnitten und von der falschen  Seite Zustimmung erhalten werden. Gestatten Sie mir bitte, ergänzend aus meiner Sicht noch einige Beispiele zu nennen, selbst auf die Gefahr, dass ich Sie vielleicht damit ermüde.

Mir sind 3 Fälle bekannt, dass alleinerziehenden und berufstätigen Müttern ein Kita Platz mit der Begründung verweigert wurde, dass Flüchtlinge vorgehen. Der eines Amtsarztes im Brandenburgischen, dem jahrelang Geld für Reihenuntersuchengen von deutschen Kindern  verweigert wird und plötzlich ist nach Eintreffen der Flüchtlinge Geld in Hülle und Fülle vorhanden ist. In der gleichen Stadt gibt es an einem Gymnasium zu wenig Lehrer, angeblich kein Geld; die Flüchtlinge kommen und plötzlich ist Geld vorhanden. Ich könnte solche  Fälle noch stundenlang aufzählen; aber Sie würden sich zu Recht langweilen. Sie haben, bitte verstehen Sie mich nicht falsch, was die Einschulung Ihres Kindes  angeht, die Möglichkeit gehabt, auszuweichen.

Ich kenne aber Eltern, die ihre Kinder in Grundschulen einschulen lassen müssen, wo in einer Klasse vier deutsche Kinder mit 22 ausländischen zu Recht kommen . Abgesehen von einem möglichen Mobbing haben diese vier so gut wie keine Möglichkeit auf weiter führende  Schulen zu gehen, weil  das Klassenniveau das nicht zulassen wird. Nach den Erfahrungen , die der kleine Mann mit den Problemen, die mit Flüchtlingen zusammen hängen, erfahren musste, wundert es Sie bei der vorherrschenden  korrekten  Meinung, dass er trotz Protestekein Gehör bei den Regierungsparteien und bei der  Opposition findet;  wundert esSie, dass er die Nase gestrichen voll hat, von gewissen  Politikern für das Abstimmungsverhalten der hiesigen türkischen Gemeinde verantwortlich  gemacht zu werden?

Deswegen wählt er AfD ; die Bemühungen ihrer Kollegen, die AfD mit ihren Artikeln in die rechte Ecke zu stellen; sind daher zwecklos. Im übrigen interessiert das Programm der Partei  die Leute auch nicht.  Die Demonstrationen in Köln werden genau das Gegenteil bewirken und eine nicht unerhebliche Zahl von Wählern an der Staatsform der Demokratie langsam zweifeln lassen. Das ist das, was mir Angst macht. Aber, will man das in der ZEIT  verstehen? – Ulf Hanel


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

GENAU SO!

Warum liest man sowas so selten bis gar nicht bzw. erst jetzt?

angesichts dieser Sachlage wundert es mich in der Tat nicht, daß (ängstliche bis genervte) Bekannte von mir mehr und mehr mit der AfD liebäugeln….

und: WEITER SO! Nicht mundtot machen lassen. In jedem Fall: danke für diesen Artikel.Erna Apfelbacher


Leserbrief zu „Halbwissen: Rundherum“ von STX

Eine gelungene Glosse! Solche Gedankengänge in Köpfen mancher Marketing-Leute wundern mich überhaupt nicht; ich hatte selbst einige solcher Kollegen. Fairerweise eine Anmerkung: Die müssen auch ihre Brötchen verdienen; solange sie nichts Falsches behaupten, geht es ja noch.

Bei folgendem Beispiel könnte mancher Mathematik-Ignorant reinfallen.

Die Reederei der Stella Australis, die zwischen Punta Arenas und Ushuaia hin- und herfährt und dabei auch Kap Hoorn berührt, behauptet, die Wahrscheinlichkeit, an Kap Hoorn landen zu können, betrage 70%. Wenn man also beide Reisen macht, also von PA nach U und von U nach PA, beträgt die Wahrscheinlichkeit 140%, man kommt also mit Sicherheit an Land. Das ist doch toll, oderJ. Ich probiere das nächste Jahr aus. – Dr. Bernd Sumfleth


Leserbrief zu „Bonne Chance, Frankreich!“ von Nicolas Truong (»Le Monde«), Adam Soboczynski (Die Zeit)

Wir können nur hoffen, das Frankreich bei den anstehenden Wahlen einen mit Europa kompatiblen Kompromiss findet. Die Annäherung von Deutschland und Frankreich steht noch nicht auf einem stabilen Grund. Bis es soweit kommt, wird noch Zeit vergehen. Und ein wieder Auseinanderdriften heute wäre gefährlich. Bisher war Frankreich das Unglück für Deutschland.

1648 Seit dem 30 jährigen Krieg war in Frankreich der Wunsch geboren, den Rhein zur Ostgrenze Frankreichs zu machen. ( Elsaß Lothringen wird annektiert.)

1840  Rheinkrise : Weil Expansionsgelüste Frankreichs im Orient im Londoner Viermächtevertrag verhindert wurden, wurde in Frankreich als Kompensation ein Ausgleich in Deutschland gefordert. Der Nationalismus wurde dadurch auf beiden Seiten belebt. In Frankreich setzte sich Victor Hugo für die französischen Besitzansprüche gegenüber Deutschland ein. In Deutschland schuf  Hoffmann von Fallersleben ein Lied, das später zur Nationalhymne wurde. Und Heinrich Heine vermerkte, die französische Regierung Thiers hat uns ( Deutschland) als Volk wieder auf  die Beine  gebracht.

1870 Das französische Volk, nicht einmal die Regierung unter Napoleon III., war für den Krieg mit Preußen, um alte Machtansprüche abzusichern. Frankreich verliert den Krieg.  1894    Pakt zwischen Paris und St.Petersburg ( gegen Deutschland). Kriegsvorbereitungen als Revanche für 1870/71 beginnen. (nach Christopher Clark)  1914    Frankreich gelingt es, fast ganz Europa  gegen Deutschland in den Krieg zu führen. Frankreich, England, Russland, Serbien und ab 1916 auch noch Italien. Ab 1917 kommen die USA dazu.  1923    Ruhreinmarsch  Frankreichs um Reparationszahlungen abzusichern. Die Folge eine Inflation in Deutschland und die Enteignung des Bürgertums.

1945 Frankreich macht einen Versuch, das Saargebiet abzutrennen. Frankreich will sich immer noch nach Osten ( Deutschland) ausdehnen.  1989    Frankreich versucht, die Wiedervereinigung Deutschlands zu verhindern. Man könnte folgern, ohne die aggressive Haltung Frankreichs hätte es den NS-Staat nicht gegeben und nicht den 1. und 2. Weltkrieg. Und damit auch keinen Holocaust. Heute steht nur im Vordergrund, das Deutschland unter Hitler 1939 in Frankreich einmarschiert ist. Was natürlich jetzt deutsche Aggression darstellt. Ohne die Vorgeschichte ist dies aber nicht zu verstehen. Mit der Geschichte wird ersichtlich, wie wichtig eine auch weitere Annäherung der beiden Ländern ist. Die hoffentlich in 2017 keinen Bruch erlebt. – Reiner Püschel


Leserbrief zu „Zurück zu Helmut Kohl“ von Mark Schieritz

Warum verschweigen Sie in Ihrem Artikel, dass es sich beim Spitzensteuersatz natürlich um einen Grenzsteuersatz handelt, der nur auf jeden Euro erhoben wird, der bei Ehepaaren über € 107.332 hinausgeht? Wenn Steuerpflichtige, die nur auf ein paar Euro den Spitzensteuersatz bezahlen, als „Superreiche“ bezeichnet werden ist das irreführend. Erst wenn ein Ehepaar über € 501.462 verdient, greift die sogenannte „Reichensteuer“ von 45%. Außerdem handelt es sich hier immer um „zu versteuerndes“ Einkommen. (Da können hohe Einkommen von findigen Steuerberatern klein gerechnet werden.)

Zu „Kohl“: 1990 begann die „letzte Tarifzone“ (53%) bei € 120.042 für Ehepaare. War das nun „besser“ oder „schlechter“?

Ich erwarte von der ZEIT, dass sie nicht einfach Propaganda weiterverbreitet, sondern aufklärt. Sonst muss sie sich den Vorwurf gefallen lassen, Teil der „Lügenpresse“ zu sein! Und ich frage mich, ob ich für solchen Journalismus bezahlen will! (Damit kein falscher Eindruck entsteht: Oft finde ich Die ZEIT wirklich gut. Deshalb lese ich sie auch.) – Bernd Schmoll


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

„Konservatives Denken entsteht durch Lebensferne“ – so Verena Friederike Hasel abwehrend in ihrer „Lebensbeichte“ ‚Ich bin nicht mehr links‘.

Das Gegenteil ist der Fall:

Berufspolitiker, Intellektuelle, Kirchenfunktionäre, Chefredakteure, von vielen banalen Alltagssorgen befreit, bewegen sich zunehmend in virtuellen Welten, Sekundärwelten, abgeschlossenen Räumen, die sie dann für die Realität halten.

Sie werden Opfer ihrer eigenen Konstruktionen und Dekonstruktionen, besser: ihrer griffigen Phrasengeländer, an die sie sich mangels Realitätskontakts klammern. Soziale Brennpunkte mit ihren gefährlichen Konflikten kennen sie kaum, geschweige denn, daß sie in ihnen wohnen, konkurrieren und arbeiten. Aus dem gesicherten Milieu der Mainstreammedien, der Universitäten (Sozialwissenschaften!), der Chefetagen, Regierungssitze, Kirchenpfründen heraus arbeiten sie an der Zerstörung der Lebenswelt des kleinen Mannes, den sie im Grunde verachten.

Gegen diese Realitätsentwöhnung hülfe dann eine Fahrt mit der sprichwörtlichen „letzten Metro“, in Berlin, Köln, im Ruhrgebiet. (Schutzmaßnahmen nicht vergessen – z.B. Freunde mitnehmen!). Oder einfach ein Spaziergang – unvoreingenommen mit offenen Sinnen – in den „Problembezirken“ dieser Republik. Wer ganz suizidal eingestellt ist, versehe sich dabei mit christlichen oder jüdischen Attributen wie Kreuz, Kippa, Israel-Abzeichen usw. – Man mache den Test – oder besser nicht … – Friedhelm Bestek


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Ihr Artikel spricht mir so aus dem Herzen. Dabei mache ich mir um Sie keine Sorgen. Sie sind auf einem guten Weg das selbstgerechte Pharisäertum vieler Linker zu verlassen, durch genaue Beobachtung und logischem Denken.

Rosa Luxemburg: Freiheit ist auch immer die Freiheit des Andersdenkenden.

Einen Widerspruch habe ich: Wir sollten eben nicht an Gleichheit glauben sondern wir sollten uns dafür einsetzen, dass alle die gleichen Chancen bekommen. Davon entfernen wir uns mehr und mehr. – Michael Pëus


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Da lese ich nun DIE ZEIT um zu wissen, was das intellektuelle, weitgehend aufgeklärte und finanziell-wirtschaftlich abgesicherte Bürgertum so denkt und dann das: In einem vergilbten Palästinenser-Feudel ein Bekenntnis, welches ich hier nie zu finden gedacht hätte. Sehr geehrte Frau Hasel, ich kann den Schmerz der Erkenntnis über Ihr Milieu verstehen (die Wahrheit blendet machmal grell) aber ich kann Sie auch beruhigen: Sie und der von Ihnen in seiner pervertierten Lebensform (Crémont auf dem Balkon; bodentiefe Fenster; Hochbeete in Prenzlau) so wunderbar beschriebene Bevölkerungsteil waren niemals links und werden es auch niemals sein!!!

Seien Sie doch glücklich über die „Gnade der späten Geburt“ die Ihnen und Ihren Freunden zuteil wurde und aufgrund derer Sie die Verfolgungen, denen Linke in der BRD ausgeliefert waren, nie erleiden mussten. Ihr Milieu wählt mehrheitlich Rot und Grün –  diese Parteien selbst würden es ablehnen, als links bezeichnet zu werden. Geben Sie sich doch bitte für die Beschreibung Ihres politischen Standortes mit allen von mir aus als progressiv und fortschrittlich einzuordnen Adjektiven wie humanistisch, weltoffen, menschenfreundlich und allen anderen Gefühlsduseleien, an denen sich Ihr Milieu selbst besoffen macht, zufrieden aber lassen Sie diesen grauenvollen Mißbrauch der politisch-historischen  Standortbestimmung „links“. Die Menschen, die in allen Teilen der Welt hierfür ihr Leben lassen mussten, werden es Ihnen danken. – Hans-Gerd Benninghoven


Leserbrief zu „Bonne Chance, Frankreich!“ von Nicolas Truong (»Le Monde«), Adam Soboczynski (Die Zeit)

leider Chance vertan. Bei der Präsidentenwahl in Frankreich geht es doch um die Zukunft Frankreichs. Warum befragen Sie von Habermas (87) bis Walser (90) fast nur alte Leute? – Christopher Hagen


Leserbrief zu „Die Abgeklemmten“ von Laura Cwiertnia

Die in dem genannten Artikel geschilderten Fakten sind zwar seit längerem bekannt, es ist aber zu begrüssen, dass das Thema behandelt und Ursachen und Auswirkungen ausführlich dargestellt werden. Auch wenn man sich die Folgen des verhinderten  Zugangs zu Strom und Gas, was ja eigentlich ein Grundrecht sein sollte , für die Betroffenen nur halbwegs vorstellen kann, ist die Situation erschütternd.

Die Kosten der Energiewende werden der einen Seite voll aufgebürdet und wenn sie diese stark steigenden Kosten nicht bezahlen kann, weil z.B. die Hartz IV-Sätze für ein menschenwürdiges Leben nicht mehr reichen, klemmt man die Energiezufuhr einfach ab.

Auf der anderen Seite werden die Großkonzerne unter Hinweis auf die Sicherung von Arbeitsplätzen von den Kosten der Energiewende weitgehend befreit und ihre Aktionäre nicht benachteiligt. Für diese Regelungen tragen  Parteien, die in unserem

Land die Regierung bilden und in ihren Namen mit dem Buchstaben „C“ für christlich  und dem Buchstaben „S“ für soziale Gerechtigkeit  stehen sollten, die Verantwortung. Gleichzeitig wird der Armutsbericht „entschärft“, damit die soziale Realität nicht zu krass erscheint. Da kann man nur sagen: Armes Deutschland.Es ist beschämend. – Bodo Neeck


Leserbrief zu „Die heimlichen Wähler der Marine Le Pen“ von Bastian Berbner

Ein Artikel der meines Erachtens folgendes Probleme nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland aufzeigt: Es fehlt eine offene und unvoreingenommen Diskussion und Auseinandersetzung mit den Themen des FN bzw. der AfD. Es ist ein Armutszeugnis, wenn Bürger sich nicht zu einer demokratischen Partei bekennen wollen bzw. können. Etwa, das Probleme nur noch viel schlimmer macht und Spannungen erhöht.

Anstatt das Verlangen vieler Bürger nach Sicherheit und Stabilität ernst zu nehmen, machen die bewährten Parteien beider Länder weiter wie bisher, anstatt klare Lösungsvorschläge zu den Themen Armut, Arbeit, Flüchtlingen und Klima zu präsentieren. Wo sind die Linken (zu denen ich mich selbst zähle) mit ihrer Offenheit uns Diskussionsbereitschaft?

Unbedingt sollten sich Rechte (im Konservativen Sinne) und Linke beharken, aber Parteitage mit unüberlegten Begründungen zu behindern, ist in meinen Augen symptomatisch für viele Bürger deren Verhalten weder politische Lösungen zutage fördert, noch Spaltungen in unseren  Gesellschaften abbaut! – Jonathan Clancy


Leserbrief zur Werbeanzeigen in DIE ZEIT

Als ich heute die Zeit gelesen habe musste ich mit großem Erstaunen auf Seite 29 der aktuellen Ausgabe eine ganzseitige Anzeige der Ford Motor Company entdecken mit einer für mich merkwürdigen Werbung.

Es ist natürlich legitim für Ford Werbung zu betreiben und ebenso für den Zeitverlag, diese sicherlich lukrative Werbung anzunehmen. Allerdings nimmt es doch Wunder, welche Aussage Ford in dieser Anzeige trifft. „Wir sind stolz,in der Türkei tätig zu sein“ und „kommen sie in die Türkei“ sind Aussagen, die die momentane Situation in der Türkei total ausblenden .

Menschenrechtsverletzungen, eine sehr eingeschränkte Pressefreiheit, keine unabhängige Justiz sind Tatsachen, die die Türkei kaum  als zuverlässigen Partner erscheinen lassen. Würde man im Text dieser Annonce den Namen Ford weglassen könnt er genau so gut als eine Werbemaßnahme der türkischen Regierung durchgehen!

Dass das nicht so falsch ist zeigt ja auch die Verwendung des offiziellen Slogans :

Turkey – Discovery the potential in der Anzeige  . Ein Slogan , der von Herrn Erdogan persönlich vorgestellt wurde, allerdings sogleich mit dem Verbesserungsvorschlag , das Wort Potential durch das türkische Wort „güc“=Stärke und Macht zu ersetzen.

Das würde dem neuen Selbstbewußtsein der Türkei besser entsprechen – weiterer Kommentar überflüssig! – Jürgen Krüger


Leserbrief zu „Ein halber Triumph“ von Özlem Topçu

Jemand, der ein Ziel anstrebt, von dem er behauptet, dass es das einzig erstrebenswerte ist, wird sich auf dem Weg dahin auch als einzig wahrer Anwalt eines solch alternativlosen Systems darstellen. Und wenn das mit religiöser Allmachtsterminologie gestützt wird, muss man diesen Anspruch als eine Form gesamtgesellschaftlichen Totalitarismus bezeichnen. Soviel zur Motivforschung für das Verhalten von Erdogan und seinen Leuten. Als weiterer Effek ergibt sich, dass alle Lebensentwürfe, die dem eigenen widersprechen, als irreführend, also schädlich gewertet und deren Vertreter kriminalisiert werden.

Was ist der Fehler eines solchen Systems, das doch als unverbesserlich hingestellt wird? Es ist die mangelnde Bewährung standardisierter Vorstellungen in der Auseinandersetzung mit anderen. Und wenn versucht wird, diesen Totalitarismus religiös zu rechtfertigen, dann müssten deren Protagonisten Auskunft darüber geben können und wollen, was sie denn unter Religion verstehen. Zu sagen, dass man so und so glaubt, reicht dazu nicht, vor allem dann nicht, wenn der Glaube exklusiv und mit Objektivitätsanspruch verstanden, und als Bestätigung von Machtansprüchen eingesetzt wird. Der Bezug religiöser Werte zu unseren alltäglichen Angelegenheiten muss schon vorurteilslos und ergebnisoffen gehandhabt werden, sonst bleiben sie Phantome, denen man zwar huldigen kann, deren praktische Auswirkung aber darin besteht, dass man die bekämpft, die ihnen nicht oder auf andere Weise huldigen – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Gefährlicher Trotz“ von Jörg Lau; „Ein halber Triumph“ von Özlem Topçu

Um Mißverständnissen  vorzubeugen : Mein Mitgefühl gilt jenen Türken, die von Erdogan verfolgt werden und die das laizistische Staatsmodell einer demokratischen, säkularen Türkei, wie von Kemal Attatürk intendiert, verteidigen.

Und dennoch müssen wir als europäische Bürger mit deutscher Staatsangehörigkeit dem Herrn Erdogan „dankbar“ sein : er hat mit seinen Wählern in Deutschland klar gestellt, welche Menschen mit türkischem Migrationshintergrund wir als dt. Staatsbürger gerne bei uns hätten und wen nicht.

Mein Vorschlag : Die rückwärtsgewandten, islamisch-frömmelnden intetegrationsunwilligen Erdogan-Wähler kehren in ihr Heimatland zu ihrem so verehrten Sultan zurück, die integrierten und integrationswilligen bleiben hier und die säkular denkenden Türkeiflüchtlinge nehmen wir mit offenen Armen und Herzen auf !

Einen weiteren „Dank“ sollten wir Erdogan dafür aussprechen, daß er klargestellt hat, wo Europäer keinen Urlaub mehr machen sollten : in der Türkei! Statt dessen stärken wir Europa als Urlaubsland, indem wir dort die Ferien verbringen, wo es nicht nur schöne Strände gibt sondern auch noch kulturell vieles zu entdecken gibt. (Die kulturell interessanten Stätten in der Türkei stammen ohnehin von den alten Griechen – fahren wir doch lieber gleich nach Griechenland!)

Integrationswillige türkische Hoteliers und Gastronomen, die wegen Erdogans Politik vor dem Ruin stehen, sollten uns Europäern auch willkommen sein, sie wären nicht nur aus kulinarischer Sicht eine Bereicherung.

Für all diese Menschen sollten wir offene Herzen und Grenzen haben. Den anderen können wir ein herzliches „auf Nimmerwiedersehen“ nachrufen.

Nachtrag : Die europafeindlichen Geistesverwandten des Herrn Erdogan vom Schlage Petry, Gauland & Co, Le Pen, Wilders samt ihrer Anhängerschaft sollte man auch gleich in die Türkei entsorgen denn ob sie je geläutert werden, ist eher zweifelhaft.

Allen , nicht nur Türken, die bei uns bleiben wollen sei deutlich gesagt : Integration ist eine Bringschuld und wer´s nicht bringt, soll gehen.

Im übrigen werden jene Türken, die dem verhaßten Deutschland, das sie doch ernährt und ihnen Arbeit gegeben hat, den Rücken kehren, recht bald merken, welch einem Scharlatan namens Erdogan sie da augesessen sind.

P.S. Mir ist klar, daß manche meiner Sätze recht polemisch formuliert sind, aber Sie entscheiden ja ohnehin selbst, was gedruckt wird und was nicht… –  Jens Homann


Leserbrief zu „Der Herr Pfarrer und sein Mann“ von Roland Kirbach

Im Religionsunterricht erklärte der Pfarrer damals, dass die Religion mit Gottes Geboten für das Zusammenleben der Menschen unbedingt notwendig wäre.

Später lernte man, zu wie vielen Kriegen und Ungerechtigkeiten die Monarchie, die Herrschaft von Gottes Gnaden, führte. Man lernte, dass die in der Bibel enthaltene Todesstrafe von Menschen abgeschafft wurde, obwohl der liebe Gott darauf bestand, damit er die Menschen von der Ursünde erlöst. Man lernt, dass die Sklaverei abgeschafft wurde, obwohl Gottes Sohn das nicht forderte, sondern von ihr als ganz selbstverständlich spricht. Man lernt, dass die Emanzipation der Frau gegen kirchlichen Widerstand durchgesetzt werden musste bzw. wegen Gottes Schrift immer noch nicht durchgesetzt werden konnte.

Jetzt lese ich in der ZEIT, dass Hirten in Übereinstimmung mit dieser Heiligen Schrift gegen Homosexualität sind, aber manche Pastoren sie heute von Gottes Strafe frei sprechen wollen und selbst praktizieren.

Befürchte ich richtig, dass Sie trotzdem wünschen, dass man christlichen Religionen und ihren Schriften und heiligen Lehren glaubt? Ganz besonders im derzeitigen Lutherjahr? Und die von Jesus Christus niemals gebotenen Kirchen und seine Vormunde und ihre Luxusbauten und ihre Kirchentage auch weiterhin durch Steuergelder aller Bürger, auch der Anders- und Ungläubigen mitfinanziert werden sollen? Bis in alle Ewigkeit? Trotz jener und anderer göttlicher Unmenschlichkeiten? Und trotz des Auftrags unseres Grundgesetzes: Art. 140, insbesondere WRV Art. 138: Ablösung von Staatsleistungen.  – Manfred Schleyer


Leserbrief zu „Zahlen Arbeiter mehr als Aktionäre“ von Mark Schieritz

Mark Schieritz rechnet vor, dass Dividenden neben der Abgeltungssteuer von maximal 25% in der Summe mit 48% höher besteuert werden als der Höchstsatz der Einkommenssteuer mit 47,5%, da Dividenden aus dem Gewinn eines Unternehmens bezahlt werden, der bereits mit Gewerbe- und Körperschaftssteuer belastet sei.

Diese Gewerbe- und Körperschaftssteuer zahlt aber nicht der Aktionär, sondern das Unternehmen. Der Aktionär wird nur mit der Abgeltungssteuer von maximal 25% belastet.

Das Heranziehen der Gewerbe- und Körperschaftssteuer als Belastung ausschließlich für die Aktionäre ist ein Taschenspielertrick. Genauso könnte man argumentieren, dass den Arbeitnehmern durch diese Steuern Lohn entgeht, sie also weit höher als nur mit 47,5% belastet werden. – Dr. Michael Hälsig


Leserbrief zu „Zurück zu Helmut Kohl“ von Mark Schieritz

Wenn hierzulande jemand als reich gilt, der mehr als 84000,-€  Brutto Jahresgehalt erhält und damit gleichgesetzt wird mit jemandem, der z.B. 300000,-€ und mehr Brutto erzielt, dann läuft etwas grundsätzlich falsch.

Mein Mann ist Manager mit einem Gehalt etwas über 80000,-€ und wir sind bei weitem nicht reich. Wir gehören auch nicht zu denen, denen eine Erbschaft bevorsteht, da wir beide aus einfachen Verhältnissen stammen. Traditionell habe ich mich, obwohl ich selbst auch studiert habe und dieses durch Jobben finanzieren musste, um unsere nun erwachsenen und studierenden Kinder gekümmert. Mein Mann hat bis heute einen hohen zeitlichen Einsatz für seine Arbeit aufgebracht. Dazu gehört, dass er viel beruflich unterwegs ist und tatsächlich Verantwortung trägt wie die meisten in diesem so oft gescholtenen Mittelmanagement.

Wir haben es nicht geschafft, Eigenkapital für einen Hausbau anzusparen, da wir mit Anfang der Berufstätigkeit auch Eltern waren und wohnen bis heute zur Miete. Damals gab es übrigens nicht genug Kindergartenplätze, und es war durchaus üblich, dass die Mutter auf dem Land (Oberbayern) zu Hause blieb.

Meine Söhne erhalten kein Bafög, brauchen aber trotzdem finanzielle Unterstützung. Naja, der Papa hat es ja!!!

Uns geht es nicht schlecht, aber wir mussten immer rechnen. Viele Jahre haben wir keinen Urlaub gemacht oder irgendwie auf großem Fuß gelebt. Wahrscheinlich sind wir aber nur besonders blöd  und nicht nur selbst Leistungsträger, sondern wir haben auch noch Leistungsträger (Kinder) für diese Gesellschaft produziert und finanziell dafür durchaus Opfer gebracht.

Die Diskussion sollte deutlich differenzierter und weniger populistisch geführt werden. Ich denke, dass es in unserem Land sehr viele Menschen gibt, denen es ähnlich auf den Geist geht wie uns, wenn man uns als reich bezeichnet. Davon sind wir weit entfernt.

Sicherlich muss es eine Staffelung geben, aber in der Regel wird die gehobene Mittelschicht geschröpft. Diese hat gleichzeitig am meisten zu verlieren. Wo soll man es auch sonst holen?

Wenn man schon auf Helmut Kohl verweist, dann sollte man auch den Euro mit berücksichtigen. Dann wäre eine Grenze für den Spitzensteuersatz wohl eher bei 150000,-€ anzusetzen. – Silke Jungmeier-Wadas


Leserbrief zu „Der Skeptiker und das Rätsel vom Geld“ von Uwe Jean Heuser

Ihr Autor Uwe-Jean Heuser hat einem  Mann die Aufmerksamkeit zukommen lassen, die er auch verdient. Als Ex-Bänker ist Martin Hellwig mir wohl bekannt.  Die Verantwortung der Banken sind oft für ihre eigenen Interessen wahrgenommen worden.

Als ich noch aktiv an verantwortlicher Stelle in Frankfurt/ M. bei der Frankfurter Hyothekenbank in den 70er Jahren, Tochterbank der 3 großen Handelsbanken ( die es heute nicht mehr gibt) tätig war, hat man das Stimmrecht der Bankkunden und Aktionäre automatisch der Bank übertragen. Die Kunden haben diesen Vorgang sehr gern begrüßt.

Das war auch ein Serviceangebot an die Kunden…….. Der Bürger in Deutschland hat sich nie um die Moneten gekümmert – anders als in vielen anderen Staaten. Heute mag das anders sein. Ich kenne das heutige Bankgeschäft nur noch am Rande.

Zum Beispiel : als man mir ein Angebot für die Finanzierung einer Immobilie ohne Eigenkapital, also auch mit Nebenkosten, angeboten hat. Ich sagte damals zu meiner Frau, daß das in die Hose gehen wird. – Gunter Knauer


Leserbrief zu “Die Landbanker” von Johannes Edelhoff und Christian Salewski

Maximale Kapitalverzinsung durch Grundstücksspekulation – Da drängt sich doch die Frage auf: Warum lassen es sich Kommunen gefallen, dass Bau-(nichts)-Unternehmer durch Passivität wichtiges Entwicklungspotential in den Metropolen blockieren dürfen, ohne massiv entweder durch Gesetze oder entsprechende Grundbesteuerung zum Handeln veranlasst zu werden.

Warum lassen Kommunen es sich gefallen, dass derart massiv gegen den Grundsatz der Sozialpflichtigkeit des Eigentums nach Art 14GG verstoßen wird. Warum etwa hat sich die erwähnte Grundsteuer C nicht durchsetzen können. Warum wird nicht eine im Zeitverlauf progressiv ansteigende Baulandsteuer beschlossen?? – Kann es sein, dass gerade die großen Immobilieneigentümer in den Stadträten direkt oder indirekt durch Lobbyarbeit einen unangemessen großen Einfluss haben?

Das (eminent wichtige) Recht des Einzelnen steht in Deutschland zu häufig über dem Gemeinwohl. – Wilhelm Kösters


Leserbrief zu „Bonne Chance, Frankreich!“ von Nicolas Truong (»Le Monde«), Adam Soboczynski (Die Zeit)

Warum wählten Sie den Titel des Feuilletons „Bonne chance, Frankreich!“ nicht für die Titelseite? Die Kooperation mit Le Monde symbolisiert Solidarität.Genau das brauchen wir jetzt in Europa. Stattdessen bilden Sie wenige Tage vor der Wahl Le Pen gleich zweimal ab und keinen anderen Kandidaten. Dies halte ich für mehr als ärgerlich. – Annette Schreiber


Leserbief zu „Wie arm ist Deutschland wirklich?“ von Lea Elsässer et al.

Der Wirtschaftszweig „Erziehung und Unterricht“ ist prozentual Spitzenreiter bei den befristeten Arbeitsverhältnissen in Deutschland. Darüber hinaus werden in dieser Branche mit die niedrigsten Gehälter gezahlt. Von Politikern und Arbeitgebern hört man jedoch immer, und damit liegen sie auch völlig richtig, dass Bildung der Zukunftsfaktor schlechthin sei. Aber dann sollten sie ihren Sonntagsreden endlich auch mal Taten folgen lassen. – Dr. Jens Brökelschen


Leserbrief zu „Zurück zu Helmut Kohl“ von Mark Schieritz

Mit Ihrer Aussage, dass der „Spitzensteuersatz… bereits bei einem Einkommen von 54.000€… “ und in den „neunziger Jahren … erst ab 84.000€“ greift, habe ich so meine Probleme. Die allgemeine Schlussfolgerung ohne weitere steuerliche Kenntnisse wäre, da Sie nicht vom „Grenzsteuersatz“ reden und die Progression nicht erwähnen:  bei 54.000€ zahlt man heute 42% Steuern und in den 90igern weniger.

Lt. bmf-steuerrechner.de fielen in den 90iger Jahren als Endbelastung eines Jahreseinkommens bei 54T€ rund 17.090€ an Steuern an und heute (2016) 14.258.

Ich will also keinesfalls zurück in die 90iger!

Allerdings sollte sehr wohl darüber geredet werden, ob bei 54T€ bereits 26% Steuern fällig sein müssen, als auch der Grundfreibetrag nicht angehoben und der Einstiegssteuersatz verringert werden muss, um auch die darunter liegenden Einkommen besser zu entlasten. – Gabriele Schaper


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Für solch pointierte Analysen lese ich Ihre Zeitung. Seit geraumer Zeit beobachte auch ich den doktrinären Charakter, mit welchem sich selbst als dezidiert links bezeichnende Personen Diskussionen führen und einen Widerspruch kaum gelten lassen. Demokratie bedeutet das Aushalten verschiedener, teils auch unbequemer, Meinungen und Wahrheiten. Auf abweichende Meinungen mit moralischer Disqualifizierung zu reagieren halte ich – da kann ich der Autorin nur beipflichten – für grundlegend falsch.Tobias Meurs


Leserbrief zu „Das Krankenhaus war alt und in einem schlechten Zustand“ von Josephina Maier

Die Rezensionen im Film-bzw. TV-Teil Ihrer Zeitung verfolge ich immer gerne, nur die Rezension zur „Charité´“-Reihe in der Zeit Nr.15 (?) fand ich ziemlich daneben, weil die Autorin sich zwar als belesen darstellte, aber am Thema flott vorbei schrieb, indem sie wesentliche Inhalte schlicht ausgelassen hat. Die medizinhistorischen Themen – wie beispielsweise die mühselige Gewinnung des Antitoxins als Heilmittel der Diphtherie – wurden meiner Auffassung nach sehr verständlich und lebendig dargestellt (Kulturauftrag!) ohne wissenschaftliche Fakten zu verfälschen.
Auch die darstellerische Leistung wurde mit keiner Silbe gewürdigt, dafür gab’s noch einmal ein Foucault-Zitat, dessen erhellende Wirkung eher Scheinwerfer für den Autorinnenauftritt war, weniger für die TV-Reihe. – Antje Behrens


Leserbief zu „Wie arm ist Deutschland wirklich?“ von Lea Elsässer et al.

Responsivitätsforschung

Die Zustimmung zur Einführung der Todesstrafe ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in unteren Einkommensschichten höher als unter den relativ Reichen. Umgekehrt verhält es sich wahrscheinlich beim Atomausstieg. Die Todesstrafe nicht, den Atomausstieg sehr wohl zu beschließen wären Indizien für eine Verzerrung in der „Responsivität“ der Politik, zumindest wenn man die von Elsässer, Hense und Schäfer verwendete Methode zugrunde legte (DIE ZEIT vom 20. April 2017, S. 28).

Als man hörte, die Regierung hätte aus dem Armutsbericht eine „Studie zum Einfluss der Reichen auf die Politik entschärft“ dachte man sofort „Skandal, wieder einmal wird ein unliebsames Ergebnis unterdrückt“. Liest man jedoch den Artikel, den DIE ZEIT den Studienautoren einräumte, und vor allem die Studie selbst, dann fragt man sich allenfalls, warum überhaupt eine solche Studie in Auftrag gegeben wurde, wo doch – gelinde gesagt – Zweifel angebracht sind was die in der Studie verwendeten Methode anbelangt.

Ihrem Ausgangspunkt wird man noch zustimmen: „Wenn aber nicht alle Gruppen dieselbe Chance haben, dass ihre Anliegen im politischen Prozess berücksichtigt werden, wird das Gleichheitsversprechen liberaler Demokratien verletzt“. Völlig fehlgeleitet ist jedoch die Art und Weise wie die Autoren die Verletzung des Gleichheitsversprechens empirisch zeigen wollen. Als Indikator für die Chance Berücksichtigung im politischen Prozess zu finden, wird der Zusammenhang zwischen dem Anteil der Zustimmenden zu politischen Forderungen innerhalb einer Einkommensgruppe und der Wahrscheinlichkeit der Umsetzung eben dieser Forderungen herangezogen. Nachdem ein positiver Zusammenhang zwischen dem Anteil der Zustimmenden in der obersten Einkommenskategorie, jedoch kein solcher in den unteren Kategorien gezeigt wurde, findet sich entsprechend auf Seite 34 des Berichts eine schnelle Schlussfolgerung: „Diese Befunde zeigen bereits eine Verzerrung zugunsten oberer Einkommensschichten.“ Wie falsch diese Vermischung ist, zeigt eine einfache Umdrehung, die so aussehen würde: „Diese Befunde zeigen, dass Minderheiten innerhalb oberer Einkommensschichten eher unterdrückt werden, als unter den Armen“. Um es einfach zu formulieren: Hier wird hier schlicht von Äpfeln (einem Merkmal der Einkommensgruppe – die Armen oder die Reichen) auf Birnen (einem Merkmal der Gruppe der Zustimmenden, zu der in der Regel Arme und Reiche gehören, wenn auch in unterschiedlichen Anteilen) geschlossen.

Natürlich sind wir uns alle sicher: der Einfluss Reicher auf die Politik ist höher als jener der Armen. Anders als in den USA mit den immensen Wahlkampfspenden sorgen hierzulande dafür Lobbyisten, die wohl eher im Dienste der Reichen als der Sozialhilfebezieher stehen. Studien, welche dieses anekdotische „Wissen“ systematisch belegen und damit auch etwas an diesem Zustand ändern könnten, wären höchst willkommen. Die von den Autoren vertretene „Neue Responsivitätsforschung“ ist dafür offensichtlich nicht geeignet. Im Gegenteil: Sie schadet, weil der Status Quo mit dem Hinweis auf schlechte Forschung leicht verteidigt werden kann – oder noch schlimmer: „Responsivitität“ übersetzt sich dann schnell in Populismus.

Damit wird auf ein Problem verwiesen, das über diesen Einzelfall hinaus reicht, nämlich auf Auswahl und Vergabe von Studien und damit auf die Beurteilung der Angemessenheit ihre wissenschaftlichen Grundlagen. Offensichtlich geschieht das überall noch weitgehend „freihändig“ durch Minister oder ihnen unterstellte Bürokraten. Während die „Peer-basierten“ Begutachtungsprozeduren in Forschungsfonds und in Fachjournalen vielfach zu Recht kritisiert werden, sind sie der gängigen Praxis der Vergabe von Studien für den öffentlichen Sektor mit Sicherheit weit überlegen. An dieser Stelle also ein Vorschlag dessen Umsetzung die von den Studienautoren kritisierte Verzerrung noch verstärken würde: Ministerien und öffentliche Institutionen, welche Studien in Auftrag geben, sollten ein „Peer-basiertes“ Begutachtungsverfahren einführen und verpflichtend bei Vergabe von Studien und vor deren Verwendung einsetzen. – Prof. Dr. Johannes M. Lehner


Leserbrief zu „Außer Kontrolle“ von Caterina Lobenstein

Als ehemalige Mitarbeiterin der UN in Afrika kann ich sagen, daß diese „Afrikapolitik“ nichts fruchten wird. Es geht darum unsere Waren zurückzunehmen und afrikanischen Ländern die Möglichkeit zu geben, ihre Waren, ihre Früchte zu exportieren. Aber wer will das denn bei uns? Da würden wir doch weniger verdienen.

Beruhigend ist nur, daß viele Yachtbesitzer , die im Mittelmeer ihre Yachten liegen haben, so einsatzbereit zupacken und helfen Menschenleben zu retten – denn wer könnte schon auf so einem Meer schippern und wissen in diesem ertrinken Menschen?  Oder habe ich jetzt irgendetwas verwechselt? Bei der Osterpredigt nicht richtig zugehört? – Brigitte von Stebut


Leserbrief zur Titelseite

Ich habe heute die Titelseite von der Zeit gesehen und ich war in negativer Sinner schockiert. Der Titel über und Text über Marine Le Pen ist wie aus der 50 Jahren. Warum fragen Sie überhaupt warum der Geschlecht NICHT themathisiert wird? Was hat ihr Geschlecht mit etwas zu tun? Warum fragen Sie solche Fragen bei männliche Politikern nicht? Ist Die Zeit im Jahr 2017 immer noch so altmodisch, dass Sie ihr Geschlecht auf der Titelseite zu dem Hauptpunkt machen? Unglaublich.

Wie Sie vielleicht denken können, habe ich die aktuelle Ausgabe nicht gekauft, weil sowas will ich nicht unterstützen. Egal was ich über Le Pen als Politikerin denke. – Karita Kuitunen


Leserbrief zum Prämienangebot: Kindle-Reader

Mit einiger Bestürzung sehe ich, dass Sie als Prämie für eine Abonnentenwerbung auch einen Kindle-Reader anbieten (gegen 49 Euro Zuzahlung). Sind Sie nicht am Erhalt und an der Unterstützung des stationären Buchhandels interessiert? Oder wissen Sie schlichtweg nicht, dass Sie mit einem Kindle nur E-Books bei Amazon erwerben können und nicht bei der Buchhandlung Ihrer Wahl? Und dass Sie mit dem Kindle auch nicht die Online-Ausleihe der öffentlichen Bibliotheken nutzen können, weil der Kindle dieses Format nicht unterstützt?

Auch der Tolino etwa ist WLAN-fähig, hat eine integrierte Beleuchtung, lange Akkulaufzeit, einen sehr guten E-Ink-Touchscreen-Bildschirm und erlaubt, die Schriftgröße zu skalieren. Aber mit dem Tolino kann ich darüber hinaus bei jeder Buchhandlung meiner Wahl einkaufen und auch E-Publikationen in meiner Stadtbibliothek – oder jeder anderen Bibliothek weltweit, in der ich angemeldet bin – ausleihen.

Angesichts der größeren Freiheit und Anwendungsmöglichkeiten, die der Tolino und andere Reader bieten, ist es mir unverständlich, warum Sie den Kindle promoten und so der Monopolisierung im Buchhandel Vorschub leisten (zumal Amazons Behandlung seiner Mitarbeitenden auch immer wieder in die Kritik geraten ist). – Julia Kühn


Leserbrief zu „Bonne Chance, Frankreich!“ von Nicolas Truong (»Le Monde«), Adam Soboczynski (Die Zeit)

Chapeau Monsieur Truong und Herr Soboczynski zu ihrem Beitrag! Seit langem wieder einmal ein echtes Highlight in der ZEIT. – Franz Pastusiak


Leserbrief zu „Die Abgeklemmten“ von Laura Cwiertnia

„Die Energiewende ist schlecht, weil sie arme Leute finanziell so beutelt, dass ihnen der Strom abgeklemmt wird.“ Diese Botschaft vermittelt der Artikel von Laura Cwiertnia. Das ist aber ein falsches Bild; es bedarf einiger Korrekturen, wie z. B.:

Die Energiewende besteht nicht nur (wie im Artikel geschrieben) aus dem EEG und der Förderung von Wind- und Solarstrom. Sie umfasst noch viele andere Maßnahmen, wie z. B. Förderprogramme zur Energieberatung und günstige Kredite für die Altbausanierung. Diese Programme werden aus Steuermitteln finanziert, und damit vorwiegend von Gut- und Besserverdienenden. Geringverdiener müssen dazu keinen Beitrag leisten.

Ein Satz wie „Ein Durchschnittshaushalt bezahlt heute mit rund 85 Euro im Monat mehr als doppelt so viel für Strom wie noch 2000, als die Umlage eingeführt wurde.“ suggeriert, dass allein die EEG-Umlage für den Kostenanstieg verantwortlich ist. Alle anderen Gründe werden schlicht ausgeblendet.

Das Programm „Stromsparcheck“ der Caritas, das Menschen das sparsame Stromverbrauchen ermöglichen soll, wird zwar erwähnt, aber gleich abqualifiziert, denn „An der strukturellen Ursache des Problems ändert es nichts.“ Dabei erfahren wir später, dass die als Beispiel genannte Carina Will einen Kühlschrank besitzt, der dreimal so viel Energie verbraucht wie ein moderner, und – fünf Absätze später – für einen neuen Kühlschrank kann Carina Will beim Jobcenter ein Darlehen beantragen. Sie kann ihre hohe Stromrechnung also durchaus reduzieren.  Aber das passt wohl nicht zur beabsichtigten Botschaft der Autorin.

Zu recht werden in diesem Artikel alte Nachtspeicherheizungen angesprochen und als Stromfresser tituliert. Aber es findet sich kein Hinweis, dass die Umweltbewegung diese Heizungen schon seit Jahrzehnten kritisiert, dass es aber die Bundesregierungen versäumt haben, hier ein Verbot auszusprechen oder auf andere Weise den Austausch dieser unökologischen Heizungen zu forcieren. Wenn jetzt Mieter solcher Wohnungen durch die EEG-Umlage stark belastet werden, ist das nicht primär dem EEG anzulasten, sondern es ist ein Versäumnis der Politik.

Laura Cwiertnia erwähnt kurz, dass Industriekonzerne weitgehend von der EEG-Umlage befreit sind. Das ist richtig, sollte aber im Zusammenhang dieses Artikels stärker hervorgehoben werden. Denn es sind nicht nur die Industriekonzerne, die im internationalen Wettbewerb stehen, die von diesem Vorteil profitieren; sondern der Kreis der begünstigten Unternehmen wurde extensiv ausgeweitet, so dass jetzt auch z.B. Schlachthäuser, Nahverkehrsbetriebe u. ä. befreit sind. Würde diese aus meiner Sicht ungerechtfertigte Befreiung gestrichen, so könnte die EEG-Umlage um ca. 20% gesenkt werden. Das wäre auch für die vorgestellte Carina Will ein deutlicher Gewinn.

Man kann durchaus über die von Cwiertnia vorgeschlagene Umstellung der EEG-Umlage auf eine Steuerfinanzierung diskutieren, dann aber bitte nur mit einer fairen Würdigung der bisherigen Praxis und – das ist noch entscheidender – mit der Ansage, wo die dafür benötigten knapp fünf Milliarden Euro im Bundeshaushalt eingespart werden können.  – Dr. Walter Witzel


Leserbrief zu „Die Abgeklemmten“ von Laura Cwiertnia

Den Artikel von Laura Cwiertnia habe ich mit gemischten Gefühlen gelesen. Er thematisiert mit der sozialen Ungerechtigkeit in der Strom- bzw. Energieversorgung ein brennendes Problem, das zu Lösen es gilt. Dass die Kosten für Energienutzung derart ungleich auf die verschiedenen Einkommensschichten verteilt sind und für die angesprochenen Verbrauchergruppen zu existenzbedrohlichen Situationen führen, ist wie von Ihnen beschrieben, nicht hinnehmbar.

In einem Punkt muss ich Ihnen jedoch entschieden widersprechen: dass das EEG an dieser Situation schuldig ist! Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat (zumindest in seiner ursprünglichen Form) die Energiewende erst möglich gemacht. Eine Energiewende unter dem Strich zu sinkenden Stromkosten (an der Börse) geführt hat. Das Problem ist nur, diese Kostensenkung wird nicht an die Verbraucher weitergegeben. Im Gegenteil – durch die Befreiung bestimmter Großverbrauchergruppen von der Zahlung der EEG-Umlage profitieren die Großverbraucher, nicht die Bedürftigen.
Hier gilt es anzusetzen. Ihr Vorschlag einer CO2-Steuer zur (Teil-) Finanzierung der Energiewende ist ein Ansatz. Gerechte Verteilung der EEG-Umlage ein anderer unter vielen. – Martin Thema


Leserbrief zu „Bonne Chance, Frankreich!“ von Nicolas Truong (»Le Monde«), Adam Soboczynski (Die Zeit)

Das Feuilleton der  ZEIT No.17 in Kooperation mit der frz. Le Monde ist sehr gelungen und ich danke Ihnen für diese völkerverständigende und passionierte, gemeinsame Redaktion!

Hoffnung und Lust an Politik, an Europa, dabei den realen Fragen ins Auge sehend und doch lieben können, die Freude an der gemeinsamen Gegenwart und Zukunft lebend!  Äußerst gute Beiträge!  – Hugo Holger Busse


Leserbrief zu „Zurück zu Helmut Kohl“ von Mark Schieritz

Es ist durchaus üblich, dass in einem Plädoyer Fakten etwas “verdreht” werden damit ein Argument mehr Gewicht bekommt. Wenn allerdings Mark Schieritz in seinem Artikel “Steuern für Normalverdiener sind zu hoch” schreibt “Mehr als jeder elfte Arbeitnehmer verdient so viel Geld, dass er den höchsten regulären Steuersatz bezahlen muss, 42%”, und diese Aussage ohne weitere Erklärung im Raum stehen lässt, dann führt er den Leser bewusst in die Irre.

Er versucht den Eindruck zu vermitteln, dass der Verdiener von 54.000 Euro 42% Steuern auf diesen Betrag zahlt (ebenso wie jemand mit einem Einkommen von 500.000 Euro). Tatsächlich werden die 42% nur für den Teil des Einkommens fällig der 53.666 Euro überschreitet. Das bedeutet: mit einem Einkommen von 54.000 Euro werden etwa 26% Steuern fällig (gestaffelt von 16 bis 42%), bei einem Einkommen von 500.000 Euro sind es ca. 40%. So gesehen ist die bestehende Ungerechtigkeit nicht ganz so groß und der Artikel nicht ganz so brisant. Das eigentlich Spaßige an der Sache ist der Umstand, dass Mark Schieritz auch für den Beitrag “Fakt oder Fake” im Wirtschaftsteil verantwortlich ist. Ob man ihm da alles glauben kann? – Sven Herfurth


Leserbrief zu “Tief im Westen” von Benedikt Erenz

Ich finde, daß die deutsche Sprache sehr fein abgestufte, präzise aber auch poetische Äußerungen möglich macht, vorausgesetzt, daß man fähig und willens ist, sich ihrer zu bedienen. Das Englische ist hier oft vereinfachend platt, das Französische manchmal ausschweifend umständlich.

Pompefunerable ( Pompes Funebres, franz. ) Benchmark, engl. entlarvt Sie als Nachgeborenen der sich, Ihre Empfehlung, auf youtube informieren soll. Ich bin mir sicher, daß einem Redakteur der Zeit besseres gelingen könnte. – P. Wurmbauer


Leserbrief zu „Gestrandet in… Leverkusen“ von Philipp Schwenke

Zu: Gestrandet in Leverkusen. Unter „Entdecken“. S. 69 Zu entdecken gibts noch die Bücher im „Zentral Antiquariat“ in Leverkusen Wiesdorf , eins der schönsten und größten Antiquariate der Gegend . Es existiert bald 30 Jahre und das sieht man. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Zurück zu Helmut Kohl“ von Mark Schieritz

Auf der Titelseite Ihrer Zeitung schreibt Ihr Autor unter dem Aufmacher  „Gerechtigkeit“, daß ein Arbeitnehmer bei einem Einkommen von 54.000 €  42 % Steuern zu zahlen habe. Und zwar mehr als jeder elfte! Das wären dann 54.000 x 0,42  = 22.680 € Steuern. Es blieben ihm also  noch 31.320 € jährlich oder 2.610 € monatlich, wahrlich zu wenig für ein Luxusleben.  Nun, entweder der Autor hat keine Ahnung von Steuertarifen oder er will  uns was weißmachen und sagt nur die halbe Wahrheit (wenn überhaupt).  Nach §32a EStG beträgt die Steuer bei einem Einkommen (Alleinstehender)  von 54.000 € genau 14.985,22 € einschl. Soli. Das sind genau 27,75 % !!!!!

Hat Ihr Autor wirklich keine Ahnung oder ist das mit den 42 % (das ist  übrigens der Grenzsteueratz) eine bewußte Irreführung der Leser?  Letzteres scheint wohl der Fall zu sein. Denn im Wirtschaftsteil schreibt derselbe Autor, daß ein  Alleinstehender bei einem zu versteuerndem Einkommen von 50.000 € 25 % Steuern zahlt. (auch dieser Artikel zeugt übrigens von zu wenig Sachkenntnis).  Was soll also die Polemik mit der „Gerechtigkeit“? Jeder Steuerzahler,  ob Facharbeiter oder Manager, bezahlt prozentual gleich viel!

Der Facharbeiter zahlt bei 54.000 € rund 27 % Steuern und der Manager  auch.  Der Manager zahlt bei 300.00 € zu versteuerndem Einkommen rund 40 %  Steuern und der Facharbeiter auch, nur kommt letzteres seltener vor.  Ein Fußballspieler (natürlich jeder andere Bürger auch) mit einem  Einkommem von 10 Millionen hat übrigens nur rund 45 % Steuern zu zahlen. Das Mißverhältnis entsteht also erst beim armen  Manager und dem reichen Fußballspieler, die prozentual fast gleich viel  zu zahlen haben.  Für eine seriöse Zeitung ist dieser Artikel absolut unmöglich. – A. Lücken


Leserbrief zu „Der Herr Pfarrer und sein Mann“ von Roland Kirbach

Mit sehr großem Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen. Sehr gut geschrieben – vielen Dank dafür.

Bezüglich der katholischen Seite möchte ich noch auf eine kleine aber feine Besonderheit verweisen: www.alt-katholisch.de  Hier haben wir die kritischen Lebenssituationen, die sie beschreiben, bereits der Lebenswirklichkeit angepasst. – Oliver Heister


Leserbrief zu „Wie kriminell sind Flüchtlinge?“ von Martin Klingst und Sascha Venohr

Wenn Sie die Statistiken mit solchen vergleichen über deutsche  „Benachteiligte“ (Sprache, Familien- und Freundeskreis, (Aus)bildung,  Einkommen, Arbeit, Wohnverhältnisse, Kultur …) dürften sich die  Statistiken sehr ähnlich sein. Schade, dass dieser Aspekt nicht erwähnt wird, sodass vermittelt wird,  dass die Nationalität in direktem Zusammenhang mit einer verstärkteren  Kriminalitätrate steht. Hatte ich von der Zeit nicht erwartet. – Christiane Villers


Leserbrief zu „Fast ganz oben“ von Elisabeth Reather

Marine Le Pen ist der Wolf im Schafspelz. Sie hat sich geschickt von ihrem Vater distanziert und den Front Nationale wieder salonfähig gemacht. Natürlich ist sie eine erfolgreiche Frau, nur wer möchte sich denn auf die Seite des Rechtspopulismus begeben? Das möchte doch niemand und noch weniger die Feministinnen. Marine Le Pen darf nicht Präsidentin werden und dabei ist es vollkommen irrelevant, ob sie eine Frau ist. Es geht einzig und allein um die politische Richtung, die eingeschlagen werden soll. Und die ist höchst verwerflich! – Yves Pulst


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

In meiner nunmehr 40 jährigen politischen Laufbahn war der Begriff der Toleranz und der Offenheit gegenüber der anderen Meinung nie ein Ausdruck der politischen Ausrichtung. Auch die linken Studentenbewegungen der 68er und deren Ausläufer in den 70er und anfänglichen 80er Jahren, die ich dann noch persönlich miterleben durfte, waren ja viel, nicht aber tolerant und meinungsoffen.

Natürlich sind wir dann gleich ganz nah dran an der Diskussion über den Begriff Toleranz und Offenheit. Ein Leitspruch der aufgeklärten Linken ist ja ein Zitat Rosa Luxemburgs, dass Freiheit immer auch die Freiheit des Andersdenkenden sei. Damit hat sie zweifellos den Begriff der politischen Freiheit definiert, ein Begriff, der in politischen Auseinandersetzungen dann gerne von der politischen Rechten den politischen Linken als Spiegel vorgehalten wurde. Dieser politische Freiheitsbegriff allerdings hatte weder bei Rosa Luxemburg noch in der heutigen Linken je etwas mit Toleranz und Offenheit zu tun.

Vielmehr sehe ich es als eine persönliche Einstellung eines jeden Individuums, inwieweit Offenheit gegenüber anderen Auffassungen zugelassen werden. Die Art, wie wir dann politische Auseinandersetzungen umsetzen ist dann meines Erachtens viel abhängiger von der allgemeinen Debatten- und Diskussions- (oder auch Streit-)kultur einer Gesellschaft als von der jeweiligen politischen Überzeugung.

Die Verführung im Diskurs liegt ja immer darin, dass in der Vereinfachung der eigenen Argumentation (die unweigerlich mit der Ausblendung störender Fakten verknüpft ist) man von der Allgemeinheit auch wiederum besser verstanden wird. Diese Verführung ist leider Partei-übergreifend. – Michael Parbs-Dalitz


Leserbrief zu „Zurück zu Helmut Kohl“ von Mark Schieritz

Ich bin Neu-Abonnent der Zeit und finde wirklich gut was Sie machen.  Heute Morgen jedoch war ich ziemlich empört, als ich auf Seite 1 den  Kommentar „Zurück zu Helmut Kohl“ las.  Ich habe drei Fragen dazu:  Erstens:  Sie schreiben: „Mehr als jeder elfte Arbeitnehmer – das hat jetzt eine  Studie ergeben – verdient so viel Geld, dass den höchsten regulären  Steuersatz bezahlen muss, 42 Prozent.“ Das ist nicht richtig. Oder mindestens grob irreführend.

Dass man mit 54.000 Euro in den Höchstsatz rein kommt, heißt ja, in  einem progressiven Steuersystem, noch lange nicht, dass man 42% Steuern bezahlt. Warum schreiben Sie das so?  Zweitens:  Auf welche Studie beziehen Sie sich?  Drittens:  Sie schreiben weiter „Wenn das Finanzamt bei rund 4.2 Millionen  Deutschen mit voller Härte zuschlägt“: Auch nicht richtig (s.o.), und noch dazu plakativ mit auf das böse  Finanzamt eingeschlagen.

Denken Sie wirklich es ist hilfreich hier mit BILD Zeitung Mitteln  Stimmung zu machen?  Ihre Motivation scheint eine gute und gerechte zu sein. Ich bin ganz  bei Ihnen, was ihre Schlussfolgerung einer notwendigen Umverteilung angeht. Aber da ist doch sicherlich nicht der Spitzensteuersatz das Problem.  Viel wichtiger wäre es doch erstmal dafür zu sorgen, dass Konzerne  endlich mal Steuern bezahlen, dass Börsengewinne anständig versteuert  werden und Steuer-Schlupflöcher gestopft werden, die ermöglichen, dass  Reiche bis Superreiche wenig bis gar keine Steuern bezahlen. – Nils Steinheimer


Leserbrief zu „Der Herr Pfarrer und sein Mann“ von Roland Kirbach

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel über den Herrn Pfarrer und seinen „Mann“ gelesen. Allerdings ist Ihnen ein Fehler unterlaufen: Sie schreiben das die Herren Mátéfy und Rost sowie Hassemer und Hassemer-Tiedeken „verheiratet“ seien.

In Deutschland ist es Gott sei Dank nicht möglich das gleichgeschlechtliche Paare eine Ehe
eingehen können. Also können die beiden Paare nicht verheiratet sein. Korrekt wäre: Verpartnert !!

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hält sich übrigens an den korrekten Begriff; warum kann das Die Zeit nicht auch? Hierzu für Sie zum Nachlesen die gesetzliche Regelung (Auszug aus Wikipedia):

In Deutschland haben gleichgeschlechtliche Paare kein Recht auf Eheschließung. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen in Deutschland nur eine sogenannte eingetragene Lebenspartnerschaft schließen, welche im Vergleich zur Zivilehe mit den gleichen Pflichten, aber weniger Rechten ausgestattet ist. – Ingo Kullmann


Leserbrief zu „Wie kriminell sind Flüchtlinge?“ von Martin Klingst und Sascha Venohr

die Aufmachung dieser Gegenüberstellung im Artikel empfinde ich als nicht angemessen. Ich vermute man argumentiert hier mit „Die deutschen Bürger müssen informiert werden“ Es werden also nicht besonders belastbare Zahlen als Anlass genommen, zu beweisen das Geflüchtete ( und bitte  streichen sie endlich „Flüchtling“ aus ihrem Wording!) dazu beitragen die Kriminalitätsrate in unserem Land zu erhöhen.

Ich bin über die Fakten zwar weder entsetzt, noch überrascht mich diese Statistik. Jedoch sollte man sich doch einfach mal fragen, wie stark Sie mit solchen Artikeln rassistische Strukturen fördern und was Sie damit bewirken. Nicht jeder liest bis zu dem Punkt an dem eher leise erwähnt wird, dass Konflikte auch durch die entsprechende Lebenssituation entstehen. Diese derartige Schubladen-Denkerei, tut dermaßen weh, dass ich doch sehr stark an der Qualität ihrer Redaktion zweifeln muss.

Diese Gegenüberstellungen sind nicht reflektiert und führen zu nichts, sie befördern nur bereits bestehenden Rassismus und setzten bereits bedrohte Geflüchtete in unseren Reihen noch mehr unter Druck. Wir brauchen eine Debatte darüber wie und wo wir die Geflüchteten abholen und wie wir es schaffen, dass sie in keine Kriminalitätspirale geraten, nicht selten treibt die Politik sie doch erst da rein.

Zumindest ein solcher Artikel hätte noch in die Politiksparte gehört, statt eine Dolce&Cabana Werbung. Das musste ihnen doch weh tun! Sollte in der nächsten Ausgabe etwas kommen, in der die mal wieder die Fassungslosigkeit über den Erfolg der Afd betont wird dann haben Sie definitiv eine Leserin weniger.  – Friederike Aps


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Vielen Dank für den differenzierten Beitrag! Das linke Bildungsbürgertum veranstaltet gerade, was die 68er – zu denen sie selbst in der Regel gehörten – gegen das Establishment in den Widerstand getrieben hat. Totschweigen!

Ungeschriebene Gesetze werden für die eigene Parallelgesellschaft definiert. Und es bleibt völlig unbemerkt, wie durch diese Arroganz Bürger der AfD ihr Stimme geben, die sich der gesellschaftlichen Realität nicht  entziehen können – z. B. durch eine alternative Schule für ihre Kinder.

Demokratie kann nur Bestand haben, wenn wir auf einander achten und einander achten; wenn wir uns nicht zurückziehen in Parallelgesellschaften. Dabei brauchen wir das Bildungsbürgertum! – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Fast ganz oben“ von Elisabeth Reather

Vielleicht ist sie gar nicht so schlimm, wie man denkt, aber es ist trotzdem besser, sie wird nicht Präsidentin. Wenn Frankreich die EU verlässt, kann selbige einpacken. Das sollten auch die Franzosen bedenken. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Frau Hasel  schreibt mit ihrem Text an einem eigentümlichen Problem der Linken vorbei. Dabei hat sie Recht mit Ihren Beobachtungen, dass es im linken Milieu ungute Tabus, Denk- und Sprechverbote gibt. Das aber ist nichts Neues.

Die Linke zeichnet sich schon seit Generationen, vielleicht seit Ihrem Bestehen, dadurch aus, dass sie gerne die Vertreterinnen und Vertreter abweichender Meinungen in den eigenen Reihen zu den Hauptfeinden erklärt, oder zumindest so agiert, als seien sie das. Der Vorwurf, man arbeite der Gegenseite in die Hände oder gar des Verrats ist schnell erhoben. Konservative dagegen scheinen sich leichter zu tun, Diversität auszuhalten. Offenbar ist hier auch der Zusammenhalt untereinander stärker ausgeprägt.

Nun aber zieht Frau Hasel den Schluss, sie sei wohl nicht mehr links, weil sie in einigen Fragen eine abweichende Meinung vom linken – artikulierten – Mainstream vertritt. Ich meine, dass sie damit derselben Verhaltenslogik folgt, die sie in ihrem Text so richtig kritisiert: Bist Du in zentralen Fragen nicht konform, so gehörst Du nicht mehr dazu.

Links sein heißt, so schreibt Frau Hasel, „aufgeklärt, kritisch, tolerant“ sein, bedeute an „Gleichheit und Solidarität zu glauben und Menschen nicht einfach sich selbst zu überlassen“. Genauso ist es, wenn ich auch Gleichheit eher durch Gerechtigkeit ersetzen würde. Nun darf der Weg zur Verwirklichung dieser Ideale durchaus umstritten werden, auch heftig. Tabus und Denkverbote aber verhindern das Lernen, ebenso wie abweichende Einstellungen nicht mehr zu äußern, aus purer Enttäuschung. Der Gleichschritt gehört – allenfalls –  ins Militär, nicht aber in eine moderne Linke. – Heike Leitschuh


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

Ihr Beitrag findet meine volle Zustimmung. Er deckt sich mit meinen Erfahrungen und Beobachtungen. Anerkennung verdienen auch Ihre klare Sprache und Ihr Mut, sich als „Abtrünnige“ zu erkennen geben.

Bei jedem Thema darauf bestehen, die Interessen zu benennen und die Argumente zur Sache vorzubringen anstatt sich auf eine Moral zu berufen, die einem nichts kostet, das könnte eine Richtschnur für weitere Auseinandersetzungen sein. – Reiner Felkel


Leserbrief zu “Das Stockholm-Syndrom“ von Can Dündar

Wo bitte gibt es einen Staat der nicht gespalten ist.? Das ist nicht nur in der Türkei so. Ich erspare mir eine Aufzähluung. Das Referendum ist Sache der Türkei. Das übrige Europa hat sich da nicht einzumischen.

Kritik kann ja geübt werden. Aber Erdogàn als Unmenschen hinzustellen geht zu weit. Der wird die Türkei weiter vernünftig führen und dafür Sorge tragen, daß der Wohlstand erhalten bleibt.

Märchen werden besonders in Deutschland erzählt. Ihr Autor als Türke mag das schmerzlich sein. Und der Kollege von der „Welt“ wird in Zukunft nicht mehr in die Türkei reisen. Das war ohnehin ein Fehler, nach dem Militärputsch. – Gunter Knauer


Leserbrief zu “Das Stockholm-Syndrom“ von Can Dündar

Im letzten Abschnitt stellt Dündar fest, dass Deutschland am Abstimmungsverhalten seiner Türken die Schuld trägt. Damit folgt er dem Weg aller Orientalen: Die Anderen sind schuld. Als guten Rat gibt er mit auf den Weg, dass Deutschland seine Integrationspolitik revidiere. Ich glaube nicht, dass er damit rechnet, dass Deutschland feststellt, der Islam ist nicht integrierbar mit seiner Steinzeit Scharia. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Zahlen Arbeiter mehr als Aktionäre“ von Mark Schieritz

Komplexe Zusammenhänge können durchaus vereinfachend dargestellt werden, z.B. um in einem halbseitigen Zeitungsartikel schneller auf den Punkt zu kommen oder um Leser mit einer reißerischen Überschrift anzulocken. Vereinfachung darf aber nicht verfälschen! So machen Sie die tatsächliche Steuerbelastung von Kapitalerträgen mit angeblich mehr als 25% daran fest, dass der größere Teil der absoluten Beträge an Abgeltungssteuereinnahmen aus Dividendensteuern stammt. Geldbeträge und Prozentsätze sind aber zwei verschiedene Paar Schuhe! Ich sehe da keinen Zusammenhang, was den angeblich höheren Prozentsatz betrifft. Weiter schreiben Sie, „der Maximalsatz der Einkommensteuer inklusive Soli und Reichensteuer  beträgt 47,5%“. Das ist falsch.

Das würde mathematisch bedeuten, dass das Einkommen mit 42% Lohnsteuer plus 5,5% Solidaritätszuschlag besteuert wird. Richtig ist aber, dass sich nur die 42% Lohnsteuer auf das zu versteuernde Einkommen beziehen, der so genannte Soli umfasst 5,5% lediglich der Lohnsteuer! Gern wüsste ich auch, wo Sie die Angabe „Der Durchschnittsverdiener in Deutschland zahlt nur 13,8% Einkommensteuer“ hergeholt haben.

Das stimmt vielleicht, wenn Sie in diesen Durchschnittswert die Zahl derer, die mit ihrem zu versteuernden Einkommen unter dem Steuerfreibetrag liegen und deshalb keine Lohnsteuer zahlen, mit hineinrechnen. Ihrer Formulierung entnehme ich aber, dass Sie diese angeblich 2,7 Mio. Erwerbstätigen extra betrachten. Dann erscheinen mir die genannten 13,8% Lohnsteuer seeehr gering – also woher stammt diese Zahl? Sehr verwaschen gehen Sie auch mit den Begriffen Lohnsteuer und Einkommensteuer um. Jede Lohnsteuer ist eine Einkommensteuer – jedoch ist nicht jede Einkommensteuer auch gleichzeitig Lohnsteuer.

Der Artikel bestärkt all jene, die meinen, der Staat nimmt ihnen zu viel weg von ihrem zu wenigen Einkommen. Das ist sehr populistisch und eigentlich zu platt für eine seriöse Wochenzeitung wie die ZEIT! Konstruktive Kritik, die auf Sachkenntnis beruht, ist notwendig und gut. Volkstümelndes Gemecker ist einfach nur dumm. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Ich bin nicht mehr links“ von Verena Friederike Hasel

O, ihr linken Theoretiker und Traumtänzer – eines Tages wird euch der rauhe Wind der Wirklichkeit eure riesengroße rosarote Brille von der Nase reißen! Plötzlich blickt ihr in einen Abgrund, den ihr auch mit all euren Weltbeglückungsideologien nicht mehr überwinden könnt!  Widerwillig werdet ihr über die Brücken gehen, die euch die rechten Praktiker bauen – wenn’s dann nicht schon zu spät ist! – Dr. med. Ulrich Pietsch


 Leserbrief zu „Der wahre Gegner der Spieler steht nicht auf dem Feld!“ von Jens Jessen

Nennt man es Ironie des Schicksals, dass also auch das Motiv des Anschlags kommerziell bedingt war? Jedenfalls bringt Ihr Artikel es auf den Punkt: die finanziellen Interessen wiegen schwerer als der erfolgte Versuch, Menschen zu töten. Wie viel kostet denn ein Mensch? Kann man ihn gegen Geld aufwiegen? Hätte die UEFA nur dann menschlich reagiert, wenn einer der Spieler getötet worden wäre?

„Mehr als eine Verschiebung um 24 Stunden war offenbar nicht drin.“ Dieser Satz rief mir die Aussage von Ulrich Klose (N-TV, 12.04.) ins Gedächtnis, nach der die Wiederansetzung auf Drängen der UEFA schnellstmöglich dingfest gemacht wurde – spätestens der dritte Vorschlag aus Nyon „musste“ von den BVB-Verantwortlichen angenommen werden.

Also bleibt also nur: die Regularien zu ändern. Handeln statt Reden! Daher freue ich mich, wenn viele Ihrer Leser die Petition auf change.org unterschreiben und wir gemeinsam schon mal bei der DFL beginnen, etwas zu ändern. Danach könnte der Druck auf die UEFA groß genug sein… – Alban Krämer-Delahaye


Leserbrief zu „So isst Amerika” von Thomas Assheuer

So isst Amerika, titeln Sie. Sie hätten hinzufügen müssen: ganz Europa isst auch so. Und nicht nur das, wir sprechen mittlerweile so, wir denken so, wir arbeiten so, wir werben so, wir betreiben die falsche Geldpolitik so. Wir sind Amerika.

Der Beitrag bezog sich nur auf den Film „The Founder“. Ich habe mir erlaubt, die Realitäten etwas zu ergänzen. Und das was uns noch europäisch macht, taugt in der Regel nichts. Das ist doch verrückt. Die Kultur in Amerika ist eigentlich zum Gotterbarmen. Sie ist aber erfolgreich und die Massen streben alle danach.  Die Bildung in Deutschland, die eigentlich gar keine ist, hat viele „Dummjahner“ in die Welt gesetzt. Wer regen uns alle über China auf, angeblich die besten Kopierer der Welt, stehen in Wirklichkeit nicht alleine da.

Europa macht das auch ganz gut. Nur die Franzosen haben sich lange zurückgehalten. Durch meinen letzten Besuch in Paris sehe ich fast die gleichen Geschäfte.   Jetzt soll auch die Politik, die Grande Nation, auf den Müll.  Auch ein Kulturfrevel. So werden langsam die Kulturen vernichtet.  Europa kann auch anders ihren Frieden bewahren. Dafür brauchen wir auch eine krumme Gurke. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Zahlen Arbeiter mehr als Aktionäre?“ von Mark Schieritz

Vielleicht ist die Rede von der Notwendigkeit einer Abgeltungssteuer ja auch nur ein „alternativer Fakt“ , der interessenfokussisert in die Welt gesetzt worden ist.

Zur grundsätzlichen Verdeutlichung: Konzerne können Gewinne erwirtschaften, wenn ihnen Aktionäre Kapital gegen Dividende und Arbeiter ihre Arbeitskraft gegen Lohn zur Verfügung stellen. Wenn der Staat die Unternehmen besteuert (z.B. Körperschaftssteuer, Gewerbesteuern usw.) schmälert das naturgemäß diese Gewinne, die an die Aktionäre und an die Arbeiter verteilt werden können. Mit anderen Worten: Ohne Steuerabflüsse mehr Geld für üppigere Dividenden und auch für ordentlichere Löhne!  Aus diesem Sachverhalt ist m. E. aber nur mit einer  gehörigen Portion Rabulistik ein einseitiger Ausgleichsanspruch (Abgeltungssteuervorteil) für die Aktionärsseite zu legitimieren.

Bei der Einführung der Abgeltungssteuer ging es wohl eher darum, einer Flucht der Kapitaleigner aus dem Steuerstandort Deutschland entgegenzuwirken. Der humoristisch talentierte Finanzminister, der sie verantwortete, hat das ja auch auf den Punkt gebracht (Besser 25 % von X als 42 % von nix).

Heutzutage können Dunkelmänner ihre Einkünfte nicht mehr so leicht vor der Steuer verstecken, weil wiederum andere Dunkelmänner darauf aus sind, diese Verstecke zu verraten. Daher sollte das Ärgernis einer aus der Not geborenen einseitigen Steuervergünstigung für Kapitaleigner wieder aus der Welt geschafft werden. – Paul Scholz


Leserbrief zu „Zurück zu Helmut Kohl“ von Mark Schieritz

Man muss nicht so einfach für sein Einkommen Steuern zahlen, sondern für das „zu versteuernde Einkommen“, ZVE. Außerdem sollten Sie das Wort „Spitzensteuersatz“ vermeiden, besser wäre „Grenzsteuersatz“.

Ihr Satz “ Der Spitzensteuersatz wird bereits bei einem Einkommen von 54000 Euro fällig“ ,ist falsch.
Hier ein paar Fakten aus der Steuerformel 2016:
a) Bei 53.665 € ZVE bezahlt man 26,36% Steuern, (Grenzsteuersatz knapp 33%).
b) Bei 255.447 € ZVE bezahlt man 38,70% Steuern, (Grenzsteuesatz 42,0%);   hat man hier z.B. 1.000 € mehr zu versteuern, bezahlt man 450 € mehr Steuern (Grenzsteuersatz 45,0%).
c) Den Spitzensteuersatz von 45,0% bezahlt niemand, das gibt die Mathematik nicht her. Dieser Wert wird erst im Unendlichen erreicht. Beispiel: Bei 10.000.000 € ZVE muss man 44,84% Steuern zahlen, bei 100.000.000 € ZVE sind es 44,98% Steuern.

Vielleicht schreiben Sie Ihren Artikel jetzt neu? Ihren Hinweis, dass man die Steuertarife (besser: Steuerformel) an die Lohnentwicklung anpassen sollte, finde ich gut. – Ernst-Otto Grahle

 

12. April 2017 – Ausgabe 16

Leserbrief zu den Artikeln “ Meine Schönheit war doch nur eine Erfindung, Toni“ von Anita Blasberg und Carolin Pirich; „Welch ein Wahnsinn!“ von Ulrich Greiner; „Schönheit hat immer recht“ von Matthias Politycki

Eigentlich wollte ich mein Handy am Netz nun ruhen lassen, doch – siehe da! – mehrere Artikel in der dieswöchigen DIE ZEIT  sind derart erstklassig, daß ich es noch mal angeworfen habe,  um meine“Douze Points“ gleich mehrfach zu verteilen:

Nämlich an Anita Blasberg & Carolin Pirich : fürs wunderbare Interview mit 2 wunderbaren Frauen, Vera & Toni. CHAPEAU!  Champagner!

Ebenso 12 Points an Ulrich Greiners famosen Hölderlin-Update: Ja, WELCH EIN WAHNSINN!

Und Last Not Least jeweils 10 und 8 Punkte an: ‚Schönheit hat immer recht‘ , von M.Politycki, sowie für den Artikel der beschreibt, wie das Gehirn Schönheit dekodiert.

Und nun gehts für die Speisung des Akkus schleunigst zurück ans Netz! –  Paul Zendo


Leserbrief zu den Artikeln „Wahrheit verpflichtet“ von Hans Joachim Schellnhuber; „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker; „Wissenschaft muss lernen zuzuhören“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

In den Artikeln wird im Wesentlichen behauptet, dass der Glaube an „Alternative Wahrheiten“ vor allem ein Resultat der Geheimniskrämerei und der mangelnden öffentlichen Kommunikation von Wissenschaftler(inne)n ist. Aber die Wissenschaft hat meines Erachtens auch ein Glaubwürdigkeitsproblem, das auf ihrer zunehmenden – von der Politik geforderten und geförderten – Beeinflussung durch die Wirtschaft beruht:

Viele Wissenschaftler(innen) forschen inzwischen in Drittmittelprojekten und in Stiftungsprofessuren nicht mehr vorrangig für die Allgemeinheit und das Gemeinwohl, sondern für die – nicht zuletzt finanziellen – Interessen von Privatunternehmen. Glaubt denn irgendjemand, dass das keine Auswirkungen auf die Unabhängigkeit der Wissenschaft hat, und zwar sowohl hinsichtlich der Auswahl der Forschungsgegenstände als auch hinsichtlich der Nutzung der Forschungsergebnisse und der Darstellung von Forschungsergebnissen in der Öffentlichkeit bzw. eventuell auch der Unterdrückung missliebiger Forschungsergebnisse?

Gab und gibt es nicht Auftragsforschung durch Universitäten im Dienste großer Unternehmen mit dem Ziel, z. B. die Rolle von Pkws beim Klimawandel bzw. den Klimawandel selbst zu relativieren oder den (übermäßigen) Verzehr von Zucker oder Fett oder Alkohol oder Tabak als im Grunde unschädlich hinzustellen? Wurden bzw. werden im Medizin- und Pharmabereich nicht Wissenschaftler(innen) dafür bezahlt, dass sie Artikel schreiben, in denen sie unwirksame oder gar schädliche Medikamente als hilfreich darstellen? Gab und gibt es das nicht alles und trägt es etwa nicht dazu bei, die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft zu ruinieren? Herr Vogel dagegen stellt „Partnerschaften mit der Industrie“ ohne Einschränkungen als erstrebenswert hin.

Ein weiteres Problem ist meines Erachtens die mangelhafte Bildung großer Teile der Bevölkerung, selbst von Gymnasiasten: Wer nicht bereits in der Schule gelernt hat, wissenschaftlich zu arbeiten und Geglaubtes von Bewiesenem zu unterscheiden, wird es in vielen Fällen auch später nicht mehr lernen.

Eine Demokratie kann aber ohne eine hinreichend gebildete Bevölkerung nicht auf Dauer existieren! – Ulrich Willmes


Leserbrief zu “ Trump 2.0″ von Josef Joffe

Sie schreiben „nach dem US-Angriff auf Assads Giftgas-Luftwaffe“ und weiter unten „Dass Assad so ermuntert würde, den nächsten Sarin-Angriff zu fliegen, hat in der absurden Logik keinen Platz.“.

Offenbar sind Sie der einzige, der Beweise hat, dass beim Angriff auf Chan Scheichun Assads Luftwaffe Giftgas eingesetzt hat. Die Beweise haben Sie natürlich nicht. Also stellen Sie Ihre Vermutungen und Meinungen hier als Tatsache dar. Fake News nennt man das ja wohl neuerdings.

Die Frage „cui bono“ haben Sie sicher allein aus Platzgründen nicht beantwortet. Das möchte hier für Sie nachholen.

Assad ist amtsmüde. Deshalb ist er sehr erschrocken, als die Trump-Administration verlautet hat, ihn abzusetzen sei nicht mehr das Ziel der USA. Um eine Kehrtwende bei Donald Trump zu erzwingen, hat er kurzerhand seine Luftwaffe einen Giftgasangriff fliegen lassen, um so Trump moralisch unter Druck zu setzen, ihn doch absetzen zu wollen. So kann er sich weiter auf seinen baldigen Ruhestand freuen.

Und Sigmar Gabriel hat er nebenbei auch noch eine Freude gemacht.

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/04/05/us-regierung-haben-keine-chance-mehr-assad-syrien-zu-stuerzen/?ls=fp

Reiner Felkel


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Im Artikel von Nienhaus und Rudzio wird ein  durchschnittliches Nettoeinkommen für Familie von 4700 Euro an gegeben. Stimmt das wirklich? – P. Zielenbach


Leserbrief zu „Ihr Froschretter“ von Evelyn Finger

Drastische Artikel verdienen drastische Antworten:

Wie wär’s, wenn Sie, liebe Frau Finger und andere Christen in Deutschland, Ihrer Empörung und Ihrer Aufforderung zur Rettung der syrisch-orthodoxen Christen im Nahen und Mittleren Osten folgendermaßen Ausdruck verleihen würden:

Kleiden Sie sich in Froschkostüme (mit aufgemalten Kreuzen am Rücken); hüpfen Sie auf den Straßen herum und quaken Sie dazu möglichst laut. Benehmen Sie sich ganz wie Frösche: Bewegen Sie sich so zu einem Teich oder Flussufer in Ihrer Nähe, wählen Sie dort Partner Ihrer Art und kopulieren Sie – auf dass es bald wieder mehr Christen gebe.

Bescheidener Vorschlag hierzu: Nennen Sie sich „Die Kreuzfrösche“. Die gibt es übrigens wirklich. Zoologischer Name: Cacosternum capensae (wie passend – und: nein, den habe ich auch nicht erfunden).

Dann – und nur dann – will ich mich nicht nur für die Rettung von Menschen jedweder Religionen (oder auch Nicht-religiösen) einsetzen, wie ich es bereits tue, sondern besonders für Christen.

Tja, Cac’osternum capensae, ächt schützenswert – und, wie Christen, vom Aussterben bedroht.

Aber, mal Spaß & Satire beiseite, Frau Finger: Mir scheint, wenn es um die Probleme von Christen im Orient geht, ist Ihre Empörung stets besonders groß. Was ich zwar aus Ihrer Sicht für verständlich, jedoch aus meiner Sicht für sehr problematisch halte. Da wirken Ihre gegenteiligen Aussagen stets wie Lippenbekenntnisse.

Und die Form des Vorwurfs seitens des syrisch-orthodoxen Bischofs von Mossul halte ich für genau so peinlich daneben, wie die Idee, diesen Vorwurf in einen Artikel zu kleiden und daraus die Schlagzeile eines Aufmachers zu kreieren. – Abgesehen davon, dass wir (Deutschen und Europäer) uns auch meiner Meinung nach schon viel eher und viel stärker im Nahen und Mittleren Osten hätten engagieren sollen – auch militärisch. In diesem Punkt gebe ich dem erwähnten Bischof Recht.

Schöne Feiertage – oder wie Ihresgleichen sagt: „Frohe Ostern“ – Burkhard Schwarzkopf


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Auch bei mir, selbst Arzt, musste wegen einer Nachblutung nach Mandeloperation  eine Woche nach der Op. ein blutendes Gefäß übernäht werden, glücklicherweise komplikationslos. Ich halte Ihren  Beitrag in der Rubrik RECHT UND UNRECHT für wertvoll. Er verliert allerdings erheblich an Wert durch die geschmacklose, wenn nicht zynische Überschrift “Schluss mit lustig”. Sie kann sich ja nur auf den Tod des “dem Frohsinn verschriebenen”  Verstorbenen,  womöglich  auf sein früheres  Amt als Karnevalsprinz beziehen.  Ob Sie, sehr geehrter Herr Aisslinger,  ggf. die/der für Beitragstitel zuständige ZEIT-Mitarbeiterin/-Mitarbeiter es für angebracht halten, die Hinterbliebenen um Entschuldigung zu bitten? – Dr. med. Lorenz Peter Johannsen


Leserbrief zu „Klopp, Liverpool“ von Fritz Pleitgen

Herr Pleitgen schreibt in seiner Ich-Erzählung „Klopp, Liverpool!“ in der Ausgabe vom 12. April, dass der FC Liverpool fünfmal die Champions League gewonnen habe. Das ist falsch: Der Verein gewann viermal den Europapokal der Landesmeister und einmal die Champions League. – Christoph Seidl


Leserbrief zu den Artikeln “ Trump 2.0″ von Josef Joffe und “ Endlich eine rote Linie gezogen“ von Wolfgang Bauer

Wenn ich Maildialoge mit Freunden, Bekannten und politischen Gegnern führe, bekomme ich zu oft Antworten, die mir zeigen, daß Ihre Journalisten möglicherweise schlecht informiert sind. Hier zwei Quellen, die m.E. unberücksichtigt blieben. www.thedailybeast.com und www.InforWars.com  Was meinen Sie dazu???

Das klingt schon überzeugender. Also war der millionenteure Angriff eher innenpolitisch und außenpolitisch für die Dummen einkalkuliert ?

Hallo Herr Mösl,

haben Sie registriert, daß „den kleinen Buben den Kopf abschneiden“ von einem Portal www.thedailybeast.com veröffentlicht wurde, dessen Eigentümer die „Clinton-Stiftung“ ist. Während die sogenannte Lügenpresse in der Mehrheit davon schreibt, daß der Giftgas-Angriff noch untersucht werden müsse, Experten darauf hinweisen, daß Sarin aus einer bombardierten Waffenfabrik sich andes verteilt und gewirkt  hätte, übernehmen Sie ohne Konjunktiv die russische Darstellung. Ich glaube keiner der beteiligten Kriegsparteien. Jeder Bombenangriff ist ein schwarzer Tag für die Menschheit. Sie kommen besser voran, wenn Sie die Politik nicht in dieser Art bemühen.

InforWars.com gehörte zu den stärksten Unterstützern von Trump im Wahlkampf. – Diether Sieghart


Leserbrief zu „Je größer das Auto, desto größer der Respekt“ von Stefan Schirmer

Über die Küchenpsychologie von Rüdiger Hossiep habe ich mich geärgert. Ich bin 71 Jahre alt und habe mir wie viele gleichaltrige aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis einen SUV gekauft, weil  mir und meiner Frau das  Ein- und vor allem das Aussteigen aus einem normalen Auto zunehmend schwerer fiel. Auch das Beladen mit schweren Getränkekisten oder Koffern geht nun besser. Mit einer Ego-Krücke hat das in keinster Weise zu tun, zumal ich nur noch 6000 km im Jahre fahre. Was der Artikel betreibt ist ein Altenrassismus, weil er pauschal auch die Bedürfnisse älterer Menschen diffamiert, auch wenn das mit der Fomulierung „viele Deutsche“ kaschiert wird. – Ingbert Lindemann


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Dass im geschilderten Fall Fehler begangen wurden, wird offensichtlich von niemandem bezweifelt. Dass diese Fehler schwerwiegende Folgen hatten, ist ebenso unstrittig. Die für eine Verurteilung relevante Frage lautet allerdings, ob grobe Fehler in dem Sinne begangen wurden, dass in vollkommen unverständlicher Weise gegen selbstverständliche Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen wurde.

Bei aller Bestürzung über die Tragik des konkreten Falles sollte ein solches Urteil nicht leichtfertig getroffen werden. Ich möchte betonen, dass ich mir nicht anmaße, aus den Informationen im Artikel ein abschließendes Urteil abzuleiten, möchte aber doch Zweifel im Hinblick auf die offenbar suggerierte Annahme eines solchen groben Fehlers ableiten.

Wenn man am Schreibtisch sitzend einen Artikel schreibt oder diesen im Sessel sitzend liest, fällt ein hartes Urteil viel leichter, als wenn man den Druck kennt, als junger Arzt für viele schwer kranke Patienten gleichzeitig verantwortlich und dann mit einem schwierigen Notfall konfrontiert zu sein. Wir sollten uns auch klar machen, dass Fehler überall passieren, wo Menschen arbeiten, dass aber die Fehlerwahrscheinlichkeit von äußeren Bedingungen beeinflussbar ist. Dass sich überlange Arbeitszeiten und Übermüdung hier ungünstig auswirken, ist nicht nur intuitiv verständlich, sondern auch durch Studien belegt, und im geschilderten Fall sollte nachdenklich stimmen, dass die kritische Situation kurz vor Mitternacht eintrat.

Die äußeren Bedingungen wiederum, die sich hier offenbaren, sind in meinen Augen Folge einer Politik, die die Kommerzialisierung im Gesundheitswesen mit dem Zweck vorantreibt, einen Verdrängungswettbewerb zu generieren. Der geschilderte Fall sollte eher als mahnendes Beispiel dafür dienen, wohin diese Politik führen kann, als dazu, eine junge Ärztin an den Pranger zu stellen. – Harald Löffler


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Mit Verwunderung habe ich den o.a. Artikel unter „Politik“ gelesen. M.E. sollte ein solcher Artikel eher im „Stern“ erscheinen, und wenn schon in der „Zeit“ dann verstecken sie ihn doch irgendwo unter „Z“!

Im Ernst; jeder Wähler darf seine Entscheidung wen er wählt oder auch nicht, abhängig machen von was er will, auch davon ob Herr Schulz bekennt nie mehr Foie-gas zu essen, oder ob Frau Merkel bekennt jeden Tag ein Nachtgebet zu sprechen.

Aber eine solche Einzelentscheidung zu einem Artikel unter Politik hochzujazzen entbehrt für mich jeglicher Relevanz.

Dieses, mein Schreiben ist zunächst auch nur eine Einzelmeinung und bekommt erst Relevanz, wenn sich mehrere Leser gleichlautend äußern. Dasselbe gilt für die Schreiben des Herrn Lachetta an die SPD: für die Veröffentlichung irrelevant!

Ebenso singulär betroffen bin ich als ehemaliger Berufssoldat durch die beschriebene Feststellung des Herrn Lachetta er sein „Fallschirnjäger“ gewesen; was soll denn das? Ich vermute er war kein Jäger (Truppengattung) sondern hat bei der BW auch mal einen Springerschein gemacht. Meine Erfahrung in 35Jahren:

die wildesten militanten waren Reservisten, so wie ich (geo)politisch den Eindruck habe, die entschiedensten Befürworter von militärischen Interventionen sind in absolut überwiegender Zahl keine Militärs sondern Politiker und Meinungsbilder wie Journalisten; „ihr“ Herr Joffe tut sich da auch immer wieder (auch aktuell) gerne hervor, aber das ist schon ein ganz anderes Thema. – Thomas Steinbach


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Sämtliche mir bekannten Wissenschaftler halten es für wahr, dass zwischen Anfang und Ende eines Ereignisses Zeit vergeht. Meines Wissens sieht keiner, dass Zeit zunächst entsteht.

Dabei „wissen“ wir seit Einsteins Spezieller Relativitätstheorie, dass Zeit nichts Statisches ist. Und erst recht nicht von gleichmäßig getakteten Dauer-Teilen . Trotzdem tun wir so, als hätte es Einstein nicht gegeben.

Zur Korrektur benutzen wir die Einsicht, dass Leben nicht eine Funktion der Zeit ist, sondern die Zeit ist eine Funktion des Lebens. – Jürgen Friedrich


Leserbrief zu „Eine Diktatur in der NATO“ von Michael Thumann

Ich bitte um Verzeihung: darf ich Überschrift und Inhalt des Artikels so verstehen, dass Sie das Portugal von vor 1974 und NATO-Gründungsmitglied für eine Demokratie halten? – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Je größer das Auto, desto größer der Respekt“ von Stefan Schirmer

Je grösser das Auto, desto grösser meine Verachtung. Es sollte aber Mitleid sein, daran arbeite ich noch. – Martin Novotny


Leserbrief zu „Schönheit hat immer recht“ von Matthias Politycki

Falsche Schönheit durch falsches Christentum

Um mit Polityckis Irrtum aus „Herr der Hörner“ zu beginnen: Wenn eine Frau die Inkarnation des Bösen ist, dann nur deshalb, weil ein Mann sie soweit getrieben hat. Dass Schönheit immer recht haben muss, ist eine Männererfindung, damit die Frauen alles tun, um schön zu sein. Alles Andere wird verdrängt. Die dadurch entstehende Dualität, die dann irgendwann für Beide tödlich endet, ist eine Erfindung der Männer des Christentums, weil’s bequemer ist, alles bei den Frauen abzuladen, anstatt wie Jesus einen alleinigen Entwicklungsweg zu gehen. Das rächt sich durch zunehmende Demenz, Krebs und andere Autoimmunkrankeiten, weil sich der Körper gegen diesen Betrug wehrt. – Ruth Gehring


Leserbrief zu „Ihr Froschretter“ von Evelyn Finger

Wahrscheinlich begebe ich mich in Teufels Küche (wie passend zum Thema) wenn ich dies schreibe:

Warum müssen Christen gerettet werden und warum macht es einen Unterschied, ob zwischen Muslimen und Christen beim Retten unterschieden wird und warum ist Fröscheretten anrüchig? Ich bin evangelisch-christlich aufgewachsen, aber habe mit organisierter Religion nichts mehr am Hut!

Es ist bezeichnend, daß in der Ursprungsregion von drei großen Weltreligionen, die jeweils irgendeinen Anspruch an Liebe, Güte und Toleranz haben, die unlösbarsten Konflikte der Welt schwelen. Wie geht das zusammen? (ich habe schon lange keine Meinung und Haltung mehr zum Nahen Osten: ist eh‘ hoffnungslos und religiös hochexplosiv)

Bzw. warum müssen wir uns immernoch mit Lehren und Auswirkungen rumschlagen, die sich irgendwelche Wüstenheinis vor 2000 Jahren und später ausgedacht haben und von denen KEINER weiß, ob sie überhaupt stattgefunden haben.

Wenn Menschen religiös sind, mögen sie das gerne für sich tun, aber sie sollen bitte den Rest nicht damit belästigen!

Die Welt und gerade die Welt der Aufklärung und Wissenschaft ist inzwischen weiter fortgeschritten. Und wenn sich ergibt, daß Frösche genauso Wesen der Evolution sind und sie vermutlich andere Frösche oder für sie niedere Lebewesen nicht missionieren und Untertan machen, dann sind sie für uns schützenswürdig!

Genauso wie jeder Mensch an sich (ohne den religiösen Bombast) schützenswürdig ist. Wenn es also darum geht, Menschen jeder Art vor Krieg und Verfolgung zu schützen: ja. Wenn diese Schützenswerten religiöse Wertungen einbringen: is mir egal! – Wolfgang Michel 


Leserbrief zu den Artikeln “ Nur die eigene Ohnmacht demonstriert“ von Bernd Ulrich und “ Endlich eine rote Linie gezogen“ von Wolfgang Bauer

Sicherlich gute Argumente Für und Wider, aber das Völkerrecht sollte eben über Allem stehen! Und das ist ja laut dem Artikel über das Völkerrecht unten auf der Seite eindeutig. Traurig, daß unsere Bundesregierung da gleich wieder an die Seite der USA kuscht.

Es zeigt sich halt, sowie der Stärkste auf den Tisch haut, plappern alle nach seiner Nase. Wie enttäuschend für Deutschland und für die EU. Wann hat eigentlich die EU endlich mal eine eigene Haltung?- Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

….ist doch egal! Na wenn schon ….!!! Diese aufoktroyierten Moralvorstellungen, diese ständigen Reglementierungen, diese Vorhaltungen, die dazu veranlassen, voller Besorgnis gramgebeugt die verseuchte Welt zu betrachten! Kann am deutschen Umweltbewusstsein wirklich die Welt genesen? Ganz abgesehen davon, dass mit einem politisch erhobenen Zeigefinger (Atomaustieg, Dieselverbot, Heizungsverbot…) Werte und Lebensplanungen mit einem Federstrich zunichte gemacht werden! –  Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Diese radikalen Studenten“ von Mariam Lau

In dem Artikel „Diese radikalen Studenten“ über die  Auseinandersetzungen an der HU sind die Positionen der IYSSE völlig  unterrepräsentiert. Es werden zwar sehr wesentliche Fragen aufgeworfen,  aber nicht ansatzweise hinreichend diskutiert. Wenn in der Zeit über  die Rehabilitierung von Ernst Noltes Positionen berichtet wird, darf  das inhaltlich nicht unbeantwortet bleiben.

Da ich in dem Artikel als „Wortführer“ der Gegner in der  Auseinandersetzung genannt werde, aber mit gerade einmal 14 Worten,  kaum zitiert werde, habe ich bereits eine kurze Ergänzung unter den  Artikel gepostet.  Gerade arbeite ich an einer längeren Replik und möchte Sie bitten,  diese für den Abdruck in der nächsten Ausgabe vorzusehen. Bitte senden  Sie mir die Bedingungen für eine solche Antwort. Wie lang kann sie  sein, bis wann muss sie eingereicht werden etc.  Leiten Sie diese Anfrage ggf. bitte an die Zuständigen weiter. – Christoph Vandreier


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Dieser investigative Journalismus der ZEIT-Redaktion(Matthias Krupa) ist atemberaubend:

Vor gefühlten tausend Jahren, während seiner Zeit als EU-Abgeordneter,  hat Martin Schulz, nachweislich, Gänseleberpastete zu sich genommen.

Diese Nachricht wird die Berliner Republik nachhaltig erschüttern; die Geschichte der Ära Schulz muß neu geschrieben, um nicht zu sagen, revidiert werden.

p.s.: war dieser Artikel nicht ursprünglich für den 1. April vorgesehen ? – Werner Friedrich Balsam


Leserbrief zu „Diese radikalen Studenten“ von Mariam Lau

Wenn auch 12 Jahre älter als Herr Baberowski kann ich seine in Ihrem Artikel vorgestellten Erkenntnisse nur unterstützen. Die Frage: Wie hätte ich mich an Stelle meines Vaters verhalten? stellte sich mir auch erstin einem Alter, in dem man aufgrund seiner Erfahrungen – so man sie denn macht – etwas selbstkritischer wird. Traurig ist wirklich, dass in der jetzigen Zeit solche ideologisch verrannten , historisch jedoch offensichtlich von keiner Kenntnis getrübten Akademiker auch noch öffentliches Gehör erhalten.

Über die Auswirkungen von Tugend und Moral im politischen Handeln könnten diese Tugendwächter beim Studium der französischen Revolution sehr viel lernen- allerdings ist dies eine Fähigkeit, die den Tugendwächtern nach meinen eigenen Erfahrungen auch nicht zu eigen ist. Als Trotzkisten und somit als ‚Verfolgte des Stalinismus‘ sollten sie aber zumindest vorsichtig mit Verdächtigungen und Verfolgungen umgehen. Als ehemaliger Student der Uni Bremen (von 1974 bis 1979) und daselbst aktiv in den ‚Basisgruppen‘  muss man sich doch glatt für die Dummheit eines solchen AStA schämen. – Hans-Gerd Benninghoven


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Hat Martin Schulz Gänsestopfleber gegessen oder nicht? Mit dieser vor allem für CDU-Wahlstrategen und für Herrn Lachetta spannenden Schicksalsfrage beschäftigt sich der Artikel „Martins Gans“ im Politikteil. Da springt mir die verzweifelte Aussage des Bischofs von Mossul im gleichen Politikteil ins Auge „Der Westen schert sich mehr um Frösche als um uns.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. – Joachim Peters


Leserbrief zu “ Trump 2.0″ von Josef Joffe

Das war zu erwarten: Endlich kann er, Joffe, Trump loben. Endlich kann er auch Obama, den Er nie mochte, kritisieren. Jedes Mittel gegen den Iran und Assad ist ihm recht, weil es gegen den Islam geht.

Grundsätzlich bin ich in diesem Falle Joffes Meinung. Jedoch ist es für ihn als Jude zu durchsichtig. Von ihm habe ich noch nie ein kritisches Wort zur israelischen Siedlungspolitik gelesen.

Auf seine Kolumne würde ich gerne verzichten.  – Heinz Heienbrok


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

Ich habe inzwischen den Eindruck, es gibt so viele Syrien, wie es Medien gibt, und jeder kann sich seine Wahrheit dadurch zusammenbasteln, dass er das ihm genehme Blättchen auswählt. Für das Ernst zu nehmende Medium A ist Assads Schuld so gut erwiesen, dass noch nicht einmal ein Konjunktiv oder das obligate „mutmaßlich“ verwendet wird, das genauso Ernst zu nehmende Medium B verweist darauf, dass die von Syrien und Russland vertretene Unfall-Version sehr viel wahrscheinlicher ist, für Blättchen C ist klar, dass Assad schon immer mit Giftgas um sich geworfen hat, Blättchen D wiederum weiß aufgrund der Analyse chemischer Signaturen, dass Giftgasangriffe der Vergangenheit auf eine Kungelei zwischen IS und türkischem Geheimdienst zurück zu führen sind, und jeder beruft sich auf Informationen windiger NGOs, die in der Vergangenheit schon häufiger durch „stark gefärbte“ Berichte aufgefallen sind, um es höflich zu formulieren.

Die USA und die Russen könnten das Problem durch entsprechende Untersuchungen bereinigen. So weit nachvollziebar, liegen entsprechende Vorschläge der Russen vor, die aber anscheinend nicht im Sicherheitsrat diskutiert werden. Statt dessen bemüht sich jeder Staat der so genannten westlichen Wertegemeinschaft, eigene, für die andere Seite nicht akzeptierbare Papiere vorzulegen. Wie wäre es, wenn die Medien, statt weiter verschiedene Versionen von Verschwörungstheorien zu verbreiten, Druck auf die Regierungen aufbauen würden, mit einer Untersuchung auf dem kleinsten Nenner loszulegen? Passend formuliert ließe sich schnell klären, ob das ganze Gerede über humanitäre Grundsätze nur eindudelndes inhaltsloses Gebrabbel für das Volk sind oder wirklich was dran ist. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Welcher Teufel hat Herrn Krupa geritten? Dieser Beitrag ist unterste Schublade – der ZEIT unwürdig. Wollen Sie Martin Schulz demontieren? – Ronald Kissel


Leserbrief zu „Das Rad neu erfinden“ von Mariam Lau

In Ihrem tollen Artikel in der heutigen ZEIT stellen Sie die schöne, wohl eher rhetorisch gemeinte Frage: „Stuttgart ohne Stau und mit frischer Luft – kann sich das einer vorstellen?“

Darauf gibt es seit kurzem eine neue Antwort: Nicht nur einer! Gerade hat sich ein breites Aktionsbündnis von verschiedenen Verbänden, Vereinen und Initiativen gebildet, die genau dafür eine Vision erarbeitet haben: Die gesamte Innenstadt als ein Paradies für zu Fuß gehende und Radfahrende. Unter dem Titel „Stuttgart laufd nai“ wird das Aktionsbündnis ein Bürgerbegehren starten, das die gesamte Innenstadt zur autofreien Zone machen soll.

Falls Sie nun gespannt sind, was es mit dieser Vision auf sich hat, finden Sie weitere Informationen unter www.stuttgart-laufd-nai.de, auf Facebook und im gemeinsam erarbeiteten „Wegweiser“, den ich Ihnen gerne angehängt habe.

Falls Sie sogar berichten wollen, stehen wir und die anderen Bündnispartner Ihnen gerne für Rückfragen zur Verfügung. – Andreas Zinßer


Leserbrief zu „Läuft!“ von Maximilian Probst

Hat der Autor Probst nie eine schöne Skiabfahrt genossen oder sich im Alter von über 30 Jahren über einen 400-Meter-Lauf klar unter 60 Sekunden wie Bolle gefreut? Schade! Wer wie der Schreiber dieser Zeilen noch mit etwa 60 Jahren das Finale eines Tanz­tur­niers in der A- oder S-Klasse erleben konnte, der weiß: Sport macht Spaß! Einfach so!

Vielleicht sind Motivation, Konzentration und auch Belastbarkeit sowohl für den Sport als auch im Beruf zufällig gleich günstige Voraussetzungen. Und wer zu wenig motiviert ist, den Hintern von der Couch zum Sport hochzubekommen, hat eventuell dasselbe Pro­b­lem, wenn es im Beruf anstrengend wird – und wird eventuell deshalb auf Dauer geringer be­zahlt.

Wenn Schwitzen per se besser bezahlt würde, lohnte sich nach dieser Logik ein Umzug einer Person ohne Hauptschulabschluss und sonstiger Qualifikation in eine Universitäts­stadt: Dort sind die Gehälter im Durchschnitt ja auch höher!

Dass bei einer gemeinsamen Ursache (Motivation) eine gute Korrelation der Ergebnisse auftritt, ist nicht verblüffend. Und dass jeder kreative Mensch auch Phasen der „Lange­weile“ braucht, ist ebenfalls klar! Geht Herr Probst etwa davon aus, dass sportlich aktive Menschen keinen Nerv für Ruhe und Nachdenken haben?  – Prof. Emeritus Dr. Wolfgang Ströbele


Leserbrief zu “Erdoğans Poker“ von Özlem Topçu

Ihren oben genannten Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen, weil er die augenblickliche Lage und mögliche Zukunft in der Türkei sachlich zu analysieren versucht. Nur zwei Bemerkungen zum Ende Ihres Artikels:

Die Bundesregierung soll ihre Türken zurückgewinnen. Wo waren denn unsere Türken, als Erdogan die Regierung und damit auch die Bevölkerung idiotischerweise als nazistisch bezeichnete. .Wo waren sie, als er drohte, Aufstände in Deutschland anzuzetteln? Wo waren sie, als er den Europäern drohte, keiner werde in der Welt mehr sicher sein?

Weitgehendes Schweigen. Ich meine nicht den Gemüse Händler, bei dem wir auch kaufen. Nein Abertausende türkische Mitbürger haben durch ihr Können und ihren Einsatz, aber mit Sicherheit unterstützt von einem rechtsstaatllichen System, einem guten Sozial- und einem geordneten Gesundheitssystem Gottseidank Karriere gemacht. In der Kultur, im Journalismus, in der Wirtschaft. Ich, obwohl politisch sehr interessiert, habe von den Größen weitgehend Nichts vernommen.

Zur doppelten Staatsbürgerschaft: Ich war ein klarer Befürworter. Inzwischen zweifle ich an der Verfassungsmäßigkeit. In einem demokratischen Land gilt u.a. das Prinzip „eine Person, eine Stimme“.

In der letzten Zeit wird immer offenbarer, dass die türkische Regierung den Anspruch erhebt, in Deutschland hineinzuregieren und damit mit Hilfe ihrer Imame und der AKP Mitglieder auch mit Erfolg Jeder deutsch- türkische Bürger, der seine Stimme in der Türkei abgibt, nimmt auf diese Weise ein zweites Mal Einfluss auf die deutsche Innenpolitik. Ich weiß, dass ich nicht der Einzige bin, der das nicht mehr akzeptieren will. – Karl-Heinz Weise


Leserbrief zu „Objektiv gesehen“ von Alard Von Kittlitz

Schönheit, objektiv gesehen, ist sozusagen das Thema meiner Dissertation an der New York University.  Entsprechend begeistert bin ich sofort der WhatsApp Nachricht meiner Mutter (die „back home“ mein Zeit Abo auf Papier liest) gefolgt: „Btw heute in der Zeit, ein Thema Schönheit und ein Artikel über MPI für empirische Ästhetik“.

Halb schuldbewusst verschlinge ich also den Artikel online (nur halb, es ist ja quasi Recherche). Auf Seite drei muss ich lachen, weil David Poeppel, der im Artikel interviewet wird, im gleichen Raum mit seinen amerikanischen Doktoranden diskutiert.

Seine Skepsis über den Erkenntnisgewinn aus den reinen Neurowissenschaften teile ich und auch seine Äußerung  „Die Philosophen denken seit Jahrtausenden über die Ästhetik nach“.

In meiner Forschung suche ich nach der Antwort was Schönheit ist. Ich teste die Theorien die Philosophen jahrhundertelang entwickelt haben mit empirischen Methoden. Mit den Ergebnissen meiner Experimente entwickle ich mathematische Modelle, die uns helfen Schönheit als psychologischen Prozess zu verstehen. In einer ersten Studie habe ich zum Beispiel untersucht, inwiefern zwei der Hypothesen Immanuel Kants stimmen: 1) Um Schönheit zu erleben, müssen wir denken. 2) Sinnliche Genüsse (das Stück Schokolade und das Glas Rotwein am Abend) können nicht schön sein. Diese Ergebnisse werden bald in einem international hoch angesehenen Wissenschaftsjournal veröffentlicht werden.

Es wird also nicht nur in Frankfurt nach der objektiven Wahrheit hinter dem subjektiven Erleben von Schönheit gesucht. Deshalb stimme ich David Poeppel zu – vielleicht werden wir das Rätsel Schönheit in 50 Jahren entschlüsselt haben. Ich hoffe, dass meine Arbeit ihren Anteil daran haben wird. – Aenne A. Brielmann


Leserbrief zu „Nur die eigene Ohnmacht demonstriert“ von Bernd Ulrich

Ich hatte bislang eine hohe Meinung zur politischen Urteilskraft von Herrn Ulrich. Mit seinem Kommentar vom 12.4. hat er diese deutlich hinter sich gelassen.

Man kann zu der Aktion von Trump stehen wie man will, es ist aber sehr einfach, in das allgemeine USA-Verurteilen einzustimmen – das erinnert mich sehr an die antiamerikanischen Proteste der 60er Jahre. Herrn Ulrich ist leider außer dem Einschlagen auf die Amerikaner nichts eingefallen. Er hätte stattdessen auf die Gleichgültigkeit vieler anderer (europäischen) Staaten hingewiesen, die dem Krieg in Syrien, vor allem dem Giftgaseinsatz, tatenlos zusehen. Amerika hat etwas getan, um ein Zeichen zu setzen. Es ist für einen qualifizierten Journalismus ein Armutszeugnis, dieser Tat nur Häme hinterher zu werfen. Solcher Stil ist der ZEIT unwürdig. – Hubert Klötzer


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Wenn Sie ernst genommen werden wollen mit dem, was Sie schreiben bzw. drucken, würde es sich aus meiner Sicht empfehlen, das nicht mit derart billigen und stillosen Kalauern zu hintertreiben wie dieser „unheimlich lustigen“ Überschrift. Der Karnevalsprinz ist tot! Schluss mit lustig! Spielt zwar für den ganzen Artikel keine Rolle, aber super Aufhänger. Ham wir gelacht! Die trauernde Familie ist bestimmt begeistert.

Machen Sie Witze und seien Sie lustig, machen Sie Wortspiele wo Sie wollen. Aber doch bitte da wo’s passt und nicht ausgerechnet da, wo’s nun garantiert überhaupt nicht passt. – Dr. Christian Naundorf


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

In Ihrem Artikel schießen Sie immer wiedr Spitzen ab auf den Diesel. In Bezug auf Ruß und Stickoxide ist das wohl berechtigt, aber das ist ja nicht das Thema Ihres Artikels. In Bezug auf Kohlendioxid ist der Diesel nämlich ein Segen. Ein Benziner gleicher Leistung gibt nämlich zwischen 10 und 25 % mehr Kohlendioxid ab, weil der Wirkungsgrad deutlich schlechter ist. Auf Komfort, Leistung und vor Allem auf das Fahren (allein mit dem Auto)  zu verzichten sind die Wege, die CO2 Emissionen aus dem Verkehr zu reduzieren. Mehr Radwege, Steuern für Benzin und Diesel hoch, dafür die fixe KFZ-Steuer weg, die steigenden Einnahmen in ÖPNV stecken, dort das Angebot verbessern und die Preise senken. Das wären wirksame Maßnahmen. Weniger heizen, Strom dezentral kombiniert mit Heizung produzieren, das wären weitere Maßnahmen, die gefördert werden könnten. Und das alles könnte die Politik einleiten, ohne dafür abgewählt zu werden, weil die Bürger das einsehen. – Fritjof Möckel


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

Auch wenn Präsident Donald Trump während seines Wahlkampfs und in der ersten Zeit seiner Präsidentschaft zu Recht viel Kritik einstecken musste, so kann man ihm für seine Entscheidung, dem Kriegsverbrecher Assad für seinen Giftgasangriff auf die eigene Bevölkerung die Rote Karte in Form dieses Raketenangriffs zu zeigen, nur Respekt zollen. Sein Vorgänger, Präsident Barack Obama, war dagegen im wahrsten sine des Wortes eine „Lame Duck“ wie die Amerikaner sagen. Er hat zwar gerne davon gesprochen, dass ein Giftgasangriff auf die eigene Bevölkerung in Syrien durch Assad das Überscheiten einer Roten Linie mit entsprechenden Konsequenzen bedeute, aber als es dann soweit war, passierte nichts.

Daraufhin konnte der Kriegsverbrecher Assad mit seinen Verbündeten ungehindert weiter morden: Sie wussten ja, dass von Seiten der Amerikaner nichts zu befürchten war. Wenn Obama seinen starken Drohungen wirklich Taten hätte folgen lassen, hätte bestimmt der Russe sich nicht auf Assads Seite geschlagen und der Krieg, der bisher schon mehr als

600.000 Menschenleben gefordert hat, wäre schon längst beendet. Insofern hat der Ex-Präsident Obama sich schuldig gemacht und man sollte daher ernsthaft überlegen, ob man ihm den so schnell verliehenen Friedensnobelpreis nicht wieder aberkennen sollte. Auf Präsident Trump kommen jetzt schwere Zeiten zu, denn er muss seine harte Linie gegenüber Asssad beibehalten und dabei versuchen, die Russen nicht zu provozieren – ein wahrer Drahtseilakt – aber auf jeden Fall richtig. – Helmut Jung


Leserbrief zu „Endlich offline” von Ulrich Stock

Nachtreten ist doch so schön!

Ich hatte den Artikel wegen Pauschalisieringen, Ungenauigkeiten und Oberflächlichkeit kritisiert. Die Redaktion Wirtschaft hat jetzt gezeigt, wie es journalistisch richtig geht: ZEIT Nummer 16 „Endlich offline“. Da hat Herr Stock präzis geschrieben und mit Zahlen unterlegt. Und unterhaltsam,das kann also auch die Redaktion Wirtschaft. Und was hat er in der Sache geschrieben: das Gegenteil von dem, was Frau Tutmann geschrieben hat!  – Christoph Zahrnt


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Mit Begeisterung lese ich die „Zeit“ und bin sehr traurig, wenn mein Geburtstags-Abo bald ausläuft. Natürlich können nicht immer alle Artikel von gleicher Qualität sein. So hätten m.E. Matthias Krupas Beitrag „Martins Gans“ (Zeit Nr. 16, S. 5) allenfalls Platz   in „Prominent ignoriert“ finden können. Ob ein wütender Tierschützer zwei oder 20 Mails an Martin Schulz schickt und wie darauf reagiert wird, hat einen gegen Minuszahlen tendierenden Nachrichtenwert für mich. Wenn sich ein Thema bei näherem Hinschauen  als unergiebig erweist, sollten Sie noch Mut und Luft haben, ihn einfach nicht zu schreiben. – Irene Sunnus


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Ich bin entsetzt. Hat Herr Lachetta beste Verbindungen in die Verlagsspitze oder „Die Zeit“ Angst, eine Gegendarstellung bezüglich der Essgewohnheiten eines Politikers abdrucken zu müssen? EIne Zeit-Seite, ganz weit vorne, ausführlichste „Berichterstattung“ über die Befindlichkeiten eines deutschen Wahlberechtigten, ich fasse das nicht.

Sollte der Redaktion die Themen ausgehen, gebe ich gerne ein paar Anregungen, die über dieses Niveau hinauskommen. Oder darf man schon auf einen Zeit-Bericht gespannt sein, welches Klopapier Politiker benutzen. Recycling-Papier oder nicht? Oder welcher Politiker wie viel Fleisch pro Woche ißt? Sie wissen ja, die Ausdünstungen (umgangssprachlich

„Fürze“) der argentinischen Rinderherden tragen erheblich zur Klimaerwärmung bei. Alles sicherlich genauso bedeutende Themen!  – Dr. med. Th. Lukowski


Leserbrief zu „Diese radikalen Studenten“ von Mariam Lau

In ihrem Artikel verwechselt die Autorin den KBW mit Zentrale in Frankfurt am Main – in dem einst Ministerpräsident Kretschmann Mitglied war –  mit dem Hamburger Kommunistischen Bund KB, dem einst Trittin angehörte. Während erstere allerdings Stalinisten reinster Güte und Pol-Pot-Fans waren, kritisierten letztere diesen Steinzeit-Marxismus mitsamt seiner mörderischen Politik. Gibt es in der Redaktion der Zeit kein Archiv mehr und niemanden, der wenigstens eine Suchmaschine betätigen kann? Wo es dann wirklich spannend wird, etwa bei der allerdings für einen Historiker seltsamen Position zu Merkels Flüchtlingspolitik, da betont die Autorin, dass der Historiker mit einer Iranerin verheiratet ist und Herrn Höcke ‚grässlich‘ findet. – Philippe Ressing


Leserbrief zu „Das Rad neu erfinden“ von Mariam Lau

Als Dauer- und Überallhin-Radfahrer freut mich das beschriebene mehr an Radwegen, und trotzdem kann ich nicht aufhören, mich über den Artikel zu ärgern. Die Kritik an einem Fehlverhalten seitens der Autofahrer kann doch nicht sinnvoll mit der Überzeugung kombiniert werden, dass der im Falle eines Unfalls schlechter gestellte Radfahrer sich drum gleichzeitig nicht so genau an die Regeln zu halten brauche. Dass es Radfahrer gibt, die meinen, über eine rote Fußgängerampel fahren zu dürfen, und die nur ein Schulterblick davor rettet, von einem abbiegenden Betonmischer überfahren zu werden (der ihn im toten Winkel vermutlich nicht einmal gesehen hat), durfte ich neulich live beobachten.

Die Autorin reiht sich leider offenbar ein in die Reihe der nichtssehenden, unvermittelt linksabbiegenden und sich sonst durch den Straßenverkehr hindurchträumenden Radfahrer — nicht umsonst erwähnt sie nonchalant, und gleich nach der Statistik der durch Radfahrer verursachten Verkehrsunfälle und der Todesfälle, dass sie „unerlaubterweise“ beim Radfahren über Kopfhörer Musik hört. Dass ein Radfahrer bei einer Begegnung mit dem Auto immer den kürzeren zieht, legitimiert nicht ein nachlässiges Verhalten seinerseits. Solche Vorstellungen sind in einer Diskussion zu der in der Tat notwendigen Verbesserung der Fahrrad-Infrastruktur vieler Innenstädte nur hinderlich. – Wasilij Barsukow


Leserbrief zum Titelthema: „Schönheit“

Ihr Schönheits-Dossier provoziert irgendwie zum „Bitte, ich weiß auch was!“

Also: Im belagerten Sarajewo kam ich während des Balkan-Kriegs mit einer jungen Frau ins Reden. Ihr Mann war im Krieg, und ihre siebenjährige Tochter wollte unbedingt Ballett tanzen.

Also ist sie mit ihrem Kind ständig zum Tanzunterricht gerannt, oft unter Beschuss der Scharfschützen, an brennenden Häusern und auch an Toten vorbei. „Ich lasse uns die Kultur von den Barbaren nicht rauben!“

Dann hat das Kind in einem dusteren Keller in weiße Schühlein getanzt, mit seiner ganzen Grandezza und Schönheit. – Mathias Grilj


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

Richtig oder falsch, das ist hier die Frage, welche Wolfgang Bauer und Bernd Ullrich versuchen zu beantworten,  wenn es um die militärische Reaktion von Trump in Syrien geht. Das Ganze erinnert ein bisschen an die  Hilflosigkeit des Westen zu den Untaten des Serben Milosevic in den Jugoslawienkriegen Ende des vorigen  Jahrhunderts. Erst das militärische Eingreifen der Nato bewirkte den Sturz des Diktators und eine Art Genugtuung darüber, weil man ja eine humanitäre Entscheidung getroffen hatte. Ablauf und Muster der damaligen Entscheidung des amerikanischen Präsidenten Clinton (die Europäer auch damals schon uneinig) könnte auch für Syrien Vorbild sein -wenn nicht Russland und der Iran Verbündete Assads wären !

Durch Obamas Zögern 2013 nach Assads  Giftgaseinsatz hatte Amerika die Syrer dem Bürgerkrieg endgültig ausgeliefert und damit den Russen ermöglicht, auf dem Kriegsschauplatz Nahost Fuß zu fassen. Man muss nicht auf die Historiker warten um das Nichteingreifen Obamas (nach Überschreiten der „roten Linie“) als größten außenpolitischen Fehler seiner Amtszeit zu bewerten. Die Kunst der Politik besteht bekanntlich auch darin, kriegerischen Konflikten so lange wie irgend möglich aus dem Wege zu gehen. Nur gibt es leider so viele Begründungen für den Krieg wie Sand am Meer.

Ist es nur ein Verteidigungskrieg mit rein defensivem Charakter, ein Interventionskrieg um Schlimmeres zu verhindern oder gar ein Krieg wegen humanitärer Ziele -etwa um Zivilisten oder religiöse Minderheiten vor der Vernichtung zu schützen ?

Reine Aggressions-, Angriffs- oder Bürgerkriege ordnet man gewöhnlich nur den Bösewichtern der Geschichte zu. Neben Diktatoren wie Hitler und Stalin gibt es heutzutage auch Machthaber wie Putin die sich in der „Kriegskunst“ der  verdeckten militärischen Operationen (wie in der Ukraine) üben oder Iran und Saudi-Arabien, die den Stellvertreterkrieg  für ihre Art Politik zu machen bevorzugen.

Die Interventionskriege der Amerikaner im Irak und Afghanistan sind ein  besonders abschreckendes Beispiel, vielleicht gut gemeint, aber sie endeten mit desaströsen Folgen für die Bevölkerung  und gewaltigen politischen und religiösen Kollateralschäden. Fazit : Wenn der Krieg als Mittel zum Zweck gewählt wird darf der Zweck nur Selbstverteidigung oder die Verhinderung humanitärer Katastrophen sein. – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

So sehr ich fast allen Punkten Ihres Artikels zustimme, so deutlich geben Sie ein Beispiel dafür, warum das Misstrauen gegen „die Wissenschaft“ (was immer genau das auch sein mag — „die Wissenschaft“) in der Bevölkerung immer wieder aufs Neue angefeuert wird. Sie können es nämlich nicht unterlassen, in diesem Zusammenhang der Diskussion um Wissenschaftlichkeit und Aufklärung den anscheinend unvermeidlichen Schlag gegen unorthodoxe Heilmethoden (Homöopathie etc.) auszuführen und die Hälfte der Bevölkerung zu Irrationalisten und Aufklärungsfeinden zu erklären, von denen viele „zu Heilern und Schamanen“ pilgern.

Seit Jahrzehnten läuft dies in ähnlichen Debatten gebetsmühlenartig ab. Genau diese Einnahme der überheblichen Position einer ‚Ordnungsinstanz‘, die die Deutungsmacht über die Wirklichkeitsordnung behauptet, sozusagen einer ‚Wirklichkeitspolizei‘, ist es, die die an der empirischen Erfahrung orientierten Menschen misstrauisch macht. Und das zu Recht. Denn im Grunde handelt es sich um eine ideologische und nichtwissenschaftliche Denkweise, die sich in solchen Angriffen ausdrückt. – Dr. Gerhard Mayer


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Für keine der geschilderten Personen war es lustig: weder für den Patienten, der mit einem letzten Lachen seinem Tod gegenübersteht, die Angehörigen, die ahnen, dass sie ihren Liebsten wahrscheinlich unnötig verloren haben, für die Ärzte, die mit ihren Schuldgefühlen leben, und für die Gutachter, die wissen, dass Ähnliches auch in ihren Abteilungen vorgekommen ist und wieder vorkommen wird. Die betroffene Ärztin sucht die Angehörigen auf und äußert ihr Mitleid – sonst sagt sie nichts, weil sie dann ihren Haftpflichtschutz gefährden würde.

Wer ist unvoreigenommen – nur der fachlich nicht kompetente Richter. „Die Götter in Weiß“ gibt es nicht – auch wenn der Patient gerne den unfehlbaren Arzt hätte und der Arzt gerne so wäre. Die eigene Lebenserfahrung sagt uns, dass wir gut sind, wenn wir meistens richtig liegen – 70%, 80%, 90% ? Auf keinen Fall zu hundert Prozent.

Die Behandlungssituation ist komplex: nehmen wir die Situation der handelnden Ärztinnen der HNO und Anästhesie:

– hatten sie eine fachärztliche Ausbildung, in der sie dokumentiert in die

in dieser Situation notwendigen Verfahren eingearbeitet wurden und dokumentiert ist, dass sie sie beherrscht haben ? Die erste Nottfalltracheotomie der HNO-Ärztin ?

– oder hätte der Oberarzt die OP machen müssen ? Wie ist das Reglement ? Hat er es abgelehnt zu kommen ? Wie war sein Arbeitstag ?

War er erschöpft ?

– waren die Ärztinnen ausgeruht oder hatten sie schon ein ganzen Arbeitstag hinter sich ?

– sind in der Abteilung ausreichende personelle und technische Ressourcen vorhanden, ein fachlich supervidiertes sorgfältiges Arbeiten der Ärzte zu gewährleisten mit regelmässiger Fortbildung und Wissensüberprüfung ?

– hat die Klinik dafür die nötigen Mittel ?

– u.a.

Jeder Patient hat selbst oder in seinem Umfeld die immer knapper werdenden medizinischen Ressourcen kennengelernt.

In einer betriebswirtschaftlich dominierten medizinischen Versorgung wird die Effektivität solange gesteigert, bis Nachteile auftreten, die diesen Prozess begrenzen.

Ich empfehle daher, in medizinrechtlichen Fragen zunächst sachlich festzustellen, ob mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Fehler gemacht wurde. In diesem Fall sollte die Haftpflichtversicherung der Einrichtung eintreten – wobei wir alle wissen, dass der menschliche Verlust nicht entschädigt werden kann.

Die Politik ist heute nicht in der Lage, sicher zu stellen, dass es eine ausreichende unbefangenen sachliche Qualitätsaufsicht im Gesundheitswesen gibt – so die Äusserung einer Landesregierung mir gegenüber und so kennen wir auch die tatsächlichen Verhältnisse. Das müssen wir aber verlangen – und das würde auch gegen viele Hindernisse möglich sein.

Das Medizinrecht ist noch geprägt von der strafrechtlichen Prüfung persönlicher Schuld des unmittelbar handelnden Arztes – und verkennt dabei, dass die Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse vieler Ärzte durch Kontextfaktoren des Arbeitsprozesses (s.o.) so sind, dass sie nicht so gut und sorgfältig arbeiten können, wie sie das gerne tun würden.

Diese medizinrechtliche Situation entstammt einer Zeit vor dem Krankenhausfinanzierungsgesetz, aus einer Zeit, in der selbstverständlich von hinreichenden Ausbildungsbedingungen und Arbeitsbedingungen der Ärzte ausgegangen wurde.

Lassen Sie mich das an einem Beispiel ausführen:

Aus der Weiterbildungsordnung der Landes Rheinland-Pfalz:

„16. Intensivmedizin Dieser Bezeichnung kann der adjektivische Zusatz der je- weiligen Facharztbezeichnung zugefügt werden, z.B. Anästhesiologische, Chirurgische, Internistische, Pädiatrische, Neurochirurgische, Neurologische Intensivmedizin. „

Dazu aus dem Positionspapier Fachgesellschaft für internistische Intensivmedizin 2016:

„Bereits im Jahr 2007 wurden gemeinsame Empfehlungen zur Organisation der Intensivmedizin von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und des Be- rufsverbands Deutscher Anästhesisten (BDI) sowie der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und der DGIIN veröffentlicht, die weiterhin Gültigkeit besitzen [8]. Diese sehen vor, dass konservative Intensivstationen durch Internisten und die operativen Intensivstationen von Anästhesisten oder Chirurgen geleitet werden. Auf interdisziplinären Intensivstationen sollen entsprechende kooperative Leitungsmodelle gelten „

Während also die Weiterbildungsordnung nur optional den Intensivmediziner auf das Fachgebiet bezieht, fordert die Fachgesellschaft für die jeweilige (internistische oder operative) Intensivstation die spezielle Facharztqualifikation als Grundvoraussetzung der intensivmedizinischen Tätigkeit.

Wer trägt hier die persönliche Schuld, wenn der internistische Intensivmediziner bei Personalknappheit des Hauses in der neurologischen Intensivmedizin vertretungsweise eingesetzt wird und einen Fehler macht ? Der Krankenhausträger, der das aus Effizienzgründen verlangt, die Landesärztekammer, weil sie das von ihrer Weiterbildungsordnung nicht explizit ausschliesst, die Chefärzte der betroffenen Abteilungen oder der Assistenzarzt, der das mitmacht und den Fehler begeht ?

Nach meiner Meinung wäre es also vorteilhaft, wenn Gerichte zunächst den fachlichen Fehler und damit die Haftpflicht auslösen würden und dann aufgrund der Umstände entscheiden würden, ob strafrechtliche Aspekte vorliegen, die ein Strafrechtsprozess erforderlich erscheinen lassen; dann aber mit allen Addressaten im Kontext des medizinischen Prozesses – vom CEO bis zum handelnden Arzt.

Den Angehörigen würde schneller finanziell geholfen, die Krankenkassen würden entschädigt, und bei Erfordernis alle im medizinischen Prozess Verantwortlichen angemessen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Das wäre eine echte Verbesserung.

Meine Chefarzttätigkeit habe ich 2016 mit 60 Jahren gekündigt, in meinem Schreiben an den Träger mit Bezug auf § 2 der Berufsordnung: „Ein Arzt darf nur tun, was er verantworten kann.“ – nach 4 jähriger präventiver medizinrechtlicher Beratung in 3 namhaften Kanzleien. Und ich war in gleicher Zeit im gleichen Raum bei Weitem nicht der Einzige. Ich bin medizinisch ausgewandert – eine Trennung von vielen liebgewordenen Patienten mit Gewissensbissen. Ich habe viele getroffen, die gerne in Deutschland unter besseren Arbeitsbedingungen geblieben wären. Wir wollen sorgfältig arbeiten können. Welcher Arzt will das in Ihrem Artikel geschilderte erleben ?

Was bewirkt dieser Artikel für die Kolleginnen ? – das Urteil steht aus: die Klinik, die Abteilungen und die Namenskürzel der Ärztinnen sind bekannt. Es ist leicht, die vollständigen Namen zu ergoogeln. Was bedeutet das für ihr berufliches und soziales Umfeld ?

Eine vermutliche Fehlhandlung von Minuten Dauer steht dagegen.

Ist der Artikel eine Hexenjagd oder ein Akt, Recht zu schaffen ?

Eine Versachlichung ärztlicher Behandlungsfehler und ihrer Entschädigung ist dringend geboten, persönliche Schuld muss von sachlicher Fehlentscheidung getrennt werden. Der rechtliche Rahmen muss der ärztlichen Berufswirklichkeit angepasst werden.  – Dr. med. Clemens Drobig, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Die Intoleranz und Respektlosigkeit mit der sich Vegetarier und Veganer als selbst ernannte Gutmenschen präsentieren, geht mir zunehmend ziemlich auf die Nerven. Das nimmt schon teilweise diktatorische Züge an. Politiker sollten an dem gemessen werden, was sie für ihr Land tun, welche humanistische Haltung sie haben oder welche politische Richtung sie vertreten.

Hat sich je einer darüber beschwert, dass ein ehemaliger Politiker Pfälzer Saumagen geliebt hat? Kennt eigentlich jemand das Lieblingsgericht von Frau Merkel?

Wenn wir keine anderen Probleme in diesem Land haben, dann geht es uns ja wirklich gut. – Karin Leißner


Leserbrief zu „Vorwärts zu alter Größe“ von Rasim Marz

Die Hintergründe des griech.-türkischen Krieges (1919-1922) werden leider nicht aufgeführt. Die Bündnispartner Griechenlands im 1. WK England und Frankreich (Entente) ermutigten und unterstützten geradezu energisch damals die griechische Regierung unter Venizelos zu diesem Schritt. Die Gründe hierfür sind allseits bekannt.

Der Lausanner Vertrag (seit 1923) ist ein Grundbaustein der internat. Friedensordnung in der gesamten Südosteuropa- und Nahostregion. Wenn internationale Grenzen in dieser geostrategisch enorm wichtigen Region aber in Frage gestellt und internationale Verträge mißachtet werden, dann besteht aber leider ein großes Risiko einer Wiederholung der Historie, die soviel Leid im 20. Jahrhundert über Europa und die Welt gebracht hatte. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

Selten war einer der beiden Artikel, auch nicht bei pro und contra, so wenig überzeugend, wie der von Herrn Bauer. Er meint offenbar, dass diese Aktion dazu führt, das Leid der Menschen zu lindern. Der häufige Gebrauch des Wortes „endlich“ gibt Anlass zur Vermutung, dass für ihn der wesentliche Aspekt der Aktion war, dass er sich nun besser fühlt. Weshalb sonst die zum Ausdruck gebrachte große Erleichterung?

Immerhin sieht Herr Bauer den Angriff auf den Irak als Fehler. Er sollte sich aber einmal selbst fragen, ob er nicht 2003 genauso gejubelt hat oder hätte, endlich tut jemand etwas, schließlich hat auch Saddam Hussein Giftgas eingesetzt. Sein Ende hat offenbar Assad nicht weiter beeindruckt. Soviel zum Nutzen von Beispielen und der Sendung von Signalen.

Seine Erleichterung darüber, dass endlich jemand etwas tut, scheint ihm wichtiger zu sein als der Umstand, dass solche Aktionen zwei Supermächte an den Rand einer militärischen Konfrontation bringen, die für uns alle verheerende Folgen hätte.

Sicher ist es schwer zu sagen, was in der gegenwärtigen Situation die optimale Option ist. Es bringt uns nicht weiter, wenn darüber diskutiert wird, welche Chancen in der Vergangenheit vergeben wurden und es bringt erst recht nichts, wenn endlich einmal jemand auf den Tisch bzw. einen Flugplatz haut und dafür unabsehbare Risiken eingeht. – Dr. G. Zeyer


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Als Leiter einer Anästhesieabteilung ist es mir wichtig, Ihren Artikel zu kommentieren:

Mehr als andere medizinische Fachgebiete ist die Anästhesie dadurch charakterisiert, dass nach der Einleitung einer Vollnarkose eine Situation entsteht, in welcher bestenfalls(!) zehn Minuten Zeit bleiben, um die Beatmung – und damit das Überleben – des Patienten sicherzustellen.

Jede Anästhesieabteilung hat Standards für (un)erwartet schwierige Fälle. Dies soll vermeiden, dass der handelnde Arzt in eine Art Tunnel gerät, in welchem er unter zunehmendem Druck (den blau anlaufenden Patienten vor Augen) den Überblick über die entstandene Situation und jedes Gefühl für Zeit verliert.

Aber nicht jede Situation lässt sich in Standards beschreiben.

Hier hat die Kollegin nachts (Dienstbeginn war für alle Kollegen vermutlich mindestens 15 Std. zuvor) richtig gehandelt, indem sie ihren Vorgesetzten zur Unterstützung rufen lassen hat. Dieser hat ebenso die Möglichkeiten (häufiges zuerst, seltenes später) durchdacht und zunächst den Tubus (im Idealfall einen neuen, originalverpackten) selbst neu platziert. Ist die Lage des Tubus korrekt gibt es neben dem Koagel immer noch mehrere Möglichkeiten, warum der Patient nicht beatmet werden kann: Ein Ventil am Beatmungsgerät kann hängen, man wechselt auf die Beatmung mit einem Ambu-Beutel (auch hier habe ich es erlebt, dass in einer Notfallsituation ein Ventil nicht funktioniert hat). Es kann zu einer Verlegung der Atemwege durch einen defekten Tubus kommen, was man durch eine Bronchoskopie ausschließen kann (bei welcher man ein Koagel wohl gesehen hätte, es sei denn, nachlaufendes Blut mindert die Sicht).

Nun hätte man mit einen großlumigen Absaugkatheter Blut und ggf. auch Koagel beseitigen können.

Die alles entscheidende Frage ist: Wie lange hat es gedauert, bis der Vorgesetzte vor Ort war und wie lange hat die folgende Fehlersuche gedauert. Wie stark waren die Kollegen in diesem Tunnel aus Zeitdruck gefangen, welcher die Lösung einer  scheinbar lösbaren Aufgabe unmöglich werden lässt.

Mehrere Flugzeugabstürze (Birgen Air, Air France), bei welchen Piloten fehlerhaft angezeigte Fluggeschwindigkeiten unter zunehmendem Zeitdruck nicht als solche erkannt haben sind ähnlich desaströs verlaufen.

Wie würden überlebende Piloten von Richtern beurteilt werden? Wie bleiben diejenigen zurück, welche den Angehörigen der ihnen anvertrauten Menschen gegenüberstehen?

Es gibt Anästhesiesimulatoren, man kann solche Situationen sehr lebensecht simulieren! Es gibt aber unter zunehmendem Kostendruck keine mir bekannte Kklinik, welche ihre Anästhesisten regelmäßig zu solchen Schulungen schickt und es gibt keine Verpflichtung zur Teilnahme an derartigen Schulungen.

Hier noch einige sachliche Hinweise zu der von Ihnen beschriebenen Situation:

– wenn das Herz steht ist das Hirn wahrscheinlich längst geschädigt, das muss den handelnden Personen bewusst gewesen sein.

– Herzdruckmassage hilft hier nicht, weil auch ein vorhandener Blutkreislauf keinen Sauerstoff in Umlauf bringt, solange keine Beatmung möglich ist.

– die Kollegen der HNO-Abteilung haben sehr wahrscheinlich auf den schnellen OP-Beginn wartend alles hautnah miterlebt. Eine HNO-Abteilung verfügt über Bronchoskope in allen Variationen – man braucht nicht lange, um ein geeignetes Gerät zu beschaffen und damit zu bronchoskopieren …

– kein Anästhesist kann in einer Notfallsituation zeitgleich dokumentieren. Es ist vollkommen nebensächlich, wann NaBic gegeben worden ist, damit war nichts mehr zu retten. Die gesamte Dokumentation erfolgt nachträglich (am Besten nach dem in modernen Überwachungsmonitoren aufgezeichneten Daten). Aus der „fehlerhaften“ Dokumentation auf Vertuschung zu schließen ist nicht sachgerecht. – Dr. H


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

Keine Maßnahme kann richtig sein, wenn sie von Trump kommt. Selbst die richtigste aller richtigen Maßnahmen wäre allein wegen Trump automatisch falsch, anderenfalls drohte der Super-GAU in den Redaktionsstuben.  Und das Völkerrecht ? Selbst wenn eine Millionen Menschen vergast (!) würden, muss ein Beschluss her, so die UN-Regeln, die natürlich über dem Tod von einer Million Menschen stehen. Da fällt einem nur noch der Begriff des “furchtbaren Juristen “ ein ! Oder: “ hier liegen wir, weil das Völkerrecht es so befiehlt”.   – Heinz Gutzeit


Leserbrief zu „Diese radikalen Studenten“ von Mariam Lau

ein amüsanter Zeit- Artikel, den Sie da verursachen! Was? Die trotzkistische vierte Internationale gibt es noch? Die tritt mir als politischem Otto- Normalverbraucher so wenig ins Blickfeld, daß ihre historische Mission, materialistisch interpretiert, wirklich nur darin bestehen kann, Ihnen das Privatleben zu zerrütten! Aber das -und hier fallen die Kaninchen meiner Intention, Ihnen unbekannterweise zu schreiben, sogleich zu Anfang aus dem Hut- will ich nicht glauben, auch wenn es im Berliner Buddelkasten heißt „Zwee uff Een is feije!“- nehmen wir die IVte Internationale lt. Artikel und meinem gesunden Menschenverstand mal als eine Zwei- Personen- Veranstaltung: es gehören immer noch zwei (Parteien) dazu, sich das Privatleben zu zerrütten- und es sich zerrütten zu lassen!

Uns was? Sie hätten, Baujahr 1961, Ihre politische Adoleszenz im Kräftefeld des Kommunistischen Bundes Westdeutschland zugebracht? Obwohl ich dabei war, wie Joscha Schmierer im Planersaal der Architekturfakultät der TU werdende Lehrer dazu verdonnerte, den Kindern der Arbeiterklasse keine 5en und 6en zu geben (und sie damit ganz oder befristet arbeitslos machte), wusste ich dessen Gründungsdatum nicht mehr, aber Wikipedia sagt: 12.6.1973- da sind Sie ja schon mit 11 zur Rebellion eingezogen worden! Da ist -müssen Sie aufpassen!- ein wenig Psychologie im Spiel: Ihre Studenten merken vielleicht solcherlei Beschädigungen-

Und warum kritisieren Sie denn die Merkelsche Flüchlingspolitik mit so einem „Argument“??? Als Geschichtsprofessor müssen Sie doch wissen, daß (gewesene) Migration die Voraussetzung dafür darstellt, daß ihre Kritiker auf ihren (ja, auch:Lehr-) Stühlen sitzen! Müsste man nicht dialektisch- ehrlich vielleicht in der Weise Tabula Rasa machen, daß man sagt, Besitzstandswahrung und Migration sind zwei antagonistische menschliche Strebungen, keine moralisch höher zu bewerten oder legitimer als die andere, denn Eigentum war doch Diebstahl- oder? Von da ab könnte man dann weiter nach- wie vordenken- und für die Zukunft auch durchaus zu anderen Ergebnissen kommen. Das merke(l)n natürlich Ihre Studenten, daß sie da irgendwie überkompensieren! Und als gäbe es nicht Posten im Etat, die viel weiter oben auf der Abschussliste zu stehen hätten!

Ja, sprechen Sie mit Ihren Studenten, warum soll es Ihnen denn besser gehen als Teddy Adorno- und Sie wirken ja nun nicht als der Mann, dem es in der Geschichts (klitterungs?) küche auf einmal zu heiß werden könnte! Insgesamt erscheint mir die Atmosphäre an Ihrem Lehrstuhl doch guter Humus für Wissenschaft zu sein, wenn Sie die Angelegenheiten mit Ihren Studenten dergestalt durchdeklinieren, daß Fragen bzw. Aussagen entstehen, die man anhand der Fakten mit „richtig“ oder „falsch“ beantworten kann. – Hans- Christian Krüger


Leserbrief zu „Endlich eine rote Linie gezogen“ von Wolfgang Bauer

In Ihrem Artikel werfen Sie Präsident Obama historisches Versagen vor, weil er 2013 „den Angriff auf syrische Militärflughäfen absagte“.

Michael Lüders erklärte kürzlich im ZDF, dass es sich bei dem zuvor stattgefundenen Giftgaseinsatz höchstwahrscheinlich um einen Einsatz der Al Nusra Front mit Unterstützung durch den türkischen Geheimdienst gehandelt habe (https://m.youtube.com/watch?v=3Rwswcchgpk&feature=share).

Was haben Ihre Recherchen dazu ergeben? Sollte Lüders Recht haben, hätte Obama wohl ein Versagen vermieden, oder?

Was haben Ihre Recherchen zu der Frage ergeben, wer beim letzten Giftgasangriff in Syrien die Verantwortung trägt? Kann man das überhaupt schon sicher sagen?

Ich weiß nicht, wer in Syrien der Gute, wer der Böse und wer der noch Bösere ist. Ich glaube, dass unsere politischen Entscheidungsträger das auch nicht wissen; Donald Trump bildet sich vermutlich ein, dass er das weiß. Leider muss ich sagen, dass ich inzwischen jegliches Vertrauen in meine Informationsquellen verloren habe, von denen die Zeit noch immer eine der geschätzteren ist. Auch von politischen Führungspersönlichkeiten aus den höchsten Kreisen wurden in der Vergangenheit immer wieder eklatante Unwahrheiten ausgesprochen. Denken Sie an den „Beweis“ von Massenvernichtungswaffen im Irak. Daher glaube ich, dass nur wenige Menschen überhaupt fähig sind, die jeweilige Sachlage zu beurteilen, und dass es deshalb klug wäre, sich aus dem kompletten Nahost-Konflikt herauszuhalten. Natürlich darf man ihn auch nicht durch Waffenlieferungen je nach eigener Interessenlage befeuern.

Ich bin der Ansicht, dass der Westen, der mit Amerika an der Spitze (nicht nur) muslimische Gesellschaften seit Jahrzehnten provoziert und gedemütigt hat, sich den islamistischen Terrorismus damit selbst gezüchtet hat. Für Deutschland würde ich mir wünschen, dass wir endlich aus dem Kreislauf von Feuer-Legen und Löschen-Müssen ausbrechen und den USA in diesem Punkt die Gefolgschaft kündigen. Und das bedeutet, Raketeneinsetze wie den vom 7. April zu missbilligen. Ansonsten werden wir noch sehr lange mit Terrorismus leben.

Ihrer Vita habe ich entnommen, dass Sie – wie ich – während Ihres Wehrdienstes Kriegsdienstverweigerer geworden sind. Wenn bei Ihnen nicht erneut ein Gewissensprozess in Gang gekommen ist, können Sie eigentlich schon deshalb nicht für einen Raketeneinsatz plädieren. – Christian Hoof


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Ein großartiger Artikel weil voller Empathie! Eben diese fehlt den Täter-Medizinern und vor allem den schändlich feigen oder so offenbar vom System korrumpierten Gutachtern offenbar. Man kann nur die schwache Hoffnung haben, dass das Gericht den Mut aufbringt den eigenen Kopf einzuschalten und sich nicht feige hinter dem selbst eingeschalteten, aber so offensichtlich untauglichen Gutachter versteckt. Neben der Wut auf die Täter im weißen Kittel, korrumpierte Gutachter und Anwälte ohne Moral empfinde ich großes Mitleid für die Frau, die ihren geliebten Mann verloren hat. – Jakob Krose


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

In den 51 Jahren meiner Ingenieurtätigkeit (Bereich Heizung-Energie) ist der mittlere CO2-Pegel in der Atmosphäre um 25% von 320 auf 400 ppm gestiegen. Die in mehreren 100 millionen Jahren der Erdgeschichte gewachsenen Kohlenstoffspeicher können wir nicht ohne Folgen für das Klima der Erde in wenigen Jahrzehnten verheizen. Frau Pinzler beschreibt anschaulich, dass das Reduktionsziel der Bundesregierung für die CO2-Emissionen bis 2020 und darüber hinaus verfehlt wird. Die Sorgen von Herrn Ries vom Schneeferner-Haus über die miserable Klimapolitik plagen mich ebenfalls.

Das hehre Ziel von rund 5% der heutigen CO2-Emissionen im Jahr 2050, das sich aus der in Paris vereinbarten Strategie ergibt, ist mit linearer Reduktion nicht zu erreichen. Wenn wir die CO2-Emissionen für Strom, Wärme und Mobilität jährlich um 10% reduzieren sind wir bezogen auf den Anfangsstand nach 28 Jahren bei 5% angelangt. Es ist höchste Zeit damit anzufangen und es gibt technische Lösungen. Der gesellschaftliche Diskurs über den damit verbundenen tiefgreifenden Wandel wird bisher aber von keiner Partei geführt.

Die Kanzlerin und die Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landwirtschaft sowie die Ministerpräsidenten von Bayern (10H), Brandenburg, NRW und Sachsen haben vereint rund doppelt so viele Arbeitsplätze im Hochtechnologiebereich über die Wupper gehen lassen wie es in der Braunkohle gibt. Klimaschädlich tätig sind in der großen Koalition in besonderem Maße die Abgeordneten Fuchs (CDU) und Freese (SPD) mit ihrem Interessengeflecht. Auch dies sollte mal benannt werden.

Reduktionskurve   x = (1 – 0,1)n  , n Jahre  – Ulrich Soller


Leserbrief zu „Nur die eigene Ohnmacht demonstriert“ von Bernd Ulrich

Ihr Autor täuscht sich schon wieder. Es gibt im Leben auch Momente, die lassen sich nur durch Gewalt lösen, so bitter das auch sein mag. Das scheint ihr Autor nicht verstehen wollen. Die Diplomatie hat nur Lippbekenntnisse gebracht. Wie lange soll der Westen noch zu sehen.

Das wird auf Dauer mehr Tote bringen als wenn die Gemeinschaft mit den USA, notfalls auch ohne der Gemeinschaft, dem treiben ein Ende setzt.  Es darf und kann nicht auf Dauer die Lösung sein, von einer Mördergruppe weiter auf der Nase herumtanzen zu lassen. Der Westen ist mit den vielen Flüchtlingen völlig überfordert.

Wer das nicht einsehen will, mutet den Menschen weiter Terror und unendliches Leid zu. Was für ein Quatsch von der eigenen Ohnmacht von Amerika zu sprechen. Eher trifft das auf den Westen zu. Das Menschenbild ihres Autors hat schon manische Züge. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Dies ist das erste Mal, dass ich Ihnen wegen eines Artikels schreibe und leider ist der Anlass kein schöner. Ich verstehe nämlich schlicht nicht, warum man ein derartig unwichtiges Thema so aufblähen muss. Es gibt doch so viel Bedeutenderes, über das sich zu berichten lohnt, so viel Interessantes, über das man Analysen schreiben kann. Wieso eine komplette Seite über die Essgewohnheit oder Mahlzeit eines Politikers verfassen, nur weil irgendeine Person davon ihre Wahlentscheidung abhängig macht? So eine Geschichte erwarte ich von wöchentlich erscheinenden Boulevard-Zeitschriften, aber doch nicht von einem intellektuell politischen Blatt wie der ZEIT. So eine „Story“ ist doch wirklich unter Ihrem Niveau…

Ansonsten machen Sie aber einen hervorragenden Job!  – Dominik Göhmann


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Absolute Wahrheiten?

Vielleicht hätten Sie einfach Ihre eigenen Zeilen einmal lesen, oder besser: verstehen sollen: Kernenergie, Finanzkrise, Cholesterin, jeden Tag ein Durchbruch, jeden Tag ein Weltrettungskonzept, jeden Tag ein Irrtum. Sie schreiben, dass das Wesen der Wissenschaft nicht im Wissen, sondern im Zweifeln besteht. Wohl wahr, aber warum dann ein solch unsäglicher Artikel, der Menschen, die z.B. Zweifel am Sinn einer übertriebenen Impferei haben (mit guten Argumenten)  in einen Topf wirft mit Populisten wie Orban oder Erdogan? Warum haben Sie nicht einfach den Artikel auf der gleichen Seite gelesen, in dem sich der Satz findet „Die Wissenschaft ist weit davon entfernt, die ganze Komplexität unserer Immunverteidigung zu verstehen.“ ? Wissenschaft ist kein Gott. Wissenschaft ist genauso interessengeleitet und weltanschaulich determiniert wie jeder andere gesellschaftliche Bereich! Das ist keine Gleichsetzung mit unwissenschaftlichen Herangehensweisen aber es verbietet solche bestenfalls blauäugigen Verbeugungen vor einer angeblichen Objektivität. – Achim Hauck


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Erlauben Sie mir einige Ergänzungen zu Ihren Ausführungen:

  1. Die Umkehr des Bezahlmodells bei Veröffentlichungen bringt es nicht, denn wiederum werden Arbeiten vor der Verbreitung ausgeschlossen. Sinnvoll sind völlig offene Konzepte, wie sie mit der Plattform arXiv.org der Cornell-Universität oder ResearchGate.net bereits bestehen. Es ist völlig unverständlich, weshalb Universitäten nicht diesen Öffnungsweg beschreiten, zumal eine Weiterentwicklung zu einer effizienten Fundgrube wissenschaftlicher Erkenntnisse deutlich besser werden würde, wenn die Quellenbasis breiter wird.
  2. Auch das Peer-Review-System muss aufgebrochen werden, denn wenn Sie einmal genau auf die Formulierungen achten, gibt es in vielen Gebieten inzwischen „Wissenschaftler“ und „anerkannte Wissenschaftler“. Da Gelder für freie Forschung nicht mehr existieren, sondern alles politisch bestimmt wird, bilden sich gut finanzierte innere Wissenschaftskreise aus Politik und anerkannter Wissenschaft, in die kaum einzudringen ist, wenn man abweichende Richtungen verfolgt, und in denen die Wissenschaft Gefahr läuft , zur „self fulfilling prophecy“ zu werden. Im Rahmen einer Öffentlichmachung von 1. dürften sich sicher andere zuverlässige Bewertungssysteme ergeben.
  3. Das notwendige Basiswissen in der Bevölkerung verfällt derzeit schneller, als die Wissenschaften selbst etwas Neues nachlegen können (siehe Abitur für alle). Das lässt sich auch daran erkennen, das jede Form religiösen Unsinns derzeit einen enormen Hype erlebt und der Wissenschaftler politisch-gesellschaftlich gehalten ist, den Unfug zu respektieren, oder im Klartext, selbst die Klappe zu halten. Wir nähern uns gewissermaßen einem Mittelalterzustand mit Handy für jeden. Die Gefahr, dass Teile der Öffentlichkeit Bauernfängern „alternativer Erkenntnissysteme“ hinterherlaufen, wie Sie ja auch monieren, lässt sich aber nur bannen, wenn die Menschen selbst in die Lage versetzt werden, Ergebnisse und Hypothesen zu bewerten. Die Gesellschaft sollte dringend darüber nachdenken, ob man Bildungsreformen weiterhin Leuten überlassen darf, die selbst nichts mit dem Lehr/Lernbetrieb zu tun haben und obendrein in jeder Talk-Show stolz verkünden, noch nie etwas von Mathe oder Physik kapiert zu haben.  – Gilbert Brands

Leserbrief zu „Ein Zwerg führt die EU an der Nase herum“ von Felix Rohrbeck

Lange schon wird beanstandet, dass international tätige Konzerne ihre Gewinne in Länder mit niedrigen Steuern verschieben. Sie schädigen damit auch ihre Belegschaft, deren Heimatländer dadurch weniger Mittel zur Verfügung haben, um z.B. die Infrastruktur (im weitesten Sinne) zu erhalten oder auszubauen. Wenn jetzt die Steueroase Malta ihre vorübergehende EU-Ratspräsidentenschaft nutzt, um Gesetze für mehr Steuergerechtigkeit zu blockieren oder zu verzögern, ist das ein Skandal. Der einzelne Bürger hat die Möglichkeit,  sein Urlaubsgeld in anderen Ländern als Malta auszugeben. Wie aber kommt die Staatengemeinschaft in der Lösung des Problems voran? Informationen darüber sind erwünscht! – Werner Wittig


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Glückliches Deutschland! Wir können es uns leisten im politischen Teil einer unserer renommiertesten Zeitungen uns auf einer ganzen Seite damit zu beschäftigen: hat er nun oder isst er etwa noch Foie grass ? Das ist natürlich politisch völlig unkorrekt, keine Frage! In diesem Zusammenhang kann ich nur hoffen, dass alle CSU-Politiker nur Schweinshaxen von glücklichen Schweinen essen, oder wird nur das Ess- und Trinkverhalten ( kein Pinot Grigio unter 5€ ) von Sozis daraufhin erforscht?

Wir lesen Ihre Zeitung seit Jahrzehnten und ich würde mir wünschen, dass Sie Ihr Niveau nicht immer weiter absenken, sondern den Journalismus pflegen, den wir immer so an Ihrem Blatt geschätzt haben. – Jutta Kamp


Leserbrief zu „Wie lange dauert es, bis aus Flüchtlingen Kollegen werden?“ von Arnfried Schenk

Eure Berichterstattung über Geflüchtete und ihre Situation in Deutschland auf dem Arbeitsmarkt ist sehr lobenswert und von mir gerne gelesen. Da ich selbst mal einen Workshop für Bewerbungen in Deutschland für Geflüchtete gegeben habe, weiß ich auch ungefähr wie kompliziert das alles ist und finde es gut, dass ihr auf die Problematik hinweist, das nicht jeder Arbeitgeber bereit ist sich darauf einzulassen und auch, dass nicht alle Geflüchteten kapieren was eine Ausbildung sein soll (so was gibt es nun mal auch nur bei uns)

Nun möchte ich aber sanft darauf hinweisen (keine Feminismus-Keule!), dass ihr nur über Männer berichtet. (DOSSIER über den Arzt, Ausgabe 08 und in der aktuellen Ausgabe in CHANCEN) Da ich Integrationspatin bin und eine syrische Frau betreue, liegt mir das so langsam schwer im Magen. In meiner Zeit als freiwillige Deutschlehrerin beim Unionhilfswerk habe ich viele  geflüchtete Frauen kennen gelernt, die zwar tatsächlich in der Regel aufgrund ihres traditionellen Lebensstils mit einigen Kindern zu Hause bleiben aber entweder auch gutes, oder aber sehr viel besseres Deutsch sprechen als einige männliche Geflüchtete die ich kenne (das ist selbstverständlich nicht repräsentativ)

Die junge Frau, die ich unterstütze ist 22 Jahre alt und hat zu Hause in Syrien Medizin studiert, bevor sie dann wegen der Flucht abbrechen musste. Sie hat jetzt, nachdem sie, wie die Mehrheit, 2015 hier angekommen ist, das Sprachniveau C1 erreicht. Bitte lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen. C1 – da werden grammatikalische Strukturen behandelt, die nicht mal wir ohne weiteres aus dem Hut zaubern können. Ich kenne keinen anderen Flüchtling (außer eine weitere Freundin von ihr) die das in so kurzer Zeit geschafft hat.

Sie hat jetzt ein Praktikum in einem Krankenhaus absolviert und möchte eine Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin anfangen und danach weiter Medizin studieren. Sie ist eine gläubige Muslima, in recht strenger Ausführung und hat es nicht einfach in Alltagsituationen, wie zum Beispiel der Umkleide im Krankenhaus. Jenseits von absurden Debatten über die Kleidungsnormen von Muslimas und ähnlichem, zieht sie einfach ihr Ding durch. Sie will weder heiraten, noch Kinder kriegen (das ist jetzt nicht zu bewerten, aber sie hebt sich durchaus ab) geht selbständig zu allen Terminen, organisiert den Brief und Schriftverkehr für sich und ihren Vater und fragt mich dabei nur ganz selten um Hilfe. Sie recherchierte eigenständig nach für sie passenden Berufen und formulierte ihre Anschreiben selbst – ich verbesserte nur.

Sie ist für mich auch ein Paradebeispiel an Integration, sowie auch viele andere geflüchtete Frauen, die in der journalistischen Debatte vergessen werden und nur auftauchen, wenn man sich mal wieder darüber streitet in welchen Klamotten Frau rumzulaufen hat – oder sie werden nebenbei als Ehefrau erwähnt. – Friederike Aps


Leserbrief zu „Gutscheine gegen den Hunger“ von Benedikt Becker

Warum kommt denn niemand auf die idee endlich mal eine funktionierende geburtenkontrolle zu initieren? fast alle konflikte in den genannten laendern sind verteilungskaempfe, hervorgerufen durch zu wenig resurcen und eine rasant wachsende bevoelkerung. solche konflikte treten immer entlang enthnischen oder religioesen grenzen auf, aber die ursache wird sicherlich nicht damit bekaempft, indem man immer mehr leute durchfuettert. aber mit dem schlagwort KINDER STERBEN und ein paar entsprechende fotos dazu bekommt man immer leute dazu zu spenden und eine riesige helferindustrie am leben zu erhalten. – Wittmann Siegfried


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Schluss mit lustig. Ein wichtiger Artikel zum Thema Recht &  Unrecht, der leider zwiespältige Gefühle  hinterlässt,  liegt dem Verfasser doch offensichtlich mehr an der Wirkung auf die Leserschaft als an sachlichem Journalismus. Worum geht es? Eine „simple“  Mandeloperation beendet das Leben eines Karnevalsprinzen.  Ist diese Feststellung wirklich nur schiere journalistische Ahnungslosigkeit? Bereits eine oberflächliche Recherche zum Thema hätte nicht nur gezeigt, dass die operative Entfernung der Gaumenmandeln kein simpler Eingriff ist, sondern auch heute noch regelhaft und nicht voraussagbar mit dem  bekannten Risiko einer Nachblutung verbunden ist ,  die in Einzelfällen  durchaus das Leben bedroht. Kommt es zu einem solchen Notfall , kann dies alle Handelnden   in höchste Bedrängnis führen , ohne dass grobe Fahrlässigkeit im Spiel sein muss.

Sicherlich ist es eine journalistische Steilvorlage, wenn ein Karnevalsprinz sein Leben  lassen muss. Und der Verfasser kann der Versuchung auch nicht widerstehen, dies im Text mit Plattheiten  wiederholt  aufzugreifen („Michael mit der Narrenkappe, Michael –  immer lachend“).  Aber  was verbindet die Freizeittätigkeit des Verstorbenen  mit dem tödlichen Ausgang einer Notoperation ?  Allenfalls Oberflächliches oder vielleicht der Umstand, dass es das Amt eines Karnevalsprinzen schwierig gemacht haben dürfte , die dringend gebotene körperliche Schonung nach erst kurz zurückliegender Operation einzuhalten.

Im Ganzen ein Beitrag, der den Aufmacher Karnevalsbezug wichtiger nimmt als die Bedeutung und die Tragik des Ereignisses. – Dr. Wolfgang Schott, HNO-Arzt


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Herrn Aisslinger ist zu danken, dass er für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbar, den Finger in eine von den Verantwortlichen gern übersehene, weil unbequeme Wunde legt: mangelnde Patientensicherheit in deutschen Kliniken.

Die in diesem traurigen Fall geschilderten Details sind m.E. kein Einzelfall und  –Gott sei Dank – auch nicht die Regel, aber zu häufig.  Zwei offensichtlich überforderte diensthabende Assistenzärztinnen, ein Oberarzt zuhause im Rufbereitschaftsdienst ,  der -vor Ort –

wahrscheinlich den Patienten hätte retten können ,durch nicht abgestimmte Dienstpläne zusammengewürfelte Teams, welche tagsüber nicht zusammenarbeiten, etc.  Da kann es leicht passieren,“ dass im OP-Saal   Hektik ausbricht“.  Dies angesichts einer zwar seltenen, aber typischen Komplikation nach Mandel-Operation, für deren Management ein Notfallablauf -standard hätte existieren können (nicht müssen ).  Patienten haben nach meiner Erfahrung , ohne dass es m.W. exakte Zahlen gäbe, im Nacht- und Bereitschaftsdienst aus o.g. Gründen schlechtere Überlebenschancen als im Tagesbetrieb.

Ich selbst, inzwischen 35 Jahre im Beruf, habe auch erst vor fünf Jahren anlässlich eines Vortrags von Flugkapitän  Manfred  Müller, Leiter der Flugsicherheitsforschung bei der Lufthansa, den Kern des Problems begriffen : in der zivilen Luftfahrt hat die Sicherheit der Passagiere  erste Priorität – in der Medizin nicht.  Die Patientensicherheit kommt als Ziel- kriterium  nach Ökonomischer Effizienz, Ergebnis- und Prozessqualität – frühestens an dritter Stelle.  Oder, wie es Herr Müller im Jahre 2012 drastisch formulierte :“ Würde man die Komplikations- und Sterberaten der deutschen Medizin auf  die Luftfahrt übertragen, so würde Keiner mehr ein Flugzeug besteigen“. Daran hat sich m.W. bis heute prinzipiell

Nichts geändert.  Dies trotz  Existenz professioneller Fehlermelde –und Analyse Systeme                      ( CIRS)  oder verbindlicher M&M ( Morbiditäts- und Mortalitäts ) –Konferenzen.  – Prof.  Dr. med. Ulrich Krause, Chirurg


Leserbrief zu „Nur die eigene Ohnmacht demonstriert“ von Bernd Ulrich

B. Ulrich demonstriert die bewiesene Impotenz im politischen, strategischen und taktischen Denken – sehr europäisch,  sehr EU-europaisch. Es stünde ihm auch viel besser zu Gesicht, wenn er mehr Konjunktiv in seiner anti Trump Philippka benutzte. – M. Pelc


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Immer diese Zuschreibungen nach Ost und West.Im Westen gehen überwiegend die Kinder der besser gestellten sprich intelligenteren Eltern in eine Kita,die armen Kinder bleiben zu Hause bei den doofen Eltern ohne frühkindliche Bildung,bleiben also auch doof!

Können Sie diese Behauptung beweisen? Fremdbetreuung sobald wie möglich,wird gefördert,am besten lassen wir die Babys gleich im Krankenhaus und springen von dort wieder fröhlich zum Arbeitsplatza! Was Familen brauchen sind individuelle Angebote,keine einheitliche Betreuung seitens des Staates und sie brauchen flexible Betreuung,mit guten Erziehern.

Und auch die Anerkennung wenn intelligente Eltern die frühkindliche Bildung selber leisten wollen,auch wenn es finanzielle Einsparungen erfordert.Kinder brauche ihre Eltern,vor allem in den ersten Jahren,dies ist auch Fakt! – Ingrid Müller


Leserbrief zu „Endlich eine rote Linie gezogen“ von Wolfgang Bauer

Es gibt sehr geehrter Herr Bauer keinen „Westen“ – der EU-Westen ist impotent und und wenn die USA unter Präsident Obama  nichts tun, bewegt sich auch nichts und das Morden geht ungehindert weiter. Angesichts dieser Imptenz kann nur so wortreich argumentiert werden  wie Herr B. Ulrich es tut. – M. Pelc


Leserbrief zu “ Trump 2.0″ von Josef Joffe

Zum US-Luftschlag gegen die syrische Luftwaffenbasis al-Scheirat; Zeitgeist von Josef Joffe „Trump 2.0“ (DIE ZEIT v. 15.4.2017, S. 46) der nachfolgende Leserbrief:

Ich hätte sie so gerne, diese Standfestigkeit – oder die beruhigte Teilhabe an diesem Zeitgeist in klaren Kontrastfarben: In Syrien genau ein Schlächter, ein Russe sein Helfershelfer, in Amerika ein Braver, der sich nun anschickt, die Dinge wieder zu unserem Besten zu richten. Dem man das jedenfalls zutrauen kann.

In den mir verbleibenden ein, zwei Jahrzehnten werde ich zu diesem Glauben wohl nicht finden können, nach der Erfahrung der letzten sechzig Jahre. –  Dr. jur. Karl Ulrich Voss


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Vor 7 Jahren wurde unsere Tochter (damals 42 Jahre alt) am Bauch operiert, danach kam sie nach mehreren Rehas in ein Pflegeheim. Sie ist halbseitig gelähmt, kann nicht sprechen, ist inkontinent und Rollstuhlpflichtig. Vor der OP wurde im Krankenhaus ein ZKV (zentraler Venenkatheter) von einem Internisten gelegt, allerdings nicht in die Vene sondern in die Arterie und das hat 7 Tage lang niemand gemerkt. Nachdem der Narkosearzt nach der OP den ZVK gezogen hat, ist ihm artielles Blut entgegen gespritzt. Die Tochter wurde auf Intensiv gelegt, dann aber in der Nacht in ein normales Zimmer, dort kam es zu einem schweren Schlaganfall, niemand in der Klinik hat es gemerkt.

Jetzt haben wir das gleiche erlebt: Die Ärzte erzählten uns, es habe Schwierigkeiten gegeben. Da mir die Sache komisch vorkam, habe ich sofort über einen Fachanwalt die gesamte Dokumentation / Röntgenbilder angefordert. Das waren ca. 500 Seiten, die Klinik hatte somit keine Zeit der Manipulation mehr. Außerdem habe ich ein MDK – Gutachten und ein privates Gutachten erstellen lassen. Es wurde ganz klar bewiesen, dass es zu einer Unterlassung der ärztlichen Sorgfaltspflicht in mehreren Fällen gekommen ist. Das hat die Haftpflichtversicherung der Klinik überhaupt nicht interessiert. Die Ärzte dürfen dazu keine Aussagen machen, sonst verliert die Klinik den Versicherungsschutz, hat aber die Versicherung abgestritten. Mehrere Jahre musste ich mich bemühen, einen Behandlungsfehler nachzuweisen.

Ein befreundeter Radiologe hat festgestellt: Das sieht man doch, das der ZVK falsch liegt! Die notwendigen Beweise der Unterlassung der ärztlichen Sorgfaltspflicht mußte ich selbst in mehren Jahren heraus arbeiten, bis es zu einer außergerichtlichen Einigung gekommen ist. Als Krönung hat dann die AOK den elektrischen Rollstuhl abgelehnt, mit der Behauptung, das es zu gefährlich für sie ist. Also mußte ich den Rolli selbst kaufen, denn es geht ja um ihre Lebensqualität, interessiert aber auch niemand. Jetzt fährt sie 6 Jahre damit ohne irgendwelche Zwischenfälle, nur die Rechnungen zahlen wir alle selbst. Die ganzen Rechnungen für Gutachten, Rechtsanwalt und Pflegeheim bis zu einer Einigung mußten wir selber bezahlen,  wer das Geld nicht hat, geht ganz schnell in die private Insolvenz. – Reinhard Müller


Leserbrief zu „Und das Völkerrecht“ von Jochen Bittner

Warum der Autor seinen informativen, gut recherchierten, sachlich formulierten Artikel mit den letzten 2 Sätzen im Polemischen verenden lässt, ist mir unverständlich. – Walter Stach


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Gelassenheit statt Arroganz

Leider werden die Autoren ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht. Leider deshalb, weil ich ihre Grundanliegen zur Öffnung der Wissenschaft unterstütze.

Wahre Wissenschaft ist sich jedoch der Vorläufigkeit ihrer Erkenntnisse bewusst. Ich halte es deshalb schlichtweg für unnötig, immer wieder die homöopathische Behandlung als Feindbild der Aufklärung zu präsentieren.

Erstens weiß die Homöopathie um ihre Grenzen. Zweitens halte ich es für einen großen Unterschied, ob ein Wochenend-Schnellkurs für Heilpraktiker zu einem Sammelsurium „alternativer“ Heilmethoden führt oder ob ein Dr. med.

nach wirklichen Alternativen sucht und damit Erfolg hat. Drittens wird suggeriert, dass die üblichen Methoden der Schulmedizin immer wirken. Das ist jedoch nicht der Fall. Und wenn, gibt es mit möglichen Nebenwirkungen und oft hohen Preisen Gründe, (auch) andere Mittel anzuwenden.

Wir wurden in der DDR im Sinne einer „wissenschaftlichen Weltanschauung“ erzogen. Allein das macht skeptisch gegenüber Absolutheitsansprüchen einer „reinen Lehre“. Die im Beitrag aufgestellten Thesen kann ich guten Gewissens unterschreiben.

Deswegen rate ich auch zu mehr Gelassenheit – zumindest gegenüber der Homöopathie. Vielleicht wird ja deren Wirkung doch noch erforscht. Wirksam ist sie jedenfalls. – Heiko Reinhold


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Nein, ich wähle nicht die SPD, habe sie noch nie gewählt und werde sie wahrscheinlich auch nicht wählen. Meine Kriterien sind dabei aber nicht die Essgewohnheiten der Spitzenpolitiker, auch nicht, wenn sie einer human correctness widersprechen. Dass ihr Redakteur aber genau diese in seiner Wiedergabe eines allerdings bizarr zu nennenden Informationsaustauschs zum Thema macht, also lustvoll genau ein solches Thema –das natürlich nicht immer gottgleiche Verhalten von Menschen, auch solchen, die in der Politik aktiv sind- noch einmal aufpumpt, nicht in der Rubrik „kurz und uninteressant“, sondern auf einer ganzen Seite im Politikteil an prominenter Stelle in Ihrem Blatt thematisiert, fällt bei mir unter den Verdacht der unseriösen Stimmungsmache. Denn Sie wissen: Es bleibt etwas hängen in den Hirnen der Leser, nach einer Zeit zumeist verschwommen, eventuell in der Richtung: Auch er ist nicht glaubwürdig. Diese für Politik gefährliche Haltung mit einem derart lächerlichen Thema zu befeuern, sollte der ansonsten von mir meistens geschätzten redaktionellen Ehrlichkeit ihrer Zeitung in Zukunft hoffentlich wieder fremd werden.    – Jürgen Fritzsche


Leserbrief zu „Diese beiden Männer reden den ganzen Tag. So wollen sie das Töten beenden“ von Jana Simon

Danke für diese Bereichterstattung über die FRIEDENSVERMITTLER. Was Jana  Simon uns mitteilt begeistert und ernüchtert zugleich-der Franzose Romain Grandjean und der Amerikaner David Gorman sind unermüdlich im Einsatz, um zu vermitteln-wunderbar, dass es diese Menschen gibt! Wie mühsam ist es, „Frieden zu schaffen ohne Waffen“! – Volkmar Gartenschläger


Leserbrief zu „Gutscheine gegen den Hunger“ von Benedikt Becker

Ich möchte um Nachsicht bitten, dass ich Ihr Angebot über 2 Kochbücher mit „besonderen Rezepten für jeden Anlass“ und „großformatiger Food-Fotografie“ nicht annehmen kann, da ich kurz vorher den Artkel direkt darüber gelesen habe.

Es ging um die erschütternden Hungersnöte und deren langsames Kommen, welches man spüren kann, in den Regionen Somalia, Südsudan, Nigeria und Jemen.

Wer macht das Layout, ein Computer? Hätte man anstatt der Werbung für Kochbücher nicht eine Anzeige von z.B. ‚Brot für die Welt‘ schalten können? – R. Ciliox


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

Die kontinuierliche Zunahme der Treibhausgase in Deutschland lässt sich tatsächlich begrenzen. Das zeigt  Ihr Hinweis auf die Tatsache, dass der CO2 Ausstoss in England durch den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken bei gleichzeitiger Abschaltung von Kohlekraftwerken zu einem ständig sinkenden Ausstoss von Treibhausgasen führt.  Kernkraftwerke hatten vor der massiven Abschaltung in Deutschland nach Fukushima eine CO2 Einsparung, die den CO2 Ausstoss des gesamten Verkehrsaufkommen in Deutschland aufwog.

Eine komplette Substitution dieses Einsparpotentials durch die erneuerbaren Energien ist bis heute nicht möglich so dass sehr viele fossile Dreckschleudern auf absehbare Zeit weiter betrieben werden müssen, um die Versorgung mit Grundlast sicherzustellen.  Die Zuordnung des Begriffs “Haken“ zur Kernenergie ist ideologisch und nimmt keinerlei Kenntnis vom sich ständig weiterentwickelnden internationalen Stand von Wissenschaft und Technik. Gerade China und Korea gehen hier eigene Wege und bauen weiter viele neue Kernreaktoren und verbessern dabei kontinuierlich deren Sicherheitseigenschaften. Das Festhalten an unseren Klimazielen unter Ausschluss der Kernenergie Option  ist ein gefährlicher Weg, der uns langfristig ins Abseits bringen kann. – Dr. Ing Peter Royl


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Das im Artikel unterstellte sichtbare Bekenntnis der Wissenschaften zu Zweifeln und die entsprechende Abkehr von Wahrheitsverkündigung hat nicht wie erhofft zur Glaubwürdigkeit beigetragen, weil ausgerechnet im medial prominentest sichtbaren Bereich – der Klimaforschung – diese Grundsätze nicht allgemein erkennbar sind. Nirgendwo schlagen sich die Ergebnisse von Grundlagenforschung so unmittelbar in politischen Entscheidungen nieder, die jeder direkt im Geldbeutel spürt (Stichwort Energiewende). Und gerade hier werden Zweifel nicht nur ausgeblendet, sondern aktiv unterdrückt. Vor dem Hintergrund des mittelalterlichen Klimaoptimums mit heute vergleichbaren Temperaturen und der späteren kleinen Eiszeit, deren Ursachen längst nicht klar sind, ist denkenden Menschen nicht zu vermitteln, wieso die sich daran anschließende erneute Erwärmung nun aber ausschließlich dem anthropogen verursachten Anstieg des Kohlendioxidanteils der Atmosphäre zuzurechnen sein soll. Solche Zweifel eigenständig rational denkender Menschen sind in unserer Gesellschaft möglicherweise weiter verbreitet, als von Klimaforschern und deren Unterstützern angenommen wird. Das Ignorieren, ja Verunglimpfen entsprechender Fragesteller erweckt dann leicht den Eindruck ergebnisorientierter, ideologisierter Forschung. Diese Einschätzung kompromittiert dann leider auch andere Wissenschaften und führt bei weniger differenziertem Urteil zu allgemeiner Skepsis. – Michael Pfannschmidt


Leserbrief zu „Wenn das Warten kein Ende nimmt“ von Albrecht Koschorke

Wo populistische Führer in Narrativen von Stolz, Ehre und Sieg kommunizieren und agieren, macht sich Albrecht Koschorke auf, die Phänomene unserer Zeit zu erklären. Dabei erzeugt er ein schillerndes Beispiel für ein Narrativ, dass im kreativen Bemühen, Zusammenhänge zwischen möglichst vielen unzusammenhängenden Zusammenhängen herzustellen, sich allzu sehr selbst genügt. Der Leser, der geduldig und mit einer gewissen Spannung seiner Erzählspur mit Aspekten aus der Psychoanalyse, der Gesellschafts- und Demokratietheorie und der Zeit- und Kulturdiagnostik bis zu Ende folgt, wartet vergeblich auf ein schlüssiges Fazit. Nach langem Anlauf und kurzem Absprung findet er sich wieder in dem großen Warteraum der Geschichte mit der etwas schräg gestellten Frage, ob eine Demokratie möglich ist, die sich weder auf Sklaverei noch auf Ungleichheit stützt – und dem faden Beigeschmack, Zeuge einer Verwirrung geworden zu sein, die nur zufällig den Populismus als Ausweg verfehlt.    – Reinhard Koine


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

‚Die Wissenschaft steckt in einer Vertrauenskrise‘ und muss daher heraus aus dem Elfenbeiturm. Aber ist die Wissenschaft wirklich im Elfenbeinturm wie der Artikel suggeriert? Hier nur ein Beispiel fuer eine kernige Aussage, die der Ueberpruefung nicht standhaelt:

‚..die immer groesser werdenden Datenmengen werden wie ein Schatz gehuetet…‘. Eine Vielzahl von Journalen verlangt fuer die meisten Daten, dass diese spaetestens bei Publikation einer Arbeit in oeffentlich zugaengliche Datenbanken eingestellt werden. Dies gilt ohnehin prinzipiell fuer alle Genomdaten, so lange nicht ethische Bedenken bestehen. Oder anders gesagt: noch nie gab es so viele frei verfuegbare wissenschaftliche Daten. Ob die Oeffentlichkeit damit etwas anfangen kann, steht auf einem anderen Blatt.

Und stimmt es, dass es hier die Wissenschaft dort die Gesellschaft gibt?

Noch nie haben so viele Menschen ein wissenschaftlichen Hochschulabschluss gehabt wie heute. Eine Vielzahl von diesen Absolventen wird vermutlich keine Vertrauenskrise haben. Das soll nicht heissen, dass es in den Wissenschaften keinen Reformbedarf gibt oder interessant neue Entwicklungen wie Citizen Science. Aber dies sollte man doch wesentlich differenzierter betrachten. – Jens Rolff, Geschaeftsfuehrender Direktor, Institut fuer Biologie Professor fuer Evolutionsbiologie Institute for Biology Freie Universitaet Berlin


Leserbrief zu “ Trump 2.0″ von Josef Joffe

Trump ist lernfähig ohne seine Grundüberzeugung aufzugeben. Das ist doch schon mal die halbe Miete.

Und Europa spielt in gar keiner Liga. Höchstens im Sandkasten einer Kitaeinrichtung. Das Totschlagargument: das muß die  Diplomatie lösen was der Bürger schon seit 60 Jahren von der politischen Klasse hört ist vielleicht in früheren Zeiten eine bessere Lösung gewesen.

Die haben wir aber nicht mehr. Jetzt gilt es Flagge zu zeigen.  Ich habe eher den Verdacht, die haben die Weltlage noch nicht wirklich verinnerlicht.

Die Bildungsstätten haben nur  „Gutmenschen“ groß gezogen, was so verkehrt ja nicht ist. Wenn es nicht regelmäßig das Gegenteil dessen hervorriefe, was man unter gesunden Menschenverstand versteht.  – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wahrheit verpflichtet“ von Hans Joachim Schellnhuber

Welche Wahrheit?  Die Wissenschaft ist anfällig wie ein löschriger Käse.

Es würde zu weit führen, die ganzen angeblichen Wahrheiten aufzuführen, die heute keine mehr sind. Auch die Wissenschaft ist vor Irrungen nicht gefeit.  – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Irrtümer, Schnapsideen und andere Altlasten“ von Bruno S. Frey und David Iselin

Wie bezeichnend, dass für die Aussage „Menschen arbeiten nicht um des Geldes willen mehr…“ mal wieder die im Vergleich extrem schlecht bezahlten sozialen Berufe, die klassischen unterbezahlten Frauenberufe von Altenpflege bis Sozialarbeit und Erziehung als Beispiele für die lobenswerte intrinsische Motivation herhalten müssen, wenn bei Managergehältern in mehrfacher Millionenhöhe immer damit argumentiert wird, nur so ließen sich Top-Leute holen.

Meine KollgInnen und ich im Sozialen Dienst, mit täglichen Entscheidungen in existentiellen  Krisensituationen konfrontiert,  würden eine bessere Bezahlung sowohl angemessen zur Sicherung des Lebensunterhaltes als auch als gesellschaftliche Anerkennung unserer Arbeit empfinden. Das gleiche gilt mit Sicherheit auch für die anderen, für das humane Zusammenleben einer Gesellschaft notwendigen Berufe.  – Anja Nohlen


Leserbrief zu „Irrtümer, Schnapsideen und andere Altlasten“ von Bruno S. Frey und David Iselin

Bruno S. Frey und David Iselin sprechen in diesem Kommentar eine wichtige Erkenntnis an: Nämlich, dass jedes ökonomische System menschgemacht ist. Und da Menschen naturgemäss nicht perfekt sind, sondern Fehler machen, bestehen diese Systeme aus Irrtümern.

Zwei wichtige Fehler in der ökonomischen Lehre haben Frey und Iselin jedoch nicht erwähnt: Erster Fehler: Bertrand Piccard, der Schweizer, der zuletzt als erster mit einem Solarflugzeug die Welt umrundete, umschrieb ihn sehr treffend: «Der Preis, der am Produkt angeschrieben ist, ist nicht der Preis, den das Produkt die Gesellschaft kostet». Sprich: Externe Kosten wie Umwelt- und Sozialkosten werden nicht vom Käufer bzw. vom «Verursacher», sondern von der Allgemeinheit bezahlt. Der World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) arbeitet zur Zeit zusammen mit höchsten Stellen bei Weltbank, IWF etc. an einem Konzept, um diesen Fehler zu korrigieren. Es nennt sich «True Value» und soll Firmen dazu bringen, soziale und Umweltkosten in Ihrer Erfolgsrechnung und in Ihrer Bilanz zu aktivieren – sprich, externe Kosten zu internalisieren. Als Resultat hätten dann die Produkte ein «korrektes» Preisschild, nämlich eins, das die wahren Kosten abbildet.

Zweiter Fehler: die Konstruktion des BIP an sich beinhaltet einen gravierenden Fehler: Das BIP ignoriert nämlich Schäden komplett. Beispiel: Eine Überschwemmung verursacht Schäden von 100 Mio. Diese 100 Mio. werden nachher repariert – und für das BIP bedeutet dies «Wachstum», denn die Reparatur fliesst in die BIP-Rechnung mit ein, der (direkte) Schaden jedoch nicht. Jeder, der rechnen kann, weiss: Das ist Unsinn, denn die Rechnung ist im besten Fall Null (Minus 100 plus 100 = Null). Der «Genuine Progress Indicator» (http://rprogress.org/sustainability_indicators/genuine_progress_indicator.htm) rechnet diese Schäden mit ein. Resultat: Seit den 70er-Jahren haben wir de facto gar kein wirtschaftliches Wachstum mehr. Anders ausgedrückt: Das vermeintliche «Wachstum» ging vollends auf Kosten der Nachhaltigkeit. Im Klartext: Wir lügen uns selbst in die Tasche. Damit sich dies ändert, müssen die Diskussion um (wirtschaftliche) Modelle ent-ideologisiert und die alten links-rechts-Denkschemata ein für alle Mal im Sondermüll der Geschichte entsorgt werden. – Markus Mühlbacher


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Die Autoren des Artikels plädieren zurecht für eine „Öffnung“ der Wissenschaft als Ausgang aus der Vertrauenskrise. Sie vermitteln aber ein falsches Bild, wenn sie schreiben, dass in der Gegenwart die meisten Wissenschafter hinter verschlossenen Türen forschen und ihre Daten auf verschlüsselten Festplatten horten würden. Diese Gehemniskrämerei mag durchaus vorkommen – aber das Malaise, das angesprochen wird, liegt nicht so sehr in der Geheimhaltung von Daten als eher in ihrer Mehrdeutigkeit. Was dem einen Forschungsteam als Evidenz gilt, kann von einem andern nicht bestätigt werden. Die Statistiker sprechen von einer Replikationskrise. Transparenz ist durchaus da, aber das zu lax und unkritisch gehandhabte Gütesiegel des Signifikanzwerts verleiht vielen Forschungsresultaten die Würde einer Entdeckung, wo es sich um kaum mehr als Zufall handelt.

Worauf ich mit diesem Beispiel hinaus will: Der Finger sollte auf die wirklich neuralgischen Stellen des heutigen Wissenschaftsbetriebs gelegt werden, auf die Häufung von Fake-Entdeckungen, gerade aufgrund der massiven Datenproliferation. Der Wissenschaftsjournalismus sollte sich nicht einfach damit begnügen, all die schönen, neuen, atemberaubenden Ergebnisse aus der Forschung zu popularisieren, er sollte auch zeigen, wie diese Ergebnisse entstanden sind und worauf sich ihre Glaubwürdigkeit stützt. Oder eben nicht stützt.

Mit einem Wort: Die Leserschaft müsste viel mehr wissenschafts- und erkenntnistheoretisch ins Bild gesetzt werden darüber, was denn hinter „Studien“ steckt mit Resultaten „Menstruierende Frauen bevorzugen die Farbe Rot“ „Medizinischer Nutzen von Zahnseide nicht bewiesen“ oder „Mit Posieren schaffst du es (Fake it until you make it)“ – wissenschaftliche Quickies dieser Art erfreuen sich grosser Aufmerksamkeit, und gerade ein seriöser Wissenschaftsjournalismus könnte seinen Beitrag zur Öffnung leisten – indem er nämlich die Augen öffnet gegenüber all dem – auch evidenzbasierten – Bullshit, der heute im Namen der Wissenschaft verzettelt wird. – Eduard Kaeser


Leserbrief zu „Diese radikalen Studenten“ von Mariam Lau

Vielleicht hätten Sie in Ihrem Artikel die Positionen von Herrn Baberowski etwas mehr anhand seiner Schriften darstellen sollen, statt das  gespannte Sohn-Eltern-Verhältnis so hervorzuheben. Auch die Position dieser seltsamen Trotzkisten-Gruppe hätte den einen oder anderen Satz hinsichtlich ihrer Einschätzung von Baberowski vertragen, im Internet in Form eines 20seitigen Ergusses abrufbar (ich habe es nur bis S. 3 geschafft), den man gut als Beispiel eines „linken“ Trumpismus bezeichnen  möchte. Man muss diesen Leuten schon einen gewissen Respekt zollen: irgendwie sind diese „Trotzkos“ nicht totzukriegen.

Der Anlass meiner Zuschrift ist aber ein anderer: Trittin war keineswegs im KBW, sondern im (nicht als Partei organisierten) KB, was -da dürfen Sie jetzt ruhig lachen- für mich als alten KB’ler, Mitglied der Portugal-Kommission des „Arbeiterkampfes“ und später Angehörigen der Gruppe Z  (wie Ebermann, Trampert etc.  und eben auch Trittin) immer noch einen beachtlichen Unterschied ausmacht.– Das hätten Sie übrigens bei Wikipedia nachsehen können (eine kleine Recherche-Schluderei: denken Sie immer an das Geschrei von der Lügenpresse!).– Kommt übrigens in Trittins offizieller Biografie auf der Website des Bundestages nicht vor, derzufolge sein poltisches Leben wohl erst mit dem Einzug in den Bundestag 1980 beginnt.

Nun ja, wir werden alle älter —und milder! – Jürgen Wißner


Leserbrief zu „Klopp, Liverpool“ von Fritz Pleitgen

Ich hab Ihren Artikel über Jürgen Klopp noch gar nicht gelesen, weil ich bei den Überschriften schon vom Hocker gefallen bin. Jürgen Klopp so beliebt wie die Beatles? Das kann nicht sein. Never. Denn die Beatles waren  bekanntermaßen  beliebter als Jesus (John Lennon). Das schafft nicht einmal Jürgen Klopp. Aber Sie sind entschuldigt, denn Sie waren/sind zu alt für die Beatles. Nichts für ungut: die Beatles bleiben die Größten, selbst wenn Jürgen Klopp den FA-Cup und irgendwas Ähnliches gewönne. – Fritz Hausbacher


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Volle Zustimmung zum Tenor des Beitrags: Benachteiligten Kindern helfen vor allem gute Kindertagesstätten und Grundschulen. – Dazu gehören gezielt kompensatorische Betreuung und Erziehung.

Dennoch, ein Doppelsatz zur kostenlosen Kita bedarf der Richtigstellung. Das Autorenduo schreibt: „Die meisten Krippen erheben Beiträge abhängig davon, wieviel die Eltern verdienen. Reichere zahlen also mehr.“ Das stimmt ganz und gar nicht!

Einkommensabhängige Kita-Gebühren sind bei den 1.100 Städten und Gemeinden Baden-Württembergs die große Ausnahme. Und Realität ist: Je höher das Einkommen der Eltern, desto geringer die Kita-Gebühren. Diese widersinnige Realität hängt mit unserem Steuersystem zusammen. Kita-Gebühren können größtenteils steuerlich abgesetzt werden.

D.h. gut verdienende Eltern bekommen bis zu 42 Prozent der Gebühren als Steuerrückzahlung erstattet. Die ‚Leidtragenden‘ dieses Systems sind Haushalte mit kleinen bis mittleren Einkommen. Sie verdienen zu viel, um noch Transferleistungen zu erhalten– etwa, dass das Sozialamt die Kita-Gebühren bezahlt – aber zu wenig, um Steuern zu zahlen.

Also gibt es auch keine Steuererstattung. Nur diese Familiengruppe bezahlt die Kita-Gebühren voll! Deshalb ist für mich als Kommunalpolitiker die kostenlose Kita die fairste Lösung: Kitas werden dann voll vom Steuerzahler finanziert. – Bernd Schenkel


Leserbrief zu „Je größer das Auto, desto größer der Respekt“ von Stefan Schirmer

Seit es den Smart gibt, fahre ich ihn und auch ich musste in den ersten Jahren viel Hohn und Spott einstecken. Inzwischen ist es aber kein Grund für Aggressionen mehr, wenn ich auf der Stadtautobahn mal einen „fetten Schlitten“ überhole, dazu gibt es inzwischen einfach zu viele flotte Kleinwagen. Für eine Großstadt wie Berlin ist es eine effiziente und preiswerte Möglichkeit schnell ans Ziel zu kommen und ich finde IMMER einen Parkplatz.

Wenn ich allerdings die Stadt verlasse um die 300 km zu meinem Vater zu fahren, miete ich mir gerne einen SUV, weil es einfach Spaß macht auf der Autobahn zügig und mit Überblick zu fahren. Mein Vater (91) ist auch erfreut, weil er bequem einsteigen kann und sich sicher fühlt. Ich teile aber Ihre Meinung, dass diese Art von Autos für den Stadtverkehr in der Gesamtschau nicht geeignet sind. Schade dass viele Menschen zum Aufpolieren ihres Selbstwertgefühls noch solche Dreckschleudern brauchen, denn „Great Lovers don´t need big cars“. – Katrin Schobig


Leserbrief zu „Das Dorf mit den 600 Chinesen“ von Jana Gioia Baurmann

Ich beziehe mich auf Ihren o.a. Artikel in ZeitOnline. Leider muss ich sagen, dass das eher eine Werbeanzeige für ICCN ist, aber kein kritischer Journalismus.

Bei mir zuhause saßen wiederholt Bewohner von Oak Garden und haben sich „ausgeweint“. Es ging los mit Immobilien („im Herzen Europas“), die zum doppelten des Marktpreises an die (unwissenden) Bewohner verkauft wurden (mir selbst wurden 25% Provision angeboten, wenn ich Käufer beischaffen kann), bis hin zur Monopolisierung von Informations- und Verfahrenswegen, die durchaus mit Drohungen verknüpft waren – nach dem Motto: „Wenn Ihr nicht spurt, gibt es keine Aufenthaltsgenehmigung, denn wir (ICCN) haben den Kontakt zu den maßgeblichen Personen, und nicht Ihr.“ Den Bewohnern von Oak Garden kann man hierbei den Vorwurf machen, dass sie unfähig sind, sich gegen diese Machenschaften zu organisieren – das war mein Rat an sie.

Grundsätzlich muss man eine klare Unterscheidung treffen: Die meisten Bewohner emigrieren ihrer Kinder wegen (das chinesische Ausbildungssystem ist hundsmiserabel und eine Tortur), es geht hier zumeist weniger um’s Geschäfte machen. Dabei haben die meisten Bewohner vollkommen falsche Vorstellungen darüber, was es heißt, in Deutschland als Selbstständiger Fuß zu fassen. Richtige Aufklärung bekommen sie nicht, und auch die Unterstützung Seitens ICCN könnte vor Ort besser sein, vorsichtig ausgedrückt.

Allerdings wird das Migrationsprojekt Seitens des Kreises als ein Wirtschaftsförderungsprojekt „verkauft“, die beiden Perspektiven (Migration vs. Busines) werden nicht klar auseinander gehalten.

Generell wischen die örtlichen Würdenträger derzeit so ziemlich alle Bedenken beiseite, weil in dem Projekt eine Chance gesehen wird, die strukturschwache Region wieder auf die Beine zu bekommen. Dies mag ja auch im Grundsatz stimmen, weswegen das Projekt ICCN ja auch nicht grundsätzlich negativ zu bewerten ist – im Gegenteil. Aber: Was aber mit denjenigen Chinesen, die kein Geschäft auf die Beine bekommen (das sind gar nicht so wenige), und was wäre, wenn die Sache wirklich so boomt, wie sich ICCN das vorstellt? Wären die Birkenfelder mental auf einen solchen Ansturm (eine Dominanz von Chinesen in der Region) überhaupt vorbereitet? Was passiert mit den Chinesen, die scheitern? Welche Lasten kommen dann auf die Kommune zu? Gibt es einen „Plan B“? Wie verhindert man einen Missbrauch der monopolartigen Stellung von ICCN (den Bewohnern von Oak Garden gegenüber)? (Wie) wurde sich in Kreis und Kommune mit diesen und anderen Fragen auseinandergesetzt?

Wenn Sie noch einmal über die Sache schreiben, können Sie vielleicht diese andere Perspektive berücksichtigen. Sie werden allerdings nichts von dieser Perspektive erfahren, wenn Sie nur ICCN und „Offizielle“ befragen. Falls Sie noch einmal über die Sache schreiben wollen, vermittle ich Ihnen daher gerne geeignete Gesprächspartner, die diese andere Perspektive vermitteln können (von mir selber werden Sie allerdings kein Interview erhalten). Senden Sie bitte für diesen Fall eine Mail an die Adresse des Absenders zurück (die nicht meine persönliche Mailadresse ist). Ich möchte vorsichtshalber einstweilen anonym bleiben, um meine Laufbahn nicht zu ruinieren. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

Der Forscher Ries misst auf der Zugspitze wohl kaum „deutsches CO2“, „österreichische Stickoxide“ etc. Auch die deutschen (fossil befeuerten) Kraftwerke sind allesamt im EU-wei­ten CO2-Emissionshandel (EU-ETS) und haben damit in der Summe aller einbe­zoge­nen EU-Emit­tenten eine europäische Obergrenze einzuhalten. Das tun sie! Gesonderte natio­nale oder gar regionale CO2-Ziele sind für diese große Gruppe im EU-ETS sinnlos.

Auf Seite 29 empfehlen die ZEIT-Autoren Hartung/Sentker den Wissenschaftlern „raus­zugehen“ und ihre Resultate und Methoden öffentlich zu diskutieren und nicht innerhalb der Disziplinen. Haben diese beiden bedacht, dass es für einen Diskurs auch ein Min­dest­wis­sen und Wissenwollen über Grundlagen auf der anderen Seite braucht? Manchem Poli­tiker, aber auch Journa­listen und Bürger ist wohl das „gute moralische Gefühl“ wichtiger als das müh­same Lernen unbeque­mer Fak­ten.

So wird auch bei Frau Pinzler das Elektroauto zum „umweltfreundlichen“ Hoffnungsträger stilisiert, selbst wenn es wohl bis 2040 (insbesondere jeweils im Winterhalbjahr) ohne Koh­le­strom zum Aufladen nicht auskommen wird. Oder weht der Wind immer dann, wenn ab 18 Uhr viele Autofahrer ihr Auto aufladen müssen? Ach so, das löst ja „smart metering“! Pech nur, wenn man das Auto nachts plötzlich für eine Fahrt in einem Notfall doch braucht!

Wie in der sehr einseitigen Kernenergiediskussion der 70er Jahre mit der Kernkraft als vermeintlicher Patentlösung erleben wir heute analog eine technisch fast ahnungslose Phan­tasie zu den möglichen Beiträgen der erneuerbaren Energien in den kommenden Jahrzehn­ten. Wenn Sie mir verraten, wie wir Wissenschaftler gegen grün angestrichene Phantaste­reien und „fake thinking“  andiskutieren können, wäre ich dafür sehr aufgeschlossen – Prof. Dr. Wolfgang Ströbele, früher: Universität Münster


Leserbrief zu „Ein Zwerg führt die EU an der Nase herum“ von Felix Rohrbeck

Wenn die EU nicht in der Lage ist eine einheitliche Steuer in Gang zu setzen, dann braucht sich keiner zu wundern, wenn das dabei herauskommt.

Was mich auch zornig macht, ist die Tatsache, das ständig auf die Leistungsträger herum gehackt wird, die versuchen alle Möglichkeiten auszuschöpfen,  um ihr Unternehmen profitabel zu machen.

Ich höre und lese kein Wort, über die ständige Verschwendung der Staaten, die leichtsinnig mit dem Steuergeld umgehen. Der Bundesrechnungshof spricht von Milliarden die jedes Jahr aus dem Fenster geschmissen werden. Der Bund der Steuerzahler kommt auf ähnliche Zahlen.

Ihr Autor gehört genau zu den Leuten, die einseitig Journalismus betreiben.

Ausserdem hilft es der Bevölkerung der gesamten EU-Staaten. Die Firmen die nach Malta ihre Firma verlegen helfen der dortigen Arbeitswelt genauso wie in Deutschland. Wenn man das. 1×1 der Ökonomie beherrscht.

Und zu guter Letzt sollte kein Staat der Welt den Steuerzahlern die Hälfte seines Lohnes wieder aus der Tasche ziehen. Das ist genauso schlimm wie Steuern hinterziehen.

Wenn die Staaten besser mit dem Geld umgehen würden, reicht auch ein Drittel an Steuereinnahmen ohne das dabei die Infrastruktur vernachlässigt wird. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Wissenschaftler haben in der Tat eine Bringschuld. Die Zeitautoren übersehen aber, dass sie ihrerseits als Wissenschaftsjournalisten eine Holschuld haben. Beispiel: Ich habe als Wissenschaftler Zugang zu Fachjournalen und Buchverlagen. Um den längst fälligen Paradigmenwechsel beim Lehren und Lernen von Fremdsprachen vom Prinzip der Einsprachigkeit hin zu einem bilingualen Ansatz durchzusetzen, müsste das Thema aber auch in Medien wie der ZEIT aufgegriffen werden. Was bisher nicht der Fall war.

Gerade in diesen Jahren, wo so viele Migranten eine für sie sehr sperrige Sprache wie die deutsche lernen müssen, kann ein Ansatz von der Muttersprache her (Arabisch, Farsi, Tigrinisch…) kleine Wunder bewirken. Viele Zuwanderer scheitern nicht zuletzt an einer Methodik, die verkennt, dass die Muttersprachen ein Kapital sind, das es einzusetzen gilt, wo immer es möglich ist.  Aber noch immer halten das BAMF und zahlreiche Sprachlehrzentren und -akademien ungeprüft an einem traditionellen Alles-auf-Deutsch Prinzip fest. – Prof. em. Dr. Wolfgang Butzkamm


Leserbrief zu „So zart. So leise“ von Christine Lemke-Matwey

Es macht mich geradezu fassungslos, dass Christine Lemke-Matwey in ihrer Kritik – eher einer hingerissenen Eloge auf Christian Thielemann – kein Wort verliert über die Schlussszene, wo der Feuerzauber von auferstandenen Helden in Uniform mit Fackeln begleitet und unterstützt wird – ein Schlusstableau, wie wir es von der Nazipropaganda nur zu gut kennen.

Im Gesamtzusammenhang der  Inszenierung ergibt dieses Ende keinen rechten Sinn. Was entsteht, ist nicht Betroffenheit, sondern Besoffenheit, wie an Lemke-Matweys Kritik abzulesen: Sie, die sich sonst nicht politisch korrekt genug gerieren kann, weiß nur noch von Ergriffenheit zu schwelgen. Genau der Effekt, den Nazi-Fackelzüge und Lichtdome erreichen sollten und leider auch erreichten.

Merkwürdig im Zusammenhang mit Christian Thielemann. Merkwürdiger noch, dass kein Wort darüber verloren wird. Nichts als ein Schwelgen, wie zart und leise die Musik geklungen habe. Das Ergebnis solcher Fackelaufmärsche ist, wie wir wissen, nicht mehr zart und leise. – Dorothea Renckhoff


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Es macht mich traurig zu lesen, wie die zunehmende Kommerzialisierung von Allem, auch das Thema Kinder erfasst. Bezeichnend finde ich dass dieser Artikel nun schon im Ressort Wirtschaft eingeordnet wurde. Argumente für Kinder erschöpfen sich in Ihrem Artikel auf den Halbsatz „bedauerlich wenn man Kinder liebt“ und geht dann sogleich über in die allgemeinde Sorge (also auch der Kinderlosen) „wenn die Renten kaum mehr finanzierbar sind.“

Dann dreht sich alles nur noch darum genügend KITA Plätze mit Erziehern als Ersatzeltern zu fordern. Da frage ich mich warum Sie überhaupt ein Kind wollen. Auch wenn dies vielleicht unmodern ist, so wünsche ich mir, dass es sich Familien leisten können, wenn ein Elternteil zu Hause bei den Kindern bleiben kann oder beide ihre Arbeitszeit reduzieren, um sich diese Aufgabe zu teilen.

Ich habe als Mann als meine Söhne klein waren meine Wochenarbeitszeit auf 20 Std. reduziert und habe die Kindererziehung mit meiner Frau geteilt. Diese Zeit möchte ich nicht missen und es war sicher auch für Sie eine gute Entscheidung.

Wir verfügen leider nicht über das von Ihnen angegebene Nettoeinkommen von 4700 Euro. Aber wir waren da, als sie uns gebraucht haben. Sie haben keine Not leiden müssen, wir haben Ihnen gesunde regionale Lebensmittel gekocht und Zeit mit Ihnen verbracht. Wir waren nicht im Urlaub oder Disneyland, haben lieber jeden Tag mit Ihnen gespielt.

Und ich kann nicht verstehen wie sich nun viele den Kopfzerbrechen, damit möglichst beide Elternteile Arbeiten gehen können. Es sind doch nicht nur finanzielle Überlegungen, ob man heute Kinder haben möchte oder nicht!

Wir können und dürfen Kinder nicht auf ihren Wirtschaftlichen Wert oder als Rentenzahler reduzieren. Es oft die Rede von Bildungsfernen Schichten, ich habe beim Lesen solcher Argumente eher das Gefühl Wirklichkeitsferne Schichten machen hier Politik.

Wie unverantwortlich gehen wir mit den nächsten Generationen um. Leben wissentlich über unsere Verhältnisse, verprassen Ressourcen im Konsumrausch, zerstören, vergiften die Biosphäre, häufen Staatsschulden und Atommüll an. Führen längst Stellvertreterkriege um Ressourcen, wundern uns über Klimaflüchtlinge und denken nicht nach was geschieh,t wenn durch die zunehmende Digitalisierung und Fortschritte in der Robotertechnik in naher Zukunft sich die meisten Arbeitsmärkte umdrehen werden und nach neuen Studien über 40% aller Arbeitsplätze verschwinden. Das sollten Sie lieber einmal in Ihre Rentenüberlegungen einbeziehen. Zahlt dann der Redaktionsroboter der Ihren Arbeitsplatz einmal übernehmen wird ihre Rente?

Das sind die wirklichen Probleme zum Thema Kinder, denen wir uns endlich stellen müssen. Und das ist leider auch ein Argument, weshalb heute junge Familien sagen: sie möchten keine Kinder in diese unsichere Welt setzen. Das gibt mir zu denken. Die Grünen wären doch prädistiniert hierzu etwas zu sagen, warum hört man da nichts? – Bernd Fischer


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Kita 2.0. reicht nicht!

Wenn „die Mehrheit der Deutschen allein oder als kinderloses Paar“ lebt, verspricht es wenig Erfolg, im Wahlkampf Angebote für Familien mit Kleinkindern zu machen. Die Menschen müssen als Teil der Gesellschaft, der Sozialgemeinschaft und als Kinder ihrer Eltern abgeholt und bedient werden.

Elterngeld und ElterngeldPLUS, finanzielle Unterstützung durch Stiftungen für werdene Mütter, ein erhöhter Hartz 4-Satz für Schwangere samt Pauschalbeträge für die Erstausstattung, Entbindungsgeld von der Krankenkasse, das Recht auf Hebammenhilfe, den Krippen- sowie Kindergartenplatz auch bei einer Tagespflegeperson – hierbei zahlen Eltern zwischen 0,- Euro und dem vollen Satz je nach Einkommen, was auch so bleiben sollte…. Es ist eine glückliche Familienzeit, wenn die Kinder verlässlich betreut und versorgt sind, während Mutter und Vater für den Lebensunterhalt sorgen – eine(r) allein schafft es meist nicht.

Da erschreckt mich das angegebene durchschnittliche „Nettoeinkommen von

4700 Euro im Monat“! Das klingt doch sehr beruhigend. Wie hoch ist das Durchschnitteinkommen der Paare in Deutschland, wenn wir alle Hartz 4-Empfängerfamilien, -Alleinerziehende und -Aufstocker abziehen? Ich bin sicher, kategorisiert würde das ein realistischeres Bild aufzeigen.

Ich hatte das „Glück“, nur vier Jahre als Alleinerziehende mit zwei Kindern mit Hartz 4 haushalten zu müssen. Die Erfahrung war goldwert, doch ich möchte sie niemandem zumuten: Ich habe beim Bauern gejobbt für

8 Euro/Std., familienverträglich von halb acht bis eins, volle Kompostkiste gratis. Ich habe Zimmer im Haus untervermietet und freiberuflich als Seminarleiterin gearbeitet mit freier Zeiteinteilung.

Ich habe unentwegt gearbeitet, bin über dem Suppenteller oder vor roten Ampeln eingeschlafen und habe schon mal morgens vergessen ein (!) Kind zu wecken, weil ich so durch den Wind war. Immer wieder bekam ich vom Amt die Aufforderungen, Jobs anzunehmen für 5,42 Euro/Std. von morgens halb sechs bis mittags um zwei. Als Aufstockein konnte ich ihnen „einen Vogel zeigen“ und mich nicht herumkommandieren lassen. Ich war in der glücklichen Lage, mir ein gutes soziales, privates Hilfsnetz aufbauen zu können, ein Handwerk gelernt zu haben, und meine Kinder durch Heimarbeit an die Lebenswirklichkeit heranzuführen, sie in die Arbeit mit einzubeziehen und nun mit Freude auf sie blicke, weil sie ihren Weg in Ausbildung und Beruf erfolgreich gehen.

Schlimm war für mich jedoch etwas anderes, und daran muss sich politisch etwas ändern:

Krippen- und Kindergärten müssen für Eltern zu Fuß und mit dem Fahrrad bzw. mit Öffis erreichbar sein. Die Betreuung während der Schulzeit muss mindestens genau zeitgleich verlässlich sein wie zu KiTa-Zeiten. Es nutzt nichts, wenn Eltern in der Vorschulzeit wieder in Arbeit kommen und dann durch Unterrichstausfall und fehlende Horte ins Schleudern kommen. Gearbeitet wird 24/7 – da muss es entsprechende und angemessene Kinderbetreuung für bis zu 12 / 14 Jährige geben. Da ist Unterstützung vonnöten für Familien, die sich kein soziales Hilfsnetz (Fahrgemeinschaften, Freunde mittags mit nach Hause bringen dürfen, oder diese übernachten lassen; Wohngemeinschaften gründen) aufbauen können.

Erziehungspartnerschaft ist soziale Arbeit. Dafür muss genügend Personal sein, welches so gut bezahlt wird, dass diese Personen wiederum ihre Familie ernähren können.

Alleinerziehende brauchen eine dringende rechtliche Hilfe, bzw. die Kinder ein eigenes automatisches Recht auf Unterhalt. Es kann nicht sein, dass Kinder nur Unterhalt bekommen, wenn es für sie eingefordert wird. Glaubt das Elternteil, bei dem die Kinder leben, an die Liebe und den Verstand des unterhaltspflichtigen anderen Elternteils, gehen oft Monate ins Land – leider oft Jahre – bis sie merken: „Da kommt nichts“.

Fordern sie es dann schließlich mit Rechtsbeistand ein, gibt es erstens kein rückwirkendes Recht der Kinder auf Unterhalt…die GEZ kann rückwirkend nach eigenem Ermessen fordern!…zweitens sind sie oft die Geächteten, weil sie die Kinder „gegen das zahlungspflichtige Elternteil aufhetzen“ und für Missstimmung im Eltern-Kind- und Großfamiliengefüge sorgen. Unterhaltsvorschuß vom Jugendamt ist zwar angenehmer, beläuft sich aber nur auf den Mindestsatz (ein Glück für alle Gutverdiener-Sonntagsbesuchselternteile) und wird nur bis zum 12.

Lebensjahr gezahlt. Würde dann auch zu teuer für die öffentliche Kasse, denn dann wachsen die Kinder schneller als man gucken kann, sie brauchen ständig neue Klamotten, gehen auf teure Klassenfahrten, wollen wohlmöglich Abitur machen, einem Sport nachgehen und haben oft unbändigen Hunger. Jobben mit 14? Klar, die Jobs gibt es wie Sand am Meer…fragen Sie einmal herum, wer 14-Jährige einstellt?

Interessant ist das von mir beobachtete Verhalten von Eltern bezüglich der Erstausstattung. Je bildungsferner-ärmer, so erscheint es mir, desto eher stäuben sich diese vor Second Hand Austattungen. Für mich war es aus ökologischen Aspekten gar keine Frage, dass ich alles gebraucht zusammensuche, zumal es auch den Geldbeutel schont und mir wiederum soziale Kontakte beschert hat. Liegt es also daran, dass ärmere Menschen nicht als arm erscheinen möchten und darum alles neu kaufen? Immerhin halten sie damit die Neuproduktion am Laufen. Das ist natürlich für den Staat interessanter als Recyclingverhalten.

Wohnraum für Familien kann geschaffen werden: Es stehen so viele Immobilien leer (Steuersanktionen her!), da tut jeder neuversiegelte, und bebaute Grund im Herzen weh! Wo bleiben die (wilden) Grünflächen für unsere Kinder, wo das Ackerland für unsere Lebensmittel? Wo dürfen Kinder wie Kinder draussen spielen, wo vor allem Jugendliche ihre Energie entfalten und sich als Teil der Bevölkerung erleben? In Innsbruck fiel mir vor kurzem ein Platz mitten in der Stadt auf:

Gedenkstätte für Bürger und Touristen und gleichzeitig eine Skaterbahn. Stelle ich mir so viel Mut in einer deutschen Kleinstadt mal vor!

Ja, und zu guter letzt fehlt mir in diesen familienpolitischen Ideen solche für die Mittelalten und Senioren. Was ist, wenn das Leben einem einen Strich durch die Rechnung macht? Plötzliche Berufsunfähigkeiten durch Krankheit oder Unfall – egal bei welchem Familienmitglied – ersetzt das Pflegegeld das vorherige Einkommen? Ist damit die eigene soziale Absicherung aufrecht zu erhalten? Wo ist psychosoziale Begleitung auch hier – gut ausgestattet und finanziert wie im Klein-/Kindbereich schon gefordert? Wir dürfen die Augen nicht vor der Tatsache verschliessen, dass es kaum noch Großfamilien gibt und mit den sozialversicherungsfreien Einkommengrenzen kaum Rücklagen gebildet werden können. Was tun für all die kinderlosen Bedürftigen? Auch hier ist staatlich finanzierte Sozialarbeit gefordert. Dabei ist es Augenwischerei, dass überwiegend ins Ehrenamt zu schieben – da wird oft nur zum Mindestlohn mit unbezahlten Überstunden gearbeitet, damit meine ich die Menschen, die die Arbeit machen, nicht die dazugehörige Verwaltung.

Und die Kinderlosen? Ob beabsichtigt oder nicht, Kinderlose können lückenlosere Arbeitsbiographien vorweisen und im Leben mehr verdienen.

Sie haben das Recht, es nicht zu tun. Grundsicherung für alle und den klassischen Zehnt auf das Einkommen, welches darüber verdient wird – ohne Steuerabsetzmöglichkeiten. Damit bleiben Jedem und Jeder 90% des zusätzlich Erwirtschafteten. Mindestlohn auf realistischem Lebensniveau für alle, ob Anwalt oder Fensterputzer? Da gibt es viele Komplexitäten und Modelle durchzurechnen, zu überlegen, ob nicht einiges wieder in staatliche Hand zurückgeführt werden sollte:

Die Privatisierung des Sozialen führt auf kurz über lang nämlich zu einem Sozialdarwinismus von oben mit unzureichend praktisch ausgebildetem Nachwuchs, der unzureichend aufgefangen werden wird und eine Zunahme pflegebedürftiger Alter und Kranker, die keiner mehr versorgen kann. Die fallen dann bildungsmäßig wie physisch als Wähler weg. Die bald ausgebrannte Schicht in der Mitte könnte noch wählen, aber schafft es zeitlich und desillusioniert nicht mehr zur Wahlurne…auch ein interessantes Ziel für die Staatslenker. –  Birgit Lehnert


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Bis zum Lesen des Artikels wußte ich nichts von Gänsestopfleber- jetzt ist mir schlecht, und ich möchte, dass das aufhört, dass Leute sich das Elend der Tiere schmecken lassen.    Und bedanke mich bei Klaus Lachetta,  dem es eine Anfrage an die SPD wert war. – Irmgard Kenkenberg


Leserbrief zu „Eine Diktatur in der NATO“ von Michael Thumann

M. Thumann erweckt mit seiner Überschrift „Eine Diktatur in der NATO“ den Eindruck, als wäre die griechische Diktatur etwas Neues für die NATO gewesen. Dem ist mitnichten so, denn ein Gründungsmitglied war das faschistische Portugal! Das ist zwar leicht aus den damaligen Reichweiten für Transatlantikflügen zu erklären; Portugal war als Zwischenstation für Versorgungsflüge der NATO notwendig, zeigt aber doch, wie „pragmatisch“ man bei der antisowjetischen Einkreisungspolitik dachte. Wenn dieser Artikel im Zusammenhang mit der Kritik an Erdogans Politik erscheint, sollte doch auch noch wenigstens kurz auf die Putsche in der Türkei hingewiesen werden. Die Türkei war und ist doch NATO-Mitglied. – Joachim Fenske


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

zunächst möchte ich betonen, dass ich die Zeit sehr gerne lese. Ich schätze es, ausführlichere Artikel und Reportagen zu erhalten. Dass Ihr Blatt eine bestimmte politische Agenda unterstützt und eine gewisse Nähe zur US-Politik hat, nehme ich so hin – auch wenn ich das Kriegstreiben Ihrer Redakteure nicht gutheiße.

Nun jedoch zu dem, was den Anlass meines Schreibens darstellt. In Ihrer aktuellen Ausgabe, Nummer 16 vom 12. April 2017, stellen Sie die Frage: „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump?“ Wolfgang Bauer und Bernd Ulrich äußern sich in Pro- und Contra-Beiträgen dazu. Auf die Inhalte möchte ich gar nicht weiter eingehen.

Was mich allerdings gewundert hat, ist, dass beide Autoren ihrem Text die Prämisse zugrunde gelegt haben, dass der Giftgas-Angriff in Syrien vom Assad-Regime verübt wurde. Es gibt bis zum heutigen Tage – und wir sind schon wieder fünf Tage weiter – keine Beweise dafür, dass Assad den Anschlag veranlasst hat. Der Bericht der US-Regierung zu den Giftgas-Angriffen ist unvollständig und fehlerhaft – nicht von Forschern abgesegnet, sondern rein politisch. Lesen Sie sich dazu bitte Einschätzungen von Wissenschaftlern durch, ich verweise gern auf MIT-Professor Theodore Postol. (Allein die Tatsache, dass ich Sie darauf hinweisen muss, sollte Ihnen zu denken geben.)

Das Vorgehen der US-Regierung erinnert stark an jenes, das den Irak-Krieg 2003 zur Folge hatte. Vielleicht haben auch Sie mitbekommen, dass das völkerrechtlich nicht ganz astrein war. Genauso wie die Angriffe auf Syrien. Auch das fehlt in der Zeit: Es handelt sich um völkerrechtswidrige Angriffe, um Kriegsverbrechen. Herr Bittner bezieht sich kurz genau darauf, aber gemessen an der Bedeutung dieser Klarstellung ist der Hinweis etwas dünn und nicht entschieden genug. Es geht hier um Kriegsverbrechen und unzählige getötete Zivilisten – als Folge der „humanitären“ Bomben aus dem Westen, hinzu kommen noch Russlands „nicht-humanitäre“ Bomben, die aber nicht völkerrechtswidrig – weil auf Einladung der syrischen Regierung – sind. Insgesamt eine Menge Bomben, die in der Zeit auch noch gefeiert werden (insbesondere von Herrn Bauer), ähnlich wie auf MSNBC, wo von „beauty of our weapons“ (Brian Williams) gesprochen wird. Die Zivilisten in Syrien werden sich auch gefreut haben über das schicke Feuerwerk.

Fragwürdig ist auch, wie Herr Bauer noch an der Meinung festhalten kann, dass Assad in 2013 für den Giftgas-Angriff mit über 1000 Toten verantwortlich war. In dem Zusammenhang sollten Sie bei der Zeit versuchen, aktuelle Geschehenisse und Entwicklungen zu verfolgen. Oft ist das, was kurz nach einem Ereignis als Vermutung herausgeschrien wird, nicht die Wahrheit (Irak, Massenvernichtungswaffen; Irak, Brutkasten-Geschichte; Vietnam, Golf von Tonkin…). Da empfiehlt es sich, an Geschichten dranzubleiben und weiter zu recherchieren. Kurz ein, zwei Schlagworte, dann kann Herr Bauer mal googlen, was es mit dem Giftgas von 2013 auf sich hat: Al Nusra, Türkei.

Ich würde mir von der Zeit wünschen, dass sie Redakteure beschäftigt, die echte Recherche betreiben und im Rahmen von Konflikten beide Seiten anhören. In der Zeit wird fast ausnahmslos ein US-Narrativ wiedergegeben. Bezogen auf den Giftgas-Angriff wäre es beispielsweise interessant gewesen, zu fragen, was denn Assad damit hätte bezwecken wollen, dass er plötzlich Chemiewaffen einsetzt – und so seine Politik völlig unnötig destabilisiert, zu einem Zeitpunkt, an dem er Unterstützung von allen Seiten erfährt.

Ich kann verstehen, dass Zeit-Redakteure Fehler machen – so wie dies jeder tut. Ich kann auch verstehen, dass sie nicht auf dem Niveau von Wissenschaftlern schreiben. Und genau deshalb würde ich Sie als Redaktion bitten, sich unterstützen zu lassen.

Insofern wäre es schön, wenn Herr Bauer, Herr Ulrich und auch Herr Bittner die Möglichkeit bekommen würden, sich diese Zeilen durchzulesen. Es würde ihnen journalistisch helfen – sofern sie als Journalisten im Sinne der vierten Gewalt tätig sein wollen. Bei Rückfragen dürfen sich die drei genannten Redakteure bei mir melden, ich berate sie gerne und helfe auch bei Recherchen – Letzteres jedoch nicht mehr unentgeltlich.  – Kilian Symalla


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

Ich teile das Plädoyer der Autorin für den Kampf gegen den Klimawandel und für nachhaltigere Automobilität. Unverständlich ist jedoch, daß dabei ein „Deutschland ohne Diesel“ gefordert wird. Ein Drittel (15 Mio) der in Deutschland zugelassenen PKW sind Diesel. Diese müßten mangels realistischer Alternative dann durch Benziner ersetzt werden. Bei technologiebedingten Mehremissionen von 20% des Benziners gegenüber dem Diesel würde das 3-4 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich pro Jahr  bedeuten. Selbst die Grünen in Deutschlands Smog-Hauptstadt Stuttgart sagen, daß der nach Euro6 gesäuberte Diesel unverzichtbar ist beim Erreichen der Klimaziele, zumindest solange es keine wettbewerbsfähige regenerative Alternative gibt. Auch ein mit Kohlestrom betriebenes Elektroauto hat keine bessere CO2-Bilanz als der Diesel. Erst mit Solarstrom gibt es Null Emissionen. – Eckart Krägeloh


Leserbrief zu „Nur die eigene Ohnmacht demonstriert“ von Bernd Ulrich

Wer hat hier die eigene Ohnmacht demonstriert?  Herr Ulrich, es ist Ihnen wieder gelungen nicht aus Ihrem selbst gebauten Käfig zu entkommen. Wer die Welt aus Ihrer begrenzten, der Realität leider nicht mehr gerecht werdenden Sicht betrachtet, fühlt sich überall verfolgt. Demonstrationen der Stärke seien zwecklos und nicht zeitgemäß – tja:  Giftgas-Angriffe lassen sich allerdings nicht mit Appellen an friedfertige Handlungen vermeiden. Wenn die Menschen alle gleich denken und dementsprechend handeln würden, hätten Sie Recht.

Diese Gattung gibt es trotz vielfältiger Versuche der Gleichschaltung –  und von „oben“ verordneter Harmonie nicht. Es ist für Sie gewiss sehr unangenehm, diese Realität akzeptieren zu müssen – offensichtlich fällt es noch viel schwerer auch einmal aus dem eigenen Wohlfühl-Dunstkreis heraus zutreten, um der realen Welt zu begegnen. Wer Giftgas zulässt und nur journalistische Schelte hinnehmen muss, wird sehr beeindruckt sein und natürlich wieder Gas einsetzten. Dahinter stehende Allianzen – Russland, Iran – sind sicher durch wohlmeinende und aufmunternde Artikel stark zu beeindrucken. Es wäre auch einmal einen Versuch wert aus dem eigenen Käfig herauszuschlüpfen und unbefangen über Situationen nachzudenken die evtuell die eigene Denkschablone sprengen. – Rolf Fehndrich


Leserbrief zu „Hamburg oder Budapest“ von Jens Jessen

In seinem Artikel zum G20-Gipfel hat Herr Jessen wohl nur eingeschränkte Informationen verwertet.
Der Aufruf zur Demonstration (http://g20-demo.de/de/aufruf/) enthält Forderungen, wenn auch recht allgemein:
Verlangen nach einer Welt des Friedens, der globalen Gerechtigkeit und der grenzenlosen Solidarität.
Sie werden im Aufruf selbst jedoch hinterfüttert.

Ob die G20 diese Forderungen abdecken oder nicht, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Damit, dass Herr Jessen alle Demonstranten als Krawallmacher abstempelt, macht er es sich jedoch zu einfach.

Auch verwundert mich, dass Herr Jessen attac mit seinen Forderungen übersieht oder unter die „nur dagegen“ Fraktion einordnet. Hier ist seine begrenzte Sicht zu erweitern hier die Positionen von attac: http://www.attac.de/themen/globalisierung/.

Als Beispiel für Organisationen mit recht konkreten Forderungen möchte ich Herrn Jessen auf erlassjahr.de mit der Aufforderung zum Schuldenschnitt hinweisen: http://erlassjahr.de/kampagne/debt20/. – Dr. Klaus Urgast

Leserbrief zu „Diese radikalen Studenten“ von Mariam Lau

Mit solch unvoreingenommenen und ehrlichen Artikeln (….wie auch von Lisa Nienhaus „Irgendwas mit Familie“….) kehre ich  reumütig zur Familie der überzeugten ZEIT-Leser zurück! – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Mit Interesse habe ich den Artikel von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio gelesen: Unterstützung von Familien ist mal wieder Wahlkampfthema. Das kommt immer gut und geht alle an, denn sind wir nicht alle Kinder, Geschwister, Eltern?

Ob Baugeld, Begrüßungsgeld oder kostenlose Kitas: die Vorschläge kommen von allen politischen Seiten, die Unterstützung soll dann auch allen Familien zugute kommen, ob arm oder wohlhabend, vielkindrig oder alleinerziehend, gut ausgebildet oder ohne Arbeit. Die Autoren vermissen – zu Recht – Sinnhaftigkeit und Gerechtigkeit dieses Geldregens für alle.

Nienhaus und Rudzio wünschen sich und Deutschland stattdessen bessere und breiter aufgestellte Kinder- und Schulkinderbetreuung. Das ist richtig. Aber das ist erst der zweite Schritt.

Der erste ist der Ausbau von Bestärkung der familialen Kompetenzen durch Familienbildung: einer Institution, die Ressourcen innerhalb der Familie erkennt, ausbaut und bestärkt. Die wichtigen Themen Bindung, Gesundheit, Bildung haben dort ihren Platz: alles Grundpfeiler einer prosperierenden Gesellschaft. Und da Familienbildung primärpräventiv arbeitet, sorgt sie wirklich für mehr Gerechtigkeit. Denn sie spricht alle Menschen an. Ihre Angebote sorgen für Inklusion, Erziehungskompetenz, Gesundheitsvorsorge. Zudem vermeidet Investionen in Familienbildung teure Folgekosten im Gesundheits-, Bildungs- und Justizwesen. Das wäre nachhaltig und gerecht. – Doris Niebergall


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Gut, dass sich Wissenschaftler und Journalisten per primam unterscheiden, wenn dies nicht so wäre, müsste man diskriminieren. Während wissenschaftliche Eliten noch Werte (genannt: Erkenntnisse) versuchen zu gewinnen, verteilen Medien an „sogenannte demokratische Masen“ den gewonnenen Ertrag, instrumentalisieren und manipulieren politisch. Das Resultat in der Bildung: Abi für alle, wie gewonnen – so zerronnen.

Wissenschaftliche Rosinenpicker machen Google mächtig, Massen manipulierbar –  endlich auch intellektuell homogenisiert? Nein Danke, liebe Medien, nicht auch das noch mit den Wissenschaften. – Dr. Burghard Schaper


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Vielen Dank für Ihren Artikel „Irgendwas mit Familie“ in der Zeit No 16.

Dort schreiben Sie, dass Paare mit einem oder mehreren Kindern im Durchschnitt ein Nettoeinkommen von 4700 € im Monat hätten. Die Zahl erscheint mir auffällig hoch.

Das statistische Bundesamt gibt an, dass lediglich 19.4 % ein Nettoeinkommen über 4500 € haben. Rund 70 % liegen zwischen 1300 und 4500 €

(https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Datenreport/Downloads/Datenreport2016Kap2.pdf;jsessionid=3E6829A4AF20CB0CDE19BEDEF85DB06B.cae2?__blob=publicationFile),

was sich vom Durchschnitt 4700 € dann doch deutlich unterscheidet. Die Zahl mag als Durchschnittswert ggf. sogar stimmen, verzerrt dadurch das sehr wenige sehr sehr hohe Nettoeinkommen haben. Die Zahl wäre in diesem Fall dann allerdings völlig aussagelos, da nicht repräsentativ für die Mehrheit. Ich weiß nicht aus welcher Quelle die Daten stammen, da keine Angabe, und es ist vielleicht etwas kleinlich, aber in Zeiten von „Fake News“ m.E. doch eine Hinterfragung wert.

Sie schreiben, kostenlose Kitas würden die Ungleichheit verschärfen. Das ist m.A. nicht ganz so eindeutig. Gut situierte Paare geben ihre Kinder so oder so in die Kita, da für sie der Beitrag keine Rolle spielt. In den mittleren und niedrigen Einkommensklassen wird die Kita Gebühr oft zur Abwägung. Für 1200 Euro Netto arbeiten, um dann davon wieder 600 für die Kita zu bezahlen? Die Zahl der Kinder aus sozial schwächeren Familien würde steigen, was wiederum der erste Schritt zur Durchlässigkeit im Bildungssystem ist.

Natürlich kann man argumentieren, dass den Gutverdienern durch Wegfall der Gebühr ein Vorteil entstünde. Man würde aber auch nicht sagen, das beispielsweise eine kostenlose Schule vor allem den Reichen nütze. Dann sollten eher alternative Mechanismen über die Steuer geschaffen werden, dass Gutverdiener das eben nicht oder weniger hoch absetzen können o.ä.

Und: Es gibt natürlich auch ganz viele Kitas, die keine gestaffelten Beiträge haben! Diesen Fakt kann man nicht einfach so übergehen. – Dr. Marius Majewsky


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

Die, die wissen, können nicht. Die, die wollen, dürfen nicht. Die, die könnten, wollen nicht.

Anders lässt sich die wundervolle Sprechblase der Kanzlerin von den ‚Perspektiven für den Strukturwandel‘ nicht deuten. Nicht der Klimawandel ist das Problem, sondern die Angst vor der ‚Fossilen Lobby‘ und den gleichbleibend ärgerlichen Wahlen. – Alexander Ditze


Leserbrief zu „Wie lange dauert es, bis aus Flüchtlingen Kollegen werden?“ von Arnfried Schenk

Mit großem Interesse habe ich den o.g. Artikel gelesen. Aus der örtlichen Presse sind mir Fälle bekannt, wo Asylbewerber abgeschoben wurden, obwohl sie bereits einen Ausbildungsplatz mit großem Erfolg angetreten hatten, der Spracherwerb sehr gut war und der betroffene Bäckermeister den Lehrling liebend gern behalten hätte. Da fragt man sich: WARUM? Nur weil Afghanistan so „sicher“ ist?

Meine Cousine (Sozialpädagogin von Beruf) betreut in Passau seit 2015 geflüchtete Jugendliche (Syrer, Iraker, Afghanen) in einem Heim und erzählte mir vor einigen Tagen, daß sie allmählich ein seltsames Gefühl beschleicht: Abgeschoben werden just diejenigen, die sich integrieren und arbeiten wollen, die bereits gut Deutsch sprechen. Die „Nichtintegrierten“ würden nicht abgeschoben.

Klar, das sind Einzelansichten. Aber wäre nicht eine umfassende Recherche zu dem Thema interessant? Warum schiebt man junge Menschen in Ausbildung überhaupt ab??? Und jammert aber andererseits über den demographischen Wandel? – Ruth E. Göttler


Leserbrief zu „Je größer das Auto, desto größer der Respekt“ von Stefan Schirmer

‚Je größer das Auto, desto größer der Respekt‘: Ich mache gerade zum dritten Mal die Erfahrungen, die Herr Hossiep exakt so beschreibt, wie ich es erlebe – nach größeren Wagen fuhr bzw fahre ich jetzt wieder aus umwelt-, parktechnischen und pragmatischen Gründen Kleinwagen. Auf der Bundesstraße fahre ich nach wie vor, da wo es erlaubt ist, mit 100 km/h.

Nur werde ich jetzt regelmäßig überholt und gefährlich geschnitten, was vorher mit dem Mittelklassewagen kaum mal vorgekommen ist. Und über die SUVs, die kaum in eine Parklücke kommen, weil sie für ihre FahrerInnen zu groß sind, oder über Feldwege schleichen, weil sie Angst vor dem Straßenzustand haben, kann ich nur lächeln. Letzteren empfehle ich, mal im afrikanischen Busch zu üben. Aber genau dafür sind diese Blechmonster für Egomanen ja nicht ausgelegt .. – Sybille Jester


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

„Raus, raus, raus!“: in kurzem Abstand wird nun wieder in einem Artikel der ZEIT pauschal die Wirkung von homöopathischen Globuli diffamiert.

Nach mehr als dreißig-jähriger, positiver Erfahrung mit homöopathischer Behandlung, die ohne Heilversprechen und Nebenwirkungen auskommt, wünsche ich mir gerade in der ZEIT differenziertere Recherchen als eine solche Vorverurteilung in Bausch und Bogen. Wie viel Geld ich meiner gesetzlichen Krankenkasse schon erspart habe, weil Homöopathen, Osteopathen und Fachärzte in Naturheilverfahren, die ich allesamt privat zahlen durfte, mich von diversen Krankheiten geheilt und Schmerzen gelindert haben, kann ich gar nicht beziffern. Und gratis dazu gab es immer eine Menge Empathie und Zuwendung, für die Schulmediziner ja keine Zeit haben. Richtig ist, dass die Wissenschaft selbst für die Vertrauenskrise verantwortlich ist und sich nicht wundern darf, dass nach anderen Wegen gesucht wird. – Sybille Jester


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Die Tatsache, dass einerseits mehr als die Hälfte der jungen Deutschen mit ihrem Abitur auf dem besten Weg sind, selbst Wissenschaftler zu werden und andererseits alternative facts und Wissenschaftsverdruss immer stärker um sich greifen, ist ein Paradox, aber wie beschrieben nicht ohne Grund.

Die Forschungsinstitute müssen sich stärker öffnen, zumal ihre Arbeit, und  damit auch die Karrieren der beteiligten Wissenschaftler,3 größtenteils von öffentlichen Mitteln abhängen. Doch eine große Citizen-Science-Welle, die jeden schnell zum Forscher erhebt erscheint mir unrealistisch. Die Faszination hierfür erreicht wohl in erste Linie diejenigen, die auch jetzt schon fleißig mitforschen: Den Artenzähler im Vogelschutzbund, den Hobbyastronom oder den ehrenamtlichen Archäologen.

Es gibt jedoch noch eine wissenschaftliche Ressource, die noch nicht ernsthaft angezapft wurde: Die Schule! Der Zweifel am Ist-Zustand des Wissens ist ein Wesenskern wissenschaftlichen Fortschritts. Abgesehen von der engagierten Jugend-forscht-Elite beschäftigt sich der durchschnittliche Schüler jedoch zumeist mit mehr oder weniger starren Theorien, die er im besten Fall mehr oder weniger schnell als Wahrheiten übernimmt. Auch im sog. forschend-entwickelnden Unterricht wird zumeist auf ein vom Lehrer geplantes und erwartbares Ergebnis hingearbeitet.

Wäre es nicht sinnvoll, unseren zukünftigen Wissenschaftlern (und Wissenschaftsverweigerern) die Möglichkeit zu geben an „echter Forschung“, die Irrungen und Wirrungen von Hypothese – Untersuchung – Auswertung nachzuvollziehen? Warum sollten nicht die Hochschulen (Klein-)Projekte an Schulen auslagern? Open data und open access sei Dank!

So wäre doch zum Schluss allen geholfen. Die Forscher haben zusätzliche Manpower und ein transparenteres Bild in der Öffentlichkeit. Die Schüler werden in ihrer harten Arbeit wertgeschätzt, weil sie tatsächlich einen gesellschaftlichen Wert hat. Und die Gesellschaft hat wieder mehr Vertrauen in die dabei gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse. – Dr. Fabian Kellermeier


Leserbrief zu „Plötzlich Geschäftsmann“ von Laura Cwiertnia

Schön Ihr Artikel über den Plattenladen des Herrn Schmandin. Schade nur, dass Sie die Wirklichkeit zurechtbiegen, wie es Ihnen gefällt, nur weil sie dann besser zur Retro-Analog-Botschaft Ihres Artikels zu passen scheint.

Dass, wie Sie schreiben, das „Belgische Viertel, in dem er seinen Laden betreibt, zum Szenviertel Kölns geworden“ sei, ist einfach Unfug. Das Belgische Viertel war 1994, als Herr Schmandin seinen Laden aufmachte,  längst (!) das (!) Szeneviertel Kölns. Das war es sogar schon Ende der 80er Jahre, wie Ihnen jede/r bestätigen kann der oder die in dieser Zeit in Köln studiert hat. – Dr. med. Philipp Stachwitz

Leserbrief zu den Artikeln „Wahrheit verpflichtet“ von Hans Joachim Schellnhuber

Selbst wenn alle Ihre Hypothesen zum menschgemachten Klimawandel sich als wahrscheinlich herausstellen sollten, habe ich Angst vor Ihnen. Sie benutzen die wissenschaftliche Methode als Keule, um Kritiker zu entwürdigen.

Zur Erinnerung: Wissenschaft kennt keine Wahrheit, sondern nur Hypothesen welche durch wiederholte Falsifikationsstudien eventuell mehr und mehr gesichert werden, ohne je das Stadium der Wahrheit zu erreichen. Um das bekannte Beispiel von Karl Popper zu bemühen: Die Hypothese ‘alle Schwäne sind weiß ‘ist nur so lange haltbar bis ein Schwan mit anderer Farbe gefunden wurde. Wissenschaft ist nicht die angestrengte Suche nach immer neuen weißen Schwänen, sondern die neutrale Suche nach Schwänen mit anderer Farbe.

Sie und Ihre Mitstreiter suchen nach immer neuen Beweisen für den menschengemachten Klimawandel, und finden auch etliches. In Ihrer dogmatischen Art nehmen Sie diese Befunde als Tatsachen und stilisieren Ihre Hypothesen zur Wahrheit. Sie halten sich nicht allzu lange bei Gegenbefunden auf, sondern ignorieren was nicht ins Konzept passt und nicht mit der Theorie übereinstimmt.  Das ist die Dogma- Methode nicht Wissenschaft. Ein Wissenschaftler würde nicht, wie Sie, großspurig von Wahrheit und Kampf gegen Ungläubige, Abtrünnige, Leugner reden.

Dass Sie gleichzeitig von Toleranz und Meinungsfreiheit reden, ist doch sehr ironisch. Die Hypothesen „Es gibt einen Klimawandel“ und „Er ist menschgemacht“ entsprechen möglicherweise der Realität, aber es gibt bereits jetzt zu viele „graue Schwäne“ von denen Sie nichts wissen wollen. Dass 194 souveräne Staaten das Klimaabkommen in Paris unterschrieben, taugt nicht sehr viel als wissenschaftliches Argument.

Jahrtausende lang haben fast 100 Prozent der Menschen die „Wahrheit“ geglaubt, dass die Sonne um die Erde dreht, und genau wie Sie jetzt, ganze Bibliotheken mit Beweisen dafür angesammelt. Es genügte ein seriöses Falsifikation Experiment, um etwas Anderes zu erfahren.  Hypothesen zur Wahrheit erheben, das ist eine Anmaßung, welcher kein seriöser Wissenschaftler erliegen sollte. Die Wahrheit ist immer nur die Richtung, es steht den Menschen nicht zu, sie als Ziel zu erleben.

Menschen welche die Wahrheit verkünden, nennt man Messias. Sie bringen meistens die Dogmen gleich mit und teilen die Menschen ein in Gläubige und Ungläubige(Leugner). Der Klimawandel wird gerade wie ein Dogma behandelt. – Dr (med) Siegfried Rausch


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

Ihre Feststellung Deutschland versagt beim Kampf gegen den Klimawandel ist leider wahr. Doch Ihre Begründung für diesen dramatischen Fehlschlag steht auf wackeligen Beinen.

Gewiss würden Gaskraftwerke anstelle von Braunkohle-Verfeuerung die Bilanz etwas bessern. Aber unser jetzt schon hoher Strompreis würde nochmals ansteigen und die noch größere Abhängigkeit von russischem Gas wäre schon bedenklich. Gewiss spielt auch der bremsende Einfluss unserer Kohleländer eine negative Rolle. Doch ein nicht unerheblicher Teil unserer Stromerzeugung wird auch weiterhin fossile Energieträger nutzen müssen, denn Strom aus Sonne und Wind ist nun mal wetterabhängig und deswegen nicht immer verfügbar. Auch eine Speicherung überschüssiger Energie aus sonnen- und windreichen Tagen ist kaum möglich, Forschungsbemühungen in dieser Richtung sind wenig aussichtsreich. Gewiss ließ sich auch der Abgasausstoß im Verkehr noch reduzieren, usw., usw.

Doch der Hauptgrund für den Fehlschlag unserer Energiewende ist ein anderer: Der gleichzeitige Ausstieg aus fossiler und nuklearer Energie ist praktisch unmöglich – auch auf längere Sicht! Ihr Beispiel „Großbritannien“ demonstriert dies: Die CO2-Reduzierung war dort möglich, weil das Land an der Kernenergie-Nutzung festhielt. – Dr.-Ing. Rolf Krieg


Leserbrief zu „Endlich offline” von Ulrich Stock

. . . dass der Meiste Mensch in seiner zunehmend von Bedürfnis und Gelegenheit geförderten Infantilisierung bevorzugt emotional motiviert, dem ‚das Herz erwärmenden‘ Analogen den Vorzug gibt, was im Fall des MalBuchs mit hoher Wahrscheinlichkeit zutreffend ist. KANN ABER AUCH SEIN . . . dass der Mensch rational wie intuitiv, d.h. von seiner gesamten Vernunft motiviert, das Analoge vorzieht, um sein eigenes konkretes Vorhandensein in Struktur und Funktion an der Struktur und Funktion seiner konkreten Umgebung überhaupt erst bemessen zu können. Wie, wenn er mit Hirn, Hand, Stift und Papier zeichnet schreibt, um zu verstehen wie DAS DING an sich IST, das schlicht analog strukturiert ist und funktioniert. Und auch, weil er ein solches DING selber ist. In jedem Fall so lange er sich nicht selbst mit infantiler Begeisterung ganz und gar digitalisiert und virtuell wird, wobei diese Verbindung nicht zwingend ist. Bedeutet doch DIGITALISIERUNG nichts weiter als die Übersetzung vieler kontinuierlich variabler Werte analoger physikalischer Parameter in wenige diskrete Werte digitaler ZahlenSysteme, mit der Bedeutung von Wert im Sinn zu bemessender physikalischer Größen und zum Zweck der Handhabbarkeit. Vorausgesetzt das zugehörige DING ist analog schon verstanden worden. – Leonard Pengler


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Trotz aller annerkennenswerten Bemühtheit, die Ideale der Aufklärung zu retten, finde ich die Darstellung in vielerlei Hinsicht naiv und idealistisch.

Wie soll denn ein Wissenschaftssystem, in dem nur Veröffentlichungen zählen (publish or perish) denn andere als narzisstische Charaktere hervorbringen nach dem Motto ‚Wer hat den größten, dicksten, längsten ….Artikel produziert? Versuchungen gibt es da viele, die eigenen Daten zu manipulieren und zu frisieren bis sie zur Hypothese, dem Kongreß- oder Buchbeitrag passen.

Was ist da Wahrheit, was ist fake?

Insofern hat die Wissenschaft selbst kräftig dazu beigetragen, dass man sie heute mit Misstrauen beäugt. Doktortitel kann man kaufen, sofern man neuerdings der Plagiatssoftware nicht auffällt. Nach der Wissenschaftssoziologie verändern sich Paradigmen meist durch das Aussterben der Mainstreamanhänger und nicht durch durch einen fairen und offenen Austausch von Argumenten, bei dem die trefflichsten sich durchsetzen.Platzhirsche beherrschen die Diskussion und neue Ideen haben oft kaum eine Chance.
Was sagt es denn über  Wissenschaftler aus, die ihren Wert an der Menge der Zitierungen im Science Citation Index bemessen?

Den Vogel abgeschossen haben die sogenannten medizinischen Wissenschaften. Obwohl Gesundheit eines unser höchsten Güter ist, hat die Unwissenschaftlichkeit, die Dogmatisierung durch Richtlinien und die Unterdrückung von oft preiswerteren Medikamenten und Wahrheiten Methode.

Nach meinem Kenntnisstand gibt es in Deutschland keine von Industrieinteressen freie Medizinforschung mehr. Betrügereien und Datenmanipulation scheinen in der Pharmaindustrie an der Tagesordnung zu sein, wie man in einer Vielzahl von Publikationen nachlesen kann, nicht nur in der Psychopharmakaforschung. Dass da viele auf alternative Produkte abfahren und ihr Heil  suchen, ist doch überhaupt nicht verwunderlich. Dass viele dabei nur wieder auf Quacksalber und Egomanen hereinfallen, da bestehen keine Unterschiede zwischen Forschung und Politik. Man muss sich aber über Homöopathie als Petitesse nicht aufregen, solange der Placeboeffekt nicht einmal systematisch erforscht und genutzt wird. Aber das wäre ja geschäftsschädigend.

Haben nicht Wissenschaftler, deren Ausbildung und Forschung weitgehend vom Staat finanziert worden ist, bei neuen Entdeckungen, häufig nur das Ziel, durch Patentierungen schnell Profite zu machen, wie man gerade mal wieder an der ‚Unsterblichkeitsforschung‘ sehen kann.

Wer kann denn noch auseinanderhalten, was Wahrheit und was Betrug, Gaunerei oder Industrieverbrechen ist, von der Steuerkriminalität gar nicht zu reden. Auch hier scheint es es nur noch ein Streben zu geben, möglichst schnell ganz viel Kasse zu machen, ohne Rücksicht auf Verluste, tierische oder menschliche.

Das ist der einzige Wert, der heute zählt, nicht die ‚altmodische‘ ‚alberne‘ Wahrheit der Idealisten. Und ist nicht der Glaube an die Wissenschaft letztlich auch nur ein Glaube?

Vielleicht können einige Probleme ja dadurch gelöst werden, daß man den Augiasstall ausmistet, wenn es denn gelingt, aber alle?

Vielleicht haben die meisten Menschen mit ihrem Misstrauen ja auch recht angesichts der Verhältnisse in der Welt. Wer will schon Zweifel, wo uns doch alle Gewissheiten abhanden gekommen sind? Wie kann man in einer Welt der Lüge, des Mißbrauchs, der Kriege, Diskriminierungen, Unterdrückungen und Desinformation Vertrauen aufbauen und pflegen.? Wenn wir diese Frage nicht lösen, kann uns auch die Wissenschaft nicht helfen. Dann zerstören wir alle individuellen und gesellschaftlichen Werte und steuern geradewegs auf unseren Untergang als Spezies zu. – Dr. Karl-Heinz Grimm


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Wissenschaft ist für Alle da, JA, aber nicht Alle sind für die Wissenschaft da. Denn Wissenschaft ist nicht unterhaltsam, nicht spaßig, nicht cool, nicht geil, sondern ernst. Und das immer und überall. Dass Wissenschaft diskreditiert worden ist und immer noch diskreditiert werden wird, ist NICHT PARADOX, sondern folgerichtig. Ist der Meiste Mensch bevorzugt emotional konstituiert, glaubt er in der Hoffnung auf die Erfüllung seiner Erwartung an die letztendliche Sicherheit.

Und so glaubt er auch, dass, wer sicher ist, auch alles weiß, so dass der Wissenschaft, die nicht eigentlich wissen kann, für den glaubenden Menschen, der Wahrscheinlichkeit nur als RedensArt kennt, nicht zu trauen ist. NEIN, nicht die Wissenschaft disqualifiziert sich mittels Versuch und Irrtum, sondern der eine und andere Wissenschaftler disqualifiziert die Wissenschaft, wenn er sich benimmt wie der Meiste Mensch, so dass auch die von ihm betriebene Wissenschaft zum KonkurrenzBetrieb degeneriert, um erwartete Sicherheiten u.a. sicheres Geld und sichere Unterhaltung zu produzieren.

Deswegen DARF Wissenschaft NIE GLAUB-WUERDIG sein, sondern MUSS Wissenschaft IMMER und ÜBERALL die vollständige d.h. die intuitionale wie die rationale VERNUNFT WUERDIG vertreten. Würde der Meiste Mensch bevorzugt diese seine Vernunft d.h. seine Intuition wie Ratio zum Denken verwenden, würde weder er selbst beständig emotional überflutet noch der Rest der Welt von dem sich daraus ergebenden Resultat. Das aber ist wahrscheinlich ZU RADIKAL. – Leonard Pengler


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Ihr Artikel „Irgendwas mit Familie“ hat mich teilweise belustigt, teilweise erzürnt, teilweise hat er auch den Kern getroffen. Zunächst: 4700 Netto-Durchschnittseinkommen beim ersten Kind? Woher haben Sie die Zahl? Aus Frankfurt/ Main? Davon sind wir als Akademiker noch gut entfernt, beim ersten Kind war an eine solche Zahl nicht zu denken.

Fakt ist aber, Geld allein hilft nicht, da haben Sie vollkommen Recht. Spielt aber in der Verteilung eine Rolle. Um auf der Ebene zu bleiben: Was wirklich helfen würde, wäre ein einkommensunabhängiges Elterngeld. Dann wäre sowohl Studenten als auch der Hausfrau geholfen, die sich entschieden hat, ihre Kinder zu Hause zu erziehen. Aber die größte Wertschätzung kommt mit der aktuellen Elterngeldregelung nur gut verdienenden Eltern zu Gute.

Und ein Begrüßungsgeld oder kostenlose Kitas würden auch das nicht schaffen, woran es im Lande wirklich mangelt: Kinderfreundlichkeit, die in der Gesellschaft verankert ist. Hilfe beim Einsteigen mit Kinderwagen (und vielleicht noch mit Kleinkind) in die Straßenbahn. Spielplätze, auf denen Kinder tatsächlich spielen dürfen (auch zwischen 11 und 15 Uhr – wohlbemerkt in der Woche). Verständniss für quengelnde Kinder im Supermarkt, im Restaurant, auf Arbeit. Wo man sich nicht dafür entschuldigen muss, dass man mit einem kranken Kind zu Hause ist.

Kein Einkommensverlust bei Kindkranktagen. Erhöhung der Kindkranktage, für Alleinerziehende sollten sie auf das Doppelte erhöht werden. Am Beispiel Kinder kann man herllich beobchten, wie realitätfremd so mancher Politiker doch ist. Unkomplizierte Nachbarschaftshilfe. Was bin ich mit Dank erfüllt, dass wir in einer Hofgemeinschaft leben dürfen, in der Kinder willkommen sind, laut sein dürfen und Teil der Gemeinschaft sind! – Friederike Manig


Leserbrief zu „Vorwärts zu alter Größe“ von Rasim Marz

Ihr Essay „Vorwärts zu alter Größe“ ist – das muss zugeben, wer die türkische Geschichte kennt – ein zutreffendes, wenn auch verkürztes Bild der letzten 100 Jahre dieses Staates. Allerdings: Interessant wäre es gewesen, wenn der Autor auch die – wahrscheinliche – Zukunft etwas ins Visier genommen hätte. Denn diese ist, zumal nach dem Referendum, keineswegs so vielversprechend, wie es Erdogan vorgibt.  Man muss sie vielmehr als hochgradig unsicher bezeichnen. Warum?

Sieht man vom Faktor „Wirtschaftliche Entwicklung“ ab, der in den nächsten Jahren dominieren wird,  ist es der Blick  auf Ostanatolien, auf die kurdische Region, der alarmierend ist:  Wer die türkische Geschichte kennt, weiß um die Vielzahl der kurdischen Aufstände in den letzten 80 Jahren, Aufstände, die durchaus den Charakter von Bürgerkriegen hatten. Sie waren die Folge der unbeschreiblich grausamen Unterdrückung, die die Türkei der kurdischen Minderheit – immerhin rd. 20% des Staatsvolks – angedeihen ließ. ( Ich habe lange genug – beruflich – in dieser Region gelebt, um dies bezeugen zu können. Das Ergebnis meiner Recherchen fasste ich in einem Buch zusammen. )

Die Situation ist für die Kurden derzeit positiv wie nie zuvor seit dem Marhaba-Aufstand 1946: Kurden stehen, bestens bewaffnet, in Nordsyrien und dem  Irak, kampferfahren und willens, die Sache durchzuziehen. Sie sind Teil der Anti-IS-Koalition,  verlässliche Verbündete des Westens  und werden diesmal keine Ruhe geben, ihren eigenen Staat, einschließlich natürlich der kurdischen Teile Ostanatoliens, zu errichten, für Erdogan die Katastrophe, der er aber letztlich nichts entgegen zu setzen hätte. Es wird in der Region kein zweites Syrien geben. – Helmut Körlings


Leserbrief zu „Spürst du die Lust?“ von Peter Dausend

Dausends satirische Überlegungen zu möglichen CDU-Werbeslogans einer prominenten Werbeagentur werden getoppt durch real vorhandene Werbeplakate von satirischem Wert. Beim Anblick eines SPD-Werbeplakats mit dem Slogan „NRWir Schlaumeier:

Spitze bei Investitionen in Kinder, Bildung und Familie“ war mein 1. Gedanke: Die Begeisterung fürs Postfaktische ist nun auch bei den großen Parteien hoffähig. Fakt ist nämlich meiner Information nach, dass NRW sich hinsichtlich der Schülerleistungen auf den letzten Plätzen der Republik tummelt. – Aber WIKTIONARY verhalf mir zur Erleuchtung; als eine Bedeutung von ‚Schlaumeier‘ wird angegeben: „ein Mensch, der sich unbegründet für schlau hält oder als schlau ausgibt“. Handelt es sich also um irrtümliche Selbstentlarvung? – Erika Nakaten


Leserbrief zu “ Trump 2.0″ von Josef Joffe

Ihre Glosse Zeitgeist vom 11.4.2017 „Trump 2.0“ animiert mich zu meinem ersten Leserbrief. Ganz konkret geht es um Ihre Kategorisierung des Angriffs mit cruise missiles als „Gesellenstück.

Diese Bewertung halte ich in verschiedener Hinsicht für misslungen. Ganz an der Oberfläche ist es mehr als kühn, diese einmalige Entscheidung mit einem Produkt gleichzusetzen, das am Ende der Lehre zeigt, dass der Lehrling das Metier beherrscht. Beides vermag ich dem nicht zu entnehmen.

Eine Schicht tiefer stellt sich die Frage nach der politischen, militärischen und humanitären Qualität der Entscheidung für diesen Angriff. Politisch dürfte die Entscheidung signalisieren, dass das Regime Trump (wer immer dort das Sagen hat) sich dafür entschieden hat, den Herrschaftsanspruch als global erste Macht geltend zu machen. Dieser Schritt stellt weniger das Ergebnis strategischer Überlegungen dar, als die unvermeidliche Enthüllung der Ziele des Trump Regimes. Das trumpsche Wahlkampftheater hat seine Zwecke erfüllt und kann und muss nicht länger durchgehalten werden. Wenn ein Vergleich  mit dem Bereich der handwerklichen Ausbildung passt, dann kann man die trumpsche Wahlkampfinszenierung als ein gelungenes Meisterstück der Manipulation und Irreführung von Wählern bezeichnen. Was jetzt auch in anderen Handlungsfeldern teilweise als Kehrtwendung der Politik des Trumpregimes bewertet wird, stellt in Wahrheit nur das Ablegen der Maskerade des clownesken Populisten dar.

Die militärische Relevanz des Angriffs ist strategisch die Meldung, dass die USA auf diesem Spielfeld bereit sind zu handeln. Damit ist ein Spiel eröffnet, dessen Entwicklung unvorhersehbar ist. Weder besteht Klarheit über den nächsten Zug der Gegenseite (Russland) noch über das verfolgte Ziel. Spekulationen über eine Strategie dürften daher verfrüht sein. Dass der Lehrling sein Metier beherrscht, muss sich erst noch weisen. Klar ist, dass die militärische Führung das Heft in der Hand hat. Ob sie ihrerseits politisch geführt wird, vermag niemand zu sagen.

Humanitär gibt Trump nochmal einen halbherzigen Auftritt als Politclown, wenn er über die beautiful babies lamentiert. Gleichzeitig wird im Jemen unter tatkräftiger Unterstützung der us-amerikanischen Streitkräfte gekämpft und der Verlust von Menschenleben auch in der Zivilbevölkerung zumindest in Kauf genommen. Dabei wird es den Opfern nicht darauf ankommen, ob sie durch Giftgas oder konventionelle Kampfmittel umgebracht werden.

Aus dieser Perspektive stellt sich natürlich nicht die von Ihnen aufgeworfene Frage, ob Trump das Handwerk weiter ehrt und er gar eine Friedenskonferenz organisiert. Vielmehr stellt sich die Frage danach, welche Ziele die USA im nahen Osten letztlich verfolgen und welche Kraft sie haben, diese gegen Russland und den Iran durchzusetzen. Wir sollten uns dabei weder Verheißungen vorspiegeln noch durch Twitter-Aktionen ablenken lassen. Wir sind in der Realpolitik, in der das tatsächliche Handeln den Maßstab gibt. – Christian Armborst


Leserbrief zum Titelthema: „Schönheit“

Mein Name ist Suzanne ich bin 54 Jahre alt und lebe auf Ibiza, „die   Insel der Schönen und Reichen“. In den letzten 6 Wochen hatte ich   meinen 83 jährigen Vater zu Besuch, er hat Alzheimer und musste eine   zeitlang bei uns bleiben. Seine kurzzeitige Erinnerung geht maximal   15-20 Minuten zurück und natürlich weit in die Kindheit, Jugend und   seine abenteuerlichen See-Reisen.

Mein Vater zeigte mir in diesen 6 Wochen die wahre Schönheit, die   Schönheit der Momente, denn was anderes konnten wir gemeinsam machen,   als von Moment zu Moment zu leben?  Er stand morgens auf, wusch sich und machte sich zu Recht ( all das   kann er noch) er duftete frisch und sah gut aus, dann ging er auf die   Terrasse, in den Garten, fand ein kleines Schneckenhaus, setzte sich   auf die Stufen und betrachtete es von allen Seiten, schaute auf,   lächelte und sagte, sieh mal, das ist doch sagenhaft wie schön die   Natur dieses kleine Gebäude für ein schleimiges Lebewesen geschaffen   hat. Mir kamen die Tränen, ja, sagte ich, wunderbar.

Die Schönheit in den kleinen Dingen, eine zerrissene Wolke am Himmel,   die aussieht wie ein Engel, eine Möwe, die immer und immer wieder ihre   Kreise zieht, die Blüte des Hibiskus, wie zauberhaft, die Maserung im   ausgewaschen Holzstück am Strand.  Wo auch immer wir waren, gingen, saßen, er fand stets etwas Schönes,   und sei es nur der Stein, der wie ein Herz geformt war.  Schönheit und Alzheimer, er erkannte sie und zeigte sie mir, Danke! – Suzanne Frings


Leserbrief zu „Wissenschaft muss lernen zuzuhören“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

So zustimmungsfähig die Aussage ist: „Wissenschaft muss lernen zuzuhören.“, so sehr ist die Behauptung im Nachsatz zu bezweifeln: „Sprechen kann sie schon.“ Denn wenn sie „oft nur sich selber“ zuhört, muss sie anders sprechen lernen, damit auch andere ihr zuhören. Und dafür reicht es nicht festzustellen: „Plötzlich scheint es zwei Arten der Erkenntnis zu geben: Emotion und Rationalität – gleichberechtigt im Diskurs. Deshalb muss die Wissenschaft für Rationalität und kritisches Denken werben.“ Genau das aber kann sie nicht, wenn sie nicht ihre Sprache ändert.

Dies vermag sie nur, wenn sie die Voraussetzung dafür ändert: Sie muss prüfen, welche Art der Erkenntnis sowohl bei ihr selbst wie bei allen Menschen zugrundeliegt. Und da lehrt uns die Evolutionsforschung: Es gibt nur eine „Art der Erkenntnis“; sie ist aus unseren überwiegend unbewussten Emotionen hervorgegangen und hat über immer stärkere Bewusst- und Sprachwerdung zu unserer heutigen „Rationalität“ geführt, die allerdings diese Herkunft um so heftiger leugnet, je mehr sie sich von ihr bedroht fühlt. Nicht erst seit heute.

Von Anbeginn seiner „Menschwerdung“ hat der homo sapiens versucht, seine irdische Abkunft „geistig“ und „geistreich“  zu überhöhen, um sich seine Vormachtstellung in der Welt zu sichern.  Zum Beispiel durch Glaubensvorstellungen wie der Gottesebenbildlichkeit, die durch „alternative Fakten“ belegt, in heiligen Büchern schriftlich fixiert (auch die von Luther übersetzte Bibel ist voller fake-news) und  geglaubt werden – bis heute. Weil dies die „Erkenntnisbedürfnisse“ unserer Gefühle befriedigt, Antwort gibt auf unsere Angstfragen nach Sicherheit, nach dem Woher und Wohin. Wir sind also geübt im Umgang mit „alternativen Fakten“ und fake-news – nicht nur in „Glaubensfragen“. Wieso soll diese bewährte und beglaubigte Erkenntnisstrategie nun plötzlich nicht mehr gelten?

Schon beim Zuhören also müsste „die Wissenschaft“ lernen, verständnisvoll-empathisch zuzuhören, nicht besserwisserisch-überheblich. Umso mehr gilt dies für ihr Sprechen. – Eckhard Heumann


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

Die Autoren stellen nicht die Frage „Dürfen die denn das?“. Man beschränkt sich auf die Erörterung der Zweckmäßigkeit des Raketenangriffs der USA auf Syrien. Es ist auch in Ordnung, die Frage so zu stellen, denn den Krieg gegen Syrien führen die USA schon lange, indem sie gemeinsam mit ihren Verbündeten Saudi-Arabien, diversen Golfstaaten und der Türkei alle Gruppierungen unterstützen, die gegen die syrische Regierung kämpfen.

Richtig ist auch, dass die USA überall in der Welt bombardieren oder schießen, wo sie es für zweckmäßig halten, man nennt es dann „Strafaktionen“. Den Begriff kennen wir aus der Kolonialzeit, aus dem späten 19. Jahrhundert. Charakteristisch dafür war, dass die Bestraften keine Mittel hatten, um mit gleicher Münze zurückzuzahlen.

Gleiche Münze hat niemand auf der Welt, niemand hat 12 Flugzeugträger, um vor die Küste der USA zu fahren und „Strafaktionen“ durchzuführen.

Die Russen sind schuld. Das geht aus dem letzten Satz der juristischen Bewertung des Rechtsdoktors Bittner hervor.

Nur, Herr Bittner, einmarschiert sind die Russen in die Ostukraine nicht. Sie waren dort schon, als  die USA  noch eine britische Kolonie waren und die Westukraine zu Österreich gehörte. Und als es ihnen missfallen hat, dass die ukrainische Regierung von drei Ministern aus Amerika kontrolliert wurde, hat diese Regierung, die Herr Bittner für legitim hält, Kriegswaffen gegen das eigene Volk eingesetzt.

Herzlichen Dank für das schöne Ostermärchen. – Hartmut Winterfeldt


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

Wen wundert es, dass die Reduzierung der Treibhausgase stagniert?

Nach dem völlig überstürzten Atomausstieg, einem populistischen Eigentor mit enormer Tragweite, hängt nun mal die Hauptlast der Energieversorgung an den „dreckigen“ Kohlekraftwerken. Oder glaubt man ernsthaft, dass deren Anteil von z.Z. 70% (fossile Energieträger und Rest- Kernkraft) von alternativen Energieformen wie Windkraft und Photovoltaik schnell ersetzt werden kann?

Leider sind die in diesem Artikel aufgeführten „einfachen Gegenmittel“ ein Beitrag aus dem Kapitel der Grünen Umweltschutz- Romantik und an naivem Wunschdenken kaum zu überbieten:

1) Elektroauto?? Die Gesamt- Ökobilanz der beliebten Grünen- Allzweckwaffe Elektroauto ist, von der Herstellung bis zur Entsorgung, grottenschlecht. Schlimmer noch: Diese Fahrzeuge sind es doch, die ihren Strom überwiegend aus den Kohlekraftwerken beziehen! Man verlagert also nur die Emissionsquellen.

Dass ein schlechtes Produkt auch mit Kaufprämien aus Steuermitteln schlecht bleibt, kann man übrigens an den mikroskopisch winzigen Zulassungszahlen ablesen.

2) Gaskraftwerke? Diese wurden zur Abdeckung von Bedarfsspitzen konzipiert, können also keine Riesenkohlekraftwerke wirtschaftlich ersetzen. Ganz nebenbei emittieren auch Gaskraftwerke Treibhausgase.

3)  Einführung einer CO2- Steuer? Wird sofort von den Energieerzeugern an die Endverbraucher weitergeleitet die mit berechtigter Wut im Bauch auch diese Sondersteuer bezahlen werden. Die angestrebte CO2- Reduzierung bleibt jedenfalls auf der Strecke.

4) Verringerung des LKW- Transportvolumens durch Erhöhung der LKW- Maut??  Geht’s noch? Auch hier werden die Spediteure ihre höheren Kosten an die industriellen Auftraggeber und diese wiederum an die Endkunden abwälzen. Und: Das gesamte Verkehrsaufkommen, also Bahn-, Flug-, Schiffs- und Straßenverkehr, ist nur zu 13% an den CO2- Emissionen beteiligt.

5) Abschaffung der Steuervergünstigung für Dieselkraftstoff? Da ist er wieder, der Erzfeind aller Umwelt- Bedenkenträger! Fakt: „Der Diesel“ verbraucht im Vergleich zu einem Benzinmotor gleicher Leistung ca. 30 – 40% weniger Kraftstoff, damit erzeugt er auch 30-40% weniger CO2. Wie man diesen Vorteil dann zusätzlich durch eine Verteuerung des Dieselkaftstoffs noch verbessern will, bleibt rätselhaft.

Fazit: Etwas mehr Kreativität zu diesem Thema und weniger Unsinn aus der Grünen- Mottenkiste würden „Der Zeit“ gut zu Gesicht stehen. – Michael Deil


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Ihre Gleichsetzung der alternativen Medizin mit den sogenannten „alternative facts“ veranlasst mich zu diesem Leserbrief.

Ich bin von Ihrer Zeitung differenzierte Artikel gewohnt, was auf diesen ganz und gar nicht zutrifft.

Selbstverständlich müssen wir nicht über Chemtrails, Vitamin-C-Spritzen gegen Krebs oder eine Impfung gegen Masern diskutieren. Ob jedoch Impfungen anderer Art mehr nutzen, als dass sie schaden, ist auch unter Wissenschaftlern umstritten.

Wenn monatelange Hüftschmerzen vom Orthopäden erfolglos mit Einlagen und Spritzen behandelt werden und dann eine Heilpraktikerin das Problem durch die Erkenntnis „Gelenk nicht richtig in der Pfanne“ und eine einfache manuelle Behandlung dauerhaft behebt ist die Devise „Wer heilt, hat recht“, ganz offensichtlich sehr angebracht. Dies ist ganz sicher kein Argument gegen das wissenschaftliche Weltbild, solange man anerkennt, dass Krankheit nicht gleich Krankheit ist und dass es überhaupt nicht um eine Entscheidung für das eine oder das andere geht, sondern dass beides sich ergänzen kann, bzw. in manchen Fällen das eine oder das andere mehr angeraten ist. Studiengänge der Medizin die dies (und darüber hinaus die starke Verbindung zwischen Körper und Psyche) in ihrem Lehrplan berücksichtigen, würden die Welt der medizinischen Behandlung in Deutschland in wenigen Jahren stark verbessern – und „Heilern“, die wirklich Scharlatane sind, die Geschäftsgrundlage entziehen.

Wer den Menschen den Glauben an die medizinische Wissenschaft nimmt, sind übrigens ganz sicher nicht die Wissenschaftler sondern viel eher die Pharmaindustrie. Denn wie Sie selbst schreiben: Wissenschaftliche Erkenntnisse und Forschungsergebnisse sind dem Normalbürger in ihrer Tiefe wenig bis gar nicht zugänglich. Auch hier ist übrigens zu differenzieren: Was schwarze Schafe in der Pharmabranche anrichten muss den Millionen Medikamenten gegenübergestellt werden, die jeden Tag Menschen zu einem längeren und besseren Leben verhelfen. – Anne Okolowitz


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Ich bin sehr froh, dass Sie über den Fall Mielesko berichten. Es darf nicht sein, das an einer Patientenakte manipuliert wird.

Man kann das nur aufdecken, wenn darüber berichtet wird. Ich hoffe in diesem Fall, dass das Gericht berücksichtigt, dass die Patientenakte manipuliert wurde, hoffentlich zu Gunsten der Hinterbliebenen.

Als Fachärztin für Anästhesie und Mutter eines Kindes habe auch ich erleben  müssen, dass die Patientenakte meines Kindes nach einer misslungenen Augenoperation manipuliert wurde, es gab zwei Versionen. Die von mir unterrichteten Strafverfolgungsbehörden ignorierten das Vorhandensein zweier Patientenakten, es wurde nicht weiter verfolgt. Ich selbst habe dann aufgegeben, da ich durch das Verfahren zermürbt wurde, außer einer Rechnung des Anwaltes von 2500 Euro musste ich das Scheitern des Verfahrens akzeptieren. – Anynomer Leser


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Als ehemalige HNO-ärztin bin ich über die geschilderten Fakten entsetzt: Eine Woche nach einer Mandelentfernung (TE) begibt sich der Patient in  das Einkaufsgetümmel bei IKEA!! Das darf doch wohl nicht wahr sein!!

Es ist üblich, dass jeder Patient, der nach TE entlassen wird, eine  schriftliche Anweisung über Verhalten und Ernährung mitbekommt: 1. ist  der Patient für 3 Wochen krank geschrieben und 2. soll er 1 Woche nach  TE zwar nicht das Bett, aber das Sofa hüten, weiche Kost essen und  keinen erkälteten Besuch empfangen.

Ein Einkauf bei IKEA ist ja wohl  der krasseste Gegensatz dazu!  Natürlich werden auch Patienten, die durch leichtsinniges Verhalten  krank werden, behandelt. Und ebenso natürlich wird erwartet, dass die  Ärzte, die den ganzen Tag schon gearbeitet haben, nun auch nachts bei  sehr seltenen und daher noch nicht miterlebten Komplikationen hellwach  und kompetent helfen.  Mir tut die Anästhesistin sehr leid.

Sie ist wahrscheinlich so  verunsichert, wenn nicht traumatisiert, dass sie wohl ihren Beruf  wechseln wird.  Facit: So viel Leid für Familie und Ärzte kann entstehen, wenn ein  Patient es nicht für nötig hält, den Anweisungen des Arztes zu folgen! – Dr. med. Almuth Zenker


Leserbrief zu „Wie Es Wirklich Ist… einem Baby den Schädel aufzusägen“ von Peter Vajkoczy

Dieser persönliche OP-Bericht von Peter Vajkoczy, Leiter der Klinik  für Neurochirurgie an der Berliner Charité, gehört nach meinem  Empfinden nicht in Ihre  Zeitung. Die Fachkompetenz dieses Arztes wird nach einem solchen OP-Erfolg  sicherlich besonders in medizinischen Kreisen  berechtigte hohe  Anerkennung erfahren und hätte in der Fachpresse veröffentlicht werden  können Für die  Eltern ist es aber aus meiner Sicht nicht o.k., das  schreckliche Schicksal ihres Kindes mit dem Satz   „Ich bin mir aber sicher: die Krankheit wird bleibende Schäden  hinterlassen.“ in „DIE ZEIT“ dokumentiert und veröffentlich zu sehen. – Sigrid Schulte


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Beim Journalismus hat man gesehen, was passiert, wenn man qualitativ hochwertigen Journalismus durch Allerweltsleute-″Journalismus″ ersetzt: die Qualität sinkt im Schnitt wohl eher, als dass sie sich verbessert. Guter Journalismus bleibt zwar erhalten, aber der schlechte nimmt zu – und wird immer  schlechter,  siehe  Twitter,  Facebook  u. ä. Transparenz,  dass  Jede/-r  alles  sehen  und  lesen kann, hat auch nichts geholfen. Wissenschaftliche Daten zu veröffentlichen hilft nichts, wenn der Leser,  Benutzer  o. ″Hobby-Wissenschaftler″  nicht  gelernt  hat,  sie  richtig  zu  interpretieren.  Dazu studiert  man  –  diese  Wissenschaft,  die  man  beurteilen  will.

Und  selbst  dann  bleiben  z. T. große Spielräume, v. a. wenn man nur die Daten kennt, aber nicht deren exakte Entstehung. Das Hauptproblem  der  Glaubwürdigkeit  der  Wissenschaft  ist  auch  nicht  das  Zurückhalten der Daten. Die Glaubwürdigkeit leidet v. a. dann, wenn die Unabhängigkeit der Forscher nicht mehr gewährleistet  ist  –  siehe  die  Gefahren  der  Drittmittelförderung!  Sie  leidet  auch  dann,  wenn  das Erklimmen der Karriereleiter so dermaßen maßgeblich von der Anzahl der Publikationen abhängt. Es  wird  viel  zu  viel  publiziert,  was  die  Qualität  verschlechtert.

Folgende  Gründe  tragen  zur Publikationsschwemme  bei  (Auswahl):  i.) die  Kurzlebigkeit  von  Projekten  und  befristeten Wissenschaftlerstellen;  ii.) die  Zunahme  der  Drittmittelfinanzierung,  die  eine  Schwemme  an Projektanträgen  verursacht  hat;  iii.) das  tumbe  Zählen  von  Publikationen  u. a. Kennziffern  durch Verwaltungsfachleute  der  Forchungseinrichtungen  anstatt  einer  qualifizierten  inhaltlichen Beurteilung  durch  Wissenschaftler  derselben  Disziplin;  iv.) die  in  vielen  Fachzeitschriften erzwungene Begrenzung des Umfanges eines Artikels auf z. B. sechs Seiten, die zu Verkürzungen zwingt, die oft der Sache zuwiderlaufen, die es aber erlauben, die Anzahl der Aufsätze zu erhöhen; v.) der Ersatz einer klassischen Monographie als Grundlage einer Promotion durch meist zwei bis drei Artikel in Fachzeitschriften.

Dies  führt  zu  folgenden  Problemen  (Auswahl):  i.) das  ganze  Papier,  das  in  Form  von eingereichten  Aufsätzen  in  Fachzeitschriften  und  als  Projektanträge  geschrieben  wird,  muss  von Gutachtern gelesen werden, d. h. qualifizierten Wissenschaftlern, die schon genug Stress und Arbeit haben; ii.) diese Gutachter können gar nicht mehr alles so genau lesen und durchdenken, wie sie es wollten und müssten, um der Sache wirklich gerecht zu werden (ich habe hanebüchene Fehler in publizierten  Aufsätzen  anerkannter  Fachzeitschriften  gefunden,  und  ich  habe  hanebüchen  falsche Gutachter-Kritiken gelesen, die nur den Schluss der Überforderung der Gutachter zulassen); iii.)  es kommt  heute  nicht  mehr so darauf an,  als Wissenschaftler gelesen,  verstanden  o. gar  geglaubt  zu werden,  es  kommt  fast  nur  noch  darauf  an,  zu  veröffentlichen;  iv.)

Methodenbeschreibungen  in Artikeln  sind oft so verkürzt,  dass sie von anderen Wissenschaftlern  nicht nachvollzogen werden können,  was  dem  Grundprinzip  der  Reproduzierbarkeit  diametral  widerspricht;  v.) halbgare Erkenntnisse  werden  zu  früh  publiziert,  weil  das  z. B. nötige  dritte  Messjahr  aufgrund  der Projektlaufzeit nicht realisiert werden konnte, o. weil das, was sich als sachlich geboten herausstellt, im Finanzierungsrahmen nicht realisierbar ist; vi.) wird gar Falsches o. Unwertes publiziert, fällt es zu  oft  nicht  auf,  weil  es  oft  gar  nicht  erst  gelesen  wird  (ich  kenne  so  viele  gestandene Wissenschaftler,  die  zugeben,  allermeist  nur  noch  das  Abstract  zu  lesen),  o. weil  es  keine ausgereifte  Fehlerkultur  gibt,  die  die  Personen,  die  Falsches  o. Schlechtes  publiziert  haben,  zur Korrektur und zur Redlichkeit zwingen – die publik gewordenen Fälle sind wahrscheinlich nur die Spitze  des  Eisberges;  vii.) wissenschaftliche  Erkenntnisse  widersprechen  sich  z. T. allein  schon deshalb, weil z. T. falsche Methoden o. falsche Zahlen verwendet wurden; wird die eine Publikation über eine Sache bestmöglich erstellt, und die zweite Publikation über dieselbe Sache mit Fehlern, braucht  man  sich  über  Widersprüche  und  über  den  Verlust  der  Glaubwürdigkeit  keine  Sorgen machen;  dass  je  nach  Auftraggeber  bei  Drittmittelprojekten  auch  u. U. verschiedene  gelenkte Positionen  vertreten  werden,  hilft  auch  nicht;  viii.) aufgrund  der  Zeitnot  und  der  häufigen Unmöglichkeit, sich als Gutachter in das zu lesende Papier wirklich richtig hineinzudenken, wird i. d. R. das  positiv  beschieden,  was  schnell  und  fix  überflogen  ins  Schema  F  passt;  abweichende Meinungen, Ideen und Erkenntnisse bräuchten zu viel Zeit, um sie zu lesen und zu durchdenken, also werden sie meist negativ beschieden; dies hemmt den Erkenntnisfortschritt gewaltig, und trägt auch nicht zur Verbesserung des gesellschaftlichen Rufes der Wissenschaft bei.

In Erinnerung geblieben ist mir ein Satz eines Lehrstuhlinhabers von 1994: wo vor 1994 nur dann  aus  einer  Promotion  eine  oft  z. B. 20  Seiten  lange  Publikation  in  einer  Fachzeitschrift resultierte,  wenn  etwas  wirklich  Gutes  u./o. Wichtiges  herausgefunden  wurde,  wird  heute  jede Kleinigkeit  aus  einer  Promotion  mehrfach  verpackt,  mit  etwas  anderem  Schwerpunkt  und wechselnder  Autorenschaft,  oft  nur  der  Reihenfolge  der  Autoren,  und  mehrfach  publiziert.  So bekommt  man  mehr  Erbsen  zugebilligt,  und  kann  Karriere  machen.  Der  Beschleunigungszwang, Zeitnot,  Wettbewerb  um  Geld  und  Aufmerksamkeit,  Zwang  zur  Werbung,  das  Kreisen  um  sich selbst,  und  der  Zwang  zur  ″Produktion″  i. S. ″produktiver  Leistung″  gemäß  quasi- betriebswirtschaftlicher ″Qualitätskriterien″ schadet der Wissenschaft viel mehr, als das zu Recht zu kritisierende Geschäftsgebaren der Verlage der wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Der ″Output″ wird  gesteigert,  die  Glaubwürdigkeit  geht  flöten.

Dass  sich  dieses  Wissenschafts-System  nicht wirklich  verbessert,  ist  nicht  verwunderlich.  Mit  kosmetischen  Operationen  (″geht  in  die Öffentlichkeit″) und Ablenkungsmanövern (z. B. open access, open sciene) wird suggeriert, dass so die Qualität der Wissenschaft zu retten sei, weil damit davon abgelenkt werden kann, die wirklichen Probleme  zu  lösen.  Die  nötige  Arbeit  (-smenge)  für  eine  wirklich  erhöhte  Qualität  kann  bei  der Vielzahl von ″bedrucktem Papier″ gar nicht geleistet werden. Denn die wahren Probleme zu lösen würde viele Pfründe kosten, und von diesen Pfründen profitieren die maßgeblichen Akteure zu sehr. Der  einzige  maßgebliche  Akteur  in  diesem  System,  der  nicht  profitiert,  ist  der  Steuerzahler,  der zwar nicht beweisen kann, dass er schlechte Wissenschaft geliefert bekommt, der es aber spürt, ahnt und  befürchtet.

Das  Unbehagen  der  Bevölkerung  gegen  die  Wissenschaft  sollte  dazu  benutzt werden, eine echte Fehleranalyse zu machen, und dann das System zu reparieren, und nicht, um mit nebensächlichen  Rezepten  an  Begleit-Symptomen  herum  zu  doktern.  Bis  sich  die  Frage  der Zugänglichkeit von Publikationen,  Wissen und Daten stellt,  sind die möglichen  Fehler alle  schon passiert. – Dr. rer. nat. Jürgen Kühn

 

06. April 2017 – Ausgabe 15

Leserbriefe zu „Für immer jung?“ von Ulrich Bahnsen

Die Zeitung ist noch nicht erschienen und ich schreibe schon einen Leserbrief. Denn schon die Ankündigung versetzt mich in Wallung: Der grösste Traum der Menschheit – Die ewige Jugend! Das ist doch einfach ganz ganz grober Schwachsinn. So grob, dass ich mich nicht einmal erblöden will in die Argumentationsfalle „pro – contra“ einzutreten. In diesem Falle plädiere ich ausnahmsweise für das Postfaktische! Und dass als zentrales Problem genannt wird, dass das nicht für alle zu haben sein soll, bringt die Schieflage endgültig zum kippen. Natürlich: wer darf/muss und wer nicht ist immer eine nette Debatte, egal um was es geht. Aber da gibt es doch noch ein paar ganz andere zentrale Problemchen: Was wäre unsere Welt ohne die Jungen? Was wären die Jungen, wenn sie uns nicht „innert nützlicher Frist“ zu Grabe tragen dürfen. Was für eine grausame Vorstellung: eine Welt, bevölkert von jugendlichen 200-jährigen, die ihren eigenen Kindern keinen Platz zum leben geben, weil sie zu feige sind, zu sterben? Ich arbeite jeden Tag mit jungen Menschen zusammen und muss sagen: es gibt allen Grund, ihnen Platz zu machen!   Das musste raus! – Florian Reichert


Leserbrief zu „Können diese Augen lügen?“ von Elisabeth Reather

Entweder ist es einen Druckfeher und es fehlt ein null oder die Autorin hat sich mit Herrenbekleidung nie auseinander gesetzt.

Hier die Logik:einer guter herkommlicher Anzug (der marke hugo boss z.b.) uebers Internet kostet leicht 400€. Also kann einer Anzug auf mass, in einer Pariser Boutique, fuer einen finanziel sehr gut situierter ehemalige Minister,

Der auf sein Ausseres wert legt guestiger sein??

Leider so ein bemerkung in den ersten Absatz ihrer Artikel geben mir kein anlass ihn weiter zu lesen da der Eindruck erweckt ist : die information sind nicht recherchiert genug. – S. Belleil


Leserbrief zu „Der vage Europäer“ von Fabian Klask, Mark Schieritz Und Michael Thumann

Ihren Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen. Leider enthält er aber wieder, wie üblich, nur die halbe Wahrheit. Das angloamerikanische Märchen, allein die deutsche uneinsichtige Sparpolitik habe  Griechenland in die Krise getrieben, wird uns schon wieder neu verkauft.

Durch ständiges Behaupten wird es nicht wahr. Wenn ich den von Ihrer  Zeitung so verehrten Professor Winkler zitieren darf (Geschichte des Westens: Vom Kalten krieg zum Mauerfall) S. 87: “Griechenland war am 01. Januar 1981 in die Europäische Gemeinschaft aufgenommen worden; obwohl es gute Gründe gegeben hätte, dem Athener Antrag nicht oder nicht zu diesem Zeitpunkt stattzugeben”.

Danach zählt er Probleme auf,  die bis heute noch für in Griechenland charakteristisch sind. Mit Andreas Papandreous Wahlsieg 1981 wurden sie noch einmal verschärft, da dieser auf einen  Schlag 400.000 Gefolgsleute in den Staatsdienst einstellte. Einziges Qualifikationserfordernis: PASOK Mitgliedschaft. Besser drückt es noch Francis Fukuyama in “Political Order an Political Decay” auf Seite 107 aus: Rather it (public interest) is seen as an asset to be grabbed and exploited for narrow partisan benefit……When the European Union and the IMF demanded structural reforms in return for a  restructuring of Greek debt, the Greek government was willing to consider any form of austerity before agreeing to end party control over patronage.”

Daran hat sich nichts geändert; die ganzen Gesetze die das griechische Parlament zu Reformen verabschiedet hat, sind zum größten Teil nicht umgesetzt worden; also nicht einmal das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind.  Sich auf den Economist in dieser Sache  zu berufen, ist kein besonders guter Einfall. Hat der doch Sakorzy nach dessen Wahl als Retter Frankreichs gefeiert. Im übrigen dreht es sich nicht darum, dass Frankreich ein bisschen Bürokratie abbaut und Deutschland etwas zahlt. Beide müssten auf Souveränitätsrechte verzichten. Ein Präsident Macrons, dem Le Pen im Nacken sitzt, wird das wohl kaum tun.

Das Gerede, wir müssen die Schulden vergemeinschaften, führt auch nicht weiter.  Wenn  Griechenland selbst unter Druck nicht die erforderlichen Reformen betreibt, meinen Sie dann, dass es welche durchführt, wenn wir seine Schulden übernehmen? Bitte verschonen Sie mich jetzt mit der ausgelutschten Latrinenparole unser Politiker: Wenn die anderen nicht wollen dann müssen wir vorangehen und auf Teile unserer Souveränitätsrechte verzichten!! Die anderen werden uns dann folgen.! Nur, sie sind uns nicht gefolgt und werden uns auf absehbare Zeit nicht folgen. – Ulf Hanel


Leserbrief zu „Wird schon!“ von Julius Schophoff

„Wer an Sicherheit glaubt, ignoriert das Wesen der Welt“. Der Autor Julius Schophoff zeigt die eine Seite der Wahrheit, vor der anderen verschließt er die Augen. Wie groß ist seine Freiheit, wenn er mit 70 oder 80 oder 90 Jahren immer noch in gewisser Regelmäßigkeit als „freier Journalist“ Texte bei Zeitungen oder Buchverlagen unterbringen muss, um „seine Brötchen zu verdienen“? Wer alte Menschen erlebt hat, die bis zum „Tot-umfallen“ hart arbeiten mussten, die sich die bisherige Mietwohnung nicht mehr leisten konnten, deren Sparbuch vollständig blank war, die keinen Arztbesuch bezahlen konnten, der denkt über Vorsorge anders.

Aber Herr Schophoff ist nicht naiv. Er zahlt freiwillig weiter Beiträge an die Rentenversicherung. Und aus dem Verschweigen schließe ich, dass er auch weiterhin krankenversichert ist. Damit verlässt er sich auf die Solidargemeinschaft. Und er verlässt sich darauf, dass Mitbürger Geld beiseite legen, damit Wohnungen unterhalten, in größerem Abstand sanieren oder auch neu bauen. Oder denkt er, Wohnungen waren schon immer da und wird es auch immer in ausreichender Anzahl im gewünschten Zuschnitt und Zustand geben, quasi vom Himmel fallen? – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Wird schon!“ von Julius Schophoff

Es klingt ja so schön – man pfeift auf all diese spießigen Versicherungs- und Bausparverträge, zerbricht sich nicht den Kopf über irgendwelche  Versorgungsfälle wie Berufsunfähigkeit, Krankheit, Pflegebedürftigkeit  und über den Lebensunterhalt, wenn man das Ruhestandsalter erreicht  hat! Und wenn dann diese Fälle tatsächlich eintreten – dann fällt man eben seinen Verwandten, Freunden oder der Allgemeinheit zur Last. Müssen Sie da nicht auch an die Fabel von Lafontaine von der Grille und der Ameise denken? Ich wünsche Ihnen, dass Sie dann nicht mit den Worten „Vous chantiez? … Eh bien, dansez maintenant!“ abgewiesen werden. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Auf leisen Sohlen“ von Angela Köckritz

Vielen Dank für Ihren Leitartikel. Leider finde ich ihn zu einseitig, da er von einer stark einschränkenden eurozentrischen Sicht geprägt ist. Es gibt auf dieser Welt Jahr tausend Jahre alte  geschichtliche Entwicklungen wie die in Russland, in China und in  Indien. Wir feiern immer Machiavelli, aber à propo  Indien: spricht einer  von Kautilya, der vor 1500 Jahren sein berühmtes Handbuch  des Regierens, das ARTHASHASTRA verfasst hat, auf weiten Strecken besser und  durchdachter als der “Il  Principe” ist.

Im übrigen würde ich den Menschenrechts Verteidiger USA nicht so stark preisen; hat er doch erfolgreich jahrzehntelang im 20 Jahrhundert die “United Fruits Demokratie” in Lateinamerika verteidigt.  Sicherlich hat der Zerfall der Sowjetunion einen gewissen Schock bei der KPCH bewirkt; ausschlaggebend für die Niederschlagung  des Aufstands auf dem Platz des himmlischen Friedens waren  aber die Erlebnisse der damals noch lebenden alten Männer  im ZK, die in den zwanziger Jahren das Wüten der “Warlords “, die durch westliche Staaten, insbesondere die USA,  gelenkt und aufgehetzt wurden, mit erlebt hatten.

Der sogenannte kleine Mann in China verehrt Mao noch heute deswegen, weil er gegenüber der Außenwelt Standhaftigkeit, Charakter und Rückgrat gezeigt – Eigenschaften, die unseren Politikern abgehen- und in ihren Augen China seine Würde zurückgegeben hat.  Bitte, kommen Sie mit jetzt nicht mit Menschenrechten und der Demokratie im alten Griechenland. Die 1 Million Sklaven, die in 200 Jahren in griechischen Silberbergwerken verreckt sind, müssen dann wohl als Collateral Schaden der griechischen Demokratie bewertet werden? Sie werden sich auf einen stärkeren Einfluss Chinas einstellen müssen, ob sie es wollen oder nicht.

Viellicht hilft Ihnen dabei ein Ausspruch von George F.Kennan, der am Ende seines langen Lebens gesagt hat:” Ich glaube nicht, dass alle Länder   unseren Werten folgen werden; wahrscheinlich müssen sie es nicht einmal.” Als Übung sollten Sie einmal versuchen, sich eine Weltkarte gezeichnet aus chinesischen Blickwinkel zu besorgen. Darauf würde Europa wahrscheinlich nicht größer als ein Daumennagel sein. – Ulf Hanel  


Leserbrief zu „Der vage Europäer“ von Fabian Klask, Mark Schieritz Und Michael Thumann

Was ist der Unterschied zwischen Frau Merkel und Herrn Schulz: Frau Merkel ist eine Frau und Herr Schulz ein Mann. Bis auf Kleinigkeiten kann ich sonst keinen Unterschied erkennen. Warum also soll ich die SPD wählen? Die Fehler von Frau Merkel würde Herr Schulz eins zu eins übernehmen. Für mich käme zur Zeit keine der beiden Parteien infrage.  Und auf Umfragen gebe ich ohnehin nichts. – Beste Grüße


Leserbrief zu „Ist das unser Antiterrorkampf ?“ von Andrea Böhm

Aus Rot am See möchte ich Sie grüßen. Danke für Ihren Artikel in der letzten Ausgabe der Zeit. Die Geschehnisse überschlagen sich fast. Ich erlaube mir, Ihnen einige Gedanken weiter zu geben, die ich über die Berichterstattung in Presse (einschließlich des Spiegels)und TV-Nachrichten geschrieben habe. Ich schreibe nur das, was ich subjektiv an diesem Konfliktherd wahrnehme und wo ich Lösungsmöglichkeiten sehe. Ich weiß nicht, inwieweit Sie die Frage nach der deutschen Beteiligung an diesem Konflikt in der Zeit-Redaktion diskutieren? Mir geht es darum, eine deutsche Beteiligung im Syrien-Konflikt zu überdenken. Sehr wahrscheinlich wird es unmöglich sein, im Iraq und in Syrien zu den alten Grenzen zurückzukehren. Vorstellbar sind verschiedene Regionen, die auch Mehrheiten einer Ethnie oder Glaubensrichtung abbilden. Aber das sollte man den betreffenden Ländern hauptsächlich selbst überlassen, wie sie ihre staatliche Ordnung realisieren wollen. Gerade das Verhältnis der Türken zu den Kurden birgt viel Konfliktpotential.

…Der Spiegel 51/16 in einem Artikel über den Fall Ost-Aleppos fragt: Geht es Assad um Vernichtung oder um Versöhnung? Er berichtet auch von Tausenden von schiitischen Kämpfern, die dort kämpften und stellte fest: Es wird wohl kaum Frieden in Syrien geben. Die religiösen Unterschiede von Schiiten und Sunniten sind so gravierend, dass eine Suche nach Kompromissen fast unmöglich erscheint. Dahinter stehen natürlich auch Machtansprüche vom Iran und Saudi-Arabien. Dass die Alaviten in Syrien an die Macht gekommen sind, hat historisch gesehen ja seinen Grund, dass die Franzosen, als Mandatsmacht, den Alaviten und Drusen Schlüsselstellungen im Heer gegeben haben. Die Franzosen haben die Minderheiten aufgewertet, um dort besser regieren zu können. Wird  Assad freiwillig gehen, wenn er weiß, dass dann sein Leben verwirkt ist und das der Alaviten?

Die USA haben keine Zweifel, dass Assad der Schuldige an den Giftgaseinsätzen ist. 2003 vor Beginn des Iraq-Krieges hatten die USA auch keine Zweifel, dass S.Hussein mit Nuklearwaffen die Welt bedroht. Die Folgen kennen wir. Wir kennen auch die Folgen, dass 2011 Gaddafi durch Nato-Streitkräfte weggebombt wurde. Heute ist Libyen ein „failed state“. Die deutsche Ausgabe von Le Monde April 2017 schrieb einen ausführlichen Artikel unter der Unterschrift „Libyen ist nicht mehr. Ist Afghanistan nach langen Kriegsjahren sicherer geworden? Die Liste ließe sich erweitern. Es ist zum Verzweifeln.

Die USA hat für mich den Charakter einer Plutokratie, d.h. die Superreichen haben das Sagen, sie bestimmen die Politik. Was Menschen in Kriegen leiden, spielt kaum eine Rolle, das sind die Lateralschäden, die man hinnehmen muss.

Was soll Deutschland als Nato-Land tun? Ich würde sagen: Nicht in ein Kriegsabenteuer sich einlassen. Die Beteiligung der Überwachungsflügen durch Luftjets in den Kriegsgebieten einstellen und aus der Türkei sich zurückziehen. Uns hat es nicht geschadet, nicht am Golfkrieg beteiligt gewesen zu sein. Deutschland als ehrlicher Makler kann seine Rolle nur dann spielen, wenn es sich aus militärischen Aktionen heraushält, vor allem dann, wenn die Lage mehr als verworren ist und man kaum weiß, wer da gegen wen kämpft?

Das in Ergänzung zu meinem Leserbrief vor wenigen Tagen, den ich nochmals beifüge.

PS: Ich möchte noch einmal auf Ihre Berichterstattung zum sog. Arabischen Frühling eingehen, den der Spiegel monatelang in langen Berichten wohlwollend begleitet hat. Interessant auch der Artikel in Spiegel.Online vom 31.8.2011: Libyen Einsatz und Völkerrecht. Glückwunsch Nato. Aber bitte leise jubeln.

Die Uno-Charta verbietet Gewalt unter Staaten. In Libyen hat die Weltgemeinschaft eine Ausnahme gemacht – zum Schutz der Zivilbevölkerung. Mit der Beseitigung des Gaddafi-Regimes hat die Nato die Resolution des Sicherheitsrats sehr großzügig ausgelegt – und einen Präzedenzfall geschaffen.

Ich bin der Friedensethik Jesu verbunden und halte viel von Luthers Zwei-Reiche-Lehre. Luther hat sich immer scharf gegen bewaffnete Rebellion ausgesprochen und den Christen gesagt: Lieber leiden, als zur Waffe zu greifen. Das Gesetz schafft Ordnung und Sicherheit. Wenn staatliche Autorität verschwindet, herrscht das Chaos. Das ist heute überall mit Händen zu greifen. Ich habe von daher immer eine militärische Aktion abgelehnt. Nur eine kleine Frage: Wenn die Staatengemeinschaft die Billionen, die sie im Afghanistan Krieg verschwendet hat, für Entwicklungshilfe durch anerkannte Hilfsorganisationen ausgegeben hätte, hätten wir dann heute ein anderes Afghanistan? Ich glaube, wenn wir etwas positives im Nahen Oster verändern wollen, müssen wir bei den religiösen Überzeugungen ansetzen und den Menschen dort das weitergeben, was Jesus zur Nächstenliebe gesagt hat. Es ist doch erstaunlich, wie viel Terror geschieht im Namen Allahs und der Scharia. Haben Sie schon mal gehört, dass aktuell jemand als menschliche Bombe im Namen Jesu des Welterlösers sich in die Luft gesprengt und andere in den Tod gerissen hat?

Sie werden es mir nicht verübeln, dass ich auch den Spiegel kritisch lese. Laut neuesten Nachrichten stieg die Zahl der Todesopfer der Giftgaseinsätze in der Stadt Chan Scheichtun auf 72, darunter wohl 20 Kinder. Bezeichnend der Zusatz: Die Angaben der Aktivisten können von unabhängiger Seite allerdings nicht überprüft werden.

Für EU und Amerika scheint klar, wer der Schuldige ist: Assad oder Russland. Nun haben die Russen ihre Version präsentiert und geben den terorist. Gruppierungen die Schuld. Unabhängig von diesem tragischen Angriff ist deutlich: dass zum Einen die syr. Luftwaffe Giftgasangriffe ausführte, aber auch Terroristen Giftgas einsetzen und in Kellern Giftgas gelagert haben zur Herstellung von Granaten mit Giftgas. Dann ist zu bedenken, dass die syr. Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London keine unabhängige Nachrichtenquelle ist, sondern eindeutig auf Seiten der Rebellen steht.

Ich finde es unverantwortlich, wenn in manchen Presseorganen oder im öffentl. Fernsehen  vorschnell Schuldige genannt werden, ohne auf die Schwierigkeiten des Propagandakriegs mit Nachrichten von allen Kriegsbeteiligten hinzuweisen. Das dient sehr wahrscheinlich nicht zur Wahrheitsfindung. Die Bildzeitung vom 6. April titelte: Giftgas Assad – Der schlimmste Vater der Welt. Gezeigt wird eine ganz normale Assad-Familie beim Geburtstag. Kommentar überflüssig!

In einem sehr guten Vortrag eines Historikers, der in Damaskus Geschlchte und Arabisch studiert hat wurde uns gesagt: Die Alaviten wissen genau, wenn sie die Macht verlieren, werden sie besten Falls des Landes verwiesen oder massakriert. Nach allem, was passiert ist, gibt es kein Perdon. Hass wird das Handeln regieren. Jetzt frage ich Sie, was wird eine Assad-Regierung tun, wenn sie das weiß? An ihrem Stuhl kleben oder freiwillig das Feld räumen? Vielleicht sollten das unsere lieben EU-Politiker, die auf sicheren Stühlen sitzen, auch bedenken!? Wir im Westen sind natürlich die moralisch Überlegenen. Aber wir liefern Waffen an S.A., dessen Regierung einen Krieg gegen den Jemen führt. Mit welchen Waffen? Da sind wir natürlich ganz unschuldig. Nato-Politik: Während deutsche Soldaten im Süden der Türkei mit Abwehrsystemen die Türkei vor angeblichen Luftangriffen Syriens geschützt haben, hat die türk. Regierung munter ihre Geschäfte mit dem IS gemacht und  die Terroristen sind aus und ein gegangen. So was vergisst man schnell. Also wir haben uns nicht mit Ruhm bekleckert. Und die sog. Weltgemeinschaft war während des ganzen Bürgerkriegs nicht in der Lage, ein einige Quadratkilometer großes Schutzgebiet für Flüchtlinge einzurichten und sie dort ausreichend zu versorgen. Und was Flüchtlingselend bedeutet zeigt Nationalgeographic in seiner neuesten Ausgabe: Leben nach dem IS. Bevor der IS sich zurückzog legte er Sprengfallen und zündete Ölquellen an…und überall Massengräber… Wie viel Jahrzehnte wird der Nahe Osten benötigen, um wieder auf den Vorkriegsstand zu kommen? Und wer wird die Wunden heilen, die die Gewaltanwendung geschlagen hat? – Dieter Loest


Leserbrief zu „Ist der Welfenschatz doch NS-Raubkunst?“ von Stefan Koldehoff

Natürlich ist mit Drohung erlangtes fremdes Eigentum dem vom Verlust betroffenen Eigentümer zurückzugeben., ebenso ohne Rechtstitel erlangtes Plünderungsgut. In den U.S.A. werden allerdings diese Rechtsgrundsätze selektiv nur auf Besiegte angewendet, wie der Diebstahl der Ex- US. Secretary of State  Madeleine Albright beweist. Die Geschädigten wurden beim Versuch, in den U.S.A. Recht zu bekommen, lebensgefährlich bedroht und schließlich stellte in jüngster Zeit das tschechische Außenministerium die Bestätigung aus, die tschechische Regierung habe dem Vater von Frau Albright, der die Bilder durch Drohung an die Haushälterin der Eigentümer deren Versteck entnahm, geschenkt (gleichzusetzen: Adolf Hitler schenkte die Bilder der Familie Rothschild Hermann Göring.) Ich brachte den Skandal in beiliegender Einschaltung in der „Kronenzeitung“  an die Öffentlichkeit. Man hat es mit den U.S.A. mit einem rechtlosen Gewaltregime zu tun, wie Österreich im Rufmord an dem Ehrenmann Dr. Kurt Waldheim erleben musste. an dem sich die Bundesrepublik schändlicher Weise beteiligte „Einen Teufel werde ich mich entschuldigen!“, so der Außenminister und Straßenräuber Joschka Fischer. – Dr. Otto Ludwig Ortner


Leserbrief zu „Farewell, Britannia” von Josef Joffe

Joffe zu lesen ist oft ein Vergnügen -wenn da nicht immer mal wieder seine seltsame Vorliebe für den Krieg in einem Nebensatz zum Ausdruck kommt! So auch jetzt wieder wo er England  bescheinigt, die Kriegskunst nicht vergessen zu haben, mancher Kontinentalstaat dagegen, so lautet sein Vorwurf, scheint die Erinnerung an diese Kunst verloren zu haben. Und man hat auch noch nicht vergessen, dass Englands Falklandkrieg ein Massaker war, bar jedes Anflugs von Kunst! Kriegskunst ordnete man den kriegerischen Auseinandersetzungen längst vergangenen Epochen zu.

Heutzutage besteht eher die Kunst darin, Kriege zu vermeiden, da die Feuerkraft moderner Waffen fürchterliche Ausmaße angenommen hat und für die Kriegsherren unsere Zeit deren Einsatz mittels Flugzeugen und Drohnen selbst in dichtbesiedelten Gebieten ohne Skrupel durchgesetzt wird. Und da  es seit dem 2.Weltkrieg auch die Atombombe gibt hat der Krieg seine Überhöhung zur Kunstform  unwiderruflich verloren. Ist der Herr Joffe da nicht ein wenig zurückgeblieben mit seinem Weltbild  von handwerklich sauberen oder gar kunstvoll gestalteten Kriegen ?

Oder glaubt er, dass Kriege  nur erfolgreich zu führen sind wenn es immer den Krieg davor und den danach geben muss -und das  mit steigender Frequenz? Vielleicht hat Herr Joffe in seiner Hochachtung vor der Kriegskunst vergessen,  dass man die Fähigkeit Kriege zu führen schon seit langem durch sogenannte Manöver verbessert.  Andere Werkzeuge wie Diplomatie und internationale Vereinbarungen erreichen meistens viel mehr  für die staatliche Selbstbehauptung oder Verteidigung von legitimen Interessen und schützen zumindest  die Zivilbevölkerung um ein (fast) unendlich Vielfaches besser als jeder noch so „gerechte Krieg“. – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu „Mein Türke, dein Türke“ von Özlem Topçu und Stefan Schirmer

Ihre Autoren übertreiben mal wieder. Unabhängig davon, das Demokratie ohnehin kein Allheilmittel für friedliches Miteinander ist.  Die Welt sieht gerade eine Fratze der Bösartigkeit.  Die Intellektuellen wollen per du nicht verstehen, dass zuviel Demokratie das Gegenteil eines friedlichen Miteinander bewirkt.  Willy Brandt sprach von: „mehr Demokratie wagen“, das hat damals ganz gut geklappt. Das passt aber heute nicht mehr. Das Gegenteil wäre hilfreicher. Und ihr „Freund“ Erdogàn hat sich zur Demokratie bekannt. Er hat hält andere Vorstellungen von einer Demokratie.  Die ständigen Unterstellungen, die ich in den Printmedien lese, sind leergedroschenes Stroh. In der Türkei kann man nur einmal wiedergewählt werden. Ende der Fahnenstange. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Zurzeit bin ich nicht so gern jüdischer Schriftsteller in Deutschland“ von Maxim Biller

Bemerkenswert, dass das deutsche Feuilleton dem amerikanischen Juden Philip Roth den Literatur-Nobelpreis wünscht, gleichwohl dem deutschen Juden Maxim Biller quasi nahelegt, endlich mit dem Schreiben aufzuhören. Seltsam, ähneln Billers Figuren doch denen von Roth. Sie sind in der Tat sexbesessen und herrisch und haben einen Humor, den die Deutschen offenbar nur zu schätzen wissen, wenn der Autor aus dem Ausland kommt. Insbesondere, wenn dieser Jude ist. Curb your enthusiasm… – S.C. Weiss


Leserbriefe zu „Für immer jung?“ von Ulrich Bahnsen

Wenn ich mir die Welt so anschaue, dann weiß ich nicht, ob es so erstrebenswert ist, länger Leben zu wollen oder ständig Jung zu sein. Eine Revolution wäre das schon. Es gibt ja bereits ein Lebewesen was unendlich lebt: die Würfelqualle ist in der Lage die alten Zellen ständig in Neue auszutauschen. Das wird Ihr Autor wahrscheinlich auch wissen. – Gunter Knauer


Leserbriefe zu „Für immer jung?“ von Ulrich Bahnsen

Der Artikel gab einen guten Überblick über ein spannendes Thema. Dennoch ist der plakative Untertitel auf der Titelseite – „Das Altern zu stoppen“ – irreführend, denn die Quintessenz des Artikels ist schließlich die Verlangsamung des Alterns und nicht das Stoppen davon. Solche reißerischen Titelseiten machen die ZEIT minderwertig und ich hoffe, die Niveausenkung ist keine Ihrer Zielsetzungen. – Julian Danker


Leserbrief zu „Ein Anschlag ist zu erwarten“ von Mohamed Amjahid

Vielen Dank und Lob für den richtig guten Artikel „Ein Anschlag ist zu erwarten“, gute Recherche. Dafür lohnt es sich die Zeit zu kaufen.  – Thomas C. Bialluch


Leserbriefe zu „Für immer jung?“ von Ulrich Bahnsen

Vielen Dank für den spannend und verständlich geschriebenen Artikel zum Titelthema „Für immer jung?“ und die Grafik. Ich habe es nur bedauert, dass Sie das Thema nicht in vertiefender Weise philosophisch und ethisch beleuchtet haben. Das Interview bot da zu wenig. Wäre es nicht der größte denkbare Horror, wenn wir ewig leben könnten? Sind das Altern und der Tod nicht die Vorraussetzung für die Schönheit der Welt? Für die Empfindung des Glücks? Vielleicht kommen Sie ja in einer der kommenden Ausgaben darauf zurück. – Götz Kohlmann


Leserbrief zu „Ist das unser Antiterrorkampf ?“ von Andrea Böhm

USA und Grossbritannien wollten Regime Wechsel in Syrien

Dieser Chemiewaffeneinsatz in der von den Rebellen besetzten Stadt Chan Scheichun wird Assad am meisten schaden, ob das Regime nun dafür verantwortlich ist oder nicht. Das wissen die syrischen Militärs sicher auch. Zu erinnern ist: Inspektoren waren doch in Syrien und haben die Vernichtung des Giftgases überwacht und die Chemikalien abtransportieren lassen, wie seinerzeit im Irak unter Saddam ? (1)

Zu erinnern ist: Eine Regimewechsel Operation war schon lange vor dem Bürgerkrieg in Syrien geplant. (2) (3) Wie US-General Wesley Clark im Pentagon einige Wochen nach den Terrorattacken vom 11. September 2001 hörte, war es das Ziel der USA in sieben Ländern in fünf Jahren einen Regimewechsel zu organisieren, beginnend mit der Bombardierung des Irak, dann hiess es würden Syrien, der Libanon, Libyen, Somalia, der Sudan und am Schluss der Iran drankommen. Auch der ehemalige Aussenminister Roland Dumas sagte in einem TV-Interview, dass die Briten schon zwei Jahre vor dem Ausbruch des Aufstandes den Krieg in Syrien vorbereitet hatten.

Freundliche Grüsse Heinrich Frei

(1) The Syria Chemical Weapons Saga: The Staging of a US-NATO Sponsored Humanitarian Disaster By Prof Michel Chossudovsky Global Research, April 06, 2017 http://www.globalresearch.ca/the-syria-chemical-weapons-saga-the-staging-of-a-us-nato-sponsored-humanitarian-disaster/5315273

Seven Countries in Five Years, General Wesley Clark


Roland Dumas: The British prepared for war in Syria 2 years before the eruption of the crisis https://www.youtube.com/watch?v=jeyRwFHR8WY

Heinrich Frei


Leserbriefe zu „Für immer jung?“ von Ulrich Bahnsen

Die Leitbegriffe dieses hervorragenden Beitrags sind: Furcht und Vermessenheit– die Mischung aus der schon immer die faustische Verführung resultierte.

Die Perspektive, wie ein Leben in Würde und selbstverständlich auch in Gesundheit zu garantieren wäre, kommt dieser Art von Forschung  gar nicht erst in den Blick. Letztlich wird die im weitesten Sinne Qualität des Lebens ja wohl kaum, anders als beim Grönlandhai, durch seine Länge geprägt, sondern von den allgemeinen Lebensbedingungen wie politischer und sozialer Frieden, zwischenmenschliche Beziehungen und dergl.

Eine weitere Frage bleibt ebenfalls ausgeblendet: der demografische Aspekt. Eine Steigerung der Lebenslänge global in den angedeuteten Gößenordnungen bedeutet den crash jeglicher Ordnung und dieser würde– Ironie der Sache– schließlich „regulierend“ auf die Lebenserwartung einwirken. Die happy few, wie am Schluss vermerkt, wären jedenfalls die alleinigen Nutznießer, indem sie den dann ebenfalls langlebigen Rest als Plasmaspender melken lassen könnten.– Die in dem Artikel benannten Fliegen scheinen mir da weiser zu sein, da sie lieber zeitig abtreten anstatt den Globus mit einer schwarzen Wolke zu umhüllen.

Also von den Fliegen lernen und bescheiden in der Gewissheit leben, dass wir schon immer ewig waren, sind und sein werden: Sternenstaub! – Jürgen Wißner


Leserbrief zu „Ein Anschlag ist zu erwarten“ von Mohamed Amjahid

Was fehlte: Herauszuarbeiten, welcher Hanswurst dafür Verantwortung hatte, dass am Weihnachtsmarkt keine bewaffneten Polizisten mit MP`s eingesetzt waren. Die Blaupause für das Attentat war fertig: Nizza. Dort verhinderten Polizisten durch Schüsse auf den Fahrer Schlimmeres. Das ein Attentat bevorstand war allen Verantwortlichen klar. Nur gehandelt wurde nicht. Wer trägt in Berlin dafür die Verantwortung? Nach dem Attentat in Berlin wurde auch der Weihnachtsmarkt in Rostock durch Polizei bewacht. Wie: durch Polizisten, die am Hotel One in einem Bus saßen und Spiele auf ihren Handys spielten. Dies in der Nähe einer vielbefahrenen Straße, die gut mit einem LKW befahrbar war und ein Attentat ermöglichte. Wäre etwas passiert, die Polizisten wären zu spät gekommen um ein Unglück zu verhindern. – Rehberg-Pawlowski


Leserbrief zu „Ein Betriebsrat in Salzgitter legt sich mit der IG Metall an – und wird dafür jahrelang gemobbt“ von Claas Tatje

Die Berichterstattung vom 05.04.2017 von Hr. Claas Tatje über die Zustände bei der Salzgitter AG habe ich mit Bedauern gelesen.

Ohne auf die Details einzugehen möchte ich meine tiefe Enttäuschung über die einseitige Berichtersttatung was vom der tatsächlichen Zustand sehr stark ablenkt äüßern.

Ich hatte angenommen das solche einseitige und qualitativ minderwertige Art- und Weise der Berichterstattung nur in mein Herkunftsland (Türkei) stattfindet. Ist ihnen bewusst was Sie da anrichten? Die Zeit hat zeitlos versagt… sorry – Hayati Yapmis


Leserbrief zu „Ein Anschlag ist zu erwarten“ von Mohamed Amjahid

Es hat den Anschein, als würden in Berlin Radfahrer besser geschützt als die Bürger in ihrer Mehrheit.

Es besteht der Verdacht, dass sowohl die Ereignisse um den „Kleinkriminellen“ Amri als auch die Bespitzlung von Bürgern nicht wirklich aufgeklärt werden sollen. „Lückenlos“, wie es immer so schön heißt. Und doch nur Valium für die dummen Bürger sein soll. Die Bürger sollen ruhig gestellt werden, während die Verantwortlichen ohne Reue und Skrupel ihren Tagesgeschäften nachgehen.

Mit Hinweis auf das Berliner Informationsfreiheitsgesetz bitten wir um zeitnahe Beantwortung folgender Fragen:

Wer hat die schützende Hand über Amri gehalten? Weshalb gibt es keinen U-Ausschuss?

Soll überhaupt „lückenlos“ aufgeklärt werden (so wie beim NSU-Skandal…)? Weshalb kennen die Berliner Behörden (angeblich) noch nicht die „zweite Liste“ des MIT? Es gibt kein Vertrauen in diesen Senat. Verstehen Sie das? Wann übernehmen die Herren Müller und Geisel endlich die politische Verantwortung und treten zurück?

Allen, schuldig oder nicht, wird dieser Beitrag zum staatlichen Versagen verschiedenster Politiker und Behörden nachdrücklich empfohlen:

„Anis Amri: „Ein Anschlag ist zu erwarten“

Die deutschen Behörden wussten sehr viel über den Tunesier Anis Amri. Eigentlich fast alles. Trotzdem konnte er kurz vor Weihnachten in Berlin einen Lastwagen in seine Gewalt bringen und zwölf Menschen töten. Rekonstruktion eines Staatsversagens.“  – Bernd Buschmann


Leserbrief zu „Mein Türke, dein Türke“ von Özlem Topçu und Stefan Schirmer

Die einzelnen Stimmen haben mir eine tiefere Einsicht in das Denken von Deutschtürken gegeben. Vielen Dank! Ich weiß, es leben  viele wunderbare  Deutsche mit türkischen Wurzeln unter uns.

Viele leichtfertige Versprechungen (u.a. über eine baldige EU-Mitgliedschaft), undifferenzierte Stellungnahmen ( „Der Islam gehört zu Deutschland“ ) und das  Gewährenlassen radikaler Imame haben aber leider  den Eindruck erweckt, dass die Verfassung  mit unserer  Glaubens-, Meinungs- und Pressefreiheit nicht so ernst genommen werden bräuchte,  auch  die  Gleichwertigkeit der Frau  im Belieben eines Bürgers stehe und  dass man halt aus wirtschaftlichen Gründen gezwungener Maßen  unsere Kultur mit  in Kauf nehmen müsse.

Jetzt dürfen wir uns daher  nicht wundern, dass viele plötzlich aus allen Wolken fallen: Ja, seid Ihr denn verrückt geworden?  Es soll jetzt auf einmal Werte geben, die nicht mehr verhandelbar sind?

Ja, Gott sei Dank! sage ich nur: Endlich „ver-rückt“! – Heiner Drabiniok


Leserbrief zu „Mein Autor, der Papst“ von Burkhard Menke

Zur Richtigstellung: Benedikt XVI. sagte „Am Leiden des Sohnes sehen wir, welchen Ernst die Sünde hat“, weil er das schlimme und todbringende Leiden seines Vorgängers Johannes Paul II. meinte. Denn dieser beging 1982 das Verbrechen einer „Schwarzen Messe“ an einer jungen Frau aus dem Vatikan, nachzulesen in „Geheimnisse des Vatikan“, C.H. Beck, München. Dazu ließ er sie entführen, danach wurde sie noch einmal unter Drogen gesetzt gesehen, seitdem ist sie verschwunden. Er musste seine Sünde mit seiner Krankheit und Leiden bezahlen, Gott sei Dank, muss man da sagen. – Ruth Gehring


Leserbrief zu „Warum das Lama spuckt“ von Jens Jessen

Sie sind ein wunderbarer Tierfreund und ich lese mit grossem Interresse  alle Tier- Nachrichten von Ihnen. Ich selbst habe schon an die 50 Jahre eine ganz liebe Schildkröte und sie ist ein richtig guter Freund geworden. Wir hatten auch einen Rauhhardackel, den die Familie 16 Jahre hatte. Ich wollte anfragen ob es nicht ein Buch von Ihnen gibt, das die schönen Geschichten enthält und das man auch anderen Menschen einmal als gutes Geschenk  bringen kann.  Es wäre schön wenn Sie mir eine positive Mitteilung schicken würden.  – Anne Laaser


Leserbrief zu “Ein Mann verändert die Welt“ von Nicole Maibaum

90 % davon war in den letzten Wochen und Monaten schon zu lesen. Wer abschreibt, sollte die Fehler vermeiden. Ihr Bild des Thesen anschlagenden Luther wird von keinem (Kirchen-)Historiker geteilt, selbst nicht von Frau Margot Käßmann u. die ist nun wirklich Luther-Fan.

Die Redewendungen, die Sie und vor Ihnen Kollegen Luther „in den Mund legen“, stammen überwiegend aus der Bibel. Nur ein Beispiel statt vieler:

Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen (Matt 7,6).

Nun, Luther als Bibelübesetzer sass an der Quelle. Die Anerkennung verdienen aber die Verfasser und nicht der Übersetzer. Wenigstens da darf ich auf Ihre Zustimmung hoffen.

Ich hoffe, ich konnte behilflich sein. – Markus Simmer


Leserbrief zu „Ein Anschlag ist zu erwarten“ von Mohamed Amjahid

Wer das Dossier genau liest – und Politikern und Medienleuten sollte man dringend dazu raten – lernt auch noch eine ganze Menge mehr. Er lernt nämlich, wo der Erfolg von AfD und Pegida wirklich herkommt. Nicht nur Amri, auch Moscheevereine, Drogenringe und kriminelle ausländischen Großfamilien können unbehelligt tun und lassen, was sie wollen, während der normale Bürger in der Regel schon mit aller Härte des Gesetzes verfolgt wird, wenn er sich auch nur am falschen Ort eine Zigarette anzündet. Dieses muntere Treiben der Parallelgesellschaften wird nicht nur als Ungerechtigkeit empfunden, sondern hat tatsächliche äußerst negative Auswirkungen auf das Leben vieler Bürger, die letztlich zum Zulauf zu AfD & Co. führen.

Es ist Politikern und auch vielen Medienleuten dringend zu raten, nicht immer nur aus der heilen Welt ihres Nobelitalieners heraus ein unkritisches Bashing des „dummen Rechten“ zu veranstalten, sondern auch mal um die Ecke im Problemviertel im Supermarkt einzukaufen, in dem sich an den Kassen mehrere Security-Leute tummeln (müssen), damit es noch halbwegs zivilisert zugeht. So lange das nicht Ernst genommen wird, werden AfD & Co langfristig zunehmen.

Grundsätzlich muss gelten: Rechte bedingen Pflichten. Oder umgekehrt: wer den Pflichten nicht nachkommt, verwirkt einen Teil der Rechte. Wer sich bewusst außerhalb unseres Rechtssystems bewegt, darf nicht (mehr) erwarten, alle Vorteile ungeschmälert in Anspruch zu nehmen. Hinschauen und weg vom bequemen Standpunkt des bedingungslosen Rechts – und kaum jemand hätte noch Grund, Bauernfängern hinterher zu laufen. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Apotheke Olympia“ von Christof Siemes

bei mir hört das Verständnis für derartige Großereignisse bereits dort auf, wo genau die Leute, die schon bei den Begriffen „Vaterland“ und „Heimat“ in wüste Rechtsextremisten- und Nationalisten-Beschimpungen verfallen, plötzlich „Deutschland-Deutschland“-Rufe und beflaggte Autos im Sport erwarten. Zumal man unabhängig vom getragenen Trikot auch durchaus „Ghana-Ghana“ oder etwas Ähnliches brüllen könnte, da es sich bei den Spitzensportlern ohnehin meist um Söldner handelt, die für den Meistbietenden antreten. Während sich Sportfunktionäre an staatlichen Zuschüssen und Zwangsabgaben aus den Mitgliederbeiträgen der Freizeitsportler und der Rundfunkgebühren mästen, geht der Breitensport zunehmend in die Knie. Es wäre wirklich kein Verlust, wenn solche Veranstaltungen verschwinden würden, und ich hoffe, dass Bürgerinitiativen weiterhin dafür sorgen, dass Deutschland von diesem Wahnsinn auf eigenem Boden verschont bleibt. –  Gilbert Brands


Leserbrief zu „Kinder an der Macht“ von Elisabeth Niejahr

Ich glaube nicht, dass es wichtig ist, dass Vorschulkinder wissen, wer US-Präsident wird oder welche sonstigen aktuellen politischen Themen gerade wichtig sind. Das schadet nichts, aber viel wichtiger für die Demokratieerziehung ist, dass Kinder in der Familie lernen, Themen des Alltags, mitzubesprechen, mitauszudiskutieren und dann mitzuentscheiden. Wenn Kinder in der Familie mitbekommen, dass jeder einen anderen Standpunkt bzw. andere Bedürfnisse hat, die aufeinander abgestimmt werden müssen, dann wird man auch als Erwachsener wissen, dass nicht die einen die „Guten“ und die anderen die „Bösen“ sind, sondern, dass auch bei einem politischen Vorhaben von verschiedenen Seiten berechtigte Anliegen vorgebracht werden ud dass die Kunst ist, diese Anliegen unter einen Hut zu bekommen.
Und ganz besonders wichtig ist, dass Kinder von klein auf lernen, Dinge, die sie für selbst regeln können, auch tatsächlich selbst zu regeln. Wenn das im Familienleben eingeübt wird, dann wird es auch später selbstverständlich in anderen Bereichen so gehandhabt werden. Umgekehrt werden wohl Kinder, die nie gelernt haben, Dinge für sich selbst zu entscheiden, auch als Erwachsener dann jemanden suchen (auch in der Politik), der für sie die Entscheidungen trifft. – Stephan Leitner


Leserbrief zu „Wird schon!“ von Julius Schophoff

Leider werden Werke unbekannter AutorInnen oft berühmten Menschen zugeschriebenen. Bei politisch verfolgten Menschen ist das doppelt tragisch, weil dadurch ihr Handeln in Vergessenheit gerät, bzw. auf den Aphorismus reduziert wird.

Das Gedicht „Lass Dich fallen…“ bzw. das daraus entnommene Zitat „Jeder ist ein Kuenstler“ wird gerne Joseph Beuys zugeschrieben. Realiter ist das im Artikel von J.Schophoff zitierte Gedicht : „Lass Dich fallen“ von der amerikanischen, politischen Aktivistin und Pen- Preistraegerin „SARK“/ Susan Rainbow Kennedy.  – Claudia Schneider


Leserbrief zu „Mein Türke, dein Türke“ von Özlem Topçu und Stefan Schirmer

Deutschamerikaner sind nach feststehendem Sprachgebrauch US-Staatsbürger mit deutschen Wurzeln. Mithin müßte es sich, wenn in Ihrer Ausgabe vom 6. April „Acht  Deutschtürken“ zu Wort kommen, um  türkische Staatsbürger mit deutschen  Wurzeln handeln. Gemeint sind jedoch  sozusagen Türkendeutsche. Wer diese  Bezeichnung aus irgendwelchen Gründen  scheut, sollte korrekterweise bei  „türkischstämmig“, „türkischer Herkunft“  oder dergleichen bleiben. – Helge Jan Schmodde


Leserbrief zu „Ihr wolltet es so“ von Nina Pauer

Ob die Kinder derer, die  „alles dafür gäben, auch nur einmal auszuschlafen“, später auch für die Renten derer aufkommen müssen, die nachts von Bar zu Bar ziehen und sich im Fitnessstudio auf die nächste Fernreise vorbereiten, das ist die Frage, die dringend zu diskutieren wäre!

Stattdessen gibt es für Frau Pauer einen „harten Wettbewerb“ darum, „wer heute der Spießer ist“.

(Wenn ich das, lese bin ich versucht, mein Abonnement der ZEIT nach 58 Jahren zu kündigen.) – Dr. Jürgen Schröder


Leserbrief zu “Eine Milliarde für den Machterhalt“ von DHL

In der jüngsten Ausgabe (15 vom 6.04.) schreibt Ihr auf Seite 25 von Ferdinand Porsche, der den Käfer konstruiert haben soll. Meines Wissens nach ist das eine „fake news“. Das,was wir als VW-Käfer kennen, ist in Ostrava, Tschechische Republik von der Firma Tatra unter einem ganz anderen Namen wenige Jahre zuvor gebaut worden. Ich habe das im dortigen Werksmuseum gesehen. Wenn die Tschechen Recht habe, ist es wohl eher so, dass wir Deutsche und darunter Ferdinand Porsche unser Macht genutzt haben, um eine gute Idee zu kopieren. – Jörg Matschullat


Leserbrief zu „Ein Anschlag ist zu erwarten“ von Mohamed Amjahid

Im Fall eines potentiellen Gefährders müßte die Regel gelten: „Im Zweifelsfall gegen den Angeklagten.“ Basta! – Anonymer Leser


Leserbriefe zu „Für immer jung?“ von Ulrich Bahnsen

Meine Meinung zum Thema: „junger Wein in alten Schläuchen“ – Werner Peter


Leserbrief zu „Ihr wolltet es so“ von Nina Pauer

Wer, wie ich,  mit vierzig nach langen Jahren des Wartens doch noch Vater wird, kennt viele der  Aspekte, die in diesem Artikel behandelt werden. Zwei Punkte möchte ich gerne noch anmerken. Der eine, diese kleinen Kinder werden unaufhaltsam älter und bringen oft beträchtliche Probleme, Sorgen aber eben auch Bereicherung, manchmal Stolz und vielfältig Hilfe in das Leben ihrer Eltern. Zum anderen fehlt leider nahezu gänzlich die „Rentenfrage“, mit der man als Kinderlose(r) aber auch mit „nur“ einem Kind  in der Familie konfrontiert und gern auch attackiert wird. – Helmut Müller


Leserbrief zu „Ist das unser Antiterrorkampf ?“ von Andrea Böhm

Danke für den Artikel, der so differenziert wie deprimierend ist. Was bleibt? Hoffentlich weiterhin der Austausch kritischer Stimmen über alle Grenzen hinweg und das Sammeln von Fakten. Irgendwann kommen wir dann zu dem Ergebnis, dass wir als selbsternannte Zivilisation gescheitert sind.  – Johannes Stockerl


Leserbrief zu „Wird schon!“ von Julius Schophoff

Der Beitrag von Herrn Schophoff demonstriert nicht nur Sorglosigkeit, sondern auch eine gewisse Verantwortungslosigkeit.

Die Themen „Sicherheit“ und „Versicherung“ haben nicht nur einen persönlichen Aspekt, sondern auch einen gesellschaftlichen. Versicherungen dienen nicht nur der eigenen Sicherheit, sondern ermöglichen es uns auch, unsere Verantwortung gegenüber anderen wahrzunehmen. Sei es, dass wir einen unbeabsichtigten Schaden ausgleichen können oder uns wir uns nicht auf Leistungen anderer im Alter verlassen.

Wenn ich jährlich meinen Bescheid von der Deutschen Rentenversicherung erhalte, ist das für mich weniger eine Bestätigung meiner Sicherheit im Alter. Die dort genannten Rentenpunkte sind vielmehr ein Dokument dafür, was ich für die Gesellschaft und die heutigen Rentner beitrage. Denn meine Beiträge werden ja nicht für mich gespart, sondern direkt wieder an die jetzigen Rentenempfänger ausgezahlt.

Und wer nichts oder wenig einzahlt, gefährdet nicht nur sein eigenes Wohlergehen im Alter, sondern tut damit auch nichts für andere.

Insofern gibt es eine starke Verknüpfung zwischen der Sicherheit heute und im Alter; nur eine egoistische Haltung ignoriert diesen Zusammenhang. – Rüdiger von Oehsen


Leserbrief zu „Ein Betriebsrat in Salzgitter legt sich mit der IG Metall an – und wird dafür jahrelang gemobbt“ von Claas Tatje

Ihren Bericht habe ich mit großem Interesse gelesen, ach was, verschlungen. Als leidenschaftlicher Gewerkschaftskritiker und nichtorganisierter Personalratsvorsitzender eines Amtes in einer süddeutschen Großstadt mache ich mit der Gewerkschaft Verdi ähnliche Erfahrungen, allerdings ein paar Nummern kleiner. Es geht trotzdem in die gleiche Richtung.

In Salzgitter ist es erstaunlich, wie viel Energie eine Gewerkschaft aufwendet, um Andersdenkende zu bekämpfen. Der Auftrag aus dem Betriebsverfassungsgesetz ist sicher ein anderer. „Die Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ schreibt Rosa Luxemburg an ihren alten Kumpel Lenin. Diese Satz mussten wir alle gefühlte 100 Mal in der Schule interpretieren, Sie sicher auch, Herr Tatje. Und es ist offensichtlich ein himmelweiter Unterschied, diese Freiheit für sich zu beanspruchen oder anderen zu gewähren. Die Gewerkschaften, von Natur aus eher politisch links einzuordnen, begehen hier Verrat in eigener Sache.

Eigentlich sollte man für die Existenz von Gewerkschaften dankbar sein, denn nur sie handeln Tarifverträge aus, und das ist ansich eine gute Sache. Wenn sie sich auf dieses Kerngeschäft beschränken würden, dann hätten sie sicher mehr Sympathien und Anhänger. Und genau aus diesem Grund habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu diesen Organisationen. Denn gleichzeitig sind Gewerkschaften auch Arbeitgeber, mit Betriebsräten und allem drum und dran. Leider erfüllen sie ihre eigenen Ansprüche, die sie an andere Arbeitgeber stellen, in keinster Weise. Das hört man aber nicht öffentlich, sondern nur ganz versteckt. Gewerkschaften sind überhaupt nicht kritikfähig, sondern sie sind leicht beleidigt, wie die Korsen aus „Asterix in Korsika“.

Nun zu meinen persönlichen Erfahrungen. Laut Gesetz sind die Gewerkschaften zur Zusammenarbeit mit den Personalräten (=Betriebsräte, nur im öffentlichen Dienst) verpflichtet.

  • Jeder Brief, den ich an die Gewerkschaft schreibe, bleibt unbeantwortet
  • Bei einer unklaren Sache hat die Gewerkschaft mir in einem zwei Seiten langen Brief Unfähigkeit und unsolidarisches Verhalten vorgeworfen. Angehört zur Sache hat sich mich vorher nicht. Das sind Wild-West-Methoden und einer Organisation, die sich dem Gutmenschentum verschrieben hat, unwürdig. Hier hat die Gewerkschaft ihr wahres Gesicht gezeigt.
  • Termine, die wir als Personalratsgremium wahrnehmen, ganz oder in Gruppen, sagen ausgerechnet die Gewerkschaftsmitglieder aus dem Gremium in auffallend häufiger Anzahl ab.
  • Hinter verschlossener Tür, in einer Personalratssitzung, haben die Gewerkschaftsmitglieder im Gremium das größte Mundwerk und schicken den Personalratssitzenden, in diesem Fall mich, vor. Selbst haben sie aber nie den Mut, in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Amtsleiter oder der Verwaltung, sich der Sache anzunehmen.
  • Bei Fehlverhalten aus der Belegschaft, die uns  bekannt werden, sind es ausnahmslos Gewerkschaftsmitglieder, die eine Abmahnung oder sogar den Rauswurf eines Mitarbeiters fordern.
  • Gewerkschaftsmitglieder kommen mit einem selbst angelesenen Halbwissen in die Sitzung und halten das für die ganze Wahrheit. Sie sind dabei unbelehrbar, natürlich mit dem Standpunkt, sie würden die Interessen der Belegschaft vertreten.
  • Gewerkschaftsmitglieder setzen sich in allererster Linie für sich selbst ein.
  • Gewerkschaften sind im Grunde untoleranter als wie die katholische Kirche. In Ihrem Bericht wird der Ketzer Köklü bei lebendigem Leibe verbrannt.
  • Gewerkschaften leben vom Schwarz-Weiß-Denken: Alle Arbeitgeber sind unberechtigterweise reich, ungerecht und ausbeuterisch. Alle Arbeitnehmer werden ausgebeutet. Bei einer Personalratssitzung mit einem Gewerkschaftssekretär hatten wir die Frage, was wir als Personalräte für die Höhergruppierung von Mitarbeitern tun können. Der Gewerkschaftssekretär klärte uns auf, Arbeitsverträge unterliegen dem Privatrecht und seinen Individualvereinbarungen. Wenn sie abgeschlossen und gültig sind unterliegen sie nicht mehr der Kontrolle des Personalrats. Im Klartext, keine  Hilfe für uns.
  • Gewerkschaften leben gedanklich noch in der Zeit der Frühindustrialisierung. Globale Zwänge für die hiesigen Unternehmen und daraus resultierendes Handeln kennen sie nicht.
  • Gewerkschaften sehen es als Naturgesetz an, dass man bei Ihnen Mitglied werden muss. Sie haben noch nicht begriffen, dass sie im Grunde ein Dienstleistungsunternehmen sind. Sie sollten fragen, warum sie immer weniger die Belegschaft erreichen. Dazu muss man aber selbstreflektionsfähig sein, aber das hatten wir schon.
  • Gewerkschaften können nur in der Dimension von Großunternehmen denken. Kleinunternehmer bzw. deren Belegschaft als Teil der Wirtschaftskraft Deutschlands ist für sie uninteressant.
  • Vor kurzem habe ich die Gewerkschaft Verdi direkt angeschrieben. Ich bekam sogar Antwort, allerdings unmissverständlich die Aufforderung, Mitglied zu werden, sonst könnten, nein, wollten sie nichts für mich bzw. die Mitarbeiter im Amt, tun. Mitgliederwerbung sieht anders aus. – Martin Loser

Leserbriefe zu „Für immer jung?“ von Ulrich Bahnsen

Größer könnte die gesellschaftlich relevante Kluft zwischen Politik- und Wissensseiten dieser Ausgabe nicht sein.

Auf der einen Seite Artikel und Kommentare zur zunehmenden Kriegs-,Terror-,Atom- und Hungergefahr. Auf der anderen „Wissenschaftler arbeiten am großen Traum der Menschheit“. Hier leiden und sterben täglich Millionen, dort „bastelt“ man am „Für immer jung“. Hier nacktes Überleben bzw. tägliches Sterben, dort s.g. wissenschaftliche Experimente zur Lebensverlängerung einiger Privilegierter. Welch ein Hohn für die Ersteren und welch wahnwitzige Bejahung und Unterstürzung angesichts dieses angeblichen Fortschritts. Das Überleben der Menschheit ist in Gefahr, s. Syrien/ Nahost. Trotzdem können wir es nicht lassen, „Gott zu spielen“, obwohl wir um die möglichen Folgen wissen – s. Hiroshima, Nagasaki, Tschernobil, Fokushima, Ausbau von Genmanipulation und künstlicher Intelligenz, massive Umweltschäden, die den Klimawandel beschleunigen etc.. – T. Scholl


Leserbrief zu „Ein Betriebsrat in Salzgitter legt sich mit der IG Metall an – und wird dafür jahrelang gemobbt“ von Claas Tatje

Im Jahr 1972 bewarb ich mich um eine Anstellung im o.g. Unternehmen (damals hieß es noch Stahlwerke Peine Salzgitter). Zu der Einstellungsprozedur gehörte auch eine persönliche Vorstellung bei dem, für die vorzusehende Fachabteilung zuständigen, Betriebsratsmitglied. Er empfing mich mit der Frage:

„Na Kollege, bist Du denn schon in der Gewerkschaft“? Auf meine Erwiederung, ob das für meine Einstellung eine Voraussetzung darstellt, erhielt ich zur Antwort:

„Wenn Du kein Gewerkschaftsmitglied in der IG Metall bist, werden wir Deine Einstellung nicht befürworten“! Weil ich  an dieser Anstellung interessiert war, habe ich notgedrungen einer IG- Metall- Mitgliedschaft zugestimmt. Nach über vierzigjähriger Betriebszugehörigkeit in dem Unternehmen bin ich, 2013 in den Ruhestand getreten.

Meine, mich und meinen Arbeitgeber, betreffenden Klärungen erledigte ich direkt mit meinen Vorgesetzten,  ohne Hinzuziehung eines Betriebsratsmitgliedes. Eine meiner ersten Tätigkeiten im Ruhestand war die Kündigung der IG Metall Mitgliedschaft vorzunehmen. – Hans Ulrich Bresgott


Leserbrief zu „Gefährliche Helfer“ vonn Insa Schiffmann

Ich lese seit Jahren die „Zeit“ und freue mich über inhaltlich korrekte und gut recherchierte Artikel. Aber was Insa Schiffmann in der Zeit Nr. 15 unter der Überschrift „Gefährliche Helfer“ über rezeptfreie Schmerzmittel schreibt, enthält fachliche Fehler und entspricht nicht dem „Zeit“-Niveau.

Die genannten Schmerzmittel sind nicht „frei verkäuflich“. Diese Wirkstoffe sind „nicht-verschreibungspflichtig“ und können ohne Rezept erworben werden. Aber nur in einer Apotheke, aus der Hand eines Fachmanns! „Frei verkäuflich“ bedeutet ein Vertrieb in Drogerien oder Tankstellen, wie das bei Vitamin-C-Pulver der Fall ist.

Aspirin ist kein Wirkstoff. AspirinÒ ist ein Präparat der Firma Bayer, das den Wirkstoff Acetylsalicylsäure enthält. Und um eben das deutlich zu kennzeichnen, gibt es das Symbol der eingetragenen Warenzeichen Ò, das eigentlich in einem seriösen Beitrag hinter Produktnamen wie ThomapyrinÒ, DolorminÒ, NurofenÒ oder eben AspirinÒ gehört. Offensichtlich ist die Autorin der von ihr angeprangerten Werbung schon erlegen.

Einen Satz wie „ Paracetamol gilt bislang als harmlos“ finde ich fatal, denn er führt genau dazu, dass Patienten eben „einfach so“ Schmerzmittel einnehmen, wie Bonbons. Paracetamol ist nicht harmlos! Ganz abgesehen davon, dass dieser Satz unter der Überschrift „Alles andere als harmlos“ paradox ist.

Übrigens, von wegen „Aber kaum jemand weiß, wie man sie richtig einsetzt“. Neben Ärzten wissen auch Apotheker ganz genau, was ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz ist und wie man nicht-verschreibungspflichtige Schmerzmittel richtig einsetzt. Wenn ein Kunde so viele Schmerzmittel in einer Apotheke kauft wie Herr Fink, wird ein verantwortungsvoller Apotheker das ansprechen. Und Überraschung – es besteht auch die Möglichkeit, in der Apotheke nachzufragen und sich beraten zu lassen, wenn Kopfschmerzen nicht weggehen … – Carolina Kusnick


Leserbrief zu „Gemetzel als Business” von Fritz Habekuss

Herr Habekuss schreibt: Afrikanische Elefanten in China sind begehrt… . Das ist verständlich, zumal sie dort nur in Zoos auftauchen. Da hat Herr Habekuss einen sinnentstellenden Wortstellungsfehler gemacht. Gemeint hat er: Afrikanische Elefanten sind in China  begehrt… Es ist nicht gut, wenn ein Journalist sein Handwerkszeug, nämlich die Sprache, nicht hinreichend beherrscht.

Ähnliches gilt für Herrn Rudzio. Eine offensichtlich polemische Äußerung auf ihren Wahrheitsgehalt zu untersuchen ist schlicht albern. Auf so eine Idee können wirklich nur die absolut humorlosen Linken kommen.

Das sind nur zwei Beispiele von vielen für das beklagenswerte Niveau, das Die ZEIT inzwischen erreicht hat. Vermutlich machen sich da schon die Niveauabsenkungen an den Schulen bemerkbar, die selbst von der ZEIT inzwischen erkannt worden sind; aber nur vorsichtig. Man könnte ja einem Genossen auf die Füße treten, der beispielsweise als GEW  Mitglied genau dafür mitverantwortlich ist.

Ebenso in N° 14 (wenn ich mich recht entsinne), wo jemand ganz stolz, mitteilt, daß er doch tatsächlich einmal das Parteiprogramm einer Partei, die er sonst ohne jede Kenntnis zu bepöbeln pflegt, gelesen hat. Daß solche journalistischen Selbstverständlichkeiten inzwischen Grund sind, sich auf die Brust zu klopfen, paßt ins Bild. Da das, was er gefunden hat, offenbar nicht zu seinen Vorurteilen paßt, mußte er schnell noch ein paar Unterstellungen einfügen, die zwar in sein Bild passen, die aber der Text nicht hergibt. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Kinder an der Macht“ von Elisabeth Niejahr

liebe frau nienhaus,gratulation fürs interview mit  jens weidmann.weidmann gehört für mich zu den ganz starken persönlichkeiten in deutschland. wie lammert,vosskuhle ,gauck, steinmeier.

ich hoffe er wird ezb präsident, wobei ich empfinde, dass draghi vorn der konservativen seite zu schlecht geredet wird. deutschland verdient an den niedrigen zinsen ca. 10  hoch 9 euro und die jammerreih die armen bekämen keine zinsen ist hohl, weil sie sowieso keine ersparnissen haben.wir mit 1,5  pension a 14 und grösseres haus mit mietern verdienen insofern ,weil das haus immer wertvoller wird. allerdings auf das kapital gibt es fast keine zinsen.

wichtig ist für mich, dass die guten journalisten die dinge benennen und in der tiefe behandeln,dazu hätte gehört auch über axel webeer etwas negatives zu sagen. – Dirk Kaufmann


Leserbrief zu „Der vage Europäer“ von Fabian Klask, Mark Schieritz Und Michael Thumann

Herr Schulz war immer vage .Damit kommt man besten durch.Immer schön im grossen Teich der Allgemeinaussagen und Selbstverständlichkeiten fischen. Und somit wird er vage bleiben.Aber was soll’s ? Wenn die Wähler das wollen,weil sie vor der knallharten Tour Angst haben und selber eben das Vage schätzen,solange es eben geht. – Hans-Emil


Leserbrief zu „Wird schon!“ von Julius Schophoff

Wird schon? Aber sicher,wenn solche Typen wirklich am Boden sind,kommen sie angekrochen,um sich an den Krippen des Sozialamts zu laben oder werden ohnehin entmündigt.Es sei denn, sie geben sich vorher die Kugel. – Hans-Emil


Leserbrief zu „Ausgerechnet die AfD wirbt um jüdische Mitglieder. Sogar mit Erfolg“ von Mariam Lau

„Hat man wirklich nichts dazugelernt“ Der abgebildete Redner baucht nur die Hand etwas drehen und schon haben wir wieder den bekannten Gruß aus der Zeit vor 1945.Ich war  damals 9 Jahre als meine geliebten Eltern zu unrecht als Nazi-Schweine beschimpft wurden.Zum Glück warnte uns ein ehemaliger Arbeiter vom Vater vor der GPU (Geheime Polizei der Sowjet-Union ) und so konnten  wir nachts (die Eltern  und drei Geschwister) aus einem Städchen in der  Niederlausitz fliehen und in einem Vorort im Osten von Berlin.Dort wuchs  ich auf ,machte eine Tischlerlehre und bin dann mit 18 meinen inzwischen wieder geflohenen Eltern nach Westberlin gefolgt.Sie wurden als politische Flüchtlinge in West-Berlin anerkannt,und Vater konnte dann in Westdeutschland beruflich wieder Fuß fassen.Ich konnte meine Ausbildung in den folgenden Jahren noch komplettieren,doch für mich war die Nachkriegszeit erst 1960 zu Ende dann als Holzindustrie-Techniker Tischlermeister und Innenarchitekt.Jetzt bin ich seit 1967 sogn.selbständiger freischaffender Möbel-Designer. Ich gehe gern zu jeder Wahl , das bin ich sicher diesem demokratischen Staat nach  70 Jahren Frieden auch schuldig.Die AFD wähle ich ganz sicher nicht,und ich bin  nie und nimmer Mitglied in einer Partei, siehe meine Erlebnisse damals.  Ich habe diese Zeit nicht vergessen, nicht die Nazis und dann die glorreiche Sowjet-Union die uns das alles eingebrockt haben . Doch ich habe etwas dazugelernt ! – Christian Heimberger


Leserbriefe zu „Für immer jung?“ von Ulrich Bahnsen

Das also ist der größte Traum der Menschheit? Und ich dachte immer das wäre der Traum von einer gerechten, friedlichen Welt in der die Löwen neben den Schafen liegen. Von welcher Menschheit reden Sie eigentlich? Fragen Sie doch mal die Menschen in den Favelas Brasiliens, den Ghettos Amerikas, den Armenvierteln Indiens, fragen Sie die Menschen in der Sahelzone, in Somalia, die Millionen Menschen, die vor Hunger, Krieg und Umweltzerstörung fliehen, wovon die träumen. Oder einfach einen deutschen Obdachlosen. Gibt es etwas wofür diese Menschen  länger leben wollten? Das Elend noch länger genießen? Nein, eine solche Behauptung kann nur ein satter Wohlstandsbürger aufstellen, ein vom Schicksal verwöhnter Westler, einer des einen Prozents der Menschheit, deren einzige Sorgen darin bestehen, wie man ein Viertel Prozent mehr auf seine Anlagen bekommt, nicht trendy genug gestylt zu sein und wer ihre übers Internet bestellten Pakete entgegennimmt. Angesichts des Zustands der Welt (und der Menschheit) ist diese Schlagzeile der blanke Zynismus. – Wolfgang Mebs


Leserbriefe zu „Für immer jung?“ von Ulrich Bahnsen

Dieser Artikel ist ein unzumutbares, etwa zwei Seiten langes Geschwafel.  Der Kern der an sich interessanten Sache, den man mit unnötigem Zeitaufwand heraus lesen muss, ließe sich auch in zwei Spalten darstellen. – Dr. Wolfgang Schäfer


Leserbrief zu „Ist das unser Antiterrorkampf ?“ von Andrea Böhm

Trump hält sich an das Motto eines früheren Verteidigungsministers: Mit einem freundlichen Wort und einem Gewehr in der Hand erreicht man mehr als mit einem freundlichen Wort allein. – Günter Vogel


Leserbriefe zu „Für immer jung?“ von Ulrich Bahnsen

Die gesunde Lebenszeit eines Menschen auszudehnen, und, noch viel wichtiger, jedem Menschen überhaupt eine gesunde Lebenszeit ohne Einschränkungen und Behinderungen zu ermöglichen, das sollte der Kern von Wissenschaft und Forschung sein und bleiben.

Ein langes, gesundes Leben darf jedoch keinesfalls zu einem erwerbbaren Gut werden, das sich nur reiche Menschen leisten können; die gesellschaftlichen Konsequenzen wären kaum auszudenken.

Darum ist die ethische Pflicht und Verantwortung gegenüber der Gesamtheit Gesellschaft stets im Blick zu halten. – Ira Bartsch


 Leserbrief zu „Gefährliche Helfer“ vonn Insa Schiffmann

Ist es zuviel verlangt, wenn sich Journalisten in die Thematik einarbeiten, über die sie schreiben? Ich denke nicht! Warum schreibt dann Insa Schiffmann über Schmerzmittel, obwohl sie sich mit dem Thema sichtlich nicht besonders auseinandergesetzt hat?

Dolormin für Frauen, ein Ibuprofen-Präparat? Der Name legt es nah: es handelt sich um ein Präparat gegen Regelschmerzen. Der Wirkstoff ist allerdings Naproxen, weil das zur Behandlung dieser Beschwerden besser geeignet ist. Hier hilft der Handelsname auch mal weiter!

Aspirin ein Wirkstoff? Es liest sich wie die Reihung in einem Intelligenztest: „Ibuprofen, Diclofenac, Aspirin, Naproxen und Paracetamol“ – welcher Begriff passt nicht zu den anderen? Oder bei welchem handelt es sich nicht um den INN-Namen. Richtig: Aspirin! Weil es sich bei Aspirin um den Handelsnamen eines Präparates mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure handelt, häufig auch einfach mit ASS abgekürzt.

Blutgerinnungshemmung nur durch ASS? Mitnichten: auch andere periphere Analgetika (wie Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac etc.) hemmen die Blutgerinnung. Das liegt in der Natur ihres Wirkmechanismus. Sie sollten daher vor Operationen besser nicht eingenommen werden.

Paracetamol, ein Wirkstoff, der nicht besonders gut wirkt? Weshalb steht Paracetamol dann seit Jahrzehnten neben Acetylsalicylsäure und Ibuprofen in der WHO Model List of Essential Medicines – als Analgetikum, für entzündliche Schmerzen allerdings nicht empfohlen (Ausgabe 2015), aber durchaus trendy, weil es u.a. die Anandamidkonzentration an Schmerzrezeptoren erhöhen soll.

Wenn ein Analgetikum keine Wirkung zeigt, liegt das bisweilen auch nicht nur daran, dass mit einem ungeeigneten Wirkstoff therapiert wird. Denn außer den unterschiedlichen Wirkstoffen gibt es auch noch unterschiedliche Zubereitungen dieser Arzneimittel, von den Applikationsbedingungen ganz zu schweigen. Und hier besteht auch in vielen Arztpraxen ein erheblicher Schulungsbedarf. Denn letztlich verschreiben die Ärzte die Großpackungen und hohen Einzeldosen an Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac, um es der Übersichtlichkeit wegen bei diesen Namen zu belassen, oft auch über längere Zeiträume und ohne die Patienten richtig beraten zu können.

Gleichwohl ist das Thema Schmerztherapie ein zu ernstes, das nicht durch schlecht geschriebene, ungenügend recherchierte Artikel bagatellisiert werden sollte. Damit werden Betroffene nur noch mehr verunsichert.

Eine naheliegende Forderung als Konsequenz zur Verringerung des Missbrauchs von Schmerzmitteln fehlt diesem Beitrag. Der Bezug dieser Medikamente über das Internet wird gar nicht problematisiert und damit eine Chance vertan – leider auch von Herrn Glaeske. Über Seiten wie dred.com (Gerichtsstand London) und dokteronline.de (Gerichtsstand Curacao) kann man mittlerweile ganz bequem, ohne einen Arzt zu kosultieren, auch verschreibungspflichtige hochdosierte Analgetika beziehen. Unser Staat duldet das, andere europäische Staaten verbieten es. Aber so lange gibt es den Internetbezug ja noch nicht als das er sich in steigenden Dialysezahlen niederschlägt. Da könnte die Arzneimittelversorgungsforschung mal präventiv tätig werden. – Klaus Debring


Leserbrief zu „Wird schon!“ von Julius Schophoff

Ich möchte Herrn Julius Schophoff gratulieren zu seinem Artikel über „Sicherheit“!

Grosse Schreibkunst! Er legt seine Sichtweise zum Thema nicht laut und dogmatisch dar sondern auf nachdenkliche und berührende Weise – er spricht mir aus dem Herzen.

Noch was nebenbei: der Janosch hat in meinen Augen nichts in der ZEIT zu suchen! Ich hab ihn schon als Kinderbuchautor für meinen Sohn abgelehnt und finde ihn immer noch ausgesprochen blöd! – Dagmar Saam


Leserbrief zu „Kinder an der Macht“ von Elisabeth Niejahr

Ich möchte den Artikel zum Anlass nehmen, um darauf hinzuweisen, dass dem Fach Sozialkunde/Politik an den Schulen weniger Platz eingeräumt wird als fast jedem anderen Fach.

Im Gegensatz zu ihrer Autorin habe ich nicht den Eindruck, dass Schüler immer mehr von Politik verstehen. Vieles bleibt sehr oberflächlich. Längst nicht alle Schüler kommen aus gut informierten und engagierten Familien und so muss das demokratische Miteinander und auch das Verständnis für die „professionelle“ Politik ständig geübt und diskutiert werden. Die Schule und ausgebildete Lehrer bieten dafür einen Schutzraum, in dem über unterschiedliche Meinungen frei und reflektiert diskutiert werden kann.  – Christiane Kiesgen


Leserbrief zu „Gefährliche Helfer“ vonn Insa Schiffmann

Als Apotheker habe ich natürlich mit viel Interesse Ihren Artikel »Gefährliche Helfer« im Teil Wissen der aktuellen Zeit Nr. 15 gelesen. Inhaltlich bin ich einverstanden. Aber es sprang mir natürlich sofort ein winziger Fehler in die Augen:

»Aber welches Schmerzmittel ist das richtige? Im Dschungel der exotischen Handelsnamen kann man sich schnell verirren. Dolormin für Frauen, Nurofen und Ibuflam sind zum Beispiel nur drei von mehr als 40 Bezeichnungen für ein und dasselbe Mittel: Ibuprofen.«

Die Dolormin-Säfte, Dolormin Schmerztabletten, Dolormin Extra und Dolormin Migräne enthalten Ibuprofen. Das im Artikel erwähnte Dolormin für Frauen hingegen enthält (wie auch Dolormin GS (steht für Gelenkschmerzen)) Naproxen. – Stefan Zölfel


Leserbrief zu „Ihr wolltet es so“ von Nina Pauer

Wie zu Beginn des Artikels von Frau Pauer beschrieben, wird auch mir (kinderlos) häufig die sehr persönliche Frage nach Kinder gestellt. Im gleichen Atemzug kommt dann die Frage nach dem endlich erwachsen werden. Ich antworte dann mit ein paar Gegenfragen: Heißt erwachsen werden, Kinder in die Welt zu setzen und sich dann von den Eltern bzw. Schwiegereltern ein Eigenheim finanzieren zu lassen, das so groß ist, dass früher drei Familien drin leben konnten? Heißt Erwachsensein, sein Kind, das noch nicht gehen kann, in der Kinderkrippe abzugeben, dem Beruf nachzugehen, nur um den hohen Lebensstandard zu halten? Heißt Erwachsensein, sich jedes Wochenende bei den Eltern oder Schwiegereltern (wenn man denn welche in der Nähe hat oder haben möchte) ein üppiges Mittagessen servieren zu lassen und anschließend bei Kaffee und Kuchen den Terminkalender für die Kinderbetreuung durch Oma und Opa durchzusprechen?

Es gibt Millionen kinderlose Paare, ob gewollt oder ungewollt, die keine Designermöbel haben, die nicht jedes Wochenende exzessiv feiern, die nicht jedes Jahr mehrmals in den Urlaub fliegen, sondern einfach ein eigenständiges, selbstbestimmtes und unabhängiges Leben leben. Kinderlosigkeit ist kein bisschen besser oder schlechter als der Entschluss für Kinder. Bevor man also die Frage nach Kinder stellt, sollte man sich fragen ob die Frage nicht doch zu persönlich und indiskret ist.Ralf Gabel


Leserbrief zu „Wird schon!“ von Julius Schophoff

Es freut mich, dass Sie es geschafft haben, sich die Leichtigkeit des Seins einer Kindheit bis in Ihr Erwachsenenalter zu bewahren, und bereit sind, an einen positiven Ausgang Ihrer Geschichte zu glauben. In Zeiten, in denen Hiobsbotschaften aus aller Welt die Nachrichten beherrschen, ist das nicht einfach. Allerdings muss ich sagen, dass mich Ihre individualistische Einstellung als Teil einer Gesellschaft so sehr ärgert, dass ich mich zum ersten Mal in meinem Leben gezwungen sehe, einen Leserbrief zu schreiben.

Wenn Sie glauben, dass eine Gesellschaft funktioniert, in der die Individuen nicht bereit sind, einen Gemeinwohlbeitrag zu leisten, sondern alle davon ausgehen, dass sie ja einzahlen und deshalb gefälligst einen Anspruch haben, dann vergessen Sie, dass eine Versicherung keine Bank ist, in der 80 Millionen Bürger ein persönliches Konto haben, auf das ihre jährlichen Sozialabgaben eingezahlt und aus dem die Kosten für etwaige Notfälle gedeckt werden. In der Regel deckt das, was Sie einzahlen, nicht die Kosten, die Sie möglicherweise verursachen. Eine Versicherung lebt davon, dass in der überwiegenden Mehrheit aller Fälle nichts passiert. Da, wie Sie richtig schreiben, das Risiko nicht kalkulierbar ist, freuen wir uns dann, wenn der Nachbar eingezahlt hat und wir im Notfall eine Unterstützung bekommen. Das gilt allerdings auch im umgekehrten Fall.

Wenn Sie selbstverständlich auch aus dieser Sozialabsicherung aussteigen möchten, dann sorgen Sie doch bitte dafür, dass Sie mit Erreichen des Rentenalters keine Unterstützung der Gesellschaft, sei es die Deckung der alltäglichen Grundbedürfnisse, Gesundheit etc., benötigen. Bitte vergessen Sie nicht, dass damit auch Ihre Berechtigung erlischt, an von der Gesellschaft finanzierten Einrichtungen wie Theater, Bibliotheken, Schwimmbäder, Parks etc. teilzuhaben. Wenn Sie dann das Schicksal ereilen sollte, dass Sie Ihr Eigenheim mit direktem Zugang zum Strand der Spree, Alster oder Isar (übrigens auch Eigentum der Allgemeinheit, das Sie ja nicht mehr mitfinanzieren) aufschlagen, melden Sie sich bei mir. Ich schicke Ihnen dann gerne eine Flasche Rotwein. Ich habe nämlich durchaus ein Herz für die Gemeinschaft.

Falls Sie zu diesem Schritt nicht bereit sind, wäre es an der Zeit, Ihre durchaus egoistische Einstellung als Teil eines sozialen Netzwerks zu überdenken. – Michaela Zimmermann

P.S. Übrigens gehören Sie nicht zu den 13 Prozent der „sorglosen Ignorierer“, die sich „äußerst ungern mit dem Thema >Altersvorsorge< beschäftigen. Wie der Artikel zeigt, haben Sie sich sehr wohl eingehend mit diesem Thema auseinandergesetzt.


Leserbrief zu „Post aus Peking” von Mascha Jacoby

68iger-Bashing: Muss das sein?

Eigentlich ging es in dem Artikel um die KPD. Aber Frau Jacoby lässt sich das 68iger-Bashing nicht nehmen: die MAO-Bibel „wurde das Kultbuch der 68iger-Bewegung.“ Vorher weiß sie das? Es wurde zum Kultbuch einer kleinen Gruppe von Linksradikalen.

„Dieser ‚Dritte Weg’ war für die Neue Linke… äußerst attraktiv. Die 68iger feierten den Maoismus…“

Der „Dritte Weg“ war für die große Mehrheit der wirtschaftspolitisch interessierten 68iger nicht der von Mao, sondern der von Ota Šik.

Wir wirtschaftswissenschaftlichen Studenten in Heidelberg feierten die Drittelparität.

Was ist aus uns geworden: Ich habe zusammen mit Wolfgang Wiegard fürs Examen gelernt. Er wurde Wirtschaftsweiser. Im Examen war ich mit Peter Hennicke, dem späteren Präsidenten des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie. Und geheiratet habe ich Angelika Rotter-Woletz, später Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, ein Leben lang engagiert im Umweltschutz. – Christoph Zahrnt

P.S. Etwas bissig: Vermutlich kennt Frau Jacoby Herrn Ota Šik nicht.


Leserbrief zu „Zurzeit bin ich nicht so gern jüdischer Schriftsteller in Deutschland“ von Maxim Biller

Ich las gerade Ihren Artikel im Feuilleton der aktuellsten Ausgabe der ZEIT. Um ehrlich zu sein hat es mich ein wenig geärgert, dass Sie Ihre Möglichkeiten als Kritiker und Rezensent m.E. über die Maßen ausnutzen und überstrapazieren. Ich halte es für unethisch, dass Sie in der Doppelfunktion als Kritiker und Schriftsteller über sich und/oder den Stellenwert Ihres Buches schreiben MÜSSEN. Haben Sie das wirklich nötig, ständig sich und ihren literarischen Rang rechtfertigen zu müssen? Sollten Sie nicht darüber stehen, was die allgemeine Kritik über Ihr Buch schreibt? Ich meine: Sie sind selbst Kritiker, fassen Sie sich an die eigene Nase – meinen Sie, Ihre Rezensionen haben allen Schriftstellern gefallen? So ist das eben mit dem Glashaus und den Steinen. (Ganz abgesehen davon sollten Literatur-Kritiker keine eigenen Romane o.ä. schreiben, oder zumindest nicht Bücher des gleichen Genres, denn: man macht sich dadurch angreifbar, und das muss man durchstehen können, ohne sich selbst angegriffen zu fühlen und das gelingt nunmal nicht, siehe Marcel Reich-Ranicki.) Wäre es nicht viel besser, Sie würden sich über die Kritik stellen und noch besser, die Renzensionen über Ihre Bücher am besten überhaupt nicht lesen (so wie es andere Schriftsteller auch tun)?

Es ist sehr schade, dass Sie anscheinend dem Zwang unterliegen, sich zu rechtfertigen zu müssen. Jedes Wort und jeder Buchstabe aus Ihrem Artikel schreit ständig »nehmt mich endlich als literarischen Schriftsteller wahr und lest meine Bücher so, wie ich möchte, dass ihr meine Bücher lesen sollt«. Sie müssen doch wissen, dass das nicht funktioniert. Und ein Schriftsteller (oder auch ein bildender Künstler), der sein Werk erklären möchte, muss meines Erachtens wirklich nicht sein. Und diese Möglichkeit nutzen Sie aus, ohne dass es Ihnen und Ihrer Reputation gut tut (und hatten Sie nicht sogar erst im ZEIT-magazin einen Artikel? das ist sehr viel Maxim Biller, finde ich).

Außerdem: Sie sind selbst ein so scharfzüngiger und eloquenter Kritiker, da sollten Sie sich nicht wundern, dass Ihnen harsche Kritik entgegenweht (»Wer Wind säht …«). Das sollten Sie wirklich lernen einstecken zu können – oder eben nicht das zweischneidige Schwert schwingen, auf beiden Seiten der Literatur zu sitzen. Diese Position polarisiert und Ihre scharfen Kritiken polarisieren noch einmal mehr.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag generell das, was und wie Sie schreiben, und für eine Altersmilde ist es noch viel zu früh (falls sich diese überhaupt bei Ihnen einstellen wird), ich denke nur Sie müssten für sich selbst mehr Gelassenheit an den Tag legen und nicht ständig nach der narzisstischen Anerkennung heischen wollen, die sowieso niemals genügend befriedigt wird. Seien Sie klug und befreien Sie sich vom Zwang sich selbst immer ins rechte Licht rücken zu müssen.

Meine Worte sollen kein persönlicher Angriff auf Ihre Person sein, das steht mir nicht zu, deswegen würde ich mich freuen, wenn Sie meine Worte unter dem nachfolgenden Motto stehend verstehen würden:

»Der herbste Tadel lässt sich ertragen, wenn man fühlt, dass derjenige, der tadelt, lieber loben würde.«
[Marie von Ebner-Eschenbach]

Seien Sie weiterhin kritisch, seien Sie aber auch selbst Ihr eigener schärfster Kritiker und machen Sie dies nicht den anderen zum Vorwurf, oder bestenfalls unter einer Maske, unter der Sie selbst über sich und die anderen lachen können (so wie es häufig bestimmt auch ein Thomas Bernhard getan hat) … – Daniel Sauthoff


Leserbrief zu „Am Puls der Zeit“ von Christine Lemke-Matwey

In ihrem Text zu den politischen Stellungnahmen klassischer Musiker in jüngster Zeit tadelt Christine Lemke-Matwey insbesondere den Cellisten Alban Gerhardt und den Pianisten Igor Levit. «Ist das wirklich mutig?», fragt sie genervt, wenn Gerhardt öffentlich für Europa protestiert und Igor Levit «gefühlte 50 Anti-Trump-Tweets täglich» absetzt. Abgesehen davon, dass es fast schon beneidenswert snobby ist, politischen Protest nur dann sexy zu finden, wenn er mindestens zwei Jahre verschärften Kerker nach sich ziehen kann, ist ihre Schlussfolgerung, alles stünde doch eh schon in den Noten, an Blasiertheit kaum zu überbieten. «Als müsste und könnte Beethoven und Bach je verbal nachgeholfen werden», seufzt sie gelangweilt auf – offensichtlich im Wissen um die stets abrufbereite musikhistorische Bildung von Konzertbesuchern aller Stände und jeden Al