1. Dezember 2016 – Ausgabe 50

Leserbrief zu „Stellen Sie sich vor, Sie sind Jude.“ von Bastian Berbner

Eleven Forty Two – Guantanamo. What in heaven‘ name has happened to the United States? – Dr. Klaus Milde


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Volltreffer und aus der Seele gesprochen! Woher ( leider eine ganze Menge ) Journalisten ( und auch Kabarettisten ) den Mut und die Überzeugung nehmen, daß man Personen der Öffentlichkeit beleidigen muß, um damit den eigenen Erfolg zu beflügeln, ist mir seit jeher schleierhaft. Kritisieren ist grundsätzlich leichter, als selber konstruktiv und in Verantwortung zu gestalten. Man muß eine Meinung nicht teilen, aber die Andersartigkeit der anderen Meinung, einem anderen Verhalten, ist zu respektieren. Sie sprechen ein zentrales Thema ruhig an: die Qualität der zweiten und dritten Reihe. Es könnte einen grausen, sieht man manche Vertreter der neuen Generation langsam in die Ämter „schleichen“, die außer Politik nichts gelernt oder getan haben. Früher wurde der Politiker berufen, heute drängelt er sich mit aller Macht in die Ämter, häufig bar jeder Erfahrung im “richtigen“ Leben und mit der Angst ausgestattet, daß ein Fehler ihn die Karriere kosten könnte. Jene Karriere, außer der er nichts hat. Denkt man an Strauss, Kohl, Brand, Schmidt und Wehner, die lange Jahre selber die zweite Reihe bildeten ( bilden mußten ) und vergleicht diese mit dem „Nachwuchs“ der heute zur Verfügung steht, kann man Ihnen nur recht geben: die erste Riege ist nicht so einfach zu ersetzen. Auch wenn manche Politiker natürlich manchmal dummes Zeug erzählen oder auch mal am nächsten Tag das Gegenteil vom Vortag, so kann man ihnen dies sicherlich beibiegen, ohne daß man ihnen persönlich unter die Gürtellinie haut. Aber Gift aus sicherer Deckung zu verspritzen ist wohl einfacher, als sich in der ersten Reihe selber zu stellen. –Nico Schifferer


Leserbrief zu „Zur Not noch fünf Jahre“ ein Gespräch mit Lufthansa-Kapitän Thomas von Sturm, geführt von Claus Heckingund Claas Tatje

dem Interview mit Thomas von Sturm möchte ich noch einige Zeilen hinzufügen:  Selbst eine seriöse Zeitung setzt ein Gehalt von 22.000 € für einen LH Kapitän an; dies ist das END-Gehalt nach ca 40 Dienstjahren. Das Durchschnittsgehalt aller  LH Piloten dürfte knapp über 10.000 € liegen. ( Merkwürdigerweise regt sich kein Mensch über die exorbitanten Einnahmen eines Fussballspielers der Bundesliga auf ?? ) Leider haben die Angestellten keinen Einfluss auf die unternehmerischen Entscheidungen des Vorstands. Aber die zitierte Bemerkung von Sarah Wagenknecht trifft das Problem im Kern: es kann sogar soweit kommen, dass die jungen Kollegen bei Eurowings in die (Schein) Selbständigkeit gedrängt werden – wie bei Billigairlines geschehen. Wenn diese Konstruktion dann noch nicht mit den Gesetzen bei uns konform ist, kommen möglicherweise  noch Steuernachzahlungen in beträchtlicher Höhe auf die Kollegen zu. Diese komplizierte Gemengenlage ist natürlich Aussenstehenden sehr schwer nahe zu bringen.  – Peter Hanke


Leserbrief zu „Nischen-Spiele“ von Christof Siemens

Warum sollen an Stelle von ARD und ZDF nicht einmal andere Sender die Olympischen Spiele übertragen? Haben es sich die mit Gebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Sender nicht allzu bequem eingerichtet in ihrem vermeintlichen Gewohnheitsrecht zur Übertragung von sportlichen Großereignissen? Bei den Spielen in Rio waren sie mit sage und schreibe knapp 500 eigenen Mitarbeitern vor Ort, obwohl sie doch viel Material von anderen Anstalten geliefert bekamen.  Und trotzdem gab es Stunden voller Leerlauf mit Wiederholungen in einer Endlos- schleife. Die einfühlsamen Interviews von Frau Müller-Hohenstein („Wie fühlen Sie sich?“) und die sachkundigen Kommentare der „Experten“ („Am Ende wurde es noch einmal knapp!“) können sicherlich auch andere Anstalten liefern. – W.-R. Heilmann


Leserbrief zu „Ich bin ja kein Diktator“ ein Interview mit Mick Jagger von Christoph Dallach

Wenn alle Ihrer Auskunft nach „seltenen Interviews“ mit Mick Jagger  so oberflächlich, inhaltsleer und teilweise absurd sind wie dieses, dann kann man ja nur froh sein über diese Jagger-untypische Mäßigung. Glauben Sie im Ernst, dass Jagger „rumgefahren“ ist, um nach einem „passenden Ort“ für die Aufnahme des neuen Albums zu suchen und dabei, wie praktisch, auf das nahegelegene Studio von Mark Knopfler gestoßen ist? Und was soll dieser Ausbruch gegen Frank Sinatra? Ausgerechnet  nach Fertigstellung eines Albums, das nur Cover-Versionen enthält, wirft er diesem vor, ein „klassischer Interpret“ zu sein, der „nie einen Song geschrieben hat“. Wenn Ron Wood „eigentlich eine Million mal üben müsste“, um die Gitarrenmelodien „hinzubekommen“ – wie unvollkommen muss dann ein Album sein, das (inkl. „Fingerübungen“ und Auswahl des Materials!) in nur drei Tagen hinuntergespielt wurde? Wäre es nicht ohnehin viel besser gewesen, einfach nur ein Album mit den zwölf Originalversionen herauszubringen, als sich bei einem Neu- aufguss, armer Ron Wood,  die Finger blutig zu spielen? – W.-R. Heilmann 


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Ich gebe Ihnen durchaus recht. Bezüglich der kommenden Wahlen habe ich sogar schon daran gedacht, die CDU zu wählen. Ich, eine alte Grünen-Wählerin! Aber nur aus taktischen Gründen: Eine AfD möchte ich auf keinen Fall. Davor fürchte ich mich, wie vor Trump oder Le Pen oder Wilder. Und hoffentlich wählt Österreich nicht populistisch! Dass Merkel weiterhin zu “ keine Begrenzung“ nach oben steht, rechne ich ihr hoch an! – Sieglinde Kaßbaum  


Leserbrief zu „Du warst unser Vorbild, mein Vorbild“ ein Leserbrief von Anna Fischer

Anna Fischer, begnadete Schauspieler, textet einen Brief an Rio Reiser und erzählt dabei fast ihr ganzes Leben… Selten so etwas Schönes gelesen. Das Wort Geniestreich greift noch zu kurz. Schreib‘ ein Buch, Anna, möglichst bald ! – Michael Zimmermann


 Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Der Gegensatz könnte nicht größer sein : Die Leserbriefe der letzten Ausgabe attestieren in der Mehrzahl den Herren Joffe und Ulrich eine Überheblichkeit und Abgehobenheit vom Geschehen (ob nun gefühlt oder real sei dahingestellt ) und in diesem Artikel schreibt Herr Ulrich weiter als sei nichts geschehen .  Es sind die anderen Journalisten und Zeitungen, die danebenliegen oder übers Ziel hinausschießen – natürlich nicht man selbst. Das erinnert so klar an den Leitartikel im „Zett“ letzter Woche über die Spaltung – die anderen sind die Bösen : ich bin gut. Einfach interessant zu beobachten . – Wolfgang Michel   


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Ich gebe Ihnen durchaus recht. Bezüglich der kommenden Wahlen habe ich sogar schon daran gedacht, die CDU zu wählen. Ich, eine alte Grünen-Wählerin! Aber nur aus taktischen Gründen: Eine AfD möchte ich auf keinen Fall. Davor fürchte ich mich, wie vor Trump oder Le Pen oder Wilder. Und hoffentlich wählt Österreich nicht populistisch! Dass Merkel weiterhin zu “ keine Begrenzung“ nach oben steht, rechne ich ihr hoch an! – Sieglinde Kaßbaum


Leserbrief zum Titelthema „Der Mensch nebenan“

In München eine Wohnung zu finden ist aufregender als eine Atlantiküberquerung in einer Nussschale. Wobei bei Meeresabenteuern die Unwägbarkeiten eingrenzbar sind (Wind, Wetter, physische Konstitution). Um in Schwabing-West eine Bleibe zu ergattern, die ansprechend, zahlbar und dann noch zu haben ist, muss man entweder sämtliche Makler bestechen – oder unverschämtes Glück haben. Letzteres war unserer kleinen Familie beschieden. Mehr noch: die Jungs fanden die neue Bleibe auch okay. Was einem 11- und einem 8-Jährigen zusagt, sollte uns recht sein.

Schieflage

Der Vermieter konnte uns aussuchen, wir konnten die Wohnung aussuchen, die Nachbarn hingegen waren gesetzt – und ob der sich abzeichnenden Veränderung wenig erfreut. Ein Jahr lang standen die Räumlichkeiten in der Nummer 23 leer. Man hatte sich daran gewöhnt, dass vom Erdgeschoss Mitte kein Lärm, kein Ton, nicht mal ein Tönchen kam. Niemand rührte sich dort, verunreinigte das Treppenhaus, knallte die Haustüre zu oder belegte einen der begehrten Tiefgaragenplätze. Der Einzug der Unkrigs beendete die Idylle.

Dass Links und Rechts unser Auftauchen argwöhnisch beäugten, realisierten wir erst gar nicht. Wir richteten das neue Zuhause ein, schnitten die Sträucher zurück, zupften Unkraut zurecht und belebten den Balkon mit Landhausdeko. Zum Leidwesen der Anstösser fassten wir den Ausdruck «Gemeinschaftsgarten» so auf, dass man auf dem Rasenflecken zusammen etwas ausrichten könnte: Feierabendbier, Grillspass, Sandmuschel für die Kleinen. Dabei hatte man sich tunlichst von diesem eingezäunten Areal fernzuhalten … Als wir die dreissig Quadratmeter von Moos und Steinen befreien wollten, schritt die Hausverwaltung ein. Als der Fensterbauer die neuen Glasscheiben an der Mauer deponierte, schrie sich ein Mitglied des Verwaltungsbeirats die Protest-Kehle heiser (obgleich er selbst den Beschluss zum Austausch dieser Elemente unterschrieben hatte). Als unsere Söhne ihr ferngesteuertes Auto im Gemeinschaftsgarten kreisen liessen, klingelte der ältere Herr aus der 21 und ermahnte uns, dem «Gedröhne» ein Ende zu setzen. Es störe seinen Mittagsschlaf. Mit anderen Worten: Wir hatten uns in kürzester Zeit beliebt gemacht!

Zwecks Entschärfung der Situation luden wir zum Brunch ein. Nahezu alle kreuzten auf. Sei es um die Nase zu strecken, sei es um zu sehen, wie die «Krachmacher» so wohnen. Einzig die Frau von nebenan schlug die Einladung aus. Wir wussten wenig von ihr: dass zwei Namen auf dem Türschild standen, aber nur eine Person ein und aus ging. Dass der Papagei bei schönem Wetter Ausgang erhielt, der dunkelgrüne Sportwagen jedoch vor sich hin rostete. Dass sie einen kunstvoll verwunschenen Garten besass, in welchen sie niemanden reinliess. Dass ihr Mann verstorben sein musste und sie vorher unsere Wohnung als Büro benutzt hatte. Allmählich dämmerte es mir: Frau Forsch hatte nie einen Mucks von «drüben» gehört. Tagsüber war sie hier, an ihrem Schreibtisch, und machte ihren eigenen Radau (der bekanntlich nicht nervt). Abends befand sie sich in ihren Privaträumen, neben dem unbenutzten Office (das jetzt bestimmt nicht mehr so gepflegt war. Man denke nur an die Schleiflackabdeckung der Küche oder den von ihr ausgesuchten teuren Parkettboden …). Eigentlich paradox: Sie hauste allein in vier Zimmern, während sich hinter der Wand – an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz – vier Personen drei Zimmer teilten. Hinzu kam ein Ungleichgewicht der anderen Art: Sie konnte in drei andere Räume flüchten, wenn es ungemütlich wurde. Bei uns hingegen fiel – wie beim Sesseltanz – für den Überzähligen kein Rückzugsort ab. Wen wundert´s, dass es zuweilen wild zu und her ging!

Einen Monat später erwischte es die Anstösserin eiskalt, als sie sich beim Hauseigentümer über die unmögliche Nachbarschaft, speziell die Zugezogenen, beschweren wollte. «Kinderlärm? Ich verstehe Sie leider im Moment ganz schlecht. Meine Frau ist unterwegs und ich bin allein mit den drei Rabauken. Im Hintergrund streiten sich gerade zwei um eine Playmobilfigur: den Bauarbeiter mit Bierkasten Den gibt es in der aktuellen Kollektion übrigens nicht mehr. Wegen Political Correctness und so. Sie sehen, mit den Kids bleibt man am Ball!» Hier hatte die Geplagte kein Verständnis zu erwarten. Begeisterte Freizeitväter liessen ihresgleichen unbehelligt … An Weihnachten startete Frau Forsch den Gegenangriff. Sie liess Getränke anliefern, holte Schwarzarbeiter ins Haus und zog über die Festtage eine neue Decke ein (lautes Hämmern zu «Stille Nacht»). Ab Neujahr klopfte sie bei jedem Pieps gegen die Wand. Als ich reklamierte, meinte sie kurz angebunden, sie hätte Migräne und müsse sich auf diese Weise abreagieren. Wir studierten daraufhin den Mondkalender, um die Vorhersehbarkeit weiterer Anfälle ungefähr abzuschätzen. Gleichzeitig verlangten die Kids nach Erklärungen, warum die Nachbarin unaufhörlich die Treppe rauf runter renne. Mein Verweis auf die innere Unruhe gewisser Menschen überzeugte sie nicht. Ich doppelte nach: «Ihr weint, zwängelt oder reisst den Legomännchen den Kopf ab, wenn euch etwas nervt. Das können Erwachsene nicht. Sie müssen sich anderswie behelfen!» «Indem sie auf den Stufen stapfen? Tun, was wir nicht dürfen?», fragte der Grössere. Der Jüngere pflichtete ihm bei: «Sie grüsst nicht, schaut grimmig, grantelt ständig vor sich hin. Die hat definitiv einen Flick weg!»

Wir wechselten in der Folge wöchentlich die Strategie: Ignorieren, Aushalten, paradoxe Intervention (etwa für ihre Freundlichkeit danken). Nichts nützte! Der Nachwuchs stellt die Buchstaben am Klingelbrett um (von «Forsch» zu «Frosch»), brachte dem Papagei das Wort «Zicke» bei, schrieb «Upps» in den Staub auf der Rückscheibe ihres verstaubten Wagens und übergab der Dame süss lächelnd die DHL-Pakete, welche der Paketbote bei uns ablieferte; mit dem Ausdruck des Bedauerns, dass die Adressatin umgekehrt unsere Sendungen stets ablehne. Die «Forscherin» nahm es ungerührt zur Kenntnis.

Nach fünf Jahren hatten wir uns auf die gegenseitige Piesackerei eingestellt, bis die Widersacherin urplötzlich verschwand. Spurlos, von einem Tag auf den anderen, aus dem schwarzen Nichts heraus. Sie war weg, einfach so. Das abgeklaubte Schild auf dem Briefkasten deutete daraufhin, dass sie nicht vorhatte, zurückzukommen. Kein Geräusch drang aus der anderen Wohnung zu uns, kein Laut von uns zu ihr. Keiner zuckte zusammen, weil es «wieder lospolterte». Keiner polterte zurück. Wir schlichen wie bis anhin auf Zehenspitzen herum. Zum einen weil wir uns dies so angewöhnt hatten. Zum anderen um zu horchen, ob sich nicht doch etwas rührte, nebenan. Das einzige, das gelegentlich tickte, war ihre Standuhr. Ansonsten herrschte gegen Norden eine eigenartige Ruhe. Der Hauswart bestätigte die Beobachtung: In letzter Zeit hätte er unsere Nachbarin weder gesehen noch gehört. Vermutlich sei sie ausgezogen. Sie hätte sich allerdings weder verabschiedet noch abgemeldet. Ich war enttäuscht. Mir nichts dir nichts in Luft aufgelöst … Zumindest wäre zu erwarten gewesen, dass sie beim letzten Vorübergehen kräftig gegen unsere Tür tritt!

Die «Villa nervosa», wie wir ihr Refugium nannten, verharrt seither im Winterschlaf. Ohne Entrümpeln, Renovation oder Neuvergabe. Sie zählt zum angeblich nicht existenten Leerwohnungsbestand dieser Stadt.

Namen und Umstände leicht verändert – Karin Unkrig


Leserbrief zu „Nischen-Spiele“ von Christof Siemens

Es hat seinen Grund warum die Leute auf die Frage nach dem Motto der olympischen Spiele mit „Dabei sein ist alles!“, statt dem eigentlich richtigen „schneller, höher, stärker“ antworten. Ich habe den verdacht, dass durch diesen Medaillenhunger, die Zukunft Olympias wie die der Tour de France laufen wird. Also in der Regel nicht auf deutschen Fernsehern. Ein Sport ohne bekannten Sieger ist vielleicht uninteressant, doch ein gedopter Sieger wird auf dauer nicht als so einer akzeptiert. Wenn sich diese  Erkenntnis nicht bald bei Sportlern und Investoren durchsetzt liegt die Zukunft des Sports wohl in Sportarten wo doping ausgeschlossen oder weniger relevant ist. Ich für meinen Teil freue mich schon auf die nächste Schach-WM. – Jonas Hubrich 


Leserbrief zu „Aufstand gegen den Freihandel“ von Lisa Nienhaus und Jens Tönnesmann

Nach all den guten Artikeln zum Thema „Freihandel“ in dieser Zeitung starre ich ungläubig und entsetzt auf diesen Bericht, der mit „Aufstand gegen den Freihandel“ überschrieben ist und frage mich, weshalb sie den Rechtsruck unbedingt befeuern wollen? Wenn man es falsch findet, dass Konzerne Staaten verklagen können, weil ihre Gewinnerwartung nicht eingetreten ist, dann ist man Globalisierungsgegner? Wenn man der unumkehrbaren Privatisierung skeptisch gegenüber steht, weil sich immer wieder gezeigt hat, dass ein Unternehmen nicht anders kann, als Gewinn orientiert zu arbeiten, dann hat man was gegen weltweiten Handel? Ich möchte das nicht weiter vortsetzen. Nur so viel: Nach Angst kommt Wut und dem entsprechend wählt man. Was sie, sehr geehrte Frau Nienhaus und sehr geehrter Herr Tönnesmann, mit diesem Artikel erreichen wollten, ist mir nicht klar. Sie haben bei mir allerdings den Verdacht erhärtet, dass es tatsächlich allein das Geld ist, welches diese Welt beherrscht. – Ellen Gause


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Warum soll der Leser B. Ulrichs Analyse bevorzugen? Die Kanzlerin hat sich z. B. stur über ein Jahr über jegliche Kritik wegen der Fluchtlingskrise hinweggesetzt, das Land in EU isoliert. – Marek Pelc


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Hochachtung gegenüber Bernd Ulrich für seinen Artikel „Vermisst:  Respekt“ und gleichermaßen gegenüber Tina Hildebrandt für ihren Nachruf auf Peter Hintze „Ein superfeiner Kerl“. Bernd Ulrich hat klug und objektiv längst überfällige Gedanken formuliert und zu Papier gebracht. Tina Hildebrandt hat Peter Hintze zwischenmenschlich feinfühlig, warmherzig und spürbar ehrlich gedacht.  Beide Veröffentlichungen sind in unserer heutigen Zeit wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Insofern meinerseits: Respekt und Hochachtung. –  Uwe Rabe


Leserbrief zum Titelthema „Der Mensch nebenan“

Die Untersuchung zum Thema Nachbarschaft hat mir sehr gut gefallen. Mit diesem Thema beschäftige ich mich schon lange. Wir haben immer gute Nachbarn gehabt. Deshalb habe ich das beigefügte „Hohe Lied“ auf die gute Nachbarschaft gedichtet:

Gute Nachbarschaft –

Niemand kann in Frieden leben,

wenn es dem Nachbarn nicht gefällt.

Drum ist ein guter Nachbar

Das Schönste auf der Welt.

Hallo und Guten Morgen,

Nettigkeiten hin und her

Plauschen über Freud und Sorgen

Zu wissen: da ist ja noch wer.

Das alles macht das Leben aus,

Und bringt Frieden Haus bei Haus.

Im andern Fall gibt’s Weh und Ach.

Es herrschen nur noch Streit und Krach.

Am Ende bleibt man auf der Strecke.

Keiner kommt mehr aus der Ecke.

Das müsste eigentlich nicht sein !

Nur mancher sieht es halt nicht ein.   – Dr. Klaus Kuntz


Leserbrief zu „Zur Not noch fünf Jahre“ ein Gespräch mit Lufthansa-Kapitän Thomas von Sturm, geführt von Claus Heckingund Claas Tatje

Ich habe den Eindruck, dass dem Lufthansa-Piloten die Dritte Dimension nicht bekommt. An Überheblichkeit sind die Ausführungen des Lufthansa-Kapitän kaum noch zu überbieten. Herr von Sturm tritt alle fünf Jahre in Erscheinung um 20 Prozent mehr Lohn zu fordern!

Warum?  – weil sich ihre Löhne unterhalb der Inflationsrate entwickelt haben – dieses Argument ist einfach falsch, vielleicht meint er die Inflationsrate im Ausland!?  – weil sie für den Erhalt der Werte, für ihre Sicherheitskultur  und den Service für die Passagiere kämpfen – dass sind natürlich zusätzliche Aufgaben, die unabhängig von A nach B zu fliegen, gesondert vergütet werden müssen! Bei 14 Streiks in den   vergangenen Monaten ist der erkämpfte Service für die Passagiere sehr beachtlich!  – weil die Passagiere wegen knappen Bordessens mit Äpfel aus dem Crew-Obstkorb versorgt werden!  – weil der Konzern Gewinn macht!

Wenn der Konzern keine Gewinne mehr macht, dann dürften die Piloten die hervorragende Hartz IV-Regellung in der Zweiten Dimension genießen.   –  Dieter Krause


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Jens Jessen

Mit der aktuellen Ansage von Jens Jessen hat er mich, was selten genug passiert, überzeugt. Gerade Herr Jessen macht es mir mitunter schwer, da seine persönliche Einstellung mir im Gesamtspektrum der ZEIT oftmals ein wenig zu rechts erscheint. So rechts etwa wie die Union der achtziger Jahre. Das schlägt sich nieder in dem Anschein einer schier unantastbaren Amerika-Orientierung und desweilen auch in einem teilweise für liberale Leser recht starken Hang zum Militarismus.

Hier jedoch hat er mich voll erreicht mit seinem Aufruf zur eigentlich aufklärerischen Haltung, zum „Mut sich seines eigenen Verstandes zu bedienen“ anstatt dem Dogma der Politischen Korrektheit hörig zu sein. Und doch, auch ich bin der Meinung, man sollte auf die AfD zugehen und die Tür zum Gespräch offenhalten. Aber eben nicht zu deren, sondern zu zivilisiert-mitteleuropäischen Bedingungen. Herr Jessen hat hier, vielleicht ohne es zu wollen, tatsächlich eine Lanze gebrochen für die wirklich linke Haltung: geht mal wieder auf die Straße, macht kaputt, was Euch kaputt macht! Freilich nicht im Wortsinn, aber doch in jenem, nicht wort- und tatenlos zuzusehen, wie Teile der in einem Gefühlstaumel von scheinbarer Bevormundung die Grundwerte unseres Staates, Einigkeit und Recht und Freiheit, korrumpieren. Oder mit anderen Worten: Wehret den Anfängen! – B.-Ole Juhnke


Leserbrief zu „Warum spricht Merkel nicht in Italien ?“ von Matthias Krupa

Ich glaube auch, dass eine Einmischung Merkels in die italienische Auseinandersetzung kontraproduktiv gewesen waere: die Italiener wollen sich nicht von einer Preussin sagen lassen, was sie tun sollen und was nicht. Wenn aber nach dem Erdbeben in Mittelitalien Deutschland sich solidarisch gezeigt und grosszuegige Hilfe angeboten haette, vielleicht haette das geholfen ? Und natuerlich, wenn man Italien nicht jahrelang mit dem Fluechtlingsproblem allein gelassen haette. – Hermann Weigmann


Leserbrief zu „Stoppt das Ding“ von Hanno Rauterberg

Die Wettbewerbsentscheidung für sich und erst recht der Beitrag von H. R. animieren, die Wettbewerbsarbeiten in Augenschein zu nehmen.

Es scheint, als seien insbesondere folgende Gründe maßgebend für die Wettbewerbsentscheidung zugunsten des 1. Preises gewesen

– der Bedarf des Museums nach weitestgehender Gestaltungsmöglichkeit und die Möglichkeit, Raumreserven innerhalb der Gebäudegroßform nachträglich zu schaffen

– die Homogenität des Baukörpers (später vom Entwurfsbüro als Archetypus bezeichnet)

– und das ja bereits bekannte “Kleid“ perforierter Ziegelornamentik, bei Dunkelheit in ausgeklügelter Weise aus der Wand heraus beleuchtet.

Keine so entscheidende Rolle hat (offenbar schon in der Ausschreibung) die städtebauliche Leitidee des Scharoun´schen Städtebaus, der Gedanke eines Kulturforums aus den 1970er Jahren, gespielt, die bereits in der Ausschreibung der realen Verkehrssituation geopfert wurde. Wenn nur ein zusammenhangloses Konglomerat von Kulturbauten mit einem Mega-Dach mittenmang der 1. Preis dieses Wettbewerbs ist ohne ein Forum, d. h. ohne einen mittendrin gelegenen Platz oder eine Platzfolge mit Bezügen zu allen anliegenden Kulturbauten, dann muss doch was schief gelaufen sein.

Es finden sich aber in anderen Entwürfen (z. B. Büro Lundberg und Tranberg, 2. Preis; Büro Bruno Fioretti Marquez, 3. Preis; Büro Volker Staab, Anerkennung) durchaus städtebauliche Qualitäten wie Aufnahme des Genius Loci, Schaffung von Teilräumen etc. Nur leider nicht bei dem überdimensionierten (ca. 70 x 130 m) Siegerschuppen. – Carl-Georg Schulz


Leserbrief zu „Unter Strom“ von Maximilian Probst

Mit großem Entsetzen habe ich die Überschrift zu diesem Artikel und dann den Artikel gelesen.Herr Probst vergleicht den großen Reformator Dr. Martin Luther mit Herrn Siemens wegen einer technischen Erfindung. Sein Vergleich ist abwegig und nicht zulässig, er zeugt von großer Unkenntnis. Herr Probst könnte auch schreiben: Was der Kuh hinten rausfällt wäre frisches Gras und es wäre nicht wahr.

Luther, Zwingli, Calvin und andere Reformatoren standen einem religiösen (päpstlichen) System gegenüber, das behauptete, Gott zu dienen und Christus zu lieben, während es ihn mit seinen Taten verleugnete. Das päpstliche System besaß in großen Teilen Europas praktisch alle politische und religiöse Macht. Dieses System kennzeichnete besonders die Verbreitung menschlicher Lehren anstelle der biblischen Wahrheit, sein verfolgender Charakter und seine offene Feindschaft gegen Gottes heiliges Gesetz (Gottes 10 Gebote, nicht die aus den Kathechismen).

Das und nur das war der Beginn der Reformation und die Reformatoren hatten den aufrichtigen und tiefen Wunsch eine Reformation in das religiöse Gefüge zu bringen und  diesem System entgegenzutreten, indem die Bibel in die entsprechenden Landes-Sprachen übersetzt wurden, so konnte die göttliche Wahrheit den Menschen zugänglich gemacht werden.

Der Buchdruck half bei der Verbreitung der Reformation und nicht umgekehrt, wie Herr Probst schreibt ,ohne Buchdruck – keine Reformation. Mögen die Menschen überhaupt und mehr in der Luhter-Bibel lesen. – Wilfried Schwarz


Leserbrief zu „Aufstand gegen den Freihandel“ von Lisa Nienhaus und Jens Tönnesmann

Der Wirtschaftsteil der ZEIT war im Vergleich zu anderen Qualitätszeitungen ja schon oft recht schwach – ob aus ideologischen Gründen oder mangelndem Sachverstand sei einmal dahingestellt. Wenn Frau Nienhaus und Herr Tönnesmann nun in ihrem Artikel über Freihandel behaupten, die Südpfalz sei Globalisierungsverlierer wegen der niedergegangenen Textilindustrie, ist man als Südpfälzer (fast) sprachlos. In der Südpfalz gab es nie eine nennenswerte Textilindustrie und die Südpfalz ist eine prosperierende Region in Rheinland-Pfalz. Schaut man die (sehr kleine) Deutschlandkarte an, sieht man eine Region, die der Kenner als Westpfalz bezeichnet, als Globalisierungsverlierer.

Dort gab es eine Schuhindustrie, die heute nur noch in kleinen Resten existiert, wobei der Abzug amerikanischer Truppen vermutlich ebenso zu den wirtschaftlichen Problemen beitrug. Die Autoren fahren dann ausgerechnet nach Ludwigshafen um mit einem Globalisierungsgewinner zu sprechen. Ludwigshafen liegt nun wirklich in der Pfalz (vermutlich sogar in der  Südpfalz) und hat mit der BASF einen global player und Gewinner der Globalisierung par excellence zu bieten. Ist das nun mangelnde Sorgfalt beim Recherchieren, hat das Thema die Autoren nicht besonders interessiert oder was führt zu solchen eklatanten handwerklichen Mängeln eines Artikels? Kann man dem Rest des Artikels Glauben schenken oder muss man alles selber nachrecherchieren?  – Erich Reimann


 Leserbrief zu „Wir warten auf das Ende“ von Andrea Böhm

Ich bin Grundschullehrer in Saarbrücken und habe über Abdulkafi Alhamdo in der Zeit gelesen. Das hat mich dazu veranlasst mit ihm in Kontakt zu treten, da er Kinder in dieser schrecklichen Situation trotzdem unterrichtet. Was für ein mutiger Mensch. Ich bin mit ihm in Kontakt getreten, um ihm zu zeigen, dass er nicht ganz alleine ist. Ich kann ihm leider nur Mut per Messanger machen in dieser verzweifelten Situation. Das ist das Wenige was ich machen kann. Mich treibt der Gedanke um, wie wir ihm weiter helfen können, da seine Frau krank ist. Er sprach davon, dass ihn der Gedanke umtreibt, wenn er nicht das Grauen überlebt, wer sich um seine Frau und seine Tochter kümmert. Wir sollten uns Gedanken machen, wie wir ihn unterstützen könnten, wenn er hoffentlich das Grauen überlebt, auch sie als Zeitung. Deshalb bitte ich Sie um Unterstützung. Vielleicht fällt Ihnen da etwas ein, wie wir seine Zukunft mit Ihrer Hilfe begleiten und unterstützen können, wenn er aus Aleppo lebend rauskommt.  – Johannes Nettesheim


Leserbrief zu „Ist die Ungleichheit schuld?“ ein Streit zwischen Marcel Fratzscher und Clemens Fuest, das Gespräch führten Kolja Rudzio und Mark Schieritz

Zitat: „Wir haben es mit einer Ablehnung liberaler Werte wie Toleranz und Offenheit zu tun“.

Ein typischer Trugschluss,  denn ich glaube, es werden eher die Vertreter und Verkünder dieser Werte abgelehnt. – Franz Kumpfmüller


Leserbrief zu „Die liberale Gesellschaft und die irre Suche nach ihren Feinden“ von Ijoma Mangold

Dass Identitätspolitik sowohl rechts wie links geht, liegt schlicht daran, dass beidem der Identitätswahn zugrundeliegt. Dabei hatte Prof. Oswiecenski, der bekannte Erforscher menschlichen Irrsinns, schon vor Jahren festgestellt: „Das, was die meisten Menschen für sich selber halten, nämlich ihre so genannte Identität, ist nur ein weit verbreiteter Glaube, der nachweislich falsch ist.“ – Dr. Jens Lipski


Leserbrief zu „Ist die Ungleichheit schuld?“ ein Streit zwischen Marcel Fratzscher und Clemens Fuest, das Gespräch führten Kolja Rudzio und Mark Schieritz

Haben sie eigentlich gemerkt, mit wem* (Clemens Fuest) sie hier diskutiert haben? * das „wem“ bezieht sich auf den Charakter Clemens Fuest ist ein Rhetoriker und Lobbyist. Seine Argumentationsweisen ähneln sehr stark denen von Donald Trump! Da sind Sie mit Ihren Fakten eher chancenlos. Nur ein Beispiel: „Tatsache ist auch, dass die Ungleichheit mit Blick auf Lebenschancen, soziale Mobilität, Vermögen und auch bei Einkommen über die vergangenen Jahre stark zugenommen hat. Das ist die zentrale politische Herausforderung.“ Was entgegnet Clemens Fuest?: Das sehe ich anders. Unzufriedenheit mit der etablierten Politik lässt sich …“ Hier beginnt dann schlimme Rhetorik, Haben Sie’s gemerkt Herr Fratzscher? Haben Sie’s gemerkt, und/oder auch die Gesprächsführenden von DIE ZEIT? Kolja Rudzio und Mark Schieritz? Zumindestens die Fragen von Kolja Rudzio und Mark Schieritz deuten darauf hin, dass beide eher faktenorientiert gepolt sind und sich nicht emotional und faktenverdrehend vereinnahmen lassen.

Zurück zum von mir hier angeführten Beispiel: Clemens Fuest hätte besser so geantwortet: „Das sehe ich etwas anders, Teile ihrer Argumente könn(t)en ja stimmen, aber …“ Wenn er so geantwortet hätte, dann würde meine Beurteilung von ihm nicht Rhetoriker, sondern Super-Rhetoriker gewesen sein. Nur -, was hilft das Ihnen, NICHTS! Der Einzige, der davon profitiert wäre Clemens Fuest. Der merkt sich solche Einwände und Hinweise von mir. Der macht dieser Fehler nicht noch einmal! Das bedeutet, dass Sie bei einem nochmaligen Gespräch mit Clemens Fuest noch eine schlechtere Figur abgeben werden. Was wäre einzig richtig und auch möglich gewesen in Ihrem Gespräch mit Clemens Fuest? Die beiden Gesprächsführer Kolja Rudzio und Mark Schieritz, die, wie ich weiter oben schon schrieb, eher faktenorientiert unterwegs waren, die hatten die Hebel in der Hand, die üble Rhetorik von Clemens Fuest aufzudecken. Zu was hätte das geführt? Zu einem Abbruch des Gespräches seitens Clemens Fuest.

Was sollen Ihnen diese letzten 3 Sätze sagen geschätzter Marcel Fratzscher? Sie sollten das Gespräch abbrechen, wenn Sie solche Rhetorik der Gegenseite bemerken (gegen die Sie wahrscheinlich chancenlos sind – und wenn Sie keine Hilfe von den Gesprächsführern bekommen). Sie haben deshalb keine Hilfe von Kolja Rudzio und Mark Schieritz bekommen können, da diese (ich kenne beide nicht) wahrscheinlich zu jung sind, um diese Rhetorik von Clemens Fuest zu durchschauen. Wer der amerikanische Wähler durchschaute die extrem üble Rhetorik von Donald Trump? Wer der deutschen Wähler durchschaute die üble Rhetorik einiger AfD-Politiker? Nicht viele Menschen – richtig Herr Fratzscher? Was ist das Geheimnis solch übler Rhetorik? Sie wird von den meisten Menschen nicht durchschaut, ich denke mal es sind weit über 90%, die solch üble Rhetorik nicht durchschauen. Nur -, was bleibt bei vielen Menschen, über lange Zeiträume der rhetorischen Beeinflussung, im Unterbewusstsein haften: Sie empfinden, dass sie an der Nase herumgeführt werden, im sprichwörtlichen Sinne. Was machen diese, sagen wir es mal richtig, was machen diese hochgradig verarschten Leute? Sie wenden sich ab!!!

Letzte Frage an Sie: Was ist das Geheimnis des Erfolges solch übler Rhetorik?   Donald Trump, wie auch unsere AfD-Politiker sagen in einem Punkte die Wahrheit, die – für die Masse – leicht verständliche Wahrheit. In Amerika ist es das, alles besitzende, Establishment, bei uns ist es das gebetsmühlenartige Wiederholen einer frechen Lüge hochrangiger Politiker „Der Islam gehört zu Deutschland“. Die AfD spricht über 70% der Deutschen aus tiefstem Herzen, dass „Der Islam nicht zu Deutschland gehört“ Jetzt kommt das Wichtigste: Im Fahrwasser solch „richtiger Behauptungen“ können Donald Trump und auch unsere AfD-Politiker viel Übles sagen. Dieses Üble wird, wie Kröten, von den meisten Menschen geschluckt, weil es auf einer richtigen Grundbehauptung mitgeschwemmt wird.

Zum Abschluss auf Ihre Gesprächsführer, Kolja Rudzio und Mark Schieritz, zu kommen: Sehen Sie es ihnen nach, dass sie Ihnen nicht halfen – sie konnten es nicht. Seien Sie Kolja Rudzio und Mark Schieritz gegenüber nachsichtig, ich bin es auch! – Ulrich H. Rose


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Jens Jessen

Mir scheint, der berechtigt genussvolle Blick aufs Selbst sowie Ihresgleichen verhindert entscheidende Erkenntnis: Ihr Verständnis, Vermögen, Verhalten ist exklusiv. Toll, was alles Sie wissen, können und leisten, Sie sind offensichtlich gut gebildet. – Wirklich: sehr toll! – Ich meine das so.

Empathie setzt meines Wissens neben Veranlagung ebenfalls Bildung voraus: Herzensbildung. Das mag allgemeiner Anspruch sein, es sieht aber nicht nach Standard aus, oder? Mitmenschlichkeit muss man sich erst mal leisten können. Und was Altruismus meint, weiß kaum jemand. Für mein Gefühl schreiben Sie ausm Wolkenkuckucksheim.

Ich habe jahrelang im Süden von München da gewohnt, wo es zum gern kommunizierten Problem gehörte, dass es weniger gute Kapitalanlagemöglichkeiten gibt als hereinsprudelndes Geld. Tragisch! – Und ich weiß ganz sicher, dass ausgerechnet unter diesen verzweifelten Menschen neun von zehn ernsthaft meinen, Sie liefen am Limit. Ich fürchte, mit Ihrer Vorstellung von Mitmenschlichkeit überfordern Sie die angestrengten Leistungsträger. Ich jedenfalls habe selten weniger Empathie und Mitmenschlichkeit erfahren als unter solchen. … Neureich ist leider gänzlich anderes als breit gebildet, dafür weit verbreitet.

Zunehmender Verbreitung und Popularität erfreuen sich in diesen Zeiten die auffälligen und lästigen bis gefährlichen „Problembürger“, für deren „Kleinhalten“ Sie plädieren, für geistige Internierung, Konditionierung vs. Aufklärung? – Von mir aus! Weichgespülte Werte-Diskussion über Ethik sowie diesbezüglichen Anspruch langweilt auch mich längst und am Schluss verstehen wir uns womöglich wieder nicht.

Vielleicht aber verstehen Sie, dass schnell wachsende „Internierungslager voller Unaufgeklärter und Ungeschulter“ verdammt viel Aufsicht benötigen? Bitte erklären Sie mir, wo Sie bei abnehmender Potenz und zunehmender Dekadenz fähige „Aufseher“ rekrutieren wollen oder gar Verantwortliche für Legislative, Exekutive und Judikative?

Beispiel:

Sie wissen, dass 60 Mio. Tagesdosen Methylphenidat jährlich in Deutschland durch alle Schichten verbraucht werden, meist Jungs die Droge bekommen, damit sie nicht hampeln, sozial unverträglich sind? Und zusätzlich 21 Prozent aller jungen Männer Cannabis konsumieren? – Fühlen Sie sich wohl bei der Vorstellung, dass zukünftig zwangsläufig auch aus diesen Gruppen Verantwortliche kommen werden? Also solche, die ohne Ritalin, Medikinet, Cannabis oder noch Üblerem eigentlich angebunden gehörten?

Meinen Sie nicht, es käme zu besserem Ergebnis, wenn man mit nie dagewesenem Aufwand werben, aufklären und schulen würde gegen den Irrsinn, vor allem seine Wurzeln? – „Fesseln und knebeln“ wir doch Lobbyisten … und ersetzen wir die bisherigen wohlmeinenden Werbe-Botschafter (mit bisweilen einer Attraktivität von Handarbeitslehrerinnen und Messdienern ;))) doch bitte mit zeit- und Zielgruppen-gerechten „Helden“. Natürlich kosten deren Werbeverträge mehr!

Ich will nie dagewesenen Feldzug, Branding, Marketing, Zielgruppenanalyse, Merchandising, das volle Programm und ein Werbebudget, das alles je Dagewesene in den Schatten stellt! So dass am Ende jedes Kind und jeder Jugendliche vor allem anderen von einer Message durchdrungen ist: Computerspiel weicht Birne auf! Am besten schieben wir dann gleich noch nach: „Natur ist cool“ und für die Pubertierenden: „frische Luft macht geil“.

Ich denke, ansonsten nämlich müssen Sie bald mit ein paar greisen Restintelligenzen Ihres Jahrganges Millionen von unter Bewusstseins-verändernden Substanzen stehende Nachkommen „hüten“. Und wo nicht Virtuelles spielerisch erst dusselig und dann aggressiv macht, da herrscht ohnehin Überlebenskampf, echte Aggressivität: ein islamistischer Selbstmordattentäter wurde im Gegensatz zum westlichen Schulamokläufer in Kindheit und Jugend regelmäßig nicht von Ego-Shooter „begleitet“.

Wie gesagt, ich bin keinesfalls zu zimperlich, um scharfem Durchgreifen nicht wenigstens im Gedankenspiel folgen zu wollen. Aber wer soll denn den Job machen? Gingen Sie ggf. vor gegen die Kleinzuhaltenden? – Ich jedenfalls nicht. Das gebe ich Ihnen heute sicherheitshalber schon mal schriftlich. Ich sehe Massen auf uns zukommen … Massen, die zukünftig Gesetz und deren Vertreter genau so wenig respektieren werden wie heute schon ihre Lehrer … Massen, die über jeden unserer Versuche von Abschreckung erst lachen werden und dann skandieren: „laaangweilig!“ …

 Glauben Sie, die verzogenen Rotznasen werden einknicken, wenn´s ernst wird, wenn ihnen der Hintern nicht virtuell, sondern real brennt und keinesfalls „gespornt“ werden kann? Denken Sie, dass noch Einige sich besinnen werden? – Ja, sicher: in etwa in der Größenordnung jener, die Trump nicht gewählt haben.

„Wer nicht hören will, muss fühlen“, empfiehlt Dr. Heinrich Hoffmann (Struwelpeter) und es gefällt mir. – Aber das funktioniert leider nur dort, wo Verstand (Bestrafung) reflektieren, Erkenntnis gelingen kann. – Für mein Gefühl haben wir mehr Wahnsinn in der Welt, als Verstand.

Deswegen sind längst nicht mehr nur Aufklärung und Pädagogik gefragt, sondern tatsächlich THERAPIE, Geduld und Zuversicht. Das ist weder Krankheit noch das Hare-Krishna-Mantra Weichgespülter, sondern leider das Gebot der Stunde. Anderes wäre mir auch lieber, das müssen Sie mir jetzt bitte einfach glauben, Sie hartgesottener Kerl, Sie … ;)))

Herzlichen Dank für Ihre wunderbare Zeitung, Ihre wunderbaren Beiträge, die mich wieder und wieder so herrlich „kauen“ lassen, immer bereichern. (und hoffentlich verstehen Sie meinen Humor … woher soll ich denn sonst noch Kraft schöpfen?) – Ulrike Mieth


Leserbrief zu „Die liberale Gesellschaft und die irre Suche nach ihren Feinden“ von Ijoma Mangold

Meine vollste Zustimmung zum Artikel von Herrn Mangold! Die „Linke“(an sich, nicht die Partei) und der liberale Mainstream haben vor lauter PC die Bedürfnisse der Vielen verdrängt (seien diese nun weiß, hetero oder Rentner oder sonstwas). Es kann nicht ausschließend sein entweder für die Rechte von Minderheiten oder die Rechte aller einzutreten. Aber was bewegt denn jeden, egal ob Spießer, Schwuler, Flüchtling oder Oma? Ein bezahlbares Leben mit gleichen Chancen für alle… Es muß mehr geben als den Generationenkonflikt oder die Liberalisierung einer Gesellschaft von was auch immer. Schaut man sich die Programme linker und liberaler Parteien heute an, fehlt einfach die Vision für eine gerechte, inkludierte Gesellschaft.

Wo ist die Forderung nach einer Bürgerversicherung oder ähnlichem? Wo die Forderung nach bezahlbarer Krankenversicherung mit Gleichheit für alle? Wo die Forderung nach einem Bildungssystem, das keine gläsernen Decken mehr hat? Dies wären Anliegen, die alle betreffen. Nicht nur Schwule oder nur Hartz IV’er oder Opelarbeiter oder Beamte und Selbständige. Mir entsteht der Eindruck es ginge nur noch um die Revolution im Nischenbereich, aber nicht für die Gesellschaft. Als Beobachtung: Mir persönlich stoßen immer die langen Haare und der Bart von Herrn Hofreiter (Grüne) auf (man wird halt älter).

Ich selbst lief im Parka mit schulterlangen, schmuddeligen Haaren herum. Aber das waren die 1970er Jahre! Wenn ich mich jetzt in die Opas der 70er hineinversetze, ist es nicht unbedingt die lange Haartracht, die mich abstößt, sondern der elitäre Separationsanspruch zum „Establishment“, der mich stört. Damals und heute nehmen die „Revoluzzer“ eben nicht alle Menschen der Gesellschaft mit, sondern nur den Teil der ihrer eigenen Weltsicht entspricht. Und das scheint das grundlegende Dilemma der „Linken“ auszudrücken: sie ist einerseits zu etabliert geworden (die gutverdienenden Grünen im Kiez) und sie hat es nie verstanden, diejenigen der Gesellschaft mit einzubeziehen oder für sie zu kämpfen, die ihrem Weltbild nicht sosehr entsprachen. Die Quittung sind die miserablen Wahlergebnisse linker oder fortschrittlicher Parteien überall…  – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Jens Jessen

Als jahrelange, immer noch sehr zufriedene Zeit-Leserin habe ich heute  zwei Anliegen.  Zum einen bin ich sehr dankbar für den klugen Artikel von Jens Jessen  als Replik auf Alard von Kittzlitz. Ich teile seine Meinung  vollständig: man kann dunkle Flecken im Denken haben-  es verbietet  sich allerdings, diese aus der Dunkelheit hervorkommen zu lassen. Es  ist ein Gebot des Christentums und ebenfalls der atheistischen  Werteanschauung, menschlich zu handeln. Wir müssen für Pegidisten und  Rechtspopulisten kein Verständnis aufbringen. Es ist beschämend, dass  es solcherlei Gedankengut überhaupt ausgerechnet in Deutschland gibt!  Ebenso wichtig ist mir folgendes Anliegen:  Ich wünsche mir sehr ein Buch aus der Rubrik: “ Du siehst so aus wie  ich mich fühle“. Wird es das jemals geben? Es wäre zu wünschen.  –  Tanja Triefenbach


 

 

24. November 2016 – Ausgabe 49

Leserbrief zu „Warten auf Farah“ von Werner Bloch, ein Interview mit David Galloway

Danke für das schöne Interview mit David Galloway. Es hat von einem Iran erzählt, das ich, geboren 1981, nur aus Erzählung meines Vaters kannte. Das Interview hat mir an diesem kalten Novembervormittag ein Stück Heimat und Wärme geschenkt. Ganz lieben Dank. – Farnaz Engelhardt


Leserbrief zu „Warten auf Farah“ von Werner Bloch, ein Interview mit David Galloway

Ich bitte Sie meinen Text über die Hintergründe der Verschiebung der Farah Dibas Austellung in der Berliner Nationalgalerie in der ZEIT zu veröffentlichen. Meine veröffentlichten Berichte haben zur Verzögerung der Ausstellung massgebend beigetragen (Links dazu im Text).

http://iraniansforum.com/eu/kunstler-proteste-im-iran-steinmeier-ladt-zarif-zur-vernissage-nach-berlin-ein/Dr. Kazem Moussavi


Leserbrief zu „Ungeschminkter Größenwahn“, ein Gespräch mit Edmund Stoiber und der Autor Axel Hacke geführt von Cathrin Gilbertund Stefan Willeke

Gehörte die Forderung „Kriminelle haben im Fußball nichts zu suchen“,  die Hoeneß im Jahr 2000 aufstellte, als der Trainer Christoph Daum des  Kokain-Konsums überführt worden war, auch zur vielgerühmten  menschlichen Seite des Bayern-Managers? Oder fällt diese Äußerung der „Abteilung Attacke“ eher in den Bereich „Irren ist menschlich“?  Und wie verhält es sich eigentlich mit den Compliance-Regeln und den Unternehmens-Leitsätzen der Firmen und deren Repräsentanten, die nicht nur zulassen, sondern sogar fordern und öffentlich begrüßen, dass ein Vorbestrafter Präsident eines Vereins und Aufsichtsratsvorsitzender einer AG wird, mit denen sie wirtschaftlich aufs Engste verflochten sind?  Ein einfacher Mitarbeiter hätte es sehr schwer, mit dem Führungszeugnis des Herrn Hoeneß eine Anstellung zu erhalten. – W.-R. Heilmann


Leserbrief zu „Die abgerüstete Frau“ von Iris Radisch

Ich hätte Donald Duck gewählt!

Im Feuilletonbeitrag von Radisch finde ich nur eine argumentative Linie: eine Matrix von Gefühlen und kollektiv Unbewußtem hat Frau Clintons Wahlsieg torpediert. Das Dumpfe siegte über die Strahlkraft von Vernunft und Fortschritt. Das ist nicht nur nicht originell, es lässt sich auch nicht beweisen. Beweisen lässt sich aber, an Hand von Zahlen, daß Clinton praktisch alle Swing-States verlor, auch die, die nicht im Rust-Belt der verlorenen Männerseelen liegen! Ein Wähler brachte die Stimmung auf den Punkt: „ich hätte Donald Duck gewählt, falls er gegen Clinton aufgestellt worden wäre.“ Zu dieser Lage fällt der liberalen Elite nur wieder reflexhaft ihr Fortschrittsmantra ein. Something is rotten in the state of gender-mainstreaming … – Josef Riga


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

Ein ehrlicher Artikel, der an den Verstand geht (im wahrsten Sinne) Weiter so, Herr von kittlitz. – Marion Rissart


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

Seit der Wahl von Donald Trump befand ich mich tatsächlich, wie so viele, in einer Endlosschleife aus Angst und quälender Selbst-Reflexion. Nach der Lektüre dieses tollen Artikels ist bei mir ein Knoten geplatzt, ich fühle ich mich ermutigt und innerlich gestärkt.

In meinen Alltag nehme ich nun eine von Frieden und Ehrlichkeit geprägte Handlungsanweisung mit, wie ich „den anderen“ (also Rechten und Rassisten) von nun an begegnen werde: Überzeugt, dass eine Welt in der uns die Hautfarbe des Gegenübers nicht einmal mehr auffällt das Beste für uns alle ist. Voll Solidarität mit denen, die sie wirklich brauchen. Und mit den Worten aus diesem Artikel: „Auch ich ringe mit mir. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten. Jeder so gut er kann.“ Das ist es! Vielen Dank, Herr von Kittlitz! – Verena Schönleber


Leserbrief zu „Wieder auf Droge“ von Jonathan Fischer

Der Artikel ist im Ansatz nicht schlecht, bringt auch relativ Unbekanntes zutage. Dass sich Jagger/Richards allerdings 1961 „auf dem Bahnsteig in Dartmore“ getroffen haben… wäre sicher selbst den Beiden neu gewesen. Der elitäre ZEITLeser könnte einen Schreibfehler vermuten, aber das berühmte „Dartmoor“ liegt viel weiter im Westen und eignet sich ebenfalls nicht zu einem historischen Treffen der Rockgeschichte. DartFORD heisst der Ort korrekt. Bitte den Autor oder die versagende Korrektur nicht demnächst ungeschützt auf die Beatles loslassen, sonst trafen sich Lennon/McCartney womöglich in Liverfield… –  Michael Zimmermann


Leserbrief zu  „Boni ohne Leistung“ von Roman Pletter

In dem Leitartikel  von gestern schreiben Sie u.a. , dass der aktuelle  Marktwert  der Deutsche Bank AG  mit ca. 22 Mrd. nur halb so hoch ist wie  der Marktwert zu Beginn der „Ackermannzeit“ im Jahre 2002.

Diese Aussage ist stark geschönt und wäre nur richtig, wenn es seit 2002 keine Kapitalerhöhungen gegeben hätte. In Wirklichkeit gab es in der Zeit ab 2002 diverse Kapitalerhöhungen, allein die beiden letzten Kapitalerhöhungen nach der Finanzkrise betrugen in der Summe  mehr als € 20 Mrd. ,  dies bedeutet der aktuelle Marktwert entspricht in etwa  der „ FRESH Money“ Zufuhr der letzten Jahre.

Darüber hinaus stellt sich die Frage,  wie hoch waren in der Summe die Aktienrückkaufprogramme in der Zeit  seit 2002 und warum haben die Aufsichtsbehörden  und die anderen Aufsichtsgremien diese Art  der  Eigenkapitalvernichtung eigentlich geduldet. Eine Teil-Substitution des Eigen- bzw. Kernkapitals mit  volumenstarken nachrangigen Anleihen ( u.a. Tier 1 ) ist sehr  teuer und  führt zu einer anderen Risikostruktur

Ich bin jedoch sehr zuversichtlich, dass der neue Vorstand  auf dem richtigen Weg ist und bereits einiges in den letzten 16 Monaten erreicht hat. – Roland Framhein


Leserbrief zu „Was Angela Merkel am Wochenende auch hätte sagen können. Ein Vorschlag.“ von Uwe Jean Heuser

Da mir der Redevorschlag von Uwe Jean Heuser auch nicht viel prägnanter und realitätsnäher erscheint als das Original, hier meine Vorschlag:

Liebe Landsleute,

Sie kennen mich. Sie können aber nicht wissen, wie lange und wie intensiv ich darüber nachgedacht habe, ob ich eine vierte Amtszeit als Bundeskanzlerin unseres Landes anstreben soll. Um es gleich zu sagen: Ich hatte meinem Mann versprochen, nicht wieder anzutreten. Es ist auch für eine Politikerin nicht vermessen, sich auf ein Leben danach zu freuen.

Nun ist auch Ihnen, liebe Landsleute, nicht verborgen geblieben, dass sich in meiner Partei niemand gefunden hat, der mir die Last von den Schultern nehmen will. Ich habe mich daher gegen meinen Mann und für unser Land entschieden:

Ich bin bereit, noch einmal meine ganze Kraft und Erfahrung in den Dienst des Deutschen Volkes zu stellen.

Mit verschiedenen Regierungen habe ich in den vergangenen elf Jahren viel geschafft; das leugnen auch meine Kritiker nicht. Aber es wäre unredlich zu behaupten, alle hätten sich ihre Träume erfüllen können. Ich erliege nicht der Versuchung, ungelöste oder neue Probleme anderen in die Schuhe zu schieben: dem System nicht, der Wirtschaft nicht, den Europäern nicht, meinen politischen Gegnern nicht! Ich übernehme die Verantwortung für verbliebene Missstände und werde mich kümmern

um die durch die Agenda 2010 Benachteiligten,

um die durch mangelhafte Bildungsangebote am Aufstieg Gehinderten

und die durch die Energiewende in ihrer Existenz Bedrohten

um die durch unser Gesundheitssystem Unterprivilegierten

und die angesichts der unmoralischen Einkommensverteilung Empörten

um die von der technologischen Entwicklung Überforderten

und um die nach dem Flüchtlingsstrom Verunsicherten

Auch in unserer Außenpolitik gilt das Prinzip der Solidarität. Ich habe vieles, aber nicht alles richtig gemacht. Daraus ziehe ich für mich folgende Schlüsse:

Europa ist eine Vereinigung von Gleichen. Deutschland übernimmt daher keine politische Führerrolle; ich werde nicht kommandieren, sondern integrieren. Dazu gehört auch, angesichts des Euro-Geburtsfehlers teilen zu lernen. Alle Europäer, ob Griechen, Italiener oder Balten, haben Anspruch auf den europäischen Traum!

Unser engster Verbündeter auf der anderen Seite des Atlantiks hat gerade kundgetan, dass auch dort zu viele den American Dream noch nicht verwirklichen konnten. Ich habe viel Verständnis dafür, dass die neue amerikanische Administration eine Politik für die Benachteiligten machen will. Wenn unser Land dazu einen Beitrag leisten kann, bin ich dabei.

Der afrikanische Kontinent insbesondere bedarf unserer Hilfe. Der Westen, also auch wir, haben einiges gutzumachen. Mir ist direkte Hilfe, von Mensch zu Mensch, und Investitionen zugunsten der einheimischen Bevölkerung lieber als Waffenlieferungen mit ihren verheerenden Folgen.

All das ist nötig und überfordert uns nicht. Wenn Sie, liebe Landsleute, das auch so sehen, werden Sie verstehen, warum ich mich noch nicht ins Privatleben zurückziehen kann.

Tun Sie es auch nicht! Dann schaffen wir’s. Ich danke Ihnen. – Johannes Kettlack


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

Der wichtige Artikel von Killitzens zur Xenophobie (ZEIT Nr. 49, Seite 80) wird nicht wichtiger dadurch, dass für den Text (ohne Überschrift aber mit Graphik), der 836 ccm Fläche einnimmt, 4400 ccm Papier verbraucht wird. Es wird also nur 19% der Fläche bedruckt um den Inhalt zu vermitteln. Das sollten Sie mal unter verschiedenen Gesichtspunkten überdenken: Materialökonomie, Energieverbrauch, Ressourcenschonung. Und in meinen Postkasten passt die ZEIT wegen ihres aufgeblähten Umfangs schon längst nicht mehr. Hier besteht Reformbedarf: platzssparende neue Gestaltung.- Albrecht Geuther


Leserbrief zu  „Boni ohne Leistung“ von Roman Pletter

Ideologen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Realität in ihre Ideologie „einbauen“wie sehr sie auch immer widerspricht. Den „freien“ Markt mit dem „freien“ Markt heilen zu wollen, ist dann aber doch ein bischen sehr lächerlich?!  – Dieter Herrmann


Leserbrief zu „Du siehst eine Frau mit Waffe: Egal. Schieß!“  ein Gespräch mit Herlinde Koelbl

Haben Sie vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels „Du siehst eine Frau mit Waffe: Egal. Schieß!“ über ein Gespräch Herlinde Koelbls mit einem israelischen Aktivisten. Die Veröffentlichung ist bemerkenswert, denn die Aussagen des früheren Scharfschützen sprechen für sich.

Es ist höchste Zeit, die israelische Besatzung des Westjordanlandes nach fast 50 Jahren zu beenden. Sie ist die alleinige Ursache für die Bemühungen der Palästinenser, sich gegen das unmenschliche Besatzungssystem zu wehren. Es führt nicht nur zu schweren Menschenrechtsverletzungen und illegitimer Administrationshaft, zu extremer Einschränkung der Bewegungsfreiheit, zu sippenhaftartiger Bestrafung der Familien von Menschen, die sich gegen das Besatzung gewehrt haben. Sondern durch die gewollte Praxis der Militärverwaltung im besetzten Land auch zur Verknappung von Wasserresourcen, Ausbeutung von Bodenschätzen, Vernichtung von palästinensichem Eigentum. Dies alles ist von verschiedenen Seiten dokumentiert, auch von der UN und dem Haager Gerichtshof, deren Beschlüsse vom Staate Israel generell nicht anerkannt werden. Hinzu kommt eine mit dem Völker- und Besatzungsrecht nicht zu vereinbarende Errichtung von israelischen Siedlungen im Westjordanland. Diese Art der Besatzung und der schleichenden Aneignung des Westjordanlandes hat außerdem die israelische Gesellschaft tief gespalten und, ich zitiere israelische Quellen, „korrumpiert“.

 Wie würden wir als Deutsche handeln in dieser hoffnungslosen Situation? Haben sich nicht Deutsche seinerzeit gegen die Besetzung der vielen Klein- und Mittelstaaten durch Napoleons Truppen gewehrt? Waren das damals Freiheitskämpfer oder nach israelischem Sprachgebrauch „Terroristen“?

Erzeugen nicht umgekehrt israelische Soldaten, die des Nachts in palästinensiche Häuser eindringen, die Bewohner bedrohen, das Haus verwüsten oder zu Tausenden Olivenbäume der palästinensischen Bauern zerstören „Terror“  unter den Palästinensern?

Der Begriff „Terrorist“ wird nunmehr auch auf Menschen ausgeweitet, von denen der Anschein ausgeht, dass sie bedrohen könnten. Bis hin zu anderen Staaten der Welt, in denen jeder politische Gegner von den Herrschenden als „Terrorist“ bezeichnet wird. Es ist ein beliebiger Begriff geworden.

Es wird höchste Zeit, die israelische Besatzung zu beenden und eine politische Lösung zu erzwingen, denn seit den Osloer Verträgen ist zu viel Tragisches passiert, haben Menschen zu viel erlitten. – Christian Kieß


Leserbrief zu „Ungeschminkter Größenwahn“, ein Gespräch mit Edmund Stoiber und der Autor Axel Hacke geführt von Cathrin Gilbertund Stefan Willeke

Es war so angenehm, die letzten Jahre von den Tiraden des Herrn Hoeneß verschont worden zu sein, dafür musste man sich den gelegentlichen Blödsinn des Herrn Rummenigge etwas öfter anhören. Der Unterhaltungswert dieses Gespräches mit den beiden Bayernfans hielt sich doch in sehr engen Grenzen, wäre vielleicht im Stadionmagazin besser aufgehoben.

Leider muss ich nunmehr auch meine bisherigen Sympathien für Axel Hacke um einige Grade herabstufen. Ich gestehe aber zu, dass meine Objekitivität beim Fußball als Schalke-Fan auch manchmal Schaden nimmt. – Klaus Philipp


Leserbrief zu “Rent a Sozi” von Fabian Klask

Man hat getrickst und ist erwischt worden. Ungeahnt schnell rudert die SPD zurück – soweit Respekt!

Gleichzeitig versichert man aber, dass die Top-Leute der SPD von den Hintergründen solcher Treffen gar nichts wussten. Und schon versucht man wieder zu relativieren. Wer möchte von solchen Spitzenleuten regiert werden? Entweder sie sind ahnungslos oder lügen. Das sind die Themen weswegen sich viele Leute angewidert von den etablierten Parteien abwenden. Die AFD freut sich.Hans-Peter Baumann


Leserbrief zu “Alles ist kosmopolitisch!” von Ijoma Mangold

Vielen Dank für Ihren an sich ausgezeichneten Artikel über Mathias Énards neues Buch. Mich begeistert der Autor, den ich auf Französisch lese, schon lange. Ich kenne denn auch  sein vorgängiges Buch „La rue des voleurs“. Schön also, dass der Autor in einer guten Übersetzung auch dem deutschen Publikum näher gebracht wird.

Was mich am Artikel von Ijoma Mangold stört?

-Könnte man nicht früher auf Edward Said kommen?

-Ist da nicht eine etwas verdächtige Fixierung auf identitäre Bewegungen? (oder: An wen richtet sich denn eigentlich der Artikel? An Leute, die eh nichts  damit zu tun haben wollen? Wenn ja, wirbt er also nur um billigen Applaus?  Fordert er automatische Anerkennung moralischer Oberhoheit?)

-Warum ist da der unsägliche Einschub über das Gutmenschentum in seiner ganzen Ambivalenz stehen geblieben? Ist das nicht eine etwas kurzschlüssige Verknüpfung mit einer allerdings ernstzunehmenden politischen Realität, die gewiss kritisch durchleuchtet werden muss, aber  doch nicht hierWenn da so unverhofft allergischer Widerstand gegen das Wort Gutmenschen- tum kommt, ist vielleicht etwas dran? Wie kam es denn zur agressiven Wortschöpfung? Wäre das nicht auch eine Untersuchung wert?

Das Wort „Gutmensch“ einfach zum „Unwort“ zu erklären, war nach meiner Sicht  doof und entsprach intellektueller Überheblichkeit, wie sie gerade (ähnlich einer  falsch verstandenen political correctness) Trump und Konsorten Zulauf verschafft.

Linguistisch steht fest: Es gibt keine Unworte, oder, besser, Unwörter — nur Wörter.  Was noch lange nicht heisst, dass man ihren ideologischen Hintergrund nicht kritisieren darf. Ich persönlich behalte mir den äusserst seltenen Gebrauch des  Wortes vor, wenn ich auf welcher Seite auch immer, moralische Anmassung und  Arroganz wittere und nicht umhin komme, in ihr eine Unehrlichkeit, Heuchelei und  Verlogenheit (Hannah Arendt) oder “ Mauvaise foi“ (Sartre) zu erkennen. Was haben denn die Philosophen anderes gemeint? Das Beste wäre, zugegebenermassen, doch einfach, möglichst wahrhaftig zu bleiben und das „Unwort“ (nein, das Wort!) nicht in den Mund zu nehmen und inflationär werden zu lassen. – Rolf Leemann

PS: In der gleichen Ausgabe der ZEIT finde ich den hervorragenden Artikel von Klaus Holz über „Luthers Abweg“. An diesem Text gibt es nun wirklich nichts auszusetzen, souverän und subtil wie er ist. Klaus Holz spricht genau das  Thema an: Was passiert, wenn etwas/jemand als „gut“ oder „besser“ dasteht und in einen vergessenen (stets verschwiegenen) falschen Rahmen gerät?  Wie kommt man da bloss raus? Danke jedenfalls für die dringliche Mahnung!


Leserbrief zu “Du-mich-auch Diplomatie” von Steven Beardsley, Peter Dausend und Michael Thumann

Sie fragen sich, ob künftig ‚direkte Diplomatie‘ öfter nötig sei, um den anderen wissen zu lassen, woran er ist und zitieren dabei ‚Politiker‘ wie den russischen, philippinischen und baldigen amerikanischen Präsidenten, um die These zu stützen. Dies zu akzeptieren würde jedoch bedeuten, sich einer Politik zu fügen, die nichts mehr mit Diplomatie und Repräsentation eines Staates, sondern mit zur Schau Stellung von Eigeninteressen und Macht zu tun hat. Mit Beleidigungen und kindischen Anschuldigungen mögen manche Medien Leser für sich gewinnen. Nur weil so mancher Medienkonsument jedoch nicht mehr in der Lage ist, komplexe Lagen als komplex wahrzunehmen, sondern nur noch auf vereinfachten Parolen anspricht, heißt das nicht, dass sich die Politik ihrer Komplexität zu Gunsten solcher Medienhörigen und pseudodemokratischen Autokraten unterwerfen muss. – Julia Tietjens


Leserbrief zu „ZEIT-Mitarbeiter empfehlen Bücher zu Weihnachten“

Zu Ihren weihnachtlichen Buchempfehlungen im Literaturteil der Zeit Nr. 49 fällt mir nichts mehr ein.

Etwas Statistik:

– 11 empfehlende Redakteur/-innen, davon 6 männlich, 5 weiblich.

– 66 Empfehlungen, davon zwei Doppelnennungen, also 63 Buchempfehlungen

– von 65 Autor/-innen (zweimal Doppelautorschaft): genau 10 Frauen.

– Und, wenn man vergleicht: 4 von 6 Männern gefallen ausschließlich Männerbücher.

Das kann doch wohl nicht wahr sein! Was stimmt hier nicht mit der Zeit, mit den Redakteur/-innen und ihrer Wahrnehmung, mit dem Buchmarkt, mit der Gesellschaft, mit der angeblichen Gleichberechtigung? – Ute Reichmann


Leserbrief zu „Bock auf Muskeln“ von Ruben Rehage

Ihr Artikel über das intransparente Geschäft mit Eiweiß-Shakes spricht mir aus der Seele (sowohl als Apothekerin als auch als Freitsportlerin). Solche Produkte zu verzehren, die in Herkunft und Zusammensetzung eher einem Glücksspiel gleichkommen als bewusster Ernährung finde ich sehr bedenklich (und unnötig!).

Trotzdem weise ich daraufhin, dass es sich beim erwähnten „Kreatin“ nicht um ein Hormon handelt (wie etwa Testosteron, auch gerne als leistungssteigernde Substanz in der Szene verwendet), sondern um ein körpereigenes „Speichermolekül“ für langfristige Muskelarbeit. Für kurzfristige Muskelarbeit reicht der ATP-Vorrat (ein Phosphat-haltiges Molekül) im Muskel aus, ist er allerdings erschöpft, wird jenes ATP aus Kreatinphosphat „nachproduziert“. – Anne Thießenhusen


Leserbrief zu „Auf dem Sprung“ von Wolf Alexander Hanisch

Ich lese schon sehr lange DIE ZEIT, insbesondere die Beiträge zu Politik, Wirtschaft und Finanzen. Natürlich auch die anderen Beiträge, diese aber recht unbefriedigt, weil die Redakteure nur halbherzig berichten. Ein Beispiel: Der Artikel über Lemuren auf Madagaskar in der Ausgabe Nr. 49/2016. Da berichtet Moritz Aisslinger über seine Beobachtungen, erwähnt sogar, dass es auf dieser Insel verschiedene Lemuren gibt, veröffentlicht aber nur eine Art und diese auf halber Seite in Großformat in Spiegelform. Als Leser hätte ich auch gerne gesehen wie die anderen aussehen. Glaubt er etwa, dass das nicht interessiert? Dann hätte er den ganzen Bericht sich sparen können. Erstaunlich ist, dass er mit seiner kleinen Zeichnung vermerkt hat, wo diese Insel liegt. Solche Hinweise halte ich für leserfreundlich, denn nicht Jeder weiß wo ein Ort ect. liegt. Bitte betrachten Sie diese Mail als Anregung und nicht als böse Kritik.  – M. Jäger


Leserbrief zu „Die abgerüstete Frau“ von Iris Radisch

Fantastischer Artikel von Iris Radisch: Die abgerüstete Frau Radisch. Erhellende Analyse, wie immer sprachlich hervorragend, eine Freude die Lektüre! – Dr. med. Jutta Hensen


Leserbrief zu „Die abgerüstete Frau“ von Iris Radisch

Hillary Clinton ist nicht nur wegen politischer Fehler sondern auch an ihrer unterdrückten Weiblichkeit gescheitert.  Unterdrückte Weiblichkeit führte hier fatalerweise zu einer Anleihe bei typisch männlichen Ausdrucksformen wie Härte und Selbstgewissheit. Wenn die Mehrzahl der Trump-Wähler Frauen waren, kann man ermessen, wie wenig  Clinton diese Wählerinnen als Frau angesprochen hat. Und das, obwohl Trump mit seinen üblen Wahlkampfsprüchen  permanent die Würde der Frauen missachtete. Feministinnen -und nicht nur die- empörten sich zu Recht über Trumps  primitive Weltanschauung und fragen sich jetzt entsetzt, warum er doch von so vielen Frauen gewählt wurde. Es muss  aber auch noch andere Gründe außer ihrer Abneigung gegen Clinton wegen ihrer Unglaubwürdigkeit als Frau oder ihrer  Politik, geben, die Frauen bewog, den Milliardär Trump zu bevorzugen. Ist es seine fadenscheinige Erfolgsgeschichte von  Reichtum und „Trophäenfrauen“ die nicht nur Männer faszinierte sondern auch Frauen beeindruckte ?   Sicher wird das Phänomen Trump die Medien und die gesellschaftspolitischen Wissenschaften noch Jahre beschäftigen  um herauszubekommen, wie so etwas passieren konnte. Das geschockte Europa sollte dabei aber nicht vergessen, dass  Frauen und Männer auf solche Figuren auch bei uns ähnlich reagieren -im Guten wie im Schlechten. – Klaus Reisdorf


Leserbrief zum Beitrag von Herrn Alexander Brech, Rubrik: Was mein Leben reicher macht

Was dieser immerhin 13- oder 14-jährige Schüler seinem Lehrer antwortet, – strahlend (!) -, dieser zu Beerdigende sei vielleicht „ein Lehrer???“, ist bestenfalls jugendtypisch spontan kreativ, aber vor allem jugendtypisch respektlos. Diesen Beitrag als das „Leben bereichernd“ zu veröffentlichen, ist grotesk. – Irmgard Fähnrich


Leserbrief zu „Wieder auf Droge“ von Jonathan Fischer

Das letzte richtige Album, Steel Wheels, 1989? Da hat aber jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht: „A Bigger Bang“, 2005, „Bridges to Babylon“, 1997 und ein Meilenstein 1994, „Voodoo Longue“, mit dem die Stones es mal wieder allen gezeigt haben, so wie mit „Exile on Main Street“, 1972, oder “Some Girls”, 1978: Here we are, the greatest Rock’n Roll-Band in the world! – Andreas Rother


Leserbrief zu „Bock auf Muskeln“ von Ruben Rehage

Könnte bitte jemand Ihrem Ruben Rehage erklären, wie man „Muskel“ dekliniert? – Thomas Höhne


Leserbrief zu „Die Avant-Gestrigen“ von Miriam Lau

Ihnen ist hoffentlich klar, dass sie dieser Bewegung zu Größe verhelfen, 400 Aktivisten und sie bekommen die Seite 2 in der Zeit?

Anne Will lädt eine vollverschleite Frau in ihre Sendung ein, auch eine kleine Randgruppe, der es nur um eigene Aufmerksamkeit geht, und schafft es dann im Interview nicht mal ehrlich zu sagen, dass es um Quote geht.

In Österreich wurde die FPÖ auch durch die Boulevard Medien groß geschrieben. Die Medien, und vor allem die Neuen, wie Facebook, sind ein wichtiger Teil, dass unsere Welt heute den Halt verliert.

 Alles eine Form von falsch verstandener Freiheit, denn Freiheit heißt nicht, dass alle das machen dürfen was sie glauben und meinen. Dies ist eines der großen Missverständnisse unserer Zeit, dass viele, vor allem jene, die unreflektiert durch diese Welt treiben, für Ihre Hassverbreitung zu nützen wissen. Und dann sogar der Präsident des mächtigsten Landes der Welt werden können. Wir brauchen neue Regeln! – Andreas Hagn


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

„Wenn ein arabisch aussehender Mann mit Rucksack in die Bahn steigt, haben wir alle Angst“ – was für eine furchtbare Überschrift, die das Diktat der Angst verschärft oder womöglich gar erst Ängste schafft. Bin ich komisch, wenn mir besagter Mann nicht mehr auffallen würde als eine bayrische/deutsche/europäische/christiliche Frau mit Handtasche? Mir persönlich würde der Glatzkopf mit Bomberjacke und Springerstiefeln oder auch der besoffene Muskelprotz mit Fußball-Fanschal auf jeden Fall mehr Angst machen. Sollte überhaupt jemand vor einem so harmlos beschriebenen Menschen („arabisch aussehender Mann mit Rucksack“) Angst haben, dann höchstens, weil die Wahrheit, dass es überall bekloppte Vollidioten gibt, in letzter Zeit durch rechte Propaganda sehr einseitig verzehrt wurde. – Kai Scholz


Leserbrief zu “Die Unterwerfung” von Jörg Lau, Mark Schieritz und Bernd Ulrich

In dem obigen Beitrag wird anschaulich dargestellt, wie die unterschiedlichsten politischen Lager jetzt auf einmal Trump schönreden. Erschreckend finde ich, dass die promovierte Volkswirtin Sahra Wagenknecht Trump bescheinigt, eine bessere Wirtschaftspolitik zu verfolgen als unsere Bundesregierung. Hat sie nicht mitbekommen, welche verheerende Wirkung auf die Weltwirtschaft die Einführung von Strafzöllen durch die USA in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte? Ebenso unfassbar für mich ist, dass der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer ausgerechnet die Rhetorik von Trump lobt. – Winfried Wolf


Leserbrief zu “Die Unterwerfung” von Jörg Lau, Mark Schieritz und Bernd Ulrich

Europa sollte sich ermannen oder erfrauen. Der Schluss des Artikels war das beste an ihm. Gegen Donald Trump in den USA und den Populismus bei uns hilft nur persönliches Engagement von vielen. Früher war man mal JUSO oder bei der Jungen Union, heute sind Parteien für junge Leute ganz weit weg. Früher marschierte man mit lila Halstüchern oder weißen Friedenstauben, heute stiert man auf sein Smartphone und trinkt Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Man lässt fast alles mit sich machen, läuft der Menge nach, sitzt im Warmen. Es wird schon werden. Nein! Demokratie ist mühsam, kostet eigene Kraft und eigene Zeit. Doch wir brauchen sie. Daher: Arsch hoch und Zähne auseinander! – Werner Bohn


Leserbrief zu “Vom Unbehagen der Demokratie” von Peter Sloterdijk

Es braucht nicht zu wundern, wenn es in der der deutschen Politik bergab geht und die AfD immer mehr Stimmen bekommt.  In ihrem akademischen Elfenbeinturm hören Sie den Weckruf an die Politk nicht! Sie verkennen meiner Meinung nach völlig, warum Trump trotz seines Programms und Verhaltens am Ende doch gewählt wurde. Hier hat Meuthen mehr verstanden.  Sie haben es sich in unserem asozialen System bequem eingerichtet und sehen deshalb keinen Grund sich über Änderungen Gedanken zu machen. Ich lebe übrigens nicht von Hartz IV, habe aber noch die Vision, daß man den Betroffenen helfen könnte. Oder sollte ich jetzt zum Arzt gehen?  Ich gebe zu das ist etwas polemisch :-) Aber für Argumente ist ein Leserbrief zu kurz.  – Edgar Schwarz


Leserbrief zu “Hier endet die Religionsfreiheit” von Wolfgang Bock

Dass der salafistische Verein „Die wahre Religion“ verboten wurde, ist in einem Rechtsstatt die unbedingte Antwort auf die Befürwortung von Gewalt und deren Entsprechung in einem exklusivistischen Religionsverständnis, das alle nicht zur eigenen Gruppe Gehörenden zu Ungläubigen erklärt. Die Umbenennung dieser Gruppe in „We love Muhammed“ zeigt, dass es um die Heroisierung eines Idols geht, Praktiken und deren Motive werden also gleich bleiben.

Wie man mit denen umgehen kann, möchte ich an einem individuellen Beispiel zeigen: Vor über zwei Jahren begegneten mir in Mainz drei junge Koranverteiler. Wahrscheinlich hätten die mich aufgrund meines vorgerückten Alters nicht angesprochen, also sprach ich sie mit der Frage an, ob sie heute schon Wein getrunken hätten. Entsetzt sagten sie: Nein, das sei im Islam verboten. Ich: da habt ihr den Koran schlecht gelesen, denn in Sure 16, 67 wird nicht nur der Genuss von Wein, sondern auch der Handel damit empfohlen. In deren jetzt verbotener Verteilausgabe wird der Wein sogar als Heilmittel bezeichnet. Darüber hatte ich mich ein paar Wochen vorher schon mal informiert. Also, ich bestand auf einer Antwort, die schwurbelten rum, ich habe dann noch den Slogan „Lies“ englisch ausgesprochen, also Lüge genannt, außerdem einem der jungen Burschen, als er wieder ausweichend mit einer Standarderzählung kommen wollte, leicht am Bart gezupft – was dem überhaupt nicht gefallen hat. So ging das noch eine Weile weiter, bis die Typen die Flucht ergriffen. Dass denen jemand nicht pauschal, sondern argumentativ mit ihrer eigenen Schrift widersprach, damit hatten sie nun doch nicht gerechnet, und ich habe die jedenfalls auch nie mehr wiedergesehen. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu “Kann dieser Mann Marine Le Pen stoppen?” von Gero von Randow

Wenn es im Mai 2017 in Frankreich ganz schlimm kommt wird Le Pen zur Präsidentin und nicht Fillon zum  nächsten Präsidenten gewählt. All die sich jetzt schon an Prognosen über den Ausgang des 2. Wahlgangs (Stichwahl) in Frankreich versuchen haben den US-Wahlkampf vor Augen. Kurz vorher glaubten noch alle an  den Sieg Clintons über Trump. Wird in Frankreich ähnliches passieren wo sich dann Fillon in der Rolle Hillary  Clintons und Le Pen in der Rolle Trumps wiederfänden ?

In Frankreich fürchten die Politiker nichts mehr als ihre Wähler, die Wahlentscheidungen mit Lust auf Revolution und Umsturz treffen. Wenn nämlich der Kandidat  der PS (wer wird das überhaupt ?) für ihren höchst unbeliebten Präsidenten Hollande im 1. Wahlgang abgestraft wird und höchstens auf Platz 3 hinter den Kandidaten von FN und Republikanern landet müssten sich die PS-Wähler im 2.Wahlgang für oder gegen die Republikaner entscheiden. Nicht mehr undenkbar ist aber leider (siehe Amerika),  dass sie sich für Marine Le Pen entscheiden weil für sie der Bürgerliche Fillon ein rotes Tuch ist.

Der Spitzenmann  der Republikaner kommt eloquent, kultiviert, perfekt gekleidet und gescheitelt daher was ihn zum Star der Bourgeoisie  macht. Ein typischer FN- oder PS-Wähler oder gar Kommunist kann so einen Mann nicht wählen. Bleibt noch die  Empfehlung von Zentrum (unter Bayrou), der Linkssozialisten (unter Melenchon) und der Grünen an ihre Wähler, die die Stichwahl beeinflussen können. Bekannt wurde bisher, dass Fillon vom Zentrum unterstützt wird. – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu “Vom Unbehagen der Demokratie” von Peter Sloterdijk

Kann es wirklich Zufall  sein – oder ist es ein geradezu humorvoller Hinweis der kosmischen Weisheit –, dass gleichzeitig mit dem Auftritt  Donald Trumps auf der politischen Weltbühne, der Film über die „mieseste Sängerin“, die jemals eine Opernbühne betreten hat, erscheint: Florence Foster Jenkins?
Das einzig wirklich brillante an diesem Zusammenspiel, ist die Darstellerin der „Sängerin“, Meryl Streep, die hierfür sehr wahrscheinlich ihre 20igste (!) Oscar-Nominierung und ihren 4. (!) Oscar verdientermaßen gewinnen wird.

Dass sich Mr. Trump ab Januar 2017 zusammen mit George Washington, Abraham Lincoln, den beiden Roosevelts und John F. Kennedy genannt werden muss, wäre, als ob man Florence Foster Jenkins zusammen mit  Maria Callas, Luisa Tetrazzini, Renata Tebaldi u. ä.  erwähnen würde. Jeder Musikkritiker, der das wagen würde, wäre weltweit für immer erledigt.  Politische Kommentatoren scheinen ein weniger feines „Gehör“ zu haben.

Sloterdjik beschreibt, dass die Wahl Trumps, und ähnlicher Figuren in der europäischen Vergangenheit und Gegenwart (Berlusconi), ein grundsätzliches Manko der Demokratie aufzeigt. Das zeigt wiederum, dass die Ohren vertrauenswürdiger sind als der Verstand.

Florence Foster Jenkins, hatte, wenn auch aus dubiosen Gründen,  zwar auch ihr Publikum, aber  in der Carnegie Hall konnte sie nur einmal in einem selbstorganisierten Konzert auftreten.  Undenkbar war, dass die weltweite Musik-Community danach darüber diskutiert hätte, ob sie sich vielleicht nicht doch noch zu einer akzeptablen Sängerin entwickeln könnte.

Dieses unentwickelte ‚politische Gehör‘ kann für uns alle dramatische Folgen haben, denn das  ‚falsche Singen‘ des Ersten Mannes im Weißen Haus, kann sehr viel größere Schäden anrichten, als das falsche Singen auf einer Opernbühne. – Dagmar Schön


Leserbrief zu „Was Angela Merkel am Wochenende auch hätte sagen können. Ein Vorschlag.“ von Uwe Jean Heuser

Zu dem interessanten und originellen Artikel möchte ich folgenden Leserbrief beisteuern:

Ein sehr guter Vorschlag.  Warum lässt sich Frau Merkel nicht fachkundig beraten? Ein anderer Vorschlag wäre folgende, etwas kürzere  Rede von Frau Merkel:

„Zur Frage einer weiteren Kanzlerschaft habe ich mich mit wohlmeinenden Freunden beraten. Sie haben mich überzeugt, dass ich in den  zwölf Jahren als Bundeskanzlerin meiner Verpflichtung gegenüber meinen Wählern und meiner Verantwortung für unser Volk mehr als gerecht geworden bin. Ich ziehe mich deshalb spätestens zum  Ende der Legislaturperiode aus der – für mich zunehmend anstrengenden – Aufgabe zurück.

In meiner Zeit als Bundeskanzlerin ist vieles gut gelaufen, manches ist nicht so gelungen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich wollte aber immer meinem Land in bestmöglicher Weise dienen und hoffe, dass mich meine Mitbürgerinnen und  Mitbürger in guter Erinnerung behalten werden.

Meinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern wünsche ich eine „gute Hand“ und ein gutes Gelingen in nicht ganz einfachen Zeiten.“ – Klaus Grieshaber


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

„Wir sind nicht ehrlich mit uns“, schreibt Herr von Kittlitz, weil wir Trumps Xenophobie beklagen, aber selbst Angst haben, „wenn ein arabisch aussehender Mann mit Rucksack in die Bahn steigt“. Stimmt. Aber es ist doch nicht so, dass wir die – ohnehin wohl nicht sonderlich ausgeprägte – Ehrlichkeit von Trump beklagen, sondern seine Konsequenzen: Dass er mit dieser Xenophobie Abschottungspolitik betreiben will. Wir hingegen – für mich nehme ich es jedenfalls als Wunsch in Anspruch – würden die Angst vor dem Fremden gerne überwinden. Aber ganz sicher nicht zum Maßstab der Politik machen! – Dr. med. Dietrich Tamm


Leserbrief zu „Die Avant-Gestrigen“ von Miriam Lau

Es wird so kommen, wie Sie es nicht haben wollen. Die Zeit ist reif für ein umdenken unserer westlichen Welt. Kein Staat wird auf Dauer die sozialen und gesellschaftlichen Verwerfungen hinnehmen können. In Zukunft muß es heißen: weniger Demokratie als mehr.  Willi Brandt hat vom Wagnis gesprochen. Das ist völlig in die Hose gegangen.  Sie alle sind in eine Welt hineingeboren worden, die mit dem heutigen Modell groß geworden sind. Eine Umkehr liegt nicht in ihrem Vorstellungsvermögen.  Sie sind unfähig, die Gefahr zu erkennen. Viele Bürger, und das ist das schlimmste, wurden von den Politikern nicht mehr für voll genommen. Die ständigen Phrasen der politischen Klasse sind aufgebraucht. Frau Merkel will so weiter machen. Das war die denkbar schlechteste Entscheidung für unser Land und auch für Europa. Die CDU ist nicht mehr erkennbar. Nicht einmal einen Bundespräsidenten können die auf die Beine stellen. Die wirklichen Persönlichkeiten sind alle ausgemistet worden.  Ihr Blatt hat sich auch disqualifiziert, wenn ich an die vorgehende Ausgabe denke. Und die SPD macht einen Fehler nach dem anderen. Weder Schulz noch Steinmeier sind Personen, die entscheidendes Bewegen können. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Ungeschminkter Größenwahn“, ein Gespräch mit Edmund Stoiber und der Autor Axel Hacke geführt von Cathrin Gilbertund Stefan Willeke

Zu der Beschreibung des Führungsmodells von Hoeneß in Ihrem Interview hätte ich folgende Bemerkung zu machen:

Die Organisationsform, in der das Oberhaupt wie ein Patriarch über seine Familie wacht, die Mitglieder versorgt und die Feinde bekämpft, (die auch aus dem Gefängnis geleitet werden kann,) heißt – Mafia! – Harald Bost


Leserbrief zu „Mauern hoch“ von Josef Joffe

Es geschieht nichts ohne Grund.

Wenn Trump sich heute für die verarmte Mittelschicht in den USA einsetzt, dann rennt er bei diesen Personen offene Türen ein, die vom Establishment bisher vergessen worden waren.

Beim Brexit hat 50% der Bevölkerung dem Establishment die rote Karte gezeigt. Eine im Wohlstand schwimmende Elite forderte vom einfachen Mann Lohnverzicht zugunsten Zuwanderern.

Die französische Revolution ist abgelaufen, weil es zwei Jahre  Missernten und darauf folgende Hungerperioden gegeben hatte. Ohne diese hätte es die Frz.Revolution nicht gegeben.

Der Faschismus konnte gewinnen weil : 20 Jahre von 1894 bis 1914 hat Frankreich den Krieg vorbereitet und ganz Europa für seinen Revanchekrieg (wegen 1871)  gewinnen können. Von 1918 ab hat Frankreich Deutschland 10 Jahre lang gedemütigt und damit sogar einem Hitler eine Chance eröffnet. Der wäre sonst  Postkartenmaler geblieben.   Wenn großes Unrecht geschieht, ist auch  die Antwort entsprechend hart. Das war früher so und ist heute so. Eine Elite, die  Fehler macht, bekommt die Quittung dafür. Das Establishment in England und den USA hat dies gerade wieder erfahren müssen. Die Elite wird aber immer wieder Fehler machen. Aus Gier oder verletztem Stolz vergisst man den oder die Anderen.   Zu Ihrem Geschichtsverständnis: Sie kanzeln unsere Großeltern ab als ob diese nur von Hass erfüllt gewesen wären. Nach 220 Jahren Fremdherrschaft seit 1648 vor allem durch Frankreich waren unsere Vorfahren 1871 endlich froh, selbständig und unabhängig zu sein. Und Deutschland war endlich zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Staat geworden.  Frankreich hatte sich aber  vorgenommen, diese Erfolgsgeschichte mit Hilfe der anderen Europäern und zum Schluss sogar mit den USA wieder zu beenden. Was ihnen 1918 dann auch geglückt ist. Unsere Vorfahren waren arm dran. Und nicht genug damit, heute schämt man sich nicht zu  erzählen, der Krieg wäre notwendig gewesen, weil Deutschland angeblich nach der Weltherrschaft gegriffen hätte.   Sie selber spotten auch über unsere Vorfahren, angesagt wäre aber  Bedauern und Mitgefühl.   Ich hoffe und Bete, das unsere Elite heute keine großen Fehler macht. Wenn ich die Naivität sehe, mit der an manche Aufgaben herangegangen wird, bin ich da nicht so sicher. – Reiner Püschel


Leserbrief zu “Vom Unbehagen der Demokratie” von Peter Sloterdijk

Ein kalifornisches Abendessen mit Condoleezza Rice und einige Anmerkungen zum Populismus von Adolf Hitler und Donald Trump

Der Staat Hitlers war eine Party der Versager“, schreibt Peter Sloterdijk am 24. November 2016 in der ZEIT.

Allein die zynische Benutzung des Wortes „Party“ im Zusammenhang mit dem Hitler-Regime disqualifiziert den Karlsruher Philosophen, von dem der Leser schon manches gewohnt ist. „Versager“ für millionenfache Mörder aber ist eine denkerisch-sprachliche Schamlosigkeit. Herr Sloterdijk, Sie sollten sich auf der Stelle öffentlich dafür entschuldigen! – Ulla Chabrier Möllers


Leserbrief zu „Grafik:Sport“

Ich finde Ihre Grafik zur „großen Bewegung“ interessant. Dazu hätte ich gern gewusst, ob die Antworten auf die Frage nach der Vereinszugehörigkeit oder nach der ausgeübten Sportart gegeben wurden. In der Praxis haben die Vereine meist mehrere Abteilungen, entsprechend der ausgeübten Sportart. z.B. haben viele Turnvereine jeweils eine Volleiball-, eine Basketball- oder eine Leichtathletikabteilung oder noch mehr ausgeübte Sportarten. Es gibt in Deutschland so viele Turnvereine weil im 19. Jh. das Sportvereinsleben damit begann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier noch soviele aktive Turner gibt, z.B. bei Frauen und über 60 jährige. Ich könnte mir vorstellen, dass es viel mehr Leichtathleten gibt als in dieser Statistik. Auch stelle ich mir  mehr aktive Basketballer als Golfer vor, oder,dass Wassersportler wie Schwimmer, Kanuten und Segler in der Statistik noch hinter Reitern und Golfern stehen sollen, kann ich mir nicht denken. Vielleicht irre ich mich. Bitte klären Sie mich auf. – Dieter Zywicki


Leserbrief zu „Was Angela Merkel am Wochenende auch hätte sagen können. Ein Vorschlag.“ von Uwe Jean Heuser

Nicht schlecht Ihr Vorschlag. Dafür ist es zu spät. Die Chose kommt zu spät. Solche Erkenntnisse hat die Politik seit 70 Jahren immer dann gehabt, wenn das Kind bereits im Brunnen lag. Ihr Autor Uwe Jean Heuser weiß das auch sehr gut. Das Leben hinter einer Bannmeile entfremdet und das ist das eigentliche Problem. Die Entfernung zwischen Staat und Bürger ist immer größer geworden. Ein Weg zurück gibt es irgendwann nicht mehr. Die Entfernung ist zu groß geworden. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Da helfen keine Mauern“  von Stefan Schmitt

Sie schreiben: „Einmal in der Luft, sind die Emissionen aber äußerst langlebig: Kohlendioxid  bleibt durchschnittlich 120 Jahre am Himmel, Lachgas 114.“  Dabei verwundert mich die Aussage, dass Kohlendioxid durchschnittlich 120 Jahre am  Himmel bliebe. Ich bin mir nicht sicher, auf was sich diese 120 Jahre letztlich beziehen. Im  Kontext Ihres Textes scheint mir, Sie möchten sagen, dass eine Emission von Kohlendioxid im heute durchschnittlich 120 Jahre als Treibhausgas zur globalen Erwärmung beiträgt, bzw.  umgekehrt, in durchschnittlich 120 Jahren keine Auswirkung mehr haben wird. Dies wäre  schön, ist meines Wissens und laut der Aussagen einiger Professoren, welchen ich  gelauscht habe, aber deutlich zu optimistisch. Archer et al. (2005) untersuchte z.B. wie lange  ein Emissionssignal die Erdatmosphäre beeinflusst. Ergebnis: Bei Emissionen um die  300GtC dauert es in der Größenordnung 10.000 Jahre und mehr, bis die atmosphärischen  Kohlendioxidkonzentrationen wieder auf dem „natürlichen“ Pfad verlaufen. Bei 1000GtC (das ist in etwa eine realistische Größenordnung der Gesamtemissionen, welche wir bis zum  Ende der fossilen Ära ausstoßen könnten) sind es über 100.000 Jahre. Bei 5000GtC (das  entspricht in etwa dem Verbrennen der gesamten fossilen Brennstoffe auf Erden), wären es  mehr als 500.000 Jahre. In der Tat ist schon zu bemerken, dass ein großer Teil der  Emissionen rasch von Ozean und Vegetation aufgenommen werden (ca. 50% in  Zeithorizonten von Jahrzehnten), dieser Effekt allerdings, laut IPCC AR5, je nach dem  Gesamtumfang der Kohlendioxidemissionen deutlich nachlässt, sodass nach 2.000 Jahren  zwischen 15% und 40% der ursprünglichen Kohlendioxidemissionen immer noch in der  Erdatmosphäre verweilen (je höher die Emissionen, desto höher der Anteil). Daher ist mir nicht ganz klar, woher Sie diese 120 Jahre heranzogen. Diese Zahl von ca. 100 Jahren scheint in diesem Kontext häufiger aufzutreten, weshalb ich  möglicherweise auch selber etwas (z.B. den Kontext) nicht richtig verstehe: Die MunichRe  schreibt in ihrem Report TOPICS GEO 2015: „Kohlendioxid hat eine mittlere Verweildauer – und damit Klimawirksamkeit – in der Atmosphäre von rund 100 Jahren.“ Hier ist spezieller  von der mittleren Verweildauer die Rede. Diese ist allerdings nicht wirklich relevant in der  Frage, in welchem Zeitraum Emissionen zu einer erhöhten CO2 Konzentration in der  Erdatmosphäre führen. Sie ist definiert als das Verhältnis eines (Kohlenstoff-) Pools und dem  (jährlichen Kohlendioxid) Fluss zwischen zwei Reservoirs. Sie beschreibt nicht, wie in  TOPICS GEO behauptet, wie lange das Kohlendioxid zur globalen Erwärmung beiträgt. Nachdem aber sowohl Sie als auch die MunichRE diese 100 Jahre als Größenordnung  benannt haben, wollte ich Sie doch mal darum bitten mir aufzuschlüsseln, woher Sie diese  Zahl haben, wie sich diese bestimmt und in welchem Kontext sie Sinn macht. Alles in allem vielen Dank für eine sehr gute Wochenzeitung, – Manuel Wifling, Student der „Integrated Climate System Sciences” in Hamburg


Leserbrief zu „Nur einen Klick weit weg“ von Eva Bucher

Ich weiß nicht, ob und wie das Bild mit dem Spruch „Don’t worry Syria – Democracy is on it’s way“ in Tim Ash’s Buch Bezug genommen wird.

Das ist doch – ggf. unfreiwillige – Satire wie die 5 Rüstungsmanager mit „Alle reden vom Frieden – wir nicht?

https://www.uni-heidelberg.de/universitaet/heidelberger_profile/interview/staeck.html

Ich werde das Buch noch lesen. – Gerhard Schroeder


Leserbrief zu „Wer ist Schmidt?“ von Christiane Grefe und „Das Ziel heißt Kuhkomfort“

Sehr gerne lese ich ihre Beiträge zur Landwirtschaft, wenngleich mir auch ab und an Defizite in der Recherche auffallen.

Der Artikel von Frau Grefe hat mir gut gefallen und spiegelt auch meine Eindrücke um Herrn Schmidt wider. Darüber hinaus wird auch das Dilemma aufgezeigt in dem sich die Landwirtschaft befindet.

Der vor- und nachgelagerte Bereich sind zum Sprachrohr der Landwirtschaft geworden. Landtechnikhersteller, Dünge- und Pflanzenschutzkonzerne, Lebensmittelverarbeiter etc. sind mehr am Wohle des Landwirts interessiert als er/sie selbst. Das belegt auch der Artikel von Herrn Sentker. Mit immer mehr Innovationen und Entwicklungen aber auch durch politische Einwirkung werden dem Landwirt erklärt wie er seine Tiere zu halten oder seine Felder zu bewirtschaften hat. Das dies nicht immer mit dem Wunsch des Verbrauchers korreliert sei einmal dahingestellt.

Der vor- und nachgelagerte Bereich hat schnell erkannt welches Investitionspotential die Landwirtschaft besitzt. So wird dem Landwirt mit hochautomatisierten Stallanlagen mit Melkroboter, automatischer Fütterung oder GPS-gesteuerten Landmaschinen der letzte Groschen aus der Tasche gezogen. Dieser reagiert mit ständigem Betriebswachstum um die horrenden Investitionen legitimieren zu können. Was wir auch erkennen können ist, dass praktisches Wissen speziell im Umgang mit Tieren durch die Automatisierung in der Landwirtschaft abnimmt.

Das soll nicht heißen, angebliche Innovationen in der Landwirtschaft sind schlecht. Jedoch sollten die Landwirte abwägen können was für sie in privater und beruflicher Hinsicht wichtig ist, beziehungsweise sollten sie über den Tellerrand hinausschauen können.

Leider bemerke ich immer wieder, dass in der konventionellen Landwirtschaft eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Berufsstand kaum gegeben ist – eher schon im Ökolandbau.

Die Frage zur zukünftigen Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung wird über die Landwirtschaft hinweg ohnehin schon von den NGOs beantwortet. Serienreife künstliche Nahrung könnte die konventionelle Landwirtschaft auf das Abstellgleis stellen. Wird es dann nur noch Bioware als Alternative zum künstlichen Essen geben? Warten wirs ab. – Hannes Karlsson


Leserbrief zu „Hürden  im Kopf“ ein Gespräch mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, geführt von Fabian Klask undElisabeth Niejahr

Was in vielen Diskussionen nicht erwähnt aber sehr wichtig ist, daß die Politik seit 1957 den Rentnern 700 Milliarden Euro gestohlen hat.

Heute und mittelfristig alle Rentner Almosenrenten abzuspeisen, davon noch Kranken und Pflegeversicherung nach 50 Arbeitsjahren abzuziehen, empfinden die Menschen eine weitere Abzocke.

Diese Abzüge werden durch Ulla Schmitt und Göring Eckard auch von Betriebsrenten, also der s.g. Vorsorge abgezockt.

Zu solchen Handlungsweisen durch Politik, in einem der reichsten Länder der Welt, beschämend, unredlich.

Was kann ein heutiger oder mittelfristiger Rentner dafür, daß die Nachhaltigkeit durch Kinder nicht gegeben ist.

Da sollen sich Alle diejenigen einmal besinnen, die da etwas verpasst haben, denn die die seit 10 Jahren in Rente sind und heute in Rente gehen haben noch dafür gesorgt. Allem Anschein waren diesem Personenkreis andere Dinge wichtiger.

Auch die Politik versteckt und versteckte sich schon seit über zehn Jahren mit dieser Aussage, wegen der exorbitanten Griffe, in diese Kasse.

Hier hat die Politik den Rentnern Beiträge gestohlen, was mit den jetzigen 80 Milliarden jährlich nicht mehr auszugleichen ist.

Man muss sich mittlerweile vor den Ländern Österreich, Holland und der Schweiz schämen, die mit ihren Rentnern einen normalen Umgang pflegen.

Ein Rentner Österreichs der Brutto so viel verdient hat wie ein Deutscher erhält 1.800 € in Deutschland gerade einmal etwas über 1000 €, bei Frauen ist es ähnlich 1200 zu 580 €, beschääääääääämend !!

Als Anhang die Wahrheit, der die Politik gegenüber seinen Rentner die noch zu richten ist, an die Zinsen und Zinseszins nicht zu denken.

Die Rentenversicherung braucht darüber hinaus eine Einrichtung die keine Politik mehr an dies Kasse mit eingezahlten Beiträgen läßt.

48 % Rente stehen 71 % Pensionen gegenüber von denen jetzt schon keiner mehr weiß wer das noch bezahlen soll.

Länder zahlen heute schon trotz Verschuldung mehr Pensionen, als als Löhne für noch im Amt befindliche Beschäftigte, ein Waaaaaaaaahnsinn und keiner spricht darüber, bzw. ändert diesen Unsinn, aber über Rentner die diese Steuergelder erarbeiten !!

Kürzlich konnte ich Nachlesen, daß das kleine Holland über 300 Milliarden Rentenrücklage hat. Österreich hat nur eine Rentenversicherung und eine Einrichtung die darüber wacht, dort kann keine Politik einfach nach belieben eingezahlte Beiträge zweckentfremden.

Ich bin froh, daß die Bevölkerung die diese Kassen gefüllt haben, langsam wach werden, da nützen mittlerweile auch die Hetzkampagnen jung gegen alt nicht mehr, was ich sehr geschmacklos finde. – Helmut  Ruth


Leserbrief zu „Was Angela Merkel am Wochenende auch hätte sagen können. Ein Vorschlag.“ von Uwe Jean Heuser

Die Bundeskanzlerin hat die Gabe, dass andere in ihr Nichts, in ihre Leerstelle Sinn projizieren. – Dr. Andreas Schäfer


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

Ihre Redaktion lässt nicht nach. Ich habe eher den Eindruck, die Chefredaktion war über das Echo der Beiträge von Josef Joffe und Bernd Ulrich schockiert. Ihre Schockstarre hält immer noch an. Kann es nicht auch sein, daß die Journalisten genauso weit weg von den Realitäten sind, wie Politiker zu ihren Wählern.? Kann es nicht auch sein, daß Ihr Menschenbild schon immer nur in ihrem Geiste existiert hat.? Und Ihr Autor unterstellt schon wieder den Lesern als wären sie alle plemplem. Warten Sie ab, bis Trump eine zeitlang regiert hat. Erst dann ist überhaupt eine Beurteilung angebracht. Wir reden jetzt über ungelegte Eier. Das sollten Sie sich nicht antun.  – Gunter Knauer 


Leserbrief zu “Vom Unbehagen der Demokratie” von Peter Sloterdijk

Der Philosoph Peter Sloterdijk gefällt sich in der Prognose: „Seien wir realistisch. Die Chance von Donald Trump, die ersten zwei Jahre seiner Amtszeit zu überleben, liegt vermutlich bei kaum mehr als zehn Prozent. In einem Land mit einer so ausgeprägten Tradition des Schießens auf Präsidenten wäre ein mehr als zweijähriges Durchhalten eine Anomalie. . . . Das Schießen auf Präsidenten blieb (in den USA) immer eine aktive Option.“

Hat der Philosoph keinerlei Gespür dafür, dass er mit einer solchen self-fulfilling prophecy dazu beitragen könnte, einen would-be Attentäter zu ermuntern, ein „politische(s) Irrlicht“ bzw. den „unvergleichlich Ungeeignete(n)“ aus dem Spiel herauszuschießen? Sloterdijk schmückt sich die Situation sogar weiter aus, indem er den Vizepräsidenten Pence schon als ‚pragmatischen‘, wenn auch ‚mediokren‘ Nachfolger Trumps willkommen heißt.

Wer diesen Vorwurf für überzogen hält, sei an ein warnendes Beispiel aus der jüngsten deutschen Geschichte erinnert: Im April 1968 schoss Josef Bachmann in Berlin dreimal auf den Studentenführer Rudi Dutschke und verletzte ihn lebensgefährlich. Viele machten damals die Springer-Presse, die Dutschke zum Freiwild erklärt habe, als geistigen Urheber verantwortlich für den Anschlag.

Mich erschrecken alle Denkmuster, die mit dem gewaltsamen Tod eines Menschen spielen. Ein Philosoph sollte sich in verantwortungsvoller Zurückhaltung üben. – Heinz Dieter Mück


Leserbrief zu „Ungeschminkter Größenwahn“, ein Gespräch mit Edmund Stoiber und der Autor Axel Hacke geführt von Cathrin Gilbertund Stefan Willeke

Zu Ihrem Gespräch mit Edmund Stoiber und Axel Hacke einige Anmerkungen. In der grenzenlosen Bewunderung für den FC Bayern ist ein Lob sicher berechtigt: Dank dem hervorragenden Management von Uli Hoeneß ist der Verein vermögend und kann hohe Millionenbeträge für neue Spieler ausgeben. In sportlicher Hinsicht lässt sich über den Wert der vielen Erfolge trefflich streiten. Die “Bayern” haben ihren Mitstreitern in der Bundesliga in den letzten 20 Jahren die besten Spieler “weggekauft”. So wurden die direkten Konkurrenten im Kampf um die Meisterschaft (fast) systematisch geschwächt und andere Vereine dem Abstieg geweiht. Die Liste der “Opfer “ ist lang: es fing an mit dem Karlsruher SC und fand bei Borussia Dortmund seinen vorläufigen Höhepunkt. Dass es dem Management des FC Bayern dabei nicht in erster Linie um eine Verstärkung der eigenen Mannschaft geht, sondern um die Schwächung des Wettbewerbs wird offensichtlich, wenn man sich die Schar der Edelreservisten anschaut, die selten oder nie zum Einsatz kommen. Selbst wenn ich Bayer wäre, würde es mir schwer fallen, auf die fußballerischen Erfolge dieses Clubs stolz zu sein.

Wie man die “Resozialisierung” des Uli Hoeneß durch das Amt des Präsidenten beurteilt, ist ein Frage des moralischen Anspruchs. – Sven Herfurth


Leserbrief zu „Hürden  im Kopf“ ein Gespräch mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, geführt von Fabian Klask undElisabeth Niejahr

Frau Nahles entdeckt die Abschaffung der Armut durch Definition: Arm ist, wer Grundsicherung bekommt?  Gemäß dieser erstaunlichen Politikerweisheit ist also nicht arm sondern wohlhabend,  wer 1 € mehr als  den Gundsicherungsbetrag im Monat hat? Da staunt der Laie! Und der Fachmann wundert sich, ob da Oberschichtarroganz, bloße Realitätsverleugnung oder nur die übliche Roßtäuscherin aus Frau Nahles spricht! – Jochen Blankenburg


Leserbrief zu „Die abgerüstete Frau“ von Iris Radisch

Hillary Clintons Wahlmißerfolg so einseitig auf die Frauenrolle zu reduzieren, ist schwer verdaulich. Wo bleiben soziale und politische Gründe, die auch in den USA eine entscheidende Rolle spielen.

Die Ängste der Mittelklasse vor Abstieg, sozialen Unsicherheiten und Armut vieler Amerikaner werden dabei unter den Tisch gekehrt. Diese Ängste führten zu einer Abkehr vom Finanz- und Politik-Establishment, für die auch Hillary Clinton steht.

Ganz abgesehen davon ist umgekehrt die diskriminierende abwertende Haltung einer M. Trump gegenüber, immerhin auch einer Frau, ziemlich rassistisch! –  Marianne Peycke


Leserbrief zu „Alle gegen Ackermann“ von Arne Storn

Nachdem sich die scharfe  Kritik an den Geschäftspraktiken der Deutschen Bank in Teilen des Investmentbanking zunächst gegen eine verfehlte Geschäftspolitik  gerichtet hat ( == unüberlegter und nicht durch entsprechende Kontrollen begleiteter Übergang auf  angelsäxisch/ US-amerikanisches „kreatives“ Investmentbanking ) kommen jetzt immer mehr die Verantwortlichkeiten bestimmter Vorstände ins Visier. Es geht jetzt nicht nur  darum, ausschließlich Josef  Ackermann „am Zeug zu flicken“ oder nur der DB.  Vielmehr haben auch der Aufsichtsrat der DB  und auch anderer Großunternehmen mit Schieflage sowie die Finanzaufsicht offensichtlich versagt. Generell läßt sich feststellen, daß Toppmanager der deutschen Wirtschaft zu lange mit einer gewissen Duldsamkeit der Öffentlichkeit haben rechnen dürfen, was bei den Betreffenden ( siehe °Victory°-Zeichen von Josef Ackermann im Gerichtssaal) zu einem ausgeprägten Hochmut führte. Man kann auch sagen, daß in Teilen der deutschen Großwirtschaft das Gebot des „ehrlichen Kaufmanns“ völlig aus den Augen verloren wurde… und daß auch die Hauptversammlungen, etwa beim Abwinken von völlig überzogenen Vergütungssystemen für die Unternehmensspitze , versagten. ^^ Der Flurschaden ist nun angerichtet und wird wohl in einer Reihe von Prozessen vor den Gerichten seine Fortsetzung finden. Es geht nicht an, nur die Vermachtungs- und Oligarchisierungstendenzen in post-kommunistischen Volkswirtschaften schärfstens zu kritisieren. Korporatistische Vermachtung gibt es leider auch in westlichen Demokratien bzw von deren Volkswirtschaften. – Sigurt Schmidt


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

Ihr bemühen auf die „Rechten“ zuzugehen in Ehren, aber mit den Kernsätzen: …“euer Scheitern an unseren Werten macht euch nicht zu Unmenschen….“ und letzter Satz „Man muss in denen, die scheitern, die Brüder und Schwestern erkennen.“ erreichen Sie überhaupt kein wirkliches Entgegenkommen auf Augenhöhe!  Wenn Sie so viel negative Wertungen über die „anderen“ mit hineinbringen, dann erscheint es schon fast als Persiflage. Ist es eine? Ich war mir da nicht sicher.  Wichtig wäre ein ehrliches Aufeinanderzugehen – ohne den anderen im ersten Satz abzuwerten! Etwa so: Du hast recht und ich habe recht, lasst uns unsere Argumente austauschen. – Angela Zander-Reinert


Leserbrief zu „Was Angela Merkel am Wochenende auch hätte sagen können. Ein Vorschlag.“ von Uwe Jean Heuser

Uwe Jean Heusers Alternativ-Rede ist gewiss näher dran am Menschen, aber weit(er) weg von Angela Merkel als Bundeskanzlerin.

Ein Vortrag jedoch, der nicht als authentisch erkannt bzw. bewertet wird, kann weder überzeugen, geschweige denn begeistern. – Ira Bartsch


 Leserbrief zu „Ungeschminkter Größenwahn“, ein Gespräch mit Edmund Stoiber und der Autor Axel Hacke geführt von Cathrin Gilbertund Stefan Willeke

Gratulation, in diesem Interview zeigt sich

A) was für ein Pseudofan Stoiber ist, wenn er 96 vom cl Halbfinale spricht, obwohl es der UEFA cup war, den Bayern ja dann sogar gewann

B) was für eine peinliche „Sportredaktion“ man hat, wenn man das nicht aufklären kann und dabei noch gesagt bekommt, der Name Wizeczek werde einem wohl nichts mehr sagen

C) was man überhaupt für ein Verständnis von Journalismus hat, wenn Politiker Steuersünder resozialisiert sehen möchten, nicht aber ehemalige RAFler und einem das nicht mal eine kritische Nachfrage wert ist

D) was für Kleingeister Stoiber und Hacke doch sind, wenn sie sich humorig damit brüsten einen Spieler erst als Arschloch zu beschimpfen und jetzt ganz toll zu finden.

Da wundert mich auch nicht, wenn sich der Herr Hacke wundert, wenn er ach so niedliche Negerklischees auf sein Buch packt, dass es da mal ein bisschen Kritik gibt. Bei unserem ehemaligen MP hingegen hat mich schon lang nichts mehr gewundert.

Was ein Niveau die Zeit in ihrem Sportteil offenbart, dass wundert mich seit bestehen des selbigen…. – Ferdinand Kosak


 

17. November 2016 – Ausgabe 48

Leserbrief zu “Anführerin der freien Welt? Auch das noch!” von Matthias Geis, Tina Hildebrandt und Bernd Ulrich

Ich sehe Frank-Walter Steinmeier und seine wahrscheinliche Ernennung zum Bundespräsidenten nicht als Niederlage unserer Bundeskanzlerin. Was hätte sie denn tun sollen? Er stellt die wahrscheinlich beste und rationalste Wahl dar. Vielmehr ist ihre Zurückhaltung als wohl durchdachte Handlung zu sehen. Sie hat anderen die Entscheidung überlassen. Ja, natürlich. Aber dafür sind die Anderen doch auch mal da.  – Yves Pulst


Leserbrief zu “Weltmacht! Echt jetzt?” von Jochen Bittner et al.

Was bauen Sie eigentlich für einen aggressiven Popanz im Osten auf? Putin lauert? Soll das vielleicht ein Scherz sein? Schon vergessen, dass der Westen drei Mal den Osten überfallen hat? Napoleon, Wilhelm II und Hitler? Schon vergessen, dass die USA eine breite Blutspur vom Iran, über den Irak bis nach Syrien hinter sich her zieht. Von der Ukraine ganz zu schweigen! Es ging den USA immer nur um einen Systemwechsel, nach dem Motto, bist du nicht unser Freund, dann bist du unser Feind. Noam Chomsky spricht von zwei Schurkenstaaten auf der Welt. Der eine ist Amerika. Davor sollte sich die EU schützen. Eine Partnerschaft von EU und Russland, auf Augenhöhe, wäre der Super Gau für Amerikas Geostrategen. – Hubert Kohlbrenner


Leserbrief zu “Weltmacht! Echt jetzt?” von Jochen Bittner et al.

Ein guter und sehr informativer Artikel. Vielleicht sollte man den langsamen und mühsamen Prozeß innerhalb der EU nicht als Makel sondern als eine mögliche Antwort auf die Herausforderungen dieser Zeit sehen. Die Zeit des „Hau drauf und frag hinterher“ sind vorbei bzw. die Probleme dieses Ansatzes werdem immer imminenter (siehe Afghanistan oder Irak/Syrien) Ein langsamer Prozeß ermöglicht das Durchdenken von Handlungen und deren Auswirkungen. Er muß dann allerdings zu entschlossenem und geeinten Handeln führen…  Noch als Anmerkung: wann werden polnische Städte endlich mal nur als polnische Städte gesehen?!? Da heißt es: „beim pommerschen Stolp (Słupsk)“ Wenn überhaupt, dann doch bitte „bei Słupsk (Stolp). Aber keiner würde heute schreiben „in Nieuw Amsterdam (New York)“ Also einfach mal erwachsen werden und Polen bitte vorbehaltlos anerkennen! – Wolfgang Michel


Leserbrief zu “Unerwünschte Wahrheit” von Tanja Stelzer

Den Artikel „Unerwünschte Wahrheiten“ habe ich aufgewühlt gelesen.

Ich bin selber Arzt und gelegentlich auch gutachterlich tätig, nicht so spezialisiert und hoch gebildet wie Hans Christoph LUDWIG natürlich, sondern vergleichsweise banal sozialmedizinisch.

Die Bedeutung allein des gesprochenen Wortes (das nur zusammenfassend protokolliert wird), die Macht des Richters im Rahmen der freien Beweiswürdigung (unausgesprochene Sym- und Antipathie) und die (Un)freiheit der Gutachter (Auftragslage!), vielleicht mag der Kolumnist Thomas Fischer dazu mal etwas schreiben?

Auf seine Kolumne freue ich mich jede Woche, wie gut, dass Sie den haben gewinnen können!- Hubert Lamberti


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Nicht nur der Beitrag von Giovanni de Lorenzo – Ihr Blatt ist voll davon, geht im Wesentlichen wieder einmal an dem eigentlichen Problem vorbei. Er muß jetzt stellvertretend für seine Kollegen den Kopf hinhalten. Die alles entscheidende Frage hätte lauten müssen: Wie konnte ein Donald Trump das ganze politische Establishment  aus den Angeln heben.? Die Schuld liegt nicht bei den Populisten (das wird das Wort des Jahres), sondern bei vielen Journalisten, besonders in den elektronischen Medien und natürlich bei den etablierten Politikern. Es wird zwar vereinzelt von thematisiert, aber das läuft alles nur am Rande.

Die Medien hauen mit einer Wucht auf Trump herum, wie sie das auch bei anderen unerwünschten Personen getan hat. Die wahren Populisten sitzen in den Redaktionen und die Könige des Populismus (besser wäre der Ausdruck: Demagogen ) ist die ganze Mischpoke der 68er Generation. Sie werden nichts ändern, weil Ihre Ideologie in Fleisch und Blut übergangen ist. Das Volk wurde auf einem Irrweg auf die Reise geschickt. Europa und die USA brauchen wieder Politiker, die nicht ständig die Freiheit und Toleranz wiederkäuern.

Der Philosoph Plato befand schon vor der neuen Zeitrechnung: „Die Demokratie wird sich im laufe der Zeit auflösen durch eine Unersättlichkeit an Freiheit!“ Dieser Moment scheint jetzt gekommen zu sein. Freiheit ist eigentlich eine gute Tugend, dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden, wenn es nicht regelmäßig das Gegenteil dessen hervorriefe, was es man eigentlich für die Menschen erreichen wollte. Die Schuldigen sind nicht Trump, AfD oder andere Rechtsparteien in Europa, die sitzen – wie vor beschrieben – ganz wo anders. Und diese Unbelehrbarkeit wird eines Tages bestraft. Und ständig den Weltpolizist zu spielen, steht uns Deutschen auch nicht gut zu Gesicht. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Terror als Bürgerkrieg?“ von Alexander Cammann

„Der Bürgerkrieg als politisches Paradigma“  „Bürgerkrieg im weltumspannenden Terrorismus“. Sie schreiben im Rahmen obiger Buchbesprechung: “Dann allerdings stünde uns wieder jene Lösung bevor, in der Hobbes die einzige Antwort auf die Gewalt sah: der düstere allmächtige Leviathan.“

Der Mangel an dem bedeutenden Werk „Der Leviathan“ (1651), des Thomas Hobbes aber ist  gerade der, dass er keine Lösung für den zwischenstaatlichen Terrorismus (genannt Krieg) vorgelegt hat. Sein Leviathan hegt nur  innerhalb eines Gemeinwesens (auf der Basis eines Gesellschaftsvertrages) den Kampf Aller gegen Alle ein. Die menschliche Gesellschaft aber hat bis heute keinen solchen Vertrag geschlossen! Überstaatlich allerdings wusste es schon Platon:  „Er scheint mir fürwahr die Überzeugung gewonnen zu haben, dass stets ein fortwährender Krieg aller gegen alle Staaten bestehe (ff.).  homo homini lupus! – Burkhard Breslauer  


Leserbrief zu „Passt der Doktorhut zur Fachhochschule?“ Boris Rhein und Bernhard Kempen

Es ist in der Tat unverantwortlich, eine weitere Verflachung wissenschaftlicher  Standards und damit auch eine erneute Entwertung akademischer Titel zu  ermöglichen.  Fachhochschulen sollen primär eine praxisnahe, anwendungsorientierte Ausbildung  vermitteln. Entsprechend sind viele Dozenten weniger wissenschaftlich orientiert, viele kommen aus der Praxis und sind nicht habilitiert, oft nicht einmal promoviert.

Und die sollen dann an die von ihnen ausgebildeten Absolventen Doktorarbeiten vergeben, diese betreuen und bewerten? Leider haben die klassischen Hochschulen dazu beigetragen, dass der wissenschaftliche Anspruch generell Schaden genommen und der Ruf des Doktortitels gelitten hat: Ganz  abgesehen von, milde ausgedrückt, fragwürdigen Anforderungen z. B. beim Dr. med.  zeigen die Plagiatsfälle der letzten Jahre als Spitze des Eisbergs, dass sehr viele Fakultäten  und vor allem Doktorväter ihre Aufgaben im Falle von Promotionen höchst unverantwort- lich handhaben. – W.-R. Heilmann


Leserbrief zu “Anführerin der freien Welt? Auch das noch!” von Matthias Geis, Tina Hildebrandt und Bernd Ulrich

Ich habe wirklich sehr großen Respekt vor Frau Merkel, sowohl als Person (Giovanni die Lorenzo hat, da bin ich sicher, völlig recht, wenn er meint, sie würde sich nicht einmal eine Packung Taschentücher geben lassen, ohne dafür zu bezahlen) als auch als Politikerin. Ich glaube auch, sie hat in ihrer Laufbahn so viele richtige Entscheidungen getroffen, dass sie sich nicht nur den Respekt von Herrn Seehofer, sondern den aller Deutschen wohl verdient hat.

Allerdings glaube ich auch, dass sie mit ihren zutiefst verstörenden Worten zur Flüchtlingskrise so gut wie jeden durchschnittlich vernunftbegabten und ehrbaren Bürger Europas entweder massiv verängstigt, erzürnt oder intellektuell überfordert hat. Die von Frau Merkel mantrahaft wiederholten Sätze „Wir schaffen das – ohne Obergrenze“ halte ich jedenfalls für den folgenschwersten politischen Fehler der jüngeren deutschen und europäischen Geschichte.

Aus diesem Grunde finde ich, dass Ihr Artikel – der mir gesamthaft ebenfalls großen Respekt abnötigt, und dem ich weitestgehend zustimmen kann – in einem wesentlichen Punkt ergänzungsbedürftig ist: Frau Merkel ist, daran besteht wohl ohnehin kein Zweifel, mit ihren (oben erwähnten) Worten nicht nur mitverantwortlich für den großen Erfolg der AfD in Deutschland – sie ist darüberhinaus, mit eben ihrer Haltung in der Flüchtlingskrise, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das Zünglein an der Waage bei der Abstimmung zum Brexit und bei der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten gewesen.

Mit anderen Worten: Ohne die unfreiwillige „Unterstützung“ durch Frau Merkel – der vielleicht in ihrer ganzen glänzenden Laufbahn nur dieser eine schwere Fehler vorgeworfen werden kann, aber dieser eine  Fehler (der, irritierenderweise, von Frau Merkel auch monatelang nicht korrigiert wurde) war leider ein wirklich gravierender – wäre wohl in Großbritannien noch David Cameron Premier und in den USA jetzt Hillary Clinton Präsidentin.

Ich glaube daher, dass Frau Merkel – im Interesse Deutschlands, Europas und der freien Welt – deutlich besser beraten wäre, auf eine weitere Kanzlerschaft zu verzichten. Und ich kann, beim besten Willen, den abschließenden Sätzen Ihres Artikels überhaupt nicht zustimmen.

Es liegt also jetzt an Ihnen, sehr geehrte Frau Hildebrandt, sehr geehrter Herr Geis, sehr geehrter Herr Ulrich, mir etwas besser zu erklären, warum Angela Merkel noch einmal als Kanzlerin kandidieren sollte.

PS: Auf eine Publikation dieses Briefes lege ich keinen Wert. – Peter Jungwirth


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Giovanni di Lorenzo fragt in seinem Leitartikel „Was kann man tun?“ – und läuft beim Versuch zu antworten nicht nur glatt am Thema vorbei, sondern tappt mit seinem „Völkchen“ auch noch in die Mainstream-Falle. Wo bleibt der Neo-Liberalismus? Warum wird hier nicht thematisiert, dass der Pakt zwischen Kapital und Arbeit – ein Teil investiert, trägt das Risiko und kriegt mehr, wenn’s klappt, der andere Teil hat Sicherheit und einen nachhaltigen Job – seit rund zwanzig Jahren (ja, rot-grün hat die Weichen gestellt) nicht mehr gilt? Dass sich die Finanzmärkte weitgehend mit sich selbst beschäftigen (ausser wenn etwas schief läuft, weil dann muss die Allgemeinheit zahlen), statt Kapital für die Gütermärkte und damit für das Gemeinwohl bereitzustellen? Dass Konzernvorstände sich schamlos bereichern, ungeachtet des wirtschaftlichen Erfolgs ihrer Entscheidungen? Dass die Vermögensverteilung in allen westlichen Ländern immer ungleicher wird? All das sind Indizien für eine radikale Abkehr vom Prinzip der Sozialen Marktwirtschaft, tagtäglich spürbar für viele Menschen in der Mitte unseres Landes. Ignoriert! Stattdessen wird schockiert analysiert und natürlich verurteilt, dass „Abgehängten“gruppe 1 (die schon länger hier sind) auf Abgehängtengruppe 2 (die sind neu hier) verbal und non-verbal einprügelt. Deprimierend. – Reinhard Straßer


Leserbrief zu „Ein Kretin wie Trump“

Was den Leserbrief „Ein Kretin wie Trump“ betrifft, würde ich gern erfahren, ob bei der ZEIT  politische Korrektheit und „Hate speech“ nur in eine Richtung gelten? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ZEIT einen Leserbrief veröffentlicht hätte mit der Überschrift und in entsprechender Schriftgröße: „Muslimische Kretins verantwortlich für sexuelle Übergriffe auf Frauen bzw. Muslimische Kretins verantwortlich für die Attentate in Paris, Belgien, Würzburg, Ansbach, Reutlingen.

Ein derartiger Leserbriefe wäre mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit an den ZEIT-Partner, die Antonio-Amadeu-Stiftung weitergeleitet worden. Was Helmut Schmidt wohl zu dieser Einseitigkeit der ZEIT gesagt hätte? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er damit einverstanden gewesen wäre. Denken Sie mal darüber nach.  – Daniela Pröpper


Leserbrief zu “Weltmacht! Echt jetzt?” von Jochen Bittner et al.

Verehrte Redaktion, endlich mal wieder ein Beitrag, der die Herzen höher schlagen lässt.  Das Autorenteam hat grandiose Arbeit geliefert. Europa muß jetzt Farbe bekennen. Jawoll, so ist es. Nur Geld zücken, nach dem Motto: was kostet die Welt, wir haben reichlich, scheint vorbei zu sein. Jetzt geht es an die menschliche Substanz. Was nun? Europa, nach all ihren Erfahrungen, werden das nicht machen wollen.  Die werden Trump mit großen Bahnhof empfangen, wenn er mal nach Mitteleuropa kommen sollte. Und das wäre auch die einzig vernünftige Lösung.  Ich sehe schon die ganzen „Linken“ und sonstige Kriegsdienstverweigerer, die „Unter den Linden“ und „Potsdamer Platz“ mit Knüppeln bewaffnet wieder aufmarschieren und ihre Parolen in die Berliner Luft schreien. Dabei haben sie in erster Linie den schrecklichen Zustand unserer Politik zu verantworten.   – Gunter Knauer 


Leserbrief zu “Es endet oft in Gewalt” ein Gespräch mit dem Globalisierungshistoriker Harold James geführt von Maximilian Probst und Mark Schieritz

Ich finde die in der Öffentlichkeit zur Zeit vorherrschenden Warnungen vor protektionistischer Wirtschaftspolitik angesichts der globalen Krisen sehr zynisch. Denn was sichert den internationalen Frieden wirklich? Soziale Gerechtigkeit auf Basis des Schutzes der ökonomisch Schwachen, oder globaler Konkurrenzkampf um nationale Standortsvorteile?

Die Antwort auf diese Frage berührt unsere eigenen Privilegien, denn die Gewalt des Freihandels erfahren eben nicht wir im Westen. Unsere persönliche Betroffenheit von unregulierter Ausbeutung im Globalen Süden kommt erst mit den zahlreichen Geflüchteten zu uns. So schafft der Freihandel den Boden für rechte Populisten. Und eben diesen rollt ein Journalismus den roten Teppich aus, der die Weltkriege mit wirtschaftspolitischen Protektionismus erklärt und nicht den mit imperialistischen Bestrebungen eines Deutschen Reiches. – Sebstian Atmer


Leserbrief zu “Der Ketzerkönig” von Georg Klein

Dass DIE ZEIT (Druckversion) im Gegensatz zu den meisten anderen Zeitschriften auf eine Besprechung der letzten Cohen CD „you want it darker“ verzichtet hat, fand ich schon befremdlich. Aber der „Nachruf“  von Georg Klein ist einfach eine Katastrophe. Das vom Autor verächtlich angeführte „süßliche Schmachten und anbiedernd gefällige Raunen“ auf frühen PLatten habe ich bislang nicht zur Kenntnis nehmen können. Ich habe während meiner Zivildienstzeit (1969) zu ersten Mal die Lieder Leonard Cohens gehört, seine literarisch exzellenten Romane und Gedichtbände mit großem Gewinn gelesen und besitze heute alle seine Songs. Von daher wären mir die o.g. Unterstellungen sicher aufgefallen.  Das Vorgehen von Herrn Klein bei seinem „Nachruf“ ziehlt wohl darauf ab, das Werk Leonard Cohens zu desavouieren. Er pickt sich irgendwelche Textstellen heraus, interpretiert sie in seinem eigenen religiösen Rahmen und liefert dadurch angeblich den Beweis, dass Religion in Cohens Welt zum Monstrum geworden ist. Wenn man der lebenslangen ernsthaften Sinnsuche des Leonard Cohen Gerechtigkeit widerfahren lassen will, ist das von Herrn Klein angewandte Verfahren absolut ungeeignet und wie ich finde: beschämend. Aber Gottseidank gab es ja in der SZ und in der FAZ sehr ausführliche, gut geschriebene Nachrufe.  Schade! Hier wurde die Gelegenheit, starken Journalismus zu zeigen, mit Füßen getreten. – Peter Butzbach 


Leserbrief zu “Sagt wenigstens Nein!” von Friederike Gräff

Wie haben Sie mir – und sicherlich vielen anderen Lesern – aus dem Herzen gesprochen. Ihre „Ansage“ zeigt sehr pointiert auf, wie widersprüchlich in unserer Gesellschaft mit dem Thema Erwerbsarbeit und dem sozialen Miteinander umgegangen wird. Von den „Arbeitskräfte-Anbietern“ wird höchstmögliche Felixibilität in allen Formen abverlangt (Stichwort: Praktika, befristete Arbeitsverträge u.v.m.). Hat man, dadurch bedingt, keinen straighten 1A-Lebenslauf, wird man von den „Arbeitskräfte-Einkäufern“ als „gescheiterte Person“ angesehen und meistens ignoriert oder bestenfalls mit Standard-Absagen abgefertigt. In unserer sich immer elitärer entwickelnden Gesellschaft schaut man auch gerne mal auf die „faulen Arbeitslosen“ herab, egal wie diese sich bemühen, wieder in Lohn und Brot zu kommen. Merke: Scheitern geht in Deutschland ja mal überhaupt gar nicht. – Michael Hauck


Leserbrief zu “Das Zerreißen der Welt” von Nadine Ahr et al.

Zu dem Photo der Trumps im Dossier der ZEIT 48/16 auf Seite 15: Welche Serie wird das wohl werden, Dallas oder Denver-Clan und wieviel Folgen dürfen wir gespannt erwarten? ;-) – Joachim Klang


Leserbrief zur Grafik „Verkehr“ in „Nicht so schnell, liebe Leser!“

Die Grafik „Verkehr“ zeichnet ein schiefes Bild. Nicht nur zeigen die veröffentlichten Blitzerphotos überwiegend Männer, auch die Statistik zur Geschlechterverteilung unter den Verkehrssündern vermittelt die Botschaft: „Frauen sind die besseren oder zumindest die braveren Autofahrer.“ Das mag tatsächlich so sein. Mit dem gezeigten Tortendiagram, das 77% der Punktesammler in Flensburg als Männer ausweist, lässt sich das aber nicht belegen. Es vernachlässigt nämlich, dass Männer, gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung, überproportional viel mehr Zeit hinter dem Steuer zubringen als Frauen. Man denke dabei nur an die typischen Vielfahrerberufe, wie zum Beispiel LKW-Fahrer, Vertreter oder Paketzusteller, die überwiegend von Männern ausgeübt werden. Entsprechend bereinigt dürfte sich diese Statistik kaum noch dazu eigenen, um das Stereotyp vom „rücksichtslosen, rasenden Mann am Steuer“ zu stützen. Schade, dass sich die ZEIT hier zu einer derart reißerischen Darstellung hinreißen lässt, die man so eher in der Boulevardpresse erwarten würde. Die Erfolge des Fahreignungsregisters hätten eine überzeugendere Presse verdient. – Dr.-Ing. Franz Ulrich Häusler


Leserbrief zu “Das Zerreißen der Welt” von Nadine Ahr et al.

In der Ausgabe DIE ZEIT vom 17.11.2016 haben Sie im Dossier unter der Überschrift „Das Zerreißen der Welt“ auf Seite 17eine Veranstaltung der AfD in der Stadthalle in Gunzenhausen erwähnt.

„Stadthalle von Gunzenhausen, einem Städtchen in Franken[…]Sie können ihr Glück kaum fassen, »unsere erste Großveranstaltung«, und der Saal ist voll mit vielleicht 300 Leuten. Von draußen, jenseits der Polizeisperren, dringen die Pfiffe der Demonstranten herein.“

Hierzu möchte ich als Teilnehmerin an der Demo und auch in der Stadthalle einige differenzierte Beobachtungen mitteilen.

Tatsache ist, dass in der Stadthalle 300 Menschen waren – gegenüber 500 Demonstranten draußen! Tatsache ist, dass viele derer, die in der Stadthalle waren, aus Informationsgründen dort waren – wie ich ja später auch. Viele waren gekommen um sich zu informieren, nicht aber weil sie der AfD anhingen. Das wurde mir im persönlichen Gespräch noch in der Stadthalle verschiedentlich bestätigt. In Gunzenhausen selber gab es klaren Widerstand. So hat auch die lokale Presse sich dankenswerter Weise geweigert, Werbung für die AfD zu machen und in der Ausgabe vom 14.11.2016. S. 33 intelligent berichtet, dabei auch die Demonstranten klar zu Wort kommen lassen.

Mir scheint es im Sinne einer objektiven Berichterstattung eminent wichtig zu sei, dass auch die Gegenseite in der Presse einen gebührenden Platz bekommt. Populismus – wie nun seit den Wahlen in den USA erneut deutlich – beruht in seinem Erfolg nicht zuletzt darauf, dass Medien einseitig gewichten oder einseitig darstellen, so dass ein falsches Bild entsteht. Die AfD stößt sehr wohl auf ausdrücklichen und zahlreichen Widerstand – auch das ist Fakt und sollte von der Presse deutlicher zu Kenntnis genommen werden. – Dr. B. Klepper


Leserbrief zu “Anführerin der freien Welt? Auch das noch!” von Matthias Geis, Tina Hildebrandt und Bernd Ulrich

Vieles von dem, was über Angela Merkel gesagt wird, stimmt wahrscheinlich. Und doch ist es fatal,  in der Hoffnung auf die „gute alte Stabilität“ eine einzelne Person als „Weltkanzlerin“ zu glorifizieren. Wenn wir etwas lernen können aus den populistischen Bedrohungen unserer Zeit, dann ist es die Einsicht in die Notwendigkeit einer neuen, ehrlichen Debatte. Diese Debatte sollte menschlich, ergebnisoffen und unerschrocken sein. Sie sollte den Bogen spannen zwischen einem zerstörerischem Wirtschaftssystem und einer zunehmend dramatischen Überbevölkerung der Erde. Frau Merkel steht nicht für diese Debatte, obwohl sie die Folgen dieser grundsätzlichen Probleme mit erstaunlicher Ausdauer einzudämmen sucht. Die Verantwortung der Medien betreffs dieser neuen Debatte ist immens. Und eine neue Debatte hat immer die Chance, ihre eigenen Personalien zu finden. Frau Merkel wird die Hoffnung, die letztlich auch die Autoren in kindlicher Art und Weise in sie setzen, ohne eine neue gesellschaftliche Debatte nicht erfüllen können. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Nun regiert das Bauchgefühl“ von Heike Buchter

Die Politik wird unter Trump eine völlig andere Richtung nehmen. Nichts ist mehr festgeschrieben. Das Verhalten von Trump in der Wahlphase kann man kritisieren, zumindest ist es gewöhnungsbedürftig.  Und das ist auch in Ordnung. In der Sache wird er die Amerikaner wieder selbstbewusster machen und die Armut wird er auch versuchen auszudünnen. Seine Arbeit wird unternehmerischer.  Dafür ist er gewählt worden und das wird er auch liefern. Wo gehobelt wird fallen auch Späne. Er wird auch den ein oder anderen Fehler begehen. Das ist ihm auch in seinem Unternehmen passiert. Er ist aber in der Lage, das stehenden Fusses zu korrigieren. Das hat mir ein Unternehmer gesagt, der für Trump vor Jahren gearbeitet hat.  Was er für eine Todsünde hält, sind die langen Administrationswege, wenn nichts vorangeht, wenn ellenlange Gespräche erforderlich werden. Wie er damit klarkommen soll, ist für mich die alles entscheidende Frage. Alles was die Medien sonst ihn unterstellen, können sie in die Tonne werfen.  Nur eins ist für mich sonnenklar: Europa wird sich Selbständiger machen müssen. Europa muss den Dreck selbst vor ihrer Haustür  wegfegen. Und das wird viel Geld kosten. Im Klartext : Die Armut wird weiter zunehmen. Ihre Autorin schreibt ganz vernünftig über Trump. Das schätze ich sehr bei der Flut von demagogischen Entgleisungen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu “ Trumpokratie?“ von Josef Joffe

zu Ihrem Artikel unter Zeitgeist:  Auch wenn man den neuen Präsidenten der USA nicht schätzt, den Chefberater von Trump als „Rampensau“ zu bezeichnen, ist nicht das Niveau, das ich von einem Herausgeber der ZEIT erwarte. Ist das der neue Zeitgeist nach Helmut Schmidt? – Ingo Rentzsch-Holm


Leserbrief zu “Anführerin der freien Welt? Auch das noch!” von Matthias Geis, Tina Hildebrandt und Bernd Ulrich

Die Zustimmung Angela Merkels zur Kanditatur Frank Steinmaiers zur Bundespräsidentenwahl wird in der Presse und in den anderen Medien allgemein als Niederlage bezeichnet. Das zeigt einmal mehr, wie wenig über Begriffe und deren Be-Deutung nachgedacht wird. Auch hier gibt es zweierlei Niederlagen : eine, die auf Versäumnissen, vor allem eigenen Fehlern beruht und eine andere Art, die sich aus den „Verhältnissen“ ergibt. Merkel wollte oder musste versuchen, eine eigene, aus dem CDU-CSU Umkreis kommende Persönlichkeit zu präsentieren. Fehlanzeige !

Es ist, nicht nur für CDU-Anhänger, eine bittere Tatsache, dass in diesem Umfeld niemand fähig und wenn ja, bereit war, anzutreten. Das, auch in den eigenen Reihen, als Niederlage Merkels auszugeben, zeigt vielmehr die Erodierung des politischen Denkens und des Politischen allgemein. Die Irgendwie-Erkenntnis dient allein noch der Schuldzuweisung. Warum sich die „Verhältnisse“ ändern wissen wir nur zum Teil, das Meiste bleibt uns zunächst verborgen. Wie kein anderer Politiker beherrscht Angela Merkel die Kunst, angemessen mit den „Verhältnissen“ gehen zu können. – Klaus Tiedje


Leserbrief zu „Teure Tomaten“ von Anton Hofreiter und Claudia Roth

Auf einen solchen Artikel habe ich lange gewartet. Ich würde gerne mehr davon lesen, es würde das Schlagwort „Bekämpfung von Fluchtursachen“ endlich zum Leben erwecken. Wie wär’s mit einem wöchentlichen life-Ticker zu diesem Thema? – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu “ Trumpokratie?“ von Josef Joffe

Sie produzieren viel Anti -Trump Müll, statt etwas vorsichtiger zu agieren und sich die traditionellen 100 Tage zu lassen. Die Leser werden es nicht vergessen wieviel Unsinn Sie so eifrig produzieren. Eine rühmliche Ausnahme: die Kolumne von Herrn Joffe. – Marek Pelc


Leserbrief zu „Raus aus der Haut!“ von Peter Dausend

Sie haben Glück oder Pech dass ich die Ausgabe vom letzten Donnerstag bereits am heutigen Samstag lese. In ein paar Tagen, das wäre das Übliche, wäre mir wahrscheinlich die Zeit zu schade Ihren im Betreff genannten Artikel zu kommentieren.  Aber gehen wir Ihren Artikel doch mal durch – ob der Herr Steinmeier wirklich der populärste Politiker in der Bundesrepublik Deutschland ist, ist für mich diskussionsfähig. Der wie Sie sagen „…immer stärker werdende und immer unverschämter auftretende Populismus der den Staat und seine (selbsternannten) Eliten verachtet wird künftig auf einen obersten Repräsentanten dieses Staates treffen, den sich die Menschen mehr als jeden anderen ins Amt gewünscht haben“.  Haben Sie diese Menschen einmal gefragt, ist überhaupt in Erwägung gezogen worden den Bundespräsidenten durch das Volk wählen zu lassen? Wie war das noch? Wer hatte Demonstranten als „Pack“ bezeichnet?

„Der Populismus der Weltverdreher, konfrontiert mit der Popularität eines Welterklärers (… mein Gott…) das allein wird das Gift der einfachen Antworten und den Brandsatz der Verachtung des anderen und des Fremden zwar nicht unschädlich machen aber ein bisschen weniger vielleicht schon. Das wäre kein geringer Erfolg. Steinmeier sollte seine „Wilde“ Seite stark machen“.  Mein Gott – hier geht der Gaul das Hurrapatriotismus aber gänzlich mit Ihnen durch.

„Oberflächlich betrachtet ist Steinmeier nicht zuletzt deshalb der beliebteste deutsche Politiker, weil er in Deutschland kaum noch zu sehen ist (… das könnte wiederum stimmen…), weiße Haare und eine sonore Stimme hat – und weil er weiß, wie man über die roten Teppiche der Welt flaniert, so das Zuhause alle denken: Das er machte aber prima, so stelle ich mir Deutschland vor! Wäre Steinmeier nicht oberster Diplomat, würde man in Filmen diese Rolle mit ihm besetzen. Außenminister sind nicht zwingend deshalb beliebt, weil sie so gut sind, sondern weil sie Außenminister sind.“ Sie nähern sich langsam dem Sprach-/Schreibniveau der „ Zeitung mit den großen Buchstaben“ an.

 Ja, Steinmeier als Mitglied des „Seeheimer Kreises“ einer neoliberalen Gruppe innerhalb der SPD hat die Agenda 2010 mit verbrochen. Ich bin in Hamburg Dozent und unterrichte Betriebswirtschaftslehre, hier auch das Fach Personalwesen und damit auch den Bereich der Sozialversicherungen. Ich betreue in meinem Bekanntenkreis seit etwa 5 Jahren zwei Hartz IV-Empfänger mit Familie und weiß um deren Situation, speziell die Situation der Kinder, Erwachsene können mit so einer Situation besser umgehen, greift mich persönlich an. Nicht nur dass die Statistiken der Bundesanstalt für Arbeit durch einen simplen Trick nur ca. 2,7 Millionen Arbeitslosengeld-I-Empfänger ausweisen sondern das sogenannte „Minderbeschäftigte“ und „Aufstocker“ in der Größenordnung von ebenfalls ca. 2,7 Millionen im Bericht der Bundesanstalt zwar genannt aber von den Medien, also auch von ihnen, kaum oder selten genannt werden. Der Deutschlandfunk ist hier eine Ausnahme. Hinzu kommt noch, das sich erkrankte Arbeitslosengeld II Empfänger über eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung krank melden müssen, was ja richtig ist, aber dann für 4-8 Wochen aus der Statistik genommen werden egal wie lange sie krank sind. Allein die Zahl der letztgenannten liegt im mittleren 5-stelligen Bereich. Wir reden von ca. 6 Millionen von staatlichen Zahlungen abhängigen Menschen.  Zum Thema Neoliberal haben wir zur Zeit ein sehr gutes Beispiel.

Die Privatisierung des öffentlichen Personennahverkehrs in Schleswig-Holstein hier die „Nordbahn“ mit ihrer Strecken Kiel/ Hamburg bzw. die Verbindung Hamburg/ Sylt. Wenn die richtigen Prioritäten gesetzt würden, das sind sie natürlich nicht, so hätte die Wartung und Instandsetzung bzw. die vorbeugende Wartung von Schienenfahrzeugen eine sehr hohe Priorität bei den, den Verkehr durchführenden Gesellschaften. Diese Wartung bzw. vorbeugende Wartung wird bewusst vernachlässigt zugunsten der Rendite (20 -25 %, siehe Ackermann) von externen Geldgebern. Eine Kupplung zwischen 2 Schienenfahrzeugen ist kein hochkomplexes Teil, im Gegenteil, hier kommt die neoliberale Haltung einer Geschäftsleitung zum Tragen, die ihre Schwierigkeiten im technischen Bereich auf dem Rücken von Pendlern jeglicher Couleur austrägt. Das Berliner S-Bahn System ist das nächste Beispiel wir hatten dort einen Geschäftsführer der in „Gutsherrenmanier“, der Name ist Ihnen sicher bekannt, gewirtschaftet hat und zwar mit Folgen die bis heute nicht beseitigt sind. Aber wahrscheinlich braucht man solche Leute fürs Grobe – die Folgen und Reparaturarbeiten müssen Andere ausbaden.  Zu ihrer Aussage „Das Steinmeier einst die Agenda 2010, Gerhard Schröders im eigenen Lager hoch umstrittenes Reformwerk, erfunden hat, wissen heute nur noch jene Politiker die Linken, die ihn deshalb nicht zum Präsidenten wählen wollen“.  Siehe vorherigen Absatz, es sind ein paar mehr die davon wissen. Die Agenda 2010 ist im Personalbereich von VW entstanden und zwar unter der Leitung eines Herrn Hartz, später auch verurteilt wegen Untreue. Heute allerdings gut gestellter Unternehmensberater in Saarbrücken. Die Linken haben schon recht, man sollte zu seinen Taten stehen aber wie gesagt, von einem Mitglied des Seeheimer Kreises kann man an sich nichts anderes erwarten.

Ich habe einmal in einer Diskussion gesagt, dass diese Leute der SPD aus dem Seeheimer Kreis wären besser im linken Abschnitt der CDU aufgehoben wären.  Ein Vergleich mit US-amerikanischen und französischen Verhältnissen verbietet sich von vornherein und ist dem Niveau Ihrer Zeitung nicht würdig.  Vielleicht noch ein paar Aufzählungen die mir „zumindest“ auffallen: …der Mann der seiner Frau eine Niere spendet…;… gibt es eine Tiefe bei Steinmeier, die bei seinen bisherigen Jobs nicht wirklich erkennbar wurde…; … Steinmeiers sprichwörtliche Super-Vernünftigkeit…; „Kriegstreiberei in der Ukraine“, sein kämpferischer Einsatz –  nun ja, man kann die Vorgänge im Osten Europas ob es nun die Ukraine ist oder die Krim oder die an der polnisch russischen Grenze stationierten Raketen – durchaus verschiedener Meinung sein.

 „Aus der Haut gehen – dem Biest öfter mal freien Lauf lassen – einen Hassprediger Hassprediger nennen – mehr Steinmeier wagen.“… nun ja…  Es gebe noch viel zu sagen aber ich glaube für den Anfang reicht es erst einmal.  Ich frage mich wirklich wie dieser Artikel durch die Redaktionskonferenz gekommen ist, ich bin unregelmäßiger Leser Ihrer Zeitung und dieser Artikel ist mit ein Grund warum ich sie nicht fest abonniere.  – Peter Knebel


Leserbrief zu „Bibeltreue Nihilisten“ von Peter Dausend

Die Mitglieder der jungen Partei „Liberal-Konservative Reformer“ mit Nihilisten in Zusammenhang bringen, ist schon ein starkes Stück. Diese Partei in die rechte Schmuddelecke stellen geht nicht; denn da steht ja schon die AfD, und die Liberal-Konservativen Reformer haben sich ja gerade wegen deren Rechtsruck von der AfD abgespalten. Die auch als Rechtspopulisten abqualifizieren macht sich nicht so gut. Also die Liberal-Konservativen Reformer lächerlich machen. In den Schmutz ziehen, bevor diese Partei in der Öffentlichkeit richtig wahrgenommen wurde. Die Systempresse ist gnadenlos. – Franz Scheuer


Leserbrief zu “Das Zerreißen der Welt” von Nadine Ahr et al.

……….. ei, was seh ich da……Donald Trump mit Merkelraute…. Na, da sollten wir die Hoffnung doch nicht zu schnell aufgeben. – Rose Schrade


Leserbrief zu „Der Trick mit der Gefühls-Befreiung“ von Gero von Randow

eine differenzierte und kritische Auseinandersetzung, die ich mit Gewinn gelesen habe und die ich nicht weiter kommentiert hätte, wäre da nicht Ihre Empfehlung am Ende, die Radikalen sollten sich nicht wie Fische im Wasser fühlen, sondern wie solche an Land.

Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Menschen, die Sie unter „Radikale“ subsumieren, wähnen sich bereits auf dem Trockenen, weil die Mächtigen ihnen das Wasser abgegraben haben. Da Letztere  keine Amphibien sind und folglich nicht  wissen, wie sich’s an Land lebt, sollten sie die Schleusen wieder öffnen. Christen lassen niemanden verdursten, selbst wenn man bei  ihnen Kälte, Hass und Vorurteile vermutet. Ihr Vorschlag ist das Gegenteil von „Wir müssen die Menschen mitnehmen“! – Johannes Kettlack


Leserbrief zu “Rein ins Getümmel!” von Giovanni di Lorenzo

Deutschland hat sich wieder lieb. Und das ist auch gut so! Doch warum scheint diese Message noch nicht bei den nicht-Zeit-, Süddeutsche- & FAZ-Lesern angekommen zu sein? Es hat sich bereits in der Vorwahlperiode herauskristallisiert, doch spätestens seit der missglückten US-Wahl werden die Politiker der deutschen Mitte als Bewahrer der Demokratie gefeiert. Und auch das ist gut so. Denn wann wenn nicht dann, wenn der Populismus immer mehr Mitmenschen zu überzeugen scheint, sollten demokratische Werte wie Offenheit, Toleranz und Kompromissfähigkeit hochgehalten und wertgeschätzt werden. Das sagt Giovanni di Lorenzo. Außerdem plädiert er für eine Auseinandersetzung mit dem Erfolg des Populismus und macht uns Mut indem er sagt, Menschen seien nicht nur gut und nicht nur böse.

Doch das ist einfacher rational gesagt als emotional akzeptiert. Natürlich sind nicht alle Trump-, Le Pen und Petry-Wähler intellektuell und moralisch minderbemittelt, es ist bloß einfacher, daran zu glauben. Man entscheidet sich gern für gut oder böse; der, der für den Kompromiss in der Mitte geradesteht, steht meist wackelig. Vielleicht hilft es zu wissen, dass die Wähler der populistischen Parteien oft weit weniger populistisch sind als deren Vorsitzende, viele sind schlicht und einfach unpolitisch. Wie also kann man auch den AfD-Wählern klar machen, dass auch sie stolz darauf sein dürfen, dass Angela Merkel ihre Tempo-Taschentücher bezahlt und die Einigung der großen Parteien auf einen gemeinsamen Präsidenten kein abgekartetes Spiel ist, sondern ein Zeichen von demokratischer Stärke? Ein guter Anfang wäre die Besinnung auf die Grundwerte des sozialen Miteinanders. Respekt, Toleranz und Wertschätzung. Das setzt voraus, dass ich mein Gegenüber wenigstens in seinen Grundzügen kenne und versuche ihn zu verstehen.

Wenn mein Gegenüber nun also sagt, die Flüchtlinge sollen hingehen wo sie herkommen, denn einer von ihnen wird seinen Job klauen, dann hilft es nichts zu sagen: du bist rassistisch, mit dir möchte ich nicht diskutieren. Denn höchstwahrscheinlich ist er nicht darüber besorgt, dass ein Syrer demnächst im Gartencenter Stauden verkauft, hat stattdessen aber ein Bild vor Augen, wie er selbst eben dies nicht mehr tut. Von denen, die „high“ gehen, muss man erwarten können, dass sie ihr Bestes tun, um ihre Mitmenschen zu verstehen und so lange hinsehen, bis sie erkennen, was alles wertgeschätzt werden kann. Dies ist nun die Aufgabe der Nicht-Populisten, denn sie haben die Chance nach der nächsten Bundestagswahl zu sagen: Die USA haben ein Exempel statuiert und wir haben uns zusammengerissen und daraus gelernt, uns nicht weiter abgeschottet, sondern die demokratischen Werte zu einem gemeinsamen Gut erklärt, welches auch nur gemeinsam erhalten werden kann. – Sarah Bremer


Leserbrief zum Titelthema “Getroffen”

Weltweit sind 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Eine weit größere Anzahl bleibt und ist dabei, mit dem sinkenden Schiff unterzugehen. Schuld daran sind drei dunkle Mächte. Sie belohnen egoistische Machtpolitik und bestrafen Politik im Sinne aller Menschen.

Mit Hilfe des Weltmarkts saugen exportgierige Länder, die mit High-tech oder Ölquellen ausgestattet sind, die restlichen Länder finanziell aus.

Alle Länder werden von den internationalen Finanzmärkten finanziell ausgesogen, z. Durch Geldanlagen bei den Fonds. Die Länder stürzen nun ins Chaos, außer, es kommt Geld in Form von Investitionen zurück. Soziale und ökologische Politik mindert aber die von den Investoren erwartete Rendite.

Weil mächtige Konzerne die einzigen Waffen sind, um auf diesem Parkett zu bestehen, gibt deren Lobby die Richtlinien der Politik vor.

Dieser Politik wird auch in den reichen Ländern zunehmend misstraut, siehe Brexit und US-Wahl. Ständige EU- und NATO-Osterweiterungen, Lagerung von Atomwaffen, Aufstellung von Raketenbasen, NATO-Manöver an Putins Grenze, Bewaffnung oppositioneller Gruppen in der Ukraine u. a., endlose Versuche, in Afghanistan mit Waffengewalt Frieden zu schaffen, bringen uns in Gefahr, zum Kriegsschauplatz zu werden. Dass Putin die Krim für sich gerettet hat und seine rebellierenden Landsleute in der Ostukraine unterstützt, wird als Bedrohung des Westen aufgebauscht. Dahinter kann nur die Lobby der Rüstungsindustrie stecken. Trump will die Unsummen, die in Massenvernichtungswaffen fließen, in die Armutsbekämpfung umlenken. Als Reaktion will man hier die Rüstungsausgaben aufstocken. Warum keine Abrüstungsverhandlungen mit Russland? Weil drei dunkle Mächte uns in der Hand haben, indem sie die Politik bestimmen. Entrüstet euch gegen diese Politik, bevor es zu spät ist. Albert Einstein sagte bereits: ‚Die Rüstungsindustrie ist eine der größten Gefährdungen der Menschheit. Ein Pazifismus, der die Rüstungen der Staaten nicht bekämpft, ist und bleibt ohnmächtig‘. – Hans Oette


Leserbrief zu “ Trumpokratie?“ von Josef Joffe

Alles halb so schlimm, will uns Herr Joffe wohl sagen. Statt zwölf sollen nur drei Millionen Menschen ausgewiesen werden. Obamas Gesundheitsreform wird nicht komplett abgeräumt werden. Vielleicht doch weniger Isolationismus? Aber nicht ganz so schlimm ist immer noch schlimm. Völlig inakzeptabel ist der letzte Satz: „Es bleibt unterhaltsam.“ Hat also all das, was zahllose Menschen zutiefst besorgt macht, ja ängstigt, für den ZEIT-Herausgeber bloß Unterhaltungswert? – Prof. Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu „Passt der Doktorhut zur Fachhochschule?“ Boris Rhein und Bernhard Kempen und „Große leere“ von Anant Agarwala

Was FHs und Universitäten trennt ist: FHs sind eher regional verstreut (nicht nur), Universitäten haben Promotionsrecht (nicht mehr ganz alleinstehend). Die Herausforderungen, die sich in Ihren beiden Artikeln auftut, kann durch eine bessere Zusammenarbeit beider Systeme angegangen werden.

FHs und Universitäten liegen durch den Bologna-Prozessnahe eigentlich wissenschaftlich nahe beieinander. Beide „wildern“ in dem jeweiligen anderen Gebiet, die einen wegen der wissenschaftlichen Anerkennung, die anderen, weil Anwendungsorientierung lukrativer ist. Dagegen ist auch nichts einzuwenden.

Räumliche Nähe ist für die immer jünger werdenden Studierenden wichtig.  Auch ich wollte meine damals 17jährige Abiturientin nicht an das andere Ende der Republik zum Studieren schicken. Darüber hinaus ist heimatnahes Studium billiger, nicht jeder kann sich ein Studentenzimmer leisten. Daher sind die dezentralen Hochschulstandorte in der Region wichtig. Aber benötigen wir im Zeitalter der elektronischen Kommunikation wirklich überall verwaltungstechnische Eigenständigkeit?

Fusioniert beide System doch einfach, schrieb ich bereits 2015 in der DUZ.  Ich glaube immer mehr, so könnte es gelingen kleine Standorte zu erhalten und der mittlerweile postfaktisch geführte Diskussion um das Promotionsrecht eine neue Wendung zu geben

„Fusion von Fachhochschulen und Universitäten ist eine gute Option“ in: DUZ – Deutsche Universitätszeitung, 05/2015, S. 5, DUZ Verlags- und Medienhaus GmbH, Berlin, 24.04.2015 – Prof. Dr. Andreas Mockenhaupt


Leserbrief zu „Nichts ist, wie es scheint“ ein Gespräch mit Michael Butter

Manipulation durch Medien ist weltweit verbreitet, also auch in Demokratien. Wenn aber Menschen in den USA, die nur Fox News schauen, in einer anderen Welt leben als die, die nur CNN schauen, kann man dann überhaupt noch von Demokratie sprechen? Demokratie heißt doch Herrschaft des Staatsvolkes. Macht und Regierung soll vom Volk ausgehen. Wenn das Volk aber aufgeteilt ist in Weltanschauer via Fox News und Weltanschauer  via CNN oder anderer manipulierender Medien, dann geht die Herrschaft des Staatsvolkes nicht vom Volk, sondern von den manipulierenden Hintermännern/-frauen von Medien aus. Das ist dann aber nicht mehr Demokratie. Noch haben wir in Deutschland und Europa öffentliche Medien, die eine ausgewogene Berichterstattung zulassen. Wie lange noch? – Wilhelm Groneick  


Leserbrief zu „Wir hatten keine Wahl“ von Caspar Shaller und „Trump l’œil“ von Irene Dische

Ich habe in diesen Tagen alles verschlungen, was ich zu den Wahlen in den USA in die Hände bekam. Die besten Artikel fand ich in der „Zeit“.

Großartig und wirklich erhellend das Dossier. Noch mehr imponiert haben mir die Beiträge von Irene Dische und Caspar Shaller. Sie machen Mut.

Ein paar mehr junge Leute wie Caspar Shaller und der Trump-Spuk ist in vier Jahren vorbei. Ich hoffe, auch ein paar ältere Semester aus Ihrer Redaktion haben diese Artikel gründlich studiert. –   Wilfried Rahe


Leserbrief zu „Wir hatten keine Wahl“ von Caspar Shaller

Beifall klatschend und mit Tränen in den Augen habe ich diesen klaren, ehrlichen und auf den Punkt  gebrachten Beitrag von Casper Shaller gelesen.

Ich, weiblich, 1989 geboren und durch und durch liberal denkend, stehe einer „Zukunft“ sehr skeptisch gegenüber. Das aktuelle politische Weltgeschehen lässt mich erschaudern und es lässt mich jeden Abend fragend in mein Bett steigen: Warum wird Politik für eine Generation gemacht, die ihre langfristigen Folgen nicht mehr erleben wird/muss? Warum antwortet meine Generation so häufig mit Ohnmacht oder Desinteresse? Sind wir wirklich so desillusioniert wie es Casper Shaller vermutet?  –  Katrin Spohn


Leserbrief zu „Trump l’œil“ von Irene Dische

in the last paragraph of your most readable article Trump l’oeuil , you write that Little Black Sambo was an American book. It wasn’t, the author was British/Scottish). It was a favorite book of my Washington (D.C.) childhood and I was more than surprised that my sister in Boston nearly had a fit when I mentioned sine years agi that the heat there (compared to Northern Germany) was making me melt like Little Black Sambo’s tigers. Little Black Sambo – an absolute no-no! Racist! Hardto believe … – Suzan Meves


Leserbrief zum Titelthema “Getroffen”

TRUMP, TRUMP, TRUMP ……. von Seite 1 bis Seite 89 (Kinderseite) nur das eine Thema (mit ca. 20 % des Gesamtinhalts). Und was lernen wir daraus: Man / Frau hat uns vor der Wahl nicht hinreichend informiert (oder informieren können) über das, was uns da eventuell bevorsteht.

Wenn man / frau dann auch noch zur Kenntnis nehmen muss, dass nicht einmal unser politisches Establishment so weit gedacht hat, sich für den Fall der Fälle wenigstens um die Kontaktdaten von Herrn TRUMP zu kümmern, so gibt das schon zu denken. – Dipl.-Ing. Roland Zahn


Leserbrief zum Titelthema “Getroffen”

Baß erstaunt bin ich, was Sie allesamt – nach der Wahl – plötzlich über Donald Trump wissen. Mit einem Male werden Tatsachen und Vorkommnisse veröffentlicht, die Ihnen auch vorher hätten bekannt sein müssen und dies seitenweise von einem Dutzend Korrespondenten. Welch ein Irrtum über den Wahlausgang ! Sie sind damit in bester Gesellschaft, da dies nicht nur Ihnen, sondern auch solchen „USA-Kennern“ wie Herrn Kleber passiert ist. Entweder recherchieren Sie nicht sorgfältig oder es ist zu vermuten, dass auch die Chefredaktion der DIE ZEIT uns Leser manipuliert. Beides ist sehr ärgerlich und macht mich misstrauisch gegenüber Ihrer Berichterstattung in Zukunft, deshalb nur. – Frank Weidner


Leserbrief zu „Raus aus der Haut!“ von Peter Dausend

Potz Dausend! Ich stimme ein in den Jubel: „Steinmeier for President“ bis ich – um mit  Heinz Erhardt zu sprechen – stutzig wurde. Kaum jemanden  scheint es zu stören,  dass wir einen Außenminister par excellence verlieren, der es nicht nur mit einem alten Fuchs wie Lawrow, dessen Vertrauen er nach Jahren gewann, sondern auch mit an Hozhackerbuam errinnernden Typen aufnehmen kann. Doch die Parteistrategen scheinen sich mehr für andere Gedankenspiele zu  interessieren. Mit Steinmeiers „Beförderung“ ist er nicht mehr dem Parteivorsitzenden der SPD noch der Kanzlerin im Wege. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Doch wenn ein Außenminister-Azubi Anfangsprobleme haben sollte wird unser neuer kenntnisreicher  Bundespräsident hoffentlich mit aufbauenden Reden einschließlich seiner „verborgenen Eigenschaften“ hilfreich sein. Und so sehen wir auch bei diesen Kammerspielen betroffen:Der Vorhand zu und alle Fragen offen. – Wilfried Buscher


Leserbrief zu “Gab es schon 1943 Madonna?” von Can Dündar

C.Dündar sieht einen Zusammenhang zwischen der Buchferne in der heutigen Türkei und der kritischen Einstellung der politischen Eliten zur Literatur in seiner Heimat in den letzten 50Jahren.Ohne Frage fördern Bücher, die Wahrheiten aussprechen und Missstän- de benennen, das kritische Denken, machen aber auch autoritär Regierende manchmal ziemlich nervös – Bücher werden konfis- ziert, verbrannt, verboten.

Die Wurzeln kritischer Einstellung zu Büchern und Autoren rei- chen zurück ins Osmanische Reich: 1483 (kurz nach Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern) verbietet Sultan Bayezid II bei Todesstrafe den Buchdruck (vgl. ZEIT vom 18.2.16). Erst 250 Jahre später wurde das Verbot aufgehoben.

Vielleicht inszeniert sich der neue Sultan mit seiner Jagd auf Autoren und Journalisten gerade als Wiedergänger des alten. – Hans Freudenberg


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Den Kern des Problems mitsamt gängiger Lösung auf dem Wege des Bedauerns und der Beschwichtigung hat der Autor auf dem Silbertablett formuliert: Wir sind „ein Land, das … trotz leider wachsender Ungleichheit noch eines der besten sozialen Systeme der Welt hat.“ Wir sind ein Land, in dem bekanntlich 10% Superreiche über weit mehr als 50% aller Nettovermögen verfügen (vgl. Der Vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, 2013). Im krassen Gegensatz dazu besitzen die ärmsten 50% zusammen 1 % – aber nicht die Aussicht, dass sie oder ihre Kinder sich da irgendwie herausarbeiten.

Es gibt u.a. Superreiche mit der Erkenntnis, dass wir die Verhältnisse ändern müssen. Aber realistischerweise ist von der Mehrheit der Reichen und Mächtigen zu erwarten, dass sie das mit allen Mitteln verhindern – insbesondere mit dem Kaufen von Experten, Lobbyisten, Politikern und Medien. (Paradebeispiel: die Artikel der (vom Multi-Milliardär Jeff Bezos in 2013 gekauften) Washington Post über Bernie Sanders und Hillary Clinton).

Wenn Menschen wählen können –  und sei es nur das blanke Versprechen, dass es ihnen wirtschaftlich endlich wieder gut gehen wird – dann gehen sie wieder zur Wahl.

Welche Politiker/innen riskieren ein Programm, das die Vermögensverhältnisse und damit die Gesellschaft nachhaltig gerechter macht? Es wäre doch schade, wenn das nur Irre und Populisten anbieten. Noch schlimmer wäre es, wenn wir uns Politiker, die das anstreben, als Irre und Populisten madig machen lassen.

Wem hilft es, wenn wir dann unseren Donald Trump bekommen – also: Parteien bietet uns ein Konzept. Dann wählen wir. – Klaus-Günter May


Leserbrief zu „Passt der Doktorhut zur Fachhochschule?“ Boris Rhein und Bernhard Kempen

Der wirkliche Grund für diese Querelen liegt doch in der Tatsache ,dass dem Doktorgrad in der Öffentlichkeit grosser Respekt gezollt wird,warum auch immer.Es wird schlicht geglaubt,der promovierte Mensch weiss mehr, kann mehr und ist tatkräftiger. Selbst sogenannte Personaler fallen darauf herein.Das Individium  mit dem Dr.vor seinem Nachnamen ist quasi geadelt,kostet vielleicht mehr, aber ziert ungemein die Liste der Mitarbeiter einer Firma.Auch deren Kunden lassen sich beeindrucken.Schwiegermütter sowieso. Da es in Hessen gelungen ist,den Fachhochschulen das Promotionsrecht zu geben, müssen die anderen Bundesländer mit ähnlichen Institutionen nachziehen.Wenn nicht,kommen wir  in die gleiche Wirrnis,welche die Grundschule,Mittelsstufe und Oberstufe der verschiedenen Bundesländer auszeichnet.- Hans-Emil Schuster 


Leserbrief zu „Passt der Doktorhut zur Fachhochschule?“ Boris Rhein und Bernhard Kempen

Sein „Nein“ begründet der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, unter anderem mit formalen und rechtlichen Antworten auf seine einleitenden Frage: „Aber wird an den Fachhochschulen genauso geforscht wie an den Universitäten?“ Meine Gegenfrage aus Sicht der Praxis: „Forschen Universitäten angesichts des Investitionsstaus in deutschen und internationalen Hochtechnologieunternehmen an den richtigen Themen?“ Als Verantwortlicher für Technologie in einem deutschen Großklinikum und im täglichen Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte, zeigt sich mittlerweile deutlich, dass es insbesondere die Fachhochschulen sind, die ihren Studierenden die komplexen Gesamtzusammenhänge zwischen betrieblicher Organisation und einer rasant steigenden Digitalisierung vermitteln. Dazu gehören neben dem Fachwissen gerade auch Methoden- und persönliche Kompetenz, um die digitale Transformation erfolgreich zu gestalten. In all diesen Fragen hinkt die forschende Wissenschaft den Hochschulen für anwendungsorientierte und praxisnahe Ausbildung zwischenzeitlich deutlich hinterher. Der Engpass an praxisorientiert ausgebildeten Nachwuchskräften in der deutschen Wirtschaft ist einer der Gründe für ausbleibende Investitionen. Dabei wären die Hersteller von Hochtechnologie mehr als bereit, die erforderlichen Drittmittel für zukunftsfähige, praxisorientierte Forschungsarbeiten zur Verfügung zu stellen. Die Konsequenz kann nur das bundesweite Promotionsrecht für Fachhochschulen sein, wie es das Land Hessen in vorbildlicher Weise umgesetzt hat. Die Wirtschaft wird dafür sorgen, dass die von Herrn Kempen mitleidsvoll erwähnten Drittmittel, die Fachhochschulen heute einwerben, beginnend in Hessen sehr schnell steigen werden – von ebenso steigenden Studentenzahlen ganz abgesehen. – Dipl. Wirtschaftsing. (FH) Gerald Götz


Leserbrief zum Titelthema “Getroffen”

nach dem Wahlsieg von Donald Trump kursieren etliche Artikeln über dessen mögliche Folgen. Momentan sieht es so aus, dass niemand eine konkrete Prognose stellen kann, was genau auf uns zukommen könnte. Stattdessen liest man lebhafte Debatten und Überlegungen über die Demokratie, sogar sehr viele, was an sich nichts Übles mit sich bringt. Aber jetzt ist wohl nicht die richtige Zeit für die Diskussion über eine hohe Idee. Dringend gefragt wird vielmehr die pragmatische, tragbare und handfeste Politik, die in erster Linie von den Politikern und den Beamten der Kommunen ausgetragen wird, eine Politik, die im wahrsten Sinne des Wortes dem Gemeinwohl dient. Gefragt werden praktische Ideen und Konzepte für die Verbesserung und für die Umgestaltung des täglichen Lebens der normalen Menschen, die normal leben, oder halbwegs normal leben wollen. Dabei sollte man den schrecklichen Satz von Brecht ernst nehmen: Erst kommt das Fressen (oder ein Smartphone, mehr Rentenpunkte, usw.), dann kommt die Moral.

Die Idee der gerechten Verteilung der Ressourcen ist nicht neu. Allerdings wurde sie in der Geschichte nie verwirklicht, und sie wird nie realisiert werden. Das wusste schon Thomas Morus. Nicht ohne Grund taufte er sein Staatsmodell Utopia. Verschiedene Staatsformen wurden erträumt und experimentiert, aber bis dato gibt es noch keinen einzigen Staat, dessen alle Bürger wunschlos glücklich sind. Wir wählen irgendeinen Politiker, der sich im Interessenkonflikt verfängt, wie in einem Spinnennetz. Das ist unsere Demokratie. Oder besser gesagt, viele Bürger sehen die Politiker so, obwohl ausgerechnet sie unser tägliches Leben gestalten und notfalls umgestalten. Aber die Einzelheiten sind uns scheinbar verborgen. Wir haben aber außer dem Urnengang sonst keine Alternative, uns an der Politik direkt zu beteiligen. Wie viele Bürger besitzen überhaupt ein genaues Wissen über die konkrete Entscheidungsprozedur im Kommunalparlament? Ist es uns bewusst, dass wir als kontrollsinstanz vorgesehen sind? Umgekehrt:Wie viele Mühe geben sich die Kommunalpolitiker um die Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit, um die Bürger zu informieren, und in welchem Umfang? Hier lässt noch sehr viel zu wünschen übrig.

Da jede Staatsform sich im Laufe der Zeit verändert, sollte man sorgfältig und vor allem rechtzeitig überprüfen, ob die jetzige Staatsgestalt der Realität entspricht, wobei der Begriff „Normalität“ immer neu ausgelegt werden sollte, weil wir in unserem Kopf stark von den Normen abhängig sind, manchmal im erschreckenden Ausmaß. Die Idee der Demokratie sollte man ebenso immer wieder hinterfragen.

Hier in Berlin wird auf den Baustellen immer weniger Deutsch gesprochen, und im Pflegebereich arbeiten viele Frauen aus Osteuropa, nicht selten illegal. Zum Beispiel ist es auch ein Staatsmodell, in dem die verhältnismäßig wenig verdienenden Menschen den anderen dienen.

Ich persönlich schätze Frau Merkel und ihre Haltung sehr, aber sie zeigt nicht, wo genau der Weg hinführt. In welche Richtung gehen wir jetzt? Hat sie etwa Angst davor, „Führerin“ zu sein? Was für ein Staatsmodell sie im Kopf hat, ist mir ein Rätsel.

Oder was denken SIE? Was bedeutet ein Staat für SIE? Wenn SIE an die Demokratie denken, was sind die wichtigsten Komponente für SIE? Ich würde mich sehr freuen, darüber in Ihrer Zeitung zu lesen. – Ai Kretschmer-Nakashima


Leserbrief zu „Ich heile mich selbst“ von Max Lebsanft

Ein überaus interessanter Artikel. Zugleich: Die wesentliche Frage wird unter dröhnendem Schweigen begraben. Heilt Geist? Sind Placebo, Nocebo etwas Geistiges?

Mit wissenschaftlichen Methoden werden heutzutage Materie und Energie als Gestalter unserer Welt erforscht. Betrachten wir beide genauer, dann zeigt sich, dass diese nicht in »reiner« Form vorkommen, sondern immer bereits selbst gestaltet sind. Sie tragen einen speziellen Ausdruck oder eine Aussage. Materie kann zum Beispiel Kupfer oder Silber sein. Was macht den Unterschied, ob es diese oder jene Art von Materie ist? Energie kann als blaues oder rotes Licht Ausdruck finden. Was macht den Unterschied?

Der Unterschied liegt in der jeweils unverwechselbar spezifischen Ausgestaltung von Materie oder Energie. Wir können auch sagen in ihrer Erscheinung folgen sie einer Idee und besitzen eine Qualität. Mit dieser Erkenntnis sind wir beim Geistartigen. Das Geistartige ist weder Materie noch Energie, sondern das diese Gestaltende. Also eine Idee, ein Gedanke oder, will man eine zeitgemäße Bezeichnung wählen, eine Information.

Das interessante an Placebo und Nocebo ist nicht, dass wir Hinweise finden, dass geistige Heilmethoden in bestimmten Fällen nicht spezifisch wirken, sondern einem allgemeinen geistigen Heilen entsprechen. Hierzu werden im Artikel Forschungen zur Akupunktur zitiert. Dies soll scheinbar ein materialistisches Weltbild stützen. Nach dem Motto: Haben wir doch immer gewusst, dass Akupunktur nicht wirklich hilft. Das wirklich Weltbewegende ist, dass Gedanken, Ideen, Informationen heilen! Und dieses Heilen lässt sich biochemisch nachweisen. Nicht etwas Materielles, Biochemisches wird verabreicht, sondern etwas Geistiges – eine Information. Das sollte doch zu denken geben und jeden Forschenden angesichts der sich öffnenden Weiten in Verzückung versetzen. Wird aber einfach ignoriert, weil dem herrschenden Weltbild widersprechend. Kein Ansatz einer Überlegung im gesamten Artikel.

Beten, Meditation, Homöopathie, Akupunktur, Psychotherapie, Schamanismus  etc. heilen. Sie heilen desto stärker, je spezifischer passend die gegebene Information ist. Das ist die Grundidee der Homöopathie. Diese Art von Heilung ist somit immer personotrop (subjektiv, innerlich). Inneres Erleben, Subjektivität, Bewusstsein, Geist sind die entscheidenden Stichworte. Natürlich verschließt sich dies aufgrund des gewählten Versuchsaufbaus in wesentlichen Punkten den heutigen Forschungsmethoden. Wir könnten doch zumindest angeregt durch die Placebo-Forschung darüber nachdenken. – Michael Wolfgang Geisler


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Um aus dem Getümmel wieder herauszukommen, ist Resilienz gefragt.  Resilient sein, heißt, ein Stehaufmännchen sein, heißt Potenzial entfalten, Blockaden lösen, Krisen meistern, heißt an Herausforderungen wachsen und gesunden. Salutogenese. Das gilt für den einzelnen Menschen, das gilt für die gesamte Gesellschaft, die ja aus vielen einzelnen Menschen besteht. Nach dem Pionier der Resilienzforschung Antonovski sind 3 Faktoren für die Salutogenese ausschlaggebend. Ist die Welt für einen Menschen verstehbar, gestaltbar und bedeutsam?  Eine Gesellschaft, in der die Menschen mit der Haltung leben „Ich verstehe die ganze Welt nicht mehr. Da kann man sowieso nichts machen.  Es hat alles keinen Sinn“, kann keine resiliente Gesellschaft sein. Und dabei geht es um jeden Einzelnen! Immer wieder gibt es Beispiele dafür, welch Unheil ein Einzelner in der Gesellschaft anrichten kann. Und es gibt Menschen, die sich das Denken nicht abgewöhnen lassen, vom Nachdenker zum Vordenker werden. So ein Vordenker ist für mich der Gehirnforscher Gerald Hüther, der den Satz geprägt hat: „Begeisterung ist Dünger für das Hirn.“  Wie sieht es derzeit in Deutschland mit der Begeisterung für das Leben aus? Wie sinnvoll, verstehbar und gestaltbar ist das Leben für den Einzelnen? Anders gefragt: Kann die Demokratie fröhliche Urfeste feiern oder liegt sie genauso wie in weiten Teilen der Welt krank darnieder?

„Wer jeden Gedanken daran ausschließt, selbst ein Teil des Problems zu sein, leidet an Arroganz“, schreibt Giovanni di Lorenzo in dem Artikel.  Werden politische Entscheidungen in Deutschland von gewählten Volksvertretern im Interesse des Volkes getroffen, werden die Volksvertreter zu Machthabern über das Volk oder zu Ohnmächtigen anderen Machthabern gegenüber? Wenn die Politiker nicht frei in ihren Entscheidungen sind, ist die Welt auch für sie nicht mehr gestaltbar.  Wessen Interessen werden vertreten, wenn der Vertreterin Deutschlands bei dem Umweltgipfel in letzter Minute noch Befugnisse genommen werden aus Angst, wirtschaftliche Machthaber verärgern zu können.  Wessen Interessen werden vertreten, wenn der staatliche Medienkonzern mit Zwangsabgaben finanziert wird, wenn per Rasterfahndung die Menschen wie Verbrecher dingfest gemacht werden, die ihr Leben selbst gestalten und zu deren Lebensstil das öffentliche Fernsehen nicht gehört?

Wessen Interessen werden vertreten, wenn sogar ein Gesetz beschlossen wird, das Arzneimitteltests an Dementen offiziell absegnet?  Sind das Entscheidungen, die von einer gesunden Demokratie künden? Sind das Entscheidungen, die die Begeisterung für das Leben stärken? – Zur Symptombekämpfung bieten sich „populistische“ Kräfte als Medikament an.  Aber wie das mit Medikamenten so sein kann, können die Nebenwirkungen stärkere Symptome sein als es die ursprünglichen waren.  „Es ist unendlich viel zu tun, aber das kann jetzt auch Ansporn sein“, schreibt Giovanni di Lorenzo.

Zu diesem Ergebnis kommt auch ein bemerkenswerter Film, den ich allen empfehlen möchte, auch Politikern und Politikverdrossenen, „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen.“ Der Film geht von einer Studie aus, die das Ende der menschlichen Zivilisation innerhalb der nächsten 40 Jahre voraussagt. Die Filmemacher erkunden daraufhin Projekte in aller Welt zu Wirtschaft, Landwirtschaft, Energie, Demokratie und Bildung. Sie kommen zu der Erkenntnis: „Es gibt eine andere Vision der Welt. Wir müssen etwas tun. Jetzt.“  Ich wünsche uns allen, dass wir die Weckrufe aus allen möglichen Richtungen wahrnehmen, uns auf unser menschliches Potenzial besinnen und vermeintliche Niederlagen zu einem Anlauf für einen Neustart nutzen.  Resilienz – Eine Gesellschaft besinnt sich auf ihr Potenzial!  Sehr geehrter Herr di Lorenzi, ich danke Ihnen, dass Sie mich mit Ihrem Artikel zu diesen Gedanken angeregt haben. – Gerda M. Kolf


Leserbrief zu “Sagt wenigstens Nein!” von Friederike Gräff

Was für Bewerbungen gilt, trifft auch für Anfragen an die Buchverlage zu; wenn ich einem Verlag ein Ms anbiete, handelt es sich ja auch um eine Art Bewerbung. In verschiedenen Sprachen habe ich über siebzig Bücher veröffentlicht. Bei Auftragsarbeiten war die Publikation kein Problem. Wenn es aber darum ging, einen Verlag für ein bestimmtes Thema zu interessieren, blieben viele meiner Anfragen unbeantwortet. Inspiriert von den Ausführungen von F. Gräf habe ich mich entschieden, es nun auf dem umgekehrten Weg zu versuchen. Meine Angebote: 1) Das Geheimnis der Bilder. Verschlüsselte Botschaften in der kirchlichen Kunst; 2) Maria – Knotenlöserin, Kriegerin, Königin. Die Madonna in Kunst und Theologie; 3) Biblische Geschichten im Spiegel der Literatur; 4) Intrigen Sex und Totschlag in der Bibel. Hiermit lade ich die Verlage ein, sich bei mir zu bewerben; der erste, der sich für eine Veröffentlichung bereit erklärt, erhält den Zuschlag. – Prof. Dr. Josef Imbach


Leserbrief zu „Raus aus der Haut!“ von Peter Dausend

Steinmeier ist für mich wie sicherlich für sehr viele Deutsche eine erstklassige Wahl. Was mir trotzdem an seiner de facto Wahl zum Bundespräsidenten missfällt, ist dreierlei: Dass die Wahl schon stattgefunden hat, dass sie von den drei Großen vorgenommen wurde und nicht von der Bundesversammlung und schon gar nicht vom deutschen Volk und drittens, dass dies zwar nicht hinter verschlossenen Türen im Hinterzimmer geschah, denn so kann man das Bundeskanzleramt ja wohl nicht bezeichnen, aber doch hübsch abgeschirmt von der Öffentlichkeit.

Das jetzt  noch vorgesehene Abnicken durch die Bundesversammlung könnte man sich sparen und die entfallenden Ausgaben einer besseren Verwendung im karitativen Bereich zuführen. Würdiger als diese Farce wäre eine repräsentative Übergabe des hohen Amtes in einer festlichen Feierstunde im Schloss Bellevue.

Mir ist selbstverständlich klar, dass aufgrund der Gesetzeslage das nicht möglich ist, aber der Ärger bleibt, weil wieder eine Chance „von denen da oben“ vertan wurde, mehrere ehrenwerte und repräsentable Kandidaten aufzustellen und in einer Wahl, die diesen Namen verdient, den neuen Bundespräsidenten zu bestimmen. – Dr. Peter Samow


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Aus meiner Sicht haben Sie den Grund für den Erfolg von Trump (AfD, … ) und Co nicht erkannt.

Die Menschen sind verunsichert und laufen deshalb den Populisten hinterher. So verstehe ich grob ihre Analyse.

Nein! Die Trumpwähler haben erkannt, daß die Republikaner und genauso die Demokraten religiöse Fanatiker sind, von denen sie keine Hilfe zu erwarten haben. Alles Mitglieder der FInanztaliban (Um etwas griffig zu formuieren). Und genauso sind unsere Parteien mehr oder weniger gleich schlecht und treiben eine menschenverachtende Politik. Da kann Trump nicht schlimmer sein. Über ein bisschen Sexismus, Rassissmus und sonstige Probleme muss man in diesem Fall hinwegsehen. Und z.B. hoffen, daß er es mit der Ablehnung der CO2-Minderung nicht so ernst meint.

Ich vergleiche die Finanztaliban mit den Scientologen. Einmal verteilt das Fußvolk den Wachturm und im anderen Fall die Zeit :-) In beiden Fällen stopft sich die Führung die Taschen voll.

Und das macht das Ganze so schwierig. Hier geht es nicht um Fakten sondern um Glauben, wie bei jeder Religion. Deshalb halte ich es für einen Warnschuss an unsere Politiker. Jetzt müssten diese schauen warum die Leute Trump, Front National und AfD wählen und damit erkennen wie falsch ihre Politik ist. Es darf kein „Weiter so“ geben!

Es geht einmal um Gerechtigkeit und dann um Visionen. Einer ihrer Autoren hat da z.B. Bei Bernie Sanders etwas gespürt. Welche Partei in Deutschland hat für die Opfer der Finanztaliban eine realistische Vision anzubieten? Keine! Also aufwachen bitte. – Edgar Schwarz


Leserbrief zu “Das Zerreißen der Welt” von Nadine Ahr et al.

Wahrlich keine „schöne“, aber eine anrührende Reportage! Den Sachverhalt an sich, den die Episoden illustrieren, kann man natürlich auch kürzer skizzieren: http://www.ulrich-willmes.de/politikerverdruss.html –  Ulrich Willmes


Leserbrief zu “Anführerin der freien Welt? Auch das noch!” von Matthias Geis, Tina Hildebrandt und Bernd Ulrich

was für ein schöne geschriebener, unaufgeregter und sachlicher Artikel!!! Glückwunsch! – Klaus Riediger


Leserbrief zu “Anführerin der freien Welt? Auch das noch!” von Matthias Geis, Tina Hildebrandt und Bernd Ulrich

Steine werden auf ihrem Weg liegen! – Angela Merkel fühlt sich gefordert und strebt an, zum vierten Mal Bundeskanzlerin zu werden. Ihre Entscheidung wird in der medialen Öffentlichkeit mit vielen Lobpreisungen aber auch mit verhaltener Kritik wahrgenommen. Ich selbst habe bei Wahlgängen niemals mein Kreuz im CDU-Kästchen gemacht. Aber wenn in Deutschland das höchste Regierungsamt parteiunabhängig, also in namentlicher Direktwahl, besetzt werden würde – meine Stimme würde Angela Merkel bekommen! Was sie in den nunmehr 11 Jahren ihrer Kanzlerschaft geleistet und erreicht hat, das ist für mich beeindruckend. Angela Merkel hat dafür gesorgt, dass Deutschland weltweit wieder positiv wahrgenommen wird. Und dies nach einem verbrecherisch angezettelten Weltkrieg, der nur ein Vierteljahrhundert hinter uns liegt.

Aber bei ihrer erneuten Kanzlerschaft – wenn sie denn Wirklichkeit werden sollte – werden auf ihrem Weg übergroße Steine liegen, die sie wegräumen muss. Denn nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten menschlichen Welt gilt es Probleme zu lösen, die vielfach unlösbar erscheinen. Die Spannungen zwischen arm und reich, die wachsende Gewalt- und Kriegsbereitschaft, der fortschreitende von uns Menschen verursachte globale Klimawandel. Sollte Angela Merkel wieder Bundeskanzlerin werden, mein Vertrauen hat sie. – Dieter Lehmann


Leserbrief zu “Ein Jahr in Deutschland” von Caterina Lobenstein und Kolja Rudzio

der Artikel „Ein Jahr in Deutschland“ über syrische Unternehmer und ihre Familien zeigt wieder einmal Ihre einseitige Betrachtung der Flüchtlingsproblematik. Was machen denn die vielen alleinreisenden, geringqualifizierten, jungen Männer? Wie fallen diese unserem Gemeinwesen zur Last? – Christopher Hagen


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Bezogen auf Ihren Artikel liegen hier in Deutschland die Dinge meiner Meinung nach längst nicht so kompliziert wie von Ihnen vermutet. Das mag in den USA anders sein, glaube ich aber nicht.

Hier bei uns gäbe es nur eine kleine unbedeutende AfD wenn die regierenden Parteien einfach nur gesetzestreu wären und ihren Job im Sinne der Bevölkerung und gemäß ihrem Amtseid machen würden. Wenn die AfD gewählt würde (was ich mache, weiß ich noch nicht) dann nicht weil es eine charismatische Figur gibt (à la Trump) oder das Programm der Partei so wahnsinnig überzeugend wäre oder das Vertrauen in die Handelnden so erheblich größer wäre als in das der etablierten Parteien. Nein hier wird zu etwa 80% Klatsche gewählt.

Also die AfD zu marginalisieren wäre ganz einfach. Einfach mal Umsetzen was rechtlich geboten ist und nicht versuchen den Menschen zu erklären warum die Fehlentscheidungen der letzten Jahre richtig waren. Z.B. Energiewende, Öffnung der Grenzen (Schengen aushebeln), Euro Rettung, Rentensystem (Rente mit 63, Mütterrente etc.) verunstalten, Hartz IV zurückdrehen, Genderdiskussion und unsinniger Umsetzungsversuche, Denk- und Sprechverbote einführe etc. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass es wirklich weit verbreiteten Fremdenhass in Deutschland nicht gibt. Zu mindestens nicht in meiner Umgebung und im weiteren Umfeld. Wenn es denn Hass geben sollte, dann richtet er sichwahrscheinlich gegen viele Politiker der etablierten Parteien.

Herr Tillich hat das augenscheinlich verstanden (siehe unten) aber auch er wird für die Wiederwahl der Kanzlerin Merkel bereitstehen.

Zitat:

„Das geht so nicht mehr weiter“: Tillich fordert „Gesetzestreue“ von der Politik (Epoch Times19. November 2016Aktualisiert: 19. November 2016 8:40 )

„Es reicht nicht mehr, dass man Politik erklärt, sondern der Bürger will, dass die beschlossenen Gesetze auch eingehalten und umgesetzt werden“, so Tillich.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) fordert „Gesetzestreue“ von der deutschen Politik, um unzufriedene Bürger umzustimmen.WERBUNG

Es reicht nicht mehr, dass man Politik erklärt, sondern der Bürger will, dass die beschlossenen Gesetze auch eingehalten und umgesetzt werden“, sagte Tillich der „Welt“. Der Christdemokrat warnte vor einer unzufriedenen Minderheit in Deutschland, „die aber größer wird. Sie ist schon so groß, dass man sie nicht mehr ignorieren kann“.

Nicht nur in den sozialen Netzwerken seien mit dieser Gruppe „Dämme gebrochen“ und würden Dinge gesagt, „die früher unterlassen worden wären“. Als Beispiel für seine Forderung nannte Tillich die Flüchtlingspolitik. Wenn die Politik sehe, dass die Schengen-Regelung nicht funktioniere, „dann müssen wir dies offen aussprechen und darüber diskutieren, wie man die Grenzen anders sichert“.

Man könne nicht sagen: „Wenn die Griechen ihre Grenze nicht schützen, dann übernimmt Frontex, und wenn Frontex mehr Personal braucht, beschließt der Europäische Rat, mehr Personal zu stellen, bis schließlich der Chef der Bundespolizei sagt, er hat nicht genügend Personal dafür. Und das war`s dann.“ Tillich warnte: „Das geht so nicht mehr weiter, wenn wir dem Politikverdruss Einhalt gebieten wollen.“

Der Regierungschef sagte weiter, man müsse zwischen denen unterscheiden, „die unsicher in die Zukunft schauen und sich nicht mehr vertreten fühlen“, sowie Gruppen, „die für keinerlei Argumente mehr zugänglich sind“. Zu diesen zählten Rechtsextremisten, „Reichsbürger“, Islamisten und Autonome.

Hier müsse es Aufgabe sein, „Recht und Gesetz durchzusetzen und den Zulauf zu diesen Gruppen zu unterbinden“. Das Potenzial der rechtsextremen Szene sei in in seinem Bundesland „gefährlicher“ als anderswo, sagte Tillich. „Die rechtsextreme Szene ist hier schneller als anderswo zu Gewalt bereit.“

Er betonte aber mit Blick auf das Wachsen rechter Ressentiments: „Dieser Stimmungswandel zeigt sich an so vielen Orten, dass man sie nicht irgendeinem Land oder einer Region zuordnen kann. Diese Tatsache ist für mich das eigentlich Besorgniserregende.“ Wenn Europa nicht den Willen aufbringe, „die übergeordneten Interessen im Blickfeld zu halten, dann steht es nicht gut um unsere Zukunft“. (dts) – Detlef Becker


 Leserbrief zur Grafik „Verkehr“ in „Nicht so schnell, liebe Leser!“

Es ist immer wieder lustig, dass das Rasen in Städten und auf Autobahnen mit potenziell tödlichen Konsequenzen für andere in Deutschland als Kavaliersdelikt oder als eine Art Reifeprüfung angesehen wird, die Bestrafung des Vergehens bezeichnen die Leute selbstverständlich als „moderne Wegelagerei“. Überquert man jedoch als Fußgänger (oder gar

Radfahrer!) eine rote Ampel, bricht bei den Menschen scheinbar ein Teil des Weltbilds zusammen und man kann in 3 von 4 Fällen davon ausgehen, dass man von irgendjemandem lauthals an irgendeine Geldstrafe erinnert wird oder an das berühmte Vorbild für die Kinder.- Mario Bisiada


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

In meinem Berufsleben als Arzt komme ich täglich in Kontakt mit Menschen, von denen ich nicht gerade den Eindruck habe, dass sie aus einem Land kämen, in dem eines der besten sozialen Systeme der Welt herrsche. Ohne Erklärung dazu bleibt die Aussage eine reine Gefühlsäußerung. – Bastian Holtkamp


Leserbrief zu „Der Trick mit der Gefühls-Befreiung“ von Gero von Randow

Vielen Dank für den sehr guten Artikel von Herrn von Randow „Der Trick mit der Gefühls-Befreiung“. Auch das Interview mit Herrn Butter über die Verschwörungstheorien passt sehr gut. Was mir weniger gefallen hat, ist, dass in dem Artikel wieder mal die Psychoanalyse diffamiert wird als veraltet und spekulativ, obwohl Herr von Randow sie für seinen Artikel als Steinbruch verwendet, aus dem er sich gedanklich bedient. Da würde ich mir doch auch etwas mehr Differenziertheit wünschen. In meiner therapeutischen Arbeit als Psychoanalytikerin bin ich ständig mit paranoid-schizoidem Denken konfrontiert – Stichwort „Verschwörungstheorien“ – mit dem Wunsch nach einer klaren Unterscheidung in gut und böse, schwarz und weiß, mit der Trennung von Denken und Fühlen. Das sind die zentralen Themen der modernen Psychoanalyse, nicht mehr die Sexualhemmungen zu Freuds Zeiten.

Die Psychoanalytiker tragen mit ihrer in der Tat sehr komplexen Theorie dazu bei, die „leise Stimme der Vernunft“ (S.Freud) immer wieder gegen „Suppenlogik und Knödelargumente“ (ebenfalls S.Freud) zu stärken und sollten von daher als natürliche Verbündete im Kampf gegen die sich verbreitenden regressiven Tendenzen wertgeschätzt werden.

Stattdessen bläst uns der Wind so heftig ins Gesicht, und die ZEIT bläst eifrig mit – siehe Ihre letzte Doctor-Beilage – ,daß wir vielleicht bald fortgeweht sein werden, jedenfalls in der gesundheitspolitischen Landschaft. Ich verstehe bis heute nicht, warum es bei der ZEIT offenbar Tradition ist, gegen die Psychoanalyse zu sein; meinen ersten Leserbrief habe ich in den 70er Jahren gegen Dieter E.Zimmer geschrieben. Vielleicht spricht es ja für die psychoanalytische Haltung, dass ich trotzdem mein Abonnement noch nicht gekündigt habe. Es wäre aber schön, wenn sich auch bei Ihnen in der Hinsicht mal etwas bewegen würde. Vernünftig heißt doch nicht, dass alles, was mit Zahlen nicht zu belegen ist, als Spekulation abgetan werden kann. Damit begeben Sie sich in das Fahrwasser derer, die die Welt einfacher haben wollen als sie ist. Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich jetzt beim Schreiben etwas emotional geworden bin, aber ohne Gefühle geht es eben nicht. – Charlotte Rothenburg


Leserbrief zu “ Die dunkle Seite der Macht“ von Kerstin Kohlenberg

Star Wars in der Zeit!?   Schön reißerisch und schön niveaulos!!   Mag der Bannon auch gefährlich sein- an einigen Zitaten wird das ja sehr deutlich.    Aber  Vokabular wie dieses:  „dass er die Washingtoner Regierung zerstören“ – “ bis er die Elite erledigt hat“ – “ auf die Absetzung der globalen Elite abgesehen“ – „das Washingtoner System zerstören“ – „die Normalisierung hat begonnen“  wird nicht näher erläutert.   Was ist das System?   Was ist die Elite?   Was ist die Normalisierung?   Mutiert die Zeit mit solchen Artikeln zur Bild!!? – Inge Daniels


Leserbrief zu „Dieser nette Herr führt eine Armee von 20.000 Terroristen“ von Erich Follath

Trotz des  wirklich dummen Titels und Bastei-Lübbe-Perlen wie „Augen von eisgrauer Kälte“ habe ich den Artikel aus Interesse am Thema zu Ende gelesen. Es scheint leider so zu sein, dass Erich Follaths bewundernswerte Eigenschaften wie Neugier, Mut und Abenteuerlust sich in ähnlicher Weise mit Schlampigkeit und Eindimensionalität paaren wie bei Peter „Ich war in seinem Zelt“ Scholl-Latour. Zugegeben, man braucht in Afghanistan kein Arabisch, aber Hisb-i Islami mit „Partei Gottes“ und Taliban mit „Koranschüler“ zu übersetzen ist eben nur irgendwie fast ein bisschen richtig.

Es ist richtig schade, dass Leute, die historischen Persönlichkeiten so nahe kommen, so wenig sorgfältig und so aussagearm darüber berichten. Und ebenso schade, dass sie nicht stattdessen das tun, was ihren Neigungen und Fähigkeiten besser entspräche: abgefahrene, persönlich recherchierte Jugendromane in der Tradition Karl Mays schreiben. Dann hätten alle mehr davon. – Rasto Lewandowski


Leserbrief zu „Raus aus der Haut!“ von Peter Dausend

Ich hätte – obwohl seit 35 j. Genosse – in diesem Falle Herrn Di Lorenzo bevorzugt, fand aber kein Gehör beim Parteivorstand ….. Vielleicht 2022 ! – Prof.Dr.med.Ulrich Krause   


Leserbrief zu “Unerwünschte Wahrheit” von Tanja Stelzer

Darf ich mir erlauben, zu Ihrer zweiten Stellungnahme betreffs ein  Strafverfahren vor dem LG Dortmund Ihnen Respekt zu zollen, gerade weil  es sich aus der Phalanx der bisherigen Sachverständigen bei Herrn  Ludwig um den Eindrücklichsten handelt (nur zur Information, nicht um  zitiert zu werden: in der Zeitschrift medstra 2016, S. 203-210 habe ich  mich zu dem gesamten Verfahren näher geäußert).  Falls bei der Gelegenheit die Anregung vermitteln werden dürfte,  Ihrerseits auch auf ein anderes Verfahren aufmerksam zu machen, in dem  ein psychiatrischer Sachverständiger im Einklang mit der  Staatsanwältin, die ihn herangezogen hatte, betreffs einen 18 Jahre und  2 Wochen alten nicht vorbestraften Gymnasiasten ein m. E. gänzlich  unhaltbares Gutachten ablieferte, dem das Gericht folgte (dazu,  wiederum nicht, um zitiert zu werden,  meine Analyse in der Zeitschrift  Neue Kriminalpolitik Heft 4/2016, im Erscheinen).  – Ulrich Eisenberg


Leserbrief zu “Sagt wenigstens Nein!” von Friederike Gräff

Endlich ein Artikel zu diesem Thema – ich habe mich schon lange gefragt, warum nicht oder fast nicht darüber berichtet wird.  Mein Mann und ich können Ihrem Bericht komplett zustimmen – auf Bewerbungen wird sehr gerne gar nicht reagiert, auch von  sehr großen Unternehmen. Ebenso gering ist die Wertschätzung von freien Mitarbeitern. Zum Glück machen wir auch andere  Erfahrungen, aber über vieles muss man sich doch sehr wundern!! (Vor allem darüber, dass die Unternehmen damit durchkommen!)  Eine Bewertung von Seiten Bewerbern wäre hier vielleicht eine gute Idee.  – Birgit Kasimirski


Leserbrief zu “Unerwünschte Wahrheit” von Tanja Stelzer

Meine Frau und ich haben mit großer Betroffenheit Ihren lesenswerten Artikel in der Nr. 48 der Zeit gelesen. Unsere Betroffenheit beruht auf unserer eigenen Erfahrung mit einem nachweislich voreingenommenen Gutachter und einem ebenso voreingenommenen Gericht. Beide haben unserem Enkelsohn trotz Vorlage mehrerer anderslautender Gutachten schweren Schaden zugefügt. Obwohl der Gutachter in einem gerichtlichen Vergleich zugeben musste, dass er bewußt falsch votiert hat, gab es für ihn keine Konsequenzen bei seiner Standesorganisation.   Ich bin selbst Jurist und kann nur immer wieder sagen, dass in unserem Rechtssystem viel zu oft Fehlurteile dadurch möglich werden, dass Gerichte, Gutachter und Behörden in fataler Weise kollusiv zusammen wirken.   Und: ich wollte unseren Fall, den ich samt aller Beschlüsse, Gutachten und Urteile in einer Dokumentation publizieren, aber kein einziger Verlag hat sich dafür interessiert. Man will es einfach nicht wissen, was gerade im Bereich der Jugendgerichtsbarkeit schief läuft.   Ich kann Sie nur bitten, sich auch künftig mit solchen Themen zu beschäftigen. Diese Dinge brauchen dringend öffentliches Interesse. Vielen Dank. – Dr. Klaus Kuntz


Leserbrief zu “Sagt wenigstens Nein!” von Friederike Gräff

Das Elend in unserer Firmenkultur hat einen großen Bruder. Die Politik verhält sich nicht anders. Ich kann den Unmut Ihrer Autorin sehr gut verstehen. Die Antworten bleiben fast immer aus. Eine Rückmeldung hat heute keine Konjunktur mehr. Das betrifft nicht nur die Bewerbungen – es ist auch bei beliebigen Anfragen oder  Objektvorstellungen das gleiche Verhalten festzustellen.  Wenn sie telefonisch nachfragen wollen, dann warten sie entweder in einer Warteschleife oder es ist eine entsprechende Antwort per Telefon nicht erwünscht. Und auf einen versprochenen Rückruf warten sie auch vergeblich. Alles in meiner Verwandtschaft erlebt. Ich habe mal mit meinem Nachfolger in meiner früheren Bank telefoniert, um zu fragen, ob es das auch in seiner/unseren Bank gibt. Antwort: das gibt es bei uns nicht. Wir reagieren auf alle Anfragen, wobei wir lieber sehen, wenn sie per e-mail gestellt wird. Oft bleibt der Anrufer in einer Warteschlange hängen. Deswegen ist es auch für einen Anrufer angenehmer, wenn er das elektronisch erledigt. Probleme sehen wir allerdings – so mein Nachfolger -, wenn ein Kunde oder ein Anrufer es besonders eilig hat.

Dann kommt das Personal in Schwierigkeiten, wenn die oder der Fachkollege/in nicht zur Verfügung stehen kann.  Zu meiner Zeit hatten wir nur Kompetenzunterschiede. Aber das Personal war in allen Fachbereichen ausgebildet. Das gibt es heute nicht mehr und das bedaure ich sehr. In Personalfragen liegt der Fall wieder anders. Dafür war zu meiner Zeit und auch heute die Personalabteilung zuständig, oder es übernimmt eine Unternehmensberatung.  Das sieht bei anderen Branchen wieder ganz anders aus. Und bei den Behörden können sie wahnsinnig werden. Wenn sie sich beschweren wollen, dann wird sofort aufgelegt.  Keiner kann mehr mit Selbstkritik umgehen. Wehe sie wagen sich, das Kind beim Namen zu nennen – das geht heute gar nicht mehr. Es ist ein allgemeines Gesellschaftsproblem, was ich schon lange beklage. Die Politik interessiert das kaum.  Das wäre auch mal für die Zeit-Redaktion bestimmt ein Thema.  Ich freue mich für ihre Autorin, daß sie in ihrer Redaktion eine andere Kultur kennengelernt hat. – Gunter Knauer 


Leserbrief zu „Raus aus der Haut!“ von Peter Dausend

Frank-Walter Steinmeier ist ein Anti-Trump. Ein größeres und uneingeschränkteres Lob kann für einen Politiker derzeit wohl kaum vergeben werden.    Im Übrigen habe ich nicht den geringsten Zweifel daran, dass Steinmeier über die notwendige Kompetenz und Autorität verfügt, um – wie Peter Dausend es fordert – bei Bedarf auch mal verbal die Ärmel hochkrempeln zu können. – Ira Bartsch


Leserbrief zu “Das Zerreißen der Welt” von Nadine Ahr et al.

Die Elite, und damit meine ich ganz ausdrücklich nicht nur die politische Elite sondern die gesamte,gut ausgebildete Intelligenz dieses Landes, , hat sich auch hier komplett vom Volk abgekoppelt und verabschiedet. Das bedeutet , dass alle Mitglieder dieser Schicht , die es nebenbei immer geben wird, aufgerufen sind den Kontakt zu den einfacheren , weniger intelligenten Menschen wiederherzustellen.Das würde beiden Seiten sehr gut tun. In diesem Sinn sind alle ,die sich dieser elitären Schicht zugehörig fühlen ,aufgefordert politisch zu werden , nicht in einer Partei organisiert , sondern als Privatmenschen.Hingehen,zuhören selbst seinen Standpunkt deutlich machen. Das ist eigentlich ganz einfach.Wenn das in weitaus grösserem Mass als bisher geschieht , brauchen wir uns weniger Sorgen um die Demokratie zu machen.Es gibt viel zu verlieren in diesem Land , und weder Frieden noch Demokratie sind eine Selbstverständlichkeit.Und ich weiss wovon ich rede, denn ich habe die letzten zehn Jahre mit meiner Familie in der Ukraine gelebt. Das sollte dem deutschen Establishment ein wenig Zeit und Mühe wert sein. – Olaf Peper


Leserbrief zu “Wir betreten Neuland” von Heinrich Wefing

Ich möchte Sie nur auf die grundsätzliche Vorgehensweise eines Sachverständigen im Gerichtsauftrag hinweisen. Ich war lange Jahre als  „öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger“ für einen bestimmten Bereich im Bauwesen tätig. Für die vom Gericht bestellten Sachverständigen gelten ganz strenge Regeln. So darf der Sachverständige nicht in  e i n e m  Auto mit einem der Prozessbeteiligten zu einem Gerichtstermin fahren, also Ortsbesichtigungen und Gerichtstermin, sonst gilt er als befangen, und seine Expertise darf nicht verwendet werden. Auch zur Beschaffung von Unterlagen muß er immer bei dem Gericht nachfragen, ob er sie sich direkt beschaffen kann. Das gilt für jeden Verkehr mit den Prozessbeteiligten. Alle Schritte müssen mit dem Gericht abgestimmt, bezw. von diesem genehmigt werden.

Auch hat sich der Sachverständige im Zivilprozeß penibel an die Beweisfragen zu halten, auch wenn damit die wirkliche Ursache nicht korrekt hinterfragt ist. In seinem Gutachten kann er nur kurz darauf hinweisen, dass die Schadensursache mit den Beweisfragen nicht geklärt werden kann. Alle Vorgänge werden nach juristischen Gesichtspunkten betrachtet.   In dem von Ihnen geschilderten Fall hat der Professor, aus welchen Gründen auch immer, sich nicht ausreichend um die äußeren Dinge, die für die Juristen für bedeutsam sind, gehalten. Er hat sich nicht ausreichend um die juristischen Feinheiten gekümmert.   In dem Bericht stellen Sie ihn als Unschuldslamm vor. Teile der Malaise hat er sich selbst zu zuschreiben.   Meines Erachtens haben Sie zuviel Partei für ihn ergriffen, ohne die Seite der Justiz richtig zu beleuchten.   Seite 2   Meine Stellungnahme, auch in gekürzter Form,  werden Sie wahrscheinlich aus Prioritäts- und Platzgründen nicht unterbringen. Es wird mich aber freuen, wenn Sie Zeit für eine individuelle (Kurz-)antwort finden. – Kurt Barth


Leserbrief zu „Teure Tomaten“ von Anton Hofreiter und Claudia Roth

So recht Hofreiter und Roth haben, aber wenn unsere verantwortlichen Politiker, allen voran Landwirtschaftsminister Schmidt, nicht mal in der Lage sind, gegenüber der Bauernlobby die europäische Nitratrichtlinie in Form der Düngeverordnung so umzusetzen, dass Deutschland nicht verklagt werden muss, so geht die Hoffnung, dass deutsche Landwirtschaftspolitik ggü. Afrika in irgendeiner Weise fair vonstatten geht, gegen null. –  Dr. Martin Emmert


Leserbrief zu „Der Trick mit der Gefühls-Befreiung“ von Gero von Randow

Herzlichen Dank für den sehr interessanten Artikel. Leider ist Ihnen dabei aber auch ein Fehler unterlaufen. Sie dürfen gerne den Ödipuskomplex und andere oder alle Kategorien der Psychoanalyse als Fiktion bezeichnen. Damit ignorieren Sie zwar die Ergebnisse neuerer Forschung zur Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierten Therapie, die sich auch auf die Behandlung eben jener Kategorien bezieht, die Sie als Fiktion bezeichnen. Aber auch das ist ihr gutes Recht.

Schwierig wird es jedoch für mich, wenn Sie kurz darauf den Begriff „neurotischer Fixierungen“ selbstverständlich als gesetzt verwenden. Neurose und Fixierungen sind psychoanalytische Begriffe, die Störungen enstehen ausschließlich aus den von Ihnen als Fiktionen abgelehnten psychischen Ausnahmesituationen. Alle anderen psychischen Störungen – ich verwende den Begriff der Störung der WHO – enstammen anderen psychischen Entwicklungen. Wenn Sie also den Ödipuskomplex als Fiktion bezeichnen, wäre die Neurose auch eine solche und Sie dürften sich in der Folge nicht darauf berufen.

Künftig dürften Sie dann auch konsequenterweise der Begriff der Projektion, der ja eng mit dem Vorurteil verwoben ist, nicht verwenden.

Denn dieser Begriff fußt auch auf den Annahmen der psychoanalytischen Lehre. Ich weiß natürlich, dass manches gerne von vielen Autoren verwendet wird, ohne über die Herkunft nachzudenken und auch unter Ablehnung der sonstigen, direkt damit zusammenhängenden Phänomenen.

Ich habe mich gefragt, ob dieser Fehler Unwissenheit, mangelnder Recherche oder einem Vorurteil entspringt. Jedenfalls ist es aus meiner fachlichen Sicht ein grundlegender und fast unglaublich gravierender Fehler und ich fragte mich, ob solche oder ähnliche Fehler auch in anderen Artikeln enthalten sind, die sich auf Fachgebiete beziehen, über die ich weniger Kenntnisse habe. Meine spontane Ungläubigkeit und meine Empörung legten sich, als ich gezielt weitere Artikel von Ihnen nochmals oder neu gelesen habe. Ich bleibe als langjähriger Leser der „Zeit“ dennoch verunsichert zurück. – Harald Martin


Leserbrief zu „Doppelt genäht“ in der Rubrik „Prominent igrnoriert“

In der Rubrik „Prominent ignoriert“ aus der Zeit-Ausgabe vom 17.11 wird in Nicole Kidman mit den Worten zitiert „Liebe, man muss einander einfach lieben […] Außerdem mögen wir uns.“ Ich habe selten eine so einfache und unverkitschte Wahrheit von einem Prominenten zum Thema Liebe gehört. Denn wenn man sich nicht nur liebt, sondern auch mag, dann hat man in schwierigen Zeiten, in denen die Liebe verloren zu sein scheint, die Freundschaft als Sicherheitsnetz, das einem so lange Halt gibt, bis man sich wieder aufrappelt, nach oben kämpft,um in dem wunderbarsten aller Gefühle, der Liebe, wieder durch die Lüfte zu schwingen. Vielen Dank, dass Sie das Zitat abgedruckt haben. – Evi Wieczorek


Leserbrief zu “Weltmacht! Echt jetzt?” von Jochen Bittner et al.

Die Zeichnung von Kornel Stadler auf der Seite 3 der „Zeit“ Nr. 48 vom 17. November 2016 wirft Fragen auf. Was stellt sie dar? Wir sehen links einen kleinen Mann mit gelber Haartolle, als Stierkämpfer gekleidet und passend dazu ein rotes Tuch vor sich haltend. Dieser kleine Mann ist dank der gelben Haare und des Gesichts leicht als Donald Trump zu identifizieren. (Einen Degen scheint er übrigens nicht bei sich zu haben, ein Glück.) Ihm gegenüber steht rechts ein Stier, energisch aussehend, den mächtigen Schädel geneigt, vielleicht zum Angriff?

Wen oder was stellt dieser Stier dar? Soll er überhaupt etwas anderes als eben einen Stier darstellen? Grübel grübel! Über der Zeichnung steht gedruckt „Trump – Wie reagiert Europa?“ Wenn das Männchen zweifellos Donald Trump darstellt, dann könnte, ja müsste der Stier also Europa darstellen – und tatsächlich, er ist ja mit zwölf güldenen Sternen verziert, wie sie sich gerade so auf der blauen Europaflagge finden, und er ist ja auch selbst blau angepinselt. Aber trotzdem … Europa als Stier wäre doch ein mythologischer Mumpitz! Europa war eine phönizische Königstochter, Zeus, der Göttervater, verliebte sich in sie und verwandelte sich in einen Stier, als der er sie entführte, nach Kreta, und so weiter und so fort… Zum Schluss hat sie es sogar zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag auf deutsch gebracht, man braucht diese ollen Kamellen gar nicht mühselig in den „Metamorphosen“ des Ovid nachzulesen oder sich vergilbte Gemälde von Tizian oder Paolo Veronese oder oder oder anzuschauen. Ein junges Mädchen also, und nun taucht sie in der „Zeit“ als riesengroßes Rindvieh auf! Auch unter feministischen Gesichtspunkten ziemlich bedenklich. Oder habe ich jetzt alles total missverstanden?

Um Aufklärung bittet und freundlich grüßt Ihre Leserin Vera Udodenko – Vera Udodenko


Leserbrief zu „Teure Tomaten“ von Anton Hofreiter und Claudia Roth

Aus einem ZEIT-Artikel Dezember 2015: Als die afrikanischen Kolonien nach dem  Zweiten Weltkrieg unabhängig wurden, gewährten ihnen die ehemaligen Kolonialherren aus Europa eine Art Sonderstatus: Während europäische Händler beim Export nach Afrika Zölle zahlen mussten, durften die Afrikaner ihre Güter zollfrei nach  Europa ausführen. Gefruchtet hat es offenbar nichts.

Afrika könnte wieder die Importzölle hochschrauben, allerdings würde das wohl auch  den Daimler oder BMW für die Häuptlinge verteuern. Das ist nämlich das Problem:  Dass es nur auf die Häuptlinge und nie und nimmer auf das Volk ankommt.

Ein weiteres Problem für Afrika sind nicht die von den Europäern mit dem Lineal gezogenen  Grenzen (gibt es z.B. auch in Nordamerika), sondern dass immer der Nachbarstamm  der Hauptfeind ist, weil er um Ressourcen konkurriert.  Ein Problem für die Welt: Dass Afrika in 30 Jahren seine Bevölkerung verdoppelt  haben wird, und die Hungerkatastrophen, die es ja schon jetzt trotz/wegen zu (?)  billiger westlicher Nahrungsmittelimporte gibt, sich vervielfältigt haben, interessiert  heute wohl niemand weniger als die afrikanischen Häuptlinge. – Werner Koetz


Leserbrief zu “Das Zerreißen der Welt” von Nadine Ahr et al.

Das Beleidigtsein bei der ZEIT geht also weiter. Eine ganze Zeitung (ich bin jetzt bei der Wirtschaft) voller Trump-Bashing und Lamento über all die Dummheit außerhalb des Zauberbergs am Speersort.

Der Politikteil unter Leitung von Herrn Ulrich: Wie immer geschenkt. Wieder ein Bericht direkt vom Schoß der Kanzlerin und dann das übliche Gefasel über das Unheil durch die Dummrechten da draußen.

Das Dossier indes ein würdiges Beispiel für eine Themaverfehlung.

Es treten darin auf:

Die Guten: Ein ehemaliger Chefredakteur, eine fassungslose und selbstkritische Meinungsforscherin, eine Bestsellerautorin (alle New York), eine Schwarze aus der Mittelschicht, ein Ex-Redenschreiber.

Die Bösen: Ungepflegte, unrasierte und sich schlecht ernährende (frittiertes Hühnchen mit Kartoffelbrei!) Kleinstädter (männlich), ein Student (Trump-Wähler), Björn Höcke (AfD).

Bereits die Auswahl der Protagonisten ist dermaßen wertend, dass man sich den Artikel sparen kann. Hier geht es um Meinungsmache à la ZEIT. Ihre „Elite“ besteht aus ein paar Intellekuellen, gern aus Ihrem Milieu. Wie wäre es denn, die „neuen“ Eliten zu befragen? All die Wall-Street-Abzocker, die Anwälte, Silicon-Valley-Unternehmer, die über Jahre dafür gesorgt haben, dass das Geld von unten nach oben verteilt wurde? Wo ist die rechte Elite, wo sind die Tea-Party-Anhänger, die ultraliberalen Unternehmer? Wo sind die konservativen Schriftsteller, wo ist Fox?

Sie sind sich ja nicht einmal zu blöd, einen Mann als Kronzeugen für den Untergang des Abendlandes unter Trump zu bemühen, der mit seiner „Achse des Bösen“ erst dafür gesorgt hat, dass der Westen unter Führung der USA politisch eine Richtung einschlug, die nun dazu führt, dass man Osama und Obama im gleichen Gotteshaus verortet.

Jetzt sitzt also ihre Elite im perfekt geschnittenen weißen Hemd da und weint mit Ihnen über das Ende des eigenen Führungsanspruchs und zeigt mit dem Finger hinaus auf das weite Land, in das nun viele Menschen (Schwarze) nicht mehr fahren können: Oklahoma, Nebraska, Kentucky – die Liste ist lang.

Die Trump-Anhänger sind entweder bildungsferne Kleinstädter („Essiggürkchen“) oder die neuen Bösen (CIA!FBI! Vielleicht NSA!?!?!?).

Sie haben wirklich nichts verstanden und sind offenbar auch nicht lernfähig. Sie, die Medien, haben sich an diesem Erdrutsch beteiligt, indem Sie blind den Versprechen der Politiker hinterher gelaufen sind, indem Sie sich haben korrumpieren lassen von der Macht. Sie haben in vielen Bereichen den kritischen Abstand verloren und sind zum Herold der Mächtigen geworden. Sie haben die Öffnung der Gesellschaft, die aggressive Politk für Minderheiten, die Globalisierung und schließlich die „eine Welt“ herbeigeschrieben und wundern sich, dass Sie dabei den Großteil der Bürger verloren haben. Sie verstehen nicht, dass Menschen sich bedroht sehen könnten, weil sie ihre Arbeitsplätze wegen der ach so großartigen Globalisierung verloren haben und nun auch noch akzeptieren müssen, ihren schwindenden Wohlstand (sofern man in vielen Gegenden der USA aber auch Deutschlands überhaupt davon sprechen kann) mit der Mensch gewordenen Globalisierung teilen zu müssen?

Als vor einigen Jahren die Banken mit unvorstellbaren Summen gerettet wurden, die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise arbeitslos gewordenen Menschen aber keine gleichwertigen Jobs mehr fanden, da war nur die „Systemrelevanz“ der Banken das Thema. Für die meisten Menschen ist es aber nicht verständlich, dass man viele Milliarden für Banken, aber nicht ein paar Milliarden für Erzieherinnen hat. Sie verstehen auch nicht, weshalb man das städtische Schwimmbad schließen oder nicht renovieren kann und weshalb die Stadtbücherei nur noch an zwei Tagen geöffnet hat, die Stadt dann aber viel Geld für die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen ausgibt. Sie begreifen nicht, weshalb das Konzept von Mann und Frau aufgegeben werden muss, weil sich jemand nicht so fühlt. Weshalb Schwule und Lesben heiraten dürfen und die Privilegien einer Partnerschaft gewährt bekommen, Alleinerziehende aber immer noch so behandelt werden, als seien deren Kinder nicht da. Weshalb es Unisex-Toiletten geben soll, dann aber Frauen sich bereits bei einem gleichzeitigen Blick in den Spiegel sexuell belästigt fühlen dürfen. Weshalb man den Menschen vorschreibt, was sie essen sollen (Vegan! Veggie Day!), sie aber mit der Frage allein lässt, wovon sie im Alter leben sollen.

Die Liste ließe sich noch deutlich verlängern. Die moderne Politik befasst sich mit Themen, die die überwiegende Mehrheit der Bürger nichts angeht und wenn es sie betrifft, fallen Entscheidungen im Sinne der Wirtschaft oder auf Kosten der Bürger. Kritik wird dabei von den Medien unterdrückt, indem man den Kritiker mit einem Label versieht („Rechter“, „Populist“, „Redneck“, „Essiggürkchen“). Dabei ist man sich gerade in Deutschland natürlich auch nie zu schade, den drohenden Zeigefinger zu heben und „Nazi“ zu sagen. Es fehlt das Verständnis dafür, dass Menschen sehr viel tolerieren und akzeptieren, solange man ihnen nicht das Gefühl gibt, sie nicht zu beteiligen. Die meisten Menschen interessieren sich vermutlich nicht dafür, was ihre Nachbarn im Schlafzimmer treiben. Wenn man jedoch das eine Treiben als etwas Besonderes, etwas Schützenswertes und als wichtiges politisches Thema darstellt, fragen sich viele Bürger, weshalb die Intimität des Schlafzimmers offenbar in manchen Fällen von Bedeutung ist, in anderen aber als „normal“ beschrieben und deshalb uninteressant ist.

Im Dossier wird lamentiert, Schwarze könnten in viele Gegenden der USA wegen des grassierenden Rassismus nicht fahren. Das hat sich unter Obama jedoch auch nicht geändert. Die Tatsache, dass Weiße in vielen Innenstädten ebenfalls bedroht würden, wird dabei unterschlagen. Das Milliardengeschäft Drogenhandel, die hohe Kriminalitätsrate unter Schwarzen wird einerseits als alleinige Folge des Rassismus bewertet, die Folgen der Drogen- und Bandenkriminalität popkulturell als Gangsta-Rap-Video auf MTV gedeutet. Die USA haben ein Waffenproblem und sie haben ein Problem mit der Polizei. Es gibt jedoch auch hier zwei Seiten. Wenn ein Polizist nachts durch eine gewaltbereite Nachbarschaft fährt, in der er dank des 2nd Amendment jederzeit erschossen werden kann, wird er, da er vielleicht Familie hat und nicht sterben will, eher einmal überreagieren. Die Gewalt ist ein Problem, jedoch sollte man Ursache und Wirkung genauer analysieren, bevor man urteilt. Interviewen Sie doch mal ein paar Polizisten in Ihrem geliebten Berlin und fragen Sie, von welchem Bevölkerungsteil am häufigsten Gewalt, auch gegen Polizisten, ausgeht.

Sie, liebe ZEIT-Autoren, haben sich eine schöne, neue Welt herbeigeschrieben und dabei vergessen, dass Sie nicht allein sind. Sie haben, wie es der Ex-Chefredakteur erläuterte, alles außerhalb von Hamburg und Berlin aus den Augen verloren. Sie betrachten Bürger in Sachsen-Anhalt oder Gunzenhausen als Affen im Zoo, denen man durch die Glasscheibe zugucken kann bei ihrem kleinen Leben. Es scheint, als dächten Sie, dass das Konzept von „one man, one vote“ nicht mehr gelte. Sie haben sowohl die eigene Fähigkeit zur dialektischen Argumentation als auch die Bereitschaft zur symmetrischen Meinungsanalyse verloren. Sie negieren schlicht die Menschen und ihr Recht auf eine eigene Meinung. Ich lese gerade das Buch von Herrn Longerich über die Wannsee-Konferenz. Darin geht es nicht um das Ob, sondern um das Wie. Meinungstechnisch bewegen Sie sich auf dem Niveau dieser 15 Männer. – Dr. David Wolff


Leserbrief zu „Wir hatten keine Wahl“ von Caspar Shaller

DIE ZEIT ist inzwischen in vielen Teilen die Zeit der Vergangenheit. Leider. Doch da gibt es den wohltuenden Artikel von Caspar Shaller (S. 47, Feuilleton, Ausgabe 48). Unter dem Titel „Wir hatten keine Wahl“ beschreibt er mit chirurgisch genauen Schnitten die Unsäglichkeiten der alles dominierenden Wirtschaftswelt, der sich selbst zu lebenslanger Vergangenheit verurteilten Politik und Gesellschaft. Sein Artikel beginnt mit dem Satz „In meinem Leben gab es die Zukunft nicht.“ In meinem Leben gab es sie, angefangen bei den 60er Jahren in Berlin. Und dann? Dann wurde die Zukunft Stück für Stück abgeschafft. Die Demos in Berlin endeten im „langen Marsch durch die Institutionen“. Was dabei heraus kam, sieht man bei Joschka Fischer oder Horst Mahler, der 40 Jahre früher den Rechtsschwenk machte als die vielen Mitgliedsstaaten der EU. Und jetzt die USA. Der Anfang vom Ende war damals schon da. Und wenn heute Syriza oder Podemos sich gegen das tödliche Ende wehren, geht es ihnen, frei nach Josef Hader, wie dem Lemmingkind, das von Mutti unter Wasser gedrückt wurde, als es voller Stolz sagte: „Schau Papa, ich kann schwimmen“. Im zweiten Weltkrieg tönten die Nazis: „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.“ Als Hitler in Österreich einmarschierte, sagten dort viele: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“ Resignation und Ironie helfen zu überleben. – Gerolf Hauser


Leserbrief zu “Unerwünschte Wahrheit” von Tanja Stelzer

Durch ihren Artikel werden erneut Missstände im Strafverfahren offenbar. Ein Missstand ist, dass der Richter, der die Anklage zulässt, auch das Strafverfahren durchführt. Allgemein bekannt ist und wird durch ihren Artikel bestätigt, dass Richter leider nur selten von ihrer einmal getroffenen Entscheidung abrücken. Aus diesem Grund sollte nicht der Richter, der die Anklage zugelassen hat, sondern ein anderer Richter das Strafverfahren durchführen. Nicht nur in diesem Punkt wäre die Gesetzgebung verpflichtet, die entsprechende gesetzliche Vorschrift zu erlassen.

Was die Gutachter bzw. die Wahrheit in dem geschilderten Strafverfahren angeht, hat der Rechtsanwalt Heinrich Senfft in „Richter und andere Bürger“, Delphi Politik 1988, Seite 53, die zu beanstandende Praxis von Richtern wie folgt angeprangert:

„Überhaupt hat man den Eindruck, daß die ganze Beweisaufnahme mehr dazu dient, die Meinung des Richters zu bestätigen als die Wahrheit zu ermitteln, weil der Richter ohnehin auf ein bestimmtes Ergebnis fixiert ist. … Und da sie ohnehin nicht in sozialen Rollen, sondern in juristischen zu denken gelernt haben, lindern ihre Urteile nicht soziale Konflikte, sondern schaffen  bloß Ordnung mit Hilfe staatlicher Herrschaftsgewalt.“ – Horst Trieflinger, Vorsitzender des Verein gegen Rechtsmißbrauch e.V.


Leserbrief zu “Weltmacht! Echt jetzt?” von Jochen Bittner et al.

Als treuer Leser der Zeit bin ich nun doch einigermaßen erstaunt , offensichtlich hat der neugewählte Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, auch ihre Verfasser in Aufruhr versetzt, dass Europa sich im Machtgefüge der Welt anders austellen muss als bisher ist unbestritten, allerdings, Europa als Ordnungsmacht wie im Artikel dargestellt , einschliesslich einerTabelle zu den Rüstungsausgaben, soll hoffentlich nicht den zukünftigen Weg beschreiben. Ich lese davon, dass Europa Interessen in Afrika und Teilen von Asien hat, das sind Wirtschaftsinteressen, die ganz offensichtlich mit militärischer Präsenz gesichert werden sollen, nicht umsonst wird die Bundeswehr auf welweite Einsätze vorbereitet. Der Ruf nach Weltmacht für Europa darf nicht beinhalten die Vereinigten Staaten von Nordamerika als Ordnungsmacht nur abzulösen  und an deren Stelle zu treten. Das europäische Parlament muss sich darüber klar werden welche Macht und Ordnung das denn sein soll?  Die militärische Kontrolle und weitere kapitalitische Durchdringung der in diesem Sinne „unordentlichen“ Staaten und Regionen dieser Welt?  Es ist an der Zeit darüber nachzudenken wie wir  miteinander leben wollen, welche Ordnungsmacht auch immer sich entwickelt, es kann nicht darum gehen die  Pfründe  der reichen Industriestaaten zu sichern. Das ist anfang des 20.Jahrhunderts schon einmal gründlich in die Hose gegangen. Zum Schluss erlaube ich mir zu schreiben, aus jetziger Sicht ist Donald Trump ein Brandbeschleuniger bei der Neuverteilung von Macht und Ordnung und nicht mehr und nicht weniger.  – Gerhard Siemsen


Leserbrief zu “Weltmacht! Echt jetzt?” von Jochen Bittner et al.

Mit Verblüffung habe ich den Artikel „Weltmacht! Echt jetzt? gelesen. Neun kluge Personen mit viel Erfahrung schreiben zusammen einen Artikel. Das hat ein anderes Gewicht als ein einzelner Artikel. Ich sehe es daher als eine Art Strategiepapier der Zeit, zumindest maßgeblicher Redakteure. Und meine Verblüffung rührt dabei, dass die keinerlei Alternativen auch nur andenken.

Aus Ihrer Sicht gibt es keine Alternative zu mehr Verteidigungsausgaben, weil nur so unsere Sicherheit gewährleistet sei.

Die Gefahr (und ich denke, da sind wir uns einig) ist wohl nicht ein Plan Russlands, die EU zu erobern. Eher eine Krise an der Nahtstelle zwischen Ost und West, die zum Konflikt führen könnte.

Sie erwähnen die Ukraine. Wie viele verantwortliche Generäle und Politiker sind Russenhasser? (Denken Sie an das Interview mit Arsenjuk) Was ist mit Kaczinsky, einem Mann mit paranoiden Zügen, der der Welt unbedingt beweisen will, dass die Russen seinen Bruder umgebracht haben? Bei den Balten drückt die EU-Kommission in Sachen Menschenrechte ein Auge zu. Die russische Minderheit ist (verständlich, aber problematisch) diskriminiert (die Szenarios eines solchen Konflikts sind bereits durchgespielt).

Vor allem, niemand weiß, ob in den USA die Falken, in nun höchste Ämter bekleiden, nicht doch die zukünftige US-Politik nach ihren alten Feindmuster beeinflussen oder gar bestimmen werden. Da würde schnell aus einem kleinen Konflikt ein großer. Und ob (dann) die US-Administration unter Trump das nötige Augenmaß hat, darf angezweifelt werden. Europas Aufrüstung ist zugleich NATO Aufrüstung. Das kann Russland gar nicht anders sehen. Die Folge ist eine Verschärfung der Lage und größere Abschreckung (so lange es gut geht). Das kann man für notwendig halten. Aber nur auf Abschreckung zu setzen, ignoriert bisherige gute Erfahrungen. Diese Ansätze sind nicht mit einem Gedanken erwähnt.

Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien, aber eine vernünftige Erklärung für so viel Einseitigkeit habe ich im Moment leider nicht. – Wolf-Peter Szepansky


Leserbrief zu “Macht Russland wieder groß!“ von Ulrich Stock

„… weil Karjakin zum Stottern neigt, auf Englisch interessanterweise mehr als auf Russisch.“

Das ist überhaupt nicht interessant, sondern trivial. Ich selbst bin Jahrzehnte lang ein Stotterer erster Güte (gewesen) und spreche aus Erfahrung. Fällt einem Stotterer schon das Artikulieren der Laute seiner Muttersprache schwer, so ist das in einer Fremdsprache mit zum Teil anderen Lauten und einer anderen Sprachmelodie in noch viel größerem Maße der Fall. – Hermann Engster

P.S. Ein jüdischer Stottererwitz:

Schmuel trifft seinen Freund Itzig, einen Stotterer, wie dieser aus dem Funkhaus kommt. „Nu, was hast du da gemacht?“ – „Ich hab mich als N-n-nachrichten sprecher b-b-beworben.“ – „Und, haben sie dich genommen?“ – „N-nein, d-das sind alles A-a-antisem-miten.“


Leserbrief zu „Was halten wir aus ?“ von Moritz von Uslar

In dem obengenannten Artikel wird von Herrn von Uslar der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Christian Reiter genannt.

Der derzeitige Herr Oberbürgermeister heißt Dieter Reiter, sein Vorgänger in diesem Amt heißt Christian Ude. :-) – Rüdiger Eisele


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Di Lorenzo erkennt, dass auch die ZEIT ihre Zeit nicht nur mit Draufhauen auf die Populisten verbringen kann. Wobei das erste Problem schon in der unsauberen Problemanalyse liegt. Hilft der Begriff des Populismus hier wirklich weiter?  Ich bin 53 Jahre, Akademiker und bin dieses Jahr erstmals in meinem Leben bei einer Demo mitmarschiert: gegen TTIP. Wohlbemerkt, nachdem ich mich wochenlang mit der Materie beschäftigt und entsprechende Artikel und Gutachten zu Wirtschaft-, Rechts- und Demokratiefragen studiert hatte. In der ZEIT (Nr.44 – ‚Falscher Gegner‘) konnte ich darauf lesen, dass ich nun auch zu den Populisten gehöre. Jeder, der also heute auf die Straße geht, um von seinem demokratischen Grundrecht der Meinungsäußerung Gebrauch zu machen, gerät also in den Verdacht ein Populist zu sein, wenn sich seine Meinung nicht mit der Deutungshoheit politischer oder medialer Eliten deckt. So kommen wir doch nicht weiter! Lassen sie uns endlich wieder um Zukunftskonzepte mit Argumenten ringen – oder um es mit Herrn Shaller (‚Wir hatten keine Wahl‘) zu sagen: ‚Ich will Experimente. Ich will Zukunft‘. Und das mit Toleranz, Offenheit und Kompromissfähigkeit. Ich freue mich auf die neue Zukunftsorientierung der ZEIT! – Matthias Gruner


Leserbrief zu „Der Trick mit der Gefühls-Befreiung“ von Gero von Randow

Herzlichen Dank für den erhellenden und bedrohlich wirkenden Artikel. Zusammen mit den übrigen Artikeln dieser ZEIT erscheint es mir absolut unverzichtbar und möglicherweise überhaupt noch die einzig wirkliche Option (in dieser Phase prä-revolutionärer Stimmung – so ein Wort des Presseclubs vom Sonntag), dass die Politik – wenn sie die Menschen gewinnen will, die das große Unbehagen empfinden, ohne den Anstand verloren zu haben – ziemlich schnell und ziemlich deutlich alle wirksamen Umverteilungsregister zieht. Ich glaube, dass „it’s the economy, stupid“ ein Irrglaube ist: Menschen werde nicht durch Arbeit, sondern durch sichere Arbeit und soziale Wohlfahrt vor Misstrauen, Ausschlussangst, Desillusionierung geschützt und gefeit gegen autoritäre Populisten, die zurückwollen zu Nationalismus, Protektionismus etc. Zweifellos haben die HartzIV-Gesetze Jobs geschaffen – jedoch bezeugt der aktuelle Gesundheitsmonitor, dass 36% der Menschen Zeit- und Leistungsdruck als (sehr) starke berufliche Belastung empfinden. Nicht nur die Aufstocker oder die Geringverdienter, auch auch viele Gutverdiener haben die nicht von der Hand weisbare Angst, dass ihr Job in nächster Zeit nach Asien verschwindet.

Gleichzeitig sehen sie, dass die verantwortlichen Eliten sich nicht mehr dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen. Es ist völlig unzureichend immer wieder darauf zu behaarren, dass Deutschland derzeit wirtschaftlich gut dasteht, dass so viele Menschen in Arbeit sind wie lange nicht etc. Das hilft weder gegen Angst, noch gegen Frust, noch gegen Ohnmacht. Politik muss nicht bloß dafür einstehen, dass nicht nur Pegida das Volk ist, sondern dafür, dass alle das Volk sind – auch das derzeit viel beschimpfte Establishment.

Politik muss substanzielle umverteilende Weichenstellungen vornehmen, um wieder Gewissheit herzustellen, dass auch „die da oben“ Teil des Volkes sind, und zwar der Teil, der aufgrund seiner überdurchschnittlich begünstigten Positionen und Ressourcenausstattungen überdurchschnittlich viel Verantwortung übernehmen muss für eine gerechtere Gesellschaft, in der die Friseurin von ihrem Gehalt leben und der Schlosser Ersparnisse zurücklegen kann und die Ingenieurin sich nicht totarbeitet aus Sorge, dass ihre Abteilung sonst global outgesourct wird. Mir scheint die Zeit drängt – weder Journalisten noch Politiker dürfen sich jetzt ins bessere Wissen zurückziehen, sondern müsssen sie herbei arbeiten, die wirksamen Umverteilungsmechanismen, die zur Verfügung stehen, also Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer etc. –  Bettina Schmidt


Leserbrief zu “Dealer als Leader” von Thomas Assheuer

Besten Dank für Ihre Bemühungen – aber die Verkleinerung hilft mir leider nicht. Der Text ist so mit bloßem Auge nicht lesbar. Oder gibt es da einen Trick, den ich nicht kenne? – K. Michaelis-Jähnke

 

10. November 2016 – Ausgabe 47

Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Da kann man leicht in „Schockstarre“ geraten, wenn man daran denkt, was Donald Trump so alles gesagt hat, umzusetzen/zu ändern plant und wie „unterirdisch“ er sich menschlich aufführt.

Eventuell aber doch „Krise als produktiver Zustand“ ?

Der Mann kann viel fordern, aber auch einem US-Präsidenten sind Grenzen gesetzt. Problem ist natürlich, dass das wichtige Regulativ im Senat und Repräsentantenhaus fehlt, da auch dort die Demokraten das Nachsehen haben, weil sie in der Minderheit sind. Das könnte wahrlich zu Verwerfungen führen = Ende der Krankenversicherung, Kündigung der Verträge wie die mit dem Iran u.v.a.

Gleichzeitig habe ich die Hoffnung, dass es erstens anders und zweitens als man denkt kommen wird. Will sagen: in den Tiefen der Politik steckt ein Mann wie Trump nicht drin, sodass er eventuell viel „zahmer“ regiert als man es ihm jetzt und heute unterstellt. Und eventuell kommt er irgendwann gar nicht mehr mit dieser enormen Verantwortung klar und dankt ab ? Who knows ?

Interessant könnte eine Verschwörungstheorie sein, die ich gerade entwickelt habe: dass nämlich die Republikaner und ausländische Mächte die Wahlen manipuliert haben könnten ?

Man denke an die 500 Stimmen, die Bush Junior in Florida (Miami) mehr als seine Gegner hatten aber eine Neuauszählung seitens des zuständigen Verfassungsrichters und Bush-Freundes untersagt worden Ist. Zudem galten damals die Wahlautomaten von Diebold als „manipulierbar“ und viele alter Geräte sollen in Gegenden aufgestellt worden sein, wo vor allem Afroamerikaner leben. Der eine oder andere hat womöglich den Kandidaten der Gegenseite gewählt, da man in diesen Automaten keine „Quittung“ erhielt.

Ich glaube, das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen. Wie sagt man doch so schön: Stay tuned !  – Sven Jösting


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Sehr gut gemachte, bissige Realsatire mit hohem Unterhaltungsniveau!! Gut, dass so etwas in Wirklichkeit nie passieren kann… – Achim Bothmann


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Ein Sprecher sagte gleich nach der Wahl: „Die Bundesregierung verfügt über keine Kontakte zum Team des neu gewählten Präsidenten“. Dieser Satz wirft ein Schlaglicht auf die ganze Hybris des politischen Establishments. – Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Ihre Blitzumfrage ist niveaulos, weil sie nur Ja-Nein-Antworten zulässt.

Im Leitartikel schüttet Josef Joffe (DIE ZEIT, 10.11.2016) viel Häme über Trump aus. Doch über die Hintergründe für den Wahlausgang erfahren wir aus der Wochenzeitung DIE ZEIT wenig. Zu den Hintergründen siehe zum Beispiel:

  1. a) Der Sender Phönix hat gestern einen sehenswerten Film ausgestrahlt; Titel: USA – Die gekaufte Demokratie (21:00 – 21:45 Uhr)? In der Recherche wird das System von Bestechung und Korruption enttarnt, mit dem „Die da oben“ auf die Politik Einfluss nehmen ( http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/usa_die_gekaufte_demokratie_/1172091?datum=2016-11-09).
  2. b) Wenige Tage zuvor war ein Thema der Sportschau, auch sehenswert: „Politischer Protest auf der Bühne des Sports“
    11.2016 | 5 Min. | Verfügbar bis 13.11.2016 | Quelle: ARD  http://www.ardmediathek.de/tv/Sportschau/Politischer-Protest-auf-der-Bühne-des-Sp/Das-Erste/Video?bcastId=53524&documentId=38777736
    Colin Kaepernick, Quaterback der San Francisco 49ers, nutzt die Bühne des Sports, um gegen die Diskriminierung von Schwarzen zu protestieren und macht damit die Spannungen in den USA, wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl, weiter deutlich.

Es gehört zum Wahlkampf, zu polarisieren. Das sollte auch Josef Joffe wissen. – Josef Janßen


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Es tut gut, sich zu empoeren, denn es bestaetigt, ohne Kosten  (so scheint es) die bestaendige Superioritaet des liberalen Rationalismus. Was wir nicht uebersehen duerfen, ist das zunehmende Versagen dieses Rationalismuses hinsichtlich der Verschiebung des Wohlstandes von Unten, Mitte und gehobener Mitte in die Taschen der 0.1%.Unsere Wirtschaftsfuehrer, Oekonomen und liberalen Politiker wierderholen in Antwort auf diese Misslage mantrahaft die gleichen Antworten. Und werden fuer Reden vor interessiertem  (beteiligtem?) Publikum gut bezahlt. Wenn es den liberalen, freiwirtschaftlichen Demokraten nicht gelingt, neue und ueberzeugende Antworten zu entwickeln, dann sind Brexit, Trump, AfD, le Pen, Wilders, Orban etc der Anfang einer langen Reihe.

Es waere daher, so scheint es mir, ratsamer, Empoerung mit „mea culpa“ zu tauschen: die liberale Politik hat versagt, der freie Welthandel hat sich nicht vermittelt, die rationale Presse ist gegenueber den social/emogy Medien irrelevant geworden.

Wir haben versagt.  Nun muessen wir Respekt zeigen vor der Warnung, die uns die Mehrheit der Waehler der wichtigsten Demokratie der Welt in einem freien Wahlkampf gegeben hat. Sollten wir diese in Hochmut und im Wissen um unseren moralischen „Adel“ missachten oder gar hochmuetig abkanzeln, dann allerdings bleibt uns nur der Gebetsruf „God help us!“- Robert Pfeiffer


Leserbrief zu „Warum glaubt Google, mein Kaninchen frisst Hundefutter?“ von Wolfgang Uchatius

Interessanter Artikel, praktisch aber Reklame für Google. Es wäre viel nützlicher gewesen, wenn auch folgende Themen behandelt worden wären:

Es gibt nicht nur Google: DuckDuckGo, z. B.

Man kann Werbung blockieren, z. B. mit AdBlock Plus (auch wenn nicht immer).

Es gibt disconnect.me. – Dr. Salvatore Algier


Leserbrief zu „Bedienung, bitte!“ von Julia Friedrichs

Julia Friedrich hatte in der ZEIT darauf hingewiesen, dass die heutige Bestellkultur eine neue Dienstbotenklasse geschaffen habe, die der Mittelschicht ermögliche, ihre „nach Marktlogik wertvollere Lebenszeit“ kostengünstig in Freizeit umzutauschen. (Vom Diener zum Boten) Lisa Nienhaus hält dem in der ZEIT Nr. 47 vom 10.11.16 entgegen: „Die heutigen Dienstboten sind freier als die Diener von damals“.

Damit hat sie völlig Recht. Denn sie stehen zum einen nicht in einem persönlichen Abhängigkeitsverhältnis von den Mitgliedern der Mittelschicht und zum anderen genießen sie volle staatsbürgerliche Rechte.

Was Nienhaus dabei freilich ausklammert, ist erstens, dass die Abhängigkeit von einem internationalen Großkonzern schwerer abzuschütteln ist als die eines persönlichen Dienstverhältnisses.  Die „gnädige Frau“ einer Dienerin kann fürsorglich und hilfsbereit sein, die Arbeitsbedingungen der Paketboten bestimmt nicht der einzelne Kunde, sondern der Arbeitgeber. Dagegen kann man als einzelner nur juristisch oder mit einem persönlichen Kundenstreik vorgehen. (Zum Glück gibt es freilich noch Gewerkschaften, die freilich gegen internationale Konzerne nur beschränkt etwas ausrichten können.)
Zweitens: Weil die Benachteiligten gleichzeitig Staatsbürger mit allen Rechten sind, haben sie die Möglichkeit, die Empörung über ihre Benachteiligung in Protestwahlen kundzutun. Das führt dann dazu, dass AfD und Trump gewählt werden, weil sie gegen das Establishment auftreten, auch wenn sie nichts dazu tun, die Benachteiligung zu beseitigen. Natürlich kann man an ungerechten Verhältnissen festhalten; aber dann muss man auch mit den Folgen leben.

Vielleicht hat Nienhaus auch gar nichts gegen die Folgen. Was ihre Argumentation aber so wenig glaubwürdig macht, ist, dass sie den Vergleich von Boten mit Dienern wörtlich nimmt, statt zu berücksichtigen, dass nur eine strukturelle Parallelität gemeint ist. Wenn heute davon gesprochen wird, dass wir uns unseren Lebensstandard nur leisten können, weil wir eine Vielzahl von Sklaven für uns arbeiten lassen, dann ist damit ja nicht gemeint, dass sie rechtsverbindlich unser Eigentum wären; denn Sklaverei ist weltweit verboten.  Vielmehr denkt man dabei zum einen an die Ausgebeuteten in den Billiglohnländern, die zu Hungerlöhnen und ohne jeden Arbeitsschutz produzieren (vgl. die Brandkatastrophe in Bangladesch), und zum anderen an die Maschinensklaven, die wir mit der Verschmutzung unserer Umwelt bezahlen und mit der Vernichtung der Weltreserven an fossiler Energie und Rohstoffen für die chemische Industrie.

Und wenn Nienhaus ins Feld führt, Julia Friedrich bedenke nicht, dass die Billiglohnjobs doch besser seien, als wenn auch diese Arbeitsplätze verschwänden, so bedenkt sie nicht, dass diese Billigjobs nur die Vorstufe sind zu einer weiteren Automatisierung. Mit den Drohnen, die diese Arbeitsplätze beseitigen sollen, wird ja jetzt schon experimentiert. – Walter Böhme


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Nun erfahren wir , nachdem die in den USA üblichen Telephon-Umfragen vor Wahlen vollkommen versagt haben – daß es in den USA riesige Landstriche gibt, in denen die dort lebenden Menschen sich von der fortgeschrittenen, postindustriellen,  Gesellschaft und Wirtschaft abgehängt fühlen und erfolgreich den Aufstand der Frustrierten demonstriert haben. Seit wann gibt es denn in  US-Amerika Mitleid mit denen, sie sich jetzt Donald Trump als Rattenfänger zugewandt haben??  Läßt denn der Neo-Liberalismus oder Neo-Konservatismus überhaupt eine narzisstische Empathie für die sozial zu kurz Gekommenen zu?   Sind nicht die Vereinigten Staaten das „Neue Jerusalem“ derjenigen, die sich  ausschließlich auf ihre Selbstverantwortlichkeit stützen? Warum gibt es in den USA keinen europäischen Sozialismus , sondern nur die Plutokratie der……. Millionen und Milliarden $ -Emporkömmlinge? ^^So wenig wie in England aber sozial-existentielle Fragen den Brexit allein hervorbrachten,  sondern vielmehr ein neues blauäugig-naives Streben nach absoluter Souveränität, so hat Trump gepunktet mit dem Versprechen, er wolle die USA wieder „great“ machen.^^ All dies will ja nicht heißen, daß es nicht das Problem  der sozial und ökonomisch zu kurz Gekommenen in den Riesenräumen zwischen Atlantik und Pazifik gibt: the „White Trash“. – Aber man unterschätze doch bitte nicht die missionarische Grundader von US-Amerika, zivilisatorisch und überhaupt Welt-Führungsmacht zu sein. ^^ Europa und Deutschland starren immer auf die Atlantik- und Pazifik k ü s t e  der Vereinigten Staaten. New York, Hollywood, Silicon Valley, das Entertainment-Amerika, die Spitzen-Universitäten-. Aber es gibt eben auch ein „tumbes“  , „tiefes“ US-Amerika, das sich offenbar vom Anspruch des elitären Establishment, die Geschicke der Nation zu leiten, überwältigt ja übertölpelt sieht.^^ Richtig ist wohl, daß die traditionellen Parteienmuster in westlichen Demokratien an Vertrauen in der Wählerschaft massiv verloren haben und jetzt – wie der Soziologe Heinz Bude es formuliert- die °Macht DER Stimmungen° herrscht.^^  Wer jetzt aber etwa in Europa meint, den USA die Eckpfeiler einer „offenen Gesellschaft“ erklären zu sollen, wäre gut beraten, diese Belehrung zu unterlassen. Die Bundesrepublik Deutschland muß jetzt einen kühlen Kopf – wie etwa die Schweizer generell – behalten. Business as usual ist angesagt… aber bitte keine Anschmeichelungen. Mit denen läßt man aber  einen Mann wie Donald Trump  doch völlig unbeeindruckt.

Der „Turbo-Kapitalismus“ – etwa in der Finanzwirtschaft – produziert nicht nur Sieger, die die Spielregeln einer ungezügelten Marktwirtschaft beherrschen , sondern hinterläßt eben auch Verlierer .Daß es einen „rust belt“, also eine Art DDR-verlotterte riesige Industriezone rund um Detroit gibt, wissen jetzt schließlich auch die Europäer. Man sollte sich aber nicht täuschen: Die US-Amerikaner, die sich gerne nur °° Americans°°  nennen und vergessen, daß es Mittel-und Südamerika gibt, werden ihre messianische Zuversicht in eine Zukunft des „pursuit of happiness“ nicht so schnell verlieren! – Sigurd Schmidt 


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Wer am 28.07.2016 jene 5 Punkte für den Sieg von Donald Trump vom Busenfeind Michael Moore in der „Zeit“ gelesen hat Das ist der nächste Präsident: Fünf Gründe, warum Donald Trump gewinnen wird, war nicht nur gewarnt,  sondern auch desillusioniert. Um so mehr wundert die derzeitige Betroffenheitslyrik und das ungläubige Staunen allerorts.

Rückblickend erweisen sich also Moores Darlegungen nicht als unheilvolle Unwahrscheinlichkeit, sondern als bestätigte  Prognose. Nicht fußend auf Umfragen, Statistik und Kaffeesatzschwadronieren, sondern Ergebnis von Wirklichkeitsnähe  und Nachdenken. Auch das ist eine Ohrfeige für das politische Establishment. Insofern könnte man sagen, ist Donald Trump der falsche Gewinner zum richtigen Zeitpunkt.

Ist nun die Zeit des Populismus angebrochen?  Das fragen sich all jene, die mit ihrer Verwunderung wieder mal die Flucht  vor der eigenen Unbedarftheit antreten. Populismus wird jedoch in allen Krisenzeiten aktuell und Krisenzeiten erleben wir  seit etlichen Jahren. War auf dem Weg zur Eurokrise durchaus eine Analogie zum politischen Stimmengewirr Anfang des 20. Jh.  angebracht, sind wir jetzt schon weiter. Demagogischer Populismus mahnt an andere Zeiten und grassiert seit langem auch in  der hochoffiziösen Politik. Und jedes Wahlergebnis zeigt die Folgen. Wer die Denkenden von jeder politischen Beteiligung ausschließt, darf sich nicht wundern, wenn er sich den Stimmungen der Nichtdenkenden aussetzt. Das wäre festzuhalten.

Was aber unterscheidet Denkende von Nichtdenkenden, die ja nicht sozial, oder nach Wohlstand, nach Status, nach Beruf oder  Bildungsgrad trennbar sind? Sicherstes Kennzeichen und in jedem Zusammenhang erkennbar –  der Nichtdenkende bastelt an  Lösungen, der Denkende beschäftigt sich mit dem Problem. Jede Lösung nämlich liegt in den richtigen Fragen an das Problem  und reguliert die Unverbindlichkeiten. Die Krönung wäre aber sicher, das Problem nicht zu lösen, sondern abzuschaffen, indem  die Ursachen zur Problemzuspitzung durch eine Andersheit nicht mehr vorliegen. Versöhnen und verzeihen sind Gutes, in  Gemeinsamkeit vereinen aber das Bessere.

Und man muss auch bedenken, dass immer, wenn legal nichts zu gewinnen ist, über andere Wege nachgedacht wird. Wird also bis zur Alternativlosigkeit durchreguliert, wäre das Leben in Schmalspur nicht nur langweilig, sondern auch alle Überdruckventile  wären verstopft und die Sehnsucht nach anderem stiege ins Unermessliche, egal was.

Und es ist überhaupt nicht unartig festzuhalten, sondern Tatsache, dass die allermeisten Menschen sich nicht mit allem und jedem  auseinandersetzen wollen oder können und deswegen ersatzweise ein Vertrauen beisteuern, dass Spezialisten für alles und jedes  die Angelegenheiten schon richten werden. Wenn sich solches Vertrauen verbraucht, erwächst da nicht etwa eine Selbstbefähigung,  eher grassiert die Suche nach einem Heilsbringer.

Bedenkt man weiterhin, dass in jeder Wissenspyramide die quantitative Mehrheit von der kenntnisarmen Basis gestellt wird, leiten  sich zwingende Schlussfolgerungen ab. Erstens sollte das Vertrauen der Basis nicht enttäuscht werden und zweitens sollte man sich  der Teilnahme der befähigten Minderheit versichern. Die Crux dabei – nicht jeder konditioniert Befähigte ist den Denkenden zuzurechnen,  da für neue und unbekannte Herausforderungen eben nicht konditioniert.

Gemeinhin gilt als Filter die Seltenheit der intellektuellen Elite, die sich aber nicht aus Anmaßung speist, sondern aktiv und  öffentlichkeitswirksam wie in einem Brennspiegel die Herausforderungen der Zeit diskutiert, zur vergleichenden Messlatte wird und  somit vertrauensvoll diesen Elitestatus von der breiten Öffentlichkeit zuerkannt bekommt. Hier hilft also nicht, geheim und unverständlich  zu sein. Gibt es solche Eliten noch?  Seit Ewigkeiten hat niemand etwas vernommen. Zwar treten immer mal wieder Köpfe ans Licht und  sagen, was sie zu sagen haben und werden damit aber nur zum Orakel. Eine verfolgbare und damit glaubhafte  Erarbeitung solcher  Offenbarungen findet entweder nicht statt oder nur hinter den Bollwerken interner Zirkel.  Dies wäre eine Aufgabe der Medien.

Aber Begnügen die sich nicht, im Beharren auf die eigene Deutungshoheit, jedem das Seine sagen zu lassen, und Auseinandersetzung  eigentlich verhindern? Und reiben sich verwundert die Augen, wenn der Umgangston in den sozialen Medien immer rauher wird?  Spucknäpfe der Nation. Dass jeder alles sagen kann, ist unerheblich, wenn er nicht auch Gehör findet. Die Leute wollen Teilhabe und  nicht beaufsichtigte Duldung!

Da wirken die Heilsversprechen der Populisten schon vertrauter. Ja, die blühenden Landschaften will man haben, man kann schließlich  nicht gegen den Weltfrieden sein, diesen Zielen kann man sich verbunden fühlen, allein im Überschwang der Glückseligkeit wird nicht  nach Weg und Zeit gefragt. Doch wer verteilen will, muss für die Nachhaltigkeit der Erträge sorgen, sonst beginnt nach der Party das Elend.  Von nichts, wächst nichts. Das setzt die fortwährende Investition von Arbeit, Ressourcen und Gehirnschmalz voraus. Und immer neue  Kreativität, weil sich die Bedingungen ändern. Und nicht alle Blütenträume reifen.
Und genau hier liegen die Herausforderungen für ernsthaftes Bemühen, für Glaubwürdigkeit und eine demokratische Zukunft, jedenfalls  wenn Demokratie nicht nur eine Diktatur der Mehrheit sein will. Wenn die Einzelstimme sowieso unerheblich ist, kann man die ja  instrumentalisieren, entweder positiv etwa meistbietend verkaufen oder negativ auf Protest reduzieren. Irgendwie dagegen sind ja alle.
Wäre all dies nicht eine Chance, das Fremdeln zwischen Volk und Politik aufzuheben, wenn Politiker sich nicht länger als haftungsfreie Beamte für Weltverbesserung zu begreifen und Ihre Reputation aus Leutseligkeit und Versprechungen beziehen würden, sondern anfangen  würden, in Alternativen zu denken, diese offen laut samt Vor- und Nachteilen zu diskutieren, solcherart die Vertretenen auch beteiligen  würden und dann erst haftend und vertretend entscheiden würden? Auch dann würden nicht alle Blütenträume reifen, sicher, aber die  Öffentlichkeit könnte ermessen, ob nun ein Ringen und Bemühen vorläge, wo Hemmnisse liegen und tatsächlich jeder Erfolg auch einen Preis hat. Die Wähler würden dann mündig, nicht Stimmmasse. – Franz Wanner


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Jetzt geht es manchem klugen Journalisten bei der US-Wahl wie vielen vermeintlichen Fußballexperten. Zunächst weiß jeder genau, warum die einen gewinnen müssen, nachher kann man blitzgescheit analysieren, warum es doch andersrum gekommen ist.

Auch unsere Regierung wirkt überrascht, konzept- und hilflos. Ausführliche Berichte und Reportagen in der ZEIT haben doch gezeigt, dass die Stimmung in weiten Teilen des Landes anders ist, als es viele Medien und fast alle Meinungsumfragen suggerieren wollten. Die US-Bevölkerung ist in weltanschaulichen Fragen tief gespalten, die Kluft zwischen Reich und Arm wird immer größer, und die Ängste der Mittelschicht nehmen zu. Dass die Wahlkampfslogans von Donald Trump oft geschmacklos und seine Konzepte fragwürdig waren, ändert nichts an der Tatsache, dass er auch ernste Probleme angesprochen hat. Es genügt nun nicht, darauf zu hoffen, dass die US-Verfassung ihn schon pazifizieren wird. Das so oft zitierte politische Establishment muss sich jetzt vielmehr Gedanken machen, wie man eine bessere und gerechtere Gesellschaft schaffen kann. Wer die steigenden Börsenkurse am Tag nach der Wahl sieht, darf bezweifeln, dass man sich vor dem nächsten politischen Paukenschlag diese Mühe machen wird. Vorausschauende Politik sieht anders aus. – Brigitte Schellnhuber


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Vielen Dank für Ihre Einschätzungen zum Trump-Sieg am 11.9. Ihrer Charakterisierung des Siegers ist wenig hinzuzufügen und ich teile Ihren ziemlich pessimistischen Ausblick auf die Zukunft. Die „postfaktische“, sprich irrationale Propaganda und ihr durchschlagender Erfolg bei weiten Teilen der Bevölkerung können einem in der Tat bedrücken.

Parallelen zum Aufstieg der Nationalsozialisten in den 30er Jahren drängen sich auf – was den gesellschaftlichen Kontext, die Motive der gesellschaftlichen ‚Verlierer’, die charakterliche Konstitution der populistischen Führer, ihre Antworten und Rezepte betrifft  – bis hin zum Bau von Autobahnen. Sie nennen Trump einen ‚Möchtegern Mussolini’. Aber wer weiß, ob wir am 11.9. nicht die Geburt eines neuen, ganz realen Diktators erlebt haben? Ausgestattet mit weitgehenden Machtbefugnissen, wie Sie in Ihren Beiträgen erläutern und aggressiven, medialen Hilfstruppen, die ihre virtuelle Keulen nicht weniger intimidierend schwingen als die brauen Banden in den 30er Jahren. Auch damals hofften viele, es werde schon nicht so schlimm kommen; die Suppe werde weniger heiß gegessen, als sie vor den Wahlen aufgetischt wurde.

Was ich in Ihren Beiträgen vermisse, ist eine weiterreichende Analyse der Ursachen. Globalisierung, Strukturwandel, die größer werdende Zweiteilung in der Gesellschaft sind schließlich nicht Ursachen, sondern logische Effekte eines auf Wachstum und Gewinnmaximierung ausgerichteten ökonomischen Systems. Der Hass richtet sich erstaunlicherweise nicht gegen die inhärenten Spielregeln dieses Systems, sondern gegen das ‚Establishment’, das zwar innerhalb dieser Spielregeln operiert, sie objektiv gesehen aber kaum verändern, höchstens – wie etwa in Deutschland- sozial abfedern kann. Aber auch hierzulande fühlt sich neuerdings 10-20% der Wähler ‚abgehängt’.

Es ist nicht zu erwarten, dass ausgerechnet Trump vor hat, den goldenen Ast, auf dem er sitzt, abzusägen. Er hat die ökonomische Spielregeln und die Schlupflöcher des Systems schließlich maximal zur eigenen Profitmaximierung benutzt. Also müssen andere, altbekannte Sündenböcke her: Vor allem Angehörige ethnischer Minderheiten, denen man zynischer Weise soziales Schmarotzertum vorwirft.

Mit größenwahnsinnigen Egozentrikern weiß die Psychiatrie im Allgemeinen gut Rat. Das Erschreckende am Wahlsieg Trumps ist, dass so viele diesem Rattenfänger und seinen Parolen auf den Leim gegangen sind und ihn damit in eine mächtige Position gehievt haben. Wenn Emotionen bei (politischen) Entscheidungen wichtiger sind als Ratio und Fakten, wird es gefährlich. Wie verzweifelt oder wie minderbemittelt müssen Trump-Anhänger sein, dass sie bereit sind, ihren gesunden Menschenverstand weitgehend auszuschalten? Und welches Licht wirft das Geschehen auf das amerikanische Bildungssystem? Es ist zu hoffen, dass es hierzulande besser gelingt, jungen Menschen beim Entwickeln kritischen Denkens und eigener Urteilsfähigkeit zu helfen und sie damit besser gegen Rattenfänger aller Art zu wappnen.   – Annemarie Juli


Leserbrief zu „Ganz Unten“ von Christoph Drösser, Martin Klingst, Kerstin Kohlenberg und Jörg Lau

Ganz unten ! Was heißt das ! Hillary lebt noch ! Das scheint nach so einer Schlammschlacht ein Wunder.Trumps Verhalten ist einer Demokratie unwürdig.Es ging um persönliche Eitelkeiten und bösartige Verletzungen . Sein 8 Mrd. Guthaben , haben den „Weißen Mann “ beeindruckt.Ich hoffe, dass sich das verbale Raubein in Zukunft mässigen möge , für ihn  Libérté, Fratérnité Ègalité  zählen. Das würde mich beruhigen. – Zwickenpflug 


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Viele Amerikaner haben gesagt, sie hätten mit Trump und Clinton die Wahl zwischen Pest und Cholera. Die Hauptmitverantwortlichen für einen Präsidenten Donald Trump sind demnach die beiden Parteien, die diese aufgestellt haben. Was unsere Parteien daraus lernen könnten? Die SPD, dass sie einen Kandidaten sucht, der anders als Gabriel vom Wahlvolk akzeptiert wird, die CDU, dass sie aufhört eine Kanzlerin zu demontieren, die trotz sinkender Umfragewerte immer noch hohes Ansehen bei großen Teilen der Bevölkerung genießt und die CSU? Der schenke Gott Einsicht. – Sabine Quentin 


Leserbrief zu „… aber nicht am Ende“ von Bernd Ulrich

Zum Text – Der Schlusssatz des im Betreff genannten Artikels hat mich massiv verärgert.

„Der Kampf um die Demokratie ist wieder offen.“ Was ist denn das für ein Demokratieverständnis? Grundsätzlich kann man doch festhalten, dass Demokratie funktioniert, wenn sich ein Außenseiter in einer offensichtlich nicht manipulierten Wahl gegen eine Vertreterin des politischen Establishments durchsetzen kann. Das Ergebnis mag nicht gefallen, aber auch das ist Demokratie. Aus Ihrem Text schließe ich eher, dass Sie sich eine neue Wertedebatte wünschen. Da bin ich bei Ihnen.

Zum Bild – Ich finde es dem Buben gegenüber unfair, ein Bild von Barron Trump und seinem seltsam posierenden Vater zu veröffentlichen und darunterzuschreiben: Nicht zu fassen: Donald Trump und sein Sohn Barron. Sie haben gleich mal das Kind in Sippenhaft genommen. Das gehört sich nicht. – Bernadette Schier


Leserbrief zu „… aber nicht am Ende“ von Bernd Ulrich und „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Zu Ihren Artikeln: Nicht einmal in einem God-Channel wird pro Zeiteinheit der Name Gottes so oft angerufen als in Ihren letzten zwei Ausgaben. Beruht das darauf, das Sie nur Glauben, aber nicht Wissen? Glauben Sie mir, auch diesseits des Atlantiks gibt es viele Menschen – auch ZEIT-Leser – die vom derzeitigen Amerika die Nase voll haben. Und Trump – unvoreingenommen betrachtet – erweckt durchaus die Vorstellung, er könnte etwas zum Beseren befördern.

Lieber Herr Ulrich, lassen Sie uns mit dem „Kämpfen“ warten, bis wir angegriffen werden! Etwas Schmidt`sche Gelassenheit wäre hier am Platze. Und glauben Sie mir, Herr Joffe und Herr Ulrich, die Gefahr eines Krieges in Europa mit und gegen Russland ist geringer geworden! Ich wundere mich, wie wenig Sie die Erfahrung der letzten Jahre mit den „Clintons“ gewichten. Das ist zumindest mein positives Ergebnis der im übrigen sehr demokratischen Wahl in den USA. Demokratie verlangt nun auch, das Ergebnis vorerst zu ertragen.

Und bitte, hören Sie auf sich so zu benehmen, als hätten Sie Moral, Ethik und Wahrheit ganz auf Ihrer Seite. Ihre Aufgabe ist es, zu berichten, und ganz wenig nur zu „belehren“. Dies schreibt Ihnen ein Leser, der seit mehr als 45 Jahren die ZEIT liest. – Dr. Harald Schnare


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Ein DANKE an Herrn J. Joffe. Nur eines fehlt in der Ausgabe ZEIT

47/16: Der Nachdruck von Michael Moore  in Nr. 32  “ Das ist der nächste Präsident „.  Vielel Grüße in der Gemeinschaft der Schockierten, Albert Schechter


Leserbrief zu „Ganz Unten“ von Christoph Drösser, Martin Klingst, Kerstin Kohlenberg und Jörg Lau

Ihr Beitrag „Ganz unten……“ Ihre Autoren haben gute Erklärungen abgeliefert, warum es dazu gekommen ist, wie es gekommen ist. Warum wusste man das vorher nicht. Hinterger ist man halt immer schlauer. Meine persönlichen Erfahrungen mit den Vereinigten Staaten habe ich erstmals in den 70er Jahren gemacht als ich an einem Reitturnier teilnahm, an dem auch der Reiter Paul Schockemühle teilnahm. Der Veranstalter stelle ihn als mehrfachen Millionär vor und Beifall brandete auf. Wer aus Deutschland kam, hat einen ersten Eindruck erhalten, wie anders die Amerikaner ticken. In Deutschland wäre das undenkbar gewesen, weil Leistung gleichzeitig Ausbeutung bedeutet. Jetzt frage ich ich Sie und Ihre Leser, wer hat die bessere Gesinnung? Das Trump stinkreich ist, ist bei uns eigentlich nur dann einen Hinweis wert, wenn er negativ besetzt wird. Unter Umständen gar ein Krimineller.  Trump ist für viele Bürger in Amerika kein Arschloch sondern eine Vorzeigeperson. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „… aber nicht am Ende“ von Bernd Ulrich

Bei allem Entsetzen über diese Wahl: darauf zu hoffen, dass Brexit und Trump einen „europäischen Ruck“ erzeugen oder als „Weckruf“ dienen, scheint mir etwas vage. Vor allem, weil die Frage offen bleibt, wer eigentlich „geweckt“ werden soll: das Volk oder die etablierten Parteien oder gar beide? Ist der „Kampf um die Demokratie“ ein Kampf gegen AfD & Co und im übrigen ein „Weiter so“? Oder könnte dieser Kampf auch so aussehen, schwierige Themen nicht ausschließlich extremen Parteien zu überlassen?

Könnte auch die CDU ein Statement zum „Politischen Islam“ geben und/oder die Vertretung der Islame in Deutschland zu einem solchen Statement auffordern? Könnten die Grünen Stellung beziehen zu den katastrophalen Auswirkungen eines ungebremsten Bevölkerungswachstums, unabhängig davon, wo genau all die zu erwartenden Menschen einen neuen Platz finden werden? Könnten die Linken ein Konzept bieten, wie man das Auseinanderklaffen von Arm und Reich eindämmen kann ohne nur an der leistungsbezogenen Einkommenssteuer zu drehen? Könnte Herr Gabriel ein Rentenkonzept vorlegen, welches nicht auf ewiges Bevölkerungswachstum angewiesen ist.

Könnte irgendjemand darauf hinweisen, dass wir uns – zum ersten Mal seit 65 Millionen Jahren – wieder mitten in einem erdhistorischen Massen-Artensterben befinden? Könnte jemand öffentlich sagen, dass es zumindest fragwürdig ist, unsere Äcker zu vergiften um den Gewinn zu maximieren?

Sind soziale Netzwerke wirklich Zeichen einer „Guten neuen Zeit“, wollen diese Art des Miteinanders tatsächlich fördern, weil es unaufhaltsam modern erscheint? Wollen wir uns als Fußgänger tatsächlich inmitten selbstfahrender Autos wiederfinden?

Ist unbegrenztes Wachstum in einem weitgehend geschlossenen System ein tragendes Konzept für die kommenden Generationen, ist das tatsächlich realistischer als eine jungfräuliche Geburt?

Mich persönlich bewegen all diese Fragen tief in meinem Innern. Sie bewegen mich, weil sie mir Sorgen bereiten, in welcher Welt meine Kinder leben werden. Ich schreibe viel an die Grünen, die Linken, die SPD, die CSU und die CSU; weil ich wissen will, ob sie meine Sorgen teilen. Ich kann Ihnen versichern: die Antworten sind mager.

Wenn sie den „Kampf um die Demokratie“ so verstehen, dass öffentlich um eine Antwort auf diese oder ähnlich brisante Fragen gerungen wird, dann bin ich zu 100% auf ihrer Seite. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Warum glaubt Google, mein Kaninchen frisst Hundefutter?“ von Wolfgang Uchatius

Dieser Artikel deckt wunderbar die Schwierigkeiten der Unternehmen auf, aus der Datenmenge ein wirklich zutreffendes Persönlichkeitsprofil zu erstellen. Der automatische Ablauf von Algorithmen kann aber auch zu herrlich kuriosen Ergebnissen führen. Meine Familie hat sich beispielsweise mehrere Tage köstlich amüsiert, nachdem sowohl auf der amazon Homepage als auch über den mailserver mehrfach die Anzeige “ …das passt zu Ihnen: der Idiot“ geschaltet wurde. Ursächlich war natürlich eine vorangegangene Bestellung eines andern Buches von Dostojewski für den kindle reader- dies konnte leicht nachzuvollziehen. Warum ich aber immer wieder auf den Kauf roter Pumps hingewiesen wurde entzieht sich leider meiner Kenntnis. – Dr. Siegfried Fischer


Leserbrief zum Titelbild

Ihr Titelbild trifft genau die Stimmung in der man sich seit gestern befindet! Danke der Redaktion! – Rita Dinessen


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Dass ausgerechnet Sie, Herr Joffe, den Amerika-Aufmacher schreiben, und die ZEIT initiativ positionieren, halte ich für fraglich. Augstein hat in seiner – bombastischen und nicht sehr originellen – Spiegel-Kolumne zu Recht Sie als Parade-Beispiel der irrenden Intellektuellen angeführt, die mit veralteten Gewissheiten die US-Wahl kommentiert haben.

Wenn Sie nun schreiben Trump »meint, was er sagt«, scheint das nicht mehr als eine rhetorische Setzung, um Ihre Verfassungsthese vorzubereiten. Das Gegenteil ist plausibel: dass man von Trump eben so fast nichts »erwarten« kann, scheint der einzige Punkt, in dem sich die politischen Beobachter einig sind. Trump meint eben nicht, was er sagt. Das hat er mit den Kehrtwenden bei fast jeder politischen Position bewiesen, die er bei seinen öffentlichen Auftritten bezogen hatte. Ja, da gibt es die Verfassung. Ja, da sind checks & balances. Feststellungen, die zur Einschätzung der Unberechenbarkeit dieses Mannes nicht viel beitragen. Ein Mann, dessen politischer Stil, im Sinne von Harry Frankfurt, endgültig im Bullshitting aufgeht. – Paul Kindermann


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Trump – Eine schallende Ohrfeige für das Establishment: Der aktuellen US-Regierung, einer Clinton-Administration, aber auch der EU in Brüssel und der CDU/SPD in Berlin – und anderswo. Trump ist gewählt worden, entgegen den Prognosen vieler Experten – „Experten“! – trotz der Stimmungsmache durch den Grossteil der Medien in den USA, in Europa, in Deutschland. Er hat eine große Zahl ehemaliger Nichtwähler an die Urne gebracht – ähnliches geschah beim Brexit oder bei den deutschen Landtagswahlen 2016. Das ist Demokratie. Über 70 Prozent der US-Wählerinnen und Wähler, die Trump unterstützen, haben ihm die Stimme gegeben, weil sie einen Wandel haben wollen. Die Mehrheit der Wählenden hat genug von den verkalkten, sich selbst genügenden Establishments, die unter sich die Macht aufteilen, deren Mitglieder sich als Elite sehen – was sie in keiner Art sind – dotiert mit Privilegien sonder Zahl: die müssen gehen. Hillary Clinton, die Establishment-Kandidatin, die von neutralen Kommentatoren als unehrlich bewertet wird, hatte keine Chance. Die „etablierten Parteien“ haben sich schon allzu lange, allzu sehr von den Bürgerinnen und Bürgern entfernt, abgehoben. Der Trump-Wahlsieg, der Brexit, der Widerstand des wallonischen Regionalparlamentes, das Dänemark-Referendum, die Wahlerfolge der AfD, wie die ähnlicher Parteien in anderen europäischen Ländern zeigen, dass es für jedes Problem Alternativen – prüfenswerte, ja gute, ja bessere als die des Establishments – gibt.

Trotz all dieser Erschütterungen meint das EU-Establishment in Brüssel und in Berlin weiterhin alternativlos regieren zu können. Die EU, die an sich schon schwer erschüttert ist und nun noch mehr geschüttelt wird – in Brüssel herrsche „Schreckstarre“, wie das Häschen vor der Kobra; ist es in Berlin; in Paris anders? – muss sich endlich grundlegend wandeln. Die EU hat nicht die Aufgabe, die Etablierten in den EU-Führungsnationen zusätzlich zu stärken, sie hat auch nicht die Bürgerinnen und Bürgern in den verbleibenden 27 Staaten „mitzunehmen“. Nein, die EU hat die Basis durch Abstimmungen zu Wort kommen zu lassen. Ein Umbau der Establishment-Struktur von Oben nach Unten zu einer Basis-Struktur von Unten nach Oben sichert allein auf Dauer die europäischen Werte, die vom Establishment so oft gebetsmühlenartig beschworen und dadurch entwertet werden.

Ob Einsicht und Demut einziehen wird in Brüssel, Berlin und in weiteren Hauptstädten, wird sich bald zeigen: Widersteht das Establishment der Versuchung den Wahlsieg Trumps als Wahlsieg der Populisten zu etikettieren? Populistisch verhalten sich zurzeit die CDU und SPD, die GroKo – es stehen ja Wahlen in Deutschland bevor. – Dr. Jürg Walter Meyer


Leserbrief zu „… aber nicht am Ende“ von Bernd Ulrich und „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Da haben sich beide Journalisten ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt. D. T. als Horrorclown, als durchgeknallter Macho, als Öko – Ignorant. Wow! – Fakt ist, dass er demokratisch gewählt wurde. Zugegeben der Wahlkampf war unterirdisch, was aber Großteils den Medien geschuldet ist. Insgeheim war es jedoch eine Abrechnung mit den Eliten des Landes. Die Fragen, was sein wird, welche Auswirkungen es auf die Welt hat, interessieren mich nicht. Die USA haben keine Freunde auf dieser Welt. Sie sind das einzige Imperium, mit genau den damit verbunden Ansprüchen. Ich kann dies nicht ändern. Ich kann mich nur empören. Das erschöpft mich. Weitaus interessanter ist es, diese Entwicklung in Deutschland aufzuhalten und Strategien dafür zu benennen. Das vermisse ich jedoch völlig. Darauf sollten wir unsere Kraft verwenden. Wenn nicht, werden sich viele Bürger/innen die Augen nach der nächsten Bundestagswahl reiben. – Hubert Kohlbrenner


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Der Albtraum ist also Wirklichkeit geworden. Da man nicht mit dem höchst seltenen Fall rechnen kann, dass aus einem Saulus ein Paulus wird, bleibt nur geduldiges Hoffen: Ein international wachsender politischer Rechtsruck darf demokratische Stimmen weder in Amerika noch in aller Welt zum Verstummen bringen. Dabei fällt den unabhängigen Medien eine zentrale Rolle zu. Das staatsmännische Geschick aller integren Regierungen außerhalb der USA muss in den Dienst einer riesigen gemeinsamen Aufgabe gestellt werden. Es gilt u.a. vor allem, Amerika und seinen neuen Präsidenten trotz aller Widrigkeiten als verlässliche Partner bei der Bewältigung unserer globalen Probleme zu gewinnen. – Hans Gerbig


 Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Es ist geschehen: Das amerikanische Volk hat Donald Trump gewählt, anders als Wahlforscher und Berichterstatter mehrheitlich und vor allem in Europa erwartet haben. Daraus ergeben sich Fragen :

Lassen sich Wahlforscher von eigenen Wünschen (oder denen des Auftraggebers) leiten? Wird mit Hilfe ausgewählter Ergebnisse Meinung/Politik gemacht?

Gleiches gilt für die Presse: Sind Journalisten in ihrer Berichterstattung ausreichend frei von eigener Meinung? Schreiben sie eher, was das eigene Publikum hören möchte, werten abweichende Erkenntnisse geringer (-und schaffen so versehentlich Parallelwelten)?

Wie kommt es, dass hier Trumps Exaltiertheiten dramatisch dargestellt und hochgewertet wurden, obwohl sie für 50% der US-Wähler doch zumindest akzeptabel waren? Wieso wurden die Verfehlungen von Clinton (unsichere e-mail-Verbindungen etc.) eher als lässlich dargestellt, ihre Verbindungen zu Hochfinanz, möglichen arabischen Geldgebern, außenpolitischem Hardlinertum jedoch hier kaum angesprochen, was jedoch in den USA deutlich breiteren Raum einnahm? Warum wurden diese Kandidaten weiter in das so unpassenden Rechts-Links-Schema  gepresst, obwohl viel ehemaligen Sanders-Unterstützer zu Trump wechselten, durchaus nicht nur abgeschlagene weiße Männer.

Journalisten sollen berichten und erklären, auch Unerwünschtes, Heikles, Licht und Schatten, hier wie dort. Nur so kann dem Vorwurf der Lügenpresse, der Meinungsmache, begegnet werden, nur so werden wir Vertrauen in Pressearbeit behalten, nur so lernen wir die Welt zu verstehen! – Jochen Zieriacks


 Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Im vorübergehen habe ich ihre heutige Schlagzeile gelesen. Seriöser Journalismus sieht anders aus!
Ich denke in 6 Monaten werden Sie aus USA andere Anweisungen bekommen, wie Sie zu berichten haben. – Prof. Dr. Günter Jeromin


Leserbrief zu „Stimmt´s?“ von Malthe Möhrstädt

Ich bin Abonnentin, Witwe, 66 Jahre alt, keine Kinder, seit 01.03.2015 in Rente nach 48 Jahren Arbeit. Ich bin Raucherin, allerdings wandere ich auch viel.  Wenn ich kein Magnesium einnehme, merke ich das nach wenigen Tagen – es kommen die vornehmlich nachts auftretenden Krämpfe wieder. Jeder, der schon mal Krämpfe hatte, weiß, wie unangenehm das ist. Und so nehme ich ständig Magnesium. Ich habe ein Präparat, das hochdosiert ist und eine Tablette täglich reicht. Ich kann dem also nicht zustimmen, das keiner das ständig einnehmen muss. – Undine Mix-Falter


Leserbrief zu „Warum glaubt Google, mein Kaninchen frisst Hundefutter?“ von Wolfgang Uchatius

Der Selbstversuch mit der Datenkrake Google kann nicht ganz überzeugen. Zum einen stellt sich die Frage, wenn der Konzern angeblich nur Menschen zu Werbezwecken grob kategorisiert, warum man zum Beispiel dessen Cookies selbst auf den Internetseiten vieler Universitätsbibliotheken findet, wo ja eigentlich der akademische Grundsatz gelten sollte, dass die Gedanken der Nutzer frei und unbeobachtet sind. Zum anderen bleibt es in jedem Fall ein ethisches Problem, das der Suchmaschinenprimus allerdings mit sehr vielen anderen Firmen im Silicon Valley teilt, dass man die gesellschaftlichen Folgen nur im unzureichenden Maße beachtet, auf denen das eigene, zugegebenermaßen höchst erfolgreiche Geschäftsmodell basiert. Schließlich darf schon angesichts der Erfahrungen mit der Geschichte im 20. Jahrhundert stark bezweifelt werden, dass eine echte demokratische Grundordnung auch nach dem Ende der Privatssphäre noch wirklich funktioniert! –  Rasmus Ph. Helt 


 Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Clinton der Engel, Trump der Teufel. Oder doch nicht? – Trump ist schlecht für Amerika, schlecht für Europa, schlecht für die ganze Welt. So hört und liest man es momentan überall, seit dem Donald Trump am 8. November vom amerikanischen Volk zum 45. Präsidenten gewählt wurde. Doch woher kommt diese Abneigung der deutschen Politiker gegen Donald Trump und mit ihr die Sympathie zu Hillary Clinton?

Hört man sich in der amerikanischen Bevölkerung um, wird schnell klar: Ganz so beliebt wie in Deutschland war Hillary Clinton in ihrer Heimat nicht. Immer wieder ist die Rede vom Bengasi-Attentat 2012, einem Anschlag auf das US-amerikanische Konsulat in Libyen, bei dem vier US-Amerikaner ums Leben kamen. Die damalige Außenministerin Hillary Clinton wird bis heute von großen Teilen der US-Bevölkerung für das Gelingen des Anschlags verantwortlich gemacht, da sie ihn durch unzureichende Sicherheitsvorkehrungen nicht verhindern konnte. Sie räumte ihren Fehler ein und übernahm somit die Verantwortung für die Folgen des Anschlags. Vergessen hat es das amerikanische Volk jedoch nicht, weswegen nicht selten der Spitzname „Killary“ verwendet wurde.

In dem Wahlkampf ging es weniger um politische Vorhaben der Präsidentschaftskandidaten, sondern viel mehr um Beleidigungen, weswegen vermutlich hierzulande auch nur selten Clintons Nähe zum Militär thematisiert wurde. So kündigte sie schon während des Wahlkampfes an, es nicht außer Betracht zu lassen, Syrien dazu zu nutzen, militärisch gegen Russland vorzugehen und auch wenn es um den Irak-Krieg geht, bewies sie schon immer eine Neigung zu militärischen Interventionen. So stimmte sie im Jahr 2002 für den Einmarsch in den Irak zu und sorgte somit indirekt für ein bis heute andauerndes Chaos in diesem Land und für das Aufsteigen des „Islamischen Staates“.

Der Kabarettist Volker Pispers sagte vor kurzem, dass sich 95% der amerikanischen Medien in der Hand fünf reicher Familien befinde. Es sind jedoch genau die Reichen, die oberen Zehntausend der amerikanischen Bevölkerung, gegen die Donald Trump Politik macht. Er setzt sich für die amerikanische Mittelschicht ein, den „kleinen Mann“, der sich teils mit zwei Jobs nur gerade eben über Wasser halten und die immer weiter steigenden Krankenversicherungsbeiträge zahlen kann. Hillary Clinton konnte genau diese Wählerschaft jedoch nicht erreichen. Oder können Sie sich an ihren Wahl-Slogan erinnern? Ein großer Teil der Bevölkerung sehnt sich nach einem Machtwechsel im Weißen Haus und hat genug vom alteingesessenen Establishment, zu dem Clinton gehört. „Make America Great Again“ scheint da genau zur richtigen Zeit zu kommen und die Bevölkerung zu erreichen.

Es heißt, Trump fördere den Hass. Betrachtet man jedoch objektiv die Berichterstattung über den Wahlkampf und die Präsidentschaftskandidaten, bekommt man den Eindruck, dass der einzige Hass von Seiten der europäischen Politiker und Medien kommt. Nehmen wir Trumps Siegesrede als Beispiel: Jeder hierzulande hat vermutlich mit einer überheblichen Rede gerechnet, in der er als der Haudegen, den alle kennen, seinen Sieg triumphierend feiert. Es kam jedoch ganz anders: viel mehr bedankte er sich zunächst bei Außenministerin Clinton für ihren Dienst für die USA und gratulierte ihr zu ihrem harten und langen Wahlkampf, um danach sowohl seiner Wählerschaft als auch seinen Gegnern zu verdeutlichen, dass er als neuer Präsident die gespaltene Gesellschaft vereinen möchte und sich seinen Wünschen annehmen werde. Eine positive Reaktion dazu konnte ich jedoch weder in Print-Medien wahrnehmen, noch in Online-News oder TV-Nachrichten.

Statt sich aber neutral mit dem Wahlkampf und dem gewählten Präsidenten auseinanderzusetzen, wird lieber über die Entscheidung der Amerikaner vorschnell geurteilt. Sowohl von der deutschen Bevölkerung als auch von ihren Politikern. Woher aber kommt diese Arroganz?

Großbritannien scheint genug von der europäischen Union zu haben, Amerika genug vom Alteingesessenen. Es scheint sich etwas in den Köpfen der Bevölkerungen zu ändern und statt sich damit zu beschäftigen, sitzen deutsche Politiker, wie Sigmar Gabriel, weiterhin auf ihrem hohen Ross und verurteilen demokratische Entscheidungen anderer Länder. Sarah Wagenknecht appellierte nach dem Ergebnis der US-Wahl besonders an die SPD, man solle sich selbst bemühen und zusehen, dass so etwas im kommenden Jahr bei der bevorstehenden Wahl nicht auch in Deutschland passiere.

Es bleibt abzuwarten, wie sich Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten schlagen wird. Man sollte sich aber besonders an Stelle der deutschen Politiker hüten, einen Mann zu verurteilen, der es geschafft hat, Millionen von Bürger von sich zu überzeugen, wo zur selben Zeit in Deutschland eine Partei im Wachstum ist, die genau so etwas bietet, wie Donald Trump: Nämlich eine Chance auf etwas Neues, wenn das Alte für viele schon lange nicht mehr funktioniert. – Josephine Franke


Leserbrief zu „… aber nicht am Ende“ von Bernd Ulrich

Der Autor dieses Artikels folgert m. E. schlüssig, dass mit Trumps Sieg die politisch „Rechten“ international Aufwind bekommen und ruft das demokratische Europa zum Kampf auf! Das ist richtiig, tapfer und mindestens sehr verwegen…- denn wer soll es denn hier reißen? Die alten Kämpfer und Mahner, in Dtschld. vor allen Schmidt, Brandt, von Weizsäcker und Scholl-Latour, sind leider verstorben, und der Rest, wie Geißler, Vogel, Baum, etc. sind des Kampfes satt und müde! Wer mag es ihnen verdenken?

In de etablierten Parteien sitzen vor allem sittsam Satte! Hunger gibt es fast nur noch in Teilen der Linken und vor allem der Rechten! Soll die bereits durch ihre Parteikollegen aus der CU/CSU angezählte Frau Merkel jetz,t wie Johanna von Orleans, das Schwert erheben und die braune Brut hinwegfegen? Nein, ich glaube damit würde man sie überfordern, zumal sie keinen ernstzunehmenden politischen Partner auf der internationalen Ebene hat und finden kann!

Nein folgende Dinge müssen schleunigst durch Frau Merkel, Herrn Steinmeier und Co geregelt werden:

– Einwanderungsgesetze in Dtschld. , die einige Dinge entgültig regeln

– Programm des sozialen Wohnungsbau gekoppelt mit einem stärkeren rechtlichen Druck auf die Eigentümer von Immobilien (die Verwahrlosung der Gebäude und dem Spekulantentum, bis hin zu  mafiöser Vermietung  von 40 qm Bruchbude an 100 Osteuopäern muss ein Riegel vorgeschoben werden

– den zugestandenen Schuldenstand in der EU um einiges raufsetzen, da Europa jetzt klotzen, nicht kleckern darf (niedrigenn Schuldzins nutzen!)

– eine Kehrtwende der Ukraine-Politik  vollziehen (weg von dem wirtschaftlich- und finanziellem Werben um die Ukraine, unterfüttert mit heimlichen und stillen Absprachen der [ Waffen-]Industrie

– Aufheben sämtlicher Russland-Embargos

– Gemeinsames Aufrüsten einer Nato-Armee (und zwar mit tauglichen Waffen und nicht mit z.B. ungeschützten Hubschraubern)

– einen Umweltgifel „Ostsee“ der Anrainerstaaten mit Russland zusammen initieren

– die Schaffung von genügend KITA-Plätze, mit einer teilweisen Finanzierung durch Steuergelder

– höhere, angepasste Besteuerung von Sparguthaben (auch hier: Eigentum verpflichtet!)

– eine bessere Bezahlung von Pflegekräften und ein bundeseinheitlicher Personalschlüssel für Einrichtungen im Sozial-und Gesundheitswesen

– die Übernahme des Hochwasserschutzes als Bundesaufgabe (damit in den Ländern nicht immer lokale Interessen vor dem Hochwasserschutz bedient werden)

– eine Rentenreform, die die Lasten gleicher verteilt, mit weitgehender Auflösung des Beamtenstatus

– die Benutzung des  Solidarpaktes  Ost für alle bundesdeutschen wirtschaftlichen Kriesenregionen, nicht nur für die im Osten

– usw.

Die Regierenden müssen handeln. Auf Vernunft setzen, statt auf Populismus! Und vor allem, sich nicht faul oder ängstlich däumchendrehend in die Ecke setzen!

Dann muss jede/-r von uns, das für die Demokratie tun und „kämpfen“, was er/sie tun kann und möchte! -gemäß Churchills Weisheit: „Die Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen, aber die einzig mögliche!“

Ich persönlich rechne damit, dass Trump, Russland das Baltikum, die Ukraine und Syrien“mit Kusshand“ gibt, vielleicht auch noch Polen dazu! Da sieht er bestimmt keinerlei amerikanischen Interessen. Und vor gut 70 Jahren konnten wir einen Mann, Gott sei Dank, für abschließend tot erkären, von dem auch manche, vor allem anfangs, dachten, die Verfassung oder seine Mitstreiter könnten ihn zügeln…- Jeder weiß, wie das damals ausgegangen ist! Ich würde derzeit nicht auf Amerika setzen unnd die unsellige westliche Isolation Russlands aufgeben!

Aber, wenn wir nicht kämpfen wollen! Letztlich mit unserem Leben und das unserer Soldaten- werden die dreisten Täter wieder die Sieger sein: Erdogan, Trump, Putin und wie sie alle heißen mögen! Ich hoffe natürlich, dass ich nicht recht behalte! besonders bez. dieser Tragweite…- aber das ergibt sich, m. E., wenn man die Sache konsequent zu Ende denkt! – Christoph Kochs


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Josef Joffe speit Gift und Galle: Donald Trump – in demokratischer Wahl zum 45. Präsidenten der USA gewählt – ist für ihn ein „Möchtegern-Mussolini“ ,  ja sogar ein „Horrorclown“. Woher kommt so viel Hass? Der Herausgeber der ZEIT zählt sich natürlich zur „Elite“ und fühlt sich jetzt verständlicherweise bloßgestellt: Muss er doch trotz seiner Vertrautheit mit den USA öffentlich bekennen, dass er – in seiner „Echo-Kammer“ lebend – wie schon beim Brexit die Stimmung im Land total verkannt hat. Was ist daraus zu lernen? Kein Zeitungsmensch sollte sich in der Rolle der Pythia gefallen, sondern lediglich seiner Pflicht nachkommen, den Leser umfassend und unvoreingenommen mit den Fakten vertraut zu machen, so dass er sich selbst eine Meinung bilden kann. – Heinz Dieter Mück


 Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Überheblichkeit ist eine der gravierendsten moralischen Verfehlungen. Trump, Brexit, AfD – alles Mächte des absolut Bösen? Jedenfalls wird es von den selbsternannten absolut guten Mächten so hingestellt. Anstelle eines solchen Hochmuts sollte sich jeder vor der überschnellen Urteilsäußerung ernsthaft die Fragen Stellen: Sehe ich immer alles Richtig? Irre ich vielleicht auch einmal? In welchen Einzelpunkten könnte der „Böse“ vielleicht die besseren Erkenntnisse haben? Die Erfolge von Trump, Brexit und AfD haben eine Ursache auch darin, dass diese Fragen in breiten Kreisen nicht gestellt werden und in Folge dessen die Beurteilungen einseitig und überheblich ausfallen. Das alles hat kaum noch etwas mit politisch linker oder rechter Orientierung zu tun, sondern ist zu einem Problem von Fairness und Anstand, von Nächstenliebe (oder Feindesliebe?) und Gerechtigkeit auf beiden Seiten geworden. – Dr.-Ing. Günter Hackel 


 Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Die Krokodilstränen der Europäer über die falschen Prognosen der US-Marktforschungsinstitute und die überraschende Wahl des Außenseiters Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA weisen eindeutige Parallelen zum negativen Votum der Briten zum Brexit auf. Der „Aufstand der Verbitterten“ (Heinz Bude) gegen die Eliten spiegelt auf beiden Seiten des Atlantiks die virulent gewordene politische, ökonomische und soziale Spaltung der Welt mit wachsender Ungleichheit und Arroganz der Regierenden wider.

Die Regierungen der westlichen Welt haben das Gespür für diese Missstände verloren. Nur wenn sie politische Konzepte einer Zukunft entwickeln, an die alle glauben können, gibt es Auswege aus den weltweiten Krisen. Dieser letzte Weckruf aus den USA sollte in Europa nicht überhört werden und entsprechende Konsequenzen auslösen, denn anhaltende Realitätsverweigerung wird hart bestraft werden! Am ersten Todestag von Helmut Schmidt, den das Schicksal der USA besonders umgetrieben hat, sollte uns dies in seinem Sinne ein besonderer impetus für eine bessere Welt sein! – Hans-Henning Koch


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Donald Trump hat einen affektgeladenen Wahlkampf geführt. Er hat viel Unsinn behauptet und Extrempositionen eingenommen. Damit wollte er provozieren und erreichte enorm viel mediale Aufmerksamkeit.

Auch spielte er mit der Angst. Damit war er sehr erfolgreich, denn er hat er – trotz allem – gewonnen.

Was passiert in Ihrer Bereichterstattung? Statt aus einer objektiven, kritischen Distanz zu reflektieren, verfällt man in eine Art Massen-Hysterie. Es wird Angst geschürt: Bald hat Trump enorm viel Einfluss, kann Richter bestimmen und verfügt über Atomcodes, etc. Es passiert genau das, was Trumps affektgeladene Extrempositionen provozieren: es wird ein anderes Extrem vertreten. Und das ist genau das, was diese Person und andere Populisten so erfolgreich gemacht hat / erfolgreich macht.

Ich hätte mir von der Zeit ein bisschen mehr Sachlichkeit, Reflektion und dialektische Auseinandersetzung gewünscht (statt in ein und den selben Populismus zu verfallen)!  – Johannes Grapendorf


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

OH MY GOOD…     von Josef Joffe , und……..aber nicht am Ende. von Ihnen.
Mir kommt es vor als hätten Sie beide Schaum vor dem Mund gehabt , als diese Artikel geschrieben haben.
Ich lese die Zeit jetzt seit vier Jahren (vorher  Die Welt, vierzig Jahre) , so abwertende Artikel , und vor Verurteilung habe ich seit Jahren nicht nicht gelesen.
In dieser Zeit habe habe schon manchen Artikel gelesen,aber so etwas noch nie. – Heiner Porzler

P.s.: …..dann noch Seite 4,  derColt-.


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Sie schreiben in der heutigen Ausgabe der Zeit „abermals haben die Umfragen……Clinton …..einen…..knappen Vorsprung vorgegaukelt“, „Wie konnte es geschehen, daß ……….eine deutliche Mehrheit für Donald Trump entschied?“ bzw. „….doch nun ….hat die Mehrheit……..daraus

die Konsequenz gezogen:“.

Die medialen Eliten, auch die „Zeit“,  prägen vermehrt die Formulierung wir leben in einer „postfaktischen Zeit“. Der Begriff wird als intellektuelle

Speerspitze gegen die verwendet, die sich dem Einfluß der selbsternannten medialen Eliten entziehen. Mit diesem Begriff sollen sie kulturell geringschätzt

werden (hier die Denker, dort die Schimpansen!?). Wenn ich mir das Ergebnis der amerikanischen Präsidentschaftswahl ansehen, stelle ich fest,

  • Clinton wird von einer knappen Mehrheit gewählt
  • Trump hat ca. 250000 Stimmen weniger als Clinton

Bild online berichtete gestern schon faktisch vor-bild-lich; hauchdünner Vorsprung für Clinton, Trump wird Präsident. Genau so und nicht anders sind die Fakten! Die Berichterstattung der Zeit ist postfaktisch und auch dem amerikanischen Volk gegenüber unfair. Es hat gerade noch einmal die Kurve gekriegt und diesem Rassisten nicht das Vertrauen ausgesprochen! Es ist aufgrund des eigenen Wahlsystems aus der Kurve geflogen. Die angemessene Berichterstattung wäre z.B.

  • Clinton, wie vorhergesagt,  knapp vor Trump,  verliert aber den Kampf uns Weiße Haus!
  • Anti – Demokrat siegt bei demokratischer Wahl aufgrund eines undemokratischen Wahlmännersystems!
  • Historische Pleite des Wahlsystems – immer zugunsten der Republikaner
  • Unser Beileid zum Wahlsystem
  • Minderheit darf ins Weiße Haus usw.

Es ist schon etwas bizarr, daß gerade die „Bild“ faktenorientierter berichtet als die „Zeit“ und damit auch kein ungerechtfertigtes Amerika – Bashing betrieb……. Mich kotzt der Typ auch an, aber Fakt bleibt – die Mehrheit hat sich für Cholera entschieden und die Pest siegte trotzdem……… – Udo Wolf


Leserbrief zu „Mord, der das Leben leichter macht“ von Peter Kümmel

Im sehr gelungenen Artikel zum „Tatort“-Jubiläum von Peter Kümmel zitiert er zu meiner Freude den Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer, dessen 100. Geburtstag wir in wenigen Wochen (9.12.) begehen. Allerdings stammt die von ihm zitierte Passage nicht aus einer  der satirischen „Lieblosen Legenden“, sondern aus dem großen Prosamonolog „Tynset“, für den Hildesheimer genau vor 50 Jahren mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet wurde. – Christoph Wirges


Leserbrief zu „Bedienung, bitte!“ von Julia Friedrichs

Die Paketboten, die bei mir zu Hause – gelegentlich – klingeln, schauen mir nicht selbstbewusst, sondern extrem gehetzt in die Augen. Sie fahren Schrottlauben mit littauischen Kennzeichen, weil Hermes sie nicht fest einstellt, sie als Ich-AG unterwegs sind und sich eine deutsche Versicherung nicht leisten können.

Es geht mir hier natürlich nicht darum, dass jemand bei Bedarf eine Haushaltshilfe , Kinderbetreuung etc. anstellt und angemessen bezahlt. Und natürlich verdient man mit unterschiedlicher Ausbildung in unserem Land unterschiedlich gut. Aber der absurde Bestellwahn, der sich bei uns breitmacht, lässt mich verzweifeln. Jeder Mist muss heute online bestellt werden, dann ist aber ja gar niemand zu Hause, um die Lieferungen entgegenzunehmen, alle arbeiten schließlich. Dies durfte ich in meiner Elternzeit erleben, als ich für ein Vorderhaus und drei Hinterhäuser zur Paketannahmestation geworden bin. Nach einem langen Tag spontan mal eine Pizza bestellen und somit auch den Italiener vor Ort unterstützen, klar, warum nicht?  Aber müssen ernsthaft Windeln geliefert werden oder Klopapier. Und zwar möglichst in getrennten Paketen. Bald mit Knopf neben dem Klo, den ich drücke, wenn ich das vorletzte Blatt abreiße. (Mein Mann hat kürzlich beruflich ein Gerät getestet, bei dem im Halter des Nassrasierers ein Knopf eingebaut war, über den man online ein neues Päckcken Rasierklingen bestellt. Mit dem kam dann einige Tage später der nette, gehetzte junge Mann aus Littauen angefahren. Schöne neue Welt!) Das hat rein gar nichts mit „beide Eltern berufstätig“ zu tun, jeder schafft gelegentlich eine Tour zum „dm“. Das ist einfach ignorant bezüglich Umweltschutz und Arbeitsbedingungen der meisten Versender (Da ist ein einzelner Anbieterwechsel auch nur Augenwischerei).  Ich habe Kollegen, die täglich auf dem Weg zur Arbeit unter dem Münchner Marienplatz durchfahren, und denen irgendwann plötzlich einfällt, dass sie – ein Beipiel – dringend ein Päckchen Schwarztee bei  Amazon bestellen wollen, welches sie dann aber leider mit dem Auto bei der Packstation abholen müssen. Es kann doch nicht jeder fragwürdige „Fortschritt“ damit begründet werden, dass sonst die Frauen wieder an den Herd müssen!

Noch etwas anderes: Ich bin Grundschullehrerin und mich lässt eine Ihrer Formulierung aufhorchen: Sie müssen neben ihren vielen Pflichten auch „Elterbastelabende überstehen“. Hier schwingt etwas mit, was wir Lehrer und auch die Kolleginnen im Kindergarten deutlich spüren: Auch unsere Arbeit wird vermehrt als reine Dienstleistung wahrgenommen. Die Qualität soll hervorragend sein, die Förderung der Kinder optimal, immer mehr Erziehungsaufgaben werden an die Institutionen übertragen. Beide sind schließlich berufstätig, das Kind soll am besten „gegessen, hausaufgabengemacht und pädagogisch bespielt“ wieder abgeholt werden können. Oder noch besser: geliefert werden. – Miriam Reitberger


Leserbrief zu „… aber nicht am Ende“ von Bernd Ulrich

Mit Interesse habe ich Ihren obigen Artikel gelesen. Vielem pflichte ich bei, vielleicht überrascht er aber uns auch alle. Ich denke nicht, dass seine Anhänger ihm den Bruch von Wahlversprechen übelnehmen werde, da ja nicht das Image hat, dass er hält was er verspricht. Würde er sein Verhalten ändern, erste Ansätze gab es ja in seiner Rede und beim Gespräch mit Obama, würde man sagen “ hey that`s Trump, what a guy`!

Ich möchte jedoch zu Ihrer Alternative einer starken EU etwas schreiben. Das wäre schön, wir sind jedoch nicht in einer starken Position. Sie schrieben zurecht, dass Deutschland ohne Frankreich den Laden nicht zusammenhalten kann. In Frankreich sind im Mai Präsidentenwahlen. Hollande hat sich mit seiner Politik und auch mit seinem Buch selbst abgeschossen und Sarkozy ist in Frankreich so beliebt wie Hillary in USA. Auf einmal könnten wir mit der lachenden Dritten Le Pen als Präsidentin konfrontiert sein, das wäre schlimmer für die EU als Trump für die USA. – Klaus Heitlinger


Leserbrief zu Helmut Schmidt: „Er fehlt“ von Matthias Nass

Für Ihren geradezu anrührenden Artikel zu Helmut Schmidts Todestag danke ich Ihnen sehr, Sie haben recht: Er fehlt, nicht nur Ihnen in der Redaktion (und Ihnen als Schachpartner)!,sondern auch den ZEIT-Lesern und allen aufrechten Demokraten! Was hätte er uns in diesen aufregenden und aufgeregten Zeiten zu sagen! Was hätte er zum „president elect“ gesagt? Ich könnte mir vorstellen, dass sein Urteil nicht sehr von dem von Frank
Walter Steinmeier abgewichen wäre.- Frank Laier


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Es ist schon einigermaßen verwegen, ausgerechnet Herrn Joffe den Aufmacher zum Wahldesaster in den USA schreiben zu lassen. Ich kann mich an zahlreiche Artikel und Kolumnen erinnern, in denen er dem ZEIT-Publikum eloquent und pointiert erklärt hat, aus welchen Gründen genau das, was da jetzt geschehen ist, nämlich die Wahl von Herrn Trump, auf gar keinen Fall geschehen wird, ja gar nicht geschehen kann. Ein deutliches Eingeständnis dieser grandiosen Fehleinschätzung wäre wohl angebracht gewesen und damit verbunden auch die ehrliche Aussage, dass zuverlässige Prognosen für komplexe Systeme, wie etwa für Wahlen in einer Demokratie oder auch für global- bzw. volkswirtschaftliche Vorgänge nicht möglich sind. – Andreas Zabel


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Bernd Ulrich, der sich selbst als Vorkämpfer für „Demokratie und Vernunft“ sieht, scheint das eherne Gesetz alles Irdischen nicht zu kennen: Blüte, Verfall, Untergang. Dies Gesetz gilt für den Einzelnen wie für Institutionen und Denkweisen. Jungen Menschen steht es wohl an, an die Ewigkeit  des Bestehenden zu glauben.
Wer sich aber in der Geschichte auskennt, weiß: Selbst vierhundert Jahre Republik im alten Rom und die klaren Gedanken eines Cicero dazu konnten diese Staatsform nicht retten, weil sie nicht mehr rettenswert war. Hundert Jahre Auflösungserscheinungen und Bürgerkriege wurden gespeist von globalen Veränderungen und einer selbstverliebten und unbelehrbaren Führungsschicht, bis ein junger Mann (1) eine neue stabile Staatsordnung, das Kaisertum, schuf, das den Menschen wiederum einige hundert Jahre lang Sicherheit gab.  (1) Vergil: „ille mihi semper deus“ – Klaus Müller


Zum Interview mit Anne Will über ihre Einladung einer islamischen Fundamentalistin in ihre Talkshow von Iris Raddisch

Der Mensch hat Gott erschaffen. Eine Frage wird permanent umschifft: Gibt es Gott? (Götter-Jahwe, Allah, Visnuh usw.). Die diversen Religionen sind jedenfalls überzeugt dass Sie den „richtigen einzig wahren Gott“ haben. Kriege Not und Elend sind seit hunderten von Jahren die Folgen. Es ist an der Zeit hier mit Wissenschaft zu argumentieren. Um das Universum (damit auch seine Bewohner) zu erklären genügt einfach das Erkennen der Naturgesetze. Dann braucht auch nicht mehr darüber gestritten werden ob man Nikab, Burka oder ähnliche religiöse Symbole öffentlich im Fernsehen zeigen darf oder nicht. Es ist dann als Humbug enttarnt. Solange um fiktive Figuren diskutiert wird, kann es keinen Friede auf Erden geben. Bitte sehen Sie von der Veröffentlichung meines Namens ab, da etliche religiöse Menschen keinen Widerspruch ertragen.


Zum Interview mit Anne Will über ihre Einladung einer islamischen Fundamentalistin in ihre Talkshow von Iris Raddisch

Ja, man macht damit eine Gratwanderung, aber die ist außerordentlich wichtig. Erst in Diskussionen formt sich eine Meinung, nicht aus Nachplappern von Vorgeplappertem. Gerade die Schweizer Konvertitin Illi macht es noch einmal völlig klar, daß sie, die aus einer christlich geprägten, offenen Gesellschaft stammt, radikaler ist als muslimisch Geprägte. Frau Illi hat klar gemacht: Sie will ihr Gesicht nicht zeigen, versteckt sich selbst in einer offenen Gesellschaft und hat Verständnis für junge Menschen, die aus einer offenen Gesellschaft in den Krieg nach Syrien gehen. ­ Die makabre Verlogenheit von Frau Illi ist damit doch mehr als klar geworden: Gut leben in einer offenen Gesellschaft, junge Menschen verständnisvoll in Zerstörung, Gewalt und den eigenen Tod gehen lassen, aber selber in einer solchen radikalen Islamgesellschaft nicht leben zu wollen. ­ Ich bin Anne Will dankbar (auch) für diese Sendung; es wird immer Konflikte und Probleme geben; Reibung und Auseinandersetzung ist dazu so nötig wie die Luft zum Atmen, sonst werden gerade diese Konflikte und Probleme immer größer wie ein Krebs mit Metastasen ­ und unsere Demokratie und offene Gesellschaft würde ihnen erliegen. Die Formen des Zusammenlebens verändern sich; werden sie jedoch durchschaut, wird das Bewußtsein frei dafür, Veränderungen zu akzeptieren oder abzulehnen. ­ –  ­ Hanna Leinemann


Zum Interview mit Anne Will über ihre Einladung einer islamischen Fundamentalistin in ihre Talkshow von Iris Raddisch

Leider haben sich Frau Radisch und Frau Will in dem Interview nicht mit dem Thema ‚Dialog mit einem Phantom‘ beschäftigt. Es hat mich nämlich sehr gewundert, das die zwei ‚Nichtmuslime‘ der Runde – von Frau Will vielleicht mal abgesehen – sich dazu hergegeben haben, Dialoge mit einem Phantom zu führen.

Besonders Herr Bosbach hat damit dazu beigetragen, dass wir uns in Zukunft wohl an ‚Phantome‘ im Fernsehen gewöhnen müssen.  – Horst Draheim


Leserbrief zu „Österreich den Österreichern?“  von Alexander Cammann

In der Glosse über die Vergabebedingungen des Österreichischen Buchpreises erinnert der Autor  Österreich an die Verdienste der deutschen Literstuarkritk um österreichische Autoren, und nennt, unter diesen, auch Thomas Bernhard; hier darf man korrigieren: dieser Schenkelklopfer-autor hätte auch ohne die deutsche Kritik seinen  Weg zu den Stammtischen gefunden. Dank schuldet Österreich tatsächlich, wenn man an Robert Musil denkt; das beginnt mit dem Verleger Rowohlt und setzt sich über Adolf Frise fort bis in die Gegenwart, mit den Forschungen Dr. Karl Corinos. – Paul Zwirchmayr


Was bedeutet Trumps Sieg für Sie?

 Gelinde gesagt: katastrophal. Wir werden jedoch zweifelsohne die Praesidentschaft von Trump ueberleben. George Bush amtierte jahrelang, ohne dass
unser Land untergangen ist. Es wird auch interessant sein, zu sehen, wie die Rechtsfanatiker im Repräsentantenhaus ihr blaues Wunder erleben, wenn Trump
sich nicht als Rubber Stamp, erweist, wenn sie versuchen zum Beispiel, saemtliche Sozialprogramme (Corporate Wellfare ausgenommen, natuerlich) zu eliminieren. – Francis Keefe, Ph.D.


Was bedeutet Trumps Sieg für Sie?

Wenn der gesamte deutsche Medienapparat lediglich dumme Witze über den Mann macht und an keiner Stelle erkennt, welche Vorteile der gemeine Amerikaner in ihm (und seiner Partei) gesehen hat, dann braucht man sich über gar nichts zu wundern. Unsere Nachrichtenproduzenten melden wohl nur noch Dinge, von denen sie absolut keine Ahnung haben. Irak, Libyen und Syrien sind wundervolle Beispiele für die absolute Inkompetenz und Ignoranz dieser Institutionen.

Die USA sind ganz einfach. Sie wollen keine Gleichheit, keine Krankenkassen, dafür wollen sie billiges Benzin und Waffen und sie wollen alle gewinnen, obwohl es die wenigsten tun (Catch as catch can und the winner gets all). Die Amerikaner verarmen derzeit noch rascher als die Europäer, was mit Obama natürlich nichts zu tun hat, sondern mit der Globalisierung: die Produktion wandert ab. Mit ein paar markigen Worten wird man das aber nicht ändern können. Außerdem sind die Republikaner die Partei des Kapitals, und dem ist es schitegal, wo produziert wird, solange der Rubel rollt. Und der guten Frau Clinton haben die Amis wohl kaum irgendwas zugetraut. – Namenlos


„Wenn sie bloß weinen könnten“ zum HSV von Kathrin Gilbert

In Cathrin Gilberts gutem Artikel zur HSV – Misere halte ich die Herstellung eines Zusammenhangs von Religionszugehörigkeit und Fanverhalten für sehr gewagt. Auch über ihre “Dreifaltigkeits”-Theorie könnte man streiten. Profifußballvereine sind Wirtschaftsunternehmen und ihr Erfolg hängt in erster Linie von den Fähigkeiten ihrer Manager ab. Insofern ist es mir auch schleierhaft, wie jemand als Fan stolz auf die Erfolge von Bayern München sein kann. Seit vielen Jahren hat der beste Fußballmanager, nämlich Ulli Hoeness, nicht nur Steuern hinterzogen, sondern auch den Konkurrenten seines Unternehmens die besten Spieler “weggekauft”, mit dem Doppeleffekt, die eigene Mannschaft zu stärken, und gleichzeitig (noch wichtiger) die Gegner zu schwächen. Das fing schon mit Oliver Kahn an und ging über Robert Lewandowski bis zu Joshua Kimmich. Auch der HSV könnte mehrere Lieder davon singen, wenn er denn noch bei Stimme wäre. Zu bewundern sind Vereine wie Dortmund, die  trotz der “Abgabe” ihrer besten Spieler ernst zu nehmende Konkurrenten der “Raubritter” bleiben.

Mit der Herstellung eines Bezugs des Profifußballs zur Elbphilharmonie hat mir Cathrin Gilbert eine Steilvorlage gegeben: Wenn der “Wert” eines Fußballers gemessen an seiner Ablösesumme 90 Millionen Euro beträgt, dann wären nach meinem Wertekatalog auch Kosten von 7 Milliarden für das einmalige Kunstwerk Elbphilharmonie nicht zu viel. – Sven Herfurth

Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Der Inhalt belegt wieder einmal die unerträglich gewordene moralische Arroganz und Scheinheiligkeit der Politik und der Medien. Egal, was man von Donald Trump hält, er war nicht die Ursache sondern das Ergebnis einer seit mindestens 15 Jahren zunehmenden Unzufriedenheit und Frustration. Als Spitzenvertreterin dieser Entwicklung diente eine einfallslose, konzeptlose Leitfigur ohne Ausstrahlung,  Hillary Clinton. Eine Stimme für Trump war eine Stimme gegen Hillary Clinton.  Mit ihr würde sich gar nichts ändern.

Herr Joffe reiht sich hier vorbildlich ein, indem er nicht sieht, was er nicht sehen will. Es ist müßig, sich weiter über Trump zu echauffieren und ihn diffamieren zu wollen, und eine Wiederholung der Empörung hilft uns nicht wirklich weiter. Das einzige Relevante ist eine kritische Untersuchung der objektiven Ursachen, und alleine damit sollte man sich auseinandersetzen. Elfenbeintürme sind bekanntlich brüchig.

Nicht Donald Trump war schuld daran sondern das komplette Versagen einer gewissen Elite, zu der auch die Medien gehören. Trump hat das erkannt,
gnadenlos bloßgestellt und ausgenutzt. Gleich am Mittwoch nach der Wahl erschienen in der New York Times und der Washington Post fast gleichlautende Leitartikel über das eigene, komplette Versagen. Leider viel zu wenig und viel zu spät. Der Zug war schon abgefahren. Und das nicht zum erten Mal.

Nach der Wende in Deutschland 1990 sagte mir eine gute Bekannte aus Sachsen: „Der Erich (Honnecker) war eigentlich kein so schlechter Kerl,
sein Problem war, daß er mit der Zeit selbst daran glaubte, was er sagte.“ Verhängnisvoll. Das Positive an einer negativen Situation müßte sein, als Anschub zu tatsächlichen Änderungen zu dienen. Hoffen wir, daß unsere deutschen und europäischen Politiker und auch die Medien die Signale aber auch die Chancen erkennen und nutzen. – William Borkenstein


Leserbrief zu „Und tschüss“ von Marc Brost und Claas Tatje
Insgeheim wünsche ich mir, dass sich unsere deutschen Automobilkonzerne eine blutige Nase holen. VW und Audi stecken ja schon mitten im Schlamassel. Nur Daimler und BMW können sich noch über Wasser halten. Und insgeheim hoffe ich auch, dass China die Quote einführt. Ich wünsche es mir. Vielleicht steigern unsere deutschen Automobilkonzerne dann mal von ihrem hohen Ross runter und laufen ein Stück zu Fuß, metaphorisch gesprochen.
Ich bewundere Elon Musk! Trotz ständiger Kritik, trotz ständiger negativer Schlagzeilen zu neuen Unfällen und Vorkommnissen bei Tesla. Er hat nach wie vor die „Eier in der Hose“ und glaubt an seine Vision: den elektrischen und autonomen Antrieb. Er verteidigt sie gegen jedwede Widrigkeiten. Grandios. Und zuletzt muss ich noch los werden, was mich mindestens genauso stört: Alexander Dobrindt. Hätten wir doch nur Elon Musk als Bundesverkehrsminister! – Yves Pulst

Leserbrief zur Titelseite

Er hat noch nichts gemacht – Demokraten denken Sie sind berechtigt, zu demonstrieren und Schuhe zu verbrennen.  Hätte er es umgekehrt gemacht, wärs unsäglich.Ein bißchen Geduld ist doch angebracht, „give him a Chance“. – Ruth Wendlinger (Anhängerin demokratischer Prozesse).

P. S. Unter Hellmut Schmidt so ne tendenziöse Titelseite? Da les ich Augstein, den kann ich einordnen.


Zum Titelthema, Trumps Wahlsieg

Ich möchte der Redaktion Politik gratulieren zu der raschen Verarbeitung des Wahlergebnisses in den USA! Gut, Sie hatten bestimmt verschiedene Alternativen vorbereitet, aber das Ganze musste ja noch gedruckt und ausgeliefert werden. Sie standen sicher unter extremem „Zeit-Druck“. Da fällt es dann nicht ins Gewicht, dass die Tatsache, dass Hillary Clinton die meisten Wählerstimmen aus der Bevölkerung bekommen hat, von Ihnen noch nicht so recht wahrgenommen werden konnte und Sie auf S. 2 schrieben: „schließlich entschied sich eine deutliche Mehrheit für Donald Trump“.  Tat sie eben nicht! – Dr. Wilhelm Otto Deutsch


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Seien wir doch realistisch und kapitalistisch hierbei auswertend: Die westlichen so genannten „Demokratien“ der anteilig knallharten eigennützig gelenkten Industrie- „Nationen“ sind doch nichts andere: als schlecht-getarnte Oligarchien und Plutakratien und Nomenklaturen: um mit dieser hemmungslosen Machart des Kapitalismus: die Massen der Menschen auszubeuten und wie Marionetten an den Strängen der eigenen Interessen zu manipulieren. Wo (ver-)bleibt denn da die geheuchelte (Demokratie) Herrschaft des Volkes… Und genau solch einem Oligarchen des Superkapitalismus hat sich die Majorität der USAmerikanischen WählerInnen untertänig angedient, ihn geradezu messianisch auf den protzigen Thron im Tanz „um das amerikanische goldene Kalb“ gehievt, abseits und jenseits von Trumps skrupellosen Sprüchen und populistischen Auftritten… Das war lupenreine Reality-Show! Nein, Donald Trump ist nicht das TRUMPeltier, für das er in den (auch nichtamerikanischen) Medien dargestellt wurde und hingestellt worden ist. ER (himself) absolut pur derjenige, der sich so präsentiert hat, wie ihn die Massen besichtigen und befinden konnten – und das ist der totale Anteil von wahrnehmbarer Person und „Persönlichkeit“ ohne Verfälschungen und Maskeraden. Homo homini lupus! Trump ist nicht der Wolf im Schafspelz! Er ist der Wolf! Und wird im „ORAL“-Office des „White-House“ nicht nur den Mond anjaulen!
Josef Joffe aber benennt Trump als eine Art von „Horrorclown“ und vergisst oder verdrängt dabei schlichtweg verfehlend: dass viele, viele Millionen Amerikaner diesen scheinbar horriblen Clown ständig in den Medien vor Augen und im Gemüt hatten – dieser gleichzeitige Supershow-Spieler sich nicht getarnt oder sich gar verstellt hat: ER ist die totale Widerspiegelung seiner selbst und egomanischer Selfmademan und Revolvermann – immer schon so gewesen in seiner langen Zeit als Superkapitalist mit allen Raffinessen und Strukturen eines kapitalistischen Superräubers und Ausbeuters. Mit den Spielcasinos in Atlantik-City ist er zwar auf die Schnauze gefallen, doch sein Immobilien-Imperium hat er fast ohne Steuerzahlungen reanimiert und riesig werden lassen, Pleiten und Pannen inclusive im „the american way of life“ siegreich überwunden. Ein knallharter Profiteur und so wird er auch sein Land gegenüber dem Rest der Welt profilieren wollen: Hemmungslos und rücksichtslos: Right or wrong: my Country! Wehe aber: die Deutschen würden heute noch so denken und agieren!
Sich als führende deutsche PolitikerInnen so einseitig negativ in den amerikanischen Wahlkampf einzumischen und verbal so hemmungslos auszurasten gegen den Präsidentschaftskandidaten Trump: ist unverantwortlich im scheinbaren „Namen des deutschen Volkes“ und zukunftsschädlich! Und unerträglich erschwerend: dass ein deutscher Außenminister Steinmeier schon mal im unüberschaubaren Voraus (total eingestimmt auf Hillary Clinton), den nunmehrigen US-Präsidenten im Wahlkampf als einen Verrückten und Irren bezeichnete, oder war es etwa der unrepräsentative stimmungsanfällige Vizekanzler Gabriel…? Die Damen und Herren der deutschen Politszenen-Hierarchie insgesamt haben sich vollkommen entblößend daneben benommen, sich gegen die deutschen Interessen gefährlich negativ verhalten – und was nun: Ihr Elefanten im deutsch-amerikanischen Scherbenhaufen…?

Unsere deutschen Polit-Clowns, die jetzt in Schockstarren zu verfallen scheinen, sollten sich endlich ihre eigene Maskerade von der politisch getarnten Gesichtsmimik ziehen und in ihrer elitären Abgehobenheit (vom Volk) erkennen wollen: dass hier ein lupenreiner Oligarch ohne Tarnungen seine Ideologie vertritt und für ihn eine Angela oder ein Garbriel nichts als Spielermaterial sind, die in seinem Sinne zu funktionieren haben… „We make Amerika great again!“ Das ist keine Parole, sondern sein CREDO – eine Conditio sine qua non seiner Persönlichkeitsstruktur, mit der er die anderen Protagonisten auf der Weltbühne zum Tanz auffordern wird nach eigener Musikvorstellung.

Unsere bundesdeutsche „Mutti“ Merkel mag sich da schon mal ein paar eigene Tanzschritte einfallen lassen – bevor sie hemmungslos im Kreis von ihm schwindelig herumgedreht werden könnte… Und eines wird doch bei der ganzen Trump-Antikampagne der deutschen Polit-Eliten sehr deutlich: Jene haben sich wiederum verrechnet, dachten an die berechenbarere Eliten-Hillary, „bedachten“: sie könnten a la fette „Made“ in Germany mit ihr dann auf Augenhöhe herumtänzeln und die alten Zirkusnummern fortsetzen. Jetzt aber wird die fette deutsche Made erst einmal unordentlich heftig Fett ablassen müssen, Kosten werden auf good old Germany zukommen und ein korrupter Anteil von Devotheit gegenüber dem „großen Bruder“ Trump jenseits des Atlantik, vorrangig – Trump ist nun the Big Brother! Und wenn man den in Europa verstimmt, können sich die führenden Damen und Herren des Polittheaters schon mal auf den „Horrorclown“ einstimmen… Deeer wird sie nicht nur über den Atlantik hinweg „verschrecken“, sondern in Vollkostümierung den originalen Trump aufspielen, dass ihnen Hören und Sehen vergehen wird. Mundus amus Schundus? Anteilige „Kultiviertheit: was yesterday!

Manche der hochpolitischen Namen wird Trump erst gar nicht kennenlernen wollen und manche Länder die sich europäisch so wichtig nehmen, nicht erst auf seiner inneren Landkarte bemessen und beimessen wollen! So klein ist die Welt und so kleinlich und geringschätzig kann man mit ihr umgehen plus amerikanischem Protektionismus – nochmals an die Abgehobenen: „the Donald“ ist nicht das TRUMPeltier, sondern eher der Dompteur für die (europäischen) Polit-Tierchen im Zoo der globalen Eitelkeiten und für ihn kapitalistisches Kleinvieh, das ER entsprechend mit Zuckerbrot und Peitsche vor sich hertanzen lassen möchte… Mehr denn je gilt für Trump: Right or wrong: my Country! Der Tanz auf dem Vulkan wird beginnen! Das genau kommt auf die Welt zu! Die deutsche Mentalität wird sich dabei wiederum anpassungsdevot verhalten (müssen)? Darauf können Sie einen antiquierten Bismarck (Hering) runterschlucken! –
Axel Manfred Rumpf von Mansfeld


Leserbrief zu „Das ist kein Spleen“ von Martin Spiewak

Ja, man macht sich schon als kleines Mädchen Gedanken, weshalb man nicht wie die anderen Mädchen mit Puppen spielen will. Nur an Weihnachten wurden sie vom Dachboden geholt – samt Puppenstube – und bis zum Erscheinungsfestim Wohnzimmer „bespielt“. Aber dann war ich wieder erleichtert, wenn sie für ein weiteres Jahr auf dem Dachboden verschwanden. Lieber draußen im Freien sein, ein Lager bauen, durch die Gegend streifen, Robinson Crusoe sein, mit dem Luftgewehr auf Dosen schießen. Bloß keine Rüschchen und Schleifchen.

In der Schule fühlte mich bei den Jungs wohl. Lieber ein Junge als Nebensitzer in der Klasse, als ein Mädchen. Kniebundhosen waren besser als Kleider und Röcke. Ich wäre viel lieber ein Junge gewesen, denn mit dem, was man Mädchen zuschrieb, kam ich nicht zurecht. Fehl am Platz. Ich konnte der „Norm“ nicht entsprechen. Dieser innere Zweifel, was ich wohl mal in der Welt anfangen soll, ging bis nach der Pubertät. Die Berufswahl wäre eher Steinmetz oder Archäologe gewesen, denn z.B. Erzieherin oder Krankenschwester. Zuletzt wurde es – damals noch – Bankkaufmann.

Doch mit einem Mal fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Du bist zwar „nur“ ein Mädchen/eine Frau, aber du kannst so viel, was andere Mädchen/Frauen oder Männer nicht können. Ich kann ziemlich alles, was Frau können sollte – inclusive Haare schneiden und kann sogar noch einen Bonuspunkt – ohne Aufpreis -mitliefern: Der Umgang mit Hammer, Hilti und Flex (Fliesen legen ist mein Hobby) sind das Sahnehäubchen. Ich habe Kraft und Durchhaltevermögen und darf auch mal weinen. Es ist von Vorteil, wenn man sich in beide Geschlechter einfühlen kann. Ich nenne das two-in-one. Letztlich habe ich mich gerne zur Frau bekannt, weil die andere Seite in mir mich bereichert und mich stark macht – auch in der Männerwelt. Ich bin verheiratet und habe Kinder und diese Erfahrungen des Mutter-werdens und Mutter-seins möchte ich nie, nie missen.

Heute bin ich sechzig Jahre alt und froh, dass es in meiner Jugendzeit nicht die Möglichkeit gab, meinen damaligen „Neigungen“ medizinisch in die gewünschte Richtung zu verhelfen. Vielleicht wäre aus mir gar nicht der Junge geworden, den ich mir vorgestellt hatte. So musste ich mich mit mir selbst auseinandersetzen, mein „Ich“ akzeptieren lernen und „ja“ zu mir sagen, so wie ich geschaffen wurde. Zugegeben, der Weg war lang, aber er führte in die Tiefe zu mir selbst.In der Tiefe liegen die Schätze verborgen. Mein Mann, meine Kinder, Verwandte und Freunde lieben mich und brauchen mich so, wie ich bin.

Bestimmt gibt es viele Männer und Frauen, die darunter leiden äußerlich nicht das zu sein, was sie innerlich fühlen. Es ist gut, dass sie Hilfe bekommen können. Kindern und Jugendlichen brauchen Eltern, die sie auf der Suche nach sich selbst stärken und begleiten – und nicht nur auf dem Weg zum Psychiater. Und jede/jeder sollte wissen: So wie er/sie gemacht ist, ist er/sie liebenswert – der Liebe wert. – Renate Walter


Zum Interview mit Malte Spitz und Ulf Buermeyer

Es geht um das Grundgesetz, und genau da ist der Haken. In Artikel 1, Absatz 1 lautet der erste Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“Das ist weder eine Forderung, noch ein Gesetz im Sinne einer Rechtsordnung, sondern allenfalls ein Wunschdenken. Nein, sie wird täglich millionenfach angetastet, daher ist dieser erste Satz schon falsch, denn gemeint ist: Die Würde des Menschen darf unter keinen Umständen angetastet werden. So haben es unsere Vorväter beabsichtigt, aber falsch formuliert.

Der letzte Artikel 146 lautet: „Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage,an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“
Da dies bisher nicht geschehen ist, obwohl wir die Einheit und Freiheit als Volk haben, besitzen wir keine Verfassung, sondern nur ein Grundgesetz. Auch das war bewusst so von unseren Vorvätern formuliert worden, um eine neue gesamtdeutsche Verfassung nicht von vornherein zu blockieren. Daher haben wir kein Verfassungsgericht und keine Verfassungsrichter, sondern ein GG-Gericht und GG-Richter.
Logisch, oder? Und warum wird das Volk nicht dazu gefragt? Was meinen die interviewten Fachleute Ihres Artikels dazu? Das würde mich sehr interessieren.

Freigang Müller


Leserbrief zum Titelthema

nun hat also auch das immer noch mächtigste Land der Erde,einen Rechtpopulisten an der Spitze,den man alle schlimmen Veränderungen,wie sie in Ihren Beiträgen aufgezählt worden sind,in die Realität umsetzen wird. Es werden so vermute ich,ganz radikale Veränderungen eintreten ,die weltweite Auswirkungen haben werden,geopolitisch,ökonomisch und auch militärisch.Dieser neue Präsident, der noch im Wahlkampf mit Beleidigungen nicht sparte – Frauen herabwürdigte – sich sehr negativ über einen US-Kriegsveteran äußerte und seine Gegnerin Hillary Clinton ebenfalls beleidigte. Alle diese Äußerungen von einem zukünftigen Präsidenten ist beschämend für eine Nation,und zeigt schon jetzt mit wem wir es in den nächsten vier Jahren zu tun haben werden.Ich hoffe das unsere Regierung diesem Donald Trump ganz unmißverständlich unser Demokratieverständnis einschl. unserer Interessen an einem guten Verhältnis zwischen den USA und Deutschland und Europa gelegen ist. – Klaus-Dieter Michel


Leserbrief zu „Was macht die Pille mit mir?“ von Jenni Roth

Warum bleibt die Verhütung so oft an den Frauen hängen? Weil es, abgesehen vom ungeliebten Kondom sowie der ungeliebten, weil endgültigen Vasektomie und mit den heutigen Methoden objektiv leichter ist, eine Eizelle lahmzulegen als bis zu 100 000 000 Spermien, deren jedes im Prinzip die Frau schwängern könnte.
Ihr ansonsten lesenswerter Artikel übergeht – wie immer bei diesem Thema – eine offen zutageliegende Möglichkeit, bei der ich bis heute rätsele, warum sie beharrlich ignoriert wird: die thermische Verhütung. Im Internet habe ich dazu wenig gefunden; es fehlt jegliche seriöse Studie, sei es mit positivem oder negativem Ergebnis.
Trotz vervielfachten Verletzungsrisikos hat die Evolution die Hoden des Mannes aus dem Inneren des Körpers ausgelagert – weil die Jungs keine Wärme mögen, das macht sie schlapp. Dies eröffnet folgende elegante Möglichkeit der Verhütung:Man könnte eine Art Etui für die Kronjuwelen des Mannes entwerfen, das die Testikel hinreichend lange wärmt, etwa mit Hilfe einer dafür ausgelegten, ungiftigen Substanz, die zum Beispiel bei 40 °C schmilzt oder erstarrt und so die Temperatur, sagen wir, eine Stunde konstant hält. Das Nähere, insbesondere Idealtemperatur und erforderliche Dauer der Behandlung, müßte man wissenschaftlich erkunden.Leider wird dieser meines Erachtens vielversprechende Ansatz einfach nicht erforscht – lieber setzt man die Frauen den beunruhigenden Gefahren aus, die Sie in Ihrem Beitrag erörtern. Ganz nebenbei würden wir Männer endlich das Risiko los, daß die Frau die Pille heimlich in der Toilette hinunterspült und uns hereinlegt …
Vorteile: unschlagbar schonende, vermutlich nebenwirkungsfreie Verhütungsmethode für den Mann; Wirkung endet rasch, wenn man aufhört; erspart der Frau alle Nebenwirkungen der Pille
Nachteile: völlig unerforscht; da kein Gerät verfügbar, Ausweichen etwa auf heiße Bäder erforderlich; schützt nicht vor sexuell übertragbaren Infektionen – Felix Guilino

Leserbrief zu „… aber nicht am Ende“ von Bernd Ulrich

Ja, eine solche Präsidentschaft lässt wenig Hoffnung auf Positives. Ja, Herr Trump hat fürchterliches angekündigt in seinem Wahlkampf. Ja, es wurde ein Mann ohne jegliche politisches Feingefühl gewählt. Aber schon vor dem Amtsantritt das Ende des amerikanischen Zeitalters auszurufen halte ich für völlig übertrieben.

Gewiss lässt der Wahlkampf Trumps nichts Gutes erhoffen, doch weiß niemand, wie dieser Mann politisch handeln wird, da er bisher noch kein politisches Amt besetzt hat. Alle Prognosen sind deshalb nur ein Blick in die Glaskugel und man sieht am Ergebnis der Wahl, wie viel politische Prognosen heutzutage wert sind.

Die Präsidentschaft Obamas wurde bereits vor ihrem Beginn in den Himmel gelobt und dennoch blieb Präsident Obama weit hinter den Erwartungen zurück. Zugegebenermaßen hatte er – besonders zum Ende seiner Amtszeit – den Kongress gegen sich. Es bleibt zu hoffen, dass sich Herr Trump nach den nächsten Kongresswahlen mit einer ähnlichen Situation konfrontiert sieht. Da wünscht man sich doch etwas mehr Vertrauen in das amerikanische System der checks and balances. Denn auch wenn die USA ein präsidiales System haben, kann ein Präsident dort nicht schalten und walten, wie es ihm beliebt.
Nun hat Herr Trump in seiner Ansprache nach der Wahl bereits versöhnlichere Töne angeschlagen. Das lässt zumindest die Hoffnung zu, dass vieles im Wahlkampf schlichtweg Getöse war. Vieles was er versprochen hat, ist sowieso nicht durchzusetzen. Die kommende Präsidentschaft könnte durchaus das Ende der USA als Hegemon bedeuten, dies jedoch jetzt schon als Tatsache darzustellen ist unangebracht.

Dass man nun Abschied zu nehmen habe „vom naiven Atlantizismus“ ist völlig blauäugig. Was sollte denn die Alternative sein? Hat man bereits vergessen, wie viel Europa und vor allem Deutschland von dieser Beziehung profitiert haben? Die BRD würde ohne die USA überhaupt nicht existieren, also sollte man vorsichtig sein mit solch einem Verrat am Bündnispartner, wie ihn Herr Ulrich in umgekehrter Konstellation bereits als Tatsache ansieht.

Recht geben muss ich Herrn Ulrich bei seiner Analyse der Arroganz der Eliten und der vorherrschenden Hypermoral. Bleibt zu hoffen, dass diese dadurch endlich ein Ende finden, einen schrilleren Wecker als Präsident Trump gibt es nicht mehr.

Ebenso richtig ist, dass Europa ein drohendes Machtvakuum auszufüllen hat. Dies kann nur geschehen durch ein engeres Zusammenwachsen der EU. Dieses wird in der heutigen Situation jedoch immer schwerer und eben die Arroganz und Hypermoral einer Kanzlerin Merkel im Umgang mit den europäischen Partnern vertieft die aufgerissenen Gräben und beflügelt Rechtspopulisten in allen europäischen Nationen. Was soll denn nun folgen? Ein neuer deutscher Imperialismus (am deutschen Wesen und so fort), diesmal von links? Frau Merkel hat ja auch bereits Herrn Trump gegenüber den moralischen Zeigefinger erhoben.
Wer nach dem rasend schnellen Wandel der letzten Jahre noch irgendwas im politischen System für in Stein gemeißelt hält, sollte sich einmal mit den letzten Wahlergebnissen auch hierzulande beschäftigen. Ob die liberalen Kräfte wirklich noch so stark sind, wie Herr Ulrich es denkt, ist nicht gesichert.  Es bleibt zu hoffen, dass alles anders kommt, als befürchtet. – Ruven Gastel


Was mein Leben reicher macht…

Wir sehen nicht aus wie Senta Berger und Heiner Lauterbach. Wir wohnen auch nicht in München. Und als unsere große Tochter beim ersten gemeinsamen Abendessen mit Tayeb, dem jungen afghanischen Flüchtling, den wir an diesem Tag bei uns aufgenommen hatten, fragte, ob wir schon „Willkommen bei den Hartmanns“ gesehen hätten, waren wir überzeugt, es handele sich um eines der selbstgedrehten Filmprojekte unseres Sohnes. Bestimmt wollte er auf seine Art ein Pendant zum Willkommensbild schaffen, das seine kleinste Schwester für unseren neuen Mitbewohner gemalt hatte. Viele gemeinsame Abendessen, Bürokratiehürden und afghanische Kochduelle später waren wir endlich auch im Kino. Und freuen uns als Lehrerin aber frei von Alterungsneurosen darüber, wie gut unser eigener Film täglich läuft. Willkommen bei den Hartmanns, Tayeb! – Maren Hartmann


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Was mir fehlt in Josef Joffes Leitartikel: Ein Eingeständnis, wie falsch er lag in seiner wiederholt sehr selbstbewusst vorgetragenen Einschätzung, dass Donald Trump niemals Präsident werden könne. Ein solches Eingeständnis würde Joffe wenig kosten und der Zeit Ehre einbringen: Seht, wir können Fehler zugeben… – Robert Peters-Gehrke


Leserbrief zum Titelthema

Trump siegte mit der Mehrheit der Wahlmänner über Clinton, die wiederum etwas mehr Wählerstimmen als ihr Kontrahent gewann. Die Amerikaner sollten einmal über die Feinheiten ihres Wahlverfahrens nachdenken und eine Regel einbauen, damit solche, wenn auch seltene Konstellationen (passiert nicht zum ersten Mal) nicht wieder dazu führen, dem Kandidaten mit den meisten Wählerstimmen den Sieg zu nehmen. Davon abgesehen muss jetzt die Entscheidung zu Trumps Sieg ohne Wenn und Aber als legitim anerkannt werden. Die jetzt aufkommenden Proteste gegen den Sieg von Trump in Amerika sind genauso hinterwäldnerisch wie für viele Kommentatoren (vorwiegend aus Europa) die Amerikaner sind, die Trump wählten. Es fällt vielen politischen Beobachtern sehr schwer das charakteristische am typischen Trump-Wähler zu erkennen. Er ist in seiner Mehrzahl sicher nicht so vulgär und geschmacklos wie sein Idol.

Die Trump-Fans stören aber nicht die unangenehmen Seiten des Milliardärs da sie viel mehr seine (vermeintliche) Verachtung der etablierten Politiker teilen und seinen Mut bewundern, hemmungslos verhasste Minderheiten anzupöbeln und sich damit erfolgreich gegen die von ihnen ebenfalls gehasste Hillary Clinton zu positionierten. Das Trump auch die Chauvinisten gab und Amerikas Größe beschwor weckt immer Emotionen und bringt Stimmen. Auch bei der vielzitierten verarmenden Mittelklasse fand er viele Anhänger -obwohl seine wirtschaftspolitischen Überlegungen so schlicht und einfältig sind das eigentlich  niemand sie ernst nehmen kann. Gedanken machen müssen sich die anderen Player auf der weltpolitischen Bühne, die es jetzt mit Trump zu tun bekommen. Wenn Russland und China damit rechnen, dass Trump eine ganze Zeit braucht um (wenn überhaupt) das komplizierte Geschehen in der Welt unter dem Aspekt westlicher Werte und Verträge (NATO) zu verstehen, könnte die Versuchung für totalitäre Staaten übergroß werden, in dieses politische Vakuum zu stossen um Vorteile für sich herauszuschlagen. Hier ist Europa gefragt, das die Chance bekommt, den neuen Präsidenten an die Hand zu nehmen um ihm zu helfen, im Dschungel der internationalen Politik die Orientierung zu erlangen. Natürlich handelt Europa dabei im ureigenen Interesse, kann aber dabei endlich versuchen, z.B. Einigung in wichtigen Fragen wie der Außenpolitik zu erreichen. Schließlich wird auch Trump am Anfang unwirsch seine Berater anfahren damit sie ihn endlich mit dem wichtigsten Gesprächspartner in Europa verbinden. Gibt es den aber nicht wird er schnell sein Interesse an den Europäern verlieren. – Klaus Reisdorf


Zum Interview mit Anne Will

Einer von keinerlei Selbstkritik geplagten und überaus selbstüberzeugt daherkommenden Frau Will sei gesagt, dass ich ihre Sendung seit geraumer Zeit nicht mehr sehe. Frau Will zeigt bei manchen Gästen eine solch bemühte Haltung, kritiklos und ohne  entschiedene eigene Meinung, und das beste Beispiel dafür war ihre Sendung am 6.11.2016.  Und verschleierte Menschen möchte ich im Fern- sehen schon gar nicht sehen. Damit tut Frau Will ihrer angeblichen „journalistischen Sorgfaltspflicht“ keinen Gefallen, und ihrem Anspruch, „wenn man so ein Thema macht, muss man es richtig machen“, ent- spricht sie selbst so oft nicht, dass aus ihrer Talk- show von allen vergleichbaren Sendungen die schlechteste geworden  ist. Aber auch so minimiert man die Quote. – E. Frisch


Leserbrief zu „Jahrhundert im Schnellvorlauf“ von Stefan Schmitt
Danke für den Artikel und die anschauliche Darstellung von Marias Zukunftsaussichten. Wie würde Marias Zukunft aussehen, wenn es uns heute gelingen würde, den CO²-Ausstoß in den industrialisierten Ländern drastisch zu vermindern? Was müßte sich dafür ändern?
Am schnellsten geht Energiesparen. Ich erinnere mich an die autofreien Sonntage zu Zeiten der Ölkrise in den 1970er Jahren. Fast alle haben mitgemacht und ungewohnte Freiheiten wie Rollschuhlaufen mitten auf der Landstraße genossen. Ich stelle mir eine dezentralisierte, leisere, langsamere, unvergiftetere und gerechtere Zukunft vor mit mehr Selbstversorgung und Nachbarschaftshilfe, mit Kreativität statt Konsum. Mein verfrühter Weihnachtswunsch wäre, dass Sie für die ZEIT-Leser diese alternative Zukunft Marias beschreiben. – Christine Tischer

Leserbrief zu „Österreich den Österreichern?“ von Alexander Cammann

H. Lackner hat unseren ebenso jungen wie politisch schon recht erfolgreichen Außenminister in gewohnt pointierter Journalistenweise ein wenig ins Lächerliche geschrieben. Man kann nun gespannt sein, ob er solches auch dem nicht mehr ganz so jungen, aber um nichts weniger angreifbaren Herrn Bundeskanzler zuteil werden lässt. Gleiches Ungemach für alle! Oder – Dr. Alfred Franz


Leserbrief zum Titelthema

Mäßigt euch!  Die Nachwahlhysterie, in die auch DIE ZEIT einstimmt (Josef Joffe und Bernd Ulrich in Nr. 47) ist gleichermaßen übertrieben wie gefährlich. Und sie verletzt journalistische Standards: Mehr Abstand, meine Herren!

Erinnern wir uns an die große Euphorie, die bei Barack Obamas Einzug ins Weiße Haus herrschte. Sogar den Friedensnobelpreis bekam er. Vergleichsweise wenige Erwartungen konnte er erfüllen. Und wir haben nichts daraus gelernt, sondern bilden uns abermals fast ohne jedes Faktenwissen viel zu früh eine viel zu dezidierte Meinung – diesmal nur mit umgekehrten Vorzeichen. Was ist passiert? Ein auf uns Europäer nur wenig sympathisch wirkender und politisch weitgehend unbekannter Mann wurde nach einem aus unserer Sicht sehr schmutzigen und populistischen Wahlkampf zum Präsidenten gewählt. Man kann sich fragen, was das über die USA sagt und für die Demokratie an sich, den Populismus und die anstehenden Wahlen in Europa bedeutet. Man sollte sich aber davor hüten, bereits aus dieser Tatsache, aus dem Gebrüll eines US-Wahlkampfs, den Untergang des Westens zu schlussfolgern, abenteuerliche Vergleiche zu ziehen (Ulrich: Trump schlimmer als Brexit) oder den künftigen US-Präsidenten zu beleidigen (Joffe: „Horrorclown“, Ulrich: „durchgeknallter Macho“).

Lassen wir Trump, den politisch Unerfahrenen, seine ersten Schritte gehen. Stehen wir ihm seine Hundert Tage zu. Und sehen wir dann, ob und, wenn ja, wie schlimm es wirklich kommt. Übertreibungen und mediale Entgleisungen wie die geschilderten sind jedenfalls gar nicht so weit weg von den (zu recht beklagten) Ausbrüchen des Wahlkämpfers Trump. – Frank Röser


Leserbrief zum Titelthema
Die Möglichkeit, dass Trump gewählt würde, wurde von Ihnen negiert. Dies zeugt von fehlenden Kenntnissen in Mathematik (bei zwei Kandidaten stehen die Chancen 50:50) und fehlendem Interesse für die Stimmung in den USA. Lediglich Herr Joffe hat mit seiner Kolumne ein wenig Einblick in die Hirne und Herzen der Amerikaner gewährt. Die Politikredaktion ist unter Führung von Herrn Ulrich das Agitprop-Organ der Kanzlerin und hat ihren Anteil an der Entwicklung, die mit Trumps Wahl international ihren Höhepunkt erreicht hat.
Politik und Leitmedien leben in einer abgeschotteten Welt, die mit dem Leben der meisten Menschen nichts mehr zu tun hat. Es wird in zunehmendem Gleichschlag ein Meinungsbild, eine Form der Lebensführung vorgegeben, die medial als alternativlos und einzig wahre Lehre verbreitet wird. Dabei wäre es Aufgabe der Medien, verschiedene Meinungen objektiv zu analysieren und sich nicht nur aus einer Blickrichtung heraus mit den wichtigen Themen der Zeit zu befassen. Es gibt aber die dialektische Themendarstellung nicht mehr. Man gibt den Menschen vor, was sie zu denken und zu fühlen und wie sie sich zu verhalten haben. Das funktioniert jedoch nicht. Es mag für den Bildungsbürger im ZEIT-Redaktionsraum schwer erträglich sein, dass Menschen einfache Antworten auf komplizierte Sachverhalte haben wollen. Dennoch muss man diesen Sachverhalt akzeptieren, anstatt zu versuchen, Menschen zu erziehen. Genau mit dieser Denkweise erzeugt man Verdruss, weil viele Menschen sich dann an ihre Kindheit bzw. ihre Schulzeit erinnert fühlen und eben nicht bereit sind, sich bevormunden zu lassen.
Die Berichterstattung zu den Flüchtlingen und zur AfD folgt in den allermeisten Medien der Stoßrichtung: Flüchtlinge sind gut und Folge unseres Fehlverhaltens; die AfD und ihre Wähler sind Nazis. Hier haben Sie tatsächlich dasselbe Vorgehen, wonach man einfache Antworten auf komplizierte Sachverhalte sucht.
Es interessiert die meisten Politiker vor allem, wiedergewählt zu werden, egal, wie hoch die Wahlbeteiligung ist und welchen Kuhhandel man dafür eingehen muss. Und die Medien, unter ihnen die ZEIT, halten die Steigbügel für diese Politiker und bemühen sich überhaupt nicht mehr, diese Politiker, mit deren Nähe sie belohnt werden, zu kritisieren.
Ich will gar nicht auf die neue Entgleisung von Herrn Gabriel eingehen, der die Energiewende mit Braunkohlekraftwerken und CO2-Rabatten für die Industrie umsetzen will; es gilt nun zu verstehen, dass das Wolkenkuckucksheim, das die meisten Medien erbaut haben, zügig planiert wird, um die Leser bzw. Konsumenten der medialen Inhalte nicht mehr im Frontalunterricht zu belehren, sondern sie zu begleiten und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dabei ist es wichtig, Alternativen auch als solche wahrzunehmen und sich mit ihnen zu beschäftigen. Ob Erdogan, Brexit oder Trump und vielleicht Le Pen und Hofer, man kann ein selbsternanntes Leitmedium nicht so gestalten, indem man sich wie ein kleines Kind die Hände vor die Augen hält, um dann zu glauben, die Welt sei nicht mehr da.
Aus meiner Sicht bedarf es dabei auch einer personellen Neubesetzung. Herr Ulrich ist als Analytiker der politischen Lage gänzlich ungeeignet. Insgesamt ist es mittlerweile so, dass man bei der Suche nach nachvollziehbaren und belastbaren Fakten in einem beliebigen Artikel im Poiltik-Teil auf etwa vier Sätze pro Seite kommt. Der Rest besteht aus Sendung. Vielleicht benötigt Frau Finger ja einen Co-Autor im Bereich Glauben&Zweifeln, da wäre Herr Ulrich gut aufgehoben. Selbst in der Ausgabe eine Woche vor der US-Wahl wurde im Politik-Teil die Möglichkeit einer Wahl Trumps nicht einmal in Erwägung gezogen. Diese Arroganz ist schwer erträglich, entspricht aber den Wortmeldung der meisten deutschen Politiker nach der Wahl, die sich ja auch sofort abwertend und belehrend überschlugen. Nur zur Erinnerung: Trump ist jetzt Präsident der USA. Er macht jetzt die Regeln. Er ist kein Sympathieträger, das sind aber viele andere auch nicht. Er schafft jetzt aber an und ist in seinem Narzissmus sicher mit einem sehr guten Gedächtnis gesegnet. Da ist es nicht besonders hilfreich, wenn sich die Hinterbänkler gleich mit ihm anlegen, weil man die nächsten Jahre nun mal mit ihm zusammenarbeiten muss. Ich kann bereits jetzt schon die Debatten zur Aufstockung des Bundeswehretats kaum abwarten, weil Trump durchaus recht hat, wenn er nicht mehr bereit ist, einen riesigen Militärhaushalt zu finanzieren, nur damit insbesondere Deutschland mit Verweis auf seine Vergangenheit außer Steinmeier und den üblichen zwei AWACS und sechs Tornados keinerlei Verpflichtungen bei militärischen Konflikten hat. Da ist der Anschlag auf das Konsulat in Afghanistan gleich die erste Belastungsprobe. Oder sollen da auch die Amerikaner oder Halliburton für die Sicherheit sorgen?
Das enorme Defizit im Politikverständnis zeigte sich im Übrigen auch in Herrn Ulrichs weltfremder Auffassung zur Realpolitik. Das liegt möglicherweise daran, dass Realpolitik etwas mit Realität zu tun hat, für die Herr Ulrich seit Jahren nichts mehr übrig hat. Dabei war selbstverständlich abzusehen, dass die Grenzen Europas ganz realpolitisch auf die Südküste des Mittelmeeres verlagert werden würden, um der Flüchtlingsheere Herr zu werden, ohne jedoch zu einem europäischen Konsens, der auf absehbare Zeit nicht einmal mehr bei der Sitzpolsterung für den Plenarsaal des Europaparlaments zu erzielen sein dürfte, kommen zu müssen. Ein Ressortleiter Poltik, der sich der Realität verweigert, ist eine Fehlbesetzung.
Im Grunde haben Sie mit Herrn di Lorenzo und Herrn Joffe handfesten politischen Sachverstand. Weshalb nutzt die ZEIT ihn nicht viel öfter, um sich aus dem selbst gewählten Käfig der Mediengleichschaltung zu lösen und sich auch wieder mit diskussionsoffenen Vorstößen an die Leserschaft zu wenden? Man denke dabei an Herrn die Lorenzos Analyse der Vergrünung der Meinung.
Meine Damen und Herren, Zeitung zu machen muss wieder weh tun. Pendeln Sie nicht mehr nur zwischen Hamburg und Berlin, sondern fahren Sie raus in die Welt, dahin, wo man mit Menschen ins Gespräch kommt und hören Sie auf, wertend über Menschen zu berichten, nur weil Sie deren Ansichten nicht teilen. Sie können nicht alle Frau Emcke sein und ganz gewiss nicht vom Schreibtisch in Hamburg Downtown aus. – Dr. David Wolff

Leserbrief zu „Trumps Triumph“

Ein großer Teil der Trump-Wähler möchte vergangene Zeiten zurück – die nicht zurückkkommen werden, was auch gut so ist. Was aber zurückkehren kann, ist die sachliche Beschreibung und abwägende Analyse dessen, was ist. Die Verbreitung emotionalisierter Weltuntergangsszenarien, in welchen jeder fünfte Satz nun eine große Tradition oder noch größere Idee enden lässt, kommt Trump offensichtlich näher, als mancher Autor wohl vermeint. Gedanklicher Herdentrieb hält eventuelle Stampeden auch nicht auf.Dr. Torsten Schwan


„Oh my God!“ Leserbrief zum Titelthema

5 Seiten Hyperventilation und journalistische Schnappatmung von den renommiertesten Edelfedern der Zeit-Redaktion. Der Anlaß ? Die doofen Amis haben es – entgegen dem moralisch überlegenem, linksliberalen mainstream –  gewagt, den grobschlächtigen Donald statt der feinsinnigen Hillary künftig im Weißen Haus einzuquatieren. Zugegeben, von vielen unerwartet und von den selbsternannten „intellektuellen Eliten“ unerwünscht, letztlich aber nichts anderes als der in den USA übliche Wechsel von einem (eher mäßig erfoleichen) Linken zu einem rechten Hoffnungs(?)träger. Als alter, weißer Mann, bürgerlich und konservativ, bin ich – ungeachtet oft abweichender Weltanschauung – mit größtem Vergnügen Zeit-Abonent, weil die Zeitung einfach gut gemacht ist und Journalismus auf diesem Niveau in Österreich kaum vorhanden ist. Liebe Redaktion, die Welt wird trotz Donald Trump nicht untergehen, etwas mehr Gelassenheit und Einsicht in Realitäten und das Faktum, daß Parteien und Präsidenten nicht hinauf- oder hinunter geschrieben sondern gewählt werden  – und bitte, der Gesundheit zuliebe, die Pulsfrequenz Eures linken Herzens wieder etwas herunterfahren. – Dr. Werner Milota

Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Es scheint, dass sich in der amerikanischen Gesellschaft etwas fundamental verändert hat, das der Aufmerksamkeit sowohl der Wahlforscher als auch der von Herrn Joffe entgangen ist, denn beide hielten einen Sieg von Donald Trump für nicht möglich. Anstatt den Ursachen, die zu diesem Wahlergebnis geführt haben, nachzugehen, spekuliert Josef Joffe in seinem Artikel „Was auf die Welt zukommt“ schon wieder. Wir wissen nichts über die Zukunft, schon gar nicht, ob Trump, der unberechenbar und ein Novize in der politischen Arena ist, seine Drohungen wahr machen wird. „Die Erkenntnis von heute ist der Irrtum von morgen“ stand vor kurzem in Ihrer Zeitung. Ein kluger Satz, wie ich finde! – Jürgen Rohlfshagen


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Herr Joffe hat nichts dazu gelernt. So wie die Medien Donald Trump vor der Wahl niedergemacht haben – und völlig falsch lagen, so versuchen die Medien wiederum eine Prognose zu erstellen, was wohl Donald Trump als Präsident anstellen wird. Dieser Bericht ist für mich „selbstreferenziell“. Er richtet sich weniger an die Leser als vielmehr an andere Journalisten – quasi als Rechtfertigung für die Niederlage nach der Wahl. Auch die Polemik gegen Trump kommt nicht zu kurz: da ist die Rede von grotesker Reality-TV-Show, Trumps unbegreiflicher Triumpf, das Beben schönreden und viel Fantasie aufbringen, Trump ist ein Wiedergänger, er will den Umsturz verwirklichen usw. bis zum Horrorclown Trump. Das Ergebnis der Wahl scheint Herrn Joffe zutiefst getroffen zu haben. Aber eigentlich erhoffe ich von der Zeit Berichte, Informationen und Interpretationen. Auf die persönliche Meinung oder die Therapieversuche von Herr Joffe legen ich keinen Wert. Vielleicht sollte er statt dessen lieber seine journalistische Arbeit machen, statt sich in seiner persönlichen Enttäuschung zu suhlen. – Jochen Weiden


Leserbrief zum Titelthema

Die USA sind keine Demokratie! Zwar hat Hillary Clinton bei der Präsidentschaftswahl 2016 landesweit 440.129 Wählerstimmen mehr bekommen als Donald Trump (Quelle: wikipedia 12.11.2016), dennoch wird dieser aller Voraussicht nach von den Wahlmännern zum Präsidenten gewählt werden. Eine Wählerstimme in den bevölkerungsreichen Bundesstaaten an Ost- und Westküste zählt deutlich weniger als eine Wählerstimme in den bevölkerungsarmen Flächenstaaten dazwischen. Von „gleichen“ Wahlen, bei denen die Mehrheit der Stimmen entscheidet, kann also nicht die Rede sein. Schon zum zweiten Mal in diesem Jahrtausend wird damit ein republikanischer Kandidat mit der Minderheit der abgegebenen Wählerstimmen „siegen“. Donald Trump selbst soll 2012 gesagt haben, dass das amerikanische Wahlsystem ein „Desaster für die Demokratie“ sei. Wäre er konsequent, würde er Hillary Clintondas Präsidentenamt überlassen. –
Sebastian Koerner

Leserbrief zu „Zwei Millionen Euro, nebenbei“ von Claus Hecking und Ulrich Ladurner

Warum erwähnen Sie in der aktuellen Ausgabe nur Europaparlamentarier aus  anderen EU-Staaten, die „nebenbei“ sehr viel Geld verdienen? Oft für nur  sehr wenig Arbeit, die Firmen aber sehr viel nützt.  (Exklusiver Zugang  zu wertvollen Informationen aus Brüssel.) Warum lassen Sie deutsche  EU-Abgeordnete außen vor? Zum Beispiel Elmar Brok und seine Arbeit für  Bertelsmann. Nur Abgeordnete aus anderen Staaten zu kritisieren ist  wohlfeil, zumindest unvollständig.- Theodor Pischke

Leserbrief zu „… aber nicht am Ende“ von Bernd Ulrich

Was soll diese Polemik? „Ein gefährlicher Mann, ähnelt mehr monarchischen Hasardeuren und faschistischen Führern, D.T. ist kein Freund usw.“ Das hatte doch schon während des Wahlkampfes keinen Erfolg. Warum sollte es nach dem Wahlkampf Erfolg haben, und was will Herr Ulrich damit erreichen?

Abenteuerlich ist auch seine persönliche Hochachtung, die er der EU und Angela Merkel als letztes Bollwerk gegen Trump entgegenbringt. Ich könnte während der Lektüre laut lachen, aber es ist mir im Halse stecken geblieben. Denn die persönliche Betroffenheit von Herrn Ulrich ist eigentlich traurig. Hier weint ein „professioneller Journalist“ über seine persönliche Enttäuschung, statt seinen Job zu machen. Und er ergeht sich in Fantasien über die Stärke der EU und Angela Merkel. Herr Ulrich sollte vielleicht einmal die traurige Realität der EU zur Kenntnis nehmen und zur Besinnung kommen. Der Gipfel leistet sich Herr Ulrich am Ende seiner Meinung:“dass man nämlich für den amerikanischen Präsidenten…ein Erziehungskonzept braucht, – wie für den Mann im Kreml.“ Die Meinung von Herrn Ulrich zusammengefasst: Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Herzlichen Dank für diesen arroganten Ratschlag. – Jochen Weiden

Leserbrief zum Interview mit Anne Will

Nein, nein, und nochmals nein! Oder bitte in Zukunft bei Anne Will auch einmal einen richtigen Nazi, einen überzeugten Pädophilen oder einen gestörten Serienmörder, damit der ungebildete Fernsehkonsument auch deren abstrusen Wertvorstellungen kennenlernt. Schlimm auch, dass die ZEIT für diese kruden Argumentationen eine ganze Seite zur Verfügung stellt. Oder wollte man den Leser eigentlich mit der Arroganz der Fernsehschaffenden konfrontieren? – Gerhard Reinelt

Leserbrief zu „… aber nicht am Ende“ von Bernd Ulrich
Schon wieder ein Jubelgesang auf Ihre Frau Merkel.Bisher hat die Kanzlerin noch keine grundlegende Änderung an Ihrem neoliberalen Wahlkampf von 2005 erkennen lassen. Wer soll denn den geforderten Schwenk zur Umverteilung des gigantischen Reichtums in wenigen Händen in die Verbesserung unserer Lebensverhältnisse in Gang setzten. Doch nicht etwa Merkel?

Wie viel habt Ihr denn in letzter Zeit getrunken, um auf derart lustige Ideen zu kommen. Schuld sind also die Grünen, soweit ich das verstehen konnte. Oder evt. die eigene Verschlafenheit etwa doch? Naja  – so weit wollen wir jetzt aber nicht gehen! Da protestiere ich seit Anfang der 90er Jahre gegen Herrn Sommer und seinen Jubelgesang auf den verpennten Kohl.

Seit langen gibt es von mir kritische Stellungnahmen zu Ihrem Jubel auf die unentschlossene Merkel. Andere tun dies ebenfalls.Da ich noch im Krieg geboren bin und mich vornehmlich um die Familie und den Beruf gekümmert habe, ist der gesamte Zirkus ab 1968 ff an mir vorübergegangen.Die Generation meiner Kinder und Enkel muss jetzt ausbaden, was die immerwährende Macht der Konservativen in diesem Land angerichtet hat. Immer alle Konflikte schön unter der Decke halten und die Superreichen beschützen….das wird schon gut gehen!  Wie Sie jetzt selbst sehen, geht das nicht gut…..viel Freude beim Ausmisten des selbst angerichteten Misthaufens. – Georg Reetz

Leserbrief zum Titelthema

Das Problem ist: Wie macht man aus einer bürgerlichen Mehrheit in der Bevölkerung eine Abgeordneten-Mehrheit im Bundestag?

1+1 = 2, 3²+4² = 5² ergibt ein Dreieck mit einem rechten Winkel. Das sind Axiome! Bei Pflanzen, Tieren und Menschen obliegt dem männlichen Geschlecht die Befruchtung, dem weiblichen Geschlecht die Fortpflanzung. Die Halbwertzeit von radioaktivem Plutonium Pu239 beträgt 24110 Jahre. Das sind Naturgesetze!
Die Größe des Planeten Erde ist unveränderbar. Seine nicht regenierbaren materiellen Ressourcen (Kohle, Erdöl und Erdgas und andere) sind endlich. Das sind Tatsachen! Axiome, Naturgesetze und Tatsachen sind nicht auslegbar und ohne Beweis zeitlos gültig. Sie nicht zu beachten führt zu falschen Entscheidungen.

Der Diskurs wird heute von den Rändern her vergiftet. Neusprech-Wörter wie Globalisierung, Entnationalisierung, Entgrenzung, Neoliberalismus, Populismus. Gender, Multikulti, Homoehe, Frühsexualisierung von Kindern, grenzenlose Freiheit und viele andere werden je nach Standpunkt verschieden ausgelegt und führen zu den unterschiedlichsten Entscheidungen.

Die eigene Freiheit endet doch da, wo die Freiheit des anderen beginnt. Wir sind auf soziale Resonanz und Kooperation angelegte Wesen mit entsprechenden Motivations-Systemen. Die intensivste Form der Zuwendung ist die Liebe. Das meiste, was wir im Alltag tun, ist direkt oder indirekt dadurch motiviert, das wir wichtige Beziehungen zu anderen Menschen gewinnen und erhalten wollen. Die Identität mit einer Gruppe (Familie, Volk, Nation, Freunde, Verein und andere) ist eine wichtige Motivation. Sofern sich der Mensch nicht mehr mit diesen Gruppen durch Integration oder sogar durch Assimilation identifizieren kann, wird er physisch und psychisch aus der Gruppe ausgeschlossen. Der Ausbruch aus der bisherigen Identität kann aber auch ein Akt der Emanzipation sein.

Deutschland ist eine repräsentative Demokratie. Der Bundestag besteht aus zeitlich befristet gewählten Abgeordneten. Im Grundgesetz Art. 38 steht: ‚Die Abgeordneten sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen’. Ein Fraktionszwang der Partei, der sie angehören, ist damit ausgeschlossen. Eine punktuelle Zusammenarbeit in Sachfragen unabhängig von der Partei-Ideologie sollte also möglich sein.

Um aus der gesellschaftlichen Mehrheit in der Bevölkerung eine Gestaltungs-Mehrheit im Bundestag zu machen, wäre eine zwischenzeitliche Volksbefragung in Sachfragen nötig. Aber auch eine politische Volksbefragung, zum Beispiel ‚Krieg oder Frieden’, könnte die Regierung zum Handeln nach der gesellschaftlichen Mehrheit der Bevölkerung zwingen. Ein gutes Beispiel wäre das hessische Gesetz HGO § 8b: ‚Bürgerbegehren und Bürgerentscheid’. – Otto Einsporn


Leserbrief zum Titelthema

Die Wahl des US-Milliardärs Donald Trump hat mich nicht nur schockiert, sie macht mich auch sehr betroffen und nachdenklich, was unsere Zukunft angeht. Man sollte sich aber auch hüten, nunmehr mit dem Finger auf die vielen Amerikaner zu zeigen, die diesen Mann gewählt haben. Denn die Wahl eines polternden Aussenseiters, der nur von narzisstischer Empathie geprägt ist, kann auch bei uns in Deutschland passieren. Schuld daran sind nicht nur die regierenden Parteien und das sogenannte Establishment, sondern auch die vielen unzufriedenen Bürger selber, die ihre eigenen Probleme und ihr gekränktes Selbstwertgefühl nur noch in Haß kompensieren können und sich  logischen Formulierungen und Erklärungen völlig verschließen. Dazu gesellt sich die völlige soziale Schieflage, die zunehmend für ein Auseinanderdriften in unserer Gesellschaft führen wird. Schlimm an dieser ganzen Entwicklung ist aber die Tatsache, dass sich die sogen. Wutbürger zumeist an solche demagogischen Persönlichkeiten klammern, die ihnen „das Blaue vom Himmel versprechen“, letztendlich aber immer nur ihre eigenen Interessen verfolgen werden. Und so wird es auch schon nach kurzer Zeit bei dem neuen Präsidenten Trump für viele ein böses Erwachen geben, denn auch er ist ein Vertreter des Establishments und hat nur die Vergrösserung seiner Macht und seiner Gewinne im Blickfeld! –Thomas Henschke


Zum Interview mit Anne Will
Wozu die Aufregung? Wozu die Angst? Wurde nicht ein Zeichen für Rede- Religions- und Meinungsfreiheit in Deutschland gesetzt? Frau Nora Illi trat in Anne Wills Sendung nicht als Frauen- Gleichstellungsbeauftragte Deutschlands auf, sondern als Frauenbeauftragte des sogenannten Islamischen Zentralrats in der Schweiz und hatte Gelegenheit, den Zuschauern ihr Frauenbild darzustellen und zu verteidigen. Das geschah so wirksam, dass sich spätestens nach dieser Sendung wohl kaum jemand vorstellen kann, dass dies in unserer Kultur – abgesehen von Einzelgängern – ernstzunehmende Anhänger findet. Auf diese Weise gab die Talk-Show authentisch wertvolle Leitlinien zur Meinungsbildung und keinesfalls Anlass, Ängste vor dem Verlust unserer Werte zu schüren, unsere kulturellen Errungenschaften in Frage zu stellen oder Menschen zu „verführen“. Der Beitrag hat gezeigt, wie verschieden Kulturen, Religionen und Völker sind und was dazu gehört, um das auszuhalten. Aber wir sind selbstbewusst genug, wir schaffen das – auch oder gerade in öffentlich-rechtlichen Medienprogrammen. – Uwe-Carsten Edeler

Leserbrief zu „Jahrhundert im Schnellvorlauf“ von Stefan Schmitt

Nach Auffassung des Autors bleiben uns weniger als eine Lebensspanne, um auf den Klimawandel zu reagieren. Was für ein Blödsinn! Unser irdisches Klima wandelt sich seit Urzeiten, verursacht im Wesentlichen durch unsere Sonne, die Kontinentalverschiebung und den Vulkanismus. Die Temperatur auf der Erde ändert sich dabei, vereinfacht, etwa im 100.000 Jahre-Rhythmus um dramatische +/- 10 Grad und der Wasserspiegel um +/- 100 Meter. In seinen Auswirkungen auf Flora und Fauna in der Tat eine, wenn auch normalerweise langsam vonstattengehende Klimakatastrophe. Und dies umso mehr, weil die Warmzeiten dabei immer um ein Vielfaches schneller entstehen als die Kaltzeiten.

Leider greift nun seit circa hundert Jahren auch noch der Mensch in diese natürliche Klimaänderung ein und beschleunigt dummerweise durch zusätzlichen CO2 Eintrag unseren Weg zur nächsten großen Warmzeit. Diese Beschleunigung ist es, die uns Sorgen bereitet, denn die damit unweigerlich zusammenhängenden, klimatischen Veränderungen treffen die (überbevölkerte) Erde womöglich schneller und mit einer größeren Wucht, als der Mensch auf diese reagieren kann. Als Folge davon könnte es zu Verteilungskämpfen um knappe Ressourcen und Fluchtbewegungen (von Mensch und Tier!) aus unbewohnbar werdenden Regionen kommen. Es macht also durchaus Sinn, darüber nachzudenken, ob und wie wir diese menschenverursachte Beschleunigung der Klimaänderung verhindern können. Auf absolut 2 Grad begrenzen, wie uns Klimaforscher und Politiker weißmachen wollen, können wir die langfristige Klimaänderung jedoch nicht.

 Schade, dass der Artikel von Stefan Schmitt mehr einem naiven Ammenmärchen, denn einem aufklärenden, wissenschaftlich fundierten Bericht gleicht. Man sollte den Lesern der Rubrik Wissen generell etwas mehr Verstand zutrauen. – Peter Breuninger


Leserbrief zu „Das ist kein Spleen“ von Martin Spiewak

Welch ein Luxusproblem! Und welch fragwürdige Entscheidungskriterien!
Die sexuelle Identität von Kindern entwickelt sich spät. Die Pubertät ist die wohl wichtigste Phase, in der die sexuelle Orientierung stattfindet. Kinder im präpubertären Alter einer Hormontherapie zu unterziehen-welch ein hanebüchener Unsinn, wenn nicht Schlimmeres.
Auf Grund psychologischer Gutachten- in der Forensik gibt es ausreichend viele Beispiele über die Validität solcher Gutachten-einen so schwerwiegenden Eingriff in die Entwicklung eines Kindes durchzuführen mit der Konsequenz schwerwiegender und komplikationsträchtiger chirurgischer Eingriffe bei einem gesunden Organismus ist nicht verantworbar. – Dr. Klaus D. Milde


Zum Titelthema US-Wahl

Ich wünschte, Ihr würdet bei der nächsten Wahl nur halb soviel über unseren eigenen EU-Präsidenten schreiben wie Ihr das jetzt über den US-Präsidenten tut.
Rücksicht nehmen auf andere ist ja gut, nur sollten wir dabei unsere eigenen Kompetenzen nicht vergessen. Lasst uns mit erhobenem Haupt aufrecht durch dieWeltpolitik schreiten und nicht verängstigt über den Teich schielen. Bitte ab sofort wieder mehr auf unsere eigenen Stärken konzentrieren! – Sebastian Fontaine


Zum Titelthema US-Wahl

Statt selbstkritisch die Gründe für dieses Desaster zu analysieren besteht ihre Berichterstattung fast ausschließlich aus Horrorszenarien über einen, wenn auch leider, so doch von 60 Millionen Amerikanern demokratisch gewählten Präsidenten. Der Gipfel der Perversion ist dabei die Panikmache über den Atomkrieg („Countdown für die Hölle“). Was wollen sie damit erreichen?

Es wäre stattdessen höchste Zeit, die auch bei uns dringend notwendigen Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu thematisieren, um verlorenes Wählervertrauen zurück zu gewinnen und ähnlichen Entwicklungen  in Europa vorzubeugen. Oder legen sie dafür die Hand ins Feuer, dass so etwas bei uns undenkbar ist? Ich habe diesen Mut nicht! – Klaus Kroek


Leserbrief zu „Und Tschüss!“

Bei dem zu beklagenden mangelnden Engagement der Automobilindustrie bei der Entwicklung elektrisch betriebener Fahrzeuge darf nicht vergessen werden, dass in den Motorentwicklungsabteilungen nahezu ausschließlich Ingenieure für Verbrennungsmotoren beschäftigt sind. Nur so sind die unsinnigen und teuren Plugin-Fahrzeuge mit zwei Antrieben zu verstehen. Dabei kann die Welt so einfach sein: Ein Fahrzeug mit rein elektrischem Antrieb ist schon heute wesentlich billiger als eines mit Verbrennungsmotor, Getriebe usw. herzustellen. Bleibt die Frage der Batterie: hier reicht eine Kapazität für 50-100km völlig aus, allerdings kombiniert mit einem Produkt aus dem Baumarkt für rund 200€ – einem Stromgenerator. Damit haben Sie unbegrenzte Reichweite und gleichzeitig das unbeschreibliche Erlebnis des rein elektrischen Antriebs – der ideale und preiswerte Einstieg in das elektrische Zeitalter, man muss es nur wollen. – Dr. Dietmar Kopp


Zum Titelthema US-Wahl

Heute lese ich Michael Moore’s “Fünf Gründe, warum Trump gewinnen wird“ in Ihrer Ausgabe vom ! 28. Juli 2016 ! Nach der Wahlnacht erschaudert es mich hier zum zweiten Mal: Jeder seiner Sätze ist in der Analyse blitzsauber, und hätte dem Clinton-Team eine gewaltige Hilfe bei der strategischen Ausrichtung des Wahlkampfes sein können. Das war’s dann – leider. – Dirk Schoppmann


Zum Titelthema US-Wahl

Ja, er hat sich unmöglich verhalten. Nein, ich hätte ihn nicht gewählt, aber die seltsam unnatürliche Hillary Clinton ebensowenig. Nun haben wir ihn und ich sehe dennoch nicht so schwarz und einseitig wie Sie in Ihrer Redaktion. Hillary Clinton wäre viel zu kompliziert in ihrer Persönlichkeit für Wladimir Putin. Donald Trump wird neben seiner Unbedarftheit seinen Trumpf Wirtschaft ausspielen. Da er nun im Vergleich zu seiner bisherigen Tätigkeit unter medialer Dauerbeobachtung steht bin ich schon gespannt zu sehen wie er die Probleme der Welt zu lösen gedenkt. Mit Gutmütigkeit und Fairness wird niemand Milliardär. Aber als Präsident wird er hier ausgewogener agieren müssen und es meist auch tun. – Martina Eirich


Leserbrief zu „Was macht die Pille mit mir?“

Neben den aufgeführten medizinischen Nebenwirkungen besteht bei der  Pilleneinnahme zudem ein gravierendes ethisches Problem:Neben den aufgeführten medizinischen Nebenwirkungen besteht bei der Pilleneinnahme zudem ein gravierendes ethisches Problem: Aus biologischer Sicht ist es eindeutig, dass das menschliche Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt. So sendet bereits kurz nach der Befruchtung und schon vor der Einnistung in die Gebärmutter das Kind das Schwangerschaftshormon ß-HCG aus. Da  bei Einnahme der  Minipille der Eisprung nicht unterdrückt wird (was gelegentlich auch bei der Einnahme östrogenhaltiger Pillen vorkommt), kann es trotz Zervixschleimverdickung zur Befruchtung kommen. Durch die Gestagene erfolgt dann eine Nidationshemmung; das heißt, das befruchtete Ei kann sich nicht in die Gebärmutterschleimhaut einnisten und stirbt ab. Der Vorgang der Nidationshemmung ist somit keine Verhütung, sondern eine Abtreibung im frühesten Stadium. –  Annette Wiesen


Leserbrief zum Artikel über den HSV

Die im Artikel über den HSV genannte angebliche Verbindung von Fussballbegeisterung mit Kirchenglauben kann so nicht stimmen, – das kann, wenn überhaupt, nur für Deutschland zutreffen: Der Kirchenglaube ist in Frankreich, insbesondere in Nordfrankreich, faktisch inexistent – und fehlt in England mindestens ebenso, wenn nicht noch stärker. Aber dort sind sehr viele bekannte und starke Fussballklubs beheimatet Stimmen könnte diese Relation nur für die Staaten Italien, Spanien und Portugal. In Bezug auf diese Staaten wäre wieder zu berücksichtigen, dass der Kirchenglaube in den grossen Städten, wo die berühmten Fussballklubs ansässig sind, signifikant geringer ist als „am Land“. Richtigerweise hätte man in Fussballstadien repräsentative Umfragen unter Fans tätigen müssen, in denen man (auch) nach ihrem Kirchenglauben fragt. – Dr. Gottfried Hanel  


Leserbrief zu „… aber nicht am Ende“ von Bernd Ulrich

Der Verlauf und das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl muss uns freilich auch in Europa, in Deutschland aufrütteln und Warnung sein. Den geradezu genuinen Demagogen und Populisten Donald Trump einzig und allein als Protestkandidaten zu begreifen, und einem Großteil der Amerkaner kurzsichtigen Nationalismus und Protektionismus vorzuwerfen, reicht demnach nicht.

Denn es ist nicht zuletzt der „Klassenkrieg zwischen Reichen und Armen“ (US-Milliardär Warren Buffet), der Kampf zwischen Casino-Kapitalismus und Realwirtschaft, zwischen politisch Etablierten und Außenseitern, der offenbar schon seit geraumer Zeit in den USA herrscht.

Es gilt daher näher und sichtbarer als bisher auf die Ängste und Sorgen, die Befindlichkeiten und Konditionen einer wachsenden Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern einzugehen, sie in Wort und Tat mitzunehmen.

Es gilt jedoch zugleich deutlich(er) zu machen, unter welch überwiegend positiven Gegebenheiten und verlässlichen Parametern die Menschen in Europa leben können.

Daran zu erinnern, dass die rechtsstaatliche Demokratie, in der wir leben, das größte Versprechen und der wichtigste Auftrag ist, den sich eine humane und aufgeklärte Gesellschaft geben kann.

Dass wohl keine andere Staatsform die Abwehr von Egoismen und Machtmissbrauch, somit den sozialen Frieden und den menschlichen Zusammenhalt, in einem auch nur annähernd vergleichbaren Maße sichert und stärkt.

Und dass es zweifellos die Freiheit und das Ethos einer befriedeten Gemeinschaft ist, die den (objektiven wie subjektiven) Werten des Lebens ihre Gültigkeit verleiht, anerkennend, dass der Erhalt einer solchen Gesellschaft zu keiner Zeit ein lediglich aus der Komfortzone steuerbarer Mechanismus sein wird.

In diesem Bewusstsein sind nicht allein die geteilten Staatsgewalten nebst öffentlicher Medien, sondern alle Bürgerinnen und Bürger beständig dazu aufgerufen, die Demokratie und  dementsprechenden Umgangs- und Führungsstil (wie ihn etwa Bundeskanzlerin Merkel gegenüber dem designierten US-Präsidenten eingefordert hat) zu bewahren.

Der weitsichtige englische Schriftsteller und Journalist George Orwell hat die Bedeutung von Libertät und Selbstbestimmung seinerzeit wie folgt beschrieben: “Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.“ Und Verantwortung ist hierüber die Pflicht, dies allenthalben mit Respekt und Achtung gegenüber den anderen zu tun.

Um diesem humanitären Imperativ tatsächlich und bestmöglich gerecht zu werden braucht es zudem gewiss manches Mal einen Perspektivwechsel und das Finden neuer Einsichten. – Ira Bartsch


Leserbrief zu “ Der Osten will Posten“ von Martin Machowecz

im Untertitel sowie in der Zusammenfassung Ihres Artikel suggerieren Sie, dass an ostdeutschen Universitaeten vor allem westdeutsche Professoren lehren. Spaeter schreiben Sie: „Die Hochschulen…sind fest in westlicher Hand. Nach 1989 blieben nur in den Naturwissenschaften und den technischen Faechern viele Professoren im Amt.“ Fuer mich ergibt sich daraus ein Widerspruch – es sei denn, die naturwisschenschaftlich-technischen Faecher waeren nur eine kleine Minderheit. Angesichts des sehr breiten Anspruchs, mit dem Ihr Artikel auftritt, waere es interessant gewesen zu erfahren, wie sich die Situation in diesen Faechern entwickelt. So wie er dasteht unterstuetzt Ihr Artikel leider nur den Eindruck, den ich bei der Lektuere der Zeit schon oefter hatte, dass die naturwisschenschaftlich-technischen Faecher als unwichtig fuer die Bildung betrachtet werden. Schade. – Sabine Moehler


Leserbrief zu “ Und tschüss“ Marc Brost und Claas Tatje

Vielen Dank für Ihren interessanten Artikel indem Sie die Frage stellen ob die deutschen Autobauer den Trend zum Elektroauto verschlafen.  Diese Frage bejahen sie und sehen die Lösung darin, die Autobauer politisch zu ihrem „Glück“ zu zwingen und die Verbrennungsmotoren ab 2030 zu verbieten. Im ersten Moment scheint diese Argumentation einleuchtend, bei näherer Betrachtung greift der Artikel allerdings zu kurz. Die Kernfrage ist ob die Elektroautos die heutigen Probleme der Verbrennungsmotoren so selbstverständlich lösen wie Ihr Artikel es darstellt.

Mir ist keine Technologie bekannt die, im großen Stil angewendet, nicht auch wieder neuerliche Probleme aufwirft. Als Beispiele seien hier genannt, die Kernenergie und die Stromerzeugung mit Biomasse, die über den Gesamtzyklus mehr CO2 Emissionen hervorruft, vom Problem der der Waldrodung durch den Palmölanbau, der unsinnigen Lebensmittelverstromung (Weizen, Raps, Mais) und der Nitratbelastung des Grundwassers ganz zu schweigen.  Es wäre zu schön wenn die Nullemissionen der Elektrofahrzeuge stimmen würden wie uns die Werbung fälschlicherweise vorgaukelt. Hier sind die CO2 Werte genau so „falsch“ und zu tief wie bei den Verbrennern.

Wie sieht es mit den Emissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Elektroautos aus, einschließlich der Herstellung und Entsorgung?  Wie viel Rohstoffe (z.B. seltene Erden) gibt es überhaupt um diese Menge Batterien herzustellen?   Wie sieht die Entsorgung aus und wie ist der gesamte „Fußabdruck“ des CO2 Ausstoßes unter Berücksichtigung der Herstellung und Entsorgung dieser Produkte?   Es ist unbestritten, dass die erneuerbare Energieerzeugung sicherlich der richtige Weg ist und insbesondere in Ballungszentren die Elektromobilität zu einer wesentlichen Emissionsentlastung beitragen wird.   Allerdings sollten die Probleme mit dieser Technologie auch angesprochen werden, bevor der Gesetzgeber einfach mal die Elektromobilität vorschreiben sollte. – Markus Rupp


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Die (seriöse) deutsche Presse, bis hin zu hochangesehenen Chefredakteuren, und große Teile der (seriösen) Politik, bis hin zum höchsten deutschen Diplomaten, Außenminister Steinmeier, sind sich einig in der Empörung über Trump. Empörung über den unter der Gürtellinie pöbelnden, rassistisch beleidigenden Wahlkämpfer Trump ist sicher berechtigt und absolut angemessen. Aber was weiß man über den Wahlsieger Trump? Vielleicht wird er trotz dieser Vorgeschichte ein annehmbarer Präsident mit gesundem Menschenverstand, mit Respekt vor dem Amt und den Menschen.  Warum liest man nur etwas über die Worst-Case-Szenarien? Warum hält niemand ein Best-Case-Szenario für möglich, mit einer für Wirtschaft und Gesellschaft vernünftigen Politik, in der sich Trump und Putin die Welt nicht aufteilen, sondern – anders als die Vertreter des traditionellen „politischen Systems“ – entspannt miteinander umgehen und damit einen substantiellen Beitrag zur Entspannung in der Welt leisten? Warum gilt eine entsprechende Überlegung a priori als Ausdruck von Naivität? – Univ.-Prof. Dr. Ulrich Trottenberg

Leserbrief zu „Der Krieg 2017“ von Josef Joffe

Der Verfasser des Artikels „Der Krieg 2017″- wie Russland die Nato im Baltikum aufrollt,  hat Gespür , genau zum Volkstrauertag seine Begeisterung über einen spannenden Thriller mit realistischem Szenario zum Ausdruck zu bringen. Er gibt den Natoplanern den Rat, dieses Buch zu lesen und damit sicher auch vielen Deutschen den Tipp für ein tolles Weihnachtsgeschenk. Haben die deutschen Medien schon nach 70 Jahren Kriegsende vergessen, wie die propagandistische Vorbereitung des 2. Weltkrieges begann? Sind nicht gerade sie in der Verantwortung für den Frieden zu werben? Ich mußte an die Worte von Helmut Schmidt denken: “ wie leicht geht das Wort Krieg über die Lippen all derer, die den 2. Weltkrieg nicht erlebt haben. – Helga Ehnert


Leserbrief zu „Der Krieg 2017“ von Josef Joffe

Si vis pacem para bellum dieser schon von Cicero formulierten Weisheit ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Ihr Artikel mahnt richtigerweise die Befolgung derselbe an.  Es tut schon fast körperlich weh, wie aufgrund mangelnder Bereitschaft und Fähigkeit Aggressoren entgegenzutreten derzeit die Welt in gefährliches Fahrwasser gerät.

Ich kann mich nur an ei aktuelles Gegenbeispiel in jüngster Vergangenheit erinnern, den Nato Doppelbeschluss, der entgegen massiver Proteste aus der „Friedensbewegung“ umgesetzt wurde und letztendlich als erfolgreich erwiesen hat. Allerdings ist leider zu befürchten, dass durch falsche Politik auch hier wieder die bisher erreichten Fortschritte zunichte gemacht werden.

Auch die Wirkungslosigkeit der Appeasement Politik wurde schon im Vorfeld des 2. Weltkrieges hinreichend bewiesen. Ich frage mich, warum diese anscheinend immer noch eine wirkungslose Maxime der westlichen  Politik ist wie am jüngsten Beispiel Türkei erkennbar.

Ich wünsche mir mehr Politiker, die auch das Rückrat haben getroffene Entscheidungen auch durchzusetzen anstelle ständig nach Meinungsumfragen zu schielen und in einer Politik der Beliebigkeit zu enden, welche dann das Vermehrte Auftreten populistischer Bewegungen nur fördert.Mark-Peter Zemke


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Höchst wohltuend die Klarheit der trockenen Diktion, Zu fragen bleibt, wieviele – womöglich noch nicht aktivierte- Wähler in Europa einen so treffend genannten „durchgeknallten Macho“ wählen würden. – Thomas Herion


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Vor etwa einem halben Jahr hat Herr Dr. Joffe einer seiner wöchentlichen Kolumnen den Titel “Er wird es nicht” gegeben und die These schlagend begründet.   Nachdem “Er” es nun doch geworden ist, hatte ich an gleicher Stelle wenigstens ein Gran Selbstkritik erwartet. Aber Herr Dr. Joffe geht lieber seiner Lieblingsbeschäftigung nach und nimmt sich das aggressive Russland vor. Weiter so!  – Dr. Jürgen Hess


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Ist Joffe jetzt völlig ausgetickt ?

Trump der „Wiedergänger Mussolinis“, der „die segnende Hand des Allmächtigen auf seinem Haupt spürt“ und mit der Bemerkung „er glaube „übers Wasser laufen zu können“ sich als neuer Christus fühle.

Hier werden Kommunikationsphantome aufgebaut, die eine nüchterne Realitätsanalyse weit überschreiten. Er bläst damit in dasselbe Horn, das unsere nationalen und europäischen Politiker kräftig tuten.

Einzige Ausnahme ist hier Frau Merkel, die sich in ihrem Glückwunschtelegramm erfreulich realitätsbezogen äußert.

Aber das alles macht ja nichts, wir leben schließlich im postfaktischen Zeitalter; das scheint Herr Joffe stark verinnerlicht zu haben.

Eine in meinen Augen realistische Analyse zeigt, daß Trump ein Meister ist in der Anpassung an die jeweils situationsbedingten Verhaltensweisen. So hat er seinen Wahlkampf gewonnen, so hat er die Umfrageexperten düpiert, und so wird er vermutlich auch sein Amt verwalten. Erste Anzeichen sind schon seine respektvollen Äußerungen (nach seinem Sieg) gegenüber Hillary und Obama.

Selbst wenn man einmal unterstellt er „meint, was er sagt“ (wofür er bisher mit seinen oft gegenteiligen Äußerungen noch keinen Beweis geliefert hat), wäre es dann wirklich ein Weltuntergang, wenn er seine Soldaten in Europa und dem Nahen Osten verringert oder sogar abzieht ? Liegt darin für Europa und den Nahen Osten nicht eine Chance sich von der USA-Leine zu lösen ? Wäre eine Verständigung mit Putin nicht eine Chance in Syrien die Bomberei zu beenden ?

Die meisten von uns denken, daß Europa und die Welt zur Lösung der aktuellen Probleme einen Neuanfang oder einen Wechsel braucht. Wenn sich aber ein solcher anbahnt, geht prompt das Gekakele los „aber so nicht“.

Lassen wir doch einfach mal die Dinge auf uns zukommen, ohne gleich satanische Visionen aufzubauen, die nur uns selbst Angst einjagen. – Peter Grams


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Als sich Donald Trump bei den Vorwahlen der Republikaner als Kandidat bewarb, schrieben Sie in Ihrer Kolumne, er habe keine Chance.
Als er sich durchgesetzt hatte,   als Präsidentschaftskandidat nominiert wurde und im Wahlkampf immer aggressivere und menschenverachtende Reden hielt, waren Sie sicher, er würde niemals Präsident der USA werden.
Jetzt ist er der gewählte nächste Präsident der USA und anstatt Ihre Fehleinschätzungen zuzugeben, wollen Sie die Leser in Ihrer Analyse im Leitartikel mit den Hinweisen auf die mässigende Wirkung von Kongress, Repräsentantenhaus und Supreme Court damit beruhigen, dass die schon „das Schlimmste verhindern“ werden. Ihrem Hinweis darauf, dass ihm ja die „Schwarzhemden“ (wie seinerzeit den Faschisten in Italien) nicht zur Verfügung stehen würden, muss man entgegenhalten, dass er dafür andere „Hilfstruppen“, wie beispielsweise die „Alt Right Bewegung“ zur Verfügung hat, deren Vertreter schon für Regierungsämter nominiert sind! Haben Sie eigentlich nichts aus der Geschichte gelernt?
Wir haben es schon und befürchten – auch für Europa und Deutschland – das Schlimmste in naher Zukunft.
Peter und Ingeborg Lipinski
Als sich Donald Trump bei den Vorwahlen der Republikaner als Kandidat bewarb, schrieben Sie in Ihrer Kolumne, er habe keine Chance.
Als er sich durchgesetzt hatte,   als Präsidentschaftskandidat nominiert wurde und im Wahlkampf immer aggressivere und menschenverachtende Reden hielt, waren Sie sicher, er würde niemals Präsident der USA werden.
Jetzt ist er der gewählte nächste Präsident der USA und anstatt Ihre Fehleinschätzungen zuzugeben, wollen Sie die Leser in Ihrer Analyse im Leitartikel mit den Hinweisen auf die mässigende Wirkung von Kongress, Repräsentantenhaus und Supreme Court damit beruhigen, dass die schon „das Schlimmste verhindern“ werden. Ihrem Hinweis darauf, dass ihm ja die „Schwarzhemden“ (wie seinerzeit den Faschisten in Italien) nicht zur Verfügung stehen würden, muss man entgegenhalten, dass er dafür andere „Hilfstruppen“, wie beispielsweise die „Alt Right Bewegung“ zur Verfügung hat, deren Vertreter schon für Regierungsämter nominiert sind! Haben Sie eigentlich nichts aus der Geschichte gelernt?
Wir haben es schon und befürchten – auch für Europa und Deutschland – das Schlimmste in naher Zukunft. – Peter und Ingeborg Lipinski


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

In Ihrem  Leitartikel in der Ausgabe vom 10.11.16 bezeichet Josef Joffe Donald Trump als „Möchtegern-Mussolini“, „Usurpator“ und „Horrorclown“. Trump hat die Macht nicht gewaltsam an sich gerissen, sondern wurde vom US-amerikanischen Volk zum Präsidenten gewählt. Empfindet Joffe Wahlergebnisse, die nicht seinen Präferenzen entsprechen, als usurpierend? Wie steht es um dessen Demokratieverständnis? Und zum Artikel im allgemeinen: Tauschen Sie einmal den Namen Trump gegen Merkel oder Gauck aus und stellen sich vor, er sei von einem Funktionär der AfD geschrieben. Wie würden Sie ihn bewerten? Würden Sie ihn in Ihrer Zeitung veröffentlichen? – Andreas Wells


Leserbrief zu „… aber nicht am Ende“ von Bernd Ulrich

In Ihrem oben genannten Artikel beschreiben und beschreien Sie den Untergang der westlichen Welt durch die Wahl Trumps. Ich halte dies für voreilig und übertrieben. Es gibt immerhin noch eine Verfassung und die kann selbst Trump nicht aushebeln. Darüber hinaus sind die USA eine der ältersten Demokratie der Welt, die auch 4-8 Jahre Trump überstehen wird. Die ersten Äußerungen von Trump nach der Wahl haben auch bereits gezeigt, dass er sich versöhnlich zeigt und vieles sicherlich nicht so umsetzt, wie er es im Wahlkampf angekündigt hat (z.B. Gesundheitsreform). Es gibt eine viel größere Gefahr für unser Land und unsere Wertegemeinschaft und das sind die vielen muslimischen Fluechtlinge. Diese sind in ihrer Mehrzahl homophob, antisemitisch und intolerant gegen Frauen und anderen Religionen.Beispiel Frauen: Das hat sich leider schon an Silvester 2015 in vielen dt. Städten gezeigt und sich fortgesetzt in vielen Übergriffen in Schwimmbädern, Bars, Diskotheken usw. Oder Beispiel Kriminalität: es gab schon einmal eine Einwanderung von Arabern nach Dt, nämlich aus dem Libanon aufgrund des Bürgerkriegs in den 80iger Jahren. Das Ergebnis können Sie in Berlin sehen. Fast die Hälfte des organisierten Verbrechens wird von arab  Familien kontrolliert. Aber dies alles interessiert Sie als heterosexueller, nicht jüdischer Mann ja nicht. Sie sitzen realitätsfern in Ihrer linken, ideologischen Blase und wollen den Menschen etwas über die Gefahren für unsere Demokratie erzählen? Wachen Sie endlich auf und verschonen Sie uns bitte zukünftig mit solchen unsachlichen und naiven Artikeln!! – Holger Kreitinger


Leserbrief zu „Was auf die Welt zukommt“ von Josef Joffe

Sind die Befürchtungen durch zukünftige Entscheidungen von Trump nicht etwas überzogen? Da hat jemand seine mehr als zehnjährige Erfahrung mit TV-Sendern dazu genutzt, wie man beim Publikum punkten kann. Der Weg war erfolgreich, vielleicht gerade auch wegen seiner „Entgleisungen“, die kontinuierlicher Gesprächsstoff waren. Man sollte mal in den Archiven wühlen, was nach der Wahl von Reagan alles befürchtet wurde. Für die meisten Entscheidungen wird Geld benötigt. Ohne die Befürwortung der eigenen, teilweise kritischen Republikanermehrheit geht da gar nichts! – Dr. H. Peter Matthiessen


Leserbrief zu „… aber nicht am Ende“ von Bernd Ulrich

— Das erste Mal war es die Abstimmung in England, der Brexit. England ist gekennzeichnet durch grenzenloses Wachstum in der Bankenwelt und eine überwiegend ärmlichere Industriebevölkerung. Gehaltsmäßig und Rentenmäßig steht man sich relativ schlecht im europäischen Vergleich. Laut OECD liegt das Nettorentenniveau z.B.  bezogen auf das Durchschnittseinkommen bei 38% und damit am Ende im europäischen Vergleich. ( wir liegen ca. bei 50% noch). Während elitäre Kreise in London ihr Einkommen in astronomische Höhen treiben, wird von dem einfachen Mann sogar Lohnverzicht gefordert weil zugereiste Kräfte aus Polen das Lohnniveau drücken. ( von Personen, die beim Aufbau in ihrer Heimat jetzt natürlich fehlen). Brüssel, also Europa, nennt diesen Vorgang unverzichtbar. Das dieser freie Personenverkehr das Ziel sein muss, ist selbstverständlich. Aber am Anfang, bei großen vorliegenden Gefällen, ist dieser Vorsatz völlig unverständlich und wie wir heute sehen kontraproduktiv.

— Das zweite Mal jetzt in den USA. Gabor Steingart hat im Handelsblatt geschrieben, nicht Trump hat die Wähler verführt, das Wahlvolk hat Trump als Wirtstier des Aufstandes in die Zentrale geschickt. Die Führung hatte schlichtweg das Wahlvolk vergessen. Es ging immer nur um Macht und Einfluss  elitärer Kreise im Inn-und Ausland. Während Firmen, die ihre Produkte billigst in Asien fertigen lassen und mit hohen Gewinnen in den USA verkaufen, haben Arbeiter im Inland das Nachsehen gehabt.

Nicht die Ergebnisse in England und den USA haben mich überrascht, sondern die allgemeine Reaktion darauf. So schimpft Josef Joffe in dieser Zeitausgabe, bei Brexit Befürwortern handele es sich um Feinde Europas. Es wird nicht nach Ursachen geforscht, sondern geschimpft. Weil sich aber die Mächtigen mit dem Kapital unheilvoll verbündet haben gegen die Wähler, revoltiert jetzt  das Wahlvolk. Den Investmentbankern werden Boni in astronomischer Höhe gewährt, und vom  Wahlvolk wird Verzicht gefordert bei einer eh schon niedrigen Basis.

In zwei alten Demokratien wurde das Establishment abgewählt. Jetzt müsste man vorsichtig werden und nach Gründen fragen. Und was passiert? Es wird geschimpft. ( das können die doch nicht machen!)

99 Jahre hat das amerikanische Wahlvolk alles mitgemacht. Das ist eine lange Zeit. Wobei diese Zeit auch früher schon nicht immer gut gewesen ist. 1917 bis 1918 haben die USA schließlich Frankreich den Sieg ermöglicht, einem Land, das den 1.Weltkrieg vom Zaune gebrochen ( nach Christopher Clark) und damit eine Katstrophe ausgelöst hat. Gesiegt haben damals anschließend der Faschismus und Kommunismus und die 10 Jahre Demütigungen Deutschlands nach dem Krieg haben zur Machtergreifung Hitlers 1933 geführt. Letztendlich also alles mit ursprünglich amerikanischer Hilfe in 1917. Abgesehen vom 2. Weltkrieg, den man den Amerikanern hoch anrechnen muss, hat Amerika in der Weltpolitik zusätzlich nichts positives geleistet. Iran Konflikt, Vietnam, Afghanistan, Irak, um nur die wichtigsten zu nennen, Amerika hat in der Weltpolitik gewütet und viel Unheil angerichtet. Und das Ergebnis? Außenpolitisch mehrere Scherbenhaufen,  Dauerbrennstellen wie z.B. Afghanistan, Irak, Syrien, Ukraine. Und Innenpolitisch ist so mancher US-Bürger ist inzwischen auf einem niedrigen Niveau gelandet und kann sich nur noch im Fernsehen  an der Größe seiner Nation erfreuen.

Deshalb ist eine Rückbesinnung in den USA, die Obama eigentlich schon angefangen hatte, richtig. Ob natürlich Trump  jetzt der Richtige ist dies weiterzuführen, drängt sich nicht gerade auf. Aber vor die Wahl gestellt, entweder Hillary Clinton ( das bisherige Establishment) und damit ein weiter so oder Donald Trump zu wählen, blieb so manchem Bürger anscheinend keine andere Wahl als Trump.

Das sich die Bürger in England und den USA mit diesen Wahlergebnissen einen Gefallen getan haben, muss man wahrscheinlich auch bezweifeln. Sowohl der Brexit wie auch Trump werden sich schwer tun, die Versprechen, alles zum Besseren zu wenden,  einzuhalten. Vor allem auch, weil sie auf viel Widerstand stoßen. In England hat sich Brüssel mitschuldig gemacht. Dort hätte Brüssel Einfluss, wird diesen aber aus verletzten Eitelkeitsgefühlen wahrscheinlich nicht richtig einsetzen. In den USA haben wir dagegen kaum Möglichkeiten. Das gerade wir ( Deutschland) aufgerufen wären, uns beeinflussend in den USA einzumischen, ( nach 12 Jahren NS-Regime und Zweitem Weltkrieg) würde ich bezweifeln. Wir sind heute dafür bekannt, das wir Autos mit Betrugssoftware in den USA verkaufen. Auch halte ich unsere Bundeskanzlerin nicht für sehr geeignet. Schließlich ist sie dafür bekannt die Probleme auszusitzen. Und kommt dann zum Schluss nach längerer Zeit mit alternativlosen Lösungen, die jetzt aufgrund der Gemengelage nicht mehr anders möglich sind.

Ein Trump, der in der Politik und Diplomatie unerfahren ist, an der Spitze der Weltmacht USA, das muss man erst noch verdauen. Ein Kriegsgefahr sehe ich hauptsächlich in Bezug auf den Iran.  Wenn Trump aber an die  Kriegsherde Syrien und Ukraine unverkrampft herangeht, besteht vielleicht sogar die Möglichkeit, das er sich dort mit Russland einigt und zu einer Lösung kommt. Die das bisherige Establishment in den USA bisher immer prinzipiell verweigert hat.( mit Russland sprechen wir nicht, das ist keine Demokratie.)

Die USA werden sich schon selber helfen. Dafür ist die dortige Demokratie zu stark. Wichtiger wäre, wir würden bei uns in Europa die richtigen Lehren  ziehen, nachdem wir es mit einer allgemeinen Krise der Demokratie zu tun haben. Das Kapital hat überall die Eliten korrumpiert und die haben ihre Bürger vergessen. Und die rufen sich jetzt aber unmissverständlich  in Erinnerung. – Reiner Püschel


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

Seite 1 bis 7 der neuen Ausgabe flogen bei mir gleich in den Papierkorb: Keine Analyse, sondern nur Schwarzmalerei bis zu wüstesten Beschimpfungen (u.a. Horrorclown, Lowgoer etc.) sowie Beschreibung wildester Untergangsszenarien. Sie sollten die gesamte Redaktion auswechseln, um zu einer sachlichen Analyse politischen Geschehens zurückzukehren! – Hans Hardenberg


Leserbrief zum Titelthema „US-Wahl: Trumps Triumph”

 Warum schreiben Sie, ich zitiere:  „Wie konnte es geschehen, dass sich schließlich doch eine deutliche Mehrheit für Donald Trump entschied?“
Wenn man das „popular vote“ betrachtet, hat Trump weder eine deutliche, noch überhaupt die Mehrheit in der 2016 Präsidentschaftswahl bekommen, sondern Hillary Clinton lag knapp vorne.
Ist es nicht eher so, dass die Situation der im Jahr 2000 gleicht, als Al Gore zwar die moisten

Stimmen bekommen hat, aber trotzdem in nicht genug Staaten die Mehrheit bekommen konnte, so dass er zwar mehr Stimmen aber weniger Wahlmänner hat, was letzten Endes dazu führte, dass Bush Jr. Präsident wurde.
Insofern war der Wahlausgang einerseits knapp (popular vote) andererseits aber deutlich wegen des „the winner takes it all“ Prinzip in den meisten US-Staaten.
Aber die Aussage, dass die Mehrheit für Trump gestimmt hat, ist meines Erachtens falsch. – Kristine Schäfer


Leserbrief zum Interview mit Anne Will geführt von Iris Radisch

Gespräch über ein Nicht-Gespräch oder Fragen eines lesenden Zuschauers  Das Zeit-Gespräch, das Frau Radisch und Frau Will miteinander führen, ist ein treffendes  Beispiel gelungener Gesprächskultur: Sie begegnen sich auf Augenhöhe, respektieren sich als  Person bei aller Unterschiedlichkeit der Auffassungen, sind offen für die Beiträge des  Gesprächspartners, gehen aufeinander ein, nehmen kritische Beiträge an, greifen Gedanken  gegenseitig auf und entwickeln sie gemeinsam weiter. So gewinnt der Leser einerseits einen  differenzierten Einblick in die Hintergründe der Talkshow vom 6. November 2016,  andererseits einen Teil des an jenem Abend verloren gegangenen Vertrauens in die öffentliche  Gesprächskultur zurück.  So sehr die Qualität des Zeit-Artikels von Achtung gegenüber dem Leser zeugt, so wenig  sieht er sich respektiert als Zuschauer der Talkshow vom Sonntagabend. Sie ließ alles  vermissen, was von einem gelungenen Diskurs in einer wertegebundenen Demokratie zu  erwarten ist (s.o.) und lässt den Zuschauer, der dem radikalen Entschluss abzuschalten,  widerstanden hat, fragend zurück. War die Zusammenstellung der Gäste für diese Thema  richtig gewählt?

War das Gespräch das angemessene journalistische Format? Passten die  geladenen Gäste zu diesem Format? Die klare Antwort auf all diese Fragen heißt: Nein! Ein  Gespräch jedenfalls fand nicht statt. Da hilft dann auch keine noch so ausgeklügelte  strategische Vorbereitung, indem die Redaktion die Gäste vor allem für zwei Rollen vorsieht:  die Rolle dessen, der die „ver-rückte“ Position einnimmt, und derer, die diese Position  „zurechtrücken“, hoffentlich mindestens ausreichend, damit die Moderatorin nicht eingreifen  muss. Solchermaßen kalkulierte Funktionalisierung zeugt von mangelndem Respekt  gegenüber den geladenen Personen und lässt den Leser (Zuschauer) im Nachhinein  erschaudern. Ganz abgesehen davon, dass die Verdeutlichung der Widersprüchlickeit des  Themas nicht Ergebnis, sondern in der Anmoderation dargelegter Ausgangspunkt des  Gesprächs sein muss.

Ansonsten erfährt der Zuschauer nicht mehr, als er ohnehin schon  wusste.  Und da er die Sendung vom 6. November ganz und gar nicht für vertretbar hält, fragt er sich,  wie man es besser machen kann. Natürlich zunächst einmal durch die Beachtung der anfangs  beschriebenen Qualitätsmerkmale. Wem das zwar einleuchtend, aber recht formal klingt, dem  sei die Lektüre des Bändchens „Dialektik der Säkularisierung“ von Jürgen Habermas und  Joseph Ratzinger ans Herz gelegt. Hier erfährt der Leser von der Notwendigkeit, in einer von  der säkularistischen Weltsicht dominierten Gesellschaft mit liberaler politischer Kultur „in  religiöser Sprache Beiträge zu öffentlichen Diskussionen zu machen“, von der Erwartung an  den säkularisierten Bürger, sich an Anstrengungen zu beteiligen, „relevante Beiträge aus der  religiösen in eine öffentlich zugängliche Sprache zu übersetzen“ (Habermas!) und von der  Aufgabe, sich trotz aller Pathologien in der Religion und der Vernunft unter Einbeziehung  fremder Kulturen in einen universalen Prozess zu begeben, „in dem letztlich die von allen  irgendwie gekannten oder geahnten wesentlichen Werte und Normen neue Leuchtkraft  gewinnen, so dass wieder zu wirksamer Kraft in der Menschheit kommen kann, was die Welt  zusammenhält“(Ratzinger). Für eine Talkshow wie die vom 6. November wäre ein kleiner  Schritt auf dem Weg dahin schon das Ziel. – Alfons Dorenkamp  


 

 

 

03. November 2016- Ausgabe 46

Leserbrief zu „Sie holen uns“ von Can Dündar

Da ist der zitierte Edzard Reuter nicht allein, wenn ihn die Maßnahmen in der Türkei an jene zu Anfang der Nazizeit erinnern. Denn nicht nur wesentliche Grundrechte wurden damals mit der sogenannten Notverordnung (28.2.1933) infolge des Reichstagsbrandes (27.2.1933) außer Kraft gesetzt, sondern diese sah unter anderem auch die Todesstrafe für Brandstiftung vor. Der vermeintliche Täter Marinus van der Lubbe wurde auf der Grundlage eines Gesetzes zum Tode verurteilt und hingerichtet, welches also zum Zeitpunkt der Tat noch gar nicht wirksam war. Das war der Schritt in den Unrechtsstaat. Mal abwarten, wie die türkische Justiz bei einer Wiedereinführung der Todesstrafe mit den Putschisten des Sommers verfahren wird. – Heinz-Peter Luther


Leserbrief zur Facebook-Anzeige

gerade sehe ich die ganzseitige Facebook-Anzeige auf Seite 9 der akutellen Ausgabe. Verkauft die ZEIT ihre Seele? – Christopher Hagen


Leserbrief zu „“American Angst““ von Bernd Ulrich

Der Weltuntergang naht, wenn Trump die Wahlen gewinnt. Die Medien überschlagen sich mit Horrormeldungen und Ihr Blatt beteiligt sich in ähnlicher Form. Nichts, aber auch gar nichts wird sich  an der Demokratie in Amerika etwas ändern.  Trump will Amerika wieder stark machen. Nichts anderes hat er im Kopf. Das muß ja nicht verkehrt sein. Europa wird das natürlich nicht umbedingt gefallen. Aber wahrscheinlich wird die Aufregung ohnehin umsonst gewesen sein. Und wenn nicht, dann wäre das gar nicht so verkehrt. Was wurde nicht alles über den Brexit geschrieben – wenn er kommt. Nichts von dem wird eintreten. Die Medien müssen aupassen , daß sie überhaupt noch ernst genommen werden. Weniger Ihr Blatt.  Viel mehr muß man sich sorgen um Europa machen. Mit Deutschland an der Spitze wird der Zerfall weiter voranschreiten. Darüber lohnt es sich den Kopf zu zerbrechen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „“American Angst““ von Bernd Ulrich

Der Artikel von Bernd Ulrich „American Angst“ hat mir wieder einmal vor Augen geführt, wie gekonnt in Recherche und Ausdrucksstark die ZEIT das Zeitgeschehen kommentieren kann. Das hatte ich in den vergangenen Ausgaben schmerzlich vermisst. Es ist fast so, als wären die Kräfte für diese Ausgabe vor der US-Wahl aufgespart worden. Mit Artikeln wie in dieser Woche veröffentlicht weiß ich wieder, warum ich eine so begeisterte Leserin der ZEIT bin und sich das Abonnement lohnt!

Danke, Bernd Ulrich, für diesen aufschlussreichen packenden Artikel!

Als Missgriff empfinde ich es dabei, dass Sie „Was bringt Psychotherapie?“ als Aufmacher gewählt haben. Er wird dem Informationsgehalt und der Wichtigkeit des Politikteils einfach nicht gerecht. – Petra Völker


Leserbrief zu „“American Angst““ von Bernd Ulrich

Viele wichtige Punkte hat der Autor in seiner Analyse angeschnitten. Dem Fazit muss ich allerdings vehement widersprechen. Die Desillusionierung erfolgt derzeit auf Seiten der amerikanischen Wähler. Die zuletzt nur noch schuldenfinanzierte Teilhabe ist mit der Immobilienblase geplatzt. Die Sinnlosigkeit und Brutalität der letzten Kriege hat das Wort Opferbereitschaft ad absurdum geführt. Vielleicht erwächst aus den Trümmern dieser alten Demokratie eine neue. Mit einer global vernetzten, kritischen Weltöffentlichkeit. Dann wäre die derzeit vielerorts zu beobachtende Renaissance der Populisten und Despoten nur ein Übergang von der Postdemokratie in die globale Demokratie. – Johannes Stockerl


Leserbrief zu „Geld für die Betrogenen“ von Kolja Rudzio und Marcus Rohwetter

Ihr Autor ist auf der richtigen Seite. Singapur ist nicht nur in dieser Beziehung ein Vorbild für andere Staaten. Das trifft fast auf alle Bereiche zu. Ehrlicher Weise muß man aber auch bedenken, aufgrund ihrer Größe können die leicht auf ein Auto verzichten. Dort läuft ohnehin alles mit Taxis.  Ich habe dort über 4 Jahre gelebt und bin heute noch mit dem Land  verbunden. Dagegen können Sie unsere Demokratie in die Tonne werfen. Es gibt kaum Kriminalität und keinen Stress mit ausländischen Bürgern.  Warum ist das so ? Papier auf die Straße schmeissen kostet dem Verursacher umgerechnet 500,- €. Zigarette aus dem Auto werfen sind sie mit circa  1.000,- € dabei.  Bei körperliche Attacken fliegen sie sofort in den Knast. Ausländische Bürger , die sich nicht an die Regeln halten , die die Politik vorgegeben hat,  wird innerhalb von 4 Wochen des Landes verwiesen. Dort leben Verschiedene ethnische Gruppen – auch viele Muslime. Die verstehen sich alle bestens.  Ein sehr aufgeräumtes Land. Der Wohlstand ist höher als bei uns und in Europa ohnehin. Wenn das Klima nicht wär, hätte ich dort gern leben wollen. Das Märchen von Resozialisierung ist in Wahrheit eine Einladung zu mehr Kriminalität . Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.  Deswegen, behaupte ich, wird auch nix mit Europa und Deutschland wird es in 40 Jahren auch nicht mehr geben. Das werden Sie nicht gern hören, ist aber so. Der Autor möge mir das nachsehen.  – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Sex nach Lehrbuch“ von Jörg Lau

Die Diskussion um die Ausdrücke „Toleranz“ und „Akzeptanz“ kann m. E. nicht einfach als bloßer Streit um Worte abgetan werden. Wenn Minister Lorz Akzeptanz statt Toleranz fordert, deutet dies auf einen völlig fehlgeleiteten Toleranzbegriff hin. Von Wiesbaden nach Frankfurt ist es ja nicht allzu weit. Ich empfehle ihm daher dringend, sich einmal in die Vorlesung von Rainer Forst zu setzen, der zum Thema „Toleranz“ Grundlegendes zu sagen hat.

Ich zitiere als meinen Kronzeugen zu diesem Thema Jochen Teuffel, der Rainer Forsts Toleranzbegriff auf sehr pointierte Weise christlich adaptiert hat. Auch ein christliches Toleranzverständnis, sofern es den Wahrheitsanspruch nicht aufgibt, definiert Toleranz im Sinne des Ertragens, nicht des Akzeptierens:

“Der Etymologie nach bedeutet die lateinische tolerantia … nichts anders als Erdulden bzw. Ertragen. Ein toleranter Mensch hat demzufolge etwas zu ertragen, was ihm zu schaffen macht. Um diese Bedeutung klarzustellen, empfiehlt sich die Hinzunahme dreier weiterer Wörter mit lateinischem Ursprung: Akzeptanz, Indifferenz und Ignoranz. Deren eigentümliche Bedeutungen werden häufig mit Toleranz verwechselt. Wer etwas akzeptiert, nimmt der Etymologie (accipere) zufolge etwas willentlich für sich selbst an, was durch solch einverständige Annahme nicht ertragen werden muss. … Wo eigene Indifferenz bzw. Ignoranz gegenüber anderen vorherrschen, kann man sich das eigene Ringen um Akzeptanz bzw. das passionierte Ertragen (Toleranz) ersparen.”  (Jochen Teuffel, Mission als Namenszeugnis. Eine Ideologiekritik in Sachen Religion. Tübingen: 2009, S. 194).

In der Schule nun treffen Schüler und in gewisser Weise deren erziehungsberechtigten Eltern aufeinander, die eine sehr unterschiedliche Gewissensbindung haben. Darunter sind Christen, für die g e l e b t e Homosexualität Sünde ist (vgl. 1. Mo 19; 3. Mo 18, 22; 20, 13; 2. Pet 2, 6 f.; Jud 7; 1. Tim 1, 10; 1. Kor 6, 9; Mt 15, 19; Mk 7, 21). Wer von solchen Schülern und Eltern statt Toleranz im oben genannten Sinn Toleranz im Sinne von Akzeptanz für jedwede Lebensform fordert, propagiert eine Toleranz, die intoleranter nicht sein könnte. Ein solcher „Aufklärungsfundamentalismus“ ist von Rousseaus Forderung nicht mehr weit entfernt: „… der muss aus dem Staate verwiesen werden.“ Dass ein CDU-Minister den “Tugendterror” unserer Tage auf die Spitze treibt, ist dabei einfach nur absurd! – Marcel Haldenwang


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Leider ist der Artikel einseitig und lässt wichtige neuere Erkenntnisse außer Acht. Erschreckend ist, dass dies der Aufmacher der aktuellen Zeit ist. Zum einen wird komplett außer Acht gelassen, wie nachhaltig eine Therapie wirkt. So zeigen neuere Studien, dass psychodynamische Verfahren nach Jahren teilweise besser wirken (https://www.welt.de/print/wams/wissen/article152720090/Freud-lebt.html).   Viele Dinge, die im Artikel als „Erkenntnisse“ verkauft werden stimmen so nicht. Auch werden aufgeworfene Fragen nicht behandelt.  – was nachweislich wirkt: es gibt leider kaum gesicherte Nachweise, welche über eine 35 Stunden Behandlung hinaus gehen.

Entsprechend oberflächlich ist der „Nachweis“. Hier ist mehr Forschung notwendig. So ist es zB vorstellbar, dass als gesichert geltende Therapieverfahren nicht nachhaltig wirken, dh auf lange Sicht zu keiner Besserung führen. Zum anderen basiert die meiste Forschung auf klar abgegrenzte Störungen, die in der Praxis leider kaum auftauchen. In 20h behandelt kaum ein Kollege eine Angststörung, da meist noch andere Störungen eine Rolle spielen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie zB. Forschung nicht mit suizidalen Patienten durchgeführt werden sollte. Entsprechend schlecht ist die Datenlage.  – die Beschreibung psychodynamischer Verfahren ist fehlerhaft. Nicht alle Schulen konzentrieren sich auf die frühe Kindheit. So hat zB CG Jung den Begriff der Finalität geprägt, neuer Ansätze betrachten vor allem das intersubjektive Geschehen zwischen Klient und Therapeut oder in der Gruppe. Darüberhinaus ist die wissenschaftliche Überprüfung der psychodynamischen Verfahren hoch komplex.

Zum Vergleich: akademisch-psychologische Forschung beschränkt sich meist nur auf eine Mensch-Computer-Interaktion, da andere Forschung viel zu aufwendig ist, wie zB einen Prozess abzubilden. Bei der Psychotherapieforschung sollten zB Videos analysiert werden, um gesichert angeben zu können, was genau wirkt. Um auf gesicherte Erkenntnisse bei einer Psychotherapie zu kommen sollten dann mindestens 180 Personen miteinander verglichen werden. Dabei handelt es sich um einen Vergleich von zwei Gruppen: Kontroll- vs. Versuchsgruppe. Bei 80h Therapie macht das 90*80h=7200h Videomaterial. Dabei fallen dann jedoch noch immer mögliche nonverbale Cues unter den Tisch. Schwierig wäre es auch, welche Behandlung die Kontrollgruppe bekommt. Dies führt zum nächsten Punkt:  – je schwerer und chronischer ein Leiden ist, desto effektiver ist eine speziell zugeschnittene Methode -> gerade bei vielen Komobiditäten und Achse 2 Störungen (Persönlichkeitsstörungen) ist dies nicht der Fall. Die Aussage erklärt sich alleine durch die wohl durchgeführte „Überprüfung“.

Etwas was klar definiert ist, kann ich ich leichter messen, dh. leichter behandeln. Eine klar abgegrenzte Depression ist leichter durch einen Fragebogen zu messen und entsprechend leichter, auf den Fragebogen zugeschnitten, zu behandeln, um an gute Daten zu kommen.  – aufdeckende Verfahren sollten nicht mit stabilisierenden Verfahren verglichen werden. Beide sind berechtigt, d.h. beide haben unterschiedliche Indikationsstellungen. Bei vielen Personen ist es angebracht, zuerst stabilisierend zu arbeiten und im Anschluss aufdeckend. – nicht alle Therapieverfahren behandeln „seelisches Leiden“  – zum einen schreibt die Autorin von einem Mythos, dass stets schlimme Erfahrungen aus der Kindheit zugrunde liegen zum anderen werden gerade biographische Erinnerungen bei der „narrativen Exposistionstherapie“ angeführt. Darüberhinaus wird dieser Mythos nicht näher erläutert.  – wissenschaftlich anerkannt in Deutschland als Therapieverfahren ist die Verhaltenstherapie, die psychoanalytisch begründeten Verfahren, die Gesprächspsychotherapie und die Systemische Therapie. – Johannes Grapendorf


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Die Aussagen im Artikel von Frau Schöps zum Thema tiefenpsychologisch fundierter/psychoanalytischer Psychotherapie sind dilettantisch recherchiert. Der Satz „…hier holt man erstmal die Defizite an die Oberfläche“ ist diffamierend und sachlich falsch. Menschen verarbeiten traumatisierende Entwicklungsbedingungen mit Beziehungs- und Verhaltensmustern, die mitunter selber zu krankheitswertigen Belastungen werden. Nicht das „Aufdecken von Defiziten“, sondern lebensgeschichtliche Zusammenhänge und die individuellen Verarbeitungsmodi stehen im Fokus tiefenpsychologischer und analytischer Behandlungen. Die Fähigkeit, die eigenen – auch die als krank erlebten und eingestuften – Lösungen als solche zu würdigen, ist basale Voraussetzung zur Überwindung seelisch einengender und selbstschädigender Muster. Es wird ein verzerrtes und entstelltes Bild dargeboten, das heutiger tiefenpsychologischer und psychoanalytischer Arbeit nicht entspricht. Ich finde es sehr bedauerlich, daß Frau Schöps es nicht für nötig erachtet hat – im Dienste professioneller journalistischer Recherche – analytische Fachleute zum Thema Psychoanalyse zu befragen (s. Cbasp), um solche Fehlinformationen zu vermeiden.  – Dipl.-Psych. Gudrun Jährig, Psychoanalytikerin


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Als langjähriger Abonnent der Zeit und langjähriger niedergelassener Psychotherapeut (Tiefenpsychologe und Analytiker) habe ich mir wirklich verwundert die Augen gerieben, als ich den Artikel „Wenn die Seele Hilfe braucht“ vorhin las. Frau Corinna Schöps hat mit mindestens einem blinden Auge recherchiert. Sie hat zum Beispiel ausschließlich bei verhaltenstherapeutisch orientierten Ärzten, Forschern und Therapeuten recherchiert und im Gespräch mit denen, die ungefähr 50 % der Therapielandschaft (was Therapiemethoden und Anzahl der ambulanten Therapien betrifft) vertreten, natürlich völlig einseitige Ergebnisse erhalten und leider auch publiziert. Die anderen 50% sind tiefenpsychologische und analytische Therapien. Hätte Frau Schöps zum Beispiel mit Herrn Leichsenring gesprochen, einem tiefenpsychologischen Forscher, der weltweit sehr viele Studien zu Therapiemethoden und Therapieergebnissen untersucht hat, dann hätte sie gehört und erfahren, daß tiefenpsychologische Methoden den verhaltenstherapeutisch-kognitiven Methoden zumindest gleichwertig, in manchen Bereichen sogar überlegen sind (was Therapieerfolge betrifft). Solcherlei Einseitigkeiten bin ich von der Zeit nicht gewohnt und darüber bin ich auch enttäuscht!  – Dipl.-Psych. Erich Limmer


Leserbrief zu „“American Angst““ von Bernd Ulrich

Dass westliche Demokratien aktuell gefährdet sind, darin stimme ich Ihnen vollumfänglich zu. Die Wortwahl „von der Krankheit des Autoritarismus befallen“ zeugt allerdings meiner Ansicht nach davon, dass Ursach und Verantwortung am falschen Fleck gesucht werden. Diese Gefährdung ist auch das Resultat der nationalen und internationalen Regularien. Natürlich hat die Gesellschaft wie seit jeher denn Auftrag, die Werte, nach denen sie leben will, auch außerhalb der Gesetzgebung und behördlicher Verordnungen zu suchen und zu diskutieren. Aber wenn die Bevölkerung zu einem relevanten Anteil keinen Niederschlag ihrer Bemühungen mehr in den vereinbarten Regularien sieht, dann liegt ihre Unzufriedenheit auch in der Verantwortung der Regierenden. Viele große und grundsätzliche Fragen werden zudem nicht öffentlich diskutiert, vielleicht weil sie „zu groß für die nächsten 5 Jahre“ erscheinen. Das beunruhigt nicht nur mich.  Die AfD und Herr Trump sind kein Symptom einer fremdverursachten Erkrankung sondern zu einem großen Teil Folge der nationalen und internationalen Regularien. Die Regierenden müssen nicht nur „heldenhaft retten“, sondern auch die Ursachen bei sich selbst suchen. – Christian Voll


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Schade, dass der Artikel über die Wirkung von Psychotherapie so einseitig ausfällt und lediglich verhaltenstherapeutisch ausgerichtete Kollegen und biologistisch orientierte Forscher zu Wort kommen. Hätte man auch einen Vertreter der kritisch beäugten Langzeitverfahren – sprich der analytischen Psychotherapie – zu Wort kommen lassen, so hätte dieser die Möglichkeit gehabt, z.B. auf die Münchner Psychotherapiestudie zu Depressionen hinweisen zu können. Deren Ergebnisse sind nämlich dahingehend zu verstehen, dass bei kürzeren Therapien (kognitive Verhaltenstherapie) am Ende der Therapie weiterhin 47% der Patienten die Kriterien einer Depression aufweisen, während dies bei einer analytischen Langzeittherapie lediglich 9% sind. Auch 1 Jahr nach Behandlungende zeigen in dieser Studie 58% der kognitiv verhaltenstherapeutisch behandelten Patienten wieder Kriterien für eine depressive Störung, während nur 11% der analytisch behandelten Pat. wieder Kriterien für eine Depression zeigen. Ich finde es sehr bedauerlich, dass der von Habermas bereits vor 50 Jahren beschriebene Zusammenhang zwischen Erkenntnis und Interesse in dem Schwerpunkt „Was bringt Psychotherapie“ nicht hinreichend reflektiert wurde.  – Dr. Michael Krug


Leserbrief zu „Wellen der Zuversicht“ von Hanno Rauterberg

Am 20. Juni 2016 (da begann der Karten-Vorverkauf der Elbphilharmonie) habe ich für ein Konzert im März 2017 die gewünschten Karten bekommen und auch die Reservierung für die Übernachtung klappte. Wir freuen uns sehr. An diesen zwei Tagen  werden wir die Elbphilharmonie von innen und außen kennen lernen und ein Konzert genießen..  Königin Silvia von Schweden hat die Elbphilharmonie bei ihrem kürzlichen Besuch als „Juwel“ bezeichnet und das stimmt genau. Hamburg und ganz Deutschland können sich über dies gelungene Bauwerk freuen.  Das nachstehende Bild zeigt kein Juwel, sondern ’nur‘ einen Bergkristall, den ich vor vielen Jahren in Österreich geschenkt bekommen habe. Mit ein wenig Phantasie kann man dabei aber auch (von der Elbe aus betrachtet) die Konturen der Elbphilharmonie sehen.  Herzlichen Glückwunsch aus dem Taunus nach Hamburg!  – Andreas Tiefensee


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Die Autorin Corinna Schöps, Achtsamkeitslehrerin, hat sich aufgemacht, „mit Mythen über Psychotherapie aufzuräumen“ und Psychotherapieprozesse zu „entmystifizieren“. Dabei unterliegt sie leider selber erneuter Mythenbildung bzw. –perpetuierung, besonders bezüglich der Psychoanalyse. Völlig unkritisch und undifferenziert stellt sie “unschlagbare“, „beste Studienergebnisse“ der Verhaltentherapie „keinen guten Nachweisen… für die Wirksamkeit der Psychoanalyse“ gegenüber. Abgesehen davon dass seit Jahrzehnten hunderte von Einzelfallstudien die Wirksamkeit der Psychoanalyse belegen, werden seit vielen Jahren evidenzbasierte Studien z.B. zur psychoanalytischen Behandlung der Depression z.B. von der Frankfurter Psychoanalytikerin Marianne Leuzinger-Bohleber und ihrer Forschungsgruppe vorgelegt.

Das von der Autorin gezeichnete Zerrbild der Psychoanalyse sieht etwa folgendermaßen aus: Der Psychoanalytiker (Psychoanalytikerinnen gibt es für die Autorin offenbar nicht) „sitzt auf seinem hohen Ross“, ist freundlich, „Hauptsache die Chemie stimmt“, aber „hört bloß aufmerksam zu“ (nur ein „Placeboeffekt“), „gibt nichts von sich preis“, die negative Nebenwirkung: „Abhängigkeit“, „manche schaden ihren Patienten sogar“. Die Psychoanalyse „konzentriert sich auf die Dynamik zwischen Persönlichkeit und früher Kindheit“, sei ein „längliches Monologisieren“. Fazit: „Kein Patient muss unbedingt 300 Stunden auf die Couch“, hier werden „Ressourcen vergeudet“. „Unwirksame Therapien.. sind Betrug“.

Dann widerspricht die Autorin ihrer eigenen Hypothese, es sein ein Mythos, dass „schlimme Erfahrungen aus der Kindheit… seelischen Leiden zugrunde liegen“, „Seit längerem weiß man, dass sich schwere traumatische Erfahrungen aus der Kindheit in den Körperzellen und bestimmten Gehirnregionen manifestieren und regelrecht einbetten“. Ja, was denn nun?

Die Arbeit mit und an dem Unbewussten ist in der Tat ein Alleinstellungsmerkmal psychoanalytischer Therapien. Das Unbewusste kommt im ganzen Text 1 Mal vor, und zwar negativ: aufdeckende Psychotherapie labilisiere die Patienten statt sie zu stabilisieren, statt ihre „Kompetenzen“ und „Ressourcen zu aktivieren“.

Psychoanalyse ist ein differenziertes psychotherapeutisches Verfahren, das neben der 4stündi­gen Arbeit auf der Couch, viele niederfrequentere Therapien im Gegenübersitzen und Gruppentherapien, alles mit unterschiedlichsten Längen, umfasst. In meiner nunmehr 40jährigen beruflichen Erfahrungen als Psychoanalytiker habe ich mich ständig (fast bevorzugt) mit „schwereren Störungen“, „Borderline-Störun­gen“ und Traumaopfern, die nach Ansicht der Autorin bei Psychoanalytikern nicht unterkommen, befasst. Sie alle bedürfen tatsächlich langer Behandlungen. Über Jahre verdrängte Traumaerfahrungen können erst „auf den Tisch“, wenn in der therapeutischen Beziehung (unausweichliche Abhängigkeit) im Patienten eine hinreichende Sicherheit entwickelt worden ist, dass eine Konfrontation damit seelisch zu überleben ist. – Thomas Auchter


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Gratuliere zu diesem äußerst differenzierten Artikel, der Wohl und Wehe der Psychotherapie genau beschreibt und auch die Neurobiologie und -pharmakologie adäquat widergibt. Ihr Artikel hebt sich so wohltuend von früheren Artikel in „Die Zeit“ ab, die meist Klische bedienten (Stichwort: Psychopharmaka helfen doch eh nicht, etc.).

Schmunzeln mußte ich nur bei zwei Teststellen. Nicht Alles Neue und Gute kommt immer aus Amerika. D.h. „Cbasp“ wenden wir, von Ihnen sogenannten „begabten Therapeuten“ schon lange an. Und auch nicht zufällig, so aus dem Bauch raus, sondern methodisch und pragmatisch (das Wort mag ich lieber als „eklektisch“, eklektisch klingt sehr nach „Beliebigkeit“).

Schon seit ca. 25 Jahren ist es Pflicht in der Facharztausbildung zum Psychiater und Psychotherapeuten ein umfangreiches psychotherapeutisches Hauptverfahren und ein ebenfalls rumfangreiches Zweitverfahren zu erlernen. Auch meine persönliche Analyse hatte ich, und das ist  schon einige Jahrzehnte her, bei einem Jungianer absolviert, der eine ganze Reihe von verhaltenstherapeutischer und „achtsamkeitsbasierter“ Tools in die Analyse einfließen ließ.

Wir schauen also schon eine ganze Zeitlang über den Tellerrand hinaus.

Es gibt sie zwar noch, die Verfechter der „reinen“ Lehre, egal ob VTler oder Analytiker, aber es werden weniger.

Sehr wichtig für den interessierten Leser fand ich den HInweise des Kollegen Bohus, nach spätestens drei Monaten muss der Patient eine Verbesserung seines Gesundheitszustandes feststellen können. Das gilt in der psychiatrisch/psychtherapeutische Therapie genauso wie in der somatischen. Das vermittle ich meinen Patienten auch schon seit Jahren.

Wie oft erlebe ich Patienten, die eine Therapien, z.T. über Jahre hinter sich gebracht hatten und bestenfalls konstatieren konnten,: Ja, der Therapeut hat mir halt freundlich zugehört und als die Sitzungsobergrenze erreicht war empfohlen, die Therapieart zu wechseln, deswegen bin ich jetzt zu Ihnen gekommen… Also, ein gelungener Artikel – Dr. med. Th. Lukowski, FA Psychiatrie und Psychotherapie


Leserbrief zu „Der Untergang der Fakten “ von Eva Bucher

Die Antworten der 10 Professoren sind einseitig. Mathematiker, Natur- und Technikwissenschaftler fehlen. Ein Klimaforscher und ein Geowissenschaftler äußern sich zum Klimawandel. Wegen dessen hochkomplexen Zusammenhängen ist die Faktenlage äußerst schwierig zu bewerten, nicht nur von den Fachfremden, auch von den Wissenschaftlern selbst, die heute zwangsläufig auf Teilaspekte spezialisiert sind. Die Einseitigkeiten „Klima ändert sich schon immer“ und „der Mensch ist (allein) Schuld am Klimawandel“ sind oft zu hören. Ein ernsthafte Untersuchung und Darstellung, wie groß der Anteil von natürlichen und menschengemachten Ursachen auf den aktuellen Klimawandel sind, findet kaum statt. Zwei weitere Professoren mokieren sich über „Lügenpresse“. Dazu ein konkretes Beispiel aus dem vielgescholtenen Dresden: Am Tag der deutschen Einheit pöbelten Rechtsradikale einigen Spitzenpolitiker an. Das wurde von der Mahrzahl der medien unverhältnismäßig aufgebauscht. Zur gleichen Zeit warfen linksradikale Demonstranten Steine und Flaschen. Darüber habe ich eine Woche später aus veröffentlichten Leserbriefen erfahren, die sich auf ein veröffentlichtes Interview mit einem hochrangigen Polizisten beriefen. Anstelle des Rufes „ihr überwiegend einseitig orientierten Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehanstalten“ haben die Demonstranten ein sicherlich etwas überspitztes, dafür aber kürzeres und prägnanteres Wort. Dadurch wird niemand körperlich gefährdet, was bei fliegenden Steinen und Flaschen aber der Fall ist, auch wenn sie medial überwiegend unter den Tisch gekehrt wurden. – Günther Hackel


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Ihr Artikel über die Wirksamkeit der Psychotherapie in der letzten Ausgabe hat mich sehr überrascht und verärgert, da ich als regelmäßige Leserin der ZEIT derartige Widersprüchlichkeiten und auch gefährliche Verallgemeinerungen in Ihren Artikeln bisher nicht bemerken konnte.

Mein Eindruck war, dass Vertreter der Krankenkassen daran mitgewirkt hatten, die seit Jahren auf verkürzte Therapien drängen und damit ausschließlich auf Kostensenkungen. Unsere heutige Gesellschaft, die stark auf Effizienz und Leistung ausgerichtet ist, ruft doch gerade auch massive psychische Erkrankungen, wie Ängste und Depressionen hervorruft und das auch schon bei Kindern und Jugendlichen. Nun soll auch noch eine Psychotherapie in kürzester Zeit und damit kostengünstig reparieren.

Sie schreiben zu Recht, dass es unterschiedliche Schweregrade des seelischen Leidens gibt und Patienten unterschiedlich auf Therapien reagieren, gleichzeitig fordern Sie aber einen Behandlungsrahmen, der den Menschen wie einen Maschine betrachtet. Das gipfelt in der unsinnigen Aussage des Psychiaters Bohus, dass eine Therapie unwirksam sei, wenn sie nicht nach 3 Monaten eine deutliche Besserung zeigt. An dieser Stelle hätte ich mir nun doch ein kritisches Hinterfragen gewünscht.

Ich gehe davon aus, dass viele Leserbriefe dazu an die Redaktion gerichtet werden, so dass in einer Folgeausgabe auf dieses Thema von seriösen Experten aller therapeutischen Ausrichtungen noch mal eingegangen werden sollte. – Brigitte Koukal, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin


Leserbrief zu „“American Angst““ von Bernd Ulrich

Nachdem ich so viel nörgele in letzter Zeit möchte ich noch sagen, dass mir dieser Artikel insgesamt sehr gut gefallen hat, weil er in manchmal erfrischend salopper Sprache vieles auf den Punkt bringt. –

Christian Voll


Leserbrief zu „Wohin soll das führen“ von Fabian Klask

Mit Befremden nehme ich zur Kenntnis, dass in dem Artikel „Wohin soll das führen“ (DIE ZEIT, Nr. 46) mit Blick auf Russland das Agieren Herrn Steinmeiers, der mir als einer im Vergleich weisesten Politiker vorkommt, die wir haben, mehr oder weniger als Resultat parteipolitischen Kalküls abgetan wird. Der Wunsch, Spannungen abzubauen, wird dabei durchgängig mit leicht süffisantem Tonfall dargestellt. Ist es nicht vorstellbar, dass sich unser Außenminister seiner Verantwortung –  und seiner Möglichkeiten, Einfluss auszuüben – bewusst ist und entsprechend handelt, auch wenn er dafür Kritik einstecken muss?

Im vorliegenden Artikel wird darüber hinaus eine auf viele Menschen zutreffende Nähe zwischen dem Phänomen des Antiamerikanismus, dem Gedankengut der Parteien am rechten und linken Rand und der Entschlossenheit, mit Moskau im Gespräch zu bleiben, suggeriert, als handele es sich hier um die Überzeugungen politisch Verblenderter. Das ist deutlich zu kurz gegriffen

Grundsätzlich erscheint es mir notwendig, dass eine Zeitung vom Format der ZEIT die Vielschichtigkeit des Themas Russland nicht aus den Augen verliert und auf eine plakative Herangehensweise verzichtet. Natürlich wird der vom Autor gewünschte Effekt erreicht, wenn man jetzt schon auf die künftigen „düsteren Überraschungen und neue Eskalationsformen“ des russischen Präsidenten, der „unverdrossen“ Zivilisten bombardieren lässt, hinweist, doch sind, wie ich meine, kritische Einlassungen – deren Berechtigung ja nicht zu leugnen ist – nur dann wirklich überzeugend, wenn für das Verständnis wesentliche Teile des Bildes nicht ausgeblendet werden. Im vorliegenden Fall muss man meiner Überzeugung nach hinsichtlich der Frage, wer, wen, warum unterstützt (und wie es beide Seiten mit den Zivilisten halten) sehr genau hinschauen, und Lösungen in der Ostukraine sind nur dann möglich, wenn man die dortigen demographischen Verhältnisse nicht außer Acht lässt. Ich glaube, kluge Politiker wissen das – Robert Hartung


Leserbrief zu „“American Angst““ von Bernd Ulrich

Ein Problem Amerikas ist, das man dort sich selber gegenüber nicht ehrlich ist. Und die anderen ihnen gegenüber auch nicht.

Das die Amerikaner die Welt und uns vom Nationalsozialismus befreit haben unter großem Einsatz und mit hohen Verlusten, dafür gebührt ihnen ewig Dank. Das ist keine Frage. Wenn Sie, H.Ulrich, aber schreiben, die Amerikaner hätten die Welt schon zweimal vor den Deutschen gerettet, dann stimmt das nicht.  Spätestens seit Christopher Clark sollte doch bekannt sein, das der 1. Weltkrieg von Frankreich langfristig vorbereitet worden ist. (der Pakt zwischen Paris und St.Petersburg gegen Deutschland wurde 1894 geschlossen). Und ganz Europa ( Frankreich, England, Russland, Serbien, Italien), hat, jeweils aus unterschiedlichen Motiven heraus, mitgemacht. Und zum Schluss auch noch die USA. Ohne diesen Krieg und die Maßnahmen Frankreichs nach dem Sieg hätte es den Nationalsozialismus und den 2.Weltkrieg überhaupt nicht gegeben. Der Faschismus und Kommunismus ( Hitler, Mussolini, Franko und Stalin  ) waren das Ergebnis des 1. Weltkrieges, den Frankreich als Revanche für den verlorenen Krieg 1871 führen wollte und auch hat. So betrachtet sind die USA, die Frankreich den Sieg ermöglicht haben, mitschuldig an der späteren Entwicklung.

Die USA sind ein Land, das aufgrund seiner Mittel und Möglichkeiten überall Einfluss nehmen will und auch kann, das sich für andere Kulturen aber leider nicht interessiert. In ganz Südamerika haben sie sich ziemlich unbeliebt gemacht. Im Iran haben sie einen demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Mossadegh abgesetzt und den Schah als Diktator eingesetzt. Das Ergebnis ist, das seitdem überall der islamische Widerstand aus den Moscheen kommt. Zu Vietnam brauche ich nicht viel erzählen. Die Katstrophe ist abgelaufen, obwohl Ho Chi Minh eigentlich ein Freund Amerikas war, sein Pech war, er war Kommunist. Afghanistan, Irak, überall ist die Weltmacht völlig unsensibel aufgetreten. In Afghanistan haben sie sogar uns erfolgreich mithinein gezogen. Ohne den Einmarsch im Irak (durch die USA und England) hätten wir heute in Syrien eine andere Situation und wohl auch kein Flüchtlingsproblem. Gegenüber der Sowjetunion waren die USA erfolgreich, es war aber ein Spiel mit hohem Risiko. Und nach dem Erfolg hat man Russland verkommen lassen mit dem Ergebnis, das das wir es heute in Russland mit Kräften zu tun haben, die das Rad zurückdrehen wollen.

Und auch in der Zukunft wird sich wahrscheinlich nicht viel zum Besseren ändern. Trump hat mit keiner Silbe erkennen lassen, das er über diplomatisches Geschick verfüge, und auch Hillary Clinton hat solches in der Vergangenheit nicht erkennen lassen. Das vordringliche Problem der USA heute ist, die eigene Bevölkerung wieder am Wohlstand teilhaben zu lassen. Die eigene Mittelschicht hatte man vergessen. Der Fehler  in der Vergangenheit war, man hatte alles nur unter dem Aspekt von Macht und Einfluss im Ausland betrachtet. Es ging niemals um Gerechtigkeit. Bisher haben nur die Anderen gelitten, inzwischen wurde aber offensichtlich, das große Teile der eigenen Bevölkerung das Vertrauen in das eigene Establishment verloren haben.

Wenn man uns entsprechend den Taten des NS-Staates betrachtet, müssen wir das aushalten. (wobei diese Verbrechen schon mehr als genug sind) Wenn man uns aber für alles Unglück dieser Welt verantwortlich macht, dann ist das teilweise falsch und hilft auch nicht weiter. Die eigentlich Verantwortlichen werden dann wahrscheinlich nicht benannt. Und es kommt zu falschen Rückschlüssen.

So äußert Martin Amis in der  “Zeit”, weil Deutschland 2 mal die Welt in Brand gesteckt hätte, könnte man Deutschland eigentlich aus dem Kreis der Völker ausschließen. Er hat wohl übersehen, das sein Außenminister Earl Grey sich gegenüber Paris verbürgt hatte, das England 1914 in den Krieg eintritt. Und nur mit dieser Zusicherung wollte Frankreich den Schritt wagen.

Und Eugenio Scalfari fordert in der Zeit, weil Deutschland für alle Kriege im 20.Jahrhundert verantwortlich wäre, müsste es heute die Schulden Italiens übernehmen. Er hatte wohl übersehen, das Italien bewusst in den Krieg 1915 und in den von 1939 eingetreten ist mit dem Ziel, zusätzliche Gebiete zu rauben um sie Italien einzuverleiben. (1915 sogar mit Erfolg)

Es gibt keine Ehrlichkeit. Die Bürger werden überall manipuliert. Und wenn man Kritik äußert, wird einem gleich Antiamerikanismus unterstellt. Deshalb wird das Spiel mit der Ungerechtigkeit immer weiter gehen. Probleme werden nicht gelöst. Bei falsch dargestellten Gegebenheiten ist die Antwort oder Reaktion höchstwahrscheinlich  falsch.

Die Situation der USA ist eigentlich tragisch. Aufgrund ihrer 200 jährigen Geschichte, hatten sie den Ruf, der Hort der Freiheit und Demokratie zu sein. Sie würden eigentlich überall nur offene Türen einrennen müssen. Ihr Machtanspruch militärisch und wirtschaftlich ohne Rücksicht auf andere Kulturen hat dem Bild leider starke Risse zugefügt. Obama war der erste Präsident, der versucht hat, an diesem Eindruck etwas zu ändern. – Reiner Püschel


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Sehr schön, dass Sie versuchen, das Dickicht in und um Psychotherapie zu beleuchten. Leider ziehen Sie im nächsten Schritt wieder scheinbar einfache und übersichtliche Lösungen aus der Tasche. Erst wird – zu Recht – verdeutlicht, dass Therapie schwierig ist, nicht alle Therapien und Therapeuten gleich gut sind, und unterschiedliche Störungen unterschiedliche Herangehensweisen erfordern. Doch dann wird wieder vereinfacht: Angststörungen brauchen eine VT, Depressionen Interpersonale Therapie, und für chronische Depressionen wird ein Therapieverfahren aus den USA genannt. Analyse sei leider gar nicht belegt, die tiefenpsychologisch fundierte Therapie etwas besser. Es wäre schön, wenn es so übersichtlich wäre.

Ja, Kassentherapie ist kein Gütesiegel, „kassenzugelassen“ hießt nicht „qualitätsgeprüft“.  Im Gegenteil, Psychotherapie als Teil des Kassensystems und Therapieausbildung unter staatlicher Aufsicht führt immer wieder auch zu vorauseilender Orientierung an vermeintlichen Standards und legt Patienten nahe, ihrem Psychotherapeuten ungeprüft viel Spielraum zuzugestehen.  Auch fördert das Kassensystem die vorhandenen Verfahren und stellt hohe Hürden für die Anerkennung neuer Verfahren auf. Aber die Idee, dass es für bestimmte Störungen einzelne Verfahren gibt, die immer helfen, verstellt den Blick auf das komplexe Geschehen zwischen Therapeut und Patient. Patienten sollten ermutigt werden  hinzuschauen, zu prüfen und etwas Gutes für sich zu wollen. Wen habe ich vor mir? Was gibt er mir? Hilft es mir? Diese Fragen gehören in eine Therapie.

Und um solchen Fragen standhalten zu können, reicht es auf Therapeutenseite nicht, sich nur auf ein Verfahren zu stützen. Es gibt vielfältige Lösungsansätze, aber vor allem braucht es Mut, sich auf sein Gegenüber einzulassen, sich selber zur Debatte zu stellen und auch Grenzen zu benennen.  Erfahrung ist hilfreich, aber ich muss nicht alles können. Wünsche nach schneller Heilung, sind selten zu erfüllen, langjähriges Leid, kann selten in kurzer Zeit beseitigt werden. Diese Fragen genau zu klären und zu benennen, schafft den Rahmen für eine gute therapeutische Arbeit.

Einen leichten Geschmack hinterlässt, dass eine Therapeutin außerhalb des Kassensystems die Kassentherapeuten kritisiert, um als Lösung einzelne, teils nicht zugelassene Therapieverfahren anzubieten. Ja, ohne Kassenzulassung muss man sein Angebot im Markt behaupten und steht stärker als Kassentherapeuten in der Prüfung. Wenn es hilft, kritisch zu bleiben, gut so! Wenn es dazu führt, die eigene Leistung als die Beste und als mühelos  erreichbar zu verkaufen, führt es mitunter zu Enttäuschungen und Nachfolgebehandlung bei Kassenpsychotherapeuten. Ich hätte mir gewünscht, dass bei einem so umfangreichen Bericht auch die größte Gruppe der Behandler, die Kassenpsychotherapeuten, zu Wort kommen.

Als niedergelassene Psychotherapeutin mit fast zwanzigjähriger Berufserfahrung weiß ich, dass viele Psychotherapeuten, kassenzugelassene und nicht kassenzugelassene und in verschiedenen Methoden ursprünglich ausgebildet, sich redlich und intensiv um ihre Patienten bemühen. Häufig sind dies Menschen mit schweren Lebensgeschichten und traumatisierenden Erfahrungen und leider braucht es hier auch immer wieder lange „Lern- und Übezeiten“, wie in Ihrem Artikel beschrieben. Wenn bei der Narrativen Expositionstherapie auf der eigenen Lebenslinie ganz überwiegend negative Erlebnisse stehen, braucht es mehr als nur eine Methode. Es braucht den ganzen Therapeuten, um trotz dieser Erfahrungen den Blick zu öffnen für verborgene positive Erlebnisse und es braucht Mut und Kraft, um den Wunsch zu wecken, sich ernsthaft um solch positive Erlebnisse zu bemühen. – PP P. Dziubek (VT, TP)


Leserbrief zu „Achtung, Umarmung!“ von Evelyn Finger

Dass Martin Junge vom Lutherischen Weltbund auf Castellano  (=südamerikanisches Spanisch ) predigte, kann kein „sanfter Wink“in Sachen Weltkirche gewesen sein. Martin ist Chileno (okay, Deutsch-Chilene), und er ist dem Papst schon lange zuvor mal begegnet. Sie kannten sich und ich deute die Predigt auf Castellano eher als „wir sind alte Kumpel vom selben Kontinent“ , also als Freundschaft. Sie, Frau Finger konnten den Zusammenhang nicht wissen; doch der „sanfte Wink“ ist mir zu spekulativ. Und ich weiß es nur, weil Martin an der Deutschen Schule in Concepción /Chile mein Klassenkamerad war.  – Sabine Wilms


Leserbrief zu „Der Untergang der Fakten “ von Eva Bucher

Der ansonsten verdienstvolle Artikel liefert gleich selbst ein Beispiel für den Untergang der Fakten:

Eingangs wird mitgeteilt: „Zehn Wissenschaftler haben uns geantwortet…“ Am Ende, „Hinter der Geschichte“, steht dann: „Für diesen Text schrieb Eva Buchter rund 40 Professorinnen und Professoren an, etwa zwei Drittel haben ihr geantwortet.“ Das wären dann nicht zehn, sondern etwa fünfundzwanzig.

Woran liegt das? Vielleicht an dem gleichen Grund, dem z. B. Samsung sein Smartphone-Desaster zu verdanken hat: Die Schnelligkeit des (auch des journalistischen) Geschäfts geht vor seine Sorgfalt.

Oder anders gesagt: Der Zwang des Faktischen ist sein Untergang – zumindest potentiell. – Hans-Jürgen Tlusty


Leserbrief zu „Der Untergang der Fakten “ von Eva Bucher

Lohnlücke zwischen Männern und Frauen beträgt 20% – Wer in unserem demokratischen Land denkt, dass es sich hierbei um Lohnunterschiede in tariflich ausgehandelten Lohnbereichen handelt? Das wäre wohl verfassungswiedrig!

Aber es ist wohl eine Tatsache, dass typische Frauenberufe mit einem niedrigeren Stundenlohn einhergehen? Das ist der eine kritische Punkt für die immer noch bestehende und weiterhinzu bekämpfende Benachteiligung der Frauen. Frauen und Männer sind unterschiedlich und werden es immer bleiben, aber dass unsere moderen Gesellschaft frauentypische Berufe immer noch weniger achtet ist ein Skandal!

Und der zweite Skandal besteht doch wohl in den Gehaltsunterschieden von Managern und Managerinnen der höheren Gehaltsklassen, die selbst verhandelt werden. Einerseits kann man sagen Frauen fordern eben von sich aus nicht so hohe Gehälter ein, was bestimmt richtig ist. Andererseits sind ja gerade die Auswüchse von hohen Manager Bonnie, … zum Teil wirklich kritisch zu bewerten und man könnte sich fragen, ob der Weg der Frauen in höheren Gehaltsklassen nicht gesellschaftlich der Akzeptablere ist und politisch unterstützt werden sollte.

Und der dritte Knackpunkt ist die immer noch bestehende höhere Belastung durch Familienarbeit der Frauen, die sich durch häufige Teilzeitarbeit von Frauen bemerkbar macht, zu schlechteren Karrierechancen führt und auch ein gewisses Rentenloch hinterlässt. Auch hier ist dringend eine Weiterentwicklung der gesellschaftlichen Standards notwendig, um endlich mit der Benachteiligung der Frauen aufzuräumen.

Ich finde es sehr enttäuschend, dass Sie in Ihrer Position sich auf die banale Behauptung zurückziehen, dass es bei tariflichen Löhnen keinen Geschlechterunterschied gibt. Wen interessiert das wirklich?!! Es wäre doch sehr hilfreich, wenn Sie sich in Ihrer Position mehr ich bin der gesellschaftlichen Fortentwicklung stellen würden und etwas progressivere Ansichten vertreten würden und eben den Fokus auf die nach wie vor bestehenden deutlichen Gehaltnachteilen der Frauen legen – die Sie ja nicht bestreiten? Für die Frauen dieser Welt! – Dr. Susanne Koch


Leserbrief zu „Sex nach Lehrbuch“ von Jörg Lau

Vielen Dank für Ihren Artikel, insbesondere den letzten Absatz, der den Nagel auf den Kopf trifft. Gestatten Sie mir eine Anmerkung:

Es scheint, Sie betrachteten die Nichtheterosexualität als eine Lebensweise. Das ist irreführend, finde ich, denn eine Lebensweise sucht man sich selbst aus, die sexuelle Identität hingegen sucht man sich nicht aus, die wird einem mitgegeben. Das ist genau wie mit der Hautfarbe. Sie fänden es sicher nicht in Ordnung, wenn Kinder ihren dunkelhäutigen Mitschüler „mürrisch hinnehmen“ und der Lehrer nicht einschreitet, denn genau dieses Nichtthematisieren einer mürrischen Haltung gegenüber Nichtweißen befeuert den Rassismus. Genauso verhält es sich mit dem schwulen Mitschüler und der Homophobie. – Johannes Koch


Leserbrief zu „“American Angst““ von Bernd Ulrich

Zunächst Bernd Ulrich Dank für eine ausführliche und interessante Analyse der USA vor den Wahlen. Man muss ihr –  leider – weitgehend zustimmen. Ob es aber im Jahr 2016 noch zutrifft, dass die Deutschen sich kontinuierlich ihrer Vergangenheit schämen und die Amerikaner stolz sind auf ihr gotterwähltes Land darf mit Fug angezweifelt werden: Weder die jungen Leute bei uns (ganz zu schweigen von den Zuwanderern), noch die Millionen notleidender Amerikaner sind unter derlei Kategorisierung zu fassen; es sind die politische Klassen hier wie dort, die aus außenpolitischen Erwägungen die Erinnerung an die Nazizeit wachhalten bzw. aus wahltaktischen den amerikanischen Traum beschwören.

Der Amerikanische Traum vom Glück eines jeden, der arbeiten wollte und konnte und dadurch auch seine göttliche Wertschätzung erfuhr, war von drei Bedingungen abhängig: genügend Land, das zur Eroberung und Besiedlung zur Verfügung stand, gesteuerte Einwanderung von billigen Arbeitskräften und intellektuellen Vordenkern, und der Vorstellung, dass der amerikanische Kontinent militärisch uneinnehmbar sei.  Die erste Voraussetzung war schon Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nicht mehr gegeben, die letzte verschwand mit den Angriffen auf das World Trade Center und das Pentagon Anfang dieses Jahrhunderts. Der Versuch der USA, das Ende der Landnahme durch Besetzung und Annexion anderer Länder zu kompensieren konnte nur einige Jahrzehnte gelingen.

Die anschließende Politik militärischer Stärke zur Absicherung fremder Rohstoffquellen, der Handelswege und der amerikanischen Investitionen hat nicht nur zur Überdehnung  der Kräfte geführt, sie hat auch der Glaubwürdigkeit amerikanischer Ideale sehr geschadet. Die wichtigeren Ursachen für den amerikanischen Niedergang sind jedoch in der Gesellschaftspolitik zu finden.  Aus eigener Anschauung – ich war zu Zeiten von Bush sen. und Clinton in den USA beschäftigt – ist mir in Erinnerung,  was die Lage in den USA ein wenig  beleuchtet, wenngleich anekdotenhaft: Ein amerikanischer Kollege veräußert sein Haus in Yonkers und kauft ein anderes in Hastings-on-Hudson, weil in seiner Nachbarschaft zunehmend Schwarze einziehen; das schmälert den Wert seiner Immobilie erheblich (subkultane Diskriminierung als Phänomen misslungener Integration). Eine reiche Frau in einem wohlhabenden Stadtteil mit neighborhood watch  ruft die Polizei, als einer meiner Kollegen zu Fuß seinen Heimweg durch besagte Nachbarschaft antritt (Auseinanderdriften zu unterschiedlicher Gesellschaftsschichten). In der Zeitung ist zu lesen, die  Stadtbibliothek wird zum Gefängnis umgebaut (Entsorgen der Entrechteten statt Umsorgen der Benachteiligten).

Der Amerikanische Traum wurde von den schwarzen Sklaven nie geträumt; sie und die vielen billigen Arbeitskräfte, die als Migranten ins Land kamen, schafften Wachstum und Wohlstand für viele. Die gut Ausgebildeten unter ihnen  garantierten darüber hinaus Innovation und Fortschritt. Niemals in all den Jahren profitierten jedoch alle Amerikaner davon. Vielmehr schlossen vor allem die WASPS (White Anglo-Saxon Protestants) daraus, sie seien zu Höherem bestimmt (Protestantische Ethik) und versprachen dem Rest eine bessere Zukunft. Das glauben heute weder die gut Ausgebildeten ohne Arbeit noch die immer schon Benachteiligten mit Arbeit, von der sie nicht leben können.  Mit der Auslagerung von Produktion zunächst nach Europa (Deutschland baute VW-Exports), nach Lateinamerika und Asien, gewannen zwar die reichen Amerikaner zusätzliche Einkommen, die einheimischen Arbeiter aber verloren ihre Existenzgrundlage. Die USA sind also trotz ihrer guten Ausgangslage heute ein Land wie viele andere. Das sollten die Eliten nicht länger verschweigen.

Für Deutschland, das eine ähnliche, wenngleich sozialere Wirtschaftspolitik betreibt, kann das nicht bedeuten,  eine größere (militärische) Führungsrolle zu übernehmen, auch wenn es zurzeit durch günstige Umstände (geringe Lohnkosten, Exportüberschüsse) beträchtliche Gewinne erwirtschaftet. Wir sollten nicht die amerikanischen Fehler wiederholen. Wir sind schon in mindestens 16 Ländern mit der Bundeswehr engagiert, um den freien Warenverkehr und westliche Investitionen  zu sichern. Globalisierung heißt auch, dass andere Völker erwachsen geworden sind und nicht länger ausgebeutet, benachteiligt oder gar unterdrückt werden wollen.  Wir können unseren Wohlstand nicht militärisch verteidigen, wir müssen teilen lernen.

Auch Deutschland sollte nicht in Armeen investieren, sondern in Arme. Wer heute noch von der Größe Amerikas träumt oder, wie bei uns, die Menschen mit „Uns geht es doch so gut“ vertröstet, nimmt die Wähler nicht ernst. Weil diese erkennen, dass Anspruch und Wirklichkeit auseinander- klaffen, verspüren sie, wie unterstellt, nicht Angst, sondern reale Furcht vor den Folgen falscher Politik, die nur dem Jetzt, und nicht der Zukunft verpflichtet zu sein scheint. Die Menschen werden aufsässig. Und das haben die Systemgewinnler am meisten zu fürchten.  – Johannes Kettlack


Leserbrief zu „ICH“ von Moritz Müller-Wirth und Heinrich Wefing

Ich habe kürzlich das Buch „Zensur 4.0“ von Martin Orack gelesen. Ich könnte mir vorstellen, dass es Sie interessiert, und Sie hiermit darauf hinweisen, denn ich sehe verblüffende Übereinstimmungen in der Darstellung und Einschätzung der Problematik. – Bernd Grothkopp


Leserbrief zu „ICH“ von Moritz Müller-Wirth und Heinrich Wefing

Wegen Artikeln dieser Güte habe ich die „Zeit“ abonniert. Hier geht’s um die Werkzeuge, die an uns arbeiten, denen wir uns in gewisser Weise freiwillig präsentieren, oft ohne zu ahnen, in welchem Ausmaß wir uns der Manipulation aussetzen. Dieser rechnerisch-kühlen Rafinesse ist der Einzelne nicht gewachsen. – Christian Voll


Leserbrief zu „Der Untergang der Fakten “ von Eva Bucher

Der Ausdruck „postfaktisches Zeitalter“ ist  mißverständlich:  Zu allen Zeiten waren Mehrheiten des Volkes geglaubte Wahrheiten wichtiger als Fakten. Der katholischen Kirche und der Mehrheit der Gläubigen war das geozentrische Weltbild lange Zeit wichtiger als die von Galilei nachgewiesenen Fakten. Hitler und die Nazis freuten sich über den Reichstagsbrand, an dem „selbstverständlich“ die Kommunisten schuld waren, wie dann die Mehrheit glaubte: ein „guter“ Anlaß, angeblich Schuldige zu verhaften, ins KZ zu bringen und Reste von Demokratie abzubauen. Erdogan freute sich über den Putsch, an dem für die Mehrheit „selbstverständlich“ die Gülenbewegung Schuld trug: ein willkommener Anlaß, tausende von angeblichen Anhängern, Beamten und kritischen Journalisten zu verhaften. Was „Fakt“ ist, wußten auch die Mehrheiten, die in Groß-Britannien  für den Brexit stimmten, und wußten und wissen auch Millionen von US-Amerikanern, die im Wahlkampf Donald Trump’s Erzählungen gläubig folgen, eher als Hillary Clinton oder so genannt seriösen Zeitungen und Medien, die doch nur von Minderheiten zur Kenntnis genommen werden. So verschwinden in fast allen Fällen die Reste einer Demokratie, die einstmals von klugen Minderheiten im Sinne von „checks and balances“, demnach als indirekte und eben nicht(!) plebiszitäre Demokratie ausgebaut wurden. – Dr. Ulrich Merkel


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

In Ihrem Schwerpunkt über Psychotherapie, den ich mit großem Interesse gelesen habe, habe ich schließlich beinahe amüsiert festgestellt, dass Sie bei der Beschreibung, was wirklich hilft, ja die Grundlage der Integrativen Gestalttherapie beschreiben ( in Rollenspielen sich selbst und Menschen in seinem Leben mimen, die Therapeutin begegnet dem Gegenüber auf Augenhöhe, Ressourcenorientierung, üben und experimentieren mit neuen Verhaltensweisen im therapeutischen Rahmen und je nach Erfordernis der Situation eher stützend oder aufdeckend , als lange andauernde Therapie oder, situationsabhängig , als Kurzzeittherapie. Und die von den Verhaltenstherapeuten entdeckte Achtsamkeit ist ohnehin eine Grundsäule der Gestalttherapie).

Dass jetzt Verfahren wissenschaftlich untersucht und evaluiert werden, finde ich sehr wertvoll, da es dazu beiträgt, dass Orientierung und Seriösität in einem wichtigen Gesundheitsberuf gewährleistet wird.

Vielleicht entdecken Sie ja dabei auch in Deutschland, dass es neben den bei Ihnen anerkannten Richtungen ja längst auch welche gibt, die anderswo (wie zB in Österreich) vom Gesundheitsministerium anerkannt sind und auch hinsichtlich Ihrer Wirksamkeit sehr gute Ergebnisse erzielen. – Brigitte Katt, Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision, Integrative Gestalttherapie, Wien/ Österreich


Leserbrief zu „Umbau dringend nötig“ von Harro Albrecht

Wenn Sie in Ihrem Artikel schreiben, dass es in Deutschland zu viele Krankenhäuser gibt, so mag das richtig sein. Wenn Sie für einen gelungenen Umbau jedoch Dänemark anführen, dann ist das einfach unerträglich. Ich möchte Ihnen dazu einen Fall schildern, in DK hat eine Patientin Nierenkrebs, ihr wird im Krankenhaus eine Niere entfernt und am nächsten Tag wird die Patientin nach Hause entlassen. Dort kann sie sich dann selber um entsprechende Hilfe zu bemühen. Ein weiterer Fall aus DK, für eine Hüft-OP besteht eine so lange Wartezeit, dass sich der Patient (zum Glück hat er das entsprechend notwendige Geld) für einen Eingriff in Deutschland entschliesst, da er die Beschwerden nicht mehr ertragen kann. Warum werden nur ständig die nordischen Länder für ein gutes Gesundheitssystem zitiert – aus Schweden könnte ich Ihnen gleich schlimme Fälle schildern – kein wirklicher Kenner der nordischen Länder wird Ihnen zustimmen. Nur in der Presse hält sich hartnäckig die Mär vom ach so tollen Gesundheitssystem dieser Länder. Ich wünsche Ihnen nicht, dort einmal wirklich krank zu sein. – Gudrun Züchner


Leserbrief zu „Der Untergang der Fakten “ von Eva Bucher

Frau Schnabel reduziert Altersarmut auf den Bezug von Grundsicherung, auf die „gerade mal 3%  angewiesen sind“! Diese Formulierung ist eine glänzender Beweis für Faktenfälschung! Wer 1 € mehr als die Grundsicherung hat, ist gemäß Frau Schnabels Ansicht bereits wohlhabend? Arroganter abgehoben hat Frau Oberschicht noch selten faktenfälschend manipuliert!Jochen Blankenburg


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Als Psychologin in Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin (Tiefenpsycholgie und Psychoanalyse) war ich sehr interessiert am o. g. Artikel und bin enttäuscht über die Einseitigkeit des Artikels und der Unvollständigkeit der Recherche zu Studienergebnissen über psychodynamische Verfahren. Es ist schade, denn beide Richtlinienverfahren sind wichtige Bestandteile der psychotherapeutischen Versorgung. Das schließt auch lange Therapien i. R. von Psychoanalysen, aber natürlich auch i. R. von Langzeitzeittherapien der Verhaltenstherapie ein (Ausführliches dazu unten).

Ich finde es äußert bedauerlich, dass der Artikel über so ein wichtiges Thema zu kurz greift, die psychodynamische Therapieseite schwächt und meiner Meinung nach die häufige Fokussierung auf schnelles, effektives Heilen unterstützt, bei der es um zügiges „Wieder-Funktionieren“ geht und dies durch Begriffe  wie „Ressourcen und Kompentenzen“ verschönt wird. Manches muss in einem entschleunigtem Rahmen Platz bekommen, besonders wenn es sich um schwierige, unliebsame Emotionen handelt.

Ich habe den Eindruck, der Artikel ist nicht objektiv, und ich bitte Sie darum, gründlicher zu recherchieren. Der Artikel hinterlässt den Eindruck, kürzere Verfahren seien gut. Das finde ich bedenklich, da Frau Schöps mit 8-wöchigen Verfahren Geld verdient. Das enthält einen Beigeschmack, da eine Anti-PR für Ihre Konkurrenz, die längere Verfahren anbietet, mitschwingt.

Ausführliches:

Es ist richtig, dass es weniger Studien über Langzeittherapien gibt, aber es gibt ausreichende Belege. Beispielsweise fehlt die Information über die Forschung zu sogenannten „sleeper‐effects“ (Bateman und Fonagy 2008). Hier konnte gezeigt werden, wie psychodynamische Therapien verhaltenstherapeutischen Therapien überlegen sein können, wenn man die Entwicklung nach 2 bzw. 5 Jahren betrachtet – wo stärkere Verbesserungen durch psychodynamische Therapien, insbesondere Analysen, nachgewiesen werden konnten, mglw. über die Veränderung der inneren Repräsentanzen von Anderen vermittelt, die i. R. von psychodynamischen Therapien im Fokus stehen.

Ich empfehle zur Recherche die Münchner Psychotherapiestudie (Huber, Klug, 2016) oder die Forschung von Leichsenring und auch den Artikel von Shedler, 2010.

Psychische Erkrankungen können auf Grundlage struktureller Defizite psychischer Funktionen der Persönlichkeit entstehen und in Belastungssituationen zur Dekompensation und zur Symptombildung führen. Die Veränderung dieser Grundlagen und damit die Sicherung einer langfrisitgen Symptomfreiheit braucht Zeit, auch nach einer Stabilisierung, die in einer kürzerern Therapie erreicht werden kann.

Natürlich braucht es dafür auch mehr als eine „einmaige Ergriffenheit“, sondern vielfaches Wiederholen. Das beschrieb auch schon Sigmund Freud (1914) in Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten“. Weitere Ratschläge zur Technik der Psychoanalyse. GW X, 126-136. „Üben“ und „Lernen“ sind keine Begriffe, die der Verhaltenstherapie vorbehalten sind. Psychodynamiker verwenden sie auch, z. B. in Zusammenhängen wie „Durcharbeiten“, „neue Beziehungserfahrungen machen“, „neu inszenieren“.

Die Information über aufdeckende Therapien, die im Zusammenhang mit Nebenwirkung von Psychotherapie auf S. 12 genannt werden, finde ich viel zu kurz gegriffen. Aufdeckende Interventionen sind wichtige, aber dosiert einzusetzende Interventionen. Psychodynamische Psychotherapeuten, die ja mit einem eher „aufdeckendem Verfahren“ arbeiten, lernen wann und bei wem und in welcher Dosis sie einzusetzen sind. Auch Verhaltenstherapeuten arbeiten in einem gewissen Rahmen damit, gerade bei chronisch erkrankten Patienten mit Depressionen, wo die alleinige Ressourcenaktivierung nicht ausreicht.

Cbasp bsplw. bedient sich expliziter psychodynamischer Interventionen, wie die der Übertragungsanalyse. Was sonst wichtiger Bestandteil analytischer Verfahren ist. oder die sogenannte „Stempelarbeit“ bei Verhaltenstherapien arbeitet mit psychodynamischen Konzepten wie Introjekten (internalisierte Meinungen über sich und Andere, die das Erleben und Verhalten ungünsitg beeinlfussen können und zu Symptombildung führen können). – Anna Maria Lorenz


Leserbrief zu “Weisch?” von Thomas Kerstan

In diesem Beitrag wird die „Hypothese“ erwähnt, dass die Ursache der miserablen schulischen Leitungen in Bundesländern wie u.a. NRW an der zu „geringen  Leistungsorientierung“  liegen könne.

Dazu zwei „Anekdoten“ aus meinem Berufsleben in diesem Bundesland.

Vom damaligen Leiter eines sog. Gymnasiums in Hürth wurde die Aussage in einer Konferenz überliefert: Leistung ist für mich ein Schimpfwort! Konsequenterweise betrieb er dann auch meine Entfernung von dieser Schule.

Der Leiter des nächsten „Gymnasiums“ in Bergisch-Gladbach ließ sämtliche von mir erteilten Noten in Mathematik und Physik auf den Zeugnissen löschen, da meine Notengebung nicht zu der „hier üblichen Notengebung“ passe. (Nur ein Kollege wagte zaghaft zu widersprechen; ihm wurde das Wort verboten.) Der Schulleiter war dazu natürlich nicht berechtigt, die Bezirksregierung Köln bezeichnete die Maßnahme in Beantwortung meiner Beschwerde aber als „pädagogisch sinnvolle Maßnahme“.  Beim Kultusministerium wollte man Maßnahmen der BezReg nicht kommentieren.

Konsequenterweise habe ich danach den Schuldienst weit vorzeitig verlassen. – Dr. Rudolf Spiegel


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Schade finde ich, dass auch dieser Artikel in das „Effizienz-Horn“ tutet und wieder einmal die hier öfter erwähnten niedergelassenen Therapeuten selbst zu ihrer Arbeit nicht befragt werden (oder auch Patienten mit positiver Therapieerfahrung bei einem niedergelassenen Therapeuten). Das würde einen solchen Artikel doch endlich einmal etwas runder machen. Ich möchte im Folgenden kurz aus meinem Arbeitsalltag heraus Bezug nehmen zu einigen Thesen, die gerne in Artikeln zum Thema Psychotherapie geschrieben werden, mich jedoch immer wieder verwundern und mittlerweile auch ärgern. Zu meinem Hintergrund: Ich bin seit zwanzig Jahren als psychologische Psychotherapeutin tätig, seit fünfzehn Jahren als Verhaltenstherapeutin niedergelassen und als EMDR-Therapeutin zertifiziert.

Gerne wird behauptet, wir niedergelassenen Psychotherapeuten arbeiteten hauptsächlich mit den „leichten Fällen“. Dazu kann ich nur anführen, dass ich keinen einzigen Kollegen kenne, der so arbeitet. Unsere Arbeit lebt von der Vielfalt, schon allein deshalb wäre es viel zu monoton, z.B. nur „leichte Depressionen“ zu behandeln. Neben der Tatsache, dass Patienten mit „schweren Erkrankungen“ oft einfach ambulant noch nicht therapiefähig sind, ist es uns darüber hinaus einfach nicht möglich, z.B. zu viele der von Ihnen aufgeführten Borderline-Patienten parallel zu behandeln, da schon ein einziger Patient aufgrund erforderlicher Notfalltermine, Kriseninterventionstelefonate auch am Wochenende etc. den privaten Alltag völlig sprengen kann.

Meine Patienten wissen, dass ich in der Krise für Sie ansprechbar bin, meine Notfallhandy gehört für mich zu meinem Job dazu. Gleichzeitig muss ich für mich abwägen, wie viel Krise ich bewältigen kann, um für meinen Job kontinuierlich genügend Energie aufbringen zu können. Denn neben der Anwendung von Methoden innerhalb der Therapiesitzungen lebt die Therapie selbstverständlich auch von der Beziehung zu meinem Patienten. In Ihrem Artikel erwähnen Sie, dass diese bislang überschätzt wurde hinsichtlich des Therapieerfolgs. Neben gegenläufigen Studienergebnissen zeigt meine Erfahrung und die meiner Kollegen ganz einfach: habe ich keine gute Beziehung, werde ich auch keine Erfolge erzielen können. Es geht schließlich um mehr, als um die Anwendung einer Methode, wir sitzen nicht in einem Seminar.

Meine Arbeit wie die meiner Kollegen beruht auf guter Empathiefähigkeit, ich bin Motivator und höre mir tagtäglich Erlebnisse meiner Patienten z.B. hinsichtlich Missbrauch, Gewalterfahrung oder Abwertungserleben an. Dabei bin ich fünfzig Minuten voll konzentriert auf mein Gegenüber und mit Sicherheit sitze ich währenddessen nicht auf einem hohen Ross. Ich mache meinen Job auch nach zwanzig Jahren immer noch wahnsinnig gern, nehme mir jedoch das Recht heraus, mich nicht zu überfordern, um so meine professionelle Distanz und Arbeitsfähigkeit auf Dauer wahren zu können. Daher ist ungefähr die Hälfte meiner Patienten im Bereich der komplexen Traumatisierung, Persönlichkeitsstörung oder Psychosen (wenn man diesen Bereich jetzt mal als den der schweren Erkrankungen bezeichnen möchte)  anzusiedeln, die andere Hälfte im Bereich der Depressionen, Ängste, Zwänge, Essstörungen etc..

Nach welchem Maßstab ist nun letztere Hälfte eigentlich leichter zu behandeln und woher kommt das Gerücht, wir würden gerne „lange“ mit dem jeweiligen Patienten arbeiten? Diese Formulierung impliziert immer so schön, dass die Therapie beendet werden könnte, wir jedoch einfach mal weiter arbeiten. Auch hier kenne ich keinen Therapeuten, der so agiert. Dies wäre unprofessionell, zudem inhaltlich unlebendig und langweilig. Ich freue mich mit meinem Patienten darüber, wenn er schon vor Ablauf seines Sitzungskontingents (und gerne auch im Rahmen der Kurzzeittherapie) die Therapie beenden kann, schließlich ist mein Arbeitsziel genau dies: eine erfolgreiche Beendigung der Therapie. So lange wie nötig, so kurz wie möglich ist unsere Devise, nur dass diese nicht für alle Patienten die zur Verfügung stehenden Therapiekontingente passt, die übrigens oftmals auch gar nicht mehr so problemlos von der Krankenkasse bewilligt werden, wie in Ihrem Artikel dargestellt.

Womit wir beim nächsten Punkt wären. Patienten, die Ihren (oder auch andere dementsprechende) Artikel gelesen haben, fragen nach Ablauf der ersten drei Therapiemonate verunsichert, ob die Therapie denn nun etwas bringe, da sich doch noch nicht so viel verändert habe. Wie viele individuelle Therapieverläufe mit erfolgreichem Ende habe ich bisher erlebt und was sage ich z.B. einem Patienten mit einer komplexen Trauerstörung, wenn er nach drei Monaten immer noch sehr trauert und trotz meiner Hilfestellungen keine Veränderungen initiieren kann? „Gehen Sie mal nach Hause, die Therapie schlägt nicht an?“

Der Patient hat nun einmal keinen Beinbruch, der Effizienzvergleich hinkt. Wie häufig passiert es zudem, dass Patienten sich erst mit zunehmender Sitzungszahl mit den „eigentlichen Themen“ heraustrauen und woher kommt die Sorge, wir würden nur reden und nicht effizient bzw. zielorientiert sondern intuitiv arbeiten? Wir arbeiten alle mit gut überprüfbaren Methoden (die von Ihnen hier aufgeführten wie Rollenspiel, kognitive Umstrukturierung oder Ressourcenaufbau sind geläufige Grundlagen) und ich kenne keine Kollegen, die nicht deutlich mehr als die notwendigen Fortbildungspunkte pro Jahr erzielt und sich freiwillig diverse Abende in Qualitätszirkeln, Supervisions- oder Intervisionsgruppen befindet, um ihre Arbeit zu reflektieren und immer wieder zu verbessern bzw. neue evidenzbasierte Strategien zu implementieren. Hat nicht zudem unlängst eine Studie der TK ergeben, dass wir nicht mehr Stunden pro Patient beantragen, wenn das Gutachtersystem außer Kraft gesetzt ist?

Effizienter arbeiten könnten wir, wenn es weniger Maßregelungen gäbe. Dann könnten die Patienten, die mehr Stunden benötigen, als das maximal Kontingent hergibt, in ihrer notwendigen Zeit  gesunden und nicht nach zweijähriger Zwangspause chronifiziert zurückkehren (und in diesem Zeitraum häufig ein ausgeprägtes Ärztehopping durchlaufen haben). Hier entstehen die wahren Kosten für das Gesundheitssystem. Warum wird uns hier jegliche Fachlichkeit abgesprochen und der Therapieerfolg an der Stundenzahl gemessen? Unsere Arbeitsweise, die zur Gesundung der Psyche führen soll, wird m.E. zu sehr mit der eines Mediziners verglichen, der für die Gesundung des Körpers zuständig ist. Diesen Vergleich halte ich für schlichtweg falsch. Es passt allerdings in unsere heutige Leistungsgesellschaft, derartige Effizienzmaßstäbe anzulegen. Nicht umsonst kommen immer mehr Patienten zur Behandlung, die genau an diesem Anspruch, funktionieren und effizient sein zu müssen, erkranken. – Dipl.-Psych. Iris Gentil


Leserbrief zu “Meinung aus dem Bot” von Adrian Lobe

Im Artikel werden Bots leider ebenso vermenschlicht wie es in vielen anderen Medien auch geschieht. Die Rede ist von „sie [die Bots] … regulieren“, „er pöbelte“ oder „kann eine Software … differenzieren?“ o. ä.

Aber Bots oder Algorithmen sind nicht eigenständig. Sie sind auch nicht intelligent. Es sind einfach programmierte Schritt-für-Schritt Anweisungen. Und was wie ablaufen und berechnet werden soll, entscheidet letztendlich immer ein Mensch. Deswegen wäre es besser zu sagen, dass eine Softwarefirma etwas programmiert hat, das den Meinungsstrom reguliert oder Meinungen verbreitet und zensiert.

Und damit wird auch sofort klar, zumindest für mich, wer für das Ergebnis verantwortlich ist: Es sind die Firmen, die die Programmierung solcher Programme betreiben bzw. in Auftrag geben. Sie geben vor, wie die Software auf Eingaben (von Menschen oder aus Datenbanken) reagieren soll. Durch diese Rahmenbedingungen ist das „Verhalten“ eines Bots definiert. Mal abgesehen von Programmierfehlern, durch die zusätzliche unerwünschte Ergebnisse entstehen.

Nun kann man sehr einfach Software schreiben, deren „Verhalten“ aufgrund ihrer Komplexität von Menschen nicht mehr vorhersehbar ist. Das ist dann aber keine intelligente Software, sondern einfach eine komplexe Software, von der man nicht weiß, wie sie sich unter bestimmten Bedingungen „verhält“. Es sind immer Menschen, die so etwas programmieren und damit auch die Verantwortung tragen.

Wenn jemand mit zwei Fingern einen Post auf Facebook schreibt oder, damit es schneller geht, ein Makro benutzt oder, damit es noch schneller geht, eine komplexere Software (Bot) benutzt, ist es doch immer der Mensch, der versucht, seine Meinung zu verbreiten. Nicht der Bot (oder das simple Makro) tut etwas, sondern der Mensch.

Zur Verdeutlichung ein Gedankenexperiment:

Ein Chemiker mixt 500 beliebige Substanzen und erhitzt sie. Er hat keine Ahnung, welche chemischen Reaktionen ablaufen, weil es einfach unbekannte und zu viele Substanzen sind. Das Labor explodiert.

Ich würde formulieren „Er hat fahrlässig gehandelt und ist für die Schäden verantwortlich“ und nicht „Das Gemisch hat sich verselbständigt und der Bunsenbrenner hat geholfen.“ (Analog zu: Der Mikrosoft-Bot „pöbelte, was die Leitung hergab“.) – Thomas Zimmermann


Leserbrief zu „Wellen der Zuversicht“ von Hanno Rauterberg

„DIE ZEIT jubelt:“Wellen der Zuversicht“ Realitischer wäre von den jährlich anfallenden Wellen der reinen Betriebskosten zu sprechen, allein nur um überhaupt das Bauwerk der Elbphilharmonie in Schuss zu halten.Einem Bauwerk,über das DIE Zeit munter weiter jubelt,“eine neue Epoche beginnt“.Vorschlag: ob damit eine neue Epoche eingeleitet ist,darüber sollten spätere Historiker und Chronisten urteilen, die sich dann wohl auch kopfschüttelnd mit den Pannen,der langen Bauzeit und  den immensen Baukosten beschäftigen dürfen.- Hans-Emil


 Leserbrief zur Graphik „Tiere essen“

Ist es ein Rechen- oder Verständnisfehler? Wenn ein Mann 100 g Fleisch und Wurst pro Tag isst dann sind das ca. 35,6 kg im Jahr. Wie passt das nun zum Durchschnittsverbrauch von 85 kg im Jahr? Sie schreiben manchmal Fleisch und manchmal Wurst und Fleisch ist das dasselbe? – Dr. Ingrid Bausch-Gall


Leserbrief zu „Sie holen uns“ von Can Dündar

Das Abgleiten der Politik Erdogans in Richtung einer eindimensionalen, sprich totalitären Gesellschaftsordnung ist mit Appellen wohl nicht mehr zu stoppen. Haben die dortigen Machthaber die Regeln der Demokratie nicht verstanden? Oder wird Verwestlichung als Schreckgespenst aktiviert? Die nicht immer ausgesprochene Legitimation des Handelns wird in der Berufung auf Religion gesucht. Sonst wäre diese Politik leicht als konzeptionslos und willkürlich zu entlarven, so aber bietet das Religionsverständnis nach eigenem Dafürhalten eine scheinbar unangreifbare Basis für ihr Verhalten.

Das deckt im Übrigen ein weit verbreitetes Defizit auf: Wenn Religion und Glaube pauschal gleichgesetzt und der als unfehlbar dargestellt wird, kann man mit der Berufung darauf jegliche Ausgrenzungsstrategie rechtfertigen. Man erteilt sich selbst für sein Verhalten generelle Absolution – was einem tiefen Missverständnis vom Sinn und Wesen des Religiösen gleichkommt. Religion als moralische und strategiesche Basis, von der aus man nie iren kann? Das ist ein Irrglaube, hier eine Kombination aus Exklusivismus und negativer Identität: Man definiert sich so beharrlich durch die Ablehnung anderer, bis man nur noch selbst übrig bleibt – die Politiker in ihren vergoldeten Käfigen und das Volk als gleichgeschaltete, manipulierbare Masse. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Verschuldete Staaten von Amerika“ von Heike Buchter

Ihre Zahlen zur Kreditaufnahme beim Fahrzeugkauf erscheinen mir nicht plausibel. Eine Kreditaufnahme von 1,1 Billionen $ für 17 Millionen Fahrzeuge würden einen Durchschnitt von 64700 $ pro Fahrzeug ergeben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Käufer, die auf einen Kredit angewiesen sind, so teure Fahrzeuge bevorzugen.

P.S.: Vielleicht ist ein „uralter“ aber immer noch beliebter Übersetzungsfehler der Grund ? Das amerikanische (!!!) „billion“ ist nur eine Milliarde, also um den Faktor 1000 kleiner. – Harald Kapitza


Leserbrief zu „Sex nach Lehrbuch“ von Jörg Lau

Worauf möchten Sie mit ihrem Artikel eigentlich hinaus? Wem möchten Sie welchen Ratschlag mitgeben? Sie schreiben darüber, dass man beim Thema „Vielfalt sexueller Lebensweisen“ doch bitte nicht auch noch Akzeptanz fordern soll, wo es freundlicherweise schon Toleranz gäbe. Wären Sie selbst betroffen, würden Sie auch so argumentieren?

Setzen wir mal eine andere Gruppe ein, die in der Geschichte zu Unrecht unter viel Diskriminierung leiden musste. ZB die Menschen jüdischen Glaubens. Würden Sie den jüdischen Menschen auch mit auf den Weg geben, dass doch die Toleranz der Christen schon was sehr schönes sei, jetzt bitte nicht zur Akzeptanz drängeln, wo auf der grossen weiten Welt auch viele Juden immer noch diskriminiert würden… Oder die Kurden, oder Schwarze? Alle Menschen, die unter Diskriminierung leiden, möchten dass dies aufhört. Und sie fordern zurecht Akzeptanz. Warum sich Christen damit so schwer tun, ist wahrlich ein Phänomen, da die christliche Botschaft eine so wunderschön integrierende ist und über Toleranz weit hinaus geht. – Marion Kinzig


 Leserbrief zu „Der Untergang der Fakten “ von Eva Bucher

Es ist in der Tat ein übles Ding. Seit Internet entdeckt man wieviel menschlicher Müll unter uns weilt. Verzeihen Sie diesen Ausdruck. Man muss es aber so deutlich werden, damit diese Menschen auch wissen, was die aufrechten Bürger von ihnen halten. Die Wissenschaft kann nur durch Fakten und Öffentlichkeitsarbeit dagegen halten. Es muß aber auch getan werden. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Umbau dringend nötig“ von Harro Albrecht

Kann  ernsthaft gute Qualität gefordert werden von einem Gesundheitssystem, in dem jeder Anbieter nach möglichst hohem Profit schielt? Geld verdienen kann man nur mit Kranken, warum also sollte man Menschen gesund machen.  Je besser man die hohe Kunst der Kodierung der Diagnosen beherrscht- insbesondere wenn es darum geht, aus Wiederaufnahmen wegen Komplikationen neue Fälle zu machen- desto mehr Geld kann man verdienen.  Wie wird überhaupt Behandlungsqualität seriös gemessen?  Welchen Einfluss haben  Kodierkünste  auf die Messung der Behandlungsqualität? – Susanne Sänger


Leserbrief zu „Umbau dringend nötig“ von Harro Albrecht

Seit 30 Jahren predige ich den katastrophalen Zustand unserer Schulen. Und ich sage es zum tausendsten Male, das liegt einzig und allein an den Sozialdemokraten mit ihrer lebensfremden Ideologie. Warum wird das nicht deutlich von den Medien vertreten. Warum wohl…..? Ich lebe in Nordrhein-Westfalen mit meinen 3 Schülern  (heute erwachsen) da galt das Motto der „Selbstfindung“. Im Klartext heißt das: die Schüler müssen selbst herausfinden was Richtig oder Falsch ist. Das sind alles erwachsene Menschen, die eine solche Einstellung vertreten und das ist heute noch so. Bayern und Sachsen sind für die Sozialisten die schlimmsten Länder, obwohl sie die besten Zahlen schreiben. Und nicht nur in der Bildung. Die Medien vertreten auch diesen Unsinn.  Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich. Wenige Kollegen von Ihnen haben Bücher darüber geschrieben. Eines heißt: „Warum wir hemmungslos verblöden!“ Gehen Sie in Nordrhein-Westfalen in die Schulen, dann wissen sie warum.  – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Der nette Idiot“ von Ursula März

Es wird oft beklagt, dass im Internet hemmungslos beleidigt wird. In der ZEIT wird ein ausgebeuteter Freier als Idiot bezeichnet.  Das Pseudonym verhindert nicht, dass die Beleidigung bei ihm und in seinem ganzen Umfeld ankommt. Was ist los mit der ZEIT? – Prof. Giselher Propach


Leserbrief zu „Der Untergang der Fakten “ von Eva Bucher

Die Aussage von Frau Prof. Vinken, nach der die historische Konstruktion von Geschlecht ein oft geleugnetes Faktum sei, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ist es doch meines Erachtens der Konstruktivismus in allen seinen Spielarten, der dem „Postfaktischen Zeitalter“ den Weg geebnet hat. Ich will nicht abstreiten, dass Begriffe wie Geschlecht durch soziale und historische Gegebenheiten mit geprägt werden. Problematisch ist aber die Tendenz vieler Sozial- und Kulturwissenschaftler, den Einfluss natürlicher, biologischer Grundlagen ganz zu leugnen.

Das drückt sich im Text von Frau Prof. Vinken dadurch aus, dass die naturwissenschaftlichen Fakten in Anführungszeichen gesetzt werden. Auch die Existenz des Wortes „biologistisch“ ist ein Beleg für diese Beobachtung. In meiner eigenen Arbeit spielen individuelle Unterschiede in der Intelligenz eine Rolle. Wenn ich darüber meinen Kolleginnen aus der Kulturwissenschaft erzähle, kommen als erstes Sätze wie „Sie wissen aber schon, dass das alles sozial konstruiert ist.“ Ich führe die besagte Tendenz, die konstruktivistische Sichtweise zu verabsolutieren darauf zurück, dass sehr viele Sozial- und Kulturwissenschaftler rein qualitativ arbeiten und ihnen deswegen Konzepte wie „Varianzaufklärung“, die dabei helfen können, verschiedene Einflüsse zu quantifizieren, fremd sind.

Da inzwischen Generationen von Journalistinnen, Politikern und Erziehungswissenschaftlerinnen durch die konstruktivistische Schule gegangen sind, ist es nicht verwunderlich, wenn Fakten von vielen fast reflexartig relativiert werden. Mir ist völlig bewusst, dass auch die Naturwissenschaften mit Modellen der Wirklichkeit arbeiten, die nicht mit letzterer verwechselt werden sollten; und dass diese Modelle durch historische und soziale Gegebenheiten mit geprägt sind. Wenn aber das alles nur sozial konstruiert wäre, könnte die Menschheit niemals so etwas wie funktionierende Smartphones herstellen, derer sich auch die Kultur- und Sozialwissenschafterinnen so gerne bedienen. – Dr. Wolfgang Schoppek


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Herrlich. Corinna Schöps, von der ich lese: eine moderne Journalistin, Schwerpunkte  „Achtsamkeit“, Wissenschaft. Wunderbarer Hintergrund, um dem Zeitgeist zum Thema Psychotherapie (und den geldgebenden Kassenvorstandsgedanken) Futter zu geben. Ja genau! Man braucht nur einen kleinen Anstoß. Alles, was schnell geht, ist effizient und gut! Ernährung umstellen, Sport machen  (super!, am besten glutenfrei essen?, oder viel Gemüse?, und: Pilates machen?, Yoga?) – schon ist die Hälfte der existenziellen Miete gemacht! Was wollte bloß der alte Freud mit seiner Entdeckung des Unbewußten! Hau weg den Scheiß!

Die neuesten Forschungen sagen: das Neue kostet kaum Zeit und/oder Geld, und fertig ist die Laube. Mal im Ernst: ich hätte mir von der „ZEIT“, meiner alten Freundin in Sachen Genauigkeit, ernsthafter Hintergrundsrecherche und langatmiger Kulturbezogenheit, etwas mehr autonome Gedankenfreiheit und etwas mehr Unabhängigkeit von den aktuellen Sponsoren gewünscht.

Daß zB. eine psychoanalytische oder tiefenpsychologische Behandlung nicht unbedingt in Ernährungsumstellung oder Sport münden muß, dafür aber über Jahrzehnte erworbene Denk- und Fühlstrukturen in einem verträglichen Tempo und einem tiefenwirksamen Prozeß umwandelt in eine lebendigere und gegenwartsangemessenere Alltagsstrukturierung: davon weiß die schnellebige Kurzzeitdenke leider gar nichts mehr. Wahrscheinlich ist schon der letzte Satz zu lang.  – Blanche v Conta  


Leserbrief zu „Der Untergang der Fakten “ von Eva Bucher und “Weisch?” von Thomas Kerstan

Ich sitze gerade auf der Couch und genieße meinen Sonntagabend mit eurer Wochenzeitung.  Erst habe ich den Artikel „Untergang der Fakten“ glelesen und kann euch nur zustimmen, dass sich Journalisten und Redakteure ihre eigenen Wahrzeiten zusammenreimen.

Zwei Seiten weiter auf Seite 71  beim Artikel „Weisch? Nö“, habt ihr es dann mit den Fakten leider auch nicht mehr so genau genommen. Laut der  Internetseite des Landtages BA WÜ   ist die größte Oppositionspartei und somit auch der Oppositionsführer die AfD.

Der ehemalige Kultusminister Andreas Storch ist als SPD Mitglied also nicht beim Oppositionsführer“ wie ihr in eurem Artikel dem Leser vermitteln wollt. – Jan Dinner


Leserbrief zu “Is doch garr nich so schlächt” von Martin Spiewack

Ich habe vor über 70 Jahren vom ersten Schultag an und vom ersten Wort an gelernt, wie man es richtig schreibt, und es hat Spaß gemacht. Heute bin ich Lesepate an einer Grundschule und sehe kopfschüttelnd, dass die Kinder  in den ersten Schuljahren schreiben dürfen, wie sie wollen.  Nach Jahren müssen sie mühsam umlernen, z. B. dass man Fada und Muda jetzt Vater und Mutter schreibt. – Gerhard Bätz


Leserbrief zu „Umbau dringend nötig“ von Harro Albrecht

Sind Krankenhäuser für Menschen oder sind Menschen für die Krankenhäuser da? Als Mensch und Arzt fällt die Antwort eindeutig aus.

„Gesundheitsökonome“ und Journalisten haben da eine andere Meinung. In Ihrem Artikel reden Sie den üblichen Klisches das Wort. Das deutsche Gesundheitswesen sei unökonomisch, viel zu teuer, wir sind hier schlecht versorgte Patienten und sterben deswegen häufiger oder früher (?). Höre man nur auf den Rat der Wirtschaftsweisen und Journalisten, wäre alles viel, viel besser.

Ich weiß nicht, wann Sie das letzte Mal die Notaufnahme eines Krankenhauses in Anspruch nehmen mußten. Bei mir war das vor gut 1,5 Jahren, nach einer nicht ganz leichten Verletzung bei der Gartenarbeit, der Fall. Was war ich froh, um die kleine chirurgische Klinik, ca. 8 Km von meinem Wohnort entfernt. Da wurde ich bestens und absolut freundlich versorgt, aber natürlich kämpft diese Klinik  ums wirtschaftliche Überleben und soll geschlossen werden.

In den letzen Jahren mußten Freunde und Angehörige, Notaufnahme und/oder stationäre Behandlung unseres Exzellenzkrankenhauses ( Klinikum Großhadern/München) und der städtischen Münchner Krankenhäuser der Maximalversorgung in Anspruch zu nehmen.  In Ihrer Diktion: Die „Powerhäuser“. Ich kann nur sagen, da wollen Sie nicht hingehen.

Die Dänen scheinen also gesünder, das dortige Gesundheitssystem „effizienter“. Die angelsächsischen Hochschulen und das Bildungssystem von Singapur schlagen uns angeblich auch um Längen usw. . Tja, irgendwo ist ist immer irgendwas besser, aber ich möchte nirgendwo anders leben und bin froh um die kleine, patienten (=menschen)-nahe Klinik quasi um die Ecke. – Dr. med. Th. Lukowski


Leserbrief zu „Wellen der Zuversicht“ von Hanno Rauterberg

Der Bericht in der Zeit Nr 46 über die Elbphilharmonie war sehr schön zu lesen ! Und auch das ZEIT Magazin , gestaltet von dem Künstler C.Niemeyer hat sehr viel Freude gebracht. Gerade in den grauen Novembertagen heben solche Zeilen die Stimmung und die Mundwinkel. – Martina Rios


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

In Ihrem Artikel „Was bringt Psychotherapie“ berichten Sie leider sehr einseitig über die moderne Psychotherapie, was ganz offensichtlich auch in der Wahl der zu Wort kommenden „Experten“ begründet ist. Ich finde es bedauerlich, dass in einem Land, in welchem drei psychotherapeutische Verfahren von den Krankenkassen finanziert werden, große Medien wie die ZEIT eine so einseitige Berichterstattung verfolgen und einem eigentlich als überholt geltenden Schulenstreit wieder Wind in die Segel geben. Ein Artikel, der so aufgemacht ist, dass er potentielle Patienten fundiert informieren soll, verfehlt so sein Ziel und hat sogar einen gegenteiligen Effekt.

Leider finden sich in dem Artikel an verschiedenen Stellen sowohl explizit als auch implizit Vorurteile, zudem sind manche Behauptungen schlichtweg sachlich nicht richtig- so die angebliche fehlende empirische Fundierung psychodynamischer Therapieverfahren. Aufwendige Studien konnten hier gerade in den letzten Jahren zeigen, dass psychoanalytische Langzeittherapie insbesondere bei chronischen Depressionen im Langzeit- Follow- up kognitiv behavioralen Verfahren überlegen ist (direkt nach Therapieende liegen vergleichbare Ergebnisse vor, dies wurde auch schon vorherin vielen Studien gezeigt). Die Hirnforschung konnte mittlerweile einige von Freuds Thesen zur „Funktion“ der Psyche stützen.

Die genannten „neuen“ verhaltenstherapeutischen Methoden, wie das von Ihnen erwähnte „CBASP“, integrieren explizit oder implizit genuin psychoanalytische Konzepte wie jenes der Gegenübertragung oder der Abwehr (natürlich heißt es dort anders) und entwickeln sich somit zunehmend wieder in diejenige Richtung, welche psychodynamische Verfahren schon lange auszeichnet. Auch beklagen viele Vertreter verhaltenstherapeutischer Therapie die kurzen Therapiedauern, die ihnen von den Kassen bewilligt werden und plädieren insbesondere für komplexe Störungen für höhere Kontingente.

Es erscheint mir beim Lesen solcher Artikel offensichtlich, dass Autoren Ihrer Zeitung nicht informiert sind über die mittlerweile mehr als 100-jährige Geschichte der Psychotherapie und die Kontroversen und Positionen, welche sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Im Gegenteil scheint mir der Zweck des Artikels die Vermarktung eines Verständnisses von Psychotherapie, welches zu aktuellen Trends à la Achtsamkeit und Co passt und somit Leser anzieht.

Ich würde mich freuen, wenn in Zukunft Themen in Ihrer Zeitung wieder differenzierter und von verschiedenen Seiten beleuchtet würden- in diesem Fall auch im Sinne der Patienten. – Sonja Becker


Leserbrief zu „Sie holen uns“ von Can Dündar

Überrascht las ich, dass Sie erst jetzt schockiert und entsetzt die Feststellung Reuters zur Kenntnis genommen haben, die gegenwärtigen Verhältnisse in der Türkei glichen den Anfängen der NS-Zeit in Deutschland.

Das überrascht mich deshalb, weil man schon seit Monaten Parallelen zur deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts erkennen kann:  Auch da wurde ein Politiker namens Adolf H. zunächst auf demokratische Weise zum Regierungschef gewählt, entfaltete aber nach und nach ein diktatorisches Regime. Es ging auch damals um einen Putsch militärisch organisierter Verbände (den sog.Röhm-Putsch), in dessen Folge nicht nur die Macht dieses H., sondern auch die unbedingte Gefolgschaft großer Teile der Bevölkerung wuchs. Selbstverständlich wurden auch bald Parlaments-Abgeordnete anderer Parteien (z.B. der SPD) entweder eingeschüchtert oder verhaftet. Zahllose Hochschullehrer, Richter und Beamte wurden entlassen oder auch festgenommen.

Auch in Deutschland wurden damals viele, die verhaftet oder vertrieben worden waren, sogleich durch den Staat ihres Vermögens beraubt.   Der eigentliche Feind und Strippenzieher allen Übels saß natürlich im Ausland („das Weltjudentum“ , lässt sich heute leicht durch „die Gülen-Bewegung“  ersetzen), sodass es hieß: „Kauft nicht bei Juden“. Bestimmte in Deutschland lebende Türken werden heute bekanntlich durch gewisse Landsleute verunglimpft, indem es im Internet heißt: „Kauft nicht bei…“ oder „Geht nicht zu…(ein türkischstämmiger Arzt z.B.) usw.   H. hatte einerseits seinem Land den wirtschaftlichen Aufschwung und auch wieder internationale Akzeptanz gebracht, zum anderen verstanden er und seine Leute es, mit Angst und Denunziation die Bevölkerung einzuschüchtern.

Gleichzeitig trat er der internationalen Gemeinschaft gegenüber ausgesprochen unverschämt auf (z.B. Annexion der Tschechoslowakei). Für das abstruse Zurechtbiegen der Wahrheit, das Verfälschen von Tatsachen seinem Volk gegenüber hatte er sogar eigens einen Minister. Eine freie Presse gab es bekanntlich nicht. Berüchtigt sind H.s anmaßende, aufputschende Reden an „sein“ Volk. So erfreute er sich bei vielen Deutschen einer großen Zustimmung, ja Begeisterung.   Genug der Parallelen. Wir wissen auch alle, wie das ausgegangen ist. Leider ist es nicht schon nach 12 Jahren zu Ende gewesen. Anerkannt ist (und aufmerksame Zeitzeugen haben es damals schon gemerkt), dass nach 1945 viele alte Nazis auch die Bundesrepublik bis in die 70er Jahre hinein geprägt haben, oft unbemerkt, wie eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung über damals leitende Mitarbeiter des deutschen Bundes-Innenministeriums aufgedeckt hat.

Bis in hohe Staatsämter und bedeutende wirtschaftliche oder politische Positionen haben es diese Leute wieder geschafft. Wie lange hat also der braune Unrat in Deutschland  – mehr oder weniger direkt –  Einfluss ausgeübt? Etwa 40 Jahre.  Und es gibt leider eine Wiederholung. 1949 wurde in der sowjetisch besetzten Zone die DDR gegründet. Auch deren erste Regierung kam zunächst durch eine legale und demokratische Wahl ins Amt. Wir wissen, wie sich dann alles dort weiter entwickelt hat, vom Aufstand 1953 bis zum Ende der DDR 1989. Wieder 40 Jahre, bis der Spuk von Diktatur, Menschenverachtung und Lüge endgültig vorbei war.

Wie wird es in Ländern sein, die heute erst am Anfang einer Diktatur stehen und deren Bevölkerung sich größtenteils völlig unkritisch verhält und wo die kritische Minderheit brutal unterdrückt wird? Da fallen einem ja gleich mehrere Staaten ein… Wird es wieder um die 40 Jahre dauern?  Um an den Anfang zurückzukehren: Die von Ihnen formulierte politisch-soziale Situation „Zuerst holten sie die Kurden, da schwiegen die meisten…“ ist ja zuerst von dem evangelischen Theologen Martin Niemöller im Hinblick das „Dritte Reich“ mit ganz ähnlichen Worten auf den Punkt gebracht worden:  „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“  Zum Schluss kann ich Ihnen nur Mut wünschen und Durchhaltevermögen, denn es ist wohl außerordentlich wichtig, dass auf dem (leider muss man das ja inzwischen so sagen) „ideologischen Nebenkriegsschauplatz Deutschland“ jetzt mutige, kritische, sachliche und verantwortungsbewusste türkische Stimmen wie die Ihre zu hören sind. Dass Sie DIE ZEIT hierfür als seriöse Plattform nutzen können, ist ein großes Glück.  – Burckhardt Großbach  


 Leserbrief zu „Wellen der Zuversicht“ von Hanno Rauterberg

Ich kann und will es mir nicht verkneifen: Einen sehr, sehr herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Essay über die Elbphilharmonie! Mir ist da glatt die Seele aufgegangen, wie Sie so hingerissen, aber doch mit bewundernswerter Distanz und Nüchternheit, Architektur und Ästhetik, Lebenswirklichkeit, politisch-gesellschaftliche Aspekte, viel Tiefsinn und poetische Philosophie in einen Text gebracht haben, das ist ganz großartig! Nochmals: sehr dankbare und herzliche Grüße – Gregor Ziolkowski


Leserbrief zur Premium-Reise Nordzypern

Meine Partnerin und ich hatten Ihre freundliche Einladung zu einer ‚Studienreise nach Nordzypern zum Vorzugspreis speziell für Zeit-Leser’ angenommen und vom 23. – 30. 10. diese Reise in vollen Zügen genossen. Sie war ein großartiges Erlebnis: das betraf sowohl die Hotels, vor allem das 1. („Artemis“) für 3 Nächte, als auch die kundige Führung und die ausgewählten Besichtigungen. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken! Eine kleine Enttäuschung gab es dennoch: Durch einen Flyer der RSD erfuhren wir, dass jeder diese ‚speziell für Zeitleser’ offerierte Reise jedermann zu den gleichen Bedingungen haben konnte. Von ‚Vorzug’ konnte also keine Rede sein. – Josef Leisner und Ulla Specht


 Leserbrief zur Graphik „Tiere essen“

In der Zeit N. 46 präsentieren Sie auf der Grafikseite im Teil Wissen Daten zur Fleischproduktion und zum Fleischverbrauch/-verzehr in Deutschland. Diese Daten sind offenbar sehr nachlässig recherchiert worden, da sie z.T. in sich nicht stimmig sind und an vielen Stellen mit den angegebenen Quellen nicht übereinstimmen.

Das BMEL gibt unter \Nutztierhaltung\Schweine\ eine Anzahl von ca. 60 000 Betrieben an bei einem Bestand von 28 Millionen Tieren, was rund 470 Tieren pro Betrieb entspricht – Ihre Daten lauten 25 700 Betriebe zu je 1076 Tieren. Wie kommt es zu diesen Abweichungen, zumal Sie die Daten zu Rind und Geflügel mehr oder weniger korrekt angegeben haben?

Ihre Angaben zu Import und Herstellung von Fleisch addieren sich im Jahr 2014 auf 11,19 Mio. Tonnen, Export und Verbrauch aber nur auf 9,87 Mio. Tonnen. Ich habe diese Daten nicht überprüft, aber wo bleibt denn die Differenz zwischen dem verfügbaren Fleisch (Import + Herstellung) und der Nutzung (Export + Verbrauch)?

Die Angaben zur verzehrten Menge (ich denke es soll sich auch hier um Fleisch- und Wurstwaren handeln) von 85 kg ist falsch. Dies ist der Verbrauch pro Kopf, der sich aus Nahrung, Verfütterung an Tiere, industrielle Verwertung und Verluste einschließlich Knochen zusammensetzt (vgl. Fleischatlas 2016, Seite 10). Der Verzehr pro Kopf der Bevölkerung in Kilogramm für das Jahr 2014 beträgt nach dieser Quelle 58,6 kg.

Der nach Geschlecht aufgetrennte Verzehr von Fleisch und Wurst pro Kopf und Tag ist völlig falsch. Selbst wenn ich die von Ihnen fälschlicherweise als Verzehr angegebene Menge von 85 kg durch den richtigen Wert von rund 58,6 kg ersetze, kann dies nicht durch einen täglichen Konsum von 103 g bei Männern und 53 g bei Frauen erreicht werden. Diese Werte ergeben nämlich (ein Geschlechterverhältnis von 1:1 vorausgesetzt) einen Verzehr von rund 28,5 kg pro Person und Jahr. Laut statistischem Jahrbuch 2015 des BMEL liegt der Verzehr von Fleisch- und Wurstwaren für Männer bei 155 g pro Tag und für Frauen bei 91 g. Das ergibt zwar immer noch nicht die im Fleischatlas angegebene Menge von  58,6 kg pro Kopf und Jahr, kommt dieser Zahl mit 44.9 kg aber schon deutlich näher als die von Ihnen angegebenen Werte.

Da die von Ihnen recherchierten Daten von den Lesern der Zeit wohl in der Regel für vertrauenswürdig erachtet werden (die Quellenangabe suggeriert ja eine sehr gründliche Recherche), halte ich es für angemessen, eine entsprechende Korrektur dieser Daten zu veröffentlichen. – Dr. Reiner Eckmann


Leserbrief zu „“American Angst““ von Bernd Ulrich

Ich bin weder Journalistin noch Politikerin aber Weltbürgerin und als solche am derzeitigen  beängstigenden Weltgeschehen interessiert.Endlich traut sich jemand zu sagen was sich nicht viele  öffentlich zu sagen trauen,dass ein Kretin wie Trump es womöglich schafft der nächste Präsident der  USA zu werden.Ich als Frau würde wahrscheinlich nicht einmal Hillary Clinton wählen aber in diesem Fall ist Trump eindeutig das schlimmere Übel.Nicht auszudenken wie sich das was jetzt passiert auf die künftige Weltordnung  auswirken wird -und was kann der einzelne Bürger eigentlich  noch tun?Und wie ist es möglich dass einVolk  von 250(oder mehr)Millionen Einwohnern keine geeigneteren Kandidaten hervorbringt als diese beiden ? Das ist erschreckend und verschlägt mir die Sprache(und ja-Gott schütze Frankreich vor Marine le Pen und  hoffentlich uns  davor die Türkei mit einem Erdogan in die EU zu lassen). – Isabell Colloredo


Leserbrief zu “Is doch garr nich so schlächt” von Martin Spiewack

Ich werde Ihnen fairerweise nicht verraten, von wem und in welchem Fach – aber ich habe neulich eine Bachelorarbeit korrigieren dürfen und dabei große Mühe gehabt, die Contenance zu behalten. Ich habe mir dauernd vorgestellt, wie der Lehrkörper der Einreicherin – nein, keineswegs aus dem außereuropäischen Sprachraum, sondern aus dem südlichen Deutschland stammend – das Ding um die Ohren hauen wird. Ungelogen in jedem zweiten Satz befand sich mindestens ein grauenhafter Fehler, und der Inhalt – na ja, wenn man immer wieder dasselbe schreibt, kommt man auch auf eine schöne Anzahl von Anschlägen. Zwei Wochen später hat mir dann jemand zugeraunt: „Es ist eine eins!!“ Er hat damit besagte Arbeit gemeint.

Nun aber das Fatale: Ich bekomme auch von wesentlich älteren, gebildeteren, akademisch ausgebildeteren Personen Mails, in denen kaum ein Komma korrekt und ein anständiges Akkusativobjekt reine Glücksache ist… – Angelika Boese


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Psychotherapie – Kurzer Prozess? Lang oder kurz? Wusste sich der unentschiedene Mensch in dieser Frage nicht mehr zu helfen,  orientierte er sich in seiner Hilflosigkeit an der Mode, die seine menschliche Unsicherheit dann  inbrünstig und bedeutungsvoll zur Schau stellte, manchmal auch in beschämender Art und Weise. Worum geht es den Autoren in diesem groß daherkommenden Artikel in der ZEIT?  Wer steht hinter ihnen und was hat die Schreibenden derart in Unruhe versetzt, dass sie ein so unsäglich nachlässig recherchiertes Schriftstück verfassen konnten? Dem Titel „Wenn meine Seele Hilfe braucht – Was bringt Psychotherapie? Wem hilft welches  Verfahren? Und was geschieht dabei mit uns? Neue Erkenntnisse über sprechende Medizin“, folgt  ein nicht unwesentlicher Untertitel „1,5 Milliarden Euro kosten die Therapien der Deutschen: Ist  das Geld gut investiert?“.

Von wessen Geld ist hier die Rede? Und in was soll investiert werden?  Eine mögliche Antwort: Es ist das Geld des viel beschäftigten Steuerzahlers (siehe im Beitrag  angeführtes Beispiel des Unternehmers), der keine Zeit mehr findet, sich seinen Lebensgenüssen  hinzugeben, in innere Not gekommen, bei seiner Kasse nun Zeit für Psychotherapie beantragt, die  ihn erneut mit dem Zeigefinger mahnt: Bitte kurz fassen! Als ZEIT-Leser überfliegt der unter Zeitdruck stehende folgende randseitige Zusammenfassung:  „…Doch nicht alle Seelenheiler sind gleichermaßen gut. Manche schaden sie ihren Patienten sogar.  Zwar wird die Psychotherapie seit hundert Jahren angewendet, aber erst jetzt ergründen Forscher  systematisch, worauf es dabei wirklich ankommt.

Und sie räumen auf mit Mythen: etwa dass stets  schlimme Erfahrungen aus der Kindheit den seelischen Leiden zugrunde liegen.“ … „Je länger,  desto besser? Das gilt bei der Psychotherapie nicht unbedingt.“ Nochmals lesen… Ich mache mir Gedanken: Vor 100 Jahren? Ach ja, Freud! Der hat doch die Psychoanalyse begründet? Das ist doch das  Verfahren, das eine halbe Ewigkeit dauert und von einem…äh Unbewussten ausgeht. Ja, stimmt das  hat doch kein System, ist doch vielmehr eine Chaos-Theorie, macht mich ja noch wuseliger!!  Kindheit? Wann war das denn? Lange her, kann mich nicht mehr erinnern. Heute bin ich erwachsen,  immerhin kann ich die ZEIT in einem Zuge überfliegen und es bleibt was hängen! Ob ich mich  übermorgen noch an Details erinnern kann? Irrelevant, ich kann mitreden, bruchstückhaft, das muss  genügen!

Dass wir heute mehr denn je Bedrückte unseres geistigen Vergessens sind, davon zeugt die Flut von  Erinnerungsmedien, die wir aus Angst vor dem Vergessen kreieren und derer wir uns aus einem  Mangel  an  bezeugenden  Anderen  auf  das  Fleißigste  bedienen.  In  ihnen  wollen  wir  unser  potentielles  Vergessen  bewahrt  wissen  und  uns  vor  Trugschlüssen  schützen.  Ratgeber,  Wikis,  Kameras in jedem Smartphone, reich bebilderte Chats, all das sind lebende Beweise dafür, dass die  Rückbesinnung des Seins en vogue ist, aber bitte hübsch zurecht gestriegelt, dann allzeit und  überall verfügbar. In einer ZEIT, die uns versichert zu wissen, wie die Nacht Angela Merkels vor  den Präsidentschaftswahlen in Amerika ausschaut, macht auf eine Besonderheit aufmerksam: Wir  sollen  durch  eine  alltägliche  Normalität  in  Sicherheit  gewägt  werden,  bestenfalls  schnell  umblättern. Dieser äußeren Gewissheit hinkt zeitversetzt ein Zweifel nach und plötzlich wirkt der  Artikel beim längeren Nachdenken trügerisch.

Allmählich werden wir beunruhigt, weil wir nichts  über die undurchsichtige Frau Merkel in der Nacht vor den „schmutzigsten Wahlen“ Amerikas  wissen. Das Nichtwissen über das Unbekannte im Alltäglichen hinterlässt in uns eine Art von Angst  der Unwissenheit uns selbst gegenüber. An dieser Stelle können sich z.B. Psychoanalytiker leisten,  innezuhalten und abzuwarten, was eigentlich hinter der Angst vor Unwissenheit steckt.  Sollte  uns  die  Zeit  für  das  genaue  Hin-Sehen  und  Hin-Hören  selbst  in  der  Psychotherapie  genommen werden, würden wir als Psychotherapeuten und Patienten unserer wesentlichen Sinne  beraubt. Dass wir uns als Menschen täuschen können, ist menschlich möglich. Wie aufrichtig wir  zum Anderen sprechen können, hängt von unserer Fähigkeit ab, zu vertrauen – denn sich zu öffnen,  verlangt Mut. Das alles ist leichter geschrieben als erreicht. Ver-trauen und Mut ist ein Paar, ohne  das Eine kann das Andere in der Psychotherapie nicht zu haben sein. Dass wir hierbei auch als  therapeutische Partner scheitern können, ist ein unvermeidbarer Fakt und hat mit viel mit der Liebe  zum  eigenen  Beruf  und  jedem  einzelnen  Patienten  zu  tun.

Wir  Psychotherapeuten  und  Psychoanalytiker  sind  Leidenszeugen.  Wir  bewegen  uns  damit  in  einem  hochsensiblen,  weil  verletzbaren Feld, wo Vertrauen und Mut immer aufs Neue errungen werden müssen. Wo uns als  Therapeuten auf sonderlichem Wege die Zeit für den Einzelnen und unser eigener Mut abhanden  gekommen ist, sollten wir uns zunächst des eigenen Standortes versichern. Manches verträgt sich  eben nicht. Doch halte ich es für unsinnig, aus Angst voreilig Schlussfolgerungen zu ziehen und  denen dann auch noch zu folgen.

Die Behauptung, dass Psychoanalyse kein wissenschaftliches  Verfahren  ist,  ist  eine  Dichtung.  Psychoanalyse  ist  insofern  wissenschaftlich,  als  dass  sie  Gegenstand der Psychotherapierichtlinien ist und damit einen formal-juristischen Charakter als  „wissenschaftlich anerkanntes Verfahren“ besitzt. Annemarie Dührssen, einer Psychoanalytikerin,  haben  wir  zu  verdanken,  dass  psychotherapeutische  Leistungen  seit  1967  in  den  Katalog  der  gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen wurden. Nach der Einführung der psychoanalytischen  Psychotherapie  in  die  kassenärztliche  Versorgung,  bemühten  sich  lange  Zeit  andere  Psychotherapieverfahren  um  eine  entsprechende  wissenschaftliche  Anerkennung.  Die  Verhaltenstherapie schaffte ihren Einstieg in die psychosomatische Grundversorgung zwanzig Jahre  später,  im  Jahr  1987.  Die  tiefenpsychologisch  fundierte  Therapie  blieb  bis  heute  ein  Anwendungsverfahren der Psychoanalyse, wie sich auch ihr Theorieverständnis auf die Theorie der  Psychoanalyse begründet.

Der Artikel der Zeit ermahnt, dass wir die Geschichte niemals ausser Betracht lassen sollten.  Geschieht dieses, befinden wir uns im Widerstand uns zu Erinnern. Dieser Artikel bescheinigt den  zunehmenden Verlust einer Erinnerungskultur. Hingegen brauchen wir den Anderen, um uns über  ihn zu Er-Innern, damit wir inseiner Gegenwart unseres Selbst bewusster werden. Der moderne  Mensch bedient sich der hochmodernsten Technik und ist gerade deshalb davon bedroht, die Kraft  seines Bewusstseins zu verlieren.Es wäre allzu fortschrittlich, wenn die unbewusste Motivation als  Realität des denkenden Menschseins allgemeine Akzeptanz erfährt, damit die Forschung auch auf  diesem Gebiet weiter erfolgen kann.

Hierbei denke ich an die wachsende Zahl von Patienten, die für  die gegenwärtige Gesellschaft und Kultur große Leistungen vollbringen, die in ihren Autos, auf den  Schnellstraßen,  plötzlich  von  der  Übelkeit  ihrer  Einsamkeit  -gerade  nicht  von  dem Anderen-  überfahren werden. Denen ist etwas sehr Kostbares abhanden gekommen:  Zeit für einen Rückblick, Zeit für das Erinnern und ausreichend Zeit für ein wieder wachsendes  Vertrauen – auch in Andere. Auch unter dem Risiko recht unmodern zu wirken, plädiere ich für eine  längere Zeit, statt den kurzen Prozess. – Ulrike Vetter


Leserbrief zu „Rechts, aber richtig“ von Matthias Geis

Wer die bemerkenswert zutreffende Analyse von Matthias Geis in der ZEIT-Ausgabe 46/2016 vom 03.11.2016 gelesen hat, der war bestens vorbereitet auf die Ergebnisse des CSU-Parteitages vom 05.11.2016, sprich auf den Beschluss eines neuen Grundsatzprogramms namens „Ordnung“ inklusive einer präzisierten Definition deutscher Leitkultur und einer Abgrenzung zwischen rechtskonservativ und rechtspopulistisch. Kurzum, kompetenter Journalismus am Puls der Zeit. – Ira Bartsch


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Dies ist gewiss nicht das erste Schreiben, das Sie zu Ihrem Artikel erreicht. Dessen Einseitigkeit ist atemberaubend. „Kein Patient muss unbedingt 300 Stunden auf die Couch, wie es die Lobbyisten alter Schule behaupten.“ Wie würde es den Leser interessieren, wen genau Sie da haben raunen hören. War denn wirklich keine der gegenwärtig relevanten Stimmen der psychodynamischen Verfahren in Deutschland für Sie zu sprechen:

Horst Kächele, Marianne Leuzinger-Bohleber, Cord Benecke, usw. usw.

Niemand erreichbar für Sie und die ZEIT? Nur unbestimmte „Lobbyisten alter Schule“? Und all die Studien zur Wirksamkeit analytischer Verfahren, alle nicht gefunden? Man mag es kaum glauben. https://www.ipa.world/ipa/IPA_Docs/Open%20Door%20Review%20III.pdfLaslo Scholtze


Leserbrief zu „Geld für die Betrogenen“ von Kolja Rudzio und Marcus Rohwetter

mit einem Zynismus, den ich in diesem Ausmass in der ZEIT nicht für möglich gehalten hätte, werden die Betrugsopfer auch noch mit Häme überschüttet. Nichts wird mich mehr dazu bringen, einen von Herrn Rohwetter geschriebenen Artikel zu lesen. – Herbert Hahn

Leserbrief zu „Sex nach Lehrbuch“ von Jörg Lau

„Eigentlich sollte man von einem ZEIT-Redakteur des politischen Buchs erwarten können, dass er zumindest den Inhalt der Begriffe kennt, die er verwendet. Jörg Lau beweist in „Sex nach Lehrbuch“ genau das Gegenteil: dass ihm die Bedeutung des Begriffs „Toleranz“ völlig unbekannt zu sein scheint. Toleranz hat nichts mit Akzeptanz gemein.

Um es auf den Punkt zu bringen: Toleranz heißt „dulden“! Er stammt stammt aus der Zeit der so genannten Religionskriege, als Könige oder Fürsten die Religion ihres Volkes bestimmten. Mit der Toleranz eng verknüpft ist die Macht: Man duldete oder ertrug einen anderen Glauben, wenn man die Macht hatte, ihn zu unterbinden. Der Duldende verzichtete bewusst und häufig aus taktischen Erwägungen auf diese Macht und ließ den anderen Glauben gewähren. Das hat überhaupt nichts mit Akzeptanz zu tun, die bereits im Wort das „Aktive“ betont, also das „Annehmen“ oder Sich-zu-eigen-machen der anderen Haltung.

War früher Intoleranz der Gegenbegriff zu Toleranz (z.B. mit der Aufhebung des Edikt von Nantes 1685), so ist heute in der Demokratie eher die „Indifferenz“, zu der die Toleranz changiert: also eine Haltung, der es „egal“ ist, wie und was der andere denkt, solange das mich nicht tangiert.

Damit will ich übrigens nichts zur Reform des Sexualunterrichts in Hessen gesagt haben, auch nicht darüber, ob man in der Schule solch ein Aufhebens über Sexualkunde machen sollte. Mir reichte es schon, wenn die Schüler und Schülerinnen vernünftig Lesen und Schreiben lernten, damit sie später in politischen Diskussionen und Beiträgen die Begriffe in der richtigen Bedeutung nutzten und uns Lesern das unerträgliche Geschwurbel ersparten, den Jörg Lau verbreitete.“ – Dr. Josef König


 Leserbrief zu „American Angst“ von Bernd Ulrich

Und heute? Heute ist dieses Amerika, die einst letzte Zuflucht aller Demokraten, so außer sich, dass es einen Mann auf Armeslänge an die Tür des Oval Office lässt, der unbeherrscht ist, rassistisch, sexistisch, ein außenpolitischer Hasardeur, der die Folter legalisieren und Muslime verbannen will. Das stimmt so nicht. Er will straffällige Muslime verbannen, Folter haben die letzten 5 Präsidenten angewant, er ist kein außenpolitischer Hasardeur, er vertritt nur eine ander Meinung und einen anderen Weg, der nicht schlechter sein muss, Brüderle ist auch sexistisch, er ist auch nicht unbeherrscht, das ist falsch, 70% + in den USA sind rassistisch. Ein Mann, der droht, die Wahl nicht anzuerkennen, wenn er verliert, Clinton hat die Vorwahlen bewiesen manipuliert, da habe ich Verständnis, dass er am Wahlausgang Fragen hat und seine Kontrahentin ins Gefängnis bringen möchte, wenn er gewinnt. Es gehen einige für weniger ins Gefängnis.

Clinton lügt, wenn sie den Mund aufmacht und das ist auch bewiesen. Ein Mann, der ständig Lob braucht und Beifall, den er sich auch unentwegt selber spendet, der sich kaum konzentrieren kann und zappelig wird, wenn er nicht attackieren darf oder nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Das ist Hysterisch. Ist er ein Psychopath oder ein Faschist, wie manche sagen? Er ist weder ein Psychopath noch ein Faschist, das ist intelligenzfern. Sei’s drum. Entscheidend ist, dass so ein Mann vierzig Prozent der Amerikaner hinter sich bringen kann. Oder mehr.

Das FBI sei, so Trump, von der Justizministerin unter Druck gesetzt worden, die ja kurz vor Veröffentlichung des Gutachtens Bill Clinton auf einem Flughafen getroffen habe und so weiter. Dem ist auch so und das hat gerade wieder stattgefunden, deshalb kam vor 2 Tagen der Brief alles erledigt, wo nichts erledigt sein kann.   Und das nach einem Jahr, in dem schon die gewöhnliche Polizei wegen der vielen Morde an Schwarzen in eine tiefe Legitimationskrise gestürzt ist. Das sieht in den USA keiner der Weißen so. Das kann nur ein Deutscher so sehen.

Irgendetwas im Psychohaushalt der Amerikaner funktioniert nicht mehr, offenbar ist eine Art seelischer Betriebsstörung eingetreten. Wenn es Ihnen so dreckig gehen würde, wie mehr als 50% der Amerikaner würden Sie auch die selbe Betriebsstörung haben.  Dasselbe passiert hier in Deutschland auch, nur keiner will es sehen.   Vielleicht ist das für Deutsche besonders schwer nachzufühlen, diese Last, die „größte Nation der Erde“ sein zu wollen, wahrscheinlich macht sich unsereins gar keine Vorstellung davon, was es bedeutet, an die eigene Suprematie glauben zu müssen. Wo nehmen Sie das denn her. Es läuft in Deutschland haar genau der selbe Film. Uns wird täglich auf ein Neues erklärt, das wir die Besten des Universums sind, keiner kommt an uns heran, alles andere ist Abschaum gegen uns. Es geht nicht um Supermatie in den USA, sondern, dass wie hier auch die Leute nicht mehr wissen wie sie Essen und Wohnen bezahlen sollen. Natürlich nicht 100% der Bevölkerung, aber mehr als 50%, so wie hier auch.   : No boots on the ground, also keine Gefährdung von US-Soldaten mehr.

Wenn ich Drohnen habe, brauche ich keine Boots on the Ground mehr. Denn wenn die Amerikaner nicht mehr bereit sind, das Leben einiger Tausend Soldaten zu riskieren, was sind dann die anderen Sicherheitsgarantien wert? Wir sind Militärisch sehr viel weiter. Drohnen, da braucht es das alles nichts mehr.   Allerdings, auch mit Hillary Clinton handelt sich die Welt ein großes Problem ein, viel größer als mit Obama, nach dem wir uns noch die Augen ausweinen werden. Wer genau hinsieht, wird feststellen, dass auch Hillary Clinton heimlich mit dem Slogan arbeitet: Make America great again. Größer und großartiger als bei Obama. Absolut richtig wie die damalige Außenministerin Clinton 2011 in die Libyen-Intervention gegangen ist. Das Pentagon hatte Clinton abgeraten in Libyen einzufallen, es sei ein großer Fehler, sie tat es dennoch. als Wladimir Putin die Krim annektierte Putin hat die Krim nicht annektiert, das ist gelogen, es gab eine Wahl und die Leute dort wollten zu 97% zu Russland. und die Ostukraine zu destabilisieren begann, Die Ostukraine will zu Russland. Der Westen hat eine Faschistische Regierung eingesetzt, da waren die NAZIS ein Witz dagegen. Seit Katharina der Großen war die Krim russisch.

Erst Nikita Chrustschov, Ukrainer wurde die Krim zur Ukraine geschlagen, ohne Wahl.  Nach allem, was mittlerweile über Putins Eskalationsbereitschaft augenfällig geworden ist? Am Rande eines großen europäischen Krieges vermutlich. Sie sind auf einem Auge blind. Sie sehen nur die eine Seite. Sehen Sie sich mal Putins Seite an…… Die Europäer kümmern sich gar nicht um Afrika und wenn nur zur Ausbeutung und ja sie können es schlechter machen. Russland ist überhaupt nicht machtpolitisch überdehnter als die USA, das ist Unfug. Der große Fehler des Westen ist zu denken, dass jeder eine Demokratie braucht, dem ist überhaupt nicht so. Die Russen könnten mit einer Demokratie nichts anfangen. Die Deutschen inzwischen auch nicht mehr. Die Welt ändert sich. – Dr. Yvonne Hannewald


Leserbrief zu “Danke, ich bin bedient” von Julia Friedrichs

Die neuen Dienstboten? Warum so negativ über diesen Arbeitsbereich berichten? Das dieser Bereich unterbezahlt ist, davon spreche ich nicht. Ich möchte nur anmerken,  dass im Dienstleistungssektor die Möglichkeit der Schaffung von Arbeitsplätzen besteht. Nicht alle Personen im erwerbsfähigen Alter verfügen über eine ausreichende Schulbildung für den vermeintlichen Traumjob. Um auch diesen Personen eine Teilhabe an der Gesellschaft und eine selbständige Finanzierung der Lebenshaltungskosten zu ermöglichen sind diese Möglichkeiten der Arbeit immens wichtig. Stimmt die monatliche Bezahlung ist auch ein Leben ohne ergänzende Leistungen durch das Jobcenter möglich. Hier sind die Besserverdienenden gefragt, in dem die Bereitschaft der adäquaten Bezahlung stattfindet, aber auch in der Anerkennung der geleisteten Arbeit, sowohl persönlich als auch gesellschaftlich. Nach dem Motto: Eine Perle für den Haushalt? Gern, aber angemeldet und angemessen bezahlt. – Kristina Baginski


Leserbrief zu „Sex nach Lehrbuch“ von Jörg Lau

Nachdem Sie die Unterscheidung zwischen Toleranz und Akzeptanz sehr schön herausgearbeitet haben, nennen Sie selbige haarspalterisch und entwerten sie damit. Zugleich verzichten Sie auf die Unterscheidung zwischen der Person und deren Lebensweise. Ist Ihnen das ebenfalls zu haarspalterisch? Damit entwerten Sie Ihre komplette Aussage! – N. Baier


Leserbrief zu “Wie geht es ihm?“ von Lydia Klöckner

Fragens die Burgi aus Puchberg am Schneeberg. Menschen die mit Büchern groß werden lernen diese zu verstehen, Menschen die mit Tieren groß werden lernen diese zu verstehen! Sonne im Herzen! – Michael Georg Reisner


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

Ersteinmal. Ich freue mich jede Woche über meine Zeit. Besonders aber über das Zeit Magazin. Das letzte Magazin an das ich mich sehr positiv erinnere, es noch und nöcher weiterempfohlen habe, war das zum Thema „Der neue Mann – Männer, lasst euch helfen!“Ein großartiger Artikel mit vielen für mich neuen Informationen, Überraschungsmomenten und neuen Perspektiven. Alles was ein guter Text mit einem anstellen sollte- er sollte auch die Motivation schaffen danach darüber nachzudenken, ihn möglicherweise sogar mit Anderen zu diskutieren. Was ein Text keinesfalls tun sollte ist den Leser im Stich zu lassen, lückenhafte Recherche, Stigmata, Vorurteile, eine Wortwahl, die mich an das Mittelalter erinnert und dann auch noch alles mithilfe eines so langweiligen, spießigen Fallbeispiels zu erörtert, dass ich nur dachte: Wie kommen die darauf sowas abzudrucken. Es geht um den Artikel im ZEIT DOCTOR zum Thema Psychotherapien. Ich bin selbst Experte- würde mich so bezeichnen – als Patient mit einem langen Leidensweg. Und ich verstecke mich nicht vor der Wahrheit, dass es auch Schattenseiten in diesem System gibt, dass es vielleicht für manche Patienten eine kleinere Hoffnung auf Heilung gibt, als für Andere. Hinterweltlerisch war dieser Artikel dennoch. Ich hatte nicht mal die Motivation über ihn zu sprechen. Schade, weil es doch so ein hochinteressantes und aktuelles Thema ist, dass viel mehr öffentlichen Raum finden sollte. – Johanna Lütkehölter


Leserbrief zu „Umbau dringend nötig“ von Harro Albrecht

Vielleicht fiel es Ihnen bei Ihren Recherchen zu dem o.g. Artikel nicht auf. Aber in einem Land wie Dänemark (ein kleines Land) oder den Niederlanden wurde die Versorgung der Menschen in Krankenhäusern nicht an  Konzerne wie Vivantes, Helios etc übergeben.

Diese Wirtschaftsunternehmen wollen mit den von ihnen unterhaltenen Krankenhäusern Gewinne erzielen. Die deutsche Bundesregierung hat sich damit aus der Gesundheitsversorgung der Bürger zurückgezogen; sie ist nicht mehr eine staatliche Aufgabe sondern wurde an Wirtschaftsunternehmen übergeben.

Die Folgen kennen wir alle: Tausende Todesfälle durch Krankenhauskeime, ausgenutzes Pflegepersonal, überarbeitete Ärzte etc. – Angelika Ezzeldin


Leserbrief zu ZEIT Doctor „Was bringt Psychotherapie“

„Alle Jahre wieder zur Zeit der Winterdepression erscheint in irgendeinem Magazin ein Exklusivbericht über Psychotherapie. Diesmal in der Zeit, die mit ihrer neuen Beilage gleichsam signalisieren möchte: auch wir sind im postfaktischen Zeitalter angekommen.

Im Leitartikel darf eine verhaltenstherapeutisch orientierte Achtsamkeitslehrerin gänzlich lobbyistisch behaupten: für Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie gäbe es wenig bis gar keine wirksamkeitsbelegenden Studien, und die Notwendigkeit von Langzeitpsychotherapie sei strittig. Gänzlich vergessen ist dabei die Ausgabe der Zeit vom 25.08.2016 mit dem Titel: „Stark durch Therapie. So viele Männer wie nie trauen sich auf die Psycho-Couch. Das tut ihnen gut“ (die Couch: das Symbol der Psychoanalyse!). Aber was interessiert den Populismus schon sein Geschwätz von gestern.

Eine simple Googlerecherche hätte gereicht um rauszufinden, dass Studien von z. B. Jakobsen et al (2007), Leichsenring und Rabung (2008) sowie Shedler (2010) Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie längst differenziert nachgewiesen haben. Selbst der Guardian („Therapy wars: the revenge of Freud“ vom 07.01.2016) und Die Welt („Freud lebt!“ vom 28.02.2016 sowie „Warum die Psychoanalyse ein Comeback feiert“ vom 01.03.2016) wussten zu Jahresbeginn erneut davon zu berichten und wiesen sogar auf Überlegenheit gegenüber der Verhaltenstherapie hin. Dass analytische Langzeittherapie Vorteile gegenüber Kurzzeittherapie hat, hat das Ärzteblatt bereits 2003, eine Studie des Heidelberger Professors Gerd Rudolf resümierend, der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht (http://www.aerzteblatt.de/archiv/39335). Auch kann man ein Urteil des Sozialgerichtes Marburg recherchieren (Aktenzeichen S 6 KR 47/11 vom 11.08.2014), in dem dieses zugunsten einer gegen die gesetzliche Krankenversicherung klagenden Patientin für die Zahlung von Sitzungen, die über das in den Psychotherapierichtlinien festgelegte Stundenkontingent von 300 hinausgehen, entschieden hat, da es durch Gutachten von Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit des Verfahrens insbesondere im konkreten Fall überzeugt war.

Das gegeneinander Ausspielen der etablierten Psychotherapieverfahren, die alle wirksam sind (!), hilft aber niemandem und weist nur auf wirtschaftliche Interessen oder Angst vor Bedeutungsverlust der spaltenden Parteien hin. Im Interesse der Patientenversorgung sollte integrativ gedacht und kooperativ gehandelt werden, wie es z. B. Gerd Rudolf mit einem Vergleich des Streits der Therapieschulen zu Lessings Ringparabel in seinem Buch „Wie Menschen sind“ andeutet.

Es bleibt zu hoffen, dass die Medizinlandschaft von weiteren schalen Zeitrezensionen ihrer Methoden verschont bleibt. Möge es Kollegen anderer Fachdisziplinen erspart bleiben, ihre irritierten Patienten z. B. von der Legitimität von Koronarangiographien, Koloskopien oder laborchemischen Untersuchungen wieder überzeugen zu müssen.“ – Christian Dürich


Leserbrief zu „Sex nach Lehrbuch“ von Jörg Lau

Ich komme langsam aber sicher nicht mehr umhin, all diesen Zurückgebliebenen, Homophoben, Neophoben, etc. Recht zu geben. Ich lese und höre zurzeit ständig die Frage, ob wir (die Toleranten, Modernen, Liberalen…und hast du nicht gehört)die zuerst Obengenannten nicht mitnehmen bzw. mitgenommen haben auf dem Weg in die „Zukunft“. Wenn ich Texte wie diesen lese, kann ich ganz klar antworten: Nein, definitiv nicht. Sie, Herr Lau, konstatieren den (Achtung, ganz wichtig!) konservativen Elternverbänden und Kirchenvertretern eine Toleranz gegenüber …sexueller auf eine höhnische und herablassende Art, wie sie keiner der Betroffenen hinnehmen muss. Sie müssen sich bewusst sein, das Sie hier Menschen aus der Mitte unsere Gesellschaft diskreditieren, welche Toleranz zeigen und gleichzeitig Normen und Werte verteidigen, die das Fundament unserer Gesellschaft bilden. Wenn Sie meinen die Sache mit der Toleranz ist doch komplett überholt, wir gehen einfach über zur Akzeptanz bedeutet dass schlussendlich, das wir unsere Werte und Normen über Bord werfen und unserer Gesellschaft damit das Fundament entziehen worauf sie steht. Wohin das letztendlich führt, können wir aktuell in den USA beobachten, sowie nach und nach im Großteil der westlichen Welt. Zu unserem zweiten Fundament, unserer Verfassung. Meine Rechte enden dort, wo die Rechte anderer beginnen. Dieser Tatsache sollten sich die Schwulen- und Lesbenverbände einmal klar werden, auf deren betreiben, vor allem der grüne Teil der Hessischen Landesregierung die entsprechende Politik vorantreibt. Ja, das Grundgesetz garantiert euch Gleichberechtigung und Würde aber es garantiert auch den Eltern ihr natürliches Recht auf die Erziehung ihrer Kinder.    – Tobias Meisborn


Leserbrief zu „“American Angst““ von Bernd Ulrich

Im Nachgang zu meinem Kommentar zu obigem Aufsatz von Bernd Ulrich eine Anmerkung zum Stil:

Ulrich benutzt an einer Stelle den  Begriff „mainsplain“, um die paternalistische Politik der US-Regierung gegenüber der deutschen zu beleuchten. Ich finde das befremdlich. Obwohl Englischlehrer  und trotz längerem Aufenthalt in den USA, Abonnement der New York Times inklusive, verstand ich das Wort nicht. Das ging sicher den meisten Lesern der ZEIT so.

Warum, frage ich, greift ein deutscher Journalist, dem die Pflege und auch Erneuerung der deutschen Sprache ein professionelles Anliegen sein müsste, auf ein solches Fremdwort zurück?  Dass ihm „Klugsch…“ zu vulgär ist versteht man. Wie wäre es mit dem einfachen „Besserwisser(ei)“, oder, wenn man sich der Mode, Neologismen durch das Verschmelzen von Elementen verschiedener Wörter zu kreieren, nicht entziehen will, mit „Machobelehr“oder „Machoklär“?

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, unsere Journalisten verfielen einem neuen Manierismus, dem es bekanntlich auch mehr um Selbstgefälligkeit als um Klarheit ging. – Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Wohin soll das führen“ von Fabian Klask

Ist die SPD jetzt schon soweit heruntergekommen, dass sie sich auf dem politischen Strich herumtreibt ? Wie der Autor des Artikels richtig bemerkt, gebiert sich die gute alte Tante SPD nicht anders als AfD und  die Linke, die ihre politischen Erfolge mit Populismus erreichen. Aber so etwas jetzt auch bei der bisher als eher langweilig aber seriös wahrgenommenen SPD ? Eine Politik der Anbiederung an das heutige  Russland unter Putin eine Fortsetzung der(alten) neuen Ostpolitik aus Brandts Zeiten zu nennen ist ein  Etikettenschwindel. Steinmeier und Gabriel, der eine in seiner Verbundenheit zum alten Chef Schröder, dem Putin-Freund, und der andere auf der Suche nach mehr Prozenten für seine gebeutelte Partei schaden  der SPD damit nicht nur langfristig sondern verlieren auch 1 Jahr vor der Bundestagswahl an Glaubwürdigkeit. Die CDU/CSU mag auch nur ein Wahlverein zum höheren Nutzen für Merkel sein, aber die Bundeskanzlerin erinnert, nicht erst im Luther-Jahr, mit ihrer Gradlinigkeit und Charakterstärke an den Reformator. Und da Putin,  wie vielleicht auch Erdogan, solche Verhandlungspartner fürchtet, respektiert er sie auch. Im knallharten  politischen Geschäft ist Angela Merkel damit allemal besser aufgestellt als der weichspülende Außenminister  Steinmeier. Mit seiner defensiven Haltung gegenüber Putin ist er für eine Nominierung für die Wahl zum  Bundespräsidenten nicht mehr unstrittig -egal wie viele Deutschen sich ihn als Nachfolger von Gauck wünschen. –Klaus Reisdorf


Leserbrief zu “Is doch garr nich so schlächt” von Martin Spiewack

….typische Verharmlosung eines Problems! Typisch auch für „DIE ZEIT“!!! Die Senkung der Standards in der Rechtsschreibung ist Markenzeichen der rotgrünen Bildungswelt! Bester Beweis: 5 Jahre rotgrüne Schulpolitik in BW!!! Aber da wird heruminterpretiert, um schlechte Ergebnisse noch zu beschönigen. Gehen Sie doch einfach mal in die Praxis und vergleichen die Einstellungstests von heute mit früher ….. oder von Bremen, Hamburg mit Bayern ….Si tacuisses, philosophus mansisses, verehrter Herr Spiewak! – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Wellen der Zuversicht“ von Hanno Rauterberg

Ich schätze meist die Beiträge von Herrn Rauterberg. Über Geschmack soll man ja nicht streiten. Ich habe 2015 mit einer Gruppe den damals schon fertigen Bau der Elbphilharmonie (Rauterberg: „den man  nicht unbedingt schön finden muss“) von der Strasse und vom Wasser her betrachtet. Mit Rücksicht auf anwesende Hamburger habe ich den Bau nur als „unausgewogen“ bezeichnet – ein Hamburger fand ihn hässlich!

Für die Hälfte der 789 Millionen hätte man auf einen der vielen freien Plätze der Doch-nicht-Olympia-Stadt ein architektonisch interessantes Konzerthaus hinstellen können. So etwas wie das eindrucksvolle, ja schöne, neue Festspielhaus in dem „Kuhdorf“ Erl, wo nach wie vor die Wagner-Opern im Passionsspielhaus – auch auf einem grünen Hügel ! – die Konzerte aber im neuen Festspielhaus stattfinden  (Tiroler Festspiele). Herr Rauterberg möge sich dieses neue Festspielhaus in Erl einmal ansehen, als Kontrast zu dem „riesigen kalten Glaskörper“ der Elbphilharmonie. – Wolfgang Ritter


Leserbrief zu „Der Untergang der Fakten “ von Eva Bucher

„Die Schöpfung dauerte länger als sechs Tage“ schrieb Prof. Kügler. Also gab es „die Schöpfung“, also ist nicht alles natürlich, also ist die Natur inclusive des Menschen doch das Ergebnis eines Schöpfers?!
Und leugnen wirklich nur „alle fundamentalistischen Christentümer“ die Ergebnisse der Bibelwissenschaft? Aber seine eigene, die katholische Kirche, ihre „Hirten“ und „Schafe“, ihre „Fische“, „Bäume“ und das „Unkraut“ (so der göttliche, unmenschliche Originalton Jesu Christi), sie alle tun das doch auch! Heute nur nicht mehr so vollständig wie früher.

Kurz: Nicht nur alle anderen Religionen, auch die jeweils eigene, und sogar die katholische, ist erfunden, sind alle Lug und Betrug. Aber so lange Theologen wegen des Verkündens dieser Wahrheit gekündigt werden, so lange werden sie das verschweigen. Oder verschließt die Furcht vor dem ewigen Höllenfeuer des synoptischen, unbarmherzigen Jesus ihren Mund? Oder die 600 Liter Wein und die 153 großen Fische, mit denen der Amen-amen-Lügner Johannes die frohe Botschaft des von ihm erfundenen Jesus beginnen und enden lässt?- Manfred Schleyer


Leserbrief zu “Weisch?” von Thomas Kerstan

Der Artikel spiegelt eine unglückliche Tendenz wider, dass von der Warte des Bildungsforschers – ich beziehe mich auf die Äußerung von Herrn Trautwein – Alltagstheorien verbreitet werden. Der Artikel gibt vor, Ursachen für das schlechte Abschneiden Baden Württembergs in Lesetests zu nennen. In Wirklichkeit nennt er eine Reihe von Halbwahrheiten. Hier eine Auswahl. Erstens: Der Verzicht auf eine Grundschulempfehlung ist nicht spezifisch für Baden Württemberg. Zweitens: Die Pädagogischen Hochschulen dort gibt es seit über fünfzig Jahren. Sie kommen als Einflussgröße also nicht in Frage. Die Universitäten Baden Württembergs können bei der Lehrerausbildung im übrigen nichts falsch machen, weil sie bislang de facto kaum eine betreiben. Bis heute existieren dort keine Lehrstühle für Fachdidaktik. Viertens: Die kritisierten Gemeinschaftsschulen sind der Versuch, dem von der Bildungsforschung monierten Manko einer zu starken Koppelung von Bildung und sozialer Herkunft entgegenzuwirken. Die ebenfalls angesprochene Inklusion ist eine internationale und umzusetzende Vorgabe. Allgemein: Das Bildungswesen, nicht nur in Baden Württemberg, war in den letzten Jahren darauf bedacht, Vorschläge der Bildungsforschung in Form von Kompetenz- und Standardorientierung umzusetzen. Vielleicht waren es die falschen Vorschläge. Die Studie hat Teilkompetenzen, u.a. die Lesefähigkeit erhoben. Berechtigt dies zu Aussagen über ein gesamtes Bildungssystem? Qualität finde im Unsichtbaren statt, stellt Herr Trautwein fest. Angesichts Hattie’s Visible Learning eine überraschende, aber vielleicht zutreffende Aussage. Aber gerade dazu hat die hier zitierte Forschung eigentlich nichts zu sagen. Wenn sie im Artikel gegen Teile der Lehrendenausbildung den Vorwurf der Ideologie erhebt, dann würde es die wissenschaftliche Redlichkeit gebieten, auch die Bildungsforschung selbst unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten. In der Hoffnung, dass dieser Text hochdeutsch genug ist. – Joachim Appel


Leserbrief zu “Is doch garr nich so schlächt” von Martin Spiewack

Angeregt durch den Artikel über die doch nicht so schlechten Rechtschreibkünste unserer Schüler möchte ich Folgendes anmerken:

Sie sind schlecht. Ich war bis 2013 im Schuldienst tätig. (Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern)

Bei Vergleichsarbeiten sind die Schüler sehr motiviert und konzentriert. Es geht um die Schulehre, wird ihnen vorher ans Herz gelegt. Diktate werden nur selten geschrieben und dann leider nicht mehr als Klassenarbeiten gewertet. (Es schmeichelt der Deutsch-Gesamtnote.)

Lehrer, die in anderen Fächern als in Muttersprache unterrichten und richtiges Schreiben anmahnen, vielleicht sogar noch eine Fehlerberichtigung erwarten (!), werden von den betreffenden Schülern behandelt, als wären sie vom anderen Stern, vorsichtig ausgedrückt. Es fehlt das einheitliche Handeln und konsequente Durchsetzen von Beschlüssen bei den Lehrern. Insofern stimmt es schon, dass die ostdeutschen Lehrer engagierter sind. Wieso? Weil wir so erzogen wurden. Zu DDR-Zeiten gab es ein „straffes“ Schulsystem. Genaue Lehrplanziele, einheitliche Unterrichtsmittel, regelmäßige Kontrollen zur Qualität des Unterrichts durch den Schulinspektor, durch Gruppenhospitatiponen oder durch den Direktor. Kontrolle ist ein guter Katalysator. Die „Knechtung“ der Lehrer, die in festen Strukturen kaum Freiheit zum kreativen Wirken hatten und ihren Fokus deshalb auf gute Lernergebnisse ihrer Klassen legten – mit persönlicher Verantwortung und Ethos, wirkt jetzt positiv nach.

Die Rechtschreibkünste sind schlecht, weil sie im Deutschunterricht nicht den Stellenwert haben, den sie bräuchten. Und es fehlt Zeit zur Übung. Es fehlt auch an Würdigung. Vieles liegt im Argen. Meine Umfrage unter Schülern der Klassen 5 – 7 im Jahre 2008 legt Einiges offen. Ich sende sie Ihnen aber unter dem Aspekt Rechtschreibung. – G. Schumann


Leserbrief zu „Der Untergang der Fakten “ von Eva Bucher

„Aus Wünschen und Wahrnehmungen baut sich jeder seine Wirklichkeit, immun gegen Daten und Statistiken“ liest man als Kernsatz in der Suche nach dem „Untergang der Fakten“. Als ob das, zumindest im ersten Teil, etwas Neues wäre zur Erkenntnis menschlicher Kenntnis von Wirklichkeit. Auch der zweite Teil läuft aber  an der Tatsache vorbei, dass Daten und Statistiken schon immer nur von denen eingesetzt bzw. ignoriert werden können, die sie kennen bzw. kennen könnten, wenn sie denn wollten. Genau dies ist aber höchst zweifelhaft. Im „postfaktischen“ Meinungsausdruck gibt es keine Auseinandersetzung mit Fakten und Statistiken — sie sind eine Welt, die ausgeblendet wird, weil ohnehin bildungsmäßig weit über Niveau, oder geleugnet, weil nicht zur gegenwärtigen Wutrichtung oder Ideologie passend. In prä-Internetzeiten hat man die am Stammtisch bramarbarsierenden Tröpfe einfach ignoriert. Heute ist die beste Taktik wohl, die sogenannten Sozialen Medien einfach zu ignorieren. Zu viel versammelter Blödsinn. – Dr.Kurt Gamerschlag

 

27. Oktober 2016 – Ausgabe 45

Leserbrief zu “Der belgische Albtraum” von Jochen Bittner

Jochen Bittner räumt auf der heutigen Titelseite zwar ein, daß es „berechtigte Einwände“ gegen CETA und TTIP gibt, aber gleich darauf verwirft er offenbar seine Bedenken, und zwar der internationalen Reputation der EU zuliebe. Artig betet er also nach, was auf Linie gebrachte Politiker brav vorbeten.

Aber was soll das? Jahrelang haben Vertreter aus Politik und Wirtschaft hinter großteils verschlossenen Türen etwas ausgehandelt. Seit das Ergebnis das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat, gibt es „berechtigte Einwände“ dagegen. Und trotz dieser berechtigten Einwände soll es einfach durchgeboxt werden? Gelten denn die Interessen der Wirtschaft mehr als das auch zukünftige Wohl der Bürger? Die Außendarstellung der politischen Union mehr als der innere Zusammenhalt der Gemeinschaft?

Es gibt sehr wohl konstruktive Kritik an CETA/TTIP, freier Handel ja, aber nicht auf Kosten des Gemeinwohls. Wer die leichtfertig ignoriert: der überläßt die Diskussion fahrlässig den Rändern des politischen Spektrums, der riskiert grob fahrlässig den Aufstieg von Populisten und ein Zerbröckeln der EU, der verschenkt das Projekt Europa und zieht sich auf das Skelett einer Wirtschaftskoalition zurück.

Und wer heute sagt, man könne halt nicht anders als unterschreiben, weil man ja sonst blöd dastehe vor der Welt: der muß dereinst vielleicht seinen Enkeln erkären, daß die Stadt bei steigender Einwohnerzahl leider die Trinkwassermenge pro Haushalt begrenzen muß, weil man das Wasserschutzgebiet nicht vergrößern kann, ohne von einem ausländischen Konzern in Grund und Boden geklagt zu werden, weil der ja dort schon in Fracking investiert hat.

Man mag über die Beweggründe des wallonischen Nein streiten. Aber hätte sich die Wallonie nicht quergelegt, dann wären alle „berechtigten Einwände“ heute bereits Makulatur, stattdessen wären genau dieser Investorenschutz und genau diese Schiedsgerichte bereits in Kraft. – Bernhard Jerabek


Leserbrief zu „Das neue Wettrüsten““ von Matthias Nass

In dem genannten Artikel von Matthias Naß, der im Übrigen sehr interessant und wichtig ist, findet sich ein grober Fehler. Es heißt dort, dass der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt wegen der NATO-Nachrüstungsdebatte in seiner eigenen Partei an Rückhalt verlor und schließlich zurücktreten musste. Der erste Teil dieser Aussage ist sicher richtig, der zweite Teil ist aber falsch. Wie jeder und jede politisch halbwegs gebildete Deutsche wissen sollte, ist Helmut Schmidt nicht zurückgetreten, sondern durch ein konstruktives Misstrauensvotum abgewählt worden, nachdem die FDP den Koalitionspartner gewechselt hatte. Jemand, der im Politikteil der ZEIT schreibt, sollte so etwas nicht falsch darstellen. – Dr. Nikolaus Wandinger


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Meine frage: was ist glauben? profundes wenigwissen: „glauben“ haette auch mit „vertrauen“ uebersetzt werden koennen, leider nicht mit „dankbarkeit“, ua dass ich dieses kurze hiersein geschenkt bekommen habe

zu dankbarkeit gefaellt mir: uebung der dankbarkeit:
– akzeptieren / annehmen was ist, vielleicht wie stephen hawking
– wissen es ist nicht selbstverstaendlich
– wissen es ist nicht allein ergebnis meiner bemuehung

„zweifel“ laut herrn buddha, eines der menschlichen entwicklungshemmnisse
„wir“, „man“ = nicht hilfreiche verallgemeinerungen nach meinem empfinden, vorschlag: „ich“ schreiben
„eigentlich“ = einschraenkung dessen was ich von mir gebe

„sicher“: herr mein lieber gott, wessen kann ich mir schon sicher sein?
„gott“ fuer mich metapher fuer unerklaerbares, sehnsucht gesehen, gemocht zu werden, kann ich als kleines kind audruecken / als erwachsener =?

wobei allzu grosse „sehnsucht“ auf dauer zerstoererisch wirkt, erkenntnis stammt nicht von mir, gefaellt mir – Clemens Biegler     


Leserbrief zu „Demokratie wagen“ von Peter Dausend und „Der belgische Albtraum“ von Jochen Bittner

Herr Dausend, es sind die Eliten, die die Demokratie zerstören. Allen voran die Finanzelite. Der Souverän ist zu der Überzeugung gelangt, dass er gesellschaftliche Entwicklungen nicht mehr nachvollziehen kann. Wichtige Entscheidungen werden von den Eliten bewusst intransparent  getroffen. Ganz schlecht für das Vertrauen. Ist es doch ein scheues Reh. So ist es doch die Aufgabe der Medien, Nebelkerzen zu werfen, damit sich der Wähler bis zur Erschöpfung empören kann. Politiker haben dann nur noch die Aufgabe durch nebulöses Geschwafel und Eröffnung von Nebenkriegsschauplätzen, die eigentlichen Ziele unserer Eliten unkenntlich zu machen.

Auch Herr Bittner scheint ein Problem mit der Demokratie zu haben. Ja, Parlamente in Europa werden zu diesem Thema gefragt. Diese haben ein zeitlich begrenztes Mandat vom Souverän. Ja, dazu sagt man Demokratie. Wirtschaftliche Interessen werden nicht übergeordnet. Da ist auch nicht zielführend Schreckensszenarien auf die erste Seite der Zeit zu platzieren. – Hubert Kohlbrenner


Leserbrief zu “Der belgische Albtraum” von Jochen Bittner

Der belgische Albtraum“  Warum „peinlich“?  Was ist peinlich daran, wenn ein Regionalparlament (schon seit langem!) Einwände erhebt? Was ist das überhaupt für ein Kriterium (das mehr und mehr in der Presse herumgeistert), daß Politik peinlich ist?  Ist es nicht eher „peinlich“, daß ein Regionalparlament berechtigte Sorgen um demokratische Verfahren so artikulieren muß?  Wenn man die EU als Familie sähe, wären die kleinen Provinzen und Regionalparlamente wohl sicherlich die (schwachen) Kinder. Was für eine Familie wäre das, die nicht auf ihre Kinder hört, sie versucht zu überstimmen mit dem Ausspruch: „Was sollen denn die anderen denken?“ Waren wir nicht schon einmal viel weiter??!??  Ist es nicht eher viel peinlicher, wie demokratisch unlegitimiert die EU nach wie vor ist? Ist es nicht peinlicher, daß wichtige Verträge, die alle Familienmitglieder angehen „geheim“ verhandelt werden? Ist es nicht viel peinlicher, daß demokratische Staaten überhaupt in Erwägung ziehen „Schiedsgerichte“ zuzulassen, die jedem Rechtsstaat Hohn sprechen? Ist es nicht viel peinlicher, daß es letztlich für alle Aktionen der EU keine europäische, parlamentarische Kontrolle gibt? Daß das europäische Parlament nach wie vor als Papiertiger auftritt und das sich mehr und mehr europäische Staaten in wichtigen Fragen der Gemeinschaft auf nationale Alleingänge zurückziehen.  Wenn es des Anstoßes durch CETA/TTIP bedurfte, daß Europa endlich zu demokratischem Miteinander aufwacht, dann ist der „peinliche“ Vorstoß der belgischen Regionalparlamente nicht hoch genug anzurechnen!  „Vive la Wallonie!“  – Wofgang Michel


Leserbrief zu „Brrrrrommmmm!“ von Gero von Randow

Das Verbot von Verbrennungsmotoren bis in 14 (!!) Jahren ist nichts anderes als ein gigantisches Volkserziehungsprogramm …egal mit welchen Argumenten es verbrämt wird! Da ist Herrn Lindner voll Recht zu geben! Unabhängig hiervon sind die wirtschaftlichen Folgen für Deutschlands Vorzeigebranche fatal! – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Demokratie wagen“ von Peter Dausend

Ein großartiger Artikel (Zeit 45 Demokratie wagen). Ergänzend möchte ich sagen, dass die Politiker sich mehr als Diener unseres Staates begreifen müssen und auf Eitelkeiten verzichten sollen.

In unserer Demokratie bedeutet es, sie treten mit ihren ganzen Fähigkeiten und Reputationen an, einer wird gewählt. Nach der Wahl behalten alle drei ihre anerkannten Fähigkeiten und Reputationen und derjenige, der gewählt wurde, tritt so am Ende der Wahlperiode auch wieder zurück und dient unserem Staat auf eine andere Weise, so wie es die nicht gewählten auch tun. – Christian Voss


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Die neuen 95 Thesen zeugen von der Vielfalt, Offenheit und Lebendigkeit der Prägung durch das biblische Wort. Jürgen Flimms Bekenntnis berührt mich am stärksten, denn Sanftmut bezeichnet die erfahrbare Mitte und Kraft des Evangeliums. Dabei geht es weniger um irgendeine weiche Welle als vielmehr um jene Liebe und Verantwortung, die mutig macht. – Alfred Schubert


Leserbrief zu „Demokratie wagen“ von Peter Dausend

Als wäre es Gott gegeben, einen Politiker ins Amt zu heben. Auf die Idee, daß es vielleicht ein Aussenstehender auch sein könnte und nicht aus dem Dunstkreis der Politik, hat man wohl aufgegeben. Hier mein Vorschlag zur Güte: Der Präsident Professor Dieter Lenzen von der Freien Universität, Berlin wäre für mich eine gute Wahl. Und damit wäre die Politik aus dem Schneider. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wünsch dir was!“

Ein Satz in Ihren Interviews hat mich geflashed, wütend gemacht: Brunhild Kurth:“ Wir sollten insgesamt versuchen, Fächer häufiger miteinander zu verbinden. Das bedeutet, dass sich Lehrer  verschiedener Fächer untereinander abstimmen müssen.“Unabgesprochen hatte ich 1975 in einem Tübinger Gymnasium zeitgleich  Barockgedichte, Barockmusik und Absolutismus in Frankreich in drei verschiedenen Fächern. Der zufällige Erkenntnisgewinn (es war wirklich ein whow,!! ), dass alles mit allem zusammenhängt, hilft mir bis heute, Verbindungen zu erkennen und Einzelereignisse (Bilder, Gedichte, Musik, Politik..)  ziemlich sicher einzusortieren, weil ich irgendwo einen Anker habe.  Es ist wirklich bedauerlich, dass dieser Ansatz nicht schon längst „state of the art“ ist, weil man strikt auf der 45 Minuten-Struktur beharrt.
Obwohl ich nie Lehrer werden wollte, verfolge ich doch solche Berichte immer wieder mit ziemlich großem Interesse, auch weil ich immer wieder in die Rolle des Nachhilfelehrers gerutscht bin (2 eigene Kinder, schwerhöriger türkischstämmiger Nachbarsjunge, mein Neffe…, jetzt Geflüchtete). So habe ich fast alle bayerischen Beschulungsmethoden kennen gelernt (Grund-, Haupt-, Förder-, Real-, Fachoberschule, Gymnasium, Montessoriinternat, Waldorfschule). Meiner Erfahrung nach sind einzelne  Lehrerprsönlichkeiten, die sich souverän ein eigenes Lehrziel vorgeben, diejenigen, die unsere Kinder  am besten unterrichten. Diejenigen, die strikt den Anforderungen der Kultusbehörde folgen und dementsprechend  schnell befördert werden, sind langfristig nicht unbedingt ein Gewinn. Detailliertere Erfahrungen auf Wunsch – Christiane Ott-Berger


Leserbrief zu „Amerikas blonder Mussolini“ von Josef Joffe

Sicherlich gibt es viele Erklärungen dafür, warum die Populisten (und gerade die rechten) so stark im Kommen sind.

Was mir auffällt, ist eher eine Krise der etablierten Politik und der etablierten Politiker. Wieviele Politiker beantworten wirklich eine Frage eines Journalisten, ohne auf Plattitüden oder andere Themen auszuweichen? (Und wieviele Journalisten haken wirklich nach und bestehen auf einer klaren Antwort?)
Wer kennt nicht die ewig langweiligen, regionalen und berliner Elefantenrunden, bei denen außer Sätzen mit „Ich habe schon immer gesagt,…“ nichts herauskommt?

Wieviele Politiker und Parteien setzten wirklich um, was sie in ihren Programmen versprechen (oder halten zumindest zu ihrem Wort, bis tragbare Kompromisse im Sinne ihrer Ideen gefunden sind)? (Beispiele der letzten Jahre: da wird eine Steuerreform in Bierdeckelgröße versprochen und beim kleinsten Widerstand aufgegeben; eine Mehrwertsteuererhöhung wird vor der Wahl kategorisch ausgeschlossen, um dann im 3%-Bereich zu erscheinen; eine Bürgerversicherung oder respektive Kopfpauschale wird lautstark als Allheilmittel gepriesen und verschwindet klanglos im Äther… Beispiele für die jeweiligen Länder mit aufstrebendem Populismus lassen sich gerne hier einfügen…) Das Resultat dieses kläglichen Politikverhaltens ist dann, daß die Menschen den Politikern nicht mehr trauen. Daß sie sich übergangen fühlen und nicht beachtet, sie meinen keiner setzt sich für ihre Belange ein und sie folgern, daß wählen ja sowieso nichts mehr bringt. Und hier treten die Populisten auf. Nicht daß sie irgendwelche Lösungen anbieten, geschweige denn parat haben. Das brauchen sie auch nicht, denn sie sprechen zu dem Gefühl der Menschen (bestes Beispiel ein Interview auf MSNBC mit Newt Gingrich, in dem er auf positive Fakten zur Kriminalität hingewiesen wird und diese klar verleugnet mit dem Satz: „…das mögen ja Ihre Fakten sein, aber ich halte mich an das Gefühl der Leute und sie fühlen etwas ganz anderes…“).

In einem Beitrag in dieser Zeitung wurde letztens Donald Trump als „Bullshit-Artist“ bezeichnet und das trifft genau auf all diese Populisten zu heißen sie nun Trump, LePen, Wilders, Orban, Kaczynski, Grillo, Petry ….

Fakten, Wahrheiten und Strategien sind ihnen nicht wichtig. Nur Gefühle zählen. Deswegen werden Lügen und Unwahrheiten ständig wiederholt, auch wenn sie wiederlegt sind, denn sie wollen nur zum Gefühl der Leute sprechen, dem Gefühl von Haß, von Ausgeschlossensein, vom Abgehängtsein, vom Neid auf andere – und hier gerade auf Minoritäten. Denn mit Gefühlen kann man Massen bewegen. Und hat man die Massen bewegt, kann man sie in jede Richtung lenken, wie man will – ein Blick in die deutsche Geschichte genügt! Den Populisten wird nur zu begegnen sein, sobald die etablierte Politik anfängt zu tun was sie sagt!

Ein solches Verhalten wird gemeinhin als Integrität bezeichnet. Wie wär´s…  Und hier treten die Populisten auf. Nicht daß sie irgendwelche Lösungen anbieten, geschweige denn parat haben. Das brauchen sie auch nicht, denn sie sprechen zu dem Gefühl der Menschen (bestes Beispiel ist ein Interview auf MSNBC mit Newt Gingrich, in dem er auf positive Fakten zur Kriminalität hingewiesen wird und dies klar verleugnet mit dem Satz: „…das mögen ja Ihre Fakten sein, aber ich halte mich an das Gefühl der Leute und sie fühlen etwas ganz anderes…“)

In einem Beitrag in dieser Zeitung wurde letztens Donlad Trump als „Bullshit-Artist“ bezeichnet und das trifft genau auf all diese Populisten zu, heißen sie nun Trump, Le Pen, Wilders, Orban, Kaczynski, Grillo, Petry…

Fakten und Wahrheiten sind ihnen nicht wichtig. Nur Gefühle zählen. Deswegen werden Lügen und Unwahrheiten ständig wiederholt, auch wenn sie wiederlegt sind, denn sie wollen nur zum Gefühl der Menschen sprechen, dem Gefühl von Haß, vom Ausgeschlossensein, vom Abgehängtsein, vom Neid auf andere – und hier gerade auf Minoritäten. Denn mit Gefühlen kann man Massen bewegen. Und hat man die Massen bewegt, kann man sie in jede Richtung lenken, wie man will – ein Blick in die deutsche Geschichte genügt! Den Populisten wird nur zu begegnen sein, sobald die etablierte Politik damit anfängt zu TUN was sie sagt!

Ein solches Verhalten wird gemeinhin als Integrität bezeichnet!!! –  Wolfgang Michel


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

These 37 von Elisabeth von Thadden ist die trefflichste; mit ihr werde ich meine diesjährige Christvesperpredigt am Heiligen Abend schließen. Herzlich gelacht über die 95.These, an ihr hätte auch Martin Luther, der komplette Mensch, so Heinrich Heine, seine Freude gehabt.  Vielen Dank für Ihre Thesen-Idee ! – Helmer-Christoph Lehmann


Leserbrief zu „17 Tage, null Bock“ von Dieter Wulf

Ich habe mich sehr über Ihren Artikel gefreut, weil hier zur Abwechslung mal keine Lobhudelei moderner Pädagogik betrieben wird. Nach meinem Referendariat habe ich ein halbes Jahr an einer Gesamtschule gearbeitet, in der es eine Fülle von Projekten dieser Art gab. Mein damaliger Eindruck: nach außen hui (sehr schön für das Schulprofil,  die Homepage und interessierte Eltern zukünftiger Schüler), nach innen pfui (Chaos, Frust und Vergeblichkeitsgefühle sowohl bei der Schülerschaft als auch im Kollegium). Mein Bauchgefühl wird durch Ihr Protokoll gestützt: die „Herausforderung“ kann (ähnlich wie fächerübergreifender Unterricht, Projekttage etc.) toll sein, Schüler_innen erreichen, Lernprozesse anstoßen und  etwas bewirken. Sie kann aber auch völlig in die Hose gehen. Für manche Schüler_innen ist es genau das Richtige, für andere eine nervige Zeitverschwendung oder Zumutung. Somit unterscheidet sie sich kaum von dem, was sonst so in der Schule passiert.

Für erfolgreiches Lernen müssen eigentlich nur 3 Dinge zusammen kommen:

  1. a) motivierte und kompetente Lehrerinnen und Lehrer
  2. b) eine in Ansätzen motivierte und prinzipiell lernbereite Lerngruppe
  3. c) ein wenig Chemie zwischen a) und b)

Ob a) und b) dann miteinander in einem Projekt arbeiten, eine Herausforderung meistern oder „ganz normalen“ Unterricht machen, ist letztlich egal. Die Fünkchen sprühen dann so oder so. – Sarah Radtke


Leserbrief zu „Amerikas blonder Mussolini“ von Josef Joffe

Ich gehe das Risiko ein, die AfD zu wählen.  Vor Jahren habe ich Ihnen schon geschrieben, daß die westlichen Demokratien reformiert werden müssen, sonst gehen wir einer Bürgerrevolution entgegen. Und wenn ich in den USA leben würde, würde ich Trump wählen. Ich weiß, das ist Ihnen bis heute nicht zu vermitteln und wahrscheinlich auch nicht in Zukunft und deswegen verstärkt sich mein Wunsch diesen Weg zu gehen. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeiten als Ronald Reagan als Kandidat angetreten war.  Was wurde über diesen Mann für Müll ausgeschüttet.  Arnold Schwarzenegger einfaches Volksschulkind, wurde Senator in Florida. Der war von der Politik soweit entfernt wie die Steiermark von Florida.

Nun ist Trump in der Sprache noch eine Portion Prollhafter, obwohl er alles andere ist als ein Prolet. Sie haben selbst geschrieben, Trump bewegt sich in New York auf dem gleichen Parkett wie die Clintons. Was ist das für eine Logik, wie ich von Kollegen in den USA hören konnte, daß man aus Anstand dem Gewinner gratuliert und ihm/ihr alles Gute wünscht. In der heutigen Zeit ist die Gefahr der Wahlfälschung besonders hoch. Das müsste gerade den Amerikanern doch bekannt sein. Ihr Beitrag stellt genau diese Frage. Mit solchen Aussagen kann ich jedenfalls nichts anfangen. Und Trump mit Mussolini gleichzusetzen, ist verdammt weit hergeholt.

Da hat sich Josef Joffe, den ich sonst sehr schätze, in der Wortwahl etwas vergriffen. Die Sozialisten in der Welt haben doch alle versagt, sobald sie an die Macht kamen. Nichts aber auch gar nichts wurde erreicht. Das einzige was die können, ist Armut schaffen.

Und trotzdem fallen viele Bürger immer wieder darauf rein. Von den Kommunisten will ich gar nicht erst sprechen.  Ihre beiden Beiträge, obwohl unterschiedlicher Themen, zeigen mir mal wieder, wie gekonnt Stimmung gemacht werden kann, die eigentlich wenig Wahrheitsgehalt in sich tragen.  Es wäre für mich eine Genugtuung, wenn Trump doch noch gewinnen würde. In Ihrer Redaktion wird dann getrauert. Ich sehe schon nach der Trauer wie in den Redaktionen der Untergang der Demokratie prophezeit wird.  Es wird bestenfalls eine Autokratie entstehen können, die durchaus für die Bürger die bessere Lösung sein kann.

Das wird zwar in Ihrer Redaktion keiner verstehen, was ich durchaus verstehen kann.  Ich habe über 4 Jahre in einem autokratischen Land gelebt. Dort habe ich mich freier und wohler gefühlt. Und der Lebensstandard war auch höher als in unserer Superdemokratie. Und letztendlich beklage ich, daß Ihr Autor einen meiner besten Freunde beleidigt. Er schreibt: „Solche nationalen Umfragen sind so zuverlässig  wie die Wettervorhersagen für übermorgen.“ Mein Freund würde Ihnen aufs Dach steigen. Der kann das nämlich……  – Gunter Knauer


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Christ sein heißt, Christus nachzufolgen – in Tat und Wort! – Martin von der Mühlen


Leserbrief zu „Demokratie wagen“ von Peter Dausend

Ich kann Ihnen nur zustimmen. Ist es nicht paradox: Da wird ein Parteivorsitzender dafür kritisiert, dass er  eine Persönlichkeit für die Wahl zum Bundespräsidenten vorschlägt, die sowohl  in der Bevölkerung wie auch in der Bundesversammlung eine Mehrheit für  qualifiziert für dieses Amt hält!  Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende kann doch ihrerseits das andere Mitglied ihres Kabinetts, für das dies ebenfalls zutrifft, vorschlagen. Dann stünden mit Steinmeier und Schäuble die beiden angesehensten deutschen Politiker zur Wahl. Welches seriöse Argument spricht dagegen? – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu “Der Iran braucht mehr Druck” von Sylke Tempel

Für mich ist es immer wieder erstaunlich, mit welcher messerscharfen Analyse Ihre Autorin Sylke Tempel bei all ihren Beiträgen ausgestattet ist. Das hat Seltenheitswert. Meine Freude ist immer groß, wenn ich ihren Namen in Ihrer Wochenzeitung lese. Sie hat völlig recht, wenn sie festhält:

„Und das ewige Mantra, dass der Krieg in Syrien nicht militärisch zu lösen sei, ist wertlos, wenn die andere Seite genau das versucht. – Gunter Knauer


Leserbrief zu “Unser Bruder Martinus” von Waldtraut Lewin

So etwas kommt heraus, wenn man über Luther schreibt und absolut kein Verständnis für den christlichen Glauben hat. –  Dr. Heinz Lorenz


Leserbrief zu “Klein, fett, doof” von Susanne Mayer

Zu Ihrer Kolumne Männer in der Zeit vom 27.10.2016: Schön, wie Sie Ihre Lesefrüchte dem Leser ausbreiten. Allerdings läßt Miller sein Theaterstück in der Weltwirtschaftskrise 1930 spielen. Was die 400.000 US-Gefallenen in WW2 mit Trump zu tun haben, erschließt sich mir nicht. Ihr Artikel ist eher verwirrend, eigentlich überflüssig. – Prof. Dr. Richard Vahrenkamp


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

….christlich war gestern, ist heute und wird auch morgen sein: Durch Indoktrination, Missionierung der Menschen von der Wiege bis zur Bahre und Lobbyarbeit in Politik Macht, Einfluß und Pfründe zu erhalten!

Luther war zu seiner Zeit bereits ein Kind der Vergangenheit – dem Mittelalter verhaftet. Er war Juden-, Frauen-, Demokratie-, Bauern- und Wissenschaftsfeind (wollte er doch Kopernikus „wie eine stinkende Wanze“ zerdrücken!). – Ulrich Thumm


Leserbrief zu “Die Menschen wollen einen Zaren haben” von Alice Botaund und Michael Thumann

Ich fasse es nicht: Sie sind ein kluger Mensch, aber mehr außenpolitisch interessiert. Sich politisch einzumischen heißt, sich kundig zu machen und Position zu beziehen. Das haben ich und viele andere gemacht. Ich habe die CETA-Texte tatsächlich gelesen.

Und ich sehe nicht ein, dass außereuropäische Schiedsgerichte Unternehmen dazu verhelfen sollen, Staaten wegen irgendwelcher neuen oder geänderten Regeln künftig vermeintlich entgehenden Gewinn ausgleichen sollen. Im Falle USA, Kanada und EU kann das vor den Gerichten im jeweiligen Lande erfolgen. Wieso müssen Fremdinvestoren mehr geschützt werden als die eigenen. Mit einer Aktie sind sie dabei und wenn sie einen Spekulanten finden, der ein Verfahren für erfolgreich sieht und finanziert können sie klagen…

Wieso sollen noch mehr Eier und Hühnerklein über den Atlantik geschippert werden? – Gerhard Schroeder


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Opium könnte den Blick auf die Realität nicht schöner verstellen. – Margot Neuser


Leserbrief zu „Unsere Freiheit fraß das Schwert“ von Ralf Zerback

Als Nicht-Frankfurter und mit der Stadt nicht nur aus historischen Gründen sympathisierender Österreicher hätte ich doch gedacht, dass es für Frankfurt am Main (viele!) noch weit dunklere Stunden gegeben hat als die angeblich ‚dunkelste‘ des preußischen Einmarsches anno 1866, nämlich jene, als die Bomben und das Feuer der zweiten Kriegshälfte nicht nur die Freiheit der Bürger dieser Stadt fraßen. – Herwig Raupp


Leserbrief zu „Dschihad im märkischen Sand“ von Ronald Düker

In dem Bericht über Wünsdorf fällt mir auf, daß eine historische

Schicht- bis auf das heruntergekommene Lenin- Denkmal- nicht berührt wird, wie sie in der ehemaligen DDR auch an vielen anderen Orten heute noch in Resten zu besichtigen ist: von 1945 bis 1994, angefangen mit dem Hauptquartier des Marschalls Schukow bei der Eroberung von, Berlin, beherbergte Wünstorf das Oberkommando der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland und andere hohe militärische Dienststellen; die deutschen Einwohner wurden ausgesiedelt, bis zu 70000 „Russen“ lebten hier

(Quelle: Wikipedia). Archäologen, Munitionsräumer und Umweltschützer dürften hier wohl auch heute noch ein großes Betätigungsfeld haben. –  Dr. Michael Woernle


Leserbrief zu “Der belgische Albtraum” von Jochen Bittner

Wo sind die vielen kritischen Stimmen in der Zeit zu CETA und TTIP geblieben? Plötzlich wird von allen Medien nur noch auf die Wallonie als Bremser für Europa eingeschlagen. Dabei haben sich Millionen Bürger in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und Österreich gegen die Schiedsgerichte gewandt.

Handel ist Warenaustausch. Dafür bedarf es keines Investitionsschutzes.

Dahinter steht die beabsichtigte Änderung der Eigentumsverhältnisse, die wir nicht für notwendig halten und deshalb nicht wollen. Es darf in einem Handelsabkommen keinen Investitionsschutz geben.

Auch ist der globale Handel nicht so segensreich, wie von manchen behauptet wird . Wir werden mit teurem, geschmacksarmem, unreifem Obst, Gemüseund Gewürzen beliefert. Birnen, Pfirsiche, Mango, Tomaten, Avocado, Pilze und Porree sind nur noch auf Aussehen und Haltbarkeit gezüchtet. Da kommen die einheimischen Erzeuger nicht mit. Bei Erdbeeren, Orangen und Weintrauben erreicht das Aroma in diesem Jahr einen Tiefpunkt.

In den Tiermastfabriken wird in Deutschland für den Export produziert – mit importiertem Mais und Soja. Dafür wächst auf unseren heimischen Äckern Energie-Mais.

CETA und TTIP sind dafür kein Gegenmittel. Vielmehr besteht die Vermutung, dass durch Eigentumskonzentration unsere Interessen noch mehr verletzt werden. – Jürgen Kirschning


Leserbrief zu „Die Quelle allen Unglücks?“ von Susan Neiman

Susan Neiman führt eine Karikatur von Heideggers Denken vor. Seine Modernediagnose sei eine „Verfallsgeschichte“. Richtig ist, dass Heidegger Moderne und Technik als eine unbedingte Fortschrittsgeschichte fasst, die irgendwann die Schwelle zum Post-Humanismus überschreitet und dann zu einem neuen Urzustand führt. „Verfall“ ist dafür eine schiefe Metapher, Heidegger selbst verwendet die des „Kranzes“ oder „Gewindes“.

Neiman sagt weiter, Heideggers Modernekritik sei ein üblicher antiaufklärerischer Reflex, dem schon die Aufklärung selber den kantischen Begriff der kritischen Vernunft entgegengesetzt habe – eine recht naive Lesart von Heideggers Denken, als ob er die Möglichkeit kritischer Standpunkte innerhalb der Moderne nicht genau erwogen hätte: Seine ganze frühe Phänomenologie ist voll davon. Viele plausible Gründe werden dort genannt, warum der kritische Punkt, den Kant noch reklamieren konnte, in der modernen Technik nicht mehr möglich ist. Damit sollte man sich auseinandersetzen, anstatt Heidegger zu unterstellen, er wolle aus Ressentiment das selbstreflexive Moment der Aufklärung nicht sehen. Heideggers Denken sei elitär, sagt Neiman – gewiss doch, denn Heidegger versucht, einen Standpunkt jenseits der unbedingten Machtstellung der Technik zu finden.

Er sieht, dass unabhängiges Denken innerhalb der technischen Welt nicht mehr möglich ist, da die Technik die Bedingungen dafür einkassiert hat. Wie das bei Facebook, Google und Co. vor sich geht, hat Heidegger präzise vorhergesagt. Ein Denken jenseits der Technik ist folglich immer eines jenseits der Macht. Kennt Neiman die zahllosen Texte nicht, die die radikale Ohnmacht und Demut des Seynsdenkens thematisieren?

Auf Neimans naiven Appell, die „Moderne kritisch fortzuführen“, haben hellsichtige Denker Marshall wie McLuhan und eben Heidegger vor über 50 Jahren geantwortet: Mach mal, wenn du noch kannst. Schließlich: In der Tat sind bei Heidegger Antisemitismus und Modernekritik verbunden. Aber wie logisch ist es eigentlich, seine Modernekritik zu verwerfen, nur weil man seinen Antisemitismus (mit Recht) für inakzepatbel hält? – Prof. Dr. Rainer Bayreuther


Leserbrief zu „17 Tage, null Bock“ von Dieter Wulf

Ist es nicht großartig, dass es Schulen gibt, in welchen Kinder/Jugendliche die Chance haben sich einer Herausforderung zu stellen? Mein Sohn ist auch auf einer dieser Schulen, und es ärgert mich sehr wie einseitig Sie die Chance darstellen, wie wäre es mit einem Erfahrungsbericht einer anderen Gruppe in welcher so mancher über sich hinauswächst, – manchmal schon in der Planungsphase….da gibt es auch ganz andere Erfahrungen!- Katja Kramer


Leserbrief zu „Demokratie wagen“ von Peter Dausend

Nachdem der Herr Gabriel die Miniserie mit den geistlichen Kandidaten nach nur einer Folge beendet hat, muss man nun doch nicht wieder auf einen Apparatschik zurückgreifen. Besonders dann nicht, wenn es um wirkliche Beliebtheit geht, dann muss meiner Meinung nach mindestens ein Koch her. – Heinz-Peter Luther


Leserbrief zu „Wie du mir, so ich dir“ von Norbert Blüm

Mit dem Satz „Die Renten sind sicher“ wuchs ich auf. Und erlebe nun, dass sie zwar sicher sind, ihre (prozentuale) Höhe jedoch nicht. In Ihrem Artikel weisen Sie zu Recht auf das Solidarprinzip hin und – ich hatte es fast nicht mehr erwartet – am Ende sogar auf die dramatisch veränderte Alterspyramide. Aber: Warum kein Wort zum wachsenden Anteil derer, die in Altersarmut leben (werden)? Warum kein Wort dazu, wie man bei immer geringeren (Einstiegs-)Gehältern zumindest in der Dienstleistungsbranche und bei zunehmenden Teilzeit- und prekären Beschäftigungsverhältnissen die geforderte zusätzliche Altersvorsorge trotz gleichzeitig steigender Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung leisten soll? Warum keine Aussage zu den immer lauter werdenden Forderungen, die Sozialversicherung nicht nur aus Erwerbseinkommen, sondern auch aus anderen Einkunftsarten zu finanzieren? Die Junge Union fordert in der Tat regelmäßig das Gleiche – Sie antworten aber schon seit Ihrer Zeit als Minister das Gleiche und verschließen so die Augen vor dem demografischen Wandel. Der Totenliturgie der Jungen Union sollte man nicht ritualisiertes Gesundbeten eines reformbedürftigen Systems entgegensetzen.

PS: Ich bin der JU entwachsen, aber auch noch nicht im Alter, das einen Eintritt in die Senioren-Union möglich machen würde. – Sven Garber


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Danke, liebe ZEIT, dass Ihr die wahre Fachleute für Glauben und Christentum gefunden habt, für die Beziehung zu Gott – und dass drei Viertel davon Männer sind! Da weiß ich, als Frau, Leserin und Christin, doch mal wieder, wo der Hammer hängt und wer was zu sagen hat in unserer Gesellschaft und wen ihr lieber schweigend übergeht, weil sie ja nicht so wichtig sind. – Kirsten Niemann


Leserbrief zu ‚Do you speak English? Hell yeah!‘ von Martin Spiewak

Der Autor verwechselt offensichtlich Quantität mit Qualität, bloße Sprechaktivität mit präziser Ausdrucksfähigkeit. Die Lernenden heute kommunizieren selbstbewußter und bereitwilliger in der Fremdsprache, das ist wahr, aber auch unstrukturiert und disziplinlos. Ergebnis ist eine Pidginisierung des Englischen im Unterricht, mündlich wie auch schriftlich. Begleitend  produziert das Dogma der Kompetenzorientierung den Schein von hoher Unterrichtsqualität, indem die Leistungsanforderungen und Bewertungsmaßstäbe so angelegt werden, dass die Noten stimmen. So täuscht das Bildungskartell die Öffentlichkeit, die –  wie man sieht – es gern mit sich machen lässt. Die Welt ist mal wieder in Ordnung. So funktioniert Bildungspolitik heute. –Willi Goldstein


Leserbrief zu „Häuserkampf “ von Mark Schieritz

Beim Lesen Ihres Artikels drängte sich mir ziemlich spontan die Frage auf, ob das sog. Folterwerkzeug der Regierung nicht eher ein zahnloser Tiger wäre… evtl liege ich falsch, aber wenn man sieht, wer hier zB in Bärlin die Wohnungen/Häuser kauft… als Immobilienmensch würde ich mich dann doch einfach auf die Russen, Araber, Asiaten etcpp fokussieren und Lieschen Müller schön außen vor lassen. Diese Käuferschicht muß sich nicht mit Krediten herumschlagen, also interessiert auch diese Bremse nicht. Kurz mal das Geschäftsmodell ändern und es läuft (weiter) – oder? – Christine Kosch


Leserbrief zu “Die Reparatur der Erde” Claus Hecking, Malte Henk und Wolfgang Uchatius

Der Haken an den technischen Lösungen zur Reparatur der Erde sind diese verflixten Naturgesetze. Bisher ist es der Ingenieurskunst nicht gelungen, die Naturgesetze außer Kraft zu setzen und ein Perpetuum mobile herzustellen. Bei jeder Umwandlung von einer Energieform in eine andere (z.B. mechanische in elektrische Energie) ist aufgrund von Reibung mit einem Wirkungsgrad kleiner 100 % zu rechnen. Bei so mancher Energieumwandlung freuen wir uns über einen Wirkungsgrad von 50 %; wobei die anderen 50 % in Wärme umgewandelt werden.

Die technischen Reparaturlösungen brauchen allesamt sehr viel Energie, die nur zu einem Bruchteil die Bindung von Kohlendioxyd bewirken würde, und an der es der Menschheit eben gerade mangelt.

Viel naheliegender ist es, diese knappe Energie für essenzielle Prozesse zur Verfügung zu stellen und allen Überfluss einzustellen. Ich glaube nicht, dass sich ein solidarischer Verzicht auf Konsumgüter im Tausch gegen selbstbestimmte Zeit, saubere Luft, Wasser und Nahrung für alle, Lärmverminderung und soziale Gerechtigkeit schmerzhaft anfühlen würde.

Ist es Zufall, dass dieses Technik verliebte Dossier von drei Männern verfasst wurde? Ich rege an, dass Sie das nächste Dossier zu einem technischen Thema von einem ausgewogenen Team aus Männern und Frauen schreiben lassen. – Christine Tischer


Leserbrief zu „Drei Sterne für Eva“ von Eva Biringer

Als Hobbykoch,der Kochbücher wie Krimis liest,habe ich den Bericht von Eva Biringer mit Begeisterung gelesen .Dazu kommt natürlich auch noch ,daß Eva Biringer  eine fesche Frau ist,in die man sich auf der Stelle verknallen könnte. – Dieter Manegold


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Die meisten 95 von Ihnen gedruckten Thesen/Meinungen über das Christentum sind extrem schwach. Da viele Zitate von Mitarbeitern Ihrer Zeitung stammen, muss ich den Einduck bekommen, dass entweder wenig Zeit oder wenig Interesse diesen Artikel geprägt haben. Obwohl ich nicht getauft bin, beschäftigt mich das Thema der christlichen Werte unserer Gesellschaft sehr. Die klassischen christlichen Tugenden, die 10 Gebote, das Glaubensbekenntnis, die Liturgie, die weltliche Macht der Kirchen sind alles Themen, die uns alle täglich tief beeinflussen. Bei einigen der 95 Antworten hatte ich das Gefühl, dass keine konkrete Frage gestellt wurde. Lose Improvisation auf die Schlüsselwörten „christlich“ oder „Luther“ scheint das Leitthema zu sein. Obwohl ich kein gläubiger Christ bin, beeindruckt mich die extreme Oberflächlichkeit mit der das wichtige Thema von Ihrer Zeitung behandelt wurde. Ist Gott wirklich tot. – Dr. Matthias Thorner


Leserbrief zu „Untreu und Glauben“ von Constantin van Lijnden

ZEIT: Auf Untreu und Glauben , von Constantin van Lijnden

Für diesen Artikel hat das frühe Aufstehen gelohnt, doch scheint mir der Terminus „Kuckuckskind“ oder „Kuckucksvater“ oder“ Kuckucksbaby“ nicht ganz zutreffend, da das Kuckucksweibchen sein fertiges Ei dem Wirtsvogelpaar ins Nest legt und sich damit einer „Unterschiebung“ schuldig macht, mit allerdings oft tödlichen Folgen für die Wirtsvogel-Jungen, während der Artikel doch eigentlich von bewusst verdeckter Vaterschaft handelt.

EMMA:Deutsche Richter erlauben Kinderehe von Chantal Louis

Dem sehr sachkundigen Artikel von Chantal Louis ist eine intensive Diskussion zu wünschen, geht es doch um die Unvereinbarkeit zweier Systeme mit historisch und religiös begründetem Absolutheitsanspruch; aber auch um die Frage, ob wir zwischen Kindheit und Erwachsensein als Grenze die Geschlechtsreife oder die soziale Reife sehen. Dass man Grenzen verschieben kann, zeigt das Zugeständnis des Staates bei Einführung der Wehrpflicht in unserer Bundesrepublik. Der „mündige Bürger“ begann nun schon mit 18 Jahren(statt 21 Jahren) seinen Geschäften nachzugehen, während der Gründer des Kasseler Bärenreiterverlages zum Kauf einer Druckmaschine für 3000 Reichsmark noch die Unterschrift seines Vaters brauchte; er war eben noch noch nicht 21 Jahre und damit „unmündig“.

PS: ZEIT und EMMA waren vorige Woche für mich gemeinsam präsent, als im polnischen Masuren auf Gut Golkowo bei Kleipeda die Auswahl war zwischen drei CDs mit Interviews von Alice Schwarzer/ Marion Gräfin Dönhoff.  Ich wählte für die Gruppe CD Nr.2  : Dönhoffs Flucht zwischen Förster und Soldat auf dem Pferd zum Bismarck-Gutshof und weiter nach Hamburg. Leider hatte Hausherrin Renate Marsch-Potocka(geb.in meiner Heimatstadt Schneidemühl 1935) keine Zeit für Fragen, da schon die nächste Gruppe angesagt war. – Dietrich Bauer


Leserbrief zu „Die Quelle allen Unglücks?“ von Susan Neiman

Gerne hätte man mehr zu Heideggers Antimodernismus erfahren.  Stattdessen viel über die „theoretischen“ Kerne der Aufklärung -auch gut.  Aber Horkheimer-Adornos Antimodernismus zielte wohl nicht so sehr aufs „ theoretische „ Projekt der Aufklärung, das – wie zitiert – wohl nie real stattgefunden hat. Kritische Theorie zielte m.E. eher auf die Kritik daran, was aus der Aufklärung gemacht wurde – „es gibt kein gutes im schlechten Leben“- . Es ist die Kritik am neuen Leviathan, dem Markt, dessen Apologeten einen neuen Mythos von Gleichheit, äquivalentem Tausch etc. den breiten Massen als Rechtfertigung ihres eigenen interessengeleiteten Handelns vorgaukelten.  Jene Apologeten, die ehemals (Smith, Walras etc.) wie heute (Hayek und Enkelkonsorten der Chicagoboys etc.) das liberale Freiheitsprojekt  für eigene Zwecke deformierten und damit einzelne Ökonomien(Chile) wie die Weltwirtschaft schon mehrfach an den Abgrund lenkten. – Hans Joachim Gerster


Leserbrief zu „Wie du mir, so ich dir“ von Norbert Blüm

Norbert Blüm sollte aufhören sich zur gesetzlichen Rente zu äussern.

Seine Wahrnehmungsschwierigkeiten werden mit der Zeit nicht besser. Dass die Jungen für die Alten zahlen ist doch unbestritten. Nur dass die Rentner mit 63, 65 oder 67 heute nicht alt sind, sondern größtenteils arbeitsfähig. Es ist ja auch schön, dass wir immer älter und immer gesünder werden. Dazu kommt der demographische Wandel. Ohne Änderungen kollabiert das gut gemeinte System. Vielleicht macht es auch Sinn das Renteneintrittsalter dynamisch fest zu legen. Es können nur so viele in Rente gehen, wie durch einen festzulegenden maximalen Beitragssatz finanzierbar ist. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung begleitend ist auch sinnvoll. Wobei auch der 20-jährige Dachdecker heute schon weiß, dass er den Job nicht bis 65 durchhält und 45 Jahre Zeit hat sich beruflich weiter zu entwickeln, z.B. in die Arbeitsvorbereitung oder in den Verkauf von Dachziegeln etc. – Christian Voss


Leserbrief zu “Der belgische Albtraum” von Jochen Bittner

Alle Kommentatoren zeigen einseitig genervt auf Belgien. Tatsächlich macht die europäische Politik bei der Ausarbeitung derartiger Abkommen dramatische Fehler. Ich maße mir nicht an, das Abkommen in Gänze zu bewerten. Aber was mich als Bürger maßlos irritiert ist die Tatsache, dass es für CETA und TTIPP nur ein Standardargument gibt:

Die Wirtschaft wird davon profitieren. Ich habe keinen Politiker gehört, der erklärt hätte, was der Nutzen für die Bürger wäre!

Wird Politik in Europa nur noch für die Wirtschaft gestaltet?! Maximaler Nutzen für die Wirtschaft – Den Schaden für die Bürger, der sich aus diesen Abkommen ergibt, begrenzt man lustlos mit einigen Ergänzungen.

Der Zweck dieser Abkommen müsste stattdessen „Maximaler Nutzen für die Bürger bei minimalem Schaden für die Wirtschaft“ sein.

Welthandel ist im Grundsatz positiv. Aber so wie die Globalisierung heute gestaltet ist, gibt es in der Regel immer zwei Verlierer:

  1. Die Arbeiter in den armen Ländern, die unter oft gesundheitsgefährdenden Bedingungen für viel zu wenig Geld produzieren und
  2. Die Konsumenten in den „reichen“ Ländern, die für diese Produkte Preise zahlen müssen, die in Relation zu den Herstellkosten schamlos überteuert sind und deren Arbeitsplätze möglicherweise auch noch durch die Globalisierung gefährdet sind.

Gewinner bei diesem Spiel ist immer und in zunehmenden Maße das Großkapital, dass ohne eigene Leistung immer schneller immer reicher wird und in allen Teilen der Welt die Löhne drückt. – Rainer Funke 


Leserbrief zu „Wie du mir, so ich dir“ von Norbert Blüm

In seinem  wie gewohnt sehr blumig vorgetragenen Plädoyer für die Rentenversicherung und gegen die private Vorsorge verharrt der ehemalige Bundesarbeitsminister nach wie vor in einer rein nationalen Sicht. Bezugnehmend auf die vergangenen hohen Produktivitätszuwächse bei Opel, vertraut er dabei ganz darauf, dass die  für die Rente ungünstige demographische Entwicklung in Deutschland auch zukünftig durch eine stark steigende Produktivität der Arbeit aufgefangen wird. Ich habe in unserer zunehmend dienstleistungsorientierten Wirtschaft  dieses Vertrauen nicht.  Wie viel Alte und Kranke soll denn ein Pfleger 2035 versorgen?

Blüm hat natürlich Recht, wenn er sagt, dass immer die Jungen die Alten versorgen oder genauer, die Arbeitenden die Nichtarbeitenden. Das gilt aber global. Wachsende, junge Gesellschaften werden schrumpfende, älter werdende Gesellschaften mitversorgen. Und da es keine globale Rentenversicherung gibt, muss und kann es die Kapitaldeckung richten. Die andauernden hohen Exportüberschüsse bilden das Kapital, von dem die Deutschen zehren werden. Und die heutigen aufstrebenden jungen Defizitländer, die sogen. Emerging Markets, werden das zurückgeben, was sie von den Überschussländern erhalten haben. Das ist Kapitaldeckung. Und wenn Deutschland mit den Überschüssen nicht wie etwa Norwegen  Staatsfonds für die Zukunftsvorsorge seiner Bürger bildet, ist heute jeder Jüngere sehr gut beraten, seine Altersvorsorge durch private Kapitalbildung zu stärken. – Frank Lamprecht


Leserbrief zu “Unser Bruder Martinus” von Waldtraut Lewin

Luther hatte mangels Entwicklung eines Urvertrauens sicher eine massive Persönlichkeitsstörung, aber die Meniere‘ sche Erkrankung war auch im 16. Jahrhundert vor ihrer Entdeckung durch Prosper Mèniere eine Mineralstoffwechselstörung in den Zellen des Innenohrs,die nicht zu den psychosomatischen Erkrankungen zählt. Goya hat diese teuflischen Schwindelattacken ,unter denen auch er litt, sehr plastisch dargestellt. – Dr. Med. Cornelia Lemp-Altland


Leserbrief zu „Untreu und Glauben“ von Constantin van Lijnden

Vielen Dank für diesen ausführlichen und informativen Artikel, der mir zusammenfassend klar  macht, dass sich in den vergangenen 20 Jahren an der Rechtssprechung nichts geändert hat.    Als mir 1997 die Schwangerschaft der ersten großen Liebe offenbart wurde, schwang Vaterstolz  und Unsicherheit mit – wir hatten jahrelang erfolgreich biologisch verhütet – der Verdacht bestätigte  sich durch einen Vaterschaftsprozess, den ich führen musste, da die Mutter, durch Recht und Gesetz  damals schon geschützt, die Auswahl unter 3 Männern alleine fällen durfte.    Danach durfte ich das Kind nicht mehr sehen, die Dame wandte sich dem nächsten Partner zu.

Das Jugendamt als “an Vaters statt” konnte oder wollte erstaunlicherweise weder die Vaterschaft  einer der bekannten weiteren Väter prüfen, noch die Unterhaltszahlungen einstellten.    Diese flossen weiter bis zur Heirat der Dame im Anschluss an die 6jährige Frist der  Unterhaltsvorschussleistung – eine Art zweites Kindergeld. So hat diese Vorgehensweise  neben der Schädigung der Beteiligten, der Verletzung des Persönlichkeitsrechtes von Kind und Vater,  auch noch die Komponente der erfolgreichen Bereicherung.

Die sozialen Folgen, wie im Artikel durch Ludger Pütz richtig dargestellt, sind für die Väter  und Ex-Väter jahrelange innere Kämpfe und für die Kinder eine Erbschaft, an der sie schwer zu tragen haben.  Beschrieben wird dies z.B. bei Familienaufstellungen von Bernd Hellinger, durch Übertragung des mütterlichen Fehlverhaltens.   Das Kind wuchs als Stiefkind auf, erlebte Heim und fehlende Liebe und muss jetzt als junge Erwachsene damit zurechtkommen, keinen echten Vater zu haben. – Joachim Lamm


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“, These 15 von Giovanni di Lorenzo

Ich hab gerade meiner Frau von Ihrer These erzählt und ihr gesagt, wie bewundernswert und fein Sie mir aus dem Herzen gesprochen haben. Wieso sollte ich das nicht ihr, sondern Ihnen selbst sagen? Ich wünschte mir genau das, was Sie schreiben, auch. Die Last des Zweifelns gemeinsam tragen und nicht jeder für sich. Nun, Sie sind wohl in Hamburg, ich am Bodensee. Sie sind berühmt, ich nicht gerade. Aber ich würde Sie jetzt unheimlich gerne auf einen Spaziergang durch die bunten Blätter einladen und wir würden den Karren gemeinsam ein Stück weiterziehen. Ohne viel Worte. Nur voneinander wissend. Nun tue ich es eben mit dieser mail, am Sonntagmorgen. Sie haben mir mit Ihrer Offenheit ein Stück den Karren weitergezogen. Danke dafür. Vielleicht gibt Ihnen diese Mail ein kleines bissel das zirück, was Sie mir gegeben haben. – Dr. Jörg Dieterich


Leserbrief zu „Demokratie wagen“ von Peter Dausend

Die Überschrift ist mutig und kann nur voll unterstützt werden. Jedoch fehlt mir dann leider in der Folge die Ausführung des Ansatzes:

Dass sich die Parteien mit der Kandidatenkür für die Bundespräsidentenwahl in erster Linie  – oder vielleicht auch ausschließlich – unter dem Aspekt möglicher Koalitionskonstruktionen und Machtverteilungsspekulationen nach der nächsten Wahl zum Bundestag auseinandersetzen ist zu beklagen und zu verurteilen. Jedoch kann ich das  unter der gegebenen, offensichtlich eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit in der „Berliner Politikkäseglocke“ ja noch nachvollziehen. Das heißt nicht, dass ich es billige.

Wenn dann jedoch auch jemandem wie Sie, der sich der wichtigen Aufgabe einer kritischen Begleitung und Beobachtung des Politikbetriebes verschrieben hat, der unverstellte Blick aus der Galaxie der Käseglocke misslingt, stimmt mich das traurig. Sie sprechen von den besten Köpfen, die sich zur Wahl stellen sollen. Auch dem stimme ich voll und ganz zu. Nur, dass Sie die dann offensichtlich ausschließlich bei den etablierten Parteien verorten, ist entschieden zu kurz gesprungen. Mir fielen aus Anhieb zahlreiche deutsche Persönlichkeiten ein, die an diesem edlen Wettstreit zu beteiligen wären. – Dipl.-Ing. Walter Müller 


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Viele der 95 Personen antworten leider nicht auf diese Frage, sondern bewerten verschiedene kirchliche Probleme. Die wenigsten erwähnen die Nächstenliebe, welche im Doppelgebot der Liebe zu Gott und den Mitmenschen von Jesus als Hauptgebot bezeichnet wird. Wie die Antworten zeigen, scheinen viele Menschen, auch viele Christen dieses Hauptgebot für etwas nebensächliches Christliches zu halten. In gewisser Weise ist dieses Hauptgebot auch keine Besonderheit des Christentums. Zumindest die menschliche Nächstenliebe wird in Form der Goldenen Regel bzw. als Kantscher Imperativ von allen Religionen und humanistischen Weltanschauungen bejaht.

Das Projekt Weltethos z.B. will das ins weltweite Bewusstein rufen. Nun hat Jesus das Hauptgebot der Nächstenliebe noch um die Feindesliebe so ergänzt, dass eine weitere Überhöhung undenkbar ist. Das ist etwas spezifisch Christliches, gern verdrängt oder als unmögliche Utopie beiseite geschoben, auch von den Kirchen. Dem liegt ein Missverständnis zugrunde. Liebe zum Feind ist als Gefühl unmöglich. Wenn Feindesliebe aber als bewusste rationale Haltung angesehen wird, ist sie möglich. Ein gewisser rational verantwortbarer Vertrauensvorschuss gegenüber einem Anderen, der mich als Feind betrachtet, ist nicht nur möglich.

Eine solche Haltung  ist sogar notwendig, um Hass- und Gewaltspiralen auf jeder sozialen Ebene von der Familie bis zum globalen Dorf zu dämpfen, zu stoppen und umzukehren. Deshalb ist Feindesliebe, die z.B. der Hindu Gandhi gelebt hat oder die den Muslim Kermani beeindruckt, das wichtigste Christliche. Leider wurde das bisher viel zu selten Ernst genommen oder vergessen. Soweit eine 96. These (über die etwas mehr  nachgelesen werden kann in http://goodurl.de/noch_verstecktes_Talent). – Dr.-Ing. Günter Hackel


Leserbrief zu „Untreu und Glauben“ von Constantin van Lijnden

In obigem Artikel zitieren Sie die Familienrechtlerin Kerstin Aust mit der Meinung nur 1% der Geburten (100 minus 99%) seien Kuckuckskinder. Dem steht die von sachverständiger Seite ziemlich einheitlich vertretene Meinung gegenüber, dieser Prozentsatz liege eher bei 10 – 14% (Wikipedia, z.B.http://de.wikimannia.org/Kuckuckskind, http://www.focus.de/finanzen/recht/tid-26863/kuckuckskinder-wenn-das-eigene-kind-von-einem-anderen-ist_aid_795235.html).

Es stünde der ZEIT gut an, derartige Behauptungen nicht ungeprüft zu übernehmen. P.S. Ich zähle zum Glück nicht zu den Betroffenen, weder aktiv, noch passiv. – D. H. Bauer


Leserbrief zu “Eine Provinz blamiert Europa: Bedroht zu viel lokale Demokratie die Handlungsfähigkeit der Politik?” von Georg Blume, Ulrich Ladurner und Mark Schieritz

Fakt ist,dass alle 28 EU-Mitgliedstaaten dem CETA-Vertragswerk zustimmen müssen. Fakt ist aber auch, dass die EU mit Kanada einen Termin für den Vertragsabschluß zu einem Zeitpunkt vereinbart hat, zu dem die Zustimmung verschiedener Mitgliedstaaten noch gar nicht vorlag –  nicht nur von Belgien, auch von Bulgarien und Rumänien. So geht das doch nicht. War das Tollpatschigkeit oder Überheblichkeit?  Auf alle Fälle ein Brüskierung ohnegleichen. Bulgarien und Rumänien haben das als Chance begriffen und diese genutzt. An Belgien wäre die vorläufige Inkraftsetzung von CETA fast gescheitert. Und das hat sich die EU selbst zuzuschreiben. Insoweit auf Belgien mit dem Finger zu zeigen, wäre völlig verfehlt. – Dr.Volker Renner


Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Als evangelisch sozialisierter Zeitgenosse irritiert mich nach der Lektüre der 95 Antworten auf die Frage „was ist christlich?“ die fast vollständige Abwesenheit der Worte Sünde, Buße, Reue, der Gekreuzigte (Gottessohn). Ist denn die Sünde aus der Welt gekommen? Und was bedeutet ein christliches Bewusstsein ohne Sünde für eine Gesellschaft? Antworten hierauf fände ich allemal wesentlicher als der vorherrschende „Honig“ (Thea Dorn) von Friede, Freude, Eierkuchen für alle. Auch braucht man keine Religion um sagen zu können: Seid nett zueinander. – Hans-Georg Pott


Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Beim Lesen dieses Artikels ist mir folgendes durch den Kopf gegangen:

Unsere Gesellschaft schließt nahtlos an die Kirch Jesu von 0030 bis ungefähr im 4. Jahrhundert. Die 1600 Jahre dazwischen bis heute, in denen sich die Kirche von einem schlimmen diktatorischen System nicht im Geringsten unterschieden hat, sind heute plötzlich vergessen.

— Kirchenlehrer Augustinus : Die Menschen müssen sowieso sterben, warum sollen sie nicht in Kämpfen ( für die Kirche) früher sterben?

— Anspruch der Kirche ( des Papstes) weltliche Macht auszuüben und damit Kriege zu führen!

— Zu den Kreuzzügen hat der Papst allen Christen, die im Kampf gegen Muslime sterben sollten, das ewige Leben im Himmelreich versprochen. Das Erschlagen von Muslimen  war laut Papst Gottgewollt und gewünscht!

— Am Ende des 30 jährigen Krieges ( die Hälfte der deutschen Bevölkerung war erschlagen worden) hat der Papst Einspruch gegen dem Friedensvertrag von 1648 erhoben, seine Ziele gegenüber dem Protestantismus waren noch nicht erreicht. Er wollte ihn ja ursprünglich ausmerzen.

— Weltliche Herrscher waren von Gott eingesetzt und damit faktisch der Kirche untertan. Und diese damit von Gott eingesetzten Herrscher haben sich dementsprechend rücksichtslos eingesetzt.

Alles Totsünden nach der Lehre Jesu.

Die christliche Kirche fängt heute wieder im Jahre 400 nach Christus an als ob nichts gewesen wäre während der Islam sich heute dort befindet, wo die christliche Kirche im Jahr 1000 nach Christus war. Um 1000 herum war der Islam friedlich im Vergleich zum Christentum. Heute sind die Rollen vertauscht. Heute müssen wir froh sein, das das Christentum endlich friedlich geworden ist und jetzt holt dieses Christentum eine inzwischen aggressive gewordene  Religion zu uns und konfrontiert uns mit dem Denken von vor 1000 Jahren.

Es gibt nichts was es nicht gibt. Dem Bürger wurde damals und wird heute von der Elite unglaubliches zugemutet! Heute schwelgen wir in der (natürlich) richtigen Lehre Jesu.

Es ist aber noch nie gutgegangen. – Reiner Püschel


Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Dass in diesem Beitrag sieben Politikerinnen und Politiker der Union zu Wort kamen, aber nur ein oder zwei der anderen Parteien, hat mich sehr geärgert. Warum hat man außer der Unionsfraktion und der Zeitredaktion nicht andere zu Wort kommen lassen? Das war unausgeglichen. – Angelica Dinger


Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“, These 91 von Evelyn Finger

Offenbar ist Evelyn Fingers akute Pazifismus-Allergie so ausgeprägt, dass sie – einem unkontrollierbaren Niesanfall gleich – die Fragestellung nach dem „Kern des Glaubens“ in den Hintergrund treten lässt. Zur Symptomlinderung böte es sich an, die folgenden Einsichten zur Kenntnis zu nehmen:

  1. Pazifismus ist nicht mit Passivismus zu verwechseln.
  2. Die Botschaft des Bergpredigers, der die Friedenstäter („pacifici“) selig preist, und der reformatorische Leitsatz „sine vi sed verbo“ sind eine starke Motivation für Menschenrechtsaktivisten weltweit, die sich dem christlichen Glauben verbunden wissen.
  3. Die gewaltkritische Grundausrichtung der christlichen Ethik führt sehr zu Recht immer wieder dazu, dass gegen Waffen gepredigt wird – durchaus auch in einem risikobehafteten Umfeld (vgl. Oscar Romeros letzte Predigt vor seiner Ermordung). Dass solche Aussagen auch hierzulande zu Herabsetzung und Anfeindungen führen können, zeigt Fingers Beitrag. Dennoch ist es gut, dass Christen sich konsequent gegen das deutsche Geschäft mit dem Tod aussprechen, statt die skandalöse Rüstungsexportpolitik der deutschen Regierungen schweigend auf sich beruhen zu lassen.

Friedhelm Schneider, Vorsitzender des Europäischen Büros für Kriegsdienstverweigerung (EBCO, Brüssel)


Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Von den 95 Aussagen zum Christentum zeugen ca. 80% von großer Geschichtsvergessenheit und eifriger Gewissensberuhigung: Beim Lesen entsteht der Eindruck, dass die besten Menschen dieses Planeten zweifellos Christen sind. Es tut sich dann aber doch eine größere Kluft zwischen Wunschdenken und Realität auf, ganz zu schweigen davon, dass das Christentum sich nicht aus eigener Kraft reformiert hat (nein, ich meine nicht Luther, sondern die Aufklärung) – was heute wie selbstverständlich als „typisch christlich“ propagiert wird, kam rund 1950 Jahre lang in einem ganz anderen Gewand daher und die berühmte Nächstenliebe war und ist in der Regel eine Liebe des Nächsten im eigenen Glauben – den Fernsten schließt sie nur in Ausnahmefällen ein. Noch in den Siebzigerjahren rief die protestantische Mutter einer Freundin bei der Vorstellung des katholischen Freundes „Besser einen Heiden als einen Katholiken!“ und aktuell genügt ein Blick auf die CSU in Bayern und Herrn Seehofers Standpunkt in der Flüchtlingsfrage. Aus diesem Bundesland kommt zudem eine Umfrage, der zufolge sich streng gläubige Katholiken offensichtlich am allerschwersten mit den Flüchtlingen tun (auch wenn angemerkt wird, dies sei ein „Trend“ und weitere Untersuchungen wären vonnöten).

Typisch christlich erscheint mir dagegen die grandiose Selbstbeweihräucherung und die beispiellose Vereinnahmung aller positiven menschlichen Werte– als würden andere Glaubensrichtungen keine Nächstenliebe kennen (der Buddhismus predigte sie schon 500 Jahre vor Jesus Christus, zu den 5 Säulen des Islam zählt das Almosen an die Armen und Schwachen…) oder die Gebote 3 bis 10 ignorieren oder in Not geratenen Menschen die kalte Schulter zeigen etc.  Es gibt quer durch alle Religionen Menschen, die sich den besten menschlichen Werten verpflichtet fühlen und solche, die dies nicht einmal versuchen. Nur sind die besten menschlichen Werte beileibe nicht christliche Werte, sondern eben: humanistische. – Andrea Ashauer


Leserbrief zu „Die Quelle allen Unglücks?“ von Susan Neiman

Ihr Beitrag ist ein Gewinn für „Die Zeit“ und ihre Leser – insbesondere Ihre klarsichtigen Ausführungen zu Kant und die Aufklärung. Aber warum hängt Antimodernismus notwendig mit Antisemitismus zusammen? M.E. sollte man auch bei Heidegger, auch wenn’s schwerfällt, zwischen moralischen Wertungen seiner Person mit ihrem unsäglichen Antisemitismus (samt seinem schäbigen Verhalten im Krieg und kleinkarierten persönlichen Äußerungen) einerseits und seinem Werk andererseits soweit wie möglich unterscheiden.   Kann man nicht gegen Heideggers Antimodernismus argumentieren ohne Bezug auf seinen Antisemitismus zu nehmen? PS. mit der Bemerkung „ihr Gewässer trüben, dass es tief erscheine“ wird’s dann (siehe auch Carnap) doch noch etwas polemisch.)  – Dieter Wurm


Leserbrief zu “Die Reparatur der Erde” Claus Hecking, Malte Henk und Wolfgang Uchatius

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ – Albert Einstein

Hinzugelernt habe ich diesmal, daß man CO2 sogar versteinern kann. Leider werden sich auch mit dieser Methode nie und nimmer weltweit 40 Milliarden t CO2-Äquivalent pro Jahr beseitigen lassen.

In der mir bekannten Literatur bleiben immer nur zwei ernstzunehmende Verfahren des Geoengineerings übrig:

  1. künstlicher Vulkanausbruch: dauerhaftes „Dimmen“ der Atmosphäre mit Schwefelaerosolen – erschreckend, da

– die Partikel die Ozonschicht angreifen und

– man sich auf Jahre im voraus thermisch festlegt (Kälteschock, falls plötzlich ein echter Vulkan ausbricht)

  1. Wolkenmanagement: kühlende Wolken künstlich erzeugen, wärmende auflösen; entschieden sympatischere Alternative, jedoch

– würden sich höchstwahrscheinlich die globalen Niederschlagsmuster grundlegend verändern,

– außerdem müßte man das Jahrhunderte bis Jahrtausende lückenlos durchhalten, sonst sofortiger Hitzeschock

In beiden Fällen bleiben andere Probleme ungelöst, etwa die versauernden Meere.

Wenn Sie mich fragen: Ob das nun kommt oder nicht (wahrscheinlich werden großtechnische Eingriffe schon an der Kostenfrage scheitern) – die Sache wird volle Kanne schiefgehen. Herausforderungen dieses Anspruchsniveaus überfordern den Homo sapiens um Welten! Diesmal holt uns, die Menschheit, wirklich der Teufel.

Es bleibt ein letzter Ausweg: rechtzeitig sterben, tunlichst ohne Kinder, die man in einer solchen Welt zurückläßt. Genau das werde ich tun.

Buchtip: Gwynne Dyer (Militärexperte), Schlachtfeld Erde

Das bei weitem Spannenste, was ich jemals zu dem Thema gelesen habe! Der Verfasser übersetzt brillant eine auf den ersten Blick eher harmlose Prognose wie „global 5 °C mehr im Laufe des 21. Jahrhunderts“ in den konkreten Horror, den das für uns alle bedeuten wird. – Johann Felix Guilino


 Leserbrief zu „Über mich statt Über-Ich“ von Manuel J. Hartung

Diesen Artikel muss ich so leider kommentieren: Thema verfehlt

 Der Text von Herrn Hartung gehört nicht unter die Rubrik „Doctor“ und zum Thema Marathon. Wäre es ein Schulaufsatz, wäre „Thema verfehlt“ die korrekte Bewertung. Ich habe mir sagen lassen, dass in den sogenannten „sozialen“ Netzwerken auch massenhaft Essensfotos gepostet werden. Herr Hartung rät diesen Nutzern dann wohl auch, nichts mehr zu essen. Mein Tipp: Schluss mit FÜLSS („Facebook über das (wahre) Leben stellen“-Syndrom). – Wilfried Meister (Läufer, Marathon aber nur max. alle 2 Jahre; nutze Facebook usw. überhaupt nicht)


Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

These 96 – Von meiner katholischen Taufe verabschiedete ich mich (geboren 1950) so schnell es eben ging. Die verbrecherische „Sexualerziehung“ unserer Religionslehrer – auch der Franziskaner Pater war ein Vollnazi, der von den braungebrannten Männern des Afrika Corps schwärmte und einen auffälligen Hang zu Prügelstrafen hatte – trieb mich in den 68er Jahren in eine Promiskuität, die sicher manchen Flurschaden angerichtet hat.

Als Kunsthistoriker durfte ich mit Vergnügen in die christliche Theologie und Bilderwelt eintauchen und mit vielen Priestern, Bischöfen und Kardinälen sprechen, die meine Agnostik wohl attraktiv fanden. Die meisten Alltagschristen, mit denen ich in Berührung komme, erweisen sich allerdings als bigotte Spießer. – Prof. Dr. Ulrich Schneider


Leserbrief zu “Die Reparatur der Erde” Claus Hecking, Malte Henk und Wolfgang Uchatius

„Die Idee das Klima mittels Reparaturmaßnahmen zu retten ist ja nicht neu. Da wir es nicht schaffen die Ursachen des Klimawandels wirklich zu bekämpfen, versucht man es mit dem Rumdoktern an den Symptomen. Das wäre praktisch, denn dann bräuchten wir uns weiter keine Gedanken zu unserem ausufernden Energieverbrauch und Hyperkonsum zu machen – die Party ginge weiter. Es stellt sich wie bei der Gentechnik die Frage nach den Folgen und ob wir in solche einer Welt noch leben wollen. Ich halte diese Ideen zur „Planetenklempnerei“ fûr unsinnige Allmachtsphantasien.“ – Harald Oelschlegel


Leserbrief zu “Eine Provinz blamiert Europa: Bedroht zu viel lokale Demokratie die Handlungsfähigkeit der Politik?” von Georg Blume, Ulrich Ladurner und Mark Schieritz

Europa blamiert durch eine Provinz? Mitnichten! Blamiert haben sich die EU-Kommission und mit ihr zahlreiche Regierungen der europäischen Mitgliedsstaaten, und zwar aus folgenden Gründen:

Erstens: Die Verhandlungen zu CETA waren völlig intransparent. Nach ihrem Abschluss im September 2014 haben Bundes- und Europapolitiker der CDU/CSU, der FDP und (teilweise) der SPD wiederholt behauptet, dass Vertragsänderungen nicht mehr möglich seien; das Paket könne nicht mehr aufgeschnürt werden. Das Gegenteil bewies dann ausgerechnet der deutsche Wirtschaftsminister und CETA-Freund Gabriel, indem er 2015 neu verhandelt und leichte Verbesserungen bei der Schiedsgerichtsbarkeit (ICS statt ISDS) erreicht hat. Und die die Zustimmung seines SPD-Konvents hat er 2016 nur dadurch gewonnen, dass er weitere Nachbesserungen durch so genannte „rechtsverbindliche Protokollerklärungen“ versprochen und teilweise auch durchgesetzt hat.

Zweitens: Lange Zeit haben die EU-Kommission und die europäischen Regierungen die Kritik der europäischen Zivilgesellschaft (u.a. von Schwergewichten wie dem Deutschen Gewerkschaftsbund, dem Deutschen Richterbund und der europäischen Richtervereinigung), an CETA und TTIP als Unwahrheiten und Übertreibungen diffamiert und heruntergespielt. Viele Medien haben ihnen dabei willfährig assistiert.

Drittens: Die Ablehnung der Region Wallonien kam keineswegs aus heiterem Himmel; seit mehr als einem Jahr waren die belgische Regierung, die EU (namentlich Frau Malmström) und Kanada darüber informiert, dass das regionale Parlament der Wallonie CETA in der vorliegenden Form nicht zustimmen würde. Offenbar haben die Verhandler auf beiden Seiten diese deutlichen Hinweise wieder einmal ignoriert oder nicht ernst genommen. Die Blamage haben also die politischen Eliten in den Hauptstädten zu verantworten, nicht die Provinz.

Das Parlament der Wallonie hat nichts weiter getan, als die in Demonstrationen, in unzähligen Gutachten, Veranstaltungen und Diskussionen artikulierte und fundierte zivilgesellschaftliche Kritik an CETA aufzugreifen und im Rahmen seiner institutionellen Möglichkeiten auf Änderungen zu bestehen.

Zu Recht betont der Artikel, dass CETA und TTIP anders als traditionelle Handelsverträge tief in das Leben der europäischen Bürger/-innen und das nationale Recht eingreifen. Deshalb sind sie gemischte Abkommen! Und eben deshalb müssen Handelsverträge neuen Typs künftig von Anfang an transparent und in enger Rückkopplung mit den nationalen (auch regionalen) Parlamenten und nicht zuletzt mit den Bürger/-innen ausgehandelt werden. Das mag schwierig sein und länger dauern, aber es ist solange notwendig, bis die EU ihr massives Demokratiedefizit durch grundlegende institutionelle Reformen überwunden hat.

Ihre Frage: Bedroht zu viel lokale Demokratie die Handlungsfähigkeit der Politik? erinnert an  Argumente aus der Mottenkiste des Feudalismus. Wir brauchen mehr, nicht weniger Demokratie in Europa. – Gisela von Mutius


Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Eine Schweizer Sicht

Die von der EKD mitverantwortete Reformationshomepage „Luther2017“ führt alles Gute auf Martin Luther zurück. Da muss jeder Konkurrent ausgeschaltet werden. Deutlich zu spüren bekommt dies etwa der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli, Gründervater des größeren Teils des weltweiten Protestantismus. Er wird auf der Homepage als „radikaler Reformator“ porträtiert, der „mit dem Schwert in der Hand“ starb. Seine Leistung als Reformator wird wie folgt beschrieben: „die Bürger wurden zum Gottesdienstbesuch gezwungen. Gegner wurden der Stadt verwiesen, Täufer hingerichtet und romtreuen Städten mit Krieg gedroht.“

Auf diesem Hintrgrund sind die Antworten führender Persönlichkeiten der EKD auf die Frage: „was ist heute christlich?“ interessant. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm beantwortet sie mit dem Satz: „Wer fromm ist, muss auch politisch sein!“ Verfolgt man diesen Gedanken in die Reformationszeit zurück, gelangt man nicht zu Luther, der Politik und Religion möglichst getrennt haben wollte, sondern zum Reformator Ulrich Zwingli mit seiner Betonung des prophetischen Wächteramtes der Kirche. Der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD Nikolaus Schneider beantwortet die Frage mit dem Hinweis auf die Bedeutung der „konfessionsübergreifenden Gemeinschaft“. Auch dafür wird man sich kaum auf Luther berufen können, der bekanntlich alle exkommuniziert hat, die seinem Bekenntnis nicht wörtlich folgen wollten. Umso mehr kann man sich dafür aber auf die durch Zwingli angestoßene Schweizer-oberdeutsche Reformation berufen. Hier war das Thema „Gemeinschaft“ schon im Abendmahl zentral; leider stieß der Wunsch nach einer auf gegenseitiger Anerkennung beruhenden Gemeinschaft auch mit Luther auf dessen Ablehnung.

Die Antwort der deutschen Reformationsbotschafterin Margot Käßmann auf die Frage schließlich besteht in einem Zitat aus dem Matthäusevangelium: „Wer Fremde beherbergt, steht in der Nachfolge Jesu“. Einmal mehr: Ein Tatchristentum, wie es das Matthäusevangelium lehrt, lag nicht in der Linie von Luthers Lehre. Zwingli hingegen begann seine Predigttätigkeit mit der Auslegung gerade dieses Matthäusevangeliums. Die drei zitierten Stimmen aus der lutherisch geprägten EKD haben wohl mehr vom „radikalen“ Zürcher Reformator für heutige Christlichkeit gelernt, als ihnen bewusst ist. Das macht nichts. Längst weiß man in der Forschung, dass die Reformation von Anfang an eine vielgestaltige Bewegung mit verschiedenen, eigenständigen Akteuren war. Warum nicht auch auf Gedanken zurückgreifen, die nicht in Luthers Kopf, sondern in Köpfen anderer Reformatoren entstanden sind? (Und dabei kommt keineswegs nur Zwingli in Frage, der hier als Beispiel dienen soll!) Schließlich machte Luther, und gerade er, wie Frau Käßmann mit Recht heraushebt, „die Bibel zum Maßstab.“ Leider: Bis auch andere eigenständige Reformatoren neben Luther in der EKD so respektvoll christlich behandelt werden, wie ihre von ihnen inspirierten Vertreter es heute im Blick auf Muslime fordern, wird es wohl noch etwas dauern, wie die Homepage „Luther2017“ beweist. – Prof. Dr. Peter Opitz


Leserbrief zu “Die Reparatur der Erde” Claus Hecking, Malte Henk und Wolfgang Uchatius

Vielen Dank für Ihren sehr informativen Artikel „Die Reparatur der Welt“ von Claus Hecking, Malte Henk und Wolfgang Uchatius mit den vielen Möglichkeiten gegen die Klimaerwärmung. Hoffentlich kann damit viel bewirkt werden. Ich selbst habe gerade mit meiner Installation in Irkutsk auf die derzeitigen Schäden hingewiesen, damit die Menschen endlich anfangen umzudenken:

In der Installation in Irkutsk sollten die Auswirkungen unseres leichtfertigen Umgangs mit der Klimaerwärmung vor Augen geführt werden. Die Klimaerwärmung sorgt für das Schmelzen des Permafrostbodens. In der Installation waren Gehwegplatten mit Autos mit Verbrennungsmotor bedruckt. Sie lagen vor einem schief abgesackten Haus in der Bogdan Khmelnitskiy Street und vor einem nach hinten geneigten Haus in der Chehov Street. Das CO 2 der Abgase unserer Autos sind mitverantwortlich für die Beschleunigung des Klimawandels. In der Installation wurden die Autos im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten. Durch den Klimawandel und die von uns Menschen verursachte zusätzliche Erwärmung schmilzt der Boden noch schneller. Viele der alten unbewohnbaren Holzhäuser mussten schon abgerissen werden.

Nach Norbert Wein und anderen Wissenschaftlern hat der Permafrostboden in Irkutsks noch eine Mächtigkeit von 60 Metern (Sibirien. Klett-Perthes. Gotha Stuttgart 1999, S. 24). – Hans Präffcke


Leserbrief zu „Wie du mir, so ich dir“ von Norbert Blüm

Der Gastbeitrag von Herrn Blüm ist ein hervorragender Artikel zur regelmäßig wiederkehrenden Rentendebatte (der Jungen Union). Besonders gut gefällt mir die Begründung, mit der die umlagefinanzierte Rente legitimiert wird, dass es nämlich in der Natur des Menschen liegt, wenn die Jüngeren für die Älteren aufkommen, die vormals ihre Elterngeneration darstellten. Dies gilt umso mehr, wenn man die Kapriolen an den Kapitalmärkten der vergangenen Jahre berücksichtigt. Auch die Betonung, dass nicht allein das Verhältnis Jung zu Alt von Bedeutung ist, sondern die Entwicklung der Produktivität ebenso berücksichtigt werden muss, ist ein sehr wertvoller Beitrag zu dieser Diskussion.

Herr Blüms Argumente zeigen, dass es keinen Konflikt zwischen den Generationen bezüglich der relativen Belastung geben müsste. Was jedoch unerwähnt bleibt, ist der begründete Konflikt innerhalb der Generation. Wie Herr Blüm betont, sind die Kinder von heute die Beitragszahler von morgen. Diese Tatsache wird in der Rentenversicherung jedoch nur unzureichend berücksichtigt. Vergleichen wir beispielsweise zwei kinderlose Paare, beide mit einem ähnlichem Jahreseinkommen. Wenn eines der Paare Kinder bekommt, muss ein großer Teil der Einnahmen für den Nachwuchs aufgewendet werden. Diesem Paar bleibt somit weniger Geld für private Konsumausgaben, aber auch weniger für die private Vorsorge. Wenn das andere Paar kinderlos bleibt, hat es deutlich mehr Geld zur freien Verfügung und kann auch mehr in seine private Altersvorsorge investieren. Dadurch wird das kinderlose Paar im Ruhestand finanziell deutlich besser gestellt sein, als die Eltern, die durch ihre Kinder zur Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung (und der gesetzlichen Krankenversicherung) beigetragen haben. Bei Familien mit mehreren Kindern, in denen ein Elternteil die berufliche Tätigkeit zu Gunsten der Kindeserziehung ruhen lässt, wird die Schlechterstellung noch eklatanter (Der Staat nötigt dadurch speziell Menschen mit geringem Einkommen, die Kindeserziehung in fremde Hände zu legen). Um diese Gerechtigkeitslücke zu schließen, muss das staatliche Altersvorsorgesystem reformiert werden.

Meines Erachtens liegt es in der Verantwortung der Medien die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, dass Maßnahmen notwendig sind, um diesem Missstand zu begegnen. Dabei darf nicht das Gefühl entstehen, dass Kinderlose bestraft werden sollen, sondern die derzeitige Benachteiligung von Familien mit Kindern gemildert werden muss. – Hubert Wörle


  Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Diese 95 Menschen haben, wenn ich es richtig sehe, also 95 Meinungen darüber, was „heute christlich“ ist. Irgendwie finde ich es trotzdem, ja deswegen, äußerst bedauerlich, dass Christus und sein allmächtiger Vater das nicht selbst sagen wollen, oder können. Sondern dass auch sie, genau wie all die vielen anderen, falschen Gotte, stumm oder unmündig bleiben, letztlich alles durch ihr teuer bezahltes Bodenpersonal entscheiden lassen: durch „ihre“ Vormunde und Bevormunde, egal ob sie nun Luther heißen oder Heilige Väter genannt werden. Oder wie jetzt, nach Etablierung der Demokratie gegen das Monarchiegerede Jesu Christi, in der ZEIT zu lesen: viele do-it-yourself-Christen das selbst bestimmen (wollen).

Kein Wunder, sondern nur logisch, dass ich dem christlichen Gott mit „seinen“ vier  widersprüchlichen und lügenvollen Evangelien genausowenig glauben kann wie all den vielen anderen eingebildeten Super-Duper-Wesen mit ihren ebenso beschaffenen, immer nur von Menschenmund geäußerten „Offenbarungen“. Siehe auch Nathan der Weise und weitere Werke der Weltliteratur. – Manfred Schleyer


  Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Eine prima Idee, die 95 vielfältigen Einschätzungen zu dem, was Christsein heute ausmacht, einzuholen. Am besten gefallen hat mir der kürzeste Beitrag, der von ZEIT-Redakteurin Dr. Elisabeth  von Thadden: Christsein heiße, dass die Finsternis nur das vorletzte  Wort habe. Platz zwei und drei dieser „95 Thesen“ gehen an die  beiden Bischöfe Dr. Hans-Jochen Jaschke und Dr. Wolfgang Huber. – Wolf Warncke


Leserbrief zu „Schweigen hinter der Maske“ von Nina Pauer

Nach den anonymen Hasstiraden im Netz erleben wir nun eine perfide Analogie auf unseren heimischen, unheimlichen Straßen. Die Frage nach Gesichtern hinter den hässlichen Maskierungen gewaltbereite und gewalttätiger Clowns stellt sich dabei für ihre Opfer wohl kaum, denn größtenteils dürften die Täter infantile, unzivilisierte und debile Menschen ohne Gesicht und Persönlichkeit sein.

Diese Narren wollen offensichtlich ihren eigenen Lebenshorror, Frust und Mutlosigkeit mit uns teilen, die Polizei unterbreitet ihnen hoffentlich unverzüglich eine abgeklärtere Sichtweise und Problemlösung.  – Ira Bartsch


Leserbrief zu “Eine Provinz blamiert Europa: Bedroht zu viel lokale Demokratie die Handlungsfähigkeit der Politik?” von Georg Blume, Ulrich Ladurner und Mark Schieritz

Mit Entsetzen habe ich bereits aus anderen Medien das scheinbar so elegante Wort vom „Demokratieüberschuss“ gelesen. Zuallererst möchte ich fragen, wie Sie als Journalist reagieren würden, wenn ich in Ihrem Fall einen „Meinungsfreiheitsüberschuss“ unterstelle? Sehen Sie, das passt Ihnen jetzt auch nicht. Aber dem Bürger darf man ja so etwas hinknallen, Demokratieüberschuss, klingt ja auch toll.

Es gibt mehrere Dinge, die mich an Ihrer Argumentation stören.

Warum behaupten Sie, ohne auch nur einen Beleg dafür liefern zu können, dass „Experten in Brüssel besser als nationale Parlamentarier einschätzen können, was gut ist für den Wohlstand in Europa“? Sind das solche Experten wie der damalige Kommissar David Byrne, der sagte, die Bürger sollten doch lieber den Experten überlassen, ob gentechnische veränderte Lebensmittel schädlich sind, und sich nicht so anstellen?

Oder sind es solche Experten wie J.-C. Juncker, der ganz genau weiß, welche Steuersparmodelle multinationale Konzerne wünschen? Oder sind es solche Experten wie Martin Bangemann, Joao Manuel Barroso und Nellie Kroes, die nach ihrer Kommissarkarriere zufälligerweise genau in der Branche landen, die sie zuvor durch ihre Expertentätigkeit in Brüssel begünstigt haben? Ich sage Ihnen: Ich als Wähler und Bürger habe genug von diesen Experten, die ihre wirtschaftlichen Interessen als Gemeinwohl ausgeben. Und ich bin nicht der einzige, ich gehe vielmehr davon aus, dass ich für die Mehrheit der EU-Bürger spreche. Wer sich dann noch über die Erfolge der Populisten wundern, ist entweder naiv oder scheinheilig.

Ich bleibe dabei: Wer Neoliberalismus sät, wird Pegida und AfD ernten.

Auch möchte ich Ihnen die Frage stellen, warum Sie die realen Größenverhältnisse ignorieren (wollen). Es werden nicht nur die wallonischen Bauern niemals nach Kanada exportieren, wie sie richtig zitieren: „Dafür sind wir zu klein.“ Das gilt auch nicht nur für viele landwirtschaftliche Betriebe, fast überall in der EU. Es gilt für 98 % aller europäischen Betriebe, für die die Exporterleichterungen nicht relevant sind, weil ein Export nach Übersee für, ob mit oder ohne Freihandelsabkommen, nicht lohnend wäre. Umgekehrt haben riesige Agrarproduzenten aus Kanada (und den USA) natürlich ein großes Interesse daran, die derzeit zu Recht geschützten Märkte der EU zu erobern. Es ist kein Wettbewerb unter Gleichen, der da stattfinden soll. Mit welchem Recht stellen Sie das als einen Fortschritt dar? Was CETA und TTIP im besten Fall befördern, ist eine weitere Konzentration der Anbieter zu Lasten kleiner und mittlerer Betriebe und zusätzlicher Transportverkehr, den Sie in Ihrem Hamburger Zeitungshochhaus natürlich kaum mitbekommen. – Wolfgang Petzsch


Leserbrief zu “Der belgische Albtraum” von Jochen Bittner

In einer Demokratie von „Feigheit vor dem Volk“ zu sprechen, ist eine ungeheuerliche Wortwahl. Sie wollen das Volk zu seinem Glück zwingen, nehme ich an.

Zunehmend mehren sich Stimmen in Deutschland, die in der Bevölkerung eher einen lästigen Störenfried sieht als den Souverän. Deren (und wohl auch Ihre) Maxime lautet: „Lasst das Volk ruhig alle paar Jahre wählen. Das Volk hat zwar keine Einsicht mehr, welche politischen Inhalte mit welcher Wahl verbunden sind. (Wahlprogramme sind so schwammig, dass sie alles zulassen, notfalls gibt es „neue Entwicklungen, auf die man reagieren muss.) Aber immerhin bleiben durch diese Wahlen formal eine Demokratie, zwischen den Wahlen hat das Volk bitte den Mund zu halten.

Wenn Globalisierung aufgrund „komplexer Entscheidungen“ zum Abbau gelebter Demokratie führt so bin ich ab jetzt auch Globalisierungsgegner. Danke für Ihren Tipp.

Noch ein Nachsatz: das bitterste ist, dass sich gewitzte Geister zunehmend an die Aufhebung der staatlichen Gerichtsbarkeit gewöhnen (wehret den Anfängen!) und die Gegenwehr des Souveräns (des Volkes) als Aufruhr des Pöbels erleben. –Dr. Christian Voll


 Leserbrief zu “Der belgische Albtraum” von Jochen Bittner und zu “Eine Provinz blamiert Europa: Bedroht zu viel lokale Demokratie die Handlungsfähigkeit der Politik?” von Georg Blume, Ulrich Ladurner und Mark Schieritz

Für mich ergibt sich daraus die Frage: Alle Macht einer Zentralregierung der EU?

Am Beginn meiner Stellungnahme zu einem Artikel, der die sogenannte Krise schildert, in die die EU bei Verhandlungen mit Kanada geraten sei, möchte ich darauf hinweisen, dass meine Überschrift durchaus infrage stellt, was sie ohne das Fragezeichen aussagen würde.

Denn die Überschrift: „STREIT UM CETA. Der belgische Albtraum. Versagt die EU aus Feigheit vor dem Volk?“ vom 27.10.16, auf Seite 1 der ZEIT scheint zwar (so könnte man das Fragezeichen werten) auch eine Kritik anzudeuten immerhin. Doch in dem Artikel von Jochen Bittner wird klar, dass dies für den Autor gar nicht infrage steht.

Die von ihm behauptete „unbeschädigte Stärke“ der EU, als „einheitlicher Block“ aufzutreten, zeugt davon, dass Herr Bittner in letzter Zeit offenbar z.B. hinsichtlich der Flüchtlingsfrage und der Verteilung von Lasten nicht aufmerksam die tatsächliche Politik verfolgt hat. Von Einigkeit kann überhaupt nicht die Rede sein. Allerdings, das gebe ich zu, steht er damit nicht allein; denn wieso konnte man Erdogans „Sorge“ um die „Demokratie“ der Türkei sogar noch bekräftigen?

Herr Bittner stempelt kleine Staaten, die sich einer Räson entziehen, prophetisch zu gerade dadurch bevorzugten Opfern einer Globalisierung; gerade also weil sie sich, und zwar zu Recht, dagegen wehren. Die Wallonen haben, ganz deutlich im Gegensatz zu manch anderer europäischer Region unter dem Einfluss von Konzernen, überhaupt über mögliche Abhängigkeiten nachgedacht. Wie sich gezeigt hat, sind sie nicht gegen Freihandel als solchen, sondern wollen Regelungen (wie ja teils auch Sigmar Gabriel), die offen verhandelt worden sind. Die Beschreibung einer solchen Berücksichtigung von Bedenken als „Feigheit vor dem Volk“ verzerrt die Pflicht unserer Politiker, eben ihr Volk so zu vertreten, dass keine Fehldeutungen entstehen können.

Und hier zeigt sich Herr Bittner als ein Anwalt nicht von demokratischen Entscheidungen (gerade auch in der EU), sondern von Zentralismus. Kritik von Mitgliedern des Staatenbundes wehrt er daher ab: Sie verhielten sich so, „als gäbe es kein Europäisches Parlament“. Und die sogenannte „Feigheit“ eilt ja eben gar nicht voraus, sondern nimmt Proteste der Bevölkerung  überhaupt einmal zur Kenntnis.

Im Grunde mit gleichem (nicht mehr annehmbarem) Demokratieverständnis verbreiten Georg Blume, Ulrich Laturner und Mark Schiebritz im Wirtschaftsteil auf S.21 ihre Auffassung der Angelegenheit, die sich in die Frage kleiden lässt: Wie können wir uns der Quengelei weniger Unreifer in lokalen Demokratien erwehren, die die Handungsfähigkeit der Politik gefährden? Der „Machtzuwachs“ für die Wallonen sei  Ergebnis einer Politik, die  – von den ausgehandelten Kompromissen der Experten nicht überzeugt – ihr Heil in einer radikalen Demokratisierung suche. Die große Frage sei, warum gut dreieinhalb Millionen Wallonen einer halben Milliarde Europäer die Richtung vorschreiben könnten. Hier zeigt sich, wie sehr manche Menschen darauf beharren, eine Mehrheit weitgehend Uninformierter solle ungeprüft den Ton angeben; bislang (leider) allein als Sinn demokratischer Entscheidungen geläufig. Denn auf diese Weise lassen sich Bedenken einer (hier ja bloß geradezu stellvertretend handelnden) Minderheit leicht abschätzig übergehen, statt sie in Entscheidungen einzubinden.

Bisher habe ich angenommen, man blamiere sich, wenn man unbedacht handle. Dass dies für die Politik nicht gelte, hat mich in Gestalt der gewählten Überschrift: „Eine Provinz blamiert Europa“ sehr überrascht. Ja, manche fühlten sich sogar durch das Denken bedroht, wie die Autoren berichten. Und das, nachdem die EU zuvor (ohne zu denken?) bedeutsame Krisen anscheinend überwunden habe. Nun habe man das geduldige Kanada besänftigen (!) müssen, das doch deutlich  sehr viel Wert auf die feierliche (!) Unterzeichnung des angeblich (für wen?) so fortschrittlichen Vertrages legt. Ihr Artikel gar sieht nun in Europa einen Demokratie-Überschuss wachsen, der die Handlungsfähigkkeit der Politik bedrohe. Sollte man sich aber nicht eigentlich von einem solchen Demokratieverständnis bedroht fühlen? – Dr. Wilfried Baur


Leserbrief zu „Wünsch dir was!“

Was sich Ihre Experten wünschen, wünsche ich mir schon seit  20 Jahren. Besonders die Wünsche vom Präsidenten des Lehrerverbandes Josef Krauss waren schon immer auch meine Wünsche. Sie können das alles vergessen – es wird sich nichts ändern, jedenfalls nicht das, was geändert werden müsste. Wenn ich in der gleichen Ausgabe lesen muß: „Nie sprachen deutsche Schüler besser Englisch!“ Dafür hätte es aber auch heißen müssen: „Nie sprachen deutsche Schüler so schlecht Deutsch!“ – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Siege nach altem Rezept“ von Oliver Fritsch

In „Die Zeit“ Nr. 45 Seite 18 vom 27.10.16 über RB Leipzig ist in Zeile 16 zu lesen: “ Red Bull Leipzig ist …….“ Meines Wissens ist diese Bezeichnung nur in Österreich zulässig und bei Leipzig bedeutet RB etwas ganz anderes. – Frank Sonder


Leserbrief zu „Wie du mir, so ich dir“ von Norbert Blüm

‚Wie du mir, so ich dir‘ ist der kategorische Imperativ der generationsübergeifenden Solidarität“ – so formulieren Sie,  aber genau das stimmt nicht: die Elterngeneration nach 1945 hat sich dieser Kant’schen Verpflichtung entzogen,  indem die Zahl der Neugeboren in den vergangenen 50 Jahren um 45% zurückgegangen ist. Im Sinne des  kategorischen Imperatives wäre es aber gewesen, jeweils so viele Kinder in die Welt zu setzen, damit der  Generationenvertrag auch künftig aufrechterhalten werden „könne!“ (Kant)  Das ist kein Vorwurf, sondern nur eine Feststellung, die aber leider Folgen hat, auf die die Politik reagieren muss. Ein WEITER SO!  kann es nicht geben, weil sich die Parameter völlig verändert haben.  Weil die geburtenstarken Jahrgänge in der Zeit von 2015 bis 2035 komplett in’s Rentenalter wechseln, findet in genau diesem Zeitabschnitt ein demographischer Umbruch statt, der mit dem Ausdruck „Wandel“ nicht mehr ausreichend beschrieben wird.

Dabei wird die Entwicklung der drei entscheidenden Bevölkerungsgruppen  (Nachwuchs, Berufsfähige, Rentner/Pensionäre) nur dann wie in der nachstehenden Grafik aussehen, wenn in die Altersgruppen „0-66 Jahre“ von 2015 bis 2035 eine Zuwanderung von rd. 5 Millionen Personen erfolgt. Trotzdem  wird die Altersgruppe „Berufsfähige“ bis dahin um rund 5 Millionen Personen zurückgehen; aus dieser Gruppe  kommen aber die Beitragszahler! Es müssen also langfristig wirkende Veränderungen des Rentensystems erfolgen.

An der Entwicklung der Altersgruppe ‚Rentner/Pensionäre‘ ist überhaupt nichts zu ändern – auch nicht durch  Zuwanderer, weil diese zu mehr als 90% maximal 40-45 Jahre alt sind und bis 2035 diese Altersgruppe gar  nicht erreichen. Wir haben uns also damit auseinanderzusetzen, dass bei einem Anstieg des durchschnittlichen Renten-Eintrittsalters von zurzeit ‚64,0 J.‘ auf ‚66,0 J.‘ in 2035 die Altersgruppe 64+ (2015) bis 2035 (66+) um  mindestens 4 Millionen Personen ansteigen wird. 9o% davon werden gesetzliche Rentner sein, deren Rente von einer zurückgehenden Zahl an Beitragszahlern bezahlt werden muss. Dafür müssen Antworten gefunden  werden, die nicht verlockend klingen, sondern umsetzbar sein müssen. Und es muss auch gesagt werden, dass  die Rentenbeiträge bis 2030 um mind. 3,3 %-Punkte steigen werden – bei Umsetzung des Gedankens, das  Rentenniveau zu stabilisieren, wären es insgesamt mind. 6%-Punkte (auch wenn es den Arbeitgebern nicht passt).  – Andreas Tiefensee


Leserbrief zu „Wie du mir, so ich dir“ von Norbert Blüm

Die Kernaussagen von Herrn Blüm sind: „Diesen Brief schreibt ein Pleonasmus. Die Jungen bezahlen für die Alten“. Im unwahrscheinlichen Fall der Sprechlosigkeit hätte er diese Weisheiten der Jungen Union auf einer Postkarte mitteilen können. Dafür wurde dem Politikteil viel Platz für relevante Aussagen genommen. Schade. – Norbert M. Geithner


Leserbrief zu „Obama ist die bessere First Lady“ von Rudolf Novotny

Der Präsident Obama kann sich glücklich schätzen eine solche Frau an seiner Seite zu haben. Den Vergleich zu Hillary Clinton  allerdings sollten Sie sich sparen. Die würden das erst gar nicht machen wollen.  Nun ist Hillary Clinton keine Frau der man unbedingt trauen sollte.  Im Alter erkennt man das. Ihr ganzes Gehabe gibt sehr zu bedenken.  Ich jedenfalls, würde ihr nicht über den Weg trauen. Wäre der Gegenkandidat aus anderem Holz geschnitzt, hätte sie ohnehin keine Chance.  – Gunter Knauer 


Leserbrief zu „Wie du mir, so ich dir“ von Norbert Blüm

Warum eigentlich zahlen Personen mit Kindern die gleichen Beiträge bzw. bekommen die gleiche Rente wie Kinderlose, die ja ganz offensichtlich die Grundvoraussetzung des Generationenvertrages nicht erfüllen? Mal abgesehen von der doch äußerst bescheidenen Mütterrente. Das Problem sollte doch mal genauer analysiert werden. Hierbei sind Steuerzahlungen, Kosten für Kinder, staatliche Transferleistungen für Familien, etc. zu berücksichtigen. Vermutlich besteht hier eine ganz eklatante Ungerechtigkeit gegenüber den Familien mit Kindern. Es geht nicht darum Kinderlose zu benachteiligen. Aber der vermutlich größere finanzielle Spielraum Kinderloser sollte bei der Beitragsfestlegung angemessen berücksichtigt werden. Man darf gespannt sein, ob sich unsere Politik traut, solch unpopuläre Überlegungen für große Teile der Wählerschaft zu äußern oder gar umzusetzen. Bisher überwiegt der Eindruck, dass man sich lieber mit angenehmen Botschaften befasst.

Und wieder mal stänkert Herr Blüm gegen das Kapitaldeckungsverfahren der Versicherungswirtschaft. Der gigantische Schuldenberg (nicht nur) in unserem Land hat zu einem nicht unerheblichen Teil sein Gegenstück genau in diesem Kapitaldeckungsverfahren. Herr Blüm – als mitverantwortlicher ehemaliger Minister – sollte freundlicher mit den Gläubigern unseres Landes umgehen. Noch dazu, wo die anhaltende Nullzinspolitik der EZB von der Politik nicht nur geduldet, sondern auch aktiv gesteuert wird.

Und zum Schluss: Griechen, Portugiesen, Italiener und alle anderen (Schuldner-) Staaten wären froh, wenn sie anstelle von Schulden entsprechende Guthaben hätten. Durch Konsum wäre das Sozialprodukt höher und es könnten auch höhere Renten bezahlt werden. Soweit zu Herrn Blüms vereinfachender Feststellung, das die Rente stets aus dem aktuellen Sozialprodukt bezahlt wird. – Klaus Michel


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Habe mit interesse die antworten gelesen, vieles fand ich berührend, interessant, aber christlich ?

mitmenschlichkeit, gutes verhältnis zu „dem anderen“ etc finde ich auch in anderen religionen, sogar atheisten können begründen, warum das wichtig ist. für mich erstaunlich fehlt das, was ich für wirklich einzigartig christlich halte: jesus hat mich gelehrt, dass ich den schöpfer allen seins als abba ansprechen darf, als vater. – Freimut Kirstädter-Obermayer


Leserbrief zu „Untreu und Glauben“ von Constantin van Lijnden

Zu ihrem Artikel Kuckucksväter in der letzten Ausgabe vom 27.10.2016 möchte ich Stellung nehmen: Die Anzahl der Kuckucksväter wird in dem Artikel mit 1 % angegeben. Aufgrund von vielen Gesprächen, die ich unter anderem wegen meines Berufes mit Frauen manchmal auch bezüglich dieses Themas geführt habe, wird die Anzahl der „Kuckuckskinder“ von diesen Frauen nach ihren eigenen Erfahrungen und im Bekannten und Freundeskreis auf mindestens 10 % bis maximal 20 % angegeben. Also jedes fünfte bis zehnte Kind hat nicht den biologischen Vater, den die Frau als Erzeuger angibt.
Das bedeutet, dass jeder Mann nach der Geburt des Kindes zunächst erstmal die Vaterschaft feststellen lassen sollte, bevor er die Vaterschaft anerkennt. Denn hat der Mann die Vaterschaft einmal anerkannt, werden die Gerichte im späteren Zivilprozeß im nachhinein immer zum Wohl von Mutter und Kind entscheiden. – Harald Wilke


Leserbrief zu „Brrrrrommmmm!“ von Gero von Randow

Was die kulturellen und auch gesetzlichen Aspekte Ihres Artikels angeht, kann ich Ihnen durchaus folgen. In technischer Hinsicht muß ich allerdings widersprechen: Der Motor war noch nie! das Problem der Elektromobilität.

Damals und auch heute noch ist der entscheidende Punkt, daß kein Speichermedium für Elektrizität mit der Energiedichte von Diesel oder Benzin konkurrieren kann. Deshalb haben sich vor einhundert Jahren auch die Verbrennungsmotoren durchgesetzt, nicht wegen eines Zeitungsartikels.

Zu Ihrem Beispiel Tesla: Ich für meinen Teil sehe die Brennstoffzelle vorn, trotz der Henne-Ei-Problematik, denn mehr als eine halbe Tonne Akku für eine nennenswerte Reichweite spazieren zu fahren, sehe ich nicht als erstrebenswert an. Deshalb kann ich dem Denkschema Elektromobilität=Akku als Energiespeicher auch nicht folgen, denn die Elektrizität für den E-Motor kann ja in verschiedener Form gespeichert, erzeugt oder umgewandelt werden. Aber das ist ja nur meine Meinung… – Thomas Weiße


Leserbrief zu “Unser Bruder Martinus” von Waldtraut Lewin

Pünktlich zum Luther-Jahr – wer hat uns das eigentlich aufgezwungen? –  haben Sie einen wie erwartet guten Beitrag geliefert. Aber damit kann  jetzt auch genug sein. Bei aller politischen und kulturellen Bedeutung  Luthers darf nicht vergessen werden, dass er einer der ganz großen  Volksverhetzer und Hassprediger und Hitlers Vorbild war.  Und seine  Haltung zu den Frauen,  Juden oder allen Andersgläubigen war eventuell  zeitgebunden, aber auf keinen Fall christlich oder für uns vorbildlich.  Seine Lehre von der Erbsünde war ja nur graduell humaner als die des  Papstes. Und dass eineinhalb tausend Jahre Christentum nicht einmal bei  einem Berufschristen eine humane Prägung hinterlassen hat, ist Grund  genug, sich von diesem Verein konsequent zu distanzieren. – Bernd Kockrick


 Leserbrief zu „Die Quelle allen Unglücks?“ von Susan Neiman

Für oder Wider die Moderne? Heideggers Antimodernismus – Es ist nicht eine Einladung zu philosophischer Diskussion, sondern kommt einer theoretischen Erpressung gleich, wenn man aufgefordert wird, sich entweder für oder gegen die Moderne zu erklären. Denn jeder der sich gegen die Moderne stellt ist schon im vorhinein verurteilt als Querulant und politisch als Sympathisant des Nationalsozialismus verdächtigt (dem heute so etwas wie das Alleinvertretungsrecht für alles anti-moderne Denken und Tun zugesprochen wird).

Auch Susan Neimans ideologische Klassifizierung von Heideggers Denken als Antimodernismus ist nichts anderes als eine denunziatorische Geste, da sie die Undiskutierbarkeit der Moderne als Kriterium ansetzt, und jedes der Moderne nicht konforme Denken in die Nähe der politischen Barbarei rückt. Gerade dieses ticket-Denken ist das Gegenteil allen genuinen und philosophischen Fragens. Es schliesst dogmatisch aus, dass die Moderne selbst in Frage gestellt werden kann und muss. Fragen aber ist, wie man bei Heidegger lernen kann, die Frömmigkeit des Denkens.

Die platte Versicherung hingegen, dass die Moderne der einzig offene Weg ist, wie Susan Neiman sagt, kennzeichnet genau die Gedankenlosigkeit und Fraglosigkeit, die Heidegger so eindringlich in den Schwarzen Heften kritisiert. Was immer man gegen Heidegger vorbringen mag, er hat sich jedenfalls nicht auf unhinterfragbare Dogmen, Grundsätze, Prinzipien, oder Glaubenswahrheiten berufen, die man nicht in Frage stellen dürfte. Er hat das Fragen kultiviert, und das ist auch immer das Fragen gegen sich selbst. – Ingo Farin, Lecturer in Philosophy, University of Tasmania, Australia


 Leserbrief zu “Eine Provinz blamiert Europa: Bedroht zu viel lokale Demokratie die Handlungsfähigkeit der Politik?” von Georg Blume, Ulrich Ladurner und Mark Schieritz

Die Wortschöpfung „Demokratieüberschuss“ als Abschluss des Artikels über ein Zuviel an lokaler Demokratie regt zum Nachdenken an. Was bedeutet „Überschuss“ in diesem Zusammenhang?  War nicht vor etwa zweihundert Jahren auch von einem „Überschuss“ die Rede, damals von einem „Überschuss an Menschenrechten“ als sich die Baumwollplantagenbesitzer gegen die neumodischen Feinde des Sklavenhandels und –haltens wehrten? Und wurden sie damals nicht auch mit ähnlicher Willfährigkeit von der Mehrzahl der Journalisten unterstützt?

Ist es, grundsätzlich betrachtet, heute bei den Verteidigern des Freihandels anders?  Stehen nicht Profit- und kurzfristige Wohlergehensinteressen privilegierter gegen die benachteiligter Gruppen und werden diese nicht, so wie es Jürgen Osterhammel und Sven Beckert für das 19. Jahrhundert beschreiben, wieder von ihren Eliten verraten? Stehen nicht sogar langfristige Perspektiven der Menschheit auf dem Spiel? Wird nicht mit dem Durchdrücken der sogenannten Freihandelsverträge das Prinzip demokratischer Entscheidungssouveränität und damit letztlich, nicht anders als seinerzeit bei dem Sklavenhandel, der ethischer Kern der Menschenrechte verletzt? – Dr.-Ing. Jürgen Oestereich


Leserbrief zu „Die Quelle allen Unglücks?“ von Susan Neiman

Im Artikel wird Heidegger als ein Denker dargestellt, der nur scheinbar tief denkt und dabei die aufklärerische Moderne als Quelle allen Unglücks unserer Zeit sieht. Die Verfasserin behauptet mit Recht, dass „anstatt darüber zu rätseln“, ob Heideggers Aussagen über das Judentum „ rassistischer oder seinsgeschichtlicher Natur seien“, „sollten wir die jüngsten Veröffentlichungen dafür nutzen, noch viel wesentlichere Fragen zu stellen“.  Sie legt  danach aber im Artikel nahe, dass Heidegger Kants Vernunftbegriff nicht genau würdigt. Ich frage mich, ob die Verfasserin einige Aussagen von Heidegger über Kant in den „Schwarzen Heften“ berücksichtigt und darüber genug nachgedacht hat. Im Band 95 der Gesamtausgabe (Seite 32) fragt sich Heidegger wozu noch Kant, wozu noch Denker, in einer Zeit (wie im Nationalsozialismus)  in der man Philosophie bloß kulturpolitisch braucht. Und er antwortet, dass in Kants Einsicht in die transzendentale Subjektivität, „ein Bereich sichtbar gemacht wird, den einst die Überwindung der Neuzeit erst noch eigens durchschreiten muss, wenn dieses Zeitalter nicht durch eine blinde Selbstverstümmelung verenden soll“.  Heidegger fährt fort: „ Wozu noch Kant? Als ein noch unbeschrittener Weg, um die Besinnung auf den neuzeitlichen Menschen im rechten Tiefgang zu halten; denn erst durch Kant ist die längst noch nicht erschöpfte Möglichkeit bereitgestellt das Begreifen der Subjektivität des Subjekt den gröberen Verirrungen der psychologischen und biologischen Auslegungen fernzuhalten – d. h. die Anthropologie in eine metaphysische Ebene  zurückzuverlegen“.   Es wäre gut, sich von gängigen Meinungen nicht beirren zu lassen und durch eine eingehende Lektüre und Auseinandersetzung mit den Gedanken der „Schwarzen Hefte“ zu versuchen die Besinnung auf die Moderne im rechten Tiefgang zu halten. – Dr. Elbio Caletti


Leserbrief zu „Die gekaufte Grenze“ von Hauke Friederichs und Caterina Lobenstein

Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Ganz am Schluss zitieren Sie Toure Blamassi: In Tunesien gibt es kein Asylsystem, keinen Rechtsrahmen und  ein Verbot Menschen zu helfen, die keinen gültigen Aufenthaltsstatus haben. Es wäre schön zu wissen, ob diese Aussagen tatsächlich stimmen – oder ob es sich lediglich um eine unmassgebliche Meinung handelt.  Ich kann mir nicht vorstellen, dass Millionen von der BRD gespendet werden, wenn es keine Rechtssicherheit gibt. Das wäre ein Skandal ohne gleichen.   – Jochen Weiden


Leserbrief zu „Wie du mir, so ich dir“ von Norbert Blüm

Norbert Blüm bringt es auf den Punkt : wenn  “ seine “ Jung-Unionisten weiterhin nur  Parolen der Privatversicherung oder der Jungen Liberalen nachplappern , verdienen sie allenfalls einen Nobelpreis für Dummheit. Der bevorstehende Rentenwahlkampf – Gott sei Dank, endlich ! – gibt den jungen Wilden nicht nur die Chance,  plakativ zu jammern.  Die Einladung  steht,  sie können mit ihrem langedienten Arbeitsminister öffentlich über den ert  generationenübergreifender  Solidarität streiten …. und ich wäre gerne dabei, zu jeder Tag- und Nachtzeit  !  Denn nichts ist heute wichtiger, als  gefühlt  überbelasteten jungen  Beitragszahlern zu  vermitteln, dass sie genau damit  in ihre Zukunft investieren und zwar alternativlos!  – Hubert Seiter


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Vielen herzlichen Dank für die schönen Stellungnahmen und Bekenntnisse zum christlichen Glauben in dem Artikel „Was ist heute christlich?“ Wunderbar die Stellungnahme Nr. 73 von Götz Hamann, der mir aus tiefster Seele spricht. Josef Joffe bringt in Nr. 89 den politischen Aspekt exakt auf den Punkt. Meine Familie und ich sind zutiefst beeindruckt. – Alfred Schraufstetter


 Leserbrief zu “Der belgische Albtraum” von Jochen Bittner und zu “Eine Provinz blamiert Europa: Bedroht zu viel lokale Demokratie die Handlungsfähigkeit der Politik?” von Georg Blume, Ulrich Ladurner und Mark Schieritz

Ich bin ganz anderer Auffassung als Jochen Bittner. Denn der Schaden, den die EU, besser die europäische Wirtschaftsgemeinschaft, der Welt und auch seinen EU-Bürgern zufügt, ist viel immenser, als der vermeintliche Gesichtsverlust, der sich aus der standhaften Haltung der EU-Kritiker ergeben hat. Oder glauben Sie, Herr Bittner, dass sich Afrika bzw. deren Bevölkerung auf den Weg macht nach Europa, weil es ihnen in ihren Heimatländern so gut geht?

Und von Verschwörungstheorien kann ja auch keine Rede sein, wie Sie selbst erkennen.
CETA ist kein reines Handelsabkommen, sondern es ist ein Wirtschaftsabkommen, das als zentralen Baustein einen Investitionsschutz beinhaltet, mit Einklagbarkeit vor privaten Schiedsgerichten, ob sie nun wie ursprünglich geplant nicht öffentlich, und wie jetzt nach massiven Protesten vor einem möglicherweise öffentlich zugänglichen Investitionsgericht stattfindet, aber eben in Form einer Paralleljustiz. Und die Zeche, sofern es zu einer Verurteilung kommt, zahlt dann der verklagte Staat bzw. dessen Steuerzahler. Und wer sich solche Klagen leisten kann, ist ja wohl klar, und dass es letztlich also um die Installation einer weiteren Umverteilungsspirale gehen könnte, nachdem die soziale Marktwirtschaft über Bord geworfen wurde und nunmehr uns aufgrund der Globalisierung ohnehin der ungebremste Kapitalismus erfasst hat, ist weit mehr als nur unwahrscheinlich.

Die Kehrseite der Industrialisierung ist in vielen Regionen Europas schmerzlich erlebt worden, speziell auch eben in Wallonien, wo sich gerade offensichtlich eine kleine, aber feine Wirtschaftskultur entwickelt, basierend auf fairen Verhältnissen und insbesondere Regionalität. Es ist mehr als verständlich, dass man diese Diversität nicht aufs Spiel setzen will. Sie werden wohl zugeben, dass eine Verhandlungsdauer über sieben Jahre, zu großen Teilen im Geheimen und ohne Kommunikation nach außen, weil nicht gewünscht oder gar verboten, für sich bereits eine Blamage schlechthin darstellt und sich dagegen erstmals massiver Protest  formiert hat, der auch gefruchtet hat, Gott sei Dank! – Prof. Dr. med. Fritz Priemer


Leserbrief zu „Wie du mir, so ich dir“ von Norbert Blüm

Die Ausführungen des Sozialministers a.D. können nicht unkommentiert stehen bleiben. Ich greife nur vier Punkte heraus, die mir besonders aufgefallen sind:

  1. Der Seitenhieb gegen private Versicherungen kommt zwar nicht unerwartet, aber bei einer kapitalbildenden Versicherung zu behaupten, der Versicherer gäbe heute das aus, was er gestern eingenommen habe, ist doch eher „postfaktisch“. Die Probleme der Lebensversicherer können nicht in Abrede gestellt werden, aber die Ursache ist nicht  systemimmanent, sondern in der Nullzinspolitik der EZB begründet, die Sparer benachteiligt und Schuldner – vor allem die Staaten des Euroraums – begünstigt.
  2. Das Baby, das sich nicht selbst stillen kann, ist reine Demagogie. Rentner haben ein ganzes Arbeitsleben Zeit gehabt, Vorsorge für sich selbst zu treffen. Tatsächlich setzt die aktuelle Sozialgesetzgebung  teilweise Fehlanreize, in dem diejenigen, die Vorsorge betreiben, im Alter nicht besser gestellt sind als diejenigen, die das unterlassen haben. Hier sollen den letzten Verlautbarungen der amtierenden Ministerin zufolge wohl – berechtigterweise! – Korrekturen erfolgen.
  3. Natürlich ist die Produktivität im 20. Jahrhundert enorm angestiegen und hat vor viele Industriegüter für breite Massen bezahlbar gemacht und so den Wohlstand – misst man ihn rein materiell – in Deutschland massiv erhöht. Allerdings lässt sich diese Entwicklung nicht ohne Weiteres auf die Zukunft fortschreiben, schließlich werden in der produzierenden Industrie immer weniger Leute beschäftigt und dafür mehr im Dienstleistungssektor. Die Produktivität (z.B.) eines Taxifahrers, Paketzustellers oder Lehrers lässt sich aber nicht durch technischen Fortschritt steigern. Es ist daher kein Wunder, dass die Reallohnentwicklung im 21. Jahrhundert in Deutschland bestenfalls eine Seitwärtsbewegung macht.
  4. Das Rechenbeispiel überzeugt nicht ansatzweise. Wenn der zitierte Opa seinerzeit von 100 EUR 10 EUR abgab und somit 90 übrig hatte und sein Enkel heute von 200 EUR 20% abgibt und damit 160 EUR zur Verfügung hat – wer konnte oder kann sich mehr dafür kaufen? Sinnvoller scheint mir folgender Vergleich: Ein Standardrenter West „kostet“ die Rentenkasse mtl. rund 1.470 EUR (inkl. Zuschuss zur Krankenversicherung.) Um Standardrentner zu werden, muss man Durchschnittsverdiener sein, also leicht über 3.000 EUR mtl. brutto verdienen – das bringt der Rentenkasse rund 560 EUR mtl. ein. Somit braucht man nicht ganz drei Durchschnittsverdiener, um einen Standardrentner zu finanzeren, wobei das Verhältnis Rentenbezieher zu Einzahlern jetzt schon eher bei 1: 2 liegt. 2050 wird es etwa bei 1:1 liegen. Welche Höhe soll der Bundeszuschuss in die Rentenkasse (aktuell knapp 70 Mrd. EUR) dann haben?

Es überrascht daher nicht, dass Maßnahmen diskutiert werden, die nach dem Motto „buy now, pay later“ erst mal die Einnahmesituation verbessern (Einbeziehen von bestimmten Selbstständigen, Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze). Die erworbenen Rentenansprüche dieser Personen müssen ja erst in einigen Jahren bis Jahrzehnten befriedigt werden. – Michael Buscher


Leserbrief zu “Die Reparatur der Erde” Claus Hecking, Malte Henk und Wolfgang Uchatius

Der Text mitsamt den niedlichen Grafiken passte doch viel besser auf Hochglanzpapier, in der Empfangshalle  eines großen Chemiemultis – entworfen von deren renommierten PR Agentur. Ach was, da liegt er wahrscheinlich längst. – Rudi Gruber


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Die Titelfrage „Was ist noch christlich?“ scheint mir falsch gestellt. Die meisten der Autoren sind keineswegs kompetent genug zu sagen, was (noch) christlich ist; ihr gutes und unbestreitbares Recht ist es dagegen, zu sagen, was sie für christlich halten – ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. – Josef Rupp


 Leserbrief zu „Siege nach altem Rezept“ von Oliver Fritsch

In Ihrer aktuellen gedruckten Zeit haben sie einen (sehr guten!) Artikel zum Fußballverein RB Leipzig abgedruckt und RB Leipzig mehrmals als Red Bull Leipzig bezeichnet. Natürlich wissen wir alle das es dafür steht, aber in einem Artikel über den Verein sollte zumindest in einem Nebensatz erwähnt werden, dass der Name von RB Leipzig offiziell wegen einer Regelung des DFBs gegen Werbenamen für Vereine RasenBallsport Leipzig ist. – Bernhard Metz


Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

„Ich musste weinen vor Freude, als ich die 95 Antworten auf „Was ist heute christlich?“ las. Wie viele wahre Menschen gibt es doch heute! Dies macht mir Zuversicht für mich, meine Kinder, und für uns alle, dass es uns möglich ist und sein muss, eine drohende Apokalypse abzuwenden, und das göttliche in unseren Mitmenschen und unserer Umwelt zu erkennen und zu lieben statt zu töten: Wir schaffen das!“ – Dr. rer. nat. Klemens Wild


Leserbrief zu „Was ist heute christlich“

Während ich die 95 Zitate zum Thema „Was ist noch christlich“ und Martin Luther gelesen habe, ist mir eingefallen, dass mich schon als Kind in der Schule der Ausspruch Martin Luthers „hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir …“ bewegt hat.

Auch heute noch sehe ich es als Bestandteil der christlichen Botschaft, die Freiheit zu haben, sich selbst gut zu vertreten,  eine eigene, ganz persönliche Wahrnehmung haben und äußern zu dürfen und der eigenen Veranlagung entsprechend  zu leben.

So sehe ich auch Martin Luther als auch Jesus als unangepasste Menschen, die ihre Meinung klar vertreten haben, auch wenn es unbequem war – und dies nicht aus egoistisch, narzißtischen Beweggründen, sondern im Sinne der goldenen Regel der Nächstenliebe, die wir schon von Hillel kennen,: „ Was du willst, das man dir tu, das tu auch dem andern“ oder „Was du nicht willst, das man dir tu, das tu auch dem andern nicht.“ Diese Regel empfinde ich als eine gute Grundlage für ein friedliches Miteinander.

Besonders für uns Christen fände ich die Anerkennung des Judentums als unsere Grundlage dem Frieden dienlich  und deshalb wichtig, das Bewusstsein zu pflegen, dass Jesus in dieser Tradition gelebt hat. –Dagmar Textor-Müller


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich“

Diese 95 ‚Thesen‘ – angeschlagen in der ZEIT – liefern den klaren Beweis, dass weder der direkte Glaube an das beinahe 2000 Jahre alte (Märchen)Buch noch an die durch Luther leicht veränderte Version irgend etwas an der Misere, in der sich die Menschheit befindet, zu ändern vermag; genau so nicht, wie irgendwelche persönlichen, emotionalen oder intellektuellen Interpretationen dazu.
Diese meine These lässt sich leicht untermauern. Dazu muss man nur nach Aleppo, in die Sahel-Zone oder auf die vielen anderen Länder der Welt blicken, wo Krieg, Unterernährung und Armut zu Hause sind.  Aber  auch in unseren Ländern gäbe es genügend christlichen Handlungsbedarf hinsichtlich Armut und Armutsgefährdung.
Es scheint, dass der Kern des Glaubens heute mehr auf persönliche Phänomene beschränkt bleibt. Dies verhindert aber – zumindest zur Zeit – Kriege und Völkermorde im Namen des  Christlichen Glaubens . – Rudolf Kerbl


Leserbrief zu “Die Reparatur der Erde” Claus Hecking, Malte Henk und Wolfgang Uchatius

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel über die Reparatur der Erde gelesen, die vielfältigen kreativen Ideen faszinieren mich, da ich selbst eine begeisterte Naturwissenschaftlerin bin. Ich habe an der Universität für Bodenkultur in Wien studiert, an der man sich auch eingehend mit dem Klimawandel auseinandersetzt. Besonders gut gefiel mir auch Ihr Vergleich zwischen Idealisten (Umweltschützern) und Pragmatisten (Ingenieuren). Ich zähle mich zu der zweiten Kategorie. So interessant ich den Artikel auch fand, so gibt es doch ein paar Dinge die ich jetzt doch loswerden muss. Zu Beginn schreiben Sie sinngemäß, „Die Menschen atmen das CO2 aus, die Pflanzen atmen es ein.“ Auch wenn das Einatmen der Pflanzen eventuell metaphorisch gemeint ist, so ist es mir doch ein besonderes großer Dorn im Auge. Pflanzen betreiben, wie weitläufig bekannt, keine Atmung sonder Photosynthese. Darüber hinaus finde ich den kurzen Schwenk in die Theologie in einem sachlichen Bericht über den Klimawandel  für eine renommierte Zeitung wie die Zeit etwas unpassend: „Vielleicht war es Gott, der die Welt erschuf.“

Auf der letzten Seite, erste Spalte, schreiben Sie: „Dieser hatte die Idee, riesige, bis zu 60 Meter hohe Gebilde aus Stahl und Chemie in die Natur zu stellen: []“. Was meinen Sie mit Chemie? Das ganze Leben ist Chemie. Chemie kann alles sein. Sehr schwammig.

Und zuletzt die Frage: „Ist eine hitzefreie Zivilisation möglich?“ und generell zur ganzen Debatte die Erwärmung zu stoppen. Im Anhang finden Sie eine Tabelle der Erdzeitalter und eine Zeitangabe der letzten Eiszeiten (Bahlburg & Breitkreuz, 2012, Grundlagen der Geologie, Springer Verlag). Wie vielleicht bekannt, spricht man von einer Eiszeit, wenn Eis auf der Erde vorhanden ist, dh. wir sind gerade am Ende einer Eiszeit. Im gesamten Erdzeitalter gab es nur in rund einem Drittel Eis bzw. Gletscher auf der Erde.  Diese Schwankung beruht auf den Schwankungen der Erdumlaufbahn um die Sonne. Derzeit bewegen wir uns wieder näher zur Sonne. Eine Erwärmung der Erde ist daher unumgänglich. Diese Tatsache sollte meiner Meinung nach in jedem gut recherchierten Bericht zum Klimawandel erwähnt werden. Ab da sind wir dann wieder an dem Punkt wo Regierungen mit dem Umweltschutz aufhören, weil die Erwärmung nichtsdestotrotz unaufhaltsam ist. So sehr ich die neuen Technologien begrüße bleibt für mich am Ende immer die Frage wohin mit den Millionen Menschen in Küstengebieten die versinken werden. Worauf ich eigentlich nur hinweisen wollte, um nicht weiter abzuschweifen, der Ausdruck „die Erderwärmung stoppen“ ist schlicht und ergreifend falsch. Da helfen auch keine Millionen Tonnen an Schwefeldioxid. – Eva Staribacher


 Leserbrief zu „Die gekaufte Grenze“ von Hauke Friederichs und Caterina Lobenstein

Schon lange ist das Rüstungs- und Überwachungsgeschäft ein milliardenschweres.

Siehe die israelischen Grenz- und Überwachungsanlagen zu den Palästinensergebieten, siehe den US-„Grenzzaun“ zu Mexiko und, und, und. Was bringt also diesen Artikel auf die quasi Titelseite des Wirtschaftsteils? Die deutsche Beteiligung an Sicherheitsmassnahmen in anderen Ländern reicht dafür nicht aus. Wo sind und waren wir denn inzwischen überall unterwgs, zwischen Hindukusch und Schwarzmeeküste? Ich glaube nur Indien und China fehlen noch.

 Über Sinn und Unsinn dieser Massnahmen oder ob diese die Welt friedlicher und/oder sicherer gemacht haben, läßt sich reden. Zur Diskussion trägt jedoch kein „Aktivist“ bei, der, mit einem Bierchen auf dem Tisch und dem Smartphone in der Hand das längst überholte Klischee von den bösen Konzerne bedient, die für die Misere des afrikanischen Kontinents verantwortlich seien (keine Rede von den dort herrschenden „Eliten“). Also ein Artikel,  hübsch garniert mit ein paar martialischen Bildern und einem in einer Kneipe sitzenden Kronzeuge der Anklage, der natürlich weiß, wie man alles besser machen könnte. Jedoch wenig informativ und diskussionsanregend. – Dr. Th. Lukowski


Leserbrief zu „Häuserkampf “ von Mark Schieritz

Marktkonform wäre zu einfach: per Gesetz mehr Bauland ausweisen und die Bebauung erzwingen, damit statt zu wenig Wohnungsangebote ein zuviel entsteht und schon endet die Gefahr einer Immobilienblase. Stattdessen zeigt die Regierung, dass sie gewillt ist, immer mehr in die Vermarktung einzugreifen und damit die Lust auf Investitionen in den Wohnungsmarkt zu dämpfen. Wer garantiert, dass die sogenannte Mietpreisbremse auf den Wohnungsbestand beschränkt bleibt? Preistreibende Vorschriften für den Wohnungsbau sind eine Sache, aber wehe, wenn dann der Wohnungsmarkt die Preise anhebt. Abgesehen von den Bauvorschriften treiben auch die Kommunen mit ihrer Grundsteuer die Preise in die Höhe. Manche Preisdämpfer auf dem Wohnungsmarkt machen auf mich den Eindruck, Raum für Preiseerhöhungen der Kommunen zu schaffen.- Dipl. Kfm. Johannes Barth


Leserbrief zu „Wie du mir, so ich dir“ von Norbert Blüm

Unsere Rentenversicherung ist eine soziale Errungenschaft, die Menschen, die sich im Alter nicht alleine erhalten konnten und die nicht durch ihre Familien getragen wurden, aus dem Armenhaus befreit hat. Doch sie hat eine Konstruktionsfehler. Norbert Blüm schreibt : „Die Erwerbstätigen gewähren mit einen Teil ihres Einkommens Kredit, mit einem zahlen sie ihre Schulden ab, und der dritte Teil gehört ihnen selbst. Kredit gewähren sie der nachfolgenden Generation…“ Doch an diesem Kredit an die Kinder beteiligen sich mehr als 20% nicht und ziehen keine Kinder auf mit den immensen Kosten hierfür. Sie müssen deshalb aber nicht höhere Beiträge in die Rentenversicherung leisten, erhalten keine geminderte Rente oder müssen sich an den Kinderkosten über eine Umlage beteiligen. Die Kosten, ein Kind aufzuziehen, belaufen sich auf mehr als die Summe einer durchschnittlichen Renteneinzahlung, die Mütterrente dafür beträgt 84,42€ im Gegensatz zur Standartrente von 1175 Euro. Hier muss ich Norbert Blüm widersprechen: Unser Rentensystem „vergißt“ bei Bemessung der Höhe der nachträglichen Renten die Hälften der vorgeleisteten Beiträge. Leistung und Gegenleistung kommen aber erst bei einer gleichwertigen Berücksichtigung der Leistungen an Alte und Kinder in ein Verhältnis proportionaler Äquivalenz. – Barbara Glum


Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Nicht die laute, medienwirksame Willkommensbotschaft an alle Flüchtlinge, die zu uns kommen, und das Gewähren von Kirchenasyl, den Blick dabei nur auf das Heute, nicht auf das (Über)Morgen gerichtet, sondern die stille, kaum bemerkte (Seel)Sorge und Hilfe für den dementen Großvater, die krebskranke Mutter, das drogenabhängige Kind um die Ecke: das ist – für mich – christlich! – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Wie du mir, so ich dir“ von Norbert Blüm

Der Generationenvertrag heisst nicht „Die Jungen zahlen für die Alten“, sondern „Die Kinder zahlen für die Eltern“. Konsequent angewendet bedeutet das: Jeder muss einzahlen, denn jeder hatte Eltern, aber nur wer den Generationenvertrag unterschreibt (indem er selber Kinder erzieht) bekommt eine Rente raus. Und schon sind alle Rentenproblem gelöst. Sind die Politiker nur zu feige dafür. – Irina Suppanz


Leserbrief zu “Unser Bruder Martinus” von Waldtraut Lewin

Von Konrad Adenauer wird überliefert: „Wenn ich damals Papst jewesen wäre, hätte ich mir den Herrn Martin Luther mal kommen lassen. Ich meine, dat war doch ne janz vernünftije Mann!“ – Heinz Hinse


Leserbrief zu “Eine Provinz blamiert Europa: Bedroht zu viel lokale Demokratie die Handlungsfähigkeit der Politik?” von Georg Blume, Ulrich Ladurner und Mark Schieritz

Die Provinz Wallonien hat Europa nicht blamiert und bedroht auch nicht die Demokratie! Vielleicht hat die EU-Kommission Europa blamiert, indem sie, statt für Transparenz zu sorgen und die demokratischen Institutionen einzubeziehen, lieber geheim verhandelt und Bürger und Parlamente für dumm verkauft und mit Parolen abgespeist hat. Wallonien ist auch nicht alleine. Europaweit haben über 2.000 Regionen, Länder und Kommunen Resolutionen gegen CETA und TTIP verabschiedet. Kürzlich waren 320.000 Menschen in Deutschland gegen CETA und TTIP auf der Straße. Das wallonische Parlament ist demokratisch legitimiert und hat nur seine Rechte wahrgenommen. Die Legitimation der EU-Kommission darf man nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes dagegen in Zweifel ziehen: Die EU-Kommission hat das Mandat für Handelsrecht. Das Bundesverfassungsgericht stellte aber fest, dass CETA Grundrechte berühren könnte. Die Art und Weise wie versucht wurde, CETA den Europäern unterzuschieben, zeigt ein Demokratiedefizit der EU! Es weist auf Überheblichkeit der politischen Klasse. Wenn jetzt noch gefordert wird, zentral zu entscheiden, um handlungsfähig zu bleiben, dann bitte mit demokratisch gewählten Institutionen wie dem bisher eher machtlosen EU-Parlament, aber bitte nicht mit mehr Macht für die EU-Kommission, die sich bei CETA und TTIP nicht um die berechtigten Einwände der Bürger schert.

Natürlich können Sie das gerne abdrucken. Ich war etwas sprachlos über den Artikel von Georg Blume et. Al. – Eberhard von Faber


Leserbrief zu “Eine Provinz blamiert Europa: Bedroht zu viel lokale Demokratie die Handlungsfähigkeit der Politik?” von Georg Blume, Ulrich Ladurner und Mark Schieritz

Ich habe mich zuletzt ärgern müssen über eine unschöne Tendenz zur Demokratieschelte in der Zeit. Wenn Josef Joffe wiederholt Plebiszite als reine Demagogievehikel verwirft und Blume, Landurner und Schieritz angesichts der glücklichen Nachbesserung des Ceta-Abkommens nach der Intervention eines (zu recht besorgten) Regionalparlaments von „Demokratieüberschuss“ schreiben, muss erinnert werden: demokratisch nennen wir den Prozess, nicht was herauskommt. Das mag selten zu optimalen Ergebnissen führen, ist aber sowohl was Freiheit als auch was Legitimation anbelangt einer Herrschaft der von Blume und Co. beschworenen benevolenten Diktatoren – pardon: „Experten“ – vorzuziehen. – Martin Möhler


 Leserbrief zu „Was ist heute christlich?“

Was ist heute christlich? 95 Celebrities der BRD antworten. – Ich darf rekapitulieren, was ich verstanden habe. Christlich sein heute bedeutet: Sich damit abfinden, dass Gott, der Töpfer, aus dem Ton, der für mich zur Verfügung stand, einen Pisspott und kein Mokkatässchen gemacht hat. – Daran glauben, dass Menschen wunderbar verschieden sind, aber auch furchtbar gleich. – Täglich um 3 Uhr 45 aufstehen. – Tue Gutes, aber überlege vorher, welches Unheil du damit anrichten kannst. – Gott im Mittelpunkt! An seiner Seite, ihn beharrlich zur Seite drängend: Ich. – Aushalten können! Wer auf dem Schulhof ins Tor geschickt wurde, weil er im Fußball eine Null war, ist der prädestinierte Vorzeige-Christ. – So gebet dem Tengelmann, was des Kaiser’s ist! – Das Grundgesetz anbeten: Die Bürde des Menschen ist unantastbar. – Ja, das alles ist „Christlichsein sein heute“. Und das alles ist peinlich. – Prof. Dr. Klaus Hansen

 

20. Oktober 2016 – Ausgabe 44

Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Seit 40 Jahren gibt es handliche und handzahme Computer und seit 25 Jahren das Internet. Die Implementierung in Unterricht scheiterte bisher immer wieder an Vorbehalten von Lehrern aber auch von Eltern gegen den Einsatz von Technik im Lernprozess. Endlich wird erkannt, welche Chancen für Binnendifferenzierung, Aktualisierung von Unterrichtsinhalten und welche zusätzlichen Möglichkeiten des intensiven interaktiven Lernens mit Zugriff auf die reale Welt sich daraus eröffnen. Und endlich wird mehr Druck gemacht, die betuliche Schule aus ihrem Dornröschenschlaf wachzuküssen. Auszahlen wird sich das aber nur bei klugem und gezieltem Einsatz durch den Pädagogen und Lehrer und wenn die Schulbuchverlage mitziehen, sonst  wird die Technik wirkungslos verpuffen. –   Uwe-Carsten Edeler


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Die Antwort ist einfach: Guter Unterricht hat wenig mit Technik, aber viel mit dem Können der Lehrer zu tun. Ob in einer Unterrichtsstunde Schüler etwas Wesentliches lernen, hängt davon ab, ob Lehrer mit Sachverstand, eigener Begeisterung und vor allem professioneller didaktischer Planung und Umsetzung zum Lösen von Problemen und zum geduldigen Bohren auch dicker Bretter anregen können. Dabei ist eine gute technische Ausstattung hilfreich, aber immer sekundär. Wir sollten auf eine bestmögliche didaktische Ausbildung angehender Lehrer setzen, statt auf den naiven Glauben, dass Notebooks quasi von allein guten Unterricht bringen und Schüler alles selbstständig lernen.

Wenn der Autor lobt, dass Drittklässler im Saarland das Programmieren lernen, sollte er auch die Frage stellen, wie schnell solche Qualifikationen überholt sind, wenn sie überhaupt erreicht werden. Kinder, die auf eine immer schneller sich verändernde Welt vorbereitet werden müssen, sind mit kurzlebigen, technisch anfälligen und didaktisch unreflektierten Angeboten nicht gut bedient. Leider ist die dringend notwendige Verbesserung der praktischen Lehrerausbildung für Bildungspolitiker bei weitem nicht so fotogen wie die schönen Bilder von neuen Whiteboards und Computerklassen für die man einfach nur Geld raushauen muss. – Norbert Fabisch


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Wenn Sie in solchen Räumen arbeiten müssten, die abrissreif aussehen, der Putz in ganzen Brocken von Decke und Wand FÄLLT, nicht rieselt, wenn Sie solche Sanitäranlagen nutzen müssten, dann wäre auch Ihnen das Wlan und ein zeitgemäßer Computer äußerst zweitrangig. Ich habe in meiner Schule noch nicht einmal einen Beamer, ich agiere mit Overheadprojekter und selbstbeschriebenen Folien, Tafel und Kreide.

Uralte, zerschlissene Turngeräte. Erneuerungsstau seit Jahrzehnten. Es gibt nämlich WEDER Musikunterricht NOCH Wasser für den Spitzahorn. Digitale Bildungsangst??? Ich muss lachen.

Mir gefiel eine Aussage einer Schülerin der Mittelstufe eines Gymnasiums: „Was brauchen wir Internet, wenn uns der Putz auf den Kopf fällt?“ Lehrer und Schüler fühlen sich wohl eher veräppelt und im Stich gelassen, seit Jahrzehnten arbeiten und leben wir in den letzten Löchern, aber dann demnächst wenigstens mit Wlan! Wow!! Es grüßt aus dem Schulhaus mit Regen durchs Dach – Eva Lehmann    


Leserbrief zu „Unter Stümpern“ von Christian Fuchs, Anne Hähnig und Stefan Schirmer

Die Autoren stellen eine These in den Mittelpunkt, die der ressentimentbeladenen Mehrheitsmeinung der deutsche Medien entspricht:

In Sachsen regieren Stümper, die von Größenwahn und Minderwertigkeitskomplexen geleitet werden. Auf drei Seiten versuchen sie diese These zu erhärten und zitieren als Zeugen einen Landtagsabgeordneten der oppositionellen Grünen, einen Soziologieprofessor der Region und einen Ex-Regierungsbeamten. Letzterer ist jetzt Buchautor und kritisierte wohlfeil den Politikbetrieb an dem er lange mitwirkte. Außerdem werden Behauptungen aufgestellt ohne sie zu belegen (Al Bakr sei Terrorrist, Tillich sei Getriebener der SPD, etc.).

Ich wünschte mir Unabhängigkeit vom eigenen Standpunkt und den umgebenden Medien. Warum ist es Journalisten immer weniger möglich, einen Schritt zurückzutreten und einen Sachverhalt nicht nur von einer sondern von mehreren Seiten zu beleuchten? Wer sind hier nun die Stümper? Bitte mehr Fakten und weniger Einheitsmeinung! – Manfred Dubrow


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Da hat die Autorin ihr Thema augenscheinlich leicht verfehlt. Dass ‚wir alle Globalisierungsgewinner sind‘, ist genauso unbewiesen wie ihre pauschale Unterstellung, die Masse der TTIP- und Ceta- Kritiker seien Gegner der Globalisierung.

Einmal davon abgesehen, dass diese einfach stattfindet wie das Wetter (letzteres zu kritisieren ist – in Anlehnung an Loriot – ebenso möglich, aber sinnlos), verwundert die jüngste Tendenz nicht nur in den eher konservativen Medien, Wirtschaftspolitikkritik mit ‚Globalisierungshass‘

gleichzusetzen.

Der Ton macht die Musik, ‚Globalisierungshass‘ impliziert dumpf grölende Reaktionäre auf der Strasse, – und konstruiert Zusammenhänge, die angesichts Hunderttausender aus dem eher linken Lager, die noch im September deutschlandweit friedlich demonstrierten, – einfach nicht passen.

Was die angesprochenen hohen Durchschnittsgehälter in Wolfsburg (VW) und Leverkusen (Bayer) primär mit Ceta und TTIP zu tun haben sollen, bleibt zudem geheimnisvoll.

Und wie es die beiden Weltkonzerne  in der Vergangenheit geschafft haben, überhaupt Autos bzw. Tablettenschachteln jahrelang gewinnbringend über die Grenzen zu bringen, weist offensichtlich in kriminologische und/oder metaphysische Sphären.

Doch im Ernst: wer will denn eigentlich in diesem Zusammenhang, wie Frau Nienhaus unterstellt, ‚die Grenzen dicht‘ machen?  – Erwin Lux


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Den falschen Gegner bekämpft die Verfasserin selbst: es ist nicht die Globalisierung, wie sie meint, sondern  die  Verträge TTIP und Ceta sind es, die den Widerstand begründen. Sie sind Ergebnis von Geheimverhandlungen, über die nicht einmal demokratisch gewählte Abgeordnete diskutieren durften, und zu erwartende Gerichte, die in staatliche Gesetzgebung eingreifen können.

Abgelehnt wird die kapitalistische Ökonomie, die die Politik vor sich herzutreiben sucht.  – Dr. Dieter Schmidt-Sinns


Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Die Armut auf der Welt zeigt rückläufige Tendenz – dies als positive Wirkung der Globalisierung und des damit verbundenen prinzipiellen Zugangs zu u.a. technischem und ökonomischem Fortschritt zu erklären ist eine Binse – dass internationaler Handel Wohlfahrtseffekte zeitigt, wird niemand bezweifeln.

Dann zu behaupten, „Gewinne würden umverteilt, damit alle etwas davon haben“, ist aber fahrlässig blauäugig. Und dann noch die Besteuerung von Einkommen zu thematisieren, ist von derselben Qualität. Sollte der Autorin nicht bekannt sein, dass parallel zur Globalisierung die Vermögensungleichverteilung in den (aber nicht nur) westlichen Ländern und insbesondere in Deutschland zugunsten großer und größter Vermögen verläuft? Und einerseits lässt sich mit durchschnittlichen Erwerbseinkommen heutzutage kaum Vermögen bilden, während andererseits die Vermögenskonzentration in den Händen Weniger weiter zunimmt: der Abbau des „Globalisierungshasses“ (Hass, die neue Modefloskel?) wäre wohl eher über die Besteuerung von Vermögen zu erreichen. – Bernd Diesel 


Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Da ich selbst gegen TTIP, CETA und wie sie alle heißen bin, aber keineswegs gegen Globalisierung und Freihandel, kann ich Ihnen sagen, dass es einen wesentlichen anderen Grund gibt, dagegen zu sein.

Es ist die Tatsache, wie diese Verträge zustande kommen sollten. Möglichst niemand sollte im Vorfeld darüber etwas wissen. Warum nicht? Da ist doch etwas faul! Wer etwas verheimlichen will, hat auch etwas zu verbergen. Das ganze Theater um diese Verträge hat ihnen sehr geschadet. Wer kein Vertrauen genießt, kann solche Verträge nicht verhandeln und abschließen.

Und schließlich zeigte es sich ja dann auch: Firmen sollten Staaten verklagen können und vor geheime Schiedsgerichte stellen. Wie bitte? Da ist ein kleines Chlorhuhn wirklich nebensächlich! Wer das eklig findet, wird es eben nicht kaufen. Nicht nebensächlich wäre es, wenn Deutschland diese Chlorhühner vorsorglich (Diesen Vorsorge-Schutz kennen wir hier in Europa, in den USA nicht!) zum Schutze der deutschen Verbraucher verbieten würde, und der US-Hühnerfleisch-Fabrikant Deutschland dann verklagen könnte! Noch dazu vor einem geheimen und privaten Gericht? Nun ja, da will man jetzt nachbessern. Aber Vertrauen wird so schnell nicht wiederhergestellt.

Also bitte noch mal von vorne! Man möge den richtigen Vertrag mit allseits verständlichen und dem Recht der betreffenden Staaten nicht widersprechenden Regeln entwerfen, dann handeln wir noch freier weiter als bisher! Aber erst dann! – Kristine Rislov


Leserbrief zu „Einer von uns“ von Stephan Wackwitz

Da hat DIE ZEIT mit ihrem Artikel über H. Deterings Untersuchungen zur Lyrik Bob Dylans weit voraus geschaut und ein gutes Händchen bewiesen. Ein weniger gutes allerdings mit Maxim Billers dümmlichen und von jeglicher Kenntnis freien Äußerungen zur sogenannten 68er Generation. Und folgerichtig ist Biller auch entsetzt (zu sehen und zu hören am 14.10.2016 im Literarischen Quartett) über den neuen Literaturnobelpreisträger, denn dieser ist ja wohl einer deren prägendsten Vertreter.

Biller kann nichts für sein Alter und seine Herkunft aus einem nicht-faschistischen Elternhaus in Prag, wohl aber für seine historische Unkenntnis der sozialen Nachkriegsentwicklungen in der westlichen Welt (Proteste gegen die Rassendiskriminierung in den USA, Proteste gegen das starre System an Schulen und Hochschulen in Frankreich, Proteste gegen die Wiedereinsetzung zahlreicher Nazis in hohe Ämter in Politik und Verwaltung in der BRD,…) Dass er sich nicht scheut, diese Unkenntnis der Beweggründe der westlichen Jugend öffentlich darzustellen, zeigt seine Naivität und zugleich die absolut richtige Wahl des Nobelpreiskomitees ( auch wenn man befürchten muss, dass “die 68er” nun endgültig vom bürgerlichen Lager vereinnahmt werden könnten), mit der die zum Teil aufrüttelnden, nachdenklichen, der Gesellschaft den Spiegel vorhaltenden Texte Bob Dylans preisgekrönt werden. – Heilke von der Ahe


Leserbrief zu „Germany’s Next Saftschubse“ von Jana Gioia Baurmann

Warum wird von ihrer Zeitung ein so abfälliger Begriff wie „Saftschubse“ als Artikelüberschrift für die Aufgabe der Flugbegleiter-/ innen gewählt? Was ist das nur für ein Niveau? – Hans- Jürgen Burmeister


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen, muss aber mehrere Punkte klarstellen. Folgendes im Einzelnen :

1. Das Jahr 18400 in England mit heute in Deutschland zu vergleichen, dieses haben Sie exklusiv;

2. Sie reden davon, dass viele Menschen sich vom Freihandel bedroht fühlen und deswegen gegen CETA und TTIP sind. Das ist nicht richtig, den diese Abkommen bedeuten wesentlich mehr, und das wissen die Menschen in Deutschland;

3. Sie schreiben, die Gegenbewegung wolle Mauern errichten, das ist schlicht weg falsch. Ich will fairen Handel;

4. Und die Grenzen dicht machen, will auch niemand, der gegen die Abkommen ist: Stichwort fair;

5. Die Abkommen haben überhaupt nichts mit Reisen nach Mallorca oder Sydney zu tun;

6. Ihr Vergleich mit früheren 30%, und heutigen 10% hinkt gewaltig. Allein in Deutschland gelten offiziell 15,5% als arm. Ihre Zahl darauf zugrunde gelegt, hieße, dass Deutschland zu den ärmeren Ländern der Welt zählen;

7. Meinen Sie mit Gewinnen umverteilen, die, die z. B. Apple in Irland gemacht hat? Ihre Aussage ist zynisch;

8. Das aus Ihrer Sicht alle an der Globalisierung gewinnen ist schlicht gelogen;

Ihr Artikel hat als relativ kurz gehaltener Artikel so viele inhaltliche Fehler, dass ich mich wundere, wie der das auf die 1. Seite geschafft hat. Es sei denn, dahinter steckt was anderes. – Georg Clemenz aus Berlin


Leserbrief zu „Die Entgiftung des Parlaments“ von Miriam Lau

Anders als Sie bin ich (leider) alt genug, als politikinteressierter Erwachsener die von Ihnen inkriminierten Debatten im Bundestag der siebziger Jahre selber mitbekommen zu haben. Eine Flasche Champagner, wenn Sie mir nachweisen, dass der Ausdruck „Ratten und Schmeißfliegen“ damals dort anders als zitatweise gefallen ist! Vielmehr handelt es sich um eine „Redeweise“ von F.J. Strauß, die er in einer oder zwei Wahlkampfreden auf (ihrerseits pöbelnde) Gegner im Publikum gemünzt hat.

Ebenfalls im Unterschied zu Ihnen sehne ich mich angesichts vieler dröger Bundestagsreden heute gelegentlich zurück in die Zeit der legendären Auseinandersetzungen eben zwischen Strauß und beispielsweise Herbert Wehner. Auch ist es einfach nicht wahr, dass es ein ausschließliches Kennzeichen des heutigen Parlaments ist, dass Abgeordnete gegnerischer Fraktionen freundschaftlichen Umgang pflegen.

Denken Sie, nur als Beispiel, an Brandt und Barzel, die mitten in der verfahrenen Situation nach dem Misstrauensvotum 1972 miteinander ein Bier trinken gingen. Also ein ziemlich dünnes Süppchen, das Sie da anrichten: schlecht recherchiert und klischeéverhaftet. Ziemlich das Gegenteil von gutem Journalismus.  – Ulrich Resch  


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Angesichts der tatsächlichen und vielfältigen Probleme deutscher Schulen wäre es sinnvoll gewesen, sich vor Ort umzuschauen und mit Schülern und Pädagogen zu sprechen, bevor DIE ZEIT ihre Titelseite für einen bar jeder Sachkenntnis geschriebenen Artikel verschwendet. Lehrer sind nicht per se technikfeindlich, vielmehr mussten sie lernen Prioritäten zu setzen. Eine verfehlte Föderalismusreform hat vor Jahren die Chance auf eine nachhaltige Bildungspolitik verhindert. Eine Anschubfinanzierung von fünf Milliarden Euro durch den Bund in Computertechnik, die nach drei Jahren veraltet sein wird, ist zwar gut gemeint (und eine nette indirekte Subvention), geht aber in einer Zeit von Inklusion, Integration Tausender geflüchteter Kinder, Aufbau von Ganztagsschulen und zunehmend heterogener Lerngruppen am Leidensdruck vieler Pädagogen vorbei. Bevor Frau Wanka fünf Milliarden Euro für WLAN ausgibt, müssten ausreichend Lehrer, Erzieher und Schulsozialarbeiter eingestellt werden. Die Investition in langfristige Personalkosten und nicht nur in einmalige Sachmittel scheut der Staat. Es wäre optimal das eine zu tun, ohne das andere zu lassen.

Übrigens “Toiletten”: Solange Kinder sich gezwungen sehen, die Schultoiletten, die noch aus den 60-er Jahren stammen, möglichst zu meiden, empfehlen wir dem Autor:  “einfach mal neugierig sein und ausprobieren”. – Tanja & Thomas Wusterack


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Bevor ich Ihnen meine Argumente vortrage: In meinem Unterricht vergeht keine Stunde ohne digitale Hilfsmittel jeglicher Art – ich bin also weder ängstlich im Umgang mit den „neuen“ Medien, noch lehne ich deren Gebrauch ab.

In meinen Augen klingt es allerdings gar nicht komisch, wenn Lehrer die „paar Milliarden Euro“ für Tablets und WLAN in den Schulen ablehnen.

M.E. lehnen sie sie auch gar nicht prinzipiell ab, sie hätten nur gerne andere Prioritäten gesetzt: Was nützt mir ein Tablet im Unterricht, wenn es drauf regnet, weil das Dach undicht ist?

Es gibt aber weitere Gründe kritisch zu sein:

Es gibt meines Wissens bisher für die Grundschulen keinerlei neutrale (also nicht von den entsprechenden Firmen finanzierte) wissenschaftliche Untersuchungen, die Vorteile für das digitale Lernen ermitteln konnten.

Auch für die weiterführenden Schulen sind die Ergebnisse nicht eindeutig.

Die Administration von Tablets und WLAN sind nicht trivial, dafür aber sehr zeitintensiv. In den Schulen gibt es aber keine professionelle externe Betreuung solcher technischer Einrichtungen wie in jedem anderen Betrieb. Lehrkräfte bekommen einen kleinen Stundenbonus, um dieses Geschäft nebenher zu erledigen. Damit ist klar, dass man sich nicht auf das Funktionieren der Infrastruktur verlassen kann, was die Einsatzbereitschaft der Lehrkräfte bzgl. der digitalen Geräte nicht gerade erhöht.

Haben Sie schon mal eine Suchmaschine befragt, was man mit Tablets in Schulen machen kann? Da finden Sie sehr viele Ideen und gute Ansätze.

Ein wirkliches Konzept, das zunächst einmal fragt, ob und an welchen Stellen digitale Geräte das Lernen wirklich verbessern im Vergleich zum analogen Lernen, sucht man leider (fast) vergebens. Und das wäre doch eigentlich der erste Schritt – nach der Renovierung der Schulen, so dass sie Mindeststandards entsprechen und es nicht während des Unterricht aufs Tablet regnet. – Stef. Müller


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Ich weiß nicht, wann zum letzten Mal der Kommentator, Herr Hartung, eine reale bundesrepublikanische Schule von innen gesehen hat, oder ob er gar selber unterrichtet und Schülerinnen und Schüler durch einen Schultag mit Ganztag begleitet hat – ihm wäre aufgegangen, dass der Vergleich des Spitzahorns mit funktionierenden sauberen Toiletten, mit gegen Kälte und Hitze isolierten Unterrichtsräumen und mit dichten Dächern und ähnlichem Luxus völlig abwegig ist. Ebenso verfehlt ist die Feststellung einer „merkwürdig digitalen Bildungsangst“. Diese hat sicher vor Jahren einmal bestanden bei einer Generation von Lehrerinnen und Lehrern, die erst selber den

Umgang mit dem ersten eigenen Rechner lernen musste. Die gegenwärtigen Lehrerinnen und Lehrer sind aber in der Regel schon mit Computern groß geworden und haben ihn während ihres Studiums für Recherchen, Dokumentationen, Präsentationen und nicht zuletzt als komfortable „Schreibmaschine“ eingesetzt. Richtig ist, dass der Einsatz im Unterricht gelernt werden muss wie der Einsatz anderer Lehr- und  Lernmittel auch. Dazu dienen   Praktika und das Referendariat – sicher  mit individuell unterschiedlichem Erfolg wie bei anderen Lehr- und Lernmitteln auch. Verfehlt ist weiter der Vergleich der Bandarbeiter mit Anwälten, Ärzten und Analysten und die Einschätzung, diese würden überflüssig. Sicher können Routinetätigkeiten von Robotern übernommen werden.

Damit ist der Fließbandarbeiter ersetzbar, nicht aber der Industriefacharbeiter, dessen Arbeitsfeld und Kompetenzen sich durch den Einsatz digitalisierter Maschinen erheblich gewandelt hat. Digitale Recherche, Diagnostik und Datenanalyse sind sicher Hilfen für Anwälte, Ärzte und Analysten, dürfen diese aber nicht ersetzen, da sie nur operationalisierbare Prozesse erfassen. Interpretieren, bewerten und Schlüsse ziehen sollten aber schon noch Menschen.

Folgen aus dem Verzicht darauf haben etliche Zwischenfälle an den Börsen gezeigt. Auch die Antinomie von humanistischer Bildung und Weltbeschleunigung geht fehl, weil die Bildung bezogen auf den urteilenden und handelnden Menschen ist. „Weltbeschleunigung“ wird in den Text eingebracht wie ein Naturprozess, dem der Mensch ausgeliefert sei. Hier wird unterschlagen, dass die Beschleunigung von Menschen mit ausgeprägt eigenen Interessen auf Kosten anderer Menschen forciert wird.

Dem hat Schule entgegenzuwirken in humanistischem Geist, indem sie junge Menschen befähigt, ihre Welt wahrzunehmen, sich in ihrer Gesellschaft zu bestimmen, Fragen zu formulieren, Ideen und Phantasien für ihre Zukunft zu malen und Kriterien für das Urteilen und Handeln zu entwickeln. Ich schreibe wohlgemerkt kein Pamphlet gegen die Nutzung des Computers in allen Fächern – sonst hätten wir nicht vor etwa zwanzig Jahren an unserer Schule Kurse etabliert für den „Computerführerschein“ für alle Fünftklässler. Mich ärgert der Verriss der täglichen harten Arbeit der Schüler, Lehrer und Sozialpädagogen in unseren Schulen unter unzureichenden Arbeitsbedingungen. – Gerhard Fölting


Leserbrief zu „Unser Walt Whitman“ von Axel Honneth

Herr Honneth schreibt, dass ihm bei Bekanntgabe des Nobelpreises für Literatur 2016 an Bob Dylan die Tränen gekommen seien. Mir auch. Sie sind mir aber auch gekommen beim Lesen der Beschreibung des Dylan- Werkes und seiner Bedeutung durch Herrn Honeth. Einfach phantastisch, wirklich. Und trostreich. Danke! –  Barbara Hornbacher


Leserbrief zu „Germany’s Next Saftschubse“ von Jana Gioia Baurmann

Der o.g. Artikel ist m.E. insgesamt informativ und auch gut geschrieben, aber: Muss diese diffamierende Überschrift sein?

Steward/ess – ich bin übrigens keiner – ist bestimmt heute kein Traumberuf mehr. Das müsste eigentlich jedem klar sein, der selbst einmal geflogen ist. Auf die Menschen, die diesen Job machen, deshalb verächtlich herabzuschauen und sie als „Saftschubsen“ zu bezeichnen, ist unangemessen und entspricht nicht dem Niveau ihrer Zeitung. Ich kann in der Überschrift auch keine ironische Brechung erkennen; diese gibt es auch in dem Artikel nicht, in dem die Redewendung nicht thematisiert wird. Selbst wenn dies der Fall wäre, wäre die Überschrift unangemessen.

 „Saftschubse“ steht für mich auf einem Niveau mit „Tippse“ und „Putze“.

Wie fänden Sie es denn, meine Damen und Herren, wenn ein Artikel über die nächste Bewerbungsrunde an der Henri-Nannen-Schule mit der Überschrift „Germany’s Next Schmierfink“ überschrieben wäre oder vielleicht auch mit „Nachwuchs für die Lügenpresse“? – Holger Götz


Leserbrief zu „Europas neue Kraft“ von Luuk van Middelaar

Unabhängig von der ökonomischen Kraft von Deutschland, sollte man Deutschland nicht noch die politische Vormachtstellung in der EU überlassen.

Von der „Europäisierung der nationalen Politik“, von der Ihr Autor spricht, stimme ich zu. Das wird eher, wie er weiter schreibt, die EU stärken.

Der Brexit ist für mich in erster Linie durch Deutschland zustande gekommen. Wie so vieles andere auch. – Gunter Knauer


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Das hätte ich mir nicht vorstellen können aber heute muss ich meinen Unmut zur aktuellen Ausgabe Ausdruck verleihen. Mit dem Leitartikel „Falscher Gegner“ hat Ihre Redakteurin Lisa Nienhaus eine bedauerliche journalistische Fehlleistung publiziert. Die im Artikel hergestellte Verbindung von verzweifelten Inselbewohnern, amerikanischen Psychopathen und TTIP-Gegnern, mit dem einzigen Ziel den globalen Freihandel zu verhindern, halte ich für eine Verallgemeinerung auf Boulevardzeitungsniveau.

Ich selbst stehe TTIP und CETA kritisch gegenüber. Das hier eine gesunde Skepsis durchaus angebracht ist, zeigen Ihre offensichtlich professioneller recherchierten und verfassten Beiträge „Die Last auf den Gefühlen“, „Die Mogelpackung“ und „Gabriel täuscht bei Autobahnprivatisierung“ in der selben (heutigen) Ausgabe. Ich selbst befürworte einen fairen globalen Freihandel solange die Bedingungen dafür transparent sind, globale Konzerne nicht einseitig bevorzugt werden und die Schaffung einer Schattenjustiz nicht zugelassen wird.

Ersparen Sie uns bitte in der Zukunft Artikel wie den kritisierten und bleiben Sie auf dem Niveau, das Sie von den meisten anderen Publikationen positiv abhebt. Ihr (normalerweise) begeisterter Leser – Andreas Liefeith


Leserbrief zu „Er wollte die Welt mit Intelligenz in den Griff bekommen“ von Gero von Randow

In dem ausgezeichnete Bericht über Gotfried Wilhelm Leibnitz fehlt mir der Teil der Tätigkeit für die  Welfen zum Thema „Erwerb der Krone Großbritanniens“. Hierzu hat Dr. A.F.H. Schaumann ein Buch zu der o.a. Geschichte verfasst. Verlegt bei Carl Rümpler, Hannover, 1878. Hier ist detalliert beschrieben, welche Rolle Leibnitz spielte. Es war nicht geklärt, wer zur Thronfolge dem Parlament in London genehm war. – Kurt Helberg


Leserbrief zu „General gegen die Zeit“ von Gerd Fesser

Lassen Sie mich einmal mehrere Artikel in einen größeren Zusammenhang stellen:

Polnische EU-Bürger, ohne die die britische Wirtschaft nicht auskäme, fallen dem Hass englischer Nationalisten zum Opfer, geschürt durch die Brexit-Kampagne („Mit dem Brexit kam der Hass“, 13. Oktober). Ist der gleiche Nationalismus nicht schon lange von der polnischen Regierung gepflegt worden? Dem billigen Populismus unterlagen zuerst die Osteuropäer („Vom Zauber des Stillstands“, 13. Oktober). Jetzt drohen nach den Briten die Franzosen, in die gleiche Falle zu tappen. Auch die CSU hat nicht begriffen: „Beim Versuch, die Rechtspopulisten durch Rechtspopulismus überflüssig zu machen, landet man vielleicht so weit rechts, dass man selbst überflüssig wird.“ („Rechts“, 29. September). Im 19. Jahrhundert grassierte schon einmal der Nationalismus, der heute die europäische Ordnung der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts untergräbt („General gegen die Zeit“, 20. Oktober). War der damals anochronistisch erscheinende Vielvölkerstaat Österreich nicht die bessere Alternative? Muss sich die Geschichte immer wiederholen? – Jürgen Thiede


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Ich finde es schon erstaunlich, dass der Autor die Kritik der Lehrerverbände als allgemeine Angst vor der Digitalisierung in Schulen deutet. Selbstverständlich ist die Digitalisierung im Unterricht wichtig und deren Ausbau auch zwingend erforderlich. Was jedoch völlig zu kurz kommt: erfolgreiches, motiviertes Lernen benötigt auch eine angenehme Lernatmosphäre, die in vielen Schulen kaum mehr vorhanden ist. Die ZEIT selbst hatte hier vor kurzem beeindruckende Fotos über marode Schulen abgedruckt. Moderne Smartboards und Tablets in schimmeligen und zugigen Klassenzimmern? Das kann kaum die Lösung des deutschen Bildungssystems sein. – Jens Neumann


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Feuchte Schulzimmer, in denen der Schimmel wächst, morsche Fenster, durch die es wie Hechtsuppe zieht, ekelhafte Toiletten usw., das sollen alles keine größeren Probleme als die Bewässerung eines Spitzahorns sein? Es gibt Menschen, die vor lauter Computern die Welt nicht mehr sehen. Hoffentlich bewahrt uns „humanistische Bildung“ in der Schule noch lange davor, daß nur noch kleine Hartungs herumlaufen. –  Karl-Heinz Eckert


Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Diesen Artikel muss man wohl als romantisches Glaubensbekenntnis einordnen. Tatsächlich wäre es sehr schön, wenn alles so einfach wäre! So schön! Aber:

Nicht nur, dass die gewichtigen Argumente der TTIP-Gegner schlicht ignoriert werden und ihnen in unlauterer Art und Weise unterstellt wird, die „Grenzen dicht machen“ zu wollen. Es wird die wunderbare Behauptung aufgestellt, Globalisierung reduziere die weltweite Armut. TTIP als Gabe für die Armen dieser Welt, das klingt wirklich rührend. Als „Beweis“ wird der Trend der Weltbankdaten in den letzten 15 Jahren verwendet. Jedem Wissenschaftler dreht sich bei dieser Art der Beweisführung der Magen um. Wenn die Aurorin im selben Zeitraum die Anzahl der ertrunkenen Wirtschafts-Flüchtlinge verwendet hätte, wäre sie (auf gleichsam unzulässige Weise) zu einem ganz anderen Schluss gekommen. Der träumerischen Annahme, dass in einer durchglobalisierten Welt alle mehr haben, liegt das Märchen vom unbegrenzten Wachstum in einem begrenzten System zugrunde. Der letztlich gefährliche Glaube an dieses tröstliche Märchen, zu dem sich wohl auch die Autorin bekennt, hat das Christentum als Staats- und Volksreligion Nummer 1 längst abgelöst. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Auferstehen durch Ruinen“ von Andrea Böhm und Michael Thumann

Vielen Dank für diesen großartigen Bericht, der Russland und „den Westen“ in eine plausible Beziehung zueinander stellt und letztlich den Finger in die Wunde des Westens legt, anstatt nur über die Grausamkeiten Putins zu jammern. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Germany’s Next Saftschubse“ von Jana Gioia Baurmann

Ich arbeite seit vielen Jahren in diesem lustigen Casting-Verein mit dem gelb-blauen Logo (auch ich habe vor 16 Jahren am Ende eines langen Auswahlverfahrens den begehrten Zusage-Brief überreicht bekommen). Ich habe schon manches über meine Firma gelesen. In letzter Zeit war darunter leider viel besorgniserregendes. Umso mehr habe ich heute bei der Lektüre am Frühstückstisch gelacht: So schön geschrieben, der Artikel, herrlich! „Layover ist die Verniedlichung von Jetlag“ – wie geil ist das denn??? Das hab ich ja noch nie gehört! Wirklich sehr geistreich!  Ja, für den Rest der Komik sorgt die Situation sichtlich selbst…

Schade, dass wir uns offenbar nicht bald als Kollegen an Bord begegnen? Das ließe sich doch gut miteinander vereinbaren? Im Jetlag – äh, Layover kann man nämlich auch prima Artikel schreiben…

Danke für diese Erheiterung! –  Jan Krebs


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

fGerade wollte ich, wie jede Woche, ein paar schöne Stunden mit der ZEIT genießen, da lese ich den Artikel „Falscher Gegner“ von Frau Nienhaus vom 20.10. zum Thema Freihandel – und nun schreibe ich spontan meinen ersten Hinweis an eine Zeitung, aus Verärgerung. Ein solcher Artikel und seine Platzierung auf der Titelseite ist m.E. der ZEIT unwürdig.

Tieferes Verständnis für die Materie oder Kenntnis relevanter Diskussionslinien vermisse ich in dem Beitrag, zu finden sind stattdessen fragwürdige Behauptungen und falsche Zusammenhänge, viel wird ausgeblendet, nicht aber Agression: Vermeintlichen Kritikern des Freihandels wird schlicht unterstellt, Mauern für Menschen (!) errichten oder Grenzen dicht machen zu wollen! So etwas hat Trump-„Qualität“, aber als verantwortlicher Bericht einer namhaften deutschen Zeitung zur Kennzeichnung des Engagements einer großen für Demokratie, Umwelt- und Arbeitsschutz eintretenden Bevölkerungsgruppe? Das ist eine für mich nicht mehr akzeptable Entgleisung, ebenso wie die Vereinfachung  „Globalisierungshass“. Da ist schon sekundär, dass man auch den Hinweis auf nationale Umverteilung nur als Ablenkungsmanöver empfindet, das vom ungelösten übernationalen Problemkreis weg weisen soll und in bekannte Sackgassen führen würde. Ich hoffe, dass Oberflächlichkeit mit unnötigen Feindbildern kein Trend in Ihrer Zeitung wird, auch nicht in so naiv-harmloser Machart. – Günter Wankerl


Leserbrief zu „Hallo, hörst du mich?“ von Yascha Mounk

Mit Interesse und Erkenntnisgewinn habe ich die ersten drei Seiten der Rubrik „Chancen“ gelesen. Erst reist der hochbegabte Anthropologe den es „ein bisschen aus Zufall“ in’s Ausland verschlagen hat durch seine alte Heimat und er stellt anhand weniger ausgewählter Erfahrungen den schlechten Zustand der universitären Ausbildung in Deutschland dar. Das Verdeutlichen anhand von Beispielen mag gute journalistische Praxis sein, von einem Wissenschaftler dieser Güte hätte ich jedoch weniger Anekdoten und mehr Reflexion der Fakten erwartet. Auf der dritten Seite dann der ausgesprochen positive Bericht über private Fachhochschulen, die offenbar Bildungsaufsteigern die Möglichkeit zu einer akademischen Ausbildung bieten. O.k., es kostet, aber dafür bekommen die Studierenden offenbar eine Ausbildung wie sie Yascha Mounk vorschwebt. Auch hier Erfahrung statt Fakten und kein kritisches Wort über das einträgliche Geschäftsmodel, dessen Überlegenheit keineswegs belegt ist. Und dass es ausgerechnet bei jungen Menschen aus weniger gut situierten Familien eine gute Idee sein soll z.T. hohe Gebühren zu verlangen, leuchtet mir nicht intuitiv ein. Begleitet wird das Ganze von Anzeigen privater Hochschulen. Immerhin führt die Lektüre bei mir zu einem Erkenntnisgewinn. Ich erkenne deutlich die Strategie meines örtlichen „Käseblattes“ wieder, nur gibt es das im Gegensatz zur ZEIT umsonst. – Sascha Köpke


Leserbrief zu “ Der Zug ist abgefahren“ von Caterina Lobenstein

Ihre Autorin stammt aus Jena und ich als Leser stamme aus Zwickau. „Viele Köche verderben den Brei“, heißt es. Die bei der Bundesbahn sind nicht blöder als die Kritiker. Nach Ihrer Darstellung müsste fast der ganze Osten damit bestückt werden und in München ist der Zug dann in 15 Stunden. Am besten ist, man sattelt auch Schlafwagen und dafür fährt der Zug dann nur nachts.  Die zurückgebliebenen, angegebenen  Orte hätten gleichzeitig angebunden werden müssen. Der Regionalverkehr hätte auch aufgefrischt werden müssen, wahrscheinlich wäre das für die Bundesbahn zunächst zu teuer und zu aufwendig gewesen.  Das sollte nachgeholt werden, und die Bundesbahn wird das bestimmt auch tun.  Eins nach dem anderen. Meine Zwickauer Freunde werden mir verzeihen. Die fahren ohnehin lieber mit dem Auto. Das Auto war für die Ostdeutschen so wie für den Westdeutschen ein eigenes Haus zu besitzen. – Gunter Knauer 


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Wenn ich gegen CETA und TTIP bin, dann nicht weil ich die Globalisierung ablehne, sondern die Gefahr, dass große Firmen unnötig bevorteilt werden. Im Gegenteil, solche Verträge wie TTIP oder CETA unterminieren die Globalisierung.

Die wenigen Details, die ich durch die Zeitungen über TTIP kenne, sind Chlorhühnchen, hier wehrt sich der Verbraucher über die Aufweichung von Tier- und Umweltgesetzen, Standards für die Höhe von Blinklichtern an Autos, sehr schön und an eigenständigen Schiedsgerichten, wobei sich hier der Verbraucher wehrt, daß demokratisch legimentierte Institutionen, wie der Bundestag ausgehebelt werden.

Wenn jemand in einer kleinen oder mittelgroßen Firma investiert, kann er bei falscher Investition nicht vor Gericht ziehen und sich beklagen, schon allein wegen der Kosten. Seit 30 Jahren hat man den Atomfirmen gesagt, dass sie auf dem Holzweg sind, und jetzt  klagen sie Ihre Verluste ein, die auf falscher Managemententscheidung beruhen.

Große Firmen kann man nicht zerschlagen, sie sind zu mächtig, sie können sich nur selbst zertrümmern, wie die Deutsche Bank und das nur mit Mühe. Also muss man verhindern, dass große Firmen immer noch größer werden, und der viel, viel größere Rest der Arbeitnehmer nur noch in Zulieferfirmen für die Großen arbeitet.

Globalisierung ist gut, aber die unerwünschten Nebeneffekte werden eben gerade durch TTIP und CETA nicht geringer, sondern grösser. – Alexander Kos


Leserbrief zu „In der Flatrate-Falle“ von Nina George

Ihre Autorin hat meine volle Unterstützung.  Was sind das alles für Zustände mit geistigem Eigentum dermaßen abgebrüht umzugehen.  Es ist ja kein Einzelfall. Unsere Gesellschaft ist ausser Rand und Band.  Die Politik muß auf den Prüfstand. Die hat es in erster Linie zu verantworten.  Ich warne schon seit vielen Jahren davor. Deutschland ist für mich das verkommenste Land in Westeuropa. Der Literaturbranche werfe ich ihr wegducken vor. Die sollten auf die Barrikaden gehen und sich in Berlin alle versammeln, um den Politikern die Hölle heiß zu machen. Habidere!  – Gunter Knauer 


Leserbrief zu „Doch!“ von Özlem Topçu

Es ist nur schlimm, was da im syrischen Aleppo täglich an Verbrechen im Stil von Völkermord  vor sich geht. Und es ist gut wie auch erforderlich, dass darüber so plastisch beeindruckend in den beiden Artikeln dieses Geschehen dort geschildert wird. Einen Dank und  Belobigung an die Reporter, die sich hier in das gefährliche Gebiet begeben.

Es gehört absolut zur Erinnerungskultur die Geschehnisse in Aleppo festzuhalten, und diese uns heute vor Augen zu führen.

Die ältere deutsche Generation erinnert sich jetzt noch mit Grauen an die Bombardements in den Städten während des 2. Weltkrieges. Auch da waren es viele  unschuldige Kinder, die bei Tag und bei Nacht in ängsten leben mußten, in die Bunker und Keller mitgeschleppt wurden um dem ausgelösten Inferno zu entgehen. Das schafften viele nicht unversehrt.  Täglich verloren in dieser Zeit  auf den Straßen und in den Trümmern Kinder für immer  ihre Eltern und umgekehrt. Daran zu denken,  sich das in Erinnerung zu bringen,  ist angesichts der himmelschreienden Zustände in Aleppo – und leider nicht nur dort- für uns alle eine Verpflichtung.  Doch es muß noch mehr sein: Jeder einzelne Bürger in Deutschland,  am dringlichsten  die politischen Parteien,  müssen  lautstark und nachhaltig diese Verbrechen verurteilen und sich dafür einsetzen, dass solche Krisengebiete erst garnicht entstehen. Wie sonst sollten sich die Zustände ändern und Frieden einkehren? – Günter Heuzeroth


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Dieser Artikel hat mich doch sehr angepickst. Ich kann nicht beurteilen, ob Herr Hartung im wirklichen Leben Lehrer ist und so wie ich, der seit 1975 diesen Beruf ausübt, sich ein qualifiziertes Urteil bilden kann. Aber die Sache liegt doch viel komplizierter als es der Artikel glauben machen möchte. Und wenn es um die Frage der Zukunft geht, denn unsere Kinder sind unsere Zukunft, helfen billige, meinungsmachende Schnellschüsse wirklich nicht. Schaut man genauer hin, geht es unter P1 genau an der Sache vorbei.

Bei der Frage, ob Computer in der Schule eingesetzt werden oder nicht oder wann und mit welchem Inhalt oder Ziel, spielt es überhaupt keine Rolle, welches Know-how ich persönlich in der Anwendung des Computers habe. Die Fachkollegin oder der Fachkollege muss natürlich fit sein. P2 belegt nur, dass die Diskussionen unsachgemäß laufen. Das ist auch kein Grund für oder gegen den Einsatz von Computern. P3: Um darauf ausreichend eingehen zu können, benötigte ich mindestens ein Buch. Das geht in diesem Zusammenhang nicht. Vielleicht nur folgende Aphorismen: Selbstverständlich sind die Bemerkungen nicht auf den einzelnen Schüler, auf die einzelne Schülerin bezogen. Im Individuellen sieht es ganz anders aus.

Aber als Stimmung in der Klassengruppe, als allgemeine Beobachtung kann ich das Folgende schon so formulieren. Was ich beobachte: Im Gegensatz zu den Kindern, die ich zu Beginn meiner Tätigkeit  unterrichten konnte, kann ich erleben, dass die heutigen Kinder in meiner Zusammenfassung zwar schulreif, aber nicht schulfähig sind, wenn sie in die Schule kommen. Was meint das? SchülerInnen können nicht mehr wirklich zuhören, brauchen schnelle Wechsel, was eben auch bedeutet, sie können sich nicht mehr lange konzentrieren. Häufig höre ich: das kenne ich schon! Schaut man genauer hin, ist es ein „Wasserkopfwissen“, dass mit erworbenem, erarbeiteten Wissen nichts gemein hat. Das Letztgenannte führt dazu, dass neue Fähigkeiten erübt werden.

Das ist für mich gleichbedeutend, mit Heranwachsen, reifer werden, usw. Zähle ich 1und 1 zusammen, also beobachte ich das Smartphonverhalten vor, in und nach der Schule, bestätigen mir die Eltern die frühe Nutzung des Computers und des Fernsehens zu Hause, so sind das Fakten, die für mich eine Erklärung abgeben für das sich immermehr veränderte Verhalten von Schulanfängern. Es gäbe noch eine ganze Reihe von Beobachtungen aus der Schule bis in die oberen Klassen, die meine Erklärung stützen würden. P4 und der letzte Absatz: Die Fragen die aufgeworfen werden, werden gleich durch den Unterton beantwortet.

Das ist keine gute journalistische Arbeit. Mit Berücksichtigung von dem unter P3 angedeuteten, brauchen wir keine Schulbildung, die uns von der Wirtschaft diktiert wird. Wir brauchen eine Schule die ganz individuell unterstützt und fördert. Lernen braucht viel Anstrengung, also Freude, wenn es klappt. Und Zeit zur Reifung! Spaß habe ich im Fun-Park und dann sofort. Der Spaß, der da immer von der Schule gefordert wird suggeriert, dass das Lernen mit ein paar Mausklicks schon klappt. Das wird nicht gelingen. Fazit: Ja, der Computer soll in die Schule! Aber erst in der Oberstufe, wenn Fähigkeiten ausgebildet worden sind, die mich individuell stärken.  Damit nicht der Computer mit mir, sondern ich mit dem Computer arbeite. – Friedemann Geisler  


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Mit Interesse habe ich ihren Kommentar zur Gegnerschaft der Freihandelsabkommen  CETA und TTIP wahrgenommen, mit Enttäuschung musste ich feststellen, dass ihre Argumentation an vielen Stellen lückenhaft ist.

Zum ersten finde ich es fragwürdig die historischen Ursprünge des Freihandels mit den heutigen Tatsachen zu vergleichen. Diese Art und Weise der Argumentation blendet aus, dass sich die Arbeitswelt in bald 200 Jahren enorm verändert hat und Unternehmen statt regional, nun global agieren. Das Wort „Globalplayer“ hat damals mit Sicherheit noch nicht existiert, genau diese Akteure des Welthandels sind es aber, die die heutige Bühne der Weltwirtschaft dominieren.

Die „Hundertausenden“ auf unseren Straßen sind nicht dort, weil populistischem Gedankengut folgen oder gar so töricht wären aus der bequemen Position der Globalisierungs-Profiteure den Ursprung ihres Wohlstands zu verleugnen. Tatsächlich war der globale Handel das entscheidende Glied in der Kette für Wirtschaftswachstum in Industrienationen und  Schwellenländern. Aber eben nur in eben diesen Nationen hat die Globalisierung tatsächlich für wirtschaftlich-stabile Lebensumstände gesorgt, der Handel findet vorwiegend auf der Ost-West-Achse unserer Welt statt. Die Nord-Süd-Achse hingegen ist eher von Problemen der Migration geprägt anstatt vom Austausch von Waren. Das Märchen, Globalisierung brächte immer und in jedem Fall eine Besserung der Lebensumstände kann nur dadurch aufrechterhalten werden, dass die Industrienationen die benachteiligten Staaten großzügig mit sogenannten „Entwicklungshilfen“ abhängig machen. Die Frage ist außerdem, wer überhaupt Armut definiert; dass man weniger als 1,25 Dollar pro Tag nicht leben kann ist klar. Ob das z.B.  mit 1,7 Dollar täglich anders aussieht darf bezweifelt werden. Und das Armut überhaupt auch nicht generell, sondern immer in Abhängigkeit zu landesspezifischen Gegebenheiten definiert werden muss wird außerdem ausgeblendet.

Ganz davon abgesehen geht es den Globalisierung-Kritikern auch darum, dass Umwelt und kulturelle Besonderheiten in einer von der Wirtschaft dominierten Argumentation keine Stimme haben. Es zählen vorwiegend die Kriterien der Effizienz, die Frage nach der Legitimität gerät in den Hintergrund.

In unserer Welt scheint grundsätzlich außer Frage zu stehen, dass Freihandel das „Beste“ für uns alle ist. Freihandel ist aber ein Extrem der Wirtschaft,  genauso wie der Protektionismus auf der anderen Seite. Es gibt weder den Traum vom unendlichen Wachstum durch immer engere Vernetzung der Wirtschaftssysteme und Ausweitung der wirtschaftlichen Freiheiten; Noch wäre es richtig zu behaupten, dass ein Staat auch autark wirtschaftliche Stabilität fuer alle generieren könnte. Wir leben doch in einer Gesellschaft, die eigentlich aus Erfahrung sagen kann, dass Extreme niemals eine sinnvolle, allgemeinverträgliche Lösung hervorbringen. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß.

Die Studien zu den wirtschaftlichen Effekten der Freihandelsabkommen sind strittig, von unabhängigen Prüfern wurde längst angesprochen, dass die Darstellung der Ergebnisse manipulativ ist.

CETA und TTIP- Kritik ist also angemessen. Natürlich ist sie auch Mittel politisch-Aufstrebender. Davon abgesehen ist sie aber grundsätzlich durchdacht: Vor allem, weil sie sich nicht nur darauf konzentriert die Abkommen zu verhindern, sondern weitergedacht eine viel umfassendere Neuausrichtung der Wirtschaft fordert. Wirtschaft muss dazu beitragen Menschen zu vereinen und nicht neue Konfliktherde zu schaffen, zum Beispiel dadurch das regionale Wirtschaft zerstört, Umwelt vernachlässigt und Menschen in der Leistungsgesellschaft abgehängt werden. – Gesa Frahm


Leserbrief zu „Unter Stümpern“ von Christian Fuchs, Anne Hähnig und Stefan Schirmer

Der Titel des Dossiers lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Für den Inhalt desselben gilt das leider nur bedingt.

Warum zum Beispiel lassen die Autoren die Rolle und die Verantwortung des Generalstaatsanwaltes von Sachsen, Klaus Fleischmann, völlig außer Acht?

Hat er sie etwa in seinem Auftritt bei der unsäglichen kollektiven Pressekonferenz der Phalanx der Stümper (am Tag nach dem Suicid von al-Bakr) davon überzeugen können (wie er es versuchte), dass er nur ein Art Vermittler zwischen der sächsischen Justiz und dem Generalstaatsanwalt der Bundesrepublik gewesen ist bzw. zu sein hat?

Oder gehört er zu denen, die „im Text ungenannt bleiben“ wollten, wie die Autoren im Nachwort „Hinter der Geschichte“  es ausdrücken?

Oder gab es eine Art Beißhemmung, weil er hörbar nicht den „unbeliebtesten Dialekt Deutschlands“ spricht, sondern in Wortwahl und Tonfall an den biederen fränkischen Humoristen Herbert Hisel („jou wergli“) erinnert?

Das kann ich nicht glauben – warum also diese Schonung? – Ulrich Resch


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Wer gegen CETA und TTIP ist, ist sicher auch für Trump: jetzt fühle ich mich aber sowas von durchschaut! Denken Sie mal an, Frau Nienhaus, ich habe überhaupt nichts gegen Freihandel, und dass viele Praktiker aus allen Ländern beim Aushandeln der Details mittun, finde ich sehr vernünftig. Aber in einem Punkt bin ich sehr verschroben: ich hätte gern, dass ein für die Bundesrepublik gültiger Vertrag verfassungskonform ist. Und von Privatgerichten, die die Staaten belangen, wenn sie z.B. den Umweltschutz verschärfen, halte ich überhaupt nichts. Wie man an seinen Auflagen sieht, empfindet das Bundesverfassungsgericht ähnlich; gut so! – Bernhard Hecker 


Leserbrief zu „Mein Tempelberg“ von Benjamin Balint aus dem Englischen von Evelyn Finger

Mit Verwunderung finde ich unter Glauben und Zweifeln am 20. Oktober so viel Selbstgewissheit und so wenig Zweifel, dass ein wenig Widerspruch dazu wohl angeraten scheint. Die Unesco hat sich mit einer vollkommen einseitigen Resolution ins Unrecht gesetzt und tut so, als wäre der Haram Al-Sharif, also der frühere Tempelberg in Jerusalem nur ein Ort des Islam. So weit so schlecht. Von der ZEIT könnte man erwarten gegen so viel Einseitigkeit zu protestieren UND ihr ein komplexeres Bild dieses Ortes entgegen zustellen. Aber leider geschieht das Gegenteil. Vom Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, dieses komplexe Bild zu erwarten ist sicher vermessen. Das ist nicht sein Job als Interessenvertreter. Die Frage ist, ob man ihn um seine Meinung dazu fragen muss. Besonders viel Überraschendes wird man von ihm nicht hören. Aber dann geht es erst um Parteinahme: „Mein Tempelberg“ heißt es. Und auch wenn Benjamin Balint im letzten Absatz so tut, als wäre er der unparteiische Versteher („Ich respektiere die Vielfalt des Ortes. Vieles ist möglich hier, nur keine Eindeutigkeit“), so ist sein Glaubensbekenntnis leider von ernüchternder „Eindeutigkeit“. Keine Erklärung in seinem Text für das Verbot orthodoxer Rabbiner (!) diesen Ort zu betreten und dort zu beten, das ebenso eindeutig (und zuweilen fanatisch) ausgesprochen wurde und wird, wie die einseitige Inanspruchnahme des Ortes durch islamische Autoritäten. Kein Wort über die seit vielen Jahren laut werdenden Aufrufe evangelikaler Christen und nationalreligiöser Juden, sich auf den Tag vorzubereiten, an dem „Gott“ die Moschee der „Ungläubigen“ hinwegfegen und an seiner Stelle der Tempel neu errichtet würde. Natürlich ist das vor allem Rhetorik – aber eine Rhetorik, die im Klima Jerusalems durchaus höchst entzündlich ist. Immerhin steht dem Tempelberg gegenüber schon das „Temple Institute“, in der fleißige Hände die Gewänder der Priester nähen, die für diesen „nahen Tag“ der Zerstörung der Moscheen auf dem Berg bereit sein sollen. Kein Wort davon, dass die Christen, den Tempelberg nicht „leer“ ließen, sondern im Gegenteil als Müllplatz benutzten, um ihn zu entwürdigen. Und kein Wort davon, dass es ausgerechnet die muslimischen Eroberer waren, die die Juden auf dem Tempelberg zunächst einmal wieder beten ließen, bevor sich der Islam von dieser Toleranz wieder verabschiedete.

Kein Wort davon, dass zu all jenen, die diesem Ort ihre jeweils alle anderen ausschließende „Heiligkeit“ aufdrücken wollte, selbstverständlich, wie uns die hebräische Bibel selbst lehrt, auch David gehörte, der mit den Kanaanitern auch nichts anders tat, als ihre „Heiligtümer“ zu verdrängen oder zu überlagern. Wer also mag da einen Vorrang wirklich beanspruchen?

Nun sind es heute in der Tat Muslime, die auf unerträgliche Weise diesen Ort zu monopolisieren suchen. Freilich: nebenan, nur wenige Meter entfernt wird durchaus gegraben und in mehr oder minder wissenschaftlicher Manier nach den Überresten von „Davids Stadt“ gesucht, mitten in einem muslimischen Stadtviertel, das tausend Jahre lang ein arabisches Dorf und kurze Zeit auch eine Siedlung jemenitischer Juden war. Und in dem sich nun militante jüdische Siedler festsetzen, die sich auf den Sturm auf den Tempelberg vorbereiten, unterstützt von evangelikalen Christen in den USA und deutschen Pietisten. All das gehört zur Wirklichkeit dieser Stadt. Ich hätte mich gefreut, wenn auf der Seite „Glauben & Zweifeln“ ein bisschen weniger von der „Heiligkeit des Ortes“ die Rede gewesen wäre und mehr von Zweifeln angesichts der „Unheiligkeit“ der Wirkung solchen Redens. – Dr. Hanno Loewy


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Richtig gemacht, überwiegen die positiven Effekte des Freihandels, wird einerseits im Artikel m.E. richtig festgestellt.

Anderseits wird allen, die sich mit genau dieser Frage auseinandersetzen, ein Globalisierungshass bzw. eine generelle Ablehnung von Freihandel unterstellt. Es wird so getan, als sei Globalisierung eine „digitale“ Frage, man ist dafür oder dagegen.

Die Gegner von CETA und TTIP sind gegen die mit diesen Abkommen beabsichtigte Ausweitung des Freihandels nach geänderten Regeln, nicht gegen den zur Zeit praktizierten Freihandel. Dieser wäre durch eine Ablehnung nicht berührt.

Man darf auch die Globalisierung zurückdrehen wollen, ohne den Anspruch auf eine sachliche Auseinandersetzung zu verlieren. Eine Ausgrenzung durch unterstellten „Globalisierungshass“ ist nicht akzeptabel.

Ich habe schon mal erhellendere Artikel in der ZEIT und dann auch noch auf Seite 1 gelesen. – Reiner Felkel


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Dass DIE ZEIT jetzt Stammtischweisheiten schon auf Seite 1 veröffentlicht, war mir neu. In einem kurzen Wortschwall analysiert Herr Hartung die digitale Bildungsangst der Lehrer und Lehrerinnen. Er hat auch gleich exakt vier Ursachen parat und sogar ein „gutes Mittel“ gegen seine erfundene Bildungsangst: „…mal neugierig sein und ausprobieren.“
Es geht im Ansatz darum, ob Bundesmittel besser für schnelles WLAN an den Schulen oder in die Sanierung von Schulklos und Klassenzimmern gesteckt werden sollen. Hat denn jemand darüber nachgedacht, die Schulen zu fragen, was sie am nötigsten brauchen z.B. zur Bewältigung von Inklusion, G8/G9, Schulreformen, Umsetzung neuer Curricula? Und wer ist denn hier bitte „Schule“? Bei Herrn Hartung sind es einmal die Lehrerverbände, dann sind es die maroden Gebäude oder wahlweise die dort arbeitenden Lehrer und Lehrerinnen oder der verunsicherte Bildungsauftrag und schließlich das gesamte Bildungssystem.
An der Schule, an der ich arbeite, funktioniert das WLAN nicht zuletzt wegen der engagierten Arbeiten zweier Kollegen sehr gut, die Toiletten wurden vor ein paar Jahren frisch renoviert. Es brennt an vielen anderen Stellen, für die Investitionen dringend nötig wären. So wird es auch an anderen Schulen sein, und die Menschen, die dort arbeiten wissen sehr gut, wo Investitionen am sinnvollsten wären.
In einem Alternativvorschlag zum schnellen WLAN eine allgemeine „digitale Bildungsangst“ auszumachen, mutet kurzsichtig und überheblich an. Dass allerdings seit Jahrzehnten viel zu wenig in die Bildung investiert wurde, das erkennt der Autor richtig. Es geht aber dabei nicht nur ums Geld, denn WLAN hier, wie ansprechende Lernräume dort sind erst die Möglichkeit für gutes Lernen. Was gute Bildung  aber inhaltlich und methodisch sein soll, darüber fehlt seit Jahrzehnten eine zielführende Diskussion. An deren Ende muss dann der entsprechende politische und finanzielle Wille stehen, diese Ziele umzusetzen. Auf die Bildungsrepublik, in der kein einziges Kind durch die Maschen fällt und bestmöglich gefördert wird, warten wir allerdings schon viel zu lange. – Dirk Wolf


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Dieser Artikel ist sehr gut geschrieben, zeigt er uns in Kürze, was möglich wäre, wenn da nicht vor allem in TTIP ein Pferdefuß ist. Die Internationalen Organisationen ISO und CEN für die internationale Normung bzw. die europäische Normung haben sich jedoch bereits schon seit Jahrzehnten um sichere Verbraucherschutzregeln im weltweiten Rahmen gekümmert. Es geht um Sicherheit, Gesundheit und Kontrolle dieser nicht hoch genug einzuschätzenden Werte. Nicht umsonst wird die Norm DIN EN ISO 9001 zur Zertifizierung (trotz aller Mängel) von Dienstleistern und der Industrie so hoch eingeschätzt, dass sie zur Werbung herangezogen wird. Die Bürger in Europa wissen nicht, welche zahlreichen europäischen Richtlinien, z.B. Medizinprodukte-Richtlinie, Kinderspielzeug-R., Bauprodukte-R., Richtlinie für persönliche Schutzausrüstung u.a, durch internationale Normen bis ins kleinste Detail zum Schutze unser aller Leben, Gesundheit und Sicherheit mit Wissen und Verantwortung der Beteiligten ausgefüllt worden sind. Es geht nicht nur um Handel und Geld, sondern um Werte, die verloren zu gehen drohen. – Freigang Müller


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Die Verwunderung von Herrn Hartung übe die Haltung der Lehrer(Verbände) und seine Analyse der Ursachen sind genauso falsch, wie sein Lösungsansatz. Die Schulen (wer ist hier überhaupt gemeint? Lehrer? Kultusminister? Schüler, Eltern und Lehrer?) sollen die gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen der kommenden Jahrzehnte vorhersehen und Anwtorten für die Postwachstumsgesellschaft sowie die „digitalisierte Gesellschaft“ haben? Lehrer können damit also etwas, was Ökonomen und Politiker bisher nicht beantworten können? Es ist in der Gesellschaft doch überhaupt nicht klar, welche Regeln in der digitalisierten Welt zu gelten haben. Sicher wäre es wichtig sich endlich darüber zu verständigen, aber Schulen (Lehrer) werden dies ja wohl schlechthin alleine tun können. Lehrer haben in der Regel die Entwicklung des Kindes studiert (neben zwei Fächern). Wobei noch etwas Entscheidendes anzumerken wäre: wissen wir, was für Auswirkungen die Computernutzung auf das Lernverhalten hat? Die Studie, die das Senken der Aufmerksamkeitsspanne attestiert, verheißt zumindest nicht nur positives. Können wir einfach drauflos unterrichten, nur weil Computer nun mal da sind? Digitale Bildungsangst ist eventuell gebotene Skepsis.

Witzig finde ich allerdings seinen Vergleich der Forderung nach benutzbaren Sanitäranlagen und Räumlichkeiten in einer Schule mit dem Gießen einen Spitzahorns (sic!), als ob es sich um Luxus handeln würde. – Biaka Schneider


Leserbrief zu „Germany’s Next Saftschubse“ von Jana Gioia Baurmann

Es ist mir vollkommen rätselhaft, wie die ZEIT (die ich regelmäßig und gerne lese) einen solchen Artikel in der gestrigen Ausgabe bringen konnte.
Der Artikel strotzt nur so von verhöhnenden und abwertenden Vorurteilen gegen einen ehrbaren Beruf, nämlich den der Flugbegleiter(innen).

Diese mit dem „Saftschubse“ zu bezeichnen ist beschämend und beleidigend.
Mir ist auch nicht klar geworden, was bei dem Casting, welches die Lufthansa durchführt, so falsch sein soll.

Die Autorin sollte mal einen Tag die oft schwere Arbeit im Flieger, die von nörgelnden Patienten, die nie zufrieden und oft sogar unverschämt sind und von Chefs, die aufs Tempo drücken und die Kosten senken wollen, zerrieben werden.

Eine solche verhöhnende „Abrechnung“ haben diese – meist weiblichen Flugbegleiter – wahrhaftig nicht verdient.

Ich habe mich darüber so  geärgert, dass ich die ZEIT wohl nicht mehr kaufen werde.
Ein solcher niedermachender Artikel ist der ZEIT nicht würdig. – Dr. Werner Krag


Leserbrief zu „Die Leere danach“ von Irene Habich

Zweite Spalte Ihres Artikels: …. ein bis zwei Tage zu warten und nicht gleich wieder ins Büro zu gehen. Gehe ich recht in der Annahme, dass jede Frau mit einer Fehlgeburt im Büro arbeitet? – Ulrike Judge 


Leserbrief zu „Wenn das Tricksen chronisch wird“ von Elisabeth Niejahr

Guter Artikel von Seiten der Kassen  –  hat mal wer die Ärzte gefragt ?  Die Codier-Diskussion ist mir erstmals in der F.A.S. aufgefallen – bis dahin habe ich getan, was ich sollte, ohne groß zu denken, denn: CODIEREN IST NICHT MEIN KERNGESCHÄFT !!!

Gelernt haben wir eigentlich : Untersuchen, diagnostizieren, therapieren – Diagnostizieren als hohe Schule so, dass der Extrakt aus den Beschwerden des Patienten und den Befunden ein Etikett bekam, so dass alle anderen Ärzte weltweit damit hätten weiterarbeiten können, auch wenn oft mit altertümelnden Eigennamen, mit neuen englischen Akronymen, mit Paracelsus-geprägten Kunstworten gehandhabt werden mußte : all dies entwickelte sich, wie es in den Büchern fixiert war.  Dann kam die Idee, alles müsse sich nun digitalisierbaren Entscheidungsbäumen beugen – und jede Krankheit oder Befindlichkeit erhielt jenseits der bis heute gelehrten Krankheitsbezeichnung ein mehrstelliges Nummernschild, das uns bei der ärztlichen, wohlgemerkt: der unserem Kerngeschäft zuzurechnenden, Arbeit, nicht nur nicht helfen konnte, sondern Zeit wegnahm — wessen Zeit ?

Beispiel : Der Patient sitzt vor mir – fertig sind wir, nur die Krankmeldung benötigt noch das oben genannte Nummernschild (ohne dies kein Ausdruck!), aber diese Chiffre muss mich absichern : ohne passende Ziffer werden die Medikamente mir in Rechnung gestellt! schieß‘ ich über das Ziel hinaus, wär’s wohl gar eine meldepflichtige Krankheit – oder nachträglich hieß‘ es: wieso dazu keine Einweisung (juristisch!), alternativ : wieso für sowas eine Einweisung (Regressgefahr : ich bezahle…………) statistisch wird’s genauso heiß gegessen wie gedruckt – Und dann sagt die Kasse (oder auch meine Standesvertretung!!!)

NACHTRÄGLICH : genauer!!!! waren dies nun 6 oder eher 7 Monate nach…………….. ?   Ehrlich: hat der Patient etwas davon ? Der Arzt (10 € – darüber überhaupt zureden, wenn die Kasse 1000 erhält, ist oberdämlich) – Wer verspielt wessen Zeit ? War das ärztliche Idee ? Hilfts der Gesundheit ? Was zum Teufel macht der freie Wettbewerb überhaupt in meiner Arzt-Patienten-Beziehung ? Nimmt das ein ernstzunehmender Arzt je wichtig ?

Die Krankenhäuser sind bisher übrigens noch nicht diskutiert worden ! Ein Beispiel : Ausgebildete Fachärzte sitzen in Vollbeschäftigung nicht dort, wo sie gebraucht werden, sondern in einem Büro, um die Codierung zu optimieren – diesmal nicht für die Kasse, sondern für den Krankenhausträger, der ja gerne schwarze Zahlen schreiben würde –  Wer hat es den Kaufleuten erlaubt, unsere Arbeit zu gängeln ? Wieso, übrigens und nur nebenbei, ist der Gesundheitsminister kein Arzt ? (Was war noch die Profession der Verteidigungsministerin)  Kommen Sie doch mal einen Tag zu mir – Und schauen Sie mir über die Schulter : Und wenn Sie dann dies‘ Codieren (und die daraus folgenden Statistiken) Noch ernst nehmen können – tja, dann hab‘ ich einen Fehler gemacht!  – Dr.G.Theis


Leserbrief zu „Früher waren Aussteiger linke Utopisten, jetzt sind es rechte Reaktionäre“ von Arno Frank

„Reichsbürger“ mögen im selbsterfundenen „Germanitien“ oder „Königreich Deutschland“ leben und deshalb, ganz konsequent, dem deutschen Staat und deutschen Kommunen auch keine Steuern zahlen. Da gäbe es doch eine wirkungsvolle Lösung. Die Bundesregierung möge doch ganz schnell (bitteschön!) solchen Personen entgegenkommen und sie, ihrer festen Entscheidung entsprechend, in die Staatenlosigkeit entlassen. Sie blieben dann weiter strafmündig, weil Gesetzesübertretungen in Deutschland nach deutschen Gesetzen verfolgt und gegebenenfalls geahndet werden. Aber sie würden eine ganze Anzahl von Rechtsansprüchen deutscher Bürger verlieren und könnten beispielsweise keine Leistungen des sozialen Netzes mehr einfordern. Mir scheint, dies wäre außerordentlich effektiv. – Prof. Dr. Carsten Niemitz


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Programmieren bringt Spaß und Weitblick? Dass ich nicht lache! Im Silicon Valley sitzen Tausende von Programmierern, die ihre Module zusammenbasteln ohne jeglichen Weitblick. Die Folge: Der Nutzer bekommt ein Programm das von Fehlern nur so strotzt und fast täglich korrigiert werden muss. Letzteres nennt man dann wohl „agile management“. Das soll Spaß machen? Ich habe da erhebliche Zweifel.

Zum Thema Programmieren in der Grundschule: Hat man anno dazumal nach der Erfindung des Buchdrucks ein Schulfach „Bücher drucken“ eingeführt? Jeder pädagogische Laie weiß worum es ganz wesentlich geht in der Grundschule: Lesen, Rechnen, Schreiben und zwar Sinn erfassend. Nein, die Lehrer haben keine Angst vor dem Computer. Sie machen sich – wohl nicht ganz zu Unrecht – Sorgen um eine ungenügende Vermittlung von Kulturtechniken, deren Beherrschung u.a. auch wichtig für das Programmieren ist. Und da ist es mehr als angebracht den mit Geld um Einfluss und um Wählerstimmen buhlenden Politikern die Stirn zu bieten. – Klaus Mock


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Für diesen differenzierten Artikel zum Thema Globalisierung möchte ich Ihnen danken. Sie beschreiben die Entwicklung und betrachten verschiedenste Aspekte der Globalisierung. Zu oft werden politische Diskurse durch vereinfachte Feindbilder dominiert. Es erleichtert das Denken, wenn man für fast jedes Problem den Neoliberalismus, die Globalisierung – ach ja und die EU verantwortlich machen kann. Nein, so simpel ist unsere Welt nicht. Widersetzen wir uns allen „Vereinfachern“. Es erschreckt mich immer wieder, dass sich „Rechte“ und „Linke“ in diesen Feindbildern so oft kaum unterscheiden. –Klaus Skulimma


Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Natürlich haben Sie recht,  die Globalisierung als großen Motor der Weltwirtschaft zu bezeichnen, der vielen armen Ländern durchaus etwas mehr Wohlstand bringt. Sie weisen auch darauf hin, dass im Westen die Mittelschicht nicht unbedingt profitiert – vielleicht ein Grund für die Ablehnung.

Ich würde sogar soweit gehen, die Globalisierung als einen wesentlichen Friedensfaktor einzuordnen, da die gegenseitigen wirtschaftlichen Verbindungen Kriege als nicht mehr wünschenswert erscheinen lassen.

ABER wenn es den mehr oder weniger demokratisch legitimierten Verhandlungspartnern dieser beiden Mammut-Vertragswerke opportun erscheint, die Öffentlichkeit im Grunde vollständig vom Verhandlungsablauf und sogar dem Inhalt auszuschließen, muss dies zwangsläufig zu Skepsis  bis massiver Ablehnung führen.

Wenn bei fehlender Bereitschaft, die Transparenz zu verbessern, sich am Ende eine breite Gegenbewegung formiert, kann das doch eigentlich nur bei sehr demokratie-ungeübten Kreisen (wie unseren Wirtschaftskapitänen) oder wirtschaftsgutgläubigen Journalisten zu Verwunderung führen.

Die Tatsache, dass auch weiterhin mehr Öffentlichkeit nicht erwünscht ist, schürt den Verdacht , dass es wohlüberlegte Gründe dafür gibt. Einer könnte sein, dass spätere Streitigkeiten aus dem Geheimvertrag nicht vor unseren staatlich legitimierten Gerichten geklärt werden, sondern wiederum vor nicht öffentlichen Schlichtungsausschüssen. Ein anderer ist vielleicht, dass den Bürgern und Verbrauchern im Rahmen dieser Verträge klammheimlich wesentlicher Verbraucherschutz entzogen wird – ohne dass dieses von unseren Parlamenten verhindert oder auch nur verhandelt werden könnte.

Hier entlarvt sich das Heilsversprechen der Globalisierung als unberechenbares trojanisches Pferd.

Ich halte Globalisierung  nicht nur für erstrebenswert sondern auch für zwangsläufig und unaufhaltbar. Genau darum muss ihr Fortschritt fair und demokratisch begleitet und gelenkt werden. Sie haben recht: die Politik muss ihre Hausaufgaben machen und im Interesse der Bürger das Heft in der Hand halten.

Bisher dient die Globalisierung einzig und allein den Interessen der global Players, die auch noch versuchen, dabei sich wie Robin Hood zu fühlen. Sie geben den Armen und nehmen den Reichen (Ländern).

Aber die Sahne schöpfen die multinationalen Konzerne ab und entziehen ihren Gewinn -bis auf Almosen- jeglicher solidarischer Besteuerung. –  Arndt Snakker


Frosch-Evolution live von Urs Willmann

Ihrem Wochenfrosch fehlt das Zeug zum König, weil er von Bienen un Ameisen lebt, welche uns mit Honig und Humus versorgen. –  Günter Vogel


Leserbrief zu „Früher waren Aussteiger linke Utopisten, jetzt sind es rechte Reaktionäre“ von Arno Frank

“ Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher! “  Soweit will ich jetzt aufgrund Ihres Artikels nicht gehen, aber Sie verschweigen – vielleicht, weil Sie erst später geboren wurden – , dass die linke Utopie nicht so eine schöne Morgenröte angekündigt hat, wie Sie im Artikel andeuten, sondern eine Röte erzeugt hat, die blutig war. Die „bleierne Zeit“ war ein Kulminationspunkt einer linken Ideologie, die mit der Vorstellung „..unter dem Pflaster, ja, da liegt der Strand…“ begann, aber bei der die Plastersteine verwendet wurden , um zumindest fahrlässig Leben und Gesundheit anderer zu gefährden . Danach wurde postuliert: „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“ Des weiteren wurden in den Auswüchsen aus diesem linken Denken , Fahrer von nicht genehmen Zeitungen, Andersdenkende, Polizisten, die fremdes Eigentum schützen sollten, Fahrer, die Personen transportierten, Polizisten, die jene begleiteten , rücksichtslos verletzt und ermordet.

Ihre Anmerkungen zur Gewalt und Gewaltbereitschaft der rechten Utopisten sprechen mir aus der Seele. Aber man darf die Augen nicht davor verschließen, dass das Aussteigen auf der linken Seite auch in den Abgrund führte und führt. Linke Utopie ist per se nicht harmlos und rosarot. Und Verschweigen dieser Aspekte oder Ignorieren ist Unwahrheit und nähert sich der Lüge. – A.Lienhard


Leserbrief zu „Die Mogelpackung“ von Christian Fuchs

Christian Fuchs macht seinem Namen alle Ehre. Wie er den Tarnvereinen der Salz- und Zuckerindustrie, sowie der Pharma- und Vitaminkonzerne die Suppe versalzt, ist einmalig. Unbehelligt von der Öffentlichkeit passiert Gehirnwäsche schon seit 40 Jahren. Damit ist nun Schluss. (Die seinerzeit in allen Schulklassen ausgeteilten Flourtabletten sind mir noch in Erinnerung.) Dass ausgerechnet die Zuckerlobby schon im Kindergarten Kariesaufklärung betreibt, schlägt dem Fass den Boden aus.

Es war auch interessant zu erfahren, wie der Schmerzmittelhersteller Mundipharma das Werbeverbot für zulassungsbeschränkte Medikamente umgeht.

Die Welt muss um jeden Preis transparenter werden. Der schlauche Fuchs zeigt vor wie es geht, investigativer Journalismus vom Feinsten. Die vierte Macht im Staat hat wieder aufgeklärt! – Elisabeth Hofer


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Kommen Sie doch einmal zu mir nach Niedersachsen, wo ich in einer gewöhnlichen gutbürgerlichen Kleinstadt an einem Gymnasium zusammen mit über 70 Kollegen fast über 1000 Schüler unterrichte. Gehen Sie dort einmal aufs Klo! Kommen Sie zu mir in den Unterricht, wo ich in einem Klassenraum mit Teppich aus den 70er-Jahren unterrichte, der nach Staub, Schimmel und Erbrochenem riecht. Sie werden sofort und trotz unvorstellbar schlechter technischer Ausstattung auf Ihre Wunschliste dick und fett eine Verbesserung der sanitären Anlagen und der Klassenräume notieren. Dafür werden Sie in Kauf nehmen, dass Sie sich mit 70 Kollegen 10 schlecht funktionierende Computer, 1 (!) Drucker und ein nur sporadisch funktionierendes WLAN teilen. Ich träume genauso wie meine Kollegen davon, mit meinen Schülern endlich im Zeitalter der Digitalisierung anzukommen; aber bitte in einem akzeptablen Arbeitsumfeld, in dem sich keiner ekeln muss! – Gabriel Behrens


Leserbrief zu „Das Leiden der anderen“ von Adam Soboczynski

Bravo, Hr. Soboczynski! Es bedarf mittlerweile wirklich eines gerüttelten Maßes an Sprachgewitztheit,um nicht sofort in die Diskriminierungsreflexe des herrschenden Political Correctness
-Zeitgeistes zu geraten. Da gibt es offenbar immer noch jede Menge von selbst ernannten Protagonisten, die das Wiederkäuen von längst zum mainstream gewordenen Gedanken und die entblödende Redundanz für preisverleihwürdig, gar brillant halten. Man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, dass wir in einer Zeit verwahrlosten Diskurses u. geistiger Verarmung leben. Rezensionen wie diese leuchten hell auf in diesem dunklen Tunnel. –Peter Kroll


Leserbrief zu „Germany’s Next Saftschubse“ von Jana Gioia Baurmann

Mit großer Enttäuschung habe ich in Ihrer neuesten Ausgabe den Artikel „germa“ vernommen. Allein schon die Überschrift ist respektlos gegenüber sämtlichem Flugpersonal.  Es mag sein, dass der Beruf der Stewardess / des Stewards in den Augen Ihrer Autorin Frau Baurmann in den letzten Jahrzehnten an Glanz eingebüßt hat – die Referenz auf „Catch Me If You Can“ war diesbezüglich auch gelungen – aber deshalb die Bewerber pauschal als „Unentschlossene“ zu bezeichnen, ist unter dem gewohnten ZEIT-Niveau. Der Artikel suggeriert dem Leser meines Erachtens: Flugbegleiter sind vor allem süchtig nach Privilegien, die Ihnen „normale“ Arbeitgeber nicht geben können oder wollen (die weite Welt sehen, Uniform etc.) und es handelt bei den Bewerbern durchgehend um realitätsferne, unentschlossene Zögerer und Verlierer, die auf dem „klassischen“ Arbeitsmarkt durchs Raster fallen.

Bitte gestatten Sie mir hiermit, eine Lanze für das fliegende Personal auch für andere Airlines (die nicht das Glück haben, einem – ehemaligen – Flagcarrier und deren Gehaltstabellen angehören zu dürfen), zu brechen:  Leider kann nicht jeder den Traumberuf des Journalisten für eine Wochenzeitung antreten. Ich habe das Gefühl, dass sich Ihre Kollegin diesbezüglich ein wenig im Unklaren ist, was den Beruf des Flugbegleiters ausmacht:  – Ein gewisses Auftreten gehört als Flugbegleiter dazu. Ein Casting ist also besser geeignet, weil wir sofort sehen können, wie sich die Person im Öffentlichen Raum verhält und auftritt. Durch eine „klassische“ Bewerbung per Mail oder Brief ist dies komplizierter für beide Seiten. Und wir können sofort ein Feedback geben.  – Auch wenn es auf den Ersten Blick nicht so aussehen mag: Der Beruf stellt hohe psychische und physische Anforderungen an die Bewerber, vor allem an Frauen: Durchsetzungsvermögen bei pöbelnden und manchmal alkoholisierten Fluggästen, lange Wegstrecken (ein Flugbegleiter läuft mehrere Kilometer bei einem Langstreckenflug zusammen) kaum Zeit vor Ort, massiver Jetlag und Arbeitszeiten, die manche niemals hinnehmen würden. Viele sind oft lange Zeit von Ihrem Lebenspartner getrennt.  – Gut aussehen soll man nach fünfzehn Stunden Dauerbelastung schließlich auch noch, um die Passagiere nicht zu verunsichern.

Immer lächeln, immer höflich sein, auch wenn der Gast keine Kinderstube genossen hat oder das Kleinkind die gesamte Kabine zusammenschreit.   … und viele andere Gründe, die oben genannten sind meines Erachtens die relevantesten.

Sicher, auch die Lufthansa hat im Bereich Servicequalität abgebaut. Nicht weil wir das forciert hätten. Sondern weil der Kunde immer weniger bereit ist, für Qualität zu zahlen. So erklärt sich auch die selbstgewählte Leidensfähigkeit von Ryanair- und EasyJet-Kunden. Hauptsache, billig! Deren Flugbegleiter dürfen nicht nur Ihre eigene Ausbildung bezahlen (!), sondern werden auch noch mit weniger als 1000 brutto entlohnt. Zusätzlich dürfen Sie für alles mögliche draufzahlen, was bei anderen Carriern selbstverständlich ist – und sei es nur das Glas Wasser aus der Leitung.

Da ist es doch klar, dass viele Bewerber einen Arbeitgeber schätzen, der Ihnen in unsicheren Zeiten einen (relativ) sicheren Job bietet. Zudem uns Mitarbeitern auch Benefite zugesichert werden, dazu gehören auch vergünstigte Flüge.  Seltsamerweise machen sich viele Passagiere kaum Gedanken, warum man in der Nebensaison bspw. nach New York hin und zurück für unter 500 € fliegen kann.

Dann ist das Geschrei und aufgespielte Entsetzen groß, wenn das Kabinenpersonal berechtigte Forderungen nach fairem Lohn einfordert und streikt. Oder weil Gepäck- und Bodendienste immer mehr privatisiert werden und unqualifiziertes Personal einstellen, was früher die Airlines direkt übernommen haben (bspw. Flughafen Tegel: Bis in die 2000er wurden die Bodendienste durch die Lufthansa-Tochter GlobeGround abgefertigt, bis dies ein privater Anbieter übernahm – das Resultat ist bekannt und kann auch an anderen Flughäfen beobachtet werden…).

Zusammengefasst: Bitte machen Sie, Frau Baurmann, sich klar, dass Sie zu einem privilegierten Berufsfeld gehören. Viele Menschen, die heute in Deutschland eine gute Ausbildung genossen haben und in den Arbeitsmarkt einsteigen, bemerken schnell, dass Ihre „klassische Ausbildung“ nicht mehr viel wert ist. Das haben Sie doch sicher auch gemerkt, als Sie mit verschiedenen Bewerbern in der Schlange standen, oder?

Bankkauffrauen, Wirtschaftspsychologen, Jurastudenten. Das klingt in meinen Ohren nicht nach klassischen Verlierern und Geringqualifizierten des Bildungsprekariats, die durchs Raster fallen.  Fragen Sie sich doch bitte, warum der Beruf für viele Menschen trotzdem bis heute eine solche Faszination ausstrahlt. Kritik ist immer berechtigt, aber Menschen von vornherein zu pauschalisieren, ist sicher unter Ihrem Niveau und dem Ihrer Zeitschrift.  Bitte bedenken Sie auch: Wir alle, gerade aber meine Generation der Anfang / Mitte der 1990er Jahre Geborenen, leben in einer Zeit der totalen Unsicherheit, das merke ich jeden Donnerstag, wenn ich die Zeit aufschlage. Nicht nur die Luftfahrtbranche musste in den letzten Jahren gewaltige Einschnitte, egal ob am Boden oder in der Luft, hinnehmen.

Was in der Generation meiner Eltern noch als „normal“ galt (fester Job bis zur Rente, Beschäftigungssicherheit, kaum oder keine Teilzeitarbeit, kaum Arbeitslosigkeit) ist heute schon die Ausnahme. Ich selbst habe Abitur und Ausbildung (spreche zwei Fremdsprachen fließend) und habe erst nach einem halben Jahr und unzähligen Bewerbungen in das Berufsleben starten können.

Bitte seien Sie Menschen, die nicht dieses Glück haben, gegenüber nicht so herablassend, wie dies der Artikel ausdrückt.  Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben, meine Mail durchzulesen. An dieser Stelle möchte Ich Ihnen auch danken, dass es Ihre Leserbrief-Funktion gibt. Ich freue mich auf die neue ZEIT und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und einen angenehmen Start in die neue Woche.  – Helge Christian Pfeffer


Leserbrief zu „Unter Stümpern“ von Christian Fuchs, Anne Hähnig und Stefan Schirmer

Der Artikel erinnert mich leider weitgehend an die zustimmend zitierte BILD-Zeitung: Empörung anstelle von Information. Meint der Autor ernsthaft, dass der Gefängnisdirektor sich über ein psychologisches Fachgutachten zur Suizidgefahr hinwegsetzen sollte, weil Al-Bakr Klopapier in eine Steckdose gestopft hat? „Politische“ Straftäter sind auch nur Straftäter, aber vor allem bleiben sie Menschen. Auch für sie gelten der Gleichbehandlungsgrundsatz und die unabdingbare (!) Garantie der Menschenwürde. Zum Glück gibt es da keine Sonderbehandlung mehr. Als Richter in Sachsen-Anhalt habe ich große Hochachtung vor dem Justizminister Gemkow, der sich mutig vor seine rechtsstaatlich einwandfrei handelnden Mitarbeiter gestellt hat. – Prof. Dr. jur. Mathias Ulmer


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Das Thema Digitalisierung in der Schule ist zu wichtig, als dass man – wie es Herr Hartung tut – einfach mit 20 Jahre alten Klischees draufhauen und damit den Lehrern den schwarzen Peter zu schieben könnte. Das Problem ist wesentlich differenzierter und der schwarze Peter liegt im Wesentlichen bei der Politik. Zum einen ist es nun mal so, dass dem Schüler digitale Bildung nichts nützt, wenn Wasser durch die Decken tropft oder die Toiletten nicht mehr verfügbar sind-  und das ist bitterste Realität.

Da hilft keine Polemik dagegen. Zum anderen liegt aber eine deutlich spürbare Abneigung gegen Digitalisierung nicht an einer diffusen Angst vor dem Umgang mit dem Computer (wie es Herr Hartung glauben machen möchte) sondern zumeist an sehr konkreten, negativen Erfahrungen mit der Verwendbarkeit digitaler Werkzeuge in der Schule. Ein kleines Beispiel. Ich arbeite sehr gern mit digitalen, interaktiven Whiteboards, weil sie alles können was die Tafel auch kann, aber noch viel mehr.

Leider sind diese Whiteboards in den Klassenzimmern aber immer wieder gestört, weil irgend etwas verstellt ist, die Anmeldung am Rechner nicht funktioniert, Teile defekt sind, usw. Als Informatiker kann ich mir (im Wesentlichen mit privatem Gerät) immer wieder Workarrounds basteln. Ein anderer Kollege kann das nicht; nicht eimal normale Tafelarbeit ist dann mehr möglich. Damit ist doch wohl klar, dass er lieber mit der altmodischen Kreidetafel arbeitet, die funktioniert, als mit einer im Prinzip besseren digitalen Variante, die aber immer wieder ausfällt. Ähnliche Erfahrungen machen Lehrer mit allem digitalen Equipment in den Schulen, insbesondere weil immer die billigsten Angebote angeschafft werden (müssen) und bei der Wartung gespart wird. Da sollte doch dann wohl klar sein, wo das Misstrauen her kommt. Wenn der Rechner im Büro streikt, kann man was anderes machen (oder gar nichts), wenn ein Lehrer vor der Klasse steht, gibt es keine Ausweichmöglichkeit, dann muss unterrichtet werden können. –  Albert Wiedemann, Seminarlehrer für Informatik


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Es wäre sehr schön, wenn zwei Dinge zueinander finden könnten. Die Diskussion rund um die sich seit Beginn der Industrialisierung immer wieder relativ schnell verändernden technischen Rahmenbedingungen und der Zugewinn an Erkenntnissen um die sich nur äusserst langsam verändernden Grundlagen der biologischen Natur des Menschen, z.B. wie er Be-greift.

Mit welchen Mitteln der Geist angeregt wird zu lernen mag sich ändern, aber seine Funktionsweise tut es eher nicht. Deshalb sollten weniger die Mittel im Mittelpunkt der Diskussion stehen, sondern vielmehr die dadurch zu erzielenden Effekte. Wozu soll der PC im Klassenraum genau gut sein?

Integrationshelfer ohne Ausbildung aber WLAN? Vielleicht wären Ergotherapeuten zumindest an Kindergärten und Grundschulen viel hilfreicher.

Ob Kreide oder Digi-Pen ist letztlich egal, wichtig ist was in den Köpfen der Kinder ankommt.

Aus Informationen wird erst durch den Kontext Wissen. Wenn man nichts auswendig im Kopf behalten muss, der Kontext also fehlt – dann müsste eigentlich trotz zunehmender Information leider das Wissen abnehmen, oder?

Wissen ist sehr flüchtig, als Schüler muss ich aufpassen um etwas mitzubekommen – was kann das besser verdeutlichen: Eine ausgewischte Tafel oder ein Tafelbild per mail als PDF?

Auch wäre eine strickte wissenschaftliche Evaluierung der eingesetzten Mittel sehr wünschenswert.

Also gründlich deutsch: Methode bestimmen, Pilotschule aussuchen, Vorher untersuchen, Änderung durchführen, Evaluation und schließlich den tatsächlichen Effekt mit den Erwartungen abgleichen und Aufwand gegen Nutzen abwägen. Daraus erhält man dann eine Blaupause die man diskutieren kann.

Das dauert lange? Gemessen an der Evolution oder an Quartalsbilanzen

Ich fände es einen schönen Nebeneffekt wenn nicht jeder neue Bildungsminister eine neue Sau durch´s Dorf triebe. – Sebastian Fontaine


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Wofür steht eigentlich das „frei“ im Freihandel? Frei von Zollschranken? ok, wenn dadurch wirklich mehr Wachstum und damit Steuern generiert werden, denn warum sollte der Staat drauflegen? Frei von Steuern (siehe diverse Modelle zur „Optimierung“)? kann man drüber streiten. Frei von Normen (DIN etc.)? hm … Frei von Sicherheitsstandards? hm, hm … Frei von Umweltvorschriften? auf Kosten der Allmende und zu wessen (langfristigem) Nutzen? Frei von legislativer Kontrolle? wäre ja noch schöner! Frei von politischer Kontrolle? Die Demokratie ist eine Errungenschaft für die mal gestorben wurde.

Die Freiheit des einen endet dort wie die des anderen beginnt. Das gilt insbesondere auch für den Freien Handel. Es gibt Werte die will ich nicht (ver-)handeln. Globale Standards schaffen zu wollen ist ja an sich eine gute Idee, das funktioniert aber auch in vielen kleinen Schritten. Um aufeinander zuzugehen bedarf es keiner internationaler Verträge die das zukünftige Handeln einer durch den Souverän bestimmten Regierung schon heute binden und dessen Freiheit limitieren. Man kann auch international Rechts- Steuer- Zoll- und andere Systeme aufeinander abstimmen ohne derartige Abkommen. Ach man sieht an Europa wie schwer das ist? Ok, und warum sollte es dann global einfacher werden? Oder besser akzeptiert werden, nur weil es in Hinterzimmern undurchsichtig in einer fremden Sprache ausgehandelt wird? Es gibt keine Abkürzung um dicke Bretter zu bohren! –  Sebastian Fontaine 


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Wie kann es sein, dass es „Keine Angst vor dem Computer!“ auf die Titelseite der Zeit von dieser Woche geschafft hat.  Allerdings hatte ich, als diese Woche die Meldung durch die Medien ging, dass Lehrerverbände 5 Milliarden Euro lieber auf die Sanierung von Toiletten und Klassenräumen als auf schnelles WLAN verwendet sähen, Ähnliches schon befürchtet. Wahrscheinlich sind Lehrerverbände einfach zu bescheiden, denn sonst hätte ihre Forderung lauten müssen: 5 Milliarden für  die Gebäudesanierung UND 5 Milliarden für schnelles WLAN UND 5 Milliarden für Manpower.
Ich habe den Luxus, an einer technisch bestens ausgerüsteten Schule zu arbeiten:  bei weitem das Beste an unserer technischen Ausstattung ist aber ein Mensch, nämlich unser technischer Assistent, der Smartboards, Beamerwagen und  sämtliche Rechner ständig am Laufen hält – und das für ein eher mageres Salär; also gerne 5 Milliarden für WLAN  und Computer aber bitte nicht ohne 5 Milliarden für Personal.

Meine Schule ist nicht nur im technischen, sondern auch im sanitären Bereich bestens ausgestattet und ihr Mitarbeiter sitzt vermutlich in einem mollig warmen und gepflegten Büro, trotzdem sollte es ihm nicht schwerfallen sich vorzustellen, dass Tische und Stühle, funktionierende sanitäre Einrichtungen und  im Winter auch die Heizung Voraussetzung dafür sind, dass Kinder gerne und erfolgreich lernen. Also erst 5 Milliarden für Klos und Klassenräume und dann 5 Milliarden für WLAN und Computer.
„So viel wie derzeit hat sich selten in Schulen verändert“ –  falsch, in Schulen verändert sich immer ganz viel – jedenfalls gilt das uneingeschränkt für meine fast 15-jährige Dienstzeit – da Schulen die Reparaturwerkstatt unserer Gesellschaft sind, die notgedrungen immer etwas hinterher hinken, deswegen geht Lehrerschelte ja auch immer.

Aber ja, die Digitalisierungsdebatte findet statt, allerdings viel unaufgeregter als Herr Hartung es vermutet und auch nicht im Schwarzweiß von Digitalfans und digitalen Analphabeten oder Computer versus Kreide, sondern in der gemeinsamen Suche auf die Antwort nach der Frage, wie es uns gelingen kann, angesichts der fortschreitenden Digitalisierung und gerne mit Hilfe des Computers unsere Kinder zu gesunden, starken, selbstbestimmten, aufgeklärten und mündigen Erwachsenen erziehen können. Lehrer  (junge wie alte) betrachten die Digitalisierung und ihre Folgen für die junge Generation  bisweilen skeptisch, aber Angst vor dem Computer – warum denn? – Dr. Cathrin Boerckel


Leserbrief zu „Sind private Hochschulen die offeneren Unis ?“ von Jan-Martin Wiarda

Das ist kaum vorstellbar,Studies aus bildungsfernen Elternhäusern zieht es auf die Privaten Hochschulen? Man darf wohl sagen,im Schnitt ist in bildungsfernen Familien Geld nicht im Überfluss vorhanden.Trotzdem verlangt es dem Nachwuchs  nach einer Privat-Uni.Wobei die Eltern wahrscheinlich noch nicht einmal wissen,was der Unterschied zwischen einer Staatlichen und einer Privaten ist,ausser dass die Private heftig Kohle kostet und die Staatliche umsonst ist.Wissen die sogenannten Aufsteiger eigentlich ,was sie ihren Eltern antun? Zudem bekommt man den Eindruck, Privat-Studies fürchten sich vor den Staats-Unis, weil da angeblich überwiegend Akademikerkinder herumlaufen,die besonders verhätschelt werden.Oder sind es die restaurativen Unsitten vieler Privat-Unis ,die soviel Anziehungskraft ausüben mit ihrem karnevalesken Talaren und Teller-Hütchen-Werfen zum bestandenen Examen ? – Hans-Emil Schuster          


Leserbrief zu „Unter Stümpern“ von Christian Fuchs, Anne Hähnig und Stefan Schirmer

Besten Dank für Ihre aussagekräftigen und hilfreichen Beiträge zur desolaten Situation in Sachsen, für die ich als Bürger dieses Bundeslandes Scham und Schuld empfinde. Scham für die Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit der sächsischen Bevölkerung wie für die Eigenschaften von „Selbstgefälligkeit, Dilettantismus und Naivität“ der verantwortlichen Politiker – Schuld, da dieses eine Bundesland das Bild Deutschlands in der Welt nachhaltig beschädigt. Bitte lassen Sie in Ihren Recherchen nicht nach, damit bei den Sächsinnen und Sachsen endlich ein demokratiegeleiteter Entwicklungsprozess einsetzt! – Wilfried Kunz     


Leserbrief zu „Hallo, hörst du mich?“ von Yascha Mounk

Als ehemalige Studentin an der LMU München mit den Abschlüssen Staatsexamen (Deutsch, Französisch), Magister (Kunstgeschichte, Spanisch, Philosophie), Doktor phil. (Kunstgeschichte, Spanisch) in den 70er  Jahren  bzw. von 2003 bis 2015 erlaube ich mir, Herrn Mounks negativem Urteil über deutsche Universitäten zu widersprechen. Er bezieht sich nur auf Vorlesungen, die in der Tat traditionell frontal von den Professoren gehalten werden. In meinen Disziplinen waren sie immer dann eine Bereicherung, wenn Inhalt und Aufbau  auf einer originellen Idee des Vortragenden beruhten, die in keinem Buch nachzulesen gewesen wären. Davon abgesehen, findet eine Interaktion von Professor und Studenten in den Seminaren mit ca. 20 Teilnehmern in Form von Diskussionen, Referaten und  individuellen schriftlichen Themenbearbeitungen statt. Die Vorlesungsverzeichnisse der Unis lassen thematisch und quantitativ erkennen, dass Seminare die Träger des Studiums sind und nicht die Vorlesungen. Seminare an den großen Universitäten scheint Herr Mounk aber nicht besucht zu haben, denn darüber verliert er kein Wort. Es ist auch unfair,  Eliteuniversitäten wie Cambridge, Harvard oder Stanford mit  unerschöpflichen finanziellen Mitteln und strengen Ausleseverfahren mit deutschen Massenuniversitäten wie München, Berlin, Heidelberg zu vergleichen, ohne die erfolgreichen Förderprogramme der sogenannten Exzellenzinitiative zu berücksichtigen, die Bund und Länder Deutschlands zur Förderung von Wissenschaft und Forschung seit 2005/06 anbieten. – Dr. Regina Gade


Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Und schon wieder – prominent auf der Titelseite – dasselbe undifferenzierte Bashing gegen alle TTIP-Gegner!  Sie schreiben wörtlich: „Doch eines haben sie gemeinsam (Anm.: „Stoppt TTIP!“, u.a.): Von der Globalisierung und ihrem Kern, dem Freihandel, fühlen sie sich bedroht.“

Sie (die ZEIT) machen mich also schon wieder zum Globalisierungsgegner! Schlimmer noch, Sie versuchen zum wiederholten Mal, mich in die Populisten-Ecke zu rücken, dieses Mal in die Ecke der Brexit-Befürworter und derjenigen Amerikaner, die sich die fünfziger Jahre zurückwünschen.  Ich weiß nicht, wie Sie auf diese abenteuerlichen Gedankenschlüsse kommen. Ich weise diese erneut entschieden zurück und verweise dazu noch einmal auf die grobe Skizze meiner Einstellungen zu den wesentlichen, aktuell diskutierten Themen. Sie können diese der beigefügten Mail entnehmen, die ich Ihnen (der ZEIT) vor knapp drei Wochen gesendet habe. Noch einmal: Nein, von einem fairen Freihandel fühle ich mich nicht bedroht!  Diskutieren Sie eigentlich die Leserbriefe in Ihren Konferenzen oder kann ich mir den Zeitaufwand künftig sparen, einen Leserbrief zu verfassen? Vielleicht bekomme ich wenigstens auf diese Frage eine kurze Antwort?

Ist Ihnen schon einmal der Gedanke gekommen, dass Sie (die ZEIT) den Hass, von dem Sie sprechen, selbst schüren, indem Sie in Ihrer Zeitung die vielen sehr sachlichen und fundierten Argumente, die gegen TTIP in der derzeitigen Fassung sprechen, fast völlig unterschlagen und stattdessen alle unbequemen Argumente und Ansichten immer wieder pauschal zum Populismus abwerten und alles über einen Kamm scheren? Einen solchen Artikel zu schreiben erfordert natürlich wesentlich weniger Aufwand als eine neutrale Bewertung auf der Basis einer sauberen Quellen-Recherche.

Zum Beispiel: – Wann kann ich in der ZEIT einen Artikel lesen, der die Frage behandelt, wie in einer modernen Internet-Gesellschaft des 21. Jahrhunderts solche Verträge wie TTIP offen und fair entwickelt werden könnten und sollten? – Wann kann ich in der ZEIT Artikel lesen, die die von beiden Seiten (von Befürwortern und Gegnern) immer nur in Form von Schlagworten vorgebrachten Argumente (z.B. bezüglich der kommunalen Grundversorgung, der Kultur-Subventionen, dem Sonderthema Buchpreisbindung, u.s.w.) neutral und differenziert aufarbeiten?

Kann man diese Themen nicht – besonders auch unter Einbeziehung von Original-Vertragstexten – nachvollziehbar machen? – Wann kann ich in der ZEIT einen Artikel lesen, der sich damit auseinandersetzt, dass die USA sich jeder Zusammenarbeit in internationalen Gerichtshöfen verweigern? Oder ist diese Frage zu stellen schon Anti-Amerikanismus?  Beachten Sie bitte auch, dass die TTIP-Gegner keine sektiererische Splittergruppe sind, sondern – zumindest in Deutschland – eine deutliche Mehrheit bilden. Auch davon nichts in Ihrem Artikel.   Vielleicht habe ich ja Glück und hoffe dieses Mal nicht vergeblich auf eine Antwort.   –   Jürgen Euteneuer


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Ich hab heute den Artikel „Keine Angst vor dem Computer!“, der in der ZEIT-Ausgabe vom 20. Oktober 2016 erschien, gelesen und ich denke nicht, dass der Autor Manuel J. Hartung die Problematik ausreichend erfasst hat.

Ich gehöre zu der Generation, die in der 5. Klasse war, als Smartphones aufkamen. Ich sitze heute in der Schule und schaue meinen Lehrern dabei zu, wie sie lernen das Smartboard zu verstehen.

Ich verstehe seine Ansicht, dass die Lehrerverbände das Geld doch annehmen sollen, solange es ihnen angeboten wird. Die Sicht eines Materialisten. Die Lehrer lehnen das Geld ab und können wichtigere Dinge fordern, weil sie durch die Öffentlichkeit geschützt sind. Das Bildungsministerium kann daraufhin nicht antworten: „Na dann halt nicht. Wenn ihr das Geld nicht wollt, dann ist es euer Pech!“. Hartung sieht die Dinge nur aus seiner eigeschränkten Sicht. Auch deswegen interpretiert er die ablehnende Haltung nicht als Einstufung der Wichtigkeit sondern als digitale Bildungsangst.  Ich weiß, wovon ich spreche, wenn ich für saubere Toiletten und sanierte Klassenzimmer plädiere. Ich gehe in die 11. Klasse eines Gymnasiums, das im Bezirk Zehlendorf liegt. Wir haben ein altes Gebäude. In den Wochenenden vor den Osterferien funktionierten einige Tage die Heizungen. Zudem sind die Fenster nicht richtig isoliert. Wir saßen mit Winterjacken in den Räumen. Unsere Toiletten sind beschmiert, der Wasserstrahl ist hart und kalt. Ich bin also sehr wohl der Meinung, dass sanierte Toiletten und Räume sind wichtiger als WLAN und Computer.

Wenn wir die Tatsache außer Acht lassen, dass die 5 Milliarde Euro für WLAN und Computer nicht der richtige Anlass ist, um über digitale Bildungsangst zu schreiben, bleiben noch Hartungs angeführten Ursachen.

Beginne wir mit der ersten: Verunsicherung vor den digitalen Möglichkeiten. Nachvollziehbarre Reaktion. Ein gutes Argument. Doch zu oberflächlich. An meiner Schule haben wir in jedem Klassenzimmer, ausgenommen der Kunstraum, Smartboards. Daneben hängt immer ein Whiteboard. Lehrer können wählen, welche Form sie benutzen. Viele Lehrer kommen gut mit den Smartboards zu recht.

Bei seiner zweiten Ursache gibt er lediglich zwei sehr verschiedene Meinungen zur digitalen Bildungsangst wider. Ohne die Meinungen näher zu erläutern.

Der dritten Ursache stimme ich zu. Wie können wir mit intelligenten Robotern umgehen? Wie Kinder und Jugendliche dafür sensibilisieren? Doch nicht nur die Lehrer, die eine Generation entscheidend mit prägen können, sollten sich diese Frage stellen. Auch alle anderen. Wie gehen wir mit künstlicher Intelligenz um? Wollen wir sie? Was sind die Konsequenzen? Und wann wird es möglicherweise außer Kontrolle geraten?

Und die letzte Ursache: die Zukunft. Entscheidend wenn man über Veränderungen nachdenkt. „Ist bald jeder, der nicht programmieren kann, ein Analphabet?“ fragt Hartung. Mit dieser Frage gibt er zu erkennen, dass er nicht viel vom Programmieren weiß. Ich habe 2 Jahre C in der Schule programmiert. Jetzt mach ich Datenbank, teilweise programmieren wir auch. Es gibt unterschiedliche Formen des Programmierens und verschiedene Programmiersprachen. Seine Frage ist zu pauschal gestellt, um sie zu beantworten. Aber es kann auch in der Zukunft nicht nur noch Programmierer geben. Es muss auch Menschen geben, die die Robotern erzeugte Bequemlichkeit nutzen.

Auch auf Hartungs zweite Frage („Soll man die humanistische Bildung bewahren, damit etwas bleibt, wie es ist, weil die Weltbeschleunigung sonst alles ändert?“) ist es notwendig zuerst mit Gegenfragen zu reagieren. Was ist die humanistische Bildung? Kreide? Tafel? Roboter statt Menschen? Ich wäre dankbar, wenn sie es mir beantworten. Zudem kann nichts bleiben, wie es ist. Der Mensch ist ein Wesen, das weiter will. Immer weiter versuchen, wir zu erkunden, warum etwas genau so ist oder wie es in der Zukunft sein wird.

Bei dem letzten Absatz habe ich geschmunzelt. Drittklässler im Saarland erlangen Weitblick durch Programmieren? Ich frage mich ernsthaft, was Drittklässler den Programmieren wollen. Und was soll der Weitblick?

Außerdem frage ich mich, ob es so etwas wie Digitalverweigere überhaupt in unserer Gesellschaft gibt. Besitzt nicht fast jeder einen Fernseher und Internetanschluss?

Zusammenfassend ist der Artikel zu kurz und das Thema zu groß. In so wenigen Zeichen kann man die digitale Bildungsangst an Schulen nicht von verschiedenen Seiten beleuchten. Hartung unterstützt das von Vorurteilen geprägte Lehrerbild, die nichts Neues lernen wollen und ihr Geld eh vom Staat bekommen. Heraus kommt die vorgefertigte realitätsferne Meinung eines Journalisten, der nicht ausreichend Experten einbezogen hat. – Lilly Grünmüller (17 Jahre)


Leserbrief zu „Germany’s Next Saftschubse“ von Jana Gioia Baurmann

Ganz schön kühn,was ZEIT-Redakteurin Jana Gioia Baumann sich da geleistet hat.Sich wallraffig bei der Lufthansa einschleichen,um an einem casting für „Saftschubsen“ teilzunehmen.Nun muss sich zeigen,wieviel Humor man bei Lufthansa hat.Ob Frau Baumann je wieder einer Bordkarte für würdig geachtet wird. Oh’je ,und wie politisch korrekt ist „Saftschubse“? – Hans-Emil Schuster 


Leserbrief zu Titelthema „Noch leben wir!“

Sehr geehrte Redaktion !  Gespraeche sind immer gut. Aber bleiben wir mal bei den Tatsachen. Nicht die Amerikaner , nicht die Franzosen und schon gar nicht wir Deutschen haben die Hauptarbeit im Kampf gegen den I.S. geleistet , sondern das russische Militaer mit Unterstuetzung der Peschmerga und der Kurden. Und russische Luftschlaege wurden sogar mit den Israelis kommuniziert. Und Putins Kampfjets haben auch das Recht , islamistische sogenannte Rebellen in Aleppo anzugreifen. Die Zivilbevoelkerung dort glaubt wohl immer noch , dass “ Allahs Krieger “ ihnen das Heil bringen. Nein , auch die Medien bei uns sollten die Fakten zur Kenntnis nehmen. Unter Assad lebten die Syrer in Frieden. Das “ Krebsgeschwuer Islamismus “ bringt den Menschen im Nahen Osten nur Zerstoerung und die “ Hoelle auf Erden „. In mehreren Jahren beruflicher Taetigkeit im Nahen Osten durfte ich viele Moslems kennenlernen , die eine islamistische Terror-Herrschaft nicht verdient haben.  Ich verneige mich vor den russischen Militaers , die schon mal vor Jahrzehnten Deutschland vom “ Krebsgeschwuer Nazi-Terror “ befreiten. – Erwin Chudaska    


  Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Hat es nicht Artikel in der Zeit gegeben, die sich mit den katastrophalen baulichen Zuständen an den Schulen beschäftigen? Hat es nicht Artikel gegeben, die die Auswirkungen permanent neuer, stets zusätzlicher Aufgaben auf Schulen und Lehrer beschreiben?

 Wie ist es da möglich, daß Herr Hartung außer dem ängstlichen Lehrer keinen Ablehnungsgrund finden kann?  Kann es nicht vielleicht sein, daß Lehrer mit immer neuen Aufgaben, mit Inklusion, geänderten Lehrplänen, Umstellungen zu Ganztagsschulen und G8 schon genug zu tun haben? Wie kann man erwarten, daß sie sich über die nächste, natürlich wieder zusätzliche, Aufgabe auch noch freuen sollen?

 Und natürlich darf man sich fragen, ob 5 Mrd. Euro unbedingt in Dinge investiert werden sollen, die in 3 Jahren schon wieder völlig veraltet sind. Hat schon jemand geklärt, wie Reparaturen und Ersatz finanziert werden sollen? Viele der früher hoch gehypte Smartboards stehen ungenutzt rum, weil sie ständig ausfallen oder gar nicht mehr repariert werden können. Heute Fortschritt, morgen Ballast. Wenigstens gibts für die Politik ein paar schöne Pressemitteilungen, und dafür kann man ja gar nicht genug Geld ausgeben.

PS: „agile“ ist nur eine weitere Grusel-Ideologie. Manager haben oft eine ungesunde Neigung dazu, aus einem Erfolg gleich eine „Methode“ zu machen, so als ob sie damit ein Patentrezept für alles und jedes hätten. – Matthias Ferdinand


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Mich wundert, dass Sie den Aufschrei der Lehrerverbände („Man möge mit dem Geld lieber Schulklos und Klassenzimmer sanieren“) als Ausdruck digitaler Bildungsangst interpretiert haben. Denn sie, die Lehrer, haben wirklich recht!

Gerade als „Macher“ der Zeit sollten Sie sich noch gut an die Ergebnisse der Zeit-Umfrage „Marode Schulen: Unterricht in Ruinen -Wie vergammelt sind deutsche Schulen?“ im letzten Jahr erinnern, die zutage gebracht hat, wie schlecht es um Deutschlands Schulen steht: Zitat: „Dort, wo die Grundlage für den Wohlstand von morgen gelegt wird, gleicht Deutschland einer Bildungsbaracke.“

Im „DigitalPakt#D“-Projekt von Frau Wanka verflichten sich im Gegenzug die zuständigen Bundesländer dazu, die Lehrer dafür auszubilden und sich um Wartung und Betrieb zu kümmern.

Wer die Schulversuche der letzten Jahre kennt (in Berlin z.B. die Einschulung aller Kinder, die bis zum Stichtag 31.Dezember 6 Jahre alt werden), ahnt, dass letztendlich dann doch immer nur am Geld gespart werden soll. Da wird dann neben dem tollen WLAN und die neuen Computer kein Geld für das betreuende IT-Fachpersonal mehr übrig sein.

Ihre Freude über das Projekt, dass alle Drittklässler im Saarland ab Frühling 2017 mit einem Minicomputer programmieren lernen sollen, kann ich leider auch nicht teilen. Generell ist die Idee mit einem Minicomputer gut – allerdings erst in den oberen Klassen, wenn auch das generelle Funktionieren dahinter verstanden werden kann. – Brigitta Halbauer


Leserbrief zu „Unter Stümpern“ von Christian Fuchs, Anne Hähnig und Stefan Schirmer

Das ZEIT-Dossier enthält zum Suizid des Häftlings Jaber Al-Bakr kaum Informationen, die eine Skandalisierung begründen könnten.

Dass der Anstaltsleiter  und die begutachtende Psychologin die Gefahr offenbar unterschätzt haben, war ein folgenreicher Fehler. Da gibt es sicher nichts zu beschönigen.

Nötig zur Bewertung wäre aber ein Vergleich mit anderen Fällen gewesen. Eine Einschätzung von Profis. Gibt es etwa Standards für solche Top-Gefangene, gegen die hier verstoßen wurde? Nichts von alledem in der ZEIT.

Statt dessen blumiger Text zur Befindlichkeit der Sächsischen Behörden. Ja, eine Häufung von Fehlern dort fällt auf – das wusste der informierte Leser aber auch schon vorher! – Wolfgang Strowik


Leserbrief zu „Die Entgiftung des Parlaments“ von Miriam Lau

Selbstverständlich kann sich kein überzeugter Demokrat, ganz gleich welcher politischen Coleur, die „amerikanischen (Wahl-)Verhältnisse“ in deutschen Parlamenten wünschen.

Wut und Hass sind in der Politik nicht nur ausgesprochen schlechte, Zeit- und Steuergelder verschwendende Ratgeber, die negative Vorbildfunktion eines unzivilisierten und respektlosen Umgangs der Volksvertreter untereinander führt zudem zweifellos zur Verstärkung gesellschaftlicher Differenzen und radikaler Randgruppen.

Wer unsere freiheitlich demokratische Grundordnung ernst nimmt, weil er sie – spätestens beim Blick über den nationalen Tellerrand hinaus – zu schätzen weiß, dürfte hocherfreut sein über den politischen Stil-Deal der Berliner Regierungsfraktionen.

Und über Mariam Laus dementsprechende Beobachtungen.  – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Das Leiden der anderen“ von Adam Soboczynski

Ich möchte Adam Soboczynski keinen Neid unterstellen – immerhin ist auch er mehrfacher Preisträger als Autor einiger Bücher. Jedoch kann ich mich des Eindrucks kaum erwehren, dass hier (in seiner Rezension des Carolin Emcke Buchs) ein gewissen Maß an Missgunst mitschwingt. Das finde ich sehr schade – wenn man seine Biographie und ihre vergleicht, lässt sich da eventuell männlich-katholische Skepsis vor linker bekenneder (und erfolgreicher) Lesbe vermuten.

Zu seiner Argumentation – warum ein Appell an die Grundwerte einer liberalen, offenen Gesellschaft, an das Erinnern an wahrhaftige Toleranz und die Kapazität zu Mitgefühl hier fast schon belächelt wird

(‚Sozialkundeunterricht‘!) und pauschal als ungenügend für gesellschaftliche Erneuerung abgetan wird, ist mir schleierhaft. Sind es nicht gerade diese Empathie und Akzeptanz, die die Wurzel des christlichen Humanismus darstellen und an die sich unsere Gesellschaft sehr wohl intensiv zurückerinnern sollte? Natürlich werden solche Anliegen in sozialen Brennpunkten und bei ‚mental verwahrlosten’Ostdeutschen kein Gehör finden, aber sie sind durchaus ein dringender Mahnruf an den Teil der Gesellschaft, der zu reflektierenden Gedanken fähig ist, der die Medienlandschaft bevölkert, die Politik bestimmt und den öffentlichen Diskurs beherrscht.

Dass in einem solchen Aufruf keine weiterführenden Rezepte zur Lösung der gesellschaftlichen Herausforderungen ausgeführt werden ist selbstverständlich – das wären dann die nächsten Schritte, die wir als Gesellschaft gemeinsam gehen müssen. Warum nicht Berlin oder auch New York als funktionierendes Vorbild nehmen? –  Barbara Bonham


Leserbrief zu „Unter Stümpern“ von Christian Fuchs, Anne Hähnig und Stefan Schirmer

In ihrem Artikel „Unter Stümpern“ (DIE ZEIT Nr. 44) schleicht sich ein Tonfall ein, der mir zeigt, wie Journalisten in eine shitstormgesteuerte Art des Schreibens hinübergleiten können. Da wird subtil unterstellend der murmelnde Tonfall des Politikers in Richtung seiner Unfähigkeit psychologisiert, die Beschreibung des Büros unterschwellig mit der Hybris in Verbindung gebracht und aus dem Lebenslauf oder Körperhaltung herausgepickt, was sich zu Ungunsten des Betreffenden interpretieren lässt.

Hier fehlt die Würde!

Selbst wenn Journalisten sachlich Recht haben, gebe ich zu bedenken: „Der Mensch ist zwar unheilig genug, aber die Menschlichkeit der Person muss ihm heilig sein“. – Immanuel Kant. – Antonia Bobinger


Leserbrief zu „Das Leiden der anderen“ von Adam Soboczynski

Immerzu die Klagen über „Hass“! Meist sind öffentliche Beschimpfungen gemeint. Es ist aber falsch, Verbalaggressionen grundsätzlich als Hassäußerungen zu sehen. Oft handelt es sich vorrangig um Geprahle oder Nachplappern markanter Phrasen, verbunden mit Spaß an knalligen Grobianismen. Etwa in Hasser-Büchern und -Websites, die jedoch bloß unterhalten sollen und mit Hass nichts zu tun haben. Nicht wenigen der angeblichen „Hater“ geht es darum, im Gequake der Zigmillionen überhaupt wahrgenommen zu werden. Richtig und wichtig ist: Die Gewaltkriminalität sinkt in Deutschland seit etwa 10 Jahren, und jene raunenden Mahner bzw. Mahnerinnen, die unermüdlich vor den „Hassrednern“, vor allem des bösen Internets, warnen und damit ihr Geschäft betreiben, haben dieses Medium offensichtlich nicht begriffen. Da die Zahl der durchsuchbaren WWW-Seiten sich innerhalb einer Dekade vertausendfacht (1000!) hat, ist logischerweise auch dieser Bereich stark angestiegen. Außerdem erreicht der Nutzer auf diese Weise private (!) Äußerungen anderer. Plötzlich – das ist eine völlig neue Qualität! – können wir Meinungen von Vollidioten, von Andersdenkenden und Feinden punktgenau auffinden. Wer das nicht aushält, sollte vielleicht ganz auf das Internet verzichten. – Herbert Pfeiffer


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Ihr Artikel vom 20.10.2016 hat mich einigermaßen aus der Fassung gebracht. Sie scheinen Bildung und Information für gleichrangig zu halten, was ein fataler  Irrtum ist. Durch Informationen entsteht absolut keine Bildung, die braucht ganz andere Quellen.    Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen, zitiere ich Theodore Roszak aus seinem Buch „Der Verlust des Denkens“ Über die Mythen des Computer-Zeitalters:    Auf Seite 135 steht folgender Satz wie eine Zusammenfassung: Der Geist denkt in Ideen, nicht in Informationen. – Diesen Satz sollten Sie verinnerlichen, statt der  Bildungsministerin Johanna Wanka eine Stütze zu sein, die offensichtlich ungetrübt vom pädagogischen Alltag ist. – Wiltrud Laue


Leserbrief zu „Der Zug ist  abgefahren“ von Catarina Lobenstein

Dies ist ein herzliches Dankeschön für Ihren Artikel in Sachen „ICE von Nord nach Süd“ ohne Halt in Jena und Weimar, den zwei wichtigsten Zentren in Thüringen – und damit ganz Mitteldeutschlands – für Industrie, Studium und  Kultur. Unsere Wut und Enttäuschung über diese kostspielige Fehlplanung, die sich aber angeblich nicht mehr korrigieren lässt, haben Sie sehr gut recherchiert; denn auch die Eingriffe in die gewachsene Natur sowohl im Thüringer Wald wie auch im Mitteldeutschen Trockengebiet sind gravierend und nicht mehr zu korrigieren.
Mir will auch nicht einleuchten, warum man unbedingt einige Minuten eher von Berlin in München sein muss als bisher. Dies ist einfach Größenwahn und misslungene Selbstdarstellung der Institution Bahn. Eine traurige Bilanz, an der unsere wohl zu späten und nicht mit genügend kompetenter Unterstützung vorgebrachten Beschwerden nun wohl nichts mehr ändern werden.

Aber es war gut, dass Sie den Finger nochmals in die Wunde gelegt haben. Danke! – Johanna Schlüter


Hier ein Versuch:
Digitales Wissen kann als vermutlich vorwiegend Ingenieurswissen von der Konstruktion von Schaltkreisen auf Prozessoren bis zum Entwickeln von Programen oder gar von Programmiersprachen verstanden werden.

Digitale Fertigkeiten wären die Kenntnisse, mit denen das digitale Wissen angewendet werden kann. Wobei nicht jeder, der ein WordPress Stylesheet modifizieren kann, auch wissen muss, warum seine Eingabe ein Erscheinungsbild verändert.

Digitale Bildung wäre die Fähigkeit, auf ethischen bzw. moralsichen Werten gegründet darüber zu reflektieren, wie die Entwicklung digitalen Wissens unter dem Einsatz digitaler Fertigkeiten die eigene Person, ein Umfeld, ein Gemeinwesen, die Gesellschaft oder gar die Menschheit beeinflussen.
Digitale Bildung in diesem Sinne könnte z.B. beitragen, den kriminellen Einsatz digitalen Wiss

ns zumindest zu behindern, indem Einzelnen Skrupel kämen, ihre Fertigkeiten hierfür einzusetzen. Digital gebildete Mitarbeiter hätten z.B. helfen können, von der deutschen Wirtschaft, von Unternehmen wie Volkswagen, Bosch und Deutsche Bank, großen Schaden abzuwenden.

Die in Ihrem Artikel angedeutete Substitution humanistischer durch digitale Bildung wäre nach dieser Skizze widersinnig, weil die humanistische Bildung  die Grundlagen einer Beschäftigung mit Ethik und Moral vermittelt und somit auch für die digitale Bildung essentiell ist.

Ein vier Milliarden Euro schweres Konjunkturprogramm füt Computerhersteller schafft eher Fertigkeiten als Bildung. Möglicherweise ist das auch gewollt. Bleiben die Fragen, warum das Ziel, Fertigkeiten zu vermitteln als Bildung verkauft wird und warum Die Zeit sich zur Verkäuferin dieser Umwertung macht. – Peter Schmitz   


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Nun ist also eine der letzten Bastionen des Humanismus der Tirade zum Opfer gefallen. Auch DIE ZEIT bedient sich neuerdings einer Rhetorik, die man eher in anderen Gazetten erwartet hätte. Was sich Herr Hartung auf der ersten Seite der ZEIT geliefert hat, zeugt nicht nur von schlecht recherchiertem Journalismus, sondern sein oberlehrerhafter Ton lohnt sich, dass er zusammen mit Schülerinnen und Schülern im Deutschunterricht einer eingehend sprachlich-stilistischen Analyse unterzogen wird. Was für eine schöne Unterrichtstunde, zusammen mit Schülerinnen und Schülern die Plattitüden über die vermeintliche digitale Bildungsangst der Lehrer zu entlarven, die Herr Hartung ja für zu dumm hält, ihr eigenes Handy zu bedienen. Das zeugt nicht nur von grenzenloser Arroganz, sondern lässt sich auch als ein Beispiel für fatale Hybris hernehmen. Denn, wenn Herr Hartung in der Schule aufgepasst hat, weiß er ja, dass diese bekanntlich tragisch endet. Kein geringerer als Johann Wolfgang von Goethe selbst, hat in seinem Faust vor den fatalen Folgen der Weltbeschleunigung gewarnt. Das können Sie auf Ihrem eReader noch einmal nachlesen.  Aber was bedeutet der faustische Pakt heute vor dem Hintergrund einer rasant fortschreitenden Digitalisierung? Und das in einer Zeit, in der Fausts Versuche, die Grenzen der Menschheit zu überwinden so real wie nie zuvor erscheinen? Als ein Beispiel sind hier die hoffentlich noch lange Fiktion bleibenden Ideen der Transhumanisten zu nennen (auch die ZEIT hat mehrfach berichtet). Forschungen, die scheinbar ohne die tiefen Zweifel Fausts auskommen. Sollte man die Schülerinnen und Schüler nicht zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den neuen Technologien anleiten, indem man die Vorteile aber auch die Gefahren dieser hinterfragt? Das, lieber Herr Hartung versteht man in Fachkreisen als Aneignung von Welt. Mit oder ohne virtuos eingesetzter Lerntechnologie, sie nimmt unseren Schülern schlussendlich das eigenständige und auch differenzierte Denken nicht ab.

Dr. Anke Stemmer-Rathenberg, Lehrerin, beherrscht das digitale Klassenzimmer, setzt es aber aus oben genannten Gründen nicht immer ein.

Hat Herr Hartung schon einmal eine Schule der Lehrer, die er kritisiert und die zu recht fordern, Schulklos uns Klassenzimmer zu sanieren, von innen gesehen? Und was bitte hat Digitalisierung mit Bildung zu tun? In der Bildung geht es um die Vermittlung von Inhalten und Kompetenzen. Und genau das bleibt durch den Digitalisierungshype leider allzu oft auf der Strecke. Der Grund dafür ist banal: die Technik raubt wertvolle Lernzeit, weil sie dann, wenn man sie braucht, nicht funktioniert, gerade Updates durchführt oder einfach umständliche Einstellungen zu Beginn der Unterrichtsstunde einfordert. Selbstverständlich muss der Bildungskanon die digitale Kompetenz umfassen, aber auch den kritischen Umgang damit! Dafür gibt es genau ein Fach, übrigens schon seit Jahrzehnten: Informatik. Die (Kern-) Kompetenz des Programmierens muss vermittelt werden, keine Frage. Aber genauso, wie im Fach Physik kein Schüler einen modernen Automotor optimieren oder konstruieren können muss – wir akzeptieren übrigens alle, dass das Auto in die Werkstatt kommt, wenn es nicht funktioniert – bringt es keinen Schüler und auch die Schule insgesamt nicht weiter, jedes Fach einer Zwangsdigitalisierung zu unterziehen. Herr Hartung, bitte berücksichtigen Sie, dass Digitalisierung und Technik dem Menschen dienen muss (nicht umgekehrt) und es in der Schule nicht immer und an jeder Stelle sinnvoll ist, sich diesem vermeintlichen Diktat unterzuordnen. Einzig Silicon Valley, Appel und Co profitieren von den paar Milliarden Euro. Reine Verschwendung, denn das Chatten, Daddeln und Posten lernen unsere Kinder auch so! – Dr. Jan Rathenberg, beruflich durchaus IT-affin und kein Lehrer


Leserbrief zu „Grüne Wunder“ von Jochen Wermuth

Es ist ja sehr schön zu hören wenn sich große Investoren von fossilen Brennstoffen verabschieden und ich hoffe inständig, dass es noch viel mehr Nachahmer dafür gibt. Aber das Grüne Wunder das sich angeblich auch durch die E-Mobilität ergeben soll wird so nicht stattfinden. Ich denke, es ist unumstritten, dass es erstmal regenerativen Strom braucht, damit ein E-Auto überhaupt energetisch einen positiven Effekt erreicht. Man lese hierzu nur mal den Artikel im Heft der Naturstrom AG über den Vergleich von E-Auto mit Benzin und Diesel.

Der „Rucksack“ den die Batterie hier energetisch mit sich trägt ist so erheblich, dass es sehr fraglich ist, ob es sinnvoll ist, einseitig, wie es im Artikel dargestellt wird, alle 40 Mio. Autos auf Elektro umzustellen. Mal davon abgesehen, dass dies sehr lange brauchen würde sollte man das vorhaben. Sehr viel billiger und einfacher wäre es, wenn endlich die „Energiewende im Keller (und in den Köpfen“) stattfinden würde. Im Gebäudesektor wird von der Haustechnik oder besser der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) die Klimakatastrophe geplant. Hier ist aber mit überschaubaren Mehrkosten extrem viel zu erreichen. Das Grüne Wunder wird nicht mit E-Autos erreicht werden. Es wird einen bestimmten Teil im großen Ganzen beitragen. In einem überschaubaren Zeitraum wird es jedoch noch lange eine Nische sein. Viel interessanter wäre es, Überschussstrom dazu zu nutzen regenerative Kraftstoffe herzustellen und die Forschung hier zu forcieren. Leider geschieht dies nicht. – Dipl.-Ing. (TU) Alexander Knirsch


Leserbrief zu „Er wollte die Welt mit Intelligenz in den Griff bekommen“ von Gero von Randow

1994 hatte ich im Auftrag der EU-Kommission die logisch richtige Zinsrechnung nach den höchsten Maßstäben der Wissenschaft herzuleiten und gegen alle andern sogenannten, in Geldgewerbe und Recht verbreiteten, Zinsrechnungen zu verteidigen und deren Mängel aufzuzeigen. So geschah es in einer Studie von 320 Seiten:  R. Seckelmann: Contract A0 2600/94/00010, Final Report 31.Oct.1995 „Methods of Calculation in the ERA on the Annual Percentage Rate of Charge (APR)“  Danach  muss  heute  europaweit  der  effektive  Jahreszinssatz  bestimmt  werden,  d.h.  mit exponentieller Rechnung und nicht mit linearer (pro rata temporis). Die Kommission hat zwar die Rechnung übernommen, hat ihre Erläuterung und die Aussagen in Worten verfälscht. Damals gab es das o.a. Buch noch nicht.

Nachdem ich es kennengelernt hatte, schrieb ich  „Zinsrechnung und Zinsrecht. Der rationale Umgang mit zu verzinsendem Geld – die Leibniz-Euler-Rechnung Abweichungen davon Geldgewerbe und Recht – national und global“,  Z. Vers.Wiss, Heft 1, 2001, S. 23-73 Parallel zu diesen Arbeiten verlangte ich unter Berufung auf pacta sunt servanda, dass eine Bank für einen Kredit an mich den vereinbarten Jahreszinssatz nach eben dieser Rechnung richtig auf den Monat umrechnet (also z.B. von 12%p.a. in 0,959%p.M, und nicht, wie sie es tat, in 1%p.M, denn 1%p.M ist tatsächlich, effektiv, 12,683%p.A. Wegen seiner besonderen Bedeutung gelangte der Streit als Revision vor den Kreditsenat des BGH.

Der Vorsitzende Richter begrüßte mich, er freue sich, den Menschen zu sehen, der sich so engagiert für Zinsrecht einsetze, ich könne nun erleben, wie der BGH Recht setzte. Er berief sich sodann auf judex non calculatmit der Auslegung, dass er von Zinsrechnung nichts verstünde, hielt dann eine Kurzvortrag über das Wesen von Zins, der dies voll bestätigte, und entschied danach gegen mich.

Ein effektiver Zinssatz sei rechtlich völlig bedeutungslos, die damit verbundene Rechnung rechtswidrig, das Recht fordere die lineare Rechnung, die dem Dreisatz folge (regel de tri) als allein rechtmäßige. – In „Zinsrecht als Folge, Ausdruck und Ursache von Fehlbildung in Zinsrechnung“ myops, Berichte aus der Welt des Rechts, C.H.Beck-Verlag, Heft 6, 5/2009, S.35-43 bin ich auf das Urteil eingegangen und habe kurz in allgemeinverständlicher Form den Unterschied zwischen Tausch- und Zinsgeschäften dargestellt und die richtige Rechnung mit Zinssätzen  aus  Postulaten  des  Rechts  und  zwei  Eigenschaften  von  Geld  (Annahmezwang, vertretbares Gut) logisch zwangsläufig hergeleitet und nochmal die Fehler in der linearen Rechnung anhand dabei auftretender Widersprüche aufgezeigt. Ein länger Studie „Das letzte Tabu ….“ konnte ich bisher nicht veröffentlichen, denn der Angriff auf die falsche und das Fordern der richtigen Rechnung ist für Geldgewerbe, Recht und Politik das letzte Tabu.  – Robert Seckelmann


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Es gibt einen Hauptgrund, warum ich mir nach langer Abstinenz vor einigen Monaten wieder ein Zeit-Abo zugelegt habe. Die Hyperaktivität, die Daueraufgeregtheit der täglichen Nachrichten hat sich meinem Eindruck nach so sehr verschärft, dass sie nicht mehr erträglich ist. Eine Wochenzeitung wie die Zeit bietet die Chance mit mehr Abstand, abgekühlter und analytischer zu sein und das ist wohltuend. Darüber hinaus ist es mittlerweile auch so, dass ich bei vielen Artikeln kopfschüttelnd lese und sich Widerspruch regt. Das war früher anders und ich kann nicht sagen, ob sich meine Koordinaten oder die der Zeit verschoben haben. Aber das ist auch nicht schlimm. Im Gegenteil, es ist so gar anregend in seiner eigenen Meinung nicht immer nur Bestätigung zu finden, sondern Widerstand, andere Argumente. Das hilft mir meine eigene Position zu stärken, zu hinterfragen oder auch einmal zu ändern.

Einen solchen Widerspruch, ein solches Kopfschütteln ruft eben auch der Artikel „Falsche Gegner“ aus der Zeit vom 20.10.2016 in mir hervor. Dieser Artikel steht dabei stellvertretend für andere TTIP/CETA-Kritiker-Kritik.

Zunächst einmal könnte man sich streiten, ob dieser utilitaristische Ansatz in der Bewertung der Globalisierung und des freien Handelns gerechtfertigt ist. Doch möchte ich dies hier außen vor lassen. Lassen Sie mich annehmen, dass die Prämisse, Globalisierung und freier Handel sei gut, beides hat positive Folgen für die Gesellschaft und die Nachteile für den einzelnen sind hinnehmbar. Im Artikel und wie gesagt in vielen Kritiken an TTIP/CETA-Kritiken, wird nahe gelegt, dass (1) eine solche Kritik auch immer eine allgemeine Ablehnung des Freihandels und der Globalisierung sei und (2) wir ohne TTIP und CETA keinen freien Handel mehr hätten.

Zu (1) lässt sich vorbringen, dass es sicher ein weites Spektrum an Motivationen gegen TTIP/CETA gibt und eine grundsätzliche Ablehnung von Freihandel und Globalisierung gehört sicher auch dazu. Meiner Ansicht nach ist die wesentliche Motivation aber eine andere. Diese Abkommen beschränken die demokratischen, souveränen Handlungsspielräume von Staaten ein (Stichwort: Schiedsgerichte, Vorsorgeprinzip) – Unternehmen wird die Möglichkeit gegeben, Staaten auf den Verlust von hypothetischen zukünfitgen Gewinnen zu verklagen. Ganz davon abgesehen, dass die Asymmetrie zwischen Unternehmen, Staaten und Verbrauchern, massiv zu Gunsten der Unternehmen verschoben ist. Warum Regierungen freiwillig ihre Handlungsfähigkeiten einschränken, erschließt sich mir ebenso nicht – außer dass ihnen dadurch eine gute Ausrede für Nichthandeln gegeben wird: Wir können nicht, weil CETA oder weil Schuldenbremse weil etc..

Zu (2): Wie oft und so auch in diesem Artikel wird implizit dargestellt, dass, wenn TTIP oder CETA nicht kommen, es keinen Freihandel mehr gibt. Als ob es nicht bereits Freihandelsabkommen gäbe, als ob wir nicht bereits gesenkte Zollschranken haben also ob, in letzter Konsequenz, der gesamte Handel zwischen den USA/Kanada und der EU zum Erliegen kommen würde, wenn TTIP/CETA nicht unterzeichnet werden. Aber es gibt doch bereits Vereinbarungen, es gibt regen Handel und der hört doch nicht auf, nur weil TTIP/CETA nicht kommen. Beide Abkommen und andere dieser Art stellen eine Erweiterung dieser Freihandelsabkommen dar. Dadurch stellt sich aber eine ganz andere Frage, nicht Freihandel Ja oder Nein, sondern ist das Mehr an Freihandel durch diese Abkommen, das weniger an politischem Handlungsspielraum, das weniger an Verbraucherschutz usw. wert? Es müsste also eine Abwägung stattfinden. Eine Abwägung kann aber nur stattfinden, wenn offen und transparent darüber gesprochen würde. Z.B. wie groß ist diese „Mehr“ überhaupt? Diese Diskussion nicht zu führen und stattdessen die Kritiker allgemein als Ablehner von Freihandel und Globalisierung darzustellen, ist der falsche Weg.

Diese Diskussion müsste dann natürlich auch die Prämisse wieder im Blick haben: Wollen wir als Gesellschaft, dass es Menschen schlechter geht, damit es anderen oder gar der Gesellschaft als ganzes besser geht? – Dr. Dirk Kickelbick


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Es ist nicht gut, wenn Bedenken von Lehrkräften lächerlich gemacht werden, indem sie als Angst vor dem Computer verniedlicht werden, wie in der Überschrift des Kommentars von Herrn Hartung geschehen.

Selbst, wenn man Computern prinzipiell durchaus positiv gegenübersteht, können Bedenken angebracht sein, ob das Geld so wie jetzt geplant sinnvoll eingesetzt ist.

Wie ich der Presse entnommen habe, wird der Bund nur die Anschaffung der Hardware finanzieren. Darüber werden sich die Hersteller der Geräte sehr freuen. Die Wartung und die Bereitstellung der dafür nötigen Voraussetzungen in den Gebäuden wird  den Ländern bzw. den Kommunen obliegen. Die haben aber bekanntlich (zumindest in Niedersachsen)wenig Geld. So ist in unserer Stadt eine einzige Person für alle bereits vorhandenen Schüler-PCs, HD-Boards etc. zuständig und kann selbst beim besten Willen nicht alles innerhalb eines akzeptablen Zeitrahmens richten. Nichts aber ist so sinnlos und frustrierend wie an sich gut geplante Unterrichtsstunden, die dann an der nicht funktionierenden Technik scheitern. Es müsste also gewährleistet sein, dass die angeschafften Geräte auch gewartet werden. Dazu braucht es Fachleute bei den Schulträgern sowie Lehrkräfte, die für die Kommunikation mit den Technikern in nicht zu geringem Umfang Entlastungsstunden erhalten, Aufgabe der jeweiligen Kultusministerien. Es hat keinen Sinn, massenweise Geräte anzuschaffen, ohne über die Folgen nachzudenken, sonst bleibt irgendwann einfach ein Haufen Elektroschrott übrig. Ich erinnere mich noch an die Sprachlabore, die vielerorts ungenutzt herumstanden.

Herr Hartung schreibt, es wisse sowieso niemand, was wichtig sei in der Bildung (!!).Deshalb sei es in Ordnung, wenn alle Drittklässler in Saarland so für den Spaß Programmieren lernten. Weitblick, was immer das sein mag, bringe das auch. Das kann ich nicht beurteilen. Ich weiß aber, dass die Zeit, die für das Programmieren verwendet wird, anderswo fehlen wird. Es gibt jetzt schon so vieles, was zu kurz kommt in unseren Schulen. Als Grundschullehrerin sage ich ja, unsere Schule braucht HD-Boards und Computerarbeitsplätze in den Klassen. Wir können sie nutzen, um unseren Deutsch-, Sach- und Mathematikunterricht zu verbessern und Kindern zu zeigen, wie sie mit diesen Geräten und dem Internet sinnvoll umgehen können. Aber wir sollten nicht schon in der Grundschule das Programmieren zum neuen Fach erheben. Wir brauchen die Zeit in der Grundschule, als einziger Schulform für (fast) alle für Verständigung, soziales Lernen, Kreativität und Bewegung, Erarbeitung von Grundfertigkeiten des täglichen Lebens, Besuch von außerschulischen Lernorten, gemeinsames Leben kurz : Erziehung zu demokratiefähigen und -willigen Menschen. Wenn die Kinder davon ordentlich was mitbekommen haben, können sie von mir aus später auch Programmieren lernen. „Einfach mal ausprobieren“, wie Herr Hartung empfiehlt,  ist mir zu wenig, weil ich zu vieles weiß, das ich für unverzichtbar halte. – Christine Agena


Leserbrief zu „Das Leiden der anderen“ von Adam Soboczynski

Carolin Emckes Bild der menschlichen Gesellschaft ist das einer Versammlung von diversen Opfergruppen, die an der vermuteten oder tatsächlich gegebenen Ablehnung durch eine ominöse „Mehrheit“ leiden. Wenn doch alle die grauen und einfallslosen heterosexuellen Familienväter und -mütter endlich die Bereicherungen erkennen möchten, die ihnen durch schrilles Exotentum der Je-Andersartigen erwachsen! Tun sie aber nicht. Also wählt sich die Intellektuelle eine andere Gesellschaft; sie versucht, die Mehrheit durch willkürliche Kategorien der Gendertheorie zu atomisieren und ebenfalls in Grüppchen zu verwandeln, die man dann zu Opfern erklären und bedauernd bemitleiden kann. Die fortdauernde zähe Existenz der langweiligen Mehrheit, die sich nicht atomisieren lässt, und deren Probleme jemand wie Frau Emcke oder Herrn Habermas  einen Dreck interessieren, sind der Stein des Anstosses, an dem sich diese Menschen vergebens abarbeiten. Frau Emcke behauptete in der Paulskirchenrede, sie sei durch ihre Lebensweise glücklich geworden. Man sah es ihr nicht an. – Josef Riga


Leserbrief zu „Er wollte die Welt mit Intelligenz in den Griff bekommen“ von Gero von Randow

Der ehemalige Wissenschafts- und jetzige Politikredakteur Gero von Randow hat absolut recht, wenn er in DIE ZEIT gegen Ende seines online leider nicht zugänglichen Artikels über Gottfried Wilhelm Leibniz feststellt: »Gescheitert indes, wenn auch großartig, ist etwas anderes: Leibniz‘ Bemühen, durch Argumente die Unvernunft aus der Welt zu schaffen. Auch heute erhebt sie allenthalben ihr Haupt.« Leider entgeht ihm dabei jedoch die wichtige Tatsache, daß er mit seinem blamablen Bekenntnis zur Relativitätstheorie längst selbst Opfer eben dieser Unvernunft geworden ist. Statt auf die diesbezügliche Propaganda hereinzufallen, hätte er es besser Leibniz gleichgetan, der vom Hörensagen und von Märchen nichts hielt. Hätte er in diesem Falle umgekehrt zur „friedlichen Streitschlichtung durch Algorithmisierung des Geistes“ Leibniz‘ Maxime »Rechnen wir!« umgesetzt, hätte er dahinterkommen müssen, daß die zugrundeliegende allgemeine Lorentz-Transformation im Gegensatz zu Einsteins Behauptung überhaupt nicht transitiv ist. Oder war er mit dieser Mathematik überfordert, und war das möglicherweise mit ein Grund, weshalb er von der Wissenschaft zur Politik wechselte? Dort stellt sich nun allerdings die Frage, wieweit es völlig abwegig ist, was andere über ihn schreiben unter https://propagandaschau.wordpress.com/2015/08/20/die-zeit-gero-von-randow-einakt-der-selbsterniedrigung/ – Norbert Derksen


Leserbrief zu „Sind private Hochschulen die offeneren Unis ?“ von Jan-Martin Wiarda

Unbestritten, in Deutschland finden zu wenige Kinder von unstudierten Eltern den Weg in Hörsäle, Labore und Bibliotheken. Die ungleiche Verteilung von Bildungschancen ist kein Ruhmesblatt für deutsche Bildungs- und Sozialpolitikerinnen! Es will mir allerdings nicht einleuchten, was daran toll und gerecht sein soll, wenn Menschen z. B. 20.000 Euro aus der Tasche gezogen werden für ein „Tourismus-Studium“ oder ein „Studium der Marketingkommunikation“, wenn Hotels und Agenturen noch vor wenigen Jahren dieselbe Summe als Gehalt an ihre Auszubildenden gezahlt haben. Da läuft doch was falsch! Mich erinnert das Geschäftsmodell einiger Privat-Hochschulen in seiner Perfidität an das Gebaren von Finanzdienstleistern und Strukturvertrieben.

Unabhängig von ihrer Richtigkeit, die These von Jan-Martin Wiarda und die im Artikel geschilderten Beispiele haben Aufregerpotential – hoffentlich nicht nur bei mir, sondern auch bei Bildungs- und Sozialpolitikerinnen, bei Dekaninnen und Hochschulleitern, bei Eltern, Studierenden und Auszubildenden. – Erik Schäfer


Leserbrief zu “Der Fuß” von Malin Schulz

Das Bild ist natürlich schockierend. Und gerade mir als Vater von zwei Kindern treibt es Tränen in meine Augen, sehen zu müssen, das dort ein Kind begraben liegt. Als Vater sieht man auch immer die eigenen Kinder dort liegen. Wir hatten aber das unendliche Glück, in Deutschland geboren wurden zu sein. Letztlich bleibt nur die eine Frage für mich nach wie vor stehen. Die einzige Frage, die sich mir nach jeder neuen tragischen Nachricht aus Syrien und anderen ähnlich umkämpften Regionen auf diesem Planeten, stellt. Wie können wir verdammt nochmal helfen? Wie können wir kleinen Angestellten die Geschicke dort ändern und beeinflussen? Wie sollen wir etwas gegen Putins unbändige Ignoranz und seinen scheinbar ungebrochenen Zorn gegen die westliche Welt ausrichten können? Wie? – Yves Pulst


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Manuel J. Hartung propagiert auf der ersten Seite der ZEIT NR. 44 das Experiment an Schülern, mutig mehr digitale Medien in Schulen einzusetzen und schreibt selber: kaum jemand weiß, was in der Hinsicht richtig ist. Aber Spaß und Weitblick soll dadurch irgendwie entstehen. Die Aufgabe der Schulen sollte eine fundierte und ehrliche Entwicklung der Individualität der Schüler zum Ziel haben, damit die jungen Menschen für das (uns allen unbekannte) Morgen gerüstet sind und nicht das Herunterladen der Welt von heute über WLAN auf die menschliche Festplatte Gehirn wie es Herr Hartung anregt. Die Folgen eines so oberflächlichen Umgangs mit den digitalen Medien wird in dem Artikel „Wie viel Internet verträgt mein Leben“ von Jan Wenzel in der selben Ausgabe der ZEIT deutlich: Die Jugend, die mit den digitalen Medien groß geworden ist, wünscht sich eben nicht eine Intensivierung in diesem Bereich. Vielleicht ist das Geld doch besser in die Sanierung von Schulgebäuden zu stecken, denn die marode Wirklichkeit ändert sich nicht durch mehr Digitalisierung. – Nikolai Schmidt


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Haben Sie sich je ernsthaft mit den Auswirkungen des Investitionschutzes befasst? lesen Sie bitte mal: https://stop-ttip.org/wp- content/uploads/2016/10/LegalStatement_DE.pdf

danach werden Sie sich vermutlich etwas differenzierter äußern. Warum brandmarken Sie die Gegner von TTiP und CETA in der vorliegenden Fassung zumindest indirekt als Gegner von Globalisierung und Freihandel (den wir jetzt sowieso schon weitgehend haben)? ES LEBE WALLONIEN! – Dr. Juergen Aschenbach


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Auf der ersten Seite der Zeit vom 20.10.2016 kommentiert der Ressortleiter Chancen, Manuel J. Hartung  die Haltung von Lehrkräften, die das Angebot der Bildungsministerin Wanka kritisieren, Milliarden für „gutes WLAN an Schulen“ bereit zu stellen.

Hartungs Argumentation folgt dabei einem gängigen Muster, einerseits Lehrkräfte als ewig gestrig zu stigmatisieren und andererseits der Anwendung von Computern in Schulen und der Digitalisierung von Unterricht einen  Bildungszuwachs zu unterstellen. Die stereotype Argumentationskette beruft sich auf das Silicon Valley und fordert zu „agile management“ auf („ neugierig sein und ausprobieren“). Dabei reichte es schon, wenn der Verfasser proaktive, iterativ innovative Analysestrategien angewendet hätte, wie sie uns aus dem Silicon Valley nahe gelegt werden, um in der  –  oft so bezeichneten – „hochdynamischen, volatilen und komplexen Lebenswirklichkeit“ nach Ursachen für die Ablehnung der Initiative durch Teile der Lehrerschaft zu suchen.

Aber das ist nicht „des Pudels Kern“; ärgerlich an dem Kommentar von Manuel J. Hartung ist, dass er sich so wenig Mühe gibt, der Sache auf den Grund zu gehen, und mit Begriffen unachtsam und simplifizierend hantiert.

Die vier Ursachen der Bildungsangst – die Hartung für die Haltung der Lehrkräfte nennt – erweisen sich bei genauerer Betrachtung als falsch.

Zu erstens: Der „digitale Graben zwischen den Lehrern“ existiert schon lange nicht mehr. Es handelt sich tatsächlich um ein Stereotyp aus dem vorherigen Jahrhundert. Es gibt in der Lehrerschaft – genau wie in der Gesellschaft allgemein – diejenigen, die das Werkzeug Computer häufig einsetzen und gut damit umgehen können und diejenigen, die den Computer weniger oft, bis gar nicht benutzen (Datenerhebungen dazu gibt es umfänglich). Denn es handelt sich  nicht mehr um eine unbekannte und neue Technik – wie Hartung zu glauben scheint. Facebook, WhatsApp und der Gebrauch von Smartphones ist auch in der Lehrerschaft verbreitet.

Zu zweitens: Den diskursiven Graben zwischen Fans und Kritikern der Digitalisierung gibt es –  diese Beobachtung von Hartung trifft zu. Allerdings kommt die Kakophonie der Beteiligten über die Chancen und Gefahren der Digitalisierung häufig ohne inhaltliche Substanz aus. Denn die Möglichkeit, Schulen mit WLAN auszustatten, ist nicht mit dem Begriff „Digitalisierung“ gleichzusetzen. Unter Digitalisierung wird in der Regel das Darstellen von Daten und Informationen verstanden oder auch das Umwandeln von Signalen zu Daten. Digitalisierung ist nicht mit einem Bildungsinhalt gleichzusetzen und der Einsatz eines Computers im Unterricht führt nicht zu einem Zuwachs an Wissen oder gar Bildung. Es handelt sich also nicht um „merkwürdige Bildungsangst, die sich an vielen Schulen breit macht“, wie Hartung schreibt.

Zu drittens: Es geht beim Einsatz von schnellem WLAN auch nicht um „die Investition in Technik (…) die Verunsicherung“ auslöst. Es geht beim WLAN-Anschluss um das Herstellen einer Möglichkeit – nämlich Geräte mit einem weltweit genutzten Netzwerk zu verbinden, mit dem Daten bzw.  Informationen global abgerufen und bspw. einem Lernprozess zur Verfügung gestellt werden können. Zugleich können Daten erstellt und/oder bearbeitet werden. Der Gebrauch des Gerätes als Werkzeug und das Verbinden mit dem Internet ist an sich noch keine Bildung, sondern allenfalls der Erwerb einer Fertigkeit im unteren Kompetenzbereich.

Zu viertens: Programmieren und humanistische Bildung sind keine Gegensätze. Und Humanismus lässt sich nicht in dem Stereotyp des Bewahrens beschreiben, „damit etwas bleibt, wie es ist, weil die Weltbeschleunigung sonst alles ändert?“ – wie Hartung meint.

Die Idealisierung der Computertechnik und des Internets scheint den Blick auf die Wirklichkeit zu verstellen. Dabei ist der Vorgang, den wir als Fortschritt erleben und der den Begriff „digitale Revolution“ durchaus rechtfertigt, kein besonders komplexer, sondern eher von einfacher und übersichtlicher Beschaffenheit.

Das Werkzeug an sich und dessen Gebrauch erzeugt noch keine „Disruption“. Der Umbruch als digitale Revolution bezeichnet, entsteht durch dessen globale Verbreitung und die unendlichen Anwendungsmöglichkeiten. Die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten des Werkzeuges im weltweiten Netzwerk macht den Computer und das Internet zu mehr als dem Gebrauch von Technik, weil bspw. neue Berufsspektren erschlossen oder auch überflüssig werden. Mit Hilfe der Technik kann Wissen gespeichert, sortiert und verknüpft werden, weltweit und ohne zeitliche Begrenzung.

Hartung vermutet, dass Lehrkräfte vielleicht den Einsatz von Computern ablehnen, weil „intelligente Roboter nicht nur Bandarbeiter überflüssig machen, sondern auch Anwälte, Ärzte, Analysten?“ Und er fährt fort: „ Dieser schmerzhaften Frage müssen sich die Schulen ehrlich stellen.“ Da irrt der Verfasser: Der Lehrerschaft ist dieser Gedanke eher fremd, denn die meisten Lehrkräfte gehen davon aus, dass sich ihr Berufsfeld ändern wird, aber die Berufsausübung im Prinzip bleibt, weil es auch um die Erziehung von Kindern geht. Eine Tätigkeit, die Lehrkräfte ausüben, auch wenn ihre Arbeit dann vielleicht Coaching genannt wird. Schule soll – so steht es in fast allen Schulgesetzen der Bundesländer – Kinder und Jugendliche auf die gegenwärtige und zukünftige Gesellschaft vorbereiten. Diesen gesellschaftlichen Auftrag an das Bildungssystem und die dort Beschäftigten wird es weiterhin geben. Das ist für den Beruf der Journalisten anders, da eine Meldung mit Hilfe des  Werkzeugs Computer digitalisiert werden kann, und zwar je nach Programmierung zu einem Bericht, zu einem Kommentar oder Artikel. Dazu sind Menschen in der Tat nicht mehr nötig, Programmierung und die Anwendung von Algorithmen reicht. Einmal geschaffen, kann das Programm unendliche Male ohne Journalisten verwendet werden.

Dennoch ist das Werkzeug nicht intelligent, obwohl diese stereotype Bezeichnung weit verbreitet ist. Das Potenzieren von Algorithmen, zu dem das Netzwerk von Werkzeugen fähig ist, begründet keine Intelligenz und ist keine Bildung. Künstliche Intelligenz entsteht nicht durch ein Aneinanderreihen digitaler Informationsketten. Intelligenz ist ein von Menschen geschaffener und unspezifischer Begriff, der auch historischem Wandel und dem Blickwinkel einer Wissenschaft oder eines Betrachters unterliegt. Übereinstimmung erzielen die meisten Theorien, indem sie Intelligenz als eine Fähigkeit sehen, sich in neuen Situationen durch Einsicht zurechtzufinden oder Aufgaben durch Denken zu lösen.

Hier schließt sich der Kreis: Humanistische Bildung erwirbt, wer die Fähigkeit erlangt, selbstbestimmt zu denken und eigene Antworten auf fundamentale Fragen der Gesellschaft zu finden. Das schließt den Gebrauch von Werkzeugen und Techniken ein. Es ist an der Zeit, dass  wir unsere Fähigkeit zum eigenständigen Denken und zur Reflexivität gebrauchen, um das Zeitalter der Digitalisierung zu gestalten. Das Nachdenken über eine  noch nicht vorhandene Zukunft nimmt uns kein Computer ab. Die Lösung der Probleme, die mit der digitalen Revolution entstehen, müssen wir Menschen schon selbst entwickeln. Das Werkzeug Computer kann als Hilfsmittel dienen, uns Szenarien durchspielen lassen – mehr nicht.

In besonderer Weise wird die zukünftige Generation gefordert sein; sie muss mit der digitalisierten Welt leben. Möglicherweise wird es ihr wenig helfen, wenn sie das Programmieren in der Schule gelernt hat, aber den Unterschied zwischen Wörtern und Begriffen nicht kennt, die Probleme nicht analytisch zu durchdringen vermag und schon gar nicht zur Reflexion fähig ist. Humanistische Bildung kann für die zukünftigen Generationen überlebenswichtig sein. – Dr. des. Beate Kasper


Leserbrief zu „Der Irrglaube an die Privatisierung” von Tim Engartner

Ich hoffe sehr, dass Herr Engartner in seinem Buch nicht einfach Behauptungen aneinanderreiht wie in diesem Artikel! Privatisierung allein macht öffentliche Dienstleistungen natürlich nicht grundsätzlich besser, billiger und bürgernäher – der Betrieb durch Staat, Land, Kreis oder Kommune aber auch nicht. „Dass man nichts dran verdienen will“, gleicht mangelnde Fachkompetenz und mangelnden Wettbewerbsdruck eben nicht aus.  Kommunale Strom- und Gasversorger stehen heute voll im Wettbewerb, weil jeder Verträge mit anderen Anbietern machen kann; darum sind sie aber auch nicht mehr die unerschöpfliche Melkkuh für Querfinanzierung. Für den öffentlichen Nahverkehr gilt das auch, weil er ausgeschrieben werden muss – und das ist gut so. Wieso die Qualität von Reinigungsleistungen privater Anbieter so viel schwerer zu überwachen sein soll als bei kommunalem Betrieb, bleibt unerfindlich; kann sein, dass man dies vor der Privatisierung überhaupt nicht für nötig hielt.

Privatisierung und ÖPP sind im übrigen zwei Paar Schuhe. Wenn man ÖPP wörtlich nimmt, nämlich als öffentlich-private Arbeitsteilung bei einem Projekt, können beide Seiten ihre Stärken ausspielen; das Bauprojekt kann dann erstens kostengünstiger sein als das rein öffentlich realisierte Projekt, zweitens die vorhergesagten Kosten auch einhalten (was rein öffentliche Projekte nie tun) und drittens zum geplanten Zeitpunkt fertig sein. Beispiele kann ich gern nennen. – Bernhard Hecker


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Ihre Botschaft les‘ ich wohl, allein mir fehlt der Gaube (dass Handelsabkommen immer Gutes für alle bringen). Warum nur wurden CETA und TTIP so geheim verhandelt? Hätte man die Öffentlichkeit regelmäßig informiert, wären viele Ängste und Misstrauen vermieden worden und vielleicht mit den Bürgern im Rücken besserer Detailergebnisse erreicht worden.

Ausserdem: Es geht uns Protestierenden weniger gegen die Globalisierung als vielmehr gegen den (Turbo-) Kapitalismus. Es ist doch zu befürchten, dass Großkonzerne (mehr als sie es bisher durch Lobbyismus taten) die Macht im Staat und in der Welt übernehmen, wenn sie Gesetzgebung durch Klage vor obskuren Schiedsgerichten blockieren können.

Und schließlich: Ich will zum Beispiel einfach nicht, dass unsere Wasserversorgung in Deutschland einem gewinnstrebenden Wettbewerb unterliegt, sondern dass sie in den Händen der dem Gemeinwohl verpflichteten Kommunen verbleibt. – Dr. rer. Nat. Christof Leitz


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Die Stellungnahme von Frau Niehaus für die Globalisierung generell ist nur zu begrüßen. Natürlich besteht dabei die Gefahr Volkswirtschaften zu ruinieren durch Dumpinglöhne. Im Falle Ceta spielt das aber eine geringere Rolle . Zu beanstanden ist jedoch bei TTIP und CETA  die quasi Privatisierung der Justiz, z.B. bei Investitionen. Außergerichtlicher Einigung steht ja nichts im Wege. Aber mit nicht staatlichen Gremien die Gerichtsbarkeit auszuhebeln, das gipfelte doch in einer Schrumpfform der Demokratie: wenn die Bürger demokratischer Staaten den Produzenten globaler Märkte untergeordnet werden. Auch die Umgehung der Landesparlamente wäre ein Rückschritt nicht nur hinter den Code Napoleon sondern auch gegenüber der verfassungsrechtlichen Rechtmäßigkeit. Vive la Wallonie! – Dieter Zywicki


Leserbrief zu „In diese Welt ein Kind setzen? Oh ja!“ von Merlind Theile

 Schön,   wenn   Menschen   nicht   leichtfertig   Kinder   in   die   Welt   setzen!   Beispiele   hierfür   gibt   es   wohl   genug.   Die   Leidtragenden   sind   die   Kleinen,   die   irgendwann   einmal   merken,    nicht   geliebt  zu   werden   und   ihren   Eltern   nur   eine   Last  zu   sein,   die   man   gern      Anderen   überlässt.  Leidtragende   sind   aber   wohl   auch   die   Eltern   selbst,   die   sich   mit   ihrem   Kind   überfordert   fühlen,   sei   es,   dass   sie   alleinerziehend   sind,   schon   Nachwuchs  haben  oder    Beruf   und      Familie   schlecht   miteinander   ver-einbaren   können, kurz:  „Regretting   motherhood“.

Um   so   schöner   ist   es,   wenn  Kinder   geboren  werden,   die   erwünscht   sind,   um   die   man   sich   so  richtig  kümmert  und   denen   man   zeigt,   dass   man   sie   lieb   hat  und  an    ihrem   Wohlergehen interessiert    ist. „In   diese   Welt   ein   Kind   setzen?“   Diese   Frage  ohne  das folgende „Oh ja!“  klänge arg pessimistisch.   Kann  man  dem   Nachwuchs  diese  Welt   nicht   zumuten ? Sicher   doch !

Wir  leben  in  einem  Land,   dem   es   gut   geht,   einem  Land, um  das   uns   viele   beneiden,   Sehnsuchtsort   z.B.   für   viele   Flüchtlinge.   Darüber   sollte   man einmal  nachdenken. Wir leben in einem landschaftlich vielgestaltigen Land mit einem angenehm gemäßigten Klima, einer vergleichsweise stabilen, freiheitlichen demokratischen Ordnung mit einer sozialen Marktwirtschaft, die Raum zur persönlichen Entfaltung lässt, aber auch mit einer sozialen Absicherung, die keinen ins Bodenlose fallen lässt und vielen einen Wohlstand beschert, den vergangene Generationen so nicht für  möglich gehalten hätten. All das Gute sollten wir wieder mehr schätzen   und  genießen, nicht  erst   dann,   wenn    wir  es   vielleicht  einmal    nicht   mehr   haben. – Gabriele   Gottbrath


Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Warum schreibt Lisa Nienhaus, dass die „Globalisierung“ der falsche Gegner sei, und kritisiert gleichzeitig die Gegner von Handelsabkommen zwischen Staaten und Staatenverbünden? Warum werden geheime Handelsabkommen zwischen einzelnen Staaten überhaupt noch angestrebt? Nienhaus hat recht, die Globalisierung ist nicht der Gegner, sondern es sind die Mauscheleien, der Lobbyismus, die Intransparenz, die Ungerechtigkeiten, die Tricksereien. Bitte regelt doch Verträge, die tatsächlich für alle gerecht und demokratisch sind, auf UN-Ebene! Das wäre gute Globalisierung, nicht? – Justus Hupp


Leserbrief zu „Wenn das Tricksen chronisch wird“ von Elisabeth Niejahr

Mit Befremden, aber auch mit Resignation nehme ich als Arzt diese wiederkehrenden Vorwürfe zur Kenntnis. Wir Mediziner werden durch immer komplexere Abrechnungsregeln, gedeckelte Budgets, nachträgliche Abzüge durch die Krankenkassen, Regresse, Tricksereien bei Vertragsverhandlungen und geheime Rabattverträge immer mehr von unserer eigentlichen Arbeit für unsere Patienten abgehalten. Die offen ausgesprochene Absicht hinter den ständig neu eingeführten Entgeltsystemen ist, unwirtschaftliche Kliniken und Praxen zu dezimieren. Wer hier über Wasser bleiben will, muss mit Hilfe von Kodierern arbeiten, die selbstverständlich auch noch aus dem Budget zu finanzieren sind. Wenn Politik und Kassen die Ärzteschaft zu Geschäftemachern erziehen, wen wundert es da noch, wenn einige tatsächlich dazu werden? Lauterbachs Empörung ist berechtigt, aber ich wünschte, er würde hinterfragen, ob eine der Ursachen nicht auch in den Fehlanreizen eines ungerechten und über-bürokratischen Systems liegt, für das er selbst als Spitzenpolitiker eine Mitveranwortung trägt. –Christian Schulz


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Es   ist   nur   allzu   verständlich,   dass   z.B.   ältere   Lehrpersonen,   die  bereits   etliche    kurzlebige   Schulre-formen   erfahren   haben,  den  zunehmenden   Einsatz  digitaler   Medien  im  Unterricht  etwas   skeptisch   sehen.

Die   Schule   hat     nach   wie   vor   die   Aufgabe,   auf   die   Zukunft   vorzubereiten,   aber   ebenso   die   Gegenwart  und   Lebenswirklichkeit   ihrer   Schüler   einzubeziehen.    Das   Zeitalter  der   digitalen  Revolution   hat   auch  das   schulische  Lehren   und   Lernen  total   verändert.    „Digitalverweigerer“   müssen   daher   einsehen,   dass   sie  ihren   Schülern   u.a.     einen   vernünftigen Umgang   mit   dem   Computer,   Internet   etc.   beibringen   müssen.

Lehrerfortbildungen können wesentlich  dazu   beitragen,   verunsicherten   Lehrern  das   nötige   digitale   Wissen   zu   vermitteln,   ihnen   somit  ihre   Vorbehalte    zu   nehmen   und   sie   zum   Einsatz   der   Geräte   zu   animieren.  Daher ist „ein gutes Mittel   gegen   die   digitale   Bildungsangst: einfach   mal   neugierig   sein   und ausprobieren!“  – Gabriele   Gottbrath  


Leserbrief zu „Das Leiden der anderen“ von Adam Soboczynski

Gut, Herr Soboczynski, fein argumentiert, mutig, unabhängig, selbstbewußt, was heute “ Mangelware“ ist, scheint mir. – Unda von Miskolczy


Leserbrief zum Titelthema “Noch leben wir!”

Die Artikel zu Aleppo in der „Zeit“ Nr.44 haben mir Tränen des Mitleids und der Wut in die Augen getrieben.Ich möchte Europa und der  Welt zurufen : Kappt Putin doch endlich seine Teilhabe am internationalen Finanzverkehr!So würden ihm endlich die Mittel ausgehen zu    seinem gewissenlosen Morden an der Zivilbevölkerung.Das wäre mal eine wirksame Sanktion. – H.Höpner


Leserbrief zu „General gegen die Zeit“ von Gerd Fesser

Gerd Fesser entwirft ein sehr positiv gezeichnetes Portrait des Feldherrn Josef Graf Radetzky (1766-1858).  Der Einleitung zu seinem Artikel ist dabei zuzustimmen: Sicherlich handelt es sich beim Radetzky-Marsch, mit dem die Wiener Philharmoniker ihr Neujahrskonzert traditionell beenden, um flotte und zum Mitklatschen einladende Musik.

Aber wie kommt Gerd Fesser zu der These, die Person Radetzky könnte heute Interesse wecken angesichts der Welle des Neo-Nationalismus, die die Idee des europäischen Staatenbundes unterhöhlt? Der Radetzky also, der als österreichischer Befehlshaber versuchte, im März 1848 die Aufstände in  der Stadt Mailand niederzuschlagen?

In diesen Kämpfen verloren ca. 400 Mailänder ihr Leben.  Der Radetzky, der im „ersten italienischen Freiheitskrieg“ 1848/49 als Militärführer die österreichische Herrschaft in Norditalien verteidigte? Der Radetzky, der 1849 vom russischen Zaren Nikolaus I. als „Marschall aller russischen Truppen“ ausgezeichnet wurde, da er mitgeholfen hatte, die revolutionären Erhebungen in Europa  zu unterdrücken?

Es ist nicht zu bestreiten, dass Radetzky einer der intelligentesten Feldherren im 19. Jahrhundert war,  der die „corporate identity“ seiner Armeen wie kaum ein anderer pflegte. Als er nach der Niederschlagung der Aufstände österreichischer Generalgouverneur des lombardisch-venezianischen Königreiches wurde, hat er wohl oft Milde walten lassen und vernünftige Entscheidungen getroffen. Aber dass er als österreichischer Statthalter in einer italienischen Provinz fungierte, macht ihn doch nicht zum Vorreiter der europäischen Idee!

Es ist hier nicht die Stelle, in eine vertiefte Diskussion der nationalen (und liberalen!) Bewegung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einzutreten. Dass Fesser aber versucht, eine direkte Linie von dieser Bewegung – die von Radetzky bekämpft wurde – zum Ersten Weltkrieg zu ziehen, ist der Sache nicht angemessen.

Umgekehrt: Gerade der österreichische Kaiser, dessen Position Radetzky durch die Niederschlagung der Aufstände in Norditalien 1848/49 stabilisierte , trug ja maßgeblich zum Ausbruch des Krieges 1914 bei.  Radetzkys Verdienste mögen in militärhistorischen Betrachtungen oder meinetwegen auch in nostalgischen Erinnerungen an die österreichisch-ungarische Monarchie eine Rolle spielen.

Für die Bekämpfung des Neo-Nationalismus bietet seine Lebensgeschichte keine Argumente.  Dies wird übrigens auch in der Historiographie deutlich: Radetzky wird in einer in England 2011 erschienenen Biographie als Genie bezeichnet. Verfasser ist Alan Sked, Gründer der rechtspopulistischen UKIP (United Kingdom Independence Party)! –  Dr. Theo Rütten


Leserbrief zu “Gabriel täuscht bei Autobahnprivatisierung” von Felix Rohrbeck

Der Artikel ist tendenziös , wenn nicht bösartig. Die Äußerungen des Prof. Hemes sind voreingenommen und dienen nicht einer sachlichen Diskussion. Man sollte doch zunächst einmal die Gesetzentwürfe abwarten , ehe man Min. Gabriel der Lüge zeiht.

Immerhin liegen mit der Umgestaltung der DB in eine privatrechtlich organisierte Gesellschaft bereits Erfahrungen vor, und hat gerade die Soziaödemokratie erfolgreich die Versuche des damaligen Bahnchefs Mehdorn blockiert, die DBAG in privates Eigentum zu überführen..

Warum eine Anstalt des öffentlichen Rechts im übrigen verhindern soll, dass privates Kapital nutzbar gemacht wird und ob dies überhaupt wünschenswert ist ,muss zudem bezeifelt werden. – Eckhard Busch


Leserbrief zu „Der Irrglaube an die Privatisierung” von Tim Engartner

„Als ökonomisch einigermaßen versierter Leser weiß ich nicht, was trauriger ist: Das ein Prof. einer renommierten Uni einen polemischen Artikel schreibt, in dem ÖPP (öffentl. private Partnerschaften), eine durchaus akzeptable aber selten praktizierte Alternative zur klassischen Beschaffung der öffentlichen Hand, mit schnöder „Privatisierung“ gleichgesetzt wird (was sie nicht ist) oder das die ZEIT als international renommierte Zeitung einen solch fragwürdigen Artikel veröffentlicht. Bedauerlich. Mehr Qualität, bitte ! Auf beiden Seiten !! – Markus Kelle


Leserbrief zu „Der Irrglaube an die Privatisierung” von Tim Engartner

Den einen oder anderen Punkt in Ihrer Ausführungen kann ich sicherlich teilen, aber in seiner Allgemeingültigkeit kann ich dem Inhalt nicht zustimmen.

Wieso soll es gut sein, dass eine Stadt bzw. die Verwaltung – ohne sich rechtfertigen zu müssen – Gewinne aus Monopolbereichen zur Deckung von Verlusten in anderen Bereichen (z.B. Kultur) nutzen zu können? Wie häufig dient dies ausschließlich zur Profilierung des Bürgermeisters? Wie transparent sind solche Geldverschiebungen? Ist es wirklich sinnvoll, dass die Alleinerziehende Kassenkraft mit ihrer Stromrechnung die hohe Gage des internationalen Dirigenten an der städtischen Oper bezahlt? Oder schlimmer die Freikarte für die Stadträte/Bürgermeister? Quersubventionierung ist das Lieblingskind aller Politiker. Mehr Freiheit gibt es nicht und die verteilten „Bonbons“ werden als Leistung dieser Politiker dargestellt. Als würden sie dies aus der eigenen Tasche bezahlten. Dabei haben es die Bürger selber bezahlt, wenn auch nicht immer die gleichen Bürger. Dies ist also das System, dass Sie bevorzugen! Wirklich?

Gerade hat das Kartellamt die Preis der Stadtwerke Wuppertal (in Unternehmensform) moniert, da sie zu hoch sind. Nun wurde einfach der Wasserbereich wieder als Eigenbetrieb geführt und die Bürger müssen weiter überhöhte Wasserpreise bezahlen (nun keine Preise mehr, sondern Gebühren und damit ist das Kartellamt raus aus dem Fall). Über Verschwendung im öffentlichen Bereich gibt es genug Beispiele. Aber in Ihrem Artikel gibt es nur Vorteile und nur im Privatbereich gibt es Fehlverhalten. Schauen Sie sich die Entwicklung von Gebühren von Kommunen an: Es gibt keinen weiteren Bereich, bei dem die Entwicklung so deutlich über der Inflationsrate liegt.

Auch die Aussage, dass Tätigkeiten wieder zurückgeholt werden hat keinerlei inhaltlichen Wert. Wichtig wäre die Information, ob sich der Service für die „Kunden“ (Schüler, Autofahrer, allgemein Bürger) verbessert hat. Interessant wäre die Frage, ob der neue kommunale Service sich durch Gebühren trägt oder ob andere Personen dies bezahlen (siehe Ihre als positiv dargestellte Quersubventionierung).

Damit möchte ich nicht abstreiten, dass es genug Fehler bei Privatisierungen gibt (siehe fast alle sog. Cross Border Leasing Projekte: nur möglich wegen der Dummheit der Verwaltung und vor allem der Politik, die jedem Berater mit schönen Folien hinterherlaufen) und Privatisierung in natürlichen Monopolen nur bei sehr stringenter und kenntnisreicher Kontrolle sinnvoll ist, aber ich plädiere doch für etwas mehr Differenzierung und weniger Pauschalierung. Dies würde Ihre Argumente doch sehr aufwerten. – Jens Kruse


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

In Ihrem Leitartikel zum Thema CETA/TTIP sprechen Sie an, daß Mißtrauen gegenüber der Globalisierung die Skepsis ggü. den derzeit verhandelten Freihandelsabkommen begründet. Sie nennen dafür einige Indizien, die diesen Schluß nahelegen. Dennoch glaube ich, daß Ihre Ausführungen einen wesentlichen Aspekt ausblenden. Lassen Sie mich vorausschicken, ich arbeite in einem Betrieb der Investitionsgüterindustrie, der Exportanteil beträgt >50%, ich selbst bin in meiner Tätigkeit mit den Folgen von Handelsbarrieren unmittelbar konfrontiert. Auch in meinem

Bekannten- und Kollegenkreis, in meiner Familie gibt es keinerlei Vorbehalte gegen den globalen Warenaustausch an sich. Freihandel verbinde ich mit dem Abbau von Zöllen und der Harmonisierung von Normen, jederzeit gern und mehr davon.

Was mich aber bewogen hat, an mehreren Demonstrationen gegen diese Abkommen teilzunehmen, ist die Tatsache, daß es bisher nicht gelungen ist klarzumachen, in keiner Berichterstattung, weder in Ihrer geschätzten Zeitung noch anderswo, warum dieser Freihandel mit Investorenschutz in Form von öffentlichen oder geheimen Schiedsgerichten verknüpft werden muß. Ich verstehe nicht, warum internationalen Konzernen spezielle Klagerechte eingeräumt werden. Diese gibt es doch in Deutschland so auch nicht, oder irre ich mich da? Firmen, die sich durch das Handeln von Behörden geschädigt fühlen, haben jederzeit die Möglichkeit, den öffentlichen Klageweg zu beschreiten. Warum brauchen diese Unternehmen zusätzlichen Schutz? Umgekehrt existieren genügend Erfahrungswerte, zB im Nafta-Abkommen, daß der Investorenschutz als zusätzliche Einnahmequelle für gewisse produzierende Firmen und eine florierende und für die Beteiligten lukrative Beratungs- und Klageindustrie mißbraucht wird, und uns dies bei CETA und TTIP auch drohen kann. Wo wurde jemals in irgendeinem Medium dies im Zusammenhang mit CETA/TTIP angesprochen? Ich würde es wirklich gern verstehen, im Moment kann ich aber nur den Joschka geben: „I am not convinced.“

Ein weiterer Punkt ist, daß ich gern sicherstellen möchte, daß nicht über den Umweg Freihandelsabkommen ungekennzeichnetes Genfood auf den europäischen Markt kommt, daß es einer kanadischen Agroforschung nicht mit genverändertem Saatgut und Pflanzenschutz ermöglicht wird, in einen Markt einzudringen, der bisher dafür Gottseidank weitgehend verschlossen war. Weiterhin will ich keine Pflicht zur Ausschreibung und Privatisierung bestimmter öffentlicher Infrastruktur wie Wasserwerke, ich kenne kein einziges Beispiel, daß Kosten und Qualität der Dienstleistung besser geworden wären, aber viele, wo das Gegenteil der Fall war.

Und solange ich auf eine überzeugende Darstellung warten muß, warum meine Bedenken unbegründet oder unberechtigt sind, lehne ich diese Abkommen ab, die zwar das positive Wort Freihandel im Namen tragen, sich aber dem Verdacht aussetzen, daß wir unter diesem Etikett eine Mogelpackung untergeschoben bekommen, die letztlich für den Bürger, den Verbraucher, für Sie und mich gegenüber dem heutigen Zustand eine Verschlechterung darstellen.

Ich würde mich freuen, wenn Sie oder Ihre Kollegen bzw. Kolleginnen das Thema inhaltlich noch mal von dieser Seite her aufgreifen würden. – Norbert Meyer


Leserbrief zu „Ist die Gams selbst schuld?“ von Vivienne Klimke

Gratulation, in dem Artikel „Ist die Gams selbst schuld?“ kommt zwar die Gegenseite, die Vertreter der bayerischen Forstpolitik, journalistisch korrekt sogar in Mehrzahl zu Wort. Ich lese aber im ganzen Text nur die Argumentationsweise von Frau Dr. Miller, die ja auch am Ende als „unabhängige“ Expertin zitiert wird. Wer Frau Millers Argumentation direkt hören will und nicht in der Übertragung durch Vivienne Klimke kann auf der Internet-Seite der Jagdagenda21 ihren Vortrag vom Symposium „Gams am Abgrund“ anhören. Ist das unabhängiger Qualitätsjournalismus!?

Vielleicht liegt das ja daran, dass die Jäger und Tierschützer die besseren Argumente haben? Bei einem rationalen Wildtiermanagement würde man selbstverständlich den Zustand der Vegetation und die Entwicklung der Wildtierpopulationen (inkl. Ihrer Altersstruktur) betrachten, um dann zu entscheiden, wie hoch ein nachhaltiger Abschuss sein darf. Dagegen wehren sich aber überwiegend Jagdverbandsvertreter, es soll ja nicht das Kulturgut der Jagd in Zweifel gezogen und die Jagdherren sinnvoll kontrolliert werden.

Die am Ende des Artikels geschürte Angst vor der Ausrottung der Gams entbehrt einfach allen wissenschaftlichen Grundlagen, passt aber gut in den bereits gut 40 Jahre andauernden Konflikt zwischen Jägern und Förstern. Bereits 1959 schrieb  Gruschwitz ein Buch über die „Gams in Not“, als die Forstverwaltung noch sehr stolz darauf war, dass sich die Gams in Gebiete hinein verbreitete, die seit Jahrhunderten ohne Gamsvorkommen waren. Der Höhepunkt des Gamsabschusses lag in der Mitte der 1990er Jahre – der Abschuss war seinerzeit ca. 1,5 mal so hoch wie heute – seit ca. 2000 ist der Abschuss auf dem im Artikel geschilderten Niveau. In den 1990er Jahren wurde die Gams in bestimmten Gebieten, die von Wildbiologen (!) als ungeeignet für die Gams eingeschätzt wurden, bewusst „ausgerottet“, ohne aber die Gesamtpopulation zu gefährden.

Die gesamte Diskussion krankt daran, dass Förster, Jäger und Tierschützer einen „gesunden“ oder „natürlichen“ Zustand, also ein Idealbild das irgendwann in der Geschichte einmal zutraf, nacheifern. Der Mensch hat aber mit seinen Infrastrukturen, Landnutzungen und der intensiven Erholungsnutzung die Wildtierlebensräume so umgestaltet, dass der Mensch hierbei auch seine Zielvorstellungen durchsetzen muss. Selbst mit Wolf und Luchs wird sich nicht ein sogenanntes natürliches Gleichgewicht einstellen, das den Nutzungsansprüchen der Menschen genügt. Es ist daher nur sinnvoll, dass in Schutzwaldsanierungsgebieten, in denen staatliche Mittel investiert werden, alle Maßnahmen ergriffen werden, diese Investition zu schützen, wie dies der bayerische Rechnungshof wiederholt gefordert hat. Die bayerischen Staatsforsten haben zur Sicherung der Polpulation auch großflächige Gebiete definiert, in denen die Gams nicht oder nur äußert zurückhaltend bejagt wird, worüber sich Frau Klimke ohne fachliche Grundlage lustig macht. In diesen Gebieten war Frau Klimke nicht unterwegs, dort hätte sie auch sicherlich Gamsrudel gesehen. – Dr. Klaus Pukall


Leserbrief zu „Einer von uns“ von Stephan Wackwitz

Ich antworte auf die Reaktionen im Feuilleton der Zeit vom 20. Oktober 2016. In diesen wird die Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Bob Dylan emotional aufgenommen und positiv begrüßt. In den Augen der Verfasser wird ‚einer von uns‘ beziehungsweise ‚eine ganze Generation‘ geehrt. Dies zeigt meiner Meinung nach ein grobes Missverständnis der Person Dylan, die seit Mitte der sechziger Jahre dagegen gekämpft hat, zum Gesicht der Generation, einer Bewegung, gar zum Messias gemacht und dadurch beschlagnahmt zu werden.

In diesen Jahren wurde zu Bob Dylans Haus gepilgert, zu den Fenstern eingestiegen, es wurden Interpretationen seiner Texte und Äußerungen zu politischem Geschehen gefordert. Dylans Reaktion hierauf war eine der Verweigerung – man erinnere sich zum Beispiel an sein Interview zu ‚A hard rain is gonna fall‘ – und somit für viele eine Enttäuschung. In den folgenden Jahren wechselte Dylan oft das Gesicht, wechselte zum elektrischen Sound und zog sich zurück.

Bei aktuellen Konzerten adressiert er das Publikum nicht. Die Verleihung des Nobelpreises für Literatur macht ihn, der nur er selbst sein kann, oder in seinen Worten ‚all I can do is be me, whoever that is‘, wieder zu etwas, das er nicht sein möchte, definiert ihn, macht ihn zum Gesicht einer Generation und steckt ihn in eine Schublade.

Es kommt einem fast so vor, als feierten das Komitee und viele Befürworter mehr sich selbst als die Literatur, indem sie ihren zur Marionette gewordenen Bob Dylan auf eine Art und Weise zurück in die Öffentlichkeit ziehen, welche ihm und auch seiner Kunstauffassung komplett widersprechen. Das tolle an Bob Dylans Liedern ist, dass sie zu jedem Einzelnen als Kunstwerke und vom Künstler unabhängig auf andere Art und Weise sprechen. Es bleibt mit Spannung zu erwarten, ob und wie Bob Dylan den Preis akzeptiert. – Morten Lüders


Leserbrief zu “Damals beschlossen, heute bedroht” von Ralf Oberndörfer

Vor wem hielt Herr Seid Raad al-Hussein denn seinen Vortrag in Berlin? Befanden sich denn damals nicht alle maßgeblichen Institutionen (Parlament, Regierung, Auswärtiges Amt) in Bonn? Oder wurde das politische Verantwortungsgefühl in der westlichen Welt etwa vor der Volkskammer eingefordert? – Verena Holch-Leong


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Das Problem der maroden Schulen in Deutschland auf ein “Fürchten von Lehrern” gegenüber Digitalisierung zu verkürzen zeigt leider Ihre verkürzte Sicht auf die gesamte Bildungspolitik dieses Landes. Ich bin kein Lehrer ich bin als Ingenieur  Leidtragender dieses Systems. Ohne eine ordentliche Grundsubstanz der Gebäude, der guten pädagogischen Ausbildung der Lehrer  und Ihrer Möglichkeiten Kinder zu humanistisch denkenden Menschen zu  bilden( ohne Hubschraubereltern), wird es keinen Fortschritt geben. Natürlich ist gerade heute die Aufklärung in Sachen Medien und Digitalisierung äußerst wichtig, wenn man die neue Generation  in ihre permanent klotzenden  Smart Fons  auf der Straße betrachtet. Wo gibt es noch die normale Kommunikation von Mensch zu Mensch im normalen Alltag? Es tut mir leid wenn ich heute Abend  einen nicht so geschliffenen Beitrag liefere, sehen Sie es mir nach, ich bin einfach nur erzürnt was in unserem reichen Land  passiert wenn z.B. Schulen an Mittelständler mit Bitten um Spenden herantreten, um einen Sportplatz für Kinder so zu sanieren damit dort einfach nach 6 Jahren nur Sport getrieben werden kann.  Wir haben gespendet…  – Dr. Wolf-Dietrich Krämer


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Ignorieren wir um der Diskussion willen, die Beleidigung, TTIP-Gegner in einem Atem mit Donald Trump zu nennen, und kommen zu Ihren Argumenten.

Es ist nicht Nostalgie, wenn man die 70 Jahre alte brutal schlichte Freihandelslogik des Immer-Mehr-Immer-Billiger ablehnt. Globalisierung ist zuvorderst die Möglichkeit, Kapital blitzschnell dorthin zu schaffen, wo sich der größte Gewinn heraus pressen lässt und es zu verlagern, wenn die Arbeit teurer wird.

Natürlich können wir begeistert billige Jeans bei KiK und Primark kaufen, aber über drei Dinge müssen wir uns klar sein: Der Näher und die Näherin könnten und wollen mit ihrer Arbeitskraft sehr viel Sinnvolleres tun; unsere Kinder werden so niemals einen guten Beruf in der Bekleidungsfertigung bekommen und unsere Kapitallebensversicherung wird ihr Kapital gerade umschichten, wenn wir es brauchen.

Naiv finde ich den Vorschlag, statt gegen Globalisierung, für eine gerechtere Umverteilung im eigenen Land zu kämpfen: Vom artgerechten Hühnerei über die Energieabgabe bis zur Transaktionssteuer ist es immer der Verweis auf die globale Wettbewerbsfähigkeit, der auf nationaler Ebene jeden Fortschritt verlangsamt oder verhindert. – Ingo Klamann


Leserbrief zu “ Der Zug ist abgefahren“ von Caterina Lobenstein

Als jemand, der früher viel die Strecke Berlin – Nürnberg fuhr, aber auch zweimal (zu oft) in Jena war, muss ich doch meine Freude ausdrücken, dass der ICE bald kaum mehr dort hält. Carl Zeiss hin oder her,  aus der quasi national befreiten Zone Jena Neustadt steigt ja doch kaum jemand in Paradies zu, und sollen wir jetzt halten, um der Autorin den RE zu ersparen, wenn sie weihnachtens Muttern besucht? Nein – wir fahren durch bis Lichtenfels – mit Felsquellbad doch labender. Lohnender. Erquicklicher. Bleiben Sie doch auch – einmal in ihrem Leben – sitzen, Frau Lobenstein! – Matthias Meindl


Leserbrief zu „In der Flatrate-Falle“ von Nina George

Sie haben natürlich recht und als Bahn-Pendler und regelmäßiger Leser verfalle ich auch oft der Literatur. Auch ich habe ein e-Book, noch dazu ein Tablet, nur nutze ich beides kaum zum Lesen.  Es gibt einen Film von Tarantino, bei welchem zu Beginn der Titel des Filmes ins Deutsche übersetzt wird: „Pulp Fiction“ – Schund- oder Groschenliteratur. Ich möchte nun nicht soweit gehen und die billigen e-books als Schund zu bezeichnen, Groschenliteratur ist es allemal. Die e-book Charts unter anderem bei Amazon bestehen zu einem Großteil aus Pulp Fiction. Wozu sollte ich also 2,99 € ausgeben wenn ich mit dem Lesen nur meine Zeit verschwende.  Da gehe ich doch lieber zum Osiander, ich liebe den Geruch von gedruckten Buchseiten, und nehme Bücher in die Hand. Schaue Sie mir an, lese ein Stück. Fühle das Buch, und kaufe es oder nicht.  Ein Hoch auf Gutenbergs Erfindung! – Yves Pulst


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Richtiger Gegner – Im positivsten Sinne zielt der Kommentar auf einen „Globalisierungshass“, der abzulehnen ist. Dagegen ist sicher nichts einzuwenden und derartiges mag bei einigen TTIP/CETA Gegnern auch zu finden sein, insbesondere bei denen die erst später aus populistischen Gründen auf den Zug aufgesprungen sind. Wäre da nicht die Überschrift und ein paar suggerierte „Wahrheiten“, die mit den Rahmenbedingungen zu tun haben unter denen Globalisierung stattfindet bzw. fand.

So ist insbesondere die These von der Umverteilung der Gewinne der Globalisierung, von der „wir alle“ profitieren würden fragwürdig.

Die Einkommens- und Vermögensstatistiken der letzten 50 Jahre sprechen eine andere Sprache. Ein immer kleinerer Teil der Bevölkerung profitiert während ein immer größerer Teil zwar absolut wohlhabender, aber relativ immer ärmer wird. Sicher, Europa und insbesondere Deutschland, hat im Ganzen von der Globalisierung profitiert, aber wirklich verteilt wurden diese Gewinne nicht. Nicht national und schon gar nicht international.

Wir sind reicher als je zuvor, doch der Reichtum ist immer ungleicher verteilt. Vor diesem Hintergrund scheint es doch ein wenig ignorant von einer „Umverteilung“ zu sprechen.

Dass populistische Organisationen und Parteien versuchen den TTIP/CETA Widerstand zu instrumentalisieren und in nationalistisches Gedankengut umzudeuten erstaunt nicht. Schließlich ist es gerade der Teil der Bevölkerung, der sich auch durch die ungerechten Aspekte der Globalisierung zu tiefst verunsichert fühlt, und hier ist eben, populistisch, am meisten zu holen. Und diese Verunsicherung hat reale und objektive Ursachen. Und diese haben wesentlich mit den gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingung zu tun, unter denen eben auch Verträge wie TTIP und CETA möglich sind.

Nichts für ungut, aber TTIP/CETA Gegner werden durch den Kommentar in die falsche Ecke gestellt.

Bei genauer Betrachtung der wesentlichen Argumente, der Beiträge auf den großen Demonstrationen und auch der Organisationen die den Widerstand im Wesentlichen tragen, könnte klar werden, dass hier keineswegs „Globalisierungshasser“ am Werk sind.

Es ist richtig, Globalisierungshass ist fehl am Platz. Die positiven Seiten einer weltweiten Zusammenarbeit in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht können gewinnbringend sein, zu einem Teil sind sie es auch. Aber der Schaffung immer ungerechterer und undemokratischer Rahmenbedingungen dieser Globalisierung muss Einhalt geboten werden. Und es ist eben auch und gerade die Politik im eigenen Land, die dies möglich macht. Was könnte politischer sein, als der Widerstand gegen Verträge, die unsere Politiker, in unserem Lande, heimlich und undemokratisch, zu unserem angeblichen Wohle, abschließen. – Rolf Bippus


Leserbrief zu Titelthema „Noch leben wir!“

Noch leben wir! Kann man den gar nichts tun?  Klar kann Mensch etwas tun gegen den Krieg in Syrien. Wenn das Pentagon und die NATO mit deren Gehilfen sich mit ihren Söldnern unter wechselnden Namen sofort zurückziehen, ist morgen Frieden in Syrien und im Nahen Osten. Es ist eine Schande, dass deutsche Elitekämpfer die angeblich “ gemässigten Terroristen“ oder Rebellen unterstützen, Freie Syrische Armee ist eine perfide Schönschreibübung der Atlantikverbündeten, finanziert mit Petrodollars und ausgerüstet mit Waffen westlicher Provenienz! Russland und Putin sind die verlässlichsten Freunde des syrischen Volkes, seit dem 9/11 wird dies immer mehr Menschen klar angesichts der zahlreiche Lügen der Willigen für vorgebliche Demokratie und Freiheit.  Die Indianer oder die so genannte „First Nation“ kann ein Spottlied darüber singen, wie ihre Rechte, ihre Freiheit und Existenz von den Vereinigten Staaten schon immer ignoriert, verachtet und mit Winkeladvokaten das Papier und die Druckerschwärze der Verträge nie würdig waren, ist doch die USA derzeit immer noch der grösste Terrorstaat, entgegen allen Lippenbekentnissen.  Amis, geht nach Hause mit der NATO und euren Kriegssöldnern in Eurem Dienst, die Welt wäre morgen befriedet. Wer etwas anderes behauptet ist ebenso verlogen wie jeder Kriegstreiber seit Menschengedenken. Vietnam, Irak, Libyen, Korea, Kosovo, Guantanamo, Afghanistan und Irak, schon vergessen? Die Propaganda, auch die der Atlantikbrücke, wird immer mehr Menschen bewusst, schmerzlich, ihr Heuchler! – Etienne Broder


Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Sie werfen den Gegnern von TTIP und CETA vor die Vorteile von Freihandel und Globalisierung zu übersehen. Es stimmt sicher, daß die Globalisierung der letzten vierzig Jahre Armut in der Welt deutlich verringert hat. Was die Reisefreiheit damit zu tun hat ist mir allerdings nicht klar.

Wesentlich ist aber etwas ganz anderes: gegen ein Handelsabkommen, das Zölle und Abgaben reduziert und technische Standards gegenseitig anerkennt hätte kaum jemand etwas. TTIP und CETA gehen aber weit darüber hinaus, indem sie in die kommunale Gestaltungsfreiheit von uns Bürgern eingreifen, Grundversorgung wie Strom Wasser, Müllabfuhr Privatisieren und der internationalen Ausschreibung öffnen wollen. Schlimmer noch, eine Paralleljustiz für Großkonzerne soll zementiert werden, die jeder Kontrolle der EU oder gar der Einzelstaaten entzogen ist – siehe das Beispiel Vattenfall gegen die Bundesrepublik Deutschland. Damit wird die gesetzliche Gestaltungsmacht der Einzelstaaten eingeschränkt, die Parlamente entmündigt und wir Bürger von Teilen der Wirtschaft in Geiselhaft genommen. Das alles geschieht mit Unterstützung unserer führenden Politiker.

Als Korrektiv reicht eine Umverteilung von Globalisierungsgewinnen nicht aus, die Mißachtung der Bürger greift die Grundfesten der Demokratie an. – Günter Hebel


Leserbrief zu „Wenn das Tricksen chronisch wird“ von Elisabeth Niejahr

Wenn eine Praxis bzw. ein Arzt eine objektiv  nicht wahrheitsgemäße Diagnose oder eine zusätzliche nichterbrachte Leistung einträgt, um damit eine höhere Vergütung zu beziehen, ist dies für mein Rechtsempfinden weder Trickserei noch Schummelei . Sondern Betrug,der so verharmlost wird. Zudem kann das für Versicherte weitreichende Folgen haben. Die Arztberichte werden einerseits an Kollegen weitergeschickt, die dann von falschen Diagnosen ausgehen und andererseits von Versicherungen herangezogen, wenn z.B. eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden soll. Das kann zur ungerechtfertigten Ablehnung führen. Die Versicherten sollten endlich eine Kopie der abgerechneten Leistungen erhalten per Post oder zur Einsicht online. Das Argument dies würde zu hohe Kosten verursachen, ist zu entkräften mit der Kontrolle. Und Versicherten würde diese Transparenz zeigen, welche Kosten sie verursachen und auch zeigen, dass ein Hausarzt für manche Leistung sehr wenig Entgelt bekommt. Wo sich der Kreis wieder schließt. – Regine Ritter


Leserbrief zu „Qinghai“ von Angela Köckritz

Normalerweise lese ich mit großer Begeisterung vor allem Ihre Artikel über China, aber bei der Kolumne „Fahren in aller Welt“ der letzten Ausgabe ist Ihnen ein kleiner Fehler unterlaufen. Qinghai liegt wohl eher im Nordwesten Chinas als im Nordosten. Ich habe selbst ein Jahr in Gansu gelebt und gearbeitet und beschreibe im Alltag oft die Lage dieser eher unbekannten Provinzen Chinas, da hat mich dieser kleine Flüchtigkeitsfehler schon ein wenig geärgert. – Clara Kruse


Leserbrief zu “ Der Zug ist abgefahren“ von Caterina Lobenstein

Der Artikel über die Trasse München-Berlin ist ein sehr schönes Beispiel dafür, dass selbst in Deutschland noch richtig große „Großprojekte“ erfolgreich umgesetzt werden können. Mit langem Atem, Gründlichkeit, Transparenz, Fähigkeit zum Kompromiss und Interessenausgleich.

Und dafür, dass man natürlich trotzdem nach Herzenslust an der gefundenen Lösung herumnölen kann, wenn man sich etwas anstrengt. –Sebastian Kusch


Leserbrief zu „Das Leiden der anderen“ von Adam Soboczynski

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht an Carolin Emcke. Und Sie, Herr Soboczynski, trauen sich, das kritisch zu betrachten? Noch dazu mit einigen Tropfen Gift in der Tinte? Herrlich. Danke für diesen wunderbaren Beitrag. Sie machen den Unterschied zum intellektuellen Elfenbeinturm der Emckes dieser Welt. – Martin Schulte


Leserbrief zu „Was in Syrien zu tun ist“

Sie zitierem die deutsche Syrien-Expertin Kristin Helberg:  „Tatsächlich lässt sich Syrien als Staat nur ohne Assad retten“
Muss das um den Preis weiterer Menschenleben und Zerstörungen geschehen oder sollte man Assad so schnell wie möglich, auf welche Art auch immer, eliminieren ?
Die Diskussion bei „Hart aber fair“ am 17.10.2016 im Anschluss an den ARD-Film „Das Urteil“
und das Assad-Interview in englisch, teilweise ausgestrahlt bei Monitor ARD am 20.10.2016
und unter Monitor.de vollständig abrufbar, lassen es moralisch gerechtfertigt erscheinen,
Assad zu beseitigen.
Die Leute des 20. Juli 1944 befanden sich in einer vergleichbaren Situation angesichts der
realitätsfernen, zynischen und menschenverachtenden Geisteshaltung des Diktators, die
Zerstörung des eigenen Landes bewusst in Kauf nehmend….. – K.H.Jaensch


Leserbrief zu „Hallo, hörst du mich?“ von Yascha Mounk

Mounks Reise durch die deutsche Universitätslandschaft  Yascha  Mounk  Harvard Dozent in Politiktheorie bereiste mehrere deutsche Universitäten. Er wollte sich einen Überblick schaffen, jedoch trug er offensichtlich eine sehr merkwürdige Brille. Was hat er gesehen: An der LMU München gibt es  Hörsäle, die nicht immer belegt sind, Lehramtsanwärterinnen, die brav mitschreiben und einen Professor mit orange punktierter Krawatte. Die  TU München liegt im internationalen Ranking knapp hinter der University of Illinois at Urbana-Champaign. Laut Mounk, als nur 2. Liga.

( Dabei hat U. of I. mehrere Nobelpreis-Gewinner hervorgebracht, darunter die zahlreichsten Preisträger des Fachs Chemie.) In einer nichtgenannten Fakultät einer nichtgenannten Universität trifft Mounk einen Nichtgenannten, der vor ein paar Jahren als Post-Doc in den USA war.

Dieser meint, in seinem Feld könnte man locker die beste deutsche Fakultät durch junge Profis aus zweit- und drittklassigen Provinz-Unis der USA ersetzen. An der Leuphana Universität in Lüneburg findet er auf dem Campus Gartenmobiliar, das Studenten einlädt, sich im Freien zusammenzusetzen, miteinander zu diskutieren, vielleicht ein paar Seiten zu lesen. Unter anderem hätte dies auch dazu geführt, dass die Uni mehr Bewerber als Studienplätze habe.

Beim Besuch der Universität Heidelberg ist Mounk enttäuscht, dass der Rektor Prof. Dr. rer.nat. Dr. h.c. Bernhard Eitel trotz dieses „köstlichen  Brimboriums“ im Gespräch leider nicht so eitel war wie erhofft.

Als Quintessenz dieser merkwürdigen Reise kommt Mounk zu dem Schluss, dass die deutsche Universität nur die geringe Ambition hätte, passable Ausbildung der Studenten und respektable Forschung der Professoren zu ermöglichen. Amerikanische Rektoren dagegen wollten die Welt verändern und Studenten zu globalen Anführern formen. Wie er zu diesen Aussagen kommt, erschließt sich nicht aus diesem Reisebericht.

Möglicherweise leidet Mounk unter seinem persönlichen Stil, den Anna Pizkau in einer Rezession eines seiner Bücher in der FAZ (29.10.2015) wie folgt beschrieb: „Yasha  Mounk und sein Text wollen unbedingt klug sein“  – Dr. Heinz Jetter


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Von Globalisierung und Freihandel zu sprechen, so wie Sie es in ihrem Artikel tun, halte ich für sehr problematisch. Beide Begriffe haben höchst unterschiedliche Facetten und können nicht so einfach als ausnahmslos gut oder schlecht dargestellt werden. In Ihrem Artikel führen Sie zwar kritische Punkte an, jedoch bleibt es ein Plädoyer für Globalisierung und Freihandel, das elementare Eigenschaften beider verharmlost.

Wie Sie selber erwähnen, demonstrierten die Menschen in Großbritannien des 19. Jahrhunderts für eine Idee, „dass freier Handel mit einem fremden Land beiden Ländern Wohlstand bringt“. Dies ist in der Tat eine schöne Vorstellung, widerspricht aber mit einigen Ausnahmen den allgemeinen Tatsachen und bleibt eben nur eine Idee. Natürlich haben die Globalisierung und der Freihandel einigen westlichen Ländern massiven Wohlstand gebracht. Dieser Wohlstand basiert jedoch nicht nur alleine auf freiem Handel und einer stärkeren Vernetzung unter diesen Staaten, sondern auch auf der systematischen Ausbeutung anderer, ökonomisch, politisch und militärisch weniger starken Ländern. Die Ausbeutung des afrikanischen Kontinents spielt dabei eine erhebliche Rolle. So können die Anfänge der Globalisierung bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgt werden, bis zum Beginn des atlantischen Sklavenhandels und den europäischen Handelsorganisationen.

Die Lage seit dieser Zeit hat sich natürlich stark verändert, die Anzahl der militärischen Operationen zur Sicherung von Ressourcen von Seiten des Westens hat sich verringert und auch direkter Kolonialismus gehört mehr und mehr der Vergangenheit an.

Dennoch das einzige was sich verändert hat, ist die Methode der Ausbeute, die mithilfe der Globalisierung und des Freihandels, in der jetzigen Form vorangetrieben wird.

Freihandelsabkommen, wie das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA), dass zurzeit zwischen der Ostafrikanischen Union und der EU verhandelt wird, zeigen dies zu deutlich. Dem Mitgliedsland Tansania beispielsweise, das sich bis heute weigert, den Vertrag zu unterzeichnen, wird mit der Einstellung aller Hilfszahlungen gedroht, sollte es zu keiner Einigung kommen. Dabei hat Tansania allen Grund, diesen Vertrag nicht zustande kommen zu lassen, öffnet es dadurch seine sich gerade erst wieder im Wachsen befindende inländische Wirtschaft für konkurrierende Importe aus der EU. Sollte dies der Fall sein, könnte es vielen Wirtschaftszweigen in Tansania ähnlich ergehen, wie der Geflügelindustrie in Ghana oder nun den Milchbauern in Burkina Faso. Die Industrien wirtschaftlich schwächer aufgestellter Länder können in den seltensten Fällen mit den in Massen produzierten und zum Teil hochsubventionierten Waren der EU mithalten. Die Märkte und Industrien müssen deshalb zwangsläufig vor stärkeren Industrien geschützt und freier Handel eingegrenzt werden, wollen wir eine gerechtere Welt haben.

Ihr Artikel argumentiert allein aus einer westlichen Sichtweise und verharmlost den Schaden, den Globalisierung und Freihandel weltweit anrichten dramatisch. Überdies beinhaltet er Verallgemeinerungen die höchst fragwürdig sind. TTIP wird nicht aus erster Linie als Bedrohung in Bezug auf Globalisierung abgelehnt, sondern mangels Transparenz, die zu keiner Zeit der Verhandlungen für die Bürger der betreffenden Länder gegeben war. Demnach den Slogan „Stoppt TTIP“ mit dem Ausruf „Make America great again“ zu vergleichen und ein und demselben Phänomen zuzuordnen, ist schlicht und ergreifend nicht richtig. Sicherlich sind auch in der Anti-TTIP-Bewegung „Globalisierungsgegner“, jedoch beinhaltet der Kern der Ablehnung die gegen jede Art von Demokratie laufende Verhandlungsart.

Um es noch mal zusammenzufassen: Globalisierung und Freihandel sind an sich nicht schlecht. Jedoch nutzen auch heute noch einige wenige Länder ihre Macht, um möglichst einseitige Verträge mit weniger „starken“ Ländern zu schließen. Dass sich die Bürger der Verlierer-Länder an ihre eigenen Politiker wenden sollen, um diesen Missständen zu entgehen, wie die Autorin rät, ist dabei zusätzlich äußerst weltfremd. Zum einen Teil sind diese Politiker durch westlichen Einfluss korrumpiert oder werden von diesem gezwungen die Verträge zu unterzeichnen. Unter diesen Aspekten zu argumentieren, dass Globalisierung bereits ein humanes Antlitz besitze, und dieses doch nur wieder in die Erinnerung der Globalisierungskritiker gerufen werden müsse, ist schlicht und ergreifend ignorant. (Eine Eigenschaft, die vermehrt unter Ökonomen aufzutreten scheint). – Daniel Jákli


Leserbrief zu “Wir bewegen uns da auf einem sehr schmalen Grat” ein Gespräch mit dem Perinatalmediziner Wolf­Henning geführt von Ulrich Schnabel Becker

Ich begrüße es sehr, dass die ZEIT das Thema Pränataldiagnostik und Schwangerschaften mit schwierigem Verlauf immer wieder aufgreift. Ebenso wie der Film „24 Wochen“ tragen Sie damit dazu bei, das Thema aus dem Tabu-Bereich zu holen und eine öffentliche Diskussion zu ermöglichen. Ich finde das ganz besonders wichtig, weil die Untersuchungsmöglichkeiten immer differenzierter werden und auch der Bluttest neue Möglichkeiten mit evtl. schwerwiegenden Entscheidungszwängen eröffnet.

Dass es für Frauen, für Paare durch Pränataldiagnostik zu ganz unmöglichen Entscheidungssituationen kommen kann, zeigt u.a. der Film sehr deutlich.

In diesem Zusammenhang bleibt leider oft (oder nur am Rande) unerwähnt, dass in dieser Situation die Schwangerenberatungsstellen ebenfalls wichtige und hilfreiche Ansprechpartner sind. Vor, während und nach  Pränataldiagnostik kann Beratung in Anspruch genommen werden. Die Fachkompetenz und das Wissen um die örtlichen Rahmenbedingungen können starke Pfeiler in einer solchen Situation sein. Schwangerenberaterinnen verstehen sich als Unterstützer und Begleiter von Frauen, von Paaren – Unterstützung für jede in Frage kommende Entscheidung.

Durch Gesetze geregelt stellt der Staat ein flächendeckendes Netz an Beratungsstellen zur Verfügung – ein Angebot, das kurzfristig und kostenlos in Anspruch genommen werden kann. Beratungsstellen lassen sich auf der Homepage der BZgA finden. Das Land Baden-Württemberg bietet mit seinen Informations- und Vernetzungsstellen Pränataldiagnostik sogar die besondere Möglichkeit, kompetente Ansprechpartner für Berater und Betroffene gleichermaßen zur Verfügung zu stellen. – Ursula Kunz


Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Nach Frau Nienhaus lässt die Globalisierung die Armut schwinden. Leider nicht immer. Was haben wir von der NAFTA gelernt? Detroit ist verarmt und Mexiko bekam die Arbeit, doch unter armseligen Bedingungen!  NAFTA war sozusagen der Vorläufer von TTIP. Die ganze Geheimhaltung ist verdächtig. Was sollen private Gerichte, die entscheiden ob entgangene Gewinne aus Produkten ausländischer Firmen  von  Ländern ausgeglichen werden müssen, die entschieden haben zB Atomstrom nicht mehr zu genehmigen.  Wieso wird in USA darüber verhandelt ob Vattenfall von der Bundesrepublik entschädigt werden muss? – Jörg Bensinger


Leserbrief zum Bild auf Seite 3 des Artikels “Der Fuß” von Malin Schulz

Dieses Bild hat mir erheblich geschockt! Sie hätten das nicht drucken sollen, warum??

Ich hasse die Medien dafür, dass sie Gewalt gegen Kinder so in den Vordergrund stellen. Es ist traurig und schlimm, das so etwas passiert, es muss aber nicht in den Medien so ausführlich behandelt werden, was soll das ändern? Oder denken Sie, Ihre Lesen wollen das sehen? Wenn das wirklich so ist, dann wäre Deutschland eine traurige Gesellschaft. – Uwe Dieckmann


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Vermutlich haben Sie keine Kinder im schulfaehigen Alter oder stammen  beruflich auch nicht aus dem Bildungssegment ab und es ist viele Jahre  her das Sie eine staatliche Schule betreten haben. Ansonsten wäre Ihnen  bekannt, dass die Not an Schulen primär tatsächlich in der Sanierung  der 50er Jahre Klötze herrscht und nicht schliessbare Fenster, desolate  Inneneinrichtungen sowie marodes Bauwerk etc. eines Austausches Bedarf. (Der Personalmangel sei hier ausgeklammert.)Und wenn wir dem  international anerkannten Neurowissenschaftler Manfred Spitzer glauben  wollen, dann macht der Umgang wie z.B. mit Tablets sogar dumm, da es  wenig Eigeninitiative und Kreativität fordert. Was wir Pädagogen  feststellen ist auch, das die Schüler an Kommunikationsstaerke  verlieren und das eigenständige und kritische Denken und Entscheiden  verloren geht mitunter durch schnelle Klicks…Es steht nicht die Angst  des Lehrers im Vordergrund sich technischen Neuheiten nicht stellen zu  wollen- neue Techniken sind längst da- sondern es ist die Weitsicht das  nicht jeder Trend der Richtige ist. Was ist mit der Strahlung,  Elektrosmog etc….aber wahrscheinlich müsste ich Ihnen Twittern damit  sie das lesen, da Sie das gleiche Trendpferd reiten.  Zu ihrer unkritischen Begeisterung zum Silicon Valley empfehle ich  Ihnen das Buch: „The Circle“ von Egg. – Vera Duer


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Zugegeben, ich bin eine Lehrerin der älteren Generation, nicht besonders geschickt im Umgang mit neuen Technologien. Aber das hindert mich nicht, soweit vorhanden, ein (funktionsfähiges) Smartboard im Unterricht sinnvoll einzusetzen.

Was mich an Hartungs Artikel ärgert, sind jedoch zwei Dinge. Zum einen wischt er die durchaus berechtigten Einwände der Lehrerverbände, es sei Geld für die Sanierung der Schulen nötig, einfach mit einem völlig unpassenden Vergleich beiseite. Tatsächlich sind aber manche Schulen (und auch Universitäten) in einem baulich miserablen Zustand. Welch eine Botschaft sendet man an Schüler und Studenten, wenn sie täglich in diesen Gebäuden unterrichtet werden? Überfällig wäre in diesem Bereich auch längst der Einbau von Klimaanlagen, um auch an oft heißen Sommertagen bei erträglichen Temperaturen lehren und lernen zu können.

Das zweite, was mich an Hartungs schnell diagnostizierter „digitaler Bildungsangst“ stört, ist, dass er sich keine Gedanken über die praktischen Probleme beim Computereinsatz macht. Und genau diese sind es, die bei vielen Lehrern eine ablehnende oder zögerliche Haltung hervorrufen. Computer sind störanfällig. Schon bei Smartboards ist schnell etwas verstellt oder kaputt. Wenn dann erst jeder Schüler sein eigenes Tablet oder seinen eigenen Rechner hat, so ist damit zu rechnen, dass häufig ein oder zwei Geräte nicht funktionieren – weil Schüler unabsichtlich oder auch bewusst etwas verstellt haben oder eines der Geräte defekt ist. Muss sich der Lehrer auch darum kümmern, geht wertvolle Unterrichtszeit verloren, die man dringend für die Vermittlung der Unterrichtsinhalte bräuchte.

Wenn die neue Technik also gewinnbringend eingesetzt werden soll, braucht man mehr als die Bereitstellung der Hardware. Dann müssten Stellen geschaffen werden für Betreuer der Computer, dann müssten auch Leute zur Verfügung stehen, die die Lehrer bei den technischen Problemen in den Klassen unterstützen. Nur dann ließe sich die digitale Technik sinnvoll im Unterricht einsetzen. Und es bräuchte Unterrichtsräume, in denen man sich gerne und gut aufhalten kann. – Ute Fickel


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Computern haben und durch deren allgemeine Verfügbarkeit in der Schule Lernprozesse effizienter und ertragreicher würden. Auch könnten so heutzutage unverzichtbare Fertigkeiten eingeübt werden. Doch muss die Pädagogik trotz des atemberaubenden Fortschritts der Digitalisierung die Oberhand behalten; d. h. dass die jungen Leute – viel intensiver als bisher – nur in einer dialogischen, zwischenmenschlichen Beziehung alle ihre geistig –seelischen und auch emotionalen Anlagen und Kräfte entfalten können, die notwendige Voraussetzung für ein gelingendes Leben und vor allen auch für den Bestand und die Fortentwicklung unserer demokratischen Kultur. Wer sonst als berufene Lehrer können in möglichst direkter Zusammenarbeit mit ihren Schüler/innen diesen so grund- legenden Beitrag für unsere Gesellschaft leisten? – Joachim Jankowsky


Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Globalisierung ist so vieles: Grund und Ursache von Armut und das beste Mittel dagegen, Synonym für Kapitalismus und so genanntem Freihandel, weltweite Vernetzung und Vereinzelung aufgrund schwächer werdender sozialer Bindungen …

Eine Hauptursache des starken Wunsches nach Autoritäten und Übersichtlichkeit in einer unübersichtlichen Welt ist die im Artikel angesprochene Spannung zwischen dem Gefühl nicht weiter zu profitieren, und der Tatsache, dass man doch in dem Teil der Welt wohnt, der bisher immer noch profitiert hat.Von Umverteilung kann leider keine Rede mehr sein, wenn die Reicheren noch reicher werden und beim Rest nichts ankommt. Das einzig menschliche am Antlitz dieser Globalisierung ist dann doch die Fehlbarkeit – Freihandel in einem System, das auf Wachstum setzt kann leider nicht „richtig gemacht“ werden, da unbegrenztes Wachstum auf einem begrenzten Planeten nicht machbar ist.

Außer den wilden Marktschreiern auf den politischen Foren der Welt ist es leider bisher keinem gelungen, eine Erzählung für die Widrigkeiten der Globalisierung zu vermitteln, die haften bleibt und überzeugt. So lange das der Fall ist, werden Menschen ihren Zorn gegen Symptome richten (z.B. TTIP und Ceta), da der eigentliche Herrschaftszusammenhang im Verborgenen und der  Gegner damit unsichtbar bleibt. Eine Abkehr vom Wachstumszwang, gekoppelt mit arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Visionen (Steuerlöcher stopfen, Grundeinkommen einführen) für echte Veränderung könnten einen Anfang dieser Erzählung bilden. – David Weineck


Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Sie verwechseln Wissen und Bildung – Ersteres kann man sich über den Computer aneignen, wenn man Bildung hat und damit Unterscheidungsvermögen – Letztere ist ein Prozess von unendlicher Komplexität, der durch Algorithmen weder gefördert noch abgebildet werden kann. Dieses wissend, sind viele Lehrer offenbar bereits einen Schritt weiter als Sie, denn Sie bemühen sich, all die Kompetenzen zu fördern, die einen Menschen in seiner Gesamtheit ausmachen – also ihn tatsächlich bilden und zu einem kritisch denkenden Menschen machen. So gesehen dürfte eher Überzeugung im Spiel sein als Angst. – Franziska Worel


Leserbrief zu „Germany’s Next Saftschubse“ von Jana Gioia Baurmann

Haben Sie vielen Dank für die offenen Worte. Ganz ehrlich, ich habe nicht mit einer Antwort gerechnet. Sie stellen sich der Kritik und das rechne ich Ihnen an.

Müssten Sie noch einmal entscheiden, würden Sie sich für eine andere Überschrift entscheiden. Gut! Vielleicht könnten Sie und das Redaktionsteam sich sogar durchringen in einer der nächsten Ausgaben Abstand von der bisherigen Überschrift zu nehmen.

Inhaltlich liegen wir leider immer noch sehr weit auseinander. Bitte verstehen Sie es richtig, weder geht es mir um Prinzipien noch um „Wortgefechte“.

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Sehr schnell müssen viele Flugbegleiter her! Geeignete Mitarbeiter sind rar und bei so einem Auswahlverfahren greift eine unkonventionelle Vorgehensweise schneller.

Erlauben Sie mir einige Anmerkungen/Fragen/positive Kritik:

  • Ich sprach von Wallraff spielen, nicht von Wallraff sein. Sie wollten den Job nicht, „tauchten“ jedoch unters Volk, um hautnah zu fühlen wie es mittendrin ist. Und das wäre anders nicht gegangen?
  • Die ausgestellte Bordkarte auf den Namen Jana Baumann lädt zu Irritationen mit Ihrem richtigen Namen ein.
  • Wieso ist es wichtig den „billigen“ roten Teppich zu erwähnen? Was hat das mit dem Inhalt des Auswahlverfahrens zu tun?
  • Wieso sprechen Sie von Lufthansa Kostümen und an anderer Stelle von Uniform?
  • Wieso von Lufthansa-Frau und nicht Mitarbeiterin?
  • Wieso möchten Sie in Ruhe gelassen werden? Niemand möchte in Ruhe gelassen werden, wenn er unbedingt den Job haben möchte.
  • Wieso erwähnten Sie nicht, dass bei 50-und 83 Prozent Stellen, zum Grundgehalt immer die Schichtzulage und Spesen und bei Bordverkauf eine Provision hinzukommt? Und wieso erwähnten Sie nicht, dass es sich ausschließlich um Einstiegsgrundgehälter handelt?
  • Wieso ist es wichtig, dass sich die Flugbegleiter von TuiFly ein paar Tage zuvor krankgemeldet haben und Lufthansa „Billigtochter“ Eurowings mit Streik gedroht hat? Wie Sie treffend formulierten, hier warten Bankkaufleute, Wirtschaftspsychologen, Abiturienten und Andere auf ihre Chance. Ihre bisherigen Jobs scheinen Sie nicht glücklich zu machen. Der zukünftige Flugbegleiterjob vielleicht schon. Wenn eventuell auch nur auf bestimmte Zeit – einen Traum leben -. Da rücken sozialkritische Themen in den Hintergrund. Zu menschlich! Sie sind Traumverhinderer mit diesen Anmerkungen.
  • Sie haben von 11.10 Uhr bis 15.45 Uhr nur Müsliriegel und Wasser angeboten bekommen. Wie hätten Sie die Veranstaltung mit ca. 1.800 Bewerbern organisiert?
  • Wie kommen Sie zu dem Schluss der Ablauf sei immer gleich an Bord? Der Gast steigt ein und wird begrüßt—Zustimmung, und bekommt Essen—Nein, nicht immer, Mehr Beinfreiheit und bessere Essensqualität würden viel Geld kosten—stimmt, der Faktor Mensch entscheidet—ja und nein! Die meisten Fluggäste fliegen in erster Linie mit Fluggesellschaft XY, wenn am Tag X die perfekte Flugverbindung steht. Ich stimme Ihnen jedoch zu, der Faktor Mensch hat auch seinen Stellenwert.
  • Fragen wie „ mit Milch und Zucker?“ und „Möchten Sie einen Saft dazu?“ können zum USP werden. Diese Aussagen sind in diesem Kontext provokant und auch etwas gemein, weil nicht jeder Zeitleser auf Anhieb den Begriff Unique Selling Point erkennt.
  • Wieso vergleichen Sie die Bordgastronomie der DB mit dem Service an Bord? Hier vergleichen Sie Äpfel mit Birnen. Die Bordgastronomie der DB wird von Fahrgästen aufgesucht, die diesen Service gegen Bezahlung in Anspruch nehmen möchten. An Bord ist der Service für alle da, in unterschiedlicher Qualität, so wie die Fluggäste dafür zahlen. Und mit Verlaub, auch der Begriff „Holzklasse“ ist eine abwertende Begrifflichkeit! Im Übrigen gibt es auf Flügen in der Business-und Firstklasse sehr wohl gestärkte Tischdecken und weißes Porzellan.

Dieser Artikel ist leider unzureichend recherchiert und mit unnötigen Spitzen formuliert. Mit Kritik können Sie offensichtlich gut umgehen. Ich werde nicht zögern bei anderen Artikeln positive Kommentare zu schreiben- wenn ich es so sehe -.  – Vito Abbate, Lufthansa Systems GmbH & Co. KG


Leserbrief zu „Außerirdisch“ von Josef Joffe

Schön beschrieben, schlecht analysiert! Es gibt kein Mehrparteiensystem, das in Europa einen Trump verhindert. Dass es in den USA immer nur zwei Parteien und auch nur zwei Präsidentschaftskandidaten gibt, liegt am Mehrheitswahlrecht, bei dem die Stimmenmehrheit alles gewinnt, während Platz 2, 3 und folgende schlicht nicht berücksichtigt werden. Bei der Präsidentschaftswahl muss man nicht die Mehrheit der Stimmen gewinnen, sondern in der Mehrheit der Wahlbezirke (Staaten) mehr Stimmen gewinnen als die Konkurrenz. Auf die Wähler wirkt das wie eine Sperrklausel, deren Wert erst nach der Wahl feststeht. Das in Europa verbreitete Verhältniswahrecht kennt diese Art der Polarisierung nicht. Deshalb gibt es auch systematisch mehr als zwei Parteien. Die fast immer notwendigen Koalitionen und die indirekte Wahl des Regierungschefs haben bisher einen Trump verhindert. In den USA kommt hinzu, dass ein Spitzenkandidat unvorstellbar viel Geld braucht, das aus privaten Händen kommen muss. Das hält manche Konkurrenz fern. Vielleicht gibt es deshalb keine besseren Anwärter auf das Präsidentenamt. – Eberhard von Faber


Leserbrief zu Titelthema „Noch leben wir!“

Die Berichte über Syrien auf den Seiten 1 – 6 haben mich sehr zum Nachdenken angeregt.

  • Seite 1         Noch leben wir
  • Seite 2         Befreien und zerstören
  • Seite 3         Kann man denn garnichts tun ?
  • Seite 4         Doch !
  • Seite 5         Was in Syrien zu tun ist;  Schlafräuber
  • Seite 6         Auferstanden durch Ruinen
  • Seiten 1-6    Grausame Realitäten
  • Seite 7         Bei allem Verständnis für Kostendeckung durch Werbeeinnahmen halte ich diese Anzeige für deplatziert. Die vier „verkleideten“ jungen Männer mit „Migrationshintergrund“ auf einer Gasse in Neapel passen auf Seite sieben wie die berühmte „Faust auf´s Auge“.

Etwas mehr Sensibilität bei der Seitenwahl kann ich von: “ DIE ZEIT Wochenzeitung für Politik Wirtschaft Wissen und Kultur“ schon erwarten. – Ludwig Repp


Leserbrief zu „In der Flatrate-Falle“ von Nina George

In diesem Artikel plädiert die Buch-Autorin Nina George für höhere Buch-Preise, für eine Autorin, die vom Verkauf ihrer Bücher lebt, eine verständliche Forderung. In der Zeit Nr 34 plädierte Özlam Topcu für die Beibehaltung der doppelten Staatsbügerschaft, insbesondere für Türken, für einen Betroffenen eine nachvollziehbare Forderung. Aber eigentlich sollten diese Beitrage nicht im redaktionellen sondern im Werbe-Teil stehen und entsprechen gekennzeichnet sein, denn es werden ja ganz persönliche Vorteile beworben. – Peter Pielmeier


Leserbrief zu „Unter Stümpern“ von Christian Fuchs, Anne Hähnig und Stefan Schirmer

„Unter Stümpern“, so lautet die Überschrift eines Artikels der Zeit. Thema ist der Selbstmord
des Terroristen Al-Bakr in einem sächsischen Gefängnis. Sachsen der Pannenstaat, das Land,
„dessen Polizei- und Justizbehörden nicht funktionieren- und mit diesem Versagen die ganze
Republik in Gefahr bringen.“ Das erfährt der Leser gleich am Anfang der Titelseite. Was man
dann über nahezu drei Seiten zum Lesen bekommt, ist jedoch weitgehend nicht mehr als die
subjektive Rhetorik der Verfasser. Das Drehbuch entspricht nicht der angekündigten
Dramaturgie, so könnte man es auch beschreiben.

So ärgerlich eine solche Panne im Einzelnen sein mag, aber es gibt keinen Grund zur
persönlichen Herablassung und schon gar nicht zur apokalyptischen Überhöhung des
Vorfalles. Alles hierzu ist reine Spekulation. Sehr wohl wissen wir aber, dass man
jahrzehntelang und kommentarlos in deutschen Großstädten Brutstätten der Gewalt entstehen
ließ. Dass die unkontrollierte Einwanderung im vergangenen Jahr auch die Gewalt mit in das
Land gebracht hat. Diese Gefahr, von der hier gesprochen wird, sie ist längst da. – Hans Mödl


Leserbrief zu „Unter Stümpern“ von Christian Fuchs, Anne Hähnig und Stefan Schirmer

Nun verfallen Sie nicht, wie der „Stern“, in eine Gesinnung, die den Tatsachen nicht gerecht werden. Ich behaupte, solche „Zustände“ finden Sie in allen anderen Strafanstalten auch. Ihre Autoren kennen wahrscheinlich gar nicht die Zustände in den Vollzugsanstalten. Ob in Hamburg oder Köln, dort flüchten ständig irgendwelche Straftäter. Es scheint in der westlichen  Medienwelt Mode geworden zu sein, den Bürgern der ehemaligen DDR alles mögliche zu unterstellen – nur nichts gutes. – Gunter Knauer


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

TTIP-Gegner = Globalisierungsgegner = Populist. Das ist eine Gleichung, bei der jedem mathematisch begabten und politisch interessierten Menschen die Haare zu Berge stehen. Sie werfen damit Brandbeschleuniger in die demokratische und politische Mitte! – Matthias Gruner


Leserbrief zu „Das Leiden der anderen“ von Adam Soboczynski

Hervorragend formulierter, ausgereifter und ausbalancierter Text einer wohlwollenden Kritik zur Verleihung des Friedenspreises an Carolin Ehmke. Viel, fast alles ist darin berücksichtigt, was zur Diskussion des hochaktuellen Themas Integration und Ausgrenzung beitragen kann. Darin ein Kernsatz: „Da die Hasstiraden in rechtsradikalen Foren oder bei den dummen Rettern des Abendlandes aber nun einmal zur deutschen Realität gehören, erfüllt der Essay (Ehmkes) zweifelsohne die volkspädagogisch wichtige Funktion einer bürgerlichen Selbstvergewisserung über grundlegende ethische Standards.“ Das fasst den Grundsatz auf einem intellektuellen Niveau zusammen, dass die Kultur ja unentwegt betonen und unterstreichen muss, was dem Menschen nicht selbstverständlich ist. Also natürlich? So weit geht der Autor nicht, bietet aber eine Meta-Interpretation einfacherer moralischer Gesinnungssätze an, die einfach sehr angenehm zu lesen ist. Es bleibt aber vielleicht so, dass wir uns in der gegenwärtigen Situation tatsächlich auf kulturelle Grundsätze berufen MÜSSEN, um die angespannte Situation zu meistern und nicht in eine Politik zurückzufallen, die mit Ausgrenzung auch Massenmord gemeint und ermöglicht hat. Vielen Dank, Herr Soboczinski! – Dr. Christa Sütterlin


Leserbrief zu „Ihr seid doch nur neidisch“ von Peter Dausend

Potz-Dausend kann ich da nur sagen. Dieser Einfall, zum jetzigen Zeitpunkt in der Türkei Urlaub zu machen, bedarf schon einer besonderen Portion absoluter Abgebrühtheit. Ihre Kollegen werden in die Anstalten gesteckt, Lehrkörper von jetzt auf gleich ihrer Lebensgrundlage beraubt und Sie urlauben derweil mit EURO in der Tasche auf der Sonnenseite. Wo wollen Sie denn den „gelebten Wandel durch Annäherung“ praktizieren. Im Knast etwa? Diesen Despoten Erdogan und seine Schlappis auch noch indirekt zu stärken, ist mehr als eine Ohrfeige für die freiheitlichen Kräfte in der Türkei. Warum hat denn Can Dündar sein geliebtes Land verlassen? Natürlich, weil er mit dem  Wandel durch Annäherung betrogen, belacht und bestraft wurde. Dann tauchen Sie mal schön ab in der demokratischen Türkei. Normale Anstandsregeln sollten auch Journalisten kennen. Es bleibt nur festzustellen. Potz-Dausend, da werden wir aber total neidisch ob dieser Einstellung. – Gerd Hummert


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Herr Hartung sieht für mich die Digitalisierung zu unkritisch. Woher kommt sie? Fällt sie vom Himmel oder wird sie von Geschäftsinteressen auch gemacht? Wie weit wägt die Bürgerschaft bei diesen Prozessen mit ab? Schreiben muss auch immer noch mit den Händen gelernt werden… Auf Papier.  Was ist Bildung? Was ist Fortschritt? Wer bestimmt den Fortschritt?  Bildung ist für mich als Erwachsener jetzt, die Schattenseite der Digitalisierung antizipieren zu können. – Martin Hoeren  


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Ich werde dein Eindruck nicht los, Sie und Ihre Kollegen verkämpfen sich. Sie arbeiten sich am falschen Gegner ab, um Ihren Titel zu zitieren.

Weder CETA noch TTIP wären auf diesen großen und breiten Widerstand gestoßen, wenn es dabei tatsächlich nur um den Freihandel und die Angleichung von Standards ginge — um Globalisierung im besten Sinne. Stattdessen versuch(t)en aber einflussreiche Lobbygruppen, ihre Interessen rücksichtslos durchzusetzen: wieso Schiedsgerichte, wenn es in beiden Partnerländern funktionierende rechtsstaatliche Justizsysteme gibt? Wieso geheime Verhandlungen (mit Strafandrohungen bei Plauderei) bis zum Schluss? Weshalb die Aushebelung des Parlamentsvorbehalts bei Nachbesserungen? Das ist alles nicht vertrauenserweckend sondern höchst verdächtig und beschädigt die Demokratie. Erst hierdurch kam es doch überhaupt erst zur Mobilisierung breiter Massen. Echte Globalisierungsgegner dürften die absolute Minderheit darstellen.

Der Bogen wurde einfach überspannt. Ihrem Pladoyer zur Globalisierung stimme ich gerne in großen Teilen zu, aber auch für mich wiegen die genannten Gründe schwerer. Beide Verträge sollten daher nochmal neu und ohne diese Klauseln verhandelt werden, statt sie jetzt mit Argumenten zu drohenden Wohlstandseinbußen durchdrücken zu wollen. – Daniel Mader


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Ihr Kommentar auf Seite 1 der Zeit hat mich etwas verwirrt zurückgelassen. Soll das Satire sein? Oder haben Sie vielleicht keine Kinder? Wissen Sie eigentlich, wie teilweise menschenunwürdig die Räumlichkeiten an deutschen Gymnasien sind? Sitzen Sie Seite an Seite, quasi mit Ellenbogenkontakt mit Ihren Kollegen zu 30. in einem winzigen Raum, in dem der Putz von der Decke bröselt neben Fenstern, die nicht isolieren?  Haben Sie schon mal etwas von habitueller Retention mit konsekutiver Blasenentleerungsstörung oder Harninkontinenz in der Adoleszenz aufgrund mangelhafter hygienischer Toiletten in Schulen gehört?

Haben Sie sich vielleicht mal mit Zahlen auseinandergesetzt, wieviel Raumangebot in einer Klasse bestehen sollte? Wieviel Kinder idealerweise in einer Klasse zusammen unterrichtet werden sollten? Wie viele Lehrer fehlen? Wissen Sie wieviel Schüler z.B .in Köln keinen Platz in ihrer Stadtteilschule bekommen?

Elektronik für die Schulen ist wie goldene Taktstöcke für Dirigenten, deren Orchester keine oder schadhafte Instrumente besitzt. Cui bono? Wenn in meinem Fachgebiet Schnapsideen geboren werden, ohne auf die Fachleute (in dem Fall, die Lehrer!) zu hören, lohnt es sich oft zu fragen, woher diese Schnapsideen kommen.

Nebenbei vergessen wir auch oft, dass auch in Zukunft nicht nur Programmierer, sondern auch Menschen gebraucht werden, die einen Stuhl zimmern können oder den Müll wegbringen. Außerdem- in welchem Haushalt stehen denn keine elektronischen Geräte? Welches Kind kann damit nicht umgehen?

Nein, Angst vor Computern habe ich nicht, nur Angst,  dass die digitale Demenz uns den letzten Funken Verstand raubt. – Katharina König


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Die Feststellung, dass hinter der Kritik eine merkwürdige „digitale Bildungsangst“ steckt, ist irritierend. Leider verrät es der Autor des Artikels nicht, wie unsere (berechtigte!) Angst vor zu viel Computern in der Schule digitalisiert worden ist. Wirklich ängstigend ist die Vorstellung, dass Digitalisierung etwas mit Bildung zu tun hat. Es handelt sich um die elektronische Verarbeitung und Speicherung diskreter, aus analogen Größen gewonnener Werte, also um eine Technik.

Schnelles WLAN sei deshalb super, so darf man lesen, weil in der digitalisierten Welt die intelligenten Roboter nicht nur Bandarbeiter überflüssig machen, sondern auch Anwälte, Ärzte, Analysten. Was ist das für eine Zukunft, wenn sie den jungen Menschen mit dem schon in der Schule verordneten Spaß an der Digitalisierung ohne geringste humane Skrupel genommen wird? – Anselm Stieber


 Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Offensichtlich lese ich die falschen Zeitungen. Motor und Erfolg der Globalisierung sind doch einzig die offenen Türen für eine sich beschleunigende Kapital- und damit Machtkonzentration, die, und das dürfte unbestritten sein, mit humanen Zielen nichts zu tun hat. Man kann es nachlesen, dass 62 natürlichen Personen die Hälfte des Weltvermögens gehört. Auch dass die Schere zwischen arm und reich sich immer weiter öffnet, und dass diese Tendenz systembedingt nicht zu bremsen ist, auch das ist kein Geheimnis. Es ist kein Hass gegen die Globalisierung, wie Frau Nienhaus meint. Es ist Sorge um eine Zukunft, in der kein Platz mehr sein wird für kleine Strukturen, denken wir nur an die Landwirtschaft, und es ist die Sorge vor einer Abhängigkeit von wenigen Großen. Wir setzen unsere Freiheit und unsere ganz individuelle Souveränität aufs Spiel.- Anselm Stieber


Leserbrief zu Titelthema „Noch leben wir!“

Erfolglose Strategien muss man ändern: Eine junge Frau wird auf einer Intensivstation eingeliefert, ihr Zustand ist sehr kritisch. Sie ist bewusstlos und muss beatmet werden. Nach Angaben der Mutter war die Frau ein paar Tage zuvor bei ihrem Hausarzt mit hohem Fieber und leichter Atemnot. Sie bekam das beste Medikament gegen Fieber.  3 Tage später lag sie auf der Intensivstation. Leider hat der Arzt nur die Symptome, das Fieber behandelt und die eigentliche Grundkrankheit, die Lungentzündung ignoriert. Genau so ist die Situation in Syrien.

Der Westen behandelt die Symptome und ignoriert die Grundkrankheit. Er kämpft schon lange Zeit in Syrien mit den neusten und besten Waffen gegen Terroristin. Hat er damit Erfolg? ISIS ist eine extremistische Terrorgruppe, geboren und aufgewachsen in der Dunkelheit vom Diktator. ISIS ist eigentlich keine Organisation, es ist eine Mischung aus verschiedenen extremistischen Ideen. Diese Ideen brauchen eine bestimmte Atmosphäre um sich rasant ausbreiten zu können, unter anderem Ungerechtigkeit, Ignoranz, Unterdrückung und Zensur.

Der Diktator schaft diese Atmosphäre in der die extremistische Gruppe atmen kann. Vielleicht kann ISIS durch den Westen geschwächt oder sogar gestoppt werden, aber das wird neue Gruppen mit neuen Namen auf den Plan rufen, weil die Atmosphäre immer noch die gleiche ist. Das 2. Symptom ist die Flüchtlingskrise. Seit 3 Jahren ist der Fokus in den Medien, sowie im europäischen Parlament und in der UN auf eine Lösung der Krise gerichtet.

Trotz der Grenzschließungen, der vielen Vereinbarungen und der verschärften Kontrollen an den Küsten, bleibt der Erfolg aus. Ich kann nicht verstehen warum behandelt man nicht das Grundproblem, den Diktator Assad. Man hätte viele Menschenleben retten können, kostbare Zeit und viel Geld gespart. Man kann die extremistischen Ideen nicht mit Waffen bekämpfen.

Es ist an der Zeit das die westliche Welt ihre Strategie ändert. Es dürfen nicht die Symptome behandelt/bekämpft werden, sondern die Grundkrankheit. Der Westen muss sich noch mehr hinter die Bevölkerung, die sich nach Freiheit, Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung sehnt stellen.  Es ist ein großer Fehler die Bevölkerung in Syrien allein zulassen, gegen Assad-, Russland- und Iranverbrechen.

Die Syrische Bevölkerung will nicht zwischen Assad und ISIS wählen. Sie wollen die Freiheit haben ein neues demokratisches System aufbauen. Ein System in dem Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit und  Minderheitenrechte grantiert werden.

Ein System in dem es keine Chance für Extremisten gibt. Ich hoffe sehr, dass die Zeit kommt, wo der Westen versteht, dass wir keine Waffen und Bomben brauchen.

Was wir wirklich brauchen, ist die Charité in Damaskus, Howard in Homs, Cambridge in Aleppo….  Syrien braucht  zukünfitg, die selben Möglichkeiten wie die westlichen Länder, es soll nicht für Bomben und Kriege bekannt  sein, sondern für gebildete Menschen die viel in der Welt erreichen können, wie es Steve Jobs( das Kind eines Einwanderes aus Syrien) in Amerika tat und leider nicht in Syrien. – Dr. Ahmad Jumaa


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Ich schreibe hier als Mutter zweier Grundschulkinder, ehemalige Dozentin im Bereich Übergang Schule-Beruf (8. und 9. Klasse) und als Studentin im Bereich Wissenschaftsjournalismus. Glauben Sie mir, was unsere Schüler brauchen ist nicht noch mehr Technik in der Schule. Es fehlt viel mehr an sozialer Bildung, an einem ausreichend großem Personalschlüssel, tatsächlich auch an ordentlich sanierten Klassenzimmern und man glaubt es nicht: an intakten sanitären Anlagen. Der Vergleich mit dem Wasser zum Gießen des Spitzahorns im Schulgarten ist absolut unpassend, vielmehr fehlt es den Kindern an Wurzeln.

Als Lehrkraft habe ich zu keinem Zeitpunkt Laptops, Multimedia-Tafeln und Tablets vermisst, obgleich ich diese problemlos bedienen kann. Alle meine Schüler brachten zudem umfassende praktische Fähigkeiten aus diesem Bereich mit. Selbst Kinder aus Familien mit sehr geringen Einkommen hatten Zugang zu unterschiedlichsten digitalen Medien. Das war nie ein Problem. Das eigentliche Problem war, dass die jungen Menschen mehr Ansprache gebraucht hätten, kleinere Klassen, Eltern die nachmittags zu Hause sind, wenn die Kinder von der Schule kommen. Oder Ganztagsschulen, die nicht bloße Aufbewahrungsstätten sind und mit schlecht bezahltem Hilfspersonal den Nachmittag totschlagen.

Auch als Mutter sehe ich keinen Bedarf an iPads und Co. in den Schulen. Dennoch betont die Rektorin unserer Grundschule unermüdlich, dass für alle Klassen welche angeschafft wurden – wozu nur? Ich lehne diese Produkte nicht ab, beherberge selbst zwei Laptops, einen E-Reader und ein Tablet und meine Kinder nutzen diese auch, doch sie brauchen diese nicht für den Unterricht. Stattdessen fehlen in der örtlichen Grundschule ordentliche Toiletten, das Schuldach wurde vom Sturm zerstört und viele Kinder sitzen nun in Containern, die interessanter Weise besser ausgestattet sind als das alte Schulhaus. Wissenschaftler der Uni Ulm rund um Prof. Spitzer haben zudem herausgefunden, dass Laptops in den Schulklassen keine besseren Leistungen ermöglichen. Es geht eher in die Richtung: Die guten Schüler bleiben auf dem gleichen Niveau, die schlechten werden noch schlechter.

Mein Fazit: Die von Ihnen angeprangerten Lehrkräfte haben recht. Schenkt unseren Kinder Zeit, verkleinert die Klassengrößen, ermöglicht Erlebnispädagogik für alle, aber hofft nicht, dass unser Nachwuchs dank Laptop und WLAN  mit einer gesünderen Basis ins Leben geht. – C. Dreyer


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

„Lehrer fürchten die Digitalisierung“ behauptet Manuel Hartung in der ZEIT Nr. 44 und erklärt uns auch gleich die „merkwürdige digitale Bildungsangst“ der „Digitalverweigerer“ in den deutschen Lehrerzimmern. Dass eine Mehrheit der Lehrer die Milliardenoffensive von Bildungsministerin Wanka mit guten Gründen skeptisch sieht, scheint er nicht in Erwägung zu ziehen.

Dabei hätte ein Blick in den WISSEN-Teil derselben Ausgabe für Herrn Hartung und andere aufschlussreich sein können: Dort wird berichtet, dass interessanterweise gerade junge Zeitgenossen (49% der 14-17jährigen und 41,3% der 18-35jährigen) es ablehnen, „Kinder so früh wie möglich an das Internet heranzuführen“. Lediglich die über 66jährigen halten dieses Ziel mehrheitlich für erstrebenswert!

Kann es sein, dass gerade die, die am wenigsten Ahnung von der Materie haben, einer Zwangsdigitalisierung das Wort reden – nicht weil es pädagogisch oder sonstwie sinnvoll wäre, sondern einfach weil es gerade en vogue ist? – Andreas Obrecht


Leserbrief zu „Falscher Gegner“ von Lisa Nienhaus

Auch ich habe gegen TTIP demonstriert. Aber nicht, weil ich Angst vor dem Freihandel hätte – im Gegenteil, ich glaube durchaus, dass dieser zu höherem Wohlstand führt. Ich verstehe allerdings nicht, warum ein Freihandelsabkommen vorsehen muss, dass Wirtschaftsunternehmen die beteiligten Staaten vor privaten oder auch nicht privaten Schiedsgerichten verklagen können, wenn ihre Gewinnchancen durch neue Gesetze geschmälert werden. Darin sehe ich eine Einschränkung der Souveränität der Parlamente gegenüber der Macht der Konzerne. Das zeigte sich am deutlichsten darin, dass selbst die Bundestagsabgeordneten, die für uns über die Abkommen entscheiden sollen, nur zeitlich begrenzt und ohne die Möglichkeit, Aufzeichnungen zu machen, Einsicht in die Verhandlungsunterlagen nehmen durften. Als Bürger, der diese Abgeordneten mit gewählt hat, empfand ich diese Einschränkungen als demütigend.

Solche Schiedsgerichte sind meines Wissens eingeführt worden, um Investitionen in Drittweltstaaten zu ermöglichen und zu fördern, in denen das Rechtssystem nicht vor willkürlicher Benachteiligung ausländischer Investoren schützt. Braucht es einen solchen Schutz in Europa und Nordamerika? Wenn ein europäischer Konzern Investitionen in Europa tätigt, geht er doch auch das Risiko ein, dass sein Gewinn z. B. durch eine Verschärfung von Umweltvorschriften geschmälert wird. Warum muss ein amerikanischer Konzern, der in Europa investieren will, vor diesem Risiko geschützt werden? – Volker Urban


Leserbrief zu „Ein Affront“ von Ronald S. Lauder

Als ich diesen auch von der ZEIT nur als „Glaubensfrage“ auf S. 60 behandelten Protest von Ronald S. Lauder gelesen hatte, verstand ich garnichts mehr und konnte kaum GLAUBEN, was ich dort als kurze Information bekam: Die nicht gerade unbedeutende Unterabteilung der Vereinten Nationen, die UNESCO, zuständig für Erziehung, Wissenschaft und Kultur hat eine Resolution zum kulturellen Status des Tempelberges in Jerusalem herausgegeben, in der dessen 3000jährige Bedeutung für das Judentum keinerlei Erwähnung findet, sondern nur die heutige, islamische seit der muslimischen Besetzung im 7.Jahrhundert.

Interessant ist dabei die Abstimmung über diese unglaubliche Geschichtsverfälschung:

24 Staaten Stimmten dafür (neben islamischen Staaten auch Russland und China, 6 stimmten dagegen wie Deutschland und die USA und 26 enthielten sich. Darunter Frankreich, Spanien, Italien und Schweden, die damit die Annahme der Resolution ermöglichten. Und das ist der eigentliche Skandal. Wenn man die nach Mohameds Tod konstruierte blumig-phantasievolle Legende von dessen „Nachtreise“ von Mekka nach Jerusalem und seine Himmelfahrt vom Tempelberg als realer und bedeutender erachtet als die in den Jahrtausenden zuvor im alten Testament überlieferten Zeiten Samomons und Davids und deren Tempel als höchstes Heiligtum der Juden auch in den jahrhundetelangen Zeiten der Diaspora und das ganze sowieso als religiösen Hokuspokus ansieht dann ist dem eh alles egal. Hier geht es aber um die Abstimmung in einer nicht ganz unbedeutenden Institution der Menschengemeinschaft. Und die sollte man aufmerksam politisch betrachten und analysieren.

Reicht der Einfluss der islamischen Ideologie und Politik schon soweit, dass solche Abstimmungsergebnisse zustande kommen! Beängstigend. Ich stehe nicht allein mir der Ansicht, die auch von kenntnisreichen Muslimen vertreten wird, dass man zunehmend SEHR wachsam sein sollte gegenüber einem ideologischen-politischen Imperialismus. Ich hoffe, dass der Protest gegen diese Resolution breiter wird, bestenfalls zur erneuten Diskussion und Revidierung führt. Sie fragen, was ich für einer bin? Ich bin überzeugter Anhänger des ausschließlich Frieden predigenden Hippies und Reformators der jüdischen Lehre, Jesus. Auch Luther hat zeitgemäß sein Bestes versucht, dessen Lehren wieder zu „demokratisieren“ – aber was wird schon aus gut gemeinten Ideen …. – Jochen Volland


Leserbrief zu „Das Leiden der anderen“ von Adam Soboczynski

Carolin Emckes Ausführungen und Ansinnen kann durchweg zugestimmt werden, wenngleich schon allein aus Gründen der eingehend beschriebenen menschlichen Diversität nicht jeder Relation ihrer Projektionen von Tatsache, Wirkung und Argument gefolgt werden muss.   Die rechtsstaatliche Demokratie ist gewiss das größte Versprechen und der wichtigste Auftrag, den sich eine humane und aufgeklärte Gesellschaft geben kann.   Wohl keine andere Staatsform sichert die Abwehr von Egoismen und Machtmissbrauch, stärkt somit den sozialen Frieden und den menschlichen Zusammenhalt, in einem auch nur annähernd vergleichbaren Maße. Und es ist zweifellos die Freiheit und das Ethos einer befriedeten Gemeinschaft, die den (objektiven wie subjektiven) Werten des Lebens ihre Gültigkeit verleiht, wohlwissend, wie Emcke bilanziert, dass der Erhalt einer freien, säkularen, demokratischen Gesellschaft zu keiner Zeit ein lediglich aus der Komfortzone steuerbarer Mechanismus sein wird.

In diesem Bewusstsein sind nicht allein die geteilten Staatsgewalten, sondern alle Bürgerinnen und Bürger beständig dazu aufgerufen, die Grundrechte eines jeden Menschen in Wort und Tat zu bewahren. Der weitsichtige englische Schriftsteller und Journalist George Orwell hat die Bedeutung von Libertät und Selbstbestimmung seinerzeit wie folgt beschrieben: “Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.“ Und Verantwortung ist hierüber die Pflicht, dies allenthalben mit Respekt und Achtung gegenüber den anderen zu tun. Um diesem humanitären Imperativ tatsäch bestmöglich gerecht zu werden braucht es sicher manchmal einen Perspektivwechsel, aus den Augen verlieren dürfen wir ihn jedoch nicht im Geringsten. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Keine Angst vor dem Computer“ von  Manuel J. Hartung

Seit 42 Jahren bin ich ununterbrochen im Schulalltag tätig, ich habe die Anfänge des PC-Zeitalters mitgemacht und erlebt, wie wichtig und vorteilhaft Computer und internet und Vernetzung in der heutigen Welt sind.

Sie verkennen aber vollkommen die Schulwirklichkeit, wenn Sie glauben – und das tun manche Kultusbehörden leider auch – dass Kenntnisse im Gebrauch von PCs und Smartphones die geistige Entwicklung Jugendlicher besonders fördern. Das Gegenteil ist der Fall.

Jugendliche vertrauen den Überschriften der internet-Seiten ohne kritische Distanz. Zwar kommt man sehr schnell und umfassend via internet an alle möglichen Daten und Artikel. Aber die geistige kritische Auseinandersetzung und Durchdringung ist der wahre Bildungsprozess, und der wird nicht geleistet durch „copy and paste“ , sondern durch Durchlesen, Exzerpieren, Unterstreichen, darüber Nachdenken beim Zusammenfassen…Das schnelle Hasten (und Herunterladen) von einem Artikel zum anderen erzeugt den Irrglauben, man habe nun etwas in seinem Hirn. Man hat es nur auf der Datei.

Das Vorhandensein von Beamern und Tablets im Klassenzimmer erspart die dicken Atlanten mitzuschleppen, erlaubt kurze Einspielungen im Unterricht. Aber dann beginnt erst die eigentliche Arbeit und Auseinandersetzung , im Durchdenken, im Nachsprechen, im Diskutieren mit anderen in der Gruppe.

Computer werden immer Hilfsmittel bleiben, die eine leistungsfähige und schnelle Möglichkeit bieten, Vielfältigstes sich zu beschaffen. Aber genausowenig wie es hülfe, ein Vokabelbuch unters Kopfkissen zu legen , hilft es , sich Informationen aus dem Netz zu ziehen, ohne sich damit auseinanderzusetzen.

Programmieren lernen im Unterricht ist für ein paar wenige, logisch und mathematisch Begabte interessant. Aber die Informatik erschließt sich dem Großteil nicht, auch wenn man in der dritten Klasse mit kleinen Progrämmchen beginnt, die ja nicht dem Hirn des Drittklässlers entspringen. Eine Programmiersprache ist streng logisch aufgebaut und ist eine künstliche , komplexe, keine lebendige Sprache. Was die Kinder und Jugendliche mit dem PC machen, ist sich seiner Software zu bedienen. Aber wenn man sich zB in der Mathematik des Schaubildmoduls bedient, zeichnet der PC wunderbare Schaubilder, aber der Bediener versteht nicht, warum das Bild so ist, wie es ist, weil er es noch nicht selbst Stück für Stück in einzelnen Punkten entstehen ließ. Der Schöpfungsprozess geht ihm ab. Folge ist, dass er nicht durchschauen kann, ob das, was ihm der PC zeigt, stimmen kann.

Während all der Jahre, in denen ich nun unterrichtet habe, kam es immer darauf an , den Lernprozess durchsichtig zu machen und das Verstehen und Be-greifen zu begleiten. Computer sind bei dieser geistigen Auseinandersetzung mit der Welt und ihren Regelkreisen, mit den Beziehungsgeflechten eher hinderlich. Sie können als Hilfsmittel wunderbar eingesetzt werden, aber nur als Hilfsmittel. Der Mensch hat die Verantwortung, nicht der PC oder das Programm. Wer sich nicht seines Verstandes kritisch bedienen kann, wird Knecht der Maschine und liefert sich ihr aus.

Die Milliarden des Bundes sollten dazu verwendet werden, nicht die Schulklos schöner zu streichen, sondern die Lehrer fort- und weiterzubilden, denn wie Hattie in seiner Studie zeigte: Nicht die Größe der Klasse ist entscheidend für den Erfolg des Unterrichts, sondern die Person, die den Unterricht leitet, der Lehrer. Wir brauchen in erster Linie besseren Unterricht durch bessere Lehrer! Und ob sie dabei PC’s oder Tablets oder…einsetzen, ist zweitrangig. In den Köpfen der schüler muss etwas in Gang gesetzt werden. – Alois Lienhard

 

13. Oktober 2016 – Ausgabe 43

Leserbrief zu „Kämpfen, wie ging das noch?“ von Bernd Ulrich

Fulminant, instruktiv, ausgezeichnet. Wieder einmal gelingt es der Zeit, verstörende Gedanken, die auch mich seit einiger Zeit umtreiben, zusammenzufügen und auf den Punkt zu bringen. Nicht aufhören damit, so können wir weiterarbeiten. – Dr. Claus Bornemann


Leserbrief zu „Das Märchen von der guten Avocado“ von Elisabeth Raether

Der ausführliche Artikel zum Superfood „Avocado“ zeigt wie schizophren doch die selbsternannten Weltverbesserer eigentlich zu sein scheinen. Auf der einen Seite ernähren sich immer mehr Menschen westlicher Industriegesellschaften „bewusst“ vegan oder verzichten auf Fleisch, üben also den Verzicht, auf der anderen Seite, werden dann Früchte oder Samen zu Statussymbolen des umweltbewussten Bürgers erhoben. Kann man sich nicht eigentlich denken, dass importierte Früchte aus fernen Ländern nicht gut sein können für die Ökobilanz und für die Verbesserung der Welt? Braucht es dazu erst einen Artikel in der ZEIT?

Wir müssen endlich begreifen, dass Großplantagen in Entwicklungsländern, die nur dazu dienen die europäischen Märkte zu beliefern, das Entwickeln einer Landwirtschaft für die heimische Bevölkerung verhindern und so die Lebensbedingungen verschlechtern, so dass diese Menschen vor Hunger sterben oder flüchten. Wir müssen endlich merken, dass wir auf Kosten des Planeten und vor allem auf Kosten der Menschen in Entwicklungsländern hier in Europa im Überfluss leben. Ich wünsche mir endlich, dass der Trend regional und saisonal zu essen so populär wird, dass Avocados zu Ladenhütern werden. Aber dagegen werden die großen Unternehmen, die gewaltig am Import exotischer Früchte verdienen, sicher etwas zu unternehmen wissen. – Stephan Ehrenberg


Leserbrief zu „Wenn die EU untergeht, wird keiner weinen“ von Wolfgang Streeck

Glückwunsch der ZEIT-Redaktion zu ihrem Entschluss, diesen scharfsinnigen, das Wesentliche benennenden, Scheuklappen- und Pädagogik-freien Beitrag zu drucken, wenn auch nur im Feuilleton. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zu „Wir wollen Ceta“ ein Gespräch mit Reiner Hoffmann geführt von Petra Pinzler

Kippt CETA unser Vorsorgeprinzip?

Nachdem das Verfassungsgericht feststellte, dass rein europäischen Vertragsteile ohne nationale Parlamente in Kraft treten können und damit kanadische Produktzulassungen nach der Ratifizierung ohne Unbedenklichkeitsnachweis bei uns gelten, kommen deren neue Produkte viel schneller, also mit großem Wettbewerbsvorteil auf unseren Markt. Vor Schädigungen durch diese Produkte schützt uns aber noch nicht einmal das kanadische Nachsorgeprinzip, weil wir in unserem Rechtssystem keine hohen Summen einklagen können und Anwälte bei uns auch nicht gegen Gewinnbeteiligung vertreten dürfen. Welcher europäische Bürger würde versuchen, für geringe Gewinnchancen jahrzehntelange Prozesse mit zig Gutachten zu führen, um kanadische Firmen in Regress zu nehmen? Kanadische Firmen wären deshalb dumm, wenn Sie riskante Produkte künftig nicht zuerst an uns ausprobieren. CETA und TTIP ohne gleichzeitige Angleichung der Rechtssysteme bringt den EU-Bürgern folglich gewaltige Nachteile im Verbraucherschutz. Die Kanadier können dagegen unsere Firmen bei sich mittels Sammelklagen sehr wohl auf Milliarden-Ersatz verklagen! – Richard Geist


Leserbrief zu „Afrika kann sich nur selbst retten“ ein Gespr