09. November 2017 – Ausgabe 46

Leserbrief zu „»Niemand hatte mich vorbereitet«“ von Moritz Müller-Wirth

Mit großem Interesse habe ich Ihr zweites Zeit-Interview gelesen. Ich fand Ihre Entscheidung vor vier Jahren sehr mutig und extrem begrüßenswert. Ich bin selbst lesbisch, Mutter zweier Kinder, angestellt als Redakteurin bei der Evangelischen Kirche. Leider bin ich zutiefst erschrocken bei ihren Aussagen, dass die Homophoben inzwischen die Randgruppe sind. Es ist wunderbar für Sie, dass Sie das so erleben. Wenn Sie aber als öffentliche Person ein solches Interview geben, haben Sie eine enorme Verantwortung. Denn sie treffen diese Feststellung ausdrücklich (zumindest wird das dem Leser suggeriert) nicht nur für sich und ihr Leben, sondern für uns alle mit. Und gerade in diesen Zeiten, in denen alles Mögliche bereits überwunden geglaubte wieder salonfähig wird, ist eine solche Aussage in meinen Augen unglaublich gefährlich, wenn nicht sogar fahrlässig.

Erstens ist Ihre Aussage falsch, sehr falsch. Ich könnte Ihnen in epischem Ausmaß Diskriminierungserfahrungen von Menschen in meinem Umfeld beschreiben. Angefangen vom Gespräch, das wir gestern mit der Lehrerin meines achtjährigen Sohnes führen mussten, weil ihn ein Junge aus seiner Klasse mal wieder massiv belästigt mit der Infragestellung seiner Familie. Über Freundinnen von uns, die Pfarrerinnen sind und ganz offiziell Asyl von der Evangelischen Kirche Hessen Nassau erhalten haben, weil sie in der Württembergischen Kirche offen diskriminiert wurden. Bis hin zum Verweis auf das anhaltend hohe Risiko homosexueller Jugendlicher, in den Selbstmord getrieben zu werden.

Zweitens ist das, was sie sagen, Wasser auf verschiedenen Mühlen. Die Menschen, die uns wohlgesinnt sind, könnten sich dazu ermutigt fühlen, sich zurückzulehnen und zu sagen, der Hitzlsperger sagt, es gibt keine Diskriminierung mehr, also ist alles gut. Alle Diskriminierungserfahrungen können somit als Hysterie und nicht ernst zu nehmen abgetan werden. Und die Rechtsradikalen (inzwischen wieder ganz offiziell in die deutsche Politik integriert) sehen sich bestätigt in der von ihnen diagnostizierten kompletten Pervertierung der Gesellschaft, die es zu bekämpfen gilt. Ich vermute, Ihnen war nicht klar, wie Ihre Aussage wirken kann. Ich freue mich für Sie, dass die befürchteten negativen Erfahrungen ausgeblieben sind. Aber die meisten Lesben, Schwulen, Trans- und Bisexuellen und ihre Angehörigen sind in einer weitaus weniger privilegierten Position. Ich würde Sie bitten, dies in Zukunft zu bedenken. – Natalia Matter


Leserbrief zu „Der Staat, der sich nicht traut“ von Uwe Jean Heuser

Die angesprochenen Fragen im Zusammenhang mit den Paradise-Papers sind sicher zu stellen, aber auch im Kontext mit der Frage nach den Besteuerungsgrundsätzen und den Defiziten bei der Frage, wie der Staat von der Sinnhaftigkeit der Besteuerung dem Grunde und der Höhe nach überzeugt. Auch die Frage, welche Rolle die Medien spielen, die ohne gesetzliche Legitimation nicht davor zurück schrecken, Firmen und Einzelpersonen an den Pranger zu stellen. Man hat nach Internationalen Konzernen gerufen, die Segnungen kassiert und verteufelt nun, da ein Wettbewerb der Nationen um niedrige Steuern entbrannt ist. Selbst Medienunternehmen spielen mit dem Argument, wir verlegen den Sitz in eine Gemeinde, wo der Gewerbesteuerhebesatz günstige ist. So muss wohl von einer Doppelzüngigkeit ausgegangen werden. Bleibt es nicht legitim die Steuer so günstig wie möglich zu gestalten? …oder ist allein der Gedanke daran rechtsmissbräuchlich im Sinne des § 41, 42 AO? Somit wären wir im Bereich der Rechtswidrigkeit von Gedanken und führten dies alles ad absurdum.

Die angestoßene Diskussion wird anklagend einseitig geführt. Wäre es vielmehr nicht sinnvoll, eine tragbare, breite Basis für die Steuererforderlichkeit zu führen, die überzeugt. Man mag zu Herrn Köppen aus der Schweiz stehen wie man will, die Frage nach dem Sinn der Steuererhebung ist sicher berechtigt, wobei der Sinn nicht ausschließlich darin bestehen kann die anwachsenden Ausgaben des Staates zu finanzieren. Berechtigt ist auch die Frage der rechtlichen Grundlagen der Recherchen, die nach Panama das Paradies getroffen haben. Eine gesetzliche Legitimation für Medien vermag ich nicht zu erkennen, es sei denn, man lässt die immer wieder selbst gewählte Bezeichnung als 4. Gewalt im Staate, die so nicht existiert, genügen. Dabei soll nicht Presse- und Meinungsfreiheit in Frage gestellt werden, sondern die Frage nach den Grenzen solchen Vorgehens. Bei Herrn Wulff blieben knapp € 800.- als vorwerfbar übrig und die wurden von dem berechtigten Freispruch der Justiz in Hannover kassiert. Was standen da für Summen anfangs im Raum, die von Bild Zeitung über Spiegel allenthalben öffentlich diskutiert wurden. Hier ist doch die Frage berechtigt, wo die Freiheit Grenzen findet, die im Persönlichkeitsrecht des/der Beschuldigten liegt.

Am Rande sei erwähnt, dass ja auch Politiker, Prominente und vielleicht ja auch Medienvertreter in den Listen stehen dieses sogenannten Rechercheverbundes, der international vernetzt zu sein scheint. Sozusagen das Kartell der Recherche? um nicht schlimmere Vergleiche zu bemühen. Politisch wäre wünschenswert, mit den „Outlaws“ zu sprechen und von der Sinnhaftigkeit einer angemessenen Besteuerung zu überzeugen, anstatt weiter zu kriminalisieren. Ein Weg der lang sein kann, aber auch überaus erfolgreich. Der jetzt vorgezeichnete Weg führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu weiterer Ausgrenzung; erforderlich ist Integration. Wenn ich lese, wie viele Mitarbeiter die Abteilung investigativer Journalismus bei der Süddeutschen Zeitung beschäftigt, so ist das besorgniserregend und gefährlich zugleich. Es wird lediglich an der Oberfläche an Symptomen gearbeitet, ohne sich der Mühe zu unterziehen, die Ursachen zu ermitteln. – Ulrich Cronmüller


Leserbrief zu „Bankenkrise, Dieselskandal, verflochtene Hauptstadt-Eliten: Viele Bürger glauben, dass in Deutschland die Demokratie längst einer Lobbykratie gewichen sei. Zu Recht?“ von Heike Faller

Ich finde es kritikwürdig, dass auch Sie – als Wertmedium „Zeit“ – bei allen kritischen Betrachtungen Ihrer Staatssicht – stets nur den „Begriff “ „unsere Demokratie“ im Blick haben, als unsere „freiheitliche, demokratische, soziale Rechtsordnung“, wie es unsere Verfasssung besagt, gerecht werden. Auch Herr Faller beschränkt sich auf „demokratisch“, obwohl dieser Begriff nicht die gesamte staatliche Ordnung umfasst; insbesondere die sozialen und rechtsstaatlichen Prinzipien aussen vorlässt, weil er unterstellt, dass diese mit seinem „Demokratieverständnis“ einbezogen seien. Eine solche Pauschalierung in einem „Wertmedium wie die Zeit“ zu lesen, gleich welchem Autor,  widert mich an, weil vieles – was angesprochen und behauptet wird – kein „demokratisches“, sondern ein „soziales“ oder vielfach  ein „rechtsstaatliches“ Problem ist. Mir kommt die Undifferenzierbarkeit wenig professionell vor – dümmlich. – Nikolaus Krost


Leserbrief zu „Der Umarmer” von Jana Simon

Was Sie politischen Versagern – wie Matthias  Platzeck und Kurt Beck  – gottlob einsichtigen „Zurücktretern“ (aus gesundheitlichen Gründen !) –  an Ehre erweisen, empfinde ich – gelinde gesagt – als Heuchelei und keineswegs als „Spiegel“-typisch, aber respektvoll, weil sie beide schonend behandeln, obwohl sie es meines Erachtens nicht verdienen. Beck hat rund 300 Millionen am Nürburgring „verbrannt“ und die Nachlassenschaft Frau Dreyer hinterlassen. Ein beschämendes Verhalten, wie auch den Protzbau in Bad Dürkheim. Und Herr Platzeck hat seine Unfähigkeiten mit BER „verewigt“. Kein Wunder, dass beide sich in Ausflüchte „gesundheitliche Gründe“ verabschieden mußten. Aber heute erfreuen sich beide höchster Gesundheit, führen Ämter aus, strotzen vor Gesundheit etc. und Sie als Spiegel (soft – wie man Sie nicht kennt)  lobhudeln diesen „Scheinheiligen“ und Brankoteuren. Glückwunsch – ich dachte, Sie seien immer noch das Sturmgeschütz der Nation – ? Wie sich die Zeiten – und der Spiegel  – ändern. – Nikolaus Krost


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Auch dies ist kein neues Phänomen. Als ich 1953 in Göttingen mein Studium begann, hielt ich einmal einer Studentin die Tür auf, ohne jede böse Absicht, ich schwöre es! Da hat sie mich vielleicht angeblafft wegen offenem Sexismus. Das hat mich in meiner Entwicklung um Jahre zurückgeworfen und darin bestärkt, möglichst mehr als die berüchtigte Armlänge Abstand zu weiblichen Personen zu halten. Großvater bin ich inzwischen trotzdem. Der Mensch ist schwach! – Bernhard Hecker


Leserbrief zu „Über Toastbrot und Wutausbrüche“ von Harald Martenstein

Kopf hoch, Herr Martenstein! So missverstanden zu werden, kann jedem passieren. Ich beispielsweise habe mich kürzlich in die aktuellen Verschwörungstheorien eingearbeitet und deswegen einen einschlägigen Leserbrief an DIE ZEIT mit der korrekten Anrede „Ihr Schreiberlinge der System- und Lügenpresse …“ begonnen. Und nicht einmal den üblichen freundlichen Schemabrief als Eingangsbestätigung erhalten. Also, wenn das kein Fall von übelster Diskriminierung ist! Jetzt habe ich eine Ahnung, warum die Verschwörungstheoretiker sich so verfolgt vorkommen. Diese verfluchten reptiloiden Aliens! Aber die Erde ist trotzdem flach. – Bernhard Hecker


Leserbrief zu „Stolz ?“ von Bernd Ulrich

Der Pilot des Hiroshima-Bombers war stolz auf sich und die Nation stolz auf ihn. Die 100000 Toten kosteten ihn nach eigenen Angaben keine einzige schlaflose Nacht. – Klaus Scheffler


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Nachdem Frau Hofmann in der aktuellen Ausgabe des Zeit Magazins darüber nachdenkt, dass ihr fotografisches Jahresprojekt für Die Zeit möglicherweise zum aktuellen Beziehungsstatus mit Herrn Lohr beigetragen haben könnte, möchte ich Sie inständig bitten, den beiden die Zeit zu geben, die sie offensichtlich benötigen: erlösen sie das Fernbeziehungspaar von seiner Verpflichtung gegenüber Ihrem Magazin! Erlösen Sie damit auch Ihre Leser vom wöchentlichen Zwangsblick auf diese beschämend banale „Foto Love Story“ im ach so trendigen Globejetter-Kostüm. Die meisten Ihrer Leser sind vermutlich nicht mehr 13. – Saskia Hannig


Leserbrief zu „Stolz ?“ von Bernd Ulrich

„Andere Nationen sind unbekümmert patriotisch nur wir Deutschen nicht ?“ Doch woran wir Deutschen wirklich leiden ist allein bloß kein Patriotismus-Verzicht aus Schuld-Büßen und Läuterungs -Pflicht.! Allein schon Ihre Behauptung ,man dürfte den Patriotismus nicht den Rechten überlassen ,zeugt mir von Selbstbezogenheit und krampfthaften Identifikations-Bemühen  aus Hilflosigkeit und Eitelkeit nur geboren. Denn Patriotismus ist nur ein egozentrisches Gefühl,dass sich nicht nach  links oder rechts kommandieren läßt,damit werden nur Kampf-Reizbegriffe  für Propaganda -Zwecke auserkoren.  Dabei entzieht sich ein wahrer Patriot bewußt aus allen irgendwelchen Zwecken ,allein um zu empfinden,in einer HEIMAT bloß zu sein. Aber er wird dafür zum Nationalisten mediengerecht verklärt,um somit zur  leichten Beute für die Liberalen und Linken in unserem Land damit zu sein. Auch wird er zur autoritären Herausforderung für alle Demokraten deklariert,weil ihm der kühle Respekt für Demokratie angeblich ganz  entbehrt. Auch wird er zur heimlichen Volks-/Mehrheits-Gefahr erklärt,weil er sich  den Patriotismus angeblich zur Aufgabe sogar gemacht,wo doch nur „Heimat  als Sehnsuchts -Ort und Gedanke in seiner Zukunft bloß erwacht und sich verklärt.

Damit erkennen wir,dass allein unsere egozentrischen,selbstbezogenen Aktivitäten  und Gedanken schädlich ,zerstörerisch für uns bereits sind.  und das jede Form der Identifikation ,beispielsweise  mit einem Land,mit einer bestimmten Gruppe,einem bestimmten Wunsch ,sogar das Anstreben  eines Zieles ,Verherrlichung einer Idee im Grunde eine egozentrische Aktivität allein schon sind.  Also alles nur Beziehungs-Konflikte darstellen und somit die Opfer von Bloßstellungen des anderen allein bloß sind. Wir sollten uns bewußt sein ,dass diese Selbstbezogenheit unserer Kritik die Ursache für Unheil und Chaos sogar stiften  und unser gesellschaftliches Klima sogar mutwillig dabei vergiften. Weil wir Deutschen uns selbst stets  als Sündenböcke und Störenfrieden gern ansehen bloß allein. Daran dürften wir Deutsche am meisten leiden,unsere eignen Fehler als Egoist und Tugend-Apostel nicht zu erkennen-so könnte es sein?  Dabei sollte unser Geist von alldem frei sein,das wäre eine wichtige Frage,der wir uns stellen müssen,um unsere Selbstbezogenheit und Eitelkeiten  in Deutschland endlich zu verlieren.  Damit wir einfach nur stolz auf uns selbst als Mensch sein dürfen.und  nicht über Patriotismus und Nationalismus herumparlieren. Dummheit und Stolz wachsen doch auf dem gleichen Holz. Sind wir als Deutsche auf diese Tatsachen immer noch stolz? – Lothar Hantel


Leserbrief zu „Weg damit, aber wie?“ von Dirk Asendorpf

Der Artikel über die Negativemisionen ist m. E. unverständlich. Es wird zwar dargestellt, dass CO2 unterirdisch entsorgt werden soll. Der entscheidenden Faktor, der im Artikel nicht richtig erklärt wird, ist aber die Tatssche, dass z.B. schnell wachsende Hölzer CO2 der Atmosphäre entziehen, also negative Emission. – Wolfgang Scheer


Leserbrief zu „Böse, böser, Glyphosat“ von Kolja Rudzio

Der Versuch des Redakteurs zur Reinwaschung des BfR von dem Vorwurf, es habe nicht alle wiss. Untersuchungen zur Schädlichkeit und Gesundheitsgefährdung von Glyphosat ausgewertet, geht daneben. Mit 25 Briefen an das US-Fachmagazins Food and Chemical Toxicology (FCT), mitinitiiert offenbar vom US-Konzern Monsanto, wurde die Studie des  französischen Toxikologen Gilles-Eric Séralini  in Zweifel gezogen, der über die Risiken von Roundup geschrieben hatte, das Glyphosat enthält. Das Magazin zog daraufhin den Aufsatz zurück. Es gibt unzählige Versuche solcher Einflussnahmen von Monsanto, um sein Pestizid „reinzuwaschen“ Vgl.  :  http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/glyphosat-gekaufte-forschung-wie-monsanto-wissenschaftler-beeinflusst-hat-1.3737130Stefan Kaisers


Leserbrief zu „»Die Ignoranz ist enorm«“ von Marc Brost

America First! Nein, nicht ganz Amerika, nur den Vereinigten Staaten von Amerika gebührt der erste Platz. Ja, die USA gehören vom EU-Parlament an die erste Stelle auf der schwarzen Liste der weltweiten Steueroasen/Steuermoloche gesetzt. Dort gehören sie hin, dort sollen sie stehen. Yes we can!

PS: Auch der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück sieht geflissentlich darüber hinweg, dass die USA die Transparenzregeln der OECD nicht unterschrieben haben. Sie haben einen automatischen Informationsaustausch abgelehnt. Gleichzeitig zwingen die USA mit ihren FACTA-Gesetzen alle Banken der Welt dazu Daten von US-Bürgern der US-Steuerbehörde zu melden. Durch bilaterale Abkommen der USA mit anderen Staaten versuchen die USA so zu tun, als ob sie am gegenseitigem Datenaustausch interessiert wären. In Wirklichkeit ist die ganze Welt vom Goodwill der USA abhängig. „Amerika zuerst!“ bedeutet also vielmehr „Amerikas  Steuerparadiese/Steuermoloche zuerst!“ Wie lange werden sich die G-20 Staaten diese himmelschreiende Ungerechtigkeit gefallen lassen? – Egon Hofer, Maria Saal


Leserbrief zu „Über Toastbrot und Wutausbrüche“ von Harald Martenstein

Auch mir ist schon gleich, als ich 1992 nach Brandenburg zog, diese aus meiner Sicht  spezielle  Sitte aufgefallen, in Imbissen Toastbrot ungetoastet z. B. als Beilage zur Bockwurst zu servieren. Ich wohne jetzt  schon 25 Jahre hier in Brandenburg, das kulinarsche Angebot hat sich stark verändert, es gibt aber diese spezielle Kombination hier und da immer noch. Das kann zwar jeder machen wie er will,  für war und ist  das Angebot immer noch  überraschend- vor allem, weil es ja auch jede Menge richtiges Brot bei uns gibt.

Ich vermute , dass es einfach Imbisskunden gibt, die das gern mögen, daher bleibt in einigen Imbissbuden dieses spezielle regionale Angebot offenbar noch erhalten. Mir hat ihre Kolumne übrigens  sehr gut gefallen; Ihre Beiträge  sind übrigens einer der wesentlichen Gründe, dass ich die Zeit abonniert habe. – Karl Fisher


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Herzlichen Dank für die Freude der herausragenden Blüte aus diesem aufgekochten, winseligem Medienbrei ! Genehmigen Sie mir die Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung! – Bernhard Schwarz


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Ich möchte mich bei Ihnen bedanken für Ihren guten Artikel zum Thema ‚Sexismus‘! Sie bringen das Problem dieser Hysterie genau auf den Punkt-ohne die eigentliche mögliche Straftat zu verharmlosen. Es ist eine Freude, Sie zu lesen. – Gaby Engel


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Mit solch einem Medienrummel ergießt sich eine Flut von tatsächlichen und vermeintlichen sexuellen Anzüglichkeiten und Übergriffen aus der Vergangenheit (in den meisten Fällen konnte man(n)/frau zig Jahre gut damit leben und möchte jetzt dazu gehören – „me too“) auf die Menschheit nieder, die sich anfühlen wie ein Tsumani oder Hurrikan. Natürlich gebührt es der Anstand, sich in angemessener Form gegenüber dem anderen Geschlecht zu verhalten (Leider ist der bei vielen abhanden gekommen nachdem die Gesellschaft und die Medien dieses Verhalten als „Cool“ oder „Geil“ oder „Krass Alte/r“ klen reden). Bei der heutigen Bussi-Gesellschaft ist es schwierig zu erkennen, wo die Grenze eines sexuellen Übergriffs anfängt. Wenn man(n)/frau einen andere/n an der Schulter berührt um an ihr/ihm vorbeizugehen ist das bereits ein sexueller Übergriff?Und wenn ich sage „Sie haben die Haare schön“ bin ich dann ein „geiler Lustmolch oder eine Nymphomanin?

Wer hat sich noch nie sexuell? misshandelt gefüht wenn die Tante zu Besuch kam um den Neffen/Nichte an ihre Brust zu drücken und Wangen und Augen abgeküsst hat. Kann ich sie jetzt auch anzeigen? Ist zwar schon 30 Jahre her, aber solche sensationslüsternde Aussagen machen mich erst interessant (oder wieder). In ist was „Coming out“ für Rummel sorgt. „Ich bin schwul und das ist gut so“ bringt mir Schulterklopfen und Anerkennung ein. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin weder gegen Schwule, Lesben, Transgender oder sonstige „Außernormalos“, jeder soll nach seiner Facon glücklich  werden und auch uns unser Glück lassen. Einzig was mich stört ist die Heuchelei der Opferlämmer die sich nach zig Jahren missbraucht fühlen. Mal ehrlich, hat man(n)/frau sich wirklich missbraucht gefühlt oder war es die Karriere des eigenen Ichs die im Blickfeld stand?! – Peter B. Sanden


Leserbrief zur Deutschlandkarte „Mehrweg-Kaffeebecher von Paulina Thillmann

Leider ist die Karte nur auf das Unternehmen Recup beschränkt. Gute Recherche zu dem Thema Mehrweg geht besser,  Frau Thillmann. Hier hätten Sie viele weitere Beispiele gefunden, wenn Sie sich die Mühe gemacht hätten: http://www.hannoccino.de/, http://www.oldenburg.de/microsites/umwelt/lokale-agenda-21/schwerpunktthema-2017/oldenburg-mehrweg-stadt.html, http://fair-cup.de/ (einschließlich Karte!) – Jörg Klostermann


Leserbrief zu „Ziemlich kindisch“ von Jochen Bittner

Mit „Ziemlich kindisch“ überschreibt Ihr Autor Jochen Bittner einen Artikel in der aktuellen ZEIT zum Thema Kinderrechte ins Grundgesetz. Dabei hätten wir uns als Kinderrechtsorganisation etwas mehr Tiefe in der Argumentation gewünscht. Denn die Argumente, die er vorträgt, dass nämlich Kinder keine speziellen Rechte im Grundgesetz brauchen, dass Kinderrechte im Grundgesetz reine Symbolpolitik sind, und dass Kinderrechte im Grundgesetz keine praktischen Auswirkungen hätten, sind nicht stichhaltig.

Deutschland hat die UN-Kinderrechtskonvention vor 25 Jahren ratifiziert und sich damit zu deren Umsetzung verpflichtet. Die Kinderrechtskonvention wurde 1989 von den Vereinten Nationen vor dem Hintergrund beschlossen, dass Kinder zwar alle Menschenrechte haben wie Erwachsene auch, doch dass Kinder eine spezielle Konvention nur für sie brauchen, da Menschen unter 18 Jahren oft besonderer Förderung, Schutz und Beteiligung bedürfen, um Gebrauch von ihren Menschenrechten machen zu können. So lauten die Grundprinzipien der UN-Kinderrechtskonvention Nicht-Diskriminierung, die vorrangige Beachtung des Kindeswohls (best interests of the child), Recht auf Leben und Entwicklung sowie das Recht auf Beteiligung. Ein Kind kann seine Rechte eben nicht in der gleichen Weise wie ein Erwachsener durchsetzen und braucht zum Beispiel um seine Meinung kundzutun besondere Unterstützung und Informationsrechte. Laut UN-Kinderrechtskonvention haben die Vertragsstaaten alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs- und sonstigen Maßnahmen zur Verwirklichung der in diesem Übereinkommen anerkannten Rechte zu treffen. Der mit der Konvention eingesetzte UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes hat Deutschland wiederholt dringend dazu aufgerufen, die Kinderrechte durch eine Aufnahme in das Grundgesetz zu stärken.

Aus Sicht des Deutschen Kinderhilfswerkes verkennen die Kritikerinnen und Kritiker an vielen Stellen, dass die explizite Normierung von Kinderrechten im Grundgesetz die gesellschaftliche Sicht auf Kinder grundsätzlich positiv verändern und ihre Rechte quer durch die Rechtsgebiete stärken wird. Es geht darum bei allem staatlichen Handeln wie z.B. Gesetzesvorhaben einen kinderrechtsbasierten Ansatz zu haben und die Konsequenzen für Kinder bei allen Entscheidungen vorrangig zu beachten. Vom Jugendhilferecht, über das Straßenverkehrsrecht bis hin zum Baurecht und selbstverständlich auch im Bildungsbereich und der Haushaltsgesetzgebung. Außerdem zieht die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz deren Einklagbarkeit vor dem Bundesverfassungsgericht nach sich. Das stärkt die Stellung von Kindern und wird sich bei der Planung und Gestaltung in allen Politikfeldern positiv auswirken. Auch bei der konkreten Rechtsprechung, also der Auslegung von Gesetzen im Verhandlungsfall, werden die Rechte von Kindern durch ihre Aufnahme ins Grundgesetz verbindlicher Berücksichtigung durch die Richterinnen und Richter finden. Klar ist aber auch, dass die Aufnahme von Kinderrechten im Grundgesetz an vielen Stellen nicht von heute auf morgen die Lebensbedingungen von Kindern in Deutschland verbessern wird, sondern nur einen Schritt in einer lange Folge von politischen und juristischen Entscheidungen zur tatsächlichen Umsetzung im Einzelfall darstellen kann. Eine Stärkung der Rechte von Kindern ist angezeigt, da Kinder nicht einfach nur eine gesellschaftliche Teilgruppe von vielen sind. Alle Menschen durchlaufen das Kindesalter und benötigen in dieser Altersphase besondere Rechte, so wie sie in der UN-Kinderrechtskonvention normiert und von Deutschland mit Ratifizierung anerkannt wurden. Der beispiellose Schutzgehalt des Kindeswohls zeigt sich auch in der Normierung des Kindeswohlvorrangs in anderen menschenrechtlichen Verträgen, der UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung und der EU Grundrechtecharta.

Auch wenn Ihr Autor es nicht so explizit anführt, so schwingt doch das immer wieder vorgetragene Gegenargument der Schwächung der Elternrechte eine Rolle. Dabei geht es nicht darum, die Elternrechte zu schwächen, sondern es geht darum, die Kinderrechte zu stärken. Das ist etwas fundamental anderes. Die Befürworterinnen und Befürworter wollen der in der UN-Kinderrechtskonvention verankerten Sicht auf Kinder als eigenständige Subjekte Rechnung tragen und die Verantwortung der Eltern wie des Staates im Hinblick auf das Kindeswohl deutlicher machen. Staat wie Eltern haben gemäß der Kinderrechtskonvention dieselbe Verpflichtung: die Verwirklichung der Kinderrechte im Sinne des Kindeswohls. Laut UN-Kinderrechtskonvention sind beide Elternteile für die Erziehung und Entwicklung des Kindes verantwortlich und der Staat hat die Pflicht, sie bei der Erfüllung ihrer Aufgabe zur Gewährleistung der in der Konvention enthaltenen Rechte zu unterstützen. Das Bundesverfassungsgericht hat in vielen Entscheidungen immer wieder ausgesprochen, dass das Elternrecht aus Art. 6 kein Recht am Kind ist, sondern ein Pflicht-Recht der Eltern zum Wohle des Kindes. Insgesamt würde der Staat stärker in die Pflicht genommen werden, wenn es um die Wahrnehmung seiner Verantwortung für kindgerechte Lebensverhältnisse und um gleiche Entwicklungschancen für alle Kinder und Jugendlichen geht.

Angesichts der aktuellen Debatten über Kinderarmut, unterschiedliche Bildungschancen, ein Auseinanderdriften der Gesellschaft in Reich und Arm und häufige Fälle von Vernachlässigung wäre dies ein wichtiges Signal. Eltern erhalten dadurch also bessere Möglichkeiten, die Rechte ihrer Kinder gegenüber staatlichen Einrichtungen durchzusetzen, was nicht im Widerspruch der Interessen der Eltern stehen dürfte. Inzwischen gibt es in der Debatte um die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz eine imposante Liste von Befürworterinnen und Befürwortern: Fachverbände und Experten aus der Kinder- und Jugendhilfe, die Bundesfamilienministerin und der Bundesjustizminister ebenso wie die bayerische Staatsregierung und in einem einstimmigen Beschluss die Justizministerkonferenz. Die Aufnahme von Kinderrechten im Grundgesetz wäre ein klares Signal für mehr Kinderfreundlichkeit in Deutschland. 25 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Kinderrechtskonvention ist die Zeit reif, die Kinderrechte auf Förderung, Schutz und Beteiligung sowie den Vorrang des Kindeswohls bei allem staatlichen Handeln im Grundgesetz festzuschreiben. – Uwe Kamp


Leserbrief zu „Macht Schluss damit“ von Anant Agarwala und Anna-Lena Scholz

Die Autoren behaupten, im deutschen Wissenschaftsbetrieb bestehe die Gefahr des Machtmissbrauchs durch Vorgesetzte in höherem Maße als in anderen Gesellschaftsbereichen. Verantwortlich machen sie dafür das „Lehrstuhlprinzip“: „Noch immer entscheidet die Gunst einzelner, mächtiger Figuren über Wohl oder Wehe ganzer Karrieren“. Als Gegenentwurf schlagen sie vor „flachere Hierarchien und eine sogenannte Department-Struktur, wie sie an britischen und amerikanischen Universitäten üblich sind.“

Aus Sicht eines Wissenschaftlers, der zwölf Jahre in Großbritannien gelehrt und Gastprofessuren an drei US-amerikanischen Universitäten ganz unterschiedlicher Couleur ausgeübt hat, ist das schlichtweg naiv. Von der „Zeit“ erwarte ich keine unreflektierte Übernahme der Positionen der „Jungen Akademie“, sondern seriöse journalistische Recherche: Erkundigen Sie sich bei einen amerikanischen Tenure-Kandidaten, welche Verrenkungen er unternimmt, um auch das letzte Mitglied des Tenure-Committee zufriedenzustellen. Interviewen Sie den Gruppenleiter eines englischen Physiklabors, der sich mit der Direktorin eines Teilchenbeschleunigers arrangieren muss, um einen der heiß begehrten Nutzungstermine zu erhalten. Fragen Sie eine etablierte kalifornische Professorin, wie freudig sie dem jährlichen Gespräch mit ihrem Dekan entgegensieht, in dem nicht zuletzt ihr Gehalt ausgehandelt wird. Sprechen Sie mit der jungen schottischen Medizinerin, die von ihrem Arbeitsgruppenleiter beauftragt wird, täglich um 2 Uhr nachts die Labormäuse zu füttern. Und, ja, auch britische und amerikanische Doktoranden und Postdocs benötigen dringend Referenzen, um die sie ihre Betreuer bitten müssen.

Eine „Department-Struktur“ kann Missbräuche in derartigen Abhängigkeitsverhältnissen auch nicht im Ansatz verringern. Richtig ist, dass das System Wissenschaft in stärkerem Maße als andere Gesellschaftsbereiche auf ständigen Leistungsbewertungen beruht. Diese verleihen den Bewertenden „Macht“ über die Bewerteten, die – wie jede andere Machtposition auch – das Potential zum Missbrauch birgt. Dieses strukturelle Problem ließe sich nur lösen, wenn Promotionen nicht mehr bewertet, Bewerbungen nicht mehr begutachtet und Forschungsleistungen nicht mehr evaluiert würden. Vielleicht haben die Autoren dazu einen Vorschlag? Als Leiter einer Forschungseinrichtung, die sich alle drei Jahre einer zeit- und ressourcenintensiven Evaluation durch einen Fachbeirat unterziehen lassen muss, warte ich gespannt. – Prof. Stefan Vogenauer


Leserbrief zu „Der Staat, der sich nicht traut“ von Uwe Jean Heuser

Der Staat wird von gewählten Politikern repräsentiert. Diese unterliegen einer mentalen Metamorphose, einer Gesinnungswandlung Beispiel unser Ex Kanzler Schröder: von sehr unten nach ziemlich oben Dort ändert sich die Sicht der Dinge- siehe Gazprom Ich halte das Gebaren der Reichen für asozial, denn sie nutzen unsere, von vielen kleinen Steuerzahlern aufgebaute und gepflegte Infrastruktur; was wären sie ohne Landeplätze für ihre Jets, ohne Autobahn für ihre SUVs, ohne Strom, der von vielen kleine Mitarbeitern unterhalten wird, ohne Krankenschwestern, die auch im Chefarztbereich ihre Pflege erbringen? Aber die Masse des Geldes bringt Macht, vor der sich die Politik duckt. Schade! – Michael Wesner


Leserbrief zu „Auf den Leim gegangen” von Sérgio Costa

Herrn Prof. Dr. Sérgio Costa hat recht, wenn er schreibt: „Es geht um die Entwicklung politischer Gegenentwürfe, die dem „kleinen Mann“ andere Argumente, neue Handlungsmöglichkeiten bieten.“ Auch bei den Sondierungen zur Jamaika-Koalition lassen sich die demokratischen Kräfte auf das (Diskurs-)Feld der AfD mit seinen kulturellen Motiven ein. Dabei bereitet die Überkreuzung des Wirtschaftsliberalismus und Kulturliberalismus den Nährboden für Nationalismus. Der sozial betrogene „kleine Mann“ wird, mal wieder, zum willfährigen Gehilfen nationaler Ambitionen von Teilen der marktliberal gesinnten Oberschicht bzw. politischen Elite. Für die AfD ist die Überkreuzung symptomatisch denn ihr Steigbügelhalter war ein Teil des Bürgertums (ehemalige CDU- und FDP-Mitglieder, Professoren und Eliten aus Wirtschaftsverbänden und Journalismus), was heute gerne vergessen wird. Das Aufbegehren des „kleinen Mannes“ wird auch heute noch von der Politik zum Vorwand genommen, derzeit nicht „mehr Europa“ (schon gar keine demokratische und soziale europäische Lösung) machen zu können. Dieser Populismus ist unerträglich! – Franz Pastusiak


Leserbrief zu „Jeder will das Sturmgewehr” von Hauke Friederichs

Danke für die Analyse der Entwicklungen. Gut getan hätte eine klare Wertung. Der Einsatz der Bundeswehr im Inneren ist nicht zulässig. Das umgeht man jetzt mit den geplanten Anschaffungen von schwerem Gerät. Dann dürfen Unternehmen wie KMW oder Rheinmetall nicht nur die Terrorfinanziers Nummer eins am Golf zur Unterdrückung der eigenen Bevölkerung beliefern, sondern verdienen auch an der Abwehr des Terrorismus als Nebenprodukt kräftig mit. Positiver Nebeneffekt: Sollten nach der nächsten Wirtschaftskrise deutsche Großstadtviertel brennen, kann man auch gegen diese Art des Terrors mit Panzerwagen und Sturmgewehr vorgehen. – Johannes Stockerl


Leserbrief zum Titelthema „Wer hat die Macht? – der Staat oder die Superreichen?“

Für mich stellt sich nicht mehr die Frage: Die Politik oder die Superreichen; ich schaue auf Europa und erkenne: Da wurden eigene Steuerschlupflöcher gemacht, mit Luxemburg, Lichtenstein, die Niederlande. Und alle davon weiß ich schon gar nicht. Mittlerweile sehe ich die Politiker*Innen mit den Superreichen und Konzernen, um sich ganz legal an Steuergeldern zu bereichern. Davon ist aktuell reichlich im deutschen Staatshaushalt vorhanden. – Michael Butz


Leserbrief zum Titelthema „Wer hat die Macht? – der Staat oder die Superreichen?“

Es sind brutale und eiskalt überlegte Maßnahmen nötig, um den Steuerhinterziehern das Wasser abzugraben. Die Angst vor den harten Strafen muß größer sein, als die Chance mit milden Strafen davonzukommen. Die kleinen Staaten sollten für vernünftige Steuersätze belohnt werden, damit sie nicht auf die krummen Geschäfte angewiesen sind. Kooperation statt Steuerwettbewerb. Habt Ihr bessere Lösungen? Kennt Ihr Spitzenjuristen, diie bereit sind dafür vor die Gerichte zu ziehen? – Diether


Leserbrief zu „Über Toastbrot und Wutausbrüche“ von Harald Martenstein

Herr Martenstein, Ihre Aufgabe ist es offensichtlich, in Ihren  Kolumnen zu polarisieren und zu provozieren.  Dafür werden Sie wohl bezahlt. Mit Ihrer Toastbrotversion zum Thema Deutsche Einheit haben Sie es geschafft, ein in Teilen negatives Bild von den Ossis zu zeichnen.  Ossis sind zu blöd, um ihr Toastbrot zu toasten. Sie polarisieren. Herzlichen Glückwunsch. Nun müssen Sie den Gegenwind aushalten, aber hiermit tun Sie sich schwer. Sie jammern ob der Reaktionen eines Teils ihrer (blöden) Ossi-Leserschaft. Haben Sie jemanden, der Sie spiegelt? Oder bespiegeln Sie sich ausschließlich selbst? Sollte letzteres der Fall sein, wovon ich nach Ihrem neuerlichen Beitrag im Zeit-Magazin vom 9.11.2017 ausgehe, haben Sie mein Mitleid auf Grund Ihrer nichtvorhandenen  Fähigkeiten zur selbstkritischen Analyse. Einfach mal Klappe halten und schauen, was schiefgelaufen ist. Sowas nennt man im Übrigen auch Einfühlungsvermögen. Wenn man es denn hat. – Kerstin Schimmeck


Leserbrief zu „Böse, böser, Glyphosat“ von Kolja Rudzio

Über Ihren Artikel muss ich mich doch sehr wundern ! Haben Sie sich gar nicht mit Ihren Kolleginnen und Kollegen, die das Thema Glyphosat schon behandelt haben, abgestimmt ? Schon lange ist die Frage der Kanzerogenität von Glyphosat bei Menschen nur ein Teil des Problems. Mag sie mehr oder weniger zu befürchten sein. Das viel größere Problem von Glyphosat und vergleichbar wirkender Spritzmittel, ist die damit verbundene Vernichtung der Fruchtbarkeit der Humusschichten unserer Äcker, nicht nur in Europa, sondern weltweit. Was das bedeutet, wollen sich viele Menschen offensichtlich gar nicht vorstellen ?  Ihr Artikel macht sich lustig über die kleinkariert sich streitenden Institute zur Krebsgefahr, als wäre das das einzige Problem und das viel größere gäbe es gar nicht ! ( Blieb in Ihrem Artikel unerwähnt !) Sie sollten sich einmal die Beurteilung von Glyphosatprodukten durch das Umweltbundesamt, UBA, vom 19.07.2017 durchlesen. Danach ist Glyphosat ein „Totalherbizid“, welches flächendeckend den ges. Ackerwildkrautbewuchs vernichtet und damit auch alle Lebensgrundlagen für die Insekten-, Kleintier- und Vogelwelt.

Das Bundesamt für Naturschutz, BfN, kommt in seinem Agrarbericht vom Juni 2017, zur gleichen Erkenntnis : „Der Zustand der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft ist alarmierend“! Wenn Sie sich selber in diesem Jahr die mit Glyphosat behandelten Äcker angesehen hätten, wäre Ihnen klar geworden, dass die Wirkung von Glyphosat nicht nur oberirdisch tätig ist, sondern gewiss auch alle Lebewesen in der Humusschicht der Ackerböden vernichtet, wie es andere einschlägige Institute bestätigen. Die Aufgabe der “die Zeit“ ist es, auf die Missachtung der einschlägigen Bundesämter durch die CDU- und CSU – Politiker, einschließlich der Kanzlerin, hinzuweisen, die hier deutlich kurzsichtige Interessenpolitik für ihr bäuerliches Klientel betreiben und die zu erwartende Langzeitwirkung auf die Nahrungsversorgung der Menschheit einfach ausblenden ! – Klaus-Otto Cordua


Leserbrief zu „Die Suche nach dem guten Gesetz” von Thomas Fischer

Dem Schreiber gebe ich recht, wenn er das, was da von Richtern am Strafkammertag ausgetüfftelt worden ist, als das bezeichnet, was ein Laie, als „den Bürger um seine im Grundgesetz verankerten Rechte zu bringen“, bezeichnen würde. Aber ist es nicht lächerlich sich um Dinge den Kopf zu zerbrechen, die im Familienrecht schon längst Einzug gehalten haben? Stellen Sie als Großeltern mal einen Antrag auf Umgang mit Ihren Enkelkindern und in Null-Kommma-Nichts sind Sie ein Kindeswohlgefährder, und wenn Sie alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen um ein Verfahren überhaupt in die Gänge zu bringen, so werden Sie schnell die Auswirkungen von Art. 97 GG zu spüren bekommen. Aber was mich am meisten auf die Palme bringt, ist die Tatsache, das kritische Auseinadersetzungen  von Richtern, Rechtsanwälten oder anderen juristischen Koryphäen mit dem Deutschen Justizgebaren, erst dann publiziert werden, wenn die Pensionen fließen, die wohlgemerkt, von Kindeswohlgefährdern, von Bürgern denen das „richtige Rechtsbewußtsein“ fehlt und späteren Steuerzahlern (Kinder) aufgebracht werden müssen. Wo bei Letztere den weitaus größten Anteil beisteuern müssen und zwar in Form von Bildungsintoleranz, fehlendem Selbstwertgefühl, narzisstischen Persönlichkeitsstörungen, Borderlineerkrankung, PAS und Väter als Feindbild. – Beate und Michael Spautz


Leserbrief zu „Die Gier des Apothekers“ von Marcus Bensmann et al.

Angesichts der unvorstellbaren Taten des Apothekers frustriert, dass er nicht wegen eines Tötungsdeliktes angeklagt werden kann. Und als juristischer Laie frage ich mich, warum eigentlich? Als Apotheker wusste er, dass sein Tun den Tod Dritter verursachen kann. Mordmerkmale sind dahingehend verwirklicht, als dass niedrige Beweggründe (Habsucht) und Heimtücke (arglose Opfer) vorliegen. Warum kann dann nicht wegen versuchten Mordes angeklagt werden. – Manfred Zschiedrich


Leserbrief zu „Verbrauchte Kraft” von Matthias Krupa

Der Autor fragt an, ob ein neuer tragfähiger Konservatismus für die CSU schwer zu finden ist? Ich neige zur Antwort: Nein nicht schwer, aber es bedarf viel Kraft. Man kann zu Donald Trump als US-Präsident Erstaunen, Häme u.a. haben, sein Wahlsieg war meiner Ansicht nach vor allem eine Antwort auf die Haltung der amerikanischen Demokratischen Partei und deren  Politik der letzten Jahre, sich nur noch um die Minderheiten zu kümmern. Konservative Ideen, wenn erfolgreich und das sollten sie ja für die CSU sein, haben zudem meist nur Aussage- und Bindekraft für die sog. schweigende (ein tödlicher Euphemismus) Mehrheit.

Diese Mehrheit hat überwiegend ganz einfache, „normale“ Ansichten über das Zusammenleben von Menschen in einem Volk, wie z.B. Ehe:  normal nur für „Mann“ und „Frau“; Sorgerecht: grundsätzlich sind beide Eltern eines Kindes gefordert, oder nachvollziehbare Rechte und Pflichten der Bürger, aber auch gleichzeitiger Schutz von Minderheiten vor Diskriminierung u.a.m. Natürlich sind solche Gedanken nicht spektakulär, sie eignen sich nicht für Sensationsberichte und/oder „shitstorm“ in den Medien. Sie gelten, wie gesagt, vielen Bürgern als „normal“, laufen in den letzten Jahren jedoch häufig Gefahr, dass sie vom politischen Gegner schnell entweder in die „nationalsozialistische Ecke“(ein absolutes Totschlagargument) oder als diskriminierend gegen Minderheiten, abgestempelt werden. Da braucht es großen politischen Mut und Kraft zum Anderssein gegen diesen veröffentlichten, politisch korrekten Mainstream. – Georg Obieglo


Leserbrief zu „Stolz ?“ von Bernd Ulrich

Auf einer ganzen Seite breitet Bernd Ulrich seine Abneigung gegen Herrn Gauland aus. Das sind umgerechnet 200.000 Blatt Papier; das bekanntlich aus Holz besteht. Und dieser Deutsche wirft seinem Tischgenossen vor, sich nicht für die Zukunft unseres Landes zu interessieren, weil er ein Wiener Schnitzel isst! Hätte Ulrich sich mehr Zeit genommen, wäre er umweltschonend mit einer Viertelseite ausgekommen. Bernd Ulrich zähle ich als langjähriger ZEITleser zu den „Liberalen und Linken“, die Heimat, Patriotismus, Vaterland als no go area gebrandmarkt haben und die Deutschen für ihre böse Vergangenheit am liebsten mit Weltbürgertum bestrafen würden.

Dem ganzen Essay haftet der Makel der Undifferenziertheit an. Dass Gauland „stolz“ sein wolle auf die „militärischen“ Leistungen deutscher Wehrmachtssoldaten gibt seine Rede nicht her, wohl aber dass die meisten mit Anstand ihre Pflichten erfüllt haben. Kriege werden nicht von Soldaten beschlossen, sondern von Politikern. War der Oberleutnant der Wehrmacht und Bundespräsident von Weizsäcker ein Verbrecher? Oder der Leutnant und Bundeskanzler Schmidt? Oder der Hauptmann und Ministerpräsident Dregger? Oder mein Vater, von 1943 bis 1944 Sanitäter im Dienst der Wehrmacht und anschließend fünf Jahre lang Lagerarbeiter an der Wolga? Sinnvoller Patriotismus, so Ulrich, speise sich „aus Schuld und Läuterung“. Abgesehen davon, dass es nur persönliche Schuld und Läuterung gibt, kann man von keinem, der heute in der Bundesrepublik lebt, einen solchen Zerknirschpatriotismus erwarten, von den Kindern der Opfer nicht, von den Urenkeln der Täter nicht und von den „Bürgern mit Migrationshintergrund“ schon gar nicht. Abschließend: Patriotismus und Heimat sind weder Aufgabe noch Zukunft, sie sind heute. – Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Supermacht EU? Bitte nicht!“ von Jochen Bittner und Martin Klingst

Das schwächste Glied im angeblich vereinten Europa ist in Wahrheit Deutschland. In Deutschland will das nur keiner wahrhaben. Die Deutschen spinnen, hörte ich kürzlich in Brüssel. Als ehemaliger Unternehmensberater in halb Europa und Asien unterwegs kann ich nur davor warnen, das Deutschland entscheidendes im transatlantischen Sinne bewegen könnte. Ich kenne zur Genüge die Ansichten ihres Kollegen Bernd Ulrich, der Europa völlig falsch einschätzt. Europa kann gar nicht zusammenwachsen. 27 Staaten mit völlig unterschiedlichen Biografien und unterschiedlicher Fiskalpolitik und politischen Strukturen hemmen eine gemeinsame Sprache, die es ohnehin nicht gibt.  Das beste an der EU ist die Tatsache, daß es keinen Krieg in den letzten 60 Jahren mehr gegeben hat. Sieht man von den regionalen Scharmützeln einmal ab. Allein das hat die Gründung der EU gerechtfertigt und hat sie wertvoll gemacht.

Und die Beurteilung über Donald Trump ist besonders in Deutschland ein immer wieder gern gesehenes Thema. Die Medien überschlagen sich in Beleidigungen und Diffamierungen. Das Verhalten ist durchaus gewöhnungsbedürftig. Das war abzusehen. Der wird sein Land trotzdem stärken, da bin ich mir ziemlich sicher. Dafür ist er auch angetreten. Und der heutige Zustand hat sich verbessert, daß zeigen die wirtschaftlichen Daten, die bei uns gern verschwiegen werden. Von Europa haben die Amerikaner noch nie viel gehalten. Einen differenzierten Journalismus hat es nie gegeben. Die pharisäerhaften Belehrungen scheinen angeboren zu sein. Und zu guter Letzt begeht WestEuropa ohnehin, wie wir es kennen. gerade Selbstmord. Das Thema hat sich in circa 30 Jahren ohnehin erledigt. Die afrikanischen und arabischen Staaten werden WestEuropa besetzen. Von Europa wird dann wenig übrig bleiben. Das hat nicht nur wirtschaftliche sondern auch klimatische Gründe. Und zu allem Überfluss sei auch gesagt: Amerika ist demokratischer angelegt als Deutschland. Da bin ich mit Ihrem Autor einer Meinung. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Verbrauchte Kraft” von Matthias Krupa

Zum Thema CSU entstehen Fragen über Fragen. Was ist das für ein seltsames Konstrukt von „Schwesterparteien“, die als wesentliches gemeinsames Merkmal das „C“ im Namen tragen? Wenn ihre politischen Intentionen deckungsgleich wären, dann erübrigte sich wohl eine eigene Landespartei in Bayern. Logischerweise müsste es dann in Bayern wie im Bund und in den anderen Bundesländern die CDU geben. Wenn aber die Programme beider Parteien differieren — sie differieren bisweilen erheblich–, und unterschiedliche Wähler ansprechen, dann wäre es wohl ebenso logisch, sowohl die CDU in Bayern als auch die CSU in allen anderen Bundesländern wählbar zu machen und so Wahlergebnisse zu optimieren. Nur in dieser Konstellation sind Koalitionsverhandler aus der CSU neben denen aus der CDU akzeptabel. Deren Zahl und politisches Gewicht dürften dabei höchstens dem Stimmenanteil einer bundesweiten CSU entsprechen, geschätzt maximal 10 %. Demgemäß moderate Töne sind beim Verhandeln angesagt. – Werner Schwenzfeier


Leserbrief zu „Über Toastbrot und Wutausbrüche“ von Harald Martenstein

Jetzt sind Sie nicht nur der einzige „Prominente“, mit dem ich auf einem Selfie zu sehen bin (Buchmesse Leipzig 2017), sondern auch der Einzige, der von mir einen Leserbrief erhält. Ich möchte Ihnen nur mitteilen, dass ich mir bereits beim Lesen der ersten Toastbrot-Kolumne sicher war, dass es eine Zweite über das überbordende Feedback zu diese Kolumne geben wird. Heute war es so weit… Bei Beiden habe ich herzlichst gelacht. Gelernt habe ich auch noch dabei. Weiter so! – Lutz Förster


Leserbrief zu „Ruhig mal das Wasser abdrehen“ von Robert Pausch

Das stimmt nur bedingt. Der Erfolg der AfD wird in Zukunft noch zunehmen, unabhängig davon, wie die etablierten Parteien sich gegenüber dieser Partei verhält. Vorausgesetzt die Jamaika Koalition wird die Regierung übernehmen. Das ist für Deutschland die schlechteste Lösung. Die AfD kann sich darauf freuen. Europa, wie wir es kennen, begeht ja gerade politischen Selbstmord. Es merkt nur noch keiner. Und die neue Regierung wird auf alten Pfaden weiter wandern. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Floridas Hauptstadt steht für Sonne, Strand und Protz. Und jetzt auch noch für Kultur? Das wollen wir doch mal sehen“ von Merten Worthmann

Sicher ist Miami die größte, bekannteste und schillernste Stadt Floridas . Sie aber zur Hauptstadt des sunshine Staates zu machen gebührt ihr nicht . Tallahassee im Norden ist weiterhin m.E. Hautstadt und auch weiterhin besuchenswert . – Renate Quack


Leserbrief zu „Auf den Leim gegangen” von Sérgio Costa

Dass die ZEIT einem Autor, der formuliert, die AfD werde „die Spaltung der Gesellschaft weiter vorantreiben“, anstatt sich und den Lesern einzugestehen, dass ihr Erfolg bei den Parlamentswahlen eine Produkt und Ausdruck einer bereits vorhandenen Spaltung der Gesellschaft darstellt,  solch ein Forum einräumt, das ist befremdlich- denn derlei Aussagen sind tatsächlich Ausdruck einer unverbesserlichen Ideologie- und Ignoranz ! – Karl-Heinz Grau


Leserbrief zu „Was das Klima braucht“ von Andreas Löschel

Umfassende CO2-Bepreisung für Strom, Wärme und Verkehr. Hervorragende Idee! Schließlich werden Kohlekraftwerke ja nur noch aus purer Nickeligkeit betrieben, ohne dass der Strom gebraucht werden würde, Millionen von Pendler stellen sich jeden Morgen aus rein sozialen Gründen in den Stau, um vor dem Arbeitsbeginn noch ein paar Stunden mit Gleichgesinnten zu verbringen, und geheizt wird ohnehin doch nur, weil die Leute zu faul sind, ihre Pullover aus dem Schrank zu holen.

So lange man aus Ideologiegründen nicht bereit ist, sich zunächst einmal die Rahmenbedingungen anzuschauen und sie zu analysieren, werden solche hervorragenden Ideen nur zwei Ergebnisse aufweisen: Dem eigenlichen Ziel wird man kaum näher kommen, und diejenigen, die ohnehin schon am Ende der Nahrungs=Geldkette stehen, werden noch stärker ausgeplündert und haben noch weniger Möglichkeiten, selbst etwas zu ändern. Eigentlich sollte es jedem zu denken geben, dass sich in Sachen Strom/Wärme/Verkehr trotz stagnierender Bevölkerungszahl und inzwischen in Norddeutschland nur noch als pervers zu bezeichnenden Windkraftausbaus nichts tut. Aber Konjunktiv und Ideologie gehören nun mal eng zusammen. – Gilbert Brands


Leserbrief zur Grafik „Ärzte-Gelöbnis” von Harro Albrecht und Jan Schweitzer

Erstens kann man nicht behaupten, der Text sei eine Übersetzung der englischen Version, denn es ist ein frei erfundener Text, der  schwerwiegende Fehler enthält und daneben noch nicht einmal korrekt die Unterteilung wiedergibt. Zweitens ist besonders Punkt 11 in mehrerer Hinsicht falsch formuliert; Zitat: „Ich werde mein medizinisches Wissen zum Wohle meiner Patientinnen und Patienten und zur Förderung des Gesundheitswesens teilen“ Was soll das? Weder medizinisches noch anderes Wissen kann man teilen, wohl aber mitteilen. Unterteilen kann man es, z. B. in verschiedene Sachgebiete; man kann es auch verschiedenen Empfängern mitteilen. Teilen kann man etwas zwischen mehreren Empfängern, wenn man dem einen nur einen Anteil und weiteren andere Anteile vermittelt. Die beiden als Übersetzer genannten Personen kennen offenbar die englische Sprache nicht; wenn sie wenigstens die deutsche beherrschen würden, so wären sie zu einem anderen, besseren Text gekommen. Unterhält die ZEIT eigentlich keine Lektoren? Es würde mich interessieren, was der Weltärztebund zu dieser sogenannten Übersetzung verlautbaren wird. – Gerhard Hestermann


Leserbrief zu „»Die Ignoranz ist enorm«“ von Marc Brost

Als Leiter einer schlagkräftigen NGO, die es zum obersten Ziel hat, der Gesellschaft Europas als weltweit größtem Wirtschaftsraum die Souveränität gegenüber den Konzernen zurückzugeben, könnten Sie Segensreiches bewirken. Wägen Sie Ihre Möglichkeiten gegen Ihre Bedürfnisse ab und stellen Sie sich nochmals in den Dienst der Gesellschaft. Ich wäre dabei. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Supermacht EU? Bitte nicht!“ von Jochen Bittner und Martin Klingst

„Aber diese neue Stärke muss sich innerhalb einer Partnerschaft mit Amerika entfalten, nicht außerhalb von ihr. Denn bevor Europa dort ist, wo unsere Kollegen es schon heute sehen, ist Trump längst Geschichte.“ Das impliziert, dass es dieses „Innerhalb“ noch gibt. Die USA haben sich von Europa abgewendet und ihr Präsident die NATO für obsolet erklärt.Natürlich wird Trump Geschichte sein, bis wir mal gelernt haben, auf eigenen Füßen zu stehen. Aber die Ursachen für das Phänomen Trump werden länger existieren. Trump wird einen Nachfolger haben. Die Annahme, dass dann alles ist wie vor Trump, ist eher kindlich. Wir können nun die Augen geschlossen halten und so tun, als hielten die USA immer noch die schützende Hand über uns, bis uns die externe Realität (möglicherweise sehr unsanft) aufweckt, oder wir öffnen sie jetzt und sehen zu, dass wir mit den neuen Gegebenheiten (von außen gegeben!) zurecht kommen … irgendwie, heute mehr schlecht als recht, zukünftig vielleicht etwas besser. Ein bisschen ist die EU wie Hänsel und Gretel. Die haben aber nicht gesagt „Wir dürfen uns nicht von unseren Eltern abwenden“, sondern „Mist, die Eltern sind weg, die haben uns ausgesetzt. Was jetzt?“ – Hans List


Leserbrief zu „Klima retten mit Pommes-Fett“ von Petra Pinzler

Es ist immer wieder „schön“ zu lesen wie die nordischen Länder ihr „grünes“ Image aufbauen. Nicht erwähnt werden darf dabei aber:

Finnland: 24% der Stromerzeugung kommen aus CO2 freier Kernenergie und ein weiteres großes Kernkraftwerk ist im Bau.

Schweden: 42% der Stromerzeugung kommt CO2 frei aus alten Kernkraftwerken. Der geplante Ausstieg aus der Kernenergie wurde rückgängig gemacht. Der Ausstieg aus den Treibhausgasen in 2045 wird sicherlich nicht ohne Kernenergie gehen, denn die erwähnten Solarpanels liefern im Winter in Schweden keinen Strom. Dann ist es dort nämlich dunkel.

Norwegen: Die hohen Subventionen für E-Autos sind in Norwegen nur möglich weil das Land über den Verkauf von fossilen Energien (Öl / Gas) riesige Einnahmen hat und nur eine kleine Bevölkerung. Des Weiteren ist das große Land mit der geringen Bevölkerung auch noch mit sehr viel Niederschlag und somit sehr viel Wasserkraft (natürlich nur aus umweltfreundlichen Stauseen) gesegnet. Nicht erwähnen sollte man beim „grünen“ Norwegen natürlich auch, dass die Norweger Walfische jagen. Bezüglich der Atomkraftwerke ist natürlich davon auszugehen, dass diese für Deutschland nicht gefährlich sind. Gefährlich ist nur das Kernkraftwerk in Belgien. Für alle nordischen Länder gilt: Solarpanel machen hier wenig Sinn. In den Zeiten mit dem höchsten Stromverbrauch ist es dort überwiegend dunkel. Also, machen wir es doch den nordischen Ländern nach und bauen uns auch ein potemkinsches Image auf. – Heinrich Kruse


Leserbrief zu „Er muss nicht zum Metzger. Er macht die Wurst” von Christian Gesellmann

So geht das nicht! Ihr könnt nicht einfach einen solchen Beitrag in Eurer Zeitung platzieren, ohne auf die Gesundheitsgefahren beim Lesen hinzuweisen. Tut mir bitte einen Gefallen! Wir sind zwar hier nicht in den USA, aber bei der ZEIT. Ein Warnhinweis tut hier Not. Mich hätte es beim Lesen fast körperlich zerrissen. Vor Lachen! Im Grunde wäre es für mich ja auch ein schöner Tod. Nur blöd für euch, ein Abonnent weniger. Ich bitte Euch, denkt auch an die Herzen Eurer Leser/innen. – Andreas Kusserow


Leserbrief zu „Floridas Hauptstadt steht für Sonne, Strand und Protz. Und jetzt auch noch für Kultur? Das wollen wir doch mal sehen“ von Merten Worthmann

Miami steht für Sonne, Strand und Protz. Und jetzt auch noch für Kultur? Das wollen wir doch mal sehen. Leider sieht der Leser schon in der Überschrift, dass da wohl was nicht stimmt. Die Hauptstadt Floridas heißt wirklich ganz anders. Sie kennen doch sicher auch das Lied von …Tallahassee Lassie…, oder ? – Reiner Marx


Leserbrief zu „»Die Ignoranz ist enorm«“ von Marc Brost

Ein spannendes Thema, Herr Kubicki und die Cum-Ex-Deals. Im Interview kommt es aber zu kurz. Wollen Sie nicht ein bisschen mehr darüber schreiben? – Christian Voll


Leserbrief zu „Die Suche nach dem guten Gesetz” von Thomas Fischer

Sehr treffend und wie immer erfrischend hat Thomas Fischer diesmal die „Beschlüsse“ des diesjährigen sogenannten Strafkammertages glossiert. Die wenig transparente Einladungsliste hatte kürzlich 80 von insgesamt ca. 800 Berufsrichtern in Strafkammern an deutschen Landgerichten in Würzburg zu einem Gedankenaustausch zusammengebracht. Fischer – Verfasser des bedeutendsten Strafrechtskleinkommentars im Bundesgebiet – kommentiert aus der Sicht des ehemaligen Vorsitzenden des 2. Strafsenats beim Bundesgerichtshof (Besoldungsstufe R8) die Veranstaltung der – wie die Presse meine – „Hochkaräter des Strafrechts“ (Besoldungsstufe R2) mit der Feststellung, dass hier „ein höchstkarätiges Maß an Wichtigtuerei in krassem Verhältnis zu einem minimalen Ausmaß von Legitimation“ stehe. Die von Fischer gewohnte beißende Ironie war schon in seinen aktiven Richterzeiten von seinem kollegialen Umfeld nicht immer leicht zu ertragen. Dennoch muss man seine andere – häufig abweichende –  Sicht der Dinge, seine klare und allseits verständige Sprache anerkennen. Die von den Teilnehmern des sog. Strafkammertages sicherlich als lästerlich empfundene Kommentierung eines ehemaligen Richterkollegen hat aber auch einen ernsten Kern, da nämlich, wo Fischer sich vehement gegen Bestrebungen „zur Verbesserung der Wahrheitsfindung“ im Strafprozess wendet, die nichts anderes bedeuten würden, als zukünftig eher „kurzen Prozess“ zu machen. Bravo. – Karl-Heinz Schürmann


Leserbrief zu „Stolz ?“ von Bernd Ulrich

„Wenn es einen sinnvollen deutschen Patriotismus geben sollte, so würde er sich aus der Geschichte von Schuld und Läuterung speisen (…) schreibt hypermoralisch von oben herab Bernd Ulrich. Sicher ist der Umgang mit 12 Jahren unserer 1000jährigen Geschichte beispielhaft. Doch auch übertrieben. Wie die Wahlen erwiesen haben, sind es viele Deutsche leid, wenn volksferne Arroganz ihre Angst vor Identitätsverlust  missachtet. Ein Volk braucht natürlich Vorbilder, die auch Helden sein können. Luther, Scharnhorst, Stauffenberg, die drei großen Weltveränderer Gutenberg, Zuse, von Braun und…Wie sollen wir einen stolzen Türken integrieren, wenn wir ihm als Bußgänger begegnen? Ein blutleerer Verfassungspatrotismus kann nicht mal unsere geradezu entmannte Nation begeistern. Ulrich behauptet geschichtsvergessen, die britische und französische Geschichte habe“im Vergleich zu Deutschland viel weniger verbrecherische Seiten“. Deutsche Medien vertuschen, dass völkerrechtswidrig die Hungerblockade im 1.  und die Flächenbombardierung im 2. Weltkrieg 1,5 Millionen deutsche Zivilisten das Leben kostete. Frankreich ist nach einer UNO-Studie „der aggressivste Staat der Weltgeschichte“! Vor allem : Beide Staaten waren Haupthandelnde beim größten Verbrechen der Menschheitsgechichte: dem Sklavenhandel. Deutsche waren daran nicht beteiligt. Warum darf man Deutschland nicht mal hochleben lassen? Ubi bene, ibi patria. – Hans-Jürgen Schmidt


Leserbrief zu „Macht Schluss damit“ von Anant Agarwala und Anna-Lena Scholz

Die Empörungskultur der Ungehörten hat wieder einmal Hochkonjunktur. #MeToo heißt die Devise, mit der – Vergewaltigung, Altherrenwitz, Hand am Knie, einerlei, Alles dasselbe, MeToo – jetzt endlich jeder zu Wort kommen will. Das ist ansteckend, auch wenn man in Hollywood partout keine Rolle spielt und das eigene Knie unberührt blieb. Gut dass sich die Entrüstungssause spielend inflationieren lässt. Von sexueller Belästigung beim Film ist es nicht weit zum Mobbing in der Wissenschaft, so die  Autoren Agarwala und Scholz in der Rubrik Chancen der Wochenzeitung „die Zeit“. Hier ist es in besonderem Maße Zeit für den Pranger, denn hier grassiert ein „enormes Spektrum von Machtmissbrauch vom Plagiat über Sexismus bis hin zu Zwangsüberstunden“. Doktoranden „korrigieren am Feierabend Diplomarbeiten“ (gibt es seit Jahren nicht mehr) der Professor (als ein die Meriten seiner Untergebenen einstreichender Plagiator) setzt sein Autogramm drunter, es wimmelt von Kurzzeitverträgen, Frauen sind in der Unterzahl, das Klima ist von Autoritätsgläubigkeit und (nicht näher erläuterten) überkommenen Traditionen bestimmt. Selten habe ich mich so inkompetent, pauschalisierend und bedeutungshubernd über die Institution Universität angesprochen gefühlt, an der ich mich seit zwanzig Jahren bewege. Es ist offensichtlich, dass die Autoren von Wissenschaft und ihren Bedingungen nahezu nichts verstehen, und sich dennoch berufen fühlen, die notorischen unkonkreten Versatzstücke muffiger Professorenschelte ein weiteres Mal so selig wie ahnungslos aneinander zu reihen. Als Redaktionsmitglieds des Bereichs Chancen wäre es mir peinlich.

Dass wissenschaftlicher Mittelbau (Doktoranden und Postdocs) auf befristeten Stellen arbeitet ist im Allgemeinen kein Menetekel sondern spiegelt die Tatsache wieder, dass es sich hier nicht um Service-Jobs handelt sondern um aus eingeworbenen Forschungsdrittmitteln generierte Freiräume, die es befristet möglich machen, sich bezahlt ganztägig der eigenen Neugier zu widmen, und dabei auf Kosten des Steuerzahlers den ganzen Tag lernen und sich qualifizieren zu dürfen. So ist es jedenfalls in den naturwissenschaftlichen Fächern in der universitären Forschung, die auch heute noch weitgehend neugiergetrieben ist. Wer dagegen bei Philips und co anwendungsgetrieben forscht, tut dies auf bestbezahlten Dauerstellen. Dass Doktorandenverträge oft gestückelt sind, ist in aller Regel keine Form von Machtmissbrauch sondern hat damit zu tun, dass Drittmittel für definierte meist zu kurze Zeiträume eingeworben werden, sodass bei Fristüberschreitungen Zwischen- bzw. Ausfinanzierungen aus anderen Quellen nötig sind. Missstände in der Wissenschaft entstehen meist aus einer Erosion des Wettbewerbs in Disziplinen, die keine halbwegs klare Vorstellung mehr davon haben, was gute und was weniger gute Forschung ist, was vermutlich auf das Filmgeschäft übertragen auch ein Merkmal Hollywoods ist. Dass Doktoranden meist nicht nine to five agieren sondern oft deutlich länger, ist nicht Ausdruck zynischer Arbeitgebermentalität sondern der Tatsache, dass eine Promotion – etwa im Fach Physik – für viele Doktoranden eine vom Steuerzahler finanzierte Abenteuerreise darstellt und nichts mit einem Arbeitnehmerszenario zu tun hat. Wer darauf beharrt  Arbeitnehmer zu sein und in Kategorien wie Überstunden denkt, hat nicht verstanden, dass es keinen Arbeitgeber gibt, der hier den Mehrwert abschöpft. Inzwischen verlangt das Gesetz eine Regelmindestlänge der Doktorandenfinanzierung von 3 Jahren, was gestückelte Finanzierungen zum Schaden derjenigen, die deshalb keine Stelle bekommen, sehr kompliziert macht. Auch ist es in allen MIN-Fächern üblich, das Doktoranden die Erstautoren Ihrer Veröffentlichungen sind sogar wenn der Professor den Löwenanteil beigetragen hat, was – tatsächlich – nicht selten der Fall ist. Das eigentliche von der Wissenschaft verschuldete Problem beim Thema Promotion ist das Überangebot an Doktorandenstellen, sodass zu viele junge Leute angelockt werden, welche die Leidenschaft und Befähigung zu einer Laufbahn in der Wissenschaft nicht mitbringen. Wissenschaft erzeugt zwangsläufig auch viel Frustration, denn sie kommt nicht ohne Wettbewerb aus und der kennt auch Verlierer.

Auch die gebetsmühlenartig wiederholte undifferenzierte Anprangerung des angeblich ubiquitären universitären Sexismus ist kaum mehr als ein Ausdruck der Ahnungslosigkeit der Autoren. Die mir wohlbekannte Szene der deutschen Physikfachbereiche bemüht sich seit Jahren mit höchster Priorität und großer Ernsthaftigkeit, den Frauenanteil zu erhöhen. Die Chancen als Frau eine Professur im Fach Physik zu erhalten sind bezogen auf die Anzahl der Bewerbungen höher als bei den männlichen Kollegen. Das von Außen – etwa durch den hier kommentierten Artikel –  in die Universität hineingetragene Misstrauen hat bereits dazu geführt, dass männliche Lehrende grundsätzlich etwa Mentorengespäche mit weiblichen Studierenden bei geöffneter Tür führen, obwohl es dabei auch um persönliche Aspekte gehen kann. Der von den Autoren gewählte Titel „Macht Schluss damit“ erinnert ein wenig an die Aufrufe zur Selbstkritik in den Wandzeitungen der chinesischen Kulturrevolution. Als wäre da im Subtext eine unausgesprochene Drohung enthalten, die so etwas wie ein grundsätzliches Ressentiment gegen Wissenschaft und Wettbewerb offenbart, vielleicht weil man sich selbst dabei auf der Verliererseite wähnt. – Andreas Hemmreich


Leserbrief zu „Was das Klima braucht“ von Andreas Löschel

Abgesehen von Mr. Trump und der AfD bestreitet kaum noch jemand, dass sich der Klimawandel auf einem für unsere Nachkommen kritischen Kurs befindet. Gestritten wird über Lösungswege zur CO2-Reduzierung. Ich unterstütze sehr die von Prof. Löschel empfohlene CO2-Bepreisung und denke dabei besonders an den Flugverkehr. Der FLUGVERKEHR wird in wenigen Jahren 10% des weltweiten CO2-Ausstoßes erreichen. Die Urlaubsreise eines deutschen Ehepaares nach Gran Canaria / Spanien erzeugt 4.700 kg klimaschädliches CO2, genau so viel wie die Ölheizung des Ehepaares im gesamten Jahr. Über die umweltschädliche Ölheizung wird viel diskutiert, dagegen kaum über die Umweltschädigung durch den Flugverkehr. Für einen umweltfreundlichen Flugverkehr gibt es eine einfache Lösung: Wasserstoff als Treibstoff.

Schon vor 40 Jahren hat Ludwig Bölkow, der deutsche Pionier der Luft- und Raumfahrttechnik, sehr für den Flugzeugantrieb mit Wasserstoff geworben. Die erste Europäische Weltraumrakete ELDO-A flog noch mit dem Flugzeugtreibstoff Kerosin, alle anderen danach mit flüssigem Wasserstoff, der aus Wasser gewonnen, mit Kälte verflüssigt, im Triebwerk mit Sauerstoff verbrannt wird und als reiner Wasserdampf wieder in die Atmosphäre gelangt. Mehrere Flugzeugbauer haben danach für Wasserstoff-Flugzeuge geforscht: Boeing, Airbus und andere. Ergebnis: technisch möglich und bei Wasserstofferzeugung mit Elektrizität aus erneuerbaren Energien extrem umweltfreundlich. Doch gibt es bis heute kein Entwicklungsprogramm, das auf den Ersatz der derzeitigen umweltschädlichen Flugzeuge zielt. Der Grund: die Politik! Der Flugzeugtreibstoff Kerosin ist weltweit steuerfrei. Die einfache Problemlösung wäre: hohe Steuern auf Kerosin, die den Wasserstoffantrieb kostenmäßig interessant machen. Airbus und Boeing würden sofort ernsthaft an neuen umweltfreundlichen Flugzeugen arbeiten und diese in wenigen Jahren in den Luftverkehr einführen. – Klaus Eimer


Leserbrief zu „Der Staat, der sich nicht traut“ von Uwe Jean Heuser

Es muß ein völlig anderes Steuerkonzept her. Ihr Autor zeichnet das alles wunderbar auf. Die Politik hat ihre Reputation verbraucht. Als Vorbild taugt sie leider nicht viel. Der Bundesrechnungshof (ohne Vollmacht) und der Bund der Steuerzahler stellen jedes Jahr fest, wie der Staat mit Bürgers .Geld umgeht. Milliardenbeträge werden jedes Jahr zum Fenster rausgeschmissen. Das brennt sich bei den Bürgern fest. Es gab mal einen Professor Kirchhoff aus Karlsruhe, der hatte der Politik eine einheitliche Steuerquote von 25% vorgeschlagen. Der kam zu dem Ergebnis, das trotzdem mehr Steuern an den Staat fließen. Damit war seine politische Karriere beendet.  Auch gab es andere Vorschläge, wie zum Beispiel Steuern nur auf alle Dienstleistungen und Waren zu erheben. Der frühere Nationalökonom der  Deutschen Bank (der Name fällt mir im Moment nicht ein) hatte den Spitzensteuersatz auf 30% festlegen wollen. Nach seinen Berechnungen käme jeder Staat damit zurecht.  Der Anreiz Steuern zu hinterziehen, wäre dann nicht mehr so ausgeprägt. Alles andere wäre nach meinen Erfahrungen kontraproduktiv.

Die Politik in einer Demokratie ist so angelegt, das jeder Machtmensch Arbeitslosigkeit scheut wie der Teufel das Weihwasser. Der wird keine Firma bestrafen wollen, für den Zehntausende von Angestellte und Arbeiter tätig sind. Das werden nur Ausnahmen bleiben.  Unseren ganzen Planeten unter Kontrolle zu bringen ist ein frommer Wunsch.  Ich lebte über vier Jahre auch in Singapur. Dort werden weltweit tätige Aktiengesellschaften betreut. Da wird die Weltgemeinschaft kein Glück haben. Die Singapurer sind finanziell unabhängig und sehr darum besorgt, das da niemand im Land herumschnüffelt.  Der leider schon verstorbene Nationalökonom und Premier Lee Kuan Yew war die Instanz im chinesisch-asiatischen Raum, der hat seinen Staat aus der Armut geführt. Der führte mit strenger Hand. Das sauberste und aufgeräumteste Land was ich jemals kennengelernt habe. Zigarettenkippen auf die Straße werfen wird umgerechnet mit etwa 1.000 Euro bestraft.  Der Wohlstand ist weit höher als in Europa. Die Chinesen, Amerikaner und Engländer  sind dort oft zu Besuch.  Wie schon anfangs erwähnt, wir benötigen eine für Jedermann verständliche  Steuerreform. „Es muß ein Bierdeckel dafür reichen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Auf den Leim gegangen” von Sérgio Costa

Na, da wird sich der „kleine deutsche Mann“ aber freuen, dass sich ein leibhaftiger Professor der berühmten Freien Universität Berlin seiner annimmt. Und was der Herr Professor alles weiß! Sogar „stillschweigende“ Zustimmung bleibt ihm nicht verborgen. Während Kaiser Wilhelm nur noch Deutsche kannte, kennt der Herr Professor nur noch Menschen. Er entsorgt ganz nebenbei das Konzept von Nationalstaat und Staatsbürgerschaft, ohne diese Begriffe auch nur zu nennen, auf den Müllhaufen der Geschichte. So kümmert er sich nicht nur um den „kleinen deutschen Mann“, sondern um alle Mühseligen und Beladenen dieser Welt. Und das sind ziemlich viele. Wer mag da als „großer Mann“ (pardon: natürlich auch „große Frau“ – die gibt es nämlich im Unterschied zur „kleinen deutschen Frau“) abseits stehen! Da weiß ich die Ausbildung der Jugend in den besten Händen und kann mich über die sinnvolle Verwendung meiner Steuern freuen. – Reiner Felkel


Leserbrief zu „Über Toastbrot und Wutausbrüche“ von Harald Martenstein

Als ich Ihre diesbezügliche Kolumne vor einigen Wochen las, hätte ich Ihnen den jetzt von Ihnen publizierten „shitstorm“ voraussagen können. Sie sind genial im sticheln. Sie wissen zu treffen. Eine von mir bewunderte Eigenschaft. Ich bin immer zu spät dran. Ich erkenne die Schwachpunkte nicht und weiß nicht zu retournieren. Zumindest in der Kommunikation. Anders in meinem Beruf als Orthopäde. Dort treffe ich die Schwachpunkte und nutze sie therapeutisch. Ihre Stärke trifft Schwache. – Eckart Schermuly


Leserbrief zu „Stolz ?“ von Bernd Ulrich

Der Patriotismus läßt Sie nicht los – auch wenn Sie ihn gar nicht mögen! Sie verengen ihn ja auch auf Schlachten der Vergangenheit – auf ungerechte Niederlagen, die erlitten, gerechte Siege, die errungen wurden – oder auch umgekehrt! Überragende  Leistungen der Kunst, Musik, Literatur, Wissenschaft, Sport, Politik,  Religion… – sind wir nicht gerade darauf stolz? Daß sie hier  vollbracht wurden, in einer ganz besonderen Gesellschaft, in der ein  unverwechselbarer Dialekt gesprochen wurde (muß man ja leider sagen,  denn Dialekte sterben aus), in einer Landschaft, einer Stadt, die sich  von allen anderen unterscheidet; Heimat, selbst wenn sie grau, öde und  platt ist – und gerade deshalb geliebt wird! Deren ganz besonderer  Charme, der sich nicht jedem erschließt, deren Gesicht unbedingt  erhalten werden und nicht um jeden Preis der Europäisierung oder gar  Globalisierung geopfert werden darf! – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Auf den Leim gegangen” von Sérgio Costa

Zu meinem Bekanntenkreis gehören eine ganze Menge nichtdeutscher Deutscher, z.B. Russen, Vietnamesen, Schwarzafrikaner, etliche Libanesen, und andere, alle gut integriert und deutsche Staatsbürger. Ein sehr großer Teil hat bei der Wahl ganz offen für die AfD votiert, verhältnismäßig mehr, als Urdeutsche das getan haben. Und alle definitiv nicht aus den Gründen, die gerne in den Medien breit getreten werden. Wie übrigens auch bei vielen anderen AfD-Wählern, die aus der bürgerlichen Mitte kommen und nicht aus dem Prekariat. Man wünscht sich wirklich, dass diese ganzen Analysten mal mit den Leuten reden, statt immer nur im stillen Kämmerlein ihre Vorurteile in die Tastatur hämmern. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Über Toastbrot und Wutausbrüche“ von Harald Martenstein

Ich bin jung, weiblich und lese ihre Kolumne schon über Jahre hinweg. Es erstaunt mich, dass Ihre Kolumne doch bei einigen Lesern Wut, Ressentiments, ja manchmal blanken Hass weckt. Ich denke dann immer, entweder verstehen die Leute Sie nicht oder sie haben keinen Humor. Oder beides. Leben wir bereits in einem Land, in dem alles, was von der Allgemein-Meinung (falls man von so etwas überhaupt sprechen kann) abweicht, zerrissen wird? Ich möchte das nicht. Es gibt pikante Themen, die auf den Tisch kommen sollten, und es gibt Meinungen dazu, die man äußern können sollte, ohne dass einem mit Knüppel oder Mord gedroht wird. Hallo Meinungsfreiheit, hallo Kunstfreiheit! Und nebenbei: man muss ja nicht immer einverstanden sein, aber die Art und Weise, in der Kritik geäußert wird, ist zunehmend unzivilisiert. Ich möchte Ihnen auf dem Weg sagen: lassen Sie sich nicht beirren (das machen Sie zum Glück sowieso nicht) und machen Sie noch lange genau so weiter! Provozierend, ironisch, pointiert, kein Blatt vor den Mund nehmend. – Kathrin Oscheka


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Danke, Adam Soboczynski, dass Sie denen, die es brauchen, den Unterschied zwischen sexueller Belästigung und dämlicher Anmache erklärt haben. Ich vermisse in der Debatte die Stimmen der Frauen, vor denen sich Männer lächerlich gemacht haben, wenn ihnen der Verstand in die Hose gerutscht ist. Die das amüsierte Mitleid kennen, wenn ein Vorgesetzter ernsthaft darauf hofft, dass man nach einer Essenseinladung noch ein wenig im Dienstwagen sitzen bleibt. Selten habe ich mich physisch und psychisch der Gattung Mann überlegener gefühlt, als ein kleinwüchsiger, hierarchisch höher stehender Kollege versuchte, durch erfolgloses Hüpfen meine Lippen zu erreichen. Ich kann mich immer noch darüber kringelig lachen. Das hilflose Opfer ist nicht immer die Frau, es ist auch oft das arme Würstchen. – Alexandra Foghammar


Leserbrief zu „Bankenkrise, Dieselskandal, verflochtene Hauptstadt-Eliten: Viele Bürger glauben, dass in Deutschland die Demokratie längst einer Lobbykratie gewichen sei. Zu Recht?“ von Heike Faller

Mit Interesse habe ich den Beitrag von Heike Faller gelesen. Trotz spannender Aspekte hätte ich mir etwas mehr Tiefenschärfe gewünscht. Die Aussage, wonach Umweltschultzlobbies genauso effizient und mächtig wären wie die Vertreter von multinationalen Firmen, ist, mit Verlaub, naiv. Zwar trifft es zu, dass mancherorts mit etwas zeitlichem Verzug sich dann doch der Umweltschutz durchsetzt. Doch das ist nichts Neues. Im Gegenteil: genau darum kämpfen ja die Lobbies, dass diese zeitliche Spanne, in der man noch Geschäfte mit schmutzigen Technologien machen kann, möglichst in die Länge gezogen werden kann. So wurde etwa das Asbestverbot um 20 Jahre hinausgezögert, unter anderem mit von diesen Industrien finazierten Lehrstühlen. Eine Umweltschutzlobby kann sich solche Lehrstühle kaum leisten. Wie Proctor/Schiebinger und andere eindrücklich nachweisen, funktioniert der grosse Lobbyismus heute nicht via direkte Verhinderung, sondern durch die Verbreitung von Zweifeln. Es soll so aussehen, als ob die Wissenschaft sich nicht einig wäre, wo in Wirklichkeit die Fakten eine klare Sprache sprechen. Die Medien lieben aber die Kontroversen und werden somit zu willfährigen Multiplikatoren. Angesichts solcher Tatsachen Vertrauen in die politiischen Prozesse zu haben, ist ganz im Sinn der Lobbies und der grossen Firmen. Frau Faller wollte wohl nicht den Verschwörungstheoretikern auf den Leim gehen. Aber das ist kein Grund, sich von der Gegenseite umarmen zu lassen. – Peter Boller


Leserbrief zu „Ins Gespräch kommen” von Jan Schweitzer

Zwei Jahre lang haben Experten das Genfer Gelöbnis überarbeitet, und es soll nun „zu einer besseren Medizin führen“. Wenn Sätze eine solche Macht entfalten sollen, erwartet man, dass sie grammatisch korrekt sind. Wenn aus dem Subjekt „Die Gesundheit“ (Singular) das Subjekt „Die Gesundheit und das Wohlbefinden“ (Plural) wird, muss im Deutschen nach den Regeln der Kongruenz auch das Prädikat („wird …sein“) in den Plural („werden…sein“) gesetzt werden.
Vermutlich hat man zwei Jahre an der englischen Fassung gearbeitet und die dann mal flott übersetzt. – Dr. Joachim Vögeding


Leserbrief zu „Verbrauchte Kraft” von Matthias Krupa

Ja, alles richtig ! Die CSU  – wie übrigens alle sogenannten Volksparteien –  müsste sich endlich ein neues Grundsatzprogramm geben. Zum „neuen Konservativismus“ einer CSU gehört dann auch, was Franz Josef Strauß vor mehr als dreißig Jahren androhte und Seehofer auf dem Höhepunkt des Unionsstreits  nach der Wahl leider nur vorsichtig  artikulierte, nämlich den Unionsvertrag zu kündigen bzw. kräftig zu revidieren. Sich neu auszurichten heißt dann, endlich bundesweit zu gehen. Dann braucht´s den Hinweis auf die AFD auch nicht, über die  ausführlich unter „Ein aktives Netzwerk“ / Nr.45 berichtet wurde. – Peter Rutenberg


Leserbrief zu „Über Toastbrot und Wutausbrüche“ von Harald Martenstein

Mit Genuss habe ich die Kolumne gelesen. Genau! Klassenfahrt Ende 70er/Anfang 80er nach Berlin und eben auch Ostberlin und dann das „Was-is-denn-das-Erlebnis“. Bei der Lektüre der Kolumne zuckte es um den Mund, aber es kam auch sofort der Gedanke: „Jetzt hat sich Herr Martenstein wieder Ärger eingefangen.“ Und kar, es folgten böse e-mails und Aufreger. Es gab nach der Wende schon das eine oder andere, von dem ich dachte, das hätten wir Wessis ruhig übernehmen können. Das hat in der DDR gut funktioniert oder es hat super geschmeckt. Schade! Aber das Toastbrot zur Wurst war da wirklich nicht dabei. Man denke nur an das Jahr 2017! Nutella und Nudossi! Unser westdeutsches Nutella der Kindheit wird heimlich von den Nüssen entwöhnt und wie wunderbar und zum Trost hat das ostdeutsche Nudossi die Wiedervereinigung überlebt.  36 % Nussanteil. Sehr lecker. Nur, wenn uns ein Arbeitskollege meines Mannes nicht immer wieder eine Dose mitbringen würde … Wo hier in Frankfurt am Main kauft sich dieser leckere Brotaufstrich? Das ist für mich viel eher eine Aufregung wert. Perlen oder Ungemach kann man überall finden.  Heute berichtet Herr Martenstein von Toastbrot und nächste Woche vielleicht von Spreewälder Gurken oder eben von Nudossi. Wenn uns sonst nichts aufregt, dann geht es uns doch wirklich gut. – Beate Strobel


Leserbrief zu „Supermacht EU? Bitte nicht!“ von Jochen Bittner und Martin Klingst

Herr Bittner und Herr Klingst liegen völlig daneben wenn sie glauben, dass die Abgesänge auf die USA einem Modediktat unterliegen. Seit einigen Jahren gibt es mehrer Dutzend gute und vor allem FREIE Journalisten die der breiten und interessierten Bevölkerung hervorragend recherchierte und belegbare Fakten zugängig machen. Dadurch wird dem Atlantik Brücken verseuchten Söldner-Journalismus langsam, sicher aber beständig das Wasser abgegraben. Solche Artikel wie der o.g. sind durchsetzt mit fragilen Informationen und werden immer leichter durchschaubar.

Herr Lau und Herr Ulrich haben in ihrem Artikel „Im Westen was Neues“ völlig recht wenn sie einen partnerschaftlichen und kooperativen Umgang miteinander fordern. Aber genau das haben die USA nie gemacht, mit niemanden und sie haben es auch in Zukunft nicht vor, egal wer dort an der Macht ist. Hierzu fällt mir ein Zitat von Harry S. Truman ein, (33. Präsident der USA von 1945-1953). „Deutschland wurde nicht besetzt um es zu befreien, sondern damit es unseren Interessen dient.“ 70 Jahre vor Trump ausgesprochen ist es bis heute noch aktuell.  Nur unter Trump wird es auch für diejenigen sichtbar die es eigentlich nicht sehen wollen. Wir haben zu Gunsten des Weltfriedens die Verpflichtung den USA die rote Karte zu zeigen. Die USA ist nicht erst seit Trump ein total verkommenes Regime,- moralisch die allerletzte Stufe. Drucken sie sich einmal die von den USA geführten Kriege seit ihres Bestehens aus, ( 8 Seiten eng bedruckt), oder zumindest die Kriege seit 1945 ( 4 Seiten). Wie viele Auseinandersetzungen von den Amerikanern unter einer fals flag herbeigeführt wurden möchte ich hier gar nicht auflisten,- würde den Rahmen sprengen. Recherchieren Sie selbst. Von den vielen völkerrechtswidrigen Angriffskriegen der USA ganz zu schweigen. Aber Hauptsache man kann Russland eine völkerrechtswidrige Krim-Annexion vorwerfen. Nachfolgend vier Beispiele zum Kopfzerbrechen:

-Bush und Blair wurden von der Kuala Lumpur War Crimes Commission schuldig gesprochen. Der Verwurf: Verbrechen gegen den Frieden. Sie stehen daher auf der offiziellen Seite der weltweit gesuchten Kriegsverbrecher. Laufen die Beiden noch frei rum?

– US-Kongress droht Niederlanden mit Invasion wenn der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag es wagen würde amerikanische Bürger anzuklagen. Ein Artikel von Steven Geyer, Washington Super Freibrief für amerikanische Kriegsverbrecher!!!! Bill Van Auken schrieb am 09.03.2016 einen sehr interessanten Artikel über Hillary Clinten. Portrait einer Kriegverbrecherin. Man,man, man, wie kann man bei all diesem Wissen den Amerikanern noch einen Führungsanspruch zubilligen?

Unser Friedensnobelpreisträger Obama hat im Jahr 2016 in sieben Ländern Bomben abschmeißen lassen, Pakistan, Afganistan, Irak, Syrien,Lybien,Somalia und Jemen. Das hat vor ihm kein anderer Präsident geschafft. Wirklich Nobelpreis trächtig. Herr Bittner,Herr Klingst, sind das alles Opferländer, weil sie z.B. nicht bereit waren dem amerikanischen Dollar zu folgen? Oder weil sie dem Amerikanern strategisch im Weg stehen.? Oder, oder, oder…. In Syrien sind die USA, dank der Russen, ein bisschen gegen die Wand gelaufen, hat nicht so geklappt wie sie es gern gehabt hätten. Aber das hält sie nicht davon ab, jetzt den Ukraine-Konflikt wieder zu aktivieren. Die NATO-Maschinerie läuft ja auf hochtouren und die blöden Deutsche spielen wieder Handlanger und machen sich somit mitschuldig an den menschlichen Tragödien und Katastrophen die dieses Spiel wieder hervorrufen wird. – Monika Wißkirchen


Leserbrief zu „Supermacht EU? Bitte nicht!“ von Jochen Bittner und Martin Klingst

Jochen Bittner und Martin Klingst versuchen in Ihrem Artikel die transatlantische Verbindung nach dem Motto zu retten, auf die USA sei nicht zu verzichten. Aber warum soll sich Europa weiterhin in absolute Abhängigkeit eines Staates begeben, der nach seinen eigenen Kriterien als Schurkenstaat (denke an Vietnam, Iran, Irak, Guantanamo, Drohnen-Morde und Atomwaffeneinsatz, um nur einige schwerwiegende Fälle despotischen Verhaltens aufzuführen), bezeichnet werden müsste. Dagegen sind die ebenfalls schurkisch zu bezeichnenden Handlungsweisen Russlands (Krim, Ukraine) eher zahm, zumal, wenn man bedenkt, dass sie als Selbstschutzmaßnahmen im Sinne des zerbröckelnden UdSSR-Machtbereichs verstanden werden müssen. Nicht Russland sondern wir als NATO mit US-Dominanz haben die Vereinbarungen, die mit dem Ende des „Kalten Krieges“ Frieden bringen sollten, gebrochen. Die NATO ist nach Osten vorgerückt und bläht sich mit provokanten Manövern und Schutzschirmwaffen auf. Was ist hier Aktion, was Reaktion? Wir Europäer folgen amerikanischen Machtansprüchen, weil wir meinen, das gäbe Sicherheit. Aber zieht uns diese Haltung nicht immer tiefer in Konflikte (z.B. Afghanistan, Irak), die eigentlich nicht unsere sind? Was wäre zu tun?

  • Die EU stark machen mit einem gemeinsamen geführten Militär.
  • Die Atomwaffen Frankreichs mögen als Abschreckung ausreichen, auf amerikanische Präsenz sollte komplett verzichtet werden.
  • Aufbau einer auf reine Verteidigung ausgerichteten Militärstruktur ohne internationale Einsätze (keine Supermacht).

Militär als Machtfaktor war gestern, kein Krieg nach dem zweiten Weltkrieg hat je Frieden gebracht. Auch die bestehende Abhängigkeit von der CIA ist überfällig. Die CIA wird die Welt, auch Europa, ausspionieren und manipulieren wie bisher, aber hat sie nicht mehr Leid in die Welt getragen als verhindert, weil sie einer verfehlten Machtpolitik folgt? Auch hier sollte die alte Denke, jeder ist potentiell unser Feind, überwunden werden. Sicher ist auch richtig, dass die USA in digitaler Marktpräsens und Satellitentechnologie (Navi, etc.) dominant ist und damit einen enormen Abhängigkeitsfaktor erreicht. Dies wissend, sollten wir unserer Wirtschaft mit Risikokapital helfen, eigene Systeme aufzubauen, um uns von dieser Abhängigkeit wirtschaftlich und strategisch zu befreien. Wir haben das Knowhow, aber nicht die Risikobereitschaft amerikanischer Provenienz. Die politische Komplexität der EU steht vielen der damit verbundenen Anforderungen an gemeinsamem Handeln durch eine von allen getragene Kompetenz noch entgegen. Aber mit Abwarten oder Zuständigkeitsgerangel  wird nichts erreicht. Diese Ziele anstreben, beginnend  in einem engeren europäischen Kreis mit Frankreich und Deutschland als Motor wird für Europa lebensnotwendig sein. Dass das alles viel Geld kostet, ist unvermeidbar, es sind Emanzipationskosten, die sich Europa leisten kann. Europa sollte

  • bilateral ausgewogene Beziehungen gleichermaßen zu Russland / China und den USA aufbauen
  • schlicht, die geografische Mitte zwischen den Weltmächten zu einer ausgleichenden politischen Mitte entwickeln.

Als Wiege westlicher Kultur ist Europa geradezu dazu prädestiniert. Europa muss sich neu definieren. – Wolfgang Clausmeyer


Leserbrief zu „Die Gier des Apothekers“ von Marcus Bensmann et al.

Ich sag jetzt was ganz zynisches: Dieser Artikel wird mehr Wut und Aufruhr erreichen als alle Artikel über die „Panama- oder Paradise-papers“! Obwohl es letztendlich genau das Gleiche ist!!! Da bereichern sich Eliten auf Kosten der Allgemeinheit, weil sie eben per se die Möglichkeit haben den „kleinen Mann“ zu verarschen. Die einen empören sich, weil es um ihre eigene Gesundheit geht – die anderen sind gleichgültig, weil es ja „so weit weg ist“! Aber letztlich ist beides Ausdruck einer verkommenen, „sozialen“ Marktwirtschaft! Viel Spaß! – Wolfgang Michel 


Leserbrief zu „Floridas Hauptstadt steht für Sonne, Strand und Protz. Und jetzt auch noch für Kultur? Das wollen wir doch mal sehen“ von Merten Worthmann

Nach einigen Monaten des Nicht-ZEIT-Lesens habe ich nun doch mal wieder den stolzen Preis von € 5,10 investiert und mich auf die Lektüre der aktuellen Ausgabe vom 11. November 2017 gefreut. Die erste neue Erkenntnis, die ich hierbei gewonnen habe, entstammt dem Riesenaufmacher Ihrer Rubrik „Entdecken“, in dem Sie nämlich behaupten, Miami sei Floridas Hauptstadt. Peinlich und ärgerlich! – Birthe Brändel


Leserbrief zu „Über Toastbrot und Wutausbrüche“ von Harald Martenstein

Über Ihren Beitrag zum ostdeutschen Toastbrot habe ich mich köstlich amüsiert (wie auch über Ihre sonstigen Glossen) und mich an ein kulinarisches Highlight vor Jahren auf meinem geliebten Darß  erinnert: Dorffest mit Wildschwein am Spieß und Toastbrot pur. Ich habe mich beidem verweigert und das ganze als „Irrungen und Wirrungen“ abgetan! Wie es auch manche Norddeutsche mit unserer bayrischen Weißwurst tun. Wir haben das bisher schmunzelnd überstanden. „Wer mog, der mog!“ Wir haben allerdings auch eine Breze dazu. Ich hoffe, Sie lassen sich durch die Kritik nicht beirren und schreiben weiterhin so belustigende Wahrheiten. – Rita Dinessen


Leserbrief zu „Wollt Ihr ewig leben“ von Wilhelm Schmid

Auf dem Titelblatt von „Z“ fragt ein Quallentier“Wollt Ihr ewig leben?“Der Meeresbewohner scheint den Trick fürs Ewige Leben ja schon zu beherrschen. Aber da ist  nun auch Philosoph  Wilhelm Schmid, der die Frage stellt,ob man sich auf ein Ewiges Leben freuen darf. Aber vergebens sucht man  die Gedanken des Philosophen dazu. „Z“ schweigt. Was soll der reisserische Titel, wenn nicht dazu etwas  gesagt wird? – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „Prinz Pokerface“ von Lea Frehse

Ihren Artikel zu ‚Prinz Pokerface‘ aus Saudi-Arabien habe ich mit großem Vergnügen und Gewinn gelesen. Vielen Dank für Ihre akribische Recherche. Doch wie irritierend ist es dann bei der Lektüre, wenn ganz locker aus Mohammed bin Salman und  Al-Walid bin Talal ein Mohammed bin Talal entsteht. Natürlich korrigiert nach einem ersten Stutzen der interessierte Leser diese Nachlässigkeit, aber die Frage drängt sich doch auf, warum – und immer mehr – solche und / oder ähnliche Nachlässigkeiten auch in der ZEIT als eine der noch wirklich qualitätvollen Zeitungen auftreten. Gibt es wirklich keine Muße zu einer kritischen Überprüfung? Sehr schade. – Maria-Theresia Derchain


Leserbrief zu „Was das Klima braucht“ von Andreas Löschel

Der von Prof. Löschel geforderte zügige Ausbau der Energiewende“ muss gründlich überdacht werden. Tatsache ist, dass wir weit mehr als 100 GW an regenerativen Energien (Windkraft-, PV-, Wasser-, Bio- Anlagen) bereits ausgebaut haben; nur aber ca. 68 GW benötigen, entsprechend 600 TWh/a jährlichem Stromverbrauch. Allein die Windkraftanlagen mit weit über 40 GW, die weiter ausgebaut werden sollen, sind aufgrund von Windstille in 2016 nur zu etwa 18% effektiv. Da kann man Millionen von Windkraftanlagen installieren, die eben bei Windstille keinen Strom liefern, aber bei ausreichend Wind dann soviel, dass dieser „abgeregelt“ werden muss als „Wegwerfstrom“ nach FOCUS.Dieser „entsorgte“ Strom muss aber von uns Verbrauchern bezahlt werden, wodurch die Stromkosten immer weiter exponentiell ansteigen werden und immer mehr Haudshalte ihre Stromrechnungen nicht mehr bezahlen können. – Dr. Wilhelm Schäfer


Leserbrief zum Titelthema „Wer hat die Macht? – der Staat oder die Superreichen?“

Nach lesen ihres Beitrages, habe ich zum ersten Mal wieder so etwas wie Angst und Hilflosigkeit gegenüber etwas nicht Greifbaren gespürt. Es ist ein diffuses Gefühl. Mir wird bewusst wie klein wir Bürger doch sind. Wird uns nicht immer erzählt, welche wirtschaftliche Macht wir in der Mitte von Europa sind? Ist denn keiner, in der politischen Führung unseres Landes in der Lage, klare Kante zu zeigen. Wer wenn nicht wir, sollte denn sonst den Anfang in Europa machen. Will man denn solange warten, bis die Menschen auf die Straße gehen, wenn sie erst erkennen wie sie betrogen und manipuliert werden. Gier und nochmals Gier ist das Erkennungsmerkmal dieser Spezies. Keiner sollte sich wundern, wenn die AFD bei der nächsten Wahl 25% der Stimmen erhält und das ist die greifbare Angst die ich habe. Ich habe Angst um meine Enkel, die dann nicht mehr in einer Demokratie leben werden. – Karsten Winterfeld


Leserbrief zu „Die Gier des Apothekers“ von Marcus Bensmann et al.

Chemotherapie und Wirksamkeit. Natürlich ist hier Juristisches Unrecht geschehen im Sinne der Erschleichung persönlicher Vorteile zum Möglichen Schaden der Erkrankten. Natürlich muss hier juristisch aufgeklärt und angeklagt werden. Nicht natürlich ist, davon auszugehen, dass Chemotherpien immer zur Heilung führen. Dies wird in diesem Artikel leider vorausgesetzt und nicht hinterfragt . Es wird den Angehörigen der Verstorben ungerecht Hoffnung suggeriert , dass die Erkranketen mit der „echten „ Therapie noch leben würden. Dies stimmt so nicht. Wenn , dann nur in bestimmten Einzelfällen. Das weiss vermutlich auch der Apotheker und dachte sich, was wenig hilft, kann vermutlich auch nicht schlechter gemacht werden, indem ich es verdünne ? Die Wirklichkeit nach meiner 17 Jahre Mitarbeit in einer Onkologischen Klinik im Südwesten Deutschlands , zeigt vor allem eines.

Chemotherpien helfen tatsächlich im Sinne einer Heilung in wenigen Fällen tatsächlich und hier entsprechen  sie ausnahmweise der Werbnung der Pharmaindustrie . Wobei nicht oder nur unzulänglich über die Spätfolgen wie Nervenschäden, Herz und Nierenschäden sowie sekundär Tumore berichtet wird . Auch nicht im Fokus stehen die Psychischen Leiden, welche mit der Erkrankung und den Nebenwirkungen einhergehen.  Die Erkrankten sterben mit und nicht selten wegen der Chemotherapie . Allenfalls verlängert es das Leiden. Und zwar in zweierlei Hinsicht. Zum einen das Leiden durch den Krebs selbst und andererseits durch die Nebenwirkungen der Chemotherpie. Die Suggerierung , wir nehmen den Kampf gegen den Krebs auf, ist  alleine schon eine Fehlannahme. Der einzige, der hier wirklich kämpft ist der Krebs. Überhaupt ist der Begriff Kampf im ztusammenhang mit Krebserkrankung völlig deplaziert. Kämpfen ist ein Begriff , der hier nur Verlierer generiert . Das System Chemotherapie ist allenfalls in vielen Fällen ein Versuch, den Krebs darum zu bitten etwas Geduld aufzubringen bis er sein Werk vollendet hat. Als Betroffener Krebspatient macht es Sinn, die Therapien genau und kritisch zu hinterfragen und sich eine Zweitmeinung einzuholen. Ebenso wird zu prüfen sein, wie es sicherzustellen ist, das der inhalt mit der Bezeichnung übereinstimmt. Und zwar alle Medikamente. – Martin Ohl


Leserbrief zu „Erster Bolschewik” von Josef Joffe

Irgendwie passt die letzte „Zeitgeist“ –Kolumne so gar nicht in ihre übliche Schreibe. Warum plötzlich so moralisch? Sie haben Ihren Machiavelli ja nicht nur gelesen, sondern studiert und verstanden. Warum also plötzlich diese ahistorische Betrachtung Lenins und der Oktoberrevolution, dieses populistische aus-dem-Zusammenhang-Reissen von Zitaten, die in ihrer Radikalität heutzutage nur abstossend wirken können, aber im Jahr 1917, und vor allem für russische Arbeiter und Bauern, ganz anders klangen? Demokratie angesichts eines (so gar nicht demokratischen und menschenfreundlichen) Mehrfrontenkrieges von Entente, Mittelmächten und revanchistischen bürgerlichen Kräften gegen die neue Ordnung? Und dann auch noch gewinnen? Und der böseTrotzki und Lenin haben das alles allein  gemacht? Oder waren da vielleicht auch ein paar überzeugte russische Arbeiter und Bauern dabei? Man kann ja im Nachhinein (was sonst) das kommunistische Experiment bewerten, wie man will, aber man sollte doch versuchen, wenn man schon moralisch wird, eine bestimmte Handlung im historischen Zusammenhang zu bewerten. Alles andere ist eine Beleidigung von denkenden ZEIT-Lesern. – Achim Hauck


Leserbrief zu „Dieses gefährliche Gewerbe” von Volker Schlöndorff

Schlöndorff beschreibt den Filmschauspieler Hoffman als ausgeprägt verhaltensbehindert; Witzelsucht gehört längst zum psychiatrischen Vokabular; dies also der Hintergrund von Belästigern: Eine Verhaltensbehinderung. – Paul Zwirchmayr


Leserbrief zu „Der Staat, der sich nicht traut“ von Uwe Jean Heuser

Ihrem Artikel stimme ich größtenteils zu, aber er ist viel zu schmeichelhaft für unsere Regierung ausgefallen. Es ist schade, dass unsere „seriöse“ Presse ebensowenig den Mut aufbringt die Dinge beim Namen zu nennen! Denn es ist keine Verzagtheit unseres Staates die aufgeführten Probleme wenigstens in Angriff zu nehmen, sondern ein Vergehen an uns Bürgern. Die zuständigen Minister, welche den Eid schwören zum Wohle des deutschen Volkes zu handeln, tun eben das nicht, sondern schauen in erster Linie auf Wiederwahl, Lobbyarbeit usw. Sie schaden damit unserer Demokratie! Sie fördern damit Populismus, das Erstarken von Parteien wie AFD… (Natürlich lassen sich manche Dinge nicht national lösen!) Darum sollte auch eine Zeitung, wie „Die Zeit“ eine objektive laute Stimme sein und nicht dem Geiste der Frau Bundeskanzlerin und Anderen „Uns geht es ja gut“ huldigen! – Klaus Hurlebaus


Leserbrief zu „»Wir hatten nichts«“ von Jens Müller

Da sind mir fast die Tränen gekommen. Frau Krüger hatte in ihrer Kindheit kein eigenes Zimmer. Es ist schlimm ,wenn ein Kind kein eigenes Zimmer hat. Aber muss man mit diesem Umstand auch noch kokketieren ? Frau Krüger schreckt davor nicht zurück. Peinlich. – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „Zurück zu den Räuberbaronen” von Heike Buchter

Schon damals unter Obama hatte ich Bauchschmerzen als es hieß, ein  europäischeres Amerika zu gestalten. Ihre Autorin Heike Buchter listet alles auf, was Trump schon alles erreicht hat und noch ändern möchte. Der Beitrag ist ein Informationsgewinn von den sonst einseitigen Beiträgen,die durchweg in den Printmedien zu lesen sind. – Gunter Knauer


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Gott sei Dank veröffentlichten Sie den Artikel von Adam Soboczynski „Überreizte Debatte“ sogar auf Ihrer Titelseite, denn ich sah mich schon gedrängt, im gleichen Tenor als „nobody“ zu schreiben. Es ist unglaublich, dass sich Frauen bis zu 30 Jahren nach einer blöden Anmache – durch wen auch immer – nun empört über diese im Internet äußern und damit wirkliche Gewalttaten gegen Frauen ad absurdum führen. Warum handelten sie nicht in den jeweiligen Situationen? Auch ich bekam in jungen Jahren einen Klaps auf den Po, wofür ich mich umgehend mit einer Ohrfeige bedankte und die Sache war vom Tisch. Überhaupt habe ich bei meinen Männerbekanntschaften erlebt, dass diese , wenn ich etwas nicht wollte und ihnen damit entschieden gegenüber trat, sofort einen Rückzieher machten.

Zu Beginn meines Studiums sagten mir Kommilitoninnen, das man bei Professor X nur den Rock zu heben bräuchte, damit man sofort in seinem Fach eine „2“ bekäme. Diese Aussagen veranlassten mich, mich bei der als äußerst streng agierenden Professorin „Y“an der Uni einzuschreiben und bei ihr auch die Prüfung abzulegen. Frauen haben und hatten also durchaus die Wahl, ihr Aussehen bewusst für eine Karriere einzusetzen, sollten sich dann jedoch nicht anschließend über Sexismus im Berufsleben empören. – Marita Becker


Leserbrief zu „Der zweite Himmel” von Hanno Rauterberg

Der neue Louvre in Abu Dhabi ist ein beeindruckendes Bauwerk, die Schönheit und Ästhetik der Architektur ist wirklich grandios das muß ich anerkennen. Gekauft für über eine Milliarde Euros von Frankreich ist dieser Prunk und Protz eine Perversion sondersgleichen  im Angesicht der großen humanitären Katastrophe die sich gerade in der näheren Nachbarschaft im Jemen ereignet. Dort tobt ein grausamer Stellvertreterkrieg zwischen Saudi Arabien ( Sunniten ) und dem Iran ( Schiiten ) um die Macht und Vorherrschaft im arabischen Raum. Die Kunst am Persischen Golf wird den Krieg nicht beenden. Die reichen Vereinigten Arabischen Emirate und ihre Scheichs haben kein schlechtes Gewissen und zelebrieren weiter ihren kulturellen Geltungsdrang während der Bevölkerung im Jemen ein harter Winter bevorsteht. – Anne Hieke


Leserbrief zu „Die Gier des Apothekers“ von Marcus Bensmann et al.

Dass die Pharmabranche in Gänze aufgrund der hier erzielten Umsätze Risiken birgt, bei Verantwortlichen kriminelle Energien zu entfesseln, kann man in dem lesenswerten Buch von Peter C.Goetzsche – einem  kompetenten Insider – nachlesen : „Tödliche Medizin und organisiertes Verbrechen“, Riva-Verlag 2015. Ein Werk, das frei verkäuflich ist und m.E. von der Zielgruppe : nämlich betroffene Patienten viel zu wenig beachtet wird. Zum Themenkomplex „Zivilcourage abhängig Beschäftigter im Gesundheitssystem“ kann ich folgenden Erfahrungsbericht beisteuern :  Vor nicht langer Zeit (2010) wurde der Direktor einer bekannten chirurgischen Universitätsklinik rechtskräftig verurteilt wegen gesetzwidriger finanzieller Machenschaften (Spendenaffäre). Aus „gut unterrichteten Kreisen“, d.h.von  ärztlichen Mitarbeitern der 2.Reihe war hinter vorgehaltener Hand zu erfahren, dass o.g. Machenschaften des Klinikchefs intern seit geraumer Zeit zumindest vermutet, wenn nicht sogar mit-gewusst wurden, bevor  – bezeichnenderweise – von außerhalb der Klinik eine Anzeige  erstattet wurde, welche den Stein ins Rollen brachte…. Nach meiner langjährigen Klinikerfahrung ( >35 Jahre) sind wir im Gesundheitswesen in Sachen interne Transparenz und  Selbst-Korrektur von Fehlverhalten der Führungsebene noch Entwicklungsland. Vergleichbares unerklärliches Wegducken informierter ranghoher Mitwisser  war ja auch anlässlich des Dieselskandals bei Volkswagen in den Medien nachzulesen.   – Prof.Dr.med.Ulrich Krause


Leserbrief zu „Wollt Ihr ewig leben“ von Wilhelm Schmid

DIE ZEIT ist lesenswert! Wenn auch erst auf Seite 54, gibt sie Herrn Schmidt ein Forum für seine bedeutsamen Gedanken zu den möglichen Folgen der Überwindung des Todes. Diese fragwürdige, von nobelpreisgeilen und verantwortungslosen Wissenschaftlern vorangetriebene Forschungsrichtung wird unser aller Lebensglück und Überlebensfähigkeit dramatisch auf die Probe stellen. Wie jeder Forscher wissen und berücksichtigen sollte, ist der Tod die unabdingbare Voraussetzung für Leben und Entwicklung.

Ich muss dem Autor zustimmen: Die Entwicklung wird nicht aufzuhalten sein und ist wohl unumkehrbar. Neben den genannten Folgen für uns Menschen sollte bedacht werden, was Demokratie und Gesellschaft noch für eine Zukunft haben. Autokraten, Diktatoren und Geldmächtige werden dann erst recht um ihr Leben fürchten und die Repression wird zunehmen. Ist Regierungswechsel dann nur noch durch Potentatenmord möglich?

Das Thema der Folgeabschätzung von biomedizinischer Forscherhybris gehört auf die Agenda von Politik, Wissenschaft und Religion – und vor allem auf die Titelseite der ZEIT. – Heinrich Venne


Leserbrief zu „Böse, böser, Glyphosat“ von Kolja Rudzio

Obwohl das Wort „Artenvielfalt“ ja immerhin 1 Mal erwähnt wird, das aber nur am Schluß, wird weder dieser Artikel noch die Debatte in der EU dem Thema „Glyphosat schädlich oder nicht?“ gerecht. Die Krebsgefahr ist vermutlich die allerunwichtigste (abgesehen davon, daß das natürlich die Menschen, die es betrifft, zu Recht nicht so sehen). Auch muß ich sagen, daß Ihre ironische Gestaltung der Überschrift dem Ernst des Themas nicht nur nicht gerecht wird, sondern es konterkariert.  Der wirklich entscheidende Schaden, den Glyphosat bewirkt, ist dieser: es werden alle möglichen Pflanzen (die der Bauer und Monsanto / Bayer „Unkraut“ nennen) abgetötet, aber das sind genau die Pflanzen, die die Insekten benötigen, die Insekten, deren Verschwinden in den Medien derzeit so krokodilstränenreich beklagt wird.  Zu den Krokodilstränenquellen gehört die ZEIT auch, leider, leider!  Die Alternative ist klar: möglichst viel biologische, bio-dynamische Landwirtschaft, es gibt in Detschland viel zu wenig biologisch arbeitende Landwirte auf viel zu kleinen Flächen. Chemie gehört nicht auf unsere Äcker! Nicht nur die Insekten leiden daran, auch die Bodenfruchtbarkeit und vor allem auch das Grundwasser. Das alles sind entscheidende langfristige Folgen, gegen die die unbewiesenen Krebsrisiken vernachlässigbar sind (wie gesagt, bis auf die Personen, die betroffen sind – aber von Zerstörung der Umwelt und Vergiftung des Grundwassers sind und werden sehr viel mehr Menschen betroffen). – Dr. Bernhard Weßling


Leserbrief zu „Die Gier des Apothekers“ von Marcus Bensmann et al.

Der Bericht zeigt mir, als pensioniertem Apotheker, die Versäumnisse vieler der Beteiligten:

  1. Die Eltern von S. kannten die Apotheke und deren wirtschaftliche Situation. Wenn innerhalb von 7 Jahren 56 Millionen EUR (zwar abzüglich von etwas Schweigegeld) durch Betrug zusätzlich eingenommen wurden, dann hätten sie das merken müssen. Sie hätten alles Menschenmögliche tun müssen, um Ihren Sohn von seinem Verhalten abzuhalten.
  2. Die alte Apotheke war, wie schon am Bild zu sehen, eine große, zentral gelegene und sicherlich gut gehende Apotheke vermutlich mit einer ganzen Anzahl von angestellten ApothekerInnen. Jede(r) von ihnen weiß, dass Injektionen steril zuzubereiten sind und dass dies unter den Bedingungen, unter denen der Chef arbeitete, völlig unmöglich war. Sie hätten sich wenigstens darum kümmern müssen, dass der zuständige Amtsarzt und/oder Pharmazierat eine nicht angemeldete Inspektion durchführt. Hätte dieser ähnliche Zustände wie die Polizei vorgefunden, dann wäre die Her­stellungs­erlaubnis für Zytostatika sicherlich sofort entzogen worden. Dadurch wären viele Patienten vor gefährlichen (da unsterilen) und – wenn auch unwissentlich – vor unwirksamen Mittel verschont worden. Dies gilt auch für die Ende 2014 ausgeschiedenen Mitarbeitern, die nach ihren Bemerkungen zu Herrn Porwoll von den schwerwiegenden Unregelmäßigkeiten wussten.
  1. Auch pharmazeutisch-technische AssistentInnen wissen wie man steril arbeitet. Sie hätten wenigstens einem der ApothekerInnen Ihre Bedenken mitteilen müssen.
  2. Die Frau von U. ist wegen Falschaussage zu belangen. Sie ist durch ihre Beschwichtigung der Polizei für die Fortdauer des ungesetzlichen Verhaltens von S. mit verantwortlich.
  3. Das Finanzamt hätte merken müssen, dass S. mit seinen deklarierten Einnahmen ein Haus, wie er es sich baute, sich nicht leisten könnte. Er hätte wegen Steuer­hinterziehung verfolgt werden müssen. Wenn er aber das unrechtmäßig eingenommene Geld vollständig deklariert hatte, dann hätte der Betriebsvergleich mit ähnlichen Apotheken zeigen müssen, dass die Alte Apotheke in ihrem Ertrag WEIT über allen anderen lag, was ebenfalls weitere Nachforschungen hätte veranlassen müssen.
  1. Moderne Zytostatika werden während der Präparate-Entwicklung in umfangreichen klinischen Studien an hunderten bis tausenden von Patienten gegen eine Standardmedikation getestet. Dabei wird auch festgestellt welcher Dosisbereich für eine ausreichende Wirkung erforderlich ist. Aus der Stoffbilanz ergibt sich zwingend, dass die wirksame Dosis häufig nicht erreicht worden sein kann, dass diese Zubereitungen also unwirksam gewesen sein müssen. Für mich ist diese Schlussfolgerung aus der Stoffbilanz zwingend, auch wenn der Mangel einzelnen Patienten nicht zugeordnet werden kann.
  1. Laut Gerichtsurteil können nur Beamte, nicht aber auch Ärzte bestochen werden. Das Annehmen von teuren Handys sollte aber zumindest gegen das Standesrecht verstoßen! – Ist da eine Ergänzung erforderlich?
  2. Der Arzt, der mit Medikamenten von S. überdurchschnittliche Behandlungserfolge erzielt haben will, sollte als Zeuge vor Gericht dies belegen müssen. – Dies wird ihm allerdings nicht gelingen; seine unbegründete Behauptung wird also widerlegt werden. – Es wäre zu prüfen, ob er wegen einer Falschaussage belangt werden kann.

Fazit: Die Behörden sollten versuchen, nicht immer noch mehr Daten zu sammeln, sondern statt dessen die Informationen, die sie bereits haben, besser auszuwerten. Und gelegentlich auch miteinander reden. (Z. B. das Finanzamt mit der Apothekenaufsicht). Beschämend ist das Verhalten der beteiligenden Apotheker: der Eltern und der Angestellten! Und auch von den Handy-Ärzten möchte ich nicht behandelt werden! – Hansjörg Hahn


Leserbrief zu „Verbrauchte Kraft” von Matthias Krupa

Die CSU steht aktuell vor der längst fälligen Klärung, ob sie nur eine traditionell bayerische Regionalpartei mit vorrangigem Blick auf die Landtagswahl 2018 sein will oder bundespolitisch zu anspruchsvollen Kompromissen fähig und bereit ist. Verweigerungshaltung vor allem Fremden oder Weltoffenheit auf christlich sozialem Fundament haben sich in der Ära Horst Seehofers zu Gegenpolen entwickelt, welche die Partei heute vor eine dramatische Zerreißprobe stellen. Das ist eine neue Herausforderung, die pure Karrieristen mit vorrangig weiß-blauem Horizont überfordern könnte. – Jochen Freihold


Leserbrief zu „Auf den Leim gegangen” von Sérgio Costa

Danke an Prof. Sergio Costa für die Analyse des „kleinen Mannes“ (nicht nur in Deutschland!). Dazu einige Fragen: Ist es ein typisches Verhaltensmuster des sogenannten kleinen Mannes, wenn er als Fan stolz/glücklich/froh ist, weil Vettel „für sein Deutschland“ gewonnen hat, Marcel Hirscher „für sein Österreich“, Roger Federer „für seine Schweiz“ ? Obwohl doch allen klar sein müsste, dass Vettel „für sich“ siegt, detto Marcel Hirscher, Roger Federer usw. Ist man als Fan von Borussia Dortmund weniger bedeutungslos, wenn die Fußballer des BVB die Fußballer von Bayern München besiegt haben ? Hat der kleine Mann einen Migrantenhass, weil seine gefühlte Bedeutungslosigkeit durch einen eventuell überlegenen Ausländer/Flüchtling) bestätigt werden könnte ? Muss man als kleiner Mann wie ein Arzt jederzeit erreichbar sein ? und den Muss man als kleiner Mann i-phone, smart-phone, Laptop der neuesten Generation haben ? Und, und, und … Auto, Klamotten, Urlaub … Muss man sich all das leisten können ? Und dann all das noch für die Kinder ? Ist der Minderwertigkeitskomplex so groß, dass der kleine Mann nur so seine Komplexe kompensieren kann ? Die Schweiz hat ihren Blocher, Deutschland Björn Höcke und Alexander Gauland und die kleinen Männer in Österreich haben ihren Strache und den Hofer. In Zeiten eines niedrigen Bildungsniveaus haben solche Typen große Chancen zu Chefs/Führern der jeweilgen kleinen Männer zu werden. Siehe Trump in den USA. – Johann Ernst


Leserbrief zu „Ziemlich kindisch“ von Jochen Bittner

Kinder haben heute schon Grundrechte – das ist das einzige (ernsthafte) Argument, das Jochen Bittner dem Vorschlag von Heiko Maas entgegenhält, Kinderrechte in der Verfassung zu verankern. Allein: es überzeugt nicht. Zwar ist richtig, dass zuviel „Lyrik“ dem Grundgesetz schadet. Bei der Aufnahme von Kinderrechten droht solche Gefahr allerdings nicht. In einem überaus reichen Land, in dem nach jüngsten Studien rund 20 (!) Prozent aller Kinder in Armut leben, kann es nur richtig sein, in seinen obersten Prinzipien an den Anspruch des Nachwuchses auf Würde und Gleichheit – an materieller ebenso wie geistiger Zuwendung – zu erinnern und ihn mit Verfassungsrang zu versehen. Anders lässt sich dem Skandal der Armut und staatlichen Vernachlässigung so vieler offenkundig nicht (mehr) begegnen. Da nützt auch Jochen Bittners so oft gehörter und folgenlos verhallter Appell an „alle“ nichts. – Tim Engel


Leserbrief zu „Die Gier des Apothekers“ von Marcus Bensmann et al.

„Pharmagold“ sieht anders aus! Wer in einer Apotheke parenterale Zubereitungen herstellt, muss zunächst große Investitionen tätigen (Sterilräume, Schleusen, Sterilwerkbänke, Dokumentations- und Abrechnungs-EDV, Steril- und bei onkologischen Präparaten Schutzkleidung etc.pp. – s. Barth, Jürgen „Zytostatikaherstellung in der Apotheke“, 2017), die Mitarbeiter schulen und die Technik überwachen und pflegen. All das kostet sehr viel Geld, sichert aber die Qualität der Produkte. Aus diesem Grund gibt es in Deutschland nur zweihundert Schwerpunktapotheken. Denn die Krankenkassen honorieren diese anspruchsvolle Tätigkeit eher zurückhaltend und nur über die Masse kann der hohe betriebliche Aufwand finanziert werden.

Gleichwohl sind die Preise für viele Zubereitungen sehr hoch. Grund dafür sind allerdings nicht die üppig sprudelnden Gewinne für die Apotheken sondern die teuren Grundstoffe. Deswegen ist der Umsatz dieser Apotheken enorm. Aber ein hoher Umsatz per se bedeutet nicht automatisch auch einem hohen Gewinn! (Sicher kann Ihnen Ihre Wirtschaftsredaktion das erklären.) Was Peter S. getan hat, ist verbrecherisch. Der Vorschlag von Karl Lauterbach, die Zytostatikaherstellung in die Hände der Krankenhäuser zu legen, ist aus Sicht seiner Lobbyarbeit verständlich,  allerdings zu kurz gedacht.

Eine weitere Konzentration in diesem Bereich erhöht nur den Anreiz für verbrecherische Handlungen aus niederen Beweggründen, egal ob bei Apotheker, Arzt oder Krankenhausökonom. Denn wie Sie in Ihrem Dossier sehr anschaulich herausgearbeitet haben, muss es wohl eine ganze Kette von schweigenden Mitwissern geben. Dezentralisierung ist also die bessere Alternative. Gleichwohl sollten Sie die Mär von der Abzocke durch Apotheken nicht weiter kultivieren, weil das – wie gesehen – Begehrlichkeiten an anderer Stelle im Gesundheitswesen weckt. Die nach allen Regeln der Kunst arbeitenden Apotheken können dann im Bieterkampf mit dubiosen Anbietern wie Peter S. nicht mithalten, die auch Betrug und Körperverletzung (billigend wahrscheinlich auch Mord) nicht scheuen. – Klaus Debring


Leserbrief zu „Auf den Leim gegangen” von Sérgio Costa

Was für ein soziologischer Schwulst! Kaum „auf den Leim“ gehen wird der „kleine deutsche Mann“ (  ebensowenig wie die wohl kaum größere deutsche Frau) den professoralen  Herablassungen – über ihn, den kulturellen Neandertaler und  willfährigen Spielball „rechter“ Parteien! – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Computerliebe” von Alexander Krex

Die Frau hat recht. Die Gesellschaft in Westeuropa scheint eine Generation großgezogen zu haben die keine Grenzen mehr kennt. Die Sexismus-Debatte zeigt sehr deutlich die Verwahrlosung der guten Sitten. Wie ist es möglich, das eigentlich intelligente Menschen einen solchen Blödsinn reden. Das jetzt ein Roboter als Ersatz für Liebe herhalten muß, zeigt mir die geistige Blutleere der Menschen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Die Suche nach dem guten Gesetz” von Thomas Fischer

Der gute Kritiker sollte mindestens zwei Grundsätze beachten: Erstens: Kritik wird nicht überzeugender, wenn sie mit Polemik einhergeht, und zweitens: Selbst berechtigte Kritik sollte nicht, erst recht nicht vorranging, der eigenen Profilierung des Kritikers bei gleichzeitiger Verächtlichmachung des Gegenübers dienen. Eine Nichtbeachtung dieser Grundsätze entwertet und – im schlimmsten Fall – konterkariert jede in der Sache noch so berechtigte Kritik. Leider scheint dem Autor Thomas Fischer, seines Zeichens immerhin mehrjähriger Vorsitzender eines Strafsenats am BGH, in seinem am 09.11.2017 veröffentlichten Artikel „Die Suche nach dem guten Gesetz“ genau dieser Fehler unterlaufen zu sein. Warum suggeriert der Autor, dass sich 80 Vorsitzende deutscher Strafkammern auf dem Würzburger Strafkammertag ein „Mandat“ aller deutscher Strafrichter angemaßt hätten, in deren Namen oder gar namens der deutschen Strafjustiz gemeinsame Überlegungen zur Reform des Strafprozesses anzustellen oder Forderungen an die Legislative zu stellen? Tatsächlich hatte niemand eine derartige Mandatierung behauptet. Vielmehr haben die Teilnehmer lediglich ihr selbstverständliches Recht in Anspruch genommen, dies alles in eigenem Namen zu tun. Selbst Außenstehende, die diese Tagung, sei es auch nur aus der Ferne, verfolgt haben, wissen um die Teilnehmer und die Teilnehmerzahl.

Obwohl also völlig offen zu Tage liegt, was der Strafkammertag ist und welche Personen „dahinter“ stehen, meint der Autor offenbar gleichwohl, die Würzburger Veranstaltung selbst und in ihrer Zusammensetzung durch gänzlich fragwürdige, ja teilweise abwertende Bemerkungen diskreditieren zu müssen („Ob Menuett getanzt wurde, ist nicht überliefert“; „erstaunlich viele Bischöfe für sehr wenig Kaplane“). Ob dies zu dem Zweck geschieht, auch die Inhalte des Strafkammertages, ohne sich der weit größeren Mühe der sachlichen und fachlichen Auseinandersetzung zu unterwerfen, von vornherein und gleichsam pauschal als belanglos abtun zu können, kann an dieser Stelle nicht beurteilt werden, liegt aber beim weiteren Lesen nahe („Nun darf gewiss jedermann abstimmen, worüber er oder sie will, auch wenn das so viel Bedeutung haben mag wie gemeinsames Topfschlagen oder Liedersingen.“). Polemik verweigert sich einer Auseinandersetzung und verdient sie auch nicht.

Dass es noch weniger der thematischen Auseinandersetzung dient, wenn es der Autor offenbar auch noch wert findet, die Bezeichnung „Strafkammertag“ durch „Vorsitzendentagung“ ersetzen zu müssen, wird jeder nachvollziehen können, der bislang nichts Anstößiges dabei fand, auch bei Entscheidungen einzelner Senate des BGH von einer „Entscheidung des BGH“ zu sprechen.

Schließlich sieht sich der Autor Fischer, noch bevor er sich den eigentlichen Themen zuwendet, offensichtlich gehalten, die Bedeutung der Teilnehmer des Strafkammertages herunterspielen zu müssen (warum eigentlich?). Ganz augenscheinlich stört ihn ihre Bezeichnung als „hohe Richter“ oder als „hochkarätige“ Kollegen, was er dringend („In der Justiz-Hierarchie rangieren Strafkammervorsitzende allerdings im unteren Bereich (Besoldung R 2)“) „geraderücken“ zu müssen glaubt. Nun, entweder ist dem Autor die allein der Höflichkeit und dem Respekt geschuldete Anrede von Tagungsteilnehmern bislang fremdgeblieben (obgleich – bei seiner Anwesenheit – auch ihm diese Anrede gebührt hätte) oder mit der von ihm bevorzugten „Einstufung“ von Strafkammervorsitzenden möchte er sich bereits im Vorgriff die Auseinandersetzung in der Sache erleichtern, noch dazu, da er es dem Leser, obgleich es sich bei diesem Detail um eine völlige Selbstverständlichkeit jeder Tagung handelt, nicht erspart hervorzuheben, dass die Tagungsteilnehmer auch noch zur „Kaffeepause mit Gruppenfoto“ zusammen-fanden. Was aber weit schwerer wiegt ist, dass der Autor trotz seiner langen Praxistätigkeit die Tatsache missachtet, dass Richter zwar unterschiedlich besoldet werden, dass es aber die von ihm dem Leser suggerierte Richterhierarchie nicht gibt. Jeder Richter, sei er nun am Amtsgericht tätig oder Vorsitzender am BGH, erfüllt seine Aufgaben unabhängig und ist dabei allein Recht und Gesetz unterworfen (Art. 97 Abs. 1 GG). Kein Richter „untersteht“ einem anderen. Wenn jedoch dem Leser vom Autor schon die Frage nach der „Wertigkeit“ von Richtern geradezu aufgezwungen wird, so möge er sich doch der Tatsache bewusst werden, dass landgerichtliche „Große“ Strafkammern die einzige Tatsacheninstanz, die erste und mitunter auch zugleich letzte Instanz sind, welche die Verantwortung für die in unserem Rechtssystem schwerstmöglichen Eingriffe in die Grundrechte von Menschen (etwa Haftbefehle, lebenslängliche Freiheitsstrafe, Unterbringung, Sicherungsverwahrung) zu tragen hat.

Wenn dem Strafkammertag /wahlweise der Vorsitzendentagung mit dem Vehikel der Verächtlichmachung („gemeinsames Topfschlagen oder Liedersingen“) schließlich auch noch das Recht streitig gemacht werden soll, Forderungen an die Legislative zu stellen, so ist dem Autor auch in der Sache zu widersprechen. Unser demokratischer Staat lebt davon, dass jede und jeder ihre und seine Forderungen an die Legislative adressieren kann, ohne zuvor von anderen dazu mandatiert worden zu sein. Ob dies nun dadurch geschieht, dass sich ein Einzelner mit einem Plakat vor den Deutschen Bundestag stellt, an einer Demonstration teilnimmt, einen justizpolitischen Aufsatz schreibt oder sich mit 79 Kollegen zu einem Strafkammertag / wahlweise zu einer Vorsitzendentagung zusammenfindet, in allen Fällen findet politische Willensbildung statt. Auch die anlässlich des Strafkammertages / wahlweise der Vorsitzendentagung geäußerte Hoffnung, wonach „die Ergebnisse in die Koalitionsverhandlungen einfließen können“, mag zwar, insbesondere angesichts des derzeit zu beobachtenden Verlaufs der „Jamaika-Verhandlungen“, möglicherweise als etwas realitätsfremd anmuten, die Hoffnung auf die Möglichkeit politischer Einflussnahme ist aber gleichwohl legitim und im Übrigen ganz generell Motivation für jede politische, auch jede rechtspolitische Initiative.

Hätte es also des unseligen Geplänkels über Bezeichnung, äußeren Ablauf und Person der Teilnehmer des Strafkammertages schon gar nicht bedurft, so hätte man doch zumindest eine sachliche Auseinandersetzung des Autors mit den Inhalten der Tagung erwartet. Doch auch hier wird der Leser enttäuscht. Fischer bedient sich auch bei den Sachthemen häufig jener Methoden, die ihm augenscheinlich – aus seiner Sicht – schon zuvor so dienlich schienen. Ein Beispiel: Die Zwei-Wochen-Entscheidungsfrist nach Befangenheitsanträgen. Zu Recht kann und soll man über den Sinn und die Berechtigung einer solchen Regelung diskutieren, der Autor erstickt eine solche Diskussion aber schon im Keim, wenn er ein Beispiel benennt, bei dem ihm alle sofort zustimmen können. Bei dem geschilderten, völlig eindeutigen Fall der Richterbefangenheit wird nämlich jeder Leser – im Einklang mit der vom Autor auch noch bemühten Mutter des Angeklagten – darin übereinstimmen, dass ein zweiwöchiges Weiterverhandeln unter Vorsitz jenes Richters natürlich nur schwer erträglich wäre. Warum aber können alle sofort zustimmen? Weil der Autor ein Beispiel anführt, das nicht nur, wie von ihm bezeichnet, ein „bisschen tendenziös“ ist, sondern in keiner Weise repräsentativ und damit völlig ungeeignet, die Diskussion zu führen. Mit polarisierenden Beispielen lässt sich aber keine rechtspolitisch sinnvolle Diskussion führen, zumal die „Gegenseite“ sofort die Mutter des Opfers ins Feld führen könnte, welche die vom Autor geschilderte Situation naturgemäß gänzlich anders bewerten würde und der ebenfalls alle zustimmen würden. Eine Polarisierung, das zeigt dieses Beispiel, hilft also nur dem Polarisierenden, nicht aber einer Diskussion, die um die gebotene und rechtsstaatliche Berücksichtigung aller Interessen bemüht sein sollte. Und in jedem Strafprozess sind nun einmal Unschuldsvermutung ebenso zu berücksichtigen wie etwa das Strafverfolgungsinteresse und seine Genugtuungs- und Befriedungsfunktion. Hier die Balance zu bewahren, ist schwierig genug. Polarisierende Fälle führen zwar zur Empörung der ein oder anderen Seite, nicht aber zur Lösung dieser anspruchsvollen Aufgabe. Betrachtet man stattdessen den durchschnittlichen Strafprozess, so stellt man fest, dass in der übergroßen Mehrzahl der Verfahren Gerichte und Rechtsanwälte besonders sorgfältig und verantwortungsbewusst mit den ihnen zur Verfügung stehenden strafprozessualen Instrumentarien umgehen. Gleichwohl gibt es, vor allem im Bereich der Wirtschaftsstrafkammern, aber auch der Staatsschutzsenate bei den Oberlandesgerichten (man mag hier nur den aktuellen „NSU-Prozess“ vor dem OLG München betrachten), immer wieder Strafprozesse, in denen in sehr extensiver Weise Ablehnungsanträge gestellt wurden und werden. Solche Prozesse stehen häufig im besonderen Fokus der Öffentlichkeit und damit gleichsam stellvertretend für die Tätigkeit der Strafjustiz. Um das Vertrauen der Bevölkerung in den Rechtsstaat zu bewahren, verpflichtet uns dies zu einer Diskussion über die Ausgestaltung des Strafprozesses. Erst recht gilt dies, weil ein solcher Strafprozess – anders als ein Zivilprozess – auch nach mehrjähriger Dauer „ausgesetzt“ werden müsste (was nichts anderes bedeutet, als dass er gänzlich von vorn beginnen müsste), wenn auch nur einmal gesetzlich eng begrenzte Unterbrechungsfristen nicht eingehalten werden können oder wenn einer der beteiligten Richter wegen Befangenheit ausscheiden müsste. Ist es deshalb nicht legitim, ja sogar geboten, ganz grundsätzliche Fragen zu stellen, etwa: Steht einem Angeklagten / Verteidiger ein Ablehnungsrecht allein deshalb zu, weil es in der StPO geregelt ist? In wie vielen Fällen führen Ablehnungsanträge in deutschen Strafprozessen überhaupt zum Erfolg (nach meiner – natürlich nicht repräsentativen – beruflichen Erfahrung handelt es sich hierbei um eine einstellige Zahl im untersten Prozentbereich)? Warum gibt es in anderen europäischen Staaten eine so geringe Zahl von Ablehnungsanträgen, ohne dass wir die Rechtsstaatlichkeit jener Länder in Frage stellen würden? Wie wirkt sich der extensive Gebrauch von Ablehnungsanträgen auf die Opfer einer Straftat aus und was macht er mit dem Vertrauen der Bevölkerung in den staatlichen Strafanspruch? All diese sicher nicht abschließenden Fragen geben keine Antwort vor, aber sie verdienen es doch beleuchtet zu werden, wenn man ernsthaft gewillt ist, sich dem Thema „Umgang mit Richterablehnungen“ in seriöser Weise zu widmen.

Ein zweites und letztes Beispiel: Die Frage, ob die Ergebnisse der Beweisaufnahme im Strafprozess ebenso wie der Schuldspruch für den Zivilprozess bindend sein sollen, lässt sich ebenso kontrovers und mit jeweils guten Argumenten diskutieren (unklar bleibt auch mir, warum dies gerade von Strafrichtern gefordert wird), aber mit dem lapidaren, sarkastisch gefärbten Wunsch des Autors „Viel Vergnügen mit den Beweisanträgen!“ ist dem Thema wohl nicht ansatzweise Genüge getan.

Fischer hat ja recht, wenn er daran erinnert, dass sich jeder deutsche Strafrichter immer wieder vor Augen führen sollte, dass der Zweck der Strafprozessordnung nicht darin liegen kann, dem Strafrichter die Arbeit einfach zu machen, aber warum zeigt er sich so erstaunt darüber, dass jeder Prozessreform die nächste folgt? Ja, der Strafprozess ist Kampf um das Recht, nicht nur für Verteidiger, sondern auch für Staatsanwälte, vor allem aber für Richter, die ja die letztgültige Verantwortung für Entscheidungen, die nicht selten existentiell für Verurteilte und Opfer sind, zu tragen haben. Ebenso ist aber auch die Auseinandersetzung auf der „Suche nach dem guten Gesetz“ ein Kampf, vor allem um Rechtsstaatlichkeit und Interessenausgleich. Wie interessant wäre es gewesen, hierzu von einem verdienten Strafrechtskommentator fundierte Meinungen zu lesen. Es ist schade, dass der Autor diese Gelegenheit in seinem Aufsatz nicht genutzt hat. Und schade, nein, ärgerlich ist es, wie er mit dieser Chance umgegangen ist. – Matthias Burghardt


Leserbrief zu „»Niemand hatte mich vorbereitet«“ von Moritz Müller-Wirth

Lieber herr hitzlsperger,muss ihnen ein kompliment machen,welch ein grossartiger mensch Sie sind. – dirk kaufmann


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Die Sexismus-Debatte, ausgelöst durch #meToo, ist gerade und trotz unserer Überreizung des Themas dringend notwendig. Als Gesellschaft müssen wir das aushalten. Unser Problem ist dabei, dass wir Themen bunt durcheinander diskutieren: Xenophobie mischt sich mit Belästigung von Frauen oder Männern; genderkonforme Erziehung mit männlicher Selbstbefreiung durch Selbstbezichtigung; währenddessen schauen wir Mütter weg, während Onkel Achim der kleinen Lisa unter den Rock fasst. Tatsächlich stecken wir doch alle weiterhin im Patriarchat fest. Kurze Erinnerung daran, dass es nach unserer Rechtsprechung (nicht nur bis Ende 2016) straffrei bleibt, wenn ein älterer Mann eine Minderjährige gegen deren Willen körperlich anfasst und bedrängt. Beispielsweise spintisiert die Staatsanwaltschaft Nürnberg im Verfahren (Az: 651 JS 55267/17), über die unzureichend lautstarke und körperliche Verteidigung dieses Mädchens und (will) findet einfach keinen Straftatbestand. Also ein Grundübel der Verharmlosung von Straftaten.

Was löst diese Debatte bei uns aus? Sind Frauen weiterhin Opfer? Gute Miene zum Klaps auf den Po machen? Kichern, weil als hysterisch tituliert zu werden, da männliche Dominanzgesten und Machtspielchen „ja nur ein Spaß“ sind? Warum verkennen wir, dass es sich hierbei um ein grundsätzliches Problem unserer patriarchal dominierten Gesellschaft handelt? Dieses zeigt sich doch weiterhin bei moralisch verwerflichen Grenzüberschreitungen. Durch „gesellschaftliche Ächtung erledigen, was das Strafrecht nicht schafft.“ Wie soll das gehen, wenn unsere Rechtsprechung und deren Akteure weiterhin Übergriffe, egal ob verbal oder körperlich, zulassen, derweil Sie und ich das negieren, verharmlosen, verschämt lächeln aber wegschauen? Genau deshalb brauchen wir diese Debatte bis sie uns zu den Ohren herauskommt. Bis wir Männer endlich lernen die sexuelle Selbstbestimmung anzuerkennen und zu respektieren. Unsere Lösungen werden weder überspitzt (Stichwort Aufzug fahren) noch eine Renaissance der „dirty old men“ sein. Es ist doch so einfach: Die eigene Freiheit der Geschmacklosigkeit endet, wo die des Gegenübers beginnt. Auch ein leises Nein meint Nein.  Voll easy! – Melanie Zschunke


Leserbrief zu „Über Toastbrot und Wutausbrüche“ von Harald Martenstein

Seit Jahren ist Ihre Kolumne für mich das Beste am Zeitmagazin. Neben Ihrem Schreibstil liegt das vor allem daran, dass Sie sich eigene Gedanken machen und nicht die scheinbare oder tatsächliche Mehrheitsmeinung nachplappern. Oft haben Sie mir aus dem Herzen gesprochen, und schon einmal stand ich kurz davor, Ihnen moralische Unterstützung zu geben als Sie vom Gegenwind schrieben, ließ es dann aber doch. In Ihrer aktuellen Kolumne erwähnen Sie erneut die Ihnen entgegengeschlagene Wut (diesmal vieler Ostdeutscher) nach Ihrer Toastbrotgeschichte. Auch wenn ich in der Sache den Empörten Recht geben muss – weder zu DDR-Zeiten noch danach ist mir jemals irgendwo ungetoastetes Toastbrot serviert worden – erscheinen die Reaktionen doch übertrieben heftig. Ich stimme Ihrer Analyse zu den Gründen dafür weitgehend zu und würde sogar noch deutlicher werden: Viele Ostdeutsche haben das Gefühl, vom Westen belogen, betrogen und bestohlen worden zu sein. Der Anschluss der DDR an die BRD fühlte sich an wie eine Besatzung. Schmerz und Wut sitzen noch immer tief und es braucht nicht viel, damit sie sich Bahn brechen. – Frank Götze


Leserbrief zu „Verschlossen und hochbegabt“ von Jacqueline Thör

Ich würde mich freuen, wenn mal ein ausführlicher Artikel / Dossier über das Thema „Autismus“ erscheinen würde. Wie es einen, in der Gesellschaft unauffälligen, Asperger-Autisten (hochfunktional) ergeht, der zwischen normal überdurchschnittlicher Intelligenz (ohne Inselbegabung), Kommunikationschwächen und Interaktiondifferenz sowie einer ständigen Reizüberflutung versucht „unauffällig“ durch Berufsleben und Alltag zu kommen. Der Wunsch eines Autisten (hochfunktional) möglichst „normal“ zu sein und seine Bemühungen ja nicht mit seinen Einschränkungen / Begabungen aufzufallen, hat leider nichts mit den TV-Darstellern zu tun. Sollen Sie Interesse haben sollen, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, kann ich gerne Kontakte herstellen. – Carola Helwig


Leserbrief zu „»Die Frage ist: Gibt es einen sozialen Todestrieb?«“ von Thomas Assheuer

Den Beschreibungen der amerikanischen Gesellschaft kann ich voll und ganz zustimmen. Schon Anfang der 1970iger Jahre konnte ich während meiner Studienzeit in den USA „rabiate Individuen im Wettbewerb aller gegen alle“ erleben. Leider hat sich dieses Gesellschaftsmuster inzwischen auch bei uns etabliert. Die von Riesman beschriebenen „Konsum- und Wettbewerbsgesellschaften, die Konformitätsdruck, Anpassungsängste und psychische Instabilitäten erzeugen“, begründen ein Konkurrenzmilieu, in dem Hass und Gewalt herrschen. „Es sind Zeichen an der Wand!“ – Wilfried Vendel


Leserbrief zur Grafik „Ärzte-Gelöbnis” von Harro Albrecht und Jan Schweitzer

Ach ja der eid. Was fuer eine augenwischerrei Mag sein das es noch einnige traemer gibt, die an den eid glauben und danach handeln.. Auch ein arzt muss seine praxsis wirtschftlich fuehren. Das gibt es viele gestaltungs moeglichkeiten bestimmte personen, so zu behandel das die eigene weltanschauung zum nachteil des Patienten so ausschlaegt das sich der arzt nicht strafbar macht. Da werden die Patienten nicht ausreichend beraten damit bestimmte leistungen abgerechnet werden koennen Oder leistungen unterschlagen. Da werden erblaßer als verwirt erklaert danit die erben freien zugang zum fermoegen haben. Oder als zurechnungsfaehig erklaert, damit ein testament auf dem sterbebt noch geaendert werden kann.  Oder die vielen Zahnaerzt die leistungen oder material kosten in rechnung stellen die im tresor oder am hals der ehefrau ihr gold gern tragen. Oder jene Patienten die ohne begruenderter diagnose behandelt wird. Viele aerzte hatten in den 80_90jahren toten herzpatienten die Herzschrittmacher heimlich entfernt.   Oder auch gesundheitliche koplikatonen proveziert um einen Patienten loss zu werden oder hoerere leistungen ab zu rechnen. Die liste geht ins unendliche. Nur kein ups nur wenige arzte reden klartext. Nur wenige sind bereit gegen ihre kriminellen kolegen aus zu sagen.  Ich bin ein kind eines arztes. Und bruder, schwager von 3 aerzten. Ich habe vieles davon mit bekommen wie bertogen und menschen auf grund ihre politischen sexuellen oder geistigen unterlegenheit ausgenutzt wurden. – Christianknaut


Leserbrief zu „Der Staat, der sich nicht traut“ von Uwe Jean Heuser

Sorry, die Überschrift ist naiv! Es zieht sich doch wie ein roter Faden durch die Regierungszeit von Frau Merkel. Wenn es um Steuerregeln für Arbeitnehmer geht, wird strikt und unmittelbar nachjustiert, sobald sich das kleinste Steuerschlupfloch auftut. Dagegen werden die riesigen Steuerschlupflöcher für Banken, Unternehmen ( je größer, desto großzügiger), Reiche und Einkommensmillionäre so lange wie möglich offen gehalten. Dabei ließe sich mit Korrekturen der nationalen Gesetzgebung viel erreichen: Verlängerung der Verjährungsfristen, erweiterte Haftung für mitwirkende Banken, persönliche Haftung von Vorständen, Steuerpflicht deutscher Staatsbürger unabhängig vom Wohnort, Beweisumkehr für internationale Konzerne (Umsatz in Deutschland ist in Deutschland zu versteuern),…Daran wird sich nichts ändern, solange sich unser Regierungspersonal nicht nachhaltig ändert. – Rainer Funke


Leserbrief zum Titelthema „Wer hat die Macht? – der Staat oder die Superreichen?“

Mammon Mammon Mammon

Geld unser, das du kaufst ein Traumreich uns wenigen,
vergöttert sei dein Name.
Dein Reichtum mache uns vollkommen.
Deine Rolex geschehe,
wie in Panama, so in Silicon Valley.
Unsere tägliche Profitgier gib uns heute.
Und vergibt den vielen nicht ihre Armut,
wie auch wir pressen unsre Schuldner.
Und führe uns nie aus der Selbstsucht,
sondern erlöse uns von Moral und Gewissen.
Denn dein ist die Bankenmacht und der Börsenkurs
und die Steuerflucht in Ewigkeit.
Blingbling.

Andreas Graf


Leserbrief zum Titelthema „Wer hat die Macht? – der Staat oder die Superreichen?“

… sooo habe ich doch neues Vertrauen zu Ihrer Zeitung gefunden … – Helge Krieger


Leserbrief zum Titelthema „Wer hat die Macht? – der Staat oder die Superreichen?“

Ihre Artikel zu dem Thema waren nach meiner Erfahrung wie immer sehr gut gelungen!  Trotzdem, eine Anmerkung:  Die großen Konzerne (Oligopole) habe die Macht, und der Politik fehlt der Mut! Schlecht, wenn es denn so ist, aber es gibt doch ein einfaches Gegenmittel, welches in Ihrem Bericht unterbelichtet ist: Die Kunden dieser mächtigen Konzerne bräuchten doch nur von ihren Gewohnheiten ablassen, und deren Angebot nicht, oder zumindest deutlich weniger, in Anspruch nehmen!  Um das zu erreichen sind die Medien gefragt, aktuell Sie, die Sie sich mit dem Thema ausführlich befassen. Ich habe dieses bei Ihnen vermisst.  Erst einmal darauf hinweisen, dass es neben Fast-Monopol-Betrieben und Staat als 3. Kraft ja auch noch den Verbraucher gibt, der dieser Konzentration entgegen wirken kann.

Wie das praktisch zu erreichen ist? Ganz einfach: indem zunächst die vorhandenen Alternativen ausprobiert werden. Ich z.B. benutze bei Abfragen zu Beginn immer die Suchmaschinen Metager, Ixquick oder Duckduckgo. Wenn ich mit diesen nicht klar komme, klicke ich dann erst Google an.  Ähnlich Amazon: da gibt es derart viele Wettbewerber, dass ich nur in Ausnahmefällen den Mega-Konzern einsetzen muss!  Sie haben es längst erkannt, mein Anliegen an Sie ist, dem Leser die Botschaft überzeugend zu vermitteln, dass er es selbst in der Hand hat, die Superreichen und Milliardäre weiterhin zu stärken, oder eben nicht. Wenn Sie dann noch Hilfestellung dazu lieferten – wie z.B. erst mal die Alternativen einsetzen  –  wäre der Bericht meiner Meinung nach perfekt gelungen.  Über einen Nach-Bericht würde ich mich sehr freuen, denn die Schwächung der Übermächtigen ist auch mein Anliegen. – Adolf Ley


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Ich bin Abonenntin der Zeit und setze mich auch gerne mit kontrovers diskutierten Themen in den Artikeln der Zeit auseinander. Ihr Leitartikel vom 09.11.2017 hat mich sehr erschüttert und ich hätte eine so abwertende Haltung zu einem wichtigen Themen tatsächlich nicht in der Zeit vermutet.

Herr Diez von spiegel online bringt meine Kritik auf den Punkt:

Es war ja erwartbar, dass die Gegenbewegung zu #MeToo nicht lange auf sich warten lassen würde, mitten hinein in eine Entwicklung, die gerade erst beginnt, und während sich immer neue Fakten und Facetten ergeben. Es ist dennoch mindestens verblüffend zu sehen, wie sich Journalisten weigern, Tatsachen zu benennen und vielleicht ein Mindestmaß an Einfühlung zu zeigen und sich eine Welt zusammenzimmern, nur damit sie sie mit kulturkritischen Betrachtungen überziehen können.

Es ist unbestritten, dass wir es in der Debatte von ME Too  mit einem strukturellen Problem zu tun haben, das nur über längere Zeiträume hinweg gelöst werden kann. Aber die MeToo Bewegung schafft den Weg in die gesellschaftliche Öffentlichkeit, bewirkt eine Veränderung. Frauen verstehen, dass sie mit den sexuellen Übergriffen nicht alleine darstehen und viele aufgeschlossenen Männer nehmen erst jetzt das Ausmaß der sexuellen Gewalt wahr und setzen sich damit auseinander. Und es geht um die kleinen, alltäglichen Vorfälle, um die Selbstverständlichkeit der Übergriffe. Hiervon wird in den MeToo Nachrichten berichtet- in vielen Fällen ohne Nennung von Namen. Es geht nicht um kleine Alltagsrechnungen! Denn am Ende geht es ja doch um so etwas wie eine demokratische Öffentlichkeit, die das ermöglicht, was gerade geschieht: eine Diskussion darüber, wie wir gemeinsam gerecht leben wollen und was sich dazu eventuell ändern muss. Aber diese Diskussion allein, die unter den Bedingungen der digitalen Demokratie ihre Form erst noch finden muss, verstört, so scheint es, manche Menschen elementar. – Heike Völkening 


Leserbrief zu „Der zweite Himmel” von Hanno Rauterberg

Danke für diesen feinsinnig-tiefschürfenden Kommentar zum „neuen Louvre“ in Abu Dhabi! Doch warum die düstere Prophezeiung zum Schluss:  „Der zweite Himmel, er wird leer sein.“? Vor allem dann wenn beim neuen Louvre so viele positive Ansätze festgestellt werden und auch beim alten bis heute ja keineswegs alles vorbildlich gelaufen ist (woraus sich ein wunderbarer „Fehlervermeidungskatalog“ entwickeln ließe). Wäre da nicht eine „aufgeklärte“ westliche Kritik hilfreicher, die muslimische Zivilgesellschaften darin bestärkt, den gegenwärtigen „Autokraten“ ihre bürgerlichen Rechte auf ein freiheitliches Gemeinwesen abzutrotzen und damit auch auf einen wirklich „neuen Louvre“, der womöglich noch besser wäre als der alte, der Autokraten im Westen abgerungene wurde? Dann wäre auch „der zweite Himmel“ über ihm durchaus nicht leer: er hinge vielleicht sogar „voller Geigen“, die alle ungehindert Melodien aus vieler Herren Länder spielen würden… – Eckhard Heumann


Leserbrief zu „Stolz ?“ von Bernd Ulrich

Wer Patriotismus und Stolz auf Nationales – und dies nicht unbegründet – in Frage stellt, muß auch die Frage nationaler Schuld und kollektiver Verantwortung differenzierter betrachten. Kann ich für etwas Schuld sein, was ich nicht selbst begangen habe, noch dazu, wenn die Tat weit vor meiner eigenen Geburt stattfand? Ich empfehle dazu das Buch Gerechtigkeit aus der Zeit Bibliothek des Wissens, Seite 236ff. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Böse, böser, Glyphosat“ von Kolja Rudzio

Es macht mich sprachlos und schlaflos, warum passiert da nichts. Die Welt geht langsam vor die Hunde und alle schauen zu. Ich lebe schon lange vegetarisch und versuche mich biologisch zu ernähren, dann Obst und Gemüse, sowie das Tierfutter sind ja wohl auch belastet mit dem Gift. Es ist zum Weinen und die Partei, die jetzt auch noch die Laufzeit für Glyphosat verlängern will, die wähle ich schon gar nicht mehr. Wir haben nur eine Erde und wer die nicht schützt ist für mich nicht wert auf ihr zu leben. – Elisabeth Müller


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Ich moechte mich zu den verschiedenen Artikeln bez. Sexueller Uebergriffe an Frauen melden. Habe 30 Jahre in Canada gelebt und war durch meinen Mann, der einer der groessten Geschaeftsleute Canadas war, sehr oft mit Menschen aus dem Geschaeftsleben sowie auch mit Kuenstlern aller Branchen gesellschaftlich zusammen. Ich habe beobachtet, wie sich junge Maedchen und Frauen schamlos anbieten sowie ein Mann entweder Macht oder Geld hat. Das kann auch durchaus geschehen, wenn die Frau eines Mannes der im “Visier” dieser Huren steht, leider kann man sie nicht anders nennen, anwesend ist.  In New York war es besonders schlimm und Hollywood ist natuerlich ein Pflaster fuer sich. Diese Maedchen und Frauen tun alles um entweder Karriere zu machen oder sich sonst einen Mann mit Geld oder Macht  zu “angeln.” Sie wollen die sog. “Trophy wives” werden. So genannt, nachdem die vorherige Ehefrau, oft 30 oder mehr aelter,  abgeschafft ist. Das bedeutet natuerlich nicht, dass sie dem so viel aelteren Mann true sind. Sie sind absolut schamlos und ich bin davon ueberzeugt, dass viele dieser angeblichen Vergewaltigungen oder Belaestigungen erfunden sind um sich  Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Es sind schon einige Faelle bekannt geworden, leider nachdem ein Leben oder eine Karriere eines beschuldigten Mannes schon ruiniert waren. In Toronto war vor einigen Jahren ein Fall in dem ein Lehrer nach 4 Jahren fuer unschuldig erklaert wurde, nachdem zwei Maedchen zugaben ihn aus Rache beschuldigt zu haben, weil er ihnen keine besseren Noten geben wollte. Die Medien sollten endlich aufhoeren darzustellen als ob die Maenner immer die Schuldigen waeren. Die Frauen sind oft viel schlimmer und nennen Sie mir bitte  einen oder vielleicht 2 Maenner die widerstehen koennen, wenn ihnen andauernd schoene junge Frauen unmisverstaendliche Angebote Machen. “Honni soit qui mal y pense.” To hell with these complaining “Womens Libbers”. – Ilsa Weiss


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Du liebe ZEIT! Wenn Du mich weiterhin mit dem selbstmitleidigen Beziehungsmüll „Dein Thomas – Deine Larissa“ nervst, denn werde ich die ganze ZEIT verschmähen. – Strafe für Dich und mich! Deine Fernbeziehung – Gerd Bangert


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

H e l p ! – S. O. S.  an die ZEIT MAGAZIN REDAKTION, bitte wann  werden wir – endlich! – von dieser ausgeleierten, qualvoll zu lesenden und anzusehenden  Beziehungs-Trennungskiste Thomas-Larissa befreit? Die Fotos sind so langweilig wie der Text. Ich habe selbst einige Beziehungen/Trennungen erlebt. Nur: Zum Glück nicht in dieser Art und Wir haben den uninteressierten Rest der Welt davon verschont, sie monatelang zu Grabe zu tragen. Wenn das ZEIT-Magazin damit keine Ende macht, mache ich der Sache ein Ende und werfe  das Heft mit Wonne ungelesen in die blaue Tonne. – Anna E. Graf-Sebelefsky


Leserbrief zu „Die Gier des Apothekers“ von Marcus Bensmann et al.

Ich hoffe es findet sich ein Richter, der ein der Tat angemessenes Urteil fällt. Dieser Mann hat das Leid und den Tod vieler Menschen wissentlich, vorsätzlich und aus niederen Beweggründen herbeigeführt. – Rainer Funke


Leserbrief zu „Böse, böser, Glyphosat“ von Kolja Rudzio

Sie berichten in Ihren Veröffentlichungen vom Juni und Juli dieses Jahres, dass Glyphosat in landwirtschaftlichen Spritzmitteln ein Totalherbizid ist, welches flächendeckend den gesamten Ackerwildkrautbewuchs vernichtet und damit auch alle Lebewesen, die davon abhängig sind, von Kleinstlebewesen in der Ackerkrume bis hin zu Wirbeltieren, wie Mäusen, Kaninchen und Feldvögel. Sie lehnen deshalb eine Wiedergenehmigung des Wirkstoffes Glyphosat ab. Das ist auch gut so. Sie berichten nicht darüber, welche Konsequenzen es für die Fruchtbarkeit der Ackerböden hat, wenn Glyphosat haltige Mittel über viele Jahre auf die Äcker ausgebracht werden. Jeder besorgt oder verantwortlich denkende Mensch darf sich selber ausmalen, was die Beurteilung des UBA und BfN für die langfristige Wirkung von Glyphosat  auf die Fruchtbarkeit deutscher Äcker oder der der ganzen Welt hat! Wie viele Jahre braucht es wahrscheinlich, bis die Äcker so unfruchtbar sind, dass sich eine landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr lohnt ?? Ich sehe es als ein unverantwortliches Versäumnis des UBA und BfN an, dass sie die Prognose für die nachhaltige Vernichtungskraft von Glyphosat auf die Fruchtbarkeit der Äcker nicht , zumindest nicht deutlich genug publiziert haben!

Stattdessen wird zum Für oder Wider nur die  „Wahrscheinlichkeit der Kanzerogenität für den Menschen“ in die Abwägung eingebracht. Sind sich UBA und BfN klar darüber, dass die momentane Diskussion, auch in den Koalitionsverhandlungen der Parteien, ganz anders verlaufen würde, wenn Sie die Begrenzungsgefahr der Fruchtbarkeit der Äcker weltweit mit in die öffentliche Diskussion gebracht hätten ? Warum haben Sie nicht einmal Vermutungen oder besser Hochrechnungen zu diesem Problem veröffentlicht ? Dieses Problem der Vernichtung der Fruchtbarkeit der Ackerböden weltweit, ist doch genau so schwerwiegend, wie die Vermutung Glyphosat könnte krebserregend sein. Bitte, veröffentlichen Sie wenigstens Ihre  begründeten Vermutungen über die Wirkung von Glyphosat, bevor Glyphosat haltige Mittel für weitere 5 oder 10 Jahre neu zugelassen werden. Informieren Sie bitte auch die entsprechenden Entscheidungsgremien direkt. Sie verfügen über diese direkte Informationslinie, die nicht erst die allgemeine Presse benutzen muss ! – Klaus-Otto Cordua


Leserbrief zu „Der Umarmer” von Jana Simon

Was spricht gegen die Sichtweise von Herrn Platzeck? Geografisch und historisch gehört  Russland zu Europa. Warum nicht mutig noch größer denken? Ich habe noch nirgendwo gelesen oder gehört, dass angedacht wurde, Russland in die EU zu integrieren. Kulturell und wirtschaftlich gehört Russland eher an unsere Seite, als mancher angedachte Kandidat, z. B. die Türkei. Die Schwächung der EU durch das Ausscheiden von England könnte durch den Beitritt Russlands  mehr als kompensiert werden. Sind Gegensätze unüberwindbar? Würden die Russen zustimmen? Deutschland würde von der ungeliebten Führungsrolle in der EU befreit. Mit Russland, Frankreich und Deutschland als zentrale Kräfte hätte die EU ein politisches Gewicht, das in der globalisierten Welt  an Bedeutung gewinnt.  Diese Allianz wäre natürlich keineswegs gegen die USA gerichtet, sie könnte aber einem Herrn Trump auf Augenhöhe begegnen. Eine solche Union könnte einen rasanten Wirtschaftsaufschwung generieren. Mit den Rohstoffressourcen  des Ostens, seinem Wissen zur Weltraum- und  Atom-technologie,  und dem technischen know how des Westens sollten sich in der EU für alle Mitglieder neue Chancen bieten. Innereuropäische Konflikte, z.B. in der Ukrainekrise, könnten leichter gelöst, die Ängste der baltischen Staaten gegenstandslos werden. Wir könnten einmal nach Osten blicken mit dem Gefühl, dort nicht einen potentiellen Gegner zu haben, sondern einen Partner. – Dr. Raban Grundmann


Leserbrief zu „Alle Macht geht vom Volke aus…“ von Tina Hildebrandt

Wenn man das macht, was die Bürger mehrheitlich wollen, und sich damit am Artikel I vieler Verfassungen orientiert, nämlich dass alles Recht vom Volk ausgeht, wird das in vielen Kommentaren als „populistisch“ verurteilt. Dann sind Wahlen, wenn man Bürger zu Parteien und Politikern befragt, inhaltlich erst recht populistisch und die stärkste Ausprägung erfährt dieser Begriff im Falle der direkten Demokratie, nämlich dann, wenn die Menschen zu konkreten Entscheidungen befragt und die Ergebnisse operativ umsetzt werden. Ähnlich wie Demokratie aus dem Griechischen leitet sich Populismus aus dem lateinischen Wort für „Volk“ ab und bedeutet nichts anderes, als die Interessen der Menschen, die Parteien ihrer Neigung wählen und Politiker finanzieren, zu vertreten. Schon die Popularen im alten Rom grenzten sich von den Optimaten, die Adel und Spitzenpolitik vertraten, durch ihre Nähe zum Volk und dessen Prioritäten ab. Das als billigen „Populismus“ abzutun, wäre arrogant, und eine systematische Abwertung dieser Affinität läuft Gefahr, in Polemik überzugehen. – Martin Behrens


Leserbrief zu „Der Staat, der sich nicht traut“ von Uwe Jean Heuser

Sie haben in sehr moderater Form die Probleme angesprochen, und dementsprechend auch nur eine Feigenblatt-Lösung angeboten, die überhaupt nichts verändern wird. Warum sind Sie so feige und diskutieren nicht aufgrund der Vorschläge von Hessel in seinem „Empört Euch“ keine härteren Lösungen? Liegt das vielleicht daran, dass Ihre Führungsspitze ein Teil des angesprochenen Systems ist? – Jürgen Neunaber


Leserbrief zu „Auf den Leim gegangen” von Sérgio Costa

Herr Prof. Costa sieht die Gründe für das starke Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl nicht in kulturellen Fragen, sondern identifiziert einen – bisher nicht beschriebenen  – Machtdiskurs, der von der AfD genutzt werde. Menschen, die sich politisch und existenziell bedeutungslos fühlen, würden die AfD wählen, da sie hier in der „symbolischen Machthierachie“ aufsteigen würden. Aus Machtlosigkeit wird Ermächtigung; diese Ermächtigung richtet sich zwar gegen Migranten, doch es sind keine kulturellen Motive, die hierbei eine Rolle spielen, so Prof. Costa. Er fragt beispielhaft, warum die AfD in Sachsen stärkste Kraft geworden ist, obwohl dort der Ausländeranteil unter vier Prozent liegt. Nur leider ist es schwierig gegen das Weltbild der AfD mit rationalen Argumenten zu arbeiten (ich kann genauso Angst vor dem Klimawandel haben, obwohl ich die direkten Folgen in Deutschland viel weniger spüre als beispielsweise auf den Fidschi-Inseln).
Mit seiner Analyse bietet er ein interessantes Denkmuster an, das so im umkämpften Diskurs um die 12,6%-Partei, noch nicht zu hören war. Allerdings übersieht Herr Costa einen zentralen Punkt in seiner Argumentation: Machtdiskurse entstehen nicht im Nichts, sie brauchen eine Ankerpunkt, durch den sie erst kommunikativ werden können. In unserer komplexen, funktional differenzierten Gesellschaft ist das kulturelle Argument ein wesentlich bestimmender Faktor des Diskurses. Die „Begründung der Machthierachie“ und der Entwurf einer Gegengeselleschaft, die von der AfD angeboten wird, sind zwar Strategien und gehören zu ihrer Taktik (ihre Offenlegung ist von großer Bedeutung), allerdings identifizieren sie nicht die Gründe, warum die AfD diesen Menschen eine diskursive Heimat bietet. Sie möchte Deutschland nach ihren kulturellen Vorstellung umformen, das Ziel bleibt somit das Selbe.
Wie reagieren? Online-Aktivismus und Partizipation auf kommunaler Ebene sind wichtige Werkzeuge, aber ohne kulturelle Identität sind auch sie ebenso in rechtsnationalem Gewand möglich (man denke nur an „PEGIDA“, die ‚Zeitung‘ „Compact“ oder an die Denkfabriken der Neuen Rechten). Keine Lösung ist es, sich den Positionen der AfD anzunähern (wie es einige schon andeuten), wir sollten uns lieber darüber verständigen, warum wir als Mehrheitsgesellschaft keine identitätsstiftende Alternative zu den homogenen (Neo-) Gemeinschaftsphantasien der AfD und ihrem rechtsnationalen Umfeld haben. Inwiefern ist unser Anspruch zu kultureller Einzigartigkeit und Selbstverwirklichung zielführend? Wie können wir eine neue Form der gesellschaftlichen Solidarität entwerfen? Was bedeutet Gemeinschaft in unserer heutigen Zeit? Eben diese Fragen gilt es anzugehen, deshalb sollten wir uns als demokratische Gesellschaft das Feld des kulturellen Diskurses nicht von unserem Gegner wegnehmen lassen -denn Erfolg hat nur, wer bereit ist, für seine Ideale einzustehen. – Mert Dinçer


Leserbrief zu „Wollt Ihr ewig leben“ von Wilhelm Schmid

Nein, die Vorstellung einer möglichen Verlängerung meiner Lebensspanne ist für mich noch nicht einmal eine Versuchung. Ich bin mit meiner Heimat in der jetzigen Zeit und deren Erlebnismöglichkeiten mit allen Herausforderungen und Schwierigkeiten durchaus zufrieden, obwohl ich unter Leben mehr verstehe, als durch die Bedingungen unseres irdischen Daseins gegeben ist. Soviel zu den Phantasien der „Transhumanisten“. Im Übrigen scheint Wilhelm Schmid (und der Redaktion) der Unterschied zwischen Unendlichkeit und Ewigkeit nicht geläufig zu sein. Unendlichkeit ist die Verlängerung der Zeitlichkeit ins nicht mehr Darstellbare, während mit Ewigkeit die Herauslösung aus den mit Raum und Zeit verbundenen Gegebenheiten, sprich Abhängigkeiten, gemeint ist. Umgangssprachlich wird das Adjektiv „ewig“ zwar oft im Sinne von unendlich gebraucht, bezeichnet aber eigentlich die transzendentale Perspektive des Seins. Na ja, vielleicht begegnen sich Ewigkeit und Unendlichkeit ja irgendwann einmal. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Die Suche nach dem guten Gesetz” von Thomas Fischer

Im Zusatz zur Überschrift des Artikels liest man die Frage “Was steckt dahinter?” Dazu habe ich zwei Vertiefungsfragen: Ist die intendierte Verschlechterung der Verteidigungsrechte ein Zeichen für einen obrigkeitsstaatlich-reaktionären Stimmungsumschwung? Welche Rolle spielt die Überlastung der Gerichte aufgrund fehlenden Personals? – Viktor Rintelen


Leserbrief zu „Bunt und bitterböse“ von Anke Westphal

Das zugehörige Foto zu diesem Bericht über  Suburbicon könnte in der Ausleuchtung,der standardisierten Kücheneinrichtung ein Bild von Edward Hopper sein .Sein Stil ,seine Art hinter die US-Amerikanische Scheinwelt zu schauen.Matt Damon und Julianne Moore passen in dieses trostlose Küchenbild wie von Hopper entworfen.Ist der Film bildmässig total im Hopperstil? Hoffentlich sehen wir das Werk bald in den deutschen Kinos. – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „Macht Schluss damit“ von Anant Agarwala und Anna-Lena Scholz

Der Bundestag hat mit dem Änderungsgesetz zum Wissenschaftsvertragsgesetz vom Dezember 2015 einen weiteren Anlauf genommen, den  prekären Beschäftigungsverhältnissen unter Wissenschaftlern einen Riegel vorzuschieben. Aber auch diese Gesetzesänderung haben die Uni-Professoren nicht umgesetzt, weshalb sie wirkungslos geblieben ist. Einige Universitätsgesetze in den Ländern wollten die Macht der Zentralgewalten (Präsident/Rektor und Dekane) zu Lasten der Allmacht der Professoren stärken und haben einen Hochschulrat etabliert. Aber auch der Hochschulrat konnte an den meisten Universitäten die Erwartungen auf eine wirksame Kontrolle nicht erfüllen. Die Professoren verteidigen ihre Allmacht gegen die Zenralgewalten an den Universitäten mit Zähnen und Klauen. Sie berufen sich hierbei auf den in Art. 5 Abs. 3 Grundgesetz garantierten Schutz von Forschung und Lehre und überdehnen dieses Grundrecht zu ihren Gunsten. Somit herrschen an den Unis weiterhin mittelalterliche Verhältnisse mit Selbstherrlichkeit und Machtmissbrauch der Uni-Professoren. Die Wissenschaftsministerien der Länder nehmen ihre Rechtsaufsichtsbefugnisse – vorsichtig ausgedrückt – nur zurückhaltend wahr und die Dienstaufsicht über die Professoren durch die Landeswissenschaftsminister findet faktisch nicht statt. Eine Änderung in der Praxis ist nur durchsetzbar, wenn die Landespolitiker ihre Aufgaben der Kontrolle der Landesregierung und des Wissenschaftsministeriums ernst nehmen. Dies setzt aber voraus, dass bei der Berufung von Professoren streng nach Art. 33 Abs. 2 Grundgesetz vorgegangen wird und politische Einflussnahmen außen vor bleiben. – Dr. Hermann Nanz


Leserbrief zu „Auf den Leim gegangen” von Sérgio Costa

Die AfD scheint ein endloses Thema zu sein. So ähnlich ist es mit Trump und Erdogàn. Dabei ist die AfD für viele Bürger der rettende Anker für die desolate Politik. Auch Ihr Autor Sergio Costa scheint sich über alles hinwegzusetzen, was für Zustände in unserem Land herrschen, scheint für ihn unbekannt zu sein. Der Bürger hat das alles zu ertragen, sonst gibt es paar auf die Rübe. Terror, Kriminalität, Armut, Vergewaltigungen und Auflösung unserer Kultur sind zu ertragen. Europa, wie wir es kennen, wird im Eiltempo ausradiert. Das alles wird den angeblichen Heilsbringer eines Tages um die Ohren fliegen. Die Dummheit ist zwischenzeitlich auch bei den Intellektuellen angekommen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Der zweite Himmel” von Hanno Rauterberg

Vielen Dank für den Bericht vom Museumsbesuch Hanno Rauterbergs in der Wüste von Abu Dhabi. Jetzt kann ich mir ein ungefähres Bild machen von dem, was die Scheichs dort „in den Satz gesetzt“ haben. Beispielsweise ein Ensemble historischer Frauenfiguren sowohl aus Frankreich als auch aus dem mittleren Osten und aus Afrika mit der Beschriftung: „Was ist das Geheimnis der universellen Liebe einer Mutter zu ihrem Kind?“ Auch heißt es im Text, dass der „neue Louvre die Welt anders sehen, anders zeigen will als im alten Europa üblich.“ Und das alles fast in Sichtweite der Trümmer von Palmyra. Was für mich bleibt, ist der Eindruck von Hybris und Protz, von Perversion und Ekel. – Dieter Rogge


Leserbrief zu „Dieses gefährliche Gewerbe” von Volker Schlöndorff

Ich bin entsetzt über die Auslassungen von Volker Schlöndorff und verstehe nicht, weshalb und wozu sie ihm gestatten, sich derartig selbstgefällig, verharmlosend und verantwortungslos zu äußern. Wo bleibt Ihre Verantwortung als meinungsbildendes Gewerbe? Zum Mindesten hoffe ich also, dass Sie für eine kommende Ausgabe eine kompetente Entgegnung einplanen, die aufzeigt, wo Schlöndorff sich unsachlich und/oder dumm ausgedrückt hat. Ein Mann, der so schreibt, als könnte und müsste man nichts gegen ein bestimmtes Machtgefälle zwischen Mann und Frau tun, darf meiner Ansicht nach kein Forum bekommen. Wenn es den Tweet gäbe, der ihm den entscheidenden Schlag versetzt, um das zu begreifen: ich würde ihn absetzen. Doch solange sogar die Zeitung, das Fernsehen, die Kollegen patriarchale Selbstverherrlichung decken, ist ein Tweet wohl doch nur ein Tweet und ein großer Artikel ein großer Artikel. Helfen Sie bitte mit, dieses Machtgefälle zu korrigieren! – Petra Schmidtkunz


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Vorweg, Vergewaltigungen dienen nicht der Ablenkung von schweren Straftaten, sondern repräsentieren dieselben. Das als Bagatelle abzuwerten, ist ein Akt größter Respektlosigkeit und eine grobe Missachtung der Frauenwelt. Wenn man aber Minimaldelikte wie harmlose Berührungen im Gespräch oder leichtfertige Verbalismen als grobe Verfehlung in der Sexismusdebatte brandmarkt, gleitet die Diskussion über ein durchaus ernstes Thema in die Niederungen der Lächerlichkeit ab. – Martin Behrens


Leserbrief zu „Die Gier des Apothekers“ von Marcus Bensmann et al.

Als Mensch, Apotheker und Mitarbeiter einer der Firmen, deren Medikamente missbräuchlich gestreckt wurde, stehe ich fassungslos und bestürzt vor diesem Fall. Sollten sich die erdrückenden Vorwürfe bewahrheiten, muss dies auf persönlichen, behördlichen, standes- und arzneirechtlichen Ebenen Konsequenzen haben. Der „Kollege“ sollte nie wieder als solcher tätig werden dürfen. Das Standesrecht muss Ärzte und Apotheker stärker dazu verpflichten, wirtschaftliche Abhängigkeiten und Konflikte offenzulegen. Schließlich müssen Lücken in der behördlichen Aufsicht u.a. der Zytostatikaherstellung geschlossen werden. In der Geschichte bedurfte es leider immer wieder eines Skandals, bevor Erkenntnis zu Verbesserungen der Standards und des Patientenwohls zwang, siehe Contergan. Den Hinterbliebenen mein aufrichtiges Mitgefühl.  – Dr. Sebastian Fuchs


Leserbrief zu „Er muss nicht zum Metzger. Er macht die Wurst” von Christian Gesellmann

Aber nach welchen Kriterien werden in der Humanmedizin die Fremdsamenspender, etwa  nach Alter, Sportliche Aktivität, Attraktivität, Beruf, IQ-Wert, oder  rein nach dem Zufallsprinzip, oder doch aus Kostengründen (Aufwand multipler Qualitätskontrollen der Samenflüssigkeit)  ausschließlich nach der Hodengröße (bzw. des Samenvolumens) rekrutiert und selektioniert? Als Spender-Kandidaten präsentieren sie sich ja  selbst, und garantieren.damit eine steigende sexuelle Aktivität so gezeugter Generationen (Vererbung des hohen Testosteronwertes). Gewünscht? – Wolf Stühlinger


Leserbrief zu „»Du bist nicht sicher im Haus des Herrn!«“ von Jan Philipp Burgard et al.

Anscheinend geht doch die Sorgfalt beim Redigieren eines Artikels ein bisschen verloren, wenn mehrere Autoren beteiligt sind. Hinterher fühlt sich im Team (Toll, Ein Anderer Macht’ts  😉 ) wohl keiner mehr zuständig, die im Text erwähnten Fakten nochmal zu überprüfen: 1. Der Baptist Richard Land sei Befürworter des zweiten Golfkriegs von George W. Bush gewesen. Wenn damit der Krieg zur Befreiung Kuwaits gemeint war, den haben die USA aber unter George Bush senior geführt! 2. Ich hab mich schon gefragt, ob Barack Obama schon nach der Jahrtausendwende im Jahr 2002 Präsident wurde, aber der Amoklauf an der Sandy Hook Grundschule ereignete sich erst 2012! – Hans-Günter Meyer


Leserbrief zu „Die Gier des Apothekers“ von Marcus Bensmann et al.

Verantwortlich für das Verbrechen der Herstellung von wirkungslosen Krebsmittel-Infusionslösungen in dieser Apotheke sind teilweise auch die fehlende Kontrolle der Aufsichtsbehörden und überholte  gesetzlichen Rahmenbedingungen. Letztere verhindern eine  vollständige  Versorgung der Krebspatienten auch außerhalb der Krankenhäuser durch naheliegende Klinikapotheken. Dort arbeiten  angestellte Pharmazeuten der Klink korrekt zum Wohl der Patienten  – Klaus Schmidt


Leserbrief zu „Böse, böser, Glyphosat“ von Kolja Rudzio

Die Debatte um die Zulassung des Pestizids Glyphosat ist in der entscheidenden Phase. Daher haben wir den „Wahrheitscheck“ der Zeit-Wirtschaftsredaktion freudig erwartet und wurden bitter enttäuscht. Ein Check sollte gründlich zwischen Fakten und Meinung trennen – sonst kann er nicht zur objektiven Meinungsbildung beitragen. Das leistet er leider nicht. Wer ein Gutachten zum Vorwurf eines Plagiats verfasst, wird sich dabei natürlich auf die Kapitel konzentrieren, in denen ohne eindeutige Kennzeichnung zitiert wird und nicht auf die Kapitel, in denen die Quellen sachgerecht kenntlich gemacht wurden. Genau das haben Dr. Weber und Global 2000 in großer Detailtiefe getan – und dabei erhebliche Verstöße gegen Standards des wissenschaftlichen Arbeitens festgestellt.

Von daher bleibt Campact dabei, dass man bei dem Gutachten des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) von „bewusster Verschleierung“ sprechen kann.
Ein zentraler Vorwurf des Zeit-Artikels lautet: Das BfR habe darauf hingewiesen, eigene Bewertungen der Forschungslage in kursiv zu kennzeichnen. Das ist richtig – und zugleich höchst problematisch. Zum einen hat es diese Praxis nicht konsequent durchgehalten. Ohne den Vergleich mit dem Zulassungsantrag für das Pestizid ist es kaum nachzuvollziehen, was tatsächlich vom BfR und was von Monsanto stammt. Das BfR sollte prüfen, ob gesundheitliche Gefahren der Wiederzulassung von Glyphosat entgegenstehen. Entsprechend wirkt es seltsam, wenn dabei seitenweise aus Industrie-Quellen zitiert wird – gerade an den Stellen, wo Studien betrachtet werden, die ja die Angaben der Industrie unabhängig bewerten. Mit anderen Worten: Monsanto darf selbst beurteilen, ob Studien, deren Ergebnisse Monsanto nicht gefallen, als glaubwürdig betrachtet werden. Für eine Gefahrenbewertung ist das eine Bankrotterklärung.

Weiter im Text heißt es: “In der Kampagne von Campact und in vielen Medienberichten erscheint es so, als ob die Deutschen mit ihrer Sicht der Krebsgefahr isoliert dastünden”. Es fehlt die genaue Quelle. Aber die Erscheinung, dass die Deutschen in der Angst vor der Krebs-Gefahr isoliert seien, hat der Autor alleine. Belgien, Italien, Österreich, Frankreich sind gegen eine weitere langjährige Zulassung. Über eine Million Bürgerinnen und Bürger aus ganz Europa haben sich für ein Verbot ausgesprochen, weil die Krebs-Gefahr auch jenseits deutscher Grenzen Angst macht. Auch die Bundesregierung sollte sich in der EU nicht weiter enthalten. Ein Nein zu Glyphosat wäre angemessener. Genau so angemessen wie ein sachliches Fazit des Wahrheitschecks, das auf Polemisches wie „völlig kritiklos“ und „heimlich“ zugunsten einer fundierten Schlussfolgerung verzichtet. Schade um den “Wahrheitscheck”. – Felix Kolb


Leserbrief zu „Die Gier des Apothekers“ von Marcus Bensmann et al.

Das unmöglich scheinende Verbrechen ist Realität. Ich frage, warum ist die Apotheke nicht gänzlich geschlossen worden? Die Eltern machen weiter, ist dieses so einfach möglich? Dieser Akt stinkt gewaltig. Das Vertrauen in den Apotheker leidet sehr darunter. – Walter Ferner


Leserbrief zu „Die Gier des Apothekers“ von Marcus Bensmann et al.

Wir fragen uns, ob auch Material aus Bottrop nach Baden Württemberg geliefert wurde. Eine Andeutung findet sich im Artikel. Können Sie Adressaten nennen – eine Praxis, ein Krankenhaus in BW?  Wir würden gerne berichten… – Martin Besinger


Leserbrief zu „Böse, böser, Glyphosat“ von Kolja Rudzio

Bei über 250 Kommentaren online schreibe ich lieber kurz direkt. Vielen Dank für den Artikel – allerdings täuscht die Überschrift über den Inhalt, was kein guter Journalismus ist. Sie stellt eine Behauptung dar, die im Artikel ja gerade nicht bestätigt wird. Insofern wäre mindestens ein Fragezeichen am Ende angebracht. Besser wäre aber eine Überschrift, die nicht so ein „mainstream-feeling“ wiedergibt. Die verdienstvolle Reihe „Fakt oder Fake“ sollte schon in der Überschrift deutlich machen, dass hier z.B. die Gegner von Glyphosat nicht einfach in ihrem Glauben bestätigt werden. Wenn selbst ein Gutachter offensichtlich zu faul – oder nicht in der Lage, oder zu schlecht bezahlt – war, um über 4.500 Seiten zu lesen, dann kann man sich vorstellen, dass die meisten Menschen sich einfach das herauspicken, was ihrer eigenen Meinung ohnehin schon entspricht. Ich freue mich jedenfalls, dass Sie das Thema aufgegriffen und etwas genauer beleuchtet haben. Wünschenswert wäre, dass öfter mal – gerne auch auf prominenter Seite – Behauptungen über angeblich glasklare wissenschaftliche Erkenntnisse in Frage gestellt werden. Die Zusammenhänge in der Natur sind so komplex, dass die Vereinfacher leichtes Spiel haben. – Babina von der Heydt


Leserbrief zu „Die Gier des Apothekers“ von Marcus Bensmann et al.

Einem mutigen Mann mit Gewissen und der vierten Gewalt ist es zu verdanken, dass ein weiterer Pharmaskandal die Republik erschüttert. Exekutive, Legislative und Jurisdiktion versagen nicht erst seit dem Contergan-Verbrechen darin, die Arzneimittelbranche wirksam davon abzuhalten, immer wieder ihre eigenen Kunden zu Tode zu betrügen. So erscheint der Pharmakomplex wenn nicht als organisiertes, so doch als legalisiertes Verbrechen. Nun soll eine der drei Gewalten für Gerechtigkeit sorgen im Fall der von der Alten Apotheke in Bottrop ausgegangenen Massentötungen und den skrupellosen Sensenmann Peter S. des Betrugs an den Krankenkassen anklagen. Ist das naiv, zynisch oder ein staatlicher Aufruf zur Selbstjustiz? – Andreas Goletz-de Ruffray


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Adam Soboczynski gelingt mit unverstelltem Blick und feinem Gefühl, die inzwischen zweifellos überaus notwendige Relativierung verschiedener Ebenen innerhalb des Themas Sexismus in Worte zu fassen, ohne es zu entwerten. Und genau das ist es, was diese Debatte jetzt braucht, damit sie zielführend im Sinne einer seriösen Hilfe für die Opfer von sexueller Gewalt geführt werden und als Anstoß zu mehr Sensibilisierung und Prävention dienen kann. Denn nichts verfälscht gesellschaftliche Definitionen, Normen und Beziehungsverhältnisse mehr und macht sie diffuser als unwidersprochen eskalierende Effekthascherei und gekünstelte Hysterie.  – Ira Bartsch


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Herr Soboczyinski beklagt die Gleichsetzung von dummer Anmache mit Vergewaltigung und die daraus resultierende Kriminalisierung harmloser sprücheklopfender Individuen und im Gegenschluss die Verharmlosung von Vergewaltigern. Wenn es dauerhaft vermehrt Taschendiebstähle gibt, kommt niemand auf die Idee zu suggerieren, Betroffene sollen sich nicht aufregen, es handle sich ja schließlich nicht um einen brutalen Raubüberfall. Ungewollte, dumme Anmache und Vergewaltigung sind unterschiedliche Ausprägungen des gleichen Phänomens: Sexismus. Darüber hinaus wissen betroffene Frauen nicht, ob es bei der dummen Anmache bleibt. Und das wieder und wieder und wieder.

Sicher gibt es auch den einen oder anderen Mann, der schon mal von einer Frau sexuell belästigt wurde. Ich kenne jedoch keine einzige Frau, die noch nie sexuell belästigt wurde, egal in welchen Ausprägungen. Warum lassen Eltern ihren Teenagersohn in der Geend herumtrampen, der Tochter verbeiten sie es? Warum ziehen mehr Männer alleine los (sei es in die Eckkneipe, Oper oder auf Reisen) als Frauen? Warum bekommen Frauen immer noch nicht ausreichend glecihwertige Jobs wie Männer und wenn doch, dann schlechter bezahlt? Und so weiter. Es ist höchste Zeit strukturellen Sexismus und sexistische Systeme zu bekämpfen. Dazu gehört auch, wenn man schon zum Thema schreibt, aufzuhören ‚to fix the women‘ indem man ihnen sagt, sie sollen nicht jammern. – Julia Rohe


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Selten soviel Mist gelesen über eine sogenannte Fernbeziehung. Ich lese gern die Zeit, aber es wird Zeit, dass das aufhört . Manche Bilder waren ja ganz nett. Aber die Texte. Oha. Peinlich eher, denn wichtig für die Zeit. Eher schrecklich, weil schöner Platz auch anders genutzt werden könnte. – Eva Maria Horstick


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Normalerweise schreibe ich keine Leserbriefe. Ich dachte bisher, dass meine Stimme im aktuellen Diskurs nichts Neues beitragen kann und sowieso schon viel zu viele Leute ihre mehr oder minder qualifizierte Meinung beisteuern, besonders schön zu beobachten in der Kommentar-Spalte der ZEIT bei Menschen, die vielleicht besser nochmal darüber nachgedacht hätten, was sie da in die Welt setzen. Diese Art von Gedankenarbeit, darüber nachzudenken, was man schreibt, erwarte ich allerdings schon von einem Leitartikler in der Print-Ausgabe der ZEIT. Auch bei der Vergabe der Beiträge zu einem bestimmten Thema und zu einem bestimmten Zeitpunkt wünsche ich mir Differenziertheit und Fingerspitzengefühl und Fairness. Und wurde  in beidem letzte Woche zutiefst enttäuscht von der ZEIT.

Aufmerksam wurde ich auf den betreffenden Artikel durch folgenden Satz im  wöchentlichen Newsletter am 9.11.17 von Herrn di Lorenzo: „In der überhitzten Debatte über alltäglichen Sexismus drohen die Grenzen zwischen Verbrechen und Geschmacklosigkeiten zu verschwimmen, warnt unser Feuilleton-Chef Adam Soboczynski in einem streitbaren Leitartikel.“

Aufgefallen oder besser aufgestoßen ist mir schon vor der Lektüre des Artikels die Wortwahl: Auf der einen Seite das „überhitzt“, das für mich gefährlich nach „hysterisch“ klingt, und auf der anderen Seite „streitbar“ = anfechtbar, bewusst provozierend, aber seriös. Der Artikel selbst hat nun genau die oben beschriebene These länger ausgeführt (auch die Wörter „überhitzt“ und „Verharmlosungen“ fielen wieder). Grundthese: „Wer unter #MeToo Vergewaltigungsfälle dazu nutzt, kleine Alltagsrechnungen zu begleichen, verharmlost schwere Straftaten.“

Für mich stellen sich nach der Lektüre mehrere Fragen:

  1. Wen „warnt“ Herr Soboczynski denn eigentlich? Die Medien? Die Frauen? Ich gehe später mal auf die Frauen ein.
  2. Was genau definiert Herr Soboczynski pauschal als „kleine Alltagsrechnungen“ und „Geschmacklosigkeiten“?
  3. Ist die Vergewaltigung ein Verbrechen, aber alles, was darunter fällt, nicht diskussionswürdig und lenkt diese Fälle wirklich vom eigentlichen Thema ab? Was ist überhaupt das Thema?

Ein paar Gedanken dazu:

  1. Ich kann nur für die Frauen sprechen. Keine Frau, die ich kenne, verwechselt eine Vergewaltigung mit einer Belästigung. Der #metoo Hashtag bzw. der erste Tweet dazu enthielt die Aufforderung, über „assault“ UND „harrassment“ zu schreiben, grob übersetzt: „sexueller Missbrauch/Vergewaltigung“ und „sexuelle Belästigung“.
  2. Der metoo-Hashtag hat viele Frauen, die jahrzehntelang geschwiegen haben, dazu bewogen, sich öffentlich zu ihrer Vergewaltigung zu äußern. Offenbar haben der Hashtag und die Vermischung der beiden Vorfälle nicht dazu geführt, sie davon abzuhalten, von ihrer Vergewaltigung zu berichten. Im Gegenteil. Neuestes Beispiel zu diesem Phänomen: Die inzwischen über 2.000 anlaufenden anonymen Botschaften an den Buzz-Feed-Editor Yashar Ali, der versprochen hat, alle Beiträge nach und nach auf Twitter zu posten. Nach dem 40. Beitrag konnte ich nicht mehr weiterlesen, empfehle diese Lektüre aber jedem.
  3. Wir müssen offenbar immer noch und immer wieder darüber reden und aufklären, was sexuelle Belästigung ist, was alltäglicher Sexismus ist. Und dazu sind der metoo Hashtag und die ganze Debatte darüber enorm wichtig.

DAS war doch der Augenöffner der letzten Woche: wie viele Frauen (sprich: JEDE) schon irgendwann mal in ihrem Leben belästigt wurde. Der springende Punkt dabei ist: es ist so normal, dass wir gar nicht mehr darüber reden! Außerdem entdecke ich in mir und anderen Frauen die Tendenz, bewusst oder unbewusst,  den betreffenden Mann in Schutz zu nehmen und die Frau (mich selbst) zu beschuldigen. Stichworte wie „Hexenjagd“ und „Hysterie“ hauen in genau die gleiche Kerbe und zielen auf Mundtotmachen.

Ich habe in meinem Leben (ich bin 43) zwei Frauen kennengelernt, die vergewaltigt wurden und mir davon erzählten (Dunkelziffer unbekannt) und erinnere mich daran, dass ein Mann mir Anfang zwanzig von einem anderen Mann erzählte, der vergewaltigt worden sei (bizarrerweise als „Witz“ in einer Kennenlernsituation). Ich kenne einen Mann, der fälschlicherweise in seinem Job bezichtigt worden ist, jemanden sexuell belästigt zu haben (er hatte eine besch*** Zeit und hat seinen Job behalten).

JEDE Frau, mit der ich in den letzten Wochen gesprochen habe hat etwas zu sexueller Belästigung erzählen können. JEDE. (Ich gehe hier mal nicht auf eine von vielen, unzähligen hanebüchenen Vorstellungen ein, dass nur übermäßig „attraktive“ Frauen davon betroffen seien.)

Was mir dazu auffiel war, wie früh es anfängt und wie schnell wir es verdrängen – und nicht mehr darüber reden. Als ich in die Tiefen meiner Erinnerungen herabstieg sind mir vier Vorfälle eingefallen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren, die definitiv übergriffig waren (die Männer waren alle jenseits der 30).  Bei allen vier Fällen war ich ziemlich verwirrt und habe mir teilweise selbst die Schuld gegeben. Eine Bekannte erzählte, welche Vorfälle ihr ab dem 11. Lebensjahr passierten. Wir sind beide sehr behütet aufgewachsen.

Daneben fiel mir auf, wie Männer –  Freunde, Verwandte, Partner –  aus allen Wolken fallen, wenn man von eigenen Erlebnissen erzählt (eingeleitet von Fragen der Männer wie: „Aber dir ist noch nie was passiert, oder?“). Das ist für mich der zweite springende Punkt. Vielleicht war sich Herr Soboczynski ähnlich nicht bewusst, was uns (Frauen, und manchen Männern) alles passiert, was nicht als Vergewaltigung zu werten ist. Umso wichtiger finde ich es aber, dass wir genau darüber weiter reden.

Die Gefahr ist nicht, dass irgendjemand  Vergewaltigung mit einer sexuellen Belästigung gleichstellt (oder schlimmer, wie unterstellt: missbraucht, um „kleine Alltagsrechnungen“  zu begleichen), die Gefahr ist, dass wir die zweite nicht ernst nehmen, dass wir nicht darüber reden, dass wir sie totschweigen.

Nichts ist doch jetzt wichtiger, als dass, fernab von Talkshows und politischen Agenden, Frauen mit Frauen, Frauen mit Männern darüber reden können, sich ermutigt und ernst genommen fühlen, wie es ist, spätestens ab dem Teenageralter mit unerwünschten Anmachen umgehen zu müssen. Frauen reden normalerweise nicht mit Männern darüber, weil es a) so „normal“ ist und b) sie nicht das Gefühl haben, Männer hören sich solche Geschichten gerne an (klar, wir erzählen auch nicht gerne davon) und c) schließlich will man ja kein „zartes Pflänzchen“ sein (mehr dazu unten)

4.1. Es geht um Macht. Um Machtgefälle. Große Altersunterschiede, ein Arbeits- oder sonstiges Abhängigkeitsverhältnis. Nicht auszuschließen, dass, wenn wir in einem Matriarchat lebten, es eine umgekehrte Überzahl an Frauen gäbe, die Männer sexuell belästigten, momentan sieht es aber nicht so aus. Warum braucht es denn überhaupt eine Vielzahl an Frauen, die sich zusammentun müssen, um einen Vergewaltiger zu Fall zu bringen (Harvey Weinstein läuft ja immer noch frei herum, aber das nur nebenbei – Verbrechen bringen offenbar nicht hinter Gitter.) Könnte es ganz vielleicht damit zu tun haben, dass man einer Frau allein immer noch nicht glaubt??

Dazu fällt mir noch die Geschichte ein, die mir eine andere Frau erzählte: Der Sportlehrer, der immer ohne Grund in die Umkleidekabine der Mädchen kam (7. ,8. Klasse); ihre Klasse war nicht die erste, die sich über ihn beschwerte bei der Schulleitung. Der Lehrer wurde ganz normal pensioniert, die Begründung war glaube ich „der ist schon so lange dabei“. Auch kein „Verbrechen“ – aber in Ordnung? Eine Geschmacklosigkeit ohne Konsequenzen? Wie haben sich die Mädchen gefühlt, was haben sie daraus gelernt, als sie von der Schulleitung zu hören bekamen: „Ach, ihr seid nicht die ersten, die sich beschweren, aber der ist schon so lange im Amt…“?

Schönes Beispiel aus der Arbeitswelt: Ein Mitarbeiter (in Chefposition), der vor Augen der weiblichen Kolleginnen und Angestellten Pornos angeschaut und gerne danach auf die Toilette gestürzt ist (*yuck*). Es hat Jahre gedauert, JAHRE und mehrere Beschwerden bei der Personalabteilung, bis dieser Mensch weg war. (Andere Mitarbeiter werden im Handumdrehen freigestellt und verschwinden von heute auf morgen.) Ein Verbrechen? Eine Geschmacklosigkeit? Ein Schlag ins Gesicht für die Kollegen und ganz besonders die Angestellten im Abhängigkeitsverhältnis?

4.2. Wenn ich Kommentare zu dem Artikel von Herrn Soboczynski lese, in denen steht: „Ich werde in der Disko auch von Frauen angemacht“, greife ich mir einigermaßen verzweifelt ans Hirn. Kann es wirklich sein, dass viele Männer nicht verstehen, was der Unterschied zwischen einem Flirt und einer Belästigung ist?

Zur Sicherheit hier noch einmal eine schöne griffige Definition aus einem Tweet vom 12.11.17 von Louise Brealey: „If you’re a man and you’re worried about the line between flirting and harassment, here’s a rough rule of thumb, chaps. You can’t flirt *at* someone. It’s a *with* thing. If they’re not doing it back, stop. If you’re not sure if they’re doing it back, stop too. Ask yourself, ‘Who has the power here?’ If it’s you – if you’re a boss or you’re in authority, or you’re just stronger and bigger than they are and you’re alone, just don’t abuse your position.”

Nun hat diese Bemerkung oben nicht Herr Soboczynski geschrieben, und ich mag ihm Unrecht tun, aber zu behaupten, wir bräuchten den Heiligen Geist, um eine Gesellschaft so zu verändern, dass sich Frauen nicht beschweren (ich übersetze frei), geht in die gleiche Richtung. Ich weiß in der Arbeitswelt sehr wohl ein Kompliment über mein Aussehen einzuordnen und verstehe es nicht gleich als schmierige Anmache – siehe: Kontext.

4.3. Das Argument von Herrn Soboczynski, wie peinlich es sei, dass sich jetzt Männer aus Mediengeilheit mit reuigen Statements oder Selbstvorwürfen outen würden. Zum einen: Ja, da gebe ich ihm recht, diese Statements von den betreffenden Männern (siehe Matt Damon: „Als Vater zweier Töchter…“, hier wohl auch aus Machtkalkül) könnten sich viele gerade sparen.

In dem Absatz steckte ja noch eine Charakterisierung der Frauen (von heute) an sich, die keine zarten Pflänzchen seien, so, wie sie schon seit dem 19. Jahrhundert durch das Patriarchat mit Vorliebe dargestellt würden. Ist doch eigentlich ein verstecktes Kompliment von Herrn Soboczynski, oder? Eine Aufforderung vielleicht?

Dazu wäre Folgendes zu entgegnen. Natürlich wäre es schön, wenn Frauen so „empowered“ wären, dass „dumme Sprüche“, „dumme Anmachen“, „dumme Witze“ und, und, und, und, und an ihnen abprallen würden. (Wobei das einigen Männern gaaar nicht passen würde). Aber dann läge der Fokus wieder mal auf den Frauen: Ihr müsst euch ändern, lasst es an euch abprallen, lacht darüber, wehrt euch, aber um Himmels willen seid nicht so empfindlich.  Nach dieser Logik liegt die Schuld nicht (nur) beim pöbelnden Mann, sondern auch bei der Frau, die das nicht an sich abprallen lassen kann oder möchte, also vielleicht sogar, Schreck lass nach, ein „zartes Pflänzchen“ ist.

Man darf a) wieder auf das Machtgefälle verweisen und b) auf die Erziehungsfrage: wie wir kleine Mädchen kleiden, worauf wir sie konditionieren, wie wir sie bezeichnen, für was für sie loben oder tadeln, was für Vorbilder sie haben oder gespiegelt bekommen in den Medien, dass wir ihnen Dinge beibringen, wie z.B.: Mädchen sind schlechter als Jungs.  Mädchen werden in der Regel NICHT dazu erzogen, nichts auf die Meinung von Männern zu geben, sich zu verteidigen, ein höheres Gehalt zu verhandeln oder eine blöde Anmache mit einem Kung-Fu-Schlag abzuwehren. (Hier sei ein Querverweis auf die wundervolle BBC Two-Serie erlaubt: „No More Boys and Girls: Can Our Kids Go Gender Free?”) Und dürfen wir an dieser Stelle auch mal vorsichtig fragen, wie wir unsere Söhne erziehen?

Drittens möchte ich hier nochmal den „zarten Pflänzchen“ meine Solidarität aussprechen. Herr Soboczynski. mag eine sog. „dumme Anmache“ als „Geschmacklosigkeit“ werten, es schlimm finden, wenn schon der Kommentar über ein Aussehen auf der Arbeit in Verdacht gerät, mit Verlaub, er steckt nicht in der Haut der jungen neuen Praktikantin, die sich eine „Geschmacklosigkeit“ von ihrem neuen Chef anhören muss.

Dieser Punkt hat mich besonders wütend gemacht. Wieso glaubt Herr Soboczynski, er könne in Bausch und Bogen „schwere Straftaten“ (Vergewaltigung) gegen all die anderen Übergriffe, Unverschämtheiten, Erniedrigungen, dummen Witze, Sprüche und Demütigungen ausspielen? Das eine als diskussionswürdig und das andere als nicht-diskussionswürdig, als überhitzt, darstellen? Und sogar noch unterstellen, die Metoo-Hashtag-NutzerInnen (es sind meistens Frauen, auch der ein oder andere Mann ist dabei und die üblichen Trolle) würden diesen Hashtag missbrauchen, um „kleine Alltagsrechnungen“ zu begleichen? (Dass wir NATÜRLICH auch über Vergewaltigungen reden müssen, goes without saying!!) Nur weil Herr Soboczynski selbst offenbar nicht begreift, wie virulent, schädlich und giftig „Geschmacklosigkeiten“ sein können und dass es eine sehr, SEHR große Spannweite zwischen „schweren Straftaten“ und „Geschmacklosigkeiten“ gibt, und dass wir auch über diese endlich reden müssen!

Das Problem liegt nicht darin, dass wir gerade über beides reden, sondern dass so viele (Männer) nicht bereit sind, sich mit letzterem und ihrem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen und deshalb die Debatte an sich beenden wollen und DAHER das Kind mit dem Bade ausschütten! Leugnen als Lebensphilosophie. Das Problem liegt bei Männern, die nicht begreifen, was der Unterschied zwischen Belästigung und Flirt ist, NICHT bei Frauen, die von Belästigungen berichten und die „Debatte vermischen“.

Herr Soboczynskis Argument ist nun leider auch bei vielen anderen Männern (und manchen Frauen) zu finden und schadet der Diskussion.

Und mich enttäuscht, macht traurig und wütend, dass die ZEIT-Redaktion, die so viele großartige, weitsichtige, differenzierte Beiträge (gerade in der Online-Version!) zu dem Thema hatte, nicht erkannt hat, wie oberflächlich, verletzend,  unzeitgemäß, dumm und schädlich so ein Beitrag in der Debatte ist. Und gerade DIESEN Artikel  auf die Titelseite der Print-Ausgabe gesetzt hat.

Wo war der Leitartikel mit einer Gegenmeinung (gar von einer Frau?!), wo der Gegenbeitrag zu dem Dustin-Hoffmann-Artikel, z.B. der Dreyfuss-Fall, in dem der Betroffene genau beschrieben hat, wie sexuelle Belästigung vor den Augen des Vaters stattfinden konnte, ohne dass der Vater es bemerkte? Wie kann es sein, dass wir jetzt, wo es um Frauen geht und ihre Situation, einen Mann auf diese Art so prominent und einseitig zu Wort kommen lassen und auf der Titelseite ein Forum geben?

Bei allem Verständnis für Männer, die sich ärgern oder Sorgen machen, dass sie mit anderen in einen Topf geworfen werden oder fälschlicherweise verdächtigt werden oder gar zu Rechenschaft gezogen werden  – die beste Verteidigung (ohne Garantie, man kann immer noch fälschlich angeschwärzt werden, und ja, life sucks, fragen sie mal die Frauen, die vergewaltigt werden und was die durchleiden müssen, wenn sie damit an die Öffentlichkeit gehen) ist anständiges Verhalten Frauen gegenüber und Einschreiten bei Übergriffen durch andere Männer, Freunde, Verwandte, Chefs, gegenüber Frauen. Und zwar schon bei den „Sprücheklopfern“. Natürlich gibt es Männer, die fälschlicherweise von Frauen bezichtigt werden (siehe oben) – aber das ist gerade jetzt NICHT das Thema: mal rein statistisch gesprochen! Umgekehrt wird viel zu vielen Frauen nicht geglaubt, werden sie abgetan, die Abwertungen,  die wir spätestens ab dem Teenager-Alter in der Schule zu hören bekommen, verfolgen uns noch die nächsten Jahrzehnte. Highschool hat nie aufgehört.

Ich befürchte sehr, dass viele Print-Leser sich nach dem Artikel von Herrn S. zurücklehnen und sagen: Genau, lass uns doch nicht mehr so überhitzt darüber reden (die „Hyper-Feministinnen“ kämen wieder zu Wort, auch ein Kommentar zum Artikel…), eine Hand auf dem Knie sei ja keine Vergewaltigung  und damit gehöre diese ganze aufgeregte Diskussion über Alltagssexismus beendet. Und im Übrigen (tatsächlich das Argument einer Frau in den Kommentaren zu dem Artikel) habe das doch jede Frau schon mal erlebt, was soll denn das Gejammere und Aufgerege, die Gesellschaft sei nun mal ungerecht…

Die Krönung: Mit dieser Meinung kann man sich sogar noch als besonnener Retter der Diskussion darstellen, als aufrechter Ritter im Dienst der vergewaltigten Frauen, der unerschrocken den überhitzten Gemüter der hysterisch und humorlos ihr-Leid-Klagenden die Stirn bietet. Mag sein, dass ich eine unverbesserliche Idealistin bin, aber ich erwarte mehr von unserer Gesellschaft: Von Männern, von Frauen, und von der ZEIT. In der Hoffnung, bald einen wunderbaren Print-Leitartikel von einer Chefredakteurin zu diesem Thema in der ZEIT zu erblicken. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „»Niemand hatte mich vorbereitet«“ von Moritz Müller-Wirth

Das Gespräch ist für Fußballfans wahrscheinlich ganz interessant, aber über die Überschrift „Niemand hat mich vorbereitet“ in Verbindung mit der Unterüberschrift „Vor vier Jahren sprach Thomas Hitzlsperger in der ZEIT zum ersten Mal öffentlich über seine Homosexualität. Wie ist es ihm seither ergangen?“ habe ich mich geärgert, denn sie ist meines Erachtens irreführend. Ich hatte aufgrund der Überschrift in Verbindung mit der Unterüberschrift erwartet, dass in dem Gespräch vor allem über unvorhergesehene negative Konsequenzen des öffentlichen Coming-outs gesprochen worden wäre (die glücklicherweise weitgehend ausgeblieben sind). Stattdessen bezieht sich die Überschrift, wie (erst) die Lektüre des Textes offenbart, auf den unvorbereiteten Übergang von der Tätigkeit als Profi-Fußballer zu anderen Tätigkeiten. Das ist nicht fair! – Ulrich Willmes


Leserbrief zu „Stolz ?“ von Bernd Ulrich

Es lohnt sich immer, die Artikel von Bernd Ulrich zu lesen. Und dieser war atemberaubend gut. Scharf analysiert, witzig formuliert und gerecht. Bernd Ulrich ist einer der Garanten für die zuverlässig hohe journalistische Qualität der ZEIT. Ich hoffe, er wird für seine Arbeit fürstlich entlohnt. – Paul Sigloch


Leserbrief zu “Zurück ins Land der Täter” von Gerhard Paul

Vielen Dank für den obigen Artikel, den ich gern gelesen habe, der aber im vorletzten Absatz nicht den Ereignissen entspricht. Anfang November 1947 wurden 2342 Passagiere der Exodus, die im Lager Pöppendorf wegen der Kälte und Nässe nicht länger leben konnten, von der britischen Besatzungsmacht nach Emden transportiert und in der Kaserne interniert. Erst im August 1948 ist das Lager aufgelöst worden. Inzwischen waren 36 Kinder geboren worden. Die weiteren Passagiere wurden nach Sengwarden bei Wilhelmshaven gebracht. Der zweitletzte Absatz entspricht also nicht den tatsächlichen belegbaren Ereignissen. Leider kann ich den Artikel wegen seiner Größe nicht einscannen und bitte darum, mir diesen als pdf zur Verfügung zu stellen, damit ich ihn nach Israel weiterleiten kann. Ich habe im September 2017 in Haifa an einer Gedenkveranstaltung teilgenommen und noch Überlebende, die in den Lagern in Emden und Sengwarden gelebt haben, sprechen können. Die Stadt Emden hat aufgrund meiner Recherchen an der Emder Kaserne in Anwesenheit von Überlebenden aus Israel eine Gedenktafel installiert. – Gesine Janssen


Leserbrief zu „Dieses gefährliche Gewerbe” von Volker Schlöndorff

Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung muss benannt und bestraft werden. Aber einen Klapps auf den Hintern vor versammelter Mannschaft, der von der betreffenden Dame erwidert wurde, nach 30 Jahren als sexuelle Belästigung anzuprangern, halte ich für äußerst fragwürdig. Behaltet mal die Nerven, Mädels !! Was für eine langweilige, traurige Welt, in der es kein Mann mehr wagt, einen Witz zu erzählen oder gar einer Frau hinterher zu pfeifen.:-) – Gaby Steininger


Leserbrief zu „Wochenmarkt“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

Im ZEIT-Magazin suche ich meist als Erstes Ihre Wochenmarktseite. Sie ist schön und übersichtlich durch die klare Teilung in Foto mit Angabe der Zutaten und den Text im unteren Teil, besonders wenn die linke Spalte die (essayistische) Einleitung und nur die rechte das Rezept enthält. Bei den Fleischbällchen (Polpette di Pollo) im Z-m vom 9. November 2017 bin ich etwas ratlos. Es ist ja nicht anzunehmen, dass Hühnerschenkel und -flügel mit Knochen durch den Fleischwolf gedreht werden. Haben Sie wirklich einen Metzger, der nicht nur die Keulen entbeint, sondern auch das Fleisch der Flügelchen abfieselt? Kann ich mir nicht vorstellen. Oder Ihr Wohn- und Einkaufsort liegt im Metzgerparadies. Vielleicht sollte man z.B. Hühnerbrüste nehmen. Meine Frau sagt, es gebe auch Hühnerhackfleisch zu kaufen. – Udo Borck


Leserbrief zu „Über Toastbrot und Wutausbrüche“ von Harald Martenstein

Hier in Südniedersachsen war und ist es immer noch üblich, dass man zur Bratwurst an der Würstchenbude eine diagonal halbierte ungetoastete Toastbrotscheibe bekommt. So geschehen am 12. November 17 beim Wurstmarkt in Duderstadt.  – Elfriede Hemesath-Dähn


Leserbrief zu „Zurück in Bautzen“ von Dmitrij Kapitelman

In Bautzen hatte ich Verwandte wohnen. Die Mutter meiner Mutter wohnte dort. Eine Cousine und ein Onkel (Bruder meiner Mutter) auch. Alles nette Leute – ich erinnere mich sehr gern daran. Bei der heutigen Gesellschaft, zu der wahrscheinlich Ihr Autor auch gehört, fällt es einen verdammt schwer, nett zu den Mitmenschen zu sein. Das würde meiner Verwandtschaft nicht anders ergehen.  Die Gutmenschen, die Sie einmal waren sind nicht mit den heutigen „Gutmenschen“ zu vergleichen. Die sind nämlich zur Plage für viele Menschen geworden. Das Gegenteil also von „Gut“. Sie wissen es nur nicht.  Eine Gesellschaft im Verständniswahn. Das fängt schon im Kindesalter an. Ein Beitrag in Ihrer Zeitung im Jahre  2015: „So zieht Deutschland Rotzlöffel heran“. Da musste schon ein ausländischer Wissenschaftler ran, der uns Eltern die Leviten gelesen hat. Eltern glaubten heute die besten Freunde ihrer Kinder zu sein, weil ihnen das so vermittelt wurde. Das war natürlich eine Lebenslüge. Man hat den falschen Leuten vertraut.  Sorry, ich komme zum Ende. Der Epochenbruch in den 60er Jahren hat das alles verursacht. Die Schaltzentralen der Macht wurden mit diesen „Rotzlöffeln“ besetzt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Mit dieser E-Mail möchte ich Danke sagen. In erster Linie ist es ein Dankeschön an Larissa und Thomas für ihre wöchentlichen Fotos und Zeilen, in zweiter Linie aber auch ein Dank an Sie für die Veröffentlichung ihrer Fernbeziehung im Zeit-Magazin. Jede Woche freue ich mich darauf, Beobachter ihrer Beziehung zu werden und das Zeit-Magazin aufzuschlagen. Ich fühle michden beiden nah, ohne sie doch zu kennen. Die letzten Ausgaben haben mich daher sehr traurig gemacht: Schade, dass ein Ende Ihrer Beziehung droht. Dennoch glaube ich fest an sie und hoffe auf eine lange Fortsetzung. Beziehungen zeichnen unser aller Leben aus. Menschliche Bindungen und Begegnungen machen das Leben einzigartig und lebenswert. Auch daran erinnert  wöchentlich die Beziehungsdokumentation von Larissa und Thomas. Emotionen und Gefühle stehen Ihrem Magazin. – Anna Scheffler


Leserbrief zu „Am Ende entscheidet der Präsident“ von Heinrich Wefing

Es gibt eine Alternative zu „Jamaika“. Ist eine Jamaika-Koalition wirklich die einzige Alternative zu Neuwahlen? Offenbar gehen momentan wohl alle davon aus. Am Wahlabend wurde die SPD von Grünen und FDP gedrängt, Verantwortung für das Land zu übernehmen und nicht eine Koalition von vorne herein auszuschließen. Ministerin Barley begründete plausibel, warum die SPD nicht erneut als Juniorpartner mit der Union zur Verfügung steht. Sie fragte daraufhin die Herren Lindner und Özdemir, ob sie sich das Regieren jetzt wohl nicht mehr zutrauen würden. Wenn nun Jamaika scheitern sollte, ergibt sich für die SPD eine neue Situation, auf die ihre Aussage am Wahlabend nicht gemünzt sein konnte. Da die Jamaika-Koalition faktisch auch aus vier Parteien besteht, dürfte es wohl auch nicht schwieriger sein, SPD, Grüne, Linke und FDP zusammenzubringen. Die gleiche Verantwortung, die am Wahlabend der SPD von Herrn Lindner angetragen wurde, hat dann wohl auch die FDP.

Bevor Neuwahlen ausgeschrieben werden, wären auch diese vier Parteien aufgefordert, ernsthaft zu versuchen, eine  Koalition zustande zu bringen und so die  Verantwortung für das Land zu übernehmen, die Lindner und Özdemir am Wahlabend der SPD angetragen haben. Die SPD wollte in die Opposition gehen, weil sie mit minus 5,2 % abgewählt worden sei. Im Vergleich dazu ist die Union auch relativ zum jeweils vorherigen Ergebnis der größere Wahlverlierer als die SPD. Wenn es auch plausibel für die SPD ist, nicht als Juniorpartner wieder mitzuregieren. Eine Koalition ohne die Union anzuführen ist eine völlig neue Situation. – Reinhard Döhnel


Leserbrief zu „Stolz ?“ von Bernd Ulrich

Hätte ich nicht aufgehört zu rauchen,würde ich mir jetzt eine anstecken.
Täte ich auch, habe aber keine.
Sooo sehr habe ich Ihren Artikel geliebt.
Ich bin Generation 1945, August
ist ja auch egal,
und wäre ich 10 oder 20 Jahre früher geboren
weiß ich auch nicht, was ich gemacht hätte.
Heute weiß ich nur eins:
wie jedes Volk sind die Deutschen interessant, langweilig,
gewalttätig oder lieben ihre Katzen.
Ich lebe seit Jahren in Frankreich und kann nicht wirklich einen Unterschied erkennen,
ja, schon, in vielen Dingen, klein, mittelgroß,
aber als Deutsche, der hier lebt und gut  Französisch spricht
bin ich gut integriert und wenn ich auf das Thema „Krieg“ komme,
sagen mir die Franzosen: laß´mal, ist lange her“
KEIN Franzose hat mich in meinen 15 Jahren in Frankreich auch nur im leisesten angegriffen.
Das zu sagen ist wichtig.
Jetzt kommen wir allerdings zu den Engländern, die den Landstrich in dem ich lebe
auch heftig bevölkern.
Ich bin trilingue, also.: keinesfalls kann sich herausgeredet werden, ich hätte nicht oder falsch verstanden.
Indeed, mein Englisch wurde vorausgesetzt, um unter die Gürtellinie –
nee, das ist nichts dagegen,
hier wurde die ultimative Keule rausgeholt.
Während eines sommerlichen Mittagessens palaverte eine Engländerin über ihren Besuch
des château von Josefine Baker in der Dordogne.
Zwei andere Engländer waren präsent.
Da dreht sich einer zum anderen und sagt:
„How come, the Germans didn’t do away with her, too?“
……………………….
An „bloody hun“ habe ich mich gewöhnt.
Okay, ich bin der Versuchung erlegen
ihm eine rundum Klatsche zu verabreichen-
– und deshalb muß ich auf den Artikel reagieren von Bernd Ulrich reagieren
Stolz.
Ich sehe uns cool
aber wir viel geschafft
viel  Demokratie
und deshalb habe ich diesem A…..l…. gesagt,
sein Problem sei,
daß er einem Drittland angehört
das nichts mehr geregelt kriegt
und Deutschland, vor dem sie immer schon Schiss hatten wegen der Flotte,
die der dazumalige Kaiser bauen wollte,
und generell technischer Überlegenheiten D´s
er, dieser englische Depp, leider nur noch einknicken könne
gegenüber Deutschland.
Fucking English middleclass.!
Spricht keine andere Sprache als ihre eigene
und die schlecht,
keine Ahnung von Orthographie
will von mir, daß ich übersetze
wenn sie bei Ärzten straucheln, bei jeder Art von Begegnung mit dem Corpus juridique
nix verstanden.
Das Problem bei all diesen Begegnungen ist:
auch der Brexit wurde von diesen kleinen
und großen Idioten eingeleitet.
Den Idioten Boris Johnson habe ich noch nicht verstanden.
Auf gar keinen Fall erlaube ich eine Veröffentlichung dieser mail.
Sei es auch nur auszugsweise.
Puh,
mußte aber mal gesagt werden.
Meine Reverenz an Sie, Herr Ulrich. – Christa Figge


Leserbrief zu“ Überreizte Debatte” von Adam Soboczynski

Es erschreckt mich auf Seite eins ihrer Ausgabe einen Artikel von Adam Soboczynski zu lesen, in dem er zusammenfasst, warum die Mee-too-Initiative sexuelle Gewalt angeblich verharmlost. Herr Soboczynski bezeichnet alltägliche Erniedrigungen, die vermutlich jede Frau kennt, als „Ärgernisse“ und „Unerfreulichkeiten“ im Vergleich zu den „schweren Verbrechen“, die Weinstein begangen hat. Im Gegensatz zu Herrn Soboczynski bin ich eine Frau und bin wie vermutlich die meisten Frauen alltäglichen Demuetigungen in Form von Sexismus ausgesetzt. Es handelt sich hier bespielsweise um Uebergeordnete, die auf meine Frage dem männlichen Kollegen statt mir antworten oder um unpassende Annäherungsversuche und Bemerkungen von Klienten. Diese Situationen sind in der Tat unerfreulich, aber vor allem versetzen sich mich tagtäglich in ein Gefuehl von Scham und Erniedrigung.

Sowohl durch eigene Erfahrung wie durch Gespräche mit anderen Frauen weiss ich, dass man sich durchaus nicht bei seinen Vorgesetzten beklagt, oft nicht mal dem Mann in Frage die Meinung sagt. Keiner will sich sagen lassen, man sei empfindlich -oder wie Herr Soboczynski es mit Hilfe der Literatur des 19. Jahrhunderts beschreibt: keiner will den Ruf haben, bei kleinsten verfänglichen Blicken „die schwachen Nerven durchgehen zu lassen“. Leider bin ich auch nicht schlagfertig. Erniedrigt zu werden macht mich sprachlos. Dadurch erfahre ich täglich, dass ich demjenigen, der mich demuetigt, ausgeliefert bin. Als Frau nehme ich tagtäglich hin was Herr Soboczynski vermutlich nie erlebt hat. Sicherlich sind diese „Ärgernisse“ keine Vergewaltigung, aber sie sind die Erziehung zur Akzeptanz. Weinstein konnte jahrelang ungebremst agieren. In einer Gesellschaft, in der jegliche Form der Erniedrigung und Demuetigung unabhängig vom Geschlecht unakzeptabel ist, kann es auch keinen Weinstein geben. Der kleine alltägliche Sexismus und die „schweren Verbrechen“ gehören zusammen. Die Mee-Too-Bewegung ist fuer mich nur der erste Schritt zur Reflektion, dass wir in der Gleichstellung nicht so weit gekommen sind wie wir geglaubt haben. – Mafalda Vogt-Pöpplau


Leserbrief zu „Stolz ?“ von Bernd Ulrich

Das, was Sie da geschrieben haben, ist so was von wunderbar. Molto Danke. – Heike Schalles


Leserbrief zu „Weg damit, aber wie?“ von Dirk Asendorpf

Die BECCS-Methode (Schnell wachsendes Gehölz soll in Kraftwerken zur Energieerzeugung verbrannt werden und das frei werdende und auf gefangene CO²  soll unter den Meeresgrund gepresst werden) ist für mich als Förster zweite Wahl. Viel einfacher geht es doch mit einem intelligenten Mischwald-Bauholz-Konzept:

Ein Rechenbeispiel: In Bayern erreichen Fichten-Bestände in 90 Jahren auf mittleren Standorten Holzvorräte mit ca. 600  m³ verwertbarem Holz, davon sind ca. 450 – 500 m³ Bauholz. Waldbesitzer und Sägewerke hängen an diesem „Rohstoffschatz“ und wollen möglichst viel Fichtenholz in die Zukunft retten, obwohl diese Baumart künftig auf großer Fläche in Bayern wegen des Klimawandels keine Chance mehr hat.

Ein Waldumbau mit einem Baumarten-Mix aus Weißtanne, Douglasie, Lärche, noch geringen Fichtenanteilen, Edellaubholz und Eiche (Hauptbaumarten) sowie mit 100% Buche (Schattbaumart!) im unteren Stockwerk des Waldes ist machbar. Solche Bestände gibt es beispielhaft. Hier erreichen wir in 90 Jahren auf vergleichbaren Standorten Holzvorräte von 1000 m³ und darüber: Das bedeutet 400 Tonnen mehr CO²-Bindung pro Hektar! Und jetzt kommt das wichtigste: Auch Tanne, Douglasie und Lärche liefern eine Bauholzquote von 80%. Von den 1000 m³ sind das ca. 700 m³. Diesen Rohstoffschatz braucht man nicht auf dem Meeresgrund versenken, sondern nur in Holzhäuser verwandeln. Dieses Mischwald-Bauholz-Konzept ist ein echter CO²-Killer!  Zur Dimension, was möglich wäre: Die Waldfläche der BRD beträgt ca. 11 Millionen Hektar. – Erwin Engeßer


 

 

2. November 2017 – Ausgabe 45

Leserbrief zu „Denkt groß, bitte!“ von Mariam Lau

Quer gedacht: offensichtlich ist in den Jamaika-Verhandlungen eine Partei zu viel am Tisch. Warum lassen Sie Herrn Seehofer nicht einfach mit seinen parteipolitischen Winkelzügen fahren und bilden mit Unterstützung der SPD als Opposition eine Minderheitsregierung mit den Grünen und der FDP? Die kleine Revolution in der CDU/CSU würde die progressiven Kräfte der Christdemokraten, die ähnlich wie die Grünen für den Erhalt der Schöpfung, Klimaschutz und mehr soziale Gerechtigkeit kämpfen, auf erfrischende Weise stärken. Da, wo die Politik zu sehr nach rechts schwenken würde, könnten Sie mit den Stimmen der SPD für eine gesunde Mitte rechnen. – Walter Moritz


Leserbrief zu „»Seit Wochen schweigen Sie, Herr Gabriel. Warum?«“ von Bernd Ulrich

Ich glaube, dass Martin Schulz weder zu früh noch zu spät Kanzlerkandidat wurde. Nur bei dem Anfangshype hofften viele, wie auch ich, dass er Deutschland zur EU öffnen wollte, im Geiste Macrons. Aber als er dann immer mehr zur Marionette der ängstlichen Berater wurde, und ähnlich wie Gabriel zuvor sich in den Strömungen der SPD verirrte, fehlte für mich und vermutlich viele junge Anhänger die Vision für die man ihn wählen konnte. Sehr schade!! – Egbert Mohr


Leserbrief zu „Ketzer Franziskus” von Evelyn Finger

Herr Jorge Bergoglio verfasste vor 30 Jahren eine Text zur Reformation; dieser wurde 2014 von P. Antonio Spadaro, einem Papst-Vertrauten, in der römischen Jesuitenzeitschrift Civilta Cattolica abgedruckt. 2014 hieß es: „Mit so jemand ist gemeinsames Reformationsgedenken unmöglich“. 2013 war der Text noch mit päpstlicher Erlaubnis, also nach Bergoglios Wahl zum Papst, im Sammelband eines spanischen Jesuitenverlages abgedruckt worden: J.M. Bergoglio – Francisco: Reflexiones espirituales sobre la vida apostolica; Grupo des Comunicacion Loyola, Bilbao 2013. Es gilt nach der Heiligen Schrift der Grundsatz: „Nichts über das hinaus, was in der Schrift steht“ 1 Kor 4, 6 und „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest“ Apg 2, 42-47. Auch die in Frage stehende „Amoris laetitia“ (AL) neben ihren Anmerkungen 291 – 351 negieren das göttliche Gebot „Du sollst nicht ehebrechen“ Ex 20, 14; Dt 5, 18 – „Du sollst keine Unkeuschheit treiben“ (6. Gebot) und Jesus sagte zur Ehebrecherin „Geh und sündige hinfort nicht mehr“ Joh 8, 11 – nicht, mach weiter so mit deinem Leben! Wer Luther gelesen hat – von Anfang bis Ende – weiß, dass er kein Reformer war, sondern seine eigene Wahrheit ausrief. U.a. Martin Luther über Behinderte, „die man ersäufen sollte“. Über die Substanz der Glaubenslehre kann es kein Dialog mit den Protestanten geben; denn sie sind Bibel-Fälscher (K. Berger).

Und so gilt: „Vom Evangelium her gesehen sind sie Feinde Gottes“ Röm 11, 33-36; Jesus sagte zu Petrus: „Geh, hinter mich Satan!“ Mt 16, 21-33; sie sollten die Hl. Schrift besser kennen und darüber über was sie sprechen, sonst erscheinen sie dümmlich und verqueert. Es zeigt sich immer wieder: „Denn sie liebten das Ansehen bei den Menschen mehr als das Ansehen bei Gott“ Joh 12, 43. Das verkrampfte Bemühen des Herrn Jorge M. Bergoglio, der – wie Linken/Liberale wie Rechte – die Wahrheit als als schlechte bürgerliche Gewohnheit ansieht – und mit Taschenspieler-Tricks die Lehre des Herrn unseres Gottes negiert, ist ein Ärgernis! „Ärgernisse müssen zwar kommen,aber wehe ….“ Mt 18, 7. Darum macht euch bewusst: „Wehe euch, wenn euch die Menschen loben“ Lk 6, 26. Denn „sie werden die Einheit zerstören, denn es sind irdisch gesinnte Menschen, die den Geist nicht besitzen“ Juf 19 aber ständnig im Maul führen.

Komisch, dass die, die ganze Zeit gegen den Petrusnachfolger gewettert haben, jetzt auf einmal nun den Kotau vor ihm machen. Aber wahr ist auch: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Und es kommt der Satz von Maximilian Kolbe in den Sinn: „Niemand auf der ganzen Welt vermag die Wahrheit zu verändern. Wir können nur eines: sie suchen, sie finden und ihr dienen“; „denn es wird eine Zeit kommen, in der man die wahre Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln“ 2 Tim 4, 3. „Ihr sollt dem Wortlaut dessen, worauf ich euch verpflichte, nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen; ihr sollt auf die Gebote des Herrn, eures Gottes, achten, auf die ich euch verpflichte“ Dtn 4, 2.

Und so erkennt die Zeichen: „Nach meinem Weggang werden reißende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen“ Apg 20, 29 – und die Zeit ist da; denn „an ihren Taten werdet ihr sie erkennen“ 1 Koh 2, 1-22. „Meidet den Umgang mit (ihnen), damit (sie) sich schämen“ 2 Thess 3, 14; so zeigt sich: „und die Probe auf das prahlerische Wissen fiel schmählich aus“ Weish 17, 7. Gewiss ist: „Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ Mt 10 34; „Ich werde die Welt richten…“ Joh 9, 39. Darum versuchen wir, ob unserer Sünden zu glauben“ „weil das Gesetz, ohnmächtig durch das Fleisch, nichts vermochte, sandte Gott seinen Sohn in der Gestalt des Fleisches“ Röm 8, 3. Die Bergoglios – „Sie sind aus der Welt; deshalb sprechen sie wie die Welt spricht, und die Welt hört gern zu“ 1 Joh 4, 5. Und so zeigt sich an ihren Taten: „Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge“ Röm 1, 25; lasst euch also nicht irreführen! Denn mit List und Tücke negieren sie die Wahrheit des Herrn. Es gibt falsche Apostel – Lügenapostel – Offb 2, 2M Irrlehrer, die der hl. Pauls ironisch „Überapostel“ nennt, über große Apostel – 1 Kor 11, 5M 12.11 – die in Wirklichkeit aber Betrüger sind“ 2 Kor 11, 13. Und wiederum sage ich euch: „haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben“ 2 Thess 2, 15. Aber wahr ist: „Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder … werden das Reich Gottes erben“ 1 Kor 6, 9. „Sie treiben Unzucht, aber sie vermehren, sich nicht. Ja, sie haben den Herrn verlassen und sich an Unzucht gehalten“ Hos 4, 10.

Herr Bergoglio und seine Vasallen betreiben mit List und Tücke die Nivellierung der Lehre des Herrn und der Kirche; sie manipulieren Quellen und betreiben Ideologie. Das Christentum in seiner katholischen Ausprägung war schon immer ein Ärgernis für die Welt. Diese Betrüger – wie sie der hl. Paulus nennt (2 Kor 11, 13), werden keinen Sieg des Glaubens erleben, sondern einen großen Abfall. Aber die Kirche wird „an sich nicht untergehen“, denn „die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“ Mt 16, 13-19. „Und Christus war und bleibt eine Herausforderung für die“ weltlich gesinnten Menschen. „Christentum und Kirche sind nicht auf der hechelnden Jagd nach Plausibilität und Applaus. Das geht nicht.“ Die Feinde der Kirche kommen zuerst aus ihrem Innern; viele Herren mit den goldenen Ringen sind ihre wahre Feinde. „Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht“ Gal 5, 19.

„Wehe der Welt mit ihrer Verführung! Es muß zwar Verführung geben; doch wehe dem Menschen, der sie verschuldet“ Mt 18, 7. Die Medien verschweigen oft, was ihnen an Herrn Bergoglio nicht gefällt. Er ist ein Populist, der die Sprache des Volkes spricht. Quod non. Und so zeigt sich: „hören sollen sie, hören, aber nicht verstehen, damit sie sich nicht bekehren und ihnen nicht vergeben wird“ Mk 4, 12. Und so ist uns gewiss: „Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist“ Mt 5, 18. „… Weh euch, die ihr jetzt lacht“ Lk 6, 25; Glauben ohne Werke sind leeres Geplärre: „Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glaube, aber es fehlen die Werke?“ Jak 2, 14, denn an ihren Taten werdet ihr sie erkennen. „Wer also unwürdig von dem Brot ißt und aus dem Kelch des Herrn trinkt,  macht sich schuldig  am Leib und am Blut des Herrn“ 1 Kor 11, 17.

Und so haben wir den Mut gegen die weltlich gesinnten Menschen in der Kirche vorzugehen! „… Ich möchte hören, daß ihr … euch in keinem Fall von euren Gegnern einschüchtern läßt“ Phil 1,28. Die falschen Propheten setzen „durch ihre … eigene Überlieferung Gottes Wort außer Kraft“ Mk 7, 13; Lk 9, 26. Kein Mensch ist Verfügungsberechtigter über die Lehre des Herrn und der Kirche, sondern wir alle stehen unter seinem Wort. Und so seid wachsam: „Hütet euch vor den falschen Propheten; sie kommen zu euch wie harmlose Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe“ Mt 7 15; und es gilt: „sie gehen verloren, weil sie sich der Liebe zur Wahrheit verschlossen haben, durch die sie gerettet werden sollten“ 2 Thess 2, 10. Um dies zu verdecken „… führen sie geschwollene und nichtssagende Reden“ 2 Petr 2, 18. Und so zeigt sich das Böse, wer gut böse nennt, und böse gut. „Du kannst die Bösen nicht ertragen, du hast die auf die Probe gestellt, die sich Apostel nennen und es nicht sind sind“ 1 Joh 4, 1. „Belügt einander nicht …!“ Kol 3, 9

„Es gibt in der Kirche Skandale, tadelswerte und beschämende Vorkommnisse; kein Katholik kann das leugnen. Die Kirche hat sich immer dem Vorwurf und der Schande ausgesetzt, Mutter unwürdiger Söhne zu sein. Sie hat gute Kinder, und weitaus mehr solche, die schlecht sind… Gott hätte eine Kirche gründen können, die rein ist; er hat jedoch vorhergesagt, dass das vom Feind gesäte Unkraut zusammen mit dem Weizen wachsen werde bis zur Ernte am Ende der Welt. Er sagte, dass seine Kirche einem Fischernetz gleiche, in dem sich „Fische aller Art“ befinden, die aber erst am Abend sortiert werden (Mt 13,47f). Und er ging noch weiter und erklärte, dass es weitaus mehr Schlechte und Unvollkommene als Gute geben würde. „Viele sind gerufen“, so sagte er, „aber wenige auserwählt“ (Mt 22,14), und sein Apostel verkündet, dass es einen Rest gibt, der aus „Gnade erwählt ist“ (Röm 11,5). Es gibt also in der Geschichte und im Leben der Katholiken unaufhörlich eine Menge Dinge, die dem Widerspruchsgeist in die Hände arbeiten…
Wir lassen aber den Kopf nicht vor Scham sinken und verbergen unser Gesicht nicht in den Händen, sondern erheben Gesicht und Hände zu unserem Erlöser „Wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn…, so schauen unsere Augen auf den Herrn, unseren Gott, bis er uns gnädig ist“ (Ps 123,2). Wir wenden uns an dich, gerechter Richter, denn du schaust auf uns. Wir machen uns nichts aus Menschen, solange wir dich haben… solange du uns, wenn wir versammelt sind, gegenwärtig bist, und wir dein Zeugnis und deine Zustimmung in unseren Herzen tragen.“
Sel. John Henry Newman (1801-1890), Theologe, Konvertit und Kardinal, Gründer eines Oratoriums in England. Aus: Predigten zu verschiedenen Anlässen, Nr. 9, 2.6 Dr. Michael Joseph Schaaf


Leserbrief zu „»An meine Lieben«“ von CST

Das Thema Auschwitz ist zu wichtig, um auf die folgenden Korrekturen zu verzichten (und den Leugnern damit Angriffsflächen zu bieten): Auf Deutsch gibt es durchaus schon eine Dokumentation der Texte des Sonderkommandos: „Inmitten des raruenvollen Verbrechens“, Oswiecim 1996.Dort findet sich auf S. 270 bis 273 die erste Fassung von Nadjaris Text. Auf dessen Blatt 3 fehlt noch die jetzt entschlüsselte Passage: „…und dort steckten sie sie in die Öfen, wo sie verbrannten, ohne Zuhilfenahme von Brennmaterial, aufgrund des Fetts, das sie haben“.Dieser Satz gründet sich also nicht auf eigene Beobachtung und ist physikalischer Unsinn. Das hätte von Polian bzw. dem Institut für Zeitgeschichte oder der ZEIT kommentiert werden müssen. Das Brennmaterial Kohle befand sich in eigenen Kammern  unter den Muffeln mit den Leichen , welche lediglich durch die aufsteigenden heißen Gase verbrannt wurden, um die Körperasche von Fremdkörpern freizuhalten (und sie den Angehörigen auszuhändigen).Dadurch konnte der Eindruck fehlenden Brennmaterials entstehen.- nicht jedoch bei den Heizern wie Hendryk Tauber, der – während des Vorgangs des Gasmords selbst im Kohlenlager untergebracht – vor sowjetischen Vernehmern das Verfahren korrekt zu Protokoll gab, das von diesen aber deutlich ergänzt wurde um das Lagergerücht vom fehlenden Brennmaterial, dem Verbrennen im eigenen Leichenfett (das auch in Gruben geflossen sei) sowie die Opferzahl „vier Millionen“ – mit Taubers Unterschrift.

Die von Nadjari behaupteten Rohre an der Decke der Todeskammer – in der er sich aufhielt – hat es nicht gegeben. Zu den von Nadjari geschätzten 1,4 Millionen Opfern: In seinem Artikel der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte (S.597) schreibt Polian im ersten Satz: vom „Massenmord an Hunderttausenden von Juden und  Nichtjuden in den Todesfabriken“. Diese Dimension habe ich vor 15 Jahren in der Zeitschrift „“Osteuropa“ festgestellt, sie hat sich seither weithin durchgesetzt. Doch auf S. 617 Fn. 79 sind es als „“Ergebnisse der aktuellen Forschung“ doch wieder „mindestens 1.1 Millionen“. Zur Rechtfertigung erklärte mir ein Historiker, Millionen seien auch Hunderttausende. In dieser sophistischern Logik sind eine Million dann auch viele Dutzende. Eine Hypothese: Nadjari – dessen New Yorker Aufzeichnungen hoffentlich noch ans Licht kommen -kämpfte  in Griechenland  als kommunistischer Partisan. Er folgte vielleicht der vom Auschwitzer KP-Untergrund gestreuten (so Funktionär Bruno Baum) „Propaganda“…. – Fritjof Meyer


Leserbrief zu „Aus der Ferne” von Jan Schweitzer

Dass Donald Trump von Psychiatern und Psychologen per Ferndiagnose psychische Krankheit und damit Gefährlichkeit vorgeworfen wird, ist im politischen Kampf nichts Neues. Denn man konnte, wenn man alt genug ist, dergleichen bereits bei der Kampagne linker Psychoanalytiker gegen Franz-Josef Strauß erleben. Strauß, der intellektuell zweifellos hochbegabt war und die meisten Kritiker an IQ-Punkten deutlich übertroffen haben dürfte, wusste sich zu wehren und sprach von Pseudowissenschaftlichkeit. Verräterisch  ist, dass man glaubt, mit reduktiven Konzepten wie „Narzissmus“ komplexe Persönlichkeiten noch dazu unter Ausklammerung einer noch komplexeren politischen Konstellation zu erfassen. Seriöse Analytiker, etwa die  Mitarbeiter einer Schweizer Beratungsfirma, die große  Unternehmen, aber auch schon die Bundesregierung bei Verhandlungen unterstützt haben, glauben dagegen, dass Trump nur eine narzisstische Fassade zur Schau stellt. Diese Meinung vertritt übrigens auch die angesehene kanadische Autorin Margret Atwood. Es geht bekanntlich darum, Politik seiner Zielgruppe, also der ärmeren, weniger gebildeten Gesellschaftsschicht, verständlich zu vermitteln. Nicht nur hierzulande glaubt offenbar eine Linke, die ihre Diskurshoheit bedroht sieht, mit Diffamierungen, Unwahrheiten und Täuschungsmanövern ihre Macht verteidigen zu können. Als ich kürzlich bei einem Flug von New York nach Amsterdam neben einer Frau aus Oregon saß, meinte diese, die USA stünden vor einem Bürgerkrieg. Dies ist wohl eine Übertreibung, doch kann man sagen, dass durch Polithetze auf pseudointellektuellem Niveau dort wie hierzulande die politische Spaltung der Bevölkerung verstärkt wird. – Karl Seegerer


Leserbrief zum Titelthema „Babylon Berlin“

Berlin ist nach dem Bankenskandal und der Schuldenübernahme durch die öffentliche Hand, mit der die korrupten Politiker ihren Hals retteten, ein Musterbeispiel dafür, wie eine ausgeblutete Stadt von privaten Interesse rücksichtslos verwertet wird, ohne dass das Gemeinwesen irgendwie noch profitiert. Diese Analyse ist vielleicht nicht „vergnüglich“ genug für das Magazin, aber wenn Humor durch folkloristische Zeichnung („Mentalität“) das Verständnis eigentlich verstellt, wäre es besser, gar nichts zu schreiben. Die neoliberale Degeneration von Berlin ist halt auch gar nicht witzig, bei mir erzeugt sie nur Trauer und Wut. – Matthias Meindl


Leserbrief zu „Ein aktives Netzwerk” von Martin Eimermacher, Christian Fuchs und Paul Middelhoff

Sie werden das nicht gerne hören, ist aber bitter Notwendig ein solches aktives Netzwerk in unserem Land zu haben. Die derzeitige Politik ist wie von Sinnen daran interessiert unser Land zu entfremden und damit genau das eintritt, was Dr. Sarrazin prophezeit hat. Und die Medien geben ihren Anteil der Unvernunft dazu. Der britische Publizist und Autor Douglas Murray schreibt: „Die Zivilisation, die wir als Europa kennen, begeht gerade Selbstmord!“ – Gunter Knauer


Leserbrief zu „»Seit Wochen schweigen Sie, Herr Gabriel. Warum?«“ von Bernd Ulrich

Balsam für die Seele eines alten Sozialdemokraten ist dieses Interview mit Sigmar Gabriel. Nicht die wohlfeilen Ratschläge, derer, die wahlweise raten, die „erfolgreichen“ Linken oder Grünen zu doppeln. Nicht allein der beliebte Ruf nach einer jüngeren und weiblicheren SPD. Stattdessen der Blick auf die eklatante Differenz zwischen dem, was viele Menschen in unserem Land bewegt und dem was in der liberalen Blase wechselseitig als Sicht ausgetauscht wird. Auf die Menschen zu schauen, ihre Sicht wahr zu nehmen und zu verstehen, ohne an den Anfang des Gespräches  gleich die moralischen Verdikte der Korrektheit zu stellen, das sollte die Losung des Augenblicks sein. Mir macht es Mut, dass Sigmar Gabriel nicht weiter schweigt. – Jürgen Bartholomy


Leserbrief zu „Gefälschte Stimmen” von Hannes Vogel

Der Bericht zeigt eigentlich nur, dass die AfD voll in der Parteienlandschaft angekommen ist, denn die Vorgänge, die Sie dort beschreiben, habe ich mit gewissen Variationen in zwei anderen Bundestagsparteien relativ hautnah mitbekommen, und es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass es in den anderen besser zugeht. Interessant wäre die Fragestellung, weshalb im „besten aller verfügbaren politischen Systeme“ eigentlich kein Platz für anständige und ehrliche Leute ist. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Eine traurige Bilanz, die Frau Merkels Amtszeit bisher kennzeichnet. Sicherlich ist diese absolut unbefriedigende Politik mitentscheidend für den Aufstieg der AFD bzw der Populisten insgesamt gewesen. Getreu dem Motto:“Ehrlich wehrt am längsten!“ sollte unsere Bundeskanzlerin nun endlich ihren vielen vielen Worten tatsächliche und wahre Taten folgen lassen. Sie kann mit der neuen Amtszeit ihre bisherige Zeit als Regierungschefin vergolden! Sie kann aber auch kläglich scheitern! – Yves Pulst


Leserbrief zu „»Die Mona Lisa der Globen«“ von Urs Willmann

Die TERRA DE BRAZIL (am linken Rand des Straußenei-Kartenausschnitts) jedenfalls scheint terra incognita auf den globalen Irrfahrten des Herrn Missinne zu sein. TERRA SANCTAE CRUCIS  – und nicht der berühmte Scultore aus Vinci – steht für den Namen, den die portugiesischen Seefahrer unter Pedro Alvares Cabral dem südamerikanischen Kontinent gaben, als sie kurz nach Ostern, am 22.04.1500, unter rotem Kreuz auf weißen Segeln nördlich von Porto Seguro auf Land stießen. Sowohl die genannten ältesten Globen um 1510 (Hunt-Lenox Globe, Globus Jagellonicus) als auch die ersten Karten-Editionen der Geographia des Ptolemäus um 1507/08 tragen übereinstimmend diesen Zusatz für Brasilien und die Neue Welt – sive MUNDUS NOVUS – der dann auch Pate für das nah gelegene „Kap des Hl. Kreuzes“ stand, so etwa auf Martin Waldseemüllers berühmter Weltkarte von 1507 (caput sancte crucis). – Hanns Michael Küpper


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

So wird das nichts. Schlüssiger, offenbar blendet recherchierter Artikel, der durch eine Grafik „versaut“ wird, bei der selbst unsere viel gescholtenen Abiturienten erkennen, dass die Kurve, Linie, Graph der Funktion, etc. wohl ein bisschen anders aussehen muss! Da sind Sie auf einem Niveau angekommen (… oder hoffentlich nur einmal hingeschliddert …) welches der ZEIT unwürdig ist. Mit einer korrekten Darstellung der Werte, über einer korrekten X Achsen Streckung, hätte sich doch der Wahrheitsgehalt des Artikels nicht geändert, oder? – Torsten Heydrich


Leserbrief zu „Ketzer Franziskus” von Evelyn Finger

Mit der provokanten Überschrift “Ketzer Franziskus” haben Sie die Misere der katholischen Kirche bzw. die Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit auf den Punkt gebracht! Stellt sich die katholische Kirche nicht selbst in Frage, wenn “gewisse Kardinäle,Erzbischöfe und Betontheologen in Rom” den Papst-als Stellvertreter Gottes auf Erden- der Häresie bezichtigen? Geht es bei ihnen doch offensichtlich weniger um Glaubensfragen als um interne Machtpositionen und Rechthaberei! Papst Franziskus sagt: “Luther war kein Häretiker, sondern ein Lehrer des Glaubens.” Genauso sieht sich wohl auch der Papst selbst. Er versteht sich ähnlich wie Luther als Reformator, er beschwört geradezu die Einheit der Christen und ist ein Vorreiter der Ökumene! – Ein mutiger Papst! Übrigens, im Mittelalter wurden Häretiker im Zuge der Inquisition (heute “Glaubenskongregation”)zum Feuertod verurteilt! – Günter Riemer


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Ohne den Artikel gelesen zu haben, warum Deutschland die Klimaziele verfehlt, kann man sich diesen Tatbestand sehr leicht vor Augen führen, wenn man beispielsweise nur einmal durch unsere Supermärkte hindurchgeht, was üblicherweise eigentlich fast jeden Tag der Fall sein dürfte. Wenn nur die Hälfte der bundesrepublikanischen Bevölkerung an einem Tag einen Liter Milch oder Saft im Einweg – Karton kauft, dann hat man nach einem Tag schon etwa 40 Millionen leere Kartons, die irgendwo bleiben müssen. Das ist nur ein kleiner Teil unseres Verpackungswahnsinns, der es absolut wert ist, genau untersucht zu werden. Es ist die schiere Menge vor allem an verschiedenen Kunststoffen, die bereits dazu beiträgt, daß alle Klimaziele nach meiner Überzeugung völlig verfehlt werden. Man kann also von Seiten der Politik und der Medien soviel darüber räsonieren, wie man will, es ändert nichts daran, daß Einschneidendes getan werden muß, um überhaupt irgendetwas zu bewegen. Und da dies nicht geschieht, kann man nicht erwarten, daß Otto Normalbürger sich für derartige Dinge so weit interessiert, daß er zur Wahl geht und eine (welche?) tatkräftige Partei wählt.

Denn es gibt offensichtlich keine einzige tatkräftige politische Partei. Gewiß, die Politiker werden mit Sicherheit um diese Dinge wissen, aber was sind ihre Verlautbarungen wert, wenn sie mit den tatsächlichen Erfordernissen für ein Überleben der Menschheit in der Öffentlichkeit nicht herausrücken? Für mich gilt: Einwegverpackung = Energieverbrauch. Und: Nicht-Verpackung in der Einweg – Methode = Mehrwegverpackung = Arbeitsplätze. Dort könnte man sogar leicht behinderten Menschen eine sinnvolle Beschäftigung vermitteln. Zweitens: Wie verhält es sich zum Beispiel damit, wenn ein Tanklastwagen einer Wismarer Spedition alle drei bis vier Tage mit Milch von Barmstedt nach Dresden gefahren wird? Haben die Dresdner keine eigene Milch ?? Und läßt sich so etwas nicht hervorragend mit der Eisenbahn bewerkstelligen? (weil es regelmäßig stattfindet)

Drittens: Die inzwischen grassierende Unfähigkeit der Eisenbahn, Güter in kleineren Wagenladungen zu transportieren. Ursache dafür ist unzähliger  Gleis- und Weichen – Abbau, eine schlechte Organisation, moderne Lokomotiven, die bei geringer Überlast bereits selbsttätig abschalten, die seit 1870 (!!) vorhandene, schwache, gefährliche, langsame Schraubenkupplung mit Seitenpuffern, die man noch immer nicht gegen die Automatische Mittelpufferkupplung getauscht hat, die mit der russischen zusammengehen kann, ein fehlender bundesdeutscher Minister für Eisenbahnangelegenheiten, der dem Verkehrsminister Paroli bietet und so weiter…….Viertens: Die Tatsache, daß starke Stürme eine extreme Wetterlage darstellen, lange andauernde Windstille aber auch!

Ergo: Wie steht es ganz allgemein mit der Windstärke in Gegenden, wo viele Windräder stehen und hat man schon einmal dauerhaft gemessen, wieviel Energie (auch zu welchen Zeiten und bei welcher Großwetterlage) man wie lange daraus gewinnt ? Gibt es Koordinaten, die dies über längere Zeit darstellen? Hat man wegen zusätzlicher Windenergie schon Kohlekraftwerke stillgelegt?  Fünftens: Nichtrauchen ist aktiver Beitrag zum Umweltschutz bzw. zur Nachhaltigkeit unserer Existenz. Man muß auch hier über sämtliche Raucher sehen, wieviel Feinstaub derartig erzeugt wird. Sechstens: Moderne Fertigungsmethoden wie Schweißen und Laserschneiden erzeugen Metalloxidstäube als Feinstaub. Nicht nur Stahl, sondern Legierungsbestandteile sind darinnen wie Beryllium, Vanadium, Mangan, Blei etc. pp .  Inwiefern wird die Bevölkerung mit wenig aussagekräftigen Informationen überschüttet, die schließlich nur zu Desinteresse führen?

Prof. Dr. Mojib Latif vom GEOMAR Institut wird erneut am Mittwoch, den 22. Nov. in Kaltenkirchen, Am Kretelmoor 40  um 19.30h über die menschliche Verursachung der Klimaerwärmung dozieren, wobei er sich wiederum außerordentlich vorsichtig und umsichtig ausdrücken wird. Man merkt, daß er durch und durch Wissenschaftler ist, der auch die Geschichte dieser Entwicklung darstellt. Arrhenius sagte bereits um 1900 eine durch menschliches Zutun entstehende Erwärmung des Erdklimas voraus und behielt recht damit. Es war die große Zeit der Dampflokomotiven, die jahrzehntelang zu Zehntausenden in Europa die Luft mit Ruß erfüllten. Das war aber nur eine Sorte Dreck, heute steht man vor dem Problem, so enorm viele verschiedene  Sorten an gefährlichen Chemikalien in der atmosphärischen Luft vorzufinden, die ja auch noch atembar sein soll!

Die Menschheit „saut“ damit herum, während kurioserweise man an anderer Stelle kleinste Stoffmengen zu bestimmen in der Lage ist. Wenn letzteres aber der Fall ist, wieso um Himmels Willen, läßt man die Karre so weit in den Dreck fahren?? Sie sehen, es gibt noch weitaus mehr als genug ungelöste, aber elementar wichtige Fragen, die auch von der ZEIT so schnell nicht beantwortet werden können. Nur wenn alle Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen, wenn die Kohorte Menschheit gemeinsam bewahrend handelt und überhaupt handeln kann, dann erst halte ich mit Mojib Latif das bislang allgemein existenzvernichtende Verhalten für abwendbar. – Michael Horstmann


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Es wäre wirklich schön, wenn Probleme auch einmal ganzheitlich geleuchtet würden, statt immer an der Stelle Schluss zu machen, an der die politischen Ideologien aufeinander prallen. Leider gehört dazu auch, sich einmal mit Naturwissenschaften zu beschäftigen – anscheinend eine unüberwindliche Hürder für ZEIT-Redakteure. Mal nur ein paar Stichworte: Palmöl. Warum wird nirgendwo die Möglichkeit angesprochen, Sprit auch in Bioreaktoren zu erzeugen. Die können in der Wüste stehen und sind völlig CO2-neutral betreibbar. Die Technologie ist seit 2004 vorhanden und konnte bereits damals für 20 ct/l produzieren. Dann mehr als 10 Jahre unterdrückt, neulich mal hervorgeholt, und anscheinend wieder unterdrückt. Warum? Kohle. Warum wird nicht gesagt, wieviel Energie benötigt wird und wo die herkommen soll. Wind und Sonne können das bei uns definitiv nicht bringen.

Kohlekraftwerke kann man schließen, aber wenn dann in Polen und anderswo die Schlote um so mehr rauchen oder im Baltikum neue Atommeiler ans Netz gehen, wo ist dann der Unterschied zum Palmölproblem? Fahrzeuge. SUV böse, schon und gut. Aber rechnen Sie doch bitte mal vor, wie Mercedes, BMW und andere deutsche Unternehmen mit den preiswerteren Modellen fernöstlicher Hersteller konkurrieren sollen, sofern die Umstellung überhaupt funktionier. Ansonsten siehe Palmöl. Elektrofahrzeuge. Auf die derzeitigen Nachteile muss man gar nicht hinweisen. Man muss nur den Bereich Kohle anschauen. Selbst E-Fahrzeuge im gewünschten Maßstab bedeuten 2-4 Großkraftwerke zusätzlich, rund um die Uhr. Wo bitte soll der Strom denn herkommen? Landwirtschaft. Klar, wir können die Landwirtschaft in D auch komplett abschaffen. Nahrungsmittel gibt es bei Lidl und Aldi, Bauern brauchen wir gar nicht. Denken Sie doch bitte mal Gedanken zu Ende! Klimaschutz, in welcher Form auch immer, ist ein Ziel, aber keine Brechstange! – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Ich bin begeistert von Ihrer Reihe „Fernbeziehung“ im ZEIT-Magazin. Welch tolle Idee, solch eindrucksvolle Fotos mit so anrührenden persönlichen Texten zu verbinden. Jede Woche bin ich aufs Neue gespannt, was die beiden zeigen und zu sagen haben. – Margrit Richter


Leserbrief zu „Denkt groß, bitte!“ von Mariam Lau

Weiter so, dank Jamaika? Man hört, es geht mal so und mal so. So will die FDP die Klimaschutzziele von 2020 auf 2030 verschieben. Aber so geht es nicht, es wird danebengehen. Alle die Sehen können, sehen es, fühlen es. Es kann nicht so weitergehen! Es wird ein Klima geben, und wir werden nimmer leben. So kann`s gehen. – Gerhard Knaak


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Das Dossier über die Klimapolitik unserer Kanzlerin Merkel ist das Beste was ich seit langem über die Politik von Frau Merkel gelesen habe. Sie hat effektiv nichts für den Klimaschutz getan, und es ist schon erstaunlich wie sie jemals zu dem Titel Klimakanzlerin kam. Während ihrer Regierungszeit wurden Emissionen aus dem Verkehr dank der Unterstützung der Autoindustrie noch größer, Deutschland wurde zum Schweinestall Europas ausgebaut, mit den bekannten Folgen von nicht mehr zu bewältigenden Güllemengen und Tierquälerei. Die Energiewende ist ebenfalls nicht ökologisch, Monokulturen, Palmöl und Windräder auch in ökologisch ungeeigneten Gebieten, dazu Braunkohle. Mutiger und sinnvoller wäre es gewesen, erst aus der Kohle und dann aus der Kernenergie auszusteigen. Frau Merkel war Umweltministerin und ist Physikerin, sie müsste wissen, was sie tut und welche Bedrohung der Klimawandel bedeutet. Trotzdem bleibt sie untätig. Diesen Zeitartikel hebe ich für die nachfolgenden Generationen auf! – Sabine Kiermaier


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Vielen Dank für den Entschluss, das Versagen der deutschen Klimapolitik des letzten Jahrzehnts in einem Dossier noch einmal in dieser Gesamtsicht zusammen zu fassen. Nach einem launigen Einstieg gelingt es der Autorenschaft den Mythos der Bundeskanzlerin als „Klimakanzlerin“ zu entzaubern. Gerade in der Auflistung der vielleicht vorhandenen Absichten klimapolitisch etwas zu bewegen und den tatsächlichen Auswirkungen, zeigt sich das Versagen in Gänze. Angela Merkel wäre sicherlich nicht über ein Jahrzehnt Bundeskanzlerin geblieben, wenn die Interessenvertreter von Automobilindustrie, Energiewirtschaft und Landwirtschaft über die Regierungsparteien nicht so erfolgreich ihre Geschäftsziele zu Lasten einer wirksamen Klimapolitik durchgesetzt hätten. Vordergründig ging es dabei um den Erhalt von Arbeitsplätzen, primär sind jedoch möglichst gute Geschäftsergebnisse mit entsprechenden Dividendenzahlungen zu Lasten einer wirksamen Klimapolitik.

„Deutschland geht es gut!“ Und weil es Deutschland so gut geht, sehen wir die negativen Auswirkungen einer verfehlten Klimapolitik überall auf der Erde. Das Dossier rüttelt gerade in diesen Tagen der Sondierungsgespräche auf. Es ist zu hoffen, dass die Gruppierungen, die die verabredeten Klimazielen einhalten wollen, sich nicht durch die Verlockung einer Regierungsbeteiligung verleiten lassen, in eine Koalition einzutreten, die das Erreichen der Klimaziele in die ferne Zukunft verschiebt. Dann kämen die sieben Autoren möglicherweise im Klima-Dossier 2021 zu einem noch schlechteren Resümee der Klimapolitik der Bundesrepublik Deutschland.  Sondierungen können auch zu dem Ergebnis führen, dass eine Regierungsbeteilung ohne zügige Umsetzung der Klimapolitikziele nicht möglich ist. – Klaus Bräkelmann


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Dank! Dank! Dank! Ich habe schon immer gesagt, dass Frau Merkel nur in Sonntagsreden und ähnlichem für Umweltschutz ist und am Montag davon nichts mehr wissen will. Jetzt kann ich ergänzen: „Das können Sie in der ZEIT im einzelnen nachlesen.“ – Christoph Zahrnt


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Alle dürfen sich freuen. Die Autolobby, die Agrarlobby, die Industrie, die Bergbau-Gewerkschaft, der Bauernverband, die Konsumenten – alle kriegen, was sie wollen. Das Fleisch bleibt billig, das Benzin auch, die Straßen werden besser, die Autos breiter, jetzt auch noch die Parkplätze. Unsere Braunkohle darf weiter verheizt werden. Noch mehr Ställe für Massentierhaltung dürfen gebaut werden. Und bei allem dürfen wir auch noch ein gutes Gewissen haben. Bravo, Merkel, gute Arbeit, geradezu die Quadratur des Kreises. Einzig und allein das Klima muss weiter warten, das hat keine Lobby. Heuchelei und Täuschung auf internationalen Klimakonferenzen, Missachtung globaler Abkommen und Verträge? – macht nichts, merkt ja keiner. Umweltpolitiker der EU mit systematischer Abwiegelei, Erpressung und Wortbruch vor den Kopf gestoßen? – Die sollen sich nicht so anstellen, die kriegen ja was anderes dafür. Was kümmern uns die Arbeitsplätze für morgen, solange wir die Arbeitsplätze von gestern mit Milliarden Subventionen und umweltpolitischer Blockadepolitik in Europa über die nächsten Wahlen retten können. Was kümmern uns Tränen und sterbende Wälder in Indonesien, solange wir in unserm Land gut und gerne leben. 12 Jahre Merkel-Theater haben viel Wut hinterlassen. Die hat Ihr wunderbarer Artikel geballt wieder wachgerufen. Warum ist er nicht wenigstens vor den Wahlen erschienen? – Friedrich Thimme


Leserbrief zu „»Ich lerne, geduldig zu sein«“ von Manuel J. Hartung und Rudi Novotny

Es ist für mich einfach unfassbar und unverständlichund wenn 2 Interviewer in diesem Artikel folgendes schreiben:Er ist 35Jahre alt und zurzeit verletzt !! Ich wiederhole verletzt !, bzw. jetzt zwingt ihn eine Verletzung zur Pause.Ich habe nur die fettgedruckten Überschriften gelesen im Inhaltsverzeichnis und den Anfang des Artikels überflogen und erfuhr, dass es sich um eine Sehnenscheidenentzündung handelt, die durch Überlastung zustande gekommen ist. Wie können gleich 2 Journalisten derartig unwissend und ungenau hier von einer Verletzung sprechen, wo es sich doch eindeutig um ein Handicap handelt ? .Das ist für mich so grottenfalsch und unentschuldbar, und peinlich für die Schreiber, weil zu einer physischen Verletzung normalerweise auch ein Trauma dazu gehört .Wenn mir das auffällt, so muss das doch auch dem Korrektor auffallen. Dass der Begriff Verletzung hier einfach völlig falsch gebraucht wird läßt für mich einige Schlüsse über die Autoren und Journalisten im allgemeinen zu. Gibt es denn überhaupt noch Korrektoren bei der Zeit ? – Dr. Wolfgang Kern


Leserbrief zu „… und ein muslimischer Feiertag?“ von Ercan Karakoyun und Susanne Schröter

Gemeinsamer Tag des „Brücken-Bauens“  De Maizieres Gedanke, einen Feiertag für Muslime ins Leben zu rufen, finde ich sehr interessant. Schließich tragen auch viele Muslime hier in Deutschland wesentlich zum Gemeinwohl bei. Doch wie wäre ein gemeinsamer Feiertag für die drei Religionen, die sich in Abraham verwurzelt sehen – Islam, Judentum  und Christentum? Vielleicht könnte dieser Tag als Tag des Brückenbauens ein kleiner Beitrag zum Weltfrieden werden, an dem sich alle auf ihre Gemeinsamkeiten besinnen – im Sinne Helmut Schmidts, wie er es in seinem Buch „Außer Dienst“ formuliert hat: „Wenn Muslime erfahren, dass der Koran in großer Zahl die gleichen Gebote enthält wie der Tanach und  die Prophetien der Juden oder das Neue Testamente Christen; wenn Christen erfahren, dass die wichtigsten moralischen Lehren im Buddhismus oder im Hinduismus  ähnlich gelehrt werden; wenn die Gläubigen aller Religionen begreifen, dass sie seit Jahrtausenden in ähnlicher Weise eine größere Zahl von grundlegenden Regeln und Verboten befolgen – dann kann dieses Wissen entscheidend zum gegenseitigen Verständnis beitragen. Es läuft hinaus auf die in allen Weltreligionen gelehrte goldene Regel, die Immanuel Kant in seinem kategorischen Imperativ lediglich neu formuliert hat und die der deutsche Volksmund in den Merkvers verdichtet hat: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ – Dagmar Textor-Müller


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

So wird das nichts. In der Ausgabe Nr. 45 verwenden eine irreführende Grafik, um die Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen darzustellen. Die horizontale Zeitachse ist bis zum Jahr 2020 gestreckt, sodass der Zeitraum von 2005 bis 2020 verlängert dargestellt wird. Dadurch verläuft die Kurve der Emissionen deutlich flacher und die Klimaschutzziele wirken noch unerreichbarer als sie wirklich sind. Dies soll wohl die Botschaft des Artikels unterstreichen, dass Angela Merkel nicht genug für den Klimaschutz tut. Es ist aber eine verzerrte Darstellung des Sachverhalts und ein Beispiel für unseriöse Illustrierung journalistischer Inhalte. Die ZEIT sollte da einen höheren Anspruch haben. – Lukas Schönewald


Leserbrief zu „»Nicht die anzüglichen Bemerkungen sind das Problem, sondern das System, aus dem sie hervorgehen«“ von Antonia Baum

Vielleicht illustriert des Folgende wie selbstverständlich war, was heute Übergriff heißt: In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre hatte ich in einem Münchner Zeitschriftenverlag eine junge Kollegin, um die sich einer unserer Außendienstmitarbeiter bemühte. Das kriegte der Vertriebsdirektor mit und gab mir, seinem Assistenten, die Weisung: „Sagen Sie ihm, er soll das lassen. Unsere Hühner treten wir immer noch selber.“ – Hans van Treeck


Leserbrief zu „Ins Scheitern verliebt“ von Lorenz Maroldt und Harald Martenstein

Zum ersten Mal in meinem Leben verfasse ich einen Leserbrief. Gerade habe ich meine Lachtränen getrocknet, massiere meinen Nacken vom ständigen Nicken im Wechsel mit Kopfschütteln. Der Artikel der Herren Martenstein und Maroldt im Zeitmagazin ist großartig! Vielen Dank dafür! Herrn Martensteins Kolumne ist übrigens generell der erste Text, den ich Donnerstags lese. – Stefanie Jacob


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

So etwa hätte ich mir gern den Wahlkampf meiner Partei, der SPD, vorgestellt, wie es der o.a. Artikel vormacht: Die Kanzlerin stellen in all Ihrer Scheinheiligkeit, trägen und mutlosen Inaktivität.  Der Artikel behandelt das wichtigste Thema unserer Zeit mit gebührender Schärfe. Dafür mein Dank!  Nur ist er am kommenden Donnerstag ein Artikel in der Zeitung von gestern, will sagen: Ihr dürft damit nicht aufhören! In jeder Ausgabe ab sofort mindestens ein Artikel zum Klimawandel! Hauts der Industrie, meiner Partei, den Grünen um die Ohren, wem auch immer. Alle vergessen das Thema, wenn sie vom Tisch gehen, an dem sie gerade noch die heißesten Schwüre abgesondert haben. Und Ihr seid nichts besser als jene, wenn Ihr nicht unablässig in der Wunde bohrt. – Dr. Hermann Oetting


Leserbrief zu „40 Thesen zur Reform des Islams“ von Abdel-Hakim Ourghi

Meiner Meinung nach verleitet die von Ihnen gewählte Form des Thesenpapiers zu unnötigen Vereinfachungen und Überspitzungen, die einer offenen Diskussion eher hinderlich sind. Daher einige Kommentare:

„1. Es ist Zeit für einen europäischen Islam.“ Wirklich? Oder geht es nicht einfach um einen im besten Sinne aufgeklärten, angstfreien Islam, der sich von jahrhundertealten Fehlhaltungen befreit? Diese Bewegung muss aber nicht zwingend aus Europa kommen, sie kann von überallher kommen, wo Menschen unvoreingenommen in das hineinlauschen, was als Resonanz auf den Koran in ihnen entsteht. Europa hat kein Patent auf das „sapere aude“.

„2. Die Heilige Schrift des Islams an sich ist leblos…“ Wuchtiger kann man die Tür zum Dialog nicht zuknallen. Wo andere Gelehrte sich in jahrzehntelanger Kleinarbeit abmühen, das Bild vom Koran als unmittelbarem Wort Gottes aufzuweichen, werfen Sie gleichsam eine Bombe. Wenn der Koran leblos ist, dann ist seine Interpretation beliebig – siehe auch Punkt 3 Ihrer These. Kann das wirklich so gemeint sein?

„20. Der Islam hat ein gestörtes Verhältnis zur Reflexion.“ Ist es nicht eher der heutige Islam gewisser totalitärer Gesellschaften, der die Reflexion oder auch Innenschau als Quelle der Gotteserkenntnis ablehnt? Diese Tradition gab es, das wissen Sie besser als ich. Warum laden Sie hier nicht eher dazu ein, sie wieder zu entdecken und neu zu beleben? – Angela Paap


Leserbrief zu „Schuldig! Sofort!“ von Josef Joffe

In der Kolumne fehlt mir die Verbindung von „due process“ zu dem Schiedsgericht der Universität oder dem Schassen zweier Professoren vor einer Gerichtsverhandlung. Wo ist da die Verbindung? Und wo ist der Beweis, daß „due process“ versagt hat, wenn die Verurteilung außergerichtlich stattfand? Und gäbe es diese Kolumne, wenn die Professoren z.B. wegen Plagiaten zerstört würden? Wieder drängt sich mir der Verdacht auf, daß der Tatbestand von sexueller Belästigung nicht ohne Einschränkung oder Ablenkung hingenommen werden kann. Es trifft einfach zu viele Männer ins Mark. Da können sie/wir nur leugnen oder verdrängen. Und was hat eigentlich ein 84 jähriger Professor am Po seiner Studentin verloren??? – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Spalterische Leidenschaften“ von Ulrich Ladurner

Ich arbeite als Rechtsanwalt in Frankfurt am Main und Barcelona und natürlich beschäftigt mich die Katalonienkrise auch persönlich ganz erheblich. Mein Vater ist deutsch, meine Mutter Katalanin. Ich verfolge tagtäglich die Ereignisse hier vor Ort und auch die internationale Presse und Kommentare und ich habe mich entschieden, Ihnen doch einen Leserbrief zu schreiben, denn das „Zeug“, dass Ihre Redakteure schreiben ist, bei allem Respekt, einfach unseriös. Heute wieder dieser unselige Artikel von Ulrich Ladurner „Er radikalisiert auch nach seinem Scheitern“ ist geprägt von grosser Ignoranz und Unwissen. Ich weiss nicht ob Sie sich bewusst sind. Hier vor Ort in Barcelona kann ich ein „Scheitern“ der Katalanen auf gar keinen Fall feststellen. Ich bin mir bewußt, daß die Haltung vieler Deutscher zu der Katalonienfrage besonders davon bestimmt wird, die wirtschaftlichen Vorteile innerhalb Europas nicht zu verlieren, d.h. den Zugang zu den freien Märkten aller EU Mitgliedsländer genießen zu dürfen, aber ansonsten keinerlei weitergehende Verantwortung, insbesondere finanzieller Art, übernehmen zu müssen.

Da ich nun einmal deutsch/spanischer Jurist bin ist es mir eine Herzensangelegenheit, Ihnen meine tiefste Besorgnis über rechtsstaatliche Vorgänge hier in Spanien zu berichten, damit Sie sich ein vollständigeres Bild über die Situation machen können. Spanien hat m.E. ein ernstes rechtsstaatliches Problem, welches innerhalb der europäischen Mitgliedstaaten erkannt und besprochen werden sollte.

  1. a) Nach dem Tode Francos öffnete sich Spanien zwar und installierte eine parlamentarische Monarchie, aber der neue Staat hat sich niemit den Verbrechen aus der Franco-Zeit auseinandergesetzt, geschweige denn die Täter aus dieser Zeit angeklagt. Die alten faschistischen Eliten wurden stillschweigend in die rechtskonservative Volkspartei PP integriert und alles unter den Teppich gekehrt.

Bis Heute (!) verweigert die Partei PP eine Aufarbeitung des Franco-Systems:

(i) Die sozialistische Partei PSOE hat im September einen Antrag vor dem Parlament gestellt, faschistoide Urteile aus der Franco-Zeit aufzuheben und ist krachend gescheitert.

(ii) Da im Parlament keine Mehrheit machbar ist, hat der PSOE zusammen mit der Gemeinde Madrid diese Woche beschlossen, Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft zu stellen, um die Verbrechen der Franco-Zeit untersuchen zu lassen. Die Volkspartei PP hat natürlich dagegen gestimmt. Ob die Staatsanwaltschaft diesen Antrag tatsächlich weiterverfolgt ist fraglich.

  1. b) Praktisch inexistente Gewaltenteilung in Spanien: Es ist eines der Grundpfeiler einer jeden Demokratie, daß es eine Teilung der verschiedenen Gewalten gibt, um Mißbrauch vorzubeugen.

In Spanien ist es so, daß die Judikative formal gesehen gem. art. 378 Span. Gerichtsverfassungsgesetz (Ley Organica del Poder Judicial – LOPJ) unabhängig ist. Papier ist bekanntlich geduldig und die entscheidende Frage ist, wie unabhängig die spanische Justiz tatsächlich ist. Die oberste Kontrolle der Judikative erfolgt in Spanien durch den sog. „Generalrat für Gerichtswesen“ (Consejo General del Poder Judicial – CGPJ), Art. 122 Spanische Verfassung (Constitución Española – CE). Gemäß Art. 560 LOPJ hat dieser Kontrollrat u.a. die folgenden Kompetenzen: Art 560: Der Generalrat für Gerichtswesen hat die folgenden Kompetenzen:

  1. Vorschlagsrecht, gemäß den Bestimmungen dieses Gesetzes, des Präsidenten des Tribunal Supremo Anmerk.: Entspricht deutschem BGH) und des Generalrat für Gerichtswesen.
  2. Vorschlagsrecht bezügl. aller Richter, Berufsrichter und Richter des Tribunal Supremo.
  3. Vorschlagsrecht, gemäß den Bestimmungen dieses Gesetzes, der Richter des Verfassungsgerichtes (Tribunal Constitucional)
  4. Anhörungsrecht bei der Regierung, vor der Ernennung des Generalstaatsanwaltes.
  5. Entscheidung bei Zuständigkeitsstreitigkeiten zwischen verfassungsrechtlichen Organen des Staates, gemäß den Bestimmungen des Verfassungsgerichtsgesetzes.
  6. Beteiligung an der Auswahl von Richtern und Berufsrichtern gemäß den gesetzlichen Bestimmungen.

El Consejo General del Poder Judicial tiene las siguientes atribuciones:

1.ª Proponer el nombramiento, en los términos previstos por la presente Ley Orgánica, del Presidente del Tribunal Supremo y del Consejo General del Poder Judicial.

2.ª Proponer el nombramiento de Jueces, Magistrados y Magistrados del Tribunal Supremo.

3.ª Proponer el nombramiento, en los términos previstos por la presente Ley Orgánica, de dos Magistrados del Tribunal Constitucional.

4.ª Ser oído por el Gobierno antes del nombramiento del Fiscal General del Estado.

5.ª Interponer el conflicto de atribuciones entre órganos constitucionales del Estado, en los términos previstos por la Ley Orgánica del Tribunal Constitucional.

6.ª Participar, en los términos legalmente previstos, en la selección de Jueces y Magistrados.

In der Praxis bedeutet dies: die Ernennung eines Richters in Spanien ohne das Einverständnis des Generalrats für Gerichtswesen ist faktisch nicht möglich.

Die entscheidende Frage ist nun: Wer entscheidet denn nun, wer in den Generalrat für Gerichtswesen aufgenommen wird, und wer nicht? Hier helfen uns die Art. 122 und 123 der Spanischen Verfassung weiter:

Art. 123.2 CE: Der Präsident des Verfassungsgerichtes werden von dem König ernannt.

Art. 122 CE: Der CGPJ setzt sich aus 20 Mitgliedern zusammen und dem Präsidenten des Verfassungsgerichtes (insgesamt also 21). Weiter führt das Gesetz geduldig aus:

– 12 Mitglieder werden von Richtern und Berufsrichtern nach Maßgabe der Gerichtsordnung bestimmt.

– 4 Mitglieder werden auf Vorschlag des Senats (2. Kammer) bestimmt

– 4 werden vom Parlament (1.Kammer) bestimmt.

Alle Mandate müssen mit einer Mehrheit von 3/5 gewählt werden.

Auf dem Papier sieht alles gut aus. Aber was passiert in der Praxis? In der Praxis sieht es so schlimm aus, daß selbst konservative und national orientierte Medien und breite Schichten der Anwaltschaft in Spanien die mangelhafte / inexistente Gewaltenteilung kritisieren:

http://www.lasexta.com/programas/sexta-columna/justicia-espanola-independiente-poder-politico_201301185727cfb44beb28d446031a18.html

Denn auf Grund der hohen 3/5 Hürde, hat man keine Chance, die notwendige Mehrheiten zustande zu bekommen, ohne die Unterstützung der zwei großen Parteien PP und PSOE zu haben. Dies führt dazu, daß gegenwärtig ALLE Mitglieder des CGPJ durch den Senat und Parlament ernannt wurden. D.h. Die Politik hat faktisch das Mandat und Führung über die Gerichte auf höchster Ebene übernommen. Dadurch daß der CGPJ über Gehälter und Zukunft der Richter entscheidet, ist dem Klientelismus und Kungelei Tür und Tor geöffnet. Es ist ein offenes Geheimnis in  Spanien. Und natürlich wird sich da unterstützt und werden Gesetze so ausgelegt, dass es dem „System“ hilft. Das brauche ich Ihnen ja nicht zu sagen.

Im Ergebnis muß man leider feststellen: In Spanien gibt es keine von der Politik / anderen Gewalten unabhängige Justiz

Ganz konkret sieht man das Ergebnis dieses unzureichend demokratischen Systems in Spanien in dem Fall von Hrn. Puigdemont:

Der Ex-Parlamentarier Hr. López Garrido, Verfassungsrechtler, hat damals 1995 an der Ausarbeitung des neuen Strafgesetzbuches mitgewirkt und den Artikel 472 Código Penal – CP der „Rebellion“ mit verfaßt.

Selbst er gibt ganz offen zu, daß dieser Tatbestand im Falle von  Hrn. Puigdemont nicht erfüllt ist, wenn dieser Artikel so angewandt wird, wie er damals angedacht war. Auch die einseitige Unabhängigkeitserklärung erfüllt diesen Tatbestand nicht. Was die spanische Generalstaatsanwaltschaft hier macht ist Rechtsverdrehung in ganz schlimmer Art und Weise, um politische Gegner der spanischen Einheit kaltzustellen. Ich brauche nicht zu betonen, wie besorgniserregend dies ist.

Siehe: http://cadenaser.com/ser/2017/10/27/tribunales/1509126971_801763.html

Es geht im Falle Puigdemont also im Grunde genommen nicht darum, ob er sich seiner „Verantwortung“ stellen soll, oder nicht. Denn Niemand kann ernsthaft behaupten, Puigdemont solle dies nicht tun, natürlich muß er sich der Verantwortung stellen. Es geht vielmehr darum, ob in Spanien die Rechte gewahrt sind und wie demokratisch ein EU- Mitgliedstaat, und damit Europa letztlich sein will. Es geht um die Standards der Bürgerrechte in Europa. m.E. ist schon fraglich, ob Puigdemont in Spanien ein fairer Prozeß gemacht wird, die Zukunft wird dies zeigen. Ich persönlich glaube Hr. Puigdemont ist exzellent rechtlich beraten, um im Rahmen seiner schwierigen Situation das Größtmögliche herauszuholen. Ich möchte Ihnen meine ganz ernsthafte Besorgnis darüber aussprechen, wie leichtfertig und gedankenlos in Deutschland argumentiert wird. Denn unabhängig davon, wie man zu der Frage einer möglichen Unabhängigkeit von Katalonien stehen mag, möchte ich es keinem demokratisch denkenden Menschen unterstellen, daß er die von Montesquieu und anderen Philosophen im 17. Jahrhundert mühsamst errungenen Grundrechte und Freiheiten ernsthaft in Frage stellt. Ich bin unglaublich besorgt, wenn sich der Chef der Volkspartei PP in Katalonien, Herr Albiol, vor die Presse stellt und ankündigt, den „Bundeszwang“ aus Art. 155 CE einfach fortzusetzen, sollten die Unabhängigkeitsbefürworter, also die „falschen“ gewinnen. Ich frage: was ist das denn für ein demokratisches Verständnis? Siehe auch: https://www.republica.com/2017/11/02/gobierno-y-psoe-aplicaran-de-nuevo-el-155-si-el-futuro-govern-insiste-con-la-independencia/

In den letzten Tagen gab es große Bewegung in den Wählerbefragungen und es ist schwierig hier eine Prognose zu wagen. Aber derzeit es sieht alles danach aus, daß die Unabhängigkeitsbefürworter in Katalonien erneut die absolute Mehrheit gewinnen werden. Es kann niemand in Europa ernsthaft glauben, daß sich die katalanischen Wähler einfach im Nichts auflösen werden. Das wird nicht passieren. Es ist eine ganz emotionale Sache, welche seit Jahrhunderten zwischen den Katalanen und Spanien ausgetragen wird. Diese Emotionen kann man einem Außenstehenden auch kaum vermitteln. Gerade vor einer Stunde hat Puigdemont angekündigt, bei den neuen Wahlen wieder als Spitzenkandidat der separatistischen Parteien antreten zu wollen. Die Wahl am 21. Dezember wird extrem spannend. In neuesten Umfragen befindet erstmals eine Mehrheit von Spaniern, dass die Katalanen im Rahmen eines Referendums über ihre Zukunft abstimmen können sollten. Es sind gewaltige Bewegungen und Entwicklungen, deren Ende man noch garnicht absehen kann. Für Spanien. Für Europa.

Aus all diesen Gründen halte ich es für einen gravierenden und schlimmen Fehler der EU und der anderen großen europäischen Seiten, sich hier nicht einzumischen. Es geht nicht darum, den spanischen Staat in irgend einer Weise herabzusetzen. Es geht darum zu entscheiden, wie wir in Europa in Zukunft leben wollen. Und das spanische Modell hat sich eindeutig überlebt. Wenn das nicht erkannt wird, dann wird die Rechnung für ganz Europa sehr teuer und häßlich werden. Ich hoffe sehr, die Redakteure der ZEIT nehmen sich mal ernsthaft ZEIT, um die Lage hier in Spanien wirklich zu analysieren und nicht nur unreflektierten Unsinn von sich zu geben. Es ist höchste ZEIT, meine Damen und Herren. – Claudius Schreibweis


Leserbrief zu „Überraschungsparty” von Kerstin Kohlenberg

Es sind fast die gleichen Verhaltensrituale einiger Politiker., die der Autor beschreibt, wie in Deutschland und in einigen EU-Ländern. Wäre Trump kein Populist (obwohl ich mit dem Wort nicht viel anfangen kann) hätte er auch nicht die Wahlen gewonnen. In Zukunft wird er an wirtschaftlichen Daten gemessen. Kann er sie wie angesagt liefern, wird er keine Probleme bei den nächsten Wahlen haben. Jetzt frage ich Sie ernsthaft: Ist Ihnen eine Ideologie lieber, die die Bürger in Angst und Schrecken versetzt (wie jetzt in New York) und Terror zur Gewohnheit wird. Oder das Wohlergehen der Bürger? Nein, mit Ihren Beitrag kann ich nicht viel anfangen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Die Kunst und ihr Raub“ von Thomas E. Schmidt

Besten Dank an Thomas E. Schmidt für seinen sehr wichtigen Artikel. Seine exzellente Rezension von Monsieur Remys Buch öffnet Augen für  Staatskungelei / Verschleierung / Nötigung / Rechtsbruch infolge Anwaltsverweigerung / sowie für Heuchelei & Inkompetenz der zuständigen Behörden. Kein Wunder, daß in diesem Bundesland sich ebenso der Skandal um Gustl Mollath ereignete. – Paul Zendo


Leserbrief zu „Spalterische Leidenschaften“ von Ulrich Ladurner

In Ihrem Artikel beschreiben Sie in unglaublich treffender Art und Weise die aktuelle Situation in Katalonien und Europa und gehen dabei zurück in die Geschichte nach Südtirol! Dabei versuchen Sie dem Leser die Beweggründe von Separatisten zu verdeutlichen! Besser als Sie das Schreiben, kann man es nicht zum Ausdruck bringen! Umso mehr verstehe ich dann allerdings Ihre meinungsbeeinflussende Zeile im Artikel `Dann rebelliert mal schön` nicht , in der Sie schreiben …….

…Piugdemont und seine Mitstreiter wollen Helden ihrer Nation sein. Leiden wollen Sie nicht. Das geht in Ordnung. Auch Nationalisten sind nur Menschen. Sie haben ein 

Recht auf Feigheit, wie jeder andere auch!

Auf der einen Seite versuchen Sie Verständnis für das Verhalten der Katalanen zu erzeugen um dann im nächsten Artikel hinzuzufügen aber nur , wenn die Anführer auch bereit wären, ins Gefängnis zu gehen! Was ist denn das für ein Murks? Für was denn bitte schön? Landfriedensbruch, Volksverhetzung ? Das fordert nämlich die spanische Justiz! Viva Espana! Da kann man mal sehen wie demokratisch Spanien wirklich ist ! Und das als Mitgliedsstaat in der Europäischen Gemeinschaft! Vom Schreibtisch aus  fällt es einem  wohl leicht, freiwillig von einem zu fordern, für 30 Jahre ins Gefängnis zu gehen! Die Spanier verhalten sich genauso, wie man es von Ihnen kennt! Und mit Ihrer Guardia Civil, die heute noch alle Franco nachtrauern zeigen Sie, wie man in Barcelona und Umgebung aufräumt ! Am Balkan waren wir sogar militärisch dabei ! Aber momentan scheint es halt einer Europäischen Union nicht so recht in den Kram zu passen! Immer gerade so wie es passt ! Vielleicht sind ja die Bösen von heute morgen schon wieder die Guten? Es tut mir leid, das schreiben zu müssen aber anscheinend haben Sie sich vorher nicht wirklich ausreichend mit der spanischen Geschichte auseinandergesetzt! – Lutz Ruff


Leserbrief zu „Denkt groß, bitte!“ von Mariam Lau und zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al. und zu „Der Mann in der Mitte“ von Matthias Geis und Mark Schieritz

Katzenjammer über Merkels Lügen. Als treuer Leser der Zeit bin ich schockiert über die „Politik“, Ihres Blattes in den vergangenen vier Monaten: Zunächst eröffnete der Chefredakteur Giovanni di Lorenzo in einem Leitartikel das Martin-Schulz-, SPD- und auch Grünen-Bashing, das sich bis zum Donnerstag vor der Wahl hinzog. Im selben Artikel stellte di Lorenzo Angela Merkel´s CDU pauschal ein ordentliches Zeugnis aus. Und nach der Wahl? Gibt es keine einzige Ausgabe der Zeit mehr, in der kein eklatantes Versagen von CDU/CSU unter der Führung von Angela Merkel festgestellt wird. Warum haben hat die Zeit die berechtigte Kritik an Merkels CDU/CSU nicht VOR der Wahl geübt, sondern tut dies in der gebotenen Intensität erst DANACH? Als naturverbundener „Wessi“ lebe ich heute in der Braunkohleregion Lausitz. Wie kann es sein, dass die verantwortlichen Politiker noch heute einen schnellen Kohleausstieg ablehnen können mit der Begründung, dass man erst einmal Perspektiven für den Strukturwandel schaffen müsse! 25 Jahre lang haben sie sich des heiklen Themas nicht angenommen! Und wundern sich jetzt, dass die AFD drei Direktmandate in der Region erringt!

Dass Kanzleramtschef Peter Altmeyer nicht erkennt, das „nachhaltiges Wirtschaften“ und „nachhaltiges Wirtschaftswachstum“ eher Gegensätze als ein und dasselbe sind, besorgt mich sehr. Siehe Club of Rome 1972: Die Grenzen des Wachstums! Und kein Politiker oder auch nur Journalist traut sich, das Goldene Kalb „Wirtschaftswachstum“ abzuhalftern und eine Zukunft ohne es anzugehen. Als treuer Wähler der Grünen hat mir Miriam Laus geistesblitzartige Analyse sehr gefallen, dass sich CSU und FDP nunmehr allein darin definieren, dass sie die vernünftige Programmatik der Grünen bekämpfen. Der Artikel „Das Naturschauspiel“ (der – wenn es um den SPD-Kanzlerkandidaten gegangen wäre – in der Zeit „Martin der Schauspieler“ geheißen hätte) zeigt klar: Merkel belügt beim wichtigen Thema Klimawandel die Bevölkerung! – Sebastian Koerner


Leserbrief zu „Schuldig! Sofort!“ von Josef Joffe

Josef Joffe hat den Finger in die Wunde gelegt. Deswegen stehe ich mit Journalisten auch auf Kriegsfuß. Ich muß mich zusammenreißen um nicht in Hass zu geraten. Manchmal wünsche ich mir, die Gesetzgebung  möge die Pressefreiheit etwas mehr einschränken. Der Missbrauch der Pressefreiheit zerstört Existenzen bis hin zum Suizit. Ich lebe auch in einem Land ( Singapur), wo genau das eingeschränkt ist. Nicht die Existenz des angeblich Schuldigen wird zerstört sondern die des Anklägers (Journalisten). – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Gefälschte Stimmen” von Hannes Vogel

Solche Anschuldigungen sind durch nichts bewiesen. Es macht sich immer gut, wenn es sich um die AfD handelt. Solche Beiträge möchte ich in der „Zeit“ nicht lesen. Das ist eher etwas für die Boullevard-Blätter. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Mit großer Begeisterung lese ich das Magazin. Auch die persönlichen Kolumnen, wie beispielsweise v. Harald Martenstein, finde ich lesenswert und amüsant. Danach bleibt immer etwas zurück: ein Lächeln, eine Einsicht etc. Im Gegensatz dazu verstehe ich überhaupt nicht, weshalb eine schlecht geschriebene und mit belanglosen Bildern versehene Kolumne, wie von L & T über einen so langen Zeitraum fortgeführt wird? Diese ist weder witzig, noch persönlich und auch nicht künstlerisch. Sie ist einfach nur öde. Ich empfinde es als Vergeudung von 2 Seiten. Wann wird diese endlich eingestellt? Mich interessiert, was war die Intention soetwas zu beginnen? P. S. Die Altersangabe (47) sende ich mit, um das eventuelle Argument, ich sei ein verbiesterter, alter Knochen, zu entkräften. :-)) – Attila Vilmar


Leserbrief zu „Nachhaltig getäuscht” von Claas Tatje

Zum Täuschen gehören immer zwei und eine Absicht. Das ist beim sog. Abgasskandal schwer zu finden. Es war jahrelanger und jedem bekannter Brauch in Deutschland, dass die genannten Verbrauchswerte bei PKWs nur ein Anhalt aus Labormessungen waren und sich der tatsächliche Verbrauch und damit der CO2-Ausstoß vom Gebrauch des Fahrzeugs abhängig ganz anders verhielt. Getäuscht werden konnten nur ganz naive Menschen, sicher nicht ein Flottenchef einer großen Firma. Wir dürfen froh sein, dass in Deutschland ein Gericht diese Ansicht bestätigt hat und nicht der aus Amerika kommenden Praxis gefolgt ist, Schadensersatz als moralisch begründete Strafen zu verhängen. Unser Rechtssystem sieht so etwas nicht vor und darüber können wir froh sein. Erlaubt ist in Deutschland, was nicht verboten ist und das sollte so bleiben. – Peter Kayser


Leserbrief zu „Gefälschte Stimmen” von Hannes Vogel

Sie haben sich da ein sehr interessantes Thema ausgesucht. Das sollte viel öfter in den Medien behandelt werden; falls Sie dazu noch Material brauchen: http://rupp.de/briefwahl_einspruch/briefwahl_wahlbetrug.htmlRicarda Wieland


Leserbrief zu „Wie viel Geld ist eigentlich da?“ von Mark Schieritz

Wenn es um Flüchtlingspolitik geht, kann die ZEIT anscheinend immer nur tendenziös berichten. “Für die Flüchtlinge wurde weniger bezahlt als gedacht” und “.. sieben Milliarden Euro für die Aufnahme von Flüchtlingen zurückgelegt, .. überhaupt nicht benötigt werden.” Sie wollen suggerieren, dass die Kosten in diesem Bereich also vernachlässigbar sind, denn weitere Angaben gibt es im Artikel nicht. Das ist manipulativ. Recherchieren Sie doch einmal diese Kosten und die zu erwartenden Entwicklung in den kommenden Jahren (und veröffentlichen Sie sie). – Gerhard Reinelt


Leserbrief zu „Aus der Ferne” von Jan Schweitzer

Donald Trump hin oder her – es wäre schon eine verlockend einfache Lösung alle Unbequemen mittels psychiatrischen Gutachtens weg zu schaffen. Willkommen zurück im Mittelalter! Ich halte den Kerl auch für gefährlich, doch es ist höchst bedenklich, wenn Ärzte sich politisch instrumentalisieren – gleichgültig für welches Ziel.  Wenn das Schule macht, ist bald keiner mehr sicher vor psychiatrischer Ferndiagnose. Und glauben Sie mir, diese Büchse will keiner öffnen der halbwegs bei Sinnen ist. Politische Probleme müssen politisch gelöst werden, nicht mit der Waffe in der Hand – auch nicht mit der Psychokeule. – Helmut Rochholz


Leserbrief zu „Denkt groß, bitte!“ von Mariam Lau

W i e bitte, kann man von erfahrenen, weltgewandten Demokraten erwarten, daß sie bitte groß denken sollen, wenn diese bei Erlangung eines Ministerpostens, für den sie dann schwören zum Wohl des deutschen Volkes tätig zu werden, wenn sie sich im täglichen Leben als erfahrene Juristen z.B. wie  Herr Kubiki (FDP)  f ü r  (nicht gegen!) einen Herrn Hanno Berger einspannen lassen, der als größter deutscher Steuerbetrüger per dato gilt und den Staat (uns Bürger) um 31,8  M i l l i a r d e n  Euro betrogen hat zusammen mit ca. 40 Banken. Der Staat ist augenscheinlich nicht sonderlich daran interessiert, diesen Fall aufzuklären, da einige dieser Banken dann Konkurs anmelden müßten, anstatt sich um die Bürger zu sorgen, die betrogen worden sind. Merke: Das passiert hier in Deutschland, nicht im Kongo! – Ingrid Schröter


Leserbrief zu „Ins Scheitern verliebt“ von Lorenz Maroldt und Harald Martenstein

Habe gerade den Berlin Artikel im ZEIT Magazin gelesen – Großartig…. Offenbar kommt  in Berlin eine Mischung aus  Resignation und Faszination zusammen  – am Ende bleibt ein kribbeln… Ein toller Artikel.. Wie wäre es mit weiteren Porträts von großen Städten. ..vlt. Hamburg ? – Dirk Hegemann


Leserbrief zu „Denkt groß, bitte!“ von Mariam Lau

Wie „groß“ soll es denn bitte sein? Wenn der Markenkern der Parteien -wie z.B. die Staatsskepsis der FDP-  bis zur Unkenntlichkeit verwischt wird- was ist damit gewonnen? Kompromisse ja, aber nicht um jeden Preis! Denn sonst lacht sich die SPD ins Fäustchen, die ja letztlich zu Gunsten der „reinen Lehre“ von einer möglich gewesenen Regierungsbeteiligung bewußt Abstand genommen hat. – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Es ist unfähr die Versäumnisse in der Umweltpolitik allein der Kanzlerin in die Schuhe zu schieben. Seit dem Bericht des Club of Rome von 1972 („Grenzen des Wachstums“) ist klar, dass die Weltwirtschaft unter anderem auf nachwachsende Rohstoffe umgestellen, den Energieverbrauch reduzieren muss. Seit den 1980er-Jahren fördert das Bundeslandwirtschaftsministerium die Forschung und den Anbau nachwachsender Rohstoffe. Die grüne Agrarministerin Renate Künast erklärte Anfang der Nuller-Jahre jeden Landwirt für dumm, der nicht in die Energie-Produktion (Biogas etc.) einsteigt: „Die Landwirte sind die Ölscheichs der Zukunft“. Hat Frau Künast, hat DIE ZEIT die heute beklagten Folgen vorhergesehen? Ich kann mich nicht erinnern. Das „Einknicken der Kanzlerin vor der Autoindustrie“ hat einen einfachen Grund: Die Kunden kaufen die umweltpolitisch falschen Autos. Ich schlage daher eine Selbstverpflichtungserklärung vor, die möglichst alle Mitarbeiter und Leser der ZEIT unterschreiben: Ich verpflichte mich, im Urlaub nicht mehr mit dem Flugzeug oder Hubschrauber zu fliegen. Dienstlich werde ich das Flugzeug nur noch nutzen, wenn dies unumgänglich ist. (Herr Harro Albrecht kann dann nicht mehr zum Wandern nach Grönland; die ZEIT-Reisen-Redaktion wird aufgelöst.) Ich verpflichte mich, mit keinem SUV, mit keinem Auto mit über 100PS mehr zu fahren. Ich verpflichte mich… (Liste kann fortgesetzt werden; der einzelne Mitarbeiter/Leser erhält die Möglichkeit, einzelne Punkte anzukreuzen)Wenn diese Aktion sagen wir 90%-igen Erfolg hat, werden andere Medien in Deutschland und darüber hinaus folgen. Der Markt wird sich ändern, BMW etc. werden ihre schweren Autos nicht mehr los .. – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Wie viel Geld ist eigentlich da?“ von Mark Schieritz

Muss es denn immer um Geld gehen? Ja. das ist das Leben. Unser Planet orientiert sich nur am Zaster. Deswegen wollen alle nach Europa. Das wäre auch die Lösung unserer desaströsen Flüchtlingspolitik. Die Flüchtlingspolitik definiert sich nur übers Geld. Wenn die großzügigen Geldgaben eingestellt werden, dann hat sich auch das Flüchtlingsproblem erledigt. Aber das ist nicht demokratisch. Macron will jetzt Europa zentralisieren. Dabei wird er sich eine blutige Nase holen. Das ist vielleicht irgendwann in der Zukunft möglich. Aber auch nur dann, wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen worden sind. Eine gemeinsame Fiskalpolitik wäre zwingend. Und eine funktionsfähige Verwaltung. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Ketzer Franziskus” von Evelyn Finger

Danke für Ihren hervorragenden Artikel. Der Artikel ist ausgewogen und fair für beide Religionen. – Papst Franziskus weise : “ … Und es geht in der katholischen Kirche heute … nicht zuerst um die Lehre, sondern um die Liebe zu den Menschen.“ Damit wurde in die Liebe auch Martin Luther einbezogen, obwohl er 2 mal die Grenzen der Freiheit weit überschritten hatte : 1. Wegen krasser Missstände in der katholischen Kirche hatte er die katholische Religion gespalten, was nicht verantwortbar war und ist. Er hätte vorgehen müssen wie derzeit Papst Franziskus, der auch mit allen Kräften versucht, die heutigen Missstände in der katholischen Kirche zu beseitigen. 2. Martin Luther hasste Juden. Ein wahrer Christ hasst nicht. – Volker Freiesleben


Leserbrief zu „Ins Scheitern verliebt“ von Lorenz Maroldt und Harald Martenstein

Giovanni Di Lorenzo hat nicht zuviel versprochen. Auch ich hatte nicht nur ein lustvolles mentales Lesevergnügen, sondern zusätzlich ein physisches, die Lachmuskeln betreffendes Ertüchtigungstraining. Die zentrale Aussage „Nichts funktioniert aber jeder liebt sie“ ist wahrscheinlich durch folgende Adaptierung nachvollziehbar zu begründen: „Weil nichts funktioniert, liebt sie jeder!“ Und 1000 Jahre Bauzeit bei einer bloß einstelligen Verf(l)achung der geplanten Baukosten ist doch letztlich eine unglaubliche Vergünstigung des Projektes unter Berücksichtigung der über diesen nicht unwesentlichen Zeitraum sich zwangsläufig ergebenden Inflationsrate…👍😉. Gratulation an Martenstein/Maroldt – sprich: Berlins MaMa – für diese pointierte Schilderung der (Un)zulänglichkeiten einer europäischen Metropole! Ein Schelm, der dabei gedankliche Parallelen zur Funktionsweise der EU zieht…😉. – Wolfgang Sauer


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Für sinnfernes wie die endlose Larissa-und-Thomas-Fotostrecke hatten wir in meiner Jugend den Spruch: (hamburgisch gesprochen) “ Schad ja nix, aber was soll das“. Nu muscha auch ma gut sein. – Sven Herfurth


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Ich bin eifriger Zeitleser, so manche Frage, Anmerkung habe ich nicht geschrieben…aber heute: Warum erscheint Ihr Artikel über Frau Merkels desaströse Umweltpolitik erst heute und nicht vor der Wahl?? Warum hört man überhaupt nichts – nicht nur bei Ihnen – über die Politik(versuche) der Demokraten in USA? – Uta Roeder


Leserbrief zu „»Nicht die anzüglichen Bemerkungen sind das Problem, sondern das System, aus dem sie hervorgehen«“ von Antonia Baum

Ich sitze beim Frühstück, lese Ihren Artikel zur aktuellen Sexismusdebatte und bin begeistert. Sie schreiben, was mein Mann und ich am Vortag diskutiert haben. Die Debatte wird nicht viel ändern, wenn sie sich damit begnügt, aufzulisten, wer wem was angetan hat. Oder schlimmer noch, zu einer Hexenjagt verkommt. Wie bei einer Krankheit, müssen die Ursachen erkannt und bekämpft werden, nicht die Symptome. Die Ursache liegt im Machtgefüge von Konzernen (das Menschen, meist Männer, zu Macht trunkenen Machos macht) und den Strukturen der Gesellschaft, die immer noch stereotype Verhaltensmuster (Männer sind stark und mutig, Frauen sind nett und dekorativ) reproduziert. Verdammt nochmal, reden wir endlich mehr von den spezifischen Fähigkeiten jedes Menschen als über sein Geschlecht! Schaffen wir endlich neue Strukturen, die auf Kooperation basieren statt auf Hierarchien! Lasst uns an Themen arbeiten, nicht an der Sicherung alter Machtstrukturen! Es wäre so viel möglich. Vielen Dank für den Impuls. – Beate Gramling


Leserbrief zu „Und jetzt auch noch Kevin Spacey“ von Marie Schmidt

Endlich ein unaufgeregter, sachlich korrekter und in der Argumentation starker Artikel! Ich bin beim letzten Artikel des Herrn Weisbrod schon aus allen Wolken gefallen und war kurz davor einen Leserbrief zu schreiben, wusste aber nicht wie – danke, dass Sie mir diese Last abgenommen haben. Schade, dass Ihr Artikel es nicht auf die erste Seite des Feuilleton geschafft hat; ich hoffe, dass viele, viele Leserinnen und Leser ihn zu sehen bekommen, um eine Perspektive auf die #MeToo-Debatte zu bekommen, die im aufgeregten Durcheinander der Meinungen, großes Gehör finden sollte. – Mert Dinçer


Leserbrief zu „Denkt groß, bitte!“ von Mariam Lau

In ihrem Leitartikel zum Status der jamaikanischen Koalitionsverhandlungen redet Mariam Lau Tacheles – völlig richtig so. Verhandlungsmasse und (realistische) Optionen liegen doch längst auf dem Tisch und es gilt, will man den Zuspruch zu links- und rechtsradikaler Politik zu schlechter Letzt nicht noch weiter stärken, diese effektiv zu ergreifen. Das verlangt selbstverständlich von allen vier Parteien ein erhöhtes Maß an Verständigungs- und Kompromissbereitschaft, den klaren Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Dass aber unsere Demokratie ohnehin gar nicht anders funktionieren kann, sollte nicht nur die „alternativlose“ Kanzlerin wissen. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Blendet man Ihr Lamento aus und beschränkt sich statt dessen auf die Fakten zur Stromerzeugung, nachzulesen in den „Energy Charts“ des Fraunhofer Instituts, dann findet sich dort Erstaunliches: Deutschland produziert in diesem Herbst 2017 bereits 38,1% seines Stromes aus Sonne, Wind und Biomasse (und ein wenig Wasserkraft). Vor 10 Jahren waren es gerade einmal 15%. Wind macht schon mehr Strom als Kernkraft oder fast halb so viel wie alle Kohlekraftwerke. Ausgerechnet der Wind. Sein Anteil an der Stromerzeugung kann derzeit binnen Tagesfrist zwischen 3% und 57% schwanken und das unabhängig von der aktuellen Stromnachfrage. Noch schlimmer sind die Leistungsschwankungen. Verdreifacht sich beispielsweise die Windgeschwindigkeit, dann steigt die Leistung um den Faktor 27- und umgekehrt. Bei Sturmlagen sinkt der Strompreis oft auf Null (und darunter), weil wir viel zu viel Strom haben und bei Flaute muss mit konventionellen Kraftwerken ausgeholfen werden. Und mit jeder neuen Anlagen wird diese Spreizung künftig noch größer werden.

Das Erstaunliche ist aber, dass wir das alles geregelt bekommen. Mit noch mehr Wind im Netz wird man irgendwann dazu übergehen, Erdgas aus Wind zu erzeugen und später wieder in Strom umzuwandeln. Oder zu heizen oder (E-) Autos damit zu betreiben. Dann der Boom der Photovoltaik. Von 0,6% auf 8% stieg ihr Anteil an der deutschen Stromproduktion in 10 Jahren. Solarzellen sind mittlerweile hocheffizient und produzieren gut 20 Mal mehr Energie als zu ihrer Herstellung nötig ist. Und in sonnigen Regionen der Erde ist diese Form der Stromerzeugung bereits heute die billigste überhaupt. Mag sein, dass wir unsere „Klimaziele“ 2020 verfehlen. Viel wichtiger ist aber, dass wir mit gerade einmal 0,6% unseres Bruttoinlandproduktes (ca. 20 Mrd. €  jährlich) einen weltweiten Boom der Erneuerbaren Energien ausgelöst haben. Und dass wir als Exportnation daran ordentlich mitverdienen. So kommt die Investition langfristig und nachhaltig wieder zurück. Gut angelegtes Geld also. – Joachim Amann


Leserbrief zu „Denkt groß, bitte!“ von Mariam Lau

Das deutsche Bildungsbürgertum, dem auch Ihre Zeitung verpflichtet ist (ganz ohne negative Konnotation!) hängt dem Bismarckschen Ideal von Politik als Folge rationaler überparteilich bewerteter Problemstellungen und folgerichtiger Problemlösungen im Regierungshandeln, die dann nur durch das jeweils Machbare eingeschränkt wird. Dieses Politik-Ideal blitzt auch in Ihrem Artikel auf. Es unterstellt dabei den beteiligten Politikern, dass ihre Auseinandersetzungen allenfalls eine Art Politschau für das Wahlvolk darstellen, im Sinne einer großen Unterhaltung. Diese Vorstellung ist auch ein Teil des Glaubwürdigkeitsproblems der Parteien in unserem demokratischen System. Der AfD-Schock hat ihnen dies gerade vor Augen geführt. Ein Paradebeispiel für die Konfrontation dieses Politik-Ideals mit der Lebenswirklichkeit stellt die Agenda 2010 von Gerd Schröder da. Gefolgt von der durchaus richtigen überparteilichen Ratio hat die SPD aber die Interessen ihrer Wähler in einem Punkt entscheidend hintergangen, indem Sie zugelassen hat, dass es soziale Verlierer gibt. Ein Nimbus, den sie bis heute nicht losgeworden ist und der ihr von der LINKEN noch lange vorgehalten werden wird.

An dieser Stelle kommen wir zum Grundverständnis der Demokratie. In einer funktionierenden Demokratie ist eben nicht die Ratio das primäre politische Ziel; wer das nicht wahrhaben möchte, kann auch den Erfolg von Donald Trump oder in unserem Lande von der AfD nicht wirklich verstehen. Das primäre politische Ziel in der Demokratie ist die Durchsetzung von Interessen, den Interessen der Wähler. Dies ist die Exsistenzgrundlage unserer Parteien als Vertreter dieser Wähler im politischen System. Die Ratio entwickelt sich dabei erst als Folge aus dem politisch Machbaren und letztlich dem turnusgemäßen Wechsel der Interessenlagen im System. Diese Ratio ist nicht zwingend überparteilich oder wissenschaftlich begründet (was ja im Bereich der Klimapolitik immer wieder vor Augen geführt wird). So mag man z.B. auch den Narzissmus von Donald Trump beklagen, wie in der Rubrik WISSEN ausgefüht; der aber eben nur ein Spiegelbild der narzistischen Kränkung seiner Wähler darstellt und diese damit kompensiert, der Kränkung über einen Schwarzen als Präsidenten oder den Verlust alter Industrien oder die Machtlosigkeit, internationale Konflikte trotz aller militärischer Stärke einfach nicht lösen zu können. Man mag dabei durchaus mit Churchill beklagen, dass die Demokratie ein schlechtes System sei; ich muss aber auch mit ihm feststellen, dass ich kein besseres System kenne. Und wenn Jamaika nicht passt, dann geht es eben auch nicht. Politik lebt auch ein wenig von der Gelassenheit einer Gesellschaft und ihrer Eigendynamik für die Dinge, die Politik halt nicht lösen kann. – Michael Parbs-Dalitz


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Ich glaube, ein einziges Mal hat Frau Merkel wirklich einen Einblick in ihr Politikverständnis gegeben. Nämlich, als sie sich über ihr Idealbild der marktkonformen Demokratie ausließ. Dieser ausgezeichnete Artikel dokumentiert dieses Denken nachdrücklich und erschreckend. – Gerhard Reinelt


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Korrekt beschrieben wird die Klimapolitik der Bundesregierung, die nicht einmal ansatzweise hält, was seit Jahr und Tag vollmundig propagiert und versprochen wird. Sobald wirtschaftliche und/oder politische Interessen berührt werden könnten, schwärmen unzählige Lobbyisten aus und instrumentalisieren ihnen nahestehende vielfältig verbundene Parteien bzw. Gruppen. Dies geschieht seit langem in praktisch allen Politikbereichen. Jeder weiß es, aber keiner geht dagegen vor. Nie war der Slogan “ Geld regiert die Welt“ aktueller als in unseren Tagen. So weit – so schlecht. Beim Thema Umwelt und Klima kommt aber ein gewichtiger Aspekt hinzu : Praktisch niemand ist wirklich bereit, sein Konsumverhalten, seinen Lebensstil nachhaltig zu ändern.

Wir mokieren uns – zu Recht – über Ignoranten und chronische Lügner wie Trump und Co., aber machen selber weiter wie bisher. Jeder weiß, dass der Lebensstil, den wir in den sog. entwickelten Staaten führen und den die sog. Entwicklungsländer anstreben, nicht nachhaltig durchzuhalten ist, ohne dass es zu gravierenden Umwelt- und Klimaveränderungen kommt. Seien es die Treibhausgasemissionen, die Bodenvergiftung durch Stoffe wie Glyphosat oder die Trinkwasservergiftung durch die Unmengen von Nitraten. Insofern sind auch wir alle schuld daran, dass sich nichts ändert und vermutlich auch nicht ändern wird.  Wir sprechen immer vollmundig von „Klimaschutz“, dabei geht es vielmehr um Menschenschutz – um die Erhaltung der Lebensbedingungen für die Spezies Mensch. Der Planet Erde kann langfristig gut auf die Spezies Mensch verzichten – nur umgekehrt wird ein Schuh draus. Und wenn in 500.000 Jahren irgendwelche intelligenten ausserirdischen Lebewesen die Erde besuchen, werden sie kopfschüttelnd feststellen, dass die Tierart Mensch ausgestorben ist, obwohl sie intelligent genug war, ihr selbstmörderisches Vorgehen zu begreifen und zu ändern. – Karl-Erik Müller


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Auch wenn einigen der Bilder ein guter Blick des Urhebers oder im Fall von Larissa, der Urheberin, zu attestieren ist, trifft das auf die geäußerten Gedanken der beiden kos-monorail-itischen (um das „polit“ zu vermeiden) Vögelchen und den Plot nicht im Geringsten zu. Wirklich, das macht schlechte Laune zum Wochenende und lässt mich am Verstand der Redaktion zweifeln. Mal etwas auszuprobieren ist richtig, aber mit Verlaub: die Scheiße nun durchzuziehen, raubt mir die Fassung. Deshalb ein Vorschlag zur Güte: Probieren Sie in erster Stufe den Abdruck der Bilder ohne Text. Dann bekommen die beiden weiterhin ihre Props und Honorar und irgendwann läuft ja jede Vereinbarung mal aus. Die Texte schieben Sie dann als „Facebook-Interview“ zu bento rüber. Ich befürchte nur, dass es selbst dieser Redaktion mehr peinlich als interessant erscheint. – Anton Kunze


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Man wundert sich, daß Deutschland seine Klimaziele nicht erreicht ! In diesem Punkt wurde die Regierung mit Kanzlerin Merkel von Pseudowissenschaftlern der Energietechnik falsch beraten. Man hatte vorgerechnet, daß durch kontinuierlichen Ausbau von Sonnen-und Windkraftwerken der CO2 Ausstoß beim Stromverbrauch bis 2050 auf Null reduziert werden könne. Dabei wurde übersehen, daß die Primärenergieträger Kohle, Uran un Öl jederzeit zur Verfügung stehen, nicht aber Sonne und Wind (nur zu 10 bis 20% im Jahr) !!! Die kurzfristige Speicherung und Freisetzung von elektrischem Strom ist in der Größenordnung der gesamten Stromversorgung nicht möglich. So wird auch in naher Zukunft die Kohle unbedingt benötigt werden und damit auch der CO2 Ausstoß nicht verringert werden können. Eigentlich sollte man dies doch verstehen !? – Dr.Helmut Kiendl

Leserbrief zu „Spalterische Leidenschaften“ von Ulrich Ladurner

Dies ist der erste wirklich ausgewogene ( auch den Belangen der Separatisten Rechnung tragende ) Aufsatz, den ich bislang zu diesem Thema in den Medien finden konnte. – Dr. Hans Georg Rummel


Leserbrief zu „… und ein muslimischer Feiertag?“ von Ercan Karakoyun und Susanne Schröter

Die Einführung eines muslimischen Feiertags im in der Tat multireligiösen und multikulturellen Deutschland empfände ich zwar nicht als Abkehr von der christlich-jüdischen Tradition unseres Landes, gleichwohl als anachronistisch. Als bedeutend wichtiger als die Festlegung von gesetzlichen und kirchlichen/religiösen Feier- und Festtagen halte ich ohnehin die weltweite Achtung und Einhaltung der Menschenrechte, die Freiheit des persönlichen Glaubens und Nichtglaubens. Denn ohne diese ge- und erlebte Verständigung zwischen den Menschen können weder Glauben noch Religionen überzeugend existieren. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Die Kritik an Angela Merkel spannt einen zu kurzen Bogen, auch wenn sehr viel dafür spricht, dass jene den Klimaschutz höchstens als PR-Thema betrachten dürfte. Zum einen zählt es zur generellen Philosophie der Bundeskanzlerin, auf die Macht der Bilder zu setzen, was ihr zugegebenermaßen seit Beginn ihrer Amtszeit sehr gut gelungen ist. Zum anderen lässt sich der Trugschluss, angeblich Vorreiter bei einem verantwortlichen Umgang mit der Umwelt zu sein, ebenfalls auf andere politische Akteure hierzulande übertragen, da es zum Beispiel den C40-Zusammenschluss vieler größerer europäischer Metropolen gibt, wo man etwa an gemeinsamen Verkehrsprojekten zur Reduzierung der Abgasbelastung arbeitet, an dem sich leider sehr bezeichnend kaum eine deutsche Stadt beteiligt. Deshalb kann man das bizarre Naturschauspiel auch auf etliche Kommunen und Bundesländer ausweiten, wo man sich gerne mit falschen Lorbeeren schmückt! Rasmus Helt


Leserbrief zu „Ins Scheitern verliebt“ von Lorenz Maroldt und Harald Martenstein

Ich möchte eine Lanze brechen für die Berliner Verwaltung. Meine jüngsten Erfahrungen sind durchweg positiv.

Steuerbescheid: 16 Tage, Geburtsurkunde meiner Tochter: 5 Tage, Elterngeldbescheid: 3 Tage

Bei der Anmeldung meiner Verpartnerung beim Standesamt konnte ich das Camping-Zelt übrigens getrost zu Hause lassen. Ich habe einfach zum Telefonhörer gegriffen. Und siehe da: es hat funktioniert. Berlin-Bashing mag gerade unter Journalisten ein beliebtes Hobby sein. Und gewiss gibt es – je nach Bezirk – reichlich Verbesserungsbedarf. Doch wer pauschalisiert, tut vielen engagierten Verwaltungsmitarbeiterinnen und -Mitarbeitern Unrecht. – Isabel Steinweg


Leserbrief zu „Mein Feind, der Baum“ von Joachim Bittner

Das Tief Herwart hat nahezu ganz Deutschland betroffen. Seltsam ist nur, dass offenbar ausschließlich der Bahnverkehr unter den Sturmauswirkungen zu leiden hatte. Oder hat jemand etwas von Sperrungen der Autobahnen in sieben Bundesländern gehört ? Warum wohl wachsen Bäume an den Bundesfernstraßen nur in naturschutzverträglichem Abstand ?  Ich frage mich, warum bei Bundesfernstraßen möglich ist, was bei der Bahn nicht gehen soll. Die Auto- und Straßenlobby in diesem Land hat wieder einmal die Nase vorn, so scheint es. – Heinz Küssel


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Vielen Dank für dieses Dossier, welches eine längst offensichtliche Tatsache in die Bevölkerung zu tragen versucht. Bleiben Sie dran, zeigen Sie Biss, dieser Artikel alleine, so wichtig er ist, wird nicht reichen. p.S.: Am Anfang ist Ihnen ein kleiner Lapsus unterlaufen. Sie schreiben: „Vor wenigen Tagen wurde bekannt: Nie in den vergangenen 800 000 Jahren Jahren war die Konzentration von Treibhausgasen in der Athmosphäre so hoch wie heute.“. Tatsächlich steht diese Tatsache schon im fünften IPCC-Beicht von 2013, sogar in der auf deutsch verfügbaren, ca. 30 Seiten starken Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger. Sie machen sich durch solche Ungenauigkeiten angreifbar.

Ergänzung: Es ist, schade, wenn in einem so gut gemeinten Artikel grob falsche Informationen stehen. Sie schreiben: „Wenn alle Länder ihre Klimaziele erfüllen, dann, so die Einschätzung der Wissenschaft, lässt sich die Erderwärmung vielleicht noch auf 1,5 bis 2 Grad beschränken.“ Die wirklichen Zahlen lauten: Wenn alle Staaten ihre Ziele umsetzen, und danach auf diesem Level verbleiben, besteht eine 66%-ige Wahrscheinlichkeit, bis 2100 einen Temperaturanstieg von 2,7-3,1°C nicht zu überschreiten (bei anhaltendem Anstieg der Temperatur nach 2100). Quelle: Rogeli J: „Paris Agreement Proposal Need a Boost to Keep warming well below 2°C“. Nature  2016; 534; S631. Dieses Paper hat eine sehr breite Datenbasis und berücksichtigt über 10 voneinander unabhängig gerechnete Modelle. Paris ist nur als Einstieg sinnvoll, die Maßnahmen, die ab 2030 selbst bei kompletter Erfüllung des Pariser Abkommens erfoderlich sein werden, um tatsächlich die Erwärmung auf 2°C zu begrenzen, sind deutlich einschneidender als das Paris-Abkommen selbst. Bitte schreiben Sie es nicht undramatischer, als es wirklich ist, zumindest nicht unter Berufung auf die Wissenschaft. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Spalterische Leidenschaften“ von Ulrich Ladurner

Im Hinblick auf den Beitrag von Ulrich Ladurner möchte ich auf Überlegungen hinweisen, die vor ca. 30 Jahren (!) in Ihrer Zeitung angestellt wurden und die mir bis heute unvergesslich sind:  Ralf Dahrendorf schrieb – ich glaube, zum Jahreswechsel 1988/89 – unter der Überschrift „Nur Menschen haben Rechte“, dass das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein barbarisches Instrument sei, ein „Zeugnis der Unfähigkeit zur Freiheit in Vielfalt“. Ich glaube, es könnte sich lohnen, diesen Beitrag noch einmal auf seine Aktualität hin zu überprüfen. Einen historischen Schmerz zu fühlen und sich davon zu befreien muss ja nicht heißen, separatistische Ideen zu verfolgen, die unweigerlich neues Unrecht heraufbeschwören, sondern dieser Schmerz könnte ja auch dazu führen, Vernunft walten zu lassen und zur Vergebung bereit zu sein. Jedenfalls kann es meines Erachtens nicht im Interesse der betroffenen Menschen sein, noch Öl ins Feuer zu gießen und ihre separatistischen Anführer zu unterstützen, die im Zweifelsfall vornehmlich ihre Stunde gekommen sehen, um Macht und Einfluss zu gewinnen. – Ulrike Meinecke


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Umfassend beleuchten die Redakteure den leider zu häufigen und die allgemeine Politikverdrossenheit verstärkenden Widerspruch zwischen politischen Willensbekundungen einerseits und einem davon abweichenden, diametral entgegengesetzten politischen Handeln anderseits. Drei Hauptverursacher für die Nichteinhaltung der ehrgeizigen, angesichts der vorliegenden Zahlen aber längst als unrealistisch zu bezeichnenden Klimaschutzziele werden schnell benannt: Die Landwirtschaft, der Verkehr und die ach so „schmutzige Braunkohle“. Gefühlt ist dieser Artikel der zehnte oder zwanzigste in der Reihe: Klimaschutz versus Kohle. Viele von den recherchierten und vorgetragenen Fakten sind richtig, aber alle diese Artikel lassen eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Thematik vermissen. Kein weiterführendes Wort dazu, wie denn bei einem kurzfristigen Kohleausstieg der Strom- und Wärmebedarf von Millionen von Menschen, auch in sogenannten Dunkelflautenzeiten (kein Wind, keine Sonne) bei noch fehlenden großtechnischen Speicherkapazitäten gedeckt werden soll? Oder wie in Deutschland weiter mit bezahlbarer und eben jederzeit verfügbarer Energie eine hochindustrialisierte Wertschöpfung erfolgen soll?

Es ist leicht, hehre Ziel und eine heile Welt zu beschreiben, der Weg und die Mittel dorthin sind gleichwohl deutlich komplexer. Auch ihr ansonsten geschätzter Journalismus unterliegt gewissen physikalischen Grundvoraussetzungen wie der energieintensiven Zurverfügungstellung von Papier oder dem Bereitstellen von Strom für das Schreiben und Drucken einer Zeitung.  Hier existieren eben keine einfachen Lösungen. Die erneuerbaren sind schlichtweg noch lange nicht in der Lage, die Energieproduktion aus Kohle- und Atomkraft zu kompensieren. Deutschland will bereits bis 2022 als einer der wenigen Industriestaaten aus der fast CO2-neutralen Atomtechnik komplett aussteigen! Ein schneller paralleler Kohleausstieg würde in den kommenden Jahren zu den gleichen (heuchlerischen) Verlagerungen führen, die sie zurecht  in dem Artikel bezogen auf den Biodiesel beschreiben. Ab 2020 stimmt dann zwar die deutsche CO2-Bilanz. Dafür wird mit einem wertvollen, nicht heimischen Brennstoff Gas, bei dem beim Verbrennungsprozess ebenso wie bei der Kohle CO2 freisetzt wird, Strom produziert und Gebäude geheizt. Die restliche Lücke schließen Importe von Atomstrom aus Frankreich/Belgien und Kohle aus Polen und Tschechien.

Zuletzt sei daran erinnert, dass die bisher erzielten Reduktionen bei den Treibhausgasemissionen hin zum Klimaziel einer 40-prozentigen Einsparung in 2020 gegenüber 1990 wesentlich auf den Zusammenbruch der ostdeutschen Wirtschaft und dabei im Speziellen der Energiewirtschaft nach der Wende zurück zu führen sind. Nach diesen Jahren des Zusammenbruchs wurden in der zitierten Lausitz Ende der 90er Jahre die weltweit effektivsten Braunkohleblöcke errichtet. Nun soll erneut der entscheidende Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele dort erbracht werden – mit den von Ihnen aufgeführten strukturellen und beschäftigungspolitischen Verwerfungen. Nicht die böse Kohleindustrie und auch nicht die Politik sind verantwortlich für das Verfehlen der Klimaschutzziele, jeder einzelne Bundesbürger ist es mit seinem täglichen energieintensiven Lebensgewohnheiten. Ja, die AfD hat im Osten nicht zuletzt auch wegen einer widersprüchlichen und unehrlichen Energiepolitik die bedauerlich hohen Stimmenzuwächse erzielt. Hier gab es seitens der Politik einmal ein anderes Versprechen: „Das begann damals mit blühenden Landschaften…“. – Bernd Wermelskirchen


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Schade, dass Ihr Dossier „Das Naturschauspiel“ nicht schon vor der Bundestagswahl erschienen ist. – Martina Bohr-Adams


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Und schon wieder: Merkel ist die alleinig Schuldige – dieses Mal beim „Klima“. Letzte Woche war es das Insekten- und Vogelsterben. Einmal abgesehen von der Hybris und der globalen Wichtigtuerei in unserem Land, ist eine solche Sichtweise einfach nur faktisch falsch und diffamierend! Was ist eigentlich die Aufgabe der rund 700 Abgeordneten im Bundestag und was tun ganzen Landesregierungen tagtäglich? Offenbar nichts – und ich habe bisher einfach nur verpasst, dass wir in einer Diktatur leben. ZEIT: Was soll das? Warum geht das eigentlich nicht in die Köpfe? Es funktioniert nicht: „dieses Schuldige suchen“. Es lenkt nur ab von der Suche nach einer Lösung, die für die Betroffenen akzeptabel und damit systemisch verträglich ist. Es funktioniert nicht, Südsee-Inseln gegen Braunkohle-Reviere auszuspielen – in beiden Fällen sind Menschen betroffen, deren Existenz bedroht ist. (Nein, und hier kann nicht diskutiert werden, wessen Existenz denn ‚wichtiger‘ ist.) Wir alle leisten ständig einen Beitrag zu einer Verhärtung der Problematik: die Pusher, die Bremser, die Ideologen, die Leugner, diejenigen, die sich ständig nur raus halten, die Schwarz-Weiß-Maler, die Aggressiven.

Wie wäre es mal mit Beiträgen zur Lösung – auch von journalistischer Seite? Dazu gehören Ihre Schuldigen-Such-Artikel der letzten Wochen aber ganz sicher nicht. Dass man in der Politik manchmal rufen möchte „hallo, ist da einer….?“ – daran habe ich mich leider schon gewöhnt. Dass man das jetzt bei meiner bislang so geschätzten ZEIT auch tun muss – daran möchte ich mich nicht gewöhnen. – Lisa Werle


Leserbrief zu „»Die Mona Lisa der Globen«“ von Urs Willmann

Als Liebhaber der Materie, bereits diesseits des beruflichen Ruhestands, habe ich den Beitrag von Urs Wellmann mit Vergnügen gelesen. Erstaunt hat mich allerdings der recht umständliche Versuch des Herrn Missinne, die Buchstaben „VC“ und „IS“ als „Vinci“ bzw. „scultore“ zu deuten. Auch ohne Brille erschlossen sie sich mir als: Terra Sanctae Crucis ! Falls Sie einen Alternativ-Titel zum zitierten Beitrag suchen: „Der Däniken unter den Globenkundlern?“ – bitte mit Fragezeichen. – Gerd von Rüden


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Das Autorenteam listet die kritischen Punkte (1) tropischer Regenwald, (2) Kohleverstromung, (3) Verkehr und (4) Landwirtschaft anlässlich der Konferenz in Bonn auf. Vieles ist zutreffend und überfällig. Die einseitige Konzentration nur auf CO2 war schon immer falsch, vor allem, wenn sie mit mehr Treibhausgasemissionen oder übel geänderter Landnutzung an anderer Stelle beantwortet wird. Es gibt auch Methanemissionen durch Biogasanlagen, und auch E-Autos fahren noch jahrzehntelang keineswegs klimaneutral. Alle vermeintlichen „Patentrezepte“ sind zu bewerten. Und dass Frankreich (Kernenergie) und Norwegen (reichlich Wasserkraft für ein Land mit 5,1 Mill. Einwohnern) auf E-Autos setzen, sagt gar nichts: Was machen Polen, Spanien, Griechenland u.a.?

Zurück zur Kernenergie will Deutschland nicht, und Wasserkraft ist hier natürlich begrenzt. Ganz übel ist es, dass zum wiederholten Mal der Punkt (2) völlig unsinnig dargestellt wird. Zum Mitschreiben: Jede Verstromung von Kohle oder Gas findet sich im CO2-Emissionshandels­sys­tem der EU. Dort gilt ein EU-weiter Deckel für CO2-Emissionen von allen Kraftwerken, Eisen- und Stahlwerken, Zementfabriken, Grundstoffchemieanlagen, Papiermühlen usw. Wenn hypothetisch Deutschland alleine aus der Kohleverstromung ausstiege, könnten spanische Stein­kohle- und griechische Braunkohlekraftwerke, französische Zementfabriken oder deutsche Stahl­werke mehr CO2 emittieren und bräuchten ihre Technik nicht weiter zu modernisieren: Die Gesamt-EU-Menge an CO2 bliebe immer noch unverändert! Hierfür bräuchte man ein neues EU-Ziel! – Prof. Dr. Wolfgang Ströbele


Leserbrief zu „Ins Scheitern verliebt“ von Lorenz Maroldt und Harald Martenstein

Solange wenigstens die „vierte Gewalt“ in der großen Stadt im Osten funktioniert, ist mir nicht bange um Berlin. War die Zeit für ein Berlin-Bashing also wieder reif? Als Berlin dank Bundestagsbeschluss 1991 wieder zur Hauptstadt erkoren wurde, saßen die Bauspekulanten und Miethaie bereits erwartungsfroh in den Startlöchern. Und wurden reichlich belohnt. Bis heute leidet die Stadt unter Wohnungsmangel, teilweise auch hausgemacht durch Verkauf von Wohnungsgesellschaften, Grundstücken und dem berühmten Tafelsilber: Berlin wollte zeigen, dass es nicht in Schulden versinkt. Der Preis dafür ist hoch: Das Kaputtsparen des öffentlichen Dienstes und das Diffamieren der dort Beschäftigten hat fatale Folgen. In allen Bereichen fehlen Fachkräfte, von Sozialarbeitern bis zum Arbeitsschutz. Aber das war bewußte Senatspolitik. Die öffentliche Infrastruktur wurde auf Verschließ gefahren (auch von SPD-geführten Senaten) und jetzt müssen unter Krokodilstränen Schulen saniert werden, die seit Jahrzehnten vor sich hingammeln. Der Satz, „die Jugend ist unsere Zukunft“, sollte angesichts des Zustands der pädagogischen Einrichtungen aus allen Redemanuskripten der politisch Verantwortlichen gestrichen werden. Die Berlinerinnen und Berliner zahlen den Preis für eine neoliberale Politik, die die öffentliche Daseinsvorsorge jahrelang verteufelte und alles Private vergötterte. – Dieter Pienkny


Leserbrief zu „Ins Scheitern verliebt“ von Lorenz Maroldt und Harald Martenstein

Herzlichen Dank für die Fotostrecke zum Berlin-Artikel. Endlich einmal Fotos, die zeigen, was gezeigt werden soll. 80 % der Magazin-Fotos sind Negativ-Beispiele, so die Mosaiksteinchen von Mode-/Textil-Aufnahmen, die dem interessierten Kunden viel abverlangen, auf das Ganze zu schließen, oder die Bilder zum Larissa-Thomas-Jammern, für die ich mich in der Anfangszeit meiner Box-Fotos geschämt hätte. Vielleicht gibt’s ja doch noch Hoffnung. – Walter Stupp


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

„Der Regenwald stirbt, die Lunge der Erde – das ist schlimm, wissen in Deutschland schon Schulkinder.“ Ja, und sie erfahren im Geographieunterricht auch, was der Klimawandel ist, welche Auswirkungen er auf die Menschen hat und dass manche hirnverbrannten Besserwisser  uns immer noch weismachen wollen, dass die geballte einschlägige Wissenschaftscommunity nichts als Lügenmärchen verbreitet, weil der Klimawandel zur Erdgeschichte gehöre wie das Salz in die Suppe. Die Schulkinder erfahren im Geographieunterricht aber auch, wie landwirtschaftliche Produktion heute mit Überdüngung, Bodenzerstörung, Wasserverbrauch oder Massentierhaltung verbunden ist oder welche Auswirkungen die globalisierte Arbeitsteilung auf die Menschen in den Regionen hat – um nur wenige Beispiele zu nennen. Ich greife die Frage Ihrer Autoren auf: Was ist an dieser Geschichte falsch? Antwort: fast nichts. Geographieunterricht gibt es wirklich, die Inhalte auch. Das Problem: Das Schulfach Geographie, in dem die wichtigen Zukunftsfragen der Menschheit natur- und sozialwissenschaftlich mit räumlichem Bezug behandelt werden, ist im Handling der Kultusminister/innen zu einem eher unbedeutenden Nebenfach verkommen, das in den Stundentafeln mal mit keiner, mal mit einer, höchstens mit zwei und oft nur in zusammengemixten Fächerverbünden vertreten ist und dessen Inhalte und Methoden, wenn sie denn behandelt und gelernt wurden, bei den Schülern als „schon wichtig“, aber nicht weiter maßgeblich angesehen und nach dem Unterricht beiseite geschoben werden. Dabei wäre es angemessen,  die schulische Durchdringung und Behandlung der „Milleniumsentwicklungsziele“ zu einer Hauptaufgabe heutigen Schulunterrichts zu erheben, die in „Schulen mit geowissenschaftlichem Schwerpunkt“ ihren angemessenen Platz finden könnte. Dr. Eberhard Schallhorn


Leserbrief zu „Spinnen wir schon wieder?“ von Wolfgang Niedecken

Gerne lese ich die Fussball-Seite und so auch die Gedanken von Herrn Niedecken zum 1. FC Köln. Wünsche aber Herrn Niedecken und dem 1. FC Köln, dass dieser sich am SC Freiburg orientieren möge – und nicht – wie erwähnt – am Freiburger FC. – Ina Hettich


Leserbrief zu „Die Sonder-Spezialregel“ von Kolja Rudzio

Bei Vollbeschäftigung die Rente mit 63 grundsätzlich auf´s Korn zu nehmen, ist erlaubt. Erst Recht  die Kritik an zu  vielen Sonderregelung.  Das Rentenrecht muß  für Normalbürger verständlich sein,  weil davon  Lebensplanungen   abhängen . Die Aufforderung an Jamaika, den Zugang zur Rente insgesamt transparant zu regeln, hat daher was für sich.  Zumal schon das  von der KroKo  auf den letzten Drücker beschlossene FlexiGesetz  in die richtige Richtung zeigt….lesen!  Dort werden  Möglichkeiten eingeräumt,  wie die Zielsetzung „länger gesünder leben u n d  arbeiten“ erreicht werden kann.   Beste Voraussetzungen also  für  mutige Selbstverwalter in der gesetzlichen  Rentenversicherung – Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter-  endlich  Nägel  mit Köpfen zu machen! Investieren in „Prävention und Reha zur Vermeidung von Frühberentung“ heißt das Zauberwort und alle profitieren: Die Arbeitgeber, weil Fachkräfte auf altersgerechten Arbeitsplätzen dann länger im Betrieb bleiben. Die Rentenversicherung, weil sie länger Beitragseinnahmen verbuchen kann, statt lebenslang Frührenten zahlen zu müssen. Und nicht zuletzt, die Arbeitnehmer. Gesünder ganz oder teilweise länger arbeiten erhöht ihre Rentenansprüche und schützt im schlimmsten Falle vor Altersarmut.  Wenn der neue Gesetzgeber ergänzend hierzu dann  noch den Mut aufbringen  würde den „Riester-Unsinn“ abzuschaffen und eine Erwerbstätigenversicherung – ohne Ausnahmen – zu basteln,  dann wären wir wieder auf dem Weg zu einem  transparenten Alteressicherungssystem ohne Sonder-Spezialregelungen, die  Vertrauen schafft. – Hubert Seiter


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Ich danke Ihnen für diesen gut recherchierten Beitrag, in dem Sie zeigen, dass Angela Merkels Strategie gegen den Klimawandel reine Symbolpolitik ist: Erfolg ist für sie, wenn Konferenzen Abschlusspapiere produzieren und sie sich als Klimakanzlerin in Szene setzen kann – bei der Umsetzung gibt sie dann allerdings ganz emotionslos den herrschenden Interessen den Vorrang. Sie tut dies auch da, wo sie nicht von anderen abhängig ist wie etwa in der Außenpolitik, sondern selbst Entscheidungen treffen könnte, wie etwa beim Einstieg in den Kohleausstieg. Die gleiche Strategie fährt sie übrigens auch bei der Europapolitik und in der Flüchtlingsfrage: Liberal reden, aber stock-konservativ handeln.

Ihre konservativen Kritiker in der eigenen Partei aber auch in den Medien wissen gar nicht, was sie an Angela Merkel haben: Eine knallharte Machtpolitikerin, die ihren politischen Ehrgeiz ganz auf den Erhalt der Regierungsmacht für sie selbst und ihre Partei reduziert hat. Durch ihr teflonbeschichtetes Kommunikations-Interface schafft sie das viel effektiver, als ein Polterer vom Schlage Seehofers. Auf Dauer wird diese Strategie allerdings nicht funktionieren, denn in allen wesentlichen Poltikfeldern ist der Änderungsdruck mittlerweile so stark, dass reine Symbolpolitik nicht mehr ausreicht. – Dr. Dirk Kerber


Leserbrief zu „Aus der Ferne” von Jan Schweitzer

Es macht mich wütend, wenn sich die Psychiatrie über einen Mann echauffiert, der nie auf irgendeinen Stuhl der Psychiatrie gesessen hat. Mit der Psychiatrie stehe ich ohnehin auf dem Kriegsfuß. Was sind da nicht alles für Fehldiagnosen in der Vergangenheit diagnostiziert worden. Und jetzt wollen einige Psychiater aus der Ferne das Wunder vollbringen, diesen Mann zu beurteilen. Keiner fragt sich, daß die Politik oft das wahre „Ich“ wegen der besonderen Umstände, die die Politik oft mit sich bringt, nichts über einen Menschen aussagt wie er wirklich ist. Die Politik ist artverwandt mit der Schauspielerei. Wer das gut beherrscht, ist meistens Chef im Ring. Den Vergleich werden die Protagonisten nicht gern hören wollen. Was wurde nicht alles schon über Nixon oder wie in Deutschland Franz-Josef Strauß geschrieben und gesagt. Die Psychiater, die sich jetzt aufgerufen fühlen über Trump aus der Ferne seine Psyche zu bewerten, sollten sich selbst einer Untersuchung unterziehen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Sie analysieren in Ihrem Dossier  verheerend das Verhalten der Bundeskanzlerin wo es die Klimafrage betrifft. Leider ist  in Deutschland nicht nur Frau Merkel Schuld an das Versagen in dieser Frage. Ein Beispiel: In 2012 beschließt Niedersachsen den sehr klimaschädlichen Torfabbau zu stoppen. Aber Dank Lobbyarbeit vom Industrieverband Garten und – Gott hat es nicht verhütet – dem NABU beschließt der grüne Agrarminister zwei Jahre später aus sehr diskutabelen Gründen, dass nicht gestoppt sondern nur beschränkt wird. Die Torfabbauer können weiter Torf abbauen, sogar exportieren und das Klima vergiften und der NABU wird Geld an einer nutzlosen und kostspieligen Wiedervernässung der Abbaugebiete verdienen. Mitschuld haben wir alle, so lange wir diese Politiker wiederwählen und das große Geld entscheiden lassen. – Ton Aarden


Leserbrief zu „Plötzlich wieder planlos“ von Burkhard Strassmann

Dieser Artikel unter der Rubrik „Experiment der Woche“ soll sicher herausfinden, wieviele ältere Menschen sich diese Aussagen über eine zwangläufige Reduktion der kognitiven Fähigkeiten im Alter gefallen lassen. Sie widersprechen sämtlichen Erkenntnissen der aktuellen Hirnforschung. Die Ergebnisse der zitierten Studie sind ohne die ermittelten Werte unpräzise und führen so zu absoluten Aussagen, die schlicht falsch sind. Bei einem Rentenalter von 67 sind solche Fehlinformationen der Leser zudem höchst kontraproduktiv. – Nicole von Jacobs


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Da fragen sich die klugen Parteistrategen, wieso Politikverdrossenheit so grassiert: Die naturwissenschaftlich gebildete Angela Merkel trickst anhaltend in einer Überlebensfrage(!) der Menschheit. Unsere Gesellschaft lebt aber davon, dass Reden und Handeln – insbesondere unserer Eliten – nicht völlig auseinander fallen. Die Kanzlerin weiß mit Sicherheit, was auf dem Spiel steht – mehrere Grad Erwärmung bringen die Zivilisation in wenigen Jahrzehnten zum Kollaps – und sie macht sich die kurzsichtigen Gewinnerwartungen der Energie- und Autoindustrie und der Landwirtschaftskonzerne zu eigen. Was da vorgeführt wird, hat mit ethisch (christlich!) fundierter Überzeugung nichts zu tun – es ist reine Interessenpolitik. Danke der ZEIT für das Dossier. – Friedrich Handel


Leserbrief zu „»Nicht die anzüglichen Bemerkungen sind das Problem, sondern das System, aus dem sie hervorgehen«“ von Antonia Baum

Der #metoo Artikel von Antonia Baum aus dem Ressort Z hat mir eines gezeigt: Dass wir uns zwar Mitten auf dem Weg der Frauenbefreiung befinden, doch noch nicht an seinem Ende angekommen sind. Wir haben unterwegs Halt gemacht bei der Anklage an den Mann. Und im Beklagen unserer Opferrolle. Wir müssen weiter gehen! Wie? Auf meinem Blog prettyprettywell.com habe ich meine Gedanken dazu einmal schwarz und pink auf weiß festgehalten. Hier geht’s zum Artikel: „Nicht das System ist das Problem, sondern unsere Einstellung dazu“. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr Lust habt den Artikel zu teilen, um eine weitere Diskussion über Lösungsansätze anzuregen! – Insa Schniedermeier


Leserbrief zum Titelthema „Babylon Berlin“

Ich lese das Magazin eigentlich immer gerne. Aber dieses Heft über Berlin ist einfach grandios. Ich habe Tränen gelacht bei der Lektüre der wunderbaren, teils kafkaesk anmutenden Vorgänge in der Berliner Stadtverwaltung, bebildert mit fulminanten Motiven. Großartig unterstützt durch eine treffende Ursachenanalyse. Mal sehen, ob das meine Schwester in Berlin auch so sieht. – Beate Gramling


Leserbrief zu „Ins Scheitern verliebt“ von Lorenz Maroldt und Harald Martenstein

In einer E-mail der Zeit wurde schrieb Herr di Lorenzo, dass er selten so gelacht wie nach dem Lesen des Artikels von H. Martenstein und und Lorenz Maroldt. Mir ist das Lachen im Halse steckengeblieben. Als ehemaliger Berliner hat mich eher große Trauer erfasst. Bei diesem Desaster sollte das gesamte Abgeordnetenhaus zurücktreten und Neuwahlen ausschreiben. Die Hauptstadt unserer Republik verkommt unter dieser Führung. Können wir das zulassen ? Das ist Wasser auf die Mühlen der AfD, die aber auch keine Konzepte hat. Ein Jammer, den ich nicht lustig finde unabhängig davon, dass der Artikel gut formuliert ist. – Prof. Dr. Hans-Jürgen Becker


Leserbrief zu „Ins Scheitern verliebt“ von Lorenz Maroldt und Harald Martenstein

Normalerweise bin ich mit der Lektüre des Zeitmagazins in maximal 5 Minuten durch. Die aktuelle Ausgabe werde ich aber sorgsam verwahren: eine bessere Beschreibung der „Berliner Verhältnisse“ habe ich seit Jahrzehnten nicht gelesen. Meine Gratulation an die Herren Martenstein und Maroldt! Sie werden sich vermutlich durch eine nie gekannte Zahl von Kommentaren arbeiten müssen und sicherlich noch ein paar peinlichere Berliner Behörden-Geschichten präsentiert bekommen. Warum machen Sie daraus keine Serie? Wenn es schon keine „Berlin-Seiten“ in der Zeit gibt (wieso eigentlich nicht?), veröffentlichen Sie doch im Zeit-Magazin die neuesten Berliner Behördenstreiche, das Material dürfte für die kommenden Jahrzehnte reichen. Mein Beitrag: die „maroden Berliner Schulen“ werden nun saniert, dazu wurden großformatige Schilder entworfen und produziert, die vermutlich mit dem behördlich zu genehmigenden Antrag zur Aufstellung das erste Drittel der genehmigten Kosten bereits verbraucht haben. Die „Sanierung der WC-Anlagen“ des Willi-Graf-Gymnasiums in Lichterfelde wird gefeiert (siehe Anlage) und vermutlich durch den Regierenden persönlich eröffnet(zweites Drittel der genehmigten Baukosten). Immerhin haben die Verantwortlichen gelernt: es fehlt jeder Hinweis auf Baubeginn bzw. -ende.  Vermutlich werden die von „Xavier“ entwurzelten Bäume demnächst als Kunstobjekt „Free Flow“ betitelt und dürfen nicht weggeräumt werden, Ausnahme im Görlitzer Park, dort hat Frau Herrmann (Beziksbürgermeistern von Kreuzberg-Friedichshain) die Beseitigung der umgestürzten Bäume bereits erwirkt, damit die Dealer wieder ungehindert an ihre Drogenverstecke kommen……Sehn se, det is Berlin….. – Joachim Heisig


Leserbrief zu „Denkt groß, bitte!“ von Mariam Lau

Dem Artikel Denkt groß, bitte! von M. Lau möchte ich nichts hinzufügen. Ich halte ihn für höchst wichtig. Können Sie ihn nicht an alle Koalitionspartner versenden? Allerdings ist für taube Ohren kein Kraut gewachsen. – Hermann Max


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Danke für dieses hervorragende Dossier, das noch rechtzeitig zur Bonner Klimakonferenz erscheint. Für zukünftige Historiker wird es als Quelle für die Beurteilung der Regierungsjahre unserer langjährigen Kanzlerin dienen, Jahre ohne Visionen und Gestaltungswillen, populistisch und gewissenlos, nur ausgerichtet auf das Ziel, die nächste Wahl zu gewinnen. Als Physikerin muß sie eine Klimapolitik verantworten, die langfristig irreversible Prozesse auslösen wird vergleichbar mit einer Kernschmelze. Ohne eine ernsthafte, verantwortungsvolle Klimapolitik wird wir das Erbe, das wir den nächsten Generationen übergeben werden, katastrophal sein. Der Wohlstand, an den wir uns jetzt aufgrund der rücksichtslosen Ausbeutung derf Resourcen gewöhnt haben, ist dann Geschichte. Nur um die Beschäftigung weniger z.B. im Bergbau zu erhalten, setzen wir die Existenz der Menschheit aufs Spiel. Deutschland hat den Wiederaufbau nach den Weltkriegen und die Wende bewältigt und soll nun seinen populistischen Politikern abnehmen, daß der Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung nicht zu schaffen ist? Es ist auch Aufgabe der Klimapoltik, in den betroffenen Regionen die Lebensqualität der dort lebenden Menschen langfristig zu sichern. Mein angehängtes Foto einer neuzeitlichen Zitronenpresse zeigt nicht nur zufällig eine Ähnlichkeit mit der amtierenden Kanzlerin. – Fritz Hüper


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Ich selbst habe die Zeit abonniert und den Artikel am Wochenende gelesen. Er ist sehr gut recherchiert, wie ich finde, und – wie viele Beiträge in dieser Form in der Zeit – gut geschrieben, und vor allem vom Inhalt her eine kleine Bombe. Auch als politisch interessierter Zeitgenosse kommt man an solche Hintergrundinformationen nicht heran, wie Sie sie beschreiben, Informationen, die den Bürger bei Themen aufklären, die von den Polititkern in der Regel schön gelogen werden. Bei solchen Artikeln, die ja kaum ein Verfallsdatum haben, würde ich mir wünschen, dass sich die Redaktion / die Leitung des Blattes entscheiden könnte, sie nach einer gewissen Periode allen Online-Lesern zugänglich zu machen. Die Reichweite würde sich dann deutlich vergrößern. Das „Z+“ ist verständlich, denn die Zeit muss auch Geld verdienen, aber nach, sagen wir, 3 Wochen, verschenken Sie kein Geld mehr und die Botschaft erreicht die Online-Leser trotzdem. Danke für Ihre Arbeit. – Christian Euringer


Leserbrief zu „»An meine Lieben«“ von CST

Mit Interesse las ich den oben genannten Artikel über das Vermächtnis von Marcel Nadjari. Dazu habe ich folgenden Anmerkungen:

1) Warum ordnen sie diesen Brief nicht präzise historisch ein? Das Gefühl der Dringlichkeit, diese Dinge niederzuschreiben, ist nur verständlich mit dem Wissen der regelmäßigen Liquidierung des „Sonderkommandos“ – mit dem klaren Ziel, die „Geheimnisträger“ auszulöschen.

2) Ihre Anmerkung (5) ist leicht verstörend: Sprachen denn alle Juden nur Jiddisch? Sprachen die deutschen Juden nicht Deutsch, die französischen Juden nicht Französisch, die ungarischen Juden nicht Ungarisch? Außerdem haben viele Häftlinge zumindest schnell rudimentäres Deutsch gelernt, wenn sie überleben wollten. Durch die Anmerkung entsteht der Eindruck, nur jiddisch-sprechende (und damit den anderen Vorurteilen entsprechenden) Juden wurden Opfer der Nazis; und nicht, dass Marcel Nadjari diese Ausrede benutzte, um den zum Tode Verurteilten nicht ihr Urteil mitteilen zu müssen. Um eine Berichtigung oder Erklärung würde ich mich sehr freuen. – Jonas Melchers


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

So sehr begrüßendswert das Dossier über die verfehlte Klimapolitik der Regierung in den letzten 3 Legislaturperioden auch ist, so sollte sich das Autorenteam sich von Übertreibungen hüten, die zwar beeindrucken, aber auf inkorrekten Berechnungen beruht. Die Aussage „1t CO2-Einsparung durch Biodiesel würde in den Erzeugerländer 30t CO2 freisetzen“ ist nicht haltbar, da nur etwa 0,5t freigesetzt werden, also insgesamt sogar etwa 0,5t CO2 für das Weltklima eingespart werden! P.S.: Berechnung :

A 1ha Urwald weist  eine Biomasse von bis zu 450t Biomasse auf , was bei vollständiger Verbrennung (minus Nutzholz!!) maximal 760t CO2 entspricht. 1ha  einer guten asiatischen ÖLpalmenplantage erzeugt  über mindestens 20 Jahre jährlich etwa 20t Öl  also 400t Öl 1t Palm- bzw Dieselöl entspricht beim Verbrennen 3,9t CO2 aus  B+C folgt, dass das je ha erzeugte Palmöl entsprechende Mengen an Dieselöl bzw an CO2 einspart. 20 x 20t Öl  x  3,9t CO2/t Öl  = 1560 t CO2 Vergleicht man auf der Basis von 1ha  das in Asien  freigesetzte CO2  mit dem, was bei uns durch den Einsatz dieses Palmöls nicht benötgten Dieselöls eingspart wird, so ergibt sich ein Verhältnis von 760t/1560t, d.h. nicht 30t, sondern 0,5 t CO2 werden in Asien pro 1t hier durch Biodiesel eingesparten  CO2 freigesetzt – Prof. Dr. H. Herzog


Leserbrief zu „Die Sonder-Spezialregel“ von Kolja Rudzio

Die Sonder-Spezialregelung in der Zeit 45  und zu dem dem Thema „Flexiblisierung“ verweise ich auf eine Studie des IMK. IMK Studies, Bd 39, 2015. Überlegungen zur Flexibilisierung….  .  Die FDP steht mit den Überlegungen nicht allein da. Die Frage ist doch, warum werden solche Überlegungen nicht weiter verfolgt? – Volker Meinhardt


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Ihr sehr engagierter Artikel nennt vor allem drei Ansätze zur Verringerung von Treibhausgasen: Die Kohle, die Autos und die Landwirtschaft. Die Kohleverwertung wird in Deutschland mit entsprechend hohem finanziellem Aufwand in absehbarer Zeit beendet. Leider schreiben Sie nicht darüber, dass die fehlende Energie zum großen Teil als Atomstrom aus dem Ausland zugekauft werden muss Was den Amerikaner die Waffen bedeuten, das bedeuten den Deutschen die Autos. Gravierende Einschränkungen für Autos und Flugreisen wären kurz vor der Wahl politischer Selbstmord gewesen. Bei der Betrachtung der Landwirtschaft verzichten Sie leider nicht auf die üblichen Klischees: „ Gülle auf ohnehin überdüngte Felder, viel Geld (Subventionen) für die, die besonders viel Milch und Fleisch produzieren.“ Die Milch aber auch die Herstellung anderer Nahrungsmittel verursacht Immissionen. Das Bedürfnis zu essen dürfte aber einen anderen Stellenwert haben als Flugreisen und Autos. Ich habe die Folgenabschätzung für die Durchsetzung Ihrer Forderungen vermisst,  aber das wird sicher in weiteren Beiträgen nachgeliefert. – Rainer Heukamp


Leserbrief zu „Über First Lady Gaga“ von Ronja von Rönne

Schade an Ihrem ausgezeichneten Artikel ist nur, dass sie selbst nicht mit dabei sind bei dem Bild von Lady Gaga und den Fünfen aus der sauberen USA. Dann wäre die Sache perfekt. Aber scheinbar haben sie sich mit Herrn Trump gemeinsam aus dem Staub gemacht, oder? – J. Kartje


Leserbrief zu „Schuldig! Sofort!“ von Josef Joffe

Taten: sexuelle Übergriffe, Täter: August der Starke, Strauss-Kahn oder Kachelmann – Justiz: keine, angelsächsiche oder deutsche – beide verheerend. Obwohl Kachelmann uneingeschränkt vom Vorwurf der Vergewaltigung frei gesprochen wurde, hat die Staatsanwaltschaft Mannheim eine so verdruchste Erklärung abgegeben, dass nicht verstanden wird, ob sie sich für ihr völliges Versagen entschuldigt hat. Die Vernichtung der beruflichen Existenz Kachelmanns und ähnlicher Opfer gehört zu den Kollateralschäden der Justiz und Boulvardpresse. Gerade die Glaubwürdigkeit der Opfer von sexueller Gewalt ist für die, die Urteilen sollen, selbst eine schwere Gewissensprüfung zur Findung eines „gerechten“ Urteils. – Detlef Seidler


Leserbrief zu „40 Thesen zur Reform des Islams“ von Abdel-Hakim Ourghi

Die Thesen sind sicher geeignet, nachhaltige Bewegung in die Debatte zu bringen. Allerdings hatte sich ja schon Bassam Tibi vor vielen Jahren um ein Konzept zum „europäischen Islam“ bemüht. Der Erfolg blieb weit hinter seinen Erwartunge zurück. Und in den jetzigen Thesen spricht Abdel-Hakim Ourghi eine zentrale Frage auch nicht direkt an: Kann es eine unzweifelhaft und ewig gültige göttliche Offenbarung in schriftlich zu erfassender Form jenseits kultureller und historischer Prägungen überhaupt geben? Nein, denn das würde einen gestalthaft definierbaren Gott als Quelle davon voraussetzen. Was mit Gott gemeint ist bzw. gemeint sein könnte entzieht sich aber durch die Begrenztheit menschlichen Erkenntnisvermögens abschließenden Legitimationen standardisierter Dogmen und daraus abgeleiteter  exklusiver Ansprüche. Die Negierung einer endgültigen und unveränderlichen Offenbarungsschrift bedeutet also keine Einschränkung religiöser Werte für unsere Mitmenschlichkeit, sonder eine Öffnung hin zu einem umfassenderen, aktuellen Religionsverständnis. Und was die Disskussion um die Einführung eines muslimischen Feiertags in Deutschland angeht: Wenn alle Feiertage weniger von konfessionellen und traditionellen Zugehörigkeiten geprägt wären und mehr von der Besinnung auf unsere Menschlichkeit, dann bräuchten wir keine zusätzlichen Feiertage, sondern könnten an den bestehenden unser gemeinsames Menschsein feiern. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Hochachtung der Zeit und den Redakteuren des „Naturschauspiels“. So muss Journalismus! (wenn ich mir die saloppe Formel erlauben darf). Sie haben Mut bewiesen, die verantwortungslose und verlogene Klimapolitik unserer Regierung und der Interessenverbände aus den Kulissen zu zerren. Bleiben Sie gesund! Wird das ein Theaterskandal? Wohl kaum. Unsere große Staatsschauspielerin geht deshalb nicht von der Bühne. Charakter ist nicht ihr Fach. Aber die Grünen müssen für Jamaika schon mal fleißig Spagat üben. – Manfred Wagener


Leserbrief zu „40 Thesen zur Reform des Islams“ von Abdel-Hakim Ourghi

Jetzt hat die Diskussion um religiöse Feiertage auch die „Zeit“ erreicht. Vielleicht ist es ja auch mal Zeit, dieses durch Tradition und Besonderheiten geprägte System zu überdenken und auf den Boden der Gegenwart der BRD zu stellen, weiterhin wie bisher, unter besonderer Berücksichtigung der Unterschiede von Bundesland zu Bundesland. Zur Objektivierung eignen sich sicherlich statistische Daten über Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft. Auch sollte erkennbar sein, dass religiöse Feiertage dem Inhalt nach genutzt werden. Da diese Bewertung schwierig ist, bliebe also als mögliches einfaches Maß der prozentuale Anteil der Bevölkerung an Religionsgemeinschaften in den jeweiligen Bundesländern. Für gemeinsame katholische und evangelische, also die christlichen Feiertage, werden die jeweiligen prozentualen Anteile addiert. Ergibt sich bei dieser Betrachtung z.B. eine absolute Mehrheit von ≥ 50%, sei der religiöse Feiertag ausreichend begründet. Dies wäre eine nachvollziehbare Größe und ein identisches Kriterium für alle Bundesländer.

Die hier verwendeten Daten stammen von “de. statista.com“. Und die Folgen: ausschließlich katholische Feiertage gäbe es nur in Bayern eher noch im Saarland, ausschließlich evangelische gerade noch Niedersachsen. Gemeinsame christliche könnten in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, gerade noch in Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz. Saarland und Schleswig-Holstein gefeiert werden. Bei ca. 70% oder auch mehr an konfessionsloser Bevölkerung in den 7 anderen Bundesländern gibt es dann wahrlich keinen Grund für weitere religiöse Feiertage. Das ist das Abbild der Gegenwart in der BRD mit einer deutlich abnehmenden Tendenz der Zugehörigkeit zu den großen christlichen Religionsgemeinschaften. Noch ein Wort zu der von Herrn de Maizière angestoßenen Diskussion: in Berlin, Bremen und Hamburg sind mit nur ~ 10% teilweise gleich viele Katholiken wie Muslime gemeldet. – Harald Böttner


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Zitat der Bundeskanzlerin vom August 2014 , ein Interview mit der ARD: “ Ich werde auch weiterhin dem Klimawandel und seiner Bekämpfung die allerhöchste Aufmerksamkeit widmen.“

Genau das wird Frau Merkel auch weiterhin tun. Sie wird aufmerksam die Bekämpfung des Klimawandels beobachten und dafür sorgen, daß diese Bekämpfung keinesfalls wirklich umgesetzt wird. Ich habe früher nie verstanden, wie Menschen in diesem Land sagen konnten, daß sie „stolz darauf “ seien, “ Deutsche zu sein“, weil eine Fußballmannschaft gewonnen hatte, oder ein Landsmann Papst wurde. Schließlich hatten sie ja persönlich nichts zu dieser Leistung beigetragen.Heute, angesichts der Politik in diesem Land, schäme ich mich Deutsche zu sein. – Claudia Heinkele


Leserbrief zu „Aus der Ferne” von Jan Schweitzer

Grenzfälle. Wenn sich die Mediziner schon darin einig sind, daß es sich bei Donald Trump um einen Grenzfall handelt, dann sollten sie auch in letzter Konsequenz erkennen, daß nicht der eingesperrte Psychopath eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt, sondern ein frei herumlaufender Donald Trump, der ein Spiegelbild der psychologisch angeschlagenen amerikanischen Gesellschaft darstellt, wenn man allein die jährlichen 30.000 Schuß- und 30.000 Drogenopfer in den U.S.A. betrachtet. Da ein Gesamtwegsperren der Verursacher dieser Opfer offensichtlich nicht möglich ist, sollte man  wenigstens symbolisch mit der wandelnden Zeitbombe Donald Trump den Anfang machen, der es nicht fertig bringt, die entsprechenden Drogen – und Waffengesetze auf den Weg zu bringen und eine Einschränkung des amerikanischen militärischen Engagements weltweit einzuleiten um die Welt etwas sicherer zu machen. – Heinz Schröder


Leserbrief zu „40 Thesen zur Reform des Islams“ von Abdel-Hakim Ourghi

Die Ausübung des Islam ist mit unserem Grundgesetzt dann nicht vereinbar, wenn der Koran in herkömmlicher Weise interpretiert und als Handlungsanweisung verstanden wird. Die 40 Thesen von Abdel Hakim Ourghi überwinden die herkömmliche Interpretation und kennzeichen einen liberalen Islam, der mit unserem Grundgesetz vereinbar ist und die Integration von Einwanderern aus dem islamischen Kulturkreis fördert. Gläubige Muslime in Deutschland werden sehr stark von den Imamen beeinflusst, die in deutschen Moscheen den Koran auslegen. Insofern hängt die Möglichkeit der Integration von Islamgläubigen in hohem Maße von den Imamen ab. Damit Moscheen nicht der Integration in unsere demokratische und pluralistische Kultur im Wege stehen (und in Einzelfällen nicht zu Brutstätten für islamistische Terroristen werden), müssen die Moscheen und Imame angehalten werden, den Koran grundgesetzkonform auszulegen – im Sinne seiner liberalen Deutung. Ich halte es daher für notwendig, die in Deutschland lehrenden Imame auf das Grundgesetz zu verpflichten. Dies kann geschehen, indem in deutschen Moscheen nur solche Imame zugelassen werden, die ausdrücklich den 40 Thesen zustimmen. – Dr. Hans-Joachim Schemel


Leserbrief zu „Aus der Ferne” von Jan Schweitzer

Trump ist also ein „Narzisst“ mit „…einem überzogenen Selbstwertgefühl „. Wie kann er ein ÜBERZOGENES Selbstwertgefühl haben,wenn er zum mächtigsten Mann im mächtigsten Land der Welt gewählt wurde? Wolfgang Burkhardt. – Wolfgang Burkhardt


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

…..zu schade, dass dieser Beitrag nicht vor der Bundestagswahl zu lesen war! Da hätte der ein oder andere Merkel-Fan seine Wahlentscheidung nochmal hinterfragt! – Ruth Schütz-Mitterhusen


Leserbrief zu „Ein aktives Netzwerk” von Martin Eimermacher, Christian Fuchs und Paul Middelhoff

– Studiert die Reflexe des Medienzeitalters und erzwinge durch einen Coup öffentliche Wahrnehmung – So muß sich DIE ZEIT leider dem Vorwurf gefallen lassen, mit dazu beigetragen zu haben, ein solches Netzwerk mit einer erstarkten AfD entstehen zu lassen, welches dank einer Angela Merkel erst zu dieser ‚Blüte‘ kommen konnte.

Es ist ein Rätsel wie ein anspruchvolles Blatt wie DIE ZEIT die jahrelange Oppositionslosigkeit in dieser Republik übersehen konnte und kaum die zunehmenden Auswüchse eines Landes ohne die entsprechenden Gesetze wie z.B. zur Einwanderung, eines löcherigen Grundgesetzes mit einer mangelnden Souveränität, verursacht durch eine Verwaltungs- und Aussitzpolitik einer Angela Merkel, bei der wir uns alle für diesen Rechtsruck bedanken dürfen, anzuprangern. Mit so einer Politik hätte Angela Merkel in Israel niemals ein Bein auf die Erde bekommen und wenn schon, dann wäre sie im hohen Bogen spätestens nach kurzer Zeit aus der Knesset hinausgeflogen. So sollte sich DIE ZEIT endlich dazu aufraffen die entsprechenden Reflexe zu entwickeln damit sie nicht den gleichen Weg wie z.B. die Weltbühne im Dritten Reich geht und den Unterschied zwischen Nationalismus und Patriotismus erkennt, welches z.B. immer wieder von Michael Wolffsohn in der Vergangenheit angemahnt wurde. – Heinz Schröder


Leserbrief zu „… und ein muslimischer Feiertag?“ von Ercan Karakoyun und Susanne Schröter

Erstaunlich, dass erst jetzt die Frage nach einem Feiertag einer anderen religiösen Gruppe aufwallt. Schließlich ist es logisch, dass eine wachsende Gruppe ihre „Rechte“ einfordert, insbesondere, wenn viele Mitglieder hier integriert sind. Und sobald diese Gruppen als Körperschaften des öffentlichen rechts anerkannt sind, haben sie formaljuristisch auch die gleichen Rechte wie die anderen. Ergo: Alle religiösen Gemeinschaften, die KdöR sind, haben dasselbe Recht auf die Anerkennung ihrer Feiertage. Würde dieses stringent in die Tat umgesetzt, hätten wir bald Zustände wie im Mittelalter, wo es in einigen Landstrichen bis zu 170 Tage gab, an denen nicht gearbeitet werden durfte. Dann ist es am einfachsten (und das ist meine Überzeugung), alle religiösen Feiertage abzuschaffen, aber als Ausgleich den berufstätigen Mitgliedern dieser Gemeinschaften entsprechend mehr Urlaubstage zu gewähren, damit sie ihren Überzeugungen und Ritualen nachgehen können. So gäbe es in einem laizistischen Land nur staatliche Feiertage und wer mehr haben möchte, müsste anerkanntes Mitglied einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft sein. – Michael Stember


Leserbrief zu „Stimmt’s?“ von Christoph Drösser

Könnten Sie  mir mal eine frage beantworten:Hunde bellen hysterisch ihr spiegelbild an und riechen nicht!!! dass sie keinen anderen Hund als gegenüber haben. – Dr. Ina Greth


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Schade, dass dieses Dossier nicht vor der Bundestagswahl erschienen ist. Soviel zur „Klimakanzlerin“. – Wolfram Krämer


Leserbrief zu „»Wie viel kostet das System?«“ von Anja Reiter

Ihren Artikel habe ich mit Interesse und Gewinn gelesen, mich jedoch mit anfänglichem Erstaunen und dann zunehmend über Ihren unbedachten (?), laxen, entlarvenden Umgang mit der Sprache geärgert. Die nigerianischen Bildungspolitiker und Vetreter von Unternehmen und Behörden, die sich über unser duales Ausbildungssystem informierten, „tingeln … durch die Republik“, schreiben Sie. Tingeln tun eher zweitrangige, niemals erstklassige Künstler. Diese Menschen können offensichtlich auch nicht ordentlich schreiben, denn, wie Sie weiter unten bemerken, „kritzeln sie“ Informationen „in ihre Blöcke“. Und wir Deutschen, in Gestalt des Bundesinstituts für Berufsbildung, versorgen sie „recht großzügig mit Informationen“. Wie großherzig!Großherzig will ich schließlich darüber hinwegsehen, dass Sie Merkel und Trump „parlieren“ lassen und dass Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag in Übergangssystemen „geparkt“ werden. Jedoch stimmt mich äußerst bedenklich, wie in Ihrem Beitrag die Afrikaner sprachlich herabsetzend behandelt werden. In der Hoffnung, auf Ihr offenes Ohr zu stoßen verbleibe ich – Reinhild Pangritz


Leserbrief zu „»Reiner Diebstahl ist das« von Uwe Jean Heuser

Ob Gabriel Zucman  zur Zeit des Interviews schon die  PARADISE PAPERS schon kannte ? Wenn die Reisekosten von Herrn Zucman von California nach Berlin  für den Sender nicht zu teuer gewesen wären, hätte Frank Plasberg ihn in seine Runde  am 6.11., abends, einladen können (?) – Hartmut Wagener


Leserbrief zu „Die Sonder-Spezialregel“ von Kolja Rudzio

Der Artikel von Herrn Rudzic zur Rente und sein Plädoyer für die Freigabe des Renteneintrittsalters a la FDP und Jens Spahn ist vollkommen falsch und an der Realität vorbei. Jeder braucht ein festes Datum, an dem es endlich genug sein muss , dass man weiter arbeiten muss. Wahrscheinlich hat weder ein Politiker der FDP noch Herr Spahn (der hat noch nie richtig gearbeitet sondern ist vom Studium in die Politik gewechselt- genauso wie viele in der FDP!!) und Herr Rudzic nicht verstanden, dass viele Leute eben mit 60 und mehr Jahren nicht mehr schaffen den immer größer werdenden Druck der Arbeit durchzuhalten. Krankenschwestern, Altenpfleger, Kellner, Maurer, Polizisten können eben gerade nicht so wie Herr Spahn, die ganze FDP-Riege um Herrn Lindner und anscheinend auch der Autor bis zum St.-Nimmerleinstag arbeiten- denn genau das sieht diese sogenannte Flexibilisierung vor!

Darum muss Schluss sein mit diesem Schwachsinn- selbst das Regeleintrittsalter ist mit 67 selbst für „Büromitarbeiter“ fast nicht zu schaffen Es muss eine adäquate Grundsicherung und ein festes Eintrittsalter in der Rente geben!! Die Rente mit 63 zollt gerade den oben genannten für Ihre körperliche Arbeit Rechnung, weil diese Jobs auch bereits mit 15 oder 16 begonnen werden 16 + 45 = 61, also sollten diese Leute doch mit 63 abschlagsfrei aufhören dürfen – auch weil es physisch nicht mehr länger geht! Somit verfehlt Ihr Autor die Realität! Und Herr Spahn sowieso genauso wie die FDP – alle diese müssen ja nicht mit der Eckrente von 1.275,—€ leben, sondern haben viel mehr! Vielleicht kommt Herr Rudzic ja noch zur Vernunft und denkt mal nach, welchen Schwachsinn er in diesem Artikel von der FDP nachgeplappert hat. Leider sondieren genau diese jetzt eine Koalition für den Bund – na dann gute Nacht Deutschland! Und Herr Rudzic darf dann solange arbeiten, bis sich der Sargdeckel schließt- denn eins ist klar: mit dieser Regelung, ein festes Datum für den Renteneintritt abzuschaffen, schafft man die Rente als Ganzes ab, nur die Beiträge dürfen wir schön brav weiter zahlen! – Thomas Weißenborn


Leserbrief zu „Spalterische Leidenschaften“ von Ulrich Ladurner

Ulrich Ladurner versucht zu erklären, warum die Separatisten nach 2011 an Zulauf gewannen. Er vergisst dabei Folgendes: 2006 wurde von den Parlamenten in Barcelona und Madrid ein neues Autonomiestatut gebilligt, das danach in einem Referendum eine Mehrheit in Katalonien fand. Aber die Volkspartei (Partido Popular) von Mariano Rajoy, damals in der Opposition, rief 2006 das als verlässlich konservativ bekannte Verfassungsgericht an, anstatt diese demokratische Entscheidung zu akzeptieren. Die Verfassungsrichter erklärten vier Jahre später das neue Autonomiestatut in weiten Teilen für ungültig. Enttäuschung und Empörung ließ die Zahl der Befürworter eines eigenen Staates in Katalonien danach deutlich wachsen.

Der Spott darüber, dass der „Rebell“ Carles Puigdemont lieber nach Brüssel als in den Knast ging, wirkt deplaziert. In der spanischen Zelle wäre Puigdemont stillgelegt. Das wollte er vermutlich verhindern. Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, bleibt zu hoffen, dass sich nach den Neuwahlen am 21. Dezember ein Tisch für Verhandlungen findet. Allerdings kann der nicht in einem Gefängnishof stehen. PS.: Nationalfeiertag in Katalonien ist der 11., nicht der 13. September ( ZEIT  Nummer 45, Seite 75, „Politische Bildung“). Sicherlich ein Druckfehler. Es ist immer der elfte, 1973 in Chile, später in USA und in Katalonien schon lange. Immer Trauertage. – Max Steinacher


Leserbrief zu „Aus der Ferne” von Jan Schweitzer

Nun taucht Trump schon im WISSEN auf; vor allem unter NichtWISSEN: Der Artikel erinnert mich an die kalauernde Frage nach dem Unterschied zwischen einem Neurotiker und einem Psychopathen. Der Psychopath weiß, dass zwei mal zwei fünf ist, der Neurotiker weiß, dass zwei mal zwei vier ist, aber er leidet darunter. Trump weiß, dass zwei mal zwei drei ist. Wir anderen leiden darunter. – Ernst E. Böll


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Es ist bisher allgemein akzeptiert, aber nicht bewiesen, daß der Klimawandel von Menschen gemacht ist. Es gibt Menschen, die daran zweifeln. Dazu können auch Politiker gehören. Aber wer von der allgemeinen Lehre abweicht, wird als Häretiker betrachtet. So gesehen, kann man den Klimawandel als Religion betrachten Und wenn man dann im Artikel “Angela Merkel” durch “Marin Luther” und Klimapolitik durch Katholische Kirche ersetzt, dann macht das Lesen richtig Spaß – und sich dann noch vorstellt, daß das manchmal absurde Herumschlagen auf Angela Merkel eigentlich die mittelalterliche Hexenverbrennung darstellen soll, dann ist der Unterhaltungswert noch größer. – Klaus Haack


Leserbrief zu „Gefälschte Stimmen” von Hannes Vogel und zu „Ein aktives Netzwerk” von Martin Eimermacher, Christian Fuchs und Paul Middelhoff und zu „40 Thesen zur Reform des Islams“ von Abdel-Hakim Ourghi

2 ganze ZEIT-Seiten Randnotizen über eine deutsche Splitterpartei – nur 1 Seite über die Weltreligion Islam und seine erträumte europäische Wandlung! Die gleich mit der Einführung eines islamischen Feiertages „eingeläutet“ werden soll! Ausgewogenheit? Wovor, glauben Sie, fürchten sich die deutschen Bürger mehr: vor einem medial aufgeblähten politischen Papiertiger oder einem Wolf im religiösen Schafspelz? – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Da haben Sie ja eine ganze Armada von Kollegen/innen aufgeboten, um hinter die Schliche von Frau Merkel zu kommen. Besonders die weiblichen Autoren sehen sich ständig berufen, sich mit der Klimapolitik zu beschäftigen. Wie kommt,s?  Merkel,s Machttrieb scheint keine Grenzen zu kennen. Eigentlich ein einfaches, profanes  Mittel um an der Macht zu bleiben. Ein Arbeitsloser ist für Sie schon einer zu viel. Diesem Ziel ordnet sie alles unter. Zumal, wenn man genau im Alltag hinhört, der Klimaschutz ohnehin bei den Bürgern nicht besonderes angesagt ist. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

So sehr ich auch Ihren Ausführungen in o.g. Beitrag zustimme, ich vermisse hier doch zumindest einen Hinweis darauf, dass eine besonders wirksame Möglichkeit der Verringerung der Treibhausgasbelastung durch den Verkehr darin besteht, dass der motorisierte Individualverkehr möglichst weitgehend durch einen wirksamen „Umweltverbund“ ersetzt werden sollte, und dass hier in der Vergangenheit von der Bundesregierung und auch den Landesregierungen – zumindest in Brandenburg – nicht die erforderlichen Investitionsmittel bereitgestellt wurden. Sie jedoch orientieren in Ihrem Beitrag recht einseitig auf die Umstellung auf E-Autos.

Dass dabei viele Verkehrsprobleme weiter bestehen bleiben, habe ich bereits in meiner Mail vom 04.07.2017 an Sie zum Zeit-Beitrag „Wie lange darf ich noch fahren?“ in Nr. 27/2017 dargelegt: „Selbst wenn es gelänge, alle Verbrenner 1:1 auf elektrischen Betrieb umzustellen, bleiben doch drei Kernprobleme erhalten:
– die Stauanfälligkeit des Verkehrs,
– der Flächenverbrauch und
– die Feinstaubbelastung durch Brems- und Reifenabrieb.

Die Zukunft des Verkehrs sehe ich eher in einer Umstellung vom motorisierten Individualverkehr hin zum elektrisch betriebenen öffentlichen Nahverkehr sowie zum fußläufigen und Fahrradverkehr. Nur dadurch können wohl auch die Auswirkungen der drei genannten Problemzonen in ihrem Umfang wesentlich eingedämmt werden.“ Und Frau Pinzler antwortete darauf per Mail vom 26.07.: „Ich kann Ihnen nur zustimmen, ja natürlich sollten wir den öffentlichen Nahverkehr mehr fördern und nutzen. Die reine Umstellung von Verbrennungsmotoren auf E-Motoren lst viele Probleme mitnichten. Vielleicht beschleunigt der erneute Autoskandal ja endlich die so nötige Verkehrswende.“ Mal abgesehen davon, dass im zweiten Satz der Antwort von Frau Pinzler offenbar etwas fehlt, scheint der Inhalt auch micht hängen geblieben zu sein. – Dieter Schuster


Leserbrief zu „40 Thesen zur Reform des Islams“ von Abdel-Hakim Ourghi

Der Islam ist ein absoluter Begriff und trotz moderater Strömungen kann es keine „europäisch-moderate Variante“ auf breiter Ebene geben. Drei Hauptgründe, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, warum dieses Ziel obsolet ist: Erstens ist die Frau ein Mensch zweiter Klasse und wird in allen Lebensbereichen diskriminiert. Weitere Gründe sind zweitens die Zwangsanwendung des Korans als Gesetzeskodex und Ersatz für die staatliche Justiz – Stichwort Scharia – und drittens die offizielle Herabstufung Andersgläubiger, ganz gleich ob Christen, Juden, Buddhisten, Hindus etc., zu „Ungläubigen“. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, weil es selbsterklärend ist, und aus dieser Perspektive ist der Islam in seiner fundamentalen Ausprägung mit europäischen Werten nicht kompatibel ist. – Martin Behrens


Leserbrief zu „»Nicht die anzüglichen Bemerkungen sind das Problem, sondern das System, aus dem sie hervorgehen«“ von Antonia Baum

Es ist gerade viel von „sexuellen Übergriffen“ die Rede. Es gibt keine sexuellen Übergriffe. Was es gibt: Sexualität und Gewalt. Diese beiden schließen sich aus. Sexualität ist definiert durch eine Einvernehmlichkeit der Beteiligten. Nur etwas, was einvernehmlich geschieht, verdient den Namen Sexualität. Alles andere ist Gewalt. Übergriffe sind Gewalt. Erpressungen, Herabwürdigungen, unerwünschte Handgreiflichkeiten, Vergewaltigung sind Gewalt.

Dass es innerhalb der Sexualität Asymmetrien geben kann, ist ein ganz anderes und weitaus weniger bedenkliches Thema als alles, was mit Gewalt zu tun hat. Und die anstelle von „sexuellem Übergriff“ wünschenswertere und an sich korrekte Bezeichnung „sexualisierte Gewalt“ sollte wegen ihrer Missverständlichkeit in Richtung einer Vermengung beider Phänome möglicherweise eher vermieden werden.

S e x i s m u s , zur Zeit ebenfalls in aller Munde, hat ebenso wie Gewalt nichts mit Sexualität zu tun. Das Wort Sexismus versucht, außersexuelle Asymmetriebehauptungen begrifflich fassbar zu machen, die Sexisten und Sexistinnen an Geschlechterdifferenzen zu koppeln versuchen. Wonach bspw. der Machismo trachtet. Die Definition von Sexismus besagt, dass jemand sexistisch denkt und handelt, der ein Geschlecht anderen Geschlechtern gegenüber für bevorrechtet hält. Für „besser“. Mehr wert. Bedeutender. Oben. Nichts anderes. Sexismus ist eine Spielart der durch einen grundsätzlichen Narzissmus hervorgerufenen mannigfaltigen Plagegeister. Wie Islamismus, Nazi-Ideologie … Herrenmenschentum jedweder Art. Er hat, wie gesagt, mit Sexualität nichts zu tun, Nullkommanull. Mit Gewalt umso häufiger. Wer von sexistischer Gewalt spricht, handelt aus meiner Sicht kognitiv redlich. Ich höre in letzter Zeit vermehrt Männer im Radio geifern. Sie beklagen die malign-sexuellen Aktivitäten ihrer Geschlechtsgenossen. Und ein im Nachhinein auf dlf.de nicht zu ermittelnder, vom interviewenden Moderatoren sehr repektierter, sich aber nicht respektabel äußernder Angloamerikaner (?) verbreitete am 3.11. vom Deutschlandfunk aus, dass an den ganzen „sexuellen Übergriffen“ die sexuelle Befreiung der 60er Jahre „schuld“ sei.

Die Motive für derlei sind offensichtlich: sich selbst als besonders edlen Mann darzustellen und der Wunsch, ein weiteres 60er-Jahre-bashing-Süppchen kochen zu können, um dann auch noch mit dem rückständigen Wort „Schuld“ herumzufuchteln. Derartige Kommentare tun nichts für eine Lösung der zugrundeliegenden Problematik. Diese lautet: Übersteigertes Selbstwertgefühl (bitte nicht mit dem sogenannten „Hochgefühl“ verwechseln), das in Machterwerb und -erhalt mündet, anschließender gewaltförmiger Machtmissbrauch durch empathielose narzisstisch und sadistisch ausgerichtete Personen, die allermeistens männlichen Geschlechts sind. Dass derzeit massiv versucht wird, eine Verbindung zwischen den aktuell bekanntwerdenden Übergriffen und dem Thema Sexualität herzustellen, stellt nichts anderes als einen Anschlag puritanischer Interessenlagen dar, der mithelfen soll, eine neue Sexualitätsfeindlichkeit zu stärken. Danke für’s Lesen. – Florian Herbst


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Wir müssen bei uns selbst anfangen. Die Story in diesem Artikel ist die Scheinheiligkeit der Kanzlerin Angela Merkel und hat mich ziemlich erbost. Warum beklagen Sie das voraussichtliche Verfehlen der Klimaziele 2020 und verschweigen die wichtigste Ursache dafür: den beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergie? Als drei Tage nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima in Deutschland die Geigerzähler vergriffen waren, wusste Frau Merkel, dass mit Atomstrom in Deutschland keine Wahl mehr zu gewinnen war und machte die bekannte Kehrtwende. Mit den Folgen hadern wir heute, denn die Elektroenergie der deutschen Windräder und Photovoltaikanlagen reicht gerade mal, um die CO2-freie Atomenergie zu ersetzen. Aber niemand hat das kritisiert.

Warum loben Sie Frankreich für den Ausstieg aus der Braunkohle und verschweigen, dass dort drei Viertel des Stromes durch Atomenergie erzeugt werden? Sicher, weil das in Deutschland niemand hören will und damit das Geschäftsmodell Ihrer Zeitung Schaden nimmt. Damit sind Sie in Ihrer Glaubwürdigkeit keinen Deut besser als die Bosse der Autoindustrie oder die Bundeskanzlerin. Mich ärgern ebenso wie bei Ihnen beschrieben die immer größer, schwerer und damit sicherer werdenden Autos auf unseren Straßen. Mich ärgern aber auch die ständigen Briefumschläge in der ZEIT mit Einladungen „Für Sie als Leser der ZEIT!“ zu Kurzaufenthalten per Langstreckenflug nach Asien und Afrika zu Schnäppchenpreisen; durchaus keine erdklimafreundlichen Veranstaltungen. Sind wir Leser Ihres Blattes besonders ignorant gegenüber dem Klimawandel? Hieran hat vermutlich Frau Merkel keinen Anteil.

Sie prangern an, dass in Deutschland Milch produziert und nach China verkauft wird. Es ist doch völlig gleichgültig, ob treibhausgasrülpsende Kühe in Deutschland oder in China gehalten werden. Die Atmosphäre kann hierbei nur geschützt werden, indem Chinesen und Deutsche weniger Milch trinken. Aber wieder ist Frau Merkel daran schuld. Seltsamerweise hat bisher noch kein Politiker der Grünen vorgerechnet, wieviel mehr Kohlendioxid eine moderne Familie mit Kleinkindern in einer beheizten Wohnung, zwei beheizten Arbeitsstätten, beheizten KITA-Plätzen und beheizten Arztpraxen sowie dem Spritverbrauch zu diesen Orten gegenüber einer traditionellen Familie mit einer Wohnung und einer Arbeitsstätte benötigt. Selbstverwirklichung und Sicherheit sind in Deutschland heilige Kühe, die Auswirkungen auf den Klimawandel werden weitgehend ausgeblendet. Ein Kanzlerkandidat, der zur Klimaverbesserung die Wahrheit sagt, nämlich kleinere Wohnungen, kleinere Autos, weniger Reisen, weniger Pendeln und traditionelle Familienmodelle, hätte in Deutschland keine Chancen, gewählt zu werden.

Deutschland besitzt 1 Prozent der Weltbevölkerung und produziert 2 Prozent CO2  der Welt; angesichts der nördlichen Lage und der hohen Industrialisierung ein moderater Wert. Wir sollten die Reduktion von Treibhausgasen realistisch und ohne Aktionismus betreiben und uns nicht mit deutschem Sendungsbewusstsein als Retter des Weltklimas aufführen. Das gilt nicht nur für Frau Merkel. – Dr.-Ing. Walter Köckeritz


Leserbrief zu „Spalterische Leidenschaften“ von Ulrich Ladurner

Ich habe ihren Artikel gleich mehrmals gelesen, er erschien mir wichtig und vieles, das Sie schreiben, kann ich nachvollziehen. „An den Abendbrottischen wird eine alternative historische Wahrheit weitergegeben, oft geprägt von Vereinfachung und Übertreibung. . . . .Und das eigene Leid ist immer das größte.“

An anderer Stelle, in Bezug auf den Jugoslawienkrieg und seine Opfer, heißt es: „Gemeinschaften, die vermeintlich ins Unrecht gesetzt worden waren, setzten sich gewaltsam ins Recht – und begingen dabei Verbrechen, die bei den Opfern wiederum den fatalen Zyklus selektiven Erinnerns in Gang setzten.“

Das „selektive Erinnern“ haben wir auch in Deutschland. Dadurch, dass sich die Herrschenden oder die Eliten, gleichgültig, wie Sie sie nennen wollen, völlig mit den Opfern des Nationalsozialismus identifiziert haben, ist das Leid, das den Deutschen zugefügt wurde, einfach vom Tisch gewischt worden. Täter leiden nicht und ihre Toten dürfen noch über das Grab hinaus kollektiv geschmäht werden, nicht wahr? Auch den wohlmeinendsten älteren Deutschen tut diese Sichtweise bitter weh, wenn sie andrerseits auch die Naziverbrechen sehen, verurteilen und zutiefst bedauern.

Aber natürlich gilt das so nicht für alle. Manche geben ihre Leidensgeschichte voll Hass an jüngere Generationen weiter und praktizieren ein selektives Erinnern anderer Art, in dem deutsche Verbrechen nicht vorkommen, wohl aber Bombardements, Plünderungen, Morde, Massenvergewaltigungen, Vertreibungen und Demütigungen jeder Art, wie Deutsche  sie erlebten. Ich denke darüber nach, ob die Hochburg der AfD in Heilbronn, deren Zustandekommen der „Zeit“ so rätselhaft erscheint, nicht wenigstens teilweise etwas zu tun hat mit dem furchtbaren Fliegerangriff 1944 auf Heilbronn, bei dem die Stadt zu 80% zerstört wurde.  Auch in Pforzheim und Dresden hat die AfD überdurchschnittlich gut abgeschnitten. In Pforzheim wurde bei dem schweren Angriff im Februar 1945 die Innenstadt ausradiert und im Verhältnis zur Einwohnerzahl hat es noch mehr Tote gegeben als in Dresden. Hoffentlich finden sich auch in Deutschland, wie in Südtirol, kluge Menschen, die sich für Versöhnung einsetzen. Im Moment sieht es nicht so aus. – Erika Albert


Leserbrief zu „Ins Scheitern verliebt“ von Lorenz Maroldt und Harald Martenstein

Da war ich gespannt, was Harald Martenstein und Lorenz Maroldt uns Vergnügliches servieren. Nach der ersten Spalte, legte ich das Magazin weg, weil ich Bedenken wegen meines Gallenflusses hatte. Am nächsten Tag, gewappnet mit altersgemäßer Gelassenheit, habe ich den Artikel fertig gelesen. Dennoch hat mich die Beamten-, Senatsangestellten- und Politikerkaste, die sich in ihrer Unfähigkeit übertreffen wollen, betroffen gemacht. Da ist es verständlich, dass der Berliner seine Schlüsse zieht. Lachen mussten wir, meine Frau und ich, übrigens nicht. Das mit den Tränen schon eher. – Dr. Michael Thau


Leserbrief zu „Spalterische Leidenschaften“ von Ulrich Ladurner

Was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen einem Rebellen / Terroristen und einem Freiheitskämpfer? Ist dies nicht der Blickwinkel des Betrachters oder die Sichtweise des Siegers? Der Rebell ist nur so lange ein Rebell bis er einen Sieg erringt, danach wird er als mutiger Freiheitskämpfer zum Allerweltshelden. Verliert der Rebell so wird er vom Sieger gnadenlos abgeurteilt und gilt als Verbrecher. Wenn die politische Lage es erfordert, wird es in weiten Teilen nicht mal zum Wiederspruch kommen wie mit den Rebellen umgegangen wird. Wenn wir nun mal wertneutral das Thema der Katalanen betrachten so ist doch eine ethnische Minderheit vom Zentralstaat zumindest über weite Teile Ihrer Geschichte schlecht behandelt worden. Das will die Minderheit ändern, möglichst ohne Gewalt an zu wenden. Jedoch werden alle Versuche einen Weg der fairen Partnerschaft zu gehen vom Zentralstaat verhindert.

Nun setzen Sie ein demokratisches Mittel ein um Druck auf die Zentralregierung aus zu üben und lassen das Teil Volk des Zentralstaates über Ihre Unabhängigkeit abstimmen. Das dies nicht im Sinn eines Staates ist kann durchaus nachvollzogen werden, unabhängig davon ob Gesetze oder Verfassungsrecht eine Aussage dazu machen. Einer demokratischen Regierung muss dazu nur eines einfallen, nämlich: Warum füllt sich diese Minderheit schlecht und wie können wir das für beide Seiten fair und gemeinsam ändern. Eine diktatorische Regierung geht gnadenlos auf die Rebellen los, natürlich mit den Gesetzen die in der Vergangenheit aus gutem Grund entsprechend formuliert worden sind um genau so auf diese Probleme ein zu gehen. Es ist doch eines demokratischen Staates mehr als unwürdig mit einem ständigen Nein zu allen Anliegen der Minderheit zu kontern.

Demokratie heißt Kompromisse zu finden, die für beide Seiten tragbar sind. Wird dieser Weg verlassen kann es sich nichtmehr um eine Demokratie handeln, sondern um eine („parlamentarische“) Diktatur, eventuell mit demokratischen Wahlen, was die Sache nicht besser macht. Was beim Fall der Katalanen noch viel schlimmer wirkt, ist das Versagen der Freunde und Nachbarn der Spanier und Katalanen. Kein einziger hat sich bemüht, bei diesem durchaus heiklen Thema mit vernünftigen Argumenten und mit viel Fingerspitzengefühl zu vermitteln bzw. die Streithähne zur Ordnung und Rückkehr zur Demokratie bzw. vernünftigen Lösungen zu rufen, selbst die Medien konnten sich zu einer Vernünftigen, sprich neutralen, faktenbasierenden Berichterstattung nicht durchringen. Alle laufen, aus welchen Gründen auch immer, nur dem Mainstream der politischen Eliten nach und schreien möglichst laut wie böse doch die Katalanen sind und was die so alles falsch machen.

Mir sind irgendwelche politischen Gründe völlig egal, ich sehe hier nur, dass unsere so hoch gelobte Demokratie keinen Pfifferling wert ist sobald Interessen von irgendwelchen mächtigen Eliten involviert sind. Wo ist denn der Grundsatz: Alle Macht geht vom Volke aus? Sind die Katalanen nicht ein Volk mit eigener Sprache und Kultur? Wo ist der propagierte Schutz der Minderheiten in Europa? Nur weil ein Staat sich demokratisch nennt und sogar wählen lässt, heißt das noch lange nicht das es sich um einen demokratischen Staat handelt egal ob in Europa oder sonst wo in der Welt. Gerade den Medien kommt in einer Demokratie eine äußerst wichtige Funktion zu, nämlich Themen auf zu greifen und aus verschieden Blickwinkeln zu beleuchten um möglichst Neutral zu berichten. Das es Tendenzen von Links bis Rechts gibt ist absolut natürlich und gehört zu uns Menschen. Jedoch Wenn nahezu alle Medien weg sehen bzw. das Thema nicht im Hinblick auf Aufklärung und Unterstützung zur Lösung des Problems beitragen, hat dieser demokratische Teil unseres Weltbildes versagt. Jeder darf seine Meinung frei äußern, heißt es im deutschen Grundgesetz.

Warum wird das nur so selten getan? Und noch wichtiger, warum werden Meinungen verteufelt anstatt mit fairen Argumenten und wahren nachvollziehbaren Fakten die Diskussion mit den anders denkenden auf zu nehmen? Das gilt leider für viele Probleme in unserer, scheinbar so heilen Welt. Das wichtigste an der Demokratie ist die Findung von Kompromissen, welche für die meisten einer Gruppe tragbar sind. Es wird auch immer kleinste Gruppen geben welche nie berücksichtigt werden können, das ist nicht unbedingt gut aber leider nicht zu vermeiden. Nur die Suche nach der Lösung auch für dieses Problem, macht uns zu wahren Demokraten. Eine Regierung wie in Spanien samt den europäischen Freunden sowie die Medien sollten sich mal ernsthaft mit der Seele der Demokratie befassen.

Und sollten Sie, dank Ihres Intellektes finden, dass es ein Fehler war, dann bitte schön auch dazu stehen, den das macht wahre Größe aus einen Fehler zu benennen, dazu zu stehen und nach einer besseren Lösung gemeinsam zu suchen. Ich weiß, das ist sehr viel verlangt, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht schafft es „einer“ diesen Spanisch / Katalanischen Quatsch zu durchbrechen und den „leidenden“ Menschen das zurück zu geben was wir Normalos wollen, nämlich einfach nur vernünftig zusammen zu leben. – Michael Wolf


Leserbrief zu „Wochenmarkt“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

Jetzt bin ich im Grunde meines Herzens eigentlich kein Leserbriefschreiber und muss auch nicht meinen Senf zu jedem Muckenschiss dazugeben, aber nun…ich gebe es zu:.ich habe mich geärgert. Nicht über das Zitronen – Mohnmachwerk, darüber nicht. Aber erklären Sie mir bitte einmal, was hier an dieser Stelle Ihr Lob des Hundes und die Frage nach dem „ Sinn von Katzen „ zu suchen hat . Schon alleine die Formulierung lässt mir die Nackenhaare hochstehen…der Sinn eines Tieres…? Ich will diesen Gedanken nicht weiterspinnen, Sie verstehen mich schon… Um Missverständnisse erst gar nicht aufkommen zu lassen : Ich habe (und hatte schon immer) Katzen und ich möchte Sie nie missen aber ich habe auch überhaupt nichts gegen Hunde. Auch wenn Sie ständig ihre Notdurft in meinem Garten hinterlassen – aber das liegt am Herrchen. Mir jedenfalls  ist das Wesen der Katze ,einen eigenen Kopf zu haben und nicht jeden Quatsch mitzumachen, den sich das Herrchen ausdenkt, einfach sympathischer….

Aber das wollte ich eigentlich gar nicht schreiben….vielmehr verstehe ich nicht , warum sich bei Hund und Katz die Geister so polarisieren und warum Sie sich , verehrte Frau Rother, in einem Kuchenrezept ( und nicht mal „ Kalter Hund“…) unbedingt den Groll der Miezophilen zuziehen müssen. Übrigens …“der Hund ist reinlich und die Katze wird überschätzt“….sie machen ja sogar im Internet noch weiter… Wer mal nasser Hund gerochen hat und bei Langhaarzottelhunden  Stammkunde bei Fusselbürstenverkäufer ist, weiß was ich meine. Aber selbstverständlich haben Hunde natürlich auch ihre Vorzüge: Es gibt meines Wissens keine Blindenkatzen, Lawinenkatzen, Drogenspürkatzen….es sind halt einfach Schmusekatzen…und das könnte in Ihrer Rubrik „ Was mein Leben reicher macht „ stehen. – Peter Stöckl


Leserbrief zu „Geblieben, um zu verändern“ von Angela Köckritz

Ihre Journalisten haben immer wieder mal Probleme mit den Himmelsrichtungen. So auch beim Beitrag über Gabu in Guinea-Bissau: Nach der abgedruckten Karte liegt das wohl eher im Nordosten als im Südwesten des Landes, wie im Text behauptet (4.Zeile)! – W. Schimeczek


Leserbrief zu „Die Schweiz ruft” von Selina Bettendorf

Wer in Deutschland krank wird, der kann was erleben. Sie werden erst behandelt, wenn alles dokumentiert ist. Eine krankhafte Bürokratie hat die Bürger halb verrückt gemacht. Der Personalmangel garantiert keine vernünftige Betreuung mehr. Die sind nicht mehr weit von einer Irrenanstalt entfernt. Versuchen Sie alles zu vermeiden, was zu einem Aufenthalt beim Arzt oder Krankenhaus führen könnte. Selbst ein finanziell unabhängiger Mensch sollte lieber ins Ausland gehen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Hamburger Haie” von Felix Dachsel

Ihr Autor liegt falsch, wenn man die Marktwirtschaft richtig kennt. Mietpreisbremse ist Unfug, wie so vieles in unserem Land. Stattdessen muß der Staat und die Länder sozialen Wohnungsbau wieder mehr fördern. Ein Privatmann baut keine Häuser, wenn er keine Rendite erzielt. Der geht ins Ausland. So ist das nunmal. Das können Sie beklagen, es ändert sich aber nichts an der Sache. Und Ihr Autor würde das auch nicht tun wollen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Politische Bildung” von Katharina Meyer zu Eppendorf

Die Studenten machen es richtig. Ich kann das auch anderen Studenten nur empfehlen. Sie sollten aber Amerika nicht ausser Acht lassen. Das wäre noch empfehlenswerter. Deutschland begeht ohnehin Selbstmord. Und in West-Europa ist es nicht viel anders. Deutschland schreitet mal wieder voran. Keiner kann mehr seinem Schicksal entgehen. Unser Zuhause wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben. Da müsste schon ein Weltwunder geschehen. West-Europa hat sich selbst aufgegeben. Unsere Verfassung ist bereits Schnee von gestern – es weiß nur noch keiner. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Ins Scheitern verliebt“ von Lorenz Maroldt und Harald Martenstein

Heute fuhr ich mit Ihrem Artikel im Hinterkopf nach Berlin und muss Ihnen sagen: Ihr Artikel hat umgehend Wirkung gezeigt!  Ich fand Berlin wirklich aufgeräumt, die Berliner freundlich, kompetent und engagiert, die S- und U- Bahnen waren pünktlich und sauber ….! Zusätzlich schien den ganzen Tag die Sonne! Wirklich überhaupt kein Grund zu nöhlen ! Always look on the bright side of life! – Olaf Pahl


Leserbrief zu “Der Meister des Scheins“ von Fabian Huber und Vinzenz Neumaier

Ich fand es sehr interessant, was die angehenden Journalisten der Uni Eichstätt-Ingolstadt zum Fall Herbrechtsmeier herausgefunden haben. Womit man nicht alles betrogen werden kann heutzutage. Neugierig wäre ich auf den Ausgang für das Ehepaar oder andere Leute, die bereits Geld in diese „Führerschein-Wiederbring-Masche“ investiert haben. Diese Mail muss nicht als Leserbrief gedruckt werden, es würde mich aber freuen, wenn sich jemand findet, der diese Recherche fortsetzt. Sie können die Mail bestimmt an eine zuständige Stelle weiterleiten. – Marlies Birner


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Ein gut recherchierter Artikel, der uns vor Augen führt, dass wir unseren Politikern auch Mut machen müssen, dass es eben nicht nach dem Motto gehen kann: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Nichtsdestotrotz ist es zu kurz gegriffen, die Schuld nur Politikern zuzuweisen und eben nicht selbst Verantwortung zu übernehmen – zumindest, was die Wahl des Autos betrifft oder des eines Stromanbieters beispielsweise. – Matthias Halsch


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Ihr hervorragender und gründlich recherchierter Artikel hat mich als umweltbewussten Bürger zutiefst erschrocken und zur Weißglut gebracht. Endlich wird die Scheinheiligkeit der Kanzlerin beim Klimaschutz offen ausgesprochen. Worte und nette Gesten alleine bringen eben nichts, wie sie richtig schreiben.

Zweifellos brauchen wir gerade auf dem Agrar-, Verkehrs- und Energiesektor große Veränderungen. Wir werden unsere Lebensweise umstellen müssen, auch wenn uns dadurch wohl oder übel persönliche Nachteile entstehen. Leider ist diese Erkenntnis bei den beteiligten Akteuren, insbesondere der Kanzlerin noch nicht angekommen. Stattdessen sprechen wir über größere Parkplätze. Einfach nur traurig. – Dominik Trux


Leserbrief zu „In der Wucher-WG“ von Maria Retter

Ihr Artikel hat mich in mehrfacher Hinsicht enttäuscht: Für einen ganzseitigen Artikel wird lediglich eine subjektive Einzelerfahrung (mit nur leicht erweiterter zusätzlicher Recherche) dargestellt. Wie Sie in der Infobox darstellen, soll das eine Nährerung an eine Wirtschaftsfrage darstellen. Für eine subjektive Näherung ist aber ein ganzseitiger Bericht in der Zeit das falsche Format. Für subjektive Näherungen lese ich keine Zeitungen. Ein angemessener Artikel zu dem Thema hätte außer der kritisierten Firma Medici Living auch andere Anbieter im Wohnungssektor untersucht. Er hätte außerdem versucht, ein repräsentatives Bild von Wohnungen bzw. -vermittlungen aufzuzeigen, und das idealerweise auch nicht nur für Hamburg. Dass hier eine Hospitantin Gelegenheit erhält, einen langen Bericht zu präsentieren, wirkt auf mich außerdem so, als ob aus Gründen der Kostenersparnis kein regulärer/fest angestellter Redakteur auf das Thema angesetzt wurde. Das Dossier derselben Ausgabe (zum Thema Merkel und Klima) fand ich hingegen sehr gut! – Christoph Schürmann


Leserbrief zu „Über eine besondere Zirkusfamilie” von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ich danke Ihnen für den kleinen Beitrag über die Zirkusfamilie. Dieser kann wohl exemplarisch für viele kleine Familienzirkusse stehen, welche sich in unserer Online-Welt mit dem ständig kritischen Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis zu behaupten versuchen. Mir sind ob der rührenden Darstellung die Tränen gekommen. Danke, dass Sie diesen Menschen Ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben. – Julia Thönes


Leserbrief zu „Schuldig! Sofort!“ von Josef Joffe

Dass die Anklage bzw. der reine Verdacht bei sexuell motivierten Übergriffen ausreicht, um jemanden ohne Prozess für schuldig zu befinden, kommt auch in Deutschland vor, wie ich selbst in meinem nächsten Umfeld erleben musste. NRW, Herbst 2016: Eine junge Frau wird in einem überfüllten Bus unsittlich berührt. Sie sieht nicht, wer es war, vermutet aber, dass es ein hinter ihr stehender junger Mann gewesen sein muss. Sie geht zur Polizei, identifiziert den Mann auf einem Überwachungsvideo, das Foto wird – laut Lokalpresse  – „ungewöhnlich schnell“ zur Veröffentlichung freigegeben und erscheint in mehreren Medien, auch online. Der junge Mann sieht das Foto, geht zur Polizei, um den Sachverhalt zu klären. Er wird nach erkennungsdienstlicher Behandlung im Streifenwagen [!] nach Hause gebracht. Das Foto wird erst am nächsten Tag auf mehrfaches Bitten von Personen aus dem Umfeld des Mannes verpixelt.

Die Polizei behauptet mir gegenüber telefonisch, die Verpixelung müsse erst bei einem Richter beantragt werden. Die Lokalpresse formuliert in späterer Berichterstattung „Sexualtäter gefasst“ und berichtet, der Fahndungserfolg sei auf Hinweise aus der Bevölkerung zurückzuführen. Wer findet die Fehler?Meine telefonische Aussage bei der Polizei zu Gunsten des mir lange und gut bekannten Mannes wird protokolliert, ich werde im Protokoll als „Gutmensch“ bezeichnet. Der hinzugezogene Rechtsanwalt rät, einen außergerichtlichen Vergleich zu akzeptieren, also quasi indirekt die Täterschaft einzugestehen, denn: „Wenn die junge Frau im Gerichtssaal beim Anblick [des jungen Mannes] anfängt zu weinen, kann ich meine Robe gleich wieder ausziehen. So ist das System“.Fazit: Der Sachverhalt wurde nicht aufgeklärt.

Ein Unschuldiger muss ein Bußgeld sowie eine saftige Anwaltsrechnung zahlen für etwas, was er nicht getan hat und ist für den Rest seines jungen Lebens beschädigt. Ein Anwalt hat gut verdient. Der Täter läuft weiter frei herum. Der junge Mann ist ein Flüchtling, was leider viele der oben beschriebenen Missstände erklärt, aber keinen davon rechtfertigt. Ob er jetzt an den deutschen Rechtsstaat glaubt, in den er sich integrieren soll, sei dahingestellt. Mein Glaube an diesen Rechtsstaat und seine Organe sowie an die Glaubwürdigkeit der Medien ist jedenfalls nachhaltig erschüttert.Ich bin selbst eine Frau und zudem Mutter einer halbwüchsigen Tochter und möchte bestimmt nichts verharmlosen. Doch die aktuelle „me too“-Hysterie, bei der schon eine Berührung am Knie zu sexueller Gewalt hochstilisiert wird, trägt leider nicht zur Versachlichung der notwendigen Auseinandersetzung mit diesem hochemotionalen Thema bei und verursacht bei mir vor dem Hintergrund des oben geschilderten Erlebnisses tiefes Unbehagen. – Julia Kouchaki


Leserbrief zu „Wasser für Veganer“ von Marcus Rohwetters

Mit Genuss lese ich die wöchentliche Einkaufshilfe und muss immer wieder schmunzeln. Es ist wirklich unglaublich wie absurd manche Produkte sind. In der Quengelzone „Wasser für Veganer“ bringt es Marcus Rohwetters wieder einmal ausgezeichnet auf den Punkt, wie aktuelle Trends den Markt kontrollieren, dabei übertrieben werden und zu wirklich unnötigen Innovationen führen – Laktosefrei & Co. sind ähnlich einzuordnen. Zum Glück gibt es noch Leute, die mit gesundem Menschenverstand jenen Angeboten gegenüber stehen, denn manchmal kann man wirklich nur eines tun: Kopfschütteln und über die Absurdität lachen.
Diese Quengelzone hat mir besonders gefallen, da ich dem Autor bereits eine eigens geschriebene Einkaufshilfe zum Thema „Frei von…“ gesendet hatte (die jedoch leider aufgrund der Personenbezogenheit der Kolumne abgelehnt wurde). Glutenfrei, Laktosefrei und Vegan auf Produkte zu schreiben, die eigentlich selbstverständlich diese Eigenschaften tragen, ist eine weitere Strategie momentane Hypes auszunutzen. Wie das ganze überzogen werden kann ist eindeutig beim „Wasser für Veganer“ zu lesen. Und dass so etwas bei noch jemandem nur Kopfschütteln auslöst ebenfalls. – Sophie Richter


Leserbrief zu „Spalterische Leidenschaften“ von Ulrich Ladurner

Mir war seinerzeit aufgefallen, dass in diesem Artikel, anders als meist in den Medien, auch die Interessen der Katalanen zur Sprache gekommern sind, so dass ich die Ausgewogenheit des Artikels lobend erwähnt habe. Nach dem ausführlichen Leserbrief im Block von Claudius Schreibweis muß ich allerdings konstatieren, dass in dem Artikel von Ladurner dennoch viele Aspekte unberücksichtigt geblieben sind. Ich würde es sehr reizvoll finden, wenn dieser wirklich ausführliche faktenreiche  Leserbrief in der nächsten Zeit-Ausgabe veröffentlicht würde oder man Herrn Schreibweis Gelegenheit geben könnte, seine Ansichten dort in anderer Weise zu präsentieren (oder ist er für Sie zu kritisch ?). – Dr. Hans Georg Rummel


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Die striptease-aertige Nabelschau des Fotografen-Teams im Zeit-Magazin finde ich recht uninteressant. Wer möchte dies mitverfolgen? – Lea Ausfeld


Leserbrief zu „Überraschungsparty” von Kerstin Kohlenberg

Wenn man diesen Artikel im Zusammenhang mit den folgenden Artikel über das politische Berlin liest, kann einem Angst und Bange werden. Man findet die gleichen Symptome – etablierte Parteien, die an ihren alten Konzepten festhalten und keine Fehler bei sich entdecken können. Jamaika-Verhandlungen, die die Ursachen für die Unzufriedenheit der Wähler ignorieren (dies betrifft bei Weitem nicht nur die Wähler der AfD und der Linken). Eine FDP, die als zentrales Anliegen die Abschaffung des Solis – eine Steuersenkung im Wesentlichen für die Besserverdienenden und Reichen – hat. Am Ende bleibt kein Geld für die sozial Schwachen, die Geringverdiener, die Sozialsysteme. Das Ganze garniert mit einer fehlgeleiteten Integrationskultur, die aus falsch verstandener Liberalität heraus keinen Widerstand gegen die Ausbreitung des Islamismus in unseren Städten leistet. Innerhalb weniger Jahre werden wir amerikanische Verhältnisse haben mit NoGo Areas für „Normalbürger“ und einem „Retter“ wie Trump, der die Demokratie zerstören wird. – Rainer Funke


Leserbrief zu „Plötzlich wieder planlos“ von Burkhard Strassmann

Nach diesem Artikel weiß ich wieder, warum ich mich vor der Alter fürchte! Fast hätte ich es erfolgreich verdrängt. Danke! – Rainer Funke


Leserbrief zu „Denkt groß, bitte!“ von Mariam Lau

Danke für ihren offenen Artikel an unsere ‚Volksvertreter‘. Sollte es wirklich zu Neuwahlen kommen, dürfte sich die AfD – nach diesem unwürdigen Gerangel – auf weiteren Zuwachs freuen! Auch Ihnen Frau Evelyn Finger Dank für den Bericht über den ‚Ketzer Franziskus‘. Ich habe gerade das Buch von Andres Englisch – Der Kämpfer im Vatikan –  beendet und bete (als Protestantin) für diesen Papst, dass ihm die Kraft eines Herkules geschenkt werde. Denn diese braucht es, um diesen Augiasstall – auch Vatikan genannt –  zu misten!!! Möge er noch lange im Haus der Heiligen Martha sein Essen einnehmen (da ist die Vergiftungsgefahr hoffentlich geringer). – Elke Zils


Leserbrief zu „Das Naturschauspiel” von Lea Frehse et al.

Ich vermute, dass der Klimaschutz durch nachwachsende Energie-Rohstoffe von vorne herein nicht primär beabsichtigt war, sondern nur das Vortäuschen dieser Absicht. Meinen Zorn darüber habe ich zu dem nachfolgenden Gedicht verdichtet.

Biotreibstoff E10

Das Klima zerstören

und Menschen vernichten

mit Palmöl-Plantagen

fernab von hier

 

uns ahnungslos und

zum Narren zu halten

mit güld´nen Versprechen

von sorglosem Wohlstand

 

damit wir nicht sehen

im Titanic-Traumschiff

die Profis am Steuer

beim Lügen

Dipl. Math. i.R. Günter Hess


Leserbrief zu „In der Wucher-WG“ von Maria Retter

Ganz herzlichen Dank für diesen Artikel. Ich freue mich auf weitere Recherche-Intensive Artikel von Ihnen im Ressort Wirtschaft (die ja bekanntlich unser Schicksal ist). Besonders gefreut habe ich mich über den zitierten Textbaustein aus der E-Mail von Medici Living. Ich habe ihn sofort abgespeichert und bin sicher, dass er mir in so mancher Abwimmel-E-Mail gute Dienste leisten wird. – Peter Häußermann


 

 

26. Oktober 2017 – Ausgabe 44

Leserbrief zu “EU, mon amour“ von Elisabeth Raether

Eine persönliche Geschichte: In Ihrem Artikel haben Sie ein europäisches Land vergessen zu erwähnen, nämlich Schottland. Natürlich ist Schottland im Staat des Vereinigten Königreiches eingebunden. Es ist aber wichtig zu wissen, dass in Schottland 62% der Bevölkerung bei der Volksabstimmung gegen den Brexit gestimmt haben und bei der Wahl zum schottischen Parlament im Mai 2016 der Stimmenanteil der UKIP so gering war, dass, obwohl es hier keine 5% Hürde gibt, keiner ihrer Abgeordneten ins Parlament einziehen konnte. Im Gegensatz zu den Wahlen zum Unterhaus in Westminster werden die Wahlen zum schottischen Parlament ähnlich wie die Bundestagswahlen ausgeführt (modifizierte d’Hondt Methode). Hier haben wir das Beispiel eines Landes, welches in der Mehrheit europafreundlich ist und wo auch die rechte populistische Partei keinen Fuß gefasst hat. Ich selbst wohne seit über 30 Jahren in Schottland und bin überzeugter Europäer. Wie viele meiner Generation, sehe ich die größte Errungenschaft der EU in der Friedenserhaltung in Europa.

Meine Eltern trafen sich während des zweiten Weltkrieges, aber da meine Mutter Polin und mein Vater Deutscher war, wurde sie zur Zwangsarbeit geschickt, er ins Gefängnis und mein kleiner Bruder ins Kinderheim. Immer wenn ich an das Schicksal meiner Eltern denke und dann sehe, dass ich meinem Herzen nach Schottland folgen konnte, dort meine Frau (eine Irin) heiratete und wir hier eine Familie gründeten, ist mir bewusst, wie großartig und wichtig die Europäischen Union für mein persönliches Leben ist. Und jetzt wird mit Brexit wieder alles in Frage gestellt. Bei meiner Arbeit hier in Schottland wissen meine Mitarbeiter, dass sie, wenn ich mit mir selbst Deutsch rede, besser in Deckung gehen sollen, denn es lässt sich halt besser in seiner Muttersprache fluchen. Ich habe in letzter Zeit viel Deutsch gesprochen. – Dr. Hans Pieper


Leserbrief zu „Lebt wohl“ von Stefan Schmitt

Heute morgen beginne ich den Seite-2-Artikel über das erschütternde Insektensterben zu lesen – direkt darunter eine halbseitige Anzeige eines der mutmaßlich an Klimawandel etc. Mitverantwortlichen. Sie sollten dringend über Ihre Anzeigenplatzierung nachdenken. – Michael Sellhoff


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Von Petra zu Petra: Da kommt einem doch die Galle hoch! Ich sitze beim Frühstück und lese diesen selbstgerechten Artikel. Wo war denn die Presse während des ganzen Bundestagswahlkampfes? Waren denn alle an der Grenze und haben die Flüchtlinge gezählt, die nun doch nicht mehr so zahlreich ins Land strömen? Jetzt nach der Wahl kommen alle die Themen hoch, die die Grünen versucht haben zu kommunizieren (siehe Bild).Hat denn die  „Zeit“  in den letzten Monaten groß aufmerksam gemacht auf das Insektensterben? Das ist doch schon längst bekannt. Sogar ein winziger Ortsverband wie in Leinfelden-Echterdingen (außerdem Wahlkreis Winfried Kretschmann) hat das gewusst und versucht, es publik zu machen. Aber da steht man dann auf dem Marktplatz und in den Köpfen der Menschen ist diese Wahrheit noch gar nicht angekommen. Da wäre eine verantwortungsbewußte Arbeit der Presse von Nöten. Ist Ihnen denn nicht aufgefallen, dass jetzt – also nach der Wahl – all diese Themen hoch kommen? Nun wurden aber schon wieder die Weichen für die nächsten Jahre gestellt. Ob die Insekten wohl so lange auf die Presse warten können? Oder läuft es bei der nächsten Wahl wieder so? Oh ja, die Flüchtlinge und der ganze Mist mit der AfD. Na ja, wenigstens haben die von der Pressearbeit profitiert. Schöner Artikel aber leider zu spät. – Petra Gudat


Leserbrief zu „Über Sexismus und das Ende der Kunst“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Vielen Dank! Nach den Interview mit Neo Rauch  hoffe ich verstärkt darauf, dass wir alle in dieser Gesellschaft es erreichen, nicht alle kulturellen Güter aus allen Epochen zu ’sprachreinigen‘ und es trotzdem schaffen, männliche Übergriffe aller Art auf Frauen zu verhindern. Sprachreinigung und Gesetzeswerke (Frau Barley von der SPD) sind nicht die geeigneten Mittel. Sehen wir uns die Zustände an amerikanischen Universitäten an, in deren Vorlesungen Bücher – z.B. Ovid – mit Gefahrenmeldungsbanderolen versehen werden, weil deren Inhalt ‚offensive‘- sei. Erziehung durch den Staat ist ein fragwürdiges Mittel, wenn der durchschnittliche Wähler sich nicht mal auf ein vegetarisches Menü  unter vielen fleischlastigen an einem Tag  in öffentlichen Kantinen einlassen kann. – Johanna Weber


Leserbrief zum Titelbild

Ich nehme an, dass diese Assoziation zu dem grausamen Film „Das Schweigen der Lämmer“ so gewollt ist. Ihre Metapher zur blutrünstigen kannibalischen Lust am Töten passt nicht. Man kann zu Frau Merkel stehen, wie man möchte. Man kann sie auch scharf kritisieren wegen ihrer verhaltenen oder zögerlichen Politik. Aber ich dachte immer, dass „Die Zeit“ eine gewisse Sachlichkeit in ihre Berichterstattung einbringt und nicht zur reisserischen Schlagzeilenpolitik wie die BILD greift. Auf Menschen, die Ihre Zeitung weniger kritisch betrachten, kann solch eine Fotomontage extrem wirken und eine üble Stimmungsmache auslösen. Viele begnügen sich damit, einen Aufmacher zu kommentieren. Weder beachten Sie Ihren Hinweis auf die Seiten 2 und 3, noch lesen nicht weiter. Vor allem folgt auf Seite 2 ein relativ sachter Bericht von Bernd Ulrich zum Thema „Insektensterben“  und über die „mittlere Vernunft“.  Und mir stellt sich jedoch nun die Frage, ob Frau Merkel nun auch für das Insektensterben verantwortlich gemacht werden kann?  Das Insektensterben ist nicht nur ein deutsches oder europäisches Problem, sondern eines der Welt.  Warum also muss Frau Merkel dafür herhalten, und auch noch auf diese üble Art der Darstellung. Menschen, die Texte schreiben und Fotos publizieren, sollten sich der Macht der Bilder und der Worte bewußt sein.  Sonst sind sie an beruflich falscher Stelle. Fake-News läßt grüßen.  Ich kann Ihre Vorgehensweise nicht nachvollziehen. Es tut mir leid, dann bin ich nicht mehr Ihre Leserin.  Schade, aber das wars dann wohl… – Katharina Goldbeck-Hörz


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Was Sie beschreiben ist eine schreckliche Dystopie, bei der es mir kalt über den Rücken läuft. Ist Ihnen bewusst, wie nahe Ihr Vorschlag dem Konzept der Sexualität in Orwell´s 1984 kommt? „Die Partei versuchte, das Sexualgefühl abzutöten, oder doch zu verbiegen und in den Schmutz zu ziehen.“ Als hätte Orwell Ihre „deklarierte[n] unsafe spaces“ beschrieben. Furchtbar! – Leonhard Riemer


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Der Artikel von Bernd Ulrich in der Zeit Nr. 44 behandelt mit dem Insektensterben ein wichtiges Thema und beklagt, warum es keinen Aufschrei gibt. Neben den Autoscheiben ist auch die Frage, wer sich noch an Maikäferjahre oder Massen von Eintagsfliegen, die Straßen blockierten, erinnern kann, ein guter Indikator, wie stark die Insektenpopulationen gesunken ist. Die Lösungen scheinen ja eindeutig zu sein. Verbot der Neonicotinoide und Glyphosat und Umstellen der Landwirtschaft auf ökologischen Landbau. Leider verhindert er gerade durch diese einfache, plakative Feststellung eine ernsthafte Auseinandersetzung zu diesem Thema. Schauen wir uns die Landwirtschaft mal an. Laut dem CORINE Land Cover Bericht von 2013, der auf der Webseite des Umweltbundesamtes zu finden ist, wurden im Zeitraum von 200 bis 2006 pro Bundesbürger 1,1 qm landwirtschaftliche Fläche und 0,21 qm Wälder und naturnahe Flächen aufgegeben. Laut dem statistischen Bundesamt von 2009 hat die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ebenfalls abgenommen, während die Größe der verbleibenden Betriebe gestiegen ist. Im gleichen Zeitraum weist das Umweltbundesamt eine Zunahme der verwendeten Pflanzenschutzmittel aus. Dies weist auf eine Intensivierung der Landwirtschaft auf den verbliebenen Flächen hin und könnte dazu führen, dass auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen tatsächlich die Biodiversität abnimmt. Das Ergebnis ist aber immer noch ein Plus an Fläche, die nicht bearbeitet wird und für die Biodiversität zur Verfügung stände.

Die Zahlen des CORINE Berichts zeigen aber auch, dass im gleichen Zeitraum 0,97 qm künstliche Oberflächen geschaffen wurden. Noch im Jahr 2011 wurden jedes Jahr fast 100 qkm Boden versiegelt, ein großer Teil davon für Verkehrsprojekte. Daraus folgt, die allgemeine Nutzung von Boden an sich muss überdacht werden. Wenn Wiesen oder Äcker für Siedlungen, Industriegebiete oder Straßen versiegelt werden, haben Insekten und alle anderen Tiere wesentlich schlechtere Karten, als auf (intensiv) landwirtschaftlich genutzten Flächen. Und wenn die Landwirtschaft auf ökologischere Produktion umstellt muss sie mehr Fläche verbrauchen, die sicherlich nicht aus den Siedlungen und Industriegebieten genommen wird.

Dazu kommen die Emissionen dieser Flächen. Privathaushalte emittieren wesentlich komplexere Chemikaliengemische als Agrarbetriebe und auch komplexere Gemische als noch vor zwanzig Jahren. Die Regulierung der Schadstoffe kann mit der immer schnelleren Folge neue Stoffe nicht Schritt halten. Und die Überprüfung der Umweltauswirkungen beruht auf direkten, schnell beobachtbaren Effekten. Effekte, die vielleicht erst nach Jahren auftreten, können momentan nicht bewertet werden. Beispielsweise können Chemikalien, die zum Informationsaustausch zwischen Lebewesen dienen, aktuell nicht bewertet werden obwohl die möglichen Folgen einer Störung des Informationsaustausches gravierend sein könnten. Weitere Emissionen sind beispielsweise Licht oder Lärm, deren Einfluss auf die Tierwelt weitgehend ignoriert werden.

Was bleibt als einfache Aussage? Wir verringern in Deutschland systematisch den Lebensraum von Insekten und andere Tieren. Die Restflächen werden von immer mehr Straßen zerschnitten wodurch Wanderrouten dieser Tiere unterbrochen werden. Allein das sind sicherlich wichtige Stressoren für die Biodiversität, die auf immer kleinere Restflächen zurückgedrängt wird. Dazu kommt noch ein zunehmender Eintrag von Schadstoffen mit unbekannten Langzeitwirkungen. Es reicht also nicht, auf einen Akteur zu zeigen und von Ihm ein Einlenken zu fordern. Die traurige Wahrheit ist, jeder von uns ist gefordert. Und dabei geht es nicht nur darum, ob wir jetzt Bio Lebensmittel kaufen, uns vegan ernähren oder exzessives Upcycling von Plastiktüten betreiben. Es geht darum ob wir wirklich ein Einfamilienhaus mit Garten und eigener Zufahrt benötigen, oder ob nicht eine kleinere Lösung reicht. Ob wir den Bürgermeister wählen, der großzügig neue Flächen für Industrieansiedlung freigibt und damit auch Arbeitsplätze schafft, oder den, der intelligent bestehende Flächen und Leerstände nutzt aber vielleicht auch eine höhere Arbeitslosigkeit riskiert. Und wir alle müssen uns bei der aktuellen Demographie fragen, wann wir in Zukunft vielleicht Siedlungen, Dörfer oder sogar Städte aufgeben und zur grünen Wiese zurückbauen. – Dr. Richard Bolek


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Herzlichen Dank für die Recherche zum Insektensterben und den Artikel von Bernd Ulrich: „De Wahrheit auf sechs Beinen“ in der heutigen Ausgabe der ZEIT. Ich habe ihn mit Genuss, Interesse, und Zustimmung gelesen und finde ihn nach allen Regeln der Kunst richtig gut. Danke! – Bertold Becker


Leserbrief zu „Sie belauern sich und sind hellwach“ von Peter Dausend und Mariam Lau

Die Wahl der linksextremen, als Deutschenhasser verschrienen C. Roth zur Vizepräsidentin des deutschen Bundestags ist eine Schande für die Mehrheit der Abgeordneten des Bundestags. Ein rechtschaffener Mann, der die Interessen der vernünftigen Bürger vertritt und das Wohl unseres Volkes im Auge hat, wird boykottiert und eine Frau, die Deutschland verspottet, wird an die Spitze der Volksvertretung gewählt. Die Mehrheit der derzeitigen Abgeordneten hat sich dem verbotenen Abstimmungszwang der Parteien unterworfen und ist nicht wert, weiterhin ihre Posten zu behalten. Die Bürger sollten sich dies bei den kommenden Neuwahlen merken. Das deutsche Volk ist weder masochistisch noch hirnverbrannt.. – Herbert Gaiser


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Glyphosat hätte niemals zugelassen werden dürfen. Seit Jahrzehnten wird es dennoch ganz selbstverständlich eingesetzt, weil die Diskussion um potentielle Gesundheitsschäden für den Menschen von den verheerenden Folgen , die dessen Verwendung für die Natur hat ablenkt. Sie sind gravierender als das berüchtigte DDT, dass auch nur deshalb verboten wurde, weil es dem Menschen schadet. Seit dessen Verbot ist  das Artensterben nicht geringer geworden sondern hat apokalyptische Ausmaße angenommen, weil es für Pflanzen und Tiere keinen Unterschied macht womit man sie vergiftet. Glyphosateinsatz in Tateinheit mit einer Bodendüngung, die das Trinkwasser verseucht und mehr Feinstaub freisetzt als im Verkehr, flankiert  von Monokulturen, in denen  Pflanzen als Energielieferanten missbraucht und geschändet werden, haben der Artenvielfalt den Garaus gemacht. Es ist dieser alltägliche Vernichtungsfeldzug vor unserer Tür, der die überlebenden Vögel und Insekten in die Städte, Vorstädte und Gärten fliehen lässt, weil sie hier nicht massakriert werden. Werden wir diesen Krieg beenden, solange es noch etwas zu bewahren gibt? – Jürgen Engel


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Vielen Dank für diesen Titel. Ich ärgerte mich schon während des Wahlkampfes, dass zum stummen Frühling, der dieses Jahr zum ersten Mal so deutlich wahrnehmbar war, eine völlig verstummte Politik kam. Ihre Analyse, dass die Grünen sich das um das Thema drückten aus Angst vor einem Erwachen der 5-Mark-für-den-Liter-Benzin-und-Veggie-day-Reflexe teile ich – wenn ich sie auch nicht so klar formuliert habe. Sie schreiben, der Umgang mit dem Thema erinnere an den mit dem Klimawandel vor 20, 30 Jahre. Einen Unterschied finde ich: Das Thema erleben alle selbst. Das war im Bezug auf den Klimawandel in den 1980er und 90er Jahren nicht so. Man merkt, dass man selbst im Hochsommer das Licht bei offenem Fenster brennen lassen kann – es fliegen keine Insekten ins Zimmer.

Natürlich muss die Gesellschaft jetzt schnell handeln und sich nicht das Feigenblatt des Unwissens der notwendigen Forschung vor die beschämenden Stellen halten. Allein: ich bin nicht sehr hoffnungsvoll, dass etwas passiert. Und dann auch das noch: nachdem ich die ersten Berichte über die neuesten Forschungen gehört habe, flog mir beim Fahrradfahren ein Insekt in den Mund. Ich habe es verschluckt. Und einem Vogel vielleicht die letzte Nahrung des Tages genommen. Es ist schwer in diesen Zeiten ein guter Mensch zu sein!! Wie gesagt. vielen Dank, dass Sie das Thema auf den Titel genommen haben und ihm endlich die Bedeutung geben, die es braucht. – Irene Dänzer-Vanotti


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Das Gebot der mittleren Vernunft oder, wie es an anderer Stelle heißt, Maß und Mitte zeigen ein zentrales Defizit der Ära Merkel. Es fehlt an Mut. Ohne mutige Menschen hätte es weder die Französische Revolution noch das Ende der DDR gegeben.

Vor diesem Hintergrund sorge ich mich um die Zukunft, weil die derzeitigen Koalitionsverhandlungen maßgeblich von Auslaufmodellen wie Merkel, Seehofer oder Trittin geführt werden. – Christopher Hagen


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Ein sehr wichtiges Thema: Das Sterben und Aussterben der Insekten. Ob Glyphosat einen wesentlichen  Anteil daran an? Ich denke schon. Ich schreibe gerade an einem gewagten, aber ebenfalls wichtigen Buchprojekt GLOBALISIERUNG Geschichte – Gewinn und Verlust – Angst oder Hoffnung. Darin wird dieses Thema sicherlich auch Berücksichtigung finden. Zur Information sende ich Ihnen meine vorläufige Gliederung zu. – Dr. Rüdiger Vossen


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Ich bin ein Anhänger der Printmedien und lese gern und oft verschiedene Zeitungen und Journale.Auch war  ich in früheren Jahren ein Anhänger der “ Zeit“. Was mich heute stört, ist das, was Sie vielleicht Vielfalt nennen. Ich meine damit die ausufernde Themenbreite, die es verbietet, wichtigen Fragen intensiver nachzugehen.Dazu gehört auch die Vielzahl der Beilagen, die erdrückend ist und den Papierkorb belastet. Die „Zeit“ hat so den Charakter eines Kramladens. Und ganz schlimm, weil ich es als beleidigend empfinde, die heutige  Köderfrage: Soll sexuelle Belästigung stärker bestraft werden? „Ja“ oder „Nein“ ! Das ist doch Bildzeitungsniveau ! Definieren Sie doch, was „sexuelle Belästigung“ in Ihren Augen ist, und fragen Sie dann den Leser differenziert! Wetten, dass ich keine Antwort bekomme, da ich in einer automatischen Werbeschleife bin, der  inhaltliche Kritik  völlig egal ist ! – Karl-Heinz Niechoj


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Sie sprechen ein Thema an, was mich seit Jahren beschäftigt. Kaum mehr Grashüpfer auf meinen Grundstück, keine Schmetterlings“plage“ mehr. Ich freue mich schon über jeden Kohlweißling, der Schmetterling der in meiner Jugend als Schädling galt. Besonders auffällig ist Folgendes: Es kleben nach langen Autofahrten keine Insektenspuren mehr an meiner Windschutzscheibe. Warum muss ich Ihnen nicht sagen. Mir macht das Sorgen. Und: ich bin ein eifriger Vogelfütterer in der kalten Jahreszeit. Früher fraßen mir die kleinen Saurier die Haar vom Kopf. Heute kann ich getrost auch mal eine Woche weg sein, ohne dass die (zugegebenermaßen sehr üppigen) Vorräte versiegen. Noch vor 10 Jahren musste alle zwei bis drei Tage aufgefüllt werden. Ich stelle mal die Hypothese auf, dass das mit dem Nahrungsangebot der Vögel zu tun hat. Und das sind halt mal u. a. Insekten, wenn die Vögelein nicht gerade in meinem Garten ein Festmahl abhalten können. Eigentlich kann es jeder sehen, der in meinem Alter ist. Na ja, und ländlich aufgewachsen ist. Ohne Insekten stirbt der Mensch. – Thomas Leitermann


Leserbrief zu „»Das Bewerten von allem, was wir nutzen und sehen, ist fast so üblich geworden wie Zähneputzen. Als gehöre Notenverteilen zu unserer Verbraucherpflicht«“ von Sandra Danicke

Schade, schade, Frau Danicke, dass Sie sich die sogenannte Bewertung des wunderbaren Domizils nicht verkneifen konnten! Auf der einen Seite wird dem kleinen Bürger im Alltag immer mehr Gestaltungsspielraum genommen, auf der anderen Seite wird uns durch Unmengen von Bewertungsportalen suggeriert, man sei an unserer Einschätzung interessiert. Allerdings darf man meist nur das äußern, was der Beurteilte auch hören will, oft fehlt Freitext, ich fühle mich nicht selten manipuliert. So bleiben immer Restzweifel, ob wirklich jemand meine Meinung wissen will, und Unzufriedenheit, weil ich einiges, was ich zu sagen hätte, nicht unterbringen konnte. Dazu kommt die Angst, mit schlechten Kritiken der beruflichen Laufbahn des Falschen zu schaden oder mit guten Kritiken Leistungsabbau zu fördern. Ist ja vielleicht nicht nötig, dass alle super zufrieden sind, kann man da nicht etwas einsparen?? Reicht doch, wenn die Kunden halbwegs zufrieden sind. Kaum findet man bei irgendwelchen Problemen einen Ansprechpartner, der bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen. Jeder würde ja gerne dem Missstand abhelfen, wenn er denn befugt wäre, aber…..Da trifft es sich doch gut, wenn man Entscheidungen mit dem Votum der anonymen Masse der Bewerter rechtfertigen kann. Und weiterhin findet man keinen Verantwortlichen. Warum spielen wir dieses Spielchen mit? – Susanne Sänger


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Der von den Autoren bemühte „Souverän“ h a t bereits gesprochen, nämlich in Form des Referendums vom Dezember 1978, womit die dann noch im gleichen Monat in Kraft tretende Verfassung mit großer, teilweise überwältigender Mehrheit nicht nur der Gerwählthabenden sondern auch der Gesamtheit der Wahlberechtigten angenommen wurde (ein kleiner aber feiner Unterschied zu der gerade durchgezogenen Referendums-Farce), und zwar auch und gerade in den Katalanisch sprechenden Landesteilen. Damit hat sich der „Souverän“ an diese Verfassung gebunden. Wenn sie ihm nicht mehr gefällt, dann muss er die für eine Änderung oder die Ausarbeitung einer neuen Verfassung vorgesehenen Wege der Artt. 166 ff gehen. Kompliziert aber nicht unmöglich; in welchem halbwegs demokratischen Land wäre das anders? – Ist den Autoren aber egal. Es hätte sich auch angeboten, dass die Autoren mal einen Blick auf Art. 8 der Verfassung geworfen hätten, wonach den Streitkräften die Wahrung der territorialen Integrität obliegt- was mehr beinhaltet, als Angriffe durch einen äußeren Feind abzuwehren.

Mit nicht allzu großer Fantasie kann man sich durchaus vorstellen, dass durch solche ebenso dummerhaftigen wie abenteuerlichen und verantwortungslosen separatistischen Umtriebe, wie sie gegenwärtig ablaufen, möglicherweise immer noch vorhandene putschistische Hunde in den Streitkräften geweckt und aktiv werden könnten, allerdings wohl eher gegen als mit dem König. Schließlich war da ja schon mal sowas, man erinnere sich an den Februar 1981 und den Mann mit der komischen Mütze.- Ganz gleich, welchen Ausgang eine derartige Intervention nähme: es wäre auf jeden Fall das -diesmal endgültige- Ende  der spanischen Monarchie und der Zusammenbruch der verfassungsmäßigen Ordnung.- Denselben Effekt hätte eine wie auch immer zustande gekommene Abspaltung Kataloniens, weil im selben Moment die spanische Verfassung obsolet würde, denn kein Mensch würde sich noch daran gebunden fühlen.-Ist den Autoren aber auch egal. Dass die spanische Verfassung nach weitverbreiteter Auffassung reformbedürftig ist und gerade die gegenwärtige Regierung bzw. der Partido Popular und ihnen nahestehende Kreise genau diese in Richtung einer echten Föderalisierung gehenden Bestrebungen von jeher ausgebremst haben und die, gelinde gesagt, unsensible Politik Rajoys gegenüber den Separatisten, stehen auf einem anderen Blatt.

Im übrigen wäre es verdienstvoll gewesen, wenn die Autoren einmal dargelegt hätten, inwieweit dieses Freiheitsgeschrei der Separatisten überhaupt begründet ist. Ich empfinde deren aufgedonnertes Opfer-Gehabe in Erinnerung an die jahrzehntelange frankistische Repression Kataloniens und des Kampfes dagegen nur als obzsön. Soweit ich das den Medien entnehmen konnte, waren es doch gerade die Separatisten, die die Freiheitsrechte anderer, nämlich der Unabhängigkeitgegner, angegriffen haben- durch persönliche Drangsalierungen, Beschmieren von Türen etc., Einschmeißen von Fensterscheiben. Das  scheint für die Autoren ein Zeichen gelebter Demokratie zu sein, wenn sie verlauten lassen: „Für Katalonien zu stehen, heißt für die Demokratie zu stehen“. Das ist nun wirklich der Hammer. Die Separatisten müssen sich endlich einmal darüber klar werden, dass ein Ausscheren aus dem spanischen Staatsverband das Ende der Zugehörigkeit zur EU bedeutet. Da Beitritte zur EU mit Einstimmigkeit der Mitgliedsstaaten beschlossen werden müssen, wäre Katalonien unwiderruflich draußen…es sei denn, es tritt dem spanischen Staat wieder bei. Sowas nennt man dann fachsprachlich: von hinten-durch die Brust-ins Auge. – Jürgen Wißner


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Ein beeindruckender Artikel, in dem Sie die Probleme und Widersprüchlichkeiten der Politik für unsere aktuelle Situation zusammenfassen. Letztlich wird es zu einem Problem, wenn Entscheidungen nach den Wünschen der Wähler und nicht nach möglichst gesicherter / wissenschaftlicher Einsicht getroffen werden. Aber darauf müsste man sich zunächst einmal einigen. Der Wähler hat keine vernünftige Alternative als in der Wahl eine Stimme abzugeben und ansonsten im Privaten möglichst vernünftig und moralisch zu handeln. Die Idee des Philosophenkönigs ist seit der Antike nur Wunschbild. Andererseits die Idee einer Regressierbarkeit auf politische Entscheidungsträger zumindest in Fragen globaler Auswirkung und ggf. drohender Unumkehrbarkeit anzuwenden, um nachhaltige Entscheidungen zu befördern – da diese bei der Bevölkerung und den Wählern erwartbar auf wenig Zustimmung treffen werden – wird wohl illusorisch bleiben. So wird das Ergebnis der Entscheidungen mit „mittlerer Vernunft“ doch leider uns alle – vor allem aber folgende Generationen –  treffen, und bei globalen Gegebenheiten das gesamte Ökosystem. – Dr. Haico Brüning


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Sie schreiben heute unter dem Eindruck der Zahlen (minus 75% Insekten in den vergangenen 25 Jahren) etwas „radikal“. Aber das Thema hat eher „Maß und Mitte“ nötig, wie es Ihr Kollege Marc Schieritz auf Seite eins der heutigen Ausgabe zu den Maßnahmen von Mario Draghi fordert. Zum Thema hier ein Artikel aus der Agrarpresse (klar: Lobby- aber trotzdem lesenswert): https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Insektensterben-Nur-22-Rueckgang-lueckenhafte-Daten-keine-eindeutigen-Ursachen-8784645.html

Die sicher wertvolle aber angreifbare und ganz offensichtlich sehr lückenhafte Untersuchung EINES  ehrenamtlichen Naturschutzverbandes  kann keine Basis sein für ein Niedermachen der Landwirtschaft in Deutschland allgemein sein. Speziell kann die Ursache nicht in der Aufbringung von Gülle oder in der Aufbringung von Glyphosat oder auch im übermäßigen Fleischverzehr gehen werden. Was hat das mit Insektensterben zu tun? Genau so könnte man behaupten, dass die Bewirtschaftung von Naturschutzgebieten (in denen diese Untersuchungen ja wohl stattgefunden haben) nicht naturschutzgerecht erfolgt. Die Bewirtschaftung solcher Naturschutzgebiete erfolgt häufig durch staatlich beaufsichtigte oder beauftragte Organisationen.

Ich persönlich – ich wohne auf dem Lande – hat der wohl in gewissem Maß tatsächlich stattfindende Rückgang der Insektenbestände damit zu tun, das wir immer weniger kleine landwirtschaftliche Betriebe haben. Früher hatte jeder Hof seine Mistplatte oder ein Mistlager auf der freien Fläche. Das waren wahre Brutstätten für Insekten. Aber die Gesellschaft wollte diese kleinen Bauern nicht mehr. Und im Rahmen des Gewässerschutzes wurden die Mistlager auf den Flächen verboten. Auf den Weiden ließen die Kühe ihre Fladen fallen, wo immer sie liefen. Auch diese Fladen waren Brutstätten für Insekten. Die draußen laufenden Kühe waren von Insekten umschwirrt. Heute werden die Kühe in Laufställen gehalten und kommen häufig nicht mehr auf die Weiden. Hygiene-Maßnahmen in den Ställen tun ein übriges. Kam man früher in einen Stall -egal ob Schwein oder Rind- schwirrte es von Fliegen. Das ist heute unerwünscht. Die Produktion muss clean sein. Der Verbraucher will es so. – Arnold Staggenborg


Leserbrief zu „Sabine, 52, heiratet Mahmoud, 25. Sie stammt aus Leer in Ostfriesland, er aus Damaskus in Syrien. Kann das Liebe sein?“ von Martina Kix und Paula Markert

Die Beilage Z hat sich leider noch nie durch hohen intellektuellen Inhalt ausgezeichnet. Weniger noch in dieser Ausgabe. Da wird dem Leser eine herzzerreißende Geschichte einer Deutschen im fortgeschrittenen Alter und einem Flüchtling mit dem Titel: Kann das Liebe sein? aufgetischt. Würde ich solche Herzschmerz-Geschichen lesen wollen, würde ich direkt die Bunte o.ä. abonnieren und nicht DIE ZEIT. Liebe ZEIT-Mitarbeiter, bitte widmen Sie Ihre Zeit und Ihre Arbeitskraft wieder anspruchsvolleren Themen. Sonst müsste ich mein Abo leider kündigen. – Heike Gulatz


Leserbrief zu „Über Sexismus und das Ende der Kunst“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Wieso kommt bei mir keine rechte Freude auf, wenn ich lese, dass Herr Gomringer mir im Gedicht die Option eröffnet, zusammen mit Beate Zschäpe, Andrea Nahles, meiner Mutter und allen anderen Frauen, baumgesäumten Straßen, Rosen, Tulpen und Nelken bewundert zu werden? Ich könnte doch eigentlich froh sein, dass er so großzügig ist und mich unbekannterweise grundsätzlich für bewunderungswürdig befindet. Nur kommt mir eine solche Generalbewunderung vor wie eine Tombola mit Gewinngarantie und Preisen, die ich nicht brauchen kann. Für den Notfall könnte ich mir einen Gedichtband solcher Verallgemeinerungslyrik kaufen und unters Kopfkissen legen. Wenn ich mich grade selber nicht leiden kann, kann ich ihn rausholen und sagen: Jesus liebt dich nur, bei Gomringers abstraktem Bewunderer im Alleen-Blumen-Frauen-Gedicht besteht darüber hinaus die Chance auf Bewunderung. Bedingungslos. Bestimmt richtet das mein Selbstbewusstsein wieder auf. Kunst, insbesondere im öffentlichen Raum muss sich der Kritik stellen. Das ist kein Eingriff in die Kunstfreiheit, sondern dafür ist sie unter anderem da.

Das von ihnen zitierte Heinegedicht finde ich zum Beispiel nicht so den Brüller. Kommt ziemlich oft vor, dass jemand einen ehemals begehrten Menschen später schlecht macht, oder? Andere dissen, um sich selbst aufzuwerten, ist ziemlich uncool. Real existierender Sexismus zeigt sich nicht nur in körperlichen Übergriffen, sondern auch in verallgemeinernden Zuschreibungen an ein Geschlecht. Kann „Frauen“ im Zusammenhang des Gedichts eine Abstraktion darstellen, weil da einer ist, der z.B. zwei oder drei Frauen toll findet und sie unter „Frauen“ zusammenfasst? Oder erscheint „Frauen“ in dem Zusammenhang als Objektkategorie, wie Blumen und Alleen? Ich finde, darüber darf gern diskutiert werden. Auf das Ergebnis bin ich gespannt. – Claudia Herbst


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE DANKE !!!!!!!!!!!!!!!!!! Noch nie war ich soooooooo dankbar für einen Zeitungsartikel! Ich habe an der Wahlarena mit A.Merkel teilgenommen und wollte genau dazu eine Frage stellen, leider ist es nicht dazu gekommen. Es hat mich sehr geärgert, dass es im Wahlkampf NICHT auch nur einmal Thema war. – Birte Abel


Leserbrief zu “EU, mon amour“ von Elisabeth Raether

Vielen Aussagen in diesem Artikel kann und sollte man aus guten Gründen widersprechen. Dazu kann ein Leserbrief nicht ausreichen. Das wirklich ganz Schlimme an diesem Artikel ist jedoch, dass die Autorin keinen Unterschied macht zwischen EU und Europa, was zur Folge hat, dass jede Kritik an der EU oder am Euro als Kritik an oder gar als Ablehnung der europäischen Einigung gilt, so dass Änderungsvorschläge zur EU oder zum Euro – auch wenn sie als Sanierungsmaßnahmen als nachhaltige Grundlage für eine weitere europäische Einigung vorteilhaft oder erforderlich wären – nach dieser Logik als antieuropäisch zu brandmarken wären, was ja leider auch regelmäßig geschieht. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Danke für die wissenschaftl. Zusammenfassung von Herrn Stefan Schmitt. Dieser Artikel hat mir gezeigt, wie in Berlin gedacht wird: Die Datenlage ist unklar, warten wir ab. Am Ende des Artikels könnte es allerdings auch lauten, Punkt 4: machen wir weiter so. Herr Ulrich u. Frau Pinzler sind mir in ihrem Artikel näher: Er zeigt am Ende möglich Lösungen auf. Gut so. Ob´s reicht werden wir sehen u. hören. Bei nur 7% ökologischen Landbau  ( d.h. 93% Lobby-Gegenwind der konventionellen Landwirte ) in D wird mir um die Insekten und Co. angst und bange. Durch die Landwirtschaft in D müsste ein Ruck gehen! (In Anlehnung an Alt-BP Herrn Herzog) – Hans-Joachim Schröder


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Erst Audi und Wahl, dann BMW und Insekt, das nächste Mal VW und Klimagipfel! Weiter so! – Hedi Reuther


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Mag sein, dass es Enthusiasmus war, der Christoph Menke und Alexander García Düttmann mitgerissen hat bei ihrer Beurteilung der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung. Wie der von den Autoren zitierte Kant in seinen „Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen“ darlegte, ist allerdings der Enthusiasmus ein „Zustand des Gemüts, da dasselbe […] über den geziemenden Grad erhitzt worden“ ist. Und im Anschluss an den kurzen Satz, den Menke und Düttmann zitieren, verweist Kant darauf, dass „jeder Affekt blind [ist], entweder in der Wahl seines Zwecks, oder, wenn dieser auch durch Vernunft gegeben worden, in der Ausführung desselben; denn er ist diejenige Bewegung des Gemüts, welche es unvermögend macht, sich nach freier Überlegung durch Grundsätze zu bestimmen“. Um diese wichtige Einschränkung verkürzen Menke und Düttmann Kants Darlegung, und so verdampft in der Hitze der Gemüter jede Möglichkeit zur „freien Überlegung“, auch über Grundsätze, die das Zusammenleben von nicht-katalanischen Spaniern und Katalanen ebenso wie von Katalanen und anderen in Katalonien lebenden Spaniern bereits bestimmen.

Beispielsweise räumt das derzeitige Autonomiestatut Katalonien als einer der spanischen Regionen politische Selbstbestimmungsrechte ein, die etwa denen der Bundesländer oder der kanadischen Provinz Quebec vergleichbar sind. Dies trifft trotz des Verfassungsgerichtsurteils von 2010 zu, in dem einige Bestimmungen des Status in der Fassung von 2006 widerrufen oder geändert wurden. Dass die indivduellen Freiheits- und Partizipationsrechte für alle Bürgerinnen und Bürger Spaniens dieselben sind, versteht sich von selbst. Auch ein „gelebtes Verständnis von Demokratie“, wie es die Autoren in der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung am Werke sehen, wird nicht ohne Grundsätze auskommen, die das Verhältnis der Mehrheit zur Minderheit bestimmen und Mehrheitsentscheidungen in bestimmten Fällen auch Grenzen setzen. Das gälte auch für die Minderheiten in einem unabhängigen Katalonien. Denn wohin ein katalanischer Nationalismus führen kann, ließ sich vor zehn Jahren in der ZEIT nachlesen: Auf der Frankfurter Buchmesse 2007 sollten nur die Autorinnen und Autoren das Gastland Katalonien vertreten, die Katalanisch schreiben, die (zahlreichen) Spanisch schreibenden sollten ausgeschlossen werden. – Dr. Matthias Tichy


Leserbrief zu „Das Märchen vom Brandstifter Draghi“ von Mark Schieritz

Der Kauf von 30 Mrd Staatsanleihen monatlich statt bislang 60 Mrd bedeutet immer noch eine ZUSÄTZLICHE Stimulierung der Geldmärkte. Ein Ende ist ebensowenig beschlossen wie eine Aufhebung der negativen Zinsen für Bankeinlagen. Die Anhebung von Zinsen bleibt eine Schimäre in der Amtszeit von Draghi. Die Verteilungswirkungen dieser ultraleichten Geldpolitik mit den Auswirkungen auf die Altersversorgung all jener Sparer, die nicht am Tropf staatlicher Renten hängen, bleiben fatal. Zudem stellt der Kauf von Staatsanleihen unzweifelhaft eine Staatsfinanzierung dar, die durch den Maastrichtvertrag ausgeschlossen werden sollte. Die Beugung des Rechts ist aber unabhängig von den Visionen eines Macron ein Irrweg nach Europa. – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Danke für ihren Mut, endlich mal ein wirklich relevantes Problem zum Schwerpunktthema zu machen, statt weiter endlos über die kleinen Eitelkeiten und Machtspielchen der politischen Klasse zu palavern! Weiter so! – Wilfried Rahe


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

VIELEN DANK für die Artikel und das Titelblatt dieser Ausgabe!!!  Ich bin noch dabei das alles zu lesen, aber es tut wirklich weh, wie hilflos man sich fühlt als einzelner Mensch, der Politik gegenüber, die Chemie-Unternehmen und deren Geldgier wichtiger einstuft,  als die Grundlagen und Vielfalt der Natur, ohne die wir nicht leben  können. Mal abgesehen,von der Schönheit, die ja sowieso nichts  gilt in Wirtschaft & Politik. Wenn die Verlängerung von Glyphosat    wieder durchgeht, ist das eine unglaubliche Katastrophe…  In China müssen die Blüten, seit Mao, von den Menschen per Hand bestäubt werden, damit sie etwas zu essen bekommen.  In Sachen Verdrängung ist die Menschheit groß!! – Cornelia Hoeck


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Jetzt muss ich auf meine alten Tage tatsächlich doch noch über die Kündigung meines Abos nachdenken. Als ein Mensch, der aus der landwirtschaftlich geprägten Region ‚Münsterland‘ kommt und seit Jahren die massive Zerstörung der Umwelt in Echtzeit beobachten kann, war der Artikel von Nils Wischmeyer schon harter Tobak: http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-10/glyphosat-verbot-landwirtschaft-verlust Aber leider ist das ja nicht die einzige carnivore journalistische Glanzleistung. Da gibt es auch noch die Currywurst-Hynme für die angehenden StudentenInnen: http://www.zeit.de/campus/2017/04/kantinenessen-currywurst-arbeiter-mittagspause Oder der vollständig von naturwissenschaftlicher Sachkenntnis befreite Artikel von Ludwig Greven: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-06/parteitag-gruene-todessehnsucht-homo-ehe-als-koalitionsbedingung Vielleicht ist der ja schon im Giftschrank neben den redaktions-eigenen Glyphosat-Flaschensammlung eingeschlossen – daher hier mal zitiert aus dem wirren Gebirge an Textbausteinen zum Thema ‚Grüne Bundespartei‘: „Die Bundespartei dagegen bleibt ihrem Regulierungswahn treu. Sie will den Bürgern unverdrossen vorschreiben, wie sie zu leben haben, und der Wirtschaft, was und wie sie zu produzieren hat:…“ Christian Lindner hätte das nicht besser schreiben können. Der ist aber nur Vorsitzender einer neoliberalen Partei, die ‚Verantwortungslosigkeit‘ zur politischen Kernkompetenz erhoben hat.

Nun also Bernd Ulrich mit seinem Artikel. Der Einstige selbst deutet schon darauf hin, dass er wohl mit dem Krefelder Insektenverein zuviel Cannabis durchgezogen hat – illegalerweise (darf man sowas überhaupt in der ZEIT-Redaktion)? „Das Insektensterben ist eine Umweltkatastrophe. Doch die Politik verschließt die Augen, weil sie den Sinn fürs Radikale verloren hat: Breiter Konsens und mittlere Vernunft sind ihr wichtiger als das ökologisch Unausweichliche. Und was machen die Grünen?“ Ja – genau! Was machen eigentlich die Grünen? Sind diese Irren gendergestreamten Links-Faschisten mit dem Weltverbesserungsethos überhaupt noch in freier Wildbahn anzutreffen? Oder wurde denen von Herrn Greven höchstpersönlich Fußfesseln angelegt, damit die nicht aus dem Sicherheitsreservat für nachhaltige gesellschaftliche Visionen ausbrechen können? „Die Artikel sind gestanzt, doch alle Fragen offen“ – möchte ich angesichts dieser intellektuellen Irrfahrt einer Redaktion zurufen, die in Zeiten des Umbruchs völlig die Orientierung verloren hat. Ja – der Lotse ist von Bord, aber der hatte ja den Arztbesuch stets den Visionen vorgezogen.

Und jetzt? Übt das Hamburger Leitmedium die gleiche verantvortungsbefreite Haltungslosigkeit wie die Kollegen aus dem Frankfurter Frakturhaus, die mit linker Hand die wirtschaftliche Bedrohung durch verschlafene Digitalisierung beweinen, gleichzeitig aber protzig mit ihren Diesel-SUVs für die Autokolumne um die Bankentürme in Mainhatten cruisen? Ist die Welt noch zu retten oder geht es nur noch darum, so gewissenstechnisch die eigenen Schäfchen ins trockene zu bringen, damit man diese zum Einschlafen auf dem Ruhekissen auch noch durchzählen kann? Nein – jetzt mal Scherz bei Seite: Die Insekten sterben, die Menschheit ist in ihrem Fortbestand bedroht und der ZEIT-Redaktion fällt nichts besseres ein, als sich Gedanken um die Grünen zu machen? Spätestens jetzt gilt: „Ihr, die ihr hier weiterlest, lasst alle Hoffnung fahren!“ Und zum Abo – da müssen jetzt mal langsam Argumente kommen, warum ich dieses nicht kündigen sollte. – Jürgen Blümer


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Man muss Lars Weisbrod sicher zugutehalten, mit seinem Artikel über vertraglich geregelten Sex nur das Beste zu wollen. Aber das große Gegenargument, das den ganzen Gedanken unsinnig macht, lässt er im letzten Satz verplätschern: Zweifelt denn wirklich irgendwer daran, dass Männer wie Herr Weinstein, die sich aufgrund eines Machtgefälles sexuelle Hörigkeit verschaffen können, ebenso leicht in der Lage wären, das zugehörige Plazet zu erzwingen? Damit bleibt die Nötigung nicht nur weiter möglich, sie erhielte den Anschein der Legitimität: Bei einem öffentlichen Aufschrei wie dem aktuellen müsste der Beschuldigte nur die erpressten Beischlaferlaubnisse aus der Schublade holen. Weil Lars Weisbrod davon ausgeht, sexuelle Zweideutigkeit ginge stets zulasten der Frauen, übersieht er, wie hervorragend sich gerade der von ihm vorgeschlagene Vertrag als Werkzeug zur Unterdrückung eignet. – Klaus Koflattich


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Beim „großen“ Insektensterben geht mir die Berichterstattung quer durch alle Medien fürchterlich auf den Geist. Sehr schade, dass sich die ZEIT jetzt daran beteiligt. Ihre Seite 1 hat mich wirklich neugierig gemacht, auf einen gewohnten, ZEIT-üblich gut recherchierten Hintergrundbericht über eine olle Kamelle, die seit längerem immer wieder aufgekocht zu werden scheint. In den Artikeln auf Seite 2 und 3 geht es dann aber sehr schnell um Ursachensuche und dabei sehr einseitig in Richtung Landwirtschaft. Wo kommt dieser Reflex her? Es könnte ja auch am Feinstaub liegen, am Klimawandel, an Nanomaterialien, Microplastik oder Pilze wie beim Froschsterben – warum nicht sogar an einer Kreuzreaktion von an sich ungefährlichen Dingen, sagen wir zwei eingewanderte Arten wie etwa Pflanzen und Tiere ? Das Thema ist in der Tat zu wichtig um es so lax abzuräumen – warum bringt eigentlich das tolle Recht der Verbandsklage nichts? Die aussterbenden Arten könnten durch die Verbände durchaus Gewicht bekommen. Genau deshalb hätte mich interessiert warum stattdessen immer wieder die üblichen Verdächtigen herausgekehrt werden statt ordentlicher Grundlagenforschung zu betreiben, eben: „warum tut die Regierung nichts“? Die Titelseite stellt eine Antwort auf diese Frage in Aussicht, und dann stelle ich fest: Das Wort „Regierung“ kommt genau 1x in beiden Artikeln zusammen vor – als Datenquelle. Unwidersprochen bleibt der Satz Axel Hochkirch stehen:

»Wir können keineswegs warten, bis wir alles  erforscht haben, bevor wir mit den notwendigen Maßnahmen beginnen.« Das ist keine seriöse Forschung, das ist im wahrsten Sinne des Wortes „blinder“ Aktionismus mit allen ihm innewohnenden Risiken. Ohne diese Forschung wissen wir doch gar nicht was notwendig ist. Wir glauben es vielleicht nur zu wissen. Demzufolge wäre es sogar Fanatismus nach blindem Glauben zu handeln, aber ich will nicht übertreiben. Kurz: das Titelblatt ist eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Sie haben Glück, dass ich die ZEIT im Abo beziehe. Am Kiosk hätte ich sie zurückgegeben. Bei Produkten mit einer unrichtigen Inhaltsangabe spricht man von Betrug. Ich kann Sie nur eindringlich darum bitten Ihre Aufmacher mit mehr Sorgfalt an den Inhalt anzupassen, oder umgekehrt! Ach ja, und wenn ich heiße Luft will, dann kaufe ich die Bild am Sonntag. Ist auch ne Wochenzeitung, man kann genausogut Fisch drin einwickeln und günstiger ist sie obendrein. – Sebastian Fontaine


Leserbrief zu „Gefährliche Leere” von Josef Joffe

Ihr Autor Josef Joffe hat mal wieder gezeigt, wie gut er in seiner Analyse die tatsächlichen Verhältnisse in den Arabischen Ländern zu Papier bringt. Mein Freund, ein Syrier, der immer noch guten Kontakt zu seiner Verwandtschaft in Syrien hat, sagte mir ähnliches:  „Es ist wieder Land in Sicht.“  Dabei fällt mir ein, daß das Problem mit dem Familienzuzug nach Deutschland zu ihren Männern nicht mehr so dringlich erscheint. Ich würde die ganze Sache umdrehen wollen. Wie wärs, wenn die arabischen Männer zu ihren Familien zurückkehren würden. Damit wäre die Frage Einwanderung der Familien nach Deutschland halb gelöst. Und ausserdem werden sie dringend in Ihrem Heimatländern für den Aufbau ihres Landes benötigt. Das egoistische Handeln unserer Politiker hat mich schon immer gestört.  Ich weiß von meinem Freund, daß die eigenen Terroristen (Opposition) gegen das Militär nur wenig ausrichten können mit Hilfe der Russen. Ein Restrisiko besteht noch für manche Bürger. Aber das ist in anderen Arabischen Ländern nicht viel anders. Auch der Terror wird nicht verschwinden. Aber davon ist eher Europa betroffen. Und die Politik in Deutschland kann jetzt die Frage der Einwanderung neu bewerten. Damit hat sie wieder mehr Spielraum die unbeliebte Partei AfD kleiner zu machen. Die wird natürlich nicht verschwinden, weil die Politik immer noch über die Köpfe der Bürger hinweg regiert. Das muß sie noch lernen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Über naive Malerei“ von Peter Dausend im ZEIT Magazin

Dieser Brief ist eine spontane, emotionale Reaktion. Ich bin entsetzt und empört. Ihre ‚Gesellschaftskritik‘ : „Über naive Malerei“ erscheint mir in meinem Werteverständnis schlicht als eine zynische, beschämende und missbrauchende Art und Weise, einen Menschen mittels journalistischer Macht öffentlich zu entwürdigen. Auch gestehe ich, den Artikel nicht bis zu Ende bzw. im Detail gelesen zu haben. Der Grund dafür ist, dass ich mich nicht zur Verfügung stellen möchte, eine solche Bloßstellung, zu unterstützen. Aus meiner Sicht verletzen Sie auch die Persönlichkeitsrechte der Kinder dieser Frau. Mir wird übel dabei. Ich frage mich bzw. Sie: was ist der Sinn und Zweck Ihres Artikels? Was haben Sie davon einen solchen Artikel zu schreiben? Wirft nicht Ihr Artikel auch ein Licht auf Sie? Was soll der Leser von diesem Artikel haben? Woher nehmen Sie die Autorisierung einer solch eklatanten Deutungshoheit über diese Frau urteilen zu können? Mensch Dausend, ich glaub nicht, dass Sie so ein übler Kerl sind. An einer Antwort bin ich interessiert. – Christiane Thiel


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Hier in Südbaden und im Elsaß gibt es auf den Feldern fast nur noch Mais-Monokultur mit allen bekannten negativen Auswirkungen auf Ökosystem und Insekten. Nur ein geringer Teil des Ertrags wird als Futtermais für die Viehzucht verwendet, das meiste geht in Biogasanlagen und in die  Erzeugung von Biosprit. – Sabine Brandenburg-Frank


Leserbrief zu „Wie weit lässt Merkel sich nach rechts ziehen?“ von Matthias Geis

Freunde, wie soll das gehen? Wenn man sich die Parteiprogramme der jetzigen (Jamaika, dort Wort mag ich gar nicht) in Rede stehenden Parteien ansieht, dann sollten sie lieber in der Opposition bleiben. Wenn der Machttrieb allerdings so stark ausgeprägt ist, daß sie ihre eigene „Schwiegermutter“ verraten, dann mag das gehen. Bei Lindner kann ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen.  Auf Merkel werden die Grünen vielleicht eher hören.  Und wenn das doch Gelingen sollte, dann wird das nicht lange gutgehen. Die Karriere von Frau Merkel ist so oder so beendet. Dafür hat sie zuviel „Scheiße“ gebaut.  Sie hat das Volk nicht mitgenommen. Es drehte sich alles um die Flüchtlinge. Die eigenen Bürger waren Luft für Sie. So jedenfalls empfinden das die meisten Bürger.  Und die AfD ist die einzige Partei die davon profitieren wird. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wer kommt jetzt?“ von Mark Schieritz

Ihr Artikel erweckt den Eindruck, als habe ein Finanzminister nicht viel mehr zu tun als darauf zu achten, dass die Einnahmen und Ausgaben des Staates nicht zu stark voneinander abweichen. Wäre es so, hätte Schäuble Recht mit seiner Aussage, dass ein Finanzminister nicht viel mehr zu beherrschen braucht als die vier Grundrechen- arten, und der Postenschacher der Koalitionspartner in spe könnte, wie von Ihnen beschrieben, ausschließlichnach macht- und parteipolitischen Kriterien ausgetragen werden. Dabei zeigtdoch gerade die vergangene Legislaturperiode, was dabei herauskommt, wenn es an der Spitze des Finanzministeriums an steuer-, finanz- und währungs- politischer Qualifikation mangelt: Eine Steuerreform gibt es nicht einmal in Ansätzen, den Cum-Cum- und Cum-Ex-Geschäften mit einem Gesamtschaden von mindestens 32 Mrd. Euro wurde viel zu spät ein Riegel vorgeschoben, die Share-Deal-Transaktionen wurden überhaupt nicht eingeschränkt, den Target-Salden wurde kaum Beachtung geschenkt usw. Es wäre unverantworlich, wenn in Gestalt der von Ihnen benannten Kandidaten von der Leyen, Lindner, Altmaier oder Kubickiwieder ein Laie den Postendes Finanz- ministers übernehmen würde. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Danke für den (erstens) pointierten und (zweitens) zentral platzierten Beitrag aus der (drittens) Chef-Redaktion der ZEIT! Und (viertens) für das Timing. Und (fünftens) für die sehr klaren Schritte, die benannt werden, die überfällig sind und gelingen könnten! Bleibt zu hoffen, dass sich der Beitrag als erfolgreiche Intervention in die Koalitionsgespräche erweist und Frau Merkel (tolle Fotomontage!) den Mund aufmacht bzw. nicht länger ein Blatt vor den Mund nimmt. Vielleicht ist das die Hoffnung von Bernd Ulrich, dass die Kanzlerin sich zu einem „Basta“ bzw. zu einer Kehrtwende ähnlich wie nach Fukushima durchringt.

Das Insektensterben macht deutlich, wie sehr wir als Menschen Teil haben an der Kette des Seins – und uns selber zerstören und den Ast absägen, auf dem wir sitzen, wenn wir das vergessen und mißachten. Wir sollten uns angewöhnen, konsequent von Mitwelt statt Umwelt zu sprechen, mit Albert Schweitzer: Ich bin Leben inmitten von Leben, das Leben will. Auch die Erinnerung an Genesis 1 kann hilfreich sein: (1) Menschliches Leben kann sich erst entfalten als Folge und am Ende der Evolution, am „sechsten Tag“, (2) der Mensch wurde am gleichen Tag erschaffen wie die Tiere des Landes, ist also mit allen Säugetieren nah verwandt und für diese besonders verantwortlich, und ist (3) mitnichten die Krone der Schöpfung – das ist der 7. Tag, der Sabbat, auf Deutsch: der Tag des Aufhörens (von aller Arbeit und des Hörens auf die Schöpfung bzw. den Schöpfer). – Christoph Störmer


Leserbrief zu “EU, mon amour“ von Elisabeth Raether

Ihre Autorin schreibt, dass „ keine Volkswirtschaft derart vom Euro profitiert hat wie die deutsche“. Die Fakten würden für sich sprechen. Welche Fakten? Dass Deutschland durch den Wegfall der Wechselkursanpassung die Südeuropäer mit Waren überschwemmt, die sie letztlich nicht bezahlen -geschweige denn sich wirtschaftlich leisten können- , sondern in Billionenhöhe über die EZB von der deutschen Bundesbank (Targetsalden!) kreditiert werden? Im weiteren Text stellen Sie die deutsche „Regelhaftigkeit“ der französischen „Flexibilität“ gegenüber. Warum sagen Sie nicht statt „Flexibilität“ Regelverstoß? Sich z.B. an Verträge (Maastricht) und Regeln (Bankenrettung) zu halten, muss nicht dazu führen, dass man Rechtsbegriffe weit auslegt und uminterpretiert, sondern man kann trotzdem innerhalb eines vom Recht gesetzten Rahmens flexibel bleiben. Dass Deutschland auf „Austerität“ setzt und Frankreich auf „Investitionen“, ist eine völlig schwammige Annahme, die durch die letzten Jahre widerlegt ist. Hat Schäuble wirklich gespart? Werden nicht die stark sprudelnden Steuereinnahmen mit vollen Händen wieder ausgegeben und verteilt? Vergleichen wir hier nicht ohnehin Äpfel und Birnen, wenn sie die Entwicklung der einzelnen Länderhaushalte völlig unberücksichtigt lassen?

Natürlich sind die Kulturen des Wirtschaftens, der Lebensweisen völlig unterschiedlich! Aber lassen sich diese überhaupt angleichen? Ist das überhaupt erwünscht? Warum kann man denn den europäischen Völkern nicht ihre Eigenarten lassen? Warum muss man alles vereinheitlichen? Denn dies würde ja auch voraussetzen, dass die rechtlichen und sozialen Unterschiede in den einzelnen Ländern vollständig harmonisiert werden. Aber auf welcher Basis, auf welchem Niveau unter Aufgabe welcher nationalen Eigenheiten soll das wann und wo geschehen? Und wer soll letztlich darüber entscheiden, ein demokratisch gewähltes EU-Parlament (one man – one vote) oder ein Ministerrat, in dem Malta so viel Stimmrecht hat wie Frankreich oder Deutschland? EU, mon amour! Aber Liebe bleibt immer eine Sache des Herzens und nicht des Verstandes! – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Sie belauern sich und sind hellwach“ von Peter Dausend und Mariam Lau

Als langjähriger Zeitleser gibt es wieder viel zu kritisieren. Wie vielleicht noch nie. Nicht über diesen Beitrag, sondern überhaupt.  Frau Nahles soll zu einem Kollegen gesagt haben: „Jetzt gibt es auf die Fresse.“ Das wird eher auf die AfD zutreffen. Die werden nichts auslassen, um die etablierten  „Parteien vor sich herzutreiben“, wie Gauland getönt hat. Was wäre, wenn die CSU sich über die Grenzen von Bayern hinaus gewagt hätte.? Dann gäbe es das Problem gar nicht. Dann wäre doch alles Paletti.  Die Grünen sind für mich ohnehin keine vernünftige Partei. Die sind nie von ihrer Protesthaltung weggekommen. Die Umweltfrage haben längst die anderen Parteien verinnerlicht. Trittin, wie ich lesen konnte, will zwar den harten Schnitt, aber das ist reine Theorie. Das geht ohnehin alles nicht. Und die AfD wird sich dann auch etwas zahmer Verhalten. Und Herr Schäuble ist im richtigen Moment der richtige Bundestagspräsident. Solange keiner beleidigt wird, wird er alles zulassen. Er ist erfahren genug, um nicht parteiisch zu maßregeln. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Keiner weiß Bescheid. Aber zum Glück haben wir ja die ZEIT, die sofort DIE Lösung präsentiert: Veggie-Day sofort und nur noch Grüne wählen. Wirklich toll! Dabei ist gerade Grüne Politik höchstwahrscheinlich ein signifikanter Faktor: Immer mehr Landverbau durch Windkraftwerke mit schwerstlastfähigen Anfahrtwegen und Rangierzonen, auf denen weniger wächst als man nebenan mit Glyphosat erreichen kann, vom Luftverbau gar nicht erst zu sprechen. Sonnenfarmen, in denen zwangsweise auch nichts wachsen darf, Biospritfarmen, Biogasfarmen, jeweils verbunden mit noch intensiverer Landwirtschaft, und last not least ein möglichst ungehemmter Zuzug von Menschen aus allen Teilen der Welt, womit ausgerechnet die Bekämpfung der Kernursache allen Übels, die Überbevölkerung, sabotiert wird. Vermutlich richtig: weniger Chemie in der Landwirtschaft. Aber dann sind wir bei der EU und dem Welthandel. Wohin das führt, wenn statt Bauern, die den Boden kennen, Sesselpuper in Brüssel und anderswo aus wirtschaftlichen Überlegungen diktieren, wie Felder bestellt werden müssen, sehen wir ja täglich. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Ihr klüger und ironischer Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Es müsste angesichts der massiven Bedrohung unseres Ökosystems, unserer Lebensgrundlagen, eigentlich ein Aufschrei durch das Land gehen; ein tiefes Erschrecken und ein sofortiges Umdenken und – handeln in allen Bevölkerungsgruppen stattfinden! Wir haben keine Zeit mehr auf weitere Ergebnisse von Langzeituntersuchungen zu warten und die steuernde Politik darf sich nicht mehr mit taktischen Überlegungen und Nebenschauplätzen beschäftigen. Die Rücksicht auf Agrarindustrie und Firmen wie Bayer/Monsanto muss aufhören!! – Dorothee Oelrich


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Der starke Rückgang von Insekten, der sich sowohl auf die Zahl der Arten als auch auf die Individuenmenge (Biomasse) bezieht, ist in der Tat besorgniserregend. Dass dafür ein Bündel von Faktoren verantwortlich ist, ist unter Fachleuten unbestritten: Vernichtung von Hecken, Feldgehölzen und Rainen, Entwässerung von Feuchtgebieten, Ausbau von Fließgewässern, zu frühes und häufiges Mähen von Weg-, Straßen- und Gewässerrändern, noch dazu mit Rotationsmähwerken, die alles kurz und klein schlagen, Überdüngung der Landschaft, Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat und Neonicotinoiden, Umwandlung von Grünland (Wiesen und Weiden) in Ackerland, Dominanz von Mais in der Agrarlandschaft, Fragmentierung der Landschaft durch Verkehrstraßen, der tägliche Verbrauch von 70 Hektar Land für Straßen, Gewerbegebiete, Wohnhäuser etc., die riesige Zahl nächtlicher Lichtquellen, zunehmend naturfeindlich gestaltete Gärten (zum Beispiel mit Schotter) und manches andere wirken am Niedergang der Insekten (und anderer Arten!) mit.Einen herausragenden Anteil daran hat aber die immer intensiver gewordene Landwirtschaft. Wenn regelmäßig etwa 40 Prozent der Äcker unseres Landes mit dem Breitbandherbizid Glyphosat gespritzt werden, bedeutet das die nahezu komplette Vernichtung der Wildpflanzen auf dieser Fläche.

Und da sehr viele Insekten nun mal auf Futterpflanzen angewiesen sind, wird ihnen damit die Lebensbasis entzogen. Wie dreist oder ignorant muss man eigentlich sein, um das zu verleugnen? Die seit etlichen Jahren geführte Diskussion um die Neonicotinoide erinnert stark an die früheren Auseinandersetzungen um das Dichlor-Diphenyl-Trichloräthan (DDT), dessen insektizide Eigenschaft 1939 entdeckt und das dann über 30 Jahre lang massiv gegen Insekten eingesetzt wurde. Seine verheerende Wirkung auf die Tierwelt (und den Menschen!) stellte sich sehr schnell heraus und wurde vor allem von der amerikanischen Biologin und Umweltpionierin Rachel Carson in die Öffentlichkeit transportiert. Von seiten korrupter oder ignoranter Wissenschaftler, Vertretern der chemischen Industrie und Landwirtschaftsfunktionären, die das DDT in der Öffentlichkeit dreist verharmlosten, wurde sie dafür immer wieder persönlich diffamiert. Auch damals las und hörte man regelmäßig, es müsse noch geforscht werden. Der Kampf gegen das DDT dauerte lange, aber er war letztlich erfolgreich: 1971 wurde der Stoff verboten, nachdem der öffentliche Druck zu stark geworden war. Heute muss er gegen Pestizide wie Glyphosat und Neonicotinoide fortgesetzt werden! – Prof. Dr. Herbert Zucchi


Leserbrief zu „»Das Bewerten von allem, was wir nutzen und sehen, ist fast so üblich geworden wie Zähneputzen. Als gehöre Notenverteilen zu unserer Verbraucherpflicht«“ von Sandra Danicke

Generell gebe ich ihnen Recht. Auch ich werde – wenn ich wie diese Woche die Handy Ortung eingeschaltet hatte um das Restaurant überhaupt zu finden – von diesen Bewertungsemails verfolgt und genervt. Aber abgesehen davon, ziehe ich Bewertungen von Menschen, „die womöglich Kampfhunde züchten und ihrer Freizeit Uta Danella lesen“ den Bewertungen von Redakteuren vor, deren an Arroganz grenzender Schreibstil sicher nicht für eine lebensnahe , praktische Urteilsfähigkeit spricht. Ein kleiner Tipp: schalten Sie die Ortung am Handy aus, löschen Sie ihren Facebook ,Twitter etc. accounts und es wird ihnen besser gehen. Und wenn Sie dann Langweile haben, lesen Sie einfach ein Buch von Uta Danella!!! – Dorothea Gutekunst


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Die sich abzeichnende Ökokatastrophe, die ja nicht nur beim Insektensterben sichtbar wird, hat weder im Wahlkampf eine Rolle gespielt, noch tut sie es bei der derzeitigen Regierungsbildung. Ist es Ignoranz oder der Mangel an Courage, wie Bernd Ulrich nahelegt? Angesichts der Tatsache, dass wir dabei sind, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören, hegt er mit Recht Zweifel am „Gesundheitszustand von Politik und Öffentlichkeit.“ Die CDU braucht einen neuen Herbert Gruhl, der 1975 seine Partei mit „Ein Planet wird geplündert“ wachrütteln wollte. Die SPD braucht einen jungen Erhard Eppler, der im gleichen Jahr mit „Ende oder Wende“  die Ökologiebewegung vorantreiben wollte. Beide damals ohne durchgreifenden Erfolg. Und die Grünen? Haben sich zähmen lassen, so Ulrich. Wie lange noch wollen wir weitermachen wie gehabt, auf diese grob fahrlässige, zahme, mutlose und ideenarme Art? – Wolfgang Butzkamm


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Die Artikel von Bernd Ulrich und Stefan Schmitt machen deutlich, was mir seit vielen Jahren Sorge macht. Die Wahrheit der Winschutzscheibe. Nur kennen die jungen Leute eine mit Insekten verklebte Windschutzscheibe leider nicht mehr. Worüber sich also Sorgen machen? Politiker sind meistens nicht so jung und wissen um was es geht. Wie bringen wir diese Politiker dazu etwas wirsames gegen das Insektensterben zu unternehmen? Vorschlag 1: Die Rasenfllächen im Regierungsviertel mit Glyphosat behandeln. Vorschlag 2: Einen 40ter LKW-Gülleferntransporter mit seiner Ladung von ca. 24t Gülle vor dem Landwirtschaftsministerium entladen.  Dann würden die Herrschaften sehen und riechen wie unsere Landwirtschaftspolitik wirkt. Und vielleicht etwas aufmerksamer werden. Und ich wäre ruiniert. Deshalb müssen klügere Vorschläge her. – Rudolf Kiene


Leserbrief zu „Handeldefizit“ von Cathrin Gilbertim ZEIT Magazin

In dem Artikel wird die Wahrnehmung aufgegriffen, junge Erwachsene seien immer weniger bereit und fähig, Entscheidungen zu treffen und zu verantworten. Ein Einflussfaktor wurde nicht erwähnt. Spätestens seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts haben Kinder immer weniger Gelegenheit, Handlungskompetenzen im freien Spiel in der Wohnumgebung und in der Natur zu erwerben. Im frei gewählten Spiel in einer anregungsreichen Umgebung werden laufend Ziele gesetzt. Es wird verhandelt, Ziele werden modifiziert. Auf einen Handlungsimpuls folgt eine Reaktion, auf die wiederum reagiert wird. Dieses ständige Entscheiden findet im konsequenzarmen Raum des Spiels statt. So werden auf Spannung und Freude bringende Weise ständig Selbstwirksamkeitserfahrungen gemacht. Das heißt, das Kind erlebt sich gleichzeitig als wirksam und erhält Rückmeldungen und damit realistische Einschätzungen über seine Umwelt und seine eigenen Fähigkeiten. Diese Erfahrungen wirken mit beim Aufbau eines realistischen und optimistischen „Bauchgefühls“. Gefördert wird so die Selbsteinschätzung, dass man realistische Entscheidungen fällen und sie verantworten kann. In der heutigen Bildungsdebatte dagegen dominieren Ansätze, die Kindern jedes noch so kleine Handlungsfeld zunächst pädagogisch aufbereitet –  also unter Anleitung und Zielstellung von Erwachsenen- vermitteln. Selbstvergessenes, neugieriges Ausprobieren wird stark eingegrenzt und so „abgewöhnt“. – Christiane Richard-Elsner


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Das Schweigen der Politik wird sehr erfolgreich begleitet vom Schweigen der Medien. Die Verantwortung dieser Medien für das große Insektensterben und für die allgegenwärtige Tierquälerei ist aber weit größer als die der Politik. Den die Politik ist gefangen in einem Netzwerk von Freundschaften, Überzeugungen und Abhängigkeiten durch das sie korrumpiert wird und weil sie der Angst vor Nachteilen unterliegt. Dieses Netzwerk könnten die Medien mit Macht zerreißen. Man erinnere sich nur an die monatelange Kampagne gegen Präsident Wulff und an die Antiraucherkampagnen. Warum handeln die Medien nicht so moralisch wie sie gelegentlich in einzelnen Artikeln kommentieren? Auch Anne Will, Maybritt Illner, Hart aber fair, und die Printmedien befinden sich in einem Netzwerk, dass mit dem der Politiker engstens verknüpft ist. Gut, dass die ZEIT regelmäßig gute Artikel zum Thema anbietet. Aber wir alle wissen, das reicht nur für ein kurzlebiges Feigenblatt. Eine ausdauernde Kampagne, die die Bevölkerung weckt und politisch aktiviert, wäre rechtzeitig vor der Wahl sehr wirksam gewesen. Und da diese Themen keine plumpe Einmischung in die Parteipolitik wären, sondern langfristig der Würde und dem Überleben der Menschen dienen, sogar mehr als legitim. Aber offensichtlich haben alle Angst um ihr Netz, dass vielleicht sogar wie eine behagliche Hängematte funktioniert. – Klaus Lachetta


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Endlich ein brennendes ökologisches Thema auf der Titelseite! Man hat doch schon lange gesehen, dass etwas nicht stimmt. Ich bin in den 60er und 70er Jahren aufgewachsen. Ging ich über eine Wiese, sprühte es nur so vor hüpfenden Heuschrecken. Die Fronten der Autos waren im Sommer nach der Fahrt stark verklebt von Mücken und Fliegen. Unzählige Schmetterlinge belebten die Kulturlandschaft.Heute bekommen die Blaumeisen in unserem Garten manchmal die Brut nicht mehr satt. Die Imker klagen über schwache Bienenvölker.Und wann saß der letzte frisch geschlüpfte Maikäfer auf unserer Hand? Politik und Wirtschaft blenden die alarmierende Lage aus, und geschönte Naturfilme sedieren den Zuschauer und täuschen ihm eine noch in Teilen heile Natur vor. Digitale Netzwerke lassen uns ständig auf Bildschirme starren, die analoge Natur verlieren wir aus den Augen. Überspitzt gesagt: Wir kennen in unserer ökonomisierten Welt den Preis von allem, aber den Wert von nichts. – Steffen Walentowitz


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Hätte wirklich nicht geglaubt, dass die alte ZEIT-Tante noch zu so heftiger Selbstpersiflage fähig wäre. Verkehrsregelung per Privatvertrag – genial, das ist die spaßige Lösung/Losung, die uns hier, natürlich rein satirisch gemeint, präsentiert wird. Besser als jede „heute Show“! Trotzdem finde ich, dass uns treuen, wenn auch öfter gelangweilten Lesern der allen Neumoden hinterherwehende ZEITgeist mal wieder Schwarz- statt „Weisbrod“ anbieten könnte. Wir amüsierten uns sonst bestimmt noch zu Tode. – Dr. Michael Knittel


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Vertreten Sie in Ihrem Artikel nicht eine recht einseitige Sichtweise? In anderen Artikeln wird darauf hingewiesen, dass nicht nur Überdüngung, sondern auch Pestizide eine Rolle beim Insektensterben spielen könnten. Dieser Punkt wird ganz am Schluss in einem Satz abgehakt. Der von Ihnen so in den Mittelpunkt gestellte Fleischkonsum alleine wird das Problem auf jeden Fall nicht beheben.

1.) Ein Teil des aus der grausamen Massentierhaltung stammenden Fleisches wird exportiert und dieser Teil wird durch weniger Fleisch essen in Deutschland nicht automatisch reduziert.

2.) Pestizide werden nicht nur auf Äckern ausgebracht, auf denen Futtermittel hergestellt werden, sondern auch auf Äckern, deren Ertrag direkt in den Mägen der Menschen landet.

3.) Eine Umstellung auf biologische und umweltschonendere Produktion erfordert von den Bauern Mehrarbeit. Die Felder müssten wieder gepflügt werden, erfordern mehr Handarbeit und mehr Helfer und die Erträge werden niedriger sein als bei konventioneller Landwirtschaft.

Das bedeutet, nicht nur das Fleisch wird teurer, sondern auch Getreide (= Mehl = Brot), Gemüse und Obst. Das hat den Effekt, dass die Kosten für die ärmeren Bevölkerungsschichten selbst bei den Grundnahrungsmitteln deutlich steigen werden. Schon heute gilt Bio als Luxusgut für die Betuchteren. Um in der breiteren Bevölkerung Unterstützung für umweltschonenderes Landwirtschaften zu finden, müsste mehr gegen prekäre Verhältnisse unternommen werden, damit sich alle dann noch Essen leisten können. Davon abgesehen ist eine bessere und weniger Tierhaltung meiner Meinung nach nicht alleine durch Appelle an die Menschen hier in Deutschland zu erreichen, sondern durch klare Vorgaben zur Tierhaltung durch die Politik bei gleichzeitiger strenger Kontrolle der Fleischproduktionsmafia mittels unabhängiger Gutachter (bei gleichzeitiger Unterbindung des Imports von Massentierhaltungsfleisch). Sonst bleiben die Verhältnisse in den Ställen dieselben und das Fleisch wird dann woanders gegessen, wo man nicht so darauf schaut, wo es herkommt. Außerdem müsste die Gülle-Verschiebeindustrie unterbunden werden. Übrigens werden die Phosphat-Reserven, die für die Herstellung von Kunstdünger benötigt werden, auch irgendwann zur Neige gehen. Wenn alle auf vegan umsteigen und es keine Tierhaltung mehr gibt und keinen Kunstdünger mehr, muss man sich überlegen, ob man die Felder mit menschlichen Exkrementen düngt. Ohne Dünger funktioniert es jedenfalls nicht. Außerdem werden einige landwirtschaftlich genutzte Flächen der Erde wegfallen, weil wegen schlechter Böden oder ungünstiger Klimaverhältnisse dort nur Viehhaltung möglich ist. Es läuft auf den Umbau unseres gesamten Gesellschaftssystems hinaus und zwar weltweit. – Kerstin Hoef-Emden


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Ein Thema mit Handlungsbedarf. Allerdings ist mir die Darstellung zu sehr auf Deutschland bezogen, als ginge es um ein ausschließlich lokales Problem. Viele Passagen können ihr zweites Anliegen nicht vertuschen: Eine pauschale Abrechnung mit der Politik der Regierung Merkel. Zu guter Letzt dann noch das Plädoyer für den Veggie Day und einer Gesundheits-Ermahnung an alle Fleischesser. Das muss doch nicht sein. Chance vertan.

Quelle Statista

Lebenserwartung Norwegen bei Geburt 2005        80,0 Jahre
Lebenserwartung Australien bei Geburt 2005      80,8 Jahre
Pro Kopf Fleischverbrauch 2013
Norwegen                                                                 70,9 kg
Australien                                                              116,2 kg
Deutschland                                                              85,9 kg
Ganz so einfach und monokausal scheinen die gesundheitlichen Zusammenhänge nicht zu sein. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Selten konnte ich einem Beitrag so beipflichten: Hätte das beängstigende Insektensterben in den vergangenen Jahren die Politik ähnlich alarmiert wie die vermeintlichen „Ängste der Menschen“, so säße heute weniger faschistoide Biomasse im Bundestag, dafür mehr flatternde in Brombeerbüschen. – Birgit Kahle


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Der Artikel ist ein sehr gelungener Versuch, uns die Bedeutung des Insektensterbens nahezubringen. Warum das so schwer möglich ist, liegt an unseren Genen. Noch vor wenigen Jahrhunderten musste man ja eher Angst zum Beispiel vor einem Wolf haben als vor verpesteter Luft oder überhaupt Umweltgiften. Der Wolf konnte einem nämlich ein Schaf rauben, während man schlechte Luft nur auf der Toilette erlebte. Deshalb ist für unser Gefühl die Vorstellung, unsere Enkel könnten einmal an Umweltgiften sterben, nicht so schlimm wie die Idee, sie könnten einem Wolf begegnen, obwohl das viel weniger wahrscheinlich ist. Unser Gefühl ist nämlich fest in den Genen verwurzelt, und Gene ändern sich leider nur extrem langsam. – Norbert Oettinger


Leserbrief zu „Handeldefizit“ von Cathrin Gilbertim ZEIT Magazin

Hoppala, Hut ab vor dem Pionier und Pioniergeist Krebs, der – wie geschildert, offensichtlich im Alleingang – Entscheidungen auf Leben und Tod fällt. Nur, solch Vorgehen ist aus der Zeit: Man arbeitet in der modernen Medizin inzwischen anders, als dazumal die Herren Sauerbruch u.a. Pioniere der Chirurgie zwangsweise arbeiten mussten. Wir haben heute Möglichkeiten, Entscheide sorgsamer und differenzierter im Team vorzuverlegen um nicht erst im Operationssaal reagieren zu müssen. Wir haben heute bildgebende Möglichkeiten die Ausdehnung eines derartigen Tumors präoperativ zu bestimmen, wir haben heute die Möglichkeit eine frühe Diagnose zu stellen, wir haben heute die Möglichkeiten mit Radiologen und Onkologen gemeinsam eine genaue Diagnostik, evtl. eine präoperative Verkleinerung des Tumors anzustreben und wir haben heute die Möglichkeit gemeinsam mit diversen Spezialisten die Situation im Vorfeld zu besprechen, gemeinsame Entscheide zu fällen und dann gemeinsam ans operative Werk zu gehen. Vielleicht ist dies auch der Grund warum Herr Krebs Entscheidungsträger in unserer Gesellschaft vermisst. Denn, so wird heute – soweit wie irgend möglich – nicht mehr entschieden! Und das ist auch gut so! – Lutz von Laer


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Ich danke Gott, dass ich auf dem Höhepunkt der Frauenbewegung Mitte der 70er Jahre jung sein durfte. Einige Frauen wollten uns damals zwar die Schwänze abschneiden oder wollten uns nicht in ihre Kneipen lassen, andere haben aber dafür gesorgt, dass wir im Sitzen pinkelten, morgens duschten und in Gesprächen interessiert zuhörten. Der Sex hat sich noch spontan ergeben und wir haben uns in der konkreten Situation gegenseitig gezeigt, was wir mochten und was nicht. Jeder dafür sensibilisierte Mann hat sich dran gehalten. Arschlöcher gab und gibt es immer, da helfen auch keine Verträge. Nochmal jung sein? Ja, unbedingt. Aber nicht heute. – Klaus Lüßenhop


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Ich bin Bernd Ulrich dankbar, dass er das Thema Insektensterben mit Vehemenz und Schärfe anspricht und das Versagen der Politik – leider auch der Grünen – in dieser Hinsicht richtig analysiert. Was die Ursachen des großen Sterbens anbelangt, verstehe ich nicht, warum man darauf wartet, dass diese wissenschaftlich völlig zweifelsfrei und unwiderleglich erforscht werden und ansonsten so weiterwurstelt wie bisher. Man kann doch die Ursachen in evidenter Weise eingrenzen, indem man sich fragt: Was war vor 50 bis 30 Jahren anders, damit die Insekten seinerzeit besser und ungestörter leben konnten? Wenn man dann die Wandlungen in der Landwirtschaft, den vermehrten Einsatz von Insektiziden, die Mengen von Gülle, die seitdem auf den Feldern ausgebracht werden, etc. in Betracht zieht, dann wird man die Ursachen des Insekten- und Artensterbens mit ziemlicher Sicherheit erkennen können. Außerdem gibt es Langzeitstudien über die Veränderung der Tierwelt in der Agrarlandschaft bereits (zum Beispiel für die Agrarlandschaft westlich von Hardenberg in Brandenburg); man hat diese nur nicht richtig zur Kenntnis genommen, weil man natürlich Wichtigeres zu tun hatte. – Wolfgang Cojaniz


Leserbrief zu „»Die anderen haben aufgeholt«” von Petra Pinzler und Martin Spiewak

Im gespaech sagt frau krautzberger: „ man kann nicht mit billigfliegern durch die welt reisen – und glauben, das habe keine Auswirkungen auf das Klima“ diesen satz finde ich bemerkenswert: warum billigflieger, und nicht nur flieger? Ist der billigflieger etwa dreckiger als der luxusflieger? Ist vielleicht das billigauto auch dreckiger als das Luxusauto? Sicher nicht. Jeder flieger, jedes Auto macht dreck. Gut  fuer das Klima sind deshalb nur weniger fluege und weniger Autofahrten. Wenn man das Klima retten will, ist frage doch: soll man fliegen und autofahren so teuer machen, dass nur noch die (hoffentlich wenigen) reichen fliegen und autofahren koennen. Oder findet man andere (gerechtere) wege, dem einhalt zu gebieten, zum Beispiel verbote oder Kontingente. Auf die einsicht ausgerechnet der billigflieger und billigautofahrer zu setzen, ist wohl leider keine loesung. – Christian alberti


Leserbrief zu „Die Macht des Dinosauriers“ von Nadine Ahr et al.

Vor wenigen Jahren mitten in Manhattan, New York, an einem Vormittag zur späten Frühstückszeit in einem Restaurant. Nicht weit von mir entfernt sitzen an einem großen runden Tisch 10 Personen. Eine junge stylische Frau im business-Kostüm. Die anderen sind Männer, die Anzüge tragen. Nach kurzer Beobachtung ist klar, dass der Boss in der Runde mit dem Rücken zu mir sitzt. Der Kopf, die ganze Haltung der Oberkörper der anderen ist auf den Rückenmann gerichtet. Nach einer weitausholenden Armbewegung des Rückenmannes zu der Frau, sagt auch diese einige Sätze. Für mich findet ein „lockeres“ Arbeitsfrühstück außerhalb des Büros statt.   Verhalten wir uns alle so, ich auch? Müssen wir wissen, was die Macht sagt, um zu überleben?  An welchem Punkt müssen wir uns der Macht widersetzen, um zu überleben? Stellen sich die Fragen für eine Frau anders als für einen Mann? Sind die Antworten für jeden anders?   Weinstein mag ein besonders widerwärtiges Exemplar von Macht und Machtmißbrauch sein. Er ist aber kein Dinosaurier, der ausstirbt. Macht und Machtmißbrauch ist immer gegenwärtig. Es liegt an dem Mut und der Initiative von jedem von uns wie weit die Mächtigen ihren Mißbrauch leben können. – Margrit Weber


Leserbrief zu “EU, mon amour“ von Elisabeth Raether

Ich lese bewusst die Artikel der ZEIT ohne vorher zu wissen, wer sie geschrieben hat. Bei auffallend vielen, die mich wirklich beeindrucken und mir lange im Gedächtnis bleiben sind Sie die Autorin. Danke dafür und für Ihre einmalige Koch-Kolumne! – dr. agnes maria bitterlich


Leserbrief zu „Das Märchen vom Brandstifter Draghi“ von Mark Schieritz

Es stimmt ja, das der Kurs von Draghi bisher zu einer Stabilisierung der EU geführt hat. Ihnen dürften aber auch die Risiken bekannt sein, die mit seinem Kurs nach wie vor verbunden sind. Im Hinblick auf diese Risiken wäre es klüger von Ihnen, sich etwas vorsichtiger zu äußern. Ein Märchen ist übrigens etwas anderes. Märchen enthalten oft eine Portion Weisheit. Unbedarft könnte man auch meinen, Draghi hat vor, das die  nächste Generation die Rechnung bezahlt (damit wir heute gut leben können). – Reiner Püschel


Leserbrief zu „»Erst Arbeit macht dich zum Menschen«“ von Moritz Aisslinger

Der Klage des Autors über „die dunkle Seite der deutschen Willkommenskultur“ muss widersprochen werden, weil sie die geltende Rechtslage völlig ausblendet. Ein Aufenthaltsrecht und damit auch eine Arbeitserlaubnis haben nur anerkannte Flüchtlinge und Asylanten. Allein die Integration dieser Menschen zu ermöglichen  ist für den deutschen Staat eine extrem große Herausforderung, . Alle anderen Zuwanderer haben rechtlich gesehen keine Chancen auf einen Aufenthaltstitel  und wären zügig abzuschieben. Die Willkommenskultur kann daher in diesen Fällen nicht greifen, denn das würde bedeuten, dass jeder nach Deutschland kommen und dort bleiben könnte. Eine derartige Praxis würde aber nur dazu führen, dass die AFD viele Wähler dazugewinnt. Und auch der im Artikel angeführte Syrer geht es nicht schlecht, er lebt in Deutschland in Sicherheit in einer eigenen Wohnung und sein eigener – sicher bescheidener – Lebensunterhalt ist gesichert.

Die Unterstützung nach dem SGB II kann jedoch nicht so hoch sein, dass davon noch andere Personen unterstützt werden.  Es liegt in der Eigenverantwortung des Syrers seine offensichtlich unzureichenden Deutschkenntnissen zu verbessern, um Arbeit zu finden.  Ohne hinreichende Deutschkenntnisse gibt es nun einmal nur wenige Arbeitsmöglichkeiten. Die Hype im Herbst 2015, dass die Zuwanderer das nächste Wirtschaftswunder bewirken würden, beruhte leider auf einen völligen Fehleinschätzung des Ausbildungsstandes dieser Menschen.  Als Fazit ist zu bemerken, dass die Willkommenskultur auf Dauer nur gelingen kann, wenn auch die rechtlich gebotenen Abschiebungen durchgeführt werden. – Beate Hille


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Das Argument der Autoren, dass Demokratie nicht dasselbe ist wie Gesetzes- und Verfassungstreue, findet meine volle Zustimmung. Leider ist es in der Katalonien-Debatte und vor allem auch im Diskurs über die Zukunft der EU viel zu selten zu hören. Mein Lieblingsartikel im deutschen Grundgesetz ist der letzte, der Art. 146, in dem es lapidar heißt: „Dieses Grundgesetz […] verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die vom deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“ Der auf einer Verfassung aufruhende Staat, der die Grundrechte des freien und selbstbestimmten Lebens in den Grundrechtsbestimmungen garantieren soll, wird hohl und legalistisch ohne diese finale Möglichkeit, dass die Menschen aus freier Selbstbestimmung ihre Verfassung und damit ihren Staat hinter sich lassen können. Übrigens steckt in dieser radikalen Auffassung von Demokratie auch ein Schutz gegen völkische oder nationalistische Kräfte. Jedes völkische Denken muss sich nämlich vor der permanenten Möglichkeit einer Verfassungsrevision fürchten, mit der eben auch völkische Abzäunungen unterlaufen werden können. Den Katalanen irgendeinen völkischen Nationalismus zu unterstellen ist daher umso absurder. – Prof. Dr. Rainer Bayreuther


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Eines vorweg: Wenn der Insektenbestand tatsächlich um 76 % abgenommen hat, so ist das eine dramatische Entwicklung, der schleunigst gegen gesteuert werden muss. Als Landwirt eines bäuerlichen Familienbetriebes war es jedoch wieder niederschmetternd zu lesen, wie Herr Ulrich zum Ende seines Artikels mit den anscheinend sehr beliebten Worten Gülle, Fleisch, Glyphosat und Agrarsubventionen einen Absatz zusammen zimmern kann, der es in zehn Zeilen schafft einer ganzen Gesellschaft zu suggerieren das Landwirtschaft die Wurzeln allen Übels ist. Das Landwirtschaft, egal ob biologisch oder konventionell eine Eingriff in die Natur mit entsprechen Auswirkungen darstellt dürfte wohl jedem klar sein. Die Frage ist nur, wie gestalten wir einen Kompromiss zwischen diesem Eingriff und wirtschaftlicher Nahrungsmittelerzeugung.

Leider scheint es mir, dass beim Thema Landwirtschaft nur noch mit Gefühl und oberflächlichem Halbwissen argumentiert wird und der Weg einer sachlichen Diskussion schon lange verlassen wurde. Bezeichnend ist hier wohl die Auseinandersetzung um den Einsatz von Glyphosat.Wenn es wirklich gesellschaftlicher Konsens ist, das wir eine komplett veränderte Landwirtschaft in Deutschland möchten, dann muss vernünftig darüber gesprochen werden, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Nur die derzeitige Situation, das sich eine Medienlandschaft anscheinend geschlossen auf diesen Wirtschaftsbereich eingeschossen hat, während  weit über 90 Prozent der Konsumente zu konventionell erzeugten Lebensmittel greifen, lässt wohl die meisten Landwirte verzweifeln. Leider habe ich noch in keinem Zeitungsartikel oder Parteiprogramm einen durchdachten Fahrplan zur anscheinend gewollten  „Agrarwende“ gelesen. Um etwas zu verändern  bedarf es langfristiger Perspektiven für einen Landwirt. Bislang gab und gibt vielen Betrieben, vor allem in Nordwestdeutschland lediglich die Tierhaltung eine Möglichkeit ein ausreichendes Einkommen zu erzielen und so das Potential, die oft seit Jahrhunderten in Familienbesitz befindlichen Bauernhöfe als Lebensgrundlage zu erhalten. – Dr. Gregor Schulze Willbrenning


Leserbrief zu „Über Sexismus und das Ende der Kunst“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Als viel gereister Mensch frage ich mich immer wieder, was ist eigentlich in unserem Staat los. Woher kommen solche Menschen. Neulich frage ich einen Menschen, ob er ein Ausländer ist, nur um zu erfahren, ob er mir sagen kann wo was liegt – eine Firma zum Beispiel. In der Regel weiß das ein einheimischer Bürger eher als ein Ausländer. Er fragte zurück, was ich damit meine. Ich: Beantworten sie doch bitte nur meine Frage. Ja oder Nein. Er: was bilden sie sich eigentlich ein. Sind sie ein Ausländerfeind. Eher er weiter ausholen wollte, bin ich weitergefahren. So ähnlich ist es mit dem Sexismus. Mir reicht dafür meine Fantasie nicht aus, das mit dem Sexismus in Verbindung zu bringen. Verrückter Staat. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Über Sexismus und das Ende der Kunst“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Sie schreiben mir aus der Seele! Das Ende der Kunst naht nicht, deren Ende ist schon da. Aber wußten Sie, daß es in Italien (ausnahmsweise nicht in Asterix‘ Gallien) eine kleine Stadt namens Verona gibt, wo Mann, Frau und Kind in einen der Innenhöfe die Brüste von Julia (siehe Romeo) begrabschen dürfen? Weil das Glück bringe, wovon ich übrigens überzeugt bin, obwohl ich sie noch nie begrabscht habe! Bitte geben Sie diese Kunde nicht an die Berliner Studenten weiter, ansonsten dieser letzte der Kunst verbleibende „Kitsch“ auch noch „gegendert“ werden könnte. Große Hochachtung auch zum letzten Satz Ihres Essays: Ich trau mich mit meinen 62 Jahren nicht – über Jahre demontiert durch Feminismus und „Genderdumm“ – „Harvey Weinstein“ zu googeln! – Heimo H. Suntinger


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Ich habe den Artikel gelesen und mich gefragt, ob das eine Glosse sein sollte. Sollte der Autor das ernst meinen mit dem Arbeitsplatz als „safe space“  dann haben wir bald ein Bevölkerungsproblem, denn die meisten Ehen beginnen mit dem Kennenlernen am Arbeitsplatz. Wo bleibt denn das Spiel mit dem Senden und Empfangen von Hinweisen, das und ob mir das Gegenueber sympatisch ist? So ein, wie vom Autor angeregter „Vertrag“ kommt mir vor wie die ersten Versuche in der Pupertaet mit dem Zettel „Willst Du mit mir gehen? Ja,Nein, Vielleicht oder wie in manchen Partnerbörsen „willst Du mit mir poppen“. Dass nicht alle, Maenner wie Frauen das filigrane Spiel mit Andeutungen und Hinweisen beherrschen ist schade, aber nicht zu aendern. Allerdings bezweifle ich, daß dann nicht schon der Hinweis auf einen Vertrag als sexueller Uebergriff gewertet wird. Man sollte die Kirche mal im Dorf lassen und nicht jeder medialen Sau hinterherrennen. – Harald Lutz Faehrbruecker


Leserbrief zu „Wir statt Gier” von Uwe Jean Heuser

Na toll! Endlich haben wir den wissenschaftlichen Beweis, dass „Gehirnwäsche“ möglich ist. Das soll nicht despektierlich sein, beschreibt aber normalverständlich, dass man auch das Gehirn trainieren kann. Dank Frau Singer hat nun die Jahrtausende alte Praxis aus Religion, Militär und Politik endlich den Beweis, dass sie tatsächlich funktioniert. Und genauso toll: Altruismus ist im Menschen angelegt! Ein Narr, wer sich die ethymologischen Grundlagen anschaut und zu diesem Analyseergebnis kommt! Wissenschaftlich belegt ist das nur, wenn es von Ökonomen und anderen Wissenschaftlern festgestellt wird.

Begriffen haben diese Leute allerdings trotzdem nur einen Teil des Ganzen: Altruismus, ob natürlich oder durch Training verstärkt, ist immer auch eine Projektion auf die Zukunft. Helfe ich dir, hilfst du (oder ein anderer) mit, wenn ich es brauche, helfe ich nicht, werde auch ich vielleicht später abgestraft. Handlungen haben somit (als Zukunftsprojektion) Konsequenzen. Und genau da liegt das Problem: Für die so genannten Influenzer gibt es heute keine Konsequenzen. Ob es der Politiker oder der Manager ist, der mit riesigen Abfindungen und Diäten aus Sachen herauskommt, für die er für den ganzen Mist, den er angezettelt hat, eigentlich abgestraft werden müsste, oder der „Flüchtling“, dem man hilft, der im Gegenzug aber nur Verachtung oder Schlimmeres zeigt, statt sich im Sinne der Zukunftsvision zu verhalten. Die Zukunftsvision fehlt in entscheidenden Bereichen durch Fehlen der Konsequenzen, entsprechend fehlt die Bereitschaft zum Altruismus, und er schwindet auch an anderer Stelle. Leider sind die gesellschaftlichen Gruppen, die das ändern könnten, heute zu sehr in die Korruption eingebunden, als das sich viel tun könnte. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Ich bitte darum, satirische Beiträge künftig als solche zu kennzeichnen. Ansonsten könnte man als Leser noch auf die absurde Idee kommen, Artikel wie dieser wären ernst gemeint, was ja aber nicht sein kann, da Die Zeit ja ein seriöses Presseorgan ist. Oder nicht? Simon Chlosta


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Insekten sterben still, Medien berichten laut über Terrorismus. – Christa von Sengbusch-Speder


Leserbrief zu „Ist das Kunst, oder muss man das giessen?“ von Sascha Chaimowicz

Vielen Dank für diesen schönen Beitrag über die künstlichen Pflanzenvertreter. Er sprach mir aus der Seele. Ich bin gelernte Floristin aus Leidenschaft und bin selbständig. Spezalisiert habe ich mich auf künstliche Brautsträuße. Ich fertige täuschend echte Sträuße für die Ewigkeit an. Immer mehr Bräute lassen sich eine Kopie ihres original Straußes anfertigen, oder aber direkt für den großen Tag einen nach ihren Wünschen. Ich liebe natürliche Blumen und auch Sträuße, aber irgendwie ist es wirklich schade, wenn man frische Blumen als natürlich bezeichnet, wo Sie doch gespritzt und getrimmt aus den Gewächshäusern kommen. Ist das Artgerecht, ist es schön, sie abzuschneiden und in Vasen zu stellen, wo sie so schön im Garten blühen? Ich finde es immer sehr schade, wenn der Strauß in der Vase verblüht und ich weiß, dass alles würde draussen noch viel länger blühen. Ich fertige zwar  weiterhin frische Floristik an, aber spezialisiert habe ich mich auf die Dauerfloristik. Ich hätte nie gedacht das die Nachfrage so groß ist. Auf meiner Seite findet man viele Sträuße die eifnach wie die echten aussehen, nur duften diese halt auch nicht, so haben sogar Allergiker noch eine blumige Alternative. Ich freue mich immer wieder, mit meiner Arbeit die Bräute und Kunden glücklich zu machen und die Blumen können noch weiterhin draussen blühen :-) – Sabine Kaune


Leserbrief zu „Das Märchen vom Brandstifter Draghi“ von Mark Schieritz

Wenn Mark Schieritz feststellt, bei der übermäßigen Geldausweitung durch die EZB seien die Horrorszenarios der Kritiker bislang nicht eingetroffen, muss man ihm entgegenhalten, dass diese seine Meinung auch Bestandteil des „Märchens“ ist. Die beispiellose Geldausweitung ist und bleibt eine Droge. Das gute Wirtschaftswachstum und die gemilderten Probleme der Staatsverschuldung sind eine Folge der Geldausweitung. Jetzt den Schluss zu ziehen „klappt doch“ ist wie ein Drogenabhängiger der mitten in der Konsumphase verkündet „schaut her mir geht es glänzend, hat sich also gelohnt, das Zeug zu schlucken“. Den Preis der Geldvermehrung zahlen Andere zB Sparer, die um ihre (oft zur Altersvorsorge notwendigen) Erträge betrogen sind. Draghis Geldpolitik ist fahrlässig und gefährlich. Schlimm, dass besonnene, verantwortungsbewusste Geldpolitiker wie Bundesbankpräsident Weidmann sich im EZB Rat nicht durchsetzen können. Schlimm, dass die ZEIT Kritiker dieser Geldpolitik als Märchenerzähler abstempelt. – Wilfried Walter


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Ich lese bereits seit dreizehn Jahren mit Begeisterung Ihre Zeitung und war sehr erfreut, dass Sie in der dieswöchigen Ausgabe dem Insektensterben sogar den Aufmacher auf der Titelseite gewidmet haben! Ich stelle immer wieder fest, dass vielen Menschen gar nicht bewusst ist, wie dramatisch die Lage eigentlich ist. Es scheint nur wenigen aufzufallen, dass es immer weniger summt und brummt. Was mir in Ihrem Artikel fehlt, ist der Hinweis, dass nicht nur die industrielle Landwirtschaft und der hohe Fleischkonsum zum Insektensterben beitragen. Auch jeder Hausbesitzer, der seinen „Garten“ als lebensfeindliche Wüste aus Kiesflächen, Rasen und Thujahecken gestaltet, trägt dazu bei, dass der Insektenbestand zurückgeht. In unserem Neubaugebiet sieht man fast nur noch solche komplett sterilen Gartenanlagen ohne eine einzige Blüte.

Wenn noch nicht einmal mehr in den Privatgärten etwas blüht, ist es um Insekten und Vögel schlecht bestellt! Ich fände es schön, wenn die ZEIT ihren Leserinnen und Lesern praktische Tipps für einen insektenfreundlichen Balkon oder Garten geben würde (mein Buchtipp: Schwarzer, Elke (2017): Mein Bienengarten. Bunte Bienenweiden für Hummeln, Honig- und Wildbienen. Ulmer Verlag). Wenn sich die Situation ändern soll, müssen wir ALLE mit anpacken und die Verantwortung nicht immer nur bequem an die Politik abgeben. Ich versuche, auch meine Schülerinnen und Schüler für dieses Thema zu sensibilisieren. Im Sommer haben wir gemeinsam einen Insektengarten auf dem Schulgelände der Friedrich-Dessauer-Schule in Limburg angelegt. In den kommenden zwei Wochen stecken die Berufsfachschüler dort Blumenzwiebeln, damit unsere Insekten auch im Frühling nicht hungern müssen. http://fds-limburg.de/um-unsere-insekten-steht-es-schlecht/Lisa Boy


Leserbrief zum Titelthema „Das Schweigen der Politik“

Endlich!!!! Seit Monaten wartete ich auf einen Aufschrei in der ZEIT. Jetzt steht als nächster dringlicher Schritt der Aufruf zu einem Bürgerbegehren an, das die Politik in die Pflicht nimmt, unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der wenigen noch lebenden Insekten einzuleiten. – Manuela Herzog


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Es wird vorgeschlagen in einem Vertrag zu regeln, welche sexuelle Handlungen sich zwei (oder mehr) Menschen erlauben, die intim miteinander werden wollen. Das wird nicht helfen. Den entscheidenen Hinweis gibt der Autor selber: „Ein der BDSM-Welt entlehntes Regelwerk mache Ungleichheit akzeptabel.“ Das Hauptproblem ist die Unglechheit. Eine Frau, die nicht mündlich artikulieren kann, was sie will und was sie nicht will, und dies auch vermag durchzusetzen, wird das schriftlich kaum besser berwältigen. Ein weiteres Problem ist, dass Frauen nach wie vor ihren Körper wie eich Scheckbuch einsetzen und ganz selbstverständlich für körperliche Annäherungen Geld, Positionen und andere Vorteile einstreichen. Das muss seitens der Frauen aufhören. Bezahlt endlich eure Drinks selber und zwar mit Geld und nicht mit einem Grapscher an den Hintern. – Bettina Lemke


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Nicht einmal Satire, nur abstrus. – Elmar Drossmann


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Der Autor plädiert dafür, den privaten Geschlechtsverkehr dem Privatrecht zugänglich zu machen. Argumentiert wird hierzu mit der Vertragsfreiheit und der Privatautonomie, also mit Begriffen, die geeignet erscheinen, auch intime Vorgänge zu erfassen. Das lässt sich hören, allerdings nur scheinbar. Denn der Autor stellt schon nicht klar, zu welchem Zweck der private Geschlechtsverkehr privatrechtlich durchdrungen werden soll und wie man sich die Konsequenzen vorzustellen hätte. Deutlich wird nur, dass „Sicherheit und Transparenz“ erreicht werden sollen. Antworten darauf, ob und wie das Privatrecht dies leisten kann, bleibt der Artikel schuldig. Das Privatrecht regelt die Rechtsbeziehungen der am Rechtsverkehr teilnehmenden Personen, das sind in erster Linie Rechtsgeschäfte. Zwingende Bedingung einer privatrechtlichen Erfassung des privaten Geschlechtsverkehrs wäre also dessen Einstufung als Rechtsgeschäft. Was die Konsequenzen wären und ob diese denn wünschenswert sind, lässt der Autor offen. Dabei kann der Vorschlag ohne entsprechende Informationen nicht wirklich diskutiert werden.

Es wäre also ein Änderungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch vorstellbar, durch welches der „Geschlechtsverkehr“ in das Recht der Schuldverhältnisse neben Begriffe wie dem „Kauf“, der „Miete“ und dem „Dienstvertrag“ aufgenommen würde. Durch den Abschluss eines entsprechenden Vertrages begründen die Vertragsparteien also ein Schuldverhältnis, kraft dessen sie berechtigt sind, die jeweils vereinbarten Leistungen zu fordern. Sie sind gegenseitige Verpflichtungen eingegangen. Doch wie sähen die Folgen entsprechender vertraglicher Verpflichtungen aus? Wie so oft spielen dabei die Fälle, in denen alles gut geht und die Vertragsparteien zufrieden auseinandergehen, keine wirkliche Rolle. Von Interesse sind doch vielmehr die Fälle, in denen es zu Abweichungen vom gewünschten Ablauf kommt. Mit einem Augenzwinkern wäre zu prognostizieren, dass Generationen zukünftiger Jura-Studenten wohl darüber diskutieren dürften, ob der Geschlechtsverkehrsvertrag zu seiner Erfüllung die Erbringung eines konkreten Erfolges verlangt oder ob nicht bloß ein „redliches Bemühen“ geschuldet ist.

Ernsthaftere Fragen, die auch der Autor hätte ansprechen müssen, sehe ich in zwei anderen Fällen. Erstens wäre zu fragen, was sein soll, wenn eine Vertragspartei nach Abschluss des Vertrages – aber vor dessen Erfüllung – einseitig Abstand nehmen möchte von den getroffenen Vereinbarungen. Dies scheint gerade im hier diskutierten Rahmen nicht unvorstellbar, etwa weil eine bestimmte Praktik, der zuvor zugestimmt wurde, doch nicht gefällt. Könnte die andere Partei dann mit Erfolg auf Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen klagen? Nicht umsonst lautet ein zentraler Grundsatz des vom Autor ins Spiel gebrachten Privatrechts „pacta sunt servanda“ – Verträge sind einzuhalten. Ich werde mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, wenn ich mutmaße, dass diese Konsequenz vom Autor nicht gewollt sein kann. Noch größere Bauchschmerzen bereitet mir jedoch ein anderer Fall. Nämlich die einseitige Überschreitung des vertraglich Vereinbarten durch eine Person.

Hier nähern wir uns wohl dem Fall, den der Autor eigentlich vor Augen gehabt haben dürfte. Ob jedoch die Vorstellung, eine privatrechtliche Bindung könnte einseitige Übergriffe verhindern, zutrifft, ist in höchstem Maße fragwürdig. Denn auch bei Abschluss eines Vertrages findet der Geschlechtsverkehr regelmäßig im Privaten statt, Vertrag hin oder her. Und was wäre zu tun, was zu erwarten, wenn der Vertrag einfach gebrochen würde? Auch das Privatrecht erweist sich hier als ein schlechter Partner. Denn Konsequenzen im Sinne von „privatrechtlichen Sanktionen“, wie der Autor schreibt, sieht das Privatrecht von sich aus freilich nicht vor. Dies widerspricht sogar seinem Ansatz, denn es geht ihm in erster Linie um die Erfüllung der jeweiligen Interessen. Denkbar wäre es freilich, zuvor Vertragsstrafen für den Fall eines Vertragsbruchs festzulegen. Aber wohin führt das? Wird derjenige, der die vertraglichen Vereinbarungen überschreitet, freiwillig eine Vertragsstrafe begleichen? Dies erscheint mir eine fernliegende Vorstellung zu sein. Es bliebe auch hier nur der Weg vor ein Gericht, wo über intimste Vorgänge und Vertrauensbrüche zu verhandeln wäre. Die Hemmschwelle zu diesem Schritt liegt denkbar hoch. Und dort käme es vermutlich auch zu den bekannten Situationen der sich widersprechenden Aussagen. Nur, dass das Zivilprozessrecht die klagende Partei jetzt auch noch strukturell im Stich lässt, denn es gilt der Darlegungsgrundsatz. Die klagende Partei hat alle ihren Anspruch begründenden Umstände vorzutragen und gegebenenfalls zu beweisen. Wie häufig dürfte das gelingen?

Und selbst wenn es gelingt, wäre der ganze Sinn einer vertraglichen Festsetzung des Geschlechtsverkehrs in der entfernten Aussicht auf eine Vertragsstrafe zu sehen? Das kann nicht ernsthaft gemeint und gewollt sein. Dass diese – im Privatrecht doch zentralen – Fragen der Nichterfüllung und des Vertragsbruches sich nicht annähernd zufriedenstellend auflösen lassen, wirft die Frage auf, ob der Geschlechtsverkehr einer privatrechtlichen Durchdringung vielleicht schlicht nicht zugängig ist. Wenn die rechtliche Regulierung eines Lebensbereiches gefordert wird, ist zu begründen, zu welchem Zweck dies geschieht und ob das gewählte Mittel hierzu geeignet ist. Rechtliche Regelungen, die die Betroffenen, die sie zu schützen suchen, am Ende ratlos zurücklassen, sollten dringend vermieden werden. – Steffen Reuschel


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Der aufgebrochene Katalonienkonflikt ist ein Fallbeispiel für die Folgen nicht hinreichend aufgearbeiteter Vergangenheit. In seiner Genese ist dieser Konflikt durchaus vergleichbar mit anderen Krisenherden der Gegenwart und der Vergangenheit, die z.T. sehr lange vor sich hin schwelen können, um sich immer wieder neu zu entladen. Seit Jahren versuche ich die Friedensinitiativen zu erforschen, die  Trauma unterlegte, bedrohliche Konflikte erfolgreich  zu einer Lösung geführt haben. Die Charaktereigenschaften der handelnden Akteure spielten  dabei eine besondere Rolle. So  habe ich erst vor Kurzen den ehemaligen südafrikanischen Präsidenten de Klerk aufgesucht, um ihn darüber auszufragen, welche Charaktereigenschaften und Massnahmen er im Nachhinein als matchentscheidend für seine Mission zur Überwindung der Apartheid betrachtet. Aus diesen und anderen Begegnungen möchte ich nur diese  Einsicht weitergeben.

Der Schlüssel zu einer nachhaltigen Lösung liegt immer in der Hand des Stärkeren, in diesem Fall bei der  Zentralregierung in Madrid. Das Aufschliessen des Schlosses geschieht durch Menschen (Mariano Rajoy?),  die auf  Demonstration ihrer Macht  verzichten-, proaktiv und mit dem Mut zur Demut die Gegenseite suchen und die Offenheit zum Zuhören signalisieren. Es gibt durchaus anwendbare bewährte Versöhnungsstrategien, die ähnlich wie in Südafrika zum  Einsatz gebracht werden können. Für den Augenblick ist bei den Handelnden der nüchterne Mut zur Demut gefragt, bevor die Zeit eines Handlungsfreiraum abgelaufen ist. – Johannes Czwalina


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

In der Tat ist das Insektensterben ein ernstes Problem; Insekten können für sich nicht in Anspruch nehmen, hier „gut und gerne“ zu leben. Vielen Menschen war das schon vor Jahren klar, mir auch, wie dem Gedicht aus dem Jahr 2015 zu entnehmen ist.

Die Rettung: Insektenhotels

Sie können schön sein und gefräßig,

oder hässlich, und fressen mäßig.

Sie können Baumkronen besetzen,

und Kadaver zersetzen.

Sie befallen Blätter und Knollen,

sie sammeln Nektar und Pollen.

sie sind geschickte Betäuber

und nützliche Bestäuber.

Sie sind Meister der Verwandlung,

entschlüpfen mehrmals der Ummantlung.

Sie bauen sich ihr eignes Haus

oder nutzen ein fremdes aus.

Sie bilden richtige Staaten,

in denen sie sich beraten.

Sie übernehmen feste Rollen;

sie tun nur, was sie sollen.

Sie wissen, wie zu überleben:

Es ist ein Nehmen und ein Geben.

Sie sind aus enger Menschensicht

häufig Schatten, selten Licht,

und weil Milliarden an der Zahl

ziemlich wertlos allemal.

Der Mensch hat sie vertrieben,

behandelt wie die Pest,

bis dass nur wen’ge blieben:

ein kümmerlicher Rest.

Wir haben sie zu lang verbannt,

heute jedoch ganz klar erkannt:

Wenn wir sie nicht verstehen,

werden wir untergehen.

Und fragen: Was macht man bloß

mit Wesen, die jetzt heimatlos?

Wir bau’n an freien Flecken

Hotels mit Kammern und Ecken

und hoffen, das neue Leben

kann ihnen wieder Heimat geben.

Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Ist Harvey Weinstein verdammenswert? Ja klar. Sind sexuelle körperliche Anzüglichkeiten oder auch das verbale Eindringen in die Intimzone eines Menschen eine unverzeihliche Grenzüberschreitung? Ohne Frage. Aber Verträge sollen uns helfen, das in einer eigentlich normale Situation menschlicher Interaktion auf einer Party, einem Abendessen oder in einer Diskothek auszuschließen? Daran glaube ich nicht. Der Artikel zieht, wie viele Pressereaktionen aktuell, einen Teil seiner Legitimation aus der Reaktion auf den Hashtag #metoo. Und was beweist der Hashtag? Das es ziemlich viele miese Männer auf der Welt gibt. Würde ich einen Hashtag #robbery machen hätte ich den Beweis, dass es ziemlich viele Verbrechen und Überfälle auf der Welt gibt. Und was sagt mir das? Auf der rationalen Ebene nicht viel. Menschen begehen Verbrechen. Leider. Aber wenn auf den Hashtag gefühlt viele in der ganzen Welt reagieren – heisst das dann es gibt viele Verbrechen? Oder mehr als früher? Oder was eigentlich? Das es Verbrechen gibt, sollte uns nicht wirklich überraschen. Das es miese Männer (und Frauen) gibt, leider auch nicht. Also etwas mehr Emotionen raus und überlegen, wie wir damit umgehen.

Vielleicht uns als erstes klar machen, dass nicht „die Männer“ Frauen belästigen. Das sagt aber der Autor und beschreibt es so: „Die Hoffnung auf einen neuen Mann? Darauf können wir nicht warten!“ Ich habe ehrlich gesagt aber keine Lust mehr, nur weil ich ein Mann bin, mich in diese Schublade stecken zu lassen. Als potentieller Belästiger und Vergewaltiger. Und als zweites sollten wir uns klar machen, das es nicht „die Frauen“ gibt, die hilflose Opfer sind. Grenzen ziehen, wieweit ich jemanden an mich heranlasse – das ist eine immer noch sehr wichtige Aufgabe für beide Geschlechter, an der wir weiter intensiv als Gesellschaft arbeiten müssen. Glaubt denn wirklich jemand, Männer erleben Situationen von Grenzüberschreitung nicht? Und mutig, wirklich mutig mit allen Mitteln gegen jemanden vorgehen, der die Grenzen nicht akzeptiert. Am besten sofort und direkt. Klingt blöd? Lässt sich nur schwer umsetzen? Wer sagt denn, dass der Umgang miteinander immer nur konfliktfrei und einfach ist? Aber ein Vertrag kann das ändern? Warum? Wenn jemand meine Grenzen nicht respektiert, hält ihn dann ein Vertrag davon ab?

Ja, sagt der Autor Lars Weisbrod. Der wird akzeptiert wegen der drohenden Vertragsstrafe, wie z.B. Hausverbote, Geldstrafen oder öffentlicher Pranger. Am Anfang steht aber immer noch der Mut des Opfers, für seine Sache einzustehen und den Vertragsbruch anzuzeigen. Aber wo eigentlich? Wer „richtet“ denn zukünftig darüber, ob der Vertrag wirklich gebrochen wurde oder nicht? Wie werden Beweise ermittelt? Wer definiert zukünftige die Höhe von Vertragsstrafen? Müssen diese dann bundeweit vereinheitlicht werden? Ich sehe schon viele Anwälte, die sich auf ein neues lukratives Geschäftsfeld freuen. Und das ist die neue Form des menschlichen Umgangs, die es einfacher macht, eigene Grenzen zu ziehen und zu sichern abseits des heute schon „justiziablen“, wie der Autor das nennt? Auf mich wirkt es eher wie eine dystopisches Zukunftsbild. – Wigand Maethner


Leserbrief zu „Es gibt was zu feiern“ von Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Marx

Eine bessere Darstellung dessen, was “Kirche” in Deutschland unter Reformation versteht, konnten Sie kaum finden: Kardinal Marx und Ratsvorsitzender Bedford-Strohm, zwei alte Männer, sitzen, Händchen haltend, abgegrenzt durch zwei Säulen in einer Nische und stellen fest: „Es gibt was zu feiern“. Hervorgehoben dann: “Wir verpflichten uns, der Frage nach der sichtbaren Einheit nachzugehen…“ das ist nicht zu toppen. Es passt zu dem, was von kirchlicher Seite zum „Reformations-Jubiläums-Jahr“ in die Öffentlichkeit gebracht wurde. Was Luther und die Reformation damals war und was “Gedenken” inhaltlich ausmachen müsste, spielt keine Rolle: Nämlich Einspruch/ massiver Widerspruch gegen das Bestehende in Kirche und Gesellschaft, was damals ein Raum war und heute zwei verzahnte Bereiche sind. Einspruch nicht als formales Prinzip, sondern gegründet auf einem inhaltlichen Fundament: der Frage (und immer neu zu suchenden Antwort) nach einem befriedigendem Menschsein des Menschen in der Welt, wozu auch die Frage gehört, wie diese Welt/Erde zu verstehen sei.

Luther hat darauf, aus welchen Motiven und Befindlichkeiten auch immer – z.B. seine massive Angst vor grundlegendem Verlorensein – Antworten gesucht und auch gefunden; Antworten, die damals überzeugten und zu massiven Veränderungen in der Gesellschaft führten. Vieles davon war befreiend, was ist inzwischen daraus geworden? Z.B. aus jener massiven Subjektivität/Individualität, die mit Luthers Rechtfertigungslehre verbunden ist?

Genau diese Haltung und Praxis des Einspruchs gegen das Bestehende auf dem Fundament einer Suche für das befriedigende Menschsein in einer gefährdeten Welt wäre wirkliche Vergegenwärtigung von Luthers „Werk“ und der Reformation. – Aber dazu ist “Kirche” offenbar heute nicht fähig. – Christian Lange


Leserbrief zu „Wie weit lässt Merkel sich nach rechts ziehen?“ von Matthias Geis

Merkels Politik ist den Grünen Realos oder dem Seeheimer-Kreis näher als wertkonservativen CDU/CSU Positionen. Dies hat eine AfD in der heutigen Stärke erst ermöglicht. Gilt äquivalent für die Schröder-SPD und Linke. Das mag kurzfristige taktische Vorteile bringen. Eine gute, weil nachhaltige Strategie wird daraus trotzdem nicht. 25% der Österreicher pauschal zu unterstellen, sie seien rechtsradikal, ist ein starkes Stück. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Im Artikel stellen zwei Philosophieprofessoren die steile These auf, dass man sich undemokratisch verhält, wenn man einen eklatanten Verfassungsbruch einer knappen Regierungsmehrheit nicht gutheißt. In ihrer Sympathie für die katalanischen Separatisten übersehen sie allerdings, dass die Separatisten einen Grundpfeiler von Demokratie zerstören: das Vertrauen in die Einhaltung des (Verfassungs-)Rechts. Nur dieses Vertrauen macht es dauerhaft möglich, dass die Minderheit Entscheidungen akzeptieren kann, die eine Mehrheit getroffen hat. Ohne dieses Vertrauen gibt es keinen Konsens über das Wertefundament eines demokratischen Staates. Verfassungsänderungen bedürfen daher zurecht einer überwältigenden Mehrheit und dürfen nicht durch eine knappe Regierungsmehrheit bewirkt werden. Darüber hinaus: Wer in der Demokratie wäre denn befugt, zwischen einem „enthusiastischen“ demokratischen Verfassungsbruch und einem schlechten undemokratischen Verfassungsbruch zu unterscheiden? Sicher nicht die Philosophie, die die beiden Professoren lehren. – Ortlieb Fliedner


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Zunächst war ich der Meinung, der Beitrag sei eine Satire, bis mir aufgegangen ist, dass Weisbrod es wirklich Ernst meint. Also: vor der „Ausführung“ einer sexuellen Handlung sei ein (kurzer) zu späteren Beweiszwecken wohl schriftlicher  Vertrag über Inhalt und Grenzen der sogenannten Handlung abzuschließen. Als Volljurist komme ich jetzt doch ein wenig ins Grübeln. Gilt sein Vorschlag eigentlich auch für Eheleute oder sonst dauernd zusammenlebende? Ich erlaube mir mal vorzustellen, wie sie Abends vor dem „zu Bett gehen“ noch den Vertrag aushandeln. Oder wie es ist, wenn es sie auf der Wiese überkommt und sie kein Schreibzeug dabei haben. Und ganz schlimm, was ist, wenn einer der „Vertragspartner“ über das Vereinbarte hinausgeht, sagen wir mal vorsichtig, intimer wird? Wie beweist die oder der Verletzte diesen Vertragsbruch? Und welche Ansprüche hat sie /er dann, zur Not in einem Gerichtsverfahren? Schadensersatz in Form von Schmerzensgeld? In welcher Höhe etwa? Ich fürchte, Weisbrod hat seinen Vorschlag nicht ganz zu Ende gedacht. Trotzdem nichts für Ungut. Ich freue mich jeden Donnerstag auf die neue „Die Zeit“. – Josef Vogt


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Mit Ihrem aktuellen Artikel sprechen Sie uns aus tiefster Seele. Auch wir stellen seit Wochen konsterniert fest, dass dieses Thema anscheinend in den Jamaika-Verhandlungen und den aktuellen politischen Debatten keine Rolle spielt. Ihre Analyse ist bitter, aber überzeugend und wird hoffentlich von vielen politischen Entscheidungsträgern und nachdenkenden Bürgern gelesen. Aber was können wir tun? Darüber hinaus möchten wir Ihnen einmal mitteilen, dass wir jede Ausgabe der „Zeit“ zuerst nach Beiträgen von Ihnen durchsuchen, da Ihre politischen Analysen und Kommentare uns quasi immer einen hohen Erkenntnisgewinn vermitteln. Einen Artikel von Ulrich gelesen und schon hat sich das Wochenexemplar der „Zeit“ gelohnt. Mehr ist häufig zeitlich nicht drin. Das muss einmal gesagt werden. Falls Sie an unseren weiteren Lesegewohnheiten interessiert sind, hier der rituelle Ablauf:

  1. Titelseite
  2. Zeit Magazin Inhaltsverzeichnis (blöd, dass da die Artikel von der ersten Seite nicht draufstehen, wenn man später mal nach Artikeln recherchieren will)
  3. Martenstein
  4. Raether Rezept (lieben wir auch sehr)
  5. Zeit Inhaltsverzeichnis durchsuchen nach: Ulrich, Raether, Angela Köckritz, Jan Ross = alle super
  6. Die Artikel in dieser Reihenfolge lesen, dann ist die Woche garantiert um
  7. Was uns fehlt: regelmäßige politische Artikel über Italien

Was auch noch fehlt: regelmäßige Artikel über die Ursachen der zukünftigen Fluchtbewegungen z.B. aus Afrika. Eine andere Wirtschaftspolitik gegenüber diesen Ländern ist wohl auch keine großer Verhandlungspunkt bei Jamaika. Über dieses Thema muss u.E. mehr Aufklärung bei den Bürgern erfolgen. In diesem Zusammenhang begrüßen wir z.B. Beiträge von Pankaj Mishra in der Zeit. – Barbara Arens und Jochen Aengenheyster


Leserbrief zu „Wie der Faust aufs Auge“ von Daniel Haas

Danke, liebe Zeit-Redaktion, nun weiß ich endlich weshalb die Pflege in Deutschland ein so schlechtes Image hat. In dem Artikel schreibt Daniel Haas, wenn es zum Abitur und zum Studium nicht reicht, bleibt allenthalben noch der Weg zum Krankenpfleger oder Mitarbeiter eines Klärwerks. Während in fast ganz Europa und in der weiten Welt die Pflege ein Hochschulstudium ist, dürfen hier in Deutschland „Minderbemittelte“ diese Tätigkeiten ausüben. Dieser Gedanke eröffnet ganz neue Denkhorizonte. Vielleicht  tut sich die Politik mit den Pflegenden deshalb so schwer, weil sie die Ziele unseres gepriesenen Bildungssystems nicht erreicht haben? Darüber sollte man auch mal nachdenken. Sie schreiben explizit über den Krankenpfleger.

Ich nehme an, dass dies der Einfachheit halber passierte, weil im allgemeinen Sprachgebrauch von Krankenschwester/Krankenpfleger gesprochen wird. Oder doch nicht? Sie wissen aber schon, dass Krankenpfleger die gleiche Ausbildung wie Krankenschwestern absolviert haben. Außerdem werden seit 2003 keine Krankenpfleger sondern Gesundheits- und Krankenpfleger ausgebildet. Und dann diese Parallele zum Klärwerk. Wohl weil beide Tätigkeiten den ganzen Tag nur mit Fäkalien zu tun haben? Dabei hat mancher Laborarzt und Laborant mehr mit Fäkalien zu tun als manch Krankenpfleger. Bleibt zu hoffen, sollten sie eines Tages pflegebedürftig werden, dass sie nicht einem dieser „Minderbemittelten“ in die Finger fallen, der sie dann auf ihre Fäkalien reduziert. Sie sollten ihre Kenntnisse über diesen Berufsstand dringend aktualisieren. Übrigens, auch die Mitarbeiter von Klärwerken können ihnen sicherlich berichten welch anspruchsvolle Tätigkeit sie ausüben und es nicht damit getan ist dem großen Quirl im Rührwerk bei der Arbeit zuzuschauen. Die Qualität von Arbeit und ihren Wert für die Gesellschaft zu erkennen und zu wertschätzen ist leider nicht nur einigen Journalisten trotz “Bildung“ nicht gegeben. Hätten sie in ihrem Artikel statt Krankenpfleger und Mitarbeiter eines Klärwerks Elektriker, Kfz-Mechaniker oder einen anderen Handwerksberuf eingesetzt, hätten die jeweiligen Verbände ihnen ihren Artikel zu Recht um die Ohren geschlagen. Was ich hiermit auch tue. – Wolfgang Meyer


Leserbrief zu “EU, mon amour“ von Elisabeth Raether

Man sollte zunächst zwischen EU und Europa unterscheiden, denn das sind zwei semantisch unterschiedliche Terminologien, die zwar zusammenhängen, aber nicht als Synonym zu verwenden sind. Die wenigsten wollen die EU abschaffen, sondern die Intentionen gehen in Richtung Reform und Neuordnung, weil der eingeschlagene Weg zum Zentralstaat Europa mehr schadet als er den Mitgliedsstaaten nützt. Die Union ist letztlich so stark wie die Summe der Mitgliedsstaaten und wenn man allfällige Synergien besser nutzt, sogar noch stärker. Ein höheres Maß an Föderalismus und Subsidiarität ist angesagt. – Martin Behrens


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Zu diesem Artikel nur kurz folgende Bemerkung (aus etwas juristischer Sicht): Dass die (kommunikativen) Probleme bezüglich „des Unaussprechlichen“ gelöst wären, wenn man „die Sache“ und „kleine Details“ (gewissermassen die „Verkehrsbedingungen“) vertraglich regeln würde, ist blanke Illusion, denn (i) die Idee ist zwar im Ansatz gut, aber intellektuell (was Libido selbst bei angeblich Intellektuellen kaum ist), (ii) wäre der „übereinstimmende Parteiwille“ mit Blick auf die typischen Unschärfen der Kommunikation allgemein und in diesem „Verkehrsbereich“ ohnehin auch bei scheinbarer Übereinstimmung im Wortlaut kaum zweifelsfrei zu eruieren, wenn es denn doch zum Konflikt kommt (auch auf der Autobahn ist nicht das Tempo, sondern die Fehleinschätzung bzgl der Tempodifferenz das grösste Risiko), und (iii) endlich ist natürlich schon die Offerte zum Abschluss eines solchen Vertrags – jedenfalls ausserhalb eines klar als unsafe space deklarierten darkrooms – eine Annäherung, die in einem safe space eigentlich eine Watsche ohne weiteres rechtfertigen würde … Quintessenz: Wenn man schon darüber offenbar nicht sprechen kann, kann man auch keine Verträge schreiben; und wir können unser mangelndes kommunikatives Feingefühl nun mal nicht mit juristischen Floskeln zudecken! – Prof. Dr. P. Breitschmid


Leserbrief zu „Glänzende Aussichten“ von Katja Schönherr

Die eigentlichen Probleme werden, so lange ich denken kann, nicht angetastet. Dutzende Beiträge haben Sie über unsere Lehranstalten schon veröffentlicht. Fast alle vermeiden die wirklichen Probleme zu beschreiben. Dann ist mir eingefallen warum das so ist. Die meisten Autoren sehen gar nicht die Probleme, weil sie in einer Zeit Schüler waren, die das Unterrichten anders gar nicht kennengelernt haben. Es wird also unbewusst verschwiegen. In Erinnerung an einen Beitrag von Professor Dieter Lenzen der Freien Universität Berlin, der einer der Wenigen war, den Zustand Nach den 60er Jahren fing das Dilemma an. Um es vorweg zu nehmen, meine 3 Söhne waren alle auf einer Privatschule aber erst nachdem Sie in einer staatlichen Schule die Schulkultur kennengelernt haben. Einschließlich des Vaters, der im Elternbeirat mitgewirkt hat. Autoritäres Verhalten war verpönt,  Ohne Autorität kann man eine Lehranstalt nicht vernünftig führen.

Das ist Fakt. „Selbstfindung“ der Schüler war angesagt. Die Schüler sollten selbst herausfinden, wie was geschrieben wird. Diktate wurden abgeschafft. Um nur ein Beispiel zu nennen. Ich kann nur für NRW sprechen. Durch den Föderalismus und die autarke Stellung der Schulen kann es durchaus sein, daß in anderen Bundesländern eine andere Haltung praktiziert wurde. Ich weiß von Bayern, das dort der Unterricht autoritärer geführt worden ist.  Die Privatschulen sind in der Regel autoritärer aufgestellt. Das habe ich an meinen Kindern schnell feststellen können. Und wenn ein Schüler das ein oder andere nicht verstanden hat, dann bekam er von seinen Lehrern  Nachhilfe. In den staatlichen Schulen müssen die Eltern ausserhalb der staatlichen Schulen eine private Einrichtung für Ihre Schüler engagieren, die wie Pilze aus der Erde wuchsen.

Das hätte eigentlich ein Alarmzeichen für die Kultusminister sein müssen, Nichts, aber auch gar nichts wurde getan. Vergessen sie die Untersuchungen der von Ihnen angegebenen Organisationen. Das hat mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Hinzu kommen die katastrophalen baulichen Mängel. Die Toiletten mussten teilweise geschlossen werden, weil die Schüler das ganze Inventar zertrümmert hatten. Jetzt lese ich, für die Renovierung oder Sanierung der Schulen werden 10 Milliarden nötig werden.  Sie haben recht, wenn von Elite gesprochen wird. Das ist in der Tat so. Zu der Zeit meiner Kinder Ende 70er Anfang 80er Jahre war es jedenfalls so. Ich habe für meine Kinder zwischen  4 und  5 Tausend DM jeden Monat zahlen müssen. Aus heutiger Sicht hat sich das auch gelohnt. Ich habe viel Freude an meinen Kindern.  Wie das heute aussieht, weiß ich nicht. Es mag heute vielleicht durch die finanziellen Zuschüsse des Bundes und Ländern (zu der Zeit meiner Kinder gab es das alles nicht) auch Schüler geben, wo die Eltern über weniger Geld verfügen, die sich eine Privatschule leisten können.  Das ist sehr zu begrüßen.  Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit meiner Tätigkeit im Elternbeirat erinnern. Da gab es einen Schüler aus einer armen Familie, der Vater war ständig arbeitslos, der Junge war einer der Besten. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Plündern als Prinzip“ von Angela Köckritz

In den 2000er Jahren erging an einen Freund die Anfrage, ob er einen Weg wüsste, 60 Millionen Dollar Entwicklungshilfegeld der Credit Suisse (und von dieser gestempelt) in Europa zu waschen, die der geschasste Präsident der Elfenbeinküste, Bédié beizeiten beiseite gebracht hatte um damit nun sein politisches Comeback einzuläuten. Einen dieser 6 Trunks mit 10 Millionen Dollar hat man meinem Freund  in einem Pariser Stadtrandghetto vorgeführt (die anderen sollten sich in Hütten versteckt im Gebiet der Elfenbeinküste befinden). Wie ein an dieser Geschichte beteiligter ehemaliger deutscher Diplomat dazu bemerkte: „Afrika ist gesäumt von solchen Koffern.“ Vielleicht sollte daher die Entwicklungshilfe generell an die Bedingung geknüpft sein, den Weg des Geldes bis zum Endverbrauch verlässlich verfolgen zu können..andererseits wäre die Welt ohne solche abenteuerlichen Geschichten (und diese ist definitiv wahr!) ein ganzes Stück ärmer. – Weinberg


Leserbrief zu „Umdenken oder untergehen“ von Maximilian Probst und zu „Wir statt Gier” von Uwe Jean Heuser

In „Umdenken oder untergehen“ wird geistige Gleichschaltung propagiert. Die Menschen sollen nur noch das „Schöne“ wollen. In „Wir statt Gier“ wird gleich noch das Rezept zum Erreichen dieser Geisteshaltung geliefert: Gehirnwäsche, genannt Meditation, und Umerziehung. Ich sehe eine Welt, in der DAS KOMITEE das „Schöne“ beschreibt. Wer erwischt wird davon abzuweichen, erhält eine Einladung zur „Läuterungs-Meditation“. Ich hoffe, unsere Enkel werfen, wie unser früherer Außenminister Fischer, Steine auf die, die unter dem Vorwand, nur so sei die Menschheit zu retten (alternativlos!) ihnen ihre Freiheit nehmen wollen. Vielleicht wird es zu Enkeln jedoch gar nicht mehr kommen, weil, siehe „Regelt den Verkehr“, das Bundesverfassungsgericht im entscheidenden Moment aufgrund verfassungswidriger Widerrufsklauseln in den Beischlafverträgen unserer Kinder, diese für nichtig erklärt hat. War das Satire oder kann das weg? – Hans-Jörg Lindner


Leserbrief zu „Die Macht des Dinosauriers“ von Nadine Ahr et al.

Ein System funktioniert nur solange, wie alle darin mitspielen! Herr Weinstein trägt – wenn die Beschuldigungen stimmen – die alleinige Schuld an dieser ganzen widerlichen Affäre. Doch von „Opfern“ mag ich nicht sprechen, wenn ich an all die erniedrigten Frauen denke. Auch sie und viele andere waren Mitspieler; sie erhofften sich Vorteile, wenn sie stillhielten, hatten vielleicht auch nicht den Mut, sich aufzulehnen – wenn es mir auch schwerfällt, diesen letzteren Aspekt in dieser Häufigkeit nachzuvollziehen. Man kann das Phänomen des Mitspielens im System weiterdenken in autoritäre politische Strukturen (!) – oder in ganz alltägliche Gegebenheiten:

Ich saß in der S-Bahn. Etwas weiter von mir entfernt saß ein junges Mädchen, verhüllt in Hidjab und Abaya. Ein Betrunkener setzte sich neben sie, schlief ein, sein Kopf fiel auf ihre Schulter. Sie drückte sich so weit wie möglich an die S-Bahn-Wand, hielt den Körperkontakt mit niedergeschlagenen Augen aus. Ich ging dorthin, weckte den Betrunkenen, forderte ihn auf, sich so hinzusetzen, dass er nicht auf das Mädchen rutschte. Das tat er, brummelte, schlief wieder ein. Das Ganze wiederholte sich. Wieder weckte ich ihn, fragte das Mädchen, ob es sich nicht woanders hin setzen wollte, sie sah mich mit großen Opferaugen an und blieb sitzen. Ich war fassungslos! Da hüllt sie sich ein oder ihre Eltern tun es, um sie vor bösen Männern zu schützen und das Naheliegende bringen sie ihr nicht bei? Ich musste aussteigen. Da kam eine Dame auf mich zu, die gegenüber dem Mädchen gesessen hatte und bedankte sich bei mir, dass ich eingeschritten war – was mich wiederum verblüffte: Warum hatte sie das nicht getan? Mein Handeln finde ich selbstverständlich, doch das des Mädchens und der um sie herum Sitzenden überhaupt nicht.

Das ist es, was ich meine: Niemand sollte in miesen Systemen mitspielen, um sie nicht zu perpetuieren – auch wenn hier, genau wie Herr Weinstein – der Betrunkene (mit verminderter Zurechnungsfähigkeit) die alleinige Schuld trägt an der Grenzüberschreitung, so haben doch die Mitreisenden ihre Verantwortung als Solidargemeinschaft grob vernachlässigt. Im Übrigen war es schon in den 60er Jahren so, dass viele Männer in den USA nicht mit einer Frau allein im Aufzug fuhren, um einer möglichen Anklage- nebst Schadenersatzansprüchen- wegen versuchten sexuellen Missbrauchs zu entgehen. In diesem System möchte ich weder Frau noch Mann sein. – Dr. Ursula Augener


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Der wirklich gelungene Artikel von Bernd Ulrich spricht mir aus der Seele. Eine Korrektur habe ich dennoch: Es ist nicht irrational oder unvernünftig jetzt Glyphosat und die Neonicotinoide zu verbieten, den Fleischkonsum drastisch zu senken und ökologische Landwitschaft zu förden ohne genau zu wissen woran die Bienen nun genau leiden und was ihnen langfristig am meisten hilft. Es ist vielmehr irrational, große Monokulturen anzupflanzen und Insektizide einzusetzen, riesige Massen an Tieren zu mästen und die Gülle einfach auf die Felder zu kippen, ohne vorher durch Studien sicher auszuschließen, dass dies der Umwelt schadet. – Inga Goldammer


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Danke! Großartig. Artikel wie dieser bestätigen, dass ich seit über 40 Jahren die richtige Zeitung abonniert habe. Der von Ihnen geprägte Terminus „Mittlere Vernunft“ öffnet die Tür zur Diskussion über weitere „vergessene Umweltkatastrophen“, z.B. über den Mobilfunk. Kürzlich wurde in meiner Nachbarschaft ein neuer Mobilfunkmast in Betrieb genommen. Die durch ihn verursachten gesundheitlichen Auswirkungen haben die schlimmsten Befürchtungen übertroffen. Andere Strahlungsquellen sind praktisch auszuschließen. Ein WiFi-Analyzer zeigt in meinen fraglichen Räumen keine W-LANs an. Ich bin 63 Jahre alt. Die neue Strahlung stört massiv meinen Nachtschlaf und reduziert ihn im Extremfall auf etwas über ein Stunde. Arbeiten an meinem Schreibtisch im 2. OG sind praktisch nur noch mit Abschirmkapuzenpullover (Hoodie) und Abschirmkopftuch (Loop) möglich. Medizinische Effekte waren auch bei meiner Frau (54) zu beobachten. Nach zwei Nächten mit einer besonders starken Strahlungsbelastung Anfang August 2017 traten bei ihr Koordinationsstörungen auf: Versagen der Kontrolle über die Beine, Schwindel, Störung des Sehvermögens (keine Möglichkeit zur Koinzidenz des Augenpaare).

In den beiden genannten Nächten konnte sogar unser Mitbewohner (40) stundenlang nicht schlafen. Daraus ergeben sich viele Fragen: Warum werden die Bürger nicht vor Inbetriebnahme von Sendeanlagen informiert, welche gesundheitlichen Folgen zu erwarten sind, damit jeder sich rechtzeitig vor einer ungeschützten Strahlungsexposition schützen kann? Warum werden die Bürger nicht fachkundlich in technische Schutzmaßnahmen eingewiesen? Als erste Schutzmaßnahme habe ich Mitte August Schlafzimmer und Arbeitszimmer mit einer Schutzfarbe (Yshield Abschirmfarbe HSF54, HF+NF) gestrichen. Dieser Aufwand war im Nachhinein völlig sinnlos, weil a) bei HF-Strahlung ein Schutzanstrich nicht wirkt, der z.B. Türen und Fenster offen lässt, und b) die 37 dB der Farbe bei der aktuellen Funkmaststrahlung keine Schutzwirkung mehr entfalten. Warum werden die Bürger nicht fachkundig über die Zusammenhänge zwischen Strahlungsbelastung und Symptomen unterrichtet. Drei Beispiele seien genannt. Testweise habe ich an unserem LAN-Router die W-LAN-Funktion angeschaltet. Ein Messgerät zeigte zwar Ausschläge bis 1700 μW/m².

Eine Strahlungsbelastung habe ich aber nicht gespürt. Offenbar verursacht die reine Trägerwelle keine Reaktion meines Körpers. Im zweiten regelmäßig vorkommenden Fall dringt die Strahlung vom Funkmast mit weniger als 10 μW/m² in mein Arbeitszimmer und verursacht heftiges Herzklopfen und Engegefühl. Hier spielt offenbar die Modulation der Welle eine viel größere Rolle als die Intensität. Im dritten Fall werde ich nachts immer wieder geweckt. Ich schlafe unter einem Schutznetz mit Bodenunterlage (50 dB), habe die Bettdecke mit einem älteren Schutznetz bedeckt (Voile, 37 dB) und trage oft noch den Hoodie (50 dB). Trotzdem erreicht mich die Strahlung. Die Restintensität ist vermutlich sehr gering. Aber in der Strahlung sind eventuell Frequenzen enthalten, die mit den „Schwingungen der Zellen“ in Resonanz treten. Übrigens, die Schlafprobleme (Fall drei) hatte ich bei fünf Aufenthalten außerhalb Deutschlands nicht (Polen, Ukraine, USA im Zeitraum August bis Oktober 2017). Warum werden die Bürger nicht fachkundlich in medizinische Schutzmaßnahmen eingewiesen? Ich habe gewissenmaßen auf gut Glück einen Hoodie und zwei Loops (s.o.) erworben und trage diese nun.

Bei bestimmten Trageweisen wird das Herzklopfen deutlich gedämpft. Welche Körperbereiche nun aber besonders geschützt werden müssen, weil sie für das Auslösen des Herzrasens verantwortlich sind, ist mir bislang aber völlig unklar. Warum wird seitens des Staates überhaupt eine Strahlungsbelastung der Bevölkerung zugelassen, die die o.g. massiven kardiologischen und neurologischen Probleme verursacht?  Wie soll meine Familie ein gesundes Leben in strahlungsarmer Umgebung führen, wenn wir einerseits auf W-LAN, DECT-Telefon und ähnliches im Haus verzichten, andererseits uns aber von draußen eine um ein Vielfaches stärkere Strahlung ins Haus geschickt wird? In vielen Gesprächen habe ich erfahren, dass ich mit meinen Symptomen nicht allein bin, vor allem, wenn es sich um ältere Menschen handelt. Die bisher jüngsten betroffenen Gesprächspartner waren um die vierzig Jahre alt. – Wolfgang Kresse


Leserbrief zu „Die Macht des Dinosauriers“ von Nadine Ahr et al.

Ein wichtiger Beitrag zur Diskussion über (sexuellen) Mißbrauch in Abhängigkeitsbeziehungen. Ein ungutes Gefühl hinterläßt der Umstand, daß lediglich 3 von 50 SchauspielerInnen auf die Frage der ZEIT nach eigenen Erfahrungen antworteten. Wenn dann mit Verweis auf den Chef der Ufa gefolgert wird, dessen Aussage sei glaubwürdig, weil er ganz anders als Weinstein auftrete, dann muß man sich allerdings fragen, ob die AutorInnen des Beitrags das Problem wirklich verstanden haben. Denn die daraus resultierende Logik lautet: “Kerle, die auf Partys Champagner aus High Heels trinken, junge Frauen anbaggern und auf Tischen tanzen” sagen nicht die Wahrheit und – das ist die unterschwellige Botschaft – ihnen ist zuzutrauen, daß sie Frauen mißbrauchen. Genau damit wird aber das zentrale Problem verkannt und geleugnet: Mißbrauch geschieht alltäglich –  zumeist im Nahbereich, in ehelichen Schlafzimmern, Kinderzimmern, (Sport-) Vereinen, Kirchen, Schulen, Büros, ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen etc. statt.

Die Täter sind keineswegs “böse”, “fremde” Männer (und Frauen, deren mißbräuchliches Verhalten sich allerdings meist anders, subtiler äußert)  und sie sind auch eher selten so auffällige Menschen wie Weinstein, sondern “ganz normale” Menschen. Das ist eine unangenehme Einsicht, weil sie Fragen an uns alle stellt: Männer und Frauen, Väter, Mütter, Arbeitgeber, PsychotherapeutInnen, Priester … Sigmund Freud hat am Ende seines Lebens einmal sehr skeptisch über seine eigene Berufsgruppe, im Hinblick auf deren mangelnde Bereitschaft sich selbst zu verändern, geschrieben (1937c, GW XVI: 94f): „Es mag sein, daß dieser Vorgang dem Dichter recht gibt, der uns mahnt, wenn einem Menschen Macht verliehen wird, falle es ihm schwer, sie nicht zu mißbrauchen.“ Aber auch das kommt – und nicht so selten – vor! – Dr. Jürgen Thorwart


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Endlich, dachte ich beim Lesen des Zeitartikels von Bernd Ulrich, einmal an prominenter Stelle eine ausführliche Darstellung des Insektensterbens, und die angekündigte Antwort auf die Frage, warum „die Politik“ nichts tut, machte mich neugierig. Aber schnell drängten sich kritische Fragen und Anmerkungen auf: Erstens: Das Insektensterben isoliert zu behandeln, ist eine Verharmlosung der Problematik. Schon seit Jahren ist ein Artensterben katastrophalen Ausmaßes zu beobachten. Die Insekten stehen am Anfang der Nahrungskette, an deren Ende der Mensch steht. Seit Jahren beobachten wir, wie alle Arten, deren Nahrungsgrundlage Insekten sind (viele Amphibien, Vögel, Säugetiere…), immer weniger werden. Spätestens seit dem verdienstvollen Film „More than honey“ haben wir die Bilder der Chinesen, die in Obstbäumen stehen und mit Millionen von Pinselstrichen die Bestäubungsarbeit der ausgerotteten Insekten verrichten, vor Augen. Sind das die Arbeitsplätze der Zukunft!?

Zweitens: Die Frage nach der poltitischen Verantwortung : Der Autor bringt das Kunststück fertig, wortreich das Versagen der Grünen, ihre mangelnde Konsequenz aus Angst vor Stimmenverlusten (negative Erfahrungen aus früheren Wahlkämpfen : 5 DM für den Liter Benzin, „Veggieday“, Vorwurf der Ökodiktatur usw.) zu thematisieren, ohne auf die Rolle von Agrarindustrie und Chemieindustrie, CSU-Landwirtschaftsministerium, Bauernverbanden usw. einzugehen. Wer bestimmt denn seit Jahren die Landwirtschaftspolitik in Deutschland und Europa? Doch nicht die Grünen! Durchgesetzt haben ihre Interessen vielmehr immer wieder die Agrarindustrie und die Agrarchemieindustrie über ihre Lobbyisten und Netzwerke in Ministerien und EU-Bürokratie . Beraten durch deren Vertreter und unter immensem Konkurrenzdruck, spritzt die Landwirtschaft  seit Jahrzehnten tonnenweise Pestizide, Fungizide und Insektizide auf die Felder – Insektizide sind, das sagt schon der Name, dazu da, Insekten zu vernichten.

Muß man sich da wundern, daß „urplötzlich“ 80 % der Insekten verschwunden sind?! Im übrigen werden nicht nur die Insekten vernichtet, sondern auch die so erzeugten Lebensmittel, die Böden und das Grundwasser mit diesen Giften belastet. Wie wäre es, Herr Ulrich, wenn Sie Ihrem Artikel einen zweiten folgen ließen, in dem Sie mit eben dem  Mut und dem Engagement, dessen Mangel Sie den Grünen vorwerfen, die Verantwortlichkeiten für die katastrophalen Fehlentwicklungen benennen und die notwendigen Veränderungen  analysieren? Eine Agrarwende ist notwendig, und es könnte (s. der sich beschleunigende Klimawandel)  demnächst auch dafür zu spät sein, mindestens aber dürfte die Wende immer aufwendiger und teurer werden, je mehr  Vergiftung und Artensterben fortgeschritten sind. – Ingrid Wrase


Leserbrief zu “EU, mon amour“ von Elisabeth Raether

Warum taucht in diesem Text über Europa, das sich vor allem durch gemeinsame Werte wie Frieden, Freiheit und Menschenrechte definiert, am Ende nur die Frage nach dem Geld übrig? Gibt es denn nicht mehr, das uns zusammenhält? Reicht es nicht durch gemeinsame Ziele zusammen zu stehen? Reicht es nicht, befreundet sein? Das bedeutet nicht, dass alle Verwaltung zentralisiert werden muss. Das bedeutet nicht, dass jedes Land dem anderen gleichen soll, dass jedes Land nur den Entscheidungen von Europäischer Kommission und dem Parlament folgen muss. Reicht es nicht, sich auf das Gemeinsame zu besinnen und doch jedes Land selbst über den Alltag entscheiden zu lassen? Ein lebendiges Europa braucht Selbstverwaltung innerhalb der souveränen Nationalstaaten.

Gute Wirtschaftsbedingungen zwischen den einzelnen Mitgliedern zu schaffen, mag auch ein wichtiger Aspekt sein, aber eben nur einer unter vielen. Ich vermisse im Artikel die Gemeinsamkeiten aller Bürger in Europa. Auch gemeinsame Ängste zählen dazu. Trotzdem sollte man es jedem Land oder Landkreis selbst überlassen, wie es diese Probleme angeht. Auch Politiker sind nicht allwissend, warum sollten Europapolitiker über Einzelheiten unseres Alltags bestimmen? Ich bin ein begeisterter Anhänger der EU, allerdings sollten unsere Politiker, also Vertreter des Volkswillen, nicht den Fehler machen, sich für allwissend zu halten. Wenn es nur die Wahl gibt zwischen einem Europa mit kompletter Entscheidung von oben ohne direkte Volksbeteiligung oder von keinem Europa, ist es einfach zu wählen. Warum kann man nicht Europa befürworten und trotzdem Souveränität der Einzelstaaten fordern? In erster Linie dient das Konstrukt Europa doch ihren Bürgern. Dazu gehört auch Entscheidungsfreiheit über die eigene Zukunft. – Bea Riebesehl


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Das als  eine Reaktion auf den Globalisierungsprozess wachsende Bedürfnis nach Bewahrung von Eigenständigkeit ist nicht nur ein europäisches Phänomen. Die in diesem Beitrag bedenkenlose Rechtfertigung der Auflösung staatlicher Strukturen ist m.E. nicht ein  geeignetes Mittel dieses Problem zu lösen. Ist doch ein funktionierender Staat ja gerade die Voraussetzung für den Schutz demokratischer Prozesse (wie auch die alten Griechen schon leidvoll erfahren haben); natürlich gibt es hier eine Konkurrenz der Prioritäten – aber so einfach mit einem Slogan „Europa der Machthaber“ kann man es sich nicht machen. Diese „Machthaber“ sind von uns demokratisch gewählt und legimitiert! – Dieter Wurm


Leserbrief zu „Handeldefizit“ von Cathrin Gilbert im ZEIT Magazin

Sie haben den Zeitgeist treffend beschrieben! Als ich vor 36 Jahren eine Landarztpraxis übernahm, wollte ich nicht mehr abhängig im Krankenhaus arbeiten, wollte Entscheidungen selbst treffen. So sind meine Frau und ich einfach ins kalte Wasser gesprungen, im Vertrauen auf das Erlernte und auf unsere künftigen Patienten. Wir „entschieden“ uns auch für Kinder, ohne genau zu wissen, ob wir für ihre Erziehung ausreichend qualifiziert sind!  Drei Mädchen sind’s geworden, die uns wenig Kummer und viel Freude gemacht haben! Jeden Tag, mit jedem Rezept, muß ich sofort Entscheidungen treffen. Bei jedem Patienten, dessen Ende absehbar ist, muß ich mich für eine Weiterführung oder einen Abbruch der Therapie entscheiden – loslassen ist viel schwerer als disease-management nach Lehrbuch! Dabei hilft nur: was möchte ich, wäre ich in einer vergleichbaren Situation!

Man sollte einem Patienten nicht etwas zumuten, wozu man nicht selbst bereit ist! Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen liegen heute nicht mehr im Trend: lieber im Krankenhaus abhängig oder in einem Ärztezentrum mit geteilter Verantwortung arbeiten! Längst im Rentenalter wünschte ich mir auch jemanden, der, wie ich damals, ins kalte Wasser springt und einfach diese Arbeit der täglichen eigenverantwortlichen Entscheidungen weiterführt – die, ganz abgesehen davon, auch viel Freude macht! Entscheidungen werden heute nicht mehr getroffen, wenn die Zeit dafür reif ist, sondern in Konferenzen und Arbeitskreisen erst einmal hin- und hergeschoben, vertagt und verwässert, bis ihnen am Schluß das „Entscheidende“ fehlt! Verantwortung wird in kleinen Portionen auf möglichst viele Schultern verteilt, bis am Ende keiner mehr für irgendetwas verantwortlich bzw. „zuständig“ ist! Schöne neue, völlig demokratische, Arbeitswelt! – Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Im Beitrag redet der Autor der Einführung von Privatverträgen zur Regulierung sexueller Beziehungen das Wort, unter anderem mit Hinblick auf entsprechende Vereinbarungen in der BDSM-Szene. Dies geht am eigentlichen Ziel der #metoo-Debatte, der Sichtbarmachung und schließlich Verhinderung sexueller Belästigung in Alltagssituationen, meilenweit vorbei. Zentrales Merkmal sexueller Gewalt ist ja gerade dies: Übergriffigkeit. Wie verhindern Verträge den anzüglichen Kommentar auf der Straße, den Griff zwischen die Beine einer Frau im Club, die Vergewaltigung im Wald? Was hindert einen Filmproduzenten daran, weitere privatrechtliche Regelungen im Rahmen eines allgemeinen Beratungsvertrages auszuschliessen?

Im Gegenteil: indem ihr Autor hier eine ausschließlich sexuell definierte Subgruppe (BDSM) zum Maßstab sexueller Beziehungsgestaltung erhebt, fördert er implizit die weitere Sexualisierung der Debatte. Vielleicht sollte man ein entsprechendes Dokument in einer kommenden Ausgabe der Zeit einfach einmal abdrucken, um die Diskussion zu schärfen. Viele wäre überrascht. Wichtiger wäre, gerade Kindern, jungen Frauen und Männern wieder bewusst zu machen, dass Sexualität nicht unseren Alltag und unseren moralischen Kompass definieren darf. Und dass es zwischen Menschen immer eine Grauzone des Verhaltens geben wird, in der man lernen muss zu navigieren. Sex findet dort statt, aber auch Kunst – und Journalismus. Es ist eine Illusion und Testament der Angst, diese Grauzone durch Verträge einhegen zu wollen. – Christof Lenz


Leserbrief zu „Wer braucht Designpädagogen?“ von Manuel J. Hartung

Es gibt definitiv zu viele Studenten und zu viele Studiengänge. Um einen Gesamtüberblick und somit Entscheidungsfähigkeit mit daraus folgender Kompetenz zu erwerben, müssten wir uns in den Schulen wieder darauf besinnen, eine sinnstiftende Allgemeinbildung zu vermitteln. Um nicht elitär zu wirken, senken wir hingegen stetig das Niveau und gefallen uns zunehmend darin, unsere Universalgenies nicht mehr zu lesen und überdenken, sondern sie zu „ficken.“ Je lauter wir über mäßige „Fack-ju-Göte-Gags“ mit unterirdischem Sprachniveau lachen, desto inkompetenter werden wir in Zukunft sein. Das wird dann auch der 20.000. Studiengang nicht mehr ändern. – Bettina Oehmen


Leserbrief zu „Renaissance des Nordens“ von Evelyn Finger

Ist es Unkenntnis oder Verachtung, die Sie dem evangelischen Teil des Christentums entgegenbringen? Ich wundere mich immer mal wieder, wie oft Sie Ihr Ressort unter dem eher evangelischen Titel „Glauben und Zweifeln“ für innerkatholische Auseinandersetzungen und für die Reverenz vor dem derzeitigen Papst nutzen. Aber dass unter dem Untertitel „über die Bedeutung der Reformation für die Deutschen heute“ alles Wesentliche des evangelischen Christentums unerwähnt bleibt, finde ich denn doch so ärgerlich, dass ich dagegen protestieren muss.

Im Unterschied zur katholischen Kirche 1500 Jahre vorher findet sich die Evangelische bei Ihrer langsamen Konstituierung in einer christlichen Gesellschaft vor. Das hat die bekannten Schwächen der Intoleranz gegenüber allen Nichtchristen, der Ineinssetzung von Obrigkeit und Kirchenleitung und der daraus folgenden schwierigen Trennung von Kirche und Staat. Es hat aber auch zur Folge, dass das Evangelische Christentum existentiell bezogen ist auf die zeitgenössische Vernunft und ihre Plausibilität. Mit verheerenden Folgen in der Nazizeit. Mit segensreichen Folgen in der Aufklärung, die in der evangelischen Theologie und Kirche lange vor der katholischen aufgenommen und mit vorangetrieben wird. Mit all den Spannungen, die sich unvermeidlich damit verbinden entsteht so das moderne Konzept eines aufgeklärten oder erwachsenen Glaubens, als einer Chance für das Miteinander der Religionen. In der Humboldtschen Universität ist die Theologie die erste Fakultät und hält innerhalb der Wissenschaft Diesseits und Jenseits, Tod und Leben, Sinnhaftigkeit und Empirie zusammen. Das alles ist heute und für die Zukunft strittig. Es wäre gleichwohl oder eben darum ein paar Ausführungen Ihrerseits wert gewesen.

Die Reformation ist ein Programm der „Demokratisierung“ des Glaubens im Gegensatz zum katholischen Programm einer sakramentalen Kirche, die Anwalt oder gar Verwalter der Offenbarung ist. Das Priestertum aller Glaubenden setzt die Gemeinde in das Recht, über die Lehre ihrer Verkündiger zu urteilen. Damit sie das kann, entwickeln die protestantischen Kirchen und Staaten ein Schul- und Bildungsprogramm, dass es so bisher noch nicht gab und die katholischen Länder unter Zugzwang setzt. Weil die Kirche den Staat zur Bildung seiner Bürger antreibt, ist auch der Religionsunterricht Teil dieser Bildung. So wird die Religion zu dem entscheidenden Integrationsfaktor der Gesellschaft. Mit allen negativen Folgen, die das hat und die sich niemand zurückwünscht. Aber was dann unsere Gesellschaft integriert und wie die Religionen, Überzeugungen, Kulturen gut zusammengehalten werden können, ist eine Frage, über die es unter den Folgen der Reformation nachzudenken gilt.

Mir fehlt in Ihrem Artikel die Freiheitsthematik. Die Reformation setzt die Freiheit des vor Gott geklärten Gewissens gegen die Macht der Institution und protestiert gegen die Gewalt in Gewissens- und Überzeugungsfragen. Auch hier wieder: die Evangelischen Kirchen und Staaten haben ziemlich bald dieses eigene Anliegen wieder vergessen. Aber ihre zentrale Botschaft ist es dennoch. Wie ist das heute mit Freiheit und Wahrheit, mit Fake News und Transparenz, mit Freiheit und Zusammenhalt der Gesellschaft? Es geht auch nicht um eine Renaissance – also Wiedergeburt – des Nordens, wie der Titel Ihres Artikels behauptet. Sondern es geht um einen damals neuen Geist Nordeuropas, mit entscheidenden Impulsen auch für Nordamerika. Wo ist er geblieben?

Ich finde es unangemessen, das evangelische Pfarrhaus nur als Problem zu skizzieren und als Geburtsstätte der Kritiker des Christentums. Es hat über die Jahrhunderte viele heilsame und wichtige Impulse in die Gesellschaft hinein freigesetzt. Es hat diese Kirche in ihrer gesellschaftlichen Offenheit durch die Jahrhunderte am Leben erhalten und mit dazu beigetragen, dass wir nicht vom Priestermangel nahezu zerstört werden. Ich verstehe nicht, dass die Musik von Ihnen völlig unerwähnt bleibt. Die Choräle, der Gemeindegesang, die Oratorien, die bis heute Kultur prägen. Ich könnte Ihnen evangelische – auch katholische – Dichter und Schriftsteller nennen, die aus ihrem Glauben heraus bis heute glaubwürdige Zeugen gegen Diktatur, Nationalsozialismus, Faschismus und anderes Unrecht sind.

Und dass die Evangelischen nicht feiern können, kann nur behaupten, wer den rheinischen Karneval für die einzig mögliche Form des Feierns hält. Ich bin ein (pensionierter) evangelischer Kirchenmann, (der allerdings auch 2 Jahre katholische Theologie studiert hat). Ich weiß um viele Schwächen meiner Kirche. Und ich erwarte nicht, in der ZEIT fromme Hofberichterstattung zu lesen. Aber dass zu dem genannten Untertitel die zentralen evangelischen Anliegen gar nicht auftauchen, ist mir denn doch ärgerlich. Stattdessen wird ein katholischer Ministerpräsident sehr weitschweifig zum Zeugen für einen fragwürdigen evangelischen Feiertag gemacht und wieder der Papst ausführlich problematisiert. Ja, die Zukunft schaffen katholische und evangelische Christen nur gemeinsam. Sie sind dafür auf einem guten Weg. Aber Ihre Unkenntnis oder Verachtung für die Evangelischen hilft dabei nicht. – Klaus Kasch


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Mehr als 80 % der Mitglieder des spanischen Senats unterstützen die Maßnahmen der spanischen Regierung gegen eine Abspaltung der autonomen Region Katalonien. In Deutschland verfolgt die Bayern Partei, die bei den letzten Landtagswahlen gut 2 % der Wählerstimmen erhalten hat, eine Abspaltung. Rechtens könnte dies nur geschehen, wenn das gesamte deutsche Volk zuvor in freier Entscheidung beschlossen hätte, dass das Grundgesetz seine Gültigkeit verliert und eine neue Verfassung von vornherein ohne das Bundesland Bayern in Kraft tritt oder danach Bayern eine  Abspaltung gestattet (Art. 146 GG). Solange das Grundgesetz in Kraft ist, bestimmt Art. 20 den Fortbestand als Bundesstaat einschließlich des in der Präambel namentlich genannten Bayern. Artikel 20 GG kann gemäß Art. 79 GG nicht mal mit jeweiliger zwei Drittel Mehrheit von Bundestag und Bundesrat geändert werden.

Gegen jeden, der es unternimmt,“ diese verfassungsmäßige Ordnung „zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“ Vorrangig andere Abhilfe kann gemäß Art 37 GG wie folgt geschaffen werden: „Wenn ein Land die ihm nach dem Grundgesetz … obliegenden Bundespflichten nicht erfüllt, kann die Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrats die notwendigen Maßnahmen treffen, um das Land im Wege des Bundeszwanges zur Erfüllung seiner Pflichten anzuhalten.“ Wer die Bundesregierung in einer solchen Situation unterstützt, stellt sich nicht gegen die Demokratie, sondern ist Demokrat. – Frank Müller-Thoma


Leserbrief zu „Auf dunklen Ledersofas“ von Iris Radisch

Warum nur, frage ich mich als 75-jährige, regt sich alle Welt über dieses Verhalten von Chefs – in welcher Eigenschaft auch immer- , auf? War das nicht seit Adam und Eva so, daß im günstigsten Fall der männliche Teil der Gesellschaft um den weiblichen geworben hat, im ungünstigsten seine Macht mißbraucht, um sein Ziel zu erreichen? Solange es Menschen gibt, wird sich daran nichts ändern, gleichgültig, welche Vorschriften, Gesetze oder Maßnahmen erlassen werden. Da hilft nur eins: Frau muß – und zwar jede einzelne und immer wieder – Angriffe jeglicher Art abwehren.  Solange es aber „Schwestern“ gibt, die sich das gefallen lassen oder sogar diesen Weg für ihre Karriere wählen, werden die Streitbaren die Verliererinnen sein. – S.C. Baumgartner


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Danke für den informativen und ausgewogenen Artikel zu einem so wichtigen Thema ! Wir haben in unserem Kleingarten das Motto: einfach mal wachsen lassen. Das Ergebnis war überraschend schön : es wuchsen viele Wildblumen wie z.B. Disteln, Margeriten, weißer Klee, Schafgarbe, Bechermalven  und Nachtkerzen. Und mit den Blumen kamen die Hummeln und Bienen und viele andere Insekten, in  keinem der Nachbargärten war soviel los wie bei uns. Natürlich müssen die großen Probleme wie Pestizideinsatz, Massentierhaltung und Monokulturen so schnell wie möglich angegangen werden. Aber es kann auch jeder Gartenbesitzer etwas für die Insekten tun. Es wäre allerhöchste Zeit! – Katja Freund


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Ausgerechnet unter dem Titel „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ oder (siehe auch insbesondere „Ein ökologisches Armageddon“ – 18.10.2017) werden Sie elementaren Qualitätsstandards untreu und vervielfältigen einfach, was anderenorts zuvor berichtet wurde. Vorab: Ich mache mir Sorgen um das Insektensterben, insbesondere auch das Bienen- und Hummelsterben und ja auch das weiterer Insekten. Heuristisch beobachte ich das auch selbst. Die „Untersuchung in Schutzgebieten“ ist nun aber keine Vergleichsstudie. Die 63 (! Es sind wirklich so wenige !) Fallen wurden in keinem einzigen Fall wiederholt an derselben Stelle aufgestellt. Als erste wissenschaftliche Quelle, die die Untersuchung einer wissenschaftlichen Würdigung unterzieht, sei Ihnen Herr Gigerenzer – der „Risiko“- und Statistik-„Papst“ in Deutschland empfohlen. Er hat inzwischen zum zweiten Mal berichtet: http://www.rwi-essen.de/unstatistik/72/ .

Fragen Sie doch mal Herrn Gigerenzer, was er zu Ihren Artikeln sagt. Er ist ja – offensichtlich eher in anderen Ressorts – gerngesehener Gast in Ihrem Haus. Ich möchte Sie herzlich ermutigen dies zum Anlass zu nehmen, vermeintliche Fakten (hier stammen sie ja von Zeitungen – die Untersuchung selbst stellt keinerlei seltsame Behauptungen auf) grundsätzlich immer zu prüfen! Dies sollte Ihr Anspruch sein. Der klassische Weg wäre es – schlicht einmal die Studie selbst querzulesen. Ich würde mir wünschen, genau das weiterhin von Ihnen erwarten zu dürfen. Gestatten Sie mir noch den Hinweis, dass Sie eigentlich vor einem derartigen Bericht die Faktengrundlage anhand zweier voneinander unabhängiger originärer Quellen prüfen müssen.

Der Effekt, den Sie somit erzielen ist in mehrfacher Hinsicht sehr gefährlich. Ausgerechnet einem elementaren Nachhaltigkeitsthema erweisen Sie einen solchen Bärendienst. Zudem: Nehmen Sie sich ein Beispiel an der NY Times, die Kritik unterm dem unsäglichen #FakeNews mit einer beispiellosen qualitätsoffensive begegnet. Es ist auch Ihre Journalistische Verantwortung, die Standards mehr denn je hochzuhalten. Durch Ihre guten Verkaufszahlen und Reichweite haben Sie nämlich die seltene Chance mehr als Ihre kostenfreien ausschließlich werbefinanzierten Kollegen dem Trend zum unreflektierten „retweet“ zu trotzen. – D. Feuerbach


Leserbrief zu „Wir statt Gier” von Uwe Jean Heuser

Natürlich ist alles in Ihrem Artikel hoch plausibel. Wenig praktikabel erscheint es hingegen, das gesamte Wirtschaftsvolk nun einem Meditationstraining zu unterziehen. Billiger wäre es, wenn unsere Ökonomen einsähen, dass sie seit vielen Jahrzehnten das Wirtschaftsvolk falsch indoktriniert haben, weil ihre grundlegenden Theorien auf einem grundlegenden Irrtum beruhen: dem Irrtum nämlich, dass die Freiheit und Rationalität ihres Homo oeconomicus nicht Unabhängigkeit bedeuten muss, sondern auch in freiwilliger Abhängigkeit bestehen kann. Dann wäre die im Artikel beschriebene, so selbstverständliche Kooperation nicht ein nur schwer zu erreichendes theoretisches Mysterium, sondern ein ganz selbstverständliches individuelles rationales Optimum. Und das lässt sich ebenso in die von den Ökonomen so geliebten spieltheoretischen Formeln gießen wie ihre unzulängliche, aber leider festgefahrene Orthodoxie. – Prof. Dr. Wolfgang Spohn


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Vielen Dank für den großartig formulierten, deutlichen Artikel! Von solchen klar fordernden Texten brauchen wir mehr! Nicht nur dass Sie die Politik,sondern auch jeden Bürger ansprechen auf sachlich und auch emotional adäquate Art und Weise, finde ich sehr gelungen! Naturschutz muss dringend eine viel größere Rolle in Medien und Politik spielen, auch wenn es ein unbeliebtes, unbequemes und auch leider für viele vermeintlich uninteressantes Thema ist! Bildet doch die Natur die Grundlage unser ganzes Leben…ist Grundstein unserer Existenz…und in unserer Bequemlichkeit wollen wir uns nicht bewusst machen, welche Konsequenzen unser Treiben hat… die sozialen und finanziellen Dimensionen werden von uns gekonnt verdrängt…(Wollen wir steigende Wasserkosten aufgrund zunehmend komplexer werdenden Reinigungsprozesse?

Wie will die Landwirtschaft ihre Erträge halten, zertört sie doch ihre eigene Grundlage? Wer soll später für die Folgekosten der zunehmenden Wetterextreme aufkommen? Wohin sollen die Hungerflüchtlinge ziehen? Wie sollen die Konflikte um Wasserarmut ausgetragen werden? ….?) Es ist sehr unpopulär sich mit diesen Fragen zu beschäftigen – schieben wir die Verantwortung also einfach weg und machen einfach weiter wie bisher… Rütteln Sie bitte uns und unsere Poliitker auf – am liebsten jede Woche – beharrlich und unerbitterlich! Infizieren Sie uns und alle Verantwortlichen, die etwas bewegen können! Wir müssen von unserem Ross der Bequemlichkeit endlich runter! Traut euch Politker! Und wagt es euch doch einmal gegen die Wirtschaftsinteressen zu stellen! Vermutlich tun sich dann ganz neue Wege auf – neue populäre wirtschaftliche Türen!! Traut euch! – Julia Otten


Leserbrief zu „Für Katalonien!“ von Alexander García Düttmann und Christoph Menke

Zu den Unabhängigkeitsbestrebungen eines Teils der katalonischen Bevölkerung habe ich keine Meinung. Dazu fehlen mir Wissen und Informationen. Zu einem Beitrag wie jenem der Herren Düttmann und Menke habe ich aber sehr wohl eine Meinung: Ich frage mich, wie ein dermaßen schwacher, unreflektierter, undifferenzierter, unkritischer, keinem dialektischen Denkgebot folgender, einseitiger Propagandatext an der Redaktion einer Qualitätszeitung vorbei ins Blatt gelangen kann: Wer nicht bedingungslos die Geltung eines verfassungswidrigen und mit Gerichtsurteil als illegal gebrandmarkten Votums von nur 42% der Stimmberechtigten als verbindliche Richtlinie für die Zukunft Kataloniens anerkennen möchte, wird da nicht nur als Feind der Region, sondern allen Ernstes als Gegner der Demokratie denunziert.

EIne nur einigermaßen differenzierte Betrachtung des Problems müßte man sich sehr vielen Fragen stellen, hier nur drei Beispiele: Da die spanische Verfassung demokratisch legitimiertes Gesetz Kataloniens ist, und da jedes Erkenntnis des Verfassungsgerichts folglich auch in Katalonien ein demokratisch legitimierter Rechtsspruch ist, muß man sich zumindest kritisch mit der Frage auseinandersetzen, ob nicht die Veranstaltung des Votums selbst ein flagranter Angriff auf die Demokratie war. Dafür spricht leider sehr vieles. Aber selbst dann, wenn eine gewissenhafte Prüfung diese Frage verneinen wollte, wäre wohl – als zweite Frage – eine Abwägung zwischen den durchaus gleichwertigen Gütern Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, gesellschaftlicher und sozialer Friede vorzunehmen gewesen. Und als dritte Frage hätten kritische Autoren zu prüfen gehabt, ob das Votum nicht schon deshalb aus demokratischer Sicht irrelevant sein muß, weil ja alle gesetzestreuen Einwohner Kataloniens an der vom für Katalonien zuständigen Verfassungsgericht untersagten Abstimmung naturgemäß nicht teilnehmen wollten und konnten. – Keine dieser Fragen wird von den Herrn Düttman und Menke auch nur gestreift.

Stattdessen wird die brachiale Vorgangsweise der katalonischen Regierung als Sauerteig der Demokratie glorifiziert und die Gegener derartiger Verfahren als Feinde Kataloniens und der Demokratie diffamiert. Wenn sich StudentInnen in Berlin und Frankfurt solche Lächerlichkeiten von ihren Professoren gefallen lassen, ist das ihre Sache. Als Leser der Zeit erwarte ich mir, daß derartig schwache Denkleistungen von der Redaktion zur Verbesserung zurückgereicht werden: Die Politik ist nur demokratisch, wenn sie bereit ist, über Grenzziehungen zwischen ihrem Innen und ihrem Außen zu reflektieren und zu verhandeln, ihr Selbstverständnis also als ein dynamisches zu begreifen. – Läßt sich irgendjemand von raunendem Geschwurbel dieses Zuschnitts beeindrucken? – Sven Hartberger


Leserbrief zu „Lebt wohl“ von Stefan Schmitt und zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Der Artikel von Herrn Schmitt zitiert Daten aus Untersuchungen des entomologischen Vereins Krefeld aus den Jahren 1989 und 2016 mit einem Rückgang der gefangenen „Insektenmasse“ von 76 %. Die erwähnten Daten aus Meßreihen während  27 Jahren dazwischen werden jedoch nicht beschrieben bzw. analysiert, ebensowenig wie die Anzahl der Messstellen („in Schutzgebieten“) sowie deren inhaltliche und statistische Relevanz (z.B. Zustandsänderungen dort seit 1989? Übertragbarkeit?). Schmitt kommentiert dies mit „..ist also die Datenlage insgesamt noch ziemlich dürftig“. Dem ist – als interessierter jedoch nicht fachkundiger Leser des Artikels  – offensichtlich nichts als Dank für die offenen Worte hinzuzufügen. Allerdings fragt sich, welchen Zweck die dann folgende, anekdotische Beweisführung („…Einzelbefunde beunruhigend“) hat. Immerhin werden – als caveat? – weitere Quellen benannt (Klein) die schlußfolgern, daß „..die Befunde … nicht übertragbar seien.“ und „..für die Ursachenforschung taugen sie nur begrenzt“. Eine weitere Quelle (Settele) wird ähnlich zitiert („…Details der Landnutzung…lagen nicht vor…Aussagen diesbezüglich nicht möglich…“). Schmitt folgert richtig: „Bloß fällt es schwer, die Ursachen dingfest zu machen“. Dabei scheint das Thema doch sehr wichtig zu sein.

Herr Ulrich hat möglicherweise den Artikel von Herrn Schmitt nicht gelesen und/oder die dort widergespiegelten Zweifel reflektiert. Ein einziger Satz seines Artikels berührt Zahlen, Daten und Fakten (besagte 76 % Rückgang der eingefangenen Insektenmasse), der Rest ist eine Extrapolation und, Pardon, gewagte Eskalation auf dünner Basis: „..galoppierende deutsche Ökokatastrophe…“, „…Insektensterben ein dramatisches Demokratieproblem“, „Was ihn (Kretschmann) zerreißt ist der Widerstreit zwischen Demokratie und Ökologie.“ usw., usw. Diese Eskalation führt zum Postulat „Ökologische Politik muss darum immer mehr zur einer Art Generalprophylaxe auf empirisch wackliger Grundlage greifen“. Abgesehen davon, daß Empirie allein hilfreich aber nicht hinreichend für einen wissenschaftlichen Nachweis ist: Da wird man als Leser sprachlos! „Empirisch wacklige Grundlage“ als Maxime eines allgemeinen Gesetzes („Generalprophylaxe“)? Nur für die Ökologie? Oder auch in anderen Lebensbereichen? Wohin führt das? – Dr.-Ing. Werner Struth


Leserbrief zu „Sabine, 52, heiratet Mahmoud, 25. Sie stammt aus Leer in Ostfriesland, er aus Damaskus in Syrien. Kann das Liebe sein?“ von Martina Kix und Paula Markert

Ich lese in dem Artikel von Martina Kix „… In diesem Sommer, als Sabine wieder mal heimlich Mahmouds Handy kontrolliert, sieht sie es: Er hat mit anderen Frauen gechattet….“ Was veranlasst ein Medium wie die ZEIT solche Texte zu drucken? Solche Berichte groß aufzumachen, in denen ein Frauenbild gezeigt wird, das in islamischen männlichen Kreisen als Bestätigung ihrer Ansichten dienen kann und sie darin bestätigt, Frauen entsprechend zu behandeln? – Sonja Bankwitz


Leserbrief zu „»Erst Arbeit macht dich zum Menschen«“ von Moritz Aisslinger

Seit Beginn der Flüchtlingskrise bin ich, wie viele andere Mitbürger auch, engagiert, um den Menschen, die vor Not und Elend geflohen sind, zu helfen und Ihnen möglichst Perspektiven bei uns in Deutschland zu eröffnen. Aus meiner Sicht ist die Frage, ob Flüchtlinge eine angemessene, normal bezahlte und sozial abgesicherte Arbeit erhalten, ein Kernthema hinsichtlich einer gelingenden Integration. Von daher hat mich der im Beteff genannte Artikel sehr interessiert. Zweifllos wird die Situation der Menschen, die da zu uns gekommen sind, häufig in unzulässiger, teilweise unethischer Weise ausgenutzt. Nach vielen Erfahrungen, die ich selber erlebt habe, oder die mir von Freunden berichtet wurden, habe ich jedoch den Eindruck gewonnen, dass die Berichterstattung und Diskussion, nicht zuletzt mit Bezug auf Arbeit für Flüchtlinge duchaus ergänzungsfähig ist. So fehlt mir, offen gesagt, zunehmend Engagement auf Seiten betroffener Flüchtlinge, außerdem habe ich immer wieder von m. E. überzogenen Forderungen gehört bzw. diese selber erlebt. Beispiele:

* Ein befreundete Familie nimmt eine syrische Familie auf, die deshalb nicht in die Notunterkunft muss. Eine Begebenheit: der gebraucht Kinderwagen „geht gar nicht“, es muß unbedingt ein neuer sein.

* Alleinreisende Jugendliche aus einer Gemeinschaftsunterkunft auf dem Land bekommen verschiedene Freizeitangebote, u. a. können Sie eine nahegelegene Fitness-Einrichtung nutzen. Zunächst möchten Sie unbedingt dieses Angebot warhnehmen, die nahegelegene Möglichkeit ist ihnen aber nicht gut genug, zu altmodisch, sie möchten in die nächste Stadt. Die dafür angebotenen Fahrräder werden abgelehnt, stattdessen wird Taxitransport verlangt.

* Anderen Jugendlichen werden große, neu eingerichtete Zimmer angeboten – Schönheitsfehler: kein WLAN, die Zimmer werden abgelehnt, allerdings nach Hinweis auf eine alternative Unterbringung in einer Notunterkunft doch noch „akzeptiert“.

* Ich selber habe über die Zeit rund einem Dutzend Flüchtlingen, denen ich im Rahmen meiner Tätigkeiten begegnete, Angebote gemacht, ein Praktikum in meinem Büro zu machen. Mein Gedanke dabei war und ist, der häufig geäußerten Langeweile und der ebenfalls geäußerten, zu geringen Deutsch-Übungsmöglichkeit entgegen zu wirken, PC-Kenntnisse zu erwerben und ggf. über Projekte in Arbeit zu kommen. Das Interesse war bei den meisten sehr groß, zumindest solange, wie ich zu Gesprächen einlud, Exkursionen organisierte, etc. In dem Moment, wo ich darum bat, mit Praktikumsarbeiten zu beginnen, erlosch das Interesse der Beteiligten immer umgehend.

* Der ggb. Flüchtlingen immer wieder wiederholte Hinweis, wie wichtig Deutsch lernen sei, auch im Rahmen des TV-Konsums, etc., wurde meist –  nicht immer – mit Antworten beschieden wie: der Unterricht sei zu schlecht, es gäbe keine Anwendungs- bzw. Übungsmöglichkeiten, man hätte soviel zu tun, es würde sicher auch ohne oder mit weniger gehen oder schlicht man sei zu alt bzw. „zu dumm“.

* Meine Erfahrungen in einer ehrenamtlichen Fahrradwerkstatt waren ähnlich. Die Idee, teilzunehmen, ebenfalls mitzuhelfen (gegen Langeweile, zum Üben der deutschen Sprache, Kompetenzen im Rad reparieren erwerben, das eigene Rad fit machen) sind bislang auf keinerlei Echo gestossen.

Derlei Beispiele gibt es noch viele. Wie meine Freunde und Bekannte, sind meine Frau und ich der Meinung, dass derartige Erfahrungen an sich nicht nach draussen gelangen sollten, da sie eher Wasser auf z. B. AfD-Mühlen wären. Als langjähriger und sicher auch künftiger Grünenwähler habe ich die Frage des mglw. fehlenden Engagements auf Seiten von Flüchtlingen und wie dieses befördert werden könnte, bei einer Bundestagswahlkampf-Veranstaltung von B90/Die Grünen vorgebracht; Ergebnis: „Dazu wissen wir auch nichts.“ Fazit: Es gab und gibt glücklicherweise viel Engagement, auch um Flüchtlinge in Lohn und Brot zu bringen, wobei es zweifelsohne ebenso viel Mißbrauch gibt. M. E. bedarf es aber auch durchaus mehr Engagement auf Seiten von Flüchtlingen. Auch wenn dieser Punkt zweifelsohne nicht an einer Handvoll Beispielen festzumachen und zu verallgemeiner ist, würde ich mich freuen, wenn es in den Medien eine Diskussion gelingender Beispiele in dieser Richtung – die es sicher auch gibt – gäbe. – Dr. Lars Wohlers


Leserbrief zu „Plündern als Prinzip“ von Angela Köckritz

„In Interviews mit mehreren kongolesischen Parlamentsabgeordneten, so zeigt eine Studie, gaben diese ohne Ausnahme zu, sich ihrer Aufgabe „wegen des Gehalts“ angenommen zu haben, „aber auch, um zu netzwerken und geschäftliche Deals abzuschließen“. So steht es in dem Artikel (Zeit Nr. 44/2017, S. 30). „Typisch Afrika?“ fragt der Untertitel. Nein. Zu Deutschland fallen mir da Namen ein: Matthias Wissmann, Dirk Niebel, Gerhard Schröder. Diese und möglicherweise ein paar mehr dürften bei ihrer parlamentarischen Tätigkeit auch ans netzwerken zum eigenen Wohl gedacht haben. – Christine Herrmann


Leserbrief zu „Über Sexismus und das Ende der Kunst“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ich finde es erheiternd, erfrischend und mutig zugleich, wie sie über das Thema schreiben. Der Artikel hat mir das Wochenende gerettet. Sie werden bestimmt viele Drohbriefe kriegen von verklemmten Zeitgenossen. Weiter so. – Max Weber


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Das wurde aber auch höchste Zeit, liebe ZEIT, dass sich eine große Zeitung endlich des Themas ’Insektensterben‘ annimmt und hoffentlich doch den ein oder anderen Leser mit dem gelungenen Artikel wachrüttelt. Schon seit ein paar Jahren bemerken wir als Umweltpädagogin und Hobbyornithologin diese Entwicklung, um wieviel stiller es draußen geworden ist. Insbesondere in diesem Frühjahr ist uns der rasante Rückgang der heimischen Vögel, auch von ansonsten häufig vorkommenden Arten wie Schwalben, Feldlerchen und Schwarzkehlchen schmerzlich bewusst geworden. Und auch der Rückgang der Insekten hat sich auf’ das Dramatischste  gezeigt, wenn die Schüler bei umweltpädagogischen Veranstaltungen immer weniger Arten und immer weniger Individuen auffinden können. Was uns jedoch die ganze Zeit über sehr sehr erstaunt hat, ist, dass niemandem dieser Verlust aufzufallen oder zu beunruhigen scheint, obwohl doch draußen schon fast ein Szenario wie ‚der stumme Frühling‘ zu beobachten ist.Darum danke sehr für Ihr Titelthema.

Die Entwicklung der Insekten lief parallel zu der der Blütenpflanzen. Diese Co-Evolution hat die Insekten während der letzten 570 Millionen Jahre(!) so ungemein erfolgreich und vielfältig gemacht. Wenn die Menschen es schaffen innerhalb von 20 Jahren die Bestände zu 75 % zu reduzieren, werden die übrigen letzten 25 % wohl auch in den nächsten vier bis fünf Jahren verschwunden sein. Da aber mehr als 70 % unserer Obst- und Gemüsepflanzen von der Bestäubung durch oftmals spezialisierte Insekten abhängig sind, hätten wir neben der ökologischen auch eine ökonomische Katastrophe. Daher sollte jede Frau und jeder Mann sich überlegen, welchen Beitrag er oder sie zu einer nachhaltigeren Lebensweise leisten kann, die die Umweltbelastungen reduzieren würden. Die Möglichkeiten sind vielfältig, z.B. bei Kaufentscheidungen vermehrt nachhaltig erwirtschaftete Produkte kaufen, einen naturnahen Garten  mit heimischen Pflanzen und vielerlei Strukturen gestalten entgegen der ansonsten beliebten Rasen-Sterilität, weniger Fleischkonsum, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Aber einen besonderen Appell zu dringendem Handeln und sofortigen Gegenmaßnahmen möchten wir an alle Verantwortlichen in Wirtschaft genauer gesagt Landwirtschaft und Politik richten. Bitte verzichten Sie sofort auf alle Stoffe, die auch nur im Verdacht stehen könnten, das Insektensterben zu verursachen und geben Sie diese erst wieder frei, wenn durch unabhängige wissenschaftliche Belege erwiesen ist, dass diese den Rückgang der Insekten nicht zu verantworten haben. Neben der Gewinnmaximierung ihres Unternehmens sollten die Manager der großen Agrarkonzerne sich nicht der Verantwortung für künftige Generationen entziehen dürfen!!!! Zum Schluß noch eine Bitte an die ZEIT bzw. an die verantwortlichen Macher der ZEIT-Akademie. Bitte verlegen Sie eine neue Ausgabe der ZEIT-Akademie zum Thema ‚Natur, Ökologie, Naturschutz und nachhaltiges Leben‘. Nur wenn die Zusammenhänge in der belebten Natur so vielen Menschen wie möglich näher gebracht werden, kann über ein solches möglichst breit aufgestelltes Wissen Natur- und Umwelterhalt ein gesellschaftliches Anliegen werden. – Sybille Drenker-Seredzus und Sabine Jüttner


Leserbrief zu „»Ich bin ein alter Clown«“ von Petra Kipphoff

Im Feuilletonartikel über die Bremer Beckmann Ausstellung erwähnen Sie auch das Werk „Argonauten“ und schreiben, dass dieses die Reise des Odysseus und seiner Gefährten zur Rückeroberung des Goldenen Vlieses zum hintergründigen Anlass hat. Odysseus hat mit der Argonautensage nichts zu tun, der Anführer der Agronauten war Jason. – Dr. Peter Güldenpfennig


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Endlich!!!! Seit Monaten wartete ich auf einen Aufschrei in der ZEIT. Jetzt steht als nächster dringlicher Schritt der Aufruf zu einem Bürgerbegehren an, das die Politik in die Pflicht nimmt, unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der wenigen noch lebenden Insekten einzuleiten. – Manuela Herzog


Leserbrief zu „Die Macht des Dinosauriers“ von Nadine Ahr et al.

Widerstand lohnt sich – zwei weitere Lehren aus dem „Fall Weinstein“

Die Selbstverständlichkeit, mit der der US-amerikanische Filmproduzent Harvey Weinstein über Jahrzehnte hinweg Frauen sexuell misshandelte und sogar vergewaltigte, zeigt beispielhaft das Sexismus auch in der modernen westlichen Gesellschaft zu genügen vorhanden ist. Aber abgesehen von dem Scheinwerfer auf dieses Thema können zwei weitere Lehren aus dem „Fall Weinstein“ gezogen. Zunächst eine erschreckende Erkenntnis: Auch in einer demokratischen Gesellschaft können sich problemfrei autokratische Parallelwelten bilden, in denen selbstherrlich Tyrannen willkürlich die Regeln bestimmen dürfen. Weinstein konnte über Jahrzehnte die Intimsphären von Schauspielerinnen verletzen, ohne das ihm dies schadete. Weltberühmte Regisseure und Drehbuchautoren wie Quentin Tarantino und Scott Rosenberg wussten davon. Aber keiner kritisierte Weinberg dafür. Eine Zusammenarbeit deswegen einzustellen kam erst Recht nicht in Frage.

Weinstein konnte tun und lassen was er wollte, weil er in der umkämpften und konkurrenzgeladenen Fernsehindustrie von Hollywood alles hatte, was ein Alleinherrscher braucht. Erfolg (81 Oscars für seine Produktionen), Geld (über seine Produktionsfirma Weinstein Company) und einen hervorragend Ruf als Förderer von Talenten. So schaffte er Abhängigkeitsnetze, die keiner auch nur zu hinterfragen wagte. Hinzu kam die Unterstützung für die demokratischen Präsidentschaftskandidaten und sein Wunsch nach einer weiblichen Präsidentin. Fertig war der Schein des respektierten Mäzens, der jedoch hinter der Fassade nach Belieben einen Markt dominiert und sich Wort wörtlich alles nahm was er wollte. Erschreckend am „Falle Weinstein“ ist, dass diese Parallelwelt fasst unbemerkt bestand.

Zurückzuführen ist dies auch auf den Umgang Weinsteins mit seinen Kritikern. Wer es wagte ihn zu Kritisieren, wurde kaltgestellt und hatte auch bei der Konkurrenz keine Chance mehr. Wer nicht für mich ist, ist nichts. Davon träumen wohl die Herren Orbán und Kacyinski, während sie allmählich alle politische und ökonomische Macht auf sich vereinen. Der „Fall Weinstein“ muss daher als Warnung verstanden werden, dass sich auch in einer Demokratie jederzeit autokratische Systeme bilden, die den demokratischen Grundgedanken des freiheitlichen Miteinanders untergraben.

Die zweite Lehre ist hingegen eine Positive. Widerstand, auch noch so kleiner, lohnt sich. Es hatte immer wieder Berichte gegeben, dass Weinstein übergriff geworden war. Allerdings dauerte es bis Anfang Oktober 2017, dass das Thema in konzentrierte mediale Aufmerksamkeit erhielt. Auf einen Zeitungsbericht der New York Times hin meldeten sich Opfer Weinsteins. Sie fassten den Mut sich gegen das Machtnetzwerk zu stellen und nahmen mögliche berufliche Nachteile in Kauf. Nur durch ihre persönlichen Geschichten erreichte das Thema bis Mitte Oktober die Weltöffentlichkeit und löste die #metoo Kampagne aus. Das Machtkonstrukt von Harvey Weinstein brach in wenigen Tagen wie ein Kartenhaus zusammen.

Hierüber konnten sich die ersten Opfer, die sich öffentlich bekannten nicht sicher sein. Allgemeine Vorwürfe und Gerüchte über Weinstein hatte es schon in den Jahren davor gegeben. Diese hatten ihn aber nie zu Fall gebracht. Die Schauspielerinnen leisteten tatsächlichen Widerstand gegen ein mächtiges System und stießen so dessen Verfall an. Der Fall zeigt somit auch, dass Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Willkür Erfolg haben kann und Änderungen bewirken kann. Er ist geradezu eine Ermutigung Widerstand gegen diese Systeme zu leisten, da konkret gezeigt wurde, wie schnell ein anfangs übermächtiges Konstrukt in sich zusammenfallen kann.

Der „Fall Weinstein“ hat den abstrakten Vorwürfen des Sexismus in der Gesellschaft ein Gesicht gegeben. In der Filmindustrie, und hoffentlich auch darüber hinaus, wird als Folge der Sexismus in seiner Quantität und in seiner Qualität als alltägliches Phänomen zurückgehen. Darüber hinaus dient der „Fall“ auch als Warnung davor, dass willkürliche und tyrannische System jeder Zeit um uns herum entstehen können oder bestehen, aber das diese nicht als gesetzt angesehen werden müssen, sondern durch Widerstand in die Knie gezwungen werden können. Mut zum Widerstand – denn Widerstand lohnt sich. – Florian Kriener


Leserbrief zu „Renaissance des Nordens“ von Evelyn Finger

Gerne würde ich glauben, dass Deutschland rechnerisch eher christlich als dem Fußballgott gläubig ist. Dass nur 436000 Stadienbesucher gezählt werden, liegt auch daran, dass einige Stadien ausverkauft sind. Dass in den Kirchen nicht genug Platz ist, kommt leider nur Heiligabend oder gestern im Reformationsgottesdienst vor (aber wann ist man auch schon mal zu einem 500sten Geburtstag eingeladen). Zählt man noch die Fernsehzuschauer hinzu, sieht es für den Fußballgott noch besser aus. Sport Bild hatte Sky-Zuschauerzahlen aus  2011 nur für die Bundesligisten von 5,74 Mio ermittelt. Im Vergleich dazu hat der Tagesspiegel am 18.2.2012 die durchnittlichen Zuschauerzahlen der Fernsehgottesdienste in 2011 mit 680.000 beziffert. Aktuellere Daten könnte ich auf die Schnelle nicht finden. Aber zum Reformationstag sei es den aktiven Gläubigen gegönnt, sich in der Mehrzahl zu wähnen. – Anke Gresbrand


Leserbrief zu „Regelt den Verkehr!“ von Lars Weisbrod

Können Verträge wirklich helfen? In jeder Beziehung zwischen Menschen müssen Regeln etabliert und Grenzen gezogen werden. Dies geschieht durch Kommunikation. Darf ich die Butter meines Mitbewohners benutzen, weil ich vergessen habe einzukaufen? Darf ich mit meiner Freundin spezielle sexuelle Praktiken durchführen? Solche Dinge wurden im besten Falle explizit besprochen, häufiger kann man sich aus bereits bestehenden ungeschriebenen Regeln eine Regel für den Spezialfall ableiten. Menschen sollten offen darüber reden, wie sie ihr Zusammenleben gestalten wollen. Anscheinend geschieht dies nicht immer. Der Vertrag soll jetzt der Ausgang des Menschen aus der selbst verschuldeten Sprachlosigkeit sein. Da einige Menschen es nicht schaffen über das zu reden, was sie wollen und was sie nicht wollen, soll der Vertrag das Gespräch ersetzen. Ist es so schwer zu kommunizieren, was man möchte und was nicht? Es gibt tatsächlich Frauenzeitschriften, die Beiträge mit dem Titel „Wie sage ich meinem Partner, dass …?“ beinhalten. Offensichtlich haben die Leserinnen solcher Beiträge die Fähigkeit zur klaren Kommunikation verloren. Ob diese Frauen dann einen Vertrag aufsetzen könnten bleibt abzuwarten. Vielleicht müsste man zuerst bei diesen Frauen ansetzen, damit sie wieder befähigt werden ihre Meinung zu äußern und anschließend durchzusetzen. Dies ist noch aus einem zweiten Grund sinnvoll:

Der Vertrag wäre das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben würde. Es gibt immer Menschen, die Regeln übertreten, Verbrechen begehen und auch Verträge brechen, wenn diese Taten nicht entsprechend bestraft werden. Es ist also mehr als fraglich ob die Männer, die gerne Frauen angrabschen und damit ohnehin schon die Regeln unserer Gesellschaft übertreten, sich an einen solchen Vertrag halten würden. Im Prinzip weiß jeder Mann, welches Verhalten gesellschaftlich akzeptiert ist und welches nicht. Das Problem im status quo liegt vielmehr darin, dass Fehlverhalten einiger Männer gegenüber Frauen nicht angemessen sanktioniert wird. Wenn ein Filmproduzent eine Vielzahl von Frauen belästigen kann, bevor eine damit an die Öffentlichkeit geht, läuft etwas ganz gewaltig schief. Hätte die erste Frau bereits „Stop!“ gesagt und dieses Verhalten öffentlich gemacht, wäre es zu keinem zweiten Fall gekommen. Ähnlich ist es in allen anderen Bereichen: Frauen, die sich belästigt fühlen, sollten nicht Jahre später unter dem Hashtag #metoo ihre Geschichte erzählen sondern vielmehr #notwithme sagen und das Fehlverhalten sofort ansprechen. Bei starken Grenzüberschreitungen kann man das Verhalten des Mannes mit einer Backpfeife quittieren, öffentlich machen oder sogar zur Anzeige bringen. Möglichkeiten gibt es genug und die Unterstützung der meisten Männer ist jeder Frau sicher. Schließlich haben wir alle Partnerinnen, Töchter, Mütter oder Freundinnen, die wir vor solchen Menschen, die sich nicht an die normalen Regeln des Zusammenlebens halten, schützen wollen. – Peter Croonenbroeck


Leserbrief zu „Abgewürgt“ von Simon Kerbusk

Mehr Konfusion geht nun wirklich nicht mehr! In jedem deutschen Kindergarten geht es hoffentlich verbindlicher zu. Der Dieselbetrug von 2015, dem Jahr der Veröffentlichung, noch in allen Köpfen, schon kommt der nächste Knaller der Bundesregierung. Es lohnt sich nicht, Namen zu nennen, denn über die Jahrzehnte waren zu viele Regierungen und Aufsichtsbehörden zu Lasten der Verbraucher verstrickt. Grenzwerte, die keine Grenzwerte sind, da die Emissionen doppelt so hoch in die Umwelt gelangen dürfen und zudem noch zulässig sind. Gesundheitsschutz, Umweltbelastung, Klimaschutz, Verbraucherschutz, keine Werte, die es zu schützen gilt. Stickoxide, CO2, nichts was zum Fürchten ist!? Es geht munter weiter in der Demontage des Siegels „Made in Germany“ oder war das schon immer nur eine Schimäre!? Wer entschädigt die Konsumenten, Verbraucher in der Zukunft, wenn Euro 6 (d) doch wieder ein Flop wird? Mein Vorschlag: Endlich das Verbraucherrecht ändern, um die erneut Angeschmierten voll zu entschädigen. Die bisherige Vorgehensweise der Bundesregierung war die, die Betrüger unbehelligt zu lassen und die Verbraucher zu enteignen. Das arrogante Verhalten der Vorstände der Deutschen Automobilindustrie lässt vermuten, dass Regierung und Industrie wieder im gleichen Boot sitzen. Hoffentlich verschätzen sich einige nicht hier fundamental und das kleine Boot (Deutschland) kentert in rauer See, denn die Konkurrenz schläft nicht.    – Klaus Liebscher


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Danke für Ihren Artikel zum Insektensterben, der längst überfällig war. Danke, dass Sie dieses Thema endlich in den Fokus nehmen. Aber meine große Frage an Sie: Warum haben Sie damit so lange gewartet? – Michael Cöllen


Leserbrief zu „Plündern als Prinzip“ von Angela Köckritz

Vielen Dank für diesen Artikel. Ich bin sehr gespannt auf die angekündigte Fortsetzung. Besonders würde mich interessieren, wo all das Geld landet. Werden Sie darüber schreiben? Wo sind die 7 Milliarden Dollar von Herrn Zuma. In welche Steueroasen genau fließen die Gelder aus Botswana? Wo legen die korrupten Behördenchefs des Kongo ihr Geld an? Wohin wird Herr Jammeh (Gambia) nach seiner Absetzung gehen, um seine Reichtümer zu genießen? Wir sehen teils mitleidig auf das korrupte Afrika. Das ist scheinheilig. Fließt nicht die Beute der Potentaten auch und gerade in unsere Finanzkreisläufe? Sind wir zumindest als Europäische Union willens, keine korrupt erworbene Gelder anzunehmen? Das ließe sich regeln, wenn man nur wollte. Aber ich bezweifle, dass „man“ es will. Bei allem Respekt vor den Kräften, die vor Ort die Korruption zu bekämpfen suchen: Wenn die reichen Länder nicht aufhören, die Korruption durch das Angebot guter Geldanlagen zu fördern, sind diese Kräfte chancenlos. Den Verbleib der Gelder zu klären wäre ohne Zweifel die spannenste Fortsetzung Ihres sehr schönen Berichts. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Abgewürgt“ von Simon Kerbusk

In Ihrem Artikel ist von einer Irreführung die Rede, „die die Behörden über Jahre hinweg hinnahmen“. Ihnen dürfte bekannt sein, dass die Behörden an gesetzliche Regeln gebunden sind, die nicht von Beamten erlassen, sondern von Politikern (und Lobbyisten) formuliert werden. So auch die Regeln und Grenzwerte für die Zulassung von Kraftfahrzeugen. An die von den Parlamenten erlassenen Bestimmungen haben sich die Behörden zu halten, auch wenn sie blödsinnig sind. Anderenfalls landen sie vor Gericht. Auch hat mit Sicherheit nicht das Kraftfahrtbundesamt Ihre Anfrage „über Wochen ignoriert“. Die Entscheidung in dieser politisch brisanten Angelegenheit wird nach aller Erfahrung die Leitung des vorgesetzten Verkehrsministeriums getroffen haben.  In allen Behörden gelten für die Kontakte von Mitarbeitern mit den Medien strikte Regelungen, die schriftliche oder mündliche Äußerungen von der Zustimmung der zuständigen Presseabteilung abhängig machen, die stets dem Stab der politischen Leitung angehört.  Kein Beamter wird  diesen Bestimmungen zuwiderhandeln, wenn er nicht seinen Job riskieren will. Aber Behördenschelte kommt bei den Lesern meist gut an. – Hartwig Beeken


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Entsetzlicher Inhalt, aber schön geschrieben. Der mutige Text unter der toten Biene wirft nicht nur ein klares Licht auf furchterregende Ergebnisse einer Langzeitstudie, sondern auch auf überraschende Zusammenhänge zwischen dem Insektensterben und einem dramatischen Demokratieproblem, und das mit prägnanten Formulierungen (etwas verkürzt):

  • Unheimlich ist nicht das Verstummen der Insekten, sondern das Schweigen der Menschen,
  • Fragen weniger zum Gesundheitszustand der Natur als zum Gesundheitszustand von Politik und Öffentlichkeit,
  • Das eiserne Gebot der mittleren Vernunft verhüllt einen extremen Wahnsinn.

Oder über die schwarze Pädagogik gegen den Veggie-Day der Grünen:

  • Die Ökodiktatur wurde verhindert, aber der Fleischkonsum ist gleich geblieben.

Nun muss ich mich als alter Ökofundamentalist und Müslifresser nicht länger verstecken. Für die nächsten Diskussionen über Glyphosat, Entomologen und Neonicotinoide bin ich gerüstet. Vielen Dank, lieber Bernd Ulrich – Friedrich Thimme


Leserbrief zu „Die Wahrheit auf sechs Beinen“ von Bernd Ulrich

Im Stillen habe ich gejubelt, als ich „DIE ZEIT“ Nr.44 mit dem Titelbild „Das Schweigen der Politik“ in den Händen hielt, gleich habe ich mich auf Ihren Artikel gestürzt. Endlich! Auch mich treibt die Ökokatastrophe des Insektensterbens (besser: Insektentötens) um. Doch Ihr Artikel hat mich leider etwas ratlos zurückgelassen, mehr Fragen als Antworten. Was verstehen Sie unter dem so schwammigen Begriff „mittlere Vernunft“? Und Fremdworte wie Chiliasmus (bei denen ich im Fremdwörterbuch nachschlagen mußte) sind nicht förderlich. Ich hatte den Eindruck, dass sie schwanken zwischen Polemik und Ironie. Heimatliebe – wenn ein be-Scheuer-ter Generalsekretär davon spricht, denkt er bestimmt nicht an Bienen! Die Radikalität der AfD spiegelt doch keineswegs die Realität wider und seinerzeit 5 DM-Benzinpreis oder Veggie-Day sind zwar gut gemeint, doch grottenschlecht gemacht!

Sicher gibt es keine Patentrezepte und genau so sicher ist Eile nötig. Doch was ich als Einzelperson tun kann oder sollte, erschließt sich mir nach der Lektüre Ihres Artikels nicht. Ich möchte aber wissen, was ich tun könnte. Reicht es aus, da ich die Neonicotinoide schon nicht verbieten kann, meinen Fleischkonsum von geschätzten 500 Gramm pro Woche nochmals zu halbieren? Aus meinem Gartenrasen ein bunte Wiese zu machen, wie es Susanne Dohrn in ihrem Buch: „Das Ende der Natur“ vorschlägt und selbst versucht. Das kann sicher auch nicht die Lösung sein. Oder sollte ich dafür „kämpfen“, die Feldraine etwas zu verbreitern, damit neben Monokulturen wieder Korn- und Mohnblumen wachsen? Lassen Sie sich doch bitte einmal von Herrn Lanz einladen, damit in dieser lockeren Plauderstunde auch einmal ein wichtiges Thema besprochen wird. – F. Uhlich


Leserbrief zu „»Die anderen haben aufgeholt«” von Petra Pinzler und Martin Spiewak

Neben einigen Fakten dieses Gespräches, die ich gut teilen kann, haben mich verschiedene Aussagen zur Dieselproblematik sehr befremdet. Vorweg die Anmerkung, dass es beim heutigen Stand der Technik keinen Grund gibt, den Dieselmotor gegenüber dem Benzinmotor als umweltschädlicher zu verteufeln. Mit Rußpartikelfiltern und SCR-Technik, die nicht nur für LKW, sondern auch für PKW, wenn ernsthaft gewollt, problemlos einsetzbar ist, sind weder Feinstaub, noch Nox-Emissionen gegenüber Benzinmotoren ein Nachteil, und der Wirkungsgrad ist zudem höher. Insoweit ist die öffentliche Berichterstattung zu dieser Thematik, geprägt vom Dieselskandal, auch in obigem Artikel, teilweise alles andere als sachgerecht.

Wie kann es sein, dass Frau Krautzberger meint, zwar sei „der Diesel in der Vergangenheit bei gleicher Motorleistung leicht klimafreundlicher als ein Benziner“ gewesen, das sei aber längst nicht mehr so. Das ist natürlich auch heute noch so, vorausgesetzt man vergleicht weiterhin Motoren gleicher Leistung miteinander, was ja wohl für eine sachgerechte Aussage zwingend ist. Wenn „die Hersteller immer mehr Diesel mit immer stärkeren Motoren bauen- und die verursachen mehr CO2“, dann ändert das nichts an dieser Tatsache. Würden diese stärkeren Motoren benzingetrieben sein, würden sie folgerichtig noch mehr CO2 emittieren als ihr dieselgetriebenes Pendant. Und genau das ist der Grund, warum starke Motoren auf Dieselbasis gebaut werden. Im Bereich der Lastwagen gibt es sie folgerichtig ausschließlich. Eine völlig andere Frage ist es, warum in Kenntnis unserer Klimaprobleme die Autoindustrie derartig hochmotorisierte PKW überhaupt produziert (produzieren darf) und es genügend viele Käufer dafür gibt.

Gegen Ende des Gesprächs meint Frau Krautzberger, zugegeben mit Hinweis auf die Schwierigkeit einer Vorhersage, dass sich der Diesel in 10 bis 15 Jahren erledigt haben könnte und dass die Zukunft vermutlich elektrisch sein werde. Diese Aussage impliziert, dass es in 10 bis 15 Jahren auch keinen Biodiesel mehr geben wird, was angesichts der wenigen Alternativen, die wir bisher für fossile Energieträger haben, schon bemerkenswert ist. Aber die viel grundsätzlichere Frage ist doch: Gibt es auch nur einen einzigen Hinweis darauf, wie es technisch gelingen kann, auf Dieselmotoren in einem absehbaren Zeitraum in relevantem Umfang zu verzichten? Spätestens im Bereich der großen Motoren für LKW zeichnet sich doch nicht im geringsten ein erfolgversprechender Weg ab. Die permanent beschworene Zukunft der Elektroantriebe hat nicht nur das generelle Problem der ausreichenden und kostenverträglichen Energiespeicherung, sondern darüber hinaus das Problem der Bereitstellung des Stromes. Noch werden in Deutschland zwei Drittel des Stromes aus fossilen Rohstoffen gewonnen. In fünf Jahren, nach dem Ende der CO2-freien Atomenergie, werden die Kraftwerke bei der Erzeugung des Stromes für die Fahrzeugmotoren mindestens genauso viel CO2 emittieren wie bisher die Verbrennungsmotoren. Einziger Unterschied: Das CO2 fällt nunmehr im Bereich der Kraftwerke an und nicht mehr in den Ballungsräumen, was für diese zweifellos ein Gewinn ist. Dem Weltklima ist das allerdings ziemlich egal. Und selbst der größte Optimist kann doch nicht allen Ernstes davon ausgehen, dass in den nächsten Jahrzehnten nicht nur der bisherige Strombedarf CO2 -frei gedeckt wird, sondern ganz und gar auch noch dessen erheblicher Zuwachs für die Elektromotorik, wenn sie denn exzessiv zunimmt.

Frau Krautzberger stellt fest, dass „die Chinesen alle Zeichen auf Ausstieg gesetzt“ haben und ohne dass sie es weiter ausführt, meint sie damit die Beschlüsse Chinas, Elektro-Fahrzeuge in Millionen-Stückzahl zu produzieren. Wenn das der globale Trend ist, von dem sie spricht, dann wird der wohl kaum dazu beitragen, den Anstieg des CO2 auf unserem Planeten zu reduzieren. Der Anteil an Kohlestrom in China, bei dessen Erzeugung bald doppelt so viel CO2 entsteht wie in einem Gaskraftwerk, liegt derzeit bei über 70%, womit klar ist, dass jede kWh Strom für ein Elektroauto aus der Kohle stammt, denn im Umkehrschluss könnten diese Kraftwerke in dem Maße zurückgefahren werden, wie Strom nicht benötigt wird. Nun hat China seit Jahren extreme Smogprobleme in den Städten. Dagegen werden ohne Zweifel Elektroautos ein probates Mittel sein. Nur wird daraufhin saldiert die chinesische CO2- Emission höher werden, als wenn weiterhin alle Fahrzeuge Diesel- oder Benzinmotoren hätten. Damit haben die Chinesen leider nur den Teufel Smog mit dem Beelzebub höherer CO2- Ausstoß vertrieben.

Abgesehen davon, dass perspektivisch weltweit völlig neue, sicher nicht nur schmerzfreie Konzepte nötig sind, um der Klima- und Umweltprobleme grundlegend Herr zu werden wie Verringerung des Individualverkehrs, deutliche Erhöhung des öffentlichen Personenverkehrs und Verlagerung von Fracht von der Straße auf die Schiene, frage ich mich, warum nicht als sofort machbare Lösung im großen Stil von Benzin und Diesel auf Erdgasantrieb übergegangen wird. Bei gleicher Motorleistung wird nicht mehr, eher weniger Erdgas benötigt, als wenn man erst in einem Kraftwerk das Gas für den Elektromotor verstromt. Und das wäre schon die umweltfreundlichste Variante der Stromerzeugung, da bei Erdgas die geringste CO2- Menge pro erzeugte Energie anfällt. In Wahrheit wird der Strom in einem Kraftwerksmix produziert, bei dem das CO2- günstigste Erdgas man gerade bei etwa 10% liegt. Ein weiterer Vorteil von Erdgas: Da es wie bisher in einem Verbrennungsmotor im Fahrzeug eingesetzt wird, kann die Abgaswärme zum Nulltarif für die Fahrzeugheizung genutzt werden. Im reinen Elektrofahrzeug kann das leider nur mittels zusätzlichen Stromes erfolgen. Auch darüber hätte ich gern etwas in obigem Artikel gefunden…. – Dr.Horst Bendix


 

 

19. Oktober 2017 – Ausgabe 43

Leserbrief zu „Umgefallen sind wir gestern” von Robert Pausch

Soll der Schwanz mit dem Hund wackeln, muss er stark sein. Die FDP in Niedersachsen aber ist kein starker, sondern ein argumentativ ganz schlapper Schwanz. Ihr Feind ist die Plausibilität. Grün in der Ampel auf keinen Fall – völlig inakzeptable, mit der FDP nicht zur Deckung zu bringende Positionen, z. B. in der Landwirtschafts- oder in der Energiepolitik? Aber grün in „Jamaika“ – da mag’s wohl gehen, man kann sich ja zusammenraufen? Paradox! Und gar nicht Ausdruck liberaler Ausschließeritis. Sondern uninspirierten Lagerdenkens. Das will die FDP ihrem Wähler so versprochen haben? Die mit 7,5 % nicht gerade kraftstrotzenden Liberalen in Niedersachsen sehen sich als festen Teil des konservativen Gencodes. Und werden deshalb erneut untergehen. Denn der Wähler, weil nicht so dumm wie liberale Taktiker denken, merkt das. Und wählt dann doch wieder die Originale, Christunion und ihre unappetitlichen, freiradikalen Anrainer. Schlechter Dienst am Land! – Michael Preuss


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Anlässlich Ihrer Feier des Zeit- Magazins , in der Sie wohl keinen Anlass sehen, sich auch einmal kritisch zu hinterfragen,  muss ich mal meinem lange aufgestauten Ärger Luft machen. Wer soll denn mit Ihrer Werbung für teure Uhren und Mode eigentlich Ihre Zielgruppe sein? Echte Artikel oder sinnvolle Information muss ich in Ihrem Blättchen mit der Lupe suchen. Welch ein Zynismus , in diesen Zeiten fröhlich und selbstgerecht den Turbo- Kapitalismus zu feiern ! Könnte man die Zeit ohne dieses Magazin kaufen, ich würde es gerne tun. Haben Sie überhaupt eine Redaktion, die brauchen Sie doch für diesen „Journalismus “ überhaupt nicht. Ich kann mir Ihre völlig unpolitische , zynische Haltung wirklich nicht erklären. Sie wissen hoffentlich noch, was Sie da eigentlich tun. – Dietmar Joseph


Leserbrief zu „Tiefe Sonne” von Maxim Biller

Erlauben Sie die Gegenfrage : haben Sie in Tel Aviv oder sonstwo in Israel  „gespürt, dass irgendjemand dort bereit ist, sein Leben für die Bundesrepublik Deutschland“ einzusetzen ? Und wie ist das zu verstehen :  „natürlich und trotzdem nach B. zurückgeflogen“ ? – Esther + Jeremiah Burke


Leserbrief zu „Der New Yorker“ von Christoph Amend im ZEIT Magazin

Die Reportage von Christoph Amend im Jubiläumsheft ist mit das beste Beispiel Feature-Journalismus, was ich in letzter Zeit gelesen habe, großes Kompliment dafür und einem Jubiläumsheft wahrhaft würdig. Das dabei gezeichnete Porträt Remnicks ist nicht nur erhellend und aufschlussreich sondern auch menschlich ungeschminkt und sogar berührend. Und dabei noch informativ, ich habe sofort (und mit Erfolg) nach Remnicks Trump-Kommentar „An american tragedy“ gegoogelt – übrigens ein positives Beispiel für den Nutzwert des ansonsten nicht nur lobenswerten Internet, diesen Artikel Remnicks hätte ich früher nicht mehr zu lesen bekommen, jetzt ging es ruck-zuck als ergänzende Zeit-Magazin-Lektüre. Auch sonst Kompliment für das gelungene Jubiläumsheft! Bis auf eine kleine kritische Anmerkung: Neben den – notwendigen – 10 ersten Anzeigenseiten bis zu den ersten Textseiten verschenken Sie 8 wertvolle Seiten für eher doch belanglosere Zeichnungen „Pinseln auf Inseln“ – nette Pinselstriche, für die etwas weniger Seiten vollauf genügt hätten. Ich meine das nur im Hinblick auf den wertvollen Raum in diesem insgesamt so gelungenen Jubiläumsheft, zu dessen Erfolg vor allem Christoph Amend beigetragen hat. – Wilfried Mommert


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Ein großes Lob aus Baden Württemberg! Das Jubiläums Magazin ist ganz toll ! Weiter so…! – Patricia Steinmetz


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Glückwunsch!!! Aber bitte nie wieder diese entsetzlich langweiligen Thomas und Larissa Fotos & Befindlichkeiten. Es gab derlei schon genug von Jürgen Teller. Herzlichen Dank an Elisabeth Raether ! – Monika Lange


Leserbrief zu „Alles Nazis außer ich“ von Evelyn Finger

In Ihrem Kommentar mit dem Titel „Alles Nazis außer ich“ erwähnen Sie mich mehrfach im Zusammenhang mit meiner Kritik an Sahra Wagenknechts migrationspolitischen Positionen. Dabei implizieren Sie, ich würde Sahra Wagenknecht als Rassistin bezeichnen und stellen meine Kritik auf eine Stufe mit den Äußerungen von Thomas Seibert (was unter KennerInnen der linken politischen Landschaft sicher ein Schmunzeln auslöst…).

Sie kritisieren in Ihrem Text, dass eine Erklärung linker AktivistInnen Wagenknecht kritisiert ohne ihre Positionen zu zitieren. Sie schreiben diese Erklärung verzichte auf eine Widerlegung von Wagenknechts Positionen und delegitimiere sie nur. In Bezug auf Ihren Umgang mit mir, machen Sie sich derselben Methode schuldig.

Sie zitieren selektiv aus einem langen Artikel von mir vom Januar 2017 (der sich also gar nicht mit den aktuellen Auseinandersetzungen beschäftigt) und behaupten, diesen habe ich „auf Blockupy“ geschrieben. Sie haben nicht einmal recherchiert, wen Sie da pseudo-journalistisch entlarven. Ich bin kein Blockupy-Vertreter oder -Aktivist (wenn auch immer Teilnehmer an den Blockupy-Protesten) und habe „auf Blockupy“ (wo oder was das auch immer ist) auch nie geschrieben, sondern bin Mitglied der Linkspartei, verantwortlicher Redakteur des SAV-Internetportals sozialismus.info und Autor von zwei Büchern zum Themenbereich Rassismus und Rechtspopulismus (Anti-Sarrazin, 2011 und Brandstifter, 2017). Sie müssen mit meinen Argumenten nicht übereinstimmen, aber der von Ihnen zitierte Text ist eine argumentative Auseinandersetzung mit Sahra Wagenknechts Positionen, in dem ich gleich zu Beginn unter anderem schreibe:

„Sahra Wagenknecht hat mit vielem, was sie sagt Recht. Sie gilt als schärfste Kritikerin der neoliberalen Verhältnisse und der sozialen Ungleichheit im Land. Als solche hat sie DIE LINKE gestärkt. Deshalb ist sie den etablierten Politikern aus CDU/CSU, SPD, Grünen und FDP, den bürgerlichen Schreiberlingen von BILD bis SPIEGEL und den Bossen und Bänkern ein Dorn im Auge.

Mit ihren wiederholten Äußerungen zu Fragen der Flüchtlingspolitik und der inneren Sicherheit liegt sie jedoch sachlich und politisch falsch. Und sie gefährdet damit die Zukunft der LINKEN. Deshalb muss sie dafür nicht nur kritisiert werden. Sie muss selbstverständlich auch aufgefordert werden, sich als Spitzenkandidatin in keinen Widerspruch zur Programmatik der Partei zu begeben und sich an inhaltliche Beschlüsse zu halten. Gleichzeitig sollte sie gegen Angriffe aus prokapitalistischen Kreisen und von VertreterInnen des rechten Parteiflügels verteidigt werden, die ihr ungerechtfertigt eine Nähe zur AfD vorwerfen und denen es weniger um die inhaltlichen Aussagen Wagenknechts geht, als darum durch eine Beschädigung ihrer Person, die Parteilinke zu treffen und damit den Weg für Regierungskoalitionen mit SPD und Grünen freier zu bekommen. Letztere muss sich jedoch dringend von Sahra Wagenknecht emanzipieren, um den Kampf um eine sozialistische Ausrichtung der LINKEN führen und gewinnen zu können.“

Mir auf Basis dieser Aussagen den Vorwurf zu machen, ich würde Sahra Wagenknecht als Rassistin oder gar Nazi sehen, ist ein starkes Stück Missachtung journalistischer Grundstandards. Auch ich bin der Meinung, dass es in dieser bestehenden kapitalistischen einen strukturellen Rassismus gibt, der seine Wurzel in den Herrschaftsverhältnissen hat und zu deren Aufrechterhaltung dient. Auch ich bin der Meinung, dass Sahra Wagenknechts Positionen diesen strukturellen Rassismus bzw. Aspekte von ihm (selektive Einwanderungspolitik nach ökonomischen Gesichtspunkten u.a.) nicht herausfordern. Aber deshalb mache ich sie und andere, die solche Positionen vertreten nicht zu  RassistInnen. Wenn Sie meine Texte kennen würden, wüssten Sie, dass ich gerade die mir unterstellte Haltung „Alles Nazis“ auf AfD-WählerInnen und auch für rassistische Gesetze verantwortliche bürgerliche PolitikerInnen nie vertreten habe und immer eine differenzierte Sichtweise eingenommen habe.

Sie zitieren mich weiter selektiv. Sie schreiben, ich betone, dass ich den „ ‚Staat im Kapitalismus‘ (also die Demokratie) für ‚kein demokratisches Instrument‘ (also abschaffenswert)“ halte. Tatsächlich habe ich geschrieben, „dass der Staat im Kapitalismus kein neutrales, demokratisches Instrument ist, sondern zur Aufrechterhaltung der herrschenden Verhältnisse eingesetzt wird. Das bedeutet, dass jede staatliche Aufrüstung sich in Zukunft gegen linke Widerstandsbewegungen, Streiks etc. richten kann.“

Sie setzen Staat und Demokratie gleich, was nicht nur unter MarxistInnen ein Kopfschütteln auslösen sollte. Sie lassen den Begriff „neutral“ einfach mal weg, zerstückeln das Zitat und unterstellen mir Schlussfolgerungen, die ich nicht geäußert habe. Vom journalistischen Standpunkt ist das eine sehr fragwürdige Methode.

DIE ZEIT nimmt ja für sich in Anspruch einen differenzierten Journalismus zu betreiben. Wie dann ein Text erscheinen kann, in dem sie mir, der eine argumentative und inhaltliche Kritik an bestimmten Positionen von Sahra Wagenknecht formuliert hat, unterstellt bzw. impliziert wird, ich würde Wagenknecht zur Rassistin machen und sie, Nahles und Kretschmann als Nazis sehen, ist für mich schwer verständlich.

Wieso haben Sie eigentlich nicht meinen Originalartikel verlinkt? In Zeiten des Internets ist das ja nicht gerade unüblich, wenn man aus Artikeln zitiert.

Ich lade Sie gerne zu einer inhaltlichen Diskussion zu meinen Argumenten ein und biete Ihnen an, dass eine Gegenargumentation von Ihnen auf der von mir geleiteten Webseite sozialismus.info veröffentlicht und beantwortet wird. Aber bitte widerlegen und nicht nur delegitimieren … – Sascha Stanicic


Leserbrief zu „Das Geheimnis der Rothosen” von Andreas Lebert

Das Pokalendspiel gegen den Meidericher SV habe ich zu Hause am am Radio verfolgt. Eine Fernsehdirektübertragung gab es seinerzeit nicht. Rückblickend war dieses Spiel der Beginn meiner jetzt 51-jährigen Fanlaufbahn. ( „Höhepunkte“ im Stadion: 1987  Wien, 2010 Madrid) Das Spiel war 1966.Guntram Barthelmes


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

. . . seit Wochen leide ich mit Larissa und den belanglosen Fotos ihrer (der Red.!) Bilderfolge. Jetzt bin ich nicht imstande,weitere Trauerarbeit zu leisten. Auch der heute angebotene Blick in ihre Unterhose wird das nicht ändern. Zum Glück brauche ich kein Abo zu kündigen.Ich suche mir am Kiosk etwas anderes. – Dr. Gerd Prinz


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Auch meinerseits die besten Glückwünsche. Als Leser der ZEIT seit fast 50 Jahren hat mich nicht nur das Wiedererstehen des gleichzeitig intelligent unterhaltenden und lehrreichen, humorvollen und gedanklich anregenden Magazins sehr gefreut, sondern auch sein selbstbewusstes Bestreben, bei den weniger vordergründigen aber dennoch wichtigen gesellschafftlichen Themen das Ohr am Puls der Zeit zu haben. Ärgerlich allein: die völlig sinnfreien Photostrecken zu Luxusuhren und Modegefummel. Was hat das mit der ZEIT zu tun ? Jedes so verunstaltete „Design“ – Magazin landet flugs im Papierkorb. Schade um Harald Marenstein und Frau Raether, aber Modemagazine und Luxuskataloge brauche ich nicht. Ab in den Müll. – Kurt Gamerschlag


Leserbrief zu „Todesursache Diesel“ von Susan Djahangard

Ihre Schlussfolgerung: „In Deutschland gingen demnach durch die Stickstoffdioxidbelastung 133800 Lebensjahre verloren. Gerechnet auf die Zahl der vorzeitigen Todesfälle hieße das: rund zehn Jahre pro vorzeitigem Todesfall.“ ist falsch. Das kann man bei Patienten mit bekannter Diagnose sagen, ob sie nun daran gestorben sind oder nicht: „Wer Lungenkrebs hat, stirbt im Schnitt 10 Jahre vor einem angenommen Durchschnittslebensalter aller“. Hier ist aber die Diagnose „Stickstoffdioxiderkrankung“ unbekannt, es gibt weder diese Diagnose noch diese Todesursache. Der Wert „133800 verlorene Lebensjahre“ bzw. „12860 vorzeitige Todesfälle“ ergibt sich durch Vergleiche der Lebensalter der Menschen in Gebieten mit guter Luft und solcher in Gebieten mit schlechter Luft. Aus dem Unterschied werden die „Verlorenen Lebensjahre“ berechnet und daraus die „Vorzeitigen Todesfälle“, wobei Todesfälle der Jüngeren stärker gewichtet werden als die die Alten, die über 75-jährigen werden nicht mehr berücksichtigt, denn ein Tod mit mehr als 75 Jahren gilt in dieser Statistik nicht mehr als „vorzeitig“, egal an was der Mensch tatsächlich gestorben ist und in welcher Luft er gelebt hat und wie fit er mit 75 ist.

Wenn man sagen will, um wieviele Jahre jemand in schlechter Luft früher stirbt, mußte man das in Bezug zu allen Menschen, für die diese „Luftdiagnose“ zutrifft, setzen. Da wir alle keine Naturmenschen mehr sind, die täglich nur im Freien leben und von frischer Luft ohne jede anthropogene „Belastung“ umgeben sind, sind wir als „Bewohner beheizter Höhlen“ alle von schlechter Luft betroffen. Die Menschen, die in schlechter Luft leben, bzw. leben müssen, leben anders als die Vorstadt- oder Landhausbewohner, was sich auf ihr Lebensalter mehr auswirkt als die Luft.Würde man einen Lebensaltervergleich anstellen zwischen Urwaldindianern, die 24 Std täglich nur frische Luft atmen, und uns, würde als Ergebnis herauskommen, dass gute Luft das Lebensalter stark senkt, die gute Luft ganz vielen Lebensjahre kostet, die „vorzeitigen Todesfälle“ gegen 100% der Population treibt, denn die diese Indianer werden nicht so alt wie wir. Epidemiologische Studien sind Scheuklappenstudien, die ihren Sinn als Hinweisgeber für Epidemiologen haben, dass dort was getan werden müßte, medizinisch oder anderweitig. Ob dann eine Zwangsumsiedlung der Leute in Gebieten mit schlechter Luft und billigen Wohnungen in Parkgebiete deren Lebenserwartung steigert, wenn sie die Lebensweise nicht mit ändern (Rauchen, Bewegung, Alkohol etc.), weiß keiner, gibt keine Studie eine Garantie für. – Georg Keckl


Leserbrief zu „Deutschlandkarte” von Paulina Thillmann und Laura Edelbacher

“… Baden-Württemberg, wo besonders viele Leser und Leserinnen leben.“  Leider müssen diese Leser noch auf ihre Regional- oder Stadtausgabe des ZEIT-Magazins warten – ich blicken mit etwas Neid nach Hamburg und München.  Herzliche Glückwünsche und Grüße zum Jubiläum. – Günter und Hildegard Hornung


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich halte es nicht mehr aus! Jeder hat ja wohl schon mal eine Fernbeziehung geführt., z. B.  unterschiedliche Studienorte. I.d. R. ist das nicht von öffentlichem Interesse. Wer in Ihrem Haus ist für dieses inhalts- und substanzlose Vorsichhingeblubber der beiden Protagonisten zuständig? Soll das jugendlich wirken? Teilen Sie mir bitte mit, wann Sie gedenken, diese beiden Seiten wieder mit Inhalt zu füllen, und wann ich die ZEIT somit wieder kaufen kann. – G. Malsch


Leserbrief zu „Der Handel kann die Welt retten“ von Joachim Weimann

Wenn der Emissionshandel tatsächlich so wohl durchdacht ist, wie es Herr Weimann in seinem Beitrag elaboriert ausführt, fragt man sich, warum er bis heute nicht funktioniert. Diese Antwort blieb der Autor leider schuldig. – Stefan Rümmele


Leserbrief zu „Alles Nazis außer ich“ von Evelyn Finger

Sie sprechen da etwas an, was leider heute immer übersehen wird. NSDAP bedeutet Nationalsozialistische … , also eine Bewegung, die einen nationalen Sozialismus als Gegenposition zum internationalen Sozialismus vertritt. Wenn Sie sich die Strasser-Brüder und deren Programm anschauen, waren die kaum rechter als die Thälmann-Kommunisten. In gewisser Hinsicht vertritt Frau Wagenknecht so in der Tat auch nationalsozialistische Positionen, die ja anscheinend einem nicht unwesentlichen Teil der Wähler recht symphatisch sind und auch zum Zulauf zur AfD geführt haben.

Vielleicht ist ein bisschen mehr nationaler Sozialismus gar nicht die schlechteste Idee, wenn man an die Probleme der und mit der EU denkt. Dazu wäre es allerdings zunächst einmal notwendig, den nationalen Sozialismus nicht einzig und allein auf den Hitlerschen Rassenwahnsinn zu verdichten. Also gewissermaßen eine Entnazifizierung des Begriffs „Nazi“, der man eine Differenzierung auch bei anderen Begriffen an die Seite stellen sollte: Nicht jeder Kritiker ist gleich ein -ist oder -hasser, ein Jargon, in den leider heute auch die meisten Medien verfallen, um mit teilweise fragwürdigen Informationen auch gleich die Diskussion darüber abzuwürgen. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Wie in einem schlechten Film“ von Iris Radisch

Bravissima, Frau Radisch! Endlich mal an prominenter Stelle der ZEIT ein klares Wort, das keine Zweifel aufkommen lässt über diese widerlichen Machos, die an allen Ecken und Enden ihr subtiles Handwerk treiben! Und dann noch in einem Stil, der vom Allerfeinsten ist – ich habe lange nicht mehr einen stilistisch so perfekten Artikel in der ZEIT gelesen – da sitzt aber auch wirklich jedes einzelne Wort! Großes Kompliment!!! – Franz Schneider


Leserbrief zu „Im Ältestenrat“ von Alexander Camman

Schon krass, dass Sie mich als Kuratorin, Programmgestalterin und Organisatorin des Gruppe47-Jubiläums in Waischenfeld in Ihrem Beitrag vom 19.10. mit keinem Wort erwähnen. Jürgen Becker nannte mich sogar öffentlich als den „Hans Werner Richter dieses Treffens“, denn ich war nicht nur zuständig für die Autorensuche und -kontakte, das Sponsoring, die website www.gruppe47.de – auf die Sie auch nicht hinweisen – und die Ausstellung – von der Sie Vieles zitieren, was dann als Ihr Profi-Wissen rüberkommt. Die Gemeinde hatte mal grade 10 Tsd Euro in die Waagschale geworfen und niemand, der das Jubiläum hätte stemmen wollen oder können. Auch das geistige Konzept und das umfangreiche allseits, auch von Ihnen gelobte Wochenend-Arkadien-Programm stammte von mir. Schließlich ist meine Biografie auf vielfältige Weise mit den Autoren der Gruppe verbunden, nicht nur durch den „Autorenreport“ – den Andreas Wiesand und ich 1970-1972 im Auftrag von Rudolf Augstein und Fritz J. Raddatz (beide Teilnehmer der Gruppe 47) und als Basis für die Künstlersozialversicherung erarbeiteten. Last not least habe ich diesen ganzen Kraftakt über viele Monate aus innerem Auftrag und honorarfrei auf mich genommen. schon krass. Und Ihr Motiv? Ich hatte den ersten Abend ausschließlich für das Wiedersehen der Autoren in der Pulvermühle reserviert – ohne Kritiker und Medien. Danach war reichlich Gelegenheit, sie alle zu treffen. Schon krass. – Karla Fohrbeck


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Können Sie bittebittebitte die nervige und völlig überflüssige Rubrik Fernbeziehung wieder einstellen? Ich habe mich letzte Woche so gefreut, weil ich dachte, der Quatsch wäre endlich beendet und jetzt geht es wieder los! – Eva Specht


Leserbrief zu „Wacht auf!“ von Wolfgang Huber at al.

Wer nicht bereit ist, das wirklich Trennende zu erwähnen, nämlich das nie widerrufene Unfehlbarkeitsdogma des Papstes,das  böse wort Benedikts  XVI von der lediglich  „ kirchenähnlichen gemeinschaft „ der protestantischen Kirchen , der unterwirft sich der Propaganda des ökumenischen wortgek lingels. Wer die rechtfertigung des Glaubens nicht aus dem Neuen Testament,sondern aus der Amtsgewalt der Päpste holt(Augustinus),der unterwirft sich kritiklos der  Papstkirche.wer die sakramente aus der kirchlichen tradition,nicht aus dem Neuen testament herleitet,der verleugnet die Würde des „ freien Christenmenschen . : sola fide,sola,gratia ,sola schriptura!Aber die Propaganda der Ökumenesüchtigen  ist eben stärker als jede kritische wort dazu.Daß weder in den Artikeln,noch in den Leserbriefen kritische Äußerungen gegen diese Unterwürfigkeit der evangelischenKirchenoberen  erscheinen macht es sehr schwer,an die Unabhängigkeit der Presse  und die so viel gepriesene diskussion, zu glauben. – Dr. Wolfgang Miege


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Nennen sie das seriösen Journalismus? Als ob dieses blütenweiße Höschen der Kleidung einer Frau nach einem 14-stündigen Arbeitstag entspräche. In Zeiten wie diesen erbitten wir uns mehr Gründlichkeit und Glaubwürdigkeit von einem Magazin wie dem Ihrigen. – Frederik Mohr und Ilka Felgenhauer


Leserbrief zu „Willkommen hinterm Stacheldraht” von Caterina Lobenstein

Der Artikel gehört meiner Meinung in den Kommentarteil der Zeitung. Solch ein vor Ideologie triefender und mit wertenden Worten geschriebener Artikel ist mir im Wirtschaftsteil der Zeit noch nicht untergekommen: Beispiele gefällig? „…eine Flüchtlingsfamilie aus der Wohnung klingeln oder ein Kind aus dem Unterricht zerren…“ Ihnen ist schon klar, dass es sich bei diesen Personen um ausreisepflichtige Asylbewerber handelt und die handelnden Personen schlicht Recht und Gesetz durchsetzen? Bei dem Artikel klingt es eher so, als ob Abschieben bedeutete, dass unbescholtene Bürger vom Staat malträtiert würden. Eine Frechheit für die Beamten! Und ja, natürlich sollen die Migranten nicht integriert werden BEVOR klar ist, ob sie überhaupt Anspruch haben. Das müsste jedem klar denkenden Menschen einleuchten. Statt sich mit dem möglicherweise tatsächlich nicht perfekten Zuständen in solchen Lagern zu befassen, wäre es deutlich sinnvoller sich zu überlegen, wie ein System aussehen könnte, das über Anspruch auf Asyl entscheidet bevor diejenigen europäischen Boden betreten – und zwar mit den dafür notwendigen Unterlagen wie Pass und ehrliche Informationen. Es kann nicht sein, dass Abschiebungen an allen möglichen Problemen scheitern (keine Papiere, krank, nicht zu Hause, Airline möchte nicht zu viele Migranten pro Flug an Board haben, etc.) während man nach Europa ohne jegliche Papiere und falsche Identitäten problemlos nach dem Zufalls-Prinzip einwandern kann. Artikel wie dieser die die kleinsten Anstrengungen verteufeln, die Abschiebepraxis den massenhaften illegalen Einreisen der letzten Jahre anzupassen, tragen zu einem Großteil dazu bei, dass sich viele Bürger durch die Medien veräppelt und nicht repräsentiert fühlen. – Marc Neubert


Leserbrief zu „Wochenmarkt“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

Ich freue mich jeden Donnerstag über Ihr neues Rezept, sind diese doch mit wenigen Zutaten und recht símpel zuzubereiten. Hervorheben will ich z.B. den „Salat aus Gurke und Melone“ sowie „Gemüsebrühe als Paste“. Und da fiel mir in der aktuellen Ausgabe des Magazins doch etwas auf: Bei der Vorstellung der „Gemüsepaste“ sprachen Sie von Ihrer übertriebenen Abneigung gegen Brühwürfel, den Sie jedoch bei der Herstellung der „betrunkenen Spagetti“ leichtfertig in den köchelnden Rotwein warfen. Na sowas! Ich freue mich auf viele weitere leckere Vorschläge – mit und ohne Brühwürfel. Ich kann diese ja leicht durch die Gemüsepaste ersetzen. – Heide Mattischeck


Leserbrief zu „Ehe für alle“ von Martin Klingst et al.

Köstlich! – Elsabe Elson


Leserbrief zu „Hilfe!“ von Mark Schieritz

Ihren Aussagen im Artikel kann man voll zustimmen, insbesondere was die vollmundige Bekenntnis unserer Politiker zur Hilfe vor Ort und den Vorteil für die Flüchtlinge betrifft, wenn sie nicht weit von ihrem Herkunftsland versorgt werden. Es wäre doch eine lohnende Aufgabe für eine ZEIT ihre journalistische Macht entsprechend zu nutzen, um hier Glaubwürdigkeit der Politik einzufordern. Unabhängig davon frage ich mich, warum Sie Ihre Aussagen nicht mit einem Zahlenbeispiel belegen, da Sie sich, Herr Schieritz, als Wirtschaftsredakteur ja erwiesenermaßen mit Zahlen gut auskennen. Deutschland hat eingezahlt, ja: 570 Mio. EUR – das entspricht gerade mal 1% der jährlichen Ausgaben für die 2015 ins Land Gekommenen oder den Versorgungskosten für ca. 10.000 minderjährige Migranten. Welch riesiges Finanzierungs-Potential würde sich da vor Ort auftun? Man hat das Gefühl, Zahlen sollen weggedruckst werden, weil diese doch schlagkräftiger sind als Worte, oder? – Dr. Georg Steger


Leserbrief zu „Ich auch? Ich auch!“ von Khuê Pham et al.

Welche Frau nicht? Ich frage mich aber auch, welchen Anteil wir Frauen selbst an dieser Misere haben könnten. Nutzen wir unsere Möglichkeiten, in der Kindererziehung auf das Verhalten der männlichen Zeitgenossen einzuwirken, zu wenig? Welches Frauenbild herrscht in einer Familie, in der der Enkel einen Geldschein in die Hand gedrückt bekommt, die Enkelin hingegen zu vergleichbarem Anlass eine Tafel Schokolade, die sie aus Gesundheitsgründen gar nicht essen darf? Und die Eltern des Kindes schweigen um des lieben Friedens willen. Könnte es sein, dass allzu große sexuelle Freizügigkeit mehr mit Selbsterniedrigung zu tun hat als mit Emanzipation? Hat wirklich jede Frau eine reelle Chance, ein ausreichendes Einkommen zu erzielen, ohne ihren Körper zu verkaufen? – Susanne Sänger


Leserbrief zu „Himmel, Erde, Kunst” von Georg Seesslen

speziell als Künstler und auch als Maler hat mir Ihre profunde & kompetent- lehrreiche Rezension der Kölner TINTORETTO- Ausstellung sehr gut gefallen! Haben Sie Dank dafür. – Paul Zendo


Leserbrief zu „Ehe für alle“ von Martin Klingst et al.

Ich finde es sher ärgerlich, dass ich immer wieder lesen muss, dass Dieselmotoren für das Klima schädlich seien. Es stimmt nicht. Sie sollten in der Lage sein, das zu recherchieren. Bei gleicher Leistung erzeugen Diesel deutlich weniger CO2 als Benziner. Die Abgasreinigung ist für gleichen Schadstoffausstoß aufwändiger als bei Benzinern. So wie die ganze Motorkonstruktion. Deswegen sollte die Förderung eher erhöht werden und die Schadstoff-Grenzwerte weiter heruntergesetzt. Das würde das Klima ein entlasten. Der ÖPNV und der Radverkehr müssten drastisch gefördert werden. Flugreisen dagegen müssten endlich besteuert werden, wie alle anderen Verkehre auch. Das wäre sinnvoll für das Klima. – Fritjof Möckel


Leserbrief zu „Macrons großer Moment“ von Thomas Assheuer

Wenn man einen Artikel in einer der großen deutschen Zeitungen veröffentlicht, ist dies vermutlich mit dem Wunsch verbunden, das er von vielen Menschen gelesen und verstanden werden möge. Ihr Artikel allerdings ist durchsetzt von intellektueller Eitelkeit und in einer Weise geschrieben, dass nur eine kleine intellektuelle Elite (zu der Sie sich offensichtlich zählen) ihn überhaupt verstehen kann. Und das ist sehr schade, da die Botschaften im Artikel sehr interessant und wichtig sind. Hier hier ein Beispiel für die von Ihnen künstlich erzeugte elitäre Unverstehbarkeit: „… sie ist kein semantisches Zusatzangebot, das in einem abgelegenen Gewächshaus feierlich gedüngt wird, während der Markt in Luhmannscher Selbsterzeugung ungestört vor sich hin schnurrt.“ Was soll das? Muss ich Luhmann kennen oder Peter Handkes Stück „Zurüstungen für die Unsterblichkeit“ gelesen haben, um Ihren Gedankengängen folgen zu dürfen? – Heiko Friedrichs


Leserbrief zu „Macrons großer Moment“ von Thomas Assheuer

Herr Assheuer bringt quasi nebenbei die entscheidende Analyse zur derzeitigen Misere in Europa: Die EU bietet in ihrer aktuellen Form deutlich zu wenig demokratischen Einfluss der Bevölkerung. Sowohl in Deutschland als auch in Europa sollte es Möglichkeiten zu Volksentscheiden geben. Hierzu gibt es gute Vorschläge, die den üblicherweise geäußerten Bedenken (populistische Anfälligkeit) den Wind aus den Segeln nehmen. Mehr Teilhabe = mehr Identifikation! – Dr. Jörn Lütjens


Leserbrief zu „Wie in einem schlechten Film“ von Iris Radisch

Danke für diesen souveränen, punktgenauen Kommentar. Auch die Platzierung auf der Titelseite ist goldrichtig. Nicht der Rede wert? Aber ja doch! – Hans Joachim Bertram


Leserbrief zu „»Sorry, das ist Demokratie«“ von Marc Brost und Peter Dausend

Seit 2015 verfolge ich, wie die Politikredakteure der „ZEIT“ immer stärker mit Hetze gegen Andersdenkende, und zwar nicht nur gegen AfD-Wähler, vorgehen. Das Fass zum Überlaufen brachte für mich die letzte Frage in dem Interview mit von der Leyen, wie man „eine wertegeleitete Außenpolitik mit Donald Trump, Wladimir Putin, Kim Jong Un, Xi Jinping und bald Sebastian Kurz“ machen könne.Wie kann man Kurz in eine Reihe mit diesen Politikern stellen? Sind die beiden Redakteure verrückt geworden? Es ist sehr schade, dass die Politikredakteure in den letzten Jahren zu Claqueuren der Merkelschen Politik geworden sind. Das hat mit glaubwürdigem und seriösem Journalismus nichts mehr zu tun. – Wiebke Karstens


Leserbrief zu „Ein Gift mit Zukunft…“ von Christiane Grefe

Es ist mir unverständlich, warum man bei Beurteilung des  flächendeckenden Glyphosateinsatzes immer noch nach Gutachten ruft! Warum reicht nicht einfach ein gesunder Menschenverstand. Ich brauche kein“Gutachten“ um festzustellen, dass Pflanzen und Tiere sterben, wenn auf riesigen Flächen die klassiche Bodenbearbeitung durch Gift ersetzt wird. Man hat es geschafft, durch das Totalherbizid Glyphosat sechs Wochen den gelben Tod für alles, was wächst und lebt zu bringen. Damit haben Insekten, Vögel, Bienen, Käfer, ja alles, was keucht und fleucht keine Lebensgrundlage mehr. Dieses sogar im Mai vor der Maisaussaat in der wichtigen Phase der Fortpflanzung. Ich habe als Kind erlebt, wie die Lerche sich auf dem Felde jubilierend in die Lüfte schwingt..

Sollen unsere Kinder das Lied der Lerche nur noch auf einem App ihres Smartphone kennenlernen und nicht mehr erleben, wie sie im Blauen singt? Nein, der Streit über ev. krebsfördernde Wirkung von Glyphosat ist marginal gegenüber dem ungeheuerlichen Eingriff in die wunderbare Schöpfung; gegenüber dem erosionsfördernden Humusabbau unserer Kulturböden durch Glyphosateinsatz. Und das ist um so unverständlicher, wo die konventionelle Bodenbearbeitung – nach Berechnungen der DLG – nur 4 €/ha teurer ist als der bequemere Einsatz der Spritze. Wir brauchen eine ganz neu Massenbewegung zur Bewahrung unserer Schöpfung: 500 Jahre nach Luther brauchen wir wieder 95 Thesen, aber nicht an der Schlosskirche zu Wittenberg  sondern 95 Thesen zum Schutz unserer Umwelt, zum Retten unserer Flora und Fauna und zwar an den Toren von Monsanto und Bayer, bei den Aufsichtsräten und Lobbyisten, solange sie nur die Aktienkurse und nicht die Bewahrung der Schöpfung im Blick haben. – Gyso von Bonin


Leserbrief zu „Die Revolution auf dem Dorfe“ von Nadine Ahr und Joanna Nottebrock

Ziemlich am Anfang ihres Artikels über die Kommune in der Nähe von Kassel schrieb die Autorin: „Im Großen ist der Kommunismus gescheitert. Im Kleinen existiert er weiter, zumindest hier, in Niederkaufungen.“ Diese Vorbemerkung gibt ihr aber nicht das Recht später zu schreiben: „Über all die Jahre gilt: Der Kommunismus schreibt schwarze Zahlen.“ Denn ohne große Mühe hätte sie einen korrekten Satz schreiben können. Selbst mir alten Mann fallen drei Möglichkeiten ein: „D(ies)er Kommunismus [hier]/{Die Kommune} schreibt schwarze Zahlen.“ Soll ich nun Trauer darüber tragen, dass der zuständige Redakteur zu überarbeitet war, um den Fehler zu bemerken? Oder soll ich künftig vor der Lektüre der ZEIT zur Stärkung Starkbier trinken? Oder grünen Tee? Oder – hee!? – muss ich in der ZEIT auf sprachliche Unfälle gefasst sein wie auf deutschen Straßen auf tödliche Unfälle mit Autos? – Armin Amrhein


Leserbrief zu „Im Westen was Neues” von Jörg Lau und Bernd Ulrich

Ich kann ihren Ausführungen im weiten Teilen folgen und finde sie richtig. Wo aber ähnliche Illusionen wie bei den Atlantikern auftauchen geschieht bei ihrer Einschätzung in Fragen der Türkei. Schon die Formulierung einer „Zeit nach Erdogan“ ist falsch, da so ein Autokrat und potentieller Diktator  sich nicht so schnell  auf eine Zeit“nach ihm“ einlassen  und für die Zeit nach seinem Tod die ihm zusagende Nachfolge regeln wird, es sei denn, dass das türkische Volk erhebt sich dagegen. Da ist die Einschätzung von Can Dündar richtiger. Nie und nimmer wird sich die Türkei in der jetzigen Entwicklung in ein demokratischen Europa einbinden lassen.Was die Vinegardestaaten angeht, wird aus ähnlichen Gründen wie im Osten Deutschlands, die rechtspopulistische, völkisch nationalistische Tendenz auch noch stärker werden, siehe Artikel über Tschechien und Babic, sodaß hier sogar die Gefahr droht, dass die demokratische EU sich eventuell von diesen lösen muss, will sie eine demokratische EU bleiben.

Es wird in der deutschen Außenpolitik darauf ankommen rechtzeitig diese Realitäten ins Auge zu fassen und auf die notwendigen Konsequenzen sich ein zu stellen. Im Moment haben wir eine Art roll back der patriarchalen Machtgelüste in aller Welt die sich in solchen politischen Tendnezen kundtun (auch kulturell, siehe Weinstein und andere). Um dagegen zu halten muß für egalitäre Kommunikation und demokratische Kooperation unter den westeuropäischen Staaten mehr denn je gekämpft werden, damit die Möglichkeit eines friedlichen Miteinanders in seiner Ausstrahlung auf diese Welt erhalten bleibt. Angesichts solcher Konfigurationen, wie Trump(Bannon) Erdogan(Putin) und Kim il Um(Xi Jinping) wächst die Kriegsgefahr mit jedem Monat, da die Korrosion der Demokratie in so vielen Ländern schneller voranschreitet als uns lieb sein kann. Sollte es nicht so schlimm kommen, ich wäre der erste der zu seiner Fehleinschätzung dann gerne stehen würde. – Dr. Michael Hopmann


Leserbrief zu „Regelt das endlich!“ von Martin Spiewak

Grundsätzlich habe ich nur ein Muss für die Erfüllung von Kinderwünschen der unterschiedlichsten Paarvarianten: Der entstehende Mensch muss unbedingt wissen, wer seine genetischen/leiblichen Eltern sind. Es mag ja sein, dass wir in einigen Jahrzehnten darauf keinen inneren, heißt seelischen, Wert legen und es allen egal ist, woher sie kommen. Aber heute sind wir -glücklicherweise- da noch nicht. Wer seinem unbedingten Kinde dies nicht ermöglicht, der handelt wissentlich, absichtlich und ohne Not seelisch schädigend und ist für Kinder m.E. nicht zumutbar. – Johanna Gauger


Leserbrief zu „Im Westen was Neues” von Jörg Lau und Bernd Ulrich

Wem von Ihnen verdanke ich das Wort “ Westdeutschland, und nach der VEREINIGUNG…..“ ? Dazu eine kleine Geschichte:
Im November 1990 befand ich mich im Rahmen eines deutsch-französischen Schüleraustauschs in Niort; auf Veranlassung meines französischen Kollegen diskutierten wir über die gerade vollzogene Vereinigung; nach dieser Diskussion waren zumindest die Schüler – es waren wirklich nur Jungen – aus dem LK Geschichte bereit zuzugestehen, dass der Begriff der „Wiedervereinigung“ wohl doch nicht so ganz passend sei. – Anette Kurz


Leserbrief zu „Wacht auf!“ von Wolfgang Huber at al.

Johanna Rahner fragt: „Wir könnten längst das Abendmahl zusammen feiern. Wo ist das Problem?“ Antwort: Darin, dass keineswegs alle Protestanten an Realpräsenz glauben und dass zumindest so manche Reformierte in Katholiken nicht einmal „richtige Christen“ sehen. Frau Rahner zufolge haben „die deutschen Theologen …  ein gemeinsames Grundverständnis dessen, was Abendmahl und Eucharistie bedeuten,“ erarbeitet. Leider ist davon zu den gewöhnlichen Gläubigen, unter denen sich ein Laie wie ich bewegt, nichts gedrungen. Wenn „deutsche Theologinnen und Theologen“ längst dort sind, „wo die Kirchenleitungen noch hinkommen müssen“, so gilt letzteres erst recht für das Kirchenvolk. Mir erklären reformierte Mitchristen, die katholische Messe sei bloßer hocus pocus (eine Verballhornung von hoc est corpus  –  noch kränkender kann man sich schier nicht ausdrücken!), mit dem tumbe Fromme an der Nase herum geführt werden. Solange ich erlebe, dass Protestanten für das, was die Mitte meiner religiösen Existenz ist, nicht einmal jenes Minimum an Respekt aufbringen, das solches Denken verböte, verstehe ich nicht, warum wir sie kollektiv zur Kommunion einladen sollten. Für einzelne, deren Einstellung mit dem zuständigen Geistlichen geklärt worden ist, gilt selbstverständlich: Herzlich willkommen! Aber die Protestanten en bloc  an den Tisch des Herrn einladen und das Sakrament Seiner Gegenwart an Menschen austeilen, die an eben diese Gegenwart ausdrücklich  NICHT  glauben?

Möchte das irgendjemand, der in der Kommunion Seinen Herrn und Gott erfährt   –  und Gemeinschaft mit denen, für die das ebenso gilt? Sollte es den deutschen „Theologen und Theologinnen“ gelungen sein, alle Abendmahlsinterpretationen auf einen Nenner zu bringen, ohne dass dabei der Kern des sakramentalen Vorgangs verschwindet: Wo, bitte, können Laien das nachlesen? Ich fürchte, dass den Fachleuten beim Konstruieren konsensfähiger Sätze die Eucharistiefeier unter der Hand zu einer bloßen Gedächtnisveranstaltung verkommen ist. Auf eine solche Gottesdienstform könnten sich gewiss alle Konfessionen einigen. Aber Katholiken, die ihr geistliches Leben von der Gegenwart des Herrn im Sakrament nähren, wären dann auf besondere „interne“ Eucharistiefeiern angewiesen. Ist das nicht eine groteske Vorstellung???    – Thelma von Freymann


Leserbrief zu „Ehe für alle“ von Martin Klingst et al.

„Klima retten, diesmal richtig“ Dort schreiben die Autoren: „Es reichte nicht, nur klimafreundliche Motoren zu fördern indem zum Beispiel die Subventionen für Diesel abgebaut werden.“ Ich verstehe diese Äußerung nur, wenn ich sie ideologisch interpretiere. Fakt ist: Der Diesel hilft bei der CO2 Reduzierung im Bereich Verkehr. Eigentlich müsste hier der Benziner negativ dargestellt werden. Warum verbreiten Sie hier eine falsche „Schuldzuweisung“ für den Diesel? Die angebliche Subvention für den Diesel ist unter dem Aspekt CO2 Reduktion und damit Weltrettung durch Deutschland positiv zu sehen! Absicht oder Unkenntnis? – Marie-Luise Kruse


Leserbrief zu „Hier schreien die Steine“ von Christoph Dieckmann

Ich wollte Sie auf einen Fehler aufmerksam machen. In der neuen Ausgabe vom 19. Oktober schreibt Christoph Dieckmann in seinem Artikel „Hier schreien die Steine“ davon, dass die Bolschewiki nicht nur Kerenskis Regierung, „sondern zugleich den 2. Allrussischen Sowjetkongress, in dem Menschewiki und Sozialrevolutionäre die Mehrheit besaßen“ kippten. Letzteres ist falsch, denn die Bolschewiki besaßen im 2. Allrussischen Sowjektkongress die Mehrheit. Auch ist in diesem Zusammenhang sehr unklar, was Christoph Dieckmann mit „kippen“ meint. Die Bolschewiki übergaben direkt nach dem Aufstand die Macht eben besagten 2. Allrussischen Sowjetkongress und „kippten“ ihn keineswegs. Über historische Narrative lässt sich streiten, aber, dass die Bolschewiki die Mehrheit im 2. Allrussischen Sowjetkongress hatten, nicht. – Daniel Schultz


Leserbrief zu „Bleib liegen“ von Friederike Gräff

Ein toller Artikel, ich habe mir den Bibelspruch gleich in meinen Whatsapp-Status kopiert Sie sprechen mir aus der Seele! Mein Leben lang habe ich Probleme, zu einer Zeit aufzustehen, die meinem Biorhytmus widerstrebt. Schon im Kindergarten kam ich ständig zu spät (man musste um 8 Uhr da sein!) In der Schule das Gleiche….Später in der Arbeit hat es mal mehr, sehr oft weniger funktioniert. In Deutschland gilt man ja sofort als unzuverlässig, auch wenn man länger bleibt, keine Pause macht etc.  Ich habe einen Schlafbedarf von 9 h. Das heisst, wenn ich in Berlin um 8 Uhr morgens zu arbeiten anfangen muss, stehe ich um 05.30 Uhr auf, da ich um 7 Uhr das Haus verlassen muss, um einigermaßen pünktlich zu sein. Also soll ich um 21 Uhr ins Bett jeden Tag? Ich bin 48! Kinder habe ich nicht, aber eine Mieze, die mir morgens hilft:-) Ich bin dafür, in Deutschland die 30h Woche für alle einzuführen und mindestens in 2 Schichten arbeiten zu dürfen.

Dann können die „Eulen“ in der Spätschicht den Schlaf nachholen und die „Lärchen“ müssen sich auch mal quälen. Und bei 30h bleibt auch noch Zeit für anderes außer Arbeit. Und die Wiedereinführung von in der DDR obligatorischen „Frauenruheräumen“ wäre schön, so ein Mittagsschlaf wäre für viele Angestellten sicher leistungsfördernd Zumindest in der dunklen Jahreszeit sollte da wo es möglich ist, die Arbeitszeit nicht vor 9 Uhr beginnen. Gleitzeit finde ich super!! Gott sei Dank arbeite ich seit Jahren im Außendienst mit Homeoffice, da kann ich mich selbst organisieren und mal abends einen Brief schreiben, da ich mich als „Eulenmensch“ dann viel besser konzentrieren kann. Ich war sogar schon 2 Tage & Nächte im Schlaflabor, um die Ursachen meiner ständigen Müdigkeit zu erforschen. Keine medizinische Ursache gefunden. Die Schlafmediziner in Berlin sind auch der Meinung, da es verschiedene Chronotypen gibt, sollte man möglichst nach seinem Typ Leben und Arbeiten können. – Kerstin Kwiatkowski


Leserbrief zu „Die Revolution auf dem Dorfe“ von Nadine Ahr und Joanna Nottebrock

Diese Utopie des gemeinsaen Lebens und Wirtschaftens, der gemeinsamen Entscheidungen gab es nicht erst im vor 100 Jahren entstandenen Kommunismus. Bereits die Urchristen lebten diese Wirklichkeit, und später entstanden mit den Regeln des hl. Benedikt solche Gemeinschaften, allerdings nicht mit beiderlei Geschlechtern. So zu schreiben, als sei ein solches Projekt wie in Niederkaufingen also etwas ganz Neues und erst im Kommunismus möglich geworden , stimmt nicht. – Alois Lienhard


Leserbrief zu „Im Westen was Neues” von Jörg Lau und Bernd Ulrich

Ja, es stimmt – da hat mich etwas sehr bewegt: Ich möchte Ihnen danken für Ihren Artikel. Ich habe ihn viermal gelesen (auch das ein Novum für mich) – die Lektüre hat mein bisheriges Weltbild wesentlich ergänzt (ich denke auch, ich habe es nicht korrigieren müssen). Sie werden zahlreiche Leserbriefe erhalten und die wenigsten werden Ihnen wirklich Neues vermitteln. Ich bin in einem sozialen Beruf tätig mit unzähligen Kontakten jeden Tag und ich kann die positiven Rückmeldungen auch kaum würdigen – aber wenn sie ehrlich ausgesprochen werden, dann helfen sie mir schon! Nehmen Sie daher bitte meinen aufrichtigen Dank an für Ihre Arbeit in der Gewißheit, dass Sie in meinem Kopf wirklich etwas bewirkt haben. – Burkhard Sorge-Hädicke


Leserbrief zu „Kurz oder Macron” von Matthias Krupa

Sie haben im ersten Teil des Beitrages es richtig gesagt:  „die aus der Asche des ausgebrannten Parteiensystem neues Feuer entfacht hat“. Was dann folgt ist allerdings die falsche Folgerung. Es stehen zwar zwei unterschiedliche Politiker zur Wahl, die gar nicht soweit von auseinander liegen. Kurz ist eher der Politiker der die Realität besser erkannt hat. Das Europa was sich Macron wünscht, ist unrealistisch. Weil einfach die Voraussetzungen dafür fehlen. Sie sollten nicht immer den Nationalismus verteufeln. Den Nationalismus denn Sie im Auge haben, um den geht es doch gar nicht. Die Töne mit Nazideutschland können Sie vergessen.  Es geht einzig und allein um die uferlose Einwanderung, die jeden europäischen Staat destabilisiert und schwächt  Ihre Märchen von einem Kultimultistaat ist auf Sand gebaut. Wenn Deutschland sich darauf besinnt, Ausländer aufzunehmen, die für unseren Staat hilfreich sind, könnten die Bürger damit leben. Die Wahrheit ist aber, Deutschland wird  gnadenlos ausgenutzt. Das lässt sich nicht mehr vermitteln.  Gleich gar nicht wenn die Armut der Einheimischen Bürger  ständig wächst. Von der Schulpolitik will ich erst gar nicht reden. Ein einziges Desaster. Das ist kein Populismus sondern Realität. Und das hat Kurz eher verstanden als Macron.  Das Wort Populismus wird ohnehin ständig missbraucht.  Sie sollten eher auf den Boden der Tatsachen zurückkehren.  Die etablierten Parteien haben auf der ganzen Linie versagt. Wer ständig an seinem eigenen Volk vorbei regiert, wird auf Dauer nur Missmut ernten.

Die CDU war bei den Wahlen nur das kleinere Übel. Alle anderen etablierten Parteien unterscheiden sich in den elementaren Fragen nicht viel anders. Bayern hat sich niemals vorstellen können, daß eine noch konservativere Partei sie überholt, obwohl sie auf allen sozialen und wirtschaftlichen Feldern ganz oben von allen Bundesländern liegt. Das zeigt deutlich, was viele Bürger wirklich von der Politik halten.  Und die Medien tanzen immer noch auf der falschen Hochzeit, die können der Politik die Hand reichen. Europa kann nur zusammen wachsen , wenn man Ihnen die Souveränität  lässt. Keine Vorschriften von Brüssel, wenn man sich vorher nicht abgesprochen hat. Nur so kann Europa zusammenwachsen. Ich weiss natürlich, daß das ein länger Prozess sein wird. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Das Römische Reich begann meines Wissens von  etwa  500 v. C. und endete 27 v. C., und das nur durch Kriege. Heute sind Kriege Gott sei Dank vorbei, aber nur wenn man sich mehr Mühe gibt, wie Reich Ranicki einmal gesagt hat. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Ehe für alle“ von Martin Klingst et al.

Natürlich ist es überwindbar. Es fragt sich nur zu welchen Konzessionen.? Um die kommende Macht nicht zu verlieren, werden sie sich irgendwie einigen. Was da letztendlich raus kommt wird sich zeigen. Ich fürchte nur, nichts Gutes. Jeder gibt ein bisschen nach und fertig ist die Laube. Nicht Fisch und nicht Fleisch. Es wird weiter so gehen wie bisher. Hinterher stellen sie fest, es war alles Kokolores. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Willkommen hinterm Stacheldraht” von Caterina Lobenstein

Da haben Sie (wieder) ein Hauptproblem beschrieben, ohne es zu merken (?): Niemand sagt den Leuten, welcher Verhaltenskodex in Deutschland gilt. Dass z.B. das von Ihnen beschriebene Auftreten der Araber hier nicht erwünscht und mit ein Grund ist, weshalb solche Lager eingerichtet werden. Und niemand differenziert, wie zwischen dem Integrationsunwilligen und dem von Ihnen beschriebenen Iraner, der sich anscheinend integrieren möchte. Es wäre einfach, Anreize zu schaffen. Wer sich integrationsbereit verhält, bekommt auch Privilegien. Leider sind solche Gedanken in der links-grünen Ideologie ja verboten und werden mit einem Schlag mit der Nazikeule bestraft. Eigentlich Leidtragende sind ausgerechnet die, die sich in die Gesellschaft einbauen wollen, aber de, Treiben derjenigen ausgesetzt werden, die hier allenfalls kriminell werden können und auf Dauer der Sozialkasse zur Last fallen. Reichlich unanständig finde ich Ihre Unterstellung, Mitarbeiter der Ämter würden ausschließlich gegen die Asylbewerber arbeiten und nicht versuchen, deren wahre Situation zu ergründen. Finden Sie es besser, jedem eine Schar von Rechtsverdrehern an die Seite zu stellen, die durch Ausnutzung aller juristischen Tricks dafür sorgen, dass auch Leute, die es nicht verdienen, hier auf Dauer Unfrieden stiften können? Gilbert Brands


Leserbrief zu „Ich auch? Ich auch!“ von Khuê Pham et al.

Eben geht ein Rauschen durch den Blätterwald; wieder mal ein „Aufschrei“. Die Medien berichten über Belästigungen, denen Frauen immer wieder ausgesetzt sind. Das geht von relativ harmlosen verbalen Attacken – man denkt an den FDP-Mann Brüderle – übers Begrapschen bis zu Vergewaltigungen. Diese Übergriffe werden von Männern gegenüber Frauen ausgeübt. Umgekehrt geht auch, aber äußerst selten. Vor Jahren berichteten die Medien von einem Mädchen, die bei Männern im Zugabteil zur Sache kam. Die Wissenschaft beschreibt solch Verhalten als nymphoman. Das männliche (Standard-)Verhalten ist schon unerträglich, aber nicht mehr steigerbar wird es, wenn berufliche Erpressung hinzukommt. Nur wenn du mir horizontal zu Willen bist (so sagt man im Deutschen), kriegst du den Job. Besonders also auch bei Männern, die der Elite angehören, Stellen vergeben können, ist dies Verhalten verbreitet. Nicht in gleichem Maß. Da alle Menschen ungleich sind, gibt es, wie die Sprache des Volkes formuliert – im Lutherjahr wird man doch dem Volk aufs Maul schauen –, Schlappschwänze oder lahme Gockels. Es dürfte aber auch so sein, dass gerade unter denen einige sind, die das Maul groß aufreisen, um wie der miles gloriosus, der Hero  bei den Römern, als Champion zu erscheinen.

Zum näheren Verständnis dieses männlichen Fehlverhaltens muss man etwas ausholen. Männchen, dazu gehören biologisch auch die Männer, sind physei (wie die alten Griechen sagten), von Natur aus, als Gockel, als Hähne formatiert. ihre Verhaltens-Software hat sich im Laufe der Evolution so strukturiert, dass die Redensart, Männer wollen immer das gleiche, das Richtige trifft. Männer sind, so sehen wir das heute wissenschaftlich, genetisch auf horizontale Aktivitäten programmiert. Das hat seinen guten evolutionären Sinn. Bei Frauen liegen die Dinge anders. Goethe hat mit dem Erzieher seines Sohnes darüber geredet – auf Latein, damit der Kutscher nichts verstehe. Frauen sind, sowieso in pillenlosen Zeiten, vorsichtig, zurückhaltend. Sie wissen, dass solche Freuden der Nacht (die, wie Goethe wiederum weiß, vom Schöpfer zur Zweisamkeit gemacht ist) Folgen haben können. Der Mann ist am Tag danach aus der Nummer raus, aber der Gespielin hat er ein Andenken hinterlassen, an dem sie u.U. neun Monate zu tragen hat.

Es gibt eine Gattung in der deutschen Literatur, die das thematisiert. Das mittelhochdeutsche Tagelied erinnert die Liebesnacht und zeigt den Abschied des Ritters, der sein Betthäschen, also oft seine vrouwe und auch herrin, allein zurücklässt. Freilich war das Problem entschärft, wenn die vriedel, die Freundin, verheiratet war. Dann galt, was die Leute damals noch verstanden: pater semper incertus est, der Vater ist immer ungewiss. Es gab ja noch keinen DNA-Test. Frauen wissen, auch wenn sie sich dessen nicht bewusst sind, gehört es zu ihrem kollektiven Gedächtnis: dass Schwangerschaft beschwerlich ist, Geburt gefährlich (besonders in früheren Zeiten, in denen der Kindbett-Tod, der Tod im Wochenbett Standard war). Hinzu kommt noch die verantwortungsvolle, zwar da und dort Freude bereitende, aber enorm anstrengende Aufzucht. Die männliche Anmacherei – in römischen Bussen müssen Frauen immer damit rechnen, weil’s eng ist von feurigen Landsmännern betatscht zu werden – kann man evolutionär als spielerische Balz sehen, als deutliches (unmoralisches?) Angebot. Dabei ist klar, dass das Mann-Männchen immer in der Brunft ist (Brunft im Ablaut von althochdeutsch breman=brüllen, Brunst von brinnan=brennen).

Das sexuelle Begehren ist skalierbar: es geht vom Schlappschwanz bis zur gewaltgebrauchenden, machtbestimmten Verfügung über eine andere Person. Wenn die männliche Lustgier übersteigert ist, spricht man von Satyriasis. Der Satyr der griechischen Mythologie gilt als sexbesessen; der junge Goethe – man findet immer was bei dem Frankfurter –hat ein Stück geschrieben, in dem ein solcher Satyr mitspielt und wild wird. Die männliche Satyriasis ist bei Frauen die Nymphomanie, deren anderes Ende die Frigidität. Was ergibt sich nun aus dieser Situation?  Männer müssen sich zivilisieren, von ihnen wird gesellschaftlich verlangt, dass sie sich gegenüber Frauen anständig benehmen (wie man sagt und wie das der gegenwärtige amerikanische Präsident nicht immer schafft).

Männer müssen eine moralische Anstrengung vollbringen, übrigens so wie der Pädophile, der seine Neigung nicht ausleben darf. Da der sexuelle Wunsch tief in der humanen Struktur  verankert ist,  ist er schwer korrigierbar (wie so vieles andere, das wir nicht wollen, das aber in der Anthropologie fundiert ist: Das heute real existierende Exemplar des Mannes benötigt ein Software update, Sicherheitslücken sind zu schließen (Gewaltgebrauch, Untreue, persönliche Bereicherung, meist Korruption genannt, usw., also die üblichen Verdächtigen). So schlimm wie das ist, so zynisch das klingen mag: Frauen müssen mit dieser Lage der Dinge rechnen. Sie sollten alle einen Selbstverteidigungskurs machen. Und, wie Luther gewagt hätte zu schreiben, ohne … (die drei Punkte als Auslassungszeichen): den Schweinen in die … treten. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Im Westen was Neues” von Jörg Lau und Bernd Ulrich

Einige Zeit vor den Bundestagswahlen war ich drauf und dran mein Abonnement zu kündigen. Seit der Bundestagswahl hat sich das erledigt. Grund: Die Zeit nähert sich den Realitäten im Laufschritt. Kurz, der Artikel von den Herren Lau u. Ulrich ist genau die Abbildung der momentanen Situation . Ich hoffe nur inständig, dass beide Herren nicht in die Reichsacht derer geraten, die immer noch glauben sie hätten die Deutungshoheit in diesem Land. In der präzisen Beschreibung der Umstände eines aus den Fugen geratenen US-Amerika´s, beweist Die Zeit Mut zur Wahrhaftigkeit und das wird ihr wieder Zuspruch in jenen Kreisen sichern, die schon lange von traumtänzerischen Vorstellungen die Nase voll haben. Klare Beschreibung der Dinge verhindert Missverständnisse und so gefährlichen Realitätsverlust. – Wolfgang Schuckmann


Leserbrief zu „Der Handel kann die Welt retten“ von Joachim Weimann

In Ihrem Artikel beschreiben Sie sehr treffend die Zusammenhänge. Gerne möchte ich Sie bestärken, weitere Fakten zu berichten. Dazu meine nachfolgenden Ergänzungen. Nach meinem Verständnis herrscht über alle Parteien hinweg ein Konsens, dass die Energieerzeugung ressourcen- und umweltschonend sowie bezahlbar sein soll. Der Strom soll darüber hinaus auch einigermaßen sicher bereitgestellt werden. Mir scheinen die Wege dahin nicht immer vollständig durchdacht. Ältere Braunkohleanlagen mit einer Gesamtleistung von 2.700 Megawatt in die Sicherheitsreserve zu nehmen und sie dann nach vier Jahren stillzulegen, mag in guter Absicht erfolgt sein. Die damals zuständigen Minister Sigmar Gabriel und Barbara Hendricks (beide SPD) haben es allerdings unterlassen, die entsprechende CO2-Menge von 12,5 Millionen Tonnen aus dem Markt zu nehmen.

Werden die Braunkohleanlagen vom Netz genommen, brauchen sie keine CO2-Zertifikate mehr zu ersteigern. Diese Menge steht aber weiterhin allen anderen Industrien und Kraftwerken in Deutschland und in Europa zur Verfügung. Die Betreiber ersteigern diese CO2-Mengen, damit ihre Anlagen CO2 emittieren dürfen. Die Stilllegung der Braunkohleanlagen hat also zu keiner CO2-Einsparung geführt, lediglich zu einer Verlagerung auf andere Industriezweige und in andere europäische Länder. Der Effekt für den Klimaschutz ist gleich null. Das Mindeste wäre gewesen, wenn Frau Hendricks die im Jahr 2017 versteigerten Zertifikate für eine CO2-Menge von 192,82 Millionen Tonnen um 12,5 Millionen Tonnen gekürzt hätte. Dann hätte die Maßnahme CO2 eingespart. Wir geben jetzt 1,6 Milliarden Euro für die Sicherheitsreserve aus. Diese Ausgaben sind für das Klima wirkungslos.

Man hätte das Geld auch nehmen und CO2-Zertifikate vom Markt zurückkaufen können. Bei einem Preis von rund 7 Euro pro Zertifikat hätte man mit dem Geld rund 200 Millionen Tonnen CO2 vom Markt nehmen können. Dies wäre eine echte Minderung des CO2-Ausstoßes gewesen. Das Gegenargument „Dies ist alles zu kompliziert und rechtlich nicht umzusetzen“ lasse ich nicht gelten. Sicher sagt §8 des Treibhausgasemissionshandelsgesetzes (TEHG), dass Deutschland alle von der EU zur Versteigerung zugewiesenen Zertifikate versteigern soll, aber wer hindert ein Ministerium daran, einen Vorschlag zu erarbeiten, damit das Gesetz zu Gunsten des Klimaschutzes geändert wird? Vielleicht fließt jetzt die Kürzung der CO2- Versteigerungsmengen in die Koalitionsgespräche ein. – Dipl.-Ing. Gerhard Artinger


Leserbrief zu „Ich auch? Ich auch!“ von Khuê Pham et al.

Mit großer Verwunderung verfolge ich die #metoo-Kampagne in den sozialen Medien und seit vergangener Woche auch in der Presse. Heute nun entdeckte ich auf Ihrer Internetseite auch noch den Bericht über die Äußerungen von Frau Barley und Frau Nahles. Durchweg wird diese Kampagne positiv bewertet, endlich treten Frauen aus dem Schweigen und bekennen ihre Opferrolle – diese Meinung scheint weit verbreitet. Mich persönlich macht diese Kampagne betroffen und wütend. Ich lese von meinen Bekannten, wie jemand „zufällig“ seine Hand beim Verlassen der U-Bahn auf ihren Po legte. Ich lese von Frau Barley, wie sie „zu langes Festhalten“ bei begrüßenden Umarmungen oder eine Hand auf dem Knie anprangert. Was diese Frauen offenbaren, ist, dass sie keine Ahnung haben, WAS sexuelle Übergriffe sind. Ich wurde mit 12 vergewaltigt. Vom besten Freund meiner Mutter. Er war jeden Nachmittag bei uns im Hause, ich musste ihn bis ich 18 war nahezu täglich sehen. Mit ihm allein im Auto sein. Ihn riechen. Meine Mutter hat mir immer den Eindruck vermittelt, dieser Übergriff sei meine Schuld gewesen, und ich habe lange mit dieser Schuld leben müssen.

Es gibt viel zu viele Frauen auf dieser Welt und auch in diesem Land, die ein ähnliches Schicksal mit sich tragen. Gerechtigkeit ist hier nie wieder herzustellen – Rechtsfrieden, ja, der schon, doch ist dieser ein schwacher Trost und allenfalls eine Hilfestellung, mit dem Geschehenen zu leben. Die #metoo – Kampagne jedoch banalisiert meines Erachtens genau diese Vorfällen. Sexuelle Belästigung ist nun nichts besonderes mehr, es ist ja quasi jeder Frau schon passiert. Es ist normal, und natürlich ist es schrecklich, aber in etwa so, wie es schrecklich ist, dass auf diesem Planeten täglich Kinder sterben, weil die medizinische Versorgung nicht gewährleistet ist. Schrecklich, aber nicht ungewöhnlich. Kann es ein Fortschritt sein, sexuelle Übergriffe zu banalisieren? Wird nicht durch diese Kampagne erst eine Bagatellisierung erreicht? Ich möchte nicht eine von vielen Frauen sein, die „einen Übergriff“ erlebt hat. Ich möchte eine Frau zu viel sein, der sexuelle Gewalt widerfahren ist. Und ich wünsche mir, dass alle anderen Frauen, die dasselbe Schicksal ereilte, ebenfalls je „eine zuviel“ sind. – Lara Venghaus


Leserbrief zu „Damals“ von PAM

Die Hauptstadt Nigerias ist seit Dezember 1991 (~26Jahre) ABUJA und nicht wie geschrieben Lagos. Aber offenbar muss man sich selbst bei der ZEIT mit solcherlei Fehlern abfinden. – Berthold Merkt


Leserbrief zu „Das Geheimnis der Rothosen” von Andreas Lebert

Dies ist kein Leserbrief im eigentlichen Sinne, sondern mehr ein Dank für Ihren wunderbaren Bayern-Artkel. Er faßt im Kleinen zusammen, womit Nick Hornby die Fußballfreunde vor Jahren unterhalten hat und Marsmenschen zu solchen werden lassen könnte. Unnötig zu erwähnen, daß ich (58) auch Bayern-Fan bin. Sollten Sie an eine Fortsetzung des Artikels in etwa 20 Jahren denken, bitte erwähnen Sie Georg Schwarzenbeck – Sie wissen schon, Brüssel 15. Mai 1974 119.Minute! – ohne den wir alle diese unglaublichen Nachspielminuten gegen ManU wahrscheinlich gar nicht erlebt hätten. Diese habe ich übrigens auf Korsika in einer Kneipe gesehen, umgeben von Menschen, die dem FC Bayern nicht sehr wohlgesonnen waren. Entsprechend gewaltig fiel der Jubel aus. – Joachim Borski


Leserbrief zu „Der Handel kann die Welt retten“ von Joachim Weimann

Prof. Joachim Weimann kann ich voll zustimmen, wenn er die Beachtung der Kosteneffizienz von Klimaschutzmaßnahmen fordert und die weltweite Dimension des Themas herausstellt. Reformierung und Durchsetzung des Emissionshandels sind der weltweit sicherste Weg zu einem Erfolg bei den notwendigen Bemühungen um Klimaschutz. Auch sollte der u.a. von Sir Nicolas Stern und Claude Martin geforderte Regenwaldschutz als schnell wirksame und kostengünstige Maßnahme zur Reduzierung der Emissionen mit in die Überlegungen aufgenommen werden: denn was liegt näher als z.B. 1 Milliarde Euro als Kompensationszahlung für Maßnahmen zum Schutz von Regenwald zu zahlen wenn klar ist, dass dies dem Weltklima mehr nützt als 5 Milliarden Subventionen in Deutschland für nicht effiziente Maßnahmen wie Windkrafträder in wenig geeigneten Gegenden. – Karl Enk


Leserbrief zu „Ehe für alle“ von Martin Klingst et al.

Die FDP zu ihrer Meinung zu Russland zu kritisieren ist leider nicht nur bei Medienvertretern, sondern auch bei Politikern festzustellen. Allerdings will man dort nicht die tatsächlichen Gegebenheiten zur Kenntnis nehmen. Russland hat die Krim annektiert und das ist sicher völkerrechtswidrig gewesen. Was wollen Sie aber dagegen tun? Einen Weltkrieg anfangen? Die Sanktionen gegen Russland haben nur wenig genutzt, allerdings haben sie im Falle der Ukraine-Krise eher geschadet. Es wäre an der Zeit endlich einen gemeinsamen Weg mit Russland zu suchen. Bei den Verhandlungen zur Regierungsbildung sollte die FDP sich sehr genau überlegen, ob sie bei dem Theater mit CSU und Grünen mitmacht. – Günter Belschner


Leserbrief zu „Ehe für alle“ von Martin Klingst et al.

Jetzt bekommt die Ehe für Alle, mit Alle, eine ganz neue Bedeutung und verantwortlich sind alle die Bürger/innen, die diese Konstellation erst möglich gemacht haben. Hier geht es um einen „Flotten Dreier“ mit bekannten Gesichtern: Tatsächlich ist es einfacher, sich etwas einfallen zu lassen, wenn man seine Erfahrungen mit Menschen austauscht, die man kennt und denen man im Idealfall sogar vertraut. So braucht man keine Scheu vor unangenehmen Situationen nach den Sondierungsgesprächen bzw. Koalitionsverhandlungen zu haben, denn wenn alle Beteiligten von Anfang an offen mit ihren Wünschen und Erwartungen umgehen, vermeidet man nicht nur peinliche Momente, sondern kann diesen Spaß unter Umständen sogar wiederholen. Ich sehe schon die künftige Bundesregierung vor mir mit Volkesoma (Merkel) buntem Ziehsohn (Spahn), bin isch Außenminister (bekannter Freireisender Özdemir), einen nerventötenden Kanarienvogel als Finanzminister (Lindner) und einen hinterwäldnerischen Sheriff als Innenminister (Herrmann). Was da noch alles zusätzlich von Minister/innen auf uns zukommt, wage ich hier gar nicht abzusehen. Sollte es tatsächlich zu so einer Regierungsbildung kommen, ist auf Jamaika nicht genug Platz für uns alle auch wenn wir danach alle reif für die Insel werden. – Peter B. Sanden


Leserbrief zu „Mehr als ein Spiel“ von Stefan Schmitt

Was für ein Trara und Getröt um das, was da mit „künstlicher Intelligenz“ betitelt wird! Wer hinterlegt die Algorithmen, mittels derer eine Maschine den aufrechten Gang errechnet? Eben: Menschen. Wären es Kakerlaken hätte die Maschine den Gang auf sechs Beinen als Folge physikalischer Grundregeln hergeleitet – wie wir Menschen ja auch das tun können. Und, wie bitte, ist die Maschine auf die „Idee“ gekommen, dass sich Strichmännchen bewegen können (können sich Strichmännchen wirklich bewegen oder werden sie bewegt…?) und miteinander ringen können im Sumo-Stil (dito?)? Von allein? Wohl kaum: Ein Mensch gab den Anstoß, macht eine Vorgabe, gab das Thema vor.

Wieso sollte eine Maschine „sich“ ohne Befehl solche „Gedanken“ machen? Ohne den Impuls durch einen Menschen „tut“ die Maschine das, was Maschinen „tun“, wenn diese nicht „bedient“ wurden: „Regungslos verharren“. Unbelebte Materie.  Dieser Wahn des errechenbaren Menschen hat hoffentlich bald ein Ende. Das Wort „hoffentlich“ ist mit bedacht gewählt – den wie Einstein in den Mund gelegt wird ist nichts größer als die menschliche Dummheit, da sie unendlich ist. So, und jetzt sollen die Damen und Herren von der KI ihre Maschinen mal rechnen lassen, um das mit der Unendlichkeit jetzt endlich mal zu klären. Ach, das brauchen wir ja gar nicht, Douglas Adams hat das Problem ja schon gelöst, als er den Garten schaute(vgl. (1)). Wohl durch ein Fenster. Die Antwort lautet: 42.  (1) https://de.wikipedia.org/wiki/42_(Antwort)Volker Homann


Leserbrief zu “Im Sternenkino gibt’s jetzt Ton” von Ulrich Schnabel

Vielen Dank für diesen spannenden Artikel! Mal ironisch angemerkt: Was schert uns das Geschehen vor 130 Millionen Jahren? Zu der Zeit, als wohl das Material, mit dem wir auch heute noch auf Tafeln zu schreiben pflegen, die Dinos gefressen haben, auch wohl: Kreide. Angesichts des Gedanken, dass sie aussterben werden. Man stelle sich das mal vor: Die, die jetzt diese 130.000.000 Jahre alten Ereignisse im Universum beobachten können, entstanden vor 160.000 Jahren oder ein paar Jährchen mehr(1). Es ist der Wahnsinn… ;-)  (1) https://de.wikipedia.org/wiki/Mensch#Entwicklungsgeschichte_und_Ausbreitung_der_SpeziesVolker Homann


Leserbrief zu „»Habt keine Angst!«“ von Lisa Nienhaus

Gute und kluge Fragen, und wie nicht anders zu erwarten, poloyglott beantwortet von einem charmanten Banque de France-Präsidenten. Eine Frage habe ich in Ihrem Interview, wie auch in vielen anderen Fällen zu diesem Thema, vermißt, nämlich: Wieso glaubt die EZB, und namentlich ihr derzeitiger Präsident Draghi, daß die zum Dogma erhobenen 2% Inflation allein seeligmachend sind. Gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die dieses belegen? Meines Wissens nein. Ich frage mich, warum die Medien dieses nicht agressiv hinterfragen. – Klaus Grasenick


Leserbrief zu „Ein Gift mit Zukunft…“ von Christiane Grefe

Herzlichen Dank, dass Sie jetzt endlich das wahrscheinlich für die Menschheit in Zukunft wichtigste Thema „Glyphosat“ aufgenommen haben. Der Titel meint bestimmt die Wirkung von Glyphosat auf die Fruchbarkeit unserer Äcker in der Zukunft, was bisher nicht problematisiert wurde, geschweige denn Wissenschaftlich untersucht und hochgerechnet wurde ? Nur die Krebserregung durch Sprühnebel für die Landwirte oder die Rückstände in Nahrungsmitteln für die Verbraucher wurde strittig behandelt ! Die eigentliche Gefahr ist noch viel grundsätzlicher, nämlich , dass das weltweite Ausbringen von Glyphosat die Humusschichten der Äcker dieser Erde in wenigen Jahren zerstören wird und völlig unfruchtbar macht ! Die Glyphosat haltigen Produkte von Monsanto und anderen Herstellern, werden inzwischen auf allen Erdteilen eingesetzt. Die Frage, wie lange halten die Äcker, die uns Jahrtausende ernährt haben, diese neue Belastung aus und wie lange können wir noch von ihnen leben, ist bisher vernachlässigt worden und  völlig ungeklärt ! Glyphosat ist gemäß deutscher Institute und Ministerien ein Totalherbizid und vernichtet in kurzer Zeit alle Pflanzen und alle Lebewesen, die mit dem Mittel in Berührung kommen. Die weltweite Anwendung läuft auf einen Genozid der ges. Menschheit hinaus. Bleiben Sie bitte am Thema und rütteln Sie auf, dass die Notbremse auf EU-Ebene noch im Dezember gezogen wird ! – Klaus-Otto Cordua


Leserbrief zu „Ich auch? Ich auch!“ von Khuê Pham et al.

Nicht nur in Hollywood, nicht nur in der Filmbranche (aber dort besonders) überall wer Verantwortung trägt, ob Welt- oder Regionalunternehmen, ob Arzt oder Pädagoge. nutzen ihre Autorität und Macht für ein sexuelles Abenteuer. Die Frauen spielen das Spiel mit. Ich mag solche Frauen ganz und gar nicht, die sich jetzt darüber echauffieren. Ich behaupte: Die meisten Männer denken fast täglich daran. Mich eingeschlossen.  Wie das bei den Frauen ist, habe ich noch nicht ergründen können. Das wird immer das Geheimnis bleiben. Nur ganz wenige Frauen reden darüber. Es kommt auch auf das Land an. In Brasilien zum Beispiel ist man nicht so verschwiegen. Auch in Japan haben die Frauen ein ganz anderes Empfinden für ihren Körper. Der Ton macht die Musik, wie hinlänglich bekannt ist.  Der Filmproduzent mag, wenn man sein Äußeres so Betracht, einer von der brutalen Sorte zu sein. Der hört nicht auf: Nein. Für meine Begriffe wird heute aber auch vorschnell von Verwaltung gesprochen. Besonders dann, wenn Eifersucht im Spiel ist (s. Kachelmann). Ich spreche nicht von Kriegsereignisse oder von Menschenhandel. Ich erwähne das nur, weil ich heute ständig falsch verstanden werde. Der vollständigkeitshalber füge ich noch hinzu:  Es gibt auch Männer, die frei von alledem sind. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Regelt das endlich!“ von Martin Spiewak

Die Gründe, die der Verfasser Martin Spiewak für eine Neuregelung des deutschen Embryonenschutzgesetzes anführt, halte ich aus folgenden Gründen für fragwürdig:

  1. Die Aufgabe der Medizin besteht darin, Krankheiten zu heilen bzw. zu lindern. Es gehört nicht in den Aufgabenbereich der Medizin, für das (vermeintliche oder tatsächliche) Lebensglück der Menschen zu sorgen. Wenn ungewollt kinderlose Paare meinen, ihr Lebensglück hinge allein davon ab, ob sie Nachwuchs bekommen können oder nicht, ist dies ihre persönliche Einstellung, aus der keine Anspruchshaltung an die Gesetzgebung abgeleitet werden kann.
  2. Kinderlosigkeit als solche mag gewiss persönliches Leid hervorrufen, aber sie ist definitiv keine das Leben der Paare bedrohende Krankheit. Einer Unfruchtbarkeit können körperliche Störungen zugrunde liegen, deren Ursachen in vielen Fällen behoben werden können, so dass die Fruchtbarkeit wiederhergestellt und eine natürliche Konzeption ermöglicht wird ( z.B. mit Hilfe der NaPro-Methodik, deren Kosten derzeit leider nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden). Durch künstliche Befruchtung, Samenspende, Eizellspende oder Leihmutterschaft wird ja nicht die Ursache der Kinderlosigkeit behoben, sondern stattdessen auf das  Symptom reagiert.
  3. Die Definition des Beginn des Lebens mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle basiert auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und ist keine willkürliche Festlegung.Die erste Erscheinungsform des Menschen ist die befruchtete Eizelle, die sich mit ihren artspezifischen 46 Chromosomen eindeutig von jeder anderen Eizelle unterscheidet. Alle übrigen Definitionen, die den Lebensbeginn auf einen späteren Zeitpunkt festsetzen, haben nichts mit den biologischen Tatbeständen zu tun, sondern unterliegen Nützlichkeitsargumenten.
  4. PID dient nicht der Heilung, sondern ist ein Instrument der Selektion. Der verständliche Wunsch nach einem gesunden Kind darf weder zu einem Anspruch der Eltern an die Medizin noch zu einer von der Gesellschaft den Eltern aufgebürdeten Pflicht werden. Anderenfalls wird erneut die Meinung mehrheitsfähig, dass behinderte Kinder den Eltern und der Gesellschaft erspart bleiben sollten.
  5. Bezüglich der Eizellspende ist zu bedenken, dass gemäß der pränatalen Psychologie die Mutter und das ungeborene Kind zwar Individuen sind, die aber dennoch eine leiblich-seelische Einheit bilden. Das ungeborene Kind erlebt schon zu einem sehr frühen Stadium mit, was die Mutter empfindet. Zudem bringt die Implantation einer fremden Eizelle erhebliche medizinische Gefahren für die Leihmutter mit sich, deren Immunsystem künstlich unterdrückt werden muss. Außerdem liegt die Vermutung nahe, dass sich eine junge Frau primär aufgrund finanzieller Not und keineswegs freiwillig oder gar aus Überzeugung als Leihmutter zur Verfügung stellt. Da die bisherige Anzahl der mittels Eizellspende entstandenen Kinder sehr gering sein dürfte und sich diese Kinder vermutlich noch nicht im Erwachsenenalter befinden, können zur Zeit keine gültigen Aussagen darüber gemacht werden, ob diese Kinder später unter Identitätsproblemen leiden werden oder nicht. Fazit: Die Politiker tun gut daran, dass bestehende Embryonenschutzgesetz weiterhin nicht anzutasten! – Annette Wiesen

Leserbrief zu „Macrons großer Moment“ von Thomas Assheuer

Mir scheint allerdings, daß die Berichte (in den Teilen „Politik“ und „Feuilleton“) in ihrer Gesamtheit rein positiv, ja sogar affirmativ sind. In dem aktuellen Artikel im Feuilleton werden zwar kritische Stimmen erwähnt, jedoch mit einer (siegesgewissen?) Arroganz und Überheblichkeit abgebügelt, die mich ärgert. Wäre es nicht angebracht, auch mal die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen? Mir ist die Berichterstattung über Herrn M. zu einseitig. – Björn Martens


Leserbrief zu „Wacht auf!“ von Wolfgang Huber at al.

Wacht doch endlich auf! Mein Mann (katholisch) und ich (evangelisch) wollten 1972 vom kath. Priester-Onkel ökumenisch getraut werden. Der evangelische (!) Pfarrer verweigerte dem katholischen Priester die Konzelebration in „seiner“  evangelischen Kirche – naja, dann haben wir halt katholisch geheiratet. All die Jahre gingen wir jeweils mal in die katholische und mal in die evangelische Kirche, auch zum Abendmahl – wo war das Problem. Übrigens durchaus mit dem Einverständnis des kath. Priester-Onkels  Mein mittlerweile leider verstorbener Ehemann ist evangelisch beerdigt worden. Wie man aus unserer Vita sieht, ist doch einiges möglich. – Ulrike Nöth


Leserbrief zu „»Wir müssen wieder Mut zur Kapitalismus-Kritik fassen«“ von Bernd Ulrich

Das aus meiner Sicht vielleicht vernünftigste Ergebnis der abgelaufenen Bundestagswahl besteht im Ende der großen Koalition. Es eröffnet zumindest die Chance einer politischen Neuausrichtung der SPD und es bleibt zu hoffen, dass die Partei diese bei Strafe ihres völligen politischen Bedeutungsverlustes nutzt. Es reicht eben z.B. nicht, in jedem 3. Satz von der „hart arbeitenden Bevölkerung“… zu sprechen, deren Anteil an der erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung erhöht werden müßte, ohne zu sagen, was denn in dieser Hinsicht konkret aus welchen Gründen falsch läuft und welche Maßnahmen erforderlich wären, um hier Änderungen zu erreichen. Nein, die SPD hat keinen Wahlkampf mit linken Inhalten geführt, sondern vielmehr auf einen Mitte- Kurs gesetzt und alles getan, sich nicht „…bei irgendeinem Linkssein erwischen (zu) lassen“. Es ist doch so, dass eine „… linke Politik in einem Wahlkampf erst spürbar (wird), wenn irgendjemand von der Gegenseite schreit“. Es hat aber kaum jemand geschrien. Warum war und ist die SPD hier so ängstlich und zaghaft? Man muß nicht die Systemfrage stellen, auch wenn davon auszugehen ist, dass der politische Gegner jeden Ansatz einer Systemkritik zu einer solchen Frage hochstilisieren wird. Genügend Scharfmacher gibt es ja hier. Die SPD sollte unbedingt wieder den Mut zur Kapitalismuskritik fassen. – Dr. Karlheinz Großkopf


Leserbrief zu „»Wir müssen wieder Mut zur Kapitalismus-Kritik fassen«“ von Bernd Ulrich

Ihr Autor weiß, daß ich das alles vorausgesagt habe. Er hat mich nur verhöhnt. Das war alles nach seiner Auffassung Humbug. Martin Schulz irrt schon wieder. Die Welt dreht sich in den nächsten 100 Jahren nach rechts.  Das ist ganz einfach zu erklären: In Deutschland gibt es eine Sozialregierung, die heißt nur CDU. Es ist doch nun wirklich nicht zu übersehen, daß in Europa  die Sozialdemokraten überall hohe Einbusen hinnehmen mussten.  Alles hat seine Zeit.  Der letzte Epochenbruch ist über 50 Jahre alt.  Wir hatten keinen Krieg mehr. Aber nicht weil die Parteien so gut waren, wie immer behauptet wird, sondern die Menschen hatten die Schnauze gestrichen voll vom Krieg. Viele haben in ziemlich kurzer Zeit zwei Weltkriege mitgemacht. Meine Familie und ich sind Zeitzeugen dieses Elends. Jetzt können sie vielleicht verstehen, wenn ich nicht  begeistert bin, wenn Deutschland in Europa wieder die erste Geige spielen soll. Meinetwegen mit Frankreich zusammen. Alles falsch und dumm. Ich weiß, wie man in der Welt über Deutschland denkt. Helmut Schmidt hat schon vor 20 Jahren um mehr Zurückhaltung geraten.  Eigentlich tut mir Herr Schulz leid.

Der Mann hat sich große Mühe gegeben die Menschen von seiner Politik zu überzeugen. Der Mann hatte in weiten Teilen mit seiner Klage nicht Unrecht. Er ist ein Arbeiterkind, das hat heute in der jetzigen Generation keinen Klang mehr.  Ich überprüfe das immer wieder bei meinen Kindern.  Übrigens, ist genau deswegen der Gegenkandidat in Österreich von Herrn Kurz daran gescheitert. Der hatte den gleichen Fehler gemacht wie Herr Schulz. Das soziale Gehabe hatte er auch überzogen. Das hat Herr Schulz auch in Ihrem Interview immer noch nicht verstanden. Wenn ich meine Kinder frage: was soll daran falsch sein, wenn ein Politiker die immer weiter steigende Armut und die Vernachlässigung der „Alten“ beklagt. Seine Freunde oder Sportfreunde (Rudern) sagen dann: „Nichts“. Nur das wäre alles keine großartige Politik. Die haben das alle selbst so gewollt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Da läuft der Mörder“ von Stephan Lebert

Ihren Artikel habe ich mit Interesse und einigem Vergnügen gelesen. Aber ich habe die Sendung Aktenzeichen XY ungelöst noch nie angeschaut (vor 50 Jahren war ich auch schon erwachsen). Ich liebe Krimis, doch zu „den Deutschen“ die XY ungelöst lieben, gehöre ich nicht. Da schalte ich auf einen anderen Sender um oder aus. Ich mag nicht zum Denunzieren angeregt werden. Ich denke doch, dass ein nicht geringer Anteil Angezeigter unschuldig ist. – Dr. Christof Leitz


Leserbrief zu „Wie in einem schlechten Film“ von Iris Radisch und zu „Ich auch? Ich auch!“ von Khuê Pham et al.

Die Macht stand immer schon im Zentrum des autoritären Patriarchats. Ihr war alles untergeordnet: die Liebe und Erotik sowie das wirtschaftliche, politische, militärische und religiöse Handeln. Kein Bereich konnte sich dem entziehen, nicht einmal der verborgene Innenraum des Menschen. Auch Hollywood ist überall und nun sprechen Sie als Journalistinnen der Zeit und selbst betroffene Frauen über die sexuell-übergriffigen Männer in den Redaktionen, bei Film, Theater  und im normalen Alltag. Jetzt, da der Schutz göttlicher Autorität ausbleibt, werden die Untaten des selbstherrlichen Patriarchen gnadenlos ans Licht gezerrt. Da gibt es kein Bedauern! Auch wird die jetzige Welle der Aufdeckung seines sexuellen Machtmissbrauchs nicht die letzte sein. Die Verabschiedung des autoritären Patriarchats ist in den Familien und Partnerschaften seit mehreren Jahrzehnten voll im Gange. Der Kern der Gesellschaft, die Familie befindet sich allerorts in Auflösung. Dort erkennen wir das Wirken eines bisher versteckten, autoritären Matriarchats, das sich schon immer im Zentrum des Patriarchats verbarg, und dort als Fundament des autoritären Weltbildes fungierte.

Die autoritäre Erziehung führte bei den Jungs wie den Mädchen zu einer Sozialisation mit identischem Ergebnis: der autoritären Persönlichkeit. Diese entfaltet sich entweder als Opfer oder als Täter. Die Annahme, dass nur der Mann als Täter autoritär sei, gehört zu den großen und fatalen Irrtümern auch der heutigen Zeit. Die autoritäre Frau und Mutter muss erst entdeckt, aus ihrer Tarnung hervorgeholt werden, sie ist das größte gesellschaftliche Tabu unserer Zeit. Die Entmachtung und Verabschiedung des autoritären Weltbildes gelingt demnach nur, wenn auch das versteckte autoritäre Matriarchat im familiären Zentrum der Gesellschaft benannt, entmachtet und verabschiedet wird. Gelingt dies nicht, wird das autoritäre Matriarchat das entstandene Machtvakuum füllen und die Nachfolge des Patriarchats antreten. Dass dieser Prozess in den Familien bereits in Gang ist, kann dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen. Der Aufdeckung selbstherrlicher, männlicher Gewalt, nichts anderes beinhaltet die Hollywood-Weinstein-Affäre, muss die Aufdeckung weiblich-mütterlicher Gewalt in den Familien folgen. – Rupert Bucher


Leserbrief zu „Wacht auf!“ von Wolfgang Huber at al.

Als ehemals berufenes Mitglied einer Evangelischen Dekanatssynode und dann 2010 für sechs Jahre in deren Vorstand gewählt, erinnere ich mich gut daran, wie der Kreis eine Auffassung von mir wie die vom evangelischen Papst gutherzig tolerierend ignorierte. Heute ist es weniger ein Stück später Genugtuung, gewiss mehr ein Stück innerer Zufriedenheit, wenn kein geringerer als der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber und damit einer der gesellschaftlich profiliertesten Theologen im Land nahezu wortgleich bestätigt: „Wir sind alle evangelisch und katholisch“. Meine gelegentlich eingestreute Auffassung war es immer, der Papst sei – auch – evangelisch (siehe Bedeutung von euangelion, nicht auf eine einzige Kirche bezogen), und ich bin als getaufter (evangelischer) Christ auch katholisch – im Sinne der Bedeutung von katholon. Huber fasst es sogar weiter, bezogen auf alle Menschen. Wie auch immer: Dieses innerliche Verständnis einer Einheit taugt mehr als alle hochgelehrte sophistische Wortklauberei zur Überwindung des Trennenden zwischen den Konfessionen. Es trägt das A und O der Ökumene in sich: die Gewissheit des in seinem Nukleus katholon Verbindenden. – Erich Kupfer


Leserbrief zu „Wie in einem schlechten Film“ von Iris Radisch

Immer derselbe schlechte Plot. Betroffene Opfer sexuellen Missbrauchs wagen sich aus der Deckung und es wird noch schlimmer kommen. Nicole Kidman äußerte sich bereits im Juni zu diesem Thema. Der Regisseur Stanley Kubrick hätte ihr gesagt, dass die ganze Welt von Pädophilen regiert würde. Er habe sich schon immer für geheime Machenschaften interessiert. Diese Leute würden durch ihre Obsessionen regelrecht zusammengeschweißt. Jeder wüsste von den Schandtaten der anderen.  Auch die zweifache Oskar-Preisträgerin Jodie Foster ging an die Öffentlichkeit. Sie wurde schon als Kind bei Filmaufnahmen von einem schmierigen Produzenten in diese Falle gelockt, als er sicher sein konnte, dass ihre Eltern nicht anwesend waren. Brad Pitt wurde nach seiner Scheidung selbst als Aggressor gegen seine eigenen Kinder verleumdet. Vermutlich, weil er es gewagt hatte, die Pädophilen-Szene der Unterhaltungsindustrie zu thematisieren. „Manche Eltern verkaufen in Hollywood die Seele ihres Kindes für den Ruhm.“ Katy Perry gehörte auch zu den mutigen Vorreitern, welche sich den kriminellen Methoden der Musikindustrie verweigerten und sie öffentlich machten.

„It’s like an exclusive club that you can only join if you do these evil things to innocent children… And it’s not just dirty old men, it’s all of them. Even the women.“   Diese „me too“ Bekenntnisse schafften es nur in die alternativen Medien, jetzt ist endlich der Bann gebrochen. – Eva Maria Griese


Leserbrief zu „Regelt das endlich!“ von Martin Spiewak

Man darf zweifellos als Autor eine Meinung vertreten und seinen Artikel dementsprechend aufbauen. Dennoch: Hier schießt er über’s Ziel hinaus, indem er durch seine Überschrift suggeriert, die Abgeordneten des Deutschen Bundestags hätten seit Jahren in dieser Frage „geschlafen“ und drückten sich (aus… Bequemlichkeit? Ignoranz?) um eine längst überfällige Entscheidung. Auch die Wortwahl „Macht endlich eure Arbeit!“  – die seiner Feder entstammt, auch wenn er kurz vorher noch jemanden zitiert –  kommt aus meiner Sicht fast schon einer Diffamierung gleich.  Denn in dieser aus ethischer Sicht hochkomplexen Materie wollen wichtige Dinge gegeneinander abgewogen sein- es geht um Werte, um die ethischen Grundlagen unserer Gesellschaft. Deswegen tun sich unsere Abgeordneten damit naturgemäß schwer- und sie sind, daran sollte man den Autor erinnern, unserem Grundgesetz zufolge ausschließlich ihrem Gewissen unterworfen! Angesichts dessen tritt die Praxis unserer Nachbarländer tatsächlich in den Hintergrund und braucht nicht als weiteres argumentatives Druckmittel hier in Stellung gebracht zu werden…Wie gesagt- seine eigene Überzeugung sei dem Autor freigestellt, aber sie legitimiert nicht den Verzicht auf Seriosität in der Berichterstattung! Das muss man hier sehr kritisch anmerken! – Karl-Heinz Grau


Leserbrief zu „Ehe für alle“ von Martin Klingst et al.

Die noch gewöhnungsbedürftige künftige Regierungskoalition wird weiterhin krampfhaft Kompromisse basteln – dabei ist es einfach ihre gemeinsame Pflicht, ihren Amtseid zu erfüllen:“…Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden…“! Da steht nicht: „…der CDU-, FDP- und Grünen-Mitglieder und -Wähler…“,auch nicht: „…der Menschen aller Nationen, die zu uns kommen…“, nein, gemeint sind alle deutschen Bürger, Wähler und Nichtwähler! Bevor dieser Eid, wie schon bisher, bloßes Lippenbekenntnis bleibt und somit ein fortdauernder Meineid droht, sollte die neue Koalition endlich den Schneid haben, den Text umzuschreiben und dann das Volk darüber abstimmen zu lassen! Bis dahin aber gilt er – in seiner ganzen Fülle, seiner Schlichtheit und Klarheit! – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Wie in einem schlechten Film“ von Iris Radisch

Sexismus ist noch immer ein blinder Fleck in unserer Gesellschaft. Und, wenn man bedenkt, mit welch naiver Ambivalenz und Inkonsequenz diesem außerordentlich komplexen, tief sitzenden Problem bislang begegnet wurde, nimmt es nicht wunder; Iris Radisch hat dazu einige Beispiele angeführt. Es ist somit höchste Zeit, dass über jedwede Diskriminierung, Ausnutzung und Gewalt gegenüber Frauen nicht nur wieder schlagzeilenträchtig berichtet und diskutiert wird, sondern dass man den Ursachen effektiv auf den Grund geht. Das wird viel Zeit in Anspruch nehmen, weil Sexismus in seiner Bandbreite mit einer langen gesamtgesellschaftliche Entwicklung einhergegangen ist. Aber insbesondere wir in den vermeintlich aufgeklärten, christlich geprägten Ländern, die wir nicht zuletzt in sozialer Kompetenz geschult und politisch vielleicht links von der Mitte der allgemeinen Gleichbehandlung (formell im AGG verfasst) stringent zugetan sind, sollten uns einmal mehr und intensiver fragen, wie vorbildlich unsere (westliche) Gemeinschaft tatsächlich ist. Charisma und Chauvinismus jedenfalls sind definitiv nicht die zwei Seiten derselben Medaille und werden es auch nicht werden. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Überschätzte Macht” von Ulrich Schnabel

Das Thema „Weltklimagipfel“ ist kaum dafür geeignet, die Schlagzeile „Überschätzte Macht“ zu stützen. Unsere Gesellschaft ist erheblich verunsichert. Die Fossilien Brennstoffe, Grundlage unseres Wohlstands, sollen abgeschafft werden? Niemand will so etwas wissen. Da reicht ein mediales Flackern nicht. Die Konsequenz der Studie für die Medien aus meiner Sicht: wenn sie finden, dass ein Thema relevant ist, sollten nicht nur Schlaglicht-artig berichten sondern eine gewisse Kontinuität an den Tag legen. – Christian Voll


Leserbrief zu „Todesursache Diesel“ von Susan Djahangard

Danke, dass Sie sich des Wirrwarrs angenommen und ein wenig Aufklärung betrieben haben. Mir als Naturwissenschaftler waren diese Zusammenhänge zwar bekannt, aber leider wird von der breiten Masse nur das als wahr angesehen, was in der Zeitung steht, und deren Auswahl der Wahrheit ist leider vielfach sehr einseitig. Ihr Bericht sollte die Leser aber auch bedenklich machen, welche Qualität die Manager in den Vorständen der Automobilkonzerne haben. Erst betrügen sie ihre Kunden großzügig und lassen jegliche Reue und Einsicht vermissen, und nun lassen sie die Kunden ins offene Messer der Hysterie rennen, ohne durch Aufklärung, wie Sie sie betreiben, die Angelegenheit gesellschaftlich und wirtschaftsvertäglich zu entschärfen. Nicht, dass nichts getan werden sollte, aber „Fahrverbot sofort“ ist wohl deutlich übertrieben. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Todesursache Diesel“ von Susan Djahangard

Nicht zu unterschätzen. Die Vermittlung von Fakten in TV, Printmedien und sozialen Medien mögen wir leicht vergessen, erst recht, wenn der „Effekt“ der „Berichterstattung“ keine Aufregung sondern „Beruhigung“ ist. Anders mag es um unsere Merkfähigkeit bestellt sein, wenn

a) statt detaillierter Fakten pauschale Wertungen verbreitet werden

b) wenn es sich nicht um positiv, sondern um negativ ankommende Wertungen handelt

c) wenn eine pauschal negative Abwertung gezielt gegen eine Person gerichtet ist

d) wenn diese Person über Wochen einer Bundestags- und Landtagswahl ganz besonders im Blick von Millionen Wahlberechtigten ist

e) wenn zudem für diese Person fortgesetzt numerische Sympathiewerte ihrer Wählergunst publiziert werden.

f) wenn sich der persönliche Angriff auch in den sozialen Medien als emotionaler „Aufreger“ sturmartig verbreitet.

Zwei Tage vor der Bundestagswahl hieß es bei den Wahlprognosen, diese könnten sich nur noch um 1 bis 2 Prozentpunkte verändern. Jörg Schönenborn bemerkt zu diesem Irrtum später: „Der Wähler ist launisch geworden.“ Wollte er oder sonst wer vertiefen, was wohl den Wähler derart „launisch“ gestimmt hat, mag auch der „Effekt“ des  faktenlos, emotional abwertend behaupteten „weiter so“  zu betrachten sein. Zwei Tage vor der Wahl zieht der Kommentar eines Chefredakteurs der ARD in den Tagesthemen das Fazit zum Wahlkampf, indem einzig die Bundeskanzlerin angegriffen wird. Der Kommentator erklärt emotional abwertend, „faktisch“ falsch, die Bundeskanzlerin stehe in der Flüchtlingspolitik für ein „weiter so“. Der emotionale „Aufreger“ negiert die Fakten der von Bundesregierung und Bundestag über 18 Monaten national und international verfolgten Politik des „nicht (!) weiter so“.

Fakt ist zudem, dass sich diese Politik längst als erfolgreich erwiesen hat. Für das Jahr 2017 ist der zu erwartende Zustrom geringer als 200.000. Der Richtwert des designiert neuen Bundeskanzlers in Wien liegt pro Kopf der Bevölkerung fast doppelt (!) so hoch. Sebastian Kurz lässt seine ca. 8 Millionen Österreicher 37.000 Flüchtlinge aufnehmen, was bei 80 Millionen Einwohnern einer Zahl von 370.000 entspräche. Wo ein überwiegender Teil der medialen Welt negativ emotional, auf eine Person gezielt abwertend wird, d.h. eher den „Effekt“ von Wut hat als einen solchen von „Beruhigung“ und „Vertrauen“, mag die Macht der Medien nicht zu unterschätzen sein, wenn das Gros übermächtig dem „weiter so“ folgt. – Frank Müller-Thoma


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Meine Gratulation zum Jubiläum! Nimmt man die Zeit von zehn Jahren als Maßstab, dann bin ich erst seit kurzem oder anders ausgedrückt, seit einigen Minuten Leser der Wochenzeitung und damit auch Leser des ZeitMagazins. Das erste was ich der Zeit entnehme ist das Magazin, weil ich neugierig auf die neueste Deutschlandkarte bin, zum einen, weil ich die Idee gut finde und ich es interessant finde, auch über Fakten informiert werde, die mehr als nur Unterhaltungswert haben. Als ehrenamtlicher PC-Dozent stehe ich wöchentlich vor mehr als sechzig Zuhörern, die neben dem sachlichen Wissen rund um die Handhabung des PC auch ein wenig unterhalten und bei Laune gehalten werden müssen. Die Zeit als solches, Magazin im Besonderen ist dafür eine gute Quelle.

Ein Jubiläum ist eine gute Gelegenheit, auch Wünsche zu äußern. Ich würde mir wünschen, dass das Magazin noch um zwei Rubriken (Themenbereiche) erweitert wird, wie Deutschland – woher kommst Du, wohin gehst Du – ein gesellschaftspolitischer Abriss mit Visionen für ein Land im Herzen Europas und Deutschland, ein Land der Innovationen, von Gutenberg über Wernher von Braun, Prof. Max Bruch….. bis zum Fraunhofer Institut, das z. B. das MP3-Verfahren entwickelt hat, kurz, neben dem Feuilleton auch allgemeinbildende Seiten, die Wissen vermitteln und die Identifikation mit unserem Vaterland befördern. Diese Seiten sollen keineswegs das Heft ZEIT-WISSEN ersetzen, sondern kurzweilig informieren, Respekt vor den Leistungen der Vergangenheit -Konrad Zuse lässt grüßen- durch Kenntnisse vermitteln und nicht zuletzt neugierig machen, sich mit diesem oder jenem Thema tiefgründiger zu beschäftigen. Gewiss ist das ein weites Feld, aber ich traue dem Redaktionskollegium durchaus zu, in dieser Beziehung besser zu sein als ein Readers. Wie auch immer, ich wünsche Ihnen weiter ein so glückliche Hand und ein gutes Gespür für die Themen der zukünftigen ZeitMagazine. – Georg Emmermann


Leserbrief zu „Wochenmarkt“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

Lassen Sie sich 10 von 10 möglichen Punkten für Ihr Karma gutschreiben. Habe zum 1sten Mal Ihre Soupe au Pistou gekocht. Good Golly Miss Molly! Also einfach umwerfend! – Peter Meurer


Leserbrief zu „Ich auch? Ich auch!“ von Khuê Pham et al. und zu „Taktik, Tricks und richtiges Timing: Worauf es bei den Sondierungsgesprächen von Union, FDP und Grünen wirklich ankommt“ von Peter Dausend und Alard Von Kittlitz und zu „Regelt das endlich!“ von Martin Spiewak

In Zeiten von #metoo finde ich es als Abonnentin ärgerlich, eine Zwischenüberschrift wie „Reality is a bitch“ zu lesen zu müssen (Politik – Dausend, v. Kittlitz). Dass ist doch genau jenes vermeintlich Lässige und gleichzeitig frauenfeindliche Denken, dass die Ausgabe an anderer Stelle thematisieren will. Auch dass das größte Problem der Reproduktionsmedizin die nachlassende Fertilität von Frauen sei, bestätigt männlich dominiertes Denken – und das in einem Artikel, der auf den ersten Blick offen für so vieles sein will (Wissen – Spiewak). Vielleicht sollte der Artikel zu männlichem Denken in der Zeit-Redaktion noch einmal von allen (männlichen Autoren) gelesen und diskutiert werden – jedoch aus heutiger Perspektive. – Carola Ebert


Leserbrief zu „Macrons großer Moment“ von Thomas Assheuer

Wie sagte mein schwäbischer Großvater so schön: „Hinter Neu-Ulm fängt der Balkan an“. Zum Balkan gehören: Orbans Ungarn, Kaczynskis Polen, Babis´ Tschechien, Ficos Slowakei, Kurz´ Österreich und die Staaten von Ex- Jugolawien (und Söders bayrische „Heimat“ kann man getrost auch dazuzählen), mit all ihrer Kleinstaaterei und Kleingeisterei. Frage: Braucht Macrons Europa überhaupt diesen Balkan? – Dr. Peter Dodel


Leserbrief zu „Die Revolution auf dem Dorfe“ von Nadine Ahr und Joanna Nottebrock

Eines der verdienstvollsten Ressorts der ZEIT – wenngleich immer zeitaufwendig und auch anstrengend für den Leser (!) – ist (mir) das DOSSIER. Diesmal also – sagen wir: – aufgewärmten Kommunismus, etwas sehr provokant überschrieben mit „Die Revolution auf dem Dorfe“. Mein Gesamteindruck nach eingehender Lektüre: Unaufgeregt werden die verschiedenen Aspekte gemeinsamen Lebens einer immerhin kleinen Gruppe von recht verschiedenen Menschen geschildert, die sich für gewisse Zeit verpflichtet haben, gemeinsame Sache zu machen. Ein bedeutsames PLUS derselben: Die Aufnahme von Nadine Ahr und Johanna Nottebrock für ganze 4 Wochen in die Kommune nach erfolgter Diskussion. (Die Gruppierung hätte keinen besseren Entschluss fassen können, um sich der gebildeten Öffentlichkeit vorzustellen!) Als neugieriger Liberaler frage ich mich beim aufmerksamen Durchsehen des klugen und zudem unterhaltsamen Berichts:

Würdest du da auch mal Einblick nehmen wollen?  Etwa wie der geschilderte Patrick, der sich noch überlegt, was ihm die Eingliederung bringen kann.  Dass eben das bereits nicht die erwünschte Einstellung für einen waschechten Kommunarden sei, macht Frau Ahr sehr deutlich.  Dazu kommen die Überlegungen der Pastorin namens Sanne, der die Kommune zum „Askese-Gedanken“ verhilft, nämlich: für den Anderen dazusein tagtäglich! Es genügt auch nicht, einfach gegen den Kapitalismus eingestellt zu sein – etwas sehr pauschal-plakativ wird der wohl dort gesehen? – um die Kommunarden zusammenzubinden, wiewohl die rein pekuniäre Seite des gemeinsamen Wirtschaftens schon mal überzeugt.  Wie bald aber scheinen doch individuelle Bestrebungen zum Vorschein oder gar zum Durchbruch zu kommen, wie sie die heranwachsende Generation besonders fordernd äußert! Ob das Karl Marx in seinen 3 Bänden „Das Kapital“ bereits mitbedacht hat??? Die sind nun mal der Feind jeder Gemeinschaftlichkeit. Ein sehr gutes Lehrstück in seinen zahlreichen Fassetten. Beachtlich, wie die Gründergeneration -seit 1986 (!) – an der Sache festhält und zu ihr steht! Dass sie dennoch kein Modell für Deutschland heute sein kann, ist nicht allein daraus abzuleiten, dass es nicht genügend Kartoffelfelder gibt, um die Leute bei der Ernte willig und freudig zusammenzuhalten!! Danke für die recht umfassende Reportage! – Dr. Rüdiger Brendel


Leserbrief zu „Was hat sie davon?“ von Stefanie Flamm

„Mit Schweigen übergehen?“ „Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben“, wie der Dramatiker Friedrich Hebbel (1813-1863) seine Meinung überzeugend vertrat. Rache oder dem Gewissen gefolgt, fragt DIE ZEIT in ihrem ganzseitigen, respektvollen Artikel? Die Gewissensfreiheit der Abgeordneten ist im Grundgesetz verbrieft. Bedauerlicherweise nicht verbunden, mit allen Konsequenzen. Also mit einer, ich möchte sagen, verheerende Lücke im Gesetz behaftet! Welche im Fall Elke Twesten (B`90/Grüne jetzt CDU), oder Frauke Petry (AfD jetzt einfache Mandatsträgerin), offen zu Tage treten. Dieser Vorgang ist dringend reformbedürftig, da er sich auf allen Ebenen, Bund, Landtag, Kreistag und Stadtparlament ereignet. Ob Rache, Wahlbetrug oder Gewissensfreiheit, möchte ich nicht vertiefen. Was für mich schwerer wiegt ist, dass der Wähler betrogen wird! Was komischerweise bei der Wahl Berücksichtigung findet, nämlich Überhangmandate „fairerweise“ auszugleichen, ist bei diesen ähnlich gelagerten Vorgängen nicht vorgesehen? Einerseits soll die Schwächung der parteilichen Gegner verhindert werden, andererseits aber führt dieser Mandatswechsel eben zu einer Solchen! Wo ist da die Logik? Um bei dieser zu bleiben. Wie darf man eine Jamaika-Koalition als Wille des Wählers verstehen? Für mich ist hier sehr viel im Argen! – Hans Pohl


Leserbrief zu „Da läuft der Mörder“ Stephan Lebert

Warum schreibt Herr Lebert die Erfolgsgeschichte von XY… schlecht? Immerhin geht es um Aufklärung von Schwerverbrechen. In die Sendung kommen Fälle, bei denen die herkömmliche Fahndung ins Stocken geraten ist. Jetzt an der Erfolgsquote von 40% herumzumäkeln, sich zu beschweren, dass Motive einerseits und die Verzweiflung der Betroffenen andererseits in der Sendung zu kurz kommen, sich darüber auszulassen, dass Mordwerkzeuge präsentiert werden, läßt außer acht, dass jeder Fahndungserfolg der Verbrechensbekämpfung dient. Diese sollte auch Herrn Lebert am Herzen liegen.Aber was macht Herr Lebert? Er stellt mit der Erzählung seiner Lebensgeschichte den Erfinder der Sendung, Eduard Zimmermann, bloß Das ist ganz schlechter Stil. Wolfgang Kwiatkowski


Leserbrief zu „Umgefallen sind wir gestern” von Robert Pausch

Stefan Weil hat die Wahl verloren, weil seine Regierung abgewählt ist, leider – und er wahrscheinlich keine neue Regierung bilden kann. Ich selbst habe die Roten und die Grünen gewählt. Die Gelben verweigern sich, weil sie es vor der Wahl gesagt haben – dann soll man es nach der Wahl auch halten, und die Schwarzen werden wohl lieber selbst regieren, als unter einer roten Regierung der Zweite zu sein, sie werden den Grünen so lange Zucker geben, bis die ja sagen. So sollen die Grünen sich nicht so zieren, sondern den Wählerwillen respektieren, dann kann ihr Landwirtschaftsminister seinen Job, den er gut gemacht hat, auch behalten. – Hans Jürgen Krohn


Leserbrief zu „»Sorry, das ist Demokratie«“ von Marc Brost und Peter Dausend

Seit mehreren Jahrzehnten bin ich Abonnent und noch länger regelmäßiger Leser der ZEIT. Noch nie in alle den Jahrzehnten aber habe ich einen Artikel in Ihrem Blatt gelesen, der mir so schonungslos die Augen geöffnet hat, wie das kleine Gespräch der Herren Brost und Dausend mit Frau van der Leyen und darin wieder die wenigen Zeilen, in denen die größten Polit-Bösewichte dieser Welt endlich einmal offen beim Namen genannt: Trump und Putin, Kim Jong Un, Xi Jinping und – die Herren Erdogan, Assad, Maduro, Duterte und noch einige mehr werden vor Neid platzen – Sebastian Kurz. Auch ich war über die Ehre erstaunt, die einem jungen Mann zugestanden wird, der doch noch gar keine Regierung zustande gebracht, keinen poltischen Gegner umgebracht oder eingesperrt, keinen Mitbürger bestohlen, geschweige denn irgendeinen öffentlich bekannt gewordenen Tweet verfasst hat.

Also bin ich der Sache auf den Grund gegangen und habe, angeregt vom unerreichten Standardwerk „Dausend und eine Möglichkeit die Welt in schiefen Bildern zu zeichnen“, meine Nachforschungen angestellt. Tatsächlich: Es ist Herr Kurz, der Trumps Handy hackt und für die dümmsten der vielen dummen Tweets des Präsidenten der USA verantwortlich zeichnet; es ist Sebastian Kurz, der Putin Trump & Co nur als Strohmänner vorschiebt und – relata refero – eigenhändig den Taliban den Diesel, den türkischen, syrischen und überhaupt allen Diktatoren die Waffen und dem unsäglichen Herrn in Nordkorea aus den reichen Uranbeständen Österreichs das waffenfähige Material verscherbelt. Und es war, das ist der jüngste und ultimative Beweis einer frühkindlichen Naturbegabung zur Politschurkerei, Sebastian Kurz, der bereits als Dreijähriger die Demonstranten vom Tian An Men von Panzern überrollen ließ.

Im Zuge meiner Recherchen, konnte ich auch in Erfahrung bringen, dass Herr Kurz Sondierungsgespräche mit Frau von Storch und Frau Petry führt. Er will ja möglichst viele Frauen in seiner Regierung und kann in Österreich kaum Damen finden, die geeigneter wären, die FPÖ rechts zu überholen. Frau von Storch, so munkelt man, sei für ein Ministerium für Kinderwohl und Nachwuchs-Überschuss-Entsorgung bestens geeignet, Frau Petry dürfte wohl ein Ministerium für Meinungsvielfalt & Spaltpilzpflege in der FPÖ erhalten. Dank der Herren Brost und Dausend ist also auch Österreich endlich bestens über das informiert, was in Deutschland die Spatzen über Wiens Politik und Politiker von den Dächern pfeifen. Ich bin schon gespannt, was mir Ihre derzeit ein wenig weniger geschätzte Zeitschrift als nächstes über mein Land und seine Leute zu enthüllen hat. Es wird schwer sein, das diesmal erreichte Niveau zu halten, aber ich bin überzeugt, das wird wohl einige Ihrer Leser (und nicht nur österreichische) eher freuen als betrüben und der ZEIT insgesamt auch nicht wirklich schaden. – H. Fürthauer


Leserbrief zu “Die Superserie“ von Lisa Goldmann

Sie zitieren in Ihrem Artikel Volker Herres, Programmdirektor Das Erste, dass eine Minute TATORT € 115 500 kosten soll, d.h. also eine TATORT Folge € 10 Mio kostet. Dass ein Tatort mehr an Produktionskosten verschlingen soll als etwa ein Till Schweiger Kinofilm ist mir neu. Meinen Informationen nach soll eine deutsche Produktionsfirma um die € 2 Mio eine TATORT Folge produzieren. Wie kommt Herr Herres auf diesen Minutenpreis? – Marcel Maier


Leserbrief zu „»Sorry, das ist Demokratie«“ von Marc Brost und Peter Dausend

Es hat mich erstaunt, dass Frau von der Leyen – offenbar ohne längeres Nachdenken, quasi wie aus der Pistole geschossen – sagen kann, dass die deutsche Sicherheitspolitik grundsätzlich werteorientiert ist. Welche Werte allerdings begründen, ein Land wie Saudi Arabien aufzurüsten, das im Jemem im Verbund mit seinen Nachbarn einen Krieg führt, der immer deutlicher ein Vernichtungskrieg ist, bleibt mir ehrlich gesagt, schleierhaft. Ich habe zu dem Punkt bisher nicht die leiseste Kritik aus der Bundesregierung gehört. Frau von der Leyen hat wohl im Wahlkampf so oft die „europäischen Werte“ als Floskel im Mund geführt, dass sie gar nicht mehr weiß, was denn damit gemeint ist. – Dr. Dirk Kerber


Leserbrief zu „Das Geheimnis der Rothosen” von Andreas Lebert

In Ihrer Ausgabe behauptet der Autor im dritten Absatz: „Mein erster Stadionbesuch……..Es war ein Spiel um den Aufstieg in die Bundesliga…Der Gegner war der FC St. Pauli. Der FC Bayern gewann 4:0…Beckenbauer schoss in seinem ersten Spiel sogar ein Tor. Das ist sachlich falsch. Franz Beckenbauer spielte sein erstes Spiel für den FC Bayern in der damaligen Aufstiegsrunde am 6. Juni 1964 in St. Pauli, dort wurde 4:0 gewonnen und Beckenbauer schoss das 3:0, sein erstes Spiel, sein erstes Tor“. Das Rückspiel in München endete 6:1 für den FC Bayern und Beckenbauer schoss in der Tat ein Tor, zum 4:0-Zwischenstand. Entweder hat das Erinnerungsvermögen des Autoren Lücken oder er hat schlecht recherchiert. Schade, denn ich weiß nicht, ob in seinem Artikel noch weitere Fehler sind…….nach dem Motto Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Das sollte Der Zeit nicht passieren…..Im übrigen ist der „Löwe“ auf dem Bild Horst Blankenburg…….sollte der Autor oder wer immer das Bild ins Blatt gehoben hat, auch wissen… – Reinhard Kroll


Leserbrief zu „»Wir müssen wieder Mut zur Kapitalismus-Kritik fassen«“ von Bernd Ulrich

Herr Schulz kapiert es einfach nicht. Obwohl ihm sein Interview-Partner ständig die einzig richtige Antwort suggeriert, dass nämlich ihm, dem Kandidaten – und nicht nur allgemein der SPD, der Mut fehlte, originelle Ideen zur Diskussion zu stellen und damit einen Wechsel überhaupt erst vorstellbar und wünschbar zu machen, klammert er sich an das Übliche : in erster Linie Geschlossenheit, vielleicht ein bisschen mehr Zuspitzung und mehr Debatte. Aber wer – wenn nicht er als Kandidat – soll denn Debatten anstoßen? Dass er sich das jetzt vornimmt, ehrt ihn – aber er kommt zu spät. Als SPD-Vorsitzender hat er weit weniger Einfluss auf die gesellschaftlichen Debatten als als Kanzlerkandidat, die Themen setzen jetzt andere. – Dr. Dirk Kerber


Leserbrief zum Titelthema „100 Jahre Kommunismus“

Ja, da war mal eine gute Idee, die es ermöglichte, das selbstgefällige Zarentum in Russland zu überwinden. Berauscht von diesem – ursprünglich unerwarteten – Erfolg mutierte die Idee zur Ideologie des Sowjetsystems. Das wiederum, wie alle Absolutismen, nur mit Gewalt aufrechtzuerhalten war und genau daran zerbrach. Mit dem Ergebnis, dass wir es jetzt in Russland weitgehend mit einer Melange aus nostalgischem Zarentum, sowjetischem Unilateralismus, elitärem Materialismus und sakraler Innerlichkeit zu tun haben. Ein propagandistisch aufgepumpter Höhenrausch, der dringend vielgestaltige und, über die eigenen Grenzen hinaus, gut vernetzte Landebahnen bräuchte. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „»Wir müssen wieder Mut zur Kapitalismus-Kritik fassen«“ von Bernd Ulrich

Ich werde nicht wirklich schlau aus Martin Schulz. Er hinterläßt bei mir den Eindruck der Ambivalenz. Er gibt sich sehr gerne als der Versteher und Kümmerer, als derjenige, der für soziale Gerechtigkeit steht, als Mann der Interessen und Belange der „kleinen Leute“: Der Krankenschwestern, Pfleger, Verkäuferinnen, Müllmänner usw. Das ist schön und das hört sich gut an. Nur, für jemand, der über viele, viele Jahre in herausragenden, sehr einflußreichen Position der EU tätig war, ohne der nachfolgend beschriebenen Entwicklung entgegenzuwirken, klingt das unglaubwürdig. EU Beamte und EU haben sich über Jahrzehnte enorme Gehälter, Diäten, Sitzungsgelder, Übergangsgelder, Pensionen,  MWSt. Befreiungen und andere geldwerte Privilegien bewilligt. Alles legal, aber deswegen noch lange nicht zwingend sozial gerecht. Nicht sozial gerecht insbesondere gemäß den Prinzipien der  egalitären Verteilungsgerechtigkeit nach John Rawls (amerikanischer Philosoph). Aber für jemand, der soziale Gerechtigkeit so für sich reklamiert, wie Martin Schulz dies getan hat und weiterhin tut, gibt John Rawls Prinzip der Egalität letztlich den einzig möglichen Korridor, den einzig möglichen Rahmen für eine zulässige Verteilungsgerechtigkeit vor. Meritokratische oder gar libertarianische Ansätze der Verteilungsgerechtigkeit, die primären Gerechtigkeitsprinzipien kapitalistischer Leistungsgesellschaften, müssen hingegen außen vor bleiben. Ein Handeln nach meritokratischen und – in abgeschwächter Form – nach libertarianischen Prinzipien ist grundsätzlich zulässig, akzeptiert und in demokratischen, westlichen Staaten (und Unternehmen) weit verbreitet. Widersprüchlich und Ambivalent ist es, Egalität zu predigen und Meritokratie zu leben. „Walk the talk“ ist sehr viel überzeugender und aufrichtiger, und wenn’s ein libertarianischer ist. – Dietmar Baier


Leserbrief zum Titelthema „100 Jahre Kommunismus“

Auf mich als ehemaligen Kommunisten mit K-Gruppen-Trauma aus den 70er Jahren wirkten sämtliche Artikel zum Titelthema immer noch angenehm entlastend und entkrampfend. Nüchterne, konkrete und journalistisch gut aufbereitete Informationen über Russland, China und die Kommune Niederkaufungen können offensichtlich dazu beitragen, gefährliche kommunistische Mythen zu entzaubern. Herzlichen Dank dafür. Andererseits verschwindet hinter den grausigen Bildern von vielen Millionen Kriegs-, Hunger- und Gulag-Toten, die dem „Kommunismus“ und „Marxismus“ zum Opfer fielen, all die Begeisterung, Kraft und Kreativität, die einmal mit den Utopien von internationaler Solidarität und klassenloser Gesellschaft verbunden waren. Und das ausgerechnet in Zeiten von zunehmendem Nationalismus, Autoritarismus und religiösem Fanatismus überall in der Welt und angesichts gigantischer globaler Probleme, die nur die Menschheit gemeinsam lösen kann. Da weiß selbst die Zeit keinen Rat. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Ende einer Ära” von Michael Krüger

Als Leserin mancher (leider viel zu weniger) Bücher aus dem Hanser-Verlag über viele Jahrzehnte, erfahre ich nun Hintergründe des Ausscheidens von Michael Krüger; in seinen knappen Kommentaren ist ein nur mühsam zurückgehaltendes unterirdisches Beben zu spüren. Ich bin entsetzt und tief traurig. Zu seiner Generation gehörend, sehe um so klarer, wie die Wurzeln unserer literarischen Geschichte ohne Probleme einfach abgeschnitten werden, wie erbärmlich … Wie gut, dass Michael Krüger als Poet und Autor immer neuer wunderbarer Texte weiterhin unter uns ist, womit wir aber nur wenig getröstet sind angesichts eines wichtigen Kultursektors, der im Strudel einer entfesselten Entwicklung ohne Empathie einer modernitätshörigen Wirtschaftlichkeit zum Opfer fällt. – Gisela Teistler


Leserbrief zu „Ende einer Ära” von Michael Krüger

Ich musste beim Lesen des Kommentars von Michael Krüger schmunzeln: Die etwas verbitterte Anklage an seinen ehemaligen Arbeitgeber, den Hanser Verlag, dieser habe ihn nach seinem Ausscheiden fallengelassen, erinnert mich an den ehemaligen Feuilletonchef Ihres Hauses. In den Tagebüchern von Fritz J. Raddatz kann man – sehr vergnüglich – nachlesen, wie dieser sich darüber beklagt, dass der Zeitverlag Anfang der 2000er Jahre Raddatz quasi „durch die Hintertür“ verabschiedete. Es wiederholt sich eben alles. – Dr. Martin Gerecke


Leserbrief zu „Im Westen was Neues” von Jörg Lau und Bernd Ulrich

Der Beitrag hat alles aufgelistet was in Europa, insbesondere in Deutschland, alles schief gelaufen ist. Und was Amerika betrifft ist einiges durchaus Gewöhnungsbedürftig. An ihrem wirtschaftlichen und politischen Fundament wird Amerika für lange Zeit die Weltmacht bleiben. Ob China jemals Amerika als Weltmacht ablösen kann muß man infrage stellen. Die ganze Welt ist amerikanisiert. Ohne Englisch kommt kein Land mehr zu recht. Die größten Firmen, die auch die Welt zwischenzeitlich beherrschen, kommen aus den USA. Das digitale Zeitalter ist in Amerika geboren worden. Deutschland ist ein Zwerg dagegen. Das atlantische Bündnis wird es wie bisher nicht mehr geben. Das war auch überfällig. Deutschland soll sich lieber auf den Hosenboden setzen und aus den Puschen kommen. Es ruft die Selbständigkeit.  Eigentlich eine einmalige Chance für Europa. Endlich aus dem Schatten der Amerikaner herauszutreten. Amerika wird sich darüber freuen, wenn ihnen eine Last abgenommen wird. Das Schimpfen über Trump ist kontraproduktiv. Halt typisch Deutsch. Die elektronischen Medien und auch die Printgemeinde sollten sich nicht ständig als Moralapostel aufspielen – im Besonderen die Öffentlich- Rechtlichen – und sich auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren. Sachlich und nach besten Wissen und Gewissen Berichte abliefern. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Willkommen hinterm Stacheldraht” von Caterina Lobenstein

Die zur Zeit beste Lösung. Noch besser wäre natürlich, daß sich die Flüchtlinge auf ganz Europa verteilen liessen. Aber die bleiben lieber in Deutschland (warum, ist hinreichend bekannt) trotz Metallzaun. Ihre Autorin schreibt von Stacheldraht, das macht sich besser. Das klingt nach Stalingrad. Typische Verhaltensweise einer Journalistin. Die Kriminalität hat zugenommen. Die wäre auch ohne „Stacheldraht“ gestiegen. Bei uns wird jetzt auch eine solche Anlage erstellt. Nur mit dem Unterschied: Das Aufnahmelager wird von Ordnungshütern ständig kontrolliert. Ihre Autorin sollte das den Bambergern sagen. Denn das ist Voraussetzung für eine solche Anlage. Das war schon bei mir so. Als ich aus der DDR nach Westberlin geflüchtet bin. Ich kam sofort in ein Aufnahmelager in Westberlin, wo ich über ein Jahr verbrachte, ehe ich in den Westen reisen durfte. Auch da wurden wir ständig kontrolliert. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Kurz oder Macron” von Matthias Krupa

Es wäre sehr schön, wenn Sie diesen Artikel nach Frankreichs nächster Präsidentschaftswahl in gleicher Weise schreiben können. Ich teile nicht die allgemeine Kritik am „Kopieren“ der Populisten. Die Union hat während der letzten Legistaturperiode viele konservative Positionen aufgegeben. Wenn man „bilateral“ denken will, ist sie insgesamt deutlich nach links gerückt.Persönlich ist mir das nicht unsympathisch. Aber viele Menschen haben ihre politische Heimat verloren.  Herr Seehofer hat versucht, diese Bewegung nach links zu verhindern und ist damit gescheitert. Durch sein Scheitern wurde er unglaubwürdig und hat an Beliebtheit deutlich eingebüßt. Die Lücke, die sich rechts ergeben hatte, wurde von der AfD eingenommen. Nicht die Wählerschaft ist nach rechts gerückt, sondern die etablierte Parteienlandschaft nach links. Die Politiker (und viele Journalisten) wünschen sich, die Wählerschaft könnte beim Linksrücken der etablierten Parteien mitziehen.

Das ist aber nicht so.  Ich finde es gefährlich, diese für mich offensichtliche Tatsache zu ignorieren und den ursprünglich Rechten Populismus vorzuwerfen, wenn sie ihre alte Position wieder einnehmen wollen. Dieser Ansatz ist zum Scheitern verurteilt.  Deutlich wichtiger fände ich es, den Druck, den die Migration (als derzeitige Nummer 1 der Polit-Themen) auf uns ausübt,durch tatsächliche Bekämpfung von Fluchtursachen zu bekämpfen. Aber wir exportieren weiterhin Agrarüberschüsse nach Afrika. Wir akzeptieren weitere Geldanlagen korrupter ausländischer Politiker. Nicht nur in Malta, sondern auch in Deutschland. Wir wollen unseren Fachkräftemangel mit begabten jungen Leutenbeheben, die in ihrer Heimat fehlen werden. Wir schließen Freihandelsabkommen mit Afrika, deren erklärtes Ziel es weiterhin, günstigen Zugang zu afrikanischen Rohstoffen zu haben. Das ist multifokales Doppeldenk. Wir sind pseudohuman. Das werfen uns auch Leute wie Putin und Trump vor. Ich wünschte, ich könnte ihnen sagen, dass es nicht stimmt. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Bitte helft Larissa Hofmann und Thomas Lohr – und mir als eurem Leser! Jetzt in der dunkler werdenden Jahreszeit ist das qualvolle und freudlose Miteinander der beiden nicht auszuhalten: Arbeit, Stress, zusammen wohnen, doch nicht zusammen wohnen etc. Das hält ja kein Uhu aus! Schickt sie doch bitte zu Wolfgang Schmidbauer. Der Mann kann ihnen sicher einen Weg auftun. – Wieland Kinz


Leserbrief zu „Ausgerechnet Hamburg?“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Otto und Spiewak berichten in ihrem Artikel über Hamburg als Beispiel für den gelungenen Aufstieg aus der Gruppe der Schulleistungsvergleichsverlierer/innen – in Gegenüberstellung zu Bremen – nahezu augenzwinkernd von dem tröstenden „Trick“ der Schulverantwortlichen in Hamburg, bei denen offenbar die Praxis verbreitet sei,  „Schüler mit türkischer, arabischer oder serbischer Herkunft aus den Zahlenreihen“ herauszustreichen und sich dann nur die Ergebnisse der sog. „deutschstämmigen Schüler“ anzuschauen. So gelänge es Hamburg (in dem übrigens laut IQB-Studie 48% der Schüler/innen einen sog. Migrationshintergrund haben- YK), sich an die Spitze im aktuellen Schulleistungsvergleich der Grundschulen zu katapultieren. Dieser von Otto und Spiewak ebenso scherzhaft wie unverblümt als „Trick“ bezeichnete Vorgang ist nicht neu, bereits 2001 wurde als reflexhafte Reaktion auf Deutschlands unterdurchschnittliches Abschneiden im OECD-Vergleich der ersten PISA-Studie genau dieser „Trick“ versucht, um die ´eigentliche´ Leistung des Systems, gemessen an seinem Vermögen, ´deutschstämmige´ Schüler/innen zum Erfolg zu bringen, herauszufiltern. Freilich damals mit mäßigem Erfolg. Die Verbesserung bewegte sich im graduellen Bereich.

16 Jahre später begegnen wir dieser Praxis nun also in Hamburg wieder. Sie ist in Wirklichkeit ein „Trick“ mit Selbstüberlistung. Nahezu die Hälfte der Schülerinnen in Hamburg werden so zu Aliens des Systems erklärt, für die es sich nicht verantwortlich fühlen muss. Diese Praxis – sollte sie der Wahrheit entsprechen – ist an sich schon ungeheuerlich, sie wird getoppt durch eine Berichterstattung, die diese Umgangsweise nicht nur verniedlichend als ´Trick´ bezeichnet sondern völlig unkommentiert wiedergibt. Damit beteiligt sie sich auf unselige Weise an der Aufrechterhaltung einer Selbsttäuschung des Systems. Es ist die Selbsttäuschung eines Systems, das trotz über 60jähriger Erfahrung mit der Aufnahme von Schüler/innen aus dem Ausland und solcher nicht-deutscher Muttersprache sowie einem wachsenden Anteil dieser an allen Kindern und Jugendlichen in Deutschland immer noch seine Kernzielgruppe in den sog. „deutschstämmigen“ Schüler/innen sieht. Es ist höchste Zeit, das ´Rausrechnen´ der ´Anderen´ zu unterlassen und zu lernen, dass sich am Erfolg aller Schüler/innen – egal welcher Herkunft – die Qualität und Zukunftsfähigkeit des Systems bemisst. – Prof. Dr. Yasemin Karakaşoğlu


Leserbrief zu „Der Handel kann die Welt retten“ von Joachim Weimann

Professor Weimann behauptet, der internationale Emissionshandel könne die Welt retten. Die nationale Klimapolitik Deutschlands sei wirkungslos, töricht und sogar kontraproduktiv. Durch die EU-weit festgelegten Obergrenzen sei die angestrebte CO2-Reduktion um 40% gegenüber 1990 bis 2030 bereits sichergestellt. Es entsteht der Eindruck, alle Sorgen um das Klima wären nun unnötig. Sollen sich die Grünen  bei den Sondierungen doch nicht so dumm anstellen. Wenn es so einfach wäre. Erstens gilt der Emissionshandel nur für die Energiewirtschaft und energieintensive Industrien, deckt also nur auf 45% der Emissionen in Europa ab. Verkehr und Heizungen etwa bleiben völlig unberührt.

Zweitens sind die erst für 2020 gültigen Emissionsziele so wenig ambitioniert, dass sie europaweit bereits 2014 unterschritten waren. Also werden in Deutschland ungenutzte Emissionszertifikate auch nicht an andere Länder verkauft, wie Weimann behauptet. Die haben gar keinen Bedarf. Drittens ist CO2 keineswegs das einzige Treibhausgas. Fast ebenso verheerend wirken sich z.B. die Methangasemissionen der deutschen Landwirtschaft aus. Viertens sind die gültigen Emissionsziele gar nicht an das Pariser Klimaschutzabkommen angepasst. Sie gehen lediglich auf das Kyoto-Protokoll von 2005 zurück. Sicher lässt sich der Emissionshandel sinnvoll wiederbeleben und ausbauen. Wer die Welt retten will, hat mehr zu tun. – Friedrich Thimme


Leserbrief zu „Abschied vom Club“ von Pierre Moscovici

Der französische Altsozialist Moscovici verabschiedet scheinbar freundlich Wolfgang Schäuble, um dann nach wenigen Sätzen Schritte zur baldigen Schuldenunion, einen euro­pa­weiten Sicherungsfond für alle Banken und anderes zu verlangen. Wer die Aufhebung wichtiger europäischer Verträge verlangt, müsste als EU-Kommissar eigentlich zurück­treten. Dass er zudem vortäuscht, einen verdienten deutschen Politi­ker zu loben, diesen aber faktisch öffentlich in den Hintern treten will, ist der Gipfel der Unver­schämtheit. Herr Schäuble hätte dieses Danaer-Geschenk in der ZEIT nicht verdient.    – Wolfgang Ströbele


Leserbrief zu „Ein Gift mit Zukunft…“ von Christiane Grefe

Glyphosat: Ja oder Nein??? Schon länger kursieren Berichte über das Insektensterben, jetzt kam eine weitere Nachricht hinzu. Es ging um das Verbot von Glyphosat bzw. RoundUp. Ich verstehe das gar nicht. Warum soll dieses Zeug denn verboten werden?? Verglichen mit 1990, ging die Fluginsektenpopulation zwar schon massiv zurück (um etwa 75 %), damit wir allerdings sicher zu gehen können, dass diese unnütze Lebensform nicht überlebt, sollten wir unseren Landwirten und Kleingärtnern die genannte Chemikalie ruhig noch zwanzig weitere Jahre an die Hand geben. Na gut…, der Einwand mit den Bienen und Wespen zieht natürlich. Aber die Aktion mit dem Bestäuben, bekommen wir sicher auch selbst hin. Das ist alles kein Teufelswerk. Wir benötigen dafür lediglich ein paar gute Fadenpinsel. In China ist das übrigens schon gang und gäbe. Notfalls holen wir uns als Bestäubungskolonnen halt ein paar dieser Chinesen ins Land. Am Geld soll’s nicht scheitern, davon haben wir ja genug… – Achim Bothmann


Leserbrief zu „Willkommen hinterm Stacheldraht” von Caterina Lobenstein

Schreckliche Zustände in deutschen Flüchtlingsunterkünften. Deutschland sofort vor den Gerichtshof für Menschenrechte. Sehr geehrte Frau Lobendsten, lassen Sie die Kirche bitte im Dorf. Natürlich mag es bei weit über 1 Million Flüchtlingen, die in den letzten 2 Jahren zu uns gekommen sind, vereinzelt Zustände geben, die nicht wünschenswert und u.U. sogar vermeidbar wären. Aber das über zwei volle Seiten an den Pranger zu stellen, fällt für mich in die Kategorie Polemik. Keine anwaltliche Betreuung für Flüchtlinge? Woher kommen dann hunderttausende von Klagen gegen abgelehnte Asylbescheide und Ausweisungen? Wenn ich eine Anwalt benötige muß ich 180,- € die Stunde bezahlen. Freies WiFi plus etwas weniger als 20€ / Monat in bar für Mobilfunk. Wirklich unerhört. Da lässt sich ja nicht mal ein iPhone 6 finanzieren. Aldi Talk mit 1,25 GB und 300 Minuten Telefon im Monat gibt es für 8€. Nochmals 3€ und es gibt 2,5 GB. Nutze ich selbst.

Putzen der eigenen Unterkunft wird mit 80 Cent die Stunde honoriert. Zum einen ist Putzen nichts ehrenrühriges und zum anderen bekomme ich für das Putzen meiner Wohnung, meines Hauses, 0 Cent. Wenn ich es nicht selber machen möchte, muß ich dafür bezahlen. Ist das bei Ihnen anders? Warum schreiben Sie nicht mal über Unterkünfte, die vor 1-2 Jahren mit sehr viel Steuergeld errichtet, saniert und neu ausgestattet wurden, und die heute in einem Zustand sind, als würde schon seit 10 oder 15 Jahren darin gewohnt. Das gilt natürlich nicht für alle Unterkünfte. Aber so wie Sie Bamberg ausgegraben haben, finden Sie auch für die andere These Beispiel finden. In diesem Zusammenhang, Windeln im Spülbecken auswaschen und dann liegen lassen, wie Sie es beschrieben haben, geht überhaupt nicht. Welchen Anspruch kann jemand stellen, der nicht bereit ist, elementare Gepflogenheiten und Regeln des Zusammenlebens zu akzeptieren und zu befolgen? – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Kurz oder Macron” von Matthias Krupa

Es ist doch letztlich egal ob Kurz die Wahl mit Stimmenklau bei der FPÖ gewonnen hat oder nicht. Hauptsache er hat gewonnen. Er hat sich halt die Stimmen woanders geholt. Klar ist doch anders als in D: man kann mit dem gleichen Programm wie eines Konkurrenten gewinnen. Das haben CDU/CSU eben nicht gemacht, sie hatten Angst die Bürger ernst zu nehmen. Das hat sich in Sachsen bitterst gerächt. Nachdem ich als dt. Urlauber den Präsi-Wahlkampf hautnah miterlebt hatte, freut es mich sakrisch daß dem (verfassungsgem.schwachen) grünen Bundespräsidenten jetzt eine starke bürgerliche Regierung als Hauptgewicht entgegensteht. Das ist noch viel wichtiger als ein FPÖ-Präsi. Was ich nicht verstehe ist daß bei der Kandidatur von Hofer viel mehr linker Protest kam als jetzt nach der NR-Wahl. Ich freue mich daß Österreich jetzt in der Flüchtlingsfrage uns Deutschen voraus sein wird, was die Nähe zum Volk angeht. – Steffen Schmid


Leserbrief zu „Todesursache Diesel“ von Susan Djahangard

„Das Gas ist ein Vorprodukt von Ozon und Feinstaub und…“ Das ist mir nicht so recht klar. Feinstaub besteht in meiner Wahrnehmung aus feinsten Partikeln, also kleinen Festkörpern. Wie aber soll aus einem Gas („Vorprodukt“) unter normalen Bedingungen ein Festkörper entstehen? – D. Schuster


Leserbrief zum Titelthema „100 Jahre Kommunismus“

Wunderbar. Besonders die Seite 23 „Geschichte“. Und dann der Kulturschock. Eine Seite später. Die unsägliche Seite „Fußball“. „Das Geheimnis der Roten Hosen.“ Was für eine Verschwendung. Was für eine intellektuelle Zumutung. Und die Unterschrift unter der Überschrift: „..vernünftig denkender Mensch…“ Kein Mensch ist vernünftig. Was soll dieser Unsinn? Werfen Sie endlich dieses „Buch“ aus Ihrer Zeitung raus. Für wen schreiben Sie eigentlich? Bringen Sie stattdessen Berichte aus Europa, Asien, Bundesländer, woher auch immer. Alles ist besser als das. Hartmut van Meegen aus Saarbrücken. P.S. Die Stadt Saarbrücken ist seit Jahrzehnten unter div. SPD-Bürgermeister/in pleite und muss sich alle Ausgaben vom Innenministerium genehmigen lassen. Sie investiert € 100.000.000.00 in ein neues Stadion für einen Fußballverein, der in der Regionalliga spielt. Aber eine Schülerkarte für den ÖPNV kostet pro Kind € 85,00 monatlich. Natürlich nur von Mo bis Sa. Noch Fragen? Danke. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Macrons großer Moment“ von Thomas Assheuer

Wenn das alles so einfach wär. Es môgen große Visionen von Macron sein. Nur die meisten EU-Staaten werden den Teufel tun ihn zu Folgen. Das alles Entscheidende sind die Flüchtlinge und die daraus resultierende Integration. Das wird nach wie vor von den Politikern vollkommen unterschätzt. Von den Medien will ich erst gar nicht sprechen.  Besonders die arabischen Bürger sind von der Politik verhätschelt worden. In Anbetracht dieser Tatsache wissen diese Menschen sehr genau, daß sie in Deutschland sehr selbstbewusst und kriminell auftreten können, um den einheimischen Bürgern das Leben schwer machen. Weil das nach wie vor von der Politik gedeckt wird. Das wäre eine Aufgabe für Macron gewesen, das zu ändern oder zumindest zu fordern. Indem man zunächst die Gesetzeslage ändert.

Köln war doch nur die Spitze eines Eisbergs. Auch Frankreich kann ein Lied davon singen. Die ausufernden und kriminellen Zustände der Nordafrikanischen Bevölkerung, besonders aus Algerien, gehören seit Jahrzehnten zum Alltag der Franzosen. Wir könnten all die Rechten, damit meine ich nicht die Konservativen, vergessen, wenn die Politik massiv dagegen angesteuert hätte. Aber die Gesetzeslage gibt es anscheinend nicht her. Jetzt steht die Sicherheitslage ganz oben, wie de Maizière diese Tage sagte. Schon wieder ein falscher Ansatz. Wir stehen kurz vor einem Polizeistaat. Damit übertrifft er noch die AfD. Das wird in ganz Europa die Menschen auf die Palme bringen.  Ehe also Macron seine Visionen umsetzt, sollte er erstmal die Einheimischen Bürger von dieser Last befreien. Dann kann er meinetwegen an das Große Eingemachte gehen. Wenn das wieder ungehört bleibt, dann stehen den Rechten Tür und Tor offen.  Der vernünftigste Politiker den ich zur Zeit erkenne, ist der angehende Kanzler in Österreich Sebastian Kurz. Der genau das, was ich beschrieben habe, erkannt hat. Für das Monatsmagazin „Cicdero“ kann er sogar übers Wasser laufen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Ausgerechnet Hamburg?“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Mein Wohnort befindet sich in NRW. Hier sind die Schulen fast durchgehend grottenschlecht. Sie erwähnen kurz die Bayern, die schneiten neben Sachsen seit Jahren am besten ab. Und nicht nur auf diesem Gebiet, sondern in allen anderen Feldern auch. Ob wirtschaftlich oder sozial (die geringsten Arbeitslosenzahlen, die niedrigste Kriminalität, die wenigsten Schulden, die besten Universitäten, die gut geführten Kindergärten und die erfolgreichen zukunftsweisenden Firmen.) Die schlechtesten Ergebnisse sind die Bundesländer, die von den Sozialdemokraten geführt werden. Das ist Fakt. Wenn die Journalisten doch nicht immer die Politik mit ins Spiel bringen würden, dann wären sie glaubwürdiger. Es gibt wenige Journalisten, die diese Tatsache auch zu Papier bringen. Mit der Wahrheit sind sie nicht gerade gesegnet. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Willkommen hinterm Stacheldraht” von Caterina Lobenstein

Die Umstände in Flüchtlingsunterkünften wie in Bamberg erfüllen mich mit Scham, Ekel und Wut. Wie erkläre ich meinen Kindern, dass in unserem reichen Land mit seinen behaupteten christlichen Werten und seiner jüngeren Geschichte rechte Politik die Möglichkeit hat, sich ihre Argumente auf diese Art heranzuziehen: Lager werden eingerichtet, die Menschen sehenden Auges in die gesellschaftliche Isolation, Kriminalität und Depression treiben, um über kurz oder lang „Beweise“ zu sammeln, um Mehrheiten für eine regide Flüchtlings-/Ausländerpolitik zu erreichen …..grauenhaft. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Willkommen hinterm Stacheldraht” von Caterina Lobenstein

Danke für Ihren Artikel, der mich sehr schockiert hat. Die Integrationswirkung der dezentralen Unterbringung ist enorm. Die Lager werden alle die Angst erzeugenden Effekte haben und sind menschenunwürdig. Wir sind an einem Scheideweg, mit einer möglichen Gesetzesinitiative zu einer Ausweitung dieser Lager und müssen dagegen sprechen. Danke, dass Sie das Wort ergriffen haben. Bitte berichten Sie mehr. – Sabine Bhanot


Leserbrief zu „Willkommen hinterm Stacheldraht” von Caterina Lobenstein

Wer solche Zustände wie im „Lager“ in Bamberg nicht nur zulässt, sondern auch noch forcieren will, trägt die Schuld an den Folgen wie fehlende Integration, zunehmende Kriminalität und die daraus resultierende wachsende Fremdenfeindlichkeit. Anstatt solche Probleme zu vermeiden, verstärken die CDU und CSU sie. Das ist inhuman und vor allem niederträchtig. – Christian Jöricke


Leserbrief zu „Ausgerechnet Hamburg?“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

Die Landeshauptstadt Stuttgart mit ihrer hervorragenden Wirtschaftskraft und prall gefüllten Kassen muss sich nicht wundern, dass sie auf den hinteren Plätzen landet: Auf meine Nachfrage, wie viele Förderstunden es denn im folgenden Schuljahr gäbe, war die eindeutige Antwort der Lehrerin: Null! In der dritten Klasse der Grundschule meines Sohnes sprechen 7 von 24 Kindern nur schlecht Deutsch und haben daher erhebliche Schwierigkeiten mit dem Lesen und der Rechtschreibung (keine Flüchtlingskinder, „nur normale“ Migranten). Förderung? Null. Im benachbarten Stadtteil ist die Schule zu klein für die vielen Schüler, noch nicht einmal die Container für die zusätzlich nötigen Klassenräume konnten rechtzeitig beschafft werden. Die Schüler werden im Bürgersaal unterrichtet und müssen dann alleine zurück zur Schule laufen zur Nachmittagsbetreuung. Eine Mutter erhielt mittags einen Anruf, dass ihr Kind leider nicht angekommen sei, ob sie mal suchen könne, man habe leider zu wenig Personal.

Es fehlt schlichtweg an Personal und Raum für vernünftigen Unterricht und Betreuung. Das Gerede von „mehr Geld für die Bildung“ kann ich nicht mehr hören, ber Digitalisierung und Tablets brauchen wir gar nicht erst reden! Im Moment sind zwar neue Stellen bewilligt und ausgeschrieben, es gibt aber leider keine Bewerber – der Arbeitsmarkt ist leergefegt, die Bauwirtschaft so ausgelastet, dass es so bald auch keine Abhilfe geben wird. Gerne dürfen Sie auch mal einen Bericht über die Lage an den Hochschulen schreiben. Unser Neubau hat sich in der Fertigstellung um 2 Jahre verzögert, irgendwann sind wir aus Verzweiflung einfach in den unfertigen Bau eingezogen.

Es fehlt die komplette die Akustik und der Blendschutz. Der Brandschutz erlaubt es uns nicht, Pläne an die Wände zu hängen – und das in einer Architekturfakultät! Die Werkstätten sind aufgrund von Problemen mit der Elektrik nur eingeschränkt funktionsfähig, die Eingangstüranlage ist nicht betriebsbereit. So kommt es häufiger vor, dass man in das Gebäude gar nicht hereinkommt. Ein Neubau, in den man nicht reinkommt mit Vorlesungsräumen, in denen man die Projektion nicht sehen und den Lehrenden nicht verstehen kann. Der Grund: ein unterbesetztes Uni-Hochbauamt, das leider keine Zeit und auch kein Geld hat, die Mängel zu beheben! So sieht die Bildungslandschaft aktuell aus! – Christine Kappei


Leserbrief zu „Willkommen hinterm Stacheldraht” von Caterina Lobenstein

Mit diesem Artikel erreicht für mich der Begriff „Fremdschämen“, eine neue Dimension. Warum dieser jedoch im Wirtschaftsteil plaziert wurde, erschließt sich mir aber nicht. – Ferdinand Gruß


Leserbrief zu „Im Westen was Neues” von Jörg Lau und Bernd Ulrich

Ich möchte mich für den brillant formulierten und inhaltlich überzeugenden Beitrag von Jörg Lau und Bern Ulrich bedanken. Es war u.a. wohltuend, dass der Begriff “Deutsch-amerikanische Freundschaft” darin nicht vorkam. Insbesondere im Kontext von politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit den USA ist dieser von den sogenannten Atlantikern  häufig verwendete Terminus ein unangebrachter Euphemismus. Aus eigener Erfahrung im Geschäftsleben weiß ich, dass man sich in “God’s own Country” so lange gefühlsduselig als “best friend” fühlen darf, wie man für nützlich oder gewinnbringend erachtet wird. Sobald diese Beurteilung nicht mehr zutrifft, wird man eiskalt abserviert. – Sven Herfurth


Leserbrief zu „Ein Gift mit Zukunft…“ von Christiane Grefe

Zu Glyphosat/Roundup wurden am 17. 10. um 20:15 auf ARTE u.a. auch Monsanto-Daten zu Krebs in verschiedenen Organen gezeigt. Dem aufmerksamen Autofahren fällt auf, dass immer seltener Insekten und Falter auf der Windschutzscheibe landen. Wo sind sie geblieben? Unkrautvernichtungsmittel berauben sie essentieller Bereiche ihrer Nahrungsquellen und Lebensstandorte. Mit dem drastischen Schwund an Insekten, Faltern, Schmetterlingen, auch Unkrautsämereien, wird vielen Kleinvögeln (Meisen, Drosseln, Finken) die Grundnahrung entzogen; größere Gefiederte wie Amseln, Elstern, Krähen, Tauben bevorzugen andere Kost und nehmen überhand.

Ein Giftbeispiel: Der Innenhof einer Arbeitsstätte dient tags als Parkplatz, abends hat eine silbern glänzende Weimaraner Hündin dort freien Auslauf, knabbert auch mal an zwischen dem Kopfsteinpflaster sprießendem Gras, Klatschmohn, Kornblumen uä. Gelegentlich fiel die Hündin durch stumpfes Fell, Apathie, Verdauungsprobleme auf, der Tierarzt fand  außer schlechten Leber-/Laborwerten keine Ursache. Irgendwann merkte ein Mitarbeiter dass die Hündin immer dann schlecht aussah wenn Tage vorher das Unkraut im Innenhof gründlich mit Sprühmittel bearbeitet wurde. Rückfrage ergab dass es sich um Roundup handelt, zur schnelleren Sichtbarkeit der Wirkung gar um 1/10 weniger verdünnt als auf dem Kanister angegeben! Der Warnhinweis „darf nicht in die Kanalisation gelangen“ (zB bei Regen) wurde ebenfalls ignoriert. Mit dem gleichen Herbizid werden auch die Ritzen der Bodenplatten auf der für Feiern gerne genutzten Dachterrasse besprüht. Wohl dem der sein am Boden krabbelndes Kleinkinder besser zuhause lässt. R. K.


Leserbrief zur Grafik „Nordkorea“ von Marco Hernandez et al.

Die Grafikseite Nordkorea war sehr instruktiv und interessant. Glücklicherweise befindet sich in der Grafik „Reichweite“ ein gravierender Fehler der Nordkoreaner in der Schussrichtung ihrer Rakete, die die Westküste der USA erreichen soll. Sie wird in den Pazifik fallen. Die Küste Amerikas liegt von Nordkorea aus zwischen den Richtungen etwa Nordost (Seattle) und etwa Ostnordost (San Diego) und nicht wie von den Nordkoreanern angenommen irgendwo südlich der Ostrichtung. – Dietrich Enss


Leserbrief zum Titelthema „100 Jahre Kommunismus“

War da mal eine Gute Idee? Die Idee war vielleicht gut, nur die Umsetzung war falsch! Alle Ideen sind falsch, wenn die Menschen dabei vergessen werden. Im Nachhinein müsste man jetzt endlich wissen, was letztendlich „gut“ oder „falsch“ war. Seit mehr als 25 Jahren ist der Kommunismus auf dem Boden Europas „untergegangen“, Millionen Menschen haben sich dessen entledigt, und bei uns gibt es noch immer „fehlgeleitete Geister“, die „glauben“ einen noch besseren Kommunismus errichten zu können. (Nein, danke! Ich habe fast 30 Jahre Kommunismus erlebt, ich will ihn hier nicht weiter empfehlen!)   Hat der Kommunismus nicht genug Not und Elend – und das verteilt auf der ganzen Welt – gebracht? Was sollte an der Idee gut gewesen sein? Ich möchte nur an die Millionen Toten erinnern, die ihr Leben nur deswegen lassen mussten, weil sie mit dem „glücklichen Kommunismus“ nicht einverstanden waren.

Allein in den 20 Jahren nach der „großen Oktoberrevolution“ hatte das totalitäre kommunistische Regime 20 Millionen Tote zu verzeichnen, und nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal 10 Millionen. Vergleicht man das mit den über 40 Millionen Toten – verursacht durch das totalitäre Regime der NSDAP – während des Zweiten Weltkrieges, so kann man feststellen, dass die „Totalitären“ gar nicht so weit auseinanderliegen. Zieht man hingegen auch noch das kommunistischen China hinzu, so dreht sich das Verhältnis um.   Es gibt also keinen Grund über eine „gute Idee“ zu jubeln. Allerdings an die Gräueltaten aller – die rechts- und linksterroristischen Regierungen – zu erinnern sollte man nie vergessen. Man sollte auch nie vergessen, dass die Situation vor dem Fall der Mauer in den westlichen Medien wahrheitsgetreuer dargestellt wurde. Ein Umstand, den es heute nicht mehr gibt. – Franz Balzer


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Jede Woche erheitert uns diese Kolumne aufs Neue .. doch seit der Ausgabe vom 19.10.2017 sind wir total beruhigt: Larissa benutzt offensichtlich regelmässig Toilettenpapier und möchte das Ihrem Liebsten auf Ihre ganz eigene Art und Weise mitteilen. Nur so konnten wir uns die auf Seite 77 blütendweiß-strahlende Baumwollunterhose erklären. Wir haben uns dann allerdings gefragt, wie Thomas‘ Unterhose wohl so aussieht und sind schon gespannt auf nächste Woche. Was hat diese Beziehung doch für einen Tiefgang! Herrlich wie man aus Nix oa G‘schiss machen kann. – Dunja Fiege


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Die Rubrik „Fernbeziehung“ von Larissa und Thomas ist wirklich inspirierend. Besonders anregend fanden wir das Foto von Larissa auf Seite 77 des letzten Magazines. Wir sind beide sehr treue Leser der ZEIT und dabei schauspielerisch wenig begabt. Aber dieses Foto hat uns zu einem kleinen Stegreif-Drama inspiriert.

Sie (LAUTSTARK): Möchten wir so etwas in einem Magazin lesen?

Er (LAUTSTARK): Nein, so etwas möchten wir nicht in einem Magazin lesen!

Nach einigen Aufführungen ging es uns beiden bereits sehr viel besser. Vielen Dank für diese Anregungen! – Wibke Oppermann + Klaus Schell


Leserbrief zu „Was bleibt vom linken Traum?“ von Milo Rau et al.

Für Ihre Beiträge zur Ehrenrettung des Begriffs „Kommunismus“ und Ihren Ausblick auf die Realisierbarkeit eines demokratischen Sozialismus, der seinen Namen verdient, bin ich äußerst dankbar. Die Bezeichnung „Kommunismus“ ist von vielen Staatsführern genutzt worden, deren Gemeinwesen mit der humanistischen Utopie von Marx/Engels nicht das Geringste zu tun hat. Ebenso hat sich im Sprachgebrauch der Historiker und Politologen eine völlig undifferenzierte, sachlich verfehlte Etikettierung solcher Staaten breit gemacht. Die tief verwurzelte Abneigung gegen „kommunistische“ oder „realsozialistische“ Staaten hat allerdings auch tief liegende Gründe. Die Idealmodelle einer versöhnten, gerechten Gesellschaft seit der Zeit des Frühchristentums haben zwei Pferdefüße: Erstens die illusionäre Hoffnung auf eine zeitnahe Erlösung, sei es durch die Wiederkehr Christi im Jüngsten Gericht bei den antiken Christen, sei es in der automatischen Humanisierung des sozialen Lebens nach einer Vergesellschaftung der Produktivkräfte. Zweiter Pferdefuß: die Eigendynamik der Organisation einer gesellschaftlichen Utopie.

Als sich die Nachfolge Christi im Frühchristentum zu einer irdischen Selbstorganisation genötigt sah, entwickelte sich schnell Hierarchie, Herrschaft und Machtbehauptung in ideologischer und gewaltsamer Form. „Revolutionierte“ oder „befreite“ Staaten im Sinne des „Wohlfahrts“ausschusses eine Robespierre oder des Marxismus-Leninismus haben lediglich auf die Metaphysik verzichtet, ansonsten auf keine diktatorische Schandtat. Ein wirklich demokratischer Sozialismus muss gewaltfrei durch politische Überzeugung realisiert werden und demokratisch kontrolliert sein. Im globalen Maßstab scheint dies noch sehr illusorisch. Aber auch auf nationaler Ebene steht der vernünftigen Theorie die irrationale Praxis der Demagogen, Rassisten und Chauvinisten gegenüber. Dabei geht die Eigentümermacht zur Sicherung ihres ökonomischen und politischen Einflusses nicht immer so dummdreist vor, wie es sich Donald Trump erlauben kann. Das Dictum des Staatsphilosophen Hegel gilt noch immer: „Wenn die Theorie nicht mit den Tatsachen übereinstimmt, umso schlimmer für die Tatsachen.“ – Viktor Rintelen


Leserbrief zu „Spiel um alles” von Christof Siemes

Aus Ihren Ausführungen geht hervor, dass Sie es für ungerecht halten, dass Frauen immer noch weniger Geld bei Tennisturnieren erhalten. Leider kann ich diese, auch von vielen Anderen geteilt Meinung nicht nachvollziehen. Es hat doch aus meiner Sicht klare Gründe für eine ungleiche Bezahlung, nämlich zwei, die miteinander verknüpft sind:

  • Es sollte doch allen bekannt sein, dass bis auf das Finale bei der US Open Frauen nur auf zwei Gewinnsätze spielen und Männer auf drei. Sollte „man“ nicht für eine größere Leistung auch ein größeres Entgelt erhalten? Ich meine schon. Es wird leider – wie so oft – Ungleiches versucht gleich zu behandeln.
  • Aber noch viel wichtiger ist, dass durch die längere Spielzeit mit im Durchschnitt wahrscheinlich 50% mehr Satzpausen deutlich höhere Werbeeinnahmen (über damit rd. 50 % mehr Werbezeit) generiert werden können. Dabei möchte ich noch nicht einmal das „Fass“ aufmachen, dass die Einschaltquoten bei Männerspielen höher sind als bei Frauen-Matches. Dies führt nämlich auch noch einmal zu höheren Werbeeinnahmen. Darum erhalten z.B. auch die Fussballnationalmannschaft der Männer höhere Prämien, da die Einnahmen auch ein Vielfaches der für Spiele bzw. der Werbemaßnahmen der Frauen entspricht.

Wieso sollen die Männer also für mehr Leistung sowie höheren Einnahmen für die Turnierveranstalter nicht mehr Geld erhalten. Ich zumindest halte dies für sachgerecht. Dies würde ich anders sehen z.B. für die Frage der Prämien für Marathonläufer/innen, da die gleiche Leistung erfolgt und bei der gleichen Veranstaltung keine unterschiedliche Zuordnung von Werbeeinnahmen erfolgen kann. Ich kann leider nicht mehr verstehen, warum bei der Frage des Entgeltunterschiedes zwischen Männer und Frauen, nicht nur beim Tennis, nicht mehr sachlich und differenziert argumentiert wird. Unabhängig davon, dass es mitunter doch etwas gewöhnungsbedürftig ist, wenn hier für die Millionenprämien für Tennisspitzenspielerinnen (ähnlich das Jammern einer Schauspielerin wie Jennifer Lawrence) „gekämpft“ wird, statt sich für die wirklich Bedürftigen einzusetzen. Und dies sind sicherlich nicht Aufsichtsratsvorsitzende. – Jens Kruse


Leserbrief zu „Ein Gift mit Zukunft…“ von Christiane Grefe

In dem Artikel wurden zwei wichtige Fakten übersehen:

a) Die vermeintliche Diskrepanz bei der Risikobewertung (krebserregend oder nicht?) kommt nicht zuletzt daher, dass zwei unterschiedliche Stoffe bewertet wurden, zum einen Glyphosat als Reinstoff (Europäische Behörde) und die Brühe, die man dann tatsächlich auf den Acker streut (IARC). Letztere wurde als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft, wenn dem so ist, kann das aber durchaus von verschiedenen Zusätzen herrühren, die man dem Glyphosat so beimischt — vor allem Benetzungsmittel, die dazu dienen dass die Lösung von der Pflanze aufgesogen wird und nicht auf die Erde tropft.

b) Da gentechnisch veränderte Pflanzen in Deutschland keine Rolle spielen, kann man Glyphosat als Unkrautvernichter hier nur sehr eingeschränkt einsetzen, nämlich vor der Aussaat. Man sollte wissen, dass es aber auch in grossen Mengen kurz vor der Ernte auf das Getreide gestreut wird, damit es stirbt (vertrocknet) und die Ernte einfacher wird. Vermutlich führt dieser erntenahe massive Einsatz von Glyphosat zu viel höheren Rückständen in der Nahrung als die Anwendung als Unkrautvernichtungsmittel vor der Aussaat. Viel wäre gewonnen, wenn zumindest Glyphosat als „Erntehilfe“ verboten würde. – Christoph van Wüllen


Leserbrief zu „Zur Sonne, zur Freizeit“ von Mark Schieritz

Kann man tatsächlich aus der Reduzierung des Anteils der Löhne/Gehälter am gesamten Volkseinkommen ableiten, dass die Löhne zu niedrig sind? Ich halte so eine monokausale Erklärung für eine so „grobe“ volkswirtschaftliche Kennzahl für sehr problematisch, so wie ich allgemein die Ableitung von Aussagen aus statistischen Zahlen auf einer so hohen Ebene sehr mit Vorsicht betrachte. Dies ist aus meiner Sicht z.B. auch mit einer Kennzahl, die ebenfalls immer wieder von der Gewerkschaft für Forderungen nach Gehaltserhöhungen genutzt wird, der sog. Produktivität. Ich bezweifle, dass die Anzahl produzierter Autos bei VW pro Mitarbeiter tatsächlich in den letzten Jahren angestiegen ist, weil die Arbeitnehmer besser/mehr gearbeitet haben. Ich gehe davon aus, dass dieser Anstieg der Arbeitsproduktivität der Automatisierung bzw. besserer Arbeitsorganisation sowie der deutlichen erhöhten Vorproduktion von vielen Teilen bzw. ganzen Autoteilbereiche im Ausland bzw. durch Werkvertrag-Dienstleister (natürlich zu niedrigeren Löhnen) geschuldet ist. So konnten die VW-Mitarbeiter extrem hohe Löhne (auf Kosten anderer) durchsetzen.

Kann es nicht auch möglich sein, dass die Verschiebung des Anteils von Einkommensarten am Volkseinkommen auf Grund zu hoher Arbeitseinkommen zustande gekommen sind? In manchen Bereichen der Industrie stehen Arbeit und der Einsatz von Maschinen (und damit dem Einkommen für den Investor bzw. Kreditgeber) in einem Konkurrenzverhältnis. Als Wirtschaftsprüfer sehe ich immer wieder, dass gerade Arbeitnehmer in den unteren Lohngruppen durch „Rationalisierung“ (blödes Wort) ihren Arbeitsplatz verloren haben. Zum Beispiel fallen viele Arbeitsplätze im Logistikbereich/Lagerwesen durch die Einführung hoch automatisierter Lagersysteme, die noch dazu 24 Stunden einsetzbar sind, kaum noch Fehler bei der Bestückung von Lieferungen aufweisen, ersetzt werden. Ich bin mir nicht sicher, ob durch die Erhöhung der Löhne in diesem Bereich um 6% sowie der Einführung des Rechts auf eine 28-Stunden-Woche (und der sicheren Rückkehr zur Vollzeit) solche Arbeitsplätze sicherer werden.

Treffen wird es – wie in der Vergangenheit – die Arbeitnehmer im unteren Bereich, einfache Tätigkeiten (die leicht durch Automatisierung ersetzt werden können). Vorteile wird der Ingenieur bei Siemens oder Daimler und der sehr qualifizierte Facharbeiter haben. Personen, die auch jetzt schon gut verdienen. Ziel sollte es aber sein, die tatsächlich durch nicht ausreichende Löhne Benachteiligten (z.B. im Dienstleistungssektor) besser zu stellen. Da hilft aber nach meiner Kenntnis aber nur ein Möglichkeit: Die Kunden müssen einfach mehr für Dienstleistungen bezahlen, egal ob es sich um das Haare schneiden, den Lieferverkehr oder die Pflegedienstleistung handelt! Bei Industrietätigkeiten, die im internationalen Wettbewerb stehen wird dies schon etwas schwieriger. Am Ende hilft hier nur Qualifizierung, da einfache Tätigkeiten, auch in Zeiten der Digitalisierung, ersetzt oder ausgelagert werden. Dies wird aber immer zu einer Reduzierung des Lohnanteils (in Deutschland) führen! – Jens Kruse


Leserbrief zu „Ausgerechnet Hamburg?“ von Jeannette Otto und Martin Spiewak

„Die im Dunkeln zählt man nicht …“ Jeanette Otto und Martin Spiewak haben einen Beitrag veröffentlich, der zutiefst irritiert. In einer für die ZEIT ungewöhnlich deutlich erkennbaren Undifferenziertheit wird ein Lobeslied auf die Hamburger Bildungspolitik gesungen. Man könnte meinen, dass es sich eher um eine öffentlichkeitswirksame Pressemittteilung der Bildungsbehörde, als um einen ernstgemeinten, kritischen und gut recherchierten Artikel zum Stand der Hamburger Schulentwicklung handelt. Bevor ich auf ironische Weise dem Lobeslied noch ein paar weitere Strophe (bzw. Zahlen) anhängen werde, möchte ich die Autoren auf einen aktuelleren Stand zum Thema Schulentwicklung, Inklusion und Bildungsmonitoring bringen, um damit einige Leerstellen ihrer Recherche zu schließen. Im Zusammenhang mit einer angeblichen Qualitätsentwicklung im Bildungsbereich durch quantitative Leistungserhebungen und Bildungsmonitoring, gibt es schon seit Jahren deutlichen Widerspruch von wissenschaftlicher Seite (bsp. Ahrbeck u.a 2016; Brügelmann 2015):  –     wie fragwürdig und manipulierbar die Ergebnisse ‚flächendeckender Leistungsmessungen‘ sind und waren, wurde vor einem halben Jahr interessanterweise höchstpersönlich von Herrn Rabe selbst vorgeführt (vgl. Zeit/Nr. 14, 2017), indem er die katastrophalen Ergebnisse der Mathematik-Vorabiturklausur schlicht um eine Note nach oben angehoben hat.

Damit hat er eindrucksvoll bewiesen, dass es allemal einfacher ist an den Qualitätsindikatoren selbst zu schrauben, als an dem, wofür sie eigentlich stehen sollten (vgl. Reiser 2013).  –     unter dem Stichwort Ökonomisierung im Bildungssystem werden schon lange kritische Positionierungen diskutiert, welche dem Autorenteam in ihrem Beitrag offensichtlich völlig fremd sind. Sämtliche Marktlogiken erfüllt Hamburg in vortrefflicher Weise. Merkmale wie Technologisierung des Sozialen, Wettbewerb, Quasi-Märkte und Selbstverantwortung spiegeln sich, inklusive negativer Nebeneffekte, im Hamburger Schulsystem mittlerweile wider. Nur, und vielleicht ist das die ernüchternde Erkenntnis, treffen sie besonders hart die ohnehin schon Benachteiligten, die Bildungsverlierer, die Migranten und die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf. Nun jedoch wieder zurück zu den Zahlen. Es bräuchte im Grunde gar kein teures Bildungsmonitoring um zu zeigen, wie erfolgreich das Hamburger Schulsystem seit Jahren arbeitet. Allein der Blick auf die Zahl der Schulabgänger, die die Schule am Ende mit einer Hochschulreife verlassen, macht deutlich wie leistungsstark und vor allem schlau Hamburger Jugendliche im Vergleich zu Jugendlichen aus allen anderen Bundesländern (auch Bayern und Sachsen werden hier locker in die Tasche gerechnet) sind. 2014 lag der Anteil der Abiturienten mit mehr als 55% um etwa 20 Prozentpunkte über dem Bundesschnitt (vgl. KMK 2016).

Da „wundert“ es nun wirklich nicht, dass bildungsbewusste Eltern aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein lieber ihre Kinder in Hamburger Schulen anmelden, als in ihrem eigentlichen Bundesland. Und weil wir gerade bei den Eltern sind, lohnt sich auch – quasi als Beweis für die allumfassende Leistungsfähigkeit des Hamburger Schulsystems – ein genauerer Blick auf die Entwicklung des im Artikel genannten Sozialindex KESS für Hamburg. Dieser, der ja in erster Linie die soziale Herkunft, also das Elternhaus und dessen bildungsrelevanten Ressourcen widerspiegelt, wurde vor Kurzem neu berechnet. Auch hier zeigen die aktuellen Ergebnisse eine wundersame Wende. Die Anzahl der Schulen in Hamburg mit dem höchsten (KESS 6) und zweithöchsten (KESS 5) Faktor hat sich im Vergleich zur vorherigen Messung fast verdoppelt! Der Schluss, dass das Schulsystem also auch für die Verbesserung der sozialen Herkunftssituation der Eltern verantwortlich ist, wäre in der Rhetorik von Otto/Spiewak sicherlich legitim. Das Bittere ist jedoch, dass sich parallel dazu auch die Zahlen der Schulen mit dem niedrigsten und zweitniedrigsten KESS-Index verdoppelt haben.

Die Spaltung der Stadt geht offensichtlich weiter voran. Dass Schulen und Schulsysteme mit ihren Marktlogiken hier maßgeblich mitverantwortlich gemacht werden können, scheint unter die journalistische Verschwiegenheit zu fallen und lädt ein zu Spekulationen. Hinzu kommt, dass die Zahl der Schulabgänger mit höchstens einem ersten Schulabschluss weiterhin stabil um die 20% liegt und damit werden diese Jugendlichen durch die Abschlussinflation noch stärker benachteiligt. Man könnte fragen ob diese Zahlen wirklich für ein erfolgreiches oder integratives Schulsystem sprechen. Man könnte es aber auch sein lassen und schlicht diese gefährdete und benachteiligte Gruppe von Jugendlichen einfach aus der Statistik und allen Erhebungen streichen. „Die im Dunkeln zählt man nicht …“: das ist diskriminierende Statistik und alles andere als eine inklusive Haltung. Und wer darüber einseitig positiv und unkritisch berichtet, macht sich mitverantwortlich! – Jochen Liesebach


 

 

12. Oktober 2017 – Ausgabe 42

Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Sehr gut & sehr wichtig Murat Kurnaz‘ zweisprachiger Brief! Gruß an ihn & ihm Alles Gute! Sein Buch ist eines der wichtigsten Menschenrechts -Dokumente überhaupt! – Paul Zendo


Leserbrief zu „Sind wir nun frei?“ von Ulrich Ladurner und zu „Nationen mit Opferkult“ von Herfried Münkler

Die politische Situation in Spanien droht zu eskalieren und dies ist keine Entwicklung, die die Katalanen verursacht haben, sondern einzig und allein der Zentralregierung in Madrid zuzuschreiben. Der unbeugsame Ministerpräsident Rajoy, der seine harte Linie weiterhin verfolgt und wenig Gesprächsbereitschaft zeigt, hat schon vor Jahren die Katalanen vor den Kopf gestossen, als er ihnen weitere Autonomierechte, so wie sie die Basken haben, verwehrt hat. Ist es da ein  Wunder, wenn man sich in Katalonien nunmehr dazu entschliesst, sich von Spanien unabhängig zu erklären? Der katalanische Regierungschef Puigdemont hat mehr diplomatisches Geschick bewiesen als Herr Rajoy, indem er die Zentralregierung zum Dialog aufgefordert hat. Leider schaltet man in Madrid weiter auf stur! Und auch Europa schaut sehenden Auges zu, wie Spanien in den Abgrund driftet und diffamiert die Katalanen als Nationalisten. Auch die Berichterstattung in den Medien hierzulande lässt mit wenigen Ausnahmen sehr zu wünschen übrig, denn viele Journalisten ergreifen einseitig Partei für die Zentralregierung, ohne die Probleme, die dazu erst geführt haben, richtig und konsequent zu reflektieren! Ich jedenfalls habe grosse Sympathien für das katalanische Projekt und hoffe, dass die spanische Verfassung endlich geändert wird und dann auch den anderen 16 spanischen Regionen mehr Autonomierechte gewährt werden! – Thomas Henschke


Leserbrief zu „Nicht durchdrehen“ von Matthias Geis

Ganz gleich, auf welche Regierung man sich einigt, aber der gesellschaftliche Zusammenhalt ist nur durch Homogenität gesichert. Je ungleicher das System, umso größer die Konfliktpotentiale und umso geringer die „Funktionsfähigkeit des Gemeinwesens“, unabhängig davon, ob die Reibungspunkte Einkommen, Arbeitsplätze, Vermögensverteilung, Pensionen, Religion oder ethnische Strukturen sind. Die Problematik kann historisch wachsen, aber auch künstlich durch gesellschaftliche Veränderungen herbeigeführt werden. Da sollte man gehörig aufpassen und keinen weiteren Import von Problemen zulassen. – Martin Behrens


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Heute ist wieder Zeit-Tag, und mein erster Blick galt wieder dem Magazin. So freundlich blau mit weißem Tupfer, eine Aufheiterung in diesen tristen Wettertagen! Dann noch Literarisches! Beim Anblick der Titel-Wolke kam mir auch gleich Brechts Gedicht „Erinnerung an Maria A.“ in den Sinn, eins meiner Lieblingsgedichte. Zum Abitur vor vielen, vielen Jahren mussten wir fünf Gedichte auswendig hersagen können, Brechts „Erinnerung an…“ war eins davon. Aber, welch Enttäuschung, es war nicht im Heft vertreten! Eine große Sünde! Dafür habe ich es mir gleich noch einmal aufgesagt, es ist immer noch wunderschön! Und, es hätte sicherlich auch gepasst!:

In meinem Arm wie einen holden Traum. Und über uns im schönen Sommerhimmel War eine Wolke, die ich lange sah Sie war sehr weiß und ungeheuer oben Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

Dennoch, Dank für das Schöne Heft! – Volker Krause


Leserbrief zu „Der Zündler” von Gero Von Randow und zu „Trotz alledem: Amerika“ von Deidre Berger et al.

Präsident Trump ist brandgefährlich. Es ist mir völlig unverständlich, wieso die Amerikaner diesen selbstherrlichen Macho wählen konnten. Vielleicht liegt es daran, dass sie Hillary Clinton auch nicht als Präsidentin haben wollten, da der demokratische Vorgänger Obama, dem man unverständlicherweise kurz nach seinem Amtsantritt den Friedensnobelpreis verliehen hat, nicht viel bewirkt hat. Statt klare Kante zu zeigen, hat er durch Passivität dafür gesorgt, dass die zahlreichen Konflikte in der Welt – insbesondere in Syrien – weiter eskalieren konnten. Präsident Trump ist das klare Gegenteil davon: Er benimmt sich wie ein selbstherrlicher Unternehmer, der er ja auch ist, und der nur auf seinen persönlichen Vorteil schaut, America first ist die passende Ergänzung. Mit seiner abenteuerlichen Politik dem Iran gegenüber oder der Kündigung des Weltklima-Abkommens macht er die perfekte Rolle rückwärts und richtet unermesslichen Schaden nicht nur für sein Land an. Insgeheim wünschen sich jetzt schon sicher viele Amerikaner dass man die Amtszeit dieses Präsidenten vorzeitig beendet oder dass sie zumindest nach vier Jahren endet und nicht etwa noch eine Verlängerung erfolgt. – Helmut Jung


Leserbrief zu „Nach links?“ von Marc Brost und Peter Dausend

Im Interview mit Frau Nahles keimte bei mir (FDP-Mitglied und -Wähler) bis kurz vor Schluss die Hoffnung auf, es könnte sich bei der SPD tatsächlich was ändern. Die genannten Themen gehen grundsätzlich durchaus in die richtige Richtung, vor allem endlich weg von dieser unerträglichen „Kleine-Mann“-Lyrik, die auch Herr Dachsel in der letzten Woche auf erfrischende Weise und völlig zu Recht angeprangert hat. Aber dann, kurz vor Schluss wird das zarte Pflänzchen wieder zerquetscht, wenn Frau Nahles davon spricht, Herr Schulz sei mit 100% der Stimmen zum Vorsitzenden gewählt und bliebe das bestimmt auch nach dem nächsten Parteitag. Ja, 100% der Stimmen, für einen zu 80% auf falsche Themen setzenden „Kleiner Mann“-Wahlkampf, der dann in 20% der Stimmen mündete. Vielleicht hat die SPD doch zuallererst ein Personalproblem. – Andreas Zabel


Leserbrief zu „Politik gegen das Volk“ von Kerstin Kohlenberg

In der heutigen ZEIT ist in dem Text „Wahlkreise nach Maß“ eine Ungenauigkeit, zwar wird das Repräsentantenhaus parallel zum Präsidenten gewählt, jedoch wird der Präsident alle vier Jahre gewählt, nicht aber das Repräsentantenhaus, das wird alle zwei Jahre komplett neu gewählt. Das ist im Übrigen bemerkenswert, die Abgeordneten müssen sich mit ihrer Arbeit beeilen, während hierzulande die Wahlperioden auf fünf Jahre verlängert werden. – Christian


Leserbrief zu „Der Zündler” von Gero Von Randow und zu „Trotz alledem: Amerika“ von Deidre Berger et al.

Donald Trump hat gute Gründe, aus dem Atomabkommen mit Iran auszusteigen. 2025, wenn es endet, können die Mullahs wieder richtig loslegen. Und dann sind sie mit den Vorbereitungen für den. Bombenbau wahrscheinlich dicht vorm Ziel. Das Teheraner Raketenbauprogramm wird ja auch nicht unterbrochen. Nein, nicht Trumo ist der Zündler, sondern das Teheraner Killerregime (laut Amnesty drei vollstreckte Todesurteile am Tag). Es kungelt mit Brandstifter Kim (worüber wohl?) und agiert im Nahen wie ein Feuetreufel. Die paramilitärischen Revolutionsgarden haben aus gegebenem Anlass gerademit Angriffen auf US-Stützpunkte gedroht. Was die naiven Brüsseler (und Berliner und Pariser und Londoner) Gutmenschen nicht begriffen haben: Ein Chamberlain in hundert Jahren war genug. – Erich Wiedemann


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

In diesem Artikel werfen Sie Weltwärts und andere Organisationen in einen Topf. Bevor man mit Weltwärts in die Ferne reist, muss man sich ein Jahr vorher bewerben, durchläuft im Vorfeld mehrere Seminare. Beim Aufenthalt im Ausland gibt es auch mindestens 2 Seminare und wenn man zu Hause ist gibt es noch ein Abschlussseminar. Außerdem bekommt man ein Taschengeld von 280 Euro pro Monat. Was ist falsch daran mal ein Jahr als Bauer zu arbeiten? Man lernt die Sprache und die Eigenarten des Landes kennen. Vielleicht weiß man wieder das Leben in Deutschland zu schätzen! Die Menschen im Ausland sind auch alle interessiert an den Jugendlichen. Wie lebt es sich so in Deutschland? Wie ist das Familienleben, usw. Es kommt zu einem Austausch. Mein Sohn war ein Jahr in Ecuador, obwohl er auf einer Farm hart arbeiten musste, ein Erdbeben überlebt hat, hat er doch sehr viel positives mitgenommen und möchte das Jahr in Ecuador nicht missen. – Brigitte Votava


Leserbrief zu „Flaschen, die denken“ von Marcus Rohwetter

Habe mich wieder scheckig gelacht! Ihre „Quengelzone“ lese ich immer ganz am Anfang. Wenn sie manchmal fehlt, betrübt mich das. Ich werde heute Abend mit hoffentlich noch unverschrumpeltem Gehirn aus einem – versprochen! – völlig unintelligenten, wirklich stockdummen Weinglas ein Schlückchen auf Sie und Ihre Kolumne trinken. Danke, für den Spaß,  den ich so oft durch Sie habe. – Dr. Sabrina Hausdörfer


Leserbrief zu „Umbau der Pyramide” von Anna-Lena Scholz

Ich kann die Forderung der Jungen Akademie zur „Abschaffung“ des Lehrstuhlsystems nur sehr eingeschränkt nachvollziehen. In vielen, vor allem empirisch arbeitenden Fächern, ist der Lehrstuhl – auch wenn er inzwischen selten mehr als drei Mitarbeiterstellen umfasst – ein echter Wettbewerbsvorteil beim Ringen um die besten Köpfe. Gerade im Vergleich zu dem aus den USA bekannten Departmentsystem erlaubt ein Lehrstuhl langfristige Planungssicherheit und Forschungsfreiheit, ohne ständig um das nächste Drittmittelprojekt kämpfen zu müssen. So manche Wissenschaftler(innen) kommen gerade deshalb nach Deutschland, weil sie hier einen Lehrstuhl bekommen können und anderswo nicht. Warum also Abschaffung? Schon jetzt steht es Professorinnen und Professoren frei, ihre Mitarbeiterstellen zu poolen, den Mitarbeitern hohe Autonomie zu gewähren, verstärkt Juniorprofessuren einzuführen (aber bitte mit Tenure-Track!) und so de facto ein Departmentsystem zu schaffen. Aber „Abschaffung“? Warum schon wieder allen vorschreiben, was vor Ort getan werden soll? Warum alles über einen Kamm scheren? Lasst viele Blumen blühen! Der Wettbewerb der Systeme wird zeigen, was für ein Fach, eine Hochschule, eine spezifische Forscherpersönlichkeit der beste Weg ist. – Oliver Günther


Leserbrief zu „Nach links?“ von Marc Brost und Peter Dausend

Für die komplette Seite hätten drei Buchstaben gereicht: B L A B L A B L A (oft genug wiederholt). Haben die Herren Brost und Dausend nicht gelernt, Fragen zu stellen??? – Hermann Ihde


Leserbrief zu „Trotz alledem: Amerika“ von Deidre Berger et al.

Bei de NATO sollte natürlich „fair share“ gelten. Nur muß sich das „share“ auf den einvernehmlichen Part beziehen. Deutschland wie die EU brauchen den militärischen einschließlich des atomaren Schutzes der USA wohl noch auf lange Sicht. Über Interventionen muß man jeweils sprechen. Darüber hinaus gibt es große Dankbarkeit aus historischer Betrachtung. Und es gibt die vielen persönlichen Kontakte, die auf Reisen, in Wirtschaft. Kunst und Wissenschaft entstanden sind. Und zwar in dieser Ballung bei mir stärker, „familiärer“ als mit anderen Regionen. Wir sollten uns ganz cool die Positionen von Präsident Trump betrachten: „America first“ ist an sich nicht verwerflich. Jede Regierung muß zunächst das eigene Land in den Blick nehmen. Die Frage ist eher, wie Trump das betont hat. Tony Blair hat das auch mal gesagt. Da sollte es wohl unausgesprochen bedeuten „Europe second!“

Der Aufruf der Atlantiker kling ein wenig fade nach „Don’t bother the Gator“. Das habe ich mal in den Okefenokee-Sümpfen (Georgia) gelernt:  Man soll Alligatoren nicht reizen. Ja, Europäische Politiker sollten Twitter und Facebook völlig meiden und wieder ganz auf diplomatische Wege setzen. So viele interessante Informationen man im Internet findet – die eher unsozialen Medien tragen doch mehr zur Zuspitzung gegensätzlicher Positionen bei. Und schon gar nicht zum politischen Kompromiß, den die Unterzeichner doch auch wollen und artikulieren. Wo soll der denn sonst stattfinden, als in Parlamenten und in der Diplomatie? Doch nicht im „Netz“! Und dann TTIP! Ich hatte den Rückzug aus TTIP zu den wenigen positiven Botschaften aus dem Weißen Haus gezählt. Wollen wir wirklich Schiedsgerichte zwischen zwei Nationen mit ausgeprägter Gerichtsbarkeit als Spielwiese für global operierende Unternehmen, die sogar bei der Besprechung neuer Gesetze beteiligt werden sollen?  Handel: ja, Zölle senken: ja!

Vielleicht mit Ausnahme von Agrarprodukten wie Hühner, Eiern, Schweinen u.a. Das bringt doch nur mehr Agrarfabriken, um mit den noch größeren Agrarbetrieben in den USA und Kanada mitzuhalten.  Die „Digitalpolitik“ könnte sehr wohl zu einem zentralen Feld der Auseinandersetzung werden: Die Abhängigkeit vieler Firmen, Organisationen und Regierungen in der EU von der Nutzung von Facebook, Google & Co. als Plattform hat eine bedenkliche Größenordnung erreicht.  Datenschutzstandards müssen wir vielleicht doch stärker durch die EU gegenüber den US-Internet-Konzernen durchsetzen. Das unaufhaltsame Vordringen der Mikrofone in die Autos, in die Wohnungen bis ins Kinderzimmer (ins Handy sowieso) erfordert Regulierung. Frau Sylke Temple war eine sympathische, kompetente und sehr präsente Journalistin, die ich persönlich im sonntäglichen Presseclub vermissen werde. Sie hätte sicher nichts dagegen gehabt, Teile der Resolution zu diskutieren, um im Grunde eine erweiterte US-freundliche Perspektive einzubeziehen. – Gerhard Schroeder


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Das Dossier befasst sich mit nur einem kleinen Ausschnitt des Freiwilligendienstes. Die Jugendlichen werden hier als „Freiwilligentouristen“ bezeichnet und damit in eine ganz bestimmte Eventecke gedrängt. Die Autoren versuchten mehr Wertung als differenzierte Information dem Leser zukommen zu lassen. In dem zwar textreichen, aber leider inhaltsknappen Artikel wurden nur bestimmte Regionen des Auslandseinsatzes genannt. Zudem vermisst der aufmerksame Leser die Trägervielfalt innerhalb der freien Wohlfahrtspflege, die im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres Dienste für die Gesellschaft und auch für die Entwicklung der jungen Erwachsenen von Vorteil sind. Schließlich ist nichts darüber gesagt, dass die Jugendlichen vor, während und nach dem Einsatz mit Seminaren begleitet werden, die einen hohen Bildungswert beinhalten können. – Franz Thurner


Leserbrief zu „Wie ich als Verbraucher beinahe den Verstand verlor“ von Marcus Rohwetter

Die Dilemmata des Verbrauchers haben Sie großartig beschrieben! Ich lese schon lange Ihre Rubrik „Quengelzone“ gern. Jetzt bin ich fast ein Fan. Nur als Ergänzung zu Ihren Ausführungen: Mein Vater hielt in den 1950er, 60er Jahren 50 Freilaufhühner. In jedem Sommer haben wir den Stall so gut es ging gereinigt, insbesondere die roten Milben in den Ritzen der Holz-Sitzstangen getötet, anfangs mit Gift aus der Apotheke, später mit dem Altöl vom Schlepper. Jetzt in der Großstadt haben wir nur wenige Hühner, erst für die Kinder, seit 3 Jahren 3 Hühner für die Enkel, mit Stroh im Stall, mit tagsüber umzäunten Auslauf, stundenweise sogar im 300m²-Garten. Im vorletzten Sommer wollten die Hühner eines Abends nicht wieder in den Stall zurück. Dort warteten Millionen Milben auf sie: unter den glatten Sitzstangen, in der Einstreu, auf der Kotplatte, an der Wand, an der Decke, in der Lampe, im Türschloss, im Lichtschalter… Alles musste gereinigt, das Inventar entsorgt werden. Wegen des Gifteinsatzes (vom Tierarzt) mussten die Eier 3 Wochen lang entsorgt werden. Bis jetzt sind die Tiere milbenfrei – bis ein Wildtier wieder wenige Milben bei uns absetzt. – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Sind die Protestanten schlauer?“ von Ludger Wössmann

Erst 1816, fast 300 Jahre nach dem „Anschlag“ der Thesen konnte man die Schulbildung der Protestanten ermitteln? Nun, zahlreiche Dokumente belegen zumindest punktuell, wann nach „Einführung der Reformation“ Lehrer angestellt, Schulen gebaut wurden, erst in den Städten, dann in den Kirchdörfern, schließlich auch in kleinen Dörfern. Ein Beispiel: das Kirchdorf Wiedensahl (dem späteren Geburtsort von Wilhelm Busch) in Calenberg. Bereits 1528 hatte der 1525 ordinierte Pfarrer Frau und Kind – obwohl der Grund- und Patronatsherr, das Kloster Loccum, noch jahrzehnte katholisch blieb. Möglich war dies meines Erachtens, weil noch weitere Herrscher Rechte am Dorf hatten. Erst in den 1590er Jahren wurde das Kloster Loccum evangelisch. 1593 stellte es 2 Lehrer ein, einen davon für 3 Stiftsdörfer. Um 1600 war dann ein Lehrer in Wiedensahl (also etwa 70 Jahre nach der Reformation im Dorf). 1619 unterschrieben 3 Zeugen eines Kaufbriefes mit „mein Hand“, 3 Zeugen und der Bürgermeister mit „CCC“ (sie konnten also ihren Namen nicht schreiben). Es war ein langer Weg zur Schulbildung. 1669 ermahnte das Kloster die Eltern in den Stiftsdörfern, die Kinder von 6-12 Jahren ungesäumt zur Schule zu schicken. – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Wenn man das Schreiben nach Gehör verbieten will, muss man als erstes das Diktat abschaffen. Kinder, die am Anfang mit einer Anlauttabelle eigene Wörter, Sätze, Texte schreiben, schreiben so, wie sie selbst sprechen, also nach der eigenen Artikulation. – Prof. Dr. Manfred Wespel


Leserbrief zu „»Weg mit den roten Linien«“ von Mark Schieritz

Vielleicht sollte man sich einfach mal daran halten, was man einst unterschrieben hat. Frankreich ist doch wie Deutschland ein Rechtsstaat, wo Verträge einzuhalten sind? Das hat gewiss nichts mit „roten Linien“ zu tun, sondern zu allererst mit Vertrauen in Recht und Gesetz! – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Sind die Protestanten schlauer?“ von Ludger Wössmann

Dank an Ludger Wössmann für die brillante Aufklärung. Kleine Ergänzung zur Ehrenrettung von Ludwig Feuerbach: Die Bezeichnung der Religion als „Opium des Volkes“ stammt nicht von Karl Marx sondern von Ludwig Feuerbach. Marx zitiert ihn. – Johann Ernst


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Marcus Rohwetter beschreibt seine Zweifel am richtigen moralischen Handeln. Seine Ausführungen in einem Satz auf den Punkt gebracht:  „Ich weiß auch nicht!“ Da staune ich, bietet doch der Autor jede Woche in der „QUENGELZONE“ treffliche Erkenntnisse zu Täuschungsversuchen der Wirtschaft und zu vielfältigem Produkt-Unsinn. Und er provoziert damit auch das Handeln dagegen: Bestrafung der Täter durch Nichtkauf ihrer Produkte. – Lutz Landorff


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Ein toller Artikel von Murat Kurnaz! Hochachtung für ihn und seine Haltung. Leider will heute niemand mehr hören wenn man unseren aktuellen Bundespräsidenten-Darsteller Steinmeier an seine Verantwortung und Schande erinnert aufgrund der Jahre die er Kurnaz unschuldig in Guantanamo schmoren und leiden lies. Haben die Mitglieder der Bundesversammlung das nicht gewusst, als sie Steinmeier zum Bundespräsidenten wählten? Mein Präsident wird er aus diesem Grunde nimmer. – Jakob Krose


Leserbrief zu „Nach links?“ von Marc Brost und Peter Dausend

Wenn Frau Nahles soviel von Veränderung der SPD spricht, dann sollte Sie ihre Figur nicht vergessen. Wenn sie das hinkriegt, dann liegen ihr alle Männer zu Füssen. An ihre Frisur sollte sie auch denken. Das ist kein Flachs. Das meine ich bitterernst. Die heutige Gesellschaft steht fast geschlossen auf Schönheit und nochmals Schönheit. Ich zweifle nicht an Ihrem Fachwissen. Den Herren in ihrer Partei sollte sie Intern den Marsch blasen. Wie konnte sie sich nur so der CDU hingeben. Wenn es stimmt, was sie gesagt haben soll: „Jetzt gibt es auf die Fresse“, dann war das schon mal ein guter Anfang. Spaß bei Seite. Wenn sie sich politisch selbst auch ändert, daran kann ich noch nicht so recht glauben, dann hat sie meine volle Unterstützung – ich bin eher ein konservativer Kandidat. Ich denke aber nicht irgendwie parteiisch. Für mich zählt nur was unterm Strich steht. Insbesondere was die arbeitende Bevölkerung betrifft.

Das Leben in Angst und Bange, der Terror, die unzähligen Flüchtlinge, die hohe Kriminalität, die traurige Bilanz der Bildung, das ganze Leben der einfachen Menschen, die Bürokratie, die Steuern. Das ist nur ein Auszug der Missetaten Frau Merkel scheint ein Neutrum zu sein. Als ich hörte: „Sie sieht keinen Grund irgendetwas zu ändern“, viel mir der Löffel aus der Hand. Dabei müssten tausend Dinge geändert werden. Frau Nahles soll an Herrn Seehofer denken, der wurde abgestraft, weil er zu stark mit der Bundeskanzlerin geflirtet hat. Völlige Fehleinschätzung von ihm. Das zeigt, wie fern die Politik vom Wähler steht. Und zum Schluss ein Wort zur AfD . Wenn sie das Abstrafen der AfD fortsetzt, dann hat sie schlechte Karten. Dann kann sie alles vergessen, was sie in ihrem Interview angekündigt hat. Wenn die Bürger Spitz kriegen, daß das Erbe nur verwaltet wird und nichts wesentliches passiert, dann wäre das gut für Frau Nahles. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Über Wolke sieben” von Harald Martenstein

Kolumnisten haben gegenüber ihren Lesern den Vorteil, dass sie schreiben können, was und worüber sie wollen – die Leser müssen es ertragen. Die Leser haben gegenüber den Kolumnisten den Vorteil, dass sie die Ergebnisse von deren Arbeit sehen und beurteilen können, was umgekehrt wohl nur selten der Fall ist. Von diesem Privileg möchte ich Gebrauch machen. Ich bin regelmäßiger Leser Ihrer Glossen im ZEITmagazin und im Tagesspiegel undauch derer Ihrer Kollegen Hacke und Zippert. Unabhängig von meinem persönlichen Geschmack trifft es wohl zu, dass diese Glossen mal mehr, mal weniger gelungen sind – jeder hat gute und weniger gute Tage, mal drängen sich die Themen auf, mal herrscht thematische Flaute, aber Sie müssen immer liefern.

Ein anderes Phänomen besteht leider darin, dass jeder Berufstätige irgendwann den Zenith seines Könnens erreicht hat – danach geht es tendenziell bergab, bei manchen ganz rasch, bei manchen im Sinkflug, und es kann auch durchaus gelegentliche Phasen eines qualitativen Wiederaufstiegs geben. Offensichtlich gibt es einen Trick, auch dann eine Glosse zu schreiben, wenn einem partout nichts mehr einfallen will: Man nehme irgendeinen absonderlichen, abstrusen oder skurilen Sachverhalt, zu dem es etwas in Wikipedia (Martenstein) oder in einemesoterischen Werk (Hacke) gibt, zitiere einen Abschnitt von geeigneter Länge und fügeeinige persönliche Anmerkungen hinzu (bei Ihnen seit einiger Zeit gern einen Seitenhiebauf die „linken Spinner“ (Achtung – Dobrindt!) von SPD, Grünen und Linkspartei) – und,schwupps!, fertig ist die Glosse für die nächste Woche. So stelle ich mir aus der Froschperspektive eines geneigten Lesers das Zustandekommen Ihrer Kolumne „Über Wolke sieben“ vor. Ich hatte schon geglaubt, die unsäglichen Ausführungen über den angeblichen DDR-Toast aus der Vorwoche stellten einen einmaligen Ausrutscher dar. Das war leider ein Irrtum. Wie sagte doch Frau Merkel ganz richtig: „Ein Jegliches hat seine Zeit.“ – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Wie ich als Verbraucher beinahe den Verstand verlor“ von Marcus Rohwetter

Die Sache selbst ist leider nicht so lustig, wie der Artikel krampfhaft zu sein versucht. Manche Entscheidungen sind auch nicht so schwierig, wie es in dem Artikel dargestellt wird: Bioeier aus Freilandhaltung sind selbstverständlich „besser“ als die anderen Eier und sämtliche Mineralwässerchen sind zumindest in Deutschland gänzlich überflüssig. Ein einziges allgemeines Siegel wäre meines Erachtens durchaus hilfreich, wenn es garantieren würde, dass der gesamte Produktionsprozess sowohl in ökologischer als auch in sozialer Hinsicht – auch bezüglich der artgerechten Tierhaltung und einer Schlachtung nicht ohne vollständige Betäubung – ethisch einwandfrei war. Das garantiert allerdings in der Tat derzeit kein Siegel vollständig, aber ich denke schon, dass ein solches Siegel machbar wäre. Dazu müsste freilich der entsprechende politische Wille vorhanden sein. Von der Industrie ist diesbezüglich erfahrungsgemäß nichts zu erwarten. Zum Weiterlesen: http://www.ulrich-willmes.de/angst.html (dort ziemlich weit unten) Übrigens: Sie sind, wie http://www.zeit.de/autoren/R/Marcus_Rohwetter/index.xml zu entnehmen ist, Redakteur der ZEIT, Herr Rohwetter, vermutlich fest angestellt. Dann sollten Sie vielleicht besser nicht schreiben: „Wie viele Menschen muss ich auf mein Budget achten.“ Das dürften viele Menschen, die wirklich auf ihr Budget achten müssen, als Verhöhnung empfinden. – Ulrich Willmes


Leserbrief zu „Jagdunglück“ von STW

Heute morgen beim Frühstück habe ich die aktuelle Ausgab ´der Zeit` auf dem Tisch gelegt und die Titelseite gelesen. Dann habe ich auch ´Prominent Ignoriert´ gelesen. Da ich selbst Jäger bin hat mich der Artikel extrem enttäuscht und wütend gemacht. Das habe ich so von der Zeit nicht erwartet. Ich lese die Zeit, weil ich mir Niveau und gute und vor allem intelligente Artikel erhoffe. Bisher wurde ich auch nicht enttäuscht. Doch dieser Artikel von STW  ´Jagdunglück´  ist einfach nur polemisch und bläst in das Horn der allgemeinen Meinung unwissender zum Thema Jagd. Sich machen Werbung für  ´Freunde der Zeit´  und Kontakt zu Autoren. Können Sie bitte einen Kontakt zu STW herstellen, oder ihm zumindest meine Mail zukommen lassen. Ich würde ihm gerne mehr zum Thema Jagd und ´schlimmster Gefährder im Wald ´ erklären – Frank Keller


Leserbrief zu „Huch, die SPD führt“ von Peter Dausend

In Ihrem jüngsten Artikel stellen Sie erneut durch Wortwahl und Stil Politikerinnen und Politiker und den gesamten „Politikbetrieb“ an den Pranger (z.B. rübergemacht; vor der Zeit an die Fleischtopfe zu kommen). Dieses Verfahren entspricht leider durchaus dem öffentlichen Zeitgeist. Worauf sind Sie eigentlich so wütend? Seriöser Journalismus besteht für mich aus Recherche, Darstellung und Bewertung und nicht in der Mißachtung und Demontage von Personen. Witzig geht übrigens auch anders. – Dorothea Berger


Leserbrief zu „Nach links?“ von Marc Brost und Peter Dausend

Die SPD, so Andrea Nahles, in Ihrem Gespräch, „muss ihr Profil stärken“! Seehofer formuliert Gleiches, nur etwas anders in die gegenteilige Richtung: „Die rechte Flanke schließen.“ Mir scheint es für unser demokratisches Gemeinwesen bedeutend, dass unsere Parteien, die ja auch Überzeugungen ihrer Mitglieder zum Ausdruck bringen, im politischen Wettstreit versuchen, die Wähler(-Stimmen) für eben diese Überzeugungen zu gewinnen. (In „meiner“ Partei bin ich, mal mehr mal weniger gequält, seit über 40 Jahren.) Eine große Gefahr sehe ich in den Volksparteien seit Jahren darin, zu fragen, welche Positionen/Überzeugungen eine Partei dem Wähler zur Schau stellen muss, um Stimmen zu gewinnen. Die „Machtfrage“! Aus meiner Sicht ist der mühsame Umkehrschluss richtig: Wie erkläre ich als Partei meinen Wählern, dass es für sie wichtig ist, durch ihre Stimmen unser Programm zu unterstützen! So lässt sich meiner Meinung nach, allerdings durch langfristige (!) Überzeugungsarbeit „, das „Profil stärken.“ Das Zauberwort scheint mir „Glaubwürdigkeit“ zu heißen. – Reinhard Kniepkamp


Leserbrief zu „Was wird aus der Paulskirche?“ von Benedikt Erenz

In diesen Zeiten, so scheint mir, wird viel zu wenig gedankt. Und ich habe schon lange ein schlechtes Gewissen, Ihnen noch nie geschrieben zu haben. Ihre Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus in Deutschland sind nicht nur spannend, sondern auch erhellend und haben meine Faszination geweckt für eine Tradition, die, obwohl wir ihr soviel verdanken, im Bewusstsein der Gesellschaft kaum verankert ist. Bismarck, Kaiser, Könige kennt jeder, aber kaum einer einen Abgeordneten des Frankfurter Parlaments oder gar irgend eine konkrete Idee, die dort diskutiert worden wäre. Für mich sind Sie, lieber Herr Erenz, ein Fackelträger der Demokratie! Gibt es eigentlich irgendwo einen Verein, der sich der parlamentarischen Geschichte in Deutschland widmet und ihre Verankerung im Bewusstsein der heutigen Gesellschaft fördert? Sonst müsste man ihn eigentlich gründen. – Martin Steinbrück


Leserbrief zu „Die Totale des Jahrhunderts“ von Iris Radisch

„“Prozess der Entselbstung““; gleich ums Eck wohnt Heidegger. – Paul Zwirechmayr


Leserbrief zu „Trotz alledem: Amerika“ von Deidre Berger et al.

Trumps “Amerika first” erinnert mich an Hitlers “Deutschland, Deutschland über alles”, wie auch der Umstand, dass auch Hitler per Wahlentscheid an die Macht kam, sich zum Diktator aufschwang und letztlich neben dem Holocaust auch einen Weltkrieg auslöste. Trump (deutschstämmig) ist auf dem gleichen Wege zurück “in die Steinzeit” wie in einen Weltkrieg. Man spürt keinen Fortschritt, nur Zurücksetzung (Klimabkommen, Kohlenutzung, Krankenversicherung, etc.) und vor allem Konflikte zu schüren statt zu besänftigen (Nord-Korea, Iran), gar einen Atomkrieg heraufzubeschwören. Und die demokratische Wahl Trumps hindert die USA, ihn trotz der Bedrohungen und Gefahren, die von seinen abstrusen Ideen ausgehen, abzusetzen. Die Welt sieht einfach nur zu, was sich in dem US-“Tollhaus” tut – bis die Welt in Atom-Schutt und –Asche liegt. Als könnte man nicht aus Hiroshima und Nagasaki und Hitler-Deutschland lernen – als ob die heutigen Generationen solche Desaster auch noch erleben müssten. Da obsiegt wohl “die Macht der Dummheit”. – Nikolaus Krost


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Dossier enthält viele Angaben und Feststellungen, die zum Nachdenken leiten. In der Geschichte von Tim Große vermisste ich jedoch einige Angaben. Nach meinen bisherigen Kenntnissen verläuft nämlich ein freiwilliges sozials Jahr bei der weltwärts-Stiftung so: – es werden jeweils 2 Personen zum bestimmten Ort geschickt, die sich bei der Arbeit und im Alltag wechselseitig unterstützen sollten, – es gibt eine Person am Ort als Begleiter bzw. Mentor, – es gibt eine Person in Deutschland, die mit Ratschlägen bei der  Verwirklichung von Aufgaben bzw. Zielen hilft, – jeweils nach 3 Monaten muss dem Ministerium ein Bericht vorgelegt  werden: insgesamt also 4 Berichte, die der Beurteilung der Situation dienen.  Nichts davon wurde in der Geschichte von Tim Große erwähnt – auch die Wochen der Vorbereitung vor der Abreise bzw. der Nachbearbeitung nach der Rückkehr nicht. Gibt es eine Erklärung dafür? – Igor Kramberger


Leserbrief zu „Staatsräson unter Wasser“ von Ronen Bergman und Holger Stark

In dem Artikel über die Rüstungsgeschäfte zwischen Deutschland und Israel schreiben die Autoren, der Hyundai Konzern habe Korvetten für 96 Millionen Euro das Stück angeboten. Das halte ich für ausgeschlossen. Dafür bekommt man keine Motoryacht in der Größe, geschweige denn Militärtechnologie. Ich bitte, diese Zahl noch einmal zu prüfen. – Andreas Schmidt


Leserbrief zu „Mit Terpentin im Weinglas“ von Susanne Mayer

Mit großem Interesse und ungeteilter Zustimmung habe ich die Rezension der jetzt eingerichteten Ausstellung der Werke Jeanne Mammens in der Berlinischen Galerie gelesen. Er liest sich wie eine Aufforderung, sich auf den Weg nach Berlin zu machen. Tatsächlich scheint es mir mehr als überfällig zu sein, dass bestimmte und hervorragende Positionen der Kunst vor dem Vergessen bewahrt werden. Wenn allerdings durchscheint, dass jetzt fast zum ersten Mal eine solche Übersichtsausstellung stattfindet, dann steht dem entgegen, dass ich mich sehr genau an eine Mammen-Ausstellung mit retrospektivem Charakter erinnere, die vor zwei Jahren im Barkenhoff/Worpswede zu sehen war. Kann es sein, dass bestimmte Ereignisse erst dann wahrgenommen werden, wenn sie in einer der großen Metropolen sich ereignen? – Dieter Rogge


Leserbrief zu „Verrückt nach Messi” von Hans Ulrich Gumbrecht

Es ist schon deprimierend, dass die ZEIT einen derart „flachen“ Artikel wie „Verrrückt nach Messie“ , den – das ist zu hoffen- kein Professor, sondern dessen Hilfskraft verfasst hat, auf einer ganzen Seite abdruckt. – Dr. R. Schwenk


Leserbrief zu „Sind wir nun frei?“ von Ulrich Ladurner und zu „Nationen mit Opferkult“ von Herfried Münkler

Ob Katalonien, Südtirol, Schottland oder auf Korsika: In der Europäischen Union gibt es viele Länder bzw. Regionen, die nach Unabhängigkeit streben. Die Krise zwischen Katalonien und Spanien bringt auch die EU in eine vertrackte Lage. Bislang hat sich die EU-Kommission nicht als Vermittlerin angeboten und ist dafür teilweise heftig kritisiert worden. Doch mischt sich die Brüsseler Behörde in den Konflikt ein, riskiert sie, den Separatisten Legitimität zu verleihen. Denn was jetzt für Katalonien gilt, müsste später wohl auch für andere Regionen in Europa gelten, die unabhängig werden wollen. Eine Loslösung Kataloniens von Spanien hätte schwerwiegende Folgen für ganz Europa. Nicht nur die wirtschaftliche Erholung Spaniens nach der Wirtschafts- und Finanzkrise stünde auf dem Spiel. Katalonien hat maßgeblich zu dieser Erholung beigetragen, steuert den höchsten Anteil zum spanischen Bruttoinlandsprodukt bei.  Doch in Katalonien geht es nicht nur um eine wirtschaftliche, sondern auch um eine emotionale Entscheidung. Es geht vor allem um Identität und die gesellschaftliche Zugehörigkeit. Gegenseitiges Vertrauen, gemeinsame Werte und das Gefühl der Zusammengehörigkeit halten Gesellschaften zusammen und sind elementare Voraussetzungen für deren ökonomischen Erfolg. Durch eine Unabhängigkeitserklärung würde das Vertrauen zwischen Katalanen und Spaniern belastet und in der Folge auch die gemeinsamen ökonomischen Perspektiven. Die Probleme in Spanien sollten eine Warnung für ganz Europa sein.

Sie offenbaren, dass politische und ökonomische Integration nur gelingen kann, wenn sie mit gesellschaftlicher Integration einhergeht.  Nur Staaten oder Staatenbünde, deren Bewohner eine gemeinsame Identität entwickeln, können langfristig ohne größere innere Konflikte überleben.  Wenn die EU eine stärkere politische und wirtschaftliche Einheit werden möchte, muss sie größere Anstrengungen unternehmen, um auf eine gemeinsame gesellschaftliche Identität hinzuwirken.  Nur wenn die Europäer sich als Europäer sehen, werden sie auch bereit sein, die Unterstützung anderer Länder zu akzeptieren.  So wie die wohlhabenden Bundesländer finanzielle Konzessionen für das gesamtdeutsche Wohl machen.  Bisher wurde „Europa“ weitgehend nur auf den höchsten Regierungsebenen durch das Einbeziehen von Parlamenten und Bevölkerungen beschlossen und blieb dabei an der Spitze der politischen Macht verhaftet. Wirklich gefragt wurde niemand. Stattdessen war die EU für die Völker Europas plötzlich da und sollte bejubelt werden. Es hat sich jedoch gezeigt, dass sich die Einheit Europas nicht einfach beschließen lässt. Es war eine Sache, als Spitzenpolitiker eine Wirtschaftsgemeinschaft zu begründen, aber ein politisches, gemeinsames Europa, das über die Zusammenarbeit von Staaten hinaus gehen soll ist eine andere. Europäische Einigkeit beginnt im Kopf der Bürger. Und da klaffen die Interessen weit auseinander. Statt jedoch zunächst die Gemeinschaft zu stärken, wurde in den vergangenen Jahren ohne Rücksicht auf Verluste territorial und ökonomisch expandiert. Das Brexit-Votum hat offenbart, wie weitgreifend die Identitätskrise schon in das Mark der Menschen Europas eingedrungen ist und wie vermeintlich schnell die Identitätslücke mit einem auf Abschottung und Nationalismus basierenden Wertmodell gefüllt werden kann.. Die Förderung einer gemeinsamen europäischen Identität ist eine gesellschaftspolitische Notwendigkeit, um das Projekt Europa am Leben zu erhalten und nicht wieder in Kleinstaaterei zurück zu fallen. – Alfred Kastner


Leserbrief zu „Braucht Europa die Steuerrevolution?” von Felix Rohrbeck

Leider verstehe ich Ihren Artikel weitgehend nicht. Sie sprechen allgemein von Steuern, meinen aber wohl nur Ertragssteuern (=Einkommen-, Körperschaftssteuer), also die Steuer auf einen erzielten Gewinn bzw. Überschuss (§4EStG, §7KStG). Dann aber erwägen Sie die Besteuerung des Umsatzes eines Unternehmens. Letzteres ist aber bereits seit 1968 (und auch schon davor) im Umsatzsteuergesetz geregelt. §1UStG: „Der Umsatzsteuer unterliegen die …Leistungen, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt, … der innergemeinschaftliche Erwerb…“. Es folgen zahlreiche spezielle Regelungen und in §4 achtundzwanzig Steuerbefreiungstatsachen.

Bei meiner groben Durchsicht fand ich keine Vorschrift, nach der der Versand von Waren durch Amazon oder die Schaltung von Anzeigen durch Google von der Umsatzsteuer befreit wäre. Meines Wissens hat Amazon in Deutschland mehrere Betriebsstätten (Versandstellen), Google zumindest innerhalb der EU Büros. Haben Sie andere Erkenntnisse? Ein Nachteil der Umsatzsteuer ist, dass sie auch anfällt, wenn kein oder kaum Gewinn erzielt wird (z.B. bei Neugründungen, Preisverfall, Ernteausfällen etc.). Sozialhilfe-, Hartz-IV-Empfänger müssen auch die Umsatzsteuer auf Lebensmittel, Kleidung, Seife etc. zahlen; ist beim „Bedarf“ mit einkalkuliert.  Dann schlagen Sie die (Gewinn-) Besteuerung in einem Land nach dem Anteil dieses Landes beim Umsatz einer Firma vor. Wenn zum Beispiel „VW-China“ 1/3 des Umsatzes des VW-Konzernes erzielt, dann ermittelt China: Konzerngewinn x 1/3 x chinesischer Steuersatz = zu zahlende  Gewinnsteuer in China? Auch wenn der Konzerngewinn hauptsächlich in China erwirtschaftet wurde (so jedenfalls frühere ZEIT-Berichte). Entsprechend für die USA, auch wenn „VW-USA“ wegen hoher Straf- und Schadenersatzzahlungen gar keinen Gewinn erzielt hat?  Wie gesagt, ich habe Sie weitgehend nicht verstanden. – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Vielen Dank für ihre sachliche Einschätzung der Debatte um den Rechtschreibunterricht in den Grundschulen. Ich teile Ihre Eiscnhätzung, dass BildungspolitikerInnen das Thema nutzen, um sich kurzfristig als jemand zu inszenieren, der die Probleme angeht. Leider wird die Thematik dabei regelmäßig von Politik und einigen Medien populistisch verkürzt. Die LehrerInnen leiden doppelt darunter: Die wahren Probleme werden von der Politik weiterhin nicht angepackt und man muss sich für Unterrichtsmethoden rechtfertigen, die in der von Politik und Medien dargestellten Form nur in seltenen Ausnahmen verwendet werden. – Stefan Kutter


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Das war endlich (für mich) mal wieder ein schönes ZeitMagazin. Danke. Ich möcht es fast ans Herz drücken, aber dann zerknittert es! – Angelika Busch


Leserbrief zu “Nach rechts!” von Matthias Krupa

Ich schätze sie persönlich als Journalist mit pluralistischem Denken. Der Artikel hat nicht nur inhaltliche Fehlanalysen über Zuwanderung in Wien, das kann passieren, wenn man nicht Vor Ort wohnt. Eine so beabsichtigte Recherche schließe ich jedenfalls aus, auch den Tatbestand einer linken Pflichterfüllung …… Generell scheint jedoch der Mitte und Linkspopulismus in Deutschland ein Problem mit dem Begriff “ Rechts“ zu haben, dieser wird gerne quasi als Schwerverbrechen hochstilisiert. In Österreich wird ein nicht so lustiges Thema wie Migration eben zu Ende diskutiert, nicht wie offensichtlich in Deutschland einfach nicht genug thematisiert! Was hat das alles aber mit Rechts oder so zu tun? – Robert Streit


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Es war so um Mitternacht gestern am Donnerstag, als ich bei „ZEIT zum Entdecken“ angekommen war. Den kenne ich doch: WER ..??? Und dann die Überschrift Oh! Gebannt las ich jeden Absatz. Und heute am Freitag noch einmal. Welch eine Überlebensleistung und welch eine Botschaft! Danke, dass ich davon erfahren kann. Als Berlinerin (74 J.) im Wedding (Ortsteil mit ca. 350 Tausend Einwohnern im Bezirk Mitte) machen Sie mir Mut, wieder das aus zu sprechen, was ich mir wegen der drohenden Gebärden und verbalen Äußerungen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im täglichen Miteinander, abgewöhnt hatte. Nämlich: ihr habt es doch gut in Berlin – was soll das – nehmt Rücksicht auf uns Menschen von hier. — Sie, Herr Kurnaz kennen all die Beschimpfungen, die aus heiterem Himmel ausgeschüttet werden. Zornig werde ich wohl weiterhin bei z.B.: Iss doch nur ne Deutsche, allet Nazis hier usw. Bitte bleiben Sie konsequent – gegenüber beiden Seiten. P.S. Ich habe eine große Altbauwohnung mit einem Gästezimmer und Gästebad. Gerne können Sie das kostenlose Angebot, mein Gast zu sein, annehmen. Das gilt auch in Begleitung (Frau, Kinder, Eltern, nur nicht alle auf einmal, Frühstück und eigene Schlüssel sind selbstverständlich). – Ingrid Peggi Pabs


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Wenn man über 40 Jahre Grundschülern das Lesen und Schreiben nach unterschiedlichen Lehrgängen beigebracht hat, liest man diesen Artikel mit besonderem Interesse. Natürlich ist die Methode nicht allein ausschlaggebend für den Lernerfolg. Was hat man letztlich von einem an sich guten Konzept, wenn man Kinder nicht für das Lernen begeistern kann, zu wenig Anschauungs- und Arbeitsmaterial benutzt und vor allem den Lernstoff nicht genug übt? Wenn hierzu allerdings auch noch ungünstige Schreiblese-Konzepte verwendet werden, muss man sich über schlechte Rechtschreibleistungen nicht wundern.

So hatte nach meinen Erfahrungen die Ganzheitsmethode mehr Nach- als Vorteile. Das „Schreibenlernen nach Gehör“ habe ich als besonders negativ erfahren. Unsere Sprache ist nur zu etwa 25% lautrein. Das bedeutet, dass die allermeisten Wörter anders geschrieben als ausgesprochen werden. Die Gefahr, dass sich Kinder beim Schreiben nach Gehör falsche Wortbilder einprägen, die später nur schwer zu korrigieren sind, sollte man nicht unterschätzen. Für Migranten mit nur geringen Deutschkenntnissen ist diese Methode völlig ungeeignet, weil man den Bildern der Anlauttabelle nur dann den besagten deutschen Anlaut entnehmen kann, wenn man bereits die deutsche Bezeichnung des abgebildeten Gegenstands kennt. Buchstaben-Methoden sind meines Erachtens am effektivsten, Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen. Die Kleinen haben sogar viel Spaß daran, aus Buchstaben Wörter zu „bauen“, die sie dann auch noch lesen und verstehen können. – Gabriele Gottbrath


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Ich habe nur die ganz vorsichtige Nachfrage, ob es möglich wäre, den Artikel auf weiteren Sprachen zu veröffentlichen? Ich denke da vor allem an Persisch (Farsi/Dari). Ich glaube viele Ehrenamtlich hätten ein großes Interesse daran, den Text z.B. mit ihren Mündeln gemeinsam zu lesen. Der deutsche Text ist an einigen Stellen für Menschen, die gerade erst Deutsch lernen, noch zu kompliziert. Es wäre super hilfreich, die Version der Muttersprache daneben zu legen und sich den deutschen Text gemeinsam zu erarbeiten. – Silvia Ernst


Leserbrief zu „Nachruf” von JL

Sylke Tempel war in der Tat eine aussergewöhnliche Journalistin. Ich war geschockt von dieser Nachricht. Nicht nur weil ich mit Ihr im Schriftverkehr stand, sondern von ihrem messerscharfen Verstand und frei von irgendeiner parteipolitischen Linie. Besonders in den heute unsichern Zeiten der Globalisierung wird sie besonders schmerzlich vermisst. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Unter der etwas „schiefen“ Überschrift „Unterwegs zum guten Gewissen“ bringt die ZEIT ein inhaltlich sehr interessantes Dossier über das „Freiwilligenjahr“ Jugendlicher im Ausland weltweit. Dem Thema sollte aber nicht nur ein einmaliges Dossier gewidmet sein, sondern künftig regelmäßig eine Kolumne reserviert werden mit authentischen Berichten von jungen Menschen, die sich die Welt anschauen. Denn „die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben“ (Alexander von Humboldt). – Ludwig Petry


Leserbrief zu „Nur nicht nervös werden“ von Robert Pausch

„Man entzaubert Demagogen nicht, indem man Ihnen ihr Recht verwehrt.“ Da stimme ich Ihnen vorbehaltlos zu. Nur mit dem Wort „Demagogie“ natürlich nicht. Demagogie verstehe ich anders. Ihr Autor verwechselt da was. Die Demagogen sitzen eher auf der linken Seite. Wie blind muß man sein, wenn man nicht verstehen will, daß die Demokratie in Deutschland nichts taugt. Der politische Zustand kann kaum schlimmer sein. In Berlin und in manchen Bundesländern sitzen reihenweise Versager, die uns einen desolaten Staat hinterlassen haben. Ein Blick in den Ballungsräumen würde eigentlich genügen, um das zu erkennen. Es nimmt doch kein Wunder, wenn jetzt eine Partei auftaucht ,wie die AfD, und dieses Versagen anprangert. Das war doch nur eine Frage der Zeit. In Bayern, der erfolgreichste Bundesstaat, hat das jetzt auch deutlich zu spüren bekommen.

Ein eher konservativer Staat hat das kaum für möglich gehalten. Deutlicher kann der Wähler das nicht zeigen, wie es tatsächlich in unserem Land aussieht. Das Affentheater um die Sitzordnung zeigt mir, wie verblödet die Politiker sind. Die sind zwar alle groß geworden – aber nicht erwachsen.  Und die Medien stützen diese desolate Politik.  Wenn Sie glauben, es kann so weiter gehen, dann sind auch Sie betriebsblind.  Manche faseln vom Ende der AfD. Das ist schon wieder eine Fehleinschätzung.  Die meisten Journalisten sind das Geld nicht wert, was sie verdienen.  Bisher sind die etablierten Politiker haarscharf an einer Pleite vorbei geschrammt.  Deutschland muß nicht nur renoviert werden. Sie kriegen die AfD nur dann klein, wenn Deutschland von Grund auf saniert wird. Und das sehe ich weit und breit nicht, und bei den jetzigen Parteien die in Rede stehen, gleich gar nicht. – Gunter Knauer


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Ihr Autor hat es schwer. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe einen Tipp für ihn, bevor ich ihn verrate, liste ich zunächst meine Erlebnisse mit der Wissenschaft auf: Erste Täuschung: Als Fußballer war während des Spiels Wasserverbot angesagt. Wasser bläht auf und schwächt die Leistung. Später hieß es: viel Wasser trinken, das steigert die Leistung. Zweite Täuschung: Die Kinder sollten viel Milch trinken, dann werden sie weniger krank. Später hieß es: möglichst wenig Milch trinken. Dritte Täuschung: Kaffe macht krank, lieber Tee trinken. Später hieß es, Kaffe ist durchaus in Maßen gesund. Vierte Täuschung: Fett war früher der Krankmacher. Später hieß es, Fett ist wichtig für die Gesundheit. Fünfte Täuschung: Fruchtsäfte wurden als sehr gesund angesehen. Später hieß es. Ungesund, Zuviel Zucker ist völlig falsch. Sechste Täuschung: Keine Butter essen, dafür lieber Margarine. Später hieß es: Keine Margarine sondern Butter aufs Brot schmieren. Ich möchte es dabei belassen . Es gäbe aber noch mehr zu kritisieren. Also mein Rat für Ihren Autor: Gehen sie völlig unbedarft in einen SB-Markt und kaufen das, worauf sie Appetit haben. Fleisch sollten sie ohnehin beim Meister kaufen. Und keine Suppentüten oder Fertiggerichte. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Sind die Protestanten schlauer?“ von Ludger Wössmann

Als Katholik gebe ich neidlos zu: Protestanten sind wirklich schlauer. Denn auch nach längerem Nachdenken habe ich nicht ergründen können, was mir Ludger Wößmann in seiner zusätzlichen 5. These mitteilen will: „Der deutliche Einfluss der Bildung auf die Säkularisierung steht im Gegensatz dazu, dass wir keinen ursächlichen Einfluss eines höheren Einkommens auf den Rückgang des Kirchenbesuchs finden.“ – Rudolf Jellinek


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Ich gebe zu, im Supermarkt kann man nicht immer unterscheiden, ABER man kann sehr nachhaltig einkaufen – nämlich einfach liefern lassen! Einmal in der Woche steht eine Kiste da mit allem, was ich brauche, bis auf Milch, Bananen, Staubzucker, normales Salz. Die Milch kann ich mir aber auch beim Milkomaten holen, ein paar Häuser weiter. Ich kenne alle Bauern, die liefern, die Schweinchen, Rinder, Schafe, Ziegen sind mir persönlich bekannt – na ja, zumindest die Vorfahren. Weshalb können sich solch nachhaltige Kooperativen nicht auch in Deutschland entwickeln? Ich sehe, wie das Gemüse wächst, wie die Bäcker backen, die Käser käsen… www.bauernkiste.at

Ich bekomme auch Olivenöl, Orangen, Zitronen von südlichen BIO- Kooperativen – natürlich immer nur saisonal. Das Wild und die Gans nur im Herbst…. Tomaten natürlich nicht ab September… Als Mutter von zwei hungrigen Kindern und einem ebenso hungrigen Gatten, selbst voll berufstätig, fand ich vor 20 Jahren diese Kiste – einfach ideal. Per Internet kann ich bis Montag Abend alles bestellen, was ich brauche, auch abbestellen, dazunehmen, meine Gemüse/Obstkiste adaptieren… So macht man das nachhaltig! – kürzeste Transportwege – alle zu beliefernden Kunden auf einer Linie.

Vom Wasser brauchen wir nicht zu reden – wir brauchen ca. 2 Kisten Mineralwasser im Jahr. Pfand – kürzester Transportweg. Ich muss allerdings auch anmerken, dass ich mir nach Deutschland immer eine Flasche Tiroler (Leitungs) Wasser mitnehme für meine obligate Tabletteneinnahme in der Früh – das Chlorzeug muss ich nicht trinken! Für die Bauern ist das Ganze schon mehr Arbeit – aber auch mehr Ertrag! Natürlich bekomme ich bei der Kiste nicht um € zwei 1 kg Schnitzel, aber die Qualität zählt doch mehr. Wie meine Eltern selig immer schon sagten:“ Du kannst bei allem sparen, aber nicht bei der Qualität des Essens!“ – Barbara Schönegger


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Danke für den Artikel von Herrn Rohwetter. Ich teile die Überforderung, von der er berichtet. Alle 17 Olivenöle im Regal meines Supermaktes behaupten kalt gepresst zu sein – und unterscheiden sich doch im Preis um mehrere 100 Prozent. Wenn mir Hersteller und Handel nicht mehr sich unterscheidende Informationen als den Preis bieten – dann sollen sie sich bitte auch nicht darüber beschweren, dass ich auch genau danach entscheide. Und klar – ich bin Verbraucher – aber auch Arbeitnehmer, alleinerziehender Vater, Kirchenvorsteher etc., etc. Und nicht nur im Supermarkt geht es mir ja so. Schon wenn ich die ZEIT in die Hand nehme, kann ich nicht wissen, welche Artikel von Menschen in einem prekären Arbeitsverhältnis geschrieben wurden. Ich weiß nicht woher das Papier kommt, auf dem der Artikel gedruckt wurde.

Und ich weiß schon gar nichts über die Arbeitsbedingungen auf dem Schiff, mit dem die Druckerfarbe transportiert wurde, deren Reste ich mir nach der Lektüre von den Händen wasche. Und selbst, wenn ich die Chance hätte, mir diese Infformationen zu beschaffen – wie soll ich sie sinnvoll in eine Entscheidung einbeziehen? Nein – wir Verbraucher KÖNNEN es nicht alein richten. Nicht wir sind verantwortlich für das Angebot in den Märkten. Diese Verantwortung haben Hersteller und Händler und die Verantwortung für deren Kontrolle liegt bei der Politik! – Holger App


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Kinder, die mit Hilfe der Anlauttabelle erste Wörter schreiben, haben gelernt, Sprachlaute aus gesprochener Sprache zu isolieren. Diese Fähigkeit (phonologische Bewußtheit) ist unabdingbare Voraussetzung für das Lesenlernen, denn hier müssen im Umkehrschritt Buchstaben wieder Lauten zugeordnet und diese zu Lautketten zusammengezogen werden. Im Lese- und Schreiberwerb lernt das Kind, dass neben dem Lautsystem ein Buchtabensystem existiert. Diese Systeme sind durchaus nicht deckungsgleich, so kann der Laut „i“ einmal „i“, „ie“ oder „ieh“ geschrieben werden. Die gerade gültigen Rechtscheibregeln werden als Konvention einer Sprachgemeinschaft sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben erworben und müssen entsprechend trainiert werden. Sowohl „Schreiben nach Lauten“ als auch der Erwerb von Rechtschreibregeln haben also ihre Berechtigung im Unterricht der Grundschulen. Beide Strategien werden später im Alltag gewinnbringend integriert, z. B.  dann, wenn ein Kind fragt: Wie schreibt man „Krokodil“? Und die Antwort lautet: „Wie man spricht“. – Prof. Dr. Ulla Beushausen


Leserbrief zu „Staatsräson unter Wasser“ von Ronen Bergman und Holger Stark

Ich gratuliere den beiden Autoren Bergmann und Stark zu diesem gut recherchierten und überzeugend geschriebenen Artikel; und der ZEIT zum Mut, dies traurige Kapitel der politisch motivierten Korruption an prominenter Stelle zu drucken! Alle Achtung! Trotzdem: Wenn auch der finanzielle Aspekt der Verwendung der Steuergelder des deutschen BMF für Schmiergeldzahlungen an Mitglieder des israelischen Regierungs- und Familien-establishments deutlich herausgearbeitet wurde, so kommen doch das Fehlen des Antrags, zumindest der Zustimung sowohl der militärischen als auch der sicherheitspolitisch Verantwortlichen zu kurz – und zwar auf beiden Seiten! Mögen die sicherheitspolitischen Gründe für die ersten U-Boote noch nachvollziehbar geweden sein, so wurde zu Nr. 4-9 rein Nichts mehr begründet! Die israelische Marine wird bald -ohne jemals den Bedarf formuliert zu haben- mehr und leistungsstärkere U-Boote haben als die Bundesmarine…. – die schon mehrfach Bedarf vorgelegt hat! Die 570 Mio € haetten auch der Bundesmarine sehr gut getan…. . Ich finde, es hat ein „Gschmäckle“, wie Merkel, Altmaier, Steinmeier, Gabriel und vonderLeyen im Bundessicher-heitsrat sich jahrelang, ernsthaft und aktiv bemüht haben, der AFD die Argumente für deren Kampf gegen das „Establishment“ zu liefern, und zwar mit Fakten, nicht nur Gerüchten. Warum machen die das nur? – Franz Berger


Leserbrief zu „Heute“ von ERA

Ach Du liebe ZEIT! Perücken aus „geblichenem“ Rosshaar! Das ist zum Erbleichen, auch wenn besagter Schweif hoffentlich erst gebleicht worden sein sollte, nachdem er dem verblichenen Ross abgenommen worden war.– Bitte nehmt mir nicht die Illusion ab, dass wenigstens in der ZEIT noch so etwas wie sprachliche Sorgfalt überlebt! – Jürgen Wißner


Leserbrief zu „Umbau der Pyramide” von Anna-Lena Scholz

Laut diesem Text wollen junge Wissenschaftler die alten Lehrstühle abschaffen. Die junge Akademie, ein Zusammenschluss von 50 Postdocs und jungen Professoren, fordert, dass die Uni demokratischer werden soll, sowie die Abschaffung des Lehrstuhlsystems. Professoren/innen sollen ohne wissenschaftliche Mitarbeiter/innen auskommen; das soll 2014 auch vom Wissenschaftsrat empfohlen worden sein. Also kein Mittelbau mehr, dafür ein Tenure Track Verfahren schon nach der Promotion. In einem solchen System habe ich 1975 an der Gesamthochschule Kassel angefangen, Architektur zu studieren (leider ohne Tenure-Track).

Da gab es keinen Mittelbau und das Projektstudium machten wir nur mit den Profs. Die Mitbestimmung war auch besser. Dieses „Modellprojekt“ wurde aber leider bald abgeschafft. Die „Gesamthochschule“ wurde in „Universität“ umbenannt; nun gab es wieder Mittelbau und langsam etablierten sich auch wieder die damals abgeschaften Institute. Seit der Einführung des Bachelor- und Master-System ist ohnehin alles anders geworden. Vielleicht sollte man nochmal eine Evaluation dazu machen, d.h. die Alten nach den Vor-und Nachteilen befragen. Auf jeden Fall könnten diese jungen Wissenschaftler der Jungen Akademie sich mal diese alte Idee der Gesamthochschule Kassel anschauen, wenn sie sie nicht ohnehin schon kennen. – Dr. Sylvia Stöbe


Leserbrief zu „Sind die Protestanten schlauer?“ von Ludger Wössmann

Warum soll die Wissenschaft zu einem Rückgang der Religionen führen? Wissenschaft ohne Werte ist Darvinismus. Die Werte kommen aus der Weltanschauung oder Religion. In vielen Religionen ist der liebe Gott oder die Natur heilig, bei uns ist neuerdings das Individuum heilig (unantastbar). Der Humanismus ist natürlich auch eine Religion (siehe z.B. Yuval Noah Harari). Die Auseinandersetzung mit anderen Religionen muss auf Augenhöhe erfolgen. – Daniel Sauter


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Diese geraden, zutiefst ehrlichen Worte von Murat Kurnaz, lassen mich hoffen, daß es mit umserem Land nicht so schlecht steht. Dieser Mann arbeitet mit seinem Leben, seinen Erfahrungen und vorallem seinem Glauben an dem was wir an Gutem haben und sind, für eine gute Zukunft – und sehr viele tun das ohne ihre Stimme zu erheben. “ Das ist unser Land!“ schreiben sie und das ist wunderbar finde ich. Mit Hass und Wut kann nichts gelingen umso mehr freue ich mich über Ihren Artikel. – Andrea Beck


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Liebe Larissa und lieber Thomas. Ihr nervt. – Sabine Hagn


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Vielen Dank für das wunderschöne Wolkenheft in der letzten Ausgabe der Zeit. Schon als ich das Titelbild sah, musste ich an meinen Vater denken. Seit er ein kleiner Junge war, hat er eine Leidenschaft: die Fliegerei. Bevor er eine Maschine mietet deutet er die Wolken, deutet die Wetterlage. Im November 2013 fing er aus einer Cessna diese fast surreale Wolkenlandschaft ein. Wie ein Wasserfall fließen Wolken an der Albkante herab. Im Hintergrund ragen Windmühlen in die kalte Herbstsonne. Wenn dieser Kommentar einen Weg in die gedruckte Ausgabe der ZEIT finden sollte, und du schlägst deine Ausgabe auf, zu Hause auf dem Küchentisch neben einer Tasse Kaffee, und du siehst dieses Bild, dann würde ich gerne deine Augen sehen. Das ist für dich, Papa. – Judith Becker


Leserbrief zu „Staatsräson unter Wasser“ von Ronen Bergman und Holger Stark

Oft überlege ich mir ja, ob ich DIE ZEIT kaufen soll! Aber Ihr Artikel hat den Kauf voll gelohnt. Und was folgt daraus? Welche Konsequenzen ziehen Frau Merkel, Herr Gabriel, Herr Schäuble und Frau von-der-Leyen? Da muss man sich ja nicht wundern, dass so viele die AFD wählen …! – Hans Hardenberg


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Als ich das Magazin in die Hand nahm, dachte ich, es sein ein Hauptartikel über Spanien drin enthalten. Die Wolke sieht recht iberisch aus, rechts oben, also im Nordosten, löst sich langsam ein katalanischer Wolkenfetzen ab. Stimmt´s oder hab ich recht?! Herzliche Grüsse aus Mülheim a.d. Ruhr. – Uwe Büssing


Leserbrief zu „Nicht durchdrehen“ von Matthias Geis

Sie schreiben vom rasenden Umbruch durch Digitalisierung und Globalisierung, als wäre das etwas spezifisches, etwas besonderes der heutigen Zeit. Mit Verlaub, das ist einfach falsch. Globalisierung ist ein schon länger laufender Prozess. Und Digitalisierung ist ein Hype-Begriff. Als vor 30 Jahren vermehrt und flächendeckend PC und andere Computer in die Arbeitswelt Einzug hielten, wurden die gleichen Geschichten geschrieben wie heute. Rasende Veränderung der Arbeitswelt, Vernichtung von Arbeitsplätzen usw. Natürlich alles Quatsch. Ich bin konservativ, trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass Altes sich permanent mit Neuem messen muss, und ggf. weichen. Aber nicht alles Neue ist automatisch besser, nur weil es neu ist. Übrigens, PCs und Computer funktionieren digital. Weiter unterstellen Sie CDU/CSU ideologisches Handeln und suggerieren , die Grünen, die linke SPD und die Linken wären die großen Pragmatiker der Politikszene. Fakt ist, diese Gruppe ist zutiefst ideologisch und in vielen ihrer Thesen sehr, sehr realitätsfern. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Sind wir nun frei?“ von Ulrich Ladurner

Die Diskussionen in der gesamten europäischen Presse zum Thema der Unabhängigkeitsbestrebungen eines Teils des katalanischen Volkes zeichnen sich durch ein Übermaß an politischer Korrektheit aus. Denn es ist offensichtlich, daß sich fast alle Mitglieder der EU davor fürchten, daß die eventuelle Sezession Kataloniens von Madrid zu ähnlichen Tendenzen in der eigenen Nation ermuntern könnte. Mit diese abwiegelnden Einstellung hilft man aber nicht den Katalanen und auch nicht der Regierung in Madrid, ihren sowohl kulturellen wie ökonomischen Konflikt beizulegen. Es ist nun einmal so, daß sich das katalanische Volk irgendwie durch das Auftreten der spanischen Zentralregierung in Madrid gedemütigt fühlt. An diesem Tatbestand können auch alle juridischen Betrachtungen des Dilemmas nichts ändern. ^^^ Würde Madrid den Katalanen ein Statut konzedieren, wie es Südtirol innerhalb der Republik Italien genießt,dann würde die Katalanen mutmaßlich damit vollkommen zufrieden sein. Es bedarf als eigentlich nur dieserhalb einer klugen Vermittlung. – Siguard Schmidt


Leserbrief zu „Nach links?“ von Marc Brost und Peter Dausend

Neoliberalismus heißt jetzt digitaler Kapitalismus !! Nahles macht sehr konkrete Vorschläge zur Schärfung des politischen Profils der SPD. Dazu gehört auch eine Reform der Arbeit der SPD-Ortsvereine. Nahles unterstreicht vollkommen zu Recht, daß unsere Gesellschaft jetzt sehr fragmentiert ist, so daß die hergebrachte Ortsvereinsarbeit nicht mehr ausreicht. Das Antragsrecht innerhalb der SPD-Gliederungen muß unbedingt Kompetenzen orientiert reformiert werden. Wir brauchen in der SPD permanent tagende Themenforen. Ortsvereine, die nur Feuerwehr und Kaninchenzüchter-Mentalität getrieben sind, müssen sich einfach umstellen. Auch Andrea Nahles kann natürlich kein Generalrezept für ein neues DESIGN der SPD vorlegen. Aber sie gibt m.E. Anregungen in die richtige Richtung !! – Siguard Schmidt


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Schönes Thema ! Wahrscheinlich erhalten Sie nun tausende Wolkenfotos… Zwei Fotos waren richtig gut, die restlichen eher unspektakulär, da hätte ich von den Profis nun Beeindruckenderes erwartet. Und Ihr Haus- und Hof-Fotograph Wolfgang Tillmans: so what ? Das ist ja nun gar nichts. Und wieso muß er sich immer dermaßen in Szene setzen? Turner-Preisträger hin oder her. (War das nicht auch Derjenige, der seinerzeit in Berlin eine ausgiebig plakatierte Ausstellung hatte, wo man eher an „Scham- u. sonstige Körperbehaarungs-Partien, aus ungewöhnlicher Nah-Perspektive“, dachte? Stilistisch Irgendwie unappetitlich -;-) Nunja, ist halt alles Geschmackssache.) – S. Hüttner


Leserbrief zu „Staatsräson unter Wasser“ von Ronen Bergman und Holger Stark

Ist Ihnen wieder einmal eine hervorragende Recherche gelungen, die Sie – Dank unserer Meinungsfreiheit! – auch veröffentlichen können und sogar dürfen. Sie berichten, dass Miki Ganor Aufträge für Thyssenkrupp generiert und dafür hoch belohnt wird. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches in unserer Leistungsgesellschaft mit deren Prämisse Wirtschaftswachstum. Jetzt wird Ganor aber dafür verurteilt, dass er an Entscheidungsträger der Knesset Gelder gegeben hat, die er von Thyssenkrupp (für diesen Zweck?) bekam. Mit Hilfe dieser Gelder sollten hochrangige Spitzen-Politiker in ihren Entscheidungen unterstützt, Dienstwege verkürzt und Kaufverträge per Handschlag abgewickelt werden. Dabei ging es bisher wohl und zweistellige Millionenbeträge im unteren Bereich.

Israel kauft u.a. U-Boote bei Thyssenkrupp zu einem Preis, der Gelder an Ganor u.a. bereits beinhaltet. Man darf auch annehmen, da es um keine öffentliche Ausschreibung sondern um einen an den Formalitäten vorbei lancierten Auftrag ging, dass bereits „Hintergrundwissen“ eingepreist wart, nämlich der Zuschuss der Deutschen Bundesregierung, aus Steuergeldern finanziert! Seit wann gehört Thyssenkrupp zu den Betrieben, die „too big to fail“ sind wie ehemals etliche Banken? Was macht es für einen Unterschied, dass andere Gründe – in der offiziellen Lesart – Israel in den Genuss von deutschen Subventionen in dreistelliger Millionenhöhe im mittleren Bereich kommen lassen, obwohl Thyssenkrupp hier subventioniert wird? Dumm auch, dass ich als Abonnent der ZEIT jetzt zu den Mitwissern zähle und mich durch Nichthandeln und Stillschweigen, das im Kaufvertrag als Zustimmung gilt, schuldig mache. Dem kann ich doch schließlich nur durch Verweigerung meiner Steuerzahlung entgegen wirken. Oder? Da ist unbedingt die Rechtsberatung der ZEIT Redaktion gefragt.  Denn: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.  Und: Wen wundert da eigentlich noch die Staatsverdrossenheit der Bürger?  Machen Sie weiter so! Manches aus der ZEIT lese ich mit besonders großem Interesse. – Hans Jürgen Hahn


Leserbrief zu „»Ich nehme bewusst in Kauf, früher zu sterben«“ von Uwe Jean Heuser

Zu Ihrem Satz gegen Ende des Gesprächs: „Wenn wir in diesem System als Menschen eine Rolle behalten wollen, dann kann diese Rolle nur in der Kreativität, in der Originalität und in der Irrationalität liegen“ möchte ich folgendes vorschlagen: Wir trainieren endlich die längst fällige Denkfähigkeit von >Dialogischem Denken< als Erbe unserer christlichen, europäischen Erziehung und in der Verantwortung für die Zukunft – s. das Diagramm im Anhang. Ich wünschte sehr, Professoren aller Disziplinen würden sich dieser Denkform zusammen mit Didaktikern annehmen, sonst werden wir Opfer der „mechanistischen“ Kräfte wie Digitalismus, Kapitalismus, Klima-Veränderung. Ich hoffe, das Diagramm erschließt sich Ihnen. Wenn nicht, schicke ich gern ein paar Hintergrundinfos. – Elke Blancke


Leserbrief zu „Das Männer-Ding” von Johannes Ehrmann

Danke für den Blick in eine Männerseele. John Williams‘ „Stoner“ fragte sich 1965 am Ende des Buches: „Was hast Du denn erwartet von Deinem Leben?“ Und ich möchte im Anhang in „Gedanken zu Ehe“ einwerfen, was man auf den schwierigen Wegen u.a. finden Könnte. – Elke Blancke


Leserbrief zu „Verrückt nach Messi” von Hans Ulrich Gumbrecht

Als unkritischer Claquer des Spektakels blendet Gumbrecht leider aus, dass die teilweise dubiosen Profiteure eines Systems aberwitziger Finanztransaktionen nicht nur zur Lösung der Frage beitragen, wo künftig das beste Spektakel zu sehen sein wird, sondern nachhaltig zur Entpolitisierung nicht nur der Konsumenten sondern auch der Akteure. Als Gegenleistung für astronomischr Transferzahlungen und Spielergehälter verpflichten sich die Megastars zu umfassendem Wohlverhalten und geben damit Hirn und Rückgrat spätestens in der Kabine ab. Die Verknüpfung von wirtschaftlicher Macht und Herrschaft über das Spektakel hat der Film „Rollerball“ bereits 1975 als science fiction thematisiert. Willkommen in der Vergangenheit Herr Gumbrecht! – Robert Minor


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Welch Chance wurde hier vertan! Da wird das Titelthema „Konsum oder Moral“ angekündigt und als Leserin erwarte ich, von einem ernsthaften Selbstversuch zu lesen. Stattdessen hat man dieses Thema einem Journalisten anvertraut, der sich nur ansatzweise mit der Problematik befasst. Weil es so schwierig ist, verliert er bereits beim Recherchieren „beinahe den Verstand“. Weinerlich erklärt er sich für überfordert und wählt bei den Eiern und dem Mineralwasser trotzig die moralisch denkbar schlechtesten Produkte. Beim Thema Fleisch weigert er sich gar, sich mit den vielen guten Argumenten für ein fleischfreies Leben auch nur zu befassen. Warum? Nicht weil diese etwa schlecht wären, sondern weil sie in der öffentlichen Moraldebatte „gefühlt“ so präsent seien.

Er wolle nicht dauernd „ermahnt und erzogen“ werden. Da fürchtet also jemand, dass ihm seine heile Welt oder wohl eher seine Bequemlichkeit kaputt gemacht werden, und blockt daher bockig ab. Das Fazit des Artikels, dass der Aufwand für den „richtigen Konsum“ […] unangemessen hoch“ sei, ist niederschmetternd. Ja, der Aufwand ist hoch, aber in Anbetracht dessen, was es auf der Welt zu verbessern gilt, keinesfalls unangemessen. Und wenn alle Verbraucher so handeln wie Herr Rohwetter, nämlich sich nur da ein bisschen zu bewegen, wo es nicht weh tut und keine Mühe macht, und erst mal darauf zu warten, dass alle anderen mitmachen, wird sich nie etwas tun. Haben die 1600 „Freunde der ZEIT“ den fertigen Artikel lesen können, bevor sie ihn zum Titelthema wählten? Ich glaube nicht: Auch sie werden Besseres erwartet haben. – Inga Jürgens


Leserbrief zu „Das Männer-Ding” von Johannes Ehrmann

Denken Sie wirklich, nur Männer erleben das, was Sie in Ihrem Artikel beschreiben? Unverstandene Verletzlichkeit, Perfektionismus, Größenwahn und Verzagtsein? Glauben Sie, nur Männer können schweigen? Lassen Sie sich sagen, es gibt auch Schweigerinnen. Ringen nur Männer mit dem Verlust der Möglichkeiten, der entsteht, wenn man sich für einen Lebensentwurf entschieden hat? Ja, sind Frauen denn Automaten? Wenn man den Wandel der Rollenklischees in Anrechnung bringt, der sich seit unserer Großvätergeneration vollzogen hat, werden die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Bezug darauf, ob sie sich einen Rückzug von ihrer Familie, ein Ausweichen vor ihren Gefühlen erlauben, äußerst klein. Man hört heute sogar von Frauen, die bekunden, dass sie bedauern, Kinder bekommen zu haben. Das Männer-Ding, das sie beschreiben, ist ein geschlechterübergreifendes Ding – nur leben die Männer es offensiver. Sie lassen die Umwelt für ihre Mitwirkung an ihren Lebensentscheidungen eher büßen. – Angela Paap


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Wir brauchen wahre Preise. In den Preisen für Dinge und Dienstleitungen müssen die wahren Kosten enthalten sein, nämlich auch die Kosten für Entsorgung und die Folgekosten für die Reparatur von Umweltschäden durch deren Produktion und Transport. Diese Kosten werden bisher von allen Steuerzahlern getragen, nicht nur von den Konsumenten der Produkte. Als Meßgrößen für den wahren Preis eines Produkts könnten z.B. die CO2-Emissionen, der Wasserverbrauch, der Pestizid- und Düngemittelverbauch und der Antibiotikaverbrauch für die komplette Herstellungs- und Transportkette des Produkts herangezogen werden. Einige Dinge würden dann teurer werden. Zum Ausgleich sollten Arbeitseinkommen steuerlich entlastet werden, was durch den Wegfall von umweltschädlichen Subventionen finanziert werden könnte. – Christine Tischer


Leserbrief zu „Nicht durchdrehen“ von Matthias Geis

Der Artikel lässt uns ruhig durchatmen nach den ständigen Wasserstandsmeldungen zum Thema Flucht und Abschottung. Die Obergrenze ist vom Tisch, aber Deklamationen reichen nicht. Stutzig wurde ich dann aber beim letzten Abschnitt, als es um die Ressourcen für die Eigenen und die Hilfsbedürftigen ging. Was, wenn beide Seiten zur selben Medaille gehören? Wenn unser Überfluss so schlecht verteilt ist, dass er daheim die wachsende Gruppe der Unzufriedenen speist und gleichzeitig im Zuge seiner Entstehung ein Heer an vertriebenen Kleinbauern und Klimaflüchtlingen (etc.) produziert werden. Sollte dem so sein, reichen Deklamationen in der Tat nicht mehr aus. – Johannes Stockerl


Leserbrief zu „Bitte genau hierhin!“ von Josef Joffe

Diese Persiflage war fällig! Viel besser kann man die heutige Vergabepraxis für Nobelpreise nicht geiseln. (Hoffentlich war das die Absicht des Verfassers!?) Denn auch dieser Nobelpreis war so überflüssig wie ein Kropf (der Kropf möge mir verzeihen!) Die“bahnbrechenden“ Erkenntnisse (des Preisträgers) hat doch jede(r) von uns schon bei der Morgentoilette!“!  Am originellsten war noch der zitierte Schlusssatz: „Wir brauchen mehr Forschung – und mehr Drittmittel.“   „Wirtschafts“-Psychologie – lange fallen wir nicht mehr auf Dich herein! – Helmut Lenhart


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Habe als betroffener Vater mit großem Interesse Ihren Artikel gelesen. Ich vermisse die positiven Beispiele. Gibt es keine? Meine Tochter ist mit ASF für ein Jahr in Israel und leistet einen Freiwilligendiest bei  alten und behinderten Menschen. Habe aus der Ferne einen guten Eindruck. – Franz Geberth


Leserbrief zu „Was wird aus der Paulskirche?“ von Benedikt Erenz

Endlich wird publik, worüber ich mich als Exil-Hesse besonders schäme: Als ich vor einigen Jahren meinen Kindern die Wiege der deutschen Demokratie gezeigt habe, traute ich meinen Augen nicht ob der Trostlosigkeit dieses einstmaligen Ortes der Hoffnung und des Aufbruchs. Die Paulskirche hat mehr verdient. Ich appelliere an die Verantwortlichen Frankfurts, sich dieser bedeutenden Stätte anzunehmen und großes zu wagen. – Franz Geberth


Leserbrief zu „Bitte genau hierhin!“ von Josef Joffe

Passend zu diesem Artikel über den Ökonomie-Nobelpreisträger Richard Thaler erinnert das vermeintliche Zitat von Einstein: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit“. Es stellt sich mir die Frage wie man eine Verhaltensökonomie vor dieser „hochwissenschaftliche“ Arbeit des Nobelpreisträgers angesehen hat nachdem plötzlich die wichtigste Lektion für ökonomische Akteure der Mensch erkannt wurde. Also das ist schon enorm obwohl seit Menschengedenken bekannt ist, dass der Mensch für all seine ökonomischen, ökologischen und persönlichen Handlungen selbst entscheidet (oder von anderen Menschen gezwungen wurde, deren Entscheidungen anzunehmen und umzusetzen – hier bekommt das „Nudgen“ eine Bedeutung). Ob dieser „Forschungsbeitrag“ nobelpreiswürdig kann jeder für sich selbst entscheiden, es sei denn, er übernimmt seine Entscheidung aus den Anleitungen von Nudge. Damit stehen wir wieder am Anfang und halten es wie Shakespeare „to be or not to be“, das ist dann die Frage! – Peter B. Sanden


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Eher Erfahrung als Hilfe. Natürlich ist „Elefantenwaschen“ keine Hilfe, aber eine Weitung des Blicks ist wichtig. Manche Veranstalter bieten fragwürdige Reisen an; aber jeder Versuch, an sozialen Brennpunkten zu helfen, schärft das Gewissen und baut Illusionen ab. Deswegen scheint mir die Darstellung des Artikels etwas problematisch. Denn gerade, wer wegen G8 keine Zeit für gesellschaftliche und politische Beteiligung hatte, sollte nach stromlinienförmigem Lernen im Schonraum Schule soziale Erfahrungen sammeln, die ihn befähigen, Lernen selbstbestimmter anzugehen, als es bei direktem Übergang von Schule zu verschulten Bachelor-Kursen möglich ist. Und Studenten, die aufgrund persönlicher Erfahrungen lokal für Hilfsorganisationen werben, die soziale Notlagen in einem anderen Land zu lindern suchen, können dazu helfen, hier in Deutschland eine realistischere Sicht auf andere Länder zu entwickeln.

Ein Beispiel: Weil eine Abiturientin 2008 in ihrem gap year in Gabun geholfen hat, eine hektographierte Zeitschrift für Schulen in vier westafrikanischen Ländern aufzubauen, wurde ich angeregt, deren Artikel in einem Blog zu veröffentlichen. Diese Schulzeitschrift gibt es (u.a. wegen einer Malariaerkrankung des Gründers) schon lange nicht mehr, aber der Blog ist seit 2010 von vier Kontinenten aus über 40 000 mal aufgerufen worden. Ich selbst war nie in Afrika und habe diese Abiturientin nur einmal getroffen. Doch das hat ausgereicht, dass ich u.a. bei Interviews mit Botschaftern, einem Ingenieur, einem Schriftsteller und einer Mitarbeiterin des Goethe-Instituts mitwirken konnte. Zumindest in diesem Fall war das gap year der Abiturientin gewiss mehr als ein Selbsterfahrungstrip. Weitere Beispiele würden zu weit führen. Mein Fazit: Unbedingt sollten Schüler Berichte wie ihren lesen, aber wenn sich alle dadurch abschrecken ließen, wäre es sicher ein Verlust. – Walter Böhme


Leserbrief zu „… sonst brennen die Kinos!“ von Lars Eidinger

Mein Name ist Kira, ich bin 29 und wohne in Moskau. Ich beobachte den Konflikt mit Mathilde sozusagen von drinnen. Ich bin ein großer Fan von Lars Eidinger, und es hat mir so weh getan, als ich seinen offenen Brief gelesen habe. Ich weiß, was für eine wunderschöne offene Person er ist, und dass es mehrmals in Russland war. Ich weiß aber auch, dass er nicht allein ist, wer Angst hat nach Russland zu kommen. Ich habe aber die letzten zehn Jahren gehofft, dass niemand mehr wird sowas von meinem Heimat sagen, dass man davor Angst hat. Es tut mir so leid. Ich will aber auch, dass man weiß, dass außer Natalja Poklonskaya es auch andere Leute hier gibt, die Kunst schätzen können, und die sich auf „Mathilde“ freuen. – Kira


Leserbrief zu „Herzlich Willkommen bei der Zeit“ von Wencke Karla Tzanakakis

Für Ihren Verlag ist das eine gute Einrichtung. So gewinnt man auch Abonnenten. Die jungen Menschen oder Studenten sind in einer Zeit herangewachsen, die von der Wissenschaft nur oberflächlich und dazu noch demagogisch belehrt worden sind. Der zerüttete Alltag ist Zeuge der vermasselten Schulkultur. Ich lehne mich schon seit über 20 Jahre dagegen auf. Es wird überhört oder gar nicht zur Kenntnis genommen. Jeder 4. Student bricht sein Studium wieder ab, weil er erkannt hat, daß er für ein Studium überfordert ist. Das spricht eine deutliche Sprache. Wenn ich meine Söhne in den öffentlichen Schulen belassen hätte, würde es Ihnen wahrscheinlich auch so gehen. Gestern las ich, daß in NRW die Lehranstalten noch schlechter bewertet worden sind. Das zeigt mir, nichts aber auch gar nichts haben die Pädagogen verstanden oder wollen es nicht verstehen. Ihre Veranstaltung macht durchaus Sinn. Trotz der Verkehrsbehinderung war das Haus offensichtlich gut besucht, das zeigt, daß Sie damit richtig lagen. Für mich hat eine solche Veranstaltung wenig politischen Nährwert, weil ich die Denke der Studenten oft zu spüren bekommen habe. Ich beschäftige mich mit unserer Schulkultur seit vielen, vielen Jahren. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Die Auflösung von Normen und Regeln durch „Rechtschreibung nach Gehör“ passt zu der von vielen Parteien gepflegten Politik der Beliebigkeit und des Wohlgefallens! Entsprechend sind die Ergebnisse mit einer beschleunigt zunehmenden Nivellierung der Ansprüche an Leistung und Haltung auf allen Gebieten. – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Der Artikel gibt vor, das zu liefern, was die fanatischen Eiferer vermissen lassen: Ahnung und konkrete Fakten. Dabei lässt der Autor selbst jegliche Auseinandersetzung mit den Grundlagen der Lese-Schreib-Methoden außer Acht und beschränkt sich auf statistische Werte und subjektive Meinungen der Befürworter. Ich habe mich mein ganzes Lehrerleben mit diesen Fragen beschäftigt und stelle deutliche Parallelen zur Ganzheitsmethoden der 60/70-er Jahre fest. Von den Hochschulen als überlegen eingestuft und in vielen Schulbezirken fast administrativ verordnet, war sie über jegliche Kritik erhaben. Die Ergebnisse dieser unseligen Methode waren katastrophale Leistungen in Zentraldiktaten meiner Klasse, die ich als Junglehrer übernahm. Ähnliche Erfahrungen machte ein Freund. Mit großem Elan unterrichtete er seine 1.Klasse natürlich nach der modernen Methode und musste nach einigen Monaten erkennen, dass fast ein Drittel der Schüler Lese- und Schreibprobleme hatte, während in der Klasse der Schulleiterin nach der Lautiermethode kein Kind auf der Strecke blieb.

Wir beide erkannten, dass die grassierende „Legasthenie“, von der auch intelligente Kinder betroffen waren, ein selbstgemachtes Problem war. Folgende Parallelen sehe ich zum „Lesen durch Schreiben“:

  1. Auch diese Methode wird als das non plus Ultra beworben  und besonders von der jungen Lehrergeneration nahezu unkritisch umgesetzt.
  2. Die fachdidaktischen und fachpsychologischen Grundlagen werden kaum hinterfragt. Die Theorie von Professor Reichen ist in wesentlichen Teilen fragwürdig.
  3. Die Zahl der „Legastheniker“ ist wieder epidemisch angestiegen. Gemildert werden die negativen Befunde durch Maßnahmen, die im Artikel erwähnt werden: die reine Lehre von Reichen wird kaum noch angewandt. Viele Lehrkräfte kombinieren sie mit anderen Methoden.

Es bleibt die Frage, warum dann noch dieses Verfahren? Der Autor räumt selber ein, dass Ausländerkinder, (aber auch Kinder aus sprachlich retardierten Milieus) Schwierigkeiten haben. Zu dieser Einsicht bedarf es keiner wissenschaftlichen Studien. Übrigens: Die allseits gepriesene Anlauttabelle ist keine Erfindung von Reichen und wurde auch von mir schon lange vorher eingesetzt. – Johannes Klüppel


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Der Autor dieses Textes scheint mir nicht sehr lebenstüchtig zu sein. Da steht er also vor dem Supermarkt und hat ein schlechtes Gewissen, weil er die Einkäufe nicht nach Hause tragen möchte, es gleich regnet, und er deshalb trotz kurzem Weg sein Auto benutzt. Lieber Herr Rohwetter, kaufen Sie sich doch ein Fahrrad. Der Händler montiert Ihnen gerne einen Korb auf den Gepäckträger, da kann man eine Menge Einkäufe transportieren. Und gehen Sie in ein Bekleidungsgeschäft. Da gibt es wasserdichte Jacken oder Mäntel mit Kapuzen. Damit ausgestattet kann man auch mal ein paar Einkäufe im Regen nach Hause tragen. Es gibt übrigens im Internet Wettervorhersagen, so dass man, wenn es morgen viel regnet, heute etwas mehr einkaufen kann. Ich habe seit beinahe 20 Jahren kein Auto mehr und trotzdem immer genug zu essen im Haus. Also keine Sorge! – Wolfgang Ludwig-Mayerhofer


Leserbrief zu „Am Ende zählen die Jobs“ von Caterina Lobenstein

Alle sind sich einig: Die Armutsmigration lässt sich nur am Ursprung stoppen, alse in den Herkunftsländerm. Alle sind sich ebenfalls einig: Einwandern dürfen nur die Qualifizierten, die hier „gebraucht“ werden. Es ist schwer unverständlich, dass man sich diese Widersprüche seit Jahren anhören muss. In den Herkunftsländer lässt sich nur etwas bewirken, wenn dort Leute mit Qualifikation etwas aufbauen, und genau diese Leute will man krampfhaft abwerben. Regelmäßig wird diese Kritik krampfhaft überhört. Insgesamt schwer verständlich, aber nicht unverständlich: Offensichtlich haben zu viele dieser Experten vergessen, laut HIER zu brüllen, als Gott das Gehirn verteilt hat. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Ottes Welt” von Mark Schieritz

Es ist zu spüren, das ihre Redaktion eine solche Meinung gar nicht gern veröffentlicht. Der Mann gefällt mir aber, schon deswegen, weil er meinen Briefstil die Ehre hält und auch die AfD wählt. Der Mann schwimmt gegen den Strom, auch das zeichnet ihn aus. Nicht unbedingt deswegen. Er schwimmt gegen den Strom weil die Strömer völlig verkehrt unterwegs sind. Sie wissen es nur nicht. Die stellen sich später hin und fragen allen Ernstes: wie konnte das nur passieren. Wenn die in ein Loch fallen, fragen die sich auch: wie konnte das nur passieren. „Frau Merkel ist ist die schlechteste Kanzlerin der Nachkriegszeit.“ Das stimmt doch. Josef Joffe oder Iris Radisch würde das anders formulieren. Es stimmt trotzdem. Frau Merkel ist ein Neutrum. Man weiß nie genau, was sie als nächstes wieder ausheckt. Sie ändert wie ein Chamälion ständig ihre Farbe. Da hat sie was mit Donald Trump gemein. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Schon lange nicht hat mit ein Artikel in der ZEIT so tief berührt wie der Bekenntnisbericht von Murat Kurnaz. Da spricht einer aus Erfahrung, der Schreckliches durchlebt hat, dabei nicht verbittert ist, der seinen Horizont ungemein geweitet hat und der eine Ahnung davon hat, wie es wirklich um die Dinge auf der Welt steht. Alle Achtung! Wenn nur alle so dächten, sie würden begreifen, wie gut es den Menschen geht und was wirklich Not tut in diesem vielleicht freiesten Land der Erde. Und all die Grantler und AfD-Sympathisanten würden im Abseits verschwinden. – Josef Welle


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Was für ein Riesen-Aufmacher, erste Seite: „Konsum oder Moral – ein Selbstversuch“ – dann erste Seite Wirtschaftsteil „wie ich als Verbraucher fast den Verstand verlor“ und „beauftragt vom Parlament der Leser“ : höher kann man die Erwartungen wohl nicht hängen. Wie enttäuschend dann der Artikel selbst! Der Selbstversuch scheint sich auf einen verlängerten Aufenthalt im Supermarkt des Autors beschränkt zu haben, wo er sich dann müßige Gedanken darüber macht, wie ach so schwer die Last der Entscheidung = Verantwortung ist und zum wohlfeilen Fazit kommt: naja, kann man eh nicht wirklich was ändern, die andern tun es ja auch nicht, also probier´ ich einfach mal, so ein bisserl besser als die anderen zu sein. Na toll!

Das soll Journalismus sein? Wenn der Journalist denn tatsächlich Öko und regional konsumieren möchte, reichen ca. 3 Suchanfragen bei Ecosia (guter Tipp für moralischen Komsum) Stichworte „Ökokiste“ – Solidarische Landwirtschaft – Wochenmärkte  – bzw. im ländlichen Raum „Biobauern Hofverkauf“ und schon hat man mehrere Möglichkeiten, seinen moralischen Vorstellungen machzukommen, so sie einem denn etwas wert sind. Oder: Greenpeace rät: ökologisch vertretbar ist 1 Fisch pro Monat pro Person – auch ein einfach zu befolgender Ratschlag, den man einfach so weitergeben und befolgen kann, ohne das Jammern über die verschiedenen Siegel anzuheben und dabei zu bleiben. Ein weiterer Vorschlag wäre, mal den Begriff „positiver Journalismus“ zu recherchieren und vielleicht danach zu handeln: Immerhin beanspruchen Sie etliches an Raum und Aufmerksamkeit mit Artikeln wie diesen, da würde ich mir wünschen, dass Sie auch Ihre Verantwortung als Journalist etwas höher hängen, was Ihren Einfluss auf LeserInnen angeht. Wohin führt denn die immer gleiche Aufzählung von Vorwänden, wieso wir in Trägheit und Konsumismus verharren dürfen wenn nicht genau wieder in Trägheit und Konsumismus? – Eleanora Allerdings


Leserbrief zu „Ottes Welt” von Mark Schieritz

Sie schreiben „Und was ist mit Leuten wie Björn Höcke, der das Holocaust-Mahnmal in Berlin als ‚Denkmal der Schande‘ bezeichnet?“. Ich bitte um Erläuterung, was an dieser Äußerung Höckes zu beanstanden ist. Was ist denn Ihrer Ansicht nach das für ein Denkmal? Eines des Ruhmes Deutschlands? Natürlich ist es ein Denkmal der Schande, nämlich der Schande des begangenen Holocausts. Höcke hat doch nicht gesagt, das Denkmal ist eine Schande. – Reiner Felkel


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Sie fordern ein Signal gegen Terrorismus? Wir auch! Mit wir meine ich uns Ahmadi Muslime, die sich klar zu Deutschland und gegen jegliche Art von Extremismus bekennen. Ich möchte Ihnen einige Kampagnen der Ahmadiyya Muslim Gemeinde KdöR näher bringen, die hoffentlich klar werden lassen, dass es durchaus Muslime gibt, die sich schon Jahrzehnte vor dem Appell von Herrn Kurnaz immer wieder von jeglichen extremistischen Aktivitäten distanzieren, indem die Gemeindemitglieder nach den friedlichen, wahren und ursprünglichen Lehren des Islam leben. So ist unsere feste Überzeugung, dass der Islam wunderbar das Grundgesetz unterstützt und alle Muslime anweist, das Gesetz des Landes, in welchem sie leben, zu achten.

Sie haben vollkommen Recht, wenn Sie sagen, dass das auch unser Land ist. Wir werden hier geboren, gehen hier zu Schule und arbeiten in diesem Land – für unsere Mitbürger: Ein herzliches Geben und Nehmen. Das schließt aber mit ein, dass wir unserem Land etwas zurückgeben müssen. Das Land, was uns so vieles ermöglicht hat, ist Deutschland. Die Loyalität, die wir unserem Heimatland gegenüber erweisen müssen, ist auch in der islamischen Lehre vorgeschrieben. Diesbezüglich sprach der Bundesvorsitzende unserer Jugendorganisation, Herr Hasanat Ahmad, auf der jährlichen Hauptversammlung der Gemeinde dieses Jahr in Karlsruhe und sagte:

„Es spielt keine Rolle welche Hautfarbe wir haben, welche Sprachen wir alles sprechen, welche Herkunft wir haben – wir sind alle Deutschland. Wir halten deine Flagge hoch! Wir sind dir gegenüber treu, denn Du bist unsere Heimat! Unser geliebter Heiliger Prophet Muhammad, hat uns Deine Liebe gelehrt.“

Ein brandaktuelles Ereignis, dass unser Bekenntnis zu Deutschland bekräftigt, ist die Luftbildaktion der Ahmadiyya Jugendorganisation anlässlich ihrer Jahresversammlung vor ein paar Tagen. Dabei haben über 8000 Teilnehmer der Jugendorganisation einen Rekord aufgestellt und die größte Deutschlandflagge abgebildet. Die Gemeinde gliedert sich in Unterorganisationen. Die Frauen und Mädchen haben eine unabhängige und 1922 gegründete Organisation mit eigenen Veranstaltungen. Die Gemeinde bemüht sich konstant um Dialoge mit allen Menschen. (http://www.blick-aktuell.de/Berichte/Muslime-zeigen-in-Mendig-Flagge-291227.html)

Auch die Hauptjahresversammlung der Gemeinde, die Jalsa Salana, findet in Deutschland seit über 40 Jahren unter dem Motto „Liebe für Alle, Hass für Keinen!“ mit ca. 40.000 Besuchern friedlich und ohne Komplikationen statt. Die Lehren des Islam lauten in ihren Essenzen: Der Dienst gegenüber dem Schöpfer und an seiner Schöpfung. Heutzutage gilt es, unsere Religion mit Weisheit und Selbstbewusstsein zu kommunizieren. Gute Taten müssen vollbracht werden, denn so lehrt es uns der Koran. Natürlich fühlen wir uns nach Schmähvideos oder -karikaturen angegriffen und zutiefst verletzt. Allerdings gibt uns der wahre Islam nicht das Recht, über das Leben oder Sterben eines Menschen urteilen zu dürfen. So dürften wir, lieber Herr Kurnaz, auf einen gemeinsamen Nenner kommen: Friedlichen Diskurs führen! Dialoge fördern! Die Feder benutzen, um aufzuklären! Das sind die Devisen! – Intesar Ahmad


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Was für ein substanzloses Geschreibsel. Herr Rohwetter hat mit seinem Artikel die Definition von Stream-of-consciousness-Journalismus geliefert. Finde ich jedenfalls, dachte ich mir gerade eben irgendwie, so feelingmäßig, ihr wisst schon, Freunde! Nach der Lektüre weiß ich nun, was in Herrn Rohwetters Gedankenmaschine live vor sich geht. Nämlich wabernde Wolken mit folgender Struktur: „Afrika geht es noch nicht besser, trotz des (bestimmt riesigen) Anteils an fair gehandelten Produkten. Vielleicht ist ja Fairtrade gar nicht so gut?“ Oder: „Wenn Elendskinder arbeiten wollen/müssen, um zu überleben, ist Kinderarbeit am Ende vielleicht gar nicht so übel?“ Oder: „Ich armes kleines Individuum kann ja so wenig verändern, und wer weiß schon wirklich, was wirklich (also wirklich wirklich) wahr ist? Also lasse ich im wesentlichen alles beim Alten, was mein Konsumverhalten angeht, und das mit der Moral überlasse ich den diesen schrulligen Hardcore-Ideologen. Praktisch für mich, da ich eh ein bequemer Typ bin, und voll dazu stehe.“

Das dergestalt munter dahinplätschernde „Es-denkt-und-fühlt-in-mir“ des Herrn Rohwetter könnte geradezu anrührend in seiner kindlichen Unbedarftheit, in seinem wohlfeilen Abiturientenskeptizismus und seiner beinahe schon stolz präsentierten Ratlosigkeit sein, wenn es in den hier ausgestellten Begründungsmustern und Konsequenzen nur nicht so unglaublich zynisch wäre. „Ausbeutung, Tier-KZs, Ressourcenvernichtung, Vergiftung, über 80% ungesunder Ramsch in den Regalen, grassierende Fettsucht der überzuckerten Bevölkerung, und und und… – mir doch egal, solange ich ab und zu auch mal was mit „Bio“ drauf kaufe, fürs gute Gewissen.“ Das wichtige Thema Konsum mit all seinen Bezügen zu Kapitalismus, Ethik, Ökologie und Gesundheit hat eine dermaßen läppische psychologisierend-reduktionistische, ja geradezu (man muss es leider so nennen) dämliche Behandlung nicht verdient. Lars Jacobsen


Leserbrief zu „Mit Terpentin im Weinglas“ von Susanne Mayer

Ihre Artikel sind stets inhaltsreich, klug und präzise formuliert. Es macht Spass sie zu lesen! In Ihrem letzten Beitrag hat es an ebendieser Präzision ein wenig gefehlt. Sie haben die Malerin zweimal sterben lassen, was insofern tragisch ist, dass es z. B. dem österr. Politiker Adolf H. besser zu Gesicht gestanden hätte, wäre er nicht 1945 sondern schon in 1939 dahingeschieden! Der Menschheit wäre viel Unheil erspart geblieben. Nichts für ungut! – Uwe Büssing


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Sorgen bekam ich bereits, als ich den kleinen Kasten mit dem Titel „Wirtschaft erleben“ las. Subjektiv, persönlich, streitbar und mit klarem Ich-Bezug wollen Sie ab jetzt wichtigen Wirtschaftsfragen näher rücken. Den Anfang dabei macht gleich eine Titel-Story der ZEIT: Konsum oder Moral? Subjektiv, persönlich, streitbar und mit klarem Ich-Bezug, das kann ich auch. Konsum oder Moral? – eine Fragestellung, in der vielschichtige, interessante und streitbare Einzelaspekte stecken. Nun folgt allerdings ein Artikel, der dem resignierten Tagebucheintrag eines verwirrten Großstadtzeitgenossen gleicht, aber in keiner Weise eine ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema ist. Zusammenfassend könnte der Artikel auf drei Zeilen zusammenschnurren und heißen: „Ich bin total überfordert im Supermarkt, da ich nicht weiß wie ich verantwortungsvoll konsumieren kann, denn ich bekomme tausend widersprüchliche Informationen. Um mich doch irgendwie gut zu fühlen, mache ich manches so, wie ich glaube, dass es richtig ist.“

Das empfinde ich leider als ein ziemliches Armutszeugnis. Also auch die führenden Journalisten der Republik haben keine Ahnung, wie man verantwortungsvoll konsumieren kann, klar. Aber sie versuchen nicht einmal Klärung herbeizuführen? Ok, geteiltes Leid ist halbes Leid. Wenn es auch der ZEIT so geht, muss ich mich ja auch um nichts mehr kümmern. Man muss Herrn Rohwetter zu Gute halten, dass er tatsächlich subjektiv, persönlich und auch mit klarem Ich-Bezug schreibt. Aber ist das wirklich ein interessanter Standpunkt zum Thema? Leider präsentieren Sie diese Form des von mir als Küchenklatsch empfunden Textes nun als neuen journalistischen Ansatz für den Wirtschaftsteil der ZEIT. Für mich ist das ein Trauerspiel. Ich hatte gehofft mit der Rubrik „Z“ wäre schon eine Abstellkammer für subjektives Blabla mit klarem Ich-Bezug gefunden worden.

Scheinbar muss sich die immer weiter fortschreitende Lifestyleisierung der ZEIT ökonomisch sehr lohnen, sonst kann ich mir nicht vorstellen warum Sie nun auch den Wirtschaftsteil preisgeben. Aber in Bezug auf die Titelfrage: Konsum oder Moral? macht es mich sehr traurig, dass Sie zwei Seiten ihres vermutlich chlorfreien Recyclingpapiers für so ein Nichts geopfert haben. Thomas Fiedler


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Danke für das Aufgreifen des Themas Rechtschreiblernen. Die Bildungstrendstudie ist nun da und das Befürchtete ist eingetreten: deutlich nachlassende Rechtschreibleistungen. Es tut für den Rechtschreibforscher weh, lesen zu müssen, dass die Faktenlage in diesem Zusammenhang dünn sei, denn das Gebiet des Rechtschreiblernens und auch der qualitativen Fehleranalyse ist außerordentlich präzise und gut erforscht, ich selbst hatte dazu ein Forschungsprojekt  bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft und einen Platz in der Pisa Nachfolgestudie (DESI, Deutsch Englische Sprachkompetenzen International), und z. B. auch Günther Thome, Ute Andresen, Renate Valtin und Carl Ludwig Naumann haben Präzises dazu geliefert.

Es ist deutlich, dass im natürlichen Rechtschreiberwerb eine Phase des lautierenden Schreibens durchlaufen werden muss, dass sich aus Mängeln im deutschen Lautbesitz z. B. bei Migranten mit starker Erstsprache Fehler aus dem anderen Lautsystem (Interferenzen) einschleichen und dass relativ schnell und konsequent an der Verbesserung von Lautfehlern durch Unterricht in den Rechtschreibregeln (orthographische Phase) schon ab dem 2. 3. Schuljahr gearbeitet werden muss. Der deutliche Rückgang der Rechtschreibleistungen hat nicht nur mit den im Artikel angesprochenen Methoden (Lesen durch Schreiben, Schreiben nach Gehör) zu tun sondern vielmehr mit veränderten kulturellen Gegebenheiten (Überlastung der Eltern, Kinderarmut, Migration…). Und der Rückgang hat mit zu heterogenen Lerngruppen, sowie – vom Autor richtig bemerkt – der Überforderung der Lehrkräften im Schulalltag zu tun. Ich selbst habe mich mit der „Forschungs- und Beratungsstelle für lese-rechtschreibschwache  Kinder“ an der Universität Oldenburg, meine Frau als Lerntherapeutin diesem Bereich ein ganzes Berufsleben eingesetzt. – Prof. Dr. Wolfgang Eichler


Leserbrief zu „Totalausfall? Unsinn!“ von Udo Michallik

In diesem Text zeigt sich DAS Problem unseres Schulsystems: er ist verfasst von einem Mann, der die Schule nur aus seiner eigenen Schulzeit kennt, aber nicht die Schulwirklichkeit als solches. Ich war über vierzig Jahre Lehrer und es war vielleicht zweimal für ein Schulhalbjahr der Fall, dass die Lehrerversorgung 103/4/5 Prozent betrug. In allen anderen ca. 80 Fällen lag sie weit unter 100 Prozent, teilweise 90 und weniger. Allein diese Tatsache zeigt schon den vorhersehbaren Unterrichtsausfall, ohne die anderen Gründe wie Krankheit, Klassenfahrten, Fortbildungen etc. Wie dieser Mensch also in diesem Zusammenhang auf das Wort „Unsinn“ kommt, ist und bleibt jedem, der sich mit Schule auskennt, ein Rätsel. Wir sprechen hier von den staatlichen Schulen – eine private Schule in anderer Trägerschaft hat da andere Möglichkeiten und mag flexibler sein.

Sein komplettes Unwissen demonstriert er aber mit dem letzten Absatz: „… Eine mit Eltern abgestimmte Schuljahresplanung und rechtzeitig bereitgestellte Informationen …“ Wie dumm kann man eigentlich sein? Dann planen wir mal, dass Frau M. in neun Wochen schwanger wird, Herr F. sich ein Bein bricht und bei Frau S. Krebs diagnostiziert wird. Zusätzlich stelle man sich vor, wie bei einer Schule mittlerer Größe, etwa 550 Schülerinnen und Schüler, mit den Eltern etwas „abgestimmt“ werden soll. Der Typ geht bei Eltern von Mutter – Vater aus, wie naiv und weltfremd ist das denn in unserer heutigen Welt, ich kann die unterschiedlichen „Elternkonstruktionen“ gar nicht alle aufführen. Mit einem Wort: was macht dieser Mann in seiner Funktion als Generalsekretär der KMK? Dann kann die Äbtissin vom Kloster xy auch das Training bei Bayern München übernehmen. – Oskar Feder


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz und zu „Das Männer-Ding” von Johannes Ehrmann

Ein ganz großes DANKESCHÖN an Murat Kurnatz und Johannes Ehrmann für Ihre berührenden Beiträge in der neusten ZEIT. – Ulrike Weber


Leserbrief zu „Unter Äpfeln“ von Michael Allmaier

In der Ausgabe schreiben Sie einen interessanten Artikel über Äpfel. Ich möchte Ihnen dazu einen kleine Ergänzung geben. Sie führen die Apfelsorte Edler von Borsdorf an. Ich vermute mal,  das diese Sorte mit unserem Pohrsdorfer Apfel identisch ist. Nach unserer Dorfchronik stammt diese Apfelsorte  aus unserem Dorf. Er war früher der erste lagerfähige Apfel. Das Andenken dieses Apfels wird bei uns sehr hoch gehalten. Fast in jedem Obstgarten steht so ein Apfelbaum. Wenn Kinder geboren werden, so wird der Neuankömmling mit der Pflanzung eines solchen Apfelbaumes geehrt. So sind in unserem Dorf schon etliche Streuobstwiesen entstanden. Natürlich haben wir auch eine Apfelkönigin. Dies ist eine, meist junge, Frau aus unserem Ort.  Mit ein paar Bildern möchte ich die Geschichte illustrieren. – Gerhard Böde


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Ich kaufe seit einigen Monaten regelmäßig die ZEIT und beschäftige mich seit ein paar Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit in allen Aspekten des Lebens (zB habe ich seit 2 Jahren einen Schrebergarten, achte bei fast allen Einkäufen auf die Herkunft, seit über 2 Jahren keine Flugreisen), so auch beim Lebensmittelkauf. So hat es mich sehr gefreut, das Titelthema Konsum & Moral zu lesen. Allerdings finde ich, dass der Artikel von Marcus Rohwetter viel zu kurz greift, gerade im Hinblick auf den Status eines Leitartikels. Stattdessen hätte ich mir mehr Darstellungen von Möglichkeiten gewünscht, wie jeder / jede sein / ihr Leben nachhaltiger gestalten kann.

So wurde zB für Großstädter die Möglichkeit des Einkaufs auf Wochenmärkten nicht erwähnt (dort kann man ohne Verpackungen und sehr häufig echtes Bio vom Bauernhof aus der Nähe bekommen), auch fehlt die Erwähnung der Beteiligung an solidarischen Landwirtschaften (Vorfinanzierung der Ernte eines Hofes in der Nähe, im Gegenzug Ernte für die ganze Saison), Urban Farming / Urban Gardening und der Anbau von Obst/Gemüse in den immer beliebter werdenden Schrebergärten. Für die Landbevölkerung gibt es die Möglichkeiten, recht unkompliziert in Hofläden bei Bauernhöfen einzukaufen, oder Obst / Gemüse selbst zu pflücken auf den Feldern beim Bauern. Und überdies bieten die vorgenannten Möglichkeiten auch die Chance zum Aufbau einer Gemeinschaft (insb. Schrebergärten, Urban Farming/Gardening), machen nachgewiesen glücklich (Bewegung an frischer Luft im Grünen beim Gärtnern), und sind nicht kompliziert oder nervig wie der beschriebene Supermarkt-Einkauf. Der soziale Aspekt ist mit dem nachhaltigen Denken meiner Erachtens untrennbar verwoben.

Entgegen der Aussage im Artikel finde ich zudem sehr wohl, dass jeder die Verpflichtung hat, nach seinen jeweiligen Kapazitäten (abhängig von Einkommen und Lebenssituation wie zB Kinder oder zu pflegende Angehörige), nachzudenken über die gegenwärtige Nutzung der Ressourcen des Planeten, denn diese sind endlich. Und je mehr unsere Generation bereits verbraucht, desto weniger wird zukünftigen zur Verfügung stehen. Aufgrund des Vorgenannten wünsche mir für zukünftige Artikel in diesem Themenfeld, insbesondere bei Titelthemen, dass diese vollumfänglich berichtet werden und möglichst viele Aspekte zum Thema, wie oben beschrieben, erwähnen. Und diese sollten einen positiveren Klang haben, denn nachhaltig denken und handeln macht Spaß, glücklich, und bildet Gemeinschaft. – Julia Möller


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Wer wie Marcus Rohwetter als erklärter Gegner der Massentierhaltung nach zweimonatiger Recherche immer noch ratlos vor dem Eierregal im Supermarkt steht, hätte sich lieber nicht an den zentralen Artikel der Zeit über das Titelthema Konsum oder Moral heranwagen sollen. Am Ende findet der überforderte Autor zwar keine Lösung, dafür aber wenigstens Verständnis für seine aktuelle Lage vor dem Eierregal bei dem Philosophie- und Ökonomieprofessor Priddat, der es schließlich wissen muss: Er (M.R.) weiß zwar eine Menge, kann diese Informationsmasse vor dem Supermarktregal aber nicht einordnen. Die Details erschlagen ihn. So kauft er einfach irgendwas, in diesem Fall die billigen Eier.

Dabei ist es kinderleicht, von der ersten Ziffer des Stempels auf dem Ei auf die Art der Tierhaltung zu schließen. Noch einfacher wäre der Einkauf im Bioladen. Leider scheinen dem Autor aber Bioläden nicht bekannt zu sein. Seine Vorgehensweise hat Methode: Durch gezielte Auswahl geeigneter Beispiele, z.T. auch durch Desinformation werden einfache Konsumentscheidungen künstlich verkompliziert und Verwirrung gestiftet. Am Ende der Verbraucher-Odyssee entsteht jedes Mal der Eindruck, dass alles Wissen und Nachdenken unnütz ist und zu keinem klaren Ergebnis führt. M.R. hätte dabei sogar fast den Verstand verloren. So geht er am Beispiel von Fairtrade anhand von China langatmig und ergebnislos der Frage nach, ob das Bekenntnis zu kleinbäuerlichen Strukturen wirklich sinnvoll ist. Dabei geht es Fairtrade um ganz anderes: um Nachhaltigkeit und die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen, egal ob für Kleinbauernkooperativen oder Plantagenbeschäftigte. Die entsprechenden Erfolge lassen sich in Afrika und Lateinamerika leicht beobachten.

Es ist heute gar nicht mehr so schwer, durch verantwortliche Konsumentscheidungen einen kleinen Beitrag zu leisten etwa gegen menschenunwürdige und gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern, gegen den Kahlschlag des Tropenwaldes, gegen Umweltverseuchung, gegen grausame Massentierhaltung oder gegen die Abschlachtung von Robbenbabies. Dank dem Einsatz von Umweltverbänden, NGO`s und auch staatlichen Stellen gibt es seit Jahrzehnten verlässliche und unabhängig kontrollierte Zertifikate und Marken, die dem verantwortlichen Konsumenten seine Entscheidungen leicht machen, etwa das FSC-Siegel für nachhaltige Holzwirtschaft oder den Umweltengel. Hätte M.R. in diese Richtung recherchiert, hätte er sicher einige nützliche Tipps geben können, anstatt verantwortungsbewusste Konsumenten lächerlich zu machen und unter Ideologieverdacht zu stellen. Schade. Eine verpasste Chance. – Friedrich Thimme


Leserbrief zu „Das Männer-Ding” von Johannes Ehrmann

Gerade habe ich Ihren Artikel gelesen. Ich bin ganz hin und weg und möchte Ihnen für diesen großartigen Text danken. Schon nach den ersten Absätzen hatte ich gelacht und geweint. Ihre Worte transportieren eine ganz besondere Intimität. – Lina Huppertz


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Frage 1: Konsum oder Moral? Diese Frage wurde bereits vor Jahrzehnten sinngemäß von Bertolt Brecht beantwortet. Frage 2: Kann man politisch korrekt einkaufen? Sicherlich, alles was unser Staat „erlaubt“ ist politisch korrekt. Alle 4 Jahre wählen wir unsere Bundestagsabgeordneten (jetzt sind es schon 709), die das richten. Ob diese dabei ethisch oder moralische Gesichtspunkte berücksichtigen, da habe ich meine Zweifel. – Peter Baltzer


Leserbrief zu „Ottes Welt” von Mark Schieritz

Ich habe mich nie mit Herrn Otte beschäftigt. Seine politischen Ansichten interessieren mich derzeit nicht wirklich. Ihren Artikel wollte ich erst auch nicht lesen, blieb dann bei einer Tasse Kaffe doch dran hängen. Meine Anmerkung bezieht sich deshalb nicht auf Herrn Ottes Positionen, sondern auf eine Ihrer Aussagen. „Die Grenzen schließen und die exportabhängige deutsche Wirtschaft in den Ruin treiben? Spielen Sie damit auf Grenzkontrollen und auf die Position an, dass nicht einfach jeder der möchte unkontrolliert, unabhängig von seiner Herkunft und Motivation, unabhängig von seiner Vorgeschichte und ohne Papiere nach Deutschland kommen kann? Falls ja, ist das sehr, sehr polemisch, besteht doch zwischen Grenzkontrollen und dem möglichen wirtschaftlichen Ruin Deutschlands kein kausaler Zusammenhang. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Politik gegen das Volk“ von Kerstin Kohlenberg

Ich erlaube mir zu vermuten, Sie sind im Besitz eines Dr.-Titles, aber es ist nicht zu erkennen; ich darf mich als Mittelschüler, gelernter Ingenieur und Rentner vorstellen, der sich wundert, den „Errasmus von Washington“ in Schutz zu nehmen. Zwei Themen, die mich aufregen. A)Sie bemängeln, dass „Herr“ Trump die Steuern für Reiche senken will, obwohl die Mehrheit der Nation dagegen ist…Man muss nicht viel gelernt haben, um diesen Satz zu schreiben, aber sicherlich noch weniger begriffen haben: Reiche zahlen keine Steuern! Sie preisen sie in ihre Einkommens-Anforderungen ein! Doof? – Nein! Die hohen Steuern eines Zahlarztes, und der ist noch nicht einmal als „reich“ zu bezeichnen, beinhalten die hohen Steuern, die er „vermutlich“ zu zahlen hat. Würde er den durchschnittlichen Steuersatz zahlen, dann fiele die Rechnung anders aus, und ich könnte mir so schöne Zähne leisten wie der Herr von der Lufthansa, der vor lauter Selbstverliebtheit den Mund nicht mehr zu bekommt.Meine Zahnärztin ist, um das Thema aufzulocker, eine ganz schlaue. Sie arbeitet nur halbtags. Ihr langt das. Darf sie, darf sie. Sie stellt die hohen Gebührensätze in Rechnund, verdient die Hälfte, zahlt Steuern nur für die Hälfte, was durch die Progressivität hoch ins Gewicht fällt, und verdient so überproportional. Ist einbisschen schwer zu verstehen. Wenn Sie wollen, schreiben Sie mir, und ich rechne es Ihnen aus. Gerechtigkeit? Wenn jemand gar nicht und ein anderer sechs Monate für den Staat arbeitet? Fuck!Ich plädiere für einen festen Est-Prozentsatz für alle (alle), und zwar oberhalb des Einkommens.

Wie eine MWSt. Dann hat auch die BrötchenVerkäuferin das Gefühlt (und darum geht es doch), derIhr Artikel „Politik gegen das Volk“ Verbraucher zahlt die Steuern – so – wie es in der Wirklichkeit der Fall ist. Nur die Sozialisten wollen uns weiss machen, dass sei anders und halten Charlatan-like ihre Klientel bei der Stange. Ganz selbstlos.Nein, ich zähle nicht zu den Reichen. Ich war selbständig arbeitender Ingenieur und habe meine Steuern mit Stolz bezahlt. Und das Einpreisen der ESt. War auch kein Problem, denn die, die mir beruflich das Wasser reichen konnten, haben mich nicht unterboten; sie benötigten genauso wie ich ein entsprechendes Honorar. B)Sie beklagen die laschen WaffenGesetze der USA. Richtigerweise beklagen Sie, dass Waffen in falsche Hände geraten: Psychopathen, Kriminelle, Deprimierte…..30% der Tötungen durch Waffen, sagen Sie, seien Morde. Schön, so zu argumentieren.Die absolute Zahl an Tötungen durch Waffen ist schon sehr hoch. Aber man bedenke, dass Amerika eine ganz andere soziale Struktur hat, als Europa. Nein, nicht anders, schlimmer; denn auch wir hierhaben die Mafia: die italienische, die griechische, die türkische, die libanesische und was weiß ich. Nur von einer deutschen Mafia habe ich nie gehört. Ab und zu fliegt mal ein kriminelles Netzwerk auf, aber deutsch? Kann nicht sein. 60% der Tötungen seien Selbstmorde. Nun, das können wir aber abhaken.

Diese Leute könnten auch einen Strick nehmen. Stricke wollen Sie ja dann doch nicht verbieten. Zugegeben, es ist etwas leichter, sich zu erschießen als sich aufzuhängen. Ja, ja, das schon. Und bei uns?Der junge Mann von München, dieser Neuro-Killer, der hätte sich seine Waffe gar nicht im Dark-Net besorgen müssen; er hätte nur einem Schützen-Verein betreten müssen. Nach einem Jahr unauffälligen Verhaltens hätte er sich ganz legal jede Waffe und so viel Munition besorgen können, wie er hätte wollen. Die Deutschen sind bewaffnet bis an die Zähne. Unter strengen Auflagen, schön. Aber die muss man ja erst einmal einhalten. Und hinter jedem Waffen-Tresor kann man ja auch keinen Aufpasser stellen. Ich plädiere dafür, dass Waffen technisch so gesichert sind, dass sie nur vom Besitzer bedient werden können. Das ist machbar, aber offensichtlich nicht gewollt. Es wäre schon mal eine große Hilfe. Aber mit solch einer Trulla an der Spitze des Staates, wird da niemals etwas draus. Und wenn das nicht die Aufgabe des Bundeskanzlers sein soll, dann ist es auch nicht die des US-Präsidenten. Zudem, die Waffengesetze unterliegen den einzelnen US-Staaten und sind außerordentlich verschieden.Und bei uns?Nicht einmal zu einer reduzierten Geschwindigkeit können sich die Deutschen durchringen. Ich willdazu einmal den Satz wiederholen, den ich von einer Afrikanerin in Erinnerung habe: was auf deutschen Straßen abläuft, das grenze an Menschen-Opfer-Ritualen…….Nein, ich bin kein Grüner, ich fahre 220PS, und fühle mich auf Frankreichs Strassen am wohlsten. Aber ich bin auch froh über diese Leistung, darüber, beschleunigen zu können, um das nächste Ende einer LKW-Schlange erreichen zu können, wenn aus 2 km Entfernung so ein Löhli aus der Schweiz blinkt, um mir mit seinen 250 Sachen mit zu teilen, ich möge mich beeilen, rechts ‚ran zu fahren, er habe es eilig, das Scmier- und SchwarzGeld außer Landes zu schaffen. – G. Roth


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Ich möchte zu dem exzellenten Artikel gratulieren. Ich bin seit mehr als 15 Jahren Vegetarier, weil mir die Art der Tierhaltung weh tut. Wer gibt dem Menschen das Recht, derart unmenschlich zu sein, und den enormen Schaden für die Umwelt werden unsere Nachkommen bezahlen. Bei der Erfindung der Insektizide hat man die schlimmen globalen Folgen nicht geahnt. Der Gewinn stimmte letztendlich alle Menschen positiv. Bio sollte in aller Munde sein. – Manfred Harry Krause


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz, Redakteurin Anita Blasberg

Als langjähriger Zeit Leser möchte ich Ihnen sagen, dass Sie mich mit Ihrem Artikeln sehr positiv überrascht haben! Einen Artikel auf Arabisch abzudrucken finde ich genial! Mein Hintergrund: Ich bin 76 Jahre, Rentnerin und oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln  unterwegs. Ich bin inzwischen auf unseren Strassen und in Bahn und Bussen erstaunt, wenn ich die deutsche Sprache gesprochen höre. Ich bin unterwegs dauernd von einer Sprache umgeben, die ich nicht verstehe. Ich bin in meinem Leben sehr viel gereist und bin neugierig auf die Welt, auch heute noch. Was mich berührt ist, dass ich das Gefühl habe, ausgeschlossen zu sein aus meinem eigenen Land, ich fühle mich beinahe als Fremder in einer, meiner Stadt wie Düsseldorf. Ein Beispiel: in der S Bahn sass mir ein Mann mit schwarzer Hautfarbe gegenüber. Da ich sehr offen bin, nahm ich diesen Platz ein, obwohl noch andere Plätze frei waren. Ich fühlte mich aber zunehmend verunsichert, weil dieser Mann die Kamera seines Handys eine ganze Zeitlang genau in meine Richtung hielt.

Ich wusste nicht, ob er mich fotografiert, wagte es aber nicht, ihn zu fragen. Ich glaube heute, ich hätte es tun sollen….Vielleicht hätte er sehr freundlich geantwortet, oder was hätte passieren können? Gleichzeitig wurde auf den Plätzen nebenan lauthals in einer fremden Spache telefoniert…. Ihr Artikel spricht von der Gewalt im Fernsehen. Wie Sie sehr richtig schreiben , wird dieser Gewalt sehr wenig entgegengesetzt, vor allem von den hier lebenden Menschen, die einen Migrationshintergrund haben. Ich glaube, das trägt zu meiner Verunsicherung bei. Seit einem halben Jahr bin ich ehrenamtlich in einem Erstaufnahmelager tätig, ich habe dort gute Erfahrungen gemacht mit Flüchtlingen, die gern Hilfe annehmen. Artikel in zwei Sprachen zu bringen, die in dieser vorliegenden Art ein Thema behandeln, ist meiner Meinung nach ein sehr guter Schritt für gegenseitiges Verständnis! – Christine Pfeifle


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Vielen Dank für Ihren Artikel in der Zeit. Ich glaube Sie können Ihre Verwirrung nur entwirren, wenn Sie so wenig wie möglich verarbeitete Nahrungsmittel kaufen. Egal ob Bio oder nicht. Und regional ist oft besser als von weither. Damit unterstützt man den Bauern aus der Nähe. Selber kochen macht Spaß und schmeckt besser. – Kerstin Krause


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Murat Kurnaz hätte allen Grund, in diesem Land zum Wutbürger geworden zu sein. Stattdessen fordert er die jungen Migranten und Flüchtlinge auf, sich zu integrieren und anzustrengen und das Land zu schätzen, das sie aufgenommen hat. Damit vermittelt er die Werte unserer Gesellschaft und was es heißt Patriot zu sein um ein Vielfaches glaubhafter als es die selbsternannten Retter des Abendlands, aber auch viele unserer Politiker jemals tun könnten. Murat Kurnaz hätte das Bundesverdienstkreuz verdient. Bei dieser Gelegenheit könnte sich unser Bundespräsident gleich persönlich bei ihm entschuldigen für die Jahre in Guantanamo. – Willi Mößel


Leserbrief zu „Nicht durchdrehen“ von Matthias Geis

CDU und CSU haben uns zwei Jahre lang mit Zeter und Mordio die Unbill allein um den Term Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen auferlegt. Natürlich eine politische Farce, die erst nach der „gewonnenen“ Bundestagwahl an einem einzigen denkwürdigen Tag per Parforceritt beendet werden konnte. Nein, der Union steht nach diesem insbesondere durch CSU-Chef Seehofer initiierten, nutzlos aufreibenden Schlingerkurs zwischen Phantomschmerz und opportunistischer Affirmation nur noch koalitionsfähige Realpolitik zu. Die Niederungen bedenkenlosem Populismus und politischer Ideologien sollten von nun an ausschließlich den parlamentarischen Rechts- und Linksauslegern vorbehalten sein. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Was wird aus der Paulskirche?“ von Benedikt Erenz

Haben Die vielen dank für diesen aufrüttelnden Bericht: wohl wissend um die Paulskirche als historischen Ort, war ich denn doch überrascht, wie es um das Bauwerk bestellt ist – sowohl baulich wie auch Erinenrungs-kulturell. Insofern finde es sehr verdienstvoll, darüber zu berichten – zumal angesichts des durchaus vergleichbaren Projektes des Wiederaufbaus der Garnisonskirche in Potsdam, was Sie ja auch direkt ansprechen. Da gibt es für unsere Republik wohl etwas sich zu vergewissern. Wie wäre es denn, wenn Sie darauf den erwähnten Herrn Bundespräsidenten mal direkt ansprechen?! Vielleicht wäre die Paulskirche ja auch gut aufgehoben im Eigentum des Bundes? Soweit meine eher spontanen Assoziationen dazu. – Klaus Brake


Leserbrief zu „Jagdunglück“ von STW

Ich teile Ihnen meinen Beitrag für diejenigen mit, die u.a. für die erste Seite verantwortlich sind. Sie brauchen Sie keine Gründe erfragen, weshalb ich Ihre Zeitung nicht mehr kaufen werde. Stephanie Wunderlich – was diese Frau da uns mitteilen will ist wirklich wunderlich. „Die Jäger sind die schlimmsten Gefährder im Wald“ Nur wunderlich, dass Sie das auch noch drucken. Gut nur, dass in der gleichen Ausgabe ein Bericht über Albert Einsteins Aussage war…“.nicht nur das Universum ist grenzenlos, auch die Dummheit der Menschen“ – Alfred Theis


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Vielen Dank für das Dossier, über diese Themen diskutieren wir privat und dienstlich schon seit einiger Zeit im Zusammenhang den internationalen Freiwilligendiensten. Die super Arbeit der Gruppe der Journalist*innen hat jetzt die Argumente auf den Punkt gebracht! Auch bei Programmen, die nach sich nach internationalen Begegnungen der Kulturellen Jugendbildung in der sehr gewünschten Form von Hin- und Rückbegegnung ergeben haben, sind inzwischen viele Fragen entstanden. Zum Beispiel: Der Jugendliche einer Tanzgruppe aus Marokko, der im Anschluss an eine bilaterale internationale Begegnung (in Marokko und in Deutschland) einen internationalen Bundesfreiwilligendienst in Hannover gemacht hat, ist nie wieder nach Marokko zurück gefahren.

Zur Zeit verfällt das Rückflugticket des Jugendlichen aus Moshi/Tansania, der ebenfalls ein Jahr im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes hier ist. Er wird nicht zurück fliegen. Es gibt um diese Jugendlichen herum am Ende des jeweiligen Jahres plötzlich viele neue überengagierte Helfergruppen mit vielen Ratschlägen dazu, wie man es erreichen kann, hier zu bleiben. Im Ergebnis aber heißt das: keine Wohnung mehr, keine Versicherung, kein Einkommen, Illegalität als Folge. Für die Grundlagen der Finanzierung des Bundesfreiwilligendienstes dieses Jugendlichen aus Moshi/Tansania waren viele Spenden erforderlich (Schulförderverein, Spenden bei einem Geburtstag statt Geschenke usw.) Die gegenseitigen Erwartungen liegen aber offensichtlich sehr weit auseinander. – Insa Lienemann


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Wie ich als Verbraucher beinahe den Verstand verlor…wir auch, nach dem Motto:

Hier steh ich nun,

ich armer Tor

und bin so klug

als wie zuvor!

 – Lothar + Monika Holtfrerich


Leserbrief zu „Kraken zum Kuscheln“ von Jens Jessen

Ohne dafür Werbung machen zu wollen: Es gibt kleine Plüschviren! Ob sie auch „entzückend“ sind, können sie selber entscheiden: www.riesenmikroben.deBeate Sames 


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Ich habe Ihren Artikel zweimal gelesen, weil es mir ganz genauso geht, vielen anderen Lesern wahrscheinlich auch. Und für mich kommt dann noch eine andere Ebene dazu: Wir wissen vor lauter Political-Correctness-Problemen gar nicht mehr, was wir fressen sollen. – Aber Millionen von Menschen mit lebensbedrohlichem Hunger, die in ihrem eigenen Elend noch zusehen müssen, wie vor ihnen ihre Kinder verhungern, hätten uns die zu Millionen, Milliarden vernichteten Fipronil-Eier (was mich schockiert hat, weil das Zeug natürlich in Lebensmitteln nichts verloren hat, die gesundheitliche Gefährdung aber doch eher gering war) buchstäblich aus der Hand gefressen, fürs nackte Überleben. Das macht mich wirklich traurig und ratlos. Aber danke für Ihren guten Artikel über Einkaufsprobleme in westlichen, kapitalistischen Gesellschaften. – Dr. Sabrina Hausdörfer


Leserbrief zu „Was wird aus der Paulskirche?“ von Benedikt Erenz

Die Paulskirche ist leider nicht das einzige Beispiel für vernachlässigte liberale und demokratische Traditionen. Die bayerische Landesausstellung 2018 in Kloster Ettal wird 100 Jahre nach 1918 sich mit den touristischen Klischees befassen. Dagegen hat sich auch zur Würdigung des 200. Jahrestages der ersten bayerischen Verfassung im Landkreis Kitzingen ein Initiativkreis gebildet, der vor allem die Ereignisse um das Fest an der Gaibacher Konstitutionssäule 1832 behandelt – zeitgleich zum Hambacher Fest, in dessen Schatten es steht. – Dr. Karl Klaus Walther


Leserbrief zu „Nein zur Bombe!“ von Josef Joffe

Die Vorstellung, seit Hiroshima über die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen Bescheid zu wissen, zeigt, dass Herr Joffe sich nicht ernsthaft mit ICAN und der humanitären Initiative auseinandergesetzt hat. Sonst wüsste er, dass moderne Atomwaffen die vielfache Zerstörungskraft der Hiroshimabombe „Little Boy“ haben. Diese hatte eine Sprengkraft entsprechend 16 kt TNT und tötete am ersten Tag 45.000 Menschen. Die Sprengkraft moderner Atomwaffen ist um ein Vielfaches größer: Eine Atomwaffe mit einem TNT Äquivalent von 1 Megatonne könnte sofort über eine Million Menschen töten. Hinzu kämen unzählige Verletzte und der völlige Zusammenbruch der Infrastruktur. Die in den globalen Arsenalen zur Zeit existierenden ca. 15.000 Atomwaffen reichen aus um die Erde mehrfach zu zerstören. Etwa 1.800 dieser Atomwaffen sind noch immer auf höchster Alarmstufe und innerhalb von Minuten abfeuerbereit. Eine Handvoll politischer Entscheidungsträger könnte unser aller Schicksal besiegeln und braucht dafür noch nicht mal einen Parlamentsbeschluss. UN Generalsekretär Guterres hat dies kürzlich als die größte akute Bedrohung für die Menschheit bezeichnet.

Es ist erstaunlich, dass Herr Joffe dennoch selbst in der Ära von Kim Jong-Un und Donald Trump Atomwaffen als Garanten des Friedens beschreibt. Der Glaube, dass Atomwaffen Kriege verhindern beruht auf einer fatalistischen Vorstellung über die kriegerische Natur des Menschen und lässt sich weder beweisen noch widerlegen. Ebenso gut kann man postulieren, dass die Menschheit aus Fehlern gelernt hat und deshalb eine lange Zeit des relativen Friedens erleben durfte. Keine Glaubensfrage sind jedoch die zahlreichen gut dokumentierten Beinahe-Unfälle und Missverständnisse, wie z.B. im Fall des russischen Oberst Stanislaw Petrow („The man who saved the world“), der einen vermeintlichen amerikanischen Raketenangriff, welcher sich schließlich als Fehlalarm herausstellte, nicht meldete und damit den Gegenschlag und Weltuntergang verhinderte. Das Rote Kreuz, das von Herrn Joffe im Gegensatz zu den „Atomwaffen-Ächtern“ für den praktischen Schutz von Zivilisten gelobt wird, hat sich deshalb eben Diesen in der Überzeugung angeschlossen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es zum absichtlichen oder unabsichtlichen Einsatz von Atomwaffen kommt und dass jegliche humanitäre Hilfe aussichtslos wäre.

Dass die Gefahr eines Atomwaffeneinsatzes wächst, da  „immer mehr Staaten nach Atomwaffen streben werden, solange sich die Mächtigen für ihre eigene Sicherheit darauf verlassen“, wie Ban-Ki Moon feststellte, sehen wir an der seit Ende des kalten Krieges stattgefundenen Verbreitung von Atomwaffen nach Indien, Pakistan und Nord-Korea, die durch die existierenden Kontroll-Regime nicht aufgehalten werden konnte. Diese Erkenntnis hat nicht nur Henry Kissinger sondern auch ehemalige Deutsche Spitzenpolitiker wie Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Hans-Dietrich Genscher und Egon Bahr dazu bewegt, sich in den letzten Jahren für die rasche und vollständige nukleare Abrüstung auszusprechen. Es ist interessant, dass in der Diskussion um die Kleinwaffen in den USA jedem einzuleuchten scheint, warum es nicht friedensfördernd ist, wenn sich alle bewaffnen, während dies für Atomwaffen nicht zu gelten scheint. Immerhin räumt Herr Joffe ein, dass die Hochrüstung auf zig -Tausende Sprengköpfe zur Zeit des kalten Krieges ein „Wahn“ gewesen sei. Nun habe dieser aber ein Ende, da man in den USA und Russland jeweils nur noch einige 1000 Atomwaffen habe. Da könnte man fragen, ob es für ihn einen Unterschied macht, ob die Erde 100 oder 10 mal zerstört wird?

Wenn man an Abschreckung glaubt ist das „Drohpotential“ der totalen Zerstörung seit Ende des kalten Krieges unverändert. Es sieht jedoch in der Abrüstungsbilanz gut aus und spart viel Geld, die überschüssigen und veralteten Sprengköpfe abzurüsten. Geld, das z.B. in die Modernisierung investiert werden kann, die derzeit von allen Atomwaffenstaaten betrieben wird. Die in Deutschland stationierten NATO Atomwaffen werden beispielsweise durch lenkbare Waffen mit einstellbarer Zerstörungskraft ersetzt, was Putin 2015 bereits dazu veranlasst hat, Gegenmaßnahmen anzukündigen, um „das Gleichgewicht“ wieder herzustellen. Die Kritik an ICAN ist nicht neu, denn es ist von jeher das Schicksal der Friedensbewegung, als weltfremde „Gesinnungsethiker“ dargestellt zu werden. Tatsächlich wissen die Aktivisten von ICAN jedoch genau, was „quälende Kärrnerarbeit“ an der Zähmung des atomaren bedeutet. Nach Jahrzehnten des Stillstands in der Abrüstung haben sie durch jahrelange Lobbyarbeit erreicht, dass zum ersten Mal wirklich demokratisch über atomare Abrüstung verhandelt wird, ohne dass eine kleine Gruppe Atomwaffenmächte dies blockieren kann. Selbstverständlich darf und muss die Staatengemeinschaft der größten akuten Bedrohung für unser gemeinsames Überleben begegnen!

Wenn in einem gemeinsamen Haus einige wenige eine gefährliche Bombe aufbewahren würden, würde die Mehrheit der Nachbarn vermutlich auch nicht resignieren und warten bis sie explodiert. In seinem Kommentar stellt Herr Joffe Tun=Macht über  Wissen und vergisst die Kraft der Moral. Oder haben die Raucher das Rauchverbot durchgesetzt, die Sklaventreiber die Sklaverei abgeschafft oder die Männer das Frauenwahlrecht erkämpft? Der massive Druck, der in den letzten Monaten von Atomwaffenstaaten auf andere Länder ausgeübt wurde, damit diese sich dem Verbotsprozess nicht anschließen, zeigt, dass diese Kraft bereits zu wirken beginnt. – Dr. Inga Blum


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Sie sprechen mir mit dem ganzen Artikel ziemlich aus dem Herzen. Nur beim allerletzten Satz kann ich für mich nicht zustimmen. Ich versuche, mir etwas Neues auszudenken, sobald ich für das Alte keinen Grips mehr aufwenden muss, weil es sich eingespielt hat. Aber vermutlich ist das bei all denen so, die sich Mühe geben. – Fritjof Möckel


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Danke für dieses interessante Thema. Schade allerdings, dass Sie die bereits nach dem 1.Weltkrieg von einem Schweizer gegründete Freiwilligenorganisation SERVICE CIVIL INTERNATIONAL Deutscher Zweig in Bonn, vergessen haben. In Kurzzeit- (Europa)und Langzeitaufenthalten (außereuropäisches Ausland) bietet diese NON PROFIT Organisation den  jungen Menschen nicht nur praktische Arbeit in einem sinnvollen Ptojekt sondern auch durch gute Vorbereitung und Betreuung vor Ort die Möglichkeit zur theoretischen Auseinandersetzung. Sicher nicht nur ich habe der Teilnahme on diesem Projekt  wichtige Impulse für mein  (Berufs)leben zu verdanken. – Helge Holzer


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Vielen Dank für den klug und differenziert recherchiert und kritisch geschriebenen Artikel. Und ziemlich genau in der Mitte finde ich genau den Ausdruck, der beschreibt, was ich als wahren Kern solcher Auslandsaufenthalte erkenne: einen Ego-Trip ins Elend. Auch ich absolvierte ein Gap-Year von 13 Monaten Dauer, man nannte es damals Wehrersatz- oder Zivildienst: Ich erlebte in einem Altenheim eine Station mit 20 Demenzkranken Patientinnen, sah täglich wie Blumen vom Tisch gegessen wurden, wie eine Patientin statt Toilettenpapier ihre Hände benutzte und dann an den Toilettenwänden “reinigte”, ich erlebte wie eine Pflegerin angesichts des täglichen Siechens, Sterbens, der Hoffnungslosigkeiten und der ständigen Überlastung mit einem Heulkrampf zusammenbrach.

Nein, wir brauchen Hilfe und soziale Dienste auch hier bei uns. Und diese Hilfe ist sinnvoll, prägt einen nachhaltig und lehrt einen Dinge fürs Leben und zeigt einem die sonst tief verborgenen Seiten unserer Gesellschaft. Angesichts des aktuellen Pflegenotstands und der massiven Integrationsschwierigkeiten, die uns bald auch überrollen können, erscheinen mir solche Ego-Trips als der blanke Hohn. – Benedikt Flurl


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Herzlichen Glückwunsch dazu, dass Sie angefangen haben, etwas anders zu machen. Ich wünsche Ihnen, dass sie die Umstellung auf Leitungswasser auf die Dauer durchhalten. Eine kontinuierliche Umstellung ist, was meiner Meinung am meisten bringt. Wenn Sie etwas für sich routiniert haben und dadurch entlastet sind, fällt Ihnen vielleicht etwas anderes Sinnvolles auf, was Ihnen möglich ist. So sind wir über die Jahre und Jahrzehnte zu einer ganzen Reihe Routinen gekommen, die uns deswegen auch nicht überfordern: Seit über 20 Jahren kaufen wir ausschließlich fair gehandelten Kaffee, Lebensmittel sind bei uns aus der Region und saisonal, falls es mal eine Ausnahme geben soll, muss es auf jeden Fall Bio sein.

Auch die Umstellung auf Leitungswasser haben wir für uns als sinnvoll erachtet. Es ließen sich noch viele andere Dinge nennen, die wir im Laufe der Zeit entschieden haben in Bereichen wie Kleidung, Mobilität, Haustechnik. Natürlich lässt sich hinter alles ein „aber“ und ein „und“ setzen, aber ist es nicht besser wenigstens den Versuch zu machen, ein Licht anzuzünden als über die Dunkelheit zu klagen. Vielleicht hilft dabei ja auch unsere religiöse Grundhaltung weiter: Gott wird unser Bemühen, das Richtige zu tun, in jedem Fall würdigen, auch wenn es nicht perfekt war. Willkommen also im Club der Nichtperfekten! Ein schönes Buch dazu ist „Wie viele Sklaven halten Sie?“ von Evi Hartmann. – Andrea Braun-Henle


Leserbrief zu „Totalausfall? Unsinn!“ von Udo Michallik

Herr Michallik tut genau das, was seine 16 Auftraggeber in der KMK von ihm erwarten: Zunächst einmal spielt er das Thema „Unterrichtsausfall“ zu einem „kleinen Ausschnitt des schulischen Alltags“ herunter. Dann betet er noch einmal das nach, was die Bildungsministerien jedes Jahr im Herbst vorbeten: Das Wunschdenken, Vertretungsunterricht und Unterrichtsausfall sollten die Ausnahme sein. Die Länder seien hinsichtlich der Unterrichtsversorgung in der Pflicht und man tue alles, um … Die Ausnahme ist aber längst zur Regel geworden und in 35 Dienstjahren habe ich es noch nie erlebt, dass es eine Unterrichtsversorgung zu 100 oder gar mehr Prozent gab. D. h. die Schulen starten bereits ins neue Schuljahr mit einem Defizit von zwei bis manchmal fünf Prozent!

Herr Michallik hat auch gleich die Schuldigen ausgemacht: Das ist einerseits die ZEIT mit ihrer politisch instrumentalisierenden Statistik und andererseits  die Schulen, welche die Möglichkeiten der digitalen Welt nicht nutzen. Auf die Frage, ob die Schulen auch über die entsprechende digitale Ausstattung verfügen, geht er allerdings nicht ein. Es ist aber nicht die ZEIT, welche die Statistik zum Kontrollinstrument macht, sondern die Kultusbürokratie. Jede Unterrichtsstunde, jede Vertretungsstunde und jede ausgefallene Stunde muss von den Schulen statistisch erfasst werden. Erstaunlicherweise bleibt jedes Jahr „ein Rest von circa zwei Prozent“. In Wirklichkeit sind es aber zehn Prozent. Das ist kein Unsinn, das ist ein Politikum! Im Kern der Sache geht es aber nicht um Unterrichtsausfall, sondern um den Stellenwert von Bildung in unserer Gesellschaft. Lippenbekenntnisse, Wunschdenken und Schönreden sind kostenlos zu haben, Bildung aber kostet Geld. Viel Geld! – Gerhard Lambertz


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Die Angebote kommerzieller Anbieter für Freiwilligentouristen sind sicher nicht unproblematisch. Der Artikel zeigt es. Für die Aktivitäten der rund 160 Entsendeorganisationen (Partner von „Weltwärts“, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) gilt dies sicherlich nicht. Hier finden Auswahl-, Vorbereitungs-und Auswertungsseminare statt, ja sogar Alumni-Treffen. So werden die Teilnehmer/innen häufig zu Multiplikatoren für die Herausforderungen des Globalen Südens. Die Freiwilligendiensterfahrung prägt sie für den Rest des Lebens. Die Entsendeorganisationen müssen sich alle zwei Jahre einer Qualitätsprüfung unterziehen um zertifiziert zu werden. Die Untersuchung von Soeren Götz belegt, dass positive Veränderungen stattfinden („Tolerante und umweltbewußte Verfechter der Demokratie? Die politischen Einstellungen der Weltwärts-Freiwilligen“ in: Voluntaris.  Zeitschrift für Freiwilligendienste, 1/2017, Seite 8-33, Nomos-Verlag). Damit der Freiwilligendienst keine Einbahnstraße bleibt, bieten zum Beispiel die Diözese Rottenburg-Stuttgart, EIRENE, Brot für die Welt oder MISEREOR seit einigen Jahren ein „Reverse- oder Income-Programm“  an“, das es Jugendlichen oder jungen Erwachsenen aus Afrika, Lateinamerika und Asien ermöglicht, in Deutschland einen einjährigen Freiwilligendienst zu leisten. – Max Steinacher


Leserbrief zu „Sind die Protestanten schlauer?“ von Ludger Wössmann

Der durch die Reformation ausgelöste Bildungsschub betraf vornehmlich die Protestanten. Er geht wohl in erster Linie darauf zurück, dass die protestantischen Pfarrer nunmehr heiraten und eine Familie gründen konnten. Diese Pfarrerfamilien boten ihren Kindern gute Bildungschancen, die genutzt und inzwischen über ein halbes Jahrtausend hin von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Darartige Chancen gab (und gibt) es bis heute in der katholischen Bevölkerung nicht. Das Zölibat verhindert dies. Es ist daher nicht verwunderlich, dass in führende Positionen in Gesellschaft, in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mehr Protestanten als Katholiken vertreten sind, und den Protestanten ein wirtschaftlicher Vorsprung zugeschrieben wird. Mit „schlauer oder dümmer“ hat dies nichts zu tun. Allenfalls kann man von ungleichen Chancen sprechen. – Bernhard Königstein


Leserbrief zu „Ottes Welt” von Mark Schieritz

Hat Herr Otte wirklich für Schließung der Grenzen – auch für den Waren- und Geldverkehr – plädiert? Und für den – generellen – Ausstieg aus dem Euro? Das zumindest suggerieren Sie und wäre schlimm, wenn es stimmte. Wenn das aber nicht zutrifft, und es also nur um Grenzkontrollen für Zuwanderer und die Möglichkeit geht, daß einzelne Länder aus dem Euro aussteigen können, dann sind Ihre Unterstellungen unverzeihlich. – Heinz-Dieter Busch


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Anderthalb Seiten alles oder nichts? Das kann nicht wirklich zum Ziel führen. Niko Paech, deutscher Volkswirt und Umweltökonom, bietet mit seiner Postwachstumsökonomie einen interessanten Ansatz. Wir sind in der komfortablen Lage, dass wir – noch – den Schwerpunkt unseres Tun und Lassen wählen können – voraus gesetzt wir wagen uns, wenn nötig, gegen den Mainstream unseres jeweiligen sozialen Umfelds zu stellen. Bioeier aus dem benachbarten Hühnerstall, Tomaten vom Balkon und Fertigpizza, Kleidung für mehrere Saisons und eine großzügige Auswahl von Schuhen, sparsamer Gebrauch von Duschgel aber gerne mal ein Vollbad. Das hilft und läßt mir die Freude an meinem Tun. Übrigens schmeckt Leitungswasser delikat, wenn es aufgekocht ist und wirkt angemessen wertvoll, wenn ein Rosenquarz und ein Amethyst in der Karaffe überrascht.  Mehr Mut zur Lücke und mehr Freude am Tun – das wär doch mal verantwortungsvolle innere Freiheit! – Johanne Schloen


Leserbrief zu „Nur nicht nervös werden“ von Robert Pausch

Aufgrund der Argumentation des AfD-Manns Albrecht Glaser, der Islam kenne keine Religionsfreiheit, haben andere Parteien also Zweifel an der Eignung Glasers als Vizepräsident des Bundestags. Wenn man über den konfrontativen Aspekt dieses Vorgangs hinaus kommen will, gilt es, sachlich zu bleiben. Es ist zu bedenken, dass Religionen nun mal weder von außen noch durch Selbstdarstellung nach objektiven Kriterien zu definieren sind. Sie können nur durch das subjektive Verhalten ihrer Anhänger wirksam, also Wirklichkeit werden. Bleibt man bei objektiven Ansprüchen, öffnet man damnit das Feld der Polarisierungen, auf dem bevorzugt selbstbestätigende Positionen vertreten werden. Aber in allen Religionen und ihren Geschichten ist Kritikwürdiges zu finden – man sollte also bei sich selbst anfangen. Herr Glaser macht mit seiner Kritik den gleichen Fehler, den er dem Islam vorwirft: Er meint, objektiv zu sein, und entzieht dem Diskurs damit den notwendigen dialogischen Charakter, obwohl nur damit die Bemühungen um Klärung und Verständigung sinnvoll sein können. Die Kritik der anderen Parteien sollte da ansetzen. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Deutschlandkarte“ von Paulina Thillmann im ZEIT Magazin

Man scheint sich ja einig zu sein, Sonne und Wärme sind immer gut, Wolken und Regen schlecht.  So schreibt es auch Paulina Thillmann und stellt fest, dass sich die Regensburger über einen Jahrhundertsommer freuen konnten. In den letzten 10 Jahren war fast jedes Jahr das Wärmste seit es Temperaturaufzeichnungen gibt, sozusagen jedes Jahr ein neuer Jahrhundertsommer. Als Münchner erlebe ich seit Jahren zunehmende Hitzeperioden. Ich kann Ihnen versichern, dass ich nicht der Einzige bin, der sich bei Dauersonne und ständigen Hitzetemperaturen über 30 Grad, vor allem in zubetonierten Städten, über Abkühlung und schattenspendende Wolken freut. In Zeiten des vor allem in Süddeutschland zunehmend spürbaren Klimawandels, müssen vielleicht manche Verallgemeinerungen und Sprachregelungen differenziert werden. – Andreas Schwarz


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Bin seit 20 Jahren Zeit-Leser, Prof in Hong Kong… Bin vom WOLKEN-Heft sehr enttaeuscht: J e d e r in Deutschland sieht  inzwischen CIRRI HOMOGENITI am Himmel, ZEICHEN AM HIMMEL.. ausser der ALTEN TANTE ZEIT… – Prof Reinhard Renneberg


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Als Murat Kurnaz 2006 wieder nach Deutschland kam,sah ich seine Geschichte eher skeptisch. Auch wenn seine Verhaftung unberechtigt war: Musste er ausgerchnet nach Pakistan reisen, um den Koran zu studieren? Da hätte es mit ein paar kritischen Hinterfragungen in Europa bessere Möglichkeiten gegeben. Um so erfreulicher finde ich jetzt seine aufklärerische Rolle als Sozialarbeiter mit Jugendlichen und sage ihm ein großes und herzliches DANKESCHÖN. Auch der ZEIT für diese Veröffentlichung in Arabisch und Deutsch. – Roswitha Lörsch


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Das klingt schon toll für G8-gebeutelte Wohlstands-Jugendliche: Die Welt und exotische Kulturen kennen lernen, gute Gefühle beim scheinbar hilfreichen Arbeiten mit süßen Kindern und hübschen Schildkröten in Vollkasko-Verhältnissen genießen und nachts noch Party machen. Das geht halt nicht für alle und spaltet die Menschen in materiell gut und weniger gut ausgestattete. Und auch wenn die Gutverdiener es sich leisten können, ihre Kinder in die Welt zu schicken und selbst mglw. sogar noch moralisch wertvoll einzukaufen und natürlich grün zu wählen, sind es im Endergebnis dann doch die weniger Betuchten, die aufgrund ihrer beschränkten Möglichkeiten der (Um—)welt besser tun, weil  ihre Kinder nur in einem lokalen Altenheim-Praktikum Helfer-Gefühle entwickeln dürfen, die Eltern selbst kleine Autos fahren und bei Lidl und Aldi einkaufen (müssen). Und ganz unabhängig von der Motivation richten gelegentliche all-inclusiv Mallorca-Flüge vermutlich weniger Schäden an, als eine einzige Fernreise nach Südamerika oder Afrika. Wer darf denn jetzt auf wen herab blicken? – Barbara Rogge


Leserbrief zu „»Bei uns tobt ein kultureller Krieg«“ von Heinrich Wefing

Die Erderwärmung hat dort, wo sie überhaupt auftritt, nichts mit den von den Menschen erzeugten Gasen zu tun, auf gar keinen Fall mit dem CO2 -Ausstoß. Das Pariser Klimaschutzabkommen ist deshalb ideologischer Unsinn. Geradezu irrsinnig ist es, zu glauben dass durch die Festlegung einer bürokratischen Erwärmungsgrad-Obergrenze das Klima verändert werden kann. Die Bürger werden von Pseudowissenschaftlern und unbedarften Politikern für dumm verkauft. Trump ist es zu verdanken, dass die sinnlose Vernichtung lebenswichtiger Industrien verhindert wird. Hier siegt die Vernunft über die Unvernunft. Dringend erforderlich ist vielmehr, die Folgen einer Klimaveränderung abzufedern. – Herbert Gaiser


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Schade, dass eine so wichtige Fragestellung auf dem Niveau der Kinderseite unserer regionalen Tageszeitung abgehandelt wird. Eine ganze Zeit-Seite voll mit gespielt naiv formuliertem Detail-Geschwurbel, nur um am Ende lapidar festzustellen, dass sich der Autor nicht verwirren lassen will und halt versucht, besser als der Durschnitt zu handeln. Komisch, dass Herr Rohwetter alles kritisch hinterfragen will, die Aussagen eines einzelnen Buchautors (Das Schweinesystem) aber offenbar doch als richtig einstuft. Wie das, wo man doch niemand trauen kann?  Sorry, aber da ist der Platz und die „Zeit“ zu schade. Und so kann jeder aus den Zeilen rauslesen, was er will. Wer keine Verantwortung beim Konsum übernehmen möchte, findet jede Menge Stoff, um sich zu rechtfertigen. Nach dem Motto: ich weiß ja nicht, ob meine Spende ankommt, also spende ich lieber gar nicht. Bringt ja eh alles nichts. Und selbst wenn man wollte: Man könne ja vielleicht das Richtige herausfinden, so der Autor, aber ist es das Wert bei Grünzeug für 2.49 €, wo man doch schnell nach Hause wolle? Und so was lese ich in der Zeit? Ich bin fassungslos! Klar ist aber: wer so handelt, trägt definitiv nichts zu einer Verbesserung bei. Wer trotz aller Unsicherheiten nach einem moralischen Kompass zu handeln versucht, hat wenigstens die Chance,  Verbesserungen für Mensch, Tier und Natur zu bewirken. Die Chance, lieber Herr Rohwetter, ist es wert!

Und immer wieder zu betonen, das Verhalten einzelner sei eh ohne Bedeutung, halte ich für sachlich unzutreffend und für verantwortungslos. Kompliziert ist die Welt auch in allen anderen Fragen des Lebens. Soll man z.B. argumentieren, weil die Politik so vielschichtig bis undurchsichtig ist, und meine einzelne Stimme  in der Masse doch eh nichts bewirkt, brauche ich nicht wählen zu gehen? Was soll also so ein Artikel? Trotz dem Alibi-Friedensangebot am Ende verleitet er lediglich zum Resignieren und Nichtstun ohne schlechtes Gewissen. Wenn die weiteren subjektiven Artikel zu Wirtschaftsfragen auf dem selben Niveau stattfinden, kann ich getrost darauf verzichten. – Wolfgang Neumayer


Leserbrief zu „Jagdunglück“ von STW

Ich möchte mich recht herzlich für Ihren kritischen, wenn auch sehr kurzen Beitrag zum Thema Jagd bedanken. Ich kann mich der Aussage des Verfassers (dessen Name leider nicht genannt wird) nur anschließen: die größte Gefahr im Wald geht von den Jägern aus. Und nicht nur dort: Jedes Jahr werden Menschen verletzt und sogar getötet, ohne dass diese Ereignisse in der Presse groß zum Thema gemacht werden. Schüsse in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern sind ebenso Alltag wie völlig gedankenlos aufgestellte Hochsitze direkt neben viel befahrenen Bundesstraßen. Auch unzureichend gesicherte Treibjagden gehören im Herbst schon fast zur Tagesordnung. Kontrollen durch die Behörden? Fehlanzeige! Immer mehr Menschen versuchen, etwas gegen die herrschenden Zustände zu unternehmen. Und das, obwohl sowohl von Seiten der Jägerschaft als auch von Seiten der Behörden versucht wird, diese Menschen mundtot zu machen. Vor diesem Hintergrund würde ich es sehr begrüßen, wenn Sie dem Thema demnächst etwas mehr Platz widmen würden. Leider bin ich mir fast sicher, dass auch in Ihrer Redaktion genug Jäger sitzen, die dies zu verhindern wissen. Aber vielleicht schaffen Sie es ja, mich positiv zu überraschen. – Karin Oswald


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Es muss und kann einem nicht alles gefallen; doch was sollen die platten Äußerungen der beiden armen Königskinder Larissa und Thomas besagen? Sollen wir sie bedauern, weil sie so gern zusammen wären, es aber in New York oder London gerade keinen adäquaten Job für den anderen gibt? Oder sollen wir sie beneiden um die jugendlich-sorglose Oberflächlichkeit, mit der sie schreiben? Mir sagen diese Artikel nichts, ich kann nicht einmal eine Fernbeziehung dazu entwickeln. – Johannes Wilke


Leserbrief zu „Trotz alledem: Amerika“ von Deidre Berger et al.

Die Verfasser flüchten sich in eine surreale Lösung. Sie tragen die transatlantischen Beziehungen wie ein sakrales Gefäß vor sich her, obwohl eine kritische Auseinandersetzung ohne jeden Ehrfurchtsgestus angezeigt ist. Jedermann weiß: es läuft nicht mehr rund in den transatlantischen Beziehungen. Sie sind nicht nur lädiert, sondern notleidend. Das ist eine fatale Entwicklung. Dieses Bündnis hat über ein halbes Jahrhundert zu Sicherheit und Wohlstand in Europa beigetragen. Wir spüren seit einigen Jahren allerdings schon wieder einen Hauch des kalten Krieges. Diese Entwicklung kann nicht allein auf die völkerrechtliche Annexion der Krim zurückgeführt werden. Sie ist auch die Folge eines außenpolitischen Paradigmenwechsels der USA, der schon vor mehr als einem Jahrzehnt eingesetzt hat. Die traditionelle Doppelstrategie von ausreichender militärischer Sicherheit einerseits und einer Politik der Entspannung, Abrüstung und wirtschaftlichen Kooperation andererseits scheint nicht mehr verbindlich zu sein. An ihre Stelle treten die Sicherung eines globalen Führungsanspruchs der USA und eine Politik der Ausgrenzung Russlands.

Die Unterzeichner von „Trotz alledem: Amerika“ kritisieren die Verlegung einer 2. Pipeline durch die Ostsee. Nichts hat in der Vergangenheit so sehr zum Abbau der Ost-West-Konfrontation beigetragen wie der Ausbau des Erdgasnetzes zwischen der Sowjetunion und West-Europa. Nach Aufhebung des NATO-Röhrenembargos in den 60er Jahren gerieten der Ausbau des sowjetischen Pipelinenetzes und die Erdgaslieferungen aus Russland zu einer nun schon seit einem halben Jahrhundert währenden Erfolgsgeschichte. Sie stützten die Richtigkeit der These vom „Wandel durch Annäherung“.

Nord Stream II ist ein rein wirtschaftliches Projekt. Das belegt schon seine Entstehungsgeschichte. Der Plan zum Bau einer 2. Pipeline entstand in einem Gespräch zwischen dem englischen Premierminister Cameron und Präsident Putin. Cameron schilderte seine Sorgen, dass die britischen Erdgasvorkommen in absehbarer Zeit erschöpft sein würden. Noch weit vor Beginn der aktuellen Planung wurde dieser Sachverhalt der polnischen Regierung vorgetragen, um Empfindlichkeiten der Polen gerecht zu werden. Nachdem die Verlegung der ersten Nord Stream Leitung – eine bemerkenswerte technische Leistung – die Skepsis gegenüber der Machbarkeit des Projekts abgebaut hatte, zeigten sich wesentlich mehr internationale Versorger und institutionelle Anleger an einer Beteiligung an der 2 Ostseeleitung interessiert als schließlich genommen werden konnten. Kaufleute sind an wirtschaftlichen Erträgen interessiert. Sie beteiligen sich üblicherweise nicht an politischen Projekten.

Die Unterzeichner von „Trotz alledem: Amerika“ weisen darauf hin, dass die USA die geplante Ostsee Pipeline als „ein geostrategisches Projekt“ identifiziert hätten, das nicht im „gesamteuropäischen Interesse“ liege. Dann schlussfolgern sie, dass Deutschland eine gemeinsame Position mit unseren europäischen Nachbarn und den USA suchen sollte. Das Streben nach gemeinsamen Positionen ist immer sinnvoll. Aber diese Empfehlung spiegelt eher Servilität oder Anbiederung wieder als ein gebotenes europäisches Selbstbewusstsein. Sie ist eine Zumutung vor dem Hintergrund des kürzlich in den USA beschlossenen neuen Sanktionsgesetzes gegen Russland.

Dieses Gesetz beschränkt sich nicht auf Sanktionen gegen Russland. Es droht europäischen Unternehmen mit Bestrafung, wenn sie sich an Erdgasprojekten wie Nord Stream II mit Russland beteiligen oder sie finanzieren. Völlig ungeniert spricht der Text des Gesetzes davon, dass es um den Verkauf von amerikanischem Flüssiggas in Europa, die Verdrängung russischer Erdgaslieferungen vom europäischen Markt und die Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA gehe – zum Nachteil bedeutender europäischer und auch deutscher Investoren. Es bringt eine völlig neue, negative Qualität in die europäisch-amerikanischen Beziehungen. Entsprechend scharf haben daher europäische Regierungen reagiert. – Frank Elbe


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Das ist ein altes Erbübel. Ich wurde 1926 in die Grund(Volks)-Schule in Berlin-Halensee?, Joachim-Friedrichstraße eingeschult. Die Klasse war mit 40 Kindern überfüllt. Die Lehrer hatten ihre Lieblinge. Es wurde keine Orthographie gelehrt, sondern nach Gehör geschrieben. Und das konnte man dann in Berlin etwa so lesen: Fata (Vater), kannste ma mia den Stift da, ooch du weest doch schon, nee den linken meene ick, rüber machen. Wenn ich müde war, schrieb ich noch in meiner Gymnasial-, Kriegs- und Studienzeit oft an Fatan ohne es zu merken. Soviel zu allem Ersten im Kinde. – Claus Dienst


Leserbrief zu „Warten? Geht doch” von Stefanie Kara

Ihr Beitrag überzeugt mich überhaupt nicht. Um Marshmallow-Tests vor 50 Jahren mit entsprechenden Tests aus dem Jahr 2017 zu vergleichen, müsste man erstmal evaluieren, ob Marshmallows für Kinder heute noch dasselbe Begehrlichkeits-Potenzial haben wie damals. Kinder von heute sind mit Süßigkeiten übersättigt, sie sind häufiger übergewichtig und fehlernährt als vor 50 Jahren. In den 1960er Jahren waren Süßigkeiten für Kinder noch eine echte, begehrenswerte Belohnung, heute sind sie reichlichst vorhanden und üben auf Kinder einen weit weniger großen Reiz aus. Ist das in den Untersuchungen berücksichtigt worden? Das würde ich mich sehr interessieren! Vielleicht sollte man bei heutigen Versuchen den Kindern ein Smartphone oder Tablet hinlegen und warten, wie lange es dauert, bis sie zugreifen. Je länger sie warten, umso länger dürfen sie dann daddeln … – Reinhild Berger


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Als in Schweden lebende Exilantin kommen die Themen des Zeitmagazins leider immer etwas zu spät an, aber da ihr Wolken als Titelthema dieser Woche habt, dachte ich mir, ich mache euch auf meinen Instagram-Fotoblog aufmerksam, auf dem ich seit nunmehr 234 Tagen jeden Tag ein Bild des Himmels über Göteborg, meiner Wahlheimat poste. Dies machte ich eigentlich eher aus Frust über das schlechte Wetter, aber ich habe sehr gute Resonanz bekommen und werde das Projekt die 365 Tage durchführen, um der Welt zu beweisen wie unglaublich beschissen das Wetter hier an der Westküste Schwedens ist. Viel Spass damit! Und viele Grüße aus Schweden. https://www.instagram.com/always.sunny.in.goteborg/Carolina Poelk


Leserbrief zu „Was wird aus der Paulskirche?“ von Benedikt Erenz

Es freut mich wieder einen positiven und streitbaren Artikel über unsere lange Demokratie-Vergangenheit zu lesen. Vor allem der erste Absatz spricht mir aus der Seele und ich würde mir wünschen dass jeder Bildungsminister sich diesen zu Herzen nimmt und danach handelt. Und als stete Erinnerung auf seinem Schreibtisch aufstellt oder als Bildschirmschoner einstellt. Denn über die Schulen und die Lehrpläne kann das Demokratieverständnis und das Demokratiebewusstsein am besten vermittelt werden. Und wir Deutsche dürfen zu Recht stolz auf unsere lange Tradition und Erfahrung sein. Leider sind wir’s nicht. Deswegen sind Artikel wie der Ihre über die Paulskirche umso wichtiger! Ich warte schon gespannt auf den nächsten Artikel in dieser Richtung. – Robert Spiers


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Der Bericht von Murat Kurnaz war das beste, was ich seit langem in der Zeit gelesen habe. Tat gut, nach all den völlig überflüssigen Zeit Magazinen mit halb verhungerten Models und teuren Uhren, endlich mal wieder etwas zu lesen, was Sinn und Substanz hat. – Gabriele Krieger-Weigel


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Besten Dank für diesen wunderbaren Artikel. Nelson Mandela wäre stolz auf Murat Kurnaz gewesen, wie auf alle Menschen, die nach erlittenem bitteren Unrecht Hass in Stärke verwandeln. – Wilfried Buscher


Leserbrief zu „Das Männer-Ding” von Johannes Ehrmann

In dem womöglich freisten Land der Welt bin ich (Mittdreißigerin, Mutter, Akademikerin, Angestellte in Teilzeit (!) ) der Meinung, dass Feminismus zuhause anfängt und ich mich nicht über ein (noch) in der Gesellschaft verankertes Ungleichgewicht der Arbeitsverteilung zwischen den Geschlechtern beschweren kann – sondern bei mir zuhause anfangen muss, dem entgegenzuleben. Daher habe ich kein Verständnis für Ihren Artikel, in dem Sie einem Gesellschaftsbild hinterher trauern, das Ihnen ein vor ca. 100 Jahren geborener Mann vorgelebt hat. In meiner Erfahrung stellt nichts eine gleichberechtigte Partnerschaft radikaler auf die Probe als die Geburt eines Kindes. Die Herausforderung: so ein Kind muss in etwa 24h am Tag betreut werden. „Sogar“ die 74 min, die Sie also im Durchschnitt pro Tag mit Ihren Kindern verbringen (Wochenenden eingerechnet?), scheinen mir also noch nicht für Gleichberechtigung bei der Kinderbetreuung zu sprechen… – Ulrike Blank


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Mit großem Interesse habe ich den Artikel über die Freiwilligendienste gelesen. Wir haben uns mit diesem Thema wegen unserer 2 jüngeren Kinder insgesamt 7 Jahre beschäftigt. Außerdem ist die Geschichte verschränkt mit unseren Kontakten nach Afrika. Vielleicht ist daher das folgende für Sie im Nachgang noch von Interesse. Unsere Tochter Daniela Madlung (Jg. 1994) plante 2010, nach dem Abitur, einen Freiwilligendienst, gefördert durch „Weltwärts“ mit der Caritas Hildesheim in Tansania zu machen. (Einschub: Die gemeinnützigen Anbieter kamen übrigens in Ihrem Bericht nicht vor. Davon gibt es einige, die solche Freiwilligendienste zum Teil schon seit langer Zeit anbieten.) Wir sind dann im Herbst 2010 zu einem ersten Kennenlernen nach Hildesheim gefahren. Schon dort hatte ich den Eindruck, dass es doch weniger darum geht, den Menschen vor Ort zu helfen, sondern letztlich um ein Bildungsprogramm für Deutsche Mittelschichtskinder. Die Damen, die diese Dienste dort vorgestellt haben und teilweise seit Jahren begleiten, haben dann auch bestätigt, dass sie den wesentlichen Wert darin sehen, dass die jungen Leute ihren Horizont erweitern.

Uns wurde auch erzählt, dass „Weltwärts“ für jeden Tag, den die Freiwillige vor Ort verbringt, 5 EUR an die Einsatzstelle zahlt. Alleine das macht es für die Einsatzstellen insbesondere in Afrika interessant. Die Jugendlichen wurden auch darauf hingewiesen, dass es  nicht einfach sei, auch als „Mitarbeiter“ akzeptiert zu werden. „Weiße können ja nicht arbeiten“ ist nach diesem Bericht ein gängiges Vorurteil. Junge Frauen, die nicht landesgemäß angezogen sind, werden nicht als Mitarbeiterinnen, sondern als Touristinnen angesehen – man gibt ihnen keine Arbeit ab. Im Jahr darauf hat sich unsere Tochter trotzdem zusammen mit einer Freundin dort beworben. Wir haben sie dann überredet, sich auch als „Plan B“ bei „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF)“ zu bewerben. Die Caritas hat sie für Afrika abgelehnt, ASF hat ihr eine Stelle bei der deutschen Seemannsmission im Hafen Antwerpen angeboten. Nach anfänglichen Zögern hat sie zugesagt und es nicht bereut. In einer WG zu wohnen, weit weg von Mama und Papa, war Erfahrung genug. Eine neue Sprache zu lernen (Flämisch!) und nebenbei Handballmeisterin zu werden war auch nicht verkehrt.

Der Freiwilligendienst war sinnvoll und für beide Seiten schön. Die Seeleute freuten sich über tägliche Besuche auf den Schiffen, Zeitungen, Telefonkarten, Gespräche, begleitete Gottesdienste usw. Daniela hat den Umgang mit Menschen aus „aller Herren Länder“ gelernt und kam als selbstbewusste junge Frau zurück.  Mein Patenkind hatte inzwischen ein Praktikum an der deutschen Botschaft in Benin gemacht und dort auch viel Kontakt zu Einheimischen aufgebaut. Sie hat uns darauf hingewiesen, dass die Freiwilligen zumindest in Benin nach ihren Beobachtunge keinen Beitrag leisten können. Sie sind ja eben nur „ungelernte Arbeitskräfte“ und davon gibt es dort genug. 2013 bekamen wir durch diese Verbindung Besuch aus Benin, weil Hr. Marley Lokonon, Gymnasiallehrer dort u.a. für Deutsch, einen Wettbewerb des Goethe-Instituts gewonnen hatte. Der Preis bestand in einem 4-wöchigen Deutschlandaufenthalt u.a. in Berlin.

Es war ein beeindruckendes Erlebnis, sich mit jemandem, der noch nie in Europa gewesen war, in fließendem Deutsch zu unterhalten! Seitdem überweisen wir jedes Jahr Geld nach Benin. Hr. Lokonon verplant es für sein Gymnasium in Cotonou, der wirtschaftlich bedeutendsten Stadt Benins, und für sein Heimatdorf im Norden des Landes. Im Dorf fehlte ein Lehrer. Ein an der Universität fertig ausgebildeter Lehrer kostet 600 EUR – im Jahr! Nachdem wir einen Lehrer zwei Jahre finanziert hatten, wurde er in den Staatsdienst übernommen, weil er nun schon Berufserfahrung vorzuweisen hatte. Jetzt ist dort ein neuer Lehrer tätig. Außerdem hat Hr. Lokonon von unserem Geld erstmals eigene Bücher für eine Bibliothek im Gymnasium in Cotonou gekauft. Viele Schüler könnten sonst kein Abitur machen, weil ihnen das Geld für die Materialien fehlt.

Das zeigt uns, dass man am besten hilft, wenn Leute vor Ort wirklich wissen, was fehlt! Ich könnte noch mehrere Seiten zu diesem Projekt schreiben, will es aber exemplarisch dabei belassen. Noch ein letzter kurzer Bericht: Unser jüngster Sohn Gunnar (Jg. 1998) hat im vorigen Jahr Abitur gemacht und wollte eben auch ins Ausland. Seine Stelle als Freiwilliger fand er mit Hilfe von IJGD an der deutschen Schule in Las Palmas auf Gran Canaria. Klingt leichter, als es ist! Dort war er immer mit einer Lehrerin zusammen und eben als Muttersprachler in einer zweiten Klasse in der Grundschule wichtig. Auch er musste sich in einer fremden Sprache zurechtfinden und im Leben auf der Insel, das doch anders ist als zu Hause. Bemerkenswert fanden wir, dass hier bei der Vertragsunterzeichnung auch klar definiert wurde, welche Ziele die Schule mit ihm erreichen soll. Hier ging es vor allen Dingen um die Vermittlung sozialer Kompetenzen im Umgang mit Kindern. Wir sind überzeugt, dass dieses Jahr auch für ihn prägend war und eben von ausgewogenem Geben und Nehmen bestimmt ohne kolonialistischen Blick. Das Ergebnis war auch, dass es außer dem Berufswunsch „Designer“ jetzt auch die Möglichkeit „Grundschullehrer“ gibt. „Ich kann das!“. – Hans-Stefan Madlung


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Dazu fällt mir ein: „erst kommt das Fressen und dann die Moral!“ (Berthold Brecht) Und noch etwas. Als Hausfrau (82 Jahre, Kriegsgeneration)) habe ich mein ganzes Leben „auf den Pfennig“ achten müssen. Heute als Rentnerin geht es nicht viel besser. Ich ärgere mich, wenn es immer heißt, ‚ die Verbraucher wollten alles nur billig!‘ Es ist vielmehr so, daß ich, wenn ich etwas günstig kaufen kann, eben auch günstig einkaufe. Gibt es das eine oder andere nur sehr teuer, MUSS ich das halt zahlen oder auf Günstigeres ausweichen. Wozu haben wir einen Landwirtschaftsminister und außerdem etliche Organisationen, die sich doch laufend „um skandalöse Dinge“ kümmern und uns als Verbraucher zudem immer ein schlechtes Gewissen einreden wollen? Selbstverständlich will ich keine Massentierhaltung und/oder Tierquälerei oder vergiftetes Obst und Gemüse. Aber wieso soll ich als Verbraucherin mich da im einzelnen kümmern? Außerdem s.o. habe ich gelernt, daß man „Brot“, d.h. Lebensmittel NICHT wegwirft. Auch aus Resten kann man immer noch etwas machen. Und man sollte darauf achten, nicht so große Mengen zu kochen oder einzukaufen. Im Übrigen gilt das nicht nur für Lebensmittel…Man muß auch nicht dauernd neue Klamotten, Möbel, Auto usw. haben…Etwas mehr Bescheidenheit täte uns allen gut. – Elisabeth Baltzer


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Was war das, das mich ansprang und in Bewegung setzte? Dieser Optimismus bei alldem, was er mitgemacht hat und erdulden musste. Diese Tatkraft: Er arbeitet in Flüchtlingsheimen und mit Jugendlichen und hält Vorträge, er schreibt ein Buch und läßt es veröffentlichen. Solche Größe von einem Mann, der soviel Ungeheuerliches erlebt und überlebt hat. Er verhält sich wie der Dalai Lama, wobei dieser nicht selber gefoltert wurde, aber doch viele seiner Landsleute. Ja, Weisheit unbd Mitgefühl sind noch nicht ausgestorben unter den Menschen. Das läßt mich hoffen und diesen Leserbrief schreiben. Dank an Murat Kurnaz für das Schreiben des Artikels, dank an die Redakteurin Anita Blasberg für die Unterstützung von Murat Kurnaz und dan k an die ZEIT für die Veröffentlichung. – Dr. Wolters


Leserbrief zu „Schutz für Verräter” von Hakan Tanriverdi

Zu Recht heben Sie hervor, dass die Verantwortung für die Sicherheitsmängel der IT, die von kriminellen Hackern ausgenutzt werden können, bei der Informatikbranche liegt. Der klägliche Zustand der IT-Sicherheit ist dadurch entstanden, dass die meisten Software-Firmen von jeher bei der Sicherheit ihrer Produkte sparen. Leider wird in Ihrem Artikel die unrühmliche Rolle, die unsere Politik bei der IT-Sicherheit spielt, ausgespart. Nicht nur dass die Hersteller keine Sanktionen für etwaige Software-Schwachstellen zu befürchten haben, es ist schlimmer: der Staat hackt mit (Stichwort Staatstrojaner). Er ist an einer Schließung der Sicherheitslücken gar nicht interessiert, genauso wenig wie die von Ihnen erwähnten iranischen Behörden. Dieses Desinteresse dürfte auch der Grund dafür sein, dass der zuständige Minister kein Interesse an der Verbreitung einer flächendeckenden E-Mail-Verschlüsselung hat – trotz der vollmundigen Bekenntnisse zu Deutschland als „Verschlüsselungsstandort Nr. 1“.

Die benötigte Technologie ist kein Neuland; sie ist seit Jahrzehnten wohletabliert und international standardisiert.  Viele Stimmen, darunter die Gesellschaft für Informatik, haben seit Jahren (genauer: seit Snowden) gefordert, dass die Regierung hier tätig werden müsse.  Diese hat die Problemlösung an die Provider delegiert, mit dem Effekt, dass es keine einheitliche Regelung und daher keine flächendeckend sichere E-Mail gibt. In der Informatikbranche gibt es mittlerweile eine große Sensibilität in Fragen der IT-Sicherheit.  Man weiß, dass unbedingte Sicherheit für eine verlässliche und vertrauenswürdige IT-Infrastruktur unverzichtbar ist.  Jede Sicherheitslücke, auch wenn sie zunächst nur der NSA oder dem BND bekannt ist, wird irgendwann auch von kriminellen Hackern ausgenutzt.  Prominente Experten fordern daher seit Jahren, dass die Politik die Sicherung der IT durch die Veröffentlichung von Schwachstellen, Druck auf die Hersteller und nicht zuletzt durch die Unterstützung des Bürgers bei der Verschlüsselung konsequenter vorantreibt. Solange das nicht geschieht, werden sowohl kriminelles Hacking als auch andere unerwünschte Eingriffe eher zu- als abnehmen. – Klaus-Peter Löhr


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Zumindest in einer Stadt wie Berlin kann man den von Ihnen geschilderten Einkauf-Entscheidungs-Stress leicht vermeiden: Ich habe einen Bioladen (d.h. ein kleiner „Supermarkt“) in der Nähe. Mit nicht zu viel Auswahl und Kundschaft, aber mit gutem Brot, Käse, Nudeln, Wein etc. Ich kaufe da immer das Gleiche: für 1.45 lokale Biomilch von Kühen mit Weidegang und Hörnern. Und relativ teuren Fair-Trade-Bio-Kaffee aus Äthiopien, obwohl man angesichts der Regierung dort misstrauisch sein kann. Immerhin weiß man: zumindest 80% des dortigen Kaffees ist aus kleinbäuerlicher Produktion. Danach gehe ich auf den Markt und kaufe von meinem lokalen Biobauern Eier, Kartoffeln etc. Wen der mal Urlaub hat, beim Bio-Gärtnerhof gegenüber oder anderen Erzeugern aus dem Umland.

Den Stress mit den normalen Supermärkten, den so grässlich vollgestopften, obwohl näher, tue ich mir seit bald 25 Jahren nicht mehr an. Das Essen macht einfach mehr Spaß, wenn man dabei niemandem die Haare vom Kopfe frisst. Und Geschmack und Aroma sind bei Bioprodukten zumal wenn lokal erzeugt, dreimal so gut. Und das ist dann obendrein für meine und meiner Tischgenossen Gesundheit auch noch besser. Mein Auto (es handelte sich um ein „Erbstück“) habe ich im Januar endlich abgeschafft. Seither habe ich es sage und schreibe genau viermal richtig vermisst. Als ich nämlich hätte spontan wen auf dem Land besuchen wollen und wusste, die Bahn ist am Wochenende nie zuverlässig, verkauft einem zwar vorher die Tickets, aber garantiert die entscheidenden Anschlüsse (z.B. zur „Heide Bahn“ nach Bad Düben) an Wochenenden nie. Oder aber die Bahn lässt einen trotz Verkauf entsprechender Fahrkarten mit dem Rad ab Sonntagmittag in der Walachei stehen. Aber diese unverantwortliche Bahnpolitik ist Schuld der Regierungs-Parteien und ein anderes Kapitel. – Elisabeth Meyer-Renschhausen


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Glückwunsch zur Aufmachung der „Die Zeit“ vom 12. Oktober ’17. Wir haben die Ausgabe gekauft, das Ziel war also erreicht. Doch dann einen wenigsagenden Artikel dahinter zu verstecken, ist dreist.  Mag sein, dass ich es als Journalist kritischer sehe, als die meisten anderen Leser – doch was bitte soll mir dieser Artikel sagen? Dass der Konsument im Supermarkt in einem Dilemma steckt zumindest macht der Autor sehr anschaulich und redundant klar. Aber dann? Wo bleibt die Hilfestellung?  Sind Sie tatsächlich zufrieden damit, dass der Autor als persönliche Empfehlung rät, nicht schlimmer als die Schlimmsten zu sein? Hauptsache wir lassen uns das gute Gewissen nicht verhageln, so fasse ich diese zeitraubende Aneinanderreihung von persönlichen Einkaufserlebnissen zusammen. – Christian Materna


Leserbrief zu „Das Männer-Ding” von Johannes Ehrmann

Danke für Ihren schönen Beitrag. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, ob Ihr Großvater womöglich das Asperger-Syndrom hatte? Das ist eine milde Form von Autismus, u.a. verbunden mit einem starken Hang zur Zurückgezogenheit und mit Problemen auf der Gefühls- und Kommunikationsebene. Ich habe mich mit dem Thema intensiv beschäftigt, da ich selbst betroffen bin. Für den Fall, dass Sie tiefer einsteigen möchten, empfehle ich Ihnen einige Bücher. Ich könnte mir vorstellen, dass Sie dort den Schlüssel zu manchem Rätsel finden. – Thomas Girsberger


Leserbrief zu „Kraken zum Kuscheln“ von Jens Jessen

Natürlich werden gefährliche Tiere verniedlicht, wenn sie plüschig daherkommen. Neu ist das aber nicht, denn auch Bären sind gefährliche Tiere und den Teddybär gibt es ja nicht erst seit heute, sondern schon seit 1902. Und auch die kleinsten unangenehmen Organismen gibt es in der Plüschversion unter https://www.riesenmikroben.de/ käuflich zu erwerben. Bakterien, Viren und Parasiten sind putzig und gucken niedlich, Nervenzellen und Spermien bzw. Eizellen sind allerliebst. Herr Jessen könnte daran vielleicht doch Gefallen finden? – Dorothea Heinig


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Sie sind, ohne gefragt worden zu sein, auf diesem Erdball eingetroffen. Die Aufgabe: die Erde so wieder zu verlassen, das die Nachkommen, auch Ihre Kinder, mit einer intakten Erde die nächste Generation starten können. Diese moralische Verpflichtung (eines jeden Menschen) sollte auch aktiv gelebt werden, damit die nächste Generation diese Haltung miterleben kann. Fangen Sie an, seien Sie Vorbild, fragen Sie sich weniger, was die Nachbarn machen. Der Kunde hat, Sie haben die Möglichkeit zur Veränderung. Jeder schert sich um die eigene Umweltbilanz. Dann kommt auch Dynamik ins System! – Esther-Minette Schröder


Leserbrief zu „Jagdunglück“ von STW

Volltreffer! Vielen Dank für das prägnante und treffende „ignorieren“ der wahren Gefahr im Wald. Nicht Wolf, nicht Wildschwein. Jäger! Wir haben geschmunzelt, aber es hat uns auch sehr zum Nachdenken angeregt. Hoffentlich auch so manchen Politiker, damit nicht die Bestände, sondern das sinnlose und vor allem gefährliche Geballer der Jäger reguliert wird! Vielen Dank für diesen Volltreffer! – Familie Schnuis


Leserbrief zu „Umbau der Pyramide” von Anna-Lena Scholz

Ich weiss nicht, aus welchen Fachbereichen die Mitglieder der Jungen Akademie kommen, aber in meiner Universitaetslaufbahn von 1988 bis 2005 (Fachbereich Physik) hat niemand an den 4 Uni-Instituten, an denen ich war, auf einer Grundmittelstelle promoviert. Auch der Mittelbau war schon stark ausgeduennt, so dass von dort nicht viele Stellen zu erwarten waeren. Darueberhinaus scheint mir deren Umwandlung nur eine kurzfristige Besserung zu versprechen – die erste „Generation“ besetzt die  neuen Dauerstellen und die sind dann fuer die naechsten 30 Jahre blockiert. So ganz zu Ende gedacht wirkt der Vorschlag nicht. – Sabine Moehler


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Ein sehr guter und nachvollziehbarer Artikel. Zum Thema “Moral” möchte ich noch eine Bemerkung machen. Sie schreiben “In Bolivien demonstrieren die Kinder für Kinderarbeit”. Nach unserer Auffassung ist Kinderarbeit natürlich schändlich. Aber wie sieht die andere Seite aus? Für die Kinderarbeit gibt es sicher mehrere Gründe. Einer könnte Tradition sein: Auch in meiner Jugendzeit mußten die Kinder mitarbeiten – allerdings mehr aus erzieherischen  Gründen, und die Schule durfte nicht vernachlässigt werden.

Ein anderer Grund dürfte in vielen Entwicklungsländern das Schulgeld sein. Viele Eltern, besonders auf dem Lande, können sich das Schulgeld nicht leisten, besonders nicht bei vielen Kindern. Was bleibt ihnen anderes übrig, als die Kinder arbeiten zu lassen,?  Wäre es nicht effiziente Entwicklungshilfe, wenn  die Geberländer für die armen Länder das gesamte Schulgeld übernehmen unter 2 Auflagen: Der Empfängerstaat setzt die Schulpflicht gewissenhaft im ganzen Land durch, und das Geld fließt nicht in den Staatshaushalt, sondern auf ein Sonderkonto, das von einer neutralen Stelle kontrolliert wird? – Klaus Haack


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Ich habe Ihren Bericht über Volunteering gelesen. 1. Vielen Dank, dass sie das Thema aufgegriffen haben, was auf 97% aller „Voluntouris“ zu trifft. 2. Vielen Dank, dass sie mich, als einen von den 3%, in die Schublade „Voluntouri“ mit rein schieben! Mein Name ist Leo (mein richtiger Name!), 20 Jahre alt und Orthopädie Schuhmacher Geselle. Zur Zeit bin ich, als sogenannter Volunteer, in Ghana. Ich bin seit 2 1/2 Monaten hier und mir ist das Phänomen „Voluntouri“ schon ziemlich oft vor die Linse gekommen. Und nein, ich bin keiner davon. Der Unterschied, von mir zu den anderen, liegt bei der Organisation. Denn das die großen Organisationen wie Weltwärts, Praktikawelten, Isaac u.a. mehr Bespaßung für Orientierungslose vermitteln, als das, was sie vermitteln, ist jedem, der sich nur minimal mit Thema „freiwilligen Hilfe im Ausland“ beschäftigt, klar. Wer neben den Vermittlungsbroschüren, mit tollen Bildern und viel verspechenden Berichten, nach alternativen sucht, wird auch auf andere, ehrliche Organisationen, stoßen. So wie ich.

Ich wollte unbedingt nach Afrika, um dort, als Orthopädie Schuhmacher, tätig zu sein. Sehr frustriert war ich, als ich keine Organisation gefunden habe, die das vermitteln würde. Für mich war ea aber wichtig mit einer Organisation unterwegs zu sein, um ein Leitfaden zu haben der mich unterstützt. Nach einigen Recherchen bin ich auf Amaidi gestoßen. Und das ist der Grund warum ich ihnen schreibe. Warum haben sie sich nur mit negativ Beispielen beschäftigt? Durch ihren Artikel hatte ich den Eindruck, dass jeder, der als Volunteer helfen möchte, dass einfach nur als Notlösung und ohne plan macht. Doch das stimmt nicht. Man wird falsch vermittelt! Und das liegt einfach daran, das dieses eine Ministerium die falschen Organisationen unterstützt. Mein freiwilliges soziales Jahr Zahle ich komplett selber.Ich zahle an die 10.000€ für das komplette Jahr. Ist sehr viel Geld, doch ich weiß zu 100% wo mein Geld hingeht. An meine Organisation gehen davon 1.700€.

Das Geld wird für Vermittlung in das Projekt und in die damit verbunden Arbeitsschritte verwendet. Es wird von Anfang an nach einem Projekt das zu einem passt gesucht. Man wird nicht einfach zum Unterrichten in irgendeine Klasse geschickt. Als nächstes wird ein Gespräch mit der Kontakt Person organisiert, um zu sehen, ob der erste Eindruck stimmt.Es beinhaltet außerswm Gespräche mit einem Coach, mit dem man nicht darüber redet, dass das alles nichts bringt und nur für einen selber ist, sondern der einen darin stärkt, wie man, bei Problemen mit der Vermittlung, umgeht. Und das, ist was ich brauche. Die restlichen 8.300€ kommen gar nicht in die Hände meiner Organisation. Sie gehen für Flug, Visum, Versicherung, Unterkunft und Taschengeld drauf. Pro Tag zahle ich 13€. Wenn ich sage, ich breche nach 1,3,5 oder 9 Monaten ab, ist das in Ordnung. Denn ich bezahle das Geld monatlich an meine Gastfamilie. An Kosten hier, habe ich also nur die Kosten, die ich auch im Deutschland hätte. Und das finde ich nur fair! Da auch Amaidi kein Projekt (sie vermitteln 150 verschiedenen Projekte? für Orthopädie Schuhmacher hat, habe ich als erstes ein anderes Projekt rausgesucht. Ich würde in Ghana als Coach für Junge Erwachsene tätig sein, die den ganzen Tag nichts tun.

Da ich selber Jugend Trainer in Deutschland bin, fand ich das als Projekt am besten. Beim Gespräch mit meiner Kontakt Person hatte ich über meine Pläne als Orthopädie Schuhmacher berichtet. 2 Wochen später bekam ich dann die Nachricht das die Kontaktperson eine Werkstatt für Orthopädie gefunden hat und das ich dort arbeite. Und das mache ich jetzt auch. Vormittags arbeite bzw gebe ich mein Wissen in einer Werkstatt weiter und nachmittags betreue ich junge Erwachsene. Ich mache bin also nicht als Voluntouri hier. Wenn sie sich für meine Arbeit, meine Projekte und meime Gedanken interessieren. Können sie auch gerne in meinem Blog nachlesen. Hier ist mein letzter Beitrag.

http://amaidi.org/2017/10/schubladen-denker/

Ich hoffe Sie verstehen mein Anliegen.Es gibt sie also auch, freiwillige die wirklich helfen. Wenn wir durch einen Artikel, über richtige Freiwillige Unterstützung schreiben, können wir bestimmt vielen bei der Orientierung helfen. Aber vor allem hier, wo die hilfe am meisten benötigt wird, können wir wirkliche Hilfe, durch unser Wissen leisten! Und das ist schließlich der Sinn. Kritisieren kann jeder, doch man muss auch eine Lösung finden. Wenn die Lösung nicht durch ein Ministerium kommt, dann kommt sie von uns!

Ich stehe mit meinem Wort und mit meinem Namen zu meinem handeln. Denn ich mache das, was sich viele wünschen zu machen aber nur von den wenigsten erleben dürfen. Ich will auch gar keine Werbung für Amaidi machen. Doch man muss die unterstützen, die ehrliche arbeiten machen. – Leo Lelgemann


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Auch nach ein paar Tagen liegt mir Ihr Artikel noch wie ein unverdauter Klos im Magen. Vielleicht hilft diese email dagegen. Sie haben recht, wenn Sie die Komplexität unserer Kaufentscheidungen beschreiben. Sie haben recht, dass die größte Veränderung durch politische Vorgaben, Gesetze erreicht werden könnte. Sie haben recht, dass sich die Erkenntnisse, was gut oder schlecht für uns und unseren Planeten ist, täglich ändern können und es auch gleichzeitig widersprüchliche Aussagen gibt. Sie haben recht, dass man sich als Verbraucher nicht überall auskennen kann. Aber dass Sie sich als Journalist nicht wenigstens bei Eiern über die Sachlage auskennen und sich der Kauf von Billigeiern angeblich wohltuend in Ihrem Gutverdiener – Geldbeutel bemerkbar niederschlägt, ist mit Verlaub Wasser auf die Mühlenaller Lobbyisten, die verhindern, dass Politiker Gesetze darüber machen, welche Eier überhaupt verkauft werden dürfen und die sich gegen einfache und aussagekräftige Kennzeichnungen auf Produkten wehren wie der Teufel gegen das Weihwasser.

Mich nerven, so wie Sie die moralisierenden Gutmenschen nerven, die alles -und – jedes – ironisierenden Über – allem -Steher und Relativierer.  Mich nerven die, bei denen immer die anderen anfangen müssen, was zu ändern und nicht sie selber, unabhängig davon, was das im Moment im Einzelfall bringt oder nicht bringt.  Mich nerven diese Abgeklärten, denen jeder Funke Idealismus abgeht und die sich mit Zynismen durchs Leben retten und dadurch ja auch nie angreifbar sind und in Gefahr kommen, sich mal lächerlich zu machen.  Ein Artikel in DER ZEIT wie der Ihre verhilft vielen dazu, sich beruhigt, da von der ZEIT-Intelligenzija abgesegnet, zurück zu lehnen und an ihrem Konsumverhalten nichts zu verändern, weil sie ja angeblich machtlos sind und noch schlimmer, weil es – so schimmert es durch all Ihre Zeilen – kindisch ist zu glauben, das Verhalten Einzelner könne etwas verbessern. Wegen solcher Schreibereien werden auch wieder größere Autos gekauft, Herr Rohwetter!  Ein Satz wie „1,6 Prozent der Bevölkerung sind Veganer, dominieren aber 98,4 Prozent der öffentlichen Moraldebatte“ ist mit Verlaub eine Frechheit.

Nicht die Veganer, von denen es sicher einige gibt, die man sehr kritisch bewerten muss, dominieren – wenn überhaupt – die Debatte (welche Debatte?), sondern die Grundwahrheiten, die dahinter stehen: Die Weltbevölkerung kann es sich aus den verschiedensten Gründen nicht mehr sehr lange erlauben, etwas anderes als Pflanzen zu essen, ob es uns paßt oder nicht, Herr Rohwetter!  Wobei mein Eindruck der ist, dass nicht einmal im Bundestags-Wahlkampf die Debatte von der drohenden Klimakatastrophe geführt wurde, nicht einmal von den Grünen!   Menschen, die so fortschrittlich denken, dass sie damit aufhören, tierische Produkte zu essen, als „Veganer“ zu bezeichnen und sich darüber lustig zu machen, folgt derselben Methode, mit der man jede Normabweichung als Ideologie diffamieren kann: Das scheinbar „Normale“ hat keine Bezeichnung (Fleischesser, Allesesser, Karnivore), aber die Abweichung bekommt eine. Ich fühle mich in alte FeministInnen-Zeiten zurückversetzt. Auch hier hat man sich sehr lange über die FeministInnen lustig gemacht, die Steigerung war, sie als „Emanzen“ zu bezeichnen. Auch da gabs sicher viele, die kritisch zu sehen waren, aber auch da steckte einfach eine Grundwahrheit dahinter:

Das Patriarchat ist eine Ideologie und keine objektive unveränderbare Tatsache. Und es fing mit ein paar Frauen und Männern an, die diesen Diskursan die Öffentlichkeit brachten!  Ich halte es mit Harald Welzer, der sich (idealistisch?) dafür einsetzt, dass die Zivilgesellschaft aus ihrer Trägheit aufwachen muss, um Veränderungen voranzutreiben und die Politiker dadurch nicht mehr umhin können, darauf zu reagieren. Sie sollten als Journalist – wie es Welzer tut – , das „Selbst denken“ als attraktive Losung des Tages herausgeben und nicht das klägliche Kapitulieren vor dem Eier Regal! Sie sollten aufzeigen, wie sexy es sein könnte,Welzers „Regeln für erfolgreichen Widerstand“ in die Tat umzusetzen. „Rechnen Sie mit Rückschlägen, vor allem solchen, die von Ihnen selber ausgehen“ (Welzer, 12 Regeln für erfolgreichen Widerstand), Herr Rohwetter!!!! Wir kennen diese Rückschläge alle!!! Beschreiben Sie sie, aber nicht mit dieser triumphierenden Selbstgerechtigkeit!!!! Es grüßt Sie eine Idealistin, die täglich bei sich und in ihrem Unternehmen versucht, die Welt zu retten! – Martina Vogl


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Ich hatte mich auf einen interessanten Artikel zum Konsumverhalten und moraltheoretischen Aspekten gefreut. War dann aber von dem Artikel enttäuscht! Was für eine unergiebiger Artikel. Inhaltlich wenig brauchbar, unter moralphilosophischen Gesichtspunkten häufig sinnlos. Die Welt wird nur in dem Ausmaß besser, soweit wir uns jeweils nach unserem eigenen Vermögen bemühen, dazu beizutragen. Da bei zu schauen, ob andere das auch so machen, ist unsinnig. Sonst würde sich am bisherigen Verhalten nie etwas ändern. Außerdem ist die momentane Effektivität des Handelns nicht entscheidend. Die Auswirkungen auf die Zukunft sind mindestens ebenso wichtig.

Der Preis einer Ware berücksichtigt häufig gerade nicht die ökologische Kosten, auch nicht die Kosten in Hinsicht auf Einbezug der Folgen auf die Lebensumstände unserer Nachfahren. Preiswerte Waren verlagern Kosten aber häufig in Folgekosten für andere, insbesondere Folgegenerationen (siehe Atomstrom). Die Entscheidung für Käufe an die Politik abzugeben führt nicht weiter, da die Politik in der Regel  interessengesteuert entscheidet (Lobbyverbände, Wähler).Unter moralphilosophischen Aspekten muss eine Kaufentscheidung jeweils vom Käufer selbst getroffen werden. Das erfordert Information und Kritik. Dies ist und war schon immer anstrengend. – Dr. Haico Brüning


Leserbrief zu „Trotz alledem: Amerika“ von Deidre Berger et al.

Vielen Dank für den Abdruck dieser angenehm nüchternen, unaufgeregten Bestandsaufnahme. Möge sie weite Verbreitung finden und dazu beitragen, daß die gegenwärtig stark emotionalisierte mediale Debatte über das Verhältnis zu den USA in Zukunft wieder sachlicher und realitätsbezogener geführt wird. – Thomas von Schroeter


Leserbrief zu „Verrückt nach Messi” von Hans Ulrich Gumbrecht

Der Fußball lebt von den Träumen der Spieler, der Verantwortlichen und insbesondere der Fans. Wovon träumen die Fans von Real Madrid, FC Barcelona oder dem FC Bayern München? Die Enttäuschung über nicht erreichte europäische Titel in Deutschland wird eher herbeigeschrieben und allzu oft geäußert von TV – Experten, sie fällt aber deutlich zurück hinter den Protest der Fußballfans gegen eine zunehmende Kapitalisierung und Vermarktung der Bundesliga und des internationalen Fußballs. – Benjamin Klimaschewski


 

 

5. Oktober 2017 – Ausgabe 41

Leserbrief zu „Totalausfall“ von Thomas Kerstan

Vielen Dank für den Artikel zum Unterrichtsausfall…. Die Frage ist aber nicht, darüber zu schreiben, sondern sich in anderer Eltern Mitwirkung zusammenzutun. Dann Beschlussvorlagen für die Schulkonferenzen erarbeiten und diese in der Schulkonferenz mit Lehrern und Schülern beschließen. … umsetzen, nachverfolgen und immer wieder die Frage stellen…. Das nervt – alle Eltern – Schulleiter – Lehrer trotzdem kann man nur durch ständiges nachfassen die Situation verbessern. Seit 3 Jahren schreibe ich den Stundenausfall mit. Basis der Bewertung: „Gütersloher Definition von Unterrichtserteilung“ der Kreisschulpflegschaft GT. Bisher haben nur 82% des Unterrichts regelgerecht stattgefunden. Die Hausgemachten Ursachen: Kursfahrten & Projektwochen. Wenn NICHTS nachgeholt wird und bis Ende des Schuljahres nichts mehr ausfällt werden es am Ende 5,2% sein. Also auf das gesamte Halbjahr hochgerechnet: Nicht einmal 3/4 des UNterrcihts haben bisher wie geplant stattgefunden…. Kursfahrten, Projektwoche, …. Bei Fragen fragen, oder Samstag Demo ;-) – Dr. Christian Legeland


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Vielen Dank für diesen Artikel! Franziska Gminder ist offensichtlich die Personifizierung dessen, was in unserer Gesellschaft lange nur allzu diskret gehandhabt wurde: Waffenhandel führt zu übermäßigem Wohlstand. Und dieser verdirbt bekanntlich den Charakter. Frau Gminder – so wie die AfD insgesamt – ist zu reflektiertem Denken nicht in der Lage. Der Realitätskontakt zeigt: Wir Deutschen sind eben nicht immer nur toll und Spitzenkraft. Wenn Autos mit E-Mototen in China und nicht in Deutschland gebaut werden, dann liegt das schlicht daran, dass die Politik dies bislang nicht von der deutschen Autoindustrie fordert. Seit Jahren beklagen sich Inginieure der großen Autohersteller in Deutschland, dass E-Mobilität in den Schubladen lediglich darauf wartet, verwirklicht werden zu DÜRFEN.

Doch solange mit Verbrennungsmotoren Geld verdient wird, will man sich E-Motoren als Zukunftsversicherung aufsparen. Der Zug (1) der Zeit fährt. Mit oder ohne uns. Das ist eine politische Entscheidung. Die AfD benimmt sich, als sei der Zug Schuld, dass Deutschland selbigen verpasst (hat).

(1) Interessant, dass die Zeit mit dem Zug und nicht mit dem Auto fährt! Ich setze auf Ihr Verständnis, dass ich anonym schreibe – meine Kontakte zu Inginieuren der Autoindustrie sind real. Porsche kann die Sache mit der E-Mobilität bereits – hoffen wir darauf, dass VW, Audi, BMW und auch Mercedes endlich über ihre Schatten springen. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Der Saustall“ von Fritz Zimmermann

Ein super interessanter Artikel über den Saustall von Sandbeiendorf. Und ein wahrlich wegweisendes Urteil, das feststellt, daß die staatlichen Kontrollen nicht funktionieren. Wer allerdings ernsthaft glaubt, daß nach diesem Urteil, so es denn hoffentlich rechtskräftig wird, die staatlichen Stellen das Tierschutzgesetz endlich durchsetzen, der hat wohl schon zu viel verdorbenes Schweinefleisch gegessen. Ich denke, der einzige erfolgversprechende Weg ist der von unten. Weniger Fleisch konsumieren, und wenn schon sollte man sich informieren, wie es produziert wurde. Nur das wird die Massentierquälerei eindämmen. – Wolfram Leonhardt


Leserbrief zu „Brüder zur Freiheit” von Marc Brost

Es gibt zur SPD v.a. zwei Sätze des verstorbenen Kabarettisten Dieter Hildebrandt, die m.E. nach wie vor gelten:

  1. „Die SPD macht in jede Hose, die man ihr hinhält.“
  2. „Man kann nicht mit der Faust auf den Tisch hauen, wenn man die Finger überall drin hat.“

Wohlgemerkt von einem, der einer Sozialdemokratie nahe stand. In diesem Sinne steckt die SPD schon seit Jahren/Jahrzehnten in einer Krise. Da geht es nicht um Sound, sondern um Haltung und Glaubwürdigkeit sowie Inhalte und Visionen.  „Das wahre Problem unserer Zeit (…) ist nicht, dass es uns nicht gut ginge oder dass es uns in Zukunft schlechtergehen könnte. Das Problem ist, dass wir uns nichts Besseres vorstellen können“ (Rutger Bregman in seinem aktuell auf Deutsch erschienen Buch ‚Utopien für Realisten‘). Dies trifft die SPD als selbsternannte Fortschrittspartei ohne Utopien besonders. Sie ist zu einem rein politsch-technokratisches (Ohn-) Machtgebilde geworden. Auch zeigte doch Ihre in Auftrag gegebene und 2016 veröffentliche Studie zur Zukunft der Deutschen – das Vermächtnis – zwei hier wichtige Erkenntnisse:

  1. Die Generation ‚Gibtsnichts‘ – Die Gräben verlaufen nicht zwischen Jung und Alt. Sie verlaufen zwischen sozialen Klassen. Jugend ist mehr als Rebellion, sie ist auch Erneuerung.
  2. Politische Richtungen – Die neuen gesellschaftlichen Trennungslinien verlaufen nicht mehr zwischen links und rechts, sondern zwischen Gewinnern und Verlierern der Globalisierung, zwischen jenen, die sich von der Öffnung unserer Gesellschaft bedroht fühlen, und solchen, die sie als Gewinn empfinden.

Nur wenn sich die SPD allerdings treu bleibt, dann wird eine mögliche Erneuerung nach dem Motto erfolgen: „Konsequent oder inkonsequent, nur das ewige Hin und Her hört endlich auf.“ Und wie ein Freund mal sagte: „Wer die Hoffnung besiegt, braucht das Glück nicht zu fürchten.“ In diesem Sinne Glückauf. Wann wir schreiten Seit ‘an Seit‘, an uns zieht die neue Zeit vorbei. – Andreas Kusserow


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Könnten Sie der Nippes- und Kleinanzeigen-Abteilung ausrichten, dass der Sarotti-Mohr trotz Wahlerfolg der AfD nicht wieder salonfähig geworden ist? Diese Vase so zu präsentieren kann bestenfalls der Blindheit der Redaktion geschuldet sein (Bild umdrehen?), schlechtestenfalls der inhaltlichen Ignoranz. Und das ganze mit einer Erich Kästner Anekdote garniert. Das macht’s leider nicht besser … – Oliver Hering


Leserbrief zu „Gönnen können“ von Peter Dausend und Katja Berlin

Ist ja schon interessant, daß Jamaika (also das Land, nicht dieser unsägliche Koalitionsbegriff) eine parlamentarische Monarchie in einem Zweiparteiensystem ist. Was hat das mit Deutschland zu tun? Geht es hier um Farben oder um politische Inhalte? Mir wäre lieber man machte konstruktive Politik, als sich um unerhebliche Farbkonstellationen zu kümmern! – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Massenmörder ohne Motiv?“ von Kerstin Kohlenberg

MORD, die Frage ist , was treib einen Mensch sowas zutuen ? Wahr er Geistlich krank ? Das wissen sie noch nicht,er wahr ein reicher makler ansonsten weiss man noch nicht viel ueber Ihm. Sowas gab es noch nicht for 40 Jahren ,jeder hatte schuss waffen zum Sport und fuer Jagen aber seit der Zeit hatt sich viel in America geaendert.Keiner Spricht mehr darueber, aber Alles geht zurueck zu Einer Frau Madelin Ohera ,die Democratische Partei und das Oberste Gericht .80 % der Bevoelkerung Glaubte immer noch an Gott,in den Schulen waren ueber all die 10 Gebote zu sehn und auch wurde Gebeted ,Aber Diese Frau glaubte nicht an Gott,und sie wolte nicht das Ihre Kinder das Anhoeren und hatt sich bis zum obersten Gericht durgesetzt natuerlich mit der hilfe von tausenden .

So kam es zum Schluss das Sie den Lieben Gott und seine 10 Gebote Verboten in alle schulen ,Und nun Siehst Du was sie da Geseht haben ,es ist nun die Ernte .Seit dem Kinder Hoeren nichts mehr von Gott es ist eine Gott lose Geselschaft geworden in den Schulen und natuerlich in alle Universitaeten die schon immer von Marxist und Sozialisten belegt waren ,da hatt sich nicht viel geaendert.Dan waren Sie kinder und nun sind Sie 40-50 Jahre alt.Eine GOTT lose Geselschaft. Ueber all in Deutschland liest man immer ,diese Amis und ihre Knarren ,Ja Gott sei dank Das wier ein Gesetz Haben das uns Erlaubt schuss Waffen Zu haben ,eine Schuss waffe Toeted nicht,es ist Der Mensch.Immer wieder Verlangen Die Liberalen Democraten ein Gesetz zur Kontrolle auf Schuss waffen .Sie wollen nicht Die schusswaffen ,sonder nur Die KONTROLLE darueber ,und damit Koenen Sie dan Verbieten was Du haben darfst oder nicht .So wolen Sie Dier deine Rechte Weknehmen ,eine nach dem Anderen ,Wie Bruessel das mit Euch macht.

America hatt 330 Millionen Menschen mit ungefaehr 25.000.00 Tausend Tote mit Schuss waffen davon sind 20.000.00 Tausend selbst Mord also Suizit,das kanst nicht Zaehlken .In Europa mit 740 Millionen Bevoelkerung gibt es 85 Tausend Teotliche Auto Unfaelle. Das muss ein Ende Nehmen und alle Pruduction von Autos muss gestopt werden ,den Jedes Auto kann eine Teotliche Waffe sein .SO Denken Liberale .Es Sind Die Politiker,Sie haben Angst auf Ihr Befafnete Bevoelkerung,den das Haelt Sie immer noch Zureuk und koenen nicht machen was sie wollen mit uns .hahaha. Wie lange haette es eine DDR Gegeben wen Ihr Schuswaffen haettet ? Oder Nord Korea /Cuba usw.Einbrecher wissen auch das die Bevoelkerung schusswaffen hatt und der Besitzer darf Schiessen.Nicht wie in Germany ,who du nicht das recht hast . Ich koente ein Roman darueber schreiben ,aber mein Revolver ist immer geladen und Hand bereit .. Bis dan Tschuess und Moge euch der Liebe Gott Beschuetzen – Dietmar Kubb


Leserbrief zu „Brüder zur Freiheit” von Marc Brost

Natürlich sagt niemand, dass die SPD nicht eine Bewegung à la Macron in Frankreich auf die Beine stellen kann. Nur bedürfte es dazu eben eines Macrons und bei allem Respekt, aber niemand aus der SPD-Spitze spielt auch nur entfernt in dieser Liga. Und: ist vielleicht irgendwer bei den Genossen mal auf die Idee gekommen, dass sich in einem Land, dem es so gut geht, wie dem unseren, tatsächlich nur ca. 20% für uralte Sozialdebatten interessieren und dass die Mehrzahl der Bürger ganz andere Probleme hat? Auch mir als FDP-Anhänger, ist sehr daran gelegen, wenn die SPD den Radikalen von links und rechts Stimmen abnimmt, ich fürchte nur, dass das weder mit dem aktuellen Personal noch mit den gegenwärtigen Themen gelingt. – Andreas Zabel


Leserbrief zu „Einst, aber jetzt“ von Benedikt Erenz

Der Artikel über das Historische Museum in Frankfurt am Main ist ja weitgehend toll – nur gegen Ende kommt doch noch der teutonische Dünkel gegenüber den slawischen Völkern durch: Berlin als Hauptstadt liegt ihm zu nah an Polen – ih gitt. Wie kann man nur nach den Nazi-Gräueln immer noch so daher reden? – Hans-Georg und Ursula Ambos


Leserbrief zu „Was ist ein Kopftuch?“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Wir haben uns über Ihren Artikel gefreut, der die doch oft recht emotional geführte Debatte um das von muslimischen Frauen getragene Kopftuch auf eine sachlichere Ebene zurückführen könnte. Erlauben Sie uns die Anmerkung, dass die in der Einleitung gemachten Angaben über die Rechtslage Gott sei Dank nicht (mehr) den Tatsachen entsprechen. Das Bundesverfassungsgericht hat 2015 ein pauschales Kopftuchverbot für verfassungswidrig erklärt  und da die Entscheidungen dieses Gerichts alle Organe des Bundes und der Länder binden, ist ein solches Verbot nicht mehr zulässig. Die meisten der acht Bundesländer, in denen es ein Kopftuchverbot gab, haben daraufhin auch mehr oder weniger entsprechend reagiert. Auch wenn der Gesetzeswortlaut in der Regel nicht verändert wurde, gibt es doch jetzt eine verfassungskonforme Auslegung des Gesetzes, d.h. Lehrerinnen dürfen mit Kopftuch arbeiten und tun es auch, ohne, dass es irgendwelche Probleme gegeben hätte. Berlin hält zwar noch an seinem Verbot fest, hat aber schon mehrere Klagen verloren, sodass es nur eine Frage der Zeit ist, wann man sich auch dort an den höchstrichterlichen Spruch halten wird. Ebenso hat das BVerfG das pauschale Kopftuchverbot im Bereich der Kinderbetreuung aufgehoben.

Private Arbeitgeber können das Kopftuch ebenfalls nicht einfach verbieten, sondern haben bestimmte Auflagen des Grundgesetzes und des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes zu beachten. Welche genau das sind, würde an dieser Stelle zu weit führen. Nach der Entscheidung des EuGH- und es ist fraglich, inwieweit das auch für Deutschland gilt – muss ein Unternehmen, das ein religiös motiviertes Kopftuch verbieten will, auf jeden Fall schon vor einem Konfliktfall eine strenge und durchgängige Neutralitätspolitik umgesetzt haben. Eine solche Politik würde es ihm z.B. verbieten, mit der Vielfalt der Belegschaft zu werben und auch die Fortführung „christlicher Traditionen“, wie betriebliche Weihnachtsfeiern, Weihnachtsbäume in der Lobby, Festtagskarten und -geschenke für Firmenkunden und -Partner dürfte unmöglich sein. Nach Ansicht des Gerichts ist eine Neutralitätspolitik das Gegenteil einer Firmenpolitik, die die Weltläufigkeit des Unternehmens und die Vielfalt der Belegschaft in den Fokus seiner Eigenwerbung rückt – beides zusammen geht nicht. Jede Firma, die die Charta der Vielfalt unterzeichnet hat, kann sich demnach kaum glaubhaft auf eine Neutralitätspolitik berufen, die dazu führt, dass Frauen mit Kopftuch bei der Einstellung wegen des Kopftuches abgelehnt werden. Soweit die Informationen über die aktuelle Rechtslage. – Gabriele Boos-Niazy


Leserbrief zu „Über die politische Botschaft des Toastbrots“ von Harald Martenstein

Ach, lieber Herr Martenstein, nun ist Ihnen aber offenbar gar kein Thema für die heutige Ausgabe eingefallen. So ein Unsinn. Liegt es am beschränkten Horizont? Kommen Sie mal nach Thüringen, da bekommen Sie eine Bratwurst (meistens) in Brötchen, die es im Westen schon lange nicht mehr gibt, nicht so „fluffig“, sondern knusprig, eher wie früher eben. Und man sollte aufhören, aus Allem und Nichts Ost-West-Gegensätze zu konstruieren. Schade, sehr s