25. August 2016 – Ausgabe 36

Leserbrief zu „Lieber Herr Tuchel, auch Spaß muss sein“ von Marcel Reif

Dass Bayern München wider jegliche Logik doch nicht Meister werden, darüber zu streiten habe ich ehrlich gesagt keine Lust. Die Bayern sind nicht unschlagbar – aber über eine ganze Spielzeit gesehen doch meilenweit über die Mitbewerber zu stellen. Mit Mats Hummels haben die Münchner ihre Abwehr aus Nationalspielern komplettiert, bei Renato Sanches die Konkurrenz ausgestochen, und gleichzeitig haben sie klug für die Zukunft vorausgeplant.Die wichtigste Personalie ist jedoch der neue Trainer. Mit Carlo Ancelotti verändert sich der Aggregatzustand, der Italiener ist der Gegenentwurf zu Pep Guardiola. Durch den Katalanen haben die Bayern so viel Wissen und Können angehäuft, dass sie für mich das beste Team der Welt sind. Was unter dem manisch auf Details fixierten Pep Guardiola gefehlt hat, waren Leichtigkeit und Fröhlichkeit – das konnte man auch auf dem Platz spüren. Kühle Distanz und ein schroffes Lehrer-Schüler-Verhältnis reichen nicht.
Profis brauchen einen normalen Umgang unter Erwachsenen und eine menschliche Art.Unterschätzen sollten wir den »freundlichen Onkel« aus Reggiolo nicht. Ancelotti ist der Lieblingsschüler von Arrigo Sacchi, einem der größten Reformer im Fußball. Nur mit seiner väterlichen Art und scheinbar konfliktfreien Attitüde hätte Ancelotti nicht dreimal mit verschiedenen Vereinen die CL gewonnen – was Guardiola noch lange nicht geschafft hat.Im Gegensatz zu den Bayern, die ihre Stars nur verkaufen, wenn sie wollen, muss der BVB als börsennotierter Klub bei überdimensionierten Angeboten handeln. Die Verluste von Mats Hummels, Ilkay Gündoğan und Henrikh Mkhitaryan könnten wehtun. Die Dortmunder setzen mit ihren hochgehandelten Jungen auf die Zukunft – die fängt allerdings schon an diesem Wochenende an. Daher sind sie für mich mehr ein Kronprinz als ein echter Herausforderer. Zweifellos kann Thomas Tuchel mit Talenten arbeiten, er wird sie besser machen.
Ich wünsche dem leidenschaftlichen Guardiola-Bewunderer, er möge erkennen, dass ein großer Trainer nicht nur Wissen und Akribie benötigt, Spaßfaktor und Spielfreude sind auch essenziell. Trotzdem bleiben in Dortmund viele Fragezeichen: Wie schnell entwickelt sich eine neue Hierarchie, nachdem Kapitän Hummels beim Champion angeheuert hat? Der BVB wird nicht alle Spiele gewinnen, nach Niederlagen braucht das Team innere Stabilität, neue Führungsspieler müssen sich zeigen.Wird sich Borussia Dortmund als Rehabilitierungszentrum und Kurklinik für Gestrauchelte bewähren? Die Neuzugänge Mario Götze und André Schürrle sind durchaus diskussionswürdige Transfers. Der mittlerweile 24-jährige Mario Götze muss jetzt schleunigst erwachsen werden, und Thomas Tuchel wird ihm mit seiner feinmotorischen Antenne für sensible Schwingungen auch helfen. Aber selbst er kann ihm nicht abnehmen, unter Druck und im Brennglas der Öffentlichkeit Leistung zu bringen. In München hat es nicht funktioniert – Dortmund ist jetzt die letzte Ausfahrt für den Nationalspieler. Unstrittig ist das überbordende Talent des Weltmeisters, aber er muss liefern. Die Verantwortlichen beim BVB sind intelligent genug, sich nicht als Bayern-Jäger zu profilieren, koste es, was es wolle. Das ist ja bekanntlich schon einmal krachend schiefgegangen.Die für mich spannendste Frage bleibt jedoch das Thema Uli Hoeneß. Was bedeutet das für das Innenverhältnis in München, wenn der große Patron zurückkommt? Macht kann man nicht vermehren, Macht muss man teilen. Wie reibungslos schaffen das die Herren Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß? – Peter Prinz zu Hohenlohe


Anmerkung zu Wolfgang Bosbach in „Worte der Woche“

Nachtreten – Bei Wolfgang Bosbach wird immer ein fader Beigeschmack bleiben. Denn zum kritischen Geist innerhalb der CDU wurde er erst dann, als fest stand, dass er kein Minister wird und damit sein politischer Aufstieg beendet ist. Insofern wird er den Verdacht niemals ganz entkräften können, dass sein Verhalten in den letzten Jahren nicht mehr und nicht weniger war als ein Nachtreten gegenüber Angela Merkel. – Dr. Jens Brökelschen, Schwerte


Leserbrief zum Rückblick über die deutsche Flüchtlingspolitik von Bernd Ulrich

Beruflich selbst im Bereich Migration/Flüchtlinge aktiv, verfolge ich die Artikel zum Thema „Flüchtlinge“ meist besonders intensiv. Hierbei fällt es mir bereits seit ein paar Wochen auf dass die Artikel von Bernd Ulrich mittlerweile wesentlich weniger Kritik zum Beispiel auf die deutsche Regierung ausüben als noch vor einigen Monaten. Woran das liegen könnte weiß ich nicht, aber es fällt auf.

 Im Artikel „Ein Jahr wie keines“ hat diese Tendenz eine neue Hochform erreicht. Ich weiß nicht ob es darum geht die deutsche Gesellschaft zu trösten (oder zu motivieren?) in dem man ihr klar macht, dass doch alles „gar nicht so schlimm“ sei mit der Million Flüchtlingen im Land oder was dahinter steckt. Eine Bilanz vom vergangenen zu ziehen und sich zu freuen dass die Zahlen der Neuankömmlinge weiter gering bleiben, nur in einem Nebensatz zu erwähnen dass der „Deal“ mit der Türkei ja schließlich auch noch bestehe (frei nach dem Motto: kein Grund zur Sorge, wir können uns weiterhin auf die Türkei verlassen); vor allem aber absolut nicht die Lage in Griechenland (von Italien beginne ich erst gar nicht) zu erwähnen. Da fehlen mir die Worte.

Seit Wochen steigen die Zahlen der Ankömmlinge auf den griechischen Ägäis Inseln wieder, wenn auch weniger stark als noch im letzten Jahr, dann dennoch mehr als stark genug um die Lage in den „Hotspots“ dort vor Ort nur noch schlimmer zu machen als sie es ohnehin schon ist. Und das zynische an der Situation ist, dass selbst Flüchtlinge die es im rechtlich/bürokratischen Wirrwarr des Türkeideals endlich aufs griechische Festland geschafft haben, teilweise versuchen wieder zurück auf die Inseln zu gelangen, weil die Lage auf dem Festland selbst noch viel chaotischer und für allem für besonders schutzbedürftige Menschen unzumutbar ist.

 Dass dieser oben genannte Aspekt in der Recherche nicht vorkommt ist doch bemerkenswert, ist es doch öffentlich bekannt dass Frau Merkel höchst persönlich an der Verhandlungen mit der Türkei beteiligt war (bzw sie initiiert hat) und somit den Grundstein für die Entscheidung gelegt hat, man könne jetzt alle Neuankömmlinge auf griechischen Urlaubsinseln festhalten. Hätte dies nicht in die Bilanz des Flüchtlingsjahres aufgenommen werden können? Des Weiteren hätte man erwähnen können, dass die „entspannte Lage“ in Deutschland natürlich vor allem davon profitiert dass die Balkanroute nun gesperrt ist, was wiederum zu oben beschriebenen Lage in Griechenland geführt hat. Früher standen diese Dinge in Artikeln die von Herrn Ulrich verfasst wurden. Es wäre schön, wenn die Thematik Flüchtlinge auch in Zukunft wieder von allen Seiten, und mit gesunden Maß von Kritik beleuchtet würde. –  Anna Hardy


Anmerkung zu „Jetzt wird es eng“ von Mark Schieritz

Seit Jahren hinterfrage ich die Lebensbedingungen alter Menschen in GER und habe als dringenden Veränderungs-Faktor „Alte Menschen aufs Land“ gefunden. Bitte bleiben Sie am Thema; es ist spannend wie ein Krimi.Welche anderen Aufgaben sollten unsere Dörfer demnächst eigentlich übernehmen, wenn sie nicht als äusserst angenehme Residenzen für ältere Menschen entwickelt werden???Hier bietet sich ein kollossales politisches Tätigkeitsfeld zur Entlastung unserer Ballungsräume in unseren ländlichen Regionen an.  Unsere Städte platzen aus allen Nähten und die Dörfer suchen nach neuen Aufgaben, das passt doch!! Breit gestreute öffentliche Rückendeckung wäre hilfreich! Vielleicht passt das Thema zu Ihren Recherchen?? – Albrecht von Hagen


Was mein Leben reicher macht
An einem Spätsommertag auf der Terrasse sitzen, in den Garten mit den alten Bäumen schauen und den welkenden Sommerblumen, dazu das Beethoven-Violinkonzert hören in einer Aufnahme von 1947 mit Yehudi Menuhin und Wilhelm Furtwängler – aus allem weht ein Hauch von Vergänglichkeit und zugleich Ewigkeit, sehr tröstlich. –Sigrid von Swieykowski

Leserbrief zu „Unterstützt die Türkei Islamisten?“

Die Entwicklungen der letzten Zeit haben eine Mitgliedschaft der Tuerkei in der EU unwahrscheinlich und wenig wuenschenswert gemacht. Der saekulare Staat Kemal Pashas scheint in Gefahr, von einer nicht ganz kosheren Radikalisierung des Islam uebernommen zu werden – wobei auch einige offensichtliche Kollaborationen mit ISIL (wie z.B. Oelhandel aus IS besetzten Gebieten, sowie Logistik ueber tuerkisches Gebiet) einiges zu denken geben. Dabei liegt auch der Verdacht einer Anti-Shia-Verbindung mit Saudi-Arabien nahe, und Herrn Erdogans Aufstieg zum Quasi-Sultan ist gleichfalls sehr bedenklich. Die besagt Kollaboration mit ISIL macht die offizielle „Erklärung“ des Einmarschs in Syrien auch sehr viel weniger glaubwürdig: Das Hauptziel war, wie auch Herr Biden bei seinem Besuch bei Erdogan klarmachte: Den kurdischen Landgewinn gegen ISIL einzudämmen. Biden sprach von einer Demarkationlinie am Euphrat. Das ist kein türkischer Einsatz gegen ISIL, sondern deren Schutz im Bereich der türkischen Grenze, woher ja auch ihre logistische Versorgung kommt – wie auch die der offiziellen „gemäßigten“ Hillary-Freunde.

Was dahinter steht, ist ein US-Vergebungseinschleichen bei Erdogan, das ihm volle Freiheit für alles gibt. Die Unterstützung der Kurden war ja nur insoweit von US Interesse, als es sie von Allianz mit Assad fernhielt – der sich auch etwas schwer täte mit einer autonomen kurdischen Region – es aber wohl annehmen müsste aufgrund eigener strategischer Notwendigkeit und russischen Drucks. Der US Partnerwechsel wird das Einverständnis sicher voranbringen. Im Zusammenhag mit den immer staerker hervorkommenden tuerkischen Regional-interessen wird selbst die NATO-Mitgliedschaft fragwuerdig: fuer Europa, seit dem Wegfall des alten Kalten-Krieg-„Feindes“ Sovietunion, ohnehin hinfaellig, wird selbst die Verlaesslichkeit fuer die ueblichen US-Manipulationen fraglich – Washington ist selbst viel zu viel in Kriege und Buergerkriege hineinmanipuliert worden, weil andere dort unten (vor allem in der Wueste) sie fuer ihre eigenen Spiuelchen benutzt haben – und das geht von Iraq bis nach Libyen und Syrien.

Was die Türkei angeht, und die angebliche „Rechtlichkeit“ ihrer invasion, so kann von der letzteren keine Rede sein: Wie auch die Gegenwart in Syrien von US-Truppen und Trainern von Untergrundtruppen (wenn auch mit kläglichen Resultaten), ist der türkische Einmarsch ein Akt des Krieges, ein Verbrechen nach Internationalem Recht. Dabei ist aber Erdogan die Unterstützung der USA wichtig, da diese sich ohnehin nie um Recht oder Gesetz kümmern.Die Frage ist natürlich: Wollen USA und Türkei wirklich ISIL schwächen? Die Antwort ist ein klares „Nein“! Denn ohne Isil auf einer Seite, könnte die syrische Armee sich auf Terroristenherde von Al Nusra  (nahe Damaskus) und andere (in Aleppo) konzentrieren. Bislang hat der Zweifrontenkrieg eine Lösung verhindert, was Obama -und besonders auch Hillary Clinton- ganz bestimmt nicht sehen wollen, bestimmt nicht vor den Wahlen! – Dr. J. Boost


Leserbrief zu „Jetzt wird es eng“ von Mark Schieritz

Schlimm genug, dass ein Arbeitnehmer mit solidem Einkommen nur noch dann von seiner „Hände Arbeit“ leben kann, wenn er das Glück hat, preisgünstigen Wohnraum in günstiger Lage zum Arbeitsplatz gefunden zu haben.

Schlimm, wenn Menschen in schwieriger wirtschaftlicher Situation darauf angewiesen sind, mehrere Jobs anzunehmen, um über die Runden zu kommen.
Schlimm, dass vieles auf der Strecke bleibt: Gesundheit, Seele („Angst essen Seele auf“), vernachlässigte Kinder, einsame Alte, Freizeit, Bildung und Lebensfreude,
Und dies alles nur, weil diejenigen, die ohnehin schon genug haben, immer noch mehr haben wollen und dabei noch den Staat um die Steuern bringen, die für soziale Hilfen so dringend benötigt werden.
Die in der freien Wirtschaft Tätigen entwickeln phantastische Ideen, wie Wohnen und Arbeiten zum Wohle der Investoren immer besser verknüpft werden können. Die großen IT-Firmen entwickeln mit Milliardeninvestitionen gigantische Firmenzentralen mit allen Raffinessen, damit die umworbenen Mitarbeiter dort andocken, sich wohlfühlen und bis zum nächsten Rausschmiss ordentlich schuften.In den einschlägigen Behörden allerdings sitzt ein Heer von staatlich alimentierten „Fachleuten“, die weder bei Immobilien-Projektplanungen noch bei sozialen Fragen den in der freien Wirtschaft tätigen Eierköpfen das Wasser reichen können oder (noch schlimmer) wollen.
Es tut einfach nur weh, zu sehen, welche Chancen in diesem wunderbaren und reichen Land immer dann vertan werden, wenn es um das Wohl der Massen geht, weil man die Reichen und Großen weder seitens der Administration noch der Politik um des Wohles der hier lebenden Menschen willen nicht zwicken will.Und dann wundert man sich, wenn demagogische Sprücheklopper mit dümmlichen unausgegorenen Versprechungen Aufmerksamkeit und Zulauf der Geängstigten und schlecht Informierten bekommen.Ehrliche und gutmeinende intelligente Mahner sind selten zu hören und werden dann oft auch noch niedergemacht.Kultur in einem demokratischen Rechtsstaat sieht anders aus.Die nächsten Wahlen könnten ein böses Erwachen bringen. – Friedrich Funk

Leserbrief zu „Jetzt wird es eng“ von Mark Schieritz

Jetzt wird es also eng? Das Verschwinden bezahlbaren Wohnraums beschäftigte uns in Berlin Kreuzberg vor zehn Jahren, als das Land Berlin seinen sozialen Wohnungsbau ‚versilberte‘, um die Haushaltslöcher zu stopfen, die die Verstaatlichung der Spekulationsverluste im Berliner Bankenskandal gerissen hatte. Damals meinten noch grüne Politiker, so ein bisschen Gentrifizierung könnte Kreuzberg 36 ja nicht schaden. Jetzt ist alles für n Appel und n Ei verkauft und keine Grundlage mehr für eine staatliche Einflussnahme auf Mietpreise. Wenn Schieritz nun „intelligente Interventionen“ fordert, so muss man leider sagen: „Wohnungsbaupolitik“ ist ein Beharrlichkeit erfordernder Kampf von Politik und Gesellschaft mit Kapitalinteressen. Wenn nun Mainstream-Journalisten (wahrscheinlich aus schönen Wohnungen in Mitte) die Bundesregierung anrufen, um Zustände zu bekämpfen, die vor zehn Jahren nur die mittlerweile an den Stadtrand verdrängten ‚Radikalos‘ verhindern wollten, kann ich nur schlecht applaudieren. Das macht mich eher melancholisch. Was hat Schieritz vor zehn Jahren geschrieben und ist sein Zuspätsein nicht systemisch, ja in gewisser Weise Teil der Wertschöpfungskette?  – Matthias Meindl

Leserbrief zum Artikel von Jens Spahn, „Doppelt hält schlechter“

Wem von den “automatischen“ Deutschen wird denn bitte die Frage gestellt, inwieweit man “diese Gesellschaft mit ihren Prinzipien und Grundlagen, ihren Werten und ihrer Kultur“ gutheißt oder nicht? Und warum geht es der CDU bei diesem Thema ausschließlich um die Deutsch-Türken? Ich persönlich kenne Deutsch-Italiener, Deutsch-Finnen etc. Was ist mit denen? – Michael Hauck

Leserbrief zu „Ein Jahr wie keines“ von Bernd Ulrich (und „Als Deutschland die Kontrolle verlor“ in Ausgabe 35)

„Hat die Kanzlerin richtig entschieden, als sie…“ die Grenzen offen gehalten hat, die Flüchtlinge ins Land ließ und…? Auch wenn diese Frage immer wieder und gern gestellt wird, geht sie meines Erachtens völlig am Problem vorbei. Die Bundesregierung und die Kanzlerin haben völlig darin versagt, das Land und die Einsatzkräfte auf einen Flüchtlingsstrom vorzubereiten und sie haben, als es soweit war, kaum etwas getan, um Länder, Kommunen, Hilfsorganisationen und private Helfer zu unterstützen. Dass uns das Chaos erspart blieb, ist der Bundesregierung jedenfalls nicht zuzuschreiben. Dass die Kanzlerin nur die Wahl zwischen „Willkommenschaos“ und „Abschottungschaos“ hatte, ist einfach falsch. Zu Recht setzt Die Zeit noch den Halbsatz „wegen der vorhergehenden Versäumnisse“ hinzu. Warum steht das immer nur als Randnotiz? Das ist das Thema! Ein anständig geführter Staat erkennt mögliche Probleme wie eine Flüchtlingswelle (war bekannt!), entwickelt frühzeitig Lösungsszenarien und trifft Vorkehrungen, damit Grenzschutz, Kommunen usw. im Ernstfall angemessen Unterstützung erfahren, insbesondere indem sie Handlungsempfehlungen erhalten. Nichts von dem ist passiert. Das ist der Regierung anzulasten. Der Apparat sollte groß genug für diese Aufgaben sein. Als die Lage in Ungarn eskalierte, war es doch schon fast zu spät. Die Ahnungslosigkeit und Unvernunft der Regierung hat Die Zeit ja schön nachgezeichnet. Das Flickwerk und der Murks nach den Septembertagen wären eine weitere Reportage wert. Wird die Regierung lernen? Es wird ja nicht die letzte Herausforderung gewesen sein. Klima, Demografie, Abbau der Demokratie auch in der EU… gibt es einen Plan? – Dr. Eberhard von Faber


Anmerkung zum Artikel „Omran“ von Malin Schulz

Ja, ich kenne die Diskussion um die Macht der Bilder und nein, die Aufnahmen mit dem fünfjährigen Omran sind bei weitem nicht das einzige Dokument menschlicher Schande. Dennoch habe ich jedwede Relation unendlich satt, wenn einmal mehr – im Namen von wem oder was auch immer – unschuldige Menschen, insbesondere Kinder, unter der fürchterlich inhumanen Diktatur höchst verantwortungsloser Erwachsener leiden müssen. Wenn uns einmal mehr die Perversion und der ewige Irrtum des Krieges genauso gewahr werden müssen wie die Einsicht, dass die Menschheit zur Zivilisation nicht fähig ist. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Jetzt wird es eng“ von Mark Schieritz

Als Wohnungswirtschaftler bin ich mit dem Tenor Ihres Beitrags völlig einverstanden. „Wie wir wohnen und wo, ist die wohl wichtigste soziale Frage dieser Tage“ wird allenfalls von der Klimafrage übertroffen, und die hat sehr viel mit dem Wohnen und dem Wohnungsbau zu tun. Dass die Mietpreisbremse nicht funktioniert hat, sondern teilweise sogar das Gegenteil bewirkt hat, hat mich nicht überrascht. Gut gemeint ist eben nicht automatisch gut gemacht. Sie schreiben, „was hingegen funktionieren könnte, sind intelligente staatliche Eingriffe“. So ein Eingriff könnte für Hamburg und andere Ballungsgebiete eine Wohnflächenabgabe sein. Ich habe meine Überlegungen dazu in dem angehängten „Denkanstoß“ zusammengefasst. In London wohnen die Menschen übrigens durchschnittlich auf 22 qm pro Kopf, habe ich kürzlich dem Handelsblatt entnommen. Mit Ihrem Kollegen Frank Drieschner bin ich über die Frage des Wohnflächenkonsums und eine Wohnflächenabgabe zur Belebung des Wohnungsmarkts im Gespräch. – Helgo Klatt


Leserbrief zu „Jetzt wird es eng“ von Mark Schieritz

Langsam wird wohl allen klar, dass Erhöhungen des Rentenniveaus (Ankündigung einer Kampagne durch Bsirske) oder Erhöhungen von Sozialleistungen, BAFÖG, steuerliche Verbesserungen für niedrige Einkommen usw. kaum nützlich sind, wenn jede Einkommensverbesserung sofort von den Wohnkosten wieder aufgefressen wird.

Wir brauchen eine ganze Reihe von Maßnahmen, wenn nicht noch viel mehr Haushalte von staatlichen Zuschüssen abhängig werden sollen – mit deutlich progressiver Tendenz. Die aktuelle Prognose besagt, dass bis zur Hälfte aller künftigen Rentner sofort in die Grundsicherung müssen. Das wiederum wird auf den Konsum durchschlagen mit weiteren Folgen für die gesamte Wirtschaft. Diese Keule wird die nächste Bundesregierung mit voller Wucht treffen, egal wie sie zusammengesetzt sein wird.

 Die Entwicklung wurde für mich schon Anfang 2016 deutlich und veranlasste mich, 2 kleine Bücher zum Thema zu schreiben, ein Fachbuch (Juni 2016) „Meine unpfändbare Wohnung“ mit einem Vorwort von MdB Corinna Rüffer und eine Erzählung (August 2016) „Anna lebt noch einmal“. Die Erzählung schrieb ich deshalb, weil die LeserInnen sich die komplexen Sachverhalte dann zusammen mit den handelnden Personen erschließen können. –  Klaus Puchstein


Anmerkung zum Artikel über Bayreuth „Überall spritzt Fett“

Herrlich Ihr Artikel über den Grünen Hügel, der auch mein Sehnsuchtsort ist! Vielleicht schaffe ich es in dreißig Jahren, wenn ich so zwischen Achtzig und Neunzig bin, auch einmal dorthin. Bis dahin halte ich mich an die Worte des fiktionalen Wagnerianers Inspector Morse aus der gleichnamigen britischen Krimiserie. Er belehrt in der letzten Folge „The Remorseful Day“ seinen Adlatus Sergeant Lewis: „You really should persevere with Wagner, Lewis. It’s about important things: life and death…and regret.“ Fogerichtig sind die letzten Sequenzen des Films, die Apotheose des ungewöhnlichen Inspektors, unterlegt mit Teilen aus dem Parsifal-Vorspiel. Auch herrlich! – Hildegard Wittersheim


Leserbrief zum Artikel über Bayreuth „Überall spritzt Fett“

ich oute mich gerne als Uralt-Abonnent …der fast nie Artikel öffentlich kommentieren will/wollte …! Aber der diesjährige Kommentar zu den Festspielen – ( bis auf Sloterdijks Glosse ist diese ‚Spezies‘ sowieso bereits unsäglich gewesen ) – schlägt dieses Jahr dem Fass den Boden vollends aus!!!  Will die ZEIT nun junge ‚Talente‘ so dreist alimentieren??? Diese ausgehungerte Jungautorin muss sich in diesem Provinznest B einfach den kümmerlichen Bauch ‚vollschlagen‘ …??? Ein Füllhorn an pejorativen Attributen könnte ich über dieses pubertäre Geschreibsel schütten … aber was soll’s … das Elaborat liegt nun vor … ! Grund genug, sich weder dieses ‚Talent‘ weiter zu merken – geschweige denn zu lesen – ! Aber vielleicht sollte ich mir doch Gedanken machen … mich einfach als Ü-60ziger zum alten Eisen zu zählen, mir einzugestehen, dass die Zeit gekommen ist, mein jahrzehntelanges Abo zu kündigen …. – Helmut Karl Degen


Leserbrief zum Artikel über Bayreuth „Überall spritzt Fett“

Vielleicht kann man dem Artikel, der sich mit den Abseitigkeiten der Bayreuther Festspiele beschäftigt, einmal die Wahrnehmung eines Festspielbesuchers entgegenhalten, der sich für Wagner ernsthaft interessiert: Hochgradig beeindruckend war der zweite Akt von „Tristan und Isolde“. Während des Liebesduettes „O sink hernieder, Nacht der Liebe“ gehen die beiden Protagonisten auf eine Projektion des bekannten Nahtoderlebnisses (dunkler Tunnel, erlösendes Licht am Ende) zu. Endlich einmal wirkten Musik und Bühnengeschehen stimmig. Dank an Christian Thielemann und Katharina Wagner.
Ebenfalls interessant, aber letztlich ärgerlich war z.B. der zweite Akt der „Götterdämmerung“, der vor einer Dönerbude an der Berliner Mauer spielt: Während Brünnhilde erkennt, wie sehr sie betrogen wurde („Schuft ihr mir Schmach, wie nie sie geschmerzt?“) zerhackt der Koch in der Dönerbude Salat, schneidet sich dabei in die Hand, viel Theaterblut fließt, um die Blutung zu stillen, steckt er die Hand in einen Eimer mit Kartoffelsalat und das Ganze wird auch noch gefilmt und in Echtzeit auf eine Großbildleinwand auf der Bühne übertragen, so dass man von Brünnhildes Klage nichts mehr mitbekommt.
Kein Dank an Frank Castorf, Dank dagegen an Marek Janowski, der entgegen dem deutschen Musiktheatergedöns Musik machen möchte, sich um das Bühnengeschehen nur soweit kümmert, dass die Sänger tatsächlich singen können. In diesem Fall haben das viele Besucher nicht mitbekommen, weil sie über diese Slapstickszene tatsächlich gelacht haben. Der Ärger stellt sich erst hinterher ein, ebenso wie der Ärger darüber, das Menschen, die dem zentralen Anliegen der Festspiele nichts abgewinnen können, knapp zwei Seiten für die Schilderung der Nebenschauplätze eingeräumt werden. – Rüdiger Mühlhausen

Anmerkung zum Artikel über Bayreuth „Überall spritzt Fett“
Von der “Zeit” bin ich gewohnt, dass im eigentlichen Blatt meist viel Vernünftiges steht, nur im nobel aufgemachten “Zeit- Magazin” viel völlig Überflüssiges und Inhaltsloses hochglanzmäßig aufpoliert wird. Nur “um die Ecke gedacht” finde ich dort immer schön, auch Martenstein schreibt öfter ganz nett. Diesmal hat es aber auch die eigentliche Zeitung erwischt: da schreiben 2 Leute aus Wien über Bayreuth, die mit ihrem Leben und ihrer Zeit nichts besseres anfangen können, als sich zu besaufen und vollzufressen und das anschließend der durchaus schönen Stadt anzulasten, wo es angeblich keine anderen Möglichkeiten gäbe, sich zu beschäftigen. Über Wagner und Wagnerianer kann man natürlich unterschiedlicher Meinung sein, ist Geschmackssache und in Wien wird musikalisch bestimmt mehr und Verschiedenes geboten. Mir persönlich ist Wagner oft auch zu bombastisch und aufgeblasen, obwohl ich in Bayreuth aufgewachsen bin. – Gerhard Bien

Anmerkung zum Bericht aus dem Landtag von Sachsen-Anhalt „Wir sind dagegen“Ich zitiere aus oben genanntem Artikel:“Eine Landtagsfraktion funktioniert ja wie ein kleines Unternehmen, sie braucht Sekretärinnen, Referenten, Hilfskräfte, einen Pressesprecher.“Fällt Ihnen etwas auf? Niemand erwartet geschlechtergerechte Sprache in Form von Binnen-Is oder Asterisken in einer Zeitung, aber dieser Satz geht nicht! Es ist ein leichtes, aus den Sekretärinnen z.B. Büromitarbeiter zu machen. – Antje Krauße


Leserbrief zu „Ein Jahr wie keines“ von Bernd Ulrich

Ihr Autor hat anscheinend eine andere Wahrnehmung als die meisten Bürger in unserem Lande. Meine Wahrnehmung ist auch eine andere. Das mag auf den ersten Blick, den Ihr Autor beschreibt, so sein. Auf den zweiten Blick oder genaueren, stelle ich eine große Unzufriedenheit fest. Manche sind auch unsicher und wissen noch nicht wie sie die Politik der Bundeskanzlerin einschätzen sollen.   Viele Bürger sind auf Abstand zur Bundeskanzlerin gegangen. Das Vertrauen zu ihr scheint aufgebraucht zu sein. Es wäre für eine Beurteilung auch hilfreich, mit denen zu sprechen, die sonst schweigen. Wer soll es sonst machen ? Diese Frage ist immer wieder zu hören. Eine Alternative sehen die Bürger kaum. Jedenfalls nicht unter den aktiven Politikern. Vielleicht einer von aussen, der nur unter den Insidern bekannt ist. Dem allzu beliebten Herrn Bosbach würden alle Herzen zufliegen. Da käme auch die Bundeskanzlerin unter die Räder. Bloss keiner von der linken Fraktion, denen hat man das Dilemma angehangen. Ihr Autor scheint auch nicht weit davon entfernt zu sein. Den Medien fehlt ein Grundgesetz, welches ausschließt, als vierte Kraft in der Politik mit zu wirken. Das sollte für alle gelten. Auf die Idee ist noch keiner gekommen. Das wäre aber ein wichtiger Beitrag für unsere Demokratie. Dann wäre eine Partei wie die AfD erst gar nicht geboren. – Gunter Knauer


 Leserbrief zu „Ein Jahr wie keines“ von Bernd Ulrich

Danke, Bernd Ulrich, für den treffenden Kommentar zum Jahrestag des 4. September 2015! Endlich ist einmal klar und deutlich zu lesen, dass Angela Merkel nicht die Grenzen geöffnet (sondern offen gehalten) hat, dass Hundertttausende von Flüchtlingen längst unterwegs waren, bevor sie angeblich die Grenzen geöffnet hat, dass sie nicht gegen geltendes Recht verstoßen hat, sondern dass eine Grenzschließung gegen deutsches und europäisches Recht verstoßen hätte, dass eine andere Entscheidung Deutschland verändert hätte, weil es kein Rechtsstaat mehr gewesen wäre, in dem die Menschenrechte gelten, dass die Entscheidung richtig war und der Preis nicht zu hoch. Wer für die Alternative plädiert, „Abertausenden hilfsbedürftigen und hilfsberechtigten Kriegsflüchtlingen“ (Bernd Ulrich) die Hilfe zu verweigern, plädiert, sollte wissen, dass er sich vom Erbe des christlichen Abendlandes verabschiedet, zu dem der Grundsatz gehört: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. – Jürgen Thiede


Leserbrief zum Artikel ,,Was heißt hier Nein?“ von Dagmar Rosenfeld
Der Fall Lohfink und vor allem die absurde Verschärfung des Sexualstrafrechts, werden dazu beitragen, dass immer weniger Männer eine Frau kennenlernen wollen. Nach neuem Recht reicht bereits das Herunterreißen der Kleidung für den Tatbestand der Vergewaltigung aus, was früher nicht der Fall war (vgl. BGH 3 StR 172/06 – Beschluss vom 22. Juni 2006). Somit wird die Geburtenrate weiter zurückgehen. Durch die Schaffung des neuen § 184i StGB wird jede Berührung einer Frau für den Mann zum strafrechtlichen russischen Roulette. – Alexander Gruber

 

18. August 2016 – Ausgabe 35

Zum Titelthema „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Ihre Dokumentation über die Schicksalsnacht im September 2015 ist atemberaubend spannend und erhellend. Die journalistische Recherche und die ansprechende Darstellung sind preiswürdig. Die Aufklärung über Fakten und Zusammenhänge stellt eine Sternstunde der aktuellen Geschichtsschreibung dar. Deutlich wird auch: Die Warnung, der deutsche Adler-Horst sei voll, konnte nur aus der Froschperspektive des bayrischen Altmühltals kommen. – Alfred Schubert


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Betrifft: HA 15.8. Die verschleierte Debatte um die Leitkultur. Streit um Burka-Verbot in der Union

Es geht bei der Frage um das Burka-Verbot kaum um Keidungsstücke. Wir akzeptieren auch die „freiwillige“ körperbedeckende Kleidung der Nonnen und Mönche – auch wenn sie das Gesicht nicht versteckt  –  ebenso ihre selbstgewählte Klausur. Es ist eine abendländische Unterstellung, vorauszusetzen, dass Muslima sich nicht „freiwilig“ bedecken. Nein, es sind die unterschiedlichen Werte, die uns schrecken. Seit der Antike gelernte christliche Werte sind uns naturgemäß genehmer, fremde muslemische machen auch mir Angst, greifen sie doch tief in Psyche, tägliches Miteinander und auch in Politik ein. Es braucht viel Akzeptanz und ein hohes Maß an Toleranz, verschiedene Kulturen nebeneinander zu ertragen. Schaffen wir das? Sollen wir das wagen? Das Grundgesetz gibt uns dazu einen Fingerzeig. – Uwe-Carsten Edeler


Ich freue mich jeden Donnerstag auf “ die Zeit“, aber diesmal scheint mir “ die Zeit “ besonders gelungen mit vielen interessanten Artikeln und schönen Fotos ! Danke ! – Anna- Maria Gießmann


Betrifft Titelthema:

Ich bin entsetzt. Mehr als 60 Mio. Menschen fliehen vor Krieg, Hunger, Versklavung., sexueller Ausbeutung, Mehr als 10 Tausend Menschen sind in den letzten 2 Jahren im Mittelmeer ertrunken. Und die Zeit ordnet die Grenzoffnung als Panne ein. Fischt jetzt auch Dir Zeit am rechts konservativen Rand?
Heike Stoll


Zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Burka bis Kopftuch: Die Selbstdiskriminierung des arabischen Mannes

Aristoteles definierte den Menschen einst als Zoon politikon, für Freud liegt dann eine psychische Störung vor, wenn das „Ich“ nicht zwischen „Es“ und „Über-Ich“ vermitteln kann. Was für ein Männerbild steht hinter dem Verschleierungsgebot? Nur zoon, kein politikon, nur Trieb-Es, alles potenzielle Vergewaltiger, die sich beim Anblick eines Stückes Frauenhaut nicht beherrschen können? Wenn das kein von innen betriebener Rassismus ist. – Jürgen Krätzer


Zum Titelthema:

Es ist beeindruckend, wie gut die ZEIT mittlerweile von der BILD gelernt hat, mit einer unschuldig-zweideutigen Schlagzeile ein Horrorszenario zu entwerfen… und dann zum „Kontrollverlust“ gleich noch die Burka-Diskussion hinzuzufügen – wirklich saubere journalistische Arbeit… – Ulrike Maetzig


Die ZEIT hat das Thema heute im Leitartikel nach bekanntem Muster diskutiert:

Iris Radisch sprcht dafür, Elisabeth Raether dagegen. Ich selber war in dieser Frage (und ähnlich schwierigen!) lange hin- und hergerissen, unsicher. Jetzt ist mir aufgegangen: Unrecht haben beide.

Verboten werden muss nicht die Burka. Verboten werden muss nach unserer aufgeklärten Rechtsauffassung das Burka-Gebot. Nur dieses unterdrückt die Frau, macht sie zum Untertan in einer Männerwelt.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ähnliche Unterdrückungsformen gab es auch in der katholischen Kirche. Es gibt sie vielleicht nach wie vor, wenn auch nicht mehr so häufig, weniger sichtbar.

Wir tun uns nicht mit Gott schwer, sondern mit der menschengeprägten Religion. Dort, wo sie versucht, Macht auszuüben, wird Religion vom Zweck Gottes zum Mittel des Menschen.  Gott hat das nie gewollt. Insofern wäre vielleicht sogar er/sie für das Verbot des Burka-Gebots.  – Dr. Hans-J. Gscheidmeyer


Zum Artikel von Marc Widmann „Fahnenflucht auf hoher See“:

Mein Erfahrungsbericht:

Ich war bei sea chefs in Zypern für die TUI Cruises GmbH angestellt und arbeitete auf der Mein Schiff Flotte (maltesische Flagge) der TUI Cruises GmbH (deutsches Unternehmen) als Leiharbeiter. TUI Cruises bedient sich meiner Ansicht nach eines Konzeptes, das sich die internationalen Regelungen zu Nutze macht.

TUI Cruises lässt die Mitarbeiter von sea chefs an Bord arbeiten. Sea chefs hat keine deutschen Sozialleistungen (Rentenbeiträge, Krankenkasse, Pflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung) gezahlt. Wo zyprisches oder maltesisches Arbeits- oder Steuerrecht anfängt oder aufhört, wird einem nicht erklärt. Mein Vertrag war befristet für die Zeit an Bord. Wenn ich im „Urlaub“ (rechtlich gesehen: Arbeitslosigkeit) in Deutschland bin, musste ich für die Krankenkasse selbst sorgen. Arbeitslosengeld I im „Urlaub“ bekommt man eigentlich nicht, weil ja keine Sozialleistungen gezahlt wurden. Arbeitslosengeld II (Hartz IV) würde man erst bekommen, wenn man sich auf einen gewissen Betrag (=150 EUR multipliziert mit dem Lebensjahr) heruntergehungert hat.

Wenn man Arbeitslosengeld I im „Urlaub“ (etwa weil man noch Ansprüche vor der Zeit an Bord geltend macht) beantragt, ist es sehr langwierig bis sich Malta oder Zypern zuständig fühlt, um das EU-Formular PDU auszufüllen und bestätigt, dass keine Ansprüche aus den dortigen Sozialkassen geltend gemacht werden können. Letztendlich war Malta zuständig gemäß Art. 11 Abs. 4 EG-VO 883/2004. Die Zuständigkeit musste ich als Privatperson mit viel Zeit und Ärger selbst herausfinden und mich gegen die Inselstaaten durchsetzen, es gab keine Hilfe von TUI Cruises oder sea chefs. Malta hat sich geweigert das PDU auszufüllen, aber Malta hat immerhin ein formloses Schreiben aufgesetzt, das das hiesige Arbeitsamt zum Glück akzeptiert hat.

Weitere Probleme ergeben sich für die spätere Rente: Das deutsche System erkennt die arbeitslosen Zeiten („Urlaub“), sofern gemeldet, für den späteren Rentenanspruch (es wird die Arbeits(losen)zeit anerkannt, für die Höhe der Rente ist dies unerheblich, weil ja nicht eingezahlt wird) an. Die Erwerbstätigkeit im anderen EU-Land wird _zeitlich_ anerkannt. Wenn man sich für die Zeit an Land arbeitslos meldet, entsteht dann keine nachteilige Lücke im Erwerbsleben. Diese Arbeitslosigkeits-Meldung ist also zu empfehlen, nicht dass dann mit 63/65/67 Jahren die Frage kommt, „was haben Sie denn zwischen den Bordzeiten gemacht?“ In der Regel kann man kein Arbeitslosengeld I bekommen, da nichts in die Sozialkassen eingezahlt wurde, aber ich bin an einen Sachbearbeiter geraten, der sagte „Sie sind jetzt arbeitslos und -suchend, bekommen zwar kein Arbeitslosengeld, aber Sie sind in unserer/meiner Statistik drin, also müssen Sie auch jede Arbeit annehmen. Wir wollen Sie aus der Statistik haben. Wenn Sie dies nicht tun, bekommen Sie eine Sperrzeit und haben doch eine Lücke für Anrechnung der Erwerbszeit. Ich habe viele freie Stellen als Hilfskraft für Sie… “ Wenn man sich nicht zu wehren weiß, muss man in seinem „Urlaub“ in Deutschland noch arbeiten gehen. Zwischen den internationalen Systemen hin und her zu wandern, bringt dem Arbeitnehmer nichts.

Die Sozialversicherungsbeiträge könnte man natürlich auch selber zahlen (plus eigentliche Arbeitgeberbeiträge), aber dafür ist das Gehalt zu niedrig, als dass sich die Arbeit auf dem Schiff lohnt. Selbständige, die in Deutschland arbeiten und in die Sozialversicherung selbst einzahlen, verlangen ganz andere Stundensätze bzw. Tagessätze.

Im Krankheitsfall gibt es an Bord eine sehr geringe Lohnfortzahlung. Wird man während des „Urlaubs“ an Land krank oder hat einen Unfall, gibt es überhaupt keine Lohnfortzahlung. Eventuell verpasst dann die nächste Ablösung an Bord und rutscht aus der Rotation. Dann kann man lange ohne Gehalt warten bis der nächste Schiffseinsatz kommt.

Würde man in den Genuss von deutschen Sozialleistungen kommen, würden z. B. mögliche eigene Kinder in die Familienkasse der deutschen Krankenkassen aufgenommen werden. Andere deutsche Selbstverständlichkeiten fallen einfach weg, weil man im Ausland beschäftigt ist, obwohl die TUI Cruises GmbH ihren Sitz in Deutschland hat. Hieran erkennt man, wie gut und ausgefeilt unser deutsches System ist, was aber mittels einer zyprischen Zeitarbeitsfirma zu Lasten der Leiharbeiter an Bord umgangen wird.

Tatsächliche Zwölf-Stunden-Tage (14 Stunden können auch vorkommen) ohne arbeitsfreies Wochenende sind die Regel. Bei einigen Besatzungsmitgliedern werden die Arbeitsstunden in Tag- und Nacht-Schichten aufgeteilt. Schlafen und Essen muss man auch irgendwann, viel Zeit für einen Landausflug bleibt da nicht mehr. Die Erschöpfung wird immer größer und irgendwann hat man trotz der wenigen Reststunden am Tag auch nicht mehr die Motivation einen Landausflug zu machen.

Trotz des längeren „Urlaubs“ an Land arbeitete ich aufs Jahr gerechnet mehr Stunden als jemand, der an Land eine 40-Stunden-Woche und ca. einen Monat Urlaub hat.

TUI Cruises lässt seine Schiffe unter maltesischer Flagge fahren, folglich gelten keine deutschen Tarifverträge (z. B. Heuertarifvertrag), die unter deutscher Flagge gelten würden.

Wenn der befristete Arbeitsvertrag sich dem Ablauftag nähert, ist nicht immer gesichert, dass man abgelöst wird. Es kann noch einige Zeit dauern bis der/die Ablöser/in organisiert ist.

Weil es keine unbefristeten Verträge sind und man besorgt ist, dass ein Konkurrent in die Ablöserotation hineinrutscht, greift man nach dem Strohhalm, wenn der nächste Schiffseinsatz angeboten wird, auch wenn dies „Urlaubs“verkürzung bedeutet.

Wer nur kurz an Bord ist, um eine Art Work&Travel-Erfahrung zu machen, für den ist das Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff eine gute Möglichkeit. Wenn man aber etwas wie touristisches Kreuzfahrtmanagement, Nautik, Schiffsbetriebstechnik, etc. studiert hat, bieten die unbefristeten, zyprischen Verträge von sea chefs keine sichere Zukunft. Darüber hinaus muss man wettbewerbsfähig mit Osteuropäern und Asiaten sein, die in ihren Heimatländern ganz andere Voraussetzungen haben. Meiner Meinung nach liegt es auch daran, dass TUI Cruises sehr touristisch aufgestellt ist, nur wenige Mitarbeiter im Hamburger Hauptbüro haben Reedereierfahrung oder ursprünglichen Schiffsbezug. Mein Eindruck war, dass viele Mitarbeiter vom Hamburger Hauptbüro die Arbeit der Besatzungsmitglieder nicht einschätzen können und deshalb die Fähigkeiten oder gar die Belastung von den Besatzungsmitgliedern unterschätzen.

Das Steuerrecht war vor 2012 nicht eindeutig geklärt. Ich kenne Kollegen, die in Deutschland Steuern vor 2012 nachzahlen mussten, obwohl sea chefs mündlich gesagt hat, Brutto sei gleich Netto. Diese Kollegen haben ein finanzielles Risiko getragen im Vertrauen darauf, dass sea chefs Recht hat.

Die Rechtsprechung definierte nach dem alten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und Zypern den Begriff Unternehmen im Sinne des Art. 15 Abs. 3 DBA „ein Unternehmen (hier: TUI Cruises) das selbst internationalen See- und Luftverkehr  betreibt. Zugleich muss dieses Unternehmen wirtschaftlicher Arbeitgeber (hier: sea chefs) des Besatzungsmitglieds im Sinne des Abkommensrechts sein“ (http://justiz.hamburg.de/contentblob/4367468/23e9595b213979621e75eb4c7140a18a/data/newsletter2013-4.pdf).Da also das schiffsbetreibende Unternehmen (TUI Cruises) nicht der Arbeitgeber (sea chefs) ist, bestand keine ausschließliche Besteuerung nach zyprischem Recht.

Das neue DBA, welches seit 2012 gilt, hat den Begriff Unternehmen im angehängten Protokoll genauer definiert, sodass eine ausschließliche Besteuerung nach zyprischen Recht möglich ist. Trotzdem bleibt eine gewisse Ungewissheit bestehen. Weder TUI Cruises noch sea chefs klären hier auf oder geben gar Garantien, falls Brutto nicht gleich Netto ist. Müssen nach zyprischem Recht wirklich keine Einkommenssteuern gezahlt werden? In welchem zyprischen Gesetz kann man dies nachlesen? Was sagt das maltesische Recht und das DBA zwischen Deutschland und Malta oder zwischen Malta und Zypern? Was passiert, wenn das deutsche Finanzamt auf die Idee kommt und meint „es heißt ja DOPPELbesteuerungsabkommen, wenn keine Steuern in Zypern gezahlt werden, dann kann es keine DOPPELbesteuerung geben, wenn Deutschland die Steuern für sich eintreibt“? Wer zahlt die Gerichtskosten in einem solchen Fall (z. B. dieser Fall: Bundesfinanzhof I R 63/13)? Wer zahlt mir die Differenz, wenn das Nettogehalt plötzlich wegen einer anderen Interpretation der internationalen Rechtslage ein Bruttogehalt wird? Was passiert, wenn wegen der durch die Euro-Krise verursachten Kapitalverkehrskontrollen mein Gehalt aus Zypern nicht mehr gezahlt werden kann? Hier wird schlecht von Seiten TUI Cruises und sea chefs aufgeklärt und/oder etwas zugesichert, aber vermutlich soll die Besatzung nicht so genau Bescheid wissen.

Falls das neue DBA nicht hilft: Um nicht steuerpflichtig nach dem deutschen § 1 EStG zu sein, dürfte ich keinen Wohnsitz (§ 8 AO) oder keinen gewöhnlichen Aufenthalt (§ 9 AO) in Deutschland haben. Oft wird das Gerücht von Kollegen an Bord verbreitet, dass man nur 180 Tage im Ausland sein müsse und schon sei man nicht mehr steuerpflichtig in Deutschland. Das stimmt nur, wenn die Alternative Wohnsitz nicht vorhanden ist, § 8 AO: „Einen Wohnsitz hat jemand dort, wo er eine Wohnung unter Umständen innehat, die darauf schließen lassen, dass er die Wohnung beibehalten und benutzen wird.“ (Für mehr Informationen: FG Baden-Württemberg, Urteil vom 22. Juli 2008, Az. 4 K 1296/08)

Ich habe Argumente gehört, dass das Essen und die Wohnkosten an Bord gratis sind. Ich schätze den Verpflegungssatz pro Besatzungsmitglied auf ca. 6 EUR pro Tag, also ca. 180 EUR im Monat, denn dies ist der Satz den andere Crewing Agencies ungefähr ansetzen. Ich ziehe lieber ein angemessenes Jahresgehalt vor und zahle 180 EUR im Monat für die Verpflegung, als ein sehr niedriges Jahresgehalt plus gratis Essen. Es sei angemerkt, dass die Besatzung in der Regel nicht das Essen der Passagiere bekommt. Zu dem Argument Wohnkosten: Und wer bezahlt mir meine Wohnung an Land, wenn ich an Bord bin?! Wenn ich mir keine Wohnung an Land leisten soll, frage ich mich, warum man überhaupt arbeiten oder wo man während des „Urlaubs“ unterkommen soll.

Ein weiteres gehörtes Argument: Das Arbeiten an Bord mache Spaß und es gehe um Freundschaften, deswegen kann man nicht viel verlangen. Das ist zynisch: Dann dürfte derjenige, der seinem Traumjob nachgeht, gar nichts verdienen. Nach dieser Logik müsste derjenige, der nur halb so viel Spaß im Beruf hat, doppelt so viel verdienen. Wie gesagt, für ein kurzes Work&Travel-Feeling mag der Spaßfaktor wichtig sein. Wer sich mit einer Karriere auf See eine Zukunft aufbauen möchten, wird enttäuscht sein, die Kurve kratzen und an Land sich eine auskömmliche Arbeit mit vernünftigen Sozialbeiträgen in Deutschland suchen. Mein Bruttojahresgehalt in Deutschland ist mehr als das Doppelte an Bord und meine Jahresarbeitsstunden an Land sind weniger. – Anonym


Zum Titelthema „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Als langjähriger Leser der ZEIT bin ich hell entsetzt, auf welch reißerisches Niveau Sie sich mit Ihrem heutigen Titelthema („Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“) herunterlassen.

Durch Bild und Headline suggerieren Sie einen angeblichen Kontrollverlust, der auch in weiten Teilen des dann folgenden „Protokolls“ intendiert wird.

Sie stilisieren eine unübersichtliche und in der Tat schwierige Situation zu einem Kontrollverlust hoch. Das empfinde ich sowohl im Hinblick auf die Flüchtlinge als auch auf die vielen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer als schamlos. Kontrollverlust herrscht z. B. in Syrien und im Irak, nicht aber in Deuschland.

Welcher schon vor jenem Septemberwochenende 2015 in Deutschland lebende Mensch hat durch die Zuwanderung seinen Job oder seine Wohnung verloren oder weniger zu essen gekriegt? Kein einziger.

Stattdessen ist in einer schwierigen Lage sehr viel Hilfe und Solidarität gewachsen. Flüchtlinge werden zunehmend besser untergebracht, ihre Sprachkenntnisse verbessern sich, etliche arbeiten bereits oder nehmen auf andere Weise am gesellschaftlichen Leben teil.

Wollen Sie all das kleinreden? Oder sind Sie so arrogant, dass Sie meinen, nach einem Jahr die „richtige Version der Geschichte“ präsentieren zu können? – Nikolaus Schneider


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Wieder einmal eine hervorragende Wortmeldung von Iris Radisch zum Thema „Islam und Frau“. Schon ihre frühere Stellungnahme zur Erlaubnis des Kopftuchs für Lehrerinnen fand ich überzeugend und weitsichtig. Solange die „Zeit“ solche Meinungen zulässt, bleibe ich ein begeisterter Abonnent des Blattes. – Heinrich Meißner


Anmerkung zu „Späte Reue“:

Zwar bin ich kein Biologe (aber ein bisschen ein ,Besserwisser‘) -Sicher ist das kein Elchgeweih. Wenn, dann stammt es wohl von einem Wapiti oder wie man den Hirsch in Nordamerika auch nennt um einen Elk – Peter Krieger


Zum Artikel „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Ihre Wut, Ihre Frustration und Ihr Erstaunen kenne ich nur zu gut aus meinem eigenen Leben.
In einer absolut geschlechtsneutral agierenden und erziehenden Familie aufgewachsen frustrierte mich die Reaktion und Klassifizierung der Umwelt hinsichtlich männlich/weiblich schon früh. Bei uns in der Familie sind die Frauen technikafin, für die Finanzen verantwortlich und zupackend in Ingenieursberufen tätig. Die Männer, natürlich auch zupackend, in therapeutisch-pflegenden Berufen tätig.

Jetzt zeigt mir mein jüngerer Sohn (bald 9), wie man auf einem Dorf begeisterter Fußballspieler, Meisterkletterer und wilder Radfahrer sein kann. Dazu trägt er dann am liebsten pastellfarbene, rosa, lila Kleidung und lässt seine langen blonden Locken hinter sich her wehen. Gerne holt er auch mal sein buntes Kleid und seinen Blümchenrock aus dem Schrank. Zur Einschulung ging es in einem weiß-rosa-lila Glitzeroutfit mit entsprechender Schultüte.

Die Frage nach dem Geschlecht überhört er meistens und ignoriert sie.
Maria und Joseph tauscht er gerne mal aus bei Ausmalbildern. Seine Argumentation: Es gibt Frauen mit Bart(flaum), alle hatten damals lange Haare und Männer trugen lange Gewänder.

Einige Mädchen finden es wohl ärgerlich, dass da ein Junge in ‚ihrem Revier wildert‘, ansonsten wird er akzeptiert wie er ist – sich seiner Bedürfnisse und Wünsche sehr bewusst. – Maike Wolfram


Zu „Späte Reuhe“:

Die auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe der ZEIT abgebildete Trophäe zeigt nicht die eines Elches (alces alces) sondern vermutlich die eines Wapitihirsches (cervus canadensis), US-amerikanisch auch unter „elk“ bekannt. Ist das Fach Biologie auch nicht mehr Teil des Programms deutscher Gymnasien? – Rolf Jessl


Zum Thema Burkaverbot:

Eine interessante Diskussion. Nicht zuletzt, weil sich ein Verbot des Burka-Gebots auf den Koran stützen kann. Dort sind die gläubigen Frauen gewiesen, ihre Kleidung derart zu handhaben, dass ihre Identität für andere durch die Freilegung des Gesichts erkennbar ist:

Prophet! Sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie mögen ihre Gewänder über sich schlagen; es ist dann leichter, dass man sie erkennt, auf dass sie nicht belästigt werden. [Sure33, Vers59]

Dafür ist hier ein Anlass genannt, das Gebot wird aber nirgendwo im Koran für andere Anlässe aufgehoben. Zudem gibt es keine andere Kleidungsregelung im Koran, aus der sich das Burka-Gebot herleiten ließe.Da nun alles, was die Religion des Islams ausmacht, von Gott ausdrücklich allein dem Koran vorbehalten ist, verstößt also ein Burka-Gebot gegen die Religion. Merkwürdigerweise wird das von den Islamwissenschaftlern des Landes nicht klar gestellt. – Reinhard Stransfeld


Zum Burka-Verbot:

Ich denke, dass es an der Zeit wäre mal von Innen nach Aussen zu schauen. Es ist zu fragen, was z.B. eine afghanische Frau sieht, wenn sie durch ihr gestricktes Fensterlein schaut und was sie dabei empfindet. Nun ist nicht jede Frau wie jede Frau – eben wie bei uns auch nicht. Eine Burka ist nicht nur Last, sondern auch Schutz. In der Burka kennt sich die Trägerin aus, ausserhalb möglicherweise nicht so genaue. Im Haus selbst trägt eine Frau nie eine Burka oder ein vergleichbares Kleidungstück, ganz im Gegenteil, mitunter sind Frauen im Haus recht locker ankleidet. Die Sichtachse ändern nennt Prof. Günter Faltin so was. – Rolf-p. Owsianowski


Zu „Einigkeit und Recht und so“ einer Grafik der Nationalhymne:

Ich bin ein begeisterter Leser und Abonnent Ihrer Zeitung. Eine Kleinigkeit zu kritisieren habe ich ausnahmsweise doch:

In Ihrer Ausgabe Nr. 35/2016 vom 18.08.2016 wurde auf Seite 36 der Text des „Deutschlandliedes“ aufgearbeitet. Als Beleg für die Recherchen werden verschiedene Quellen genannt.

Bezüglich der Ausführung „Erstmals offiziell gesungen wird das <Deutschlandlied> 1890, als Helgoland im Tausch gegen die afrikanische Insel Sansibar wieder zu Deutschland gehört“ scheint hier jedoch ein Irrtum vorzuliegen. Denn wenn man die damaligen Ereignisse auf der u.a. als Quelle genannten Internetpräsenz Wikipedia nachliest, ist dort von dem immer wieder verbreiteten Missverständnis die Rede, wonach Helgoland nach einem Tausch gegen Sansibar zu deutschem Staatsgebiet zähle. Diese falsche Annahme basiere auf einer missbilligen Äußerung des damals schon ehemaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck. Wenn die Ausführungen korrekt sind, hat nun auch Die Zeit zur weiteren Verbreitung dieses Irrtums beigetragen.

Auch, dass Helgoland „wieder zu Deutschland gehört“, ist bei in den Quellen genannter vormaliger Zugehörigkeit zur dänischen Krone nicht nachvollziehbar.

Die Helgoland-Sansibar-Geschichte. Vielleicht auch eine Geschichte, die einen eigenen Einzelbericht lohnt.  – Tobias Avermann


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Benoîte Groult sagte: „Le sexisme est plus profond et plus endémique encore que le racisme.“
E. Raether nennt die Befürworter eines Vollverschleierungsverbots „Radikalliberale, die den Frauen den Stoff wieder vom Gesicht reißen“. Sagt sie dies auch zu Befürwortern des Verbots des Tragens von Hakenkreuzen auf der Kleidung? Warum dürfen die Menschen hier nicht ihre Persönlichkeit entfalten, wie es ihnen gefällt? Die Antwort ist klar: Beim Tragen von rassistischen Nazisymbolen ist der Schutz der durch dieses Symbol Angegriffenen wichtiger als die freie Entfaltung der Persönlichkeit und die Meinungsfreihei, also anderer Grundrechte. Was bedeutet aber die Vollverschleierung? Sie schließt Frauen grundsätzlich aus dem öffentlichen Leben aus. Sie werden zu schwarzen Nullen degradiert, wie Iris Radisch in ihrem Artikel feststellt. Ist das nicht der blanke Sexismus!? Und er wird offensichtlich nicht einmal von gebildeten Frauen als solcher erkannt, sondern man versucht auch hier noch Verständnis zu haben. Das Verbot soll in erster Linie Klarheit schaffen vor allem für die muslimischen Männer, die ihre Frauen zur Vollverschleierung zwingen.

Der Satz in unserem Grundgesetz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ ist auch gegen den Widerstand vieler Männer und der drei Frauen im Parlamentarischen Rat 1949 von einer Frau, nämlich Elisabeth Selbert, durchgesetzt worden und 1992 nach der Wiedervereinigung ergänzt worden durch den Satz:“Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“  Wenn vom Gesetzgeber keine Klarheit geschaffen wird, dann haben immer nur die Schwächeren zu leiden und beim Thema Vollverschleierung sind das eben die Frauen. – Christine Czerny-Schäfer


Zu „Einigkeit und Recht und so“ einer Grafik der Nationalhymne:

Zur Geschichte unserer Nationalhymne fand ich im Büchmann folgenden Hinweis:

Gemeint war vom Dichter nicht, dass Deutschland über alles herrschen solle, sondern dass es mit allen Problemen in der Welt fertig werden könne, wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält.

Dort wird auch im einzelnen belegt, dass dieser Gedanke bis in das 17. Jahrhundert zurückgeht und von verschiedenen Autoren in ähnlicher Form und in unterschiedlichen Zusammenhängen formuliert wurde.

Die irrige Meinung über den Sinn des Textes ausrotten zu wollen, wäre zwar mit Sicherheit aussichtslos, weshalb die erste Strophe zu Recht tabu zu bleiben hat. Das sollte uns aber nicht daran hindern, über den ursprünglichen Sinn Bescheid zu wissen. – Eglof v. Schnurbein


Zum Artikel „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Ich möchte mich beschweren. In dem Artikel ROSA IST SCHEISSE bezeichnen Sie Frauen, die studiert haben als klug und erwecken den Eindruck das Menschen, die nicht studiert haben automatisch dumm sind („anfangs dachte ich noch an ein Milieuphänomen. Dann hörte ich auch studierte, kluge Frauen…..“) Nun kenne ich kluge Krankenschwestern, Sekretärinnen Köchinnen und reflektierte Handwerkerinnen. Diese Arroganz, den Schulabschluss oder die Berufswahl mit der Intelligenz  eines Menschen zu vermischen, die sich immer wieder in Artikeln der Zeit findet , hat mich dazu bewogen, mein Abonnement zu kündigen. Gerne möchte ich aber noch betonen, wie lesenswert ich die Artikel der wunderbaren Elisabeth Raether die letzten Jahre genossen habe. – Irina Mecklenburg


Über den Artikel „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Helfen Verbote?

Nein: In Deutschland können die Frauen anziehen, was sie wollen. Dieses Recht muss für alle gelten, die hier leben. Sehr geehrte Frau Raether,  Sie hätten Recht, wenn die Frauen, die sich so verkleiden müssen, sprechen dürften. Ich muss dazu Ihnen meine Erfahrungen schildern. Unser Nachbarhaus wurde von den Erben verkauft. Ein Nachbar kam zu mir und sagte, das Nachbarhaus wurde von Türken gekauft. Unsere Häuser und Grundstücke verlieren an Wert. Darauf antwortete ich, wenn Gott die Menschen gemacht hat, dann hat er auch die Türken gemacht. Die Familie, zog nach ein paar Anpassungen des Hauses, ein. Diese türkische Familie ist mir lieber als die alten Nazis, die in der Adenauer CDU alle christlich wurden.

Diese Menschen, wurden von der Firma Honsel zum Arbeiten nach Meschede geholt. Sehr viele dieser Einwanderer sind in der Türkei nicht zur Schule gegangen. Die Frauen gehen nur in einem schwarzen langen Mantel und Kopftuch nach draußen. Ich habe den Mann gefragt, warum die Frauen im Sommer so herumlaufen müssen. Im Winter habe ich dafür volles Verständnis. Der Mann antwortete mir, dass das im Koran steht. Frauen müssen von den Füßen an, bedeckt herumlaufen. Sagen Sie mir Frau Raether, warum sollen diese armen Frauen das nicht machen, es steht so in dem Koran, wird ihnen erzählt. Die Frauen können das Gegenteil nicht wissen weil sie nicht lesen können. Diese Frauen wurden aus ihrer Gemeinschaft gerissen und mussten den Männern nach Deutschland folgen.

Nach einiger Zeit, bekam die Frau des älteren Sohnes ein Kind. Ich gratulierte zur Geburt. Der junge Mann sagte zu mir, es ist nur ein Mädchen. Da habe ich diesen netten jungen Mann erklärt, dass er ohne ein Mädchen, seine Mutter, nicht geboren wäre. Alle Männer dieser Familie grüßen keine Frau. Bin ich auch draußen,  sagen alle Männer, „Guten Tag Herr Sauter“

Der zweite Sohn sagte eines Tages zu mir, Er wird heiraten. Ich fragte, wen er denn heiraten will. Er sagte: „Meine Verlobte, die habe ich mit sechseinhalb Jahren das letzte Mal gesehen.“ Er heiratete in der Türkei, kam ohne seine Frau nach Meschede. Wo ist denn Ihre Frau, fragte ich. Sie darf erst in 6 Wochen nachkommen. Er zeigte mir voller Stolz die Fotos seiner Heirat. Als die Frau nach Deutschland einreisen durfte, kam er ganz stolz und stellte mir seine Frau vor. Sofort sagte ich, sie muss die deutsche Sprache lernen. Ich sagte, diesen Ausspruch fast täglich. Eines Tages kam er an und sagte zu mir, er hat  seine Frau zum Lernen der deutschen Sprache angemeldet. Toll, erwiderte ich. Noch etwas sagte er, wir bekommen ein Kind. Ich gratulierte. Die Frauen in unserem Nachbarhaus, dürfen auch nicht grüßen. Wenn ich die Frauen am Anfang der Straße treffe sind sie ganz umgewandelt. Sie spüren den Druck der Männer nicht. Wie soll man diesen Frauen sagen, Ihr habt die gleichen Rechte wie die Männer.

Dank einer SPD Frau aus Wuppertal, die sich gegen die Männerwelt durchsetzte, wurden die Gleichheit im Grundgesetz aufgenommen. Die CDU hat sehr lange gebraucht, bis das die Frauen ohne die Unterschrift des Mannes arbeiten durften.

Dazu kann ich Ihnen noch etwas mitteilen. Als unser erstes Kind vor 49 Jahren geboren wurde und ich den Kinderwagen mit Stolz geschoben hatte, sagte meine Schwiegermutter, „Ein Mann schiebt keinen Kinderwagen“ Als die Polen ins Ruhrgebiet einwanderten, durften sie in der Öffentlichkeit kein Wort polnisch reden. Noch nicht einmal in der Kirche. Vielleicht ist dadurch die Einbürgerung besser gelaufen. Heute sehe ich die Worte anders, die Helmut Schmidt Anfang der Sechzigerjahre sagte. Er warnte davor zu viele Menschen aus einem anderen Kulturkreis zu holen. Wer weiß was in den Moscheen gesprochen oder gehetzt wird.

Frau Raether, ein Sprichwort sagt, manche Menschen müssen zu ihrem Glück gezwungen werden. – Werner Sauter


Zum Artikel „Achtung, hier spricht die Polizei!“ von Henning Sussebach:

Wenn die Polizei von ihren Einsetzen berichten, dann weiß man sehr gut wie es tatsächlich um unsere Gesellschaft bestellt ist. Für mich war das zwar nicht neu, aber es war notwendig, daß Sie das veröffentlicht haben. Vielleicht hat das dazu beigetragen, daß die Politik endlich eine andere Einstellung bekommt. Bisher konnte man das nicht erkennen. Die aufrechten Bürger werden fast wahnsinnig, daß die Politik nicht vehement gegen steuert. Ich bringe das alles in Verbindung mit den unzähligen Morden und körperlichen Angriffen, mit denen die Bürger fast täglich konfrontiert werden.

Auffällig dabei sind die vielen Ausländer, die wenig Respekt gegenüber den Ordnungshütern haben. Und die Politik fördert diese Zustände und lassen die Ordnungshüter im Regen stehen. Es wird nur verschwiegen, weil dann sofort die Keule der Diskriminierung geschwungen wird. Selbst die Ordnungshüter trauen sich das nicht mehr zu sagen. Allein darin kann man das ganze Elend unserer Politik erkennen. Die Wut der Bürger wird, fürchte ich, noch zunehmen. Und die Flüchtlingswelle wird das ganze Dilemma noch befördern. – Gunter Knauer


Zu Josef Joffe: „Reich des Guten“:

Ich bin verwirrt. Thema: Europa ist der kranke Mann der Welt. Ist das Orwell – da wo das Wahrheitsministerium … straight aus dem Land der Freiheitstatue. – Karin Hofmann


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Meine Meinung zu dieser Thematik ist diese: „Eine offene Gesellschaft, wie die unsrige und ihre Werte verlangen ein offenes Gesicht; sie muß daher gegen die Unterwanderung durch Vermummungen wie Burka und Niquab verteidigt werden, zumal dafür keine religiöse Begründung ersichtlich ist. Die Gegenmeinung mit ihrer exzessiven Freiheitsideologie weitergedacht würde dazu führen, dass beispielsweise auch auch der Exhibitionismus und anderes nicht allgemein Zumutbares erlaubt sein/werden müßte.“ – Dr..Friedrich K. Dünisch


Zur Titel-Schlagzeile „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Ihre aktuelle Titel-Schlagzeile „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“ finde ich völlig daneben, journalistisch nahe Bild-Zeitungsniveau, politisch nahe AfD. Wenn das der künftige Stil und Inhalt der „Zeit“ sein soll und Sie damit neue Leser gewinnen wollen, werden Sie auf mich sicherlich verzichten müssen. – Dietrich Scholle


Betrifft Titel-Schlagzeile „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Ihre aktuelle reißerische Titel Schlagzeile „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“  hat mich entsetzt. Sie ist journalistisch völlig daneben, politisch nahe der AfD.

Am 4. September 2015 traf Angela Merkel eine politische und humane Entscheidung, Hunderte von Menschen haben damals Geflüchtete aus Kriegs- und Krisengebieten willkommen geheißen und mit dem Nötigsten versorgt.

Seit dieser Zeit (und auch schon vorher) sind Hunderte von Menschen in Deutschland ehrenamtlich in verschiedenen Funktionen für Geflüchtete tätig. Wir haben damals und heute nicht die Kontrolle verloren, Sie aber offensichtlich Ihr Urteilsvermögen und Ihre Verantwortung als Chefredakteur einer ehemals großen und seriösen Wochenzeitung. Wenn Sie mit diesem Stil neue Leser gewonnen wollen, nur zu, mich haben Sie damit verloren. – Hanna Scholle


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Ihre beiden Beitraege haben mich (mal wieder) zum Nachdenken ueber das Verbot einer Vollverschleierung veranlasst. Waehrend ich das Argument sehe, dass die Vollverschleierung ein Unterdrueckungsinstrument sein kann, sehe ich nicht, was ein Verbot daran aendern wuerde. Wenn ein Mann seine Frau/Tochter/Schwester/… derzeit nur voll verschleiert aus dem Haus laesst, so bezweifle ich, dass ein Verbot daran etwas aendern wird. Entweder er laesst sie garnicht mehr aus dem Haus oder eben weiterhin nur verschleiert. Auch ist mir unklar, wie ein solches Verbot durchgesetzt werden soll. Wird eine verschleierte Frau nach einer Anzeige festgenommen und zu einem Bussgeld verurteilt? Hilft ihr das freier zu werden?

Auch scheinen voll verschleierte Frauen eine kleine Minderheit darzustellen, mit wenigen Tausend Faellen in Deutschland. Insofern erscheint mir das eher Symbolpolitik (auch auf dem Ruecken der Frauen) als eine echte Hilfe fuer unterdrueckte Frauen. Oder erwartet jemand, dass eine von ihrem Mann unterdrueckte Frau ihm sagt, dass seine Regeln gegen das deutsche Gesetz verstossen und sie sie daher nicht beachten wird? Es ist auch verboten Ehepartner und KInder zu misshandeln und trotzdem geschieht es. Darueberhinaus habe ich meine Probleme mit Kleidungsvorschriften – manche betrachten das Tragen von Minirock und Make-Up als Zeichen der Befreiung, waehrend es fuer mich eher Vermarktung von Frauenkoerpern ist.

Insgesamt erscheint mir – wie bereits erwaehnt – die Debatte um ein Verbot der Vollverschleierung eine klassische Debatte um ein Gesetz fuer ein Problem, das sich nicht ueber Gesetze loesen laesst. Aber ein neues Gesetz macht sich eben gut und vermittelt den Eindruck, man habe etwas getan – auch wenn es im Alltag wenig bis garnichts aendert. Vielleicht waere ich eher zu ueberzeugen, wenn man mehr ueber die geplanten Ausfuehrung hoeren wuerde – aber da ist Schweigen – ob von Politkern oder Medien ist mir nicht klar.  Danke fuer Ihre Beitraege und die Anregung zum Nachdenken! – Sabine Moehler


Bezugnahme auf Artikel „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Haben Sie vielen Dank für Ihren Artikel! Ich kann mir vorstellen, dass dieser bei der LeserInnenschaft einigen Unmut hervorrufen wird und möchte gerade deshalb ein explizites Lob aussprechen. Wenngleich ich das Gefühl habe, schon hunderte von Artikeln zu diesem Thema gelesen zu haben, scheint sich die Tendenz „Rosa für Mädchen, Blau für Jungs“ noch eher zu verstärken. Insofern ist es wichtig, dass immer wieder Artikel publiziert werden, die auf diese unsäglichen Erfüllungen sämtlicher Klischees aufmerksam machen. Schön wäre es gewesen, wenn Sie zusätzlich noch auf die Problematik des Binarismus „Junge – Mädchen“ eingegangen wären; diesen haben Sie nämlich leider nur reproduziert. Ansonsten besten Dank für Ihre Zeilen! – Isabella Buck


Zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Es tut mir Leid für Ihre Autorin Elisabeth Raether.  Iris Radisch hat die überzeugenderen Argumente. Daran gibt es nichts zu rütteln.

Eine Religion, die die halbe Welt und darüber hinaus mit Terror überzieht, kann die Vollverschleierung nicht mehr für sich in Anspruch nehmen, wenn sie in einem Land leben möchte, das davon auch betroffen ist. Eine Burka ist das Diktat einer Männerwelt, die uns das Leid und den Tod in den Westen getragen hat. Die Burka ist eines der Symbole davon. – Gunter Knauer

Bezüglich der Rubrik „Prominent Ignoriert“:

Eigentlich eine unwichtige Information, die ich Ihnen hier in aller Kürze sende, aber der letzte Satz Ihres Textes wird im Nachhinein zu einer ungewollten Pointe. Ja, da lachen die Elche wirklich, denn auf dem Foto ist das Geweih eines Wapiti, einer großen nordamerikanischen Hirschart, zu sehen. Im Amerikanischen auch elk genannt. Den Elch selbst nennen die Amerikaner moose. – Steffen Walentowitz


Zum Titelthema:

Von wegen „Kontrolle verloren“

Gegen Ihren Aufmacher in der ZEIT vom 18. August zur „Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“ und die gesamte Tendenz Ihrer „Chronik“ möchte ich entschiedenen Widerspruch, ja Protest einlegen. Hätte es geheißen, „als Deutschland eine Entscheidung traf“, dann wäre eine sachliche Diskussion über die Umstände und Abläufe möglich gewesen. Da wären sicher auch Mängel sichtbar geworden, und ebenso sicher ist, dass die Umstände der Tage Anfang September letzten Jahres nach Entscheidungen verlangten, die nicht auf ein konzertiertes Qualitätssicherungsmanagement und den Auftritt des Chors der Bedenkenträger warten konnten. Die gesamte Tendenz Ihrer Darstellung, gespickt mit Vokabeln wie „Täuschungsmanöver“, „politische Illusion“ oder „verhängnisvoller Tweed“ soll wohl irgendwie das Bild einer zweiten Schabowskiade bedienen. Nein, das ist gar nicht witzig, denn es heißt im Klartext, dass man die Flüchtlinge am Budapester Hauptbahnhof und sonstwo besser hätte unter Herrn Orbans Fittichen verdursten lassen sollen, während auf Aleppo bis heute Bomben abgeworfen werden und auch sonst keine Fluchtursachen behoben sind – nur dass sich aus Angst vor den heimischen Reaktionen mittlerweile kaum einer der politischen Akteure sich noch traut, sich davon bewegt zu zeigen. Mit Ihrer tendenziösen Darstellung betreiben Sie nicht nur das Geschäft der Herren Gauland, Höcke und Seehofer. Sie spielen selbst mit dem Feuer und befeuern eine Stimmung, mit der das Handeln nach humanitären Prinzipien diskreditiert wird. Das ist zynisch und billig. Vielleicht ist es auch strafbar. – Prof. Dr. Johannes Heil


Zu Josef Joffe: „Reich des Guten“:

Bisher habe ich Ihre kurzen, prägnanten Artikel geschätzt. Aber „Reich des Guten“ finde ich völlig daneben. Den Vergleich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs hätte ich eher in der Bildzeitung vermutet. Haben Sie vergessen, dass wir über eine Million Flüchtlinge aufgenommen haben? Wenn man nun den Spreu vom Weizen trennen muss (Abschiebungen) und Obergrenzen anstrebt, ist das nicht unmoralisch (von wegen Moralpolitik). Es ist einfach, „eine überbordende Krise, unmenschlicher Druck, betrogene Hoffnungen, Fehlkalkül, Bürokratengerangel und Inkompetenz“ vom Journalistenschreibtisch aus zu kritisieren. Ihnen ist scheinbar nicht bewusst, dass es für die Bewältigung der (un)bekannten Aufgaben keine Lehrausbildung gibt. Unsere Politiker, Kirchen, Caritasverbände und ehrenamtlichen Helfer (auch hier gibt es den „Faktor Mensch“) haben bisher wahnsinnig viel geleistet und natürlich auch Fehler gemacht (die werden in Ihrer Zeitung auch gemacht!). Mit diesem Artikel haben Sie unserem Land, Ihrer Zeitung und Ihrer Person kein gutes Zeugnis ausgestellt. – Rudolf Lobecke


Zum Artikel von Jürgen Krätzer: „Atheismus ist immer noch erlaubt!“:

Na endlich einmal Klares bei all diesem Glauben & Zweifeln!  —  Wunderschön insbesondere:  “Und der Atheist? Schaut … neidvoll auf die Gläubigen” … Der Arme!  —  Herzlichen Dank! – Herbert Grösch


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether:

In Deutschland können die Menschen ihr Leben gestalten, wie sie wollen. Dieses Recht muss für alle gelten, die hier leben. Auch für Menschen, die sich – angeblich freiwillig – versklaven. Weil sie kein anderes Leben kennen als das eines Sklaven oder einer Sklavin.

Liebe Frau Raether, würden Sie diesen Satz auch mit Ihrem Namen unterschreiben?
Stellen Sie sich vor, es kämen Menschen zu uns nach Deutschland aus einem Kulturkreis, in dem Sklaverei gängige Praxis wäre. Mit allen Ihren Argumenten für das Tragen einer Burka könnten Sie auch die Fortsetzung des Sklaventums rechtfertigen.

Es gibt so viele Entscheidungen im Leben, die nie freiwillig als Folge einer gedanklichen Auseinandersetzung getroffen werden. Sie sind vielmehr Resultat von Erziehung und Gewohnheit, verstärkt durch Gruppendruck und psychische Abhängigkeit. Selbst wenn Betroffene in psychische Not geraten, würden sie diese eher leugnen als zugeben. Sie ertragen freiwillig seelische Gewalt, weil sie keine Alternativen kennen. Es ist falsche Toleranz, diese Menschen ihrem Schicksal zu überlassen. Aus meiner Sicht gibt es keine andere Wahl, als Rahmenbedingungen zu schaffen, die persönlichkeitsauslöschende Kleidung – eine Variante der Versklavung – klar verbieten.  – Reinhild Berger


Leserbrief zu „Mit Super-Ironie“ von Jens Jessen:

Zum Nachruf von Jens Jessen auf den Schriftsteller Hermann Kant im Feuilleton vom 18. August (Nr. 35): Wenn es einen „Dichterhimmel“ gibt, in dem Jens Jessen Hermann Kant jetzt vermutet, dann wird der frühere DDR-Schriftsteller den Nachruf summa summarum gern gelesen haben, denn mehr kann man doch einer zwielichtigen Person nicht nachreden, als dass sie trotz allem doch noch in den Himmel kommt. Jessen sei Dank, dass aber auch die Schattenseiten dieses „Super-Ironikers“ der DDR-Literatur mit seinen „Gutenachtgeschichten“ (Jessen) gebührend zur Sprache kommen.

Ich habe mir nach dem Tod von Hermann Kant nochmal einen Band mit Gesprächen des Schriftstellers mit Irmtraud Gutschke von 2007 zur Hand genommen („Die Sache und die Sachen“), in denen Kant bei allen Versuchen zur Selbstrechtfertigung seines Spagats zwischen Schriftsteller und Kulturfunktionär in der DDR (Mitglied des SED-Zentralkomitees) auch deutliche und erstaunlich offenherzige Worte über das politische System DDR (und des „großen Bruders“ Sowjetunion) findet. In diesem System sei die Kultur als eine Sache betrachtet worden, „die man per Ukas regulierte“. Die Menschen in der DDR, die im Oktober 1989 auf die Straße gegangen seien, „hatten genug von der Zwangsherrschaft, die wir wirklich ausgeübt hatten“. Kant sagt „wir“. Im Hinblick auf Beobachtungen bei Reisen in die Sowjetunion erwähnte Kant Beispiele „für etwas, das sich sozialistisch gerierte, in Wirklichkeit aber menschenverachtend war“.

Er habe begriffen, „daß du nicht straflos über Jahrzehnte gegen alle möglichen Regeln – ökonomische, ethische – verstoßen kannst“. Das hätte man in Ost und West auch gerne auch vor dem Fall der Mauer von Kant öffentlich gehört. Und last but not least bleibt es immer ein Rätsel, wie ein intellektueller Mensch und Künstler ein System rechtfertigen und mittragen kann, in dem nur eine Staatspartei auf Dauer das sagen hat („Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!“) und dessen Generalsekretär das letzte Wort in allen, wirklich allen Angelegenheiten hat. Hatte Kant, der doch als deutscher Wehrmachtssoldat in leidvolle polnische Kriegsgefangenschaft geraten war (und darüber sein  eigentliches Meisterwerk „Der Aufenthalt“ geschrieben hat), dieses „Führer befiehl, wir folgen dir!“ vergessen? Natürlich ist der nackte Kapitalismus keine menschenwürdige Lösung aller Probleme der Menschheit – aber darüber muss und wird gestritten werden, öffentlich! – Wilfried Mommert


Liebe Kollegen der Zeit, ich möchte mal zu dieser nachtschlafender Zeit ein Lob loswerden.

Ich bin zum zweiten Mal in diesem Jahr lange mit dem Zug quer durch Deutschland unterwegs, um einen lieben Verwandten zu beerdigen. Kein schöner Anlass, aber ein Grund, sich die Fahrt mit der ZEIT zu verkürzen. Während der ersten Fahrt im Januar hat es Frau Hasel geschafft, mich mit dem Artikel „Heul doch“ aufzumuntern. Und heute finde ich in der aktuellen Ausgabe „Scheiß Rosa“  – einfach klasse. Wieder so ein Muntermacher an einem Tag der Tränen. Danke dafür! – Sabine Hildebrandt


Zum Artikel „»Huhu, Prof, läuft das mit Hausarbeit?«“:

Der kurze Artikel zur Email Kommunikation zwischen Studierenden und Dozenten in der aktuellen ZEIT Ausgabe spricht mir aus der Seele! Ich studiere an der Deutschen Sporthochschule, wodurch der Umgang mit vorgesetzten oft sehr Kumpelhaft ist. Dennoch versucht man als (Master) Student in der Kommunikation mit Profesoren und Institutsleitern die Höflichkeit zu waren, was auch teilweise gewünscht wird. Die Antworten sind aber oft so kryptisch und unterirdisch, dass man sich schon sehr wundert.

Hier ein paar E-Mail Antwort Highlights (Prof. Dr. und Institutsleiter ….):

>>wenn Sie heute oder morgen abgeben (mein Postfach), können Sie mittwoch abholen herzl Gruss <<

>>Abstract auf English ist OK. Attached Instruction gibt es jetzt auch auf Moodle A final time plan and program for nxt sessions will follow later cause I need to include some (minor) changes. HGr<<

>>vielen Dank für Euer Anwort ! weiteres dann Donnerstag Herzl Gr<< – Stefanie Rüdiger


Zur Burkadebatte:

Abgesehen davon, dass ich es als absolut erniedrigend finde mich als Frau in der globalisierten Welt vollverschleiert bewegen zu müssen, möchte ich darauf hinweisen dass ein /e Motorradfahrer/in den Helm beim Betreten einer Bank oder Tankstelle abnehmen muss! – Cornelia Mumm


Leserbrief  zum Burka-Verbot:

Sehr ausführlich wird auf der Titelseite das Für und Wider eines Burka-Verbotes dargelegt.
Ich habe in Deutschland noch keine der vermutlich 6 500 Burka-Trägerinnen erlebt.

Fast täglich sehe ich aber  sehr junge bis nicht mehr ganz so junge Frauen in neuen Jeans, die von hinten perfekt aussehen, vorne aber zerrissen sind (wenn man genauer hinsieht, mit Absicht – an den Ränder kann man häufig Nähte sehen, die ein weiteres Einreißen verhindern sollen).
Es wäre schön, wenn sich die ZEIT  ebenso intensiv und grundsätzlich mit dieser Modeerscheinung beschäftigte.  Ich nehme an, die meisten  Trägerinnen solcher Jeans  denken nicht daran,  dass solch ein Gebaren  dekadent und verächtlich wirkt auf die Menschen, die aus Not schlechte und zerschlissene Kleider tragen müssen.  Und diese armen Menschen leben in der Mehrzahl in den Ländern, in denen solche „zerrissenen“ Hosen hergestellt werden. – Michael Strake


Betrifft das Thema Burka-Verbot:

Schon allein die Überschrift im Beitrag von Elisabeth Raether zur Burka-Diskussion lässt denken, es handele sich um eine Frage der Mode. Doch weit gefehlt, ist doch die Verhüllung der Frauen Ausdruck höchst ungleicher repressiver Religionsausübung, die ich trotz oder vielleicht gerade wegen jener hehren präsidialen Worte, der Islam gehöre zu Deutschland, nicht als Bestandteil von Deutschland sehen möchte. Frei wäre diese Religionsausübung, die im Übrigen vom Koran so nicht vorgeschrieben ist, wenn sie Schwestern oder Töchtern die Wahl ließe, sich als „Zelt“ oder mit Burka in unserer liberalen Gesellschaft zu bewegen oder aber nicht genötigt vom patriarchalischen Diktat ihrer Muskel-T-Shirt tragenden Brüder unverhüllt leben zu wollen. Und mehr: wenn genau diese verhüllten Frauen und ihre Männer, die in unserer Gesellschaft ihr Recht auf eigene Kultur so sehr reklamieren, sich im gegenseitigen Respekt auch für die Akzeptanz von Minirock und Biercafés in Mekka und Medina einsetzen würden. Tun sie aber nicht, insofern bleibt das aufeinander Zugehen vollkommen einseitig und gefährdet mit dem Eintritt eines reaktionären Frauenbilds durch die Hintertür falsch ausgelegter Liberalität das konstitutionelle Selbstverständnis unserer Gesellschaft. – Dr. Joachim Schüürmann


Zum Artikel „Was geschah an diesem Wochenende wirklich?“:

Eine faszinierende Recherche. Ein Politkrimi. Es fehlte nur das Ergebnis des Fußballspiels Ungarn-Rumänien. – Dr. Dietrich Berndt


Leserbrief zu „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Ihr Anliegen kann ich sehr gut nachvollziehen. Es wundert mich aber, dass Sie gar nicht auf den Punkt eingehen, dass die Eltern von denen Sie die gebrauchte Kleidung bekommen haben, für ihre Jungs ja anscheinend auch ganz bewusst blaue Kleidung ausgesucht haben – was bedeutet denn blau?
Am Ende Ihres Artikels schreiben Sie, dass Sie Ihrer Tochter inzwischen bewusst blaue Kleidung anziehen. Warum keine andere, neutrale Farbe, weiss, gelb, grün? Da Sie wissen, welche Reaktionen das blaue Shirt hervorruft,nutzen Sie Ihre Tochter zum Senden einer Botschaft. Meiner Meinung nach sollte niemand eine Botschaft an seinem Körper tragen, der sich nicht bewusst dafür entscheiden kann. – Nadine Wagenbach


Zu „Gestrandet in Bonn“ von Christiane Florin:

Ich habe selten einen so oberflächlichen Artikel gelesen, wie diesen! Da schreibt jemand über Bonn, hat sich vorher nicht schlau gemacht und geht prompt in die falsche Richtung.Das damalige Regierungsviertel war für die Bonner nie Bonn, es war eben das „Regierungsviertel“: quasi eine Stadt für sich. Und das Beethovenhaus ist schmal! Wenn die Schreiberin gewußt hätte, dass Beethoven bald 200 Jahre alt wird, wüßte sie auch, dass man damals noch keine Glaspaläste baute, und Beethoven auch nicht das Kind reicher Eltern war.

Und die „Scala“ am Rhein? Das war die Bonner Oper wirklich einmal, zu einer Zeit, als es die Schreiberin vielleicht noch nicht gab. „Scala“ das war unter den Intendanten Riber und Carlo del Monaco. Große und berühmte Sänger der damaligen Zeit sangen in der Oper, sie aufzuführen würde den Rahmen sprengen. Um nur einen zu nennen: Domingo, ein Freund von del Monaco, ging damals in der Bonner Oper ein und aus.

Hätte die Schreiberin das richtige Bonn kennenlernen wollen, hätte sie genau in die andere Richtung gehen müssen: am Rhein entlang, vorbei an der Beethovenhalle ( ständiger Zankapfel in Bonn), dann Richtung Altstadt, ein interessantes Viertel mit engen Straßen, alten Häusern, teils gut saniert, teils noch verkommen. Hier gibt es viele urige Kneipen verschiedener Nationen, hier wohnt das alternative und multikulturelle Bonn, auch viele Studenten, denn Bonn ist auch eine Universitätsstadt!(zur Information für die Schreiberin) Danach wäre empfehlenswert ein Gang durch die Innenstadt ( keineswegs großstädtisch), vorbei am Münster Richtung Kaiserplatz über die Poppelsdorfer Allee zum Poppelsdorfer Schloß. Ein toller Anblick vom Kaiserplatz aus, gefiel schon Kurfürst Clemens August, der auch die Brühler Schlösser bauen ließ, ( zur Information für die Schreiberin).

Des weiteren könnte man auf den Venusberg fahren.Von dort hat man einen wunderschönen Blick auf das Rheintal mit dem Siebengebirge und auch auf das Kameha Hotel. Nur dort geht kein Bonner hin. Das ist was für die Snobiety. Es gibt andere urtümlichere Hotels und Restaurants auf beiden Seiten des Rheins.

Bonn hat also mehr zu bieten als das , welches die Schreiberin gesehen hat. In einem aber hat sie Recht: Bonn ist die nördlichste Stadt Italiens: Bonn ist nicht großstädtisch, es ist laut, familiär, ein bißchen“knüselig“ ( nicht sehr sauber), im Sommer schwül, aber mit dem südländischen „dolce far niente“ ausgestattet. Ich liebe es und lasse es mir nicht vermiesen.

Es grüßt Sie eine überzeugte Bonnerin  – Ingrid Grenzmann


Betrifft „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Richtig: Das Thema gehört auf das Titelblatt. Leider entgeht den beiden sehr geschätzten Autorinnen,  die ich hiermit hochachtungsvoll um Nachsicht bitte,  das m.E. „schlagende“ Argument  f ü r  das Burka-Verbot.   Es lautet: In Zeiten  des ausufernden islamistischen Terrors ist es für den einchlägigen Attentäter, insbesondere bei größeren Menschenansammlungen,  ein Leichtes,  sich unter der Maske der Burka an sein Opfer bis auf Dolchstoßnähe anzuschleichen und nach erledigter Tat in der Menge unterzutauchen. Im Übrigen:  Es wäre denkbar fatal,  wenn sich alleine die AfD  des attraktiven Themas annehmen würde. – Heidi Vogel


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether:

Was Frau Raether hier produziert, ist in zweifacher Hinsicht sehr ärgerlich. Erstens ist der Artikel von seiner inneren Zusammenhangsstruktur her gesehen miserabel. Zweitens habe ich den Eindruck, dass die Verfasserin gar nicht weiß, worüber sie schreibt. Es geht hier nicht um ein Stück Mode und auch nicht um Genderfragen und auch nicht um Religionsausübung, sondern darum, dass irgendwelche Menschen in unserer Gesellschaft in der Öffentlichkeit ihr Gesicht zu verbergen sich anmaßen. Und das ist unerträglich. Und hat durchaus auch einen polizeilichen Aspekt. – Nithart Grützmacher


Zum Artikel „Wo sind sie denn?“ von Jana Gioia Burmann et. al.:

Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Ich glaube, der Satz ist noch nicht so durchgedrungen… Letztlich bräuchten viele Flüchtlinge einen Anfang in der Grundschule (oder deren Stoff), um dann langsam darauf aufzubauen. Das hieße äußerste Flexibilität: wer schon weiter ist – den Lehrstoff kennt -, springt eine oder mehrere Klassen bis zur angemessenen Qualifikation.

Das erfordert ein Behördensystem, das schnell und flexibel agiert und reagiert (ein Widerspruch in sich?) und es erfordert eine Gesellschaft, die ihre Lehrer besser bezahlt und überhaupt das Lehren obenan stellt (nicht den Banker, der wieder so toll die Märkte ausgetrickst hat).

„Die Globalisierung klopft an“ und die hochentwickelten Dienstleistungs- und Industriegesellschaften antworten mit ihren gewohnten Verfahren…so wird es nicht gehen! Oder haben damals die Trümmerfrauen den Schutt nach DIN-Norm weggeräumt und später alle das Land nach Paragraph xy aufgebaut? Nach jeder „Jahrhundertflut“ wird schnell und unbürokratisch geholfen  (wirklich?!?), warum nicht jetzt?!? – Wolfgang Michel 


Leserbrief zum Artikel von Jürgen Krätzer: „Atheismus ist immer noch erlaubt!“:

Wer sagt, ohne Gottglauben und Religion sei keine Moral möglich, stellt Atheisten als moralische Mangelwesen dar. Würde man wagen, so über Russen oder Chinesen zu reden oder es ablehnen, wenn gar fürchterlich moralunfähige Atheisten einem Erste Hilfe leisten, das Leben retten?

Als wenn Atheisten nicht zu liebevoller Hinwendung zum anderen, zu sozialem Verhalten, zur Demokratie, zur Sinngebung fähig wären. Anmaßung pur, sieht die auch sehr blutige Geschichte der machthabenden Kirchen.

Peinlich auch der Anspruch der Theologie auf Wissenschaftlichkeit. Deren einzig weitgehend wissenschaftliche Bereich ist die neutrale, möglichst nicht bekenntnisgebundene historisch kritische Forschung. Exakt diese hat aber das „religiöse Kartenhaus“ zusammenfallen lassen – und wird natürlich meistens ignoriert. Theologen lehren heute, indem sie aus der Bibel die ihnen genehmen Rosinen rauspicken, deren hochgradig inhumane Aspekte aber ausblenden. So legen sie immer noch das „Alte Testament“ in den Kirchen auf dem Altar aus. Der Verfassungsschutz würde den Text verbieten, würde er heute geschrieben.

Wer Strafdrohungen eines Gottes braucht, um „gut“ zu sein, tut das „Gute“ nicht um des „Guten“ willen, sondern aus Angst. Interessante „Ethik“.

Wer als Christ die Massenmorde im letzten Jahrhundert den Atheisten anhängen möchte, treibt ein schlimmes Spiel. Kein Krieg wurde zur Ausbreitung des Atheismus geführt. Der Holocaust fand in seiner ungeheuren Eigenheit in einem christlichen Land statt. Wer Leichen zählt, um Atheisten zu diffamieren, sollte analytisch sauber die Kennziffer befragen: Wie viele Tote gab es im jeweiligen Kriegsgebiet prozentual zur dortigen Bevölkerung unter Nutzung welcher waffentechnischen Möglichkeiten? Sieht man z.B. den stark religiös motivierten Dreißigjährigen Krieg: Was, hätten dessen christliche Akteure bei entschieden geringerer Bevölkerung mit den Waffen des letzten Jahrhunderts anrichten können!

Das Neue Testament? Die katholische Theologin Uta Ranke Heinemann schreibt in großer Ehrlichkeit von einer „Menschenopferreligion“. Benötigt ein „höheres“ Wesen als Vater den grauenhaften Kreuzesfoltertod seines Sohnes zur Vergebung der Sünden der Menschen, dann ist das in der Tat die „Ethik“ des Menschenopfers. Über andere Religionen mit Menschenopfern rümpft man die Nase. Nur löst die dort entschieden höhere Opferzahl das ethische Grundproblem nicht.

Laut Ranke-Heinemann wird zwar die wirkliche Lehre Christi völlig falsch wiedergeben. Diese käme ohne Opfertod aus. Das ändert nichts an der amtlichen Lehre. Was würde die sagen, wäre Jesus etwa unter Helmut Kohl gekommen? Die Todesstrafe war abgeschafft, eine Erlösung somit unmöglich. Was, wäre Jesus an einer Fischvergiftung gestorben? Nicht diese Fragen sind abstrus, die Lehre ist es.

Dann die Frage der Theodizee. Es geht um die Verantwortung dieses Gottes den Menschen gegenüber. Ein Gott, der tatenlos zuschaut bei jeder Vergewaltigung, bei jedem nachfolgenden Vertuschungsmord, der nicht hilft, auch nicht den Opfern des Nazimassenmordes. Da dürfen manche mit ihren Verunglimpfungen von Atheisten genauso schweigen wie der von ihnen geglaubte Gott. –  Johannes Haverkämper


Betrifft „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Sie beschreiben die Irritierung, wenn Ihre Tochter Shirts mit LKW-Aufdruck trägt. Meine Tochter (1) trägt viel Kleidung ihres großen Bruders (2) und bisher ist das mir gegenüber weitgehend unkommentiert geblieben. Versuchen Sie allerdings mal einem kleinen Jungen auch nur unauffällige Mädchenkleidung ohne Rosa (Hosen mit Blumeninnenfutter oder Shirts mit kleinen Raffungen) anzuziehen. Die Reaktionen darauf sind deutlich stärker! – Hannah Bittner


Zum Burka-Verbot:

Der entscheidende Punkt, der in meinen Augen für ein Verbot spricht, wird in dem Plädoyer gar nicht genannt, und der ist Teil unserer

Ur-Kultur: wer seine Höhle verläßt und im öffentlichen Raum anderen begegnet, zeigt sein Gesicht! Und das seit Jahrmillionen! Das ist ein Akt unmittelbarer, sofortiger, wortloser, aber gewichtiger Kommunikation. In Sekundenbruchteilen schätzt man sich gegenseitig ab: freundlich oder feindlich gesonnen, harmlos oder gefährlich, offen oder verschlossen?

 Wer sich unter einer Burka versteckt (und das hat mit dem Geschlechterkampf oder -konflikt rein gar nichts zu tun) zeigt nicht nur eine grundsätzliche Kommunikationsverweigerung, sondern löst auch Angstgefühle aus: wer versteckt sich darunter? mit welchen Absichten? trägt „es“ eine Waffe? – Wolfgang Heckl


Über die Titel-Schlagzeile:

Ich bin gerne Leser Ihrer Zeitung und möchte in Kürze ein weiteres Abonnement abschließen. Dennoch möchte ich eine Kritik äußern und Ihnen schreiben, was mich an Ihrer Zeitung stört.

Ich finde den roten Banner „Mit 3 Seiten ZEIT im Osten“ auf der Titelseite überflüssig. Was hat es damit auf sich und muss explizit darauf hingewiesen werden? Ist es nicht besser, wenn man den Schriftzug „Die Zeit“ komplett sehen kann? Ich würde mich freuen, wenn Sie mir dazu eine Erklärung geben könnten. – Lars Geigner


Über das Burka-Verbot:

Freiwillig Burka tragen, ein größeres Paradoxon gibt es kaum! Die meisten Frauen tun dies aus Zwang, eine Verweigerung hätte brutale Folgen! Warum behaupten manche Frauen, dies aus „Glaubensüberzeugung“ zu tun? Die Antwort steckt in der Gegenfrage: Welche Möglichkeiten der Anerkennung hätten sie denn sonst, außer Kinder kriegen und dem Manne allzeit zu Diensten zu sein? So erlangen sie wenigsten ein wenig „Ansehen“ und können gegenüber den „Burka-Verweigerinnen“ als „moralische Instanz“ auftreten. Darum ist diese „Freiwillige Glaubensüberzeugung“ einzig eine Flucht nach vorne. Vor allem aber muss die Diskussion um die Rolle der muslimischen Frau weiter gehen, um ihr die gleichen Rechte innerhalb der muslimischen Gemeinde zu garantieren. Ohne diese Veränderung würde die Frau hinter der eigenen Wohnungstür wieder ungeschützt den Repressalien des Mannes oder der Verwandtschaft ausgeliefert sein bis hin zur Verweigerung der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. – Joachim Kretschmann


Betrifft „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Mir ist es mehr als unangenehm, wenn ich im öffentlichen Raum nicht die Gesichter der Menschen sehen kann, die mit mir diesen Raum teilen, das möchte ich nicht. Es ist auch erstaunlich, dass öffentliche Räume videoüberwacht werden und dies auch legal ist, aber die Vollvermummung unter der Burka erlaubt sein soll – was ist das für eine Vorstellung von „Freiheit & Gleichheit“? Den Vergleich mit Nikolaus- und Faschingskostümierumgen erachte ich als an den Haaren herbeigezogen und oberflächlich so unvergleichbar sind beide Sachverhalte. Vertretern dieser Argumente fällt wohl nichts Substantielles, will heißen Inhaltliches ein. Warum nur? Wovor fürchten sie sich? – Johanna Weber


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Iris Radisch:

Wir sollen also die Vollverschleierung als „nicht hinnehmbares Symbol islamischer Fanatiker“ verbieten, und mit eben diesem Verbot dann ein Symbol christlicher Fanatiker klaglos akzeptieren? Das ist mir zu durchsichtig, Frau Radisch. Mir scheint, Sie sind in Wirklichkeit genauso schlimm wie diejenigen, die Sie bekämpfen wollen. Vielleicht sogar noch schlimmer. –  Michael Ferner


Zum Artikel „Darf man die Burka verbieten?“ von Iris Radisch und Elisabeth Raether:

Burka und Naqib sind Symbole für die Unterdrückung der Frauen im extremen Islam und für politischen Fanatismus bei Taliban und Salafisten, die ihre Frauen zur Ganzkörperverschleierung zwingen. Symbole sind aber beispielweise auch Hammer und Sichel und das Hakenkreuz. Wenn ich damit mein T-Shirt verzieren würde und so auf die Straße ginge, würde mich die Polizei schnell aus dem Verkehr ziehen, und Gerichte würden mir das öffentliche Tragen dieser Symbole verbieten. Genauso sollte man auch das  öffentliche Tragen von Burka und Naqib verbieten. – Dr. Peter Dodel


Zum Burka-Verbot:

Die so genannte „Burka-Gesichtsschleier-Diskussion“ bei unseren Politikern ist einfach unerträglich. Ich gehöre nicht den „besorgten“ Bürgern an. Burka u.ä haben keine Grundlage im Koran, sondern gehören zu Tradition und Kultur, sind also keine religiösen Merkmale. In Deutschland haben wir ein Vermummungsverbot . Wenn man die Burka bzw. den Gesichtsschleier toleriert, sollte man das Vermummungsverbot auch konsequenterweise aufheben. Warum wird nicht thematisiert daß wir kein Gesetz gegen das Kleidungsstück haben? Ich würde mich freuen, wenn von Ihnen eine Diskussion angestoßen werden würde. – Eva Zimmermann-M.


Anmerkung zur Titel-Schlagzeile „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Bitte helfen Sie mir. Die Schlagzeile vermittelt den Eindruck eines Vorwurfes. Absichten, Pannen und Missverständnisse belegen die Autoren. Aber wie hätte mehr Kontrolle den flüchtenden Menschen geholfen? Nach der Lektüre des Artikels bin ich perplex. Jetzt eben werden im Fernsehen Bilder aus Aleppo gezeigt. Ich habe dafür keine Lösung. Aber die übergeordnete Botschaft, dass es schlecht für Deutschland ist wenn plötzlich Hundertausende Flüchtlinge ins Land kommen ist doch sehr verstörend. – Norbert Lindenlaub


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Iris Radisch und Elisabeth Raether

In der allgemeinen Burka-Diskussion (nicht nur in Ihrer Zeitung) geht der kulturelle Aspekt nahezu völlig unter. Iris Radisch spricht von einem kulturellen Signal, würde die Burka verboten. Doch bleibt ihr Einwurf sachlich und allgemein. Was eine Burka im Alltag  unserer Kultur bedeutet, wird interessanterweise in keinem Medium emotional so schön nachvollziehbar dargestellt, wie die Bedeutung einer Burka im Hinblick auf die Frau.

Unsere Kultur basiert auf dem offenen Austausch zwischen den einzelnen Gesellschaftsmitgliedern. Dazu gehört, am Gesicht des Gesprächspartners abzulesen, wie das Gesagte einzuordnen ist.
Darauf sind wir trainiert. Verbergen Teile der Gesellschaft ihr Gesicht, ist das nicht mehr möglich.

Mit muslimischen Frauen mit Kopftuch arbeite ich gelegentlich beruflich zusammen, sehr gerne und wie ich meine, sehr gut. Im öffentlichen Leben habe ich mit Muslimas häufiger einen Blickkontakt und den Austausch eines Lächelns oder sogar Lachens. Frauen mit Ganzkörperschleier dagegen sind für mich hinter einer Barriere, nicht erreichbar. Der Gesichtsschleier schließt mich als deutsches Gesellschaftsmitglied mit aus.

Somit stellt das Tragen eines Gesichtsschleier einen Riss dar, ein punktuelles Verdrängen unserer Kultur im Moment der – beschränkten – Begegnung. Das ist das Erleben im Alltag, das sich kaum jemand ausmalt, weil kaum jemand einer Vollverschleierten überhaupt so nahe kommt.

Unser gesellschaftliches Leben ist nicht darauf ausgerichtet, dass ein Teil der Gesellschaft nicht sichtbar ist. Toleranz ist Teil unserer Kultur und Basis unserer Demokratie. Doch liegen die Grenzen der Toleranz dort, wo Kultur und Demokratie sich selbst aufgeben müssten.

Im Moment sprechen Sie von ca. 6.500 Nikab-Trägerinnen. Gewährt man ihnen die Freiheit, ihn zu tragen, kann in Zukunft jeder, der das möchte, sich darauf berufen. Auch Männer….  Haben wir nicht aus gutem Grund ein Vermummungsverbot? Soll es nur bei Versammlungen gelten? Oder ist es nicht vielmehr geradezu zwingend nötig, auch ansonsten darauf zu bestehen? Ich erinnere an die entsetzlichen Straftaten in U-Bahnstationen, nicht nur an die letzte Silvesternacht, sondern auch an die Menschen, die ihre Zivilcourage mit dem Leben bezahlten. Die Täter wären vermummt erst recht nicht zu ermitteln.

Das Burkaverbot ist mehr als notwendig, es ist logisch und unverzichtbar. Diejenigen, die aus islamischen Orient kamen, wussten, dass in Deutschland eine völlig andere Kultur herrscht. Dies nun zu ignorieren und den Anblick des Gesichts und damit die Kommunikation zu verweigern, empfinde ich als respektlos. Damit werden im Übrigen die Pflichten des Gast verletzt.  Sollten die Muslime gekommen sein, um zu bleiben, müssen sie sich sowieso dem Grundgesetz beugen. – Edda Karnowski


Leserbrief zu „Wie geht noch mal das »Magnificat«?“ von Christine Lemke-Matwey:
Ihre Autorin Christine Lemke-Matwey hat mich indirekt beleidigt, obwohl ich sie sehr schätze, ändert sich nichts daran. Jazz mit Pop und Schlager auf eine Stufe zu stellen ist für jeden Jazzer eine Zumutung.

Zumal Daniel Barenboim ebenso wie die Klassik auch den Jazz liebt. Und nicht nur das, er spielt diese Musik auch. Als Wiedergutmachung sollte sie im Klassik Forum des WDR, wenn sie wieder dran ist, ein Stück von Duke Ellington mit Daniel Barenboim am Klavier auflegen. Das müsste sich im Archiv finden lassen. – Gunter Knauer


Zur Schlagzeile des Titelthemas:

Die headline der aktuellen Zeit vom 18.8.2014 ist weit unter dem bislang von mir geschätzten Niveau Ihrer Zeitschrift.

Glauben die AutorInnen ernsthaft daran, dass Deutschland (personifiziert durch die Kanzlerin) seine Geschichte kontrollieren könne?

„Unser Wunsch, das Leben zu kontrollieren…wirkt wie der kindliche Versuch, den Himmel mit ein paar Holzlatten zu stützen….. sobald menschliche Interaktionen ins Spiel kommen, sind wir immer auch auf Vertrauen angewiesen“.

Nathalie Knapp (2015), „der unendliche Augenblick; warum Zeiten der Unsicherheit so wertvoll sind“; ein lesenswertes Buch für alle, die von der Kontrollierbarkeit des Lebens überzeugt sind

oder

Ist es die Absicht dieses populistischen Titels, Leserschaft aus dem Kreise der CSU und AFD zu aquirieren und die Spannung um die historische Dramaturgie der Flüchtlingsthematik weiter anzuheizen?

Beide Varianten finde ich beschämend.

Der Artikel bilanziert u.a. mit folgendem Satz:

„Merkel musste entscheiden, unter hohem Druck, innerhalb von kaum drei Stunden, nachdem es Victor Orban gelungen war, sie in eine fast alternativlose Lage zu bringen“.

 „wir schaffen das“ ist ohne Alternative, so hätte der Titel auch lauten können und wäre stark gewesen.- Susanne Quistorp


Zum Artikel von Jens Jessen „Mit Super- Ironie“:

Seit über25 Jahren lese ich die „Zeit“, immer mit großem Interesse. Eine seit Jahren verstorbene Freundin hat mir das Abonnement über 20 Jahre hinweg  geschenkt, und heute lesen sowohl mein Sohn in München als auch meine Tochter in Merseburg die Zeitung.

Ihr Nachruf für Hermann Kant bringt mich endlich dazu, Ihnen und all Ihren Mitarbeitern zu danken für die vielen anregenden Artikel.

Ich habe Kant selbst als Studentin der Humboldt-Universität in einem seiner Seminare 1955/56  erlebt  und kann Ihnen in Ihrem Urteil auf jeden Fall zustimmen, seine Meinungen fanden keineswegs meine Zustimmung.

Nur eine Kleinigkeit habe ich an Ihrem Artikel zu monieren: Kant studierte nicht in Rostock, sondern in Greifswald. – Christa Rudnik


Leserbrief zur Burka-Debatte:

Da widmet die ZEIT dem Thema Burka-Verbot die gesamte Titelseite und reiht sich damit in die Gruppe derer ein, die aus diesem Nischenthema ein Symbol für Integration, Sicherheit und Frauenrechte machen. Hoffentlich hat das Thema bald ein Ende, wenn sich die Unions-Innenminister mit ihrem wie ich finde recht guten Kompromiss (Verbote in ausgewählten Bereichen) durchsetzen können. Wichtiger als die Diskussion um Burkas finde ich das Thema Kinderehen, das uns als Gesellschaft und in der Rechtsprechung immer wieder fordert. Hierzu hört man von Parteien und Medien so gut wie nichts.

Irgendwann im Herbst will man sich in der Politik damit beschäftigen. Mal sehen, wann etwas Brauchbares rauskommt. Kinder zu retten – oder neutral formuliert: Regeln für den Umgang mit Kinderehen zu finden, der allen Beteiligten Rechtssicherheit gibt -, ist offenbar weniger systemrelevant und prioritär als Burkas zu verbieten oder Banken zu retten, so etwas geht im Zweifel sogar über Nacht. Aber solange die ZEIT und andere Medien lieber über Burkas als über Kinderehen berichten, wird auch kaum öffentlicher Druck aufkommen.  – Sven Garber


Betrifft die Diskussion um das Burka-Verbot:

Weshalb genau sollen Burkas verboten werden? Erzählt uns bloß nicht, dass mit dem Verbot die arme muslimische Frau „befreit“ wird. Wer genau das behauptet, macht diese Frauen erst recht unfrei und vermeidet den Punkt, um den es geht. Ihr schwurbelt lieber von der Befreiung der Frauen und von der Unmöglichkeit Verschleierte integrieren zu können und vermeidet eine klare Antwort. Warum denn? Den Ton hat de-Maizière vorgegeben: „Teile der Antwort würden die Bevölkerung verunsichern “.  Mensch, für dumm verkaufen ist gelaufen! Beim Verbot dieser Kleidungsstücke geht es nicht um den Islam, nicht um Un- oder Freiheit der Frauen. Fakt ist: Burka, Nikab und Tschador bedecken meist das ganze Gesicht. Das sollte verboten werden, allein aus erkennungsdienstlichen Notwendigkeiten. Auf diese kommt es im Zeitalter des Terrors wirklich an. Es gäbe auch noch andere handfeste Gründe gegen  Ganzkörperschleier: gutes Versteck für Waffen oder Sprengwesten; doch soweit sollten wir  nicht gehen, was wäre dann mit Gitarren- oder Geigenkoffern, welche sich auch als tatverdächtig herausstellen könnten?

Also liebe Angela Merkel samt Kollegen, liebe Iris Radisch und liebe Elisabeth Raether, lasst die Befreiung und Integration der Frauen beim Thema Burka-Verbot aus dem Spiel. Und nehmt mal echten Kontakt zu Burka-Frauen auf, versetzt euch hinein in sie. Aziza, eine 24jährige Afghanin,  kenne ich aus der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit. Sie trug eine Burka. Sie integriert sich sehr wohl, lernt motiviert Deutsch, war/ist für Austausch mit mir (Nichtmehr-) und anderen (Weniger-) Fremden offen. Nach einer Weile hat Aziza die Burka abgelegt. „Nicht mehr nötig“, ihr Kommentar. Die Burka hat sie am Anfang in der Fremde als Schutz empfunden. Als sie sich sicherer fühlte, brauchte sie die  eben nicht mehr. Aus religiösen Gründen trägt sie nun al-Amira oder Hijab. Diese Kopfbedeckungen und auch Schaila und Chimar sind völlig in Ordnung: die Frauen zeigen ihre Gesichter. Diese Kleidungsstücke – sozusagen abgewandelte große Kopftücher – müssen nicht verboten werden. Hoodies – beliebt bei Schülern auch während des Unterrichts – müssen nicht verboten werden; Kutten und Schleier der Nonnen, die durch Straßen, christliche Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser geistern, sind auch erlaubt.

Über Mundschutz bei Vogelgrippegefahr oder Luftverpestung sollten wir reden, wenn es soweit ist. Mundschutz in solchen Fällen verbieten wäre allerdings dumm und dass das mal klar ist: Verbot von medizinisch begründetem Mundschutz ließe sich auch nicht mit der Befreiung von Frauen, Männern, Kindern begründen. Teile einer solchen Begründung würde eindeutig die Bevölkerung verunsichern. – Sabine Wilms


Herzlichen Dank zunächst für diese ausführliche „Nach – Livereportage“. Diese komprimierte Übersicht über die auch parallel verlaufenden Aktivitäten gibt einen guten Einblick. Verschiedene Zusammenhänge waren mir so nicht klar. Und manche waren auch nicht zugänglich – Achtung vor der Rechercheleistung.

Was mich jedoch irritiert und sogar verärgert, ist die Überschrift „Die Nacht,…..die Kontrolle verlor“. Die Überschrift suggeriert die Möglichkeit, dass alles kontrollierbar gewesen wäre – und enthält damit implizit einen Inkompetenzvorwurf. In einem komplexen chaotischen System ist Kontrolle jedoch eine Illusion.

Das ist der Anspruch, den die AfD signalisiert. Und damit unterstützen sie ( ungewollt, nehm ich an) die zentrale Botschaft der AfD der harten Hand, der strikten Lösungen und ähnlichen Denkfallen ( wie sie schon Dörner in der „Logik des Misslingens“ treffend analysiert hat). Schade, dass hier die Balance zwischen einladender Überschrift und Populismus verloren ging. – Walter Herter


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Appeasement-Politik bei Menschenrechten – Die Krise des globalen Islam regiert bereits unseren Alltag und stellt unsere Demokratie zunehmend in Frage. Noch vor wenigen Jahren hätten wir angesichts der heutigen Zustände an eine Zukunftsvision von Michel Houlebecq geglaubt. Der Islam gehört zu uns ?

Ja, wie die Faust auf’s Auge !  Feige, wankelmütige Politiker fast aller Parteien reagieren nur noch auf die täglich sich ausbreitende Krake „islamische Religion“. Ich erinnere an die Diskussionen um’s Kopftuch, heute ein Witz, im Angesicht der Burka. Wir lassen zu, dass Menschen lebend eingemauert in der Mitte unserer Gesellschaft vegetieren, aller Menschenrechte beraubt, oft jeder Würde und Selbstbestimmung entledigt.

Als Rechtfertigung bemühen wir tatsächlich das Grundrecht der Religionsfreiheit. Damit wurden lange genug auch Ehrenmorde und Kinderehen großzügig übersehen. Wo bleibt das Menschenrecht auf selbstbestimmtes Leben ? Was passierte, würde ich meine Tochter derart pervertiert in der Öffentlichkeit präsentieren ? Zehntausende junger Menschen – mit und ohne Migrationshintergrund –  pilgern zum IS, als ob die Hölle hier wäre und nicht dort. Die Türkei, vorgestern noch unter uns, heute ein rechtsradikaler Unrechtsstaat. Woher wissen wir, dass die Putschisten nicht die Demokratie in der Türkei retten wollten ? Was alles haben wir falsch gemacht ? Wo sehen wir noch aufrechte Politik, jenseits von bloßer Anbiederung an islamische Despoten, zugunsten einer Flüchtlingspolitik, die genau von jenen Despoten losgetreten wurde ? Der globale Islam löst seine ihm innewohnenden Widersprüche und seine archaische Reformationsunfähigkeit durch Radikalisierung – von Indonesien bis Marokko – auf Kosten unserer lebensbejahenden pluralistischen Gesellschaften. Unsere Politik ignoriert den täglichen, religiös verbrämten Wahnsinn schon viel zu lange. Löste man ad hoc alle Konflikte, in die der Islam verwickelt ist, hätten wir erst einmal weltweiten Frieden für eine ganze Weile.

Der globale Islam ist längst eine misanthrope (in-)sektenähnliche  Heuschrecke geworden, die sich zudem noch durch eine exorbitante – von der UN ignorierte -Bevölkerungszunahme unsterblich machen will. Wenn sich das populistisch anhören sollte, liegt das nicht an meiner Weltanschauung, und ist auch nicht beabsichtigt;  es liegt einzig an den handelnden Protagonisten. – Thomas Schröder


Zum Artikel von Marc Widmann „Fahnenflucht auf hoher See“:

„Man mag es vewerflich finden…“ Es ist verwerflich, wenn sozial abgesicherte und finanziell solide ausgestatteete Mittelstandsbürger unserer Gesellschaft auf dem Rücken von Ausbeutung und sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen Urlaub machen.Ich hätte mir da eine klarere Stellungnahme Ihrer Zeitung  gewünscht. Anstatt einer fragwürdigen  Definition von sozialer Gerechtigkeit sollte Die Zeit sich als Anbieter aus so einem Reisesegment verabschieden! Ganz davon abgesehen, welche katastrophalen ökologischen Auswirkungen -genau wie Billigflugreisen- dieser maritime Massentourismus hat. – Barbara Reene-Spillmann


Leserbrief zum Artikel“Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Zunächst einmal kann ich den Unmut der Autorin über die vorschnellen und falschen Geschlechtszuschreibungen gegenüber ihrer Tochter verstehen. Wir alle möchten doch viel lieber erkannt werden als das, was wir wirklich sind, mit all unserem Potenzial, all unseren Fähigkeiten – und nicht als das, was wir auf den ersten Blick zu sein scheinen.

Paradoxerweise betreiben viele von uns aber gerade für unsere Erscheinung, für unser Äußeres, tagtäglich einen gewissen Aufwand, um uns so sehen zu können, wie wir auch von anderen wahrgenommen werden wollen.  Diese fremde Wahrnehmung orientiert sich aber nun mal an Stereotypen und läuft routiniert und meist blitzschnell ab, was sicherlich schon seit Ursteinzeiten so war und uns enorme Vorteile im Überlebenskampf gebracht haben dürfte (Frühstück oder Feind? Mammut oder Säbelzahntiger? -so stelle ich mir das ungefähr vor.) Und so läuft es bis heute. Und daher fahren alle eben auf diese Stereotypen ab, sie helfen uns, den Überblick zu bewahren. Und wenn man mal daneben tritt?

Die Geschlechterzuordnung meiner Kinder erlebte ich bei allen Schwangerschaften schon durch den Kennerblick meiner weiblichen türkischen Mitmenschen, wenn sie lächelnd „Oh – ein Junge“ sagten- beim bloßen Blick auf meine Kugel. Dann wurden diese Kinder – zugegeben nicht immer mit Treckerpulli bekleidet, aber auch nicht konsequent blau/grau/braun oder rosa gekleidet, sondern eben in irgendwie nette Kinderklamotten gesteckt – doch übermäßig häufig als „kleine Maus“ oder gleich als „die Kleine“ tituliert, wobei ich mich oft fragte, wieso denn eigentlich… Und wenn man dann doch mal dazu kam, zu erklären, dass es ein Junge sei, kamen die einleuchtendsten Argumente für die Fehleinschätzung: „Ja, aber bei den Wimpern!“ oder auch „Wenn doch die Augen so groß sind!“. Auch gehört wurde: “So feine Gesichtszüge, da kann man doch nur an ein Mädchen denken!“ Näher betroffen hat mich das allerdings alles nicht, aber als zuletzt unser jüngster Sohn einjährig und splitternackt bei einer kinderärztlichen Untersuchung auf der Waage saß und die Sprechstundenhilfe ihn dennoch hartnäckig als „die Kleine“ bezeichnete, hat das schon einen Nachgeschmack hinterlassen, das gebe ich zu. Da aber nun einfach die ganze Geschlechterfrage dran aufhängen und durch bewusstes Gegensteuern (blauer LKW-Body) die Dinge zu Besseren wenden wollen?

Das klingt für mich nach Kindheit in den 80er Jahren. Da habe ich auch keine Zöpfe bekommen, meine Freundin immer einen Kurzhaarschnitt und Hosen an und zum Ballett durften wir auch nicht. Und auch für den Blick in die Zukunft brauche ich an dieser Stelle keine Prognosen aus der Wissenschaft, da reicht schon der Blick in die Vergangenheit: ja, ich habe ein besseres Abi gemacht als mancher Mitschüler und – jawohl – habe trotzdem nichts naturwissenschaftliches studiert. Tatsächlich auch deshalb, weil ich an entscheidender Stelle auf das Einschätzungsvermögen meines Mathelehrers gehört habe: „Oh,einen Ingenieurstudiengang solltest Du aber besser nicht wählen!“ Okay, kann ich halt kein Mathe und bin jetzt trotzdem glücklich! – Julia Hirdes


Leserbrief zum Titel über den 4. September 2015 „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Ihr an die Dramaturgie eines Kriminalromans erinnernder Zeit-Ticker um die vor Krieg Fliehenden im September 2015 klärt weniger über Zusammenhänge auf, sondern kitzelt mehr die Nerven. Aufklärend wäre die Beleuchtung von Ursachen für die Tragödie der Fliehenden. Es wäre dabei durchaus interessant, einen Zeitticker zu den Ereignissen in der Nato und in den USA selbst über die Anfänge des Abrutschens der Kriegsregionen ins Gewaltchaos zu schreiben. Z.B. im Mittleren Osten markiert der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der US-Koalition der ‚Willigen‘ einen solchen Punkt. Nach der Festnahme Saddam Husseins verbreitete der Hauptverantwortliche G.W. Bush damals diese Botschaft an viele derer, die nun auf der Flucht vor der Todeszone sind: „Die Ziele unserer Koalition sind die gleichen Ziele wie die ihrigen: Souveränität für Ihr Land, Würde für Ihre große Kultur und für jeden irakischen Bürger…“  Der Irak- und Afghanistan-Krieg ist auch noch Vorgeschichte dessen, was derzeit in Syrien mit ISIS usw. geschieht.

Sie berichten über die Flüchtlingstragödie aber so, als seien „Pannen und Missverständnisse“ im letzten Jahr und nicht lange schon eskalierende Gewalt und Kriege dafür verantwortlich,“dass .. Hunderttausende Flüchtlinge ins Land kamen“. Jede Oberflächlichkeit aber spielt Vereinfachern von ganz rechts in die Hände. – Bernhard Trautvetter


 Leserbrief zu „Die Ferienpfarrer“ von Roland Kirbach:

„Zielgruppen-Seelsorge“

Da habe ich mich seit drei Jahrzehnten wohl irrtümlich wohl gefühlt, zuhause und geborgen, wenn ich im Urlaub, wo es ging, in den Gottesdienst gegangen bin. Seit kurzem weiß ich: Die Kirche betreibt an den Urlaubsorten Zielgruppen-Seelsorge, und ich gehöre gar nicht zur Zielgruppe! Angesprochen werden sollen „Menschen, …, die sonst keine Gottesdienste besuchen“. Ach ja? Dann sind außer mir wohl noch viele falsch informiert, die nämlich, die z.B. in der Kar- und Osterwoche die Dorfkirchen auf Föhr bevölkern und einfach mitfeiern, sich freuen, das Gewohnte auch im Urlaub erleben zu können, mit fremden Menschen, die wie sie ihren Glauben nicht an der Fähre abgegeben haben.

Lassen wir doch bitte den Krampf und die Bemühtheit! Angesprochen dürfen alle sein, wo auch immer sie im Leben und im Glauben stehen. Viel entspannter und sympathischer wäre es, wir ließen uns von der Gewissheit tragen „Der Himmel geht über allen auf“ – im Alltag, im Feiertag, im Urlaub, alle Tage. –  Dr. Annelen Ottermann


Zu „Atheismus ist immer noch erlaubt!“ von Jürgen Krätzer:
Als ehemaliger DDR-Lehrer für Deutsch und Geschichte wird Jürgen Krätzer sicher wissen, dass nicht nur „Staatsbürgerkunde“ Bekenntnisfach war, sondern auch die von ihm unterrichteten Fächer. Bekenntnisfrei war damals bestenfalls der Schulgarten. Zahllosen Schülern hat dieses Bildungssystem die Berufschancen verbaut. Nicht selten kam es vor, dass Kinder wegen ihrer Religion vor versammelter Klasse lächerlich gemacht wurden.
Immerhin haben Schüler heute die Wahl zwischen Ethik und Religion. Immerhin können Menschen unabhängig von ihrem Bekenntnis studieren. Immerhin kann Krätzer in einer der größten deutschen Wochenzeitungen über eine vermeintliche Allgegenwart und Dominanz der Religion klagen. Immerhin konnte er als Atheist und ehemaliger DDR-Lehrer Dozent an einer heute glücklicherweise weltanschauungsneutralen Universität werden. Was will Jürgen Krätzer eigentlich? Das was er immer wollte: Religion abschaffen.

Im Übrigen ist es ein billiger und gleichzeitig bösartiger argumentativer Taschenspielertrick, über „religiöse Extremisten und theokratische Staaten“ zu schreiben, in Wirklichkeit aber den christlichen Religionsunterricht treffen zu wollen. Die Art zu diskutieren kenne ich von damals, aus dem „Staatsbürgerkundeunterricht“. – Thomas Groß


Leserbrief zum Titel  „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

A country in a mess! – Muß man wieder einmal erst von der englischen Presse über die Ursachen des Kontrollverlusts aufgeklärt werden, da angeblich die deutsche Medienlandschaft einer Zensur unterworfen ist und in der englischen Presse nicht nur diese ‚EU‘, sondern vor allem ein Deutschland als ein Land ohne Einwanderungsgesetz, ohne Souveränität, ohne Friedensvertrag und ohne eine Verfassung ‚as a country in a mess“ angeprangert wird, wobei fairerweise eingeräumt wird, daß England eine Mitschuld an diesem Zustand trägt, in der auf Grund dieser rechtsfreien Zustände es einer Einzelperson, wie Angela Merkel, möglich gemacht wird, bestehende ‚EU‘ Bestimmungen nach Belieben aushebeln zu können. So dürfte auf Grund dieses Zustandes eines Landes wie Deutschland politisch als eine ‚persona non grata‘ ‚Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor‘ nur der Anfang gewesen sein, wobei England begründet seinen Brexit vorangetrieben hat, um nicht selbst in diese unhaltbaren Zustände einer ‚EU in a mess‘ mit hineingezogen zu werden. – Heinz Schroeder


Zu „Achtung, hier spricht  die Polizei!“ von Henning Sussebach:

Vor ein paar Jahren lernte ich, als Kriminalhauptkommissar beim Polizeipräsidium Bonn, dienstlich eine geschiedene alleinerziehende arabische Frau kennen. Ihr Kind und Sie wurden von ihrem Ex-Mann auf das Übelste gestalkt, belästigt und geschlagen. Ein normales Leben war überhaupt nicht mehr möglich! Mehr Angst, als vor Ihrem Mann hatte sie jedoch vor der Polizei. In Ihrer Heimat hätte sich die Polizei mit ihrem Ex-Mann verbündet und es wäre noch schlimmer geworden. Nach 2-3 Jahren. Endlich! Ein Anruf! „Bitte kommen! Hilfe! Deutsche Polizei!“ Ein paar Wochen später bekam ich eine Email von Ihr: „Herr Pfeiffer. Die deutsche Polizei kann zaubern!“ Ihr Ex-Mann hat sich niemals wieder sehen lassen! –Thomas Pfeiffer


Zum Nachruf auf den Fotografen Daniel Josefsohn:

Dass der „Führer“ eine gewisse Affinität zum Hause Wagner besaß, ist unbestritten. Schließlich existieren Fotodokumente, die ihn in Begleitung der Wagner-Tochter Winifred beim Lustwandeln in den Grünen Hügeln zeigen. Diese wiederum zeigte ihre frenetische Verehrung für Hitler bis zu ihrem Tode in der längst demokratisch regierten Bundesrepublik völlig ungeniert. Nun will Christoph Amend herausgefunden haben, dass die Verehrung für den Meister der brachialen Monumental-Musik auf Gegenseitigkeit beruht hatte. Richard Wagner soll (dann ja wohl der allererste) Fan Hitlers gewesen sein! Wenn dies stimmt, haben wir es hier mit einer mysteriösen posthumen Verehrung seitens des berühmten Komponisten zu tun: Als nämlich Klara Hitler mit dem zukünftigen Gröfaz (Größter Führer aller Zeiten) in den Wehen lag, lag auch Richard Wagner bereits einige Jahre in der zur Villa Wahnfried gehörigen Gruft; er verschied – zur Verzweiflung  Millionen Opernbegeisteter – bereits anno 1883 im zukünftigen Wallfahrtsort Bayreuth.

Es wäre auch zu schön gewesen…. – Christian F. Reineck


Leserbrief zum Titel  „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:
Titel, Titelbild und Untertitel der aktuellen Ausgabe – das ist reißerischstes BILD-Zeitungsniveau und absolut daneben!!Sie spielen rechter Propaganda und AFD-Parolen in die Hände.Ein Kündigungsgrund.

Bitte überlegen Sie sich sachlichere Titel, sowas ist absolut unnötig und gibt dem Artikel – den ich übrigens vor lauter Abschreckung immer noch nicht gelesen habe, einen sehr schlechten Beigeschmack. – Marlen Ihle


Anmerkung zu „Späte Reue“:

Die in der Glosse erwähnten Elche lachen sicher nicht über die Rückgabe der Jagdtrophäe von Hemingway, sondern über den Autor, der das Foto so prominent ignoriert. Abgebildet ist nämlich nicht das Geweih eines Elches (Alces alces), sondern das eines Wapiti-Hirsches (Cervus canadensis), der iin den USA „elk“ genannt wird. – Dr. Christian Steffen

Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

Frau Elisabeth Raether plädiert für alle Frauen die in Deutschland leben sich anzuziehen wie sie es wollen. Und „das sollte man den Frauen hinter ihrer Mauer aus Stoff ans Herz legen. Dafür müsse man aber mit ihnen sprechen,  . . . “. Wie könnte dieses „mit ihnen sprechen“ praktiziert werden? Dürfen wir davon ausgehen, dass eine Frau aus dem gesellschaftlichen Umfeld, in dem die Vollverschleierung praktiziert wird, eigenständig entscheidend die Wohnung verlassen und eine adäquate Gesprächsrunde oder Weiterbildung besuchen wird? Und falls sie das nicht darf, wie gehen wir damit um? – Reimar Schappach


Leserbrief zum Titel  „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Danke für diese außerordentliche „Rekonstruktion“! Endlich „Fakten“ statt Vermutungen und daraus abgeleitete Bewertungen! Und welch glänzende Zusammenarbeit von 12 Journalisten, die möglich machte, was kein einzelner in so kurzer Zeit „geschafft“ hätte, die nicht gegen, sondern miteinander reden und schreiben!

Dennoch bleiben Fragen: Wenn Frau Merkels „historische Entscheidung“ weder auf einen „spontan-humanitären“, noch einen „emotionalen Affekt“, noch eine „moralische Selbstüberhöhung“ zurückzuführen ist, weshalb hat sie dann all diesen massenmedial verbreiteten Behauptungen nicht klar mit dem Hinweis auf ihre durch Orbans Verhalten „alternativlose“ Lage widersprochen? Wieso hat sie im Gegenteil gerade ihre moralische Motivation noch befeuert mit dem Hinweis auf eine von vornherein unrealistische „humanitäre Ausnahmeentscheidung“ und ihr „freundliches Gesicht“ gegenüber den Flüchtlingen? Wollte sie nicht von Anfang an verschleiern, dass sie damals eben nicht frei entschieden, ja sogar die Kontrolle in dieser Frage verloren und letztlich bis heute nicht zurückgewonnen hat? Und nicht weil sie eine bedächtige, einzig rational handelnde Naturwissenschaftlerin ist, ein gern verbreitetes Klischee, sondern aus Furcht vor ähnlich „schrecklichen Bildern“ und deren „politischer Wucht“ bei uns, genauer: den Verlust ihres „Images“ und damit des Vertrauens in ihre Übermutterrolle, ihrer Machtbasis?

Dann ergäbe sich das Bild einer Kanzlerin, die zwar durchaus „Emotionen“ wie Furcht und Einfühlungsvermögen kennt, dann aber weniger aus empathischen als „real“politischen Gründen entscheidet. Das würde auch erklären, weshalb sie auf „schreckliche Bilder“ bis heute erst „humanitär“ reagiert, wenn sie näher kommen und für uns bedrohlich werden. Nur: Hat damit wirklich schon die „Real- über die Moralpolitik“ gesiegt, wie Herr Joffe meint? Welche „Moral“- hat hier gegen welche „Real“politik gekämpft und dann verloren, wenn genau diese Moralpolitik die Tages-, die Realpolitik bestimmt und weiterhin „siegt“? Und dieser „Sieg“ gerade in der „guten“„Mitte“ der „Gesellschaft“, dem seriösen Wahlvolk, ja sogar in Teilen einer großen Wochenzeitung noch immer als Sieg der Moral gefeiert wird?

Lässt sich nur so mit „humanitären“ Hinhalte- und Beschwichtigungsparolen „erfolgreich“ und „ alternativlos“ inhumane Interessenpolitik machen? Und inwiefern ist eine Politik, die wider besseres Wissen weiter auf Europas „Werte“, Einigungsfähigkeit und –bereitschaft setzt, tatsächlich „Real“politik? Zumal wenn sich Verantwortung mit eben dieser Politik – auch für das Wahlvolk – moralisch wunderbar zumindest teilen, wenn nicht gar ganz loswerden lässt? Müsste also Ihre Rekonstruktion jenes Wochenendes nicht zusätzlich in das Davor und Danach eingebettet werden, um es in seiner Bedeutung für interessierte Wähler und mögliche alternative Politik noch besser verständlich zu machen?

Zum Schluss daher die Bitte: Recherchieren Sie weiter und soweit wie möglich wieder im Team zu diesen Fragen und ähnlich zu den anderen großen Entscheidungen „unserer“ Kanzlerin zum Atomausstieg und Klimawandel! Dabei könnten sich weitere wichtige Erkenntnisse ergeben. – Eckhard Heumann


Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

Ein nordrheinwestfälischer Minister ließ sich vernehmen, daß von burkatragenden Frauen keine Gefahr ausgehe. Sancta Simplicitas! Zu burkatragenden Männern hat er sich nicht geäußert. Und hat er noch nie von weiblichen islamistischen Attentätern gehört? Unsere Sicherheit beruht u.A. auf der Möglichkeit Personen anhand ihres Konterfeis zu identifizieren. Unser Vermummungsverbot gilt bisher nur für Versammlungen, es sollte ausgeweitetwerden. Ich Unterstütze die Sicht von Iris Radisch voll und ganz. –
Dr. Dirk Warning


Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

Die Frage würde sich von selbst erledigen, wenn das Thema, was Religion heutzutage überhaupt ist bzw. sein könnte, mehr Aufmerksamkeit fände. Gibt es unabhängig von Glaubensbekenntnissen verbindliche Merkmale von Religionen? Setzt man nämlich Glauben und Religion bis auf ganz krasse Extremfälle gleich, kann sich jeder Gläubige mit was auch immer auf Religionsfreiheit berufen und sich benachteiligt fühlen, wenn man ihn kritisiert. Eins aber kann Religion nicht sein: eine Liste zu erfüllender Rezepte und Vorschriften für gelingendes Leben. Denn dazu gehören vor Allem vorurteilsfreies mitmenschliches Verhalten, Bereitschaft zu gemeinsamen Überlegungen bezüglich der aktuellen Weltlage und die Öffnung gegenüber Hinterfragungen eigener Einstellungen und Traditionen. Würden diese Punkte gründlicher als bisher beachtet, gäbe es nicht nur das Thema Vollverschleierung nicht. – Christoph Müller-Luckwald


Zu „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Sehr gefreut habe ich mich über den Artikel „Rosa ist Scheisse“, der auf humorvolle Art zeigt, wie tief Geschlechterklischees noch in unserer Gesellschaft verankert sind. Dann aber Verwunderung – während im Artikel rosa Mädchenkrams von Prinzessinen-Zubehör bis hin zu Kochlöffel angeprangert werden, findet sich auf der Rückseite des Z-Teils der ZEIT das „Malen nach Zahlen“ eben mit einem rosa Mädchen in Hello-Kitty-Outfit und dahinter ein Junge im Football-Shirt. Da hätte sich die Reaktion wohl besser absprechen sollen… Es mag dazu auch bei Ihnen unterschiedliche Meinungen geben, aber die Nähe dieser beiden Beiträge empfinde ich als höchst ironisch. – Vera Hark


 Leserbrief zum Titel  „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:
Ein Jahr „danach“ berichten Sie scheinheilig und mit vielen Seiten Reportage über die Tage der Flüchtlingsinvasion im Spätsommer 2015.
Ich schreibe bewusst „scheinheilig“. Denn Sie – die ZEIT, der SPIEGEL, der STERN, TAGESSCHAU und TAGESTHEMEN, HEUTE und HEUTE JOURNAL, alle alle waren noch ab demselben Abend für diese Flüchtlingseinwanderung und sind unkritisch auf Merkel- und Willommentrip eingeschwenkt.
Aber alle jene, die wagten, gegen diese „plötzliche“ und unglaubliche Grenzverletzung („Kontrolle verloren“) und unglaublich hohe Anzahl von Flüchtlingen („Hunderttausende“) Stellung zu beziehen, wurden umgehend und unisono als Fremdenfeinde und Rechtspopulisten nieder gemacht. Auch von der ZEIT.
Ein Jahr danach machen Sie dicke Backen und tun so als seien es die grünen Männchen vom Mars gewesen, die 2015 diesen Unsinn verzapften. Niemand ist haftbar zu machen, jeder stiehlt sich davon (Reiter und Co).
Heute am Samstag habe ich mal wieder eine Ausgabe von Ihnen gekauft. Im Glauben, Sie würden nun den Kritikern ein klein wenig Recht geben (Josef Joffe). Aber vergebens. –Dr. Klaus Brink

 Leserbrief zum Titel  „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Es ist das schwerste Versagen einer Regierung, wenn sie die Kontrolle verliert, denn das ist ihre elementarste Aufgabe: Den Staat zu managen.

Leider hat Frau Merkel als getreue Ziehtochter von Helmut Kohl bei aufkommenden Problemen fast immer nach der Devise gehandelt: Aussitzen und notfalls das Problem mit dem (Steuer) Geld der Bürger übertünchen und hinauszögern. Zukunftsweisende Projekte sucht man vergebens, nur nicht irgendjemandem auf den Schlips treten durch notwendige Änderungen ist die Devise.

Zum Thema Flüchtlinge und Asyl. Bis heute fehlt jegliche Aufarbeitung die bei allen Problemen in drei Schritten erfolgen müsste: 1. Analyse, 2. Plan zur Lösung, 3. Durchführung.

 1. Analyse: Es gibt weltweit 60 Mio. Bürgerkriegsflüchtlinge und einige 100 Mio. Menschen, die in Staaten mit teilweise brutalen Despoten leben. Alle hätten nach geltender Rechtslage ein Recht auf Asyl bei uns. So sehr man jedem einzelnen gerne helfen würde, wir schaffen das eben nicht. Also muss ein gangbarer Weg gefunden werden, wie man diejenigen selektiert, denen geholfen werden kann/muss.

Aufgrund der beschriebenen Situation und der geltenden Rechtslage muss ehrlich genug sein zu sagen, wir kommen um eine Grundgesetzänderung nicht umhin. Zudem muss endlich definiert werden, wer zuwandern darf, um Asyl zu bekommen oder um hier erwerbstätig zu werden. Wenn wir das nicht machen, selektieren wir nach dem Schema: Wer todesmutig genug ist, sein Leben auf Schlauchbooten zu riskieren, den nehmen wir, die anderen nicht. Das ist in höchstem Maße menschenverachtend.

2. Plan: Es muss gesetzlich festgelegt werden, wen wir aufnehmen, bei Asylsuchenden am besten durch die deutsche Botschaft im Herkunftsland. Derjenige kann dann legal einreisen, andere nicht. Dazu gehört, dass die (Außen)Grenzen gesichert werden, auch wenn einige symbolisch eine Mauer oder Stacheldraht verdammen, ansonsten ist eine Grenze keine. Zudem muss als längerfristige Lösung dringend gegen Religionskriege wie im Nahen Osten und Diktaturen, wie weitgehend in Afrika vorhanden, vorgegangen werden, um die Ursachen von Migration zu beseitigen.

Es wird dringend Zeit, dass Frau Merkel außer Allgemeinplätzen endlich die Probleme im Land zukunftsgerecht angeht. Deutschland hat Besseres verdient.  Eine Regierung, die Probleme gut löst, ist ein Glück, eine Regierung, die Probleme schlecht löst ist ein Unglück, eine Regierung, die Probleme gar nicht löst ist eine Katastrophe. – Martin Bruch


 Zum Leitthema:
Ihr großer Flüchtlingsbericht mag ja sehr verdienstvoll sein, hätte aber besser ins Dossier oder woandershin gepasst. Ich jedenfalls fühle mich um 6 Seiten aktuelle politische Information gebracht  – für die ich die ZEIT ja kaufe! Ich weiß, es gibt bestimmt gute Gründe, aber mir fehlen ganz einfach die Artikel, die jetzt nicht erschienen sind. – Rainer Gerstle


Zur  Diskussion um ein Burkaverbot:

Jörg Quoos schrieb in der Morgenpost, dass „ein totales Verschleierungsverbot der falsche Weg im Kampf gegen Islamisten wäre“ und weiter „am Ende läuft der Staat sogar Gefahr, den oft gegen ihren Willen verhüllten Frauen auch noch den letzten öffentlichen Freiraum zu rauben, weil sie unverschleiert gar nicht mehr auf die Straße dürften.“

Ich möchte dem widersprechen.

Beim Voll-Verschleierungsverbot geht es doch gar nicht darum, den Frauen etwas zu verbieten, es geht darum, den Männern etwas zu verbieten. Die Männer sind es doch, die ihre Frauen zu Hause einsperren und sie zwingen, nur mit Vollverschleierung auf die Straße gehen zu dürfen.

Was machte ein gewisser Přiklopil mit Natascha Kampusch? Er hielt sie in seinem Haus gefangen! Und nichts anderes tun die Männer, die Frauen nur in Vollverschleierung erlauben, öffentliches Straßenland zu betreten! Wann gehen wir gegen diese Männer vor?

Herr Quoos spricht zwar von „oft gegen ihren Willen verhüllten Frauen“, aber er sagt nicht ein Wort, wie man ihnen helfen kann! Wir müssen gegen die Männer vorgehen, die ihre Frau einsperren,  denn diese sind Verbrecher. Und wir müssen die Frauen befreien und dazu gehört auch, dass die Vollverschleierung verboten wird. Wie in unseren Nachbarländern.

Wenn Politiker sagen, dass es doch nur ganz wenige Frauen in Deutschland seien, die vollverschleiert rumlaufen, dann lügen sie. Man muss sich nur auf den Flugplätzen Deutschlands, in der Innenstadt Münchens, in einigen Bezirken Berlins umsehen! Schenk diese Frauen die Freiheit!!! – Marita Stark-Harneid


Zu „Reich des Guten“ von Josef Joffe:

Natürlich ist es verdienstvoll, wenn DIE ZEIT in einem mehrseitigen Faktenprotokoll die „Vicissitüden“ der Flüchtlingsflutung nach Deutschland hinein nachvollzieht. Aber wie im Falle des Brexit zählt eben nur die Fortwirkung der Fakten und leider di Tatsache, daß sich die Bundesrepublik mit der durch die Kanzlerin wiederholt zum Ausdruck gebrachten Haltung, Deutschland schaffe dies, in Europa mehr Gegner als Freunde geschaffen hat. – Immerhin hat dieser unglaubliche Vorgang, daß ein Staat sagt, die eigenen Grenzen ließen sich in Zeiten der Globalisierung nicht mehr schützen, zu einem intensiven Nachdenken über das Verhältnis von Real- und Moralpolitik angeregt.

Im Ergebnis steht fest, daß es in der Staatenwelt von 2oo Nationen kein allgemeines Zuwanderungsrecht gibt und daß der Flüchtlings- und Asylantenstatus sehr strikt eingegrenzt werden muß. Es ist ja auch innerhalb Deutschlands nicht möglich, das Privateigentum aufzuheben und zu sagen, alle Häuser und Wohnungen seien ausschließlich nach dem Bedarf von Menschen zu verteilen. Der Zugang zu den allgemeinen Rechtsgütern der Bundesrepublik Deutschland kann Zuwanderern nur unter der Bedingung gewährt werden, daß deren Situation und Motivation bestimmten Kriterien genügt. Eine Herz-Jesu-Politik der Darreichung der Herberge nach dem Muster von Bethlehem ist völlig unrealistisch. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zur Lidl-Werbung:

bin sehr verwundert und enttäuscht bei ihnen eine seitenfüllende werbung für lidl milch für 42cent zu lesen, einzig positive ist der genfrei aspekt. der preis ist krank. seite 27, wirtschaftsteil.

diese preise machen die bauern kaputt. sie drucken das ab und unterstützen es damit. wie kann das sein? sicher brauchen sie einnahmen durch werbung, aber bitte nicht für diese ausbeute. bin beim thema besonders empfindlich, da freunde einen kleinen konventionellen milchviehbetrieb haben, der schwere zeiten erlebt. – Tina Becker


Betrifft „Prominent ignoriert – späte Reue“ über die Rückgabe eines Elchgeweihs:

Da lachen ja die Wapitis – Ein kurzer Blick auf das zugehörige Bild macht mich stutzig: Elch haben doch Schaufelgeweihe? Wikipedia lehrt mich, dass manche Elche Stangengeweih tragen. Die sehen allerdings etwas anders aus, als das Geweih auf dem Bild. Irgendwo in der Weite des Internet findet sich ein englisch-sprachiger Artikel zu dem Thema. Dort ist von „elk“ die Rede.

Wikipedia lehrt mich wiederum, dass „elk“ im britischen Englisch sehr wohl „Elch“ bedeutet, im amerikanischen Englisch aber den Wapiti-Hirsch bezeichnet. Und dem Wapiti steht das gezeigte Geweih deutlich besser zu Gesicht.

Da lacht ja der Wapiti, dass ein False Friend ihn zum Elch machte. Zum Trost: Die Verwechslung zieht sich durch zahlreiche deutsche Medien: SPIEGEL, taz, Süddeutsche Zeitung. – Thorsten Bauer-Yang


Über den Leitartikel:

Dank den Autoren für ihre minutiöse Recherche, der Titel hätte allerdings präziser „Die Nacht, in der die Bundesregierung die Kontrolle verlor“ lauten sollen. Das aufgezeigte Geschehen ist nachvollziehbar und verständlich bis zu dem Augenblick, in dem aus der „Ausnahme“ ein länger währender Zustand wurde.

Hier fehlte der Regierung der Mut und die Kraft der „Ausnahme“ frühzeitig ein Ende zu setzen. Die offenen Grenzen, durch Medien in windeseile verbreitet, mussten eine große Sogwirkung auf Flüchtlinge in aller Welt ausüben.

Anzunehmen, dass uns die EU-Partner einen Teil der Flüchtlinge abnehmen, war von vornherein unrealistisch. Für jeden politisch Interessierten war auch damals schon klar erkennbar, dass die großen europäischen Staaten wie England, Frankreich und auch die osteuropäischen Länder allein aus innenpolitischen Erwägungen einer angedachten quotengeregelten „europäischen Lösung“ nicht zustimmen würden. –  Wolfgang Gerbes


Leserbrief zu „Warum kokettiert die Freiheit mit der Diktatur?“ von Adam Soboczynski:
Auch ich kokettiere mit der Diktatur?Weil ich erkannt habe, daß die Freiheit zu viele häßliche Zustände erzeugt hat, die uns das Leben schwer machen.Ich bin doch gar nicht frei. Schon in der Definition „Freiheit“ liegt das Übel. Unser Leben wird ständig weiter beschnitten, bis hin zum Ausgehrisiko. Ständig müssen wir unsere Richtung ändern, um nicht Gefahr zu laufen, nicht mehr nach Hause zu kommen.

Mich interessiert überhaupt nicht, ob wir eine Linke oder rechte Regierung das Vertrauen schenken. Die Intellektuellen sind von einer Ideologie besessen, die es nur in ihren Köpfen gibt. Allein Rußland als Diktatur hinzustellen, zeigt mir ihre Verbohrtheit in der sie leben. Putin will Ordnung in seinem Land. Das dabei auch Späne fallen ist nur allzu erklärlich. Meines Wissens können die Kollegen Theater machen wie sie wollen. Sie müssen Putin ja nicht beleidigen. Entscheidend sind die Bürger, wenn die Putin nicht mehr haben wollen, dann muß er seine Sachen packen.

Das wird von Boris Schumatsky so nicht gesehen. Insofern ist die Überschrift schon eine Täuschung.

Ich habe über 4 Jahre in Singapur gelebt. Dort habe ich mich freier gefühlt als in Deutschland. Obwohl  nur eine Partei am Ruder ist. Die Opposition sind die Bürger, Die politische Elite in Singapur hat nie ein Hehl daraus gemacht, nichts von einer westlichen Demokratie zu halten. Wenn sie so wollen; damit scheinen sie recht zu behalten.

Für mich ist das eine „Autokratie“, die überall dort Schule machen sollte, die  eine grenzenlose Freiheit zulässt. Der Mensch ist dafür nicht geschaffen, damit im richtigen Verhältnis zu seiner Persönlichkeit umzugehen. .

Boris Schumatsky soll daran nicht verzweifeln. Wenn er sich in Berlin wohlfühlt, sollte er sein Leben nicht unnötig schwer machen. Er sollte in seiner Arbeit aufgehen und etwas flexibler diese gestalten.

Wie wäre es mal mit einem Liebesroman. Reich-Ranicki hat immer behauptet: das die Deutschen keine Liebesromane schreiben können. Beweisen sie ihm das Gegenteil. Ihr Autor Adam Soboczynski kann ihm das ja sagen. – Gunter Knauer


Zur Titelstory über den Kontrollverlust Deutschlands:

Was für eine Titelseite! Auf den ersten Blick denke ich: Ist jetzt auch die ZEIT durchgeknallt? Ich sehe dort die allgegenwärtige unselige Burka Debatte und darüber die Schlagzeile vom „Kontrollverlust Deutschlands“, die von jedem Pegida Anhänger stammen könnte. Doch dann folgt zum Glück: Eine erstklassige Reportage, die die Komplexität dieser historischen Nacht nachvollziehbar macht. Nur kann ich bei genauer Lektüre keinen Kontrollverlust Deutschlands erkennen.

Im Gegenteil: Während fast alle anderen europäischen Länder wegschauen, versuchte Angela Merkel die Kontrolle über eine sich anbahnende Katastrophe zu gewinnen. Der vermeintliche Kontrollverlust entstand weit vorher durch das falsche Dublin-System, welches versuchte die Verantwortung auf die europäische Peripherie zu verlagern. Wovon auch Deutschland zu lange profitierte. Europas Illusion liegt darin eine Wohlstandsinsel inmitten von Krieg und Not sein zu können. Diese Illusion dauert weiter an und wird zu weiterem „Kontrollverlust“ führen. Solange bis wir erkennen, dass Globalisierung nicht nur den eigenen Wohlstand, sondern auch Öffnung und Solidarität bedeutet. Für diese Wahrheit war die Nacht mit der spontanen Entscheidung von Frau Merkel ein erster, noch ungewollter Beginn. – Dieter Halbach


Zum Titelthema:

Das brilliant geschriebene Protokoll sollten die Redakteure noch einmal durch“spielen“ mit Helmut Schmidt als Kanzler und seinem Kabinett,beginnend mit dem geheimnisvollen Gespräch eines seiner Regierungsmitglieder in einem Hinterzimmer. – Womöglich sogar veröffentlichen als ZEITversetzt. – Prof. Ernst Schönfelder


Zum Leitartikel:

Seit mehr als 30 Jahren lese ich die ZEIT. Noch nie gab es eine solche ZEITverschwendung wie bei diesem von 12 ZEITjournalisten erstellten „Protokoll“ darüber, was am 4.9.2015 (angeblich) geschah. Einen humanitären Akt einer ganzen Nation, bei der sicher vieles nicht geplant war, nun als größte Panne zu verunglimpfen und damit ein Jahr danach nur die Ressentiments der ewig Gestrigen in unserem Land zu bedienen, ist eher das größte Missverständnis, das sich die vermeintlich so weltoffene ZEIT leistete. „Welche Absichten, Pannen und Missverständnisse dazu führten“, um bei Ihrer Wortwahl zu bleiben, wäre allemal interessanter als der mich ratlos zurücklassende erste Teil dieser Ausgabe der ZEIT. – Werner Schwamb


Leserbrief zu „Grandios sowieso“ von Benedikt Erens:

Er fand Worte für meine Liebe zum Theater. Ich fing an ins Theater zu gehen, als sein Vater Intendant in München war und Thomas Holtzmann den „Hamlet“ spielte. Er war mein Lieblingskritiker – in der SZ und in der ZEIT. Dann kam die Zeit, wo ich ihn schmerzlich vermisste und nicht mehr fand. Bis heute. Wieso schreibt er nicht mehr die spannendsten Theaterkritiken, einer, der das Theater liebte! – Ingeborg Lukowski


Leserbrief zu Fäkalsprache in DIE ZEIT:

Ich bin darueber veraergert, dass in der aktuellen Ausgabe gleich  dreimal das SCH-Wort auftaucht:

Ganz prominent auf  Seite 51, in der Ueberschrift der Kolumne auf Seite 21 und dann dort auch nochmal im Text. Vor einigen Wochen hatte sich bereits ein Leserbriefschreiber ueber ‚heissen Sch…‘ beschwert. Interessiert Sie das ueberhaupt?

Meine Tochter lernt gerade Lesen und das SCH-Wort ist bei uns zuhause tabu. Jetzt muss ich wohl auch das sogenannte Qualitaetsprodukt ZEIT vor ihr verstecken, wie schade. Bitte verzichten Sie in Zukunft auf diese Ihrer nicht wuerdige und unnoetige Faekalsprache. – Rainer Schlitt


Zum Artikel des Leitthemas „Was geschah an diesem Wochenende wirklich?“:

Ich bin eine Leserin. Ja, tatsächlich, ich lese die „Zeit“, weil ich lesen(!) möchte. Wenn ich bunte Bilder anschauen möchte oder knappe aktuelle Information suche, finde ich das anderswo. Ich suche Erholung vor schrillem, lärmendem, oft hohlem Aktualismus. Manchmal finde ich Denkanstöße und manchmal Erklärungsansätze, die ein Stückchen der wirren Realität zu fassen scheinen. Manchmal freue ich mich über gut geschriebene Texte, gelegentlich auch über sprachlich brillante, denen man Sorgfalt und Denkarbeit anmerkt.

Was ich nicht brauche: von überdimensionierten Bildern angesprungen zu werden, die vier Fünftel der Seite beanspruchen, reißerische Überschriften wie in diesem Politikteil, peinliches Pathos (der Schlusssatz) oder sensationsheischende Aufblähung (S. 6: „Für einen kurzen Moment hängt alles von diesen beiden ab: das Schicksal des Marsches.“). Wie wäre es bei der Präsentation der Recherche mit ein bisschen mehr hanseatischem Understatement? Und, verdammt, ich will gar nicht wissen, welche Farbe Orbans Krawatte hatte (Auch wenn die Hemdfarbe des Interviewpartners inzwischen in keinem Wirtschaftsartikel verschwiegen wird). In Wochen wie diesen ein ganzer Politikteil für einen Beitrag? Damit hängt man die Messlatte sehr hoch… Beim Weiterblättern zum Dossier stoße ich auf die gleiche Häppchenstruktur – hier passt sie hin. –  Angela Rupp


Zum Artikel „»Huhu, Prof, läuft das mit Hausarbeit?«“:

Frau zu Eppendorf übersieht eine Kleinigkeit: wenn in ihrem Kurs alle x Studis dem Prof eine mail schreiben, hat der mit den Antworten x mal soviel Arbeit, wie sie. Irgendwann versucht er dann wahrscheinlich, den Schreibaufwand zu  minimieren. Ich mache das auch – meistens lasse ich die Anrede ganz weg. Andererseits nötige ich meine Studis auch nicht, Formvorschriften einzuhalten, nur um Respekt zu heucheln. Mit den Fristen verhält es sich übrigens genauso: sich rechtzeitig zur Prüfung anzumelden macht wesentlich weniger Arbeit, als x Bachelorarbeiten zu korrigieren! Mit „Augenhöhe“ hat das alles nix zu tun. – Prof. Dr. Heinrich Dirks


Über die Diskussion zu einem Burkaverbot:

Sie stellen einige Überlegungen an, die sicher ihre Berechtigung haben. Ich möchte allerdings von ganz anderer Seite an das Thema herangehen.

Mein Sicherheitsbedürfnis verlangt, das Gesicht eines jeden zu sehen, dem ich in der Öffentlichkeit begegne. Ich halte das für ein archaisches Bedürfnis. Die Motive, sein Gesicht zu verhüllen, sind deshalb für mich nicht von Belang.

Stellen Sie sich vor, die Hälfte der Menschen in einer Fußgängerzone wären verhüllt, z.B. auch durch Masken, wie sie im Karneval von Venedig üblich sind. Wie sicher würden Sie sich fühlen?

Hier geht es um eine grundsätzliche Entscheidung. Der Hinweis auf die nur wenigen Burkaträgerinnen zählt deshalb für mich. – Reiner Felkel


Leserbrief zum Titelthema:

Angesichts Ihrer alarmistischen Überschrift zum Titelthema Ihrer aktuellen Ausgabe hätte ich es eigentich besser wissen müssen – trotzdem habe ich mir Die Zeit mal wieder gekauft, in der Hoffnung, genaue Recherchen, klug und sachlich aufbereitet vorzufinden. Doch am Ende bleibt einmal mehr Ernüchterung. Unscharf mischt sich das Protokoll mit Spekulationen, die sich mitunter auch noch Seehofers Stammtisch-Rethorik vom „Pfropfen und der Flasche“ zu eigen machen. Im Text wird immer wieder angemerkt, niemand würde definieren, was mit „Ausnahme“ gemeint sei. Auf die Idee, dass das Wort „Kontrolle“ hier auch defniitionsbedürftig sein könnte, kam offenbar niemand. Von der Überschrift über das Foto auf der Titelseite bis hin zum finalen „… hätte nicht… wäre die Geschichte  Europas anders verlaufen.“ wird nicht etwa beantwortet, WIE „die Geschichte Europas“ dann „anders verlaufen“ wäre, sondern wohlfeil suggeriert, die Aussetzung von Personenerfassungen beim Übertritt der deutschen Grenzen hätte dem ganzen Land „die Kontrolle“ entzogen – wäre das nicht passiert, hätte es es wohl keine Übergriffe in der Silvesternacht und keine Anschläge von Flüchtlingen gegeben. Das ist plumpes Boulevardniveau, sechs Seiten „Protokoll“ von 12 Autoren hin oder her. Hatte vorher Deutschland denn die (wie auch immer definierte) „Kontrolle“? Offenbar in einem stärkeren Ausmaß als gedacht, heißt es doch gegen Ende „Hat Merkel einen Fehler gemacht, als sie die Flüchtlinge nach (sic!) Ungarn einreisen ließ?“ oder hat nun der Kontrollverlust auch das Lektorat der Zeit erreicht? Mich würde interessieren, was jenes ominöse „Mitglied der Bundesregierung“, das am Morgen des 4.9.15 die Ereignisse der kommenden Tage (dem weiteren Text zufolge als einziger) voraussah, sonst so macht, außer mit Journalisten zu frühstücken? Es scheint ja ein analytisches Vermögen in Regierungskreisen vorhanden zu sein, dass offenbar bestürzend wenig Einfluss auf das Handeln der Bundesregierung hat… Dabei wäre es doch ein Zeichen von „Kontrollbesitz“, politisches Handeln nach der Erkenntnis auszurichten „… dass die Dritte Welt eine Macht ist, dass die auf deren Kosten man lebt, dem nicht ewig tatenlos zusehen werden. Dazu bedarf es keiner militärisch ökonomischen Stärke. Es reicht völlig wenn sich Millionen Verelendeter in Bewegung setzen.“ Aber, ach nein, das war ja kein Zitat aus Regierungskreisen, sondern von Heiner Müller. Über 20 Jahre alt… Die Unschärfe, mit der ich Müllers Worte mit den Ereignissen des letzten Septembers in Beziehung setzte, scheint mir nur eine leichte zu sein. Man möge sie mir trotzdem verzeihen. – Ralf Krämer


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Iris Radisch:

Sie sprechen mir mit Ihren gut begründeten, kraftvollen Sätzen aus dem Herzen und Geist! Diese falsch verstandene Toleranz führt in unserer werteverwirrten pseudoliberalen Gesellschaft genau dahin, was der in Berlin lebende russische Autor Boris Schumatzky in der gleichen Ausgabe zu Recht hier bemängelt. Freiheit muss wehrhaft sein, sich rechtzeitig gegen Tendenzen behaupten können, die wie jene gesichts- und damit identitätsverhüllende, Präsenz und Verantwortlichkeit negierende Verschleierung freiheitlich-gleichberechtigte Prinzipien letztlich angreifen und zerstören wollen. Europäische Identität heißt für mich auch, sichtbar zu sein und dem Anderen gleichermaßen in sein Gesicht sehen können.

Was bei der Verschleierung nur als Einbahnstraße funktioniert: Die verschleierte Frau kann mich sehen, ich aber sie nicht richtig. Und das ist keine Gleichberechtigung und damit nicht in Ordnung! Meinetwegen soll die mehr oder weniger islamaffine Frau in ihren Säcken rumlaufen. Aber das Gesicht muss klar erkennbar sein. Erst recht in unserer terrorgefährdeten Zeit. Und wer das nicht will oder kann, hat auf europäischem Boden nichts verloren. Ich finde, das Vorgehen der Franzosen hier absolut richtig. Man darf sich nicht Dinge aufzwingen lassen, die der eigenen Kultur völlig zuwiderlaufen und mich als Frau und Mensch gleichermaßen zudem kompromittieren und irritieren. Ich respektiere ja auch die Kleiderordnung deren Länder, indem ich dann ein Kopftuch aufsetze oder dementsprechend gekleidet bin. Wenn ich das nicht will, reise ich da nicht hin oder lasse mich dort gar nieder.

Dass ausgerechnet der Innenminister diese falsch verstandene Toleranz bis auf Weiteres zementiert, ist mir völlig unverständlich. – Karin Hepperle


Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

Keine Toleranz für Intolerante. „In Deutschland können Frauen anziehen, was sie wollen“, meint Elisabeth Raether. Aber hier irrt sie. Denn dann könnten Frauen nackt oder nur mit einem Höschen bekleidet in einer Behörde, einem Einkaufszentrum oder in der Öffentlichkeit auftreten. Das können sie nicht (Männer übrigens auch nicht)!  Es existieren Konventionen in unserem Kulturkreis, was die Bekleidung betrifft, Konventionen, um die Beeinträchtigung von Gefühlen anderer zu vermeiden. Und diese werden auch nicht mit Bezug auf Religionsfreiheit außer Kraft gesetzt.  Sonst könnte sich eine Anhängerin einer Naturreligion aus einem Dorf in Afrika auch darauf beziehen und nackt oder halbnackt in der Öffentlichkeit auftreten. Die Burka ist das Symbol islamischer Fanatiker. Und da muss gelten: Keine Toleranz für Intolerante. – Raimund Helbrich


Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

Wenn eine Burka als Vollverschleierung der Frau den gleichen Stellenwert hat wie der Keuschheitsgürtel im Mittelalter, sollte man sie gesetzlich verbieten. – Prof. Dr. Johannes Jörg


Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

Ein Burka-Verbot ist einer freien und liberalen Gesellschaft unwürdig.  In einer solchen Gesellschaft gilt das „Schädigungs-Prinzip“. Hiernach gibt es nur einen „Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gemeinschaft rechtmäßig ausüben darf: die Schädigung anderer zu verhüten“ (John Stuart Mill).

 Eine Frau, die eine Burka trägt, schadet niemand anderem. Ein Burka-Verbot ist daher ungerechtfertigt. Wenn wir nicht zu einer illiberalen und islamophoben Gesellschaft werden wollen, sollten wir davon Abstand nehmen. –  Michael Pfeiffer


 Leserbrief zum Titel  „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Ich finde es bemerkenswert, dass es nun auch in der ZEIT endlich möglich ist, die Wörter „Merkel“ und „Fehler“ im selben Satz unterzubringen. Der Artikel wirft ein Schlaglicht auf das Fundamentalproblem des Merkelschen Politikansatzes. Es gibt keinerlei aktive Gestaltung zur Vorbereitung auf mögliche zukünftige Entwicklungen. Entscheidungen werden solange vermieden, bis alternativlos nur noch eine einzige (d.h. im Grunde gar keine mehr) übrig bleibt. – Gerhard Reinelt


Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

„Ich denke vielmehr, dass der Zugang zum Antlitz von vornhereinethischer Art ist. … Zugleich ist das Antlitz das, was uns verbietet zu töten.“ (Emmanuel Lévinas, Ethik und Unendliches, Seite 64f., Edition Passagen, Wien, 1996)

Verhüllen des Antlitzes als Akt der Selbstbestimmung?
Beide Artikel aus der Zeit vom 18.08.2016 sind aus meiner Sicht nicht stichhaltig. Elisabeth Reather suggeriert:wenn die Frau sich nicht frei für die Verschleierung entscheiden kann, lebt sie als „Gestalt im Kopfe eines Mannes“.Verschleierungist ein Akt der Selbstbestimmung. Iris Radischmeint zum Burka-Verbot, dass abgesehen von den „Schwierigkeiten seiner Durchsetzbarkeit ein wichtiges politisches und kulturelles Signal“ nötig und vielleicht ausreichend ist, um gegen „islamische Fanatiker“ vorzugehen. Verschleierung als Selbstbestimmung vs. Notwendigkeit von Symbolpolitik – das sind nicht die Alternativen.

Zunächst hat mich der Artikel von Frau Raether überzeugt. Jede Frau bestimmt selbst, was sie anziehen möchte. Das ist selbstverständlich, und jeder Eingriff von außen in diese Entscheidung widerspricht der Selbstbestimmung. Das ist klar und gilt selbstverständlich auch für die Burka oder Niqab, und natürlich nur unter Prämisse der Freiwilligkeit.

Aber ist das wirklich der Kern des Problems? Ist es nicht genau umgekehrt? Nicht die Burka oder Niqab sind in der Regel verboten, sondern das Nichtverschleiern ist verboten, sogar unter Androhung von empfindlichen Strafen.Vielmehr ist es wie Raether sagt: mit dem Verbot der Verschleierung nimmt man die Wut konservativer Muslime in Kauf. Man nimmt die Wut konservativer Muslime in Kauf, die z.B. diesem Satz aus dem Koran folgen: „Prophet! Sag deinen Gattinnen und Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen (wenn sie austreten) sich etwas von ihrem Gewand (über den Kopf) herunterziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, dass sie (als ehrbare Frauen) erkannt und daraufhin nicht belästigt werden. Gott aber ist barmherzig und bereit zu vergeben.“ – Sure 33, Vers 59: Übersetzung: Rudi Paret

Den Gattinnen und Töchtern wird gesagt, sie seien nicht als „ehrbar“ oder anständig zu erkennen, wenn sie unverschleiert herum laufen, ungeschützt vor den Belästigungen von Männern, die sich offensichtlich nicht beherrschen können. Mit der Burka und Niqab leben Frauen und Männer als „Gestalt in den Köpfen“ konservativer Muslime – darum geht es!

Nun soll die Verschleierung verboten werden. Also muss es einen Grund, einen Wert geben, der höher anzusehen ist als die Selbstbestimmung der Frau, wenn sie sich für die Verschleierung entscheidet. Dieser Wert ergibt sich aus Raethers Artikelselbst – sie selbst sagt es, und zwar gleich im erstenund im letzten Satz ihres Artikels:

1. „Die Burka bringt eine Frau zum Verschwinden.“ Frau Raether versteht diesen Satz postmodern: nicht die Frau selbst verschwindet, sondern sie verschwindet als freies Subjekt, als Person, wenn man ihr die Kleidung vorschreibt. Tatsache ist jedoch, dass durch die Verschleierung ganz konkret das Antlitz der Frau verschwindet. Nach Lévinas ist das Antlitz der phänomenologische Zugang zum Andren, es ist vor allem ein ethischer Zugang. Mit der Verschleierung des Antlitzes ist dieser phänomenologische Zugang versperrt.

2. Und am Ende sagt sie: Vielmehr sollte man den Frauen „hinter Ihrer Mauer aus Stoff ans Herz legen“, „sich anzuziehen, wie sie wollen.“ „Dafür müsste man aber mit ihnen sprechen, statt ihnen Lektionen zu erteilen.“ – Wer „müsste“ (Konjunktiv!) mit denen sprechen, die sich hinter einer Mauer befinden?„Antlitz und Gespräch sind miteinander verbunden. Das Antlitz spricht. Es spricht, indem gerade durch es das Gespräch ermöglicht und begonnen wird.“ (Lévinas Seite 66) Genau diese Mauer, die nicht nur aus Stoff ist, verhindert das Gespräch.

Insofern sagt Frau Raether selbst, was sie nicht wahr haben will: Die Verschleierung bringt die Frau zum Verschwinden, und zwar nicht auf postmoderne Weise, sondern ganz konkret, indem sie das Gespräch und damit den ethischen Zugangverhindert. Indem die Burka (oder die Niqab) das Gespräch verhindert, wird die Frau „zur Gestalt im Kopfe eines Mannes“, und nicht nur die Frau, der Mann ist in dieser Gestalt das unbeherrschte Monster. Die Frau, die sich nicht schützt, ist selbst schuld! Das ist die Gestalt, um die es geht, und nicht um eine Gestalt, die Verschleierung zu einem Akt der Selbstbestimmung erhebt – das ist absurd.

Wenn man den Gedanken Lévinas‘ weiter denkt, dann wird die Frau, der Mensch, durch die Verhüllung des Mundes, des Ausdrucks, der nackten Haut im Gesicht, der Schutzlosigkeit, der gesamten Figur, alles dessen, was das Antlitz ausmacht, zu genau dem Objekt, das nur begehrt wird, das sich selbst nicht wehren kann, das keinen Ausdruck hat, das keinen Einspruch äußern kann, usw.. „Zugleich ist das Antlitz das, was uns verbietet zu töten.“ (Lévinas)Dieses Zitat deutet auf die Ähnlichkeit zu den Hinrichtungsopfer (nicht nur des IS). Sie alle werden mit verhülltem Gesicht hingerichtet. Unverhüllt würden sie alle ihre nackte Schutzlosigkeit offenbaren, die ein Töten ungleich schwerer macht.

Burka und Niqabsind Ausdruck dieses Menschenbildes und damit symbolisch. Man müsste untersuchen, wie viele Frauen sich mal verschleiern und mal nicht, aus freien Stücken.Wievieleder angeblich 6.500 Frauen in Deutschland entscheiden sich wirklich selbst, oder ist es nicht eher so, dass die, die sich verschleiern, sich in der Öffentlichkeit immer verschleiern, dass es da also keine Entscheidunggibt, sondern nur eine vorentschiedene Tradition? Das ist jedoch keine Freiheit. Aufgrund dieser Überlegungen, bin ich der Ansicht, dass das Verschleierungsverbot, so wie es im Tessin gilt, vernünftig ist.Ob man es gleich so weit treibt, sei dahin gestellt, Frau Merkel und Herr De Maizière sind auf einem richtigen Weg. – Matthias Schulte

Der Kanton Tessin stimmte bei einer Volksabstimmung am 22. September 2013 mit 63.494 Ja gegen 32.377 Nein für ein Gesichtsverhüllungsverbot.[31] In der Folge wurde ein Artikel 9a neu in die Tessiner Kantonsverfassung aufgenommen: (1) Niemand darf sein Gesicht im öffentlichen Raum und an Orten verhüllen oder verbergen, die allgemein zugänglich sind (ausgenommen Sakralstätten) oder der Erbringung von Publikumsdienstleistungen dienen. (2) Niemand darf eine Person zwingen, ihr Gesicht aufgrund ihres Geschlechts zu verhüllen. (3) Das Gesetz regelt die Ausnahmen von Absatz 1 und bestimmt die Sanktionen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Verschleierungsverbot#Schweiz)


Betr.: „Fahnenflucht auf hoher See“ von Marc Widmann:

Dieser Artikel hat mich sehr schockiert und betroffen gemacht. Das einiges faul mit den Kreuzfahrern ist, war mir bekannt, aber nicht in diesem Ausmaß! Dazu fällt mir nur ein: Ausbeutung und moderne Sklaverei in großem Stil. Ich schäme mich und alle schauen weg. Ein kleiner Steuersünder wird bestraft, aber ab einer gewissen Summe, ob Kreuzfahrer, Banken, Millionäre kann man machen was man will. Pfui! Hinzu kommt, daß mehr oder weniger alle Kreuzfahrtschiffe gigantische Umweltsünder sind. Jeder, der eine Kreuzfahrt bucht, macht sich mitschuldig und ist verantwortlich für dieses Geschehen. So löblich es ist, daß die Zeit diese Dinge veröffentlicht, so wichtig wäre es auch für sie, ab sofort alle Kreuzfahrten aus ihrem Reiseangebot zu streichen. –  Bernhard Weber


Leserbrief zu „Wo ist Bach?“ von Christof Siemens:

„Ganz netter Bericht über einen der windigsten Sportfunktionäre unserer Zeit – um es mal salopp auszudrücken. Allerdings fehlt mir in dem Artikel ein wenig mehr Einblick in die Strippenziehereien des Thomas B. Mit Sicherheit falsch ist die Aussage, dass die brasilianischen Fussballerinnen die Schwedinnen demontierten. Vielmehr besiegten die Nordeuropäerinnen die favorisierten Südamerikanerinnen völlig überraschend im Elfmeterschießen. Oder?“ – Holger Kintscher


Über die Diskussion um ein Burkaverbot:

Die Pro- und Contra-Autorinnen lassen außer Acht, dass wir Menschen uns so erfolgreich zivilisiert haben, weil wir miteinander kommunizieren, nicht zuletzt von Angesicht zu Angesicht. Wir sehen im Gesicht unseres Gegenübers mehr als das, was er mit Worten sagt. Wer sein Gesicht verschleiert, lässt das nicht zu, schlägt sein Gegenüber mit Blindheit und verschafft sich dadurch einen Vorteil. Das ist nicht nur unlauter, sondern auch missachtend, diskriminierend und deshalb beleidigend. Es verträgt sich nicht mit der Würde des Menschen. – Carlo Vernimb


Zum Artikel von Jürgen Krätzer: „Atheismus ist immer noch erlaubt!“:

Nein, Herr Krätzer, ich schaue nicht neidvoll auf die Gläubigen, die an ein Weiterleben nach dem Tod glauben. Seit ich mich vor vielen Jahren von Gott löste, fühle ich mich frei von religiöser Gängelei, spüre aber im gleichen Atemzug meine Verantwortung für mein Leben und empfinde Respekt für andere. Die Behauptung, dass es ohne Gott kein moralisches Handeln gäbe, ist ungültig. Meine Loslösung von Gott war ein jahrelanger Prozess, in dessen Verlauf mein Bestreben wuchs, Gutes zu tun und einen positiven „Fußabdruck“ auf unserem Planeten zu hinterlassen. Meine Zweifel wichen einer wohltuenden Klarheit. Keine Rede mehr von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen, sondern ein klares, gottesunabhängiges Bekenntnis zur Würde des Menschen. Ich kann das nur empfehlen. – Carlo Vernimb


Anmerkung zu „Späte Reue“:

Dieses Geweih von Haus des Ernest Hemingway stammt nicht von einem Elch, sondern von einem Wapiti. Beide gehören zur Familie der Cerviden, der Wapiti ist dem europäischen Rothirsch ähnlich, aber wesentlich massiger.

Die Verwirrung kommt aus der Sprache: Das Wort Elk stammt aus dem britischen Englisch wohl aus der Zeit vor der Entdeckung Amerikas. Gemeint war und ist (in England) der Elch. Wapitis gab und gibt es in Europa nicht. Im amerikanisch/kanadischen Englisch wird der Wapiti auch Elk genannt, der Elch aber  i m m e r  Moose !

Elk ist ein Wort von dort eingewanderten Europäern, Wapiti nannten Indianer dieses Tier, übersetzt „weißer Hintern“, etwas feiner und jagdlich korrekt „weißer Spiegel“. – Dr. Hermann Bodenseher


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Zu diesem Thema ist in letzter Zeit sehr viel, m. E. zuviel, geschrieben und diskutiert worden.  Ich bin der Auffassung, daß unsere Bundesrepublik Deutschland (noch) ein weltoffener, demokratischer Rechtsstaat ist. Es gehört zu unserer Lebenswahrnehmung, daß wir offen miteinander umgehen. Dies ist bei einer Vollverschleierung, die den freien Blick bewußt verhindert, nicht gegeben. Außerdem ist sie nach unserer, westlichen Wertevorstellung ein Zeichen für die  Unterdrückung der Frau.

Im Übrigen kann jeder, der mit unseren Werten nicht einverstanden und sie einzuhalten nicht bereit ist, jederzeit das Land verlassen und sein (vollverschleiertes) Leben dort nach seinen Vorstellungen gestalten.

Die von Minister Jäger dargestellte mögliche Auswirkung auf den Karneval zeigt nur die Hilflosigkeit der Politik in dieser Frage. Das nächste wird sein, daß für diesen Personenkreis besondere Rechte eingefordert werden, wie z. B. besondere Badezeiten in Schwimmbädern.

Ich frage mich, wie lange die Politik diese selbstzerstörerische Toleranz gegenüber einem zugewanderten Personenkreis noch aufrecht erhalten will. – Martin Engelberg


Leserbrief zum Artikel „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Mütter tradieren Rollenbilder, will uns die Autorin sagen. Richtig!  Natürlich geht es hierbei auch um Äußerlichkeiten, Rosa oder Blau, zu toben oder vorsichtig zu sein, mit Puppen oder Autos zu spielen. Trefflich lässt sich streiten, ob so ein Verhalten oder eine Vorliebe in der Natur von Mädchen und Jungen liegen, in welchem Umfang sowie wie weit das für ein einzelnes Kind gilt. Doch mir scheint, wir sollten bei dieser Diskussion primär unser Augenmerk darauf richten, welchen Wert Jungen und Mädchen, Frau und Mann zugesprochen wird?

Wenn ich meiner Tochter „zwanghaft“ Jungenkleidung anziehe, ihr mit Absicht eine häßliche Spange kaufe, drückt sich dann hierin nicht aus, dass das Männliche wertvoller und erstrebenswerter ist als das Weibliche? Wie ein Junge sich verhält, was er bevorzugt, ist besser, teile ich meinem Kind mit. Übermittle ich dem Mädchen gar, ein Junge wäre mir lieber gewesen? Auch für diese Haltung existiert eine lange Tradition!

Warum sollte Blau besser sein als Rosa? Warum ist Vorsicht schlechter als Wildheit? Wie viele männliche Jugendliche erleiden großen Schaden durch hohe Risikobereitschaft! Weiter gefragt: Warum sollte es für eine Frau erstrebenswert sein, wie ein Mann zu leben, seine Vorstellung von Arbeit zu übernehmen? Ist es da nicht überaus erfreulich, wenn sich Frauen selbstbewusst auf ihre Weiblichkeit, ihre Interessen und Vorlieben besinnen und dies in die Gesellschaft einbringen? Und das gilt auch, wenn dies Rosa bedeutet! Die Freiheit, sich gleichberechtig auf sich selbst besinnen zu dürfen, ist ein hohes Gut. Die Andersartigkeit von Frau und Mann, von jedem Menschen, als gleichwertig anzuerkennen, schenkt Sicherheit und Selbstbewusstsein. Dafür müssen wir auf den Einzelnen hören. – Michael Geisler


Zum Artikel von Jürgen Krätzer: „Atheismus ist immer noch erlaubt!“:

Herzlichen Dank für Ihren klaren Artikel. Man fürchtet sich z.Z. wirklich vor dem Zurück ins Mittelalter. – Gotthard Popp


Zur Diskussion über ein Burkaverbot:

Ich vermisse in der gesamten Diskussion eine sehr viel deutlichere Unterscheidung zwischen dem Tragen einer Burka und dem eines Niqab, der die Augenpartie der Trägerin offen lässt. Während Letzteres grundsätzlich bis zum Beweis des Gegenteils als Ausdruck des autonomen religiösen Selbstverständisses einer Person angesehen werden sollte, negiert eine Burka die Grundvoraussetzung für ein auf egalitäre Ideale gegründetes Zusammenleben, indem die Trägerin ihr Gegenüber sehen kann- was diesem jedoch verwehrt bleibt. Mit einem solchen einseitigen Blick ist eine Hierarchie zwischen Personen etabliert, die einer gegenseitigen Anerkennung als Kern einer demokratischen Gesellschaft widerspricht und aus diesem Grund- und nicht aus vorgeschobenen sicherheitspolitischen Erwägungen oder einer paternalistischen Befreiungsrhetorik heraus- sollte die Burka nicht akzeptiert werden. –  Johanna Rehner


Bemerkung zu Fäkalsprache in DIE ZEIT:

Hat die Zeit es nötig, Überschriften mit Wörtern aus der Fäkalsprache zu formulieren? „Rosa ist scheiße“, lese ich auf der Titelseite der „Zeit zum Entdecken“, und mit „Heißer Scheiß“ kündigt sich Marcus Rohwetters „Quengelzone“ an. Besonders letztere Wendung ist wahrlich appetitlich für Menschen, bei denen ein sprachliches Bild tatsächlich ein Bild im Kopf erzeugt. Ich frage mich, wessen Lebensgefühl Sie ausdrücken oder welcher Leserschaft Sie sich anbiedern wollen, um Ihre Auflage zu steigern.

Selbstverständlich steht es in Ihrem Belieben, was Sie schreiben und wie Sie es schreiben. Mir allerdings steht es frei, was ich lese, und es wird mir immer klarer, dass mich außer einer etwa 40 Jahre alten Gewohnheit immer weniger dazu drängt, jede Woche die Zeit zu lesen. –   Dr. Günter Lins


Zur Debatte über ein Burkaverbot:

Der Koran schreibt nirgends vor, dass sich Frauen vollständig verschleiern müssen. Er empfiehlt, dass sich Frauen in der Öffentlichkeit die Schultern und die Haare bedecken. Darum kein Verbot für das Kopftuch, jedoch Burka und Niqab verbieten. Aber nicht aus religiösen oder terroristischen Gründen. Die Begründung für ein Burkaverbot muss in Gesellschaften wie in Deutschland oder der Schweiz anders lauten: In unserer Kultur ist beim persönlichen Kontakt das Gesicht ganz wichtig. Wir kommunizieren oft und viel mit unserer Mimik. Mit Burka und Niqab ist das unmöglich. –  Roman Weibel


Leserbrief zum Tietelthema „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Am Ende Ihrer  minutiös geschilderten Geschehnisse  des  4. September und der darauf folgenden 2 Tage schreiben Sie,  „Merkels historische Entscheidung… war kein spontaner humanitärer Impuls, kein emotionaler Affekt.“ Ich denke, dass Sie an dieser Stelle Ihre Recherche gewaltig irren. Warum kann es nicht sein, dass auch eine deutsche Bundeskanzlerin Mitgefühl zeigte?  Mitgefühl, kein Mitleid – das ist ein Unterschied. Und es war genau dieses Mitgefühl, diese menschliche Geste, die  vor einem Jahr zigtausende andere Menschen dazu veranlasste, Willkommenskultur zu zeigen, nicht nur verbal, sondern auch durch großherzige, tatkräftige reale Hilfe. Ich bin sicher, dass diese humanitäre Welle des Mitgefühls einen besonderen Platz in den Geschichtsbüchern einnehmen wird.

Wie allerdings der gewaltige Zustrom weiterer von Krieg, Folter und wirtschaftlichem Elend verfolgter Menschen gemindert werden kann, darauf hat Europa und die Welt keine wirkliche Antwort. Nationalstaatliche Interessen, daran sind sich alle Experten einig, sind sicher nicht die richtige Antwort. Ein zerstrittener Haufen von Einzelstaaten, die egoistisch und unsolidarisch nur Eigeninteresse verfolgen, ist nicht handlungs- und lösungsfähig. Die Lösung wird nicht einfach sein, wenn ich an ein Zitat von Umberto Ecco denke, der sinngemäß einmal Folgendes sagte: „Für jedes komplexe Problem gibt es eine einfache Lösung, aber die ist meistens die Falsche.“ – Dipl. Ing. (FH) Franz Josef Dorn


Zur Titelschlagzeile:

Leserbriefe haben bekanntlich kurz zu sein, wollen sie eine Chance haben, abgedruckt zu werden. Das von DER ZEIT erstellte Protokoll mit der Überschrift Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor macht es schwer, wenn nicht gar unmöglich, diesen Grundsatz zu beherzigen, wenn der Inhalt im Einzelnen, sprich: die Gewichtung der beschriebenen Ereignisse gewürdigt werden soll. Ich beschränke mich deshalb auf die Feststellung, dass die detaillierte und –soweit erkennbar – sorgfältige Recherche und anschauliche „Protokollierung“ sehr verdienstvoll und uneingeschränkt anzuerkennen ist.

Leider kann dieses positive Urteil nicht, um nicht zu sagen „überhaupt nicht“, für die auf Seite 1 gewählte Überschrift gelten, die bezeichnender Weise in ihrer offenbar gewollt apodiktischen Form im Text des Protokolls an keiner Stelle wiederholt wird. Im Text vielmehr wird die Formulierung an verschiedenen Stellen deutlich relativiert und an einer Stelle gar von einem Rückgewinn der Kontrolle gesprochen. DIE ZEIT setzt sich damit dem Vorwurf aus, mit einer reißerischen Formulierung – wenn auch nur in einer Überschrift, aber immerhin mit einer Schlagzeile auf Seite 1 – recht nahe an die überwiegend populistisch  agierende Boulevardpresse gerückt zu sein. Hat eine Wochenzeitung von der Qualität der ZEIT dies nötig? Ein über Jahrzehnte lang passionierter und „geübter“ Zeitleser bittet deshalb, künftig auch in Überschriften und Schlagzeilen populistische Töne zu unterlassen. –  Michael Streffer


Über das Titelthema:

In dem Beitrag „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“ fehlt mir eine wichtige Information, und zwar geht es um die vom Bamf am 25.8. über Twitter veröffentliche Mitteilung zur Aussetzung des Dublinverfahrens für syrische Staatsangehörige, was offensichtlich der Katalysator für die Flüchtlingsbewegung war. Wurde diese Mitteilung in Abstimmung mit Frau Merkel und Anderen veröffentlicht oder nur vom Bamf? War die CSU darüber informiert ? – Helmut Rembold


Leserbrief zu „Wo ist Bach?“ von Christof Siemens:

Wahrscheinlich finden Sie Thomas Bach im Zentrum eines wenig an Sport interessierten Altherrenvereins, weit genug aufgestiegen, um für das Sanktionieren von Doping keine Verantwortung mehr tragen zu müssen, auch nicht für die lukrativen kriminellen Ticketgeschäfte eines seiner Vorstandskollegen. Thomas Bach sitzt sozusagen im Auge des IOC. Aber warum, um alles in der Welt, suchen Sie ihn? – Christian Then


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Ein Verbot per Gesetz kann freilich immer nur so gut sein, wie dessen Intention praktisch umsetzbar ist. So wäre das nunmehr anvisierte Burka-Teilverbot zwar eine vermeintlich verfassungsmäßige, mitnichten aber wirklichkeits- getreue Lösung.

Unter dem sicherheitspolitischen Aspekt stellt die Vollverschleierung gewiss nur ein abstraktes und somit marginal relevantes Risiko dar; eine religiöse Legitimation kann ich nicht nachvollziehen, sehe die Verhüllung im Wesentlichen patriarchalisch begründet und anerzogen.

Der Definition und Spiegelung einer offenen Gesellschaft, die wir in Deutschland bei weitem nicht erst seit dem merkelschen „Wir schaffen das“ sind, steht die Vermummung jedweder Art überaus entgegen, natürlich auch dem Gelingen von Integration, dem Aufbau von Vertrauen und verbindender Identität.

Fazit: Insbesondere mit einem Burka-Teilverbot gelänge wohl so oder so lediglich die Camouflage einer gesellschaftspolitischen Chimäre. – Ira Bartsch


Zur Diskussion über ein Burkaverbot:

Darf man die Burka verbieten? Auch ich möchte die Burka in Deutschland nicht verbieten – ich möchte, dass einfach keine Frau in Deutschland Burka oder Hijab trägt,  freiwillig.

Ja, ich  möchte die Burka-Diskussion um den Hijab („Kopftuch“) erweitern: Burka und Hijab sind in Deutschland Symbole für die Unfreiheit der Frau – das sollte jeder Frau bewusst sein, die ein solches Kleidungsstück hier tragen will. Ihr sollte auch bewusst sein, welche Provokation dieses Symbol für Frauen ist, die selbst, deren Mütter und Großmütter, häufig unter leidvollen Erfahrungen, für die Gleichberechtigung der Frau gekämpft haben. Das Recht auf Gleichstellung von Mann und Frau erscheint jung und leicht störbar, da es noch keineswegs selbstverständlich ist in unserer heutigen Gesellschaft . Natürlich sind Mann und Frau nicht gleich – sie sind sehr unterschiedlich und das ist schön so, doch sie haben die gleichen Menschenrechte, die in unserem Land garantiert sind. Legislativ sind wir da gut, mit der Umsetzung hapert es noch.

Doch wir, vor allem wir Frauen, arbeiten daran. Es provoziert, wenn Frauen, insbesondere junge Frauen, die hier aufgewachsen sind, einen Hijab tragen: sie benutzen ihr Recht auf Selbstbestimmung – indem sie das Symbol der Unfreiheit tragen. Dieses Symbol haben wir uns nicht ausgedacht, sondern es  entstand durch die gescheiterte Integration der Gastarbeiter in unserem Land. Diese hat zu Verletzungen auf beiden Seiten geführt, ist immer noch ein Tabu – was der Verarbeitung nicht dienlich ist. Allein schon, dass ich in diesem Beitrag von „wir“ und den „Musliminnen“ rede, macht deutlich, dass die Gesellschaft noch nicht zusammengewachsen ist. Symbole der Abgrenzung sind da nicht hilfreich.

Es gibt auch andere Symbole in unserem Land, die geächtet sind – auch sie erklären sich aus unserer Geschichte. Diese Symbole muss man nicht mögen oder wollen, sie sind Realität und wir sollten sie erkennen.

Wichtig ist es, in der Burka-Diskussion den Hijab einzubeziehen, weil so deutlich wird, dass wir nicht über eine vereinzelte Burka reden. Es ist nicht lange her, da sah man auch nur vereinzelt Hijabs, heute gibt es KiTas, da trägt fast jede Mutter diese Verhüllung.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, die Hijab auch für Staatsvertreterinnen in ihrem beruflichen Umfeld zuzulassen, ist für mich ein Zeichen von interkultureller Insensibilität,  denn inzwischen gibt es viele Gründe, einen Hijab zu tragen, religiöse scheinen mir in der Minderzahl zu sein. Über das religiöse Gebot einen Hijab zu tragen sind sich die Muslime selbst nicht einig – und oftmals wird in dieser Diskussion Religion mit Tradition verwechselt, die nicht von dem Recht auf Religionsfreiheit geschützt ist.

Der Hauptgrund, meine ich,  warum in Deutschland vor allem junge Frauen Hijab tragen, ist die Renaissance einer Bewegung, die erstmalig unter Shah Mohammad Reza Pahlevi entstand, der den Iran „verwestlicht“ hatte. Traditionalisten riefen dazu auf, sich von dieser Strömung und dem damit verbundenen  „moralischen Niedergang“  zu distanzieren, indem man Hijab trug.
Muslimische Frauen in Deutschland entdecken ihre Wurzeln, machen sie modisch deutlich. Es ist gut, seine Wurzeln zu leben, auch afrikanische, indische Frauen tragen ihre traditionelle Kleidung: niemand stößt sich daran – im Gegenteil, sie gehören zur bunten Vielfalt in unserem Land.

Warum aber provoziert der Hijab so? Einerseits weil er – wie oben beschrieben – ein negativ besetztes Symbol ist, andererseits aber, weil diese „Verhüllung“ zu oft Segregation bedeutet, aktive Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft, deren Vorzüge man gleichzeitig nutzt.

Allerdings wird der Hijab inzwischen zunehmend zu einem Modeaccessoire – was natürlich den Sittenwächtern gar nicht gefällt und auch manchem in der Mehrheitsgesellschaft, da diese Mode unehrlich erscheint: Die keusche Verhüllung  schmückt, wird mit Glitzer getragen, mit tiefem Ausschnitt und knallengen Jeans – und konterkariert sich damit selbst. Gut wäre es, wenn der Hijab – wie alle Modeerscheinungen – dann bald verschwunden wäre. Doch daran glaube ich nicht, seine Steigerung rückt bereits an: die Burka.

In diesem Land kann jeder sein Gesicht zeigen. Dieses ist ein freies Land, in dem sich fast alle politischen Parteien als liberal verstehen – wenn auch der Liberalismus zunehmend missverstanden wird. Liberalismus meint nicht absolute, egozentrische Freiheit – die kann man nur allein auf einer einsamen Insel leben. Die Freiheit des Liberalismus wird sozialisiert durch die Verantwortung, die Verantwortung, dass das, was ich tu oder lasse, gut ist für die Gesellschaft, in der ich lebe. Liberal zu sein, bedeutet nicht, alles zuzulassen – das ist Laissez-Faire und unverantwortlich, sondern die Menschenrechte zu leben und zu verteidigen für mich und jeden in meiner Gesellschaft.
Menschen, die die Menschenrechte nicht leben, haben in unserer Gesellschaft nicht zu suchen. Dazu brauchen wir keine neuen Gesetze, das steht in unserem Grundgesetz. Was ist zu tun?

Das Bundesgerichtsurteil ist zu revidieren: in einem freien Land können Staatsvertreterinnen nicht ein Symbol der Unfreiheit tragen.  Man kann dieses Problem auch nicht, meine ich,  durch ein Verbot lösen – wie können Frauen, die immer eine Burka tragen, aus welchem Grund auch immer, sich plötzlich „nackig“ machen, nur weil sie eine Behörde besuchen müssen!

Ich möchte, dass wir mit Musliminnen, viel mehr in ein sachliches Gespräch kommen – mit meist männlich geführten Muslim-Verbänden gibt es diese Gespräche, doch Hijab und Burka sind dort immer noch tabuisiert. Das führt nicht zum gegenseitigen Verstehen. Dieses wird ein weiter Weg: Die unterschiedlichen Interpretationen des Hijab liegen extrem weit auseinander: vom Symbol der Unfreiheit in der Mehrheitsgesellschaft über Abgrenzung gegen die sittliche Verrohung Deutschlands bis zum Symbol der persönlichen Freiheit für  selbstbewusste Musliminnen. Es wird auch mit Freiheit argumentiert, wenn es um das Recht geht, Burka zu tragen.

Wir brauchen Zeit, sollten uns vielleicht drei Jahre geben, in denen wir einen intensiven, sachlichen Diskurs auf allen Ebenen der Gesellschaft –vom Privaten bis zum Medialen – führen mit Musliminnen, mit dem Ziel, unsere Werte und Normen nicht wegzustecken hinter vermeintlicher Toleranz und der Verteidigung der Religionsfreiheit, die hier meist gar nicht greift, sondern offen und authentisch für die Freiheit einzutreten, wie wir sie verstehen. Vielleicht könnte es sogar eine kluge, sensible Plakataktion geben zu diesem Thema, damit auch die, die – auf beiden Seiten – nur Kontakt zu ihresgleichen haben, nachzudenken beginnen. – Dr. Ursula Augener 


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Das System Vollverschleierung breitet sich dieser Tage in Deutschland aus und hat inzwischen auch unsere Stadt erreicht. Für viele Menschen finden gerade die ersten persönlichen Begegnungen mit voll verschleierten Frauen statt. Wobei man von einer persönlichen Begegnung eigentlich nicht sprechen kann. Es ist die erste unpersönliche Begegnung mit einem Menschen, der sein Gesicht nicht zeigen kann.

Warum lösen diese Begegnungen so viel Unbehagen und negative Gefühle aus. Was ist daran, dass uns erschreckt und das wir instinktiv ablehnen. Hat es damit zu tun, dass wir andersartige Menschen und Gewohnheiten nur zu einem gewissen Grade tolerieren können?

Ich denke es ist Scham und Wut darüber, dass wir Zeugen einer menschenverachtenden Praxis werden und dabei tatenlos zusehen. Wie können wir Abseits stehen und zusehen wie Frauen systematisch aus der Gesellschaft gedrängt werden. Ihre Fähigkeit zur Teilnahme an der Gesellschaft zerstört wird. Wir wissen das es für viele Frauen in ganzen Regionen Alltag ist, in einem System der Vollverschleierung leben müssen. Jetzt also auch in Deutschland?

Frauen die ihr Gesicht nicht zeigen können, sind außerhalb ihrer Familie, ihres Clans völlig isoliert. Es gibt Gesellschaften in denen diese Isolierung noch gesteigert wird, indem Mädchen das lesen nicht lernen dürfen. Manchmal können Sie nur mit dem Vater, dem Bruder dem Onkel vor die Tür treten. Und sie werden in eine vorgegebene Ehe verheiratet. All das wissen wir.

Vollverschleierung ist ein menschenverachtendes System, in das Mädchen geboren werden, das ihnen einen ganz kleinen Raum zuweist und kaum eine Möglichkeit bietet andere Menschen, Meinungen, das Leben außerhalb kennen lernen zu dürfen. Wieviel mehr kann man einem frei geborenen Menschen eigentlich nehmen.

Mag sein das es Frauen gibt, die in Vollverschleierung gehen wollen. Wie viele von ihnen haben die Fähigkeit verloren, ihr Gesicht unbeschwert in der Öffentlichkeit zu zeigen. Sie fühlen sich unsicher und finden sich nicht zurecht. Das zeigt wie brutal das System funktioniert. Der Gefangene kann die Zelle nicht mehr verlassen, der Vogel bleibt im Käfig, auch wenn die Tür offensteht.

Wir als Gesellschaft dürfen dem nicht schulterzuckend zusehen. Es ist beschämend zusehen, wie sich dieses System in Deutschland etabliert. Es sind nicht die anderen, weit weg. Es sind jetzt unsere Mitbürger. Wir dürfen dazu nicht schweigen und müssen etwas tun.

Unsere Rechtsordnung lässt ein generelles Verschleierungsverbot wohl nicht zu und das ist vielleicht auch gut so. Aber es können Grundlagen geschaffen werden, die es Behörden, Schulen, Asylheimen, Einkaufscentern, Sportvereinen etc. ermöglicht, eine Etikette des offenen Gesichtes einzufordern, ohne sich dem Vorwurf der Diskriminierung auszusetzen.

Die Einführung eines solchen „Grundlagen- Gesetzes“ sollte von einer öffentlichen Kampagne „Offenes Gesicht“ begleitet werden. An öffentlichen Einrichtungen, Behörden, bei Vereinen und auch in privaten Einrichtungen, wie Einkaufszentren, sollte ein freundliches Logo „offenes Gesicht“ an der Eingangstür aufgehängt werden das ausweißt das sich in diesem Gebäude Menschen mit einem offenen Gesicht begegnen. Vollverschleierung wird hier abgelehnt und nicht zugelassen.

Menschen die Ansprüche auf Asyl haben, aber der offenen Gesicht Etikette nicht folgen können, können nicht integriert werden. Sie sollten nicht in die Asylheime in unserer Mitte aufgenommen werden, sondern in reinen Schutzeinrichtungen unterkommen, in der Integration gar nicht erst angestrebt wird.

Es gilt zu verhindern, dass sich das System der Vollverschleierung in unserer Gesellschaft etabliert, unter dem viele Frauen werden leiden müssen und das gleichzeitig die Ablehnung der Burka in eine Ablehnung von Asylsuchenden führt, die unsere Fähigkeit Menschen in diese Gesellschaft zu integrieren beschädigt. So schaffen wir das nicht. – Matthias Schmidt


Zum Artikel „»Huhu, Prof, läuft das mit Hausarbeit?«“:

Frau Katharina Meyer-Eppendorf gehört genau zu der Generation, die wahrscheinlich von den Altvorderen der 68er, die zuhauf den Lehrerberuf ergriffen haben, um Ihre Ideologie schon den Kindern beizubringen. Das hatte alles Methode.

Auf Augenhöhe zwischen Lehrenden und Lernenden kann es gar nicht geben. Der Lehrende ist in einer Gesellschaft als Autorität anzusehen, der nicht als Freund oder guter Bekannter eingeschätzt werden sollte.

Das verbietet schon der Anstand -wenn man welchen hat. Aber der ist heute bei vielen jungen Menschen abhanden gekommen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière lehne auch ich die Vollverschleierung persönlich ab. In der Frage, ob das Tragen der Burka und des Nikab verboten werden sollte, bin ich jedoch unentschieden. Was passiert nach einem Verbot? Werden Frauen, die vorher mit Vollschleier in der Öffentlichkeit zu sehen waren, in den Wohnungen verschwinden, weil ihre Männer ihnen den Ausgang verbieten?

Benötigen diese Frauen vielleicht Hilfsangebote, um wirklich den Schleier ablegen zu können? Die Zahl der vollverschleierten Frauen in Deutschland ist verglichen mit der Zahl der muslimischen Frauen in Deutschland gering. Wird es wie in Frankreich nach dem Burka-Verbot zu einer Solidarisierung mit islamistischen Positionen kommen und die Zahl der Burka-Trägerinnen zunehmen?

Islamwissenschaftlern zufolge, lässt sich aus dem Koran die Vollverschleierung für Frauen nicht eindeutig ableiten. Auch die Mehrheit der Muslime lehnt Burka und Nikab ab. Ich frage mich auch, worum es beim geforderten „Burka-Verbot“ eigentlich geht. Geht es nicht eher darum, wie man mit radikalen, fundamentalistischen Strömungen in einer freiheitlichen Gesellschaft umgehen will? Eine Frage, die nicht einfach zu beantworten ist, während ein Verbot schnell gefordert ist. – Dr. Nicole Hilbrandt


Zum Leitartikel „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Victor Orban hat seine Rolle, und/oder 2 Flüchtlinge, die in Griechenland mit einigen Tausend anderen losmarschiert sind, und die so das Flüchtlingschaos in Europa  ausgelöst haben, ebenso, die tieferen Ursachen aber sind andere.

Ein Blick ins „Zeitarchiv 2015“ genügt, um sich ein Bild zu machen. Schon im Januar  gab es den Bericht „Alexandria,Ägypten“ über eine gescheiterte Flucht im Mittelmeer, im Februar  den Artikel „Flüchtlinge, die Ware Mensch“, im März dann in dem Artikel „Hilfe, Flüchtlinge“ , dass Länder und Kommunen heillos überlastet sind.  Im April  ein Artikel über ein brennendes Flüchtlingsheim in Tröglitz und in  „Grenzen auf, Grenzen dicht“ über Beratungen der EU in Sachen Flüchtlinge. Auch noch im April der Bericht über die Seawatch „Vietnam liegt am Mittelmeer“.  Zum gleichen Thema im Mai „Retten mit Gewalt“ und „Global Player: Welt, Macht, Europa“.

Und im Juni mit „Überfordert“  ein Bericht über katastrophale Zustände in Flüchtlingslagern in Österreich. Im Juli dann verabschiedete sich die Bundesregierung wie jedes Jahr in die Sommerpause, während man fast täglich in den Medien die unsäglichen Bilder der laufenden Menschen sehen musste.

Und auch danach hatte sie das Thema offensichtlich noch immer nicht auf dem Bildschirm. Das beweisen die aufgelisteten Routinetermine am 4. September.

Die folgenden  Notmaßnahmen waren dann wohl tatsächlich alternativlos. Hätte die Politik sich allerdings rechtzeitig der Thematik angenommen, hätte es wahrscheinlich weitere Optionen gegeben und ganz sicher nicht den Zeitdruck des 4./5. September.

Ursache also ist, dass die Politik, wie leider viel zu oft,  erst dann aktiv wurde, als „die Hütte brannte“.

In diesem Fall brannte die Hütte schon lange, die Regierung aber hat angestrengt weggeschaut. –  Hendrik Takes


Zum Artikel „Die Ohnmacht“ des Titelthemas:

Sind Sie sicher, dass dieses Foto „In einem Bus wartende Flüchtlinge am Budapester Bahnhof auf der Abreise zur Grenze nach Österreich“ zeigt?

Ich sehe eine
– Straßenbahn?
– einen 48er Müllsack (Österreich)
– einen glatt rasierten Mann
– frisch lackierte Fußnägel der Dame
– sehr saubere Füße eines Kindes …

Meines Wissens war es den „Flüchtlingen“ erstmals in Wien möglich umfassende Körperpflege zu betreiben, durch Öffnung von Schulen und Unterstützung zahlreicher Privathaushalte. – Andrea Maenle


Leserbrief zu „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor.“:

Danke für Ihre Recherchen! Sie erinnern daran, warum Deutschland (und Österreich) im vergangenen Sommer human handelte und die Grenzen öffnete. Leider ist das heute bereits alles wieder vergessen. Eine kalte Hartherzigkeit hat sich erneut über das Land gelegt. Möglicherweise auch eine Hasskappe. Die Erde dreht sich weiter. Aleppo stirbt. – Peter Wolfgang Hendl


Zur Frage „Darf man die Burka verbieten?“:

Es ist schade, dass sich die ZEIT tatsächlich auf eine Diskussion um ein Burka-Verbot einlässt und völlig ignoriert, was eigentlich hinter dem Vorschlag der CDU-Innenminister steckt: nämlich der Reflex, eine komplizierte Situation so zu vereinfachen, dass sie lösbar erscheint und damit die Gelegenheit gibt, sich als Handelnde zu profilieren.

Die Situation ist doch die, dass aus völlig unterschiedlichen Motiven Menschen, die vorher allenfalls kleine Kriminelle waren wie der Attentäter von Nizza, ganz plötzlich Gewalttaten verübt haben, die nicht vorhersehbar und verhinderbar waren:

Mit Islamismus haben die Motive kaum zu tun: Da ist die Homophobie eines vielleicht versteckten Schwulen (Orlando), der soziale Frust eines Zukurzgekommenen (Nizza) oder der latente Rechtsextremismus eines Menschen mit iranischen Wurzeln, der es vermutlich hasste, ständig mit Arabern und Türken in einen Topf geworfen zu werden,  und darum einen tödlichen Hass auf sie entwickelte (München). Allenfalls Ansbach und Würzburg können als dschihadistische Attentate durchgehen, wobei im Falle des Würzburger Jugendlichen Zweifel angebracht sind und hier wohl eher traumatische Erlebnisse vor und während der Flucht als Ursachen vermutet werden müssen.

Die Innenminister haben diese ganze Serie als „islamistische Gewalt“ abgespeichert und offenbaren somit einen erschreckenden Mangel an Professionalität und Souveränität.

Deshalb sei ihnen hier noch einmal gesagt: die größte Verunsicherung der Bevölkerung entsteht nicht dadurch, dass Gewalttaten passieren, sondern dadurch, dass die  Politiker durch ständig neue Gesezte den Eindruck erwecken, dass unsere Institutionen schwach und nicht krisenfest sind. Den Vertrauensverlust, der durch so eine Haltung entsteht, lässt sich auch durch schärfste Überwachungs- und Sicherheitsgesetze nicht wieder herstellen.

Und was das Recht einer Gesellschaft betrifft, Rückständigkeit zu sanktionieren, wie es Frau Radisch postuliert, so kann ich nur sagen: ein solches Recht kennt das Grundgesetz nicht. Und wenn, dann fallen mir viel mehr „Rückständige“ ein, die viel bedrohlicher sind, als voll-verschleierte Frauen. – Dr. Dirk Kerber


Zum Politik-Teil:

Auf vielen Seiten zeichnet die ZEIT die Ereignisse des „Flüchtlingssommers“ 2015 nach. Warum, frage ich mich? Hat denn damals denn ein Epochenwandel stattgefunden, der das Bedürfnis erklären würde, zu verstehen, wie es dazu kam?

Nein! Deutschland hat im Jahr 2015 erheblich mehr Flüchtlinge aufgenommen als zuvor und danach. Aber das war’s auch schon! Weder hat sich an den Fluchtursachen etwas geändert, noch am dysfunktionalen Dublin-System, das dafür sorgt, dass Flüchtlinge in den Randstaaten der EU hängenbleiben. Hinzugekommen ist hier nur die Türkei als zusätzlicher Puffer-Staat, der sehr effektiv den europäischen Türsteher gibt.

Es mag sein, dass es keine bessere Lösung gab – es ist aber auch kein Grund, eine historische Ausnahmesituation zu einer epochalen Zäsur hochzujazzen, wie es die ZEIT durch ihren mono-thematischen Politikteil offenbar suggerieren möchte. – Dr. Dirk Kerber


Zu Ihrer Dokumentation „Drei Tage im September 2015“:

Obwohl noch nicht einmal die Hälfte der Asylbewerber seit September 2015 aus Syrien stammt, hat sich die Politik zum Zwecke der Beschwichtigung auf ein Flüchtlingsnarrativ verständigt, das nahezu ausschließlich von syrischen Schutzsuchenden handelt. Es gibt sie ja, die syrischen Familien, die vor dem Terror in ihrem Heimatland geflohen sind, genauso wie vornehmlich Männer aus dem Maghreb, Afghanistan oder Albanien, die – wer will es Ihnen verdenken – ihr Glück in Deutschland suchen. Und ja, es gibt offensichtlich auch einige wenige frustrierte männliche Wirrköpfe, die aus dem arabisch-muslimischen Kulturraum zu uns gekommen sind und zu einer Gefahr für unser Gemeinwesen werden können. Ein Ausblenden dieser Tatsachen spielt nur dem xenophoben Rechtspopulismus in die Hände. –
Dr. Bernhard Neff


Leserbrief zur Grafik der Nationalhymne:

Ich hatte mich sehr gefreut über die Kopie der Handschrift von v. Fallersleben. Ich bin aber nicht einverstanden mit der Kommentierung im Begleittext.  Er enthält Fehler, die für einen gebildeten Deutschen direkt peinlich sind:

Linke Spalte

Absatz 3

Die Maas floss weder im Jahr 1841 noch 2016 irgendwo durch Deutschland oder deutschsprachiges Gebiet, weder größten- noch kleinstenteils.

Mittlere Spalte

Absatz 2

Mit welcher Logik wird  wird die Memel als litauischer Fluss bezeichnet? 1841 floss sie im Unterlauf seit über 500 Jahren durch Deutschland bzw. die analogen Staatsgebilde, mit zunehmender deutscher Bevölkerung sowie litauischen Bürgern und Bewohnern anderer Nationalität. Weiter flussaufwärts  war die Memel Grenzfluss zwischen Polen und Russland und schließlich entsprang sie in Russland. 2016 liegt nur der Unterlauf in Litauen, Mittellauf und Quelle liegen in Weißrussland.

Darüber hinaus frönt der Autor einer modischen journalistischen Seuche: Er vergegenwärtigt ohne Not die Vergangenheit und nimmt damit dem Deutschen einen Teil seiner Kraft und Klarheit und Eindeutigkeit. Ein Beispiel von mir: „als er dann endlich anfangen kann zu schreiben …“. Damit meinen viele Autoren keineswegs, dass jetzt / heute ein Autor endlich zu Potte kommt, sondern dass er gestern oder vor 100 Jahren begonnen hat zu schreiben. Solch eine Satzbildung provoziert also durch die plumpe Vereinfachung eine sachlich falsche Erkenntnis. Es kommt dann viel mehr auf die Interpretation des Adressaten an als auf die Aussage des Senders. Wenn in dieser Art jede Aussage durch die Sprachform in die Gegenwart gezogen wird, erscheint die Vergangenheit  flüchtiger, veränderbarer, unwichtiger. Es gibt noch weiterreichende Folgen: in jedem einzelnen Autor und in jedem Leser wird der Aufbau eines geistigen Rasters über die Abläufe in der Vergangenheit erschwert. Darüber hinaus verarmt die Sprache, ein Teil der Vielfalt,  des Klanges und der Differenziertheit gehen verloren.

Unerfreulich liest sich daher der Satz in

linke Spalte

Absatz 2:

Die Maas fließt auch damals größtenteils durch Frankreich und Belgien …

Völlig verwirrend und historisch fragwürdig ist der Satz:

Der Belt … liegt im damaligen Herzogtum Schleswig, dort gibt es deutschsprachige Einwohner.

Es ist eine dumme Vereinfachung der Sprache, vielleicht, weil es alle machen, vielleicht, weil es ein Amerikanismus ist, vielleicht, weil man damit das Interesse des Lesers besser erregen kann, vielleicht, weil man sich von der Verkaufbarkeit seiner Nachrichten korrumpieren lässt. Man benutzt einen billigen fast unterschwelligen Effekt, bezahlt aber teuer mit einer Verschlechterung unseres Deutsch.

Die ZEIT hat unzweifelhaft eine gesellschaftliche Wirkung und ist sich gewiss auch ihrer Verantwortung als Printmedium für die Entwicklung der deutschen Sprache bewusst. Ich würde mir wünschen, dass die ZEIT und ihre Journalistenschule den Gebrauch dieser Unsitte diskutiert.

Ansonsten: Dank allen Mitarbeitern, ich lese die Zeit jede Woche wieder gern und mit Gewinn.  – Margrit Kischkat


Zum Artikel von Marc Widmann „Fahnenflucht auf hoher See“:

Gerade komme ich von einer Kreuzfahrt von Island/Grönland zurück. Mit großem Interesse habe ich den Bericht über die Gehälter der Angestellten auf den Schiffen gelesen.

Es ist auch während unserer Kreuzfahrt unter den Passagieren ein Thema gewesen. Die Touristen nehmen wahr, wie die Gehaltsstruktur auf den Schiffen ist und es ist ihnen nicht gleichgültig.

Leider habe ich mich vor Beginn meiner Reise nur für die Route interessiert, nicht für das Schiff. Das ist ein großer Fehler gewesen.

Die MS Ocean Majesty ist von Hansa-Touristik, Stuttgart,  gechartert. Es ist ein griechisches Schiff Baujahr 1965/1966. Läuft unter portugiesischer Flagge.

Dieses Schiff hat so viele technische Mängel, dass ein Passagier anmerkte. „Dieses Schiff kann man nur noch versenken“.

Dazu drei Bespiele: Es gibt keine moderne Klima-Anlage, nur eine Art Absauganlage, die nicht ausreichend ist und dafür gesorgt hat, dass über die Hälfte von 450 Passagieren eine starke Bronchitis bekamen. Die Kabinen sind nicht beheizbar. In Grönland froren die Gäste der Außenkabinen. Man stellte ihnen Heizlüfter zur Verfügung. Das ist auf Schiffen wegen Brandgefahr verboten. Die Decken sind nur ca. 2 m hoch, auch im Theater die sog. Bühne. War da ein Ballett zugange, hielten wir immer die Luft an, ob nicht einer der Scheinwerfer berührt wurde und auf die Akteure herabstürzt.

Wenn  mir die Behörde bekannt wäre, die dieses Schiff aus dem Verkehr ziehen kann, ich würde sofort aktiv werden. Die Reise nach Grönland ist für 2017 wieder im Prospekt von Hansa Touristik. – Brita Link


Zum Titelthema:

Es war interessant zu lesen, was Sie bei Ihren Recherchen an Details herausgefunden haben. Um aber die Geschehnisse dieser Tage zu verstehen und die Handelnden besser beurteilen zu können ist diese Betrachtungsweise völlig unzureichend.

Die am 4. September 2015 entstandene Situation war nicht plötzlich da, sondern sie entwickelte sich und die Verantwortlichen in der Regierung der BRD wurden bereits ein Jahr früher im Herbst 2014 und im Frühjahr 2015 über das was auf sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zukommt vorinformiert. Es interessierte nur niemanden besonders.

Die UNHCR informierte die Regierung der BRD im Herbst 2014 darüber, dass die Geldmittel für die Flüchtlingscamps in der Türkei, Jordanien usw. stark zurückgehen und in der Folge damit gerechnet werden muss, dass Flüchtlinge die Lager verlassen. Dies interessierte zu diesem Zeitpunkt in der Regierung der BRD wohl kaum jemanden, denn sonst hätte man bereits zum damaligen Zeitpunkt andere Schritte eingeleitet.

Mit den Möglichkeiten die Ihnen zur Verfügung stehen müsste es ein Leichtes sein, den Sachverhalt zur damaligen Zeit zu erhellen und die Untätigkeit der Kanzlerin aufzuzeigen.

Diese Untätigeit setzt sich auch im Frühjahr und Sommer 2015 fort und somit kann nicht gesagt werden, dass die Kanzlerin plötzlich vor einem nicht mehr zu lösenden Problem stand. Es muss gesagt werden, dass die Untätigkeit der Kanzlerin genau zu diesem Sachverhalt geführt hat und damit trägt sie die Hauptverantwortung für die Sache.

Vielleicht können Sie in einem der nächsten Artikel diesen Sachverhalt aufgreifen und trauen sich auch ihn zu veröffentlichen. – Rudolf Höfling


Zur Titelschlagzeile:

Seit vielen Jahren bin ich Zeit-Leserin.  Aber heute muss ich mich bei Ihnen über die Titelseite „Die Nach in der Deutschland die Kontrolle verlor“ der Ausgabe vom 18. August 2016 beschweren.

 Diese polemisierende, angst- und hassschürende Titelzeile ist der „Zeit“ unwürdig und ich bin mit nicht sicher, ob ich die dazugehörigen Artikel überhaupt lesen will. Auch die Unterzeile macht es nicht besser.

 Wir – bzw. Angela Merkel – hat am 4. September 2015 nicht die Kontrolle verloren, sondern Menschlichkeit bewiesen. Wie das Ganze aus geht ist noch offen und liegt an uns allen.

 Aber ich möchte so angstschürende und wenig objektive Schlagzeilen nicht in der „Zeit“ lesen. Diese erwartet man so eher in der Bild oder in Medien, die weit rechts stehen.

 Bitte überdenken Sie in Zukunft derartige wenig sachliche Titelseiten, denn Besonnenheit steht in unserer Zeit nicht nur der Kanzlerin gut an, sondern auch unseren Medien, vor allem den intelligenteren Medien, zu denen sich die „Zeit“ sicherlich zählen möchte. – Nicole Dietrich


Zum Artikel „Gefäße unter Stress“ im Medizin-Teil:

Sehr geehrte Damen und Herren, unter „Medizin“ entdeckte ich einen Satz, den ich nicht verstehe:

„Alkohol sollten Menschen mit Hypertonie nur moderat trinken, Zigaretten am besten garnicht“. Können Sie das verstehen? –  Ulrich Bratfisch


Leserbrief zur Lidl-Werbung:

Game over – Mit einer ganzseitigen Anzeige in der „Zeit“ wirbt Lidl am 18.8 2016 unter der Überschrift „Gen Over“ für Frischmilch ohne Gentechnik zu einem Schnäppchenpreis von 42 Cent. Der Handel suggeriert damit dem Konsumenten als ginge beides: Hochwertige Lebensmittel, die mehr als die gesetzlichen Standards erfüllen zu Schnäppchenpreisen im Angebot. Mit Nachhaltigkeit hat dieser Weg nichts mehr zu tun. Denn für viele Milchviehhalter und bäuerliche Familienbetriebe heißt es damit: Game over. Das Spiel ist aus. Ob sich Lidl mit seinem Werbeslogan „ Auf dem Weg nach Morgen“ dieser endgültigen Auswirkungen bewusst ist? Wann werden sich die mit Tierschutz, Umweltschutz und Nachhaltigkeit werbenden Handelsketten um den Schutz der bäuerlichen Familienbetriebe kümmern, die an 365 Tagen im Jahr 2 mal täglich ihre Kühe melken? Hat Lidl ein Konzept für die nachhaltige Nutzung aufgegebener Kuhställe und neue Arbeitsplätze für die Bauern im Land? Die Landfrauen und Bauern in Schleswig-Holstein erwarten dringend überzeugende Antworten von den großen Handelsketten. – Anette Röttger


Zur Diskussion über ein Burkaverbot:

Es geht in Sachen Burka nicht um Frauenrechte. Es geht um unsere deutsche Kultur. Die Kultur ist kein Fixpunkt. Nein,sie entwickelt sich durch unsere volksansichten. Zu meiner Kindheit vor 75 Jahren haben auf dem Land fast alle Frauen ein Kopftuch getragen. diese Zeiten sind aber in Deutschland vorbei.Daher ist es geboten, dass sich die Einwanderer nach unserer Kultur und Sitten richten. Also weg mit jeder Art von Verschleierung, die von den Männern-nicht von den Frauen- verlangt werden.

Hierzu nur ein Beispiel aus meiner Dienstzeit: Es hat sich eine Frau mit Kopftuch bei mir beworben. Ich fragte sie, ob sie heute ihre Haare nicht gewaschen hätte. “Nein, ich bin Muslima. Ich muss ein Kopftuch tragen. Das steht im Koran.” “Da haben sie den Koran noch nicht gelesen”, antwortete ich. “Aber mein Vater, mein Bruder und mein Cousin haben gesagt, dass das im Koran stehe”. “Und ihr dummen Weiber glaubt das, was euch eure Männer sagen, ohne euch zu vergewissern”, antwortete ich.

Einige Tage später traf ich diese Frau wieder. Sie trug kein Kopftuch mehr. – Dietmar Deckelmann


Zu der Frage „Darf man die Burka verbieten?“:

Diese Frage ist doch nicht neu. Europa hat fast 2.800 Jahre unter der orientalischen Angst vor dem „unehelichen Kind“ gelitten. Das ist im Kern der wahre Grund für diesen Verhüllungswahnsinn, denn er ist ein wichtiger Bestandteil der alten Familienreligion, er soll die Frau vor der sakralen Verschmutzung durch einen Männerblick schützen, darum die totale Verhüllung der Frau incl. Handschuhe,  woraus die Weigerung orientalischer Männer stammt einer Frau die Hand zu geben.

Erst mit der Heirat und ihren drei Akten: traditio, deductio in domum, confarreatio wurde dies für einen Mann möglich. Dieser Mann war ihr Ehemann. Nun war Sie,  die sexuell unberührte,  mit ihrem Gatten und der gesamten Familie in der religiösen Gemeinschaft mit den häuslichen Göttern,  den Genien ( arabisch die Dschinn,  al-ginn ). Diese Hausfrau, eine orientalische Erfindung aus dem sehr fernen Altertum, war im Hause frei, in der Außenwelt aber durfte sie nicht gesehen werden was die Vollverschleierung auch verhinderte.

Sie war eine häusliche Priesterin der Totenreligion ( gemeinsame Mahlzeiten mit den Toten an deren Gräbern,  lautes Geschrei und Wehklagen der Frauen usw. ) . Viele Relikte dieser in Europa vorab fremden Religion wurden erst spät beseitigt,  wie zum Beispiel die rechtliche Ungleichstellung zwischen ehelichen und unehelichen Kindern zum 1. Juli 1970. Ohne das Christentum mit seiner Übernahme der alt-orientalischen Sitten und Vorstellungen, inkl. Verhüllung und Musikverbot hätten wir nicht bis 1970 warten müssen. Dann wären diese alt-orientalischen Vorstellungen längst vergessen. So aber erinnern die Vollverschleierung, das Kopftuch,  die Haube (unter die Haube kommen) und der Hut auch heute noch an diese alte Religion der Ahnenanrufung.

Wer gerne wieder den Artikel 40 der assyrischen Gesetzgebung ( Irak ca. 1.350 vor Chr.) in Deutschland einführen möchte sollte auch in seinem Beitrag so aufrichtig sein und es erwähnen,  statt sich hinter einem Recht zu verstecken das für alle gilt, die hier leben. – Anonym


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten? “:

Sie machen wütend, diese naiven, timiden Verharmlosungen  weiblicher Verhüllungen der Islamisten. Erfrischend dagegen der zornige Blick von Iris Radisch auf die radikal-islamische  Realität, auf den Anspruch, die Hälfte der Menschheit unter dem Vorwand von Religion unterdrücken zu dürfen. Lassen wir uns nicht dadurch  irritieren, dass einige erfolgreich indoktrinierte Verschleierte die eigene Unterwerfung unter diese Macho-Kultur als freiwilliges Praktizieren einer Religion missverstehen.  Die allermeisten Betroffenen haben keine Chance, sich diesem Zwang zu entziehen.  Es spielt keine Rolle, dass Burkas u. CO. bislang (!) erst selten in unseren Straßen zu beobachten sind, wir sollten das Selbstbewusstsein haben, zu unseren Werten zu stehen.

Jedenfalls wäre es  fatal, wenn die AfD die einzige Partei wäre, die  sich weigert, diesen menschenverachtenden ‚ mittelalterlichen Fanatismus in unserer Gesellschaft zu tolerieren. – Dr. Wolfgang Salzert


Zum Titelthema:

Gestern habe ich mich wieder einmal auf die neue ZEIT-Ausgabe vom 18.8.2016 gefreut. Interessante Artikel, Hintergrundinformationen und Inspirationen, vielen Dank.

ENTTÄUSCHT war ich jedoch, dass mit keinem Wort der 80. Geburtstag von Robert Redford erwähnt war, der genau auf dieses Datum fiel. Ein Schauspieler, der abgesehen von einigen späten Blockbustern auch tolle sozialkritische Filme gemacht hat wie „Die Unbestechlichen“, „Der elektrische Reiter“, „Milagro“ und viele unvergessene Filmfiguren verkörpert wie Sundance Kid und Der große Gatsby. Nicht zu vergessen, dass er auch Begründer des Sundance Filmfestivals ist, das nach wie vor als die Plattform für den internationalen unabhängigen Film gilt. Eine Würdigung seiner Person wäre meiner Meinung nach durchaus berechtigt gewesen. – Jacqueline Schaffrath


Zum Titelthema:

Ich habe gerade Ihre – sehr verdienstvolle, sehr interessante – Rekonstruktion des „Kontrollverlusts“ im September letzten Jahres im Zuge der „Flüchtlingskrise“ gelesen. Es ist als hätte man den ersten Akt eines Politdramas gesehen: Jetzt will jeder wissen, wie es weitergeht. Warum haben die Balkanstaaten es irgendwann auf sich genommen, die Route zu schließen und hatte die Bundesregierung daran einen Anteil? Warum hat die Bundesregierung sie dafür kritisiert – wenn doch ursprünglich nur an die Aufnahme von vielleicht 7000 gedacht war? Oder hat die Bundesregierung mit „verstärkten Zurückweisungen“ an der Grenze – die in den Medien allenfalls am Rande Erwähnung fanden – selber die entscheidenden Gründe für einen „Dominoeffekt“ bei der Schließung der Grenzen auf dem Balkan geliefert? Welche Flüchtlinge sind dabei überhaupt zurückgewiesen worden, wie wurde das gerechtfertigt und warum wurde diese Maßnahme erst im Dezember ergriffen? Und wie passt diese Linie zur offiziellen Kritik der Bundesregierung an der Schließung der Balkanroute? Eine Fortsetzung Ihres Politdramas, die all diese Fragen beantwortet, würden sicher viele Leser hochspannend finden. – Axel Conrads


Leserbrief zum Titelthema:

Quo vadis, Zeit??
Die Überschrift der Titelgeschichte und vor allem die Unterzeile (im 2. Teil ohne jedes Fragezeichen!) sind allein von der Machart her überaus niveauarm und reißerisch.

Also:
Wohin wollen Sie mit der Zeit – ab ins rechte Spektrum – ? Unter Frau Dönhoff, Herrn Sommer und Herrn Schmidt wäre eine solche Titelzeile nicht möglich gewesen.

Und noch eins:
Am Erscheinungstag dieser Zeitausgabe (18.8.) wird Robert Redford 80 Jahre alt, einer der größten Schauspieler, Regisseure und Festivalbegründer aller Zeiten. Und – im Gegensatz zu allen anderen Publikationsorganen – findet sich in der Zeit keine Silbe dazu (dafür ein langes Interview mit den – wohl bedeutenderen –  Kessler-Zwillingen zum selben Anlass!). Oder kam sein Geburtstag so überraschend („plötzlich und unerwartet…“)?? – Hans-Jürgen Mahnkopf


Zur Frage „Darf man die Burka verbieten?“:

Gegen wen würde sich ein Burka-Verbot eigentlich richten? Doch nicht etwa gegen ihre Trägerin?  Da müsste man dann doch wohl auf den altlateinischen Spruch zurückgreifen :Qui asinum non potest, stratum caedit (»Wer den Esel nicht [schlagen] kann, schlägt den Packsattel«).

Nur wer ist hier der Esel?

Elisabeth Raether nennt ihn wenigstens andeutungsweise beim Namen, wenn sie bezweifelt, dass der Ehemann, der „seiner Frau zuvor das Tuch über den Kopf gezwungen hat“, sich über die Befreiung seiner Frau davon „freuen“ würde.  Schließlich ist es eben dieser, der die textile Verhüllung seiner  Frau (und/oder Tochter)  beim Verlassen der häuslichen Wohnung mit den vermeintlichen Bekleidungsvorschriften des  Korans aus dem 7.Jahrhundert ( Suren 24 Nr.31 und 33 Nr.59) rechtfertigt.

Wenn dieser Gatte – oder allgemeiner der fundamentalistisch geprägte muslimische Mann – sich mit seiner Verfügungsmacht über die Frau auch noch im 21. Jahrhundert und dazu in einem völlig anderen Zivilisations- und Kulturkreis auf seine Rolle als Wächter über die anti-emanzipatorischen  Vorgaben seines ‚alten Testaments‘ beruft , so werden wir es auch mit jemandem zu tun haben, der sich auch auf die Koran-Sure 4 Nr.38 für seinen sonstigen Umgang mit (s)einer Frau beruft: „Die Männer sind den Weibern überlegen…Die rechtschaffenen Frauen sind gehorsam… Diejenigen aber, für deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet – warnet sie, verbannet sie in die Schlafgemächer und schlagt sie…“

So gesehen ist die Zielgruppe für die Adressierung von Bemühungen, muslimische Mitbürger in unsere westliche Gesellschaft zu integrieren einschließlich eines Burka-Verbots wohl weniger die traditionsbelastete muslimische Frau als der sie nach wie vor dominierende sprich unterdrückende (Ehe-)Mann. – Heiner Kuse


Leserbrief zum Artikel „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Es geht um den Artikel „Rosa?“ von Emilia Smechowski. Kurz zu meiner Person: Ich bin Witwe, 66 Jahre alt, seit 01.03.2015 in Rente, keine Kinder. Mit diesem Artikel gehe ich vollinhaltlich einig. Mein Mann war 23 Jahre älter als ich – wir haben uns bewußt gegen Kinder entschieden. Die Erde ist heute schon überbevölkert. Aber das ist nicht das Thema.

Schon seit Jahren stelle ich fest, dass gerade junge Mädchen rückwärts gewandt orientiert sind. Das ist erschreckend und ich begreife es nicht – wir sind doch im Jahre 2016. Augenscheinlich waren die langen Kämpfe um Gleichberechtigung, die immer noch nicht völlig erreicht ist, wirkungslos. Meines Erachtens liegt das auch an der schulischen Bildung bzw. Nichtbildung.

Ich finde es mutig, was Sie getan haben. Ich kenne nur eine weitere Frau, die dies auch getan hat und ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Angesichts der heutigen Probleme kann ich sagen, dass ich froh bin, so alt zu sein. Ich habe keine große Hoffnung für die Zukunft.

Ich wünsche Ihnen und Ihrem kleinen Tiger viel Durchhaltevermögen und Kraft. Das werden Sie brauchen, wenn der kleine Tiger älter wird. – Undine Mix-Falter


Zum Artikel „Nie wieder Billigsprit“ von Mark Schieritz:

Zunächst: eine platte grüne Forderung nach 5 Mark pro Liter Benzin hat es nicht gegeben, da hilft auch die ständige Wiederholung nicht.

Wer die geringe Anzahl von Elektroautos beklagt (die übrigens bei weitem nicht alle mit Ökostrom fahren), sollte sich auch über weitere Konsequenzen Gedanken machen. Der Entwurf des Klimaschutzplanes der Bundesregierung führt aus, „dass bis ca. 2050 der Stromverbrauch (…) um etwa 200-250 TWh über dem heutigen Niveau liegen wird.“ Das ist nach meiner Rechnung eine Erhöhung um ca. 50 Prozent und somit völlig unrealistisch. Man fragt sich, ob das ernst gemeint ist.

Wir brauchen völlig neue Mobilitätskonzepte und weniger Individualverkehr, da helfen E-Autos nur zum Teil. – Heiko Reinhold


Leserbrief zu „Achtung, hier spricht die Polizei“ von Henning Sussebach:

Medien   sollten   viel   häufiger  Hintergrundwissen   zu  Berufen   vermitteln. Man hat   dann   sicher   mehr   Verständnis   für  berufliche   Tätigkeiten, sieht   die damit verbundenen Probleme   und   Belastungen.   Dies   gilt   vor   allem   für   Berufe,   die  sich   nicht   immer   allgemeiner   Beliebtheit   erfreuen,   wie   etwa  die   der   Polizei.   So   mancher   beurteilt   sie  oft   nur   unter   dem   Aspekt   der   Kontrolle   und   damit   verbundener   Sanktionen, sieht  seltener   den   der   Sicherheit  und   öffentlichen   Ordnung. Diese   Einstellung   hat   sich   wohl   bei   vielen   Bürgern verändert. „In   Zeiten   von   Amokläufen   und   Terroranschlägen  entdeckt     die   Gesellschaft  ihre   Liebe   zur   Polizei,“   heißt   es   so   treffend  im   Untertitel. Schön,  dass   man   in   diesem  Artikel   etliche   Polizeibeamte   zu   Wort   kommen   lässt   und   dadurch   der   Laie  eine   bessere   Vorstellung   von   dem   breiten   Spektrum   ihrer  häufig  gefährlichen   Aufgaben  bekommt ! – Gabriele   Gottbrath


Leserbrief zur LIDL – Werbung „GEN OVER“:

Unter der Überschrift „GEN OVER“ bietet das Handelsunternehmen LIDL auf grünem Hintergrund frische fettarme Milch ohne Gentechnik für 42 Cent je Liter an. Hier wird eine heile Bauernwelt im Sonderangebot vermarktet.

Doch welche Bauernwelt stellt sich LIDL unter seinem Motto „Auf dem Weg nach morgen vor“? Für diesen Milchpreis im Laden kann kein Landwirt dauerhaft Milch erzeugen. Die Milchviehhaltung wird sich in immer größer werdenden Kuhherden auf wenige Gunststandorte konzentrieren. Futter, Stallmist und Gülle müssen über weite Entfernungen transportiert werden. Weidende Milchkühe werden die Ausnahme sein. Ist das im Sinne von Politik und Verbrauchern? Nachhaltigkeit sieht anders aus!
Mit der Marktoffensive „Ohne Gentechnik“ stellt sich LIDL als erster Händler mit bundesweitem Angebot an eigenen Milchprodukten vor.

Lediglich das zur Proteinergänzung in der Milchviehfütterung eingesetzte Sojaschrot ist gentechnisch verändert und stammt aus den USA, Brasilien oder Argentinien.

Die vor Ort wachsenden Futtermittel für Milchkühe wie Gras, Mais, Getreide und Raps sind dagegen frei von gentechnisch veränderten Organismen und machen 95% der täglichen Ration aus.
Sollte Sojaschrot ausschließlich durch heimisches Rapsschrot ersetzt werden, würden die jährlichen Erntemengen nicht ausreichen.

Die Werbeaussage „Ohne Gentechnik“ ist populistisch.  Ängste und Verunsicherungen sollen den Konsumenten genommen werden.

Doch was sagt LIDL zu Erzeugnissen aus der Schweine- oder Geflügelhaltung. Beide Tiergattungen haben im Gegensatz zu den Wiederkäuern nur einen Magen und sind auf hochwertiges Protein in Form von Sojaschrot angewiesen. –  Wolfgang Behrendt


Zum Artikel „Nie wieder Billigsprit“ von Mark Schieritz:

Der SPD – Vorsitzende Herr Gabriel, sollte den Spruch von Voltaire bedenken. Alles was du sagst sollte wahr sein, aber nicht alles was wahr ist solltest du auch sagen.  – Gerhard Knaak


Zum Artikel „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Ihr Artikel „… Rosa ? … Es ist eine Rollenerwartung.“ ist m.E. überflüssig. – Kleidungsfarben können keine Rollenerwartung sein. Eine Frau und Mutter kann keine „Rolle erfüllen“, sondern sie kann ihre Zeit dem Wesentlichen im Leben widmen. Wenn Sie aber einem Mädchen ein Lkw-Body anziehen, dann manipulieren Sie in Richtung Gender-Mainstreaming. Gleichmachung von Mann und Frau. Möglichst alle erwachsenen Menschen sollen erwerbsarbeiten und konsumieren. Ist das Freiheit ?? Es geht doch wieder nur um mehr Geld und mehr Macht. – Sind die Folgen für Kinderseelen, Familie und Umwelt verantwortbar ? Ist die jederzeit verfügbare liebevolle Zeit der Mütter (notfalls Väter) für Kinder und Familie ersetzbar ? – Außerdem : Die globalen ungeheuerlichen Folgen des Überfluss/Luxus-Konsums und der Überfluss/Luxus-Mobilität für Umwelt-Tier-Mensch sind allgemein bekannt und keinesfalls verantwortbar. Warum lernen wir nicht von Sokrates : „Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf“ ! – Annick und Volker Freiesleben


Zum Titelthema:

… nicht Kontrolle, Vernunft und Verantwortung für eigenes Land verloren

Die im September letzten Jahren seinen Höhepunkt erreichte Flüchtlingehysterie und einen absurden Ausbruch sogenannten Willkommenskultur – im Lande wo eine Kommunikation mit Fremden in sich fast zum schlechten Ton propagiert ist  – ist ein klare Zeichnung der Absage der Staatlichkeit und Degradation von etablierten Parteien in Deutschland. Es besteht keine gesetzliche Grundlage, kein wirtschaftlicher Bedarf und wenig „humanitäre Verantwortung“ für den Zuzug – und das für einen unklaren Zeitraum – von Millionen von dazu angeblich willenden Wessen aus fernen kulturell völlig fremden Ländern. Der misslungenen Versuch türkische Mitbewohne zu domestizieren wird dabei kaum berücksichtigt.

Wenn das Ziel solcher Abenteuer den einmaligen zivilisatorischen Kraft und vorbildliche Attraktivität Deutschland als Kern mitteleuropäischen Zivilisation ins quasi Vorort Kabul umzuwandeln, ist das bereits erreicht und zwar am e.g. am Münchener Bahnhof oder im Zentrum von Karlsruhe. Wenn das Ziel gewesen Fremden „zu helfen“, ein Gegeneffekt ist kaum zu bremsen: den Reizeffekt des  „Drangs nach Deutschland mit allen Mittel“ ist kaum zu stoppen, den Herkunftslande fehlen Leute, die in Deutschland und Europa sich nie integrieren können und werden.

In eine Nacht und ganz still soll die Regierung, die geringste Verantwortung für eigenes Land hat, man diese Misere einzustellen und danach eine zwangsläufige Aufklärung dieser jüngsten Zeit, wie die letzte deutsche Umnachtung von 1933-1945 sehr sorgfältig analysieren. Die Diagnose bleibt leider ähnlich: Sehnsucht nach und Leichtigkeit der Indoktrinierung, diesmal von lokalen Alternativ-Grünen Postulaten. Wenn es nicht idealistisch wäre, würde man diesem Lande eine schnelle Genese wünschen. – Dr. Wassily Petrov


Beitrag zur Olympiade in Rio:

Die Olympiade war ein fairer Wettbewerb, bei der alle Athletinnen und Athleten die gleichen Chancen hatten, im Hinblick die Geräte, Boote, Sportbekleidung und Schuhe, Waffen oder Pferde, und gleiche Sportförderung. Alle bekamen von Organisationen wie Polizei, Militär usw. ihren Lebensunterhalt, sodass sie sich voll aufs Training konzentrieren konnten, und gleiche Bedingungen im Hinblick auf die Trainingsstätten, qualifizierte Trainer und die gesundheitliche Betreuung im Sport, Ärzte, Physiologen, Krankengymnasten, Medikamente usw. Oder war es doch nicht so? Ja, was sind dann diese Medaillen eigentlich wert? – Frank Becher


Leserbrief zur Olympiade in Rio:

Olympia mit vielen Fragezeichen – Ich war „olympiakrank“, bin jedoch inzwischen wieder geheilt. Als suchtverdächtiger Sportfan war ich intensiver Fernbeobachter der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Ich habe dabei viele freudige Momente durchlebt. So beispielsweise als Fabian Hambüchen „sein Reck-Gold“ holte, das attraktive Spiel im Sand von Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, unsere Vielseitigkeits- und Dressurreiter, Ruderer und Kanuten, und natürlich unsere beiden Fußballteams. Auch der Überraschungssieg von Christoph Harting – im so turbulenten 6. und letzten Durchgang erworfen – versetzte mich in Begeisterung. Und als der Disko-Hüne auf dem Siegerpodest ein Tänzchen versuchte – was soll’s, lustig war es allemal.

Natürlich gab es auch sehr Fragwürdiges zu sehen. Zum Beispiel die so übertriebene Jagd bestimmter Länder nach Medaillen, mit einem täglich aktualisierten, für mich fragwürdigen Länder-Medaillenspiegel. Nicht die gewonnenen Medaillen sollten den Wert einer Olympiade bestimmen, sondern das faire Verhalten der Athleten im Wettkampf miteinander. Und natürlich das ungelöste Doping-Problem. Nicht nur in Russland wurde und wird gedopt, leider auch in anderen Ländern. Ich meine, im Vorfeld einer Olympiade müssten alle Athleten, vor allem der dopingverdächtigen Sportarten, eine festgelegte Zahl von negativen Dopingproben nachweisen können. Und wer einmal gedopt hat, sollte für immer ausgeschlossen bleiben. Lässt sich das nicht realisieren, sollten – wie es der deutsche 800-Meter Olympiasieger Nils Schumann bereits empfohlen hat – alle leistungssteigernden Mittel, egal welcher Art, legalisiert werden.

Die Rio-Olympiade wird bereits jetzt in den medialen Auswertungen als unvollkommen oder gar als sehr mangelhaft bewertet. Gegenüber einem Gastgeber, der in wirtschaftlichen Zwängen, in Armut und in sozialen Spannungen lebt, sollte rücksichtsvoller umgegangen werden. Für mich waren diese olympischen Spiele, trotz aller Mängel, ein Erlebnis! – Dieter Lehmann


Zum Titelthema:

Ich lese die ZEIT gerne, weil sie sich normalerweise um eine Zusammenstellung vieler Sichtweisen bemüht und damit ein großes Maß an Objektivität bietet. Mi Ihrem o.g. Leitartikel habe ich aber immer wieder gehadert. Der Titel und damit der vorgegebene rote Faden verzerrt das Gesamtbild. Besser träfe z.B.: Die humanitäre Größe des neuen Deutschland

Die Öffnung Deutschlands für Flüchtlinge aus den Krisengebieten des Nahen Ostens war kein Kontrollverlust sondern eine mutige Entscheidung zur Hilfe, um eine humanitäre Katastrophe an den Grenzen Europas abzuwenden.

Eine mutige Entscheidung, weil sie ganz klar im eigenen Land unpopulär sein würde. Herrn Seehofers Kommentare illustrieren gut die Sichtweise der Bevölkerungsteile, die abschotten wollen, statt zu helfen. Eine mutige Entscheidung, weil nicht klar war, wieviele Menschen in wie kurzer Zeit kommen würden. Eine mutige Entscheidung, weil die Hilfe anderer EU-Staaten zweifelhaft war.

Die Entscheidung war eilig, weil Ungarn mit dem Versuch der Abschottung und letztendlich Abschiebung der Flüchtlinge völlige Verantwortungslosigkeit bewies. Und zurückschicken? Wie hätte das ärmste EU Land Griechenland, das um seine finanzielle Existenz kämpft, so viele Flüchtlinge menschenwürdig beherbergen und ernähren können?

Unsere Bundeskanzlerin mag stur sein und ihre Entscheidungen nicht blumig erklären oder verteidigen, dumm ist sie sicher nicht. Sie hätte Nein sagen können wie es Leute wie Herr Seehofer, wohlgemerkt im Nachhinein, fordern, und das Problem vorerst in Österreich stranden lassen können. Damit hätte sie Zeit gewinnen können, sich aber genauso unverantwortlich wie die Ungarn gezeigt.

Also gab es für sie nur eine Entscheidung: die Flüchtlinge aufzunehmen. Wie Ihr Artikel beschreibt, geben ihr ja auch alle an den Flüchtlingstransporten Beteiligten – und dadurch Gebeutelte – Recht!

Angela Merkel sagte „Wir schaffen das“, und wir haben das geschafft! Inzwischen sind die Flüchtlingsströme wieder deutlich gesunken.

An Recherchen zu diesem Thema würde ich gerne noch einige Vertiefungen lesen:

1) Flüchtlingsströme aus den Krisengebieten liefen schon längst vor den genannten Tagen im September 2015 nach Europa. Dass Zivilpersonen in hoher Anzahl fliehen müssen, wird bei Betrachtung der zerbombten und zerschossenen Städte Syriens eigentlich jedem klar. Auch im Irak, Afghanistan und Afrikanischen Staaten herrscht heute noch Bürgerkrieg. Durch deutsche Vertretungen in den Regionen müssten unserer Regierung eigentlich längst Zahlen vorgelegen haben, mit wievielten Flüchtlingen gen Europa in den nächsten Jahren zu rechnen ist. Leider ist davon bis heute nichts Wesentliches an die Öffentlichkeit gelangt. Wieviele Flüchtlinge müssen wir noch erwarten? Demagogen müssten dazu etwas zu sagen haben. Mit konkreten Zahlen lassen sich konkrete Pläne schmieden.

2) Ähnlich wie in der ZEIT 28/16 das Dossier über Überlebende der Bombenattentate von Brüssel würde ich mir Berichte über das Schicksal der Flüchtlinge vom Septemberanfang 2015 heute, ein Jahr später, wünschen.

3) Wo sind die Ansätze zur Friedensstiftung, die nicht auf Vernichtung, sondern auf Vermittlung setzen? Gibt es keine? Warum fragt die Presse nicht lauter danach?

4) Hilfe zur Selbsthilfe: Ich wünsche mir eine Entwicklung von Konzepten zum Wiederaufbau der zerstörten Kriegsgebiete. Rasche Integration von Flüchtlingen ist eines. Aber längst nicht alle wollen für immer bleiben, was für beide Seiten zu wünschen ist. Dann braucht es Wiederaufbauprogramme und Menschen, die sie umsetzen, die sie am besten selbst mit entworfen haben, weil sie ihre Kultur und geographische Besonderheiten ihrer Heimat kennen, die in den nötigen Kenntnissen und Fertigkeiten ausgebildet sind. Das wären Menschen, die ihren neuen Staat selbst aufbauen und selbst tragen. Wenn sie die Grundlagen hier erwerben können, denke ich mir das auch ganz eigennützig als bestes Mittel gegen Terrorismus: Syrer, Afghanen, Afrikaner, die ihr Land mit unserer Hilfe erfolgreich wieder aufbauen, werden unsere Freunde sein, nicht unsere Feinde. Und deren Kinder, Enkel und Urenkel, ein Prinzip mit Nachhaltigkeit.

Vielleicht klingt das alles etwas blauäugig, aber ich glaube an das Prinzip Hoffnung. Nur wenn unsere Aktionen und Entscheidungen etwas positives zur Welt beitragen, sind wir in der Lage, sie auch positiv zu verändern. Ich bin stolz auf die deutsche Entscheidung, im Notfall erst mal im Alleingang für Zehntausende Flüchtlinge da zu sein, ich bin stolz, dass das alles so gut verlief und glaube nicht, dass die Entscheidungen aus dem September den einzelnen Attentätern erst den Zugang ermöglicht haben. Ich möchte auch weiter stolz sein auf ein Land der Toleranz und tatkräftigen Hilfe, die sich in den vielen Freiwilligen zeigt. Und ich glaube nicht an einen Kontrollverlust der Regierung, genauso wenig wie ich an totale Kontrolle glaube. Wer sollte die auch wollen?- Claudia Mock


Zum Artikel von Jürgen Krätzer: „Atheismus ist immer noch erlaubt!“:

Die christliche Religion macht einen schweren logischen Fehler, wenn sie als Tatsache annimmt, daß Gott existiert. Es gibt nämlich (seit ca. 2000 Jahren) weder einen Beweis für, noch einen Beweis gegen seine Existenz! Daher der religiöse Glaube!

Der Religiöse glaubt fest an die Existenz Gottes, der Atheist glaubt genauso fest nicht daran und der Agnostiker hält sich einfach raus. Und wenn man keine Ahnung hat (s.o.), dann ist das der sicherste Standpunkt! Es ist doch keine Schande, wenn man behauptet, von etwas keine Ahnung zu haben. Es ist m.E. eher eine Schande bzw. unsportlich, meine Unwissenheit mit Gott auszufüllen. Mit wachsendem Wissen immer wieder neu!

Und ein besserer oder schlechterer Mensch ist man in allen drei Spielarten nicht zwingend!!!

Trotzdem hat die Religion eine ausgesprochen wichtige Aufgabe: Gott als Ansprechpartner, als Erwachsener für Erwachsene, als stiller Zuhörer für die Nöte und Ängste derer, die keine Zuhörer (mehr) haben. Eine unschätzbar wichtige Aufgabe! Egal ob fromm, atheistisch oder als Agnostiker. Ich bin davon überzeugt, daß auch ein Atheist, wenn es nur richtig hart genug kommt, “betet”. – Klaus Riediger


Zu Medizin: „Gefässe unter Stress“:

„Alkohol sollten Menschen … nur moderat trinken, Zigaretten am besten gar nicht.“ Gut, daß ich noch nie Zigaretten getrunken habe! Soll wirklich nicht gesund sein! Prost und viele Grüße – Sibylle Fischer


Leserbrief zur Graphik der Nationalhymmne:

Da ich Jahrgang 1933 bin, habe ich eine 12 jährige nationalsozialistische, völkische, strenge Erziehung erfahren. Das prägt. Als angehender Hitlerjunge war man in der Vorstufe, dem Jungvolk organisiert. Durch das Radio wurden die Ansprachen Hitlers übertragen. Die wurde im geordnetem Stehen, von allen Volksgenossen ehrfürchtig angehört. Anschließend wurde das Deutschlandlied gespielt und alle sangen mit dem Hitlergruß inbrünstig mit. Ob alle 3 Strophen gesungen wurden, weiss ich nicht mehr. Als der letzte Ton noch nicht ganz zu Ende war, wurde das „Horst Wessel Lied“ eingespielt und  mitgesungen („Die Fahne hoch, die….usw.). Musik prägt so intensiv, dass solche Erinnerungen sich nicht abstellen lassen. Auch nicht in 70 Jahren. Deshalb habe ich das Deutschlandlied als Hymne des neuen, demokratischen Staates nicht anerkennen können, weil mir immer „…die Fahne..“ im Kopf als Melodie ertönte und hochging. Zu Fahne und Nationalhymne habe ich deshalb ein gespaltenes  Verhältnis behalten. –  Wolfgang Bürger


Zum Artikel von Jürgen Krätzer: „Atheismus ist immer noch erlaubt!“:

Mit Bezug auf den im Betreff genannten Artikel gestatten Sie mir bitte einige Anmerkungen. Der Autor zeichnet ein Zerrbild, das eine erschütternde Unkenntnis gegenwärtiger Theorie und Praxis des konfessionellen Religionsunterrichts enthüllt. Recht hat der Autor in Hinblick auf die Funktionalisierung von Religion. Religion ist kein „Pumpwerk für das Gute“ (Matthias Matussek). Sie ist vielmehr Staunen und Ergriffensein angesichts des Absoluten. Dass dies zum menschlichen Erlebnisspektrum gehört, kann Herrn Krätzer missfallen, er kann es aber nicht aus der Welt schaffen.

Diese spirituellen Kräfte bedürfen der Bildung, auch deshalb, weil, wie der Autor zutreffend feststellt, Toleranz Kenntnis voraussetzt, und zwar Kenntnis auch der eigenen Position. Ziel des Religionsunterrichts ist es aber nicht, alle zu Christen zu machen, schon überhaupt nicht zu eingeschüchterten. Ziel ist es, dass die Heranwachsenden in der Auseinandersetzung mit der christlichen Überlieferung sowie den anderen Weltreligionen und den philosophischen Traditonen einen eigenen weltanschaulichen Standpunkt finden. Das ist viel mehr, als nur Kenntnisse über Religion, Philosophie und Ethik zu besitzen.

Dazu brauchen sie Lehrkräfte, die einen eigenen Standpunkt haben, den sie zur Disposition stellen können und mit dem sie in der pädagogischen Situation angemessen umgehen: als Hilfsmittel, niemals als verbindliches Lernziel. Mir persönlich würde grauen vor einer weltanschaulichen Lehre, in der die Position des Lehrenden nicht transparent wäre.

Bitte verzeihen Sie mir die Offenheit zu sagen, dass ich die von jedem Wirklichkeitsbezug freie Unterstellung, im Religionsunterricht werde „Angst vor Autoritäten“ vermittelt und „die Furcht vor Gottsstrafen und das Hoffen auf Belohnung im Jenseits “ walte „als pädagogisches Prinzip“, als plump manipulativ betrachte, eines Hochschullehrers nicht würdig.

Bei Interesse an einem neueren Stand der Religionsdidaktik empfehle ich die Lektüre des Kerncurriculums Evangelische Religion auf dem Niedersächsischen Bildungsserver www.nibis.de. – Regina Steindorf


Zur Diskussion über ein Burkaverbot:

Selbst der Contra-Beitrag strotzt nur so vor Klischees (von dem niveaulosen, diffamierenden Pro-Beitrag ganz zu schweigen). Da ist etwa die Rede von „radikal-muslimischen Männern“, die Frauen zwangsverschleiern. Ich frage mich: Was soll das? Worin besteht der Neuigkeitswert derartiger Artikel? Wird es dem Leser nicht langweilig, von weder betroffenen noch fachlich versierten Journalisten immer wieder denselben Vorurteilsbrei vorgesetzt zu bekommen? Frau Raether kommt zum Schluss selber drauf: Sinnvoll wäre es, auch einmal „mit den Frauen zu sprechen“.

Man würde dann feststellen, dass unter dem Tuch, ebenso wie unter dem Gesichtsschleier sehr unterschiedliche Köpfe stecken: Konsumorientierte, religiös eher desinteressierte Araberinnen, junge Mädchen, die die Schockwirkung des Gesichtsschleiers entdeckt haben, Konvertitinnen, die auf ihre Weise gegen die Vermarktung des weiblichen Körpers protestieren (und dafür oft gute Gründe haben), tief religiöse Menschen ebenso wie extremistische Salafistinnen oder  IS-Sympathisantinnen. Viele von diesen Frauen experimentieren jedoch herum und tragen den Schleier nur versuchsweise oder vorübergehend.

Die pauschale Behauptung, Musliminnen würden von Männern zwangsverschleiert, ist schlicht falsch. Ich bin selbst Muslima und habe sogar den Gesichtsschleier einmal ausprobiert. Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass sehr vielen Vätern und Ehemännern das Tuch- bzw. Schleiertragen ihrer Töchter und Frauen eher ein Dorn im Auge ist. Es ist ihnen nämlich peinlich. Würden wir tatsächlich einmal MIT statt ÜBER Musliminnen reden, müssten wir uns zweifellos von mehr als nur diesem Vorurteil verabschieden. – Anja Hilscher, Muslima und Buchautorin („Imageproblem – das Bild vom bösen Islam und meine bunte muslimische Welt“)


Korrekturanmerkung zum Nachruf von Jens Jessen auf den Schriftsteller Hermann Kant

In dem trefflichen Nachruf von Jens Jessen auf Hermann Kant (DIE ZEIT Nr.35) ist eine winzige Kleinigkeit zu korrigieren: Kants Die Aula handelt nicht von der Arbeiter-und Bauern-Fakultät Rostock, sondern von derjenigen in Greifswald. Ich bitte, mir die kleine Penibilität nachsehen zu wollen. – Prof. Dr. Christoph Krummacher

 

11. August 2016 – Ausgabe 34

Leserbrief zum Artikel „Was für Landsleute?“ von Özlem Topçu:

Das Zurücknehmen der doppelten Staatsbürgerschaft würde enorme Klarheit für alle Beteiligten bringen. Dies ergibt sich aus der Gruppen und Systemen inhärenten Psychologie und Verhaltensweise, unabhängig von deren Nationalität, Religion oder Weltanschauung. Sobald eine Gruppe Mitglieder anderer Gruppen in ihr Revier lässt, traut man neu hinzugekommenen Menschen dann, wenn sie kein Hintertürchen mehr offen halten für sich. Das bedeutet, man stimmt einem Ausgleich von Geben und Nehmen zu, geht Bindungen ein, bildet Respekt aus und Empathie und bleibt auch präsent und zugewandt, wenn es mal schwierig werden sollte. Das ist menschlich und hat nichts mit Politik zu tun, es ist weder per Dekret noch mittels Wunschdenken zu ändern.

Stellen Sie sich einen Spieler vor, der gleichzeitig Mitglied in zwei gegeneinander antretenden Teams ist. Diesen Gewissenskonflikt erspart er sich, indem er sich für eine Seite entscheidet, auch wenn er weiterhin beide durchaus sympathisch finden kann. Danach darf er mit Vertrauen rechnen – und zwar von beiden Seiten, denn sie wissen dann, woran sie sind. Oder stellen Sie sich einen Mann mit zwei Geliebten vor, meinetwegen auch eine Frau mit zwei Männern – glauben Sie ernsthaft, da kommt Vertrauen auf?

Ob wir Erdogan in die Hände spielen mit der Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft? So abwegig dieser Gedanke ist, so wenig spielt er eine Rolle. Man sollte Entscheidungen, die man für richtig erachtet, nicht von der Reaktion anderer abhängig machen, sonst wäre man fremdbestimmt. Da Sie die doppelte Staatsbürgerschaft ohnehin nicht als „Geschenk“ bezeichnen, dürfte deren Zurücknahme dann ja auch nicht weiter tragisch sein. – Corinna Grund


Zum Artikel „Die Höschenfrage“ von Dagmar Rosenfeld:

nachdem ich in der Ausgabe vom 11.August 2916 den Meinungsartikel „Die Höschenfrage“ von Dagmar Rosenfeld gelesen habe, musste ich mich doch ein wenig ärgern. Sicher es ist ein Meinungsartikel, dennoch befreit dies einen Journalisten nicht von der notwendigen Sorgfalt. Es heißt da: „Die Antwort gab es bei den Olympischen Spielen in Rio, da traten die ägyptischen Beachvolleyballerinnen im Burkini an.“ Da ich das besagte Spiel selbst gesehen habe, weiß ich, dass nur eine der beiden Spielerinnen eine Kopfbedeckung trug. Das wird in dem Artikel aber mit keinem Wort erwähnt. Zudem ist es das erste ägyptische Team überhaupt bei einer Olympiade. Man kann sicherlich darüber streiten ob dies zur Emanzipation der Frauen in Ägypten beträgt, aber immerhin konnte sich eine der beiden Frauen frei entscheiden mit oder ohne Kopfbedeckung zu spielen. – Florian Goßler M.A.


Zum Thema Olympia in Rio:

Organisation und Struktur ist für mich allenfalls medaillenträchtig in jenen Wettbewerben, die sich mit Pharmazie und anderen leistungstreibenden Methoden befasst. Würde das Geldeinstreichen irgendwann auch olympisch werden, dann würde diese „Sportart“ mit Sicherheit all jene Disziplinen verdrängen, die sich mit körperlicher Betätigung befassten. Für mich ist der olympische Gedanke mausetot, verkommen, wie er verkommener nicht sein kann! – Kurt Nickel


Leserbief zum Artikel „Der für das Recht kämpft“ von Angela Köckritz:

im Artikel „Der für das Recht Kämpft“ ist Ihnen ein Buchstabe sinnverändernd missraten. Sorry aber der Skandal in China betraf nicht Melanin, es war Melamin! Ein Buchstabe grosser Unterschied! – Rudi Gaul


Zu „Aus dem Archiv der üblen Nachrede“ von Klaus Mertes:

Wie naiv kann man sein! Gülencis werden nicht dadurch zu freiheitsliebenden Demokraten, dass der gewählte Diktator Erdogan sie verleumdet und verfolgt. Einmal ganz abgesehen von der Rolle, die die Gülen-Bewegung bei der Ausschaltung säkularer demokratischer Kritiker Erdogans in der Türkei gespielt hat (wofür sich der Staatspräsident jetzt bei seinem Volk entschuldigt), hätte Klaus Mertes in seinen „Gülen-Freunden“ die grauen Wölfe im Schafspelz erkennen können. Schon seit 6 Jahren warnt die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) vor einer „unterschiedlichen ‘Verpackung’ der Ideen Fethullah Gülens je nach Adressat“*. Natürlich spielen die panturanischen und neo-osmanischen Ansichten Gülens, die in der Türkei zu den Grundpfeilern seiner Bewegung gehören, beim öffentlichen Auftreten im Ausland keine Rolle. Die EZW stellte 2012 fest: „Mit ihrem ‘Angebot zur kulturellen Verständigung’ ziehen die Dialoginstitute in Österreich und Deutschland vermehrt das Interesse von Schulen, Universitätsprofessoren, Politikern und Religionslehrern an. Dass es sich um eine Propagandataktik handelt, ist im ersten Moment nicht ersichtlich.“** Aber auf den zweiten Blick ist nicht zu übersehen: Gülen teilt Überzeugungen, wie sie die für den Genozid an den Armeniern verantwortlichen Jungtürken beeinflussten. Das ist keine „üble Nachrede“, sondern wissenschaftlich fundiert. – Jürgen Thiede

* Friedmann Eißler: Islamisierung profaner Arbeit als Dienst an der Menschheit – Zum Bildungsideal Fethullah Gülens, EZW-Texte Nr. 210/2010, S.178

** Karina Hawle,: Der Dialog der Fethulahcis (Gülen-Bewegung), Materialdienst der EZW 6/2012, S.227


Betrifft die Fotoserie „Du siehst aus, wie ich mich fühle“:

Eigentlich lese ich die Zeit wegen der Politik und wegen des Feuilletons. Aber die Fotoserie „Du siehst aus, wie ich mich fühle“ in der Abteilung „Z“ hat es mir angetan. Was für ausdrucksstarke, ungewöhnliche und berührende Fotos. Falls Sie noch nicht daran gedacht haben, die Serie mal als Kalender oder in einer anderen Editionsform gesammelt zugänglich zu machen: tun Sie es! Unbedingt! Ich hoffe sehr, dass eine solche Art der Veröffentlichung urheberrechtlich möglich ist und harre nun erwartungsvoll der Dinge.  – Brigitte Klein


Leserbrief zu „Trump: Ausgereizt“ von Josef Joffe:

Josef Joffe kann es nicht lassen! Ja, der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf wird immer schmutziger. Aber müssen deutsche Politiker und Medienstars da mitmachen?
Der Herausgeber der ZEIT hat aus jüngsten falschen Prognosen gelernt: Er formuliert nun vorsichtiger, ist aber sicher, dass Trump „ausgereizt“ hat, d.h. Hillary Clinton wird seiner Meinung nach das Rennen machen.
Nun muss man Donald Trump nicht mögen, aber doch wissen, dass er die zornige Stimme der frustrierten Mittelschicht in den USA gegen das Establishment ist. Die kommenden TV-Duelle werden zeigen, ob er punkten kann. Heutige Umfragen zu seinem sicheren Scheitern anzuführen ist recht dünnes Eis für einen Amerikakenner.
Was aber gar nicht geht: Joffe spricht Trump ab, „den Komment zu bewahren“. Kann er das denn selbst? Wer – neben weiterer negativen Wortwahl – Trump als „Alien“ bezeichnet, disqualifiziert sich selbst als unprofessionell. – Heinz Dieter Mück


Zum Artikel „Was für Landsleute?“ von Özlem Topçu:

Gut gebrüllt muss ich sagen und auch, dass Sie natürlich recht haben. Ich arbeite mit einem türkischen Kollegen zusammen, wir sitzen auch im gleichen Büro. Und es ist mir persönlich vollkommen egal, welche Staatsbürgerschaft er hat. Ist er Deutscher oder Türke oder Beides? Was spielt das für eine Rolle? Er ist mein Kollege, ein Freund, wir lachen und arbeiten zusammen. Ich habe nicht verstanden, wieso Thomas de Maiziere dieses Thema wieder ausgegraben hat und es auch noch auf seine Sicherheits-Agenda gesetzt hat. Wieviele Türken haben bitteschön in den letzten Jahren Anschläge verübt? Wieviele Türken haben Amokläufe in Schulen oder Einkaufszentren verübt? Ein Wort: überzogene Hysterie!

Ich hoffe nur, dass sich unsere Politiker noch eines besseren belehren lassen und vernünftige Entscheidungen treffen. Aber die Bundestagswahlen stehen ja vor der Tür, da dürfen wir nicht mit rationellen Vorschlägen rechnen. – Yves Pulst


Zu »Wir lachen viel. Auch über Hierarchien hinweg« von Felix Dachsel:

Ich lese gerade die „Postkarte in denUrlaub“ von Felix Dachsel und muss schmunzeln. Obwohl ich seit 14 Jahren selbständig bin und nie in einem Büro gearbeitet habe und seit 3 Jahren keinen Urlaub mehr drin war, fühle ich mich getröstet. Ich bin ganz drin in der Geschichte, in der Atmosphäre der verwaisten Büros und dem neuen Gemeinschaftsgefühl das da gerade zusammenwächst.

Heute hat mein kleiner Bruder Geburtstag. Er lebt seit 7 Jahren auf Malta, ich habe ihn dort schon besucht, es ist wie im Paradis. Er hat mir gesmst wie er den Tag verbringen wird: er und seine Freunde werden ein Speedboat mieten und zu der benachbarten kleinen Insel übersetzen, dort werden sie in der blauen Lagune vor Anker gehen und die ersten Drinks mixen. Vielleicht schaffen sie es diesmal die unbewohnte Insel zu umrunden. Abends gibt es exquisite Köstlichkeiten, mein kleiner Bruder ist ein großer Gourmet. Und dann geht es auf in die Nacht, reinstürzen ins Partygetümmel, denn zufällig ist heute auch noch Freitag.

Und ich hier so? Gucke zwischen zwei kleinen Aufträgen Trailer von Romantic Comédies auf Youtube und esse in der Küche direkt aus der Pfanne, weil wenn man für sich alleine kocht ist eh alles egal. Hab ich erwähnt das es draußen in Strömen gießt? Wie schon den ganzen Sommer!

Kleiner Bruder ich wünsch dir von Herzen alles Gute zum Geburtstag – genieß den Tag und lass die Puppen tanzen! ich freu mich, dass ich in Gedanken das Ausflugs-Programm mitmachen kann und ganz vielleicht bin ich ja im nächsten Jahr dabei… Schöne Grüße aus dem Ruhrgebiet – Bianca Wickinghoff


Anmerkungen zum Gedicht „Das Versagen der Philosophen“:

Wer entscheidet eigentlich, welche Gedichte in der ZEIT veröffentlicht werden? Und nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl?

Ich mag Gedichte, bin aber zunehmend enttäuscht von den ‚abgehobenen‘ Inhalten Ihrer ausgewählten Gedichte. Dort sind mir immer skurriler erscheinende Wort- und Gedankenkonstruktionen notiert, von einem erkennbaren Sprachrhythmus oder gar Reim ganz zu schweigen. Freunde und Bekannte, denen ich das oben genannte Gedicht vorgetragen habe, schauten mich jedenfalls völlig verständnislos und entgeistert an. Auch sie konnten es nicht deuten.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie die ZEIT nur für Menschen mit ungewöhnlichem Abstraktionsvermögen herausgeben. Schön wäre es zudem, wenn Sie gelegentlich auch Gedichte mit Bezug zu aktuellen Ereignissen bringen würden, gerne auch humorvolle Reflektionen dazu. – Günter Koch


Betrifft „Erfurt“ von Martin Debes:

Es gibt noch mehr „Knoten“ in Erfurt: So in den deutsch-deutschen Beziehungen: Am 19. März 1970 treffen sich Willy Brandt und Willi Stoph (damaliger Ministerpräsident der DDR) in Erfurt, im Herzen Deutschlands. Für die alten Erfurter ein sehr bewegender Tag. „Willy ans Fenster!“ – ruft die Menge vor dem Erfurter Hof. – Und 1989: am 10. Dezember bilden die Erfurter eine Menschenkette um das innerstädtische Andreas-Viertel, um gegen den Verfall zu protestieren und einen möglichen Abriss zu verhindern. Erfurt ist mehr als eine bunte Ansichtskarte. – Dr. Werner Marx


Leserbrief zu „Türken in Deutschland – Was für Landsleute? – Die doppelte Staatsbürgerschaft ist eine Errungenschaft.“ von Özlem Topçu:

„Frau TOPCU ist in Deutschland offenbar noch nicht angekommen. Nicht nur der deutsche Staat ist eine Gemeinschaft von Menschen, die nach den Regeln der jeweils geltenden Verfassung zusammen leben. Wer seine türkische Identität leben und anerkannt wissen möchte, sollte dies nicht in Deutschland tun, und sich nicht um die deutsche Staatsbürgerschaft bemühen. Deutschland muss von seinen Bürgern (-innen) Loyalität zum deutschen Staat und zum Grundgesetz „verlangen“ dürfen und fordern müssen. Frau TOPCUS Überlegungen beweisen, dass die doppelte Staatsbürgerschaft ein Fehler, und keineswegs eine Errungenschaft ist.“ – Dr. Franz-Friedrich Rohmer


Leserbrief zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Ich stelle mich kurz vor: bin Rentnerin, 66 Jahre alt, seit 01.03.2015 nach 48 Jahren Arbeit, keine Kinder. Ich verwahre mich langsam dagegen, von Jüngeren immer wieder die Schuld zugeschoben zu bekommen, so wie in diesem Artikel. Ich habe 48 Jahre gearbeitet. Dazu habe ich meinen inzwischen verstorbenen Mann drei Jahre lang gepflegt, ohne einen Cent von irgendjemand zu bekommen.
Ich war immer schon gegen die zwangsweise Zahlung in die Rentenkasse. Ich habe gut verdient, aber leider nicht soviel, dass ich es hätte beeinflussen können.

Ich habe ausgerechnet, was ich in diesen 48 Jahren bezahlt habe. Hätte ich diese Summe privat anlegen können, wäre ich heute reich. Im übrigen haben wir uns bewusst gegen Kinder entschieden – mein Mann war 23 Jahre älter als ich. Das war nicht der Grund, sondern wir waren beide der Ansicht, dass diese Erde heute schon überbevölkert ist. Vieles in dem Artikel ist richtig- Aufgrund der demographischen Entwicklung war die Absenkung richtig. Sie darf aber jetzt nicht weiter runter gehen.

Ich bin auch dagegen, allen nicht mehr im Arbeitsprozess befindlichen Personen besondere Zahlungen zukommen zu lassen. Ich habe ausreichend Rente, die ich mir erarbeitet habe. Sie besteht aus meiner eigenen Rente zu 80 %, Witwenrente 15 %, Zusatzversicherung öffentlicher Dienst 5 %. Man sollte wirklich nur die Menschen unterstützen, die bedürftig sind. Im übrigen bin ich auch dafür, dass endlich alle ausnahmslos in das System einzahlen müssen – dann ist es zu retten. Oder es kommt das bedingungslose Grundeinkommen – diese Variante finde ich noch besser. – Undine Mix-Falter


Leserbrief zu Fritz Schaap: „Diese Männer werden wahrscheinlich sterben“:

Einmal mehr wird klar, wir Menschen sind aus dem Paradies Vertriebene und längst in der Hölle angekommen. Versuche, Dir höllische Verhältnisse vorzustellen und Du wirst den irdischen Zuständen begegnen. Dem erbarmungslosen Miteinander von Leben und Tod, Liebe und Hass, Krieg und Frieden, Gesundheit und Krankheit, Armut und Reichtum, Macht und Ohnmacht, Mut und Feigheit, Möglichkeiten und Grenzen. Eine Welt ohne Hoffnung, gäbe es da nicht den Lichtblick, in ihr zwar leben zu müssen, aber am Ende auch wieder gehen zu dürfen. – Konrad Sauheitl


Einige Kommentare zum Politikteil ZEIT 34:

J Joffe, Trump: Ausgereizt

Ich teile Herrn Joffes geschätzte Meinung in puncto Trump nicht. So unbeliebt Trump sein mag, er wird in vielen Staaten trotzdem gewinnen. Und die wenigen Staaten, um die gekämpft werden wird, muss Clinton erst noch gewinnen. Dabei hilft Trump, dass seine Wähler alt, weiß und konservativ sind. Sie werden sich registrieren lassen und zur Wahl gehen. Clinton hingegen kann kaum auf den Obama-Bonus bauen. Obama war ein Hoffnung und ein Versprechen für alle Farbigen Amerikas. Er wurde als Symbol für den überkommenen Rassismus betrachtet. Clinton kann hingegen nicht erwarten, dass sie von den Frauen Amerikas zur ersten Präsidentin gewählt wird. Bei zwei sehr unbeliebten Kandidaten kann man auch nicht davon ausgehen, dass viele Clinton nur deshalb wählen, weil sie Trump verhindern wollen. Es droht vielmehr die Brexit-Falle: Trump erhält „seine“ Stimmen, Clinton aber zu wenige Stimmen der Unentschlossenen, weil die gar nicht erst zur Wahl gehen. Die Positionierung des Chefdiplomaten Steinmeier, von dem man ein genaue Kenntnis der Verhältnisse erwarten darf,  gegen Trump, erscheint da bereits wie ein erster Hilferuf.

Ö Topcu, Was für Landsleute?

Frau Topcus Argumentation für die doppelte Staatsbürgerschaft hängt an einem seidenen Faden. So argumentiert sie, dass man nicht alle doppelten Staatsbürger dafür bestrafen könne, wenn eine Minderheit sich zu Erdogan und dessen Gebaren bekenne.

Hier kommt nun aber die verworrene Funktion der Demokratie zum Tragen. Es bedarf einer Mehrheit, um sich für Minderheiten einsetzen zu können. Die doppelte Staatsbürgerschaft stellt allerdings keinen Minderheitenschutz dar, sondern ist ein Angebot, eine „Investition“, wie Frau Topcu es nennt. Wenn man nun aber feststellen muss, dass diese Investition dahingehend verwendet wird, dass Bürger mit zwei Pässen sich nicht nur deutlich zu einem der beiden Staaten hin positionieren, sondern dabei auch noch ein Rechtsverständnis offenbaren, dass klar gegen den Grundkonsens des anderen Staates gerichtet ist (Todesstrafe), dann erscheint es wenig zielführend, das Angebot einer doppelten Staatsbürgerschaft aufrechtzuerhalten. An die Reaktionen vieler Türkischstämmiger nach der Armenien-Resolution sei nur am Rande erinnert.

Die doppelte Staatsbürgerschaft wird von Frau Topcu so dargestellt, als solle sich der deutsche Staat aus den Traditionen und Gesellschaftsvorstellungen der Bürger komplett heraushalten. Wenn das aber dazu führt, dass nicht nur auf deutschem Boden ausländische Politik gemacht wird, sondern selbst die Verfassung infrage gestellt wird, gerät der Staat in den Grenzbereich seiner Toleranz und darüber hinaus. Dann besteht eben auch das Recht, vom Bürger doch wieder eine Entscheidung für oder gegen eine der beiden Staatsbürgerschaften einzufordern. Dies bedeutet ja nicht die Abschiebung, aber verhindert beispielsweise die weitere Radikalisierung durch Ausschluss vom aktiven und passiven Wahlrecht.

M Klingst et al, Erdogan, der Retter?

Die Analysen der Autoren erscheinen wenig plausibel. Der Grund dafür, dass nur noch wenige Flüchtlinge kommen, hat kaum etwas mit der Kontrolle der türkischen Küste, sondern sehr viel mit der Abriegelung der türkischen Ostgrenze zu tun. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, dass die Türkei sich mit den Konflikten des Nahen und Mittleren Ostens belasten sollte. Im Gegenteil führt die Grenzschließung zu mehr Druck auf die im Grenzgebiet lebenden Kurden, was Erdogan für sich nutzen kann.

Der Flüchtlingsdeal war von Anfang an nur darauf ausgerichtet, der Wiederherstellung geschlossener europäischer Grenzen einen humanitären Anstrich zu geben. Wenn die Verteilung der Flüchtlinge innerhalb Europas vor dem Deal nicht funktionierte, weshalb sollte sie danach funktionieren?

Im Übrigen ist es völlig sinnfrei, für einen Deal zu werben, der gar nicht existiert, und der nur deshalb das Sterben im Mittelmeer beendet, weil die Menschen eben gar nicht mehr bis zur Ägäis kommen.

Ferner erscheint es nur zu notwendig, die Verhandlungen mit der Türkei auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Mag es keine Einstimmigkeit für ein Ende der Verhandlungen geben, so wird es für die nächsten 30 Jahre auch keine Einstimmigkeit für den Beitritt geben. Die Gründe liegen dabei auf der Hand.

Europa sollte sich vielmehr auf ganz andere wichtige Entscheidungen vorbereiten. So bedeutet die Annährung Russlands und der Türkei eine höhere Wahrscheinlichkeit für den Bau der Pipeline Turkish Stream. Sollte sie gebaut werden, dürfte sich Osteuropa bald auf recht kalte Winter einstellen. Damit wird man sich in der Ukraine-Frage sehr bald neu positionieren müssen, da die die höheren Energiekosten kaum allein wird stemmen können. Die Flüchtlingsdebatte mag für die Medien interessant sein, für Europa sollte sie nun bald abschließend gelöst werden, da ganz andere geopolitische Fragen vor der Tür stehen, die zwingend ein möglichst einiges Europa erfordern. Clinton bleibt der letzte Strohhalm für das „alte“ Europa, denn bei Trumps Sieg wird man eine Abkehr von Europa und einen neuen Fokus auf Asien erleben, mit Positionierung der USA und Russlands gegen China.

F Schaap, Diese Männer werden wahrscheinlich sterben

Es wird niemand gezwungen, durch die Sahara zu laufen und durch das Mittelmmer zu paddeln, um dann in Rimini billige Sonnenbrillen oder Drogen zu verkaufen.

M Funck, Wie antisemitisch ist dieser AfD-Politiker?

Lässt sich Antisemitismus quantifizieren? Aus meiner Sicht genügt es festzustellen, dass man als lupenreiner Antisemit Mandatsträger der AfD werden kann und sich dagegen kein großer Aufschrei der der Politik, der Medien oder allgemein der Öffentlichkeit findet. – Dr. David Wolff


Zum Artikel „Was für Landsleute?“ von Özlem Topçu:

Sie sprechen ein wichriges Thema an, was wie ich finde, einer umfangreicheren Vertiefung bedarf, als Sie für Ihren Artikel zur Verfügung gestellt bekommen hatten.

Zunächtseinmal halte ich die Debatte um die doppelte Staatsbürgerschaft für Spiegelfechterei, da sie eh schwer, wenn nicht sogar im gesetzlichen Rahmen unserer demokratischen Verfassung eigendlich gar nicht kontrollierbar ist. Wenn sich Ihr Chefredakteur nicht zufällig in einer Talkshow verplappert hätte, wäre seine Wahl in zwei Ländern von keine Behörde aufklärbar gewesen. Natürlich wissen die alle im politischen Apparat tätigen. Um was es den Protagonisten der eindeutigen Staatsbürgerschaft eigendlich geht, ist die Vorstellung einer Integration, in der am Ende des Tages alle Migranten, die hierbleiben wollen, deutsch werden, im Ideal halt wie Pinar Atalay, Dunja Hajali oder auch Giovanni Di Lorenzo oder Sie, damit es keine Parallelgesellschaften gibt. Wie absurd diese Denkweise ist, macht dieser krude Begriff des „Bio-Deutschen“ in Abgrenzung zu den gut integrierten Deutschen mit Migrationshintergrund. Ich hätte mir gerne gewünscht, dass Friedrich März damals seine Vorstellung der Anpassung an die heimische Leitkultur in Swakopmund in Namibia vor den Einwohnern mit deutschem Migrationshintergrund dargelegt hätte und die Diskussion dazu beobachtet. Ist es nicht ein völlig natürlicher Reflex der Menschen, wenn sie sich in der Fremde ansiedeln, dass sie dabei die Nähe zu Menschen suchen, die auch der Kultur ihres Herkunftslandes entspricht? Nichts anderes tun die Deutschen, die nach Mallorca ziehen; New York ist von diesem Verhalten geprägt mit seiner China town und auch dem German Quarter. Und appropos USA. Über 300 Jahre eine multikulturelle Gesellschaft und wie leben diese Kulturen zusammen? In ihren Vierteln! Und trotzdem sind z.B. die Latinos auch US-Amerikaner.

Der erste Schritt in die richtige Richtung wäre, dass wir mit dem Trugbild aufhören, Parallelgesellschaften zu vermeiden; einfach weil es sie realistischerweise immer gibt, auch schon in der normalen sozialen Schichtung, da muss man nur einmal Harvestehude und Mümmelmannsberg besuchen. Und bei jedem Politiker, der über Parallelgesellschaften schwadroniert, würde ich gleich scharf nachfragen, wir er dann z.B. zu jüdischen Vierteln steht, die es ja auch gibt.

Menschen gruppieren sich und die Aufgabe der Politik besteht eigendlich vielmehr darin, die gemeinsamen Schnittmengen zu fördern, um einen gemeinsamen gesellschaftlichen Grundkonsens zu finden. – M. Parbs-Dalitz


Über den Artikel „Eure Krise, unser Aufstieg“ von Jan Ross:

Das liest sich gut. Ihr Autor hat unsere Welt erklärt. Er hat leider übersehen, das die jetzige Epoche zu Ende geht.

Donald Trump ist nicht vom Himmel gefallen und Putin ist kein Halbstarker, beide gehören zu unserem Planeten, die ihre Berechtigung zu unserer verwahrlosten westlichen Politik durchaus Akzente in der Weltpolitik setzen können. Die Journalisten denken leider nur in einem bestimmten Ordnungsrahmen Ihrer westlichen Denkschule. Das ist zu wenig, um die Welt richtig einschätzen zu können. Die Demokratie ist verkantet worden. Die Scheindemokratie scheinen viele Intellektuelle nicht verinnerlicht zu haben. Die glauben immer noch unser Geschäftsmodell ist alternativlos. Das ist ihr Irrglaube. Der Verständniswahn hat solche Menschen wie Donald Trump auf den Plan gerufen.

Für welches Europa soll ich mich begeistern, wenn ich sehen muß, die Menschen, die über mein Leben entscheiden, haben dafür gar keine Legitimation. Das bestehende kann es also nicht sein. Europa kann oder sollte nur nach dem Prinzip der Subsidiarität aufgebaut werden. Der Euro und das Schengenabkommen kamen viel zu früh, dadurch hat man die Völker auseinander getrieben anstatt zusammenzuführen. Alles nur Murks. Natürlich ist Trump ein arroganter Flegel. Der rückt den etablierten Politikern auf die Pelle und spricht damit vielen Menschen aus der Seele. Ich bin mir auch  ziemlich sicher, der wird Amerika wieder stärker machen. Frau Clinton ist ein schwacher Konkurrent – sie kann auch auf wenig Sympathie zurückgreifen. Sie wird wahrscheinlich trotzdem gewinnen.

Die etablierten Politiker haben sich bereits in Stellung gebracht. Die werden Trump schwer zu schaffen machen. Und Putin verfolgt eine andere Politik als der Westen  – und das ist alles. Warum soll das verkehrt sein, wenn das Volk es will. Der Westen lebt mit einer gefährlichen Sprache gegenüber anders Denkender. Ich habe nichts gegen Kritik, aber gegen Demagogie. Die Volksverführung hat uns schon mal den Kopf gekostet. Die Welt braucht dringend ein neues Geschäftsmodell, sonst wird es noch zu schweren Verwerfungen kommen. Eine Multikulti Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn strenge gesellschaftliche und soziale Vorgaben fest geschrieben werden.

Ich habe über vier Jahre in Singapur gelebt. Dort hat man schon vor 30 Jahren Europa ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Alles was damals  über Europa in Rede stand hat sich heute bewahrheitet. Der Verfall ist für die Singapurer keine Überraschung.

Es gibt weder Arbeitslose noch Arme, der Wohlstand ist weit höher als in Europa. Es gibt also noch viel zu tun, wenn Europa zusammenwachsen will. Ich sehe das nicht. Das wird oder kann nur eine neue Generation auf die Beine stellen können. – Gunter Knauer


Leserbrief zu »Wie in den 30er Jahren« von Cem Güler und Caterina Lobenstein:

Dem“fairen“Artikel in Ihrer Rubrik Glauben und Zweifel, hätte ein bisschen mehr Wissen gut getan. Die gebetsmühlenartige Wiederholung der These, es handle sich bei der Bewegung in erster Linie um ein weltoffenes Netzwerk von Schulen , Unternehmen, Medien etc. kennen wir ja nun    schon zur Genüge. Das ist das eine und von Gülenanhängern bewusst inszenierte Erscheinungsbild der Bewegung in der Öffentlichkeit. Was aber steckt hinter Hizmet, dem Dienst, den jeder gut ausgebildete Anhänger für die Sache leisten soll? Was meint Gülen, wenn er davon spricht, dass der Demokratie der Islam fehlt?  Wie soll das Ziel, eine „Gesellschaft des Lichtes“, aussehen? Welche Rolle spielt da z. Bsp. die Frau, die nach den Worten des Predigers, dem Manne charakterlich unterlegen ist ?

Und warum haben vor allem Schulen jahrelang geleugnet etwas mit Gülen zu tun zu haben und auch nicht vor Prozessen bei Zuwiderhandlung halt gemacht?

Diese Bewegung ist alles andere als harmlos und sollte , bei aller Ablehnung der aktuellen türkischen Politik, auch so nicht dargestellt werden. Dazu gibt es ja nun auch genügend unabhängige Quellen. Die Chance eine solche zu Wort kommen zu lassen, wurde leider vertan. Im Interview mit Harvard Professor Dani Rodrik wurde an der entscheidenden Stelle nicht nachgehakt. Was meint er konkret mit Krebsgeschwür, was hat er schon vor 6 Jahren im Justizapparat der Türkei aufgedeckt?

Manchmal ist es ganz gut, wenn Ressorts miteinander sprechen, bevor in Druck gegangen wird. Die Informationen lieferte dankenswerter Weise ein Beitrag in Die Welt! – Martina Baumgardt


Leserbrief zu dem Artikel von Heike Buchtner u. a.: „Das ist kein Spaß mehr“

Der Chefökonom der Deutschen Bank fordert 150 Mrd. Euro für die Rettung der europäischen Banken. Das finde ich ziemlich dreist. Was hat der Souverän damit zu tun, wenn sich ungebildete Banker mit unmoralischen Geschäften ruinieren? Laufen diese Geschäfte gut haben diese Menschen auch kein Problem damit, den Gewinn, wenn möglich steuerfrei, einzustecken. Will man einen Teich trockenlegen, darf man die Frösche nicht um Rat fragen. Im übrigen gilt immer noch der Spruch. „Wer zahlt, schafft an!“ – Hubert Kohlbrenner


Leserbrief zu „Erdogan, der Retter?“ von Martin Klingst et. al.:

An Ihrem Artikel ist wenig auszusetzen, wenn, ja wenn nicht Ihre Autoren völlig am eigentlichen Problem vorbeigeschrieben hätten.

Dass die Beitritsverhandlungen mit der Türkei mit Leichtigkeit auf St. Nimmerlein hinausgedehnt werden können, weiß inzwischen jedes Kind. Das Kernproblem ist das offensichtliche Junktim zwischen Flüchtlingsabkommen und der Visafreiheit für türkische Passinhaber in der EU. Daran scheiden sich die Geister. Angesichts der Entwicklung der Türkei zum nicht mehr laïzistischen, sondern islamischen autoritären Staat mit allen hässlichen Begleiterscheinungen ist diese Visafreiheit ganz einfach ausgeschlossen.

Was, wenn eines nahen Tages die Türken beginnen, ihr Land in großer Zahl zu verlassen? Ein Prozent davon sind auch annähernd eine Million. Einen Plan B wird es schon deshalb geben müssen! – D.H. Bauer


Leserbrief zu „Die Marquise ging um fünf Uhr aus“von Ulrich Greiner:

Regelmäßig lese ich Ihre Artikel. mehrschtenteils mit Vergnügen. So auch diese Woche o.g. Beitrag im Feuilleton. Die Geschichte mit den Buchanfängen  – das geht mir ähnlich, nur daß mein Gedächtnis doch recht häufig strauchelt (sicher öfter als das Ihrige). Aber sagen Sie mir doch bitte, warum Sie ausgerechnet „Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.“ weggelassen haben? Oder war die Zeilenzahl am Ende zu begrenzt? Keine Angst, ich denke, ich werde Sie auch weiter in der Regel mit Vergnügen lesen! – Rainer Lüdigk


Leserbrief zum Artikel „Türken in Deutschland“ von Özlem Topcu:

Dass viele Türkischstämmige in Deutschland  auf die Straße gehen, die Gewaltwellen in der Türkei gut heißen und die Todesstrafe einfordern, finde ich sehr bedenklich und zeigt dass Sedar Somuncu Recht hat: Die Integration ist leider bei vielen gescheitert. Jedoch zeigen diese Demonstranten kein komplettes Bild der Türkischstämmigen hier in Deutschland, denn viele wollen, können sich aber nicht integrieren. Dies hängt auch mit der doppelten Staatsbürgerschaft zusammen. Deutschtürken zu einer Entscheidung zu zwingen, finde ich etwas theatralisch ausgedrückt  von Özlem Topcu, da es weder Zwang noch Strafe sein sollte, sich für ein Land zu entscheiden und sich diesem dann auch komplett zugehörig fühlen zu dürfen. Wie soll sich ein Mensch integrieren und sich als anerkannter vollständiger Bürger eines Landes fühlen, wenn er zwischen zwei Stühlen steht? Welche Bedeutung hat denn dann die Staatsbürgerschaft überhaupt noch? Die doppelte Staatsbürgerschaft ist keineswegs Ausdruck eines fortschrittlichen Staatsbürgerschaftsverhältnisses, sondern zwingt Generationen immer wieder sich als Ausländer in der eigenen Heimat zu fühlen. Zerrissen zwischen zwei Staaten, Ausländer in Deutschland und Fremde in der Türkei. Es sind Entwurzelte, die man durch die doppelte Staatsbürgerschaft in diese Rolle drängt. Es sind Heimatlose, gemacht durch Generationen, die moralisch verpflichtet sind, sich mit einem Land zu identifizieren, in dem sie nicht leben. Die Dichterin Hilde Domin drückt es in ihrem Gedicht passend aus, indem sie von dem Gefühl der Heimatlosigkeit schreibt: „ Mir schwindelt. Ich schlafe nicht ein. Meine Hand greift nach einem Halt und findet nur eine Rose als Stütze.“ – Sarah Löffler


Leserbrief zu Marcus Funck, „Wie antisemitisch ist dieser AfD-Politiker?“:

Wolfgang Gedeons Weltbild basiert auf dem bekannten Strickmuster aller Ideologien und Religionen:

     1) Es war einmal ein Paradies.

     2) Dann geschah etwas Furchtbares, deswegen gibt es

     3) die heutige mieserable Situation. Es muss daher

     4) eine Revolution stattfinden, damit

     5) das Paradies wieder hergestellt werden kann.

Ausgeliehen hat sich Wolfgang Gedeon das Märchen aus dem Roman des französischen Adeligen, dem Diplomaten Comte de Gobineau, in dem er eine

Rassentheorie erfindet, die – wissenschaftlich gesehen –  absoluter Nonsens ist. Als unkritischer Dilletant befindet sich Gedeon in der Gesellschaft seinesgleichen, den damals wie heute gläubigen Ahnungslosen.

Zur Info für Ahnungslose: Es hat noch nie eine jüdische Rasse gegeben, die Bezeichnung Semiten bedeutet (die nomadisierenden) Schafzüchter, zum Unterschid von den sesshaften Rinderzüchtern, den Hamiten. Es gab eine semitische Sprachenfamilie: von den ursprünglich 24 Sprachen blieben vier übrig. Davon die zwei bekanntesten: das Aramäisch (die Sprache der Israeli) und Arabisch!

Wolfgang Gedeons Weltbild:

     1) Es gab die gute alte Zeit.

     2) dann kam die „Infiltration des imperialistischen Globalzionismus“ (der Juden!), dadurch ist

     3) Frieden, Souveränität und Freiheit aller Völker dieser Welt bedroht. Dagegen muss man

     4) mit der AfD für Demokratie und Frieden eintreten und muss sich heute gegen den Zionismus (also die Juden) stellen. Dann folgt zwangsläufig

     5) das ersehnte (judenfreie?) Paradies in Deutschland. Oder in Österreich. Oder in Polen. Oder in Ungarn ….

Zur Information: Man sollte den Punkt 2) nicht so eng sehen. Hier ist Platz für alle möglichen schuldigen Minderheiten: Flüchtlinge, Emigranten, Angehörige nichtchristlicher Religionen, „Gutmenschen“, Kapitalisten, Banker, Manager, Journalisten („Lügenpresse“), Intellektuelle und generell die Ausländer.

Achtung! Bei den Ausländern gibt es einen deutsch-fundamentalistischen Joker ohne Arier-Nachweis mit blitzartig erworbener deutscher Staatsbürgerschaft. Gleiches gilt in Österreich! Man muss Fußballspielen können. Und zwar für Deutschland. Oder für Österreich. Das ist beispielhafte Integration!

Aber es besteht in Deutschland die Gefahr einer multikulturellen Fußball-Gesellschaft mit dominanter Emigranten-Herrschaft. Detto in Österreich.

Gedeon für Deutschland! Wir haben Strache in Österreich! – Johann  Ernst


Leserbrief zu dem Artikel von Heike Buchtner u. a.: „Das ist kein Spaß mehr“:

Sie beziehen sich auf das Buch von Martin Hellweg. Wenn man das Geldsystem aber wirklich verstehen will, hilft dieses Buch nicht viel weiter. Es wird suggeriert, dass Banken die Einlagen der Sparer als Kredit an Unternehmen oder Privatpersonen weitergeben. Tatsächlich hat die Kreditvergabe jedoch nicht viel mit den Einlagen der Sparer zu tun. Mit der Vergabe von Krediten wird Geld, was zuvor nicht da war, geschöpft.

Es fehlt die tiefe Analyse des Banken- und Geldsystems. Deshalb kann die Lösung „mehr Eigenkapital“ nur eine Scheinlösung sein. Doch eine Lösung, die auf einer fehlerhaften Analyse beruht, taugt nichts. Schade,ist doch Prof. Hellweg Experte für Gemeinschaftsgütern, der sich eigentlich mit unserem Geldsystem auskennen sollte. – Rüdiger Weigel


Zum Artikel „Es brennt“ von Jeanette Otto:

Naja, es „brennt“ doch überall im Bildungswesen. Und da ist es doch völlig egal, welche politische Partei(en) am Runder ist/sind. – Volker Arnold


Zum Artikel „Die Höschenfrage“ von Dagmar Rosenfeld:

Zunächst Dank an die ZEIT, den Meinungs-Artikel „Die Höschenfrage“ gedruckt zu haben, dann der Dank an Frau Rosenfeld, Ihre Meinung kund getan zu haben.

Meine Lebensgefährtin sagte soeben leicht hin, beim Anblick meines Schreibens an Sie, „Ach Du meine Güte, Frauen interessiert das gar nicht, so’n reiner Männerartikel“ und wendete sich rasch wieder ihren sonntäglichen Verrichtungen zu.

Ich finde allerdings nicht, dass  Frauen das nicht interessiert, zumal meine Liebste vorhin aufmerksam meinem Vorlesen des Artikel lauschte und doch Beach-Volley-Ballerinnen sämtlichst Frauen sind und also direktest betroffen von Wettkampf-Bekleidungsvorschriften.

Ich finde es absolut richtig, die Nacktheit als Schwester der Freiheit zu bezeichnen, genauso, wie die Entscheidungsfrei- oder Bestimmungshoheit von Sportlerinnen in Fragen ihrer Sportkleidung die Schwester der Demokratie, des Liberalismus genannt werden könnte.

In diesem Lichte besehen, so denke ich, hatten die Damen aus Ägypten gar keine Wahl, denn ohne Burkini, ob bekennende Muslima oder nicht, hätten sie sicherlich gar nicht antreten dürfen und deshalb stimme ich Ihrem Satz „Du bist eine Option“ zwar bedingt zu, aber das „Frauen sich für oder gegen Dich entscheiden können“ stimmt meines Erachtens nur sehr bedingt und das auch für beiderlei Kleidungsträgerinnen:

Die aus Ägypten wären sicherlich als Bikiniträgerinnen übelst attakiert worden und die Bikini-Trägerinnen wiederum sind den Zwängen der den Sport beherrschenden Männerbünde unterworfen und hätte deshalb (un)wohl ebenso nicht mit, z.B. Badeanzug antreten dürfen/können.

Und genau deshalb meine vollste Zustimmung: Die Nacktheit ist die Schwester der Freiheit !!!

Was sicherlich auch ganz interessant wäre: Welche Mühlen mahlen wie und warum für oder gegen den Beach-Volley-Ball-Bi-Burkini? Und: welche sachlichen Argumente aus dem Erleben der SportlerInnen sprechen für oder gegen eine bestimmte Kleidung? Das sollten Sie nachholen um der Freiheit Schwester willen. – Wolfgang Maeser


Leserbrief zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Es ist unseriös eine Formel anzugeben, in der die einzelnen Komponenten nicht erklärt werden was sie bedeuten. Der Untertitel der Formel ist auch Populismus. Ich, 67 Jahre, stimme durchaus dem Autor zu, dass das „Rentenproblem“ nicht auf den Schultern der jüngeren Generation ausgetragen werden kann, sondern alle Renten und vor allem die Pensionen nach einer Formel ausgerechnet werden müssen. Es kann nicht sein, dass Sozialbeiträge im Januar erhöht werden und die Rentenerhöhung im Juli häufig genug die höheren Sozialbeiträge übers Jahr gesehen auffressen, also ein Minus entsteht . Wohingegen Pensionen immer prozentual mit der Erhöhung der Gehälter im öffentlichen Dienst einhergehen. – Ute Bergmann


Leserbrief zum Artikel „Was für Landsleute?“ von Özlem Topçu:

Wir sind auch noch da! „Wir“, das sind die Doppelstaatler, deren zweite Staatsangehörigkeit nicht die türkische ist.

Dass die CDU und andere Gruppierungen die doppelte Staatsangehörigkeit immer als deutsch / türkisch darstellen, schon in der Diskussion der 90er Jahre, hatte und hat einen sehr durchsichtigen Grund: Populismus.

Wenn die ZEIT sich auf diese Schiene der Verengung begibt, zumindest am Anfang des Artikels, bin ich darüber sehr traurig. Für den Rest des Artikels ganz großen Dank an Özlem Topcu (Entschuldigung für das fehlende Cedille, ich kann es nicht finden), sie bringt die Fragen, Gefühle und auch Probleme gut zum Ausdruck.

Wann wird man begreifen, dass „Staatsangehörigkeit“ immer noch etwas mit „Wurzeln“ zu tun hat, die man nicht mal eben so kappen kann? Bei den einen geht das schneller, bei den anderen nicht, und das hat bei den meisten nicht viel mit „Integration“ zu tun. Die ist außerdem ein Prozess, der Zeit braucht oder auch gar nicht zum Abschluss kommt, wenn darunter ein „entweder – oder“ verstanden wird.

Das kann man in Grenzgebieten sehr gut beobachten, dort gab es in Europa schon immer Übergangszonen, bevor der Nationalismus im 19. Jahrhundert die strikte Grenzziehung und Trennung einführte. Das kann nötig sein zur leichteren Verwaltung (und zur Kriegführung!), aber sollte nicht auf das Leben der Menschen ausgedehnt werden.

Ich selber lebe seit 47(!)Jahren mit einer doppelten Staatsbürgerschaft. Entscheiden könnte ich mich kaum, denn beides gehört zu meinem Leben, ich freue mich an der Erst- wie an der Zweitsprache, daran, mich in beiden Kulturen durchaus zu Hause zu fühlen und zurecht zu kommen. Das alles ist eine unglaubliche Bereicherung, für die ich sehr dankbar bin.

Die Frage der unbedingten Loyalität stellt sich in Europa zum Glück seit einiger Zeit nicht mehr (sehr stark), und ich werde alles dafür tun, dass das so bleibt. „Wir“ Doppelstaatler lassen uns von den Rückwärtsgewandten nicht davon abbringen, denn unser Horizont ist weit geworden, zu weit für nationalistische Enge.

Und à propos Nationalstaat: Bayern gehört zu Deutschland, aber die Sprache und so manche Tradition verstehe ich nicht … – Heide Itasse


Leserbrief zum Artikel „Kindgerecht“ von Rainer Rettinger:

Sie fordern: Kinderrechte ins Grundgesetz.

Es gibt zweifelslos schweres Unrecht an Kindern, doch es ist genauso wenig durch Gesetze völlig aus der Welt zu schaffen, wie alles anderes Unrecht auch.

o  Den Kindern wäre schon viel geholfen, wenn die potentiellen Eltern nicht nur geschlechtsreif zu sein brauchen, um Kinder zu zeugen. Leider eine unrealistische und deshalb naive Vorstellung.

o  Den Kindern wäre auch dann geholfen, wenn sie nicht in einem prekären  Umfeld aufwachsen würden. Leider ebenfalls eine unrealistische und deshalb naive Vorstellung.

o  Den Kindern wäre ebenfalls geholfen, wenn sie weniger durch Gesetze als Zuwendung geschützt würden. Millionen von Eltern tun das! Ganz ohne Gesetze!

Mein Vorschlag wäre: Sie machen sich mal Gedanken um die Ursachen (Pkt. 1 & 2), statt mit dem ewigen Geschreie nach Gesetzen nur über die Wirkung zu krakeelen!!! – Klaus Riediger


Zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Chapeau – ein junger Redakteur setzt auf den hinteren Seiten des Wirtschaftsteiles der ZEIT ein journalistisches Glanzlicht! Die im Gesetzestext gruselig schwer verständliche Rentenanpassungsformel aus § 68 SGB VI wird graphisch hervorragend dargestellt und nebenbei in wenigen Sätzen so einleuchtend erklärt, dass auch dem Laien klar werden kann: das Problem der gesetzlichen Rente liegt an den vollständig oder teilweise fehlenden Beiträgen der Selbstständigen, besser Verdienenden, Beamten, Arbeitgeber und dem Schicksal der skandalös schlechter gestellten Arbeitslosen und Minijobber, nicht am sinkenden Rentenniveau.

Wer populistischen Stimmenfängern  à la Gabriel/Seehofer/Bsirske so elegant entgegen tritt, empfiehlt sich selbst für ein politisches Amt. Rohrbeck for Wirtschaftsminister! Bitte gründen Sie eine Partei, damit ich Sie wählen kann. – Michael Dammann


Zum Artikel „Gold für Zynismus“ von Josef Joffe:

Das Dopingproblem wird keiner in den Griff bekommen, weil es keiner will – behaupte ich. Das ist ein Gesellschaftsproblem des Westens. In Asien ziehen sich die Menschen haufenweise Drogen rein. In Europa wird es teilweise geduldet und auch staatlich sanktioniert. Dieser Vergleich hinkt etwas, ich weiß, aber in der Sache nicht so ganz falsch.

Seit über 50 Jahren gibt es Drogenkontrollen nur dort wo es möglich ist. Ich bin mir ziemlich sicher, die Chinesen jetzt bei Olympia in Rio, sind nicht frei von Doping. Die Wissenschaft unterstützt das ebenfalls. Alles was Ihr Autor Josef Joffe zu Papier gebracht hat wird auch seiner Kritik widerstehen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Was für Landsleute?“ von Özlem Topçu:

In Ihrem Leitartikel in der Zeit 34/2016 „Was für Landsleute?“ gehen Sie von der zentralen Behauptung aus, die doppelte Staatsbürgerschaft vermittle den türkischstämmigen (Mit-) Bürgern, sie müssten sich nicht entscheiden, sie seien an zwei Orten [in der BRD und der Türkei] zu Hause. Dies klingt wie ein Werbeslogan aus der Phase der parlamentarischen Debatte um dieses Thema, ist aber von der Soziologie hinlänglich widerlegt und ich wundere mich, wie Sie so etwas heute ernstlich schreiben können. Identität und Staatsbürgerschaft sind nicht identisch und gerade bei Jugendlichen – mit denen ich beruflich seit 20 Jahren zu tun habe – ist die Entwicklung einer tragfähigen Antwort auf die Frage „Wer bin ich/will ich sein?“ eine heikle Aufgabe, dabei macht ein Migrationshintergrund die Lösung eher schwieriger. Der deutsche oder doppelte Pass hilft da sehr wenig. Sie sprechen die Problemfelder zu Beginn Ihres Artikels an (geringere Qualifikation, fehlende Berufsabschlüsse, Hartz IV Bezug, häusliche Gewalt und Kriminalität), vernachlässigen diese aber im Weiteren.

Ich begegne zunehmend türkischstämmigen SchülerInnen, die nach 17 Jahren in unserem Land die deutsche Sprache auf dem Niveau der 4. Klasse beherrschen. Textverständnis, Regelbeherrschung, Wortschatz sind so gering, dass höhere Bildungswege verschlossen bleiben müssen. Wenn diese jungen Menschen mir als Perspektive nennen „Ich werde Hartz IV“ und sich Kritik verbitten mit dem Verweis darauf, sie seien „stolze TürkInnen“, frage ich mich schon manchmal, was wir mit diesen Landsleuten anfangen sollen. Die Entscheidung, in einem fremden Land zu leben, wird nur dann für beide Seiten eine Erfolgsgeschichte, wenn der Zuwanderer einige grundlegende Dinge bejaht: die Beherrschung der Landessprache, Zustimmung zu den geltenden Normen und Werten (Grundgesetzt reicht), ein Minimum an Interesse Land und Leuten. Wer physisch und mental in seiner Parallelgesellschaft verharrt, wird in der ersten nicht ankommen.

Es gibt neben Pinar Atalay andere populäre Figuren in den Medien, die zeigen, dass das geht. Ich könnte bescheidenere Beispiele anfügen, wie den besten Schüler meiner letzten FHR-Klasse: ein türkischstämmiger junger Mann, vor dem ich nicht nur wegen seiner guten schulischen Leistungen den Hut ziehen würde. Ja, alles richtig und gut so. Aber die Diskussionen um doppelte Staatsbürgerschaft und Kopftuch, um Schächten und Moscheen umkreisen immer wieder den – aus meiner Sicht – zentralen Punkt, ob jemand bereit ist, sich auf das neue Land einzulassen und es so zu seinem zu machen, oder ob „bei uns“ dann selbst in der dritten Generation noch heißt „in unserer türkischen Community“. Wenn es Möglichkeiten gibt, eine solche bewusste Entscheidung zu befördern, vielleicht so einzufordern, dann sollte man darüber auch nachdenken. Die doppelte Staatsbürgerschaft war in dieser Hinsicht ein symbolischer Akt ohne nachhaltige Wirkung. – Uwe Altmann


Leserbrief zu „Heim, Herd, Blog“ von Verena Friederike Hasel und „Wir sehen das nicht so“ von Felix Lill:

Wenn in „Heim, Herd, Blog“ Frau Hart ihr Geld damit verdient, dass sie ihr Leben als ein schönes darstellt und deswegen keine Bilder ins Netz stellt, auf denen sich Ihre Kinder streiten, dann ist das o.k..

Wenn im direkt anschließenden Artikel eine Seite weiter das böse, böse IOC mit seinem eigenen Sender exakt das Gleiche macht, dann ist das verpönt. Bitte erklären Sie mir den Unterschied! – Michael Müller


Zu »Wir lachen viel. Auch über Hierarchien hinweg« von Felix Dachsel:

Ich habe Ihnen schon Leserbriefe geschrieben. Meist dann, wenn ich etwas zu beanstanden oder zu hinterfragen hatte. Heute möchte ich Ihnen ein dickes DANKESCHÖN schreiben für die oben genannte Glosse von Felix Dachsel. Wunderbar, wie humorvoll er die sonst übliche Situation des Kartenschreibens aus dem Urlaub umgekehrt hat. Bitte bringen Sie häufiger solche Texte zum Schmunzeln in einer ansonsten eher bedrückenden Zeit. Danke! – Günter Koch


Zum Artikel „Pflegemutter“ von Moritz Herrmann:

Vielen Dank für Ihren ehrlichen, offenen , persönlichen und vor allem einfühlsamen Bericht über die katastrophalen Arbeitsbedingungen Ihrer Mutter in der Pflege. Ich habe die „Zeit“ und Ihren Artikel  nach meinem Sonntagsdienst in einer Wohngruppe für psychisch kranke Menschen gelesen und war sehr berührt. Vieles, was Sie beschreiben, kann ich aus Berichten von anderen Krankenpflegern nur bestätigen.

Wir Pflegekräfte arbeiten rund um die Uhr, an allen Feiertagen für das Wohl der uns anvertrauten Menschen. Das tun wir gerne. Aber Zeitdruck und Ökonomisierung des Gesundheitswesens , damit verbundener Kostendruck, erschweren erheblich die Arbeit!

Noch ist es im Bereich Psychiatrie nicht ganz so extrem wie in der ambulanten Pflege. Wie kann es sein, dass ein Arbeiter am Band bei BMW das Dreifache einer Altenpflegerin oder Krankenschwester verdient? Liegt es nur daran, dass es ein Frauenberuf ist? Mir fällt es schwer, junge Menschen zu überzeugen,den von mir so geliebten Beruf der Heilerziehungspflegerin zu ergreifen. Die Arbeit lässt sich nur schwer mit dem Familienleben und einer erfüllenden Freizeit vereinbaren.

Möge Ihre Mutter Erfüllung in der Arbeit mit Kindern im Kindergarten finden. Ich zolle Ihr größte Achtung  für die vielen Jahre aufopferungsvoller Arbeit mit kranken und alten Menschen. Sie haben Ihr und allen Pflegekräften das gegeben, was wir so oft vermissen :RESPEKT. Dafür Danke. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Ihr Artikel durchaus auf  das Titelblatt gehört hätte. Mich hat er bewogen, das Abonnement der „Zeit“ nicht zu kündigen. Trotz beginnendem Fernstudium der Psychologie im Herbst. Das ist meine Antwort auf häufig anfallende Überstunden. – Ute Krzykowski


Leserbrief zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Herr Rohrbeck hat recht: mit einer Stabilisierung oder gar einem Anstieg des Renten-Niveaus zu locken, ist purer Populismus im Hinblick auf Wahlen. Das wäre genauso falsch wie die Zusage von „Mütterrente“ und „Rente mit 63“

im Jahr 2014 – ohne dafür entsprechende Einnahmen vorweisen zu können. Die Folge dieser Entscheidungen wird sein, dass die Nachhaltigkeitsrücklage der Rentenversicherung von 34 Mrd. € (2014) auf 14 Mrd. € (2019) schrumpfen wird (siehe Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung von 2015).

Die Beamten und Selbständigen in den Kreis der Rentenversicherten einzubeziehen, ist leider auch nicht die Lösung, wenn nicht gleichzeitig weitere Stellschrauben  justiert werden (das Rentenproblem würde durch diese eine Maßnahme erst einmal etwas in die Zukunft verschoben, im Übrigen aber dramatisch verschärft, weil die Zahl der Rentenempfänger größer würde, die Zahl der Beitragszahler durch den Geburtenrückgang seit 1964 aber nicht ausreichend wäre.)

Der von mir zusätzlich anzusprechende Schritt wäre eine wesentliche Heraufsetzung oder gar Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze samt Neuregelung der Beitragssätze – wie es seit vielen Jahren in  der Schweiz gehandhabt wird. Dort liegt der Beitragssatz bei rund 10% des Lohnes/Gehaltes und wird wie bei uns zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezahlt. Für die Selbständigen beträgt der Beitragssatz 5-6 %, ist von ihnen allein zu tragen und wird berechnet vom Erwerbs-/Netto-Einkommen (abzüglich Steuer und Abgaben) – auch hier gibt es keine Beitargsbemessungsgrenze. Für die Arbeitnehmer ist die Belastung gegenüber Deutschland günstiger, für die Selbständigen ganz klar ungünstiger: es erfolgt über die Rentenversicherung eine echte Umverteilung, ohne dass es in der Schweiz zu einer Revolution gekommen wäre.

Ein weiterer Punkt ist die sog. Riester-Rente. Sie ist eingeführt worden zum Ausgleich für den Rückgang des Renten-Niveaus. Leider läuft es in der Praxis so, dass Diejenigen, die auf dieser Zusatzrente angewiesen sind, die Riester-Rente nicht abschließen (können, weil sie zu wenig verdienen) und für die Besser-Verdienenden hier eine Zusatz-Rente geschaffen wurde.

Wie in der Schweiz müsste die Riester-Rente  v e r b i n d l i c h  gestaltet werden –  für Arbeitnehmer und Arbeitgeber  also PFLICHT sein. – Andreas Tiefensee


Kommentar zu „Was hat dieser Mann getan?“ von Christian Fuchs und Lars Weisbrod:

Was hat dieser Mann getan? Er hat immerhin Stoff für zwei Seiten Schwachsinn auf BILD-Niveau geliefert. Was soll das? – Peter Riegger


Leserbrief zum Artikel „Erdoğan, der Retter?“ von Martin Klingst,
Jörg Lau und Bernd Ulrich:

Als langjährige Zeitleserin bin ich immer mehr entsetzt, dass sich eine Zeitung, die die demokratischen Begriffe immer verteidigt hat, von Woche zu Woche mehr zu einer abwiegelnden Wortwahl und Meinung hinreißen lässt, was die Ereignisse in der Türkei angeht!

Die Gefangennahme von tausenden Richtern, Lehrern, Menschen mit anderer politischer Meinung wird als „Säuberung“ in Anführungsstrichen genannt! Wie würde man das nennen, wenn es in Polen, Ungarn o.ä. geschehen würde ? Anstatt die Tatsachen beim Namen zu nennen, dass nämlich die Geschehnisse in der Türkei doch verdammt viel an den Reichstagsbrand und die nachfolgenden Geschehnisse erinnern. Warum wiegelt man ab anstatt sich klar zu distanzieren? Wegen der Flüchtlingsschwemme, vor der man Angst hat, das Erdogan sie auf den Weg schickt. Wie erbärmlich, dass sogar Zeitredakteure lieber eine Diktatur schönreden!

„Weniger Tote im Mittelmeer und bessere Lebensbedingungen“ in der Türkei werden dagegengehalten. Mehrere Absätze weiter wird ehrlicher gesagt, dass die Türken auch auf Flüchtlinge schießt. Und wie wohl werden diese in den Lagern gehalten? Aber solange Erdogan die Dreckarbeit für uns macht, ist es doch einfacher, dass er Oppositionelle erschiesst anstatt dass wir eine starke Aussengrenze aufbauen, die wir vielleicht sogar wirklich verteidigen müssen, im Notfall auch mit Waffengewalt!

Die Ansicht der Autoren, dass wir Zutrittsrecht durch die Verhandlungen zum Eintritt der Türkei in die EU hätten und damit Einflussnahme, mutet nur noch wie ein Wunschgedanke an und nimmt ihnen keiner mehr ab. Es sei denn als Anleitung dafür, nicht selbst handeln zu müssen! – Dr. Elisabeth Gabka


Zu Rohrbeck: „Kämpft für diese Rentenformel“:

Ein wichtiger Artikel mit Einsichten in die Alterssicherung. Leider wird bei diesem Thema immer wieder Sand in die Augen der Bevölkerung gestreut. Ihre Diskussion der Altersarmut,  bei der Sie vor allem die Billigjobber, Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose hervorheben, scheint in die richtige Richtung zu gehen. Allerdings wird doch ein entscheidender Punkt übersehen.

Im Nachhaltigkeitsfaktor wird das Verhältnis der Beitragszahler zu den Rentnern berücksichtigt. Aber es müsste auch das Verhältnis von Eltern mit Kindern und Paaren sowie Singles ohne Kinder in die Rechnung mit eingehen. Bei der Pflegeversicherung hat man das immerhin im Ansatz versucht.

Denn zweifelsohne sind Kinder – wie jeder weiß – für eine Gesellschaft, in der ein ausgewogenes Verhältnis von Einzahlern und Rentenempfängern angestrebt wird, unabdingbar. Sonst funktioniert keine Formel. – Hans Lazarus


Kommentar zum Leserbrief von H. Weigmann:

Ich verstehe nicht, warum man eine solche Aussage macht bzw. hervorhebt („… eine Folge der Einteilung der kapitalistischen Gesellschaft in ‚winner‘ und ‚loser‘.)

Es ist offenbar ein aktueller Trend, „den Kapitalismus“ für alles Mögliche verantwortlich zu machen, was ganz offensichtlich seinen Grund nicht im Kapitalismus hat, sondern im „Menschlichen“. Oder können Sie mir auch nur eine Gesellschafts- und Wirtschaftsform nennen, die keine ‚winner‘ und ‚loser‘ hervorbringt ?

Ähnlich unsinnig ist es, „den Kapitalismus“ für das Auftreten von Kriegen verantwortlich zu  machen – als ob es in der Menschheitsgeschichte nicht auch genügend Kriege gegeben hätte, als es noch keinen Kapitalismus gab. – Herbert Rein


Zu Reisen: Espresso-Zeichnungen von Martin Burgdorff:

Ich langjähriger ZEIT-Leser habe ich mich sehr über o.g. Seite gefreut, weil ich in M. Burgdorff einen Gleichgesinnten kennengelernt habe. Auch er verzichtet beim reisen auf einen Fotoapparat und zeichnet mit Fineliner und koloriert mit Espresso. Anbei meine 1. Espresso-Zeichnung, in die allerdings auch ein grüner Oleander gerutscht ist. Ort der Handlung war Vaison la romaine in der Provence 2015. – Helmut Wartner


Leserbrief zu „Was hat dieser Mann getan?“ von Christian Fuchs und Lars Weisbrod:

Seit fast 40 Jahren bin ich Abonnent Ihrer Zeitschrift. Seit meinen ersten Tagen mit der „Zeit“ habe mit dem Feuilleton-Teil gefremdelt. Er ist nicht mein Favorit und wird nicht als erstes aufgeschlagen und gelesen, wenn ich die neue Ausgabe aus dem Briefkasten geholt habe. Andererseits habe ich mich aber immer auch mit den Themen dort auseinandergesetzt, mal mehr und mal weniger erfolgreich. Aber der Aufmacher in dieser Ausgabe ist mir absolut unverständlich – als Teil in Ihrer Zeitschrift. Das Schicksal von Herrn Appelbaum ist natürlich schlimm. Seine Ausbotung aus dem Tor-Projekt trifft ihn sicher sehr. Für mich habe ich erstmals von diesem Projekt gehört und was dahinter steckt. Das ist interessant und berichtenswert. Die Geschichte dahinter mit all den Details – wer wann mit wem wo und wie Sex hatte – finde ich absolut überflüssig und dem Niveau dieser Zeitschrift nicht angemessen. Bitte verschonen Sie mich in Zukunft solchen Texten und bleiben Sie oberhalb der Gürtellinie. Ich möchte solch schmierige Texte in der „Zeit“ nicht lesen müssen. Für derartige Inhalte sind andere Blätter bekannt. – Wolfgang Lichius


 Zum Artikel „Unter Verdacht“ von Umut Yetmezoglu:

In dem Artikel der Unter Verdacht setzt sich Ihr Autor „Umut Yetmezoglu“ mit Fethullah Güllen auseinander. Der Artikel lobt Herrn Gülen Fethullah und seine Bewegung ungewöhnlich hoch und attestiert ihm etwas, wovon die meisten Belesenen der Türkei nicht überzeugt sind: Gülen wäre ein Demokrat und Laizist.

„Die Zeit“ kann mit dem Hinweis auf den objektiven Journalismus zu einem Thema wie die Gülen Bewegung  Artikeln in pro oder contra Haltung publizieren. Man erwartet sogar von Die Zeit einen solchen Journalismus.

Allerdings ist der Kommentar der Redaktion unter dem Artikel „Wer derzeit als türkischer Publizist fair über Gülen schreibt, muss mit einer Verhaftung rechnen“ nicht mit der journalistischen Ethik vereinbar. Hier teilt die Redaktion dem nicht minder belesenen Leser mit, was „fair“ in Sachen Gülen Bewegung bedeutet: Loben des Herrn Gülen und seiner Bewegung, wie es der „Umut Yetmezoglu“ erfolgreich tut, das wäre fair.

Es ist von der Redaktion „Die Zeit“ ziemlich unfair, die ganzen Journalisten Unfairness zu attestieren, weil sie der Gülen Bewegung gegenüber kritisch stehen. Die Haltung der Zeit Redaktion ist kritisch, weil sie uns mitteilt: Wer Gülen Bewegung kritisiert ist unfair, wer lobt ist fair und wird auch noch verfolgt.

Von einem renommierten Magazin wie die Zeit kann man schon erwarten, dass dort in der Redaktion Journalisten sitzen, die der deutschen Sprache so weit mächtig, um einen Unterschied zwischen „fair“ und „positiv“ oder „andersdenkende“ machen zu können und davon zu gebrauchen. – Adil Kaya


Leserbrief zu Fritz Schaap: „Diese Männer werden wahrscheinlich sterben“:

Zutreffend wäre die Überschrift: „Auf lange Sicht sind wir alle tot“. Europa und Deutschland würde mal wieder ein Kanzler vom Typus Helmut Schmidt gut bekommen.

Derzeit sind es unhistorische Menschen, die leider in Verantwortung stehen für den Staat und die Geschicke der Menschen. Wen wundert’s, dass von Politikern ohne Kriegserfahrung leichtfertig Säbelrasseln veranstaltet wird. Wollen sie diese Erfahrung nachholen? – Erik Schneider


Leserbrief zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Ob Ihre Rentenformel gut ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Das ist auch völlig unwichtig. Bisher ist es so, dass das Kapital für die Rentenversicherung von den lohnsteuerpflichtigen Arbeitnehmern aufgebracht wird.  Kluge Menschen haben festgestellt, dass diese Sorte Mensch langsam aber sicher schwindet und damit auch das Kapital der Rentenversicherung.  Bei diesem Sachverhaltwird Ihnen, wenn Sie im Rentenalter sind, auch die beste Formel keine ausreichende Altersversorgung bringen.

Ich gehöre dem Jahrgang 1931 an. Für mich ist das alles nicht mehr wichtig. Aber für Sie!! Das Rentensystem muss umgebaut werden. Beiträge müssen nicht nur von den Lohnsteuerzahlern aufgebracht weren sondern von ALLEN Steuerzahlern einchl. der Kapitalgesellschaften. Dafür sollten Sie kämpfen und nicht für eine Formel, die wertlos sein wird, weil es dann nichts mehr zu verteilen geben wird. – Immo Richter


Zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Für dieses Fazit „eine Formel für alle“ steht derzeit leider lediglich die AfD (Schweizer Modell), weil sie noch nicht in der Wandlitz-Gesellschaft (Waldsiedlung) angekommen ist. Es ist sehr bedauerlich, dass sich nicht eine der etablierten Parteien zu diesem Schritt durchringen kann.

Unabhängig vom Schweizer Modell könnte das bestehende System aufwandsneutral berichtigt werden. DIE ZEIT hat schon vor 20 Jahren in diesem Sinne insistiert: „Banger Blick aufs Altenteil“  (DIE ZEIT Nr. 7/1996 vom 9.02.1996). „Der „Generationenvertrag“ müsste nämlich ein Vertrag nicht nur zwischen zwei, sondern zwischen drei Generationen sein. 1957 unterließ man es, in die Rentenformel ein „Kinderelement“ einzufügen; Kinder, so dachte man naiv, kommen ohnehin.“ In einem weiteren Artikel wurde aufgezeigt, wie diese Gerechtigkeitslücke über ein Bonus-/Malus-System behoben werden könnte.

Der Autor  Jürgen Borchert, Richter am Hessischen Landessozialgericht („Sozialstaatsdämmerung“ 2013) sagt deutlich: „Da diejenigen, die die Sozialgesetzte machen ( . . . ) nicht von dem betroffen sind [was sie beschliessen] ( . . . ) [ist] eine gerechte Sozialordnung unmöglich.“ Wandlitz lässt grüßen. – Reimar Schappach


Betrifft Josef Joffe: „Trump: Ausgereizt“:

Arrogante Menschen sind zweifellos ignorante Menschen, gleichwohl können sie uns auf allen Ebenen begegnen.

Dass sich seit geraumer Zeit – mal mehr, inzwischen weniger – mit Donald Trump sogar ein Paradebeispiel für diese Spezies durchaus Hoffnung auf das weltweit politisch mächtigste Amt machen kann, dürfte allerdings selbst die ideologische Vorstellungs- kraft vieler Republikaner gesprengt haben.

Dabei sind die Grenzen des demokratisch Vertretbaren nach all den gezielten Tritten in jedes nur erdenkbare Fettnäpfchen und das Brechen jedes noch so biegsamen Tabus durch den Immobilienmogul ohnehin längst erreicht.

Von Anfang an haben viele Fragen Trumps Bewerbung um das US-Präsidentenamt begleitet, mit den meisten Antworten hat sich der offensichtlich beratungsresistente Milliardär höchstselbst entlarvt und disqualifiziert, menschlich wie politisch.

Derweil muss ernsthaft gerätselt werden, ob der ausgewiesene Narzisst nicht doch nur spielen will, ob er nicht schlichtweg als Vertreter in eigener Sache zur besten Sendezeit und mit dem größtmöglichen Aufmerksamkeits-Bonus das ihm in den Vorwahlen entgegengebrachte Vertrauen und somit bereits erteilte Verantwortung und Macht missbraucht.

Doch worin auch immer das Agieren des Donald Trump begründet sein mag, dieser Mann ist eine lose Kanone an Deck des Schiffes Amerika, und es segelt in stürmischen Zeiten.  Entstehende Wellenschläge erfassen indes absehbar nicht zuletzt den alten Kontinent. – Matthias Bartsch


Leserbrief zum Artikel „Was für Landsleute?“ von Özlem Topçu:

„Abgesehen davon, dass ich der Autorin in ihrer Ablehnung der erneuten Politisierung der doppelten Staatsangehörigkeit zur zustimmen kann, irritiert mich, dass die Debatte um die doppelte Staatsangehörigkeit von Anbeginn von Unehrlichkeit geprägt war und noch immer ist. Sie ist unehrlich, weil verschwiegen wird, dass die doppelte Staatsangehörigkeit schon seit langem für gewisse Bevölkerungsgruppen akzeptiert wird:

  • Deutsche, die mit Geburt eine zweite Staatsangehörigkeit erwerben (Abstammung von den Eltern, das legendäre jus sanguinis; Kritiker sprechen immer von der Blut- und Bodenpolitik der Nationalsozialisten, was natürlich Unsinn ist, denn das Abstammungsrecht ist viel älter und im Übrigen erwerben fast auf der ganzen Welt Kinder die Staatsangehörigkeit ihrer Eltern, was auch Sinn macht) müssen sich NICHT mit 18 entscheiden, wie immer irrtümlich behauptet wird;
  • So trifft man auch auf der ganzen Welt Deutsche an, die über Generationen hinweg ihre deutsche Staatsangehörigkeit durch Abstammung erworben haben und entweder gar keine Beziehung mehr zu Deutschland haben, natürlich auch nicht mehr deutsch sprechen oder ein Deutschlandbild haben, das in der Zeit stehengeblieben ist (mit Glück in den 50er Jahren, aber auch gerne mal früher); diese Deutsche haben häufig auch eine zweite Staatsangehörigkeit;
  • EU-Staatsangehörigen und Schweizern erlaubt Deutschland seit einigen Jahren die doppelte Staatsangehörigkeit.
  • Seit gut  einem Jahrzehnt erlaubt Deutschland in Ausland lebenden Deutschen großzügig die Staatsangehörigkeit ihres Gastlandes zu erwerben, wenn dies einigermaßen plausibel begründet wird.

Ich frage mich, wieso dieselben Politiker, die „unseren“ Deutschen in Deutschland und weltweit eine zweite Staatsangehörigkeit großzügig gestatten (ohne Sorge zu haben, dass sie ihre Loyalität dem anderen Staat schenken),  in Deutschland seit Generationen lebenden Ausländern eine Wahl aufzwingen wollen. „ –  Kirsten Hardt


Zu „Trumps amerikanischer Traum“ von Heike Buchter:

ihre Aufstellung der Berater für Donald Trump hat große Qualität, wenn ich meinen Freunden in Amerika glauben schenken darf. Ich sehe keinen Grund das nicht zu tun. Das war auch meine Einschätzung schon vor Wochen.

Unabhängig von den Meinungen der Wissenschaftler, die kein gutes Haar an der Nominierung lassen. Das scheint mir eher eine beleidigende Nummer zu sein. Natürlich werden die auch ihre Vorteile darin sehen, Na und!?

Unser Wohlstand in Europa konnte nur durch hohe Schulden gehalten werden. Ich behaupte; nur dadurch konnten wir den Wohlstand sichern. Und das wird auch in Zukunft so weitergehen, auch wenn der Finanzminister stolz auf die schwarze Null sein kann.

Unsere Sozialausgaben werden in ungeahnte Höhen steigen. Sonst wäre der Wohlstand nur noch für wenige in unserem Land möglich. Die Flûchtlingswelle wird ja ungebrochen weiter gehen. Das belastet zusätzlich unseren Haushalt.

In Japan wurden Schulden gemacht bis der Arzt kommt. Das als Vergleich, hat Deutschland noch jede Menge Luft nach oben. Ein Widerspruch in sich. Das Kartenhaus bricht erst dann zusammen, wenn kaum ein Mensch , ausser Nahrungsmittel, etwas kauft. Trump wird ohnehin nicht gewinnen. Ich rede eigentlich um ungelegte Eier. Ich verschätze mich selten. – Gunter Knauer


„Der Drink: Pfeffi; Die Lage: Vorstellungsgespräch“ von Giulia Becker:

Seit vielen vielen Jahren lese ich die ZEIT aus Überzeugung. Auch weil immer wieder kontroverse Meinungen und Themen gedruckt werden.

Aber die Serie „Drinks für jede Lebenslage“ finde ich arg daneben. Am Anfang war es ja noch ganz lustig und auch irgendwie ironisch, aber inzwischen liest man jedes Mal nur noch eine weitere Folge von „Man muss ja nicht immer und zu jeder Gelegenheit betrunken sein, ABER mit diesem Alkohol ist der Rausch schon kultig/spannend/niveauvoll/erstrebenswert. Also haut euch die Birne bitte damit weg!“

Gerade in der neuen Z gibt es eine Menge tolle Rubriken zu allen möglichen Themen. Bestimmt findet man da eine neue Serie mit weniger alkoholischem Inhalt. Zum Beispiel: „Essen für jede Lebenslage“. – René Lange


Leserbrief zum Artikel „Kämpft für diese Rentenformel!“ von Felix Rohrbeck:

Felix Rohrbeck sprach in seinem Artikel zu Recht die Forderung aus, dass alle Erwerbstätigen in eine gemeinsame Altersversicherung einbezahlen müssen. Auch Selbständige und Beamte. Nur so kann in Zukunft ein gerechteres Sicherungssystem für die Rente aussehen. Von einer Solidargemeinschaft kann man vom derzeitigen Rentensystem nicht sprechen.

Eine grundlegende Rentenreform ist dringend notwendig, wenn wir der jungen Generation nicht zunehmende Lasten auferlegen bzw. weitere Absenkungen des Rentenniveaus hinnehmen wollen.
Leider sind im Parlament Beamte überproportional vertreten, die Interessenvertreter der Beamten und Selbständigen äußerst stark.

Umso wichtiger ist es, das Thema Rentenreform unter dem genannten Aspekt viel häufiger in den Medien zu thematisieren. – Elisabeth und Engelbert Schmitt


Leserbrief zum Artikel „Eure Krise, unser Aufstieg“ von Jan Ross:

Einem Teil der Entwicklungsländer geht es heute wesentlich besser als früher. Der Kapitalismus hat sich in diesen Fällen positiv ausgewirkt. Kann man deshalb die Entwicklung insgesamt positiv sehen?

Es gibt heute Zweifel. Prozentual kommt möglicherweise auch heute ein Gewinn heraus. Die Menschen sind aber Individuen und wollen Einzeln betrachtet werden. Vor Allem kommt es auf Gerechtigkeit an. Und das spielt in heutigen Betrachtungen überhaupt keine Rolle. Kann das Ganze aber zum Kippen bringen.

1.) Die Überlegung, wir lassen einige Wenige reich werden und dann wird schon genügend nach unten tropfen, um die große Masse auch zu Frieden zu stellen, geht nicht mehr auf. Es kommt unten nicht genügend an.

2.) Beispiel USA: Die Produktion wurde nach Asien verlagert und Teile der heimischen Bevölkerung in die Armut gedrängt. Dieser simple Tatbestand ermöglicht Donald Trump eine Chance, ins Weiße Haus einzuziehen. Es ist ein Spiel mit hohem Risiko.

Außerdem, ein Importeur macht einen hohen Gewinn, die Produzierenden in Asien nagen am Hungertuch und zu Hause kann sich ein Teil der Bevölkerung, soweit er noch ein Einkommen hat, billige Produkte leisten, ein anderer Teil ist inzwischen aber arbeitslos. Diese Verfahrensweise geht langfristig nicht auf. Es ist mehr Gerechtigkeit erforderlich, allen Beteiligten gegenüber. Den produzierenden Asiaten sowie der heimischen Bevölkerung gegenüber.

3.) Der Aufschwung dieser neuen Märkte birgt ein Risiko. Diese neuen Märkte sind in der Regel  durch ethnische Spannungen gekennzeichnet. Indien ( Hindus gegen Muslime) China als kommende Weltmacht gegen fast alle Nachbarn. Wobei Indien und Pakistan und China Atommächte sind. Es kann also noch lustig werden.

Das schlechte Beispiel Europa stimmt vorsichtig. Der Aufschwung in Europa im 19.Jahrhundert hat zu einem Militärpakt fast aller gegen Deutschland geführt und in der Folge dann zum 1. Weltkrieg. Russland, England, Frankreich und zum Schluss auch noch Italien wollten Deutschland als wirtschaftlich stärkstes Land ausschalten (nach Christopher Clark). Was dann auch gelungen ist mit Hilfe der Amerikaner.

Ein anderer Aspekt ist das verheerende Wirken europäischer Staaten im 18. und 19. Jahrhundert als Kolonialmächte in Asien. Wenn sich die Gewichte verschoben haben, die neuen Märkte in Asien gleichstark oder sogar stärker sind, wird man es Europa heimzahlen? Die Versuchung könnte zumindest bestehen.

4.) Ein wirtschaftlicher Aufschwung ist ebenso in Afrika und Südamerika erforderlich. In Afrika ist es erforderlich die korrupte Oberklasse zu umgehen. Dafür gibt es noch keine Rezepte.

Ich freue mich über jedes Land, dem es gelingt, der Armut zu entfliehen. Es gibt Ansätze und gute Beispiele, der Masse ist es aber noch nicht gelungen und das Risiko steigt. – Reiner Püschel


„Es hätte so schön sein können“ von Stefanie Kara:

Wenn es Teilchenphysiker nicht gäbe, müsste man sie… finden:-) – Wolfgang Backes


Leserbrief zu „Der Prinz ist es nicht“ von Anna von Münchhausen:

Schön, daß ich auch mal etwas von Ihnen lese. Friedrich August von Kaulbach ist mir auch wohl bekannt. Mit viel Phantasie könnte man im  “ „Porträt eines Unbekannten“ den Kollegen und wunderbaren Landschaftsmaler Karl Raupp erkennen, der ja auch in München gelebt und gelehrt hat. – Gunter Knauer


Zum Artikel „Pflegemutter“ von Moritz Herrmann:

Welch krasser Gegensatz zum Artikel „das ist kein Spass mehr“ im Wirtschaftsteil der gleichen Ausgabe. Wann wacht die Politik endlich auf und reformiert ihr krankes Gesundheitssystem? Statt immer mehr Geld in marode Banken zu pumpen sollten endlich mal die Bedingungen für die Menschen verbessert werden, die überhaupt noch bereit sind, für andere etwas zu leisten. – Doris Weimert


Leserbrief zu „Zu platt für den Aufstand“ von Johanna Schoener:

Zunächst gestatten Sie mir die Frage: Was ist falsch am klassischen Familienbild, daß es mit solcher Vehemenz bekämpft und abgeschafft werden muß. Vor unserem ersten Kind war meine Frau kaufm. Leiterin einer mittelständischen Firma mit Prokura. Ich war und bin selbständiger Rechtsanwalt -nur hatte die Kanzlei bis 2002 noch ein Büro in London und Berlin. Wir haben uns bewußt für Nachwuchs entschieden und wir haben uns bewußt entschieden, daß meine Frau und ich beruflich kürzer treten werden. Meine Frau ist auf eine Halbtagesstelle gewechselt, daß diese nicht auf dem vorherigen beruflichen Niveau zu erreichen war, brauche ich nicht zu erläutern. Ich arbeite zwar weiter Vollzeit – aber deutlich weniger. Die Alternative, daß ich auf eine Halbtagsstelle ausweiche, war im Gespräch und ist von uns verworfen worden. Die Entscheidung für Kinder ist in gewisser Hinsicht mit Einschränkungen verbunden. Dies betrifft den beruflichen als auch den privaten Bereich. Wer das nicht will, sollte eben keine Kinder bekommen. Ich mag jetzt nicht davon reden, daß sich in meinen Augen diese Einschränkungen mehr als gelohnt haben. Auch für mich war klar, daß meine Karriere mit der Geburt unseres ersten Kindes beendet ist. Ich wollte meine Kinder aufwachsen sehen, Freizeit mit ihnen verbringen und nicht der Vater sein, den sie kaum gesehen haben. Meine Arbeitszeit habe ich entsprechend reduziert, die Büros in London und Berlin geschlossen und ich trenne den beruflichen und den privaten Bereich. Die Vorstellung, mit dem Smartphone am Sandkasten zu sitzen und geschäftliche Telefonate zu führen oder e-mails zu beantworten, halte ich für absurd. Das Gerät kann man abschalten!

Warum ist dieses Familienmodell nicht mehr tragbar? Ihr netter Artikel beschäftigt sich letztlich nur mit der Abschaffung dieses Modells ohne einen einzigen Grund dafür zu nennen.

Ich behaupte, daß dieses klassiche Familienbild für die Kindererziehung besser ist. Die Kinder haben einen klaren ersten Ansprechpartner; Widersprüche in der Erziehung kommen nicht vor, weil ich als zweiter Ansprechpartner immer zuerst frage, was hat denn deine Mutter dazu gesagt. Es gibt also klare Strukturen, in denen sich die Kinder entfalten können. Die Idee dazu stammt natürlich nicht von uns sondern von Goethe, der bereits sagte, daß man seinen Kindern Wurzeln und Flügel geben müßte. Das klassische Familienbild mit seinen klaren Strukturen ist hierfür besser geeignet als ein ambivalentes Hin- und Hergeschupse der Kindern zwischen beiden Elternteilen, je nachdem, wer gerade mehr Freizeit auf seinem „Zeitkonto“ hat – schwachsinnige Idee übrigens. Bevor man als Autor so einen Blödsinn schreibt, sollte man sich mal über die Durchführbarkeit Gedanken machen. Wie soll dieses System zwischen den Tausenden von Arbeitgebern und Hunderttausenden von Selbständigen ansatzweise funktionieren? Und wozu führt das, daß Kinderzeiten letztlich nur Verrechnungswerte auf einem Zeitkonto sind? Das wollen Sie so?

Wenn ich als Elternteil nicht in der Lage bin, die Zeiten mit meinen Kindern angemessen zu verbringen, dann wird das im Regelfall an mir selber liegen und nicht an der „bösen“ Gesellschaft. Die Entscheidung gegen Überstunden, gegen ständige Erreichbarkeit und gegen Karriere kann ich immer und zu jeder Zeit selber treffen. Das Rad dreht sich auch ohne mich weiter. – Volker v. Moers


Über den Artikel „Eure Krise, unser Aufstieg“ von Jan Ross:

Ich habe Ihren interessanten Artikel „Eure Krise, unser Aufstieg“ gelesen. Ich würde mich freuen, wenn Ihre positive Einschätzung zu Indien wahr würde. Ich habe beim Besuch meiner indischen Verwandten dort empfunden, als befänden sich die Bewohner nie im jetzigen Leben, sondern immer schon im nächsten. Darum bestand überall „Chaos mal Provisorium erster Klasse zum Quadrat“ und es ist überhaupt kein Ende abzusehen. Ein kleiner Lichtblick scheint zu sein, dass sich die Bevölkerungsexplosion augenscheinlich verlangsamt und Bildung einen hohen Stellenwert besitzt. Es wird noch Generationen dauern, sollte Ihre Prophezeiungen zum Tragen kommen.

Völlig falsch liegen Sie – meines Erachtens -, wenn Sie uns Europäer in Panik vermuten. Wir sind zwar beunruhigt aber trotzdem erstaunlich gelassen. Wir werden mit etwas mehr oder weniger „Federlassen“ unsere Krisen überwinden. Danke für den Artikel! – Günter Garbrecht


Leserbrief zum Artikel „Sie duzen sich, sie streiten sich“ von Mariam Lau:

Herr Lucht bezeichnet die Grünen als Existenzvernichter,dabei sitzen diese doch in seinen eigenen Reihen des Deutschen Bauerverbandes. Völlig losgelöst von einer Landwirtschaft der Achtsamkeit gegenüber der Ökonomie und ohne Rücksicht auf Belastungsgrenzen für Mensch und Tier, haben sie „ihre Bauern“ in eine extreme Wachstumsfalle getrieben, in der nur noch ökonomische Sachzwänge gelten. Der Ideologie des so genannten „Freien Marktes“ folgend.  Es waren doch die letzten Jahrzehnte verantwortungsloser Politik, die diese desolate Situation in der Landwirtschaft verursacht haben. Herr Habeck stößt nun in seiner Amtszeit auf viele Missstände und muss sie lösen. Lucht und andere Vertreter des Deutschen Bauernverbandes waren es gewohnt, sich in Zeiten der CDU, jeweilige Politiker zurecht zu biegen. Nun kommt Habeck und zeigt Rückgrat. Da fährt der DBV dann seine Strategie des“ runter bügelns“.

Die Aussage  von Herrn Lucht, dass er ein freier Mensch sein wolle, wirkt auf mich befremdlich und unreif .  Er scheint sich selbst genug zu sein, denn kaum war ein Bauer jemals so unfrei wie heute. Der wirtschaftliche Druck und damit der alleinige Schrei nach Effizienz, zwingt zu sozialem und ökologischem Fehlverhalten.

Der so genannte „Freie Markt“, ist jedoch nur so frei, wie er auch den Menschen des Jahres 2030, 2050 oder 2150 die Freiheit lässt, nicht Sklaven einer verarmten,vergifteten und klimatisch gestörten Umwelt zu sei!

Offenbar fehlt Lucht jegliche Fähigkeit der Empathie und die Bereitschaft das GANZE zu betrachten. Ich bin froh, dass nicht alle Bauern so sind und immer mehr erkennen, dass wir eine Agrarwende brauchen!

Dass Herr Habeck sich in diesem Zusammenhang, mit Herrn Lucht, verniedlicht ablichten läßt,in einer Position wie die Kessler-Zwilling,lasse ich hier mal unkommentiert. – Anneli Wehling


Leserbrief zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Ich verstehe ihren Zorn auf Ungerechtigkeit sehr gut. In meiner Selbstständigkeit habe ich darum kämpfen müssen, um mit meinem Einkommen ein Auskommen zu haben. Auch habe ich mich immer aktiv um meine Rente gekümmert, damit ich auch noch im Alter selbst-ständig bin. Mein Rentenbeitrag beträgt 15 %, die ich im Gegensatz zu ihren lediglich 9,35 % ganz alleine bezahlen muß. Mir hilft kein Arbeitgeber und kein Staat. Zukünftig wünsche ich mir mehr Schärfe und Brillanz bei ihren Recherchen.

Es scheint, daß Vertreter der Generation Y der Sie ja angehören, was geistige und materielle Freiheit zumindest in Kindheit und Adoleszenz angeht, noch größere Speckmaden sind als die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre. – P. Wurmbauer


Zum Thema Olympia in Rio:

Wenn man den „Beipacktext“ zu den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro liest, fragt man sich unwillkürlich, ob eine Teilnahme nicht gesundheitsgefährdend ist. Fragen an den Arzt oder Apotheker des Vertrauens werden den Athletinnen und Athleten nicht erspart bleiben. Welche Medikamente helfen am besten gegen die multiresistenten KPC-Keime in der Guanabara-Bucht? Gibt es überhaupt noch wirksame Medikamente gegen die Superbakterien MRSA, die in fünf Buchten nachgewiesen wurden? Neben den Dopingspezialisten werden nun auch Infektionsspezialisten alle Hände voll zu tun haben.

Die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio werden wohl-in vielerlei Hinsicht-als die unsaubersten in die Geschichte eingehen! Da bewahrheiten sich die Worte aus dem Requiem von Rilke: Wer spricht noch von Siegen? Überstehn ist alles!

Man weiß nun, dass der olympische Gedanke „schneller, höher, stärker/weiter“ nur mehr „mit allen Mittel und um jeden Preis“ umsetzbar ist. Die Medaille und nicht mehr der Mensch steht im Mittelpunkt jeglichen Interesses, der täglich veröffentlichte Medaillenspiegel bestätigt diese Annahme. Man könnte sich auch fragen, ob der Preis für einen Sieg nicht schon zu hoch sei. – Ing. Egon Hofer


Leserbrief zu „Zu platt für den Aufstand“ von Johanna Schoener:

Es ist schon ein Kreuz mit den Politikern. Ihre Autorin Johanna Schoener beschreibt das, was ich schon vor 20 Jahren gepredigt habe. Die Politikerelite scheint gegen jede Kritik immun zu sein. Die suchen ihr Heil in der Kita. Selbst 3 Kinder und eine wunderbare Frau an meiner Seite haben das nie mitgemacht. Das hängt alles mit unserer Gesellschaftsstruktur zusammen. Die etablierten Sozial- und Erziehungswissenschaftler haben das so gewollt.

Ein Kind sollte die ersten 3 Jahre in der Umgebung der Eltern leben und nicht in einer Kita. Vernünftige Wissenschaftler wie der Däne Jesper Juul predigt das auch schon seit Jahren. Er sagt: „Die Wahrheit ist: das Leben der Pädagogen macht es einfacher und nicht die Lebensqualität der Kinder.

Wir haben das auch aus politischen Gründen nicht machen wollen. Die überzahl der Frauen in Schulen und Kitas sind in der Beamtenpartei der Grünen versammelt. Die haben uns das besonders eingeprockt.

Nun kann sich das nicht jede Familie leisten und das ist das eigentliche Dilemma. Es bleibt gar nicht aus,  das später aus fehlender Fürsorge, die Kinder später zur Kriminalität neigen. Die Zahlen machen das recht deutlich, wobei das noch verharmlost wird. Die Statistiken zeigen bei weitem nicht den tatsächlichen Zustand – wie ich von einem führenden Ordnungshüter erfahren konnte.

Die Politik hat keine Alternative zur Hand. Das beide Eltern heute arbeiten müssen lässt sich nicht mehr ändern. Damit sollten wir uns abfinden. Der Tenor vieler Politiker. Dabei wüsste ich Abhilfe zu schaffen. Aber das würde jetzt zu weit führen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Heim, Herd, Blog“ von Verena Friederike Hasel:

„Heute schießen die Konsumenten zurück“, behauptet der Professor für Wirtschaftsinformatik. Mein Eindruck von dem dargestellten Geschäftsmodell Mamablog ist ein anderer: Frau Hart verdingt sich als Treiberin, die der Werbewirtschaft die Konsumenten vor die Flinte bringt. Wie in diesem Zusammenhang von Glaubwürdigkeit die Rede sein kann, ist mir schleierhaft. Besonders problematisch finde ich aber die Rolle der Kinder: kleine Musterkonsumenten, deren Leben teilweise im Schaufenster stattfindet. Wer kümmert sich eigentlich um deren Daten- und Persönlichkeitsschutz? – Bettina Ziegler


Leserbrief zum Artikel „Sie duzen sich, sie streiten sich“ von Mariam Lau:

Mit Ihrem Artikel „Sie duzen sich, sie streiten sich“ haben Sie inder ZEit #34 ein interessantes Thema gewählt und aufbereitet. Entsprechend des Untertitels „Umweltminister und Großbauer diskutieren über Landwirtschaft“ hätte ich mir aber eine tiefergehende Analyse bzw. Auseinandersetzung gewünscht. Der Artikel stellt Ansichten und Einstellungen der beiden Personen dar, aber eine Diskussion über die strittigen Punkte in der Form, dass jeder die Argumente des anderen aus seiner Sicht bewertet, gibt es nicht. Damit hat mich der Artikel insgesamt eher enttäuscht, denn dass die Positionen von konventionellen Bauern und Grünen verschieden sind, war mir bereits bekannt. – Christoph Schürmann


Leserbrief zum Artikel “Zu platt für den Aufstand“ von Johanna Schoener:

Die derzeitige Realität für Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben Sie, Frau Schöner, gut getroffen.

Auf ihre vielen, richtigen Fragen zu Veränderungen unserer Arbeitskultur kann ich nur antworten: weil wir in einer neoliberalen Gesellschaft leben, die von Ökonomen geprägt wird, für die nur Vollzeit-Erwerbstätigkeit und Effizienz zählen, deswegen ändert sich nichts. Anerkennung gibt es über die Vollzeit-Erwerbstätigkeit und nicht über Betreuung und Pflege von Angehörigen.

Im letzten Absatz des Artikels wird auch Ihre, die Elternarbeit gering schätzende, Einstellung deutlich. Zitat: „ Was man Müttern und Vätern vorwerfen kann, ist die in dieser Lebensphase zwar verständliche, aber nachteilige Verkleinerung ihrer Welt, in der viel zu oft über bekömmliches Essen, banale Erziehungsfragen und andere Befindlichkeiten diskutiert wird. Würden sie doch bloß viel lauter für die großen Dinge streiten.“

  1. Beim Essen geht es nicht um Befindlichkeiten! Angesichts einer großen Zahl von Zivilisationskrankheiten aufgrund Fehlernährung, kommt gesunder Ernährung eine große Bedeutung zu. Selbstverständlich sollte darüber nicht nur diskutiert werden, sondern auch danach gehandelt, also gegessen werden.
  2. Kindererziehung ist nun auch keinesfalls banal. Die Folgen falscher oder fehlender Erziehung hat auch unsere Gesellschaft zu tragen.

Solange nicht in allen Köpfen angekommen ist, was Eltern bei der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder – auch für unsere Gesellschaft – leisten, solange dies nicht wertgeschätzt wird und dieser Arbeit nicht angemessenen Raum und Zeit eingeräumt wird, wird sich auch an der schwierigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf nichts ändern.

Jeder möchte Wohlstand und in sozialem Frieden leben, aber die wenigsten sind dafür bereit, in die Keimzelle unserer Gesellschaft zu investieren, indem sie Bedingungen schaffen, damit die Arbeit in dieser Keimzelle gelingen kann. – Ursula Brand


Zum Artikel „Trumps amerikanischer Traum“ von Heike Buchter:

Die Zeit legt meiner Beobachtung nach großen Wert darauf, sich vom Vorwurf der einseitigen und meinungsmachenden Berichterstattung zu distanzieren und stattdessen eine seriöse und durch Fakten, nicht persönliche Meinung gestützte Berichterstattung zu betreiben. Dementsprechend war ich sehr enttäuscht von dem Porträt über Trumps vorgestelltes Wirtschaftsteam. Auch wenn ich niemals für ihn stimmen würde, wünsche ich mir eine sachliche Berichterstattung.

Zu Thomas Barrack Jr.: „Vielleicht lässt ihn sein Freund Donald beim nächsten Deal mitmachen, damit er sich was dazuverdient.“

Zu Steven Mnuchin: „Vielleicht kriegt er ja die Rechte an der Trump Story.“

Dieser „vielleicht passiert ja Folgendes“-Logik könnten sie theoretisch jedem persönliche Vorteilsnahme unterstellen. Derartige Mutmaßungen sind dem ansonsten sehr hohen journalistischen Niveau der ZEIT nicht würdig und wie ich finde unprofesionell. Des Weiteren ist genau so etwas  Wasser auf den Mühlen derer, die den etablierten Medien vorwerfen, ein falsches Bild der Wirklichkeit erzeugen zu wollen. – Richard Kiewitt


Leserbrief zum Artikel  „Erdogan der Retter“ von Martin Klingst, Jörg Lau und Bernd Ulrich:

In ihrem Artikel  brechen die Autoren eine Lanze sowohl  für das Flüchtlingsabkommen als auch die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Es mutet kurios an, wenn sie auf der einen Seite in Anspruch nehmen, Fakten seien das beste Hilfsmittel – wer wollte das bestreiten -, auf der anderen Seite aber eine sehr eigenwillige Gewichtung der Fakten vornehmen. So wird der Rückführung  von bescheidenen 842 Flüchtlingen (Fakt!) in die Türkei wenig Bedeutung beigemessen, die psychologische Wirkung des Abkommens (Fakt?) jedoch stark hervorgehoben – diese lasst sich schwer belegen, dafür aber leicht behaupten. Offensichtlich ist aber doch: die Obergrenze von 72.000 Flüchtlingen (Fakt!), auf die das Abkommen maximal Anwendung finden soll, sind ein Tropfen auf den heißen Stein, da es hier um weniger als 2 Prozent aller bisher aus Syrien Geflohenen geht. Und 6 Milliarden Euro – rund 83.000 Euro pro rückgeführten Flüchtling – sind ein stolzer Preis dafür.

Nicht besser sieht es bei den EU-Beitrittsverhandlungen aus, bei denen sich die Autoren gegen ein „ehrlich machen“ aussprechen und an der „diplomatischen Fiktion“ eines EU-Beitritts der Türkei festhalten. Begründet wird dies mit den diplomatischen Fiktionen „Minsk II“ und der Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina. Es wäre aber schon wichtig anzumerken, dass es bei letzteren um kriegerische Auseinandersetzungen geht, bei denen immer wieder Menschen sterben, und wo eine Lösung schwer bestreitbar in den Bereich des Notwendigen gehört. Es ist nachvollziehbar, dass man sich hier auch an Strohhalme klammert.

Bei einem EU-Beitritt durch die Türkei ist das aber ganz anders: Über dessen Notwendigkeit lässt sich trefflich streiten. Von daher sind die erst genannten diplomatischen Fiktionen ein schwaches Argument für die diplomatische Fiktion eines türkischen EU-Beitritts. Vielmehr sollte darauf achtgegeben werden, dass  die sich seit Jahrzehnten hinziehenden Verhandlungen nicht zunehmend als Farce wahrgenommen werden, bei der man sich fragt, wer von den Verhandlern überhaupt an einen absehbaren Verhandlungserfolg glaubt.

Wäre ein  „sich ehrlich machen“ in Zeiten, in der sich Menschen von etablierten Politikern und Parteien zunehmend abwenden, und in einer Stimmung, die sich populistische und teilweise extreme Strömungen geschickt zunutze machen, nicht vielleicht doch eine überlegenswerte Alternative? Wenn nicht, dann aber wenigstens eine redliche Argumentation! – Berthold Heymann  

 

04. August 2016 – Ausgabe 33

Leserbrief zu „Richter Mundtot“ von Julia Smilga:

Die Gesetzgebung, die der Disziplinarsache gegen von Renesse zugrunde liegt, könnte man aufgrund der Vorkommnisse auch als Absprache gemäßes Zusammenwirken / konkludentes Handeln von  Gesetzgeber und Justiz, also von zwei Grundpfeilern unseres Staates, sehen mit dem Ziel, nach außen hin Wiedergutmachung vorzugeben, diese jedoch bei der Umsetzung  durch kaum zu erfüllende Voraussetzung praktisch wieder aufzuheben.

Diesen Widerspruch erkennend hat von Renesse gehandelt und dabei  nicht zu rechtfertigende Weisungen verständlicherweise ignoriert.

Das Vorgehen gegen von Renesse ist nicht zu rechtfertigen. – Dankward Sidow


Zum Artikel „Richter Mundtot“ von Julia Smilga:

„Mehr als die Beschämung ist tatsächlich nur der Schrecken, den dieser Artikel in mir hervorlockt. Was für eine unterbewusste und kollektive Verstrickung, bis weit zurück ins Dritte Reich, muss wohl in den Köpfen, ja in den Herzen der vielen Protagonisten dieses sich so abscheulich und unwürdig anhörenden Ränkespiels, wirkmächtig die Strippen ziehen. Und was für einem ehrlosen Marionetten-Theater, bar jeder Empathie, geht hier eine große Zahl Menschen ins Netz, entrückt schwebend, über einem Boden, der eigentlich deutsche Staatsräson sein sollte. Bleibt nach dem Lesen des Artikels fast nur die Frage, wie sowohl die ZEIT als auch alle anderen Vertreter der vierten Macht im Staat solch einer unheiligen Allianz entgegen treten werden, um – leider – längst nicht mehr nur den Anfängen zu wehren? Denn hiergegen kommen einem die aktuell noch relativ machtlosen Mini-Massen von Pediga, AfD und Co. fast harmlos vor.“ – Markus Koch


Leserbrief zu „Unsere Arroganz“  von Elisabeth Raether:

Die Schönheit des Bodenständigen:

„Jetzt ist aber mal genug mit diesen originellen Einfällen“, sagt Elisabeth Raether, wenn sie „aus Berufsgründen in einem teuren Restaurant vor einer als Schiefer Turm von Pisa geformten Gänsestopfleber“ sitzt, genießt „diesen Moment der unreflektierten Elitenverachtung“ und fragt: „Ist das Bodenständige nicht viel schöner?“

Ja, selbstverständlich, liebe Frau Raether, damit kann auch ich sehr gut leben. Zumal, wenn das Ganze nicht mit Öl vollgesaugt ist und schwer im Magen liegt. Also: Herzlich willkommen mit dem, was Sie da (mit Ihrem Essay) angerichtet haben. Aber am Ende bitte nicht schwach werden, sondern: „…noch mal pfeffern(!)“. –  Hans-Jürgen Tlusty


Betrifft „Einer flog über das Storchennest“ von Martin Nejezchleba:

Sehr geehrte Damen und Herren, lassen Sie sich von Frau Dr. Gräßle folgende Zahlen geben:

  • Anzahl der noch laufenden Förderprojekte, ggf. getrennt nach Beginn pro Jahr
  • durchschnittliche Laufzeit in Jahren
  • Volumen in Euro, gestaffelt nach Größe
  • Anzahl der Mitarbeiter, die für die Projekte von der Beantragung bis zur Abwicklung (einschl. finanzieller Prüfung) zuständig sind.

Das Mißverhältnis ist unbeschreiblich, aber Brüssel akzeptiert lieber die erwähnten 6,4 Mrd. € dubioser Fälle. Daraus sollten Sie eine Berichtsserie machen.  – Heinz-Dieter Busch


Zum Tietelthema:

Beim Lesen dieses Artikels fragt man sich, ob Frau Rückert mit Karin Göring-Eckardt verwandt oder verschwägert ist… Unglaublich, wie dem Leser hier ein 10-Punkte-Plan (mal wieder) vorgelegt wird, nach dem er sich gefälligst zu richten hat!  Besonders nett ist Punkt 10, treten Sie einer Regigionsgemeinschaft bei, unabhängig von Ihrer persönlichen Überzeugung…? Ich selbst bin Mitglied der katholischen Kirche, vertrete aber den Ansatz leben und leben lassen, warum soll sich jemand einer Gemeinschaft anschließen, deren Werte ihm nichts sagen? Na ja, aber das ist vermutlich wieder der verkappte Gutmenschenansatz der Zeit, dieser kann einen treuen Leser schon mal nerven. – Magrit Mauen


Leserbrief zu „Richter Mundtot“:

Ihr Artikel hat mich an meine eigenen Erfahrungen erinnert. Ich hatte drei Jahre lang mit Vernehmungen von Holocaust Überlebenden im Auftrag von Sozial- und Strafgerichten zu tun. Vielleicht sollten Sie einen neuen Bericht über das Bundesentschädigungsgesetz und dessen Entstehungsgeschichte schreiben. Dabei müssten Sie auch erwähnen, dass es bereits Ende der sechziger Jahre auslief, da nach dem damaligen Rechtsverständnis Rechtssicherheit eintreten sollte. Das führte dann dazu, dass verschiedene Entschädigungsfonds geschaffen wurden. Auch deren Geschichte wäre interessant dazustellen. Eins sollten Sie aber berücksichtigen:  Wenn Sie Entscheidungen über Entschädigungen einer Bürokratie überantworten, dann folgt das Verfahren seit Hamurabi den drei ehernen Verwaltungsprinzipien:
1. Das haben wir schon immer so gemacht. 2. Da könnte ja jeder kommen. 3. Warum sollten wir das
überhaupt ändern. Gestatten Sie mir, dies an einem Fall zu verdeutlichen: Eine polnische Jüdin war Anfang der 40 Jahre in Polen aus einem Ghetto geflohen. Auf der Flucht hatte ihr eine Maschinenpistolensalve den linken Unterarm zerfetzt. Sie hatte daraufhin eine Unterarmprothese mit einer künstlichen Hand erhalten. Als sie eine Neue benötigte, lehnte das die zuständige Entschädigungsbehörde ab, Begründung: Da sie nur eine Entschädigungsrente entsprechend der Rente eines Beamten des mittleren Dienstes erhielte, stünde ihr nur eine Art Greifzange zu. Erst die Drohung, die Akten an den Petitionsausschuss des Bundestages und des zuständigen Landtages zu senden, verhalf der Betroffenen zu einer Hand. – Ulf Hanel


Ich habe selten einen so oberflächlichen und gleichzeitig naiven Kommentar gelesen, wie denjenigen von Frau Baurmann in der aktuellen Ausgabe Ihrer Zeitung. Da beruft sich die Autorin auf den Blogeintrag eines Mitglieds des Chaos Computer Club (CCC) und argumentiert mit Prozentzahlen, womit sie zu belegen versucht, dass man zwar Waffen im Darknet bestellen könne, die dazu gehörigen Seiten aber einen verschwindend geringen Anteil des gesamten Darknets ausmachten, das ansonsten eine „ziemliche gute Sache“ sei. Nicht nur sollte man die statistischen Erhebungen des CCC vor dem Hintergrund einer zunehmende staatlichen Kontrolle des „guten Internets“ mit Vorsicht genießen.

Selbst wenn man aber den Zahlen Glauben schenken möchte, so ist die Nennung von 0,3 % bis 4 % ohne absoluten Bezugspunkt – im für die Autorin besten Fall – bloß Zeichen eines missglückten Versuchs, dem Kommentar einen wissenschaftlichen Anstrich zu verpassen. Neben den mutmaßlichen Feldstudien in Hamburger Problembezirken hätte Frau Baurmann vom Besuch eines Jugendschöffengerichts sicher mehr profitiert: Dort  erlebt man mit trauriger Regelmäßigkeit immer wieder Jugendliche, die sich über das Darknet Dopingpräperate aus Giftmischereien in China, Drogen, Falschgeld oder Waffen an Postfachadressen schicken lassen und damit andere Personen gefährden oder gar verletzen. Die dazu erforderlichen Seiten im Darknet zu finden, scheint ihnen dabei nach meiner Erfahrung jeweils keine großen Schwierigkeiten bereitet zu haben. Dem Amokläufer von München offensichtlich auch nicht. – Dr. Matthias Klöpfer


Zum Leitartikel „Der Kampf um die Demokratie“:

Ja es stimmt, um Demokratie muss gekämpft werden. Das war schom immer so – und was noch viel schlimmer ist: Der Kampf muss in den Köpfen stattfinden. An dieser Stelle wird es dann problematisch, denn der Populismus hat die einfacheren Lösungen anzubieten. Lösungen, die jedem denkfaulen Mitmenschen eingängig sind und die Symptome der Gesellschaft zu heilen versprechen. Da aber das Nachdenken über die Folgen wiederum nichts für die Denkfaulen ist, welche die gegebenen Verhältnisse befördert haben, schwingt das Pendel nach einiger Zeit wieder zurück. So war es bisher. (Siehe Atomkraft, Umweltschutz etc…)
Ob das Pendel hin zu einer demokratischen, und damit den humanistischen Idealen verbundenen, Gesellschaft zurückschwingen kann, darf im Moment getrost bezweifelt werden. Das Informationszeitaler hat den Konstrukteuren phantastischer Verschwörungsszenarien ein Spielfeld eröffnet, das Jeden in den Rang eines Pseudointellektuellen erhebt. Einfache Geister meinen den Zusammenhang komplexer Dinge erkennen zu können und bekommen von sinsitren Meinungsagenten auch gleich die Schuldigen und die Lösung mitgeliefert. Die Erkenntnis, nur missbraucht zu worden zu sein, kommt leider oft zu spät.
Demokratie und deren Pflege bedingt gebildete Menschen. Mit dem Niedergang der Bildung, in Form von Einsparungen im Bildungswesen, bei der öffentlichen Kinder– und Jugendarbeit und letztendlich bei der hirnrissigen Reform des Studiums, schaufelt sich unsere Gesellschaft das eigene Grab. Extremismus gedeiht in bildungsfernen Schichten und nur selten in den Köpfen kluger Menschen. (Es sei denn, sie nutzen ihn zur Verfolgung eigener Interessen!) – Rainer Geyer


Zum Leitartikel:

Der Titel greift zu kurz. Denn die Gefahr für die westlichen Demokratien geht nicht nur von autoritären Populisten aus, die zum eigenen Nutzen die Gesellschaften spalten, sondern ebenfalls von den etablierten Parteien, die immer häufiger eigentlich verbriefte Bürgerrechte einschränken. Wie zum Beispiel in Spanien, wo als direkte Reaktion auf die sozialen Jugendproteste ein Gesetz seitens der alten konservativen Regierung verabschiedet wurde, um insbesondere in den sozialen Netzwerken unbequeme Beiträge zu unterbinden. Oder in Hamburg mit den sogenannten Gefahrengebieten, bei denen nicht einmal die Gewaltenteilung eingehalten wurde, da die Exekutive nahezu im Alleingang die Bevölkerung in ganzen Stadtteilen unter Generalverdacht stellen konnte. Deshalb bleibt die wichtigste Lehre wie schon in der Weimarer Republik, dass eine Demokratie nur so stark ist, wie ihre Repräsentanten auftreten! – Rasmus Ph. Helt


„Mischt euch ein!“ von Thomas Fischermann und Christof Siemes:

Einmischen … ja, aber weit effektiver wäre es zu ignorieren. Die gigantische Wirtschaftsmaschine „Olympia“ benötigt vor allem eines: Aufmerksamkeit. Ob positiv oder negativ, Hauptsache auf Seite 1 in den kommenden Wochen. Wäre es nicht ein Zeichen, das „DIE ZEIT“ setzen könnte, wenn sie über diesen Rummel in Rio inklusive der Feigenblattveranstaltungen darum herum NICHT berichten würde? Kein Foto, kein Text – NICHTS.
Das wäre die effektivste Art Herrn Bach und den seinen zu sagen, was man von Olympia hält. Die Frage ist, hat „DIE ZEIT“ den Mumm dazu, den sie von anderen einfordert. – Manfred Hofmann


„Von wegen ‚die anderen'“ von Sabine Rückert:

Beim Lesen der Vorschläge, die jede/r Einzelne zu einer Stärkung der Demokratie tun könne, stellte sich mir doch ernsthaft die Frage, ob der zehnte Punkt als ironische Pointe zu verstehen oder tatsächlich voll und ganz ernst gemeint ist. Die Kirche als Demokratie fördernde Instanz darzusstellen ist mit der größte Schwachsinn den ich jemals lesen musste! Ihr Weg zu dem politischen und sozialen Einfluss, den sie in den letzten 1000-1500 Jahren erreicht hat, ist gekennzeichnet von Korruption, Intrigen, Machtspielen, Mord und patriarchalen Strukturen; alles Aspekte, die einer Demokratie nicht förderlich sind.
Wo sich hier „Herzlichkeit“ finden lassen soll, bleibt mir schleierhaft im Hinblick auf die Masse an Menschen die unter „christlicher Flagge“ ihr Leben lassen musste. Angefangen bei den frühen Kreuzzügen, über die Vernichtung der Ketzer, psychisch oder körperlich Beeinträchtigter, tausender Frauen – sei es direkt durch die Hexenverfolgung oder indirekt aufgrund illegaler Abtreibungen etc. – bis hin zu den jüngsten Glaubenskriegen.
Liberté, Égalité, Fraternité – bis auf letzteres vielleicht, im wahrsten Sinne des Wortes, lässt sich in der hierarchisch organisierten christlichen Kirche keiner dieser Grundsätze wieder finden. Neu ist mir auch die Tatsache, dass sie davor bewahre „alles besser zu wissen“, hat sie doch selber ihren streng dogmatischen „Irrweg“. Die monotheistischen Religionen sind – wie der Name unschwer erkennen lässt – dadurch gekennzeichnet, dass EINE heilige Person den Menschen Verhaltensweisen und Regeln vorgibt, deren Nichteinhaltung sanktioniert wird. Vor allem in der katholischen Kirche mit dem Papst an der Spitze erinnern solche Strukturen doch eher an Autokratie als an Demokratie.
Weltanschauung, Organisation und Struktur der Kirche sind vielmehr Gefahr für Demokratie und Frieden, als dass sie diese stärken würden. In einer aufgeklärten, starken und sicheren Demokratie sollte Religion eher eine marginale Rolle spielen! Zum Abschluss die Worte Reinhard Meys im Ohr: „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm – ich halt‘ sie arm!“ – Lena Lindner


Zu „Eine ziemlich gute Sache“ von Jana Gioia Baurmann:

In der aktuellen Ausgabe der Zeit bin ich mit einiger Verwunderung und leichter Verärgerung gleich auf der ersten Seite im Artikel „Eine ziemlich gute Sache“ von Jana Gioia Baurmann auf mir zum Teil nicht bekannte Anglizismen gestoßen. Es waren dies der inzwischen weit verbreitete „Whistleblower“ – dessen Bedeutung mir bekannt ist – sowie das im letzten Absatz erwähnte „Darknet-Bashing“. Entgegen meiner Vermutung stellte diese letzte Formulierung keine satirische Überspitzung dar, die im nächsten Satz etwa erläutert wurde. Stattdessen war dies „ernst“ gemeint und der Leser muss hier anscheinend selbst wissen, was mit einem „Bashing“ gemeint sein soll. Ich möchte mich der Weiterentwicklung der deutschen Sprache und der Aktualisierung der Journalistensprache mittels Verwendung solcher anscheinend mittlerweile gängiger Ausdrücke nicht entgegenstellen und möchte hier nicht darüber schimpfen. Doch würde ich darum bitten, dass solche Begriffe, die sich nicht so leicht (oder gar nicht) erschließen lassen wie beispielsweise der „Whistleblower“ (zu deutsch schlicht als Enthüller zu bezeichnen), erklärt werden. Oder aber, und das wäre meiner Meinung nach ebenfalls sprachfördernd, man findet eine vielleicht noch nicht existierende deutsche Entsprechung, die sich aber jedem sofort erschließen kann. Im Falle des „Bashing“ könnte dies das „Herunterputzen“ sein, wobei dann natürlich die Substantivierung verloren ginge, wie sie im Artikel verwendet wurde.  Vielleicht habe ich den Artikel und seinen Tenor aber auch grundsätzlich missverstanden und mit den früheren Pro- und Contra-Artikeln verwechselt, die bis vor wenigen Jahren immer auf der ersten Seite zu lesen waren. In diesem Falle erhalte ich ausschließlich meine Bitte aufrecht, etwaige Anglizismen kurz zu erläutern. Auch als unregelmäßiger Leser der ZEIT freue ich mich weiterhin über interessante Artikel. – Hendrik Hempfling


Zum Artikel „Der Kampf um die Demokratie“:

Ich schreibe selten Leserbriefe, aber diesmal hat mich doch ein Absatz in einem Artikel so beeindruckt dass ich darauf reagieren wollte. Es geht um den Artikel „Der Kampf um die Demokratie – Was macht die Autoritären so stark?“. Meine Anmerkung bezieht sich dabei auf diesen Abschnitt:

Aber was ist mit den Fake Brüsten der jungen Trans-Frau? Warum sind die einen Brüste fortschrittlich, die anderen aber reaktionär? Wenn man sein biologisches Geschlecht nicht annehmen will, darf man sich bis zur Unkenntlichkeit operieren lassen, aber nicht, wenn man jünger oder besser aussehen will, als man ist? Wie soll man das jemandem außerhalb der liberalen Blase erklären?

Ich bin selber FzM Transgender, habe über 40 Jahre lang in einem Körper gelebt der nicht der meine war. Ich habe alles versucht, um diesen biologischen Körper anzunehmen, habe eine Familie gegründet, Kinder zur Welt gebracht. Es hat alles nicht funktioniert. Nicht, weil ich nicht GEWOLLT hätte, sondern weil es völlig UNMÖGLICH war. Dieses biologische Geschlecht, dieser biologische Körper widersprach all meinen Gefühlen, meiner Identität, meinem Ich. Über 40 Jahre lang habe ich eine Rolle spielen MÜSSEN die mir aufgezwungen wurde weil mein biologischer Körper nicht mit meiner Gesamtidentität übereinstimmte. Erst durch die Möglichkeiten der Gesetzgebung und der modernen Medizin war ich endlich in der Lage MEIN Leben zu führen. Ja, auch ich habe mich dabei operieren lassen – nicht bis zur Unkenntlichkeit, sondern im Gegenteil endlich zu dem Menschen der ich immer schon war, der aber bis dahin unter einem unkenntlichen biologischen Äußeren verborgen war. In Ihrem kurzen Abschnitt setzen Sie allerdings diese für die meisten Transgender lebensnotwendigen Veränderungen gleich mit dem eher oberflächlichen Wunsch nach einem schöneren, jüngeren Körper. Dass dieser Vergleich aus mehreren Gründen völlig unpassend ist habe ich versucht kurz zu erläutern. Ich hoffe ich konnte Sie mit meinem Leserbrief ein wenig ins Grübeln bringen, Sie ein wenig nachdenken lassen darüber dass ein Leben als Transgender solange kein Leben ist bis durch medizinische Eingriffe (lebenslange Einnahme von Medikamenten, aufwändige Operationen) die zumindest Annäherung zwischen dem Äußeren und dem Inneren Ich erreicht werden konnte. – Leon Uppena


Zu „Von wegen „die anderen““:

Den von Ihnen formulierten Anregungen, wie man die Demokratie stärken könne, würde ich mich ja anschließen, wäre da nicht Ihr „zehntes Gebot“. Damit erkennen Sie mal eben allen nicht religiösen Eltern die Fähigkeit ab, ihre Kinder tugendhaft zu erziehen. Ebenso fehlt danach allen Erwachsenen, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören, die Fähigkeit, ihre Meinungen und Positionen selbstkritisch zu prüfen. Sie wissen so gut wie ich, dass die Menschenrechte, die auch in unserer Verfassung wie in vielen anderen verankert sind, erst gegen den erbitterten Widerstand von Adel und Klerus erkämpft werden mussten. Und dass nur die von Ihnen gepriesenen Gemeinschaften die Gesellschaft zusammenhalten können, diskriminiert alle andern Gemeinschaften und Organisationen, die sich um Menschen und ihre Lebensumstände kümmern. Die Relgionsgemeinschaften tragen eher durch Beanspruchung von Privilegien zur Spaltung der Gesellschaft bei. – Karl-Heinz Noack


Betrifft „Vorwärts und nicht vergessen“ von Gero von Randow:

Die Idee der identitären (direkten) Demokratie geht zurück auf Rousseau. Der stets am Gemeinwohl orientierte und den Gemeinwillen repräsentierende Bürgerwille müsse sich auch unmittelbar als staatlicher Wille aussprechen können, ohne die Uminterpretation einer anderen Instanz wie der Legislative oder einer Regierung. Das Volk ist der Souverän und der Bürger ist als Teil des Souveräns citoyen, als Adressat der Politik aber sujet (Untertan). Es besteht also eine Identität von Volk und Staat in dieser idealen Demokratie. Kritiker werfen Rousseau zurecht vor, es gebe kein von vornherein festgelegtes Gemeinwohl und man dürfe Andersdenkende nicht „zwingen, frei zu sein“, wie Rousseau es vorsieht. Vielmehr würde die Idee des Gemeinwohls erst im Laufe einer pluralistischen Diskussion unterschiedlicher Interessengruppen entstehen.

In Deutschland vertreten m.E. alle staatstragenden Parteien und alle Leitmedien eine mehr oder weniger linksliberale Position. Kritiker werden deshalb automatisch als „Rechtspopulisten“ abgestempelt. Als Bürger habe ich kaum eine Chance, mitzubestimmen. Weder über die Mitgliedschaft in der EU, die Einführung des Euro noch über die unkontrollierte Zuwanderung von Migranten darf ich mitentscheiden. Das wissen die Eliten eh besser. Aber die Eliten hinter ihrer Goldenen Mauer (Mulisch) schaffen es nicht, die Außengrenzen der EU zu sichern, die Eurokrise zu meistern und sie sind unfähig, 200000 abgelehnte Asylbewerber abzuschieben.

Es geht nicht um ethnische, sondern um kulturelle Identität. Uns „Rechtspopulisten“ wird inzwischen sogar „kultureller Rassismus“ vorgeworfen, obwohl wir uns an Bassam Tibis Begriff des Kulturpluralismus orientieren, der kulturelle Unterschiede akzeptiert, aber für alle geltende grundlegende Werte wie individuelle Menschenrechte, Gleichheit von Mann und Frau und Laizismus fordert. Einen Multikulturalismus (Kulturrelativismus) im Sinne eines anything goes, wonach z.B. auch das Beschneiden kleiner Mädchen hinzunehmen wäre, lehnt er ab. Die Kulturrevolution der 60er und 70er Jahre hat in den westlichen Ländern zu einer Liberalisierung der Gesellschaften geführt. Dahinter wollen wir nicht wieder zurück.  Ja, wir sind konservativ: Wir bewahren den Fortschritt. – Klaus Lüßenhop


„Zum Ausschneiden und immer dran denken“: Liebe Sabine Rückert, ich lese grade Ihren Beichtspiegel für aufrechte Demokraten. Vielen Dank für die Belehrung, werde es mir  über’s Bett hängen.  – Dr. Sabine Brandenburg-Frank


Sabine Rückert ‚Zum Ausschneiden und Immer-dran-Denken‘:

Liebe Frau Rückert, ich hatte bisher Ihre Beiträge immer geschätzt, aber mit Ihrem 10-Punkte-Manifest zur Rettung der Demokratie kann ich nun wirklich nichts anfangen. Die Demokratie leidet aktuell weniger unter mangelnder Empathie ihrer Bürger, sondern unter wachsender, selbstverursachter Überforderung.
Eine Gesellschaft, zu deren Existenzgrundlage das ständige, aufgeregte Bekenntnis-Engagement ihrer Bürger für aus ‚Gut-Sein‘ abgeleiteten Zielvorstellungen gehört, wird untergehen. Eine Gesellschaft, die ihren Bürgern nicht mehr erlaubt, ihr Leben auch mal passiv zu verbringen, sich auch mal nicht zu engagieren, wird sich mit der Erschöpfung der Aktiven auflösen. Wir sollten geschichtliche Erfahrungen ernst nehmen: An dieser Auszehrung ging die DDR zugrunde.
Demokratie wird nur als ein von der überwiegenden Mehrheit geschätzter, auch durchaus wohlwollend-passiv begleiteter ‚Normalbetrieb‘ einer Gesellschaft überleben. Und nicht als permanenter Ausnahmezustand, in dem das aktive Bekenntnis zu den von Fortschrittsaktivisten definierten Zielen das endliche Leben mit seiner oft banalen Normalität auffrisst. Es muss möglich sein zu leben, ohne ‚immer-dran-denken‘ zu müssen.
Demokratie ist kein Weltglück, das wir mit permanenter Anstrengung erreichen können oder gar müssen, sondern lediglich eine Form, wie wir unsere unüberwindbaren zwischenmenschlichen Interessengegensätze hinnehmbar ertragen und gewaltfrei verhandeln wollen. Le Pen und andere Politiker als demokratiefeindliche, tumbe Populisten zu kritisieren, geht am Kern der Sache völlig vorbei. Sie setzen genau an diesem Missverständnis an.
Ich ziehe meinen Hut vor Ihrer umfangreichen Selbstverpflichtung. Aber glauben Sie mir – ein Leben lang durchhalten – das werden Sie ganz gewiss nicht. Auch Sie werden wohl am Ende Ihres Lebens sagen wollen: Ich habe mein Leben gelebt, und nicht das der anderen. – Matthias Wagner


Leserbrief zu „Wie leben Sie mit dem Terror, Herr Strenger?“:

Carlo Strenger ist ein anerkannter schweizerisch-israelischer Philosoph und Psychologe. Es gelingt ihm, in diesem Interview  viel über Terrorismus zu sagen, ohne nach dessen  spezifischem Hintergrund in Israel/Palästina zu fragen. Im 50. Jahr müssen die Palästinenser ein Besatzungsregime ertragen, dass ihnen fundamentale Menschenrechte vorenthält, das völkerrechtswidrig Land enteignet, um darauf  illegale Siedlungen zu bauen, das die Bewegungsfreiheit  der Palästinenser massiv einschränkt,   das ihnen eine wirtschaftliche Entwicklung unmöglich macht, das sie unterdrückt und vertreibt. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat dazu  im Januar 2016 gesagt: Es liegt in der Natur des Menschen, dass er sich gegen Besatzung auflehnt. Nach einer Umfrage lehnen 91 % der Palästinenser den IS ab, aber 48 % der jüdischen Israelis fordern einen „Transfer“ aller Palästinenser irgendwohin östlich des Jordans. Früher nannte man so etwas Deportation. Der israelische Philosoph Omri Boehm  beschrieb in einem Artikel in der ZEIT die israelische Politik als Apartheid und Staatsterrorismus (Omri Boehm, Eine aufgeklärte Besetzung? DIE ZEIT Nr. 32/2015, 6. August 2015, S. 42). Bei Carlo Strenger findet man zu diesem israelischen Staatsterrorismus kein einziges Wort. – Martin Breidert


Leserbrief zu dem Artikel „Aufgeputscht“ von Özlem Topcu:

Ihnen schreibt Jörg Felski, geboren am 17.11.1965 in Hannover-Linden, aufgewachsen in einem Kaff in der Lüneburger Heide namens Schwarmstedt, das heute zum Speckgürtel von Hannover gehört. Damals nicht. Warum schreibe ich Ihnen das? Es gibt einen simplen Grund: Ich habe heute Ihren Artikel „Aufgeputscht“ in der „Zeit“ gelesen. Seit dem Putsch in der Türkei verfolge ich Ihre Artikel sehr genau; ebenso wie Ihre Anwesenheit im Tv seitdem. Zunächst möchte ich Ihnen eines sagen: Zumindest was meine Person betrifft, gibt es ganz offenbar noch eine 3. Kategorie oder Gruppe derer, die die aktuellen Entwicklungen bewerten möchten. Das wäre meine Gruppe. Ich weiß nicht, wie viele wir sind, aber was ich fühle, ist Traurigkeit.

Gern möchte ich Ihnen eine kurze Begebenheit aus meinem Leben erzählen:

Der Stadtteil Linden in Hannover, in dem nach meiner Landflucht meine Menschwerdung stattgefunden hat, ist ein klassischer Arbeiter-Stadtteil. Seit den 60ern und 70ern gern bewohnt von spanischen, türkischen, ex-jugoslawischen und sonstwie -Zuzüglern. Eine linke Hochburg. Im Jahr 2000 verließ ich Linden, um für einige Jahre in Dänemark zu arbeiten. Mann, war das ätzend. Noch nie habe ich eine dermmaßen korrekte und spießige, aber immerhin nicht-korrupte Gesellschaft vorgefunden. Immerhin: auf dänischen Arbeitsämtern erzählt man Ihnen, worauf Sie Anspruch haben. man muss nicht mehr Wissen haben als die Angestellten der Agentur für Arbeit, um zu seinem Recht zu kommen. Bewundernswert, aber öde. Echt öde. Ich fühlte mich ständig wie ein Sizilianer….

Aber ich hatte Heimweh. Obwohl ich nicht einmal sehr weit weg von Hannover war, traute ich mich nicht, dorthin zu fahren – aus Angst, ich würde den Weg zurück nach Dänemark – und zu meinen Verpflichtungen – nicht mehr finden.Wenn das Heimweh gar zu schlimm wurde, fuhr ich in die Nordstadt von Flensburg. Dort gab es türkische Lebnesmittelgeschäfte, die mich an meinen Stadtteil in Hannover erinnerten. Allein der Geruch der türkischen Lebensmittel genügte, um mich wieder heimisch zu fühlen. Und dazu kam das beruhigende Gefühl, dass wir dort im Laden alle „Exilianten“ waren. Alle von Heimweh geplagt; der eine mehr, der andere weniger.

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und ging zurück nach hause. Mich macht das alles  sehr, sehr traurig. Bestimmt ist ist etwas verkehrt gelaufen mit der Integration. Aber ich dachte, wir haben ein gutes Auskommen miteinander. Jetzt ist alles anders. Und ich fürchte, dass Herr Erdogan schlicht und ergreifend die türkische Gesellschaft gespalten hat. Mit seinem Wunsch nach Macht. Als ich noch ganz jung war, habe ich in einem Kindergarten gearbeitet. Dort hat einmal ein älterer türkischer Herr seine Enkelkinder abgeholt. Es war ein evangelischer Kindergarten. Als er mich sah und merkte, dass ich ein neuer Mitarbeiter war, kam er zu mir, legte seine Hand auf meine Schulter und sagte zu mir in schlechtem Deutsch: „Ist ganz egal, wie dein Gott heißt, Hauptsache, du hast Gott!“ Damals fing ich an, die Türken sehr, sehr , sehr zu mögen. Weil die Dinge manchmal ganz einfach sind. Und mit einem einzigen Gefühl zu erfassen und zu verstehen. Grenzenlos.  Und deswegen bin ich heute so traurig. – Jörg Felski


Betrifft „Von wegen ‚die anderen'“ von Sabine Rückert:

10. Ich  trete  in  die  Kirche  ein  oder  in  eine  aufgeklärte Glaubensgemeinschaft  anderer  Religionen  auch  als  Agnostiker. Diese Gemeinschaften halten die Gesellschaft zusammen, sie lehren die Tugenden des Umgangs: Höflichkeit, Freundlichkeit, Herzlichkeit. Sie bewahren mich vor dem Irrweg, alles besser zu wissen.

Und was tun die Atheisten? Oder wollen Sie hier dieklerikale Meinung verbreiten, Atheisten
besäßen  diese  „Tugenden  des  Umgangs“  nicht?  Was  ist das:  Dummheit  oder Volksverhetzung oder beides? Laut § 130 (1) StGB begeht letztere: „wer … die Menschenwürde anderer dadurch angreift,
dass  er  eine  vorbezeichnete  Gruppe,  Teile  der  Bevölkerung  oder  einen  Einzelnen  wegen
seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung
beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet.“ Also denken Sie nach, bevor Sie solche Sätze schreiben. Der Beitritt in eine Kirche hat sie ja offensichtlich nicht vor dem Irrweg bewahrt, alles besser wissen zu wollen. – Wolfgang Brocks


Zu dem Artikel „Verwandte Seelen“ von Cathrin Gilbert:

Schweinsteiger wird seit Jahren maßlos überschätzt. Er hatte bei Bayern und in der Nationalmannschaft – ähnlich wie Müller, wenn auch in einer ganz anderen Position – Narrenfreiheit. Er wurde im Mittelfeld selten eng gedeckt und noch viel weniger massiv angegriffen. So konnte er in aller Ruhe „die Bälle verteilen“ – oft x-mal hintereinander in die Breite oder nach hinten. Das brachte ihm dann lächerliche Bestnoten bei Ballkontakten und Passgenauigkeit ein. Und: Haben die Schweinsteiger-Apologeten mal gezählt, wie viele Fußballspieler (auch Freizeitkicker) an jedem Spieltag mit blutenden Wunden, Kopfverband etc. weiterspielen, ohne einen „Helden“-Status für sich zu beanspruchen?
Beim 0:2 gegen Frankreich hat er nicht nur durch Handspiel den Strafstoß zum 0:1 verursacht, sondern auch als letztes Glied der Fehlerkette das 0:2 mitverschuldet, indem er Griezmann nicht deckte. (Und gegen Italien hat er einen Elfmeter kläglich verschossen.)
Sein Wechsel zu Manchester United war ein groteskes Missverständnis zu aberwitzigen finanziellen Konditionen. Es reicht. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu: „Terror – Fragen an einen israelischen Psychologen“:

Ein falscher Vergleich – Die Idee, Terroranschläge in Israel und Deutschland vergleichen zu wollen, geht am Wesentlichen vorbei: Der Grund für die Anschläge in Israel ist nicht religiöser Fanatismus sondern es ist die  Besatzung und Unterdrückung der Palästinenser. Der andauernde Landraub durch israelische Siedler, die Zerstörung palästinensischer Häuser, die tägliche Behinderung und Demütigung an den Checkpoints, die Inhaftierung auch von Kindern ohne Gerichtsurteil, all das verstärkt den Hass auf die Besatzer und verleitet bisher unauffällige Jugendliche zu Messerattacken auf Juden. Es fragt sich auch, wer mehr unter dem ‚Terror‘ leidet: Seit Herbst 2015 fielen ca.30 Juden Attentaten zum Opfer und ca. 120 Palästinenser wurden von israelischen Sicherheitskräften erschossen.

Amnesty International hat mehrere dieser Erschießungen als gezielte und bewusste Tötungen verurteilt. Natürlich versucht die Regierung Netanjahu, die Gefahr des islamistischen Terrors heraufzubeschwören, um uns vorzugaukeln, wir bekämpften denselben Feind. Das aber ist grundfalsch. In Israel geht es um den Kampf zwischen Besatzern und Unterdrückten. Wenn wir etwas von Israel lernen wollen, dann die Einsicht, dass Gewalt nur Gewalt gebiert und nur Verständigung und Friedensgespräche (die Israel ablehnt) Terror verhindern können. – Claus Walischewski


Liebe Frau Raether, vielen Dank für Ihren großartigen Artikel auf Seite 2 der aktuellen Zeit! Solche Texte sind für mich absolute Highlights: einmal gelesen, und so vieles wird klar. Oder richtiger: beim Lesen darf ich beobachten, wie Dinge, die mir schon längst klar waren, die ich jedoch nicht schlüssig formulieren konnte, mit großer Präzision in Worte gefasst werden… Das ist, als dürfte man einem Künstler beim Schaffen zusehen (wie in dem Film von Picasso beim Malen). Das ist es auch, was die Zeit für mich so anziehend macht: Ab und zu ein Artikel wie der Ihre (und gar nicht so selten…). Dafür lohnt es sich, das Heft jede Woche zu kaufen. Danke! – Paro Christine Bolam


Leserbrief zu Malte Henk`s Artikel „Ist er besser, weil er behindert ist“:

Es hat mir den Atem geraubt, Ihren Artikel zu lesen. Nicht, weil ich unsportlich wäre und mir die Anstrengung des Lesens den Puls hochgetrieben hätte -ganz im Gegenteil- Sport ist meine Passion. Das Bewußtsein, wie viel Schweiß, Schmerz und Entbehrung hartes Training von der Physis des Körpers fordert- wie viel Geduld, Charakter und Motivation von der Psyche, läßt mich mit Markus Rehm und Alyn Camara -stellvertretend für alle sportlich aktiven Rehm-Kritiker- mitfühlen.

Inklusion ist kein Milchmixgetränk, bei dem sich die heterogenen Bestandteile zu einer Emulsion vereinen. Inklusion verkörpert Widerstand, Schmerz, Leidenschaft, aber auch Herdentrieb, Unwissenheit, Angst und fordert Kompromisse ein. Exkurs: Sport und Politik zu trennen, ist heutzutage noch viel schwieriger als in der Vergangenheit, weil  die Komponente der Wirtschaftlichkeit diesen Kreis schließt. Leidtragende sind aber die Sportler, die sich in diesem System aus Funktionären, Sponsoren, Journalisten, Fans, Kritikern, Neidern und der eigenen Familie bewegen müssen.

Der olympische Gedanke hat noch nie für das sportliche Ziel allein gestanden -es galt immer, die Welt und die dort lebenden Menschen mit all ihren Facetten und Differenzen durch den Wettkampf zu einen. Die sportlichen Gesandten der Länder stehen dann selbstverständlich auch stellvertretend für die Geschicke des Landes. Somit hatte die Politik seit jeher ihren festen Platz auf dem Trainerstuhl des Sportlers. Die Politik als Aushängeschild für die gesellschaftliche Situation des jeweiligen Landes stellt sich allzu gern in den Sog des sportlichen Erfolges.

Um aber bei der Frage nach nachhaltiger Inklusion zu bleiben:“ ist es fair, diese anhand eines Leistungssportlers -behindert oder nicht behindert- zu diskutieren?“ Einem Schauplatz, an dem Geld, Neid und übergewichtige Funktionäre herrschen und Menschen wie Alyn Camara und Markus Rehm als Spielball ihrer Selbstgefälligkeit und Gier benutzen? Ich kann diesen beiden Sportlern bescheinigen:“ Ihr seid gleich!“ Ihr trainiert hart und bis aufs Blut und ihr werdet gemeinsam vor den Karren gespannt! Und wenn ihr es nicht mehr bringt, dann halt ein Jüngerer – mit oder ohne Prothese! – Wilm Störmer


Leserbrief zu „Von wegen „die anderen““:

Den Punkten 1-9 stimme ich ausdrücklich zu und versuche danach zu leben. Punkt 10 empfiehlt: “Ich trete in die Kirche ein oder in eine aufgeklärte Glaubensgemeinschaft anderer Religionen: auch als Agnostiker.“ Etwa jeder dritte Deutsche ist nicht Mitglied einer religiösen Gemeinschaft, die Zahl der Agnostiker ist sicher noch höher. Darf ich hier die frohe Botschaft verkünden, dass diese Millionen Menschen keineswegs einer Gemeinschaft beitreten müssen, deren Glauben sie nicht teilen?
Ich selbst engagiere mich z.B. in der weltanschaulichen Körperschaft  des Öffentlichen Rechts Die Humanisten Baden-Württemberg und in der Humanistischen Akademie Deutschland des Humanistischer Verband Deutschland (HVD). Liebe Frau Rückert („Zum Ausschneiden und Immer-dran-denken“), Ihre Schluss-Sätze gelten auch für uns säkulare Humanisten, auch hier finden Sie „die Tugenden des Umgangs“ und die Überzeugung, nicht „alles besser zu wissen“. Wir arbeiten gerne mit allen Menschen zusammen, welche die von Ihnen skizzierten Werte leben wollen. – Ludwig Lauer


Leserbrief zu „Unsere Arroganz“ von Elisabeth Raether:

Elisabeth Raether hat schon recht. Trump und Le Pen strahlen politisches Unwissen und Unbildung aus und auch ich habe mich schon öfter über die beiden lustig gemacht. Mit meiner Ausbildung zur Lehrerin und meiner sozialen Einstellung zähle ich wahrscheinlich auch zu den Arroganten. So habe ich es noch nicht gesehen, muss aber zugeben, dass ich für manche so erscheinen könnte. Ich beginne auch zu verstehen, dass Trump und Konsorten deshalb so erfolgreich sind, weil sie nach oben, gegen das sogenannte Establishment und nach unten, gegen Einwanderer, Ausländer und Arbeitslose treten und sich eine breite Wählerschicht dadurch besser fühlen kann.

Die Diktion dieser „Führer“ ist einfach, polemisch und für jedermann verständlich. Dadurch werden wahrscheinlich hart arbeitende, zurückgesetzte Menschen, die wenig vom Leben haben und trotzdem pünktlich ihre Steuern zahlen, persönlich angesprochen und aufgewertet. Hier bedient sich jemand ihrer Sprache, scheint auf ihrer Seite zu stehen und wird als einer von ihnen wahrgenommen.  Autoritäre geben anscheinend den Menschen, die glauben, in unserer Gesellschaft zu kurz gekommen zu sein, ihr Selbstbewusstsein zurück. Dann kann es leicht passieren, dass Minderwertigkeitsgefühle und Ängste in Wut, Zorn und Hass umschlagen. – Elisabeth Hofer


Betrifft Rubrik „Wissen“:

Warum muss DIE ZEIT die Verballhornung „Quäntchen“ der Rechtschreibereform mitmachen und das auch noch unter der Rubrik-Überschrift „Wissen“? Das alte deutsche Handelsgewicht „Quent“ (übrigens auch aus dem Lateinischen stammend) hätte es verdient gehabt, dass sich DIE ZEIT über die etymologisch nicht richtige Ableitung der Rechtschreibereform hinweggesetzt hätte. Vielleicht beim nächsten Mal?! – Dr. Hansjörg Döpp


Zu „In guten Händen?“ von Josophina Maier:

Ich wurde als Kleinkind von einer Osteopathin behandelt und es hat meine Gesundheit deutlich verbessert. Natürlich haben Sie vollkommen Recht damit, dass sich im Prinzip jeder Osteopath nennen darf und es deshalb wahrscheinlich auch viele Unfähige in dieser Branche gibt. Trotzdem denke ich bin ich das beste Beispiel dafür, dass dies nicht die Regel ist.

Die erste Zeit nach meiner Geburt (1999) konnte man mich als sogenanntes Spei-Kind bezeichnen. Auf dies folgten unzählige Mittelohrentzündungen (mit 12 Monaten bekam ich Paukenröhrchen, die irgendwann blutig herauseiterten) und ein ständiger Reizhusten. Dies konnten weder Kinderärzte, HNO-Ärzte noch spezielle Ohrenärzte in den Griff bekommen. Selbst in der anthroposophischen Kinderklinik in Herdecke bekam ich Kodeintropfen. Durch das schlechte Hören und die mangelnde Schlundkontrolle konnte ich folglich auch nur sehr schlecht und spät sprechen.
Durch Zufall kam ich mit knapp drei Jahren zu einer Osteopathin, die bei mir das KiSS-Syndrom feststellte (davon berichteten Sie in Ihrem Artikel auch).  Ich hatte mehrere ausgerenkte Wirbel im Rücken- und Nackenbereich, die natürlich daraufhin fachkundig von einem darauf spezialisierten Orthopäden eingerenkt wurden. Diagnostiziert hat dies aber die Osteopathin, obwohl ich  schon vorher beim Orthopäden war.
Nachdem ich eingerenkt wurde, war ich robust gesund, d. h. natürlich war ich hin und wieder krank, aber nicht mehr als andere Kinder meines Alters. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass die ausgerenkten Wirbel von einer äußeren Wendung in der 37. Schwangerschaftswoche stammten.
Auch wenn die Existenz des KiSS-Syndroms noch nicht nachgewiesen werden konnte, bin ich davon überzeugt, dass genau diese Behandlung meine Gesundheit stark verbessert hat, und ich bin der Osteopathin bis heute dafür dankbar. Ich sollte noch hinzufügen, dass meine Familie und ich eher der Schulmedizin als Alternativen Heilansätzen vertrauen.

Um Ihre Leitfrage zu beantworten: Ich fühle mich bis heute bei meiner Osteopathin in guten und vor allem kompetenten Händen. – Nikola Nolte


Betrifft „Wie leben Sie mit dem Terror, Herr Strenger?“:

Sie und Carlo Stenger setzen den Terror in Deutschland mit den Anschlägen der Palästinenser in Israel gleich. Damit verdrehen Sie die Tatsachen und täuschen Ihre Leserinnen und Leser. Die Anschläge der Palästinenser in Israel sind Widerstand gegen die Usurpation, gegen das tagtägliche menschenrechtsverachtende Vorgehen des israelischen Staates und der faschistoiden Siedler gegenüber den Palästinensern. Es ist extrem bedauerlich, wie tief das Niveau der „Zeit“ gesunken ist. Von einem neutralen und fundierten Journalismus kann bei Ihnen keine Rede mehr sein. – Prof. Dr. Elias Jammal


Leserbrief zu „Von wegen ‚die anderen'“ von Sabine Rückert:

Ich freue mich jedesmal über die Chrismon-Beilage der ZEIT, die als Soulfood-light für den kleinen Pausensnack prima geeignet ist. Meine Anregung betrifft die Monatsausgabe der Zeitschrift SCHROT&KORN, die ich ebenfalls gern als ZEITbeigabe sehen würde. Beide Medien sind tendenziös, positiv grundgestimmt, engagiert im fischen in allen Lagern und haben den Auftrag to make the world a better place angenommen. Body and Soul wären damit von der ZEIT in eine nette Balance gebracht. – Eva-Maria Fahl


Zurm Artikel „Wie im Kindergarten“ von Henriette Kuhrt:

Völlig nachvollziehbar ist der Tenor Ihrer Kolumne. Tatsächlich hat die Stadt München jahrelang so einiges verpasst, um ausreichend Kita-Plätze verfügbar zu machen. Darüber kann und muss man sich aufregen, unbedingt. Ich tue das auch, habe selbst zwei Kleinkinder und arbeite in der freien Wirtschaft.

Aber: Wenn man schon über dieses altbekannte Phänomen schreibt, dann bitte richtig. Erstens ärgert es mich, dass Sie offenbar nicht wissen, dass „Landeserziehungsgeld“ und „Landesbetreuungsgeld“ zwei völlig verschiedene Dinge sind.

Zweitens: Woher wollen Sie wissen, dass die Mutter bei der Kita-Klage ihr Kind nicht bewusst in die Yoga-Akademie gesteckt hat? Das ist eine Unterstellung. Die Stadt hatte ihr vorher sechs Tagesmütter angeboten, die sie alle abgelehnt hat.

Drittens erwecken weder der alte Bildungsreferent Schweppe noch die neue Referentin Zurek den Eindruck, als hielten sie die Kita-Situation für ausreichend. Soweit ich weiß, sieht Zurek die Lücken genau und hat bereits versprochen, die Elternberatungsstelle entscheidend auszubauen.

Und viertens sollte man anerkennen, dass München tatsächlich dermaßen wächst, dass es schwer ist, mit den Kitas hinterherzukommen. Es ist nicht immer nur mangelnder politischer Wille, es sind auch schwierige Rahmenbedingungen. Klar dürfen Eltern wütend sein, aber diesen Gedanken hätte man zumindest auch mal anklingen lassen können.  – Hannah Wiesinger


Zu „Mischt euch ein!“ von Thomas Fischermann und Christof Siemes:

Ihr Aufruf in Ehren. Das Geld hindert daran. Und die Kollegenschelte ist untersagt. Wer er es dennoch tut, ist weg vom Fenster. Die Gesellschaft, die Sie wollen, muß erst noch geboren werden. – Gunter Knauer


Betrifft „Unsere Arroganz“  von Elisabeth Raether:

Was für eine Einsicht. Genauso sieht es aus. Die Scheiße liegt vor unserem Haus. Die Keile und Verunglimpfung der sogenannten Elite in der Medienwelt und Politik hat sich damit selbst geschwächt. Der Normalo, behaupte ich, weniger. Der freut sich insgeheim,  daß es noch solche Menschen gibt. Das ist meine Theorie.

Und wenn Trump tatsächlich Präsident werden sollte, dann wird  hier ein Shitstorm ungeahnten Ausmaßes vom Zaun gebrochen. Und das ist dann wieder verkehrt. Selbstkritik muß geübt werden, der ist nämlich abhanden gekommen, nichts anderes. Irgendeine Ideologie predigen hat im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr. Die Menschen wollen endlich mitgenommen werden. – Gunter Knauer


Zum Artikel „Was geschah vor 1789? Nicht so wichtig!“ von Louisa Reichstetter:

Vielen Dank für den heutigen Artikel in der ZEIT zum Geschichtsunterricht. Das Problem ist gut dargestellt. Was mich nur nicht nur hierbei erstaunt: Warum werden immer nur bayerische Gymnasialleiter und Lehrerfunktionäre des Philologenverbands wie Herr Meidinger oder Herr Kraus um ihre Stellungnahme befragt? – Ulrich Bongertmann


Zu Jana Gioia Baurmanns  Artikel „Eine ziemlich gute Sache“:

Sehr geehrte Frau Baurmann, ich weiss nicht, ob Sie Mutter sind, aber für Eltern liest sich Ihr Artikel von heute Besorgnis erregend. Darknet, noch ein Problem mehr für (noch) nicht völlig gefestigte Menschen im Umgang mit dem Internet.

Darknet hört sich nicht böse an und TOR sogar gut.  Aber anonymer  Raum in dem Propaganda gemacht wird und Transaktionen getätigt werden, das hört sich Furcht erregend an, besonders für Eltern.

Ob unsere Kinder in den Schanzenpark oder den Hauptbahnhof gehen oder nicht, ob allein oder in Begleitung ist ungleich leichter nachzuvollziehen.  Schlechter Vergleich. – Paul Borgetto


Leserbrief zu „Unsere Arroganz“ von Elisabeth Raether:

Sie sprechen einige durchaus richtige Dinge an. Mir aber fehlt bei Ihrer Betrachtung der Klassen eindeutig der ökonomische Aspekt. Wenn gegenüber Trump H. Clinton immer als optimale Präsidentin dargestellt wird, so wird immer vergessen darauf hinzuweisen, daß die Familie  Clinton in den vergangenen 16 Jahren ca. 150 Millionen Dollar von der Wallstreet und dem Silikon Valley erhalten hat. Sicher nicht um zu verhindern, daß der Nutzen der Globalisierung bei 0.1 bis 1% der Bevölkerung bleibt. Gezahlt haben hierfür zumindest eindeutig in den USA die abgehängten Normalos. Dies wurde auch in Ihrer Zeitung vor kurzem dargestellt, daß die Visa Politik auch der Demokraten (Clinton und Obama) bedeutet, daß gut verdienende z.B. IT Arbeiter eins zu eins durch billigere importierte Inder ersetzt werden. Der Nutzen bleibt bei den Millionären. Auch die illegalen Einwanderer nutzen hauptsächlich den Millionären als Hausangestellte und billige Arbeiter, während sie für die Normalos unfaire und gefährliche Konkurrenten darstellen. Zugelassen wird dies natürlich aus Humanität!

Letztlich stellen auch Sie schön Ihre intellektuelle Arroganz der Besserverdienenden dar, wenn Sie Sarah Palin als Idiotin darstellen, weil diese sagte „Man kann von hier aus Rußland sehen“. Wie Tim Marschall im Buch „Die Macht der Geografie“ Seite 23/24 darstellt ist dieser Satz wie er gesagt und gemeint wurde genau korrekt. Von Alaska sieht man Rußland an der Beringstrasse spielend mit bloßem Auge. Auch das AFD Bashing, diese kämen mit blankem Unsinn immer noch am weitesten übersieht z.B., daß das Schließen und Sichern von Grenzen wie von der AFD gefordert einfach möglich ist, wie das Schließen der Balkan Route gezeigt hat. Dies wurde von der Regierung und der Masse der Presse im Herbst monatelang bestritten. Klarer Unsinn bzw. eine glatte Lüge – natürlich in bester Absicht. – Dr. Hubert Franke


Zu „Die Neugier ist riesig“, Hanno Rauterberg:

Da gibt die „mächtigste Frau der Kunstwelt“, Ihre Exzellenz Scheicha al-Majassa aus Katar, ihr erstes „ausführliches“ Interview über Kunstfragen, und Herr Rauterberg hat nichts anderes zu tun, als sich wie eine „Zicke“ aufzuführen. Im Vergleich zu den klugen, besonnenen und respektvollen Äußerungen der Scheicha sieht es der deutsche Journalist offenbar als seine Ehrenpflicht an, unbeirrbar und originell wie ein Kuckuck-Rufer den Finger in Katars Wunden zu legen, statt sich belehren zu lassen, dass nicht nur der ach so kleine Wüstenstaat, sondern auch der glorreiche Westen manche Unrechtstat begeht, ohne sich dessen stets zu bezichtigen. Respekt erweisen und Zuhören sind Tugenden, die bei uns offenbar als Schwäche ausgelegt werden; Hochmut und Kritikbereitschaft hingegen stehen nach wie vor hoch im Kurs. Die Folge ist leider absehbar: Sie nennt sich „freiwillige geistige Beschränktheit.“ – Bettina Oehmen


Betr.: „Ich bin nicht unterausgelastet, sagen wir es mal so“ von Tina Hildebrandt:

Ihnen ist eine kluge und wohlgesonnene Persönlichkeitsbeschreibung der zentralen Figur im Weltgeschehen gelungen, die hoffentlich ihre Wirkung haben wird als Gegenbild zu den verleumderischen und böswilligen Varianten in anderen Medien, danke. – Teresa Scholl


Leserbrief zum Titelthema „Der Kampf um die Demokratie hat begonnen“:

Ihr schreibt „Der Kampf um die Demokratie hat begonnen“. Richtig ist, dass die Populisten immer mehr werden. Woher aber kommt das?

Nun, wenn man sich die momentan regierenden Politiker in Europa ansieht kann einem übel werden. Merkel/Gabriel, Hollande, Cameron (ist Geschichte), Renzi und und und; diese Leute treiben die Völker doch in die Arme der Populisten. Ich gebe gerne zu, dass ich bei den kommenden Wahlen die AfD (sehr populistisch!!!) wählen werde. Aber nicht weil ich sie so gut finde oder weil mich deren Programm so überzeugt. Nein, weil du die momentan agierenden Politiker nicht mehr wählen kannst.

Unter der Merkel, die sich nur deswegen halten kann weil es in der CDU/CSU ausschließlich kleine Feiglinge gibt die selber nichts auf die Reihe bekommen, ist Deutschland zu einem Verbrecherstaat geworden. Verbrecherbanden aus Osteuropa, aus den Maghrebstaaten und aus den Flüchtlingskonvois verbreiten sich rasend schnell und die Verbrechensaufklärung tendiert gegen null.

Schaut euch Ex-Politiker wie den Pofalla an. Dieser Vogel ist ja wohl der absolute Dreck. Viele Ex-Politiker, die wissen wie es in ihren Ministerien läuft und die vor allem sehr gute Kontakte zur Merkel und zum Gabriel haben werden geldgeile Lobbyisten und schädigen somit ganz massiv den Staat und damit uns alle.

Die Eliten in Deutschland, von Merkel extrem hofiert, sind zu 98% Dreck. Siehe VW, siehe die Bankmanager, siehe Rummenigge, siehe Hoeness, siehe Gutenberg usw. Gabriel und seine SPD.

Der Gabriel lügt wenn er sein Maul aufmacht. Siehe z. B. TTIP und CETA. In der Öffentlichkeit erklärt er das beide mehr oder weniger „gestorben“ sind. Im Hintergrund arbeitet er aber daran das beide doch eingeführt werden können… Ex-BK Schröder hat sich zu einem der korruptesten Menschen entwickelt. Politiker wie die Hinz setzen dann dem Ganzen in der SPD die Krone auf.

Die meisten SPD regierten Länder sind von der Pleite bedroht und haben sehr hohe Arbeitslosenzahlen weil die SPD-Politiker lieber in die eigene Tasche wirtschaften und sich nicht mehr um die Bürger kümmern. Man sehe sich nur NRW und Berlin an. NRW wird wirtschaftlich abgehängt weil die Seilschaften der SPD/Grünen-Politiker sich nicht für die Bürger interessieren und lieber das Land runterkommen lassen um dann jammern zu können wie schlecht es ihnen geht. Und sich die eigenen Taschen voll machen durch Bestechungen und Durchstecherreien.

NRW-Innenminister Jäger lügt das sich die Balken biegen. Obwohl die ganze Welt von den „No Go-Areas“ weiß behauptet Jäger, dass es sie nicht gibt. Laut Jäger gab es auch keine sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln. Die Kraft kümmert sich nur noch um sich selber statt sich um die Probleme zu kümmern!

Niedersachsen. Die SPD unter Weil ist vor lauter Feigheit nicht in der Lage diese Verbrecher von Managern hinter Gitter zu bringen obwohl diese Dreckschweine Milliarden versenkt haben und auch ganz massiv die Einnahmen von Niedersachsen negativ beeinflußt haben. Ist aber klar, wenn man sieht wie die SPD in Niedersachsen mit den Reichen und Mächtigen kungelt!

Dann Berlin. Wowereit hat Berlin mit dem Ausspruch „Arm aber Sexy“ zum Abschuss frei gegeben. Die Straßen (selber leidvoll erfahren!) in einem katastrophalen Zustand. Der Flughafen ein Milliardengrab und und und.

Zu dem Ganzen kommen dann noch die Grünen und die Linken die am liebsten die ganze Flüchtlingswelt nach Deutschland holen möchten. Irre hoch drei!!!

Die einzigen einigermaßen vernünftigen Politiker bei den Grünen sind der Palmer von Tübingen und der Kretschmann. Und die werden von der Basis massiv angefeindet weil sie sich nicht an das völlig irre Weltbild der grünen Basis halten.

Alle Populisten hätten keine Chance wenn die oben genannten Beispiele von Politiker für das Volk wären und nicht nur für eine verbrecherische kleine Minderheit von Eliten und Reichen! Deutschland heute wird regiert von verkappten Verbrechern. Und damit ist den Populisten Tür und Tor geöffnet. – Heinz Rauscher


Leserbrief zu Louisa Reichstetter: „Was geschah vor 1789? Nicht so wichtig!“:

Wie Sie richtig schreiben, ist das Schulfach Geschichte bundesweit von Kürzungen der Unterrichtsstunden und der Zusammenlegung mit anderen gesellschafts- und geisteswissenschaftlichen Fächern bedroht. Dass allerdings die Französische Revolution der Verschlankung im neuen Bildungsplan von 2016 in Baden-Württemberg vollständig zum Opfer gefallen wäre, ist ein Irrtum. In nicht weniger als zwei Bildungsplaneinheiten[1] der Sekundarstufe I findet sich die Epochenbezeichnung explizit im Titel. Daneben haben sich im Vergleich zum Vorgänger aus dem Jahr 2004 die Begriffskonkretionen für die Sekundarstufe I in Bezug auf die Französische Revolution mehr als verdoppelt. Jüngst wurde dies vereinzelt sogar als Rückkehr „zu den traditionellen inhaltsüberfrachteten Lehrplänen“ (Pandel 2016) getadelt. Beim Streit um den besten Geschichtsunterricht sollte doch jenseits des Komplexitätsstaus mannigfach konkurrierender Kompetenzmodelle, epochenlobbyistischer Partikularinteressen und Faktenhuberei die Frage nach dem Markenkern des Faches gestellt werden. Dass sich diese nicht mit der verlockend simplen Antwort einer Aneinanderreihung von Daten und Fakten beantworten lässt, ist dem Denkfach Geschichte nur zu wünschen. – Florian Hellberg


Leserbrief zum Artikel „Richter Mundtot“ von von Julia Smilga:

Als ich das Buch Landgericht von Ursula Krächel las, war ich froh das es “nur” ein Roman war. Jetzt weiss ich, dass die Autorin Recht hatte, so funktioniert bzw. funktioniert sie  eben nicht die Deutsche Justiz. Mief von tausend Jahren unter den Talaren, trotz 68 hat sich wenig geändert. Erst hat die Generation meiner Eltern den Holocaust organisiert jetzt folgt die nächste Generation in der gleichen Weise, die Opfer verhöhnend,  nur subtiler, in dem sie mit Formularen alles ersticken will.

Ich habe die größte Hochachtung vor dem Richter Herrn von Renesse, wenigstens eine Ausnahme, bei Fritz Bauer wäre er aufgestiegen! Aber diese Feststellung dürfte in der Deutschen Justiz schon zum Nachteil gereichen. Seit 40 Jahren wohne ich in Spanien, hier ist es nicht anders: ein Richter wollte die Francozeit aufarbeiten mit dem Ergebnis das er suspendiert wurde.

Schert ein Politiker – selten genug – einmal aus dem argumentativen Mainstream seiner Partei aus, wird er, wegen fehlender Parteidisziplin,  eliminiert, sehr bedauerlich das die  “unabhängige Justiz” genauso funktioniert. – Wolf Hanke


Zu Jana Gioia Baurmanns Artikel „Sie weiß, wie man Lärm macht“:

Die Firma KTM verkauft mehr Motorräder als BMW – Dieser reißerische Titel passt nicht zum Stil  Ihrer Zeitung. In dem ansonsten sachlichen Bericht von Gioia Baurmann  wird nur noch einmal der Geschäftsführer der Firma Stefan Pierer in ähnlicher Weise beschrieben: „ .. vom Typ her wie die Maschinen (…): Er weiß, wie man Lärm macht.“.

Hier wird ein Phänomen positiv besetzt: Überall in Deutschland, innerorts, auf Bergstrecken und landschaftlich reizvollen Strecken leiden viele Menschen unter Verkehrslärm, wenn laut dröhnende Maschinen besonders am Wochenende die Gesundheit von Anwohnern und Touristen beeinträchtigen. Das Motorrad ist das weitaus lauteste Verkehrsmittel, wenn es aggressiv bewegt wird.

Wenn die DB-Killer (Schalldämpfer) entfernt werden (was illegal ist), gibt es einen besonders lauten Sound. Aber auch durch legale Auspuffanlagen mit sogenannten Klappensystemen, die sich bei einer bestimmten Motorleistung öffnen, wird brüllender Motorenlärm verursacht. Der Skandal ist, dass diese Systeme zugelassen sind und die Hersteller den laschen Gesetzesrahmen voll ausreizen. In der Überschrift zu Ihrem Artikel wird Motorradfahren reduziert auf Lärmproduktion. Kann der Motorradfahrer nicht auch ohne übermäßig lauten Sound Fahrgefühl und Natur genießen? – Monika Hahn


Zum Artikel „Im Kessel“ von Andrea Böhm:

Frau Böhm sieht auch die Bedrohung durch den IS und seinen verbündeten Djihadisten- Banden, soweit so gut. Aber warum kommen denn jetzt, wo die syrischen Truppen mit ihren Verbündeten dabei sind die Entscheidungsschlacht in Aleppo zu gewinnen, diese Alarmrufe von ihr? Sie müsste sich doch eigentlichen darauf freuen, dass der Krieg in Syrien dem Ende entgegengeht.

Frau Böhm hat wohl noch andere Ziele auf ihrer Agenda. Denn westliche Rüstungskonzerne machen mit den Kriegen im Nahen Osten gigantische Profite. Und über die Türkei und Aleppo strömen alle diese Waffen in diese Kriegsgebiete. Auf dem gleichen Weg gelangen auch  die zahlreichen europäischen Söldner zum IS. Die Profite aus den Waffenexporten sind heilig. Deshalb feuert Frau Böhm beharrlich auf den syrischen Staat und seinen gewählten Präsidenten. Schließlich braucht man in jedem Krieg ein klar erkennbares Feindbild. In ihrem Artikel  liest man:  „Syrische und russische Streitkräfte greifen vorsätzlich zivile Ziele an“. Dies wird in vielen Varianten ständig wiederholt. Syrien werden ähnlich böse Alternativen aufgezwungen, wie Israel diese mit dem Hamas- Milizen im Gaza-Streifen aushalten muss.

Es fällt auf, dass es immer nur die syrischen Bomben sind, welche die Einwohner Aleppos auf fatale Weise treffen. Die Bomben und Granaten des IS, der  türkischen Milizen und der NATO sind dagegen vergleichsweise harmlos. Daß sich viele Männer im Nahen Osten dem IS anschliessen, hat in erster Line damit zu tun, dass es in den zerstörten Staaten kaum noch bezahlte Arbeit gibt. Beim IS gibt es aber einen üppigen monatlichen Sold, bezahlt von reichen Privatpersonen aus Saudi-Arabien.

Dann geistert wieder die „demokratische Opposition“ durch Frau Böhms Kopf (in der realen Welt sind es die Waffen-Kunden aus Saudi-Arabien). Frau Böhm, warum herrscht denn in keinem der verschwundenen Staaten im Nahen Osten heute eine demokratische Regierung ? Was, wenn auch der syrische Staat verschwinden sollte. Wer wird dann wohl dort herrschen ? Wünscht sich Frau Böhm saudi-sunnitische Kalifate bis an den Grenzen von Griechenland und Bulgarien ? – Fred Uwe Prahm


Betrifft den Artikel „Was geschah vor 1789? Nicht so wichtig!“ von Louisa Reichstetter:

Geschichtsunterricht: nicht so wichtig? Eine Entgegnung:

In der ZEIT vom 4. August 2016 hat Luisa Reichstetter ein Loblied auf den neuen Rahmenlehrplan für das Fach Geschichte im Bundesland Sachsen-Anhalt angestimmt. „Einfühlung“ in Epochen, lesen wir am Rand dieser Eloge, sei dem „Faktenwissen“ allemal vorzuziehen. Sachsen-Anhalt wird der Leserschaft der ZEIT als löbliche Ausnahme von einem auf Daten und Fakten fixierten Geschichtsunterricht präsentiert. Kompetenzen, so Reichstetter, sorgten für eine begrüßenswerte „Verschlankung“ der Lehrpläne, und überhaupt sei der Geschichtsunterricht in der besten aller möglichen Welten ein „Metafach“, das u.a. für die Imprägnierung der Schülerinnen und Schüler gegen rechtsextreme Versuchungen zuständig sei.

Ich frage mich, welchen Geschichtsunterricht die Autorin und ihr Gewährsmann, der Berliner Geschichtsdidaktiker Martin Lücke, im Sinn haben,  wo noch Daten und Fakten auswendig gelernt werden und was man sich unter einem „alten systematischen, chronologischen Zugang“ vorstellen soll. Solche Vorwürfe sind wohlfeil, da anscheinend nicht begründungspflichtig. Dem Geschichtsunterricht und der Lehrerschaft tut man mit ihrer pauschalen Verurteilung indes keinen Gefallen. Wäre ich Bildungspolitiker ohne größere Sachkenntnis, würde mich unter dem Eindruck dieser Lektüre nichts daran hindern, den Geschichtsunterricht vollends abzuschaffen.

Ende letzten Jahres hat die WELT das Schreckbild einer Jugend ohne geschichtliche Kenntnisse an die Wand gemalt. Die ZEIT hält dem entgegen, auf die Kenntnisse komme es doch gar nicht an. Louisa Reichstetter deutet andererseits feinsinnig an, dass der hochgelobte thematische Geschichtsunterricht eher mehr als weniger historisches Wissen voraussetzt. Was im hochklassigen Schulpforta gelingt, muss in den Klassen der normalen Schulen noch lange nicht gelingen.

Als Geschichtsdidaktiker bin ich erfreut, dass sich die Medien des Geschichtsunterrichts annehmen. Man würde sich allerdings mehr Sachkenntnis und ein ausgewogeneres Urteil wünschen. Der kompetenzorientierte Geschichtsunterricht wird nicht nur in Sachsen-Anhalt favorisiert, sondern bundesweit. Der Beweis dafür, dass Schülerinnen und Schüler in einem solchen Unterricht besser – und was wäre das denn wohl? – und politisch wünschenswerter lernen, müsste erst einmal empirisch angetreten werden.

„Einfühlung“ ist eine Kunst aus der Mottenkiste des 19. Jahrhunderts. Mit historischem Lernen, wie Reichstetter es sich wünscht, hat es nichts zu tun, wenn Schülerinnen und Schüler Rollen spielen können. Wohl aber brauchen sie Wissen, wenn sie Rosa Luxemburg und Philipp Scheidemann gerecht werden wollen. Historisches Denken muss gelernt werden. Aber niemand lernt unabhängig von Inhalten, niemand sollte unabhängig von den wissenschaftlichen Standards eines Fachs lernen müssen. Der Geschichtsunterricht braucht Zeit, da hat die ZEIT recht. Er braucht aber auch kompetente Fürsprecher.

Der Autor ist Professor für Geschichtsdidaktik an der Humboldt-Universität zu Berlin und Vorsitzender der Konferenz für Geschichtsdidaktik (KGD), des Verbands der deutschen Geschichtsdidaktikerinnen und Geschichtsdidaktiker. Im September 2017 wird in Berlin die nächste Zweijahrestagung der KGD stattfinden, Thema: Geschichtsunterricht im 21. Jahrhundert – Prof. Dr. Thomas Sandkühler


Betrifft „Vorwärts und nicht vergessen“ von Gero von Randow:

Churchills Erkenntnis, dass: “Niemand behauptet, dass Demokratie perfekt oder allwissend ist, Stattdessen  muss gesagt werden, dass Demokratie die schlechteste Form der Regierung ist, außer allen anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind,” spricht wie Sie in Ihrem Artikel von Form. Ich vermisse den Bezug auf den Inhalt.

Ich vermisse, dass wir mit der Dritten Industriellen Revolution vor einem Paradigmenwechsel stehen, gleichzeitig in einem Globalen Dorf leben, in dem die Menschen der Zweiten Moderne ihre errungenen Menschenrechte (die Würde des Menschen ist unantastbar) verteidigen müssen gegen die, die den Staatsrechten der Ersten Moderne den Vorzug geben, und gegen die, deren Vorstellungen religiös noch dem finsteren Mittelalter entstammen. – Günther Frönicke


Zu „Von wegen ‚die anderen'“ von Sabine Rückert:

Ihre 10 Thesen finde ich toll, weil Sie sich Gedanken machen, was muss ich tun und nicht immer auf andere schauen.

1.) Kann ich bejahen.

2.) Frau Rückert, waren Sie schon mal in einer Partei? In einer Partei wird gemauschelt. Man kann sich auch vornehmer ausdrücken „Netzwerk“ schaffen. Sie sehen bei Wahlen, für den Stadtrat u.s.w. Menschen, die man noch nie bei einer Versammlung gesehen hat, das Netzwerk klappt dabei.

3.) Es wäre schön wenn, wenn es so wäre. In unserer Straße sind durch Todesfälle, die gewachsenen Strukturen auseinander gerissen worden. Die Häuser wurden verkauft, die Leute, die diese Häuser gekauft haben, kennt man nicht. Früher stellte man sich vor und erzählte woher man kommt u.s.w. Die Leute grüßen nicht einmal. Wir haben zu unseren Enkelkindern gesagt, alle Menschen die bei uns hergehen werden gegrüßt, auch wenn diese Leute nicht wiedergrüßen.

4.)Es wäre schön, wenn das so wäre. Heute werden für Sportveranstaltungen so viel Geld verschleudert, dass für die wichtigen Dinge, bei den öffentlich, rechtlichen Anstalten kein Geld vorhanden ist.

5.) Kann ich zu 100% unterschreiben.

6.) Das kann ich nicht glauben. Frau Kraft, hat öffentlich gesagt, mit ihr wird es keine große Koalition geben. Sie fiel um, warum? Diese Politiker kann ich nicht wählen. Sehen Sie sich doch den Justizminister von NRW an. Er ist noch zu jung um den Persilschein von der Adenauerregierung bekommen zu haben. Für mich ist dieser Mann kein Sozialdemokrat. Für mich sind Ihre Thesen ehrenwert.

7.) Wir haben protestiert, gegen die Wiederbewaffnung, gegen die Atomkraftwerke, gegen die Nachrüstung. Kein Politiker hat zugegeben, er konnte nicht frei abstimmen, wie es Im Grundgesetz verankert ist. Die Fraktionsvorsitzenden richten sich nach den Lobbyisten und die Abgeordneten müssen so stimmen wie der Fraktionschef es vorgibt.

8.) 100% meine Meinung. Sind die Politiker auch dafür? Gesetze sind schon
lange überfällig.

9.) 100% ja

10.) Dazu kann ich nichts sagen. – Werner Sauter


Bezugenehmend auf das Titelthema:

Demokratie im Kampf-aber nicht die Populisten sind die Gefahr:

Auch ich sehe einen Kampf, aber leider sieht der (und für alle, die in Europa genötigt sind, nun „Populisten“ zu wählen) für mich ganz anders aus.

Meine Freunde in Israel waren die ersten, die mir sagten, warte ab, Du wirst es schon noch verstehen. Sie haben Recht behalten. Dies ist ein globaler Kampf um Demokratie und Menschenrechte und die Liberalen und Linken haben diese Werte verraten, aus Angst man würde sie „Islamophoben“ oder Rassisten nennen.

In Amerika traut sich der Präsident noch nicht einmal das Wort islamistischer Terror auszusprechen, in GB finden über Jahre Vergewaltigungen von Pakistani gegen weiße Mädchen statt, die nicht von der Polizei untersucht werden, weil sie Angst vor dem Rassismusvorwurf haben, in Holland wird Theo van Gogh niedergestochen und Ayaan Hirsi Ali flieht in die USA. In Frankreich vergeht kaum eine Woche wo islamistischer Terror nicht die Nation attackiert (Tausende Juden fliehen nach Israel), in Schweden hat Malmö den 2. Platz der Vergewaltigungskapitale in der Welt erklommen und Schwimmbäder bieten nun Männer und Frauenschwimmen getrennt an, weil Muslima sich das so wünschen. In Birmingham wird die englische Fahne nicht mehr gehisst, weil Muslime sich angegriffen fühlen könnten und in Universitäten wird zur Geschlechtertrennung aufgerufen. In Brüssel wird der Weihnachtsbaum angezündet und seitdem gibt es nur einen künstlich modifizierten und in Deutschland bezeichnen sich Tausende Deutsche auf einmal als Türken. Wir sind nicht in der Lage europäische Mädchen vor Zwangsheirat und Verstümmelung zu bewahren, aber eine Masseneinwanderung soll auf einmal funktionieren?  In Deutschland ekeln sich muslimische Schüler vor den Schweinefressern (und ich werde von der einzigen Muslima auf einem Grillfest ernsthaft gefragt, ob wir denn das Schweinefleisch von dem anderen Fleisch getrennt gebraten hatten) und wo werden noch Mohammed Karikaturen gemalt?

Bekommen Sie noch mit, was in Europa passiert? Erst wenn Menschen wie Hamed Abdel Samad, Ayaan Hirsi Ali, Maajid Nawaz, Douglas Murray, Sam Harris, Richard Dawkins von der Mitte unterstützt werden, und unsere Regierungen wehrhaft unsere schwer erkämpften Werte offensiv verteidigen, dann werden die Populisten keine Stimmen mehr bekommen.

Hören Sie auf die US oder europäische Außenpolitik für die islamistische Gewalt und Herrschaftsfantasie als Gründe anzuführen (sollten wir auf diese Mafiamethoden außerdem ernsthaft eingehen und unsere Außenpolitik anpassen?), oder die „künstlichen“ Grenzen (jede Staatsgrenze ist künstlich, aber alle haben es geschafft in Frieden mit den Nachbarn zu leben, selbst Deutschland und Frankreich) oder die Globalisierung oder was auch immer. Wir hatten das doch auch alles in Europa: Solange es keine Trennung von Staat und Religion gibt, gibt es Kriege. Solange die Frau nicht gestärkt wird und es Verhütungsmittel gibt, wird es Hungersnöte und Armut geben. Aber über Verhütung wird nie gesprochen, nein die Flüchtlingslager quellen über und wir sollen helfen- ich helfe

gerne- mit Hormonspritzen, wie sie nur die Gates Foundation propagiert.

Empowerment of the women- Es funktioniert überall und hat immer Wohlstand und Minderung von Krankheiten zur Folge!

Das ist die Gefahr der Demokratie- das wir nicht klar unsere Werte verteidigen, sondern überall die Regierungen in Europa vor dem aggressiven Islam kuschen, und deshalb wählen die Menschen, die einzigen, die diese Gefahr auch sehen und benennen.

Ich lebe in Berlin. In Wilmersdorf. Ein eigentlich ruhiger beschaulicher gut bürgerlicher Bezirk. Nun gibt es hier im ehemaligen Rathaus ein Flüchtlingslager, zwei Asyl Registrierungen und noch eine 2.

Asylunterkunft. Wenn ich mit meiner 5 jährigen Tochter U-Bahn oder Bus fahre (Buslinie 104 ist die Roma und Sinti Linie, weil am Halensee ein Sinti Lager ist), ist sie oft das einzige blonde Kind.

Ohne Grenzen verlieren die Menschen ihren Halt.

Jede Gesellschaft hat innerhalb dieser Grenzen eine Evolution durchgemacht, wo sie am Ende Gesetze für dieses Gesellschaft erlassen haben. Gesetzte, die auf eine gemeinsame Geschichte, gemeinsame Entwicklung beruhen (beisp. Bade/Sauna in Finnland, Hasch in Holland, unsere Sozialsysteme), wir hatten blutige Religionskriege, an deren Ende klar war, hat alles nicht funktioniert.

Dann wurde gesagt, der wahre, der echte Sozialismus, der wird es bringen, bis man gesehen hat, den gibt es leider nicht.

Und diese Diskussion führen jetzt die Muslime. Nur leider können Sie die Erfahrungen für sich nicht machen, weil wir so schuldigen weißen Imperialisten sagen, nein nicht der Islam ist Schuld, nicht das ihr Minderheiten tötet und Frauen versklavt und mehr Kinder gebärt als ihr ernähren könnt, sondern unsere Kolonialzeit, unsere Globalisierung ist Schuld.

Wollen Sie nicht sehen, woher die Gefahr für Demokratie wirklich kommt, oder wissen Sie nicht, was in der Welt passiert? Aber ich denke, Sie werden sich nichts von dem Ansehen, was ich Ihnen als Links mitschicke, und werden mich, die bei den letzten Wahlen noch die SPD und Die Grünen gewählt hat und zu den Islamophoben (haben Sie mal recherchiert woher der Begriff kommt, wer ihn kreiert hat?) zählen, die zum Glück keine große Macht mehr hat und so „dumme“ Entscheidungen wie einen Brexit oder das Minarett oder Burkaverbot in der Schweiz verantworten könnte.

Vielleicht aber, sind wir nur nicht gefangen in einer political correctness Blase, wie die etablierten Medien und sehen, was in Israel passiert, als das was es ist: Der erste Kampf der Demokratie, der nichts mit Land zu tun hat. Und die Israelis kennen Autos als Waffen und Messer zur täglichen Bedrohung schon deutlich länger…Es ist ein Kampf der Werte, der Freiheiten, die Herr Maas so leichtfertig nun zu unserem Schutze zu Grabe trägt…

Aber für DIE ZEIT kommt die Bedrohung der Demokratie von: Populisten… – Anja Bukschat


Zu Moritz Depenbrocks Artikel „Weiter schreddern“:

Erst kürzlich habe ich meinen Kindern gegenüber von der ZEIT als „Flaggschiff des deutschsprachigen Journalismus‘“ geschwärmt, da kommt ein Kind mit dem Hühnerartikel auf Seite 22 der aktuellen Ausgabe daher und meint, es wäre ein wenig skeptisch mit dem Schiffstyp.

Grund: vierte Spalte unten in Ihrem Text:  …Schon heuer werden bereits 30 Prozent aller in Deutschland konsumierten Eier importiert…Größte Importeure sind die Niederlande und Polen… fast sechs Milliarden Eier…wurden im vergangenen Jahr von dort eingeführt.

Und? Das Kind hat recht, die Niederlande und Polen sind meinetwegen Importländer oder so, aber Importeure Ihrer nach DE gelieferten Eier ?

Mal sehen, wie ich das mit dem Flaggschiff wieder hinbekomme… – Gerhard Gavenda


Zu „Die Neugier ist riesig“, Hanno Rauterberg:

Eine sehr selbstbewusste und intelligente Frau. Ihr Interviewer hat die richtigen Fragen gestellt. Er hat sie herausgefordert. Aber was mir aber immer wieder missfällt; die Aufregung der Journalisten über anders denkende Menschen. Besonders derer die im Islam zu Hause sind. Sie hat zwar sehr gut reagiert auf die Fragen, aber warum in Gottes Namen muß das unbedingt in dieser Intensität sein. Damit macht sich keiner Freunde. Nur um sein Ego zu befriedigen ist mir zu wenig. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Unsere Arroganz“  von Elisabeth Raether:

Das Essay von Elisabeth Raether ist (in meinen Augen) eine journalistische Meisterleistung. Klasse! Danke dafür!

Es bringt die Ursachen für die populistische Attraktivität der neuen Autoritäten auf den Punkt. Nationalistische ´Autoritäten´bedienen die Wut und Sehnsüchte der Ausgestossenen und Gefallenen. Als Revolutionäre, die Identität, Sicherheit und Kontrolle schaffen, positionieren sich die neuen Führer und werden gefeiert.

Mir ist ein Zitat von Hannah Arendt eingefallen, als ich den Artikel las. „Nicht die Revolutionäre machen die Revolution, die Revolutionäre sind diejenigen, die wissen, wann die Macht auf der Straße liegt und sie sie aufheben können“……………..und zu ihren Gunsten nutzen werden.  – Michael Braun


Betrifft „Europa braucht eine Entscheidung“:

Es ist faszinierend zu lesen, wie unkritisch Federico Fubini und MarkSchieritz ihre Fragen an Jens Weidmann stellen. Was macht Weidmann? Er verteidigt das gescheiterte Konzept einer regelgebundenen Geldpolitik, die in seiner Sicht eher ordoliberal als monetaristisch begründet ist.Von diesem Verständnis von Geldpolitik sind die Notenbanken der wichtigen Wirtschaftsgesellschaften mit guten Argumenten mehr oder weniger (EZB) lang abgewichen, weil die Verfolgung einer solchen Geldpolitik in der gegenwärtigen stagnativen Konstellation ausgesprochen restriktiv, als krisenverschärfend wirken würde. Weidmann ist mit seiner Sicht deshalb auch innerhalb der Welt der großen Notenbanken isoliert. Zweitens spricht Weidmann von einem bevorstehenden wirtschaftlichen Aufschwung, den er vermutlich allein sieht, wenn wir die konjunkturelle Instabilität in den wichtigsten Bereichen der Weltwirtschaft stehen. Dieser verkündete Aufschwung soll dann die EZB auf den Tugendpfad einer restriktiv wirkenden Geldpolitik zurückführen.

Beide Fixierungen von Weidmann hätten ausreichend Anlässe für kritische Fragen geliefert, für Fragen, die nicht gestellt wurden. Dass die europäische Geldpolitik die Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik nicht mehr beachten kann, ist das Ergebnis der ideologietriefenden deutschen Austeritätspolitik, die auch das Wachstum in anderen Ländern bremst. Die internationale Kritik an der deutschen Sparpolitik müsste Wirtschaftsjournalisten eigentlich bekannt sein. Dei beiden Interviewer verstehen sich dagegen als Stichwortgeber für einen Bundesbankpräsidenten, der ungehindert „Agitprop“, also Agitationspropaganda für eine Geldpolitik betreiben konnte, die Europa sehr schnell in eine schwere konjunkturelle Krise treiben würde. Weidmann begründet seine Sicht auch nicht ökonomisch, sondern mit der Einhaltung von Regeln, die als sakrosankt gelten. Das ist eine Moral- und Tugendlehre, aber keine ökonomische Theorie. Diese Schwächen nicht aufzuzeigen, ist aus journalistischer Sicht eine vergebene Chance. Aber die ZEIT neigt zu einer tendenziellen Hagiografie der herrschenden Politik in Deutschland. Das ist angesichts der deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik besonders irritierend. –  Michael Wendl


Zu „Was macht die Autoritären so stark? Unsere Arroganz“ von Elisabeth Raether:

wäre man wirklich seriös beraten, sich einen Gewinner zu heißen, wenn man identitätslos durch die Weltgeschichte umherirrt, weil man sich des Planeten enteignet sieht? Tut man recht damit, diejenigen einen Verlierer zu heißen, welche nicht lügen, betrügen, sich dopen und sich selbst zu vermarkten verstehen? Sind es nicht viel eher alle gleichermaßen Bürger, welche es Ihnen hier beliebt in Gewinner und Verlierer zu unterteilen? Bürger, die sich allesamt den Trieben und den Bedürfnissen gegenüber hilflos ausgesetzt finden? Haben wir es hier ferner nicht eher mit einer fanatischen, lasterhaften und sittenlosen demokratischen Tyrannei zu tun, welche trotz Raucherbein zu behaupten pflegt, dass Rauchen höchst gesund sei – sich auf diese Weise zum Gespött der Menschheit machend? Wird endlich in der BRD nicht sogar die Maxime mit dem Fundament verwechselt? Wenn die Maxime Freiheit sei, was ist dann das Fundament? – Gian Rebmann


Betrifft „Unsere Arroganz“  von Elisabeth Raether:

Den Artikel von Frau Raether(4.8.16) fand ich insofern fragwürdig, da es sich sicherlich vielschichtiger verhält wie „Wir“ und „Die“. Weder kann ich mich in den aufgezählten Beispielen wiederfinden, noch zähle ich mich zur Elite. Ein elitärer Begriff, mit dem die Leser angesprochen werden. – Wolfgang Heidner-Ziebell


Zu Manuel Andracks Artikel „Unten Ohne“:

Wer kann mir bitte verständlich erklären, warum man zu kurzen Hosen „selbstverständlich keine Socken“ tragen darf? Wenigstens Fußballer und, soweit ich weiß, auch Bayern, dürfen immerhin Kniestrümpfe tragen – oder? – Albrecht Wegner


Elisabeth Raether  „Was macht die Autoritären so stark? Unsere Arroganz“:

Als ich in den 1950/60er Jahren aufwuchs, lebten wir in einem Viertel mit vorwiegend Miethäusern aus der Gründerzeit. Zu jedem Haus gehörte ein Hinterhaus, in dem vor allem die ärmeren Schichten, weitgehend Arbeiter und  Handwerker wohnten. Ich spürte zwar auch als Kind bereits diese haarfeine Trennung, die zwischen Vorder- und Hinterhaus verlief, dennoch hatte man miteinander zu tun:

Die Frauen trafen sich beim Aufhängen der Wäsche auf dem Hof oder beim Einkaufen und besprachen die neuesten Ereignisse im Viertel, wir Kinder trafen uns, ohne vorherige Verabredung, auf der Straße zum Spielen. Selbstverständlich verbrachte man die ersten vier Schuljahre gemeinsam in derselben Schule. Danach begannen die Wege sich zu trennen:

Wir Kinder aus dem Vorderhaus wechselten zum Gymnasium, die Hinterhäusler blieben auf der Volksschule. Egon aus dem Hinterhaus erschien mir beim gemeinsamen Spiel zwar keineswegs dumm, aber irgendwie sprach er anders und nie schien sich einer zu kümmern, ob er Hausaufgaben machte.
Weder seine Eltern noch seine Lehrer wären auf die Idee gekommen, ihn für die Aufnahmeprüfung  des Gymnasiums anzumelden. Wir fanden neue Freunde und man entfremdete sich von den Spielkameraden der Kindheit und dennoch blieb da eine wichtige Erfahrung fürs Leben, ein gewisser Sinn für die Werte einer pluralistischen Gesellschaft.

Heute ist dieses Viertel längst gentrifiziert, auch in den Hinterhäusern sind feine Eigentumswohnungen entstanden; man muss gut verdienen, um sich das leisten zu können. Viele Kinder gehen in bilinguale Privatkindergärten und man kennt Mittel und Wege dafür zu sorgen, dass der Nachwuchs nicht die selbe Grundschule wie das Prekariat besuchen muss, Einblicke in andere Lebensstile finden nicht mehr statt.
Frau Raethers Artikel macht deutlich, dass sich diese Ignoranz nun zu rächen scheint:

Die sich abgehängt Fühlenden, die Gekränkten, wollen den Werten derjenigen, die den Ton  angeben, nicht mehr folgen, und wir sind fassungslos und ratlos. Ohne ein Mindestmaß an gegenseitigem Verständnis und Solidarität driftet eine Gesellschaft auseinander. Demokratie muss mehr sein, als Gewaltenteilung und alle vier Jahre zur Wahl gehen. – Anna-Maria Meffert-Hooß


Zum Titelthema „Der Kampf um die Demokratie hat begonnen“:

Es geht gleich gut los: Ungeübt im Leserbriefschreiben weiß ich nicht an wen sich meine Anrede wenden sollte! An den Voluntär, der vermutlich die Leserbriefe mal danach durchsehen soll ob irgendetwas (was auch immer) verwertbares dabei ist? An „Damen und Herren“, die immer als Anrede herhalten müssen und die keiner kennt? An Anna von Münchhausen, als die Verantwortliche für die Leserbriefe oder gleich an Giovanni di Lorenzo?

Es wäre mir recht, wenn Sie sich alle meinen Brief ansehen – ich nehme mir die Zeit einen Leserbrief zu schreiben, dass habe ich bisher noch nie getan. Ich schreibe nicht, damit auch ich auch bei den notorischen Kritikern dabei bin, sondern weil Sie mich mit der „Die Zeit“

enttäuschen und, was mir insbesondere den Anlass gibt, dabei eine generelle Tendenz widerspiegeln. Die letzte Ausgabe zum Kapf um die Demokratie hat den Impuls freigesetzt – ich danke Ihnen dafür! Das wird kein Leserbrief zum Abdrucken. Ich möchte Ihnen nur einen Impuls zurückgeben.

Nach der Schule konnte ich mir gut vorstellen Journalist zu werden und ich habe einige Bücher gestandener Journalisten, die ihren Beruf beschrieben haben, gelesen. Ich habe mich dann doch für einen anderen Beruf entschieden, doch zwei Grundgedanken aus der Lektüre sind mir sehr deutlich in Erinnerung geblieben und haben mein weiteres Leben in vielerlei Hinsicht beeinflusst:

1) Finde Deinen eigenen Standpunkt – Ein Artikel als Bestätigung vorherrschender Meinungen ist kein Journalismus

2) Drei Dinge sind die Grundlage eines guten Artikels: a) Recherche, b) Recherche, c) Recherche – das braucht Zeit!

Seit meinem Studium habe ich „Die Zeit“ gelesen. Hier fand ich diese Ansprüche erfüllt. Darüber hinaus verstand „Die Zeit“ sich als ein aktives Forum, in der als wesentlich auserkorene Personen öffentlich diskutierten. Eine sehr wirksame Anregung, einen eigenen Standpunkt für die jeweiligen Themen zu finden.

Ich habe nun seit langem mal wieder Zeit, „Die Zeit“ zu lesen und bin an dem Titelthema zum Kampf um die Demokratie interessiert in die Lektüre eingestiegen.

„Was macht die Autoritären so stark?“ Unsere Arroganz? Aus meiner Sicht ein richtiger Ansatz, doch zu eng interpretiert: Die liberalen Eliten hätten die da unten verachtet. Die da unten seien Unsichere, Unbegabte, Ängstliche, seien Arbeiter, Arbeitslose, Ungelernete – white trash.

Zu eng: was ist mit den unsicheren, ängstlichen, die Lohn und Brot haben und denen es wirtschftlich, intelektuell und standesmäßig bisher richtig gut geht? Auch die wählen Trump. Auch die gehen in Dresden, Leipzig, Bochum, Köln, Düsseldorf und Kassel auf die Straße. Und das ist das

Neue: die Mittelschicht ist verunsichert, hat die Orientierung, den Rahmen, die Sicherheit der sozialen Anerkennung und Stellung verloren oder befürchten diesen Verlust. Da sind die Flüchtilinge als Thema nur augenfällig und für den vaterländischen Strang dieser Verunsicherten ein willkommenes Thema. Da sind zum Beispiel trotz guter Konjunktur Jobverluste in den Gesellschaftsklassen, die bisher davon eher verschont waren. Familienväter nehmen Gehaltseinbußen in Kauf, frisch ausgebildete Akademiker kommen nicht un Dauerarbeitsverhältnisse, die Bundesländer koordinieren nicht ihre Gesetze (z.B. Bildung) und behindern damit ökonomische Flexibilität der einzelenen und Prosperität für uns alle.

Da ist also mehr Unzfriedenheit im Land als nur die der „unteren Klassen“. Da ist ganz unterschiedliche Unzufriedenheit auf den Straßen, geäußert von Bürgern, die bisher noch nie auf die Straße geangen sind, sondern, die bisher einfach nur in Ruhe gelassen werden wollten, angepasst sind und für sich sorgen wollten. Die ihre Gebühren für die öffentlich-rechtlichen zahlen, in die Kirche gehen und bei der freiligen Feuerwehr sind (und noch viel mehr machen – ohne Murren, ohne großes Aufheben darum zu veranstalten).

Was mir fehlt, ist die differenzierte Sicht auf diese Entwicklung. Die gut recherchierte Story, die Facetten zeigt und nicht die Motive zusammensammelt, die den einen oder den anderen mainstream bestätigen.

Die Kurzfassung „Lügenpresse“ ist nicht das richtige Wort dafür, dass solche Aufbereitung Mangelware geworden ist, sondern entspringt aus meiner Sicht einer unbeholfenen Abwehr aufdringlicher Reporter, die ihre Interviewpartner vorführen und nicht wertschätzen. Das daraus beleidigte Verhalten der Presse und des Fernsehens mit den daraus resultierenden Berichten führte genau zu diesem Vorführen und damit zur Bestätigung des Vorwurfes.

Was ich nicht verstehe und was mich entsetzt: die Journalisten sind in dieses selbst hingestellte Fettnäpfchen voll hineingetreten! Wo sind die alten Hasen, die soetwas sehen, Herr di Lorenzo? Oder sind diese zu teuer geworden und durch preiswerte Novizen ersetzt worden, die auf alles anspringen?

Warum ist Trump immer der Esel und die Gefahr? Ja, er sieht so aus und seine Äußerungen beunruhigen extrem. Und deshalb müssen wir alle für Clinton sein? Wer mokiert sich über über die tapsigen Bewegungen von Hillary, die inzwischen in die Jahre gekommen ist, hält sie das Amt körperlich überhaupt durch? Wer nimmt in unserer Presse die Vorwürfe gegen Clinten so ernst, das sie ebenfalls in die Dauerwiederholungsschleife in den Nachrichten kommen? Warum ist Putin in der Berichterstattung immer der Bösewicht. Wer recherchiert für die tägliche Berichterstattung die Argumente aus Sicht von Putin? Wer nimmt die Punkte derjenigen auf, die als Russlandexperten gelten und deutlich zu anderen Bewertungen und Einschätzungen kommen (z.B. Gabriele Krone-Schmalz)? Warum findet das nicht statt? Warum erklären das nicht unsere Zeitungen?

Werden sie gleichgeschaltet? Wieso nimmt keine Zeitung diesen Vorwurf der Gleichschaltung ernsthaft auf? Weil es stimmt? Weil es zu abwägig ist? Weil die wenigen Besitzer der Presselandschaft die Macht haben? Haben sie diese?

Ich habe mit Freude zur Kenntnis genommen, dass „Die Zeit“ die höchste Auflage seit Bestehen hat. Wenn Ihr so weiter macht verliert „Die Zeit“ die gutsituierte Käuferschicht. Wacht auf! Macht gut recherchierten Journalismus und verkauft Meinungen und Behauptungen nicht als solchen.

Seit Vorbild für das, was ihr selber anmahnt!

Das mit dem eigenen Standpunkt und der Recherche ist durchaus ein Grundmodell eigener Unabhängigkeit und funktioniert auch in nicht-journalsitischen Lebenslagen: ich bin Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens und habe eine Sensibilität gegenüber Behauptungen entwickelt, die zu Handlungsfolgen führen sollen.

Behauptungen sind immer interessengebunden. Meistens nicht zum Wohle des Ganzen…

Mit freundlichen und hofnungsfrohen Grüßen für einen nachvollziehbar unabhängigen und qualitativ hochwertigen Journalismus  – Ulrich Pieschel


Leserbrief zu „Unsere Arroganz“  von Elisabeth Raether:

Gute Analyse, späte Erkenntnis. Ja, unsere Arroganz z.B. beim “erfolgreichen Wirtschaften” war und ist kaum mehr zu überbieten. Ordentliche Prozentsätze des “Volkes” haben wir in die Abhängigkeit prekärer Beschäftigungen, Zeitarbeitsverträgen und anderem Schönem gebracht und uns selber vom Staat die dafür erforderlichen “Freiheiten” inkl. aller steuerlicher Vorteile (siehe Erben) geben lassen.

Elitäres Gehabe sieht auf die da unten und liberales Wirtschaften geht autokratisch von oben nach unten. Demokratie sollte indessen von unten nach oben gehen. Jetzt dürfen wir uns einfach nicht wundern, wenn das “Volk” ebenfalls Autoritäre will, denn mit demokratischen Mechanismen und Mitteln können den “Eliten” ja offensichtlich keine Grenzen aufgezeigt werden. Es waren ja immer die auch von den Medien hofierten “Eliten”, die ganz genau wussten, wie und wo es lang geht, “alternativlos” ist das Zauberwort. Arroganz kombiniert mit Macht haben eben auch zu Blindheit geführt. Jetzt dürfen wir uns nicht wundern, wenn populistische Gruppierungen Erfolge feiern. Dumm gelaufen, aber selber schuld……. – Oskar Gröflin


Zu „Von wegen ‚die anderen'“ von Sabine Rückert:

Um die Demokratie zu stärken, fordert Sabine Rückert doch tatsächlich zum Kircheneintritt auf. Dabei ignoriert sie, dass die Demokratie gegen die christlichen Kirchen erkämpft werden musste und auch heute Religionen und Kirchen nicht auf Demokratie sondern auf Theokratie (Iran, Vatikan) setzen. Und nebenbei wärmt Frau Rückert mit ihrer Forderung noch alte Vorurteile gegen über Atheisten und Agnostiker auf, indem sie behauptet Kirchen und Glaubensgemeinschaften bewahrten davor, alles besser zu wissen. Dass die eigenen Götter die Einzigen und Richtigen sind, ist jedoch Religionen immanent.

Insgesamt gewinne ich den Eindruck, dass sich DIE ZEIT mit der Beilage „chrismon“, mit der Einführung des Ressort „Glauben und Zweifeln“, das selten das Zweifeln thematisiert und oft Klerikern ein Forum bietet, nun mit diesem Artikel einen Beitrag zur religiösen Erneuerung Deutschlands leisten will. – Roland Müller


Betrifft „Ewiger Rembrandt“ von Beat Wyss:

den Ausnahme Zeichner  Janssen aus seiner  Biografie Albrechts so nachweislos im Nazi Braunton Rembrandts herauszulesen , dazu gehört schon nett Zeitgeistigkeit in Farbsehschwäche.

Zudem , der Rezensent tut sich schwer, denn das umfassende Lob zu Janssens unentdeckten Schriftstellerkünsten, geäussert  von Günter Grass fände sich im Archiv der ZEIT  bei Minimal Emsigkeit.  Verwehte Chance ,  wenigstens diese gut bestellte Welt des Künstlers zu würdigen.

Die alleinige Herbeibeschwörung von Unzeitgemässheit, mittels eines mühsam gesehenen Antisemitismus ruft man bloss Walsers Keule in Erinnerung.

Selbstportraits konnte er bittesehr mehr als  fünftausend !  Einst zu Zeiten als sein Freund Joachim Fest seine Hitler Biografie nebenan schrieb , „Braunau Roman“ genannt von HJ (?!) da konnte er auch mal diesen Dämon.  Eben seine selbstzerstörerische Grenzenlosigkeit war das Resultat  seines Alles Zeichnen zu können und  alles besiegend zu reden.

Was macht´s , Janssen Zeichnungen wurden unlängst in Hamburger Le Claire Galerie ausverkauft. Die Nachwelt wird sich wundern, was es da einst nicht zu sehen gab,  aber schockbraun gesehen werden soll. War das die weltweite Faszination ? Picassos Tochter  sogar davon hingerissen ?

Mit den freundlichen Grüssen eines  seiner Verleger , der Janssen grad in der National Galerie von Turkmenistan ausstellen konnte – Tete Böttger


Leserbrief zum Artikel „Was macht die Autoritären so stark? Unsere Arroganz“ von Elisabeth Raether und Bernd Ulrich:

Die Verachtung der normalen Arbeitnehmer und insbesondere der Ungebildeten unter diesen durch die herrschende Klasse einschließlich des Führungspersonals der SPD seit Gerhard Schröder mag mit ein Grund für das Erstarken der Rechtsnationalen sein, aber die Hauptgründe sind meines Erachtens sehr viel handfester: Seit der Forcierung von Globalisierung und Deregulierung vor ca. 35 Jahren sind die Einkommen der meisten Arbeitnehmer inflationsbereinigt kaum gestiegen, aber die Arbeitsplätze sind unsicherer geworden, die Arbeit härter und/oder stressiger und wer seine Arbeit verliert, findet in der Regel nur einen deutlich schlechteren und schlechter bezahlten und häufig befristeten neuen Job oder stürzt sogar nach kurzer Zeit mit Hartz IV in den sozialen Abgrund. Diese Nachteile können billige Importe aus Asien nicht aufwiegen. In Deutschland, Europa und den USA hat von Globalisierung und Deregulierung nur eine kleine Minderheit kräftig profitiert, während die große Mehrheit leer oder fast leer ausgegangen ist oder sogar Verluste hinnehmen musste. Und alle hiesigen Parteien mit Ausnahme der Linkspartei haben diese Politik forciert und unterstützen sie immer noch! Kein Wunder, dass die AFD immer stärker wird! Gäbe es nicht nur irgendwelche, sondern sichere und anständig bezahlte Jobs für alle, gäbe es die AfD meines Erachtens nicht. Die „Gastarbeiter“ waren auch kein Problem, solange es genug gute Arbeit gab. – Ulrich Willmes


Zu „In guten Händen?“ von Josophina Maier:

Der Artikel über Osteopathie bei Säuglingen schien zunächst das Thema differenziert zu beleuchten. Dann aber als Konklusion eine unangemessene und unpassende  Aufforderung an die Kinderärzte, dass sich diese Gedanken machen sollten, wie man die offensichtliche Erwartung der Eltern erfüllen könne, ihnen mehr Zeit zu gönnen, ihnen zu zuhören und ihre Sorgen ernst zu nehmen, damit diese nicht zum Osteopathen laufen müssen. Da dieser Weg bereits zuvor von den Hebammen gebahnt wird, hat der Kinderarzt kaum eine Chance zur Einflussnahme.

Der Kinder-Orthopäde läßt sich seine hoch gepriesene „Zuwendung“ per Individueller Gesundheitsleistung (IGeL) mit 120 Euro vergüten, die den Eltern von der Krankenkasse erstattet werden. Im Falle einer Behandlung durch einen nichtärztlichen Osteopathen verlangen die Krankenkassen dafür wiederum von den Kinderärzten eine medizinische „Verordnung“, obwohl die Leistung laut Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) nicht als Heilmittel verordnungsfähig  ist. Der Orthopäde oder Osteopath handelt also wohl eher im Sinne eines lukrativen Praxismanagements, „auch wenn dem Kind aus medizinischer Sicht eigentlich nichts fehlt“, wie im Artikel festgestellt wird. Der Spuk wäre schnell vorbei, wenn die Kassen aufhören würden  ein nicht evidenzbasiertes Verfahren aus Wettbewerbsgründen finanziell zu stützen.

Zur Vervollständigung ihrer Recherchen: Es gibt keinen Nachweis darüber, dass der „Landarzt“ A.T. Still eine (schul-)medizinische Ausbildung im eigentlichen Sinne absolviert hat, er war daher wohl der Meinung, dass er mit seinem Therapieverfahren auch Gelbfieber, Rachitis, Hämorrhoiden und Fettleibigkeit behandeln könne. – Dr.Hebing


Betr. Raether vs. v. Randow:

Dank an Elisabeth Raether für ihre scharfsinnige Analyse der „Arroganz“ und „Ignoranz der liberalen Elite“ auf S. 2 ( Zeit, 33). Auf S. 3 äußert sich Gero v. Randow zum gleichen Thema, als wäre nicht auch er gemeint, im altgewohnt selbstgerechten Stil derer, denen Frau Raether anlastet, dass die „Autoritären“ immer stärker werden. Er bestimmt, was demokratisch korrekt ist, was sich gehört und was nicht. Es genügt nicht, in einem Halbsatz zwar zuzugeben, dass „die Bürger von den Politikern oft allein gelassen“ wurden, aber im übrigen deren Sorgen nicht ernst zu nehmen und differenziert darauf einzugehen, sondern die, die anders denken als er, als „rassistisch“,“völkisch“, „populistisch“, „illiberal“, „demokratiezerstörend“ zu diffamieren. Frau Raether geht auf die „Abgehängten“ zu und versucht sie zu verstehen. Herr v. Randow sitzt in seinem linksliberalen Elfenbeinturm und belehrt nur und erteilt Zensuren. – Janbernd Geuting


Zur Abbildung „Schlechte Karten für die Demokratie“:

„Schlechte Karten für die Demokratie“ ist wohl im wörtlichen Sinn gemeint: Die Karten sind wirklich nicht nur schlecht, sondern steigern die übliche akritisch vorgefasste Meinung der ZEIT zu einer mehr als bedenklichen Form der Desinformation. Wie kann man von 2006-2016 den ganzen Gürtel um Russland bis einschliesslich Ukraine und Türkei als „Demokratien oder auf dem Weg dahin“ ausgeben und Russland mit vorderasiatischen und norkdafrikanischen Staaten, wie Syrien, Irak, Saudi-Arabien, Ägypten, Lybien, usw., Ländern in denen z.T. ein blutiger Bürgerkieg herrscht und keine autokratische Regierung in Sicht ist, in einen Topf werfen? Hat ihr Reporter oder Kartenzeichner vergessen, dass in den Jahren 2006-2007 der prorussische Janukowytsch und von 2007 bis 2010 die Oligarchin Tymoschenko Regierungschefs der Ukraine waren? Dabei hat auch „Autokratie“ viele Schattierungen und ich sehe doch einen erheblichen Unterschied zwischen Russland und z.B. Saudi-Arabien. Ich wünsche mir von der ZEIT eine etwas kritischere und ausgeglichenere Berichterstattung. – Prof. Michaela Böhmig


„Mischt euch ein!“ von Thomas Fischermann und Christof Siemes:

Natürlich braucht Olympia den Aufstand der Anständigen! Aber nicht nur Olympia, auch sonst gilt, wie Stéphane Hessel geschrieben hat „empört euch“.

Aber –  gibt es überhaupt noch genügend Anständige auf dieser Welt, genügend Menschen, ja nicht zuletzt Prominente, mit Zivilcourage mit klarer, auch am Verhalten erkennbarer Meinung?

Haben es durchaus finanziell abgesicherte Spitzensportler nötig, in Unrechtsstaaten zu starten, von Despoten die Hand geschüttelt zu bekommen?

Angesichts von Terror, Flüchtlingspolitik, EU Desaster mit Brexit und Griechenlandpleite, Türkei mit Diktator Erdogan, Rechtspopulismus,  Dopingsumpf, Bankenpleite, Korruption und gnadenlosem Lobbyismus habe ich meine Zweifel. Politiker, die Lebensläufe fälschen, als Berater in der Industrie vom Saulus zum Paulus werden,  akademische Grade erschwindeln, Manager, die Bilanzzahlen und Abgaswerte manipulieren, Sportfunktionäre, die sich korrumpieren lassen, steuerflüchtig sind, erhalten Bundesverdienstkreuze und werden zu „Lichtgestalten“ hoch gejubelt. Da werden doch Begriffe einer Zivilgesellschaft wie Integrität, Glaubwürdigkeit, Anstand, Konsequenz zur Farce.

Es hätte zum Inhalt Ihres Artikels gut gepasst, wenn Sie Robert Harting mit seiner klaren Stellungnahme zur Haltung des IOC und seines Präsidenten in Sachen Systemdoping als Beispiel für einen Aufstand eines Anständigen erwähnt hätten.

Ansonsten bleiben Sie dran, freier unabhängiger Journalismus ist eine tragende Säule der Demokratie. Er ist nötiger denn je! – Dr. Bernhard Genzel


Leserbrief zu „Was macht die Autoritären so stark? Unsere Arroganz“ von Elisabeth Raether:

„Der Schreck ist groß.“ Sehr treffend! Wir sind erschrocken, weil die Welt um uns herum nicht so ist, wie wir sie gerne hätten. Nicht Klimaveränderung oder Finanzkrise, nicht Islamismus oder Flüchtlingskrise verunsichern uns, sondern die vielen Mitmenschen, die anders denken und anders wählen als wir. Die wollen nicht mehr die glatt gebügelten Traditionsparteien. Die wählen AfD, Le Pen, Trump, Putin, Erdogan. Die wählen laute Sprüche und starke Führer. Warum?

Weil wir, die wir die ZEIT lesen und die Tagesschau gucken, zum guten Italiener essen gehen und alle schon mal in der Toscana waren, die Welt der anderen nicht mehr kennen. Im „Tatort“ dürfen wir manchmal ein wenig hinein sehen, doch drinnen waren wir noch nie. Die Chefs gehen nicht in die Kneipen ihrer Leih-Arbeiter, die Lehrerinnen waren noch nie im Wohnzimmer ihrer Schulkinder, die Sachbearbeiter noch nie in einer Moschee. Die Welt der Parallel-Gesellschaften lässt sich nicht länger durch Soft-Demokratie regieren. Jetzt ist Hinschauen, Hinhören, Hinriechen und Hingehen gefragt. –  Werner Bohn


Leserbrief zum Artikel „Unten Ohne“ von Manuel Andrack:

Kurze Hosen! Das musste ja früher oder später mal kommen- ein Plädoyer für kurze Hosen!
Um das gleich mal klar zu stellen: Kurze Hosen bei erwachsenen Männern sind eine Zumutung für die Umwelt!

In der Architektur sind wir das schon lange gewohnt, diesen Verlust an Gespür für Harmonie und Proportionen, der „moderne „ Städte und Neubausiedlungen kennzeichnet – allerorts ein Anschlag auf den guten Geschmack. Hierzu hat übrigens der Prince of Wales, ein Mann mit ausgewiesener Stilsicherheit, schon vor Jahren deutliche Worte gefunden.

Aber diesen guten Geschmack haben ja auch immer weniger Zeitgenossen, jede  beliebige Fußgängerzone führt uns das täglich unbarmherzig vor Augen: Farbzusammenstellungen, die bestenfalls schmerzlich genannt werden können, Hemden (vorzugsweise kleinkariert), die über der Hose getragen werden, schlappende Turnschuhe mit offenen Schnürsenkeln, weiße Socken – und eben kurze Hosen bei Männern.

Es gibt Dinge, die tut Mann einfach nicht; die Zurschaustellung unbedeckter Männerbeine in der Öffentlichkeit gehört unbedingt dazu. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Beine nun kalkweiß oder angebräunt, ob sie rasiert oder behaart sind – sie gehören in eine lange Hose! Der Mann in Shorts bietet einen lächerlichen Anblick, man kann ihn einfach nicht ernst nehmen, schlimmer noch: er ist eine ästhetische Belastung für den Betrachter.

Ihr Autor irrt, wen er unterstellt, dass die Kritik an Männershorts sexistisch sei, weil „Frauenknie, immer gern gesehen…“ sei. Frauen bringen es ebenso fertig, mit rücksichtslosen Entgleisungen ihrer Kleidung geschmackliche Verheerungen anzurichten: Leggins, die mindestens drei Nummern zu klein sind, Jeans, die schon beim Kauf so aussehen, als hätte man sie einem Unfallopfer vom Leib gezogen, T-Shirts, die Körperzonen präsentieren, die man besser nicht sähe – getragen wird einfach alles. Man mag über die Burka kontrovers diskutieren – in vielen Fällen wäre sie ein Gewinn für alle Beteiligten.
Zurück zur kurzen Hose. Natürlich ist sie luftiger bei heißem Wetter, sicher setzt es sich dann bequemer – ist Bequemlichkeit das Maß der Dinge? Vieles spricht dafür, nicht zuletzt die mangelnde Differenzierung bei der Bekleidung. Egal, ob Hochzeit, achtzigster Geburtstag, Einkauf oder Firmenjubiläum: Bluejeans, offenes Hemd und Turnschuhe gehen immer. Das ich mit meiner Kleidung dem Anderen gegenüber Respekt ausdrücke (oder eben nicht), ist den meisten entweder nicht bewusst oder egal – Hauptsache bequem und man muss sich keine Gedanken machen. Interessant ist, dass selbst Ihr Autor zur Beerdigung nun doch keine kurze Hose tragen würde – ein minimaler Rest an intuitivem Gespür für die Unangemessenheit der eigenen Erscheinung scheint überlebt zu haben!

Was ist zu tun? Natürlich lässt sich die kurze Hose in der Öffentlichkeit nicht verbieten, das wäre ja zutiefst undemokratisch und unpopulär! Das Recht auf die eigene Lächerlichkeit ist unantastbar, aber muss es  zum Nulltarif zu haben sein?

Ich schlage eine Vignetten-Regelung vor, ähnlich dem System bei den schweizerischen Autobahnen: Pro Hose und Jahr ist vom Träger gegen eine Gebühr eine Plakette zu erwerben und sichtbar an der Hose anzubringen; die Farbe (der Plakette) wechselt jährlich. Zwar ändert das nichts an der geschmacklichen Belastung, aber der Verursacher dieser ästhetischen Umweltemission würde wenigstens die Allgemeinheit entschädigen – wie sich ja auch Industriebetriebe mit Geldzahlungen von Schutzbestimmungen freikaufen können oder von Verpflichtungen zur Einstellung von Behinderten.
Ansonsten gilt: Männershorts nur innerhalb blickdicht eingefriedeten Privatgeländes oder in dafür ausgewiesenen Regionen. Am Strand und in Freibädern weiß schließlich jeder, dass er dort auf alles gefasst sein muss… – Bodo Peters


Betrifft „Was macht die Autoritären so stark? Unsere Arroganz“ von Elisabeth Raether:

Danke Frau Raether, Sie sprechen mir aus der Seele. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist, sich von liebgewonnenen Selbstgewissheiten zu verabschieden. Das erfordert Denkarbeit, Einsicht und Mut. Aber es lohnt sich. Der freie Blick über den eigenen Tellerrand wird wieder möglich, die wohl wichtigste Voraussetzung, den neuen Herausforderungen in einer veränderten Welt zu begegnen. – Konrad Sauheitl


„Unten ohne“ von Manuel Andrack:

Gender at his best. Ein sehr, sehr wichtiger Beitrag zur gerade erst beginnenden noch embryonalen Emanzipation des männlichen Beines. Aber der Autor selbst verfügt auch noch nicht über den doch so notwendigen und nachhaltigen Kompetenznachweis. Er ist seit längerem bereits hospitierender Saarländer und konnte sich zunächst dort vor Ort schon einmal mit dem Thema in keinster Weise durchsetzen. Ist auch schwierig, denn hier regiert der Feind, die Gegner, die Frauen also. In einer großen Koalition. Und geben sozusagen per ordre de mufti sprich Regierungsbeschluss vor: „Männer in kurzen Hosen sind und bleiben peinliche Zausel“. Zugegeben, dagegen ist schwer anzukommen. Hier dazu ein erhellendes Beispiel aus der Praxis: Mein Golfkumpel, ein vornehmer, kluger Hanseat mittleren Alters und seit mehr als 10 Jahren hier lebend und arbeitend trägt ab Mitte März bis Ende Oktober unablässig sehr modische kurze Hosen. Er begründet dies auch stets, schon gemäß seiner Herkunft, mit dem natürlichen, schönen Satz: „Der Wind ist mein Freund.“ Die ebenso vornehmen wie maßgeblichen Damen des Clubs hingegen kommentieren dieses sein Verhalten mit folgenden Worten: „Was hat der denn heute wieder für ein grässliches Schnellfickerhöschen an? Unmöglich!“ Ja, ja der Weg ist weit und steinig. Und alleine schon das Titelbild des Artikels in der „ZEIT“ gibt ihnen auch noch Recht. – Theo P. Pitzer


Leserbrief zu „So rot wie die Gefahr“ von Susanne Mayer:

mit großem Interesse und voller Vorfreude auf Pedro Almodóvars Film „Julieta“ habe ich Ihre Rezension gelesen.Alle Almodóvar-aficionados werden sich nach der glänzend geschriebenen Kritik noch viel mehr auf den Film freuen! Ich fand es nur schade, daß Alice Munro als Ideengeberin dieses Films nicht erwähnt wurde. In dem kleinen bei S. Fischer erschienenen Buch „Tricks“ kann man die drei Kurzgeschichten „Entscheidung!, „Bald“ und „Schweigen“ lesen, nach deren Lektüre man den Film noch intensiver genießen wird, auch wenn die Handlung von Kanada nach Spanien verlagert wurde. Bleibt noch zu erwähnen, daß Alice Munro die Lieblingsschriftstellerin Almodóvars ist. Meine auch! – Traute Burgdorf


Zum Aritkel „Von wegen ‚die anderen'“ von Sabine Rückert:

Die Demokratie westlicher Prägung, die selbst ein Ostdeutscher wie ich inzwischen als selbstverständlich ansieht, steht vor harten Prüfungen. Da ist es gut, wenn sich jeder Gedanken über seinen Beitrag zum Schutze dieser Demokratie macht. Auch Frau Rückert hat dies getan. Ergebnis ist eine Liste von 10 guten Taten (oder Geboten?). Mit der zehnten kann ich mich allerdings gar nicht anfreunden: der Eintritt in die Kirche wird hier vorgeschlagen als letzte  Tat zur Verteidigung der Demokratie.  Taugt die Kirche mit ihrem anachronistischen Anspruch,  die ewige Wahrheit zu kennen, als Hort der Demokratie? – Dr. Georg Kelm


Zum Artikel „Was geschah vor 1789? Nicht so wichtig!“ von Louisa Reichstetter:

Der Mangel an Wissen über die Evolutionslehre und die Anthropologie führte dazu, dass die Nationalsozialisten mit der erfundenen Rassentheorie (des französischen Schriftstellers und Diplomaten Joseph Arthur Comte de Gobineau) den Antisemitismus bestätigten: die jüdische Rasse. Das glauben noch heute dumme Leute!

Der Mangel an Wissen über die Entwicklung der Musik führt dazu, dass der überwiegende Teil der Jugend (auch mit Matura, Abitur) so gut wie keine Ahnung von Musik außerhalb der Pop-Musik haben. Oberster Abortdeckelhorizont: AC/DC, Helene Fischer und Gabalier.

Der Mangel an Wissen über Kunst und Kultur führte und führt noch immer zum Kunstverständnis der Ahnungslosen: „entartete Kunst“. Der Mangel an Wissen über die Folgen des Unwissens führt zu Diskussionsbeiträgen, die uns unsere Kinder und Enkel zurecht vorwerfen werden.

Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky hat wiederholt gefordert: „Lernen Sie Geschichte!“. Der heutige Ministerpräsident Sachsens, Stanislaw Tillich kündigte immerhin an, den Geschichtsunterricht wieder verpflichtend zu machen; und zwar als eine Art Präventionsmaßnahme gegen Rechtsextremismus. Sehr späte Einsicht.

Der Mangel an Wissen über die EU, über Wirtschaft, Finanzen, Banken, Versicherungen, über Demokratie führt bei den Ahnungslosen zu Unzufriedenheit, zu Orientierungslosigkeit und in die Fangarme eines erlauchten Führers, der alles besser machen könnte.

Wenn da noch irgendein Verantwortlicher – egal in welchem europäischen Land – bisher nicht begriffen hat wie wichtig Geschichtsunterricht ist, der gehört dazu verurteilt, tagtäglich eine ganze Stunde lang AC/DC in Konzert-Lautstärke zu erdulden. Strafe muss sein! Gabalier ist auch hart! Und zwar so lange, bis der permanente Geschichtsunterricht flächendeckend gesetzlich garantiert ist.  – Johann Ernst


Zum Titelthema:

Welche Demokratie meinen Sie? Wir haben eine ausgehöhlte repräsentative Demokratie, die eine beträchtliche Anzähl von Bundesbürger_innen weiterentwickeln wollen zu einer „lebendigen Demokratie“ – in derdie Bürger, nicht die Lobbyisten das Entscheidende sagen – siehe die Kampagne „Frischer Wind in den Bundestag“ (direkktkandidaten.info).

Wir, eine kleine Gruppe befreundeter, freiheitsliebender DemokratINNEN rufen im Internet mit Erfolg: Neue integre Politiker-Persönlichkeiten (außerhalb der Parteien) braucht das Land und es braucht neue,lebendige, fruchtbare Beziehungen zwischen engagierten, kompetenten Bürgern und ihren Gemeinwohl-interessierten, kompetenten Abgeordneten.

Vor knapp 2500 Jahren charakterisierte der griechische Staatsmann Perikles die demokratische Gesellschaft mit einem einzigen Merkmal: In einer demokratischen Gesellschaft werden die Mehrheitsinteressen duchgesetzt. Ist das bei uns so? Vertreten die Politiker in Berlin und Paris wie in Brüssel nicht bereits seit Jahrzehnten die Interessen der kleinen Gruppe Wirtschafts-und Finanzmächtiger? Stünde an der Spitze der EU andernfalls Junckers, der Konzernen tatkräftig geholfen hat, den europäischen Staaten 5 Billionen Euro Steuergelder vorzuenthalten und in drückende, abhängig machende Schulden  zu treiben?

Bei uns hat die Demontage der sozialen Marktwirtschaft, die die Mehrheit der Gesellschaft geschützt hat vor der möglichen Gier, der Wachstums- und Ausbeutungslust des reichsten 1 Prozent der Gesellschaft, gezeigt, dass nicht mehr die Politik der Wirtschaft den Rahmen setzt, sondern die Wirtschaft den Raum bestimmt für das Handeln der Politik. Negation der Demokratie. Mit den politischen Instrumenten CETA, TiSA und TTIP soll das Ziel der Neoliberalen, sprich des reichsten 1 Prozentes der Gesellschaft und ihres Anhanges vollends erreicht werden: die Degradierung auch der europäischen Staaten  zu Werkzeugen der privatwirtchaftlichen Interessen  der Konzerne und großen Finanzunternehmen, die Aneignung Europas unter dem (antidemokratischen, Menschen-mißachtenden) Primat des Profites ( in allen Lebensbereichen – pervers).

Konzerne verhalten sich nach wissenschaftlicher Analyse und unserem eigenen Erleben wie SOZIOPATHEN, dem conträren Typ zum Demokraten. Wollen Sie uns von unseren tatsächlichen Gegenspielern ablenken, indem Sie ein Ersatz-Feindbild aufbauen in Gestalt der krisenängstlichen, geistesarmen Rechtspopulisten? Offenkundig wurzelt der Kollektivismus dieser Personenkreise in einer schwachen Ich-Identität. Menschen mit  schwacher Ich-Identität haben   in der Geschichte immer Halt gesucht in kollektiven Identitäten, die sich charakterisiert haben durch Ausschluß anderer, also Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, religiösem Rigorismus, dem feindseligen Entweder-Oder -Denken und der Gier nach Größe und Glorie der eigenen „Gruppe“. Diese  Menschen mit geringem Selbstvertrauen und geringem Selbstwertgefühl ( Narzissmus ist die Kompensationsstrategie) sind heute weltweit   noch die Mehrheit.  Menschen auf dieser Bewußtseinsstufe  brauchen den Halt  und die Bestätigung eines möglichst starken Kollektivs und setzen sich bis zum Fanatismus für dieses Kollektiv ein, da sie sich – ob Nationalisten oder religiöse Fundamentalisten – mit ihm identifizieren (siehe die wüsten Lektionen des 20. Jh.).

Die gesellschaftlich produktive, friedfertige Frage  lautet:  Was brauchen diese verschreckten, unsicheren Mitbürger_innen? Wie können wir ihnen auf Augenhöhe die Chance zeigen, die in der Krise steckt, und sie anregen, mit uns zusammen eine neue Sicherheit zu erarbeiten? – Gunhild Bohm


Zu „Eine Frage der Lehre“ von Miriam Gebhardt:

Privatdozenten werden von den Universitäten nicht bezahlt. Schon August Goethe musste beim Fürsten ohne Salär arbeiten, in Hoffnung auf eine Anstellung. Während  normale Studenten auf Kosten des Staates studieren, bekommt der Privatdozent ggf. nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn von € 8,50 p.h.! Wie stellt die Universität das nur an? Habe von einem Dozenten die Bestätigung für diesen eigentlich unglaublichen Sachverhalt erhalten. Und das im 21. Jahrhundert! Aber Mali ist der BRD wichtiger. Das Problem unserer Zeit scheint mir zu sein; nichts passt mehr zueinander! „Unter der Zikuskuppel (Reformzirkus/Elefantennummer), ratlos“! – Burkhard Breslauer


Zum Artikel „Richter Mundtot“ von Julia Smilga:

Der Anfang Ihres Beitrages las sich wie ein Bericht über die Justiz in den Fünfzigerjahren, als die wenigen mutigen Juristen wie Fritz Bauer gegen die „herrschende Meinung“ der entnazifizierten Richter antraten. Erst nach und nach wurde mir bewußt, daß hier tatsächlich im Jahre 2016 ein Kollege mit einem Disziplinarverfahren überzogen wird, weil er den Ruf seiner Gerichtsbarkeit geschädigt haben soll. Ein Richter, der sich nicht an arbeitsökonomisch motivierte Beschlüsse des Präsidiums hielt, sondern das getan hat, was die Kläger von ihm erwarten, nämlich unvoreingenommen an die Fälle heranzugehen und alles zu tun, um Gerechtigkeit herzustellen wird deswegen selbst vor Gericht gestellt. „Die Richter sind unabhängig und nur dem Gesetze unterworfen.“ Muß man heutzutage wirklich bis zum Bundesverfassungsgericht gehen, um dieser eindeutigen Aussage des Art. 97 Abs. 1 des Grundgesetzes zur Wirksamkeit zu verhelfen? Dies erscheint auch deshalb unfaßbar, weil dieser kafkaeske Prozeß gegen einen Richter in einem Bundesland stattfindet, das traditionell von der SPD regiert wird, einer Partei also, die aus bitterer Erfahrung sehr genau weiß, was passiert, wenn die Richter nicht mehr unabhängig sind. Sehr verehrte Herr Kollege von Renesse, ich bewundere Ihren Mut und bin gleichzeitig entsetzt, daß es dieses Mutes bedarf, um die richterliche Unabhängigkeit zu bewahren. Dies zeigt, daß auch bei uns der Rechtsstaat jeden Tag neu erkämpft werden muß, auch von Richtern, und zwar nicht nur gegen die Verwaltung, sondern manchmal auch gegen die eigenen Kollegen. Ich danke der „Zeit“, daß sie mit diesem Artikel einen wichtigen Beitrag geleistet hat. Manchmal brauchen Juristen Journalisten, manchmal ist es umgekehrt. – Michael H. Korinth


Leserbrief zu „In guten Händen?“ von Josophina Maier:

Ich war sehr überrascht über den Artikel bezüglich Osteopathie bei Babys in ihrer letzten Ausgabe. Ich bin selbst Osteopathin und habe sehr viel Zeit und Geld in meine Ausbildung und Weiterbildung investiert. Allein durch die Überschrift wird vermittelt, bei der Osteopathie handele es sich um eine gefährliche Angelegenheit. Es wird so dargestellt, als ob Osteopathie eine reine Hexen-Wissenschaft wäre und man mit etwas Glück an einen Orthopäden und Osteopathen gerät, der einem dann VIELLEICHT nicht schadet.

Zum einen sind Physiotherapeuten und Heilpraktiker mit der (mindestens 5-jährigen) Zusatzausbildung zum Osteopathen sehr wohl in Differenzialdiagnose geschult. Die ganze Prüfung zum Heilpraktiker basiert auf dieser Grundlage und ist vom abgefragten Wissen mit dem Physikum des Medizinstudiums zu vergleichen.

Zum anderen wird auch während der Osteopathieausbildung darauf geachtet, dass jeder Therapeut erkennt, wann er einen Patienten zum Arzt schicken muss für weitere Untersuchungen. Und: kein Osteopath in ganz Deutschland wird den Eltern raten, die gesetzlich verpflichtenden Untersuchungen bei Kindern nicht zu machen. So hat also der Arzt im Zweifel noch die Chance, das Kind vor dem sicheren Abgrund durch die osteopathische Behandlung zu retten.

Um an ihrem Beispiel des Hirntumors anzuknüpfen: eine Bekannte wurde seit geraumer Zeit vom Orthopäden behandelt wegen ständiger Brustwirbelsäulenschmerzen. Es hat sich hinterher herausgestellt, dass die Beschwerden als Ursache einen nicht erkannten Bauchspeicheldrüsenkrebs hatten. Sie ist daran gestorben. Sind jetzt alle Orthopäden gefährlich? Ich denke genausowenig wie alle Osteopathen gefährlich sind.

Dass ein Osteopath eine Meinung über Impfungen kundgetan hat, die er besser für sich behalten hätte, ist tragisch. Unsere Kinderärztin hat uns jedoch das Gleiche Ärztin empfohlen. Also müssen auch alle Kinderärzte gesundheitsschädlich sein.

Und ja: ein Orthopäde kann eine Röntgenaufnahme bei Babys veranlassen, allerdings ist ein „Einrenken“ bei Babys so gut wie nie nötig. Wenn man sich vorstellt, welche Kräfte bei der Geburt auf einen Babyschädel einwirken und ihn verformen damit er durch den Geburtskanal passt, kann man sich auch vorstellen, dass der Körper eine Elastizität aufweist, die Manipulationen mit viel Kraft unnötig machen. Hier ist vielleicht sogar das trainierte Fingerspitzengefühl eines ehemaligen Physiotherapeutens eher von nutzen als das Röntgengerät des Orthopäden.

Natürlich ist es auch richtig und logisch, dass die Kosten für die Kassen explodiert sind. Das lässt aber doch nur darauf schließen, das viele Patienten das Angebot dankend annehmen. Warum? Weil ihnen geholfen wird. Was ist im Gegenzug mit den Kosten die eingespart wurden? Für eine Operation der Bandscheibe ohne Reha, MRTs und Medikamente kann man schon circa 80 mal osteopathisch behandelt werden. Was ist mit den schädigenden Nebenwirkung einer Langzeitmedikation? Nicht nur die Medikamente, auch die Folgekosten müssen abgedeckt werden.

Leider existieren tatsächlich wenig anerkannte Studien. Es gibt jede Menge Studien die die Wirksamkeit belegen, allerdings leider mit geringer Teilnehmerzahl, wodurch vielerseits die Validität in Frage gestellt wird. Es ist schwerer eine ganzheitliche Therapie bei hunderten Patienten zu vergleichen als einen Fragebogen nach einer Medikamentengabe ausfüllen zu lassen. Außerdem ist es schwierig, große Studien durchzuführen, wenn keine finanzstarke Pharmaindustrie einem den Rücken stärkt. Ich stimme zu, dass weitere Studien zur Belegung der Wirksamkeit gut wären.

Trotzdem könnte ich jedem zweifelnden Kinderarzt erklären, warum ich die Behandlung des jeweiligen Säuglingen für sinnvoll erachte. Oft wird bei Babys eine Kleinigkeit erkannt, die sich von selbst verwachsen könnte. Aber warum soll man einem Säugling nicht die besten Voraussetzung geben und ihm eventuelle Schmerzen ersparen? Was wenn es sich nicht von allein verwächst? Soll man mögliche Schäden in der Entwicklung in Kauf nehmen, wenn man mit wenigen Handgriffen helfen könnte? Warum soll man Beschwerden erst chronisch werden lassen?

Es ist wahr, dass spektakuläre Behandlungen nicht das Ziel von Osteopathen sind. Die Resultate sind jedoch häufig spektakulär, so dass sich die Notwendigkeit nicht ergibt für den Beobachter eine unnötige Show vorzuführen. Gerade bei Babies ist ein sanftes Vorgehen angebracht.

Es stimmt dass es in Deutschland leider keine einheitliche Regelung und auch noch keinen Schutz des Titels Osteopath gibt. Daran arbeiten die Berufsverbände seit langem und es wäre sehr wünschenswert, diesen Zustand zu ändern. Daher ist es ratsam, sich zu vergewissern, dass der Osteopath die volle Ausbildung absolviert hat, und im besten Falle auch noch eine extra Fortbildung für Säuglinge. Hierfür gibt es Listen der Verbände im Internet und im Normalfall gibt jeder Osteopath bereitwillig Auskunft.

Beachtlich ist jedoch, dass in anderen Ländern der Osteopath genauso anerkannt wird, wie Ärzte und Therapeuten, und das auch ohne vorher Orthopäde oder Physiotheraoeut gewesen zu sein. Auch ohne von deutschen Schulmedizinern anerkannte Studien schwören die Patienten auf die Wirksamkeit. Wie lässt sich der Erfolg erklären? Irren sich die Hebammen und damit genau die Fachkräfte die nur für Babies und deren gute Entwicklung zuständig sind? Bestimmt bilden sich die Säuglinge, Eltern und Hebammen die bessere Stabilität, Beweglichkeit, Trinkstärke  und Ausgeglichenheit nur ein. Und sicher setzten auch in anderen Ländern die Eltern die Gesundheit bereitwillig für Hokuspokus aufs Spiel.

Wenn dem rational-schulmedizinischem Kopf etwas graust, was er nicht studiert hat, sollte er sich vielleicht lieber für eine Zusammenarbeit öffnen. Fehldiagnosen werden von Ärzten oder Osteopathen wohl auch in Zukunft gestellt werden. Durch eine engere Zusammenarbeit, ließe sich dieses Risiko eventuell verkleinern.

Natürlich soll man über jedes Thema kritisch berichten dürfen und es gibt auch unter den Osteopathen schwarze Schafe. Ich hätte mir von der Zeit aber eine intensivere und fundiertere Hintergrundrecherche gewünscht. Der Artikel wirkt leider etwas wie der Monolog eines verbitterten Schulmediziners oder wie vorgeschrieben von einem Lobbyverband. – Britta Krause


Betrifft „Ewiger Rembrandt“ von Beat Wyss:

Der Beitrag von Beat Wyss ist perfide, dumm, historisch falsch und bezieht sich in seiner Argumentation auf willkürliche Bemerkungen ehemaliger Größen der Kunstkritik. Es geht mir dabei nicht um die Janssen Biografie von Henning Abrecht, noch um den Privatmann Janssen, das Privatleben anderer Menschen interessiert mich rein garnicht, sondern um die widerliche Diffamierung des Künstlers. Einem Zeichner vorzuwerfen, daß er sich an Rembrandt orientiert, ist genauso absurd, als würde man einem Pianisten faschistoide Gesinnung unterstellen, weil er Beethoven spielt.

Das erwähnte Buch Langwehns „Rembrandt als Erzieher“ ( der Titel bezieht sich wohl auf Nietzsches „Schopenhauer als Erzieher“), mag eine fatal antisemitische Wirkung gehabt haben. Aber es fällt mir nicht zum ersten mal auf, daß man damit Rembrandt gleich mit in einen reaktionären Zusammenhang nationalsozialistischer Gesinnung stellt. Das ist falsch, weil Rembrandt ganz bestimmt kein Antisemit wahr, er hatte private und geschäftliche jüdische Freunde, seine Bildwelten sind vom Alten Testament inspiriert, der Mystik der Synagoge näher als der bilderstürmerischen Moderne des Protestantismus.

Ein Kunstwissenschaftler sollte das wissen, Beat Wyss aber bedient devot die intellektuellen Dogmen aus dem Müll von vorgestern. Er zitiert Bazon Brock 1970, der doch zuletzt dem mit Hitlergruß berühmt gewordenen Jonathan Meese mit Begriffen zu sekundieren versuchte, um selbst nocheinmal wichtig zu scheinen. „Bazon Brock hat die Herkunft von Janssens Denken aufgespürt,…. einen aufgeschwemmten Leib in dem die deutsche Innerlichkeit tobt“. Bei der Behauptung spüre ich wie der Geist der Gestapo in Verkleidung ein Opfer sucht. Auch das Zitat Erwin Panofsky`s ist eine willkürliche, schwer nachzuvollziehende Unterstellung, aus Jannssen Oeuvre ist sie beim besten Willen nicht heraus zu analysieren.

So bleibt auch fraglich was die Erwähnung Werner Hofmanns soll, dem man vorwerfen muss Janssen in der hamburger Kunsthalle nicht angemessen gezeigt zu haben. Das tat erst sein Nachfolger Schneede, der sich aber nicht entblödete eine Ausstellung mit dem Titel „Rembrandt ja oder nein“ ( oder so ähnlich ) gemacht zu haben. Die Rembrandtphobie war weit verbreitet. Übrigens ist die Tendenz alle kunsthistorischen Phänomene als Wegbereiter für die eigene modene banale intellektuelle Existenz umzudeuten die eigentliche Vergewaltigung der Wahrheit.

Daß Janssen sich dem zeitgenössischem Kunstdiskurs entzogen habe, der nichts anderes als eine Arbeitsbeschaffungmaßnahme für Absolventen der philosophischen Fakultät war und ist, die damit die Theorie als Praxisform etablieren konnten, ist nur verständlich. Angesichts so bornierter Kritiker wie Beat Wyss kann man sich ja nur besaufen und randalieren; Horst Janssen provozierte Kritiker und hohe Priester der Kunst, die nichts mehr hassen als Genie, als alles was ohne Begriff allgemein gefällt. Denn es würde sie überfüssig machen. Bleibt die Frage warum Janssen nie an der HfbK gelehrt hat? – Jan Klink


Leserbrief zu „In guten Händen?“ von Josophina Maier:

Viele Eltern ernähren ihre Säuglinge – im Glauben, ihnen etwas Gutes zu tun. Im schlimmsten Fall setzen sie dabei die Gesundheit ihrer Kinder aufs Spiel.

Viele Eltern gehen mit ihren Kindern zum Kinderarzt – im Glauben, ihnen etwas Gutes zu tun. Im schlimmsten Fall setzen sie dabei die Gesundheit ihrer Kinder aufs Spiel.

Und auch das ginge:
Viele Eltern gehen mit ihren Kindern auf den Spielplatz – im Glauben, ihnen etwas Gutes zu tun. Im schlimmsten Fall setzen sie dabei die Gesundheit ihrer Kinder aufs Spiel.

Sind das drei Argumente gegen Ernährung, Kinderärzte und Spielplätze? Nein, es sind, wenn es überhaupt Argumente sind, Argumente gegen schlechte Ernährung, schlechte Kinderärzte und unsichere und unsaubere Spielplätze. Der Artikel, den Sie über (Kinder-) Osteopathie veröffentlicht haben, ist durch die gewählte Überschrift von Anfang an ärgerlich. Er bleibt es, auch wenn der Text ein wenig differenzierter ist. Gute Osteopathen bewirken großartige Verbesserungen; wer je auf allen Vieren hin- und nach einer halben Stunde aufrecht und schmerzfrei (für 60 Euro) wieder rausgegangen ist, weiß das. Gute Osteopathen kennen die Grenzen ihrer Möglichkeiten, so wie ein guter Orthopäde hoffentlich weiß, wann er mit seinem Latein am Ende ist.

Viele Leute lesen anspruchsvolle Zeitungen, im Glauben sich und vielleicht ihrer Familie damit etwas Gutes zu tun, weil sie sich dann informiert und aufgeklärt fühlen. Im schlimmsten Fall kann ein Artikel in einer Zeitung aber auch bedeuten, dass einem unruhigen, entwicklungsverzögerten Kind, das sich offensichtlich nie richtig wohlfühlt, wofür aber kein Kinderarzt eine Erklärung hat, eine Behandlung vorenthalten wird, die ihm geholfen hätte – wenn nicht seine Eltern eine dusselige Überschrift in einer renommierten Zeitung gelesen hätten. – Dr.Elisabeth Tornow


Leserbrief zu „Von wegen ‚die anderen'“ von Sabine Rückert:

Danke für Ihre wunderbare Liste. Es sind tolle Beispiele dafür, wie „Demokratie lebt vom Mitmachen“ umgesetzt werden kann. Ich höre Gräfin Dönhoff heraus.

Zu www.zeit.de/audio hätte ich noch eine Bitte. Ist es möglich, schon am Anfang eines Artikels einen Hinweis zu geben, wenn der Artikel auch zu hören ist? Das könnte z.B. ein Lautsprechersymbol sein. Ich höre sehr gerne die vorgelesenen Artikel. Mir passiert es immer wieder, dass ich einen Artikel lese und dann beim Umblättern entdecke, dass der Artikel auch zu hören ist. – Martin Schliemann


Leserbrief zu „Was darf Religion?“ von Heinrich Bedford-Strohm:

Wie wenig die Kirche als moralische Instanz taugt, zeigt sich wieder einmal an dem manipulativen Umgang ihrer Vertreter mit Zahlen und Fakten:

Herr Bedford-Strohm vergleicht den Zuschuss des Landes Bayern für die Besoldung der „Seelsorgegeistlichen“ der Evangelischen Kirche mit dem Gesamtzuschuss für den Humanistischen Verband und verschweigt dabei den Gesamtzuschuss des Landes Bayern an seine Kirche von zurzeit 23 Mio Euro im Jahr.

Er rechtfertigt die kirchlichen Privilegien mit der Anzahl der Kirchenmitglieder. Diese haben sich aber in der Regel nicht frei entschieden, der Kirche beizutreten, sondern bleiben, als Kleinkinder getauft, weiterhin dabei. Viele werden durch sozialen Druck oder etwa wegen ihrer Berufstätigkeit in kirchlichen Einrichtungen vom Austritt abgehalten.

Der Humanistische Verband hat solche Möglichkeiten nicht. Nachdem seine freidenkerischen und freireligiösen Vorläuferorganisationen von den Nationalsozialisten verboten wurden, muss er institutionelle Strukturen erst noch aufbauen, die die Kirchen durch Kooperation mit den Nationalsozialisten bewahren konnten.

Auch Kirchenvertreter sollten langsam begreifen, dass es jenseits ihrer religiösen Irrationalität und Beliebigkeit eine Realität gibt, mit der man nicht so willkürlich verfahren kann wie mit religiösen „Wahrheiten“. – Margot Neuser


Betrifft „In guten Händen?“ von Josophina Maier:

Warum laufen die Eltern in Scharen zu den Kinderosteopathen, fragen Sie zum Ende Ihres Artikels „In guten Händen?“. Die Antwort geben sie im letzten Satz. Den Eltern fehlt etwas in der Schulmedizin, nämlich daß man sich für Sie Zeit nimmt, Ihnen zu hört und Ihre Sorgen ernst nimmt. Wie kann das sein?

Zu verstehen ist das nur, wenn man sich vor Augen hält, dass wir im Kassenärztlichen Versorgungsbereich eine Flatrate-Medizin haben. Als niedergelassener Kinderarzt bekommen sie pro Patient pro Quartal in NRW 39,04 Euro von ihrer KV (Kassenärztlichen Vereinigung). Dafür können die Eltern kommen so oft sie wollen, Ihren Arzt 24 h anrufen und auf einen Hausbesuch bestehen. Zu jeder Kinderarztpraxis zählen Eltern, die die Praxis pro Quartal (= 3 Monate) um die 20 Mal  besuchen. Im Schnitt kommen Eltern mit ihrem Säugling 3-5x pro Quartal. Für das Honorar, dass sich dann pro Besuch errechnet, würde vermutlich kein Osteopath auch nur das Telefon abheben.

Gehen sie davon aus, dass der von Ihnen mehrfach zitierte Hamburger Osteopath für die Vorstellung eines Kindes nicht unter 60-80 Euro pro Besuch verlangt, also bei 10 Behandlungen pro Quartal eine Summe von 600-800 Euro in Rechnung stellt. Dass die Krankenkassen diese Kosten für die Behandlung nicht vorhandener Krankheiten übernehmen, ist schon bemerkenswert und lässt einen an der Rationalität des Versorgungssystems zweifeln. Was fehlt also der Schulmedizin? Eine adäquate Honorierung durch die Krankenkassen. – Dr. Dierlich


Zum Artikel „Weiter schreddern“ von Moritz Depenbrock:

Vielen Dank für den aufschlussreichen Artikel über den Stand der Dinge. Nur einem Aspekt würde ich gern kommentieren, und zwar ihre Kritik am geringen Konsum von Bio-Eiern. Wie sie sicherlich selbst wissen, beziehen sich die Kriterien für Bio-Siegel bei Eiern oft nur darauf, welches Futter verwendet werden muss. Oft ist beim Kauf von „Bio“-Eiern noch nicht einmal gesichert, dass die Hühner Freilluft-Auslauf hatten. Was mit den männlichen Küken passiert ist, weiß man nicht. Sie schreiben ja auch später selbst, dass nur in Österreich ein Tötungsverbot besteht und sich in Deutschland nur sehr wenige Produzenten gegen daß Töten der Hähnchenküken einsetzen. Mit der Entscheidung für ein Bio-Ei habe ich kein einziges Hähnchen gerettet, also kaufe ich keine Bio-Eier, gerade WEIL ich weiß, wie sie produziert werden, und wie wenig diese Siegel oft für den Tierschutz bedeuten. Wenn Sie sich die Kriterien für Bio-Siegel  anschauen, geht es doch oft -nicht nur bei Eiern-  um die Angst der Menschen vor Schadstoffen in ihrem Essen, nicht um Sorge um daß Behandeln der Tiere. In einem Artikel , der über das Hähnchen-Schreddern berichtet, ist ein Plädoyer für Bio-Eier also meiner Meinung nach fehl am Platz, statt dessen hätte der Verweis auf alternative Möglichkeiten länger ausfallen können. Trotz dieser Kritik an einem Punkt bin ich dankbar für die regelmäßige Berichterstattung zum Thema Tierschutz in der ZEIT. – Daniela Kolbe-Hanna


Leserbrief zu „Nicht nur die Armenier“ von Cem  Özdemir:

Gestatten Sie mir, meiner großen Freude über das besondere Interesse des kommenden Außenministers an der deutschen Geschichte Ausdruck zu verleihen!

Aber so vieles gilt es noch aufzuarbeiten: so ist ein Schuldbekenntnis des Deutschen Bundestages zum Völkermord an den Italienern, begangen im Jahre 9 n. Chr. (hierzulande unter der verharmlosenden Bezeichnung „Varusschlacht“ bekannt), längst überfällig; ebenso, um nur einiges zu nennen, harren die Missetaten während der Kreuzzüge, der „Sacco di Roma“ im Jahre 1527, so manche Greuel im Dreißigjährigen Krieg (alle unter maßgeblicher deutscher Beteiligung!) etc. etc. der historischen Würdigung – Genozide, wohin man blickt, packen Sie’s an!

Dabei empfehle ich die Untaten eines gewissen Prinzen Eugen Ihrer besonderen Aufmerksamkeit; zwar wäre hier zunächst das Parlament in Wien am Zuge, ein wenig Nachhilfe in Sachen Vergangenheitsbewältigung kann jedoch nicht schaden, nicht wahr? – Ansgar Heuser


Leserbrief zu „Vorwärts und nicht vergessen“ von Gero von Randow:

Gero von Randow erwähnt ein „Grundvertrauen der Bürgen in die Politik“. Das sollte sich aber vor allem auf die Gegebenheiten des ganzen Lebens beziehen, und zwar mindestens von Geburt an. Grundvertrauen in die Politik lässt sich manipulieren oder auf einen interessengeleiteten Sektor unserer vielfältigen Wirklichkeit reduzieren. Mit dem Ergebnis der Abhängigkeit von machtmissbrauchenden Demagogen. Die besten Ausgangsbedingungen für Demokratie sind deshalb Erfahrungen mit vertrauenswürdigen Bezugspersonen, von denen man nicht nur Anweisungen und punktuelle Fakten vorgesetzt kriegt, sondern die komplexe Zusammenhänge darstellen und durch ihr persönliches Beispiel vorleben können. Dann bildet sich demokratisches Bewusstsein nicht nur in den Köpfen der Menschen, sondern auch in ihren Herzen. Und das ist die beste Voraussetzung dafür, dass wir Totalitarismen erkennen und uns gegen sie wehren können, indem wir sie als vermeintliche, in Wirklichkeit aber verführerische Erfolgsrezepte erkennen und ablehnen. Demokratische Wege fangen also damit an, dass wir unsere Kinder als Kinder ernst nehmen und nicht versuchen, ihre Verhaltens- und Wahrnehmungsweisen mit ideologischen oder plakativen Begründungen auf reduktionistische Muster zu konditionieren. – Christoph Müller-Luckwald


Zu dem Artikel „Vorwärts und nicht vergessen“ von Gero von Randow:

Gero von Randow hat recht: Es hatte sich niemand vorstellen können, dass das Kämpfen um die Demokratie noch einmal nötig sein wird. Wir haben geglaubt, dass für uns Frieden und Demokratie selbstverständlich sind. Es wäre ein starkes Signal, wenn der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin sich sehr deutlich zu Wort melden würden, was für uns auf dem Spiel steht, nämlich der Erhalt unseres demokratischen Rechtsstaats. Die Rechtspopulisten verfolgen überall in der Welt  dieselbe Strategie, mit einem völkisch nationalistischem Ansatz angeblich die Interessen der einfachen Leute gegen „die da oben“ zu vertreten, und wenn sie es geschafft haben, gewählt zu werden, die Gewaltenteilung und die Freiheitsrechte abzuschaffen, da nur sie als Vertreter des Volkes ohne irgend eine Kontrolle wissen, was für das Volk richtig und gut ist.

Es ist höchste Zeit, unseren Rechtspopulisten deutlich entgegenzutreten und für den Erhalt unserer Demokratie zu kämpfen. Dies gelingt nicht, wenn man glaubt, durch Übernahme ihrer Forderungen Ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Auch der von Giovanni di Lorenzo vor einigen Wochen in der ZEIT vorgeschlagene Weg, Brücken zu bauen, ist nicht zielführend. Es sollte schon sehr klar gesagt werden, was auf dem Spiel steht und dass die Populisten zum Ziel haben, unsere repräsentative parlamentarische Demokratie abzuschaffen. Dazu sind alle gesellschaftlich relevanten Gruppen, die Politik, die Medien und wir alle aufgerufen. – Winfried Wolf


Leserbrief zu

Ihren Essay in der ZEIT vom 4.8.016 „Unsere Arroganz“ fand ich sehr interessant! Es ging um Arroganz liberaler Eliten und wie diese möglicherweisen die Autoritären stärkt. Arrogant finde ich es allerdings auch, auf der selben Seite direkt darunter zehn Vorschläge „Was ich tun kann, um die Demokratie zu stärken, in der ich lebe“ mit dem Hinweis „Zum Ausschneiden und Immer-dran-Denken“ plus Scheren-Symbol mit gestrichelter Ausschneide-Linie zu veröffentlichen. KINDERSEITE??? Ich möchte weder von Politikern noch von Massenmedien „erzogen“ werden. Von Journalisten erwarte ich: Fakten und Hintergründe. Was ich denke, fühle, oder AUSSCHNEIDE, bestimme ich (immer noch) selber!

Was ich von Journalisten allerdings bisher sehr vermisse, ist eine kritische Analyse zu den Nachrichten-Sendungen von ZDF/3SAT am Abend des Attentats von München (22. Juli 016). Über Stunden wurden von Nachrichten-Sprechern/Sprecherinnen den Journalisten „vor Ort“ die gleichen (sinnlosen) Fragen gestellt … Sinngemäß: „Was können Sie uns sagen“ … Antwort: „Eigentlich noch nichts“. So wurden dann statt fundierter Informationen, die zu diesem frühen Zeitpunkt eben nicht verfügbar waren, „live“ Gerüchte über die Bildschirme geschickt. „Vielleicht ein Täter, vielleicht mehrere“ …

Dass Augenzeugen in verständlicher Aufregung auch fehlerhafte Angaben machen können, ist klar. Diese als Quasi-Fakten über TV-Bildschirme „in die Welt zu entlassen“, ist einfach nur Sensationsjournalismus. Wozu überhaupt diese „Vor-Ort-Reporter“ an Orten, die die Polizei aus gutem Grund für die Bevölkerung gesperrt hat? Entweder haben diese Reporter dann Angst … völlig zu Recht, denn der/die Täter waren ja noch auf freiem Fuß … oder sie glauben im Adrenalin-Hoch, dies sei ihre Chance für den journalistischen Star-Auftritt … Keiner dieser erregten Gefühlszustände ist einer intelligenten Berichterstattung zuträglich.

Wie verantwortungsvoll handeln Programm-Verantwortliche, die durch „Live“-Berichterstattung das Leben ihrer „Vor-Ort“-Reporter riskieren? Da ging es ja wohl nicht um deren Sicherheit, sondern um … EINSCHALT-QUOTE. Und wie verantwortungsvoll ist es, Zuschauer an einem heissen Freitag-Abend über Stunden emotional „auf kleiner Flamme“ (man weiss noch nicht wirklich etwas) auf immer mehr Unruhe und Anspannung hoch zu kochen … Was, wenn da einige Zuschauer dann wirklich meinen, es handele sich um islamistische Täter und .. z. B. ein Flüchlingswohnheim angreifen? Wie arrogant sind Medien-Macher, denen es nur um Einschalt-Quote und Auflage geht?

Wer Tätern durch solch emotionalisierende „Nachrichten“-Sendungen stundenlang Aufmerksamkeit garantiert, regt potentielle Täter zu Nachahmung an und macht sich so mit schuldig. Deshalb: Massenmedien, die im Kampf um Quoten eine gesicherte Nachrichtenlage für ihre Berichterstattung nicht mehr abwarten wollen, nicht durch Quote belohnen … sondern ausschalten. Nach ein paar Tagen kann man wieder einschalten: Bis dahin gibt es dann gesicherte Fakten und recherchierte Hintergründe.  – Claudia Hiller


Leserbrief zum Artikel „Richter Mundtot“ von Julia Smilga:

Mich hat es sehr betroffen gemacht, dass innerhalb der unabhängigen Justiz derartige Vorgänge vorkommen. Hier zeigt ein Richter Mut, Dinge anzusprechen, die andere aus wirtschaftlichen Gründen nicht hören wollen. Als Dank bekommt er vom obersten Dienstherrn in NRW u.a. einen Maulkorb. Auf der anderen Seite wird gerade jetzt unsere Justiz von den Politikern als unabhängig dargestellt, wenn aus der Türkei zu hören ist, dass unsere Juztiz von der Politik gesteuert wird (Verbot der Videoübertragung während der Kundgebung in Köln) Mir stellt sich in der Tat die Frage, wie weit ist unsere Justiz von anderen Instanzen abhängig, die den Weg über die Justizministerien gehen. Ähnlich erging es Fritz Bauer in den 60-iger Jahren. Anscheinend sind in unserem Land mutige und ideenreiche Leute nicht gern gesehen. – Ulrich Bierhoff


Zum Artikel „Richter Mundtot“ von Julia Smilga:

Ich möchte mich für Ihren aufschlussreichen Artikel „Richter Mundtot“ in der ZEIT vom 4. August bedanken und bitte Sie, weiter darüber zu berichten. Meine Empörung über das bürokratische Verhalten der betreffenden Sachbearbeiter und Beamten (vgl. die entsprechenden Formulare mit aberwitzigen Fragen an die ehemaligen Ghettoinsassen) und vor allem über die nordrheinwestfälische Justiz ist grenzenlos. Leider habe ich keine Vorstellung, wie ich mich in dieser Sache persönlich engagieren könnte. – Inge Ruthardt


Zurm Artikel „Wie im Kindergarten“ von Henriette Kuhrt:

Wir haben für unseren Sohn sofort in München-Obermenzing einen Kita-Platz gefunden, 10 Min. zu Fuß. Sicherlich auch Glücksache. Wir haben auch vor seiner Geburt begonnen. Wir müssen da auch nur 2x am Tag hin und nicht 4x.

Unsere Kita ist auch teuer. Der Preis kommt aber nicht vom Kinder-Yoga o.ä., sondern im Wesentlichen wegen der Anzahl Kinder pro Erzieher, der Lebensmittelversorgung und dem Zustand der Immobilie. Da wir beide arbeiten bezahlen wir das gern für den Qualitätsunterschied, insbesondere, weil sich unser Sohn dort sehr, sehr wohl fühlt. Letzteres auch wegen der Qualität der Erzieher und nicht wegen Kinderyoga.

Freunde in München haben ähnliches berichtet wie Sie, Frau Kuhrt: Schwierigkeiten bei Nicht-Harz-IV und Nicht-Migrant. Aber sie haben alle eine gute Lösung gefunden, ohne Landeserziehungsgeld.

Ich finde der Artikel würdigt nicht die oft sehr gute Qualität von teureren Kita’s, die daher auch mehr kosten und die man ja als Doppelverdiener auch leichter finanziell stemmen kann. Da hat sich viel positives getan in den letzten Jahren und Jahrzehnten. – Christian Voss


Bemerkungen zu „Wie im Kindergarten“ von Henriette Kuhrt und „Von wegen die anderen“ von Sabine Rückert:

1. „Wie im Kindergarten“ von Henriette Kuhrt

Wie Sie diese Probleme schildern, hat mir gut gefallen! Und endlich mal traut sich auch jemand zu sagen – jedenfalls lese ich     das zwischen den Zeilen – dass jemand, der nicht alleinerziehend ist, weder Migrationshintergrund noch soziale Probleme hat, mittlerweile leider benachteiligt wird!

2. „Von wegen die anderen“ von Sabine Rückert

Leider kann ich diesen Aussagen zum großen Teil nicht zustimmen – Und werde sie mir deshalb auch ganz bestimmt nicht „Ausschneiden und immer dran denken“! – Editha Rochow


Leserbrief zu „Was darf Religion?“ von Heinrich Bedford-Strohm:

Hiermit erlaube ich mir einige Anmerkungen zu Ihrem Text „Was darf Religion?“, der in fünf Grundansätzen den Umgang von Demokratie mit Religion thematisiert.

Erstens: Ihre eingangs formulierte These „…Formal eingehaltenes Recht kann zu Unrecht werden, wenn Gerechtigkeit fehlt…“, impliziert eine unanfechtbare Bedeutung von Gerechtigkeit, die es zwischen Aristoteles und John Rawls aber so nicht gibt. In der Philosophie konkurrieren immer verschiedene Gerechtigkeitstheorien miteinander. Die „Gerechtigkeit Gottes“ hingegen ist eine rationalistisch – religiöse Konstruktion, die gegenüber philosophischen Theorien immun und damit unanfechtbar ist. (Das Verhältnis von Philosophie zu Religion ist meiner Meinung nach das „versteckte Thema“ Ihres lesenswerten Beitrags.) In Ihrem fünften Grundansatz thematisieren Sie diesbezüglich die Menschenrechte – die in diesem Zusammenhang als allgemein gerecht verstanden werden müssen – als Konsens geteilter Grundpositionen zu verschiedenen Konzeptionen guten Lebens in einer Gesellschaft. Doch wie weit beispielsweise das „Recht auf den eigenen Körper“ (pro Schwangerschaftsabbruch) entfernt ist vom gottgewollten Geschenk des Lebens (contra Schwangerschaftsabbruch) zeigt exemplarisch, wie verschieden Menschenrechte begründet werden können. Noch schwieriger wird es, wenn religiös begründete Menschenrechte miteinander in Konflikt geraten wie zum Beispiel die Stellung der Frau im Christentum und dem Islam. Insofern ist „öffentliche Religion“ als Überschrift Ihres fünften Grundansatzes meiner Ansicht nach ein zu ungenauer Terminus.

Zweitens: In Ihren vierten Grundansatz legen Sie die Voraussetzung zum fünften, indem Sie Laizismus verstehen als eine Aufgabe des Staates, sowohl der Philosophie als auch der Religion Raum geben zu müssen, will der Staat weltanschaulich neutral sein. Grundlage Ihrer Auffassung ist die Frage, warum der Staat philosophisch begründete Weltanschauungen gegenüber religiösen bevorzugen sollte. Weder das Eine, noch das Andere! In der Philosophie stehen verschiedene Antworten auf unbeantwortbare Fragen in Konkurrenz nebeneinander. Das unterscheidet sie fundamental von Religion, die Antworten auf unbeantwortbare Fragen für sich reklamiert – siehe das hübsche Gleichnis von der Philosophie als Blinde, die in einem dunklen Raum eine schwarze Katze sucht, die nicht da ist, während die Religion als ebenfalls blind in diesem dunklen Raum behauptet: Ich hab sie.

Fazit: Ein gleichberechtigtes und friedliches Nebeneinander verschiedener Religionen innerhalb einer Gesellschaft ist ungleich schwieriger als ein gleichberechtigtes und friedliches Nebeneinander verschiedener philosophischer Positionen zu einem Thema. Letzteres wird auf dem „friedlichen Schlachtfeld“ philosophischer Kongresse und Veröffentlichungen realisiert, während das Erste „tatsächliche Schlachtfelder“ nach sich zieht, weil dogmatisch – religiöse Gewissheiten indiskutabel sind, während eine klügere und überzeugendere philosophische Position eine überholte und falsifizierte ablösen kann. Das „Bewusstsein eigener Fehlbarkeit“ als Voraussetzung des Gesprächs der Religionen miteinander, womit Sie Ihren Text schließen, bleibt meiner Ansicht nach ein „frommer Wunsch“, die herrliche Illusion einer „postsäkularen Gesellschaft“ (Jürgen Habermas, den Sie zitieren), in der gemäß der Diskursethik eigene Standpunkte verlassen werden, um zu einem gemeinsamen Konsens zu finden, der auch Lebenssinn bedeutet bzw. vermittelt. Diskursethik als „Weltreligion“ – vielleicht eine neue und gute Vision? – Bernd Rönnefarth


„Von wegen ‚die anderen'“ von Sabine Rückert:

11.Ich trete aus der Kirche aus auch als Glaubender. Es bewahrt mich vor dem Irrweg zu wissen. Religionsgemeinschaften sind Teil des Problems, nicht seine Lösung. – Georg Walenciak


Zum Artikel „Vorwärts und nicht vergessen“ von Gero von Randow:

Die Gefahr, die hier auf uns zurollt, haben sie genau beschrieben. Auch was jetzt kommen müsste und bisher nicht geschieht.

Wenn es eine Gefährdungssituation gibt, gibt es auch eine Ursache. Ohne Grund passiert eigentlich überhaupt nichts. Die Frage ist, ob eine schonungslose Analyse in den Machtzirkeln durchgeführt wird. Wenn etwas falsch läuft sind Fehler gemacht worden. Die Frage ist, ob demokratisch gewählte Volksvertreter bereit sind, Fehler einzugestehen. Das konnte man auch bisher schon  bezweifeln.

Wenn in Demokratien das Wahlvolk zu Populisten überläuft, dann sind sie von den bisherigen Gewählten enttäuscht. Jetzt kann man das Wahlvolk beschimpfen und für unzurechnungsfähig erklären, man könnte aber auch ergründen wollen, ob es nicht ernsthafte Gründe dafür gegeben hat.

England z.B.: Ein knappe Mehrheit entscheidet sich aus dem Bauche heraus für den Brexit. Es könnte mehrere Gründe dafür gegeben haben.  Wirtschaftskreise holen Osteuropäer nach England und betreiben Lohndumping. Brüssel sagt, der freie Personenverkehr in der EU ist unverzichtbar. Das ist das selbstverständliche Ziel wo wir hinwollen. Aber als Anfang mit dem Ergebnis von Lohndumping? Welche Narren kommen auf eine solche Idee? Außerdem scheint die Handhabung einerseits der Griechenlandkrise und andererseits der Flüchtlingskrise in England zu völligem Unverständnis geführt zu haben. Kann man dafür nicht auch ein gewisses Verständnis aufbringen?

Italien: Wenn bisher in der Zeit Artikel von Italienern abgedruckt wurden, dann fast immer mit Forderungen Deutschland gegenüber ( Deutschland muss die italienischen Schulden übernehmen ( Eugenio Scalfari)) oder wir wurden beschimpft, Deutschland der ewige Kriegsanzettler (1915 hat Italien Österreich den Krieg erklärt und 1916 Deutschland). In Italien scheint man sich völlig realitätsfremd zu verhalten. Hier sind gute Ratschläge teuer. Die Fehler und Ursachen werden immer woanders vermutet.

Die Wahlen in den USA: Seit 100 Jahren treten die USA als militärische und wirtschaftliche Großmacht überall auf der Welt auf. Und inzwischen wird klar, das sie die eigene Mittelschicht vergessen haben. Und die meldet sich heute lautstark zu Wort und findet in Donald Trump jemanden, der angeblich für sie Verständnis hat.

Frankreich : Hier scheint man zugewanderte Gruppen nicht richtig integriert zu haben. Der Frieden der Gesellschaft ist gefährdet. Und jetzt kommen nationalistische Gedanken zum Tragen.

Deutschland : Die Probleme nehmen zu : Euro-Krise, Flüchtlingskrise, Griechenlandkrise, Wohnungsmangel, Demographie Problem, Rentenproblem, Islam, Globale Erwärmung, Situation in Afrika, Syrien, Ukraine, Industrie 4.0, Internethandel ( Einzelhandel bekommt Probleme), das Verhältnis Beamtenschaft zur übrigen Bevölkerung ist aus dem Ruder gelaufen.

Hier wurde lange vorausgesetzt, man habe europäisch zudenken, wenn Jemand vorgab Deutsch zu denken, dann war er schon diskreditiert. Jetzt bei den heutigen ernsten Problemen, kommt man daran aber nicht mehr vorbei. Schließlich muss das, was gut ist für Deutschland, nicht schlecht für Europa sein.

Mit einem Lucke hätte die AFD vielleicht 20% bekommen können, mit einer Frauke Petry kann ich es mir noch nichtvorstellen. Wir  werden es aber noch gewahr.

Russland: 1989 hatte sich eine einmalige Situation ergeben.Der weltweite Frieden schien näher zu rücken. Und im 1. Irakkrieg haben die USA und Russland noch gemeinsam gekämpft. Und dann glaubte der Westen, Russland ermöglicht die friedliche Neuordnung und bezahlt dafür mit wirtschaftlichem Wohlstand und politischem und militärischem Einfluss.  Und Putin versucht jetzt, diesen alten Zustand von Macht und Einfluss wiederherzustellen. Der Westen will es ihm aber verwehren. Es wird ungemütlich. Mit einem Chrustschow und Breschnew haben wir erfolgreich geredet, bei Putin glaubt man, ihn isolieren zu können und zu müssen. Für russische Belange hat man im Westen eben kein Verständnis. (nur für amerikanische)

Vielleicht kommen sie auf andere Gründe. Aber ganz egal wie sie aussehen, wen man Ursachen findet (sie müssen aber natürlich zutreffen), gibt es auch Wege, die Probleme anzugehen und zu entschärfen. Und dann wären wir schon wieder etwas weiter. Im Interesse unserer Demokratien wäre eine schonungslose Analyse der Probleme aber dringend notwendig. Helfen würde dies  vielleicht kurzfristig nicht, dafür aber langfristig schon.

Wir wissen fast alle, das wir mit Alleinherrschern keine gute Erfahrung gemacht haben. Die Demokratie birgt aber auch Fallstricke. Erforderlich sind eigentlich Strategen, die sich nicht scheuen, falls notwendig, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Andererseits weis jeder Politiker, für unpopuläre Entscheidungen wird er abgestraft und nicht mehr gewählt ( Schröder mit seiner Agenda 2010, profitiert hat Angela Merkel.) Also vermeidet jeder Politiker so eine Situation. Lieber lässt man den Karren in den Dreck fahren und versucht sich selber zu retten. Mit der Möglichkeit allerdings, das im Ernstfall ein Populist sich des Themas bemächtigen kann und dann als derjenige gelten kann, der wichtige ernste Themen aufgreift. Die Situation, die wir heute öfters haben. Für eine Demokratie ist eigentlich ein Volk mit einer gewissen politischen Bildung und verantwortungsvoller Einstellung erforderlich. Und das haben wir häufig nicht im ausreichenden Maße. Und hier beginnt die Angst der Demokraten, die mit den anstehenden Problemen nicht fertig werden. – Reiner Püschel


Leserbrief zu „Unsere Arroganz“  von Elisabeth Raether:

Normalerweise blättere ich über den Politikteil schnell hinweg, dies liegt sicher auch daran, dass ich Österreicher bin , aber meistens doch wegen der vom Gefühl her immer wieder kehrenden selben Form der Auseinandersetzung, die Einen da, die Anderen dort, eben Aus-einander-setz-ung.

Letzte Woche aber, bei dem Artikel von Elisabeth Raether,  bin ich steckengeblieben. Endlich etwas Berührendes, etwas was tiefer geht und uns am Grund unseres Seins trifft, ein ergreifender Artikel. Aber wir können noch tiefer gehen, denn die Ursache für Arroganz ist meistens Angst, die Angst vor dem Anderen, die Angst vor Veränderung, einfach gesagt, die Angst vor unseren Dissonanzen, vor dem was uns leiden lässt. Dem weichen wir gerne aus, eine Art Slalom unseres alltäglichen Daseins.  In unserer fragmentierten Facebook und Instagram hyperindividualisierten Gesellschaft haben wir alles was wir nicht wollen abgegrenzt, rationalisiert und von uns weggeschoben:

Sterbende auf die Palliativstation und dann ins Hospiz, Behinderte in die jeweiligen Einrichtungen und so fort, alles auf hohem Versorgungsniveau ,so dass es auch den darin Beteiligten so gut als möglich geht. Wichtig, aber weit weg und klar getrennt, eben abgegrenzt.

Wenn wir lernen hinzusehen und die damit verbundenen Schmerzen akzeptieren zu lernen, sie annehmen und ergründen, werden wir sehen, dass wir dadurch auch die Leiden der Anderen besser verstehen, ja sie mitfühlen können ohne dabei selbst zu leiden! Wir müssen keine Psychologen oder Kriminologen werden, wie im Dossier der Zeit Nr. 32 angedacht. Nein, wir müssen nur lernen und uns darin üben, genauer hinzuschauen. Uns dann uns darum kümmern und nicht wieder in Fragmenten zu denken, und dies wieder den Sozialarbeitern, Lehrern und Psychologen und anderen überlassen. Zum Beispiel sich um die kleinen, gemoppten,stotternden Ali´s dieser Welt kümmern. Und dabei können wir erleben, wie wir nicht nur die Welt ein Stück lebenswerter machen, sondern auch unser eigenes Dasein bereichern!

Und dann könnten wir vielleicht die 10 Demokratie Stärkungsvorschläge von Sabine Rückert zu allgemeinen Regeln machen und nur jene, die hinter 7 oder 8 ein Häkchen machen können, dürfen wählen gehen? Eine demokratische Utopie? – Andreas Hagn


Zu „In guten Händen?“ von Josophina Maier:

Der Artikel zur Osteopathie in der ZEIT vom 4.8.2016 ist sehr wichtig in der Diskussion um die heißlaufende Nachfrage nach „Gesundheitsleistungen“. Einen wichtigen Aspekt möchte ich hinzufügen. Bei der Osteopathie werden sehr oft, bei Säuglingen fast immer, gesunde Menschen diagnostischen Prozeduren ausgesetzt. Eine Diagnostik soll Fragen beantworten – welche Krankheit liegt vor, welche Behandlung könnte helfen. Nur, welche Frage ergibt sich bei einem gesunden Menschen, bei einem munteren lebensfrischen Säugling? Wir bekommen eine Antwort, zu der wir die Frage erst suchen müssen – und natürlich finden. Der Mensch, vor allem der kleine, kommt als Kranker, zumindest Gefährdeter zurück – Verklebung hier, Blockierung dort und schlimmeres. Haben wir doch Zutrauen zu unserer Lebendigkeit, die sich selbst zu erhalten weiß. Wenn Schmerzen, Funktionsstörungen eine Frage stellen, wissen kluge Ärzte, wie und wo sie die Antwort suchen müssen. – Ulrich Mohr


Leserbrief zu „In guten Händen?“ von Josophina Maier:

Ich habe mich sehr über den erstaunlich schlichten, einseitigen und in Teilen auch falschen Artikel von Josephina Maier zum Thema Osteopathie gewundert.

Ich bin seit langem Leserin und Abonnentin der Zeit und schätze sie für ihre ausgewogene und gut recherchierte Berichterstattung. Vor diesem Hintergrund ist es mir nicht erklärlich, wie ein derart polemischer und undifferenzierter Artikel es in die ZEIT schaffen konnte. Die Autorin argumentiert nach dem Prinzip: Dinge, die wir nicht sehen können, sind nicht existent. So suggeriert sie, osteopathische Behandlungen und Erfolge seien Scheinerfolge, die ebenso gut durch ein ärztliches Gespräch ersetzt werden könnten. Schade, dass sie an keiner Stelle Eltern zu Wort kommen lässt, die an ihren Babys die positive Wirkung der Osteopathie beobachtet haben. Allein in meinem Bekanntenkreis gibt es mehrere Babys, die aufgrund von Verspannungen täglich mehrere Stunden geweint haben. Ein- bis zwei Behandlungen beim Osteopathen haben aus diesen Babys ruhige, zufriedene Kinder gemacht. Immerhin die Babys kann man wohl von dem Verdacht frei sprechen, allein durch Suggestion und mitfühlendes Gespräch beruhigt worden zu sein. Vielleicht, Frau Maier, könnten Erfahrungen wie diese der Grund sein, warum Hebammen (die eben in den ersten Lebenswochen sehr, sehr viel mehr Zeit mit den Säuglingen verbringen als der Kinderarzt) Osteopathie empfehlen?

Als „bedenklich“, „gefährlich“  und falsch beschreibt die Autorin die Aussage eines Osteopathen, Impfungen vor dem ersten Lebensjahr seien wissenschaftlich umstritten. Nicht verwunderlich, dass die Autorin für diese dreiste Behauptung keinerlei Quelle nennt, denn offensichtlich kennt sie sich mit dem Thema nicht genauer aus. Es gibt eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien, die sich mit der Frage auseinandersetzt, ob Impfen vor dem ersten Geburtstag (wie es in Deutschland durch die Stiko empfohlen wird) sinnvoll ist. Man muss nicht zustimmen, dass eine Impfung für das Immunsystem des jungen Säuglings noch überfordernd ist, zumindest aber sollte man die existente wissenschaftliche Diskussion anerkennen. Nahezulegen, dass allein das Erwähnen eines wissenschaftlichen Streits „gefährlich“ sei, widerspricht meiner Ansicht nach jeglichem guten Journalismus.  Für einen Überblick über die wissenschaftliche Diskussion sei auf das umfangreiche Buch „Impfen pro und Contra“ von Dr. med. M. Hirte verwiesen. – Angela Schneider


Zum Thema Wahlkampf in den USA:

Wahlk(r)ampf in den USA: Es ist schon eine tolle Leistung, die Ihre Autoren da mit dieser Wahlkampfserie aus den USA erbringen. Anfangs nahm ich das alles sogar ernst. Zum Glück ist dieses Spektakel aber nur eine gut gemachte Satire. Da gibt es nun seit Monaten jeden (!) Tag neue Meldungen aus den Vereinigten Staaten. Ein gewisser Herr Trump (Milliardär und Immobilienmogul), der angeblich als Präsidentschaftskandidat der Republikaner aufgestellt wurde, nimmt dabei weiß Gott kein Blatt vor den Mund. Dadurch tritt er danni von einem Fettnäpfchen ins nächste. Einfach köstlich! So las ich z.B., dass dieser Trump eine Mauer zwischen Mexico und seinem Land errichten wolle, um die Zahl illegaler Einwanderer zu senken. Tolle Idee! Auf den Klimawandel angesprochen, warf er den Chinesen gar vor, diesen nur inszeniert zu haben, um die Wettbewerbsfähigkeit der USA zu schwächen. Also das muss man sich erstmal trauen. Ich meine auch gelesen zu haben, Mr. Trump wisse angeblich nicht, dass Russland die Krim annektiert habe… Wirklich einmalig, diese Phantasie.

Sehr gut fand ich auch einen Bericht über eine bewegende Rede von Trumps Frau Melania, in der diese u.a. in den allerhöchsten Tönen von Ihrem Mann schwärmt. Dabei klingen dann viele Passagen dieser Darbietung verdächtig ähnlich einer Rede, wie sie vor einigen Jahren schon Michele Obama (das ist die derzeitige First-Lady…) gehalten wurde. Wirklich grandios! Manchmal scheinen die vielen Fotos, Aufnahmen und Zitate des angeblichen Kandidaten so authentisch, dass man fast Angst bekommt, das alles könne stimmen.

Also wirklich, ganz, ganz großes Theater, Kompliment! Ich weiß ja nicht, wie lange Sie noch planen, diese Serie fortzusetzen. Ich an Ihrer Stelle würde die ‘Berichterstattung‘ über diesen Wahlkampf allerdings langsam zurückfahren. Ich will nicht sagen, dass das Alles vielleicht etwas langweilig wirkt – im Gegenteil! Ich bin jedoch der Meinung, diese Anhäufung skurriler Meldungen ist in letzter Zeit mehr und mehr unrealistisch. Sie sollten diese Kuh also nicht bis zum Schluss melken… ;-)) – Achim Bothmann


Bemerkung zu „Von wegen ‚die anderen'“ von Sabine Rückert:

Punkt 10 ist Satire, oder? – Margot Neuser

 

28. Juli 2016 – Ausgabe 32

Philanthrop bedeutet „Menschenfreund, Wohltäter“. Die Frage ist, kann man das per Knopfdruck werden, wenn man nur erst genug Geld verdient hat, indem man sich in seinem aktiven Unternehmerleben genau entgegengesetzt verhalten hat?

Wenn die Gates-Stiftung heute Gelder investiert, um beispielsweise die Kinderlähmung zu beseitigen oder Impfungen zu ermöglichen, so mag dies ja generös sein; besser wäre es aber, wenn die Länder, in denen sie tätig werden, dieses aus eigenem Betreiben und finanzieller Möglichkeit vollbringen könnten, denn ansonsten werden diese immer weiter auf Spenden angewiesen sein. Genau diese Möglichkeit haben ihnen aber die sogenannten Philanthrophen in ihrer wirtschaftlich aktiven Tätigkeit genommen. Sie stehen oder standen zum Teil Firmen vor, die massiv dazu beigetragen haben, dass in ihren Herkunftsländern viele Menschen arbeitslos wurden, u.a. durch Verlagerung ganzer Produtionen in Billiglohnländer. Dabei haben sie dort nicht etwa Veranlassung gesehen, die Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten der von ihnen – ob direkt oder durch Subunternehmer – beschäftigten Menschen zu verbessern, sondern ziehen es vor, darauf zu verweisen, man zahle ja den dortigen Mindestlohn, wohl wissend, dass dieser nicht einmal in diesen Ländern geeignet ist, den Lebensunterhalt auch bei voller Berufstätigkeit aus seinem Lohn zu bestreiten. Wie wäre es denn gewesen, zum Wohlstand (und damit der Möglichkeit von Bildung, Gesundheitsfürsorge etc) zu sorgen, indem den Menschen so viel Entgelt gezahlt würde, dass sie davon leben, konsumieren, damit eigenen und gesellschaftlichen Wohlstand erzeugen, ihre Kinder ausbilden lassen  können, statt diese unter schlechtesten Bedingungen arbeiten zu lassen? Ist keinem eingefallen. Lieber haben sie ihren Herkunftsländern mit allen erdenklichen  (natürlich total legalen) Tricks Steuergelder entzogen, Arbeitsplätze vernichtet und sich damit jeglicher gesellschaftlicher und sozialer Verantwortung entzogen. Und nun wollen Sie die Welt retten – vor was? Vor solchen Leuten wie ihnen selbst offensichtlich nicht. Für mich ist das nichts anderes als ein Ablasshandel wie im Mittelalter – Freikaufen von Schuld und sich wohlfühlen. Noch bedenklicher ist, was ja im Arktikel auch angesprochen wird, dass sie damit auch Einfluß auf die Politik nehmen. Wieso sollen aber einzelne Menschen, die sich im Berufsleben eher asozial (Steuervermeidung) verhalten haben, die Möglichkeit haben, qua großer Geldmengen ohne jegliche demokratische Legitimation die Sozialpolitik zu bestimmen? Und wenn dann noch Google es als „Philantrophie“ verkaufen will, per Ballon das Internet zu den Ärmsten der Welt in die letzte Ecke zu bringen, muß man schon ziemlich naiv sein, um jeglichen Eigennutz an diesem Vorhaben zu bestreiten.
Kurz und gut – eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als das ein Reicher in den Himmel kommt, auch wenn er kurz vor Schluss noch schnell alles spendet. Ein Menschenfreund zu sein, ist eine Lebensleistung, die sich im täglichen Umgang mit seinen Mitmenschen erweist. Jeder Ehrenamtliche, ob Ärzte ohne Grenzen, Flüchtlingsbetreuer oder von mir aus Jugendtrainer im Sportverein leistet mehr und vor allem nachhaltiger als diese selbsternannten „Menschenfreunde“. – Kornelia Kania


Der Artikel mit der Überschrift „Die Babsi GmbH“ gibt vor, folgender Frage nachzugehen: „Barbara Schöneberger ist im Fernsehen, dreht Werbespots, hat ein Magazin. Warum bespaßt diese Frau auch noch Unternehmen?“. Das erste, was einem auf diese Frage in den Sinn kommt, ist: Weil sie dafür Geld bekommt. Andererseits suggeriert die Überschrift, dass Frau Schöneberger schon genug Geld hat. Naja, denkt man sich, manche Menschen können eben nie genug Geld haben. Die Dinge müssen aber in Bezug auf Frau Schöneberger anders liegen, komplizierter, denn sonst bräuchte man nicht einen ganzseitigen Artikel, um sie darzulegen. Aber nein: Nach mehr als der Hälfte der Textmenge kommt die Autorin, die sich vorher gewundert (!) hat, dass Frau Schöneberger immer höflich „Danke“ sagt, zu dem Schluss: „Es geht, ja, ums Geld.“ Es sei ihr schon immer wichtig gewesen, dass sie ein „geregeltes Einkommen“ habe und „die Miete bezahlen“ könne. Geregeltes Einkommen? Miete? Irgendwas passt da nicht zusammen, wundert man sich, da einem kurz darauf mitgeteilt wird, Frau Schöneberger wisse zwar nicht, wie viel sie für „einen Abend“ von BMW bekomme, die Autorin habe aber aus einer anderen Quelle erfahren, dass es etwa 20.000 Euro sein müssten. An anderer Stelle wird gefragt, ob es wirklich Spaß mache, den Nachtisch für BMW-Verkäufer anzusagen. Wahrscheinlich nicht, aber für 20.000 Euro kann man ja mal etwas machen, das nicht wirklich Spaß macht.
Die arme Frau will „so viel wie möglich zu Hause sein, wählt immer den schnellsten Weg heim.“ „Eigentlich will sie mehr Zeit für ihre Kinder haben, aber sie kriegt es nicht hin.“ Und warum nicht? Weil sie so fleißig ist. Und, wie die Autorin des Artikels feststellt: „Ein Mensch, der fleißig ist, kann diesen Trieb wohl nicht einfach so abstellen.“ Deshalb sieht die bedauernswerte Frau Schöneberger ihre Kinder nur, wenn sie schlafen, packt dann wieder ihren Rollkoffer, um am nächsten Morgen um 7 wieder aufstehen zu müssen. Als Leserin Ihrer Zeitung fühle ich mich durch diesen PR-Artikel, der von seinem intellektuellen Niveau her besser in „Gala“ passen würde, beleidigt. – Marion Scherpf


Es gibt möglicherweise noch einen anderen gemeinsamen Nenner, der all diese Taten vereint: den Migrationshintergrund der Täter.
Bei den Migranten hat unsere (europäische) Integration versagt. Und deshalb ist eine Abschottung jetzt geboten, da wir die vorhandenen Migranten erst integrieren müssen bevor weitere dazu kommen. – Chris Bantel


Der Artikel „Stille Erneuerung“ kulminiert in dem Satz „Die Türkei ist Teil von Deutschland, schon seit 50 Jahren“. Das ist sprachlich nicht weit von dem fatalen Satz eines ehemaligen Bundes-präsidenten entfernt. Ö. Topcu unterstellt, dass eine (überwältigende) Mehrheit der Türken „Eine  zerbrechliche Demokratie unter Erdogan lieber (wäre) als ein <erfolgreicher>
Putsch. Das kann nur glauben, wer die Türkei unter Erdogan und Ausnahmezustand noch für eine Demokratie hält. Dies ist mitnichten so. Wie kann die Autorin ernsthaft feststellen: „Regierungskritiker stehen zwar unter Druck, können sich aber immer noch Gehör verschaffen“, wenn jede kritische Stimme,
ob von Journalisten, Bloggern, Studenten oder anderen mit schärfsten Sanktionen bis zu Gefängnisaufenthalt bedacht wird! Im Gegenteil, die Neue Linie Erdogans heißt „Verräter werden keine Gnade erfahren“. Dass unter diesen Umständen „Die Türkei Beistand braucht“, dürfte klar sein; allein, durch“ enge, kritische Beobachtung“ kann es zur Zeit nicht mehr getan sein. Insofern ist die Türkei, wenn überhaupt, auf unabsehbare Zeit kein Teil Deutschlands. – Hans an Haack


Die Lösung liegt doch auf der Hand: wenn wie in den USA 1 % der Bevölkerung über 20 % des Einkommens verfügen, wird dieses Vermögen/Einkommen spürbar besteuert, sei es als Einkommens-, Vermögens- und/oder Erbschaftssteuer. Mit diesen Mitteln investiert der Staat in Infrastruktur, Bildung und Gesundheit. Das wäre die richtige „Trickle-down“-Methode! – Rüdiger Weigel


Lange hat mich eine Lektüre am Morgen nicht mehr so verblüfft: Die G20 und der IWF erkennen in der gesellschaftlichen Ungleichheit die Antriebsquelle der gesellschaftlichen Desintegration, deren Symptome beispielhaft mit Attentaten, gewalttätigen Selbstmorden, protestgetriebenen politischen Abstimmungen und Kandidatennominierungen beschrieben werden können. Interessant ist, dass diese Einsicht in innersten Zirkeln des kapitalistischen Wirtschaftssystems gewachsen zu sein scheint. In den Denkwelten der im weitesten Sinne linken Parteien gibt es kein Gespür für die Gründe der Auflösung des gesellschaftlichen Kitts. Das kleine Karo von Nahles, Gabriel, Hollande, Corbyn usw. ist im Kontrast erschreckend. Ihre Klientel sehen sie idealtypisch im gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer bei VW. Die Abgehängten überlassen sie lieber den rechten Spielmachern: AFD, Wilders, Le Pen, Trump. Es sieht also alles danach aus, als würde eine Re-Adjustierung unserer Gesellschaften zu gemäßigterer Ungleichheit eher durch einen Wiedergänger der Erhard’schen „Sozialen Marktwirtschaft“ möglich als durch eine sozialdemokratische Politik. Zu befürchten ist allerdings, dass es für eine „Heilung“ der kapitalistischen Welt zu spät ist: narzisstischer Egoismus eines „optimize yourself“ ist „in“, Solidarität ist „out“. – Knut Holzscheck


Ich finde es großartig, dass Sie von allen Männern bewundert und beneidet wurden. Sie durften mit der Makita spielen.  Hätten Sie „getestet“, wäre zu lesen wieviel löcher Sie gebohrt haben, mit welchem Durchmesser, welcher Bohrtiefe, auf welchem Untergrund und in welcher Zeit. Sie hätten außerdem mitgeteilt, ob das mit einer Akkuladung geschafft wurde oder der Akku gewechselt werden musste.  Vielleicht können Sie diese Daten noch einmal nachliefern.  Ich bin zwar selbst nicht mehr aktiv tätig, aber interessiern tun mich die Daten schon noch Nur zu Ihrer Information:  Gute Geräte kommen von HILTI und von Makita – die beiden tun sich nicht allzuviel, dann kommt erst einmal nichts, dann  kommt Metabo  und den Rest können Sie vergessen. – Immo Richter


Ihr Leitartikel in dieser Woche (ZEIT Nr.32) hat mich sehr nachdenklich gemacht. Sie müssen ein außergewöhnlich optimistischer Mensch sein, wenn Sie glauben, dass es in absehbarer Zeit in der Türkei so etwas wie eine „Stille Erneuerung“ geben kann. Die Vor- und noch weniger die Nach-Putsch Politik von Recep Erdogan können m.E. dazu Anlass geben. Wo glauben Sie wird der Raum verbleiben, den der gegenwärtige Staatspräsident gewährt, um den zarten Pflänzchen echter Demokratiebestrebungen Licht zur Entwicklung zu geben? Und was kann eine interessiert zugewendete EU wohl bei diesem Staatspräsidenten bewirken?
Und was sieht Europa an der Gülen Bewegung eigentlich verklärt? Meine Nachforschungen haben keine Gründe ergeben, sie etwa zu verdammen, wie es Erdogan derzeit tut. Erklären Sie das in einem weiteren Artikel doch einmal näher. Sie schreiben ferner: “Alle politischen Milieus in der Türkei sähen den Kontinent Europa in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise, vor allem wegen des Umgangs mit den Flüchtlingen“. Wie kommen die politischen Milieus der Türkei auf dieses hohe Ross? Europa hat in der Flüchtlingssituation sicher Fehler gemacht, ist aber doch noch immer auf dem Wege sich hier zu vernünftigen Lösungen durchzuringen. (Da bin ich jetzt Optimist.) Mir scheint die Türkei wird- aus naheliegenden Gründen- auch bezüglich des eigenen Umgangs mit Flüchtlingen sehr geschont. Türkische Schlepperbanden haben jahrelang an den Menschen verdient, die sie in unsicheren Booten mit unechten Schwimmwesten Richtung Europa und Viele in den sicheren Tod geschleust haben. Flüchtlingslager auf syrischem Kriegsgebiet scheinen mir auch nicht gerade als Vorbild zu taugen.
Gibt es noch andere Werte in der Türkei, die Europa als Vorbild taugen könnten? Sie stellen die Behauptung auf, „Deutschland ist mit keinem Land auf der Welt so eng verbunden wie mit der Türkei.“ Steile These. Wie kommen Sie darauf? Vergleichen Sie hier das Grundgesetz oder einen gemeinsamen Wertekanon?
Und dann der letzte Satz: „Die Türkei ist Teil von Deutschland, schon seit 50 Jahren.“ Wieso? Habe den Satz mehrmals im Geiste mit Vergleichen probiert und bin auf keine taugliche Antwort gekommen. Die in Deutschland lebenden Türken sind mit Sicherheit ein Teil von Deutschland. Mit deutscher Staatsbürgerschaft sogar Deutsche. Aber ist Mexico ein Teil der USA? Oder Deutschland ein Teil Argentiniens? Oder Russland ein Teil des Baltikums? – Michael Kahmeyer


Dossier – Titel Was wir nicht mehr sehen wollen .Danke – endlich sehe ich nicht mehr die Gesichter von Menschen, die fast keine menschlichen Züge mehr haben. Die als lebende Bomben in unserer Gesellschaft gelebt haben. Endlich sind die unsäglichen Fotos verschwunden. Ich hoffe, dass alle Medien sich anschließen werden einschließlich Bild! – Christa Schuster


Angesichts der vielen Urlauber, die kaum erlebnisfähig sind und überall hinfahren, um ihrer inneren Leere zu entgehen, und auch dort nur auf ihre Smartphones starren, finde ich ihr Urlaubsverhalten außerordentlich sympathisch. Doch hat mich Ihre „Erwartungslosigkeit“, weil“die Umgebung nicht die geringste Überraschung verspricht“ fragen lassen, wie es um Ihre Wahrnehmungs- und Erlebnisfähigkeit bestellt ist.
Ich war 20 Mal am gleichen Ort auf Kreta und fahre in diesem Jahr mit meiner Lebensgefährtin zum 10.Mal nach Santorin. Da erwarten uns spannende Erlebnisse in Hülle und Fülle. Was hat sich in dem Ort verändert? Wie wird es der Wirtin gehen? Was hat sie zu erzählen? Hat die Katze Junge gekriegt? Wer ist gestorben? Welche Begegnungen ergeben sich mit den Menschen, die wir schon lange kennen? Welche neuen Seiten entdecken wir an ihnen? Wellche neuen Menschen tauchen auf? Welche Menschen sitzen neben uns im Restaurant? Was machen die streunenden Hunde? Nun, ich rede zu allgemein. Jede Stunde des Tages passiert etwas Besonderes und Überraschendes, das sich nie wiederholt. Etwas Spektakuläres (wie der Tanz einer Tangotruppe vor vier Jahren auf dem Marktplatz), etwas Dramatisches (wie ein erfrischender lautstarker Streit unter Griechen), etwas Anrührendes (ein Mädchen, das uns ihre Puppe zeigt) oder sich scheinbar Wiederholendes, das doch immer neue Nuancen bereithält. Das Meer, der Himmel: immer anders! Schon Heraklit wußte, daß man nicht zweimal in den gleichen Urlaub fährt. – Gerd Röhling


Danke, danke, danke für diesen Artikel („Explodierende Egos“)! Kann man den bitte nochmal als Flugblatt über Deutschland abwerfen? Gerade die ersten beiden Abschnitte sind meiner Meinung ganz wichtige Feststellungen zu den aktuellsten Gewalttaten. Und da ich der Meinung bin, dass es  z.Z. wichtig ist zu deeskalieren und sich zu disziplinieren und nicht anfangen zu hassen….was im Moment sehr einfach wäre…, sollte man immer wieder auf diese komplette Sinnlosigkeit der Taten dieser kranken Menschen, die Attentate begehen hinweisen.  Sich komplett einzuigeln, ob als einzelne Person, als Land oder Kontinent wird gar nichts bewirken. Durch die Krise gehen und Wege finden mit „explodierenden Egos“ klarzukommen, das wird unsere Aufgabe sein. – Bettina Rochlitz


Was für ein gespenstisches, demütigendes Theater: Schüler sollen sich öffentlich zu den verantwortungslosen Entscheidungen von Politikern ihrer Lehrergeneration positionieren. Besser als solche politischen Familienaufstellungen wäre vielleicht darüber nachzudenken, ob man nicht statt maximaler Bekenntnisse zum Guten einen minimalen Konsens zum Nötigen und Machbaren anstreben sollte – in einer Situation, die für die Stabilität der europäischen Demokratien inzwischen existenzbedrohend geworden ist. – Matthias Wagner


Die sich immer wiederholende “ Betroffenheitsduselei “ nach kleinen und grossen Terroranschlaegen ist in dem einen oder anderem Fall schon laestig. Und zwar laestig deswegen , weil wir im ach so aufgeklaerten Westen uns noch keine konkreten Gedanken gemacht haben , wie wir “ alle “ auf den wohl ansteigenden islamistischen Terror effektiv reagieren werden. Ich habe vor etlichen Jahren an der Entwicklung von Sicherheitskonzepten im Luftverkehr mitgewirkt. Diese Massnahmen fruchten seit laengerem. Aber heute gibt es voellig andere und neue Bedrohungsformen. Unser Land krankt an Zivil-Courage. Der Axt-Angreifer im Zug von Wuerzburg haette von den Fahrgaesten ueberwaeltigt werden koennen. Hierzu bedarf es allerdings Zivil-Courage und einem vorher absolvierten Sicherheitstraining. Und solche Sicherheitstrainingkurse muessen in Zukunft fuer alle abgehalten werden. An Schulen , in Behoerden , in Unternehmen , ja ueberall muessen wir aktiv werden. Auch wenn einige dies belaecheln – Wir haben keine Zeit mehr fuer Realitaetsferne. Auch unsere Jugend muss neues hinzulernen. Eine Gesellschaft , die in ihren Werten geschlossen und nicht egoistisch den einzelnen Angriffen entgegensteht , hat eine Zukunft , auch wenn die teuflischen Attacken zunehmen. – Erwin Chudaska 


Es ist, milde ausgedrückt, völlig weltfremd zu glauben, dass eine aktive Politikerin, die jahrzehntelang einem Landtag und dem Bundestag angehörte, eine massiv gefälschte Vita angegeben hat, ohne dass dies aufgefallen wäre. Frau Hinz muss in diesem Zeitraum Dutzende, ja, Hunderte von Personen getroffen haben, die sich nicht nur nach ihrer Universität, sondern auch nach ihren juristischen Schwerpunkten (und sei es nur Strafrecht vs. Zivilrecht) sowie nach ihren akademischen Lehrern erkundigt haben. Es gehört zu jedem Smalltalk von Juristen (und, mutatis mutandis, Medizinern und anderen Akademikern), sich über derartige Themen auszutauschen und durchaus auch noch weiter- oder tiefer-gehende Fragen zu stellen. Es müßten schon alle diese Gesprächspartner der Frau Hinz ebenso gemogelt  haben wie sie, wenn dabei die Fälschung ihres Lebenslaufes nicht offenkundig  gewesen sein sollte. – Wolf-Rüdiger Heilmann 


Träume ich oder lese ich richtig.? Ein Beitrag der Wahrheit. Ich habe daran schon nicht mehr geglaubt. Ihr Autor Thomas Assheuer bekommt von mir ein „summa cum laude“. Die verheerenden gesellschaftlichen Zustände sind ein Langzeitphänomen. Die Generation der falschen Toleranz und die liberale Erziehung im Kindesalter hat sie zu Rotzlöffeln herangezogen, wie der schwedische Psychiater David Eberhard in Ihrer Zeitung vor über einem Jahr in der „Zeit“ geschrieben hat. Heute ist das Ergebnis aller Orten zu besichtigen. Die Jugendrichterin Kirsten Heisig konnte unser Gesellschaftsmodell nicht mehr ertragen und ging in den Freitod. Die Armut und Angst mußte eines Tages zum Ausbruch kommen. Heute ist das in Gewalt und Tötung völlig unschuldiger Menschen explodiert. Die Vorlage dafür hat der gewaltsame Islam geliefert. Aus den Rotzläufeln sind  „Gutmenschen“ geworden. Die sind so gut, daß sie schon zur Plage geworden sind. Eine Nation im Verständniswahn. Unsere Bundeskanzlerin ist die Anführerin der „Gutmenschen“. Sie setzt sich über den Zentralrat der Juden hinweg, die ebenfalls eine schlimme Entwicklung entgegen sehen müssen. Die meisten Flüchtlinge hassen die Juden. Sie kommen aus Kulturen in dem der Hass auf Juden Programm ist. Auch das wird von der Politik ignoriert. Es ist abzusehen welche Auseinandersetzungen dadurch auch noch auf uns zukommen werden. Auch die immer größere Heuchelei und Phrasendrescherei vieler Politiker und Journalisten gehört in dieses Bild. Das Abbild unserer Gesellschaft ist täglich in unseren Harz IV Sendeanstalten zu beobachten. Und immer noch scheint man den Weg weitergehen zu wollen. Ich kann keine Einsicht erkennen. Ihr Autor hat daraus die richtige Schlussfolgerung gezogen: „Eingedämmt wird die Gewalt erst, wenn sich die Welt eine neue Ordnung gegeben hat!“ – Gunter Knauer


Ich bin unsicher, ob die Lehrerin in ihrer Mission zu weit geht. Bedenklich in jedem Fall ist es, die Schüler einem Gesinnungstest zu unterwerfen. Die Lehrerin hätte reflektieren müssen, dass hier auch die negative Meinungsfreiheit der Schüler mit der Schulpflicht und dem tatsächlichen Zwang zur Teilnahme zur Vermeidung einer schlechten Benotung kollidiert. Das hat Frau Simon auch erfreulicherweise gleich gesehen, keine Selbstverständlichkeit.
Es sollte der erfahrenen Lehrerin auch klar sein, dass die Schüler in der grundsätzlich schwierigen (Lebens-)Lage sind, eine eigene politische Meinung zu entwickeln. Wenn dann die Lehrerin ihre Meinung mit dem Thüringisches Schulgesetz begründet, überhöht sie ihre eigene Meinung so sehr, dass ein verstummen abweichender Meinungen vorprogrammiert ist. Wie soll ein 17jähriger eine Meinung gegen die erklärte Position einer Lehrerin entwickeln und verteidigen, von der er benotet wird und die sich für seine Meinung auch noch auf ein (Schul-)Gesetz meint berufen zu können mit der Aussage „Damit ist das vom Tisch“? Im Übrigen ist die Lesart der Lehrerin der Rechtsgrundlage zweifelhaft: „weltanschauliche Überzeugung“ anderer gilt auch für ihre fehlgeleiteten Schüler.
Jetzt bitte ein Folgeartikel: Wie entsteht eine eigene politische Haltung? Welche Rolle spielen persönliche Erlebnisse, Autoritäten (Lehrer, Politiker, Eltern, Vorgesetzte) und Medien – vor allem in quantitativer und qualitativer Hinsicht? Es gibt verschiedene Modelle zur Erklärung von öffentlicher Meinungsbildung (Schweigespirale, Agenda Setting, Kultivationshypothese, etc.), die allesamt recht alt sind. Gelten die noch in Zeiten von Facebook und Snapchat? Und geltend sie auch für die Diskussion in der Schule?Schmankerl zum Schluss: Als norddeutscher Leser war ich kurz irritiert über den Satz „Der Direktor hockt mit dem Rücken zum Fenster in seinem Büro […]“. Vor meinem inneren Auge erschien mein früherer Schuldirektor in Primatenhaltung auf dem Boden seines Büros. Aber nein, Frau Simon muss wohl aus dem süddeutschen Raum kommen. – Dr. Kristoff Ritlewski


Die Türkei ist ein Teil von Deutschland, schon seit 50 Jahren! Meine Güte, so was: selbstverständlich, viele Argumente sind wahr aber worüber kein Wort geschrieben ist sind die verachtenswerte Behandlungen der Putch-gefangene. Wie kann mann behaupten, die Türkei sei ein Teil Deutschlands? Diesartige Unmenschlichkeiten sind allein schon genügend Beweisgrund einen grausamen Racheakt ohne öffentlichen Gerichtsverfahren. Die Bilder zeigen heftig gefolterte Personen, unzähliche Menschen sind inhaftier worden: die Türkei ist ein Teil Deutschlands: bravo! – Emil van Lent


Auch wenn die Motive von Attentätern unterschiedlich sein können, notwendige Voraussetzung  für ihre Taten ist in jedem Fall ein Feindbild. Zwar wird ein Mensch mit einem Feindbild nicht automatisch zu einem Attentäter, aber einen Attentäter ohne Feindbild gibt es nicht. Welches Feindbild ein Mensch entwickelt, hängt offensichtlich von seinem Selbstbild ab. Wenn jemand sich als Muslim sieht, wird er Menschen zu Feinden erklären, die in seinen Augen „die Muslime“ bedrohen, wenn jemand sich als Deutschen betrachtet, wird er Menschen zu Feinden machen, die seiner Ansicht nach für „die Deutschen“ eine Bedrohung sind usw. Der Wahnsinn, den wir zurzeit erleben, hat seinen Ursprung in unreflektierten und daher für wahr gehaltenen Selbstbildern. Denn in der Regel verhalten wir uns gegenüber unserem Selbstbild wie ein Künstler, der ein Selbstportrait malt, und am Ende glaubt, die farbige Leinwand sei er selber. – Dr. Jens Lipski


Der Artikel „Der Kapitalismus soll netter werden“ zog gleich mein Interesse auf sich und las sich sehr interessant. Er krankt jedoch leider daran, dass hier die Ergebnisse eines vermeintlichen G20-Gipfels 2016 interpretiert werden, der aber noch gar nicht stattgefunden hat.
In Chengdu tagte nicht der G20-Gipfel, sondern das „letzte Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure vor dem G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs“ im September in Hangzhou. Dass der Autor dies nicht weiß (ganz eindeutig im letzten Absatz zu erkennen) stellt für mich zum einen den Artikel, und zum anderen seine Kompetenz grundlegend in Frage. Meine anschließende Recherche zu den Ergebnissen von Chengdu zeigt zudem, dass die „zentrale Botschaft“ des Treffens, die Herr Schieritz ausgemacht, sich bei anderen Zeitungen nicht wiederfindet. Meine Irritation angesichts dieses Artikels wirft für mich auch die Frage auf, was für Journalisten, die Zeit eigentlich beschäftigt und wie sehr ich mich darauf verlassen kann, dass die Artikel gut recherchiert sind. In diesem Fall stimmt bereits ein simpler aber zentraler Fakt nicht, und hier lässt sich wohl kaum von einem Flüchtigkeitsfehler sprechen, da man schlecht ausgiebig die Ergebnisse eines Treffens analysieren kann, ohne zu wissen, um was für ein Treffen es sich eigentlich handelt. Etwas Gutes hat die Sache aber: Sie erinnert mich daran, dass manche Dinge zu schön sind, um wahr zu sein und, dass sich die Mühe lohnt, sich mittels mehrerer Quellen zu einem Thema zu informieren. – Sylvia Ismail


Mehr Bildung & Sozialarbeit zur Integration junger Menschen in unsere Gesellschaft & Prävention von Gewalt muß die Antwort sein – nicht (nur) mehr Polizei! Warum wird das nicht lauter & drängender diskutiert & gefordert (& im Artikel lediglich in einem kurzen letzten Absatz erwähnt)?! – Dr. Gisela Feller, Königswinter


Ich muss der Hoffnung, dass die Türkei sich der rechstsstaatlichen Standards erinnernt (conjunctivus optativus oder irrealis?), widersprechen. Als Kind in der damaligen DDR habe ich gesehen, wie russische Soldaten einen Mann auf ihren Lastwagen zerrten, weil in ihrem Gefangenentransport die Zahl nicht stimmte. Ich erinnere mich, wie mein Vater nachts hochschreckte, wenn vor dem Haus ein Auto hielt; er fürchtete als Leiter einer Molkerei stets die Verhaftung und die Anklage als Saboteur, wenn er Planzahlen nicht erfüllte). Und ich erinnere mich an die Kneipe, in der mein Vater in der hintersten Ecke leise mit Freunden frei sprach; der Wirt hustete warnend , wenn Unbekannte das Lokal betraten.

Die Parallelen mit den aktuellen Zuständen in der Türkei liegen auf der Hand. Ich sehe einen rachsüchtigen, abgehobenen Erdogan, der aus der Türkei ein TÜRKOREA machen wird und keine Diplomatie Europas wird das verhindern. – Lutz Landorff


Liebe Redaktion der ZEIT, ich war lange Abonnent der ZEIT, sehe die sogenannten Mainstream Medien aber zurzeit auch sehr kritisch. Ich finde es gut, wie offen ihr in eurer Zeitung mit Fehlern umgeht. Fuer mich verliert die ZEIT aber massiv an Glaubwuerdigkeit, durch die Mitgliedschaft in diversen Lobbygruppen v.a. von Josef Joffe. Wenn die ‚klassischen‘ Medien ihre Glaubwuerdigkeit wirklich zurueckgewinnen wollen, muessen sie meiner Meinung nach da ansetzen. – Philipp Muhle


Ich finde es äußerst uninteressant zu wissen, was für einen Hosenanzug Frau Susanne Klatten bei der Ankündigung ihrer Großspende angezogen und wie viel Schminke sie aufgetragen hat. Wann hört endlich die Frauenhandtaschendudelei auf? – Lena Lemke


Bernd Ulrich schreibt von der Selbsterhöhung und -ermächtigung der muslimischen Mörder. Das ist gerade in unseren  kapitalistischen Gesellschaften an sich weder einer unübliche, noch anrüchige Verhaltensweise. Mir scheint es eher wie die Verzerrung der westlichen Individualisierung, mit der der Westen seit der Renaissance umzugehen gelernt hat. Muslimische Gesellschaften sind überfordert mit ihren familiären clan-Strukturen, und das Ich bahnt sich gewaltsam den Weg. – Jan Albers


Beruflich und im Urlaub war ich oft im Ausland – allein 1 Jahr in den USA und 6 in F. In F war ich froh, dass wir das französische Autokennzeichen bekamen und die damals noch gelben Lampen. Dann wurde nicht gegen das Auto beim Parken getreten und man wurde im Verkehr für vollgenommen.

Obama hätte ich beim ersten Wahlkampf nicht vor der Siegessäule auftreten lassen. Die Kanzlerin hat ihm ja wenigstens das Brandenburger Tor verweigert. Dafür war Obama dann böse und besuchte sie nicht in Berlin sondern mußte ihn in Baden Baden als Präsident begrüßen. Man stelle sich nur mal vor, unsere Kanzlerkandidatinnen würden eine Rede vor dem Lincoln-Memorial planen oder auf dem Taksim-Platz. Ich fand es auch merkwürdig, dass Erdoğan in Köln wohl 2008 über Integration und Assimilation sprach aber auch Wahlkampf betrieb. (Ich verstehe auch nicht, warum besonders türkischen Staatsbürgern der Doppelpass verweigert wurde. Sonderfälle könnte man regeln.)

In F ist die Fixierung auf „Monsieur le president“ für mich befremdlich oder die Hierarchie in Gesellschaft und Wirtschaft im UK nicht erstrebenswert. Aber als Gast halte ich mich doch in diesen Dingen zurück? Beim Lob von manchen Dingen braucht man sich weniger Zurückhaltung auferlegen.

Grenzenlos streiten lernen – gern. In den Medien, privat – aber warum diese gewaltbereiten Demos? Warum dieser unangenehme Ton von Erdoğan und seinen Anhängern? Stilistisch weckt er mit den eigenen! Demoaufrufen, dem Stakkato, den vielen roten Fahnen, den Kindern, die ihm zugereicht werden uvam. unangenehme Erinnerungen an frühere Zeiten. Wenn er nicht einmal MdBs auf den NATO-Stützpunkt kommen läßt, sollte man wirklich unser Kontingent abrufen. Sehe ich (77) das wg der Prägung in der Nachkriegszeit nicht mehr zeitgemäß? – Gerhard Schroeder


Zu Bernd Ulrich: „Explodierende Egos“: Zu fragen waere auch, ob die „Selbstermaechtigung der Moerder“, die Bernd Ulrich ausmacht, eine Folge ist der Einteilung der kapitalistischen Gesellschaft in „winner“ und „loser“. – Hermann Weigmann


Der Kommentar von Özlem Topcu in der Zeit kann nicht unwidersprochen bleiben, das sie hier mit einer eher oberflächlichen Analyse am Ende purem Wunschdenken über eine mögliche – aber nicht sehr wahrscheinliche Entwicklung der Türkei Raum gibt.

Es beginnt damit, dass Topcu umstandslos behauptet, eine Entscheidung, die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen, würde Europa in die Politikunfähigkeit führen. Was soll denn aber Europa mit Erdogan bereden, der systematisch – wie schon Putin – alle Regeln außer Kraft setzt und jedes Nachgeben und jeden Kompromiss als Schwäche ansieht? Und was wäre im Fall, die Türkei führte die Todesstrafe wieder ein? Ist dann der Abbruch der Verhandlungen mit einem Land, das erkennbar nicht zu Europa gehören will, nicht umgekehrt endlich wieder ein politisches Handeln der Europäer, die endlich wieder bereit sind, für ihre Werte zu stehen und rote Linien zu ziehen?

Das Problem hat weniger mit der Verfasstheit Europas, aber viel mit der inneren Verfassung der Türkei zu tun. Ich sehe in Topcus Kommentar die Angst der liberalen Türken aus den urbanen Mittelschichten vor dem langsamen Schließen der Tür zu Europa. Diese Gesellschaftsschichten befürworten den Weg nach Europa, weil er ihnen ein Leben der individuellen Freiheit und des Wohlstandes verspricht. Dass sich die Türkei von diesem Weg abwendet, hat weniger mit Europa, sondern mehr damit zu tun, dass es in der Türkei heute keine Mehrheit für diesen Weg gibt. Eine Mehrheit sieht es offensichtlich als attraktiver an, mit einem autoritären Führer Erdogan eine Regionalmacht am Bosporus als Teil von Europa zu sein. Für den Weg nach Europa Mehrheiten zu suchen, ist aber nicht Sache der Europäer, sondern der Türken. Es ist sicher für die europäisch orientierten Türken bitter, sich von Europa im Stich gelassen zu fühlen, aber am Ende kann ihnen Europa nicht helfen, die Mehrheiten für den europäischen Weg im eigenen Land zu organisieren.

Im Gegenteil, Europa muss Stellung beziehen, weil seine Werte den letzten Jahren in einer beispiellosen Weise angegriffen werden. Es wird herausgefordert nicht nur von Vertretern autoritärer Weltsichten, sondern auch noch von Männern, die eine Politik des Machismo vertreten und bewusst die Regeln der zivilisierten Politik umgehen und außer Kraft setzen. Sie sind nicht mit Diplomatie, sondern nur mit Klarheit und Konsequenz zu stoppen. Europa und insbesondere Deutschland  hat zu viel Kraft und Auseinandersetzungen in die gesellschaftliche Entwicklung hin zu Offenheit und Liberalität investiert, um das jetzt aufs Spiel zu setzen. Es ist richtig, dass für viele gerade junge Türken das europäische Modell nicht mehr das vielversprechendste ist – aber ein Europa, das sich aufgibt, ist es erst recht nicht. – Petra Rossbrey


Ich habe Ihren Artikel ueber den Häuserkampf in Gelsenkirchen mit Interesse gelesen. Ähnliche Erfahrungen haben traditionelle Labour-Anhänger in den verarmten Industriestädten Nordenglands dazu motiviert, für den Austritt aus der EU zu stimmen. – Dr Carsten Timmermann


A german view on the Union – No Cherry picking and Island mindset: As I am living in the middle of the Euro Europe I understand and support europeen union and federation. Now, after the britisch vote to leave this Union, to run the Brexit, I support the consequent implementation of it, even demand it. A selection of ‚the best of two worlds‘ is not acceptable, must be blocked even faceing penelties and especialy for my home country, germany. I fear that certain europeen goverments see a chance to ‚deal‘ with Britain, to keep the marked and the millions may it be pounds, euro or dollar. And thereby drive instability on the cotinental union, erode agreements and cause degrading the open society. Contrair to the british people, central europe people experienced essentialy the need for close association. Generations of continental nations have had learned painfully that there is no escape from trading of interesed in nearly every dimention of dayly life. Germany developed in the last 50 years shoulder to shoulder with netherlands, dänisch- , polisch- , czechish-, austrian-people, people from switzerland and france knowing that just balanced interreseds ensure long term prosperity. As this permanent balance and maintaining of various relationship is a panelty, in case of success it redounds to all parties advantage. But yes and yes and yes, this union has his price, it is not for free. Like the united kingdom has paid a price, and a bloody one too, centeries ago, even just decades ago in nothern ireland.

Now, france and germany, spain and italy, netherlands, belgium and austria are willing to pay the price, primarily money. And taking on board all potential neigbours, knowing that we cannot escape the strugling of one of this shoulders in the line of stability freedom and peace for our citicens. What is the panelty, better the fees and draw backs? The stronger ‚has to‘ supports the weaker. Also common sence needs longer time for trade off. Bureaucracy tend to grow like cancer, weakens the good fortunes. Liberty of action and marked nourish thiefs, by the way effectively much more on the super rich end of the scale than on the poor side. The tention between local interesed and pooling power weakens from the inside, blokes again agile adaptation to changing world. This list can be extended. These drawbacks need to be understood and digested in the way Carl R. Popper defined the open society a century ago.

 Now, my beloved british neigbours, and I mean it, just behind the icy-cold chanel. You choose to choose and you choose to leave. Fair enough. But now we need much more to strengthen our union. Therefore you can not expect to get the advantage of a bigger marked but not contributing to the stablising efforts, to keep resistendless contol on the financil veins without contribut (money) to blanced the whole society. The island effect; to be protected by a strong boarder, is an effective approach in a distibuted world. The future requests integration. A wall between Mexico and US will not solve any problem, based on migration, not a single one, in the opposite. Scotish people understood preaty well that the union with Wales and England are a good, one you have to pay in, and on the long term there is a pay back. For the UK this may look diffrent. For today. But than the other, the continental union need to prohibit cherry picking. – Norbert P. Adameck


Glückwunsch zur Entscheidung, keine Bilder mehr von Terroristen zu zeigen, um ihnen keine märtyrerhafte Plattform zu bieten. Einen kleinen Schönheitsfehler hat das Ganze dennoch: Längst weiß man aus anderen Medien und dem Internet, wie die Täter, der Tatort oder der bombenbestückte Rucksack aus Ansbach aussehen. Die unscharfen Bilder im Artikel werden dadurch plötzlich doch scharf und verlieren nichts an ihrer Stärke. Es muss ein Codex her, dem sich alle Medien freiwillig anschließen: Keine Bilder mehr von Terroristen! – Moritz Pompl


Unten finden Sie einen Leserbrief zu No32, „Wissen“: Martin Spiewaks Diagnose der Gutachteritis lassen sich weitere Symptome hinzufügen.  Zeitschriften und Fördernde auf privater und öffentlicher, nationaler und internationaler Ebene nutzen inzwischen fast alle (natürlich unterschiedliche!) digitale Plattformen, um Eingaben und Gutachten zu verwalten. Neben der Lektüre des zu Begutachtenden ergeben sich hierdurch weitere Stunden und Tage der Auseinandersetzung mit der Raffinesse von IT-Techniker_innen. Anstatt ein Gutachten hochzuladen, sind einzelne Fragen zu beantworten (z.B. mit 200 Wörtern pro Kästchen und einem System, dass weniger als 200 Wörter nicht akzeptiert). Zwischenspeichern nicht vergessern – sonst muss man von Vorne beginnen, sollte die Platform alle 30 Minuten ausklinken. Hat man sich nach einigen Gutachten an eine Plattform gewöhnt, darf man sicher sein, dass ein neues Admin-Team aus (IT-Sicht) Verbesserungen einführt. Die Zeitressourcen, die in Anträge fließen, sind phänomenal. Der belgische Linguist Jan Bloemmart hat dies in einem Blogbeitrag zu Horizon 2020 Antragsmodalitäten vorgerechnet (https://alternative-democracy-research.org/2015/06/10/rationalizing-the-unreasonable-there-are-no-good-academics-in-the-eu/). Bloemmarts Berechnungen muss hinzugefügt werden, dass von 145 Riesenanträgen, von welchen jeder eine Vielzahl von Forschungsenergien einband, gerade einmal 2 gefördert wurden. Hier wurden auch die Zeitressourcen von unzähligen Gutachter_innen ausgenutzt, die Berge von Prosa begutachteten, wohl wissend, dass es nur zwei Siegerteams geben konnte.

Ebenfalls zu betrachten wären die Begutachtungen ganzer Fakultäten, Universitäten, oder Fachaufstellungen innerhalb eines Landes. Hier werden Akademiker_innen unter einer als wissenschaftliche Begutachtung deklarierten Einladung dazu benutzt, eine den wirtschaftlichen Wettbewerb stützende Qualitätsanalyse zu liefern. Wer Wissen Schaffen als mehr als einen Wirtschaftsbeitrag betrachtet, sieht sich in solchen – durchaus gut bezahlten – Evaluationssituationen vor enorme ethische Herausforderungen gestellt, kann doch hier wissenschaftliche Einschätzung (Qualität und Internationalität von Forschung, Promovendenbetreuung u.ä.) leicht zur Schließung ganzer Abteilungen beitragen – ohne dass Kontextfaktoren wie etwa Mangel an Staff und Budget, in die Rechnung aufgenommen werden.

Schließlich ist auch die Situation derjenigen, die Gutachtende zu bestellen haben, zu beleuchten. Wer eine Fachzeitschrift redigiert oder für eine Stiftung Gutachten einholt, weiß aus mühseliger Erfahrung, dass aus dem im Prinzip großen Feld potentieller Fachwissenschaftler_innen nur eine Handvoll tatsächlich auch zügig, fachkundig und – sehr wichtig für die Begutachteten – hilfreich kommentiert. Ob es für die Wissenschaften zuträglich wäre, hier öffentliche Anerkennung der „Guten“ als Anreiz zu benutzen, bezweifle ich. Wesentlicher scheint doch die Aufrechterhaltung der Qualität der eigenen Wissenschaft für die Gesellschaft – ein Gut, welches im Interesse aller in einer Disziplin Arbeitenden ist.

Kurzum: das Gutachterwesen wäre es wert, selbst einer qualitativen kulturwissenschaftlichen Studie unterzogen zu werden. Fragt sich, wer den Antrag schreiben mag und wer ihn begutachtet. . . – Regina F. Bendix


„Was wir nicht mehr sehen wollen“: Ich begrüsse die Initiative, den Mördern keine öffentliche Bild-Platfform mehr zu bieten,  ausdrücklich. – Karin Paulshofen-Zenglein


Das Thema „warum schwieg Papst Pius XII“ berührt mich persönlich schon seit meiner Kindheit, 12 – 13 Jahre, ab etwa 1952, in Apeldoorn/Niederlande. Ihr Artikel ist gut. Durch Umzug und Schuländerung lernte ich damals einen jungen Nachbar kennen. Wir wurden beste Freunde. Ich war sehr viel bei ihm daheim. Es stellte sich heraus, seine Mutter, sein Vater, er waren von Geburt Jude und RK-Christ. Vater im Krieg „verstorben“. Diese Frage: „Warum schwieg Pius XII über die Judenverfolgung, Tod im KZ?“ war oft zwischen uns das eindringlichste Thema. Es rührt mich jetzt noch auf. Wir versuchten mögliche Antworten zu finden. Selbstverständlich sind dies Spekulationen, einige Daten spielen gewiss eine Rolle. Teilweise sind sie vielleicht so nicht (mehr) bekannt.

  • Er war lange als Diplomat in Berlin (Konkordat). Er kannte die „Akteure“ persönlich. Er war – nach unserm jetzigen Verständnis – kein „Hirte“.
  • Er war ein diplomatischer Papst und nutzte vornehmlich die diplomatische Mittel zur Einflussnahme. Andere (z. B. moralische Appelle, Motivierung des Klerus) waren damals international kaum möglich, schon allein durch die damaligen Kommunikationsmittel.
  • Er hat gesehen, wie der deutsche Staat (Hitler) insbesondere auf „Mit brennender Sorge“ 1937 reagierte. Eher im Verborgenen –aus Anlass und unter Vorwand eines bestimmten Ereignisses setzte dieser brutal, grenzenlos seine „Interessen“ durch. Der „Protestierer“ sollte unter seinem Protest am meisten leiden.

Beispiele hierfür auch:

  1. Die Priester im KZ. Die Priester wurden eingesperrt weil sie als Priester dem Regime im Wege waren. Der Papst protestierte auf dem Diplomatenweg (welche sonst) und bestand darauf, sie als Priester weiterhin im KZ ihr priesterliches Gewand tragen zu lassen. Berlin gestand das zu, die Priester sollten ihre Soutanen tragen, aber darunter durften sie nichts mehr tragen. Offizielle Begründung: Ihr Handeln entspricht doch den Wunsch des Papstes im vollen Umfang. Es war nur von Soutane die Rede. Die NS war froh, sie hatten einen Anlass, die Priester mehr leiden zu lassen (Kälte).
  2. Jetzt Judenverfolgung in Holland im Krieg.

Bekanntlich ist der %-Satz der deportierten und verstorbenen Juden, gemessen an den ursprünglich anwesenden Juden, in den Niederlanden von den europäischen Ländern, der höchste. Einmal waren die Einwohnermeldeämter sehr gut. Sie waren gut organisiert, die Erfassung war komplett, die Datenbestände waren seit spätestens 1805 (Bonaparte) erhalten und – hier wichtig – die Daten enthielten auch die Religionszugehörigkeit. Die meisten Juden wurden über das Amt ermittelt, nicht durch persönlichen Verrat.

Über Jahrhunderte lebten auch viele Menschen der Jüdischen Glaubensgemeinschaft in Holland, mit guter, friedlicher Tradition. Zunächst wurden im Krieg nur die Menschen mit der jüdischen Religion verfolgt. Diese Judenverfolgung, Deportation und Tod, prangerte der Utrechter Erzbischof de Jong, später Kardinal, etwa 1942!, sehr öffentlich an. Das nahmen „die Deutschen“ zum Anlass, jetzt auch die katholischen Juden zu verfolgen. Damit starb jetzt mehr „Juden“, auch der Vater meines Freundes.

Jetzt mussten also die kath. Juden ausbaden, was Erzbischof de Jong „angerichtet“ hat. Dies war Papst Pius XII bekannt. Selbstverständlich haben an diese Verfolgung auch Niederländer mitgewirkt, aus Angst, als Mitläufer, aus Überzeugung. Ich bin sehr froh, die Wogen zwischen den Holländern und den Deutschen haben sich sehr geglättet!

  • Nicht zu unterschätzen war die Gefahr, dem Papst könnte in Rom „etwas passieren“ und mindestens wirkungsunfähig werden. Auch Papst Pius XII wusste das. Es war ganz unwahrscheinlich, dass damals in halbwegs geordneten Bahnen ein Konklave mit Papstwahl hätte stattfinden können. Was wäre die Folgen?

Natürlich ich weiß nicht, warum auch jetzt hierüber noch geschwiegen wird. Zunächst müssten die entsprechenden Archive abschließend durchforstet sein. So fern ich weiß, geschieht diese Arbeit schon seit einigen Jahren. Ich bin auch in diesem Punkt gespannt. Eine erstmalige Äußerung hierüber in Auschwitz, würde vermutlich den Charakter des Besuches sehr verfälschen. Der Papst ist auch Staatsoberhaupt in Italien. Staatliche/Regierungsarchive bleiben doch lange (50, 70 Jahre, bzw. solange, bis keine persönlich Betroffenen mehr leben, unter Verschluss) auch um „des lieben Friedens Willen“.

Persönlich, alles zusammen genommen, stimme ich dem „Schweigen“ des Papstes Pius XII. zu. Hätte ein Reden, ein Protest „geholfen“? Gewiss wären noch mehr Menschen gestorben. Gewiss wäre auch die Zusammenarbeit zwischen „dem Westen“ und dem Kommunisten (Gulag) mindestens noch schwieriger gewesen. Auch ich hätte jetzt ganz gerne zwei Antworten: a) Schweigen von Pius XII und b) Schweigen bis jetzt, bis wann?  – Alex Weterings


Wenn das natürliche Bedürfnis nach Nähe von Geburt an nicht erwiedert wird, ruft das Bindungsstörungen hervor, die bei Kindern und Jugendlichen zu aggressivem Einfordern dieser Nähe führen kann. Wenn die Sehnsucht nach Nähe zu aufmerksamen Bezugspersonen ins Leere geht, weil Kinder nicht als solche, sondern als unfertige Erwachsene gesehen, also nicht ernst genommen werden, oder wenn Nähe als stark vereinnahmend oder nur durch Gewalt erfahren, oder aus ideologischen Gründen verweigert wird, wie das bei den pseudo-pädagogischen Strategien in totalitären Staatsformen der Fall ist und beispielsweise bei den Nazis war (Erziehung zu Obrigkeitshörigkeit und damit verbundener Gefühlslosigkeit), dann kann sich der dadurch entstandene Stau in Gewaltfantasien und realer Gewalt entladen. Deshalb gehört es zu den vornehmsten gesamtgesellschaftlichen Aufgaben, die an unseren Kindern und Kindeskindern ablesbare Ausstrahlung ursprünglichen Seins zuzulassen, schließlich erinnert die uns an unsere eigene Ursprünglichkeit. Wenn Kindern die Möglichkeit der Erfahrung vertrauensvoller Nähe vorenthalten wird, weil erwachsene Bezugspersonen standardisierte Selbstbestätigungs- oder Zugehörigkeitsmuster wichtiger finden, sollte man sich nicht wundern, wenn die Ergebnisse davon sich eines Tages in zerstörerischem Handeln entladen. – Christoph Müller-Luckwald


Die von Ihnen dargestellte “ Bildungsoffensive “  ist nicht objektiv geschildert; außerdem ist Ihre Sprachwahl in diesem Bereich arrogant und überheblich !! Ich habe auch meine Ausbildung zum Dipl.Ing. Hochbau über den knochenharten Bildungsweg absolviert .Viele Menschen meiner Generation haben diesen Weg beschritten und dadurch ihr Auskommen während ihrer Berufsausübung gesichert. Ansonsten ist der o.g. Artikel sehr interessant , bes. z.Th. Ruhr – SPD. – E. Dudenhausen 


Als Erbin eines Vermögens ,das zehnerpotenzen-weit von dem von Frau Klatten entfernt ist,habe ich die Erfahrung gemacht, daß man genau das ein Leben lang bleibt, nämlich Erbin zu sein ; denn man ist z.B. nicht den Launen eines schlecht gelaunten Chefs existentiell  ausgeliefert oder muß sich bei Kreditverhandlungen von irgendwelchen Bankern demütigen lassen , kurz : das Leben verläuft ander als bei  99 % der Bevölkerung. Gewiss kostet die Verwaltung von Vermögen auch viel Kraft, es ist Arbeit, wie Frau Klatten sagt, aber – wenn sie sich die Mühe macht  und ihren Einsatz  mit dem Einkommen gegenrechnet- so müsste sie auf einen grotesk hohen „Stundenlohn“ kommen, der durch nichts gerechtfertigt ist, nicht durch Intelligenz ,   Ausbildung oder durch außergewöhnlichen Einsatz. Um die bestehenden Vermögensverhältnisse im Sinne einer Umverteilung   nur   ein wenig zu verändern  hat eine Gruppe von 22 vermögenden Menschen in der ZEIT  vor 7 Jahren einen Appell (als Anzeige) veröffentlicht , in dem eine 10 Prozentige Abgabe  auf höhere Vermögen gefordert wird . Wir- als Unterzeichner – wären selbst davon betroffen und dazu bereit gewesen. Die Abgabe sollte zweckgebunden „gezielt in den ökologischen Umbau der Wirtschaft, in  Personal  für Bildungs-,Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie in die Erhöhung von   Transfereinkommen investiert werden, „. Dieser Appell wäre -mit einigen Modifikationen- eigentlich immer noch sinnvoll,denn nur der Staat  kann eine wirksame Umverteilung von Vermögen einleiten. Wäre die von uns geforderte Abgabe wirksam, so müsste Frau Klatten 1,9 mrd Euro zahlen, eine riesige,riesige Summe,  ; was sie jetzt spendet ,ist ein gutes Zwanzigstel  davon,  ; einZwanzigstel von einem Zehntel,  das klingt  schon fast nach Portokasse. Wir-die mittlerweile auf 63 angewachsene Gruppe der Unterzeichner des Appells – haben  fast Alle gemeinnützige Siftungen gegründet oder sind in gemeinnützigen Gemeinschaftsstiftungen engagiert, wir sehen kein Entweder-Oder zwischen Höhere-Steuern-Zahlen und Spenden/Stiften. – Dr.med.Irmingard Weise


mit Interesse lese ich seit Wochen Ihre Artikel im Politikteil. Zu Ihrem letzten, der mit einigen Fragezeichen versehen ist, folgende Anmerkungen: Vor einer Woche war ich in Amman und habe mich intensiv über die Migrationskrise ausgetauscht, die Jordanien ungleich massiver betrifft, als Deutschland oder Europa. Dabei ist seitens der dortigen Gesprächspartner gleichwohl immer wieder ein Argument aufgetaucht, das mich überraschte. Sie klagten nicht und machten keine Vorwürfe, nein, sie erklärten, dass es für sie –trotz aller Probleme- doch wesentlich einfacher sei mit dieser Krise umzugehen, da die Flüchtlinge aus ihrer Kultur stammen und ihre Sprache beherrschen. Unbeschadet der vielen anderen Argumente und Diskussionen hat sich der Begriff der gemeinsamen Kultur bei mir verankert. Sofort als ich nach Hause gekommen bin, habe ich Huntigtons „Kampf der Kulturen“ aus dem Regal geholt, entstaubt und erneut gelesen: Sehr aufschlussreich nach 19 Jahren erneut seinen Überlegungen zu folgen mit dem Wissen um die dazwischen liegenden Ereignisse. Meine Bewertung seines Paradigmas sieht nunmehr anders aus. Eines konnte Huntigton allerdings nicht in ausreichendem Maße berücksichtigen, nämlich die wahnsinnige Dynamik des Internets und die globale Verfügbarkeit von Informationen und vor allem von Bildern. Ergänzt man nunmehr seine Sichtweise um diese Dynamik, dann tritt deutlich hervor, dass die „explodierenden Egos“ insbesondere auch mit dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen zusammenhängen. Mir scheint es daher absehbar, dass solche schlimmen Ereignisse verstärkt und in kürzeren Intervallen erfolgen werden, mit allen ebenso absehbaren Wechselwirkungen und Folgen. Wir sollten uns darauf einstellen und den kühlen Kopf unserer Kanzlerin bewahren. – Wolfgang Würz


Dumme Fragen sind ja bekanntlich nur, die man nicht stellt. Ich komme mir wirklich unheimlich blöd vor, das zu fragen – aber da auch die von mir überaus geschätzte Frau Topcu als selbstverständlich anzunehmen scheint, DASS es einen Putschversuch in der Türkei gab (von dem Erdogan „empfindlich getroffen“ worden sei) – gibt es eigentlich IRGEND einen Beleg dafür, außerhalb von Verlautbarungen von Herrn Erdogan und von ihm abhängiger oder ihm nahestehnder Personen meine ich natürlich, DASS es in der Türkei einen Putschversuch gab? Dass TATSÄCHLICH eine Person, oder ein Personenkreis, wirklich versucht hat, die Macht in der Türkei zu übernehmen? Wer? Woher weiß man das? Seit wenigen Stunden nach Beginn des (angeblichen) Putsches lese ich, in ALLEN Medien, AUSSCHLIEßLICH von den Maßnahmen zur Niederschlagung. Aber bis heute habe ich in keiner Tages- und keiner Wochenzeitung lesen können, WER eigentlich konkret WAS versucht hat, um die Macht an sich zu reißen. Nichts. Nada. Niente. Ja, es wurden irgendwelche Leute gelyncht.

Aufgrund welcher Information auch immer. Ja, es gab Schüsse; wie auch immer es dazu gekommen sein mag. Folglich auch ein paar Tote. Aber aufs Ganze gesehen scheint mir das – gestatten Sie die Überspitzung – der erste Putsch der Weltgeschichte ohne Putschisten und ohne Versuch einer Machtübernahme zu sein. Wenn es anders ist, fände ich es hilfreich, wenn die Medien es mal darstellen würden. Es mag ja gute Gründe geben zu glauben, dass „wirklich“ geputscht wurde. Aber könnte die ZEIT bitte mal einen Anlauf nehmen, diese darzustellen (so es sie gibt)? Denn anderenfalls verbleibt bei mir doch so das leise Fragezeichen, ob nicht in einem Anflug kollektiven Übernehmens einfach nur ein Medium und sodann ein Bürger und somit auch ein Politiker vom anderen schlicht etwas als Fakt fortschreibt, was es womöglich nie gab.  – Dr. Christian Naundorf


Es vergeht inzwischen kein Tag, an dem nicht die deutschsprachigen Gazetten mehr oder weniger ausführlich auf die Probleme der Deutschen Bank eingehen. In der empirischen Sozialforschung nennt man es einen  °band-waggon-Effekt°, wenn sich Nachrichten  bzw. Meinungsbildungen über ein gewisses Thema drastisch häufen, weil „alle auf einen Zug aufspringen“. Die ZEIT meint nun in ihrem jüngsten Wirtschaftsteil, daß in den obersten Etagen der Spiegeltürme eine regelrechte Wut herrsche, Wut auf Politiker, Wut auf Wissenschaftler, die noch härtere Bankenregulierung fordern,  Wut auf Journalisten, Wut auf die erfolgreiche Konkurrenz in den USA,  vor allem aber Wut auf die Regulierer. Laut den ZEIT-Redakteuren Lisa Nienhaus und Arne Storn sei das Kernproblem der Deutschen Bank der Bedarf an mehr Eigenkapital. Wenn der neue Risiko-Vorstand Stuart Lewis in der FAS v.31.7.2016 sagt: „die Eigenkapitalquote von 7,8% liege weit oberhalb der für die DB geforderten 7% dann ist diese Formulierung natürlich völlig überzogen—auch angesichts der Tatsache, daß die DB beim letzten Bankenstresstext in den hinteren Rängen europäischer Banken gelandet ist. ^^ Es hat den Anschein, daß der rundum erneuerte Vorstandder DB  den Ernst der Lage der Bank offenbar  noch immer nicht recht  erkannt hat. Das Problem der DB ist, daß das Haus nicht zu einer radikalen Trennung von „normaler“ Geschäftsbank und bestimmten , sehr risikoträchtigen Investmentbanking Aktivitäten ( also vor allem Handelsaktivitäten auf eigene Rechnung),  bereit ist. Es gibt  zwar das Vorbild der UBS, aber die DB wagt bisher  nicht deren Schritt, das innerschweizer Geschäft rigoros vom internationalen Investmentbanking zu trennen. Gerüchten, daß die Deutsche Bank und die Commerzbank planten, ihr Privat- und Firmenkundengeschäft zusammen zu legen, tritt die DB energisch entgegen. Im Übrigen haben sich schon früher maßgebliche Investmentbanker der DB ( vor allem in London domizilierend  ) strikt dagegen ausgesprochen, das „normale“ Bankgeschäft vom Investmentbanking zu trennen oder gar das gesamte Privatkundengeschäft in den Markt hinein zu verkaufen. Fakt ist wohl, daß die Deutsche Bank im Rahmen der von Berlin zu  verantwortenden Wirtschafts- und Finanzpolitik als ein „nationaler Champion“ gilt, der nicht unter fremde (ausländische)  Kontrolle fallen dürfte. Sollte die DB in noch größere Notlagen geraten , stünde sicherlich jederzeit die KfW mit Hilfestellung zur Seite. Aber soweit ist es  nun doch noch nicht. Es bleibt der überaus mißliche Tatbestand, daß die DB enormes Vertrauen im Markt – national wie international – eingebüßt hat. Deshalb muß der alleinige Chairman John Cryan jetzt in erster Linie darauf bedacht sein, vertrauensbildende Maßnahmen von großer Durchschlagskraft  zu erreichen. Dazu gehört eben eine deutliche weitere Stärkung der EK-Quote. – Sigurd-Schmidt


Ob der Vorwurf einer „verschlagenen Sippe“ an die SPD ,  Ortsverein Essen , in dieser Pauschalität stimmt, sei einmal dahin gestellt. Selbstverständlich ist der Fall Hinz  unerhört, so wie auch der Fall  Edaty. Allerdings hat man bei der Sichtung der deutschen Medien den Eindruck, daß in solchen Fällen mit unterschiedlichem Maß bewertet wird, je nachdem ob es sich um die Partei SPD oder um CDU/CSU handelt. Es sei nur an den unseligen Fall Otto Wiesheu erinnert, von den Verstrickungen der CDU in die damalige Schwarzgeldaffäre ganz zu schweigen. – Sigurd-Schmidt


Angesichts der sich häufenden ultra-terroristischen Anschläge breitet sich in der deutschen Öffentlichkeit ein Bedürfnis aus, mit rationalen Mitteln der Irrationalität entgegen zu treten.

Selbstverständlich ist Besonnenheit im Umgang mit solchen unglaublichen Geschehnissen geboten. Auch gilt es, bei der Erwägung harter Retorsionsmaßnahmen oder einer gewaltigen Anstrengung in Sachen Prävention das Augenmaß zu behalten und völlig unerwünschte Nebenfolgen eines bestimmten Handelns zu bedenken. Ob es aber klug ist , Amok oder Terror, psychische Störung oder politisch motivierte Tat, unter den Begriff der  S e l b s t e r m ä c h t i g u n g  zu subsumieren, erscheint doch recht fraglich. Denn , wenn , handelt es sich ja um eine Selbstermächtigung zur totalen Irrationalität und diese Irrationalität schwingt im Wort Selbstermächtigung nicht ausreichend mit. – Sigurd-Schmidt


Nach Iris Radisch’s „Na endlich, sie kommen“ (Zeit26/2016) erscheint nun mit Sabine Rückerts „Sie kann alles“ die nächste persönliche Ansicht einer Frau – über die Fähigkeit von Frauen im Gegensatz zu den Unfähigkeiten von Männer (Zeit32/2016). Beide Journalistinnen stellen die Frau gegenüber dem Mann per se als die Besseren dar. Frau Rückert sieht die These unterstützt durch Hillary Clintons Standhaftigkeit im Zusammenhang mit der Affäre ihres Mannes mit einer Praktikantin sowie mit ihrer Haltung nach der Niederlage gegen Obama im Vorwahlkampf vor acht Jahren. Clinton folge in ihren Bemühungen etwas Größerem – es ginge ihr nicht um sich selbst, so Rückerts Meinung. Als Gegenbeispiel wird das spekulative Gebaren zweier Wodka trinkender männlicher Politiker aufgeführt. Kein Wort z.B. über die Kritik an der Clinton nachgesagten fehlenden Wahrnehmung der nicht zum Establishment gehörenden gesellschaftlichen Gruppen. Einfach nur Frau sein – dann wird alles gut.

Haben wir nicht schon genug spaltende Themen? Eine differenziertere Darstellung zur Geschlechtergleichstellung sollte man von der ZEIT erwarten dürfen. Die Tendenz zur Verbreitung persönlicher Meinungen oder gar persönlicher Interessen nimmt zu. Dazu gehören auch die wiederholten Beiträge von ZEIT-Journalisten mit anhängenden Hinweisen auf selbstverfasste Bücher. Bitte etwas mehr Sachlichkeit.  – Peter Vollmer


Soeben habe ich einen gemeinsamen Aufruf türkischer und deutscher Wissenschaftler unterzeichnet, Titel: Solidarität mit türkischen Wissenschaftlern! Stand der Meldungen 30.7.2016: 18 044 angeblich Verdächtige festgenommen Haftbefehl gegen 9 677 von ihnen rund 50 000 Staatsbedienstete entlassen darunter mehr als 1000 Richter. 49 000 Reisepässe für ungültig erklärt, Zeitungen, Rundfunksender und Fernsehsender ausgeschaltet Kritische Journalisten inhaftiert der deutsche Botschafter kaltgestellt seit der Armenienresolution des Bundestages. Nichts davon in dem Leitartikel! Die totale Machtergreifung Erdogans als Stille Erneuerung? Seit mehr als 45 Jahren lese ich die Zeit. Ich bin entsetzt. Für mich ein „Leid Artikel“ – Dr. Thomas Budde


Die globalisierte hyperkapitalistische Kaste schafft sich ihre Legenden und die Zuschauer in der Parallelwelt glauben an die Gutmenschen der Digital World.
Frau Klatten hebt sich ja anscheinend noch wohltuend – im doppelten Sinne – von den Scheinheiligen ab, da sie die Spenden als Spenden tätigt und nicht als strategische Marktsteuerung.
„Wir tun das für die Menschen, um ihr Leben zu verbessern“: da steckt System dahinter. Zunächst wird Anlagekapital, nicht Geldmittel, in dem Grundstock einer foundation / Stiftung angelegt, um Erbschafts- /Schenkungs- sowie Ertragssteuern zu sparen. Diese „philanthropische Tat“  dient dann in der Öffentlichkeit zur Legendenbildung des Stifters als globaler  Weltverbesserer  und gleichzeitig bereits als promotion zur Zustiftung, also Steuerung und Bündelung von Kapitalströmen . Die so entstandene operative Stiftung bestimmt dann im Inneren über die Rendite, kann also über Kosten den Gewinn steuern, und manipuliert auf dem Weltmarkt über die Ankündigung von Projekten sowohl die Nachfrage von Waren als auch die Aktienkurse von Unternehmen, wie z.B. bei Impfaktionen. Dann kann ein value-investor, wie z.B. Gates Cascade , Unternehmen kaufen oder verkaufen, oder bei bereits bestehenden Unternehmensbeteiligungen den Warenabsatz steuern. Und drum herum entstehen neue Geschäftsfelder wie Agenturen und Datenbanken!
All das funktioniert erst bei entsprechender Marktmacht, genau wie die Marktmanipulationen oder Beeinflussungen durch z.B. Hedgefonds, Zinsmanipulationen der Banken oder auch staatlich gelenkte Marktsteuerungen. Eine gute Tat wird die Spende  erst dann, wenn das Kapital nach Steuern als Geldmittel bewährten gemeinnützigen Hilfsorganisationen zufließt oder jeglicher Rückfluss über Waren oder  wirtschaftliche Abhängigkeiten an die Spender unterbunden ist. Alle uneigennützig tätigen Hilfsorganisationen müssen zutiefst betroffen sein, von den selbsternannten Weltverbesserern auch noch als unfähig dargestellt zu werden. – Hans Henri Süthoff


Ein absolut brillanter Artikel, das Beste was zu diesem Thema in letzter Zeit zu lesen war, sachlich und unaufgeregt. Das die Türkei ein Teil von Deutschland ist, dem muss ich energisch widersprechen. Das ist so wenig der Fall wie die USA, Frankreich oder Portigal ein Teil von Deutschland sind. – H. Kühner


Brauchen wir in der aktuellen Situation eine solche Provokation weclhe Afd und Co. dermassen in die Hände spielt ??- C. Kühner


Ich habe den Artikel „Merk-Würdig“ von Evelyn Finger dreimal gelesen und konnte nicht fassen, dass die Verfasserin Ressortleiterin von ‚Glaube und Zweifel‘ ist.  Frau Finger scheint Bilder historisch furchtbarer Fakten mit Bilder von (Attentats)opfern auf sehr unsensible Weise zu vermischen. Hat sie sich jemals gefragt, wie sich ein Attentatsopfer fühlen könnte, wenn es verletzt am Boden liegt und –zig Kameras auf es gerichtet sind, nur um eine Neuigkeit melden zu können?? Nur um die Sensationslust der jeweiligen  Leser zu stillen? Was hat das mit Aufklärung zu tun, schmerzverzerrten Gesichter dieser verletzten Menschen weiterzuverbreiten???  Ich frage mich wirklich, wie weit Frau Finger von der Ethik entfernt ist, dass sie sich nicht einmal in die Opferseite einfühlen kann.  Glaubt sie wirklich, in diesem akuten Moment der äußersten Hilflosigkeit/Schutzlosigkeit wäre das Opfer mit einer Verbreitung seiner Aufnahmen einverstanden, als Zeichen seiner „Würde“??  Das Opfer ist in seiner Würde unantastbar, wie Frau Finger richtig sagt, aber daraus folgt auch, dass ihm im entscheidenden Moment Respekt von der Gesellschaft gezollt werden muss, indem es die Sensationslust mal hinten anstellt. – Christine Haider


Ich möchte gratulieren zu einem überaus tollen Artikel. Der Autor Robert Treichler hat den Nagel auf den Kopf getroffen! Ich habe mir die ZEIT auf dem Weg nach Jesolo gekauft u habe den Artikel gerade am Strand entdeckt. War so begeistert, dass ich nun vom Handy meiner Tochter schreibe. Also Gruß vom schönsten Strand der Welt  – Frank und Emma Bol


Nur eine Anmerkung: Dass ausgerechnet der Elsevier-Verlag mit seiner wahrlich bemerkenswerten Gewinnspanne (2015: 37%, das macht gut 900 Mio. Euro Profit) „an die intrinsische Motivation der Wissenschaftler“ appelliert, muss wie Hohn in den Ohren der Betroffenen klingen. Elsevier und die meisten anderen großen Wissenschaftsverlage melken dieses hochprofitable System, solange es irgend geht – auf Kosten des Steuerzahlers, der über Bibliotheksetats die exorbitanten Preise der Zeitschriften aufbringen muss. Allzu lange wird dies hoffentlich nicht mehr funktionieren. Open-Access-Modelle werden dafür sorgen, dass mit weniger Geld im System mehr gesellschaftlicher Nutzen geschaffen werden kann. Dann müssen öffentlich finanzierte Forschungsergebnisse nicht noch einmal bezahlt werden, um sie lesen zu dürfen. Und Gutachter können dann auch gerne ein (meist ohnehin symbolisches) Honorar für ihre Arbeitsleistung erhalten. – Oliver Günther


Wie passt denn bitte folgendes zusammen: Im Dossier der Zeit Nr. 32 wird mit Aplomb verkündet, keine Bilder der aktuellen Täter von München, Anbach etc. zu zeigen, um die Mörder nicht zu glorifizieren, sie nicht zu Helden zu stilisieren, damit Dritte ihnen nicht nacheifern. Soweit, so richtig. Zugleich beschreibt Christine Lemke-Matwey freilich im Feuilleton die Physiognomie von Adolf Nazi im banal-pathetischen Schmusesound. Nur: Wer träumt eigentlich nicht davon, wenn sich eine bedeutende Wochenzeitung noch lange nach dem eigenen Ableben Details wie dem zärtlichen „Marmeladen-Blick“ widmet. Nebenbei: Welchen Erkenntniswert haben voyeuristische  Entdeckungen über die „kleinen Asymmetrien des Bärtchens“? – Nils-L. Hauck


Noch ein Punkt ist bemerkenswert: 960 Millionen für 60.000 Wohnungen bedeuten einen Durchschnittspreis von nur 16.000 EURO pro Wohnung. Wo bekommen Sie um 16.000 EURO eine Wohnung? Diese 60.000 Wohnungen waren doch wohl bewohnt? Was ist mit den Mietern geschehen? Mussten sie ausziehen? Oder die Wohnung kaufen? Zu welchem Preis? – Dr. Peter Mitmasser


Dieses Manchmal “die Demokratie muss neu erkämpft werden” ist jetzt. Da stimme ich Ihnen zu. Es geht heute nicht um Bürgerinteressen sondern um politische Macht und um Wirtschaftsinteressen. Sie schreiben, in England hätten die Menschen gegen ihre materiellen Interessen gestimmt. Sicher haben die Engländer aus dem Bauch heraus gestimmt. Wenn sie den Verstand hätten entscheiden lassen, wäre die Entscheidung wohl anders ausgefallen. Die Beweggründe aber waren wohl:

— die Wirtschaft hatte Osteuropäer nach England geholt um die Löhne zu drücken. Eine Möglichkeit, die für gute Europäer in Brüssel unverzichtbar ist, die aber bedeutet, das einige wenige größere Gewinne machen und eine Mehrheit aber verliert. ( Brüssel macht leider immer den 2.Schritt vor dem 1.)

— die Handhabung der Flüchtlingskrise in Brüssel muss in England auf völliges Unverständnis gestoßen sein

— die Handhabung der Euro-Krise verursacht in England  Ratlosigkeit.

Diese drei Gründe haben wohl viele bewogen, eine Entscheidung aus dem Bauche heraus für den Brexit zu befürworten. Und anstatt nach Gründen zu forschen und Ursachen zu beheben, geht man in Brüssel zur Tagesordnung über und glaubt, die Engländer bestrafen zu müssen und zu können. In der “Zeit” wurde der Brexit schon als Diktatur des Volkes bezeichnet. Selbst Ihre Zeitung also macht Front gegen demokratische Gepflogenheiten. Wenn die EU ein Erfolgsrezept wäre, bräuchte man sich solche Sorgen nicht machen. Man hat aber anscheinend gar nicht vor, ein Erfolgsrezept daraus zu machen, sondern erwartet weitere Hiobsbotschaften. (eine kommende Währungsreform z.B.) Und dann würden weitere Referenden natürlich stören. Das glaube ich schon. Eine ähnliche Gefahr besteht im Augenblick in den USA. Dort hat die Weltmacht USA ihre eigene Bevölkerung vergessen und die hofft jetzt auf einen neuen Präsidenten, der einmal an sie denkt, nicht nur an Interessen von Wirtschaftsverbänden. (Ob sie aber da auf den richtigen Mann setzen, ist sehr fraglich). Es wäre also angebracht, das die Verantwortlichen Verständnis für die bisherig Benachteiligten aufbrächten, die ja ihre Wähler sind, und sich spätestens bei der nächsten Wähl wieder revanchieren könnten.

Und was den Terror betrifft, er hängt mit einer fehlenden Gerechtigkeit zusammen.Ganz eindeutig ist es in den USA. Bei uns spielt die koloniale Vergangenheit der Engländer und Franzosen eine entscheidende Rolle. Sykes-Picot 1916, Algerien, Afghanistan, Irak. Und weil die Amerikaner seit Afghanistan die Hauptrolle übernommen haben, hat sich das Attentat am 11.Sept.2001 gegen sie gerichtet. Begonnen hat der Fundamentalismus 1953 in den Moscheen im Iran, nachdem die USA und England dort den demokratischen Ministerpräsidenten Mossadegh gestürzt  und den  Schah als Diktator eingesetzt haben. Dieser hat durch das Wirken seines Geheimdienstes den Widerstand in den Untergrund  und damit in die Moscheen gezwungen.

Die Ursache  für den Terror des Islams ist leider ein Versagen der westlichen Führungsmacht. Selbst wenn man aber ab heute völlig logisch an die Aufarbeitung gehen würde, dann würde es noch lange dauern, bis man diese Überhitzung wieder herunterbekäme. Und es würde noch viele Opfer kosten. Wenn man weiter macht wie bisher, dann ist kein Ende absehbar. – Reiner Püschel


Zum Artikel und auch dem „Presseclub“ von heute habe ich eine Frage und eine Anmerkung. Nach der Logik der Einwanderung gehören auch Italien, Griechenland, Spanien und Portugal zu Deutschland, wenn auch in unterschiedlicher Quantität. Auch in diesen Ländern gab es starke politische Konflikte, ich kann mich jedoch nicht erinnern, daß diese Tatsache Demonstartionen des heutigen Ausmaßes, wenn überhaupt, zur Folge gehabt hätte. Ist nun hier die Integration besser gelungen und wenn ja, warum?  Die Anmerkung: Ich habe früher einige Jahre in Frankreich gelebt und wäre fast dort geblieben. Hätte ich mich so entschieden, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, aus Anlaß politischer Konflikte in Deutschland, zu denen ich sicherlich eine Haltung gehabt hätte, in den Straßen von Paris zu demonstrieren. Die Franzosen hätten dies sicherlich auch absurd gefunden. Frankreich wäre mein Gast- und Heimatland geworden. Meines Erachtens gehören auch diese Fragen zur ehrlichen Diskussion. – Margret Berendt


Eine Aussage in Ihrem Artikel hat mich stutzen lassen: „… weil Integration und kulturelle Selbstveränderung zu den größten nationalen Aufgaben der nächsten Jahre zählen. “ Zum ersten Punkt d´accord, ich frage mich jedoch, ob ich eine kulturelle Selbstveränderung als meine „Aufgabe“ betrachten sollte. Zu Recht oder Unrecht scheint mir diese Sicht ziemlich deutsch in dem Sinn, daß man meiner Meinung nach fröhlich die eigene kulturelle Prägung akzeptieren kann ohne eng zu sein und gleichzeitig Verständnis und Toleranz für andere Lebensarten- und vorstellungen haben kann. Reicht das nicht? – Margret Berendt


„ein Geschenk Gottes“ soll der türkische Präsident den missglückte Militärputsch vom 15. Juli genannt haben. In der Nacht des 27. Februar 1933 werden die Führer der Nationalsozialisten in Deutschland das auch gedacht haben, als sie die Nachricht vom Brand des Reichstages erhielten. Das gab ihnen den Grund, innerhalb weniger Wochen die Demokratie in Deutschland abzuschaffen. Was in der Türkei zur Zeit geschieht, hat große Ähnlichkeit mit den Ereignissen des März 1933 in Deutschland.

Es ist zu wünschen, die am Schluss des Artikels ausgesprochene Hoffnung bewahrheitete sich – es wäre den Menschen in der Türkei, aber auch  uns und den über drei Millionen aus der Türkei stammenden Mitbürgern zu wünschen. Die Ereignisse der letzten Zeit, dabei auch viele Vorkommnisse in Deutschland,    aber lassen das Schlimmste befürchten. – Armin Steinmüller


Habe mit großem Interesse Ihren Artikel gelesen. Nun könnte das geniale Projekt scheitern. Im letzten Absatz berichten Sie, dass Schule und Stadt darüber grübeln, wie und in welchem juristischen Rahmen das Konzept auch ohne “Waldorf” fortgeführt werden könnte. Das Grübeln kann beendet werden, denn es gibt Derartges schon seit den 1950er oder 1960er Jahren. Und zwar in Hamburg Klein Borstel,  die Albert-Schweitzer-Schule, deklariert als “Schulversuch mit besonderer pädagogischer Prägung”. Allerdings ohne den esoterischen Überbau von “Waldorf”. Hat das die Hamburger Schulbehörde vergessen? Meine 2 Kinder wurden dort in den 1970ern eingeschult und sind jeweils 10 Jahre geblieben. Nach der 10. Klasse war dort Schluß. Wollte man Abi machen, mußte man anderswo in die gymnasiale Oberstufe. Auch das haben meine Kinder gemacht. Epochenunterricht (man arbeitete ohne  Schulbücher, die Schüler schrieben ihre “Epochenhefte” selbst) , Blockstunden, Singen, Musik, Gedichte und Rituale waren genau so, wie sie es von Wilhelmsburg beschreiben. Allerdings kamen die Schüler aus dem Alstertal (einige auch aus Eppendorf), eher bürgerlich. Fragen Sie mal Ihren Kollegen Drieschner, der wohnt dort. “Migrationshintergrund” war damals unbekannt und viele der heutigen Anwohner wollen es dabei belassen. Drei ganz spezielle pädagogischen Elemente der Albert-Schweitzer-Schule, die besonders für Wilhelmsburg wichtig wären:

  1. Sitzenbleiben gab es nicht, selbst nicht auf Wunsch der Eltern. Die Klasse blieb 10 Jahre zusammen. Da bekommt der Begriff “Klassenkamerad/in” ein ganz anderes Gewicht. Ein individuelles Biotop.
  2. In den 10 Schuljahren hatte eine Klasse nur 2 Klassenlehrer/innen. Die hatten eine starkes Beziehung zu “ihren” Schülern und fühlten sich persönlich für deren Entwicklung verantwortlich.
  3. Pro Schuljahr gab es (zu meiner Zeit) etwa 8 Elternabende. Sie waren obligatorisch (!) und es wurde erwartet, daß jeweils BEIDE Elternteile erscheinen. Bei den Elternabenden wurden den Eltern die Pädagogik erläutert, sie wurde gebeten, diese auch zu Hause zu unterstützen (z.B. kein Fernsehen in den ersten 2 Schulkassen, das war damals schon heftig) und über die kommende Epoche und deren Schwerpunkte informiert. Das wäre bei “bildungsfernen Eltern” zunächst eine Zumutung, auf Dauer aber eine Hilfe.

Das Tolle daran war, daß nicht nur die Kinder sondern auch die Eltern 10 Jahre lang zusammen waren und sich gut kennen lernte und auch befreundeten. So haben meine Frau und ich noch heute Kontakte zu Eltern “unserer” Klassen. Gerade in “Problemgegenden” könnte auf diesem Weg Gemeinsamkeit und auch Verantwortungsgefühl bei/zwischen Schülern, Eltern und auch den Lehrer/innen gefördert werden. Das wäre ein gute Sache. Eigentlich gilt dieser Brief weniger Ihnen sondern vor Allem der Schulleitung und den Lehrer/innen in Wilhelmsburg, die das Projekt weiter führen wollen. Vieleicht könnten sie sich mal mit Lehren/innen von der Albert-Schweitzer-Schule unterhalten. Und vielleicht erinnert sich dann auch die Schulbehörde daran, daß es so etwas bereits gibt. – Thorvald von Uthmann


Dieser längere Bericht vermittelt dem Leser die prekäre Sicherheitslage Israels und mit welchen Sicherheitsmaßnahmen Israel sich aus der Angst vor dem Terror zu schützen versucht. Daß diese bedauerliche Situation nicht zuletzt auf Israels rücksichtslose Besatzungs- und Siedlungspolitik und die mangelnde Bereitschaft Israels zu Friedensverhandlungen zurückzuführen ist, wird auch erwähnt. Aber, es sind ja nicht nur die Israelis, die in der Angst vor Terror leben. Die tägliche Angst der Palästinenser vor militärischen Übergriffen und dem willkürlichen Terror der israelischen Armee und der radikalen israelischen Siedler in ihrer seit Jahrzehnten von Israel besetzten Heimat darf nicht unerwähnt bleiben. Und hier handelt es sich nicht um den Terror einzelner verzweifelter unterdrückter Menschen, sondern um den Staatsterror des Besatzers Israel! – H. Mughrabi


Liest man Martin Spiewaks aufschlussreichen Artikel, so geht es beim angesprochenen Wissenschafts-Begriff um Disziplinen wie Medizin, Naturwissenschaften etc., die alle mehr oder minder dem Prinzip „Fortschritt“ unterstehen. Publikum ist hier fast ausschließlich die „Fachwelt“ – nicht zuletzt auch die „lieben Kollegen“. Unter dem Damokles-Schwert namens „Peer-Review“ kämpfen dann die Protagonisten um Überleben und Karriere als Forscher, und das Verdikt der Peer-Behörde erinnert an jene andere Inquisitions-Instanz namens “Standard & Poor’s“, welche Finanz- und Wirtschaftsministern jeweils die Hölle heiß zu machen versucht. Nun gibt es in der feinen Welt namens „Wissenschaft“ auch arme Verwandte. Wie etwa steht es z. B. mit der aktuellen Religions- oder Literaturgeschichte ? Brauchen auch sie „fortschrittlich“ zu sein, um ernstgenommen zu werden ? Sind ältere Beiträge in diesen Fächern durch neuere überholt worden wie die von Robert Koch durch heutige Bakteriologen ?  Ist ihr Ziel nicht eher noch dasselbe wie einst: sich stets auch älteren Quellen zuzuwenden und sie für unsere Zeit neu zugänglich zu machen ? Dazu allerdings braucht es nicht möglichst viele Aufsätze in Fachzeitschriften, sondern die – allerdings kaum messbare Fähigkeit –, die spontanen Interessen heutiger Leser zu spüren und ihnen in verständlicher Weise von Forschungsarbeit zu erzählen. Publikum sollten hier neben der „Fachwelt“ auch jene Leserinnen und Leser sein, die ihre Lektüre aus spontanem Interesse wählen und dabei von Experten möglichst sachkundig begleitet werden möchten. Wenn also das Peer-Review-Prinzip in mathematisch geprägten Bereichen brauchbar sein mag, sollte man seine Zuständigkeit bei Disziplinen, die aus den einstigen „artes liberales“ hervorgegangen sind, kritischer beurteilen. Vor allem müsste die Menge der publizierten Arbeiten kein Kriterium sein, und geisteswissenschaftliche Erkenntnisse sollten zudem weder am Publikumsinteresse vorbeizielen noch in der stillen Welt der Institute vertrocknen. Sonst kommt es auch hier zu dem, was Spiewak anspricht: „Seit der Jahrtausendwende ist das Forschungssystem geradezu explodiert. Die Zahl der Publikationen in den Natur- und Technikwissenschaften (inklusive Medizin) hat sich seitdem mehr als verdoppelt. Rund 30 000 Fachzeitschriften präsentieren Erkenntnisse in immer spezieller werdenden Subdisziplinen.“ – Dr. Martin Müller


Frau Topcu analysiert das derzeitige Verhältnis zur Türkei für mich sehr differenziert. Ihre Aussagen allerdings, dass Deutschland mit keinem Land der Welt so eng verbunden ist wie mit der Türkei und dass die Türkei seit 50 Jahren Teil von Deutschland ist kann ich nicht nachvollziehen. Das trifft wohl nur für die Türkisch stämmige Bevölkerung zu, die mit dem Land eng verbunden ist, von der Doppel Staatsbürgerschaft profitiert und sehr zahlreich ist. Was ist mit Französisch-, Italienisch-, Spanisch-, Österreichisch-, Niederländisch- etc. stämmige Deutschen? Sind all diese Länder Teil von Deutschland? Sicher kann man es so sehen, dass jedes Land, dessen Bevölkerung sich hier integriert ein Teil von Deutschland ist, aber muss man das hervorheben? Etwas weniger Patriotismus, weniger Nationalbewusstsein würde zu mehr Zusammenhalt in unserer Gesellschaft beitragen und sollte in Ihrer Zeitung nicht so hervorgehoben werden. Denn Deutsche mit anderen Wurzeln demonstrieren hier bei Weitem nicht so deutlich und öffentlich für irgend eine ihrer Regierungsparteien. – Wolfgang Knöpfler


Klatsch und Tratsch: Zwei ganze ZEIT-Seiten für Petra Hinz aus Essen? Selbstverständlich erwarten wir von Politikern und Politikerinnen Aufrichtigkeit und einen ehrlichen Umgang mit der eigenen vita, auch wenn sie nicht gerade von hohen Bildungsabschlüssen gesegnet ist. Selbstverständlich soll eine Politikerin, die sich mit einem erlogenen abgeschlossenen Jurastudium aufhübscht nicht im Parlament sitzen oder sonst irgendwo die Wähler verteten. Aber  zwei ganze ZEIT-Seiten für diese klare Sache? Dazu  Verdächtigungen gegen diese oder jene ihrer Genossinnen und Genossen und  Verdächtigungen eines Genossen, dessen Morivation  mehr als fragwürdig ist? Durch eine mühselig zusammengesuchte Ansammlung winziger Belege  wird ein ganzes System beschädigt. Von der ZEIT  erwarte ich wie bisher  politische Redlichkeit und echte Analyse, nicht Klatsch und Tratsch. – Dr. Helga Mosler


Die Besprechungen des neuen Bayreuther „Parsifal“ von Christine Lemke-Matwey in der ZEIT und von Mirko Weber in der Stuttgarter Zeitung haben interessante Parallelen. Es mag naheliegen, die Blumenmädchen als „Bauchtanzgruppe“ zu bezeichnen; aber dass in beiden Rezensionen dafür die Formulierung „Zuckerpuppen aus der [bzw.: einer] Bauchtanzgruppe“ gewählt wird, ist vielleicht nicht ganz so offensichtlich. Auch der Oktoberfest-Vergleich / „O’zapft is“ scheint mir keine offensichtliche Wahl, zumal ich in der 3sat-Version weder ein „Stamperl“ (Lemke-Matwey) noch ein „Seidel“ (Weber) erkennen konnte. Es gibt natürlich manchmal eigenartige Zufälle. Aber ist diese gleich doppelte Ähnlichkeit einer davon, oder gibt es eine andere Erklärung? – Susanne Hagemann


„ Ungläubiges Staunen“!!!! Leider ist die Entscheidung für einen Bundespräsidenten und auch die darauf folgende Wahl immer wieder mit einem Machtspiel innerhalb der Parteien verbunden. Für die Bundesbürger, denke ich, steht an erster Stelle die Person, die das Land als ihr Präsident vertreten soll. Um diesen soll es wohl in ihrem Artikel auch gehen. Doch sie nutzen  die Hälfte ihrer  Ausführungen für dieses Politspiel und eine Attacke gegen eine vielleicht zukünftige rot-rot-grüne Koalition. Welche Fähigkeiten sollte ein Bundespräsident haben? Sie erwähnen ganz zu Recht wie groß die Anforderungen an ihn sind. Er sollte also nicht nur ein eloquenter Redner sein, möglichst auch noch intellektuell, klug, eine Denker, fast ein Philosoph, alle diese Eigenschaften, die nach ihrer Meinung in der Person Navid Kermanis gesehen werden. Wir haben auch noch Politiker, die über Jahre ihr Handwerk für Deutschland ausüben, die nicht zu den Dümmsten gehören und die den Menschen das Gefühl geben: „Ja, der hat die Erfahrung durch den politischen Alltag, er kennt uns und die Probleme unseres Landes.“ Ich denke an Herrn Dr. Lammert an  Herrn Dr.  Steinmeier, um nur zwei zu nennen. Sollten Reden, die eine „ intellektuelle Intervention“  darstellen einen Präsidenten in der Hauptsache auszeichnen und ist es wirklich „mutig“ ihn vorzuschlagen? Wir leben in Zeiten gegenseitiger Gewalt, in Zeiten des Hasses und der Konfrontation. Ein Präsident sollte ein Politiker sein, der von den meisten verstanden wird und ihnen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit gibt. – Marianne Foersch


Offenbar ist auch DIE ZEIT nicht gegen nachlässige Recherchen gefeit – siehe „Das Letzte“, ZEIT Nr. 32. Die Glosse fußt auf der Behauptung, der Mörder habe eine im Laden erworbene Machete benutzt. Tatsächlich handelte es sich um ein 16 cm langes Lamm-Filetiermesser, das er in einem Kebab-Restaurant kurz vor seiner Tat entwendet hatte. Die erwähnte „junge Frau“ war 48 Jahre alt.

Nun komme ich ins Grübeln: Sollte ich, da es sich bei dem Text um Satire handelt, was die (verdrehten) Tatsachen betrifft, keine so strengen Maßstäbe anlegen – oder doch? – Ulrike Heisig


In diesem Artikel wird auf den Flugzeugabsturz in Slowenien, bei dem Thomas Wagner zu Tode kam, Bezug genommen: „Doch dann stürzte am Vormittag des 14. Juli 2ß16 ein kleiner Privatjet über den Bergen Sloweniens ab und zerschellte.“. Dies ist leider nicht korrekt, denn es Handelte sich um einer Piper PA32R, die in den USA zugelassen war. Aufgefallen war mir dies als ich das Bild der Absturzstelle mit dem Heck des Flugzeugs sah. Dieses Flugzeug ist ein einmotoriges Landflugzeug mit Kolbentriebwerk. Bitte achten Sie in Zukunft doch bitte darauf, dass die veröffentlichten Daten auch korrekt sind. Ich bin eine höhere Qualität der ZEIT gewohnt. – Karsten Storck


Nur „explodierende Egos“, die sich selbst „ermächtigen“, als zusammenfassende Erkenntnis „nach all den Anschlägen“? Je mehr ich von der Vorgeschichte gerade des Syrers aus Aleppo erfuhr, um so mehr fragte ich mich: Wie hätte ich reagiert, wenn mir all das widerfahren wäre, was jenem Syrer angetan worden ist? All die schrecklichen Verluste, die Verletzungen und Demütigungen sogar bei uns? Wäre ich fähig gewesen, mit meinem Schmerz, meinen Depressionen, meinen Suizidgedanken noch einigermaßen rational umzugehen? Könnte ich für mich zuverlässig ausschließen, sogar mit einer Terrororganisation zusammenzuarbeiten, die besonders effektiv im Namen Allahs meinen Todfeind bekämpfte, oder einen „erweiterten Suizid“ zu begehen, der zwischen Schuldigen und Unschuldigen nicht mehr unterscheidet, weil es für mein ‚selbstermächtigtes Ich‘ keine „Unschuldigen“ mehr gibt?
Und schlimmer noch: Selbst wenn ich mir diese Fragen nicht stellen würde, wäre ich nicht in jedem Fall  einer jener Selbstgerechten oder Selbstbezogenen, die nur zufällig auf der „Sonnenseite“ stehen und nun Angst haben, ihr kleines oder großes Glück zu verlieren? Die nicht merken, dass sie mit genau dieser Angst und den damit verbundenen Verhaltensweisen jenes Feindbild, jene Bühne schaffen, die Terroristen ebenso wie Amokläufer brauchen, um ihr allzu menschliches Aufmerksamkeits- und Gerechtigkeitsbedürfnis maximal befriedigen zu können? Ein Finale, das – massenmedial verbreitet – besonders über das Internet gefeiertes Vorbild wird für den nächsten Terrorakt, den nächsten Amoklauf…
Und was ‚plant‘ jetzt Frau Merkel, die ‚immer langsamer und bedächtiger reagiert als andere‘ und dabei so unglaublich ausgeruht und selbstsicher auftrat – gewiss kein „explodierendes“, aber ein wahrnehmbares, klar sich ‚selbst ermächtigendes Ego‘? Mehr Repression, der gemeinsame Nenner aller „Sicherheitspolitiker“, obwohl die doch gerade „explodierende Egos“ nicht verhindern kann, anstelle von mehr Prävention – bei der Bekämpfung von Fluchtursachen und deren Folgen nun auch bei uns. – Eckhard Heumann


Meines Erachtens haben Sie in den Berichten eine wichtige Informationsquelle vergessen, naemlich die vielen Selbsthilfegruppen, in denen sich Betroffene und ihre Angehoerigen gegenseitig ueber ihre Erfahrungen mit Aerzten und Behoerden, z. B. bei der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises austauschen. An den regelmaessigen Treffen der Gruppen nimmt in manchen Faellen auch ein entsprechender Facharzt teil, sodass auch der Arzt eine Rueckmeldung von Patienten, die er moeglicherweise nicht selbst behandelt, erhaelt. Die Adressen der Selbsthilfegruppen sind oft bei den jeweiligen Gemeinden oder oertlichen Wohlfahrtsverbaenden erhaeltlich. – J.-M. Duengelhoff


Leserbrief zu: Sie wollen nur unser Bestes: Der Reichtum des Einen ist die Armut der Anderen! Zu so großem Reichtum kommt man meistens nur durch Ausbeutung von Menschen oder der Natur bei gleichzeitiger Vermeidung von Steuern und Abgaben an die Gesellschaft. Es ist zwar löblich, dass einige doch ein schlechtes Gewissen haben, aber eine staatliche Umverteilung in stabilen Demokratien wäre in vielen Fällen gerechter, da dann alle Superreichen und Aktiengesellschaften zahlen müssten. – Hallitzky


vielen Dank für Ihr ungemein informatives Dossier „Der Häuserkampf“. Als Mitglied der Dorstener SPD, nicht weit von GE entfernt, hat mich Ihre Zustandsbeschreibung über den Missbrauch unserer Sozialgesetze erschüttert. Auch wenn ich einiges wusste oder ahnte, aber in diesem Ausmaß hätte ich es nicht für möglich gehalten. Die Ohnmacht der Behörden ist mit den Händen zu greifen. Ich habe das Dossier zum Anlass genommen, es in unsere Partei vor Ort zu lenken, um darüber eine öffentliche Diskussion anzustoßen. Unten stehend der Wortlaut meines Anschreibens. – Dirk Hartwich


In der Ausgabe der ZEIT vom 28.Juli 2016, S.1, schließt Ö.Topcu ihren Artikel „Stille Erneuerung“ mit den Sätzen „Deutschland ist mit keinem Land auf der Welt so eng verbunden wie mit der Türkei. Die Türkei ist Teil von Deutschland …“. Ich erlaube mir aus bayerischer Sicht einzuwenden: Ich glaube, dass ich nicht der Einzige bin, der Deutschland mit Österreich enger verbunden sieht als mit der Türkei (wenngleich ich allerdings nicht zu sagen wage: Österreich gehört zu Deutschland …). – Dr.Helmut Anselm


„We are very sorry to have to inform you that…“
„We are delighted to inform you that…“

Zwischen diesen beiden Sätzen liegen Welten, zumindest für den Autor, die Wissenschaftlerin, die ihre Forschungsergebnisse in unserer Zeitschrift „Journal of Pediatric Allergy and Immunology (PAI)“ veröffentlichen möchten. Hinter diesen Sätzen liegen allerdings oft fast identische Prozesse: fast jeder Artikel, der in PAI eingereicht wird, durchläuft ein Peer-Reviewing, gerade bei kritischen Entscheidungen wird oft noch eine Drittmeinung eingeholt.
Das kostet Zeit (und  manchmal Nerven) – in der medizinischen Forschung kostbare Ressourcen. Die Erkenntnisse sollen dem Forschungsfeld, den Patienten und den Ärzten in ihren Praxen so schnell als möglich zu Gute kommen, gerade deshalb ist es unabdingbar, die Qualität der Forschung auch in ihren Veröffentlichungen zu kontrollieren.
Erfährt ein Wissenschaftler eine Absage, wird ihm das Gutachten mitgeliefert. Oftmals sind dies sehr umfangreiche, detaillierte Verbesserungsvorschläge, Anregungen oder Ergänzungen zur neuesten Literatur anhand derer der eingereichte Artikel überarbeitet und dann einem anderen Journal angeboten werden kann.
Auch wir bitten unsere Autoren immer darum, vorherige Gutachten zusammen mit ihrem Manuskript einzureichen. PAI hat einen Impact Factor von 3,947; ein beachtlicher Wert für eine Fachzeitschrift. Vereinfacht gesagt, zeigt sich hier, welche Aufmerksamkeit ein Journal in der weiten Welt der Wissenschaft erreicht. PAI muss bis zu 70 % der eingereichten Artikel ablehnen; da bleibt Kritik am Instrument des Peer-Reviewing nicht aus.
Martin Spiewak mag Recht haben, wenn er Abhilfe dieses komplexen Verfahrens fordert. Eine Veröffentlichung der Gutachten ist sicher ein Weg; doch gilt es, Fallgruben zu erkennen. Wer schützt die Autoren und Gutachter vorm vielbeschworenen Shitstorm, wie soll Parteilichkeit ausgeschlossen werden? Womit auch hier wieder Gutachter eingesetzt werden müssten, so funktioniert Wikipedia ja auch.
Ersetzt die „Schwarmintelligenz“ des Netzes aber tatsächlich die Koryphäe eines Fachgebietes? Den Wissenschaftler, die über viele Jahre den Stand der Forschung begleitet und mitgestaltet hat. Die Wissenschaftlerin, die trotz großartiger Veröffentlichungslisten und erfolgreicher eigener Forschungsprojekte am Sonntagabend den Fachartikel des jungen Kollegen liest. Beide schreiben Gutachten – umsonst. Ihre Namen veröffentlicht PAI am Anfang des Jahres in einer Danksagung: „During 2015 nearly 400 reviewers offered their time and expertise to peer review for Pediatric Allergy and Immunology. Their work has significantly improved the quality of the articles published.“ (Reviewers for Pediatric Allergy and Immunology in 2015. Pediatr Allergy Immunol, 27: 107–108)

„Wie su denn bluß?“ möchte man mit den Rumpelwichten bei Ronja Räubertochter fragen.
Weil Wissenschaftler, gerade auch Mediziner, entgegen vieler Vorurteile, sich nicht ausschließlich für die eigene Karriere interessieren, sondern für die Verbesserung der Forschungskultur; damit sie uns zugute kommt: den Menschen. Für die Wissenschaft gilt, was für die Kunst schon lange gilt: Man muss dafür brennen! – Doris Kollmann


Wenn der österr. Staat so kleinlich mit wirklich erfolgreichen ,intelligenten und guten Leuten wie Dr. A.Husslein-Arco umgeht,stellt sich die Frage, ob nicht Andere ( von dem roten 1/12 %) ein viel schlechteres Gewissen haben müssten,die z.B. mit Hubschrauber und Freund/ innen nach Mürzsteg eingeflogen wurden-auf Staatskosten!-,und niemand hat etwas bemängelt , vor UHBP Fischer ,wohlgemerkt ! Man wird sehen, ob der von den Neidern gewünschte (rote) Nachfolger/in, ebensoviele potente Sponsoren für das Belvedere auftreibt und Bilder aquirieren wird können,wie dies durch das hervorragende Netzwerk und die( auch aristokratischen) gesellschaftlichen Beziehungen von Dr. Agnes Husslein-Arco möglich war.Man spürt in Österreich wieder den Druck von unten, angezettelt von der roten Reichshälfte-, durch die – völlig zu  Unrecht -gewollte Demontage  der wahrscheinlich besten Direktorin –seit dem  Jahre 1950. – Ra Dr. Bernhard Gittler


Die starke Betonung der Geschlechterklischees ist vor allem für die Eltern jener Kinder, deren Geschlecht nicht eindeutig festgestellt werden kann, ein riesengroßes Problem. Obwohl inzwischen alle Fachleute der Überzeugung sind, dass eine frühe operative Behandlung zur Erzwingung einer Geschlechtsidentät dem Kindeswohl zuwider läuft (siehe: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/090/1709088.pdf), übt die Bekleidungs- und Spielzeugindustrie durch ihre Produkte Druck auf die Eltern aus, das Geschlecht ihres Kindes auf männlich oder weiblich festzulegen. Selbst das Personenstandsgesetz erkennt inzwischen an, dass diese Festlegung nicht in jedem Fall möglich ist! Die Produkte, die sich nur an Mädchen oder Jungen wenden, sind daher nicht nur für die Eltern schwierig, die auf Gleichberechtigung großen Wert legen – sie verstoßen gegen die Würde und freie Entfaltung der Persönlichkeit jener Menschen, deren Geschlechtsidentität eben nicht in diesem vereinfachten bipolaren Schema festzulegen ist. – Holger App


Ein paar Gedanken zum o.g. (M. Schieritz: Der Kapitalismus soll netter werden) Artikel:

1.  Seit über 2000 Jahren gibt es die Aussage: Der Mensch ist des Menschen Feind.
Und der Kapitalismus bestätigt diese Aussage sehr schön.
Eine Lösung wäre, den Altruismus als Allgemeingut zu etablieren. Doch das ist naiv!
Auch die Alternative eines reicheren Innenlebens ist naiv, weil der Kapitalismus zu tief
in den Menschen verankert ist.
2.  Und wenn man den Politikern beibrächte, ihre Entscheidungen analytisch zu untermauern?
Auch das ist naiv, weil analytische Entscheidungen zu komplex sind, um mehrheitsfähig zu sein!
Demokratie ist immer (!) das kleinste gemeinsame Vielfache!
Und das wird gerne von den Populisten bedient.
3.  Und die Umverteilung von oben nach unten scheitert an Pkt. 1 und an der Masse der Menschen,
die unmöglich alle zufrieden gestellt werden können, weil z. B. die Erde begrenzt ist.
4.  Was bleibt ist, das System von Leuten wie Herrn Trump an die Wand fahren zu lassen, um aus
der Asche ( als Bruchteil der ursprünglichen Masse)ein neues System  aufzubauen.
Mit einer neuen Philosophie (anders als Pkt. 1!!!)
Reden hat da keinen Zweck! Wie war es denn beim  Brexit?!

Die Schwatzereien von Merkel, Gabriel, Seehofer, Erdogan, Trump etc. haben mich müde werden lassen,
an eine halbwegs intelligente Lösung zu glauben.  – Klaus Riediger


ich möchte Sie als Mentalitätsforscher zu Ihrem Artikel „Wutentbrannt“ von Herzen beglückwünschen. Sie hätten in der Psychohistorie eine große Resource, denn Sie  argumentieren wie ein Psychohistoriker. Zu Ihrer Sentenz: „Nach dem Kalten Krieg und dem unipolaren Moment amerikanischer Hypermacht gibt es nun eine neue Weltordnung, einen globalen Systemkonflikt zwischen autoritären und demokratischen Staaten. Rückabwicklung der Globalisierung oder deren Humanisierung.“ Wichtig dass es sich auch um einen Konflikt von gesellschaftlich geprägten Identitätsstrukturen handelt, die sich in ihren Inszenierungen ausleben. Darüber handelt es sich um einen Konflikt von Gesellschaften auf verschiedenen historischen Entwicklungssufen. All das könnte, wie sie es tun, durchaus reflektiert werden. – Dr. med. Ludwig Janus


Matthias Kalle schreibt mir aus der Seele. Ein Verbot der Ironie? Dann könnte Lena Steeg auch gleich die Literatur als solche streichen. Der doppelte Boden sei allzu morsch und brüchig geworden… – Dr. Andreas Schäfer


Betrifft: Den Artikel „Explodierende Egos“: Sehr geehehrter Herr Ulrich, ich hatte Ihnen bereit wegen Ihres vorgangehenden Artikels geschrieben und melde mich ich mich noch einmal, weil ich meine, dass die Psychohistorie eine Resorce zum Verständnis zu einigen Aspekten  des Themas Ihres Artikels sein. kann. Dabei schreibe Ihnen als Psychohistoriker, der sich mit den Motiven im historischen und politischen Prozess beschäftigt. Es gibt hierzu Publikationen, siehe Anhang, und Webseiten: www.psychohistorie.dewww.Ludwig-Janos.de, www.psychohistory.com.  Aus der Sicht des Psychohistorikers macht es jedoch Sinn, auch die die gesellschaftliche Gewalt tragenden gesellschaftlichen Strukturen und die damit verbundenen Identitätsstrukturen gleichzeitig zu analysieren, umso eine differenziertere Handlungsmöglichkeit über polizeiliche oder militärische Maßnahmen hinaus zu gewinnen. Dazu möchte ich einige Anmerkungen machen:

Die Psychohistorie hat in den letzten  Jahrzehnten ein komplexes psycho-soziales Verstehensmodell für gesellschaftliche und geschichtliche Prozesse erarbeitet, insbesondere ist hier das Werk „Das emotionale Leben der Nationen“  des amerikanischen Historikers Loyd deMause bedeutsam. Ich habe dieses Wissen konkret auf eine Analyse des Syrien Konflikts angewandt, siehe Anhang. Kurz gesagt, handelt es sich bei den Krisen in den arabischen Gesellschaften  um  destruktiv ablaufende Wachstumskrisen, die mit dem zusammenbrechen  überkommener Orientierungsstrukturen einer noch mittelalterlichen Mentalität im Zusammenprall mit den Kultureinflüssen der westlichen Moderne zusammenhängen. Eine Analyse dieser Zusammenhänge ist, wie ich meine, mit dem Werkzeug der Psychohistorie in beträchtlichem Maße möglich. Ich könnte hierzu auch Beispiel im einzelnen nennen, will es jedoch hier  bei diesem allgemeinen Hinweis belassen. Dieses Hintergrundwissen der Psychohistorie wäre nicht nur für die zeitgeschichtliche Analyse bedeutsam, sondern ebenso für die praktische Politik, die immer in Gefahr ist,  Mangels ausreichender Analyse des Geschehens, kurzschlüssig zu handeln. Eine solche Analyse ist natürlich auch für die europäische Geschichte möglich, wie ich mit einem speziellen Band zur neueren Mentalitätsentwicklung in Europa vmit dem Titel „Verantwortung für unsere Gefühle –die emotionale Dimension der Aufklärung“ ersucht habe zu zeigen, siehe Anhang.

Konkret zu Aspekten der IS motivierten Täter: die arabischen Gesellschaften werden  aus einer noch weithin mittelalterlich geprägten Mentalität in die westliche Modern geworfen, deren Einflüsse mit  den Errungenschaften der Aufklärung, Gleichberechtigung, Demokratie usw. für große Teile der Bevölkerung nicht nur Überforderungen sind, sondern auch elementare Demütigungen, weil das alles ihre überkommenen Strukturen entwertet und ihre Rückstädndigkeit offen legt.. Darum ja auch die krankhafte Beschwörung diese alten Ordnung im IS.  Darum stimmt ihre Diagnose der explodierenden Egos, das aber im Umfeld kultureller Demütigung und Entwertung. Das sollte bennnt werden, weil die alleinige Rückführung auf die Gestörtheit  von Einzelnen unbefriedigend ist. Diese Schwachen agieren etwas aus, was Problem großer Teile dieser arabischen Gesellschaften ist. So sagte etwa der Außenminister von Saddam Hussein auf die Frage, warum der Irak die USA so provoziere: „Wir wollen nicht immer die Underdogs sein. – Dr. med. Ludwig Janus


Zum Leitartikel und Kölner Demonstration: Sehr geehrte Frau Topcu, im Juni haben wir uns bereits über Ihre von mir geschätzten Meinungen zu  Integrationsfragen ausgetauscht. Ich erinnere u.a. an meine Mail vom 17.06., an die ich heute, am Tag der Erdogandemonstration in Köln,  aufgrund Ihres Leitartikels in DIE ZEIT vom 28.07. anschließen möchte. Ihrer Analyse der politischen Entwicklung in der Türkei kann man schwerlich widersprechen. Ob und wie aber den Bürgern in der Türkei durch die EU und/oder Deutschland zu helfen ist, ist eine Frage, die m.E. z.Zt. kaum gelöst werden kann, zumal sich der derzeitige von der Mehrheit der türkischen Wähler gewählte Staatspräsident jede Einmischung von außen verbittet und diese Abgrenzungsbemühungen noch durch Lügen, Halbwahrheiten, eigenartige Demokratiedefinitionen und ständige Einmischung in das Leben der in Deutschland lebenden Bürger untermauert. Zu diesen Äußerungen wäre eher eine auch in der Öffentlichkeit erkennbare stringente deutsche Abgrenzungspolitik einschließlich der Einbestellung des türkischen Botschafters angebracht.

Nicht hilfreich für die Integrationsbemühungen halte ich Ihre noch durch einen Zwischentitel verstärkte Aussage Ihres Schlusssatzes. “Die Türkei ist Teil von Deutschland, schon seit 50 Jahren“. Der Satz ist zumindest missverständlich und verwirrend, wenn nicht gar integrationshinderlich. Er zeigt das Problem, das schon zumindest seit dem Moscheebau in Köln im Jahr 2007 besteht, aber aus einer falsch verstandenen Integrationspolitik im Bund und in den Ländern nicht wahrgenommen werden wollte – bis nun heute Köln von türkischen Heimatländlern, AKP- Mitgliedern, Ditib-Gläubigen überrannt wird. Es stimmt eben nicht, dass die Türkei ein Teil von Deutschland ist. Deutschland beherbergt weder eine türkische Staasfiliale noch eine türkische Provinz, wohl aber eine Menge türkischstämmiger Bürger (und Bürger aus mehr als 180 anderen Ländern), die bereit sind, sich in die Gesellschaft in Deutschland einzuordnen, aber eben auch tausende türkische Menschen, die sich, offenbar unter wohlwollender Betreuung der Ditib  und anderer türkisch-staatlich-abhängiger Vereine, in einer Parallelgesellschaft einnisten. Ebenso wenig ist Russland ein Teil von Deutschland aufgrund des Zuzuges der Russlanddeutschen oder Israel ein Teil von Deutschland aufgrund der hier lebenden Israelis usw. Von keiner anderen Ethnie in Deutschland werden der deutsche Staat, die deutschen Bürger und andere in Deutschland lebende Menschen  für die Interessen des türkischen Herkunftslandes und türkischer Parteien so und mit z.T. arrogant vorgetragenen Sonderwünschen in Anspruch genommen  wie von den türkischen staatsabhängigen Vereinen.  Der heutige Tag, dessen Ausgang ungewiss ist, ist ein Beispiel von vielen. Allein die Machtdemonstration für Erdogan heute bedeutet, dass Kölner Bürger und Besucher der Stadt Köln aufgefordert werden, die Stadt zu meiden mit allen Konsequenzen für ihre Rechte und Gewohnheiten. Wohlwollen in der Mehrheitsgesellschaft erreicht man damit nicht.

Um der gelungenen Integration von Menschen aus unterschiedlichsten Ethnien und der Bereitschaft der deutschstämmigen Mehrheitsgesellschaft zur offenen Gesellschaft willen muss klar gesagt werden: Der Ditib-Islam von Erdogans Gnaden ist ebenso wenig ein Teil von Deutschland wie die osmanische Kultur je ein erwähnenswerter Teil der ohnehin komplexen deutschen Kultur gewesen ist wie eben „die“ Türkei Teil von Deutschland ist. Wichtig wäre , wenn endlich deutsche Politiker und Medien bereit wären, den Erdogan – abhängigen Moschee-, Kultur- und politischen Vereinen die Grenzen deutlich aufzuzeigen, die ein friedvolles Zusammenleben aller in Deutschland lebenden Menschen nach deutschen gesetzlichen Maßstäben erlauben. Die späten und nur halbherzigen Äußerungen der Ministerpräsidentin NRW und des Außenministers auf die Forderungen der Veranstalter und Unterstützer der heutigen Demonstration und das Schweigen der Bundeskanzlerin auf die Äußerungen des türkischen Staatspräsidenten reichen nicht (vgl. unten stehende Mails). – Paul Stelkens


„Ironie“  Die Lage ist ernst: Die Lage ist stets hoffnungslos, aber niemals ernst. – Hartmut van Meegen


Meine Meinung zu einer Überschrift: Genug des Marktschreierischen. Die „Zeit“ ist eine bei mir hoch angesehene Zeitung (und Online-Magazin). Ich möchte ihnen meine Meinung schreiben. Ich empfinde Überschriften wie „Worauf wir uns noch verlassen können“ als unangemessen. Bitte erklären sie mir doch wie es kommt dass sie
solche Überchriften formulieren. Vielleicht kann ich ihre Gründe nachvollziehen. Durch eigenes Nachdenken fallen mir keine Gründe ein.
Solche Formulierungen wie „Worauf wir uns noch verlassen können“ finde ich unzulässig verallgemeinernd. Gott (oder der gute Geist der Demokratie) bewahre. Ich finde die Zeit macht im großen und ganzen guten Journalismus. Es hat aber – zumindest für mich – trotzdem schon leichte Züge von „regierungstreuer Propaganda“ wenn da eine Überschrift lautet „Worauf wir uns noch verlassen können“. Aha Meine Zeitung teilt mir mit worauf ich mich verlassen kann. Hm – naja.
Das ist eine wirklich ernsthafte Frage von mir: „Welche Gründe haben dazu geführt für den Artikel über
Anschläge, Putschversuche, Säuberungsaktionen. Wir erleben ein globales Drama. Die Überschrift „Worauf wir uns noch verlassen können“ zu wählen? – Stefan Ludwig


Ich nehme Bezug auf das Gespräch heute im ARD Presse-Club. Ich habe folgende Bitten und Anregungen für gute ZEIT-Artikel:

  1. Es sollte klarer als bisher in der ZEIT dargestellt werden, welchen Status die hier in Deutschland lebende Menschen mit türkischem Hintergrund haben: wieviel % sind deutsche Staatsbürger, wieviel % habe die doppelte Staatsbürgerschaft, wie viel % haben ausschließlich die türkische Staatsbürgerschaft und welche Art von Bleiberecht? Was ergeben sich daraus für Konsequenzen für das Wahlrecht? z:B. in Deutschland bzw. in der Türkei. Welche Konsequenzen sollte man in der Politik aus dieser Analyse ziehen. Dazu sollte die ZEIT eine Diskussionsplattform anbieten.
  1. Zur Gülen-Bewegung: ich vermissen (oder habe ich es überlesen?) eine detaillierte und sauber recherchierte Analyse der Gülenbewegung in der Türkei, in Deutschland und international. Ich wäre Ihnen und der übrigen ZEIT-Redaktion dankbar, wenn sie diese erstellen könnten ggf. auch mit verschiedenen Meinungen und Bewertungen von verschiedenen Experten.

Was ich von der Gülen-Bewegung weiß, ist, dass dort ein anderes Staatsverständnis vorherrscht, als wir es in Deutschland durch das GG pflegen, und dass dadurch gerade die Problem entstehen. Im Klartext: der Staat muss ein „islamischer Staat“ sein und die Religion/der Koran steht über der Verfassung. Und: Toleranz gegenüber anderen Religionen (z.B.Übertritt zu einer anderen Religion) ist nicht vorgesehen, obwohl immer von „Dialog“ gesprochen wird.

Ich möchte Sie herzlich bitten, ggf. meine Einschätzung zu korrigieren und in einem größeren Artikel der Leserschaft der ZEIT die Gülen-Bewegung im Kontext der modernen Auffassung von Staat und Religion(en) darzustellen. Ich bin seit Jahren mit interreligiösem Dialog befasst (vgl. Anlage aus 2009) und engagiere mich z.Z. auch in der Flüchtlingsfrage. – Pastor i.R. Folker Thamm


Leserbrief zu „Wir wissen alles über dich“: Bei den Angriffen auf Israelis handelt es sich in erster Linie um Verzweiflungstaten junger Palästinenser. Objektiv betrachtet handelt es sich in erster Linie um legitimen Widerstand gegen die völkerrechtswidrige Besatzung mit Beraubung, Entrechtung und Entwürdigung der palästinensischen Bevölkerung. Die größte Terrororganisation ist doch die israelische Besatzungsarmee. Wie würden denn Juden reagieren,

– wenn plötzlich Soldaten in ihrem Obstgarten erscheinen, mit Planierraupen Ihre Bäume entwurzeln und mitten durch Ihr Grundstück eine 8 m hohe Mauer oder einen mit Starkstrom gesicherten, hohen und dichten Zaun errichten würden, so wie es in Bethlehem und anderen Orten der besetzten palästinensischen Gebiete geschehen ist und geschieht?
– wenn sie von Soldaten aus Ihrem Haus vertrieben und dann Angehörige einer anderen Religionsgruppe einziehen würden, so wie in der Jerusalemer Altstadt mehrere palästinensische Familien aus ihren Häusern vertrieben wurden, in die dann jüdische Siedler einzogen, um Jerusalem araberfrei zu machen?
– wenn von Ihrem Dorf zweidrittel  der umgebenden landwirtschaftlichen Nutzfläche entschädigungslos enteignet und mit einem militärisch gesicherten hohen Zaun abgetrennt und alle friedlichen Protestdemonstrationen (die von den Besatzern als gewaltfreier Terrorismus bezeichnet werden) mit Tränengas und Schußwaffen brutal  unterdrückt würden, so wie es in den palästinensischen Dörfern Bilin und Nilin geschehen ist und weiterhin geschieht?
– wenn sie sich in Ihrem Land nicht mehr frei bewegen könnten, sondern überall Straßensperren errichtet würden, die sie nur mit besonderer, aber nur selten erteilter Genehmigung passieren dürften, so wie es den Palästinensern ergeht?
– wenn ihnen eine Baugenehmigung für die Schaffung von mehr Wohnraum für Ihre Familie verweigert wird, um die Vermehrung Ihrer Bevölkerungsgruppe zu verhindern, aber den Mitgliedern einer illegal eingewanderten privilegierten Bevölkerungsgruppe auf entschädigungslos enteignetem Land großzügige Baugenehmigungen erteilt werden, so wie es in den besetzten palästinensischen Gebieten der Fall ist?
– wenn ihr Haus einschließlich ihres gesamten Hausrats mit Planierraupen zerstört würde, weil ein Hausbewohner eine Straftat begangen hat oder deren nur verdächtigt wird, so wie das immer wieder mit Häusern von Palästinensern geschieht?
– wenn ihrer hochschwangeren Frau an einem Straßenkontrollpunkt die Weiterfahrt zu einem Krankenhaus verweigert wird, ihre Frau ihr Kind unter den Augen der mitleidlosen Soldaten am Straßenrand zur Welt bringen muß und das Kind mangels ärztlicher Versorgung dann stirbt, wie es immer wieder an den israelischen Kontrollpunkten in den besetzten Gebieten vorkommt?
– wenn ihre Kinder wegen einer oft wochenlangen Ausgangssperre nicht zur Schule gehen und auch nicht vor dem Haus spielen dürfen, weil sie sonst erschossen werden, wie es immer wieder in den Palästinensergebieten vorgekommen ist?
– wenn ihr Mann oder ihr Vater plötzlich verhaftet, in ein anderes Land verschleppt und ohne die Angabe von Gründen und ohne Anklage monate- und jahrelang durch sogenannte Verwaltungshaft inhaftiert wird, so wie es Tausenden Palästinensern ergeht?
– wenn ein Krankenhausbesuch von der Mitarbeit mit einem Geheimdienst zwecks Ausspähung ihrer Mitmenschen, die dann oft der Ermordung durch den Geheimdienst zum Opfer fallen, abhängig gemacht wird, so wie es immer wieder bei schweren Erkrankungen von Palästinensern geschieht?
– wenn sie durch eine Besatzungsarmee Ihrer Freiheit, Ihrer Lebensgrundlagen, Ihrer Eigentums- und Menschenrechte sowie Ihrer Würde beraubt würden, so wie die Palästinenser in den von Israel völkerrechtswidrig besetzten Gebieten?

Ja, wie würden sie dann reagieren? Würden sie sich dann widerspruchslos mit so einer zerstörerischen Lebenssituation abfinden oder auch zu gewalttätigen Mitteln greifen, wenn friedliche Mittel erfolglos bleiben und die internationale Staatengemeinschaft nicht nur tatenlos zuzieht, sondern die völkerrechtswidrig handelnde Besatzungsmacht sogar politische und finanziell unterstützt? Wahrscheinlich würden Juden dann genauso handeln, wie jetzt die Palästinenser und wie sie es schon vor und im Zuge der israelischen Staatsgründung getan haben, obwohl sie in keiner vergleichbaren Situation wie die heutigen Palästinenser waren, sondern sich nur von den Engländern bei der Judaisierung Palästinas behindert fühlten. Der frühere israelische Ministerpräsident und heutige Verteidigungsminister Ehud Barak sagte auf die Frage des israelischen Journalisten Gideon Levy, was er getan hätte, wenn er als Palästinenser geboren worden wäre: „Ich wäre einer terroristischen Organisation beigetreten. (I would have joined a terrorist organisation). – Siegfried Ullmann


„Die Babsi GmbH“: Was bezwecken Sie mit diesem Artikel ?!. welchen Mehrwert schaffen Sie durch seine Veröffentlichung für Ihre Leser ?!. Der langjährige Leser nimmt zumindest  irritiert zur Kenntnis wenn er fest stellt, dass Sie immerhin eine volle Zeitungsseite beanspruchen, um dort über die Motivation von Barbara Schöneberger für ihr Tun zu reflektieren. Mittlerweile dürfte es Konsens sein, dass es sich bei Barbara Schöneberger um eine – freundlich ausgedrückt – ausgesprochen geschäftstüchtigte Vertreterin des deutschen Unterhaltungsgewerbes handelt. Es liegt dabei in der Natur der Sache, dass man sich dabei einer strukturierten und planvollen Handlungsweise bedienen muß, wenn man denn in dieser Branche reüssieren und langfristig überleben möchte.  Insofern wird dieses Gejammere über Auftritte in Autohäusern mehr als wohlfeil, zumal diese allen Anschein nach gut honoriert sind und zur Stellenbeschreibung einer Entertainerin gehören dürften. Das Redaktionsteam Ihrer Wirtschaftsredaktion sollte sich daher in einer stillen Stunde einmal selbstkritisch fragen, ob derartige Themen nicht besser in der „Yellow Press“ als nun ausgerechnet im Wirtschaftsteil der ZEiIT aufgehoben sind. Überlegungen, wie Sie sie auf der Seite 3 Ihrer aktuellen Ausgabe unter dem Titel „Der Kapitalismus soll netter werden“ veröffentlichen, entsprechen deutlich mehr ihrem eigenen Anspruch und dem, was Ihre Leser von Ihnen zu Recht erwarten dürfen. – Christian Puttkammer


Leserbrief zu „Zukunft der Türkei -Stille Erneuerung“: Unterschiedliches Demokratieverständnis – Die Türkei ist zwar, wie Özlem Topçu schreibt, Teil von Deutschland sein. Doch nur, was die Menschen angeht. Und sicherlich gilt dies nicht umgekehrt. Offenkundig gibt es auch ein unterschiedliches Verständnis von Demokratie. Nach mehrheitlich türkischem Verständnis darf der frei gewählte Präsident Erdogan während seiner Amtszeit frei schalten und walten. Er gibt vor, was das Volk will, er hebelt Gewaltenteilung, Versammlungs- und Meinungsfreiheit, Zugehörigkeit zum öffentlichen Dienst, Justiz, Militär, Lehre und Forschung eigenmächtig aus zu seinem Ziel einer präsidial islamischen Republik. Er verhängt auch den Ausnahmezustand und verlängert diesen nach eigenem Gutdünken. Das Parlament dient bei all diesem Treiben sehenden Auges lediglich als Staffage. Deutschtürken werden als Teil des eigenen Staatsvolkes betrachtet und sollen entsprechend beeinflusst werden. Obwohl jüngst erst zu ausführlichem Interview im Öffentlich-rechtlichen Fernsehen bevorzugt behandelt, beansprucht Erdogan nun auch noch unter Berufung auf freie Meinungsäußerung eine Zuschaltung per Videobotschaft zur Kölner Kundgebung. Dort waren keinerlei kritische Äußerungen zu vernehmen. Ein Versuchsballon? In Ankara war man ungehalten ob der ablehnenden Eilentscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Eine unabhängige Justiz scheint man dort nicht zu mögen. So spaltet Erdogan mit seinen Vasallen nicht nur die türkische, sondern auch die Gesellschaft hierzulande. Türkisches ist bald international nicht mehr sonderlich beliebt, wenn es so weitergeht. – Jochen Freihold


Bezug: „Merk-Würdig“: Ich empfand es als wohltuend, diesmal in dieser Rubrik anstelle der üblichen Glosse des Herausgebers der ZEIT einen anderen Autor zu lesen. Sie haben mit ihrem Plädoyer, die Bilder von Terroropfern nicht zu verstecken, m.E. allein durch ihre diskursoffene Art ihrer thematischen Darstellung geschafft, das, was sie merk-würdig nennt, beim Leser denk-würdig zu machen. Unabhängig von unserem konkreten Themenbezug denke ich, dass unser tabouloses Iconbewusstein heute fast automatisch die eventuelle Würdelosigkeit hinsichtlich der Öffentlichmachung von Bildern nicht sonderlich bewegt. Da ist offensichtlich vieles durcheinandergekommen. Abgesehen von gehörigen ästhetischen Defiziten spielt m.E. das gestörte Verhältnis von menschlicher Nähe und Distanz eine nicht unwesentliche Rolle. Weiter ist die Kommerzialisierung der Bildmaterialien ein Faktor für potentielle Würdelosigkeit. In unserem Zusammenhang erscheint mir der Begriff der Würde fehl am Platze, egal ob man nun sagt, das getötete Opfer sollte nicht in der Presse abgebildet werden, oder müsste es durchaus sein. Wichtig ist allerdings, von der Würde einer entstellten Person eines toten Opfers auszugehen, wenn hier Bilder zur Veröffentlichung freigegben würden. Damit man argumentativ in diesen Fragen nicht in eine eher plakative, und damit überhöhte Verwendung des Würdebegriffs gerät, schlage ich vor, in Richtung Datenschutz zu denken. Das unschuldige Opfer muss, auch aus familiären und bekanntschaftlichen Gründen gewissermassen aus dieser an sich brutalen Terrorsphäre herausgehalten werden. Allein diese abrupte und grausame Unerklärlichkeit des unschuldigen und auf dem Hintergrund von Willkür geschehenen Todes verlangt, gewissermassen nachträglich, Personenschutz, die sich m.E. im Bilderverbot des Opfers konkretisiert. Hier geht es sicher um Pietät, wobei natürlich die Würde eine gewisse Rolle spielt, mehr noch geht es m.E. bei der brutalen, an sich schon verletztenden Nacktheit solcher Terrorakte um einen letzten Tribut an die persönliche Freiheit dieses jeweils in eine solche Todessphäre hineingezogenes Opfer. Ich bin davon überzeugt, dass unzählige Menschen sagen würden: Falls ich Terroropfer sein sollte, möchte ich nicht in der Bildzeitung abgebildet werden! Von daher gesehen, liegt doch Ihr Satz über sogenannte Moralapostel des Netzes in einer ziemlichen Schieflage, dass ein getöteter Mensch versteckt werden müsste. – Joachim Feuerstein


Ihr Artikel  „Sie wollen nur unser Bestes“: Wem wollen Sie denn mit dieser unglaublichen Schönschreibung über diesen berichteten modernen Ablasshandel Ihre Aufwartung machen. Diesen Steuervermeidern, Ausbeutern und Panama-Reisenden, die sich – wie selbstverständlich – Ihren Verpflichtungen in unserer Gesellschaft permanent entziehen und sich in unglaublicher Habgier bereichern, wird hier noch eine Bühne zur Selbstdarstellung geboten. Mir fällt da nur der großartige Georg Schramm ein, der richtigerweise zu dieser Thematik zu folgendem Schluss kommt: „Es genügt nicht, Stiftungen zu betreiben und ein wenig wohltätig zu sein. Wohltätigkeit – das wußte schon der Pädagoge Pestalozzi – ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade. Almosen verändern das System nicht, sie sind keine Erneuerung des Gesellschaftsvertrages.“.
Dieser Ansatz scheint mir auch weniger enthusiastisch und verklärt zu sein – auch wenn es natürlich
eine schallende Ohrfeige für Alle die ist, die sich so gerne im Licht Ihrer wundervollen Wohltätigkeiten
sonnen und damit glauben sie wären die edlen Spender und guten Menschen, die im Begriffe sind die
Welt zu retten. Vielleicht wäre allerdings gar nicht soviel Rettungsbedarf auf dieser Welt notwendig,
wenn nicht die Gier und die Renditegeilheit dieser Heuchler, Spekulanten und Gesellschaftsverräter
nahezu unermesslich wäre. – Wilhelm Lauterbach


Der ZEIT- „Politausdeuter“   Mark Schieritz meint, daß sich  beim 20er Treffen in C h  e  n g d u  die Mächtigen der Welt zusammengefunden hätten, um den „ Kapitalismus netter zu gestalten“  und um der Globalisierung als vorläufigem Kulminationspunkt der vom Finanzwesen getriebenen Post-Industrialisierung eine Art globale Umverteilung  neuer Wertschöpfung auf die Bedürftigen  dieser Welt entgegen zu setzen. An dem Leitmotiv: „Die Vorteile des Wirtschaftswachstums müssen breiter verteilt werden, um die Inklusion zu fördern“ hat auch ein maßgeblicher Beamter des Bundesfinanzministeriums mitgearbeitet. ^^ Schieritz benutzt nirgends den Begriff Neo-Liberalismus oder Neo-Konservatismus als den Zustand, den es zu überwinden gälte. Bei der Ausarbeitung des erwähnten  Slogans soll  – wie bereits erwähnt – , Holger Fabig (Bundesfinanzministerium Berlin) ,maßgeblich mitgewirkt haben.  Auch die makroökonomische Handschrift des IWF ist  nicht zu verkennen.^^ Die versammelten Vertreter der G 20 sind offenbar der Auffassung , man könne die Aneignung von Gewinnen durch das dahinterstehende,  eingesetzte,  Kapital durch andere Mechanismen nicht den Kapitaleigentümern zufließen,  sondern der breiten Schicht von Arbeitnehmern auf der ganzen Welt zugutekommen lassen. In diesem Zusammenhang wird auch die Finanztransaktionssteuer genannt.^^ Das ganze Konzept ist aber blauäugig angelegt, weil es solche großformatigen makroökonomische Stellschrauben nicht gibt und auch völlig unklar ist, nach welchen genauen Kriterien die gewissermaßen global in Besitz genommenen Wertschöpfung auf die minderbemittelten Arbeitnehmer verteilt werden soll?? ^^ Gerade die Sozialdemokratisierung ist doch mit einem zu harten Kurs der Umverteilung immer wieder gescheitert. Wenn schon  Umverteilung, dann muß diese an der Quelle der Wertschöpfung ansetzen, also etwa das Prinzips des Primats des Börsenkapitals durch das Prinzip genossenschafts-wirtschaftlichen Gemeineigentums ersetzt werden. Es ist wohlfeil anzustreben, daß die Populisten Donald Trump, Beppe Grillo und Marine Le Pen sowie andere mit ihren verstiegenen retrograden Nationalismen verhindert werden müssen. Das muß aber auf andere Weise als durch makroökonomische Sandkastenspiele geschehen, die Christine Lagarde (IWF) so liebt, wenn sie sagt, Deutschland müsse endlich aufhören, so viel zu exportieren!! – Sigurd Schmidt


Özlem Topçu: „Stille Erneuerung“: Der von Özlem Topçu vorgestellten Lesart würde ich gerne zuversichtlich folgen, mein Scheitern beginnt allerdings schon bei der außerordentlich restriktiven Handhabung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei. Diese Unfreiheit besteht bekannterweise mitnichten erst seit dem Putschversuch, und sie hat weitgehende Auswirkungen, die auch in die deutsch-türkische Gesellschaft, sogar in das deutsche Parlament (Armenien-Resolution), hineinreichen. Dabei betreibt Erdogan in der Tat eine Erneuerung seines Landes. Die wirkt aber weder still, bemüht sie doch innenpolitisch vor allem martialischen Rhetorik ohne Konjunktiv – und außenpolitisch höchste Undiplomatie, noch erscheint sie in irgendeiner Weise demokratisch vorwärts gewandt. So ist es denn wohl auch weniger Fatalismus als vielmehr geübte Einsicht, frei nach Willy Brandt festzustellen, dass zwischen der EU und der Türkei nichts zusammen wächst, was nicht zusammen gehört. – Ira Bartsch


Feddback zur Ausgabe: Leider hat mich an der aktuellen Ausgabe der relativ offene Sexismus negativ überrascht. Im Politikteil auf Seite 11 wurde „Ärger im Paradis“ von Herrn Dausend verfasst. Es ist leider nicht nachvollziehbar, was damit ausgedrückt werden sollte. Soll es lustig sein die weibliche Führungsriege auf Klamotten zu reduzieren? Soll damit die Kompetenz in Frage gestellt werden? Für die Zukunft wünsche ich mir klare, inhaltliche und weniger plumpe Äußerungen. Hinzu kommt, dass auf Seite 5 für den Artikel über Israel ein Foto mit sich räkelnden Soldatinnen gewählt wurde. Es geht u.a. um Beziehungen zu Nachbarländern, die Arbeit des Mossad, die Sicherheit des Landes. Über Fotos soll Aufmerksamkeit für Artikel erweckt werden, ob es bei solchen Inhalten über den Weg „sex sells“ sein muss, wage ich zu bezweifeln. Zudem habe ich noch eine allgemeine Anmerkung. Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass die Zeit sehr viel Wert darauf legt, die persönliche Meinung ihrer Redakteure kund zu tun. Es ist mit Sicherheit eine willkommene Abwechslung nicht nur über Fakten aufgeklärt zu werden, sondern auch an persönlichen Erfahrungen anderer teilhaben zu können, nichtsdestotrotz möchte ich darum bitten, darauf zu achten, dass die Zeit nicht zu einer Selbstdarstellungsplattform ihrer Redakteure wird, sondern in erster Linie über Fakten aufklärt. – Antonia Greiner


„Am Abendbrottisch mit…“: Die Bandbreite der Emotionen, die Ihr Artikel bei mir ausgelöst hat, reichte unter anderem von Ärger (über Herrn Güven, der alles, was nicht in seine Vorstellung passte, als unglaubwürdig abtat …) über Betroffenheit (Dafne, die Angst haben muss, ihre Mutter zu besuchen …) und leichte Erheiterung ( Lüle: .. wer verlangt von Japanern, dass sie Deutsch lernen müssen …) Wirklich entsetzt hat mich aber die Aussage von Herrn Güven über Herrn Erdogan: „…. er hat Autobahnen gebaut und das Bruttosozialprodukt hat sich vervierfacht.“ Da muss man sich doch fragen: Wann kommt „Heil Erdogan“ ??? – Hanne Bollwin


„Epidemie des Argwohns“: Solche Artikel und Überschriften finde ich wenig hilfreich: ich fürchte, daß sie genau diese Veränderung der Wahrnehmung fördern, im Verein mit allen mögliche seriösen oder bösartigen Veröffentlichungen in den Medien, und zur Entstehung einer „Epidemie“ und zur Verbreitung des Argwohns beitragen. Da hilft es auch wenig, wenn am Schluß dann geraten wird, man solle sich nicht verrückt machen lassen. Millionen Autofahrer leben jeden Tag damit, daß sie ständig aufmerksam sein und mit unvorhergesehenen Risikosituationen rechnen müssen. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, denke ich ständig daran, daß irgendein Schussel oder ein Rücksichtsloser sich falsch verhalten könnte, bin vor einer Einmündung darauf vorbereitet, daß mir jemand in die Quere kommen könnte, erwarte fast, daß der LKW plötzlich ausschert, den ich gerade überhole. Wenn meine Kinder mit dem Auto unterwegs sind, mache ich mir Sorgen. Wir befinden uns also fast alle in einem Zustand, den Thomas Assheuer als Epidemie des Argwohns bezeichnen könnte: Wir müssen auch hier jederzeit mit Unberechenbarem- mit Fehlverhalten oder auch mit technischem Versagen- rechnen, nur daß wir das in diesem Fall sehr gelassen sehen- vor allem angesichts dessen, daß unser reales Risiko im Straßenverkehr mit fast 3500 Toten im vergangenen Jahr um mehrere Zehnerpotenzen höher ist als die Gefährdung durch Attentate. – Dr. Michael Woernle


Zu meiner Überraschung habe ich zum wiederholten Male (zugegeben, im niedrigen einstelligen Bereich) in der Abteilung „Z“ in Ihrer Zeitung einen, wie ich finde, hochinteressanten und wichtigen Beitrag gelesen. Ich bin sehr beeindruckt von M. Kalles Verteidigungsrede zur Ironie. Ich kann ihm nur zustimmen: Es ist nicht die von den Ironiekritikern unterstellte „Verächtlichmachung“ von „Wahrheiten“ und „Autoritäten“, die unsere Freiheit bedroht, sondern die gefühlt wachsende Zahl derjenigen, die „genau wissen, wo sie stehen“, deren Weltbilder sich immer hermetischer verengen, „die keine Selbstzweifel kennen“, und die damit unser Leben zu ihrer Hölle der Alternativlosigkeit zu machen versuchen. Seit langem schon diagnostiziere ich bei mir eine schwere „Unverträglichkeit“: die gegenüber Ironie-Intoleranz. Da hilft wohl nur Ironie in hoher Potenzierung. Vielen Dank für Ihre therapeutische Unterstützung, Herr Kalle! – Henrik Wischnewski


In „Die Zeit“ vom 28/7 lese ich in Ihrem Artikel „Wir wissen alles über dich“, folgendes: „Allerdings hat Israels Politik einen Anteil an seiner prekären Sicherheitslage. Mit seiner Rücksichtslosen Besatzungs- und iedlungspolitik hat es viel Palestinenser in die Arme der Terrorgruppen getrieben.Premier Netanyahu scheint sich längst von der Zwei-Staaten-Lösung verabschiedet zu haben. Amerikanische Vermittlungsbemühungen hat er ins Leere laufen lassen.“
Sie scheinen zu vergessen dass Olmert zuerst, Ehud Barack danach hatten ausgedehnte Angebote an Yasser Arafat gemacht, die von ihm abgelehnt wurden, dass Bill Clinton selbst sagte Arafat dass er nicht dieser „großer Mann“ wurde wegen diese Ablehnung von ihm, dass Mahmud Abbas deklarierte dass er keine einzige Jude dulden wird in eine palestinensische Staat, dass er bezahlt gutes Geld für die gefasste und eingesperrte Terroristen und deren Familien, dass er nie das jüdische Staat Israel akzeptiert und anerkannt hat, dass Jibril Rajoub, Chef die Sicherheitkräfte der PA (Preventive Security Force), heute Präsident der Palestinian Football Association, deklarierte:“Glauben Sie mir , wenn wir die Atombombe hätten , hätten wir sie am nächsten tag auf Israel geworfen.“ (http://palwatch.org/main.aspx?fi=472&fld_id=474&doc_id=8927)
Sie vergessen dass Mahmud Abbas sich brustete damit dass er drei mal „Nein“ sagte zu John Kerry’s Bemühungen um dem Friedensprozess, dass Israel hatte Gaza evakuiert und hat jetzt der Hamas dort und schon drei Kriege, dass Israel hat dem Süd Libanon verlassen und hat jetzt der Hizbollah dort mit circa 100.000 Racketten und Missiles, dass (und da musste ich schallend lachen) Mahmud Abbas will Groß Britanien verklagen wegen die Balfour Deklarationvon 1917, dass er in Januar 2013 lobte und würdigte Amin al Husseini der Partner von Hitler und kollaborateur von Adolf Eichmann in der vorbereitung der Holokaust.
Und letztendlich ist es schlicht und einfach falsch von eine Besatzungspolitik im „Westbank“ (Judea-Samaria) zu sprechen wenn, zuerst in San Remo (1922.) danach von der UNO (1945), zwei mal international anerkannt wurde die recht der Juden of Israel inklusiv die Judea-Samaria.
Alles was ich hier geschrieben habe ist sehr gut dokumentiert. Da ich Ihnen keine Bosheit unterstellen will kann ich nur denken dass Sie nachplappern, ohne leider nachzuprüfen, was fast überall zu lesen ist, aber leider genauso wenig recherchiert. Um Sie zu unterstützen einer echten Journalist zu werden, schicke ich ihnen eine Dokumentation die auf Fakten, Zitaten, Bider und Videos von Syrier, Egypter, Jordanier und „Palestinenser“ basiert. Sie haben da eine Chance sich zu verbessern. Wenn Sie Mut und Demut haben, zeigen Sie es dadurch dass Sie mein Leserbrief veröffentlichen. – Edmond Richter


Zu dem Artikle von Anna Kemper: Mir hat der Artikel sehr gut gefallen, zumal ich den Schauspieler schon lange gut finde und auch nicht seinen Namen wusste, bevor er vor kurzem bei „3nach9“ zu Gast war. Allerdings steht bereits auf S. 31, dass Jan Josef Liefers sein Halbbruder ist und auf S. 34 steht der Satz: Zwei Söhne eines Vaters. Meiner Meinung ist das falsch, weil Karlheinz Liefers gerade nicht der Vater von Herrn Brambach ist, sonder ein gewisser Jürgen ist sein biologischer Vater (S. 33). Mit Karlheinz Liefers ist er bloß aufgewachsen und bezeichnet ihn als Vater. Die Definition Halbruder setzt aber eine biologische Verwandschaft voraus: Halbbruder bedeutet, dass man entweder den gleichen Vater oder die gleiche Mutter hat, aber dass nicht beide Elternteile gleich sind. Die Aussage des Artikels zum Halbbruder finde ich irreführend und falsch. – Sabine Vogel


Ich verfolge die Diskussion um „Regretting Motherhood“ schon länger. Als berufstätige, karrieregehinderte, politisch und ehrenamtlich (für Kinder!) aktive Mutter verstehe ich alle Ambivalenzen, die mit dem Thema Mutterschaft verbunden sind nur zu gut. Was mir jedoch in dem Artikel und in der Diskussion fehlt, sind zwei weitere, m.E. entscheidende Variable: Alter und Anzahl der Kinder bei Befragung. Hätte man mich (und meinen Mann) im Laufe der letzten 22 Jahre befragt, wären, je nach aktueller Lebenssituation wahrscheinlich, sehr unterschiedliche  Schlaglichter entstanden. Es macht auch eine großen Unterschied, ob Einzelkind oder kinderreiche Familie. Mutterschaft ist kein festgeschriebener Wert an sich, sondern – wie eine Ehe – eine Beziehung mit lebenslangem Erneuerungsbedarf. Alle Beteiligten entwickeln sich (hoffentlich!) weiter und eine Bilanz im Sinne eines Schlusspunktes gibt es noch nicht einmal mit dem Tod. Ich habe gelernt den Fokus zu verlagern: von reiner Mutterschaft (da kann man es sowieso niemandem recht machen) auf den Erlebnis- und Entwicklungsraum „Familie“. Sozusagen vom Ich zum Wir. Meiner Meinung nach, tut das allen gut – auch den jeweiligen ‚Ichs‘. Wir sind gerne zusammen und gehen ebenso gerne getrennte Wege – und genießen, dass wir etwas ganz Besonderes sind: eine Familie. – Dr. Ulrike Blatter


Zum Artikel „Hätten wir mal lieber nicht“: Seit über 50 Jahren lese ich DIE ZEIT. Alle Eltern sind manchmal genervt von ihren Kindern, man könnte sie manchmal sogar “ auf den Mond schießen“ , jedoch der Gedanke, sie zu verlieren ist furchtbar. Aber darüber einen Artikel zu schreiben, der wirklich ernsthaft untersucht, wieviel Prozent der Eltern sich nochmals für Kinder entscheiden würden oder nicht, ist doch wohl überflüssig. Könnte man diesen Bericht nicht auch in einem  „Blatt für die Frau“ veröffentlichen und nicht unter der Rubrik „Wissen“ in  DIE ZEIT – Brigitta Stallbaum


Ich bin entsetzt über die Aussagen von Papst Franziskus über den Islam. Es ist schlichtweg nicht wahr, dass die Gewaltbereitschaft im Islam gleich hoch ist wie in anderen Religionen. Mir scheint, dass der Papst nicht lesen kann oder keine Nachrichten liest. Wir können nämlich jeden Tag in der Zeitung lesen, dass neue Gewalttaten im Namen des Islam verübt werden. Jeden Tag werden im Namen des Islam „Ungläubige“ getötet, Frauen misshandelt und unterdrückt, Menschen ausgepeitscht oder ihrer Freiheit beraubt. Dass dies nichts mit dem Islam zu tun haben soll, ist eine blanke Lüge. Wer den Koran liest, wird hunderte von Stellen finden, die zum Mord an Nicht-Muslimen, zur Unterdrückung von Frauen und zum Krieg im Namen des Islam aufrufen. Alle Gelehrten, die bislang versucht haben, den Islam zu reformieren und den Koran im historischen Kontext zu interpretieren, sind gescheitert und haben sich großer Gefahr ausgesetzt – sie sind ihres Lebens nicht mehr sicher. Es ist also keine kleine Gruppe von Fundamentalisten, die den Koran so auslegt, wie er geschrieben ist – es ist die Mehrheit. Wenn der Papst sich Umfragen in westlichen Ländern ansehen würde, würde er lesen, dass eine Mehrheit die Regeln der Scharia über weltliche Gesetze stellt. Wenn der Papst Informationen über die Länder der Welt lesen würde, würde er lesen, dass es nicht ein einziges islamisches Land gibt, in dem Nicht-Muslime ihre Religion frei leben können und Frauen die gleichen Rechte wie Männer haben. Wenn der Papst Nachrichten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden lesen würde, würde er lesen, dass die zivilisierte Welt sich in einem Krieg befindet – einem Krieg mit dem fundamentalistischen Islam, dessen zahlreiche Vertreter sich nicht mehr darauf beschränken, ihre eigenen Frauen und Töchter zu unterdrücken, sondern mehr und mehr die freie Welt angreifen, damit alle nach ihren unterdrückenden Regeln leben. Das ist eine riesige Gefahr, und es ist die Pflicht und die Verantwortung des Papstes, darauf hinzuweisen. Es ist beschämend, dass er seiner Verantwortung nicht nachkommt.- Sandra Gellings


Was wir nicht mehr sehen wollen: Ich stelle mir vor, Ihr Ansatz wird medialer Konsens und ich sehe mich allerorten von Bildern mit nebulösen Farbverläufen umgeben, in deren Zentrum ein Reizwort prangt (Rucksackbombe, Terrorist, Opfer…), das Menschen entsprechend ihrer Disposition von ganz allein auf Fantasiereisen schickt. Was muss zum Schutz der Leser bzw. gegen potentielle  Fehlinterpretationen künftig noch verschleiert werden? Der AIDS-kranke Fixer auf der Bahnhofstoilette, weil das all jene befeuert, die sagen `spült den Dreck doch einfach weg´, Helmut Schmidt mit Zigarette, weil man auf die Idee kommen könnte, Rauchen lässt alt werden und macht schlau? Wäre es nicht besser, der  Bildauswahl mehr Überlegungen zu widmen? Es muss kein Blut von ihnen triefen, um seriöse Meinungsbildung zu unterstützen. Es ist wahr, wir wollen sie nicht mehr sehen, aber damit meinen wir eigentlich die Anlässe selbst, wenn sie sich denn trauriger Weise ereignet haben, und nicht die Bilder von ihnen. – Adre Kruß


Betr.: „Epidemie des Argwohns“ von Thomas Assheuer: Epidemie des Argwohns – und dann der Psychiatrie? Sehr geehrter Herr Assheuer, selten habe ich eine so differenzierte Abhandlung über die subtile Wirkung des Terrors gelesen. Vor allem Ihre Analyse der veränderten Wahrnehmung und der vorweggenommenen Angst scheint mir sehr zutreffend. Auch der Hinweis, dass der Feind nicht nur von Außen kommt, sondern auch Menschen, die lange hier wohnen, gefährlich werden können, trifft wohl leider zu. – An einer Stelle bleibt Ihre Analyse dann stecken und möchte ich Sie zum Weiterdenken ermuntern: Sie sprechen davon, dass die „verlorenen Söhne zur allgemeinen Beruhigung und vermutlich zu Recht umgehend als Klinisch krank, psychisch labil oder offenkundig gestörte bezeichnet werden“. Das mag beruhigen, weil wir dann von uns weg auf die Andersartigen verweisen können. Aber dieser Reflex ist hochproblematisch, – zumindest solange wir  psychiatrische Diagnosen so handhaben, als würden sie eine neue Wirklichkeit schaffen oder gar eine Erklärung beinhalten. Das mag die Psychiatrie manchmal selber wünschen oder sogar suggerieren; doch genau das leisten Diagnosen nicht. Sie sind mehr oder weniger hilfreiche Etiketten, zugleich Überschriften für sehr verschiedene Menschen, Entwicklungen und Erfahrungen. Wir kommen nicht umhin, in jedem Einzelfall zu fragen, was hat diesen konkreten Menschen gekränkt, psychisch verletzt, sozial isoliert, politisch verbohrt, zu unheilvollen Ideologen getrieben. Und was davon ist individuell, gesellschaftlich oder politisch zu verstehen und zu beantworten. – Für alles die „Krankheit“ und dann die Psychiatrie verantwortlich zu machen, überfordert uns in der Psychiatrie und wird der Komplexität des Geschehens, dem auch bösen Potential des Menschen, vor allem den wirklich psychisch Kranken nicht gerecht. – Prof. Dr. Thomas Bock


In Ihrer Aufzählung, worüber die Manager wütend sind, fehlt ein wesentlicher Grund: Empörung über das skrupellose Vorgehen von Topleuten, die millionenfach Boni kassierten und doch die Bank an die Wand gefahren haben. Wegen milliardenfacher Kompensationszahlungen müssen viele betroffene Mensche leiden. Die Verursacher etwa nicht, weil sie sich juristisch abgesichert oder versichert haben? –
Wilfried Buscher


Im blauen Kleid die Präsidentin. Ein kurzer Kommentar zu Sabine Rückerts Beitrag „Sie kann alles“ : So leicht, wie man sich Wladimir Putin mit Donald Trump auf einer Bärenjagd vorstellen kann, so einfach mag man sich vermutlich als Frau ausmalen, wie richtig es wäre eine Präsidentin in einem schönen Kleid zu haben. Die beiden Klischees entstammen einer Welt, die uns Sabine Rückert vergangene Woche in ihrem Beitrag „Sie kann alles“ schilderte (ZEIT Nr. 32, S.10). Während man über das erste noch zusammen mit der Autorin lachen kann, meint sie das zweite offensichtlich ernst. In atemloser Begeisterung über das präsidiale Charisma und die lehrbuchreife Rhethorik der stets stilbewussten Michelle Obama, mag sie die Autorin gleich selbst zur nächsten Präsidentin der USA küren. Doch es soll eine andere werden: Hillary Clinton. Weil sie’s kann, so liest man weiter im Text. Doch was genau kann sie? In den vergangenen Wochen hatte die ZEIT mehrfach ausführlich über Hillary Clinton berichtet: Kalkül, Pragmatismus und Machtstreben – all das, was einen an die US-Serie „House of Cards“ denken lässt – stand hier im direkten Zusammenhang mit Clintons Charakterstärken, ja mit ihrem ganzen Werdegang.
Dagegen schreibt Frau Rückert an. Und ihre unbeirrbare Euphorie erstaunt und frustriert zugleich. Bei ihr geht es um Clintons Vorbildfunktion und ihrem Glauben an „Dinge, die größer sind als sie selbst“. Da fragt man sich, was sind denn eigentlich immer diese großen Dinge: Gott? Das Vaterland? Die Macht? Was von dem ließ wohl Hillary Clinton durch die Zeit der Demütigungen und Niederlagen „durchmarschieren“? Die Antwort scheint hier nicht wichtig, wichtiger dagegen nimmt die Autorin die Verallgemeinerungen mit denen sie weiter macht: „Männer hauen die Welt zu Klump“. Männer vergeigten, und verdrückten sich; schwängerten die Frau, und liefen davon. Stets müssten die Frauen alles wieder ausbügeln. Siehe Brexit, siehe CDU und Angela Merkel, siehe alleinerziehende Mütter. Und der Schlüssel zum Erfolg? Verantwortung und Autorität als Selbstverständlichkeiten des weiblichen Naturells. Der Mann als zündelnder Rüpel kann da freilich nicht mithalten.
Unweigerlich fragt man sich nach dem Gehalt solch fraglicher Gegenüberstellungen: Also Frauen sind die Guten, weil Männer die Bösen sind? Ist das nicht ein Holzweg? Emanzipation ist das jedenfalls nicht. Aufwertung durch Abwertung ist sicher kein „gutes Zeichen an unsere Töchter“.
Wenige Zeilen später kulminiert das ganze auch schon in einer fast satirischen Anmaßung, und in einem für die heutige Zeit groteskem Vergleich: Auch Nationen könnten Kinder sein, und da die Väter sowieso nichts taugten, soll im Falle der USA eine „ehrene Mutter“ (Clinton) die Zügel übernehmen. Eine klassische Lösung sogesehen.
Neu dagegen wäre, wenn wir grundsätzlich mal aufhören würden so übereifrig nach Vorbildern und Führungspersönlichkeiten zu suchen, um mehr hinter die Bühne zu schauen. Bei Clinton, und erst recht bei Trump. Neu wäre es die Verantwortung nicht abgeben zu wollen, dort, wo sie einem selbst zusteht. Hilfreich ist vielleicht das Gefühl, dass jeder Bürger im Alltag, wie auch jeder Soldat und Polizist im Dienst und jeder Politiker im Amt, immer wieder aus sich selbst heraus lernen kann, für sich und sein Handeln Verantwortung zu übernehmen. Vermutlich bringt das ein Land weiter, als alle Vorbilder zusammangenommen. Putins Bärenjagd ist zweifelsohne von gestern, aber gedankenlose Euphorie, extatische Vorfreude und unbelehrbare Hoffnung, dass uns in jeder neuen Wahlperiode ein Polit-Marketing- und PR-Kampagnen-Produkt in Gestalt des jeweiligen Präsidentschaftskandidaten immer wieder in eine bessere Zukunft führen wird, ist mindestens so alt wie die Werbung. Vermutlich aber so alt wie die Demokratie selbst. – Artjom Botschkarew

 

21. Juli 2016 – Ausgabe 31

„Reisende soll man nicht aufhalten“, dieser Satz des verstorbenen Kanzlers Helmut Schmidt hat auch heute noch Gültigkeit. Dies gilt auch für die Türkei. Diesem Staat fehlt die Rechtsstaatlichkeit, die Gewaltenteilung und das Prinzip des säkularen Staates. Der Artikel von Michael Thumann ist übergriffig, versucht er doch zu vermitteln, dass die Türkei ohne westliche Werte und Hilfe nicht zurechtkommen wird. Jedes Volk hat das Recht eigene Erfahrungen zu machen. Auch bittere. Sie davon abhalten zu wollen, wird nicht funktionieren und birgt immer den Anschein, den eigenen Vorteil im Fokus zu haben. – Hubert Kohlbrenner


Bei diesem Terrorwahnsinn schauen wir ohnmächtig zu. Warum sollte man IS-Seiten oder zu Straftaten aufrufende Seiten strafrechtlich nicht der Kinderpornographie gleichstellen? Warum nicht sperren? Wie brauchen eine Ächtungskultur/Bewegung, Spots die eine Gegen-Terror-Werbung darstellen, sicher auch Betreuung und Jobs. Wir brauchen einen starken medialen Gegenpol, die Täter bekommen zu viel Raum, die Opfer  und das Gute zu wenig. – Dr. Herbert Zimmer


Thumann hat recht, wenn er sagt, „die Nato bindet die Türkei fest an den Westen“, er irrt jedoch, wenn er fortfährt, „die Mitgliedschaft in der EU sollte der zweite Anker sein“. Deutschland hatte seit Jahrhunderten und hat auch heute ein gutes Verhältnis zur Türkei. Es ist auch unzweifelhaft, dass viele Türken europäisiert sind, aber deswegen ist die Türkei noch lange kein europäisches Land. Von seiner Geographie und noch wesentlicher, von seiner Kultur war es das noch nie und es ist  auch heute nicht zu Europa gehörig. Die Militärputsche der vergangenen Jahrzehnte, die Islamisierung durch Erdogan, sein brutaler Gegenputsch derzeit sind zusätzliche Argumente gegen einen Beitritt der Türkei zur EU. Deshalb ist die Forderung nach einem Moratorium der Beitrittsverhandlungen zwingend notwendig, besser wäre noch eine definitive Beendigung. Gleichzeitig sollten die Beziehungen zur Türkei und zur türkischen Bevölkerung vertieft und intensiviert werden, durch vermehrten Jugendaustausch, verstärkten Wissenschaftstransfer und eine ökonomische priviligierte Partnerschaft. Auch die Nato bleibt wie gesagt ein fester Anker, solange die Türkei nicht total in eine Diktatur abgleitet. – Dr.  Peter Samow


Die heutigen Zustände wären alle überflüssig gewesen, wenn man auf mich gehört hätte………… Auch Sie werden aufgrund meiner Leserbriefe wissen, daß ich kein Blender bin. Das Dilemma nahm in den 90er Jahren seinen Lauf als man die unsinnige EU erweitert hat und der Rest hat dann die Einheitswährung erledigt. Das Gesellschaftliche Drama nahm seinen Anfang allerdings schon in den 70er Jahren als einige aus der 68er Generation den Marsch durch die Institutionen (Schule, Richterbänke, Behörden Medien) antraten. Unser Wirtschaftswunder hat denen den Verstand geraubt. Ihre Lehrerin Agnès hat die richtigen Gedanken, davon sollte sie sich nicht abbringen lassen. Der Weg geht in die richtige Richtung. Sie sollte sich nicht von den eigentlichen Versagern beeinflussen lassen. Denen fehlte völlig die Einsicht in die Bedeutung von Bildung und Erziehung. Der Präsident der Freien Universität, Berlin hat schon 2005 die Frage gestellt: „Wie wird es möglich sein, Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft schon in Familie und Schule zu kultivieren?“ Die Freude am Wettbewerb wurde stattdessen diskriminiert und mit dem Naziregime auf eine Stufe gestellt. Demagogie war das Salz in der Suppe. Die Folge wird sein: wir sind wieder dort angelangt, wo Hitler Ende der 20er Jahre stand. Den Gegner mit allen Mitteln zu bekämpfen heißt heute wieder die Losung. Auf die Idee ihre Politik zu ändern kommen die neunmal Klugen nicht. Unsere Flüchtlingspolitik wird das noch alles beschleunigen. Geschichte wiederholt sich doch. – Gunter Knauer


Daß Sie auch eine so einseitige Wahrnehmung haben, wie die große Mehrheit der Zeit-Redaktion, ist mir neu und erstaunt mich etwas. Möglicherweise sind Sie zu jung, um das miterlebt zu haben, aber die Demonstrationen der Linken seit den 60-er Jahren sind ein Musterbeispiel von überbordendem Haß auf alle anders Denkenden. Dagegen sind die Pegida – Demonstrationen geradezu ein Muster an Friedfertigkeit. Wenn es dabei zu Gewaltszenen kommt, gehen sie immer von linken Gegendemonstranten aus, zumindest ist mir kein Gegenbeispiel bekannt. Warum hat die Zeit-Redaktion diesen blinden Fleck? Das untergräbt ihre Glaubwürdigkeit ganz erheblich. Man kann auch links sein, ohne Tatsachen zu unterschlagen, insbesondere in einem Artikel, der sich genau damit zu beschäftigen vorgibt. – Fritz Kronberg


„Dicke Kinder, die keine Fantasie haben (ihrer sind viele), werden dazu genötigt, das Haus zu verlassen, sich zu bewegen, eventuell anderen dicken Kindern zu begegnen und Freundschaften zu schließen.“ Ernsthaft? Das klingt mehr nach Bild als nach Zeit. Da hilft auch das „kunstvoll“ eingeflochtene „ihrer sind viele“ nicht viel.
„Dass die Menschheit sich in solchen Zeiten vornehmlich mit Pokémon befasst, kann beängstigen.“ – ein bisschen viel Polemik in einem Satz, finden Sie nicht? Ich spiele nicht Pokemon Go und möchte das Spiel auch nicht verteidigen, aber lassen Sie bitte jeden Menschen selbst entscheiden, was er oder sie für sinnvoll erachtet. Ein bisschen mehr Unaufgeregtheit würde dem Hype weniger Hype zukommen lassen, vielleicht wäre das der Sache dienlicher. – Udo Bräu


Der Autor befürchtet bei einem Scheitern der TTIP-Verhandlungen zwischen der EU und den USA eine Beschleunigung des weltweiten Rückzugs ins Nationale und fordert für die Gestaltung der Globalisierung besseres Verhandlungsgeschick und sogar „Tollkühnheit“. In diesem Sinne wäre es z.B. logisch, einen Neustart der Verhandlungen im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO und ein multilaterales Freihandelsabkommen anzustreben. Leider ist dies Mitte Dezember 2015 beim WTO-Gipfel in Nairobi vorerst gescheitert, als die „Doha“-Welthandelsrunde nicht in Schwung gebracht werden konnte. Und ein abgespecktes Abkommen „TTIP light“ wäre nur ein Notbehelf und würde die Grundprobleme der Handelshemmnisse nicht lösen. Die USA favorisieren weiterhin regionale Handelsabkommen, in denen sie ihre handelspolitische Macht eher durchsetzen können als auf der globalen WTO-Ebene mit ihren 161 Mitgliedstaaten. Die 2001 im Emirat Katar von den WTO-Mitgliedern vereinbarte Doha-Agenda hat die Liberalisierung des Welthandels bei zugleich besonderer Förderung der Entwicklungsländer zum Ziel. Die USA und die EU wollen nach 14-jährigen weitgehend erfolglosen Gesprächen eine Neuausrichtung der WTO mit Verhandlungen über neue Themen der Globalisierung. Viele Entwicklungs- und Schwellenländer fordern ebenfalls die Fortsetzung der Doha-Runde. Mit den überwiegend schlechten Erfahrungen mit dem Nafta-Abkommen, das 1994 zwischen den USA, Kanada und Mexico geschlossen wurde und das zwei Jahrzehnte US-amerikanischer Freihandelspolitik einläutete, hat die Skepsis gegenüber TTIP, Ceta und Tisa nicht nur bei den Europäern, sondern auch bei vielen Amerikanern u.a. auch bei Donald Trump und Hillary Clinton zugenommen. Deshalb lassen sich die negativen Auswirkungen des weltweit verstärkten protektionistischen Klimas weitaus besser multilateral zum Abbau der verbliebenen Handelsbarrieren lösen, auch wenn dies Zeit und Geduld auf allen Seiten erfordert, um langfristig bessere Ergebnisse in der internationale Handelspolitik zu erzielen. – Hans-Henning Koch


Die TTIP-Optimisten weinen einem Projekt nach, dass nicht nur „Vorteile für alle Beteiligten“ bringt, wie die Befürworter nicht müde werden, zu verkünden. Nicht nur das „Kleingedruckte bei Ricardo“ wird allgemein übersehen. Auch sonstige Schattenseiten erwähnt kaum jemand: Die kürzlich veröffentlichten offiziellen Übersetzungen des ja schon fertig verhandelten CETA-Vertrages zeigen mit 2270 Seiten Text der deutschen Übersetzung, was hier für ein bürokratisches Monstrum geboren wurde (bei TTIP dürften das noch ein paar Seiten mehr werden!). Die Kosten dieses bürokratischen Aufwandes in Brüssel und anderswo sollte man einmal gegen die angeblich riesigen Vorteile, die solche Verträge bringen, gegenrechnen. Und  „den weltweiten Rückzug ins Nationale“ (so der Untertitel von Herrn Heuer) sollte man nicht nur negativ sehen – eine Umformulierung zu: Regionalisierung der Wirtschaft mit einer Reduzierung von derzeit ständig ausgeweitetem Verkehr ist durchaus positiv im Sinne des Kampfes gegen den Klimawandel zu verstehen. So gesehen sind CETA und TTIP zur Verschärfung der Klima-Probleme geeignet und allein deshalb sehr kritisch zu sehen. Auch die Hunderte von Flugreisen der an den Verhandlungen beteiligten Menschen mit ihren Klima-Folgen tragen dazu bei, bei uns mehr Wetter-Extreme etc. zu erzeugen. – Helmut Mörchen


Uwe Jean Heuser sieht in der Ablehnung von TTIP eine Erscheinung des Rückfalls ins Nationale. Dabei verkennt er jedoch, wer die Kräfte sind, die TTIP in erster Linie ablehnen. Der Kern der Demos und Aktionen besteht aus Kirchen, Gewerkschaften, NGOs wie Campact, der Linken sowie der SPD-Basis, also Organisationen, denen die vermeintliche Rückerlangung nationalstaatlicher Souveränität eben kein Anliegen ist. Wie genau Gabriel zu TTIP tatsächlich steht, versucht indes ein Team von Top-Astrologen zu ermitteln, er hat die Gegner ja auch schon als „hysterisch“ bezeichnet. Dass die Skepsis aber angebracht ist, das zeigen Abkommen ähnlicher Art, und nein, verstärkter Handel bringt nicht immer Wohlstandseffekte. Ricardo darf das vor 200 Jahren geglaubt haben, man sollte aber die Erfahrungen und die Forschung, die seitdem stattgefunden haben, nicht außer acht lassen. NAFTA hat fast allen Beteiligten nur Kummer gebracht, es hat in den USA Jobs gekostet und Mexiko ins Elend gestürzt. Wer jetzt TTIP will, der muss erst einmal deutlich machen, wie das dieses Mal verhindert werden soll. Oh, und ganz wichtig: Wer das tun will, der sollte bei CETA auch nicht einfach Pflöcke einrammen und versuchen, gewählte Parlamente auf nationalstaatlicher wie auch auf EU-Ebene einfach zu umgehen. – Nicholas Williams


Es geht bei der Skepsis und Kritik gegenüber TTIP nicht um einen Rückzug ins Nationale. Die Befürworter scheinen ihre eigenen Fundamental-Annahmen auch nicht zu hinterfragen. Worum es geht, ist das Primat der Gesellschaft(en) vor „dem Markt“. Die Annahme, die mit nahezu religiöser Inbrunst vertreten wird, dass der „Freie Markt“ die alles dominierende Bedingung für Frieden und Wohlstand  sei, hat zu offensichtlichen Fehlentwicklung geführt. TTIP setzt den wahrgenommenen Abbau von Rechtsnormen zum Schutz der Gesellschaften fort und macht somit aufmerksam darauf, dass es im Kontext des europäischen Einigungsprozesses versäumt wurde, statt auf Steuerbefreiungen und Sonderrechte für Kapitaleigner zu setzen, einen höheren sozialen und normativ-rechtlichen Reifegrad zu entwickeln. Die täglich erlebbaren gesellschaftlichen Sprengkräfte sind ein Ergebnis einer entfesselten Wirtschaftsmachtpolitik. Die einseitige ökonomische und zerstörerische Wachstumsideologie wird nach wie vor als alternativloses und glücksbringendes Naturgesetz vorausgesetzt, auch indem Artikel von Herrn Heuser. Nicht TTIP, sondern die sozialen und rechtlichen Bedingungen für den Zusammenhalt der europäischen Gesellschaften sind die zentralen Entwicklungsaufgaben. Beim Handel mit den USA ist der Mangel dagegen marginal, er funktioniert weitgehend gut. TTIP setzt auf ein Weiter-so, und das ist wahrlich nicht vielversprechend, es steckt voller Selbstbetrug. Europa verliert Zeit – und gewinnt nahezu nichts. – Kai Hansen


Die Unterhaltungsindustrie hat ein neues Spielzeug, in Form einer App, auf den Markt gebracht, und Millionen Menschen weltweit sind begeistert, wenn nicht sogar wie hypnotisiert. Jugendliche und Erwachsene benehmen sich wie Kinder und finden nichts dabei, wenn sie Pokémons jagen. Die Abwehrmechanismen gegen Spiele und Spielsucht aller Art scheinen weiter zusammenzubrechen. Das Immunssystem hat gegen Pokémon Go weltweit versagt.
Die Anzahl der  Mitglieder aller Sportvereine wird weiter sinken, Familienausflüge und gemeinsames Essen ohne Smartphones sind schon fast unvorstellbar. Ein Fahrrad zur Firmung wünscht sich sowieso niemand mehr. Es stimmt: Wir amüsieren uns  zu Tode und verlieren uns in einer Bilderflut. Arbeit und Bildung bleiben auf der Stecke, für Beziehungen und Freundschaften im wirklichen Leben fehlen die Zeit und die Übung. Miteinander reden fällt immer schwerer. Manche (Schein-) Beziehungen finden öfter in Chatrooms als im wirklichen Leben statt. Reale und virtuelle Welt verschmelzen miteinander. Schöne neue Welt! Es wird immer häufiger vergessen, dass der Mensch den Menschen braucht um Mensch zu werden und um Mensch zu bleiben. – Egon Hofer


„Herr Kiefer wagt sich ein wenig aufs Glatteis mit seiner Meinung. Aber ich finde, er hat Recht. Wir sind sehr auf den Handschlag fixiert, eine Begrüssungsform die auch bei uns nicht mehr von allen eingehalten und geschätzt wird. Es gibt nicht das alleinige Recht auf den Handschlag. Da sind wir alle gefordert, sich mit unserem Verhalten auseinanderzusetzen. Nicht alle fremden Einflüsse sind per se schlecht oder gefährlich. Wir können durchaus voneinader etwas lernen. Das ist eine Frage des Willens und des Interesses.
Auch ich verkehre mit vielen muslimischen Männern und Frauen, und es war für mich nie ein Thema, ob der verweigerte Handschlag einer Frau mich „diskriminiert“.
Dann halt Hand aufs Herz und lächeln. Genau so praktizieren wir es auch. Und können nachher super gut zusammenarbeit und diskutieren, in Respekt und Toleranz.
Als ich dies einmal in der Schweiz publizierte, bekam ich ziemlich böse Reaktionen und wurde als Verräter des Abendlandes verschrieen. Vielleicht liegt das Problem in unserer Unfähigkeit, miteinander ein respektvolles Gespräch zu führen und erst hinzuhören, weshalb jemand etwas sagt und tut. Und dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, sich Respekt zu zollen und sich in einer Gesellschaft zu integrieren. Und ein Vertrauensverhältnis kann nur aufgebaut werden, wenn wir uns die Zeit nehmen, wirklich hinzuhören und sich ernsthaft für das Gegenüber zu interessieren. Wir haben diese Zeit nicht? Natürlich haben wir die. Wollen wir sie uns nehmen? ist wohl eher die Frage. Nur dann ebnen wir den Weg zu einem Miteinander und verhindern Fanatismus und Ausgrenzung. Es liegt in unserem Verhalten und unserem Zugehen auf die anderen, wie wir zusammenleben können. Auf uns selber müssen wir bauen. Hand aufs Herz und Lächeln ist auf jeden Fall eine Art, sich Respekt zu zollen.
Nur weil ich jemandem die Hand reiche werde ich nicht zwingend respektvoller behandelt. C’est le ton qui fait la musique. Und an dem mangelt es uns etwas in unserer Diskussionskultur, die oft nur noch in repetitivem Wiederholen oder Beharren von Altbekanntem besteht.“ – Martin Kamber


Der Artikel „Frieden im Forst“ in Zeit N° 31 hat mich, verzeihen Sie, rasend gemacht. Nicht aufgrund der Formulierungen und  mir unbekannten persönlichen Ansichten des Autors oder der Zeit-Redaktion an sich, sonderrn wegen des Inhalts Äußerungen Gundolf Bartmanns. Ich dachte, das einzig vermeintliche Pro-Argument für die Jagd sei, dass man „im Interesse des ökologischen Gleichgewichts Überpopulationen eindämme“? (Wobei selbst das eine faustdicke Lüge ist, denn wenn Familienmitglieder erschossen werden, vermehren sich die Tiere als Panikreaktion über den bestialischen Mord sprunghaft und unkontrolliert, sodass sich  der Bestand nachweislich stark vermehrt.) Welches Recht haben die Jäger im Pfälzerwald denn bitte noch, weitere Rehe zu erschießen? Der Luchs stellt die natürliche Balance wieder her, das einzige Argument der vermeintlichen „Vollstrecker im Namen der Natur“ wird dadurch zerschlagen. Wie kann Gundolf Bartmann argumentieren, es müssten noch Rehe für die Jäger übrig bleiben? Das Tierschutzgesetz verbietet das grundlose Töten von Tieren (ich lasse hierbei außeracht, dass diese wage Formulierung den Tiermördern in die Hände spielt)! Ist der durch Blutrausch motivierte wachsende Winzling in der Hose eines egoistischen Verlierers mit Minderwertigkeitskomplexen (Jäger) denn Grund genug, ein Leben zu nehmen? Das „Gefühl der Jagd an sich“ ist ein widerwärtiges und meiner Meinung nach widerrechtliches (s. o.) Motiv! Was für ein krasses Outing seitens der Jägerschaft als mordlustige Verbrecher gegen die Natur und als vorsätzliche Tierquäler! Liebe Landesregierung: verbietet endlich die zahlreichen Morde an unschuldigen Individuen! – Anna-Lena de Alwis


„Späte Einsicht, vielleicht zu spät. Leider hat sich die ZEIT zu lange als Forum für die Vorbehalte gegen TTIP zur Verfügung gestellt und damit eine von langer Hand vorbereitete Kampagne von nichtstaatlichen Organisationen, Lobbygruppen und politischen Antiglobalisten sowie Nationalisten unterstützt. Jetzt, wo das Ganze zu scheitern droht, dämmert es einigen, dass an dem Ast gesägt wird, auf dem wir selber sitzen, und in Deutschland mehr als sonstwo in Europa. Tatsächlich handelt es sich um Fundamentalopposition, der jedes Argument für ihren Widerstand recht ist und die deshalb sofort ein anderes auftischt, wenn eines sich als verbraucht erweist. Warum setzen sich die TTIP-Gegner eigentlich nicht für die Schließung öffentlicher Schwimmbäder ein, wo diese doch mit Chlor desinfiziert werden? Statt dessen erwecken sie den Eindruck, als müssten wir alle künftig nach dem Zustandekommen eines transatlantischen Handels- und Investitionsabkommens Chlorhühnchen verzehren, obwohl aufgeklärte Zeitgenossen doch wissen sollten und wahrscheinlich auch wissen, dass die amerikanische Methode ebenfalls der hygienischen Desinfizierung dient und damit weit weniger gefährlich für den menschlichen Verbrauch ist als die so häufig salmonellenverseuchten europäischen Hühnchen. Die amerikanischen Standards sind nicht alle besser als die europäischen, aber einige schon. Jedenfalls lohnt sich hartnäckiges Bemühen um einen fairen Ausgleich. Wer dem ausweicht oder es gar hintertreibt, arbeitet systematisch am langfristigen wirtschaftlichen Niedergang Europas und Deutschlands. Denn es ist eine Illusion anzunehmen, dass man die Globalisierung durch einen Zaubertrick zum Verschwinden bringen kann. Auf eines ist Verlass: Die derzeitigen und künftigen großen Mächte werden schon dafür sorgen, dass weltweiter Handel und Kooperation nicht zum Erliegen kommen, und sie werden alles daran setzen, dafür die Regeln zu bestimmen. Kaum auszudenken, wenn Europa nicht mit von der Partie ist. Die Gegner des internationalen Handels, die auf regionalen Austausch setzen und sich hinter ihrer beschaulichen Biedermeierwelt verschanzen, sind rückwärts gerichtet. Nur wenn wir uns nicht abschotten und die Globalisierung aktiv mitgestalten, werden wir unsere Zukunft sichern. Wer wird eigentlich die Verantwortung übernehmen, wenn es zu einem Scheitern der internationalen Handelsabkommen der Europäischen Union kommt und der daraus folgende Schaden offenkundig wird? Die jetzigen selbstgerechten Kombattanten werden dafür sicher nicht zur Verfügung stehen. Und wäre es nicht angezeigt, dass die Handelspolitiker mehr Standfestigkeit gegenüber den populistischen und demagogischen, teils gar perfiden Attacken gegen TTIP zeigen? – Dr. Hans-Christian Reichel


Alle Macht liegt bei den Medien und das Problem wäre gelöst. Ihr Autor wird das wissen, daß das nur Theorie ist. Selbst wenn Deutschland dazu bereit wäre, wird die Olympiade keinen Schaden nehmen. Es müsste weltweit passieren und das ist Theorie. Ich weiß, viele Länder stört das kaum. Deutschland ist Weltmeister im moralisieren. Das sind die anderen Länder in dieser ausgiebigen Form nicht. Das weiß auch Herr Bach. Ihr Autor wahrscheinlich auch. Die internationale Dopingbehörde ist nur ein Papiertiger.
Ich habe schon vor Jahren vorgeschlagen, das Doping frei gegeben wird. Doping gehört heute zum Sport. Damit sollte man sich abfinden. Wenn es stimmt, daß in Afrika bereits gedopt werden kann ohne das das festgestellt werden kann, dann verstärkt sich bei mir mein Vorschlag. Es ist auch eine politische Entgleisung. Die Gesellschaften wollen Höchstleistungen sehen, sonst  lahmt das Interesse. Diese Leistungen, die erwartet werden, können die Sportler gar nicht aus eigener Energie aufbringen. Die Medizin hat das gefördert, damit der Traum des Sportlers und des Zuschauers in Erfüllung geht. – Gunter Knauer


Seit 2014 gilt die Freizügigkeit von Arbeitnehmern der EU auch für Bulgaren und Rumänen. Man mag es nicht glauben, was dadurch in Gelsenkirchen möglich ist! Wieso kann die Stadt das, was der Leiter der Abteilung Wohnungswesen, Herr Horstmann, geschildert hat, nicht unterbinden? EU-Bürger dürfen nach Deutschland ziehen, um sich innerhalb von 6 Monaten einen Arbeitsplatz zu besorgen. Weshalb können sie in „Schrotthäusern“ hausen, die dubiose Besitzer – vernetzt mit anderen Immobilien-Haien – schrottbillig für eine Sicherheit von zehn Prozent des Verkehrswertes bei Zwangsversteigerungen an sich bringen und den Rest einfach nicht bezahlen! – Nach einem halben Jahr kommt die nächste Zwangsversteigerung. Bis dahin wird die Miete abkassiert, die ein Vielfaches der eingesetzten Anzahlung übersteigt! Wie kann es Scheinarbeitsverträge über Mini-Jobs mit 400 Euro geben, um „aufstocken“ zu können? Wer Kindergeld möchte, muss sie nur anmelden. Das Geld wird auch bis zu vier Jahre rückwirkend gezahlt, wenn der Mietvertrag entsprechend datiert ist. Wenn ich nicht wüsste, dass Gelsenkirchen mit 15% Arbeitslosen im Ruhrgebiet liegt, würde ich vermuten, es läge für eine bestimmte Gruppe von „EU-Arbeitnehmern“ im Paradies! – Martin Ripp


Man könnte die Abkommen CETA und TTIP, wie es Jean Heuser  tut,  als Inbegriff für transnationale Verständigung auf friedlichen, vernünftigen und fairen Freien Handel interpretieren, wenn dies nicht den unübersehbaren Pferdefuss unverantwortlich verharmloste: Die Regeln, nach denen diese Wirtschaft funktionieren soll, stellt sie selbst auf. Da will man unter sich bleiben und bestellt ein eigenes Schiedsgericht, dessen erlesene Zusammensetzung man unter sich regelt. Das kann über gewählte Parlamente hinweg entscheiden, dass eine Investition in irgendein noch so gemeinschädliches, unfaires Projekt bei Ausfall des erhofften Profits zu entschädigen ist. Man möchte mit Bill Clinton ausrufen: It´s the economy, Stupid !  Die Macht über das Geld wird nicht geteilt. Das ist die Fortsetzung des kapitalistischen Imperialismus, ob er nun vom Westen oder von China betrieben wird und eine Ursache für den nostalgischen Rückfall ins Irrationale des Nationalismus bis hin zum Terror.  Wir waren schon einmal weiter, Herr Heuser, als wir eine Dreiteilung der Macht erfanden und damit eine unabhängige Justiz installierten. Das kann kein privates Schiedsgericht sein, sondern muss ein Welt-Wirtschaftsgericht mit klaren justiziablen Regeln sein. Das hat auch Siegmar Gabriel erkannt und in Selbstüberschätzung gemeint, er könne das in CETA und TTIP noch irgendwie hineinverhandeln. Da lässt Big-Business aber lieber die Handelsabkommen platzen, als sich  darauf einzulassen, Regeln der Fairness zu akzeptieren, über deren Einhaltung ein ordentliches internationales Gericht wacht. Der böse nostalgische Rückfall in´s Nationale entsteht also gegen die Hybris dieses sich selbst zur obersten Instanz von Gerechtigkeit aufschwingenden Kapitalimperialismus. Ursache und Wirkung sollten nicht verwechselt werden !  Die Verharmlosung des falschen Geistes von CETA und TTIP auf der ersten Seite der ZEIT ist beunruhigend ! – Peter Erler


Wenn man ein lohnendes Ziel nicht erreichen kann, liegt es bisweilen am falsch gewählten Weg! Was immer auch in diesem TTIP Vertrag geschrieben sein mag. Es kann nicht sein, dass eine andere Nation einem Abgeordneten des Deutschen Bundestages vorschreibt, mit welchen Personen seines Vertrauens er diesen Vertrag diskutiert, um sich in seiner Entscheidung beraten zu lassen. Das ist eine Missachtung der Unabhängigkeit der Abgeordneten und der Souveränität der Parlamentes. Die bekannt gewordenen Zugangsbeschränkungen zum Vertragstext lassen darauf schliessen, dass eine Diskussion bzw. echte Verhandlung von Anfang an nicht gewollt wurde. Wie die Berichte über die Verhandlungen bezeugen, hat sich die US Position auch nicht bewegt. Es ist für mich unverständlich, dass diese Zugangsbeschränkungen von deutscher Seite überhaupt akzeptiert wurden. Kein Abgeordneter sollte unter diesen Bedingungen diesem Vertrag zustimmen. – Dr. Hans G. Schneider


„Abschied tut weh“, seufzt Uwe Jean Heuser, fürchtet ein Scheitern von TTIP und glaubt, ein solches Scheitern würde „den weltweiten Rückzug ins Nationale beschleunigen“. Und er sieht „Sigmar Gabriel und seine SPD“ dolchstößeln, während EU und USA noch um den Erfolg ringen. Damit tut er dem Wirtschaftsminister und der SPD-Mehrheit vermutlich – leider! – Unrecht. Gabriels öffentliche Kritik zielte auf die ebenso öffentlich geäußerte (inzwischen korrigierte) Position der EU-Kommission, TTIP und CETA müssten nur dem EU-Parlament zur Beschlussfassung vorgelegt werden; er vermied und vermeidet aber jede grundsätzliche Distanzierung von den beiden Freihandelsprojekten. Damit unterscheidet sich der Minister nur begrenzt von Heuser, der EU-Kommission und Bundes-regierung TTIP-schädliche Arroganz vorwirft. Zu TTIP selbst:
Die TTIP- (und CETA-)Unterhändler haben es nicht einfach unterlassen, ihre Absichten „von Anfang an offen(zu)legen“, sondern der Öffentlichkeit wichtige Details der Vertragsentwürfe systematisch verheimlicht, und sie tun dies nach wie vor. Die peinlichen Regularien, denen sich Bundestagsabgeordnete im TTIP-Leseraum des Bundeswirtschaftsministeriums unterwerfen müssen, zeigen das mehr als deutlich. Auf die Sachkritik der TTIP-Gegner geht Heuser in keiner Weise ein. Er versucht sie ins Lächerliche zu ziehen („Schiedsgerichte, die angeblich den bösen Konzernen in die Hände spielen“). Ist dem versierten Ökonomen Heuser unbekannt, dass Konzerne in aller Regel im Wettbewerb um internationales Anlagekapital stehen? Dass ihre Vorstände deshalb (ohne in der charakterlichen Struktur ihrer Mitglieder besonders „böse“ sein zu müssen) in Interessenkonflikten mit Staaten jede rechtliche Möglichkeit nutzen müssen, um ihren jeweiligen staatlichen Widerpart (ebenso wie die EU als Staatengemeinschaft!) an die Wand zu drücken? Und die vorgesehenen privaten ICSID-Schiedsgerichte, vor denen nur Unternehmen Klagerechte haben, sind ein ideales Mittel zur Durchsetzung von Konzerninteressen, weil die Schiedsrichter zumeist auf Wirtschaftsinteressen ausgerichteten internationalen Großkanzleien angehören. Sind diese Schiedsgerichte erst einmal durch TTIP in dem Wirtschaftsraum installiert, in dem die Mehrheit der weltweit agierenden Konzerne ihre Sitze hat, ist darüber hinaus der vorauseilende Gehorsam vieler Staaten programmiert, die auf Gesetze und andere Entscheidungen verzichten, gegen die sich Konzernklagen richten könnten. Heuser beklagt den „Rückzug ins Nationale“. Es gibt eine EU-weite Bürgerinitiative gegen TTIP; die EU-Kommission stuft sie aber als rechtlich gegenstandslos ein, weil es den Vertrag ja noch gar nicht gebe. Wenn auf europäischer Ebene demokratische Kritik derart abgeblockt wird, ist es nur zu verständlich, dass die TTIP-Kritiker auch ihre nationalen Handlungsmöglichkeiten ausloten. Immerhin ist die Demokratie in den meisten europäischen Staaten seit Jahrzehnten verankert, während sie auf EU-Ebene noch immer ein eher prekäres Dasein fristet. – Jürgen Kasiske 


Sie stellen die Tatsachen buchstäblich auf den Kopf. Vom SPD-Vorsitzenden und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist bekannt, dass er CETA und TTIP möglichst ohne Aufsehen durchwinken möchte – im Interesse der deutschen Konzerne. Sie behaupten, er verliere die Lust am Freihandel. Auch die Kritiker von CETA und TTIP wollen doch den Freihandel, der schon jetzt recht umfangreich ist, nicht einschränken. Sie sind nur gegen eine Besserstellung der Konzerne und anderer internationaler Organisationen, die eine bessere Kontrolle aller wirtschaftlichen und politischen Veränderungen zu ihrem Vorteil anstreben. Dabei geht es nicht um Chlorhühnchen, sondern um die Wettbewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher „Klein“-betriebe. Und es geht um die privaten Schiedsgerichte, von denen befürchtet wird, dass sie jeden Fortschritt bei der CO² -Vermeidung und anderer Maßnahmen zum Schutz der Umwelt unterbinden werden. Solche Schiedsverfahren und die eine Gesetzesinitiative schon begleitenden Konsultationen können sich nur große Konzerne  – diesseits und jenseits des Atalantiks –  leisten. Wir Bürger und Bauern und die Umwelt hätten das Nachsehen. – Jürgen Kirschning


Danke fuer den guten Artikel, gelesen an einem regnerischen Samstag, an dem ich wieder ans Verreisen denke. Zum Thema koennte man ein Buch schreiben, dessen Inhalt aber schnell veraltet bzw. unvollständig wird. Hier 2 markante Ergänzungen aus meiner Globetrotter Welt (beruflich und privat.)
Der Tipp #5 (Abflug in der Nachbarschaft) ist auch ohne Schul-ferienkontext sinnvoll. Denn an manchen grenznahen Flughäfen, wie Luxembourg oder Brüssel, konkurrieren z. B. Lufthansa und Airfrance erheblich. Somit konnte ich (beruflich bedingt) mehrmals nach Singapur und Sao Paulo ein Business Ticket fast 40% günstiger erwerben, alle über Zubringer nach Frankfurt/Muenchen und dann in die Ferne. Ok, 2-3 Stunden zusätzlich mussten investiert werden. Wie juengst getestet, sind auch Eco-Tickets günstiger.
Ein weiterer Tipp: viele Strecken werden im Codesharing vermarktet. Da fand ich schon mal Lufthansa-Flüge bei United und SingapurAir wieder, aber  günstiger oder in besseren Buchungsklassen. Die Blicke in das LH-Preismanagement fand ich interessant. Und Dank “ Big Data und Predictive Analytics“ werden die Algorithmen noch vielfältiger und schneller werden, was Ueberraschungen fuer den Kunden in beiden Richtungen (+,-) ergibt. – Hans Hess


Wieder mal eine Lehrstunde in Sachen „Politische Analyse“ von Bernd Ulrich genossen. Ich habe in den letzten Jahren nur selten solch eine klare Definition des politischen Geschehens gelesen. Respekt. – Rainer Seidel


Schreibt sich jetzt auch die Zeit die Förderung konsumgeiler Discounter-Mentalität auf ihre Fahnen? Sorry, aber das ist wirklich “billig”! Wie können Sie auf der einen Seite regelmäßig über Umweltzerstörung, Erderwärmung und mehr oder weniger erfolgreiche internationale Klima-Abkommen berichten und dann die Einhaltung dieser allseits bekannten Klimaschutz-Maßnahmen derart torpedieren? Wenn alle Leser (oder gar alle Menschen weltweit) ihre Tipps beachten würden, wäre unser Planet in Kürze tot. Auch ihr kürzlich erschienener Beitrag “Warum wir reisen müssen”  missachtete diesen Aspekt des Reisens. Es ist eben kein Zeichen von Gebildet-Sein mehr, (mit dem Flugzeug) um die Welt zu jetten, um fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen. Dazu reicht es oft schon, sich in der eigenen Nachbarschaft umschauen und das Gespräch suchen. Auch gibt es andere – in der Regel langsamere – Formen des Reisens, die mit deutlich weniger Klimaschädigung möglich sind.  Meinen Respekt haben die Menschen, die NICHT mehr (mit dem Flugzeug) reisen.
Ich würde mir wünschen, dass Medien wie die Zeit ihren Auftrag darin sehen würden, weniger Konsum-orientierter Werte zu verbreiten. – Barbara Rogge


Spitzensport ist weltweit nur noch mit Doping möglich. Russland als einziges Land dafür mit  dem Ausschluss von den Olympischen Pharmaspielen zu bestrafen, ist zynisch und ungerecht. – Dr.med.Wolfgang Kolb


Da bin ich überrascht, wie positiv Sie anscheinend die Konzerne sehen: gemeinnützig und den Menschen zugewandt? Es kann ja sein, dass auch unsere Bundesregierung die Sache „denkbar arrogant“ angegangen ist. Aber wer hat denn verboten, dass wenigstens unsere MdBs das Werk kennenlernen konnten, geschweige denn Lieschen Müller? Und was kann der unter diskrimierenden Umständen mögliche Einblick nützen, wenn Mensch von seinem so evtl. erworbenen Wissen keinen Gebrauch machen darf? Wenn die „Lügenpresse“ etwa in diesem Fall nicht lügt, geht das Verbot doch von den USA aus. Und da wird es nicht Herr Obama sein, sondern sicher die „lieben Konzerne“ und der für sie streitende Lobbyisten-Clan. Halten Sie die „neutralen“ Schiedsgerichte etwa für richtig, damit mit ihrer Hilfe Verluste oder auch nur geschmälerte Gewinnerwartungen vergesellschaftet werden können? – Horst Behr


Sie lassen die Frage „18000 Fächer. Wer soll das alles studieren?“ von 6 honorigen Personen aus dem engeren oder weiteren Hochschulbereich kommentieren. Fazit der Kommentare: Ja, alles irgenwie ein bißchen zuviel, aber ein breiter Fächerkanon ist auch irgendwie schön. Dazu fällt mir ein Sprichwort ein: Wer einen Sumpf trockenlegen will, darf nicht die Frösche fragen. Eine Kandidatin bewirbt sich in einem Großen Industrieunternehmen. Sie: „Ich habe Organisationspsychologie mit asiatischer Kulturwissenschaft studiert.“ Der Personalchef: „Oh, da passen Sie wunderbar in unseren Betriebskindergarten! Da sind auch immer mehr Kinder asiatischen Mitarbeiter.“ – Manfred Kremer


Ich traf auf meinen Wortschatz ,als ich in einem Zimmertheater einem Auszug eines Briefes von Marie Freifrau Ebner von Eschenbach lauschte. Die österreichische Schriftstellerin lebte Ausgang 19.Jhdt., sodass es nicht verwunderlich ist, wenn man in ihren Werken auf für uns heute seltene Wörter trifft. Das Adverb ‚allenthalben‘ erregte meine Aufmerksamkeit und ließ mich den ganzen Abend nicht mehr los. In die Runde fragend, was denn dieses Wort bedeute, vernahm ich lediglich , dass es wahrscheinlich ‚überall‘ heiße. Ich wusste aber, dass es noch eine andere Bedeutung gab. Meine Recherchen ergaben, dass ‚allenthalben‘ auch noch eine zeitliche Komponente besaß: man verwendet es auch , wenn man ‚manchmal, hin und wieder‘ meint. So gehört ‚allenthalben‘ zu den wenigen deutschen Wörtern , die sowohl eine örtliche, als auch eine zeitliche Bedeutung haben. – Evelyne Ohngemach


Wenn man auf den Grundgedanken eines Urgesteins der Volkswirtschaftslehre, nämlich David Ricardo zurückgreift, um den Sinn des umstrittenen Handelsabkommens TTIP zu ergründen, wird man eher zu einer weiteren grundsätzlichen Kritik an diesem (und ähnlichen) multilateralen Handelsabkommen inspiriert anstatt es zu verteidigen. Ricardos Grundgedanke war, dass „der Handel zwischen zwei Ländern für beide Länder vorteilhaft sein kann (sic!), wenn jedes Land diejenigen Güter exportiert, bei denen es über einen komparativen (relativen) Vorteil verfügt“. Dabei hat er vor 200 Jahren natürlich nicht an zwei große Regionen gedacht (hier EU und USA), in denen jeweils sämtliche Güter produziert werden, die „der Markt“ verlangt, so dass kaum sonderlich relevante komparative Vorteile für die Erstellung des einen oder anderen Produktes in der einen gegenüber der anderen Region feststellbar sind. Sowohl die EU wie die USA verfügen praktisch über alle menschlichen und materiellen Ressourcen, um ihre regionalen Märkte zu versorgen – und darüber hinaus auch noch andere Regionen mit komparativen Nachteilen (z.B. Afrika) zu beeinträchtigen. Ein noch freier(er) Handelsverkehr zwischen EU und USA/Kanada fördert wohl nur das Transportgewerbe und den Handel als solchen, ohne in Wirklichkeit einen allgemeinen Zusatznutzen zu stiften. Im Gegenteil: Die Umwelt wird zusätzlich belastet durch unnötigen Verkehr. Aber auch der erhöht ja das Bruttosozialprodukt, natürlich auch “pro Kopf”, einschließlich der durch ihn verursachten Unfälle und der zu treffenden Maßnahmen gegen die Erwärmung der Erdatmosphäre. Obendrein hilft beim Nachdenken über TTIP ein Grundbegriff des anscheinend weitgehend vergessenen Volkswirtschaftlers namens August Lösch, nämlich der über die „Reichweite“ oder (in Anlehnung an Walter Christaller) die „Zentralität“ eines Gutes. Güter geringer Reichweite sind zum Beispiel landwirtschaftliche Produkte (inklusive Hühnchen), die fast überall hergestellt werden können (ubiquitäre Produkte) und deswegen „eigentlich“ keines Handels über große Distanzen bedürfen. Güter mit großer Reichweite sind z.B. Spezialmaschinen wie Tunnelbaumaschinen, Satelliten, Raketen etc.; Autos und zahlreiche ehemals „zentrale“ Güter gehören heute auch schon fast nicht mehr dazu, auch sie können und werden in den beiden Regionen (und anderswo) hergestellt, ohne dass ein dafür wirksamer komparativer Vorteil in der einen oder anderen Region erkennbar ist. Die oft von TTIP-Befürwortern beispielhaft angeführten unterschiedlichen Rückspiegel, Scheibenwischer und Blinkerfarben sind ja wohl reichlich läppische nichttarifäre Handelshemmnisse (wenn überhaupt), diese zu beseitigen brächte ja wohl ebenso wenig wie eine Vereinheitlichung der Elektrostecker innerhalb der EU, auf die man wohlweislich verzichtet hat.
Allenfalls könnte man aus dem vielzitierten Hühnchen ein Produkt mit großer Reichweite machen, indem man es in der einen Region in Chlor taucht und in der anderen als Spezialität für Liebhaber amerikanischen Essens anbietet – aber das braucht man doch nun nicht wirklich, oder? Der Grenznutzen des Abbaus von Handelshemmnissen strebt umso schneller gegen Null und schlägt in Übel um, je größer die Freihandelszonen sind (und je absurder die gehandelten Produkte werden). Bei alldem bleibt dann noch unberücksichtigt, was sowohl Ricardo als auch Uwe Jean Heuser unerwähnt lassen, nämlich das „cui bono“: Wer profitiert denn von den vermeintlich zu erwartenden Wachstumsimpulsen, wenn es denn überhaupt welche (außerhalb des Logistikgewerbes) geben sollte? Wie sollen denn langfristig Länder mit negativen Handelsbilanzen über die Runden kommen? Es bleiben zahllose Fragen offen, die die Volkswirtschaftslehre mit ihren stets unterkomplexen Modellen nicht beantworten kann, auch wenn besonders Makroökonomen und Ökonometriker oft so tun, als ob. Wir haben mit unserer EU wahrhaftig zur Zeit Wichtigeres zu tun, nämlich genau den von Heuser befürchteten Rückzug ins Nationale zu verhindern, der ja durch ein intransparent verhandeltes TTIP mit weitgehend unglaubwürdigen und unseriösen Heilsversprechungen gerade befördert anstatt gehemmt wird. – Dr.-Ing. Ernst Reichenbach


Der Eindruck, das die frühere positive Aufbruchsstimmung ihrem Ende entgegengeht, drängt sich wohl auf. Und nachdem nichts ohne Grund geschieht, kann man für alles Ursachen benennen. Sie haben das Thema Schiedsgerichte bagatellisiert. Es werden unabhängige Gerichte eingeführt, die entscheiden sollen, ob eine Firma in ihren Geschäften etwa behindert wurde oder nicht. Diese Gerichte sind nicht zu kontrollieren, tagen bisher sogar geheim hinter verschlossenen Türen. Und die EU-Politiker wollten dies in Geheimverhandlungen beschließen. Noch nicht einmal die nationalen Parlamente sollten eingeschaltet sein. Da muss der Bürger natürlich misstrauisch werden. Schließlich wurde Australien zu hohen Strafen verurteilt, weil man einem Tabakkonzern, um das Rauchen einzuschränken, das Geschäft erschwert hatte. Man merkt, in welche Richtung es gehen soll. Konzerne mit großem Einfluss werden Möglichkeiten geschaffen, auch gegen den Willen von Parlamentariern ( die sich um die Gesundheit ihrer Bürger sorgen) das Geschäft abzusichern. Hat das noch etwas mit Demokratie zu tun? Ich glaube nein. In England haben Wirtschaftskreise Millionen von Osteuropäern geholt, um die Löhne der Einheimischen zu drücken bzw. diese sogar arbeitslos zu machen. Und weil diese Benachteiligten jetzt beim Brexit dafür gestimmt haben, ist die EU empört. Das Interesse von Wirtschaftskreisen hat Vorrang vor den Interessen der Bevölkerung. Die Freizügigkeit von Arbeitskräften in der EU ist unverzichtbar ( damit einige wenige Gewinne machen können). In der “ Zeit” wurde vor kurzem auf der Titelseite davon gesprochen, beim Brexit handele es sich um eine Diktatur des Volkes, die man nicht zulassen dürfe. Jetzt wird auch schon in der Zeit offen davon gesprochen, das man die Demokratie einschränken sollte im Interesse der Industrie. “Nachtigall ich höre dich trapsen”.
Ich möchte daran erinnern, das 1933 bei der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz die Zentrumspartei geschlossen für Hitler und die Abschaffung der Demokratie gestimmt hat. Das die positive Aufbruchsstimmung langsam aufhört, ist zwangsläufig: Die Nato zieht Stolperdrähte gegenüber Moskau ein ( plötzlich wird ein Krieg wieder wahrscheinlich), die Entwicklungsländer sind in einem schlimmen Zustand, Der Islam geht zum Angriff über, Europa kämpft mit Flüchtlingsströmen, die globale Erwärmung rollt unaufhörlich auf uns zu, Asien setzt zum Sprung an um Europa und Amerika zu überholen, in Amerika ist die Mittelschicht der Verlierer und will nicht mehr mitspielen. Was ganz anderes ist es, das es die Aufgabe der Politik wäre, für ein wohlergehen der Bevölkerung zu sorgen, und damit dies möglich wird, für eine florierende Industrie zu sorgen. Aber in dieser Reihenfolge. Heute scheint es aber für  “Zeit”  vorrangig um den Profit von internationalen Konzernen zu gehen. Die Bürger spielen keine Rolle mehr. Leider dürfen diese noch alle 4 Jahre einmal wählen. Noch. Wenn TTIP scheitert, dann nur weil die Politik versagt hat. Leider. – Reiner Püschel


Den Artikel „Abschied tut weh“, auch noch auf der Titelseite der Zeit zu lesen, von der ich differenziertere Ausführungen gewohnt bin,  und diese auch erwarte, war eine Enttäuschung.   Was Uwe J. Heuser dort von sich gibt,  ist leider das Gegenteil davon.  Bei der leidenschaftlichen Kritik gegen TTIP geht es doch weder um Chlorhühnchen noch um Gen-Food sondern um die Konfliktregelung. Auf Standards kann man sich einigen und ist wohl auch auf dem besten Weg dazu. Dass man jedoch von den Schiedsgerichten nicht lassen will,  müsste doch vernünftig denkende Menschen zutiefst beunruhigen. Hier sollte sich Ihr Autor besser auskennen und mal aufgrund ähnlicher Handelsabkommen bereits laufende und gelaufene „Verfahren“ ansehen, bevor er wehmütig den Abschied von TTIP  beklagt. Denn wem wirklich an der Vereinfachung des Handels gelegen ist,  wird auch die Frage der Schiedsgerichte lösen. Man stelle sich einfach mal vor, die USA würden sich tatsächlich zu der dringend nötigen Verschärfung ihrer Waffengesetzgebung durchringen und sähen sich postwendend mit einer Milliardenklage von Heckler und Koch vor einem Schiedsgericht konfrontiert :)
Aber keine Sorge: Für eine opportune Besetzung des Schieds-gerichts wäre sicherlich von berufener Seite vorausschauend gesorgt worden. Aber um Europa mache ich mir da große Sorgen! – Andreas Reinecke


„An sich ist Pokemon Go zu begrüßen“?! Weil die Kinder dann wieder hinaus gehen und sich an der frischen Luft bewegen?!
Ich finde das sehr kurzsichtig gedacht!
Denn WIE und WO bewegen sie sich denn damit? In einer Welt, die real ist, mit einer höchst anregenden virtuellen Welt im Kästchen vor der Nase! Sie treten in die reale Welt und „erleben“ eine Pseudo-Realität – und das ist doch so viel spannender! Da hüpfen irgendwelche drolligen Dinge oder Wesen (oder undrollige Zombies – egal), die es in der langweiligen wirklichen Welt gar nicht gibt.
In der realen Welt gibt es Menschen, die (meistens) denkend handeln, Tiere und Pflanzen, die eben so sind wie sie sind und agieren und auf ihre Umwelt reagieren. Da kann man keine Knöpfchen drücken oder über die Luft streichen, um auf diese eine Wirkung auszuüben. WIE LANGWEILIG!
Wir wollen die reale Welt gar nicht mehr. Wir wollen auf einen kleinen Bildschirm schauen, wenn es sein muss an der frischen Luft, und fetzige Sachen „erleben“.  Das sind doch Erlebnisse, die gar keine sind! Hat sich jemand schon einmal Gedanken gemacht, was solche Spiele vor allem für Kinder, aber sicher auch für Erwachsene, für Konsequenzen haben? Was lernen sie denn dabei? Und wie schnell gewöhnen sich gerade Kinder an Neues, gerade wenn es „angenehm“ ist! Ist es etwa unwichtig, die reale Welt von virtuellen Spielen unterscheiden zu können? Ich glaube, dass besonders Kinder das nicht sehr gut können!
Haben wir noch nie erlebt, dass Menschen, die sich in virtuellen Welten zuhause fühlen, sich der realen Welt völlig entziehen oder in der Realität auf einmal auf ganz entsetzliche Weise „durchdrehen“?
Sollen wir Erwachsene und unsere Kinder wie Zombies durch die Gegend irren auf der Jagd nach… – was? Damit wir alle genug Bewegung haben?!  Würden wir den Menschen (-Kindern) alkoholische Getränke in Mengen einflößen? Das ist schließlich Flüssigkeit, und viel Trinken ist wichtig!
Dann ist aber wirklich LSD wirklich gar kein so schlechter Tausch. – Bianca Kossow-Speck


Es gab in der Geschichte immer wieder Faelle , wo das Militaer eine notwendige und fuer die Bevoelkerung befreiende Rolle spielte. Ein herausragendes Beispiel war die Beseitigung des Nazi-Terrorregimes durch die Allierten und die russischen  Streitkraefte. Und oft ist die Bevoelkerung “ blind “ fuer Entwicklungen wie die zur Zeit immer mehr fortschreitende Islamisierung in der Tuerkei. Und deshalb ist nicht auszuschliessen , dass es in Zukunft in der Tuerkei einen “ professionellen Militaerputsch “ geben wird , um dem schon “ krankhaften Islamisierungswahn “ des Herrn Erdogan ein Ende zu bereiten. Und ein Rat an die EU und die deutsche Regierung : Hoeren Sie endlich auf damit , vor einem Despoten in die Knie zu gehen ! – Erwin Chudaska


Ich fand Ihren Beitrag zur Integration einer Akademikerfamilie in die ländliche Dorfgemeinschaft sehr interessant, da ich einige Erfahrungen teilen kann. Allerdings glaube ich, dass man sich schon integrieren kann wenn man nicht die gleichen Ansprüche stellt, die man vielleicht in der Stadt gehabt hat: wir sind vor 8 Jahren mit unserem damals 1-jährigen Sohn von einer Nordbayerischen Universitätsstadt in ein 300-Seelendorf am Fusse der Rhön gezogen. Obwohl ich in der 10 km benachbarten Kleinstadt gross geworden war, hatte ich Schwierigkeiten den Dialekt und die Ausdrucksweise („nauf die Pommes“  = oben bei der Pommesbude etc.) zu verstehen. Alle waren miteinander verwandt und verschwägert und wohnten schon seit Generationen in dem Ort. Mit meinen Arbeitszeiten >50% hatte ich genauso Terminprobleme, da alle Mütter mittags zuhause waren. Zudem gab es eine ganz andere Währung für Anerkennung: während wir wegen unserer Doktortitel allenfalls für Ärzte gehalten wurden und um medizinischen Rat gefragt wurden, waren wir sonst zu nichts zu gebrauchen, da wir keinen Traktor und sonstige lebenswichtige Gerätschafte hatten und ich keine Torte backen und nicht mal ordentlich aufschneiden konnte. So kam der einzige Blechkuchen beim Kindergartenfest von den Zugezogenen und ich verzog mich beim Fest in die Spülküche, da man dort nicht so viel falsch machen konnte. Unser Sohn integrierte sich im Kindergarten sehr gut, allerdings spielten an den Nachmittagen auch die Geschwister und Cousins miteinander, da war er auch aussen vor. Nach einiger Zeit bin ich dem Chor beigetreten (Klavier und Geige waren in der Blaskapelle nicht gefragt :-)) und habe darüber zumindest das halbe Dorf kennengelernt und jede Menge Anerkennung erhalten (ich war einer der wenigen Personen, die Noten lesen konnten…).
Nach 4 Jahren zogen wir in ein eigenes Haus in ein anderes Dorf näher an der Kleinstadt. Hier gab es schon mehr Zugezogene, dafür hatte unser grosser Sohn auf einmal Schwierigekeiten sich zu integrieren. Durch die Erfahrungen in dem Rhön-Dorf wussten wir aber schon worauf es ankommt: Engagement bei den Festen, Fussballverein, CSU-Stammtisch (auch wenn man ziemlich unpolitisch ist). Weitere 4 Jahre sind nun vergangen, unser Sohn wird mittlerweile beim Fussball nicht mehr gehänselt und ich brauche für die Integration nicht mal in den Dorfchor zu gehen sondern spiele Geige im Streichorchester in der Stadt! Mehr Integration brauchen wir nicht und mehr können wir auch nicht erwarten. – Dr. Joanna Ruppel


Sie schreiben: Nein, es ist nicht alles schon dagewesen. Das stimmt aber nur solange, wie man mit der Nase unmittelbar im Problem steckt! Wenn man im Chaos des Tagesgeschehens versucht, die Übersicht zu behalten. Mit etwas mehr Abstand wird aus dem singulären Hans schlägt Ute Mann schlägt Frau, das nicht mehr singuläre ist! Und sich durchaus wiederholen kann, wenn Hans Ute nicht mehr schlägt. Es ist in der menschlichen Geschichte schon deshalb alles mal dagewesen, weil sich der Mensch, auf einem höheren Abstraktionsgrad, seit der Steinzeit prinzipiell nicht verändert hat. Mann spielt heute zwar am PC. Mann haut aber immer noch Frau. Der Widerspruch in Ihren beiden letzten Sätzen läßt mich hoffen, daß Sie eigentlich auch meiner Meinung sind. – Klaus Riediger


Danke für Ihren Beitrag. Die erste Reaktion auf die Überschrift ist bestimmt oft, dass immer zwei Seiten dazugehören. „Irgendetwas haben die bestimmt gemacht.“ Nein, auch beim Nachbarschaftsstreit reicht oft nur eine streitbare Partei.
Ich bin auf dem Land in Bayern aufgewachsen und nur aufgrund meines Eintrittes ins Gymnasium aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen worden. Im Jahre 1990, in Deutschland! Das war eine harte Erfahrung. Auch meine Eltern wussten zeitweise nicht damit umzugehen und versuchten es mit Versuchen wie „Sprich nicht davon, dass du Lateinhausaufgaben hast.“ Ich hatte mit 10 Jahren nicht verstanden, was da vor sich ging. Es war alles eher subtil. Z.B. war zufälligerweise immer ich das fünfte Kind im Auto, wegen dem eine zweites Auto organisiert werden musste.
Heute weiß ich, dass mich das auch stark gemacht hat. Ich bin meinen Weg allein gegangen und es war ein guter, wenn auch manchmal steiniger Weg. Aber ich habe viel erreicht, habe mehr gesehen als mein Heimatdorf. Das hat mein Leben bereichert. – Nadine Jäger


Abschließend wurde im Artikel die Möglichkeit angesprochen, aus dem Steueraufkommen  „theoretisch“ Renten- und  Krankenversicherung anteilig zu finanzieren. Aktuell werden aus Steuermitteln Bundeszuschüsse von rund 58 Milliarden (Rente) und 14 Milliarden (Krankenversicherung) in die Sozialversicherungs-systeme umgeleitet. Die augenscheinliche Unkenntnis ist nicht nur erschreckend hinsichtlich der Aussagekraft des Artikels, es graut mir vielmehr schon vor der nächsten Darstellung zu den Einkommens -und Lebensverhältnissen von Arbeitern, Angestellten, Beamten und Selbstständigen. – Ulrich Bohl


„Ich lächle, sie lächelt, wo ist das Problem? “ Da die Studentinnen des Islamwissenschaftlers Kiefer Islamwissenschaft studieren, ist da natürlich kein Problem. In der Kultur des Westens, der Weltgegend, in die es viele Muslime freiwillig zieht, ist die Verweigerung des Handschlags habituell beleidigend, weil Ausdruck der Verachtung.  Und wird da auch genau in diesem Sinne angewendet. Darüber hinaus ist eine konsequente Vermeidung von Körperkontakt Ausdruck und Bestandteil einer Geschlechterapartheid, die Gleichstellung verunmöglicht. Herr Kiefer wäre besser beraten, an einem modernen Islam zu arbeiten, statt altes islamisches Brauchtum zu rechtfertigen. – Gudrun Beck 


Vielen Dank für diese sensible, gründlich recherchierte Reportage. Neben den Fakten, fängt Willeke respektvoll anerkennend, mit liebevollem Blick den eisernen Kampfgeist der vielen, engagierten Menschen vor Ort ein. Das wird ihnen gut tun.
Endlich ist es raus. So wie jetzt, kann es nicht bleiben. Oder soll es das – im Ruhrgebiet, von Europa, Bund, Land verlassen?
Dass zwangsersteigerte Immobilien für lächerliche Anzahlungen überhaupt zu erwerben sind, um sie direkt zu Wucherpreisen zu vermieten und gleich wieder abzustoßen, wenn die „Kohle im Sack“ ist, lässt den Bürger fassungslos zurück. Abzocke der steuerfinanzierten Kindergeldkasse, die fehlende, bundesweite, regionale und lokale Zusammenarbeit von Behörden wegen Datenschutz: Kann das ein Maßstab sein, wenn es um Sozialbetrug in Millionenhöhe geht? Von dem sonst eingesparten Geld könnten z. B. Fachkräfte kontinuierlich am Problem zusammenarbeiten. Sie müssten sich nicht Jahr für Jahr von einem Projektantrag zum nächsten hangeln. Denn ich fürchte, die aktuelle Situation ist kaum kurzfristig lösbar. Jetzt gilt schnell, permanente Zu- und Wegzüge in armen Städten zu managen. Für diese Sisiphos-Aufgabe braucht es neue, interdisziplinäre Akut-Konzepte, mit allen, die an Basis und Schnittstellen arbeiten und eben Geld sowie ausreichend Personal.
Bei Einem allerdings möchte ich widersprechen: Der Autor spricht darüber, dass sich die „Geschäftemacher“ mit bedauernswert klapperigen Fahrzeugen bestimmter Marken schmücken. Das trifft zwar auf den „Hummer“ zu…aber nicht bei anderen „Kollegen“: Die fahren mit fabrikneuen, Hochglanz polierten Mercedes, BMWs, Audis und Porsche Cayennes vor. – BB


TTIP wird dargestellt als ein Abkommen, welches dem Rückzug ins Nationale entgegenwirken würde. Das Gegenteil ist der Fall. TTIP wir verharmlost als reines „Handelsabkommen“. Es bedeutet aber den Abbau von Mitbestimmung, Demokratie und Rechtsstaat. Zugunsten von globalen Konzernen, die damit ihre Macht verfestigen. Und zugunsten eines Wirtschaftssystems, das noch immer „maximales Wachstum“ predigt – auf Kosten der Ressourccen, der Umwelt und des Friedens. TTIP fördert Raubbau und Unterdrückung, „1. Welt gegen 3. Welt“, denn anders gelingt die Konsumsteigerung nicht mehr. TTIP fördert Krieg und Terrorismus, denn TTIP stürzt massenhaft Menschen in Verzweiflung und Ohnmacht. Und da auch bei uns immer mehr Menschen praktisch ihrer Rechte und ihrer Stimme beraubt werden, kann die einzige Gegenreaktion Nationalismus sein. Es kann uns nichts besseres passieren als ein Ende von TTIP, Ceta, TiSa und Konsorten. – Achim Hippel


Wahrscheinlich hat der IS einen Like Button. Und wahrscheinlich wird er sowohl von ihm als auch seinen Fans und Anhängern genutzt. Ich bezweifle auch im Nachgang zu der Tat in Würzburg immer noch, das tatsächlich der islamische Staat dafür verantwortlich war. Aber wahrscheinlich ist das auch nicht so wichtig. Wir leben in einer Welt die sich immer schneller dreht, immer schneller verändert. Wahrscheinlich auch zu schnell für die Terror Organisationen dieser Zeit, um überall personell präsent zu sein. Getreu dem Motto von Facebook: Ich like also bin ich! – Yves Pulst


Das ist eine ziemlich konfuse Argumentation der Kollegen Rudzio und Schieritz. Erst eröffnen sie die Problemschau mit den Hinweis auf Schätzungen der IG Metall, dass eine menschliche Arbeitsstunde 40 Euro, eine Roboterstunde dagegen nur 6 Euro kosten würde und danach zitieren sie verschiedene Ökonomen mit dem zutreffenden Hinweis, dass sich die Kosten der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital so einfach nicht abgrenzen lassen. Neoklassische Ökonomen versuchen sich vergeblich an dieser Aufgabe seit Jahrzehnten, aber sie ist nicht lösbar, weil die Ausgangsannahmen schon falsch sind. Auch der „Produktionsfaktor“ Kapital basiert auf Arbeit, wenn auch in vergegenständlichter Form und die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen weisen richtig nur eine Erwerbstätigenproduktivität und deren Wachstum aus. Sie können das Bruttoinlandsprodukt zwar durch die Zahl der Arbeitsstunden dividieren, aber nicht durch die Zahl der Kapitalstunden, weil diese und die darin angeblich enthaltene eigene Produktivität nicht messbar sind. Insofern ist die Schätzung der IG Metall, soweit sie denn tatsächlich vorgenommen wurde, schlicht Unsinn und dient nur der Verunsicherung der eigenen Mitgliedschaft. Rudzio und Schieritz wären besser der Frage nachgegangen, warum sich die verschiedenen Rationalsierungs- und Automationswellen in der Geschichte des Kapitalismus nicht in der Produktivitätsstatistik finden lassen, auch für die USA in den 1990er Jahren nicht, wenn die Eigenheiten der US-Statistik berücksichtigt werden. So gesehen markiert dieser Artikel mehr einen Versuch zur Verwirrung der Leserschaft, als einen zur Aufklärung. – Michael Wendl


Sie begründen die Vorteile und Notwendigkeiten internationaler Freihandelsabkommen mit guten Gründen; unter den gegen Ende Ihres Artikels gegen das TTIP genannten vermisse ich allerdings einen weiteren, der durch das Hintervotzige (venia sit verbo) der Geheimverhandlungen bisher bedeckt gehalten wurde: Es ist der Ersatz staatlicher Gerichtsbarkeit mit ihren mindestens zwei Instanzen durch private Schiedsgerichte mit nur einer Instanz. Hinzu kommt, dass mit diesen privaten „Gerichten“ die unabhängige Jusitz unterlaufen und somit der eine der drei demokratischen Pfeiler (Legislative, Exekutive, Judikative) in grundgesetzwidriger Weise geschleift wird. Dass die CDU, wie man demnächst lesen kann, diesen Haupteinwand übergeht und das TTIP, so wie es gegenwärtig ist, verteidigt, ist unerklärlich und macht sie eigentlich zu einer außerhalb der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehenden Partei. – Volker Morstadt


Im Beitrag über die Stimmung in Nizza nach der Amokfahrt des Franko-Tunesiers wird der Wunsch geäußert, die Marseilleise an „Orten der Trauer“ doch ein wenig leiser zu singen. Wie soll das bitteschön funktionieren, bei einem Hassgesang, der selbst zu Mord und Totschlag aufruft und seit 200 Jahren als Symbol des Europa trennenden Nationalchauvinismus gebrüllt wird? Statt in Schulen den Laizismus als Staatsdoktrin zu predigen und die „Symbole der Republik“ (Flagge, Hymne) als Götzenbilder aufzurichten, denen Verehrung zuteil werden muß, täte Frankreich gut daran, sich einen neuen Text einfallen zu lassen. Bei der Gelegenheit könnte man auch einmal die Kolonialvergangenheit aufarbeiten. Da warten noch einige Überraschungen auf die Nation, die meinte, eine mission civilisatrice an Arabern und Afrikanern exekutieren zu müssen. – Josef Riga


Wenn das Thema Holocaust und oder 2.Weltkrieg hochkommt, dann fehlen einem als Deutschen die Worte. Es gibt keine Erklärungsversuche und oder Entschuldigungen. Es ist Scham angesagt. Wenn Sie von 2 Weltkriegen in 25 Jahren sprechen, regt sich bei mir aber Widerspruch. Nach Christopher Clark hat Frankreich seit 1890 den Krieg, der dann 1914 ausgebrochen ist, vorbereitet. 1890 hat Kaiser Wilhelm den geheimen Rückversicherungsvertrag mit Russland gekündigt, weil er Probleme mit seinem einzigen Verbündeten Österreich-Ungarn gesehen hat. Jetzt hat Frankreich mit Russland sich verbündet und gehofft, mit diesem Verbündeten zusammen Deutschland in einen 2 Frontenkrieg verwickeln zu können und damit seine Chance, diesen Krieg zu gewinnen, spürbar erhöht. ( den Krieg 1870 hat Frankreich noch alleine geführt und verloren). Weil Wilhelm II. furchtbar ungeschickt,  Frankreich dagegen aber sehr diplomatisch war, hat es 1914 eine europäische Front gegen Deutschland gegeben. Serbien, Russland, England, Frankreich, und ab 1915 auch noch Italien.
England wollte eigentlich nicht, aber hier hatte sich der Außenminister Earl Grey  gegenüber Paris  verbürgt, das England in den Krieg eintritt. Das ist nicht von einem Nazi geschrieben worden, sondern von Christopher Clark ( Die Schlafwandler), der in England einen Lehrstuhl für Geschichte innehat. Und die USA? Sie haben den Alliierten den Sieg  und Frankreich über 10 Jahre lang eine Politik der Demütigung  Deutschlands ermöglicht. ( Versailler Vertrag, Reparationen, Ruhreinmarsch 1923 mit nachfolgender Inflation und einer Enteignung des Bürgertums.) Ohne dies alles wäre ein Hitler nie denkbar gewesen. Offiziell hat Wilson vom Selbstbestimmungsrecht der Völker gesprochen, praktisch hat er Frankreich in Bezug auf Deutschland alles durchgehen lassen.
Aber wie gesagt, das ist keine Erklärung für den Holocaust und die Verbrechen des 2.Weltkrieges. Taten, für die ich mich als Deutscher nur schämen kann. – Reiner Püschel


Die Strafrechtlerin Elisa Hoven nimmt sehr unverblümt dahingehend Stellung, daß das neue Sexualstrafrecht – trotz heftiger Akklamation im Bundestag –eher den Verteidigungsreflex einer im sittlichen Verdauungsvorgang befindlichen Gesellschaft ,  als ein wirklich praktikables Strafrecht widerspiegelt. Dieser Artikel ist äußerst lesenswert für diejenigen Bürger, die sich mit der Schwierigkeit auseinandersetzen, daß manche Lebensbereiche kaum befriedigend justiziabel zu regeln sind. – Sigurd Schmidt


Herr Heuser präsentiert in seinem Artikel eine so grobschlächtig unreflektierte Absolutsetzung weltwirtschaftlicher Interessen, dass zwischen seinen Zeilen der Widerspruch fast wie von selbst herausspringt. „TTIP war ein Zeichen der Hoffnung in einer Welt, in der die Globalisierung längst zurück gedreht wird.“ Das ist Globalisierung als Religion. Außer wirtschaftlichen scheinen für den Autor keine anderen Dimensionen des öffentlichen und privaten Lebens Gültigkeit zu haben. Man mag Fundamentalopposition in vielen Bereichen als unangemessen ansehen. Im Hinblick auf TTIP-Schiedsgerichte, die nichts anderes wären als der Beweis dessen, was jeder europamüde Bürger ohnehin schon lange vermutet, ist es jedoch anders. Schiedsgerichte in der geplanten Form sind ein Angriff auf das Zentrum der Demokratie. Sie würden eine Parallelwelt etablieren, die, der öffentlichen Kontrolle weitgehend entzogen, zwangsläufig die konventionelle Politik noch drastischer entmachten würde, als dies zum großen Nachteil der Mehrheit schon lange geschehen ist. Wie man dies einfach beiseite wischen kann, ist mir rätselhaft. Für welche Lobby ist Herr Heuser tätig? – Dr. med. Eckhard Kirchhübel


In den Verhandlungen zum TTIP soll diskutiert werden, welche Handels-Hemmnisse beseitigt und wo Normen und Standards angeglichen werden könnten. So z.B. „Es geht um Chlorhühnchen, Gen-Essen … “ — O.K. Aber völlig indiskutabel ist: „ … oder Schiedsgerichte, die angeblich den bösen Konzernen in die Hände spielen“ — genau das ist der kritische Punkt des Vertrages: (private) Schiedsgerichte sollen der Politik die Gestaltungsmacht entwinden. Denn wenn immer die Politik (ökonomische) Flüsse steuern möchte — z.B. Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern — kann die benachteiligte Seite (im Beispiel also die LKW-Industrie) gegen die Regierung wegen ‚Investitionsschutz’ und entgangenen Gewinns auf Schadenersatz verklagen (in einer umgekehrten Entscheidung (also Verlagerung von Schiene auf die Straße) könnte die Bahn wegen der getätigten Investitionen ins Schienennetz etc. klagen).
Und somit könnte schon die bloße Existenz solcher privaten Schiedsgerichte jegliche politische Steuerung unterbinden.
Und der Nebeneffekt ‚für die bösen Konzerne‘ wäre: unterhalb einer gewissen Mindestgröße fehlen der betroffenen Branche oder Firma die finanziellen Mittel, um einen Schiedsprozess gegen einen Konzern zu führen. – Dr. Hans Fuss


Die von Frau Stern beschriebenen Schwierigkeiten kenne ich aus eigenem Erleben. Ich glaube aber nicht, dass hier ein Schichtproblem geschildert wird. Nach den Informationen aus dem Artikel dürfte die dörfliche Umgebung der Autorin vielleicht der unteren Mittelschicht angehören, teilweise aber auch materiell besser gestellt sein. Sie selbst als Lehrerin wäre der mittleren Mittelschicht zuzuordnen. Insofern zunächst wenig Grund für Verständnisschwierigkeiten. Wer die verschiedenen Lebenshintergründe von Land und Stadt kennt, weiß aber, dass etwa die Ablehnung der Beschäftigung mit einem Buch in den beiden Regionen verschiedene Schlüsse zulässt. Selbstverständlich wird das Gymnasium in einem von materieller praktischer Arbeit geprägten Umfeld einen anderen Stellenwert haben als in der Stadt mit ihrem fortgeschritten technisierten Lebensstil. Und natürlich ticken die Uhren anders in einem Umfeld, in dem viele Familien seit Generationen ansässig sind, als dort, wo man schnell mal nach Arbeitsplatzwechsel hinzieht. Es geht also um sozialen Code, aber nicht um verschiedene Schichten, die in erster Linie durch ihre materiellen Möglichkeiten definiert sind. Entsprechend anders ist die abweisende Reaktion der neuen Umgebung der Autorin zu bewerten. – Dr. med. Eckhard Kirchhübel


Schon mal an ein bifrontales Olfactorius-Meningeom gedacht? Ein CT/MRT könnte hilfreich sein. Ansonsten: Sehr interessanter und gut geschriebener Artikel. – Dr.Karin Varchmin-Schultheiß


Whow! – Herr Ulrich! Die geliebten Merkeles und Schäubeles „degenerierte Diener des großen Geldes“! – Ja so ist das. Und neben dieser realen Macht (Geld) unserer Realpolitiker gibt es da noch eine andere Macht: Die geistige Macht. Während sich nun alle Welt einig ist, dass „reale Macht“ der Kontrolle bedarf (was nicht so recht gelungen ist), dachte man bisher „geistige Macht“ sei frei siehe Religionsfreiheit. Was in der zentral regiertren christlichen Kirche noch einigermaßen gut ging entwickelt sich im Islam mit seinen unterschiedlichen Führern langsam zur Kathastrophe. Jeder gläubige Muslim ist potential in der Gefahr sich den „falschen“ Führern anzuschließen. Das bedeutet für die modern Gesellschaft: Kontrolle aller in ihr agierenden geistigen Führern, Unterbindung jedweder falschen Einflußnahme von wo auch immer (Saudi Arabien, Türkei, Iran usw.) und es bedeutet vor allem und auf jedenfall: Kontrolle des www. Neben diesen beiden Mächten gibt es noch eine weitere: den Sex (72 Jungfrauen im Paradies). Alle drei wirken in jedem von uns und bilden das, was man Psyche oder Seele nennt. Da ware der Job des Seelsorgers zu vergeben und da haben wir eine Wissenschaft die sich damit beschäftigen sollte, die Psychologie, anstatt via Wirtschafts -und Werbepsychologie als degenerierte Diener des großen Geldes zu dienen. – Anonym


Ihr Artikel „Abschied tut weh“ auf der Titelseite ist sehr verkürzt.
1. Wer entscheidet bzw. sichert, dass durch Industrie 4.0 und Freihandelsabkommen (z.B. TTIP) freigesetzten Arbeitskräft ausreichende Einkommen zum Leben haben werden und sich das Massenelend noch vergrößert?
2. Der Staat wird durch die Schiedsgerichte in einer seiner wichtigsten Aufgaben, der Rechtssprechung maßgeblich eingeschränkt.
3. Die Mitbürger, die heute bereits nicht EU sondern KU („Konzern-Union“) sagen, und die Unionsbürger auf der Strecke bleiben, bekommen durch die glorreichen Handelsregelungen viele Argumente.
4. Der weltweite Ökologie-Bewegung zur Rettung der Ressourcen  bekommt eine schallende Ohrfeige.
5. Die sozialen Standards werden für eine Verelendung sorgen, die Revolutionen der Armenm schüren werden.
Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass ich sehr enttäuscht bin über diesen Artikel. Geheimhaltung gebiert Ablehnung, zerstört Vertrauen (siehe Auslöser der Finanzkrise), die Wahrheit bleibt auf der Strecke….. Wenn mein Kurzabonnement zu Ende sein wird, bin ich nach so einem Artikel darüber froh, mich über eine solche verkürzte Argumentation nicht mehr zu ärgern. Einer Qualitätszeitung hätte ich diese Verkürzung (Rückzug ins Nationale) nicht zugetraut. Offensichtlich sieht auch „die Zeit“ die heute desaströse Situation der EU (die EU bejahe ich grundsätzlich aus Gründen der  Friedenssicherung in Europa) sehr einseitig im Glorienschein eines globalisierten Liberalismsus. David Ricardo hat nicht die heutige Komplexität der Welt vorgefunden! – Robert Schneider


Meiner Ansicht nach bedarf es der Bundesrepublik Deutschland eines Junior Präsidenten. Dieser sollte zwischen 25 – und 35 Lebensjahren zählen und sich idealerweise mit Geschichte, Philosophie, Psychologie und Soziologie befasst haben – mit anderen Worten: Ein wetterfester Dilettant; die Oase in der Wüste; das Licht in der Dunkelheit; der Steuermann bei stürmischer und wilder See. Dessen Amt soll darin bestehen, dem Nachwuchs dieser zunehmend bunter werdenden Republik zu vereinen, diesem als Vorbild zu dienen und zu repräsentieren. Schließlich wird nicht jedem jungen Bürger der BRD das Glück zuteil, in geordneten Verhältnissen hineingeboren zu werden. Aber ausgerechnet für diesen jungen Bürgern ist es von höchster Wichtigkeit, jemanden als Vorbild zu wissen. Jemanden, der ihnen die so bedürftige Ordnung und Konstanz verkörpert – was einmal mehr für junge Buben gelten dürfte. Immerhin entscheidet, beziehungsweise, äußert sich die Zivilisation in der Beziehung zum Sohn und/oder zum Mann. Deswegen ist es meiner Meinung nach auch unabdingbar, dass der zukünftige Junior Präsident von dem männlichen Geschlechte sein möge. Gleiches gilt in gleicher Weise für den Senior Präsidenten, zu diesem sich der einstige Junior Präsident in der Folge, ab dem Alter von 40 – oder 45 Jahren, wählen lassen sollte. Die meinige Analyse zufolge, wäre ein Junior Präsident das angemessene staatliche Organ, mit dem sich die zunehmende Verwahrlosung und Radikalisierung des Nachwuchses Einhalt gewähren ließe. „Ordnung ist das Wichtigste! Sie macht stark und vertreibt die Furcht.“ (Machiavelli) Denn: Niemals wird ein depressives Menschengeschöpf andere Artgenossen niederstrecken; ein vorbildloses hingegen schon eher. – Gian Rebmann


Das ist mit den Berufen genauso. Ich vermute. da steckte Methode dahinter. Ich will mir nicht die Mühe machen, sie alle aufzuzählen.
Wenn zum Beispiel Herr Schulz in Brüssel 10 – 12 Höflinge um sich scharrt, dann zeigt mir das besonders wie Arbeitsbeschaffungs-maßnahmen aussehen können. Es reicht sicher auch, das Herr Schulz mit einem Assistenten auskommen würde, unabhängig von seinem Sekretariat. Als früherer Bankchef bin ich mit einem Assistenten ausgekommen. Heute sind es 6 oder 7 und die haben auch wieder Assistenten. Mir kann keiner erzählen, daß das alles dringend notwendig wäre. Vielleicht hinkt dieser Vergleich mit den heutigen zahlreichen Fächern in den Universitäten. Ihr Autor Manuel J.  Hartung wird das besser wissen. – Gunter Knauer


Chapeau. Dreimal Chapeau!!! Ihre Kolumne „Über die Wandlungen eines Hundes“ spricht mir voll aus der Seele. Als angehender Opa und als Halbtagsbetreuer einer jungen Sheltie – Dame (Besitzer sind die zukünftigen Eltern) bin ich voll begeistert von ihren Zeilen!
Wenn auch unsere Ausgangssituation völlig anders ist, sehe ich mit großer Freude meinem Dasein als Großvater  entgegen und meiner persönlichen neuen Dreierbeziehung Enkel – Opa – Hund. Oft werde ich an Ihre tolle Kolumne denken….und freue mich jeden Donnerstag auf eine neue Ausgabe des Zeit-Magazins. – Albert Rösch


Was Hitler der Reichstagsbrand war, ist Erdogan der Militärputsch. Was Hitler das Ermächtigungsgesetz war, sind Erdogans Dekrete. Was Hitlers Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums war, ist Erdogans Säuberungsaktion. Was Hitlers Vorsehung war, ist Erdogans Gunst Allahs. Videant consules …. Aufgepasst, das Muster ist dasselbe. – Dr. Eugen Schmid


Ihre Artikel sind immer lesenswert. Aber  diesmal sollte der  Artikel als historisches Schriftstück in die Annalen des globalen Veränderungsprozesses eingehen, den sie ja umfassend skizzieren. In ähnlicher Weise wie Kardinal R. Marx in seiner Trauerpredigt zum Anschlag in München ist ihre Interpretation der Ereignisse dieser nicht mehr zu verleugnenden  Umbruchszeit ermutigend und auf differenzierte Weise Orientierung gebend gehalten – in deutlicher Abhebung vom  journalistischen  Mainstream-Hype. Ich hoffe sehr, dass sich immer mehr „Stuhlkreis- Kompetenzen“ zusammen finden, die verstanden haben, dass im „weltoffenen Raum  alle mit allen verbunden sind“  – und entsprechend diesem Verständnis neue  politische Konzepte  und neue Strukturen sozialen  Miteinanders entwickeln werden können. – Angelika Schretter


Wenn es im Koran keine Stelle gibt, die den Handschlag zwischen Mann und Frau verbietet, wenn im Gegenteil vornehmlich Wahabiten und Salafisten, die ja nicht unbedingt für einen toleranten Islam stehen, einen Handschlag zwischen beiden Geschlechtern traditionell dem Bereich des Unkeuschen zurechnen – warum um alles in der Welt soll der in Deutschland gebräuchliche Begrüßungshandschlag der „Religionsfreiheit“ ultrakonservativer Muslime untergeordnet werden? Dann haben wir schnell Zustände wie an einer Mannheimer Grundschule in einem  Neubauviertel, an der siebenjährige türkische Jungen ihrer Lehrerin nicht die Hand gaben, was ihre Väter ausdrücklich billigten. Selbst andere türkische Väter fanden das empörend. Sollen sich wirklich Schulen dafür entschuldigen, wenn sie an hier üblichen Verhaltensweisen gegenüber einem Brauchtum festhalten, das sich aus der extremen Religionsauffassung eines bestimmten Glaubens ableitet? Wissenschaftler oder Schulverwaltungen, die so etwas fordern, wissen nicht, was sie tun.  – Dr. Brigitte Hohlfeld


Das von Uwe Jaen Heuser un Jens Tönnesmann geführte Gespräch mit Sahra Wagenknecht über ihre Lebenslinien habe ich mit großem Interesse gelesen. Ganz besonders ihre Klarheit machte deutlich, was Leser von ihr wissen wollen, so, wie sie ihre Bücher schreibt offen und zuverlässig. Ich könnte mir vorstellen, daß Ihre interessierte Leserschaft ein ähnlich offenes Gespräch mit unserer Bundeskanzlerin, Frau Angela Merkel, gerne zur Kenntnis nehmen würde, ebenfalls offen und eindeutig. Ich bitte Sie darum, wenigstens den Versuch zu starten. – Siegfried Scharf


Claudia Stern sieht sich darin bestätigt, dass ihr „für die Aufnahme in die neue Gemeinschaft der soziale Code fehlte.“ Ist es wirklich „unmöglich, diesen zu erlernen“? Ich habe selbst einige Jahre in der Eifel verbracht und als Akademiker aus einer Großstadt erlebt, dass die Uhren und Menschen dort anders ticken. Aber die Menschen auf dem Dorf sind weder feindselig noch „falsch codiert“. Die Autorin fühlt sich nicht angenommen, weil z. B. die Kinder der „Anderen“  mit Barbiepuppen spielen. Statt den neuen Nachbarn vorzuhalten, nicht die neusten Erkenntnisse der Genderforschung zu beherzigen  („Barbies zementieren ein biologistisches Rollenbild“), sollte die Autorin sich einmalig selbst kritisch hinterfragen. Mit ihrer selbstgerechten Haltung kommt sie bei den anderen als etwas vermeintlich Besseres an und vertieft so die bestehende Kluft. Bei ihrer Geschichte geht es nicht um „soziale Codes“, sondern um die Bereitschaft, die eigenen Werte infrage zu stellen, die sich im alternativen Lehrerbiotop der Kölner Südstadt zur kulturellen Hegemonie verfestigt haben. Die Autorin ist für ihre neuen Nachbarn das System, gegen das sich die Lebenswelt sperrt. – Willy Tüttenberg


Das Ruhrgebiet ist ein unendliches Problemgebiet. Ich wohne in NRW. Die Regierung hat keine Ideen und auch keinen Weitblick um das zu ändern, obwohl der Standort über besten Verkehrsanbindungen verfügt, auch durch ihre zentrale Lage müssen keine weiten Strecken nach Nord, West, Ost, Süd gefahren werden. Und trotzdem gehen im Ruhrgebiet bald die Lichter aus, wenn nicht kurzfristig etwas geschieht, was den Bürgern und der Wirtschaft wirklich hilft. Nur mit jede Menge Kulturveranstaltungen wird keiner satt. – Gunter Knauer


Ihren Artikel habe ich mit viel Sympathie gelesen. Wie Sie richtig geschrieben haben, hilft bloße Augenzeugenschaft niemandem. Vor ein paar Jahren habe ich selbst aufgehört, die Fernsehnachrichten zu sehen, auch kein Twitter, kein Facebook. Seitdem bleibt meine Informationsquelle Zeitungen und Radio, das heißt, ich konsumiere die Nachrichten, nur so viel ich verdauen kann. Der Anlass war wohl der Dokumentarfilm „Homs“. Im provisorisch eingerichteten Krankenhauszimmer lag ein angeschossener junger Mann, der die anderen Widerstandskämpfer fragte, ob seine Kameraden umsonst starben. Seine tiefe Verzweiflung, sein Schrei, seine hilflose Frage, das war kaum auszuhalten. Außerdem wollte ich die Aufzählung der Todesopfer nicht mehr täglich hören. Damals habe ich ernsthaft befürchtet, irgendwann stumpfsinnig oder gefühlskalt zu werden.
Bekanntlich war die Kreuzigung Christi ein sehr beliebtes Motiv in allen christlichen Ländern. Häufig werden die Zuschauer und die Peiniger hinter dem Leidenden dargestellt. Die meisten amüsieren sich oder verspotten ihn, aber unter den anderen entdeckt man die einzelnen Gesichter, die wahres Mitgefühl zeigen. Sie sind aber nur sehr wenige. Wenn ich den Menschen begegne, die pausenlos die neuesten Nachrichten checken, muss ich kurioserweise an diese Bilder denken. Ein Mausklick, oder nur ein Tippen, dann eröffnet sich schon gleich ein kostenloses Spektakel. Wo endet dabei herzliche Anteilnahme und wo beginnt Sensationssucht? Wo verläuft überhaupt die Grenze? Die Terroristen von heute zielen bewusst auf die mediale Wirkung hin. Sie inszenieren überall blutige Show auf Kosten unschuldiger Menschen, die unnötig früh sterben mussten, geschlachtet wie ein Vieh. Immer öfter muss ich mich fragen, ob man dieses scheußliche Theaterstück absetzten könnte, wenn niemand mehr ins Theater gehen würde? Wenn niemand darüber berichtet, wenn niemand mehr die schrecklichen Bilder sehen will, dann haben wir mehr Attentate oder vielleicht sogar eher wenige Attentate? Es ist aber natürlich ein naiver Gedanke. Ein Videoaufruf weniger, das nutzt ja nichts, aber ich will zumindest an dem Theater nicht teilnehmen. Wie Matthias Claudius einst geschrieben hat: Ich begehre nicht schuld daran zu sein! – Ai Kretschmer-Nakashima


Zum Interview mit Sarah Wagenknecht – siehe oben – es ist erstaunlich, wie gering die historische Kenntnis mancher Politiker ist – gerade, aber nicht nur in Bezug zur Einführung des Euro.
Francois Mitterand befürchtete eine Dominanz der DM durch die Widervereinigung. Der Euro war das Zugeständnis Kohls an Francois Mitterand mit der „Abschaffung“ der DM – dadurch wurde seine Zustimmung zur Widervereinigung erreicht. Dass die „Gründungsvorausetzungen“ des Euro „mangelhaft“ waren, was sogenannte kluge Leute immer zitieren, ist eine ähnliche historische Missdeutung. Hätte man auf dem bestanden, was heute wünschenswert ist, wäre der Euro nie zustandegekommen. Die Aufgabe ist es, die dem Euro anhaftenden Mängel so gut wie möglich einzugrenzen, wenn nicht zu beseitigen. Das ist in der zunehmenden Re-Nationalisierung nicht einfach und wird in dem re-aktionären nationalbestimmten Klima dauern. – Dr. Klaus Tiedje


Nachdem der stümperhafte Putsch (-versuch) in der Türkei mit Leichtigkeit niedergeschlagen wurde, zeigte zuerst die ganze Welt Solidarität mit der türkischen Bevölkerung und verurteilte die Putschisten aufs Schärfste. Dann ging aber alles Schlag auf Schlag. Die Welt erfuhr von einem „Gottesgeschenk“ bzw. von einer „Gunst Gottes“, die zu einer gigantischen Säuberungswelle führten, wie sie in einer Demokratie noch nie stattgefunden hat. Mit der Verhängung des Ausnahmezustandes kann Erdoğan nun noch zusätzlich mit Dekreten fast nach Belieben schalten und walten. Die westliche Welt ist erstaunt, wie schnell sich Erdoğan von der Demokratie verabschiedet. Deshalb spricht niemand mehr vom gescheiterten Militärputsch, sondern nur mehr davon, wie die Demokratie in der Türkei „mit wehenden Fahnen“ untergeht! – Egon Hofer


Gibt es weiblichen Exhibisnionismus ?  Der alte Witz:
Zieht sich ein Mann vor einem offenem Fenster aus und eine Frau beobachtet ihn, ist der Mann bein Exhibisionist.
Zieht sich eine Frau vor einem offenem Fenster aus und ein Mann beobachtet sie, ist er ein Voyeur. – Thomas Probst


Stefan Willeke schreibt in seinem guten Artikel, dass der Mitarbeiter der Stadt Gelsenkirchen wegen des Datenschutzes keine Angaben vom Finanzamt über die Hauseigentümer/Vermieter erhalte. § 30 der Abgabenordnung (AO) normiert zwar das Steuergeheimnis, doch zahnlos ist der Staat – zu Recht – nicht. Denn es finden sich in Absatz 4 Ausnahmen vom Grundsatz des steuerlichen Datenschutzes. Nach § 30 Absatz 4 Nr. 2 AO ist das Steuergeheimnis aufgehoben, soweit das durch Gesetz ausdrücklich zugelassen ist. Der Anhang 1 des AO-Handbuchs 2016 nennt solche Ausnahmen vom Steuergeheimnis: Nach § 5 Absatz 3 des Gesetzes über den Abbau der Fehlsubventionierung im Wohnungswesen sowie nach § 2 des Wohnungsbindungsgesetzes haben insbesondere die Finanzbehörden der zuständigen Stelle Auskunft über die Einkommensverhältnisse bei öffentlich geförderten Wohnungen zu erteilen. Beim Verdacht, dass öffentliche Mittel zu Unrecht verausgabt wurden, darf das Finanzamt das Sozialamt benachrichtigen (§ 30 Absatz 4 Nr. 2 i.V.m. z.B. § 31 AO oder Absatz 4 Nr. 5 a, b oder c). Als Sozialhilfeträger erhalten die Kommunen auf Ersuchen Auskunft über die den Finanzbehörden bekannten Einkommens- und Vermögensverhältnisse bspw. beim Wohngeld (§ 30 Absatz 4 Nr. 2 i.V.m. § 21 Abs. 4 SGB X). – Christian Franke


In der Nach-Putsch-Zeit sammeln Erdogan und die Seinen – ganz offensichtlich bestens vorbereitet und kompromisslos – die Reste demokratischer und rechtsstaatlicher Prinzipien in der Türkei ein.
Die Konsequenzen, die die EU und NATO daraus ziehen, sollten nun ebenso überzeugt und überzeugend sein. Der Ausnahme-zustand für das Land am Bosporus wurde zwar erst vor wenigen Tagen offiziell verkündet, besteht jedoch, betrachtet man die Meinungs- und Presseunfreiheit, de facto schon seit geraumer Zeit.
Völlig zweifellos sind und bleiben Visafreiheit und EU-Beitritt der Türkei unter den gegebenen Umständen, geschweige denn bei der Wiedereinführung der Todesstrafe, außerhalb europäischer Sichtweite. – Matthias Bartsch


„Amerika wurde reich dadurch, dass man die Schwarzen dazu zwang, auf dem Land zu arbeiten, das man den Indianern gestohlen hatte.“: Nichts als die Wahrheit und ein Formulierungs-Volltreffer!
Andererseits irrt Mr. Amis ganz schrecklich, wenn er meint „Der Zweite Weltkrieg ist der eine Krieg in der Geschichte, wo klar ist, auf welcher Seite man stehen müsste.“ Man musste im Zweiten Weltkrieg und schon lange vorher vielmehr auf Seiten der Urvölker stehen, die von der Vernichtung bedroht waren. Das deutsche Programm der Endlösung der Judenfrage und der Slawenfrage war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Das Programm der Ausrottung der Urvölker hingegen ging auf der andern Seite ungehindert weiter. Auch nach dem Endsieg. Nicht zufällig wurden führende Akteure des Holocaust nach Südamerika geschleust. – Klaus E. Margraf


„Zu Gast bei Betrügern?“ fragt die ZEIT und berichtet von Apothekern, Gastwirten und Friseuren, die ihre Ladenkassen manipulieren. Ich mache seit etwa drei Jahren die folgende Beobachtung im Lebensmittel-Einzelhandel:  In Geschäften von Edeka und Alnatura werde ich regelmäßig gefragt, ob ich einen Kassenzettel möchte. Was ist der Sinn dieser Frage? Will man mich mit weniger Altpapier belasten? Angesicht der Prospektfluten dieser Geschäfte würde mich das sehr wundern. Welche Erklärung könnte es sonst geben? Da taucht natürlich der Verdacht auf, dass die Registrierkasse nur dann steuerlich relevant abrechnet, wenn auch ein Beleg ausgedruckt wird. Welcher Journalist ermittelt hier weiter? – Hans-Jürgen Kobus


Es ist armselig, dass die EU dafür benötigt wurde, weitere sinnlose Kriege zwischen Deutschland, Frankreich und England zu verhindern, und dass sie dafür sogar den Friedensnobelpreis bekam. Außerdem haben unsere Mainstream-Politiker jetzt einen neuen „Bösen“ im Visier: Putin und Russland. Unter der Führung der USA mit ihrem Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Obama wird bereits weltweit „das Böse“ mit Waffengewalt bekämpft. Vor Jahrzehnten stellte sich eine Gruppe aus der amerikanischen Friedensbewegung einem Güterzug entgegen, der Waffen aus den USA nach Nikaragua transportierte, für den dortigen Bürgerkrieg. Einem von ihnen wurden dabei beide Beine abgefahren. Wann erhält er den Friedensnobelpreis? Wann verabschiedet sich die große Politik von Gewalt und Heuchelei? Inspiriert sie nicht auch die Amokläufe von psychisch labilen jungen Menschen? Sie werden meist anschließend erschossen. Was aber geschieht mit den wirklich Schuldigen? – Hans Oette


Die ZEIT konsumiere ich stets beim Frühstück. Sobald die aktuelle Ausgabe im Haus liegt, beginne ich bei den Kommentaren auf Seite eins und arbeite mich im Laufe der Woche durch die restlichen Ressorts. So auch bei Ausgabe 31. Der Kaffee dampft, das Brötchen ist geschmiert. Doch was lese ich da? „Warum (…) TTIP den weltweiten Rückzug ins Nationale beschleunigen würde“. Ich bin wahrlich kein Freund des im Geheimen verhandelten Paktes und froh, dass sich Widerstand dagegen gebildet hat. „Warum der Westen die Türkei (…) in der NATO halten sollte“. Tatsächlich fällt es mir immer schwerer, jene Scheindemokratie als Verbündeten zu sehen. Doch statt die Zeitung zur Seite zu legen und mich in aller Ruhe an das Frühstück zu machen, beginne ich zu lesen – beide Kommentare, deren Überschriften ich ablehnend gegenüberstehe. Sollte Zeitunglesen nicht genau darum gehen? Neues Wissen aneignen. Den Horizont erweitern. Fremde Welten kennenlernen und fremde Meinungen. Es scheint Mode zu sein, das persönliche Weltbild als Maß aller Dinge zu betrachten. Die „Lügenpresse“ zu boykottieren – das gilt als moderner Protest. Doch wie viel Protest liegt darin, sich selbst unter allen Umständen bestätigen zu wollen, immer wieder? Es gibt da einen anderen Begriff: Ignoranz. Fremde Meinungen bereichern uns. Weil sie uns aufzeigen, was wir noch nicht gedacht haben. Im Übrigen: Die Wichtigkeit der Türkei in der NATO habe ich nun erkannt. – Daniel Radigk


Die Demokratie ist eine Staatsform, die nur für Menschen geeignet ist mit guter Allgremeinbildung, mit ausreichenden politischen Interesse und einem ausreichenden Wissensstand. Nur diese Menschen sind in der Lage, Sachverhalte objektiv zu bewerten. Der einfache Bürger erfüllt diese Voraussetzung nicht. Wie sollte er auch? Somit ist er bei seiner Wahlentscheidung darauf angewiesen, das zu glauben, was Wahlkämpfer vollmundig versprechen. Volkes Wille kann das mit Sicherheit nicht sein. Bei Wahlen geht es hinter den Kulissen um Macht. Einzig und allein um Macht. Jede Wahl ist für das „Volk“ mit einem Risiko verbunden  –  siehe Polen.
Bei einer Volksabstimmung bleibt in jedem Falle die Vernunft auf der Strecke. Siehe Brexiet.  Der Einzelne ist nicht mit dem erforderlichen Hintergrundwissen ausgestattet, um bei einer Volksabstimmung die richtige Entscheidung zu treffen. Wer diese Zusammenhänge nicht erkennt, gehört wirklich zu den „dummen Bürgern“. – Immo Richter


Ich bin immer wieder verwundert – und auch ein bisschen verärgert – wie unkritisch wirtschaftsfreundlich einige Redakteure der ZEIT ihre Artikel verfassen. So singt beispielsweise Herr Heuser das hohe Lied des Freihandels. Es ist ja keine Frage, dass freierer Handel auch eine Zunahme des Handels begünstigt. Aber dass eine Zunahme des Handels auch mehr Wohlstand für alle bedeutet, halte ich doch sehr für ein neoliberales Dogma. Heuser stellt Deutschland als Lehrbuchbeispiel eines Profiteurs des freien Handels dar. Stimmt auch. Der hohe Grad an Wohlstand bei uns hat seinen Grund aber zum einen darin, dass wir einen kräftigen Außenhandelsüberschuss haben und zum anderen darin, dass unser Wohlstand auf Pump geschaffen wurde: Beispiele sind die Kosten für Umweltzerstörung und Klimawandel, die unsere Nachfahren zu tragen haben werden. Oder auch die unvorstellbaren Folgekosten für die angeblich ach so billige Kernenergie, die sich im Rückblick einfach nur als steuergeldfinanzierte Subvention für unsere Wirtschaft entpuppt hat. Unser Außenhandelsüberschuss ist anderswo mit einem Außenhandelsdefizit gekoppelt – und damit mit einem insgesamt horrenden Schuldenberg. Es gibt auf dieser Welt kein Perpetuum mobile, kein Wachstum ohne Verluste an anderer Stelle. Auch für die Wirtschaft gelten die Naturgesetze. Leider haben das viele Wirtschaftswissenschaftler ganz offenbar in der Schule verschlafen.
Im Artikel über die Maschinensteuer wird behauptet, dass uns die Arbeit nie ausgehen wird – trotz zunehmender Automatisierung. Das bestreitet auch kaum jemand. Aber das heißt doch noch lange nicht, dass diese Arbeit auch so bezahlt wird, dass man davon gut leben kann. Auch wird behauptet, wir bräuchten keine Maschinensteuer, da die Unternehmen ja sowieso schon Steuern auf ihre Gewinne zu zahlen hätten. Nur: Zum Arbeitslohn für menschliche Arbeit kommen auch immer noch die Sozialabgaben hinzu. Damit ist menschliche Arbeit immer im Nachteil gegenüber „Kollege Roboter“, zumindest aus Unternehmersicht. Für menschliche Arbeit muss ein Unternehmen immer mehr bezahlen als für Arbeit, die Maschinen verrichten. Wo soll das Geld für die Menschen herkommen, die durch den „Kollegen Roboter“ ersetzt wurden? Mag ja sein, dass die Reallöhne insgesamt gestiegen sind (wie will man das objektiv messen?). Aber sie sind zum einen sehr ungleichmäßig gestiegen, nur wenige Berufsgruppen haben davon wirklich profitiert. Und sie sind auf Pump gestiegen, siehe oben. Unsere Kinder werden die Zeche zu zahlen haben. – Volkmar Heitmann


Hat Uwe Jean Heuser sich beim Hohelied auf den Freihandel etwas poetische Freiheit erlaubt? Das transatlantische Freihandelsabkommen würde „hohe Standards für Arbeit, Produkte und Umwelt setzen, an denen auch die Chinesen nicht vorbeikämen“? Merkwürdig, eigentlich dient doch TTIP nur dazu, besagte Standards in Europa auf amerikanische herabzusetzen, während es doch das transpazifische Freihandelsabkommen TPP ist, das China eventuell an höhere Standards wird binden können. Aber auch in Amerika sind die Befürchtungen groß. Die bisherigen Freihandelsabkommen hatten nämlich Umverteilungseffekte und kamen eher den Bessergestellten in der globalen Arbeitsteilung zugute. Wie die allermeisten Menschen verachte ich eigentlich nicht den freien Warenverkehr, aber die Menschen haben den Nexus von Freihandel und Kapitalkonzentration mittlerweile begriffen. Wer bei den Belangen der Menschen statt denen des Kapitals anfängt, wird die Zustimmung schon finden. – Matthias Meindl


In welcher Zeit leben wir eigentlich, wo es möglich ist, eine Stadt kontinuierlich ins negative Licht zu bringen?Ihr Redakteur Stefan Willeke bringt es in seinem Artikel auf den Punkt: ins verwilderte Gelsenkirchen…und zeigt ein Hinterhoffoto, was in jeder Großstadt gefunden werden kann, wenn man es sucht.Mit dieser Art der Berichterstattung schafft er ein negatives Klima und die Basis für weitere negative Gedankengänge und deren Folgen. etwas mehr Wertschätzung den Bürgern von Gelsenkirchen wäre hier angesagt von einer Entschuldigung ganz zu schweigen. – Wolfgang Sternkopf


Die Falle ist nicht nur gestellt, sondern bereits zugeschnappt. Zumindest im Kopf von Herrn Münkler, so will mir scheinen.
„Islam und der Westen“, „Islam und Europa“ als Gegensatzpaare aufzubauen, heißt den Islamisten in die Falle zu gehen. Die Gegensätze liegen ganz woanders, und zwar
– zwischen denen, die einfache Antworten wollen und die Komplexität der Welt durch die Erhaltung / Wiederherstellung einer „guten alten Zeit“ oder „kultureller Reinheit“ bannen wollen – und es gibt sie sowohl auf islami(sti)scher als auch westlicher Seite
– und denen, die die Komplexität der Welt und den Problemstau aushalten, und die mit Geduld um vernünftige, verträgliche Lösungen ringen.
– Zwischen West und Nahost geraten die ersteren in Konflikt miteinander, aber innerhalb eines Kulturkreises tragen auch die, die ggf mit Gewalt die „einfachen Lösungen“ wollen, einen Konflikt mit der zweiten Gruppe aus.
Das sind die Fronten, zwischen denen wir stehen. Als Anregung empfehle ich ein Interview mit dem tunesischen Filmemacher Nacer Khemir (von der Website Qantara, anbei). Auch wenn es sich im Wesentlichen auf tunesische Verhältnisse bezieht: Seine Essenz ist allgemeingültig. – Angela Paap


Der IS will sicher eine Konfrontation des Westens gegen die Muslime durch Terroranschläge provozieren. Der von Herrn Münkler gesuchte „zu interessierende Dritte “  des Terrors sind die bereits in Europa lebenden Muslime. Nur die Muslime vor Ort können sich sinnvoll auf die Seite des gewaltbereiten, kämpfenden Islam stellen. In europäischen Ländern mit sehr geringen Anzahlen von Muslimen, z.B. Slowakei, ist diese Art von Anschlägen sinnlos. Es gibt weder eine überharte Reaktion des Staates vor Ort, noch eine darauffolgende Solidarisierung der vor Ort lebenden Muslime, beides mangels Masse. Staaten mit geringen Zahlen von Muslimen können sich abschotten gegen Zuzug und sind und beiben dann kein erfolgversprechendes Ziel des Terrors. Unter dem Gesichtspunkt der Terrorabwehr ist die  abweisende Politik z.B. der Slowakei gegenüber Flüchtlingen intelligent. Länder mit bereits vielen Muslimen müssen aber nicht das Sicherheitsrisiko durch weitere Flüchtlingsaufnahme erhöhen. Eine Politik des Aufnahmeendes ist nicht unmenschlich, nicht uneuropäisch, nicht unsolidarisch, sondern schlicht nötig im Interesse der eigenen körperlichen Unversehrtheit, des eigenen Überlebens. – Dr. Ralf-Stefan Gärtner


Ich interpretiere Ihren letzten Artikel als Hilferuf. Die gute Nachricht: Ihnen kann geholfen werden. Sie beklagen sich, in den Medien mit verstörenden Bildern konfrontiert zu werden. Mein Tipp: Konsumieren Sie diese Medien nicht oder weniger; niemand wird dazu gezwungen. Und wenn Ihre Neugier Sie dazu zwingt, wissen zu wollen, was gerade am Ort des Geschehens passiert, meiden Sie Twitter (alle labern durcheinander, zu viele Halbwahrheiten oder Falschinformationen), meiden Sie das Fernsehen (“Experten” labern, obwohl es praktisch keine Informationen gibt). Lesen Sie ein paar Artikel in einem Nachrichtenportal und gehen Sie ins Bett (oder mit Frau Coen ins Hamburger Nachtleben). Und der ultimative Tipp, um gut informiert zu werden und nicht mit verstörenden (bewegten) Bildern in Kontakt zu kommen: Lesen Sie eine Zeitung! Lesen Sie die ZEIT! – Jörn Bullwinkel


Vielleicht gibt es einen Hoffnungsschimmer hinter dem ziellosen Morden, mit dem verlorene Seelen in einem letzten Aufflackern uns und sich unter dem Franchise-Label „IS“ vernichten: Auch für den fanatischsten Märtyrer verliert das Sterben für den Allah des „IS“ jeglichen Glanz, wenn es zur Exit-Strategie psychisch angeschlagener Einzelgänger wird. Wir können der Falle, die Herr Münkler beschrieben hat, entgehen und dieser vagen Hoffnung Raum schaffen, in dem wir ruhig, gesammelt und besonnen unsere Toten betrauern, unseren Rechtsstaat unterstützen, unsere Gesellschaft versöhnen und uns bewusst bleiben, dass wir alle vor dem Terror gleich sind: verletzliche Menschen. – Ingo Klamann


„Abschied tut weh“ schreibt Uwe Jean Heuser und macht seinem Unmut über die TTIP-Kritiker Luft. Ihre Sorgen um einen Abbau hoher und guter Umwelt- und Verbraucherstandards sieht er auf einer Stufe mit vorbehaltloser Globalisierungs-Kritik. Er spricht vom „globalisierungskritischen Europa“ und der „Fundamentalopposition“ gegen TTIP und unterstellt ihnen, den weltweiten Rückzug ins Nationale damit zu beschleunigen. Doch ist nicht am Ende das Gegenteil der Fall? Der Protest gegen TTIP ist nicht einer Globalisierungskritik entwachsen, geschweige denn einem Antiamerikanismus, wie einige behaupten. TTIP hat für so viel Kritik gesorgt, weil weder die Art und Weise der intransparenten Verhandlungen, noch die Inhalte des Abkommens bei den Menschen den Eindruck erweckt haben, dass sie etwas Gutes von TTIP erwarten können. Im Vorfeld der Verhandlungen wurden 520 von insgesamt 560 Lobbygesprächen mit Wirtschaftsvertreten geführt. Da kommt zu Recht die Frage auf, für wen dieses Abkommen gemacht wird – die Konzerne oder die Menschen. Zölle zu senken und technische Standards anzugleichen, ist für die meisten TTIP-Kritiker kein entscheidendes Problem. Wenn aber Umwelt- und Verbraucherstandards als Handelshemmnisse gebrandmarkt werden, die es abzuschwächen gilt, und dadurch das in der EU fest verankerte Vorsorgeprinzip unter Druck gerät, regt sich zu Recht Widerstand.
Daraus resultiert aber keine Ablehnung der Globalisierung, sondern der Einsatz für den Erhalt der hohen Umwelt- und Sozialstandards, die sich die Zivilgesellschaft mit Hilfe von Umweltorganisationen wie Greenpeace erarbeitet und erkämpft hat.
In Zeiten, in denen der Klimawandel durch Starkwetterereignisse seine Schatten voraus wirft, ist ein starker Klimaschutz unerlässlich geworden. Doch gerade der fehlt in TTIP. Befürworter verweisen oft auf die Absicht mit dem Abkommen einen „Goldstandard“ einrichten zu wollen, an dem sich alle zukünftigen Abkommen anlehnen werden. Was wir wirklich brauchen ist ein „Grüner Standard“, der Klima- und Umweltschutz fest etabliert. Sollten sich zukünftig, wie Uwe Jean Heuser behauptet, andere Länder wie China tatsächlich an unseren Standards orientieren, dann sollten es die richtigen Standards sein. Handel ist grundsätzlich wichtig und richtig, wenn er fair, nachhaltig und transparent organisiert ist.
Das Ende von TTIP ist kein Scheitern sondern eine Chance. Die vergangenen Monate zeigten, dass die Zivilgesellschaft sich in die Politik einmischen will: Die Menschen prangern an, was auf EU-Ebene nicht gut läuft und wollen es ändern, und zwar in seltener Einigkeit über innereuropäische Landesgrenzen hinweg. Das ist gelebte Demokratie im Sinne des Gründungsgedankens der Europäischen Union. So ein staatenübergreifendes Miteinander ist das beste Mittel gegen aufkeimenden Nationalismus. Daran kann man ansetzen – und eine EU schaffen, die gestärkt und gefeit vor nationalistischen Tendenzen aus dem TTIP-Debakel hervorgeht. – Matthias Flieder


Die Romane Th. Manns enthalten bestimmt keine Lehren, weder für die Zeitgenossen noch für „die heutige Übergangsperiode“.
Es fehlte nur noch die alte Deutschlehrerfrage: „Was will uns der Dichter sagen?“
In den letzten 50 Jahren habe ich den „Zauberberg“ sehr oft gelesen. Ich kann versichern, er spielt n i c h t „im heutigen Deutsch- land, in seinen Medien, seinen Netz-Kommentaren“. Auch unter Pegida-Demostranten entdecke ich nicht den bebrillten Schüler, den Kaufmann Wiedemann oder die anderen mir vertrauten Romanfiguren, die bei der großen Gereiztheit munter mitmischen.
Wer „das Neue schärfer betrachten“ will, sollte sich mit aktuellen fachwissenschaftlichen oder auch gehaltvollen journalistischen Publikationen befassen. – Karl-Heinz Eckert


Exzellente, sehr zum Nachdenken anregende Artikel in dieser Ausgabe (21.07.2016), besonders „Wutenbrannt“ von Bern Ulrich (S. 3) und „Erhitzte Zeiten“ von Gero von Randow (ibid.)!
Die Frage „was gibt uns jetzt Halt?“ beschäftigt mich ebenfalls sehr. Allen Orten scheint das Projekt der modernen, liberalen Gesellschaft gefährdet. Vielen Menschen erscheinen ‚Freiheit‘ und ‚Sicherheit‘ als mehr und mehr unvereinbare Werte.
Doch das ist falsch! Die Prinzipien, auf die sich unsere (westlichen) Demokratien stützen (, wie gut oder schlecht die diversen Gemeinschaften diese Werte jeweils auch zum Ausdruck bringen mögen,) haben sich in einem Jahrhunderte dauernden Ringen durchgesetzt, genau weil sie die besten Mittel sind, die wir gefunden haben, um die Freiheit zu schützen!
Betrachtet man moderne, demokratische Verfassungen, so bestehen sie aus fast nichts, das nicht die Funktion hat, die Freiheit JEDES Einzelnen, und damit der Gesellschaft als Ganzem, zu beschützen.
Ein Militär (auch wenn wir oft nicht so gerne darüber reden) hat die hauptsächliche Funktion, diese Freiheit DER BÜRGER nach Außen zu verteidigen. Nur daraus bezieht es seine Legitimation.
Die Polizei und die Gerichtsbarkeit dient der Sicherung UNSERER Rechte, UNSERER Freiheit, im Inneren – vor jeder Form von Rechtsbruch, ganz egal von welcher Seite. Vor Verbrechern genauso wie vor dem eigenen Staat und seinen Institutionen. Nur daraus beziehen unsere Rechtsorgane überhaupt erst ihre Legitimation.
Die Regierung, das Parlament, die Gerichte – sie alle dienen, in ihrer gewaltgeteilten, durch vielfältige gegenseitige ‚Checks-and-Balances‘ austarierten, Verfassung dem alleinigen Ziel, UNSERE Freiheit zu bewahren. Keineswegs immer perfekt, aber besser als jedes andere System, das die Geschichte bereits vorher ausprobiert hat, wie jemand mal sagte!
Wenn ich selbst mir das alles durch den Kopf gehen lasse, erscheint es mir fast wie ein Arsenal, eine Waffenkammer (vielleicht fällt jemand anderem ein weniger blutrünstiger Vergleich dafür ein.), angefüllt mit den effizientesten, nicht nur modernen, sondern über laaange Zeiten hinweg wieder und wieder erprobten ‚Waffen‘ der Freiheit, der Toleranz, der Würde des Menschen!
Sie funktionieren! Doch sie funktionieren nur, wenn wir niemals vergessen, dass die Grundlage ihrer Kraft das Prinzip der Freiheit jedes Einzelnen Menschen ist! Wenn wir anfangen zu denken, wir könnten mehr Sicherheit haben, indem wir beginnen, unsere Freiheit einzuschränken, beschädigen wir den Motor, der alle unsere besten Waffen antreibt! Die einzige realistische Form der ‚Sicherheit‘ ist jene, die auf Freiheit gegründet ist. Mehr vermeintliche Sicheheit vor Terroristen zu erkaufen, indem man den eigene Staat der Kontrolle entlässt, ist mehr als nur ein Widerspruch! Ein Staat kann so viel mehr Schaden anrichten, als ein paar einsame Irre!
Doch wenn wir das ‚Arsenal der Freiheit‘ richtig nutzen, wird selbst der größte Terror als ein bemitleidenswert dummes Toben ohnmächtiger Kleingeister enthüllt. Jedes verlorene Menschenleben ist eines zuviel, aber wenn wir uns einem Leben der Freiheit widmen, haben unsere einzelnen Existenzen, selbst die verlorenen, viel zu kurz geratenen, einen Sinn, den kein hohler Gewaltakt jemals widerlegen kann!
Zwei Dinge beschäftigen mich im Moment aber besonders:
1) Wenn wir anfangen zu bezweifeln, ob unsere Gesellschaften dem Terror und dem Chaos dieser Zeiten denn wirklich etwas entgegenzusetzen haben, müssen wir uns daran erinneren, dass wir die enorme Menge an Verbrechen und Anschlägen, die ohne unsere Rechtsorgane stattfinden könnten, gar nicht in unsere Rechnungen miteinbeziehen! Lange Zeit passiert nichts und wir denken, dass wäre auch so gewesen, wenn wir gar keine Polizei (, und die anderen Rechtsorgane,) gehabt hätten, weil wir die Dinge nicht sehen können, die sie verhindert haben. Dann passiert doch mal was, das unsere ‚Waffen‘ nicht verhindern konnten und wir fragen uns, ob diese ‚Waffen‘ uns überhaupt etwas nutzen.
Deswegen kommt es ganz entscheidend darauf an, dass wir uns alle klarmachen, wie viel sicherer wir schon alleine dadurch sind, dass wir dieses ‚Arsenal‘ einfach nur haben! Schon ein kleiner Blick in die Geschichte kann dabei sehr hilfreich sein!
2) Anstatt zu versuchen, ‚Freiheit‘ durch ‚Sicherheit‘ ersetzen zu wollen, und ‚Polizei‘ durch einen ‚Polizeistaat‘, sollten wir uns deutlich machen, dass wir immer noch diverse Möglichkeiten haben, unser Arsenal wirksamer zu machen, one dabei sein Grundprinzip zu beschädigen! Wir hören schon seit Beginn dieser neuen, unruhigen Zeiten, dass die Polizei (und sicherlich andere wichtige Bestandteile unseres ‚Arsenals‘) zu wenig Geld, Personal und Vernetzung hat, um ihren eigentlichen Job wirklich effizient zu machen. Aber das sind Probleme, die wir, als Gesellschaft, relativ leicht lösen könnten! Ähnliches gilt für alle anderen ‚Waffen‘ in unserem ‚Arsenal der Freiheit‘! Ich habe keine genialen Lösungen dafür, wie man ‚die Welt‘ befrieden könnte. Aber unseren eigenen Winkel davon zu verbessern, in dem wir uns besinnen und die enorme Lebendigkeit und Kraft unserer freien, demokratischen Gesellschaft mehr zum Leuchten bringen, scheint mir absolut machbar zu sein! Und wenn wir das in unserem Winkel schaffen, dann hätten wir doch auch bereits einen Teil der ‚Welt‘ als ganzem verbessert! – Daniel Glaubitz


Dass seit der Aufklärung Immanuel Kant`s die Gesellschaft immer blöder wird, lässt sich nicht nur in der Türkei feststellen, sondern auch bei uns. Siehe Zeit 31/2016 Seite 67 unten: (Muslimische Schüler verweigern ihren Lehrerinnen den Handschlag)
Nicht nur die Fragestellerin hat keine Ahnung, was Religion sei, sondern auch nicht der Lehrer.
Im Sinne Kant´s „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ kann Religion als solche nur so genannt sein (und dann innerhalb der Religionsfreiheit sich ausleben) , wenn sie zur Vereinheitlichung (und damit zur Gemeinsamkeit) aller Glaubensarten und damit der Menschen führt. Wie kann das angehen, wenn ein zur Vereinheitlichung führender Händedruck und damit ein Symbol der Gemeinsamkeit verweigert wird? Wer diesen Brauchtum zur Gemeinsamkeit verweigert, verweigert die Vernunft und damit die Religion. Zur Vernunftserweiterung empfehle ich allen ( und damit auch „Religionslehrern“ und „Islamwissenschaftlern“) obige Schrift. – Martin Pausch


War der Artikel eigentlich als Satire gemeint oder nur unfreiwillig komisch (Genauso wie übrigens das Original „Und ich sehe ihre Wut“)?
Ich bin „Lehrerin am Gymnasium“ und gehe mit meiner Tochter in die „Bibliothek“, um „Tilda Apfelkern“ zu hören. Die „dörfliche Bevölkerung“ hat einen „mittleren Bildungsabschluss“, die Kinder gehen in den Indoorspielplatz und tragen Shirts „mit Disney-Motiven“. Und selbstverständlich haben „die anderen Kinder“ auch alle mit sechs Jahren einen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer, stehen fassungslos vor „unserer Bücherwand“, und für ihre Eltern sind Autos natürlich Statussymbole.
Aber ich habe mir zugegeben auch nie Gedanken darüber gemacht, welcher „Schicht“ ich eigentlich angehöre. Vielleicht war das der Fehler.. – Sebastian Kusch


Der Gesetzgeber schreibt eine Abgasprüfung vor. Der Autohersteller konstruiert ein Auto, dessen technische Spezifikation
einschließlich der Steuerungsprogramme dafür sorgt, daß die Prüfung erfüllt wird. Mit der identischen Spezifikation wird das Auto dann in Serie auf die Straße gestellt. Nach allem was ich den Presseberichten entnehmen kann, hat Volkswagen in der Serie die Spezifikation geändert, so daß die Fahrzeuge der Serie den gesetzlich vorgeschriebenen Prüfstandsversuch nicht bestehen. Das nennt man dann Betrug und das wird entsprechend geahndet.
Ein Auto wird die auf dem Prüfstand ermittelten Verbrauchs- und Abgaswerte vermutlich im Straßenverkehr nicht erreichen.
Einfach weil die Betriebs-Bedingungen andere sind. Mein BMW 530D von 2006 war damals mit einem kombinierten Verbrauch von 6,7 Liter je 100 km gemäß ECE Zyklus angegeben. Auf den letzen 300.000 km mit diesem Fahrzeug habe ich im Durchschnitt 6,8 Liter Diesel benötigt. Freilich kenne ich zumindest einen Fahrer, der ein fast identisches Auto mit 10 Liter bewegt. Jetzt stellen wir uns mal vor, beide Fahrer führen auf der Straße einen Test mit begleitender Abgasmessung durch: Welchen Wert darf BMW dann angeben? Und welchen Wert würde ein anderer Hersteller – sagen wir mal Audi – angeben, wenn die Werte für etwa den A6 von zwei Fahrern ermittelt worden sind? Was ist dann ein fairer Vergleich? Wie soll ein noch so versierter Fahrer in realem Verkehr unter täglich anderen Bedingungen einen fairen Fahrzeugvergleich rausfahren? Ein fest definierter Prüfstandsversuch erscheint mir da sinnvoller. Jedenfalls kann nicht von Manipulation gesprochen werden, solange das Fahrzeug so auf die Straße kommt wie es geprüft wurde. Und damit den gesetzlichen Bestimmungen entspricht. Vielleicht brauchen wir in Zukunft andere Abläufe auf den Prüfständen, aber die Befolgung der aktuellen Praxis hat mit Trickserei erstmal nichts zu tun, auch wenn die Verbrauchswerte in Kundenhand oft abweichen. Das geht aus Ihrem Artikel für mich nicht klar hervor. – Reinhard Ludwig


 

 

14. Juli 2016 – Ausgabe 30

Ich verstehe nicht, was an einem kämpferischen Einsatz für Gleichberechtigung radikal sein soll. Sicher, einzelne Biographien wurden dadurch geschädigt. Wenn man aber bedenkt, wie viele Biographien durch Diskriminierung und Ungleichheit in der Gesellschaft beschädigt wurden, muss man das verkraften. Sie zeigen das im Artikel selbst, wenn sich Studierende gegen eine Statue zu Ehren des Kolonialisten Cecil Rhodes einsetzen, und dann Stifter ihre finanzielle Macht einsetzen, um gegen sie anzugehen.
Ich wünsche mir in der Zeit eine stärkere Repräsentanz der Gruppe der Diskriminierten – nachdem in früheren Ausgaben Autoren wie Josef Joffe und ein anonymer Autor (ich nehme an ein Mann) schon die Bewegung lächerlich machen wollten, haben Sie nun mit Professor Haidt wieder einen Kritiker zu Wort kommen lassen. In „Die Neuen Radikalen“ berichten die Autor*innen zwar auch über Protestierenden, es fehlt aber ein Artikel von ihnen. – Moritz Botts


Der Erfolg gibt, Falter hin, Falter her, dem portugiesischen Fußball und seinem König recht. So simpel ist das. Daher sollte weit weniger die Seleção das Objekt der Kritik(er) sein, sondern vielmehr diejenigen, die es trotz angeblich modernster Fußball-Qualitäten nicht geschafft haben, eine vermeintlich antiquiert (re)agierende, mittelmäßige Mannschaft an die Wand zu spielen, zumindest aber das entscheidende Tor mehr zu schießen. Und Tore, zumal so selten gefallen, sind, – nebst Selfmade-Allrounder CR7 selbstverständlich -, das Salz auch im häufig dargebotenen EM-Einheitsbrei gewesen.
Dass Portugal bei dieser Endrunde überdies das nötige Quantum Glück hatte, ist unbestreitbar und bekanntermaßen kein Zufall.
Gab doch der große Cristiano Ronaldo den Seinen höchstselbst von der Coaching Zone aus mit auf den finalen Weg: „Fortes fortuna adiuvat.“ – Matthias Bartsch


Damit zu argumentieren, dass Felix Mendelssohn-Bartholdy bei der Wiederaufführung von Bachs Matthäuspassion 1829 vieles gestrichen habe, die „Wutchöre der Juden“ aber nicht, taugt nicht als Argument: Felix Mendelssohn wurde zwar in eine jüdische Familie geboren, aber wie alle seine Geschwister christlich erzogen und protestantisch getauft. Seine Eltern konvertieren 1822 zum Christentum, drei Jahre später wurde Felix Mendelssohn-Bartholdy konfirmiert. Die Wiederaufführung der Passion setzte er 1829 also als protestantischer Christ durch. – Jutta Hartmann


Es tut einem gut , wenn man solche Zeilen ließt, die Sie niedergeschrieben haben. Ein einigermaßen intelligenter Mensch muß sich ja fragen dürfen, was sind das für Menschen, die uns mit Nachrichten versorgen.? Ich habe nur eine Erklärung dafür:
Nach dem „Marsch durch die Institutionen“, an gesellschaftlichen Schaltstellen in Politik und im besonderen in den Medien haben nach dem Epochenbruch der 68er Jahre Menschen Platz genommen, die eine Weltsicht vertreten, die eigentlich lebensfremd ist. Der Brexit hat das mal wieder ganz deutlich gezeigt. Selbst ein demokratisches Verfahren wird angegriffen, obwohl es nicht demokratischer hätte sein können, wenn der Souverän gewählt hat.
Damit zeigt sich besonders deutlich, was die Medienmenschen vom Volk halten. Nämlich gar nichts! Für mich war der Brexit ein Segen für ganz Europa. Es soll doch keiner ernsthaft glauben, das bei einen anderem Ergebnis, die Verantwortlichen in Brüssel und Straßburg jemals ihren Hintern bewegt hätten. Insofern können wir alle froh sein, daß es so gekommen ist. Wahr ist auch; die EU ist ein Saftladen, die vorwiegend von Deutschland dominiert wurde und wird. Der einzige Staat, der von der Einheitswährung profitiert hat, ist unser Land. Für die anderen Staaten war es der Niedergang.
Als Banker, der sein halbes Leben mit Devisen und sonstigen Wertpapieren zu tun hatte, weiß wovon er redet. Und noch ein Wort zu unserer Kanzlerin: Diese Frau ist völlig überfordert. Das ist alles keine souveräne Staatsführung. Sie hätte sich lieber als Nachfolgerin von Margot Käßmann bewerben sollen, dann hätte Sie uns viel Leid erspart. Das Sie nie von den Medien infrage gestellt wurde und die Wirtschaft zu ihr hält, ist sie unantastbar geworden. Das ist das eigentliche Übel. – Gunter Knauer


Ich bin Deutscher – also Europäer – was uns allen von der Politik zugemutet und förmlich aufgezwungen wird ist „bemerkenswert“.
Nach Irrland, Griechenland, Spanien, Portugal – kommt nun auch Italien. Die deutsche Finanzkrise führte zu der Aussage Frau Merkels: Die Chefs der deutschen Banken sollen sich mit einem Jahresgehalt von € 500.000,00 zufrieden geben. Für jemanden der Milliarden verzockt und keinerlei Risiko trägt – nicht schlecht!
Die deutschen Bank-Chefs verdienen ( ? ) jährlich trotzdem Millionen und betrügen straflos weiter. Die Chefs der italienischen Banken machen es nicht anders. Die küngeln da wie hier. Die EU hat inzwischen angeblich gelernt – wenn die Politik, hier wie da, sie nicht eines Besseren belehrt. Ist doch viel eleganter noch einmal die EU-Bürger zahlen zu lassen! Wo die Eliten sich an keine Regeln halten – wen wundert es dann noch, wenn Europa zum Bananen- Europa mutiert? Konsequentes Handeln ist angesagt – in allen Feldern der Politik und der Wirtschaft. – Manfred Kühling


Ich dachte, das Maxim – man höre der Name – Biller nach dem Interview mit Adam Sobocynski in der Zeit Nr. 11/2016 über sein Buch „Biografie“ und der Kritik der immanenten Beschreibungen von Aggregationszustaenden von Penissen, Wirkung von Peitschenhieben, uvm. in seiner, wie in einem Leserbrief zur Buchbesprechung zutreffend beschrieben, arroganten bis feindseligen Art, mit persönlichen Herabwürdigungen nicht mehr steigerungsfähig ist. Doch dies hat er nun in seinem Beitrag über die „Neue Linke“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wenn er über Sahra Wagenknecht schreibt, dass “ deren Talkshow – Dauerabo, möglicherweise auch damit zu tun hat, dass Talkshow – Redaktionen am liebsten dressierte Papageien einladen und keine denkenden Menschen“. Lässt sich Herr Biller nicht auch gern in die Talkshow “ Literarisches Quartett “ einladen, um sich treu zu bleiben? Wie heißt es im oa. Leserbrief: “ Herr Biller braucht psychotherapeutische Hilfe. Er ist mit sich nicht im Lot“. Dem ist nichts hinzu zu fügen. – Jürgen Niebuhr


Sie titeln diese Woche mit der „ansteckende[n] Wut“ (in Bezug auf Amerika), und viele Ihrer Leserinnen und Leser haben wie viele Ihrer Redakteurinnen und Redakteure in den letzten Monaten bestürzt über Verschärfungen des Tons in der öffentlichen Debatte, in den Netz-Foren und in den politischen Auseinandersetzungen berichtet. Hier sind gerade Standards, Grenzen und Hemmschwellen in Bewegung geraten, und dies macht vielen Menschen Bedenken. Ich glaube für viele Ihrer Leserinnen und Leser zu sprechen, wenn ich vermute und vielleicht sogar erwarte, dass die Verantwortung der Presse hier entscheidend ist, hier haben Sie Vorbildfunktion, Möglichkeiten und Zugänge, die besonders wertvoll und bedeutsam sind. Einige Medien haben sich hier klar positioniert, einige fördern die Verschärfung der Tonlage, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ich würde mir aber wünschen und vielleicht sogar erwarten, dass die ZEIT hier eine mäßigende Rolle spielte. Bei allem Verständnis für Polemik und Polarisierung: Wenn die besonneren Stimmen in der Gegenwartspublizistik (wie Ihre frühere Autorin Carolin Emcke) schon eine „links-terroristische“ Kolumne zugeschrieben wird, wenn die Kritik an Hass und Gewalt selbst schon unter Verdacht steht, sind doch Maßstäbe auf eine Weise verrutscht, die jeden weiteren Zug in der Debatte und Diskussion erschwert, die an der unpassendsten Stelle personalisiert und gerade nicht versachlicht und die — entscheiden Sie selbst — wohl auch die basalen Gebote der journalistischen Fairness und des Respekts vor Personen verletzt. Das könnte man wollen, und mit solchen Wirkungen könnte man spielen wollen, gerade zur Zeit. Sie sollten es nicht tun. – Martin Saar


Maxim Biller schildert im ersten Teil des Artikels durchaus eindrucksvoll, welche Traumata zu diesem eigentümlich polemischen Text führten. Differenzierung kennt er nicht; alles wird zusammengerührt, so mancher diffamiert, sogar Geschichte verfälscht: Wo ist der Beleg für einen massenhaften Zustrom aus der KPD zur NSDAP? Und was er den Linken vorwirft, praktiziert er selbst: Er allein weiß alles besser. Man muss nicht alles gut finden, was die Linke so treibt. Aber was bleibt denn, wenn CDU/CSU, SPD und GRÜNE kaum noch unterscheidbar sind? Soll als Alternative dann nur noch die AfD sichtbar sein? Darf wirklich niemand linke Utopien in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen? Ich finde ehrliche und gründliche Auseinandersetzung mit der Linken wesentlich interessanter als diese aus sehr persönlicher Sicht geschriebene (und aus dieser Sicht vielleicht auch gerechtfertigte) Rundum-Diffamierung (die eher wie eine therapeutische Aufbereitung der Probleme des Autors wirkt). „Die Zeit“ zeigt immer wieder, dass das geht (z.B. Katja Kipping im Gspräch mit dem Bischof – letzte Ausgabe) – und das steht ihr besser. – Dr. Georg Biegholdt


Was spricht dagegen, dass der Bürger mehr Einfluss auf die Entscheidungen der Politi erhält – nicht nur einmal je Legislaturperiode. Im Gegensatz zu sogenannten Experten, Unternehmensverbänden, Gewerkschaften, Lobbyisten und vielen anderen Interessenvertretern hat der gemeine Bürger nur über entsprechende Initiativen die Möglichkeit, einzelne Themen, die nicht direkt zur Wahl stehen, zu beeinflussen. Die Lobbyisten agieren in der Regel mit viel Geld und beeindrucken durch Experten. Aber garantieren Experten vernünftige Entscheidungen? Zu jedem Thema lassen sich Experten finden, die gegensätzlicher Meinung sind. Selber bin ich Mitglied in einer Bürgerinitiative gegen die Feste Beltquerung. Sieht man dort hinter die Kulissen wie Entscheidungen manipuliert und beeinflusst werden und mit wie wenig Hintergrundwissen einige Politiker agieren, kann ich nur sagen, dass es hoffentlich bald mehr Möglichkeiten der direkten Demokratie gibt. Ich glaube nicht, dass die Politiker weniger empfänglich für Plattitüden sind als die Bürger. – Stephan Pries


Christian Lindner spricht mir aus der Seele, wenn er die Mischung aus überbordender Bürokratie und mangelnder Innovations-bereitschaft anprangert. In meiner Heimatstadt Dortmund ist es inzwischen soweit, dass die Bürgerdienste vor dem – selbst erzeugten – Ansturm kapitulieren und die ersten Bürger vor Behördengängen bereits vor dem Amt campieren, um Überhaupt eine Chance zu haben mit einem Mitarbeiter sprechen zu können. Der Stand der Technik gäbe es längst her, die allermeisten Angelegenheiten vom Sofa aus zu erledigen. Selbst die Steuererklärung, die wie Lindner völlig richtig ausführt immer noch ein mehrjähriges Studium des Steuerrechts erfordert, lässt sich immerhin online einreichen. – Andreas Zabel


Es ist sehr ehrenwert, wie Sie sich in Ihrem Artikel selbst in der Vorurteilsfalle ertappen. Das ist gut gemeint, schützt aber nicht vor Kritik im Detail. So versuchen Sie dem Publikum nahezubringen, was Frau Gören da so angestellt habe, komme „dem biblischen Gebot, einem Angreifer auch die andere Wange hinzuhalten, ziemlich nahe.“ Diese Aussage verwundert: Dabei sind Sie doch eigentlich über das Geschehen, soweit es bekannt ist, informiert. Frau Gören hat ja keineswegs den Tätern „die andere Wange hingehalten“ (was hätte das konkret bedeutet?), sondern hat deren Täterschaft geleugnet und andere beschuldigt. Damit hat sie die Täter geschützt und den Verdacht potenziell auf Unschuldige gelenkt, weil nicht sein durfte, was Görens Weltbild widersprach. Christlich ist das nicht. Wenn das Bedürfnis, die Bibel zu bemühen, schon so mächtig ist, dann hätte hier die Geschichte vom barmherzigen Samariter eher gepasst: Hier haben wir es tatsächlich mit dem Gegensatz von Ideologie und Feindbild einerseits, der Wirklichkeit andererseits zu tun.

Zwischendurch sieht es in Ihrem Artikel allerdings auch mal so aus, als meinten Sie mit der christlichen Tat den Brief an den unbeteiligten Flüchtling. Da wird’s dann vollständig konfus: Soll man den Unbeteiligten denn als  „Angreifer“ in Ihrer Bibelbildsprache verstehen? In was für ein Vorurteil sacken Sie denn da, kaum genesen, wieder ab? Und was den „schweren inneren Konflikt“ angeht: Wer sich seine Welt mit Ideologiewänden vollstellt, dem tut es ganz gut, wenn er sich daran mal  blaue Flecken holt. Aber meistens sind ja andere die Leidtragenden.

Es hilft nichts: Frau Gören eignet sich als Zeugin für das Feindesliebe-Gebot so wenig wie der Fall Lohfink – da hatte die ZEIT ganz recht – als Modellfall des neuen Sexualstrafrechts. – Helmut Jüngling


Oh , ein Vernichtungsfeldzug ! Unzählige Hingemähte einer gewissen linken Generation, von der sieben (!) Köpfte am Rande der Walstatt aufgespießt sind. Rache, legitimiert durch ein stalinistisches Familientrauma ? Für mich mit früherer (aber auch nicht zu früher) Geburt Begnadeten ist dieser immerhin ganzseitige Beitrag die Hasspredigt eines (zu) Spät-Geborenen, eines tragischen Helden, dessen Klarsicht sich dem öffentlichen Diskus einfach nicht recht mitteilen will. Den Autor mit Kurt Tucholsky zu vergleichen (zu entschuldigen), dürfte allerdings zu viel der Ehre sein. Nähe stünden da Matthias Walden, H.M. Broder und Michel Friedman etwa. Hinter deren plastifizierenden Moralien, Wundertüten und rhetorischen Selbstverliebtheiten
findet sich auch meistens „kein Standpunkt“, wie die 68er gesagt hätten, aber ebenso so viele Widersprüche wie bei den Linken.
Allerdings lässt sich der Beitrag auch als Klage eines Propagandisten lesen darüber, dass das Amerika der Teaparty, der Bushs und Trumps und das Israel eines Nitanjahu die europäische Linke immer noch nicht davon überzeugt haben, wo Gut und Böse zu Hause sind. – DIE ZEIT als Klagemauer hat was ! – Wolf Schroedax


Schon wieder die Banken retten? Unter dieser fragenden Überschrift veröffentlich DIE ZEIT je eine Pro- und Contra-Meinung. Allerdings habe ich beim Autor des Pro-Beitrages Zweifel, ob er seine Meinung auf einer konkreten Berechnung entwickelt hat oder ob nicht auch er eine vorgefasste Position dazu einfach zu begründen versucht. So stehen in dem Text einige unbewiesene Behauptungen, auf denen sich seine Argumentation aufbaut.
Zum Beispiel heißt es, die Regel, dass nie wieder Steuerzahler für Eskapaden der Banker geradestehen müssen, sei ein Problem! Sie sei ökonomisch falsch und politisch töricht. Wieso eigentlich? Die Erklärung dafür findet sich nirgendwo in seinem Text. Dann kommt ein Rechenbeispiel: Die Sanierung der italienischen Banken würde 28 Milliarden Euro kosten, das seien gerade einmal 1,7 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Wenn es sich um so geringe Beträge handelt, wieso dann die ganze Aufregung? Und außerdem, führt der Autor Mark Schieritz weiter aus, ließe sich am Beispiel der USA nachweisen, dass man durch den Ankauf von Bankenanteilen durch den Staat, später, wenn sich die Lage beruhigt hat, diese sogar mit Gewinn wieder verkaufen kann. Das sieht ja so aus, als müsste sich der Staat regelrecht freuen, Banken retten zu dürfen. Jede Bankenkrise wird so zum Gewinn für den Staat. Ich fürchte, diese Logik lässt sich schwer vermitteln. Nun hält er sogar die Abwicklung der Banken nicht nur wirtschaftlich für nachteilig, nein, sie sei sogar hochriskant. Und dann kommen eine Reihe als Argumente getarnte Behauptungen: Panik in den Finanzmärkten bräche aus, weniger Kredite würden vergeben, der Staat nähme weniger Steuern ein und, natürlich, die Firmen würden Stellen streichen. Wer das will, der spielt mit dem Feuer, heißt es. Für keine dieser apokalyptischen Aussichten gibt es eine nachvollziehbare Begründung. Schließlich würde die Weigerung, die Banken mit Steuergeld zu retten, die europakritische Bewegung „Fünf Sterne“ an die Macht führen. Ein Resultat, neben dem der Brexit ein Spaziergang gewesen wäre und die Griechenlandkrise eine Aufwärmübung. Keine einzige Zahl, die das irgendwie belegen könnte ist im Text zu finden. Keine konsequente gedankliche Entwicklung, die diese Schlüsse unwiderlegbar machen würde. Die Bankenrettung hätte ihren schlechten Ruf, weil sie als alternativlos galt. Doch sie hätte eine Alternative, nämlich den Abgrund. Was ja heißen soll, sie ist doch alternativlos. Und was der Abgrund ist, bleibt auch unbeschrieben. Abgrund ist ja nur ein auf angstmachende Emotion ausgelegtes Wort. Wenn man den Abgrund beschreiben würde, wäre er ja auch vermeidbar. Aber das ist eine Spezialität des Meinungs-Journalismus – immer eine Konklusion zu finden, die gar nichts sagt. So bewegt sich ein Kommentar in Richtung Hetze.
Ich finde, dieser Beitrag ist einfach unter dem Niveau Ihrer Zeitung. – Thomas Kaubisch


Wenn die Regel „ökonomisch falsch“ oder „politisch töricht“ sein soll, wie Herr Schieritz meint, dann muss eben die Regel geändert werden. Gerade die häufigen Regelbrüche (wie auch die mangelnde Sanktionierung von Verstößen gegen Defizitgrenzen) macht die Einhaltung des Rechts so beliebig, so dass Bürger den Glauben an Spielregeln verlieren und letztlich zu Wutbürgern werden können (siehe auch Ihr Artikel auf Seite 3). – Hans Hardenberg


Was war denn das?! Eineinhalb Seiten in die Zeit für jemanden, der ganz offensichtlich in der Aufarbeitung seiner Adoleszenz mit der „neuen“ Linken den Schuldigen für alle Übel der Welt erkannt zu haben glaubt, und außer Plattitüden, Verallgemeinerungen und persönlichen Verunglimpfungen argumentativ nichts zu bieten hat, als schlussendlich die Selbstoffenbarung mit der Aussage: „offenbar fällt es Menschen in komplizierten Zeiten besonders leicht, sich das komplizierte ganz einfach vorzustellen“. Das war zu einfach, Herr Biller. – Dr. Mathias Hein


Bedauerlicherweise fehlt in diesem Artikel eine Anleitung, woran man bei einem Thema, von dem man selbst nichts versteht, die eher ahnungslosen „Experten“ erkennt. Verhältnismäßig einfach ist es, wenn in einem Artikel steht „Experten meinen …“ ohne auch nur einen namentlich zu nennen. Dann ist das vermutlich ein pluralis majestatis für den „Journalisten“, der den Quatsch verbrochen hat. Eine zweite Möglichkeit ist, wenn Name und Beruf des „Experten“ angegeben werden und dieser z. B. als Arzt zu Fragen der Kernenergie zitiert wird oder als Hausmeister zu Fragen der Makroökonomie, zu erkennen, daß da nur eine ziemlich unmaßgebliche Meinung und kein Wissen dahinter steht. In allen anderen Fällen ist es ziemlich problematisch. Es ist aber sehr erfreulich, daß Sie diesen Punkt einmal klar angesprochen haben. – Fritz Kronberg


Ihrer Situationsbeschreibung zur Lage innerhalb der Deutschen Islam-Konferenz DIK kann man nur zustimmen. Weil die vier Islamverbände nur 20% der hier lebenden Muslime vertreten, ist deren wirkliche Bedeutung zu relativieren. Immerhin verfügen die Verbände über die argumentative Lufthoheit, die den Eindruck erweckt, als würden sie für alle Muslime sprechen. Die Widersprüchlichkeit, in der die Muslime in Deutschland ihrer Religiosität nachgehen, kommt m. E. zu kurz und erfordert einige ergänzende Betrachtungen: Nirgendwo finde ich die knallharte Feststellung, dass eine 100%ige Ausübung des streng muslimischen Glaubens unter Berufung auf unsere Religionsfreiheit per se nicht möglich ist, weil unser Grundgesetz und unsere Verfassung den äußeren säkularen Rechtsrahmen bildet, der von keiner Religion dieser Welt überschritten werden darf. Er regelt u. a. die Unabhängigkeit von Legislative, Judikative und Exekutive. Es dürfte bekannt sein, dass für einen tief gläubigen Moslem auch das religiöse Recht, die Scharia, ebenso zu seinem Glauben gehört, wie die religiös begründete Lebensweise, die wir mit dem negativ besetzten Schlagwort „Patriarchat“ bezeichnen. Theoretisch müsste aus unserer Sicht ein solcher „fundamentalistischer“ Islam besser als „Glaubenssystem“ bezeichnet werden, denn sein Anspruch sprengt unseren Begriff von Religionsfreiheit gewaltig. Er stellt mit diesem Glaubenssystem die freiheitlich-demokratische Grundordnung infrage, würde es gesamthaft in das viel zu enge Verständnis hiesiger Religionsfreiheit hineingepresst werden.
Sieht man von den kämpferischen Dschihadisten und Konvertiten einmal ab, müssten eigentlich unter den ca. 4 Mio. Muslimen wegen Beschneidung ihrer Religionsfreiheit heftigste religiöse Unruhen ausgebrochen sein. Aber offenbar hat sich schon längst ein gewisser Euro-Islam unter Anerkennung unseres Rechtsrahmens etabliert, und die meisten Muslime haben sich mehr oder weniger integrierend der europäischen Lebensweise angepasst. Dagegen steht allerdings die kürzlich vorgenommene Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung unter Muslimen, wonach für diese zu 60% eher das islamische Recht bindend ist, als unser säkularer Rechtsrahmen. Trotzdem dürfte den Verbänden an der abdriftenden Religionsentwicklung nicht gelegen sein. Daher reagieren sie auf die Forderung der Bundesrepublik nach aktiv-progressiver Gestaltung des Islam im Rahmen einer säkularen Leitplanke vom beleidigten Opfer bis hin zu aggressivsten Unterstellungen. Dabei könnten sie von der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland lernen, die seit 1920 existiert und 2013 den begehrten Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) und somit Kirchenstatus erhielt. Allerdings wurde die Bewegung aus sunnitischer Sicht sogleich als häretisch bezeichnet. Jetzt stehen sich die Islam-Verbände selbst im Wege. – Hans-Ulrich Jüttner


Maxim Biller hat starke Vorbehalte gegenüber zahlreichen Einzelpersonen und Gruppen. Ihn stören die Augenbrauen von Sarah Wagenknecht und vieles mehr. Er wirkt mental verdüstert, was natürlich unser Mitleid verdient. Nur, warum sollte dieser Beitrag lesenswert sein? – Manfred Lütkepohl


Sie ironisieren die Tragik von Mario Götze, der zugegebenermaßen nach seinem Siegtor gegen Argentinien vor zwei Jahren nicht viel Gescheites mehr zustande gebracht hat. Man kann diesen „Abstieg“ aber auch so sehen, dass er der perfiden Einkaufspolitik von Bayern München (BM) zum Opfer gefallen ist; diese besteht nämlich darin, erfolgsgarantierende Spieler der Hauptgegner in der Bundesliga, derzeit solcher von Borussia Dortmund, zunächst wegzuwerben und zu -kaufen und sie dann aufs Abstellgleis zu stellen, um sie dort fußballerisch „verhungern“ zu lassen. Je jünger solche Spieler sind, umso schwerer können sie den hohen Summen, die BM verspricht und zahlt, charakterlich widerstehen; das ist menschlich durchaus verständlich. – Volker Morstadt


Dass sich Herr Schieritz für eine amoralische Handlungsweise bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen ausspricht, zeigt den Grad seiner Entfremdung von all dem an, was menschlichen Geist ausmacht. Diese leider übliche kapitalistische Auffassung der Zweck heilige die Mittel ist als kurzfristige Nutzen-denke die Ursache fast aller Weltprobleme, sie macht den Menschen zum Spielball seiner eigenen Unfähigkeit. Wie schon Adorno feststellte „ Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. – Wolfgang Clausmeyer


Ein hervorragender Beitrag zur Bildungsforschung ! M.Biller beweist auf eindrückliche Weise, daß es offensichtlich einem (!) unfähigen Lehrer aus der 68-er Generation gelungen ist, daß einer seiner Schüler dann doch in der „ZEIT“ publizieren darf. Und das, obwohl (oder weil) er weder richtig denken, plausibel formulieren und zivilisiert über seine Mitmenschen (C.Ehmke) urteilen kann.
Man möge ihm das 2 Seiten weiter besprochene Buch über Sokrates zu lesen geben. Vielleicht denkt er dann einmal darüber nach, was es bedeutet, aus Hass heraus zu schreiben. – Lutz Keil


Ihre eloquenten Ausführungen zu obigem Thema verdienen in jeden Fall eine Erwiderung.  Wozu, wenn nicht als Konsequenz aus der Griechenlandkrise hat sich die EU für den Fall einer erneuten Bankenrettung jetzt selber ein eindeutiges Regelwerk gegeben, nach dem in einem solchen Fall zunächst Gläubiger, Aktionäre, die Bankenindustrie und erst danach der Heimatstatt der gestrauchelten Bank zur Kasse gebeten werden können ?!.
In Zeiten wie den augenblicklichen, in denen die EU dramatisch um Akzeptanz und Glaubwürdigkeit ringt, dürfte es daher von zentraler Bedeutung sein, dass dieses Regelwerk dann auch – so schmerzlich es dann  möglicherweise im Einzelfall auch sein dürfte –  eingehalten und und umgesetzt wird. Die Überlebenschancen  einzelner Politiker sollte dabei allenfalls nur eine nachgeordnete Rolle spielen.
Zugleich würde die EU damit auch der europäischen Bankenindustrie zeigen, dass sie es mit ihrem eigenen Regelwerk ernst meint und dieses nicht sofort beim ersten erneuten Hüsteln einer Bank eilfertig aussetzt und erneut Steuermilliarden  bereit stellt, um das Mißmanagement in dieser Branche auzugleichen. Nach dem Motto „wäret der Anfängen“ ist hier daher leider Konsequenz von der Politik gefordert. Ein erneutes „Beide Augen zu drücken“ würde vermutllich genau das Gegenteil bewirken, und den Hasardeuren in den Banken das Gefühl vermitteln, dass sie im Zweifel doch wieder mit „Staatsknete“ gerettet werden. – Christian Puttkammer


Politische Auseinandersetzungen können nur politisch geführt werden und das bedeutet, dass die Sichtweisen oder sogar Argumente der zur Kritik Stehenden ebenfalls argumentativ kritisiert werden. Jetzt lesen wir in der ZEIT eine Art von Sudel- und Pöbelattacke gegenüber einigen Linken, die den Autor dieser Posse ganz offensichtlich mächtig nerven. Im Kern wirft er ihnen einen mehr oder minder autoritären Erziehersozialismus vor. Der Vorwurf kann in Einzelfällen sogar berechtigt sein, aber diese Auseinandersetzung findet in der Sache nicht statt, weil der Autor – den ich nicht kenne – ad personam geht und die zu Kritisierenden persönlich mit Schmutz bewirft. Eine intellektuelle Auseinandersetzung mit der modernen Fassung des traditionellen Erziehersozialismus sieht anders aus. Lässt die ZEIT jetzt ihren journalistischen Nachwuchs ohne jede Qualitätsnorm einfach drauflos schwafeln? Die ZEITgibt sich doch sonst intellektuell anspruchsvoll. – Michael Wendl


Die Verwerfungen der amerikanischen Gesellschaftsschichten sind sicher auch darauf zurückzuführen, dass der mit dem Slogan „Gods own country“ verbundene Anspruch schon wegen der damit verbundenen Abgrenzung gegenüber anderen zumindest langfristig nicht haltbar ist und folglich Leerstellen hinterlässt. Wie also damit umgehen? Wut ist jedenfalls ein Ausdruck von Frustration darüber, dass die alltägliche Wirklichkeit nicht mit dem idealisierten Gedankenkonstrukt, das man sich zur Selbstbestätigung zurechtgelegt hat, übereinstimmt. Wut stellt also ein Reaktionsmuster auf Ignoranz dar. Aus der folgt Arroganz, und die schafft sich ihr Ventil in verschiedenen Ausformungen von Gewalt, die wiederum mit der selbst induzierten Wut versucht wird zu rechtfertigen: ein Teufelskreis in Gods own country. Die Welt sollte sich davon nicht anstecken lassen. – Christoph Müller-Luckwald


16 katholische Kirchen samt zugehöriger Dörfer wurden schon dem Braunkohlenbergbau geopfert, weitere sieben sollen folgen – zum Schaden des Weltklimas und zum Wohle der RWE- Aktionäre. Wo bleibt der massive Protest der katholischen deutschen Bischofskonferenz? Haben die 27 geistlichen Herren Angst vor den beiden weltlichen Damen Kraft und Merkel? – Dr. Peter Dodel


Das Wichtigste vorweg: Der Staat sind wir! Wir gestalten unser Gemeinwesen. Wir, unsere Väter und Großväter (für die political correctness: hier sind natürlich auch unsere Mütter und Großmütter gemeint) haben in den letzten Jahrzehnten eine pluralistisch-demokratische Gesellschaft aufgebaut, die überaus attraktiv für Menschen aus aller Herrn Länder zu sein scheint.
Und Sie propagieren, in bester populistischer Manier a la D. Trump, den „Staat“ als Feindbild, der für eine angeblich tägliche Misere des unbescholtenen Bürgers verantwortlich sei? Ich weiß ja nicht, wie oft Sie online-Bestellungen tätigen und damit zum täglichen LKW-Aufkommen auf den Straßen und Lieferverkehr in den Städten beitragen? Ich weiß aber, das alte Neoliberale-Credo der FDP vom „schlanken Staat“ und „der Markt wirds schon (irgendwie) richten“, hat erheblich zum massiven Personalabbau und Stillegung vordergründig unrentabler Strecken bei der Bahn beigetragen.
Und auch noch die „Erfolgsstory“ der Überlandbusse ausgelöst. Konsequenz: Überfüllte Züge, Verspätungen, noch mehr Verkehr auf den Straßen, etc. Nun soll also am Ausbau des Internets unser Gemeinwesen genesen? Da verspüre ich doch deutliche Zweifel, ob die Renaissance der FDP mit diesem einfachen politischen Programm Erfolg haben wird. – Dr. med. Th. Lukowski


In hervorragende Weise sind Sie ihrer Funktion als Lobbyist nachgekommen (Beirat/Mitglied u.a. bei der Goldmann Sachs Foundation, dem International Institute for Strategic Studies und der Münchner Sicherheitskonferenz). Wie bedenklich hat doch Russland in den letzten Jahren aufgerüstet! In deulich vereinfachender Weise belegen sie dies durch ihre Zahlen und Fakten. Ein paar Anmerkungen zur Validität ihrer Beispiele. Es ist ein cleverer Schachzug die Zahl der „deutschen/gesamtdeutschen“ Soldaten für Anfang der 90-ziger Jahre (585.000) einfach über die Addition der Mannschaftsstärke der Bundeswehr (1985 477.000) und der Mannschaftsstärke der Nationalen Volksarme (1989 84.000) zu ermitteln. Die folgende Reduzierung der Mannschaftsstärke der gesamtdeutschen Truppe ist dann, unabhängig von realen Gründen, natürlich dramatisch und bedenklich. Mit gleicher, manipulativer Absicht nutzen sie die Angaben zu den Anteilen der Rüstungsausgaben an der Wirtschaftsleistung zum Beleg ihrer Position. Ein Militärbudget Russlands mit einem Anteil von 5,5 % der Wirtschaftsleistung ist natürlich sehr viel bedrohlicher als die Reduzierung des Rüstungsanteils der USA an deren Wirtschaftsleistung um die Hälfte (von ca. 6 auf ca. 3 %). Real betrachtet ergibt das derzeit Rüstungsausgaben für die USA von ca. 510 Milliarden $ (entsprechend 3 % eines GDP von ca. 17.000 Milliarden $) und Rüstungsausgaben von ca. 82 bis 132 Milliarden $ von Russland (entsprechend 5,5 % des GDP je nach Quelle zwischen ca. 1500 bis 2400 Milliarden $). Diese Betrachtung ergäbe dann möglicherweise ein anderes Bild. Gerade in einer Zeit in der vereinfachende populistische Meinungen das Bild in der Öffentlichkeit zunehmend prägen (AfD, Trump, LePen) wäre eine differenzierte Diskussion anzustreben. Ihr Beitrag zu der relevanten Frage der militärischen Stärke Russlands ist unter diesem Aspekt eher vernachlässigbar. – Dr. Gerhard Volland


Es tut mir leid, dass Sie so miserable Lehrer hatten und sich in Folge mit den undemokratischen, dogmatischen und verbohrten Studenten der 68 iger Jahre herum schlagen. Seit damals hat sich die Welt wahrlich rapide verändert und vieles davon, was uns heute bestimmt, war nicht vorstellbar. Ob sie besser oder schlechter wurde möchte ich nicht feststellen, aber dass diese kleinen Splittergruppen sie nicht mitbestimmt haben, schon. Daher frage ich Sie, wie kommen Sie zu ihren zynischen, bissigen, abwertenden und wenig differenzierten Rundumschlägen? Sie verfallen im Text ähnlichen Denkmustern und verbalen Mechanismen, die Sie kritisieren und geißeln. Ist es die Enttäuschung über die überschätze Wirkungslosigkeit oder wollen sie einfach dazu gehören? Sie haben jedenfalls sehr viel Platz bekommen für Ihren Ärger! Zu den „wahrhaften Bürgern“, wie sie in der exzellenten Buchbesprechung über Hanna Arendt von Michael Hampe auf Seite 43 beschrieben werden, zähle ich sie jedenfalls (noch) nicht! – Margot Scher


Herr Lindner hat sich ja einen tollen Vergleich einfallen lassen:
ESTLAND. Es sollte auch einem Vorstzenden der FDP einleuchten, dass man ca. 1,3 Millionen Einwohner relativ leicht mit Internet usw. versorgen kann. Außerdem ist Estland nicht unbedingt als wirtschaftlich herausragendes Land bekannt. Damit will ich keinesfalls die dortige Bevölkerung erniedrigen, sondern auf die Unsinnigkeit des gewählten Vergleichs hinweisen. Den „Zeitdiebstahl“ durch den Staat vermag ich nicht nachzuvollziehen, hat doch heutzutage nahezu jeder ein Smartphone in der Tasche, mit dem sich auch in einem Warteraum allerhand sinnvolles anstellen lässt. Tatsächlich geht es Herrn Lindner wohl darum, mal wieder gegen Umverteilung zu wettern, wobei sich der erfolgreiche Großgründer daran erinnern sollte, wer denn den größten Teil der von ihm verursachten Verluste getragen hat. Es war ja wohl die KfW, und deren Geld stammt aus der Umverteilung. Ebenso könnte Herr Lindner nicht über ein ansehnliches Einkommen verfügen, gäbe es keine Umverteilung. Fazit: Er nervt! – Karl Heinz Noack


Was hat Sie bewogen, solch eine niveaulose Abrechnung gegenüber den “ Mitte-Links- Deutschen“ abzudrucken? Man manchen Stellen habe ich den Eindruck gewonnen, Herr Biller hat jegliche politische Orientierung und Haftung verloren. Völlig durchgeknallte, wohl witzig gemeinte zynische Wortkombinationen ( “ liberal-terroristische(!!)- Das Wort zum Wochenende-Kolumme“ von C.Ehmcke, J.Augstein als „antiaufklärischer Geist des Mitte-links-Denkens, Verteidiger von Mindestlohn, Hamas und Putin“) sind nichts anderes als wirklich bösartige Diffamierungen.
Und es ist unerträglich, dass jede nun wirklich berechtigte Kritik an der israelischen Politik unter Netanjahu immer sofort als “ Antisemitismus“ gebrandtmarkt wird ( Untertitel des Artikels “ Israel wird den Antisemiten preisgegeben“). Seine Aussagen über den sogenannten “ Historikerstreit“ in den 80 er Jahren ( Nolte-Kontroverse) sind nachweislich falsch, aber sie zeigen seine fast schon krankhafte Besessenheit gegenüber allem, was sich irgendwie „links“ versteht. War das wirklich nötig, liebe “ Zeit-Redaktion“ ?
Ich halte übrigens die Positionen von Herrn Zizek, die von Herrn Varousfakis und die von Frau Wagenknecht ebenfalls für unhaltbar, aber ich setze sie nicht mit einem “ Erschießungskommando des neuen NKWD“ gleich. – Friedhelm Horn


Was tut man nach der Lektüre von Maxim Billers Artikel ‚Die >neue< Linke‘? Man blättert um und liest die Buchrezension von Michael Hampe zu den politischen Essays von Hannah Arendt. Und man liest Sätze wie diese: „Und nur da wird eine wertvolle Meinung in diesem Reflexionsprozess ans Licht befördert, wo eine Person dazu in der Lage ist, wahrhaftig und ehrlich mit sich zurate zu gehen.“ Und es gilt in einer Suchbewegung „das für alle Richtige in einem wahrhaftigen Reflexionsprozess ans Licht zu bringen.“ – Das sind Aussagen, die als Kontraindikation sehr gut taugen. – Dieter Rogge


Eine nahezu vollstaendige Erfassung der als eingetragene Vereine organisierten Moscheevereine ist problemlos möglich. Sie ist jedoch eine Fleissarbeit, die zudem das Wohlwollen der Amtsgerichte voraussetzt: Mit ein wenig religions- oder islamwissenschaftlicher Expertise sind in einem ersten Schritt überregionale organisierte Moscheevereine von lokalen zu unterscheiden. Für die überregionalen Moscheevereine erhält man die vollständigen Listen meistens auf deren Webseiten, sonst von deren Zentralen.
Die lokal organisierten Moscheevereine sind bei den örtlichen Amtsgerichten registriert. Man benötigt nun den Zugang zum „Vereinsnamen-Register“. Diesen Zugang kann der/die Amtsgerichtsdirektor/in gewähren. Dann beginnt die Fleißarbeit: Das Vereinsnamensregister ist von Hand zu sichten, dabei die Namen von Vereinen, die auf einen Moscheeverein hinweisen könnten, zu notieren.
Kennt man den Namen eines Vereins, hat man das Recht, dessen Satzung einzusehen. So der Verein religiöse Zwecke nicht verdunkelt (warum sollte er?), geht aus der Satzung der Zweck als Moscheeverein hervor. Dieses Verfahren habe ich bereits in 2003/2004 für eine Studie der kirchlichen Erwachsenenbildung im Regierungsbezirk Koblenz angewendet – also immerhin für knapp das halbe Bundesland Rheinland-Pfalz. Ein Empfehlungsschreiben aus dem Mainzer Innenministerium öffnete bei den Amtsgerichtsdirektionen die Türen, mir die „Vereinsnamen-Register“ zur Verfügung zu stellen. Insgesamt habe ich dabei die Namen von – geschätzt – 40.000 Vereinen (damals noch überwiegend auf Karteikarten!) gesichtet. Dabei konnte ich 111 Moschee- und muslimische Kulturvereine im Regierungsbezirk Koblenz ausfindig machen, die in 2003/2004 an den zehn Vereinsregistern im Regierungsbezirk gemeldet waren.
Die Sichtung der Satzungen zeigt dann auch die festgeschriebene Abhängigkeit zahlreicher deutscher Moscheevereine von Organisationen im jeweiligen Herkunftsland der Migranten. So sah die älteste der drei gesichteten Mustersatzungen der türkisch orientierten DITIB vor, dass vom Ortsverein betriebene Moscheegebäude dem Landesverband zu überschreiben seien. Auch ist ein Vermittlungsauschuss für Konflikte zwischen Ortsverein und Landesverband festgeschrieben. Dieser Vermittlungsausschuss ist satzungsgemäß so besetzt, dass der Landesverband bei Bedarf immer über eine Stimmenmehrheit verfügen kann. – Dies muss so nicht tatsächlich gelebt werden, gibt aber der türkischen „Mutterorgansation“ große Macht.
Die Recherche in einem Regierungsbezirk kostete mich samt Dokumentation ca. drei Monate Arbeit. Mit einer entsprechenden Anweisung aus dem Berliner Innenministerium an die Länder sollte auf dem beschriebenen Wege innerhalb von drei Monaten auch eine bundesweite Erfassung möglich sein. Nicht zur Kontrolle – nur als Datengrundlage der Regierungstätigkeit. – Ralf Müller


Ich halte mich gerade in Oesterreich auf und lese wieder einen Beitrag, der mir Nahe geht. Der Kernsatz von Herrn di Fabio:
„Es gibt keine freie Gesellschaft, keine Demokratie ohne starken Rechtsstaat!“ Der ist aber in grossen Teilen schon nicht mehr vorhanden. Und das schon seit Jahrzehnten. Herr di Fabio wirft dann immer wieder hinterher: aber bitte keine Grabsänge.
Doch, sonst ändert sich doch nichts. Wenn mir schon ein Polizeipräsident schreibt: wir leben in einer Demokratie, die eine härtere Gangart nicht zulässt – sinngemäß – ich kann das gern Ihren Autoren Heinrich Wefing zuschicken, dann sollte Herr di Fabio nicht so tun als wenn das alles nicht alarmerregend ist. Das ist ja nicht alles neu. Das ist schon seit Jahrzehnten zu beklagen. Irgendwann sollten die Mühlen schneller mahlen.
Die Verantwortlichen müssen zunächst mal von der Politik ins Visier genommen werden. Mir scheint nämlich, daß die ihren Beruf falsch verstanden haben. – Gunter Knauer


Eine Frage bezüglich der Argumentation, im Falle der Nicht-Rettung der Banken reagierten die Finanzmärkte auf eine Weise, die letztlich die Bürger in Form von steigender Armut und Arbeitslosigkeit träfe, was wiederum das politische System in Form einer zunehmenden Anzahl verarmter arbeitsloser Wutbürger gefärde: Soll eine derart präsentierte Kausalkette die Bürger und Politiker warnen – oder erpressen? – Florian Hofmann


Wir schätzen die ZEIT wegen der oft kritischen Analysen und unterschiedlichen Positionen, die zu Wort kommen. Ein derartig pauschal diffamierendes Pamphlet passt u.E. aber besser in die Boulevardpresse. Vielleicht empfehlen Sie Herrn Biller, sich einmal ernsthaft Gedanken zu machen über die ideologische Bedingtheit seiner Vorurteile und Aversionen. – Claudia und Karl-Heinz Denecke


Joseph Fischer nutzt jede noch so alberne Gelegenheit uns zu erzählen, wie gut Deutschland durch „seine Westbindung“ geworden ist. Kulinarisch zumindest möchte man ihm da aber entschieden widersprechen. Die Erlösung vom ewigen Einerlei der deutschen Kartoffelküche ist für den normalen deutschen Esser nicht durch die oft überkandidelten französischen Geschmacksverirrungen a la Siebeck & Co sondern durch die Vielfalt der mediterranen Küche zu Stande gebracht worden: durch handfeste, mit neuen Zutaten und Gewürzen für jeden nachvollziehbare Speisen, die einen nicht stundenlang in der Küche festnageln und ausserdem den angenehmen Nebeneffekt haben, dass man zu angemessenen Preisen satt davon werden kann. – Josef Riga


Der Beitrag von v. Kittlitz passt so typisch in die ZEIT. Einerseits tändelt er tadelnd mit der Experten-Schwemme, andererseits hält er den „wirklichen“ Experten für notwendiger denn je, weil die Welt verstörend komplex geworden ist, weil die Zeiten kompliziert sind und weil Wahrheiten nur selten einfach daher kommen.
Dazu zwei Anmerkungen: Erstens: Die von Menschen bewohnte Welt war immer verstörend komplex. Wie kommt v. Kittlitz auf die Idee, früher, ja was ist „früher“, sei alles irgendwie einfacher gewesen? Es ist eine bloße Zweckbehauptung, die das „richtige“ Expertentum rechtfertigen soll.
Zweitens: Es ist ein fundamentaler Irrtum, dass ein Experte mit seinem Fachwissen eine „Wahrheit“ finden und vermitteln könne. Er sich mit der „Wahrheit“ ins Recht setzen will, ist stets der Hybris seiner eigenen Meinung erlegen.“Wahrheit ist eine schmutzige Menschenfalle“, analysiert Bazon Brook völlig zu Recht. Wer mit „Wahrheiten“ daher kommt, will herrschen, mehr nicht.. Des Bürgers Krone ist der Zweifel. Und um das Bild ZEIT-gemäß abzurunden, wird in dem Beitrag der Experte gegen die Populisten in Stellung gebracht, namentlich Petry und Le Pen. V. Kittlitz erklärt beide für ignorant, für doof also, wie alle diese vereinfachenden Populisten. Dabei erkennt er nicht, dass es schlau ist, sich doof zu stellen. Jeder, der Stimmen gewinnen will, kommt mit einfachen „Wahrheiten“ daher: „Die Rente ist sicher“, „Das schaffen wir“, „Das Wir bestimmt“, „Weiter so“, „Die Sonne schickt keine Rechnung“… aus Platzgründen sei hier abgebrochen. Jede Stimmenmaximierung erfordert einfache Wahrheiten, Parolen, Slogans. Daran halten sich alle, um populär zu sein; links bis rechts beherrscht der blanke Populismus die politische Szene, lediglich differenziert nach korrektem und inkorrektem Absender. – Lutz Bauermeister


Da haben Sie ja schon eine maßlose, gewollte Provokation losgetreten – oder sollte es gar eine Satire sein? Es macht schon Spaß, den langen Text voll Assoziationen, Wortkombinationen und –ungeheuern zu lesen resp. zu enträtseln. Ihre Jugenderinnerungen kann ich nachvollziehen, weil so viele Freunde und Bekannte aus Ungarn, der Tschechien oder der DDR ebenso eine politisch radikal-konservative Einstellung mitbrachten und behalten haben.
Einspruch aber erfordert Ihre Analyse der Gegenwart und ihrer ‘linken’ Protagonisten: Die Gesellschaft der BRD hat außer dem ersten ‘Willkommen’ doch noch gar keine  Idee davon, welche Mühen der Ebenen auf sie zukommen. Man kann froh sein über die Jungen, die noch durch Kindergarten und Schule geprägt werden, aber von den Arbeitssuchenden stehen die meisten verwirrt vor der Aufgabe in einer sprachlich-anspruchsvollen, komplexen Gesellschaft ihren Platz zu finden. Dabei hilft Ihre Einstellung mit  polemischen Verweise, künstlichen Beispiele und ‘Mitte-links’ Schuldzuweisungen nicht im Geringsten. Wir müssen Ihr intellektuelles Feuerwerk und unsere rationale Intelligenz nutzen, um den Einfluss der radikalen und nationalistischen Emotionen nach Möglichkeit zu begrenzen. Ihr uralt Komplex  ‘Mitte-links’ müssen Sie dabei auf den gedanklichen Müllhaufen werfen. – Detlef Geisendörfer


Ein Rundumschlag. Weniger wäre mehr gewesen. Wer die Augenbrauen Sahra Wagenknechts auf jene von Leonid Breschnew zurückführt, dem ist seinerseits schwerlich zuzutrauen, die Gegenwart niemals mit der Vergangenheit zu verwechseln. – Dr. Andreas Schäfer


Zwischen gut gemeint und gut gemacht liegen manchmal Welten – oder ein Richterspruch. Sigmar Gabriels Agieren, ganz gleich, ob als SPD-Chef, Vize-Kanzler oder als Bundeswirtschaftsminister, hat bereits in den letzten Monaten mitunter glückliches Geschick und politischen Instinkt vermissen lassen.
Die richterlich verordnete Aussetzung seiner Ministererlaubnis zur Edeka-Kaiser’s Tengelmann-Fusion erinnert nun beinahe schon an Murphys Gesetz: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ Und das gilt in diesem Fall mitnichten nur für den Minister, sondern, viel schlimmer, für viele tausend Arbeitsplätze.
Gabriels Solonummer bewirkt somit in eskalierter Weise das, was er er zu verhindern suchte. – Ira Bartsch


Auch dieses Plädoyer Ihres Finanzexperten Mark Schieritz
zur erneuten Rettung der verantwortuglos agierenden italienischen
Banken mit unseren Steuergeldern ist, wie die Mehrzahl seiner Beiträge ,nur von einer Ideologie getragen: NEOLIBERALISMUS:
ER KANN UND WILL AUS DER VERGANGENHEIT NICHTS LERNEN. Er könnte dies z.B. in den Erkenntissen von Colin Crouch,. der auch von Ihrer Zeitschrift als „Einer der scharf-sinnigsten Kritiker des Neoliberalismus“ bezeichnet wird. – Hans-Sieghard Runkel


In einem Punkt machen Sie es sich – so glaube ich – zu einfach, wenn die Betonung ihres Schwerpunktthemas in wirtschaftlichen Überlegungen liegt. Unser Rechtssystem erlaubt zum ersten keine Altersdiskriminierung, d.h. unabhängig vom Alter muss dem Patienten die jeweilig notwendige medizinische Behandlung zukommen, die nach neuestem wissenschaftlichen Standard geboten ist, der heutzutage in den Leitlinien festgelegt wird. Geprägt hat mich hier das Schicksal eines Assistenzarztes eines Krankenhauses, an dem ich in meiner Studentenzeit ein Praktikum durchführte. Dieser Assistenzarzt hatte aufgrund der Gesamt-gesundheitlichen Situation im Nachtdienst eine hochbetagte Patientin nicht mehr reanimiert; er wurde angezeigt und auch verurteilt mit der Begründung zum 1. das er solch eine Unterlassung nicht selbst als Arzt entscheiden dürfe und er es auch hätte durchführen müssen, wenn die Patientin nur eine Überlebensperspektive von wenigen Stunden nach solch einer Reanimation gehabt hätte. In unserem Rechtssystem liegt also die Verantwortung für oder gegen eine medizinische Behandlung ausschließlich bei den Patienten. Insofern – wie Sie richtig schreiben – war der junge Chirurg in seinem Operationsangebot richtig unterwegs, genauso wie es dann im Ermessen des Patienten lag, diesen Eingriff für sich abzulehnen. Man kann nicht beides in idealer Weise verlangen; die volle souveräne Selbstverantwortung des Patienten, für die Politik in den letzen Jahrzehnten sehr viel getan hat; aber in den entscheidenden Momenten die Verantwortung dann doch an den Arzt abgeben. Geradezu einen Paradefall zu dieser Thematik habe ich neulich erlebt. Eine 90-jährige Patientin im Pflegeheim, überwiegend bettlägrig und dement, war 4 Wo. zuvor gestürzt und hatte sich einen Schenkelhalsbruch zugezogen. Dieser wurde im Krankenhaus aufgrund des Allgemeinzustandes der Pat. nicht operiert, da sich außerdem die vorher schon bestehende Bettlägrigkeit auch durch einer Operation nicht wesentlich verbessert hätte. allerdings verschlechterte sich der Allgemeinzustand infolge einer möglichen Blutarmut, die sich vermutlich nach dem Sturz entwickelt hatte, dass sich jetzt ein langsam fortschreitendes Schockgeschehen entwickelte mit beginnendem Nierenversagen. Mündlich lag die Willensäußerung des betreuenden Verwandten vor, keine Krankenhauseinweisung mehr vorzunehmen. Eine Patientenverfügung lag beim betreuendem Verwandten in seinem Büro. Die Patientin reagierte auf die Schilderungen ihres Gesundheitszustandes nicht einheitlich auch in der einfachstmöglichen Erläuterung. Wenn es jetzt durch die unterlassene Hilfeleistung zu einem Versterben der Pat. gekommen wäre, hätte es sich um eine unnatürliche Todesursache gehandelt, Polizei und Staatsanwaltschaft hätten die Umstände ermitteln müssen, und dann eine saubere Erklärung für ein Nichthandeln im Sinne der Rettung verlangt. Welches Risiko kann ich dann als Arzt eingehen, mich in solch einem Fall gegebenfalls einem richterlichen Urteil auszusetzen, das im Falle einer Verurteilung (unterlassene Hilfeleistung mit Todesfolge) funktionell das Ende meiner ärztlichen Tätigkeit bedeutet hätte. Es gibt ja auch eine Verantwortung in meinem Leben, eine Praxis mit Angestellten, eine Familie, der Schuldendienst von Investitionskrediten.
„Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ funktioniert nicht. Unsere Gesellschaft mit der Politik, die sie gewählt hat, haben sich für die volle Selbstverantwortung und Souveränität entschieden; dann muss auch jeder mit sich oder auch zusammen mit der Familie diese Entscheidungen treffen. Unsere Pflicht als Ärzte endet bei der Beratung. In der Value-basierten Medizin müsste die Gesellschaft zunächst wieder einen Teil dieser gesundheitlichen Selbstverantwortung und Souveränität abgeben. Das muss man den Menschen dann auch sagen. – Michael Parbs-Dalitz


„Schwarze gegen Weiße, Arbeitslose gegen Gutsituierte, Frauen gegen Männer“ – schon klar, dass damit die Wut der Benachteiligten gemeint ist. Doch das über ein Land zu titeln, das auf dem Fundament der Versklavung von Afrikanern errichtet wurde, dessen Geschichte vom frühen 17. Jahrhundert bis heute eine Geschichte des gewaltsamen und institutionellen Kampfes Weißer gegen Schwarze ist und in dem die Morde an Afroamerikanern und die schwarze Wut genau deshalb immer wiederkehren, weil es diese Geschichte nie aufgearbeitet hat – das ist schon sehr befremdlich. Als würde die Sache erst dann zum Titelthema, wenn eines der Opfer zum Täter wird. Als ginge es nicht um die Forderung auf körperliche Unversehrtheit von amerikanischen Bürgern, sondern um eine Untergrundarmee. Ähnlich verhält es mit den beiden anderen Begriffspaaren. Egal, wie man radikale Campus-Politik beurteilen mag, sind es doch immer noch die Frauen, die Opfer von Vergewaltigungen werden, nicht umgekehrt. Ist niemandem aufgefallen, dass das bestenfalls ungeschickt klingt? – Karsten Kredel


Wenn man – wie hier – Militärausgaben in Prozent der Wirtschaftsleistung angibt, wird das wahre Stärkeverhältnis verschleiert. 2015 betrugen die Rüstungsausgaben der Nato- Mitglieder ca. 940 Milliarden US-Dollar (davon allein USA 696), die Russlands im selben Jahr etwa 90 Mlliarden US-Dollar. Auch die Graphik in Zeit Nr. 28, Seite 38 verdeutlicht klar die gegenwärtigen Kräfteverhältnisse. – Klaus Grupe


Ihr Autor Maxim Biller, der mir leider nicht so bekannt ist – eine unverzeihliche Bildungslücke -, frage ich mich doch, in welches politische Lager er einzuschätzen ist. Steht er in der Mitte der Parteienlandschaft mit Tendenz links oder rechts oder lässt er nur seine Vernunft sprechen.? Letzteres wäre mir sehr sympathisch.
Ein völlig unparteiischer Zeitgenosse. Wenn das so ist, dann wäre er für mich ein Sonderling, der besonderen Güte. – Gunter Knauer


Es ist bestimmt alles richtig was Sie schreiben. Interessant finde ich, das es heute Sinn macht an diese Gegebenheiten zu erinnern.
A.) wenn etwas passiert,sind häufig viele Personen betroffen. Das bringt die Massengesellschaft auf engstem Raume mit sich. Und die Möglichkeiten der Technik. In ein Flugzeug gehen nun mal viele Personen hinein.
B.) Unsere Großeltern und die damaligen Eliten sind ahnungslos schlafwandelnd im 1. Weltkrieg gelandet. ( Christopher Clark). Unsere Eltern sind ohnmächtig ( sie lebten in einer Diktatur) Zeugen geworden, wie Europa im 2.Weltkrieg gelandet ist.
Und wir? Wir werden es gewahr, das schwerwiegende Ereignisse in immer kürzeren Abständen die Menschheit bewegen. Wollen wir hoffen, das dies kein böses Ohmen ist. Und ein dickes Ende absehbar wäre. Dann würden uns Ihre Überlegungen zwar beruhigen, aber nicht langfristig helfen. – Reiner Püschel


Oh ja, der Zeitgeist kann einem manchmal schon auf die Nerven gehen, zuweilen aber auch der ZEIT-Geist, der einer hohlen Polemik wie der von Maxim Biller so viel Platz einräumt. Ach, dieser Biller: ewig unverstanden, ewig unterschätzt, dabei ist er doch von Kindheit an der Einzige, der durchblickt, der Einzige, der die Gefährlichkeit der Welt erlebt und die Brüchigkeit der Zivilisation durchschaut hat. Zugegeben: Auch mir, obwohl fünf Jahre älter und somit der geschmähten Nach-68er-Generation angehörend, sind die K-Gruppen an der Uni und mancherlei anderes zeittypisches Gehabe seinerzeit gehörig auf die Nerven gefallen. Dito der flache Hedonismus der Generation Pop. Auch ist wahr, dass sich beim Marsch durch die Institutionen vieles abgeschliffen hat, die Unduldsamkeit in Form erbarmungsloser politischer Korrektheit z. B. jedoch geblieben ist. Mit seinem polemischen Rasenmäher stutzt und staucht Maxim Biller allerdings so ziemlich alles und jeden, der/die/das ihm auf die Nerven geht und je gegangen ist, auf sein eigenes Reflexionsniveau zusammen: Zizek und Sahra, Varoufakis und Jakob Augstein Auch Ernst Jünger – wo kommt der plötzlich her? – kriegt sein Fett weg (ich fürchte, er hat den „Kriegsfetischisten und Menschenverächter“ immer noch nicht gelesen, sonst würde er ihn nicht derartig plump auf Journalistenweise auf zwei Schlagwörter herunterbrechen) Dasselbe dürfte für den „ADHS-Philosophen“ Zizek gelten, von dem Biller vor allem zu berichten weiß, dass er mal mit einem Model verheiratet war. Spricht da und dort vielleicht der Neid? Aber der Leser sollte nicht undankbar sein: immerhin erfahren wir vom Tausendsassa Biller auch, dass man Spaghetti nicht mit Löffel und Gabel isst (vielleicht besser mit Messer und Gabel?) – Dr. Maximilian Rankl


Ich habe den Beitrag von Maxim Biller aufmerksam gelesen und am Ende überlegt, was Biller eigentlich sagen will. Ich habe verstanden, dass er eine unglückliche Kindheit und Jugend hatte, dass er noch immer ein schwere Links-Phobie hat, aber seine Botschaft, seine Vorstellung einer erstrebenswerten Gesellschaft habe ich nicht wirklich gefunden. Und sollte ein, noch dazu so langer Beitrag in der ZEIT nicht über die bloß sprachliche Erbauung hinausgehen (denn sprachlich ist der Text auf hohem Niveau). Es kann natürlich auch sein, dass ich philosophisch, politologisch – und sonst irgendwie -isch – nicht hinreichend (aus)gebildet bin, um die Nachricht herauszulesen. Aber dann, liebe Zeit-Redaktion, geht es tausenden anderen Lesern vermutlich ebenso. Was will uns der Mann eigentlich sagen? – Lettau Günther


Bedurfte es eines Gallensteines eines 90 Jährigen, dass sein mächtiger Sohn Josef Hecken, Vorsitzender des G-BA, -„umzudenken gedenkt!“ Glaube ist halt der Vogel, der singt, wenn die Nacht noch dunkel ist! Noch immer bindet der stetig improvisierte Reparaturbetrieb von begangenen Unzulänglichkeiten das Gegenwärtige an die Ohnmacht der Zukunft.
Angesichts eines jahrzehntelangen Leidensweges als Mediziner stellt man sich im Ruhestand die Gewissensfrage: Wie lang war der Weg vom Verrat eigener Grundwerte hin zur Selbstaufgabe? 1067 Seiten ( Viele Hasen sind des Jägers Tod) weisen Tote, Krüppel, Unheilbare aus. Und selbst meine Gattin traf der Chirurgenpfusch mit Folgen zur Dauerberentung, wobei man mich mit einer dubiosen Diagnose versuchte, mundtot zu machen. Und liest man den Artikel, betrifft es heute die Mehrzahl der Kollegen, die nicht einmal aufgrund der Häufung sich durchsetzen können, was uns als damalige Minderheit schon gar nicht gelang.
Früher war die Zukunft viel schöner, (Karl Valentin) als die Kliniken noch kommunaler oder kirchlicher Führung unterlagen oder der zuständige Chefarzt nicht dem Verwaltungschef Rapport leisten musste, es noch keine Budgetierung, keine Fallpauschale mit schamloser Optimierung gab. Über eine Haltung des Protestierens verweise ich auf Uwe Johnson und die aufgeführten Leute.
„Man muss schon unabhängig vom Einkommen der Menschen in bestimmten Lebenssituationen eine optimale Versorgung ermöglichen!“ Diesen Satz des Herrn Josef Hecken versuche ich in Einklang zu bringen mit dem unerlaubten Hirnstunt eines hochgestellten Bundespolitikers und Juristen, der sich entschädigen ließ, statt als Politiker zum Schutze der Bevölkerung dieses an den Pranger zu stellen. oder der geplanten digitalen Vernetzung der Patienten mangels Hausärzten in Mecklenburg-Vorpommern. Letzteres vollends im Widerspruch zu den geplanten Maßnahmen des Herrn Hecken steht und nur der bevorstehenden Wahlkampagne dient. Somit höre ich die Botschaft wohl, allein mir fehlt der Glaube. Selbst einen „Hecken-Schützen“ nimmt die Lobby aufs Korn. – Dr. med. Heinrich Hermreck


Mit großem Befremden habe ich als langjährige Leserin dieses von der Redaktion der ZEIT offensichtlich unredigierte Pamphlet zur Kenntnis genommen. Der Verfasser hat jedoch sein Ziel verfehlt, die „neue“ Linke zu diskreditieren, denn seine Argumentation scheint weder logisch noch stimmig. Darüber hinaus diffamiert er mehrere Persönlichkeiten, u.a. Carolin Emcke, Nils Minkmar et alia, deren Werk bzw. Artikel er nicht genau genug gelesen hat, sonst könnte er nicht so viele infame und sachlich falsche Anschuldigen erheben (die ein Gericht sicher verurteilen würde). Ein überheblicher, eitler und keineswegs kluger Rundumschlag. Armer Maxim Biller. Arme ZEIT, die dies druckt. – Dr. Michi Strausfeld


Die Demokratie ist ja gerade dabei sich selbst umzubringen.
Erstaunlich dabei ist, daß die Politiker, Redakteure und sonstige „Gutmenschen“ die Verursacher sind. Wir Deutschen wollen die moralisch Besten auf der Welt sein. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn es nicht täglich das Gegenteil dessen hervorriefe, was man eigentlich erreichen wollte. Das zeugt von wenig oder gar keinem Menschenverstand. In den elektronischen und schreibenden Medien sitzen sie zuhauf. – Gunter Knauer


Ich frage mich, was Sie motiviert hat, einen 2seitigen (!), derart polemischen, größtenteils auf Beleidigungen und einseitig biografischen Perspektiven des Autors basierenden Artikel zu drucken, der an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten ist ? – Kitty Voigt


Einen Teil ihres Artikels konnte ich leider nicht verstehen wegen der vielen mir unbekannten „-ismen“. Hab´ihn aber trotzdem tapfer bis zu Ende gelesen. Das ihre Familie von den Stalinisten drangsaliert wurde, tut mir Leid.
Was mir auffällt: Wir haben damals ´No Fun` von den Stooges oder auch ´I wanna Holiday in the new Bergen-Belson` gehört und uns irgendwo auf freien Wiesen oder Bachufern getroffen um kodeinhaltigen Hustensaft mit Jägermeister zu mischen und uns damit ins Off zu ballern. Politische Diskussionen waren Randerscheinungen. Wir sind Norddeutsche und wir sind inzwischen Ingenieure und Pädagoginnen, einer ist sogar Manager geworden und lebt jetzt in München. Und übrigens meine Kollegen aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt erzählen ganz ähnliche Geschichten aus ihrer Jugend. Ich vermute, unser Wahlspektrum reicht von Sarah Wagenknecht bis Frau Merkel, aber das kümmert hier keinen wirklich. Was mich an ihrem Artikel stört: Unsere Solzialisation erwähnen Sie mit keinem Wort, aber wir sind gar nicht so wenige. Was spielt es im Übrigen für eine Rolle, dass Herr Zizek mal mit ´nem Model verheiratet war. Eine Frau mit erotischer Ausstrahlung ist doch was Tolles. Was das mit seinem Links-sein zu tun hat, versteh´ ich nicht. Auch ist Frau Wagenknecht die Vorsitzende einer demokratisch gewählten Partei, die übrigens bundesweit kandidiert und als solche natürlich in Talkshows wichtig. Bitte bendenken Sie, dass die CSU ja nur von einer Minderheit wählbar ist, genau wie ja auch nicht jeder von uns die CDU wählen kann. Warum haben Sie also so eine Heidenangst vor dem Pluralismus. Liegt es u.U. an der Münchener Nische, die einfach ganz anders ist als der Norden? Und der geht inzwischen übrigens bis an die polnische Grenze. – Dr. Ralf Seyfried


Leider bin ich Ihnen intellektuell nicht gewachsen, jedoch mit Freude und Genuss, habe ich Ihren Artikel gelesen.
Es tat mir in der Seele gut und wenn ich dürfte, würde ich gerne beim Grill im Royal, dabei sein, wobei ein Apero im Hotzenwald genüsslicher wäre. – Karola Kauffmann


Der Satz „Sein Blut komme über uns und unsre Kinder“ stammt doch gar nicht von Luther (wie der Subtitel „nur weil er Luther vertonte“ suggeriert), sondern vom Evangelisten Matthäus (in Luthers Übersetzung) und ist Teil des Textes, der eben zu einer Matthäuspassion (sei sie nun von Bach, Schütz, Telemann oder wem immer) gehört. Luthers judenfeindliche Schriften von 1543/44 hat Bach jedenfalls nicht vertont, falls er überhaupt einer der wenigen war, die sie damals gelesen haben. Was Bach vertont hat, war Luthers „Kinderlied von den beiden Erzfeinden Christi“: „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort und steur des Papst und Türken Mord“ (d.h. wehre die Anschläge der Kurie und des Islams ab); insofern könnte man Bach eher vorwerfen, er habe papst- und islamfeindliche Texte Luthers vertont und die Papst- und Islamfeinschaft seiner Zeit bedient. Was nun aber Bachs Passionen und die Texte der Chöräle und Arien betrifft, die in ihnen die Geschichte kommentieren, so stehen sie in der Kontinuität einer anderen Luther-Schrift, nämlich der Schrift von 1519 über die Betrachtung des Leidens Christi: Passionsfrömmigkeit bedeute gerade nicht, sich über Judas und die Juden zu empören, sondern zu bedenken, daß Christus für die Sünden aller Sünder gestorben sei, also nicht die Juden schuld seien, sondern man selbst. „Ich bins, ich sollte büßen“, „Ach meine Sünden haben dich geschlagen“, „Ich, mein Herr Jesu, habe das verschuldet“ usw. wird in den Passionen geradezu gebetsmühlenartig wiederholt, ebenso wie in den klassischen evangelischen Passionsliedern (z.B. Evangelisches Gesangbuch 76,1; 80,3; 81,3; 84,2–4; 85,4; 87,2; 88,3; 89,2). – Dr. Simon Gerber


Nun ja. Er ist in Prag geboren, seine jüdische Familie musste aus Stalins / Breschnews Machtbereich (und dem des NKWD) emigrieren – das kann schon zu einer Weltsicht führen, die der eines in der West-BRD geborenen Nachkriegskindes nicht vergleichbar ist. Aber das Recht, Mitmenschen in Deutschland
ebenso wie ehemalige griechische Finanzminister oder US-amerikanische Präsidentschaftskandidaten als kindlich und/oder jugendlich (nicht erwachsen) hinzustellen, kann daraus nicht abgeleitet werden: „Kommunismus … war vor allem aber die Superpower-Ideologie, die sie fürs Erwachsenwerden brauchten“, und, was Biller „an den Ur-68ern und ihren Siebziger-Jahre-Lehrlingen aber wirklich hasste“(!): „… ihre offenbar fast schon genetisch bedingte (! – wiefern ist dieser Jude selbst vom Antisemitismus?) Unfähigkeit, ein Argument zu analysieren und dann selbst ein Gegenargument zu entwickeln“. Womit der Kern der Biller’schen „Kritik“ an der „»neuen« Linken“, wie er sie nennt, benannt ist: Er fordert Argumente in und mit einem Text, der vor Argumentationslosigkeit nur so trieft und Lügen mit unhaltbaren Vorwürfen vermischt: Wann hat Jakob Augstein bitte die Hamas verteidigt? -, und mit Putin darf man den Dialog nicht abreißen lassen, hat er gesagt – verteidigt er damit Putin? Und, für Mindestlohn ist Frau Merkel auch. Gehört sie deswegen nun zur
„»neuen« Linken“? Biller vermischt in seiner „Argumentation“ Dinge, die nicht zusammengehören, und leitet daraus ab, „wie wenig die ahnungslose, naive, bisher von jeder Katastrophe verschonte und darum“ (darum! – welch eine Konklusion!) „nach echten Katastrophen und nach ewiger Jugend gierende Westjugend und ich miteinander gemeinsam hatten“ … Wir ‚Ur-68er‘ werden eben nicht erwachsen, wollen es auch gar nicht: „… wer möchte da noch in politischen Fragen so kalt und klug sein wie die großen, toten Greise Helmut Schmidt, Konrad Adenauer oder Ben Gurion?“ Klugheit ist also gefordert, meint der im zarten Alter von 10 Jahren aus der damaligen Tschechoslowakei nach Westdeutschland immigrierte Maxim Biller. So klug etwa wie Konrad Adenau. Er, der die Westverträge mit den drei Westalliierten erst einmal unterschrieb, um dann anschließend den Deutschen Bundestag zu fragen, ob er das denn auch gedurft hätte … ich denk‘ mal, auf solche Vorbilder in Sachen Demokratie kann Deutschland gut verzichten. Was Herr Biller gar nicht kann: Sich selbstkritisch an die eigene Nase fassen, und: Zuhören. Was mancher dieser „»neuen« Linken“ sagt, z.B. Sarah Wagenknecht im Bundestag über CETA und TTIP, oder Jakob Augstein in seinen Streitgesprächen mit Blome, zeugt davon, dass hier durchaus Leute ihren Kopf zum Denken benutzt haben, und nicht ausschließlich dazu, damit durch die Wand zu gehen. Die Krone setzt Biller seiner „Kritik“ auf – und das Wort Kritik muss in Anführungsstrichen stehen, weil die Argumente, die Fakten auch hier fehlen –, indem er unterschiedslos allen, die er zu der „»neuen« Linken“ zählt, unterstellt, sie wünschten sich „das «Unvorstellbare»“ zurück – gemeint ist der Holocaust. Entschuldigung, es ist kein guter Stil, aber mir fällt dazu nur ein, was mir schon nach Sylvester zu den Vorgängen vor dem Kölner Hauptbahnhof eingefallen ist: Arschlöcher gibt’s überall! – auch unter den Deutschen (und auch unter den deutschen Intellektuellen). – Wolf Auffermann


Im Feuilleton der Zeit vom 14.07. erschien ein Artikel von Maxim Biller: „Die neue Linke“. Ich verstehe einfach nicht, wie in der von mir sehr geschätzten Zeit ein so abscheulicher Artikel Platz finden konnte, und das auch noch auf zwei Seiten an prominenter Stelle.
Es ist ein völlig undifferenzierte und pauschalisierender Hassgesang auf eine Reihe von sehr verschiedenen Menschen, darunter starre Ideologen neben sehr sehr klugen und nachdenklichen Menschen aus Vergangenheit und Gegenwart. Sie haben nur eines gemeinsam, dass sie nicht die Meinung des Autors teilen, dass sie (fast alle) sehr nachdenklich, besonnen und besorgt sind und sich ihre Meinungsbildung nicht leicht machen; die meisten der von Maxim Biller in Bausch und bogen Verdammten pflegen die Meinung anderer zu achten. Von Autoren, die in der Zeit veröffentlichen, erwarte ich mehr Respekt für Menschen anderer Denkweise und für konkurrierende politische Meinungen. Ich wünsche mir, dass so ein Artikel Ihnen nicht wieder passiert. – Ingrid Rumpf


Sorry, aber bei diesem Artikel habe ich den Eindruck, da erbricht Maxim Biller verbal all das, was er in seinem bisherigen Leben nicht überdenkend verdauen konnte. Ich würde ihm deshalb die Lektüre von Hannah Arendts Essay über Sokrates empfehlen, das zwei Seiten weiter in Ihrer ZEIT- Ausgabe rezensiert ist. Sokrates ist nicht nur Geburtshelfer für neue Ideen, sondern auch Arzt für chronische geistige Verdauungsbeschwerden. Er stellt seinem Gegenüber zuerst Fragen, um dessen Standpunkt zu verstehen, auch wenn dieser keineswegs mit dem eigenen übereinstimmen muss. So kann er dann auch besser seine eigene Meinung auf eine Art formulieren, dass der andere ihn eher versteht und beide Seiten einen Schritt vorwärts kommen. Dies erscheint mir viel sinnvoller und fruchtbarer als wie Maxim Biller nach allen Seiten verächtliche Pauschalurteile und Beleidigungen auszuteilen. – Walter Stahel


Nun geht es also wieder um, das Gespenst wenn nicht in Europa dann in Deutschland, zumindest nach der Lesart von Maxim Biller, ja was denn, das Gespenst des Kommunismus? Man könnte darüber hinweglesen, zumal der Autor Maxim Biller heißt und als Urhesse, der ich bin, das Zitat eines Kabarettisten, mit dem inzwischen auf Grußkarten erhältlichen Satz reagieren:“ Bevor isch misch uffreesch, isses mir egal“ schulterzuckend zur Tagesordnung übergehen. Und es bleibt zu hoffen, dass die von ihm so unqualifiziert Angegriffenen ähnlich reagieren, falls sie überhaupt das Geschriebene zur Kenntnis nehmen. M. Biller will provozieren, nun, das gelingt ihm offensichtlich und vermutlich erwartet er sehnsüchtig entsprechende Empörungsreaktionen. Wer aber aus einer anderen Perspektive genauer hin schaut, liest die Angst eines in der Kindheit traumatisierten Menschen, dem es nicht gelungen ist, sein Trauma zu verarbeiten und sich damit zu versöhnen, das kann man sicher außer zu einem Therapeuten zu gehen auch als Literat, aber es gelingt M. Biller nicht, es bleibt der ewig wiederkehrende Aufschrei einer verwundeten Seele, und damit ist der Artikel ein geradezu erstaunliches Psychogramm, von der ersten bis zur letzten Zeile. Der Psychoanalytiker Heinz Kohut würde das einen sekundären Narzismus nennen, bei dem Erwachsene zwar große Anpassungsleistungen zu Stande bringen können, (man kann sogar Romane schreiben und Zeitungsartikel, warum nicht) , sie behalten aber eine lebenslange Furcht vor neuen Erlebnissen der Ohnmacht und Beschämung und eine nicht zu stillende Hoffnung auf die als Kind erträumte Größe. Um auf diesen Sockel zu steigen, muss man andere, die „Neue Linke“, die in der eigenen Fantasie auf diesen Sockeln stehen, herunterstoßen. „Si tacuisses…“ schrieb einmal ein Lateinlehrer an den Rand meiner dürftigen Übersetzungsleistung in einer Lateinarbeit. Hättest du geschwiegen, wärst du ein Philosoph (hier Max Biller; ein ernstzunehmender Literat) geworden!
Wer nicht wahrhaben will, dass in unserer Gesellschaft einiges schief läuft, und das sehen so dankenswerter Weise viele in der ZEIT-Redaktion, der verschließt die Augen und möchte weiter, wie der Autor, nachts um drei mit einem Taxi vom Park-Café in München nach Hause gefahren werden, um dann gepeinigt von seinen Ängsten einschlafen zu können. In einer Stadt in der durch Gentrifizierung, (so erlebt im eigenen familiären Umfeld) die Hälfte der eher bescheidenen Rente für das Wohnen hinweg gerafft wird. Biller möchte in seiner ästhetischen Wohlfühlwelt nicht gestört werden, jede kleine Störung macht ihm Angst. Wie wohlfeil, Altachtundsechziger oder die Gespenster derselben wieder auferstehen zu lassen, all das hat aber mit unserer harten Realität nichts zu tun. Hat Biller außer einem Zeitschriftartikel jemals ein Buch von Zisak gelesen? Ich vermute eher nicht. Hat er nicht wahrgenommen dass Sarah Wagenknecht sich für eine Begrenzung der Einwanderung ausgesprochen hat und damit viel Prügel von ihren Parteigenossen erhalten hat? Sicher nicht. Oder dass es Sanders gelungen ist oder hoffentlich gelingen wird, einige Vorschläge zur Durchsetzung von etwas mehr sozialer Gerechtigkeit in das Parteiprogramm der Demokraten festzuschreiben, auch das hat er sicher nicht wahrgenommen. Politik ist das Bohren harter Bretter, auch journalistische seriöse Arbeit, das polemische Spielen mit Sprache hilft in diesem Diskurs nicht weiter. Wenigstens das Standartwerk von John Rawls, „Eine Theorie der soziale Gerechtigkeit“ sollte er gelesen haben, hat er das? Nun, vielleicht, das würde ich ihm zutrauen, würde er auch ihn zu dervon ihm wiedererweckten „Neuen Linken“ zählen. Und wahrscheinlich würde er auch die tapfere Gebäudereinigerin und Gewerkschafterin Susanne Neumann, die ihrem Parteivorsitzendenden Gabriel in Zusammenhang von sozialer Gerechtigkeit öffentlichkeitswirksam die Leviten gelesen hat, auch zur „Neuen Linke“ zählen, zuzutrauen wäre auch das ihm. Ach Maxim Biller, warum wurde er ins Literarische Quartett des ZDF berufen, sicher in der Hoffnung, ähnlich wortgewandt, durchaus provozierend, aber auch witzig und sprachgewandt treffend zu formulieren wie weiland Marcel Reich Ranicky und Hellmut Karasek. Glatte Fehlbesetzung, die Einschaltquoten werden das Ihrige dazu sagen. Aber, wie gesagt: Bevor isch misch uffreesch….. – Helmut Raschke


Nach der Lektüre des Artikels habe ich mich gefragt, warum die ZEIT Maxim Biller die Gelegenheit zu einem solchen Shitstorm gegeben hat. Er entspricht nicht dem Niveau, das ich von der ZEIT erwarte. – Bernd Schuppener


Die „68-iger“ haben sich nicht blamiert, diese Bewegung war für die BRD einfach notwendig, und sie hat die politische Entwicklung auch bereichert, Das zunächst einmal zum Untertitel dieses Artikels. Was dann kommt, ist streckenweise einfach nur peinlich. Da nimmt sich der Autor ein paar politische Köpfe vor und haut sie einfach in die Pfanne, gut geschrieben, aber völlig undifferenziert und voller Hass. Was interessiert uns eigentlich sein unsypathischer Sozialkunde-lehrer? Der „Radikalenerlass“ bleibt ein politischer Missgriff, den Willy Brandt mitzuverantworten hat. Was interessiert uns, wie oft Sahra Wagenknecht in Talkshows auftaucht? Auch das Bild von den „Leonid- Breschnew-Gedenkaugenbrauen“ ist mehr als peinlich! Was interessiert uns der Gesprächston des Jakob Augstein (im politischen Zusammenhang)? Im übrigen ist er kein Antisemit, auch durch häufige Wiederholung wird die Behauptung, er sei Anitsemit, nicht wahrer. Wie gesagt, der Artikel ist nicht schlecht geschrieben, aber er enthält keine Zeile Analyse. Eine wenig Platz wäre auf diesen Seiten dafür schon gewesen. Aber der Autor Autor lässt nur seine ganz persönlichen politischen Blähungen ab. Das ist zu wenig! Im übrigen besteht die neue politische Linke in Europa und in Deutschland nicht nur aus den Köpfen, die hier abgebildet sind.
Diesen Artikel hat die politische Linke nicht verdient. – Erwin Fortelka


Das Essay von Maxim Biller fordert zum Widerspruch heraus. Die generelle Tendenz dieses Essays scheint darin zu liegen, alles, was links ist oder was dem Autor links erscheint, verdammen zu wollen.Angesichts der derzeitigen politischen Lage, von Wiederherstellung von Stalinismus-Leninismus oder vom neobolschewistischen Grauen zu sprechen, erscheint doch mit der Realität in diesem Land in keinem Zusammenhang zu stehen. Man hat den Eindruck, dass der Autor weltfremd ist und weniger das Land, in dem er lebt. Der Autor arbeitet sich an der68er Bewegung ab, wobei es sicher zur Zeit verdienstvoller wäre, dies an den rechten Bewegungen wie AfD oder Pegida zu tun. Ob hier vielleicht ein Trauma verarbeitet werden soll? Auf dem Hintergrund, aus einem ehemals kommunistischen Land zu kommen und mit den dort gemachten Erfahrungen, könnte dies in gewisser Weise verständlich sein . Ich möchte mir aber nicht von Herrn Biller einreden lassen müssen, wir lebten in Deutschland kurz vor einer kommunistischen Machtübernahme. Man kann über die 68er Bewegung sicher sehr unterschiedlicher Meinung sein und Fehlentwicklungen hat es, wie bei jeder Bewegung gegeben. Aber ein Verdienst dieser Bewegung bleibt: die Demokratie in Deutschland ist dadurch erwacht und das hat Herr Biller in den 60ziger Jahren in der Tschechoslowakei vielleicht gar nicht so richtig mitgekriegt. Insgesamt finde ich, dass dieser Artikel die politische Diskussion in keiner Weise fördert. – Karl-Hermann Windisch


Sie schreiben: Der Arzt ist ein Begleiter, der zuhört, gründlich informiert und nach Lösungen sucht – am besten gemeinsam mit dem Patienten. Das ist der Gesundheitshimmel, der immer seltener vor kommt. Die häßliche Realität ist, das der Arzt ca. 25€ pro Patient und Quartal bekommt. Das führte dann dazu, daß ein Arzt, der so handelt, wie Sie es beschrieben haben, Sozialempfänger wird.
Und so ist die allgemeine Tendenz zum renditeorientierten, medizinischen Serviceunternehmen. Schnell rein, schnell raus. Beruhigend ist, daß ein toter Patient als Renditebringer ausfällt.
Ich war der achte im Wartezimmer und nach 30 Minuten dran! Da bleibt das Vertrauen auf der Strecke und die Gesundheit auch.
Wenn das zum Normalfall wird, dann muß das ganze Gesundheits-system zum Arzt. Aber nur zu so einem, wie Sie ihn beschrieben haben, sollte dann er noch praktizieren!Die Realität ist, daß das alles schon längst bekannt ist. Nur die Widerstände sind größer, als die Kraft des Politikers etwas zu ändern. Ein Grexit muß her!!! – Klaus Riediger


Ich finde es ja nett, dass du einem armen Menschen wie Maxim Biller die Möglichkeit des therapeutischen Schreibens bietest, aber muss es gleich über zwei Seiten sein? Man hätte sein übliches Gemische von politischen Inhalten mit allzumenschlichen Unzulänglichkeiten doch auch in einem Einspalter, evtl. auch in einem Einzeiler unterbringen können: „Wer gegen den westlichen Kapitalismus ist, ist für die Wiedereinführung der stalinistischen Diktatur!“ Auf viel mehr als diesen Satz dampft der Inhalt eben nicht zusammen. Und, Herr Biller, jetzt mal nur aus künstlerischer Sicht: wäre eine Therapie nicht mal langsam angebracht und sinnvoll? Ich meine, es ist schon ermüdend zu sehen, wie jemand biografisch bedingt stets nur das immergleiche Lamento hervorbringt, dem jeder Funke kluger politischer Analyse vollkommen abgeht? – Achim Hauck


Danke. Danke, danke für diesen Text. Nicht nur inhaltlich griffig stimmig die oberflächliche Doppelmoral dieser „Linken“ wiedergebend sondern zudem auch wunderbare Sprache. – Christian Czaak


In Ihrer Ausgabe Nr.30 wird mit dem Artikel von Maxim Biller über Die „neue“ Linke wie in Zeiten des Kalten Krieges ein schreckliches Phantom aufgeblasen, wo wir doch heute ganz andere reale gesellschaftliche Bedrohungen haben (Legida, AfD, die Identischen usw.), die eindeutig aus dem rechten Spektrum kommen. Der ganze
Beitrag besteht eigentlich nur aus krudem biografisch unterfütterten Geschwätz. Für eine Auseinandersetzung fehlt jede Argumention. Anstelle von Belegen für die Gefahrausmalerei, die von den sog.neuen Linken ausgeht, gibt es nur üble Beschimpfungen. So wird Zizek abgekanzelt, weil er sowie nur „in bester jesuitisch-marxistischer Manier“ schreibt und der SPIEGEL- Redaktion wird dehalb gedroht „wenn das Erschießungskommando des neuen NKWD kommt, werden Sie sich dann auch noch selbst Ihre Augenbinde umlegen?“. Jakob Augsteins Popularität wird auf seine „judeophoben Kolumnen“ zurückgeführt. Am schlimmsten trifft es Sarah Wagenknecht, „die Linke mit den Leonid-Breshnew-
Gedenkaugenbrauen“. Schließlich ist sie nur deshalb so oft im Fernsehen zu sehen, weil „Talkshow-Redaktionen am liebsten dressierte Papageien einladen und keine denkenden Menschen“.
Wenn das der Stil ist, der in einer sich eigentlich liberal gebenden ZEIT gepflegt wird, möchte ich meine Freundschaft zu Ihnen aufkündigen. Bitte teilen Sie Ihrer Abo-Abteilung mit, die mir freundlich zugedachten weiteren Ausgaben einzusparen und die Zustellung an meine Adresse einzustellen. – Karl-Heinz Röhr


Seit mehr als 50 Jahren lese ich die ZEIT – meist mit Gewinn. Umso mehr macht es mich fassungslos, dass Sie einem Artikel wie dem von Maxim Biller, Die ’neue‘ Linke, derart viel Raum widmen. Es handelt sich um eine hasserfüllte Schmähschrift, an diesem Urteil ändert auch nichts, dass sie glänzend formuliert ist. Im Gegenteil, es macht die Sache schlimmer, denn der Autor ist beileibe kein Dummkopf, sondern weiss sehr gut, was er schreibt. Ich frage mich, ob sich Herr Biller schon mal warm läuft, um demnächst als Propagandaminister im Stile eines Josef Goebbels in den Dienst der ersten AfD-Regierung einzusteigen. Wenn er der Meinung ist, bei den Rechten besser aufgehoben zu sein als bei den Linken – mag es gerade für ihn allerdings ein böses Erwachen geben! – Dr. Wolfgang E. Fischer


Wir verdanken Billers Antipathie gegen seinen offenbar pädagogisch unterbelichteten kommunistischen Sozialkundelehrer von vor über 40 Jahren nun einen zweiseitigen Selbst-bedienungsladen mit wortgewaltigen polemischen Versatzstücken gegen alles und jedes, das er für „links“ hält. Eine inhalts- und alternativlose Phrasendreschmaschine ad usum des Freundes-kreises von AfD und Co. Acht Spalten lang Warten auf ein lesenswertes Argument – vergeblich. Besoffen vom eigenen Furor schießt Biller in seinen ganz eigenen Misthaufen unausgegorener linker Ideen (die es natürlich auch gibt), und die daneben abgebildeten Groß-Linken suggerieren, der Herr hätte tatsächlich sie getroffen. Weit gefehlt. – Michael Praschma


Es mag sein, dass (auch) Hannah Ahrendt im Laufe ihres Lebens zu neuen Ein- und Ansichten gelangte, die gegenüber ihren eigenen früheren in diametralen Widerspruch stehen.
So schreibt Michael Hampe ihr ein (1954) von Sokrates abgeleitetes Verständnis von Öffentlichkeit und Reflexion zu: „Schon eine einzelne reflektierende Person, die sich fragt, wie ihr die Welt eigentlich erscheint, realisiert in sich eine Vielfalt. Wenn sie sich ehrlich selbst fragt, was sie meint, dann muss sie ein Selbstgespräch führen, indem sie sich aufspaltet. Das kommt nur zustande, wenn sie sich eingesteht, dass sie noch nicht weiß, was sie meint, dass das noch zu klären ist. Und nur da wird eine wertvolle Meinung in einem Reflexionsprozess ans Licht befördert, wo eine Person dazu in der Lage ist, wahrhaftig oder ehrlich mit sich zurate zu gehen…“
Nur vier Jahre später äußerte sich Hannah Arendt selbst dazu sehr entschieden ganz anders, nämlich genau gegenteilig in einer Würdigung von Karl Jaspers: „(Die Person) ist sehr schwer zu fassen und gleicht vielleicht noch am ehesten jenem griechischen daimon, jenem Schutzgeist, der jeden Menschen durch sein Leben begleitet, ihm aber immer nur über die Schultern guckt, so dass er von allen, die einem Menschen begegnen, eher gekannt werden kann als von ihm selbst. Es ist der tiefe, über alles … hinweggreifende Sinn des Öffentlichen, dass dieser daimon, der gar nichts Dämonisches an sich hat, also dies Personenhafte an einem Menschen, nur da erscheinen kann, wo es einen öffentlichen Raum gibt. Dies ist ein geistiger Raum und in ihm erscheint, was die Römer humanitas nannten und worunter sie etwas höchst Menschliches verstanden, weil es gültig war, ohne objektiv zu sein. (…) Gewonnen wird die Humanität nie in der Einsamkeit und nie dadurch, dass einer sein Werk der Öffentlichkeit übergibt. Nur wer sein Leben und seine Person mit in das ‘Wagnis der Öffentlichkeit’ nimmt, kann sie erreichen, wobei er riskieren muss, etwas zu zeigen, was nicht ‘subjektiv’ und eben darum für ihn weder erkennbar noch verfügbar ist. Dadurch wird ‘das Wagnis der Öffentlichkeit’, in dem die humanitas gewonnen wird, ein Geschenk an die Menschheit.“
Das war grundsätzlich auch die Ansicht von Karl Jaspers selbst, deren überkommene (mir unerträgliche) religiös-ideologische Grundtendenz ich dem heutigen (dazu im Widerspruch stehenden) empirisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand anzupassen mir erlaubt habe (Änderungen nicht kursiv)[2]:
Grenzenlose Kommunikationsbereitschaft ist eine Folge des Wissens, der Entschluss zu einem Weg im Menschsein. Der Kommunikationsgedanke ist nicht Utopie, sondern intellektuelle Einsicht auf der Grundlage von Wirklichkeitserfahrung.
Es ist für jeden die Frage, ob er darauf vertraut – nicht glaubt, wie an ein irreales Jenseits – sondern vertraut auf die Wirklichkeit eines ganz Gegenwärtigen: auf die Möglichkeit in uns Menschen, wirklich miteinander zu leben, miteinander zu reden, durch dieses Miteinander die Wahrheit zu finden und erst auf diesem Wege eigentlich selbst zu werden. Ich halte es für nicht sehr wahrhaftig und höchst problematisch, (u. a.) über DIE ZEIT massenwirksam, mit der Autorität eines Philosophieprofessors und dem Anspruch eines allgemeingültigen Leitsatzes („So philosophiert man gegen die Krise der Demokratie“) eine Ansicht von Hannah Arendt zu propagieren, die sie selbst schon kurz darauf entschieden revidiert hat. Da kann ich nur dem letzten Absatz und insbesondere den letzten Sätzen von Michael Hampe zustimmen: „Vielleicht erringt er die Mehrheit für sich. Doch welch einen Zweck kann das haben, wenn trotzdem alle ins Unglück stürzen?“ – Hans-Jürgen Tlusty


Als erfahrener Seesegler (in den 70ern noch mit Sextant navigiert) habe ich Zweifel daran, dass die Wikinger die Sonnensteine wirklich nutzbringend eingesetzt haben. Sie werden vielmehr per „Breitensegeln“ ihr Ziel gefunden haben, so wie die Navigatoren noch Jahrhunderte danach. Da reicht in der Regel der Blick auf den Polarstern und/oder auf die Sonne zur Zeit der Mittagskulmination. Für die Zeiten dazwischen und bei schlechter Sicht wird das Gefühl für Wind und Wellen besser entwickelt gewesen sein als das Zeitgefühl, was das Kurshalten erleichtert. Ich vermute zudem, dass den Wikingern die Zeitzonen unbekannt waren, dass es also zuhause etwa 3 Stunden später war als in Grönland. Diese Tatsache dürfte den Experten mit dem tollen Zeitgefühl und dem Blick auf den Sonnenstein doch einige Probleme bereitet haben. – Dietrich Enss


Der Artikel beschreibt die Fronten, die sich seit einiger Zeit in vielen Lebensbereichen auftun: Schwarz gegen Weiß, Frau gegen Mann, Tradition gegen Moderne, rechts gegen links, Unterschicht gegen Oberschicht etc. Bei allem Verständnis für die Belange sowohl des Einzelnen, der Minderheiten aber auch der Mehrheiten sehe ich auf dem Schlachtfeld der Konfrontation keinerlei Möglichkeit der Annäherung oder der Kompromisse. Wie soll man auch in der Vergangenheit begangenes Unrecht wiedergutmachen? Verbindliche Gesten, Entschuldigungen befrieden vielleicht eine Seite, wecken aber auf der anderen Seite Unmut. Ein gangbarer Weg wäre die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner, nämlich dass wir alle Menschen sind und auf Gedeih und Verderb auf diesem kleinen blauen Planeten Erde doch alle in einem Boot sitzen. Ist der Mensch denn wirklich selbstsüchtig und aggressiv oder eben doch friedliebend und auf Zusammenarbeit bedacht?
In einer Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit heißt es: „Da die Notwendigkeit des Friedens immer dringender wird, verlangt dieser seiner Verwirklichung im Wege stehende, grundlegende Widerspruch eine Überprüfung der Prämissen, auf denen nach allgemeiner Ansicht das historische Dilemma der Menschheit beruht. Bei sachlicher Prüfung erweist es sich, dass jene Haltung keineswegs des Menschen wahres Wesen ausdrückt, sondern ein Zerrbild des menschlichen Geistes darstellt. Hiervon überzeugt, werden alle Menschen in der Lage sein, konstruktive gesellschaftliche Kräfte in Bewegung zu setzen, stehen diese doch im Einklang mit der menschlichen Natur und fördern Eintracht und Zusammenarbeit statt Krieg und Konflikt.“
Die Aussage Bahá’u’lláhs: „Betrachte den Menschen als ein Bergwerk reich an Edelsteinen von unschätzbarem Wert. Nur die Erziehung kann bewirken, dass es seine Schätze enthüllt und die Menschheit daraus Nutzen zu ziehen vermag…“ hat in den letzten drei Jahrzehnten zu einer fortlaufenden Entwicklung von Studienmaterialen beigetragen, die bei der Weltausstellung in Hannover im Jahre 2000 als beste Lernmaterialien weltweit ausgezeichnet wurden und mittlerweile global Anwendung finden. Jedem steht die Möglichkeit offen, Einblick in dieses neue Menschenbild zu erhalten, darüber nachzudenken und gemeinsam zu konstruktiven Lösungen beizutragen. Der Weg ist vorgezeichnet – wir müssen ihn nur gehen! – Marion Claus


Mit Befremden habe ich den Artikel von Khuê Pham „Die Linke Thatcher“ in der ZEIT gelesen. Es wird ein positives Bild von Theresa May gezeichnet, vornehmlich auf der Basis ihrer Antrittsrede, wie es scheint. Von einer Zuwendung zu den Verlierern der Globalisierung ist im Artikel die Rede, davon, dass sie eine „Hinwendung zum kleinen Mann“ vollzogen habe. Bei allem gebührenden Respekt muss ich Ihnen mitteilen, dass der Artikel schrecklich schlecht recherchiert worden ist. Es drängt sich die Frage auf, ob den Redakteuren und Autoren der Zeit die Fähigkeit zum kritischen Denken abhanden gekommen ist. Ist das gegenprüfen von angeblichen Fakten neuerdings zu kompliziert für die ZEIT? Eine Antrittsrede eines hochrangigen Politikers ist, ganz klassisch, ein Stück Rhetorik – mit vielen vagen Formulierungen und für gewöhnlich vielen Ausstiegsklauseln und Hintertüren. Das war schon in der Antike so, und ist auch so im Falle May. Ihre Aussage etwa, „We will do everything we can to give you more control over your lives.“ ist ein Paradestück hierfür. „Everything we can“, das ist ein Zwischen-den-Zeilen-Eingeständnis, dass sie selbst nicht davon ausgeht, dass ihre Regierung auch nur ansatzweise etwas ändern könne. Vom Wollen ganz zu schweigen. Dass die ZEIT einer solch plumpen Satzkonstruktion auf den Leim geht – beschämend. Damit aber nicht genug. Ein kurzer Blick zum britischen Independent offenbart, wie wenig Glaubwürdig May hinsichtlich ihrer „Mitleidstour“ ist. Dort wurde ihr Abstimmungsverhalten im Parlament genauer untersucht – mit interessanten Ergebnissen. Auch ihrer Redaktion sollte es doch möglich sein, die internationale Presse querzulesen, dort Fakten und Informationen zu sammeln und zu prüfen.
In Kürze, was der ZEIT anscheinend nicht bekannt ist: Am 4. April 2013 hatte May gegen eine Verpflichtung des Staates, mehr Menschen in ein Arbeitsverhältnis zu bringen, sowie gegen eine obligatorische Arbeitsplatzgarantie gestimmt. Gleichzeitig stimmte sie gegen Bankreformen, die aufgrund der Wirtschaftskrise gefordert wurden. Sie stimmte konstant für eine Erhöhung der Umsatzsteuer, gleichzeitig gegen eine Eindämmung der horrend steigenden Energiekosten auf Kosten der Bürger. Sie stimmte 2013 gegen den Bau von 100.000 bezahlbaren Wohnungen für sozial schwache Familien, 2011 zudem gegen die Schaffung von Jobs für junge Menschen mittels eines über Banken-Boni finanzierten Fonds. Im April 2016 stimmte sie gegen Vorschläge zur Reduktion der Steuerflucht und Steuerfreiheit. Ein krasser Gegensatz zu dem Inhalt ihrer Antrittsrede und dem in der ZEIT gezeichneten Bild der Frau.
All dieses sollte gerade der ZEIT eigentlich bekannt sein und bei der Verfassung eines Artikels über die neue Premierministerin Berücksichtigung finden. Das ist ausgeblieben und lässt einmal mehr Fragen zur journalistischen Qualität und Sorgfaltspflicht beim Recherhieren aufkommen. – Fabian Schindler


Beeindruckender Artikel, den ich in jedem Punkt unterstreiche. So ist das da! Denn ich stamme aus dem Ort Pattern, der im Tagebau Inden verschwand. Die politische Einheitsfront mit Landespolitik NRW, RWE und Gewerkschaften hat auch meine Kindheit und Jugend im Kraftwerk Weisweiler verfeuert. Besondere Wendehälse: Die Grünen, seit sie mit der SPD Regierungssitze teilen. Erbärmlich auch die Kollaborateure des Bistums Aachen. Arm in Arm mit der Heuschreckenherde von Antiquitäten- und Devotionalienhändlern. Kohle durch Braunkohle hatte seit Jahrzehnten Vorrang bis auch die skrupellosesten Mitesser am Tisch der Kohlemafia zugeben mussten, dass das „Restrisiko“ der dreckiges Braunkohle fürs Klima Folgen hat. Bei den AKW´s gibt es ja noch die Hoffnung, dass dieses nicht eintrifft. Klar, alles in dieser Wirtschaftsordnung legal und gerichtlich erlaubt. Was, Heimatverlust gebe es auch anderswo? Ein aus Schlesien Vertriebener kann seine Kindheit wenigstens noch besuchen, ich nicht. – Wolfgang Frings


Die Frage, die Harro Albrecht in seinem Aufsatz stellt, beantworten wir vom Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin vollkommen anders. Patientinnen und Patienten benötigen und haben einen Anspruch auf eine Versorgung gemäß evidenzbasierter Medizin (EbM). EbM im ursprünglichen Verständnis ist die Hinwendung zum individuellen Patienten mit Respekt vor dessen Präferenzen, Werten und individuellen Zielen, mit Respekt vor den Informationsbedürfnissen des Betroffenen, bei gleichzeitiger Reflexion des derzeitig besten wissenschaftlichen Beweises aus aussagkräftigen Studien und Einsatz der klinischen Erfahrung des Behandlers. Die EbM stellt eben genau die von Albrecht aufgeworfene Frage nach der Sinnbehaftung einer Behandlung in Anbetracht der individuellen Situation eines Patienten. Leitlinien informieren den Therapeuten und den Patienten. Sie sind jedoch nicht als Richtlinien zu interpretieren, die befolgt werden müssen, schon gar nicht, um die Erlöse zu steigern. Im Gegenteil: Es ist die ausdrückliche Aufgabe des Arztes bzw. Behandlers zu prüfen, ob die Empfehlungen aus den Leitlinien auf den jeweiligen Patienten angewendet werden können oder sollten. Dies erfolgt unter Beurteilung aller Gesundheitsprobleme und Behandlungsbedarfe, der sozialen Situation und der Prognose eines Patienten. Dem G-BA-Vorsitzenden Joseph Hecken, dessen Vaters Krankengeschichte den ZEIT Beitrag inspiriert, ist zu wünschen, dass er seinen Einfluss konstruktiv geltend macht, der fehlgeleiteten, instrumentalisierenden und gewinnmaximierenden Nutzung der EbM entgegenzuwirken. Keinesfalls vermischt werden dürfen jedoch Entscheidungen auf der Systemebene, wie der G-BA sie für die gesetzliche Krankenversicherung trifft, und Entscheidungen, die im individuellen Patienten-Arzt-Verhältnis getroffen werden. Bedauerlicherweise tut dies der Beitrag Harro Albrechts. – Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer & Prof. Dr. med. Ingrid Mühlhauser


 

 

07. Juli 2016 – Ausgabe 29

Ich kann Ihrer Bewertung nur zustimmen. Die Bundesrepublik Deutschland ist entsprechend ihrer Verfassung und insbesondere gemäß § 20 GG  eine mittelbare Demokratie. Alle Gewalt geht vom Volke aus, das diese auf Zeit (z. B. für eine Legislaturperiode an ein Parlament) verleiht. Das schließt plebiszitäre Elemente wie Volksabstimmungen, Volksbegehren und Bürgerbefragungen nicht aus. Die besonders ausgeprägte Berliner Praxis zeigt an zahlreichen Beispielen, die einem mehr oder weniger sympathisch sein mögen, wie viele und wie weitreichende Möglichkeiten es gibt, auch außerhalb von Wahlen auf politische Entscheidungen Einfluß zu nehmen. Immer mehr und immer weitergehende Mitwirkungsmöglichkeiten als Form der „direkten Demokratie“ zu verlangen und umzusetzen hieße allerdings, ein Gemeinwesen unregierbar zu machen. Auch dies ist in Berlin exemplarisch zu besichtigen. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Die deutschen Hersteller könnten in Sachen Elektromobilität schon viel weiter sein. Leider konzentrieren diese sich nur auf das Luxussegment. Wenn ich 50.000 Euro für ein Auto ausgebe, möchte ich natürlich von Hamburg nach München fahren können. Hier ist der Denkfehler. Um von Hamburg nach München zu kommen ist das Auto denkbar schlecht geeignet – vor allem das E-Auto. Die Zukunft gehört intelligenten Mobilitätskonzepten. Ich fahre mit dem Zug von Hamburg nach München und setze für die letzte Meile ggfs. ein Auto ein. Wir müssen weg vom bequemen Ende zu Ende fahren mit einem Verkehrsmittel, dessen Fixkosten so hoch sind, das es am besten ständig benutzt werden muss. Elektroautos fürs Pendeln und Einkaufen gibt es heute schon. Ein Kleinwagen gibt es mit Prämie ab 17.000 Euro. Die variablen Kosten sind gering. Deutschland muss wohl doch das Land der Kleinwagenführer werden – auch wenn es sich noch sträubt. – Andreas Grenzdörfer


Der oberste Hirte der Universalkirche attestierte den Erz-Bischöfen der deutschen katholischen Ortskirche 2015: „Die Erosion der katholischen Glaubens in Deutschland“ und nicht nur das; es war ein Fehler das Angebot des Bischofs van Elst anzunehmen, denn er hat sich nichts zu schulden kommen; er ist ein wahrhafter Hirte seiner Herde – wie dies ein Bischof sein muss – gemäß der wahren Lehre der Heiligen Schrift; keine Protestantisierung der katholischen Ortskirche durch die scheinbaren Gläubigen, die sich ihre eige Religion machen und sich das raussuchen, was zu ihren verqueerten Lebensrealitäten zu passen scheint. Es war schon oft so, dass die Menschen versuchen sich ihre eigene Religion zu machen, doch die Menschen haben sich durch die wahre Religion zu verändern und nicht umgekehrt; das Gutmenschentum wird immer unfähiger die gesunden Zellen der Gesellschaft zu hüten und zu pflegen. Die Folgen bleiben nicht aus – Zerfall der Familien, Scheidungen, Vernachlässigung psychischer fürsürglicher Art und Zerfall vieler Werte,sexueller Missbrauch in Familie und ihrem nahen Umfeld,  die Kinder sind zu über 20 % auffällig und viele Erwachsene sind gealterte Jugendliche. Es ist ja nicht so, dass die jetzige Zeit nichts zu bieten hat, aber viele Menschen können diese Errungenschaften gar nicht wahrnehmen, da sie die Gabe der Unterscheidung nie gelernt und viele sie verloren haben. Das Spiegelbild zeigt in ihrem persönlichen Leben. Die psychologischen Praxen quellen über; viele Kinder werden einfach vernachläaasigt. Keine gute Zukunft wo doch bei vielen Wohlstand vorherrscht.
Die Kirche ist nicht von ihrer Organisation her zu denken, sondern die Organisation von der Kirche her zu verstehen. Es stimmt: „Das Nicht-mehr-Sehen von Schuld, das Verstummen des Gewissens in so vielen Bereichen der Gesellschaft ist eine gefährliche Erkrankung der Seele als die immerhin noch als Schuld erkannte Schuld.“ (Görres) In dieser Falle sitzten viele Erz-Bischöfe der Katholischen Kirche, ganz zu schweigen von den vielen Menschen.  Ps 19, 13 formuliert: Wer bemerkt seine eigene Fehler? Sprich mich frei von der Schuld die mir nicht bewusst ist!“ Viele Menschen pflegen kaum noch ihr Gewissen – Gewissensbildung – ein Fremdwort. Die Apostel stellen das Wort Gottes in seiner Wahrheit dar; das Wort Gottes, das nicht gebunden ist und das niemandes Knecht ist, sondern das uns richtet und unser Richtmaß sein wird, ganz gleich welchen Standes jemand in seinem Leben ist; eben auch für die Päpste, Erz-Bischöfe und alle Menschen.
Der Apostel Paulus berichtet uns in 1 Thess 2, 2, dass er nach  vielerei Leiden und Bedrängnis freimütig den Glauben in schwerem Kampf verkündet hat. Was tun die Erz-Bischöfe, Priester, Diakone heute? Wie sieht es aus, wenn die Kirchenmänner – sie sollten dies ja immer tun – den wirklichen Mächten und Sünden dieser Zeit widerstehen, wenn sie die Zersetzung der Ehe, die Zerströrung der Famile, die Tötung der ungeborenen Kinder, die Verbiegungen des Glaubens anklagen? Sie werden angegriffen und madig gemacht; ihnen wird ein Jesus entgegengeschleudert, der angeblich nur Barmherzigkeit gewesen wäre. alles verstanden und niemals jemanden etwas zuleide getan hätte. Der wirkliche Jesus war anders: „Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ Mt 10, 34. Er vertritt die Überordnung der Wahrheit über das bloß bequeme Miteinander-Auskommen, das schließlich zur Macht der Ungerechtigkeit und zur Herrschaft der Lüge führt. Ein bloß verstehender Jesus wäre nicht gekreuzigt worden.
Die Erz-Bischöfe, Priester, Diakone haben die wahre Lehre des Herrn zu verkündigen, und nicht „um den Menschen, sondern um allein Gott zu gefallen“ 1 Thess 2, 4. Es hängt im Letzten alles am „Gefallen Gottes“, deshalb sind sie eigentlich frei und unabhängig vom Beifall der Menschen, deswegen ist Glaube bei Paulus nicht Schmeichelei, sondern Verkündigung der Wahrheit, ob gelegen oder ungelegen. Die Frage ist: Hat „der Neue“ diesen Glauben? Haben wir ihn? Denn das Wort des Herrn ist niemanden Knecht! Dagegen verstießen die Halunken des Domkapitels zu Limburg; deshalb müssen sie zurück treten!! Wird der Herr solchen einen Glauben uns gewähren? Dass er uns auch in den Erfolgslosigkeiten der Kirche den Mut gibt, auf ihn hinzuschauen, auf den Herrn, dessen Erfolge am Kreuz zu Ende waren und der doch gerade am Kreuz eine neue Periode der Geschichte und ein neues Leben für die Welt eröffent hat. Denn hinter dem Kampf der Wahrheit wird die Liebe des Herrn sichtbar. Vgl. 1 Thess 2, 7f. Lebt der „der Neue“ den wahren Glauben als Zeugnis für seine Herde, das ist es nämlich, was er benötigt? Denn er verkündigt sich nicht selbst, wirbt nicht für sich, sondern für den Herrn. Damit Glauben entsteht, genügt nicht Struktur, sondern dazu ist Leben notwendig, gelebter Glaube, der wieder Leben zeugen kann. Es stimmt: „Die Wahrheit wird euch frei machen“ Joh 8, 23 – weiß dies „der Neuer“? Es geht um die wahren Glauben – nicht um Erwartungen!! Wer glaubt, der liebt und tut die Gebote Gottes!! Oder wird er „die Sklerose des Herzens“ Mt 19, 8 weiter vorantreiben? „Das Leben wie die Heiden“, vor dem Herr die Jünger warnt (vgl. Mt 6, 32), immer mehr zum Normalfall zu werden droht? In einer Zeit, in der sich der Glaube bis ins Innere der Kirche hinein immer weiter verdünnt.
Ihre Meinungen tun das Wichtigste nicht kund; ich befürchte schlimmes für die Zukunft der Kirche; denn „die Sklerose des Herzen“ wird weiter voranschreiten. „…wir glauben; sie werden auf Lügen hören und Lehren folgen, die von Dämonen stammen.“ 1 Timotheus 4, 1. Die Praxis des Glaubens hängt an der Wahrheit des Glaubens. Sie widerspricht daher von Grund auf einer Praxis, die zuerst Tatsachen schaffen und dadurch Wahrheit herstellen will; wird der „Neue“ diese Gefahr sehen und sie im Glauben vermeiden? – Dr.Dr. habil. Michael Joseph Schaaf


Ihr Artikel ist tendenziös. Sie setzen lauter negative Prämissen und kommen dann logischerweise zu einem negativen Schluss. Ich bin mit Ihnen einverstanden, dass Plebiszite problematisch sein können. Dass aber grundlegende Verfassungsentscheide in einer Volksabstimmung getroffen werden ist sinnvoll. Die Einführung der konstitutionellen Monarchie in Spanien war nur deshalb so nachhaltig, weil über die Verfassung 1978 abgestimmt wurde. Das Land hätte ohne Abstimmung zwischen Franquisten und Linken zerrissen werden können. Der Verbleib in einer Organisation, die versucht, sich in Richtung eines Bundesstaates zu entwickeln, ist eine sehr grundlegende Entscheidung eines Landes, das sie sicher vom Volk getroffen werden kann, wenn nicht sogar muss.
Sie begründen Ihre abweichende Haltung weitgehend mit den Federalist Papers und vergessen dabei, dass die meisten amerikanischen Bundesstaaten sehr viele Volksabstimmungen haben und im Übrigen auch die Präsidentenwahl in den USA plebiszitären Charakter hat. Dennoch sind die politischen Verhältnisse in den USA sehr stabil. Die Federalist Papers sind durchaus nicht die (einzige) Grundlage der amerikanischen Verfassungswirklichkeit.
Nun zu Ihren Gegenargumenten. Das eine ist, dass das Volk verführbar sei. Sind Sie da so sicher? Farage ist ein Demagoge, aber sehr viele Briten (wahrscheinlich die Mehrheit) fühlen sich in einem auf einen Bundesstaate zugehenden Staatenbund nicht wohl. Hier wurde nicht wegen 18 Milliarden Beiträgen nein gestimmt, sondern weil die Menschen keine Zuwanderung von Millionen von Ausländern wollen. Das kann  man bedauern (ich bin für die Schweiz auch nicht begeistert über die Zuwanderungsfeindlichkeit), das ist vielleicht auch egoistisch, völlig irrational ist es aber nicht. Ihr zweites Argument ist, dass die Briten sich selber schaden. Dabei verfallen Sie nun aber der populistischen Propaganda der Gegenseite. England wird die enge Zusammenarbeit mit Europa suchen und auch finden, da die neuen Verträge mit der EU (im Gegensatz zur Schweiz) nicht mehr dem Volk vorgelegt werden müssen, und da beide Seiten aus solchen Verträgen Vorteile haben werden. Die emotionalen Stellungnahmen eines Junkers, eines Tusks und eines Schulz sind nicht massgebend. Die EU-Diplomaten und die britischen Diplomaten sind Profis, die gegenseitig das Maximum herausholen werden, womit  der gegenseitige Austausch von Waren und Dienstleistungen kaum beeinträchtigt werden wird. Die EU-Mitgliedstaaten werden sich nicht querstellen, weil ja mit Sicherheit Einwanderungsquoten nach England vorgesehen werden, von denen Osteuropa dann profitiert. Das ist ja die Angst der EU-Bundesstaatler, dass sich herausstellen könnte, dass eine EU light ohne Euro und ohne politische Union genauso gut, wenn nicht sogar besser funktioniert. Mittel- und langfristig sehe ich also die Auswirkungen auf die britische Wirtschaft als kaum sehr gravierend an. Ich halte die EU auch für ein Friedensprojekt und wünsche ihr im Gegensatz zu den rechtsnationalen Schweizern viel Erfolg. Solche polemische Artikel, wie Ihrer, in denen undifferenziert alle Volksbefragungen als demagogisch abgetan und die Folgen des Brexit-Entscheides ohne jede empirische Grundlage als verheerend dargestellt werden, nützen aber gar niemandem (ausser vielleicht der AfD, die sich in ihrer Ansicht, dass die Eliten doch nur zu ihren Gunsten klüngeln) bestätigt sieht. Wo ich ganz Ihrer Meinung bin ist, dass anders als in Grossbritannien und der Schweiz eine Verfassungsgerichtsbarkeit bestehen sollte, deren Kontrolle auch Volksentscheide unterliegen, wie das in den USA der Fall ist, was bedeutet, dass ein gewisser Kerngehalt der Grundrechte der Verfügung des Volkes entzogen sein sollte. – Hans Hegetschweiler


wie schon in der vorherigen ZEIT- Ausgabe (Grafik NATO mit völlig unsinnigen und nicht nachvollziehbaren Zahlenvergleichen), zeigt auch dieser Artikel wieder, dass es in der ZEIT- Redaktion wenig militärisch – strategischen Sachverstand gibt bzw. nachlässig recherchiert wird:
1. Einen „US- Luftwaffenstützpunkt Büchel“ gibt es nicht. Sie werden auf dem dortigen Fliegerhorst schwerlich auch nur ein einziges amerikanisches Kampfflugzeug finden, dafür aber reichlich Tornados der deutschen Luftwaffe.
2. Auf die „Stationierung von vier multinationalen Bataillonen in Estland, Lettland, Litauen und Polen“, die Sie selbst mit einer Gesamtstärke von „insgesamt nicht mehr als 4000“ beziffern, reagieren die Russen mit der (angekündigten) Verlegung von drei Divisionen an ihre westliche Grenze. Bezeichnenderweise gibt es hier keine Angabe einer Größenordnung – oder kennen Sie den Unterschied zwischen Bataillonen und Divisionen nicht? Drei russische Divisionen dürften zwischen 30.000 und 100.000 Mann umfassen  –  eine angemessene Reaktion auf diese „NATO- Agression“? – Siegfried Orth


In der ZEIT ist zu lesen: „Paradox, aber so ist es: Die Nato, der Welt größtes Militärbündnis, besitzt keine eigenen Flugzeuge. Deshalb nimmt Nato- Generalsekretär Jens Stoltenberg eine Passagiermaschine der belgischen Luftwaffe…“ Da hat die ZEIT ja etwas ganz Sensationelles enthüllt!
Gegenfrage: Wieviele Kampfpanzer hat die Nato? Wieviele Kriegsschiffe? Wieviele Kanonen? Ja, wie viele Soldaten? Ach  –  ebenfalls Null!?! …weil die alle den nationalen Streitkräften der Partnerländer angehören. Ist bei einem Militärbündnis ja eigentlich normal, oder?
„Die Nato hat keine eigenen Flugzeuge“ ist im Übrigen falsch: Ausgerechnet Flugzeuge „hat“ die Nato nämlich sehr wohl: Die in Geilenkirchen stationierten AWACS- Flugzeuge sind tatsächlich Nato- Gemeinschaftseigentum  –  übrigens zugelassen in Luxemburg, das wiederum (bisher) keine eigenen Militärflugzeuge hat. – Siegfried Orth


„Schicksalsfragen gehören ins Parlament“ – soweit die Theorie.
Nur – Herr Joffe, wo sind diese Volksvertretungen, an die Sie
diese Mahnung andressieren? Wo sind die Volksvertreter, die willens und fähig sind, Schicksalsfragen zu debattieren und auch zu entscheiden? Denken Sie dabei etwa an den Deutschen Bundestag
– dessen Mitglieder mit Aufkommen der Finanzkrise sich umgehend einig waren, milliardenschwere Entscheidungen durch ein neunköpfiges Sondergremium fällen zu lassen und erst durch das Bundesverfassungsgericht zum Jagen – sprich zur Abstimmung im Plenum – getragen werden mußten –
– dessen Mitglieder in den Medien darüber lamentieren, daß wichtige Abstimmungen mitunter auch in Parlamentsferien anberaumt werden müssen –
– dessen Debatten durch die Zuteilung der Redezeiten weitgehend von Vertretern der Großen Koalition beherrscht werden und damit zum Sprachrohr der Exekutive verkommen ?
Denken Sie etwa an die Parlamente Spaniens und Griechenlands, wo die maßgeblichen politischen Akteure heillos ineinander verkeilt die Legislative mit permanenten Neuwahlen – oder der Drohung
damit – aushebeln? Oder denken Sie an das Europaparlament, dem schon die erste Voraussetzung repräsentativer
Demokratie – nämlich Resultat gleicher Wahlen zu sein („One man, one vote“)  – fehlt? Diktatur des Volkes?  Leben wir nicht vielmehr in einer „Diktatur der Verantwortungslosigkeit“? Solche Fragen aufzuwerfen führte wohl eher zum Kern der Krise unserer repräsentativen Demokratien als vordergründige Wählerschelte. – Dr. med. Karl-Heinz Zitzl


Es ist gut, daß Sie das Thema sachlicher angehen. Es kommt zur rechten Zeit, den  „Fußballexperten“ in der Bundesliga die tatsächliche Sachkenntnis nicht abzusprechen, wohl aber die ständigen falschen Erklärungen und Einschätzungen zu widersprechen. Wenn man selbst lange Fußball gespielt und dann noch dazu von einem begnadeten Trainer trainiert wurde, ist man sehr wohl in der Lage den Fußball richtig lesen zu können und der ist wie er nunmal ist, keine Offenbarung. Was mich aber besonders stört, ist die Tatsache, daß die heutigen aktiven Fußballer und in Stellung des DFB’s tätigen Sportdirektoren und in ähnlichen geschmückte Positionen, nicht in der Lage sind Selbstkritik zu üben und nur eines im Sinn haben, die Altnationalen mit unangemessener Kritik zu überziehen. Diese Größe bringt keiner auf. Wenn gesagt, der Fußball der Deutschen Nationalmannschaft ist eine Katastrophe, dann wäre das so verkehrt auch nicht. Mich umtreibt aber noch eine ganz andere Tatsache. Jedes Elfmeterschießen ist ein Armutszeugnis aller Mannschaften. Wenn angeblich hochkarätige Fußballer in 90 respektive 120 Minuten kein Tor treffen, was soll das denn sonst sein…..!? Es ist offensichtlich, daß die Schussstärke der deutschen Mannschaft schlechter nicht sein kann. Wenn ich die Fußstellung der Spieler beim schießen beobachte müssen die Bälle immer übers Tor gehen oder weit daneben. Es scheint daran zu liegen, daß die großartigen Trainer es auch nicht wissen. Das ist aber ein Problem aller Mannschaften, deswegen kann es auch durchaus sein, das Deutschland Europameister wird, weil sie sehr geschlossen und kompakt agieren und über eine sehr gute Kondition verfügen. Fußballtechnisch aber sind sie nur zweite Wahl. Wer nicht verstehen will, das im heutigen Fußball 10 Fußballer stürmen und verteidigen, dann ist es reiner Zufall wenn im Strafraum ein Tor fällt, dem kann man kein gutes Zeugnis ausstellen. Die Lösung kann doch nur sein, des ôfteren aus der Distanz zu schießen. Aber dafür muß man auch die richtige Schußtechnik beherrschen, die ist aber nicht vorhanden. Nein, Herr Scholl war verhältnismässig noch zahm mit seiner Bewertung.
Das scheint auch eine Gesellschaftliche Entwicklung zu sein, Kritik als Beleidigung aufzufassen. Das wurde in den Klassenzimmern der Lehranstalten wohl nicht mehr gelehrt. Es gibt zwei Arten von Reaktionen: die einen hauen drauf , die anderen ziehen es ins lächerliche. Beides ist eigentlich eine Charakterschwäche. – Gunter Knauer


Unabhängig von den gewichtigen Argumenten, die der Brief von 25 internationalen Kulturschaffenden dem Offenen Brief von 170 Volksbühnen-Mitarbeitern vom 20. Juni entgegenhält, kann man als Theater-Begeisterter und Volksbühnen-Besucher feststellen, dass dieses Haus dringend einen frischen Wind und neue Konzepte benötigt. Gewiss, Frank Casdorf hat eine treue Gemeinde, die für eine gute Auslastung der Volksbühne in den letzten Jahren gesorgt hat. Aber wenn man nicht zu dieser Gemeinde zählt, wenn man nicht über die ewig gleichen, selbstreferentiellen Zitate vom Kartoffelsalat des Henry Hübchen bis zu den Markisen aus dem Laden von Vater Casdorf lachen kann oder will, muss einen der Klamauk der letzten Casdorf-Stücke oder -Inszenierungen wie z. B. „Judith“ – nicht nur wegen der Überlänge von fünf Stunden – gewaltig anöden, und man freut sich auf einen Neubeginn. – W.-R. Heilmann


Wer , um gottes willen,  ist auf den einfall gekommen, populismus mt populismus zu bekämpfen? was ihr herr joffe abliefert ist peinlich. sein angst vor dem volk kann ich noch verstehen, den er hat ja viel zu verlieren. woher aber weiß er, wer die bedachten interessen der briten bedacht hat? mich interessierte es schon, wer so arrogant ist 14 millionen  wählern zu unterstellen, sie hättten nichts bedacht oder sich absichtlich selbst mit einem atomschlag gegen bedenken  geschadet. lügen gegen lügen hilft auch nicht.  das gemalte horrorszenarium ist, soweit ich meiner „lügenpresse“ glauben kann ,noch nicht eingetreten, Aber herr joffee weiß es schon. seit  wann ist eine wahl nur dann gut, wenn sie den interessen der herrschenden dient,also mit einem von ihnen  gewünschten ergebnis endet.. mein demokratieverständnis ist altmodisch anders. bisher dachte ich das dass ergebnis einer wahl zu respektieren ist. nun aber weiß  – herrn joffee sei dank – ich das wählerbeschimpfung die richtige antwort ist. gerade zu lächerlich ist die darstellung der amerikanischen demokratie. Nachvollziehen kann ich die wohltat des jahrelangen zwist zwischen senat und kongreß für das amerikanische volk nicht. ziehen wir also den schluß.  plebiszite sind mist ,weil man verlieren kann,  wahlen sind eigentlich auch mist, die kann man auch verlieren.( gott sei dank wird bei unseren wahlen nie gelogen) ich schlage daher vor :   herrn joffe als wohlbedenkenden regenten einzusetzen. – Wolfgang Petter


Schade nur, daß Josef Joffe mit keiner Silbe das bewundernswert gut funktionierende Schweizer Modell der Volksabstimmungen über praktisch alle dort relevanten Angelegenheiten erwähnt; und ebensowenig  für Deutschland durchaus vorstellbare Bevölkerungsabstimmungen über wichtige lokale Fragen, wie z.B. den (überflüssigen?) Bau aufwendiger neuer Rathäuser für das Politestablishment vor Ort – mit den üblichen Kosten- und, in deren Gefolge, Steuererhöhungen. – Fredrik Walter


Man kann etwas richtig machen und man kann es falsch machen. Und mit dem Brexit ist es falsch gelaufen. Der Schluss aber, den Sie ziehen, scheint mir etwas voreilig. Schließlich leben wir in einer Demokratie. Der Bürger wird zumindest alle 4 Jahre an die Wahlurne geholt und dann zeigt sich, das wir fast nur noch eine Wahlbeteiligung von 50% haben. Mit der Begründung, der Bürger hat ja sowieso keinen Einfluss. Die da oben machen sowieso was sie wollen. Und Sie begründen dies auch noch. Der Bürger wird ja sowieso von Populisten verführt. Eigentlich müsste man die Demokratie abschaffen. Darf ich Sie daran erinnern, das das katholische Zentrum 1933 geschlossen für die Hitler und damit für die Abschaffung der Demokratie gestimmt hat? Beim Zentrum hat es sich nicht um ein von Demagogen verführtes Volk gehandelt, sondern um gestandene Parlamentarier, und soweit wie ich informiert bin, waren Leute wie Theodor Heuss dabei.
Das lässt erkennen, das Problem ist komplizierter. Deshalb sollten Referenden mit weitreichender Bedeutung nicht mit einfacher Mehrheit entschieden werden, sondern mit 50 plus x %.
Außerdem ist die EU als starres System konzipiert. Das Jemand aussteigen will, war überhaupt nicht vorgesehen. Alle starren Systeme laufen Gefahr, zu zerbrechen. In der Natur ist alles elastisch und kann nachgeben und ausweichen und wieder zurückkommen und sich aufrichten. Die starren Systeme des Menschen zerbrechen alle. Damit Wirtschaftsverbände billige Arbeitskräfte ins Land holen können und die Löhne der bisher Sesshaften reduzieren können oder sie sogar arbeitslos machen können, gibt es das Prinzip vom freien Personenverkehr in der EU. Ein unverzichtbarer Grundsatz der EU. Der Bürger spielt keine Rolle mehr. Er hat nur noch zu funktionieren und sich mit  seinem bescheidenen Schicksal abzufinden, wie in der Feudalzeit. Als der König noch von Gott eingesetzt war. (herrliche Zeiten waren es damals. Und aufmucken konnte damals auch keiner). Heute gibt es Anstrengungen, diese Verhältnisse von damals wieder herzustellen. Und Bürger, die sich dagegen wehren, werden bestraft, wie jetzt die Engländer. Die geglaubt haben, das die Verfechter dieser Brexit-Idee ein Konzept gehabt hätten. Mit Demokratie hat die EU  nicht mehr viel zu tun. Wir brauchen aber mehr Demokratie, auch wenn es ab und zu mal schief läuft.  Verantwortungsvolle Politiker in Brüssel würden auch eine solche Situation auffangen und abmildern und retten. Die haben wir aber nicht. Leider. – Reiner Püschel


Ihren Bericht „Die Diktatur der Feuermelder“ finde ich sehr einseitig. Viel zu kurz kommt darin der große Erfolg, dass vor allem durch die inzwischen in vielen Bundesländern geltende Rauchmelderpflicht in Wohnungen die Anzahl der Todesopfer durch Rauch und Brand sich über einen längeren Zeitraum betrachtet nahezu halbiert hat. Dies ist vor allem ein Verdienst der Lobbyarbeit der deutschen Feuerwehren. – Dipl.- Ing. Peter Wiegmann


Mit Interesse habe ich den Artikel über den Brandschutz und seine aberwitzigen Auswüchse gelesen. Ich habe während meiner aktiven Zeit als Ingenieur damit nur am Rande zu tun gehabt, möchte aber hier darlegen, dass die Problematik in Wahrheit viel umfassender ist und viele Bereiche unseres übersatten Gemeinwesens umfasst, welches sich die Auswüchse in vielen Bereichen der Technik ja offensichtlich leisten kann:
1. In allen Bereichen vom Atomkraftwerk über das Flugzeug bis zur Eisenbahn und so auch im Brandschutz beruhen die Sicherheitsbetrachtungen letztlich auf Wahrscheinlichkeitsrechnung bezüglich des Eintritts eines Schadensereignisses. Das bedeutet, ein gewisses sehr niedriges Restrisiko wird in Kauf genommen, absolute Sicherheit gibt es eben nicht. Ich habe jedoch den Eindruck, dass man derartiges heute kaum noch aussprechen darf. Gehen unsere Juristen heute von der anzustrebenden Sicherheit von 100% aus?
2. Der hochgelobte deutsche Ingenieur… Ich stamme aus einer anderen Zeit, in der man noch davon ausging, dass man sein Gehalt für die Übernahme von Verantwortung bekam. Mir sind leider in meinen letzten Berufsjahren immer mehr junge Menschen begegnet, die kaum noch eigene Kreativität entwickelten, sondern nur noch „gemäß Vorschrift“ und „gerichtsfest“ (das Unwort überhaupt) tätig waren. Liegt das an der Ausbildung oder am betrieblichen Umfeld? Kein Wunder, dass man heute für alles und jedes Gutachter braucht, nicht nur beim Brandschutz!
3. Ihr Artikel brachte das auf den Punkt, was ich in jahrzehntelang in mehreren Bereichen zunehmend beobachten konnte: Auftraggeber, Gutachter und (im Beispiel Brandschutz-) Industrie haben natürlich ein gemeinsames Interesse, auch überschaubare Tatbestände als schwierig, unverständlich und gefährlich darzustellen. Und die Gremien, die die Vorschriften machen bzw. im Vorfeld entscheidend beeinflussen, sind natürlich weitgehend auch mit denselben Leuten besetzt. Ich unterstelle damit ausdrücklich niemandem unlautere Motive… Man ist ja so wichtig und unverzichtbar, und sein Brot kann man in diesem „System“ auch gut verdienen.
4. Letztlich darf man nicht vergessen, das all‘ diese Aktivitäten natürlich auch Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum bedeuten. Wer kann also etwas dagegen haben? – Kurt Otto


Ihr Leitartikel ist der Beleg dafür, dass die Pressefreiheit und eine große Zeitung kein Garant für die Vermeidung des Verbreitens großen Unsinns sind.
Volksentscheide als „Diktatur des Volkes“ zu verunglimpfen ist Ihrer Zeitung nicht würdig. Gleichwohl plädiere ich nicht für die Einführung einer Zensur. Jeder Form der Demokratie ist das Privileg des Irrtums immanent. Ein Irrtum, der sich nur historisch feststellen lässt. Denn in einem demokratischen Entscheidungs-prozess gibt es kein richtiges oder falsches Ergebnis, sofern der Entscheidungsprozess die diesbezüglichen Regel beachtet. Der von Ihnen hochgelobte Parlamentarismus – auch in Deutschland – bietet reichlich Beispiele dafür, dass sich nicht die Vernunft, sondern sonstige Einflussnahmen, zum Beispiel Lobbyisten, durchsetzen.
Auch wenn es für Sie, wie für uns alle hart ist, die Demokratie verwirklicht sich bis weilen in der Durchsetzung der Dummheit. – Stefan Welzel


Jürgen Habermas bringt es wieder einmal °auf den Begriff°:Es war eigentlich überhaupt nicht zu erwarten, daß sich in Großbritannien die Polemiker von Identitätsfragen gegen die Lobbyisten von Interessenlagen durchsetzen. Habermas sagt kurz und bündig:   noch funktioniere die europäische Einigung aber.  Er bestreitet auch nicht, daß die BRD in einem gewissen Sinne   Nutznießer des großen EU-Binnenmarktes ist. Ist dies denn auch gar verwerflich? Zur ordoliberalen Wirtschaftspolitik  Berlins äußerst sich Habermas vorsichtig, weil diese  – wie jede nationale Politik – eben national ist.  Das sind die französische und die italienische  WP eben mit ihrer Weichwährungstheorie  doch auch.  Habdermas kritisiert unverhohlen das technokratische Vorgehen von >Angela Merkel, die häufig auch auf Aussitzen setzt. Er spricht auch von einem „Schaumteppich der Einschläferung“. Die von Habermas beobachtete Anpassungsbereitschaft der bürgerlich-konservativen Presse besteht leider.- Habermas diagnostiziert dem UK einen distanzierten Blick auf den Kontinent. Dies wird auch nach dem Brexit so bleiben. Aber „the stiff upper lipp“ der Engländer ist jetzt nicht mehr berechtigt. Ja… die Briten haben immer eine Politik des Vorbehalts getrieben. Wo blieb aber ihr Sachverstand, als sie eine wahnwitzige De-Industrialisierung eingeleitet haben? Warum gibt es die meisten minderjährigen Mütter in ganz Europa ausgerechnet  in England.. nicht nur unter 18 , sondern insbesondere  unter 14??   Emile Durkheim hätte eine kranke Gesellschaft damit assoziiert !!  England ( Teil des UK) ist mit dem Brexit abrupt vom hohen Roß der Westminster Oligarchie hinab gestiegen.    Aber Deutschland steht  überhaupt keine Häme an. Historischer Dauererfolg ist nirgends wo  in der Welt buchbar.. auch wenn das UK das „betting“ (Wetten auf alles Mögliche) so liebt. Auch Habermas hebt heraus, daß die ärmeren Schichten und die sich abgehängt fühlenden Randgruppen im UK für den Brexit gestimmt haben. Habermas   beklagt „sozialpathologische Züge“ beim Brexit. Er hat wohl recht. Wie bei Johnson und  Nigel Farage will es jetzt niemand gewesen sein, der ein unsinniges Volksvotum herbeigeführt hat-.^^ Habermas meint, daß in der globalisierten Postdemokratie  der NGO“s ( damit sind in diesem Fall einmal  nur die oligarchischen Vermachtungen in der Welt gemeint , der politisch-regulierende Überbau verloren gegangen sei. ^^ Habermas teilt viele Auffassungen des neuen Star-Soziologen der BRD  Wolfgang Streeck. Aber Habermas sagt – fast diktatorisch- ein Zurück zum Nationalstaat gibt es nicht.^^ Politik im Merkel“schen Sinne ist Abwiegelung schiebt nur die Probleme in ein Diffuses nach vorne.—Interessant ist der Satz, daß die Union seit Jahrzehnten ihre eigenen Wähler geistig unterfordert. ^^ Habermas sagt dann das erlösende Wort: „Keine Visionen mehr, sondern Lösungs-Kompetenz seien angezeigt.. Der Intergouvernementalismus von Wolfgang Schäuble wird es nicht richten, weil dieser eine gemeinsame Idee von Europa voraus setzt.^^ JA: wie Habermas trocken bemerkt, Sozialstaat und Demokratie bilden auch europapolitisch einen inneren Zusammenhang, den der einzelne Nationalstaat eben nicht mehr verbürgen kann. – Sigurd Schmidt


Ihr Autor hat ja recht. In dem Fall sollte er  aber großzügiger denken. Stellen sie sich vor, der Brexit wäre pro Europa ausgegangen. Glauben Sie im ernst, die Macher in Brüssel hätten jemals etwas geändert? Nein, die hätten sich in ihrem handeln bestätigt gefühlt. Insofern war die Volkesstimme in England ein Gewinn für die EU. Die EU krankt ohnehin am Personal. Nach Brüssel gehören die denkbar Besten. Es fehlt in der Spitze eine Persönlichkeit, der auf die Staaten zugeht und sich nicht ständig in Kritik übt. Den Laden mit 28 Staaten völlig unterschiedlicher Kulturen zusammenhalten, ist nämlich eine Bärenaufgabe. – Gunter Knauer


1. ist der Brexit weder ein Atomschlag noch sonst eine Katastrophe, sondern ein Abstimmungsresultat, mit dem sich die Bürger und ihre Politiker auseinandersetzen müssen. Resultieren wird ein Kompromiss – das kennen wir in der Schweiz und leben recht gut damit. Nicht jedes grössere Problem ist eine Krise, aber meist eine Aufforderung, Dinge zu durchdenken und besser zu machen.
2. haben Sie beim Schreiben Ihres Beitrags offenbar nicht daran gedacht, dass es auch nicht ganz wenige Leser Ihrer Zeitung in der Schweiz gibt. Denen sträuben sich beim Lesen die Nackenhaare. Vox populi – vox Rindvieh?
Wie soll ein Volk, das offenbar unfähig ist, eine einigermassen klare Frage mit Ja oder Nein zu beantworten, denn seine Vertretung wählen? Wo eine Wahl doch viel komplizierter und undurchsichtiger ist? Und wo nehmen wir „erleuchtete“ Parlamentarier her, die gleichzeitig dieses unterentwickelte Volk angemessen vertreten sollen?
Zu Ihrer Verteidigung können Sie anführen, dass ein Plebiszit aus heiterem Himmel vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss war*. Hätten die Briten früher abstimmen können zu ähnlichen Fragen, hätten sie ihre Unzufriedenheit in einem weniger brisanten Votum ausdrücken können und der Brexit wäre wohl unterblieben.
Auch die Abstimmungen in der Schweiz sind sicher nicht immer der Weisheit letzter Schluss – Parlamentsbeschlüsse aber auch nicht, und das Referendum (zusammen mit dem Subsidiaritätsprinzip) hat den grossen Vorteil, dass das Parlament nicht ganz bürgerfern agieren kann. Es gibt darum in der Schweiz zwar die populistische SVP, aber keine Cinque Stelle und keine AfD, deren Vertreter Alexander Gauland postuliert: „Wir geben Menschen eine Stimme, die nicht mehr das Gefühl haben, dass sie von den politischen Eliten gehört werden“…. – Silvia Kraus-Billeter


Da sind Sie aber in Ihrem Ärger deutlich über das Ziel hinausgeschossen: Jede Wahl ist eine Befragung des Volkes! Und sprechen Sie mal mit der Bundeskanzlerin: Fast jede ihrer Äußerungen und Haltungen (die sie trotzdem selten genug hat) ist Ergebnis der täglichen Meinungsumfragen. Das ist das Geheimnis ihrer abgewogenen und ruhigen Politik: Erst mal die letzte Meinungsumfrage ansehen und sich dann meist zu spät melden.
Die Brexit-Abstimmung in Grossbritannien mag man bedauern oder nicht, sie ist für die Regierung de jure nicht bindend. Sie wird trotzdem, mindestens teilweise, umgesetzt werden. Aber daran die Ablehnung jeder Volksbefragung, also Bürgerbeteiligung, aufzuhängen ist grundfalsch und unsinnig.
Genau anders herum wird ein Schuh daraus: Weil die Politik die Menschen viel zu selten einbezieht, hat sie immer mehr Legitimationsprobleme. Und wenn der öffentliche Diskurs über wichtige Fragen gar nicht stattfindet und Entscheidungen immer abgehobener und ganz weit weg getroffen werden (z.B. in Brüssel), kommen Ukip, FN, AfD und Co. ins Spiel. Ihr von mir sehr geschätzter Kollege Roger Willemsen hat in seinem Buch „Das Hohe Haus“ nach einjähriger Anwesenheit bei allen Sitzungen des Deutschen Bundestages das Fazit gezogen: „Es gibt nur einen einzigen Punkt, bei dem sich alle Fraktionen einig sind: die Verachtung der Armen.“ Erst 40% der Bevölkerung aus der Gesellschaft aus zu schliessen und sich dann darüber zu wundern, dass diese eine Stimme suchen, auch notgedrungen die eines Verführers, kann doch nur Ignoranten wundern. Ich habe in meiner Zeit politischer Tätigkeit genügend Abgeordnete kennen gelernt um sagen zu können, dass ich fast keinem eine höhere Kompetenz als dem Volk attestiere. Bürgerbeteiligung ist sehr mühsam, ich weiss das als langjähriges Mitglied kommunaler Planungsgremien und als der Ideengeber der Bürgerbeteiligungsbestimmungen im Bundesbaugesetz. Aber die Nicht-Beteiligung ist viel mühsamer und noch gefährlicher für die Demokratie. Und noch etwas zur Volksbefragung, zu der man Bürgerbeteiligung sagen muss:
In dem Land, in dem ich seit Jahren lebe – sehr bewusst und gerne –, wird das Stimmvolk 20 bis 30 Mal im Jahr befragt, seit 120 Jahren. Deshalb sind z.B. die Finanzen gut sortiert, denn das Stimmvolk muss den Haushalt der Gemeinde und des Kantons beschliessen, auch die Höhe der Steuern, der Kreditaufnahmen und deren Verwendung. Und trotz der geringeren Steuersätze (50% gegenüber Deutschland) gehen Sie mal hier in eine Service-Vertretung des Staates (Einwohnerstelle, Kfz-Stelle, Steuerbehörde): Als Deutscher kommen Sie aus dem Staunen nicht heraus, Menschenschlangen sind völlig unbekannt, das Finanzamt entscheidet in 1-2 Tagen und unterschreibt so wie es handelt „Wir hoffen, Ihnen damit gedient zu haben“. Und die Integration von 25% Ausländern ist der Confederation Helvetica weitestgehend gelungen. Kein Wunder also, dass sich seit Monaten Besucher aus aller Welt die Klinken in die Hände geben um die positiven Erfahrungen mit der Schweizer Bürgerbeteiligung, also Volksabstimmung, ganz praktisch kennen zu lernen. – Gerhard Lehmann


Für die Wiener mag ja die Besetzung des Schlachthofes in St. Marx „die Initialzündung für eine offene und breit gefächerte Kultur und Jugendszene sein“, für Jugendliche in der Provinz, waren die Folgen der Besetzung ein absoluter Albtraum. Eine „gefühlte Ewigkeit“ lang wurde in der einzigen Jugendsendung des Staatsfernsehens über jedes noch so kleine Detail der Vorgänge rund um St. Marx berichtet. Alles drehte sich um St. Marx und alles andere kam zu kurz. Wir wollten Action, wollten Musiker sehen und hören, die ihre neuesten Hits bei Konzerten präsentieren. Nichts da, St. Marx langweiligte die Jugendlichen in der Provinz zu Tode. Wenn einmal zwei Minuten lang ein alter Konzertmittschnitt von Janis Joplin oder Jimi Hendrix gesendet wurde, sprangen wir von unseren Sesseln auf und jubelten wie heutzutage die Franzosen bei der Euro, wenn Griezmann ein Tor schießt. St. Marx war die größte Spaßbremse meiner Jugendzeit! – Egon Hofer


Danke für diesen konstruktiven Beitrag, der mir aus dem Herzen spricht. Mein Vermieter (Wohnung) hat Rauchmelder anbringen lassen, die Tag und Nacht blinken. Keine Ahnung was er sich dabei denkt… Hauptsache, die Brandschutzverordnung wird eingehalten.
Ich beobachte, dass  Menschen, in Wohnungen/Gebäuden mit Rauchmeldern unachtsamer mit iher Verantwortung umgehen, frei nach dem Motto: dafür sind jetzt Andere zuständig! Ich wünsche mir, dass dieser Artikel eine rege Diskussion anregt sprich öffentlich wird. – Rita Gerstenkorn


Das Herumhantieren mit dem Begriff “Hegemon“  in Ansehung der Stellung Deutschlands innerhalb Europas ist völlig unergiebig. Mit der Westbindung nach dem zweiten Weltkrieg ist die Bundesrepublik durch ihre Mitgliedschaft in der Nato und in der EU in zwei kollektive Sicherheitsysteme eingetreten. Der Begriff Hegemon mag auf die  USA, Rußland   und China zutreffen. Der BRD  fehlen dafür aber alle nötigen Attribute, insbesondere auch militärischer A^^ Im Übrigen wünschen die europäischen Verbündeten der Bundesrepublik überhaupt nicht, daß Deutschland den Takt angibt   .Nicht Berlin, sondern Großbritannien hat jetzt ein Chaos verursacht.. – Sigurd Schmidt


Frankfurt/Main hätte mehr aus sich machen können. Die Stadtplanung hat nie etwas getaugt. Ich habe einige Jahre in Frankfurt /M gelebt und gearbeitet. Der Stadtkern gibt nichts her. Die Hauptwache und die Zeil ist kein Hingucker. Moderne und attraktive Läden kaum vorhanden. Das hässlichste Bild zeigt die Kaiserstraße vom Bahnhof bis zur Taunusanlage. Es scheint in den Genen der Hessen zu liegen dafür kein Faible zu haben. Die Schöngeister haben sich für Frankfurt anscheinend kaum interessiert. Wenn Sie mich fragen würden, was man ändern könnte, um die Attraktivität zu steigern, müsste man ehrlicher Weise die halbe City platt machen und neu gestalten. Die „Kö“ in Düsseldorf ist dagegen eine mondäne Geschäftsstraße. Was sich allerdings sehen lassen kann; ist der Frankfurter Flughafen und der Palmengarten im Westend mit dem vorgelagerten „Alten Opernhaus“ mit Vorplatz. Der Römer mit seinem Altstadtflair kann sich auch sehen lassen. Wohnen können die Player aus London in der Umgebung sehr schön. Im Taunus mit seinen attraktiven Wohndörfern werden sich die Londoner gut anfreunden können.
In die City von Frankfurt/M. sind es kaum 30 Minuten mit dem PKW. Auch die Nachbarorte wie Wiesbaden und Bad Homburg laden in ihre Spielcasinos ein, die auch leicht zeitnah zu erreichen sind. Frankfurt/Main aber mit London vergleichen zu wollen, kommt einer Beleidigung der Londoner gleich. – Gunter Knauer


Der Mann hat Deutschland erkannt. Egoismus und Starrsinn und auf der anderen Seite falsche Toleranz zu den Menschen, die keine Toleranz verdienen. Der Autor sagt: „Ich habe den Eindruck, dass es den Deutschen schwerfällt, sich in die Lage ihrer Partner hineinzuversetzen.“ Das ist noch höflich formuliert. Ich würde eher sagen: Die Besserwisserei hat leider schon krankhafte Formen angenommen. Helmut Schmidt hat der Regierung schon geraten mehr Bescheidenheit mit dem Umgang anderer Länder aufzubringen. Das hat leider kaum etwas bewirkt. Besonders die „Linken“ und „Grünen“ tun sich schwer damit, auch mal das „Maul“ zu halten, wenn es angebracht wäre. – Gunter Knauer


Die Argumentation von Josef Joffe greift zu kurz. Denn auch wenn die Kampagne der Befürworter eines Brexists äußerst beängstige Elemente enthalten hat, die von keiner geringen Skrupellosigkeit zeugen, sollte man nicht Volksentscheide generell verdammen. Schließlich gibt es auch Fälle wie zum Beispiel in Hamburg, wo die Bürger bei den Abstimmungen für den Rückkauf der Energienetze sowie zum Nein zu Olympia insbesondere in nachhaltiger finanzieller Hinsicht ein deutlich höheres Verantwortungsgefühl als die eigentlich regierenden Politiker gezeigt haben. Deshalb muss man hier differenzieren, zumal bei einer rein repräsentativen Demokratie das nicht unerhebliche Problem bleibt, dass sich die politischen Eliten im zunehmenden Maße von der einfachen Bevölkerung mental entfernen, was dann wiederum, nur mit etwas zeitlicher Verzögerung, den Populisten zu Gute kommt! – Rasmus Helt


Josef Joffe gefällt sich weiter in der Rolle der Kassandra – allerdings mit dem Unterschied, dass seine Prophezeiungen Hirngespinste sind. Er schimpft und ist beleidigt, weil die Briten nicht auf ihn gehört haben. Man gewinnt den Eindruck, dass – wäre das Referendum andersherum ausgegangen – er laut die Weisheit der Briten gepriesen hätte. Und er verkennt die Sinnhaftigkeit des Referendums. Wie wird denn Politik gemacht?
In einer repräsentativen Demokratie stellen die Parteien die Regierung, die den effektiveren Wahlkampf gemacht haben. Oft genug gibt es dabei nur knappe Mehrheiten. Insofern hat (auch) in solchen Demokratien der Zufall Einfluss auf die Politik. Daneben gibt es aber die „Volksseele“, die sich kontinuierlich und gemächlich weiterentwickelt und mit dem Begriff „Identität eines Volkes“ bezeichnet werden kann. Alles, was diesen Bereich tangiert, verlangt zwingend nach dem Instrument des Referendums, wenn man wachsende Politikverdrossenheit im Volk vermeiden will. Ein Beispiel dafür ist die Frage, ob man den Zustrom von Millionen Muslimen in ein seit über ein Jahrtausend christlich geprägtes Land begrüßen soll. Ein anderes, ob die Mitgliedschaft in einer überdehnten und verknöcherten Union wünschenswert ist. In solchen „Schicksalsfragen“ ist – bei engagiertem Wahlkampf – der Volksentscheid ein Muss. Die von Joffe angeführten Gegenbeispiele können kein Maßstab für die Gegenwart sein: „Philadelphia 1787“ war geographischen, „Herrenchiemsee 1948“ historischen Ursachen geschuldet. Die Umstände sind heute andere. Parlamentarische Entscheidungen können irren wie auch Plebiszite. Aber letztere geben einem Volk das notwendige Gefühl, frei zu sein und mitbestimmen zu können. – Heinz Dieter Mück


Die 1990er waren, entgegen den Worten des Autors, ganz sicher nicht „der erste Schlag“, den die Musikindustrie verkraften musste. Sondern die goldenen Zeiten, in die man am liebsten wieder zurück möchte. In diesem Jahrzehnt bescherten CDs den Konzernen zuallererst sagenhafte Umsätze und Wachstumsraten. Von einschließlich 1996 bis 2004 wurden weltweit jährlich mehr als 2 Mrd. CDs abgesetzt. Zum Vergleich: Die LP knackte nur 1983 die Marke von 1 Mrd. verkauften Tonträgern weltweit. Das vom Autor zitierte millionenfache illegale Kopieren fand so noch nicht statt. Die Privatkopie war und ist schließlich nicht illegal. Für millionenfache Schwarzkopien fehlte die Infrastruktur; diese gab es erst mit den im Artikel getrennt aufgeführten schnelleren Internetanschlüssen und Napster. Das zeigt sich auch in den Verkaufszahlen – diese gingen für physische Musikträger erst ab etwa 2002 merklich zurück. Die Musikkonzerne fielen währenddessen weniger durch Innovationskraft als durch juristische und technische Manöver auf, mit denen man weniger Kopierer als zahlende Kunden vergräzte. Auch deshalb war es möglich, dass ein branchenfremdes Unternehmen ab April 2003 fast schon monopolistisch den Markt für legale Musikdownloads besetzen konnte. Es gibt also eine historische Tendenz dazu, die Schuld andernorts zu suchen und sich im Nachhinein mithilfe einer selektiven Faktendarstellung ein Stück vom Kuchen einklagen zu wollen. Für die Causa Causa YouTube gibt es sogar eine Art Präzedenzfall: den Niedergang des Musikfernsehns.
Irgendwann kam man auf die Idee, MTV, Viva und Co. für die Nutzung von Musikvideos zahlen zu lassen. Mit dem Ergebnis, dass dort billiger zu produzierende Reality-Formate das Programm übernahmen. So recht glücklich konnte niemand mit dem Ergebnis sein: Die Musiksender versanken in der Bedeutungslosigkeit. Die Plattenfirmen ihrerseits verloren eine wichtige Werbeplattform. Und letztlich wurde YouTube gestärkt. Denn seitdem werden Musikvideos von den Labels in den meisten Fällen zuerst dort hochgeladen und finden dort ihr Publikum. Man darf gespannt sein, wie die Sache ausgeht – allerdings hat die Musikindustrie Erfahrung darin, sich selbst durch überzogene Forderungen in den Fuß zu schießen. – André Fromme


Der Brexit war ein politischer Einschnitt  pro EU,  gegen Volksabstimmungen generell. Hofer formuliert ganz vorsichtig wenn die EU zentralistischer  werden würde und nur dann käme ein Austritt infrage. Der Überdruss gegenüber  der jahrzehntelangen Großen Koalition ist verständlich, nun ist der Gegenkandidat von den Grünen. Van der Bellen redet mit den  Wirtschaftverbänden, Gewerkschaften und Künstlern, Politik als nüchterne eher elitäre Angelegenheit? – Dierk Offenberg 


Was lebensrettende Investitionen tatsächlich bringen, wird ganz offensichtlich nie gefragt. Wieviel Menschen wurden aufgrund der flächendeckenden Ausrüstung mit Defibrillatoren schon gerettet und wieviel Mittel wurden dafür eingesetzt? Wieviel Menschenleben konnten bereits gerettet werden, weil jedes Auto mit einem Verbandskasten ausgestattet ist? Sowas muss gefragt werden dürfen, wenn begrenzte Ressourcen für Rettungsmaßnahmen optimal eingesetzt werden sollen, ansonsten wird dort investiert, wo Hersteller die beste Lobbyarbeit machen. – Frank Lamprecht


1989 schien es mir, als ob nun der weltweite Frieden möglich wäre. So sind die USA und Russland gemeinsam in den 1.Irakkrieg gezogen und es kam die Hoffnung auf, von jetzt ab ginge es allen Bösewichtern an den Kragen. Heute wird in Europa ein atomarer Stolperdraht gegen Russland eingezogen und alle finden es gut. Es müssen seit 1989 Dilettanten am Werk gewesen sein. Anders kann man es sich nicht erklären. Wobei Skepsis hätte schon damals angebracht sein können. Schließlich schauen wir auf eine lange Kette von Katastrophen zurück, die alle mit falschen Machtentscheidungen der Alliierten zusammenhingen, wie da sind:
Iran-Krise: die USA und England stürzen einen demokratischen Ministerpräsidenten und installieren einen Diktator Schah, um Einfluss auf die iranischen Erdölfelder zubekommen. Damals wurde der Fundamentalismus geboren.
Vietnam : Ho Tschi min übernimmt als Freund der USA Teile der amerikanischen Verfassung. Weil aber in den USA erkannt wird, er ist und bleibt ein Kommunist, nützt es ihm nichts und die USA beginnen den Vietnamkrieg.
Afghanistan : Erst unterstützen die USA die Taliban gegen die Russen, nachdem die Russen abgezogen sind errichten die Taliban ein Terrorregime. Und jetzt bekämpft der Westen die Taliban. Und jetzt macht auch Deutschland mit. Wir verteidigen unsere Werte am Hindukusch. Inzwischen sind wir weitestgehend abgezogen und überlassen die Afghanen wieder sich selbst.
Irak : Die USA und England marschieren im Irak ein, besiegen Saddam Hussein, errichten aber keine neue Ordnung und lassen den Streit zwischen Schiiten und Sunniten eskalieren. Und schaffen die Grundlage für das Entstehen des IS.
Und mit dem IS ist auch der Bürgerkrieg in Syrien verbunden.
Und jetzt die Ukraine. Hier wird gegen Russland ein atomarer Stolperdraht eingezogen. Und wenn Jemand stolpert,dann haben wir den atomaren Ernstfall. Sehr beruhigend ist das nicht. Russische Interessen wie auf der Krim werden massiv abgeblockt und allen erscheint es als natürlich.
Wenn man will, kann man die falschen Entscheidungen der Alliierten noch weiter zurück verfolgen. Christopher Clark sieht den Beginn des 1.Weltkrieges in Revanchegelüsten Frankreichs für die Niederlage von 1871 gegen Deutschland, eines Krieges, den Frankreich erklärt hatte um seine Machtposition in Deutschland dauerhaft zu sichern, aber letztendlich verloren hat. Das aber war der Grund für die seit 1890 laufenden Kriegsvorbereitungen gegen Deutschland, denen sich bei Ausbruch fast ganz Europa angeschlossen hat, und zum Schluss auch noch die USA. Einzig der 2.Weltkrieg wurde von Hitler ausgelöst, ein böhmischer Gefeiter, der ohne den 1.Weltkrieg als Postkartenmaler in Wien sein Leben verbracht hätte. Bei dem Einfluss, den die Alliierten nun mal haben, wird die Chance, das es in Europa zu einem Krieg kommt, leider immer realer. – Reiner Püschel


Ich möchte Ihnen kurz meine Gedanken zum Artikel „Diktatur des Volkes“ von Josef Joffe aus der aktuellen Ausgabe mitteilen. Das Lesen des Artikels hat mich zunächst sehr wütend und dann traurig gemacht. Der Artikel erweckt zusammen mit vielen ähnlichen, die ich in den letzten Tagen lesen musste, den Eindruck, dass Politik und Medien scheinbar nichts aus den zurückliegenden Entwicklungen gelernt haben. Ich möchte dies kurz näher erläutern.
Der Autor kommt in dem Artikel zu dem Schluss, dass der Brexit in einem eindeutigen und absoluten Sinn falsch ist, und belegt dies mit der Aufzählung einiger wahrscheinlich eintretender negativer Konsequenzen. Das Problem an der Argumentation ist aber das Folgende: Diese Konsequenzen mögen tatsächlich eintreten, sind aber nur ein paar der vielen Konsequenzen der getroffenen Entscheidung, von denen jeder Einzelne individuell manche als negativ und manche als positiv empfinden wird. Dies ist bei jeder so komplexen Entscheidung wie der getroffenen der Fall. Beispielsweise bedeutet eine EU-Mitgliedschaft für ein Land, einen Teil seiner Autonomie aufzugeben, und natürlich ist es legitim für einen Bürger, dies als negativ zu bewerten. Insgesamt kann also nur jeder Einzelne für sich eine Gesamtbewertung solch einer zu entscheidenden Frage vornehmen, und ich denke daher nicht, dass es Ihrem Autor zusteht, diese Bewertung für Menschen vorzunehmen, in deren Leben er keinen wirklichen Einblick hat. Überdies den Bürgern explizit die Fähigkeit abzusprechen, ausgewogene, gerechte und weitsichtige Entscheidungen treffen zu können, halte ich für überheblich. Der Autor behauptet weiterhin, zu solchen Entscheidungen wären nur Parlamente fähig, und preist die demokratischen Systeme der USA und Deutschlands als Blaupausen moderner, gerechter Demokratien, in denen die Parlamente für die Bevölkerung weitsichtige Entscheidungen treffen. Hierzu möchte ich kurz zwei Denkanstöße geben. Die USA sind ein Land, in dem meines Wissens mehrere hundert Milliardäre leben, in dem aber gleichzeitig etwa 50 Millionen Menschen Lebensmittelmarken beziehen. In Deutschland wird zugelassen, dass ein Großteil der Wissenschaftler in prekären Arbeitsverhältnissen steht, und damit riskiert, dass wichtige, hochqualifizierte Menschen frustriert unser Land verlassen, obwohl wir sie dringend für den Erhalt unseres Wohlstandes benötigen. In diesem Lichte betrachtet empfinde ich die oben genannten Aussagen des Autors bezüglich der Weitsichtigkeit und Gerechtigkeit der von den Parlamenten getroffenen Entscheidungen als zynisch. – Kai Plociennik


Die verblüffende Botschaft des Verfassers, unter Zuhilfenahme der Weisheiten amerikanischer Gründerväter aus dem aus dem 18. Jahrhundert, lautet: „Überlasst Schicksalsentscheidungen dem Parlament, das Volk ist zu dumm dazu und geht politischen Verführern auf den Leim.“ Der Umkehrschluss wäre dann ja wohl, dass nur Regierungen und Parlamente ein Garant für „richtige“ Entscheidungen wären. Das dies nicht sein kann, haben ja wohl die fatalen Entscheidungen der letzten Jahre hinlänglich bewiesen. Stellvertretendes Beispiel: Die als EU- Klebstoff beabsichtigte Euro- Einführung, gegen den Rat aller Ökonomen und gegen die Mehrheit des Volkes, ist wirtschaftspolitisch gescheitert und hat sich als europäisches Trennmittel entwickelt.  Die Folgen werden uns noch lange sehr, sehr teuer zu stehen kommen. Glaubt der Verfasser allen Ernstes, dass die Brexit- Befürworter allesamt Opfer bzw. Werkzeuge der politischen „Verführer“ geworden sind? Ist nicht vielmehr die eigene Wahrnehmung der Briten wie auch anderer Europäer („wir haben die Schnauze voll von der arroganten Bevormundung aus Brüssel“) der entscheidende Anstoß?
Auch uns Deutschen würde die Möglichkeit eines Volksentscheids in wichtigen Fragen gut stehen: Etwas mehr Demokratie wäre ein wirksames Mittel gegen die wuchernde Politikverdrossenheit. Die notwendige 2/3 – Mehrheit im Bundestag für die fällige Grundgesetzänderung müßte doch hinzubekommen sein. Ein Anfang wäre die Direktwahl des deutschen Staatsoberhauptes durch das Volk und damit die Abschaffung des unwürdigen Parteiengeschachers. Klar, die Parteien verlören ein paar Stellschrauben, aber dieser geringe Verlust könnte ein großes Stück politischer Glaubwürdigkeit zurückbringen. – Michael Deil


Der Kommentar von Herrn Joffe darf nicht unwidersprochen bleiben. Unsere Demokratie  leidet unter einer wachsenden Politikverdrossenheit. Diese gefährliche Entwicklung zumindest abzubremsen  geht nur durch mehr und direktere Bürgerbeteiligung, konkret um ehrliche und echte Bürgermitbestimmung  und zwar auf allen Ebenen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Bürgerentscheide missbraucht werden können bzw. Bürgerentscheide nicht zur Lösung aller Gesellschaftsprobleme geeignet sind. Aber die Zeit der Blankovollmachten für unsere Politiker für lange Wahlperioden scheint mir vorbei und in Zeiten großer politischer Koalitionen auf allen politischen Ebenen auch zwingend notwendig. Bürgermitbestimmung richtig angewendet ist keine „Diktatur des Volkes“ wie Herr Joffe abwertend titelt sondern ein demokratischer Weg den Willen der Mehrheit besser durchzusetzen. Zugegeben Bürgermitbestimmung macht die demokratischen Prozesse schwieriger, teurer, umständlicher aber auch demokratischer und damit gerechter. In diesem Sinne ist mir eine „Diktatur des Volkes“ lieber wie eine „Diktatur von Politikern“ ohne individuelle demokratische Legitimation.. – Klaus Brückner


Laut einer Untersuchung der Bertelsmann Stiftung zahlen Väter für jedes zweite Kind keinen Unterhalt. Bei oberflächlicher Lektüre könnten die Leser auf die Idee kommen, dass in Deutschland 500.000 bis 1.000.000 Väter den Unterhalt prellen. Das ist für niemanden plausibel, der die Rechtslage kennt. Unterhalt kann nämlich direkt vom Gehalt gepfändet werden, so dass dem unterhaltspflichtigen Vater dieses Geld bei gar nicht erst auf das Bankkonto überwiesen würde. Bekommt die Mutter Unterhaltsvorschuss, übernimmt sogar das Jugendamt das Inkasso für sie. Die Formulierung „für jedes zweite Kind“ lässt darüber hinaus offen, ob 25 – 50 % der Väter nach Trennung ihren Pflichten nicht nachkommen, oder ob sie es z. B. für das zweite Kind finanziell gar nicht mehr können, weil sie unter das Existenzminimum rutschen würden. Weiterhin wäre interessant zu erfahren, wie viele der säumigen Väter überhaupt ein ausreichendes Einkommen haben, um Unterhalt leisten zu können. Leider erfahren wir auch nichts darüber, wie es den rund 400.000 alleinerziehenden Väter (Stand 2014) in dieser Hinsicht ergeht. Ein Blick in die Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt übrigens einige methodische Probleme, da sie sich auf zwei nicht repräsentative Studien stützt. Ein kritischer Blick auf die Zahlen wäre hier sicher angebracht gewesen. – Dr. Mike Juraschek


Natürlich wollte Herr Hugendick nur lustig sein, Satire, nicht ernst gemeint. Unschwer kann man seinem Text im Magazin vom 7.7. aber doch die ernsthafte und emotionale Grundhaltung eines nicht als Radfahrer am urbanen Straßenverkehr Teilnehmenden deutlich erkennen. Deswegen muss auch ihm gesagt werden: die Radfahrer, die sich über PKW-Führer ärgern, wissen, dass ihnen auf jedem Arbeitsweg 3-10 mal ihr Vorfahrtsrecht genommen wird. Und sie fühlen sich weder durch Warnweste noch durch Helm sicher. Sie versuchen nur, ihr Risiko zu etwas zu reduzieren. Denn sie wissen: wenn bei einer Kollision von Fahrrad und Kfz jemand Gesundheit oder Leben verliert, ist es meistens nicht die Person in der Fahrerkabine. Und weil sie klüger sind, geben sie nach. Der Autofahrer versucht zwar Lackschäden und Bußgeld zu vermeiden, aber der Hazardismus ist in der Regel auf seiner Seite. Und seine Aggression entspingt möglicherweise seinem schlechten Gewissen und dem Gefühl der moralischen Unterlegenheit gegenüber dem Radfahrer. Wäre das auch eine Form von moral hazard?
Was das mit Boris Johnson und dem Brexit zu tun hat? Keine Ahnung. – Ralf van Heek


…….wie Europa auf den Brexit reagiert, von den „Wirtschaftsweisen“. Themen wie Sicherheits-, Asyl-und Klimapolitik halte auch ich für die Kernaufgaben der EU. Diese drei Felder hat sie aber nicht effektiv bis gar nicht bearbeitet. Die Klimapolitik ist davon am ehesten auf dem Weg. Warum fällt erst auf, dass unsere Grenzsicherung nicht existent ist, wenn 1 Million vor der Tür stehen? Weltmeister im erweitern der Mitglieder ohne Rücksicht auf verluste ist keine Leistung. Die Erweiterung ging mir zu schnell und wurde nicht genügend durchdacht. das schafft kein Vertrauen in die handelden Personen. Ich bin auf mittlere Sicht entschieden gegen erneute Erweiterungen. Warum glauben EU Kommision und der Parlamentspräsident, dass sie ohne nationale Parlamente so wichtige Entscheidungen wie Handelsabkommen allein treffen können?
Noch etwas zum Artikel: Berlin verursacht Chaos. Deutschland hat hier in der Grafik eine Arbeitslosenquote von 4,6%, meiner Meinung nach waren die letzten Zahlen um 6%. 1,4% sind Peanuts? – Margit Kersten


An stelle von „wer die Menschen direkt befragt, spielt den Verführern in die Hände. Schicksalsfragen gehören ins Parlament.“ könnte man auch sagen: Wer die parlamentarier machen läßt, spielt den lobbyisten in die hände. gerade auch bei den schicksalsfragen.
Ihre überschrift drückt eher die meinung der etablierten bzw,. des establishnemt`s, zu dem die parlamentarier und lobbyisten sicherlich auch gehören, aus. Wäre es nicht angebrachter ein intelligentes befragungsverfahren einzuführen um auch die menschen einzubeziehen.aber mit einer aussagekräftigen aussage und nicht nur 37,8% der befragten stimmen mit 50,1% mehrheit dem referendum zu. wie wäre es z. bsp. eine deutliche mehrheit aller wahlberechtigten gibt mit ebenfalls deutlicher mehrheit ( 2/3 oder sogar 3/4) eine somit eindeutige antwort, alles andere fällt unter den tisch. Schließlich braucht auch eine verfassungsänderung eine aussagekräftige mehrheit, oder? – Wolfgang Kreipe


Ab wann wird in den Redaktionen einmal eine Nachricht kritisch hinterfragt? Es werden Behauptungen aufgestellt, die nicht verifiziert werden. Trotzdem soll die gute Nachricht nicht kritisiert werden.
Das Ozonloch wird kleiner, wo? In der Arktis oder Antarktis?
Das Ozonloch in der Arktis ist kleiner als das Ozonloch in der Antarktis. Ein Blick auf die Weltkugel zeigt, dass alle Industriestaaten nördlich des Äquators liegen, aber das Ozonloch ist südlich des Äquators größer. Haben die Afrikaner alle unsere Kühlschränke unsachgemäß entsorgt und FCKW in die Atmosphäre freigesetzt? Und immer wieder die Keule gegen die Autofahrer, die mit ihren Spritschleudern CO2 in die Atmosphäre blasen. Wenn man sich einmal einer einfachen Betrachtung aus dem Chemie-unterricht hingibt, muss jeder feststellen, dass hier etwas nicht stimmen kann. Die Atommasse u von Luft besteht zu 78% aus Stickstoff, 21 % aus Sauerstoff und ca. 1 % aus Edelgas (Argon). Danach hat Luft die Atommasse von ca. 29 u. Kohlendioxid hat die Atommasse von 44u. Damit ist Kohlendioxid um ca. 1/3 schwerer als Luft. Steigt das heiße Kohlendioxid aus dem Autoauspuff auf, wird es langsam abgekühlt, da die Lufttemperatur pro 100 m in die Höhe um ca. 10 Celsius abnimmt (Geographieunterricht). Das
Kohlendioxid in der höheren Atmosphäre kann demnach nicht von den Autos stammen sondern von den Flugzeugen, die in einer Höhe von ca. 11.000 m fliegen bei Temperaturen von ca. – 500 Celsius und bei allen Betrachtungen außen vor bleiben. Physikalisch kommt das Kohlendioxid nach unten. Auch wie? jeder Schüler weiß, das Kohlendioxid für die Sauerstoffproduktion der Pflanzen erforderlich ist, die ja wie wir wissen Nachts das Kohlendioxid aufnehmen und Tagsüber unter Einwirkung von Sonnenlicht in Sauerstoff umwandeln (Fotosynthese). Also würde, wenn all das was uns die Politik und die Presse weismachen will, der Mensch nicht
existieren können, denn wenn das Kohlendioxid aufsteigen würde, gäbe es keinen Sauerstoff, da keine Fotos