19. Januar 2017 – Ausgabe 4

Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Wer Trump verstehen, sich seine bisherigen Erfolge erklären und sein mögliches zukünftiges  Scheitern abschätzen will, sollte sich das Gebaren typischer amerikanischer Großkonzerne  in der vor-digitalen Zeit vor Augen führen: Mit aggressiven Management-Methoden, meist ohne  Rücksicht auf die Geschichte, die Kultur, die Strukturen und die sonstigen Eigenarten der Märkte und mit einem Führungspersonal, das weniger nach fachlicher Kompetenz, sondern primär nach Durchsetzungsvermögen gegenüber der Belegschaft und der Konkurrenz ausgewählt wurde,  versuchte man, oft mit großem Erfolg, den Shareholder Value zu steigern. Aber: General Electric schmückte sich einst mit dem Etikett „Most admired company of the world“ und musste doch z. B. GE Capital sang- und klanglos begraben, und Walmart ist in Deutschland  krachend gescheitert. Die Hybris des Donald Trump könnte zu ähnlichen Ergebnissen führen. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Ein interessanter Artikel von Herrn Joffe. Fragen bleiben offen, woher die Annahme kommt, dass Trump „hochintelligent“ sei – ich vermag nicht dagegen argumentieren, aber ein kleiner Beleg wäre nicht schlecht, und was in Sachen Globalisierung bis 1914 und dann erst ab 1970 maßgeblich passierte: „Die erste Globalisierung endete 1914, die zweite begann um 1970.“ In einem ersten Impuls würde man sagen, Globalisierung findet seit Menschengedenken immer stärker statt. – Eike Arnold


Leserbrief zu “ Ein rechtes Urteil“ von Heinrich Wefing

Die NPD ist verfassungsfeindlich und wird dennoch nicht verboten, weil unbedeutend! Sehr kurios, denn darin liegt eine Kehrtwendung des Bundesverfassungsgerichts zu seinem KPD-Urteil in 1956, wonach „Eine Partei … auch dann verfassungswidrig im Sinne des Art. 21 Abs. 2 GG sein (kann), wenn nach menschlichem Ermessen keine Aussicht darauf besteht, daß sie ihre verfassungswidrige Absicht in absehbarer Zukunft werde verwirklichen können.“ Könnte es sein, dass diese Kehrtwendung auch mit einem anderen, im Urteil nicht erwähnten aktuellen Grund zu tun hat, etwa dem, der alles andere als unbedeutenden AfD zumindest die rund 1,5% NPD-Wählerstimmen zu entziehen, die sie wahrscheinlich im Falle eines NPD-Verbots bekäme? Dies ist deshalb nicht abwegig, weil die Richter am Bundesverfassungsgericht unter Durchbrechung des Gewaltenteilungsprinzips nicht von der Richterschaft, sondern von Bundestag und Bundesrat, also den regierenden etablierten Parteien, gewählt werden. – Dr. Csaba Láng


Leserbrief zu „Die ist einfach nicht authentisch“ ein Gerpäch mit Roland Berger, geführt von  Laura Cwiertnia

Da haben Sie den Roland ja ganz schön auf das Glatteis gelockt! Die Beurteilung wie er sich da gehalten hat soll jeder Leser selbst durchführen, lediglich eine Äusserung möchte ich, als Unternehmensberater, korrigieren.

Der Unternehmensberater, also auch ich, trägt keinesfalls eine größere Verantwortung als Lehrer, Ärzte oder Journalisten. Denn erstens entscheidet er  N I E , sondern stets der Unternehmer und zweitens trägt er  N I E  die Konsequenzen, sondern der Unternehmer und das Unternehmen in seiner Gesamtheit!

Insgesamt ist die Beraterbranche sowohl überschätzt, als auch überbezahlt. Warum, seit wann und in welcher Art wäre ein separater Artikel! – Torsten Heydrich


Leserbrief zu „Leinen los, die Insel legt ab“ von John F. Jungclaussen

Von Großbritannien gingen einmal die großen, Welt wirksam  gewordenen, theoretischen Anstöße für Freihandel und internationalen Wettbewerb aus. Als Stichwort genügen die Namen:  Adam Smith, John Stuart Mill,  David Ricardo. Das Vereinigte Königreich trieb die globale Handelsverflechtung – auch später durch den Finanzplatz London – mächtig voran. Als „Empire“ entwickelte Großbritannien eine weitaus größere Strahlkraft in weltwirtschaftlichen Fragen als  Portugal, Spanien Holland oder Frankreich. Nun ist aber – wie die ZEIT ja schreibt – seit dem EU-Beitritt des UK Anfang der 7oer Jahre des vorigen Jahrhunderts der Anteil des Außenhandels am britischen Sozialprodukt kontinuierlich zurück gegangen. Dies fällt zusammen mit einer beispiellosen De-Industrialisierung des ältesten Industrielandes der Welt, nämlich Großbritannien. Lange Zeit übte man sich im UK an einer fest hämischen Kritik gegenüber der Bundesrepublik.   Während das UK selbst die modernsten Dienstleistungen,  insbesondere im Finanzbereich,  erfolgreich betreibe, sei Deutschland im Festhalten an güterwirtschaftlichen Strukturen rückständig.^^ Der Brexit muß  nun vor diesem Hintergrund ganz anders erklärt und gelesen werden. Ausgerechnet das UK verabschiedet sich vom Wettbewerbsprinzip und vom Freihandel und macht das eigene Territorium Menschen dicht gegenüber der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte. Premierministerin Theresa May versucht einen Verzweiflungsakt, sich aus dem Wettbewerb innerhalb des EU-Binnenmarktes zu verabschieden. Wichtige Unternehmen, die noch güterwirtschaftlich im UK produzieren, sind längst in ausländischer ( insbesondere deutscher und indischer) Hand. ^^ Daß Großbritannien meint, sich aus dem Gewebe internationaler Rechtsbeziehungen so einfach einmal lösen zu können, ist ein einziger Treppenwitz der Wirtschaftsgeschichte. Nicht das UK übernimmt als“ europäisches Singapur“ die Geschicke der Weltwirtschaft, sondern das UK wird weiterhin Übernahmekandidat für Investoren aus aller Welt bleiben. So sind nun einmal die wirtschaftlichen Machtverhältnisse. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

In der neuen Ausgabe der Zeit findet sich auf Seite 13 ein hervorragender Artikel : Zur Wahl steht :die Demokratie. Ich habe ihn mir von eurem  Archiv zusenden lassen, um ihn möglichst vielen Leuten weiterzugeben.

Meine Bitte: Widmet doch diesem Thema regelmäßig Artikel, damit dieses Denken auch hier Schule macht. Denn das ist wirklich ein guter Weg, Menschen das Gefühl zu geben, an Entscheidungen teilzunehmen und wahrgenommen zu werden.   – Josef Völker 


Leserbrief zu “ Ein rechtes Urteil“ von Heinrich Wefing

Artikel 21 Absatz 2 GG lautet: „ Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig. Über die Frage der Verfassungswidrigkeit entscheidet das Bundes-verfassungsgericht.“

Gemäß Artikel 21 Absatz 2 GG hat das Bundesverfassungsgericht  dem klaren Wortlaut nach keinesfalls primär über ein Parteiverbot zu entscheiden, es hat allein die Frage der Verfassungswidrigkeit und zwar ausschließlich  hinsichtlich der Ziele der Partei zu beantworten, nicht  die Frage wie effektiv die Partei bei der Verfolgung dieser Ziel war oder zur Zeit ist.

Das Bundesverfassungsgericht hat, dies entnehme ich den Ausführungen des Artikels, entschieden, dass die NPD hinsichtlich ihrer Ziele verfassungsfeindlich und damit verfassungswidrig sei.

Damit ist die eigentliche Arbeit des Bundesverfassungsgerichtet getan. Wird eine Partei für verfassungswidrig erklärt, so treffen grundsätzlich gemäß § 32 Abs.1 PartG die von den Landesregierungen bestimmten Behörden im Rahmen der Gesetze alle Maßnahmen, die zur Vollstreckung des Urteils (Vollzug des Verbotes verfassungswidriger Parteien) erforderlich sind.

Nach § 32 Abs. 3 PartG kann das Bundesverfassungsgericht die Vollstreckung nach § 35 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht jedoch in Einzelfällen abweichend von den Vorschriften des § 32 Absatz 1 und 2 PartG regeln. Dies bedeutet: das Bundesverfassungs-gericht kann den Nicht-Vollzug seiner Entscheidung anordnen.

Dies wird es dann, wenn nach dem Verhältnismäßigkeitsprinzip anzunehmen ist, dass der Vollzug einen unverhältnismäßig großen Aufwand darstellt angesichts der Offenkundigkeit des Darniederliegens einer als verfassungswidrig angesehen Partei.

Ein Problem, das sich mit hoher Wahrscheinlichkeit allein erledigt, oder so minimiert ist, dass es eben nicht mehr problematisch ist, muss nicht noch mit großem Aufwand aus der Welt geschafft werden.
Dies muss die Matrix für die womöglich weitläufigeren Ausführungen des Bundesverfassungs-gerichtes sein. Alles andere wäre gegen klare verfassungsrechtliche Vorgaben.

Wollten die Richter des Bundesverfassungsgerichts im Umgang mit Extremisten erst Streit und keine Verbote, wie im Obersatz des Artikels zum Ausdruck gebracht, dann hätten sie ihre roten Roben an den Nagel zu  hängen und sollten den Weg als Politiker wählen.

Artikel 21 Absatz 2  GG hat gerade durch die Fokusierung  auf die  „Ziele“ einer Partei, dem Rechtsstaat die Möglichkeit gegeben, dem Grundsatz „Wehret den Anfängen !“ im Bedarfsfall rechtzeitig Rechnung tragen zu können. – Dr. Manfred Regler


Leserbrief zu den Leserbriefen „Es fehlt nicht nur an Geld“ zu Julia Friedrichs: „Jedes fünfte Kind ist arm“

Als Erwiderung zu einem Leserbrief von Claudia Füßler möchte ich bemerken, dass die kinderlosen Ehepaare keineswegs pauschal weniger Ausgaben haben, denn sie zahlen doppelt in Krankenkassen, Pflegeversicherung (sogar erhöhten Beitragssatz), Rentenversicherung (von der Mütterrente und ähnliches gezahlt wird) und mit ihren doppelten Steuern finanzieren sie den Krankenschutz der Familien, die Kindergärten, Kitas, Schulen, Bafög und vieles mehr, das die Kinder der ‚Anderen‘ in Anspruch nehmen können. Weshalb müssen immer diese kinderlosen Ehepaare herhalten, wenn es eigentlich an anderen Fehlentwicklungen liegt, dass Kinder nicht die ihnen zustehenden Lebensumstände haben? Hat sich Fr. Füßler übrigens mal überlegt, dass es auch ungewollt kinderlose Paare gibt, die sich bei ihr dafür auch noch rechtfertigen müssen? –  Dagmar Lundmark


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

So sehr ich Sie als politischen Analytiker schätze, in diesem Artikel vergreifen Sie sich mangels Fachkenntnissen im Urteil. Sie schätzen Herrn Trump als „hochintellligent“ ein, verschweigen uns aber die Quelle Ihrer Schlussfolgerung. All das, was bis dato von Herrn Trump zu hören war, beweist keine außergewöhnliche Intelligenz; die ist auch zum geschäftlichen Erfolg  entbehrlich, dieser taugt somit auch nicht als Beweis. Sie stufen ihn als „nicht verrückt ein“, auch da verschweigen Sie uns, welchem Fachmann Sie diese Erkenntnis verdanken. Trumps Erfolgsgeheimnis scheint in der Tat viel mit seiner Schamlosigkeit zu tun zu haben,  da stellt sich aber automatisch die Frage nach der Quelle dieses Verhaltens.

Aus meiner Sicht wird man Trump nicht gerecht, solange man seine Psychopathologie übersieht oder geringschätzt. Damit meine ich nicht seine narzißtische Persönlichkeitsausprägung an sich, die haben viele Wirtschaftskapitäne und Politiker, ohne deswegen gleich frei von moralischen Standards zu sein, sondern das Ausmaß der subjektiv empfundenen Bedrohung seiner Persönlichkeit, das ihn zu hektischen, unüberlegten, oft selbstschädigenden Reaktionen veranlasst. Trump stellt sich aus gutem Grund keiner Diskussion; er umgibt sich mit lauter Leuten, die von Politik so wenig verstehen wie er, dafür aber seine Sprache sprechen, und die ihm dadurch Sicherheit geben, ohne ihm voraus zu sein. Für die engeren Zwiebelschalen um sich herum rekrutiert er Verwandtschaft, anderen scheint er nicht (mehr) zu trauen.

Möge er seine Experimente mit wirtschaftlichem Isolationismus machen, das ist hier nicht mein Thema. Viel wichtiger ist, dieser Mann ist alles andere als krisenfest, im Grunde mit seiner jetzigen Position heillos überfordert, ein Strahlemann auf dem Höhepunkt seiner narzißtischen Schwellung, jedoch gänzlich ohne Haut und im Grunde voller Angst. Zu befürchten ist, dass er schon ohne objektive Bedrohung seiner Position alles wegschießt, was sich ihm in den Weg stellt; einer realen Krise ist er in keiner Weise gewachsen, es kann alles von ihm erwartet werden.

Moralische Standards werden ihn mangels Vorhandensein an nichts hindern.

So ein Mensch denkt nicht weiträumig, er phantasiert höchstens weiträumig. Sein Denken ist auf das Stabilisieren seines Selbst im Hier und Jetzt gerichtet, auf nicht mehr. Erwarten Sie nicht Strategie von ihm, allenfalls (kurzsichtige) Taktik, dann sind Sie auf der sicheren Seite. – Dr. Hartwig Kulke


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Welche Teufel haben Sie denn da geritten, als Ihnen einfiel, Trump nach der Aufzählung all seiner Missgriffe als „hochintelligent“ (2. Sp.,

oben) zu werten? Hörten Sie denn da nicht das disharmonische Sausen in den Gräbern Ihrer Vorgängerin, der „Gräfin“, und Ihres Vorgängers Helmut Schmidt? Sie widersprechen sich doch selbst, wenn Sie gleich eingangs schreiben „Nur kurz … ging das Fenster der Vernunft bei Donald Trump auf“, denn dazu passt das „hochintelligent“ überhaupt nicht – Grundfeste jeglicher Intelligenz ist nämlich die Vernunft. Ihrem Chefredakteur und der Redaktionskonferenz muss ich vorwerfen, dieses „hochintelligent“ durchgehen gelassen zu haben, oder können Sie gar unbesehen schreiben, was Ihnen gerade so einfällt? Ich erwarte in der nächsten Nummer Berichtigung. – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Die ist einfach nicht authentisch“ ein Gerpäch mit Roland Berger, geführt von  Laura Cwiertnia

Roland Berger hat Recht – die Praxis und die handelnden Personen der Unternehmensberatung  werden in dem Film „Toni Erdmann“ völlig unrealistisch, in einigen Passagen bestenfalls oberflächlich  dargestellt. Es handelt sich nicht einmal, wie Sie schreiben, um eine Persiflage, die als Übertreibung  oder Überspitzung akzeptabel wäre, sondern schlicht um Szenen voller Fehler und Klischees – im  Guten wie im Schlechten. Ein Tiefpunkt ist der in mehrfacher Hinsicht völlig irreale Besuch auf einer Baustelle der Ölfirma.  Und wenn bei einem realen Beratungsprojekt ein nuschelnder Narr mit Zauselperücke auftauchen  würde, der in Beziehung zu einer Beraterin steht (in diesem Fall sogar als Vater), würden die Vorgesetzten  diese Beraterin vor die Alternative stellen, dass entweder der Hanswurst oder sie sofort zu verschwinden  hätte. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zum Titelthema “ Was für eine Vorstellung!“

„Das Publikum beklatscht ein Feuerwerk, aber keinen Sonnenaufgang“ Friedrich  Hebbel (1813-1863, dt. Dramatiker u. Lyriker)

Hebbels Satz passt gut in die gegenwärtige politische Landschaft:

Das Publikum (Teile des „Volkes“) spendet Beifall den marktschreierischen Populisten (Trump) und Volksverhetzern (AFD), die schnell ihr Pulver verschossen haben dürften, nicht aber den demokratischen Kräften, die erst für dauerhaften Frieden, Wohlstand und Freiheit gesorgt haben. – Bernd Schwarz


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Endlich keine spekulativen Sandkastenplappereien mehr, sondern fundamentierte, sachliche Berichterstattung mit historischen Hinweisen, die einiges erklären. Ein konstruktiver kritischer Blick auf die Hintergründe, der künftige Einschätzungen besser eröffnet. Darauf hat man lange gewartet. Dank an das Team Kohlenberg, Lau und Schieritz! –  Marianne Peycke


Leserbrief zu “ Mein Leben mit dem Monster“ von Daniel Kehlmann

Bravo für diesen Augenöffner, bravo auch für den Mut,  dies  als momentaner „US-resident“  an prominenter Stelle so ungeschminkt zu publizieren. Was können Literaten, was könnte die „schreibende Zunft“ (die mehr drauf  hat  als nur zu  twittern)  darüber hinaus  gegen den bevorstehenden Kulturschock tun?

Mein Vorschlag : Den Namen dieses Größenwahnsinnigen, der sich da an keine Regeln hält, konsequent klein schreiben – kleines d, kleines t.  Und wenn wir seinen Namen aussprechen, stottern wir  – kleine Erinnerung an seinen Umgang mit einem Behinderten, dessen Handicap er nachäffte.  Klar, alles reine Symbolik, die diesen herrn kalt lassen wird. Aber man zeigt damit auch, dass man ihm doch etwas entgegen setzen und seine Opposition öffentlich machen kann.

Die wahren Werte und die grandiosen Menschen, die die USA schon hervorgebracht hat, die schreiben wir natürlich umso bewusster …. groß. – Michael Euler-Ott


Leserbrief zu „Blinde Flecke“ von Yannick Haan

Den Beitrag von Yannick Haan kann man nur als postfaktisch bezeichnen. Die Behauptung, die Opfer der Terroranschläge seien selbst schuld ist zynisch. Sie hätten halt mehr für die Integration der Ausländer tun müssen – da stellt sich die Frage, ob dann die deutschen Muslime auch selbst an einem Anschlag auf eine Moschee wären, weil sie halt mehr für die Integration hätten tun müssen und den indigenen Deutschen mehr Respekt hätten entgegen bringen müssen? – Jan Alexander


Leserbrief zu “ Ein rechtes Urteil“ von Heinrich Wefing

Ihren Artikel habe ich mit Aufmerksamkeit gelesen. Der von Ihnen gewählten Überschrift stimme ich vollständig zu, nicht aber Ihren nachfolgenden Ausführungen. Sie sind mir zu vorsichtig und zurückhaltend. Ein klar erkennbarer Standpunkt – nicht nur in der Überschrift- währe bei dieser Problematik wohl angebracht. Gern teile ich Ihnen meine Meinung zu dem Nicht-Verbot der NPD-mit:

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes  ist schwer zu verstehen und für viele Leser wohl nicht nachvollziehbar. Wie kann ein solches Urteil zustande kommen, nachdem anerkannte, deutsche  Politikwissenschaftler parallelen zwischen dem NPD-Programm und der Programmatik der NSDAP zweifelsfrei festgestellt haben ? Das Gericht führt in seiner Begründung aus, das politische Konzept der NPD missachtet die Menschenwürde und ist mit dem Demokratieprinzip unvereinbar.   Eine beachtliche Zahl von Innenministern  aus den Bundesländern haben diesen Verbotsantrag unterstützt und sind zur Entscheidungsverkündung mit Hoffnung nach Karlsruhe angereist. Das Nicht-Verbot der NPD durch das Bundesverfassungs-gericht  kann auf den sehr problematischen Kerngedanken reduziert werden, wonach die NPD wohl rassistisch, nationalistisch und antisemitisch ist, a b e r unbedeutend und ungefährlich,  weil die Mitgliederzahl der NPD (noch !!!) zu gering ist. Auch die NSDAP hat bekanntlich mit wenigen Mitgliedern begonnen und unbeschreibliches Unheil – auch mit ihrer Ideologie – mit angerichtet. Das Kriterium aktuelle Mitgliederzahl hatte das Bundesver-fassungsgericht 1956 beim KPD-Verbot nicht angewendet. Eine solche Rechtsprechung sollte doch sehr zum Nachdenken anregen.

Was denkt wohl die restliche Welt über Deutschland , wenn das deutsche Verfassungsgericht im Kalenderjahr 2017 ein solche Entscheidung trifft und damit der NPD einen „Persilschein“  ausstellt ?

Berthold Brecht schrieb 1941 in seinem Anti-Kriegsstück – Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui –

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ – Dr. Stephan Müller


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Spätsommer 2015. 25 Millionen Wahlberechtigte haben im Parlament keine Stimme. Warum? Weil das Parlament, und mit ihm die Qualitätspresse, sich damit begnügt, den Rädelsführern von AfD und Konsorten diskussionswürdige Positionen abzusprechen. Was nicht falsch ist, aber den 25 Millionen Bürgern ihre Fragen nicht beantwortet und ihre Sorgen nicht nimmt. Noch ist unsere Demokratie zu retten. Man muss nur einmal übers Bruchstückhafte, übers aktuell Taktische hinausdenken, die Sorgen wahrnehmen, eine echte langfristige Perspektive erarbeiten. Noch ist das möglich. So einfach. So schwer. – Angela Paap


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Nach schier endlosen Wochen mit billiger Polemik gegen Trump, die zudem meist mit beachtlicher Arroganz daherkam – noch zu dem der schlimmsten, die ich kenne, der Arroganz der Dummheit,  hat sich Ihr Blatt dieses Mal  ernsthaft mit dem neuen Präsidenten der USA auseinandergesetzt. Ein Fortschritt und dringend erforderlich! Ich hoffe auf Fortsetzung dieses Lernprozesses. – Dr. Erken Schmidt


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Chapeau Herr Joffe, oder- welcome back! Der glühende Bewunderer der konservativen amerikanischen Politiker ist heimgekehrt in das Lager der „Zeit“ und schreibt einen Leitartikel über den schamlosen, größenwahnsinnigen Donald Trump. Das wurde auch „Zeit“!. – Dieter Hasselberg


Lesesrbrief zu “ Stimmt’s?“ von Gudrun Günther

Soeben las ich “Stimmt‘s” (DIE ZEIT, Nr. 4, 2017)  den unsinnigen  Begriff „Klimaerwärmung“ gleich mehrfach.  Man kann das Klima nicht erwärmen!    Hier die Erklärung:  Durch den sog. „Treibhauseffekt“, was allerdings physikalisch ein falscher Begriff ist,  erwärmen sich allenfalls die Erdoberfläche und die Troposphäre.

Die durch anthropogene Aktivitäten verstärkte Erwärmung der  Erdoberfläche und der Troposphäre wird oft als Erderwärmung bezeichnet.  Das ist ebenfalls Unsinn, da ja nur ein sehr, sehr kleiner Teil der Erdmasse erwärmt wird.  Klima ist eine Zustandsbeschreibung der  komplexen Prozesse in der Troposphäre und deren Wechselwirkungen mit der Erdoberfläche.   Eine solche  Zustandsbeschreibung (== Klima)  ist nur für Zeiträume > 30 Jahre und natürlich nur für einen definierten Teil der  Erdoberfläche  einigermaßen sinnvoll.

Eine Masse (im physikalischen Sinne)   kann man erwärmen, aber keine Zustandsbeschreibung.   Bitte diesen unsinnigen Begriff „Klimaerwärmung“ nicht wieder verwenden und auch nicht durch Erderwärmung ersetzen.  Klimaveränderung ist richtig!    Erlauben Sie mir noch folgende Bemerkung:  Mehrfach habe ich die hier beschriebne Verwendung der unsinnigen Begriffe  „Klimaerwärmung“ und „Erderwärmung“ in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ moniert. Mehrere Redakteure begründeten die  Weiterverwendung dieser Begriffe  mit dem Argument, diese Begriffe seien allgemein gut verständlich.  Ich verstehe das nicht!  – Paul Gerhard  


Leserbrief zu den Leserbriefen „Es fehlt nicht nur an Geld“ zu Julia Friedrichs: „Jedes fünfte Kind ist arm“

Zwei Vorurteile in den abgedruckten Leserbriefen sind ärgerlich. Erstens werden die Einzelfälle, die es tatsächlich gibt (Geld kommt Kindern nicht zugute, Eltern sind Alkoholiker, … ) benutzt, um eine sinnvolle zusätzliche finanzielle Leistung an arme Familien generell als nicht notwendig und als nicht zweckmäßig darzustellen. Im Regelfall dagegen wird eine erhöhte finanzielle Zuwendung, so behaupte ich, sowohl für die meisten Eltern, die ihren Kindern gern ein besseres Leben bieten möchten und die für sie eine bessere Zukunft wünschen, als auch für deren Kinder eine zielgerechte Hilfe sein.

Zweitens wird ein scheinbarer Lösungsvorschlag für die Einsparung öffentlicher Mittel gemacht, der auf der Unkenntnis unseres Steuersystems und der Regeln für die Steuererhebung beruht, indem ein Unverständnis darüber geäußert wird, „dass wir immer noch das Ehegattensplitting haben“ und „warum ein kinderloses Ehepaar steuerlich gefördert werden soll“.  Das Splitting fördert jedoch kein Ehepaar, sondern stellt nur sicher, dass ein Ehepaar nicht höhere Steuern zahlen muss als zwei Alleinstehende mit je gleichem Einkommen. Dabei ist im Falle des Ehepaares zu berücksichtigen, dass das Einkommen nicht gemäß dem jeweiligen Erwerbsanteil verbraucht wird, sondern dass das Haushaltseinkommmen gemeinsam, also im Prinzip je zur Hälfte von jedem Partner, verbraucht wird. Die gleiche Besteuerung der für den Verbrauch bereitstehenden Einkommen, ob Ehepartner oder Partner einer eingetragenen Partnerschaft einerseits oder Alleinstehende(r) andererseits, nennt man die Besteuerung gemäß der steuerlichen Leistungsfähigkeit, die das Grundgesetz in Art. 3, Absatz 1 fordert, die also ein Grundrecht ist. – Dr. Ernst Niemeier


Leserbrief zu “ Elf Aufrechte gegen Lügen“ von Peter Dausend, Ulrich Ladurner Und Michael Thumann

Zum Thema fake news hätte ich einen Hinweis, über den es sich lohnen könnte, nach zu denken. Am Besten öffentlich. Man sollte es in den Schulen sagen, wo man lernt (und man lernt es nicht nur da, aber es ist eben ein guter Platz zum Nachdenken): was Vertrauen ist, welche Quellen verlässlich sind, wie sie zu überprüfen sind, und vor allem was objektive Forschung ist, eben nicht ideologische, vom Eigeninteresse geleitete Indoktrination. Man sollte sagen, dass jeder Mensch eine Internetseite starten kann, eine Öffentlichkeit erreichen kann. Und wie man eben verlässliche Quellen findet. Bei Zeitungen weiß man, dass die seriösen Blätter gut überprüft sind und dass es Menschen braucht, die einen unterstützen, um die Info unter das Volk zu bringen.

Also, das wurde in der Diskussionen um fake news irgendwo schon gesagt, aber viele junge Leute scheinen es nicht zu wissen; und viele Erwachsene denken da wohl nicht drüber nach, oder wollen es nicht wissen.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls, im Interesse der Bürgerinnen und Bürger, dass es Menschen bewusst wird, und dass sie wieder das zu schätzen wissen, was man von Lehrern eben erwartet, objektive Darstellung der verschiedenen Positionen, ohne Eigeninteresse. – Sebastian Schröer


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Mister Trump ist nicht intelligent. Wiederholung ist ein Merkmal mangelnder Intelligenz. Auch, wenn es mehere Arten von Intelligenz gibt, unter denen auch die gehört, sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Diese Intelligenz scheint er zwar zu besitzen, aber für einen Mehrfach-Millionärssohn ist das eindeutig zu wenig.

Trump hat wie kaum ein Politiker eine Reihe von Sätzen herausgegeben, die bezeugen, dass er eine Schlangenzunge hat, die symobolisch für die Sprache des Teufels steht. Der Teufel ist nicht nur die dunkelste Form des Egos, sondern kann nur in einem System überleben, das sich der Bewusstheit entzieht. Es versteht sich, dass Intelligenz sich im Reich des Bewusstseins befindet.

Ansonsten fand ich die Analysen Ihrer Kollegen auf den nachfolgenden Seiten doch sehr intelligent, und als wäre Ihre Zunft aufgewacht vom tiefen Schlaf der Illusionen. – Constantin Garyfallakis


Leserbrief zu “ Wie kann es sein, dass im VW-Skandal fast alles in Amerika enthüllt wird und kaum etwas in Deutschland?“ von Felix Rohrbeck, Marcus Rohwetter und Claas Tatje

Winterkorn wusste von nichts…? Wäre er Pinoccio, so würde seine Nase bis Amerika reichen. Doch für über 3000 Euro Ruhegeld täglich kann man das in Kauf nehmen. Der Mann gibt nur scheibchenweise zu, was er ohnehin nicht abstreiten kann. Wahrheit und Konsequenzen werden deshalb nicht zum Tragen kommen, weil sie alle untereinander Verstrickt sind, Konzerne und Politik. Und WEIL (MP Nieders.) das so ist, wird sich der Bürger damit abfinden müssen.

Das wirklich Schlimme am VW-Skandal ist die Tatsache, dass die substantiell Leidenden, die Arbeiter des Konzerns sind. Sie müssen mit Einbußen und Jobverlusten ausbaden, was ihre Führungsebene verbockt hat. Und trotz dieses Betruges an ihren Arbeitern, den Käufern und der Umwelt werden jene der Führungsebene weiterhin in finanziellen und materiellen Überfluss leben können. Durch fette Abfindungen und Umbesetzungen, oder schlimmstenfalls in den Ruhestand. Ein Leben in Saus und Braus ist garantiert. Hallo AfD, ich fürchte, da kommen weitere Wähler-Sympathisanten auf euch zu!! – Kurt Nickel


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz; „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Die beiden Artikel bestätigen voll und ganz die Befürchtungen, die ich schon seit Monaten in Bezug auf Trump und Co. habe. Was mich aber maßlos ärgert, ist Ihre fast beiläufig erwähnte Meinung, Trump wäre „hochintelligent … und nicht verrückt“ und Putin „der Schlaue“. Diese Männer ordnen ihrem Ego alles andere unter, es geht ihnen ausschließlich um ihre persönliche Macht. Und daran gibt es wirklich nichts schönzureden.

Mir drängt sich immer massiver die Frage auf, wie wohl die internationale Presse seinerzeit auf die Machtergreifung Hitlers reagiert hat oder heute reagieren würde. Ich vermute, sehr ähnlich. Trumps Wahl als Anlass zu nehmen, unsere bis dato selbstverständlichen und teilweise auch bequemen Ansichten auf die Waagschale zu legen (und für sie zu streiten) ist richtig – das ist aber auch der einzige Vorteil. Die Gefahren, vor allem für unsere im besten Sinne christlichen Werte, sind um ein zig-faches größer. Mir kommt es vor, als versuchten intelligente Köpfe, nämlich die Ihrer Journalisten, ein Phänomen zu analysieren und zu erklären, für das es keine vernünftige Erklärung gibt. Und damit meine ich Trump selbst und nicht die Gründe, die zu seiner Wahl führten. Zu oft mussten Nationen schon ausbaden, was ihre  geltungssüchtigen und größenwahnsinnigen Führer ihnen aufgebürdet haben. – Ute Birrel


Leserbrief zu “ Ein rechtes Urteil“ von Heinrich Wefing

Der 1. FC Großdeutschland (1. FC GD) ist seit Jahren für sein rüpelhaftes und gefährliches Foulspiel bekannt. Anträge zum Ausschluss sollten nun zum wiederholten mal vom obersten Schiedsgericht entschieden werden. Doch dieses erklärt: Solange nicht zu erwarten ist, dass der 1. FC GD Deutscher Meister wird, darf die Mannschaft wie bisher und mit ihren eigenen Regeln weiterspielen. Unausgesprochener Hintergedanke: Dies gilt ebenso auch für foulspielende islamistische  Mannschaften mit ihren Schariafußballregeln. Die Karlsruher Entscheidung ist für mich in der gesamten Bandbreite Drückebergerei pur!  – Erich Michel


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Wow! Ich habe selten so ein gut erklärendes und lösungsorientiertes Dossier gelesen. Auch wenn man oftmals denkt, man weiß schon alles über die Geschichte der Demokratie. Dass die ursprüngliche Idee das Losverfahren war, war mir wirklich neu. Dieses Dossier sollte Pflichtlektüre für alle politisch Verantwortlichen sein. Die SPD machte Anfang der 1970er Jahre Wahlkampf mit dem Versprechen „Mehr Demokratie wagen“. Wir sollten das ENDLICH ernst nehmen, um unsere Demokratie zu retten. Oder anders gesagt: „It’s the lot, stupid!“ – Michael Hauck


Leserbrief zum Titelthema “ Was für eine Vorstellung!“

Am Tage der Amtseinführung des unsäglichen neuen Amerikanischen Präsidenten kann ich mich eines Kommentars zu Ihrer Titelseite Ausgabe Nr. 4 nicht enthalten.

Sie schreiben darüber, warum Donald Trump zum Fürchten ist und auch deshalb fasziniert.

Ich persönlich kann nichts, aber auch gar nichts Faszinierendes an diesem Mann feststellen. Und auch meine Freunde und Bekannte finden seine Äußerungen und Einstellungen von fragwürdig bis abschreckend. Mit dem kleinen Wörtchen „auch“ suggerieren Sie sogar, dass es noch etwas anderes geben könnte, was an diesem Menschen fasziniert!? Ich und mit mir viele Millionen Menschen müssen demnach blind und taub sein. –  Marina Müller McKenna


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Auf drei Seiten dürfen drei Journalisten die Illusion verbreiten, wenn die Entscheidungen in der Demokratie nur repräsentativ genug seien, wäre die gefährdete Demokratie gerettet. Und nicht Wahlen garantierten repräsentative Entscheidungen, sondern das Losverfahren. Diese Botschaft des Dossiers verkennt das Wesen von Demokratie gleich in mehreren Aspekten. Unterstellt wird nämlich einmal, dass es eine für alle richtige und gute Entscheidung gäbe, wenn ein wirklich repräsentativ zusammengesetztes Gremium entscheiden würde.

Im wirklichen Leben gibt es aber sehr unterschiedliche Interessen. Der Arbeitnehmer beispielsweise hat zumeist andere Vorstellungen von einer richtigen Entscheidung als der Arbeitgeber. In der Demokratie können sich unterschiedliche Interessen organisieren und darum kämpfen, dass sie sich durchsetzen. Darüber hinaus gehört es zum Wesen der Demokratie, dass Entscheidungen in einem transparenten und öffentlichen Diskurs vorbereitet werden. Eine geheime Bürgerversammlung, bei der die Mitglieder noch nicht einmal mit Journalisten sprechen dürfen, ist geradezu das Gegenteil von dem für die Demokratie notwendigen öffentlichen Diskussionsprozess. Schließlich wird verkannt, dass es in der Demokratie auch um Verantwortung geht.

Die auf Zeit legitimierte Herrschaft muss ihre Entscheidungen gegenüber den Wählern verantworten und der Wähler kann auf dieser Grundlage bei der Wahl entscheiden, ob er die Herrschaft verlängern oder eine neue Herrschaft haben will. Diese Möglichkeit des Herrschaftswechsels kann aber dann nicht funktionieren, wenn der Wählergar nicht weiß, wer die getroffenen Entscheidungen zu verantworten hat, weil sie von einem anonymen Gremium getroffen wurde, deren Mitglieder zudem gar nicht wiedergewählt werden können. Die Demokratie ist heute sicher gefährdet. Aber Vorschläge, die das Wesen von   Demokratie verkennen, sind nicht hilfreich, sondern gefährlich, da sie dazu beitragen, von den wahren Problemen abzulenken. – Dr. Ortlieb Fliedner, Autor des Buches „Warum soll ich wählen gehen? Wie funktioniert unsere Demokratie?“


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Herzlichen Dank für den Artikel!

Er hat meinen Blick auf unsere Demokratie dahingehend geweitet: mir wurde bewusst, dass wir bei uns entgegen allen Behauptungen tatsächlich k e i n e Demokratie geschweige denn eine repräsentative Demokratie haben, da große Teile der Bevölkerung nicht mehr in den Parlamenten oder den anderen staatlichen Institutionen abgebildet werden.

De von Ihnen vorgestellte irische Weg  sollte auch von uns begangen werden. Wahrscheinlich kann dann  der allseits grassierende Verdruss über die Politiker und die Institutionen abgebaut werden. Ich werde Ihre Ideen weitertragen! –  Jürgen Zimmermann


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Dies ist ein sehr wichtiger Beitrag zur Neuordnung unserer Prioritäten im Gesundheitswesen. Gewinnmaximierung darf nicht im Mittelpunkt ärztlichen Handelns stehen, sonder der Patient muss im Fokus unserer Bemühungen bleiben. So gesehen sind wir in „freier“ Praxis tätigen Haus- und Palliativmediziner die letzten Instanzen, an die sich Patienten vertrauensvoll wenden können, um eine gute Beratung und Begleitung in der letzten Phase ihrer schweren Erkrankungen zu erfahren. Die Gewichtung und die Vergütung der ärztlichen Behandlung in den Krankenhäuser muss neu geregelt werden. Selbstverständlich ist auch hier die staatliche Aufsicht im Gesundheitsministerium in der Pflicht um die adäquate Versorgung von Patienten sicher zu stellen,  und den Gewinnvorstellungen mancher Krankenhausmanager die rote Karte zu zeigen. –  Dr. med. Charles Woyth

 

12. Januar 2017 – Ausgabe 3

Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Sie weisen in Ihrem Artikel sehr differenziert und behutsam  auf einen Mangel in unserer Reaktion auf die Morde vom Breitscheidplatz hin, den ich bisher nur dumpf empfunden habe. Genau wie Ihnen fehlt mir bisher eine nachhaltige Beschäftigung mit den Opfern des Anschlags. Genau wie Sie frage ich mich, ob wir – beabsichtigt oder ungewollt- die Fähigkeit zu trauern verloren haben.

In diesem Zusammenhang muss es schon als besondere Verzichtsleistung angesehen werden, dass der Weihnachtsmarkt für einen Tag geschlossen blieb. Denn – wir wollen uns von Terroristen auf keinen Fall in „unserem Lebensstil“ einschränken lassen geschweige denn ihn uns nehmen lassen, wird mir gebetsmühlenartig immer wieder entgegengehalten. Dazu passt denn auch, dass die öffentlichen Silvester-Partys unter erhöhtem Polizeischutz überall wie gewohnt stattfanden – zehn Tage nach dem blutigen Anschlag.

Es wäre ja auch wirklich zu viel verlangt gewesen, anstatt ein buntes, fröhliches Spektakel auf der Domplatte zu veranstalten, dort in stiller Trauer der toten und verletzten Mitbürger zu gedenken. Wo kommen wir denn hin, wenn wir jetzt schon nicht mehr Silvesterpartys feiern können? Wir würden unsere Identität aufs Spiel setzen. Das ist des Einknickens vor dem Islamistischen Terrorismus denn doch zu viel. Folglich sollten wir unter Inkaufnahme eines leicht erhöhten Risikos im alten Trott und mit möglichst viel Spaß weiterleben. Darauf läuft unsere Auseinandersetzung mit den vielen Anschlägen letztlich hinaus. Und das ist der Wert unserer Gesellschaft, den es zu verteidigen gilt – ein Leben mit möglichst kurzen Spaßpausen. – Heinrich Meißner


Leserbrief zu “ Revolutionär!“ von Ursula März

Selten (nie?) habe ich einen so treffenden, gleichermaßen tiefgründigen und witzigen Artikel zu Mutterschaft in unserem Hier und Jetzt gelesen. Bitte veröffentlichen Sie ihn auch auf Zeit online, um ihn mit anderen teilen zu können. Das erscheint mir lohnender als der 100. Text über einen Furz von Mr. Trump! – Anja von Kanitz


Leserbrief zu „Der falsche Feind“ von Renate Künast

Die Vorsitzende des Rechtsausschusses des Bundestages, Renate Künast, zitiert in ihrem Artikel über das NPD-Verbotsverfahren einen gewissen »Carlo Schmitt« mit der Bemerkung, man müsse auch den Mut zur Intoleranz gegenüber denen aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen. Damit hat sie eine ganz erstaunliche historische Figur erschaffen, die den Vornamen von Carlo Schmid, dem großen sozialdemokratischen politischen Intellektuellen, und den Nachnamen von Carl Schmitt trägt, dem berüchtigten Juristen, der die Hitler-Regierung verfassungsrechtlich beriet. Von Carlo Schmid stammt das Zitat, von Carl Schmitt stammt die Lehre von der »wehrhaften Demokratie«, wonach keine Verfassung ihren Feinden rechtlich die Möglichkeit ihrer legalen Beseitigung einräumen darf. Aber lechts und rinks sind ja nach Ernst Jandl leicht zu velwechsern. Ansonsten hatten sich die beiden wenig zu sagen: Carlo Schmid belächelte den anderen in seinen Erinnerungen (1979) als einen, der aus Ohnmacht radikal wurde. Carl Schmitt löste den Unterschied der beiden Vornamen auf seine Weise auf und nannte Schmid den »Carl mit der Null«. – Dr. Florian Meinel


Leserbrief zu “ Ende der Lovestory“ von Katja Nicodemus

Danke für diesen Artikel. Und dennoch: Könnte die Redaktion der ZEIT sich nicht entschließen, zukünftig nichts aber auch gar nichts zu diesem Donald Trump zu veröffentlichen? Meine Bitte ist illusionär; aber es wäre so wohltuend, die donnerstags neue ZEIT aufzuschlagen in der Gewissheit, nichts über diesen Herren lesen zu müssen.

Sie würden damit auch das negative Vorbild zum Guten wenden: Im „KÖNIG DAVID BERICHT“ von Stefan Heym wird der Historiker Ethan ben Hoshaja, der zuviel weiß, zuTode geschwiegen. Warum nicht einen Trump schon jetzt zu der Nichtigkeit schweigen, die ihm zukommt?! – Lutz Landorff


Leserbrief zu „Ein Berg voll Ärger“ von Nicola Meier

zunächst habe ich mich gefreut, dass DIE ZEIT das Thema Riedberger Horn aufgreift (Ausgabe 3 2017).
Dann war ich sehr enttäuscht, wie flach und einseitig geschrieben dieses „DOSSIER“ war. Eher in einem Nebensatz taucht der Begriff „Landesentwicklungsplan“ auf, der „Alpenplan“ wird als bayerische Angelegenheit dargelegt. Dieser ist jedoch Bestandtei eines Internationalen Vertrages, nämlich derALPENSCHUTZKONVENTION. Diese ist nicht einmal auch nur namentlich erwähnt. Warum hat die Autorin kein Gespräch mit Naturschutzverbänden geführt? Die hätten sie darauf hingewiesen, wie INTERNATIONAL und juristisch tiefgreifend die Problematik wirklich ist!

Auszug aus Wikipedia:
Die Alpenkonvention (AK), formal Übereinkommen zum Schutz der Alpen, ist ein völkerrechtlicher Vertrag über den umfassenden Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Alpen.

Erinnern Sie sich: sie haben damals anläßlich dem Tod von Helmut Schmidt berichtet, er habe immer verlangt, dass der Leser in jedem Artikel etwas lerne. Das halte ich auch für richtig! Also BITTE nicht nur Gefühle wecken, sondern auch hintergründige Fakten und Zusammenhänge erläutern.
Ich bin jetzt sehr verunsichert, ob ich den Berichten der ZEIT aus mir nicht so vertrauten Themenbereichen vertrauen kann. – Heike Dülfer


Leserbrief zu “ Brauchen wir »Reli« noch?“ von Stefan Schmitt

Die gesellschaftlichen Spannungen werden zunehmen. Die Kirchen werden mehr und mehr in die Rolle von Minderheiten geraten. In der schulischen Erziehung sollte daher alle Kraft auf die Vermittlung von Werten und Tugenden gelegt werden, die für das gedeihliche Zusammenleben unterschiedlicher Ethnien, Konfessionen und Weltanschauungen in Deutschland förderlich sind.

Anstelle des konfessionellen Religionsunterrichts sollte ein für alle verbindlicher und gemeinsamer Unterricht in den Grundwerten und –tugenden eingeführt werden, in dem auch die Gottesfrage umfassend und gründlich angesprochen wird. Das Unterrichtsfach könnte nach dem Vorbild des Landes Brandenburg inhaltlich strukturiert sein: „Lebensgestaltung – Ethik – Religion“. Das kleine Luxemburg hat eben mit Zustimmung der Kirchen eine solche Regelung beschlossen. Ähnlich auch die Stadt Hamburg. – Norbert Scholl


Leserbrief zu „Verkaufte Sparer“ von Uwe Jean Heuser

Anstatt sich populistisch über das Ergebnis einer Geldpolitik auszulassen, die Resultat einer auf falschen Voraussetzungen – unterschiedliche wirtschaftliche Stärken der einzelnen Länder, an denen auch keine noch so gut gemeinten Reformen (siehe Griechenland, Einbruch der Nachfrage und soziale und reale Verarmung weiter Bevölkerungskreise) – fußenden Währungsunion ist, wäre es schön gewesen, wenn Sie die ökonomische Lage analysiert hätten. Durch den EURO gelingt es Deutschland, Arbeitslosigkeit in die EU zu exportieren. Die fehlende Nachfrage in den „Krisenstaaten“ kann nur durch öffentliche Schulden finanziert werden. Steigen dort die Zinsen, kommt es zu Staatsbankrotten was wiederum negative Auswirkungen auf unser Land hätte. Wie dieses Dilemma aufzulösen ist, darüber hätte es Sinn gemacht nachzudenken. –  Rüdiger Weigel


Leserbrief zu „Ich mache mir die Welt…“ von Kerstin Bund

In ihrem Artikel  beschreiben sie auf Seite 20 das Starexperiment, mit der angedeuteten Schlussfolgerung, dass, wenn Stare ohne Wasserbecken und Spielzeug keine optimistischen Tendenzen zeigen es bei Martin Herrenknechts Kindheit, ohne Spielzeug, genauso sein müsste. Was ist für sie Spielzeug? Ich glaube nicht, dass das konsumorientierte monofunktionale Spielzeug uns glücklicher oder optimistischer werden lässt. Eher glaube ich, gerade weil Herr Herrenknecht kein Spielzeug hatte und sich aus dem „Nichts“ Spielzeug schaffen musste, ist er so ein kreativer Kopf geworden.

Ich glaube, dass kreative Menschen insgesamt optimistischer sind, denn sie leben mit der Zuversicht, dass sie Lösungen für ihre Probleme finden werden, weil sie das von kleinauf spielerisch geübt haben und sich ihr Gehirn dementsprechend ausgebildet hat. Darum sollte der Raum für Kreativitätsentwicklung (das kann man nicht lehren, man kann nur die Umgebung dafür schaffen und begleiten) ein großer Baustein in unserem Bildungssystem werden und wir uns endlich von dem Bildungssystem : eine Frage und eine richtige Antwort, verabschieden, damit  kreative optimistische Köpfe sich entfalten dürfen. – Karin Dettmar


Leserbrief zu „Träume, größer als das Leben“ von Ursula März

In der neuesten Ausgabe von DIE ZEIT beschreiben Sie ein Comeback des Musicalfilms. Das mag alles richtig sein und ich will darauf auch gar nicht weiter eingehen. Sie wissen sicher, dass der Film bei der Verleihung des Golden Globe „abgeräumt“ hat. Sie wissen auch, dass anlässlich dieser Verleihung Meryl Streep für Ihr Lebenswerk geehrt worden ist und Sie ( und vor allem Ihre Chefredaktion) wissen auch, welche Rede Frau Streep anlässlich dieser Verleihung  gehalten hat. Es war eine flammende Rede gegen Respektlosigkeit und Verunglimpfung von Minderheiten.  Ein solche Rede anlässlich dieses Anlasses ist DIE ZEIT keine Zeile wert? Ich bin entsetzt. Es wird Zeit, sich nach einer anderen Informationsquelle umzuschauen. 50 Jahre Zeitlektüre sind genug!  – Hans-Joachim Albrecht  


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Es mag alles sein, was Sie anführen, aber einer Gedenkminute im Berliner Abgeordnetenhaus resp. im Bundestag hätte alles nicht entgegengestanden – höchstens eine schlechte Erziehung der entsprechenden Menschen. Wenn es jetzt nachträglich geschehen soll, ist es noch beschämender; aber vielleicht kommt man ja auf die Idee, Opfer und ihre Angehörigen dazu einzuladen pp. – Hanna Leinemann


Leserbrief zu „Alles wird anders“  von Matthias Geis

Dafür ist die Zeit noch nicht reif. Frau Merkel wird wiedergewählt. Es gibt keine Alternative und wenn, dann eine schlechte. Herr Schäuble hat Personen vorgeschlagen, wie ich lesen konnte, die allesamt nicht in Frage kommen.

Den Mann, der für Frau Merkel eine echte Gefahr bedeutet hätte, wäre Herr Bosbach gewesen. Europa muss sich natürlich fundamental ändern, das wird für mich ohnehin kommen müssen. Mit Frau Merkel ist das kaum möglich. Ihr Menschenbild ist dafür ungeeignet. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Ich mache mir die Welt…“ von Kerstin Bund

Der Bericht von Kerstin Bund spielt den Ball in die richtige Richtung. Erstens ist die „Stunde der Optimisten“, auch wenn man Entwicklungen wie zum Beispiel die zunehmende soziale Spaltung der modernen Gesellschaften nicht ignorieren darf, ein sehr wirksames politisches Instrument bei der Auseinandersetzung mit dem zwingend von Ängsten lebenden Rechtspopulismus.

Zweitens gibt es Länder wie Dänemark, die nicht zuletzt daraus ihre große wirtschaftliche Stärke ziehen, indem sie Veränderungen sehr aufgeschlossen gegenüberstehen und hierin weniger ein Risiko als vielmehr eine Chance sehen. Deshalb kann Deutschland von diesem Modell, das regelmäßig beim „Happiness Report“ ganz vorne landet, sehr viel lernen, insbesondere was den Mut zu Reformen, die Energiewende oder auch das viel weiter im Alltag verankerte Internet betrifft! –  Rasmus Ph. Helt


Leserbrief zu „Sexualhygiene als Staatsaufgabe“ von Ijoma Mangold

Ich bin etwas ratlos nach dem Lesen Ihres Artikels. Sie schreiben: „… aber hat jetzt für jede sexuelle Identität einen Buchstaben zur Hand …“, aber bei „LSBTTIQ“ fehlt zumindest ein „H“; ist das der Trieb, der „dem freien Spiel der Kräfte“ bei Ihnen allein überlassen bleibt, alles andere sei Staatsaufgabe? Das jedoch hat Elisabeth Scharfenberg nicht vorgeschlagen; es ging ihr allein um Sexualassistenz für Pflegebedürftige und Schwerkranke, und das sicherlich auch nur auf Wunsch. Oder meinen Sie, daß „LSBTTIQ“s Schwerkranke und Pflegebedürftige sind?  – Vielleicht helfen Sie mir auf meine Fragen mit Antworten. – Hanna Leinemann


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Im Gegensatz zum Täter und seiner Familie so beklagen Sie zu Recht ,wurde   seiner Opfer nicht gedacht. „Die Namen der Menschen,die in Berlin zu Tode kamen,waren nicht vernehmbar.“

Wie wäre es denn,wenn Sie in der  „ZEIT“ in Ihrem Artikel oder in Ergänzung dazu ein Zeichen ( z.B. anonymisierte Auflistung ) gesetzt hätten? Leider nicht geschehen und Ihr Artikel läuft ins Leere. – Hans-Georg v. Bechtolsheim


Leserbrief zu “ Die Türkei wechselt das Regime“ von Can Dündar

Weshalb eigentlich ist die wöchentliche Kolumne von Can Dündar so versteckt im Feuilleton? M.E. gehört sie dort nicht hin und vor allem nicht so unter „ferner liefen“.

Ich finde seine Ansicht sehr lesenswert und halte sie für ein wichtiges Sprachrohr für alle, die die Entwicklung der Türkei unter Erdogan kritisch sehen. – Michael Wendling


Leserbrief zu „Abschied von den USA“ von Adam Tooze

Die USA sind eine Demokratie, nicht wahr? Der neue Präsident Trump wurde demokratisch gewählt, nicht wahr, d.h. von mehr als 50% der amerikanischen Bevölkerung?

Statt sich jetzt Sorgen um seine zukünftige Politik zu machen, sollte man sich auch Sorgen um die (Mehrheit der) amerikanischen Wähler machen, nicht wahr? Oder was steckt wirklich dahinter? –  Frank Steyer


Leserbrief zu „Abschied von den USA“ von Adam Tooze

Da gelingt es DER ZEIT doch noch den Absturz eines Mythos zu landen, bevor die Konjunkturfür Horrorszenarien am 20. Januar ein Ende findet. „Das amerikanische Jahrhundert ist vorüber.“ Wer ist jener Herr Tooze, dass er den gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika „eine Lachnummer“ nennen kann? Bitte nicht noch einen zweiten Essay von dem! –  Karl-Josef Michels


Leserbrief zu „Im Kugelhagel der Realität“ von Hanno Rautenberg

In dem Artikel wird „surreal“ und „Surrealismus“ ganz falsch interpretiert und in Beziehung gesetzt. Richtig ist: Der Surrealismus war eine humanistische Bewegung und bedeutet „Überwirklichkeit.“ oder „Supernaturalismus“. André Breton sagte: „Der Surrealismus ist das, was sein wird.“ Es ging dabei um eine Revolution des Denkens und um eine Utopie, nicht um „Absurdes“ oder „Irreales“ und  noch weniger um einen irrlichternden Donald Trump. – Otfried H. Culmann


Leserbrief zu „Löwen ohne Krallen“ von Elisabeth Schlammerl

In der aktuellen Ausgabe sind gleich zwei Fehler zum Thema Fußball:

– S. 18: 1860 München: Bildunterschrift: Meistermannschaft von 1964. Im zugehörigen Text steht dagegen richtig: 1860 wurde nicht 1964, sondern 1966 Deutscher Meister.

– ZEIT-magazin, Lösung des Personenrätsels („Lebensgeschichte“) : Buffon wurde mit Italien nicht 2010, sondern 2006 Weltmeister.

Beides ist natürlich unwichtig. Immerhin: bei gründlicher Recherche bzw. gründlichem Korrekturlesen sollten solche Patzer vermeidbar sein. – Michael Glaser


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Selten hat mich ein Artikel in der ZEIT so berührt als dieser, und selten hat mir ein Artikel so aus der Seele gesprochen!

Seit dem Anschlag von Berlin suchte ich in den Medien nach Informationen und Gesten des Mitgefühls für die Opfer und deren Angehörigen – nichts! Wer waren diese Männer und Frauen, aus welchem Umfeld kamen sie? Dies mit der gebotenen Sensibilität zu erwähnen, hätte allen die Möglichkeit gegeben, Mitgefühl zu zeigen, Anteil zu nehmen. Aber dadurch, dass die Medien diese Menschen überregional verschwiegen hat, wurden sie soz. ein zweites Mal Opfer, nämlich Opfer der Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid anderer.

Demgegenüber wurde der Täter beinahe schon hochstilisiert, sein Leben öffentlich gemacht und damit die Sensationsgier so mancher Zeitungsleser befriedigt. Und damit wurde auch genau diese terroristische Vereinigung ideell unterstützt, nämlich indem man über ihren Attentäter zigmal berichtete (verglichen mit Stars und Sternchen, die nichts mehr fürchten, als dass sie nirgends mehr erwähnt und somit vergessen werden).

Der Täter war in aller Munde,  das Leid der Opfer und der Angehörigen verschwand in der Versenkung, und dazu trug auch die Medienlandschaft bei! – Christine Haider


Leserbrief zu “ Ende der Lovestory“ von Katja Nicodemus

Meryl Streep ist beeindruckend als Künstlerin und sie ist beeindruckend als Mensch, das hat sie nicht zuletzt mit diesem klaren und intelligenten Statement bewiesen.

Es war und ist fürwahr höchst erschreckend, mit welcher Dünnhäutigkeit, Unsouveränität und Orientierungslosigkeit der designierte US-Präsident Donald Trump in der Öffentlichkeit (re)agiert, dort, wo Worte allenthalben Taten sind und schon allein der Tonfall über Resonanz und Dissonanz entscheidet.

Trump kommt mir vor wie ein reich(lich) verzogenes Kind, das bis heute nicht gelernt hat, über den goldenen Tellerrand zu schauen, halbwegs soziale Kompetenz aufzubauen und dafür Infantilität und Egoismus einzugrenzen.

So sehr ich inzwischen die Wutwahl vieler US-Amerikaner besser verstehen und nachvollziehen kann, so sehr graut es mir vor der trumpschen Apologetik und Machthaberei, de facto der Ohnmacht demokratischer Kräfte.

Es wäre also nichts dagegen einzuwenden, wenn noch möglichst viele Hollywood-Größen dem am meisten selbstüberschätzten Präsidenten der USA ordentlich auf die Füße treten würden – verbal natürlich nur. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Der falsche Feind“ von Renate Künast

Carlo Schmid und  Carl Schmitt darf man doch nicht so verwechseln! Carlo Schmid wäre nicht amüsiert. – Heinz Neher


Leserbrief zu „Ein Berg voll Ärger“ von Nicola Meier

Kein Wunder, wenn sich Herr Aloys im Sommer in Mallorca und nicht mehr in Ischgl aufhält. Leseempfehlung: “Unter Leuten” von Juli Zeh. – Dr. Christian Huber


Leserbrief zu “Nachruf auf roman Herzog” von Martin Klingst

In Ihrer Ausgabe Nr. 3 vom 12.01.17 berichten Sie in Ihrem Nachruf auf Roman Herzog folgendes:

„Als baden-württembergischer Innenminister ließ der Christdemokrat Herzog Anfang der 1980er Jahre die Polizei zur Abwehr unliebsamer Demonstranten mit einer umstrittenen „Distanzwaffe“ ausrüsten, die äußerst schmerzhaftes Gummischrot verschoss.“

Aus eigener Kenntnis weiß ich, dass diese Waffe nie in der baden-württembergischen Polizei eingeführt wurde. Sie können das auch in Roman Herzogs Buch „Jahre der Politik“ auf Seite 97 ff nachlesen. – Willi Walther


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Ihren obigen Artikel habe ich als erstes gelesen, in der Hoffnung, endlich einmal etwas über die Opfer zu erfahren. Aber dem war nicht so. Zumindest mir fällt es schwerer, für Opfer zu trauern, deren Namen und Gesichter ich nicht kenne. Abgesehen von zwei oder drei Namen und Photos von Opfern, die aus dem Ausland kamen, gab es keine weiteren Bekanntmachungen. Es gibt bis heute den Block von 12 Toten und eine Anzahl verletzter und schwerverletzter Menschen. Das ist anonym, führt zu großer Betroffenheit und Trauer („Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien.“), geht aber – zumindest bei mir – nicht so zu Herzen, als hätte ich einen Namen oder ein Bild. Nach dem Anschlag in München wurden schnell Namen, Photos und Geschichten veröffentlicht, allesamt von Mitbürgern mit Migrationshintergrund. Tun sich die Deutschen schwer mit der Veröffentlichung ihrer privaten Geschichten? Offensichtlich. Ich wäre wahrscheinlich genauso. Aber dann fällt eben die Trauer auch „nur“ im Block aus.  – H. Wesselny


Leserbrief zu „Abschied von den USA“ von Adam Tooze sowie  „Lasst Euch nicht täuschen“ von Boris Groys

Pax  Americana finita ?? … könnte man sich fragen,   angesichts der sich aufbäumenden Unsicherheiten über den zukünftigen Regierungsstil von Donald Trump. Nun darf man aber nicht vergessen, daß seit Bush II, also dem 2. Iraq-Krieg , ein wirkliches Vertrauensverhältnis zwischen großen Teilen der EU und Washington nicht mehr bestand.  Übrigens haben zu der Erosion der Vertrauensbeziehungen auch das Thema: tendenzieller Wirtschaftskrieg zwischen den USA und der EU sowie die unsägliche Thematik: Ausspionieren Europas durch US-Geheimdienste beigetragen.  Ob es gelingt, die offenbar weg brechende Führungsrolle der USA durch mehr europäische Zusammenrücken – auch militärisch – zu ersetzen, ist höchst zweifelhaft.^^ Völlig un-durchdacht ist die Forderung vieler befreundeter Staaten, Deutschland möge jetzt eine klare Führungsrolle in Europa übernehmen. Eine solche Konstellation wird überwiegend in Wahrheit gar nicht gewollt, schon gar nicht von Frankreich, Italien und auch nicht von dem aus der EU abdriftenden England. Es bleibt dabei, daß das Duo Paris/Berlin eine gewisse Anschubfunktion für europäische Projekte ausüben kann, wenn beide Kapitalen es denn wollen. Eine politische ,alleinige ,Vorreiterrolle für die Bundesrepublik

Anzustreben, würde aber die doch immer noch auf Deutschland lastende,  historische,  Vergangenheit völlig verkennen !! – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Ihr Artikel ist sehr wohltuend indem er auf Versäumnisse der Medien, der Öffentlichkeit und der Politik hinweist, die die Angehörigen der Opfer vom Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz betrifft. Der Kreis der Opfer besteht ja nicht nur aus den Getöteten und den Hinterbliebenen sondern auch aus den (schwer) Verletzten und deren Angehörigen. Psychotraumatologische Forschungen weisen übereinstimmend darauf hin, wie wichtig und unterstützend die gesellschaftliche Anerkennung der Opfer und Überlebenden solcher Extremerlebnisse ist.

Einige Medien – insbesondere im Ausland – machen es vor, aber bei den deutschen Leitmedien scheint es immer noch eine unüberwindliche Zurückhaltung zu geben, über alle Opfer persönliche Berichte und Worte der Gedenkens zu veröffentlichen. Mir ist nicht klar, was hinter dieser Zurückhaltung steht, die beispielsweise die New York Times nach dem 11. September 2001 nicht hatte sondern über alle Opfer berichtete. Ist diese Zurückhaltung etwas spezifisch Deutsches? Ist es, weil individuelle Opferberichte die Qualitätspresse vermeintlich in die Nähe der Boulevardmedien bringt?

Zur neuen Erinnerungskultur, die Sie am Ende anmahnen, gibt es noch einen weiteren Aspekt. Gedenkgottesdienste scheinen der Politik zwar das naheliegenste Mittel ihrer Beileidsbekundung zu sein. Allerdings kann bezweifelt werden, dass solche Gottesdienste für alle Opfer noch zeitgemäss sind. Wir leben in einer jetzt schon säkularen und immer weiter religionsferner werdenden Gesellschaft. Es mag jetzt schon sein, dass Angehörige der verstorbenen Opfer jetzt schon eigentlich davon befremdet sind, dass das staatliche Gedenken als religiöse Veranstaltung daherkommt. Wenn eines Tages die überwiegende Zahl der Opfer eines Extremereignis religionsfern sind, sollte es andere Formen des zentralen Gedenkens geben. Die Medien können in der Zwischenzeit dazu beitragen, dass die hilfreichen Rituale der Trauer auf eine breite als nur die religiöse Basis gestellt werden. – Prof. Andeas Maercker


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Am liebsten wuerde ich diesen Artikel von Nina Pauer sofort vergessen. Doch leider geht das nicht, denn er macht mich gleichzeitig sauer und traurig. Jetzt koennen wir armen Deutschen noch nicht einmal richtig trauern? Und Erinnerung kennen wir angeblich nur als Mahnen, da wir angeblich seit Generationen ein Taetervolk sind?! Bei solchen journalistischen Vorwuerfen moechte ich Gift und Galle spucken und ausserdem mein Zeitabo kuendigen. Ich bin 1972 geboren und sehe mich verdammt noch mal nicht als Teil eines sogenannten ‚Taetervolkes‘ (welch widerliches Wort) und finde es befremdlich und irritierend zu erfahren, dass es immer noch Menschen in diesem Land gibt, die andauernd und zu jedem Anlass die nationalsozialistische Vergangenheit mit ins Spiel bringen.

Vielleicht geht es auch Anderen so.

Getrauert hab ich uebrigens um, die mir voellig unbekannten Toten von Berlin, Nizza, Paris, Bruessel, Istanbul u.s.w., und zwar dort wo echte Trauer stattfindet: im Herzen. Auch das haben vielleicht andere Deutsche getan. –  Christine Anhut


Leserbrief zu “ Walsers letzte Fluchten“ von Jens Jessen

Von Rank auf Ränke mit entsprechender Deutung zu kommen, lasse ich mal dahingestellt sein.
Jedoch: Als Bodensee-Alemannin habe ich immer noch den Satz meines verstorbenen Vaters (Jahrgang 1924) im Ohr, der gelegentlich zu sagen pflegte: “Der hot au de Rank it kriagt/it gschafft”.  Das hieß einfach, er hat die Kurve nicht gekriegt, nämlich die Kurve zum Erreichen einer bestimmten Aufgabe, zum Beispiel für einen besseren/anständigeren Lebenswandel. Auch glaube ich mich zu erinnern, dass Walser dies selbst bei einer entsprechenden Nachfrage so erklärt hat. – Birgit Hubatsch


Leserbrief zu “ Brauchen wir »Reli« noch?“ von Stefan Schmitt

Ihnen sei Dank dafür, dass das auf der Seite GLAUBEN & ZWEIFELN nicht geduldete, sondern verschwiegene und verstoßene ZWEIFELN bei Ihnen Asyl und Aufnahme finden durfte. Ich darf Sie noch ersuchen, sich in der ZEIT für eine Umbenennung in GLAUBEN & GLAUBEN einzusetzen, und damit der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen.

Beim Lesen Ihres Pro und Contra musste ich wieder daran denken: Vor 40 Jahren gab es von Rudolf Walter Leonhardt sein wöchentliches „Pro und Kontra“! Immer wieder waren sie für mich als Schüler, und sicher auch für viele andere, ein interessantes Lese- und anregendes Denkvergnügen.

Nochmals: Dank-sei-Ihnen!  – Manfred Schleyer 


Leserbrief zu “ Brauchen wir »Reli« noch?“ von Stefan Schmitt

Was sich Stefan Schmitt in seiner Polemik gegen den Religionsunterricht an Desinformation leistet, ist schon ein starkes Stück. Dass Religion „Pflichtfach“ sein könne, suggeriert, es gäbe kein Recht auf Nichtteilnahme (das natürlich überall wahrgenommen werden kann).

Am dreisteten ist sein Versuch, den konfessionellen Religionsunterricht mit dem Beginn der Nazi-Herrschaft 1933 in Verbindung zu bringen. Tatsächlich geht die grundgesetzliche Regelung nahezu wortgleich auf den Artikel der Weimarer Reichsverfassung von 1919 zurück. Zugang zum Religionsunterricht haben auch nicht nur die Kirchen, sondern grundsätzlich die „Religionsgemeinschaften“.

Und es geht nicht um „Wertevermittlung“ (auch wenn das leider manche kirchlichen Stimmen insinuieren), sondern um die Vermittlung von Urteilsfähigkeit bei der Wahrnehmung eines Grundrechts unseres Staates: Art. 4 des Grundgesetzes garantiert aktive und passive Religionsfreiheit. Dass diese Urteilsfähigkeit am differenziertesten entwickelt wird, wenn die kritische Reflektion von Religion aus einer Außenperspektive sich verbindet mit binnenperspektivischen Erfahrungen der Lehrkräfte („Konfessionalität“), kann didaktisch als gesichert gelten.

Diskutabel ist die Frage, ob katholischer und evangelischer Religionsunterricht in der Regel getrennt erteilt werden soll. Wie schwierig es ist, religiöse Kenntnisse aus einer vermeintlich kritischen „neutralen“ Perspektive zu vermitteln, lässt sich im Ethik-Unterricht als der Alternative zum Religionsunterricht beobachten. – Prof. Dr. Bernhard Dressler


Leserbrief zu “ Brauchen wir »Reli« noch?“ von Stefan Schmitt

Nach Stefan Schmitt lassen sich die Widersprüche, in die der konfessionelle Religionsunterricht verstrickt sei, am besten auflösen, wenn man „Reli“ abschaffe. Diese lösen sich jedoch weitgehend von selbst auf, wenn Fakten nicht verzerrt oder falsch dargestellt werden. So ist der Katholische Religionsunterricht keineswegs Ergebnis eines „Paktes“ zwischen Hitler und dem Vatikan, sondern bereits in der Weimarer Verfassung (Artikel 149) fest verankert. Sowohl dort als auch im Grundgesetz Artikel 7 wird nicht – wie von Schmitt ausgeführt – den beiden großen Kirchen Zugang zum Unterricht gewährt, sondern Religionsgemeinschaften im Allgemeinen.

Es geht somit nicht um die Einflussnahme von Kirchen auf Schulpflichtige, wie Schmitt schreibt, oder um „glauben lernen“, wie Evelyn Finger (Die Zeit, 3, 2017, S. 66) formuliert. Vielmehr sollen christliche, muslimische und jüdische Kinder und Jugendliche im bekenntnisorientierten Religionsunterricht ihren eigenen Glauben vertieft kennen und kritisch reflektieren lernen.

Dass in einer religionspluralen Gesellschaft zu einer religiösen Positionierung auch die Auseinandersetzung mit anderen Religionen gehört, ist Konsens unter den Verantwortlichen für den Religionsunterricht. In diesem Sinne haben sich kürzlich über 160 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für einen  Religionsunterricht ausgesprochen, der sowohl konfessionell als auch kooperativ ausgerichtet ist. – Prof. Dr. Claudia Gärtner


Leserbrief zu „Verkaufte Sparer“ von Uwe Jean Heuser

Nicht zu entscheiden ist bekanntlich auch eine  Entscheidung. Unsere Politiker scheinen sich bei dem Fall schwer zu tun, zumal es ein stillschweig- endes Einverständnis mit den Maßnahmen der EZB gibt.(Die ZEIT berichtete). Offenbar ist, dass die anfangs snnvoll erscheinenden Aktionen der EZB im weiteren Verlauf immer mehr sinnlos geworden sind, da sie nicht nur nicht greifen sondern wirtschaftliche Schwierigketen auch im Bankensektor hervorrufen, die zu Lasten der Sparer gehen. Wenn die Regierung  trotz der Bedenken der Bundesbank tatenlos zusieht,wie die EZB  weiterhin unverhältnismäßig  viel Geld druckt, werden sich vielleicht andere Parteien des Themas annnehmen. – Wilfried Buscher 


Leserbrief zu „Schöne grüne Welt“ von Mariam Lau

Viel Wahres und Ernstzunehmendes steckt in dieser skizzierten politischen Ausgangslage der Grünen – und doch gilt es, Vorsicht walten zu lassen. Als Kind der 1990er, nach der Wende geboren, war diese Partei immer ein Relikt aus elterlichen Studentenzeiten. Den Jugendjahren entsprungen mutiert nun gerade jene „Partei der Hanfparaden“ zu einem wichtigen Symbol für Sicherheit und Gemeinschaft. Jeder, der das ernstzunehmende politische Agieren der Grünen mit dem abgegriffenen Bild eines hemmungslosen Konsums von Cannabis zu schmälern versucht, sollte dieses Klischee doch bitte zügig in eine dafür vorgesehene Schublade stecken, verschließen, darin lassen und wieder zum eigentlichen Thema wechseln.

Den von so mancher Partei munter propagierten und hübschen Werten „Familie“ und „Heimat“ geht ein Verständnis voraus, nämlich das für die eigenen Kinder, den Partner, die Freunde, die Nachbarn, die Menschen auf der Straße, mit denen sich der eigene Weg kurz kreuzt und für all jene überall in der Welt. Nennen wir dieses reflektierte Verständnis Empathie. Blickt man zurück, so scheint es, trägt die titulierte „Wähler-Abschreckungspartei“ einen guten Anteil daran, den Wählern dieses Verständnis im Kleinen und Großen vor Augen geführt zu haben – damals und heute. Ja, es gibt Akuteres, als die Unisex-Toilette zum Grünen-Wahlslogan 2017 zu machen! Doch ist nicht vielleicht die Idee dahinter, die der Gleichberechtigung aller, eines der ehrlichsten und nachhaltigsten Parteiprogramme aller Zeiten? Ich korrigiere, nicht vielleicht! – Laura Olivia Ehlenberger


Leserbrief zu “ Brauchen wir »Reli« noch?“ von Stefan Schmitt

Von den Einführungsvorlesungen eines Germanisten und eines Philosophen (beide SED-Mitglieder) in Halle in den siebziger Jahren ist die Frage an die Studenten überliefert, welches das wichtigste Buch sei, das sie gelesen haben müßten. Sie beantworteten die Frage selbst: die Bibel. In einigen Kirchen Deutschlands wird erklärt, was Altar, Kanzel usw. zu bedeuten haben – und das an Orten, die nicht von Angehörigen anderer Kulturkreise besucht werden. Religiöse Grundkenntnisse sollten auch heute intensiv als Teil der Allgemeinbildung vermittelt werden, auch als geistiges Rüstzeug in den Auseinandersetzungen dieser Zeit. – Dr. Karl Klaus Walther


Leserbrief zu „Lasst Euch nicht täuschen“ von Boris Groys

Ich sehe die Dinge zwar ebenfalls optimistisch, jedoch mit entgegengesetzter Perspektive. Ich halte die graduelle Rückkehr zum Territorialen für eine der Grundvoraussetzungen für die friedliche Entwicklung in Europa und in der Welt.

Was wir aktuell erleben, ist der Zusammenbruch einer Gesellschaftsauffassung, wie er in seiner Dimension (und in einer seinen tieferen Ursachen) nur mit dem Zusammenbruch des Kommunismus vergleichbar ist. Es ist der von der weltgeschichtlichen Realität (wiedermal) erzwungene Abschied von der (linken) Auffassung, menschliche Gemeinschaften könnten sich ‚unstrukturiert‘ stabil konstituieren. Diese Auffassung hat viele Gesichter, was da alles als angeblich aufgesetzt, künstlich und somit entbehrlich erscheint: Familie, Nation, Heimat, Sprache, Religion und vieles mehr. Den groteskesten Versuch einer ‚Entstrukturierung‘ können wir derzeit mit der Gender-Bewegung und ihrer Erfindung des ‚sozialen Geschlechts‘ erleben. Ich bin gespannt, wie die historischen Folgen des Bestrebens aussehen werden, die kleinste Struktureinheit der Gesellschaft, die menschliche Paarbindung, zu dekonstruieren.

Warum eigentlich die Bemühungen um eine Entstrukturierung? Die Antwort ist relativ einfach: Es ist der Versuch der Tatsache zu entkommen, dass jede gesellschaftliche Struktur, sei sie territorial oder sozial, nicht für alle Menschen nur Vorteile, sondern auch Nachteile erzeugt, z.B. zwangsläufig für diejenigen, die sich außerhalb einer Struktureinheit befinden. Und dieser unangenehme Effekt widerspricht den linken, derzeit durchaus hegemonialen, Gleichheitsauffassungen und -versprechungen fundamental.

Man könnte nun einwenden: Was hat das mit einem Weltstaat zu tun? Sehr viel sogar: Strukturierung von menschlichen Gemeinschaften bedeutet z.B. anzuerkennen, dass Legitimitätsauffassungen keine Universalien sind und dass sich Probleme regional spezifisch ausprägen und dementsprechend auch zu behandeln sind. Außerdem: Strukturen bzw. Strukturgrenzen stellen ‚Sollbruchstellen‘ für Stressbeanspruchungen bereit, auch wenn dies, auf menschliche Gemeinschaften bezogen, zynisch klingen mag. An diesen Wahrheiten arbeitet sich die EU seit Jahren ohne nachhaltigen Erfolg ab. Unlängst hat sie, unter zunehmendem Stress, ein katastrophales Ereignis selbst generiert: den Brexit, der wohl deutlich mehr als nur das Versagen an einer Sollbruchstelle war. Ein Weltstaat mag also zwar formal konstituierbar erscheinen, aber auch dieser wird sich, will er gesellschaftlichen Stress bewältigen, in Struktureinheiten gliedern müssen, die dem Identitätsempfinden und Legitimitätsansprüchen der Menschen entsprechen.

Identität und Legitimität bildet sich nur im sozialen Nahfeld, d.h. nur innerhalb des tatsächlichen Aktions- und Wirkungsradius eines Menschen. Letzteres wussten schon die mittelalterlichen Könige und Kaiser, die sich andauernd der Mühe unterziehen mussten, in ihrem Herrschaftsbereich umherzureisen, um den Zerfall der Gemeinschaft zu verhindern. Die modernen Medien spiegeln uns vor, dass sich unser Nahfeld inzwischen über den gesamten Globus erstreckt. Reine Einbildung: unsere Lebenszeit und Kraft sind begrenzt, und unsere echten, personellen sozialen Interaktionen bleiben mehrheitlich auf einige Hundert Menschen beschränkt. Für Weltstaat-Politiker bedeutet dies: Die modernen Medien mögen Ihnen zwar das physische Herumreisen ersparen, sie ersetzen aber nie die Notwendigkeit, Legitimität z.B. nach Region oder sozialer Schicht ausgerichtet zu generieren, wenn gesellschaftliche Ordnungsprinzipien dauerhaft verwirklicht werden sollen.

Wenn man so will, ist die bisherige Migrationspolitik der EU ein schönes Beispiel für diese Notwendigkeit, denn sie war bereits Politik im Sinne eines ‚gefühlten‘ Weltstaates, in diesem Fall mit übergreifenden Zumutungen über nationalstaatliche Strukturen hinweg. Deren Legitimität wurde stillschweigend angenommen oder vorausgesetzt, aber nie politisch erzeugt und reproduziert. Die inzwischen sichtbaren Resultate und die darin aufscheinende Gefahr des Untergangs von Europa als demokratische Gemeinschaft sollten uns zu denken geben. – Dr. Matthias Wagner


Leserbrief zu „Am besten sofort vergessen“ von Nina Pauer

Ein Thema was mich schon lange verfolgt. Ihre Autorin schreibt all die Versäumnisse auf, die kein vernünftiger Mensch verstehen kann. Und das alles unter den Augen einer Bundeskanzlerin der man eigentlich eine bestimmte Fürsorgepflicht für ihre Bürger (Mutti) nachsagt. Es ist nicht nur ein Versagen der Politik, wie die Autorin richtig schreibt, unfähig zu trauern, das betrifft alle Schichten unserer Gesellschaft. Was ist da mit der heutigen Generation passiert keine vorzeigbare  Trauer für die Opfer mehr aufzubringen.? Liegt es an den Volksvertretern, die sich bestenfalls bei einer Trauer eines ausländischen Bürgers mal sehen lassen. Oder sitzt das tiefer in der Erziehung unserer Kinder in den Öffentlichen Lehranstalten.? Dieses Fehlverhalten ist auch im kriminellen Alltag zu erkennen.  Für mich ist Deutschland ohnehin nicht mehr mein Land. Damit habe ich abgeschlossen. Ich bewege mich ohnehin nur noch aus familiären Gründen in Deutschland. Ansonsten kann mir das Land gestohlen bleiben.  – Gunter Knauer 


Leserbrief zu “ Ende der Lovestory“ von Katja Nicodemus

Ihre Analyse der „Seilschaft“ zwischen dem linksliberalen Hollywood und den Demokraten ist brillant und zweifellos richtig. Gleichwohl waren Auftritt und Rede von Meryl Streep beeindruckend und vor allem beispielgebend. Gerade im Showbusiness, im Kulturbetrieb, ja auch in der Wissenschaft und nicht zuletzt im Spitzensport gibt es zahlreiche Bühnen für engagierte, mit genügend Zivilcourage ausgestattete prominente Akteure, deren öffentlich artikulierte Meinung eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die allgemeine Meinungsbildung hätte.

Vorbild, Idol wird man nicht allein durch die Fähigkeit einen Formel 1 Boliden möglichst schnell über einen Rundkurs zu steuern, einen internationalen Hit zu komponieren, zu singen, Kinosäle durch faszinierende Darstellungskunst zu füllen, Bestseller zu schreiben, brillante philosophische Abhandlungen zu verfassen. Nein, es gilt auch, orientiert an den humanistischen Grundwerten menschlichen Zusammenlebens, öffentlich Haltung zu zeigen, ganz im Sinne von Stéphane Hessel  („Empört Euch“).

Viele von ihnen haben die nötige, auch finanzielle, Unabhängigkeit und könnten sich sogar eine möglicherweise vertraglich untersagte eigene Meinung leisten. Man würde sich auch in Deutschland, in Europa viele Prominente wünschen, die sich positionieren gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Rechtspopulismus, gegen Nationalismus, gegen Neoliberalismus, gegen Egoismus, gegen Verlogenheit und Korruption.

Genau wie Meryl Streep müsste man nicht zwangsläufig auch Namen von Politikern, Managern, Bankvorständen etc. nennen. Bei der Beschreibung der Handlungsweisen würde schnell klar, wer gemeint ist. Es hätte Signalwirkung, würde man als Weltklasseathlet z.B. nicht in Staaten starten, in denen Menschenrechte massiv mit Füßen getreten werden, würde man als gefragter Künstler dort Auftritte verweigern, sich generell bei durchaus zahlreichen Gelegenheiten vernehmlich artikulieren.

Vielleicht ist es naiv zu glauben, dass solche Auftritte wirksamer wären, als skandalträchtige Meldungen in der „bunten Presse“ – einen Versuch wert wäre es allemal. Und  -um Ihre Eingangsworte zu gebrauchen- es wären große Momente.

In diesem Sinne verbleibe ich in unerschütterlichem Glauben an eine aufgeklärte Gesellschaft und hoffe auf noch viele ihrer prominenten Protagonisten. „Die Zeit“ und ihre Macher gehören zweifellos dazu. – Dr. Bernhard Genzel


Leserbrief zu “ Sie können mich einen harten Hund nennen“ ein Gespräch mit Thomas de Maizière,
geführt von Marc Brost und Mariam Lau

Das darf nicht wahr sein. Der Innenminister sieht sich als harten Hund.Das hätte er wohl gerne,damit kann man Wähler fischen. Aber das Format hat er nicht.So bleibt die Aussage eine Geschmacksverirrung.Als harten Hund (neben anderen Verbalinjurien) darf man vielleicht Putin bezeichnen,falls man den Kreml-Mann nicht leiden kann. Aber unser Innenminister? Muss er so tief in die Schmuddelkiste greifen,um Aufmerksamkeit zu bekommen ? – Hans-Emil Schuster


 

 

05. Januar 2017 – Ausgabe 2

Leserbrief zu „Als die Maschinen träumen lernten“ von Ulrich Schnabel

Dem Autor ist ein amüsanter Text gelungen, der eher als Satire denn als Märchen anmutet. Es soll sich offenbar um ein Plädoyer für die Muße und gegen das allgegenwärtige Dogma der Effizienzsteigerung handeln.

So weit so gut. Aber ist es auch als Anregung zu verstehen, über den völlig ungeregelten, rapide zunehmenden Einzug von Künstlicher Intelligenz (KI) in unsere Gesellschaft nachzudenken? Der Autor unterstellt in seiner spielerischen Vision die Möglichkeit einer „humanoid-identischen Intelligenz“ (siehe Human Brain Project) und in diesem Kontext auch das Bestreben, selbst musische Fähigkeiten künstlich auszuprägen.

Leider handelt es sich hierbei ganz und gar nicht um ein Märchen. Eine ganze Heerschar von Wissenschaftlern und Ingenieuren hat sich bereits dieser Zielsetzung verschrieben.

Bevor uns dieser Zug gänzlich unkontrolliert überrollt, sollten wir viel intensiver über die sozialen, politischen und ethischen Implikationen von KI nachdenken und einen Diskurs führen.

DIE ZEIT liefert beständig Beiträge zu dieser Thematik (wie zuletzt in einem mehrseitigen Wirtschafts-Spezial). Allerdings liegt bisher das Gewicht eher auf der technischen Seite. Eine Verlagerung ist wünschenswert. –  Daniel Hardt


Leserbrief zu „Träumt weiter“ von Josef Joffe

Zitat:” Unter Putin … ging Obamas <Neustart> daneben.” Soll der Leser verstehen, dass das an Putin lag? Oder ist es auch denkbar, dass unter US-amerikanischer Führung die USA und NATO in den letzten 25 Jahren den russischen Einflussbereich willentlich immer weiter zurück gedrängt haben? Weiter Zitat: “ Amerikas Rückzug aus der Welt geriet nicht zum Einvernehmen, sondern zur Einladung, sich die Krim zu greifen …” Soll der Leser verstehen, dass Russland keinen vernünftigen, nachvollziehbaren Grund hatte, sich die Krim zu sichern? Hat Russland nicht erfahren, dass Annäherung an oder Aufnahme in die EU auch zur Aufnahme in die Nato zu führen pflegen? Hätte Obama in Putins Stelle wohl dieses Risiko in Kauf genommen, die Krim mit ihrem großen russischen Kriegshafen, welche von Chruschtschow erst der Ukraine zugeordnet worden war, irgendwann in die Nato abwandern zu sehen. Meine Vermutung ist, auch Obama hätte den Anfängen gewehrt. So ist die Welt nun mal. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zu „Auf den ersten Blick“ von Gero von Randow

Anlässlich der Zustände in der Silvesternacht in Köln frage ich mich:

Wie haben die massenhaft zum Feiern (?) nach Köln angereisten Migranten, die im Hauptbahnhof kontrolliert wurden, eigentlich ihre Anreise mit der Bundesbahn finanziert?  Es sind offenbar viele sogar aus der Schweiz gekommen.

Ist es wahr, dass diese jungen Männer auf Grund ihres Flüchtlingsstatus in Deutschland kostenlos und unbegrenzt öffentliche Verkehrsmittel nutzen ?

Vielleicht wäre die Antwort einen kleinen Artikel in der ZEIT wert. – Renate Ehrich


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Ich habe nur einen kurzen Kommentar zu dem Text „Der Herausforderer“ von Kilian Trotier in der aktuellen Zeit. Mit einem Wort: wow! – Jörn Schumacher


Leserbrief zu „Der Feind ist nicht grün“ von Peter Dausend

Nein, Herr Dausend, die Oppositionspartei FDP wird „von der wilden Wut der Vergessenen“ profitieren! Sie (nicht Er) ist wieder da! In der Tat ist die „AfD zu unappetilich“ für viele ehemalige FDP-Wähler. Deswegen werden sie erneut ihre vormals gewählte Partei wieder wählen. Das bringt die notwendigen Prozente über fünf.

Während sich die AfD demontiert, montiert sich die FDP somit neu und wird ihre ehemalige Schlüsselposition aus meiner Sicht wieder erobern können.

Was der AfD dagegen noch fehlt, ist der Verzicht auf die öffentliche Austragung ihrer internen Probleme und ein demagogisch begabter Trump-Verschnitt!

Damit könnte sie die FDP und die anderen „Altparteien“ in Verlegenheit bringen. Unsere demokratische Gesellschaft scheint mir im Wandel und mit diesem Wandel in Gefahr zugleich. – Reinhard Kniepkamp


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Es ist leider nicht so, wie Sie die Probleme benennen, nein, es ist noch viel schlimmer: Aus eigener Anschauung habe ich seit über 20 Jahren Einblick in unterschiedlichste Elternhäuser der Republik, darunter auch Familien mit einem oder mehreren Behinderten, Familien ausländischer Abstammung, Ossis und Wessis.

Benachteiligung ist nicht nur eine finanzielle und nicht nur eine der Armen. Einher geht eine schleichende Entrechtung nicht wehrfähiger Eltern, die sich nicht durch Instanzen klagen und Entscheidungen aussitzen können, vielleicht auch nicht über alle Mittel rechtsstaatlicher Gegenwehr gegen Ämter und Versicherungen informiert sind, Menschen, deren Alltag mit schikanierenden Bürokratieanforderungen so weit ausgefüllt ist, dass für jede Art von Teilhabe oder ambitionierter Erziehung gar kein Platz mehr bliebe.

Ein gewaltiger Malus steckt nicht nur in der ungerechten Verteilung von Bildungschancen, vielmehr in einer unausgegorenen föderalen Bildungspolitik, einzig auf Reproduktion auswendig gelernten Abfragewissens ausgerichtet, einem ausufernden Lehrerdefizit, das schon heute auch in Schulen außerhalb sogenannter Problemviertel, ebenso im städtischen wie im ländlichen Raum, einen regelhaften Unterricht nur schwerlich möglich macht, Schulgebäude, die erhebliche bauliche Mängel mit Gefährdungspotenzial aufweisen und in Städten des Ruhrgebietes den Schulbetrieb in einem förderlichen Umfeld unmöglich machen. Bestrebungen frühkindliche Förderung in Kindergärten per Dekret einzufordern werden mit Herdprämien konterkariert und das notwendige Personal für die hochkompetente Unterstützung des Nachwuchses in Kindergärten steckt bestenfalls in der Ausbildung.

Wer heute offenen Auges durch bundesdeutsche Familienhaushalte, Kindergärten und Schulen geht, wird fassungslos sein, ob der Zustände, die flächendeckend die Frage aufdrängen, wie sich eine entwickelte Gesellschaft diese breite Vernachlässigung ihres größten Kapitals leisten kann, die Vernachlässigung ihrer Kinder. Politische Lippenbekenntnisse haben in den vergangenen zwei Dekaden nichts zum Besseren sich wenden lassen, der Verfall schreitet im Gegenteil fort.   Abhängen meint heute nicht nur Arme auszugrenzen, mehr noch Kindern keine Chancen einzuräumen.  – Jochen Schickert


Leserbrief zu „Erst mal wird gefeiert“ von Uwe Jean Heuser

Ich danke Ihnen.

In einer Zeit, in der sich das absolut unnötige Wort „Narzisst“ epidemisch auch in der vermeintlich besseren Presse ausbreitet, schreibt Ihr Autor Uwe Jean Heuser auf Seite 23 der aktuellen Zeit schlicht „Narziss“, Ihre Korrektoren lassen das stehen und es wird gedruckt.

Das macht Freude. – Hans van Treeck


Leserbrief zu „Uhren sind moderne Diktatoren“ von Amrai Coen Und Björn Stephan

Wundervoller Beitrag-wurde ja auch „Zeit“ dass ihr dieses geschrieben habt. Veranlasst mich so ganz enpassant ein Lob für euch alle auszusprechen.. Wo ihr doch den schönsten Chefredakteur der hiesigen Zeitschridtenlandschaft habt!(smile) Aber ich halte es ja mit den Stones(hoffentlich stimmts) „time is on your side-yes it is“. – Amina Fritz


Leserbrief zu “ Wachsam sein, doch arglos bleiben“ von Evelyn Finger

Sie lassen Menschen zu Worte kommen, die der Proto-Typ des post-faktischen, der Lüge und des Heuchlers ist – zu Eltz – ein psychisch Auffälliger, der seinen Bischof  von Limburg,

Prof. Dr. van Elst, mit anderen – in schamloser Weise verleumdet, herabgesetzt und in böser Absicht mit der Lüge übergossen hat. Das Diözesan-Zentrum St. Nikolaus, Limburg auf dem Domberg, wurde vom Deutschen Kulturrat in einer Anhörung 2013 im nordrheinwestfälischen Landtag: „Als eine gelungene architektonische Lösung für die Altstadt Limburgs bezeichnet.

Immer wieder bringen Sie Menschen zum „Gespräch“, die oft – sehr oft – sich selbst disqualifiziert haben, und das, was sie verkörpern wollen, mit Füßen treten. Dr. Martin Luther würde solche Menschen in seiner Zeit geköpft haben. Das Domkapitel zu Limburg ist in sich korrupt – gefühlsmäßig – und untauglich für diese Ämter; es muss zurück treten!  Der Selige Kardinal Newman hat die treffende Bezeichnungen für solche scheinbare Kirchenmänner; Der Gott-Mensch Jesus von Nazareth und sein Vater lassen sich aber nicht spotten. Diese Menschen zeigen schon viel von ihrer inneren Verfäulnis. Ihre Zeitung ist schon länger nicht mehr im psychischen Bereich auf der Höhe der Zeit! Ein gutes Beispiel des destraströsen psychischen Zustands vieler Zeitgenossen. Na, dann prosit! – Dr. Dr.  Michael Joseph Schaaf


Leserbrief zu „Träumt weiter“ von Josef Joffe

Etwas beunruhigt mich an Ihrer sonst von mir sehr geschätzten Wochenzeitung: Die zunehmende Tendenz der politischen Redaktion, für die gefährliche Verschlechterung der Ost-West-Beziehungen allein Russland verantwortlich zu machen. Besonders der Herausgeber nutzt jede Gelegenheit, dem Leser mit feinem Hämmerchen das Nägelchen der Russlandphobie ins Gehirn zu treiben – auf die Wiederholung kommt es an. Manchmal wird allerdings auch der Vorschlaghammer benutzt. In einem der „Worte des Jahres“ wird der russische Premier Medwedew so zitiert: „Wir sind in die Zeiten eines neuen Kalten Krieges abgerutscht“. Dazu die „Leseanleitung“ eines ungenannten ZEIT-Mitarbeiters: „Medwedew …. verkündet auf der Münchner Sicherheitskonferenz den Bruch zwischen Ost und West“. Dies ist eine krude Manipulation, nichts anderes.

Ich kann der ZEIT-Redaktion nur dringend empfehlen, sich mit der Hinterlassenschaft des wohl besten Russland- experten des vergangenen Jahrhunderts zu beschäftigen: George F. Kennan. In einem Gastbeitrag für die New York Times vom 5. Februar 1997 schrieb er: „Expanding NATO would be the most fateful error of American policy in the entire post-cold war era“. In deutscher Übersetzung fährt er fort: „Diese Entscheidung muss erwarten lassen (…), dass sie die Atmosphäre des Kalten Krieges in den Beziehungen zwischen Ost und West wiederherstellen und die russische Außenpolitik in Richtungen zwingen, die uns entschieden missfallen werden“.

Auch seine Rede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels (1982) ist lesenswert unter sicherheitspolitischen Perspektiven. Am Ende geißelt er den Zynismus und die Korruption des Massenexports von Waffen in Entwicklungsländer. –  Michael Schnatmeyer


Leserbrief zu „Uhren sind moderne Diktatoren“ von Amrai Coen Und Björn Stephan

Soviel Arroganz und gleichzeitig Lieschen-Mülller-haftes Erklären der Welt auf eineinhalb Seiten ist mir schon lange nicht mehr in der ZEIT begegnet – und entspricht auch nicht dem gewohnten Niveau dieser Zeitung. „Die Schule ist erfunden worden, um die Menschen zur Pünktlichkeit zu erziehen und zu veruhrzeitlichen“. Vermittlung von Bildung? Nein. Alles, jedes Thema, das im Artikel angesprochen wird, wird auf das ein und selbe Phänomen zurückgeführt. Vereinfachung kann man das schon nicht mehr nennen – Blödsinn scheint mir da angemessener.

Herr Geißler ist auch an anderen Punkten nicht auf der Höhe der Zeit (obwohl er sich doch als Experte dafür bezeichnet). So zum Beispiel seine Empfehlung zur Gleitzeit. Das hat schon was naiv kindliches. Die wird bereits seit vielen, vielen Jahren praktiziert. Aber das ist ihm wohl entgangen. – Raimund Helbrich


Leserbrief zu “ Vom Gehetzten zum Gestalter“ von Heinrich Wefing

Die zum Thema des kommenden Wahlkampfes erklärte „Innere Sicherheit“ hat eine Ursache. Die Ursache heißt: Öffnung der Grenzen im Herbst 2015 und unkontrollierter Zustrom von Zuwanderern.

 Dies bedeutet, dass wir Menschen im Land haben wie A. Amri, der mit 14 verschiedenen Namen operierte, finanzielle Leistungen erhielt in verschiedenen Bundesländern, und – obwohl observiert und als Gefährder erkannt – unbehindert sich bewegen und agieren konnte. Man darf davon ausgesehen, dass A. kein Einzelfall ist. Man spricht von über 500 dieser Spezies.

 So dürfte man vielleicht einmal die Ursache beim Namen nennen: „Danke, Frau Merkel“ und umfassende Sicherheit fordern. Nur durch radikale Verantwortung kann eine einsame Entscheidung geheilt werden. Es ist bedenklich, wenn die Großzügigkeit unseres Landes so einfach auszunutzen ist. Missbrauch von Sozialleistungen im Bewusstsein der Tatsache, dass jedes 5. deutsche Kind unter die Armutsgrenze fällt, müsste Alarmsignal und Ausweisungsgrund sein. Wollen wir uns eine unkontrollierte Großzügigkeit wirklich erlauben? Wir meinen: Germans first!

 Es ist dringend an der Zeit, überalterte Rechtsgrundlagen der aktuellen Situation anzupassen. So lange abgewiesene Asylbewerber auf Bleiberecht klagen können, werden wir mit Sicherheit keine Innere Sicherheit erreichen.

Wir wünschen uns Konsequenz, maximale Anwendung der Gesetze, Schaffung von lückenlosem Identitätsnachweis, konsequente und sofortige Ausweisung von Menschen, die maßgeblich unsere innere Sicherheit gefährden und das soziale Netz ausnutzen. Vorschlag: Diese einfach mit einer Transall über deren Herkunftsland mittels Fallschirm zurückgeben.

Wir würden uns freuen, wenn Sie diesem Thema innerhalb der ZEIT Raum geben. –  Hermann Krose & Susanne Schumacher


Leserbrief zu „Alle Achtung“ von Jörg Lau

Wie kann man sich denn mit einer solchen Frage so vergaloppieren. “Was wird aus einem Westen,der ohne selbstverständliche amerikanische Vorherrschaft oder auch nur Führung auskommen muss?”

Von welcher amerikanischen Vorherrschaft ist denn hier die Rede?   Ist es die Vorherrschaft der Moral der US-Politik mit dem Ziel von Frieden in der Welt, die nun anstehende Auflösung von Guantanamo (in Amerika wird die Länge eines Jahres anders ermittelt,so zum Beispiel wie bei den Kreationisten wo der intelligente Mensch seit ca. 6000 Jahren über die Erde wandelt) . Oder sind es die Flugzeugträger, Atomwaffen, weltraumgesteuerte Überwachungssysteme zur Erhaltung des “Friedens” nach US-amerikanischer Lesart? Sind es die jetzt gerade stattfindenden Panzeraufmärsche in den Baltikstaaten und sogar der Ukraine um den unmittelbar bevorstehenden russischen Angriff auf Westeuropa zu blocken? Das alles wäre zu klären um zu begreifen, dass hier die Vorherrschaft “der Guten” selbstverständlich anerkannt wird. Was würden wir nur in der Vergangenheit gemacht haben, ohne diese moralische Faust im Nacken?

Diese eine,unter vielen, von Ihnen aufgeworfener Fragen, versteckt in einem ansonsten leidlichen Aufsatz zur Politkaffeesatzleserei des kommenden Jahres verärgert mich!

Eines sollten Sie doch wissen : Nichts ist beständiger als der Wandel! Und wir werden noch genau so weiterexistieren wie bisher, auch ohne Vorlesungen in genehmer Staatsbürgerkunde. Und ich glaube wir sollten uns an dem Mut der Briten, ganz abgesehen ihres seltsamen Votums zur EU, ein Beispiel nehmen. Da gilt es dann ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Lösungen zu suchen. Die wären dann am besten ohne Säbelgerassel der scheinbar wieder Kriegslüstern gewordenen “größten Demokratie”, Entschuldigung das ist ja Indien, der Erde und seiner wie, ich glaube, von ihr abhängenden Herrscherkaste in den verschiedenen Mitgliedsländern der NATO, insbesondere der Obersäbelrasseler von Washingtons Gnaden, ein gewisser ehemaliger Sozialdemokrat aus Norwegen. Der Name ist unwichtig.

Ich würde sehr gerne mit Ihnen in einem gemütlichen Kaffee oder auch Bistro über all diese Fragen ein seriöses Gespräch führen, weil es mich brennend interessiert wie abhängig Sie, der sicher der Atlantikbrücke angehört, sind, und wie Sie ihre Geisteshaltung begründen, dass Sie der Meinung sind Amerika habe das “selbstverständliche Recht” bzgl. der Vorherrschaft der westlichen Hemisphäre. Aber das Alles ist ja vielleicht nur eine Vermutung, ein Denkspiel Ihrerseits. Dann wäre meine Post an Sie gegenstandslos. – Wolfgang Schuckmann


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Julia Friedrichs zitiert in ihrem Artikel über die Kinderarmut (DIE ZEIT, 5.01.2017, S. 54) die Ministerinnen Ursula von der Leyen, Manuela Schwesig und Andrea Nahles mit ihren folgenlosen Klagen über die Kinderarmut. Auch die Autorin stimmt in diesen Chor der Klagen ein, doch scheint Frau Friedrichs, bei der Erklärung für die Gründe der Erfolglosigkeit zu kurz zu greifen. Einer der wichtigsten Gründe dafür, dass sich Politiker so wenig um Kinder kümmern, ist wohl der, dass Kinder keine Wähler sind. Bei den Wahlen zu unseren Parlamenten sind Kinder mit keiner Stimme vertreten. Als ich mich diesbezüglich 2010 an das Familienministerium mit der Bitte wandte, sich um dieses Thema zu kümmern und es nach vorne zu bringen, bekam ich aus dem Familienministerium unter Kristina Schröder die trockene Antwort, für das (Kinder-)Wahlrecht sei das Bundesministerium des Innern zuständig. Solange sich nicht einmal das Familienministerium um die politische Berücksichtigung von Kindern kümmert, wird sich an der Lage der Kinder in unserem Staat nichts Wesentliches ändern. Vielleicht könnte DIE ZEIT dieses Thema wenigstens wieder einmal in die öffentliche Diskussion bringen. – Dr. Wolfgang Breidert


Leserbrief zu „War er’s?“ von Kerstin Kohlenberg

Frau Kohlenberg hat die Lage genau analysiert und das „Kyrillische“ als Sprache entdeckt. Die Sprache des Internet ist das Angloamerikanische, sein Alphabet das lateinische. Wenn die Russen wirklich spioniert haben, mussten sie letztgenanntes benutzen. Ins „Kyrillische“ übersetzen!

Da haben die US-Schlapphüte ja was ganz tolles erfunden. Mit einer solchen Nachricht kann man nur ganz dumme Leute fangen. Dass die Russen in einem Land spionieren, das vor ihrer Haustür Raketen aufstellt, ist selbstverständlich.

Dass sie die Wahl beeinflusst haben, ist unwahrscheinlich. Da die Amerikaner das aber in aller Welt tun, zuletzt in der Ukraine vor den Toren Russlands, glauben sie das Gleiche von den Russen, oder sie wollen uns das glauben machen. – Hartmut Winterfeldt


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Danke für die schöne und sehr persönliche Schilderung ihres großen Vorbildes Jesus von Nazareth.

Ich habe mich persönlich in vielem wieder gefunden , und doch eines fehlt mir , und für mich ist das sehr wichtig nur leider wird darauf seitens der Kirche fast ganz vergessen.

 Sie schreiben , „was mich ausmacht ist allein die Antwort auf die Frage , wie ich zu meinen Mitmenschen bin …..

Ja sehe ich genauso !, aber nicht nur das , sondern wie ich zu allen andere Geschöpfen Gottes bin , sie sind , so finde ich , Gottes vergessene Kinder.

Und für mich schließt das auch alle andere Natur mit ein, das wäre meine ganz persönliche Ergänzung zu ihrem schönen Beitrag gewesen Liebe Grüße aus der Steiermark! – Herbert Mayrhofer


Leserbrief zu „Kunst taugt nicht als Maske“ von Jens Jessen

Herr Jessen wird viel Beifall bekommen für seine vordergründig richtige Aussage, dass „nur ein tadellos tätiges Unternehmen auch einen glaubwürdigen Kultursponsor abgibt“. Ja – soll die Deutsche Bahn doch erstmal für pünktliche Züge sorgen, statt die „Stiftung Lesen“ zu unterstützen! Und Audi soll nicht weiter die Audi Jugendchorakademie sponsern, weil man sich doch als Mitbeschuldigter im Rahmen der Diesel-Affäre im „moralischen Zwielicht“ befinde.

Mit Verlaub – das ist arg weltfremd, dünkelhaft und wohlfeil. Und es ist verantwortungslos. Denn folgte man in der Praxis dieser Überlegung, wäre das in der Konsequenz eine Katastrophe für den Kulturbetrieb. Große Unternehmen sind komplexe Gebilde mit vielen Tätigkeitsfeldern, Organisationseinheiten und Mitarbeitern.

Und die sind Menschen und machen manchmal Fehler. Bei VW und Audi haben vor vielen Jahren einige Ingenieure und Manager moralisch unkorrekt gehandelt, um im Rahmen eines Projekts größere Millionenbeträge einzusparen, und die Unternehmen werden dafür jetzt Strafen in Milliardenhöhe zahlen müssen. Niemand ist über dieses Fehlverhalten mehr erschüttert als die über 99% der Mitarbeiter, die damit rein gar nichts zu tun haben. Soll jetzt auch die Jugendchorakademie, die durch viele Jahre harter Arbeit ein fantastisches Niveau erreicht hat, für diese Verfehlungen anderer in der Vergangenheit büßen? Nein, Kultur-, Wissenschafts- oder auch Sport-Sponsoring ist eine langfristig angelegte Sache, die auf Verlässlichkeit beruht und weitergehen sollte, auch wenn Flecken auf der weißen Weste des Unternehmens sichtbar geworden sind. Und wo bitte ist das blitzsaubere Unternehmen, das über jeden Zweifel erhaben ist und es auch immer sein wird?

Herr Jessen spricht von „Verrat an der Kunst“. Verrat an der Kunst wäre es, die Künstler im Stich zu lassen und sich aus der Verantwortung zu stehlen, weil man wegen eines Fehlers in der Vergangenheit in der öffentlichen Kritik steht. Andersherum hat aber jeder, der Sponsoring-Geld bekommt, das gute Recht, sich von seinem Sponsor zu trennen und dessen Geld nicht mehr anzunehmen. – Reinhard Otten


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Danke für Ihr grundehrliches, wahres, und schönes Jesus-Zeugnis. Das ist es: Jesus braucht keine „Bewunderer“- wie S.Kierkegaard sagte – sondern Nachfolger, die Sein Geist ermächtigt und in die Freiheit von den „Anforderungen der Gesellschaft“ führt, wie es Augustin erfahren hat: „Gib Herr, was Du befielst, und dann befehle, was Du willst.“ Es ist wahr, ohne die Kraft Seines Geistes sind wir überfordert, aber mit ihr können wir wie unsere Väter sagen: „Wer vor Gott kniet, kann vor Menschen gerade stehen.“ Ich grüße Sie herzlich und wünsche Ihnen weiterhin diese Demut überzeugender Jesus-Nachfolge. – Volkhard Scheunemann


Leserbrief zu „Ein Inder rechnet ab“ von Jan Ross

In der Tat scheinen Europa und Amerika schlecht gerüstet, das Weltgeschehen angemessen zu begreifen. Herr Puri bezeichnet die moralische Hysterie als einen der Gründe, die den Westen zu völlig überzogenen, den Realitäten der jeweiligen Länder nicht angemessenen Aktionen verleiten. Das Beispiel Libyen scheint dafür gut gewählt. Der notgedrungene Pragmatismus von Menschen aus Indien, China und Afrika hätte die Katastrophe, die sich dort Dank des westlichen Aktionismus abspielt, mit Sicherheit verhindern können. Was der Westen zudem einfach nicht verstehen will, ist die Tatsache, dass der Rest der Menscheit, ihm seine angebliche moralische Autorität schlicht nicht abkauft. Vom Kolonialismus mal ganz abgesehen, haben sich der Sturz eines gewählten iranischen Präsidenten Mossadegh, eines Salvador Allende in Chile, ein in Batteriesäure aufgelösten kongolesischen Präsidenten Lumumba, sowie die vielfältigen Kooperationen mit Diktatoren aller Art ins kollektive Gedächtnis der Menschen eingebrannt. Ein wenig mehr Bescheidenheit und Demut würden Europa und Amerika bisweilen besser zu Gesicht stehen als moralischer Rigorismus, der unglaubwürdig wirkt. – Dieter Schöneborn


Leserbrief zu „Auf den ersten Blick“ von Gero von Randow

Erlauben Sie mir eine Bemerkung zu Ihrem Artikel, speziell zu folgendem Satz:“Das Verbot ist nach Ansicht deutscher Gerichte sogar dann verletzt, wenn das Aussehen nur ein Motiv unter mehreren war, die Papiere zu verlangen“.

Das Aussehen beeinflußt immer die Art, wie wir Mitmenschen begegnen, auch bei den Polizisten. Je nach eigenen Erfahrungen oder dem woher auch immer vermittelten Image einer Gruppe sind wir vertrauensvoller, offener, mißrauischer etc. Die Nordafrikaner haben ihr Image nachhaltig ruiniert, deswegen hat die ganze Gruppe keine vertrauensvolle Behandlung zu erwarten, bedauerlicherweise auch die Personen, die dafür nicht verantwortlich sind. Dabei teilen sie dieses Schicksal mit vielen anderen Gruppen in der Vergangenheit und Zukunft. Als ich Anfang der 60er Jahre längere Zeit im Ausland war, wurde ich gelegentlich auch als Mitglied einer Mörderbande angesehen, die Millionen Juden ermordet hatte. Ich konnte das nur schweigend hinnehmen. Die Türken wurden sehr lange als nicht besonders bildungsorientiert wahrgenommen und entsprechend behandelt aufgrund der Erfahrungen mit den Deutschkenntnissen dieser Gruppe, was zum Beispiel dazu führte, daß ein sprachlich exzellenter Mensch Anerkennung bis Verwunderung hervorrief. Und nun teilen viele Nordafrikaner dieses Schicksal in unserem Land.

Den Gerichten, auf deren Entscheidungen ihr obiger Satz zurückgeht, müßte Realitätsverlust attestiert werden, wenn sie heute davon ausgehen, daß Nordafrikaner unvoreingenommen behandelt werden. – Dr. Walter Engel


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Der Artikel von Julia Friedrichs über Kinderarmut in Dtld. bringt gute Ansätze und Vorschläge
zur Behebung des gesellschaftlichen Problems. Der ökonomische Aspekt ist natürlich von großer Bedeutung: mehr Geld schafft bessere Rahmenbedingungen und bessere Resultate, jedoch nur wenn der
individuelle Wille des Betroffenen stark genug ist und die Vorbildfunktion des Umfeldes vorhanden ist …..

Dies kommt in der vorliegenden Analyse viel zu kurz. Ohne enorme Anstrengung auf allen Seiten – Kind, Familie, Schule, Wirtschaft, Politik – ist ein Aufstieg nicht zu realisieren. Dies gilt ebenfalls für Kinder und Eltern der gehobenen Schichten!

Auf die überzogenen Vorwürfe gegen die Politik und Gesellschaft möchte ich hier nicht weiter eingehen.
Ich verweise auf zwei Artikel, die der Autorin vielleicht nicht bekannt sein könnten:
1. „Stoppt den Niedergangsdiskurs!“ in Der Spiegel Nr. 38/2016, S. 56 ff.
2. Michelle Obamas Abschiedsrede im Weißen Haus am 6.1.2017: http://www.nytimes.com/2017/01/06/us/politics/michelle-obama-last-speech.html?emc=edit_th_20170107&nl=todaysheadlines&nlid=17347454&_r=0 – Wilfried Götting


Leserbrief zu „Alle Achtung“ von Jörg Lau

Ihr Artikel  hat mich sehr beeindruckt. In der Liste von „Denksportaufgaben“ habe ich zu der Frage, ob man die freiheitliche Ordnung neu justieren sollte, folgende Überlegung:

„Wir sind – mit Recht – stolz auf unseren Rechtsstaat. Jedoch braucht ein Rechtsstaat als Überbau eine moralische Grundhaltung oder – anders ausgedrückt – ein Verantwortungsbewusstsein der Personen, die in diesem Rechtsstaat leben und Verantwortung tragen. Diese Voraussetzung scheint zunehmend verloren zu gehen. Am Beispiel verantwortlicher Politiker oder Wirtschaftsführer möchte ich diesen Gedanken konkret erläutern.

 Es ist offensichtlich, dass die großen Probleme der Zuwanderung von Flüchtlingen ursächlich damit zusammen hängen, dass unsere staatlichen Organe versäumt hatten, rechtzeitig Vorsorge zu treffen, um eine große Anzahl von Flüchtlingen ordnungsgemäß zu registrieren. Damit wäre das herrschende Chaos zu vermeiden gewesen, in dessen Folge auch Kriminelle in unser Land gekommen sind. Die politische Verantwortung für das Versäumnis tragen auf Bundesebene  in erster Linie der Innenminister und die Bundeskanzlerin. Von beiden ist aber nie erwogen worden, persönliche Konsequenzen daraus zu ziehen. Im Gegenteil – beide wollen bei der nächsten Wahl wieder antreten und die Kanzlerin will weiter „dem Land dienen“. In diesem Klima ist es nicht verwunderlich, dass der Innenminister von Nordrhein-Westfalen die Verantwortung für die ungenügende Überwachung eines behördlich bekannten Terroristen auf die unübersichtliche Gesetzeslage schiebt.

Im Bereich der Wirtschaft passiert Ähnliches, was an den jüngsten Beispielen von zwei gefeierten Wirtschaftsführern zu erkennen ist. In beiden Fällen sind zu deren Amtszeit in ihrem Unternehmen kriminelle Vorgänge passiert, die nachträglich zu hohen Strafen für das Unternehmen und in der Folge, aus Kostengründen, auch zur Entlassung von unschuldigen Mitarbeitern geführt haben. Beide „Vorbilder“ lehnen mit dem Hinweis, dass sie von nichts gewusst hätten, jegliche Verantwortung ab und kassieren stattdessen noch Erfolgsprämien in Millionenhöhe.

Ein solches Verhalten von „Vorbildern“ wird auf Dauer das Klima in unserem Land vergiften – daran wird auch unsere vorbildliche Rechtsordnung nichts ändern.“ – Klaus Grieshaber


Leserbrief zu „Träumt weiter“ von Josef Joffe

In Bezug auf Trump hat sich Herr Joffe von Anfang an getäuscht, auch diesmal tut er m.E. so, denn Russland ist kein echter Gegner von USA: wirtschaftlich äußerst schwach, der richtige und gefährliche Gegner ist China. Nixon und Kissinger verbanden sich mit schwachem China gegen die Sowjetunion und jetzt Trump beabsichtigt das Gegenteil. Die von Herrn Joffe angeführten historischen Beispiele sind nicht adekvat, sie beziehen sich auf den Kalten Krieg. Seine Skorpionfabel ist halt nur sugesstiv… – Marek Pelc


Leserbrief zu „Wem gehört’s?“ von Josef Joffe

Ich verstehe, dass Sie die Pointe mit den „arabischen Zahlen“ nicht vermissen wollten… aber auch sie sind von den Indern „gestohlen“. – Marek Pelc


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Wie ist es möglich, dass vernunftbegabte und gebildete Menschen religiös gläubig sind? Die wichtigste Antwort darauf gibt wohl die Psychologie: durch emotionale Konditionierung in der Kindheit. Der Autor liefert durch seine religiöse Biografie dafür eine schöne Bestätigung.

Wie sonst könnte jemand, der imstande ist, biblische Texte zu lesen und zu beurteilen, den biblischen Jesus so einseitig positiv darstellen?

Der Verfasser schweigt sich aus über einen Jesus, der den Menschen nur hilft, wenn seine Glaubensbedingung erfüllt ist. Der den Widerspenstigen, den Zweiflern, den Spöttischen androht, sie ins Feuer zu werfen. Sie dürfen für ihr endliches Fehlverhalten unendlich lange leiden. Ist das Gerechtigkeit, gar Nächstenliebe? Was ist mit dem Jesus, der die Familien seiner Anhänger auseinander reißt und sie in die Armut stürzt – bis heute ein Vorbild für Sektenführer. Wo ist bei Trotier von einem Jesus die Rede, der auf autoritäre Weise Wahrheiten predigt, nur selten angefochten durch Selbstzweifel? Wo von einem, der großspurige Versprechungen macht über die grandiose Zukunft seiner Jünger im Jenseits? Die irdische Endzeit werde noch zu deren Lebzeiten kommen.

War wohl nichts. – Wolfgang Graff


Leserbrief zu „Alle Achtung“ von Jörg Lau

Dass Sie ohne „postfaktisch“ auskommen, gebührt Ihnen Lob. Über Israel aber schreiben Sie in Ihrer gewohnten Bewährungshelfer-Attitüde. – Marek Pelc


Leserbrief zu „Ein Inder rechnet ab“ von Jan Ross

Was für eine intelligenter Beitrag. Besser kann man es kaum sagen: „Eure politischen Führungen fallen einem Journalismus zum Opfer.“ Hardeep Singh Puri sagt das, was ich schon immer gepredigt habe, auch gegenüber der „Zeit“. Auch die übermäßige Gefühlsduselei steht dafür Pate .

Die politische Führung  in Singapur, wo ich über 4 Jahre gelebt habe, denkt ähnlich. Der leider verstorbene Staatschef Lee Kuan Yew hat schon Ende der 70er Jahre vorausgesagt, das Europa auf Dauer keinen Bestand haben wird.

Der Zerfallsprozess ist bereits in vollem Gange. Ich sehe auch keinen Ansatz der etablierten Parteien das signifikant zu ändern. Ohne Not wird sich Europa selbst auflösen, das ist der eigentliche Skandal. – Gunter Knauer


 Leserbrief zu „Wiederbelebung als Mission“ von Elisabeth Niejahr

Sie schreiben „… dreht den Autoschlüssel im Zündloch, aber es bewegt sich nichts.“. Das wundert mich gar nicht, denn in das Zündloch einer mittelalterlichen Vorderladerkanone steckte man eine brennende Lunte, damit sich die Kanonenkugel bewegte. Den Zündschlüssel steckt man dagegen normalerweise in das passende Zündschloss …

Andererseits könnte man die von Ihnen präzise beschriebene Mission von Herrn Vogel und seiner FDP im Wahljahr 2017 durchaus mit einem „Ritt auf der Kanonenkugel“ charakterisieren :) – Harald Kapitza


Leserbrief zu „Uhren sind moderne Diktatoren“ von Amrai Coen Und Björn Stephan

Mit großem Interesse habe ich das Interview zum Thema „Zeit“ mit Professor Karl-Heinz Geißler gelesen. Der Gründe sind mehrere: Zum einen habe ich seit meiner Kindheit ein besonderes Verhältnis zur Zeit, was auch ein Beweggrund für den beigefügten Essay aus dem Jahre 1999 war.

13 Jahre später dann las ich ein Interview in der SZ zum Thema „Zeit“. Der Gesprächspartner war – Sie werden es erraten – Prof. Geißler.Natürlich ließ ich ihm meine Abhandlung zukommen:

„… herzlichen Dank für Ihren klugen Text über die Zeit. Ich habe ihn gern gelesen…“. Ja, über diese Reaktion habe ich mich schon sehr gefreut. Und jetzt, weitere vier Jahre später, ist der Auslöser dafür, mein Traktat erneut auf den Weg zu bringen, ein Interview zum gleichen Thema in der ZEIT…

Gewiß, der kommunikationstechnische Hintergrund hat sich in dreizehn Jahren geändert. Aber vielleicht ist es ja gerade das, was den Beitrag so ‚zeitlos‘ macht?

Mit freundlichen Grüßen aus Mourèze – einer Gegend, in der die Leute etwas anders mit der Zeit umgehen –  Dieter J Baumgart


Leserbrief zu „Danke, Mr. President!“ von Melvyn Krauss

Kann mir jemand die Schlussfolgerung von Melvyn Krauss erklären, warum eine höhere Inflation in den USA den Wert des Euro schmälern sollte ? Bisher war es jedenfalls so, dass höhere Inflation regelmäßig die Abwertung der eigenen Währung zur Folge hatte, jedenfalls keine Aufwertung. Oder handelt es sich hier etwa um einen Übersetzungsfehler? – Frank Lamprecht


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Ich bin sehr dankbar für die Darstellung von Herrn Trotier, wie  Glauben funktioniert.  Nebenbei: Monotheistisch geht sie natürlich nicht.

(Jesus und Gott in dem Fall.) Aber es macht mich schon betroffen, wie weit der Graben zwischen Aufklärung  und  Religion noch ist.

Vielleicht ist es genetisch? Auf jeden Fall freue ich mich für Herrn Trotier, das sein Jesus ihn davor bewahrt hat, schon als Baby in Afrika zu verhungern und ihm eine Messdiener- Karriere in Iserlohn ermöglicht hat. – Oswald Baumeister


Leserbrief zu “ Vom Gehetzten zum Gestalter“ von Heinrich Wefing

Einen großen Dank an Heinrich Wefing, der die Zentralisierung der Sicherheitspolitik in Deutschland in seinem Artikel kurz und knackig auf den Punkt bringt. Dank natürlich auch an de Maiziere, dass er bereit und in der Lage ist aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Wefing hat recht: die Legitimation des Staates steht auf dem Spiel und wir hoffen sehr, dass es gelingen möge, die staatliche Kontrolle zurückzugewinnen.

Der Fall Amri hat zur Genüge bewiesen, dass die Zusammenarbeit der Landesbehörden mangelhaft ist ähnlich wie auch bei der NSU. Wir brauchen effektive koordinierende Funfktionen beim Bund , auch angesichts der russischen Versuche zur Wahlbeeinflussung. –  Dr. Hans-Jürgen und Renate Salz


Leserbrief zu „Auf den ersten Blick“ von Gero von Randow

Das war ein sehr ausgewogener Artikel, der mir geholfen hat, meine Gedanken zu dem Thema ein wenig zu klären. Vielen Dank dafür.  – Barbara Ostrop


Leserbrief zu „Gut ist gut genug“ von Kerstin Bund

Vielen Dank fuer diesen sehr lesenswerten Artikel! Ich habe mich besonders gefreut, dass Sie auch darauf hinweisen, dass wir Frauen mit verantwortlich sind fuer manche fehlende Unterstuetzung. Ich habe schon oft erlebt, dass Frauen einerseits ueber mangelnde Mitarbeit ihrer Maenner klagen, aber andererseits darauf bestehen, dass alles genau so gemacht wird wie es ihnen richtig erscheint bzw. Maennern nicht zutrauen, die Arbeit vernuenftig auszufuehren. Mit einer solchen Haltung kann man vielleicht Hauspersonal zur Arbeit anleiten, aber wohl kaum einen mitdenkenden Partner. Auch die wechselseitigen Verurteilungen der Frauen untereinander sind mir wohl vertraut. Wie schoen, dass sich endlich mal jemand traut das auch offen auszusprechen. – Sabine Moehler


Leserbrief zu „Geschwaechte Richter“ von Elisa Hoven

Endlich mal ein Artikel wie ich ihn mir von der Rubrik „Recht und Unrecht“ erhofft hatte, als sie eingefuehrt wurde! Statt Sex und Gewalt ein gut geschriebener Hintergrundsbericht ueber ein Thema, das in den Medien wenig bis garnicht vorkommt. Ich hoffe Ihr Artikel bleibt keine solche Ausnahme wie er sie derzeit darstellt. – Sabine Moehler


Leserbrief zu „Auf den ersten Blick“ von Gero von Randow

Ausweis zeigen als Diskriminierung? Wegen sowas sind Leute gekränkt? Das riecht nach Verwöhnaroma. Fenster auf und weg damit. Als ich in den ersten Jahren der 80er an der deutsch-französischen Grenze lebte – es war noch eine wirkliche Grenze – und mit dem Bus von Kehl nach Strasbourg fuhr, musste ich immer dann meinen Ausweis zeigen, wenn ich in meinem schmutziggrünen Parka unterwegs war. In normalen Klamotten nicht. Daraus habe ich eine Langzeitstudie gemacht. Und siehe da: Immer im Parka musste ich meinen Ausweis zeigen, in normalen Klamotten fast nie. Es war die Post-RAF-Zeit. Racial Profiling für Deutsche. Die Haltung gab es schon, den Begriff noch nicht. Was ich nicht verstanden habe ist, dass die Grenzbeamten doch wissen mussten, dass niemand mit praktizierter krimineller Energie sich durch Revoluzzerklamotten outen würde, sondern unauffällig wäre. Wie die Leute in Stuttgart, die die Fahrkartenkontrollen in öffentlichen Verkehrsmitteln einst durchführten: Typ Hausfrau mit Einkaufstäschchen oder Rentnertyp mit Baumarkt-Plastiktüte und dergleichen.

Heute sind viele Deutsche harmlos, auch wenn sie beige, gelb, braun oder schwarz aussehen. Es gibt aber kein Zeichen, z.B. ein Pickel zwischen den Augenbrauen, der nur wächst, wenn man die deutsche Staatsangehörigkeit hat und noch nie straffällig war.

Diszipliniert und solidarisch müssen wir durch diese Zeiten durch. – Heike Schalles


Leserbrief zu „Polizisten allein schaffen es nicht“ von Caterina Lobenstein

Seit Herbst 2014 wohnen wir in direkter Nachbarschaft einer Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Sasel für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge im Alter von 14 bis ca. 18 Jahre. Weder verstehen die jungen, männlichen Flüchtlinge unsere Werte, noch gelingt es den deutschen Betreuern ihnen die Verbindlichkeit unserer Gesetze und Werte zu vermitteln. In von uns u.a auch mit arabisch sprechenden Betreuern geführten Gespräche aus dem Kulturkreis der Jugendlichen in dieser Unterkunft, sagten uns mehrfach diese Betreuer, im dabei sein der Jugendlichen, dass deutsche Gesetze und Werte für die Jugendlichen nicht gelten würden, diese wären ja Moslems.

Diese mangelhafte und inkonsequente Betreuung wird gravierende Auswirkungen bezüglich Akzeptanz und Integration der Flüchtlinge für die Zukunft haben. – Edda und Mathias Minuth


Leserbrief zu „Hier herrscht Klassenkampf“ von Caterina Lobenstein

Ihr Artikel ist ausgezeichnet, er erfüllt die Erwartung die man an eine Zeitung hat: berichten und erklären. Deswegen leiste ich mir Die Zeit auch noch als Arbeitsloser. Jedoch: Warum erst jetzt? Jahrelang hat Ihre Zeitung genau wie die anderen auf die AfD reagiert: lächerlich machen, einseitig kritisieren, Anhänger als zurückgeblieben beschreiben. So wächst die Popularität des Begriffs Lügenpresse.

Dies ist kein Vorwurf, sondern Interesse: Erklären Sie bitte. – Frank Hrebabetzky


Leserbrief zu „Alle Achtung“ von Jörg Lau

Ein sehr nachdenklicher Artikel: Alle Achtung!   Sie haben völlig recht: Der Blick auf die Welt ist,wegen ihrer Komplexität, unübersichtlich,  aber keineswegs unbegreiflich! Voraussetzung dafür ist neben einer guten Bildung,  einem analytischen Kopf und die Kraft, ein Problem lösen wollen.   Wäre die Welt ein Meer, dann wären die Politiker m.E.  wie Schiffbrüchige, die in ihrer Panik nach  absolut Allem greifen, was da angeschwommen kommt. Der Wille zum Überleben im Meer der  Intrigen zwischen Kollegen, Parteien und Medien ist da primär und weniger die Lösung eines Problems!

Ein Beispiel: In der Griechenland Krise wollte man Europa retten, weil das Hemd näher erschien als die entferntere Jacke.  Bis sich herausstellte, daß die Jacke (sprich Flüchtlinge) das weitaus größere Problem war. (Und das Problemhemd verlor man, aus Kapazitätsgründen, bis Wiedervorlage aus den Augen !!!)

Daß dieses Jackenproblem von der Schiffbrüchigen Frau Dr. Merkel nicht gesehen wurde, lag nicht daran, daß es unbegreiflich war, sondern am Unvermögen in einer komplexen Welt durch gutes Datenmaterial und  durch Problemanalyse (eine naturwissenschaftliche Basismethode!) eine Ordnung zu schaffen,  die zu Entscheidungen befähigt hätte. Das fand aber nicht statt, weil sie auch nach einem Jahr Chaos  im Flüchtlingsproblem (s. der Wille zum Überleben…) immer noch behauptete: Wir schaffen das!   Und so grapscht unsere selbstverschuldet schiffbrüchige Regierung weiterhin hektisch nach Allem, was Rettung verspricht! Wie z.B. nach Herrn Erdogan.

Weil in diesem Meer aus selbstverschuldeter Unwissenheit alles Mögliche immer wieder als scheinbare Rettung erscheint,  habe ich jede Hoffnung aufgegeben, von Politikern Problemlösungen zu erhoffen.  Das wird wohl “die ordnende Kraft des Faktischen” übernehmen müssen. Und dann tut es weh!!! – Klaus Riediger


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

In allen Punkten gebe ich ihnen Recht. Dennoch Bei ihrem Fazit was zu tun waere springen sie in die gleiche Ecke in der die quartalsweisen Sprechblasenentleerer auch schon stehen. Mein Frau ist Familienhebamme und hat mit den Janinas Ercans und Saschas zu tun wenn sie noch Baby sind.  In diesen Familien , denen man vom Jugendamt eine Familienhebamme zuweist, sind oft aeltere Kinder und man  kann   wie in einer Zeitmaschine  sehen , wie sich das Leben der Mutter oder Eltern in die Kinder praegt.

Mich packt die kalte Wut wenn ich sehe, dass das Kindeswohl koerperliches Wohl meint. Alle Eltern in Deutschland haben das Recht ihre Kinder zu verdummen wie es ihnen gefaellt. Niemand darf einschreiten , wenn Saeuglinge schon mit der Glotze oder aeltere Kinder mit der Zuckerteeflasche ruhiggestellt werden.

Was waere zusaetzlich zu tun?

Die Niederlaender schreiben die Eltern ab ,alimentieren diese dennoch in Wuerde und kuemmern sich intensiv um alle Kinder in solchen Familien. Damit sind die Niederlande in der Praevention deutlich weiter als Deutschland. Wobei in Deutschland der Grund fuer das Hinterherlaufen in der foederalen Struktur und dem Ehrgeiz von 16 unabhaengigen Sozial- und Bildungssystemen liegt. Fuer die Polemik bedanke ich mich. Anders kann man unsere wirkungsschwache Sozial und Familienpolitik auch nicht ertragen. – Markus Harder


Leserbrief zu „Träumt weiter“ von Josef Joffe

Aus österreichischer Sicht einige Bemerkungen:

Allgemein wird mit Schweigen übergangen, dass der Ost-Westkonflikt eine religiöse >Ursache hat:  Das große Schisma, das die orthodoxen Kirchen von den westlichen Kirchen trennt. Schon 1914 entschied Zar Nikolaus II. – als Oberhaupt aller Orthodoxen – gegen den leidenschaftlichen Widerstand seiner Regierung –und unerwartet für Österreich-Ungarn – Russlands  Mobilmachung  Russlands. Diese führte bekanntlich zum Ersten Weltkrieg. Auch die römisch-katholische Kirche förderte entscheidend die „Machtergreifung“ Adolf Hitlers und seiner Nationalsozialistischen Partei (Reichsermächtigungsgesetz 1933, Reichskonkordat 1934), um das – vermeintlich durch die Revolution geschwächte – Russland zu erobern und die Orthodoxie  mit der Papstkirche gleichzuschalten. Der Holokaust wurde als Kollateralschaden in Kauf genommen – von vielen erwünscht.

Nach dem bewaffneten Überfall auf Österreich am 11.3.1938, der Österreich von allen nationalsozialistischen Verbrechen und seine Jugend vom Wehrdienst in der deutschen Wehrmacht freigehalten hätte, intervenierte die r.k. Kirche – durch den allein zuständigen Papst – mit der „feierlichen Erklärung der österreichischen Bischöfe vom 18.3.1938“ und verpflichtet alle österreichischen Katholiken – damals alle Österreicher außer den gleichzeitig grausam verfolgten Juden-  zur Botmäßigkeit unter den Nazi-Herrschern. Als in Stalingrad das Kriegsglück sich sichtbar wendete, tat dies auch die österreichischen Landeskirche. Die wenigen überlebenden Österreicher der Schlacht von Stalingrad erbaten von ihren russischen „Feinden“ die Restauration ihres – von der r.k. Kirche abgemurksten – Österreich.  Russland erfüllte – im Eivernehmen mit seinen Verbündeten diesen Wunsch mit dem „Staatsvertrag vom Belvedere“ vom 15.5.1955, dem einzigen echten Friedensvertrag des 20. Jh., weil ohne Kriegsschuldklausel.

Dies erzwang  Österreichs heiligmäßiger Staatsmann Leopold Figl, obwohl Landwirt, wissend, dass ein Friedensvertrag mit Kriegsschuldklausel eine Erklärung des Vergeltungskrieges sei (Versailles). Angestiftet von seinen inneren Feinden, wollten die U.S.A. und ihre Spießgesellen in der NATO , Österreich um diesen Frieden bringen, indem sie seinen als Familienvater  in Ehren ergrauten Bundespräsidenten von untadeligen Ruf Dr. Kurt Waldheim als“Nazi-Butcher“ auf die Watchlist  setzten. Diese Erklärung der NATO gegen Österreich eines Vernichtungskrieges blieb – vorerst – verbal – ., weil Russland – und alle Nichtmitglieder des Kriegsverbrecherbündnisses Nato – sich nicht beteiligten. Durch diese Infamierung eines unbescholtenen Familienoberhauptes  stürzte die NATO-  Mitgliedsstaaten  vom Rang von souveränen auf den von Banditen ab.. Was nun das weitere Schicksal der NATO betrifft, so bewegte „Die Arroganz der Macht“ Präs. George Bush II zum mit offenkundigen Lügen begründeten Raubkrieg im Irak, verbunden mit der Plünderung des für die Menschheit unersetzbaren Antikenmuseums in Bagdad, ferner zur gesetzlosen Gefangennahme verbunden mit schamlos-öffentlicher Folter.

In meinem Wohnzimmer fand die Hinrichtung durch den Strang  des  -vermeintlich – besiegten Feindes Saddam Hussein statt. Unter seinem Nachfolger Barak Obama ward mir das Vergnügen zu Teil, seinem eigenhändigen Abmurksen eines ihm unsympathischen Menschen zuzusehen  und sein Verbündeter, Präs. Karssai , beklagte, dieser „Friedensnobelpreisträger“ habe in seiner Amtszeit mit 1,600 „Drohnen“ = Blindekuhbomben – zentausende Unschuldige massakriert.  Daher versuche ich, Donald Trump zu einer zivilisierten  Militärpolitik ohne gesetzlose Gefangenschaft, Folter und  Meuchelmorde zu bewegen. Bis dahin befindet sich die Republik Deutschland in der NATO  in einer sehr schlechten Gesellschaft. Und der militärische Schutz der U.S.A. erinnert an die Erzählung Tolstojs in „Krieg und Frieden“:  „Nach der verlustreichen Schlacht von Borodino ging Napoleon über das Schlachtfeld und sagte zu seinen Offizieren: Gott sei Dank sind die meisten Gefallenen nur Deutsche!“ – Dr. Otto Ludwig Ortner, RA. em. Absolvent der theol Kurse der Erzdiözese Wien


Leserbrief zu „Gut ist gut genug!“ von Kerstin Bund

In Ihrem Artikel Gut ist gut genug! schreiben Sie, dass Sie eine Frau als Vorbild für die Mutterrolle suchen. Und am Ende des Artikels, dass Sie nun Ihren Weg gefunden haben und kein Vorbild mehr brauchen. Zur Bestätigung möchte ich Ihnen meine Erfahrungen schildern.

Ich habe einen Sohn, 21 Jahre, und eine Tochter, 14 Jahre. Ich habe immer in Vollzeit gearbeitet, ebenso mein Mann. Aber das berühmte schlechte Gewissen hat mich nie geplagt. Und unter Schlaftmangel habe ich auch nie gelitten. Folgende Punkte haben uns dabei geholfen:

– Mein Mann und ich haben uns sowohl Hausarbeit als auch Kinderbetreuung gerecht geteilt. Zwar habe auch ich „mütterliches Gatekeeping“ praktiziert, aber nur in überschaubarem Ausmaß: Ich wußte, welche Impfungen anstanden und ob die Kinder neue Schuhe brauchen. Im Gegenzug habe ich mich z.B. beim Kochen vollständig rausgehalten.

– Wir hatten – als die Kinder klein waren – sehr kurze Arbeitswege. Zudem waren unsere Arbeitszeiten relativ flexibel. Das verringert die Belastung und hilft bei Arztterminen und Weihnachtsfeiern im Kindergarten.

– Wir haben uns auf Kinder und Beruf konzentriert. Unsere Freizeitbeschäftigungen drehten sich hauptsächlich um die Kinder. An Wochentagen haben wir abends mit den Kindern gegessen und gespielt, am Wochenende haben wir einen Ausflug an einen See, in den Zoo oder in ein Museum gemacht. Die Urlaube haben wir in einer Ferienwohnung mit vielen Ausflügen verbracht. Und zum Lesen blieb immer noch Zeit, wenn die Kinder im Bett waren.

– Wir haben zwar manche, aber nicht jede vermeintlich wichtige Frühförderung mitgemacht. Meine Kinder waren weder beim Frühschwimmen noch bei der musikalischen Früherziehung, aber beim Frühenglisch. Ich denke, man tut seinen Kindern einen großen Gefallen, wenn man sie einfach spielen lässt. Auch das Frühenglisch war unsinnig.

– Wir hatten Unterstützung von den Großmüttern. Allerdings wohnen beide 500km entfernt. Aber immer, wenn die Kinder krank waren, kam eine Oma. Und manchmal auch zwischendurch. Umgekehrt haben die Kinder dort gerne Ferien gemacht. So hatten wir immer mal wieder eine Woche, in der wir besonders viel arbeiten und abends auch mal ausgehen konnten.

– Die Hausarbeit ist bei uns recht gut organisiert. Wir kochen jeden Tag, aber Extras wie der von Ihnen genannte Blumenstrauß gibt es nicht. Und nicht jede Kinderhose muss gebügelt werden. Und wenn wir etwas in den Kindergarten mitbringen sollten, habe ich einen Käsekuchen gebacken: Zeitaufwand 20 Minuten.

Es gibt natürlich Grenzen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wenn ein Kind gesundheitliche oder psychische Probleme hat, müssen die Eltern im Beruf kürzer treten. Und wenn ein Elternteil eine 60-Stunden-Woche hat, wird es schwierig, wenn das andere Elternteil nicht beruflich kürzer tritt. Aber auch das Bedürfnis der Eltern, Zeit ohne Kinder zu verbringen, sei es beim Sport, mit Freunden oder auf Reisen, sollte zulasten des Berufs und nicht der Kinder gehen.

Meine Kinder jedenfalls sind „gut geraten“, es fehlte und fehlt ihnen nichts. Ich bin überzeugt, dass nichts besser gewesen wäre, wenn ich Teilzeit oder gar nicht gearbeitet hätte. Ganz im Gegenteil: Mit meinem Vollzeitjob war ich sicherlich ausgeglichener und entspannter. –  Dr. Jutta Biltzinger


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Vielen Dank für Ihren klugen und berührenden Beitrag in der Rubrik „Glauben & Zweifeln“, der mir aus dem Herzen spricht. Ich freue mich, dass in einer überregionalen Zeitung dieser Artikel Platz gefunden hat in der Hoffnung, dass möglichst viele Leser auf ihn aufmerksam und von ihm angesprochen werden. Alles Gute für Sie! – Marion Zimmer-Roland


Leserbrief zu „Mein Wortschatz“ von hannes Mittermaier

Auch hier im Alemannischen, dem neben dem Bairischen anderen großen Dialektraum des Oberdeutschen, kennt man Ihr In-Keit-Lassen, nämlich als  „loss mi ukeit (umkeit)“, also lass mich umgefallen/liegen und damit in Ruhe. Das Alemannische Wörterbuch verweist hierzu auf das Deutsche Wörterbuch, 4.2.1, Sp. 2340 und somit auf das mittelhochdeutsche  „geheien“, das u.a. auch hinwerfen bedeutet. Dieses Wort ist also eines der vielen, die Bairisch und Alemannisch aus dem Mittelhochdeutschen bewahrt haben. – Volker Morstadt


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Für den Artikel zum Thema Vorbilder von Kilian Trotier- Der Herausforderer-Jesus  Möchte ich mich herzlich bedanken!! Ein wohltuender, ehrlicher Beitrag. Für uns als überzeugte und begeisterte Christen und Jesus-Nachfolger eine realistische Darstellung des Lebens als Christ im ganz normalen Leben und Alltag mit seinen Herausforderungen. Er ermutigt hoffentlich viele Leser, sich auch auf diesen Weg zu begeben. Es gibt nichts zu verlieren- aber alles zu gewinnen! Diesen Artikel kann man auch gut an Interessierte weitergeben, die Fragen zum christlichen Glauben haben. Also: meine Dank an den Autor und  das Team, das entschieden hat, ihn zu veröffentlichen!! – Ingrid Seeck  


Leserbrief zu “ Der Herausforderer“ von Kilian Trotier

Da ich mich gedanklich gern  im säkular- religiösen Spannungsfeld  unserer  Gesellschaft  bewege, gehört  Ihre Rubrik  „ Glauben  & Zweifeln „  zu meiner allwöchentlichen Lieblingslektüre. Doch ich frage mich zunehmend, was Sie eigentlich  unter  „ Zweifeln „ verstehen?

Denken Sie ganz überwiegend  an  Menschen, die  im  Glauben  zweifeln oder schreiben Sie auch  für Leser, die außerhalb  der  christlichen Offenbarungsreligion  Sinnerfüllung  suchen ?

Sollte Letzteres der Fall sein, möchte ich Bedenken an der Ausgewogenheit  Ihrer  Beiträge anmelden.
Sicher ist Ihnen bewusst,  dass  etwa ein Drittel der Bundesbürger  keiner der beiden großen  christlichen Konfessionen angehört und bei dem verbleibenden Rest sich eine zunehmende  Ignoranz gegenüber fundamentalen dogmatischen Auffassungen der Amtskirche ausbreitet. Da helfen alle theologischen  Interpretations-und  Auslegungskünste nur begrenzt. – Günter Bergmann


Leserbrief zu „Hier herrscht Klassenkampf“ von Caterina Lobenstein

Herzlichen Dank für Ihren anschaulichen Artikel über Bitterfeld, Afd etc.. Ich habe bisher einen ganz anderen Eindruck von der Lebenssituation der dortigen Bevölkerung gehabt; den muss ich jetzt drastisch korrigieren.

Diese Leute verdienen wirklich unser Mitgefühl (und Hilfe) und nicht die Bundespolitiker oder Frau Merkel, wie es Die Zeit in den vergangenen Wochen (z.B. Herr B. Ulrich) des öfteren getan hat.

Ihnen nochmals herzlichen Dank und alles Gute für 2017. – Reimond Rohde


Leserbrief zu „Pikettys Lehrer“ von Lisa Nienhaus

Vielen Dank für die Informativen Zeilen zu Anthony Atkinson, dessen Buch „Ungleichheit“ mir derzeit interessanten Lesestoff bietet.

Sie zitieren den Wisschaftler in ihrem Beitrag in der ZEIT 2/2017 mit den Worten „Dieser Aufsatz würde sicher mehr Leser finden, wenn er zu dem klaren Ergebnis gekommen wäre […]“. Können Sie mir die dazu gehörige Primärquelle nennen? Sicher habe ich diese Aufgrund der Übersetzung ins Deutsche nicht finden können. – Michael Engelmann


Leserbrief zum Titelthema „Was ist heute ein Vorbild?“

Das ist Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow   * 1939, ein Oberstleutnant a. D. der Sowjetarmee. Am 26. September 1983 stufte nur er als leitender Offizier in der Kommandozentrale der sowjetischen Satellitenüberwachung einen vom System gemeldeten Raketenangriff der USA auf die UdSSR als Falschalarm ein. Ein neues Computersystem hatte nacheinander zwei US-amerikanische Interkontinentalraketen Abschüsse registriert. Dies löste den count down des russischen Atomgegenschlages aus. Petrow konnte nicht wissen, dass durch Wolken fallende Sonnenstrahlen das neue Computer-System getäuscht hatten. Aber er sagte sich, dass die Amerikaner nie so verrückt sein würden, mit nur 2 Raketen anzugreifen. Er drehte deshalb den Schlüssel zum Gegenschlag, der nur noch zwischen seinen Fingen lag, nicht herum. Damit verhinderte er als denkender Mensch den Maschinen Reflex, der uns alle umgebracht hätte in dem Atomkrieg, des befürchteten Dritten Weltkriegs.

(Er wurde für sein Verhalten weder belobigt noch belohnt aber auch nicht bestraft. Es deckte die Unzulänglichkeit des sowjetischen Militärsystems auf und rückte seine Vorgesetzten in ein schlechtes Licht. So bekam er von offizieller Seite einen Verweis für falsche Archivierung von Schriftangelegenheiten, und seine einst vielversprechende Karriere fand ein jähes Ende. Er wurde auf einen weniger heiklen Posten versetzt und verließ die Armee aus eigenem Entschluss wegen seiner kranken Frau. Petrow lebt seitdem in ärmlichen Verhältnissen als Rentner in Frjasino. Am 24. Februar 2012 wurde Stanislaw Petrow mit dem Deutschen Medienpreis ausgezeichnet. [Wickipedia]) – Prof.em. Dr.Hermann Zeumer


Leserbrief zu „Polizisten allein schaffen es nicht“ von Caterina Lobenstein

Als Lehrerin an einer Fachschule für Sozialpolitik habe ich Ihren Artikel mit Interesse gelesen. Jedoch ist mir nicht ganz klar, ob es sich bei der Forderung nach mehr Erzieher tatsächlich „nur“ um Erzieher handelt, also Männern mit einer entsprechenden Ausbildung oder ob Sie auch Erzieherinnen meinen. Ich finde diese Tatsache nicht ganz unwesentlich. Vielleicht meinen Sie ja, dass Männer, die als Erzieher in diesem Bereich tätig sind, pädagogisch zielführender aktiv werden können? Das wäre durchaus eine Herangehensweise, die diskussionswürdig ist.

Oder haben Sie die männliche Schriftsprache als allumfassende verwendet? – Ina Bagdenand


Leserbrief zu „Gut ist gut genug“ von Kerstin Bund

Sie schreiben zwar am Ende Ihres Artikels, dass Sie nun doch kein Vorbild suchen … aber ich finde schon, dass auch Frauen bzw. Mütter Vorbilder haben bzw. finden sollten. Auch ich, Jhg. 1969 mit drei erwachsenen Kindern, war und bin immer auf der Suche nach Vorbildern.

Allerdings teile ich nicht Ihre Meinung in Bezug auf das Vereinbarkeitsthema. Es tut mir sogar weh, immer wieder von Frauen hören zu müssen, dass Sie selber daran schuld sind, wenn sie es nicht schaffen und im Alltag gestresst sind. Der kapitalistischen Wirtschaftsweise wird es freuen, dies zu hören.

Als Coach begleite ich Frauen, die als Akademikerinnen innerhalb „ihrer“  Graduiertenakademie an einem Programm teilnehmen, das sich mit dem Thema „Kompetenzen“ beschäftigt. Die Frauen formulieren ganz deutlich, dass sie mit der Forderung nach einer erwartenden Vereinbarkeit überfordert sind. Ein wichtiger Schritt scheint mir zu sein, dass sie erkennen, dass sie nicht nebenbei Mütter sind, sondern, dass die Familienarbeit mehr als ein Vollzeitjob ist. Sie also über Jahre zwei Jobs, die gesellschaftlich gewünscht sind, gleichzeitig bewältigen müssen.

Vielleicht sollten Sie, als Autorin im Ressort Wirtschaft, die Thematik „Vereinbarkeit“ von der wirtschaftlichen Seite betrachten. Denn für die jahrelange Familienarbeit gibt es keinen Cent und keinen Euro. Ergo kommen Frauen bei der Bewältigung ihrer Aufgaben automatisch in eine Menge Zwänge. Ich schlage den Frauen oft ein Gedankenspiel vor: Wie würde sich ihr Alltag und ihr Leben gestalten, wenn, vom ersten Tag ihrer Schwangerschaft an, diese ihre Leistung und eben die Familienarbeit mit Geld (momentan die einzige Form von  Wertschätung für die Bereitstellung persönlicher Ressourcen an die Gesellschaft) honoriert werden würde? Sie für ihre Familienarbeit bezahlten Urlaub, Krankentage, Gehaltserhöhungen, … bekommen würde, so wie es in der Arbeitswelt in aller Regel üblich ist.  Die Antworten, die ich erhalte, sind spannend und aufschlussreich.

Feministische Ökonominnen und Ökonomen beschäftigen sich schon seit langer Zeit mit dieser Thematik. Ein Blick dahin lohnt sich! – Ina Bagdenand


Leserbrief zu „Erst mal wird gefeiert“ von Uwe Jean Heuser

Gustav Le Bon (1841-1931), Begründer der Massenpsychologie, hätte wohl der These 3 zugestimmt: „Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen mißfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.“

Sowohl Borniertheit als auch Opportunismus sind hiernach menschliche Grundübel, daran ändert aller technologischer Fortschritt nichts. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Hier herrscht Klassenkampf“ von Caterina Lobenstein

Der Bericht von Caterina Lobenstein über die desolaten wirtschaftlich-sozialen Verhältnisse im Raum Bitterfeld und den damit einhergehenden dramatischen Erfolg der AFD sollte einigen politischen Entscheidungsträgern endlich die Augen öffnen. Andernfalls werden – nicht nur in Ostdeutschland – in den nächsten Monaten und Jahren noch viele strukturschwache Regionen und/oder solche mit vergleichbarem sozialem Ungleichgewicht idealer Nährboden für extreme politische (oder auch religiöse) Gesinnung sein.

Den abgrundtiefen Fremdenhass der armen (natürlich gibt es auch ARME DEUTSCHE) Textilsortiererin kann ich keinesfalls gutheißen, dass sie angesichts der offensichtlichen Ungleichbehandlung der angestammten Belegschaft und der neu hinzugekommenen Hilfskräfte – Flüchtlinge – nicht erfreut ist, des Weiteren ständig Angst um ihren erbärmlichen, ungesunden und lausig bezahlten Arbeitsplatz haben muss, wird ihre Weltoffenheit jedoch kaum steigern. Die marode Infrastruktur, die infolge Geldmangels weiter verrottet, verwaiste Einzelhandelsgeschäfte im Stadtkern, indessen an der Peripherie Gigastores entstehen, die jedoch kaum oder gar keine Gewerbesteuern abwerfen der für viele Millionen kultivierte See, welcher von der angestammten Bevölkerung kaum genutzt werden kann, sondern nach und nach meistbietend privatisiert wird – mehr als geug Zündstoff für politische Verwerfungen. – Ulrich van Elst


Leserbrief zu „Zapfsäulen zu Steckdosen“ von Christian Frahm und Jürgen Pander

Das Laden in wenigen Minuten ist nur in seltenen Fällen ein relevanter Fall: wenn man Strecken fährt, die in einer Richtung länger sind als es die Reichweite des Akkus hergibt. Wenn man also drauf warten muss. In der weit überwiegende zahl der Zahl Fälle lädt ein E-Auto Zuhause oder am Zielort: beim Einkaufen, während der Arbeit, beim Sport, während der Kinobesuchs usw. Dort ist es egal, ob es eine oder mehrere Stunden braucht. Mit aktuellen Akkus kommt man bei behutsamer Fahrt 250 bis 400 km weit. Nur gehetzte Fahrer können dann keine halb- oder einstündige Pause machen. Danach wäre der Akku ist bei der heute verfügbaren 50 kW-Schnellladung wieder voll.

Wenn Audi-Chef Stadler eine Kaffeepause als Maßstab setzt, erhöhen sich die Kosten überproportional. Das ist unnötig.

Zur Klimabilanz von E-Autos (Lifetime Cycle) gibt es seit Jahren fundierte Untersuchungen, z.B. des Umweltbundesamtes:

https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/weiterentwicklung-vertiefte-analyse-der

Auch das BMUB hat sich dazu geäußert:

http://www.bmub.bund.de/themen/luft-laerm-verkehr/verkehr/luft-verkehr-download/artikel/klimabilanz-elektromobilitaet/

Danach ist ein Elektroauto auch unter Einbeziehung der kompletten Herstellung weniger belastend für das Klima als ein vergleichbarer Benziner pder Diesel.

Auch Mercedes Benz ist zu diesem Schluss gekommen beim Vergleich des Mercedes B als Benziner mit dem Mercedes B electric drive. Und das beim heutigen Strommix.

Schön wäre es, wenn die deutsche Automobilindustrie endlich E-Autos bauen würde, die die vorhandenen, sehr preiswerten  22 kW-Drehstrom-Ladesäulen voll nutzen könnte und dies nicht der kleinen Zoe von Renault vorbehalten bliebe. Für die Zoe gibt es nämlich annähernd ausreichende Ladesäulen, für VW und BMW, die auf die teure Gleichstromladetechnik angewiesen sind, leider nicht. – Reinhard Schmidt-Moser


Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Nach fast vierzig Jahren im Schuldienst stelle ich fest, a) an der beklagenswerten Situation zu vieler Kinder in unserem Land hat sich kaum etwas geändert, b) die Kritik daran wird folgenlos wiederholt und c) die Politiker versprechen vor jeder Wahl, dass Bildung zu ihren Zielen gehört, und wenden sich nach der Wahl „wichigeren“ Dingen zu. Warum ist das so?

Kinder (und Mütter) haben in Deutschland keine Lobby. Mein Vorschlag: Gebt jedem  Neugeborenen eine Stimme, also ein Wahlrecht, das bis zum 14. oder 16. Lebensjahr von den Eltern, im Zweifelsfall von der Mutter, wahrgenommen wird. Es komme niemand mit dem Totschlagargument, die Kinder seien nicht mündig! Es gibt Hunderttausende alter Menschen, die aufgrund von Beeinträchtigungen aller Art ihr Wahlrecht nicht selbst ausüben können und sich „helfen“ lassen müssen. Und es gibt Millionen Ewachsene, die sich nie um Politik kümmern und daher zu begründeten Wahlentscheidungen nicht in der Lage sind.

Mit dem Wahlrecht für alle würde sich die Situation von Kindern schlagartig verbessern, weil die Parteien – wie bei den Rentnern –  Wählerstimmen ernst nehmen, Kinderstimmen nicht. –  Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Hier herrscht Klassenkampf“ von Caterina Lobenstein

Ein super Artikel über Bitterfeld(-Wolfem), als gebuertiger Sachsen Anhaltiner mit Bindungen zu der Region kann ich Sie für die Reportage nur ausdrücklich loben: Sowohl die durch die Fabrikarbeiterin exemplarisch dargestellten Menschen als auch die (politische, landschaftliche, wirtschaftliche) Umwelt sind genau die Faktoren, die zum Problem Globalisierungangst führen. Man merkt, dass die Regionen hier durch gesellschaftliche Veränderungen abgekoppelt werden -jeder junge Mensch, der einigermaßen etwas auf sich hält, will weg. Das wissen auch die Konzerne, und schauen westlich, südlich, nördlich und ja auch östlich nach Sachsen, wo es zwar oftmals wieso oft im Kapitalismus an Schneid der Führungsregie mangelt, aber dennoch wirtschaftlich bergauf geht seit Jahren. Das leider graue Sachsen Anhalt bleibt da leider auf der Strecke, und wer kann, geht weg. Das ist dann natürlich Sprengstoff für Spannungen. Tja. Was bleibt u tun? Es gab glaube ich mal Überlegungen, S-A (hat uebrigens auch einen.Bindestrich im Namen) mit Thüringen und Sachsen zu „verschmelzen“.
Andererseits sehe ich für mein Bundesland bis auf Halle (wie Sie richtig geschrieben haben -naehe zu Lpz) und evtl. MD schwarz.
Only time.can tell…

PS mit Smartphone geschrieben, wlan geht nicjt, daumen schmerzt, gerne haette ich besser geschrieben,.verzeihung. toller articel. Make saxony anhalt great again. – Philipp Vosshans


Leserbrief zu „Ich klone dich!“ von Jens Tönnesmann

Cooler Zocker?

In seinem Artikel „Ich klone dich!“ über sein Vorbild Oliver Samwer nennt Jens Tönnesmann einige der schlechten Charaktereigenschaften, die Oliver Samwer zugeschrieben werden. Ich kenne Samwer nicht. Ob sie zutreffen, mögen die beurteilen, die mit ihm leben und arbeiten.

Tönnesmann bewundert die Start-up-Fabrik Rocket Internet.

Schauen wir uns das Firmenkonzept genauer an am Beispiel helpling GmbH, eine Firma, an der Rocket Internet eine Beteiligung hält und die dem Muster, Unternehmenskonzepte aus den USA zu importieren, entspricht. Homejoy heißt das us-amerikanische Original.Inzwischen nicht mehr am Markt.

Das Geschäftsmodell von Homejoy und Helpling ist so schlicht wie unappetitlich: selbstständige Putzkräfte werden an Auftraggeber vermittelt, die Firma organisiert die Vermittlung und sichert den Auftraggeber in jeder Hinsicht ab (die Putzkraft mmuss ein Führungszeugnis vorgelegen, helpling übernimmt die Haftung für Schäden, der Kunde darf sich sicher sein, dass die Putzkraft nicht schwarz arbeitet, helpling weist auch auf die steuerliche Absetzbarkeit häuslicher Dienstleistungen hin, organisert die Werbung).
Die Putzkraft kostet den Auftraggeber ab 10,32 € pro Stunde (!) bei regelmäßiger Beauftragung. Deren soziale Absicherung spielt im Geschäftsmodell eine ungleich kleinere, eigentlich gar keine rolle.

Es bedarf keiner großen Rechenkünste, um festzustellen, dass die Putzkraft mit dieser Vergütung für ihre selbstständige Tätigkeit unterhalb dessen liegt, was sie bei unselbstständiger Tätigkeit als gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn erhalten würde, und dass sie, wenn sie für Alter und Krankheit vorsorgen will, deutlich darunter liegen dürfte. Wer selbstständig arbeitet und für harte Putzarbeit angemessen entlohnt werden möchte, sollte eine Stundenvergütung erzielen, die kalkulatorisch auch die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung enthält. D.h. Mindestlohn mit dem Faktor 1,2 hochgerechnet, macht knapp 10,70 € als Untergrenze. Dass Helpling Wegezeiten nicht vergütet, sei nur am Rande erwähnt.

Ein wahrlich cooles Geschäftsmodell. Man könnte es auch skrupellos nennen.

Da gibt es doch aber Regelungen, die solche Formen von Scheinselbstständigkeit sanktionieren? Es gibt „Rechtsgutachten“, die versichern, dass die Vermittlung von Arbeiten über eine solche Dienstleistungsplattform nicht den Tatbestand der Beschäftigung von Scheinselbstständigen erfüllt.

Was ist zu tun?

Im ersten Schritt hilft nur Transparenz:

– Obligatorische Offenlegung der Preiskalkulation gegenüber den Kunden.Das müsste dann so manchem Auftraggeber, der auf Schnäppchenjagd ist, die Schamröte ins Gesicht treiben.

– Informationspflicht gegenüber den Putzkräften hinsichtlich einer netto-/brutto-Arbeitsstunden-Kalkulation.

Dass Dienstleistungsplattformen in die Sanktionierung von Scheinselbstständigkeit einbezogen werden, wäre ein nächster konsequenter Schritt, den der Gesetzgeber zu vollziehen hätte (das gehört in die Arbeiten 4.0-Debatte, Frau Nahles!).

Wie Homejoy in den USA hat auch Helpling GmbH zweistellige Millionenbeträge am Kapitalmarkt eingeworben. Ob sich das rentiert, wissen nur die Anleger.

Ein paar Euros werden allemal bei den Initiatoren hängenbleiben. Immer noch begeistert von dem coolen Typen, Herr Tönnesmann? – Sabine Hübner


Leserbrief zu “ Die Lüge vom perfekten Helden“ von Sabine Rückert

Das Thema der „Zeit“ kommt für viele Freiburger Bürger zur rechten Zeit. Vielleicht wissen Sie, dass 51%  der befragten Bürger gegen eine Umbenennung von Straßennamen ist.  Dennoch wird das Projekt durchgezogen. Die zahlreichen Leserbriefe in der Badischen Zeitung und weitere Beiträge von kompetenten Fachgelehrten können Sie sicherlich aus dem Internet beziehen. Ich selbst könnte Ihnen meine private Sammlung des Materials zur Verfügung stellen. Zum „Anlesen“ empfehle ich Ihnen den Beitrag von Patrick Bahners in der FAZ vom 8.10.2016: „Stadtplanreformer auf dem Holzweg“ und den Leserbrief von Prof. Krumeich in der Badischen Zeitung vom 12.10.2016 unter der Überschrift „Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll“.

Wenngleich es mich zeitweilig reizte, selbst einen Beitrag zu verfassen, nehme ich davon Abstand, da ich, 81 jährig und nur Oberstudienrat in den Fächern Deutsch, Geschichte und kath. Religion unterrichtet habe, mich für die Abfassung  eines fundierten Beitrags  nicht befähigt halte. Ich gehöre eher zur Spezies der „Sammler“. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie oder ein Fachkollege der“ Zeit“ sich dieses Themas annehmen könnte. Als Materialbeschaffer kann ich indessen immer noch dienen. Zudem stehen mir die Materialien im hiesigen Stadtarchiv uneingeschränkt zur Verfügung. Es würde mich sehr freuen, gelegentlich von Ihnen zu hören. – Bernhard Löbbert


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Die Vorschläge, die Infrastruktur in Kindergarten und Schule zu verbessern, sind nicht neu. Dazu gehören Kindergartenpflicht ab dem 3. Lebensjahr, Ganztagsschulunterricht mit Mittagessen usw. Diese Vorschläge sind bisher am politischen Willen und der föderalen Struktur der Bundesrepublick gescheitert. Dass eine Erhöhung des Kindergeldes (und des Kinderzuschlags für arme Familien) und der Richtsätze in den wenigsten Fällen den Kindern zugute kommt, ist auch längst bekannt. Andererseits werden durch die Diskriminierung der Kinder der Unterschicht (Hilfsarbeiter und Hartz-IV-Empfänger) viele Begabungen verschleudert.

Das erste Hindernis für die Förderung der Unterschichtkinder stellen ihre Eltern dar, denn in Nordrhein-Westfalen lehnen die Eltern in 17 % der Schulempfehlungen für den Übergang auf ein Gymnasium in inder 4. Klasse diesen Wechsel ab. Man muss sich daher überlegen, dass die bisherige Methode der ständigen Erhöhung des Kindergeldes und des Kinderzuschlags und der Richtsätze überhaupt nichts gebracht hat. Auch das Teilhabeprogramm kann Kindern aus Suchtfamilien, in denen Alkohol, Gewalt und Drogen an der Tagesordnung sind, nicht wirklich helfen. Es gibt nur einen Weg, begabten Kindern aus solchen Familien eine Chance zur Entwicklung ihrer Begabung zu verschaffen. Dieser Weg besteht darin, dass sie in Gastfamilien, die sie fördern und fordern, untergebracht werden oder aber in Internaten. Damit wäre den Kindern und dem Staat, der ja auch Nutznießer höher Ausgebildeter ist, gedient.

Leider gönnt aber die gutsituierte Bürgerschicht (es ist nicht nur die Mittelschicht, sondern auch die Oberschicht) den Kindern der Unterschicht keinen Bildungsbissen. Daher hat die Hamburger Bürgerschaft vor Jahren die Verlängerung der Grundschulzeit auf sechs Jahre durch Bürgerentscheid abgelehnt, wobei die Wahlbeteiligung der Unterschicht extrem gering war. Die gut situierte Bürgerschicht ist eher bereit, die Transferleistungen zu erhöhen, als das Bildungsprivileg zu teilen. Deshalb muss eine wirkliche und generelle Verbesserung der Bildungschancen der Unterschichtkinder gegen den erbitterten Widerstand der gut situierten Bürgerschicht, die die Bildungschancen ihrer Kinder auf Kosten der Unterschichtkinder fördert, durchgesetzt werden.

Wo sind die Politiker, die sich dieses langfristige Ziel auf ihre Fahnen schreiben? – Dr. Hermann Nanz


Leserbrief zu „Retter vor Gericht“ von Sebastian Kempkens

Beim Lesen des Artikels zweifelte ich erneut am europäischen, in dem   Fall griechischen Rechtssystem.  Gibt es denn für Herrn Blanco und seine Mitstreiter inzwischen eine   adäquate rechtliche Vertretung? Wer übernimmt die Kosten für den   weiteren Prozess?  Ich bin leider weder Anwalt noch spreche ich spanisch oder griechisch.  Kann man trotzdem helfen? Wenn vielleicht auch nur finanziell?  Man kann doch seine „Vorbilder“ für ihre guten Taten nicht ins   Gefängnis gehen lassen…   – Gesche Grabs  


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

In diesem Lande wird nur gejammert!  Arm sind die Menschen welche den schrecklichen 2. Weltkrieg überstanden.  So Ausgebombte und Vertriebene.  Meine Frau und ich sind Kriesgskinder.  In den Nächten saßen wir in den Luftschutzkellern.  Auch tagsüber! Die Schulbücher mußten wir uns in der Regel mit zwei  anderen Kindern gemeinsam  bearbeiten. Immer sorgfältig umhüllt mit Papier. Es war ja alles knapp.

1943 verloren die Familien meiner fraun auch meine in einem Großangriff  auf Wuppertal alles Hab und Gut.  Wir hatten nur das, was man auf dem Leibe trug.  Ein Jahr wurde man dann wohnungslos in der Verwandtschaft hin und her  geschoben.  Kleidung? Sehr knapp! Schuhe? Holzschuhe mit Riemchen. Führte dann im  Winter bei mir zu verfrorenen Zehen.  Nach einem Jahr eine Behelfswohnung mit zwei Zimmern für 4 bzw. 5  Personen. Ohne eigenes WC, Dusche ? – Wochenwanne.  Heizung? Ofen- aber ohne Brennmaterial.  Nach dem Krieg keine Verbesserung. Überall Wohnungsnot und Hunger.  Lehrlinge verdienten 25 Mark im 1. Lehrjahr. Meister in ihrem Fach  kamen auf 90 Mark in der Wochen. War Spitzen Einkommen.  Meine Frau und ich haben sehr früh geheiratet. 1958 haben wir uns um  eine kleine Wohung beworben, da meine Frau schwanger.  Wir zogen das Glückslos! Es hatten sich über 100 Menschen beworben.

Und  wir gewannen! Auch Wohnung ohne Heizung, WC und Dusche.  Sehr schnell hatten wir drei Kinder. Nur ein Einkommenbezieher. Meine  Frau konnte nicht mehr berufstätig sein. Das Kindergartengeld betrug  100 Mark je Kind bei einem sehr knappen Angebot. Kindergeld und all die  anderen Zuschüsse die es heute gibt, gab es nicht.  So war es nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen Menschen.  Trotzdem hat diese arme Generation ihren erheblichen Beitrag zum  Wiederaufbau und dem heutigen Wohlstand geleistet.  Allerdings hatten wir weniger Abwechslung als  heute. Wir waren  ernsthafter. Die Arbeitszeit lag damals bei 50 Stundenwoche.  Der Urlaub bei 10 – 12 Tagen inkl. Samstag.  Vielleicht können Sie verstehen, was wir denken wenn Sie und andere  Journalisten so schreiben wie in ihrem letzten Artikel.  Wer arm ist, muß einfach die Ärmel etwas höher krempeln. – Manfred Lück


Leserbrief zu „Zeig mir mehr !“ von Andrea Jeska

„Domo arigatou !“ für diesen sehr gut geschriebenen, für mich sehr gut nachvollziehbaren, interessanten Artikel ( und die Fotos !!)  über die Shibuya-Kreuzung in Tokyo !!

Ich war schon einige Male, jetzt zuletzt im vergangenen Oktober, in Japan, natürlich stand ich auch an, auf dieser Kreuzung,  auch jedesmal mit einem schweren Kamerarucksack…kann alles, alles, was Sie schrieben, nur bestätigen  !!

Schön, dass Sie auch erwähnten, dass die Japaner es als außerordentlich freundlich und ehrenwert halten, wenn man sie fotografieren möchte ! Den Satz “ Darf ich bitte ein Foto von Ihnen machen ? “ ( ich lerne seit vier Jahren Japanisch ) konnte auch ich schnell vergessen ! Man bedenke, da fliegt ein “ Gajin“ ( “ Fremder“) zwölf Stunden mit dem Flugzeug aus dem fernen Deutschland extra nach Japan, um ein Foto von ihnen zu machen ! Welche Ehre ! Könnte noch viel erzählen…

Danke für das Wiedereintauchen in diese einmalige Stadt ! Ogenkidene, matane ! ( salopp : Alles Gute, Tschüss !) – Jürgen Franke


Leserbrief zu “ Die Lüge vom perfekten Helden“ von Sabine Rückert

Ihre Bewertung des Brudermordes von Kain unterschlägt ein wesentliches Moment:

Kain war Bauer, Abel Hirte; als beide Gott ein Opfer darbrachten (Kain von den Früchten des Feldes, Abel von den Erstlingen seiner Herde) blickte Gott wohlgefällig auf Abels Opfer, aber nicht auf das Opfer Kains. Aus Zorn über diese Mißachtung erschlug daraufhin Kain seinen Bruder. Zur Strafe wurde er von Gott zum rastlosen Umherirren verdammt.

Das Kains-Zeichen, durch das der Mörder vor der Blutrache geschützt wurde, hatte zur Folge, daß Kain nicht aus der immerwährenden Strafe des Umherirrens entlassen wurde.

Übrigens:

„Abel scheint unsterblich zu sein, denn noch immer wird er von Kain erschlagen.“

http://www.literatpro.de/lyrik/kein-frieden-auf-erdenDieter J Baumgart


Leserbrief zu „Auf den ersten Blick“ von Gero von Randow

Anstatt hier einmal wieder die Polizei  zu kritisieren, hätten Sie einmal ein Lob aussprechen müssen, und zwar ein richtiges Lob und nicht nur ein eingeschränktes. Und der Begriff Nafri besteht völlig zu Recht, eine Entschuldigung war nicht vonnöten. Ihre   Darstellung erinnert mich sehr an die Stellungnahme von Simone Peter vond en Grünen über die Silvesternacht. Und vielleicht ist Ihnen auch der Wutbrief der Ehefrau eines Kölner Polizisten bekannt, in dem sie völlig zu Recht die Besserwisser in ihre Schranken verweist. Und wo kommen denn bitte wieder fast 2000 junge Männer auf einmal  her, die fast alle aus den Magrebstaaten stammen? War es noch nicht genug im vergangenen Jahr? Woher nehmen diese Menschen die Frechheit nach dem Inferno des vergangenen Jahres einfach in Köln wieder aufzutauchen und ganz bestimmt nicht, um die Architektur des Kölner Doms zu bewundern!  – Marlis Funk


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Vielen Dank, dass Sie dem Thema „Kinderarmut in Deutschland“ mit dem Artikel „Jedes 5.Kind ist arm“ von Julia Friedrichs eine ganze Seite gewidmet haben. Das wäre eigentlich ein geeignetes Wahlkampfthema. Welche Regierungsparteien sind endlich einmal bereit, das Problem wirklich anzugehen? Ich kann es einfach nicht verstehen, dass wir immer noch das Ehegattensplitting haben. Mir will es einfach nicht in den Kopf, warum ein kinderloses Ehepaar steuerlich gefördert werden soll. Dieses Paar hat ein doppeltes Einkommen, beide können voll arbeiten und sie haben deutlich weniger Ausgaben. Ich habe in meinem Bekannten- und Freundeskreis einige alleinerziehende Eltern. Die haben es wirklich finanziell schwer, wenn der andere Elternteil kaum etwas zahlt. Diese Menschen können lange nicht voll arbeiten. Wer kann heute mit einem Teilzeitjob mit Kind gut über die Runden kommen? Kinder sollten steuerlich deutlich gefördert werden, nicht generell Ehen! – Claudia Füßler


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Vielen Dank für den mutigen Artikel. Hier geht es nicht um weiteres „Wehklagen“, sondern Sie werfen die Frage auf: „Wer hat Interesse an einer Veränderung, bzw. wem nutzt der Status Quo?“

Hier ein paar ergänzende Gedanken, die mich schon lange beschäftigen:

 Die Wohlfahrtsverbände, Kirchenvertreter, Politiker und Medienvertreter, die mit betretenen Gesichtern auf die Kinderarmut hinweisen und Veränderungen einfordern, dienen letztendlich den Besserverdienern, die von den Veränderungen am meisten profitieren.

Hierzu zählen, Erhöhung von Kindergeld, bessere Ganztagsbetreuung, kostenlose Kinderbetreuung, kleinere Klassen, Abschaffung von Studiengebühren. Verkauft wird das Ganze aber als „bessere Teilhabe von Unterschichtkindern“.  Allerdings sind die Mittelschichtseltern die ersten, die die Durchsetzung der Verbesserungen für ihre Kinder einfordern. Sie haben die besseren Mittel und die lautere Sprache, um sich Gehör zu verschaffen. Es ist kein Geheimnis, dass der grünste Rasen am besten bewässert wird und die Mittelschicht, bis hin zu den ganz Reichen, am meisten von der Familienförderung profitieren. Ein gutes Beispiel ist für mich die 2 monatige bezahlte Freistellung für Akademikerväter / Elternzeit. Es ist ihnen kein Vorwurf zu machen, wenn sie die Annehmlichkeiten nutzen, aber sie können gut für sich selber sorgen.

Eine gute Integration gelingt am besten, wenn Kinder aus unterschiedlichen Schichten gemeinsan aufwachsen und voneinander lernen.

Davon sind wir weit entfernt und ich gehe davon aus, dass sich hier nicht so schnell etwas verändern wird. Auch für Flüchtlinge wird Integration gefordert, aber bitte weit weg vom eigenem Einzugsgebiet.

Es darf nicht sein, dass Wohlfahrtverbände, Kirchen, Politiker und Medien unter dem Vorwand, sich für die Bedürftigen einzusetzen, mehr oder weniger die Allgemeinheit bedienen.

Was kann zur Verbesserung der Situation dieser Kinder beitragen?

Zuerst brauchen diese Kinder Verbände, Netzwerke, Politiker ect., die sich wirklich für IHRE Belange einsetzen und die an einer Veränderung der Situation interessiert sind!!!

Dazu gehört auch, die Ausstattung der Schulen und Einrichtungen in Problemvierteln so zu verbessern, dass Eltern aus Mittelschichtfamilien anschließend vor der Tür stehen und um Aufnahme bitten. Dazu gehört, Geld in die Sanierung der Häuser und Wohnungen zu stecken, Problemviertel aufzuwerten und evtl. neue Mieterschichten anzuziehen.

Hier wäre das Geld sicher sinnvoller angelegt, als Hausbesitzern die Wärmedämmung zu finanzieren und ihren Besitz aufzuwerten.

 Die Forderung nach mehr gemeinsamen Lernen, besserer Vermischung der sozialen Schichten sind gute Wünsche,  aber wir werden die räumliche Ausgrenzung nicht so schnell aufheben können, hier fehlt  der Wille und das Interesse der Mehrheitsgesellschaft. Wir können aber das Lebensumfeld dieser Kinder verbessern, durch Aufwertung hrer Viertel und ihrer Bildungseinrichtungen. Wir können ihnen zeigen, dass sie uns, der Gesellschaft etwas wert sind. So wäre das Geld gut eingesetzt!!

 Und noch eine spannende Frage: Was würde passieren, wenn wirklich einmal, wie immer gefordert, das Geld in Problemviertel investiert würde und die anderen zurückstecken müssten? Sicher kein Thema für ein Jahr mit Wahlen.

 Bleiben Sie weiterhin kritisch in ihrer Berichterstattung! – Marlies Wenzel


Leserbrief zu „Auf der Suche nach der Heldenformel“ Anant Agarwala

Ich möchte Ihnen mein Kompliment aussprechen für den Artikel „auf der  Suche nach der Heldenformel“.  Ich habe über den Artikel mit meinen Studenten diskutiert im Rahmen der Unterrichtseinheit: Ethik und Naturwissenschaften.  Ein Student hat gesagt, dass Ihr Artikel den Nagel auf den Kopf trifft.  Vielen Dank für den Denk- und ZEITanstoß.  Mit freundlichen Grüßen Ursula Steiner  – Ursula Steiner


 Leserbrief zu „Jedes 5. Kind ist arm“ von Julia Friedrichs

Mich hat die Reportage von Julia Friedrichs sehr betroffen gemacht! Hier werden Zustände angesprochen, die aufrütteln sollen und – vor allen Dingen – die wir in unserem Land lösen können! Ich habe den Eindruck, dass innenpolitische Themen im Vergleich zu Reportagen aus den Kriegsgebieten, die wir ohnehin nur hilflos verfolgen können, zu kurz kommen. Mein pragmatischer Ansatz wäre, mehr lösbare Probleme und Aufgaben zu thematisieren. Die oben erwähnte Reportage wäre es wert, stärker in den Fokus gerückt zu werden. Ich finde sie im Abschnitt „Z – Zeit zum Entdecken“ zu wenig prominent platziert. – Werner Weber


Leserbrief zu „Verwandlungswunder“ von Angelika Neuwirth

Schönheit der islamischen Religion rührt zu Tränen – Schon 1976 habe ich auf einer einjährigen Reise durch den Orient die kulturellen Schätze des Islam von Istanbul über Persien, Indiens muslimischer Mogul-Vergangenheit bis hin zum indonesischen Archipel bewundern können. Was aber nutzt mir das, ob meiner Sprach- und Hilflosigkeit angesichts der stummmachenden Unkultur des rückwärtsgewandten, zeitgenössischen Islams ?  Das ist so, als würde man versuchen mit der Naturnähe der Nazis, Hitlers Tierliebe für seinen Schäferhund oder gar Adolfs Autobahnen einen im Grunde friedfertigen Faschismus kausal  belegen zu wollen. Mohammed ist, wie Jesus auch, von Protagonisten seiner antiken Zeit zum göttlichen Übermenschen idealisiert worden, woraus agressive monotheistische Weltreligionen entstanden.  Menschlich durchaus verständlich, aber seit wann tragen denn diese mit Blut geadelten Religionen zum Weltfrieden bei ? Etwa wenn christliche Bischöfe zur Akzeptanz eines Islam aufrufen, der die letzten im Orient lebenden Christen massakriert ?   Hilft uns die „Ästhetik“ der islamischen Kulturgeschichte wirklich dabei, den Islam besser zu verstehen ?  Meine Zweifel daran spiegeln sich wieder in Marx‘ Aussage zur Berauschungsfunktion der Religion fürs Volk.  – Thomas Schröder


Leserbrief zu „Rüpel mit Brusthaar“ von Stefan Schmitt

Beim Lesen Ihres Artikels zu einem meiner Kindheitsidole kam mir direkt eine Bemerkung eines guten Freundes in den Sinn. Schon vor Jahren stellte er fest: „Wir wollten alle sein wie Colt, und wir wurden wie Howie!“ Da könnte etwas dran sein. – Markus Kaussen


 

 

29. Dezember 2016 – Ausgabe 1

Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Hut ab. Das ist das Beste, was ich bis heute zum islamistischen Terror gelesen habe. Jeder Satz ein Peitschenhieb gegen unseren unübersichtlichen, schwachen bis hilflosen Rechtsstaat und seine Institutionen. Wann endlich steht eine charismatische, durchsetzungsstarke und überzeugende Persönlichkeit auf und macht unser Staats-und Rechtswesen in unserem liebenswerten Heimatland  wieder robust und wehrhaft. Dieser schreckliche, islamistische „Hass und Vernichtungswillen“ (Musharabash) muss doch mit den Mitteln eines Rechtsstaats zu brechen sein. Anderenfalls müsste man an unserer Demokratie verzweifeln und, wie gehabt, nach anderen Staats-und Herrschaftsformen suchen. Wer sähe nicht diese Gefahr?

Kanzlerin, Justizminister und Innenminister,  aber auch unsere gesetzgebenden Organe sind erkennbar überfordert, zumindest ihrer Ideologie heillos verhaftet und deshalb ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Die Verfasser  weisen zutreffend darauf hin, dass das Rechtsgefühl aller billig und gerecht denkenden Bürger den jetzigen Rechtszustand als Beleidigung empfindet. So haben sich die Bürger ein demokratisches Gemeinwesen sicher nicht vorgestellt. – Josef Vogt


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Anstatt ständig die sog. Sicherheitsgesetze zu verschärfen und die StPO auszuhöhlen, brauchen wir mehr nette und verständnisvolle Psychiater, da schwere psychische Erkrankungen kaum mit den überflüssigen §§ 89a, 66 StGB  bekämpft werden können. – Alexander Gruber


Leserbrief zu „2017 wird toll“ von Josef Joffe

Ich habe mich an einer Kleinigkeit in Ihrer Notiz gestört, Ihr Satz: „Das läßt sich mathematisch beweisen“. Bei dem Verhältnis der Tannenbäume zur wirtschaftlichen Lage handelt es sich um eine Korrelation, nicht um einen mathematischen Beweis. Dies nur am Rande. – Dr. Walter Engel


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

In den fraglichen Moscheen, in denen er verkehrt hat, ist Anis Amri unbekannt. Immer wieder beschweren sich Muslime, dass sie unter Generalverdacht stehen, weil sie sich nicht von Terroristen distanzieren. Hier könnten sie es tun.
„Der schlimmste Feind im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant!“ Dieser Satz ist zeitlos wahr und gilt in jeder Diktatur, ob sie nun faschistisch, kommunistisch, islamistisch oder autokratisch ist. Der Denunziant liefert Regimegegner ans Regime aus, damit das Regime sie verhaften, foltern oder gar töten kann. Die Bundesrepublik Deutschland ist kein Regime, sondern eine Demokratie. Anis Amri und sein Kontaktmänner sind keine Regimegegner, sondern Terroristen. Auch deutsche Muslime sollten den Unterschied kennen. Es sind aber nicht wenige unter ihnen, die Deutschland misstrauen, weil sie sich nicht voll anerkannt fühlen und umgekehrt Ungläubige nicht voll anerkennen. In diesem Konflikt werden sie zwar die Opfer des Terrorismus beklagen, aber die Hintermänner der Täter eher schützen. Fatal, und diskussionswürdig. – Susanne Gründler


Leserbrief zum Thema „Terror in Berlin“

Zur Berichterstattung zum „Terror in Berlin“ – in der aktuellen Ausgabe: Und wieder wird die Kriminalität von Migranten verharmlost. Speziell im Dossier Seite 15/16 werden die Opfer des Berliner Terrors verglichen mit Alltagsfragen der großen Liebe, des Lottogewinns, sowie von jemandem der vom Blitz getroffen wird. Was soll das?

Wollen Sie die Opfer ins Lächerliche ziehen? Verschweigen Sie das Versagen des deutschen Sicherheitsapperates? Die Probleme die von Muslimen ausgehen? Weiß Ihre Atlantikbrücke bereits, das wir jetzt öfters Terror in Deutschland erleben und Sie spielen es damit runter, sodass Terror Alltag wird?

Leider passt dieses Dossier in die komplette Berichterstattung der Zeit in den letzten Jahren. Machen Sie bitte 2017 nicht so weiter, wenn Sie auf Leser angewiesen sind. – Tobias Follmann


Leserbrief zu „Rot-Rot-Radikal“ von Miriam Lau

Ihre Autorin Mariam Lau spricht aus, was viele Bürger auch denken. Ich wünschte mir lieber ein Leben ohne diese Parteien. Die machen das Leben oft so unerträglich, daß einen die Lust vergeht, das politische Geschehen überhaupt noch zu verfolgen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Besten Dank an Thomas Fischer & an DIE ZEIT für oben benannten Artikel, worin ersterer kompetent und überzeugend die unerträgliche Panikmache und Scharfmacherei des Herrn Rainer Wendt – als stünde der Untergang des deutschen Abendlandes unmittelbar bevor – offenlegt, beanstandet und öffentlich widerlegt. Herrn  Wendts einseitig selbstverliebt-autoritäres, unermüdliches Talkshow-Geplapper ist mir seit längerem ein Dorn im Auge und nun folgt sein schriftlicher Lirum-Larum-Löffelstiel-Aufguß, dessen unerträgliches Breigemenge Thomas Fischer gekonnt argumentativ in den Abguß befördert.

Es tut gut zu wissen, daß trotz aktueller Probleme man/frau – angstfrei – zur Kenntnis nehmen darf, daß in diesem sich anderen Völkern öffnenden Land ( wobei freilich eine jährliche Obergrenze ein Gebot der Vernunft ist), die Rate schwerer Gewalttaten wie Mord, Vergewaltigung, Kindesentführung, etc. insgesamt seit Jahrzehnten generell rückläufig ist. Wenn nun noch ein großreformierter Ich-gebe-anderen-gerne-ab-Kapitalismus gepaart mit einem weltweit angestrebten Ich-schließe-die-Schere-zwischen-Arm&Reich-System unauslöschbar und unabwählbar installiert & ratifiziert werden könnte/ würde , dann, ja dann wäre die Frieden anstrengende Weltgemeinschaft einen großen Gerechtigkeitkeitsschritt weiter und Scharfmacherei wie Terroristen verlören immer mehr ihre Legitimität sowie Gefolgschaft. – Abschließend schönen Gruß an Frau Anna von Münchhausen : wir kennen uns unter anderem Namen… Der ZEIT einen guten Rutsch & 1 gutes 2 0 1 7 ! – Paul Zendo


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Ja, es ist eine nationale Aufgabe, was denn sonst, aber da muss dann auch national umgesetzt werden. Dafür muss kollektives Einvernehmen hergestellt werden, für die Werte, die wir gegen den Terrorismus stellen und verteidigen. Für die es sich lohnt, die Zukunft zu gestalten: Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Dafür müssen die gewählten Vertreter der Nation ein klares Bekenntnis ablegen, die Ereignisse in den richtigen Kontext stellen und die Ursachen ansprechen. Das sind komplexe Auseinandersetzungen und Diskussionen.

Nein, es gibt keine einfachen Antworten auf die Frage, mit welchen Mitteln der Terrorismus nachhaltig eingedämmt werden kann. Bestimmt aber nicht durch populistische Phrasen und Anbiederungen. Gleichsetzungen z. B. von globaler Migration oder Religion mit Terrorismus helfen nicht, sondern machen den Bock zum Gärtner.

Offensichtlich gibt es aber ein Problem in der konsequenten Umsetzung der bereits bestehenden Gesetze und Verordnungen. Wie sonst lässt sich das Versagen von Verfassungsschutz, Polizei und Justiz bei den Ermittlungen gegen die NSU erklären, die doch den Pannen im Fall Amri so sehr ähneln. Oder sollten doch Verschwörungstheoretiker beider Couleur Recht haben?

Also bleibt: bestehende Gesetze und Verordnungen umsetzen; öffentlich Farbe bekennen zu unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung – weltweit; Personal bei Polizei, Zoll, Strafvollzug und Gerichten erhöhen sowie Inhaftierungen/Sicherungsverwahrungen tatsächlich umsetzen. Und weltweit für einen gerechteren Zugang zu Nahrung, Wohlstand und Bildung arbeiten und kämpfen. Gegen Lobbyismus und Instrumentalisierung von Partikularinteressen.

So kann uns der Mann ohne Visionen postmortal noch Ratschläge geben! – Hans Henri Süthoff


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Der Chef der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt hat keine Demagogie betrieben, wie Ihr Autor schreibt eher lebt Ihr Autor in einer Welt, die nur er kennt. Deutschland kann er nicht gemeint haben.

Wenn ich lesen muss, dass die Hochschule der Polizei (DHdP) in Münster den arrivierten Ulrich Vosgerau als Lehrstuhlvertreter für Öffentliches Recht engagieren wollte und es zu guter letzt doch nicht tun durften, weil er die Asylpolitik der Kanzlerin stark kritisiert hatte, zeigt mir, wie es tatsächlich um unsere Demokratie bestellt ist.

Ein solcher Vorgang lässt viele Bürger an unsere Meinungs- und Redefreiheit stark zweifeln, wenn sachliche Kritik dazu führt, dass einem anerkannten Wissenschaftler der Lehrauftrag wieder entzogen wird. –  Gunter Knauer


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Mich wundert, dass Sie – wie andere Berichterstatter und Kommentatoren auch – davon ausgehen, dass das Aufgreifen des Terroristen Amri am Stadtrand von Mailand zu nächtlicher Stunde ein Zufall war.

Amri war mehrere Tage der meistgesuchte Mann in Europa, die Sicherheitskräfte waren in höchster Alarmbereitschaft, jeder wußte, welche Bedeutung das Ergreifen des Täters haben würde – und da läuft er rein zufällig nachts in einer unbelebten Gegend einer Streife überden Weg?

Viel plausibler ist es doch wohl, dass es Informationen gab, wo er sich aufhalten könnte, und dass zum Schutz von Quellen und Informanten diese Zufallsgeschichte erfunden wurde. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Rainer Wendt mochte ich nie, weil er sich immer vorbehaltlos als Vorsitzender der Polizeigewerkschaft vor alle Polizisten gestellt hat. M.E. ist ein Großteil aller Polizisten rechtem Gedankengut zugeneigt. Und mit dem was Herr Wendt in seinem Buch zum Besten gibt, bestätigt  und unterstützt er rechtes Denken und Handeln in Kreisen der Polizei.

Rainer Wendt ist jetzt schon eine große Gefahr, als Beamter der Bundesrepublik, für unsere Demokratie. Sollte es ihm  gelingen Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes zu werden,  wie Thomas Fischer vermutet,  käme es einer Katastrophe für unsere freiheitliche Bundesrepublik gleich.

Herr Wendt gehört aus dem Staatsdienst entfernt.

Es sollte mich nicht wundern, wenn er dem Gedankengut der AfD nahesteht.

Seinem Buch hätte er besser den Titel „Mein Kampf „ gegeben. – Heinz Heienbrok


Leserbrief zu “ Der Reiter der Aktienkurse“ von Roman Plette

Ja, es ist schon eine Crux mit den im Original fremdsprachigen Zitaten, deren Übersetzung ins Deutsche dann durch Anführungszeichen markiert wird. Besonders bei englischen/amerikanischen Texten gibt’s erhebliche Fußangeln, vor allem wenn wegen des Zeitmangels kurzschlüssig buchstaben-analog übersetzt wird. Ich habe daher erhebliche Zweifel bezüglich „eine Billion Dollar“ aus dem Trump-Zitat – im Amerikanischen zählt man nämlich nur nach …illionen, überspringt aber die …illiarden. Die amerikanische billion ist also gleich unserer Milliarde. Somit wird das Zitat verständlicher.  – Volker Morstadt


Leserbrief zum Thema „Terror in Berlin“

Heute war ich angenehm überrascht über sämtliche Artikel im politischen Teil, die den Terror betreffen. Ich finde es wichtig und richtig, darauf hinzuweisen, dass unsere Gesetze zu lasch gehandhabt werden, oder tatsächlich zu lasch sind. Es ist wichtig, im Sinne der Rede von Helmut Schmidt vorzugehen, nämlich mit Wort und Tat bestimmt und ohne Umschweife gegen den Terror vorzugehen. Er ist eine Gefahr für unser Land und wir müssen uns dem konsequent stellen.  Auch im Hinblick auf die Wahlen im kommenden Jahr. Was wäre, wenn die  konservativen Parteien keine Chance mehr hätten? Es hilft nur zu zeigen, wir tun alles, um den Terror in unserem Land zu bekämpfen.  – Margareta Martin


Leserbrief zu „Der Prophet, der brillant danebengriff “ von Josef Joffe

Was ist das für eine ZEIT, in der auf Seite 43 ein erschütternder Überblick von Josef Joffe zu der sich selbstzerstörerischen Menschheit in den vergangenen Ein- bis Zweijahrtausenden zu lesen ist und auf S. 44 die genau so erniedrigende Darstellung, die die Jugend (?) des gegenwärtigen Jahrzehtnts zu bieten hat!!

Trotz aller aktivierbaren Bildungsgüter gelingt es mir jedenfalls nicht, mich auf die eben auch nicht rettende Insel von Iris Radisch von Seite 45 zu retten. Auch die von A. Cammann angeschlossenen Jubilare überzeugen mich nicht.

So kehre ich zu dem abgetakelte Medusa-Floß von Josef Joffe zurück und lasse mich in das vernichtende Meer gleiten. – Christa Krüger- v. List


Leserbrief zu „Alles Zufall?“ von Malte Henk

Hier meine Gedanken zu dem umfangreichen Beitrag im Dossier „Alles Zufall?“ von Malte Henk:

Malte Henk fragt: “Alles Zufall?” Die Frage, die er stellt, ist größer als die Antworten, die der Text anbietet. Warum? Zunächst: Wäre alles Zufall, würde ich tatsächlich gefühlskalt meinem Schicksal gegenüberstehen. Tue ich aber nicht. Auch um mich herum sehe ich, dass sich Menschen in besonderer Weise für andere einsetzen, mitfühlen und mitleiden. Es ist also nicht alles im Leben sinnloser Zufall. Denn in dem Zufall, den der Autor beschreibt, steckt kein Leiden.

Der Autor folgt der Konsequenz unseres “modernen” Weltbildes: etsi deus non daretur. Dieser Grundsatz funktioniert für die Wissenschaft super- er versagt allerdings bei der Frage, um die es in dem Artikel von Malte Henk geht.

Der Autor setzt auf seiner Spurensuche nach dem Zufall eine Prämisse: dass Gott bei der Beantwortung seiner Fragen keine Rolle spielen soll. Warum eigentlich nicht? Ganz objektiv gesehen glaubte schon immer eine Mehrheit aller Menschen, dass sich letzte Begründungen, also das, was wissenschaftlich nicht belegbar ist- der Sinn des Lebens- am Besten durch die Frage nach Gott beantworten lässt. Da wäre es tatsächlich gar nicht unlogisch bei der Suche nach Antworten nicht vorschnell bestimmte Anworten gar nicht zuzulassen. Vielleicht liegt die Mehrheit der Menschen gar nicht so falsch?

Meine Antwort ist, dass Gott in die Welt gekommen ist und Mensch wurde. Das schien übrigens auch den Jüngern Jesu vor 2000 Jahren wie ein unmöglicher Zufall- wurde aber dennoch eine für sie stimmige Antwort bei der Suche nach dem Sinn ihres Lebens. Lassen sie den Gedanken einfach mal zu! – Marco Metz


Leserbrief zu „Alles Zufall?“ von Malte Henk

Ich vermute, Sie haben schon einige Zuschriften zu Ihrem Artikel erhalten. Und ja, Sie hätten vielleicht vorher mal einen Mathematiker gegenlesen lassen sollen, zumindest einen Mathematiklehrer, denn die Sache mit dem Zufall ist nicht so einfach, wie es scheint, wenn man mit der Welt der Sprache in die Welt der Mathematik eintritt.

Jedenfalls ist die Vermutung der “meisten Menschen”, die in der Nur-Mädchen-Reihe “etwas Besonderes” sehen, tatsächlich genauso zutreffend, wie Ihre Behauptung “Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass die erste Folge herauskommt, keineswegs geringer als die Wahrscheinlichkeit von Folge zwei, …”. Nur, das sind zwei verschiedene Dinge. Und unpräzise Fragestellungen mit Bezug auf den Zufall werden eben leider schnell falsch beantwortet oder verstanden.

Um in dem gewählten Beispiel zu bleiben, stellen wir uns vor, dass wir nicht nur einen Tag in einer Geburtsklink die Reihenfolge der Geburten von M und J verfolgen, sondern ein ganzes Jahr lang, also 365 Tage. Dann ergäbe sich schon das erste Problem, dass es Tage geben würde, an denen – wie der Zufall so spielt – in der realen Welt weniger oder mehr Babys zur Welt kommen. Das zweite Problem wäre, dass tatsächlich ein klein wenig mehr weibliche Babys zur Welt kommen würden als männliche.

Ihr angeführtes Beispiel ist also kein gutes Beispiel für den reinen Zufall, denn nur unter der Bedingung, dass die Wahrscheinlichkeit für M und J genau gleich ist, kann man behaupten, dass Ihre beiden einzelnen Reihenfolgen

M-M-M-M-M-M

J-M-J-J-M-J

gleich wahrscheinlich sind.

Lassen wir das einmal beiseite und nehmen zudem an, an jedem der 365 Tage eines Jahres kämen dort tatsächlich immer genau 6 Babys zur Welt. Dann sind die oben angegebenen Reihenfolgen als Ergebnisse von z.B. 2 der 365 Tage tatsächlich gleich “wahrscheinlich”. Aber, aber jetzt kommt das große ABER!

“Sind die beiden Reihenfolgen gleich wahrscheinlich? Die meisten Menschen antworten auf diese Frage intuitiv mit Nein. Sie sehen in der Nur-Mädchen-Reihe etwas Besonderes.”

Und diese Menschen haben recht! Sie beantworten die Frage nämlich so, wie man sie verstehen muss. Nämlich:

Betracht man die Ergebnisse von 365 Tagen (365 Versuchen), dann wird man feststellen, dass die Anzahl der Reihenfolgen mit unterschiedlichen Abfolgen von M und J größer ist als die Anzahl von Reihenfolgen mit nur M oder nur J. Und Letzteres haben die “meisten Menschen” intuitiv richtig beantwortet. Diese reinen Folgen sind etwas Besonderes. Sie sind auch seltener als jedes einzelne gemischte Ergebnis. Das würde um so deutlicher, je mehr Tage man auswerten würde.

Aber fasst man nicht alle Tage mit dem gemischten Ergebnis 4J-2M (wie gewöhnlich und intuitiv) zusammen, sondern betrachtet nur genau diese eine Sequenz J-M-J-J-M-J, dann ist die genau so häufig (wahrscheinlich) wie die Reihenfolge M-M-M-M-M-M.

Mathematisch erschließt sich das Ganze unter dem Thema “Binominalverteilung”, ein Thema (Stochastik) der Oberstufe z.B. eines Gymnasiums. Bildlich ähnelt eine Binominalverteilung einem Galtonbrett. Auch wenn die Stochastik nicht so häufig als Leistungskurs in Fach Mathematik unterrichtet wird, so haben wir natürlich immer Vertrauen, wenn Journalisten uns begeistert über neue statistische Untersuchungen und den Zufall berichten. – Jürgen K. Paape, Dipl.-Physiker


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Danke für Ihre Rezension des Buches von Rainer Wendt!  Leider habe ich das Buch selbst nicht gelesen.

Ich teile Ihre Auffassung, dass es gefährlich für ein Gemeinwesen ist , zwischen „wir“ und „den anderen “ in der beschriebenen Weise zu unterscheiden.Gleichzeitig kann auch ich „jeden verstehen, der sagt,dies ist überhaupt kein Rechtsstaat mehr“.

Eine „wehrhafte Demokratie“ muss klug den Weg der Begrenzung der Rechte des Einzelnen mit Blick auf das Wohl aller Bürger steuern – immer bedroht von den Extremen des autoritären Gebarens und der Machtdemonstration einerseits und einer “ Laisser-Faire“ Politik absoluter Verantwortungslosigkeit andererseits.

Dies ist keineswegs eine leichte Aufgabe.

Viele politische Entscheidungen der letzten Jahre haben jedoch dazu beigetragen, meine Zweifel zu wecken, ob dieser Staat in der Lage ist, seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Ich denke, die Bedeutung vom „Auszug der Rechtsprechung aus dem Herzen der Innenstädte“ wird nicht ausreichend bedacht: Vielerorts werden zur Zeit Justizpaläste  – imposante Gebäude des Allgemeineigentums – an Investoren verscherbelt. Gleichzeitig zieht das durch sie symbolisierte Recht irgendwo hin auf die „grüne Wiese“ – in die Unsichtbarkeit und Bedeutungslosigkeit.

Es mag viele gute verwaltungstechnische Argumente für den Umzug geben – trotzdem werden hier wichtige Symbole des Gemeinwesens der „faktischen Macht des Geldes“ überantwortet.

Für die Bewohner der Stadt symbolisiert dies, dass Recht und Gerechtigkeit vor der Macht des Geldes weicht. Dieses Statement ist im Hinblick auf das Lebensgefühl der Bürger – des eigentlichen Souveräns  – nicht zu unterschätzen.

Dabei ist die Bedeutung von Gebäuden im Unbewussten von Menschen offensichtlich: Rathäuser waren schon immer Ausdruck des Bürgerstolzes  – und Justizpaläste demonstrierten die Macht des jeweiligen Herrschers! Heute sollten diese Gebäude den Willen zur Durchsetzung von Gerechtigkeit in dieser Demokratie symbolisieren.

Gleichzeitig gibt es viele Beispiele für die Entfremdung des Bürgers von diesem Staat, der das Gemeineigentum verfallen lässt und das Gemeinwohl aus dem Blick zu verlieren scheint.

Schon in der Grundschule lernt jedes Kind, dass niemand in der Lage ist, für saubere Klassenräume und menschenwürdige Toiletten zu sorgen – oder gar für den regelmäßigen Schulbesuch.

Dies ist im meinen Augen ein Staatsversagen! Aus Frankreich und Portugal weiss ich persönlich, dass es auch anders geht.  Mir sind zahlreiche richterliche Entscheidungen bekannt, die dem Willen zu einer wehrhaften, unabhängigen Demokratie deutlich widersprechen.

Im Gegensatz zu Herrn Wendt habe ich konkrete Handlungsempfehlungen: Klare Regeln dort, wo der Staat dem Bürger gegenübertritt – und genug Geld und Personal diese durchzusetzen!

Im Interesse aller muss diese Demokratie wieder wehrhaft werden. –  Dr.med.Cornelia Heusgen-Schloter, Psychotherapeutin


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Man traut seinen Augen nicht und liest den Text nochmals, mit demselben Ergebnis: ein Pamphlet! Bundesrichter Fischer, Jahreseinkommen über 100.000 Euro, selbst bekannt für Ehrgeiz und Darstellungssucht, wirft dem „Polizeihauptkommissar aus Duisburg“, Jahreseinkommen etwa die Hälfte, vor, sein Buch nur zur eigenen Karriereförderung geschrieben zu haben. Dass ein solcher Beamter aus dem Mittleren Dienst nur Unsinn geschrieben hat ergibt sich daraus folgerichtig.
Für den Leser wäre es ergiebiger gewesen, wenn Fischer und Wendt ein sachliches und gemäßigtes Streitgespräch geführt hätten. Schade um die ganze Seite, die „unserem Autor“ zur Verfügung gestellt wurde. – Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Es ist schon erschreckend, dass Menschen wie Herr Wendt ihre Position is so einer schamlosen Weise ausnutzen, um ihre eigene Machtgier und das Geifern nach Popularität zu befriedigen. Er wäre wünschenswert, wenn sich so jemand eher einer konkreten Problemlösung bei der Polizei zuwenden würde. Aber das ist ja anstrengend und nicht so förderlich für das Image. Daher hoffe ich nur, dass sich die Polizistinnen und Polizisten im Lande von solch einem Gewerkschaftsführer distanzieren, der letztlich seine eigenen Leute nur als inkompetent ansieht und nicht bereit ist, sie effektiv zu vertreten. Und vielleicht sollte Herr Wendt auch mal wieder echten Polizeidienst machen, damit er auch weiß, wovon er spricht. –  Priv.-Doz. Dr. med. Peter Heider


Leserbrief zu „Mein Feind und Helfer“

Dieses Thema wird in den Medien vielfach mit einer gewissen Euphorie bedacht. Die Schreiber und Leser sind sich dabei kaum bewusst, dass eine solche Entwicklung eine sichere Stromversorgung bedingt. Die geltenden politischen Massnahmen verfehlen allerdings, wirtschaftliche Anreise für Investitionen in die Sicherheit der Stromversorgung zu tätigen. Es ist nur zu hoffen, dass diese Entwicklung nicht durch Stromunterbrüche gestoppt wird. – Werner Böhi


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Mit einigem befremden und zuletzt beträchtlicher sorge habe ich Ihren artikel auf seite 1 der letzten ausgabe der ZEIT gelesen. Es ist eine bedrückende erfahrung der letzten ca. anderthalb jahre, in welchem masse nicht nur politiker der afd grundsätze unserer rechts- und verfassungsordnung in frage stellen – jede forderung nach einer obergrenze für flüchtlinge ist eine aufforderung zum offenen verfassungsbruch! – sondern auch journalisten offenbar immer weniger hemmungen verspüren, mit äusserster mühe und häufig nur nach langen auseinandersetzungen erreichte grundlagen unserer rechtsordnung (jedenfalls für flüchtlinge und asylbewerber) zur disposition zu stellen. Ihre drei beispiele hinsichtlich des umgangs mit flüchtlingen und asylberwerbern sprechen da eine nur zu klare sprache: ein ausreisepflichtiger asylbewerber kann eben (zum glück!) nur dann in abschiebehaft genommen werden, wenn ihm die bedrohung der öffentlichen sicherheit auch gerichtsfest bewiesen werden kann (all die johlenden menschen, die bei angriffen auf asylbewerberheime beifakll klatschen bedrohen die öffentliche sicherheit ja wohl auch…). Wer straftaten hierzulande begeht (oder in einem land mit dem wir geeignete rechtsbeziehungen unterhalten), der kann und muss dafür bestraft werden: HIERZULANDE! Eine abschiebung bzw. der verlust des asylrechts ist und darf kein strassmass werden, denn die gewährung von asyl bezieht sich ja, wie die geschichte lehrt, gerade darauf, dass (auch) straftäter vor folter und tod bewahrt werden müssen. Dies hat die bundesrepublik deutschland übrigens auch – mit gutem grund! – so in ihrer rechtsordnung verankert. Sie werden es mir – der noch genau in erinnerung hat, wie es sich anfühlt, wenn erkenntisse irgendwelcher dienste ausreichen, die menschen- und bürgerrechte für die eigene person einzuschränken oder gar auszusetzen – nachsehen, dass ich höchst besorgt reagiere, wenn jemand – wie Sie im genannten artikel – strafmassnahmen schon vorsehen möchte, wenn gar keine straftaten vorliegen. Das mag unangenehm sein, ist aber grundlage unseres rechtssystems, dessen vorzüge wir ja sonst gern anderen, als „unterentwickelt“ angesehen staaten vorhalten.

Nicht weniger bedenklich ist der öffentliche umgang mit dem terminus „terrorist“ (schon Ihr beispiel aus italien lässt angesichts dessen, was wir über die hintergründe des terrors in diesem land in den siebziger und achtziger jahren inzwischen wissen, in dieser sache bedenkliche schlüsse zu!). Sind z.b. PKK-angehörige terroristen? Nach türkischem, aber auch nach eu-recht sehr wohl – immerhin begehen angehörige dieser organisation (die Ihr blatt verharmlosend militante kurdenorganisation nennt) wieder und wieder terroranschläge. Dennoch können mitten in deutschland grossdemonstrationen stattfinden, wo ganz offen die zeichen und symbole der PKK und bilder von A. Öcalan gezeigt werden, ohne dass die polizei tätig würde. Ist der PKK-terror ein tolerierbarer terror? Der türkischen regierung wird zudem von deutschen politikern immer wieder vorgeschlagen, sich mit der PKK doch mal an einen tisch zu setzen und zu verhandeln. Ein vorschlag, der sicher bedenkenswert wäre, wüsste man nicht genau, was passierte, wenn in der türkei grossdemonstrationen stattfänden, auf denen (um bei Ihrem beispiel zu bleiben) bilder von Andreas Bader, Gudrun Ensslin oder anderen RAF-terroristen und deren symbole offen gezeigt würden. Auf diese weise ist der begriff „terrorist“ ein wohlfeiler, weil schwammiger terminus, der zu nichts anderem dient, als dazu trägern dieses begriffs grundlegende rechte unserer verfassungsordnung vorzuenthalten oder abzuerkennen (wie sonst liesse sich die mitwirkung deutscher stellen an den sowohl us-recht wie dem kriegsvölkerrecht widersprechenden drohnenangriffen der us-streitkräfte begründen?).

Auch noch in anderer hinsicht ist „unsere“ position widersprüchlich, um nicht zu sagen heuchlerisch. Nicht nur, dass beträchtliche unterschiede bei der berichterstattung über „westliche“ terroropfer und – beipsielsweise – russische opfer desselben(!) terrors gemacht werden; wir kennen doch die finanziers und drahtzieher der radikalisierung und der finanziellen und logistischen hilfe für terrorgruppen genau! Es ist die kopf-ab-diktatur in saudi-arabien, ohne deren direkte und indirekte hilfe das internationale netzwerk des terrors kaum in der gegenwärtigen form überlebensfähig wäre! Warum also fehlen bis heute wirksame sanktionen gegen die terrorpaten in riad, die auch aus anderen gründen längst vor gericht angeklagt sein müssten? Solange wir dazu nicht bereit sind, müssen wir hier nicht über veränderungen unserer rechtsordnung nachdenken!

Es gibt einen dritten punkt, den ich (leider) bei der lektüre Ihres und ähnlich gelagerter artikel nicht in der lage bin, ausser acht zu lassen. Seit jahren werde ich in der öffentlichkeit angepöbelt, beleidigt und bin mit todesdrohungen konfrontiert. Dass der deutsche stammtisch (weiblich wie männlich) noch beträchtlichen nachholbedarf bei seinen künsten des racial profiling hat, das merke ich nicht zuletzt daran, dass ich nicht nur als „scheiss-moslem“, als „moslemschwein“, sondern auch als „judensau“ tituliert werde. Wenn ich im ice einen von mir reservierten platz einnehmen möchte, auf dem jemand anderes sitzt, dann muss gewärtig sein, dass man „für einen scheiss-moslem“ in einem „deutschen ice“ nicht aufsteht und auch die zur hilfe geholte zugbegleitung mir den platz nicht etwa freimacht, sondern rät, woanders im zug einen freien platz zu suchen. In freiburg wurde mir nach einer üblen verbalattacke geraten, an öffentlichen plätzen doch „etwas zurückhaltender“ aufzutreten (ich war eigentlich gar nicht „aufgetreten“, sondern nur an einer beengten stelle des öffentlichen raumes  a n w e s e n d ), im übrigen wurde mir geraten, verständnis dafür zu haben, dass man in der stadt eben furcht habe und aufgeregt sei. Warum das dazu berechtigen soll, mich als „moslemschwein“ mit dem tod zu bedrohen, das konnte allerdings nicht recht begründet werden. Wieder einmal lief es darauf hinaus, was mir ein anderer vertreter der staatsmacht schon in meiner ostdeutschen heimat angesichts von todesdrohungen auf den weg gab: ich solle das doch einfach „sportlich“ sehen, das sei doch eh nicht ernst gemeint und – im übrigen – solle ich doch (endlich) mal ernsthaft in erwägung ziehen, mein „missverständliches äusseres“ (bart und jarmulke) zu ändern. Selbst davon abgesehen, dass ich gar kein moslem bin und auch meine jüdische abstammung wohl kein rabbinatsgericht hinreichend überzeugen würde: wieweit sind wir in deutschland, wenn leuten, die eben einen mitmenschen mit drohungen überzogen haben, von vertretern der staatsgewalt gedankt wird für ihre aufmerksamkeit beim aufspüren verdächtiger „elemente“? Ich  fühle mich nur zu deutlich an meine ddr-erfahrungen erinnert!

Insofern wäre es dringend erforderlich, dass qualitätsmedien, zu denen Ihre zeitung doch wohl sich zählt, nicht nur die hintergründe und nebenwirkungen von terror und terrorbekämpfung korrekt darstellt, sondern auch das lesepublikum, das diesen nachhilfeunterricht offenbar dringend braucht!, über die grundlagen und grundsätze unserer rechtsordnung intensiv belehrt!

Dass ich diese belehrung an keiner stelle Ihres artikels finden konnte, ist besorgniserregend. Ich kann nur hoffen, dass die politisch verantwortlichen bis zu den mit solchen fragen befassten gerichten mehr sorgfalt und einsicht in das funktionieren einer zivilen rechtsordnung aufbringen. – Prof. Dr. Jakob Ullmann


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Man muss kein Anhänger von Rainer Wendt sein, um ihn vor den unsäglichen Vorwürfen eines deutschen Richters in Schutz zu nehmen. Es gab mal einen „Richter Gnadenlos“ in Hamburg, der schon bei nichtigen Vergehen hohe Strafen verhängte. Dieser Richter wurde Gott sei Dank relativ schnell aus dem Strafverkehr gezogen. Aber es gibt leider auch Richter wie Thomas Fischer, hinlänglich bekannt aus den ZEIT ONLINE- Kommentaren.

Dieser nimmt das Buch von Wendt zu Anlass, seine Meinung sowohl über die Kompetenz der deutschen Polizei als auch über seinen liberalistischen Ansatz der Rechtsprechung kund zu tun. Mit einer kaum zu ertragenden arroganten Ignoranz setzt er sich über Tatsachen in der deutschen Strafjustiz hinweg, Tatsachen, die immer wieder zeigen, wie Straftäter verschont und Opfer verhöhnt werden.

In meinem Buch „Die verantwortungslose Gesellschaft“ habe ich einige konkrete  Beispiele dieser Fischer´schen Rechtsprechungsart aufgeführt. Wenn Herr Fischer Wendt als Demagogen bezeichnet, obwohl dieser nichts Anderes tut, als sich darüber zu beklagen, dass die Polizei hart daran arbeitet, Straftäter dingfest zu machen und dann immer wieder erleben muss, dass Richter wie Fischer diese dann wider besseres Wissen laufen lassen, indem sie so lange nach Entschuldungsgründen für die Straftaten suchen, bis sie sie gefunden haben. Dadurch werden die Opfer ein zweites Mal gedemütigt und statt der Täter bestraft.

Diese Art der Rechtsprechung verbinden Richter wie Fischer in der Regel mit einer der Wirklichkeit entzogenen Attitüde, die jedem, der andere Meinungen vertritt, zum Schämen in die bildungsferne Ecke schickt. Man muss kein Fan von Wendt sein, aber man schütze uns vor Richtern wie Fischer! – Jürgen Tichy


Leserbrief zu „Der geduldete Gefährder“ von Peter Dausend et al.

Und dennoch haben wir allen Grund zum Danken. Der Terror hielt sich bisher in unserem Land doch in Grenzen. Aus dem Nahen Osten , wo ich als Ingenieur mehrere Jahre leben und arbeiten durfte , stammt auch der radikale Islamismus. Aber : die menschenverachtenden Islamisten haben nichts gemein mit der ueberwiegenden Bevoelkerung des Orients , wo ich viele Freundschaften schloss . Und doch werden in Zukunft die Themen “ Terrorabwehr und Kampf gegen den Terror “ weltweit absolute Prioritaet einnehmen. Und da muss Deutschland noch viel Nachhol-Arbeit leisten. Geheimdienste und bestens geschulte Polizeikraefte in Zivil werden noch bessere Arbeit leisten muessen. Und : wir muessen noch mehr von den Israelis lernen , deren Bevoelkerung sich “ sehr wachsam “ verhaelt und dabei auch noch die Lebensqualitaet beibehaelt. Der hinterhaeltige , oft feige Terror muss international koordiniert bekaempft werden. Wir brauchen Taten und keine “ hohlen Politiker-Phrasen „. Und noch was ganz wichtiges fuer unser angeblich “ christliches Abendland “ : Wir duerfen auch mal stille werden und unserem Gott danken fuer seine bis heute unermessliche Bewahrung . – Erwin Chudaska


Leserbrief zu „Das Gegenteil von Dankbarkeit“ von Jochen Bittner

Nach der Lektüre von Jochen Bittners Artikel, war ich mir unsicher, ob es sich hier möglicherweise um einen Gastbeitrag eines Journalisten der zumindest national-konservativen Wochenzeitung Junge Freiheit handeln könnte. Ein Blick auf die Seite von Herrn Bittner bei ZEIT ONLINE hat mich davon sofort wieder abkommen lassen. Steht dort doch geschrieben: Da komme ich her. Aus dem Lokaljournalismus. Da lernt man unmittelbar, was Texte anrichten können. Und bewirken. Ich glaube, dass ich nun froh darüber sein muss, dass DIE ZEIT mit Herrn Bittner einen so verantwortungsbewussten Journalisten beschäftigt, der jegliche Undifferenziertheit, jegliche Pauschalisierung, jegliche Vorverurteilung vermeidet zu Gunsten desen, was ihn antriebt: Hinter die Wahrnehmung zu gelangen, zu dem, was man Wahrheit nennen könnte. Wissend, dass es sie nicht gibt. Aber den Anspruch braucht es.  Ich weiß, dass Ironie immer Gefahr läuft nicht erkannt zu werden, aber in diesem Fall bin ich mir sicher, dass es nicht geschehen wird. – Andreas Kwasniok


Leserbrief zu „Das Gegenteil von Dankbarkeit“ von Jochen Bittner

Vielen Dank für den o.g. Artikel von Jochen Bittner, der mir die Hoffnung zurück gibt, dass niemand „auf Dauer der Versuchung der Vernunft widerstehen kann“ (woran ja Brecht so fest glaubte). Und es ist gut zu registrieren, dass ein Beitrag wie dieser Bittner Artikel nun auch in der „Zeit“ einen prominenten Platz finden und damit dazu beitragen kann, das so notwendige Umsteuern in der gutgemeinten aber für Deutschland und Europa so katastrophalen  Flüchtlingspolitik der Regierung Merkel zu beschleunigen. Das macht Hoffnung für das Jahr 2017. – Gerhard Stolzenberg


Leserbrief zu „Rot-Rot-Radikal“ von Miriam Lau

Der neue Berliner Senat beschädigt genau das, was diese Gesellschaft gerade dringend braucht: Die politische Mitte von Mariam Lau

Es gibt sicherlich vieles an der Berliner Regierung und den entsprechenden Parteien zu kritisieren. Aber so ein populistischer Mist, wie in diesem Artikel zeugt doch nur von eigener Einfallslosigkeit und Recherchefaulheit.  Eine Personalien wie Andrej Holm auf  „Klientelpolitik“ und „alten Genossen“ zu reduzieren und dabei seine Geschichte und seinen Umgang mit der eigenen Vergangenheit wegzulassen und seine Kompetenz zu ignorieren, deutet doch wohl eher auf Klienteljournalismus hin.“ Was diese Gesellschaft gerade dringend braucht: Die politische Mitte?“ -Was will uns Fr. Lau damit sagen? Brauchen wir noch mehr Klientelpolitik für Besserverdienende oder Erben die schnell noch Geld  in eine Berliner (für´s Klientel ja noch bezahlbare) Eigentumswohnung stecken wollen? Andrej Holm steht glücklicherweise für eine andere Stadtentwicklungspolitik.

Liebe ZEIT: Bitte weniger plakative Stimmungsmache. Es sind doch wohl mehr Analysen angebracht und gerechtigkeitsfördernde Ansätze und Konzepte.  Ihr könnt das besser. Ihr habt gute Journalisten. Aber auch leider einige,  die sich selbst und/oder ihre Rolle viel zu großartig finden und so einen Schund hinrotzen. – Kerstin-Elise Niemeier


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ / „Der geduldete Gefaehrder“

In den beiden obigen Artikeln finden sich Bemerkungen zur Polizei, die ich nicht unkommentiert lassen moechte. „Das Argument, man brauche zur Rundum-Ueberwachung jedes Gefaehrders 24 Beamte und sie sei daher nicht leistbar, ist wohl nicht nur arg uebertrieben, sondern kann auch im Ernst kein Hindernis sein.“ Folgende Abschaetzung kann hoffentlich klaeren, woher die Zahl 24 kommt: 24 Stunden Ueberwachung = 3 8-Stunden Schichten, 365 Tage im Jahre/220 Arbeitstage im Jahr = 1.66. Die PolizistInnen muessen paarweise im Einsatz sein.

Daraus alleine ergibt sich ein Bedarf von 10 BeamtInnen, wobei weder die Zeit zum Schreiben von Berichten, Besprechungen etc. noch die Ausgleichszeit fuer Nachtschichten beruecksichtigt sind. Auch das zur Ueberwachung der Kommunikation benoetigte Personal ist darin nicht enthalten.

Soll der Gefaehrder auch ueberwacht werden wenn er die Wohnung verlaesst, sind mehrere Teams noetig, da ja nicht von vorneherein klar ist, wie er sich fortbewegt (zu Fuss/Fahrrad/motorisiert/Nahverkehr). Ausserdem soll er im Regelfalle ja nicht bemerken, dass er ueberwacht wird, da sonst kaum ein Erkenntnisgewinn zu erwarten ist. Geht er z.B. in ein Cafe will man wohl nicht nur wissen, dass er dort ist, sondern auch mit wem und worueber er spricht.

Das verlangt wiederum technische Unterstuetzung.  Sobald also 2 Teams vor Ort im Einsatz sind und die Kommunikationsueberwachung miteingerechnet wird, sind 24 BeamtInnen mitnichten arg uebertrieben. Mich wundert, dass eine solche Aussage derart leichtfertig gemacht wird, wenn sie so einfach ueberprueft werden kann (auch fuer nicht-PolizistInnen wie Sie und mich) Zu der Aussage, das koenne kein Hindernis sein: Vielleicht waere eine Nachfrage bei einigen Polizeistationen angebracht, wie es denn dort um die *derzeit vorgesehene* Personaldeckung bestellt ist.

„Die Sicherheitsbehoerden brauchen eben mehr Personal“  Wenn nun die Politik tatsaechlich Geld bereitstellt, so sind damit noch keine zusaetzlichen Polizeikraefte vorhanden. Die muessen naemlich auch ausgebildet, untergebracht und mit Ausruestung versorgt werden. Keine dieser Aktionen laesst sich in wenigen Tagen oder Wochen durchfuehren. Und geeignete BewerberInnen muessen auch erst gefunden werden, gerade in Ballungszentren. Wie soll sich jemand mit dem Sold eines/r Polizisten/in z.B. eine Wohnung in Muenchen leisten koennen? Gerade dort, wo man sie braucht, ist der Beruf des/r Polizisten/in nicht sehr attraktiv.

Abschliessend moechte ich anmerken, dass ich mir von einer Zeitung mit dem Anspruch der „Zeit“ fundiertere und ueberlegtere Aussagen erwartet haette.  – Sabine Moehler  


Leserbrief zu „Alles Zufall?“ von Malte Henk

So rätselhaft und geheimnisvoll uns der Zufall erscheinen mag, so ist er doch nur eine banale Selbsttäuschung. „Zufällig“ sagen wir, wenn wir ein Geschehen nicht verstehen (durchschauen, vorhersagen,…) können, so dass es gar nicht das Geschehen selbst, sondern nur unser eingeschränktes Verständnis der Welt beschreibt. Und weil wir das nicht für möglich halten, projizieren wir unser Unverständnis in das Geschehen, in das Schicksal, in die Vorsehung oder gar an allerhöchste Stelle. Tatsächlich stoßen wir da auf ein wesentliches Element von Religiosität, das die Philosophen „Kontingenz-Bewältigung“ nennen.

Spätestens hier erscheinen nun die Propheten des „objektiven Zufalls“ und verkünden, dass es eben doch Geschehen gibt, das prinzipiell unerklärbar sei. Sie sagen uns nicht, woher sie das wissen, aber sie tragen stets ein vermeintliches Beispiel mit sich herum: die Quantentheorie. Aber ach, auch das ist nur all zu menschliche Selbsttäuschung, denn der Zufall dort ist schlichtweg eine leicht durchschaubare Folge der Beobachtung. Und dennoch wird wieder eifrig projiziert, entweder in ein Axiom der hehren Theorie oder von einigen der Propheten nochmals an allerhöchste Stelle, die auf diesem Wege die Welt regieren können soll.

Am Ende bleiben nur die beiden Liebenden, die – Händchen haltend – staunen, was alles für Zufälle geschehen mussten, ja, natürlich mussten!, damit sie zusammen kamen. Lassen wir ihnen das Staunen und erklären ihnen nicht, dass immer irgend etwas geschieht und immer irgendwo, irgendwann und irgend zwei Liebende sich finden, glücklich staunend, sehr menschlich. – Prof. Dr. Jürgen Schnakenberg


Leserbrief zu „Der Prophet, der brillant danebengriff “ von Josef Joffe

Die Frage, ob Gott nicht doch eine Rolle im Weltgeschehen spielt und die Bejahung dieser Frage setzt eine Wechselwirkung zwischen Glauben und Gott voraus -die es aber nicht geben kann, da Gott in allen denkbaren Kategorien absolut ist und die Menschen in ihrer Unvollkommenheit nicht erwarten können, dass er in ihre Konflikte eingreift. Die furchtbare Macht des  Glaubens und Gott, auf den sich der Glaube so gerne beruft, sind inkompatibel. Gott lässt sich nicht für den Glauben der  Menschen verantwortlich machen auch wenn sie ihre Ängste und Wünsche in Form des Glaubens an ihn adressieren. Die Geschichte der Menschen folgt leider nicht göttlichem Lenken -wir hätten sonst schon zu Lebzeiten Gerechtigkeit und  ewigen Frieden auf Erden -das was die Christen immer zu Weihnachten erflehen ! Zu hoffen bleibt, dass mit dem jüngsten  Gericht kein Mensch der Beurteilung seines Lebens entgeht  -egal ob ungläubig oder gläubig. Die wahren Schöpfer des  Glaubens sind Bibel, Koran und seine Propheten. Nur Menschen können die heiligen Bücher der großen Religionen  niedergeschrieben haben -egal ob von göttlicher Eingebung beseelt oder geoffenbart. Den Menschen bleibt es nach wie vor  überlassen ihr Tun und Handeln auf dieser Welt nach ihren eigenen Maßstäben zu bewerten. Wer könnte das besser als die  Menschen selbst ? – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Bundesrichter Fischer contra Polizist Wendt: Wer kann wohl Stimmungen, Geschehnisse und Auseinandersetzungen  in der Bevölkerung genauer beurteilen? Sind Lösungsvorschläge für Krisen,  auch wenn sie nicht alle realisierbar sind, nicht allemal besser als ein  hartnäckiges Festhalten an falschen Weichenstellungen? Dass „unser“ Land von Maß und Mitte freiheitlicher und wehrhafter  Demokratie sich immer weiter entfernt, dafür haben so einflussreiche Menschen, wie es die Bundesrichter sind, eine große Mitverantwortung. Polizisten müssen für die Fehler der Eliten als erste den Kopf hinhalten. – Klaus Müller


Leserbrief zu “ Ich werde nicht die Klappe halten“ von Arnfrid Schenk

Verehrte Redaktion, ein typischer Beitrag, der bestimmt nicht dazu beiträgt, daß das Verhältnis zum Islam besser wird. Ich vermute mal, eher wird die Trennung sich noch verstärken. Die Verdrängung von Konflikten, die ideologisch begründete Blindheit von Realitäten ist bei den Intellektuellen Programm. Was schert uns die Realität. Wir haben gleich nach dem Zweiten Weltkrieg Italiener, Spanier, Portugiesen, Polen, Russen und andere Nationalitäten aufgenommen ohne große Schwierigkeiten. Aber das Wort ausländerfeindlich geistert immer noch in den Köpfen einer bestimmten Klientel, die in den sozialen Einrichtungen zu Hause sind. Das nervt viele Bürger. Es geht um den Islamismus und um nichts anderes.

Wo steht geschrieben, daß in unseren Bildungsstätten arabisch gelernt werden muß  – eine völlig unbrauchbare Sprache. Wo steht geschrieben, daß unser Land Bürger aufnimmt, die täglich die Menschenrechte missbrauchen. Ich verwehre mich dagegen, mich von völlig lebensfremden Menschen  belehren zu lassen.  Eine Religion in meinem Land hinzunehmen, die menschenverachtend daher kommt. Ein Mensch in existenzieller Not und Angst um sein Leben gilt Hilfe zu leisten, das kann aber nur ein vorübergehender Zustand sein. Es sei denn, die Muslime schwören von ihrer Religion ab.  Wenn das nicht beherzigt wird, dann gehört in Zukunft die Angst zum alltäglichen Alltag. Was ist denn das für ein Leben.?

Die Eltern von Lamya Kaddor sind aus wirtschaftlichen Gründen in unser Land eingereist, wie die meisten ausländischen Bürger. Wir haben diesen Menschen eine wirtschaftliche Zukunft gegeben. Wir haben es überhaupt möglich gemacht, daß sie aus ihrer Armut herausgekommen sind.  Ich habe noch nie einen Dank von Offiziellen gehört. Ich habe noch nie ein abfälliges Wort über ihre Religion gehört, was eigentlich für jeden aufrechten Bürger völlig normal wäre. Erdogàn ist kürzlich in Köln von den Muslimen, die schon seit 60 Jahren hier leben, wie ein König im Sportpalast zu Köln gefeiert worden.

Einer meiner besten Freunde ist ein Syrier aus Damaskus, der schon seit vielen Jahren in Deutschland als Chirurg in Düsseldorf lebt. Er stammt aus einer Familie mit sieben Geschwistern, einer seiner Brüder war Vize-Polizeipräsident von Damaskus, die sich fast alle unterschiedlich entwickelt haben. Mein Freund lehnt die Religion in der er hinein geboren wurde, nach dem er unsere Gewaltenteilung kennen gelernt hat, heute vollständig ab.  Was ihn besonders in Deutschland stört ist die scheinbar grenzenlose Toleranz gegenüber dem Islam. Und seine syrischen Freunde, die auch in Düsseldorf leben, denken ebenso. Ich habe ihm darauf geantwortet: in Deutschland gibt es zu viel dumme Menschen, das ist unser eigentliches Problem. Unsere Schulkultur taugt nichts. Die Politik möchte keine gebildeten Menschen mehr.  Sie werden das als Spinnerei abtun.

Selbst der große Bassam Tipi hat sich über das Verhalten der Politiker aufgeregt. Keiner hat auf ihn gehört. Der Mann ist stocksauer. Natürlich sind solche Angriffe wie sie Frau Kaddor erlebt, zu verurteilen.  „Wer sich in Gefahr begibt, muss sich nicht wundern wenn er darin umkommt.“ Alte Weisheit.  Ich persönlich möchte nicht tagtäglich mit solchen Menschen ständig aufeinander treffen. Das verletzt mein Menschenbild. Und die Muslime fühlen sich auch nicht wohl in einer freien Gesellschaft – für meine Begriffe zu frei.  Und unsere Bundeskanzlerin ist eine Zumutung für unser Land und auch für Europa. Sie ist völlig überfordert. Das hat später auch Helmut Kohl erkannt. Sie sagte einmal: „Wenn wir den Muslimen nicht helfen wollen, dann ist das nicht mehr mein Land. Sie hätte längst zurücktreten sollen“, denn heute macht Sie das alles.

Diese Frau wird letztendlich auch nicht vor einem Krieg zurückschrecken. Auch dafür wird sie warme Worte finden.  Sie wird überhaupt Probleme haben ein Land zu finden, daß ihren Anforderungen entspricht. Vielleicht irgendeine Insel auf den Solomon Islands im Pacific Ocean. Solange der Islam mit seiner Religion Politik macht, hat er in einem demokratischen Land nichts zu suchen. Hilfsmassnahmen ja aber keine Integration. Das bringt nur böses Blut. – Gunter Knauer 


Leserbrief zu „Der Prophet, der brillant danebengriff “ von Josef Joffe

Als ich den Titel im Feuilleton las, dachte ich spontan an ein „mea culpa“ seitens Herrn Joffe für seine grandiose Fehleinschätzung des amerikanischen Wahlausganges. Aber weit gefehlt! Joffe versucht Samuel Huntington zu widerlegen, geht aber leider auf seine Kernthesen, die u.a. in „Zeit-Punkte“ 4/1995 fein säuberlich aufgelistet sind, nicht ein. Auch ist der Untertitel irreführend, denn in einem Interview (abgedruckt in „Zeit Dokument“ 2 – 2001) antwortet Huntington auf Joffes Frage, ob das Massaker von New York (9/11) der Beginn jener Kampf der Kulturen sei, wie folgt: „ Der Anschlag war zuvörderst ein Angriff gemeiner Barbaren auf die zivilisierte Gesellschaft der ganzen Welt, gegen die Zivilisation als solche. ….Es ist wichtig, dass dieses Verbrechen jetzt nicht den Kampf der Kulturen auslöst.“

Was Huntington nicht vorausgesehen hat war die völkerrechtswidrige und planlose Militärinvasion der USA und Großbritanniens im Jahr 2003 in den Irak. Die ohnehin fragilen Strukturen in diesem Land wurden zerschlagen, verbrannte Erde sowie den sogenannten „Islamischen Staat“, eine der Brutstätten des derzeitigen Terrorismus, hinterließ man beim Abzug der Truppen in 2011. Dieser Zusammenhang wie auch die Tatsache, dass die USA bei fast allen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region, namentlich beim Irak-Iran Krieg, mit auf dem Regiestuhl gesessen haben, wird von Joffe ausgeblendet.

Ob sich Huntington wirklich geirrt hat, sollten wir der Bewertung von Historikern in einigen Jahrzenten überlassen. Sein Verdienst aber war es, Francis Fukuyamas „Unfug“ (Karl. R. Popper) vom „ Ende der Geschichte“ eine in sich schlüssige Vision entgegenzusetzen. – Jürgen Rohlfshagen


Leserbrief zu „Der Prophet, der brillant danebengriff “ von Josef Joffe

Thema verfehlt In der Schule hätte Herr Joffe für seinen Beitrag den Kommentar „Thema verfehlt“ verdient. Samuel Huntington war ein begnadeter Zukunftsforscher, den mancher besser mal genauer studiert hätte. Seine drei Jahrzehnte alten Vorhersagen zur islamischen Resurgenz sind genauestens eingetroffen, insbesondere aber seine, aus politischer Korrektheit, weitgehend ignorierten Aussagen zu den Auswirkungen des exorbitanten panislamischen Bevölkerungswachstums auf die betroffenen Regionen und ihre Folgen.

In den letzten 30 Jahren stellten sich in den muslimischen Ländern des mittleren Ostens und Nordafrikas Geburtenraten bis zu 2.5 % jährlich ein; es sind genau diese destabilisierenden demographischen Auswirkungen auf die islamischen Volkswirtschaften, die den Migrationsdruck auf Westeuropa beflügeln, wie natürlich auch Bürgerkriege und andere innerislamische Konflikte, sowie das Erstarken eines reformunfähigen, radikalen Islams . Gerade für junge Männer zwischen 15 und 35 Jahren sind dies Gründe, ihre Heimatregionen zu verlassen und ihr Glück in Deutschland zu suchen.

Vor allem im Maghreb, aber auch in Syrien, ist dieser Bevölkerungsdruck der ausschlaggebende Faktor für die Konflikte mit Migranten in Spanien (0,2 % Bevölkerungswachstum), den französischen Banlieus, wie auch zunehmend in Deutschland. Dies Aufzuzeigen war Huntingtons großer Verdienst.  Leider ignorieren die UN, wie auch Deutschland, seit Jahren resignierend die globale Bevölkerungsexplosion (Afrika wird in den nächsten 20 Jahren auf 2 Milliarden Menschen anwachsen), anstatt mit Entwicklungshilfe-Anreizen nicht nur das Verbleiben der Menschen in ihren Heimatländern zu beeinflussen, sondern auch die staatliche Kontrolle des schwindelerregenden Menschenwachstums als Hauptursache für den Exodus, einzufordern.  – Thomas Schröder  


Leserbrief zu „Das Gegenteil von Dankbarkeit“ von Jochen Bittner

Vielen Dank für Ihren sehr gut recherchierten, informativen Artikel! Er ist sehr logisch, die Fragen und Antworten kommen an den „richtigen“ Stellen. Die Bedrohung des „Wir“-Gefühls ist außergewöhnlich gut erkannt und argumentiert. Selbst die Lösungsansätze fehlen nicht. Vorsichtig formuliert, aber denkbar, durchaus! Da lohnt es sich wieder Ihre Zeitung zu kaufen! – Angela Zander-Reinert


Leserbrief zu „Das Gegenteil von Dankbarkeit“ von Jochen Bittner

Man sollte es nicht für möglich halten, aber auch die Tugenden müssen ihre Grenzen haben. Diesen Satz von Immanuel Kant sollten sich alle Befürworter uneingeschränkter Hilfsbereitschaft und schrankenloser Mitmenschlichkeit verinnerlichen. – Ernst Lothar Helwig


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Herzlichen Dank für diesen Artikel. Wenn Sie mir beim Lesen gegenüber gesessen hätten, wäre ich Ihnen wahrscheinlich vor Freude um den Hals gefallen. Er wirkt auf mich enorm befreiend, spricht mir aus der Seele. Er hebt das diffuse Gefühl  auf, dass irgendwie die Welt aus den Fugen geraten ist. Mit Ihrer klaren  Zustandsbeschreibung  der derzeitigen politischen Landschaft in Deutschland fühle ich mich wieder bestätigt mit meiner Meinung, meinen Empfindungen. Ihr Artikel hat sogar psychotherapeutische Auswirkungen. Er hat einem bisher diffusen Unbehagen einen Namen gegeben:

„die Beleidigung meines Rechtsempfindens“.

 Es kann wohl kein besseres Beispiel als Ihren Artikel geben,  für die enorme korrigierende Kraft einer freien Presse   und ihre Bedeutung als  wichtiger Stabilitätsfaktor für unsere Demokratie. Nochmals herzlichen Dank dafür. – Reinhard Ravidas Korn


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Thomas Fischer versteht es wie kein anderer überspitzt und zugleich inhaltlich auf einem hohem Niveau zu schreiben. Er traut sich – anders als viele andere Kommentatoren des politischen Zeitgeschehens – dem dumpfen und von Fakten entleertem Geschwätz vom Untergang der Bundesrepublik die Stirn zu bieten. Seine Kritik ist angebracht: In einer Zeit, in der sich Populisten als Sprachrohr der Gesellschaft stilisieren, muss die Stimme der Liberalen umso lauter sein. Verpackt in Ironie und Sarkasmus – letztlich durch den Verriss von Wendts Buch – plädiert Fischer für den Rechtsstaat und das Vertrauen in staatliche Institutionen. Wie alle seiner Kolumnen lesenswert. – Carsten Schier


Leserbrief zum Titelthema „Macht des Zufalls“

Zufall ist das, was einem zufällt. Warum, weshalb, wozu – darum kümmert sich die Phantasie. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten lässt sich ein „homo ordo“ erkennen, den ordnenden und ordentlichen Menschen, der/die/das meint, Strukturen, Linearitäten, Kausalitäten, die Logik also ist kein Zufall, weil sie/er/es meint, alles habe Gründe. Ist sie aber, wie alles andere auch, selbst der Grund der Gründe. Zumindest fällt es uns zu, es so sehen zu können. – Volker Homann


Leserbrief zu „Kopfgeburt“ von Gero von Randow

Die Basis eines menschengemachten datenverarbeitenden Systems bildet die durch das geschaffene System selbst nicht veränderbare Regel, also das Gesetz, das nicht-„0“ „1“ bedeutet, genau „1“ und nichts anderes. Da hat der „natürliche Zufall“ keine Chance: Leben unmöglich. – Volker Homann


Leserbrief zu „Geht doch“ von Sandra Danicke

Ich erlaube mir zu bemerken, dass bestimmte Abläufe – wie zum Beispiel der Bau von Gebäuden – ohne Provisorien unmöglich ist und mancher Auftrag wurde durch Denkarbeit über solche erst an Land gezogen. In dem Buch Organisation im Bauablauf. Fußangeln, Fallstricke und Fallen“ Fraunhofer  IRB Verlag August 2013 habe ich einen großen Teil davon für den Laien verständlich dargestellt. – Günter Kohlbecker


Leserbrief zu „Die Vertrauensfrage“ von Herfried Münkler

Fast hätte ich ihn übersehen. Wieso verstecken Sie einen solchen Artikel im Feuilleton?  er gehört auf die erste Seite! Hat die Zeit keinen Mut, diese klaren Worte dort zu platzieren?

Endlich ein Artikel, der mir hilft in schwierigen Zeiten Schwieriges besser zu verstehen. Ich werde ihn sicher auch morgen noch ein drittes Mal Satz für Satz lesen, meine Freunde und Bekannten darauf hinweisen, um mich mit ihnen darüber auszutauschen. Bitte mehr davon.

Ich beschränke mich mal darauf, auch wenn mir vieles durch den Kopf geht, die RAF Zeiten habe ich übrigens noch gut in Erinnerung. Meine besten Wünsche dem Autor und dem Zeit Team für 2017 – Marlies Haveneth-Paul


Leserbrief zu „Es ist eine nationale Aufgabe“ / „Der geduldete Gefaehrder“

Endlich hat sich anscheinend die banale (und grausame) Realität auch in der ZEIT Bahn gebrochen. Einen solchen Artikel hätte ich mir schon vor über einem Jahr gewünscht. Es musste aber erst viele Tote und Verletzte geben, damit erkannt wird, dass es vielleicht doch nicht so locker und unproblematisch ist, jeden unkontrolliert und unregistriert nach Europa und somit auch nach Deutschland zu lassen, wie es sich die Grünen und die Linke wünschen würden. Endlich beginnt man in Europa langsam zu verstehen, dass Integration eine politische Aufgabe der gesamten Gesellschaft ist, die viele Jahre dauert und zum Teil sehr schmerzhaft sein wird. Das macht ein wenig Hoffnung. Und siehe da, Herr Bittner fordert Auffanglager an den Grenzen des Schengenraums, er nennt sie „Schleusen“, hört sich schöner an, ist ja aber wohl dasselbe. Weiter macht er u.a. den Vorschlag, die Möglichkeit zu eröffnen, Asylanträge in deutschen Botschaften im Ausland zu stellen. Solche Forderungen in einer liberalen, offenen Zeitung wie DIE ZEIT zu stellen, war bis vor ein paar Wochen noch undenkbar. Vielleicht gilt nun endlich auch hier der Satz, frei nach Adenauer, „Was geht mich mein Geschreibe von gestern an, niemand kann mich daran hindern klüger zu werden“. – Horst Weippert


Leserbrief zu  „Große Hoffnung in Trump“ von Sara Blackwell

Es fällt schwer, Sara Blackwells Beitrag ohne Ironie zu kommentieren. Hillary Clinton war nach Trumps Aussage die Kandidatin des dicken Geldes und des Establishments. Nach den Tränen, die ihre Tochter vorübergehend angesichts der Gefahr eines Hillary-Sieges am Boden liegend vergossen hat, schreibt sie erleichtert: „Wir setzen alle große Hoffnung in Trump, denn er ist der einzige Kandidat, der sich für das Thema, das mir am wichtigsten ist, interessiert: der amerikanische Arbeiter.“ Zwar etwas gedämpfter weiter: „Aber jetzt bin ich etwas verunsichert, denn Trump hat nicht nur Disney-Chef Robert Iger, sondern auch die IBM-Chefin Ginni Rometty in sein Beratungsteam berufen. Zwei der größten Feinde es amerikanischen Arbeiters.“ Schaue ich mir sein bisher bekanntes Gruselkabinett an, dann ist das doch Establishment hoch fünf, und wenn ich seine Ausführungen zur Wirtschaftpolitik lese, dann finde ich, er hat die Katze aus dem Sack gelassen: … Deregulierung über alles, niedrige Steuern, freie Fahrt für freie Unternehmen … Ausgehend von der Wall Street steht der Welt wahrscheinlich ein neues Banken-Bonanza bevor. Es kommt mir vor wie die Hitler-Karikatur von John Heartfield: „Hinter mir stehen Millionen“, wo der „Führer“ in seiner eigenartigen Grußpose vor seinen Anhängern steht und die Großindustrie ihm die dicken Geldscheine von hinten iauf die Hand legt. Zur Vorstellung einer besseren Perspektive für die abgehängten amerikanischen Arbeiter, Frau Blackwells Herzblut-Wählerklientel, durch eine künftige Politik zugunsten der Hedgefonds-Heuschrecken fehlt mir die Phantasie – oder er spekuliert darauf, daß diese Arbeiterklientel sich selbst als potentielle Milliardäre sieht und daß das Rennpferd nur guten Hafer fressen muss, damit es für die Spatzen fette Pferdeäpfel scheißen kann. Und wie sie als Frau seine kecken Handgriffe nach anderen Frauen auffasst, möchte ich als Mann nicht weiter kommentieren. – Raimund Scholzen


Leserbrief zu „Das Gegenteil von Dankbarkeit“ von Jochen Bittner, „Rot-Rot-Radikal“ von Miriam Lau und „Es ist eine nationale Aufgabe“ von Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Wann hat es das zuletzt gegeben? Als eine „nationale Aufgabe“ sehen es Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing an, einen „wehrhaften“ Staat zu kreieren. Der Rechtsstaat sei derzeit zu schwach und lade in ihren Augen gar zu weiteren Straftaten ein.

Einige Seiten weiter schafft es Jochen Bittner die Anschläge vom 11.September 2001 mit der Aufnahme von Flüchtlingen zu vermengen (Zusammenhang?) und als Lösung eine vorgelagerte Auslese von Immigranten „vor den Toren“ Europas zu präsentieren.

Es gäbe nichts Wichtigeres als den Wunsch nach Sicherheit, meint schließlich Miriam Lau. Die rhetorischen Ausfälle Horst Seehofers werden verteidigt, die Haltung der Grünen aber, so Lau, stärke den Rand. Dass der rot-rot-grüne Senat in Berlin, statt blindem Aktionismus und leerer Rhetorik zu verfallen, lieber „prüft“ und abwägt, erscheint ihr als Ungeheuerlichkeit, ja als ein (für dieses Bild ist sie sich nicht zu schade) „Tritt in den Rücken“.

Angesichts eines so breiten Aufgebots an kurzsichtigen Rufen nach „Sicherheit und Ordnung“ muss man sich schon fragen: Ist nicht auch DIE ZEIT mittlerweile eine Getriebene – eine, der das überlegte Prüfen und Abwägen verloren geht? Man kann nur hoffen, dass die am 29. Dezember erschienene Ausgabe Ausdruck der aufgeladenen Stimmung des letzten Jahres ist und nicht Blaupause für die Berichterstattung und Analysen 2017. – Arne Käthner


Leserbrief zu „Zehensocken und Paarhufer“ von Jens Jessen

Mit Ihrer Zehensocken – Kolumne ist Ihnen vielleicht doch der Gaul der ( Männer-)Phantasie oder besser  gesagt der vom Bambi durchgegangen.

Ich habe solche Strümpfe erstmals 2007 in Japan gesehen als ich meinen Sohn dort besuchte. Er trug übrigens bei seiner Arbeit als Gärtner nicht nur diese  sondern die passenden Zehenstiefel aus festem Stoff dazu, die ihm das Arbeiten oben auf Bäumen sehr erleichterten. Ich habe mir ein Paar mitgebracht und trug diese nun heute früh mal wieder als ich Ihren Text entdeckte. Daß diese Strümpfe oder Stiefel etwas Frivoles oder Entwürdigendes an sich haben könnten…? Im Traum nicht! Da lässt sich wieder bestätigen wie doch alles vom Kontext abhängt! Welches Bild im Kopf der Betrachtenden entsteht ?…Und ob diese weiblich oder männlich sind? Ansonsten alles Gute zum Neuen Jahr wünscht Ihnen – Cornelie Dìaz Cèspedes


Leserbrief zu „Alles Zufall?“ von Malte Henk

An den Zufall glauben muss nur, wer sich die Begrenztheit menschlichen Wissens und Denkens nicht eingestehen möchte: Alle Ereignisse sind als Schnittpunkte sich kreuzender Ketten von Notwendigkeiten darstellbar – leider sind wir Menschen nur selten in der Lage, die Glieder dieser Notwendigkeitsketten auch nur halbwegs vollständig zu beschreiben. Die Zufallsgläubigen bewahren sich mühsam die Illusion, der Mensch könnte doch irgendwie eine Art Prothesengott sein. Die anderen glauben an Gott. An beides zu glauben ist unmöglich: Gott und der Zufall sind inkompatibel!

Ironischerweise entfaltet die Ablehnung des Zufalls das größere emanzipatorische Potenzial: Wer die Notwendigkeitsketten immer weiter verfolgt, stößt auf immer wirklichkeitsnähere Modelle und erfindet die verrücktesten Sachen – und das alles bloß um den Preis eines Quäntchens Demut… – Andreas Goletz-de Ruffray


Leserbrief zu „Alles Zufall?“ von Malte Henk

Zu Ihren sehr interessanten Artikel zwei Gedanken:

1. mein Vater, Maschinenbau Ingenieur im Bereich Qualitätssicherung, Jg. 1936, pflegte gern zu sagen :

 „Gott erschuf auch den Zufall – und bedient sich seiner.“ So kann mans auch sehn…

2. ein Aspekt des Zufalls – oder seiner Umdeutung – ist für mich zunehmend “ Murphys Gesetz“ : bei Wolken am Himmel sorgt der mitgenommene Regenschirm ziemlich sicher dafuür, dass es nicht regnet…..

 Im Volksmund kennt man diesen Versuch , den Zufall zu beeinflussen auch: man wünscht sich “ Hals und Bein – “ oder “ Mast und  Schotbruch“ bzw.  “ wird schon schiefgehen“…. –  Hans Mezger


Leserbrief zu „Polizist am Abgrund“ von Thomas Fischer

Was für ein vorzüglicher Verriss eines Buches, welches mir bei Lesen ebenfalls recht übel aufgestoßen ist. Herr Fischer hat sehr adäquate Worte gefunden für ein Buch welches die Republik wirklich nicht braucht. Hier hat ein Vorsitzender der Polizeigewerkschaft ein sehr ungenaues alarmistisches Buch geschrieben. Aus der Hüfte geschossen sozusagen. Leider bleibt dem Fernsehzuschauer der scheinbar unvermeidbare Herr Wendt in den vielen Talkshows in denen er auftritt auch nicht erspart mit seinen Thesen des vermeintlichen Untergangs. Mit dem Verweis auf andere Länder in Europa die es seiner Meinung nach besser machen möchte man ihm zur allgemeinen Entlastung anbieten, sich vielleicht dann besser dort niederzulassen. Ich bin froh, dass ich in einem Land lebe, wo die Besonnenheit Raum bei den Entscheidungen hat. Wo Fakten noch etwas zählen und eben nicht Demagogen und Populisten. Noch. – Wendelin Ackermann


Leserbrief zu „Das Gegenteil von Dankbarkeit“ von Jochen Bittner

Das Terrorismusrisiko erhöhe sich, je mehr Muslime hier lebten, schließt Jochen Bittner seine selektive Auswahl der entsetzlichsten Verbrechen der letzten Jahre. Eine Aufzählung versuchter und tödlicher Terroranschläge bei denen aber zum Beispiel sowohl die Verbrechen des NSU als auch die Morde Anders Breiviks fehlen. Warum? So könnte man doch auch argumentieren, dass das Terrorismusrisiko sich erhöhte je mehr Norweger, Sachsen oder Christen hier lebten. Mathematisch korrekt wäre auch die Aussage: Das Terrorismusrisiko erhöht sich, je mehr Menschen hier leben. Das Leben ist gefährlich – die tatsächliche Gefahr für Leib und Leben in unserer Gesellschaft ist aber so gering wie nie zuvor und seit Jahren rückläufig, wenn man zum Beispiel den Kriminalstatistiken glaubt.

Aber Statistik und Zahlen interessieren leider offenbar auch in der sonst so erfreulich besonnen reagierenden ZEIT nach Berlin nicht mehr.

Es ist verständlich, dass auf einen Terrorakt wie Berlin zunächst mit „Angst, Abwehr [und] Aggression“ reagiert wird, wie Lorenzo und Wefing in derselben ZEIT ausführen. Insbesondere wenn eventuell eigenen Angehörige betroffen sind.

Von der ZEIT erwarte ich dann, dass das Geschehen und die darauf resultierenden Forderungen eingeordnet werden, anstatt Gauland zu zitieren und sich in AFD-Wähler hinein zu denken, ohne deren Argumente zu entkräften.

Dies geschieht aber, wenn Bittner über Smartphone- und Badeseenverbote schreibt. Zunächst einmal stellt sich die Frage, ob dies wirklich die Beispiele sind, die tragen und angeführt werden sollten? Unabhängig davon, dass Telefonieren am Steuer verboten ist, wäre doch eher der Vergleich mit allumfassenden Tempolimits auf Autobahnen geeignet. Damit soll weder ein Terrorakt relativiert werden, noch Menschenleben gegeinander abgewogen werden. Vielmehr tritt hier abermals der Widerspruch zwischen gefühlter und tatsächlicher Gefährdung zu Tage. Ein einfaches „Na und?“ reicht hier nicht aus, auch wenn es einem AFD-Wähler in den Mund gelegt wird.  Stattdessen müsste dann auch erörtert werden, ob wir als Gesellschaft einerseits tatsächlich das Asylrecht als Grundpfeiler unseres Wertesystems ein zu schränken bereits sind, ohne dadurch sicher sein zu können auch nur einen potentiellen Terroristen von der Einreise ab zu halten. Bundeseinheitliche Tempolimits, mit denen statistisch belegbar Menschenleben gerettet werden könnten, aber einem politischen Selbstmord gleichen.

Ein Fragenkomplex wird im ganzen Artikel gar nicht erst aufgeworfen:

Warum legen wir an geflüchtete Menschen Maßstäbe an, die wir an „uns“ nicht anlegen? Wer stellt die Dankbarkeitsfrage gegenüber Gesellschaft und  Sozialsystem bei deutschen Straftätern? Warum sollten Straftäter unterschiedlicher Herkunft unterschiedlich behandelt werden? Ist Dankbarkeit eine sinnvolle Kategorie in diesem Kontext?

Bittner zitiert Carlo Schmid: Man dürfe „die Asylgewährung nicht davon abhängig machen, ‚ob der Mann uns politisch nahesteht oder sympathisch ist‘“, um dann am Ende eine Unterteilung in Freiheitssuchende und Freiheitsfeinde zu fordern. Dies ist für mich ein Widerspruch. – Steffen Stadler


Leserbrief zu „Rot-Rot-Radikal“ von Miriam Lau

Ihr Artikel über den rot-rot-grünen Senat in Berlin löst bei mir Widerspruch aus.
Sie sprechen das Thema Videoüberwachung an und kritisieren das zögerliche Handeln der rot-rot-grünen Stadtregierung.

Ich hingegen bin der Meinung, dass es genau das ist, was ich von politisch Verantwortlichen erwarte: bedächtig prüfen und dann erst entscheiden. Dass 70% der Bürgerinnen und Bürger nach einem Terroranschlag für mehr Videoüberwachung stimmen, wundert mich nicht, da die Emotionen nach solch schrecklichen Ereignissen – verständlicherweise – immer hochkochen. Jedoch wurde ja auch bekannt, dass der Attentäter des Berliner Weihnachtsmarktes mehrfach auf europäischen Videoüberwachungskameras aufgetaucht ist – genützt hat es offenbar nichts.

Sie erwähnen zwei Gewaltverbrechen in der Berliner U-Bahn, deren Aufklärung durch Videoüberwachung gelingen konnte. Das ist gut so. Aber könnte es nicht einfach ein Hinweis dafür sein, dass wir mit der bisherigen Videoüberwachung gut aufgestellt sind? Warum nach diesen Vorfällen immer gleich ein „mehr, mehr mehr“ gefordert wird, erklärt sich mir nicht. Daher finde ich es durchaus sachgerecht, wenn eine Regierung erst einmal prüft, ob das wirklich erforderlich ist und auch darauf hinweist, dass das seinen Preis hat. Ich erwarte gerade nicht, dass Regierende mit markigen Sprüchen aufwarten und ohne weitere Reflektion die emotionalisierten Forderungen der Bevölkerung umsetzen.
Was die Personalie Andrej Holm angeht, finde ich es ziemlich lächerlich, dem inzwischen 46-jährigen Wissenschaftler noch immer vorzuhalten, dass er als 19jähriger in der alten DDR mal bei einem Stasi-Wachregiment ausgebildet wurde. Dort war er wohl knapp ein Jahr aktiv, bevor der Laden unterging. Ist es nicht möglich, einem 20Jährigen Weiterentwicklung zuzubilligen? Offensichtlich hat sich Herr Holm ja zu einem ernstzunehmenden Wissenschaftler entwickelt, der an nicht ganz unbedeutenden deutschen Universitäten tätig war. Dass er sich kritsch mit dem Neoliberalismus und vor allem mit der überaus bedrückenden Gentrifizierung auseinandersetzt, mag manchem nicht gefallen. Ich finde es sehr ermutigend. Dass sich eine solche Perspektive im Berliner Senat wiederfindet, ist ein positiver Ansatz, der mir bedeutungsvoller erscheint als die Befürchtung, man könne den ganz alten Genossen treu bleiben.

Seilschaften gibt es in der Politik auch in anderen Parteien. Dies nur den Rot-rot-grünen vorzuwerfen, ist aus meiner Sicht scheinheilig. Für mich als Bürgerin ist von Bedeutung, ob dieser Politiker seine Themen, zu denen er ja ausreichend geforscht hat, auch in der Praxis umzusetzen vermag oder damit im Regierungsalltag untergeht. Wenn auch der rot-rot-grüne Senat nur redet, ohne tatsächliche Veränderungen gerade im sozialen Bereich herbeizuführen, dann wäre dies allerdings ein Tritt in den Rücken der offenen Gesellschaft, da es ein Punkt mehr auf dem Negativkonto der Politikverdrossenheit wäre.   – Erika S. Becker


Leserbrief zu „Mein Feind und Helfer“

Seit fast 20 Jahren arbeite ich nun als Krankenpfleger und die in den letzten Jahren vermehrt diskutierten, anscheinend in Zukunft unvermeidlichen Pflegeroboter bzw. die sehr oberflächlichen Berichte darüber verärgern mich immer wieder aufs Neue. Das Wichtigste vorweg: damit Kranke gesund werden und Betreute sich gut versorgt fühlen müssen wir nicht nur unsere Fachkenntnisse einsetzen, sondern ihnen mit menschlicher Zuwendung und Empathie begegnen. Für Zahlensammler in einer technoid-datenverrückten Zeit natürlich schwer vorstellbar und für Roboter schlicht unmöglich zu leisten. Nächster Punkt: unser Beruf ist sicher oft fordernd und belastend, aber die Belastungen als unzumutbar und/oder eklig darzustellen zeugt fast schon von Misanthropie und entwürdigt meiner Meinung nach die uns anvertrauten Patienten. Dieses Zerrbild unserer Zunft entsteht wahrscheinlich bei Zeitgenossen die glatte Touchscreens öfter (und lieber) als menschliche Haut berühren. Weiters ist es äußerst selten notwendig einen Patienten wirklich zu „heben“ – und für diesen Fall gibt es schon längst mechanisch-elektrische Hilfsmittel. Die meisten Transfers bzw. Positionswechsel können von entsprechend geschulten Pflegekräften ohne viel Kraftaufwand durchgeführt werden und sind für die Patienten oft auch noch Therapie und Prophylaxe nebenbei.

Was soll hier ein sündhaft teurer, rudimentär intelligenter, selbstfahrender Krankenzimmerkran besser machen? Und von da an ist es dann noch ein immens langer Weg zu komplexen und diffizilen Bewegungen wie sie z.B. bei der im Artikel beschriebenen Blutabnahme erforderlich wären. Wie soll hier eine Maschine den Menschen mit seinen feinfühligen Händen und seinem ausgereiften Sensorium ersetzen? Wer würde sich ohne Bedenken so einer Kiste mit Nadel ausliefern – oder z.B. sich von ihr waschen lassen? Schließlich: „Zärtlichkeit spendende Maschinenmännchen“? Ich könnte kotzen. Eine viel radikalere Zukunftsvision als diese ganzen langweiligen, Transformer-artigen Nerd-Fantasien wäre jene, in der die Milliarden und Abermilliarden aus der Roboterentwicklung in Dinge investiert werden, die den Menschen direkt helfen und sie in ihrer Selbständigkeit bestärken anstatt beschneiden: Bildung, gerechte Entlohnung, Gesundheitserziehung, leistbares Wohnen, Infrastruktur, Orte für Kinder zum Spielen und Toben, intakte Natur, etc. Ja, ich weiß: das sind jetzt Hippie-Fantasien. Die besten Chancen gebe ich darum den „Blechtrotteln“ nach Lektüre ihres Wirtschaftsteils in der Kriegsindustrie. Als hochpräzise und komplett von Reue und Gewissen befreite Soldatenkameraden bescheren sie mit ihrer „massive killing capacity“ (deutsch: “fett geile fire power“) bestimmt schon dem einen oder anderen Staatenlenker bzw. Rüstungsmanager feuchte Träume. – Mario Hirzinger


Leserbrief zu “Mission einer Sekte” von Jens Jessen

Da macht sich eine rot-rot-grüne Koalition in Berlin entgegen bisheriger Gepflogenheiten die Mühe, in einem 174 seitigen Koalitionsvertrag für alle wesentlichen Politikbereiche sehr konkret die Vorhaben für die kommenden fünf Jahre sich und den Bürgerinnen und Bürgern darzustellen und trifft dann auf ein ZEIT-Kommentator, dem dazu nur als Bewertung „Detailverliebtheit“,“Geschwätzigkeit“ und ein gewisser „Größenwahn auf Nebenschauplätzen“ einfällt. Bislang ergingen sich Koalitionsverträge eher in pauschalen, schwammigen Formulierungen, die oft das Papier nicht wert waren, auf dem sie geschrieben standen und die oft schon am Beginn der Regierungszeit zu heftigen Streitereien zwischen den Koalitionspartnern führte. Statt sich mit den breit ausgeführten Darlegungen zur Wirtschafts-, Wohnungsbau-, zur Schul- und Kulturpolitik und vielen anderen Themenfeldern kritisch und sachlich auseinanderzusetzen, was wegen grundlegender Änderungen zur bisherigen Politik in Berlin sehr lohnenswert wäre, greift der Verfasser das gerade mal eine Seite (von 174) umfassende Thema zur sexuellen Orientierung „LSBTTIQ“ heraus und widmet seinen höchst abfälligen Bewertungen die Hälfte seiner Zeilen. Mir scheint, dass dem Autor sehr wohl bewusst ist, dass dieser Koalitionsvertrag teilweise tiefgreifende politische Veränderungen im Hinblick auf die bisherige neoliberale Politik beinhaltet. Weil ihm aber die ganze Richtung nicht passt, unternimmt er den Versuch mit aus dem Zusammenhang herausgegriffenen Nebensächlichkeiten und Vorurteilen den Vertrag in polemischer, arroganter Art madig und lächerlich zu machen. Die oben zitierten Vorwürfe Geschwätzigkeit, abstruse Detailverliebtheit und Größenwahn auf Nebenschauplätzen  trifft mit Sicherheit auf den Autor Jessen zu. Ob die Berliner Koalition ihren selbstgesteckten Zielen gerecht wird, wird hoffentlich von der ZEIT in der gewohnten Qualität -und nicht wie hier mit Stimmungsmache- kritisch begleitet. – Peter van der Kemp


Leserbrief zu „Frei laufende Maschine“ von Heike Buchter

Die Zukunft von Arbeit, Mensch und Technik – Die Technik hat unseren Lebensstandard erheblich verbessert, seit der industriellen Revolution vor über hundert Jahren. Heute könnten wir gar nicht mehr ohne sie leben – und wollen das auch gar nicht.

Ob es nun Kühlschrank, Waschmaschine und Staubsauger, Kino, Radio und Fernseher, Telefon (heute Smartphone), PC oder Tablet, Auto, Flugzeug oder Eisenbahn sind, unser Leben wäre heute ohne diese unvorstellbar und sehr viel schlechter.

Auch unsere moderne Medizin wäre ohne Technik nicht möglich: Ich bin froh, dass ich nicht zu einem mittelalterlichen Bader gehen muss, um mich mit peinigenden Wundermittelchen traktieren zu lassen, oder (o Graus) mir die Zähne auf einem altertümlichen Jahrmarkt, mit unsäglichen Folterinstrumenten, ziehen zu lassen. Heute haben wir moderne Ärzte und Krankenhäuser, fortschrittliche medizinische Behandlungsmethoden, komplizierte Operationen unter Vollnarkose und angstfreie Zahnarztbesuche ohne Schmerzen.

Doch der Fortschritt hat (wie alles) zwei Seiten. In den vergangenen Jahren sind immer mehr Arbeitsplätze durch Computer und Roboter (allgemein durch Technik) ersetzt worden. Zwar haben einige Menschen einen Arbeitsplatz in einem anderen Bereich gefunden, doch zunehmend haben sie Schwierigkeiten eine neue sinnvolle Tätigkeit zu finden, von deren Arbeit sie leben können.

In den Banken sind die Schalter gestrichen geworden und bei der Bahn gibt es fast keine Fahrkartenverkäufer mehr, als Ersatz nutzen wir nur noch Automaten. Bei Hotlines müssen wir mit künstlichen Betreuern sprechen. Fabrikhallen werden zunehmend menschenleer. Die Arbeit findet bald ohne Menschen statt.

Die ehemaligen Beschäftigten verlieren ihr Einkommen, ihre Existenz. Sie können ihren Lebensstandard nicht mehr halten, die große Wohnung nicht mehr finanzieren, Urlaubsreisen kaum noch durchführen. Die zwischenmenschlichen Kontakte werden geringer und die finanziellen Probleme größer. Es kommt zum sozialen Abstieg. Das Ergebnis sind Armut und Einsamkeit! Manche schaffen den Wandel und finden einen neuen Arbeitsplatz, aber es werden immer weniger, es gibt immer mehr Verlierer!

Zunächst waren es nur einfache Arbeiten, welche die Technik übernommen hat – doch diese wird immer leistungsfähiger. Nicht nur Fließbandarbeiter, auch leitende Tätigkeiten, selbst Programmierer werden irgendwann einmal überflüssig. Bald kann der Mensch gar nicht mehr mithalten gegenüber Computern und Robotern. Viele Berufe fallen weg, doch wir können nicht alle Friseure werden, denn diese werden vielleicht irgendwann auch nicht mehr gebraucht!

Menschen müssen bei ihrer Arbeit hohe Steuern bezahlen, sie bekommen (mehr oder minder) hohe Löhne, die einen beträchtlichen Teil der Produktionskosten ausmachen können. Computer und Roboter arbeiten dagegen vollständig umsonst, sie bekommen kein Gehalt und führen keine Steuern ab – sie streiken nicht und stellen keine unangenehmen Forderungen gegenüber ihren Arbeitgebern.

Damit sind die Arbeiter und Angestellten immer weniger konkurrenzfähig, die Unternehmen setzen zunehmend auf die billigen Maschinen und kaum noch auf die Menschen. Wenn die Technik weiterhin billiger und vorteilhafter bleibt als die menschliche Arbeitskraft und immer leistungsfähiger wird, dann werden die Menschen irgendwann gar nicht mehr gebraucht.

Ein Ausweg aus der Krise kann eigentlich nur darin bestehen, dass die Kosten von Computern und Robotern für die Unternehmen größer werden. Menschen dürfen nicht schlechter gestellt sein, als Maschinen und dürfen den Unternehmen keine höheren Kosten verursachen, als Technik. Es muss alle Arbeit besteuert werden, die universelle Arbeitskraft (AK), zu der auch die Tätigkeit von Computern und Robotern gezählt werden muss, nicht mehr nur die Arbeitsleistung von Menschen, wie es gegenwärtig der Fall ist!

Ich bin ein Freund der Technik, nutze sie gerne und kann ohne sie nicht auskommen, aber ich fürchte die negativen Auswirkungen eines radikalen Wandels. Ist das nun begründet, oder Schwarzmalerei? Es ist wohl noch offen, wie die Entwicklung weitergeht, diese hängt auch von unseren Entscheidungen ab!

Wir dürfen nicht nur durch marktwirtschaftliche Interessen unser Verhältnis zur Technik regeln lassen, sondern wir müssen auch nach dem Nutzen für unsere Gesellschaft fragen. Danach wird es sich erweisen, was aus der Technik wird, ein Fluch, oder ein Segen unserer Zukunft. Wichtig ist, dass wir uns darüber im Klaren sein sollten, das die Technik für den Menschen da sein muss und nicht der Mensch für die Technik! Nur dann werden wir den Weg in eine menschenwürdige neue Welt finden. – Frank-Thomas Kirchberg


Leserbrief zum Thema „Terror in Berlin“

Als ein zunehmend in die Jahre gekommener Leser der „Zeit“ kann man durchaus noch überrascht werden. Mir ist die Zeit vielfach zu ausgewogen und zu wenig Meinung. Insofern überrascht und erfreut es mich, dass das nicht immer so sein muss. In Ihrer ersten Ausgabe von 2017 finde ich sehr gute Beiträge zu den Themen „Terrorismus“ (Yason Musharbash) „Anis Amri“ (Peter Dausend und Team) und vor allem „Asy“ (Jochen Bittner). Insbesondere der Beitrag von Joch Bittner hat mich sehr positiv überrascht. Denn er lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Bravo.

Viele Deutsche wissen, dass Deutschland ein Einwanderungsland sein muss. Und ich denke wie Herr Bittner, dass das Asylrecht zu verteidigen ist. Aber es ist eine Tatsache, dass die aktuellen Entwicklungen weder von den Vätern des Grundgesetzes noch von der so oft bemühten Schaffern der UN Flüchtlings-Charta so vorhergesehen worden sind. Wir müssen hier sicher einiges ändern, um den wirklich Schutzbedürftigen zu helfen und Menschen aus armen Ländern eine andere Einwanderungsperspektive als das Asylrecht zu bieten. Leider beschränken sich viele Journalisten auf Pauschalaussagen und erklären sich selbst zu den Hütern des Grundgesetzes in genau der Form, in der es unsere Verfassungsväter und -mütter das Gesetz vor fast 70 Jahren erschaffen haben. Als ob das „Gottes Wort“ wäre und man die Welt seitdem hätte anhalten können.

Umso überraschter bin ich, mit welcher fachlichen und intellektuellen Kompetenz sich Ihre Zeit-Autoren diesen verschiedenen Themen widmen. Hätten wir nur mehr Journalisten dieser Qualität, die wirklich etwas von der Sache und Ihrem Handwerk verstehen würden.

Ich hoffe, Sie verlieren durch diese klaren (fast schon zeit-untypischen) Positionen keine Leser, sondern gewinnen im Gegenteil noch welche hinzu. – Thomas Nassua


 

 

21. Dezember 2016 – Ausgabe 53

Leserbrief zu „Grinch türkisch“ von Josef Joffe

Vielen Dank für Ihre Glosse. Eine kleine Bemerkung zum Namen der Schule, den Sie als „Lisesi-Schule“ oder „Lisesi“ wiedergeben, was in meinen Ohren seltsam klingt und auch nicht korrekt ist.

Der Blick in ein türkisch-deutsches Wörterbuch zeigt, dass die Grundform des türkischen Wortes schlicht und einfach „lise“ ist (entlehnt aus dem französischen „lycée“, deutsche Entsprechung am ehesten: „Gymnasium“). Der vollständige Name lautet „İstanbul Lisesi“, deutsch in etwa: „Istanbul sein Gymnasium“, eleganter natürlich „Istanbuler Gymnasium“. –  Dr. Johannes Wachten


Leserbrief zu „Himmlische Ruh?“ von Maximilian Probst

Ich denke nicht, dass Sie diesen Artikel in einem Großraumbüro geschrieben hat. Sonst wüssten Sie nämlich, dass es unmöglich ist, sich acht Stunden lang zu konzentrieren, wenn man von 30 Kollegen umgeben ist, von denen 1/3 zwar leise mit ihren Tastaturen klimpert, aber die anderen 2/3 sich entweder miteinander unterhalten oder aber Telefongespräche oder Telefonkonferenzen führen – das auch gerne mal in englisch oder einer anderen Sprache.

 Wir leben im Informations- und Kommunikationszeitalter, und im Arbeitsumfeld wurde vermutlich noch nie so viel kommuniziert wie heute. Das ist für manche Arbeitnehmer akustischer Stress, der sie krank macht. Ein gelegentlicher Peitschenknall ist nichts gegen diese Dauerberieselung mit Sprache. – Albrecht Nestle


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Der Beitrag von Giovanni di Lorenzo hat mich sehr gefreut. Ich meine, er trifft den richtigen Ton und zeigt, wie infam Populisten solche schrecklichen Ereignisse für Propaganda mißbrauchen. Zu diesen Populisten gehört leider wohl auch der Vorsitzende unserer Krippenspiel-Partei aus dem Süden. Wie sehr werden wir streiten müssen für Menschlichkeit und unsere Demokratie? Ich bin jedenfalls dankbar für die Regierungen, die wir in der Bundesrepublik bisher gehabt haben. –  Almut Stribeck


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Natürlich würden wir friedlich miteinander leben, wenn wir keine Feindbilder kultivierten. Dazu müssten wir allerdings der Frage nachgehen, worauf Feindbilder beruhen. Offensichtlich bilden unsere Selbstbilder, die wir auch als unsere Identität bezeichnen, die Grundlage für die Erzeugung von Feindbildern. Wenn ich kein Selbstbild hätte bzw. wüsste, dass ich nicht mein Selbstbild bin, könnte ich mich von Menschen, denen ich noch nie begegnet bin, nicht bedroht fühlen und sie zu Feinden machen.

Der Soziologe Didier Eribon hat den Zusammenhang zwischen Selbstbild und Feindbild anschaulich am Beispiel seiner Herkunftsfamilie beschrieben. Als er seine Familie nach langer Zeit wieder besuchte, stellte er fest, dass die Familienmitglieder, die früher die kommunistische Partei gewählt hatten, nun alle der Front National ihre Stimme gaben. Aus dem früheren „Wir Arbeiter gegen die Bourgeoisie“ sei nun ein „Wir Franzosen gegen die Migranten“ geworden. Man sieht sich nicht mehr als Angehörige einer Klasse, sondern als das zu kurz gekommene Volk, dem die Migranten die Sozialzuschüsse wegnehmen. – Dr. Jens Lipski


Leserbrief zu „Grinch türkisch“ von Josef Joffe

Amüsiert habe ich die Kolumne von J.Joffe „Grinch türkisch“ gelesen, möchte aber dazu anmerken, dass Santa Claus oder Nikolaus alles andere als ein „echter Türke“ war, oder war das ironisch gemeint?

Der „echte“  Nikolaos war, wir Herr Joffe richtig schreibt, Bischof von Myra, und starb im Jahre 345 oder 351, so genau weiß man das nicht. Myra gehörte damals zum Byzantnischen (oströmischen) Reich, Nikolaos war also.Erst tausend Jahre späterwurde Myra vom Osmanensultan Orhan  (1331-1347) erobert, die Bevölkerung getötet oder vertrieben und im osmanischen Reich vergessen. Noch in den 1980er Jahren. als ich Myra das erste mal besuchte, war die Stadt eine Ruinenfeld, auf dem Ziegen und Schafe weideten, die Kirche war eine Ruine. Dass die türkische Tourismusbranche Myra später für Marketingzwecke vereinnamte, steht auf einem anderen Blatt. – Dr. J.Wachtler


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Evelyn Finger scheint die Christin vom Dienst in der Schar der Zeit-Redakteure zu sein. Seltsam klingt wenn sie davon ausgeht, dass wir nicht alle an denselben Gott glauben. Hat sie einmal darüber nachgedacht, dass es nur einen einzigen Gott geben kann dem die vielen Religionen nur verschiedene Namen geben ? Vielleicht ist sie ja zu sehr überzeugte Christin und trägt deswegen Scheuklappen.

Ihr Artikel über die Bedeutung der Weihnachtszeit wiederholt, wie jedes Jahr seit Jahrhunderten, Jahrtausenden,  die Aufforderung, christliche Botschaft und Werte in einen fruchtbaren Zusammenhang mit dem Bemühen der Menschen zu stellen, Kriege zu beenden oder gar nicht erst anzufangen. Nüchterne Zeitgenossen zu allen Zeiten wussten und wissen, dass das vergebliche Hoffnungen sind.

Solange Menschen ihre Konflikte  in unendlicher Selbstgerechtigkeit begründen, verteidigen und dann kriegerisch vollenden, der liebe Gott  aber gar nicht daran denkt einzugreifen oder zu schlichten, sind christliche Weihnachtsbotschaften nur etwas  für den inneren Frieden der Gläubigen oder Ansporn für ihre Nächstenliebe. An sich Werte für sich aber leider  kein Mittel gegen die Feindschaft der Menschen gegen den anderen Menschen. Es ist gleichgültig ob der Fürst  der Finsternis in Gestalt eines Attentäters, blutrünstigen Diktators oder mörderischen Ideologen daherkommt,  sie alle lassen sich von einem Gott nicht vorschreiben was sie glauben tun zu müssen.

Die Vorstellung, dass sich Gott vorbehält, die Zeit danach den Menschen vor sein jüngstes Gericht zu stellen um sein Leben mit der ihm eigenen absoluten Gerechtigkeit zu bewerten versöhnt vielleicht die Menschen auf Erden mit erlittenem Unrecht. – Klaus Reisdorf  


Leserbrief zu „Torten der Wahrheit“ von Katja Berlin

Zum Ende des Jahres einen besonderen Dank an Katja Berlin für ihre Torten der Wahrheit. Sie schaffte es, aus dem Irrsinn des Alltags einen intelligenten und humorvollen Moment zu machen. – Christopher Hagen


Leserbrief zu „Torten der Wahrheit“ von Katja Berlin

Das ist also das Bild, dass die ZEIT-Redaktion von ihren Lesern hat: Ignorant wie ein Social Bot. Schön zu wissen. Ach, das war ja nur Spaß? Haben nicht erst neulich die „Torten der Wahrheit“ genau solche Ausreden kritisiert? Damals behauptete man, Einwände wie der meine würden, wenn die Witze sich gegen Frauen oder Ausländern richten, als politisch korrekter Mist abgetan, bei weißen Männern dagegen als berechtigte Forderung nach Respekt. Vor einigen Wochen wurde deshalb sogar dem Spiel „Mensch ärgere dich nicht“ der „Geist der neuen Rechten“ unterstellt. Also sagen Sie jetzt nicht: „Ärgern Sie sich nicht, war doch nur Spaß.“ Die „Torten der Wahrheit“ waren allerdings schon damals falsch, richtiger wäre die Auswahl: „Richtet sich die verbale Attacke gegen weiße Männer? Ja? Dann ist es freie Meinungsäußerung, andernfalls faschistoider Unsinn“. Glauben Sie nicht? Dann schreiben Sie mal zwei Artikel, einen zum Thema „Warum Männer selbst an ihrer geringeren Lebenserwartung schuld sind“ und einen „Warum Frauen selbst an ihrem geringeren Verdienst schuld sind“ und schauen sie, wo Sie mehr zornige Grüne vor ihrer Haustür finden.

Aber das dürfte Frau Berlin in ihrer unerschütterlichen Meinung nicht rühren. Wo also unterscheidet sie sich von einem Social Bot? Weil sie Recht hat und deshalb sich nicht in Frage stellen muss? Ja, das sieht der „normale Internetnutzer“ ganz anders.

Oder hat Frau Berlin sich selbst miteinbezogen? Dann wäre der Beitrag immerhin etwas witzig und selbstkritisch. Nur: Dass kommt nicht wirklich so rüber. – Jan Alexander   


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Wie kommt Evelyn Finger in ihrem Leitartikel zu Weihnachten dazu, die identitäre Bewegung, die nationalistische Regime in ganz Europa etablieren will, dermaßen aufzuwerten, dass sich scheinbar nur noch zwei Gruppen, nämlich „die Identitären und die Anti-Identitären“ feindlich gegenüberstehen?  Die grobe, verharmlosende Umschreibung beider Lager – die einen „leugnen alle interkulturellen Gemeinsamkeiten und betrachten Religion als etwas unüberwindlich Trennendes“, die „anderen leugnen alle Unterschiede und halten Religionskonflikte für eine fremdenfeindliche Erfindung“ – stellt beide auf eine Stufe und erweckt den Eindruck, als seien beide Seiten auf ihre Weise bloß etwas überspannt und die Lösung bestehe einfach darin, dass man aufeinander zugeht. Bei dieser Aufteilung erhalten die „Identitären“ auch noch das Privileg, mit ihrer Selbstbezeichnung erwähnt zu werden, während alle anderen plötzlich nur noch in ihrer Gegnerschaft zu dieser in Wirklichkeit sehr gefährlichen Bewegung wahrgenommen werden!

Dieser Dualismus ist allerdings bei den Identären selbst zu finden. Ihre Mission ist „das ethnokulturelle Überleben der Völker Europas“. Sie sehen sich, wie man auf ihrer Homepage nachlesen kann, im Gegensatz zu den „alten Rechten (Nazis, Neonazis und Nationalisten)“ als die neuen, sozusagen die guten Rechten. Alte und neue Rechte vereint jedoch, dass für sie die Abstammung der entscheidende, harte Faktor bei der Bestimmung der Nation ist. Unter Nation verstehen sie die „Einheit von Abstammung, Sprache und Kultur“ (Michael F. Vogt). ‚Es ist doch klar: Die Sprache und Kultur kann ich erlernen und mir aneignen, aber die Abstammung? Türke bleibt Türke, Deutscher bleibt Deutscher …´, so die fatale im Grunde rassistische Logik. Deshalb fürchten sich die Identitären vor den Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan und Afrika – allein aufgrund ihrer Abstammung sind ihnen diese Menschen suspekt und werden, wie die Identitären glauben, niemals Deutsche werden können, wenn sie auch noch so gut in die deutsche Sprache und Kultur eintauchen. Integration ist unter dieser Voraussetzung nicht nur abwegig, sie ist lediglich Hirngespinst linker Intellektueller und wertkonservativer Verräter am deutschen Volk!

Was hat das Ganze nun in einem mit dem christlichen Weihnachtsfest zu tun? Aus meiner Sicht besteht ein Zusammenhang nur insofern, als Christen diesen Nationalbegriff endlich in aller Deutlichkeit ablehnen müssen. Wer die Gnade der Taufe empfangen hat, ist Teil der transnationalen Menschheitsfamilie geworden, eingetaucht in die Wirklichkeit des auferstandenen Jesus von Nazareth, in der Liebe den Hass überwindet und in der die Liebe Gottes die Trennung der Menschen nach Abstammung, Nation, Geschlecht, Bildungsgrad und ökonomischer Potenz überwindet, und zwar nicht nur symbolisch, sondern real. Vor Gott sind wir alle gleich, die Armen aber liebt er am meisten! Das sollte man auch an der sozialen Gemeinschaft der Christen ablesen können … Wir Christen haben noch viel zu tun, um in dieser Wirklichkeit Gottes, in seinem Frieden, den die Engel den Hirten auf dem Feld von Bethlehem verkündeten, anzukommen! Gott stehe uns bei und helfe, dass wir Deutschen und Europäer nicht noch einmal den Weg des nationalen Irrsinns gehen, in welchen Schafspelz er sich auch kleiden mag. Gott helfe uns, dass wir vom Kind in der Krippe lernen, dass die Rettung in der frei gewählten Wehrlosigkeit liegt, die – so zeigt uns die Lebensgeschichte Jesu von Nazareth – jenseits von Eden auch im (vorläufigen) Tod enden kann. Als Christen muss uns das nicht schrecken! – Dr. Gudula Frieling


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Es stimmt: das Jahr 2016 hat Deutschland vor große, unbekannte, noch lange nicht überwundene Herausforderungen gestellt: die Integration tausender Flüchtlinge, die scheinbar politische Hilflosigkeit angesichts des Bürgerkriegs in Syrien, die furchtbaren Anschläge auf deutschem und europäischen Boden etc. Aber mit Verlaub: deshalb von einem „entsetzlichen Jahr“ zu sprechen, halte ich angesichts dessen, dass wir uns in Deutschland im Frieden und nicht im Krieg befinden und noch immer nahezu jeder satt mit einem Dach über dem Kopf zu Bett geht, für eine vermessene und dem Format der „Zeit“ unangemessene Aussage. Ich empfehle zur Lektüre den lesenswerten und hoffnungsvollen Artikel von Evelyn Finger direkt neben dem „Schock von Berlin“. – Johannetta Cornell


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Nun ist es also passiert: „Die Täter sind unter uns, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Bomben explodieren werden!“, prognostiziere ich letzten März in einem Leserbrief. Wie wir seit dem Terroranschlag von Nizza wissen, müssen es keine Bomben sein, sondern auch ein schwerer Lkw reicht aus, viele Menschen zu töten. Und wieder kommt der vermutliche Täter aus einem islamischen Staat, ist Asylant, Flüchtling im weitesten Sinne.

„Wird die regierende Klasse trotzdem weiter von ‚kultureller Bereicherung reden’ und Bürger, die nicht dieser Meinung sind, diffamieren, im Extremfall sogar als ‚Pack’ bezeichnen?“, frage ich. Aktuell wird vom Staatsoberhaupt angefangen, wie zu erwarten, protokollgerecht „tiefe Bestürzung“, „Betroffenheit“ über den Terroranschlag  und „großes Mitgefühl“ mit  den Opfern und deren Angehörigen bekundet. Selbst mich erreichte schon eine Mitgefühls-Bekundung französischer Freunde – „à tous les Allemands“.
Damit kann und darf es aber nicht sein Bewenden haben. Es müssen vielmehr grundsätzliche Änderungen politischer Positionen erfolgen. Dazu gehört die Änderung des Asylparagraphen 16a im Grundgesetz, dessen Formulierung an einen geschichtlichen Hintergrund gebunden war, der für die heute als Grund für Asylgewährung dienenden Verhältnisse in der Welt absolut nicht taugt. Ethische Gründe, die jüngst ein Thüringer Bischof  für das Verbot einer Flüchtlings-Obergrenze nannte, haben zuallererst für diejenigen zu gelten, die Flüchtlingsströme verursachen. Sollen etwa Mord und Totschlag, in fast allen Ländern der Islamischen Welt zur alltäglichen Wirklichkeit gehörend, auch bei uns zur Selbstverständlichkeit werden?

Schließlich kann nur Unkenntnis der Weltgeschichte zu der irrigen Meinung führen, man könne und müsse den Bevölkerungsrückgang durch massenhaftes Hereinholen von Menschen völlig fremder Kulturkreise und Religionszugehörigkeiten ausgleichen. Derartige Vermischungen haben stets zu Konflikten und letztlich verheerenden Kriegen geführt. Deshalb forderte ich für die offenbar geschichtsignoranten politischen Führungskräfte, Merkel an der Spitze, die Einführung diesbezüglicher obligatorischer Fachseminare bei den besten Historikern des Landes.

Wir befinden uns erst am Anfang einer mörderischen Spirale, weshalb alle Beschwichtigungs-versuche von oben falsch am Platz sind. Es ist Zeit für ein grundsätzliches, konsequentes  Umdenken und dabei sind „die Menschen mitzunehmen“. – Hans Anhöck


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Mit großer Befriedigung habe ich Ihren Leitartikel der neuesten ZEIT gelesen und danke Ihnen herzlich dafür. Ich freue mich auch darüber, dass eine dezidiert christlich fundierte Meinung an herausragender Stelle erscheint, nachdem Jahrzehnte lang es offenbar als Ausweis von Intellektualität galt, möglichst Glauben und Christentum von sich zu weisen, sich aber oft mit esoterischen oder fernöstlichen Weisheiten zu schmücken.

Auch Ihre vielfältige Rubrik “Glauben und Zweifel” ist eine ungeheure Bereicherung! Nochmals vielen Dank und mit guten Wünschen für ein heilsames Weihnachten. – Dr. med. Johannes Mickler


Leserbrief zu „Stille, deutsche Nacht“ von Derek Scally

Die Iren sind ja bekannt für ihre begrenzte Wahrheitsliebe. Aber das kann kein ausreichender Grund sein, den Prince Consort, der ja als Prinzgemahl auch für seine Heimat Mitverantwortung trug, als einen Hannoveraner zu denunzieren. Albert war selbstredend ein Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha. – Holger App


Leserbrief zu „Grinch türkisch“ von Josef Joffe

Ein wenig gestreichelt haben Sie in Ihrer Kolumne den Mini-Erdowahn von der Lisesi-Schule am Bosporus. Er hätte eine gute Portion mit der Rute verdient! Aber im Ernst: Eigentlich handelt das Fest und die Weihnachtsgeschichte ja von einer Maria und Ihrem Namensvetter Josef. Kein Dach überm Kopf und ein Kind wundersam gezeugt vom himmlichen Vater!

Der „Weihnachtsmann“ ist wohl eine angelsächsische Kultfigur und gehört als Nikolaus eher zum 6. Dezember. Der wiederum hätte sich sehr gewundert, ihn als Türken zu verkleiden. Lebte er doch als Grieche im 4. Jahrhundert in Kleinasien, bevor die seltschukischen Türken 700 Jahre später ins Land kamen. Die Türken haben der Welt manches geschenkt, Türkenkriege und Basare, Genozid-Amnesie, Gastarbeiter und ein Kurdenproblem. Aber mitnichten einen türkischen „Nikolaus“. – Winfried Wolf


Leserbrief zu „Ein Drama in drei Akten“ von Moritz Müller-Wirth

Moritz Müller-Wirth erweckt den Eindruck als habe es 1973 schon die Entscheidung eines DFB-Pokal-Finales per Elfmeterschießen gegeben. Damals war ich noch regelmäßig auf dem (Mönchengladbacher) Bökelberg zu Gast. An Elfmeterschießen in jener Zeit kann ich mich nicht erinnern. Noch 1977 wurde das Pokalendspiel (unentschieden nach Verlängerung) zwei Tage später wiederholt.  Pokalendspiele werden erst seit der Saison 1977/78 (ggf.)durch Elfmeter entschieden. Also hat Günter Netzer ganz bestimmt nicht aus Furcht vor einem Elfmeterschießen „sein“ Tor geschossen. (Vielleicht ist der Autor einfach zu jung.) – Dr. Peter Poerting


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Frau Finger meint „Wir glauben zwar nicht alle an denselben Gott, aber uns verbindet genug, um den Unfriedensstiftern entgegenzutreten.“

3.000 Jahre hat man den alten Ägyptern den Sonnengott Re eingeredet und der jeweilige Pharao sei sein Sohn, beim Mosaischen Glauben heißt der Gott Jehova, bei den Phöniziern Baal, bei den alten Griechen war es Zeus, bei den Römern Jupiter, bei den Germanen Wotan, bei den Muslimen Allah und bei den

Christen ist es Gottvater oder der liebe Gott. Jeder (übrigens immer Männer) dieser religiösen Unfriedensstifter (Propheten, Gottessöhne, Ayatollahs, Imame, Päpste und dgl.) postuliert, seine Religion sei die wahre: Die Juden sind das „auserwählte Volk Gottes“, die katholische Kirche ist die „allein seligmachende Kirche“ und für Muslime sind alle anderen „Ungläubige“. Diese grundsätzlich faschistische Einstellung ist das Gegenteil von Toleranz. Und eher einfache, eher weniger gebildete, eher labile Menschen lassen sich indoktrinieren an Götter und orientalische Erlösungsmärchen zu glauben und folgen unkritisch und untertänig der jeweiligen Priesterschaft.  Und diese salbungsvollen Hassprediger – es gibt Ausnahmen – haben seit Jahrhunderten die Gegensätze geschürt und zahlreiche Kriege verursacht: von den Kreuzzügen (Christen gegen Moslems), der Reconquista in Spanien (Christen gegen Juden und Moslems), dem 30-jährigen Krieg (Katholiken gegen Protestanten) bis zu heutigen aktuellen Feindschaften Islam gegen Judentum und Schiiten gegen Suniten.

Im Namen all dieser Götter – die es de facto noch nie gegeben hat – kämpfen die Gläubigen gegen die Andersgläubigen, die Agnostiker und Atheisten. Auf die Frage „Frieden – wie geht das?“ die Antwort: Eines der Übel sind die Religionen, die Unfriedensstifter. – Johann Ernst


Leserbrief zu „Die kennt keiner mehr“ von Ronald D. Gerste

Sie nehmen die – die Zeit Redaktion bis in ihre Grundfesten erschütternde – Trump Wahl zum Anlass für einen interessanten Artikel über „lost presidents“. Ob sich Donald dereinst in diese illustre Runde einreihen wird, bleibt abzuwarten. Einen haben Sie aber übersehen : B. Obama – den schwächsten und erfolglosesten US- Präsidenten seit Jahrzehnten ! – Dr. Werner Milota


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Der Artikel, „Der Schock von Berlin“ hat mich sehr bewegt. Danke für Ihre offenen, klaren und mutigen Zeilen! Was Herr Pretzell von der AfD getwittert hat, ist schlichtweg unmenschlich. Es ist ein Stich mitten in die Wunde der Angehörigen der Toten. Wieviel Leid erfahren sie jetzt, und wieviel Hass wird von der Afd jetzt geschürt. So entsteht kein Friede.

Was Herr Pretzell sagt, ist wie seelich-geistiger Terror – einfach los, ohne Rücksicht auf Verluste, der Unschuldige mit sich zieht.. so wie der LKW. Daher müssten Ihre Zeilen „Schamloser kann man Leid nicht instrumentalisieren“ in Großbuchstaben geschrieben werden!

Ihnen allen in der Redaktion wünsche ich ein gutes, frohes und friedvolles Fest.  Meine begleitenden Gebete sind Ihnen sicher! – Sr. Emmanuela Köhler


Leserbrief zu „Grinch türkisch“ von Josef Joffe

Herr Joffe irrt, wenn er schreibt: „Santa Claus (Nikolaus) ist nämlich ein echter Türke, der im 3. Jahrhundert in Myra am Mittelmeer geboren wurde.“ Die türkische Besiedlung Kleinasiens begann erst mit dem Eintreffen der Seldschuken im 11. Jahrhundert n. Chr. – Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu „Der Westen ist jetzt im Stresstest“ ein Gespräch mit Wolfgang Schäuble von Marc Brost und Mark Schieritz

Wunderbares Interview: Intelligent, nachdenklich, besonnen und schlagfertig. Ich hoffe, Sie bleiben bei guter Gesundheit und noch lange in der Regierungsverantwortung. Alles Gute für das Jahr 2017. – Dr. Th. Lukowski


Leserbrief zu „Alle Babys tot“ von Christoph Dieckmann

Vielen Dank für diesen nachdenklichen und deshalb so weihnachtlichen Artikel. Den Aussagen des Artikels ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.

Und wiederholen muss ich es auch nicht. Mir persönlich ist es zu Weihnachten sehr wichtig, den Mensch gewordenen Gott in aller freiwillig auf sich genommenen Schutzlosigkeit zu sehen. Der Rest ist unsere Verantwortung.

Nur ein Detail des Artikels mag ich korrigieren. „Was folgt, besingt kein Weihnachtslied“, schreibt Herr Dieckmann. Das ist nicht korrekt. Das Coventry Carol hat genau dies zum Inhalt: Eine Mutter in Bethlehem singt ihr Kind in den letzten, den ewigen Schlaf – die Schergen des Königs Herodes im Anmarsch.

Das Coventry Carol war Teil eines Mysterienspiels, das unter dem Namen The Pageant of the Shearmen and Tailors bekannt ist. Text und Melodie stammen aus dem 16. Jahrhundert. Somit ist dieses Ausnahmelied eines der ältesten Weihnachtslieder, das noch in seiner ursprünglichen Form gesungen wird.

Aufnahmen davon gibt es im englischsprachigen Raum reichlich. Besonders eindringlich ist die der King’s Singers oder die von Tori Amos.  –  Fabian W. Williges


Leserbrief zu „Am Ende bleibt die Liebe“ von Sabine Rückert

Herzlichen Dank für Ihre wunderbaren Anmerkungen zu McCarthys „Die Straße“.

Sie haben nichts über die einfache Ausdrucksweise berichtet, und ich frage mich, ob McCarthys merkwürdige Einstreuungen alter(tümlicher) Wörter auch in der deutschen Übersetzung zu finden sind.

Die Wörter fielen mir als ungebräuchlich auf, wobei aber alle allein aus dem Zusammenhang unmittelbar verständlich sind. Die Verbindung von einfacher Story und Erzählweise mit fesselndem Hintergrund in The Street hat mich an Hemmingways „The Old Man and the Sea“ und an Doctorows „The March“ erinnert.  Mit den besten Wünschen zum Fest und für das Neue Jahr. –  Dietrich Enss


Leserbrief zu „Titelthema: Meine Mission“

Mein Name ist Ida Lieback und ich bin 18 Jahre alt. Als ich heute im Feuilleton der Zeit N° 53 die Texte zu „Titelthema: Meine Mission“ las, war ich sehr gespannt, was wohl kommen würde, und sehr erfreut, da ich kürzlich erst eine längere Hausaufgabe zur Wirkung von Kunst geschrieben habe und diese Texte also gut passten.

Beim Lesen der Texte ist mir jedoch etwas aufgefallen: Während von den 26 Personen, die etwas geschrieben haben, 12 allein aus Bereichen der Kultur (Feuilleton, Theater, Kunst etc.) stammen, ist der Bereich Wissen nur zweimal und der Bereich Politik nur einmal vertreten. Als höchst unregelmäßige, aber interessierte Leserin der ZEIT hätte ich mir gerade bei einer Ansammlung von Texten wie diesen gewünscht, etwas mehr Diversität vorzufinden… Was ist mit den „Sportlern“? Den „Finanzleuten“? Den „Politikern“ und „Wissenschaftlern“?

Natürlich lassen sich nicht alle Journalisten des Kulturbereichs in einen Topf werfen! Aber trotzdem denke ich, dass ein Sportjournalist z.B. von anderen Dingen angesprochen wird, als ein Kunst- oder Theaterkritiker. Bzw. wenn dem nicht so wäre – wäre das nicht auch unglaublich interessant?

Gerade in Zeiten wie diesen, wo man gesamtgesellschaftlich immer weniger „bunt“ und mehr „schwarz/weiß“ sieht, wäre es schön, in diesem Falle von Menschen aus allen Bereichen der ZEIT einen Eindruck zu erhalten, was sie bewegt und was sie ganz persönlich als wichtig erachten.

Trotz dieser „Kritik auf hohem Niveau“ (wie es meine Lehrer immer so schön ausdrücken), finde ich, dass die ZEIT eine tolle Zeitung ist und auch „Titelthema: Meine Mission“ mir beim Lesen viel Freude bereitet hat! Ich wünsche Ihnen allen ein besinnliches Weihnachtsfest. – Ida Lieback


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Fakt you, Frau Finger!

Sie schreiben, die Friedensbotschaft sei ein Märchen aus Nahost. Das mag Ihre gefühlte Wirklichkeit wiedergeben. Auf Seite 10 derselben Ausgabe gibt Herr Schmitt nützliche Tipps im Umgang mit Nicht-Fakten: „Erstens das historisch Offensichtliche betonen.“ Für uns in Mitteleuropa heißt das: 71 Jahre Frieden, und kein Ende in Sicht! Sie werden einwenden, dass Anschläge auf Weihnachtsmärkte nicht Ihre Idee von Frieden sind. Fakt ist, dass es Gewalt-Verbrechen auch in Friedenszeiten immer gab, nur heute deutlich weniger als je zuvor. Frieden ist kein Märchen, schon gar nicht aus Nahost. Frieden ist Wirklichkeit, das Ergebnis zäher Anstrengungen vernünftiger Menschen, erarbeitet in Brüssel und Washington, in Bonn und Paris.

Sie fragen, wie man Frieden erreichen kann, und empfehlen den Glauben. Wenn Sie mich fragen: Augen öffnen und genießen! Herzliche Grüße und friedliche Feiertage für die ganze Redaktion! – Günther Felgner


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Nach dem islamistischen Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin irritiert die Rechtsprechung hierzulande doch in befremdlicher Weise. Nachdem nun klar geworden ist, dass der Terrorist hier von den Sicherheitsbehörden längst überwacht wurde, und dass die Moschee, in der er sich aufhielt, in Berlin als Salafistenmoschee bekannt ist, entsetzt die Handlungsschwachheit der Entscheidungsträger: warum wurde die Überwachung trotz der handfesten Hinweise auf die Planung terroristischer Akte wie Waffenbeschaffung und dschihadistisches Sebstmörderangebot im September aufgegeben? Warum wurde die Berliner Moschee in Moabit trotz des Wissens des Verfassungsschutzes um die Rekrutierung von Dschihadisten nicht längst geschlossen? Das hat mit Religionsfreiheit absolut nichts zu tun!

Diese konsequenzlose Haltung der Justiz ist zudem ein Hohn auf die Arbeit all derjenigen Menschen, die beim Verfassungsschutz, bei den Kriminalämtern und bei der Polizei mit der Überwachung, den Recherchen und der Festnahme krimineller Extremisten beschäftigt sind! Wenn trotz Nachweis krimineller Akte – und die Planung staatsgefährdender Gewaltakte und terroristischer Anschläge gehören dazu! – keine Konsequenz durch Inhaftierung erfolgt, muss die Rechtsprechung entweder besser ausgelegt oder geändert werden!

Die Unmöglichkeit der Rückführung ins Ursprungsland durch einen weggeworfenen Pass verspottet hingegen regelrecht unser Rechtssystem! Ja, warum wird ein Krimineller egal welcher Herkunft, dem Hetze zu Hass und Gewalttaten nachgewiesen werden kann, nicht einfach inhaftiert, sondern von der Staatsanwaltschaft auch noch aus der Abschiebehaft entlassen, damit er seine angekündigten Pläne umsetzen kann? Eine solche Schwäche kann die Justiz der Bevölkerung nicht verständlich und nachvollziehbar machen, sondern provoziert, absichtlich oder unabsichtlich, Gegenreaktionen am rechten Rand der Republik!

Alle Regierungspolitiker, allen voran die der Justiz, sind gefordert: Passen Sie die Gesetze und ihre Auslegung dem Schutz vor Hass und Terror an, und überlassen Sie weder den Islamisten noch der AFD und den Neonazis das Feld! – Dr. Bettina Lange-Malecki


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Ihre hochqualifizierte journalistische Arbeit schätze ist sehr. Gerade  deswegen möchte ich eine Bitte äußern:

Ich würde es besser finden, wenn Sie einen Mörder auch als Mörder  bezeichnen und nicht mit dem – für manch einen durchaus ehrenvollen  Titel „Terrorist“, der eine politische Botschaft nahelegt. Was aber ist  bei dem Massenmord am 19. Dezember 2016 auf einem Berliner  Weihnachtsmarkt die politische Botschaft? Hat da irgendjemand  irgendetwas zu sagen gehabt?

Ich fände es besser, wenn Sie nicht mehr von „Terrorverdacht“ sprechen  würden, sondern erklärten, dass die Polizei nach einem des Massenmordes  und der schweren Körperverletzung in vielen Fällen Verdächtigen fahndet.  Denn das ist etwas ganz anderes – und darum geht es doch in  Wirklichkeit. Meine Befürchtung ist, wenn Journalisten weiterhin die  Terminologie des IS übernehmen, hat das etwas Schillerndes, Anziehendes,  Ehrenvollen für manch einen jungen Mann. Ein Massenmörder jedoch will  keiner sein. Deswegen sollte die Straftat bei ihrem richtigen Namen  genannt werden.

Auch der IS ist ja keineswegs so etwas wie eine idealistische staatliche  Organisation. Es ist eine Mörderbande, die beruflich chancenlose  Kleinkriminelle rekrutiert.  – Ursula Schwarzer


Leserbrief zu „Grinch türkisch“ von Josef Joffe

In Ihrem kurzen Artikel „Grinch türkisch“ (Die Zeit, 21. Dezember 2016, S.10) vermuten Sie „historische Ignoranz“ der Schulleitung der deutschen Schule in Istanbul. Gestatten Sie mir, Ihnen zu widersprechen. Die Abneigung gegen „Santa Klaus“ zeugt im Gegenteil von hoher historischer Kompetenz.

Denn Santa Klaus war auf keinem Fall „ein echter Türke“, wie sie schreiben, er war Grieche, vielleicht nicht ganz echt.

Die genauere Beschäftigung mit dem Bischof von Myra bringt in Erinnerung, dass das Staatsgebiet der heutigen Türkei beginnend seit der für die Seldschuken siegreichen Schlacht bei Manzikert im Jahr 1071 von den Vorfahren der heutigen Türken gewaltsam erobert wurde. Zuvor lebten in diesem gesamten Gebiet 100%ig keine Türken, keine Seldschuken, sondern verschiedene andere Völker. Im Westen der heutigen Türkei siedelten seit dem 3. Jhd. v. Chr. vornehmlich Griechen.

Der Bischof von Myra, der in Patara geboren wurde, war mit allergrößter Wahrscheinlichkeit Grieche (vielleicht mit einem allerdings nur ganz geringen Anteil lykischer Gene). Das dürfte der türkischen Schulleitung überhaupt nicht gefallen. Zuletzt hat die Türkei im Jahr 1923 1,5 Mio. Griechen aus der Westtürkei nach Griechenland zwangsausgesiedelt (gleichzeitig mussten auch 0,5 Mio. Türken Griechenland verlassen). Seit dem Pogrom gegen Juden und Griechen in Istanbul im Jahr 1955 gibt es nur noch 2.500 Griechen in Istanbul.

Die Figur des Nikolaus trägt in sich das Potential, diese historischen Gegebenheiten aufzuspüren. Ich denke, daran hat die türkische Schulleitung kein Interesse.

Na gut, in gewissen Sinne kann man das weitläufige Umgehen dieser Problematik, die ja doch sehr interessant ist, auch als „historische Ignoranz“ verstehen. – Wilhelm Röll


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Deutschland ist erleichtert, dass der Urheber des Berliner Anschlags keinen Schaden mehr anrichten kann. Dass sich aber noch hunderte potentielle Attentäter unkontrollierterweise in Deutschland herumtreiben, trägt nicht unbedingt zur Beruhigung der Lage und zur nachhaltigen Deeskalation bei. – Mag. Martin Behrens


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Der Attentäter von Berlin hat also seine Adresse im Cockpit hinterlassen – Wie ist es erklärbar, dass man auf so plumpe Weise für dumm verkauft wird? Ein Versuch: Im Verlauf der letzten 15 Jahre dient die konsequente Verdummung des Volkes u.a. durch G8, Bologna und Smartphone in Verbindung mit dem massiven Abbau von Sicherheit, der Schwemme von gewalterprobten Armutsflüchtlingen, der Häufung von „Terrorakten“, der Prekarisierung ganzer Bevölkerungsschichten, der Transformation des Öffentlichen in Privates (Arendt) und klandestinen Gleichschaltung merkelfrommer Medien (Habermas) offenbar einer altbekannten Strategie der unsichtbaren Herrschenden: Divide et empera. Das Ziel: Ablenkung von der neoliberalen Verschärfung von Ungleichheit und Beschleunigung der Umverteilung von unten nach oben, die 2008 obszön kulminierte. Spengler hatte Recht, als er vor hundert Jahren das Imperium Romanum mit dem modernen Okzident verglich. Dummheit und Angst werden erneut als Methode angewandt und das Gleiche darf wiederkehren. Aber der Dom ist dieses Jahr sicher und am Wochenende spielt Hertha! – Dr. André Hempel


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Beste Helfer des IS –  Der IS wird sich die Hände reiben. Da haben sie einen Flüchtling aus Nordafrika, einen Gestrandeten zu ihrer Marionette umfunktioniert und diese Amokfahrt auf einem Berliner Weihnachtsmarkt machen lassen. Wirkung: Ein 80Millionen-Volk ist entsetzt, aufgewühlt, terrorisiert. Die Regierung tritt an zu einem Marathon in Sachen Schadensbegrenzung, ein ganzes Jahr „Integration von Flüchtlingen“ wird in Frage gestellt, man fürchtet das Schlimmste für die anstehenden Wahlen….  Ein einziger gehirngewaschener Attentäter genügt, um das  achso stabile Deutschland total aus dem Tritt zu bringen. Wie kann man diese Mega-Wirkung erklären?

Nun, der IS kann ganz  einfach… auf ein riesiges Heer von  Helfern zählen! Mächtige, gut organisierte, strategisch operierende Helfer, die die Botschaft des IS im Nullkommanichts durch die ganze Republik verbreiten. Mit hastig montierten Bildern, O-Tönen und ergriffenen Statements verängstigter Augenzeugen! Kostenlos, und das mit höchster Motivation!  Gemeint sind unsere um Aufmerksamkeit heischenden Medien, die sich bei jedem Terrorakt  förmlich überschlagen, um die „Story“ hautnah und quotenträchtig auf die Bildschirme bzw. die Titelseiten zu bringen. Das geschieht in eilfertiger „Professionalität“, wichtigtuerisch und mit der Deutungshoheit jener, die als erste und schnellste „dran“ waren, gerne mit Live-Bildern und ungefilterten Original-Tönen – es muss ja packend sein und echt wirken. Und: Sie werden weder als Komplizen entlarvt  noch dafür belangt, dass sie diesen ferngesteuerten Terror so dienstbeflissen an die Adressaten transportieren.

Klar, dass genau dies den perfiden Bluttaten des IS die erhoffte Wirkung gibt und den Verbrechern ideal in die Hände spielt. Denn eine singuläre Aktion wird sogleich millionenfach verbreitet, der lokale Vorfall blitzschnell in die ganze Welt gepostet und eine zunächst kleine Zahl Betroffener wird ins Unendliche potenziert – Entsetzen und Angst bannen förmlich die Aufmerksamkeit all der „Davongekommenen“, die jetzt, egal wie weit weg sie waren, „terrorisiert“ sind.

Eigentlich müssten die Terroristen den Medien für diese berechenbar verlässliche und für ihr „Geschäft“ wesentliche Verstärkung danken. Und wenn man den Zynismus auf die Spitze treiben wollte: Eigentlich müssten es bestimmte  Medien in die umgekehrte Richtung auch tun. Tote bringen Quote.

       Hier ein Vorschlag, wie man aus diesem wahrlich unseligen Bündnis herauskommen könnte. Vorweg: Keiner will die Pressefreiheit abschaffen, nein, keiner will die Journalisten zum Weg-Schauen nötigen. Aber man müsste sie dazu bewegen – weil sie nämlich frei sind und  nicht länger als berufsblinde Handlanger fungieren  wollen – die fatale Propaganda einzustellen! Wie viel weniger Terror wäre spürbar (und damit seiner Wirkung beraubt!), wenn die Medien ihre Spanndienste verweigerten. Ja, berichten müssen sie schon… aber bitte in absoluter Reserviertheit, in Selbstbeschränkung und ohne Hype.

Liebe Medien-Macher: Reduziert das Vorgefallene auf die Fakten, verzichtet auf das Dämonisieren und dramatische Aufwerten der Täter, macht diese nicht unnötig „groß“… die sie ja allzu oft nur kleine fehlgeleitete „loser“ waren. Ihr vermeidet dadurch nicht nur das Angestachelt-Werden der nächsten, neuerlich fehlgeleiteten Anhängerschaft, sondern auch die Amok-Läufe anderer Verwirrter, die mit ihren Nachahmer-Taten  ebenfalls – einmal wenigstens in einem unbedeutenden Leben – groß herauskommen wollen.

Um den Vorschlag konkret zu machen: Die Information, dass z.B.  ein Gewalttäter irgendwo in Frankreich einen Pfarrer ermordete, kann auch auf Seite 3 stehen – Fotos eines blut-getränkten Schauplatzes oder entsetzter Augenzeugen tun nichts zur Sache (also gibt es keine Fotos!), eine Verquickung mit dem „Terror-Krieg“ unterbleibt, weil so schnell nicht wirklich bewiesen. Kein schauriges Rauschen im Blätterwald, und trotzdem wäre der Informationspflicht Genüge geleistet…..

Also, prüft, was wirklich dran ist,  wartet die Untersuchungen ab, und weckt  nicht Bilder von teuflischer Bedrohung und „schlafenden Monstern“, die angeblich überall  lauern und jederzeit zuschlagen könnten.

Und wenn Ihr den IS in Eurer Darstellung so schrumpftet und seiner medialen Bühnenpräsenz beraubtet, wäre ein Großteil des Spukes … gar nicht existent.

Schöner Nebeneffekt: Weniger Terror-Hysterie in den Medien würde auch den Rechtspopulisten den Wind aus den Segeln nehmen, denn denen liefert Ihr ja frei Haus den Beweis, wie schwach, ja „unfähig“ unsere freiheitlich ausgerichtete Regierung angeblich  ist. Die Mär, nur mit noch mehr Polizei und immer rigideren Überwachungs-Instrumenten könne man den „Krieg gegen den Terror“ gewinnen, dieser Mär und ihren Erfindern  muss man ja nicht weitere Nahrung geben.

Die Stärke und Überlegenheit unserer Staatsordnung, wenn man denn in diesem martialischen Vokabular reden will, die beruht eh auf Augenmaß,  nüchterner Analyse und dem sich frei Machen von irrationalen Gefühlen. – Michael Euler-Ott


Leserbrief zu „Auf der Suche nach Nummer“ von Stefan Schmitt

Als ehemaliger Zeit-Leser, prüfe ich von Zeit zu Zeit durch Kauf einer Ausgabe der Zeit, ob es nicht an der Zeit wäre, mein Abo wieder zu aktivieren. Aber es hat auch dieses mal nicht funktioniert:

WISSEN: Thema: Astrophysik, es beginnt mit der Frage:

„Dreht sich ein unbekannter Planet um die Sonne“?

Meine Anwort: „Nein, er dreht sich vermutlich um sich selbst, wie alle Planeten“.

Aber er bewegt sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne, wie alle Planeten, was auch bei weiterem Studium des Beitrags deutlich wird. Wenn aber die Bahnebene zur Drehebene mutiert, dann ist das ziemlich stark. Die „mal so, mal so“ Schreibweise hätte meiner Deutschlehrerin sicher noch weniger gefallen, als konsequent falsch.

Nun bleibt mir noch Zeit zu klären, was der Autor wohl mit einem „eisigen Gasriesen“ gemeint haben könnte. Bedingt durch die Physik der Gase sind Gasriesen keineswegs eisig, der uns bekannteste Gasriese (Jupiter) ist im Inneren ca. 24000 Grad warm. Die äußere Atmosphäre (Wasserstoff) ist ziemlich kalt, aber Eis gibt es dort auch nicht.

In der so genannten Boulevardpresse hätte ich so etwas wohl nicht moniert, aber in der Zeit mit der Überschrift „Wissen“, … – Eike Grund


Leserbrief zu „Comeback eines Gezeichneten“ von Christine Lemke-Matwey

In der aktuellen Ausgabe findet sich der Artikel “Comeback eines Gezeichneten”. Aus persoenlichen Gruenden hat mich die Geschichte Stefan Arzbergers sehr beruehrt, auch die ZDF-Sendung”37 Grad” mit einer ausfuerlichen Darstellung des Falls habe ich gesehen.

Stefan Arzberger ist Opfer einer/eines Kriminellen und wurde von der Welle der auf eine Straftat  folgenden Ereignisse ueberrollt, mit gravierenden Auswirkungen auf sein berufliches und privates Leben. Man wuenscht ihm dass er als Musiker wieder Fuss fasst, sein Privatleben ist seine Angelegenheit – einerseits. Andererseits kommt man nicht umhin sich Gedanken ueber das Privatleben des Musikers zu machen wenn man den Fall verstehen will.

Was mich enorm stoert ist die Haltung Stefan Arzbergers – das Einfordern der Unterstuetzung von Familie, Kollegen und Musikinteressierten, kein Wort des Mitgefuehls fuer die Unbeteiligte die fast zu Tode gekommen waere und die Ablehnung jeglicher eigener Verantwortung fuer das Geschehen. Mag sein dass er keine Erinnerung an die Ereignisse jener Nacht hat. Aber bestimmt erinnert er sich (und erinnern sich seine Musikerkollegen) an freie Abende auf Konzertreisen an denen er etwas essen und etwas trinken ging und Dienste von Strichern und/oder Prostituierten in Anspruch nahm. Die Aussage “er ist bekanntermassen kein Kind von Traurigkeit” legt das nahe. In dem Artikel (und auch in der vorausgegengenen Fernsehsendung) wird es als  ganz normal dargestellt, dass jemand  der einen stressigen Beruf hat und viel unterwegs ist  regelmaessig kaeuflichen Sex konsumiert, auch wenn er in einer Partnerschaft und Familie lebt. Die Risiken durch Kriminelle, die im entsprechenden Milieu einer Megacity unterwegs sind, werden ausgeblendet, wenn es um die hemmungslose und scheinbar folgenlose Befriedigung eigener Wuensche geht.

Ueber Stefan Arzberger sind die Ereignisse der verhaengnisvollen Nacht wahrscheinlich nicht aus heiterem Himmel hereingebrochen, es gab da eine Vorgeschichte.  Und wenn man ehrlich mit dem Fall umgehen, dieses aber nicht thematisieren moechte – dann sollte man besser ueberhaupt nicht ueber ihn schreiben.  – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Ich beziehe und lese die „Zeit“ seit vielen Jahren und schätze vor allem Ihre Beiträge, weil Sie einer der wenigen Redakteure sind, der mir den Eindruck erweckt, dass ihm das „audiatur et altera pars“ nicht nur eine den Schein von Objektivität wahrende Farce, sondern ein wirklich ehrliches Anliegen ist.
Ihretwegen oder auch eines leider viel zu selten sich zu Wort meldenden Ulrich Greiners wegen stehe ich weiter treu zu Ihrem Blatt.

Auch war ich vor gar nicht so langer Zeit ganz auf Ihrer Seite, als Sie in einer TV-Talkshow dem leicht nervenden Rechthaber Hans Ulrich Jörges Paroli geboten haben.

Mit umso größerer Verwunderung lese ich in der „ZEIT“-Ausgabe dieser Woche unter Ihrem Kürzel G.d.L., dass nach dem schrecklichen Ereignis vom Anfang der Woche in Berlin, wo alle noch im Dunkeln tappten, nur einer, Marcus Pretzel von der AFD nämlich, schon Bescheid gewusst habe und in  „vergiftender“ und die Opfer dieser Untat „schamlos instrumentalisierender“ Absicht von den “ Toten Angela Merkels“ gesprochen habe.

Ich bin Geschichts- und Politiklehrer und weiß um die Gefährlichkeit rechtsextremer Positionen. Aber trotzdem meine Frage:

Stimmt es nicht, was Pretzel hier gesagt hat? Kann das, was er getwittert hat, deshalb tatsächlich „umso schamloser instrumentalisierend“ und „vergiftend“ sein? Ich stimme Ihnen insoweit zu, als Pretzel den terroristischen Anschlag für sich und seine Partei ausnutzen möchte, aber handelt er damit „schamlos“ und „vergiftend“?

Angela Merkel ist natürlich keine Mörderin und hat es in ihrer gesinnungsethischen Einstellung immer gut gemeint. Aber „gut gemeint“ ist noch lange nicht „gut gemacht“. Merkels permissive Flüchtlingspolitik hat ungewollt mit dazu geführt, dass das Desaster von Berlin in dieser Woche möglich wurde.

Das hat Pretzel meines Erachtens sagen wollen. Und ist es nicht so? Und wenn es so ist, dann kann es nicht „schamlos“ und „vergiftend“ sein, sondern wäre dann eher ein – unter dem Zwang des Twitter-Formats zugegebenermaßen ein wenig schroff ausgefallener – Beitrag zu einer ehrlichen Debattenkultur. –  Janbernd Geuting 


Leserbrief zu „Wie ein Abendmahl – ohne Jesus und Judas“ ein Interview mit Peter Sloterdijk, das Gespräch führten Cathrin Gilbert und Peter Kümmel

Nicht alles, was man bisher von Herrn Sloterdijk in der ZEIT lesen konnte, war wirklich bereichernd. Aber dieses Fußball-Interview jetzt – das ist richtig klasse! – Ernst Hofmann


Leserbrief zu „Geschenkt!“ von Kersten Augustin

Schade, dass der Beitrag zu einem eigentlich interessanten Thema eine einzige Phrasenparade wurde. Das Schenken von Kinderkleidung erlaubt einen Blick in die Zeit vor dem Kapitalismus? Wo ist das her? Aus „100 Phrasen für Schülerzeitungsredakteure der Mittelstufe“? Na klar, das Mittelalter und andere Zeitalter vor 1900 sind bekannt für ihre große Friedfertigkeit. Schade um das Thema. – Jan Alexander


Leserbrief zu „Gleich doppelt abkassiert“ von Andreas Sentker

Doppelt abkassiert reicht nicht hin. Abgesehen davon, dass diese Zeitschriften von den Artikeln leben deren Inhalt ja von jemanden bezahlt wird, der dann wiederum diesen Artikel als Zeitschrift kaufen kann; ich, als Naturwissenschaftler i. R. stets  bezahlen muss wenn ich den Artikel einsehen will, um zu prüfen ob ich ihn für meine zu schreibende Publikation verwenden kann was ja nicht sicher ist und schließlich noch den zu publizierenden Artikel  bezahlen muss, es sei denn ich werde von der Zeitschrift zu einem Artikel aufgefordert. Letzteres ist aber in der Regel auf Grund seiner Bedeutung schon mal woanders publiziert worden.

Um dem Ganzen noch etwas draufzusetzen, als Gutachter für wissenschaftliche Publikationen bei der Royal Society of Chemistry seit ca. 40 Jahren bekomme ich für die Begutachtung keinen Cent, denn es ist Ehrensache, honoris aber kein Honorar. Die Verlage kassieren also mindestens 3mal ab. Die Kosten für eine Publikation sind mir zu hoch, obwohl ich noch einige schreiben würde. Man sollte im Internet Möglichkeiten schaffen, vielleicht ähnlich Wikipedia wo jeder seine wissenschaftlichen Ergebnisse veröffentlichen kann. Diese können ja einer späteren Bewertung unterzogen werden, bzw. jeder Wissenschaftler hat Zugang und kann diese kommentieren. Nur so ergäbe sich eine optimale Ausnutzung der wissenschaftlichen Ergebnisse/Erkenntnisse.

Von allem mal abgesehen davon habe ich in den 70er Jahren mehr als 70% zur Publikation empfohlen, lehne ich heute über 80% ab,  soviel zum „Darstellenmüssen“ in der Fachwelt. – Dr. Joachim Gartzke


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Terror, nicht daran denken.

Natürlich irritiert uns der jüngste Anschlag in Berlin wie alle vorhergegangenen. Aber, sollten wir nicht all diese Ereignisse in der richtigen Relation sehen. Aufgrund von Terror-Anschlägen starben in den letzten 10 Jahren gemittelt etwa 1oo Menschen pro Jahr in Europa, bezogen auf die Einwohner eine Zahl im Promillebereich. Aber allein Deutschland verzeichnete im letzten Jahr 3475 Verkehrstote, 15.000 Alkoholtote und ermordet wurden ohne Terror 2.457 Menschen.

Ist es da richtig, dass jede Terrortat in allen Medien aufgebauscht wird mit Sonderartikeln, Sondersendungen und jedweden Kommentaren, sogar dann schon, wenn man noch gar nichts weiß? Wird nicht gerade dadurch die Angst geschürt? Nützt es in der Tat etwas, Polizei mit Maschinengewehren auf Weihnachtsmärkten patrouillieren zu lassen, die im Zweifel gar nicht eingesetzt werden könnten? Sicher, eine gute Videoüberwachung neuralgischer Orte ist eine defensive Maßnahme, die Abschrecken mag, soweit es sich nicht um Selbstmordtäter handelt.

Bei allen wissenschaftlichen und politischen Fortschritten ist die Welt moralisch leider immer noch da, wo sie immer war, im Primitiv-zustand und der Mensch als krummes Holz wird sich nicht ändern. Folglich müssen wir heute mit der Terrorgefahr leben, aber bei allem was wir tun, sollten wir unsere freiheitliche Lebensweise nicht aufgeben. Der andauernde Notstand in Frankreich z.B. wird Frankreich mehr verändern als die Terroranschläge und gerade das wollten die Terroristen. Dass der Staat sich wappnet, am besten mit EU-weiter Zuständigkeit, die wiederum eine kompatible Systembasis erforderte, ist längst überfällig, wenn wir es mit der EU ernst meinten. Nehmen wir den Terror also als eines der gegebenen Lebensrisiken hin und denken wir nicht daran! – Wolfgang Clausmeyer


Leserbrief zu „Schaut auf diese Schulen“ von Julia Bernewasser

In aller Kürze: Wichtiges Thema, gute Darstellung des Schulalltags im Artikel.

 M.E. fehlt aber das Entscheidende: Wie ist die lange Vorgeschichte und und wer sind  die Protagonisten in der Politik. Aber vor allem: Wem nützt diese Situation? (Stichwort: Bildungssenator spricht von Stärkung der Nachfrageseite (also der Eltern) und meint Schul-Privitasierung, Nachhilfe-Industrie, Hauptakteure hinter PISA usw.)

 Ohne diese Einordnung wird Ihre Bestandsaufname richtungslos; und ohne Richtung lediglich kritische Unterhaltung. Und noch schlimmer: Wurde diese Einordnung bewusst weggelassen? – Andre Duettchen


Leserbrief zu „Himmlische Ruh?“ von Maximilian Probst

An dieser Redaktionssitzung wäre ich gern dabei gewesen. Wie kann es dazu kommen, dass Sie als halbseitigen Aufmacher Ihres Artikels „Himmlische Ruh“ eine Prostituierte in verträumter Wohlfühlatmosphäre posieren lassen und sie auch noch im Weiteren von ihrem stillen Job und den tiefgründigen Freiern schwärmen darf? Und zur Krönung unter der Rubrik CHANCEN – BILDUNG WISSENSCHAFT BERUF? Ich kann leider nicht hoffen, dass es einfach eine Gedankenlosigkeit war – nicht in Ihrer Zeitung.

Darf sich etwa der geneigte Leser freuen, dass mit Trump und Co. der Feminismus endlich wieder dahin verbannt wird, wo er hingehört? Was wollen Sie insbesondere Ihren Leserinnen damit sagen? Ich bin eine flammende ZEIT-Leserin, diese Aufmachung und dieser Beitrag aber machen mich zornig. Sie stellen diese Prostituierte in eine Reihe mit der Erzieherin, dem Bestatter, der Sprengmeisterin, dem Museumswärter, dem Dirigenten und der Dominikanerschwester. Ich zweifle, dass diese von Ihrer Einordnung Kenntnis hatten. – Kerstin Zeidler


Leserbrief zu „Titelthema: Meine Mission“

Ich danke Ihnen von Herzen für diese wunderbare Zusammenstellung dieser Welt mit so vielen Facetten und so viel Kraftquellen und so viel Schönheit in der individuellen Sicht der Dinge. Texte wie diese 26 beschreiben die Freiheit des Denkens und Empfindens, für die wir alle stehen müssen. Ich gelobe hiermit feierlich bis ans Ende meiner Tage der ZEIT die Abotreue zu halten. –  Dr. Patricia Klein


Leserbrief zu “ Jung, geflohen, arbeitslos“ von Nicola Meier

Dieser Artikel zeigt sehr schön, warum die deutsche Presse von gewissen Seiten als Lügenpresse beschimpft wird.

Durch den ganzen Artikel reden Sie von Herrn Sadka als „Flüchtling“. Er ist aber kein Flüchtling, bestenfalls ein Wanderarbeiter.

Er ist zwar aus Syrien geflüchtet, und zwar in den Libanon. Dort hat er sogar Arbeit gefunden, fand aber, obwohl er nichts gelernt hat, dass man seine Arbeit nicht hoch genug bezahlte. Daraufhin ist er in die Türkei weitergewandert, verfolgt wurde er dabei von niemandem. Dort hat er wieder Arbeit gefunden, aber auch dort wurden seine „Fähigkeiten“ nicht so hoch entlohnt, wie er das für angemessen fand.

Daraufhin ist er ohne Not weitergewandert, durch ein halbes Dutzend sichere europäische Länder, bis er endlich in Deutschland gelandet ist. Hier kann man zwar mit seinen Kenntnissen schon gar nichts anfangen, er erhält aber für Nichtstun mehr Geld, als er in seiner Heimat oder im Libanon oder der Türkei für Arbeit erhalten hat.  Da würde er natürlich gern möglichst lange in Deutschland bleiben.

Können Sie mir sagen, wo bei diesem Mann ein Asylgrund liegen soll und was für eine Bereicherung er für unsere Gesellschaft ist oder jemals werden könnte?

Um das noch klarzustellen: Ich habe nichts gegen Ausländer. Ich habe selbst mehr als ein Jahrzehnt im Ausland gelebt. Ich durfte dort aber nicht arbeiten und musste jedes Jahr nachweisen, dass ich ein ausreichendes Vermögen hatte und dass ich außerdem ausreichend Geld für meinen Unterhalt eingeführt habe. Ich fand das weder diskriminierend noch schikanös. Im Gegenteil, unter solchen Voraussetzungen kann man sehr gut mit Ausländern zusammenleben.

Aber Ausländer, die bis in alle Ewigkeit auf Kosten des deutschen Steuerzahlers hier leben, haben wir schon genug. Asylsuchenden soll man selbstverständlich helfen, aber wer durch halb Europa zieht, um nach Deutschland zu kommen, sucht hier kein Asyl sondern ein hohes Einkommen, möglichst ohne Arbeit. – Waldemar Biadacz


Leserbrief zu „Der Schock von Berlin“ von Giovanni di Lorenzo

Wenn wir, insbesondere unsere Sicherheitsbehörden, jetzt ohne neues Wissen und ohne neue Fakten, etwas ändern würden, hätten wir vor dem Terroranschlag in Berlin etwas falsch gemacht – und das wäre beträchtlich.

So ist bei aller Trauer und Verzweiflung, bei aller Wut und Angst, zu hoffen, dass unsere demokratische Rechtsstaatlichkeit jederzeit nach innen und nach außen stabil und wehrhaft bleibt.

Keinesfalls Populismus oder gar Demagogie, besonnene Denk- und Handlungsfähigkeit ist allenthalben geboten.

Die bei dem Anschlag ums Leben gekommenen Opfer als „Merkels Tote“ zu bezeichnen zeugt leider davon, dass für einige AfD-Funktionäre nach wie  vor die menschliche und politische Geschmacklosigkeit zum Stilmittel gehört.

Anstatt Mitgefühl und Trauer mit den Opfern und Leidtragenden auszudrücken, werden in widerwärtiger Weise weiterer Hass, weitere Zwietracht geschürt; genau dies jedoch bereitet dem gesellschaftlichen Unfrieden den Weg, nährt die schrecklichen Folgen des Terrors.

Die Aussagen von Horst Seehofer unmittelbar nach dem Berliner Attentat verfolgen ebenfalls diese überaus bedenkliche Stoßrichtung.

Es wäre daher durchaus folgerichtig und konsequent, wen Horst Seehofer und „seine“ CSU, wie vor kurzem vom Partei- vorsitzenden in einem Interview laut angedacht, alsbald in die Bundes-Opposition wechseln würden.

Wer de facto das Geschäft des politischen Gegners, vornehmlich also der Rechtspopulisten, betreibt und potenziert, ob nun aus Opportunismus, Borniertheit oder schlechter bayrischer Tradition, der sollte sich nicht nur ständig verbal hinter die AfD klemmen, sondern dort auch in Rang und Unwürde bundesweit Platz nehmen.

Und zudem endlich das hohe C und das hohe S aus dem parteilichen Namenskürzel streichen – will man sich doch offensichtlich ohnehin nicht an den Termini christlich und sozial messen lassen.  – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Titelthema: Meine Mission“

Ich kaufe die ZEIT nicht regelmäßig und auch noch nicht mal oft.

Bin froh, dass ich diese Ausgabe am Bahnhof in letzter Sekunde geschnappt (und bezahlt) habe, denn die Artikel zu dem Thema  „Meine Mission“ waren es definitiv wert.

Ich habe nicht alle gelesen, aber die, welche ich gelesen habe, haben mir nicht nur gut gefallen, sondern viele Assoziationen ausgelöst und mich zum Denken und Erinnern angeregt.

Und von denen, die ich gelesen habe, gefiel mir die „Erlösung durch Literatur“ am besten.

Das ist was „Ur-Amerikanisches“: „Man konnte gleichzeitig superkomplex und ultraverständlich sein.“ Das ist der Kern von allem Anti-egalitären Wissen.

Das prägt das US-amerikanische Universitätssystem, die Reden, die Sachbücher, und diese Herangehensweise kommt so langsam auch in Goethes Deutschland an….

Und ganz besonders gefiel mir – natürlich – „Schreibst du das jetzt, weil es dem entspricht, wie man die Welt üblicherweise wahrnimmt, oder siehst du es wirklich so?“

Davon leitet sich ab:

Mache ich das jetzt, weil alle das so machen, oder…..  Sage ich das jetzt, weil alle das so sagen, oder…. – Birgitta


Leserbrief zu „Todesangst eines Helden“ von Adam Soboczynski

Den bizarren Titel ihres Artikel mal beiseite lassend, möchte ich Ihnen einen einfachen Rat gebegeben im Namen der durch den letzten Satz* Ihres Beitrages verhöhnten deutschen Theaterliteratur: lesen Sie doch ganz einfach mal:

Dantons Tod, Nathan der Weise, Don Carlos und so weiter…….und so weiter…! Vielleicht fällt Ihnen dabei etwas auf,ich würde es Ihnen wünschen!

*Das ist der glühende Kern des Dramas ( Prinz v. Homburg ) Es gibt hierzulande kein besseres. – Ulrich v. Dobschütz


Leserbrief zu „Frieden – wie geht das?“ von Evelyn Finger

Nachfolgend ein Essay und eine Weihnachtsgeschichte, die einander ergänzen und eventuelle Lösungsmöglichkeiten für die in Ihrem Leitartikel gestellte Frage anbieten.

Natürlich sind diese von mir verfaßten Texte nicht als Leserbriefe gedacht. Ich wäre aber erfreut, wenn Sie vor der Spam-Archivierung einen Blick hinein werfen möchten.

                               Wem gehört Gott?

                             Eine Streitschrift

      Es müßte Ihm doch langsam unangenehm sein. Seit Jahrtausenden schlagen sich Menschen um Seinetwillen die Schädel ein. Sie rotten sich gegenseitig aus, machen sich zu Seinem Ebenbild und nehmen Ihm das Wort aus dem Mund, um es im gleichen Moment in sein Gegenteil zu verkehren. Und Er? Er reagiert nicht. Oder scheint es nur so, berührt es Ihn schon, wenn Seine Schöpfung, Sein Werk, das Er angeblich in sieben Tagen – nein, in sechs, am siebten Tag hat er geruht – geschaffen hat?

     Oh ja, sie wissen das ganz genau, diese Wortverdreher, als seien sie dabei gewesen. Aber vor ihnen gab es auch schon Menschen, die sich über Ihn den Kopf zermartert haben.

     Einer von ihnen sagte: „Offenbar bin ich […] um eine Kleinigkeit weiser, eben darum, daß ich, was ich nicht weiß, auch nicht zu wissen glaube.“ *) Leider waren seine Worte in den Wind geredet. Übrig blieben leere Buchstaben und das Morden ging weiter.

     Wird es jemals Menschen geben, die es erleben, daß Er eingreift, seine Schöpfung vom homo sapiens, dem weisen Menschen befreit, auf daß sie sich entwickeln kann und nicht in ihrer Gesamtheit im Chaos endet?

     Ja, wer sind wir eigentlich, was erwarten wir denn? Daß Er uns in den Arm fällt? Wohl kaum, da müßten wir schon selbst was tun…  Aber wie konnte es soweit kommen?

Aus der ersten Frage, die je von Menschen formuliert wurde „Warum?“, und aus den vielen Antworten, die darauf gegeben wurden, Antworten, die nur einen Sinn hatten: Macht über die Fragenden auszuüben, ergab sich die Notwendigkeit, eine oberste Instanz zu installieren, einen Gott! Und weil Macht ein erstrebenswertes, wenn auch hochgiftiges Gut ist, stieg auch der Bedarf an Göttern.

     Der Eine, der Unteilbare, der Schöpfer, trat bald in den Hintergrund, verdrängt aus unseren Köpfen von all den Menschen-Göttern, die doch nur einem Ziel dienten: Macht auszuüben. Wir haben uns von Ihm entfernt, nun müssen wir zusehen, wie wir mit unseren selbst gebastelten Göttern fertig werden.

     Wem gehört Gott? Die Frage ist falsch gestellt. Stattdessen müßte es heißen: Wie werden wir sie wieder los, die selbst geschaffenen Menschengötter?  Indem wir auf MACHT verzichten.

 *) Sokrates, nach Platons Apologie des Sokrates,

http://www.literatpro.de/prosa/021216/wem-gehoert-gott

                      Eine Weihnachtsgeschichte

      Es begab sich aber zu einer Zeit, als die Menschheit wieder einmal inmitten einer Kriegskatastrophe stand, daß auf den Schlachtfeldern eine Blume erblühte. Ihr Kelch war von zauberhafter Anmut und leuchtete in den Farben des Sonnenuntergangs, vom Blauviolett bis zum strahlenden Rot. Ihre Blätter übertrafen an Schönheit die feinste Filigranarbeit.

     Die Kunde verbreitete sich bald um den Erdball, und viele machten sich auf den Weg, die Blume zu suchen. Allen voran die Geschäftemacher. Mit gierigen Blicken streiften sie durch die Landschaft, witterten sie doch großen Gewinn durch Verkauf und Vermehrung der Blume. Doch sie wurden enttäuscht, denn unter ihren Händen veränderte sich die wunderschöne Blume erschreckend. Und zu ihrem Entsetzen hielten die Habgierigen statt der Blüten nur bleiche Knochen zwischen den Fingern.

     Botaniker versuchten, die Blume zu verpflanzen. Doch so sorgsam sie es auch anstellten, die Blume zerfiel in Schutt und Asche, kaum wurde sie aus dem Boden gehoben.

     Die berühmtesten Maler erprobten ihre Kunst an der Blume. Tausende von Kilometern reisten sie, um die Blume zu finden. Es entstanden Gemälde, dem Original täuschend ähnlich, in den Farben des Sonnenuntergangs. Doch als die Maler, wieder im Atelier angekommen, ihre Meisterwerke der Öffentlichkeit vorstellen wollten, da sah man auf den Leinwänden nur zerstörte Häuser, verhungerte Kinder und erschossene Soldaten.

      Niemand konnte das Geheimnis um die Blume erklären. Sie wuchs unabhängig von der Jahreszeit, in schneidender Kälte und unter glühender Sonne. Doch man fand sie nicht in den Luxusgärten der Reichen oder an den Prachtstraßen mondäner Badeorte. An den trostlosesten Stätten der Erde entfaltete sie ihre Schönheit. Auf den Schlachtfeldern, zwischen den Überresten sinnlosen Mordens.

     Und es ging ein Zauber aus von der namenlosen Blume. Wer die Kunde vernahm, machte sich auf den Weg. Zu Tausenden durchquerten die Menschen auf der Suche nach der Blume verwüstete Landschaften, ausgebrannte Dörfer und Städte. Was sie bisher nur vom Fernsehen und aus dem Radio kannten, sahen sie nun mit eigenen Augen: Das also waren die Zeugnisse ruhmvoller Feldzüge.

     Viele unter den Suchenden hatten vergangene Schreckenszeiten am eigenen Leibe erfahren und gern wieder vergessen. Sie würden auch den Anblick des Grauens bald wieder vergessen haben, der sich ihnen auf der Suche nach der geheimnisumwobenen Blume bot. Doch dann sahen sie die namenlose Blume, ein Inbegriff der Schönheit, umgeben von dem, was Macht und Habgier, Unverstand und blinder Haß erzeugt hatten.

     Aus jeder Faser der wunderbaren Blume schrie es den Menschen entgegen, hallte in ihren Ohren und bewegte ihre Gedanken:

     „Seht, das habt ihr geschaffen, weil ihr es nicht verhindert habt!“

      Unauslöschlich wurden diese Worte in die Hirne und Herzen der Menschen gebrannt. Da war niemand, der nicht erschüttert den Heimweg antrat. Doch es war nicht die Faszination der namenlosen Blume, es war die Schuld der Wissenden, die sie nun mit den Daheimgebliebenen teilten.

     Und es kam eine Zeit, da die Worte „…und Friede auf Erden“ kein leerer Wahn mehr waren. Denn die Furcht der Menschen voreinander wich ihrem Verständnis füreinander, weil sie begriffen, daß Frieden und Freiheit nur gemeinsam bewahrt werden können.

http://www.literatpro.de/literaturmotel/eine-weihnachtsgeschichteDieter J Baumgart

 

15. Dezember 2016 – Ausgabe 52

Leserbrief zu „Das Letzte“

Dass Bob Dylan der ehrenwerten Entschuldungszeremonie des Dynamit-Erfinders Alfred Nobel fernbleibt, ist angesichts seiner unter die Haut gehenden Friedensappelle, die er flehend in die der Welt geschickt hat, nicht verwunderlich: „Yes, and how many deaths will it take ‚till he knows that too many people have died? The answer, my friend, is blowin‘ in the wind…“

Den Grundstock von Alfred Nobels Vermögen, das nun dem Wohl der ganzen Menschheit dient, legte schon sein Vater Immanuel als Rüstungsunternehmer, und erst zu spät rührte sich Alfreds Sehnsucht nach Weltfrieden und die Sorge um seinen Ruf in der Nachwelt. Zu Recht hat der Name Nobel heute auch einen würdigen Klang, aber dass Dylan nicht an der Zeremonie teilnimmt, könnte auch als Teil seines persönlichen Lebens- und Friedenswerkes gesehen werden. – Uwe-Carsten Edeler


Leserbrief zu “ Die Kunst des Lügens“ von Jochen Bittner

Super ! Es gibt zu Ihrem Artikel nicht viel hinzuzufügen. Aber helfen Sie mir bitte dabei, Facebook als das zu bezeichnen, was es ist: Fakebook. Wenn das jemand als Lüge auffast, naja, scheisegal. –  Wilfried Schwörer


Leserbrief zu „Er tut, was er sagt“ von Bernd Hagenkord et al.

Er tut, was er sagt gemeint ist damit Franziskus, er wäre authentisch, also: glaubwürdig, offen und ehrlich. Wenn nicht er, wer dann, erhebt er doch den Anspruch, Stellvertreter des Sohnes Gottes zu sein.

Allerdings muß auch ganz klar gesagt werden, er ist nur ein Mensch und Gott sagt es allen Menschen auf Erden im 2. Gebot, DIE BIBEL, Altes Testament, 2. Buch Mose, Kapitel 20, Vers 4, es lautet:

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel noch von dem, was unten auf Erden, noch vo dem, was im Wasser unter der Erde ist. Rom kennt nicht das göttliche 2. Gebot.

Das er der Chef ist, bezeugt im die ganze Welt; die  Welt sollte sehr ernsthaft die Bibel lesen, dort findet sie im Matthäus-Evangelium, Kapitel 23, Vers 9, folgende Aussage: Jesus sagt: Und ihr sollt niemanden <Vater> nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist.

Sind wir, die wir unsere Meinung sagen, nicht auch authentisch? – Wilfried Schwarz


Leserbrief zu “Sie streiten wie zu Hause” von Moritz Aisslinger, Michael Thumann und Özlem Topçu

Wo sind sie denn zu Hause? In Deutschland, dachte ich immer und offenbar ganz naiv. Wenn Sie nicht in Deutschland zu Hause sind, dann gehört ihr politischer Streit auch nicht nach Deutschland. AKP-Mitglieder und Erdogan-Anhänger sollten ihren Wohnsitz in einem ihnen offenbar fremden Land verlassen, um da zu leben, wo sie sich zu Hause fühlen. Und ich möchte mich auch in Zukunft hier zu Hause fühlen. – Dr. Annemarie Neumann-Kleinpaul


Leserbrief zu „Finstere Attacken“ von Marc Brobst et al. und „Wir können auch anders“ von Horst Köhler

Heute möchte ich einmal fragen, wie es eigentlich funktioniert, einen dreispaltigen Artikel mit dem Titel „Finstere Attacken“ von sieben (!) Autoren schreiben zu lassen?

Allein den Satz „Hochqualifizierte Experten sind am IT-Markt ähnlich begehrt wie beidfüßige Mittelstürmer in der Bundesliga“ – könnte ich vielleicht Herrn Dausend zuordnen, alles Andere spiegelt kaum eine Meinung eines Kommentators wider, ist mäßig aktuell, weil auch in der online-Presse schon überall nachzulesen und dient eher der „Angstmache“, die ja von Ihnen eigentlich auch angeprangert wird.

Wie anders dagegen die dezidierte, vorwärtsweisende Meinung eines einzelnen Autors, nämlich die von Horst Köhler, der in seinem Artikel „Wir können auch anders“ klar aufzeigt, wo es eigentlich langgehen sollte! – Jobst Gmeiner


Leserbrief zu „Finstere Attacken“ von Marc Brobst et al.

Eine infame Illustration zu Ihrem Artikel haben Sie sich da einfallen lassen: Eine blutig-rote Axtklinge fährt brutal in die unschuldige deutsche  Wahlurne. Die Klinge steckt auf einem roh und primitiv gezimmerten Stiel, auf dem steht „Made in Russia“. Fehlt nur noch der russische Untermensch mit mongolischen Zügen, der den Streich führt. Rußlandhaß und Rußlandhetze haben halt eine lange Tradition in Deutsch- land. Zur Zeit allerdings ist die paranoide Russophobie in fast allen Medien besonders ausgeprägt. Und obwohl Sie im dazugehörigen Artikel immer mal wieder anmerken, es gäbe keinen Beweis für das, was Sie behaupten, wird munter weiter schwadroniert. – Wolfgang Hupe


Leserbrief zu „Irgendwo im Nirgendwo“ von Thomas Assheuer

Alle fünfundzwanzig Jahre ein Leserbrief – macht drei! Der dritte lautet: Châpeau, Thomas Assheuer! Ein tröstlicher, wenn auch utopischer Überblick über 500 Jahre Utopie. Wir sollten den Mut nicht verlieren. – Georg Afanasjew


Leserbrief zu „Irgendwo im Nirgendwo“ von Thomas Assheuer

Thomas Assheuer führte uns vor Augen, dass das Paradies auf Erden eine unstillbare Sehnsucht geblieben ist. Die Welt lebt  nach wie vor in Sünde; das Jahr der Barmherzigkeit endete im Blutbad von Aleppo. Es ist wohl nicht viel besser geworden mit uns Menschen.

Trotzdem ist jeder Realist auch ein wenig Utopist. Morus diente auch im Tod noch seinem Herrn und Mörder. Zu hohe Ideale zerbrechen scheinbar nicht einmal auf dem Schafott. Aber schreiben konnte er so gut, dass wir noch heute von ihm reden. In einer lebensbedrohenden, unerträglichen  Welt entfloh er in sein Utopia.

Die Wirklichkeit ist aber eine andere geblieben. In der totalen Armut wie auch im totalen Reichtum zerbricht jedes Mitgefühl für den Nächsten. Die Panama Papers sind der Beweis dafür, wie auch die Jugendbanden in Rio, die, wenn es eng wird, in ihre Einzelmitglieder zerfallen.

Das Geld wurde auch nicht abgeschafft, sondern regiert die Welt in einem nie zuvor gekannten Ausmaß. Die Reichen regieren nicht mehr nur über ein Land, sondern sie bereichern sich an der ganzen Welt. Sie werden dafür von der arbeitenden Mehrheit auch noch bewundert, obwohl die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht.

Gemeinwohlorientierung und Privatvermögen bei den Bürgern halten einander gerade noch die Waage. Der Ausflug mit Assheuer nach Utopia hat sich ausgezahlt. – Egon Hofer


Leserbrief zu „2,3 Billionen“ von Peter Praet

Das kommt also dabei heraus, wenn man einen „Verbündeten“ von Notenbankchef Draghi um ein Gespräch bittet:

Die Nullzinspolitik der EZB hat selbstverständlich nicht das Vertrauen in die europäischen Institutionen  stark zurückgehen lassen. (Das Vertrauen war schon seit 2008 ruiniert) Die Gouverneure der nationalen Notenbanken handeln individuell als Personen und nicht etwa „als Vertreter ihrer Länder! (Ein Schelm, der z. B. Mario Draghi etwas anderes unterstellt.) Durch den Ankauf von Staatsanleihen in Höhe von 2,3 Billionen Euro wird „niemand überschwemmt“. (Wie können die Gesprächspartner nur auf solchen Unsinn kommen?) Die Immobilienpreise sind „tatsächlich in „einigen“ Regionen gestiegen, aber das ist kein „europaweites Problem“. (Stimmt. Am Fuße des Ätna blieben die Preise beispielsweise stabil.)

Den Interviewern, Lisa Nienhaus und Mark Schieritz, ist hauptsächlich vorzuwerfen, dass sie beim Thema „Nullzinspolitik“ nur die Frustration der Sparer ins Feld geführt haben, aber nicht die Auswirkungen auf Banken, Versicherer, Stiftungen, Altersvorsorge und…, und… und…!

Zusammengefasst muss man die Äußerungen des Herrn Praet als eine inakzeptable Dreistigkeit, die verheerende Geldpolitik der EZB schön zu Reden,  bewerten. Leider. – H.-Jürgen Borchelt


Leserbrief zu „Ein gnadenloser Optimist“ von Uwe Jean Heuser

Da wird jemand, der sein erstes Tastentelefon als etwas Messianisches empfindet, geradewegs in die Google-Vorstandsetage katapultiert (wohin sonst) und glaubt sich mit seiner servilen Userfriendship zum Hüter unserer persönlichen Daten aufschwingen zu können, obwohl der Konzern genau durch deren Vermarktung  seine Milliardengwinne generiert.

Wer glaubt denn sowas? Dieser Konzern gehört an die ganz kurze Leine. – Bernd Nieberding


Leserbrief zu „Hölle auf Erden“ von Andrea Böhm

Der Rupikon in Europa ist längst überschritten.  Die Sicherheitsorganisationen sind belanglose Einrichtungen, die nur als Arbeitsbeschaffungsmaßnamen zu sehen sind. Die Diplomatie ist im Zeitalter der Selbstzerstörung nur noch Staffage. Selten hat sie produktives erreichen können.  Aber die großen Verwerfungen auf unseren Planeten lassen sich damit nicht mehr lösen. Es ist leicht darüber den Stab zu brechen. Die Politiker werden damit nicht mehr fertig. Wer will den Aufrüsten und sich in kriegerisches Handeln verstricken.  Es wird leider dazu kommen müssen.

Wenn man den Amerikanern genau zuhört, sind die nicht mehr bereit für andere Staaten die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Jetzt muß Europa Farbe bekennen und das wird gesellschaftliche Verwerfungen nach sich ziehn. Das Geschäftsmodell Demokratie wird sich auch reformieren müssen, wenn es überhaupt noch eine Zukunft  haben will. Und wenn ich an unsere Politiker denke, dann habe ich wenig Hoffnung, obwohl es dringend erforderlich wäre. Frau Merkel scheint immer noch beliebt zu sein , obwohl man nun wirklich nicht von großer Politik sprechen kann. Eher ist sie total überfordert.

Eine bestimmte Richtung lässt sich bei dieser Dame nicht festmachen. So kann man nun wirklich keinen Staat regieren. Wenn ich die Presse verfolge, ich spreche nur von Printmedien, die seriös über den Zustand unserer Welt berichten, dann gewinnt man eher den Eindruck, die bekannten Autokraten spielen eher mit unserer Kanzlerin.  Ich halte die Autokratie ohnehin für die bessere Lösung.  Und die Medien wären gut beraten, wenn sie nicht immer der Welt sagen würden, wie was zu laufen hat. Damit hat unser Land immer schlechte Erfahrungen gemacht.  Dieser Charakter scheint besonders bei den Deutschen stark ausgeprägt zu sein. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Oh, mein Gott“ von Josef Joffe

Oh, mein Gott!, Herr Joffe.

„Was man den Geist der Zeiten heißt, ist oft der Herren eigner Geist“ (Goethe)

Dass Sie als offensichtlich Gläubiger kritisieren, dass die meisten Minister des neuen Berliner Senats die Eidesformel „So wahr mir Gott helfe!“ weglassen, obwohl man genauso gut eine Alternativformel wie „So wahr mir die fliegende Untertasse helfe“ weglassen sollte, mag ja noch angehen. Obwohl Religionsfreiheit bekanntlich auch Freiheit von der Religion bedeutet.

Es mag ja auch noch angehen, dass sie die fast vollständige Fehlen des Christentums im Koalitionsvertrag vermissen, obwohl es über die Geschichte des Christentums wenig wirklich Positives, Fortschrittliches zu vermelden gibt.

Aber dass Sie meinen, ohne das Christentum hätten wir längst nicht so viele kulturelle Errungenschaften, ist schon ein starkes Stück. Wer sich ein bisschen in der Kirchengeschichte auskennt, weiß, dass das am Ende des 4. Jahrhunderts gewaltsam und zwanghaft eingeführte Staatskirchentum gegenüber den kulturellen, naturwissenschaftlichen und philosophischen Errungenschaften der römisch-griechischen Antike eine Art Kulturbruch darstellte. Das Jahr 380 n.Chr. markiert einen Paradigmenwechsel von der polytheistisch-multikulturellen Denkweise zu einer monotheistisch-monothematischen. Es entsteht eine Dogmenkultur.

Das nunmehr dominierende Jenseitsdenken, die autoritäre Wahrheitsgewissheit der Kirche und das feudale Lehnswesen, kirchlich abgesegnet, paralysieren Kreativität und Forschung, Bildung und Wissenschaft. Der einst freie Geist zieht sich als Kirchengeist hinter Klostermauern zurück, während öffentliche Schulen, Bibliotheken und Theater verwahrlosen. Die Bibel allein soll’s richten.

Wir hätten also sehr wohl auch kulturelle Errungenschaften, nur eben andere und wahrscheinlich bessere, fortgeschrittenere und vielfältigere. Eine „kulturelle Wüste“ (Martin Walser) hätten wir mit Sicherheit nicht. Insbesondere die katholische Kirche hat weit mehr blockiert, verdrängt, aufgehalten und verteufelt als gefördert. Z.B. hat sie einen im Jahr 1600 der Lebendfeuerbestattung ausgesetzten Giordano Bruno erst im 20. Jh. halbherzig rehabilitiert.

Sie Herr Joffe, mögen ja ein gebildeter Mensch sein. Aber offensichtlich sind Sie, wenn’s ums Christentum geht, auf dem Stand kirchenapologetischer Literatur und Sonntagspredigten erstarrt.

Nur so lässt sich erklären, dass Sie immer noch in einem sonst bildungsgesättigtem Blatt wie der ZEIT auch noch den Unsinn verbreiten dürfen, dass es, so lassen sie den „Herrn der Heerscharen“ sprechen, ohne ihn weder die Trennung von Staat und Kirche noch – und jetzt kommt ein absoluter Hammer! – „die Fundamente der liberalen Demokratie“ gäbe.

Sehr geehrter Herr Joffe, ich kann es kaum glauben, dass sie sich hier allen neueren Erkenntnissen versperren. Das genaue Gegenteil ist der Fall: 

erstens kann von einer wirklichen Trennung von Staat und Kirche nicht die Rede sein. Sie sollten sich mal das Buch von Carsten Frerk vornehmen, der in seiner „Kirchenrepublik Deutschland“ nachweist, dass es eine auch sonst leicht erkennbare unendliche Verfilzung von Politik und Kirche gibt. Deutschland ist in dieser Hinsicht weltweit einzigartig. Ganz zu schweigen von der sonstigen Omnipräsenz der Kirchen in Medien und Gesellschaft. Das lässt sich alles im Einzelnen nachweisen, würde hier aber völlig den Rahmen sprengen.

Zweitens haben sich vor allem die Kirchen jahrhundertelang jedem humanen und rechtsstaatlich-liberalen Fortschritt erbittert widersetzt. Man denke dabei an Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Rechtsstaat, Frauenemanzipation, Aufhebung der Sklaverei  Folterverbot, Abschaffung der Todesstrafe, Freiheit der Kunst, Abschaffung der Prügelstrafe und Tierrechte.

Hier dreist zu behaupten, ohne das Christentum hätten wir keine Fundamente der liberalen Demokratie, ist so wahrheitswidrig, dass es selbst aufgeklärten Theologen den Magen umdrehen müsste. Ich weiß, Sie schreiben in einem überaus kirchenfreundlichen Blatt, aber solche historischen Verdrehungen sind eine intellektuelle Zumutung für jeden treuen ZEIT-Leser, der sich solche historisch Totalverdrehungen verbittet.

Dass uns das Christentum auch eine kulturelle Schatzkammer hinterlassen hat, wird niemand ernsthaft leugnen wollen. Aber ohne die geistig-geistliche Engstirnigkeit der Kirchen wäre höchstwahrscheinlich ein viel größerer und vielfältigerer kultureller Reichtum möglich gewesen. So wie es uns die islamisch-arabische Kultur zwischen dem 8. und 15. Jh. in Südeuropa vorgeführt hat. Eine Kultur überdies, die die griechisch-römische Kultur integriert, die indische, asiatische und persische erfolgreich adaptiert hat. Parallel dazu ist der christliche Norden Europas bis zum 11. Jh. dank der hoch intoleranten Allmacht des Christentums kulturell und wissenschaftlich weitgehend verfallen.

Ab dem 13. Jh. dringt das islamisch-arabische Wissen, v.a. über Cordoba, nach Mitteleuropa. Europa wird zum Nutznießer der heidnischen Antike im arabischen Gewand und erblüht in der Renaissance. Die lange unterdrückten schöpferischen Kräfte finden einen, wenngleich begrenzten, Raum zur Entfaltung.

Und dann haben wir es der Aufklärung im 18. Jh., nicht dem Christentum,  zu verdanken, dass die darauf folgenden Revolutionen Freiheit, Mitbestimmung und Menschenrechte mit sich brachten. Deren Forderungen nach Demokratie, Freiheit und Gleichberechtigung sind die Werte, die heute die westliche Hemisphäre prägen und ihr Ausstrahlungskraft verdanken.

Der Beitrag des Christentums in Gestalt der katholischen Kirche ist zwar seit der Gotik unübersehbar, aber als reine kirchenkulturelle Leistung für die wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Europas von geringerer Bedeutung.

So sind Antike, islamisch-arabische Hochkultur und Aufklärung die eigentlichen Bausteine europäischer Kultur. Sich auf die Legende von der christlich-abendländischen Kultur heute noch permanent in Sonntagsreden oder in leicht süffisant-arroganten Zeitungsbeiträgen zu berufen, zeugt von einer gewissen historischen Fehlinterpretation bzw. Ignoranz, die, unreflektiert wiederholt, auch nicht wahrer wird. Genauso wenig wie die abstruse Behauptung, dass unsere Grundrechte mit den 10 Geboten in Einklang stünden. Wer dies behauptet, so erst Sigmar Gabriel vor kurzem wieder, kennt entweder die Grundrechte oder die 10 Gebote oder beides nur sehr oberflächlich. – Volker Kirsch


Leserbriefe „Immer ist es Putin“ von Alice Bota

Die Kriegslunte an der ukrainischen Zeitbombe Donbass brennt

Obama nimmt das nicht einmal bewiesene Gerücht über russische Hacker zum Vorwand, gegen Russland vorzugehen. Denn der Friedensnobelpreisträger muss noch schnell die Ukraine unter Dach-und Fach der NATO bringen. Der nächste US-Präsident wird nämlich das Demolition-Derby der bisherigen Washingtoner Eliten nicht fortsetzen.

Präsident Putin teilte mit, man erwarte von Präsident Obama eine „Weihnachts- Überraschung“ , nämlich einen PGS – einen Prompt Global Strike gemeinsam mit der NATO. Er versetzte alle russischen S400 Einheiten in Kriegszustand. Das bedeutet,  dass die gesamte Luftraumüberwachung und Abwehr der russischen Armee im Kriegszustand ist.

Natürlich könnte die NATO jederzeit beginnen. Das würde sich aber nicht so gut machen. Es muss doch zu schaffen sein, Putin so zu reizen, dass er den ersten Schritt setzt. Egal wer diesen Krieg beginnt, das militärisch bestens aufgestellte und vom Westen gnadenlos unterschätzte Russland wird ihn auf jeden Fall im Handstreich gewinnen. Danke Qualitätsmedien für das jahrelange Putin-Bashing !! Ihr habt damit sehr wesentlich zu diesem Krieg beigetragen.

Erst dann, wenn Donald Trump seine Amtseinführung noch erlebt, hat die Welt vielleicht endlich eine wirkliche Chance auf Frieden!

Fake – News – Quelle:  https://www.contra-magazin.com/2016/12/der-ukraine-krieg-als-obamas-weihnachtsueberraschung-fuer-europa/Eva Maria Griese


Leserbrief zu “Sie streiten wie zu Hause” von Moritz Aisslinger, Michael Thumann und Özlem Topçu

Ich störe mich an dem Titel des Artikels der gegenwärtig auf zeit.de auf der Titelseite ist: „Sie streiten wie zu Hause“. Zuerst, wen meinen Sie mit „Sie“? Anscheinend „die Deutschtürken“. Schon mal recht pauschalisierend, aber gut.

Aber dann: „wie zu Hause“ Was meinen sie damit? Die Türkei? Ich glaube die meisten „Deutschtürken“ würden das nicht ihr zu Hause nennen, sondern den Ort wo sie ihren Lebensmittelpunkt, irgendwo zwischen Aachen und Frankfurt und Kiel und Lindau. Zu Hause in der Türkei suggeriert mir, dass sie hier in Deutschland nur Gäste o.ä. sind.

Vielleicht bin ich als „Deutschkoreaner“, dem von rechten Pack bei vielen Gelegenheiten nahegelegt wird doch „nach Hause“ zu gehen etwas sensibel, vielleicht sollten Sie als Journalisten das aber auch sein.

Ein Alternativtitel wie „Deutsch-türkische Gemeinde gespalten“ generiert wohl leider zu wenig Klicks. –  Pascal Rustige


Leserbrief zu „Irgendwo im Nirgendwo“ von Thomas Assheuer

Besten Dank für Ihre Ausführungen zu „Irgendwo im Nirgendwo“ vom 15..d.M in der Zeit mit den Überlegungen zu Utopia.
Ihr kenntnisreicher Artikel endet mit den Worten „Heute dagegen verfinstert sich der Horizont der Zukunft, die Zeit ist knapp geworden.“

Dieser Aussage kann man als Naturwissenschaftler nicht zustimmen, wenn man erkennen kann, dass sich ein neues Paradigma bereits abzeichnet, das sehr wohl eine Änderung des Welt-Verlaufes in Aussicht stellt. Freilich auf einer vollkommen anderen Basis als heute. Nur so kann man Hoffnung für die Zukunft gewinnen.

Zu diesem Zweck übersende ich Ihnen zwei Artikel, welche in Kürze in der Zeitschrift „International Journal of Foresight and Innovation Pölicy“ zur Veröffentlichung kommen soll.

Freilich auch dieses neue Paradigma, das sich abzeichnet, wird erst nach langem von den Menschen angenommen werden können. Geduld ist daher für uns alle gefragt. – em. Univ.Prof. Dr. Franz Moser


Leserbrief zu „Gefahr im Anflug“ von Dirk Asendorpf

Als (Selbst)-Bauer von Multikoptern – oder Drohnen – wie Sie diese Gattung Fluggerät nennen,
möchte ich an dieser Stelle doch einmal ein Paar Punkte richtig stellen. Wie ich es eigentlich von
Ihrer Seite und Recherche erwartet hätte:

1. Der Name Drohne ist eigentlich für ferngesteuerte Flugzeuge reserviert. Aber keiner würde
zu einem Modellflugzeug Drohne sagen. Das Thema Modell-Flieger und Kopter, müsste bei einer gesetzlichen Regelung  klar auseinander gehalten werden. Tatsache ist, die ersten militärischen Drohnen wurden tatsächlich aus Modellflugzeugen abgeleitet. Gründe siehe unten:

2. Militärisch sind Multikopter kaum geeignet, da Ihre Flugdauer und Zuladung stark begrenzt ist. (Dagegen können Drohnen, die an die Größe von Geschäftsreiseflugzeugen kommen, bis zu 24h und mehr in der Luft bleiben. Außerdem große Strecken mit hohen Geschwindigkeiten zurück legen und sind auch noch als Waffenträger geeignet .) https://de.wikipedia.org/wiki/Unbemanntes_Luftfahrzeug#Einsatz_und_Entwicklung

3. Schön hätte ich es gefunden, wenn Sie etwas mehr auf die positiven Nutzungen von Multikoptern eingegangen wären. So sehen sich ja wieder die Leute bestätigt, die mir sofort zurufen, ….“daß ist verboten“…. auch wenn ich nur über einem Maisfeld nach Wildschwein-Schaden suche!……..

4. Zusätzlich hätten Sie – da es ja um den Wissen-Teil der Zeit geht – noch ein paar Sätze über die Technik schreiben können. Damit ein Multikopter stabil fliegt, sind hochintegrierte Lage- und Beschleunigungssensoren nötig. Die zusammen mit einigem an Regel-SW den Kopter erst stabilisieren. Ein für den Ing. sehr interessantes Thema.  Hier kommt Technik zum Einsatz, die heute in modernen Autos für Stabilitätsprogramme und als Diebstahlschutz genutzt wird.

5. Was den Missbrauch und unverantwortliche Nutzung von Koptern angeht, bin ich ganz Ihrer Meinung.  Daher fände ich es gut, wenn tatsächlich eine sinnvolle Regestrierung stattfindet.  Daß man beim Betrieb von Modellflugzeugen & Koptern eine „Luftfahrt-Haftpflicht“ abschließen muß, hätte auch noch erwähnt werden können!   Die normale Haftpflicht kommt nicht für ferngesteuerte Luftfahrtgeräte auf! – Fridtjof Schüssler


Leserbrief zu „2,3 Billionen“ von Peter Praet

Leider enttäuschte mich dieser Artikel sehr. Aus zwei Gründen.

  1. Die EZB kauft weiter, bis Ende 2017, 1.7 Billionen , Ramschpapier, obwohl die bereits gekauften 1.0 Billionen nichts gebracht haben.
  2. Es ist doch sicher von allgemeinem Interesse, welchen Banken, welchen Ländern, diese Lasten abgenommen wurden.
  3. Wer zahlt , wenn diese Papiere platzen?

Informationen darüber wären ein gutes Thema für Ihre Zeitung. Dankbare Leser sind Ihnen sicher. – Kurt Gruber


Leserbrief zu “ Moment mal“ von Peter Breuer

Die locker – tiefsinnige Suche von Peter Breuer nach dem Zufallsglück kann einem unvermutet ein solches bescheren ! Danke für den Artikel mit dem auch durchaus reizvollen, sehenswerten Foto. – Volkmar Kleint


Leserbrief zu „Was sie wollen, steht in den Sternen“ von Ulrich Ladurner

Die Sichtweise Ihres Autors ist typisch für die eingefahrenen Strukturen der Altgedienten in der politischen Arbeit. Sie erwarten ein Programm von den „M5S“ Politikern, die das genau nicht wollen. Wenn Sie mit den Bürgern Politik machen wollen, dann lässt sich das mit ihrer Einstellung gar nicht vereinbaren.

Für die Medien ist das gewöhnungsbedürftig – das kann ich durchaus verstehen. Aber genau das ist das Dilemma der heutigen Politik, warum sie vom Bürger nicht mehr akzeptiert wird. Die müssen verstehen lernen, das unser bisheriges Geschäftsmodell nicht mehr trägt. Wenn Sie so wollen, unsere Demokratie muss reformiert werden. Die heutigen Zustände, die schlechter nicht sein können, schreien geradezu nach dringender Veränderung. Ob das von der „M5S“ der richtige Weg sein wird, steht natürlich in den Sternen. Ein Versuch ist das allemal Wert. – Gunter Knauer


Leserbriefe „Immer ist es Putin“ von Alice Bota

Wenn jetzt sogar präsident obama von russischen hackerangriffen spricht, der präsident der weltmacht amerika mit seinen it-weltkonzernen google, facebook, apple etc, so ist das doch eine bankrotterklärung für die eigene it-industrie, vor allem aber für all die unzähligen sicherheits- und geheimdienste. ist dieses in allen bereichen als rückständig und von sanktionen in die knie zwingbare russland in der lage, diese in fast allen bereichen exceptionelle stellung der usa zu beschädigien? sind das fake news oder sind dies recherchierte oder recherchierbare news? ich bin fassungslos, wie schutzbedürftig sich amerika empfindet.

meine frage an die zeit-redaktion : schießt sich und uns da nicht gerade ausgerechnet der präsident, der ja auch für die sicherheit der usa und der wahlen verantwortlich ist, ein riesiges „eigentor“? – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Make Saarland great again!“ von Peter Dausend

Ei, der Dausend! Köstlich, seine Kolumne(n). Auf Hunderttausend kommt vielleicht ein Dausend.  Ei jo – Hans Joachim Bertram


Leserbriefe „Immer ist es Putin“ von Alice Bota

Egal wann man in den letzten Tagen das Fernsehen/Radio einschaltet, oder Zeitungen liest, hört man nur über Putin und seiner Beeinflussung den Wahlen in der US und evt. überall auf der Welt. Ich kann die Aufregung nicht verstehen? O.k. die US Wahlen sind wie die sind. Sie ist passe‘!

Eine einfache Lösung für all die restlichen Wahlen wären: NUR Briefwahlen, oder NUR persönliche Wahlen in einer Schule/Rathaus etc. werden akzeptiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Agent von Putin in einem Briefumschlag passt! – Sylvia Beretta


 Leserbrief zum Titelthema „Utopien“

Der von Helmut Schmidt einst geprägte Satz, „wer Visionen (ergo Utopien) hat, muss zum Arzt“, hat (ungewollt) den Kern des Problems erfasst. Wer zum Arzt geht, erhofft sich nämlich „Heilung“. Nichts anderes sind Utopien. Sie versprechen politische/wirtschaftliche/gesellschaftliche „Heilung“ der derzeitigen Realität. Was historisch leider auffällt ist, dass die extreme Rechte damit meist erfolgreicher war. Die Massen sind nämlich nicht in Scharen Lenin und dem Kommunismus hinterhergelaufen, sondern Mussolini und Hitler. Der Nationalsozialismus und Faschismus ist genau die „Utopie“, die bewusst nicht mit Argumenten, sondern mit Gefühlen anspricht. Diese Methode scheint in unserer postfaktischen Zeit wieder erfolgreich zu sein. Die Linke, geschweige der Liberalismus haben dieser Tatsache im Moment nichts entgegenzusetzen. Dies zu ändern wäre die aktuell wichtigste Aufgabe der linken und liberalen demokratischen Kräfte, doch da ist derzeit „kein Land (= Utopia) in Sicht“! –   Michael Hauck


Leserbrief zu „Die postfaktische Universität“ von Bernhard Pörksen

Mit großem Vergnügen habe ich die Aussagen des obigen Artikels auf meinen Arbeitsplatz angewendet, ein Altenpflegeheim. Das Ententeich-Problem ist zwischen den im goldenen Zeitraum des Prä-dementen sich befindenden  Pflegekräften und den Post-truth-Bewohnern ein immerwährender  Stresstest. Die Ersteren befinden sich als mächtige Gatekeeper in Uniform im Besitz der Deutungshoheit über Wahrheiten, geben strukturelle Sicherheiten und mimen den Mediator in den Wahrheitskriegen von Hunderten privaten Universen. Den Letzteren bleibt der begrenzte dunkle Horizont mit immer größer werdenden Unsicherheiten. Für unsere dementen Schmuddelkinder sollten wir in der Tat empathisches zuhören und übersetzen einüben: erschrecken über den Kontrollverlust inclusive Inkontinenz, Angst vor dem Alleinsein und dem großen Unbekannten. Vielen Dank für diese Inspiration. – Eva-Maria Fahl


Leserbrief zu “ Wer hat Angst vorm neuen Chef?“ von Evelyn Finger

Leider ich nur zwei Tage in Vorfreude, dass ich mit dem Papst Franziskus am Sonntag den 18. 12. zusammen Geburtstag habe. Ich habe Ihnen GEGLAUBT und hatte keinen ZWEIFEL an der Richtigkeit des Termins.

Mein Heimatblättla und dann auch Google sagen was anderes. Sie waren ihm doch z. B. im Flugzeug schon sehr nahe. Hat er da vielleicht den 18. erwähnt?  Mitternachtsgeburt?

Er ist nicht unser Papst aber auch ich bewundere diesen mutigen Mann bei seiner Arbeit gegen diese ….. und wünsche ihm wirklich wenigstens ein bisschen Erfolg. Ihnen wünscht ein schönes Fest und ein erfolgreiches NEUES JAHR 2017. – Klaus-Dieter Schmidt-Rudloff


Leserbrief zu „Hau ihn rein!“ von Christof Siemens ein Gesprach mit Christian Petzold

Lieber Herr Petzold, was Sie da über Fußball geschrieben haben, ist das schönste und seelenvollste, was ich lange gelesen habe. Ich in jetzt 63, und bis vor drei Jahren habe ich auch immer noch ein wenig mit jungen Leuten in der Halle gekickt. Diese Aufregung schon drei Tage vorher! Und wenn man dann die Kugel hatte, und es gelang einem ein Pass ins scheinbare Nichts, aber genau dorthin stürmte dann so ein junger, flinker Kerl, schob nochmal zu einem anderen rüber und der machte ein Tor! Herrlich. Wenn die dann zurück gelaufen kamen (soweit konnte ich ja gar nicht mehr rennen) und mich abklatschten: „Toller Pass, Rudi!“ Ich hatte fünf Tage gute Laune.

Und noch etwas: Genau so einfach und unsagbar klar ist Ihr Film „Barbara“! Unfassbar, wie Sie als Wessi mit diesem Film auf den Punkt zeigen, warum da jemand im Osten bleibt. Alles stimmt. Von der irre schönen Nina Hoss bis hin zu der nervig-schrillen Türklingel. Genau so eine hatten wir auch in den 60er-Jahren. Ihr Film hat sie wiederbelebt. Ihnen und Gladbach alles Gute! – Rudolf Heym


Leserbrief zu „Oh, mein Gott“ von Josef Joffe

Ich halte es für einen erheblichen Fortschritt, wenn Politiker bei Ihrem Amtseid nicht um die Unterstützung übersinnlicher Wesen bitten, die aus irgendwelchen vorzeitlichen Heilslehren und deren heiligen Schriften stammen. Wer ernsthaft glaubt, solche Unterstützung zu benötigen, ist meines Erachtens nach wenig dazu geeignet verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen. – Priv.-Doz. Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Andreas Zabel


Leserbrief zu „Hölle auf Erden“ von Andrea Böhm

Liest man die ZEIT und andere Kommentare, dann ist klar, wer für diese Hölle in Syrien die Verantwortung trägt. Natürlich ist es Assad, der das Bombardement befiehlt und sicher kommen die Jets, die Bomben und Raketen aus Russland. Diese schlichten Tatsachen reichen nun den Kommentatoren in 90% aller Fälle, dazu gehört auch Andrea Böhm, aus um die moralische Schuld der syrischen Regierung festzustellen. Ich möchte hier mal eine kleine Frage stellen, deren Beantwortung zeigt, wie komplex die reale Situation in Wirklichkeit ist.

Es ist nicht so, dass Aleppo ein Sinnbild für den Beginn der „Arabellionen“ ist. Tunesien und Ägypten sind hier zu nennen. Lybien dann lehrte die Menschen, dass die NATO bereit ist für die Freiheit zu bomben. Es folgten Jemen und Syrien. Dort wurden die Proteste nicht nur deshalb sehr schnell gewalttätig, weil die Regierung sehr schnell auf Repressalien setzte, sondern auch deshalb, weil die Opposition sehr schnell von einzelnen Reformforderungen auf „Weg mit dem Regime“ umschaltete. Sie konnte sich auch durch Lybien und den Irak, durch die Politik des Regime-Change ermuntert fühlen. Und sehr schnell war die Opposition bei „Patria libre o morir“. Oder, wie es auf einem Foto von AP auf die Handfläche einer „Rebellin“ geschrieben steht „Unser Blut ist Treibstoff für unsere Revolution!“  Somit war klar, dass es von Seiten der Opposition nur Maximalforderungen gab und sie sich weigerten mit Assad zu verhandeln. Diese Haltung wurde von der Opposition nun bis zum Schluss in erbarmungloser Konsequenz umgesetzt.

Meine Frage ist nun: Wer bestimmt den Preis für eine gewünschte „Revolution“?

Wer also ermächtigte die Rebellen eine halbe Stadt als Geisel zu nehmen und sie dadurch der erwartbaren Repression der Regierung auszusetzen? Ganz schlicht: warum wurde nicht viel früher die weisse Fahne gehisst und eine kontrollierte Niederlage unter internationaler Aufsicht akzeptiert? Warum musste erst das letzte Gebäude zerbombt werden, bis diese Helden aufgaben?

Eine Antwort auf diese Frage führt sehr schnell zu der Frage nach den agierenden Kräften in Syrien. Und ehrlich gesagt möchte ich mir lieber kein Syrien vorstellen, mit solchen tausendfach gespaltenen Bewegungen in einer schwachen Regierung. Lybien und der Irak lassen grüssen: das wäre dann Hölle 2.0. – Achim Hauck


Leserbrief zu „Gefahr im Anflug“ von Dirk Asendorpf

Ein gut recherchierter, interessanter Artikel. Leider habe ich die Drohnenentwicklung bislang nicht verfolgt.

Wenn ich jetzt lese, was alles unternommen wird, um die Bevölkerung vor den Gefahren der Drohnen zu schützen, stellt sich mir die Frage: Warum werden die Drohnen in diesen Massen und für Jedermann produziert und verkauft? In der Konsequenz heißt das, dass mit meinen Steuergeldern Gefahrenabwehr betrieben wird, für etwas, was keiner braucht.

Und was ist mit den Bildern / Filmen, die ohne Wissen von Privatpersonen aufgenommen und dann ins Internet gestellt werden. Z.b. Balkon, Terasse, Strand. Wo und wie wird die Privatsphäre geschützt?

Habe nur ich etwas verschlafen oder wurde dieses Thema bislang in der Öffentlichkeit nicht ausreichend diskutiert?

Auf jeden Fall bin ich jetzt besser informiert, allerdings über die Entwicklung auch besorgt. – Marlies Wenzel


 Leserbrief zu „Das Letzte“

Inzwischen sind wir an Fakenews und diesbezügliche Kommentare aus Wirtschaft und Politik in der ZEIT gewöhnt, aber nun auch im Feuilleton? Oder sollte das ein ironischer Dillen Comment sein?

Bitte lassen Sie uns wissen, wie der Nobelpreis für Literatur an C.Brentano vor der Geburt Nobels hieß, wenn es etwas Ähnliches damals schon gab. – Dieter Zywicki


Leserbrief zu „2,3 Billionen“ von Peter Praet

Zur Person von Peter  Praet ist schon bemerkenswert, dass dieser als gebürtiger Rheinlaender  „fließend Deutsch“ spricht!? –  Kurt Seiffert


Leserbrief zu „Hölle auf Erden“ von Andrea Böhm

Ich widerspreche Andrea Böhm-sie wird sich sicherlich freuen. Kriegsverbrechen werden bestraft- und die ganze Welt setzt sich dafür ein.

 Das 21. Jahrhundert hat für die Menschheit mit dem Inferno von Aleppo seinen ersten Tiefpunkt erreicht. Tausende werden im Namen der Gerechtigkeit und um des Friedens willen bombardiert oder erschossen. Die dünne Schicht, die wir Zivilisation nennen, ist in Syrien zu Staub zerfallen. Zynismus pur findet vor den Augen der Weltgemeinschaft statt. Der Wunsch, dass 2016 ein Jahr der Barmherzigkeit werden möge, hat sich leider Gottes nicht erfüllt.

Mord und Totschlag sind wieder einmal die letzten Mittel der Mächtigsten. Den Preis für ihren Pakt mit dem Teufel zahlen andere. Die Gier nach Macht und Einfluss der Machterhalter um jeden Preis-versteckt hinter einem vorgeschützten und vorgetäuschten Gerechtigkeitssinn-schüren Verderben und Qualen. Das Böse kennt keine Widersacher mehr. Aus den Trümmern der Stadt fließt noch immer Blut.

 Die Nicht-Betroffenen und Unbeteiligten feierten derweil Weihnachten, das Fest der Liebe und entflohen in eine möglichst heile Welt. Das schlechte Gewissen aber bleibt, man kann über Aleppo nicht hinwegsehen.

Finden wir zusammen, und halten wir die Hand über Aleppo! – Egon Hofer


Leserbrief zu „Die postfaktische Universität“ von Bernhard Pörksen

Da hat der Herr Professor aber mal richtig was rausgehauen! Nach einiger Zeit des mühsamen und ermüdenden Lesens kam mir der Verdacht, dass der Herr Professor gar keinen Spaß macht, sondern diesen verschwurbelten Sermon womöglich ernst meint ?! Unfassbar. Gibt es bei Ihnen noch ein Lektorat, welches solch einen verquasten Blödsinn vor dem Druck entfernt? Offenbar nicht. Inhaltlich kann ich mich gar nicht zu dem Beitrag äußern, da dieser durch dieses Fremdwortinferno komplett verborgen blieb. Wäre ich doch nur so gebildet wie der Herr Professor… – Peter Selisko


Leserbrief zu „Irgendwo im Nirgendwo“ von Thomas Assheuer

Die Frage: „Was ist eine gerechte Gesellschaft?“ kann zu keiner stichhaltigen Antwort führen, wenn man zur Kenntnis nimmt: Gerechtigkeit ist ein subjektives Empfinden! Logischerweise kann das jeder anders empfinden und somit ist eine allgemein gültige Definition gar nicht möglich. Das haben kluge Köpfe wie Ludwig Wittgenstein und Karl Popper anerkannterweise bewiesen. Wenn man dieses Erkenntnis negiert, dann kann man endlos darüber diskutieren, was eher gerechter oder ungerechter ist. Da gibt es Stoff für engagierte Streitereien: Das Gehalt von Angela Merkel verglichen mit dem Einkommen des Golfers Tiger Woods; Özil, Messi, Ronaldo im Vergleich mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmer oder dem deutschen Außenminister Steinmeier; Bill Gates mit der Caritas; Helene Fischer mit Ulli Hoeness usw. Oder Gerechtigkeit für Afghanistan, Irak, Syrien, Ägypten, Jemen,

Saudi-Arabien, Libyen usw. Oder alle Religionen, Sekten und politischen Parteiprogramme. Und immer wieder: Für mehr Gerechtigkeit! Oder ungleiche Einkommen von Mann und Frau usw. – Johann  Ernst


Leserbrief zu“Wir können auch anders“ von Horst Köhler

Der frühere Bundespräsident Horst Köhler, den ich sehr schätze, verkennt, daß der Mensch es gar nicht will, daß sich wesentliches in der Klimapolitik ändert. Das zeigen immer wieder die ergebnislosen Versammlungen in der Vergangenheit. Mehr als Absichtserklärungen sind dabei nicht herausgekommen. Ein Zeichen des Unwillen. Er überschätzt den Homo sapiens.

Wenn nicht in den Köpfen der Menschen ein wirkliches Umdenken von statten geht, wird unser Planet damit leben müssen. Das ist so wie in der Politik, die immer erst dann auf den Plan tritt, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.  Die Volksvertreter zeigen eigentlich den Menschen wie man es nicht machen sollte.  Wir können nur hoffen, dass es nicht so schlimm wird, wie viele „Experten“ es voraussagen.

Es gibt aber auch „Experten“, die eine ganz andere Version den Menschen auftischen.  Angeblich gab es im 15. und 16. Jahrhundert schon einmal eine Klimakatastrophe, die ganze Ortschaften vernichtet hat. Damals konnte das nicht durch den Menschen verursacht worden sein. – Gunter Knauer 


Leserbrief zu „Er tut, was er sagt“ von Bernd Hagenkord et al.

Es klingt unspektakulär, beinahe banal, beschreibt man Papst Franziskus mit den Worten: „Er ist als Mensch und als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche authentisch, er tut, was er sagt.“ Dabei ist es zweifellos das größte Lob für einen, der sich der Gabe und der Weitergabe Gottes, dem Glauben, der Liebe und der Hoffnung, erkennbar gemacht hat.

Papst Franziskus gibt dem Haus Gottes Stück für Stück von dem zurück, was viele Menschen besonders hinter den Mauern Roms nicht mehr zu finden glaubten: Demut, Barmherzigkeit und Wahrhaftigkeit.

Die meisten von uns, ob Gläubige, Agnostiker oder Atheisten, haben durchaus eine bewusste Vorstellung von einem friedlicheren, humaneren und gerechteren Leben auf Erden, von einer besseren Welt; es fällt nicht sonderlich schwer, diesen Papst auch in ebendieser Anschauung wiederzufinden. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Auspuffklappe“ von Diether Rodatz

Und ich befürchtete schon, ich steh‘ allein da mit meiner Wut auf Profilneurotiker mit kastratengerechtem „maskulinen Sound“. Danke Diether Rodatz – Richard Grünert


Leserbrief zu „Gefahr im Anflug“ von Dirk Asendorpf

Danke für den hervorragenden, ausführlichen Artikel. Nur einen Aspekt habe ich darin vermisst: wie steht es eigentlich mit der Haftung von Hobby-Drohnen Piloten bei Schadensfällen?
Bei dem Gedanken, dass jedermann, auch wenn er vielleicht noch vollkommen ungeübt ist, ohne jeglichen Versicherungsschutz ein derartiges Fluggerät durch die Gegend jagen darf, packt mich das Grausen ob der nicht mehr zu beherrschenden Luftraum Anarchie.

Als früheres Mitglied eines Modellflug Sportclubs war ich mit einer Schadenssumme von mehren Millionen Euro für Personenschäden pflichtversichert. – Hans Luz


Leserbrief zu „Läuft bei uns“ von Marcus Rohwetter

Das Titelbild ist sehr bezeichnend für den Stand der heutigen E-Mobilität. Während sich die Tonnen-schweren E-Autos lediglich durch Auswechseln des Verbrennermotors durch einen Elektromotor von dem Status Quo des PKWs unterscheiden, sind auch die PEDELECS („E-Bikes“) auf einem Stand von vor 100 Jahren stehengeblieben. Lediglich die Batterietechnologie hat sich mäßig verbessert. Während sich das „Schwitzen“ beim Radfahren durch die Elektrifizierung als Hinderungsgrund weitgehend erledigt hat, ist bei der Witterungsempfindlichkeit und Bequemlichkeit des Radfahrens noch absolut kein Fortschritt zu erkennen. Gerade der Radladen in Mainz protegiert auch weitestgehend eine Freizeitnutzung des PEDELECS in Form von stylischen MTBs ohne Schutzbleche, Gepäckträger etc., die sich für den Alltagsgebrauch in keiner Weise eignen.

 Niemand hat den Mut, mal etwas zwischen dem > 100 Jahre alten Fahrrad und dem heutigen Auto zu entwerfen, das etwa 100 kg Masse hat, einen Faktor 30 bis 50 weniger Energie verbraucht als ein Auto, auf der Radinfrastruktur fahren darf (<1m breit), 4 unabhängige Radnabenmotoren aufweist und als schickes Cabrio beispielsweise auch einen Witterungsschutz gegen Regen, Schnee etc. und einen respektablen Kofferraum bietet. Stereoanlage, Sitzverstellung, Air-Condition etc.

machen die Fahrt ins Büro genauso gemütlich, wie in einem heutigen Auto.

Diese Fahrzeuge fahren leise wie Fahrräder und reduzieren die unsägliche Belastung der Stadtbevölkerung durch Lärm. Die ZEIT sollte vielleicht einmal über das Ingenieurbüro Lindenau und den SUNGLIDER ONE berichten, obwohl das Fahrzeug ebenfalls noch signifikant verbessert werden müsste, aber bereits in die richtige Richtung weist. Oder betrachten sie mal als reine Privatinitiative http://www.jmk-innovation.se. Die Automobilindustrie tut trotz enormer Förderung so gut wie nichts.

 Für solch einen Ansatz würden die Menschen weitaus mehr als für die aktuellen „E-Bikes“ ausgeben. Sie wären nämlich ungleich preiswerter zu betreiben als heutige Autos. Die Politik muss natürlich noch die Rahmenbedingungen anpassen. Außenorts könnten PEDELECS vielleicht 35-40km auf Radwegen fahren dürfen und innerorts nur 25 km/h. Zusammen mit echten Radschnellwegen würde ein unserem Technologieniveau adäquates, modernes Verkehrsmittel entstehen, das für Fernreisen quer in die untere Etage von doppelstöckigen DB-Zug-Wagen passt.

Der Inhalt des Leserbriefes entspricht meiner persönlichen Meinung: –  Dr. Wolfgang Hoppe


Leserbrief zu „Oh, mein Gott“ von Josef Joffe

„(…) so wahr mir Gott helfe. (…) Die anderen neun brachten die Formel nicht über die Lippen.“ – Was soll diese vorwurfsvolle Formulierung? Ich brächte den Satz auch nicht über meine Lippen, weil ich als Agnostiker nicht weiß, ob es einen Gott gibt oder nicht. Und auf jemanden oder etwas schwören, dessen Existenz nicht gesichert ist, erscheint mir nicht sehr intelligent. Da ziehe ich z.B. das Grundgesetz oder die Menschenrechte vor.

Der Weihnachtsmann wird im Berliner Koalitionsvertrag übrigens auch nicht erwähnt. Aber für diesen Skandal gerade jetzt zur Adventszeit hat Herr Joffe kein Wort übrig. Typisch. – Kurt Eimers


Leserbrief zu „Hölle auf Erden“ von Andrea Böhm

Am Samstagnachmittag habe ich Ihre „bittere Wahrheit“ über Aleppo gelesen. Wenig bitterer aber war, was ich ein paar Minuten später in einem Supermarkt beobachtet habe. Wohlgenährte Österreicher schleppen pralle Einkaufstaschen mit allerlei Schlemmereien und beleuchtbaren Rentieren zum Auto, während der Supermarktleiter zwei bettelnde Romafrauen verjagt. Beim benachbarten Punschstandl empören sich einige Supermarktbesucher noch immer über Trumps Sieg, die Streiks der Lufthansa-Piloten und über Flüchtlinge,  vor denen es sich zu schützen gilt.

Es ist Adventszeit, eine besondere Zeit, eine sonderbare Zeit. In Aleppo stirbt die Menschlichkeit und mitten in Europa erleben wir den totalen Verlust von Empathie. Für mich stellt sich immer öfter und immer wieder die Frage, wie kann  es  sein, dass sich unsere Gesellschaft quasi damit arrangiert hat, dass es unter uns Menschen gibt, die scheinbar weniger wert sind als andere?

Man muss kein Kulturpessimist sein, um den Verdacht zu hegen, dass das Projekt Aufklärung zu scheitern droht. Rücksichtslosigkeit, Egomanie und Hass lassen sich zunehmend in den verschiedensten Lebensbereichen unserer Gesellschaft ausmachen. Doch eine Gesellschaft, die auf ihre christlichen Grundwerte pocht, die sich zivilisiert und human nennt, darf nicht gleichgültig und zynisch werden, darf niemals aus dem Blick verlieren, dass die „Verfluchten dieser Welt“ (©Heribert Prantl) aus lauter einzelnen menschlichen Wesen besteht.

Aus Menschen, die Anspruch auf Individualität besitzen und das Recht, nach ihrem Glück zu streben. Nur diese Haltung verhindert Verrohung, verhindert das Erkalten von Empathie, das ein gesellschaftliches Klima hervorbringt, in dem rechtsradikale Politiker salonfähig werden und Rassismus neuerdings „Asylkritik“ heißt. Wir haben den Advent bitter nötig“  – retten wir die Hunderttausenden Menschen, von denen Andrea Böhm schreibt. – Dipl. Ing. (FH) Franz Josef Dorn


Leserbrief zu „Hölle auf Erden“ von Andrea Böhm

Was hätte die westliche Welt denn dort tun können? Einmarschieren, kämpfen gegen Assad, die Russen und den Iran? Und für wen bitte? Ich suche vergeblich nach einer Opposition, für die es lohnt zu kämpfen. Und all die hasenfüßigen Männer, die zu uns geflohen sind, anstatt ihr Land zu verteidigen, was tun die dagegen, dass Assad wieder Oberwasser gewinnt mit Hilfe der unheiligen Allianz aus Russen und Iranern? –  Eva Langhammer


Leserbrief zu “ Der geheimnisvolle Süße“ von Bernd Brunner

Ein wirklich interessanter Artikel –kunstreich und umfassend geschrieben.  Dennoch – mir fehlt ein Hinweis auf das seit dem 18. Jh. verwendete Motiv des Granatapfels auf Meissner Porzellan,

das sogenannte „ Zwiebelmuster“, welches sich direkt von chinesischen Vorbildern herleitet und bis heute wohl das beliebteste Dekor ist. – Konrad Löhnert


Leserbrief zu „Die postfaktische Universität“ von Bernhard Pörksen

Die englische, französische und idealistische deutsche Aufklärung im 17., 18.  und 19. Jh. haben den gemeinsamen Kant“schen Nenner, den Austritt aus einer selbstgverschuldeten Unmündigkeit zu predigen. Als der Siegeszug naturwissenschaftlicher Ratio das spätere Abendland durchwebte, galt das cartesianische Prinzip vernunftbasierter, zwischenmenschlicher Kommunikation plötzlich absolut    . Mystizismus,  Kabbala, deutsche Romantik und aufziehender narzißtischer Nationalismus änderten nichts an der neuen Dominanz der experimentellen Vernunft. – Erst im 20.Jh.  wurde mit der Dialektik der Aufklärung(  Adorno, Horkheimer) offenbar, daß eine rein instrumentelle Vernunft auch nicht zur Befreiung des Menschen aus der selbvstverschuldeten Unmündigkeit führt.  – Die heutige Übersättigung mit dem Slogan: Alternativlosigkeit, führt zum Aufblähen hektischer Sinndeuterei und einer parfümierten,  poststrukturalistischen  Rhetorik. Ob man nun gleich den neuen Rechtspoulismus als Faschismus im libertären Gewande bezeichnenen sollte (Didier Eribon) bedarf fundierterer Analyse.  Tatsache ist, daß der gegenwärtige Rummel um Sinnhuberei den Verlust realen existentiellen Bodenkontaktes beinhaltet. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Oh, mein Gott“ von Josef Joffe

Dürfen Sie im Namen Gottes Fake-News verbreiten?

„Ohne mich gäbe es nach Athen und Rom nichts, was den Westen seitdem ausmacht (…) die Trennung von Kirche und Staat, das Fundament der liberalen Demokratie.“ – so lassen Sie Gott klagen.

Ich finde es unverantwortlich, Gott und die christlichen Kirchen für neuzeitliche Demokratie, Menschenrechte, Rationalität und Vernunft verantwortlich zu machen. Schließlich kämpf(t)en die Kirchen voller Gottvertrauen seit Jahrhunderten dagegen an – und bei Gott nicht ohne Erfolge, auch wenn sie sich immer wieder dem Zeitgeist anzupassen wussten, wie wenige Beispiele zeigen:

  • Die Menschenrechte sind erst in letzter Zeit weitgehend anerkannt worden
  • Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen gibt es in der evangelischen Kirche seit wenigen Jahrzehnten, in der katholischen bis heute nicht.
  • Das kirchliche Arbeitsrecht erlaubt Diskriminierungen, die im säkularen Raum als Rechtsverstöße gelten.
  • Der Religionsunterricht in staatlichen Schulen wird erweitert, der Ethikunterricht bleibt eingeschränkt.
  • Die Kirchen mischen sich ganz selbstverständlich in die weltliche Gesetzgebung ein (z.B. über selbstbestimmtes Sterben entgegen dem Mehrheitswillen in der Bevölkerung)
  • Die „Luther-Dekade“, inzwischen verschämt „Reformationsjubiläum“ genannt, wird aus öffentlichen Mitteln wesentlich mitfinanziert. Mit Martin Luther wird hier ein Mann gefeiert, der in Worten und Taten ein fanatischer Antisemit, ein erklärter Verächter der Vernunft und ein radikaler Kämpfer gegen die Freiheitsbestrebungen des „gemeinen Mannes“ (Deutscher Bauernkrieg) war. Auch ihm ist es zu verdanken, dass die Leibeigenschaft bis ins 19.Jahrhundert rechtens war, gesegnet und genutzt vom Klerus. Diese Form der Versklavung wurde erst im Zuge der (sehr kirchenkritischen) französischen Revolution aufgehoben.

Das „Fundament der liberalen Demokratie“ errichteten in harten Kämpfen gegen das Bündnis von Thron und Altar die Aufklärung, der klassische Liberalismus und die Arbeiterbewegung!  – Ludwig Lauer


Leserbrief zu „Was sie wollen, steht in den Sternen“ von Ulrich Ladurner

Was die Fünf-Sterne-Bewegung will, steht nicht in den Sternen, sondern klar und deutlich, jedem leicht zugänglich im Internet. (http://www.beppegrillo.it/iniziative/movimentocinquestelle/Programma-Movimento-5-Stelle.pdf). Ihr Programm greift sämtliche wichtigen Aspekte des gesellschaftlichen Lebens auf: Staat und Bürger, Energie, Information, Wirtschaft, Verkehrswesen, Gesundheit und Bildung.  – Stéphane Vézina


Leserbrief zu „Oh, mein Gott“ von Josef Joffe

In der chtistlichen Vorstellung lebt nicht Gott  als „der alte Herr mit dem wallenden Bart“. Das ist ein Kindheitsbild aus früheren Zeiten, vermutlich Ihr eigenes?. Das Gottesbild ist immer einem Wandel unterworefen, je nach eigener Verfassung und eigenem Alter. Hätten Sie mit etwas mehr Respekt geschrieben, wäre Ihr Artikel erfreulicher gewesen. – Ursula Borchert


Leserbrief zu „Ein gnadenloser Optimist“ von Uwe Jean Heuser

Soso, der neue Google-Chef glaubt also, dass künstliche Intelligenz das Leben der Menschen besser macht – allen Kritikern zum Trotz.

Und der neue Chef der vereinigten Staaten wiederum glaubt nicht so recht, dass der Klimawandel überhaupt existiert  – natürlich ebenfalls allen Kritikern zum Trotz.
Zwei Zauberlehrlinge, eine Botschaft: „Die Geister, die ich rufe, sind in Wirklichkeit völlig harmlos“.

Preisfrage: Warum gilt der eine als „postfaktisch“ und der andere als „gnadenloser [sic!] Optimist“?
Wieso lese ich über Herrn Trump keine unterschwellig anerkennenden Sätze wie „an seiner Tenniswand des Optimismus prallen wissenschaftliche Fakten und Expertenmeinungen einfach ab“?

Oder umgekehrt: Warum lesen ich Herrn Pichai nicht als „Populisten“ bezeichnet, der „die Abgehängten“ und „Verlierer der realen Welt“ mit unrealistischen Heilsversprechungen einer digitalen Zukunft ködert, in welcher angeblich all das besser sein soll, woran es in der Realität gerade (gefühlt oder wirklich) hapert?

Beispiel: Bereits eine Seite später leser ich in der selben ZEIT einen Artikel, wie ein mazedonisches Dorf massiv, wenn nicht gar wahlentscheidend, in den US-Wahlkampf eingegriffen haben soll durch gezieltes Lancieren von Falschmeldungen – was wiederum nicht zuletzt durch Facebook und Google zu einem lohnenswerten Geschäftsmodell wurde.

Ich bezweifle, dass ein derartiger Eingriff in die Wahl die erklärte Absicht von Google, Facebook und Co war…das wiederum verstärkt für mich aber nur das anfänglich genannte Bild von Google und Facebook als Zauberlehrling, der nicht in der Lage ist, die eigene Auswirkung auf menschliche Intelligenz auch nur ansatzweise im Griff zu haben, gleichzeitig aber davon schwadroniert, das Leben von Milliarden Menschen durch künstliche Intelligenz verbessern zu wollen.

Ich fände es also lobenswert, eine derart realitätsblinde Hybris wie die von Herrn Pichai nicht als „Optimismus“ verherrlicht zu lesen. – Florian Hofmann


Leserbrief zu „Abschied von der Dame“ von Martin Klingst

Hat eine urliberale Wochenzeitung zum Tode einer großen Urliberalen nichts weiter zu berichten als einen Zweispalter über eine „stets vornehm gekleidete, … hochfahrende“ „Bildungstante“?! Hildegard Hamm-Brücher hat in ihren bildungspolitischen Konzeptionen mehr und Profunderes zur Bildungsgerechtigkeit im Spannungsfeld zwischen Leistungs-, Chancen- und Teilhabegerechtigkeit beigetragen als die meisten seit ihr. Sie hat vorgelebt und glaubhaft gemacht, weshalb und in welcher Form liberale Haltung und Überzeugung eine notwendige Dimension unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens ist. Sie zeigte Rückgrat, nie mehr Kategorisierungen von Menschen zuzulassen, weshalb alleine schon sie derzeit schmerzlich zu vermissen ist. Und, nebenbei: sie stand für eine Gesellschaft, in der Frauen nicht mehr auf ihren Kleidungs- und Sprachstil reduziert werden. Ich bin enttäuscht, dass die ZEIT die Gelegenheit hat verstreichen lassen, aus dem traurigen Anlass ihres Todes diese und weitere Dimensionen auszuleuchten – wir hätten vieles über das erfahren, was uns derzeit so schmerzlich fehlt. – Detlef Gaus


Leserbrief zu „Ein gnadenloser Optimist“ von Uwe Jean Heuser

Das war ja schon ein lustiger Kontrast im Wirtschaftsteil der letzten

Zeit: Erst ein Artikel über den Google-Chef, der mein Leben mit künstlicher Intelligenz besser machen will, dann ein Bericht über junge Leute aus Mazedonien, die mit Lügen im Internet Geld verdienen müssen, wobei als Zweitverwerter Facebook und eben Google dienen, die damit wohl letztlich diese Lügen finanzieren. Wo genau arbeitet da bitte die künstliche Intelligenz bei Google und inwiefern wird damit mein Leben verbessert? Leider ist die Rolle von Google und Co. im Lügengespinst-Artikel etwas untergegangen. Es wurde viel über das moralische Dilemma der jungen Lügner aus Mazedonien sinniert, wo aber liegt die moralische Verantwortung der Konzerne, die von den Lügen profitieren? –  Klaus Drescher


Leserbrief zu“Wir können auch anders“ von Horst Köhler

Beim ersten Lesen kommt einem die Argumentation Horst Köhlers recht logisch und ausgesprochen lobenswert vor, doch bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass sie zu wenig Rücksicht auf den menschlichen Charakter nimmt, und dieser ist nun mal bis auf wenige Ausnahmen auf Eigennutz programmiert. Selbst die Natur folgte in der Evolution diesem Prinzip, wie uns die Biologen immer wieder erklären.

Jeder weiß inzwischen, dass der Elektroantrieb für Autos besser für die Umwelt wäre, aber erst wenn dieser auch besser für das Portemonnaie ist, wird er sich durchsetzen. Jeder weiß inzwischen, dass wir den Menschen in den armen Ländern „Bildung, Arbeit und Einkommen“ (Köhler) ermöglichen müssten, wir nutzen diese Länder jedoch weitgehend als Rohstoffquellen und liefern den Menschen dort für teures Geld Fertigprodukte, womit wir ihre Ansätze für eigene Einkommensmöglichkeiten ruinieren.

Auch Köhlers Einsicht, dass unsere Demokratie „Raum und Zeit transzedieren“ müsste, um die notwendigen Lösungen zu erreichen, wird auch in Zukunft ein Traum bleiben: Wahlen in der Demokratie lassen sich nicht damit gewinnen, dass man den Leuten verspricht, mehr Geld für die armen Staaten Afrikas aufzuwenden, und auch nicht damit, dass man sich die Verhinderung einer eventuellen Klimakatastrophe in 100 Jahren auf die Fahnen schreibt. Um zu den notwendigen Einsichten bei den Wählern und damit zu den entsprechenden Ergebnissen zu kommen, reicht offensichtlich der jetzige Bildungsstand (noch) nicht aus, weder bei uns noch in den armen Ländern Afrikas. – Karl H. Kirch


 

 

08. Dezember 2016 – Ausgabe 51

Leserbrief zu „Schluss mit dem billigen Geld“ von Lisa Nienhaus und Mark Schieritz

Die beschworenen geplagten deutschen Sparer sind nicht die kleinen Leute, wie es immer so scheinen möchte, wenn man die Artikel zum billigen Geld liest. Knapp die Hälfte aller Haushalte hat keine Ersparnisse. Höhere Zinsen kommen vor Allem sehr wohlhabenden zugute. Um die muss sich Mario Draghi und auch kein Zeitredakteur Sorgen machen. Dank der niedrigen Zinsen kann ich mein in Starkregenfällen untergegangenes denkmalgeschütztes Anwesen wieder herstellen. Danke, Herr Draghi! – Fritjof Möckel


Leserbrief zu „Fürsorgliche Belagerung“ von Thomas Kerstan

Herr Kerstan behauptet, „nicht die andere Kultur der Migrantenkinder ist das Problem, sondern dass viele die Sprache nicht richtig beherrschen und aus benachteiligten Familien stammen“. Wie lernt man die deutsche Sprache? Vor allem durch enge Kontakte zu den Einheimischen. Warum haben viele Migranten diese nicht? „Gleich und gleich gesellt sich gern“: Wenn Migranten nach Deutschland kommen und in Deutschland die gleichen Normen und Werte leben wie in ihrem Heimatland und diese sich aber stark von denen der Einheimischen unterscheiden, können beiderseits keine engen Kontakte entstehen. Die türkische Familie in meinem Bekanntenkreis ist da anders: Die Frau zieht das Kopftuch ab, weil sie die einzige im Dorf ist, der Sohn darf eine katholische Freundin mit nach Hause bringen und muss diese, wie sonst in dieser Kultur üblich, nicht vorher heiraten. Die Eltern bemühen sich aktiv um deutsche Freunde und sind mittlerweile im Dorf voll integriert. Die Kinder haben einen guten Realschulabschluss bzw. Fachabitur. Dennoch haben sie natürlich ihre Religion und bestimmte Traditionen beibehalten, aber nicht 1:1 wie in ihrem Heimatland, sondern angepasst an das Leben in der deutschen Gesellschaft. Leider ist das nicht die Regel. – Anouchka Weber


Leserbrief zu „Quengelzone: Der Reisespekulant“ von Marcus Rohwetter

So richtig habe ich heute Ihre Kolumne nicht verstanden.

Aber wahrscheinlich richtet sich der Artikel an diejenigen, die allen Ernstes glauben, dass man bei einem 69€ Gesamtflugpreis auch einen überbordenden Service hinsichtlich Stornierung und Änderung miterworben hat. Wahrscheinlich auch noch mit Loungezugang, Freigepäck und freie Sitzplatzwahl.

Jeder, der ein wenig bei Mathematik und/oder Wirtschaft in der Schule aufgepasst hat, sollte nun wirklich wissen, dass dies nicht funktionieren kann.

Und das die Werbung nun Schuld sein soll, naja, glauben Sie alles was uns in der Werbung an den Kopf geschmissen wird? Ja? Dann glauben Sie wahrscheinlich auch noch an den Weihnachtsmann. Denn den können wir ja verklagen, wenn Weihnachten nicht so wird, wie es uns die Werbestrategen anpreisen.

Ich vermisse hier einfach den gesunden Menschenverstand – und sonst nix. –Peter K. Weber


Leserbrief zum Titelthema „Was hilft gegen den Populismus?“

Mit zur Ursache von Rechtspopulismus gehört das Gefühl der Ungerechtigkeit (siehe Text unten). Ich wage eine Zukunftsvision und habe mal einen Titel, Schlagzeilen entworfen, die ich so gern in der ZEIT lesen würde. Ganz gemäß Ihres Artikels (im letzten Abschnitt): „Die Zukunftsmusik von einst ist die Realpolitik von heute.“ Wie lange wir darauf wir auf diese Schlagzeilen werden warten müssen? 20, 50, 100, ? Jahre.

Mit diesem Text habe ich den Scan des Titels der aktuellen Zeit-Ausgabe umgeschrieben:

Trendwende beim Rechtspopulismus

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird erstmals wieder geringer. Die ehemals „Abgehängten“, die in  rechtspopulistischen Gruppierungen eine Heimat suchten, sind wieder Teil der Gesellschaft. Am Ende  des Monats bleibt genug im Geldbeutel übrig. Es gibt wieder so etwas wie „Gerechtigkeit“. Aus einem  Gefühl „die da oben machen sowieso was sie wollen“, aus einem Gefühl des „ungerecht behandelt werdens“ speiste sich ein europaweiter Rechtspopulismus, der nun durch mutige EU-politische Maßnahmen gestoppt werden konnte.

EU räumt mit Lobbyismus auf !

Endlich – Europäer von ihrer EU begeistert * dbu Meldung. Es ist eine epochale Tat – vergleichbar mit zuletzt der Trennung von Kirche und Staat. Wirtschaftlobbysisten räumen ihre Büros in Brüssel, Straßburg, Berlin, Rom, Paris, Warschau… in allen europäischen Hauptstädten. Die EU schafft was niemand je für möglich gehalten hätte: Politik wird ab sofort konsequent von wirtschaflichen Interessen, von Lobbyismus getrennt agieren. Auch Steueroasen sind endlich trocken gelegt; Großkonzerne wie Amazon und Co. zahlen Steuern – ein Aus für die Trickserreien. Eine vergleichbar epochale Tat wie zuletzt die Trennung von Kirche und Staat.

Auch die Ökologie hat nun endlich eine Chance.

Wirtschafte Interessen werden maßgeblich für die Zerstörung unserer Umwelt, unseres Klimas  verantwortlich gemacht. Wirtschaftsverbände und ihre Lobbyisten waren nur an kurzfristiger  Gewinnmaximierung interessiert. Nur eine von Wirtschaft unabhängige Politik vermag sich wirklich  für die Interessen ihrer Bürger, ihrer demokratischen Grundrechte und die der Ökologie einzusetzen.. – Beate M.T. Nagel


Leserbrief zu „Ich heirate den Islam“ von Niklas Rebenstein

Ein erschreckender Beitrag. Er zeigt, dass kultureller Rassismus in großen Teilen der muslimischen Bevölkerung vorkommt. Niemanden muss es wundern, wenn rechte Parteien immer stärker werden, solange zwar viel über latenten Rassismus der Nichtmuslime in Deutschland gesprochen wird, nicht aber über den latenten Islamismus. – Jan Alexander


Leserbrief zum Titelthema „Was hilft gegen den Populismus?“

Verderben also viele Köche doch nicht immer den Brei. Der „Brei“ , in diesem Falle eine einleuchtende und zum Teil auch selbstkritische Analyse, kam noch dazu ganz ohne die ZEIT-übliche Zutat „Narrativ“ bzw „Erzählung“ aus. Erstaunlich. – Wilfried Thiede


Leserbrief zu „Gespalten“ von Birte Fuchs, Fabian Klask und Nadine Zeller

Drei Autoren schreiben in tausend Worten – über nichts.

In dem Artikel steht nichts über den Fall, über den mutmaßlichen Täter steht, dass er in einer reichen Villa gewohnt hat und sich in fragwürdiger Gesellschaft im Park aufgehalten haben soll.

Ich frage mich, wozu dieser Artikel geschrieben wurde. Zugegeben, das Thema ist heikel. Aber man muss keinen Artikel dazu schreiben, wenn man so gut wie nichts weiß. – Dr. Joachim Bauer


Leserbrief zum Titelthema „Was hilft gegen den Populismus?“

Ich schätze sehr, dass Sie  Ihre Aufmerksamkeit auf „ Was können wir dem Populismus entgegensetzen? Wie die Demokratie stärken ?

Wie auch in dem heutigen Artikel angesprochen geht es um Wahrhaftigkeit, die verstanden wird und sich in Taten ausdrückt. Gerne nehme ich Ihr Beispiel  auf.“ Die Verantwortlichen die unverantwortliche Geschäfte gemacht haben, von denen wurde keiner zur Verantwortung gezogen, und die dennoch ohne Schamgefühl ihre Boni einnehmen. Das sind Fakten. Alternativen sind gesucht. 

Zu klarer Sprache muss gesagt werden, der VW Konzern hat betrogen, mit seinen falschen Abgasmessungen: BETROGEN ist das klare Wort – und Betrüger werden zur Verantwortung gezogen und NICHT belohnt ( durch Boni!!!) – und dafür haftet nicht die Gesellschaft mit ihren Steuer Zahlungen und auch nicht die Belegschaft ( die aufgrund von Betrügern entlassen werden soll!) Alternativen sind gesucht.

Das Gefühl, Banken vergesellschaften Risiken und Verluste und stecken die Gewinne, an die sie Dank der Steuerzahler wieder kommen konnten, ein!  Das ist ein Fakt, kein Gefühl!  Alternativen sind gesucht.

Wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch, gegen unsere Werte zu handeln, spaltet und kann unsere demokr. Gesellschaft sprengen.     Alternativen sind gesucht.  

Aus diesem Grund würde ich mich sehr freuen, wenn Sie über Alternativen recherchieren würden: Interessant so scheint mir könnte die Gemeinwohlökonomie nach Felber sein.Eine demokratische Alternative, die Gemeinwohl Anstrengungen der Firmen z. B. im Gegenzug Steuererleichterungen nach einem Punkte System, gewährt. Gemeinwohlanstrengungen belohnen, das lohnt – und darin stecken unsere Werte.  Eine Alternative?

Dies soll nur eine Anregung sein. Über z. B. ein Interview mit Christian Felber oder Hintergrundinfos zu seinen Überlegungen und weitere „Recherche Entdeckungen“ ihrerseits, würde ich mich sehr freuen. Alternativen suchen und finden. – Gisela Lehmann


Leserbrief zu „Nichts zu leugnen“ von Stefan Schmitt

Ich habe mich darüber gefreut, dass dieses hochrelevante Thema einen prominenten Platz in Ihrer Zeitung zugesprochen bekommt. Allerdings möchte ich daran erinnern, dass der Treibhauseffekt für uns lebensnotwendig ist und dass ein Klimawandel  bereits seit der Entstehung der Erde vonstatten geht. Sie meinen wahrscheinlich den vom Menschen verstärkten Treibhauseffekt und den anthropogenen Klimawandel? Zudem sollte man nicht vergessen, dass die meisten „Klimawandelskeptiker“ gar nicht bestreiten, dass die Konzentration von CO2, Methan etc. in der Atmosphäre in den letzten Jahrhunderten zugenommen hat. Sie zweifeln jedoch (absurderweise) den Zusammenhang dieser Zunahme mit den vom Menschen verursachten Emissionen an. Möchte man gegen diese Skepsis und für diesen Zusammenhang argumentieren, muss beispielsweise die extreme Konzentrationszunahme von Treibhausgasen in der Atmosphäre in den letzten Jahrzehnten aufgeführt werden. – Jakob von Au


Leserbrief zu „Bob und die Weite des Himmels“ von Navid Kermani

Ist der Herr tatsächlich so naiv, oder treibt er ein perfides Spiel? Bei seiner Rede anlässlich des Marion-Dönhoff-Preises, die in der aktuellen ZEIT abgedruckt ist, weckt er mit seinen sinnlich formulierten Reiseeindrücken zuerst Sympathien für gastfreundliche amerikanische Familien, die ihn im Nordosten der USA zu einer Riesenportion Rührei eingeladen und sich für seine Herkunft und das ferne Deutschland interessiert haben. Er fragt sich erstaunt, weshalb so nette Leute in einem so schönen Bundesstaat wie New Hampshire, einer früheren Hochburg der Demokraten, Trump wählen konnten. Dann vollzieht er eine argumentative Volte und meint, Trump werde in seiner Intelligenz und Weitsicht von den meisten unterschätzt. Von der Gefahr, dass Trump demokratische Standards aufgibt, den Klimawandel leugnet, von seiner Unberechenbarkeit etwa als Commander in Chief usw.: keine Rede. Stattdessen greift er – wie ein willkommener Stichwortlieferant rechter Stimmungsmacher – die demokratischen Parteien an, gibt Hillary Clinton die Schuld am Wahlausgang und weitet seine Fundamentalkritik auf Europa und die deutsche Regierung aus. Immer im Namen der gastfreundlichen Trump-Wähler, die so nett zu ihm waren. In einer Zeit von immer selbstbewusster sich aufführender Präsidialdiktatoren und Rechtspopulisten, die demokratische Errungenschaften verhöhnen, Freiheiten abbauen und sich nicht davor scheuen, Nazivokabeln zu benutzen, ist das ein starkes Stück. Insbesondere für den Gewinner des Preises, den eine Frau gestiftet hat, die sich vorbildlich für Demokratie und Liberalität engagiert hat. Ich bin froh, dass Navid Kermani, der sich bei seiner Rede als schlechtes Gewissen Deutschlands aufgespielt hat, nicht deren Bundespräsident wird. Außerdem hätte er seine Zitate von Bob Dylan usw. besser übersetzen sollen, denn seine englische Aussprache ist grottenschlecht.

Nachbemerkung: Nach Angela Merkel hat es Donald Trump, der von ihr behauptet, sie ruiniere Deutschland, als Person des Jahres auf das Titelbild der TIME geschafft. Allerdings steht unter seinem Konterfei „President of the Devided States of America“. – Thomas Staiber


Leserbrief zum Titelthema „Was hilft gegen den Populismus?“

Super, super super!!!! Ich könnte euch küssen! Dieser Artikel ist eine echte Hilfe zur Orientierung. – Irmhild Knoche


 

 

1. Dezember 2016 – Ausgabe 50

Leserbrief zu „Stellen Sie sich vor, Sie sind Jude.“ von Bastian Berbner

Eleven Forty Two – Guantanamo. What in heaven‘ name has happened to the United States? – Dr. Klaus Milde


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Volltreffer und aus der Seele gesprochen! Woher ( leider eine ganze Menge ) Journalisten ( und auch Kabarettisten ) den Mut und die Überzeugung nehmen, daß man Personen der Öffentlichkeit beleidigen muß, um damit den eigenen Erfolg zu beflügeln, ist mir seit jeher schleierhaft. Kritisieren ist grundsätzlich leichter, als selber konstruktiv und in Verantwortung zu gestalten. Man muß eine Meinung nicht teilen, aber die Andersartigkeit der anderen Meinung, einem anderen Verhalten, ist zu respektieren. Sie sprechen ein zentrales Thema ruhig an: die Qualität der zweiten und dritten Reihe. Es könnte einen grausen, sieht man manche Vertreter der neuen Generation langsam in die Ämter „schleichen“, die außer Politik nichts gelernt oder getan haben. Früher wurde der Politiker berufen, heute drängelt er sich mit aller Macht in die Ämter, häufig bar jeder Erfahrung im “richtigen“ Leben und mit der Angst ausgestattet, daß ein Fehler ihn die Karriere kosten könnte. Jene Karriere, außer der er nichts hat. Denkt man an Strauss, Kohl, Brand, Schmidt und Wehner, die lange Jahre selber die zweite Reihe bildeten ( bilden mußten ) und vergleicht diese mit dem „Nachwuchs“ der heute zur Verfügung steht, kann man Ihnen nur recht geben: die erste Riege ist nicht so einfach zu ersetzen. Auch wenn manche Politiker natürlich manchmal dummes Zeug erzählen oder auch mal am nächsten Tag das Gegenteil vom Vortag, so kann man ihnen dies sicherlich beibiegen, ohne daß man ihnen persönlich unter die Gürtellinie haut. Aber Gift aus sicherer Deckung zu verspritzen ist wohl einfacher, als sich in der ersten Reihe selber zu stellen. –Nico Schifferer


Leserbrief zu „Zur Not noch fünf Jahre“ ein Gespräch mit Lufthansa-Kapitän Thomas von Sturm, geführt von Claus Heckingund Claas Tatje

dem Interview mit Thomas von Sturm möchte ich noch einige Zeilen hinzufügen:  Selbst eine seriöse Zeitung setzt ein Gehalt von 22.000 € für einen LH Kapitän an; dies ist das END-Gehalt nach ca 40 Dienstjahren. Das Durchschnittsgehalt aller  LH Piloten dürfte knapp über 10.000 € liegen. ( Merkwürdigerweise regt sich kein Mensch über die exorbitanten Einnahmen eines Fussballspielers der Bundesliga auf ?? ) Leider haben die Angestellten keinen Einfluss auf die unternehmerischen Entscheidungen des Vorstands. Aber die zitierte Bemerkung von Sarah Wagenknecht trifft das Problem im Kern: es kann sogar soweit kommen, dass die jungen Kollegen bei Eurowings in die (Schein) Selbständigkeit gedrängt werden – wie bei Billigairlines geschehen. Wenn diese Konstruktion dann noch nicht mit den Gesetzen bei uns konform ist, kommen möglicherweise  noch Steuernachzahlungen in beträchtlicher Höhe auf die Kollegen zu. Diese komplizierte Gemengenlage ist natürlich Aussenstehenden sehr schwer nahe zu bringen.  – Peter Hanke


Leserbrief zu „Nischen-Spiele“ von Christof Siemens

Warum sollen an Stelle von ARD und ZDF nicht einmal andere Sender die Olympischen Spiele übertragen? Haben es sich die mit Gebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Sender nicht allzu bequem eingerichtet in ihrem vermeintlichen Gewohnheitsrecht zur Übertragung von sportlichen Großereignissen? Bei den Spielen in Rio waren sie mit sage und schreibe knapp 500 eigenen Mitarbeitern vor Ort, obwohl sie doch viel Material von anderen Anstalten geliefert bekamen.  Und trotzdem gab es Stunden voller Leerlauf mit Wiederholungen in einer Endlos- schleife. Die einfühlsamen Interviews von Frau Müller-Hohenstein („Wie fühlen Sie sich?“) und die sachkundigen Kommentare der „Experten“ („Am Ende wurde es noch einmal knapp!“) können sicherlich auch andere Anstalten liefern. – W.-R. Heilmann


Leserbrief zu „Ich bin ja kein Diktator“ ein Interview mit Mick Jagger von Christoph Dallach

Wenn alle Ihrer Auskunft nach „seltenen Interviews“ mit Mick Jagger  so oberflächlich, inhaltsleer und teilweise absurd sind wie dieses, dann kann man ja nur froh sein über diese Jagger-untypische Mäßigung. Glauben Sie im Ernst, dass Jagger „rumgefahren“ ist, um nach einem „passenden Ort“ für die Aufnahme des neuen Albums zu suchen und dabei, wie praktisch, auf das nahegelegene Studio von Mark Knopfler gestoßen ist? Und was soll dieser Ausbruch gegen Frank Sinatra? Ausgerechnet  nach Fertigstellung eines Albums, das nur Cover-Versionen enthält, wirft er diesem vor, ein „klassischer Interpret“ zu sein, der „nie einen Song geschrieben hat“. Wenn Ron Wood „eigentlich eine Million mal üben müsste“, um die Gitarrenmelodien „hinzubekommen“ – wie unvollkommen muss dann ein Album sein, das (inkl. „Fingerübungen“ und Auswahl des Materials!) in nur drei Tagen hinuntergespielt wurde? Wäre es nicht ohnehin viel besser gewesen, einfach nur ein Album mit den zwölf Originalversionen herauszubringen, als sich bei einem Neu- aufguss, armer Ron Wood,  die Finger blutig zu spielen? – W.-R. Heilmann 


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Ich gebe Ihnen durchaus recht. Bezüglich der kommenden Wahlen habe ich sogar schon daran gedacht, die CDU zu wählen. Ich, eine alte Grünen-Wählerin! Aber nur aus taktischen Gründen: Eine AfD möchte ich auf keinen Fall. Davor fürchte ich mich, wie vor Trump oder Le Pen oder Wilder. Und hoffentlich wählt Österreich nicht populistisch! Dass Merkel weiterhin zu “ keine Begrenzung“ nach oben steht, rechne ich ihr hoch an! – Sieglinde Kaßbaum  


Leserbrief zu „Du warst unser Vorbild, mein Vorbild“ ein Leserbrief von Anna Fischer

Anna Fischer, begnadete Schauspieler, textet einen Brief an Rio Reiser und erzählt dabei fast ihr ganzes Leben… Selten so etwas Schönes gelesen. Das Wort Geniestreich greift noch zu kurz. Schreib‘ ein Buch, Anna, möglichst bald ! – Michael Zimmermann


 Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Der Gegensatz könnte nicht größer sein : Die Leserbriefe der letzten Ausgabe attestieren in der Mehrzahl den Herren Joffe und Ulrich eine Überheblichkeit und Abgehobenheit vom Geschehen (ob nun gefühlt oder real sei dahingestellt ) und in diesem Artikel schreibt Herr Ulrich weiter als sei nichts geschehen .  Es sind die anderen Journalisten und Zeitungen, die danebenliegen oder übers Ziel hinausschießen – natürlich nicht man selbst. Das erinnert so klar an den Leitartikel im „Zett“ letzter Woche über die Spaltung – die anderen sind die Bösen : ich bin gut. Einfach interessant zu beobachten . – Wolfgang Michel   


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Ich gebe Ihnen durchaus recht. Bezüglich der kommenden Wahlen habe ich sogar schon daran gedacht, die CDU zu wählen. Ich, eine alte Grünen-Wählerin! Aber nur aus taktischen Gründen: Eine AfD möchte ich auf keinen Fall. Davor fürchte ich mich, wie vor Trump oder Le Pen oder Wilder. Und hoffentlich wählt Österreich nicht populistisch! Dass Merkel weiterhin zu “ keine Begrenzung“ nach oben steht, rechne ich ihr hoch an! – Sieglinde Kaßbaum


Leserbrief zum Titelthema „Der Mensch nebenan“

In München eine Wohnung zu finden ist aufregender als eine Atlantiküberquerung in einer Nussschale. Wobei bei Meeresabenteuern die Unwägbarkeiten eingrenzbar sind (Wind, Wetter, physische Konstitution). Um in Schwabing-West eine Bleibe zu ergattern, die ansprechend, zahlbar und dann noch zu haben ist, muss man entweder sämtliche Makler bestechen – oder unverschämtes Glück haben. Letzteres war unserer kleinen Familie beschieden. Mehr noch: die Jungs fanden die neue Bleibe auch okay. Was einem 11- und einem 8-Jährigen zusagt, sollte uns recht sein.

Schieflage

Der Vermieter konnte uns aussuchen, wir konnten die Wohnung aussuchen, die Nachbarn hingegen waren gesetzt – und ob der sich abzeichnenden Veränderung wenig erfreut. Ein Jahr lang standen die Räumlichkeiten in der Nummer 23 leer. Man hatte sich daran gewöhnt, dass vom Erdgeschoss Mitte kein Lärm, kein Ton, nicht mal ein Tönchen kam. Niemand rührte sich dort, verunreinigte das Treppenhaus, knallte die Haustüre zu oder belegte einen der begehrten Tiefgaragenplätze. Der Einzug der Unkrigs beendete die Idylle.

Dass Links und Rechts unser Auftauchen argwöhnisch beäugten, realisierten wir erst gar nicht. Wir richteten das neue Zuhause ein, schnitten die Sträucher zurück, zupften Unkraut zurecht und belebten den Balkon mit Landhausdeko. Zum Leidwesen der Anstösser fassten wir den Ausdruck «Gemeinschaftsgarten» so auf, dass man auf dem Rasenflecken zusammen etwas ausrichten könnte: Feierabendbier, Grillspass, Sandmuschel für die Kleinen. Dabei hatte man sich tunlichst von diesem eingezäunten Areal fernzuhalten … Als wir die dreissig Quadratmeter von Moos und Steinen befreien wollten, schritt die Hausverwaltung ein. Als der Fensterbauer die neuen Glasscheiben an der Mauer deponierte, schrie sich ein Mitglied des Verwaltungsbeirats die Protest-Kehle heiser (obgleich er selbst den Beschluss zum Austausch dieser Elemente unterschrieben hatte). Als unsere Söhne ihr ferngesteuertes Auto im Gemeinschaftsgarten kreisen liessen, klingelte der ältere Herr aus der 21 und ermahnte uns, dem «Gedröhne» ein Ende zu setzen. Es störe seinen Mittagsschlaf. Mit anderen Worten: Wir hatten uns in kürzester Zeit beliebt gemacht!

Zwecks Entschärfung der Situation luden wir zum Brunch ein. Nahezu alle kreuzten auf. Sei es um die Nase zu strecken, sei es um zu sehen, wie die «Krachmacher» so wohnen. Einzig die Frau von nebenan schlug die Einladung aus. Wir wussten wenig von ihr: dass zwei Namen auf dem Türschild standen, aber nur eine Person ein und aus ging. Dass der Papagei bei schönem Wetter Ausgang erhielt, der dunkelgrüne Sportwagen jedoch vor sich hin rostete. Dass sie einen kunstvoll verwunschenen Garten besass, in welchen sie niemanden reinliess. Dass ihr Mann verstorben sein musste und sie vorher unsere Wohnung als Büro benutzt hatte. Allmählich dämmerte es mir: Frau Forsch hatte nie einen Mucks von «drüben» gehört. Tagsüber war sie hier, an ihrem Schreibtisch, und machte ihren eigenen Radau (der bekanntlich nicht nervt). Abends befand sie sich in ihren Privaträumen, neben dem unbenutzten Office (das jetzt bestimmt nicht mehr so gepflegt war. Man denke nur an die Schleiflackabdeckung der Küche oder den von ihr ausgesuchten teuren Parkettboden …). Eigentlich paradox: Sie hauste allein in vier Zimmern, während sich hinter der Wand – an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz – vier Personen drei Zimmer teilten. Hinzu kam ein Ungleichgewicht der anderen Art: Sie konnte in drei andere Räume flüchten, wenn es ungemütlich wurde. Bei uns hingegen fiel – wie beim Sesseltanz – für den Überzähligen kein Rückzugsort ab. Wen wundert´s, dass es zuweilen wild zu und her ging!

Einen Monat später erwischte es die Anstösserin eiskalt, als sie sich beim Hauseigentümer über die unmögliche Nachbarschaft, speziell die Zugezogenen, beschweren wollte. «Kinderlärm? Ich verstehe Sie leider im Moment ganz schlecht. Meine Frau ist unterwegs und ich bin allein mit den drei Rabauken. Im Hintergrund streiten sich gerade zwei um eine Playmobilfigur: den Bauarbeiter mit Bierkasten Den gibt es in der aktuellen Kollektion übrigens nicht mehr. Wegen Political Correctness und so. Sie sehen, mit den Kids bleibt man am Ball!» Hier hatte die Geplagte kein Verständnis zu erwarten. Begeisterte Freizeitväter liessen ihresgleichen unbehelligt … An Weihnachten startete Frau Forsch den Gegenangriff. Sie liess Getränke anliefern, holte Schwarzarbeiter ins Haus und zog über die Festtage eine neue Decke ein (lautes Hämmern zu «Stille Nacht»). Ab Neujahr klopfte sie bei jedem Pieps gegen die Wand. Als ich reklamierte, meinte sie kurz angebunden, sie hätte Migräne und müsse sich auf diese Weise abreagieren. Wir studierten daraufhin den Mondkalender, um die Vorhersehbarkeit weiterer Anfälle ungefähr abzuschätzen. Gleichzeitig verlangten die Kids nach Erklärungen, warum die Nachbarin unaufhörlich die Treppe rauf runter renne. Mein Verweis auf die innere Unruhe gewisser Menschen überzeugte sie nicht. Ich doppelte nach: «Ihr weint, zwängelt oder reisst den Legomännchen den Kopf ab, wenn euch etwas nervt. Das können Erwachsene nicht. Sie müssen sich anderswie behelfen!» «Indem sie auf den Stufen stapfen? Tun, was wir nicht dürfen?», fragte der Grössere. Der Jüngere pflichtete ihm bei: «Sie grüsst nicht, schaut grimmig, grantelt ständig vor sich hin. Die hat definitiv einen Flick weg!»

Wir wechselten in der Folge wöchentlich die Strategie: Ignorieren, Aushalten, paradoxe Intervention (etwa für ihre Freundlichkeit danken). Nichts nützte! Der Nachwuchs stellt die Buchstaben am Klingelbrett um (von «Forsch» zu «Frosch»), brachte dem Papagei das Wort «Zicke» bei, schrieb «Upps» in den Staub auf der Rückscheibe ihres verstaubten Wagens und übergab der Dame süss lächelnd die DHL-Pakete, welche der Paketbote bei uns ablieferte; mit dem Ausdruck des Bedauerns, dass die Adressatin umgekehrt unsere Sendungen stets ablehne. Die «Forscherin» nahm es ungerührt zur Kenntnis.

Nach fünf Jahren hatten wir uns auf die gegenseitige Piesackerei eingestellt, bis die Widersacherin urplötzlich verschwand. Spurlos, von einem Tag auf den anderen, aus dem schwarzen Nichts heraus. Sie war weg, einfach so. Das abgeklaubte Schild auf dem Briefkasten deutete daraufhin, dass sie nicht vorhatte, zurückzukommen. Kein Geräusch drang aus der anderen Wohnung zu uns, kein Laut von uns zu ihr. Keiner zuckte zusammen, weil es «wieder lospolterte». Keiner polterte zurück. Wir schlichen wie bis anhin auf Zehenspitzen herum. Zum einen weil wir uns dies so angewöhnt hatten. Zum anderen um zu horchen, ob sich nicht doch etwas rührte, nebenan. Das einzige, das gelegentlich tickte, war ihre Standuhr. Ansonsten herrschte gegen Norden eine eigenartige Ruhe. Der Hauswart bestätigte die Beobachtung: In letzter Zeit hätte er unsere Nachbarin weder gesehen noch gehört. Vermutlich sei sie ausgezogen. Sie hätte sich allerdings weder verabschiedet noch abgemeldet. Ich war enttäuscht. Mir nichts dir nichts in Luft aufgelöst … Zumindest wäre zu erwarten gewesen, dass sie beim letzten Vorübergehen kräftig gegen unsere Tür tritt!

Die «Villa nervosa», wie wir ihr Refugium nannten, verharrt seither im Winterschlaf. Ohne Entrümpeln, Renovation oder Neuvergabe. Sie zählt zum angeblich nicht existenten Leerwohnungsbestand dieser Stadt.

Namen und Umstände leicht verändert – Karin Unkrig


Leserbrief zu „Nischen-Spiele“ von Christof Siemens

Es hat seinen Grund warum die Leute auf die Frage nach dem Motto der olympischen Spiele mit „Dabei sein ist alles!“, statt dem eigentlich richtigen „schneller, höher, stärker“ antworten. Ich habe den verdacht, dass durch diesen Medaillenhunger, die Zukunft Olympias wie die der Tour de France laufen wird. Also in der Regel nicht auf deutschen Fernsehern. Ein Sport ohne bekannten Sieger ist vielleicht uninteressant, doch ein gedopter Sieger wird auf dauer nicht als so einer akzeptiert. Wenn sich diese  Erkenntnis nicht bald bei Sportlern und Investoren durchsetzt liegt die Zukunft des Sports wohl in Sportarten wo doping ausgeschlossen oder weniger relevant ist. Ich für meinen Teil freue mich schon auf die nächste Schach-WM. – Jonas Hubrich 


Leserbrief zu „Aufstand gegen den Freihandel“ von Lisa Nienhaus und Jens Tönnesmann

Nach all den guten Artikeln zum Thema „Freihandel“ in dieser Zeitung starre ich ungläubig und entsetzt auf diesen Bericht, der mit „Aufstand gegen den Freihandel“ überschrieben ist und frage mich, weshalb sie den Rechtsruck unbedingt befeuern wollen? Wenn man es falsch findet, dass Konzerne Staaten verklagen können, weil ihre Gewinnerwartung nicht eingetreten ist, dann ist man Globalisierungsgegner? Wenn man der unumkehrbaren Privatisierung skeptisch gegenüber steht, weil sich immer wieder gezeigt hat, dass ein Unternehmen nicht anders kann, als Gewinn orientiert zu arbeiten, dann hat man was gegen weltweiten Handel? Ich möchte das nicht weiter vortsetzen. Nur so viel: Nach Angst kommt Wut und dem entsprechend wählt man. Was sie, sehr geehrte Frau Nienhaus und sehr geehrter Herr Tönnesmann, mit diesem Artikel erreichen wollten, ist mir nicht klar. Sie haben bei mir allerdings den Verdacht erhärtet, dass es tatsächlich allein das Geld ist, welches diese Welt beherrscht. – Ellen Gause


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Warum soll der Leser B. Ulrichs Analyse bevorzugen? Die Kanzlerin hat sich z. B. stur über ein Jahr über jegliche Kritik wegen der Fluchtlingskrise hinweggesetzt, das Land in EU isoliert. – Marek Pelc


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Hochachtung gegenüber Bernd Ulrich für seinen Artikel „Vermisst:  Respekt“ und gleichermaßen gegenüber Tina Hildebrandt für ihren Nachruf auf Peter Hintze „Ein superfeiner Kerl“. Bernd Ulrich hat klug und objektiv längst überfällige Gedanken formuliert und zu Papier gebracht. Tina Hildebrandt hat Peter Hintze zwischenmenschlich feinfühlig, warmherzig und spürbar ehrlich gedacht.  Beide Veröffentlichungen sind in unserer heutigen Zeit wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Insofern meinerseits: Respekt und Hochachtung. –  Uwe Rabe


Leserbrief zum Titelthema „Der Mensch nebenan“

Die Untersuchung zum Thema Nachbarschaft hat mir sehr gut gefallen. Mit diesem Thema beschäftige ich mich schon lange. Wir haben immer gute Nachbarn gehabt. Deshalb habe ich das beigefügte „Hohe Lied“ auf die gute Nachbarschaft gedichtet:

Gute Nachbarschaft –

Niemand kann in Frieden leben,

wenn es dem Nachbarn nicht gefällt.

Drum ist ein guter Nachbar

Das Schönste auf der Welt.

Hallo und Guten Morgen,

Nettigkeiten hin und her

Plauschen über Freud und Sorgen

Zu wissen: da ist ja noch wer.

Das alles macht das Leben aus,

Und bringt Frieden Haus bei Haus.

Im andern Fall gibt’s Weh und Ach.

Es herrschen nur noch Streit und Krach.

Am Ende bleibt man auf der Strecke.

Keiner kommt mehr aus der Ecke.

Das müsste eigentlich nicht sein !

Nur mancher sieht es halt nicht ein.   – Dr. Klaus Kuntz


Leserbrief zu „Zur Not noch fünf Jahre“ ein Gespräch mit Lufthansa-Kapitän Thomas von Sturm, geführt von Claus Heckingund Claas Tatje

Ich habe den Eindruck, dass dem Lufthansa-Piloten die Dritte Dimension nicht bekommt. An Überheblichkeit sind die Ausführungen des Lufthansa-Kapitän kaum noch zu überbieten. Herr von Sturm tritt alle fünf Jahre in Erscheinung um 20 Prozent mehr Lohn zu fordern!

Warum?  – weil sich ihre Löhne unterhalb der Inflationsrate entwickelt haben – dieses Argument ist einfach falsch, vielleicht meint er die Inflationsrate im Ausland!?  – weil sie für den Erhalt der Werte, für ihre Sicherheitskultur  und den Service für die Passagiere kämpfen – dass sind natürlich zusätzliche Aufgaben, die unabhängig von A nach B zu fliegen, gesondert vergütet werden müssen! Bei 14 Streiks in den   vergangenen Monaten ist der erkämpfte Service für die Passagiere sehr beachtlich!  – weil die Passagiere wegen knappen Bordessens mit Äpfel aus dem Crew-Obstkorb versorgt werden!  – weil der Konzern Gewinn macht!

Wenn der Konzern keine Gewinne mehr macht, dann dürften die Piloten die hervorragende Hartz IV-Regellung in der Zweiten Dimension genießen.   –  Dieter Krause


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Jens Jessen

Mit der aktuellen Ansage von Jens Jessen hat er mich, was selten genug passiert, überzeugt. Gerade Herr Jessen macht es mir mitunter schwer, da seine persönliche Einstellung mir im Gesamtspektrum der ZEIT oftmals ein wenig zu rechts erscheint. So rechts etwa wie die Union der achtziger Jahre. Das schlägt sich nieder in dem Anschein einer schier unantastbaren Amerika-Orientierung und desweilen auch in einem teilweise für liberale Leser recht starken Hang zum Militarismus.

Hier jedoch hat er mich voll erreicht mit seinem Aufruf zur eigentlich aufklärerischen Haltung, zum „Mut sich seines eigenen Verstandes zu bedienen“ anstatt dem Dogma der Politischen Korrektheit hörig zu sein. Und doch, auch ich bin der Meinung, man sollte auf die AfD zugehen und die Tür zum Gespräch offenhalten. Aber eben nicht zu deren, sondern zu zivilisiert-mitteleuropäischen Bedingungen. Herr Jessen hat hier, vielleicht ohne es zu wollen, tatsächlich eine Lanze gebrochen für die wirklich linke Haltung: geht mal wieder auf die Straße, macht kaputt, was Euch kaputt macht! Freilich nicht im Wortsinn, aber doch in jenem, nicht wort- und tatenlos zuzusehen, wie Teile der in einem Gefühlstaumel von scheinbarer Bevormundung die Grundwerte unseres Staates, Einigkeit und Recht und Freiheit, korrumpieren. Oder mit anderen Worten: Wehret den Anfängen! – B.-Ole Juhnke


Leserbrief zu „Warum spricht Merkel nicht in Italien ?“ von Matthias Krupa

Ich glaube auch, dass eine Einmischung Merkels in die italienische Auseinandersetzung kontraproduktiv gewesen waere: die Italiener wollen sich nicht von einer Preussin sagen lassen, was sie tun sollen und was nicht. Wenn aber nach dem Erdbeben in Mittelitalien Deutschland sich solidarisch gezeigt und grosszuegige Hilfe angeboten haette, vielleicht haette das geholfen ? Und natuerlich, wenn man Italien nicht jahrelang mit dem Fluechtlingsproblem allein gelassen haette. – Hermann Weigmann


Leserbrief zu „Stoppt das Ding“ von Hanno Rauterberg

Die Wettbewerbsentscheidung für sich und erst recht der Beitrag von H. R. animieren, die Wettbewerbsarbeiten in Augenschein zu nehmen.

Es scheint, als seien insbesondere folgende Gründe maßgebend für die Wettbewerbsentscheidung zugunsten des 1. Preises gewesen

– der Bedarf des Museums nach weitestgehender Gestaltungsmöglichkeit und die Möglichkeit, Raumreserven innerhalb der Gebäudegroßform nachträglich zu schaffen

– die Homogenität des Baukörpers (später vom Entwurfsbüro als Archetypus bezeichnet)

– und das ja bereits bekannte “Kleid“ perforierter Ziegelornamentik, bei Dunkelheit in ausgeklügelter Weise aus der Wand heraus beleuchtet.

Keine so entscheidende Rolle hat (offenbar schon in der Ausschreibung) die städtebauliche Leitidee des Scharoun´schen Städtebaus, der Gedanke eines Kulturforums aus den 1970er Jahren, gespielt, die bereits in der Ausschreibung der realen Verkehrssituation geopfert wurde. Wenn nur ein zusammenhangloses Konglomerat von Kulturbauten mit einem Mega-Dach mittenmang der 1. Preis dieses Wettbewerbs ist ohne ein Forum, d. h. ohne einen mittendrin gelegenen Platz oder eine Platzfolge mit Bezügen zu allen anliegenden Kulturbauten, dann muss doch was schief gelaufen sein.

Es finden sich aber in anderen Entwürfen (z. B. Büro Lundberg und Tranberg, 2. Preis; Büro Bruno Fioretti Marquez, 3. Preis; Büro Volker Staab, Anerkennung) durchaus städtebauliche Qualitäten wie Aufnahme des Genius Loci, Schaffung von Teilräumen etc. Nur leider nicht bei dem überdimensionierten (ca. 70 x 130 m) Siegerschuppen. – Carl-Georg Schulz


Leserbrief zu „Unter Strom“ von Maximilian Probst

Mit großem Entsetzen habe ich die Überschrift zu diesem Artikel und dann den Artikel gelesen.Herr Probst vergleicht den großen Reformator Dr. Martin Luther mit Herrn Siemens wegen einer technischen Erfindung. Sein Vergleich ist abwegig und nicht zulässig, er zeugt von großer Unkenntnis. Herr Probst könnte auch schreiben: Was der Kuh hinten rausfällt wäre frisches Gras und es wäre nicht wahr.

Luther, Zwingli, Calvin und andere Reformatoren standen einem religiösen (päpstlichen) System gegenüber, das behauptete, Gott zu dienen und Christus zu lieben, während es ihn mit seinen Taten verleugnete. Das päpstliche System besaß in großen Teilen Europas praktisch alle politische und religiöse Macht. Dieses System kennzeichnete besonders die Verbreitung menschlicher Lehren anstelle der biblischen Wahrheit, sein verfolgender Charakter und seine offene Feindschaft gegen Gottes heiliges Gesetz (Gottes 10 Gebote, nicht die aus den Kathechismen).

Das und nur das war der Beginn der Reformation und die Reformatoren hatten den aufrichtigen und tiefen Wunsch eine Reformation in das religiöse Gefüge zu bringen und  diesem System entgegenzutreten, indem die Bibel in die entsprechenden Landes-Sprachen übersetzt wurden, so konnte die göttliche Wahrheit den Menschen zugänglich gemacht werden.

Der Buchdruck half bei der Verbreitung der Reformation und nicht umgekehrt, wie Herr Probst schreibt ,ohne Buchdruck – keine Reformation. Mögen die Menschen überhaupt und mehr in der Luhter-Bibel lesen. – Wilfried Schwarz


Leserbrief zu „Aufstand gegen den Freihandel“ von Lisa Nienhaus und Jens Tönnesmann

Der Wirtschaftsteil der ZEIT war im Vergleich zu anderen Qualitätszeitungen ja schon oft recht schwach – ob aus ideologischen Gründen oder mangelndem Sachverstand sei einmal dahingestellt. Wenn Frau Nienhaus und Herr Tönnesmann nun in ihrem Artikel über Freihandel behaupten, die Südpfalz sei Globalisierungsverlierer wegen der niedergegangenen Textilindustrie, ist man als Südpfälzer (fast) sprachlos. In der Südpfalz gab es nie eine nennenswerte Textilindustrie und die Südpfalz ist eine prosperierende Region in Rheinland-Pfalz. Schaut man die (sehr kleine) Deutschlandkarte an, sieht man eine Region, die der Kenner als Westpfalz bezeichnet, als Globalisierungsverlierer.

Dort gab es eine Schuhindustrie, die heute nur noch in kleinen Resten existiert, wobei der Abzug amerikanischer Truppen vermutlich ebenso zu den wirtschaftlichen Problemen beitrug. Die Autoren fahren dann ausgerechnet nach Ludwigshafen um mit einem Globalisierungsgewinner zu sprechen. Ludwigshafen liegt nun wirklich in der Pfalz (vermutlich sogar in der  Südpfalz) und hat mit der BASF einen global player und Gewinner der Globalisierung par excellence zu bieten. Ist das nun mangelnde Sorgfalt beim Recherchieren, hat das Thema die Autoren nicht besonders interessiert oder was führt zu solchen eklatanten handwerklichen Mängeln eines Artikels? Kann man dem Rest des Artikels Glauben schenken oder muss man alles selber nachrecherchieren?  – Erich Reimann


 Leserbrief zu „Wir warten auf das Ende“ von Andrea Böhm

Ich bin Grundschullehrer in Saarbrücken und habe über Abdulkafi Alhamdo in der Zeit gelesen. Das hat mich dazu veranlasst mit ihm in Kontakt zu treten, da er Kinder in dieser schrecklichen Situation trotzdem unterrichtet. Was für ein mutiger Mensch. Ich bin mit ihm in Kontakt getreten, um ihm zu zeigen, dass er nicht ganz alleine ist. Ich kann ihm leider nur Mut per Messanger machen in dieser verzweifelten Situation. Das ist das Wenige was ich machen kann. Mich treibt der Gedanke um, wie wir ihm weiter helfen können, da seine Frau krank ist. Er sprach davon, dass ihn der Gedanke umtreibt, wenn er nicht das Grauen überlebt, wer sich um seine Frau und seine Tochter kümmert. Wir sollten uns Gedanken machen, wie wir ihn unterstützen könnten, wenn er hoffentlich das Grauen überlebt, auch sie als Zeitung. Deshalb bitte ich Sie um Unterstützung. Vielleicht fällt Ihnen da etwas ein, wie wir seine Zukunft mit Ihrer Hilfe begleiten und unterstützen können, wenn er aus Aleppo lebend rauskommt.  – Johannes Nettesheim


Leserbrief zu „Ist die Ungleichheit schuld?“ ein Streit zwischen Marcel Fratzscher und Clemens Fuest, das Gespräch führten Kolja Rudzio und Mark Schieritz

Zitat: „Wir haben es mit einer Ablehnung liberaler Werte wie Toleranz und Offenheit zu tun“.

Ein typischer Trugschluss,  denn ich glaube, es werden eher die Vertreter und Verkünder dieser Werte abgelehnt. – Franz Kumpfmüller


Leserbrief zu „Die liberale Gesellschaft und die irre Suche nach ihren Feinden“ von Ijoma Mangold

Dass Identitätspolitik sowohl rechts wie links geht, liegt schlicht daran, dass beidem der Identitätswahn zugrundeliegt. Dabei hatte Prof. Oswiecenski, der bekannte Erforscher menschlichen Irrsinns, schon vor Jahren festgestellt: „Das, was die meisten Menschen für sich selber halten, nämlich ihre so genannte Identität, ist nur ein weit verbreiteter Glaube, der nachweislich falsch ist.“ – Dr. Jens Lipski


Leserbrief zu „Ist die Ungleichheit schuld?“ ein Streit zwischen Marcel Fratzscher und Clemens Fuest, das Gespräch führten Kolja Rudzio und Mark Schieritz

Haben sie eigentlich gemerkt, mit wem* (Clemens Fuest) sie hier diskutiert haben? * das „wem“ bezieht sich auf den Charakter Clemens Fuest ist ein Rhetoriker und Lobbyist. Seine Argumentationsweisen ähneln sehr stark denen von Donald Trump! Da sind Sie mit Ihren Fakten eher chancenlos. Nur ein Beispiel: „Tatsache ist auch, dass die Ungleichheit mit Blick auf Lebenschancen, soziale Mobilität, Vermögen und auch bei Einkommen über die vergangenen Jahre stark zugenommen hat. Das ist die zentrale politische Herausforderung.“ Was entgegnet Clemens Fuest?: Das sehe ich anders. Unzufriedenheit mit der etablierten Politik lässt sich …“ Hier beginnt dann schlimme Rhetorik, Haben Sie’s gemerkt Herr Fratzscher? Haben Sie’s gemerkt, und/oder auch die Gesprächsführenden von DIE ZEIT? Kolja Rudzio und Mark Schieritz? Zumindestens die Fragen von Kolja Rudzio und Mark Schieritz deuten darauf hin, dass beide eher faktenorientiert gepolt sind und sich nicht emotional und faktenverdrehend vereinnahmen lassen.

Zurück zum von mir hier angeführten Beispiel: Clemens Fuest hätte besser so geantwortet: „Das sehe ich etwas anders, Teile ihrer Argumente könn(t)en ja stimmen, aber …“ Wenn er so geantwortet hätte, dann würde meine Beurteilung von ihm nicht Rhetoriker, sondern Super-Rhetoriker gewesen sein. Nur -, was hilft das Ihnen, NICHTS! Der Einzige, der davon profitiert wäre Clemens Fuest. Der merkt sich solche Einwände und Hinweise von mir. Der macht dieser Fehler nicht noch einmal! Das bedeutet, dass Sie bei einem nochmaligen Gespräch mit Clemens Fuest noch eine schlechtere Figur abgeben werden. Was wäre einzig richtig und auch möglich gewesen in Ihrem Gespräch mit Clemens Fuest? Die beiden Gesprächsführer Kolja Rudzio und Mark Schieritz, die, wie ich weiter oben schon schrieb, eher faktenorientiert unterwegs waren, die hatten die Hebel in der Hand, die üble Rhetorik von Clemens Fuest aufzudecken. Zu was hätte das geführt? Zu einem Abbruch des Gespräches seitens Clemens Fuest.

Was sollen Ihnen diese letzten 3 Sätze sagen geschätzter Marcel Fratzscher? Sie sollten das Gespräch abbrechen, wenn Sie solche Rhetorik der Gegenseite bemerken (gegen die Sie wahrscheinlich chancenlos sind – und wenn Sie keine Hilfe von den Gesprächsführern bekommen). Sie haben deshalb keine Hilfe von Kolja Rudzio und Mark Schieritz bekommen können, da diese (ich kenne beide nicht) wahrscheinlich zu jung sind, um diese Rhetorik von Clemens Fuest zu durchschauen. Wer der amerikanische Wähler durchschaute die extrem üble Rhetorik von Donald Trump? Wer der deutschen Wähler durchschaute die üble Rhetorik einiger AfD-Politiker? Nicht viele Menschen – richtig Herr Fratzscher? Was ist das Geheimnis solch übler Rhetorik? Sie wird von den meisten Menschen nicht durchschaut, ich denke mal es sind weit über 90%, die solch üble Rhetorik nicht durchschauen. Nur -, was bleibt bei vielen Menschen, über lange Zeiträume der rhetorischen Beeinflussung, im Unterbewusstsein haften: Sie empfinden, dass sie an der Nase herumgeführt werden, im sprichwörtlichen Sinne. Was machen diese, sagen wir es mal richtig, was machen diese hochgradig verarschten Leute? Sie wenden sich ab!!!

Letzte Frage an Sie: Was ist das Geheimnis des Erfolges solch übler Rhetorik?   Donald Trump, wie auch unsere AfD-Politiker sagen in einem Punkte die Wahrheit, die – für die Masse – leicht verständliche Wahrheit. In Amerika ist es das, alles besitzende, Establishment, bei uns ist es das gebetsmühlenartige Wiederholen einer frechen Lüge hochrangiger Politiker „Der Islam gehört zu Deutschland“. Die AfD spricht über 70% der Deutschen aus tiefstem Herzen, dass „Der Islam nicht zu Deutschland gehört“ Jetzt kommt das Wichtigste: Im Fahrwasser solch „richtiger Behauptungen“ können Donald Trump und auch unsere AfD-Politiker viel Übles sagen. Dieses Üble wird, wie Kröten, von den meisten Menschen geschluckt, weil es auf einer richtigen Grundbehauptung mitgeschwemmt wird.

Zum Abschluss auf Ihre Gesprächsführer, Kolja Rudzio und Mark Schieritz, zu kommen: Sehen Sie es ihnen nach, dass sie Ihnen nicht halfen – sie konnten es nicht. Seien Sie Kolja Rudzio und Mark Schieritz gegenüber nachsichtig, ich bin es auch! – Ulrich H. Rose


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Jens Jessen

Mir scheint, der berechtigt genussvolle Blick aufs Selbst sowie Ihresgleichen verhindert entscheidende Erkenntnis: Ihr Verständnis, Vermögen, Verhalten ist exklusiv. Toll, was alles Sie wissen, können und leisten, Sie sind offensichtlich gut gebildet. – Wirklich: sehr toll! – Ich meine das so.

Empathie setzt meines Wissens neben Veranlagung ebenfalls Bildung voraus: Herzensbildung. Das mag allgemeiner Anspruch sein, es sieht aber nicht nach Standard aus, oder? Mitmenschlichkeit muss man sich erst mal leisten können. Und was Altruismus meint, weiß kaum jemand. Für mein Gefühl schreiben Sie ausm Wolkenkuckucksheim.

Ich habe jahrelang im Süden von München da gewohnt, wo es zum gern kommunizierten Problem gehörte, dass es weniger gute Kapitalanlagemöglichkeiten gibt als hereinsprudelndes Geld. Tragisch! – Und ich weiß ganz sicher, dass ausgerechnet unter diesen verzweifelten Menschen neun von zehn ernsthaft meinen, Sie liefen am Limit. Ich fürchte, mit Ihrer Vorstellung von Mitmenschlichkeit überfordern Sie die angestrengten Leistungsträger. Ich jedenfalls habe selten weniger Empathie und Mitmenschlichkeit erfahren als unter solchen. … Neureich ist leider gänzlich anderes als breit gebildet, dafür weit verbreitet.

Zunehmender Verbreitung und Popularität erfreuen sich in diesen Zeiten die auffälligen und lästigen bis gefährlichen „Problembürger“, für deren „Kleinhalten“ Sie plädieren, für geistige Internierung, Konditionierung vs. Aufklärung? – Von mir aus! Weichgespülte Werte-Diskussion über Ethik sowie diesbezüglichen Anspruch langweilt auch mich längst und am Schluss verstehen wir uns womöglich wieder nicht.

Vielleicht aber verstehen Sie, dass schnell wachsende „Internierungslager voller Unaufgeklärter und Ungeschulter“ verdammt viel Aufsicht benötigen? Bitte erklären Sie mir, wo Sie bei abnehmender Potenz und zunehmender Dekadenz fähige „Aufseher“ rekrutieren wollen oder gar Verantwortliche für Legislative, Exekutive und Judikative?

Beispiel:

Sie wissen, dass 60 Mio. Tagesdosen Methylphenidat jährlich in Deutschland durch alle Schichten verbraucht werden, meist Jungs die Droge bekommen, damit sie nicht hampeln, sozial unverträglich sind? Und zusätzlich 21 Prozent aller jungen Männer Cannabis konsumieren? – Fühlen Sie sich wohl bei der Vorstellung, dass zukünftig zwangsläufig auch aus diesen Gruppen Verantwortliche kommen werden? Also solche, die ohne Ritalin, Medikinet, Cannabis oder noch Üblerem eigentlich angebunden gehörten?

Meinen Sie nicht, es käme zu besserem Ergebnis, wenn man mit nie dagewesenem Aufwand werben, aufklären und schulen würde gegen den Irrsinn, vor allem seine Wurzeln? – „Fesseln und knebeln“ wir doch Lobbyisten … und ersetzen wir die bisherigen wohlmeinenden Werbe-Botschafter (mit bisweilen einer Attraktivität von Handarbeitslehrerinnen und Messdienern ;))) doch bitte mit zeit- und Zielgruppen-gerechten „Helden“. Natürlich kosten deren Werbeverträge mehr!

Ich will nie dagewesenen Feldzug, Branding, Marketing, Zielgruppenanalyse, Merchandising, das volle Programm und ein Werbebudget, das alles je Dagewesene in den Schatten stellt! So dass am Ende jedes Kind und jeder Jugendliche vor allem anderen von einer Message durchdrungen ist: Computerspiel weicht Birne auf! Am besten schieben wir dann gleich noch nach: „Natur ist cool“ und für die Pubertierenden: „frische Luft macht geil“.

Ich denke, ansonsten nämlich müssen Sie bald mit ein paar greisen Restintelligenzen Ihres Jahrganges Millionen von unter Bewusstseins-verändernden Substanzen stehende Nachkommen „hüten“. Und wo nicht Virtuelles spielerisch erst dusselig und dann aggressiv macht, da herrscht ohnehin Überlebenskampf, echte Aggressivität: ein islamistischer Selbstmordattentäter wurde im Gegensatz zum westlichen Schulamokläufer in Kindheit und Jugend regelmäßig nicht von Ego-Shooter „begleitet“.

Wie gesagt, ich bin keinesfalls zu zimperlich, um scharfem Durchgreifen nicht wenigstens im Gedankenspiel folgen zu wollen. Aber wer soll denn den Job machen? Gingen Sie ggf. vor gegen die Kleinzuhaltenden? – Ich jedenfalls nicht. Das gebe ich Ihnen heute sicherheitshalber schon mal schriftlich. Ich sehe Massen auf uns zukommen … Massen, die zukünftig Gesetz und deren Vertreter genau so wenig respektieren werden wie heute schon ihre Lehrer … Massen, die über jeden unserer Versuche von Abschreckung erst lachen werden und dann skandieren: „laaangweilig!“ …

 Glauben Sie, die verzogenen Rotznasen werden einknicken, wenn´s ernst wird, wenn ihnen der Hintern nicht virtuell, sondern real brennt und keinesfalls „gespornt“ werden kann? Denken Sie, dass noch Einige sich besinnen werden? – Ja, sicher: in etwa in der Größenordnung jener, die Trump nicht gewählt haben.

„Wer nicht hören will, muss fühlen“, empfiehlt Dr. Heinrich Hoffmann (Struwelpeter) und es gefällt mir. – Aber das funktioniert leider nur dort, wo Verstand (Bestrafung) reflektieren, Erkenntnis gelingen kann. – Für mein Gefühl haben wir mehr Wahnsinn in der Welt, als Verstand.

Deswegen sind längst nicht mehr nur Aufklärung und Pädagogik gefragt, sondern tatsächlich THERAPIE, Geduld und Zuversicht. Das ist weder Krankheit noch das Hare-Krishna-Mantra Weichgespülter, sondern leider das Gebot der Stunde. Anderes wäre mir auch lieber, das müssen Sie mir jetzt bitte einfach glauben, Sie hartgesottener Kerl, Sie … ;)))

Herzlichen Dank für Ihre wunderbare Zeitung, Ihre wunderbaren Beiträge, die mich wieder und wieder so herrlich „kauen“ lassen, immer bereichern. (und hoffentlich verstehen Sie meinen Humor … woher soll ich denn sonst noch Kraft schöpfen?) – Ulrike Mieth


Leserbrief zu „Die liberale Gesellschaft und die irre Suche nach ihren Feinden“ von Ijoma Mangold

Meine vollste Zustimmung zum Artikel von Herrn Mangold! Die „Linke“(an sich, nicht die Partei) und der liberale Mainstream haben vor lauter PC die Bedürfnisse der Vielen verdrängt (seien diese nun weiß, hetero oder Rentner oder sonstwas). Es kann nicht ausschließend sein entweder für die Rechte von Minderheiten oder die Rechte aller einzutreten. Aber was bewegt denn jeden, egal ob Spießer, Schwuler, Flüchtling oder Oma? Ein bezahlbares Leben mit gleichen Chancen für alle… Es muß mehr geben als den Generationenkonflikt oder die Liberalisierung einer Gesellschaft von was auch immer. Schaut man sich die Programme linker und liberaler Parteien heute an, fehlt einfach die Vision für eine gerechte, inkludierte Gesellschaft.

Wo ist die Forderung nach einer Bürgerversicherung oder ähnlichem? Wo die Forderung nach bezahlbarer Krankenversicherung mit Gleichheit für alle? Wo die Forderung nach einem Bildungssystem, das keine gläsernen Decken mehr hat? Dies wären Anliegen, die alle betreffen. Nicht nur Schwule oder nur Hartz IV’er oder Opelarbeiter oder Beamte und Selbständige. Mir entsteht der Eindruck es ginge nur noch um die Revolution im Nischenbereich, aber nicht für die Gesellschaft. Als Beobachtung: Mir persönlich stoßen immer die langen Haare und der Bart von Herrn Hofreiter (Grüne) auf (man wird halt älter).

Ich selbst lief im Parka mit schulterlangen, schmuddeligen Haaren herum. Aber das waren die 1970er Jahre! Wenn ich mich jetzt in die Opas der 70er hineinversetze, ist es nicht unbedingt die lange Haartracht, die mich abstößt, sondern der elitäre Separationsanspruch zum „Establishment“, der mich stört. Damals und heute nehmen die „Revoluzzer“ eben nicht alle Menschen der Gesellschaft mit, sondern nur den Teil der ihrer eigenen Weltsicht entspricht. Und das scheint das grundlegende Dilemma der „Linken“ auszudrücken: sie ist einerseits zu etabliert geworden (die gutverdienenden Grünen im Kiez) und sie hat es nie verstanden, diejenigen der Gesellschaft mit einzubeziehen oder für sie zu kämpfen, die ihrem Weltbild nicht sosehr entsprachen. Die Quittung sind die miserablen Wahlergebnisse linker oder fortschrittlicher Parteien überall…  – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Jens Jessen

Als jahrelange, immer noch sehr zufriedene Zeit-Leserin habe ich heute  zwei Anliegen.  Zum einen bin ich sehr dankbar für den klugen Artikel von Jens Jessen  als Replik auf Alard von Kittzlitz. Ich teile seine Meinung  vollständig: man kann dunkle Flecken im Denken haben-  es verbietet  sich allerdings, diese aus der Dunkelheit hervorkommen zu lassen. Es  ist ein Gebot des Christentums und ebenfalls der atheistischen  Werteanschauung, menschlich zu handeln. Wir müssen für Pegidisten und  Rechtspopulisten kein Verständnis aufbringen. Es ist beschämend, dass  es solcherlei Gedankengut überhaupt ausgerechnet in Deutschland gibt!  Ebenso wichtig ist mir folgendes Anliegen:  Ich wünsche mir sehr ein Buch aus der Rubrik: “ Du siehst so aus wie  ich mich fühle“. Wird es das jemals geben? Es wäre zu wünschen.  –  Tanja Triefenbach


Leserbrief zu „Mehr Steuergeld für die Ruheständler“ von Elisabeth Niejahr

Warum wird stets verschwiegen, dass renten- und pensionsberechtigt auch jene ‚Gattinnen’ oder ‚Gatten’ sind, die ganz einfach nicht arbeiten wollten oder wollen – obwohl sie gesund waren und sind. Es langt in unserem Land völlig, dass sie verheiratet sind mit einem berufstätigen Partner oder einer Partnerin.. Diese Menschen zahlen keine Steuern, da sie nicht arbeiten und der arbeitende Partner/ die Partnerin kann durch  das Ehegattensplitting seine Steuerlast noch senken.  Sie zahlen auch keine Sozialabgaben. Sowohl in der Krankenkasse, in der sie kostenfrei mitversichert sind, wie auch in der Rentenkasse, in die sie nicht einzahlen, schmarotzen sie sich durch das Leben. Nein, dieses Privileg ist nicht daran gebunden, dass sie Kinder großziehen oder großgezogen haben. Es lang voll und ganz, dass sie den Bund der Ehe eingegangen sind. Jeder berufstätige Mensch, mit und ohne Kinder, muss ‚solidarisch’ für diese faulen Zeitgenossen aufkommen. In mir sprengt das  jede Bereitschaft zur Solidarität.

Man wird sich auch nicht darauf verlassen können, dass diese Lebensform ein Auslaufmodell ist. Man wird Niemandem vorschreiben können und wollen, wie er/sie zu leben hat, aber finanzieren müssen sich diese Menschen ihren Luxus schon selber durch eigene Beiträge und zu zahlende Steuern, anstatt die arbeitende und Kinder erziehende Mehrheit der Gesellschaft skrupellos auszunutzen.

Und die Politik lässt es zu! – Doris Siefer


Leserbrief zu „Stoppt das Ding“ von Hanno Rauterberg

habt ihr jetzt total ein Rad ab?

Bei der Betrachtung der Fotomontage der neuen Museumsplanung, frage ich mich als alter Berliner, an welcher Ausfallstraße diese neue Markthalle wohl liegen soll. Es ist ja ein schönes großes Gebäude, leider passt der klassistischer Turm im Hintergrund nicht so recht dazu, da gibt es doch moderne Lösungen, und auch das eigenartige Stahlgebäude, das wie ein Tempel aussieht, stört doch mächtig den gesamten Eindruck der Volumenanhäufung.

Ich begreife nicht, wie bekannte und erfolgreiche Kollegen zu so einer banalen, geradezu zynischen Entwurfsidee kommen konnten. Man kann sicher ihren Mut und Unbefangenheit bewundern mit einer Grundform zu spielen, die an Lagerarchitektur erinnert, bestenfalls an Gebäude für Massentierhaltung oder Großeinkaufsmärkten. Wahrscheinlich ist dieser Entwurf eine adäquate Aussage für die Kunstvermaktung in unserer Zeit.

Als Berliner mit einer frechen Schnautze erlaube ich mir schon mal den Namensvorschlag: KKS, Kunstkuhstall! – Dip.Ing. Günther Knüppel


Leserbrief zu „Aufstand gegen den Freihandel“ von Lisa Nienhaus und Jens Tönnesmann

In Ihrem Artikel „Aufstand gegen den Freihandel“ erwähnen Sie die „westlichen Gegner von Freihandelsabkommen wie TTIP“. Ihnen ginge es weniger um den Verlust ihrer Jobs sondern um „gutes Essen, ihre Justiz, ihre Demokratie“.

Es ist mir schlichtweg nicht nachvollziehbar, weswegen Sie über diese Gesichtspunkte in einem Nebensatz hinweggehen und sich weitgehend auf wirtschaftliche Argumente beziehen. Rhetorisch klassifizieren Sie zudem die Grundwerte unserer Staatsform wie Demokratie und eine von der Wirtschaft unabhängige Justiz auf dieselbe – demgegenüber eher banal erscheinende  – Ebene wie „gutes Essen“ -, dessen Qualität durchaus auch ihre Berechtigung hat, da schliesslich unsere Gesundheit davon betroffen ist. Und weiter scheinen Ihnen diese Punkte keiner Betrachtung wert. Dieses Denken entspricht ganz der Zeitströmung, die Wirtschaftlichkeit als Totschlagargument gegenüber allen anderen Werten einsetzt. Ich empfinde diese unkritische Distanzlosigkeit als sehr bedenklich. – Rose Marie Schulz-Rehberg


Leserbrief zu „USA: Wie weiter mit Trump?“

Ganz im Sinne seines Wahlkampf-Slogans „Make America great again“ könnte Trump unmittelbar nach Amtsantritt Größe zeigen, indem er die dringend erforderliche Reform des amerikanischen Wahlrechts auf die Agenda setzen ließe – auch wenn er zu deren Konditionen nicht gewählt worden wäre. – Christoph Müller-Luckwald


Die im ZEIT-Magazin aus aller Welt erschienen Briefe an Angela Merkel sind ein ausserordentliches Dokument von Kommunikation. Zu der Idee kann man Ihnen nur gratulieren. Wie wäre es einen Sonderdruck herauszugeben? Ich würde 10 Exemplare sofort abnehmen. –  Dr. Klaus Tiedje Stuttgart


Leserbrief zu „Zur Not noch fünf Jahre“ ein Gespräch mit Lufthansa-Kapitän Thomas von Sturm, geführt von Claus Heckingund Claas Tatje

Kompliment: eine ganze Seite für eine Minorität, die die Majorität von über 100.000 Mitarbeiter/-innen erpresst und das Unternehmen lahmlegt. Aber Ihr Interview hat auch eine gute Seite: Die Antworten des Piloten lassen deutlich erkennen, wie egoistisch gedacht und marktfremd argumentiert wird. Drei Beispiele a) Wir wollen unser Gehalt behalten, egal wie sich die Welt verändert hat. b) Werterhalt ist ein hehres Ziel. Nur sieht die Wirklichkeit so aus, dass die Wettbewerber erfolgreich ihre Produkte mit einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis deutlich unter Lufthansa anbieten. c) Kein Wort zu den unzähligen Kolleginnen und Kollegen, die nun zum 15. Mal das vom Cockpit bewusst produzierte Chaos aufräumen mussten.

Ich kann nur hoffen, dass Sie nach dem Täter-Opfer-Prinzip sehr zeitnah die Opfer (Mitarbeiter, Kunden, Shopbetreiber am Flughafen u. v. a. m. zu Worte kommen lassen. – Peter Sehr


Leserbrief zu „Ein superfeiner Kerl“ von Tina Hildebrandt

Für Ihren Nachruf auf den viel zu früh gestorbenen Peter Hintze bedanke ich mich. Was Sie geschrieben haben, wird seiner Persönlichkeit gerecht. Mich haben seine engagierten Plädoyers für die Zulassung vorgeburtlicher Diagnostik (PID) und für die Möglichkeit, dass Ärzte Sterbehilfe leisten, beeindruckt. Mit seiner Einstellung zur Kirche und ihren Lehren ist er leider, aber aus verständlichen Gründen, nicht so in die Öffentlichkeit getreten; das hätte ich sehr begrüßt. – Prof. Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu „Ist die Ungleichheit schuld?“ ein Streit zwischen Marcel Fratzscher und Clemens Fuest, das Gespräch führten Kolja Rudzio und Mark Schieritz

Schade, dass das Gespräch an der Stelle endet. Die Jobs, die finanzieller Anreize bedürfen, sind heute am schlechtesten bezahlt (Reinigungsfachkräfte, Altenpflege etc.). Im Rahmen des bedingungslosen Grundeinkommen müsste hier tatsächlich zusätzlich ein finanzieller Anreiz geboten werden, was zur sozialen Gerechtigkeit beitragen würde und die Qualität der geleisteten Arbeit erhöhen würde.  Win-win. – Katharina Odebrecht


Leserbrief zu „Stellen Sie sich vor, Sie sind Jude.“ von Bastian Berbner

In Ihrem sehr bewegenden und informativen Dossier „Stellen Sie sich vor, ..“ berichtet Herr Kolm über auf U-234 gefundene Technik und Materialien. Die folgende Einschätzung über den Stand der deutschen Wissenschaft legt m.E. nahe, dass auch eine deutsche Atombombe in Greifweite war, weil die deutsche Wissenschaft so fortgeschritten war. Eine Aufarbeitung vieler Dokumente, die in der aktuellen Spektrum der Wissenschaft nachzulesen ist, stellt das sehr in Zweifel. Die deutsche Atombombe war wohl nur eine Möglichkeit. Es fehlte aber zum Glück auch am theoretischen Verständnis.

Was mich aber wirklich ganz schrecklich ärgert ist die Bildunterschrift auf Seite 27, links oben. „Immer mehr Menschen auf der Welt, …“ Also, echt jetzt? Da suche ich im Interview doch mal nach denen, die sich wirklich beklagen können, weil es ihnen an Allem fehlt: Sicherheit, Wasser, Bildung, Gesundheitsfürsorge, einer Lebensperspektive – Menschen in Afrika, Pakistan oder was weiß ich wo. Die Welt Ihrer beiden Experten besteht aber offenbar aus Amerika und Deutschland. Dann muss sich die richtige Welt wohl mal wieder in Erinnerung bringen. – Joachim Sieben


Leserbrief zu „Aufstand gegen den Freihandel“ von Lisa Nienhaus und Jens Tönnesmann

Zunächst deutet Frau Baurmann Verständnis für die Gegner des Freihhandels an, indem sie ein Argument der Globalisierungsgegner aufgreift. So würde mehr lokale Produktion dazu führen, dass neue Arbeitsplätze geschaffen oder bestehende sicherer würden.

Gleich darauf nennt sie die Tatsache, dass Geringverdiener mehr importierte Waren konsumieren als Wohlhabende, die eher Dienstleistungen in Anspruch nähmen. Frau Baurmann zieht daraus den Schluss, dass deshalb gerade die Ärmeren unter Einschränkungen des Freihandels leiden würden. Diese Schlussfolgerung untermauert sie nochmals am Ende des Artikels mit dem Zitat Herrn Hövels der eingesteht, sich wohl kein deutsches Auto leisten zu können.

Dabei lässt Frau Baurmann jedoch außer Acht, dass die erhöhte Nachfrage nach Arbeitskräften für einfache Tätigkeiten an Fließbändern oder in Werkshallen das Arbeitskräfteangebot Ungelernter und Geringqualifizierter reduzieren würde (In Deutschland sind es nämlich nicht die Facharbeiter und Akademiker, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind). Der Marktmechanismus würde dazu führen, dass die Entgelte für diese Berufsgruppen steigen würden. Das hätte zur Folge, dass die kürzlich in der ZEIT (Ressort Z) diskutierten „neuen Bediensteten“ {ich erinnere mich nicht mehr an die exakte Überschrift} eben nicht mehr für Niedriglöhne die Aufgaben von finanziell Bessergestellten übernehmen müssten. Die Putzfrau müsste dann nicht mehr für 8,50 € die Hausreinigung anderer übernehmen, da ihre Arbeitskraft auch von der Industrie gefragt wäre.

Die Preise für Dienstleistungen würden steigen, während die erwähnten Gutverdiener das Nachsehen hätten. Somit ist es durchaus denkbar, dass sich Herr Hövels aufgrund eines besseren Einkommens einen Volkswagen oder Opel leisten könnte.

Quelle:

Zitat (S. 26) dazu, warum Menschen gegen die Globalisierung aufbegehren: „Ihre Stellen wären vermutlich sicherer oder neue Arbeit wäre in Sicht, wenn wieder mehr im Land produziert würde. Andererseits könnten Sie als Konsumenten stark getroffen werden. Das liegt daran, dass Wohlhabendere relativ mehr für Dienstleistungen ausgeben, die in der Regel aus dem eigenen Land stammen. Ärmere konsumieren hingegen im Verhältnis zu ihrem Einkommen mehr Waren, die weltweit gehandelt werden: von der Kleidung über den Fernseher bis zu Ikea-Möbeln. Waren, die es dann nicht mehr gäbe oder nicht mehr zum gleichen Preis.

Zitat (S. 27): „Wolfgang Hövels zum Beispiel fährt einen Hyundai, deutsche Autos findet er zu teuer. Würden die Grenzen geschlossen, könnte er sich womöglich gar kein Auto mehr kaufen. >>Okay, ein Punkt für die Globalisierung<< sagt er. – Hubert Wörle


Leserbrief zu „Stoppt das Ding“ von Hanno Rauterberg

Vielen Dank für Ihre klare Position! Auf der grünen Wiese, im Umfeld von Bauernhöfen und Scheunen mag das „Ding“ ja noch angehen – wie auf Long Island mit dem Parrish Art Museum (s. Link).

http://www.archdaily.com/294936/parrish-art-museum-herzog-de-meuron-2

Dass aber Berlin ein Scheunenensemble erhalten soll, nur weil Herzog & de Meuron, wenn sie sich nicht selbst kopieren, sich doch zumindest wiederholen, ist für sie ein Armutszeugnis, das es für Berlin nicht werden darf! – Heinz Mechling


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Jens Jessen

Vielen Dank für diesen aufgeklärten, nicht weichgespülten und enorm wichtigen Essay!

 „So tief hinunterbeugen kann man sich aber gar nicht, dass man auf das Niveau von Trump und AfD käme.“ Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

Wie sagte Bernd Ulrich neulich: „Der Kampf hat begonnen!“  Bekennen wir Farbe und stellen uns gegen völkisches Zugehörigkeitsdenken und die braune Soße aus AfD, ‚Identitären‘ und „Trump-Verstehern“. –  Mert Dinçer


Leserbrief zu „Abendland, mal anders“ von Christine Brinck

Dass Menschen ohne Religion an gar nichts glauben, wie im Artikel zitiert wird, ist offensichtlich zu unglaublich! Schon weil ein Mensch unmöglich alles nachprüfen kann, ist jeder gezwungen, den meisten Worten der meisten Menschen zu glauben. Selbst in den Wissenschaften ist dies so – auch wenn hier das Prinzip der kritischen Überprüfung kreativer Aussagen zum Prinzip geworden ist.

Die wirklich wichtige Frage ist also, warum so viele Menschen an die vielen gegenwärtigen und ausgestorbenen Religionen (mit Zeus, Jupiter, Isis usw.) nicht glauben – aber einer dann doch: der eigenen. Warum die meisten Gläubigen also nur fast, nur beinahe ungläubig sind. Meine Antwort: Ich weiß es nicht.

Zum zweiten ist sehr interessant, was dieses „glauben“ bedeutet. Irgendwie war ich der Meinung, man müsste dann die Gebote jener geglaubten übernatürlichen Wesen kennen, befolgen, verkünden. Die wichtigsten, die Drei ersten der Zehn Gebote bzw. Jesu Erstes Gebot, werden aber – wie heute typisch – auch in diesem Artikel und in dieser „christlichen“ Schule verschwiegen und verdrängt. Ich als Atheist finde es hingegen sehr bedenkenswert, dass ein (angeblich) lieber Gott die Liebe zu sich herbei befiehlt, und zwar eine Liebe „mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.“ Das steht dort wirklich! Was für ein faules, egoistisches Miststück ist dieses göttliche Dingsbums?

Zum dritten ist es denn doch erstaunlich, dass vieles in dieser Schule als „christlich“ bezeichnet wird was in Wirklichkeit allgemein menschlich ist. Oder gibt es irgendwo auf unserer Erde eine Gesellschaft, die Zerstören und Lügen nicht verbietet und ächtet? Und hat nicht jener angebliche Gottessohn Jesus oft gelogen, selbst wenn er eine Ausage mit „Amen“ also „Wahrlich“ bzw. im Johannes-Evangelium mit „Amen, amen“ einleitete? Lesen Sie hierzu vielleicht meine als Denkanstöße zu verstehenden Kleinanzeigen in der Süddeutschen Zeitung am Samstag. Oder selbst nach in jenen Drohbotschaften.

Auch Ihre Überschrift „Glauben & Zweifeln“ ist leider eine Lüge: der Zweifel fehlt fast immer völlig, auch wenn diesmal, ausnahmsweise, einige Zweifel gedruckt wurden. Nicht Gott, den Kindern sei Dank: „Kindermund tut Wahrheit kund!“

Siemens statt Luther! Siehe Seite 15. – Manfred Schleyer


Leserbrief zu „Stellen Sie sich vor, Sie sind Jude.“ von Bastian Berbner

Der Artikel von Herrn Berbner hat mich jedoch, angefangen beim Titel bis hin zur letzten Textzeile in seinen Bann gezogen. Ein cleverer Aufmacher und ein unverbrauchtes Thema mit tief greifenden (und, wenn man dieses Wort noch mal gebrauchen darf: ergreifenden) Augenzeugenberichten sowie gut bemessener Bilddosis. Weiterhin – man höre und staune – nicht zu lang, vielmehr ein überzeugendes Argument, auch weiterhin am Zeitschriften-Printformat festzuhalten. Bravo! – Martin Mach


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Wenn man sich selber als Elite bezeichnet, und es, weil man gepennt hat, dann auch noch zu spät zum Wegducken ist, wenn man, wie Sie sagen, von der Geschichte angesprungen wird, dann ist man ganz einfach den Herausforderungen seines Berufes nicht gewachsen!!!   Ein praktisches Beispiel: Unsere Regierung hatte etwa 5 Jahre lang die Probleme im Nahen Osten (für sie im gaaanz weitentfernten Osten!!!) verpennt. Und urplötzlich wurde sie von einer Flüchtlingswelle angesprungen, vor der das Außenministerium längst hätte warnen müssen! Und man stellt sich, wohl wissend, daß man völlig unvorbereitet ist, hin und sagt “wir schaffen das”, dann sollte keiner behaupten,  man sei eine Elite.    Eine Elite sollte agieren!!! Dann und nur dann verdient sie sich Respekt!!! – Klaus Riediger


Leserbrief zu „Viel Rauch und fast nichts“ von Elisabeth Raether

Es ist mir stets eine Freude eine Seite der Zeit aufzuschlagen, in welcher mir Ihr Name unter der Überschrift begegnet.

Ihre Gedanken sind außerordentlich inspirierend. Auch wenn ich ihnen nicht immer folgen möchte. Was mir sehr sympathisch ist, dass Sie am Ende nicht den Eindruck hinterlassen, Sie hätten ein Patentrezept für irgendeine Misere.

Natürlich kann man verurteilen, wenn Menschen nur Missstände beklagen ohne Lösungsrezepte. Doch sind es ja gerade die Rezeptverkäufer für komplexe Missstände, die Schuld sind an eben diesen Missständen. Die Suche nach Lösungen ist es, die uns zu Menschen macht.

Dies streift dann eine Ihrer Anmerkungen zu den Mansplainern. Dieses Verhalten ist im übrigen nicht nur üblich Männern Frauen gegenüber. Es sind auch Männer Runden, in denen man sich gegeseitig zu überbieten versucht einander die Welt zu erklären. Aber auch bei Frauen ist dieses Verhalten zu beobchten. Wenn auch vielleicht nicht in dieser Häufung.

Zwei Ihrer Sätze haben mir besonders gut gefallen. Zum Einen, dass Sie beim Thema „Kölner Sylvesternacht“ in einem Atemzug von den nordafrikanischen Tätern und Nordafrika als sicherem Herkunftsland sprechen. D.h., denkt man den rassistischen Gedanken konsequent zu Ende, dass „die Nordafrikaner“ alles Vergewaltiger sind, so erscheint die Definition „sicheres Herkunftsland“ für ein Land voller Vergewaltiger amüsant. Gerade für Fauen und insbesondere die Opfer der Sylvesternacht. Dabei fällt mir auf, dass das Thema „Asyl für Frauen aus frauenverachtenden Kulturen“ in Ihrem Artikel gar nicht vorkommt.

Zum Zweiten Ihre Anmerkung, dass der Feminismus das Recht des Stärkeren angreift bzw. außer Kraft setzen will. Denn auch dies ist ein Gedanke, der gerade in Männer- oder Stammtisch Runden gerne bemüht wird. Man gefällt sich darin, stärker zu sein als andere. Und dies gibt ja auch ein gutes Gefühl! Macht fühlt sich gut an. Vielleicht ist dies auch ein Grundproblem unserer Gesellschaft, dass die Macht als solches gerne verteufelt wird. Doch es gibt ja auch so etwas wie eine gute Macht. Bzw. andersherum wird ebenfalls ein Schuh draus: Machtlosigkeit tut eben nicht gut. Sie macht im extremsten Fall verzweifelt. Und die Macht des Stärkeren ist eine verblüffend einfache Antwort darauf. Ein Angriff darauf, durch komplizierte Gleichberechtigungsgedanken kann am (vermeintlich) einfachsten durch einen Schlag (auf den Tisch, ins Gesicht, an der Wahlurne) vereitelt werden.

Vielen Dank für Ihren Artikel! – Mirko Strick 


Leserbrief zu „Stellen Sie sich vor, Sie sind Jude.“ von Bastian Berbner

Mit großem Interesse las ich gerade den ausgezeichneten Artikel „Stellen Sie sich vor, Sie sind Jude. Und Sie müssen sich anfreunden mit einem Nazi“ von Bastian Berbner. Auf S. 19 dieses Artikels schreibt Herr Berbner, dass Hitler im Dezember 1944 Wernher v. Braun „im Ballsaal eines Schlosses im Münsterland“ einen Orden verliehen habe.

Können Sie bitte den Autor fragen, ob es sich bei diesem Schloss um das (mir gut bekannte) Schloss Nordkirchen gehandelt hat, das im Münsterland als „Westfälisches Versailles“ bezeichnet wird. – Rudolf Innig


Leserbrief zu „Immun gegen Argumente“ von Ulrich Bahnsen

Kürzlich las ich einen interessanten Artikel von einem Pathologischen Institut in Hameln. Das Institut hat eigene Daten ausgewertet und könnte eine Antwort auf ihre Frage sein, warum Eltern sich gegen diese Impfung entscheiden.

Die Auswertung beschreibt, dass nur die Hälfte aller geimpften Frauen kaum bis keine Antikörper gegen das HPV-Virus bilden und je älter eine Frau, desto geringer scheint die Antikörperbildung generell zu sein. Acht Jahre liegt die Einführung dieser Impfung zurück und die Sicherheit des Impfschutzes ist somit nicht in jedem Fall gewährleistet. Die Daten zeigen auf, dass bei Frauen mit Dysplasien, d. h. Krebsvorstufen (65 % sind mit dem Impfstoff Gardasil geimpft, bei 35 % ist die Impfstoffangabe nicht bekannt) in 65 % low grade lesions (1.-2.  Krebsvorstufe) und in 35 % high grade lesions (3. und letzte Vorstufe vor einem Karzinom) nachgewiesen wurden. Kurz gesagt, wie viele Impfversager hat diese Impfung?

Wer legt fest, inwiefern diese Impfung in Bezug auf Nebenwirkungen sinnvoll ist? Steht dies im Verhältnis zur Entstehung eines Zervixkarzinoms, welches auch bei der Früherkennung erfasst werden kann? Mit der HPV-Impfung werden eine Reihe von Erkrankungen des Nervensystems in Zusammenhang gebracht (akute disseminierte Enzophalitis, Armplexusneuritis, Guillan-Barre-Syndrom und den fraglichen Zusammenhang von MS).

Innerhalt von 6 Monaten wurden bei 20 geimpften Patientinnen Dysplasien, die HPV-positiv sind nachgewiesen. Es gibt noch weitere HPV-Typen (53, 67, 68, 70, 73, 82). Diese HPV-Typen werden von gängigen Tests nicht angezeigt und sind auch in der Impfung nicht erfasst. Mein Fazit: Auch geimpfte Frauen sollten weiter am jährlichen gynäkologischen Vorsorgeprogramm teilnehmen. Den Slogan „Ein Stich gegen den Krebs“ finde ich sehr somit sehr fragwürdig.

In einem Punkt stimme ich Ihnen voll zu: Warum sind Männer aus dem Impfprogramm ausgeschlossen?. Herr Bahnsen, ich kenne Ihr Alter nicht, aber würden Sie sich als Mann trotz diesem großen Katalog an Nebenwirkungen diese Nadel setzen lassen? – Andrea Geiselmann


Leserbrief zu “ Unser Mann in DC“ von Josef Joffe

Die unscharfe Grenze zwischen gut und böse geht bekanntlich ausnahmslos durch jeden einzelnen Menschen. Leider neigen wir alle dazu, dass wiederholt zu vergessen oder nicht wahrhaben zu wollen. Um so erfreulicher registrierte ich die Erwähnung der positiven Seiten von Herrn Trump, auch wenn sich Herr Joffe dabei hinter der Satire verstecken zu müssen glaubte. – Dr. Günter Hackel


Leserbrief zu „Viel Rauch und fast nichts“ von Elisabeth Raether

Wie schade – die ganze Seite 6 im Politikteil für schlechten Journalismus zu opfern! Hätte Frau Räther etwas über den Tellerrand hinaus recherchiert, wäre schnell offensichtlich geworden, dass sich hinter dem Begriff „Feminismus“ die unterschiedlichsten z.T. auch widersprüchliche Auffassungen und Haltungen verbergen. Meiner Meinung nach gibt es „die Feministinnen“ gar nicht und damit geht ihre Argumentation ins Leere – ganz so wie der Artikel überschrieben ist: Viel Rauch um nichts. – Ilga Bertelsons 


Leserbrief zu “ Unser Mann in DC“ von Josef Joffe

Ihr Beitrag, warum wir (Europäer) Donald Trump lieben sollten, ist hoffentlich als Satire gemeint!  Aber… Sie haben mit Ihren Voraussagen zum Wahlausgang daneben gelegen, nicht verstanden, warum man diesen Kerl wählen könnte (nicht Sie oder ich wählen so jemanden, aber eben viel zu viele andere Menschen). Sie haben nicht verstanden,  warum man TTIP ablehnen könnte (zum 1.000 Mal: es sind nicht die Chlorhühner, es sind die undurchsichtigen privaten Schiedsgerichte!!!). Auch nicht, warum man dagegen sein kann, dass Amerika nur zum Schutz seiner eigenen wirtschaftlichen oder politischen Zwecke in anderen Ländern einmarschiert, aber sehr wohl dafür sein kann, dass sich Amerika an allgemein akzeptierten Einsätzen beteiligen muss.  Ich befürchte daher, dass das keine Satire war, sondern Sie schmollen.  Kam nicht an! – Cornelia Grosch


Leserbrief zu „Stoppt das Ding“ von Hanno Rauterberg

Dieses Ding ist nur scheinbar ein monumentaler, überdimensionaler Kunstsupermarkt im  Nirgendwo. Tatsächlich verbergen sich in dem Ding Architekturmotive des  Nationalsozialismus: Die Kreuzung der Aufmarschachsen für das Museumsvolk wird zum  Mittelpunkt im Volksmuseum, das als Kunstscheune die sentimentalen Vorstellungen einer  Volkskunst für ein Kunstvolk bedient, welches die Kulisse von Heimatstil benötigt um in  Kunstlaune zu kommen. So ein Ding braucht Berlin nicht.

Die Vorstellung, dass „nichts Abgehobenes“ und die „Wiedererkennbarkeit tradierter  Gebäudetypologien“ (beide Zitate stammen gem. Rauterberg von der Berliner  Stadtbaudirektorin Regula Löscher) per se ein gestalterisches Konzept sein könnten, wirkt im  besten Fall kurios, im schlimmsten degoutant. Wer solche kleinmütigen Kriterien propagiert,  offenbart die eigene, möglicherweise subversive Amts-Perspektive. Es wirft die Frage auf, ob  es sich dabei auch um den angemessenen Blickwinkel handelt -einen, den Berlin als  Hauptstadt verdient?

Im geteilten Berlin bildete das Kulturforum einst die kulturelle Mitte des Westens. Diese  heute mit einer modischen Heimatstil-Kulisse zu verbauen, ignoriert, ja verachtet ebenso  fatal wie perfide die Baugeschichte der Berliner Nachkriegsmoderne.  Stattdessen sollte der Städtebau die Vorstellung des „Urstromtals“ von Scharoun durch das  Anlegen eines begrünten Platzes (Kulturforum), der die derzeitige Eingangsrampe ersetzt,  fortschreiben; die Architektur mit einem Kopfbau die Museen Preußischer Kulturbesitz  fassen, ein Tor zum Tiergarten bilden und stadträumliche Zusammenhänge schaffen. – AG Architekten BFS. Lübeck-Münster, Christiane Bärmann-Frontzek und Manfred Sundermann


Leserbrief zu „Die liberale Gesellschaft und die irre Suche nach ihren Feinden“ von Ijoma Mangold und „Eine Frage der Haltung“ von Harald Welzer

Noch immer fassungslos und, trotz zahlreicher Erklärungsversuche in den Medien, ratlos, lese ich die beiden Artikel von Mangold und Welzer im Feuilleton um endlich zu verstehen was da am 8. November in den USA passiert ist.

Doch Mangolds Erklärungsversuch macht mich echt sauer. Hier schreibt jemand der sich in seinen intellektuell ausgefeilter Rhetorik gefällt, dem ich als  normale Leserin aber egal bin. Gehört „rabulistisch“ wirklich zum aktiven Wortschatz ihres Durchschnittslesers? Der Autor will von mir nicht verstanden werden und mich verlässt nach 3 Spalten die Lust Herrn Mangold in seinen Ergüssen zu folgen. Zwei Seiten weiter zeigt Herr Welzer dass man auch mit einfacher Sprache intelligente Artikel verfassen kann. Vielen Dank Herr Welzer! – Marion Göbbeler


Leserbrief zu „Aufstand gegen den Freihandel“ von Lisa Nienhaus und Jens Tönnesmann

Ich gehöre zu denen, die gegen TTIP und Ceta auf die Straße gehen. Zu denen also, die nach Meinung der Autoren gegen Globalisierung sind und damit Wohlstandsmehrung verhindern, weil ihnen „ihr gutes Essen, ihre Justiz, ihre Demokratie“ wichtig sind. Rechtsstaatlichkeit, transparente demokratische Prozesse, hohe Verbraucher- und Umweltstandards sind für mich und zig-Tausende essentiell, keine Luxusbedürfnisse. Sie auf dem Altar der Globalisierung zugunsten von immer mehr materiellem Wohlstand zu opfern, ist keine Option. Wer hinterfragt, ob immer mehr Macht und Schrankenlosigkeit für profithungrige Konzerne ein Segen für die Menschheit sind, erscheint den Autoren offenbar nur als bedauernswerter Gobalisierungsverlierer.

Die Kritik an TTIP, Ceta und Tisa wird mit Trump’schem Protektionismus und europäischem Rechtspopulismus in einen Topf geworfen. Hunderttausende Demonstranten – alles nur reaktionäre, abschottungswütige Globalisierungsopfer? Komisch nur, dass man sie bei Protesten gegen AfD und Pegida wieder trifft. Der Anti-TTIP-Bewegung geht es nicht um die Verhinderung von Freihandel, sondern darum, dass unter dem Deckmantel „Freihandel“ beim Gewinnstreben störende Teile der Demokratie abgeschafft werden. Argumentativ kann man den TTIP- und Ceta-Gegnern wenig entgegensetzten. Sollen sie nun dadurch schachmatt gesetzt werden, indem man sie in die rechte Ecke stellt? Aber das wäre ja eine Verschwörungstheorie. – Arno Pfeifenberger


Leserbrief zur Rubrik „Zeitsprung“

Darf man davon ausgehen, dass die Rubrik „Zeitsprung“ immer vom selben Redakteur, derselben Redakteurin bearbeitet wird? Die Beiträge gleichen sich so stark und sind so persönlich, dass man sich kaum mehr angesprochen fühlt. Sollte es mal an Anregungen fehlen, hier an paar Bildunterschriften zu Ihrer freien Verfügung: „Links mein Bruder und ich 1979 auf der Zugspitze beim Skifahren. Rechts im Jahre 2016. Wir können es immer noch.“ „Früher waren meine Eltern mit mir im Sommer auf Sylt beim Baden, heute spielt hier mein Sohn.“ „Das linke Bild zeigt mich vor sieben Monaten; damals konnte ich noch besser sehen. Heute (rechts) habe ich ein Brille.“ Gähn. – Bernhard Waxenberger


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

In ihrem Artikel ist viel Wahres, gegenseitiger Respekt ist etwas ganz Wichtiges für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Leider liegt hier auch der Hund begraben, den gegenseitiger Respekt erfordert eben die Gegenseitigkeit.  Was soll man von Politikern halten, die für uns Normalmenschen ein überaus detailliertes und kleinteiliges Antikorruptionsgesetz beschließen und andererseits sich jeden Tag von einem anderen Lobbyisten zum Essen einladen lassen? Was soll man von Politikern halten, die gegen den Willen von 70-80 % ihrer Bevölkerung versuchen, CETA durchzuziehen, obwohl viele kluge Leute gut begründen, warum dieses Abkommen mehr schadet als nützt? Herr Schulz ist hier übrigens ein besonders unrühmliches Beispiel. Und die Kommentare, die diese Politiker für ihren Kollegen Marquette aus Wallonien hatten, als dieser keine Denkverbote akzeptierte, zeugten auch nicht gerade von hohem Respekt.  Mein Fazit: Die Politiker leben es also gar nicht besser vor. Sie ignorieren die normalen Menschen (die sich dadurch schwer missachtet fühlen), und gebrauchen selber einen ebenso rauen Umgangston.  –Ulrich Thome


Leserbrief zu „Eine Frage der Haltung“ von Harald Welzer

Ich darf folgenden kurzen Zuruf zum Beitrag von Herrn Harald Welzer vornehmen:

Als Reaktion auf eine sich in der Selbstwahrnehmung, egal ob objektiv gerechtfertigt oder nicht, abgehängten Wählerschaft Handlungsempfehlungen im Rahmen von „Demos, Flashmops, Debatten, Tafeln, Musikfestivals“ zu geben, zeigt in aller Deutlichkeit, warum der aktuelle politischen Diskurs das Kampffeld um „die kleinen Leute“ den Trumps weltweit überlässt.

So wie die Konservativen ab der bleiernen Zeit nur hilflose Antworten auf das bürgerliche Begehren auf Teilhabe an der Gesellschaft gefunden haben, so zeigt sich angesichts solcher Hilflosigkeit der identische Reflex-nur politisch seitenverkehrt.  – Andreas Steffen


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Als sich vor einigen Jahren Lehrkräfte über Beschimpfungen im Internet beschwerten und klagten, lautete die Antwort: Kann nicht verboten werden, unterliegt der „freien Meinungsäußerung“. In verschiedenen Sendungen werden Anwesende und andere Personen beschimpft, damit die Quote stimmt. Böhmermann kann sich zum Beispiel unter dem Mäntelchen SATIRE und Meinungsfreiheit bisher alles erlauben. Wo sind die Beispiele und Vorbilder, in denen einander Respekt gezollt wird?? Nirgends!!!!!  – Gebhard Müller


Leserbrief zu “ Unser Mann in DC“ von Josef Joffe

Herr Joffe betrachtet die Welt von so weit oben herab, dass er vor lauter Wald keine Bäume unterscheiden kann. Sie sind ihm alle eins, und so erklärt es sich, dass ihm auch „hiesige TTIP-Feinde“ und Trump-Freunde eins sind.

Hätte er sich auf seinen geflügelten Merkursschuhen herabgelassen, dann hätte er wahrnehmen können, dass die Demonstranten gegen TTIP und CETA „Für einen gerechten Welthandel“ auf die Straße gegangen sind. Mit etwas Nachdenken und gutem Willen hätte er den Schluss ziehen können, dass dies einen nicht unerheblichen Unterschied zu Herrn Trumps politischer Motivlage – nach allem, was wir bis jetzt wissen – darstellt. Und dass Menschen, die von der Aussicht, politische Gestaltungsmacht an Konzernchefs abzutreten – die wiederum nur den Weihnachtsbaum ihres Profits, aber nicht den Wald sehen -, nicht begeistert sind, weder zwangsläufig Globalisierungsfeinde sind noch „Dankes-Emails ans Weiße Haus“ schicken möchten.

Wer für einen Welthandel eintritt, der anders tickt als Wohlstandszonen mit noch billigerem Hähnchenfleisch zu überschwemmen – egal, ob chlorgebadet oder nicht -, weiß sehr wohl, dass von Trump, diesem Abziehbild eines Homo oeconomicus, neoliberale Flexibilität zu erwarten ist: Regeln sind gut, so lange sie meinen/den nationalen Interessen dienen, falls nicht, dann wird robust dereguliert.

Herr Joffe, der aus seiner Überfliegerposition schon manche wesentliche Kleinigkeit übersehen hat, sollte sich eine Auszeit gönnen und auf das Rauschen der Bäume hören. Wir, das Fußvolk, das etwas zu verlieren hat, kommen eine Zeit lang auch ohne Welterklärer aus; wir schlagen uns derweil ins Unterholz, und versuchen, an Rechtstaatlichkeit und Demokratie zu retten, was zu retten ist. –  Günther Kusidlo


Leserbrief zu “Wir hatten es sehr gut miteinander” von Moritz Aisslinger

Ich finde ihren Artikel sehr ungerecht, es gibt keine Entschuldigung für diesen Vater (selbst wenn man davon absieht wessen Geistes Kind er ist) . Er hat Kinder gezeugt und ist genauso wie die Mutter für sie verantwortlich, gerade durch die vielen Ungereimtheiten hätte selbst der Dümmste etwas gemerkt. Er ist nicht das Opfer , sondern die Kinder sind die Opfer , das vermisse ich in ihrem Artikel . Für ihn sollte es keine Sonne mehr geben. Wegschauen oder nicht wahrnehmen ist genauso schlimm .  Für seine Kinder wird es keine Sonne mehr geben , und keine Salami. – Birgit Korbach


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Jens Jessen

Jens Jessen berücksichtigt in seiner „Kampfansage“ titulierten Erwiderung auf Alard von Kittlitz Versuch, den Erfolg der rechten Populisten mithilfe des psychoanalytischen Konzepts der Projektion und Delegation zu erklären, nicht, dass es in der Tat darauf ankommt, den Gesprächspartnern zunächst immer das Recht auf eine eigene Wahrnehmung zuzubilligen. Er missversteht von Kittlitz offensichtlich bewusst oder unbewusst (das häufigste Phänomen im gegenwärtigen „Diskurs“). Es geht letzterem m.E. nicht um das Therapieren der Andersdenkenden, sondern um ein Verstehen der Anderen über eine differenziertere Selbstsicht, die sich nicht von allen unangenehmen Regungen reinwäscht.

Wie analog im Falle eines Straftäters bei der Suche nach seinen Motiven schließt ein Verstehen von unliebsamen Entwicklungen im Individuum oder in der Gesellschaft mitnichten eine Schuld und damit auch eine Verurteilung aus. Es wäre notwendig, die Diskussionen endlich zu deeskalieren und zu depolarisieren, es bedarf eines Verständnisses für die Motive der Gegner, um sie überhaupt angemessen bekämpfen zu können. Und wenn Herr Jessen all diese Regungen nicht in sich zu spüren vermag, die Herr von Kittlitz endlich einmal beschrieben hat, sind sie dennoch offenkundig wirksam. Doch auch in der von mir geschätzten Zeit wird die Spaltung in Eliten und angeblich Verblendete so nicht beendet- dieses Werfen mit Steinen im Glashaus, es ist wirklich beängstigend. – Dipl. Psychologe


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Angesichts des verbreiteten undifferenzierten Politiker-Bashings spricht mir Bernd Ulrich aus der Seele.

Was aber ist die Ursache für die „moralische Arroganz“, mit der Politiker bis ins Privateste durchleuchtet und abgeurteilt werden? Möglicherweise die tiefe Abneigung der 69er und Folgegeneration gegen jede Autorität, sicher aber die tief verankerte Skepsis gegenüber jedem politischen Machtstreben – seit „Machtergreifung“ und  „Ermächtigungsgesetz“. „Der/die will ja doch nur an die Macht kommen oder an der Macht bleiben“, diese Sentenz dient an den deutschen Stammtischen längst als billige Begründung für die pauschale Ablehnung der politischen Kaste an sich.

Angesichts dieser in großen Teilen der Wählerschaft verbreiteten Grundhaltung und erst recht in Anbetracht der globalen politischen Konflikte wäre der von Ulrich beschriebene Fluchtreflex der politischen Führung, wie er sich z.B. gerade bei F.Hollande gezeigt hat, nur zu verständlich.

Wenn sich gerade in den USA eine finanziell nun wirklich saturierte Kandidatin jenseits der 70 der Tortur des amerikanischen Wahlkampfes gestellt hat, wenn sich nun die Bundeskanzlerin erneut diesem Wahlvolk stellen will, so kann als Hauptmotiv weder ein finanzielles noch pures Machtstreben unterstellt werden. Vielmehr wird es das Bewusstsein sein, durch ein einflussreiches politisches Amt der persönlichen Verantwortung für das nationale/europäische Gemeinwesen, ja für die Menschheit insgesamt gerecht werden zu wollen.

Wenn wir als Wahlvolk dieses idealistische Grundmotiv bei den von uns gewählten Politikern nicht grundsätzlich zunächst einmal voraussetzen, sondern ihnen undifferenziert Geld- und Machtgier unterstellen, dann kann Demokratie nicht funktionieren, dann werden die besten Köpfe unserer Republik sich lukrativeren Betätigungsfeldern zuwenden als der Politik – und wir sollten uns nicht wundern, wenn wir Opfer der Trumps, Le Pens, Johnsons und Grillos dieser Welt werden. – Wilhelm Kösters


 Leserbrief zu “Das darf doch nicht wahr sein” von Jan-Martin Wiarda

Was da nicht wahr sein dürfe, fragte ich mich nach der Lektüre des Artikels. Eine Abbrecherquote von nur 27 Prozent bei den Fachhochschulen sollte keine solche Schlagzeile provozieren, denn zum einen liegt sie noch tiefer als bei den Universitäten und zum anderen dürften zu viele junge Menschen ein Studium aufnehmen, die dafür nicht geeignet sind. An unserer FH in der Schweiz lag zu Zeiten des Diplomstudiums bei den Ingenieurwissenschaften, wo ich unterrichtete, am Ende des ersten Jahres die Quote bei 50 Prozent, und wir Dozenten verloren darüber keine vielen Worte, denn die Gründe waren klar: das falsche Studium gewählt oder überhaupt nicht fürs Studieren geeignet. Seit der Einführung von Bachelor und Master ging dieser Wert sehr stark zurück, weil ein Bestehen der nötigen Module zum erfolgreichen Abschluss genügt. Die Studenten haben schnell begriffen, wie man seine Credits bekommt, denn zu jeder Modulprüfung kann man viermal antreten. Es sei dahingestellt, ob das zu qualifizierteren Absolventen führt. Eine Sache ist auf jeden Fall wahr: in Deutschland machen viel zu viele ein Abitur, was bei etwa 50 Prozent eben nicht reicht, um erfolgreich studieren zu können – q.e.d. – Rudolf Schmitt


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Das, was Bernd Ulrich in seinem Kommentar angesprochen hat, musste einfach mal gesagt werden; richtigerweise gleich auf Seite 1 der neuen ZEIT-Ausgabe. Wo kommen wir denn noch hin in dieser trump-triumphalen, postfaktischen Ära, in der die Schwerkraft von Argumenten, gewissermaßen initiiert durch kommunikative Präzession, aufgehoben scheint. In der bornierte sowie opportunistische Demagogen mittels freiwilliger Erkenntnisisolation und organisierter Nichtverantwortung invektiv den Ton angeben.

Was, wenn die Klügeren, die Besonnenen und Rücksichtsvollen immer öfter den Schreihälsen weichen, den Wichtigtuern und den selbstherrlichen Egoshootern? Denken wir also daran, dass wir der Lauterkeit, nicht der Lautheit, der Historie, nicht der Hysterie, unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit schenken, und, – ohne die Absage an unser aller Intellekt -, offen sind für einen breiten, wertschätzend-sachdienlichen Dialog. Demokratie braucht allenthalben Maß und Mitte, das schließt selbstverständlich demokratische Umgangsformen mit ein. Verteilen wir ruhig mal wieder ganz bewusst und ehrlich Kopfnoten wie in der Schule für gutes Benehmen und soziales Verhalten, wenn wir die Leistungen von Politikern, Journalisten, dem Kollegen oder auch von uns selbst einordnen wollen. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Nischen-Spiele“ von Christof Siemens

Christof Siemes meint, dass Spitzensportförderung geändert werden muss, weil der Sport seine Werte nicht mehr mit der Reichweite von ARD und ZDF verbreiten wird.

Diese Werte werden aber nicht nur über den Bildschirm vermittelt. Der Leistungssport ist Vorbild für Millionen von Breitensportlern, die an den Erfolgen der Sportler auch ohne ARD und ZDF teilhaben werden.

Der Leistungssport ist auch Selbstzweck. Kultur, die der Staat wie andere kulturelle Institutionen fördert, weil sie sonst nicht bestehen können. Wer eine Debatte über Spitzensportförderung führt, darf nicht vergessen, dass Spitzensportler keine Entertainer sind, die nebenbei ein moralisches Lehrstück aufführen. Es sind Menschen, die unter erheblichen Opfern Bestleistungen anstreben und dafür Unterstützung verdienen.

Wie die Bevölkerung dazu steht ist fraglich. Sie hat in zwei Volksabstimmungen gegen riskante Großveranstaltungen und nicht gegen Spitzensportförderung gestimmt. Sport hat durch Doping an Ansehen verloren. Aber Sportförderung darf nicht gegen Dopingkontrollen ausgespielt werden.

Spitzensportförderung fördert begriffsnotwendig die Spitze. Olympia ist eine praktikable Messlatte. Als Ziel die ersten drei Ränge herauszugeben ist ebenso willkürlich wie den ersten, fünften oder zehnten Platz zur Grenze zu erklären.

Dass Olympia in der TV-Sparte versinkt ist bedauerlich, nur hat es mit der Förderung des Spitzensports wenig zu tun. – Marius Gappa

 

24. November 2016 – Ausgabe 49

Leserbrief zu „Warten auf Farah“ von Werner Bloch, ein Interview mit David Galloway

Danke für das schöne Interview mit David Galloway. Es hat von einem Iran erzählt, das ich, geboren 1981, nur aus Erzählung meines Vaters kannte. Das Interview hat mir an diesem kalten Novembervormittag ein Stück Heimat und Wärme geschenkt. Ganz lieben Dank. – Farnaz Engelhardt


Leserbrief zu „Warten auf Farah“ von Werner Bloch, ein Interview mit David Galloway

Ich bitte Sie meinen Text über die Hintergründe der Verschiebung der Farah Dibas Austellung in der Berliner Nationalgalerie in der ZEIT zu veröffentlichen. Meine veröffentlichten Berichte haben zur Verzögerung der Ausstellung massgebend beigetragen (Links dazu im Text).

http://iraniansforum.com/eu/kunstler-proteste-im-iran-steinmeier-ladt-zarif-zur-vernissage-nach-berlin-ein/Dr. Kazem Moussavi


Leserbrief zu „Ungeschminkter Größenwahn“, ein Gespräch mit Edmund Stoiber und der Autor Axel Hacke geführt von Cathrin Gilbertund Stefan Willeke

Gehörte die Forderung „Kriminelle haben im Fußball nichts zu suchen“,  die Hoeneß im Jahr 2000 aufstellte, als der Trainer Christoph Daum des  Kokain-Konsums überführt worden war, auch zur vielgerühmten  menschlichen Seite des Bayern-Managers? Oder fällt diese Äußerung der „Abteilung Attacke“ eher in den Bereich „Irren ist menschlich“?  Und wie verhält es sich eigentlich mit den Compliance-Regeln und den Unternehmens-Leitsätzen der Firmen und deren Repräsentanten, die nicht nur zulassen, sondern sogar fordern und öffentlich begrüßen, dass ein Vorbestrafter Präsident eines Vereins und Aufsichtsratsvorsitzender einer AG wird, mit denen sie wirtschaftlich aufs Engste verflochten sind?  Ein einfacher Mitarbeiter hätte es sehr schwer, mit dem Führungszeugnis des Herrn Hoeneß eine Anstellung zu erhalten. – W.-R. Heilmann


Leserbrief zu „Die abgerüstete Frau“ von Iris Radisch

Ich hätte Donald Duck gewählt!

Im Feuilletonbeitrag von Radisch finde ich nur eine argumentative Linie: eine Matrix von Gefühlen und kollektiv Unbewußtem hat Frau Clintons Wahlsieg torpediert. Das Dumpfe siegte über die Strahlkraft von Vernunft und Fortschritt. Das ist nicht nur nicht originell, es lässt sich auch nicht beweisen. Beweisen lässt sich aber, an Hand von Zahlen, daß Clinton praktisch alle Swing-States verlor, auch die, die nicht im Rust-Belt der verlorenen Männerseelen liegen! Ein Wähler brachte die Stimmung auf den Punkt: „ich hätte Donald Duck gewählt, falls er gegen Clinton aufgestellt worden wäre.“ Zu dieser Lage fällt der liberalen Elite nur wieder reflexhaft ihr Fortschrittsmantra ein. Something is rotten in the state of gender-mainstreaming … – Josef Riga


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

Ein ehrlicher Artikel, der an den Verstand geht (im wahrsten Sinne) Weiter so, Herr von kittlitz. – Marion Rissart


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

Seit der Wahl von Donald Trump befand ich mich tatsächlich, wie so viele, in einer Endlosschleife aus Angst und quälender Selbst-Reflexion. Nach der Lektüre dieses tollen Artikels ist bei mir ein Knoten geplatzt, ich fühle ich mich ermutigt und innerlich gestärkt.

In meinen Alltag nehme ich nun eine von Frieden und Ehrlichkeit geprägte Handlungsanweisung mit, wie ich „den anderen“ (also Rechten und Rassisten) von nun an begegnen werde: Überzeugt, dass eine Welt in der uns die Hautfarbe des Gegenübers nicht einmal mehr auffällt das Beste für uns alle ist. Voll Solidarität mit denen, die sie wirklich brauchen. Und mit den Worten aus diesem Artikel: „Auch ich ringe mit mir. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten. Jeder so gut er kann.“ Das ist es! Vielen Dank, Herr von Kittlitz! – Verena Schönleber


Leserbrief zu „Wieder auf Droge“ von Jonathan Fischer

Der Artikel ist im Ansatz nicht schlecht, bringt auch relativ Unbekanntes zutage. Dass sich Jagger/Richards allerdings 1961 „auf dem Bahnsteig in Dartmore“ getroffen haben… wäre sicher selbst den Beiden neu gewesen. Der elitäre ZEITLeser könnte einen Schreibfehler vermuten, aber das berühmte „Dartmoor“ liegt viel weiter im Westen und eignet sich ebenfalls nicht zu einem historischen Treffen der Rockgeschichte. DartFORD heisst der Ort korrekt. Bitte den Autor oder die versagende Korrektur nicht demnächst ungeschützt auf die Beatles loslassen, sonst trafen sich Lennon/McCartney womöglich in Liverfield… –  Michael Zimmermann


Leserbrief zu  „Boni ohne Leistung“ von Roman Pletter

In dem Leitartikel  von gestern schreiben Sie u.a. , dass der aktuelle  Marktwert  der Deutsche Bank AG  mit ca. 22 Mrd. nur halb so hoch ist wie  der Marktwert zu Beginn der „Ackermannzeit“ im Jahre 2002.

Diese Aussage ist stark geschönt und wäre nur richtig, wenn es seit 2002 keine Kapitalerhöhungen gegeben hätte. In Wirklichkeit gab es in der Zeit ab 2002 diverse Kapitalerhöhungen, allein die beiden letzten Kapitalerhöhungen nach der Finanzkrise betrugen in der Summe  mehr als € 20 Mrd. ,  dies bedeutet der aktuelle Marktwert entspricht in etwa  der „ FRESH Money“ Zufuhr der letzten Jahre.

Darüber hinaus stellt sich die Frage,  wie hoch waren in der Summe die Aktienrückkaufprogramme in der Zeit  seit 2002 und warum haben die Aufsichtsbehörden  und die anderen Aufsichtsgremien diese Art  der  Eigenkapitalvernichtung eigentlich geduldet. Eine Teil-Substitution des Eigen- bzw. Kernkapitals mit  volumenstarken nachrangigen Anleihen ( u.a. Tier 1 ) ist sehr  teuer und  führt zu einer anderen Risikostruktur

Ich bin jedoch sehr zuversichtlich, dass der neue Vorstand  auf dem richtigen Weg ist und bereits einiges in den letzten 16 Monaten erreicht hat. – Roland Framhein


Leserbrief zu „Was Angela Merkel am Wochenende auch hätte sagen können. Ein Vorschlag.“ von Uwe Jean Heuser

Da mir der Redevorschlag von Uwe Jean Heuser auch nicht viel prägnanter und realitätsnäher erscheint als das Original, hier meine Vorschlag:

Liebe Landsleute,

Sie kennen mich. Sie können aber nicht wissen, wie lange und wie intensiv ich darüber nachgedacht habe, ob ich eine vierte Amtszeit als Bundeskanzlerin unseres Landes anstreben soll. Um es gleich zu sagen: Ich hatte meinem Mann versprochen, nicht wieder anzutreten. Es ist auch für eine Politikerin nicht vermessen, sich auf ein Leben danach zu freuen.

Nun ist auch Ihnen, liebe Landsleute, nicht verborgen geblieben, dass sich in meiner Partei niemand gefunden hat, der mir die Last von den Schultern nehmen will. Ich habe mich daher gegen meinen Mann und für unser Land entschieden:

Ich bin bereit, noch einmal meine ganze Kraft und Erfahrung in den Dienst des Deutschen Volkes zu stellen.

Mit verschiedenen Regierungen habe ich in den vergangenen elf Jahren viel geschafft; das leugnen auch meine Kritiker nicht. Aber es wäre unredlich zu behaupten, alle hätten sich ihre Träume erfüllen können. Ich erliege nicht der Versuchung, ungelöste oder neue Probleme anderen in die Schuhe zu schieben: dem System nicht, der Wirtschaft nicht, den Europäern nicht, meinen politischen Gegnern nicht! Ich übernehme die Verantwortung für verbliebene Missstände und werde mich kümmern

um die durch die Agenda 2010 Benachteiligten,

um die durch mangelhafte Bildungsangebote am Aufstieg Gehinderten

und die durch die Energiewende in ihrer Existenz Bedrohten

um die durch unser Gesundheitssystem Unterprivilegierten

und die angesichts der unmoralischen Einkommensverteilung Empörten

um die von der technologischen Entwicklung Überforderten

und um die nach dem Flüchtlingsstrom Verunsicherten

Auch in unserer Außenpolitik gilt das Prinzip der Solidarität. Ich habe vieles, aber nicht alles richtig gemacht. Daraus ziehe ich für mich folgende Schlüsse:

Europa ist eine Vereinigung von Gleichen. Deutschland übernimmt daher keine politische Führerrolle; ich werde nicht kommandieren, sondern integrieren. Dazu gehört auch, angesichts des Euro-Geburtsfehlers teilen zu lernen. Alle Europäer, ob Griechen, Italiener oder Balten, haben Anspruch auf den europäischen Traum!

Unser engster Verbündeter auf der anderen Seite des Atlantiks hat gerade kundgetan, dass auch dort zu viele den American Dream noch nicht verwirklichen konnten. Ich habe viel Verständnis dafür, dass die neue amerikanische Administration eine Politik für die Benachteiligten machen will. Wenn unser Land dazu einen Beitrag leisten kann, bin ich dabei.

Der afrikanische Kontinent insbesondere bedarf unserer Hilfe. Der Westen, also auch wir, haben einiges gutzumachen. Mir ist direkte Hilfe, von Mensch zu Mensch, und Investitionen zugunsten der einheimischen Bevölkerung lieber als Waffenlieferungen mit ihren verheerenden Folgen.

All das ist nötig und überfordert uns nicht. Wenn Sie, liebe Landsleute, das auch so sehen, werden Sie verstehen, warum ich mich noch nicht ins Privatleben zurückziehen kann.

Tun Sie es auch nicht! Dann schaffen wir’s. Ich danke Ihnen. – Johannes Kettlack


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

Der wichtige Artikel von Killitzens zur Xenophobie (ZEIT Nr. 49, Seite 80) wird nicht wichtiger dadurch, dass für den Text (ohne Überschrift aber mit Graphik), der 836 ccm Fläche einnimmt, 4400 ccm Papier verbraucht wird. Es wird also nur 19% der Fläche bedruckt um den Inhalt zu vermitteln. Das sollten Sie mal unter verschiedenen Gesichtspunkten überdenken: Materialökonomie, Energieverbrauch, Ressourcenschonung. Und in meinen Postkasten passt die ZEIT wegen ihres aufgeblähten Umfangs schon längst nicht mehr. Hier besteht Reformbedarf: platzssparende neue Gestaltung.- Albrecht Geuther


Leserbrief zu  „Boni ohne Leistung“ von Roman Pletter

Ideologen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Realität in ihre Ideologie „einbauen“wie sehr sie auch immer widerspricht. Den „freien“ Markt mit dem „freien“ Markt heilen zu wollen, ist dann aber doch ein bischen sehr lächerlich?!  – Dieter Herrmann


Leserbrief zu „Du siehst eine Frau mit Waffe: Egal. Schieß!“  ein Gespräch mit Herlinde Koelbl

Haben Sie vielen Dank für die Veröffentlichung des Artikels „Du siehst eine Frau mit Waffe: Egal. Schieß!“ über ein Gespräch Herlinde Koelbls mit einem israelischen Aktivisten. Die Veröffentlichung ist bemerkenswert, denn die Aussagen des früheren Scharfschützen sprechen für sich.

Es ist höchste Zeit, die israelische Besatzung des Westjordanlandes nach fast 50 Jahren zu beenden. Sie ist die alleinige Ursache für die Bemühungen der Palästinenser, sich gegen das unmenschliche Besatzungssystem zu wehren. Es führt nicht nur zu schweren Menschenrechtsverletzungen und illegitimer Administrationshaft, zu extremer Einschränkung der Bewegungsfreiheit, zu sippenhaftartiger Bestrafung der Familien von Menschen, die sich gegen das Besatzung gewehrt haben. Sondern durch die gewollte Praxis der Militärverwaltung im besetzten Land auch zur Verknappung von Wasserresourcen, Ausbeutung von Bodenschätzen, Vernichtung von palästinensichem Eigentum. Dies alles ist von verschiedenen Seiten dokumentiert, auch von der UN und dem Haager Gerichtshof, deren Beschlüsse vom Staate Israel generell nicht anerkannt werden. Hinzu kommt eine mit dem Völker- und Besatzungsrecht nicht zu vereinbarende Errichtung von israelischen Siedlungen im Westjordanland. Diese Art der Besatzung und der schleichenden Aneignung des Westjordanlandes hat außerdem die israelische Gesellschaft tief gespalten und, ich zitiere israelische Quellen, „korrumpiert“.

 Wie würden wir als Deutsche handeln in dieser hoffnungslosen Situation? Haben sich nicht Deutsche seinerzeit gegen die Besetzung der vielen Klein- und Mittelstaaten durch Napoleons Truppen gewehrt? Waren das damals Freiheitskämpfer oder nach israelischem Sprachgebrauch „Terroristen“?

Erzeugen nicht umgekehrt israelische Soldaten, die des Nachts in palästinensiche Häuser eindringen, die Bewohner bedrohen, das Haus verwüsten oder zu Tausenden Olivenbäume der palästinensischen Bauern zerstören „Terror“  unter den Palästinensern?

Der Begriff „Terrorist“ wird nunmehr auch auf Menschen ausgeweitet, von denen der Anschein ausgeht, dass sie bedrohen könnten. Bis hin zu anderen Staaten der Welt, in denen jeder politische Gegner von den Herrschenden als „Terrorist“ bezeichnet wird. Es ist ein beliebiger Begriff geworden.

Es wird höchste Zeit, die israelische Besatzung zu beenden und eine politische Lösung zu erzwingen, denn seit den Osloer Verträgen ist zu viel Tragisches passiert, haben Menschen zu viel erlitten. – Christian Kieß


Leserbrief zu „Ungeschminkter Größenwahn“, ein Gespräch mit Edmund Stoiber und der Autor Axel Hacke geführt von Cathrin Gilbertund Stefan Willeke

Es war so angenehm, die letzten Jahre von den Tiraden des Herrn Hoeneß verschont worden zu sein, dafür musste man sich den gelegentlichen Blödsinn des Herrn Rummenigge etwas öfter anhören. Der Unterhaltungswert dieses Gespräches mit den beiden Bayernfans hielt sich doch in sehr engen Grenzen, wäre vielleicht im Stadionmagazin besser aufgehoben.

Leider muss ich nunmehr auch meine bisherigen Sympathien für Axel Hacke um einige Grade herabstufen. Ich gestehe aber zu, dass meine Objekitivität beim Fußball als Schalke-Fan auch manchmal Schaden nimmt. – Klaus Philipp


Leserbrief zu “Rent a Sozi” von Fabian Klask

Man hat getrickst und ist erwischt worden. Ungeahnt schnell rudert die SPD zurück – soweit Respekt!

Gleichzeitig versichert man aber, dass die Top-Leute der SPD von den Hintergründen solcher Treffen gar nichts wussten. Und schon versucht man wieder zu relativieren. Wer möchte von solchen Spitzenleuten regiert werden? Entweder sie sind ahnungslos oder lügen. Das sind die Themen weswegen sich viele Leute angewidert von den etablierten Parteien abwenden. Die AFD freut sich.Hans-Peter Baumann


Leserbrief zu “Alles ist kosmopolitisch!” von Ijoma Mangold

Vielen Dank für Ihren an sich ausgezeichneten Artikel über Mathias Énards neues Buch. Mich begeistert der Autor, den ich auf Französisch lese, schon lange. Ich kenne denn auch  sein vorgängiges Buch „La rue des voleurs“. Schön also, dass der Autor in einer guten Übersetzung auch dem deutschen Publikum näher gebracht wird.

Was mich am Artikel von Ijoma Mangold stört?

-Könnte man nicht früher auf Edward Said kommen?

-Ist da nicht eine etwas verdächtige Fixierung auf identitäre Bewegungen? (oder: An wen richtet sich denn eigentlich der Artikel? An Leute, die eh nichts  damit zu tun haben wollen? Wenn ja, wirbt er also nur um billigen Applaus?  Fordert er automatische Anerkennung moralischer Oberhoheit?)

-Warum ist da der unsägliche Einschub über das Gutmenschentum in seiner ganzen Ambivalenz stehen geblieben? Ist das nicht eine etwas kurzschlüssige Verknüpfung mit einer allerdings ernstzunehmenden politischen Realität, die gewiss kritisch durchleuchtet werden muss, aber  doch nicht hierWenn da so unverhofft allergischer Widerstand gegen das Wort Gutmenschen- tum kommt, ist vielleicht etwas dran? Wie kam es denn zur agressiven Wortschöpfung? Wäre das nicht auch eine Untersuchung wert?

Das Wort „Gutmensch“ einfach zum „Unwort“ zu erklären, war nach meiner Sicht  doof und entsprach intellektueller Überheblichkeit, wie sie gerade (ähnlich einer  falsch verstandenen political correctness) Trump und Konsorten Zulauf verschafft.

Linguistisch steht fest: Es gibt keine Unworte, oder, besser, Unwörter — nur Wörter.  Was noch lange nicht heisst, dass man ihren ideologischen Hintergrund nicht kritisieren darf. Ich persönlich behalte mir den äusserst seltenen Gebrauch des  Wortes vor, wenn ich auf welcher Seite auch immer, moralische Anmassung und  Arroganz wittere und nicht umhin komme, in ihr eine Unehrlichkeit, Heuchelei und  Verlogenheit (Hannah Arendt) oder “ Mauvaise foi“ (Sartre) zu erkennen. Was haben denn die Philosophen anderes gemeint? Das Beste wäre, zugegebenermassen, doch einfach, möglichst wahrhaftig zu bleiben und das „Unwort“ (nein, das Wort!) nicht in den Mund zu nehmen und inflationär werden zu lassen. – Rolf Leemann

PS: In der gleichen Ausgabe der ZEIT finde ich den hervorragenden Artikel von Klaus Holz über „Luthers Abweg“. An diesem Text gibt es nun wirklich nichts auszusetzen, souverän und subtil wie er ist. Klaus Holz spricht genau das  Thema an: Was passiert, wenn etwas/jemand als „gut“ oder „besser“ dasteht und in einen vergessenen (stets verschwiegenen) falschen Rahmen gerät?  Wie kommt man da bloss raus? Danke jedenfalls für die dringliche Mahnung!


Leserbrief zu “Du-mich-auch Diplomatie” von Steven Beardsley, Peter Dausend und Michael Thumann

Sie fragen sich, ob künftig ‚direkte Diplomatie‘ öfter nötig sei, um den anderen wissen zu lassen, woran er ist und zitieren dabei ‚Politiker‘ wie den russischen, philippinischen und baldigen amerikanischen Präsidenten, um die These zu stützen. Dies zu akzeptieren würde jedoch bedeuten, sich einer Politik zu fügen, die nichts mehr mit Diplomatie und Repräsentation eines Staates, sondern mit zur Schau Stellung von Eigeninteressen und Macht zu tun hat. Mit Beleidigungen und kindischen Anschuldigungen mögen manche Medien Leser für sich gewinnen. Nur weil so mancher Medienkonsument jedoch nicht mehr in der Lage ist, komplexe Lagen als komplex wahrzunehmen, sondern nur noch auf vereinfachten Parolen anspricht, heißt das nicht, dass sich die Politik ihrer Komplexität zu Gunsten solcher Medienhörigen und pseudodemokratischen Autokraten unterwerfen muss. – Julia Tietjens


Leserbrief zu „ZEIT-Mitarbeiter empfehlen Bücher zu Weihnachten“

Zu Ihren weihnachtlichen Buchempfehlungen im Literaturteil der Zeit Nr. 49 fällt mir nichts mehr ein.

Etwas Statistik:

– 11 empfehlende Redakteur/-innen, davon 6 männlich, 5 weiblich.

– 66 Empfehlungen, davon zwei Doppelnennungen, also 63 Buchempfehlungen

– von 65 Autor/-innen (zweimal Doppelautorschaft): genau 10 Frauen.

– Und, wenn man vergleicht: 4 von 6 Männern gefallen ausschließlich Männerbücher.

Das kann doch wohl nicht wahr sein! Was stimmt hier nicht mit der Zeit, mit den Redakteur/-innen und ihrer Wahrnehmung, mit dem Buchmarkt, mit der Gesellschaft, mit der angeblichen Gleichberechtigung? – Ute Reichmann


Leserbrief zu „Bock auf Muskeln“ von Ruben Rehage

Ihr Artikel über das intransparente Geschäft mit Eiweiß-Shakes spricht mir aus der Seele (sowohl als Apothekerin als auch als Freitsportlerin). Solche Produkte zu verzehren, die in Herkunft und Zusammensetzung eher einem Glücksspiel gleichkommen als bewusster Ernährung finde ich sehr bedenklich (und unnötig!).

Trotzdem weise ich daraufhin, dass es sich beim erwähnten „Kreatin“ nicht um ein Hormon handelt (wie etwa Testosteron, auch gerne als leistungssteigernde Substanz in der Szene verwendet), sondern um ein körpereigenes „Speichermolekül“ für langfristige Muskelarbeit. Für kurzfristige Muskelarbeit reicht der ATP-Vorrat (ein Phosphat-haltiges Molekül) im Muskel aus, ist er allerdings erschöpft, wird jenes ATP aus Kreatinphosphat „nachproduziert“. – Anne Thießenhusen


Leserbrief zu „Auf dem Sprung“ von Wolf Alexander Hanisch

Ich lese schon sehr lange DIE ZEIT, insbesondere die Beiträge zu Politik, Wirtschaft und Finanzen. Natürlich auch die anderen Beiträge, diese aber recht unbefriedigt, weil die Redakteure nur halbherzig berichten. Ein Beispiel: Der Artikel über Lemuren auf Madagaskar in der Ausgabe Nr. 49/2016. Da berichtet Moritz Aisslinger über seine Beobachtungen, erwähnt sogar, dass es auf dieser Insel verschiedene Lemuren gibt, veröffentlicht aber nur eine Art und diese auf halber Seite in Großformat in Spiegelform. Als Leser hätte ich auch gerne gesehen wie die anderen aussehen. Glaubt er etwa, dass das nicht interessiert? Dann hätte er den ganzen Bericht sich sparen können. Erstaunlich ist, dass er mit seiner kleinen Zeichnung vermerkt hat, wo diese Insel liegt. Solche Hinweise halte ich für leserfreundlich, denn nicht Jeder weiß wo ein Ort ect. liegt. Bitte betrachten Sie diese Mail als Anregung und nicht als böse Kritik.  – M. Jäger


Leserbrief zu „Die abgerüstete Frau“ von Iris Radisch

Fantastischer Artikel von Iris Radisch: Die abgerüstete Frau Radisch. Erhellende Analyse, wie immer sprachlich hervorragend, eine Freude die Lektüre! – Dr. med. Jutta Hensen


Leserbrief zu „Die abgerüstete Frau“ von Iris Radisch

Hillary Clinton ist nicht nur wegen politischer Fehler sondern auch an ihrer unterdrückten Weiblichkeit gescheitert.  Unterdrückte Weiblichkeit führte hier fatalerweise zu einer Anleihe bei typisch männlichen Ausdrucksformen wie Härte und Selbstgewissheit. Wenn die Mehrzahl der Trump-Wähler Frauen waren, kann man ermessen, wie wenig  Clinton diese Wählerinnen als Frau angesprochen hat. Und das, obwohl Trump mit seinen üblen Wahlkampfsprüchen  permanent die Würde der Frauen missachtete. Feministinnen -und nicht nur die- empörten sich zu Recht über Trumps  primitive Weltanschauung und fragen sich jetzt entsetzt, warum er doch von so vielen Frauen gewählt wurde. Es muss  aber auch noch andere Gründe außer ihrer Abneigung gegen Clinton wegen ihrer Unglaubwürdigkeit als Frau oder ihrer  Politik, geben, die Frauen bewog, den Milliardär Trump zu bevorzugen. Ist es seine fadenscheinige Erfolgsgeschichte von  Reichtum und „Trophäenfrauen“ die nicht nur Männer faszinierte sondern auch Frauen beeindruckte ?   Sicher wird das Phänomen Trump die Medien und die gesellschaftspolitischen Wissenschaften noch Jahre beschäftigen  um herauszubekommen, wie so etwas passieren konnte. Das geschockte Europa sollte dabei aber nicht vergessen, dass  Frauen und Männer auf solche Figuren auch bei uns ähnlich reagieren -im Guten wie im Schlechten. – Klaus Reisdorf


Leserbrief zum Beitrag von Herrn Alexander Brech, Rubrik: Was mein Leben reicher macht

Was dieser immerhin 13- oder 14-jährige Schüler seinem Lehrer antwortet, – strahlend (!) -, dieser zu Beerdigende sei vielleicht „ein Lehrer???“, ist bestenfalls jugendtypisch spontan kreativ, aber vor allem jugendtypisch respektlos. Diesen Beitrag als das „Leben bereichernd“ zu veröffentlichen, ist grotesk. – Irmgard Fähnrich


Leserbrief zu „Wieder auf Droge“ von Jonathan Fischer

Das letzte richtige Album, Steel Wheels, 1989? Da hat aber jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht: „A Bigger Bang“, 2005, „Bridges to Babylon“, 1997 und ein Meilenstein 1994, „Voodoo Longue“, mit dem die Stones es mal wieder allen gezeigt haben, so wie mit „Exile on Main Street“, 1972, oder “Some Girls”, 1978: Here we are, the greatest Rock’n Roll-Band in the world! – Andreas Rother


Leserbrief zu „Bock auf Muskeln“ von Ruben Rehage

Könnte bitte jemand Ihrem Ruben Rehage erklären, wie man „Muskel“ dekliniert? – Thomas Höhne


Leserbrief zu „Die Avant-Gestrigen“ von Miriam Lau

Ihnen ist hoffentlich klar, dass sie dieser Bewegung zu Größe verhelfen, 400 Aktivisten und sie bekommen die Seite 2 in der Zeit?

Anne Will lädt eine vollverschleite Frau in ihre Sendung ein, auch eine kleine Randgruppe, der es nur um eigene Aufmerksamkeit geht, und schafft es dann im Interview nicht mal ehrlich zu sagen, dass es um Quote geht.

In Österreich wurde die FPÖ auch durch die Boulevard Medien groß geschrieben. Die Medien, und vor allem die Neuen, wie Facebook, sind ein wichtiger Teil, dass unsere Welt heute den Halt verliert.

 Alles eine Form von falsch verstandener Freiheit, denn Freiheit heißt nicht, dass alle das machen dürfen was sie glauben und meinen. Dies ist eines der großen Missverständnisse unserer Zeit, dass viele, vor allem jene, die unreflektiert durch diese Welt treiben, für Ihre Hassverbreitung zu nützen wissen. Und dann sogar der Präsident des mächtigsten Landes der Welt werden können. Wir brauchen neue Regeln! – Andreas Hagn


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

„Wenn ein arabisch aussehender Mann mit Rucksack in die Bahn steigt, haben wir alle Angst“ – was für eine furchtbare Überschrift, die das Diktat der Angst verschärft oder womöglich gar erst Ängste schafft. Bin ich komisch, wenn mir besagter Mann nicht mehr auffallen würde als eine bayrische/deutsche/europäische/christiliche Frau mit Handtasche? Mir persönlich würde der Glatzkopf mit Bomberjacke und Springerstiefeln oder auch der besoffene Muskelprotz mit Fußball-Fanschal auf jeden Fall mehr Angst machen. Sollte überhaupt jemand vor einem so harmlos beschriebenen Menschen („arabisch aussehender Mann mit Rucksack“) Angst haben, dann höchstens, weil die Wahrheit, dass es überall bekloppte Vollidioten gibt, in letzter Zeit durch rechte Propaganda sehr einseitig verzehrt wurde. – Kai Scholz


Leserbrief zu “Die Unterwerfung” von Jörg Lau, Mark Schieritz und Bernd Ulrich

In dem obigen Beitrag wird anschaulich dargestellt, wie die unterschiedlichsten politischen Lager jetzt auf einmal Trump schönreden. Erschreckend finde ich, dass die promovierte Volkswirtin Sahra Wagenknecht Trump bescheinigt, eine bessere Wirtschaftspolitik zu verfolgen als unsere Bundesregierung. Hat sie nicht mitbekommen, welche verheerende Wirkung auf die Weltwirtschaft die Einführung von Strafzöllen durch die USA in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte? Ebenso unfassbar für mich ist, dass der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer ausgerechnet die Rhetorik von Trump lobt. – Winfried Wolf


Leserbrief zu “Die Unterwerfung” von Jörg Lau, Mark Schieritz und Bernd Ulrich

Europa sollte sich ermannen oder erfrauen. Der Schluss des Artikels war das beste an ihm. Gegen Donald Trump in den USA und den Populismus bei uns hilft nur persönliches Engagement von vielen. Früher war man mal JUSO oder bei der Jungen Union, heute sind Parteien für junge Leute ganz weit weg. Früher marschierte man mit lila Halstüchern oder weißen Friedenstauben, heute stiert man auf sein Smartphone und trinkt Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Man lässt fast alles mit sich machen, läuft der Menge nach, sitzt im Warmen. Es wird schon werden. Nein! Demokratie ist mühsam, kostet eigene Kraft und eigene Zeit. Doch wir brauchen sie. Daher: Arsch hoch und Zähne auseinander! – Werner Bohn


Leserbrief zu “Vom Unbehagen der Demokratie” von Peter Sloterdijk

Es braucht nicht zu wundern, wenn es in der der deutschen Politik bergab geht und die AfD immer mehr Stimmen bekommt.  In ihrem akademischen Elfenbeinturm hören Sie den Weckruf an die Politk nicht! Sie verkennen meiner Meinung nach völlig, warum Trump trotz seines Programms und Verhaltens am Ende doch gewählt wurde. Hier hat Meuthen mehr verstanden.  Sie haben es sich in unserem asozialen System bequem eingerichtet und sehen deshalb keinen Grund sich über Änderungen Gedanken zu machen. Ich lebe übrigens nicht von Hartz IV, habe aber noch die Vision, daß man den Betroffenen helfen könnte. Oder sollte ich jetzt zum Arzt gehen?  Ich gebe zu das ist etwas polemisch :-) Aber für Argumente ist ein Leserbrief zu kurz.  – Edgar Schwarz


Leserbrief zu “Hier endet die Religionsfreiheit” von Wolfgang Bock

Dass der salafistische Verein „Die wahre Religion“ verboten wurde, ist in einem Rechtsstatt die unbedingte Antwort auf die Befürwortung von Gewalt und deren Entsprechung in einem exklusivistischen Religionsverständnis, das alle nicht zur eigenen Gruppe Gehörenden zu Ungläubigen erklärt. Die Umbenennung dieser Gruppe in „We love Muhammed“ zeigt, dass es um die Heroisierung eines Idols geht, Praktiken und deren Motive werden also gleich bleiben.

Wie man mit denen umgehen kann, möchte ich an einem individuellen Beispiel zeigen: Vor über zwei Jahren begegneten mir in Mainz drei junge Koranverteiler. Wahrscheinlich hätten die mich aufgrund meines vorgerückten Alters nicht angesprochen, also sprach ich sie mit der Frage an, ob sie heute schon Wein getrunken hätten. Entsetzt sagten sie: Nein, das sei im Islam verboten. Ich: da habt ihr den Koran schlecht gelesen, denn in Sure 16, 67 wird nicht nur der Genuss von Wein, sondern auch der Handel damit empfohlen. In deren jetzt verbotener Verteilausgabe wird der Wein sogar als Heilmittel bezeichnet. Darüber hatte ich mich ein paar Wochen vorher schon mal informiert. Also, ich bestand auf einer Antwort, die schwurbelten rum, ich habe dann noch den Slogan „Lies“ englisch ausgesprochen, also Lüge genannt, außerdem einem der jungen Burschen, als er wieder ausweichend mit einer Standarderzählung kommen wollte, leicht am Bart gezupft – was dem überhaupt nicht gefallen hat. So ging das noch eine Weile weiter, bis die Typen die Flucht ergriffen. Dass denen jemand nicht pauschal, sondern argumentativ mit ihrer eigenen Schrift widersprach, damit hatten sie nun doch nicht gerechnet, und ich habe die jedenfalls auch nie mehr wiedergesehen. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu “Kann dieser Mann Marine Le Pen stoppen?” von Gero von Randow

Wenn es im Mai 2017 in Frankreich ganz schlimm kommt wird Le Pen zur Präsidentin und nicht Fillon zum  nächsten Präsidenten gewählt. All die sich jetzt schon an Prognosen über den Ausgang des 2. Wahlgangs (Stichwahl) in Frankreich versuchen haben den US-Wahlkampf vor Augen. Kurz vorher glaubten noch alle an  den Sieg Clintons über Trump. Wird in Frankreich ähnliches passieren wo sich dann Fillon in der Rolle Hillary  Clintons und Le Pen in der Rolle Trumps wiederfänden ?

In Frankreich fürchten die Politiker nichts mehr als ihre Wähler, die Wahlentscheidungen mit Lust auf Revolution und Umsturz treffen. Wenn nämlich der Kandidat  der PS (wer wird das überhaupt ?) für ihren höchst unbeliebten Präsidenten Hollande im 1. Wahlgang abgestraft wird und höchstens auf Platz 3 hinter den Kandidaten von FN und Republikanern landet müssten sich die PS-Wähler im 2.Wahlgang für oder gegen die Republikaner entscheiden. Nicht mehr undenkbar ist aber leider (siehe Amerika),  dass sie sich für Marine Le Pen entscheiden weil für sie der Bürgerliche Fillon ein rotes Tuch ist.

Der Spitzenmann  der Republikaner kommt eloquent, kultiviert, perfekt gekleidet und gescheitelt daher was ihn zum Star der Bourgeoisie  macht. Ein typischer FN- oder PS-Wähler oder gar Kommunist kann so einen Mann nicht wählen. Bleibt noch die  Empfehlung von Zentrum (unter Bayrou), der Linkssozialisten (unter Melenchon) und der Grünen an ihre Wähler, die die Stichwahl beeinflussen können. Bekannt wurde bisher, dass Fillon vom Zentrum unterstützt wird. – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu “Vom Unbehagen der Demokratie” von Peter Sloterdijk

Kann es wirklich Zufall  sein – oder ist es ein geradezu humorvoller Hinweis der kosmischen Weisheit –, dass gleichzeitig mit dem Auftritt  Donald Trumps auf der politischen Weltbühne, der Film über die „mieseste Sängerin“, die jemals eine Opernbühne betreten hat, erscheint: Florence Foster Jenkins?
Das einzig wirklich brillante an diesem Zusammenspiel, ist die Darstellerin der „Sängerin“, Meryl Streep, die hierfür sehr wahrscheinlich ihre 20igste (!) Oscar-Nominierung und ihren 4. (!) Oscar verdientermaßen gewinnen wird.

Dass sich Mr. Trump ab Januar 2017 zusammen mit George Washington, Abraham Lincoln, den beiden Roosevelts und John F. Kennedy genannt werden muss, wäre, als ob man Florence Foster Jenkins zusammen mit  Maria Callas, Luisa Tetrazzini, Renata Tebaldi u. ä.  erwähnen würde. Jeder Musikkritiker, der das wagen würde, wäre weltweit für immer erledigt.  Politische Kommentatoren scheinen ein weniger feines „Gehör“ zu haben.

Sloterdjik beschreibt, dass die Wahl Trumps, und ähnlicher Figuren in der europäischen Vergangenheit und Gegenwart (Berlusconi), ein grundsätzliches Manko der Demokratie aufzeigt. Das zeigt wiederum, dass die Ohren vertrauenswürdiger sind als der Verstand.

Florence Foster Jenkins, hatte, wenn auch aus dubiosen Gründen,  zwar auch ihr Publikum, aber  in der Carnegie Hall konnte sie nur einmal in einem selbstorganisierten Konzert auftreten.  Undenkbar war, dass die weltweite Musik-Community danach darüber diskutiert hätte, ob sie sich vielleicht nicht doch noch zu einer akzeptablen Sängerin entwickeln könnte.

Dieses unentwickelte ‚politische Gehör‘ kann für uns alle dramatische Folgen haben, denn das  ‚falsche Singen‘ des Ersten Mannes im Weißen Haus, kann sehr viel größere Schäden anrichten, als das falsche Singen auf einer Opernbühne. – Dagmar Schön


Leserbrief zu „Was Angela Merkel am Wochenende auch hätte sagen können. Ein Vorschlag.“ von Uwe Jean Heuser

Zu dem interessanten und originellen Artikel möchte ich folgenden Leserbrief beisteuern:

Ein sehr guter Vorschlag.  Warum lässt sich Frau Merkel nicht fachkundig beraten? Ein anderer Vorschlag wäre folgende, etwas kürzere  Rede von Frau Merkel:

„Zur Frage einer weiteren Kanzlerschaft habe ich mich mit wohlmeinenden Freunden beraten. Sie haben mich überzeugt, dass ich in den  zwölf Jahren als Bundeskanzlerin meiner Verpflichtung gegenüber meinen Wählern und meiner Verantwortung für unser Volk mehr als gerecht geworden bin. Ich ziehe mich deshalb spätestens zum  Ende der Legislaturperiode aus der – für mich zunehmend anstrengenden – Aufgabe zurück.

In meiner Zeit als Bundeskanzlerin ist vieles gut gelaufen, manches ist nicht so gelungen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich wollte aber immer meinem Land in bestmöglicher Weise dienen und hoffe, dass mich meine Mitbürgerinnen und  Mitbürger in guter Erinnerung behalten werden.

Meinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern wünsche ich eine „gute Hand“ und ein gutes Gelingen in nicht ganz einfachen Zeiten.“ – Klaus Grieshaber


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

„Wir sind nicht ehrlich mit uns“, schreibt Herr von Kittlitz, weil wir Trumps Xenophobie beklagen, aber selbst Angst haben, „wenn ein arabisch aussehender Mann mit Rucksack in die Bahn steigt“. Stimmt. Aber es ist doch nicht so, dass wir die – ohnehin wohl nicht sonderlich ausgeprägte – Ehrlichkeit von Trump beklagen, sondern seine Konsequenzen: Dass er mit dieser Xenophobie Abschottungspolitik betreiben will. Wir hingegen – für mich nehme ich es jedenfalls als Wunsch in Anspruch – würden die Angst vor dem Fremden gerne überwinden. Aber ganz sicher nicht zum Maßstab der Politik machen! – Dr. med. Dietrich Tamm


Leserbrief zu „Die Avant-Gestrigen“ von Miriam Lau

Es wird so kommen, wie Sie es nicht haben wollen. Die Zeit ist reif für ein umdenken unserer westlichen Welt. Kein Staat wird auf Dauer die sozialen und gesellschaftlichen Verwerfungen hinnehmen können. In Zukunft muß es heißen: weniger Demokratie als mehr.  Willi Brandt hat vom Wagnis gesprochen. Das ist völlig in die Hose gegangen.  Sie alle sind in eine Welt hineingeboren worden, die mit dem heutigen Modell groß geworden sind. Eine Umkehr liegt nicht in ihrem Vorstellungsvermögen.  Sie sind unfähig, die Gefahr zu erkennen. Viele Bürger, und das ist das schlimmste, wurden von den Politikern nicht mehr für voll genommen. Die ständigen Phrasen der politischen Klasse sind aufgebraucht. Frau Merkel will so weiter machen. Das war die denkbar schlechteste Entscheidung für unser Land und auch für Europa. Die CDU ist nicht mehr erkennbar. Nicht einmal einen Bundespräsidenten können die auf die Beine stellen. Die wirklichen Persönlichkeiten sind alle ausgemistet worden.  Ihr Blatt hat sich auch disqualifiziert, wenn ich an die vorgehende Ausgabe denke. Und die SPD macht einen Fehler nach dem anderen. Weder Schulz noch Steinmeier sind Personen, die entscheidendes Bewegen können. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Ungeschminkter Größenwahn“, ein Gespräch mit Edmund Stoiber und der Autor Axel Hacke geführt von Cathrin Gilbertund Stefan Willeke

Zu der Beschreibung des Führungsmodells von Hoeneß in Ihrem Interview hätte ich folgende Bemerkung zu machen:

Die Organisationsform, in der das Oberhaupt wie ein Patriarch über seine Familie wacht, die Mitglieder versorgt und die Feinde bekämpft, (die auch aus dem Gefängnis geleitet werden kann,) heißt – Mafia! – Harald Bost


Leserbrief zu „Mauern hoch“ von Josef Joffe

Es geschieht nichts ohne Grund.

Wenn Trump sich heute für die verarmte Mittelschicht in den USA einsetzt, dann rennt er bei diesen Personen offene Türen ein, die vom Establishment bisher vergessen worden waren.

Beim Brexit hat 50% der Bevölkerung dem Establishment die rote Karte gezeigt. Eine im Wohlstand schwimmende Elite forderte vom einfachen Mann Lohnverzicht zugunsten Zuwanderern.

Die französische Revolution ist abgelaufen, weil es zwei Jahre  Missernten und darauf folgende Hungerperioden gegeben hatte. Ohne diese hätte es die Frz.Revolution nicht gegeben.

Der Faschismus konnte gewinnen weil : 20 Jahre von 1894 bis 1914 hat Frankreich den Krieg vorbereitet und ganz Europa für seinen Revanchekrieg (wegen 1871)  gewinnen können. Von 1918 ab hat Frankreich Deutschland 10 Jahre lang gedemütigt und damit sogar einem Hitler eine Chance eröffnet. Der wäre sonst  Postkartenmaler geblieben.   Wenn großes Unrecht geschieht, ist auch  die Antwort entsprechend hart. Das war früher so und ist heute so. Eine Elite, die  Fehler macht, bekommt die Quittung dafür. Das Establishment in England und den USA hat dies gerade wieder erfahren müssen. Die Elite wird aber immer wieder Fehler machen. Aus Gier oder verletztem Stolz vergisst man den oder die Anderen.   Zu Ihrem Geschichtsverständnis: Sie kanzeln unsere Großeltern ab als ob diese nur von Hass erfüllt gewesen wären. Nach 220 Jahren Fremdherrschaft seit 1648 vor allem durch Frankreich waren unsere Vorfahren 1871 endlich froh, selbständig und unabhängig zu sein. Und Deutschland war endlich zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Staat geworden.  Frankreich hatte sich aber  vorgenommen, diese Erfolgsgeschichte mit Hilfe der anderen Europäern und zum Schluss sogar mit den USA wieder zu beenden. Was ihnen 1918 dann auch geglückt ist. Unsere Vorfahren waren arm dran. Und nicht genug damit, heute schämt man sich nicht zu  erzählen, der Krieg wäre notwendig gewesen, weil Deutschland angeblich nach der Weltherrschaft gegriffen hätte.   Sie selber spotten auch über unsere Vorfahren, angesagt wäre aber  Bedauern und Mitgefühl.   Ich hoffe und Bete, das unsere Elite heute keine großen Fehler macht. Wenn ich die Naivität sehe, mit der an manche Aufgaben herangegangen wird, bin ich da nicht so sicher. – Reiner Püschel


Leserbrief zu “Vom Unbehagen der Demokratie” von Peter Sloterdijk

Ein kalifornisches Abendessen mit Condoleezza Rice und einige Anmerkungen zum Populismus von Adolf Hitler und Donald Trump

Der Staat Hitlers war eine Party der Versager“, schreibt Peter Sloterdijk am 24. November 2016 in der ZEIT.

Allein die zynische Benutzung des Wortes „Party“ im Zusammenhang mit dem Hitler-Regime disqualifiziert den Karlsruher Philosophen, von dem der Leser schon manches gewohnt ist. „Versager“ für millionenfache Mörder aber ist eine denkerisch-sprachliche Schamlosigkeit. Herr Sloterdijk, Sie sollten sich auf der Stelle öffentlich dafür entschuldigen! – Ulla Chabrier Möllers


Leserbrief zu „Grafik:Sport“

Ich finde Ihre Grafik zur „großen Bewegung“ interessant. Dazu hätte ich gern gewusst, ob die Antworten auf die Frage nach der Vereinszugehörigkeit oder nach der ausgeübten Sportart gegeben wurden. In der Praxis haben die Vereine meist mehrere Abteilungen, entsprechend der ausgeübten Sportart. z.B. haben viele Turnvereine jeweils eine Volleiball-, eine Basketball- oder eine Leichtathletikabteilung oder noch mehr ausgeübte Sportarten. Es gibt in Deutschland so viele Turnvereine weil im 19. Jh. das Sportvereinsleben damit begann. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier noch soviele aktive Turner gibt, z.B. bei Frauen und über 60 jährige. Ich könnte mir vorstellen, dass es viel mehr Leichtathleten gibt als in dieser Statistik. Auch stelle ich mir  mehr aktive Basketballer als Golfer vor, oder,dass Wassersportler wie Schwimmer, Kanuten und Segler in der Statistik noch hinter Reitern und Golfern stehen sollen, kann ich mir nicht denken. Vielleicht irre ich mich. Bitte klären Sie mich auf. – Dieter Zywicki


Leserbrief zu „Was Angela Merkel am Wochenende auch hätte sagen können. Ein Vorschlag.“ von Uwe Jean Heuser

Nicht schlecht Ihr Vorschlag. Dafür ist es zu spät. Die Chose kommt zu spät. Solche Erkenntnisse hat die Politik seit 70 Jahren immer dann gehabt, wenn das Kind bereits im Brunnen lag. Ihr Autor Uwe Jean Heuser weiß das auch sehr gut. Das Leben hinter einer Bannmeile entfremdet und das ist das eigentliche Problem. Die Entfernung zwischen Staat und Bürger ist immer größer geworden. Ein Weg zurück gibt es irgendwann nicht mehr. Die Entfernung ist zu groß geworden. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Da helfen keine Mauern“  von Stefan Schmitt

Sie schreiben: „Einmal in der Luft, sind die Emissionen aber äußerst langlebig: Kohlendioxid  bleibt durchschnittlich 120 Jahre am Himmel, Lachgas 114.“  Dabei verwundert mich die Aussage, dass Kohlendioxid durchschnittlich 120 Jahre am  Himmel bliebe. Ich bin mir nicht sicher, auf was sich diese 120 Jahre letztlich beziehen. Im  Kontext Ihres Textes scheint mir, Sie möchten sagen, dass eine Emission von Kohlendioxid im heute durchschnittlich 120 Jahre als Treibhausgas zur globalen Erwärmung beiträgt, bzw.  umgekehrt, in durchschnittlich 120 Jahren keine Auswirkung mehr haben wird. Dies wäre  schön, ist meines Wissens und laut der Aussagen einiger Professoren, welchen ich  gelauscht habe, aber deutlich zu optimistisch. Archer et al. (2005) untersuchte z.B. wie lange  ein Emissionssignal die Erdatmosphäre beeinflusst. Ergebnis: Bei Emissionen um die  300GtC dauert es in der Größenordnung 10.000 Jahre und mehr, bis die atmosphärischen  Kohlendioxidkonzentrationen wieder auf dem „natürlichen“ Pfad verlaufen. Bei 1000GtC (das ist in etwa eine realistische Größenordnung der Gesamtemissionen, welche wir bis zum  Ende der fossilen Ära ausstoßen könnten) sind es über 100.000 Jahre. Bei 5000GtC (das  entspricht in etwa dem Verbrennen der gesamten fossilen Brennstoffe auf Erden), wären es  mehr als 500.000 Jahre. In der Tat ist schon zu bemerken, dass ein großer Teil der  Emissionen rasch von Ozean und Vegetation aufgenommen werden (ca. 50% in  Zeithorizonten von Jahrzehnten), dieser Effekt allerdings, laut IPCC AR5, je nach dem  Gesamtumfang der Kohlendioxidemissionen deutlich nachlässt, sodass nach 2.000 Jahren  zwischen 15% und 40% der ursprünglichen Kohlendioxidemissionen immer noch in der  Erdatmosphäre verweilen (je höher die Emissionen, desto höher der Anteil). Daher ist mir nicht ganz klar, woher Sie diese 120 Jahre heranzogen. Diese Zahl von ca. 100 Jahren scheint in diesem Kontext häufiger aufzutreten, weshalb ich  möglicherweise auch selber etwas (z.B. den Kontext) nicht richtig verstehe: Die MunichRe  schreibt in ihrem Report TOPICS GEO 2015: „Kohlendioxid hat eine mittlere Verweildauer – und damit Klimawirksamkeit – in der Atmosphäre von rund 100 Jahren.“ Hier ist spezieller  von der mittleren Verweildauer die Rede. Diese ist allerdings nicht wirklich relevant in der  Frage, in welchem Zeitraum Emissionen zu einer erhöhten CO2 Konzentration in der  Erdatmosphäre führen. Sie ist definiert als das Verhältnis eines (Kohlenstoff-) Pools und dem  (jährlichen Kohlendioxid) Fluss zwischen zwei Reservoirs. Sie beschreibt nicht, wie in  TOPICS GEO behauptet, wie lange das Kohlendioxid zur globalen Erwärmung beiträgt. Nachdem aber sowohl Sie als auch die MunichRE diese 100 Jahre als Größenordnung  benannt haben, wollte ich Sie doch mal darum bitten mir aufzuschlüsseln, woher Sie diese  Zahl haben, wie sich diese bestimmt und in welchem Kontext sie Sinn macht. Alles in allem vielen Dank für eine sehr gute Wochenzeitung, – Manuel Wifling, Student der „Integrated Climate System Sciences” in Hamburg


Leserbrief zu „Nur einen Klick weit weg“ von Eva Bucher

Ich weiß nicht, ob und wie das Bild mit dem Spruch „Don’t worry Syria – Democracy is on it’s way“ in Tim Ash’s Buch Bezug genommen wird.

Das ist doch – ggf. unfreiwillige – Satire wie die 5 Rüstungsmanager mit „Alle reden vom Frieden – wir nicht?

https://www.uni-heidelberg.de/universitaet/heidelberger_profile/interview/staeck.html

Ich werde das Buch noch lesen. – Gerhard Schroeder


Leserbrief zu „Wer ist Schmidt?“ von Christiane Grefe und „Das Ziel heißt Kuhkomfort“

Sehr gerne lese ich ihre Beiträge zur Landwirtschaft, wenngleich mir auch ab und an Defizite in der Recherche auffallen.

Der Artikel von Frau Grefe hat mir gut gefallen und spiegelt auch meine Eindrücke um Herrn Schmidt wider. Darüber hinaus wird auch das Dilemma aufgezeigt in dem sich die Landwirtschaft befindet.

Der vor- und nachgelagerte Bereich sind zum Sprachrohr der Landwirtschaft geworden. Landtechnikhersteller, Dünge- und Pflanzenschutzkonzerne, Lebensmittelverarbeiter etc. sind mehr am Wohle des Landwirts interessiert als er/sie selbst. Das belegt auch der Artikel von Herrn Sentker. Mit immer mehr Innovationen und Entwicklungen aber auch durch politische Einwirkung werden dem Landwirt erklärt wie er seine Tiere zu halten oder seine Felder zu bewirtschaften hat. Das dies nicht immer mit dem Wunsch des Verbrauchers korreliert sei einmal dahingestellt.

Der vor- und nachgelagerte Bereich hat schnell erkannt welches Investitionspotential die Landwirtschaft besitzt. So wird dem Landwirt mit hochautomatisierten Stallanlagen mit Melkroboter, automatischer Fütterung oder GPS-gesteuerten Landmaschinen der letzte Groschen aus der Tasche gezogen. Dieser reagiert mit ständigem Betriebswachstum um die horrenden Investitionen legitimieren zu können. Was wir auch erkennen können ist, dass praktisches Wissen speziell im Umgang mit Tieren durch die Automatisierung in der Landwirtschaft abnimmt.

Das soll nicht heißen, angebliche Innovationen in der Landwirtschaft sind schlecht. Jedoch sollten die Landwirte abwägen können was für sie in privater und beruflicher Hinsicht wichtig ist, beziehungsweise sollten sie über den Tellerrand hinausschauen können.

Leider bemerke ich immer wieder, dass in der konventionellen Landwirtschaft eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Berufsstand kaum gegeben ist – eher schon im Ökolandbau.

Die Frage zur zukünftigen Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung wird über die Landwirtschaft hinweg ohnehin schon von den NGOs beantwortet. Serienreife künstliche Nahrung könnte die konventionelle Landwirtschaft auf das Abstellgleis stellen. Wird es dann nur noch Bioware als Alternative zum künstlichen Essen geben? Warten wirs ab. – Hannes Karlsson


Leserbrief zu „Hürden  im Kopf“ ein Gespräch mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, geführt von Fabian Klask undElisabeth Niejahr

Was in vielen Diskussionen nicht erwähnt aber sehr wichtig ist, daß die Politik seit 1957 den Rentnern 700 Milliarden Euro gestohlen hat.

Heute und mittelfristig alle Rentner Almosenrenten abzuspeisen, davon noch Kranken und Pflegeversicherung nach 50 Arbeitsjahren abzuziehen, empfinden die Menschen eine weitere Abzocke.

Diese Abzüge werden durch Ulla Schmitt und Göring Eckard auch von Betriebsrenten, also der s.g. Vorsorge abgezockt.

Zu solchen Handlungsweisen durch Politik, in einem der reichsten Länder der Welt, beschämend, unredlich.

Was kann ein heutiger oder mittelfristiger Rentner dafür, daß die Nachhaltigkeit durch Kinder nicht gegeben ist.

Da sollen sich Alle diejenigen einmal besinnen, die da etwas verpasst haben, denn die die seit 10 Jahren in Rente sind und heute in Rente gehen haben noch dafür gesorgt. Allem Anschein waren diesem Personenkreis andere Dinge wichtiger.

Auch die Politik versteckt und versteckte sich schon seit über zehn Jahren mit dieser Aussage, wegen der exorbitanten Griffe, in diese Kasse.

Hier hat die Politik den Rentnern Beiträge gestohlen, was mit den jetzigen 80 Milliarden jährlich nicht mehr auszugleichen ist.

Man muss sich mittlerweile vor den Ländern Österreich, Holland und der Schweiz schämen, die mit ihren Rentnern einen normalen Umgang pflegen.

Ein Rentner Österreichs der Brutto so viel verdient hat wie ein Deutscher erhält 1.800 € in Deutschland gerade einmal etwas über 1000 €, bei Frauen ist es ähnlich 1200 zu 580 €, beschääääääääämend !!

Als Anhang die Wahrheit, der die Politik gegenüber seinen Rentner die noch zu richten ist, an die Zinsen und Zinseszins nicht zu denken.

Die Rentenversicherung braucht darüber hinaus eine Einrichtung die keine Politik mehr an dies Kasse mit eingezahlten Beiträgen läßt.

48 % Rente stehen 71 % Pensionen gegenüber von denen jetzt schon keiner mehr weiß wer das noch bezahlen soll.

Länder zahlen heute schon trotz Verschuldung mehr Pensionen, als als Löhne für noch im Amt befindliche Beschäftigte, ein Waaaaaaaaahnsinn und keiner spricht darüber, bzw. ändert diesen Unsinn, aber über Rentner die diese Steuergelder erarbeiten !!

Kürzlich konnte ich Nachlesen, daß das kleine Holland über 300 Milliarden Rentenrücklage hat. Österreich hat nur eine Rentenversicherung und eine Einrichtung die darüber wacht, dort kann keine Politik einfach nach belieben eingezahlte Beiträge zweckentfremden.

Ich bin froh, daß die Bevölkerung die diese Kassen gefüllt haben, langsam wach werden, da nützen mittlerweile auch die Hetzkampagnen jung gegen alt nicht mehr, was ich sehr geschmacklos finde. – Helmut  Ruth


Leserbrief zu „Was Angela Merkel am Wochenende auch hätte sagen können. Ein Vorschlag.“ von Uwe Jean Heuser

Die Bundeskanzlerin hat die Gabe, dass andere in ihr Nichts, in ihre Leerstelle Sinn projizieren. – Dr. Andreas Schäfer


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

Ihre Redaktion lässt nicht nach. Ich habe eher den Eindruck, die Chefredaktion war über das Echo der Beiträge von Josef Joffe und Bernd Ulrich schockiert. Ihre Schockstarre hält immer noch an. Kann es nicht auch sein, daß die Journalisten genauso weit weg von den Realitäten sind, wie Politiker zu ihren Wählern.? Kann es nicht auch sein, daß Ihr Menschenbild schon immer nur in ihrem Geiste existiert hat.? Und Ihr Autor unterstellt schon wieder den Lesern als wären sie alle plemplem. Warten Sie ab, bis Trump eine zeitlang regiert hat. Erst dann ist überhaupt eine Beurteilung angebracht. Wir reden jetzt über ungelegte Eier. Das sollten Sie sich nicht antun.  – Gunter Knauer 


Leserbrief zu “Vom Unbehagen der Demokratie” von Peter Sloterdijk

Der Philosoph Peter Sloterdijk gefällt sich in der Prognose: „Seien wir realistisch. Die Chance von Donald Trump, die ersten zwei Jahre seiner Amtszeit zu überleben, liegt vermutlich bei kaum mehr als zehn Prozent. In einem Land mit einer so ausgeprägten Tradition des Schießens auf Präsidenten wäre ein mehr als zweijähriges Durchhalten eine Anomalie. . . . Das Schießen auf Präsidenten blieb (in den USA) immer eine aktive Option.“

Hat der Philosoph keinerlei Gespür dafür, dass er mit einer solchen self-fulfilling prophecy dazu beitragen könnte, einen would-be Attentäter zu ermuntern, ein „politische(s) Irrlicht“ bzw. den „unvergleichlich Ungeeignete(n)“ aus dem Spiel herauszuschießen? Sloterdijk schmückt sich die Situation sogar weiter aus, indem er den Vizepräsidenten Pence schon als ‚pragmatischen‘, wenn auch ‚mediokren‘ Nachfolger Trumps willkommen heißt.

Wer diesen Vorwurf für überzogen hält, sei an ein warnendes Beispiel aus der jüngsten deutschen Geschichte erinnert: Im April 1968 schoss Josef Bachmann in Berlin dreimal auf den Studentenführer Rudi Dutschke und verletzte ihn lebensgefährlich. Viele machten damals die Springer-Presse, die Dutschke zum Freiwild erklärt habe, als geistigen Urheber verantwortlich für den Anschlag.

Mich erschrecken alle Denkmuster, die mit dem gewaltsamen Tod eines Menschen spielen. Ein Philosoph sollte sich in verantwortungsvoller Zurückhaltung üben. – Heinz Dieter Mück


Leserbrief zu „Ungeschminkter Größenwahn“, ein Gespräch mit Edmund Stoiber und der Autor Axel Hacke geführt von Cathrin Gilbertund Stefan Willeke

Zu Ihrem Gespräch mit Edmund Stoiber und Axel Hacke einige Anmerkungen. In der grenzenlosen Bewunderung für den FC Bayern ist ein Lob sicher berechtigt: Dank dem hervorragenden Management von Uli Hoeneß ist der Verein vermögend und kann hohe Millionenbeträge für neue Spieler ausgeben. In sportlicher Hinsicht lässt sich über den Wert der vielen Erfolge trefflich streiten. Die “Bayern” haben ihren Mitstreitern in der Bundesliga in den letzten 20 Jahren die besten Spieler “weggekauft”. So wurden die direkten Konkurrenten im Kampf um die Meisterschaft (fast) systematisch geschwächt und andere Vereine dem Abstieg geweiht. Die Liste der “Opfer “ ist lang: es fing an mit dem Karlsruher SC und fand bei Borussia Dortmund seinen vorläufigen Höhepunkt. Dass es dem Management des FC Bayern dabei nicht in erster Linie um eine Verstärkung der eigenen Mannschaft geht, sondern um die Schwächung des Wettbewerbs wird offensichtlich, wenn man sich die Schar der Edelreservisten anschaut, die selten oder nie zum Einsatz kommen. Selbst wenn ich Bayer wäre, würde es mir schwer fallen, auf die fußballerischen Erfolge dieses Clubs stolz zu sein.

Wie man die “Resozialisierung” des Uli Hoeneß durch das Amt des Präsidenten beurteilt, ist ein Frage des moralischen Anspruchs. – Sven Herfurth


Leserbrief zu „Hürden  im Kopf“ ein Gespräch mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, geführt von Fabian Klask undElisabeth Niejahr

Frau Nahles entdeckt die Abschaffung der Armut durch Definition: Arm ist, wer Grundsicherung bekommt?  Gemäß dieser erstaunlichen Politikerweisheit ist also nicht arm sondern wohlhabend,  wer 1 € mehr als  den Gundsicherungsbetrag im Monat hat? Da staunt der Laie! Und der Fachmann wundert sich, ob da Oberschichtarroganz, bloße Realitätsverleugnung oder nur die übliche Roßtäuscherin aus Frau Nahles spricht! – Jochen Blankenburg


Leserbrief zu „Die abgerüstete Frau“ von Iris Radisch

Hillary Clintons Wahlmißerfolg so einseitig auf die Frauenrolle zu reduzieren, ist schwer verdaulich. Wo bleiben soziale und politische Gründe, die auch in den USA eine entscheidende Rolle spielen.

Die Ängste der Mittelklasse vor Abstieg, sozialen Unsicherheiten und Armut vieler Amerikaner werden dabei unter den Tisch gekehrt. Diese Ängste führten zu einer Abkehr vom Finanz- und Politik-Establishment, für die auch Hillary Clinton steht.

Ganz abgesehen davon ist umgekehrt die diskriminierende abwertende Haltung einer M. Trump gegenüber, immerhin auch einer Frau, ziemlich rassistisch! –  Marianne Peycke


Leserbrief zu „Alle gegen Ackermann“ von Arne Storn

Nachdem sich die scharfe  Kritik an den Geschäftspraktiken der Deutschen Bank in Teilen des Investmentbanking zunächst gegen eine verfehlte Geschäftspolitik  gerichtet hat ( == unüberlegter und nicht durch entsprechende Kontrollen begleiteter Übergang auf  angelsäxisch/ US-amerikanisches „kreatives“ Investmentbanking ) kommen jetzt immer mehr die Verantwortlichkeiten bestimmter Vorstände ins Visier. Es geht jetzt nicht nur  darum, ausschließlich Josef  Ackermann „am Zeug zu flicken“ oder nur der DB.  Vielmehr haben auch der Aufsichtsrat der DB  und auch anderer Großunternehmen mit Schieflage sowie die Finanzaufsicht offensichtlich versagt. Generell läßt sich feststellen, daß Toppmanager der deutschen Wirtschaft zu lange mit einer gewissen Duldsamkeit der Öffentlichkeit haben rechnen dürfen, was bei den Betreffenden ( siehe °Victory°-Zeichen von Josef Ackermann im Gerichtssaal) zu einem ausgeprägten Hochmut führte. Man kann auch sagen, daß in Teilen der deutschen Großwirtschaft das Gebot des „ehrlichen Kaufmanns“ völlig aus den Augen verloren wurde… und daß auch die Hauptversammlungen, etwa beim Abwinken von völlig überzogenen Vergütungssystemen für die Unternehmensspitze , versagten. ^^ Der Flurschaden ist nun angerichtet und wird wohl in einer Reihe von Prozessen vor den Gerichten seine Fortsetzung finden. Es geht nicht an, nur die Vermachtungs- und Oligarchisierungstendenzen in post-kommunistischen Volkswirtschaften schärfstens zu kritisieren. Korporatistische Vermachtung gibt es leider auch in westlichen Demokratien bzw von deren Volkswirtschaften. – Sigurt Schmidt


Leserbrief zu “Ansage: Der Trump in uns” von Alard von Kittlitz

Ihr bemühen auf die „Rechten“ zuzugehen in Ehren, aber mit den Kernsätzen: …“euer Scheitern an unseren Werten macht euch nicht zu Unmenschen….“ und letzter Satz „Man muss in denen, die scheitern, die Brüder und Schwestern erkennen.“ erreichen Sie überhaupt kein wirkliches Entgegenkommen auf Augenhöhe!  Wenn Sie so viel negative Wertungen über die „anderen“ mit hineinbringen, dann erscheint es schon fast als Persiflage. Ist es eine? Ich war mir da nicht sicher.  Wichtig wäre ein ehrliches Aufeinanderzugehen – ohne den anderen im ersten Satz abzuwerten! Etwa so: Du hast recht und ich habe recht, lasst uns unsere Argumente austauschen. – Angela Zander-Reinert


Leserbrief zu „Was Angela Merkel am Wochenende auch hätte sagen können. Ein Vorschlag.“ von Uwe Jean Heuser

Uwe Jean Heusers Alternativ-Rede ist gewiss näher dran am Menschen, aber weit(er) weg von Angela Merkel als Bundeskanzlerin.

Ein Vortrag jedoch, der nicht als authentisch erkannt bzw. bewertet wird, kann weder überzeugen, geschweige denn begeistern. – Ira Bartsch


 Leserbrief zu „Ungeschminkter Größenwahn“, ein Gespräch mit Edmund Stoiber und der Autor Axel Hacke geführt von Cathrin Gilbertund Stefan Willeke

Gratulation, in diesem Interview zeigt sich

A) was für ein Pseudofan Stoiber ist, wenn er 96 vom cl Halbfinale spricht, obwohl es der UEFA cup war, den Bayern ja dann sogar gewann

B) was für eine peinliche „Sportredaktion“ man hat, wenn man das nicht aufklären kann und dabei noch gesagt bekommt, der Name Wizeczek werde einem wohl nichts mehr sagen

C) was man überhaupt für ein Verständnis von Journalismus hat, wenn Politiker Steuersünder resozialisiert sehen möchten, nicht aber ehemalige RAFler und einem das nicht mal eine kritische Nachfrage wert ist

D) was für Kleingeister Stoiber und Hacke doch sind, wenn sie sich humorig damit brüsten einen Spieler erst als Arschloch zu beschimpfen und jetzt ganz toll zu finden.

Da wundert mich auch nicht, wenn sich der Herr Hacke wundert, wenn er ach so niedliche Negerklischees auf sein Buch packt, dass es da mal ein bisschen Kritik gibt. Bei unserem ehemaligen MP hingegen hat mich schon lang nichts mehr gewundert.

Was ein Niveau die Zeit in ihrem Sportteil offenbart, dass wundert mich seit bestehen des selbigen…. – Ferdinand Kosak


 

17. November 2016 – Ausgabe 48

Leserbrief zu “Anführerin der freien Welt? Auch das noch!” von Matthias Geis, Tina Hildebrandt und Bernd Ulrich

Ich sehe Frank-Walter Steinmeier und seine wahrscheinliche Ernennung zum Bundespräsidenten nicht als Niederlage unserer Bundeskanzlerin. Was hätte sie denn tun sollen? Er stellt die wahrscheinlich beste und rationalste Wahl dar. Vielmehr ist ihre Zurückhaltung als wohl durchdachte Handlung zu sehen. Sie hat anderen die Entscheidung überlassen. Ja, natürlich. Aber dafür sind die Anderen doch auch mal da.  – Yves Pulst


Leserbrief zu “Weltmacht! Echt jetzt?” von Jochen Bittner et al.

Was bauen Sie eigentlich für einen aggressiven Popanz im Osten auf? Putin lauert? Soll das vielleicht ein Scherz sein? Schon vergessen, dass der Westen drei Mal den Osten überfallen hat? Napoleon, Wilhelm II und Hitler? Schon vergessen, dass die USA eine breite Blutspur vom Iran, über den Irak bis nach Syrien hinter sich her zieht. Von der Ukraine ganz zu schweigen! Es ging den USA immer nur um einen Systemwechsel, nach dem Motto, bist du nicht unser Freund, dann bist du unser Feind. Noam Chomsky spricht von zwei Schurkenstaaten auf der Welt. Der eine ist Amerika. Davor sollte sich die EU schützen. Eine Partnerschaft von EU und Russland, auf Augenhöhe, wäre der Super Gau für Amerikas Geostrategen. – Hubert Kohlbrenner


Leserbrief zu “Weltmacht! Echt jetzt?” von Jochen Bittner et al.

Ein guter und sehr informativer Artikel. Vielleicht sollte man den langsamen und mühsamen Prozeß innerhalb der EU nicht als Makel sondern als eine mögliche Antwort auf die Herausforderungen dieser Zeit sehen. Die Zeit des „Hau drauf und frag hinterher“ sind vorbei bzw. die Probleme dieses Ansatzes werdem immer imminenter (siehe Afghanistan oder Irak/Syrien) Ein langsamer Prozeß ermöglicht das Durchdenken von Handlungen und deren Auswirkungen. Er muß dann allerdings zu entschlossenem und geeinten Handeln führen…  Noch als Anmerkung: wann werden polnische Städte endlich mal nur als polnische Städte gesehen?!? Da heißt es: „beim pommerschen Stolp (Słupsk)“ Wenn überhaupt, dann doch bitte „bei Słupsk (Stolp). Aber keiner würde heute schreiben „in Nieuw Amsterdam (New York)“ Also einfach mal erwachsen werden und Polen bitte vorbehaltlos anerkennen! – Wolfgang Michel


Leserbrief zu “Unerwünschte Wahrheit” von Tanja Stelzer

Den Artikel „Unerwünschte Wahrheiten“ habe ich aufgewühlt gelesen.

Ich bin selber Arzt und gelegentlich auch gutachterlich tätig, nicht so spezialisiert und hoch gebildet wie Hans Christoph LUDWIG natürlich, sondern vergleichsweise banal sozialmedizinisch.

Die Bedeutung allein des gesprochenen Wortes (das nur zusammenfassend protokolliert wird), die Macht des Richters im Rahmen der freien Beweiswürdigung (unausgesprochene Sym- und Antipathie) und die (Un)freiheit der Gutachter (Auftragslage!), vielleicht mag der Kolumnist Thomas Fischer dazu mal etwas schreiben?

Auf seine Kolumne freue ich mich jede Woche, wie gut, dass Sie den haben gewinnen können!- Hubert Lamberti


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Nicht nur der Beitrag von Giovanni de Lorenzo – Ihr Blatt ist voll davon, geht im Wesentlichen wieder einmal an dem eigentlichen Problem vorbei. Er muß jetzt stellvertretend für seine Kollegen den Kopf hinhalten. Die alles entscheidende Frage hätte lauten müssen: Wie konnte ein Donald Trump das ganze politische Establishment  aus den Angeln heben.? Die Schuld liegt nicht bei den Populisten (das wird das Wort des Jahres), sondern bei vielen Journalisten, besonders in den elektronischen Medien und natürlich bei den etablierten Politikern. Es wird zwar vereinzelt von thematisiert, aber das läuft alles nur am Rande.

Die Medien hauen mit einer Wucht auf Trump herum, wie sie das auch bei anderen unerwünschten Personen getan hat. Die wahren Populisten sitzen in den Redaktionen und die Könige des Populismus (besser wäre der Ausdruck: Demagogen ) ist die ganze Mischpoke der 68er Generation. Sie werden nichts ändern, weil Ihre Ideologie in Fleisch und Blut übergangen ist. Das Volk wurde auf einem Irrweg auf die Reise geschickt. Europa und die USA brauchen wieder Politiker, die nicht ständig die Freiheit und Toleranz wiederkäuern.

Der Philosoph Plato befand schon vor der neuen Zeitrechnung: „Die Demokratie wird sich im laufe der Zeit auflösen durch eine Unersättlichkeit an Freiheit!“ Dieser Moment scheint jetzt gekommen zu sein. Freiheit ist eigentlich eine gute Tugend, dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden, wenn es nicht regelmäßig das Gegenteil dessen hervorriefe, was es man eigentlich für die Menschen erreichen wollte. Die Schuldigen sind nicht Trump, AfD oder andere Rechtsparteien in Europa, die sitzen – wie vor beschrieben – ganz wo anders. Und diese Unbelehrbarkeit wird eines Tages bestraft. Und ständig den Weltpolizist zu spielen, steht uns Deutschen auch nicht gut zu Gesicht. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Terror als Bürgerkrieg?“ von Alexander Cammann

„Der Bürgerkrieg als politisches Paradigma“  „Bürgerkrieg im weltumspannenden Terrorismus“. Sie schreiben im Rahmen obiger Buchbesprechung: “Dann allerdings stünde uns wieder jene Lösung bevor, in der Hobbes die einzige Antwort auf die Gewalt sah: der düstere allmächtige Leviathan.“

Der Mangel an dem bedeutenden Werk „Der Leviathan“ (1651), des Thomas Hobbes aber ist  gerade der, dass er keine Lösung für den zwischenstaatlichen Terrorismus (genannt Krieg) vorgelegt hat. Sein Leviathan hegt nur  innerhalb eines Gemeinwesens (auf der Basis eines Gesellschaftsvertrages) den Kampf Aller gegen Alle ein. Die menschliche Gesellschaft aber hat bis heute keinen solchen Vertrag geschlossen! Überstaatlich allerdings wusste es schon Platon:  „Er scheint mir fürwahr die Überzeugung gewonnen zu haben, dass stets ein fortwährender Krieg aller gegen alle Staaten bestehe (ff.).  homo homini lupus! – Burkhard Breslauer  


Leserbrief zu „Passt der Doktorhut zur Fachhochschule?“ Boris Rhein und Bernhard Kempen

Es ist in der Tat unverantwortlich, eine weitere Verflachung wissenschaftlicher  Standards und damit auch eine erneute Entwertung akademischer Titel zu  ermöglichen.  Fachhochschulen sollen primär eine praxisnahe, anwendungsorientierte Ausbildung  vermitteln. Entsprechend sind viele Dozenten weniger wissenschaftlich orientiert, viele kommen aus der Praxis und sind nicht habilitiert, oft nicht einmal promoviert.

Und die sollen dann an die von ihnen ausgebildeten Absolventen Doktorarbeiten vergeben, diese betreuen und bewerten? Leider haben die klassischen Hochschulen dazu beigetragen, dass der wissenschaftliche Anspruch generell Schaden genommen und der Ruf des Doktortitels gelitten hat: Ganz  abgesehen von, milde ausgedrückt, fragwürdigen Anforderungen z. B. beim Dr. med.  zeigen die Plagiatsfälle der letzten Jahre als Spitze des Eisbergs, dass sehr viele Fakultäten  und vor allem Doktorväter ihre Aufgaben im Falle von Promotionen höchst unverantwort- lich handhaben. – W.-R. Heilmann


Leserbrief zu “Anführerin der freien Welt? Auch das noch!” von Matthias Geis, Tina Hildebrandt und Bernd Ulrich

Ich habe wirklich sehr großen Respekt vor Frau Merkel, sowohl als Person (Giovanni die Lorenzo hat, da bin ich sicher, völlig recht, wenn er meint, sie würde sich nicht einmal eine Packung Taschentücher geben lassen, ohne dafür zu bezahlen) als auch als Politikerin. Ich glaube auch, sie hat in ihrer Laufbahn so viele richtige Entscheidungen getroffen, dass sie sich nicht nur den Respekt von Herrn Seehofer, sondern den aller Deutschen wohl verdient hat.

Allerdings glaube ich auch, dass sie mit ihren zutiefst verstörenden Worten zur Flüchtlingskrise so gut wie jeden durchschnittlich vernunftbegabten und ehrbaren Bürger Europas entweder massiv verängstigt, erzürnt oder intellektuell überfordert hat. Die von Frau Merkel mantrahaft wiederholten Sätze „Wir schaffen das – ohne Obergrenze“ halte ich jedenfalls für den folgenschwersten politischen Fehler der jüngeren deutschen und europäischen Geschichte.

Aus diesem Grunde finde ich, dass Ihr Artikel – der mir gesamthaft ebenfalls großen Respekt abnötigt, und dem ich weitestgehend zustimmen kann – in einem wesentlichen Punkt ergänzungsbedürftig ist: Frau Merkel ist, daran besteht wohl ohnehin kein Zweifel, mit ihren (oben erwähnten) Worten nicht nur mitverantwortlich für den großen Erfolg der AfD in Deutschland – sie ist darüberhinaus, mit eben ihrer Haltung in der Flüchtlingskrise, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das Zünglein an der Waage bei der Abstimmung zum Brexit und bei der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten gewesen.

Mit anderen Worten: Ohne die unfreiwillige „Unterstützung“ durch Frau Merkel – der vielleicht in ihrer ganzen glänzenden Laufbahn nur dieser eine schwere Fehler vorgeworfen werden kann, aber dieser eine  Fehler (der, irritierenderweise, von Frau Merkel auch monatelang nicht korrigiert wurde) war leider ein wirklich gravierender – wäre wohl in Großbritannien noch David Cameron Premier und in den USA jetzt Hillary Clinton Präsidentin.

Ich glaube daher, dass Frau Merkel – im Interesse Deutschlands, Europas und der freien Welt – deutlich besser beraten wäre, auf eine weitere Kanzlerschaft zu verzichten. Und ich kann, beim besten Willen, den abschließenden Sätzen Ihres Artikels überhaupt nicht zustimmen.

Es liegt also jetzt an Ihnen, sehr geehrte Frau Hildebrandt, sehr geehrter Herr Geis, sehr geehrter Herr Ulrich, mir etwas besser zu erklären, warum Angela Merkel noch einmal als Kanzlerin kandidieren sollte.

PS: Auf eine Publikation dieses Briefes lege ich keinen Wert. – Peter Jungwirth


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Giovanni di Lorenzo fragt in seinem Leitartikel „Was kann man tun?“ – und läuft beim Versuch zu antworten nicht nur glatt am Thema vorbei, sondern tappt mit seinem „Völkchen“ auch noch in die Mainstream-Falle. Wo bleibt der Neo-Liberalismus? Warum wird hier nicht thematisiert, dass der Pakt zwischen Kapital und Arbeit – ein Teil investiert, trägt das Risiko und kriegt mehr, wenn’s klappt, der andere Teil hat Sicherheit und einen nachhaltigen Job – seit rund zwanzig Jahren (ja, rot-grün hat die Weichen gestellt) nicht mehr gilt? Dass sich die Finanzmärkte weitgehend mit sich selbst beschäftigen (ausser wenn etwas schief läuft, weil dann muss die Allgemeinheit zahlen), statt Kapital für die Gütermärkte und damit für das Gemeinwohl bereitzustellen? Dass Konzernvorstände sich schamlos bereichern, ungeachtet des wirtschaftlichen Erfolgs ihrer Entscheidungen? Dass die Vermögensverteilung in allen westlichen Ländern immer ungleicher wird? All das sind Indizien für eine radikale Abkehr vom Prinzip der Sozialen Marktwirtschaft, tagtäglich spürbar für viele Menschen in der Mitte unseres Landes. Ignoriert! Stattdessen wird schockiert analysiert und natürlich verurteilt, dass „Abgehängten“gruppe 1 (die schon länger hier sind) auf Abgehängtengruppe 2 (die sind neu hier) verbal und non-verbal einprügelt. Deprimierend. – Reinhard Straßer


Leserbrief zu „Ein Kretin wie Trump“

Was den Leserbrief „Ein Kretin wie Trump“ betrifft, würde ich gern erfahren, ob bei der ZEIT  politische Korrektheit und „Hate speech“ nur in eine Richtung gelten? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ZEIT einen Leserbrief veröffentlicht hätte mit der Überschrift und in entsprechender Schriftgröße: „Muslimische Kretins verantwortlich für sexuelle Übergriffe auf Frauen bzw. Muslimische Kretins verantwortlich für die Attentate in Paris, Belgien, Würzburg, Ansbach, Reutlingen.

Ein derartiger Leserbriefe wäre mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit an den ZEIT-Partner, die Antonio-Amadeu-Stiftung weitergeleitet worden. Was Helmut Schmidt wohl zu dieser Einseitigkeit der ZEIT gesagt hätte? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er damit einverstanden gewesen wäre. Denken Sie mal darüber nach.  – Daniela Pröpper


Leserbrief zu “Weltmacht! Echt jetzt?” von Jochen Bittner et al.

Verehrte Redaktion, endlich mal wieder ein Beitrag, der die Herzen höher schlagen lässt.  Das Autorenteam hat grandiose Arbeit geliefert. Europa muß jetzt Farbe bekennen. Jawoll, so ist es. Nur Geld zücken, nach dem Motto: was kostet die Welt, wir haben reichlich, scheint vorbei zu sein. Jetzt geht es an die menschliche Substanz. Was nun? Europa, nach all ihren Erfahrungen, werden das nicht machen wollen.  Die werden Trump mit großen Bahnhof empfangen, wenn er mal nach Mitteleuropa kommen sollte. Und das wäre auch die einzig vernünftige Lösung.  Ich sehe schon die ganzen „Linken“ und sonstige Kriegsdienstverweigerer, die „Unter den Linden“ und „Potsdamer Platz“ mit Knüppeln bewaffnet wieder aufmarschieren und ihre Parolen in die Berliner Luft schreien. Dabei haben sie in erster Linie den schrecklichen Zustand unserer Politik zu verantworten.   – Gunter Knauer 


Leserbrief zu “Es endet oft in Gewalt” ein Gespräch mit dem Globalisierungshistoriker Harold James geführt von Maximilian Probst und Mark Schieritz

Ich finde die in der Öffentlichkeit zur Zeit vorherrschenden Warnungen vor protektionistischer Wirtschaftspolitik angesichts der globalen Krisen sehr zynisch. Denn was sichert den internationalen Frieden wirklich? Soziale Gerechtigkeit auf Basis des Schutzes der ökonomisch Schwachen, oder globaler Konkurrenzkampf um nationale Standortsvorteile?

Die Antwort auf diese Frage berührt unsere eigenen Privilegien, denn die Gewalt des Freihandels erfahren eben nicht wir im Westen. Unsere persönliche Betroffenheit von unregulierter Ausbeutung im Globalen Süden kommt erst mit den zahlreichen Geflüchteten zu uns. So schafft der Freihandel den Boden für rechte Populisten. Und eben diesen rollt ein Journalismus den roten Teppich aus, der die Weltkriege mit wirtschaftspolitischen Protektionismus erklärt und nicht den mit imperialistischen Bestrebungen eines Deutschen Reiches. – Sebstian Atmer


Leserbrief zu “Der Ketzerkönig” von Georg Klein

Dass DIE ZEIT (Druckversion) im Gegensatz zu den meisten anderen Zeitschriften auf eine Besprechung der letzten Cohen CD „you want it darker“ verzichtet hat, fand ich schon befremdlich. Aber der „Nachruf“  von Georg Klein ist einfach eine Katastrophe. Das vom Autor verächtlich angeführte „süßliche Schmachten und anbiedernd gefällige Raunen“ auf frühen PLatten habe ich bislang nicht zur Kenntnis nehmen können. Ich habe während meiner Zivildienstzeit (1969) zu ersten Mal die Lieder Leonard Cohens gehört, seine literarisch exzellenten Romane und Gedichtbände mit großem Gewinn gelesen und besitze heute alle seine Songs. Von daher wären mir die o.g. Unterstellungen sicher aufgefallen.  Das Vorgehen von Herrn Klein bei seinem „Nachruf“ ziehlt wohl darauf ab, das Werk Leonard Cohens zu desavouieren. Er pickt sich irgendwelche Textstellen heraus, interpretiert sie in seinem eigenen religiösen Rahmen und liefert dadurch angeblich den Beweis, dass Religion in Cohens Welt zum Monstrum geworden ist. Wenn man der lebenslangen ernsthaften Sinnsuche des Leonard Cohen Gerechtigkeit widerfahren lassen will, ist das von Herrn Klein angewandte Verfahren absolut ungeeignet und wie ich finde: beschämend. Aber Gottseidank gab es ja in der SZ und in der FAZ sehr ausführliche, gut geschriebene Nachrufe.  Schade! Hier wurde die Gelegenheit, starken Journalismus zu zeigen, mit Füßen getreten. – Peter Butzbach 


Leserbrief zu “Sagt wenigstens Nein!” von Friederike Gräff

Wie haben Sie mir – und sicherlich vielen anderen Lesern – aus dem Herzen gesprochen. Ihre „Ansage“ zeigt sehr pointiert auf, wie widersprüchlich in unserer Gesellschaft mit dem Thema Erwerbsarbeit und dem sozialen Miteinander umgegangen wird. Von den „Arbeitskräfte-Anbietern“ wird höchstmögliche Felixibilität in allen Formen abverlangt (Stichwort: Praktika, befristete Arbeitsverträge u.v.m.). Hat man, dadurch bedingt, keinen straighten 1A-Lebenslauf, wird man von den „Arbeitskräfte-Einkäufern“ als „gescheiterte Person“ angesehen und meistens ignoriert oder bestenfalls mit Standard-Absagen abgefertigt. In unserer sich immer elitärer entwickelnden Gesellschaft schaut man auch gerne mal auf die „faulen Arbeitslosen“ herab, egal wie diese sich bemühen, wieder in Lohn und Brot zu kommen. Merke: Scheitern geht in Deutschland ja mal überhaupt gar nicht. – Michael Hauck


Leserbrief zu “Das Zerreißen der Welt” von Nadine Ahr et al.

Zu dem Photo der Trumps im Dossier der ZEIT 48/16 auf Seite 15: Welche Serie wird das wohl werden, Dallas oder Denver-Clan und wieviel Folgen dürfen wir gespannt erwarten? ;-) – Joachim Klang


Leserbrief zur Grafik „Verkehr“ in „Nicht so schnell, liebe Leser!“

Die Grafik „Verkehr“ zeichnet ein schiefes Bild. Nicht nur zeigen die veröffentlichten Blitzerphotos überwiegend Männer, auch die Statistik zur Geschlechterverteilung unter den Verkehrssündern vermittelt die Botschaft: „Frauen sind die besseren oder zumindest die braveren Autofahrer.“ Das mag tatsächlich so sein. Mit dem gezeigten Tortendiagram, das 77% der Punktesammler in Flensburg als Männer ausweist, lässt sich das aber nicht belegen. Es vernachlässigt nämlich, dass Männer, gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung, überproportional viel mehr Zeit hinter dem Steuer zubringen als Frauen. Man denke dabei nur an die typischen Vielfahrerberufe, wie zum Beispiel LKW-Fahrer, Vertreter oder Paketzusteller, die überwiegend von Männern ausgeübt werden. Entsprechend bereinigt dürfte sich diese Statistik kaum noch dazu eigenen, um das Stereotyp vom „rücksichtslosen, rasenden Mann am Steuer“ zu stützen. Schade, dass sich die ZEIT hier zu einer derart reißerischen Darstellung hinreißen lässt, die man so eher in der Boulevardpresse erwarten würde. Die Erfolge des Fahreignungsregisters hätten eine überzeugendere Presse verdient. – Dr.-Ing. Franz Ulrich Häusler


Leserbrief zu “Das Zerreißen der Welt” von Nadine Ahr et al.

In der Ausgabe DIE ZEIT vom 17.11.2016 haben Sie im Dossier unter der Überschrift „Das Zerreißen der Welt“ auf Seite 17eine Veranstaltung der AfD in der Stadthalle in Gunzenhausen erwähnt.

„Stadthalle von Gunzenhausen, einem Städtchen in Franken[…]Sie können ihr Glück kaum fassen, »unsere erste Großveranstaltung«, und der Saal ist voll mit vielleicht 300 Leuten. Von draußen, jenseits der Polizeisperren, dringen die Pfiffe der Demonstranten herein.“

Hierzu möchte ich als Teilnehmerin an der Demo und auch in der Stadthalle einige differenzierte Beobachtungen mitteilen.

Tatsache ist, dass in der Stadthalle 300 Menschen waren – gegenüber 500 Demonstranten draußen! Tatsache ist, dass viele derer, die in der Stadthalle waren, aus Informationsgründen dort waren – wie ich ja später auch. Viele waren gekommen um sich zu informieren, nicht aber weil sie der AfD anhingen. Das wurde mir im persönlichen Gespräch noch in der Stadthalle verschiedentlich bestätigt. In Gunzenhausen selber gab es klaren Widerstand. So hat auch die lokale Presse sich dankenswerter Weise geweigert, Werbung für die AfD zu machen und in der Ausgabe vom 14.11.2016. S. 33 intelligent berichtet, dabei auch die Demonstranten klar zu Wort kommen lassen.

Mir scheint es im Sinne einer objektiven Berichterstattung eminent wichtig zu sei, dass auch die Gegenseite in der Presse einen gebührenden Platz bekommt. Populismus – wie nun seit den Wahlen in den USA erneut deutlich – beruht in seinem Erfolg nicht zuletzt darauf, dass Medien einseitig gewichten oder einseitig darstellen, so dass ein falsches Bild entsteht. Die AfD stößt sehr wohl auf ausdrücklichen und zahlreichen Widerstand – auch das ist Fakt und sollte von der Presse deutlicher zu Kenntnis genommen werden. – Dr. B. Klepper


Leserbrief zu “Anführerin der freien Welt? Auch das noch!” von Matthias Geis, Tina Hildebrandt und Bernd Ulrich

Vieles von dem, was über Angela Merkel gesagt wird, stimmt wahrscheinlich. Und doch ist es fatal,  in der Hoffnung auf die „gute alte Stabilität“ eine einzelne Person als „Weltkanzlerin“ zu glorifizieren. Wenn wir etwas lernen können aus den populistischen Bedrohungen unserer Zeit, dann ist es die Einsicht in die Notwendigkeit einer neuen, ehrlichen Debatte. Diese Debatte sollte menschlich, ergebnisoffen und unerschrocken sein. Sie sollte den Bogen spannen zwischen einem zerstörerischem Wirtschaftssystem und einer zunehmend dramatischen Überbevölkerung der Erde. Frau Merkel steht nicht für diese Debatte, obwohl sie die Folgen dieser grundsätzlichen Probleme mit erstaunlicher Ausdauer einzudämmen sucht. Die Verantwortung der Medien betreffs dieser neuen Debatte ist immens. Und eine neue Debatte hat immer die Chance, ihre eigenen Personalien zu finden. Frau Merkel wird die Hoffnung, die letztlich auch die Autoren in kindlicher Art und Weise in sie setzen, ohne eine neue gesellschaftliche Debatte nicht erfüllen können. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Nun regiert das Bauchgefühl“ von Heike Buchter

Die Politik wird unter Trump eine völlig andere Richtung nehmen. Nichts ist mehr festgeschrieben. Das Verhalten von Trump in der Wahlphase kann man kritisieren, zumindest ist es gewöhnungsbedürftig.  Und das ist auch in Ordnung. In der Sache wird er die Amerikaner wieder selbstbewusster machen und die Armut wird er auch versuchen auszudünnen. Seine Arbeit wird unternehmerischer.  Dafür ist er gewählt worden und das wird er auch liefern. Wo gehobelt wird fallen auch Späne. Er wird auch den ein oder anderen Fehler begehen. Das ist ihm auch in seinem Unternehmen passiert. Er ist aber in der Lage, das stehenden Fusses zu korrigieren. Das hat mir ein Unternehmer gesagt, der für Trump vor Jahren gearbeitet hat.  Was er für eine Todsünde hält, sind die langen Administrationswege, wenn nichts vorangeht, wenn ellenlange Gespräche erforderlich werden. Wie er damit klarkommen soll, ist für mich die alles entscheidende Frage. Alles was die Medien sonst ihn unterstellen, können sie in die Tonne werfen.  Nur eins ist für mich sonnenklar: Europa wird sich Selbständiger machen müssen. Europa muss den Dreck selbst vor ihrer Haustür  wegfegen. Und das wird viel Geld kosten. Im Klartext : Die Armut wird weiter zunehmen. Ihre Autorin schreibt ganz vernünftig über Trump. Das schätze ich sehr bei der Flut von demagogischen Entgleisungen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu “ Trumpokratie?“ von Josef Joffe

zu Ihrem Artikel unter Zeitgeist:  Auch wenn man den neuen Präsidenten der USA nicht schätzt, den Chefberater von Trump als „Rampensau“ zu bezeichnen, ist nicht das Niveau, das ich von einem Herausgeber der ZEIT erwarte. Ist das der neue Zeitgeist nach Helmut Schmidt? – Ingo Rentzsch-Holm


Leserbrief zu “Anführerin der freien Welt? Auch das noch!” von Matthias Geis, Tina Hildebrandt und Bernd Ulrich

Die Zustimmung Angela Merkels zur Kanditatur Frank Steinmaiers zur Bundespräsidentenwahl wird in der Presse und in den anderen Medien allgemein als Niederlage bezeichnet. Das zeigt einmal mehr, wie wenig über Begriffe und deren Be-Deutung nachgedacht wird. Auch hier gibt es zweierlei Niederlagen : eine, die auf Versäumnissen, vor allem eigenen Fehlern beruht und eine andere Art, die sich aus den „Verhältnissen“ ergibt. Merkel wollte oder musste versuchen, eine eigene, aus dem CDU-CSU Umkreis kommende Persönlichkeit zu präsentieren. Fehlanzeige !

Es ist, nicht nur für CDU-Anhänger, eine bittere Tatsache, dass in diesem Umfeld niemand fähig und wenn ja, bereit war, anzutreten. Das, auch in den eigenen Reihen, als Niederlage Merkels auszugeben, zeigt vielmehr die Erodierung des politischen Denkens und des Politischen allgemein. Die Irgendwie-Erkenntnis dient allein noch der Schuldzuweisung. Warum sich die „Verhältnisse“ ändern wissen wir nur zum Teil, das Meiste bleibt uns zunächst verborgen. Wie kein anderer Politiker beherrscht Angela Merkel die Kunst, angemessen mit den „Verhältnissen“ gehen zu können. – Klaus Tiedje


Leserbrief zu „Teure Tomaten“ von Anton Hofreiter und Claudia Roth

Auf einen solchen Artikel habe ich lange gewartet. Ich würde gerne mehr davon lesen, es würde das Schlagwort „Bekämpfung von Fluchtursachen“ endlich zum Leben erwecken. Wie wär’s mit einem wöchentlichen life-Ticker zu diesem Thema? – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu “ Trumpokratie?“ von Josef Joffe

Sie produzieren viel Anti -Trump Müll, statt etwas vorsichtiger zu agieren und sich die traditionellen 100 Tage zu lassen. Die Leser werden es nicht vergessen wieviel Unsinn Sie so eifrig produzieren. Eine rühmliche Ausnahme: die Kolumne von Herrn Joffe. – Marek Pelc


Leserbrief zu „Raus aus der Haut!“ von Peter Dausend

Sie haben Glück oder Pech dass ich die Ausgabe vom letzten Donnerstag bereits am heutigen Samstag lese. In ein paar Tagen, das wäre das Übliche, wäre mir wahrscheinlich die Zeit zu schade Ihren im Betreff genannten Artikel zu kommentieren.  Aber gehen wir Ihren Artikel doch mal durch – ob der Herr Steinmeier wirklich der populärste Politiker in der Bundesrepublik Deutschland ist, ist für mich diskussionsfähig. Der wie Sie sagen „…immer stärker werdende und immer unverschämter auftretende Populismus der den Staat und seine (selbsternannten) Eliten verachtet wird künftig auf einen obersten Repräsentanten dieses Staates treffen, den sich die Menschen mehr als jeden anderen ins Amt gewünscht haben“.  Haben Sie diese Menschen einmal gefragt, ist überhaupt in Erwägung gezogen worden den Bundespräsidenten durch das Volk wählen zu lassen? Wie war das noch? Wer hatte Demonstranten als „Pack“ bezeichnet?

„Der Populismus der Weltverdreher, konfrontiert mit der Popularität eines Welterklärers (… mein Gott…) das allein wird das Gift der einfachen Antworten und den Brandsatz der Verachtung des anderen und des Fremden zwar nicht unschädlich machen aber ein bisschen weniger vielleicht schon. Das wäre kein geringer Erfolg. Steinmeier sollte seine „Wilde“ Seite stark machen“.  Mein Gott – hier geht der Gaul das Hurrapatriotismus aber gänzlich mit Ihnen durch.

„Oberflächlich betrachtet ist Steinmeier nicht zuletzt deshalb der beliebteste deutsche Politiker, weil er in Deutschland kaum noch zu sehen ist (… das könnte wiederum stimmen…), weiße Haare und eine sonore Stimme hat – und weil er weiß, wie man über die roten Teppiche der Welt flaniert, so das Zuhause alle denken: Das er machte aber prima, so stelle ich mir Deutschland vor! Wäre Steinmeier nicht oberster Diplomat, würde man in Filmen diese Rolle mit ihm besetzen. Außenminister sind nicht zwingend deshalb beliebt, weil sie so gut sind, sondern weil sie Außenminister sind.“ Sie nähern sich langsam dem Sprach-/Schreibniveau der „ Zeitung mit den großen Buchstaben“ an.

 Ja, Steinmeier als Mitglied des „Seeheimer Kreises“ einer neoliberalen Gruppe innerhalb der SPD hat die Agenda 2010 mit verbrochen. Ich bin in Hamburg Dozent und unterrichte Betriebswirtschaftslehre, hier auch das Fach Personalwesen und damit auch den Bereich der Sozialversicherungen. Ich betreue in meinem Bekanntenkreis seit etwa 5 Jahren zwei Hartz IV-Empfänger mit Familie und weiß um deren Situation, speziell die Situation der Kinder, Erwachsene können mit so einer Situation besser umgehen, greift mich persönlich an. Nicht nur dass die Statistiken der Bundesanstalt für Arbeit durch einen simplen Trick nur ca. 2,7 Millionen Arbeitslosengeld-I-Empfänger ausweisen sondern das sogenannte „Minderbeschäftigte“ und „Aufstocker“ in der Größenordnung von ebenfalls ca. 2,7 Millionen im Bericht der Bundesanstalt zwar genannt aber von den Medien, also auch von ihnen, kaum oder selten genannt werden. Der Deutschlandfunk ist hier eine Ausnahme. Hinzu kommt noch, das sich erkrankte Arbeitslosengeld II Empfänger über eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung krank melden müssen, was ja richtig ist, aber dann für 4-8 Wochen aus der Statistik genommen werden egal wie lange sie krank sind. Allein die Zahl der letztgenannten liegt im mittleren 5-stelligen Bereich. Wir reden von ca. 6 Millionen von staatlichen Zahlungen abhängigen Menschen.  Zum Thema Neoliberal haben wir zur Zeit ein sehr gutes Beispiel.

Die Privatisierung des öffentlichen Personennahverkehrs in Schleswig-Holstein hier die „Nordbahn“ mit ihrer Strecken Kiel/ Hamburg bzw. die Verbindung Hamburg/ Sylt. Wenn die richtigen Prioritäten gesetzt würden, das sind sie natürlich nicht, so hätte die Wartung und Instandsetzung bzw. die vorbeugende Wartung von Schienenfahrzeugen eine sehr hohe Priorität bei den, den Verkehr durchführenden Gesellschaften. Diese Wartung bzw. vorbeugende Wartung wird bewusst vernachlässigt zugunsten der Rendite (20 -25 %, siehe Ackermann) von externen Geldgebern. Eine Kupplung zwischen 2 Schienenfahrzeugen ist kein hochkomplexes Teil, im Gegenteil, hier kommt die neoliberale Haltung einer Geschäftsleitung zum Tragen, die ihre Schwierigkeiten im technischen Bereich auf dem Rücken von Pendlern jeglicher Couleur austrägt. Das Berliner S-Bahn System ist das nächste Beispiel wir hatten dort einen Geschäftsführer der in „Gutsherrenmanier“, der Name ist Ihnen sicher bekannt, gewirtschaftet hat und zwar mit Folgen die bis heute nicht beseitigt sind. Aber wahrscheinlich braucht man solche Leute fürs Grobe – die Folgen und Reparaturarbeiten müssen Andere ausbaden.  Zu ihrer Aussage „Das Steinmeier einst die Agenda 2010, Gerhard Schröders im eigenen Lager hoch umstrittenes Reformwerk, erfunden hat, wissen heute nur noch jene Politiker die Linken, die ihn deshalb nicht zum Präsidenten wählen wollen“.  Siehe vorherigen Absatz, es sind ein paar mehr die davon wissen. Die Agenda 2010 ist im Personalbereich von VW entstanden und zwar unter der Leitung eines Herrn Hartz, später auch verurteilt wegen Untreue. Heute allerdings gut gestellter Unternehmensberater in Saarbrücken. Die Linken haben schon recht, man sollte zu seinen Taten stehen aber wie gesagt, von einem Mitglied des Seeheimer Kreises kann man an sich nichts anderes erwarten.

Ich habe einmal in einer Diskussion gesagt, dass diese Leute der SPD aus dem Seeheimer Kreis wären besser im linken Abschnitt der CDU aufgehoben wären.  Ein Vergleich mit US-amerikanischen und französischen Verhältnissen verbietet sich von vornherein und ist dem Niveau Ihrer Zeitung nicht würdig.  Vielleicht noch ein paar Aufzählungen die mir „zumindest“ auffallen: …der Mann der seiner Frau eine Niere spendet…;… gibt es eine Tiefe bei Steinmeier, die bei seinen bisherigen Jobs nicht wirklich erkennbar wurde…; … Steinmeiers sprichwörtliche Super-Vernünftigkeit…; „Kriegstreiberei in der Ukraine“, sein kämpferischer Einsatz –  nun ja, man kann die Vorgänge im Osten Europas ob es nun die Ukraine ist oder die Krim oder die an der polnisch russischen Grenze stationierten Raketen – durchaus verschiedener Meinung sein.

 „Aus der Haut gehen – dem Biest öfter mal freien Lauf lassen – einen Hassprediger Hassprediger nennen – mehr Steinmeier wagen.“… nun ja…  Es gebe noch viel zu sagen aber ich glaube für den Anfang reicht es erst einmal.  Ich frage mich wirklich wie dieser Artikel durch die Redaktionskonferenz gekommen ist, ich bin unregelmäßiger Leser Ihrer Zeitung und dieser Artikel ist mit ein Grund warum ich sie nicht fest abonniere.  – Peter Knebel


Leserbrief zu „Bibeltreue Nihilisten“ von Peter Dausend

Die Mitglieder der jungen Partei „Liberal-Konservative Reformer“ mit Nihilisten in Zusammenhang bringen, ist schon ein starkes Stück. Diese Partei in die rechte Schmuddelecke stellen geht nicht; denn da steht ja schon die AfD, und die Liberal-Konservativen Reformer haben sich ja gerade wegen deren Rechtsruck von der AfD abgespalten. Die auch als Rechtspopulisten abqualifizieren macht sich nicht so gut. Also die Liberal-Konservativen Reformer lächerlich machen. In den Schmutz ziehen, bevor diese Partei in der Öffentlichkeit richtig wahrgenommen wurde. Die Systempresse ist gnadenlos. – Franz Scheuer


Leserbrief zu “Das Zerreißen der Welt” von Nadine Ahr et al.

……….. ei, was seh ich da……Donald Trump mit Merkelraute…. Na, da sollten wir die Hoffnung doch nicht zu schnell aufgeben. – Rose Schrade


Leserbrief zu „Der Trick mit der Gefühls-Befreiung“ von Gero von Randow

eine differenzierte und kritische Auseinandersetzung, die ich mit Gewinn gelesen habe und die ich nicht weiter kommentiert hätte, wäre da nicht Ihre Empfehlung am Ende, die Radikalen sollten sich nicht wie Fische im Wasser fühlen, sondern wie solche an Land.

Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Menschen, die Sie unter „Radikale“ subsumieren, wähnen sich bereits auf dem Trockenen, weil die Mächtigen ihnen das Wasser abgegraben haben. Da Letztere  keine Amphibien sind und folglich nicht  wissen, wie sich’s an Land lebt, sollten sie die Schleusen wieder öffnen. Christen lassen niemanden verdursten, selbst wenn man bei  ihnen Kälte, Hass und Vorurteile vermutet. Ihr Vorschlag ist das Gegenteil von „Wir müssen die Menschen mitnehmen“! – Johannes Kettlack


Leserbrief zu “Rein ins Getümmel!” von Giovanni di Lorenzo

Deutschland hat sich wieder lieb. Und das ist auch gut so! Doch warum scheint diese Message noch nicht bei den nicht-Zeit-, Süddeutsche- & FAZ-Lesern angekommen zu sein? Es hat sich bereits in der Vorwahlperiode herauskristallisiert, doch spätestens seit der missglückten US-Wahl werden die Politiker der deutschen Mitte als Bewahrer der Demokratie gefeiert. Und auch das ist gut so. Denn wann wenn nicht dann, wenn der Populismus immer mehr Mitmenschen zu überzeugen scheint, sollten demokratische Werte wie Offenheit, Toleranz und Kompromissfähigkeit hochgehalten und wertgeschätzt werden. Das sagt Giovanni di Lorenzo. Außerdem plädiert er für eine Auseinandersetzung mit dem Erfolg des Populismus und macht uns Mut indem er sagt, Menschen seien nicht nur gut und nicht nur böse.

Doch das ist einfacher rational gesagt als emotional akzeptiert. Natürlich sind nicht alle Trump-, Le Pen und Petry-Wähler intellektuell und moralisch minderbemittelt, es ist bloß einfacher, daran zu glauben. Man entscheidet sich gern für gut oder böse; der, der für den Kompromiss in der Mitte geradesteht, steht meist wackelig. Vielleicht hilft es zu wissen, dass die Wähler der populistischen Parteien oft weit weniger populistisch sind als deren Vorsitzende, viele sind schlicht und einfach unpolitisch. Wie also kann man auch den AfD-Wählern klar machen, dass auch sie stolz darauf sein dürfen, dass Angela Merkel ihre Tempo-Taschentücher bezahlt und die Einigung der großen Parteien auf einen gemeinsamen Präsidenten kein abgekartetes Spiel ist, sondern ein Zeichen von demokratischer Stärke? Ein guter Anfang wäre die Besinnung auf die Grundwerte des sozialen Miteinanders. Respekt, Toleranz und Wertschätzung. Das setzt voraus, dass ich mein Gegenüber wenigstens in seinen Grundzügen kenne und versuche ihn zu verstehen.

Wenn mein Gegenüber nun also sagt, die Flüchtlinge sollen hingehen wo sie herkommen, denn einer von ihnen wird seinen Job klauen, dann hilft es nichts zu sagen: du bist rassistisch, mit dir möchte ich nicht diskutieren. Denn höchstwahrscheinlich ist er nicht darüber besorgt, dass ein Syrer demnächst im Gartencenter Stauden verkauft, hat stattdessen aber ein Bild vor Augen, wie er selbst eben dies nicht mehr tut. Von denen, die „high“ gehen, muss man erwarten können, dass sie ihr Bestes tun, um ihre Mitmenschen zu verstehen und so lange hinsehen, bis sie erkennen, was alles wertgeschätzt werden kann. Dies ist nun die Aufgabe der Nicht-Populisten, denn sie haben die Chance nach der nächsten Bundestagswahl zu sagen: Die USA haben ein Exempel statuiert und wir haben uns zusammengerissen und daraus gelernt, uns nicht weiter abgeschottet, sondern die demokratischen Werte zu einem gemeinsamen Gut erklärt, welches auch nur gemeinsam erhalten werden kann. – Sarah Bremer


Leserbrief zum Titelthema “Getroffen”

Weltweit sind 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Eine weit größere Anzahl bleibt und ist dabei, mit dem sinkenden Schiff unterzugehen. Schuld daran sind drei dunkle Mächte. Sie belohnen egoistische Machtpolitik und bestrafen Politik im Sinne aller Menschen.

Mit Hilfe des Weltmarkts saugen exportgierige Länder, die mit High-tech oder Ölquellen ausgestattet sind, die restlichen Länder finanziell aus.

Alle Länder werden von den internationalen Finanzmärkten finanziell ausgesogen, z. Durch Geldanlagen bei den Fonds. Die Länder stürzen nun ins Chaos, außer, es kommt Geld in Form von Investitionen zurück. Soziale und ökologische Politik mindert aber die von den Investoren erwartete Rendite.

Weil mächtige Konzerne die einzigen Waffen sind, um auf diesem Parkett zu bestehen, gibt deren Lobby die Richtlinien der Politik vor.

Dieser Politik wird auch in den reichen Ländern zunehmend misstraut, siehe Brexit und US-Wahl. Ständige EU- und NATO-Osterweiterungen, Lagerung von Atomwaffen, Aufstellung von Raketenbasen, NATO-Manöver an Putins Grenze, Bewaffnung oppositioneller Gruppen in der Ukraine u. a., endlose Versuche, in Afghanistan mit Waffengewalt Frieden zu schaffen, bringen uns in Gefahr, zum Kriegsschauplatz zu werden. Dass Putin die Krim für sich gerettet hat und seine rebellierenden Landsleute in der Ostukraine unterstützt, wird als Bedrohung des Westen aufgebauscht. Dahinter kann nur die Lobby der Rüstungsindustrie stecken. Trump will die Unsummen, die in Massenvernichtungswaffen fließen, in die Armutsbekämpfung umlenken. Als Reaktion will man hier die Rüstungsausgaben aufstocken. Warum keine Abrüstungsverhandlungen mit Russland? Weil drei dunkle Mächte uns in der Hand haben, indem sie die Politik bestimmen. Entrüstet euch gegen diese Politik, bevor es zu spät ist. Albert Einstein sagte bereits: ‚Die Rüstungsindustrie ist eine der größten Gefährdungen der Menschheit. Ein Pazifismus, der die Rüstungen der Staaten nicht bekämpft, ist und bleibt ohnmächtig‘. – Hans Oette


Leserbrief zu “ Trumpokratie?“ von Josef Joffe

Alles halb so schlimm, will uns Herr Joffe wohl sagen. Statt zwölf sollen nur drei Millionen Menschen ausgewiesen werden. Obamas Gesundheitsreform wird nicht komplett abgeräumt werden. Vielleicht doch weniger Isolationismus? Aber nicht ganz so schlimm ist immer noch schlimm. Völlig inakzeptabel ist der letzte Satz: „Es bleibt unterhaltsam.“ Hat also all das, was zahllose Menschen zutiefst besorgt macht, ja ängstigt, für den ZEIT-Herausgeber bloß Unterhaltungswert? – Prof. Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu „Passt der Doktorhut zur Fachhochschule?“ Boris Rhein und Bernhard Kempen und „Große leere“ von Anant Agarwala

Was FHs und Universitäten trennt ist: FHs sind eher regional verstreut (nicht nur), Universitäten haben Promotionsrecht (nicht mehr ganz alleinstehend). Die Herausforderungen, die sich in Ihren beiden Artikeln auftut, kann durch eine bessere Zusammenarbeit beider Systeme angegangen werden.

FHs und Universitäten liegen durch den Bologna-Prozessnahe eigentlich wissenschaftlich nahe beieinander. Beide „wildern“ in dem jeweiligen anderen Gebiet, die einen wegen der wissenschaftlichen Anerkennung, die anderen, weil Anwendungsorientierung lukrativer ist. Dagegen ist auch nichts einzuwenden.

Räumliche Nähe ist für die immer jünger werdenden Studierenden wichtig.  Auch ich wollte meine damals 17jährige Abiturientin nicht an das andere Ende der Republik zum Studieren schicken. Darüber hinaus ist heimatnahes Studium billiger, nicht jeder kann sich ein Studentenzimmer leisten. Daher sind die dezentralen Hochschulstandorte in der Region wichtig. Aber benötigen wir im Zeitalter der elektronischen Kommunikation wirklich überall verwaltungstechnische Eigenständigkeit?

Fusioniert beide System doch einfach, schrieb ich bereits 2015 in der DUZ.  Ich glaube immer mehr, so könnte es gelingen kleine Standorte zu erhalten und der mittlerweile postfaktisch geführte Diskussion um das Promotionsrecht eine neue Wendung zu geben

„Fusion von Fachhochschulen und Universitäten ist eine gute Option“ in: DUZ – Deutsche Universitätszeitung, 05/2015, S. 5, DUZ Verlags- und Medienhaus GmbH, Berlin, 24.04.2015 – Prof. Dr. Andreas Mockenhaupt


Leserbrief zu „Nichts ist, wie es scheint“ ein Gespräch mit Michael Butter

Manipulation durch Medien ist weltweit verbreitet, also auch in Demokratien. Wenn aber Menschen in den USA, die nur Fox News schauen, in einer anderen Welt leben als die, die nur CNN schauen, kann man dann überhaupt noch von Demokratie sprechen? Demokratie heißt doch Herrschaft des Staatsvolkes. Macht und Regierung soll vom Volk ausgehen. Wenn das Volk aber aufgeteilt ist in Weltanschauer via Fox News und Weltanschauer  via CNN oder anderer manipulierender Medien, dann geht die Herrschaft des Staatsvolkes nicht vom Volk, sondern von den manipulierenden Hintermännern/-frauen von Medien aus. Das ist dann aber nicht mehr Demokratie. Noch haben wir in Deutschland und Europa öffentliche Medien, die eine ausgewogene Berichterstattung zulassen. Wie lange noch? – Wilhelm Groneick  


Leserbrief zu „Wir hatten keine Wahl“ von Caspar Shaller und „Trump l’œil“ von Irene Dische

Ich habe in diesen Tagen alles verschlungen, was ich zu den Wahlen in den USA in die Hände bekam. Die besten Artikel fand ich in der „Zeit“.

Großartig und wirklich erhellend das Dossier. Noch mehr imponiert haben mir die Beiträge von Irene Dische und Caspar Shaller. Sie machen Mut.

Ein paar mehr junge Leute wie Caspar Shaller und der Trump-Spuk ist in vier Jahren vorbei. Ich hoffe, auch ein paar ältere Semester aus Ihrer Redaktion haben diese Artikel gründlich studiert. –   Wilfried Rahe


Leserbrief zu „Wir hatten keine Wahl“ von Caspar Shaller

Beifall klatschend und mit Tränen in den Augen habe ich diesen klaren, ehrlichen und auf den Punkt  gebrachten Beitrag von Casper Shaller gelesen.

Ich, weiblich, 1989 geboren und durch und durch liberal denkend, stehe einer „Zukunft“ sehr skeptisch gegenüber. Das aktuelle politische Weltgeschehen lässt mich erschaudern und es lässt mich jeden Abend fragend in mein Bett steigen: Warum wird Politik für eine Generation gemacht, die ihre langfristigen Folgen nicht mehr erleben wird/muss? Warum antwortet meine Generation so häufig mit Ohnmacht oder Desinteresse? Sind wir wirklich so desillusioniert wie es Casper Shaller vermutet?  –  Katrin Spohn


Leserbrief zu „Trump l’œil“ von Irene Dische

in the last paragraph of your most readable article Trump l’oeuil , you write that Little Black Sambo was an American book. It wasn’t, the author was British/Scottish). It was a favorite book of my Washington (D.C.) childhood and I was more than surprised that my sister in Boston nearly had a fit when I mentioned sine years agi that the heat there (compared to Northern Germany) was making me melt like Little Black Sambo’s tigers. Little Black Sambo – an absolute no-no! Racist! Hardto believe … – Suzan Meves


Leserbrief zum Titelthema “Getroffen”

TRUMP, TRUMP, TRUMP ……. von Seite 1 bis Seite 89 (Kinderseite) nur das eine Thema (mit ca. 20 % des Gesamtinhalts). Und was lernen wir daraus: Man / Frau hat uns vor der Wahl nicht hinreichend informiert (oder informieren können) über das, was uns da eventuell bevorsteht.

Wenn man / frau dann auch noch zur Kenntnis nehmen muss, dass nicht einmal unser politisches Establishment so weit gedacht hat, sich für den Fall der Fälle wenigstens um die Kontaktdaten von Herrn TRUMP zu kümmern, so gibt das schon zu denken. – Dipl.-Ing. Roland Zahn


Leserbrief zum Titelthema “Getroffen”

Baß erstaunt bin ich, was Sie allesamt – nach der Wahl – plötzlich über Donald Trump wissen. Mit einem Male werden Tatsachen und Vorkommnisse veröffentlicht, die Ihnen auch vorher hätten bekannt sein müssen und dies seitenweise von einem Dutzend Korrespondenten. Welch ein Irrtum über den Wahlausgang ! Sie sind damit in bester Gesellschaft, da dies nicht nur Ihnen, sondern auch solchen „USA-Kennern“ wie Herrn Kleber passiert ist. Entweder recherchieren Sie nicht sorgfältig oder es ist zu vermuten, dass auch die Chefredaktion der DIE ZEIT uns Leser manipuliert. Beides ist sehr ärgerlich und macht mich misstrauisch gegenüber Ihrer Berichterstattung in Zukunft, deshalb nur. – Frank Weidner


Leserbrief zu „Raus aus der Haut!“ von Peter Dausend

Potz Dausend! Ich stimme ein in den Jubel: „Steinmeier for President“ bis ich – um mit  Heinz Erhardt zu sprechen – stutzig wurde. Kaum jemanden  scheint es zu stören,  dass wir einen Außenminister par excellence verlieren, der es nicht nur mit einem alten Fuchs wie Lawrow, dessen Vertrauen er nach Jahren gewann, sondern auch mit an Hozhackerbuam errinnernden Typen aufnehmen kann. Doch die Parteistrategen scheinen sich mehr für andere Gedankenspiele zu  interessieren. Mit Steinmeiers „Beförderung“ ist er nicht mehr dem Parteivorsitzenden der SPD noch der Kanzlerin im Wege. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Doch wenn ein Außenminister-Azubi Anfangsprobleme haben sollte wird unser neuer kenntnisreicher  Bundespräsident hoffentlich mit aufbauenden Reden einschließlich seiner „verborgenen Eigenschaften“ hilfreich sein. Und so sehen wir auch bei diesen Kammerspielen betroffen:Der Vorhand zu und alle Fragen offen. – Wilfried Buscher


Leserbrief zu “Gab es schon 1943 Madonna?” von Can Dündar

C.Dündar sieht einen Zusammenhang zwischen der Buchferne in der heutigen Türkei und der kritischen Einstellung der politischen Eliten zur Literatur in seiner Heimat in den letzten 50Jahren.Ohne Frage fördern Bücher, die Wahrheiten aussprechen und Missstän- de benennen, das kritische Denken, machen aber auch autoritär Regierende manchmal ziemlich nervös – Bücher werden konfis- ziert, verbrannt, verboten.

Die Wurzeln kritischer Einstellung zu Büchern und Autoren rei- chen zurück ins Osmanische Reich: 1483 (kurz nach Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern) verbietet Sultan Bayezid II bei Todesstrafe den Buchdruck (vgl. ZEIT vom 18.2.16). Erst 250 Jahre später wurde das Verbot aufgehoben.

Vielleicht inszeniert sich der neue Sultan mit seiner Jagd auf Autoren und Journalisten gerade als Wiedergänger des alten. – Hans Freudenberg


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Den Kern des Problems mitsamt gängiger Lösung auf dem Wege des Bedauerns und der Beschwichtigung hat der Autor auf dem Silbertablett formuliert: Wir sind „ein Land, das … trotz leider wachsender Ungleichheit noch eines der besten sozialen Systeme der Welt hat.“ Wir sind ein Land, in dem bekanntlich 10% Superreiche über weit mehr als 50% aller Nettovermögen verfügen (vgl. Der Vierte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, 2013). Im krassen Gegensatz dazu besitzen die ärmsten 50% zusammen 1 % – aber nicht die Aussicht, dass sie oder ihre Kinder sich da irgendwie herausarbeiten.

Es gibt u.a. Superreiche mit der Erkenntnis, dass wir die Verhältnisse ändern müssen. Aber realistischerweise ist von der Mehrheit der Reichen und Mächtigen zu erwarten, dass sie das mit allen Mitteln verhindern – insbesondere mit dem Kaufen von Experten, Lobbyisten, Politikern und Medien. (Paradebeispiel: die Artikel der (vom Multi-Milliardär Jeff Bezos in 2013 gekauften) Washington Post über Bernie Sanders und Hillary Clinton).

Wenn Menschen wählen können –  und sei es nur das blanke Versprechen, dass es ihnen wirtschaftlich endlich wieder gut gehen wird – dann gehen sie wieder zur Wahl.

Welche Politiker/innen riskieren ein Programm, das die Vermögensverhältnisse und damit die Gesellschaft nachhaltig gerechter macht? Es wäre doch schade, wenn das nur Irre und Populisten anbieten. Noch schlimmer wäre es, wenn wir uns Politiker, die das anstreben, als Irre und Populisten madig machen lassen.

Wem hilft es, wenn wir dann unseren Donald Trump bekommen – also: Parteien bietet uns ein Konzept. Dann wählen wir. – Klaus-Günter May


Leserbrief zu „Passt der Doktorhut zur Fachhochschule?“ Boris Rhein und Bernhard Kempen

Der wirkliche Grund für diese Querelen liegt doch in der Tatsache ,dass dem Doktorgrad in der Öffentlichkeit grosser Respekt gezollt wird,warum auch immer.Es wird schlicht geglaubt,der promovierte Mensch weiss mehr, kann mehr und ist tatkräftiger. Selbst sogenannte Personaler fallen darauf herein.Das Individium  mit dem Dr.vor seinem Nachnamen ist quasi geadelt,kostet vielleicht mehr, aber ziert ungemein die Liste der Mitarbeiter einer Firma.Auch deren Kunden lassen sich beeindrucken.Schwiegermütter sowieso. Da es in Hessen gelungen ist,den Fachhochschulen das Promotionsrecht zu geben, müssen die anderen Bundesländer mit ähnlichen Institutionen nachziehen.Wenn nicht,kommen wir  in die gleiche Wirrnis,welche die Grundschule,Mittelsstufe und Oberstufe der verschiedenen Bundesländer auszeichnet.- Hans-Emil Schuster 


Leserbrief zu „Passt der Doktorhut zur Fachhochschule?“ Boris Rhein und Bernhard Kempen

Sein „Nein“ begründet der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, unter anderem mit formalen und rechtlichen Antworten auf seine einleitenden Frage: „Aber wird an den Fachhochschulen genauso geforscht wie an den Universitäten?“ Meine Gegenfrage aus Sicht der Praxis: „Forschen Universitäten angesichts des Investitionsstaus in deutschen und internationalen Hochtechnologieunternehmen an den richtigen Themen?“ Als Verantwortlicher für Technologie in einem deutschen Großklinikum und im täglichen Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte, zeigt sich mittlerweile deutlich, dass es insbesondere die Fachhochschulen sind, die ihren Studierenden die komplexen Gesamtzusammenhänge zwischen betrieblicher Organisation und einer rasant steigenden Digitalisierung vermitteln. Dazu gehören neben dem Fachwissen gerade auch Methoden- und persönliche Kompetenz, um die digitale Transformation erfolgreich zu gestalten. In all diesen Fragen hinkt die forschende Wissenschaft den Hochschulen für anwendungsorientierte und praxisnahe Ausbildung zwischenzeitlich deutlich hinterher. Der Engpass an praxisorientiert ausgebildeten Nachwuchskräften in der deutschen Wirtschaft ist einer der Gründe für ausbleibende Investitionen. Dabei wären die Hersteller von Hochtechnologie mehr als bereit, die erforderlichen Drittmittel für zukunftsfähige, praxisorientierte Forschungsarbeiten zur Verfügung zu stellen. Die Konsequenz kann nur das bundesweite Promotionsrecht für Fachhochschulen sein, wie es das Land Hessen in vorbildlicher Weise umgesetzt hat. Die Wirtschaft wird dafür sorgen, dass die von Herrn Kempen mitleidsvoll erwähnten Drittmittel, die Fachhochschulen heute einwerben, beginnend in Hessen sehr schnell steigen werden – von ebenso steigenden Studentenzahlen ganz abgesehen. – Dipl. Wirtschaftsing. (FH) Gerald Götz


Leserbrief zum Titelthema “Getroffen”

nach dem Wahlsieg von Donald Trump kursieren etliche Artikeln über dessen mögliche Folgen. Momentan sieht es so aus, dass niemand eine konkrete Prognose stellen kann, was genau auf uns zukommen könnte. Stattdessen liest man lebhafte Debatten und Überlegungen über die Demokratie, sogar sehr viele, was an sich nichts Übles mit sich bringt. Aber jetzt ist wohl nicht die richtige Zeit für die Diskussion über eine hohe Idee. Dringend gefragt wird vielmehr die pragmatische, tragbare und handfeste Politik, die in erster Linie von den Politikern und den Beamten der Kommunen ausgetragen wird, eine Politik, die im wahrsten Sinne des Wortes dem Gemeinwohl dient. Gefragt werden praktische Ideen und Konzepte für die Verbesserung und für die Umgestaltung des täglichen Lebens der normalen Menschen, die normal leben, oder halbwegs normal leben wollen. Dabei sollte man den schrecklichen Satz von Brecht ernst nehmen: Erst kommt das Fressen (oder ein Smartphone, mehr Rentenpunkte, usw.), dann kommt die Moral.

Die Idee der gerechten Verteilung der Ressourcen ist nicht neu. Allerdings wurde sie in der Geschichte nie verwirklicht, und sie wird nie realisiert werden. Das wusste schon Thomas Morus. Nicht ohne Grund taufte er sein Staatsmodell Utopia. Verschiedene Staatsformen wurden erträumt und experimentiert, aber bis dato gibt es noch keinen einzigen Staat, dessen alle Bürger wunschlos glücklich sind. Wir wählen irgendeinen Politiker, der sich im Interessenkonflikt verfängt, wie in einem Spinnennetz. Das ist unsere Demokratie. Oder besser gesagt, viele Bürger sehen die Politiker so, obwohl ausgerechnet sie unser tägliches Leben gestalten und notfalls umgestalten. Aber die Einzelheiten sind uns scheinbar verborgen. Wir haben aber außer dem Urnengang sonst keine Alternative, uns an der Politik direkt zu beteiligen. Wie viele Bürger besitzen überhaupt ein genaues Wissen über die konkrete Entscheidungsprozedur im Kommunalparlament? Ist es uns bewusst, dass wir als kontrollsinstanz vorgesehen sind? Umgekehrt:Wie viele Mühe geben sich die Kommunalpolitiker um die Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit, um die Bürger zu informieren, und in welchem Umfang? Hier lässt noch sehr viel zu wünschen übrig.

Da jede Staatsform sich im Laufe der Zeit verändert, sollte man sorgfältig und vor allem rechtzeitig überprüfen, ob die jetzige Staatsgestalt der Realität entspricht, wobei der Begriff „Normalität“ immer neu ausgelegt werden sollte, weil wir in unserem Kopf stark von den Normen abhängig sind, manchmal im erschreckenden Ausmaß. Die Idee der Demokratie sollte man ebenso immer wieder hinterfragen.

Hier in Berlin wird auf den Baustellen immer weniger Deutsch gesprochen, und im Pflegebereich arbeiten viele Frauen aus Osteuropa, nicht selten illegal. Zum Beispiel ist es auch ein Staatsmodell, in dem die verhältnismäßig wenig verdienenden Menschen den anderen dienen.

Ich persönlich schätze Frau Merkel und ihre Haltung sehr, aber sie zeigt nicht, wo genau der Weg hinführt. In welche Richtung gehen wir jetzt? Hat sie etwa Angst davor, „Führerin“ zu sein? Was für ein Staatsmodell sie im Kopf hat, ist mir ein Rätsel.

Oder was denken SIE? Was bedeutet ein Staat für SIE? Wenn SIE an die Demokratie denken, was sind die wichtigsten Komponente für SIE? Ich würde mich sehr freuen, darüber in Ihrer Zeitung zu lesen. – Ai Kretschmer-Nakashima


Leserbrief zu „Ich heile mich selbst“ von Max Lebsanft

Ein überaus interessanter Artikel. Zugleich: Die wesentliche Frage wird unter dröhnendem Schweigen begraben. Heilt Geist? Sind Placebo, Nocebo etwas Geistiges?

Mit wissenschaftlichen Methoden werden heutzutage Materie und Energie als Gestalter unserer Welt erforscht. Betrachten wir beide genauer, dann zeigt sich, dass diese nicht in »reiner« Form vorkommen, sondern immer bereits selbst gestaltet sind. Sie tragen einen speziellen Ausdruck oder eine Aussage. Materie kann zum Beispiel Kupfer oder Silber sein. Was macht den Unterschied, ob es diese oder jene Art von Materie ist? Energie kann als blaues oder rotes Licht Ausdruck finden. Was macht den Unterschied?

Der Unterschied liegt in der jeweils unverwechselbar spezifischen Ausgestaltung von Materie oder Energie. Wir können auch sagen in ihrer Erscheinung folgen sie einer Idee und besitzen eine Qualität. Mit dieser Erkenntnis sind wir beim Geistartigen. Das Geistartige ist weder Materie noch Energie, sondern das diese Gestaltende. Also eine Idee, ein Gedanke oder, will man eine zeitgemäße Bezeichnung wählen, eine Information.

Das interessante an Placebo und Nocebo ist nicht, dass wir Hinweise finden, dass geistige Heilmethoden in bestimmten Fällen nicht spezifisch wirken, sondern einem allgemeinen geistigen Heilen entsprechen. Hierzu werden im Artikel Forschungen zur Akupunktur zitiert. Dies soll scheinbar ein materialistisches Weltbild stützen. Nach dem Motto: Haben wir doch immer gewusst, dass Akupunktur nicht wirklich hilft. Das wirklich Weltbewegende ist, dass Gedanken, Ideen, Informationen heilen! Und dieses Heilen lässt sich biochemisch nachweisen. Nicht etwas Materielles, Biochemisches wird verabreicht, sondern etwas Geistiges – eine Information. Das sollte doch zu denken geben und jeden Forschenden angesichts der sich öffnenden Weiten in Verzückung versetzen. Wird aber einfach ignoriert, weil dem herrschenden Weltbild widersprechend. Kein Ansatz einer Überlegung im gesamten Artikel.

Beten, Meditation, Homöopathie, Akupunktur, Psychotherapie, Schamanismus  etc. heilen. Sie heilen desto stärker, je spezifischer passend die gegebene Information ist. Das ist die Grundidee der Homöopathie. Diese Art von Heilung ist somit immer personotrop (subjektiv, innerlich). Inneres Erleben, Subjektivität, Bewusstsein, Geist sind die entscheidenden Stichworte. Natürlich verschließt sich dies aufgrund des gewählten Versuchsaufbaus in wesentlichen Punkten den heutigen Forschungsmethoden. Wir könnten doch zumindest angeregt durch die Placebo-Forschung darüber nachdenken. – Michael Wolfgang Geisler


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Um aus dem Getümmel wieder herauszukommen, ist Resilienz gefragt.  Resilient sein, heißt, ein Stehaufmännchen sein, heißt Potenzial entfalten, Blockaden lösen, Krisen meistern, heißt an Herausforderungen wachsen und gesunden. Salutogenese. Das gilt für den einzelnen Menschen, das gilt für die gesamte Gesellschaft, die ja aus vielen einzelnen Menschen besteht. Nach dem Pionier der Resilienzforschung Antonovski sind 3 Faktoren für die Salutogenese ausschlaggebend. Ist die Welt für einen Menschen verstehbar, gestaltbar und bedeutsam?  Eine Gesellschaft, in der die Menschen mit der Haltung leben „Ich verstehe die ganze Welt nicht mehr. Da kann man sowieso nichts machen.  Es hat alles keinen Sinn“, kann keine resiliente Gesellschaft sein. Und dabei geht es um jeden Einzelnen! Immer wieder gibt es Beispiele dafür, welch Unheil ein Einzelner in der Gesellschaft anrichten kann. Und es gibt Menschen, die sich das Denken nicht abgewöhnen lassen, vom Nachdenker zum Vordenker werden. So ein Vordenker ist für mich der Gehirnforscher Gerald Hüther, der den Satz geprägt hat: „Begeisterung ist Dünger für das Hirn.“  Wie sieht es derzeit in Deutschland mit der Begeisterung für das Leben aus? Wie sinnvoll, verstehbar und gestaltbar ist das Leben für den Einzelnen? Anders gefragt: Kann die Demokratie fröhliche Urfeste feiern oder liegt sie genauso wie in weiten Teilen der Welt krank darnieder?

„Wer jeden Gedanken daran ausschließt, selbst ein Teil des Problems zu sein, leidet an Arroganz“, schreibt Giovanni di Lorenzo in dem Artikel.  Werden politische Entscheidungen in Deutschland von gewählten Volksvertretern im Interesse des Volkes getroffen, werden die Volksvertreter zu Machthabern über das Volk oder zu Ohnmächtigen anderen Machthabern gegenüber? Wenn die Politiker nicht frei in ihren Entscheidungen sind, ist die Welt auch für sie nicht mehr gestaltbar.  Wessen Interessen werden vertreten, wenn der Vertreterin Deutschlands bei dem Umweltgipfel in letzter Minute noch Befugnisse genommen werden aus Angst, wirtschaftliche Machthaber verärgern zu können.  Wessen Interessen werden vertreten, wenn der staatliche Medienkonzern mit Zwangsabgaben finanziert wird, wenn per Rasterfahndung die Menschen wie Verbrecher dingfest gemacht werden, die ihr Leben selbst gestalten und zu deren Lebensstil das öffentliche Fernsehen nicht gehört?

Wessen Interessen werden vertreten, wenn sogar ein Gesetz beschlossen wird, das Arzneimitteltests an Dementen offiziell absegnet?  Sind das Entscheidungen, die von einer gesunden Demokratie künden? Sind das Entscheidungen, die die Begeisterung für das Leben stärken? – Zur Symptombekämpfung bieten sich „populistische“ Kräfte als Medikament an.  Aber wie das mit Medikamenten so sein kann, können die Nebenwirkungen stärkere Symptome sein als es die ursprünglichen waren.  „Es ist unendlich viel zu tun, aber das kann jetzt auch Ansporn sein“, schreibt Giovanni di Lorenzo.

Zu diesem Ergebnis kommt auch ein bemerkenswerter Film, den ich allen empfehlen möchte, auch Politikern und Politikverdrossenen, „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen.“ Der Film geht von einer Studie aus, die das Ende der menschlichen Zivilisation innerhalb der nächsten 40 Jahre voraussagt. Die Filmemacher erkunden daraufhin Projekte in aller Welt zu Wirtschaft, Landwirtschaft, Energie, Demokratie und Bildung. Sie kommen zu der Erkenntnis: „Es gibt eine andere Vision der Welt. Wir müssen etwas tun. Jetzt.“  Ich wünsche uns allen, dass wir die Weckrufe aus allen möglichen Richtungen wahrnehmen, uns auf unser menschliches Potenzial besinnen und vermeintliche Niederlagen zu einem Anlauf für einen Neustart nutzen.  Resilienz – Eine Gesellschaft besinnt sich auf ihr Potenzial!  Sehr geehrter Herr di Lorenzi, ich danke Ihnen, dass Sie mich mit Ihrem Artikel zu diesen Gedanken angeregt haben. – Gerda M. Kolf


Leserbrief zu “Sagt wenigstens Nein!” von Friederike Gräff

Was für Bewerbungen gilt, trifft auch für Anfragen an die Buchverlage zu; wenn ich einem Verlag ein Ms anbiete, handelt es sich ja auch um eine Art Bewerbung. In verschiedenen Sprachen habe ich über siebzig Bücher veröffentlicht. Bei Auftragsarbeiten war die Publikation kein Problem. Wenn es aber darum ging, einen Verlag für ein bestimmtes Thema zu interessieren, blieben viele meiner Anfragen unbeantwortet. Inspiriert von den Ausführungen von F. Gräf habe ich mich entschieden, es nun auf dem umgekehrten Weg zu versuchen. Meine Angebote: 1) Das Geheimnis der Bilder. Verschlüsselte Botschaften in der kirchlichen Kunst; 2) Maria – Knotenlöserin, Kriegerin, Königin. Die Madonna in Kunst und Theologie; 3) Biblische Geschichten im Spiegel der Literatur; 4) Intrigen Sex und Totschlag in der Bibel. Hiermit lade ich die Verlage ein, sich bei mir zu bewerben; der erste, der sich für eine Veröffentlichung bereit erklärt, erhält den Zuschlag. – Prof. Dr. Josef Imbach


Leserbrief zu „Raus aus der Haut!“ von Peter Dausend

Steinmeier ist für mich wie sicherlich für sehr viele Deutsche eine erstklassige Wahl. Was mir trotzdem an seiner de facto Wahl zum Bundespräsidenten missfällt, ist dreierlei: Dass die Wahl schon stattgefunden hat, dass sie von den drei Großen vorgenommen wurde und nicht von der Bundesversammlung und schon gar nicht vom deutschen Volk und drittens, dass dies zwar nicht hinter verschlossenen Türen im Hinterzimmer geschah, denn so kann man das Bundeskanzleramt ja wohl nicht bezeichnen, aber doch hübsch abgeschirmt von der Öffentlichkeit.

Das jetzt  noch vorgesehene Abnicken durch die Bundesversammlung könnte man sich sparen und die entfallenden Ausgaben einer besseren Verwendung im karitativen Bereich zuführen. Würdiger als diese Farce wäre eine repräsentative Übergabe des hohen Amtes in einer festlichen Feierstunde im Schloss Bellevue.

Mir ist selbstverständlich klar, dass aufgrund der Gesetzeslage das nicht möglich ist, aber der Ärger bleibt, weil wieder eine Chance „von denen da oben“ vertan wurde, mehrere ehrenwerte und repräsentable Kandidaten aufzustellen und in einer Wahl, die diesen Namen verdient, den neuen Bundespräsidenten zu bestimmen. – Dr. Peter Samow


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Aus meiner Sicht haben Sie den Grund für den Erfolg von Trump (AfD, … ) und Co nicht erkannt.

Die Menschen sind verunsichert und laufen deshalb den Populisten hinterher. So verstehe ich grob ihre Analyse.

Nein! Die Trumpwähler haben erkannt, daß die Republikaner und genauso die Demokraten religiöse Fanatiker sind, von denen sie keine Hilfe zu erwarten haben. Alles Mitglieder der FInanztaliban (Um etwas griffig zu formuieren). Und genauso sind unsere Parteien mehr oder weniger gleich schlecht und treiben eine menschenverachtende Politik. Da kann Trump nicht schlimmer sein. Über ein bisschen Sexismus, Rassissmus und sonstige Probleme muss man in diesem Fall hinwegsehen. Und z.B. hoffen, daß er es mit der Ablehnung der CO2-Minderung nicht so ernst meint.

Ich vergleiche die Finanztaliban mit den Scientologen. Einmal verteilt das Fußvolk den Wachturm und im anderen Fall die Zeit :-) In beiden Fällen stopft sich die Führung die Taschen voll.

Und das macht das Ganze so schwierig. Hier geht es nicht um Fakten sondern um Glauben, wie bei jeder Religion. Deshalb halte ich es für einen Warnschuss an unsere Politiker. Jetzt müssten diese schauen warum die Leute Trump, Front National und AfD wählen und damit erkennen wie falsch ihre Politik ist. Es darf kein „Weiter so“ geben!

Es geht einmal um Gerechtigkeit und dann um Visionen. Einer ihrer Autoren hat da z.B. Bei Bernie Sanders etwas gespürt. Welche Partei in Deutschland hat für die Opfer der Finanztaliban eine realistische Vision anzubieten? Keine! Also aufwachen bitte. – Edgar Schwarz


Leserbrief zu “Das Zerreißen der Welt” von Nadine Ahr et al.

Wahrlich keine „schöne“, aber eine anrührende Reportage! Den Sachverhalt an sich, den die Episoden illustrieren, kann man natürlich auch kürzer skizzieren: http://www.ulrich-willmes.de/politikerverdruss.html –  Ulrich Willmes


Leserbrief zu “Anführerin der freien Welt? Auch das noch!” von Matthias Geis, Tina Hildebrandt und Bernd Ulrich

was für ein schöne geschriebener, unaufgeregter und sachlicher Artikel!!! Glückwunsch! – Klaus Riediger


Leserbrief zu “Anführerin der freien Welt? Auch das noch!” von Matthias Geis, Tina Hildebrandt und Bernd Ulrich

Steine werden auf ihrem Weg liegen! – Angela Merkel fühlt sich gefordert und strebt an, zum vierten Mal Bundeskanzlerin zu werden. Ihre Entscheidung wird in der medialen Öffentlichkeit mit vielen Lobpreisungen aber auch mit verhaltener Kritik wahrgenommen. Ich selbst habe bei Wahlgängen niemals mein Kreuz im CDU-Kästchen gemacht. Aber wenn in Deutschland das höchste Regierungsamt parteiunabhängig, also in namentlicher Direktwahl, besetzt werden würde – meine Stimme würde Angela Merkel bekommen! Was sie in den nunmehr 11 Jahren ihrer Kanzlerschaft geleistet und erreicht hat, das ist für mich beeindruckend. Angela Merkel hat dafür gesorgt, dass Deutschland weltweit wieder positiv wahrgenommen wird. Und dies nach einem verbrecherisch angezettelten Weltkrieg, der nur ein Vierteljahrhundert hinter uns liegt.

Aber bei ihrer erneuten Kanzlerschaft – wenn sie denn Wirklichkeit werden sollte – werden auf ihrem Weg übergroße Steine liegen, die sie wegräumen muss. Denn nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten menschlichen Welt gilt es Probleme zu lösen, die vielfach unlösbar erscheinen. Die Spannungen zwischen arm und reich, die wachsende Gewalt- und Kriegsbereitschaft, der fortschreitende von uns Menschen verursachte globale Klimawandel. Sollte Angela Merkel wieder Bundeskanzlerin werden, mein Vertrauen hat sie. – Dieter Lehmann


Leserbrief zu “Ein Jahr in Deutschland” von Caterina Lobenstein und Kolja Rudzio

der Artikel „Ein Jahr in Deutschland“ über syrische Unternehmer und ihre Familien zeigt wieder einmal Ihre einseitige Betrachtung der Flüchtlingsproblematik. Was machen denn die vielen alleinreisenden, geringqualifizierten, jungen Männer? Wie fallen diese unserem Gemeinwesen zur Last? – Christopher Hagen


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Bezogen auf Ihren Artikel liegen hier in Deutschland die Dinge meiner Meinung nach längst nicht so kompliziert wie von Ihnen vermutet. Das mag in den USA anders sein, glaube ich aber nicht.

Hier bei uns gäbe es nur eine kleine unbedeutende AfD wenn die regierenden Parteien einfach nur gesetzestreu wären und ihren Job im Sinne der Bevölkerung und gemäß ihrem Amtseid machen würden. Wenn die AfD gewählt würde (was ich mache, weiß ich noch nicht) dann nicht weil es eine charismatische Figur gibt (à la Trump) oder das Programm der Partei so wahnsinnig überzeugend wäre oder das Vertrauen in die Handelnden so erheblich größer wäre als in das der etablierten Parteien. Nein hier wird zu etwa 80% Klatsche gewählt.

Also die AfD zu marginalisieren wäre ganz einfach. Einfach mal Umsetzen was rechtlich geboten ist und nicht versuchen den Menschen zu erklären warum die Fehlentscheidungen der letzten Jahre richtig waren. Z.B. Energiewende, Öffnung der Grenzen (Schengen aushebeln), Euro Rettung, Rentensystem (Rente mit 63, Mütterrente etc.) verunstalten, Hartz IV zurückdrehen, Genderdiskussion und unsinniger Umsetzungsversuche, Denk- und Sprechverbote einführe etc. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass es wirklich weit verbreiteten Fremdenhass in Deutschland nicht gibt. Zu mindestens nicht in meiner Umgebung und im weiteren Umfeld. Wenn es denn Hass geben sollte, dann richtet er sichwahrscheinlich gegen viele Politiker der etablierten Parteien.

Herr Tillich hat das augenscheinlich verstanden (siehe unten) aber auch er wird für die Wiederwahl der Kanzlerin Merkel bereitstehen.

Zitat:

„Das geht so nicht mehr weiter“: Tillich fordert „Gesetzestreue“ von der Politik (Epoch Times19. November 2016Aktualisiert: 19. November 2016 8:40 )

„Es reicht nicht mehr, dass man Politik erklärt, sondern der Bürger will, dass die beschlossenen Gesetze auch eingehalten und umgesetzt werden“, so Tillich.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) fordert „Gesetzestreue“ von der deutschen Politik, um unzufriedene Bürger umzustimmen.WERBUNG

Es reicht nicht mehr, dass man Politik erklärt, sondern der Bürger will, dass die beschlossenen Gesetze auch eingehalten und umgesetzt werden“, sagte Tillich der „Welt“. Der Christdemokrat warnte vor einer unzufriedenen Minderheit in Deutschland, „die aber größer wird. Sie ist schon so groß, dass man sie nicht mehr ignorieren kann“.

Nicht nur in den sozialen Netzwerken seien mit dieser Gruppe „Dämme gebrochen“ und würden Dinge gesagt, „die früher unterlassen worden wären“. Als Beispiel für seine Forderung nannte Tillich die Flüchtlingspolitik. Wenn die Politik sehe, dass die Schengen-Regelung nicht funktioniere, „dann müssen wir dies offen aussprechen und darüber diskutieren, wie man die Grenzen anders sichert“.

Man könne nicht sagen: „Wenn die Griechen ihre Grenze nicht schützen, dann übernimmt Frontex, und wenn Frontex mehr Personal braucht, beschließt der Europäische Rat, mehr Personal zu stellen, bis schließlich der Chef der Bundespolizei sagt, er hat nicht genügend Personal dafür. Und das war`s dann.“ Tillich warnte: „Das geht so nicht mehr weiter, wenn wir dem Politikverdruss Einhalt gebieten wollen.“

Der Regierungschef sagte weiter, man müsse zwischen denen unterscheiden, „die unsicher in die Zukunft schauen und sich nicht mehr vertreten fühlen“, sowie Gruppen, „die für keinerlei Argumente mehr zugänglich sind“. Zu diesen zählten Rechtsextremisten, „Reichsbürger“, Islamisten und Autonome.

Hier müsse es Aufgabe sein, „Recht und Gesetz durchzusetzen und den Zulauf zu diesen Gruppen zu unterbinden“. Das Potenzial der rechtsextremen Szene sei in in seinem Bundesland „gefährlicher“ als anderswo, sagte Tillich. „Die rechtsextreme Szene ist hier schneller als anderswo zu Gewalt bereit.“

Er betonte aber mit Blick auf das Wachsen rechter Ressentiments: „Dieser Stimmungswandel zeigt sich an so vielen Orten, dass man sie nicht irgendeinem Land oder einer Region zuordnen kann. Diese Tatsache ist für mich das eigentlich Besorgniserregende.“ Wenn Europa nicht den Willen aufbringe, „die übergeordneten Interessen im Blickfeld zu halten, dann steht es nicht gut um unsere Zukunft“. (dts) – Detlef Becker


 Leserbrief zur Grafik „Verkehr“ in „Nicht so schnell, liebe Leser!“

Es ist immer wieder lustig, dass das Rasen in Städten und auf Autobahnen mit potenziell tödlichen Konsequenzen für andere in Deutschland als Kavaliersdelikt oder als eine Art Reifeprüfung angesehen wird, die Bestrafung des Vergehens bezeichnen die Leute selbstverständlich als „moderne Wegelagerei“. Überquert man jedoch als Fußgänger (oder gar

Radfahrer!) eine rote Ampel, bricht bei den Menschen scheinbar ein Teil des Weltbilds zusammen und man kann in 3 von 4 Fällen davon ausgehen, dass man von irgendjemandem lauthals an irgendeine Geldstrafe erinnert wird oder an das berühmte Vorbild für die Kinder.- Mario Bisiada


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

In meinem Berufsleben als Arzt komme ich täglich in Kontakt mit Menschen, von denen ich nicht gerade den Eindruck habe, dass sie aus einem Land kämen, in dem eines der besten sozialen Systeme der Welt herrsche. Ohne Erklärung dazu bleibt die Aussage eine reine Gefühlsäußerung. – Bastian Holtkamp


Leserbrief zu „Der Trick mit der Gefühls-Befreiung“ von Gero von Randow

Vielen Dank für den sehr guten Artikel von Herrn von Randow „Der Trick mit der Gefühls-Befreiung“. Auch das Interview mit Herrn Butter über die Verschwörungstheorien passt sehr gut. Was mir weniger gefallen hat, ist, dass in dem Artikel wieder mal die Psychoanalyse diffamiert wird als veraltet und spekulativ, obwohl Herr von Randow sie für seinen Artikel als Steinbruch verwendet, aus dem er sich gedanklich bedient. Da würde ich mir doch auch etwas mehr Differenziertheit wünschen. In meiner therapeutischen Arbeit als Psychoanalytikerin bin ich ständig mit paranoid-schizoidem Denken konfrontiert – Stichwort „Verschwörungstheorien“ – mit dem Wunsch nach einer klaren Unterscheidung in gut und böse, schwarz und weiß, mit der Trennung von Denken und Fühlen. Das sind die zentralen Themen der modernen Psychoanalyse, nicht mehr die Sexualhemmungen zu Freuds Zeiten.

Die Psychoanalytiker tragen mit ihrer in der Tat sehr komplexen Theorie dazu bei, die „leise Stimme der Vernunft“ (S.Freud) immer wieder gegen „Suppenlogik und Knödelargumente“ (ebenfalls S.Freud) zu stärken und sollten von daher als natürliche Verbündete im Kampf gegen die sich verbreitenden regressiven Tendenzen wertgeschätzt werden.

Stattdessen bläst uns der Wind so heftig ins Gesicht, und die ZEIT bläst eifrig mit – siehe Ihre letzte Doctor-Beilage – ,daß wir vielleicht bald fortgeweht sein werden, jedenfalls in der gesundheitspolitischen Landschaft. Ich verstehe bis heute nicht, warum es bei der ZEIT offenbar Tradition ist, gegen die Psychoanalyse zu sein; meinen ersten Leserbrief habe ich in den 70er Jahren gegen Dieter E.Zimmer geschrieben. Vielleicht spricht es ja für die psychoanalytische Haltung, dass ich trotzdem mein Abonnement noch nicht gekündigt habe. Es wäre aber schön, wenn sich auch bei Ihnen in der Hinsicht mal etwas bewegen würde. Vernünftig heißt doch nicht, dass alles, was mit Zahlen nicht zu belegen ist, als Spekulation abgetan werden kann. Damit begeben Sie sich in das Fahrwasser derer, die die Welt einfacher haben wollen als sie ist. Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich jetzt beim Schreiben etwas emotional geworden bin, aber ohne Gefühle geht es eben nicht. – Charlotte Rothenburg


Leserbrief zu “ Die dunkle Seite der Macht“ von Kerstin Kohlenberg

Star Wars in der Zeit!?   Schön reißerisch und schön niveaulos!!   Mag der Bannon auch gefährlich sein- an einigen Zitaten wird das ja sehr deutlich.    Aber  Vokabular wie dieses:  „dass er die Washingtoner Regierung zerstören“ – “ bis er die Elite erledigt hat“ – “ auf die Absetzung der globalen Elite abgesehen“ – „das Washingtoner System zerstören“ – „die Normalisierung hat begonnen“  wird nicht näher erläutert.   Was ist das System?   Was ist die Elite?   Was ist die Normalisierung?   Mutiert die Zeit mit solchen Artikeln zur Bild!!? – Inge Daniels


Leserbrief zu „Dieser nette Herr führt eine Armee von 20.000 Terroristen“ von Erich Follath

Trotz des  wirklich dummen Titels und Bastei-Lübbe-Perlen wie „Augen von eisgrauer Kälte“ habe ich den Artikel aus Interesse am Thema zu Ende gelesen. Es scheint leider so zu sein, dass Erich Follaths bewundernswerte Eigenschaften wie Neugier, Mut und Abenteuerlust sich in ähnlicher Weise mit Schlampigkeit und Eindimensionalität paaren wie bei Peter „Ich war in seinem Zelt“ Scholl-Latour. Zugegeben, man braucht in Afghanistan kein Arabisch, aber Hisb-i Islami mit „Partei Gottes“ und Taliban mit „Koranschüler“ zu übersetzen ist eben nur irgendwie fast ein bisschen richtig.

Es ist richtig schade, dass Leute, die historischen Persönlichkeiten so nahe kommen, so wenig sorgfältig und so aussagearm darüber berichten. Und ebenso schade, dass sie nicht stattdessen das tun, was ihren Neigungen und Fähigkeiten besser entspräche: abgefahrene, persönlich recherchierte Jugendromane in der Tradition Karl Mays schreiben. Dann hätten alle mehr davon. – Rasto Lewandowski


Leserbrief zu „Raus aus der Haut!“ von Peter Dausend

Ich hätte – obwohl seit 35 j. Genosse – in diesem Falle Herrn Di Lorenzo bevorzugt, fand aber kein Gehör beim Parteivorstand ….. Vielleicht 2022 ! – Prof.Dr.med.Ulrich Krause   


Leserbrief zu “Unerwünschte Wahrheit” von Tanja Stelzer

Darf ich mir erlauben, zu Ihrer zweiten Stellungnahme betreffs ein  Strafverfahren vor dem LG Dortmund Ihnen Respekt zu zollen, gerade weil  es sich aus der Phalanx der bisherigen Sachverständigen bei Herrn  Ludwig um den Eindrücklichsten handelt (nur zur Information, nicht um  zitiert zu werden: in der Zeitschrift medstra 2016, S. 203-210 habe ich  mich zu dem gesamten Verfahren näher geäußert).  Falls bei der Gelegenheit die Anregung vermitteln werden dürfte,  Ihrerseits auch auf ein anderes Verfahren aufmerksam zu machen, in dem  ein psychiatrischer Sachverständiger im Einklang mit der  Staatsanwältin, die ihn herangezogen hatte, betreffs einen 18 Jahre und  2 Wochen alten nicht vorbestraften Gymnasiasten ein m. E. gänzlich  unhaltbares Gutachten ablieferte, dem das Gericht folgte (dazu,  wiederum nicht, um zitiert zu werden,  meine Analyse in der Zeitschrift  Neue Kriminalpolitik Heft 4/2016, im Erscheinen).  – Ulrich Eisenberg


Leserbrief zu “Sagt wenigstens Nein!” von Friederike Gräff

Endlich ein Artikel zu diesem Thema – ich habe mich schon lange gefragt, warum nicht oder fast nicht darüber berichtet wird.  Mein Mann und ich können Ihrem Bericht komplett zustimmen – auf Bewerbungen wird sehr gerne gar nicht reagiert, auch von  sehr großen Unternehmen. Ebenso gering ist die Wertschätzung von freien Mitarbeitern. Zum Glück machen wir auch andere  Erfahrungen, aber über vieles muss man sich doch sehr wundern!! (Vor allem darüber, dass die Unternehmen damit durchkommen!)  Eine Bewertung von Seiten Bewerbern wäre hier vielleicht eine gute Idee.  – Birgit Kasimirski


Leserbrief zu “Unerwünschte Wahrheit” von Tanja Stelzer

Meine Frau und ich haben mit großer Betroffenheit Ihren lesenswerten Artikel in der Nr. 48 der Zeit gelesen. Unsere Betroffenheit beruht auf unserer eigenen Erfahrung mit einem nachweislich voreingenommenen Gutachter und einem ebenso voreingenommenen Gericht. Beide haben unserem Enkelsohn trotz Vorlage mehrerer anderslautender Gutachten schweren Schaden zugefügt. Obwohl der Gutachter in einem gerichtlichen Vergleich zugeben musste, dass er bewußt falsch votiert hat, gab es für ihn keine Konsequenzen bei seiner Standesorganisation.   Ich bin selbst Jurist und kann nur immer wieder sagen, dass in unserem Rechtssystem viel zu oft Fehlurteile dadurch möglich werden, dass Gerichte, Gutachter und Behörden in fataler Weise kollusiv zusammen wirken.   Und: ich wollte unseren Fall, den ich samt aller Beschlüsse, Gutachten und Urteile in einer Dokumentation publizieren, aber kein einziger Verlag hat sich dafür interessiert. Man will es einfach nicht wissen, was gerade im Bereich der Jugendgerichtsbarkeit schief läuft.   Ich kann Sie nur bitten, sich auch künftig mit solchen Themen zu beschäftigen. Diese Dinge brauchen dringend öffentliches Interesse. Vielen Dank. – Dr. Klaus Kuntz


Leserbrief zu “Sagt wenigstens Nein!” von Friederike Gräff

Das Elend in unserer Firmenkultur hat einen großen Bruder. Die Politik verhält sich nicht anders. Ich kann den Unmut Ihrer Autorin sehr gut verstehen. Die Antworten bleiben fast immer aus. Eine Rückmeldung hat heute keine Konjunktur mehr. Das betrifft nicht nur die Bewerbungen – es ist auch bei beliebigen Anfragen oder  Objektvorstellungen das gleiche Verhalten festzustellen.  Wenn sie telefonisch nachfragen wollen, dann warten sie entweder in einer Warteschleife oder es ist eine entsprechende Antwort per Telefon nicht erwünscht. Und auf einen versprochenen Rückruf warten sie auch vergeblich. Alles in meiner Verwandtschaft erlebt. Ich habe mal mit meinem Nachfolger in meiner früheren Bank telefoniert, um zu fragen, ob es das auch in seiner/unseren Bank gibt. Antwort: das gibt es bei uns nicht. Wir reagieren auf alle Anfragen, wobei wir lieber sehen, wenn sie per e-mail gestellt wird. Oft bleibt der Anrufer in einer Warteschlange hängen. Deswegen ist es auch für einen Anrufer angenehmer, wenn er das elektronisch erledigt. Probleme sehen wir allerdings – so mein Nachfolger -, wenn ein Kunde oder ein Anrufer es besonders eilig hat.

Dann kommt das Personal in Schwierigkeiten, wenn die oder der Fachkollege/in nicht zur Verfügung stehen kann.  Zu meiner Zeit hatten wir nur Kompetenzunterschiede. Aber das Personal war in allen Fachbereichen ausgebildet. Das gibt es heute nicht mehr und das bedaure ich sehr. In Personalfragen liegt der Fall wieder anders. Dafür war zu meiner Zeit und auch heute die Personalabteilung zuständig, oder es übernimmt eine Unternehmensberatung.  Das sieht bei anderen Branchen wieder ganz anders aus. Und bei den Behörden können sie wahnsinnig werden. Wenn sie sich beschweren wollen, dann wird sofort aufgelegt.  Keiner kann mehr mit Selbstkritik umgehen. Wehe sie wagen sich, das Kind beim Namen zu nennen – das geht heute gar nicht mehr. Es ist ein allgemeines Gesellschaftsproblem, was ich schon lange beklage. Die Politik interessiert das kaum.  Das wäre auch mal für die Zeit-Redaktion bestimmt ein Thema.  Ich freue mich für ihre Autorin, daß sie in ihrer Redaktion eine andere Kultur kennengelernt hat. – Gunter Knauer 


Leserbrief zu „Raus aus der Haut!“ von Peter Dausend

Frank-Walter Steinmeier ist ein Anti-Trump. Ein größeres und uneingeschränkteres Lob kann für einen Politiker derzeit wohl kaum vergeben werden.    Im Übrigen habe ich nicht den geringsten Zweifel daran, dass Steinmeier über die notwendige Kompetenz und Autorität verfügt, um – wie Peter Dausend es fordert – bei Bedarf auch mal verbal die Ärmel hochkrempeln zu können. – Ira Bartsch


Leserbrief zu “Das Zerreißen der Welt” von Nadine Ahr et al.

Die Elite, und damit meine ich ganz ausdrücklich nicht nur die politische Elite sondern die gesamte,gut ausgebildete Intelligenz dieses Landes, , hat sich auch hier komplett vom Volk abgekoppelt und verabschiedet. Das bedeutet , dass alle Mitglieder dieser Schicht , die es nebenbei immer geben wird, aufgerufen sind den Kontakt zu den einfacheren , weniger intelligenten Menschen wiederherzustellen.Das würde beiden Seiten sehr gut tun. In diesem Sinn sind alle ,die sich dieser elitären Schicht zugehörig fühlen ,aufgefordert politisch zu werden , nicht in einer Partei organisiert , sondern als Privatmenschen.Hingehen,zuhören selbst seinen Standpunkt deutlich machen. Das ist eigentlich ganz einfach.Wenn das in weitaus grösserem Mass als bisher geschieht , brauchen wir uns weniger Sorgen um die Demokratie zu machen.Es gibt viel zu verlieren in diesem Land , und weder Frieden noch Demokratie sind eine Selbstverständlichkeit.Und ich weiss wovon ich rede, denn ich habe die letzten zehn Jahre mit meiner Familie in der Ukraine gelebt. Das sollte dem deutschen Establishment ein wenig Zeit und Mühe wert sein. – Olaf Peper


Leserbrief zu “Wir betreten Neuland” von Heinrich Wefing

Ich möchte Sie nur auf die grundsätzliche Vorgehensweise eines Sachverständigen im Gerichtsauftrag hinweisen. Ich war lange Jahre als  „öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger“ für einen bestimmten Bereich im Bauwesen tätig. Für die vom Gericht bestellten Sachverständigen gelten ganz strenge Regeln. So darf der Sachverständige nicht in  e i n e m  Auto mit einem der Prozessbeteiligten zu einem Gerichtstermin fahren, also Ortsbesichtigungen und Gerichtstermin, sonst gilt er als befangen, und seine Expertise darf nicht verwendet werden. Auch zur Beschaffung von Unterlagen muß er immer bei dem Gericht nachfragen, ob er sie sich direkt beschaffen kann. Das gilt für jeden Verkehr mit den Prozessbeteiligten. Alle Schritte müssen mit dem Gericht abgestimmt, bezw. von diesem genehmigt werden.

Auch hat sich der Sachverständige im Zivilprozeß penibel an die Beweisfragen zu halten, auch wenn damit die wirkliche Ursache nicht korrekt hinterfragt ist. In seinem Gutachten kann er nur kurz darauf hinweisen, dass die Schadensursache mit den Beweisfragen nicht geklärt werden kann. Alle Vorgänge werden nach juristischen Gesichtspunkten betrachtet.   In dem von Ihnen geschilderten Fall hat der Professor, aus welchen Gründen auch immer, sich nicht ausreichend um die äußeren Dinge, die für die Juristen für bedeutsam sind, gehalten. Er hat sich nicht ausreichend um die juristischen Feinheiten gekümmert.   In dem Bericht stellen Sie ihn als Unschuldslamm vor. Teile der Malaise hat er sich selbst zu zuschreiben.   Meines Erachtens haben Sie zuviel Partei für ihn ergriffen, ohne die Seite der Justiz richtig zu beleuchten.   Seite 2   Meine Stellungnahme, auch in gekürzter Form,  werden Sie wahrscheinlich aus Prioritäts- und Platzgründen nicht unterbringen. Es wird mich aber freuen, wenn Sie Zeit für eine individuelle (Kurz-)antwort finden. – Kurt Barth


Leserbrief zu „Teure Tomaten“ von Anton Hofreiter und Claudia Roth

So recht Hofreiter und Roth haben, aber wenn unsere verantwortlichen Politiker, allen voran Landwirtschaftsminister Schmidt, nicht mal in der Lage sind, gegenüber der Bauernlobby die europäische Nitratrichtlinie in Form der Düngeverordnung so umzusetzen, dass Deutschland nicht verklagt werden muss, so geht die Hoffnung, dass deutsche Landwirtschaftspolitik ggü. Afrika in irgendeiner Weise fair vonstatten geht, gegen null. –  Dr. Martin Emmert


Leserbrief zu „Der Trick mit der Gefühls-Befreiung“ von Gero von Randow

Herzlichen Dank für den sehr interessanten Artikel. Leider ist Ihnen dabei aber auch ein Fehler unterlaufen. Sie dürfen gerne den Ödipuskomplex und andere oder alle Kategorien der Psychoanalyse als Fiktion bezeichnen. Damit ignorieren Sie zwar die Ergebnisse neuerer Forschung zur Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierten Therapie, die sich auch auf die Behandlung eben jener Kategorien bezieht, die Sie als Fiktion bezeichnen. Aber auch das ist ihr gutes Recht.

Schwierig wird es jedoch für mich, wenn Sie kurz darauf den Begriff „neurotischer Fixierungen“ selbstverständlich als gesetzt verwenden. Neurose und Fixierungen sind psychoanalytische Begriffe, die Störungen enstehen ausschließlich aus den von Ihnen als Fiktionen abgelehnten psychischen Ausnahmesituationen. Alle anderen psychischen Störungen – ich verwende den Begriff der Störung der WHO – enstammen anderen psychischen Entwicklungen. Wenn Sie also den Ödipuskomplex als Fiktion bezeichnen, wäre die Neurose auch eine solche und Sie dürften sich in der Folge nicht darauf berufen.

Künftig dürften Sie dann auch konsequenterweise der Begriff der Projektion, der ja eng mit dem Vorurteil verwoben ist, nicht verwenden.

Denn dieser Begriff fußt auch auf den Annahmen der psychoanalytischen Lehre. Ich weiß natürlich, dass manches gerne von vielen Autoren verwendet wird, ohne über die Herkunft nachzudenken und auch unter Ablehnung der sonstigen, direkt damit zusammenhängenden Phänomenen.

Ich habe mich gefragt, ob dieser Fehler Unwissenheit, mangelnder Recherche oder einem Vorurteil entspringt. Jedenfalls ist es aus meiner fachlichen Sicht ein grundlegender und fast unglaublich gravierender Fehler und ich fragte mich, ob solche oder ähnliche Fehler auch in anderen Artikeln enthalten sind, die sich auf Fachgebiete beziehen, über die ich weniger Kenntnisse habe. Meine spontane Ungläubigkeit und meine Empörung legten sich, als ich gezielt weitere Artikel von Ihnen nochmals oder neu gelesen habe. Ich bleibe als langjähriger Leser der „Zeit“ dennoch verunsichert zurück. – Harald Martin


Leserbrief zu „Doppelt genäht“ in der Rubrik „Prominent igrnoriert“

In der Rubrik „Prominent ignoriert“ aus der Zeit-Ausgabe vom 17.11 wird in Nicole Kidman mit den Worten zitiert „Liebe, man muss einander einfach lieben […] Außerdem mögen wir uns.“ Ich habe selten eine so einfache und unverkitschte Wahrheit von einem Prominenten zum Thema Liebe gehört. Denn wenn man sich nicht nur liebt, sondern auch mag, dann hat man in schwierigen Zeiten, in denen die Liebe verloren zu sein scheint, die Freundschaft als Sicherheitsnetz, das einem so lange Halt gibt, bis man sich wieder aufrappelt, nach oben kämpft,um in dem wunderbarsten aller Gefühle, der Liebe, wieder durch die Lüfte zu schwingen. Vielen Dank, dass Sie das Zitat abgedruckt haben. – Evi Wieczorek


Leserbrief zu “Weltmacht! Echt jetzt?” von Jochen Bittner et al.

Die Zeichnung von Kornel Stadler auf der Seite 3 der „Zeit“ Nr. 48 vom 17. November 2016 wirft Fragen auf. Was stellt sie dar? Wir sehen links einen kleinen Mann mit gelber Haartolle, als Stierkämpfer gekleidet und passend dazu ein rotes Tuch vor sich haltend. Dieser kleine Mann ist dank der gelben Haare und des Gesichts leicht als Donald Trump zu identifizieren. (Einen Degen scheint er übrigens nicht bei sich zu haben, ein Glück.) Ihm gegenüber steht rechts ein Stier, energisch aussehend, den mächtigen Schädel geneigt, vielleicht zum Angriff?

Wen oder was stellt dieser Stier dar? Soll er überhaupt etwas anderes als eben einen Stier darstellen? Grübel grübel! Über der Zeichnung steht gedruckt „Trump – Wie reagiert Europa?“ Wenn das Männchen zweifellos Donald Trump darstellt, dann könnte, ja müsste der Stier also Europa darstellen – und tatsächlich, er ist ja mit zwölf güldenen Sternen verziert, wie sie sich gerade so auf der blauen Europaflagge finden, und er ist ja auch selbst blau angepinselt. Aber trotzdem … Europa als Stier wäre doch ein mythologischer Mumpitz! Europa war eine phönizische Königstochter, Zeus, der Göttervater, verliebte sich in sie und verwandelte sich in einen Stier, als der er sie entführte, nach Kreta, und so weiter und so fort… Zum Schluss hat sie es sogar zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag auf deutsch gebracht, man braucht diese ollen Kamellen gar nicht mühselig in den „Metamorphosen“ des Ovid nachzulesen oder sich vergilbte Gemälde von Tizian oder Paolo Veronese oder oder oder anzuschauen. Ein junges Mädchen also, und nun taucht sie in der „Zeit“ als riesengroßes Rindvieh auf! Auch unter feministischen Gesichtspunkten ziemlich bedenklich. Oder habe ich jetzt alles total missverstanden?

Um Aufklärung bittet und freundlich grüßt Ihre Leserin Vera Udodenko – Vera Udodenko


Leserbrief zu „Teure Tomaten“ von Anton Hofreiter und Claudia Roth

Aus einem ZEIT-Artikel Dezember 2015: Als die afrikanischen Kolonien nach dem  Zweiten Weltkrieg unabhängig wurden, gewährten ihnen die ehemaligen Kolonialherren aus Europa eine Art Sonderstatus: Während europäische Händler beim Export nach Afrika Zölle zahlen mussten, durften die Afrikaner ihre Güter zollfrei nach  Europa ausführen. Gefruchtet hat es offenbar nichts.

Afrika könnte wieder die Importzölle hochschrauben, allerdings würde das wohl auch  den Daimler oder BMW für die Häuptlinge verteuern. Das ist nämlich das Problem:  Dass es nur auf die Häuptlinge und nie und nimmer auf das Volk ankommt.

Ein weiteres Problem für Afrika sind nicht die von den Europäern mit dem Lineal gezogenen  Grenzen (gibt es z.B. auch in Nordamerika), sondern dass immer der Nachbarstamm  der Hauptfeind ist, weil er um Ressourcen konkurriert.  Ein Problem für die Welt: Dass Afrika in 30 Jahren seine Bevölkerung verdoppelt  haben wird, und die Hungerkatastrophen, die es ja schon jetzt trotz/wegen zu (?)  billiger westlicher Nahrungsmittelimporte gibt, sich vervielfältigt haben, interessiert  heute wohl niemand weniger als die afrikanischen Häuptlinge. – Werner Koetz


Leserbrief zu “Das Zerreißen der Welt” von Nadine Ahr et al.

Das Beleidigtsein bei der ZEIT geht also weiter. Eine ganze Zeitung (ich bin jetzt bei der Wirtschaft) voller Trump-Bashing und Lamento über all die Dummheit außerhalb des Zauberbergs am Speersort.

Der Politikteil unter Leitung von Herrn Ulrich: Wie immer geschenkt. Wieder ein Bericht direkt vom Schoß der Kanzlerin und dann das übliche Gefasel über das Unheil durch die Dummrechten da draußen.

Das Dossier indes ein würdiges Beispiel für eine Themaverfehlung.

Es treten darin auf:

Die Guten: Ein ehemaliger Chefredakteur, eine fassungslose und selbstkritische Meinungsforscherin, eine Bestsellerautorin (alle New York), eine Schwarze aus der Mittelschicht, ein Ex-Redenschreiber.

Die Bösen: Ungepflegte, unrasierte und sich schlecht ernährende (frittiertes Hühnchen mit Kartoffelbrei!) Kleinstädter (männlich), ein Student (Trump-Wähler), Björn Höcke (AfD).

Bereits die Auswahl der Protagonisten ist dermaßen wertend, dass man sich den Artikel sparen kann. Hier geht es um Meinungsmache à la ZEIT. Ihre „Elite“ besteht aus ein paar Intellekuellen, gern aus Ihrem Milieu. Wie wäre es denn, die „neuen“ Eliten zu befragen? All die Wall-Street-Abzocker, die Anwälte, Silicon-Valley-Unternehmer, die über Jahre dafür gesorgt haben, dass das Geld von unten nach oben verteilt wurde? Wo ist die rechte Elite, wo sind die Tea-Party-Anhänger, die ultraliberalen Unternehmer? Wo sind die konservativen Schriftsteller, wo ist Fox?

Sie sind sich ja nicht einmal zu blöd, einen Mann als Kronzeugen für den Untergang des Abendlandes unter Trump zu bemühen, der mit seiner „Achse des Bösen“ erst dafür gesorgt hat, dass der Westen unter Führung der USA politisch eine Richtung einschlug, die nun dazu führt, dass man Osama und Obama im gleichen Gotteshaus verortet.

Jetzt sitzt also ihre Elite im perfekt geschnittenen weißen Hemd da und weint mit Ihnen über das Ende des eigenen Führungsanspruchs und zeigt mit dem Finger hinaus auf das weite Land, in das nun viele Menschen (Schwarze) nicht mehr fahren können: Oklahoma, Nebraska, Kentucky – die Liste ist lang.

Die Trump-Anhänger sind entweder bildungsferne Kleinstädter („Essiggürkchen“) oder die neuen Bösen (CIA!FBI! Vielleicht NSA!?!?!?).

Sie haben wirklich nichts verstanden und sind offenbar auch nicht lernfähig. Sie, die Medien, haben sich an diesem Erdrutsch beteiligt, indem Sie blind den Versprechen der Politiker hinterher gelaufen sind, indem Sie sich haben korrumpieren lassen von der Macht. Sie haben in vielen Bereichen den kritischen Abstand verloren und sind zum Herold der Mächtigen geworden. Sie haben die Öffnung der Gesellschaft, die aggressive Politk für Minderheiten, die Globalisierung und schließlich die „eine Welt“ herbeigeschrieben und wundern sich, dass Sie dabei den Großteil der Bürger verloren haben. Sie verstehen nicht, dass Menschen sich bedroht sehen könnten, weil sie ihre Arbeitsplätze wegen der ach so großartigen Globalisierung verloren haben und nun auch noch akzeptieren müssen, ihren schwindenden Wohlstand (sofern man in vielen Gegenden der USA aber auch Deutschlands überhaupt davon sprechen kann) mit der Mensch gewordenen Globalisierung teilen zu müssen?

Als vor einigen Jahren die Banken mit unvorstellbaren Summen gerettet wurden, die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise arbeitslos gewordenen Menschen aber keine gleichwertigen Jobs mehr fanden, da war nur die „Systemrelevanz“ der Banken das Thema. Für die meisten Menschen ist es aber nicht verständlich, dass man viele Milliarden für Banken, aber nicht ein paar Milliarden für Erzieherinnen hat. Sie verstehen auch nicht, weshalb man das städtische Schwimmbad schließen oder nicht renovieren kann und weshalb die Stadtbücherei nur noch an zwei Tagen geöffnet hat, die Stadt dann aber viel Geld für die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen ausgibt. Sie begreifen nicht, weshalb das Konzept von Mann und Frau aufgegeben werden muss, weil sich jemand nicht so fühlt. Weshalb Schwule und Lesben heiraten dürfen und die Privilegien einer Partnerschaft gewährt bekommen, Alleinerziehende aber immer noch so behandelt werden, als seien deren Kinder nicht da. Weshalb es Unisex-Toiletten geben soll, dann aber Frauen sich bereits bei einem gleichzeitigen Blick in den Spiegel sexuell belästigt fühlen dürfen. Weshalb man den Menschen vorschreibt, was sie essen sollen (Vegan! Veggie Day!), sie aber mit der Frage allein lässt, wovon sie im Alter leben sollen.

Die Liste ließe sich noch deutlich verlängern. Die moderne Politik befasst sich mit Themen, die die überwiegende Mehrheit der Bürger nichts angeht und wenn es sie betrifft, fallen Entscheidungen im Sinne der Wirtschaft oder auf Kosten der Bürger. Kritik wird dabei von den Medien unterdrückt, indem man den Kritiker mit einem Label versieht („Rechter“, „Populist“, „Redneck“, „Essiggürkchen“). Dabei ist man sich gerade in Deutschland natürlich auch nie zu schade, den drohenden Zeigefinger zu heben und „Nazi“ zu sagen. Es fehlt das Verständnis dafür, dass Menschen sehr viel tolerieren und akzeptieren, solange man ihnen nicht das Gefühl gibt, sie nicht zu beteiligen. Die meisten Menschen interessieren sich vermutlich nicht dafür, was ihre Nachbarn im Schlafzimmer treiben. Wenn man jedoch das eine Treiben als etwas Besonderes, etwas Schützenswertes und als wichtiges politisches Thema darstellt, fragen sich viele Bürger, weshalb die Intimität des Schlafzimmers offenbar in manchen Fällen von Bedeutung ist, in anderen aber als „normal“ beschrieben und deshalb uninteressant ist.

Im Dossier wird lamentiert, Schwarze könnten in viele Gegenden der USA wegen des grassierenden Rassismus nicht fahren. Das hat sich unter Obama jedoch auch nicht geändert. Die Tatsache, dass Weiße in vielen Innenstädten ebenfalls bedroht würden, wird dabei unterschlagen. Das Milliardengeschäft Drogenhandel, die hohe Kriminalitätsrate unter Schwarzen wird einerseits als alleinige Folge des Rassismus bewertet, die Folgen der Drogen- und Bandenkriminalität popkulturell als Gangsta-Rap-Video auf MTV gedeutet. Die USA haben ein Waffenproblem und sie haben ein Problem mit der Polizei. Es gibt jedoch auch hier zwei Seiten. Wenn ein Polizist nachts durch eine gewaltbereite Nachbarschaft fährt, in der er dank des 2nd Amendment jederzeit erschossen werden kann, wird er, da er vielleicht Familie hat und nicht sterben will, eher einmal überreagieren. Die Gewalt ist ein Problem, jedoch sollte man Ursache und Wirkung genauer analysieren, bevor man urteilt. Interviewen Sie doch mal ein paar Polizisten in Ihrem geliebten Berlin und fragen Sie, von welchem Bevölkerungsteil am häufigsten Gewalt, auch gegen Polizisten, ausgeht.

Sie, liebe ZEIT-Autoren, haben sich eine schöne, neue Welt herbeigeschrieben und dabei vergessen, dass Sie nicht allein sind. Sie haben, wie es der Ex-Chefredakteur erläuterte, alles außerhalb von Hamburg und Berlin aus den Augen verloren. Sie betrachten Bürger in Sachsen-Anhalt oder Gunzenhausen als Affen im Zoo, denen man durch die Glasscheibe zugucken kann bei ihrem kleinen Leben. Es scheint, als dächten Sie, dass das Konzept von „one man, one vote“ nicht mehr gelte. Sie haben sowohl die eigene Fähigkeit zur dialektischen Argumentation als auch die Bereitschaft zur symmetrischen Meinungsanalyse verloren. Sie negieren schlicht die Menschen und ihr Recht auf eine eigene Meinung. Ich lese gerade das Buch von Herrn Longerich über die Wannsee-Konferenz. Darin geht es nicht um das Ob, sondern um das Wie. Meinungstechnisch bewegen Sie sich auf dem Niveau dieser 15 Männer. – Dr. David Wolff


Leserbrief zu „Wir hatten keine Wahl“ von Caspar Shaller

DIE ZEIT ist inzwischen in vielen Teilen die Zeit der Vergangenheit. Leider. Doch da gibt es den wohltuenden Artikel von Caspar Shaller (S. 47, Feuilleton, Ausgabe 48). Unter dem Titel „Wir hatten keine Wahl“ beschreibt er mit chirurgisch genauen Schnitten die Unsäglichkeiten der alles dominierenden Wirtschaftswelt, der sich selbst zu lebenslanger Vergangenheit verurteilten Politik und Gesellschaft. Sein Artikel beginnt mit dem Satz „In meinem Leben gab es die Zukunft nicht.“ In meinem Leben gab es sie, angefangen bei den 60er Jahren in Berlin. Und dann? Dann wurde die Zukunft Stück für Stück abgeschafft. Die Demos in Berlin endeten im „langen Marsch durch die Institutionen“. Was dabei heraus kam, sieht man bei Joschka Fischer oder Horst Mahler, der 40 Jahre früher den Rechtsschwenk machte als die vielen Mitgliedsstaaten der EU. Und jetzt die USA. Der Anfang vom Ende war damals schon da. Und wenn heute Syriza oder Podemos sich gegen das tödliche Ende wehren, geht es ihnen, frei nach Josef Hader, wie dem Lemmingkind, das von Mutti unter Wasser gedrückt wurde, als es voller Stolz sagte: „Schau Papa, ich kann schwimmen“. Im zweiten Weltkrieg tönten die Nazis: „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.“ Als Hitler in Österreich einmarschierte, sagten dort viele: „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“ Resignation und Ironie helfen zu überleben. – Gerolf Hauser


Leserbrief zu “Unerwünschte Wahrheit” von Tanja Stelzer

Durch ihren Artikel werden erneut Missstände im Strafverfahren offenbar. Ein Missstand ist, dass der Richter, der die Anklage zulässt, auch das Strafverfahren durchführt. Allgemein bekannt ist und wird durch ihren Artikel bestätigt, dass Richter leider nur selten von ihrer einmal getroffenen Entscheidung abrücken. Aus diesem Grund sollte nicht der Richter, der die Anklage zugelassen hat, sondern ein anderer Richter das Strafverfahren durchführen. Nicht nur in diesem Punkt wäre die Gesetzgebung verpflichtet, die entsprechende gesetzliche Vorschrift zu erlassen.

Was die Gutachter bzw. die Wahrheit in dem geschilderten Strafverfahren angeht, hat der Rechtsanwalt Heinrich Senfft in „Richter und andere Bürger“, Delphi Politik 1988, Seite 53, die zu beanstandende Praxis von Richtern wie folgt angeprangert:

„Überhaupt hat man den Eindruck, daß die ganze Beweisaufnahme mehr dazu dient, die Meinung des Richters zu bestätigen als die Wahrheit zu ermitteln, weil der Richter ohnehin auf ein bestimmtes Ergebnis fixiert ist. … Und da sie ohnehin nicht in sozialen Rollen, sondern in juristischen zu denken gelernt haben, lindern ihre Urteile nicht soziale Konflikte, sondern schaffen  bloß Ordnung mit Hilfe staatlicher Herrschaftsgewalt.“ – Horst Trieflinger, Vorsitzender des Verein gegen Rechtsmißbrauch e.V.


Leserbrief zu “Weltmacht! Echt jetzt?” von Jochen Bittner et al.

Als treuer Leser der Zeit bin ich nun doch einigermaßen erstaunt , offensichtlich hat der neugewählte Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, auch ihre Verfasser in Aufruhr versetzt, dass Europa sich im Machtgefüge der Welt anders austellen muss als bisher ist unbestritten, allerdings, Europa als Ordnungsmacht wie im Artikel dargestellt , einschliesslich einerTabelle zu den Rüstungsausgaben, soll hoffentlich nicht den zukünftigen Weg beschreiben. Ich lese davon, dass Europa Interessen in Afrika und Teilen von Asien hat, das sind Wirtschaftsinteressen, die ganz offensichtlich mit militärischer Präsenz gesichert werden sollen, nicht umsonst wird die Bundeswehr auf welweite Einsätze vorbereitet. Der Ruf nach Weltmacht für Europa darf nicht beinhalten die Vereinigten Staaten von Nordamerika als Ordnungsmacht nur abzulösen  und an deren Stelle zu treten. Das europäische Parlament muss sich darüber klar werden welche Macht und Ordnung das denn sein soll?  Die militärische Kontrolle und weitere kapitalitische Durchdringung der in diesem Sinne „unordentlichen“ Staaten und Regionen dieser Welt?  Es ist an der Zeit darüber nachzudenken wie wir  miteinander leben wollen, welche Ordnungsmacht auch immer sich entwickelt, es kann nicht darum gehen die  Pfründe  der reichen Industriestaaten zu sichern. Das ist anfang des 20.Jahrhunderts schon einmal gründlich in die Hose gegangen. Zum Schluss erlaube ich mir zu schreiben, aus jetziger Sicht ist Donald Trump ein Brandbeschleuniger bei der Neuverteilung von Macht und Ordnung und nicht mehr und nicht weniger.  – Gerhard Siemsen


Leserbrief zu “Weltmacht! Echt jetzt?” von Jochen Bittner et al.

Mit Verblüffung habe ich den Artikel „Weltmacht! Echt jetzt? gelesen. Neun kluge Personen mit viel Erfahrung schreiben zusammen einen Artikel. Das hat ein anderes Gewicht als ein einzelner Artikel. Ich sehe es daher als eine Art Strategiepapier der Zeit, zumindest maßgeblicher Redakteure. Und meine Verblüffung rührt dabei, dass die keinerlei Alternativen auch nur andenken.

Aus Ihrer Sicht gibt es keine Alternative zu mehr Verteidigungsausgaben, weil nur so unsere Sicherheit gewährleistet sei.

Die Gefahr (und ich denke, da sind wir uns einig) ist wohl nicht ein Plan Russlands, die EU zu erobern. Eher eine Krise an der Nahtstelle zwischen Ost und West, die zum Konflikt führen könnte.

Sie erwähnen die Ukraine. Wie viele verantwortliche Generäle und Politiker sind Russenhasser? (Denken Sie an das Interview mit Arsenjuk) Was ist mit Kaczinsky, einem Mann mit paranoiden Zügen, der der Welt unbedingt beweisen will, dass die Russen seinen Bruder umgebracht haben? Bei den Balten drückt die EU-Kommission in Sachen Menschenrechte ein Auge zu. Die russische Minderheit ist (verständlich, aber problematisch) diskriminiert (die Szenarios eines solchen Konflikts sind bereits durchgespielt).

Vor allem, niemand weiß, ob in den USA die Falken, in nun höchste Ämter bekleiden, nicht doch die zukünftige US-Politik nach ihren alten Feindmuster beeinflussen oder gar bestimmen werden. Da würde schnell aus einem kleinen Konflikt ein großer. Und ob (dann) die US-Administration unter Trump das nötige Augenmaß hat, darf angezweifelt werden. Europas Aufrüstung ist zugleich NATO Aufrüstung. Das kann Russland gar nicht anders sehen. Die Folge ist eine Verschärfung der Lage und größere Abschreckung (so lange es gut geht). Das kann man für notwendig halten. Aber nur auf Abschreckung zu setzen, ignoriert bisherige gute Erfahrungen. Diese Ansätze sind nicht mit einem Gedanken erwähnt.

Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien, aber eine vernünftige Erklärung für so viel Einseitigkeit habe ich im Moment leider nicht. – Wolf-Peter Szepansky


Leserbrief zu “Macht Russland wieder groß!“ von Ulrich Stock

„… weil Karjakin zum Stottern neigt, auf Englisch interessanterweise mehr als auf Russisch.“

Das ist überhaupt nicht interessant, sondern trivial. Ich selbst bin Jahrzehnte lang ein Stotterer erster Güte (gewesen) und spreche aus Erfahrung. Fällt einem Stotterer schon das Artikulieren der Laute seiner Muttersprache schwer, so ist das in einer Fremdsprache mit zum Teil anderen Lauten und einer anderen Sprachmelodie in noch viel größerem Maße der Fall. – Hermann Engster

P.S. Ein jüdischer Stottererwitz:

Schmuel trifft seinen Freund Itzig, einen Stotterer, wie dieser aus dem Funkhaus kommt. „Nu, was hast du da gemacht?“ – „Ich hab mich als N-n-nachrichten sprecher b-b-beworben.“ – „Und, haben sie dich genommen?“ – „N-nein, d-das sind alles A-a-antisem-miten.“


Leserbrief zu „Was halten wir aus ?“ von Moritz von Uslar

In dem obengenannten Artikel wird von Herrn von Uslar der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Christian Reiter genannt.

Der derzeitige Herr Oberbürgermeister heißt Dieter Reiter, sein Vorgänger in diesem Amt heißt Christian Ude. :-) – Rüdiger Eisele


Leserbrief zu „Rein ins Getümmel!“ von Giovanni di Lorenzo

Di Lorenzo erkennt, dass auch die ZEIT ihre Zeit nicht nur mit Draufhauen auf die Populisten verbringen kann. Wobei das erste Problem schon in der unsauberen Problemanalyse liegt. Hilft der Begriff des Populismus hier wirklich weiter?  Ich bin 53 Jahre, Akademiker und bin dieses Jahr erstmals in meinem Leben bei einer Demo mitmarschiert: gegen TTIP. Wohlbemerkt, nachdem ich mich wochenlang mit der Materie beschäftigt und entsprechende Artikel und Gutachten zu Wirtschaft-, Rechts- und Demokratiefragen studiert hatte. In der ZEIT (Nr.44 – ‚Falscher Gegner‘) konnte ich darauf lesen, dass ich nun auch zu den Populisten gehöre. Jeder, der also heute auf die Straße geht, um von seinem demokratischen Grundrecht der Meinungsäußerung Gebrauch zu machen, gerät also in den Verdacht ein Populist zu sein, wenn sich seine Meinung nicht mit der Deutungshoheit politischer oder medialer Eliten deckt. So kommen wir doch nicht weiter! Lassen sie uns endlich wieder um Zukunftskonzepte mit Argumenten ringen – oder um es mit Herrn Shaller (‚Wir hatten keine Wahl‘) zu sagen: ‚Ich will Experimente. Ich will Zukunft‘. Und das mit Toleranz, Offenheit und Kompromissfähigkeit. Ich freue mich auf die neue Zukunftsorientierung der ZEIT! – Matthias Gruner


Leserbrief zu „Der Trick mit der Gefühls-Befreiung“ von Gero von Randow

Herzlichen Dank für den erhellenden und bedrohlich wirkenden Artikel. Zusammen mit den übrigen Artikeln dieser ZEIT erscheint es mir absolut unverzichtbar und möglicherweise überhaupt noch die einzig wirkliche Option (in dieser Phase prä-revolutionärer Stimmung – so ein Wort des Presseclubs vom Sonntag), dass die Politik – wenn sie die Menschen gewinnen will, die das große Unbehagen empfinden, ohne den Anstand verloren zu haben – ziemlich schnell und ziemlich deutlich alle wirksamen Umverteilungsregister zieht. Ich glaube, dass „it’s the economy, stupid“ ein Irrglaube ist: Menschen werde nicht durch Arbeit, sondern durch sichere Arbeit und soziale Wohlfahrt vor Misstrauen, Ausschlussangst, Desillusionierung geschützt und gefeit gegen autoritäre Populisten, die zurückwollen zu Nationalismus, Protektionismus etc. Zweifellos haben die HartzIV-Gesetze Jobs geschaffen – jedoch bezeugt der aktuelle Gesundheitsmonitor, dass 36% der Menschen Zeit- und Leistungsdruck als (sehr) starke berufliche Belastung empfinden. Nicht nur die Aufstocker oder die Geringverdienter, auch auch viele Gutverdiener haben die nicht von der Hand weisbare Angst, dass ihr Job in nächster Zeit nach Asien verschwindet.

Gleichzeitig sehen sie, dass die verantwortlichen Eliten sich nicht mehr dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen. Es ist völlig unzureichend immer wieder darauf zu behaarren, dass Deutschland derzeit wirtschaftlich gut dasteht, dass so viele Menschen in Arbeit sind wie lange nicht etc. Das hilft weder gegen Angst, noch gegen Frust, noch gegen Ohnmacht. Politik muss nicht bloß dafür einstehen, dass nicht nur Pegida das Volk ist, sondern dafür, dass alle das Volk sind – auch das derzeit viel beschimpfte Establishment.

Politik muss substanzielle umverteilende Weichenstellungen vornehmen, um wieder Gewissheit herzustellen, dass auch „die da oben“ Teil des Volkes sind, und zwar der Teil, der aufgrund seiner überdurchschnittlich begünstigten Positionen und Ressourcenausstattungen überdurchschnittlich viel Verantwortung übernehmen muss für eine gerechtere Gesellschaft, in der die Friseurin von ihrem Gehalt leben und der Schlosser Ersparnisse zurücklegen kann und die Ingenieurin sich nicht totarbeitet aus Sorge, dass ihre Abteilung sonst global outgesourct wird. Mir scheint die Zeit drängt – weder Journalisten noch Politiker dürfen sich jetzt ins bessere Wissen zurückziehen, sondern müsssen sie herbei arbeiten, die wirksamen Umverteilungsmechanismen, die zur Verfügung stehen, also Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer etc. –  Bettina Schmidt


Leserbrief zu “Dealer als Leader” von Thomas Assheuer

Besten Dank für Ihre Bemühungen – aber die Verkleinerung hilft mir leider nicht. Der Text ist so mit bloßem Auge nicht lesbar. Oder gibt es da einen Trick, den ich nicht kenne? – K. Michaelis-Jähnke