22. September 2016 – Ausgabe 40

Leserbrief zur Titelgeschichte „Das Märchen von der Gerechtigkeit“ von Uwe Jean Heuser

Vielen Dank für Ihren exzellenten Artikel!

Der Satz von Ihnen, der mich am nachdenklichsten machte: „Würden ale Menschen nur das tun, was ihnen am meisten einbringt, ohne Rücksicht auf andere, dann könnte kein Unternehmen überleben, keine Marktwirtschaft, auch keine Gesellschaft“.

Ihren Ausführungen zuvor, die sich im Grunde um das Thema „Motivation“ drehen, mochte ich zu gerne folgen. Dieser Satz nun, der das bis dahin gesagte verdichtet bringt m.E. auf den Punkt, warum wir als Menschheit nicht überleben werden.

Denn die, die in unserer Gesellschaft die meiste Macht haben, handeln aus einer Motivation heraus, die von Ihnen leider nicht betrachtet wird.

Dazu muss man sich die Frage stellen, wie man in einem Unternehmen Macht bekommt. Also Manager wird. Es fängt kein Mensch an der Spitze eines Unternehmens an. Jeder, der Karriere macht tut dies entweder ganz unten in einem Betrieb oder mindestens 2-3 Stufen unterhalb der Spitze. Um weiter nach oben zu kommen hilft es vielleicht zu einem winzigen Teil, wenn man sich so verhält, dass es gut für andere Kollegen oder Untergebene ist. Vielleicht zu einem etwas größeren Teil wenn man etwas Gutes für das Unternehmen tut. Am wichtigsten für den Aufstieg ist jedoch seinem Chef in den Arsch zu kriechen (sorry). Das wird mir jeder bestätigen, der in einem großen Betrieb arbeitet. Und das hat genau die Folgen, die Sie mit Ihrem oben zitierten Satz beschreiben. Denn bei Arschkriecherei (sorry) geht es natürlich um Macht und Dienen. Und nicht darum, sich anzustrengen Gut im Sinne der Gesellschaft zu handeln. In den Kreisen, in denen man sich bewegt, wenn man aufsteigen möchte (die in dem Moment „die Gesellschaft“ ausmachen) bringt ein solches Verhalten so gut wie nichts um dieses Ziel zu erreichen (das Aufsteigen).

Und dieser Mechanismus ist mit nichts aus unserem „System“ zu entfernen oder zu verbessern.

Erweitert man Ihre Definition von Motivation noch ein wenig wird man erkennen, dass es im Prinzip darum geht, ein höheres Ziel anzustreben. Also „Gut“ zu sein. Etwas Gutes zu tun. Das Motiviert. (ich empfehle das 10 minütige RSA Video zu dem Thema: https://m.youtube.com/watch?v=u6XAPnuFjJc)

Im Management ist dieses Ziel etwas verzerrt wieder zu treffen. Hier geht es darum „das Richtige“ zu tun. Dieses „Richtige“ wird von der Gesellschaft als das anerkannt, was am meisten Geld oder Profit einbringt. Für einen (idealen) Manager gibt es kein höheres Ziel. „Gutes“ gibt es in seiner Welt nicht.

Und dieses Ziel trifft natürlich am allermeiten für ihn persönlich zu. D.h. er ordnet dem Ziel noch mehr Geld zu verdienen alles unter. Dieses Ziel erreicht er durch Aufstieg und den erreicht er durch Arschkriechen (sorry again). Niemand steigt auf, weil er etwas Gutes für den Betrieb oder für irgendeinen Kollegen oder Untergebenen tut. Und erst recht nicht wenn er etwas Gutes für die Umwelt oder gar für die Menschheit tut.

Daher werden die (großen) Betriebe dieser Welt ausschließlich von Menschen geleitet, die nichts Gutes im Sinne haben. Und mir fehlt die Phantasie dafür, mir vorzustellen, wie das zu ändern wäre. Oder wie mit solchen Betrieben die Menschheit zu retten wäre.

Diese Wahrheiten anzusprechen und im Positiven zu verändern (und vielleicht ein besseres Wort für „Arschkriechen“ zu finden) tut not, um Ihren letzten Satz noch aufzugreifen. – Mirko Strick


Zum Thema „100 Ziele“:

Erschüttert bin ich als jahrzehntelanger Leser der Zeit und Osnabrücker, was Ihnen, besser:

wie w e n i g  Attraktives Ihnen zur westlichen Region des Teutoburger Landes, zum Osnabrücker Land, einfällt ,  n i c h t s, was Sie einem zukünftige Touristen für das Osnabrücker Land anbieten wollen. Nicht einmal der Name der Stadt ist erwähnt, geswchweige denn was diese Region auszeichnet ( das Land Widukinds, 9. nach Christi: das Ausgrabungsfeld bei Kalkriese, die Friedensstadt zum 30-jährigen Krieg),ganz abgesehen von der herrlichen Landschaft.

Ein Trauerspiel! Wen haben Sie überhaupt mit der Touristischen Analye Niedersachsens beauftragt? –  Roland Vogelhaupt


Leserbrief zur Titelgeschichte „Das Märchen von der Gerechtigkeit“ von Uwe Jean Heuser

Es waren Berichte von behinderten Studenten vor kurzem in einer Zeitschrift, die nach meiner Ansicht die Situation nicht richtig dargestellt haben.

Es mussten die Prof`s auf ihre Lehrfähigkeit geprüft werden, noch mehr auf ihren Willen, überhaupt mit Studenten ohne Vorauswahl zu sprechen.

Ich werfe, nicht allen, aber z.B. sehr profilierten Prof`s vor, nur mit denjenigen zu sprechen, von dennen sie erwarten dass es ihnen nützt.

Wenn ich Beispiele oder Namen bringe, so wäre das viel einsichtiger, als nur allgemeine Aussagen. Ich habe schlechte u. gute Beispiele. – Eva Cornelia Zeidler


Leserbrief zu „Sprengstoff Leitkultur“ von Jens Jessen

Jens Jessen hat zwar Recht, nur leider gibt er sich damit auch schon zufrieden. Es stimmt: Die „deutsche Leitkultur“, von der die AfD redet, existiert nicht, und als Idee ist sie eine dumpfe Drohung auch gegen Deutsche. Aber: Warum dann bei dieser Gelegenheit nicht über eine bessere Leitkultur nachdenken? Ob „deutsch“, „europäisch“ oder „humanistisch“? Herr Jessen zitiert bloß „Verfassungs- und Gesetzestreue“. Aber das Grundgesetz ist keine Kultur. Kultur hat mit Überzeugungen zu tun, von denen man begeistert ist und für die man Andere begeistern kann (zum Beispiel Einwanderer oder schwankende AfD-Sympathisanten).

Diese Begeisterung für „unsere“ Werte, die Lust, für sie zu werben, vermisse ich aktuell in Deutschland und in diesem Artikel. Diskutieren Sie zum Beispiel mal mit einem gebildeten, orthodoxen Muslim (oder einem AfD-Sympathisanten) darüber, warum individuelle Freiheit so wichtig ist, dass sie auch zu sinkender Geburtenrate und Scheidungen führen darf! Ich sage Ihnen: das wird anstrengend! Und Grundwerte, die nur noch abstrakt in der „selbstverständlich“-Ecke verstauben, helfen dabei überhaupt nicht. Es reicht nicht, recht zu haben. Man muss diese Werte immer wieder abstauben. Gerade Jugendliche sollte man für sie begeistern. Zeigen, was diese Werte können. Sonst landen die jungen Menschen nämlich bei Anderen, die sich mehr Mühe geben in Sachen  Begeisterung: Zum Beispiel bei radikalen Moscheegemeinden oder rechtsextremen Jugendgruppen. – Doris Anselm


Leserbrief zur Titelgeschichte „Das Märchen von der Gerechtigkeit“ von Uwe Jean Heuser

Uwe Jean Heuser, der von Berufs wegen zumindest gelegentlich etwas von dem erfahren sollte, was in der ZEIT steht, behauptet, es wäre ein Rätsel, weshalb sich in der Bevölkerung „Unmut und Zorn über die angeblich ungerechten Verhältnisse“ ausbreitet.

Er wird erfahren haben, dass Piketty nachgewiesen hat, dass gegenwärtig dir Vermögensverteilung ähnlich ungleich ist wie in Frankreich vor der Französischen Revolution und in Europa vor dem Ersten Weltkrieg. Er wird wissen, dass Julia Friedrich in der ZEIT wiederholt darauf hingewiesen hat, wie ungerecht Karrieremöglichkeiten durch Erbschaften bestimmt werden.

Seine Argumente, diese Ungleichheit gebe es schon lange und es gehe nur um Glück. Und reine Leistungsgerechtigkeit wäre auch nicht schön, glaubt er sich gewiss selber nicht. Und allenfalls Winterkorn wird meinen, er hätte sein Geld zu Recht verdient und es sei nur Pech, dass der VW-Betrug aufgeflogen ist.

Eine Titelgeschichte auf diesem Niveau gehört nicht in die ZEIT. Oder werden Sie etwa von Ihren Inserenten gedrängt, so etwas zu schreiben? Dann sollten Sie denen klar machen, dass sie damit nur sich selbst schaden. ! – Walter Böhme


Leserbrief zu „Ob-la-di, Ob-la-da“ von Marc Brost et. al.

wir wissen doch alle, daß die Politik nach Mehrheiten guckt. Auch wenn es nicht in ihr politisches Konzept passt. Das ist auch der Grund, warum viele Bürger der Politik nicht mehr trauen. Stinksauer wäre noch untertrieben.

Unser Geschäftsmodell taugt nichts und das will keiner wahrhaben. Es muß erst noch schlimmeres passieren. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „You say Goodbye, and I say Hello“  von Bernd Ulrich

Es kann offensichtlich passieren was will: Sie lieben Angela Merkel ! Dagegen ist an sich nichts zu sagen, wenn es nicht zu einer absolut unkritischen Haltung gegenüber der Politik der Kanzlerin führen würde.

Eines der Lieblingsworte der Kanzlerin ist alternativlos. Für die Demokratie in Deutschland ist diese Einstellung verheerend, denn es gab und gibt immer Alternativen, u.a. auch in der Flüchtlingspolitik. Es bleibt daher rätselhaft, wie ein Verbleib der Angela Merkel die Demokratie stärken und fördern soll.

Genauso bleibt es im Nebel ,warum die Partei und der Westen von einer weiteren Amtszeit profitieren sollen. Es wurde gefälligst vergessen, dass der bedauerliche Zustand von Europa direkte Folge der Merkelschen Politik ist. Die Osteuropäischen Länder treten geschlossen gegen die deutsche Politik an, was nur noch teilweise gebremst wird vor der Furcht vor Russland. Der Brexit ist – wie Sie schreiben- von der mächtigsten Frau Europas nicht aufgehalten worden. Ganz im Gegenteil : die Flüchtlingspolitik hat den Brexit befeuert.

In der Innenpolitik gleichfalls ein Desaster: Die AfD wird alternativlos in die Landtage gepuscht und der Kanzlerin fällt nichts dazu ein. Selten hat die CDU ein  uneinheitlicheres Bild abgegeben als heute.

Leider muss man entgegen den Aussagen des Artikels festhalten, dass die Kanzlerin vielleicht vom Ende her denkt, aber bedauerlicherweise das Ende nicht kennt . Nun wird plötzlich von einer „Meisterin des Anfangs „ geschrieben. Etwas mehr Abstand und etwas weniger Anbetung hätte in diesem Fall gut getan. – Hans Dieter Wolf


Leserbrief zu „TTIPleite“ von Josef Joffe

Das typisch deutsche US-Bashing zu dem Freihandelsabkommen lässt schon fast vermuten, dass Joffe Recht hat. Nur möchte man sich doch gerne ein eigenes Urteil bilden. Es ist nachgerade unverständlich, weshalb ein evtl. Vertragsentwurf oder  Verhandlungsprotokolle nicht öffentlich gemacht werden. Selbst Bundestagsabgeordnete sollen angeblich nur Zutritt in einem abgesonderten  Raum erhalten. Diese Geheimnistuerei spricht   nicht für das Vertragswerk und macht   misstrauisch.. – Josef Vogt


Leserbrief zu „Er und wir“ von Peter Kümmel

Ein ehemaliger Fußballer, der durch seine Mitwirkung bei der FIFA, Korruption und Geldgier die schweizerische Bundesanwaltschaft dazu  brachte, gegen ihn zu ermitteln, hat es auf die Seite 1 der Zeit geschafft.

Was soll das ? Auf der meiner Meinung nach unnötigen Fußballseite ist er nochmals vertreten  und ihr Reporter fragt:“ Was wird nun aus dem Volk ohne Kaiser“ . Da hätten Sie gut den Artikel von Seite 1 unter seinen nackten Hintern  plazieren können.

Ich kann gut ohne diesen „Kaiser“ leben und auch ohne die ZEIT. –  Günther Graf v. Korff


Leserbrief zur Titelgeschichte „Das Märchen von der Gerechtigkeit“ von Uwe Jean Heuser

Der Beitrag von Ihrem Autor Uwe Jean Heuser überrascht mich. Die Philosophie seiner Untersuchungen sind mir völlig neu. Meine persönlichen Erfahrungen und auch mein eigenes Verhalten stehen dem völlig gegenüber.

Die Motivation war generationsübergreifend sozialer Aufstieg, das ein Leben der finanziellen Unabhängigkeit garantiert. Das war bei mir so und auch bei meinen Kindern.

Ich wohne in einem Gebiet, das fast ausschließlich von Menschen bewohnt wird, von denen ich das auch sagen kann. Wir kennen uns alle ganz gut. Ich kann Ihnen ziemlich sicher sagen, daß das auch für die Mitbewohner gilt.

Das ich Ihnen das überhaupt schreibe, ist eigentlich ein Fauxpas.  Dafür habe ich meine persönlichen Gründe. Die Politik wird zwar verfolgt, aber nicht mitgetragen. Vorsichtig formuliert. Deswegen kann ich nur raten, die Aussagen mancher Manager nicht zu ernst zunehmen.

Die Unternehmer, die hinreichend durch die Medien bekannt geworden sind, schotten sich von der Gesellschaft total ab und Ihre Häuser werden auch rund um die Uhr be- und überwacht. Die Polizei in unserem Ort ist fast nur mit Personenschutz beschäftigt. Dadurch werden automatisch andere Aufgaben vernachlässigt.

Die Gerechtigkeit ist in der Tat ein Märchen – das wird auch in 100 Jahren noch so sein. Und die Politiker wissen das auch. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Sprengstoff Leitkultur“ von Jens Jessen

Der Autor verkennt, dass eine fremde Kultur und Lebensweise nicht für alle Menschen in Deutschland eine Bereicherung ist. Die Neubürger aus dem islamischen Kulturkreis werden den öffentlichen Raum mitbestimmen und auf Respekt ihrer Sitten und Gebräuche pochen-mit allen Konsequenzen für eine liberale Gesellschaft. Schaut man in die islamische Welt, so würde sicher kein Linksliberaler die dort vorherrschenden Werte als Vorbild für unsere Gesellschaft empfehlen. Gerade weil in traditionellen Gesellschaften (religiöse) Regeln und Verbote einen hohen Stellenwert haben und eher nicht liberal sind, führt der Respekt vor diesen Kulturen letztendlich zur Einschränkung unserer Freiheit. Eine liberale Gesellschaft funktioniert nur mit aufgeklärten Mitgliedern. – Dirk Gabriel


Leserbrief zu „Er sah alles kommen“ von Stefan Aust

Über den deutsch-amerikanischen Journalisten Konrad Heiden schrieb Herr Aust: In Deutschland war er nach dem Krieg fast vergessen. Mag sein. Meine persönliche Erinnerung ist eine andere. Bis 1961 sendete der Süddeutsche Rundfunk Stuttgart Woche für Woche die von Heiden selbst gesprochenen „Streiflichter aus Amerika“. Für den SR verfasste Heiden auch Berichte unter dem Titel „Vier Wochen Amerika“. Meine Mutter und ich ließen uns kaum eine dieser Radiosendungen entgehen. Heidens scharfsichtige Schilderungen des politischen und gesellschaftlichen Lebens gehörte zum Besten, was man damals bei uns über die USA erfahren konnte. – Prof. Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu „Sprengstoff Leitkultur“ von Jens Jessen

Gut, dass Herr Jessen diese Woche so einen gelungenen Text zur populistischen Logik der Völkischen geschrieben hat, der die seltsam plumpen „Ratschläge“ aus der ZEIT 38/16 ein wenig vergessen lässt. Ihm ist darin beizupflichten, dass sich die AfD programmatisch ganz auf dem Kurs des populistischen Nationalismus in Europa bewegt. Diesem Projekt, den Begriff eines „deutschen Volkes“ (wieder) an „die Kultur“ zu binden, kann man nicht mit einer Handvoll naiver politischer Tipps begegnen. Vielmehr braucht es im „Kampf um die Demokratie“, den die ZEIT selbst kürzlich eröffnete, eine entsprechende Kampfansage der liberalen Demokratinnen und Demokraten. – Paul Kindermann


Leserbrief zu „Ganz unten“ von Marcus Rohwetter

Wie kann man nur solchen Unsinn schreiben…? Ganz Deutschland besucht Hamburg jeden Tag…?

Der Tourismus ist wichtig für Hamburg. Etwa 18 Millionen Übernachtungsgäste zählt die Stadt pro Jahr. Hinzu kommen 86 Millionen Tagesbesucher, die meisten reisen aus den angrenzenden Bundesländern an, viele per Bahn. Sie gehen in Restaurants essen, kaufen sich Andenken, machen eine Rundfahrt auf der Alster oder besuchen ein Musical. – Jurgen Kleist


Leserbrief zur Titelgeschichte „Das Märchen von der Gerechtigkeit“ von Uwe Jean Heuser

In den Artikeln zur Gerechtigkeit wird der GINI-Koeffizient erwähnt mit derzeit gültigen 75% der Vermögensverteilung.

Wenn man pauschal den Koeffizienten angibt, so sind der Wert 0,64 vor Umverteilung und etwa 0,4 nach Umverteilung gültig; ein Koeffizient von 75% ist nicht gegeben, was ja auch die Debatte verschieft. Langfristig ist der GINI-KOeffizient bei 0,4, nach Verteilung, geblieben, was auch aussagefähig ist und nicht eine derartige Schieflage aufzeichnet, wie vor. (s. auch. Sachverständigenrat zur Begutachtung der ges. wirtschl. Lage, 2015), der auch eine Dramatisierung nicht anzeigt.

Ich bitte, bei diesen explosiven Themen mehr Exaktheit der Daten und bessere Recherche Ihrer Journalisten zu gewährleisten, was man bei einer derart renommierten Zeitung, wie Ihrer, erwarten darf. – Rene Schlesinger


Leserbrief zu „Populismus ist kein Schimpfwort“ ein Gespräch mit Frauke Petry

Petry irrt, wenn sie den Spruch vom Apfelbäumchen Luther zuschreibt. Der Begriff Weltuntergang gehört wohl kaum zum Sprachgebrauch des Reformators; und so taucht der absurde Satz auch erstmalig 1944 in einem kirchlichen Rundschreiben auf und wurde wie mancher Unsinn schnell populär. Die Römer bezeichneten die politisch relevante Volksmenge als populus. Petry verweist mit der fehlerhaft gebrauchten griechischen Endung unfreiwillig über den milden Vorwurf des Populismus hinaus auf das scharfe Verdikt der Demagogie. Genau das betreiben die Agitatoren der AfD, die mit ihren plakativen Parolen und diskriminierenden Programmen auf Stimmenfang gehen, die Wähler täuschen und das Volk zum Ressentiment verführen. Darf sich eine Partei als demokratisch und christlich definieren, die genau diese Anfälligkeit der Menge schamlos für ihre demagogischen Umtriebe missbraucht? – Alfred Schubert


Leserbrief zu „Es gibt nun mal Menschen, die Jutta heißen“ ein Gespräch mit Navid Kermani, geführt von Iris Radisch

Wenn bei Mosebach eine Frau Puritanerin  von der frischen, appetitlichen Sorte ist,(Buchbesprechung Greiner) ist Kermanis Jutta – trotz Bauch- zum Anbeißen.

Was die Kermanis so zusammenplotten, sind Bücher,  ist aber nicht Literatur;  weil sie jedoch Literatur wollen, und nicht bloß Bücher, schaffen sie sich Literaturbegriffe innerhalb ihrer  Grenzen. Kinder lösen Rubiks Zauberwürfel, indem sie die Farbfolien entfernen.  – Paul Zwirchmayr


Leserbrief zu „You say Goodbye, and I say Hello“  von Bernd Ulrich

„Vier Gründe, warum Angela Merkel noch einmal als Kanzlerkandidatin antreten muss“? Ich brauche nur einen Grund, weshalb sie antreten wird. Das mag auch nur „die gängige Annahme“ sein. Aber sie hat Wilhelm Busch auf ihrer Seite (z. B. mit seinem „Lob der Selbstkritik“ oder dem Gedicht „Wirklich er (sie) war unentbehrlich…“)  Und sie muss nicht mindestens vier Wunschbilder von der „postheroischen Politikerin“ aufbieten, um sie zu begründen. I say Goodbye, Mr. Ulrich, and Hello to Angie. – Eckhard Heumann


Leserbrief zu „Das gehört nicht ins Feuilleton“ von Anne-Kathrin Gerstlauer

Selten habe ich mich in einem Zeitungsartikel so wiedergefunden wie in Ihrem.

Das harte Leben eines Exil-Kölners, welches hauptsächlich auf Unverständnis trifft beschreiben Sie äußerst treffend.

Mit dem Karneval konnte ich auch nie etwas anfangen. Erst nach meinem Ortswechsel in das schöne Würzburg merkte ich dieses unsichtbare Band zwischen ,der schönsten Stadt der Welt’ und mir. Aber Sie vergessen §3 des Grundgesetzes: Et hätt noch immer jot jejange! In diesem Sinne, bis bald in Kölle…Kolja Lau


Leserbrief zu „Ein zeitgemäßer Faschist“ von Fred Turner

Mit Bestürzung habe ich gerade den Artikel „Ein zeitgemäßer Faschist“ in der Ausgabe vom 22.09. gelesen.

Was hat dieses tendenziöse Machwerk in ihrer sonst so seriösen Zeitung zu suchen? Von einem „Professor of Communication“ muss man sich hier ohne weitere Begründung darüber belehren lassen, dass die Ideen Donald Trumps „im Faschismus des 20. Jhdts.“ wurzelten und dass er „sogar schon vom Gift des Antisemitismus gekostet“ habe. „Ähnlich wie die europäischen Faschisten einer undurchsichtigen Clique jüdischer Bankiers die Schuld am Leid der Benachteiligten zuschoben, erklärt Trump, dass in Amerika das System manipuliert sei.“

 Man kann viele von Trumps Äußerungen und auch Teile seines politischen Programms mit Recht scharf kritisieren. Die Art und Weise aber, in der hier dem Kandidaten einer demokratischen Wahl die menschenverachtende faschistische Ideologie angetragen wird – insbesondere die „Fixierung auf den charismatischen Führer (!)“ – hat mit dem guten Geschmack wirklich nichts mehr gemein. Dass Trump sich seit dem Beginn seiner Kampagne dezidiert pro-israelisch gibt, den ihm persönlich bekannten Benjamin Netanjahu stets freundschaftlich mit „Bibi“ adressiert und die US-Botschaft als Zeichen der Unterstützung des israelischen Staates nach Jerusalem verlegen möchte, sei nur am Rande angemerkt.

Der Artikel von Professor Turner ist ein leuchtendes Beispiel für die Vermeidung politischer Auseinandersetzung zugunsten billiger Diffamierung – hier eines politischen Gegners, den man damit nur aufwertet. Der Politologe Jan-Werner Müller aus Princeton hat in seinem Essay über Populismus aufgezeigt, warum diese Strategie eine schlechte Strategie ist. Die Parallelen, die der Artikel von Professor Turner zwischen der Nutzung der Massenmedien durch die Faschisten und der Nutzung sozialer Medien durch Donald Trump aufzeigt, mag es geben. Die Faschisten waren aber nicht böse, weil sie Massenmedien nutzten, sondern sie waren böse, weil sie Faschisten waren. Einem Politiker auf dieser Grundlage – noch dazu in der heutigen Zeit – vorzuwerfen, er biedere sich seinen Wählern via Twitter an: Dazu braucht es keinen Stanford-Professor.  – Max Erdmann


Leserbrief zu „You say Goodbye, and I say Hello“  von Bernd Ulrich

Für Überraschungen ist Bernd Ulrich nicht mehr gut. Wenn es um Merkel geht, verliert er die kritische Distanz, redet ihre globalen Fehler klein und überhöht  ihre persönlichen Unzulänglichkeiten, die mangelnden Konzeptfähigkeit und die rhetorischen Ausrutscher, in unnachahmlicher Weise.

Ja,  er versteigt isch zu der Behauptung, die deutsche Kanzlerin sei „der Deckel auf dem heißen Topf“. Nein, das Gegenteil ist der Fall: Frau Merkel ist die Flamme, die den Topf  zum Überlaufen bringt. Nicht nur die schwäbische Hausfrau weiß, was da zu tun ist: den Kochtopf zur Seite, die Flamme aus!  In Klarsprache: Frau Merkel sucht sich ein anderes Land und das Volk eine andere Führung.

 (Wenn es Bernd Ulrich lieber auf Englisch mag: I say goodbye/ and you know why?/ Her policy is a big lie/ not good enough for another try!) –  Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Sprengstoff Leitkultur“ von Jens Jesse

Jens Jessen, dessen Artikel zur ‚Leitkultur‘ ich gerade gelesen habe, wird mir hoffentlich diese ‚antiquierte‘ Anrede nachsehen!

Wenn die ‚ZEIT‘ hier ankommt, lese ich meist zuerst das Feuilleton (Kür) und dann die Politik (Pflicht). Und weil ‚Leitkultur‘ auch für mich ein Reizwort ist, war ich neugierig auf den Text von Jens Jessen. Nach der Lektüre dann allerdings auch so gereizt, dass ich eine kurze Rückmeldung geben will.
Jens Jessen hat völlig Recht, wenn er darlegt, dass dieser Begriff insbesondere von der AfD dazu benutzt wird, die Errungenschaften einer liberalen Gesellschaft in Frage zu stellen – und zwar auf eine Weise, die in letzter Konsequenz auf die Abschaffung einer offenen Gesellschaft zielt. Das müssen wir verhindern, aber darüber, wie das am besten gelingen könnte, muss unter Anhängern der offenen Gesellschaft weiter gestrittenen werden.

Auch wenn ich nicht jeden Satz unterschreiben würde, möchte ich mich in diesem Fall nachdrücklich auf die Seite von Anne Hähnig und Martin Machowecz stellen und der ‚ZEIT‘ zu journalistischem ‚Nachwuchs‘ gratulieren, der sich nicht scheut, auch im eigenen Haus heftige Diskussionen zu entfachen. Schon der erste Satz in Jens Jessens Text zeigt ja, wie nötig das ist. Es mag eine nette Pirouette im Feuilleton sein, den AfD-Wählern kollektiven Wahn zu unterstellen und die Thesen junger Kollegen unter „die merkwürdigsten Vorschläge“ und „sozialtherapeutische Vorschläge“ abzulegen. Als Teil einer kulturellen Parallelgesellschaft, die oft um sich selbst kreist, kann man sich das leisten, nicht aber als Bürger, der um das Selbstverständnis dieser Republik ringt.

Wer keine glatzköpfige, sondern eine „struppige“ (das hat mir nun wirklich gefallen!) Republik will, muss die Mehrheit davon überzeugen. Demokratie ohne Volk geht nun mal nicht! Zuhören und Miteinander Reden muss sein, ergänzt durch das Anwenden rechtsstaatlicher Gewalt gegenüber allen, die Grundrechte verletzen oder das Gewaltmonopol des Staates missachten, seien es rechtsradikale Clans, Clans ‚mit Migrationshintergrund‘ oder Flüchtlinge.

Mir knirschen häufiger die Zähne, wenn Mitbürger mich nach meinen Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe befragen und dabei alle ihre Bedenken ins Spiel bringen. Da unterscheidet sich dann oft der Grün-wählende Bekannte in seinen Formulierungen nicht vom AfD-Wähler. Aber Differenzierung wird nicht durch Schweigen, Schönreden oder Stigmatisieren erreicht.

Fragen und Sorgen von großen Wählergruppen müssen im gesellschaftlichen Diskurs einen Platz finden, das hat nichts mit „Entgegenkommen“ gegenüber der AfD zu tun. (Deutschlandtrend heute: 16% AfD, auch die Allensbach-Umfrage liefert Denkanstöße zur Bedeutung der ‚Leitkultur‘ für viele Mitbürger) Jens Jessen plädiert im Grunde polarisierend für ‚anything goes‘  – außer AfD und deren Wähler. Der Duktus des Textes bestätigt weitgehend das, was Anne Hähnig und Martin Machowecz  in ihren Thesen über den Umgang der Medien mit der AfD und ihren Wählern formulieren. Die beiden jungen Journalisten plädieren dagegen für genaues Hinsehen und Differenzierung. Das fördert den Realitätssinn, ist also auch ein gutes Mittel gegen potentiellen Wahn und dient so dem Erhalt einer offenen Gesellschaft! – Maria-Helmtrud Mauser


Leserbrief zu „Sprengstoff Leitkultur“ von Jens Jessen und „Ein zeitgemäßer Faschist“ von Fred Turner

Sei es TTIP, Merkel, rechter oder linker Populismus – „Information“ gibt es wenig, opportunistisches Geschreibsel aber viel. Ob nun Herr Joffe, wie üblich, das Hohelied auf seine amerikanischen Freunde singt, Fred Turner Herrn Trump zutreffend als Faschisten bezeichnet, dann aber nur mäanderndes Gerede als „Beleg“ anführt, was immer ich in der ZEIT lese, scheint massgeblich vom Gedanken geleitet „Was will die Zielgruppe jetzt lesen und wie vermeiden wir, uns festzulegen“, falls morgen anderes gewünscht wird. Solide Recherche, Fakten und erst dann eine, nun fundierte Meinung, das wäre mal schön. Stattdessen Lifestyle mit Politiksauce – schade. – Gerd Reese 


Leserbrief zur Titelgeschichte „Das Märchen von der Gerechtigkeit“ von Uwe Jean Heuser

Vor einigen Wochen hatten Sie bereits unter dem Titel „Wer unten ist, bleibt unten“ ein Interview mit Marcel Fratzscher abgedruckt. Auch dieser prangerte die wachsende Kluft von arm und reich zurecht an, obschon er mit der seit dem Jahre 2005 kaum vergrößerten Einkommensungleichheit von Ihren Redakteuren konfrontiert wurde. In dem jetzigen Bericht wird auf eben diese kaum wachsende Einkommensungleichheit erneut hingewiesen. Dies ist aber kein Beleg dafür, daß die Schere zwischen arm und reich nicht weiter auseinander klafft. Ich möchte Ihnen das gerne erläutern:

Dafür bediene ich mich der Einfachheit halber der Einkommensdaten aus Ihrer Berichtsserie. Dort verdient ein Single, der zur unteren Mittelschicht gehört max. € 1.378 netto, ein Single aus der oberen Mittelschicht max. € 4.305,00 ebenfalls netto. In einer Großstadt gehen hier jeden Monat € 600,00 für eine Wohnung und € 150,00 für Nebenkosten ab. Weitere Fixkosten entstehen für Telefon, Handyvertrag, Internetanschluß und Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsbetriebe, Hausrat- und Haftpflichtversicherung, Mitgliedsbeiträge für einen Verein oder Fitneßstudio. Das sind schnell noch einmal € 250,00 im Monat. Damit liegen wir bei € 1.000,00 jeden Monat. Dazu kommen Lebensmittel, Eintrittskarten für Kino oder andere Ereignisse, Gastronomiekosten, Kosten für Kleidung und eine kleine Rücklage für einen Urlaub. Am Ende ist der monatliche Verdienst der unteren Mittelschicht eines jeden Monats vollständig aufgebraucht. In der oberen Mittlschicht entstehen höhere Kosten z.B. für ein Auto anstatt für eine Monatskarte, eine größere Wohnung und diverse andere Annehmlichkeiten; also sagen wir € 1.500,00 im Monat extra. Die angenommenen Zusatzkosten liegen somit über dem, was in der unteren Mitelschicht überhaupt verdient wird. Trotzdem bleibt am Ende des Monates in der oberen Mittelschicht Geld übrig. In der hiesigen durch Ihre Einkommenszahlen gestützten Variante sind dies mtl. € 1.427,00. Im Jahr sind das dann € 17.124,00 und seit dem Jahr 2005, das Jahr seit dem man eine Steigerung der Einkommensungleichheit nicht mehr feststellen will, sogar € 188.364,00.

Im Zeitraum seit 2005 hat die obere Mitelschicht also gut € 200.000,00 incl. anfallender Zinsen an Vermögen zulegen können. Im gleichen Zeitraum ist in der unteren Mittelschicht kein Vermögen angewachsen.

Das Problem ist also: auch bei nicht wachsender Einkommensungleichheit wächst die Schere zwischen arm und reich längst aufgrund der bestehenden Verhältnisse Jahr für Jahr weiter auseinander. Die gesellschaftlichen Verhältnisse werden damit weiter manifestiert. Für den Vermögenszuwachs in den oberen Schichten zahlen die unteren Schichten Jahr für Jahr mit zu geringen Einkommen. Trotzdem mahnt die Industrie immer wieder, daß höhere Löhne eine Gefahr für die hiesige Wirtschaft darstellen und Arbeitsplätze gefährden würden. Alleine die Einführung des Mindestlohnes war nur gegen erheblichen Widerstand möglich; die spätere Entwicklung straft aber zum Glück die damaligen Mahner Lügen. Höhere Löhne sind auch keine Gefahr für Arbeitsplätze sondern stärken die Inlandsnachfrage, aber wer will das schon hören.

Das Trickle-down Prinzip ist und war ab ovo reine Phantasie. Richtig ist, daß es ein Trickle-up Prinzip gibt; nicht nur bei Bürgern sondern auch bei Staaten. Letzteres gehört hier aber nicht hin.

Ich gehöre nach Ihrer Definition zu dem reichen Zehntel der Bevölkerung; deshalb kann ich auch zur Beendigung des Trickle-up und zur tatsächlichen Einführung des Trickle-down folgende Forderungen aufstellen:

  • Jeder Arbeitnehmer, der Vollzeit tätig ist, muß auch ohne staatliche Hilfe ausreichend Einkommen erhalten, um seinen Unterhalt und den seiner evlt. vorhandenen Familie zu finanzieren sowie Vermögen aufzubauen. Der Mindestlohn muß also erheblich angehoben werden.
  • Ab einer bestimmten Einkommensgrenze sollte die Progression auf 100% steigen, d.h. jeder Mehrverdienst über z.B. 2.5 Mio. Euro pro anno ist als Einkommenssteuer abzuführen.
  • Die Vermögenssteuer wird wieder eingeführt. Auch diese Steuer unterliegt der Progression und sie steigt ab einem bestimmten Maximalvermögen gleichfalls auf 100%.
  • Der Verdienst eines Vorstandsvorsitzenden incl. aller Zulagen und Boni darf nicht höher als das 50fache des geringsten Verdienstes im Konzern betragen. Damit wird sichergestellt, daß – um es salopp zu formulieren – wenn der Chef gut verdient, auch die Mitarbeiter gut verdienen.

Deutschland ist leider bekannt für verkrustete soziale Strukturen – einmal Oberschicht, immer Oberschicht. Zu diesem Thema möchte ich mir an dieser Stelle aber weitere Ausführung sparen und Ihnen ersparen, denn die verkrusteten sozialen Strukturen stammen beileibe nicht nur aus der Einkommensverteilung sondern haben ihren Ursprung auch in anderen Bereichen z.B. aus dem Schul- und Bildungssystem. Das würde aber hier enrneut zu weit führen. Gelegenheit zu einem diesbezüglichen Leserbrief werde ich aber bestimmt noch bekommen. – Volker v. Moers


Leserbrief zu „TTIPleite“ von Josef Joffe

Der Kommentar von Herrn Joffe ist doch sehr vereinfachend. Wer wäre schon nicht für ein Freihandelsabkommen auf fairer Basis? Das Hauptargument der Gegner sind doch die privaten Schiedsgerichte ohne ein Revisionsrecht. Wenn Herr Joffe als Vision am Schluss sinkende Realeinkommen, teurere Produkte und einen Verarmungswettlauf sieht, könnte mit TTip auch eine andere Vision Wirklichkeit werden. Der deutsche Staat wird von amerikanischen Großkonzernen mit einer Welle von Klagen wegen Gewinneinbußen überzogen

– Klagen in der Summe in Milliardenhöhe. Widersprüche unmöglich.

Verurteilungen belasten den Bundesetat so stark, dass Einschränkungen auf vielen Gebieten notwendig sind. Und: der Staat traut sich nicht mehr, neue Gesetze etwa zum Umweltschutz oder zum Verbraucherschutz zu erlassen. weil er Prozesse fürchtet, die wiederum Geld kosten. Es leidet die Umwelt – es leidet die Gesundheit der Verbraucher, die Demokratie ist gelähmt.

Die Lösung wäre doch so einfach: die Amerikaner verzichten auf die privaten Schiedgerichte und erkennen internationale Handelsgerichte mit Vetorecht an. Ähnlich wie bei CETA.

Hält denn Herr Joffe alle Menschen, die gegen das derzeitige Konzept von TTip sind,  für dumm? – Josef Bossler


Leserbrief zur Rubrik „Der unnütze Vergleich“ „Wie viele Einwohner hat die Stadt Bautzen?“

Ihre Grafik bezüglich der Bautzener Menschen, indem Sie diese als Affen darstellen, ist so etwas von daneben, daß ich mich mit diesen Zeilen äußern muß. Wenn eine Zeitungsredaktion sich solcher verhöhnender Stilmittel gegen eigene deutsche Bürger bedient, kann es mit dem Intellekt der Schreibenden und der Verlegenden dieser Zeitung nicht weit her sein. Ich bin geneigt, Sie wegen Verhetzung von Volksgruppen anzuzeigen.

Schauen Sie doch bitte lieber auf die Verursacher dieser sog. FLÜCHTLINGSMISERE, die da wären USA und Nato, um nur einige zu nennen. Wer bombt denn ganze Länder zusammen?  Wer bitteschön, machte in den vergangenen Jahren Werbung in fernen Ländern in der Art, daß wir doch viel zu wenig Facharbeiter hier in unserem Land hätten. Da fällt mir ganz spontan Herr Gauck und Frau Merkel ein. Jetzt haben wir diese sog. Facharbeiter hier in unserem Land und das Benehmen dieser Fremden läßt leider keine gute Erziehung vermuten.

Sie sollten doch bitte Ihrem eigenen Anspruch gerecht werden, der da wäre, unabhängig und mit journalistischer Sorgfalt zu berichten.

In diesem Sinne, danke fürs Lesen und eventuell nehmen Sie ja noch etwas auf in Ihrer Redaktion von kritischen Menschen. – Birgit Bracke


Leserbrief zu „You say Goodbye, and I say Hello“  von Bernd Ulrich

Wenn man die Leistungen dieser Kanzlerin  etwas einfacher zusammenfasst, kommt man zu folgendem Ergebnis:

Frau Merkel hat mit einer einsamen Entscheidung und ohne Parlamentsbeteiligung den Atomausstieg verfügt und damit die deutschen AKW, die mit zu den sichersten der Welt gehören, vom Netz genommen und eine für die Verbraucher sehr teure Energiewende eingeleitet. Die Gefahr Deutschlands durch einen atomaren Unfall ist weiterhin gegeben z. B.

durch die unsicheren AKW in Belgien, von den französischen AKw entlang des Rheins ganz zu schweigen.

Die CDU-Vorsitzende Merkel hat durch die Sozialdemokratisierung der CDU diese ihres Markenkerns  beraubt und mit dazu beigetragen, daß die AfD sich so entwickeln konnte, wie die Landtagswahlen in 2016 gezeigt haben.

In der Flüchtlingspolitik hat sie ohne Parlamentsbeschluß den ungezügelten Zustrom von Flüchtlingen aus ganz anderen Kulturen ermöglicht. Mahnende Worte ihrer Parteikollegen hat sie mit unbeschreiblicher Sturheit ignoriert und ihrer Parole „Wir schaffen das“

nicht die entsprechenden Taten folgen lassen mit der weiteren Folge, daß sie nun im Kreis der europäischen Partner isoliert dasteht und auf das Wohlwollen eines Herrn Erdogan angewiesen ist.

Dass derzeit weniger Flüchtlinge kommen, liegt vor allem daran, daß die Balkanroute geschlossen wurde. Dies ist mitnichten Frau Merkel zuzuschreiben, die sich im Gegenteil stets so geäußert hat, daß nach ihrer Auffassung “ Zäune keine Lösung sind“. Somit trägt sie auch einen großen Anteil an der Spaltung der EU.

Sollte Frau Merkel nicht mehr für eine weitere Legislatur zur Verfügung stehen, wäre dies nicht besonders tragisch; die Republik wird an einem rot/rot/grünen Bündnis nicht zerbrechen, auch wenn Herr Scheuer/CSU vehement vor einem Linksruck in Deutschland warnt. – Martin Engelberg


Leserbrief zu „TTIPleite“ von Josef Joffe

Es war mir nicht möglich, herauszufinden was am 1.1.1880 abgelaufen ist. Zumindest in der Augsburger Allgemeinen, soweit wie ich dort Einblick genommen habe, habe ich keinen Hinweis gefunden. Es wäre sehr freundlich, wenn Sie den damaligen Ablauf, soweit wie er in ihrem Zusammenhang ein Rolle spielt, schildern würden.

Ein Zusammenhang zwischen dem Bismarckreich und dem Kriegsbeginn 1914 erscheint mir nicht haltbar. Bismarck hat, soweit wie er Einfluss hatte bis 1890, alles versucht um einen Ausgleich zwischen den europäischen Mächten herbeizuführen und um einen neuen Krieg zu verhindern. Und es sah so aus, als ob seine Politik aufgegangen wäre, wenn er weiter Einfluss gehabt hätte. Nach seinem Abtreten aber 1890 hat Wilhelm II. den Rückversicherungsvertrag mit St.Petersburg gekündigt und daraufhin ist es in 1894 zu einem Pakt zwischen Russland und Frankreich gekommen. Dieses Bündnis war aus französischer Sicht die Aussicht, in einem Revanchekrieg für 1870 Deutschland in einen 2 Frontenkrieg verwickeln zu können. So wie es dann 1914 auch abgelaufen ist.

TTip ist mit großen Erwartungen befrachtet worden. Wenn es demnächst scheitern sollte, ist es bedauerlich. Wenn es aber tatsächlich scheitern sollte, tragen mehrere die Verantwortung. In Demokratien  einen Vertrag in Geheimverhandlungen durchboxen zu wollen, ist abenteuerlich, vor allem wenn Misstrauen schon gesät war. Ihr Argument, das durch den weltoffenen Freihandel bislang hoffnungslos Arme profitiert haben, ist richtig. Richtig ist aber auch, das nicht alle profitiert haben. Und die Verlierer melden sich heute überall zu Wort.

Die USA : die Mittelschicht, die bislang der Verlierer ist, begeistert sich für Donald Trump. Er hat versprochen, das er die Arbeitsplätze aus Fernost wieder zurückholt.

Russland : Die Bevölkerung hofft, das Putin sie aus dem tiefen Loch, das sich nach dem Mauerfall aufgetan hatte, wieder herausholt.

Afrika : Der Westen ruiniert die Märkte mit subventionierten Lebensmittel und Waren. Heimische Produktion kann sich nicht entwickeln.

England : Durch Lohndumping ( für Brüssel unverzichtbar) haben Betroffene aus dem Bauche heraus für den Brexit gestimmt.

Europa : der harte Euro treibt schwächere Länder in den Bankrott. ( für Brüssel unverzichtbar)

Deutschland : in den östlichen Landesteilen treibt es die bislang Benachteiligten auf die Straße und in die AFD. Die Treuhand hatte ganze Landstriche entindustrialisiert.

Mit  einigem Mitgefühl kann man die Leute, die heute auf die Straße gehen und protestieren, nicht verurteilen. Schließlich geht im Westen die Spanne zwischen Reich und Arm immer weiter auf. Mit welchem Recht eigentlich? Die Politik wäre gut beraten, wenn sie diese Ungerechtigkeiten abbauen würde. Wenn nicht, wird die Politik abgebaut. So einfach ist das.

Und wenn alle wieder einigermaßen zufriedengestellt sind, haben alle auch wieder Spaß an Handelsabkommen. Wenn es aber nicht gelingt, dann sind die zukünftigen Aussichten so düster, wie Sie es beschrieben haben. – Reiner Püschel


 Leserbrief zu „Es gibt nun mal Menschen, die Jutta heißen“ ein Gespräch mit Navid Kermani, geführt von Iris Radisch

Ist es einfach nur ehrlich oder ziemlich unverschämt, wenn Sie, die Literaturkritikerin Iris Radisch, Navid Kermani Intelligenz bescheinigen und zugleich vorwerfen, dass er “mit sowas kommt”? Warum schreiben Sie nicht selbst? Warum antworten Sie Kermani nicht mit einem viel intelligenterem Buch, in dem die Figuren und ihr Erzähler nicht eingesperrt und langweilig sind? Frau Radisch, ich danke Ihnen für Ihre Ehrlichkeit, finde Ihre Bemerkungen aber absurd.

Wenn Kermanis Innenwelt Figuren wie Jutta in diese Konstellation führt, ist das seine Wirklichkeit und nicht meine oder Ihre. Sie müssen ja nicht weiterlesen. Ich lese Kermani zumindest lieber als das Alltagsgeorgel eines Karl Ove Knausgard. Aber ich lebe eben auch in der scheißdeutschen Provinz. Ganz normal und sehr glücklich. Und nach der Sturzflut, die meinen Ort zerstört hat, ist mir noch mehr bewusst, wie wunderschön das ganz normale Leben ist, über das Kermani schreibt. Und wie zerstörerisch manchmal artifizielle Prosa sein kann. Weit weg vom Leben und oft in der Großstadt angesiedelt. Aber ich lasse mich gerne von Ihrem Buch überraschen und überzeugen. Lesen werde ich es auf jeden Fall. – Martina Eirich


Leserbrief zu „Sprengstoff Leitkultur“ von Jens Jessen

Den Artikel ‚Sprengstoff Leitkultur‘ von Jens Jessen habe ich mit großem Interesse und vor allem auch mit überwältigender Zustimmung gelesen. Denn endlich wird mal lückenlos hergeleitet, dass die Forderung nach einer Leitkultur sich im Kern nach innen richtet. Allein vermisst habe ich den expliziten Hinweis, dass es in Deutschland schon einmal eine Zeit gab, die von einer ‚Leitkultur‘ geprägt war, nämlich die von 1933 bis 1945. – Dieter Rogge


Leserbrief zu „Es gibt nun mal Menschen, die Jutta heißen“ ein Gespräch mit Navid Kermani, geführt von Iris Radisch

Die ZEIT (die ohnehin immer dicker wird) sollte eine Spalte einrichten, in der die Leser bekunden können, welcher Satz in der letzten ZEIT ihnen am besten gefallen hat. – Gäbe es diese Spalte schon, so würde ich sagen: er steht auf Seite 41. Wenn Iris Radisch Wurstfinger bemängelt, antwortet Navid Kermani: “Es tut mir leid, dass Sie in Ihrem Beruf Bücher lesen müssen, die Sie nicht interessieren. Das muss sehr ermüdend sein.” Das ist eine souveräne Antwort, ein großartiger, ein großmütiger Satz. Er hat mir sehr gefallen. – Marlies Buchholz


Leserbrief zu „Es gibt nun mal Menschen, die Jutta heißen“ ein Gespräch mit Navid Kermani, geführt von Iris Radisch

Das Interview von Iris Radisch mit dem Schriftsteller Navid Kermani mußte ich zweimal lesen, denn ich traute meinen Augen nicht.

Diese impertinenten, sich völlig fehl am Platze befindlichen Fragestellungen sowie persönlich zur Selbstdarstellung neigenden Äußerungen von Frau Radisch gehören sicher nicht in das professionelle Repertoire einer erfahrenen Literaturjournalistin , allenfalls in ein privates Gespräch unter „Freunden“, die gewohnt sind, zu streiten.

In der Zeitung, noch dazu in der sich selbst qualitativ höher darstellenden ZEIT jedoch läßt dieses  Interview nur Kopfschütteln zurück. Als Autor hätte ich das Interview abgebrochen, als Redakteur gar nicht erst in die Druckfahne gelassen.

Schulmeisterlich anmutend scheint Frau Radisch Herrn Kermani vorführen zu wollen, der sich in einer souveränen Ruhe und Geduld den Fragen stellte, ohne nicht doch durchblicken zu lassen, was denn dieses Autorenporträt soll. Man kann nicht alle Bücher mögen ,sollte aber als Literaturkritikerin die Professionalität besitzen ,trotz investigativer Fragen jeder Zeit die Person des Autors zu respektieren. – Suzanne Krenzer      


Leserbrief zu „Kampf um echte Männer“ von Kerstin Kohlenberg

Ich war sehr erstaunt, aber auch positiv überrascht, den Artikel von Kerstin Kohlenberg „Kampf um echte Männer“ zu lesen, vor allem weil ich kurz davor den in der gleichen Ausgabe erschienenen Artikel „Ein zeitgemäßer Faschist“ gelesen habe, bei dem Trump als das neue „Böse“ unserer Welt dargestellt wird.

Dass Trumps Ideen zum Teil rassistisch und einfach nur populistisch sind, ist unbestritten, dennoch ist mir bloßes Rumhacken an dem demokratisch gewählten Kandidaten einer demokratischen Partei, nicht nur zu einfach, sondern finde ich dies auch sehr gefährlich. Deshalb fand ich eine so detaillierte Beschreibung von Frau Kohlenberg, warum die Demokratische Parte eigentlich am Aufstieg Trumps einen großen Anteil hat, als sehr hilfreich zum differenzierten Verstehen des amerikanischen Wahlkampfs.

Aber noch viel wichtiger wäre es, welche Lehren wir für Deutschland daraus ziehen wollen oder können. Und das ist der wichtigste Punkt dieses Artikels: tauschen Sie die Demokratische Partei der USA gegen die Grünen Deutschlands(als Repräsentant der linksliberalen Politik) und Trump gegen die Afd(als Protestpartei der weißen Wählerschicht) aus und sie könnten den Artikel genau so nochmal drucken!

In den USA ist der Prozess der Entfremdung der beiden Schichten schon viel zu weit fortgeschritten, dass man diesen noch sanft zurück drehen könnte, in Deutschland sind wir noch nicht so weit, auch wenn er an Geschwindigkeit seit dem letzten Jahr zugenommen hat. Dennoch ist es noch möglich, wenn die Parteien, die sich eher links orientieren, aufhören, die Wähler der AfD zu beschimpfen(Gabriel als Pendant zu Clinton), denn so wird keiner der Beschimpften zurück kommen! Und die Fehler der Demokraten nicht wiederholen, in dem sie sich als Minderheitenvertreter sehen und nur auf die Probleme der Minderheiten(die es gewiss noch reichlich gibt) hinweisen und zwar mit einem erzieherischen Tonfall! Das mag zwar die liberalen Akademiker unter den Wählern ansprechen, entzweit die Gesellschaft aber zunehmend. Das Ergebnis? Siehe USA. – Alexander Grotov


Leserbrief zu „Die Allmacht der Grünen“ von Giovanni di Lorenzo

Ihr Artikel „Die Allmacht der Grünen“ in der aktuellen Zeit ist wirklich gelungen. So viel vorurteilsfreie Analyse wünschte ich mir viel mehr. Dann würde ich auch wieder häufiger mal die „Zeit“ kaufen, statt sie nur noch im Bahnhofskiosk anzublättern. So bleibe ich einstweilen vorzugsweise bei der „Jungen Freiheit“ (die nämlich vorurteilsfrei betrachtet gar nicht so schlimm rechts ist, sondern durchaus interessante Beiträge enthält, wenngleich natürlich mit einer bestimmten politischen und gesellschaftlichen Sichtweise). – Andreas Mehnert


Leserbrief zu „TTIPleite“ von Josef Joffe

In diesem Kommentar wurden alle Register der journalistischen Meinungsmanipulation gezogen: Verunglimpfung, Versprechung und Verharmlosung.

Zunächst wird das nebensächliche Chlorhühnchen aus einem komplexen Regelwerk als Beispiel angeführt, um  die Gegenposition lächerlich zu machen: „Das Chlorbad ist so giftig wie ein kräftiger Schluck aus dem Becken des Stadtbads.“

Dann werden die Mittelständler schützend vor die Großkonzerne gestellt. Klar profitieren auch sie von vereinheitlichten Normen. Aber wer stellt sich gegen solch vernünftige Bestimmungen? Allerdings kann kein seriöser Wirtschaftswissenschaftler den Mehrwert bemessen.

Und die Schiedsgerichte, da ist es doch wirklich egal, ob 130, 1300 oder ein paar mehr? Mir ist es egal wer sie erfunden hat. Ob Schiedsgericht, Fußballgericht oder Schiedsstelle. Sie haben auch durchaus ihre Berechtigung. Nur eines dürfen sie nicht: den ordentlichen Rechtsweg ausschließen

Denn hier geht es wirklich um das Fundament unseres Zusammenlebens. Der größte Fortschritt der Menschheit ist unser Rechtsstaat. Wenn schon die Politik heute nur noch der verlängerte Arm der wirtschaftlichen Interessensgruppen ist, soll wenigstens die Gerichtsbarkeit noch unabhängig bleiben. Dafür muss auch keine supranationale Gerichtsbarkeit mit ungeheurem Verwaltungsaufwand neu installiert werden. Die entsprechenden Gerichte sind jeweils in der EU und den USA vorhanden. Und ja, das birgt hohe Risiken (Atomausstieg). Aber das war schon immer das unternehmerische Risiko – welches in der Preiskalkulation enthalten ist.

Es ist bedauerlich, dass die nationalen Wälle überall aufgebaut werden. Unser Europa ist eine große Chance und Wert, dafür zu kämpfen. Aber nicht durch Kommentare, welche die Gegenmeinung verunglimpfen, anstatt sich sachlich damit auseinanderzusetzen. – Gerold Greiff


Leserbrief zu „Sprengstoff Leitkultur“ von Jens Jessen

Herzlichen Dank für Ihre hervorragende Analyse. Ja, die NSAFD bekämpft auch mich „rotgrün versifftes, antiautoritär verzogenes 68er Kind“. Uns soll’s an den Kragen gehen, uns freiwillig kinderlosen, arbeitenden Akademikerinnen mit homosexuellen FreundINNEN und vegetarischer Kost auf dem Teller.

Statt sich den „besorgten Bürgern“ sozialtherapeutisch anzudienen, empfiehlt sich einmal mehr die Lektüre des zeitlosen Tucholskys…“Rosen auf den Weg gestreut“. – Jacqueline Gies


Leserbrief zu „Es gibt nun mal Menschen, die Jutta heißen“ ein Gespräch mit Navid Kermani, geführt von Iris Radisch

Schade, dass Iris Radisch offensichtlich so wenig Interesse an Navid Kermani und „Sozusagen Paris“ hat.Sie erwähnt u.a., sie „habe Probleme mit diesem sich so übereifrig selbst thematisierenden Erzählen“und fragt, ob der Autor „schon einmal so dämliches Zeug…von sich gegeben“ habe. Ich habe kein Interesse an der persönlichen Befindlichkeit von Frau Radisch!

Wie man durch ein klug geführtes Gespräch Irritationen ausräumen kann und letztendlich (wenn’s denn sein soll) offene Fragen klären kann,bewies am Freitag 23.9. Andreas Platthaus im Literaturhaus Frankfurt bei einem Gespräch mit Navid Kermani über „Sozusagen Paris“. – Helmut Haase


Leserbrief zu „Er und wir“ von Peter Kümmel

Als ich das Foto zu diesen Bericht sah dachte ich micht trifft der Schlag ! Was hat Ihren Bildredakteur geritten als er dieses Bild auswählte ? Schlimmer geht nimmer, geschmacklos ist noch milde ausgedrückt, ich bin entsetzt. Müssen jetzt in ‚Bild‘-Manier nackte Tatsachen in ihr Blatt ??? Der Niedergang Ihrer Zeitung fällt immer mehr ins Auge. Monotonie in der Berichterstattung in dem ein ganzes Buch mit einem Thema gefüllt wird – Flüchtlinge, Thema Liebe oder aktuelle Ausgabe zum Thema Gerechtigkeit….nicht gegen diese Themen, aber ist weniger nicht manchmal mehr? – Hagen Kühner


Leserbrief zu „Sprengstoff Leitkultur“ von Jens Jessen

Für diesen Artikel reicht ein Wort um ihn angemessen zu bewerten: Brillant !!!! Der Verwendung einer höheren Anzahl Ausrufezeichen um dies zu untersreichen seien keine Grenzen gesetzt !! Mehr davon bitte !!! – Hagen Kühner


Leserbrief zu „Ein zeitgemäßer Faschist“ von Fred Turner

Man muß, wenn man über die Ausstellungspolitik des MoMA im 2. Weltkrieg schreibt, auch erwähnen, daß vor dem Kriegseintritt der USA eben dort noch 1940, der 2. Weltkrieg hatte ja schon begonnen, eine Ausstellung italienischer Kunst stattfand, die nur in Kooperation mit der Mussolini-Regierung zustande gekommen sein konnte. So gelangte damals auch Botticellis Geburt der Venus nach New York. Man könnte auch erwähnen, das der weltberühmte Architekt Phillip Johnson, einer der bedeutendsten Förderer des MoMA und selbst Ausstellungsmacher ebendort, in jener Zeit für die Zeitschrift ‚Social Justice’ des von Turner erwähnten und zutiefst antisemitischen Radiopredigers (und katholischen Priesters) Charles Coughlin unsägliche, die Nazis feiernde Berichte über den deutschen Überfall auf Polen im Jahre 1939 schrieb – als ‚embedded journalist‘, eingeladen von der deutschen Regierung. Und zugleich war damals Alfred Barr, der junge Direktor des Museums, eine der wichtigsten Helfer für alle vor den Nazis aus Deutschland nach Amerika geflohenen Künstler. Die Geschichte des MoMA in der  Kriegszeit muß noch geschrieben werden. – Prof. Gereon Sievernich


Leserbrief zu „Sprengstoff Leitkultur“ von Jens Jessen

Vor 3 Jahren hatte ich Ihnen wegen des Artikels „Mehr Mätressen wagen“ dringlich empfohlen, sich bei der Bunte zu bewerben. Gut, dass Sie bei der Zeit geblieben sind.

Ich bin von Ihrem Artikel „Sprengstoff Leitkultur“ schlichtweg begeistert!! So klar habe ich noch nirgends die ganze Problematik der „Leitkultur“ aufgedröselt gelesen und meine eigene Zerrissenheit dabei verstanden.

Ich mag keine Tattoos, keine lauten Motorradfahrer, Raucher, Skinheads, Glaubensfanatiker jeglicher Couleur,  und noch viele weitere Spleens von dämlichen Leuten und bleibe gern in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, in dem wir wohl ähnliche Marotten pflegen, die wieder andere ablehnen, aber… wenn ich immer in dieser Kreis bliebe, wäre das Leben wahrscheinlich recht schnell ziemlich öde. Schließlich kenne ich auch z.B. einige nette Raucher.

Daher empfinde ich auch die obigen Lebensweisen letztlich als Bereicherung unseres Lebens und bin bereit, sie zu tolerieren, wenn denn niemand von diesen Menschen von mir verlangt, dass ich irgendeine davon übernehme.

Der Kölner Kabarettist  Jürgen Becker hat es unnachahmlich kurz auf den Punkt gebracht: Rheinland und Westfalen zusammen in NRW: „Es ist furchtbar, aber es geht“.

PS: Ihr Artikel „Das Exil der Robben“ ist einfach famos. – Michael Gschaider


Leserbrief zu „Sprengstoff Leitkultur“ von Jens Jessen

Entgegen der Auffassung von Jessen gibt es eine deutsche Leitkultur, weil man mit Bestimmtheit sagen kann, was jedenfalls nicht dazu gehört, etwa: die Beschneidung von unter 14jährigen Jungen, das Schächten von Tieren bei vollem Bewusstsein, wenn auch von Behörden für Einzelfälle, schwer verständlich, erlaubt, jedoch von Deutschen allseits als Tierquälerei abgelehnt, das öffentliche Tragen des Nikab und der Burka, der ohne Nötigung nicht strafbare Brauch, Frauen  allgemein  als geringer wertig zu anzusehen und zu behandeln und von Beruf und öffentlichem Leben  auszuschließen,  die aggressive Intoleranz gegenüber  anderen Glaubensbekenntnissen, die nicht öffentliche  Verhandlung von Streitigkeiten nur vor einem Iman, der sicher bald zu vernehmende Ruf des Muezzins,  und last not least: Wie ist es mit im Orient geschlossenen Vielehen oder Kinderehen, die die Beteiligten in Deutschland weiter praktizieren wollen? Deren Unwirksamkeit ist bei der jetzigen Gesetzeslage  nicht selbstverständlich. – Josef Vogt


Leserbrief zu „Unsere gereizten Seelen“ von Richard David Precht

die Situation, die Sie beschreiben, wird noch einmal wahr werden, wenn wir alle in dieser Wohlfühlgesellschaft angekommen sind. Dann haben wir das Problem, wie sind wir zu begeistern. Heute schon dürfte nur die kleine vermögende Elite betroffen sein. Das Problem, das Martin Schulz heute plagt, ist etwa anderes. Er meint, es müssten alle froh und dankbar sein über das bisher erreichte. Diejenigen, die noch nicht im grenzenlosen Wohlstand angekommen sind ( ca. 90% der Bevölkerung), haben aber ganz reale Probleme, auf die die heutige Politik  keine Antworten hat.

England : Lohndumping durch Zuzug von Osteuropäern ( für Brüssel unverzichtbar) hat viele aus dem Bauche heraus für diesen Brexit stimmen lassen. Das der freie Personenverkehr mit Arbeitsaufnahme das Ziel sein muss, ist selbstverständlich. Aber als Vorbedingung auch bei großen Ungleichheiten? Einfach unverständlich.

USA : Die Mittelschicht als Verlierer stimmt heute für Donald Trump. Eine kleine vermögende Oberschicht verdient an der Verlagerung der Arbeitsplätze nach Fernost, während die bisherige Arbeiterschaft leer ausging. Welcher naive Politiker glaubt, damit in einer Demokratie, irgendwann gibt es wieder Wahlen, auf immer damit durchzukommen? Donald Trump verspricht, dies rückgängig zu machen.

Russland : Die Bevölkerung hofft, das Putin sie aus dem tiefen Loch, welches sich nach dem Fall der Mauer aufgetan hat, wieder herausholt.

Griechenland : Ein Rettungspaket jagt das andere aber Hilfe für die Bevölkerung bleibt aus.

Europa : Durch den harten unflexiblen Euro können viele Länder ihre Währungen nicht mehr anpassen. Die sozialen Spannungen nehmen  zu.

Euro-Krise : Die EZB treibt ihre Mitglieder in eine Schuldenfalle. Bei Null-Zinsen für Kredite ist derjenige, der Schulden  macht, der Gewinner. Derjenige, der spart, ist der Dumme. Diese Umkehrung wird noch zum Problem. Irgendwann kommt die Rechnung für den Bürger in Gestalt einer Währungsreform.

Flüchtlingskrise : Humanitäre Hilfe für Flüchtlinge ist selbstverständlich. Die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen erfordert: Wohnraum, Arbeitsplätze, Rückhalt in de Bevölkerung Und Bereitschaft auf der Seite der Flüchtlinge. Langsam wird allen bewusst, auf was für eine Arbeit man sich hier eingelassen hat. Schließlich handelt es sich hier um Personen mit einer anderen Religion, anderen Schrift, anderen Sprache und einer völlig anderen Mentalität in Bezug auf Geschlechter und Regierungsform. Die Fluchtbewegung aus Syrien heute  ist nur ein Vorgeschmack auf das was noch in viel größerem Maße kommt, da die Politik keine Lösungen anbietet.

Ukraine : Die Auseinandersetzung führt langsam in die Richtung einer Neubelebung des Kalten Krieges in Europa.

Syrien : Ganz Europa schaute dem Morden 4 Jahre lang ungerührt zu als ob es uns nichts anginge. Erst seitdem die Menschen sich auf die Flucht machen und hier anklopfen hat sich das geändert.

Islam :  Er befindet sich heute in seiner größten Krise seit 1000 Jahren. Er befindet sich heute dort, wo das Christentum vor 1000 Jahren war. Damals hat der Papst allen Kreuzrittern das ewige Leben versprochen, falls sie im Kampf gegen Muslime fallen sollten. Ud falls sie nicht kämpfen wollten, konnten sie das ewige Leben auch durch ein Geldspende erwerben. Die Situation heute ist dieselbe nur Seitenverkehrt. Heute ist das Christentum friedlich und der Islam aggressiv. Damals hatte sich das aggressive Christentum durchgesetzt. Wir wollen nicht hoffen, das diese Logik ( das Aggressive setzt sich durch) immer die gleiche bleibt.

Globale Erwärmung : Man hat nicht den Eindruck, das die Politik das Problem zu lösen imstande ist. Die Auswirkungen wird aber jeder zu spüren bekommen.

Welternährung : die wachsende Weltbevölkerung kann heute schon nicht ausreichend mit sauberem Wasser und ausreichend Nahrungsmitteln versorgt werden.

Kapitalismus : Seine Grenzen werden heute spürbar.

Afrika : ist ein Problemfeld ohne Anfang und ohne Ende. Mit subventionierten Lebensmitteln unterlaufen wir die dortige Produktion und verhindern Wohlstand.

Welthandel : einerseits ein Segen, schafft auf der anderen Seite große Verwerfungen die heute zu Problemen werden.

Dem Bürger wird inzwischen langsam bewusst, vor welchen Aufgaben die Gesellschaft steht. Dazu kommen :   Die Digitalisierung und Roboter werden unser Leben grundsätzlich verändern ( viele werden ihren Arbeitsplatz verlieren), der Versandhandel wird den Einzelhandel ablösen ( man schätzt das in Deutschland 40.000 Geschäfte schließen werden), in Deutschland wird das Rentenniveau ständig abgesenkt, bald werden auch bei uns  Rentner sich um einen Hilfs Job bemühen müssen um zu existieren ( wie in den USA). Die Energiewende ist eigentlich heute  schon gescheitert. Und die Atomendlagerung ist auch noch nicht gelöst. Die Weltpolitik ist nicht mehr fähig Kriege zu beheben und oder zu beenden ( Syrien, Ukraine). Der Konsens  zwischen West und Ost in 1990 ist beendet worden und durch nichts ersetzt worden.

Dies alles geschieht in einer Zeit, in der die Wissenschaft bisher nicht erreichte Höhe erklimmt und für alles eigentlich Lösungen im Überfluss angeboten werden. Die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis wird immer größer.

Das wir so großartiges erreicht hätten? Ich kann Martin Schulz nicht verstehen. Das Europa nach diesen beiden sinnlosen Kriegen zusammenfand war überfällig und nicht außergewöhnlich. Der 1. Weltkrieg war schon ein völlig unnötiger Revanchekrieg Frankreichs wegen 1870. (Den Frankreich ebenso begonnen hatte). Der 2. Weltkrieg war von Hitler ausgelöst und  sinnlos. Vor allem, es lagen ja noch schreckliche Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg vor. Man hätte es wissen müssen was man vorhatte. Vielen betroffenen Bürgern ist in den Kriegen damals  bewusst gewesen, das hier sinnlose Machtansprüche auf ihrem Rücken ausgetragen werden. Heute verblassen die Eindrücke von damals. Die Betroffenen damals sind größtenteils nicht mehr unter uns. Es gibt aber immer noch viele, die damals als Kinder Bombenhagel, Flucht und Vertreibung erlebt haben. Wenn diese auch nicht mehr da sind, ergibt sich das Problem, deren Erfahrungen vor dem Vergessen zu bewahren.

Als erstes müsste sich die Politik um die Lösung vorliegender Probleme kümmern. Dann wären wir ein Stück weiter. – Reiner Püschel


Leserbrief zu „Alles außer Universität“ von Jan-Martin Wiarda

Ihr Artikel  stellt Wissenschaft und Industriekarriere als exklusive Alternativen dar, als ob Wissenschaft nur an Universitäten betrieben würde. Ja, es gibt leider weite Kreise, die das so sehen, insbesondere im akademischen, öffentlich finanzierten Wissenschaftsbetrieb. Ich widerspreche vehement: Gute und spannende Wissenschaft kann auch in der Wirtschaft bzw. Industrie betrieben werden. Ich selbst habe alle meine wissenschaftlichen weitreichend anerkannten Arbeiten in der Industrie, d.h. zunächst bei der Bayer AG, und später in meiner eigenen Firma, durchgeführt. Daher möchte ich allen jungen Leuten, die vor der Wahl stehen, sich  die Universitätskarriere oder eine Stelle in der Wirtschaft zu entscheiden, ermutigen: Lassen Sie sich nicht einreden, dass eine Entscheidung für die Wirtschaft eine Entscheidung gegen die Wissenschaft ist. Sie können auch in der Wirtschaft glänzende wissenschaftliche Ideen und Ergebnisse erzielen! –  Prof. Dr. Andreas Klamt


Leserbrief zu „Sprengstoff Leitkultur“ von Jens Jessen

Bindungskraft Leidkultur –  Niemand muss sich erst in die Jahre der entsetzlichen Kriege wie beispielsweise des 30-Jährigen zurück- denken, um zu erkennen, dass erlittenes Leid dieser Ausmaße eingebrannt bleibt in der Erinnerung der betroffenen wie beteiligten Menschen,Völker,Landstriche,Länder u. Staaten. Aus dem mörderischen Gegeneinander wurde oft ein annehmendes Erkennen des Andersseins, aus dem gemeinsam erlebten Chaos wuchs gewissermaßen-als Leidgewinn- Akzeptanz ,auch mal Freundschaft. Die ursprünglich erbitterten Gegner gewannen eine besondere Haltung zu Rück(sicht)name und Zuspruch, oft umschrieben mit den banalen Worten „ Nie wieder…“.  -So im kleinteiligen engen europäischen Lebens raum mit den elenden Erfahrungen aller Kriege bis annos 1939-45 und darüber hinaus. Für heute alles fromme Wünsche ? Leere Versprechen ? Naive Wahnvorstellungen ? Dass Konflikte immer wieder aufbrechen, mag an diversen Gegebenheiten weltweit liegen : von der kargen Beschaffenheit mancher Erdgegenden mit archaisch lebenden Kleingruppen, bis zur hochgerüsteten aggressiven Großgruppe im Kampf um Ressourcen, vom Verteilungskampf der Marktbeherrscher bis zum Kulturkampf und der Herrschsucht der Religionen. Das wird leider nur gemildert, kaum vermieden werden können. Gerade darum bleibt Kultur als Hilfsangebot unverzichtbar.

Der Begriff Kultur allerdings als sogen. fixierte Grösse für die Einheit eines Landes definiert, wie dies im Verständnis der AfD und manch anderer extremer Positionen dargestellt(erwünscht) wird,  mithin eine unverrück- bare, einheitliche „ Leitkultur“ im Sinne einer völkischen Grundstruktur- nach A.H. als Wesenszug des  sogen. Deutschtums, -hat nie bestanden. Besonders im Zentrum Europas hat die gegenseitige Einflussnahme, nicht nur durch ständige Grenzverschiebungen, stets in hohem Masse stattgefunden.  Sie war -beispielsweise-bei den Künsten oft auch staunend geachtet, sogar erwünscht und gern als Anregung angenommen wie verarbeitet. So z.B. in der Musikwelt des 17. u.18. Jhdts., wo die Mehrchörigkeit in den Werken Gabrielis u. Monteverdis in St. Marco zu Venedig die heimischen Musiker , -auch die „Bachen“ im Thüringischen,- stark beeindruckten wie anregten. Michelangelo,Dürer,Piranesi, damals im Bereich der Bild. Künste . Im 20.Jhdt. beispielsweise die Altmeister der Moderne Kurt Schwitters, Salvadore Dali, El-Lissitzky, oder Andy Warhol, Roy Lichtenstein, die Pioniere des Pop. Was sollte da jemals alleinige Leitkultur gewesen sein ?

Eher ein Schmelztiegel der Anregungen.  Gewiss : Gewohnheiten,Sitten, Traditionen bilden sich heraus, Brauchtum wie die „berühmte“ Maschsee-Regatta, das glanzvolle Festival in den Herrenhäuser Gärten zu Hannover . Aus all dem erwachsen Lebensnormen, letztlich Verfassung-u. Gesetzesvorlagen. Die sind entstanden in Jahrhunderten, hierzulande flexibel geblieben und bezeugen eine demokratische weltoffene Lebensweise mit hoher Gemeinschaftlichkeit und Gastfreundschaft.  Multikulturalismus , in diesem Zusammenhang positiv erlebt, muss keine Ängstlichkeit( wie seitens der rechten Gruppierungen drohend gezeichnet ) auslösen, zu angeblich importierter kultureller Überfremdung. oder gar noch schlimmer : zur Aufgabe des angeblich ureigenen kulturellen Besitzes. Kultureller Besitz bleibt Allgemeingut, allen weltweit zugänglich. Insofern ist der Begriff Kultur( Leitkultur ) missverständlich u. eingeengt benutzt worden. Gesetzestreue einzuhalten ist dagegen selbstverständlich.

Eine Duldung von Zwangs-wie Kinder-Ehen, die Entrechtung der Frauen, Ehrenmorde und die Scharia , abgeschottet in Parallelgesellschaften ,kann für uns in  Europa keine Option sein.  Sicher, auch Flüchtende aus bitterer Not bringen ihre Sitten u. Gewohnheiten mit, die hier – trotz unserer gelebten Offenheit u. Direktheit-z.Zt. nicht überall gern gesehen werden. So etwa das Tragen von Nikab oder Burka, die Vollverschleierung der Frau, oder die Abkasbelung in religiös-fanatischen Zirkeln, die Andersgläubige als Atheisten bekämpfen.  Da darf gefragt bleiben, was wir tolerieren wollen oder wo doch Grenzen gesetzt bleiben müssen. Eine Muslima in der schwarzen Burka als Klassenlehrerin im Deutschunterricht bleibt schwerlich denkbar. Was (er-) trägt eine gestandene Leid-Kultur, die wir Deutschen erlangt haben, diese Fähigkeit durchzustehen, zu  tolerieren, abzugeben, teilhabenzulassen, zu vergeben ? Ein über Jahrhunderte währender Lernprozess. Auch deshalb gibt es die grossartige wie selbstverständliche Willkommens-Haltung (-kultur ), wenn auch aus verständlichen Gründen graduell unterschiedlich in allen Bundesländern. Genau dies ist- neben den Versprechen der Geborgenheit und des Wohllebens- der Magnet der weltweiten Sehnsucht namens Germany.

Es muss wohl doch diese Besonderheit des freundlichen Empfangen sein :  Kommt, wir helfen Euch, hier könnt ihr unbehelligt leben. Multikulturalismus ist längst Realität bei uns, seit Jahrhunderten. Auch, wenn damals im Teutoburger Wald um die Freiheit gekämpft wurde, die römische Baukultur, das Lateinische, in der Folge die Romanik, liessen sich nicht aufhalten, bestimmten das leben unserer Vorfahren in hohem Maße mit. So wurden sie zu Symbolen der Verheißung u. hoher innovativer Präsens, wie beipielsweise die grandiose Basilika St. Michaelis zu Hildesheim. Wir haben gelernt, mit ständigen Veränderungen zu leben, gelassener, selbstsicherer, bewusster, haben vieles durchlitten. DAS ist unsere Kultur .  Die würde eine Rechtsaußenpartei ( ..armes Deutschland.. ) liebend gern wieder wandeln in eine reichsdeutsche Lenk-u.Leitfunktion , begleitet von strenger Marschmusik . Rassismus pur: schwarz(-haarige) raus, blond rein.  Alle Arbeitsplätze bitte vorrangig den Volksgenossen. Nein, – es gibt nun einmal junge Menschen , die Turday heißen oder Saeed, die in ihrer Heimat chancenlos bleiben, dahinvegetieren, ohne Ausbildungsmöglichkeiten, oder, schlimmer, durch Krieg und Zerstörung vertrieben werden.

Sie suchen verzweifelt ihre Zukunft woanders, sie kommen zu uns. Wer wollte es ihnen verdenken ?  Als ein 15-Jähriger im 18. Jhdt. sein deutsches Land verließ, um anderswo Chancen zu erhalten, war es nicht viel anders, da waren die Spuren der Zerstörungen des 30-jähriigen Krieges noch unübersehbar. Als Joh.Seb. Bach zu Fuß die 250 km von Ohrdruf in Thüringen nach Lüneburg lief, überwand er manche Grenzen. Er war froh, zum gerühmten Kantor Georg Böhm an St Johannes zu gelangen, um musikalisch Zukunft zu erlangen. So damals wie heute.  Besinnen und erfreuen wir uns dieser Tage der kulturellen Vielfalt, der wunderbaren Anregungen die die künftigen Neubürger uns mitbringen, schenken. Vergessen wir nicht und gedenken der eigenen Leidkultur, die möge uns weiterhin begleiten und leiten, offen und friedfertig zu bleiben,ohne andere zu bevormunden. – Prof. Hans Sasse


Leserbrief zur Titelgeschichte „Das Märchen von der Gerechtigkeit“ von Uwe Jean Heuser

Ich fand den Titel zu Gerechtigkeit sehr lesenswert. Nur das naive Hantieren mit Einkommens-Statistiken in manchen Artikeln ist ärgerlich. Selbst wenn es sich hierbei um inflationsbereinigte gehandelt haben sollte – es dürfte sich herumgesprochen haben, dass bei niedrigen Einkommen die Inflation viel mehr zuschlägt, weil die Teuerung bei Mieten, Lebensmitteln sehr hoch ist. Wer 50% seines Einkommens für Miete ausgibt, hat eben nicht den vom statistischen Bundesamt der Inflationsberechnung zugrunde gelegten kompletten Warenkorb, sondern einen sehr selektiven, er profitiert nicht davon, dass die Neuanschaffung eines Kühlschranks ‚billiger‘ ist, weil er leider seinen alten benutzen muss, bis der wirklich, wirklich den Geist aufgibt. Um einmal das Lebensgefühl der ‚unteren Mitte‘ in Deutschland zu illustrieren – Matthias Meindl


Leserbrief zu „You say Goodbye, and I say Hello“  von Bernd Ulrich

Merkel gehört natürlich schon in die Galerie der bedeutenden Nachkriegskanzler, zusammen mit Adenauer,  Brandt und Kohl. Was ihre Faszination ausmacht ist ihre Ehrlichkeit, Unvoreingenommenheit und Intelligenz im Umgang mit anderen Staatschefs und das Fehlen einer bemüht wirkenden Wiedergutmachungsmentalität  die ihre Vorgänger meistens zeigten. Für sie ist das Kapitel Nazi-Deutschland eine geschichtliche Hypothek der  Deutschen die diese langsam aber gründlich abzuarbeiten haben (durch die AfD verzögert sich das). Vor diesem  geschichtlichen Auftrag sehe ich ihre Reaktion von vor einem Jahr, als sie überraschend für viele Deutsche ihr  berühmtes „Wir schaffen das“ über die anschwellenden Flut der Flüchtlingsströme stellte.

Wie eine späte Reaktion  ihrerseits auf das noch nicht geschlossene Konto der deutschen Geschichte des 20.Jahrhunderts, wo im Namen  Deutschlands Völkermord und Eroberungskriege die Nachkommen der damaligen Generation immer noch  beschämen müssen. Vielleicht kann man ihr Wort von vor einem Jahr mit dem Kniefall Brandts in Warschau vergleichen.

Der symbolischen Wirkung von damals entspräche heute die politische Wirkung von Merkels  Aufforderung, die Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. Beide Male gab es erbitterte Reaktionen -mit Hass unterlegt. Und wenn der Zusammenschluss der Europäer nach dem Grauen des zweiten Weltkrieges einen großen Fortschritt darstellt, muss heute unbedingt -den törichten Rückzug der Briten zum Trotz- dieses Projekt  von Merkel mit der bei ihr weiterhin vorhandenen politischen Energie forciert werden. – Klaus Reisdorf  


Leserbrief zu „Und Shilan musste sterben“ von Daniel Müller et. al.

Die juristische Definition ist unumgänglich, denn Motive von Straftaten gehören nun mal zum Prozessgeschehen. Im ethischen Sinn lässt sich die im dargestellten Zusammenhang gestellte Frage: „Wann ist ein Mord ein Ehrenmord?“ allerdings eindeutig beantworten: Nie!

Und wenn Herr Kizilhan als Experte sagt, „dass Religion dabei keine so große Rolle spiele, eher die sehr traditionelle patriarchalische Struktur, die antiquitierte Vorstellung von Ehre …“, dann ist das erstens ziemlich vage und zweitens nur die halbe Wahrheit. Zum Anliegen der Religionen, nützliche Vorschläge für mitmenschliches Verhalten zu machen, gehört eben auch die Aufgabe, schädliche Strukturen als solche zu benennen und zu deren Überwindung beizutragen. Auch und gerade dann, wenn die in archaischen Zeiten mal Instrumente zum Zusammenhalt von Clans gewesen sind. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Sprengstoff Leitkultur“ von Jens Jessen

Leitkultur! Das Wort missfällt mir schon.  Warum will er nicht verstehen, daß verschiedene Kulturen auf unserem Globus zu Hause sind. Jedes Land hat eine eigene Kultur. Die einen mehr die anderen weniger.  Das zeigt sich schon in der Politik. Und das ist das eigentliche Dilemma, warum die Politiker sich so schwer tun. Ich erkenne kein Konzept wie das geändert werden kann. Wir glauben, wer unser Geschäftsmodell nicht folgen will, der ist unser Feind.  Nichts auf der Welt ist alternativlos. Der Westen nimmt für sich in Anspruch den Stein des Weisen gefunden zu haben. Damit fängt der Zirkus an. Von den circa 190 Staaten auf unserem Erdball werden vielleicht nur 20% demokratisch geführt.  Ich verstehe natürlich was Jens Jessen, den ich übrigens sehr schätze, mit seinem Beitrag sagen will.  Bleiben wir in unserem Land.  In einer Sache möchte ich ihm doch widersprechen.  Womit die Bürger die meisten Probleme haben, ist doch die Tatsache, das wir überfallartig mit Menschen zu tun haben, die fast alle aus Staaten kommen, die durchweg ihre Religion auch als Staatsaufgabe sehen.

Der Terror hat das Fass zum überlaufen gebracht.  Das zu ändern, können die muslimischen Bürger nur selbst tun. Ich habe noch nicht vernehmen können, daß sich die Vereine der Muslime und andere religiöse Anführer offen zur Demokratie bekennt haben. Auch der Bürger, der schon zig Jahre in unserem Land lebt, hat das nicht gezeigt – von wenigen Ausnahmen abgesehen. Ich habe erlebt, wie Erdogan, als er in Köln in der Sportarena auftrat, von seinen Bürgern wie ein König empfangen wurde. Und das waren alles Muslime, die schon 30, 40 Jahre in Deutschland leben.  Die Mär von der Politik, daß sich diese Muslime gut integriert haben, ärgert viele Menschen.

Und die Medien haben ihren Teil auch dazu beigetragen. Hier leben wollen aber ansonsten kein Interesse an unserer politischen „Kultur“ zeigen, wird jeden Staat schwächen und auch zu Verwerfungen führen, wie wir es jetzt erleben. Für mich ist es kein Wunder, daß die AfD von Jahr zu Jahr immer mehr Zulauf bekommt.  Trotz einiger dummen Sprüche. Das interessiert die Bürger kaum.

Ich bin weder links noch rechts, vielleicht eher konservativ. Aber im Grunde bin ich ein Vernunftsmensch.  Aber dazu braucht man einen gesunden Menschenverstand. Das scheint vielen Politiker verloren gegangen zu sein.  Am Wochenende fliege ich nach München zum Oktoberfest.  Das ist auch eine Einrichtung , die es nur in Bayern sprich Deutschland gibt. In Bayern gehen die Uhren ohnehin ganz anders als im übrigen Deutschland. Und das ist auch gut so.  – Gunter Knauer 


Leserbrief zu „Schafft die Vorträge ab!“ von Daniel Hornuff

In seinem Artikel „Schafft die Vorträge ab!“ fordert Daniel Hornuff, auf wissenschaftlichen Tagungen und Kongressen die Präsentationen arrivierter Wissenschaftler zu stoppen und stattdessen vorwiegend noch nicht publizierte, neue Erkenntnisse vorzutragen, zu diskutieren und dem wissenschaftlichen Nachwuchs Foren zu schaffen.

Der Gedanke des griechischen Symposions ist für kreative Geister zweifellos verlockend, aber jede/r, dem/r schon einmal noch unpubliziertes, wertvolles Gedankengut gestohlen wurde, das er/sie dann in Publikationen von anderen wiederfinden musste, wird sehr skeptisch auf Hornuffs Vorschlag reagieren und ihn als illusorisch bezeichnen müssen. Das Urheberrecht schützt eben nur publiziertes Material. Einen offenen, freigebigen Umgang mit den eigenen Ideen kann sich gerade der noch nicht arrivierte wissenschaftliche Nachwuchs wohl kaum leisten, dessen Ideen ohnehin sehr oft von anderen, die Zugang dazu haben, ausgeschlachtet werden.

Einige Kongresse organisieren übrigens seit langem schon dezidierte Doktorandenforen, in denen die jungen Wissenschaftler ihre Konzepte vorstellen und diskutieren können.

Hornuff zeichnet aber auch ein einseitig negatives Bild von Vorträgen als egozentrische Selbstinszenierungen, die angeblich Zitation und Nachahmung als Unterwerfungsrituale einfordern. Kongresse sind Informationsforen zum Stand der Wissenschaft und als solche gerade für den Nachwuchs wichtige Orientierungshilfen. Vorträge als akademische Darstellungen ausgewählter Themen auf dem Niveau der aktuellen Diskurse sind auch in der Lehre unverzichtbar zur Orientierung der Studierenden in einer kaum überschaubaren Fülle von Publikationen unterschiedlichster Qualität. Dass das die alternativen Lernmethoden nicht optimal ersetzen können, und diese auch nicht in allen Bereichen einer akademischen Ausbildung optimal funktionieren, zeigen u.a. die Abschlussstatistiken von Kursen digitaler Bildungsangebote. – Prof. Dr. Susanne Vill


Leserbrief zu „Es gibt nun mal Menschen, die Jutta heißen“ ein Gespräch mit Navid Kermani, geführt von Iris Radisch

Gern möchte ich den Totalverriss,  mit dem I. Radisch dem Schreiber N. Kermani attakiert,  als subversiven Versuch   mißverstehen (?),  Herrn Kermani in die Reihe der möglichen Bundespräsidentenkandidaten einzuschreiben.

Nichts wäre in unserer stürmischen Zeit trefflicher:  denn  N. Kermani hat einen von keinem anderen Prätendenten   einholbaren Vorzug:  Er lebt, denkt, schreibt gleichermaßen beglückend im europäischen wie islamischen Lebens-   und Kulturkreis. –  Günter Vogel


Leserbrief zu „You say Goodbye, and I say Hello“  von Bernd Ulrich

Nachdem Tina Hildebrandt und Miriam Lau in der vorherigen ZEIT resumiert haben: ”In der CDU wird über Merkels Ende spekuliert. Jetzt hat die Kanzlerin entschieden, zu kämpfen“ fühlt sich Bernd Ulrich aufgerufen, anhand von vier Gründen darzulegen, dass „Angela Merkel noch einmal als Kanzlerkandidatin antreten muss.“  Nanu, Frau Merkel auf einmal „alternativlos“?

Die Begründungen von Bernd Ulrich sind für mich nicht überzeugend. Vielleicht sollte man sich in diesem Zusammenhang der Lebenserfahrung erinnern, dass auch große Leute nach einer gewissen Zeit „ihr Pulver verschossen haben“  und sich auch bei ihnen im Laufe der Zeit „Leichen im Keller ansammeln“, die den Nachfolgern manche Sorge bereiten. Man fragt sich, warum ausgerechnet Angela Merkel in diesem aufreibenden Amt eine Ausnahme machen sollte?

Wir sollten ihr danken, dass sie zwölf Jahre lang die Mühen des Amtes auf sich genommen hat und ihr eine geruhsamere Zukunft wünschen. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin wird sich auch in ihrem Falle finden. – Klaus Grieshaber


Leserbrief zu „Er und wir“ von Peter Kümmel

Sie beschreiben dieses leichte, flockige Franzeln: den Fußballer, den Schauspieler, den Show-Spieler. Unglückseligerweise hat sich Beckenbauer aber durchaus auch auf anderen Terrains getummelt, und die sind nicht harmlos. Dass er Willy Brandt einst ein „nationales Unglück“ nannte: Stand so einem so etwas zu?? – Angelika Boese


Leserbrief zu „Ein zeitgemäßer Faschist“ von Fred Turner

Die andauernde sinnlose Diskussion im Blätterwald über die beiden Kandidaten  beruht auf einem völlig fehlenden Kenntnis der US-Verfassungswirklichkeit! Deutschland ist keine echte Demokratie! Die Gewaltentrennung zwischen Bundstag und Regierung gibt es in der BRD noch nicht. Wenn Frau Merkel Geld oder ein Gesetz haben will, hetzt die gesamte SPD-Fraktion sofort eifrig los  und apportiert schwanzwedelnd, glücklich über die gewährte Gnade.

In den USA ist es genau umgekehrt! Jeder US-Präsident wird selbst von seiner eigenen Partei  im Kongress über das ETAT-Recht negativ kontrolliert und ausgebremst.  Daher blieb Obamas Drohung zu Assads Giftgas-Verbrechen eine ohnmächtige Geste! Daher bieb Obama 8 Jahre lang ein wirkungsloser Präsident! Daher belog Busch damals Volk und Parament – nur so bekam er seinen Irak-Krieg genehmigt! Denn der US-Prasident ist lediglich die Gallionsfigur des US-Staatsschiffes;  nicht die bestimmt den Kurs sondern der Kapitän Kongress! Daher ist es für die Welt völlig unwichtig, wer in den nächsten 4 Jahren den Hausmeisterdienst im „Weißen Haus“ versehen darf.  Um einen Ex zu immitiern – merkt euch: „It´s the Congress – you stupids!“. – Jochen Blankenburg


Leserbrief zu „Er sah alles kommen“ von Stefan Aust

Konrad Heidens seherische Fähigkeiten inEhren – aber die daran geknüpften Schlußfolgerungen sind Geschichtsklitterung. Denn Hitlers NSDAP war eine Lachnummer, 1929 gerade mal 12 Abgeordnete im Reichstag. Das wäre so geblieben!

Es brauchte den Idioten Brüning, Reichskanzler ab 1929, der mit einer Wahnsinnspolitik des Kaputtsparens 6 Millionen Werktätige, mit Ehefrauen und Kindern, dem Verhungern auslieferte. Sozialstaat gab es noch nicht!

Die griffen nach dem Strohhalm Hitler – der sich für sie zunächst als rettender Weihnachtsmann erwies, weil er sie fütterte. Ohne Brüning hätte es nie einen Reichskanzler Hitler gegeben! – Jochen Blankenburg


Leserbrief zur Titelgeschichte „Das Märchen von der Gerechtigkeit“ von Uwe Jean Heuser

Zu den allgemein anerkannten „Wahrheiten“ in unserer Gesellschaft gehört die Formel: Erfolg ist gut. Und ein Kriterium, um Erfolg zu messen, ist Geldvermögen bzw. materieller Reichtum. Kombiniert mit dem materialistischen Postulat „Leistung muss sich lohnen“ ergibt sich daraus im Umkehrschluss, dass Vermögen auf einer gute Leistung basiet. Also sind reiche Menschen bessere Leistungserbringer und können sich damit legitimieren.

Leistung ist aber nicht im moralischen Sinn gut oder schlecht und damit erstrebensWert , sondern im wirtschaftlichen Sinne ein Prozessergebnis. Und der Prozess ist die Verteilung des knappen Gutes Gesamtvermögen. Wer sich besonders erfolgreich in der Aneignung von Teilmengen des Gesamtvermögens hervortut , erbringt im gesellschaftlichen Wertekanon der Marktwirtschaft eine gute Leistung und verdient damit Anerkennung bzw. diese Leistung rechtfertigt die Verteilungsungerechtigkeit.

Und dies, ohne die Grundlagen, den Prozess und das Ergebnis moralisch zu hinterfragen und auf Leistungsgerechtigkeit zu prüfen. Solange die wirtschaftlichen Grundwerte nicht auf Teilhabe und soziale Gerechtigkeit hinterfragt werden, wird sich auch an der Verteilungsungerechtigkeit nichts ändern. Und die Unzufriedenheit wird mit zunehmender Kenntnis von Prozessimmanenten Ungerechtigkeiten durch die Privilegierten und Nutznießer des Systems zunehmen, unabhängig von statistischen Werten. – Hans Henri Süthoff


Leserbrief zu „TTIPleite“ von Josef Joffe

Der Aberglaube vom wohlstandsfördernden freien Welthandel beruft sich auf Ricardos Theorem vom komparativen Nutzen. Vor genau 200 Jahren für die Armutsgesellschaft erdacht, als Güter noch knapp, und die Bedürfnisse unendlich schienen, ist diese Idee nicht nur überholt sondern in das Gegenteil umgeschlagen (so auch Krugman / Stiglitz!)

Heute haben solche Theoreme aus der Jungsteinzeit der Ökonomie keine – oder wie in diesem Fall – sogar die entgegengesetzte negative Wirkung: Ricardos Theorem ist die entscheidende Ursache für die nicht mehr zu behebende Arbeitslosigkeit der durchrationalisierten, hochmodernen Industrienationen!

Die hochentwickelten Industrie-Nationen wie BRD, USA, Japan sind in der Wohlstandsgesellschaft angekommen. Sie sind in der Lage, jedes beliebige von Menschen herstellbare Gut in unendlichen Mengen zu produzieren. Güter sind in der EU nicht mehr knapp sondern in unbegrenzter Fülle zu jeder Zeit verfügbar! Ozeantransporte sind heute überflüssige Umwelt-

und Klimabeschädigung!!!

In unseren Wohlstandsgesellschaften ist Wachstum nicht mehr möglich, weil die oberen 50 % der Privaten Haushalte alles haben! Ihre Bedürfnisse sind erfüllt! Sie betreiben nur noch Ersatzkonsum! Sie sparen nicht mehr gezielt sondern legen ihr überflüssiges Einkommen zurück, weil sie keine sinnvolle Verwendung dafür sehen. Und die unteren 50 % haben zu wenig Einkommen um Nachfrage zu generieren! Daher fortan Inflation objektiv unmöglich! Von nun an herrscht in Japan, BRD und USA Deflation!

1970 hatte die BRD 11 Mio. ha Wald, und „Le Waldsterben“ wurde in Frankreich als Lehnwort eingeführt! 2010 hatte die BRD 12 Mio. ha Wald! Eine Million ha Agrarland wurde aufgeforstet, weil auf Grund der Überschussproduktion nicht mehr nutzbringend zu bestellen! 30 % der besten Hanglagen der Weinberge an Mosel, Saar und Ruwer verwildern! Sie werden nicht mehr bewirtschaftet!

TTIP nötig? Gab es wirklich bisher keinen Handel über den Atlantik?

Selbstverständlich sind Nafta, TTP und TTIP nur ein US-amerikanischer Versuch, die o.a. beschriebene überschießende Produktionsflut, in den USA konkurrenzlos mit 11 Millionen illegalen rechtlosen südamerikanischen 1-US-$-Löhnern erzeugt, in den zahlungsfähigen Teil des Weltmarktes zu kippen. 5 Jahre später gibt es in Europa nur noch Nischen-Landwirtschaft und Rest-Winzer, plus Agrarwüste und explodierender Erwerbslosigkeit!

Wer TTIP begrüßt, will die europäische Landwirtschaft, die ohnehin in ihrer Überproduktion ertrinkt (Milchozean!) vernichten helfen!

Beispiel Bangladesh. Könnte heute auf dem ökonomischen Niveau von Südkorea sein! Wenn nicht die unbegrenzte Ausbeutung der dortigen Werksklaven durch die westlichen Handelskonzerne das Land in eine Armutsgesellschaft einbetoniert hätte, während gleichzeitig die ebenso unfähige wie gleichgültige Oberkaste der westlichen Politiker 25 Millionen Arbeitsplätze der EU verkommen ließ. In die Bewertung müssen beide Folgen gegeneinander aufgewogen werden: Nationaler Güterpreisgewinn gegen nationale neue Arbeitslosigkeitskosten!

Resümee: Unbeschränkter Welthandel erzeug Armut in beiden beteiligten National Ökonomien!

Trump, Le Pen – und jetzt auch Clinton – sind keine Hellseher. Sie nehmen nur alle die von den Nobel Ökonomen wie Stiglitz und Krugman aufgezeigten o.a. Irrtümer ernst: Welthandel wie bisher ja, aber ohne die kriminellen Anschläge von Nafta, TTP, TTIP! Und: Welthandel protektionistisch beschränkt, wenn eigene Arbeitsplätze durch marktschädigende Dumping- und marktwidrige staatlich Subventionsmethoden in Asien oder Afrika gefährdet werden!

Ebenso erstaunlich wie hoch bedauerlich, dass die naiven Stammtisch-Ökonomen der TTIP-Bejubler diese Zusammenhänge nicht begreifen können, obwohl das Schicksal von Europas Textil- und heute der Stahlindustrie jedem vor Augen liegen.

Der Aberglaube vom nutzreichen (wenn konditionslosen und sklavennutzenden) Welthandel ist 200 Jahre alt. Ebenso das dazu gehörige Erfolgsrezept: Beggar Thy Neighbour – ruiniere deinen Nachbarn. Die Grundlage für TTIP ist fast ebenso alt: Lassalle: Das eherne Lohngesetz: Der Werktätigen braucht nur so nur so viel, dass er von seinem Lohn knapp überleben –  und weiterhin schuften kannn!

Das ist die Welt, die Herr Joffe herbeirufen will!!! – Jochen Blankenburg


Leserbrief zu „Nur ganz kurz“

ein Portrait von alleinerziehenden Müttern scheint dem heutigen journalistischen Zeitgeist zu entsprechen:   Frau Janette Neumann – mit 30 Jahren 4-fache Mutter – hat ihre Kinder im Alter von 16, 18, 19 und 21 Jahren zur Welt gebracht.   Mit Ihren gesundheitlichen Problemen und ohne Ausbildung wird sie mit vier Kindern wohl kaum eine Arbeitsstelle finden.   Unser dicht gewebtes soziales Netz ermöglicht ihr aber ein  – wenn auch bescheidenes – Auskommen mit der staatlich garantierten sozialen Unterstützung.   Welche Ünterstützung erhält Frau Neumann vom Vater – oder von den Vätern – ihrer vier Kinder? Oder stiehlt dieser – stehlen diese – sich klammheimlich aus der Verantwortung.   Die Titelunterschrift passt genau: Deutschland, was denkst du?   – Ludwig Repp

 

15. September – Ausgabe 39

Leserbrief zu „Wie mit der AfD umgehen?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

Die beiden Autoren empfehlen die AfD nicht immer gleich mit Neonazis oder Rechtsextremen gleichzusetzen.  Dankenswerterweise hat die ZEIT diese Argumentation gleich wieder zurecht gerückt, indem sie auf der gleichen Seite unter den Worten der Woche Frauke Petrys Zitat abdruckt, in dem sie keinen Unterschied zwischen Volk und völkisch sehe. – Torsten Pech, M.A.


Leserbrief zu „Kühler schwarzer Mann“ von Kerstin Kohlenberg

Ich meine in der Aktuellen Ausgabe „Die Zeit“ einen eklatanten Fehler gefunden zu haben.

Vielleicht eine kurze Erläuterung. Die Problem (Humanitärer Art) im Irak sind auf die Sanktionspolitik (https://www.welt.de/debatte/kommentare/article9783521/Der-vergessene-Krieg-gegen-Iraks-Zivilbevoelkerung.html) gegen das Saddam-Regime in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als auch den Krieg 2003, zurück zuführen. Dieser Krieg, als auch die wirtschaftlich Zerstörung durch die Sanktionen, hat den Irak in der Entwicklung um Jahrzehnte zurück geworfen. Ist es dann nicht legitim, unter der Annahme „jeder Mensch hat das Recht auf Leben“, dass die Einwohner irgendwann flüchten? (Die Wanderbewegung stark gestützt durch das Internet und das „sehen“ wie gut es dem Westen geht)

Bei Syrien sag ich nur Mossadegh – 1953 – Iran – Putsch von CIA und MI6. Diese Unterlagen, über die amerikanische Beteiligung, wurden nach 50 Jahren freigegeben. Vorher wurde jeder, der die USA damit in Verbindung gebracht hat, als Spinner abgetan. Deshalb unterstelle ich einfach mal, dass Syrien ähnliches wiederfahren ist. Die Beweise hierfür kann ich jedoch leider erst in 50 Jahren nachreichen.

Sofern meine Ausführung richtig sind, würde ich abermals bestätigen, dass die Aussage im Artikel falsch ist. Die Amerikaner sind sehr wohl für die Flüchtlingsströme verantwortlich! Wenn sie hierbei nicht sogar federführend waren und sind! (Beachte Drohnenkrieg) – Finn Kahlstorf 


Leserbrief zu „Seit wann ist der Mensch ein Mensch/“Familie Mensch“ von Ulrich Bahnsen

Mit großer Aufmerksamkeit habe ich soeben den o.g. Artikel von Herrn Ulrich Bahnsen gelesen. Bitte teilen Sie mir mit, auf welchen wissenschaftlichen Erkenntnissen die umfangreichen Behauptungen, Ableitungen, Begrifflichkeiten sowie Interpretationen der Menschheitsentwicklung beruhen, die in diesem o.g. Text einschließlich der Grafiken als Tatsachen dargestellt werden. Literaturangaben hierzu wären zumindest angemessen. – Margret Struve, Restauratorin und Museumspädagogin/Lehrerin mit Magister a.D. und Mitarbeiterin des Deutschen Archäologischen Instituts im Ehrenamt bis 2015


Leserbrief zu „Wie mit der AfD umgehen?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

Ihre neun Thesen zum Umgang der Medien mit der AfD spiegeln großes Vertrauen in die Wirkkraft der Aufklärungskultur wider. Die journalistischen Ideale der Wahrheitsorientierung, Aufrichtigkeit, Transparenz und Selbstkritik unterschreibe ich voll und ganz. Im Kasten „Hinter der Geschichte“ auf der Seite 2 unten rechts ist zu lesen, dass Ihr Plädoyer eine lebhafte Diskussion in der Redaktion ausgelöst habe. Allzu gern wäre ich dabei gewesen. Ich hätte folgende Gedanken ins Gespräch gebracht:

•    Das Funktionieren der Vernunftkultur hängt eng zusammen mit der Errungenschaft der Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und Judikative. Dass Vernunft eine Chance hat im Kräftespiel der Macht, ist aber auch noch abhängig von der vierten Gewalt, der „Informative“, also Medien, die Öffentlichkeit herstellen.

•    Öffentlichkeit ist ein komplexer Begriff, weil er die Verbindung der Einzelbewusstseine aller Bürger bei der Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen umfasst. Innerhalb dieser Teilhabe spielen Gefühle eine enorme Rolle, z. B. beim Gegensatz Wir-Gruppe/Fremd-Gruppe, beim Sündenbock-Denken, bei sozialer Existenzangst, bei Stereotypen und Ressentiments.

•    Die Sozialforschung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass in den Gesellschaften des „aufgeklärten“ Europas und Nordamerikas ein ziemlich konstanter faschistoider Anteil von ca. 15 Prozent existiert. Dieser Anteil besteht zu einem großen Teil aus armen, bildungsfernen Personen, rekrutiert sich aber auch aus allen sonstigen Schichten.

•    Die historischen Erfahrungen des letzten Jahrhunderts lehren, dass die Vernunftkultur nicht kräftig genug war, den massenhysterischen Jubel zum Beginn des Ersten Weltkriegs zu verhindern sowie die Gehorsamsbereitschaft des deutschen Beamtentums und die Wählerzustimmung für die Nazis zu mindern.

•    Die weltweite Vernetzung der Einzelbewusstseine in heutiger Zeit hat eine neue Art von Stammtisch-Stimmungen ermöglicht. Unter Umgehung jeglicher Art von Informative bestärken sich Politikverdrossenheit, Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit und Abstiegsängste gegenseitig. Das Stereotyp der „Lügenpresse“ immunisiert solche Geisteshaltung gegen jede Bemühung der Aufklärungskultur.

•    Untersuchungen der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Medien haben offen gelegt, dass die Publikumsanteile an politischen Magazin- und Diskussionssendungen in Rundfunk und Fernsehen bedauerlich gering sind. ZEIT-, SPIEGEL-, CICERO-Leser – um nur drei Beispiele zu nennen – stellen in der Masse der Wahlbürger eine verschwindende Minderheit dar. Boulevardfunk und -presse stehen dagegen nicht im Verdacht, politische Hintergrundaufklärung zu betreiben, werden aber massenhaft konsumiert.

•    In Ihrer These 3 behaupten Sie, es sei „nicht Aufgabe der Medien, die AfD zu bekämpfen“, es sei „ihre Aufgabe, sie zu hinterfragen“. Mit Verlaub, das ist mir zu geistesaristokratisch. Hinterfragen im Sinne von Entlarven ist ein Kampfmittel gegen Unmenschlichkeit. Provokationen der AfD-Hetzer müssen gebrandmarkt werden. Prüfen dessen, was behauptet wird, muss sich ausweiten von den Redaktionen, auch Ihrer, auf eine öffentliche Kontrolle der Web-Unternehmen, die schamlos an dem Massen-Unflat verdienen, den sie erst ermöglichen. Leider sind unsere staatlichen Zugriffsmöglichkeiten begrenzt, ob es sich um globalisierte Aggressivität bei facebook & Co. oder um globalisierte Ausbeutungsorgien der Eigentümermacht handelt.

•    Den investigativen Reportern der Washington Post sagte der geheimnisvolle Tippgeber zur Watergate-Affäre: „Folgt dem Geld!“ Das ist in meinen Augen eine gute Devise: Wer finanziert die AfD? Wer profitiert von ihren wirtschafts- und steuerpolitischen Plänen? Was ist der AfD die Bildung und Förderung der „abgehängten Bevölkerung“ wert?

In gespannter Erwartung künftiger Antworten grüßt Sie –  Viktor Rintelen


Leserbrief zu „Massiver Widerstand“ ein Gespräch mit Ludger Wößmann, geführt von Manuel J. Hartung

In Ihrem Artikel werden die Reformunlust und die höheren Gehaltsforderungen von 700 befragten Lehrer diskutiert. Die Befragten sind vor allem gegen Ganztagsschulen und Inklusion. Ich möchte gar nicht bestreiten, dass es Lehrer gibt, die Dienst nach Vorschrift machen und nur vormittags arbeiten. Diese Lehrer sind wahrscheinlich nur aus Eigennutz gegen Ganztagsschulen. Ganz verstehen kann ich den Widerwillen allerdings auch bei diesen Lehrern nicht, denn solange das Deputat nicht erhöht wird, hat man nicht mehr Unterrichtsstunden. Sie verschieben sich nur an einigen Tagen in den Nachmittag.

Was mir in Ihrer Darstellung fehlt, ist die Tatsache, dass sehr viele Lehrer sehr wohl am Nachmittag arbeiten. Sie müssen vorbereiten, nachbereiten und korrigieren, an Konferenzen teilnehmen, Elterngespräche führen, Unterrichtsgänge organisieren und das Schulleben gestalten. Selbst wenn man jahrelang unterrichtet  hat und im Grunde alle Unterrichtsstunden schon fertig in Ordnern hat, erfüllen Lehrer trotzdem noch all die anderen Aufgaben. Natürlich hängt es von der Schulform und dem individuellen Engagement ab, wie viel Lehrer arbeiten, aber viele übertreffen 40 Stunden pro Woche und manche arbeiten sogar weit mehr.

Man denkt natürlich immer, die anderen haben beruflich viel weniger Stress als man selbst, aber wer über den Lehrerberuf spricht, vergisst oft, wie anstrengend es sein kann, permanent Verantwortung zu übernehmen, permanent 100% Aufmerksamkeit zu bringen, permanent Entscheidungen treffen zu müssen, die weitreichende Folgen haben können. Viele Lehrer haben im Schulalltag kaum Pausen, weil diese von Schülern und anderen Lehrern genutzt werden, schnell noch ein paar Sachverhalte zu klären.

Ich arbeite an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen und emotionale und soziale Entwicklung. Ich bin definitiv dafür, dass Lehrer, die mit emotional und sozial beeinträchtigen Schülern arbeiten, mehr verdienen sollten. Wir werden gebissen, geschubst, beleidigt und an den Haaren gezogen. Dies passiert nicht oft, aber es passiert. Ich liebe meine Arbeit, vor allem die mit genau diesen Schülern. Aber nach einem 6 stündigen Unterrichtstag bin ich ausgelaugt und ich wäre bereit für einen schönen Feierabend. Aber ich muss vorbereiten, und das muss ich gut machen, denn wenn nicht, gibt es aller Wahrscheinlichkeit nach am nächsten Tag noch mehr Schwierigkeiten. Dazu kommen dann noch Elternanrufe, Betreuung von Nachsitzern, Organisationsaufgaben, Konferenzen, Gespräche mit Kollegen, Jugendamt, Gutachten, Diagnostik, Arbeitskreise und so weiter.

Lehrer, die engagiert und motiviert arbeiten tun dies nicht nur vormittags.
Natürlich gibt es auch Kollegen, nur wenig Engagement und Interesse an ihrem Beruf zeigen. Daher bin ich für leistungsgebundene Boni, allerdings sollte sie sich nicht an der Leistung der Schüler orientieren, sondern an der der Lehrer. Ein gerechtes Bewertungsystem für diese zu finden, wird allerdings eine große Herausforderung sein.

Zum Thema Reformen kann ich nur sagen, ich verstehe, dass Lehrer nicht alles mitmachen wollen. G8 kommt, G8 soll wieder abgeschafft werden. Sonderschulen heißen jetzt Förderschulen, sonderpädagogischer Förderbedarf heißt jetzt sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf. Schulen erarbeiten Konzepte zum Thema Inklusion, alle Beteiligten waren zufrieden, nur das Bezirksministerium nicht. Also wird wieder alles umgeworfen. Förderschulen werden geschlossen oder zu neuen Zentren zusammengefasst, ein neues Konzept muss her. Sonderpädagogen werden jedes Jahr an allgemeine Schulen abgeordnet, sind dort nicht immer willkommen oder werden benutzt, um die Lehrer von den Förderschülern zu befreien. Sonderpädagogen müssen sich oft jedes Jahr  an neuen allgemeinen Schulen zurechtfinden und zwischen mehreren Dienstorten pendeln. Lehrer und Schüler müssen sich wieder an neue Sonderpädagogen gewöhnen. Lust haben wir darauf alle nicht. Wenn es ganz schlecht läuft, wird man als Vertretungskraft eingespannt oder übernimmt Fächer und unterrichtet dann im Regelschulsystem. Der Berufswunsch war allerdings ein anderer.

Und die Inklusion? Meiner Erfahrung nach ist sie immer dann gelungen, wenn der Schüler brav im Unterricht sitzt und sein Material bearbeitet, das ihm der Sonderpädagoge gegeben hat. Ob er was dazulernt ist nicht von Interesse, er hat ja sowieso einen Förderbedarf. Ich sage nicht, dass Schüler an Föderschulen per se mehr lernen, der Lernerfolg ist meiner Ansicht nach stark lehrerabhängig und leider gibt es auch an Förderschulen Kollegen, die sich auf dem Föderbedarf ihrer Schüler ausruhen. Aber es gibt immer mehr motivierte Lehrer, die Schüler so viele Inhalte wie möglich vermitteln wollen. Und sehr oft geht das in kleinen Klassen mit direkter Instruktion und vielen Wiederholungen besser. Und auch vielen Schülern geht es unter gleich gesinnten viel besser, das wird leider immer vergessen. Es kann sehr anstrengend sein, unter vielen gleichen der andere zu sein.

Natürlich gibt es auch Schüler, die in der Inklusion sehr gut zurecht kommen. Das sind solche, die in ihren intellektuellen und sozialen Leistungen nahe an denen ihrer Mitschüler sind. Für diese Schüler ist die Inklusion ein Gewinn. Aber für die Anderen? Sollte die Schulbildung nicht allen Schülern zu einer soweit wie möglich selbständigen Lebensführung und größtmöglichen Teilhabe an der Gesellschaft führen? Für einen geistig behinderten Schüler würde das Ziel vielleicht beinhalten, dass er lernt, sich selbstständig anzuziehen, auf Toilette zu gehen, Essen zuzubereiten usw. Ist das an allgemeinen Schulen und in großen Systemen möglich?

Warum also Förderschulen abschaffen? Ist nicht gerade die Mehrgliedrigkeit die Stärke unseres Schulsystems? Die Jugendarbeitslosigkeit lag in Deutschland im Juli 2016 nur bei 7,2%, geringer war sie nur in Malta. Spricht das nicht für unser Schulsystem?

Ein System, das für jeden Schüler den Platz findet, an dem er seinen Kompetenzen nach am besten gefördert werden kann, ist meiner Meinung nach das Beste. Dann kann auch die Inklusion funktionieren. – Bettina Jansen


Leserbrief zu „Der Trick mit dem Huhn“ von Heike Buchter et. al.

Welch eine überhebliche Stimmungsmache betreiben die Autorinnen in ihrem Artikel gegenüber den Kritikern von TTIP/CETA/TISA etc.! Der Artikel läßt nicht einmal ansatzweise erkennen, daß die Autorinnen sich bemüht hätte Argumente gegen diese Abkommen sachlich zu prüfen. Ein Blick auf bestehende Handelsabkommen vergleichbarer Ausprägung, wie z.B. NAFTA, hätte schnell gezeigt, welche Auswirkungen zu erwarten sind. So wird Mexiko durch NAFTA beispielsweise  in seiner politischen Gestaltungsfreiheit durch den „Investorenschutz“ massiv eingeschränkt.

Der Versuch politisch gegen die grassierende Übergewichtigkeit der Mexikaner vorzugehen und die Verwendung von Isoglucose in Lebensmitteln einzuschränken, scheiterte an Investorenklagen und Mexiko zahlte Entschädigungen in Millionenhöhe an Lebensmittelkonzerne. Dies nur als ein Beispiel von vielen, wie durch die „Freihandelsabkommen neuen Typs“ die Macht von Volksvertretern an Konzerne übergeht. Sobald dieser Mechanismus erkannt wird, versteht man auch, warum diese Abkommen trotz der marginalen Wirtschaftswachstumseffekte mit solcher Vehemenz durchgedrückt werden sollen. Das erwartete, minimale Wirtschaftswachstum von nur 0,05% wird ja in dem Artikel immerhin erwähnt, ohne daß aber die Autorinnen auf diesen erstaunlichen Sachverhalt weiter eingehen.

Es geht schlußendlich nämlich um die Frage, ob die politische Souveränität beim Volk und seinen Vertretern bleibt, oder ob sich die Politik Ihren Gestaltungsspielraum künftig noch mehr von Wirtschaftsinteressen vorgeben läßt, als heute schon der Fall. Dieser Artikel reiht sich in meiner Wahrnehmung ein in eine lange Reihe von Beiträgen der „Zeit“, in denen wirtschaftsliberale Ideale als Ultima Ration suggeriert werden und die Kritiker derselben als berufsmäßige Neinsager und uninformierte Wahrheitsverdreher und Trickser diskreditiert wurden. Das Agieren der Abkommensbeführworter wird hingegen lediglich als teils ungeschickt aber grundsätzlich korrekt dargestellt. Schade, daß die „Zeit“ sich für solch neoliberale Stimmungsmache vor den Karren spannen läßt. – Albrecht Ernst


Leserbrief zu „Keiner war so gescheit wie Sie“ von Norbert Blüm

„Keiner war so verklemmt wie Sie“

Hartmut Neumann schreibt über seinen alten Religionslehrer

Er kam immer in einem schwarzen „Kleid“ mit  33 Knöpfen und  mit der Bibel in der Hand. 1958 , 8. Schuljahr, Abschluss Volksschule, nur Jungen, 14 oder 15 Jahre jung.  Ostern stand vor der Tür, nach Ostern Entlassung. Es war unsere letzte Stunde im Fach katholische Religionslehre. Die Bibel wurde diesmal nicht aufgeschlagen, diese Stunde war der Aufklärung gewidmet.

Was habe ich behalten? Nur einen Satz: „Schaut den Mädchen  nicht (so sehr? ) auf die Brüste!“ Aber das taten wir doch, auf dem Schulhof,  überall. Was wollte er uns lehren,  dieser große, stattliche Pastor und Lehrer?

Nach Ostern habe ich zum ersten Mal ein Mädchen geküsst, besser: sie mich! Und in den Sommerferien ein weißblondes  Mädchen aus Holland. Ihren kleinen Busen durfte ich berühren.

Ach, lieber Lehrer, was haben Sie alles verpasst! – Hartmut Neumann,  Lehrer i.R. (72)


Leserbrief zu „Unter Parteifeinden“ von Tina Hildebrandt und Miriam Lau

Danke für den Blick hinter die Kulissen, die in der „normalen Tagespresse“ verborgen bleiben.

Ein paar Gedanken dazu:

1. Die bisher klassischen Partien im demokratisch-liberalen Spektrum haben alle ein Grundproblem: Die politischen Fragen und Grundhaltungen der Menschen passen immer weniger zu den Parteigrenzen. Das führt dazu, dass sich ein und die selbe Person als Wähler bzgl. Sachthema A für CDU, zum Sachthema B zur SPD und zum Sachthema C für die Grünen entscheiden müsste und für ein weiteres Sachthema keine Heimat bei einer dieser Parteien findet. Die Bruchlinien laufen nicht mehr entlang der Pateiprogramme und entlang der gefühlten Parteigrenzen. Umso wichtiger wird die Bindekraft der maßgeblich und öffentlich sichtbar handelnden Person(en) in jeder Partei.

2. Ob CDU oder nicht – Angela Merkel präsentiert sich derzeit als eine wohltuende Ausnahme im politischen Betrieb der Bundesrepublik Deutschland und in Europa: Statt permanent auf Wählerschichten zu schielen und um deren Gunst zu gewinnen Populisten nach dem Mund zu reden (auf dass diese noch stärker werden) spricht sie bequeme und unbequeme Wahrheiten ungeschminkt aus. Sie gibt der Lösung Chancen und setzt nicht auf menschenverachtende Scheinlösungen. Sie setzt Lösungen um anstatt lautstark Forderungen in die Welt zu rufen und jeden Tag eine neue „Sau durchs Dorf zu treiben“. Damit verlangt sie uns ab, damit unseren Frieden zu schließen, dass Lösungen nicht so schnell umgesetzt werden können, wie Forderungen und Parolen in die Welt gerufen werden. Und sie verlangt uns ab, dass Lösungen mitunter schmerzliche Kompromisse sind, die keine der idealtypischen Ideen von „Richtig“ und „Falsch“ zu 100% umzusetzen bzw. zu vermeiden vermögen. Dies ist selbst dann die beste Vorgehensweise, wenn dabei nicht das denkbare Maximum, das vielleicht erreichbar gewesen wäre, herausgeholt wurde.

Nur solche Lösungen tragen in die Zukunft. Halbseidene Forderungen und dummdreiste Parolen helfen nicht. Nur ehrliche Kritik, die die Unvollkommenheit auch der eigenen Vorschläge eingesteht, kann den fruchtbaren Diskurs, den das politische Geschäft dringend braucht,  beleben und Vertrauen bei den Wählern schaffen! Merkel verliert an Binderaft in dem Maß, wie ihr Handeln nicht verständlich erklärt wird. Hier liegt das Schlüssel-Defizit ihrer Person und ihres Apparats.

3. Sollte sich die CSU nicht dazu hinreißen lassen glaubhaft ein verlässlicher Teil der C-Koalition zu sein, ist eine bundesweite Ausweitung der CDU unvermeidbar. Wen sollte denn ein CDU-Anhänger und ggf. von Merkel nach wie vor überzeugter Wähler in Bayern wählen? Es kann doch nicht sein, dass Menschen der Möglichkeit beraubt werden, dem Bundeskanzler-Kandidaten einer Bundespartei ihre Stimme zu geben, nur weil sie im falschen Bundesland leben. – Tilmann Wolf


Leserbrief zu „Wie mit der AfD umgehen?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

Wwie soll man mit der AfD umgehen? Ganz einfach: nüchtern. Kommuniziert wurde doch bisher, daß trotz so weniger Flüchtlinge in  M. – V. die AfD so viel Zulauf bekam. Auf diesen Nicht – Zusammenhang wurde bisher das Ergebnis reduziert. Tatsächlich dürfte das Wahlergebnis schlicht darauf beruhen, daß die Menschen in so großem Umfang mit der Politik (der Bundesregierung, der Landesregierungen …) nicht einverstanden sind. Wer angesichts der (sicherlich oft genug geschönten und reduzierten) Nachrichten nur ein paar Mal mehr um die Ecke herumdenkt, kann SPD und CDU kaum noch wählen. Wenn doch, so geht es demjenigen Wähler womöglich nur um Bestandserhaltung aus Furcht vor dem Chaos.

Wenn man sich also auch bei der ZEIT Gedanken um einen investigativen Journalismus neuer Prägung macht, wie verhält es sich damit, brennende Fragen zu stellen? Insofern ist die neueste Titelseite wieder einmal ein Paradebeispiel für Abschweifen von der Aktualität. Nur die Durchsicht des Inhalts weiter hinten hilft weiter bei einer Kaufentscheidung.

Stimmt es, daß Angela Merkels Mann in Panama ein Anwesen erworben hat, damit die Bundeskanzlerin sich beizeiten dorthin zurückziehen kann, um unbehelligt von allen deutschen Widerwärtigkeiten ihren Lebensabend zu verbringen? (facebook)

Stimmt es, daß seinerzeit in Rostock Lichtenhagen Molotow Cocktails geflogen sind, aber nicht, weil so viele Rechtsradikale aufliefen, sondern, weil sich die angekarrten Ausländer dort wie die asozialsten „Vandalen“ benahmen? Man ließ sie unkommentiert draußen  im Regen stehen.

Stimmt es, daß Cem Özdemir sich als wahrhafter Deutscher und Türke darstellt, auf der anderen Seite aber meint, „wir Türken haben ja auch noch Panzer in Syrien“ ? Gegen wen sollten die wohl vorgehen? Was ist das denn?

Wie steht es um die chemische Gefährdung durch Glyphosat? Was macht eine unterschwellige chemische Dauerbelastung aus?  Und was ist mit  „E605“, dem inzwischen verbotenen Teufelszeug zur Unkrautbeseitigung zum Vergleich? Diskutieren Sie mit BAYER / Monsanto .

Sehr geehrter Giovanni di Lorenzo, in der ZEIT muß man sehr darauf achten, nicht ins Ungefähre abzurutschen! Auch, wenn es Leser kostet, sollte man sich darüber klar sein, wie schwierig es ist, in Deutschland Protestdemonstrationen zusammenzubekommen. Anti – TTIP und -CETA Demos  düften nur die Spitze des Eisbergs sein, in dem das gesamte, umfängliche Protestpotential gegen die augenblickliche Politik und deren Protagonisten konzentriert ist. Auch, wenn die meisten Mitbürger einfacher gestrickt sein mögen als die ZEIT Redaktion, können Sie davon ausgehen, daß es viele genaue Beobachter und Analysten bestimmter Umstände gibt, die ihre eigene, höchst dezidierte Meinung, um nicht zu sagen, Überzeugung haben, die sie auch noch vollkommen schlüssig herleiten können. Sie werden sie nirgends lesen können noch hören. (außer vielleicht eines Tages doch noch in der ZEIT) .

So unsympatisch mir die AfD-Vorsitzende erscheint, wobei man sie kaum zu Ende sprechen läßt, so unsympatisch erscheint mit auch Julia Klöckner mit ihrem Dauerlächeln. Es kommt aber darauf an, die Leute ausreden zu lassen und sie nicht immer wieder zu unterbrechen. Allein das Verfahren der Gesprächsunterbrechung läßt die Presse ja schon als Lügenpresse erscheinen. Tagtäglich kann man es hören. Das Problem dabei ist, daß wahrscheinlich auch kein(e)  ZEIT Mitarbeiter(in) beigehen wird und Interviews von Kollegen (der Tagespresse)  auf Plausibilität untersuchen wird. Oder täusche ich mich? Es würde mich sehr freuen, wenn.

Was nun noch fehlt, ist der Kamm, der in geeigneter Weise durch Ihre Haare fahren sollte, damit Ihr Portrait etwas weniger wüst aussieht. Aber vielleicht soll dies auch nur ein Zeichen Ihrer Zerknirschtheit sein über die gegenwärtigen Verhältnisse in Deutschland, die oberflächlich betrachtet hervorragend erfolgreich ablaufen, während Politik und allgemeiner Journalismus alle wirklich gefährlichen Entwicklungen publizistisch mühsam unter der Decke halten. Oder per wirtschaftspolitischer Verordnung unter der Decke zu halten haben. Wer kann das wirklich wissen.
Lassen Sie sich Ihren Schneid nicht abkaufen. – Michael Horstmann


Leserbrief zu „Wir lachen ständig“ von Stefan Willeke

Im Kleingedruckten geben Sie an mit Informationen ohne Quellenangaben anzugeben: es haftet diesem Vorgehen etwas Unehrliches; so untergraben Sie Ihre journalistische Glaubwürdigkeit. – Marek Pelc


Leserbrief zu „Der öffentliche Körper“ von Elisabeth von Thadden

Von Thadden schrieb einen aplogethischen und dazu irreführenden Artikel: Es geht um die  PRÄSIDENTSCHATSKANDIDATIN Clinton – sie muss also erst gewählt werden und ihr Gesundheitzustand ist durchaus relevant für die Wähler. – Marek Pelc


Leserbrief zu „Wir mögen Freigeister“ von Marc Brost und Peter Dausend

Kennen Sie den? Ein Wehrunwilliger dreht alle erreichbaren Zettel um und stellt resigniert fest: „Das isses nich!“ Als er endlich das Attest seiner Wehrunfähigkeit zu fassen kriegt, jubelt er begeistert: „Das isses!“ Wer die üblichen SPD-Verlautbarungen kennt und nun das Richtung weisende Gespräch über den Traum der Linken liest, kann nur freudig zustimmen: So sollte es sein! Wenn diese Anregungen aufgegriffen und umgesetzt werden, gibt es keinen Grund mehr für Unwilligkeit. – Alfred Schubert


Leserbrief zu „Wie mit der AfD umgehen?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

Es ist Ihnen  zu danken  und es läßt hoffen, dass  Ihre Zeitung jetzt zum Überdenken der Haltung gegenüber dieser Partei anregt, die sicherlich noch in einigen wichtigen Punkten ihres Programms Änderungen vornehmen muß, deren Themen aber  zumindest in Teilen von den anderen Parteien  längst hätten aufgegriffen und mitumgesetzt werden müssen.

Leider erwähnt der Artikel nicht die juristischen Verfahrenskniffe , mit denen  nicht allein in Baden-Würtemberg  die AFD an der vollen Teilhabe und Mitarbeit bei  der parlamentarischen  Arbeit gehindert wird. – Dr. S.Köppl


Leserbrief zu „Heute – 12. September 2016“

Vom Reiten versteht ihr wohl garnichts, s.S.10 und 11. Weder sitzt das Mädchen im Damensitz, noch sitzt der Knabe auf einem Plastikpferd ( 1930 ! ). Etwas mehr Ernst bei der Politik bitte. – Heiko Rahm


Leserbrief zu „300“ von Julia Löffelholz

Nicht nur, worüber wir diskutieren, sondern auch worüber wir nicht diskutieren wirft ein Licht auf unsere geistige, politische Verfassung.

Seit Monaten beschäftigen sich Parteien, Minister, politische Gesprächsrunden, die Medien … inzwischen auch die Kanzlerin persönlich mit der Frage, ob man die Burka (ggf. auch den Burkini) verbieten soll. Immerhin ist das Problem brandheiß: nach Schätzungen in der ZEIT gibt es in Deutschland zwischen 30 und maximal 1000 Burkaträgerinnen, genauer weiß man es nicht. Aber die Burka ist schließlich ein Angriff auf die Werte des christlichen Abendlandes, und die müssen mit Klauen und Zähnen verteidigt werden, (außerdem kann man sich bei dieser Frage so genüßlich echauffieren).
Anderseits gingen in dieser Woche 2 Meldungen durch die Presse: Ca. 2 Millionen Kinder wachsen bei uns in Armut auf, und: Herr Schäuble verkündet, daß das Kindergeld demnächst um 2 (zwei!) Euro erhöht wird.

Kinderarmut in diesem Ausmaß ist für eines der reichsten Länder eine Schande. Die Erhöhung des Kindergeldes um den Gegenwert einer Flasche Bier ist eine Geschmacklosigkeit oder Zynismus. (Dafür wird im Hinblick auf die nächste Wahl eine Steuererleichterung in Höhe von 17 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, von der der ärmste Teil der Bevölkerung nichts profitiert. Dasselbe Geld für die Bekämpfung der Kinderarmut einzusetzen, würde keine Wählerstimmen bringen.  Kinder sind keine Wähler). – Und das alles in einem Land, das seit Jahren wechselnd christlich, sozial oder christlich-sozial regiert wird. Ist das zum Weinen oder zum Lachen? Auf jeden Fall zum Schämen.

Sowohl Kinderarmut als auch die Kindergelderhöhung sind der Presse kaum eine Zeile, der ZEIT keine einzige Zeile wert. Die Vorstellung, wir würden ebenso engagiert über Kinderarmut wie über ein Burkaverbot diskutieren,…. – Dr.M.Volkamer


Leserbrief zu „Massiver Widerstand“ ein Gespräch mit Ludger Wößmann, geführt von Manuel J. Hartung

Herr Wößmann vom ifo Zentrum schreibt, das  es gut ist weiterführende Schulen erst ab der siebten Klasse zu besuchen – wie in Berlin. Das stimmt nicht. In Brandenburg ist das genau so. Meine beiden Enkel haben es ja so gemacht und es war gut so. Ich habe sie und deren Freunde auch danach gefragt und alle fanden es „super“.

So richtig haben sich Freundschaften erst ab der dritten Klasse entwickelt und der Wechsel kam mit der Pubertät wo sich ja vieles verändert. – Liane Hampel


Leserbrief zu „Seit wann ist der Mensch ein Mensch/“Familie Mensch“ von Ulrich Bahnsen

Ihre Illustratoren scheinen keine Bewußtsein-Evolution durchlaufen zu sein. Warum bläst der Mann die Flöte, lauscht die Frau andächtig ihm am Feuer (wohl auch von ihm für sie entfacht)?? Immer das Gleiche. Ganz schön traurig. – Dr. Blanca-Maria Rudhart


Leserbrief zu „Servus, Tscharlie“ von Marie Schmidt

Haben Sie bei der verehrten Therese Giehse nicht das “h” unterschlagen? – Marcel Haldenwang


Leserbrief zu „Wie mit der AfD umgehen?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

Ich habe gerade den Artikel „Wie mit der AFD umgehen“ aus der aktuellen Zeit gelesen. Ich finde es sehr gut, dass sie sich so selbstkritisch in Frage stellen. Ich teile das Gefühl der Autoren, dass die Berichterstattung zur AFD nicht immer fair ist, auch wenn ich kein AFD Freund bin.  – Matthias Hiller


Leserbrief zu „Der Sündenfall“ von Carel van Schaik und Kai Michel

Wozu van Schaik und Michel eine ganze Zeitungsseite benötigen, das hat Goethe auf wenigen Zeilen und viel pointierter in seinem „Prometheus“ formuliert: „Ich kenne nichts Ärmeres / Unter der Sonn‘ als euch Götter! / … / Und darbtet, wären / Nicht Kinder und Bettler / Hoffnungsvolle Toren.“ Der Himmel ist leer, Gott nur eine Projektion! Es lebe der Feuerbachsche Topos!

Auch wenn der Begriff Gottes nun auf allerhöchstem anthropologischem Niveau dekonstruiert werden kann: Ich bekenne mich gleichwohl dazu, an der kindlich-törichten Auffassung festzuhalten, dass Gott existiert und sich in seinem Wort, der Bibel, offenbart.

Und wenn Gott existiert, denen auch die Autoren ihr Leben, ja jeden Atemzug und auch die Kraft, den Himmel mit ihren Worten zu schmähen, verdanken, werden sie ihrem Schöpfer einmal Rechenschaft geben müssen – auch über diesen ätzenden Artikel! – Marcel Haldenwang


Leserbrief zu „Der öffentliche Körper“ von Elisabeth von Thadden

Da schreibt Frau von Thadden einen gut lesbaren Artikel über die Krankheiten der US-Präsidenten von 1841 bis 2016 und gegen die entfesselte „Gesundheitshysterie“ heutzutage. Aber wer setzt da die kompakt nackte Hillary Clinton in die Mitte, sodaß ich sie beim Drum-herum-Lesen dauernd ansehen muß? Merkt keiner in der Redaktionssitzung oder beim Layout, daß die ZEIT mit diesem Bild den Artikel in jenen Voyeurismus zieht, der die Lebende jetzt vor der Wahl demütigt und entwürdigt? Das Bild folgt genau der gegenwärtigen Veröffentlichungshysterie der körperlichen Geheimnisse, die an das Licht zu bringen allenfalls Historikern nach dem Tod der Betroffenen erlaubt ist, oder unerlaubt in heutigen Klatschblättern praktiziert wird. Dazu möge sich die ZEIT zu schade sein, auch im Feuilleton. – Henning Gloege


Leserbrief zu „Wir werden gestört“ von Michael Allmaier

Auch wenn sie keine leserbriefe wollten, einfach nur: danke. sie haben meinen samstag zum lächeln gebracht! Mit passiv-agressiven grüßen und frohes weiterschaffen – Maria Grammatikopoulos


Leserbrief zur Rubrik „Nur ganz kurz“

Ihre Rubrik „Nur ganz kurz“ finde ich immer sehr interessant, nicht so in der Ausgabe Nr. 39..

Ich bin doch  ein wenig verwundert über die offensichtliche Werbung im Redaktionsteil, Seite 57,  für  eine Versicherung (Burkhardt Schmidt, 53, Versicherungsvertreter aus Pasewalk),  ohne dass diese Werbung als solche gekennzeicht wurde. Ich, als langjähriger Zeitleser möchte eigentlich mit dieser Art versteckten Werbung nicht belästigt werden. – Jutta Heuner


Leserbrief zu „Seit wann ist der Mensch ein Mensch/“Familie Mensch“ von Ulrich Bahnsen

In ihrem Artikel „Familie Mensch“ erfahre ich von einer Genmutation:

„Es macht Homo sapiens zum Langstreckenspezialisten“. Dass der Mensch diese Fähigkeit besonders zur Hetzjagd eingesetzt hat, ist sehr unwahrscheinlich. Eine Hetzjagd ist äußerst kalorienfressend und ihr Ausgang keineswegs sicher.

Bei der Auswahl einer Jagdmethode musste auch der frühe Mensch immer beide Seiten, den Aufwand und den zu erwartenden Ertrag bedenken. Und, ob sie von jedermann oder nur von besonders erfahrenen Jägern erledigt werden konnte.

Mal abgesehen vom Einsammeln von Wurzeln, Knollen, Früchten, Eiern, Maden und Insekten als Basismethode, – für die übrigens das ausdauernde Gehen von großer Bedeutung ist – steht an erster Stelle das Einsammeln von Aas. Leicht zu finden durch den anzeigenden Geierflug, und leicht zu bergen, wenn die ursprünglichen Jäger nicht mehr vor Ort sind. Dann kommt die Fallenjagd. Bei der Lauerjagd müssen schon Spezialisten ran, die an einem Wasserloch, an einer Wasserfurt, an einem Wildwechsel in Stellung gehen. Wartend und hoffend, dass der Abstand Jäger-Beute kleiner 70Meter wird, um mit ihren Pfeilen, Speeren, Schleudern einen Angriff wagen zu können. Die Schleichjagd, die dem Beutetier nachspürt, erfordert noch mehr Aufwand. Und noch viel mehr die kalorienfressende Treibjagd, bei der die Treiber ein verwundetes Tier, ein unerfahrenes Tier, ein versprengtes Tier den Fängern zutreiben.
Das möglichst nicht zu weit entfernt vom eigenen Lagerplatz mit Wasseranschluss; in einem Jagdgebiet, das sich nicht mit dem Revier einer anderen Horde überschneiden darf. Denn die könnte das Eindringen als unzulässig auffassen, die müde gehetzte Beute selbst kassieren und die nachhechelnden Treiber gleich mit auf den Grill legen.

Die vorteilhafte Fähigkeit zum ausdauernden Gehen/Laufen hilft mehr beim Sammeln, beim Suchen und Besiedeln neuer Jagdgründe, bei der Flucht vor Wetter/Klimakatastrophen, bei der Flucht vor bösen Nachbarn, bei Raubzügen. (Die nur dem Menschen eigene Nutzung des Feuers zur Steigerung der Kalorienmenge haben Sie außen vor gelassen.) – Jürgen Kastner


Leserbrief zu „Kühler schwarzer Mann“ von Kerstin Kohlenberg

Die positiven Seiten der Amtszeit Obamas werden verdunkelt von seinen Versäumnissen in Syrien, wo er eigene Forderungen straflässig aufgab. Gerade weil er damit nur einer Brüskierung von Assads Schutzmacht Iran aus dem Wege ging spricht die Entwicklung dieses fürchterlichsten Bürgerkriegs seit Jahrzehnten gegen seine Entscheidung.

Heute ist Syrien zum Spielball -oder besser seine Bevölkerung- von kriegslüsternen Parteien oder die Bühne für politische Spielernaturen geworden. Russland bekam ohne Not wieder Zugang zum Schauplatz Nahost und die Europäer konnten wieder einmal zeigen wie groß ihre außenpolitische Impotenz ist.

Schaut man sich die wahrscheinlichen Nachfolger Obamas, Clinton oder Trump, an, ist man nicht sicher ob diese beiden Politiker schnell zu einer humanen Lösung im syrischen Bürgerkrieg finden werden. Bei Trump weiß man so gut wie nichts über seine politischen Fähigkeiten auf internationalem Parkett und bei Clinton fürchtet man eher, dass der berühmt berüchtigte militär-industrielle Komplex aufblüht. Wenn man für Amerika träumen darf habe ich eine Vision : Die übernächste Präsidentin der USA soll Michelle Obama werden. Eine intelligente, frische und überzeugende Vertreterin des besseren Amerika. Leider nur ein Traum, denn geht das -schwarz und weiblich ? – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu „Seit wann ist der Mensch ein Mensch/“Familie Mensch“ von Ulrich Bahnsen

Zu Gehirnentwicklung und-ernährung ist kein üppiger Fleischgenuss nötig ! – anders als Ulrich Bahnsen und andere vorgeben.

Das Gehirn braucht vor allem Kohlehydrate und Vitamine, um leistungsfähig zu sein, andere Nährstoffe nur in Maßen. So meint zum Beispiel Josef Reichholf im Interview des Deutschlandradio Kultur ( 20.1.2011 ), unter der Überschrift “ Biologe: Der Mensch braucht Fleisch . “ dass vom heutigen überhöhten Verbrauch locker zwei Drittel eingespart werden können –  ähnlich wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Unser menschliches Gehirn heute wird schon in den ersten Lebensmonaten anders verschaltet als zum Beispiel noch das des Neandertalers, der es an Masse durchaus mit uns aufgenommen hat. In der Jugend können wir damit viel Lernen ( wenn es nicht mit Reizen überflutet, aber auch nicht unterfordert wird ).

Die Voraussetzung der Intelligenz- und Gehirnentwicklung ist Interesse am Lernen und Entdecken, nicht vermeintliche Wunderstoffe wie Fleisch, Alkohol oder Drogen, denen allen schon geistige Wirkungen zugeschrieben wurden – die aber nicht nachhaltig sind, sondern schnell zu Verschleiß und Verderb führen. –  Herbert Gratzl


Leserbrief zu „Der Trick mit dem Huhn“ von Heike Buchter et. al.

Der Handel wird steigen? Wirklich? Welcher? z.B. Agrarprodukte? Oder stimmt es nicht, dass trotz des vielgerühmten Nafta Abkommens ( eine Art Vorläufer für CETA) die Zahl der Familienbauernhöfe in Kanada von rd. 370000 (1970) auf etwas über 200000 zurückgegangen ist? Jetzt herrschen Agrarfabriken vor!

Sind die Bedenken über die Abschaffung  der Grundsätze des europäischen Verbraucherschutzes durch CETA fortgefallen? Haben wir nicht den Unfug der Privatisierung von öffentlichen Betrieben (Bahn, Post) genügend am eigenen Leib erlebt? Müssen wir nicht damit rechnen, dass aufgrund hehrer angloamerikanischer Prinzipien (Profitgier) alles durch die Privatisierung schlechter wird als bisher (siehe British Railways?)

Gibt es keine Nafta Prozesse , weil Quebec einer kanadischen Firma, die ihre US Tochter zum Klagen benutzt, durch ein Moratorium “Fracking “verboten hat? Stimmt es nicht, dass vor dem Nafta Schiedsgericht Prozesse ( so man dies so nennen will ) gegen die kanadische Regierung mit Gesamtstreitwert von rund 180 Mrd.

US Dollar laufen? Hat Kanada wirklich mehr Arbeitsplätze erhalten oder nicht über 200000 verloren? Gibt es keinen Registrierungsrat ( ich glaube  so heißt er wohl; verzeihen Sie bitte einem alten Mann sein schlechtes Gedächtnis) in dem nur Bürokraten und Industrievertreter aus Kanada und der EU sitzen und alles Notwendige für die Profitsteigerung beschließen können.

Sofern ich es richtig sehe, fehlt das Wichtigste: In Kanada gibt es 42000 US Firmen, die dank CETA jetzt ihre Vorstellungen durchsetzen können.  Das macht deutlich, warum Herr Gabriel leichten Herzens TTIP aufgibt. Wie gesagt, sehr viel Arbeit aber in der Sache enttäuschend und unzureichend! Aber es gibt  ja in solchen Fällen noch die Henri Nannen Journalistenschule in Hamburg. – Ulf Hanel


Leserbrief zu „Wir lachen ständig“ von Stefan Willeke

Wer ein Interview mit Herrn Karadzic plant, muss wissen, worauf er sich einläßt: Das Ausmass der von ihm zu verantwortenden Verbrechen ist bekannt, ebenso seine stoische Ignoranz. Nach der Lektüre des Protokolls ist man dann doch verblüfft über seine Selbstwahrnehmung als hilfsbereiter, verantwortungs- und verständnisvoller Mensch, der gern Gedichte für Kinder schreibt und sich am Flötenspiel erbaut! Sogar die Fähigkeit zur Reue ist ihm gegeben – allerdings bereut er lediglich, während der „regulären“ Gemetzel seine Truppen daran gehindert zu haben, eine größere Anzahl von Gegnern zu liquidieren.

Dies zumindest konnte er teilweise später kompensieren, gilt er doch als Hauptverantwortlicher für den Massenmord an ca. 8000 muslimischen Bosniern. Diese hatten auf den Schutz durch die anwesenden Blauhelme aus den Niederlanden vertraut – vergeblich. Bereits zu Beginn des Protokolls vertauscht er die Rollen: Ungeniert geriert er sich als Opfer einer Verschwörung von mächtigen Gegnern mit Unterstützung „der Medien“ gegen das serbische Volk – selbst Gott hatte ihm die Unterstützung versagt! In schlechter alter Eichmann-Tradition versucht er nun, um Opferzahlen zu feilschen, nur um dann zu erklären, wie sehr ihn dieses Feilschen anwidert.

Verantwortung für die in seinem Namen begangenen Verbrechen möchte er nicht übernehmen, zumal er ja auch keinen Groll gegen Muslime hege: Schließlich wollte gerade er ja den Krieg vermeiden und wäre viel lieber seiner Berufung, als Arzt zum Wohle der Allgemeinheit tätig zu sein, nachgekommen! Wer bis heute noch kein adäquates Beispiel für den Begriff „Kaltschnäuzigkeit“ gefunden hatte, ist nach der Lektüre der Aussagen dieses Mannes um eine Erfahrung reicher. – Christian F. Reineck


Leserbrief zu „Wie mit der AfD umgehen?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

Vielen Dank für Ihre Thesen, hinter denen sicherlich viel Arbeit steckt.  Sie versuchen einen Weg weg vom AfD Bashing aufzuzeigen.

Es sollten aber noch folgende Punkte berücksichtigt werden : Unsere Landsleute in den sogenannten neuen Bundesländern – sofern sie über 50 sind- haben eins den ehemaligen Westdeutschen voraus: Ein feines Gespür , wenn die Presse es nicht mit der Wahrheit so genau nimmt. Das hat  ihnen über  40 Jahre DDR Lügenpresse gelehrt. Selbst wenn sie die AfD nicht mögen, bestärkt sie das AfD Bashing  der Mainstream Presse, wozu die ZEIT auch gehört, darin, diese Partei als “underdog” zu helfen und zu wählen. Dieses feine Gespür fehlt der älteren Generation hier.

Vergessen Sie bitte Diskussionen über Parteiprogramme und ähnliches; ich habe festgestellt, dass sie meistens nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind. Was gebraucht wird, sind Handlungen, Aktionen oder wie immer sie es nennen wollen, mit denen Sorgen und Ängste der Bevölkerung ernst nehmen, z.B. in katholischen Kindergärten den anderen Kinder auch dann Schweinefleisch serviere und es nicht wegen 3 muslimischer Kinder, die natürlich etwas anderen erhalten müssen, zu unterlassen.

Die Presse muss das bisherige dauernde Entgegenkommen  gegenüber den Muslimen einmal kritisch  hinterfragen; es kann nicht sein, dass die Äußerungen des Vorsitzenden des Muslimrats wie ein Evangelium aufgenommen werden; es kann doch nicht sein, dass gemäß einer von der Bundesregierung finanzierten Untersuchung über 40 % der hier ansässigen türkisch Stämmigen oder Türken die Scharia und nicht das Grundgesetz als die Norm ansehen, der sie folgen müssen.

Tun Sie etwas, damit wir nicht ein paar Jahren die gleiche Entwicklung in Köln wie in Marseille haben werden. – Ulf Hanel


Leserbrief zu „Wir werden gestört“ von Michael Allmaier

Der „passiv-aggressive Mann“, der es , wie der ungehorsame Soldat des zweiten  Weltkriegs, „ebenfalls ablehnt, das zu tun, was von ihm erwartet wird“, der war  mir schon bekannt, bevor ich ihren Artikel gelesen hatte – ganz und bis zum  Ende, an dem Sie die Erwartung kundtun, von mir keinen Leserbrief zu  bekommen.

Tut mir leid, aber diese Erwartung kann ich nicht erfüllen. Ohne „angestauten Zorn“, so schreiben Sie, gäbe es weder die Musik von  Stockhausen (was m.E. kein großer Verlust wäre), noch die Gedichte von Gottfried Benn oder die Bilder von Francis Bacon [von ihm kannte ich bisher nur den Namensvetter aus dem 16.Jahrhundert, der mit seinen philosophischpolitischen Schriften die europäische Aufklärung (Voltaire) beeinflusst hat].

Die  betr. Bilder, soweit ich sie jetzt kennengelernt habe, fallen dem gleichen  Verdikt anheim wie die Musik Stockhausens. Aber, das mit dem angestauten Zorn, und die Beispiele Gandhi und Martin  Luther King, treffen des Pudels Kern: Große Leistungen, wie die des ewig  Fragenden (Sokrates), der nie seine Philosophie aufschrieb, sondern dies Platon  überließ, gehen zurück auf Unzufriedenheit, auf Zorn, der sich oft richtete  gegen das konservative „So wie es ist, ist es gut, so soll es bleiben“, auch wenn  die Gleichen, die dies sagen, fast immer unzufrieden sind und waren: Meist  wollen und wollten sie die ‚gute alte Zeit‘ zurück, die ja bekanntlich 1. nicht gut  war, und 2. –glücklicherweise– nie zurückkommt.

Wenn wir – und ich zähle mich auch zu den ewig Unzufriedenen – unser Tun  (und Lassen) nicht mehr auf das „unangemessene Verhalten“ aller anderen  zurückführen, sondern einfach den Primat des eigenen Willens leben, indem  wir, trotz Aufforderung, weder Bäder kacheln noch sonstige Erwartungen  einfach so erfüllen, sondern das tun (aktiv), was wir für richtig halten: Ich denke  mal, dann ist das Problem mit der passiven Aggressivität erledigt. Na ja, es gibt natürlich Erwartungen, die wir erfüllen müssen, weil wir es selbst  so gewollt haben: z.B. die Sache mit Vater werden und sein – letzteres dauert  nach meiner Erfahrung mindestens 20 Jahre (und mehr). Doch, was man selbst  will, kann man ja getrost machen, auch wenn es Erwartungen gibt, die dieses  Tun verlangen …  – Wolf Auffermann M.A.


Leserbrief zu „Unter Parteifeinden“ von Tina Hildebrandt und Miriam Lau

Zum Titelthema in der Ausgabe vom 15.09.2016 nachfolgend meine Lesermeinung:

Die Bundeskanzlerin könnte leicht Gewissheit erlangen, ob sie für ihre Politik noch Rückhalt in der Partei findet – mittels einer im Parlament gestellten Vertrauensfrage. – Annette Hund


Leserbrief zu „Seit wann ist der Mensch ein Mensch/“Familie Mensch“ von Ulrich Bahnsen

Wie ein Schlag ins Gesicht (bzw. Gehirn) der Nazis, Rechtspopulisten und Rassisten müssen die neuesten Befunde der Anthropologen wirken. Wären diese Ergebnisse den Nazis und deren Rassetheoretikern bekannt gewesen hätte man Probleme mit der Verherrlichung der arischen Rasse (Herrenmenschen) und der Verteufelung aller anderen (minderwertigen) Rassen bekommen. Unsere Vorfahren, zu denen wir zu gerne auch die urdeutschen Germanen zählen, Abkömmlinge von Homo Sapiens aus Schwarzafrika ?

Rassisten aller Länder, geht in euch und beschäftigt euch mehr mit euren Ur-Urahnen und denkt darüber nach, wenn euch wieder Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und Afrika begegnen. Ihr mögt daran verzweifeln, aber ihr seid auch von deren Fleisch und Blut ! – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu „Wer rettet Klara?“ von Nicola Meier und Kathrin Harms

Wird nicht immer wieder  beklagt, dass die Pharmafirmen zu wenig forschen? Muss man sich darüber wundern, wenn  Firmen, die den Schwerpunkt auf Forschung legen, durch Compassionate use in den wirtschaftlichen Ruin getrieben werden? Wenn offensichtlich verantwortungsbewusste Firmenchefs ihren Job verlieren, weil sie einen klaren Standpunkt vertreten?

Wird nicht immer wieder beklagt, dass Wirkstoffe auf den Markt kommen ohne ausreichend erforscht zu sein, weil die Firmen schnell Geld verdienen wollen? Wollen sie aber gründlich forschen, ist es auch nicht recht.

Ich persönlich würde ein schnelles Ende mit Schrecken vorziehen vor eventuellem  Schrecken ohne Ende als Versuchskaninchen, womöglich noch wider Willen.

Nicht nur die  Pharmafirmen wollen verdienen, auch die Behandlung und Pflege von Patienten wie Klara hat  einen finanziellen Aspekt, den man am Rande in die Überlegungen  mit einbeziehen sollte.  Vielleicht würde mancher Zeitgenosse, der einen Pharmachef als” geldgeiles Arschloch” bezeichnet, genauso Zeter und Mordio schreien, wenn er wüsste, wie viel Geld ihn solche hochaufwendigen Patienten über seine Krankenkassenbeiträge kosten.

Auch  die Konsequenzen  solcher Therapieentscheidungen für die folgende Generation gilt es zu bedenken. Ich habe selbst erlebt, wie ein “nur” schwer körperbehinderter Onkel das Leben der gesamten Familie geprägt hat. Auch meine damals(in den frühen Sechzigern) als nicht dauerhaft lebensfähiges Frühchen geborene Schwester hat ihre Spuren in der Familie hinterlassen. Gleichwohl bin ich froh, mich nicht jahrzehntelang um sie kümmern zu müssen.

Was treibt Eltern, Ihr Kind einer derartigen Prozedur auszusetzen? Ist es wirklich im Sinne eines bereits pflegebedürftigen Kindes, den beschriebenen Zustand möglichst lange zu erhalten, denn eine Verbesserung ist doch offensichtlich auch mit dem Medikament nicht zu erwarten? Es gibt doch sicherlich noch einen anderen Sinn in diesem jungen Leben als seine möglichst lange Fortsetzung um jeden Preis.

Zwei Aspekte, die ich kaum auszusprechen wage, beschäftigen mich als beruflich Pflegende:

Erstens bin ich immer froh, wenn meine Angehörigen nicht unserem  von Zeit-und Personalmangel geprägtem Gesundheitssystem und seiner fürchterlichen Bürokratie ausgeliefert sind.

Zweitens verspüre ich bei der Arbeit einen zunehmenden Unwillen, wenn ich gezwungen bin, viel Zeit und Kraft aufzuwenden für Patienten, deren absehbares Ende mit enormem  Aufwand hinausgezögert wird. – Susanne Sänger


Leserbrief zu „Unter Parteifeinden“ von Tina Hildebrandt und Miriam Lau

Und die Moral von der Geschicht‘: Rette deinen Übernächsten wider den Willen deines Nächsten nicht. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Sie bricht das Gesetz. Er zahlt“ von Georg Blume

Vor ein paar Monaten erschien im Webauftritt des britischen Independent der folgende Artikel: http://www.independent.co.uk/news/people/iranian-woman-explains-why-she-cut-her-hair-short-and-dresses-like-a-man-a7049481.html. Da ich zu meiner Enttäuschung seitdem in deutschen Quellen nichts zu diesem Thema lesen durfte, sende ich Ihnen hiermit den betreffenden Link. Schließlich sollte es auch hierzulande von Interesse sein – muslimische Frauen im Iran, die von den Freiheiten, die von muslimischen Frauen hierzulande einfach so weggeworfen werden, als sei es benutztes Klopapier, nur träumen können und trotzdem versuchen, sich diese zu nehmen (und auf sehr kreative Weise). – Patrick Libuda


Leserbrief zu „Nimm zwei“ von Götz Hamann

Herr Hamann hat völlig Recht mit seiner Analyse, und seine Vorschläge zur Reform sind sicher nicht falsch. Jedoch handelt es sich bei unseren Rundfunkanstalten um Einrichtungen ähnlich der volkseigenen Betriebe der DDR und der Sowietunion. Solche Betriebe sind nur mit staatlicher Protektion lebensfähig. Sie sind aus dem System heraus nicht reformierbar, denn dazu benötigte es das Handeln einer zu großen Anzahl von Lobbyisten, Landesfürsten und Bundespolitiker. Eigentlich müssten sie von einer Treuhand abgewickelt werden. Die einzige Möglichkeit zur Änderung der Situation wäre, dass wir Bürger in der Lage versetzt würden, Radio und Fernsehen leistungsgerecht zu bezahlen. Nur durch den Druck unseres marktwirtschaftlichen Systems von Angebot und Nachfrage könnten die grottenschlechten Sendungen eliminiert und Kosten reduzier werden und die Akzeptanz beim Bürger wiederherstellen. – Werner Warschewski


Leserbrief zu „Ey, der Untergang, geil!“ von Petra Pinzler

Der Artikel von Frau Pinzler zu Berlin ignoriert wesentliche Tatsachen.

Richtig ist, dass der Skandal des Flughafenbaus in letzter Zeit wenig angeprangert wird. Wer hat den Unsinn zu verantworten? Welche Herren entscheiden da? Welche Parteien?

und: Wann macht man Gesetze, die solche Wahnsinnsbauten beenden können, statt den offenbar defacto in betrügerischer Absicht begonnen Unsinn ( wie Elbphilharmonie Einkaufscenter-Bahnhof in Stuttgart, Flughafen Berlin) weiter laufen zu lassen?

 ABER: Berlin besticht als Stadt, in der die Menschen zwar von 1000 Euro weniger als der Durchschnitt der Bundesbürger leben müssen, aber ihre prekäre Lage, relative Armut, Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung überdimensioniert aktiv und „bürgersinnig“ umsetzen.

 Die Berliner kümmern sich keineswegs um nur Radwege, sondern sind an dauernden Runden Tischen u.ä. zur Stadtentwicklung beteiligt, kümmern sich um die Frage der öffentlichen Wasserversorgung einschließlich der Spree, engagieren sich für die Bahn resp. den Öffentlichen Nahverkehr. Berliner Bürger haben den Berliner 21-Prozess fast allein getragen und dabei eine Menge bewirkt, sie setzten sich mit großem Erfolg für öffetliches Grün für alle ein wie das Schöneberger Südgelände, den Park auf dem Gleisdreieck, das Tempelhofer Feld. In Berlin sind allein binnen von nur 12 Jahren über

100 Interkulturelle Gemeinschaftsgärten entstanden, die Frieden in zerrissene Stadtteile bringen und, und, und.

Der Hauptfehler liegt darin, dass in Berlin – das mal in Preußen entstand – die Bezirke nicht wie Kommunen anderwärts ein wirkliches Entscheidungsrecht haben, ihre angebliche finanzielle Selbständigkeit ist purer Schein. Sie erhalten zu wenig Geld vom Land und das Land Berlin erhält zu wenig Mittel vom Bund, angesichts, das es mehr Geflüchtete aufnehmen muss, oder Zuzug von Mittelosen aus Osteuropa. Berin erhält zu wenig z.B. für seine Universitäten, die ehedem Weltruf beassen und die teilweise in unschöne Entwicklung „gespart“ wurden… –   Dr. Elisabeth Meyer-Renschhausen


Leserbrief zu „Christen zuerst?“ von Evelyn Finger

Die Kritiker können offenbar nicht vorurteilsfrei lesen. Das CSU-Papier will unter EINWANDERERN den christlichen Kulturkreis bevorzugen. Über ASYLSUCHENDE FLÜCHTLINGE wird in diesem Zusammenhang gar nichts gesagt. Es ist ein Dilemma, welches viel Missverständnis förderd, dass in politischen Diskussionen (und wohl auch in den gesetzlichen Grundlagen) nicht klar zwischen Flüchtlingen und Einwanderern unterschieden wird. – Dr.-Ing. Günter Hackel


Leserbrief zu „Wie mit der AfD umgehen?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

Ihre Dresdner Korrespondenten sprechen mir aus dem Herzen und ich finde es mit Blick auf die Verantwortung für eine ausgewogene Gesaltung des öffentlichen Diskurses unumgänglich für die Medien, sich diese Argumente zu Herzen zu nehmen. – Benjamin Schmidt


Leserbrief zu „Der Trick mit dem Huhn“ von Heike Buchter et. al.

Drei Journalistinnen, anscheinend TTIP Befürworterinnen, fragen sich in diesem Artikel, wie es passieren konnte, dass die Idee des Handelsvertrags zwischen den Vereinigten Staaten und Europa vor dem Aus stehe.

Dabei ist ihr einziges Argument zugunsten von TTIP David Ricardos Theorie des komparativen Vorteils, die sie hier extrem verkürzt darstellen und dabei so tun als wäre sie  ein gesichertes Faktum. Ricardos Theorie ist aber nicht nur bloß eine Theorie sondern sie fußt auch auf einer essentiellen Grundannahme, nämlich der der vollkommenen Märkte. Diese sind aber auf beiden Seiten des Atlantiks nicht auszumachen.

Demnach ist die Behauptung, TTIP brächte auf jeden Fall Vorteile für alle beteiligten Länder entweder absichtlich verzerrt oder zumindest extrem oberflächlich. Unter bestimmten Voraussetzungen kann keinesfalls behauptet werden, dass alle betroffenen Länder von Außenhandel profitieren. Und schon gar nicht, dass alle Personen davon profitieren. Das ist nämlich eines der größten Probleme von TTIP: Man konnte der europäischen Bevölkerung nicht glaubhaft versichern, dass es sich um mehr handelt als einen Vertrag, der noch mehr Geld in die Kassen großer Konzerne spült, die ihre Gewinne möglicherweise gar nicht in Europa versteuern, dafür aber zum Spekulieren auf den Finanzmärkten verwenden.

Indem in diesem Artikel behauptet wird, TTIP wäre ein Opfer einer geschickten Kampagne und blinder Politiker, trägt nur zum Unbehagen an diesem Vertrag bei. Denn hier schlagen Journalistinnen in dieselbe Kerbe wie Politiker, wenn sie behaupten, es ginge bloß um eine Verbesserung der  Kommunikation und über Inhalte nachzudenken wäre völlig überflüssig weil jemand anderer das schon für uns erledigt hätte.

In nur einem Satz am Ende des Artikels wird erwähnt, dass TTIP „vor allem Opfer eines Misstrauens gegen die Globalisierung“ sei. Dieser Schluss erfolgt unvermittelt und zuvor musste man zwei Seiten irrelevanter Daten und Fakten lesen. Wie konnte das passieren? – Dipl.-Kff. Dipl.-Volksw. Brigitte Knierer


Leserbrief zu „Was irritiert Sie an dieser Frau?“ von Fabienne Hurst

Nichts. Mich irritiert nichts an dieser Frau. Allerdings irritiert mich die Frage. Im ersten Moment dachte ich, ich hätte etwas auf dem Foto übersehen. 1. Gedanke: Die Frau trägt ihre Burka nicht!!! 2, Gedanke: Es gab einen weiteren Übergriff der französischen Strandpolizei!! 3. Gedanke: Die Rubrik „Das gehört nicht ins Feuilleton“ ist doch weiter hinten! Viertens: Eine hübsche Frau ist eine hubsche Frau. Apropos hübsch: Ist mein Eindruck richtig, dass Herr Joffe auf Seite 10 Woche für Woche zwar rasiert, aber insgesamt eher ungeschminkt wirkt? – Christian Then 


Leserbrief zu „Nur Friedrich Merz kann uns retten!“ von

Bin seit Jahren begeisterter Zeitleser. Warum gelingt es routinierten Journalisten nicht mal gänzlich ohne ausgeprägte Voreingenommenheit zu berichten. Dies fiel mir ganz besonders bei dem Ihrigen über die Buchvorstellung von Herrn Sarrazin und Herrn Henkel auf. –Dr.Ostermayer


Leserbrief zum Treffen von Ute Lemper und C. Bernd Sucher

Oh, was habe ich dieses Interview genossen, liebe Frau Blasberg und liebe Frau Pirich.

Ich bin schon lange ein Fan von Ute Lemper. Ohne Frage ist sie ein Showpony und dazu noch ein herrausragendes. Nie habe ich verstanden, warum sie in Deutschland nicht den Erfolg hatte, den sie verdient hätte.

Aber dann ist da noch C. Bernd Sucher. Ich habe es grundsätzlich nicht mit Kritikern. Ich mache mir gerne meine eigene Meinung und brauche dazu keinen Theaterkritiker. Schon gar keinen, der mit blumigen Formulierungen und ewiglangen Vergleichen um sich wirft, nur damit ein Leser auch ja merkt, dass der Herr schon zig Vorstellungen gesehen hat und eh alles besser weiss.

Und dazu gehörte C. Bernd Sucher schon immer.

Was wäre ich gerne Fliege an der Wand gewesen, als Frau Lemper auf Herrn Sucher getroffen ist. Ich mag es, wie sie sich im Interview kritikfähig aber auch kämpferisch gab. Noch besser gefiel mir allerdings wie Herr Sucher, zurück gerundert ist. Ich möchte annehmen, dass er das tut, weil auch er gelernt und sich weiterentwickelt hat.

Ich muss gestehen, ich hoffe der Termin war unangenehm für ihn!

Nichtsdestotrotz möchte ich noch sagen, dass ich diese Idee des Interviews wirklich großartig fand. – Yvonne Dewerne


Leserbrief zu „Europa braucht die Nation“ von Martin Höpner

Selten habe ich größeren Unsinn gelesen. Zu behaupten, es brauche die Nation, nur weil derzeit der rückwärtsgewandte Nationalismus blüht, ist verfehlt, denn der blüht ja aus nostalgischen Gefühlen, gerade weil es „die Nation“ de facto nicht mehr gibt, der all die Populisten hinterhertrauern und die sie ersehnen. Denen jetzt nach dem Mund zu reden führt nicht weiter. Der seinerzeit von der ZEIT so verehrte ( und derzeit in barmherziges Schweigen gehüllte) Pragmatiker und EURO-Mitbegründer Helmut Schmidt verwies Leute mit Visionen an den Arzt. Gescheitert wie sein Euro ist auch sein Pragmatismus. Will man die Wählr begeistern, muss man ihnen auch ein Ziel, eben eine Vision geben, eine Republik Europa ohne Nationen und Nationalismen. Man betone die Gemeinsamkeiten und nicht das Trennende. Vor allem aber darf es sich nicht um ein rein ökonomisches Projekt handeln, sonst sieht sich die Mehrheit der Wähler abgehängt. – Gerd Reese 


Leserbrief zu „Wir werden gestört“ von Michael Allmaier

Zuerst die Kritik und ich bitte Sie, diese ihrem Redakteur weiterzuleiten. Ich bin 37 Jahre und lebe mit Partner und zwei Kindern in einem Doppelkarrierehaushalt. Ich habe wenig Zeit und bin froh, wenn ich von der abonnierten ZEIT ein paar ausgewählte Artikel lesen kann. Es war purer Zufall (Mann und Kinder waren  übers Wochenende verreist, draußen gab es Dauerregen), dass ich Zeit zum Entdecken hatte und ZEIT zum Entdecken las. Warum zum Teufel ist ein Artikel, der wahrscheinlich mein Leben verändern wird, irgendwo ganz hinten versteckt? Warum wird dieses Thema, dass doch eigentlich den Rahmen für die ganzen anderen Zeitthemen bildet, so kurz abgefrühstückt anstatt dass man ihm ein ganzes Dossier widmet? Die Thesen zum Umgang mit der AFD, die innerparteiliche Haltung zu Frau Merkel, Putin, die Geduld bei langwierigen Berufen – überall die aggressive Haudraufmentalität versus der passiv-aggressiven Besonnenheit. Hier wird hoffentlich noch mal eine Aufarbeitung und eine gründliche Recherche und Analyse zu den positiven Folgen des passiv-aggressives Verhalten auf die Gesellschaft erfolgen.

Ihr kleiner Artikel und der kurze historische Abriss, woher der Begriff passiv-aggressives Verhalten kommt und wohin er gegangen ist (nämlich gelöscht aus der Liste der Persönlichkeitsstörungen) führen dazu, dass ich ab jetzt stolz darauf sein werden, mich bei jeder Gelegenheit als passiv-aggressiver Mensch zu outen. Es fühlt sich an wie ein Befreiungsschlag. Als Kind schrieb mir meine Stiefmutter Zettel, welche Hausarbeiten ich nach der Schule verrichten sollte. Zähneknirschend aber stillschweigend befolgte ich das, korrigierte aber demonstrativ die Rechtschreibung der Anweisungen. Meinem Partner habe ich nach unserem letzten Streit die abgenommene Wäsche nicht zusammengelegt sondern nur als Haufen vor seinen Schrank gelegt. Beides hatte heftige Szenen mit Vorwürfen bezüglich meines merkwürdigen Verhaltens und des damit verbundenen Egoismus nach sich gezogen. Ab jetzt bin ich stolz auf meinen passiven Widerstand und werde mein Verhalten als passiv-aggressiver Mensch lächelnd rechtfertigen. DANKE für ihre Vorreiterrolle!  – Dr. Romy Liske


Leserbrief zu „Der Trick mit dem Huhn“ von Heike Buchter et. al.

Eine so oberflächliche und voreingenommene Darstellung auf zwei ganzen Seiten auszubreiten entspricht nicht dem Niveau der ZEIT, die ich kenne und schätze. Hier wird nur die Chronologie einer gelungenen Kampagne nachgezeichnet, aber an Argumenten fehlt es dann doch weitgehend. Dass das Chlorhuhn lediglich ein Symbol und an sich kein gravierendes Problem ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Trotzdem ist es unseriös, zu behaupten, es sei erfunden. Das Chlorhuhn gibt es, über die Bewertung mag man unterschiedlicher Ansicht sein. Viel bedeutsamer ist aber der Zugang gentechnisch veränderter Nahrungsmittel zum europäischen Markt, den eine große Mehrheit der Bevölkerung eindeutig nicht möchte. Eine Abkehr vom Vorsorgeprinzip wäre darüber hinaus ein substanzieller Einschnitt in den Verbraucherschutz

Auch die Schiedsgerichte werden als Nebensächlichkeit abgetan. Kein Wort davon, dass es schon jetzt Anwaltsfirmen gibt, die akribisch nach Klagegründen fahnden und im Erfolgsfall einen Teil der Beute beanspruchen. Kein Wort auch darüber, dass das Recht, aufgrund politischer Entscheidungen entgangene Gewinne vor privat besetzten Gerichten gegen die Staaten einzuklagen, selbstverständlich deren Gesetzgebung bereits im Vorfeld beeinflusst und Entscheidungsspielräume massiv einengt. Schiedsgerichte sind erfunden worden für Länder, die kein vertrauenswürdiges Justizsystem haben, gilt das etwa auch für die USA und Europa?

Nach Ihrem Artikel bin ich vollends sicher, dass TTIP abzulehnen ist, wenn man es mit demokratischen Grundsätzen ernst meint. Aber das ist ohnehin nicht mehr relevant. Denn wenn Ceta beschlossen wird, bekommen wir all das über dem Umweg der amerikanischen Tochterunternehmen in Kanada, und dann will es wieder niemand gewußt haben. – Wolfgang Schröter


Leserbrief zu „Der Trick mit dem Huhn“ von Heike Buchter et. al.

Anders als die Befürworter von TTIP und CETA glauben machen wollen, liegt, wie die Autorinnen deutlich machen, die Ablehnung der beiden Abkommen in der deutschen Bevölkerung nicht in mangelhafter politischer Vermittlung begründet, sondern in den unbestreitbaren Gefahren für das Gemeinwohl, die den Abkommen innewohnen. Selbst wenn TTIP und CETA Wachstum und Vorteile für die Wirtschaft bringen sollten, heißt das noch lange nicht, dass diese in der Summe die Risiken und schädlichen Nebenwirkungen für das Gemeinwohl überwiegen. Im Gegenteil! Im Gegensatz zum gemeinen Bundestagsabgeordneten, der nur seinem Gewissen unterworfen ist (Art. 36 GG), ist jedoch die Bundeskanzlerin durch ihren Amtseid (Art. 56 GG) dem Gemeinwohl des deutschen Volkes verpflichtet. Es wäre darum an der Zeit, dass Frau Dr. Merkel von Ihrer Richtlinienkompetenz (Art. 65 GG) Gebrauch macht und die deutsche Politik gegen den Abschluss dieser beiden Abkommen ausrichtet. – Franz Ulrich Häusler


Leserbrief zu „Massiver Widerstand“ ein Gespräch mit Ludger Wößmann, geführt von Manuel J. Hartung

Es ist bedauerlich, dass immer noch die Vorstellung in den Köpfen vieler, auch gebildeter Menschen spukt, der Lehrer müsse nur vormittags arbeiten.

Als Deutschlehrer am Gymnasium, vorwiegend Oberstufe, möchte ich mit nur einem Beispiel gegen diese Vorstellung antreten: Die Korrektur eines Oberstufenaufsatzes kostet mich pro Schüler ca. zwei Stunden. Bei durchschnittlich 25 Schülern pro Kurs mag sich jeder ausrechnen, wie viel Zeit ich pro Klausur benötige, zumal ich nicht nur einen Kurs führen muß.

Warum eine Korrektur so lange dauert? Die Aufsatzform in der Oberstufe ist der Argumentationsaufsatz. Er muß in einer Reihe von Übungsaufsätzen geschult werden. Eine überzeugende Argumentation besteht aus Behauptung, Begründung, Beispiel. Die Fähigkeit dazu fliegt einem jungen Menschen nicht ohne Übung zu. Bei der Korrektur geht es dann nicht nur darum, Rechtschreib- und Kommafehler zu finden, sondern man muß sich in dem Wust von nicht immer geordneten Gedanken eines Schülers zurecht finden, um seinem erreichten Stand auch im Vergleich zu seinen Mitschülern gerecht zu werden.

Wann soll man diese Korrekturzeit finden, wenn man auch nachmittags in der Schule sein soll? Etwa in einer mal gerade anfallenden Zwischenstunde?

Man frage einmal meine drei Kinder, wann ihr Vater mal ein Wochenende für sie Zeit hatte, denn nur da war ein ununterbrochenes Arbeiten möglich. Schon unter der Woche ist eine längere Korrekturzeit kaum zu finden, da man ja seinen Unterricht auch vorbereiten muß (!!), denn Anerkennung findet ein Lehrer bei Schülern nur, wenn er gut vorbereitet ist. Aber das ist schon wieder ein zweites Argument gegen den Nachmittagsunterricht eines Lehrers.

All dies scheint den Anhängern einer Ganztagsschule wohl entfallen zu sein!! – Dr. Wilhelm Forke


Leserbrief zu „Der Trick mit dem Huhn“ von Heike Buchter et. al.

“Es ist verdienstvoll, dass die ZEIT die Entstehungsgeschichte der Anti-TTIP-Front noch einmal nachzeichnet. Leider hat sie die Rolle der Medien, darunter auch ihre eigene, für den Erfolg der Kampagne ausgespart, ein Zeichen falscher Bescheidenheit. Ohne die Unterstützung von Fernsehen und Printmedien wäre die Sache wahrscheinlich anders ausgegangen. Dabei erinnert man sich nur mit Grausen an einige Aussagen von Anti-TTIP-Demonstranten. Soviel versammelten Unverstand sieht man selten. Das lässt an der Seriosität der 1,6 Mio. Unterstützer und ihrer Organisatoren zweifeln.
Verdienstvoll ist auch, dass das Chlorhühnchen als das entlarvt wird, was es ist: ein demagogischer und verlogener Popanz. Zu denken geben muss einem, dass die Anti-TTIP-Front ein sowohl linkes wie rechtes Projekt ist. Wo bleibt die Vernunft, die Mitte?

Ein Grund zum Jubeln ist das mögliche Scheitern von TTIP nicht. Die USA sind der größte Handelspartner Europas. Wir werden abgehängt, wenn wir unsere Zusammenarbeit nicht auf eine dauerhafte und verlässliche Basis stellen. Dabei geht es um Ausgleich, nicht um Verteufelung. Nicht alle Standards in Amerika sind schlecht, nicht alle europäischen gut. Diejenigen, die uns jetzt einzureden versuchen, dass wir kein Abkommen mit den USA schließen sollten, werden sie Verantwortung übernehmen, wenn die Folgen ihrer Kampagne sichtbar werden? Sie werden dann keine Verantwortung mehr tragen, aber der Schaden wird angerichtet sein!“ – Dr. Hans-Christian Reichel


Leserbrief zu „Was irritiert Sie an dieser Frau?“ von Fabienne Hurst

Vielen Dank für diese wunderbare Nachricht!

Diese „Aktion“ von Alicia Keys war mir noch nicht bekannt gewesen.

Abgesehen davon, dass ich 1000 Mal lieber mit Frauen umgehe, die natürlich aussehen (also ungeschminkt sind) kann eine solche die Reflexion über gesellschaftliche Zwänge gar nicht häufig genug stattfinden. – Mirko Strick


Leserbrief zu „300000 flüchtlinge arbeiten schwarz“ von Kerstin Bund

danke für ihren guten artikel.

ich wundere mich über fehlende richtigstellungen diverser verkünder dieser zahlen, und das auch noch in zeiten, da überall wahlen stattfinden. und ich wundere mich darüber, dass dieser tatbestand von volksverhetzung nicht geahndet wird. so etwas wird in unserem land zu recht bestraft mit  Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

unsere medien arbeiten zum teil sehr unanständig. und einer schreibt vom anderen ab, ungeprüft. sogenannte wissenschaftler entwickeln irgendwelche hanebüchene szenarien und verkaufen das als wissenschaft.

auf der anderen seite werden uns von den gleichen medien und wissenschaftlern tatsächliche fakten vorenthalten.

geht unsere staatsanwaltschaft nicht rigoros gegen so etwas vor, kann man tatsächlich von manipulierter und gleichgeschalteter presse sprechen und man muß sich über den zulauf zu extremen parteien und staats-und politikverdrossenheit der menschen nicht wundern.

 wir haben uns mittlerweile leider an viele solche begebenheiten gewöhnen müssen, mit dem entsprechenden vertrauensverlust in unsere regierung, in unser rechtssystem und unsere sogenannte fortschrittliche kultur. die folgen lassen sich überall ablesen. – elke grözinger


Leserbrief zu „Damals“

Bin seit Jahren begeisterter Zeit Leser  bei dem Bild DAMALS Karussell mit Pferdchen ist ein kleiner Fehler unterlaufen: Das ist kein Plastik-Pferd ! Ich habe das Gleiche im Haus stehen und es ist aus Holz… Sonst alles prima  – Otto Rinninger


Leserbrief zu „Wie mit der AfD umgehen?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

Im Argument 3 ziehen Sie das Fazit, dass es Aufgabe der Medien sei, die AfD zu hinterfragen. Das Hinterfragen gehört sicher auch zu den Aufgaben der Journalisten. Primär aber beobachten und berichten sie m. E. Wenn Sie nun für die AfD mit dem Begriff des Hinterfragens über die primäre journalistische Aufgabe hinausgehen, hebt das die AfD wiederum von den anderen Objekten und Themen, über die Sie berichten, ab. Steht diese Aussage also nicht im Widerspruch zu Ihrer Motivation, diesen Beitrag überhaupt verfasst zu haben?

Was unterscheidet den Begriff des Recherchierens von dem von Ihnen in Argument 5 verwendeten des Nachrecherchierens? – Dr. Peter Scheibl


Leserbrief zu „Wir lachen ständig“ von Stefan Willeke

Nach meinen Kenntnissen aus den Medien habe ich keine Zweifel an der Schuld von Karadzic. Sie schreiben jedoch, dass er in Berufung gehen werde. Damit ist er zwar verurteilt, aber nicht rechtskräftig. Ich wüsste in diesem Zusammenhang gern, bis wann die Unschuldsvermutung gilt. Durften Sie ihn unter diesen Umständen also (schon) als Kriegsverbrecher bezeichnen? – Dr. Peter Scheibl


Leserbrief zu „Massiver Widerstand“ ein Gespräch mit Ludger Wößmann, geführt von Manuel J. Hartung

Gerade habe ich, eine pensionierte Grundschullehrerin und über 40 Jahre im Schuldienst, ihr Interview mit Herrn Wößmann gelesen. Spontan greife ich zum „Griffel“, weil mir der Atem in der Kehle stecken bleibt, vor so viel Oberflächlichkeit und Einseitigkeit.

Man nehme zwei Scheuklappen, fokussiere ein „trächtiges“ Thema und rede bestimmten Menschen „nach dem Maul“. Man vermeide Tiefe, Ausgewogenheit und Hintergründe und die offene Begegnung mit den Betroffenen. Man bediene das Klischee der „faulen und gierigen“ Lehrerschaft, das sich leider immer noch in den Köpfen einiger Menschen hält. Eine differenzierte Betrachtungsweise könnte das „Bild“ ja stören!

Da begegnen sich Zwei, basteln ein Interview, welches auf der „soliden“Säule einer Befragung stehen soll und wollen damit ihr Urteil über die Lehrerschaft untermauern. Keiner von Beiden stand jahrelang vor Klassen und hat den Schulalltag miterlebt. Da bin ich mir mehr als sicher! Sonst könnte so ein Artikel nie zustandekommen.

Sich die Mühe zu machen dieses komplexe Thema „Bildung und Schule“ in seiner ganzen Bandbreite aufzuarbeiten kommt den Beiden und der Redaktion nicht in den Sinn. Da wird ausschließlich die Lehrerschaft fokussiert und zu Sündenböcken hochstilisiert, die in ihrer Gier und Gleichgültigkeit dafür verantwortlich scheinen, wenn weder Inklusion noch Ganztagesschule gelingen.

Natürlich gibt es „schwarze Schafe“ , so wie überall im Leben. Aber die vielen Lehrer und Lehrerinnen, die engagiert versuchen an der Basis, das aufzufangen, was an Misswirtschaft „von oben“ kommt, haben es nicht verdient mit so einem Artikel gebrandmarkt zu werden.

Für das zunehmende Disaster in der Bildungspolitik, welches ich über Jahre beobachtet habe, sind vielfältige Faktoren und verschiedenste Entscheidungsträger verantwortlich. Dies der Lehrerschaft in die Schuhe zu schieben ist die billigste Variante nach Schuldigen zu suchen. Und die wenigsten trauen sich die Dinge beim wirklichen Namen zu nennen, so wie das Kind im Märchen sagt: “ Der Kaiser ist ja nackt!“ – Margarita Röckle-Heß


Leserbrief zu „Unter Parteifeinden“ von Tina Hildebrandt und Miriam Lau

In einer vor ein paar Wochen von Ihrem Politikressort gemeinsam abgefaßten Chronologie der Ereignisse und insbesondere des Ausgangspunktes hinsichtlich der Reaktion und Handlungsweise von Frau Merkel sind sie (wenn ich mich recht erinnere) zu dem Schluß gekommen, daß die Kanzlerin 2015 gar nicht anders konnte, als so vorzugehen, wie sie es getan hat, um einer zu befürchtenden gewaltsamen Konfrontation Tausender Flüchtlinge mit der ungarischen Polizei/Militär zuvor zu kommen. Auch der „Hilferuf“ des damaligen österreichischen Bundeskanzlers war eindeutig und ausschlaggebend für ihren Entschluß.

Wenn die Kanzlerin also aufgrund der bedrohlichen und in diesem Ausmaß unvorhersehbaren Situation „im Alleingang“ (die Dringlichkeit der Ereignisse erlaubte es nicht, die anderen EU-Mitgliedsstaaten zu befragen bzw. zu einer Einigung zu kommen) flexibel gehandelt hat, so ist es doch schlicht falsch, ihr anzuhängen, daß sie unüberlegt und eigenmächtig vorgegangen sei (es geht mir natürlich um den Wahrheitsgehalt).

Um dem unsäglichen Geschwätz und der Hetze sattsam bekannter Oppositioneller ein Ende zu bereiten, wäre es hilfreich, diese Kernfrage noch einmal heraus zu filtern und insbesondere der Punkt, ob die Kanzlerin durch das sicherlich nicht von ihr geplante Foto im Vorfeld tatsächlich zur Flucht nach Deutschland „eingeladen“ hat.

Es gab seit Jahren zahlreiche Flüchtlinge aus Syrien. Was war der Anlaß, daß diese sich auf einmal in Massen auf den Weg machten? doch wohl der Jubel und die Freude der geretteten und dankbaren Menschen, die sich glücklich und erleichtert um die Kanzlerin geschart hatten, und die mit dem Selfie auf ihre noch zaudernden Schwestern und Brüder in der Heimat ansteckend gewirkt haben müssen.

Der Kontrast zu den Bildern von Tausenden im Mittelmeer ertrunkenen, in der Wüste verdursteten oder in Lybien versklarvten Menschen konnte nicht größer sein. Die durch die Interpretation seitens der Flüchtlingsgegner geschürte Stimmung im Land allerdings auch nicht. – Teresa Scholl


Leserbrief zu „Was geht mich die Welt an“? von Henrik Rubner

In Ihrem Artikel fragen Sie, „was man tun kann, um vor allem junge bildungsarme Menschen zu bewegen, sich zu informieren“ und geben auch gleich die Antwort:  Das Fach Politische Bildung und vor allem interkulturelle Bildung sollte in den Schulen wichtiger werden, ganz besonders bei jungen Menschen mit geringen Ressourcen.

Nach dem  Schulabschluß wäre es wünschenswert, daß Volkshochschulen, Akademien, Bürgerinitiativen, gemeinnützige Vereine mit Jugensozialarbeit, Jugendzentren etc. aktiv werden in Gesprächskreisen und gemeinsamen Projekten, um auch bei Jugendlichen und Erwachsenen eine Kontinuität der Info zu gewährleisten.

Im letzten Sommersemester sind wir zu dem Schluß gekommen, daß die gesellschaftliche Entwicklung hin zu mehr Fremdenfeindlichkeit, Rassismus etc. z.T. auf Nichtwissen und schädigende Info zurückzuführen ist

Der Beitrag „Die sanfte Provokation“ v. A. Lübbert ist ein positives Beispiel. – Teresa Scholl


Leserbrief zu „Die Reifeprüfung“

Ich habe den Artikel über die Radtour durch Dänemark interessiert und gründlich gelesen. Dabei ist mir eine kleine Ungereimtheit aufgefallen.

Der Autor schreibt im Text von Spidsen (übersetzt ins Deutsche: Spitze), einer Landzunge in der Nähe von Vordingborg. Auf der Karte sieht man Spidsen aber im Norden von Seeland eingezeichnet. Die dortige Landzunge heißt aber Sjaellands Odde. Außerdem ist der Autor laut Text von Korsör aus nach Fünen weitergefahren.

Im Internet habe ich jetzt eine Landzunge bei Vordingborg gefunden, auf die die Beschreibung im Artikel paßt. Es handelt sich um Knudshoved Odde. Die äußerste Spitze der Landzunge erreicht man, wie Ihr Autor es beschrieben hat, nur über einen schmalen Streifen Sand.

Vielen Dank auch für die Beschreibung der Miniinsel Nyord, wohin meine Eltern mit mir und meinen Schwestern in den Siebziger Jahren eine Wanderung von Ulvshale aus unternommen haben. Ich erinnere mich an wenig Schatten und große Sommerhitze. Der kleine Lebensmittelladen auf Nyord hat uns dann mit seinem Limonadenangebot vor dem Verdursten „gerettet“. Damals hatte man ja noch nicht immer seine Wasserflasche im Rucksack. – Dr. Maria Husmann


Leserbrief zu „Seit wann ist der Mensch ein Mensch/“Familie Mensch“ von Ulrich Bahnsen

Mit großem Interesse habe ich den oben näher bezeichneten Artikel zur genannten Thematik und die weiteren Artikel gelesen – wie immer sehr interessant und informativ. Allerdings vermisse ich die Erwähnung der Schöninger Speere. Ich wohne in Braunschweig, daher ist diese Entdeckung für unsere Region hier besonders bedeutsam. In Schöningen wurde inzwischen schon ein Museum extra für diese prähistorischen Funde errichtet. Ich war mehrmals in der Ausstellung: 300.000 jahre alte Speere, 3  Stück, aus Eichenholz, sind dort die die Attraktion, die absolut ersten Waffen der Menschheit. Die Führerin betont jedes Mal, dass aufgrund dieser Funde die früheste Menschheitsgeschichte neu geschrieben werden muss.!!!! Nachgebaute Kopien erweisen sich als heute noch total funktionsfähig und effektiv.

Also, bleibt für mich die Frage: Wussten Sie davon? Und wenn ja, warum wurde darüber in Ihren Artikeln nichts erwähnt? Die Beantwortung würde mich sehr interessieren. – Christiane Werk


Leserbrief zu „Was geht mich die Welt an“? von Henrik Rubner

1.Ein Beispiel für “ Wissen und Engagement” ist mir aus dem Bereich des Pflanzen- und Tierschutz der Heinz Sielmann Stiftung bekannt geworden: Biotopverbund Bodensee.

es werden Trocken- und Nasswiesen , die von der intensiven Landwirtschaft aufgegeben wurden, erworben und in Zusammenarbeit mit dem Landwirt und der Gemeinde Biotope angelegt und ein Verbund dieser angestrebt. Die Sielmannstiftung beschafft eine Anschubfinanzierung. Es werden Vereine gegründet, um die Biotope über diese Mitglieder zu pflegen.

2. “Wissen, Engagement” – und was vom Verfasser vergessen wurde: RISIKEN eines Engagements. Zweifelsohne sind Informationen / Wissen eine wesentliche Voraussetzung m um rechte wahrnehmen zu Können. Aber diejenigen, die Rechte, Verordnungen, Verträge usw verfassen , sind Juristen, die auf

Seiten der Auftraggebern stehen und verschleiern oder notwendige Informationen werden aus Eigennutz nicht weiter gegeben. Beispiel: Eine KV gibt einen Alg II Bezieher nicht bekannt, dass er den doppelten Zuschuss bekommen kann.

Die AA Solingen zahlt nach vier Jahren vorenthaltenes Gel an den inzwischen Alg II  Empfänger. Nun soll diese Nachzahlung als Einkommen mit Alg II verrechnet werden., obwohl ein Darlehnsvertrag besteht, mit desse Hilfe eine Unterhaltspfändung abgewendet wurde.

Ohne Rechtsbeistand hat man beim JC + der AA kaum Chancen. Das Mais + der Petitionsausschuss sind zahnlose Tiger. Auf die Entscheidung des SozG D’ dorf wartet der Alg II Empfänger seit 2013. 3 1/2 Jahre brauchten die beide Behörden, um eine Vollmacht nicht anzuerkennen.

Es gibt eine Vielzahl von Schikanen, um einen engagierten Bürger mundtot zu machen. Auf Nachfrage kann ich Ihnen viel erlebte Beispiele benennen. – Ralf Quitmann


Leserbrief zur Graphik „Zu Fuß um die Welt“

diese sonst sehr gelungene und informative Grafik enthält einen Widerspruch: Wie kann der Felsüberhang von Monte Verde schon vor 14 800 Jahren von Paläo-Indianern benutzt worden sein, wenn die Besiedelung Südamerikas erst vor 14 000 Jahren stattfand? – Siegfried Petry


Leserbrief zu „Wie mit der AfD umgehen?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

Ich muss zugeben, mich haben diese Thesen ein wenig irritiert. Ich bin ganz gewiss weder Anhänger noch potentieller Wähler der AfD. Nur, offensichtlich gibt es durchaus grössere Bevölkerungsanteile, welche in Sachen AfD weniger Berührungsängste haben wie ich oder andere Wähler. Was bei Ihnen bisher offensichtlich nicht durchgedrungen ist: In dem Maße, in welchem sie die AfD als rechtsradikal, oder gar faschistisch bezeichnen, rücken sie deren Wählerschaft in genau die gleiche Ecke. Da hilft es auch nicht weiter, dass sie deren Wähler als Protestwähler schon beinahe verunglimpfen. In meinem Demokratieverständnis sind Wahlen dazu da, um entweder die bestehende Regierung zu bestätigen, einer neuen Regierung den Weg zu ebnen, oder, wenn beides nicht möglich erscheint, auch mal seinem Protest Luft zu machen. Und wenn auf diesem Wege der Verein bibeltreuer Christen, Kujaus Autofahrerpartei oder eben die AfD in die Parlamente gewählt werden, dann erwarte ich von den Parlamentariern, aber auch der Presse und den Medien, dass der Wille des Wählers respektiert wird, und man dieses als Ansporn nimmt, durch gute Politik verloren gegangene Stimmen bei kommenden Wahlen wieder zurück zu gewinnen. Die Wählerschaft, sprich: der Souverän, setzt sich nicht nur aus gleichgültigen Politikverdrossenen, dumpfbackenen Protestwählern und die etablierten Parteien wählenden Gutmenschen zusammen. Es geht in der Politik und insbesondere bei Wahlen nicht um den Machterhalt einiger weniger Alfatierchen, es geht um die, sicherlich egoistischen, Wünsche, Hoffnungen, Ängste und Zukunftsplanungen von Millionen von Menschen. Leider hinterlassen nicht wenige Politiker den Eindruck, dass sie genau dieses aus den Augen verloren haben, und sich stattdessen nur noch um sich selber drehen. Von daher gesehen finde ich es sogar richtig gut, dass da eine Partei in die Parlamente kommt, welche den etablierten Politikern das Wasser abgräbt.

Ein kleine Anmerkung noch: Insbesondere CDU und CSU haben in der Vergangenheit nur zu gerne krude Wahlkämpfe auf Kosten der Ausländer betrieben. Niemand wäre damals eingefallen, beide Parteien ins rechtsradikale Lager zu rücken, und deren Wählerschaft als Protestwähler zu bezeichnen. – Andreas Bössow


Leserbrief zu „Wie mit der AfD umgehen?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

Anne Hähnig und Martin Machwecz schlagen in der jüngsten ZEIT zum Umgang mit der AfD u.a. vor:“… offenlegen …wie die Medien arbeiten … Warum nicht auch mal in einem Text die Hürden der Recherche thematisieren?“ Gut so! Warum aber nicht auch dem zitierten Beispiel des MDR folgen und die heiligen Hallen der ZEIT für Interessierte öffnen?

Zahlreiche Stadtteilinitiativen, Begegnungsstätten, Stiftungen etc in Hamburg eignen sich als dankbare Plattformen für ein solches Angebot. Vor Jahren habe ich als Verantwortlicher für die Nachwuchs-Mitarbeiter der Bosch-Gruppe einen Besuch unserer internationalen ‚Trainees‘ beider FAZ in Frankfurt organisiert, der uns u.a. auch Einblicke in die faszinierende Drucktechnik vermittelte. Ich erinnere mich gut an anfängliche Einwände und Schwierigkeiten der Organisation, noch besser aber an die begeisterten Kommentare der Teilnehmer zu dieser Veranstaltung.

Wann lässt DIE ZEIT ihren klugen Artikeln und Diskussionsveranstaltungen konkrete Taten zur Transparenz folgen? – Christian Budczinski


Leserbrief zu  “Nimm zwei” von Götz Hamann:

In einem hat Goetz Hamann schon recht: ich bin 80, und es ist mir tatsaechlich ziemlich gleichgueltig, ob eine Sendung von “traditionellen Grafikern” oder von Experten in digitalen Medien gestaltet wird. Worauf ich aber wohl Wert lege, sind die Inhalte mancher Sendungen von ARD und ZDF, die ich dann auch nicht missen moechte: “Tagesthemen”, “Hart aber fair”, “Frontal 21”, “aspecte”, “ttt”, um nur einige zu nennen. Ich kann aber nicht glauben, dass es nur mein Alter aein soll, warum mir Inhalte wichtiger sind als digitale Virtuositaet. – Hermann Weigmann


Leserbrief zum Treffen von Ute Lemper und C. Bernd Sucher

ich will ihnen nur schnell schreiben, dass mein zeitleseabend in der untergehenden sonne gestern ein unerwartet wunderbares ende nahm mit ihrem lemper gegen (und am ende mit) sucher-gespräch. wie gemeinfein die beiden miteinander umgehen, sich herzlich mit- und gegeneinander erinnern – einfach ein genuss für mich leser, dabeigewesen zu sein.

herzlichen dank dafür, die beiden an einen kleinen runden tisch zu bugsieren, sie so fein geführt zum sprechen zu bringen und das ganze dann auch noch zu drucken.

jetzt auch ich: „tschühüss!“ – Thomas Rempen


Leserbrief zu „100 Ziele“

Nachdem Sie wochenlang aufwändige Werbung in anderen Tageszeitungen und sogar auf großformatigen Plakatwänden gemacht haben bezüglich Ihrer Beilage “100 Ziele in Deutschland”, bin ich nun schwer enttäuscht, im Innern der Zeitung lediglich einen etwas größeren Faltprospekt zu finden, auf dessen Rückseite nur mehr oder weniger dürftig kaschierte Werbung verschiedener Einrichtungen und Veranstalter zu finden ist.

Ich merke an, dass ich den redaktionellen Teil nicht auch noch untersucht habe, ob dort womöglich doch noch etwas mehr zu den genannten Zielen zu finden ist – ich habe nämlich darauf verzichtet diese Ausgabe käuflich zu erwerben – im Inhaltsverzeichnis war jedenfalls nichts dergleichen ersichtlich.

Im übrigen weise ich darauf hin, dass den Kunden der Verkaufsstelle im Hauptbahnhof Stuttgart meine Enttäuschung über das dürftige Plakat wohl – zumindest von Donnerstag bis Samstag – erspart geblieben sein dürfte: In den dort angebotenen Ausgaben lag es nämlich schlicht und einfach gar nicht drin – trotz großer Ankündigung auf der Titelseite. Die Reisenden, die dort eine Ausgabe erstanden haben und sich auf Leselust und Erkenntnisgewinn während ihrer Reise gefreut haben, dürften sich über derartige Verschaukelung auch ordentlich geärgert haben. – Cornelia Schubert


Leserbrief zu „Der Sündenfall“ von Carel van Schaik und Kai Michel

Hinsichtlich des im Betreff genannten Artikels gilt es zu erwähnen, dass die Autoren irren, wenn sie tendenziös bemerken, dass in der Bibel erst ab dem späten Alten Testament von einem Jenseits die Rede ist. Schon in Genesis 5 findet sich in der Entrückung Henochs ein Beleg dafür, dass dieser ab diesem Zeitpunkt direkt bei Gott weilt. Und selbst im Buch Hiob, das angesichts der Darstellungen der dinosaurierähnlichen Wesen Behemoth und Leviathan wohl weit über die Existenz der israelischen Geschichtsschreibung hinausgeht, erfreut sich der gleichnamige Protagonist (Kapitel 19) an der Hoffnung, nach seinem Ableben in Gottes Gegenwart ruhen zu dürfen und warnt seine Mitmenschen vor Gottes gerechtem Gericht. Es lässt zu wünschen übrig, wenn die Bibel von der Wissenschaft, ungeachtet ihres Wahrheitsanspruchs, nicht einmal als Quelle akkurat wiedergegeben werden kann. – Matthäus Daniel Vogel


Leserbrief zu „100 Ziele“

Auf der Karte von Niedersachsen zum Thema „100 Ziele in Deutschland – Der Norden“, die der Zeit beilag und Werbung für „Deutschland neu entdecken“ macht, haben Sie das phaeno in Flensburg angegeben und auch die Homepage www.phaeon.de dazu. Dieses phaeno steht aber in Wolfsburg. Sie meinten sicher die Phänomenta (www.phaenomenta-flensburg.de).

Lustigerweise war der jetzte Chef vom phaeno Herr Michael Junge früher einmal Chef des interaktiven Lernfeldes „Phänomenta“ in Flensburg. Der Fehler ist quasi Schicksal! – Nora Mielchen


Leserbrief zu „Wir werden gestört“ von Michael Allmaier

Klagen über meinen Gesichtsausdruck sind auch mir in letzter Zeit häufiger untergekommen. „Bizarr “ war in Verbindung mit einem Familientreffen der am wenigsten schmeichelhafteste. Aber was bleibt einem angesichts der schmerzhaften Oberflächlichkeit solcher und ähnlicher Veranstaltungen schon anderes übrig.

Sie haben mir mit ihrem, wie ich finde, sehr treffenden Artikel, aus der Seele gesprochen- Vielen Dank dafür. Mit freundlichen Grüßen, und immer schön lächeln ;-) – Sabine Oberpriller


Leserbrief zu „Der Trick mit dem Huhn“ von Heike Buchter et. al.

Vielen Dank für die detaillierte Schilderung der TTIP-Historie und die Informationen zum Ceta-Freihandelsabkommen der EU mit Kanada! Auch wenn der SPD-Konvent nach dem „Prinzip Hoffnung“ Sigmar Gabriel grünes Licht für Nachbesserungen bei Ceta gegeben hat, lassen die vielen unbeantworteten Fragen und Probleme überhaupt noch keine klare positive Meinungsbildung zu diesem halbgaren Abkommen zu. Warum wird von den verantwortlichen Politikern in aller Eile darauf gedrängt, Ceta ohne vorherige parlamentarische Beratungen vorläufig in Kraft zu setzen? Das wahrscheinliche „Aus“ für TTIP ist für die Ceta-Kritiker nur ein schwacher Trost,  wenn z.B. mehr als

42.000 Unternehmensniederlassungen amerikanischer Unternehmen in Kanada die Gelegenheit nutzen, um europäische Staaten gemäß Ceta verklagen zu können.

In der bisherigen Diskussion ist das Problem der bilateralen, regionalen Freihandelsabkommen versus multilaterale Freihandelsabkommen im Rahmen der „Doha“-Welthandelsrunde viel zu kurz gekommen. Leider ist dies Mitte Dezember 2015 beim WTO-Gipfel in Nairobi vorerst gescheitert, als die Doha-Welthandelsrunde nicht in Schwung gebracht werden konnte.

 Die USA favorisieren weiterhin regionale Freihandelsabkommen, in denen sie ihre handelspolitische Macht eher durchsetzen können als auf der globalen WTO-Ebene mit ihren 161 Mitgliedstaaten. Die 2001 im Emirat Katar von den WTO-Mitgliedern vereinbarte Doha-Agenda hat die Liberalisierung des Welthandels bei zugleich besonderer Förderung der Entwicklungsländer zum Ziel. Die USA und die EU wollten nach 14-jährigen weitgehend erfolglosen Gesprächen eine Neuausrichtung der WTO mit Verhandlungen über neue Themen der Globalisierung. Viele Entwicklungs- und Schwellenländer fordern ebenfalls die Fortsetzung der Doha-Runde.

 Mit den überwiegend schlechten Erfahrungen aus dem Nafta-Abkommen, das 1994 zwischen den USA, Kanada und Mexico geschlossen wurde und das zwei Jahrzehnte US-amerikanischer Freihandelspolitik einläutete, hat die Skepsis gegenüber TTIP, Ceta und Tisa nicht nur bei den Europäern, sondern auch bei vielen Amerikanern, u.a. auch bei Donald Trump und Hillary Clinton, zugenommen.  Deshalb lassen sich die negativen Auswirkungen des weltweit verstärkten protektionistischen Klimas und des Rückzugs ins Nationale weitaus besser multilateral zum Abbau der verbliebenen Handelsbarrieren lösen, auch wenn dies Zeit und Geduld auf allen Seiten erfordert, um langfristig bessere Ergebnisse in der internationalen Handelspolitik zu erzielen. Die Lösung der gegenwärtigen Flüchtlingskrise im Nahen und vor allem in Afrika macht dies sowieso notwendig, denn der Freihandel sollte durch den Wegfall diskriminierender Handelsverträge und den Abbau von Subventionen in den reichen Ländern alle wohlhabender machen. – Hans-Henning Koch


Leserbrief zu „300“ von Julia Löffelholz

Ich möchte meinem Gegenüber in die Augen sehen können. Einer der 300 Burka-Trägerinnen bin ich (selbst in eine Großstadt) noch nicht begegnet.

Was mich dagegen sehr stört sind voll verspiegelte Sonnenbrillen. – Martin Hoheisel


Leserbrief zu „Seit wann ist der Mensch ein Mensch/“Familie Mensch“ von Ulrich Bahnsen

Da hat die Menschheit ja Glück gehabt, dass die europäischen Ureinwohner damals noch nicht in der Lage waren, Grenzzäune zu errichten und den Homo sapiens von der Invasion abzuhalten. – Margot Neuser


Leserbrief zu „Wie mit der AfD umgehen?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

Es ist zu begrüßen, dass DIE ZEIT den Umgang mit der AfD thematisiert. Welche Alternativen bietet die AfD? Neben den Wahlprogrammen finden sich auch „Alternativen“ im Diskurs um Werte.

 So behauptet Spitzenpersonal der AfD, dass es (einige, viele?) Deutsche gäbe, die nicht gern neben farbigen (demnächst vielleicht auch homosexuellen oder behinderten?) Nachbarn wohnen möchten. Hier wird in demagogischer Art die Axt an demokratische Grundrechte und Werte gelegt. Was gibt es da noch zu hinterfragen (These3) ? Es gilt – auch für die Medien – Stellung zu beziehen und damit diese Behauptung zu bekämpfen.

Na ja, vielleicht können Sie beim Zahnarzt oder  beim Strassenfeger diese Behauptung hinterfragen…. –  Peter Broda


Leserbrief zu „Wie mit der AfD umgehen?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

Ein sehr gelungener Artikel! Ja, eine sachorientierte und vorbehaltslose Analyse von Standpunkten hilft bei der Suche nach Lösungen für die vielfältigen Herausforderungen. Wäre schön, wenn die genannten 9 Thesen künftig eine Leitlinie für „Die Zeit“ bilden. Ein Argument mehr für mich, treuer Leser zu bleiben. Wäre doch eine Idee?! – Christoph Lügering


Leserbrief zu „Was irritiert Sie an dieser Frau?“ von Fabienne Hurst

Beim Lesen des Artikels fragte ich mich, ob ich schon seit 53 Jahren vielleicht auf einem anderen Planeten lebe als die Autorin? Ich lese:

„Das Make-up … ist zur Pflicht geworden, zur erwarteten Ausstattung einer Frau.“ Aha. Das mit der Pflicht muss mir entgangen sein. Und dem gerüttelt Maß an Nichtschminkerinnen, die in meinem eigenen Alltag eine Rolle spielen, wohl auch. Auch wurde mir noch nie gespiegelt, ich sei „eine Provokation“, weil ich so frech bin, mich nicht zu schminken. Ja, ich pfeife tatsächlich auf derlei ungeschriebene Gesetze, aber nicht, weil ich ein Gleichberechtigungs-Statement zu machen habe. Wer mich geschminkt braucht, um mich als Frau wahrzunehmen, soll mich halt als etwas anderes wahrnehmen, das ist mir egal. (Großer Vorteil des regulären Nichtschminkens: Man muss sich keine Kommentare anhören, dass man krank aussehe, weil die Umgebung kein geschminktes Gesicht als Messlatte für ihr Urteil im Kopf hat.)

Statt pflichtschuldigst vermeintliche Regeln zu befolgen und sich im selben Atemzug darüber aufzuregen, dass man Regeln befolgen muss, die „andere“ machen, sollten Frauen (und auch Männer, denn für die gelten auch „ungeschriebene Gesetze“, eben andere) doch lieber lernen, auf eigene Rechnung zu handeln. Das tut nicht weh und ist zumindest hierzulande, wo Gleichberechtigung gesetzlich verankert ist, recht ungefährlich. Vielleicht ist eine souveräne LMAA-Haltung in puncto Schminken nur ein kleiner Schritt, aber daran kann man einüben, falsche Erwartungen der Umwelt an die eigene Person nach und nach zu enttäuschen.

 Wir sind in erster Linie Menschen und sollten uns dafür einsetzen, dass die kodifizierten Menschenrechte täglich ins Werk gesetzt werden. Dann ist Mann- und Frausein die Würze zum täglich Brot: macht es vielfältiger und interessanter. Fürs Sattwerden ist es aber letztlich irrelevant. –  Susanne Nötscher


Leserbrief zu „Massiver Widerstand“ ein Gespräch mit Ludger Wößmann, geführt von Manuel J. Hartung

Für   manche   Außenstehende   sind   Lehrer    „ Halbtagsjobber “   mit   zuviel   Freizeit   und   Ferien. Wer   aber   über   das   nötige   Hintergrundwissen   verfügt, weiß   um   die   vielen   Aufgaben,   die   Lehrer  in   der   sog.   „unterrichtsfreien  Zeit“   zu   erledigen   haben   wie   z. B.  Vor-   und   Nachbereitung   des   Unterrichtes incl. Anfertigen  von  Arbeits- und   Anschauungsmitteln, Korrektur   von   Haus-   und   Klassenarbeiten,   Schreiben   von   Beurteilungen  und   Zeugnissen,  Verfassen   von   diversen Berichten,   Lektüre   von   Fachbüchern,   Fortbildungen, Vorbereitung   und   Durchführung   von  Sitzungen,   Konferenzen,   Festen  und   Feiern   der   Schule   und   Klassen, Elternsprechtage   und   ad-hoc   Beratungsgespräche, Kontaktaufnahme   zu  Ämtern, Schulausflüge  und  Jugendherbergsaufenthalte.

Zudem   sollte   man   nicht   vergessen,   auf   wieviel   Reformen   die   Lehrerschaft   in   den   vergangenen   Jahrzehnten   reagieren   musste.   Wenn   sie   sich   nun   z.B.   bei   der   Inklusion   und   der   außerunterrichtlichen   Betreuung   etwas   zurückhält,   sollte   man   dies   nicht   als   „ massiven   Widerstand “   oder   mangelndes  Engagement   deuten. Eine  normale   Regelklasse z.B.   ist   auch   ohne   Inklusion  sehr   heterogen   und   verlangt   den   Lehrern   bereits  ein   hohes   Maß   an  individueller   Förderung  ab. Im   Übrigen werden   Kinder   mit   besonderen   Defiziten   an   den   Förderschulen   optimal   gefördert  und   haben   hier   bessere   Chancen,   ihre   Stärken   im   Vergleich   zu   den   Anderen   zu   erfahren.

Was  die Ganztagsbetreuung   betrifft,  so   lässt   sich  auch   bei   entsprechender  Organisation  eine   angemessene Verknüpfung   von  regulärem   Vormittagsunterricht   und      Betreuung  am   Nachmittag  erreichen.

Sicherlich   gibt   es   auch   unter   den   Lehrern   wie   in   anderen   Berufsgruppen   Minimalisten,   denen   die   Bezahlung   und   besondere   Vorteile   ihrer   Tätigkeit  vorrangig   sind.  Doch   sollte   man vorsichtig   sein,   gerade   bei   Lehrern   immer   wieder   auf   ihren   Beamtenstatus   und   ihre   langen   Ferien   hinzuweisen.  „Man   muss   auch   gönne   können!“   wie   der  Kölner so   treffend   sagt. – Gabriele   Gottbrath


Leserbrief zu „Unter Parteifeinden“ von Tina Hildebrandt und Miriam Lau

Noch weitere 4 Jahre Merkel, das wäre der SUPERGAU!  Bitte nicht! Die Dame sollte zurücktreten, lieber heute als morgen. – Immo Richter


Ich verwende den Begriff Lehrer für Lehrerinnen und Lehrer- Zitat Herr Wößmann „Die Bevölkerung wünscht sich Ganztagsangebote, die Lehrer lehnen dies mehrheitlich ab.“ Warum die befragten Lehrer Ganztagsunterricht mehrheitlich ablehnen wird nicht erörtert. Möglicherweise sind die Arbeitsbedingungen (eigener Schreibtisch, Ausstattung an den Schulen mit IT …) nicht derart, dass die Lehrer auch in der Schule die Unterrichtsvorbereitung in Ruhe erledigen können. Das eigentliche Unterrichten ist schließlich nur ein Bestandteil der Lehrertätigkeit.

Es ist schon traurig, dass ein Bildungsökonom das verbreitete Vorurteil „Lehrer = Halbtagsjob“ mit Aussagen wie „Die meisten haben ihren Beruf in einer Welt gewählt, in der Lehrer nur vormittags arbeiten mussten.“ noch verstärkt. In Berlin beträgt die Vollzeitpflichtstundenzahl z.B. am Gymnasium 26 Unterrichtstunden. Schon rein rechnerisch lassen sich diese 26 Stunden bei 5 Schultagen pro Woche nicht nur auf Vormittage verteilen, es sein denn für Bildungsökonomen ist der Vormittag anders definiert. Und Herr Wößmann sollte schon wissen, ein Lehrer arbeitet nicht nur im Unterricht!
Wenn man Ganztagsunterricht will, dann müssen auch die Voraussetzungen dafür geschaffen werden (insbesondere die Arbeitsbedingungen für die Lehrer) oder wann soll die Unterrichtsvorbereitung, Arbeitenkorrekturen … erfolgen?

Insofern hätte ich mir von der Zeit schon ein paar Nachfragen im Interview gewünscht. – Frank Felber


Leserbrief zu „Unter Parteifeinden“ von Tina Hildebrandt und Miriam Lau

„Wir schaffen das!“ oder „Schaffen wir das?“ Wie aus einem achtlos gesprochenen Satz der Bundeskanzlerin medial eine politische Krise konstruiert wurde. Unsere Bundeskanzlerin hat nicht nur Parteifeinde, auch in der Journalistik ist man ihr nicht immer wohl gesonnen. „Das Motiv, in dem wir an diese Dinge herangehen müssen, muss sein, wir haben so vieles geschafft, wir schaffen auch das“ lautet der Vollsatz, den die deutsche Bundeskanzlerin in ihrer Neujahrsansprache 2016 mit Blick auf die längst laufende Flüchtlingskrise formuliert hat (vgl. Zeitmagazin v.15.09.2016). Eigenartigerweise wurde der ganze Satz in den deutschen Medien nie voll kommuniziert, sondern bei der Kommentierung unverzüglich auf den letzten Halbsatz „… wir schaffen (…) das!“ verkürzt. Ob dies nur leichtfertig oder absichtlich mit dem Ziel einer politischen Bewertung geschah, lasse ich einmal dahingestellt. Ich verteidige hier nicht die Politik der deutschen Bundeskanzlerin und wende mich aber gegen die missbräuchliche mediale Umdeutung ihres oben zitierten Kernsatzes.

Die Portionierung des Satzes in zwei Teile und die gleichzeitige Unterschlagung des Hauptsatzes hat Merkels Aussage ihrer wesentlichen Charakteristik beraubt. Wer den ganzen, eher gefühlsbasierten Satz aufmerksam liest, erfährt, dass die Bundeskanzlerin nur von einem „Motiv“ und einer „Herangehensweise an Dinge“ spricht, also einer Hoffnung Ausdruck gibt und keinen konkreten Weg aufzeigt. Sie trifft keine Feststellung, stellt keine Behauptung zum Gelingen ihrer Politik auf, gibt keine Garantie ab. Der Ausgang ihrer Politik wird offen gelassen. Ihre Redesituation war die einer Neujahrsansprache, in der es neben dem Aufzeigen von Perspektiven auch betont um Gefühle, Erwartungen und Appelle geht, mit denen sich die Kanzlerin an das Volk wendet. Wer als Journalist in dieser Ausgangslage Sätze zerbricht und wesentliche Teile davon weglässt, muss wissen, dass er damit eine eigene Rohfassung erzeugt, die den Sinn, die die Sprecherin ihrer Aussage geben wollte, verdrehen kann. Dies gilt insbesondere für sog. „Leads“, die in Kurzform den Leser/Zuschauer/Hörer in eine bestimmte Meinungsrichtung weisen sollen. Genau das aber ist hier geschehen.

In Rossinis Verleumdungsarie im „Barbier von Sevilla“ heißt es zu dieser Art Satztrickserei treffend: „Die Verleumdung, sie ist ein Lüftchen, kaum vernehmbar im Entstehen, still und leise ist ihr Wehen. Und von Zungen geht’s zu Zungen, das Gerede schwellt die Lungen, das Gemurmel wird Geheule, wälzt sich hin mit Hast und Eile. Schuldlos geht die Wahrheit dann zugrund, schuldlos geht sie dann zugrund“.
Weltweit wurden Merkels als Aufmunterung gedachte Aufforderung an die Deutschen, in 2016 engagiert die Ärmel hoch zu krempeln, mit journalistischem Redeschwall als eine leichtfertige Einladung an alle Notleidenden der Welt zur Flucht nach Deutschland umgedeutet. Als wären die Flüchtlinge nicht längst unterwegs zu uns und die Rahmenbedingungen ganz anders gewesen. Merkel war nicht die Verursacherin der Krise, sie war wie wir alle, ihr Opfer.

Das durch die Diskussion erzeugte internationale Spannungsfeld hat aber nicht nur der deutschen Politik schwer geschadet, sondern latenten rechtsradikalen Strömungen neuen Auftrieb gegeben. Wenn also Journalisten heute scheinheilig behaupten, die Flüchtlingskrise sei herbeigeredet worden und Merkel sei schuld am Erstarken der AfD, müssen sie sich auch für ihren Arbeitsbeitrag kritisieren lassen. Frau Merkel jedenfalls war nach dieser Nahaufnahme jedenfalls nicht die alleinige Akteurin. Der Deutsche Presserat sollte sich mit dem von den journalistischen Rezipienten gezeichneten merkelschen Pseudodiktum: „Wir schaffen das“, auseinandersetzen.  – Alfred Gassner


Leserbrief zu „Der Trick mit dem Huhn“ von Heike Buchter et. al.

Ein eigenartiger, schlimmer Artikel. Nicht wie das europäische Vorsorgeprinzip, was den Verbraucherschutz betrifft vor den US Regeln gesichert werden kann, wird diskutiert. Statt dessen muss der Ekel vor dem Chlorhühnchen herhalten, den TTIP-Gegner als von Campac verführten emotionalen Dummkopf dastehen zu lassen.

Bei Ricardos Argument für den Freihandel werden nationale Spezialitäten ausgetauscht, nicht Waren aus den selben Produktgruppen, die bei ganz unterschiedlichen Produktionsbedingungen (z.B. der sozialen Absicherung der Belegschaften) hergestellt wurden. Die Europäer kämpfen doch schon mit ihren Problemen einer Vereinheitlichung der Währung, ohne dass die dafür notwendige Einheitlichkeit in den Euroländern vorhanden wäre. Genügt das nicht?

Also bitte mal genauer darlegen, wo der Vorteil für Europa bei TTIP läge! – Alexander Marcinowski


Leserbrief zu „Seit wann ist der Mensch ein Mensch/“Familie Mensch“ von Ulrich Bahnsen

Ihre Zeichnung zu Flötenspiel und Seilmaschine sowie Ihre Graphik auf Seite 42 haben Misstöne in die ansonsten höchst informativen und spannenden Artikel über die Menschwerdung gebracht.

 Ganz offensichtlich waren es ausschließlich Männer, die da die Welt eroberten oder sich technischer Innovationen bedienten. Frau Homo Sapiens saß bewundernd daneben oder kam überhaupt nicht vor.

 Die Männer dagegen zogen hinaus und hatten immer mal wieder ein Techtelmechtel – ganz wie im richtigen Leben, man kennt das ja.

 Also wirklich!

Wir wissen so gut wie nichts darüber wissen, wie das Leben seinerzeit war. Eindimensionale, klischeehafte Rückschlüsse sind nicht sonderlich sinnvoll. Es sollte die Bandbreite der Möglichkeiten ausgelotet werden, das ist inzwischen wissenschaftlicher Standard.

 Sehr wahrscheinlich konnten Menschen nur in Sippenverbänden überleben – wie und warum geschah die Ausdehnung des Gebietes? Schickte die Sippe jemanden voraus? Vielleicht die jungen Leute, vielleicht aber auch gerade die älteren, erfahreneren? Möglicherweise zogen auch alle gemeinsam. Aus reiner Neugier? Oder gab es immer mal wieder Überbevölkerung oder zu wenig Wild, dann setzten sich vielleicht ganze Familien ab, um woanders bessere Jagdgründe zu finden. Alles scheint plausibel.

 Überhaupt nicht geklärt sind die Herrschaftsverhältnisse. Waren Frauen vielleicht (auch) Anführerinnen? Warum sollten sie nicht gejagt haben?

Wie Sie selbst berichten, betrafen die genetischen Veränderungen, die zu mehr Ausdauer führten, nicht nur das Y-Chromosom. Die Gehirne beider Geschlechter waren immer schon gleich leistungsfähig. So wenig es heute nachvollziehbar scheint, so wahrscheinlich ist es, dass Frauen Innovationen hervor gebracht haben. Vielleicht jagden sie doch nicht und nutzen ihre Ausdauer für die Lösung schwieriger Rätsel, wie z.B. wo die Löcher in der Flöte sitzen müssen?

Und überhaupt, die Theorie mit dem auswärtigen „Sex“. Kann das stimmen, wenn doch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit – Überleben durch stillen – Kinder bei ihren Müttern aufwuchsen und die Ergebnisse der dargestellten Liasons also eher bei Neanderthalers?

Wäre es dann nicht wahrscheinlich, dass diese Kinder sich eben nicht wieder mit Homo Sapiens sondern mit den Neanderthalern der eigenen Sippe fortgepflanzt hätten? Dann jedoch wäre in uns eben gerade kein Neanderthaler-Erbgut vorhanden.

Außer natürlich, es gab auch gemischte Sippen. Ob man sich regelmäßig oder nur gelegentlich sah, es ist gut denkbar, dass immer mal wieder eine Homo Sapiens einen schnuckeligen Neanderthaler verführte.

Vielleicht gab es aber auch Überfälle mit sexueller Gewalt.

Wir wissen es nicht. Und wir sollten nicht so tun, als wüßten wir es, denn das verengt den Blick für die interessante Fülle der Optionen und dann entgeht uns eventuell die nächste große Entdeckung. – Ulrike Hudelmaier


Leserbrief zu „Wir werden gestört“ von Michael Allmaier

Ich nehme an, dass Sie dem Setzer – vielleicht haben Sie sogar selbst gesetzt – angewiesen haben, den Title für Ihren Artikel auf S. 56 in Fraktur zu setzten. Das fällt heute mehr auf, da die Fraktur nicht mehr in Mode ist und auch nicht mehr von allen gelesen werden kann. Wenn man sich aber für die Anwendung dieser Schrift entscheidet, sollte ,man die Schrift auch unter Beachtung ihre Regeln anwenden. Fast überall stößt man bei in Fraktur gesetzten Texten auf die Tatsache, dass das „lange s“ – # – nicht mehr angewandt wird. Bei einer Zeitschrift vom Niveau der Zeit müsste man aber erwarten können; dass die Verwendung richtig erfolgt. Also muss der Titel richtig gesetzt so aussehen:

Ich bin nicht  aggre##iv –  Dr. Strub


Leserbrief zu „Wir lachen ständig“ von Stefan Willeke

Das INtervieuw ist erschütternd. Es zeigt die Banalität des Bösen! K hat wohl nie die Gedenkstätte in Srebenica und für die ermordeten Kinder in Sarajewo gesehen. So leicht ist es also, die Verantwortung abzuschieben. M.E. Sollten Sie noch einen Kommentar zu dem INtervieuw in der nächsten Ausgabe schreiben. – Michael Marfels


Leserbrief zu „Wie mit der AfD umgehen?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

Ich stimme den beiden AutorInnen prinzipiell zu. JournalistInnen, aber vor allem auch PolitikerInnen sollten auch mit der AfD reden, denn wenn sie nur mit Leuten ins Gespräch kommen, die eine gleiche bzw. ähnliche Auffassung von was auch immer haben, gelangt man nicht zu neuen Erkenntnissen und Handlungsmöglichkeiten zum Wohle aller BürgerInnen. Ein bisschen Dialektik sollte schon sein.

Wenn man die AfD und vor allem ihre WählerInnen nur in die „rechte Ecke“ stellt, indem JournalistInnen und PolitikerInnen sie bspw. mit der NPD gleichsetzen und nicht mit ihnen redet, dann hat man eine Mitschuld am Aufstieg dieser Partei. Auch sollte nicht vergessen werden, dass nicht sehr wenige AfD-WählerInnen ehemals SPD, CDU, Linke und Grüne gewählt haben! Sind diese Personen also gleich Nazis oder Ratten, so wie der SPD-Politiker Ralf Stegner sie neulich bezeichnet hat?

Nebenbei bemerkt: Wenn man die WählerInnen der AfD, die sie ja nicht bleiben müssen, ständig als irgendwie geartete Rechte diskreditiert, dann verharmlost man die wahren Alt- und Neonazis und treibt sie möglicherweise erst recht in diese Ecke.

Ich finde, eine Demokratie – so unvollkommen sie auch ist – kann sich nur weiter entwickeln zum Nutzen aller BürgerInnen, wenn JournalistInnen und PolitikerInnen so handeln, wie dies z.B. LehrerInnen in der Schule tun sollten: niemanden ausgrenzen und die Menschen dort abholen, wo sie sind. – Lothar Wienhold-Hirsch

 

08. September 2016 – Ausgabe 38

Leserbrief zu „Wer ist Schuld?“, ein Gespräch mit Reinhard Kolke, Technikexperte des ADAC

Ich habe derzeit Spaß daran, meine persönliche Prognose für das Leben in 10 Jahren zu verfassen. Diese packe ich dann in einen Umschlag und öffne ihn dann erst zu gegebener Zeit. Ich bin gespannt, welche meiner Prognosen eintreffen werden und welche nicht. Bei einer Sache bin ich mir aber sicher: Autos werden nicht großflächig autonom fahren.

Und ich möchte das mit drei Argumenten unterfüttern:

Erstens: Jedes Kind kann heute eine elektrische Eisenbahn digitalisieren und autonom fahren lassen.

Warum wird dann der Zugverkehr nicht autonomisiert? Es muss ungleich viel einfacher und günstiger sein, das zu realisieren als den Straßenverkehr. Als Argument hört man dann oft, das wäre nicht machbar, da zu viele Arbeitsplätze wegfielen. Ja, was denken denn die Leute, welche Autos zuerst autonom fahren werden? Natürlich nicht das private Fahrzeug, sondern Busse – und es gibt wesentlich mehr Busse als Triebfahrzeuge von Zügen.

Zweitens: Ein Unfall ist uns jetzt durch die Medien im Zusammenhang mit einem automatisierten Tesla bewusst gemacht worden. So wie ich es verstanden hätte, hätte ein Mensch diesen Unfall aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse auch nicht verhindern können. Trotzdem – zwei, drei weitere solche Ereignisse und das autonome Fahren erleidet einen Imageschaden, den es in 20 Jahren nicht mehr korrigieren kann.

Und mein persönlich wichtigstes, drittes Argument: wir werden derzeit von Problemen überrollt, von deren Lösung wir himmelweit entfernt sind und für die wir unbedingt Lösungen brauchen, um eine friedliches Zusammenleben zu ermöglichen:

Flüchtlingsströme, ein Spaltung der Gesellschaften durch zunehmende ungerechte Verteilungen, ein dramatischer Rechtsruck der westlichen Länder und eine drohenende islamistische Radikalisierung der arabischen Staaten und des nahen Ostens.

Es kommt dazu, dass das autonome Fahren derzeit nur als Vehikel gesehen wird, um den Effizienzwahn der Wirtschaft und die Ausbeutung der Ressourcen noch zu dramatisieren. Die Konsequenz des autonomen Fahren müsste aber sein, die Zahl der genutzten Fahrzeug radikal zu reduzieren, nämlich genau um die Zahl der jede Minute sinnlos herumstehenden, geparkten Automobile überall. Das wiederum bedeutet einen radikalen Umbau der gesamten Automobilindustrie in Deutschland mit sicherlich starken gesellschaftlichen Spannungen.

Vor dem Hintergrund dieser Argumente und der anstehenden dringlicheren Probleme ist meiner Meinung nach die Gesellschaft einfach noch nicht reif für das autonome Fahren – jedenfalls noch nicht in den nächsten zehn Jahren.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin selbst ein Technik-begeisterter Ingenieur, aber dadurch auch verpflichtet, rational und realistisch zu bleiben. – Benedikt Flurl


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

Ihrem Artikel zur Dieseltechnik kann man sicher zustimmen allerdings frage ich mich seit langem wo die elektrische Energie der zukünftigen Elektroautos herkommen soll.

Bei ca. 45.000.000 Autos in Deutschland die im Durchschnitt sicherlich mehr als 10.000 km im Jahr fahren und im Durchschnitt mehr als 6 l Kraftstoff Verbrauchen,

davon ausgehend, dass ein Elektroauto eine doppelt so hohen Wirkungsgrad hat also ca 3 l Benzin hat einen Energiewert von ca 11, 6 kwh?? Wo soll die Energie dafür herkommen ohne Kernenergie und ohne Kohlekraftwerke?

Währe dieses Thema nicht eine Abhandlung Wert (nicht nur für Autos sondern die zukünftige Energiebilanz womit) in Ihrer Wissensrubrik oder im Dossier?

Ansonsten möchte ich mich bei den Redakteuren Ihrer Zeitung für die ausgewogene und in die Tiefe gehende Behandlung anstehender Themen bedanken da dies leider selten geworden ist. – Herbert Meyer


Leserbrief zu „YUSSUF“ von Kersten Augustin, über Ikea-Katalog

Ich habe herzlich gelacht! Ihr Artikel spricht mir aus der Seele. Ich dachte schon, ich sei inzwischen zu alt für IKEA (Jahrgang 62), weil ich ähnlich empfinde und genervt bin wie Sie! Es beruhigt mich doch ungemein, daß es anderen auch so geht! –  Jutta Fey


Leserbrief zu „Wer ist Schuld?“, ein Gespräch mit Reinhard Kolke, Technikexperte des ADAC

“Der Diesel verdreckt die Luft”, das ist eine der wenigen Aussagen von Claas Tatje, die in seinem Artikel zur Klärung des Sachverhalts beitragen. Schon die in der Überschrift benutzte Frage “Warum nicht die Subventionen streichen” ist falsch. Welche Subvention? Die Steuer müsste im Sinn von Tatje erhöht werden um den von ihm gewünschten Effekt zu erzielen.

Es geht so weiter. Griffig ist es, das Diesel-Problem als “VW-Skandal” zu behandeln und damit zu verdrängen, dass es sich um ein allgemeines Problem fast aller PKW-Diesel handelt. Der eigentliche VW-Skandal ist die unsagbar ungeschickte Behandlung des Problems in den USA. Wie man auch schon aus der ZEIT entnehmen konnte, könnte man auch von einem Skandal der zuständigen Behörden sprechen und ev. von einem politischen Skandal, denn bekannt waren die weitgehend physikalisch bedingten Probleme der Dieselabgase dort seit vielen Jahren und ob eine Aufsicht, die so weit verbreitete “Manipulationsmöglichkeiten” ignoriert eine gewollte Lösung war, wäre zu hinterfragen.

Es gilt heute ein technisches Problem zu lösen, nämlich eine Optimierung des CO²- und gleichzeitig des Feinstaub-Ausstoßes zu erreichen. Wie weit das möglich ist, muss die zukünftige Entwicklung zeigen. Daneben muss das fiskalische Problem gelöst werden, unter welchen Bedingungen man verlässliche Ausstoßwerte für eine Besteuerung erhalten kann. Dass diese Werte auch in Zukunft nicht den im täglichen Gebrauch “verlässlich” entsprechen werden, ist sicher. Den Dieselmotor abzuschaffen ist sicher nicht die Lösung, denn der wird wegen seiner günstigen Wirkungsgrade noch lange gebraucht werden, selbst wenn alle PKW elektrisch betrieben werden, wobei die Frage entsteht, wie Umweltfreundlich der Strom dann eigentlich erzeugt wird.

Wo ist nun die Lüge der Autohersteller? Niemand hat einen absolut sauberen Motor erwartet oder versprochen, aber einen saubereren und das ist auch heute noch ein richtiger Schritt. Ob die von Tesla angebotenen Autos hier eine Lösung sind, ist keineswegs klar. Wie werden eigentlich die Batterien dieser Autos entsorgt? Sie haben nur eine Lebensdauer von wenigen Jahren. Woher kommen die Rohstoffe für diese Batterien? Und schließlich: Können für vertretbare Kosten rein elektrische Autos, die umweltfreundlich entsorgt werden können, in einer erkennbaren Zukunft überhaupt gebaut werden? Die Firma Tesla ist da kein gutes Beispiel. Trotz der exorbitanten Preise ihrer Autos kämpft sie mit riesigen Finanzierungsproblemen. Vermutlich bleiben also –wie geschrieben- nur die Hybrid-Autos und in denen braucht man auch noch viele Jahre Verbrennungsmotoren mit niedrigen Ausstoßwerten für Feinstaub und CO² als Teil des Antriebs. Ob hier Diesel- oder Ottomotoren die beste Lösung sind, wird sich zeigen. Die Steuerermäßigung für Dieselkraftstoff zu streichen könnte ein Bumerang werden. – Peter Kayser


Leserbrief zu „YUSSUF“ von Kersten Augustin, über Ikea-Katalog

1000 Dank für diese lustigen Brief an den alten Ingvar. Als ich den neuen Ikea-Katalog neulich in meinem Treppenhaus vorfand und durchblätterte ist mir kalter Zorn hochgekommen: Was fällt denen ein?!

Bin heilfroh, das DuSie das öffentlich thematisiert haben/st. Ich selbst kaufe nur noch im absoluten Notfall bei dem Schwedenladen ein, jede Alternative ist besser! Hauptsache sie heisst nicht Ivor, Lack, Ingo, Besta, Glimma, Karlso und Stockholm….ich pfeif auf Köttbulla und Lax….das einzig schwedische was überhaupt noch erträglich ist sind Abba und Pippi Langstrumpf…. denn ich mach mir die Welt wiedewiedewie sie mir gefällt. Herzliche Grüße von Dancing Queen….. – Christiane Bärmann


Leserbrief zu „Die Entzauberte“ von Tina Hildebrandt

es haben doch nicht nur die Wähler, sondern auch die Medien Frau Merkel seit Jahren in dem Glauben bestärkt, sie sei unschlagbar. Wurde ihr nicht ein Kranz nach dem anderen gewunden – als Physikerin habe sie die Fähigkeit, Probleme nüchtern und systematisch zu analysieren, sie treffe ihre Entscheidungen vom Ende her, sie sei zwar rhetorisch nicht überragend, aber darauf käme es nicht an, sie verkörpere die Tugenden einer schwäbischen Hausfrau usw. usf.?

Energiewende, EURO-„Rettung“, Ukraine-Konflikt, Türkei-Politik, ganz zu schweigenvon ihrer (nun nicht mehr von Nüchternheit, sondern von „Humanität“ getragenen) Flüchtlingspolitik – nichts war für die überwiegende Mehrzahl der Kommentatoren ein Anlass, Frau Merkels Entscheidungen massiv in Frage zu stellen und ihre politische Weisheit anzuzweifeln.

Es bedurfte des CDU-Ergebnisses bei einer Landtagswahl mit gerade einmal 700.000 Wählern, um die angeblich mächtigste Frau der Welt zu „entzaubern“ und die politischen Beobachter ins Grübeln zu bringen.  – Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Die Entzauberte“ von Tina Hildebrandt

Merkel-Demontage – Sie ist eine der ganz wenigen glaubwürdigen PolitikerInnen  in Deutschland und Europa und wird jetzt – unter dem Alibi der Bekämpfung der AfD – mit vereinten Kräften demontiert, durch  ein geradezu systematisches Bashing. Angeführt wird diese „grosse Koalition der Demagogie“ von der CSU nach bewährtem Muster: permanente Maximalforderungen unter Hinweis auf grosse Gefahren, Probleme, Bedrohungen  (zB. die verschiedenen Attentate – dummerweise fanden sie durchwegs in Bayern statt!); man muss die Bedrohungs-Angst inszenieren, wenn’s anders nicht „läuft“. Und so wird die CSU zur christdemokratisch maskierten AfD, die genau gleich tönt, abgesehen von deren nazistisch eingefärbten AnhängerInnen. Und ähnlich passiert es in grossen Teilen der Medien: berichtend wird die AfD- / CSU-Propaganda wiederholt und verbreitet…. A. Merkel erfährt zZ. in der OpferRolle den öffentlichen Wulff-„Prozess“  wieder: „Merkel muss weg“ pöbeln die einen und die andern „fragen sich“ vornehm zurückhaltend, „wie lange es denn noch gehen kann“ mit ihr! Keiner der lauten Ankläger hat konkrete Alternativen („Obergrenze“ zB. ist eine Chimäre!).

Alle tun so, als wären die beschworenen Ängste real. Natürlich, auch phantasierte, neurotisierte Ängste  gilt es ernst zu nehmen. Aber ihre Fremd-Rechtfertigung ist nicht Therapie, sondern Aufblähung eines vergesellschafteten Komplexes. Führende Meinungsmacher wagen nicht einmal mehr, den Nachweis einzufordern für die abstrusen Behauptungen (der Schreier hat immer recht) und ihnen die Realität entgegenzustellen (was die Moderatorin der Tagesthemen gegenüber Min. Söder endlich einmal wagte). So entsteht ein durch Lamentieren und Beschwören entfachtes Chaos , das selbstverständlich den Sündenbock braucht …  Ja, „wir schaffen das!“ – das Negativ-Mantra der Anti-Merkel-Koalition – ist in Wahrheit längst zu deren Verschwörungsformel geworden.  Nicht Merkel hat das Flüchtlingsproblem, auch nicht Deutschland. Es ist vor allem die CDU, die für die AfD zum idealen Fisch-Teich geworden ist, wie die Maximalzahlen für die „christlichen“ AfD-Betörten zeigen. Sie verkriecht sich unter dem Dauer-Beschuss der CSU mutlos gegenüber den professionellen Politschwätzern in München. Wo ist auch nur ein Fähnlein von Aufrechten?

Was für ein beschämendes Schauspiel in einer Zeit, in der Putin, Erdogan, Syrien und andere terroristische Politik machen (ohne die der IS schon gebändigt wäre)!  In einer Zeit, wo Deutschland die gewaltige Last des Flüchtlingsdramas insgesamt, menschlich und politisch, auf eindrückliche Weise meistert, trotz der Altlasten frustrierter Ossis und Russland-Deutscher  und der Masse von Wohlstandsverwöhnten, deren unausgegorene Emotion von AfD und  Konsorten „zum Kochen gebracht“ wird. Eigentlich weit eher ein Paradigma für sozialwissenschaftliche Analyse als ein Aufhänger für rituelles Nachbeten. – Andreas Imhasly


Leserbrief zu „Zeitweise übersteuert“ von  Martin Machowecz  und Tilman Steffen

Man kann nur hoffen, dass sich die beiden Mitarbeiter (Redakteure?) der ZEIT auf der Wahlparty der AfD in Schwerin bis gegen Mitternacht wenigstens gut amüsiert haben. Und natürlich auch, dass sie Steaks vom Grill bekommen haben, die noch nicht verkohlt waren. Allerdings ist zu befürchten, dass es bei der bevorstehenden Wahlparty der AfD in Berlin  lediglich Buletten gibt, weil die Partei dort ja kaum die 20 %-Marke erreichen dürfte. Aber natürlich sei den eifrigen ZEIT-Reportern auch bei dieser Gelegenheit „Guter Appetit“ gewünscht! – Peter Simm


Leserbrief zu „Was hat die Politik versprochen-und gehalten“ von Daniel Erk et. al.

Was die Politik versprochen und gehalten hat: Mehr Abschiebungen ja.

Aufs Jahr 2016 hochgerechnet vielleicht 28.000. Bei Zahlen von vielleicht einer Millionen Flüchtlingen wäre also die von der so genannten Alternative für Deutschland geforderte „Remigration“ (Beitrag: Zeitweise übersteuert) rechnerisch etwa 2052 abgeschlossen – einmal ausgeblendet, dass Menschen auf der Flucht vor Krieg, Not und Elend auch in Zukunft werden in Bewegung bleiben müssen.

So viel zu einer Partei deren Alternativen erst gar keine sind und einer etablierten Politik, die mit derartigen Versprechungen auf solche stehenden Züge meint aufspringen zu müssen. Toll! – Michael Schütte


Leserbrief zu „Zeitweise übersteuert“ von  Martin Machowecz  und Tilman Steffen

Einspruch verehrte Redaktion! Ihre Autorin nennt die falschen Namen. Gegen Wolfgang Bosbach hätte Frau Merkel keine Chance. Der vereint die CDU und CSU wieder und bei den Wählern hat er alle Sympathien. Die Bundeskanzlerin hat Glück im Unglück. Auch ein Herr Merz hätte gute Chancen. Ich kenne noch andere, Öffentlich Unbekannte Persönlichkeiten. Da gibt es gleich mehrere Kandidaten, die sehr Weise bisher argumentiert haben.

Nachteil: Ihre Zunft werden sie niederschreiben, und das ist das eigentlich tragische in unserem Staat. Bei Ihrer Autorin bin ich mir nicht ganz sicher, soweit ich sie als Autorin kennengelernt habe, kann sie durchaus differenzieren. Frau Merkel ist keine Person für die große Politik. Sie hat das nie gelernt.

Ich behaupte, im Zuge der Globalisierung ist sie schlicht und einfach überfordert. Mit Gefühlsduselei kann man keine große Politik machen. Unter ihrer Regie ist Europa auseinandergebrochen. Hätte das Herr Seehofer verzappt, würden die Medien ihn durch München prügeln.  – Gunter Knauer


Leserbrief zu Anja Reiters Artikel „Es fliegt, es fliegt“  und „YUSSUF“ von Kersten Augustin, über Ikea-Katalog

Zu Anja Reiters Artikel „Es fliegt, es fliegt“  hier der Link zu einem youtube-Filmchen, das meine kleinen Enkel immer wieder mit Begeisterung ansehen:

https://www.youtube.com/watch?v=wHJTZ7k0BXU

Und einen besonderen Gruß an Kersten Augustin :

Den IKEA-Katalog-Artikel habe ich mit amüsiert-zustimmendem Kopfnicken gelesen – und fühlte mich am Ende tatsächlich getröstet. Hatte ich doch beim Durchblättern dieses neuen Kataloges den Eindruck, mit meinen 70 Jahren einfach zu alt zu sein für all diese Merkwürdigkeiten …. – Barbara Trappe


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

Ich bin befremdet über die Qualität dieses unglaublich mangelhaft recherchierten Artikels, noch dazu auf der Titelseite der Zeit! Ein erneuter Beitrag zum Thema Diesel- Bashing aus der Gruselkammer der Grünen? Was steckt dahinter?

Der Autor bescheinigt dem Dieselmotor keine Zukunft und fordert pauschal Sterbehilfe für „den Diesel“, wohl wissend, dass moderne Euro 6- Diesel locker alle Grenzwerte für Feinstaub- und NOx- Emissionen auch auf der Straße und sogar in den USA erfüllen.

Viel schwerwiegender: Kein Wort darüber, für welchen Anteil an der gesamten Feinstaubkonzentration „der Diesel“ tatsächlich verantwortlich ist:

60% der Feinstaubkonzentration in Städten stammen überhaupt nicht aus Fahrzeugemissionen. In dem verbleibenden Rest (u.a. Straßenverkehrs- , Schiffs-, Haushalt- und Industrieemissionen) kommt der Diesel- PKW auf gerade einmal 3%!

Die vom Autor erwünschte Diesel- Abschaffung, selbst die der betagten Euro- 1 und -2- Diesel- PKW (Anteil z. Z. ca. 42% ) hätte keinen messbaren Einfluss.

Fazit: Dem modernen Euro 6- Dieselmotor gehört so lange die Zukunft, bis das E- Mobil eine zum Diesel und Benziner gleichwertige Marktreife erlangt hat und Strom nicht mit überwiegend fossilen Energieträgern erzeugt wird. –  Dipl. Ing. Michael Deil


Leserbrief zu „Die Nato kreist Russland ein!“ von Jochen Bittner

Jochen Bittner meint, die These, „Die NATO-Einkreisung Russlands sichert nicht den Weltfrieden, sondern gefährdet ihn“, sei eine Verschwörungstheorie. Er meint allen Ernstes, diese Sichtweise mit Verweisen auf die Geografie entkräften zu können. Allerdings ist die Liste der Anhänger dieser These unvollständig. In einem Brief vom 26.Juni 1997 äußerten US-Politiker wie Ex-Verteidigungsminister McNamara und viele weitere Prominente ihre Sorge vor einer Osterweiterung der NATO. George F. Kennan bezeichnete die Osterweiterung der NATO  als „verhängnisvollen Fehler“. Auch Helmut Kohl verstand durchaus die Sorge Russlands vor einer Osterweiterung der NATO (vgl. ZEIT  vom 1. Oktober 2014) Die mündliche (!) Zusage Genschers gegenüber Schewardnadse ist hinlänglich bekannt. Die Liste solcher angeblichen Verschwörungstheoretiker ließe sich beliebig um viele Prominente von höchstem internationalem Renommee (Helmut Schmidt) verlängern.

Verständnis für russische Positionen zu zeigen heißt noch lange nicht, sie auch zu akzeptieren. Unausgesprochen unterstellt Bittner genau das den angeblichen Verschwörungstheoretikern. Eine Auseinandersetzung mit den Analysen eines G. F. Kennan und all der anderen prominenten amerikanischen Politiker wird nicht einmal angedeutet. Genau das aber erwarte ich von einem ZEIT-Journalisten. So aber ist der Artikel der ZEIT unwürdig. – Thomas Wittinger


Leserbrief zu „Die Nato kreist Russland ein!“ von Jochen Bittner

Seine Darstellung der „Enkreisung“ Russlands durch die Nato als Verschwörungstheorie  beleidigt jeden Leser, der schon mal eine Landkarte Europas gesehen hat. Das könnte man nur als Satire gelten lassen. Seit über 100 Jahren ist es das Bestreben der USA, eine gedeihliche Beziehung zwischen Deutschland und Russland zu verhindern.

US-Geostrategen wie der Chef der Denkfabrik Stratfor (Strategic Forecast) haben das unumwunden zugegeben. Die von den Alliierten geschriebene Geschichte von zwei Weltkriegen lässt solche Bestrebungen in Form einer Finanzierung der NS-Rüstungsindustrie durch US-Bankiers natürlich  im Dunkeln.

Erneut versucht die bröckelnde Weltmacht, einen Keil zwischen zwei ihrer Konkurrenten zu treiben, von deren guten Beziehungen auch diesmal das Schicksal ganz Europas abhängen wird. Und parallel zur Propaganda beim letzten Gemetzel wird schon wieder „der böse Russe“ beschworen.

Das deutsche Volk und auch kein anderes möchte sich vor den geopolitischen Streitwagen der USA gegen Russland spannen lassen. Frau Merkel wird diesen fatalen letzten Krieg nicht verhindern. Aber Sie als Meinungsmacher könnten es auf jeden Fall versuchen! –  Eva Maria Griese


Leserbrief zu „YUSSUF“ von Kersten Augustin, über Ikea-Katalog

Vielen Dank für diesen großartigen Brief an Ingvar. Er sprach mir aus der Seele, nachdem ich den neuesten IKEA-Katalog nach kurzer Lektüre („Persönlichkeit ist die halbe Miete“) postwendend ins Altpapier geworfen hatte! Lange nicht mehr so (laut) gelacht! Tusen takk! – Amrei Fuder


Leserbrief zu „Die Nato kreist Russland ein!“ von Jochen Bittner

Zum 2. Mal nacheinander bringen sie eine Landkarte der Russischen Föderation mit der Bezeichnung “Russland”. Dabei sind es  laut z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Föderale_Gliederung_Russlands „22 Republiken. Diese besitzen eine eigene Verfassung und Gesetzgebung und haben innerhalb der Russischen Föderation den höchsten Grad an innerer Autonomie. Republiken sind für die größeren nicht-russischen Völker und für einen Teil der Krim errichtet worden. Außer Tatarstan, Tschetschenien und der Republik Krim haben alle Republiken den Föderationsvertrag vom 31. März 1992 mit Russland unterzeichnet.“

Vor allem für die oben erwähnten Republiken, die den “Vertrag” nicht unterzeichnet haben, ist es wichtig. Wir sprechen ja auch von der USA, der BRD oder vom UK…  – Jiri Havrda


Leserbrief zum Thema: „Tust du mir gut?“, ZEIT DOCTOR

Wer hätte gedacht, dass Liebe, Küssen heilende Wirkung haben.  In Zeiten wo künstliche Intelligenz den Medienmarkt flutet, wir zu hunderten Freunde  auf Face Book haben und auf all dies nicht mehr verzichten wollen/können.

Da, wie schön bringt ihre Redaktion  ein so „revolutionäres Thema“ an die Frau, den Mann.  Hatten wir schon vergessen, dass Liebe wunderbar und heilend ist.

Sie haben jetzt mit wissenschaftlichen Studien den Beweis geliefert. Endlich wissen wir wofür es gut ist.  Liebe wirkt! Sogar bis in jede Zelle. Widerstand ist“ Gott sei dank“ zwecklos.

Da müssten unsere Krankenkasse doch aufwachen. Evtl. Kussseminare oder ähnliches  anbieten. Bonuspunkte sammeln z. Bsp. Ein Checkheft anlegen, wie oft hat der Patien herzhaft geküsst.  Und nicht zu vergessen die Kalorienverbrennung. Das wäre doch mal eine Maßnahme?! Geht doch nicht alles den besagten Bach herunter?

Fazit: Gehen wir doch ganz einfach mit Liebe durch unsere Zeit. Sie wirkt. Nicht nur auf die eigenen Zellen. –   Maria Spies


Leserbrief zu „Die CSU wird sich durchsetzen“ von Marc Brost und Peter Dausend

Warum gibt die ZEIT einem Populisten wie Herrn Söder so viel Platz um seine hohlen Parolen loszulassen? Und was soll dieses Foto über dem Text? Herr Söder steht mit seinem Smartphone in einem Keller voller Schließfächer und plant die Weltherrschaft an sich zu reißen? Oder hat er keinen Empfang?

Herr Söder spricht in seinem Interview von verlorengegangenem Vertrauen und davon, dass die Politik einen grundsätzlichen Kurswechsel (lt. CSU-Papier: Flüchtlingsobergrenze, Burka-Verbot, Reduktion des Familiennachzugs, Bevorzugung christlicher Flüchtlinge) nötig habe um das Vertrauen der Bevölkerung wiederzugewinnen. Vertrauensverlust und Politik-Verdruss sind aber nicht neu und wären a.e. durch eine sachliche und ehrliche Herangehensweise zurückzugewinnen. Hier wird ganz klar mit der Angst der Bevölkerung gespielt und versucht Stimmen am rechten Rand der Gesellschaft einzufangen!

Es ist ekelerregend wie überzeugt dieser Mann hier vom Leder zieht: CDU- und SPD-Wähler würden sich eine stärkere CSU-Präsens im Bund wünschen, viele Menschen würden nicht wollen, dass sich unsere Gesellschaft in ihren Grundfesten verändert und das habe nichts mit Provinzialismus oder Ängstlichkeit zu tun, sondern damit das dieses Land „stark und gut“ sei. Er habe davor gewarnt, das Flüchtlingsrouten von Terroristen missbraucht werden….

Bleiben wir bei der Wahrheit: Die erwarteten Zusatzkosten 2016 für die Flüchtlingsintegration in Deutschland betragen lt. ZEIT No.38 S.6 ca. 4,5 Mrd. €. Sprich ein Drittel der geplanten Steuerentlastung durch Hr. Schäuble oder anders ausgedrückt bei 80Mio. Einwohnern ca. 56€ pro Jahr und Einwohner. 56€. Wissen sie wie lange ich meine Miete von 56€ bezahlen kann? Einen Tag.

Welchem Deutschen geht es durch die Flüchtlinge schlechter?

Wann wird die CSU endlich verstehen, dass wir längst in einer multikulturellen Gesellschaft leben in der die deutsche Staatsbürgerschaft immer bedeutungsloser wird? Wann wird sie verstehen, dass die Ausgrenzung des Islams den Terroristen und der Radikalisierung Vorschub leistet? Herr Söder schürt Ängste vor der Modernisierung und dem Neuen. Und wenn man sich die Terroranschläge der Vergangenheit anschaut, führt genau diese Angst zum Terrorismus (RAF, Anders Breivik, IS). – Nils Marschalek


Leserbrief zu „Meine Obama-Jahre“ von Richard Ford und Michael Adrian

Bitte richten Sie Herrn Ford aus, dass auch ich Obama hinterher trauern werde. Auch ich denke, dass er sicherlich nicht alles erreicht hat, was er sich sicherlich vorgenommen hat bzw was wir von ihm erwartet haben. Jedoch war er stets ein Vorbild, er war stets der Präsident, dem die Menschen zugehört haben. Sie haben aufgeschaut zu diesem Präsidenten, der ebenfalls stets die richtigen Worte vor allem in schwierigen Zeiten gefunden hat.

Er war eine charismatische sympathische Persönlichkeit mit einem sehr ausgeprägten Fingerspitzengefühl; Stichwort Empathie. Nun treten zwei Personen sein Erbe an. Schade, dass Barack Obama seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin nicht mittels Testament vorbestimmten kann. Hoffentlich treffen die Wähler und Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika eine weise Entscheidung. – Yves Pulst


Leserbrief zu „Die CSU wird sich durchsetzen“ von Marc Brost und Peter Dausend

Wieso bietet die Zeit Herrn Söder eine Plattform für seine inhaltlich flachen und zugleich gefährlichen Thesen? Warum hakt man an entscheidenden Stellen nicht nach? Schießbefehl an der Grenze? Was wäre mit Griechenland passiert, wenn die Grenzen nicht geöffnet worden wären? Stattdessen Andeutungen und Theoretisieren. Entweder die worst case Szenarien des Herrn Markus S. werden wahr. Dann wählen die Menschen entweder das radikale Original. Oder die CSU ist Teil dieser Radikalisierung. Wenn diese Szenarien so nicht eintreffen, war es ein fahrlässiges Spiel mit dem Feuer. Bei dem es durchaus Opfer gibt. Siehe rechte Straftaten. Mit einem Orban legt sich Herr Söder nicht an, sondern schüttelt ihm lieber die Hand. – Johannes Stockerl


Leserbrief zu „Die Speise der Armen“ von Ronald Düker

„Echt nationale Gerichte sind (…) und la pizza, eine Art Fladen, die mit Oel bestrichen und mit Salz und Lauch bestreut wird, oder mit geriebenem Käse, Speck und Basilikum, oder Liebesäpfeln (=Tomaten) und Muschelinhalt.“

aus: Meyers Reisebücher „Unter-Italien und Sicilien“, Band 1, 2. Auflage, Kapitel 4 (Neapel – Küche), S. 86, Bibliographisches Institut/Leipzig, 1877

Die Aussage wurde im Kapitel „Neapolitanische Küche“ auch in den folgenden Auflagen wortwörtlich wiederholt. Es wurde gealterter Cacchiocavallo gerieben, nicht Mozarella. Nicht ganz so wie in ihrem Artikel, Herr Düker. Aber so kommen wir der Pizza schon näher.

Übrigens war eine US-amerikanische Freundin von mir, die glaubte, man könne ihr in Küche und Restaurant nichts vormachen, lange davon überzeugt, daß die Pizza vor 100 Jahren in New York erfunden wurde … – Theo Schlag



Leserbrief zu „Zeitweise übersteuert“ von  Martin Machowecz  und Tilman Steffen

In der neuesten ZEIT merken Sie süffisant an, die Party nach dem MeckPom – Erfolg habe im Lokal eines aramäischen Wirtes stattgefunden. Hier soll offenbar unterstellt werden, dies
sei ein Widerspruch in sich. Aramäer sind Christen im Nahen Osten, die viel unter dem Islam zu leiden haben, gegen den sich die AfD vor allem wendet. Christen wurden von Flüchtlingsboten geworfen und in Flüchtlingsunterkünften schikaniert. Einen aramäischen Wirt zu unterstützen,wäre also kein Widersinn oder Widerspruch. Bestenfalls ein Widerspruch zu den Vorurteilen gegenüer der AfD.
Wer sich seiner Sache sicher ist , sollte klar argumentieren , auf Fakten und Realitäten setzen und nicht verworren und uninformiert wirken. Dies schreibt Ihnen ein Leser, der weder Mitglied der AfD ist noch sie wählt. – Dr. Alfred Schlicht


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

Für mich bedeutet guter Journalismus und deshalb lese ich die Zeit: analysieren, differenzieren, abwägen, argumentieren, auch zweifeln und dann bewerten, Position beziehen. Diesem Anspruch wird die Polemik des Verfassers gegen Diesel-PKW im allgemeinen und die deutsche Automobilindustrie im Besonderen in keinster Weise gerecht. Schon der Einstieg soll für Empörung sorgen: Eltern kaufen sich großen Diesel-SUV, um etwas Gutes für die Umwelt zu tun und werden betrogen. Wie naiv ist das denn?
Kein Wort zu funktionierender Technik bei Diesel-Kfz, um Stickoxide zu reduzieren; zum geringeren Verbrauch und zu weniger CO2.

Wie hat sich der Stickoxid-Ausstoß in den letzten Jahren entwickelt? Wer sind die Verursacher? Wie sind die Grenzwerte einzuschätzen hinsichtlich gesundheitlicher Gefahren im Vergleich zu anderen Umweltbelastungen, zum Rauchen …? Wie ist es mit der Öko-Bilanz der aktuellen Elektro-PKW? Wie sind die Umweltbelastungen der Produktion und Entsorgung der Batterien? Welche technischen Probleme müssen noch gelöst werden, um einen akzeptablen Nutzwert zu erreichen? Wie hat sich der Anteil der Diesel-PKW denn tatsächlich in den letzten zwei Jahren entwickelt?

Viele Fragen – wieviel einfacher ist da doch eine zweifelsfreie Meinung und ein klares Feindbild. Die meisten Antworten würden den Verfasser ja auch nur verunsichern. Nochmals: Eine solche Polemik (und noch auf der Titelseite) beleidigt die journalistische Qualität der Zeit!! – Klaus Skulimma


Leserbrief zu „Die Mode macht der Staat“ von Gero von Randow

in Ihrem sehr interessanten und historisch sehr gut recherchierten Artikel haben Sie aber einen Aspekt nicht bedacht: Durch all die schrecklichen islamistischen Attentate gerade in Frankreich in den letzten Jahren kann auch die friedfertigste, freundlichste Muslima nicht verhindern, dass ihr aus dem Motiv reinster und unschuldigster Frömmigkeit getragener Burkini (auch) als politische Demonstration wahrgenommen wird. Was in freundlicheren und friedlicheren Zeiten vielleicht als liebenswürdiges Exotikum betrachtet worden wäre, gewinnt heute sofort (latent) den Charakter einer  (zumindest potentiellen) Aggression gegen das Gastland. Oder anders gesagt: Für ganz viele Franzosen sieht Integration oder freundlicher Besuch anders aus.

Die französische „Volksseele“ hat durch die vielen schrecklichen Attentate Schaden genommen. Die Burkini-Verbote versuchten, dem Rechnung zu tragen und die Erinnerungen an diese  Schrecknisse ein bisschen zu besänftigen. Das kann man doch verstehen, und das haben die Franzosen sicher auch verdient.

Ich erinnere mich noch an meine vielen Reisen nach Italien und Griechenland in meiner Jugend: Es war damals in diesen Ländern unerwünscht, dass Frauen mit tiefem Dekolletee und nackten Armen eine Kirche betraten. Ich hatte im Sommer für diesen Fall immer eine dünne, langärmlige Bluse dabei.

Echte Frömmigkeit wohnt im Herzen,  nicht in den Klamotten. Ich fürchte, die gerichtliche Aufhebung des Burkini-Verbots wird Le Pen noch mehr Wähler in die Arme treiben.  – Dr. Sabrina Hausdörfer 


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

Wenn Sie sich auf der ersten Seite eines (noch?) renommierten Blattes wie der ZEIT zum Thema Diesel und Luftreinhaltung äußern, sollte man eigentlich davon ausgehen können, dass Sie Ahnung von dieser Materie haben. Leider scheint dem aber ganz und gar nicht so zu sein!

Ob sich die Welt tatsächlich ernsthafter als bisher um Klimaschutz bemüht, mag hier dahingestellt bleiben. Dass der Dieselmotor für die heutige Zeit zu schmutzig ist, mag ja durchaus sein, hat aber mit Klimaschutz so gut wie nichts zu tun. Gerade für den Klimaschutz wäre der Diesel vorteilhafter, weil er wegen seines geringeren Verbrauchs weniger von dem Klimagas Kohlendioxid emittiert als ein Benziner.

Und dass der Weg zum Klimaschutz über die Straße führt, nun ja, da müsste es richtigerweise „nun nein“ heißen! Denn die Energieerzeugung verursacht gut doppelt so viel Klimagase wie der gesamte Verkehrsektor. Das gilt für Deutschland, in anderen Ländern (Polen, Tschechien, Spanien, Italien) dürfte der Energiesektor noch eine deutlich bedeutendere Rolle im Vergleich zum Verkehr spielen.

Dass (Diesel-)Autos „ungehindert“ Schadstoffe in die Umwelt pusten, klingt zwar schön polemisch, ist aber so ebenfalls unzutreffend. Seit gut zehn Jahren sind neue Diesel-Pkw serienmäßig mit Partikelfilter ausgestattet, so dass sich das allgemeine Passivrauchen im Grunde doch einigermaßen in Grenzen hält. Ein deutlich relevanteres Problem beim Diesel sind gerade in den Innenstädten die Stickoxide, von denen er wesentlich mehr als ein Benziner ausstößt. Davon ist allerdings in diesem Artikel nirgends die Rede.

Was im übrigen den „regelmäßigen“ Feinstaubalarm in den Großstädten anbelangt, so gab es einen solchen erst ein einziges Mal im Januar 2016 in Stuttgart. Zumindest diese schlichte Tatsache wäre doch eigentlich ohne besonderen Aufwand im Internet zu recherchieren gewesen!

Abschließend möchte ich nur noch sagen, dass ich die ZEIT voraussichtlich nicht mehr lesen werde, denn ich muss ja leider davon ausgehen, dass bei Themen, bei denen ich mich wenig oder gar nicht auskenne, genauso polemisch, inkompetent und vor allem nicht wahrheitsgemäß berichtet wird. – Peter Simm


Leserbrief zu „Die Wörterjäger“ von Fritz Habekuss

Daniel Kaufmann ist auf den Straßen von New York anscheinend noch kein deutscher Gebärdensprachler begegnet, denn sonst wäre ihm aufgefallen, dass die Sprache Ikota aus Gabun nicht die einzige ist, bei der das Fragewort am Ende des Satzes steht. Ins Deutsche übertragen, lautet die Frage nach dem Namen in der deutschen Gebärdensprache: Dein Name wie? Zu einer ausdrucksstarken Gebärde werden dabei die Augenbrauen in die Höhe gezogen. Die Gebärdensprache hat im Übrigen auch eine ausgefeilte Grammatik. – Anke Henz


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

Die informierten Deutschen wissen, dass sie mit ihren  leistungsstarken Diesel-PKW ein Siebentel des Stickoxidsausstosses erzeugen. Sie wissen aber auch, dass Batterien durch Gebrauch und Alterung unwiederbringlich an Leistung verlieren. Trotz jahrzehntelangem Bemühen hat sich hieran nicht viel geändert und wird es wohl auch in Zukunft nicht. Das E-Auto als AfD ( Alternative für Diesel )

ist eine umweltpolitische Intention, aber keine überzeugende Technik. So sehen es die meisten Deutschen, kaufen nicht und vermeiden Sondermüll.

Noch ein Wort zum Stil des Beitrages: Ein Journalist sollte sich nicht echauffieren, aus einem Sachthema wird dann ein persönliches Anliegen. – Jürgen Lüngen


Leserbrief zu „Ich liebe mein Kind, aber…“ von Jutta Allmendinger

Was soll der Sinn einer solchen Studie sein, die nur subjektive Befindlichkeiten bewertet, politische Aspekte jedoch völlig außen vor lässt?

Ca. 45 % der Befragten ohne Kind, meinen, es sei in Zukunft nicht wichtig, eigene Kinder zu haben. Welche Vorstellung haben sie davon, wer ihre Rente bezahlen oder die Rendite für ihre Geldanlagen erwirtschaften soll? Wer soll sie im Alter oder bei Krankheit pflegen? Zuwanderer, die dafür ihre eigenen Eltern im Stich lassen? Vertrauen sie darauf, dass in nicht ferner Zukunft der Alterssuizid staatlich gefördert wird, wie derzeit die Abtreibung? Die Antworten auf diese Fragen hätten mich interessiert. –  Gertrud Martin


Leserbrief zu „Die Mode macht der Staat“ von Gero von Randow

Randow schreibt mit kaum verholener  Häme über die notwendige Auseinandersetzung mit den fremdartigen Sitten aus dem Orient: manch einer/eine Richter/in in Deutschland hält das Schlagen der muslimischen Ehefrau als gerechtfertigt, da es der Sitten im Islam entspricht. Ich hoffe,  dass Randow darüber in  nächster Zeit genauso ausführlich und kenntnisreich schreibt. – Marek Pelc


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

Diesel noch zukunftsfähig? – Zurecht muss man angesichts neuerer Erkenntnisse diese Frage ernsthaft stellen. Und auch die Vermutung, dass die deutsche Automobilindustrie für eine Zukunft ohne Diesel noch nicht gerüstet ist, muss man heute bejahen. Zu sehr haben sich VW und andere Konzerne auf die „Optimierung“ dieser Technologie konzentriert und dabei nicht nur technische Weitsicht sondern auch moralisches Gespür und Kundenorientierung vermissen lassen.

Bevor es jedoch um die Neuorientierung geht, geht es erstmal um die Bewältigung der gegenwärtigen Vertrauenskrise der deutschen und europäischen Kunden, denn diese üben Kaufzurückhaltung. Ohne das notwendige Vertrauen der Kunden hierzulande wird den Konzernen, allen voran VW, die notwendige stabile Basis für den fälligen Kurswechsel fehlen.

So ist es unerträglich, dass VW in Deutschland und Europa seine 8,5 Mio. vom Skandal betroffenen Diesel-Kunden mit warmen Worten abspeisen will und jeder der knapp 0,5 Mio. Kunden in den USA bis zu 10.000 EUR Entschädigung erhalten soll. Ähnliches gilt für Audi u.a.! 1 Jahr nach dem Skandal sind die allermeisten Fahrzeuge immer noch nicht umgerüstet.

Auf diese Art werden VW und die anderen Hersteller weder das Vertrauen ihrer Kunden zurückgewinnen noch glaubhaft einen Strategiewechsel einleiten können. Insbesondere VW interessiert es offensichtlich gar nicht, dass sich viele Kunden gerade für die vermeintlich als sauber beworbenen Diesel-Fahrzeuge entschieden haben und sich nun nicht nur hintergangen sondern auch völlig unfair behandelt fühlen.

Die Enttäuschung und Verärgerung über das unlautere und betrügerische Verhalten gerade der VW-Oberen sind so groß, dass VW ohne eine Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit auf verlorenem Posten stehen wird. Der Zulauf zur niederländischen Stiftung, die sich für die Belange der VW-Kunden in Europa einsetzt, zeigt dies deutlich. Denn Kundenorientierung und Kundenbindung sehen völlig anders aus. Als Marketingprofessor bin ich entsetzt über die Arroganz gegenüber den deutschen und europäischen Auto-Kunden.

Wie gedenkt gerade VW die enttäuschten Kunden wieder für sich zu gewinnen und das Image von VW zu verbessern? Eine großzügige Rückkaufmöglichkeit würde sicherlich viel Dampf aus dem Kessel nehmen, der irgendwann explodieren wird. Und dann wird es für VW keinen Gewinn mehr geben – jedenfalls nicht zulasten seiner Kunden! Den anderen Herstellern sollte dies ebenfalls eine Warnung sein, endlich in das Kundenvertrauen und dann zügig in die Zukunftsfähigkeit zu investieren. Ob diese im herkömmlichen Elektroantrieb liegt, ist dabei noch nicht ausgemacht. – Prof. Dr. Knut Wiesner


Leserbrief zu „Die CSU wird sich durchsetzen“ von Marc Brost und Peter Dausend

Herr Söder sagt im Intervieuw, dass die Deutschen „die Zukunft des Landes nicht in einer multikulturellen Parallelgesellschaft“ sehen.

Per definitionem ist eine Parallelgesellschaft eine Gesellschaft, die neben der eigentlichen Gesellschaft existiert. Laut Herrn Söder wollen die Deutschen also nicht, das Deutschland eine multikulturelle Gesellschaft äh neben bitte dann welcher Gesellschaft wird….? Ja, wie jetzt? –  Kurt Eimers


Leserbrief zu „Mekka liegt schräg hinter der Magnolie“ von Henning Sussebach

Ob Herr Sussebach Rassist ist, kann ich nicht beurteilen – der Artikel ist rassistisch. Rassistisch ist für mich, wenn mich bei einer Begegnung das Fremde, das Andere mehr interessiert als der Mensch. „Amir“ betet fünfmal am Tag: Was bedeutet ihm die Religion? Ihm schmeckt das Essen nicht wie zuhause bei der Mutter: Hat er Heimweh? Ist er überhaupt freiwillig hier? Er geniert sich, wenn er sieht, wie Menschen sich küssen: Was hält er von Frauen? Hatte er schon mal eine Freundin? Wünscht er sich eine? Aus seinem Zimmer hört man aufgeregte Al Djasira-Meldungen: Wie geht es seiner Familie? Was hält er von der Situation in Syrien? Macht er sich Sorgen? Von all dem erfahre ich nichts. Denken Sie, dass die Leser fünfmaliges Beten und leere Colaflaschen interessanter und spektakulärer finden? Was halten Sie eigentlich von Ihren Lesern! Ich weiß ich weiß: es ist ein Buchauszug, das Buch ist ganz anders, man muss auswählen etc. Aber genau die Art Ihrer Auswahl stört mich sehr. Ich finde sie rassistisch. –  Astrid Raimann


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

Zu Ihrem Leitartikel in der Wochenzeitung DIE ZEIT (08.09.2016) möchte ich Sie darauf hinweisen, dass die FAZ schon am 13. Februar 2008 schonungslos „Die dunkle Seite der sauberen Dieselabgase“ detailliert und fundiert beschrieben hat. Machen wir uns also nichts vor: Das Risiko war bekannt, aber die günstigen Dieselpreise waren für viele, und vielleicht auch für Ihre Eltern, zu verlockend.

Die Hersteller produzieren das, was der Kunde nachfragt! Zu kritisieren wären also vor allem die Verbraucher – und die Schlafmützigkeit von Journalisten oder der Wochenzeitung DIE ZEIT, nicht  schon damals ausreichend über die Risiken des Dieselkraftstoffs informiert zu haben. Der Skandal bei VW ist nur ein willkommener Vorwand, von eigenen Versäumnissen abzulenken. – Josef Janßen


Betrifft Leserbriefe zu „Überall spritzt Fett“

bitte recherchieren Sie doch mal, wie es um den Humor des Deutschen Volkes bestellt ist. Ich habe über den Artikel von Stefanie Sargnagel jedenfalls Tränen gelacht. Aber mit dieser Bewertung der Wagner-Story stehe ich in Deutschland alleine mit einem 84-jährigen Herrn. Dieser ist auch Wagner-Fan und fühlt sich dennoch nicht in seiner Ehre gekränkt, wenn Rühreier und sexuelle Anzüglichkeiten im Mittelpunkt stehen und nicht die ernste Kritik der Inszenierungen. Danke dafür Herr Paschburg!

Aber wenn die restlichen Leserbriefe aus unserer Republik die Gemütszustand der Bevölkerung widerspiegeln, mache ich mir ernsthafte Sorgen. Ich habe nie verstanden, warum wir Deutschen im Ausland manchmal als überheblich und arrogant angesehen werden, aber nach Lektüre dieser Leserbeiträge wurde mir einiges klar. Oder ist es nur die Leserschaft der ZEIT, die sich für etwas besseres hält und vergessen hat, dass es auch mal wichtig wäre, nicht immer alles zu wichtig zu nehmen und mal über sich selbst zu lachen.

Da das Alter in diesem Zusammenhang offensichtlich eine Rolle spielt: Ich bin 46 und wünsche mir mehr von dieser Art von Beiträgen – also wie von Frau Sargnagel, nicht von der Leserschaft… – Wolfgang Panzer


Leserbrief zu „Schweriner Elegie“ von Josef Joffe

Es war wichtig, dem publizistischen Jammer über die Wahlergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern so eine positive Aussage entgegen zu setzen. Mein Eindruck ist, dass viele Kommentatoren die Ergebnisse  nur oberflächlich zur Kenntnis genommen haben. Aus einem Rundfunkbeitrag konnte ich lernen, dass auch die SPD und die CDU einige Stimmen dazu gewonnen haben. Verloren haben sie dagegen Prozentpunkte, weil die Wahlbeteiligung sich um ungefähr 10 % erhöht hatte, was überwiegend der AfD zugute kam. Weil auch die Linkspartei Stimmen an die Afd verloren hat, ist daran zu zweifeln, dass der AfD  auf Dauer  eine so große stabile Stammwählerschaft sicher ist. Diese Analyse hätte ich mir in dem Beitrag noch gewünscht. – Armin Steinmüller


Leserbrief zu „Schöne Grüße vom Revoluzzer“ von Uwe Jean Heuser

Neu für mich war, dass Reinhard Selten beim Nobelpreis nur für die rationale Theorie* gewürdigt wurde. Zumindest in der deutschen Berichterstattung, vielleicht etwas später, hatte mich die Idee eines Experimental-Labors inspiriert, in dem Selten empirische Forschung weiter betrieb. Ich hatte – in bescheidenem Rahmen – mir ein Datenumfeld zugelegt und Finanzmarktmodelle und -thesen analysiert.

 (*Ähnlich wurde Einstein ja nicht hauptsächlich wg der Relativitätstheorie sondern wg der Erklärung der Brownschen Bewegung ausgezeichnet: Erstere galt noch nicht als noch nicht etabliert, bewiesen…)

 Bonn war aber schon in den 60er Jahren – vielleicht noch nicht „Zentralkirche“ – Hort der mathematischen Wirtschaftstheorie: Erich Gutenber und mehr noch sein Schüler und Schwiegersohn Horst Albach nutzten die mathematische Formulierung. Sie waren die ökonomischen Päpste aus Göttinger Sicht. Wirtschaftsmathematik und Statistik brachten neuen Schwung und Reputation in die BWL. Als ich 1960 anfing, fielen 50 Prozent der Diplomanden durch. Ob die Einführung von Differenzialgleichungen für das Derivate-Wesen der Ökonomie gut getan hat, ist wieder eine andere Frage.

Ich habe in einem „Labor“ die Formel von Black&Scholes überprüft und bin auf Fehlbewertungen von bis zu 30 Prozent gekommen. Und doch ist die Bewertung nach B&S in den internationalen Bilanzrichtlinien für die EU zulässig. Bei den Banken macht diese so bewertete Anteil 30 bis 50 Prozent aus. In der IRZ (Beck Verlag) konnte ich das in einem Essay darlegen. Bei Interesse könnte ich Ihnen den Text zuschicken (s.u.) . – Gerhard Schroeder


Leserbrief zu „Gestrandet in… Reutlingen“ von Wolfgang Bauer

Ich – aufgewachsen in Reutlingen und inzwischen Wahl-Tübingerin – habe selten ein so nettes und treffendes Portrait meiner Heimatstadt gelesen wie dieses – haben Sie Dank! – Juliane Schwille-Kiuntke


Leserbrief zu „Die Entzauberte“ von Tina Hildebrandt

Als Aufforderung war „Wir schaffen das “ ok, aber nicht hinreichend. Mündige Bürger wollen wissen, wie und um welchen gesellschaftlichen Preis dies erreicht werden soll und kann. Was ist uns, den verantwortlichen Politikern und Bürgern der innere Frieden wert? Was können wir aushalten, um den inneren Frieden nicht zu gefährden?

Und jetzt erneut eine unglückliche Aussage: „Wir haben niemandem etwas weggenommen“. Wieder ein mehr irritierender als beruhigender Satz. Geld kann kann man zunächst nur einmal für einen Verwendungzweck ausgeben. Natürlich ist den heutigen Bürgern etwas weggenommen worden, beispielsweise eine frühere und stärkere Steuersenkung. Vielleicht will die Bundeskanzlerin sagen, dass kein Ausgabenprojekt für die heutigen  Bürger gestrichen, gekürzt oder zurück gestellt worden ist oder wird. Dann sollte sie das auch so sagen. Aber es ändert nicht grundsätzlich etwas. Wenn die Steuereinnahmen nicht so sprudeln würden, wäre es zu einer höheren Verschuldung gekommen. Die Bürger würden also  zumindest länger für eine Schuldenrückführung und -tilgung zahlen und arbeiten müssen. Selbst wenn wir die Ausgaben für die Flüchtlinge als Investition zur Zukunftssicherung unserer Bevölkerungs- und Rentenentwicklung sehen wollen, so sind die anfangs optimistischen Erwartungen aufgrund neuer Erkenntnisse inzwischen von pessimistischen Erwartungen abgelöst worden. Mit anderen Worten: es ist auch auf lange Sicht keine Amortisation dieser Investion zu erwarten.

Ich möchte nicht missverstanden werden: es geht hier nicht nur um eine wirtschatliche, finanzielle Betrachtung und Angelegenheit. Wir müssen sehen und kommunizieren, dass ein Teil der Immigration unserer Zukunftssicherung dient und dieser Anteil an Immigranten auch langfristig einen positiven Beitrag dazu leistet und leisten muss. Wir müssen aber auch sehen und kommunizieren, dass ein grosser Anteil an Immigranten unseren Werten und Anforderungen nicht entspricht bzw. entsprechen wird, und daher nur befristet unseren Schutz und unsere Hilfe erwarten kann, soweit das nötig und möglich ist. Das ist die rein humanitäre Seite der Immigration. Diese Kommunikation sollte sowohl gegenüber den Bürgern als auch den Immigranten klar und verständlich sein. Ehrlicherweise gehören dazu auch maximale Grössenordnungen, die im Rahmen der Erfahrungen und der Möglichkeiten jährlich in der Budgetplanung geklärt und festgelegt werden. – Dr. Herbert Powelz


Leserbrief zu „YUSSUF“ von Kersten Augustin, über Ikea-Katalog

Es fällt mir schwer, diese Zeilen zu tippen, da ich von Lachkrämpfen geschüttelt werde. Beim morgigen Kaffe trinken bin ich über Ihren unfassbaren Artikel gestolpert und fühlte mich wie in einem schlechten Dejavue:

Auch ich habe diesen Ikeakatalog mühsam von Pennywerbung befreit und tatsächlich fünf Stockwerke in meine Wohnung getragen! Nach kurzem durchblättern habe ich das Level an gezwungener politischer Correctness kaum mehr ertragen. Doch da endet diese Geschichte nicht, es entbrannte eine zweistündige Diskussion mit meiner sehr libertär eingestellten Freundin in welcher ich mich schon bald, missverstanden, als siebzigjähriger Rostocker und AFD Kernwähler wiederfand.

Wie kritisiert man, das dieses überzogene Benutzen jeglicher sozialer Ideen und Ideale ein Ausverkauf ist, ohne als reaktionärer Zukunftsgegener zu erscheinen? Das man seinen Augen nicht mehr traut bei so schamloser Aneignung, gerade weil man an die Ideale von Gleichheit und Progressivität glaubt, wohnhaft in Berlin Neukölln wohlgemerkt?

Vielen Dank für diese Posse, man kann nur mit Humor reagieren, ich verschicke den Artikel gerade und freue mich auf die nächste Diskussion… – Sebastian Ernst


Leserbrief zu „Mekka liegt schräg hinter der Magnolie“ von Henning Sussebach

Die ehrenwerte Aufnahme des Syrers Amir durch die Familie Sußebach hat also das autoritär geprägte erlaubt-verboten-System auf den Plan gerufent. Einiges davon konnte wohl, mit ein bisschen Distanz und Humor betrachtet, abgeschwächt bzw. in aktuelle Relationen gesetzt werden. Wie er sagt wurde es für Amir wirklich schwierig mit dem Alkohol. Da hätte ein Blick in den Koran hilfreich sein können. In der stark am arabischen Original ausgerichteten Übersetzung von Rudi Paret heißt es in Sure 16,67: „Und wir geben euch von den Früchten der Palmen und Weinstöcke zu trinken, woraus ihr euch einen Rauschtrank macht, und außerdem schönen Unterhalt.“ Es wird also empfohlen, Wein zu trinken und sogar damit zu handeln. Außerdem wird der Wein – allerdings mit unterschiedlichen Bewertungen – in den Suren 2,216 und 5,92 erwähnt, und in Sure 47,15 ist Bezug auf ein zukünftiges Paradies von Bächen mit Wein die Rede, „den zu trinken ein Genuss ist.“

Nebenbei ergibt sich aus diesen unterschiedlichen Darstellungen die Konsequenz, dass der Koran wohl doch nicht in der Weise, wie es konventionelle Vorstellungen suggerieren, die wort-wörtliche Rede Allahs sein kann. Sonst wäre ja Eindeutigkeit gegeben. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

Vergiftete, nicht verstaubte Technik. Ja, der Diesel muß weg. „Die Zukunft wird elektrisch sein“ ist zu kurz gedacht. Wo kommt der Strom her wenn jetzt endlich auch die Braunkohleverbrennung deutlich reduziert wird? Strom ist für große Maschinen wie Schiff, Bahn, Landwirtschaft und LKW eher nicht zielführend. Gleiches gilt für schwere PKW. Da bleibt die vernachlässigte Brennstoffzelle im Blickpunkt. Auch ideal um Strom-Überkapazitäten zur Herstellung von Wasserstoff zu nutzen. Deutliches Ja zu Strom für die kurzen, individuellen Wege. Dafür bitte ausreichend Ladestationen auf öffentlichen Parkplätzen und auch beim Einkaufen. Strom tanken beim Shoppen. –  Frank Schwarze


Leserbrief zu „YUSSUF“ von Kersten Augustin, über Ikea-Katalog

Vielen Dank an Kersten Augustin für die so ehrlichen wie komischen Worte an den Ikea-Chef. Genau die gleichen Gedanken hatte ich auch beim Durchblättern des Kataloges und es ist schön, dass jemand den Mut und Witz hatte einen Möbel-Hersteller in seine moralischen Schranken zu weisen. Vielen Dank! – Maria Braatz


Leserbrief zu „Die Entzauberte“ von Tina Hildebrandt

Noch nie habe ich die CDU gewählt. Bei der nächsten Wahl tue ich das. Ich danke nämlich Frau Merkel für ihre respektvolle, äußerst angemessene, durchdachte Flüchtlingspolitik. Die missbräuchliche Verwendung ihres Satzes „wir schaffen das“ grenzt schon an Hexenjagd. Wäre sie noch Kanzlerin, wenn sie vor einem Jahr gesagt hätte „wir schaffen das nicht“? – Hans Rahn


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

Leider hat sich jetzt auch Die Zeit in den Reigen der Medien eingereiht, die den – wahrscheinlich kostengetriebenen – Betrug durch einen Fahrzeughersteller (und möglicherweise auch durch andere) zum Anlass nehmen, ein undifferenziertes und sachlich falsches Urteil über die Dieseltechnik an sich fällen. Da werden dann Klimaschutz und Feinstaubalarm ins Feld geführt und der Diesel pauschal zur Dreckschleuder erklärt.

Es besteht durchaus Einigkeit mit dem Autor, dass die Zukunft wahrscheinlich in der Elektrifizierung liegt, wobei diese Zukunft im Nutzfahrzeugbereich sicher noch ferner liegt als beim PKW. Zur Bewertung des Diesels als geeignete Brückentechnologie müssen hier 3 Abgaskomponenten korrekt bewertet werden. 1. CO2: Im üblichen Autobahn-Landstraße-Stadtverkehr-Mix hat der Diesel einen geringeren Verbrauch als der Benziner und auch als der Benzin-Elektro-Hybrid, was ich als aktueller Fahrer eines Hybrids und vormaliger der Dieselvariante desselben Fahrzeugmodells empirisch bestätigen kann.

Für die Erreichung der Klimaschutzziele führt am Diesel aktuell kein Weg vorbei. 2. Feinstaub: Seit Einführung des Diesel-Partikelfilters ist der Feinstaubanteil im Diesel-Abgas i. A. geringer als in der angesaugten Umgebungsluft, d.h. unter den vielfältigen Quellen für Feinstaub spielt der moderne Diesel keine Rolle mehr. Insofern ist schon der Titel des Zeit-Artikels irreführend. 3. NOx: Dies ist der tatsächliche Gegenstand des VW-Skandals.

Die Gesundheitsschädlichkeit dieser Abgaskomponente soll hier keinesfalls verharmlost werden, doch auch dafür steht mit dem SCR-Katalysator plus Harnstoffeinspritzung die technische Lösung zur Verfügung, wenn sie korrekt eingesetzt wird. Dies gilt es in Zukunft im realen Betrieb und durch unabhängige Stellen zu kontrollieren. Allerdings macht diese Technik den Diesel auch wieder ein bisschen teurer. Was uns abschließend zur aufgeworfenen Frage der Subventionen führt. Wäre es nach oben beschriebener Faktenlage klug, dem Diesel die Subventionen zu streichen, ausgerechnet in dem Moment, in dem er bzgl. Kosten und Image unter Druck gerät? –  Dr. Hanns P. Steier


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

Vielleicht hat der Autor Recht, dass der Dieselmotor auf lange Sicht keine Zukunft hat. Allerdings bedarf es doch einer genaueren Betrachtung, bevor hier das Kind mitsamt dem Bad ausgeschüttet wird. Viele Autofahrer haben sich angesichts geringen Spritverbrauchs und angeblicher Umweltfreundlichkeit ein Diesel-Auto zugelegt. Sie nun durch eine Verteuerung dieses Kraftstoffs zu bestrafen, träfe überwiegend die falschen. Vielmehr hat hier – auf ganzer Linie – die Politik versagt. Ein Umwelt- oder Verkehrsministerium hätten längst auf die Probleme hinweisen und Besserung verlangen können.

Es darf ja nicht übersehen werden, dass ein ganz bedeutender Teil der Diesel-Abgase nicht von privaten PKWs, sondern von LKWs erzeugt wird. Feinstaub besteht ja auch nicht nur aus dem, was aus dem Auspuff kommt, sondern auch dem Abrieb von Bremsen, von Reifen und der Straßenoberfläche. Und an diesen Anteilen ist der Schwerlastverkehr überproportional beteiligt, ebenso an der zunehmend schnelleren Abnutzung der Straßen.

Wie lange wird schon der Slogan „Güter gehören auf die Bahn“ gepredigt – ohne dass die Abwanderung von Bahntransporten auf die Straße auch nur verlangsamt würde? Statt dessen legt die Bahn Güterbahnhöfe und Gleisanschlüsse still, propagiert die Politik „Monster-Trucks“, überlange LKWs, von den noch keiner weiß, was sie auf schmalen Landstraßen anrichten können.

Würde endlich Ernst gemacht mit einer Verlagerung von Frachten auf die umweltfreundliche, weil auf fast allen Hauptstrecken durchgehend elektrisch fahrende Bahn, dann hätten wir einen großen Teil der Diesel-Probleme schon gelöst. Und anschließend könnte man Schritt für Schritt daran gehen, den Diesel-Preis anzuheben und Autokäufern eine Perspektive zu geben, sich auf die Veränderungen nach und nach einzustellen. – Jörn Schramm


Leserbrief zu „Die Entzauberte“ von Tina Hildebrandt

Dieses Phänomen möge der Verfasserin in gleichem Maße anhängig sein wie unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel. 14 Tage auf der Insel Rügen würde Frau Hildebrandt therapeutisch dienlich sein.

Hier kommt die Flüchtlingsfrage kaum oder gar nicht zum Tragen, vielmehr sozialökonomische Ungerechtigkeiten, die vorrangig im Wirtschaftsbereich der CDU und im Umweltbereich der SPD anzulasten sind, und immer auf Kosten der am Existenzminimum dahin Vegetierenden. Wir steuern bei schwindender Mittelschicht mehr auf Silicon Valley als auf das Neue-Sylt zu. Wir schaffen das, erinnert mehr an Reagans Trickle-down theorie -Jeder kann es schaffen – und die war schon Illusion. – „Wir haben niemanden etwas weggenommen!“ Gemünzt auf ihren Wahlbezirk, ist es der Witz des Jahrhunderts.

Erwin Sellering ist wahrhaftig der Wahlsieger und mitnichten die SPD. Wie gesagt, geschickt nutzte er die Parolen der AfD und strich ihr den Wind aus den Segeln. Wie heißt es: Wenn der Kompass verloren geht, wirkt die Verteidigung -Gaga – somit nicht diskursaffin.

Da wäre doch Bertolt Brecht erweiterbar:

„Doch nur die dümmsten Kälber, die wählen ihre Metzger selber. Wenn jedoch geschlachtet wird, man sich im Modus nicht verirrt.“ – Dr. Hermreck


Leserbrief zu „Die CSU wird sich durchsetzen“ von Marc Brost und Peter Dausend

Mich wundern die unkritischen Fragen, die Herrn Söder von den Redakteuren der Zeit gestellt werden. Die CSU versucht die Wähler der AfD zu gewinnen, indem sie die Forderungen der Partei übernimmt. Es hat sich aber immer wieder gezeigt, dass diese Strategie nicht erfolgreich ist und stattdessen das Original gewählt wird. Was soll die Forderung nach einer Obergrenze von 200.000, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist und zudem noch völlig unsinnig ist, da nach Abschluss des Abkommens mit der Türkei nur noch wenige Flüchtlinge zu uns kommen.

Die AfD fordert eine Obergrenze von 100. Will sich die CSU vielleicht auch noch dieser Forderung annähern? Was soll die Forderung nach Kursänderung, wo doch durch erhebliche Verschärfung des Asylrechts, ein Integrationsgesetz mit Sanktionen und das Abkommen mit der Türkei der Kurs inzwischen deutlich geändert wurde? Es kommt jetzt darauf an, gemeinsam an einer erfolgreichen Integration zu arbeiten, die notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen und die vielen Ehrenamtliche zu motivieren, ihre Arbeit fortzusetzen, anstatt durch ständigen Streit der AfD neue Wählerschichten zu erschließen. – Winfried Wolf


Leserbrief zu „Zu verbandelt“ von Aziz Bozkurt

Wenn die Muslime in Deutschland sich aufgeklärt und modern geben will hat sie meines Erachtens die Verpflichtung eine sie repräsentierende Organisation aufzubauen. Diese könnte dann Ansprechpartner sein, aber nicht nur das, es könnte auch ein Modernisierungsimpuls für die ganze muslimische Welt von ihr ausgehen. – Christian Voss


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

Vor einigen Jahren habe ich mir einen Audi A4 3.0 TDI gekauft, weil der Diesel infolge seines geringen Kraftstoff-Verbrauches als umweltfreundlich galt. Außerdem verfügt der Wagen über einen leistungsfähigen Diesel-Partikelfilter. Laut einem Schreiben von Audi in Ingolstadt vom 12.08.2016 an mich entspricht der Audi V6 TDI Motor den gültigen europäischen Zulassungsbedingungen. Das Fahrzeug ist auch mit einem Diesel-Partikelfilter ausgerüstet und damit sauber. Ich kenne mich mit Partikelfiltern aus, da ich lange für eine Firma gearbeitet habe, die u.a. Diesel-Partikelfilter herstellt. Die Abgase, die das Fahrzeug ausstößt, sind sauberer als die Umgebungsluft in manchen Großstädten.

Ich würde mir gerne ein Fahrzeug mit Wasserstoff- Antrieb kaufen , falls es das zu erschwinglichen Preisen gäbe – außerdem müsste das Wasserstoff-Tankstellen-Netz dichter werden, sonst bleibt man irgendwann liegen.

Dazu kommt, dass zur Herstellung von Wasserstoff-Treibstoff die Elektrolyse erforderlich ist, die enorme Energie verbraucht, bei konventioneller Energie aus Kohle oder Öl letztendlich auch ein sehr umweltschädliches Verfahren. Elektrolyse mit Hilfe der Atomenergie wäre umweltfreundlich, wenn die Atomenergie beherrschbar wäre, was nach dem Atomunfall in  Fukushima, Japan zu bezweifeln ist. Dabei ist, wie ich immer wieder lesen konnte, die hohe Sicherheit deutscher Atomkraftwerke nicht mit dem niedrigeren Standard in Japan vergleichbar. Aber sie wurden abgeschaltet – natürlich hauptsächlich auch deswegen, weil die Lagerung von Atommüll (verbrauchte Brennelemente)  wegen der zeitlich unbegrenzten lebensgefährlichen Strahlung ein wohl unlösbares Problem ist. Gezeiten-Kraftwerke sind wohl auch nicht die Lösung, zumal es nicht überall Ebbe und Flut gibt. Darüber hinaus müsste der Strom von der Küste über ungeliebte Hochspannungsleitungen oder teure Erdkabel ins Binnenland transportiert werden.

Also  fahren wir weiter mit Benzin oder Diesel, ein Solar-Antrieb ist bei uns wegen des unsteten Wetters nicht einsetzbar, leider. Irgendwann in der Zukunft wird man , wenn die Ölvorräte auf der Erde aufgebraucht sein werden, eine andere Antriebslösung finden müssen, aber derzeit hat der  Verbrennungsmotor von Otto und Diesel noch eine jahrzehntelange Zukunft. Oder sehen Sie das anders? Falls ja, würde mich sehr interessieren, welche Lösung Ihnen vorschwebt. Ansonsten überlassen wir das nachfolgenden Generationen, die irgendwann gezwungen sein werden, eine neue Lösung zu finden. Vielleicht doch mit Wasserstoff und Atomenergie? – Rainer Schäferdiek


Leserbrief zu „Frau Grimmenstein sagt Nein“ von Pauline Schinkels

Tolle Idee! Voller Spannung gehe ich an die Lektüre des Artikels. Was treibt diese Frau an? Welche demokratischen Grundrechte sieht sie derart verletzt, dass sie sich in diesem Alter eine solche Aktion antut? Und was lese ich dazu? Nichts! Welch journalistisches Vakuum, welche Enttäuschung dieser Artikel! – Matthias Gruner


Leserbrief zu „Die Entzauberte“ von Tina Hildebrandt

Würden all die, wie sie schreiben „sozial abgehängten“ wählen gehen, was sie nämlich zum großen Teil nicht tun, läge die AfD bei 40 Prozent oder mehr! Von den fast 40 Prozent Nichtwählern, wählt nämlich keiner mehr die, sogenannten, etablierten Parteien.

Es haben zwar 80 Prozent der Wähler die Afd nicht gewählt, wie ja jetzt so gerne argumentiert wird, aber wieviele der Wahlberechtigten, haben den die anderen Parteien gewählt! Für diese Wahlergebnisse braucht sich niemand auf die Schultern zu klopfen. – Steffen Piotrowski


Leserbrief  „Gibt´s hier ne Tankstelle?“ von Mathias Tertilt

Gratuliere! Der köstlichste Artikel, den ich je zum Thema Raumfahrt gelesen habe. Wieder einmal soll  die Herkunft des Lebens erforscht werden. Diesmal ausgerechnet auf Bennu, einem von tausenden von Asteroiden! Was soll dieser sündhaft teure Unsinn? Wie lange lassen wir uns von der NASA noch für dumm verkaufen? „Herr, schmeiß Hirn ra“ würde man den Geldgebern im Schwäbischen zurufen. –  Dr. Eugen Schmid


Leserbrief zu „An der Heimat-Front“ von Angela Köckritz

In ihrem Artikel „An der Heimat-Front“ in Die Zeit Nr. 38 vom 09.09.2016 über die Wiederholung der österreichischen Bundespräsidentenwahl behauptet Frau Angela Köckritz, dass der österreichische Verfassungsgerichtshof zwar wegen Unregelmässigkeiten die Wiederholung der Stichwahl zwischen Hofer und Van der Bellen angeordnet, gleichzeitig jedoch „ausdrücklich darauf hingewiesen habe, dass lediglich Schlampereien zu beanstanden waren und es keine Hinweise auf Manipulation gegeben habe“, womit sie jedoch nur die halbe Wahrheit wiedergegeben hat.

Der Verfassungsgerichtshof hat tatsächlich erklärt, keine Hinweise auf Manipulationen gefunden zu haben, gleichzeitig jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er gar nicht überprüft hat und auch nicht überprüfen musste, ob tatsächlich Manipulationen vorgenommen worden sind, da es für die Aufhebung einer Wahl bereits genügt, dass es in Folge Verletzung von Wahlvorschriften zu Manipulationen hätte kommen „können“. Der Verfassungsgerichtshof hat somit diesbezüglich keinen „Persilschein“ ausgestellt. Zum Vergleich: Auch ein Richter ist nicht erst dann befangen, wenn er amtsmissbräuchlich Urteile „dreht“, sondern bereits dann, wenn er aufgrund eines Naheverhältnisses nicht mehr unvoreingenommen urteilen „könnte“. Schutzobjekt ist nämlich nicht nur der konkrete Einzelfall, sondern das generelle Vertrauen in den Rechtsstaat. – Dr. Jörg Frey


Leserbrief zu „An der Heimat-Front“ von Angela Köckritz

Erbarmungswürdig? Nein, erbärmlich!
Oder: Wahlen in Bananien

Die mittlerweile zahlreichen Wahlen zum Bundespräsidenten laufen in Österreich so ab:

– Hochbezahlte Beamte setzen zum zweiten Mal die Wahl in den Sand. Eigentlich zum dritten Mal. Doch gegen den ersten Wahlgang kann man angeblich nicht mehr klagen.

– Einer der Kandidaten regt jetzt an, auf die Briefwahl zu verzichten. Zwar handelt es sich dabei um demokratisches Fundamentalrecht, aber was soll’s! Besagter Kandidat verlor die letzte Stichwahl, weil die überwiegende Mehrheit der Briefwähler den anderen wählte.

– Wählern, die sich wegen sich öffnender Wahlkuverts an das Ministerium wandten, wurde geraten, selbstklebend Hand anzulegen, obwohl dieser Vorgang ungesetzlich ist.

– Das Verfassungsgericht weitete in seinem Urteil einen im Indikativ verfassten Artikel des Wahlrechts zu konjunktiver Bedeutung, was künftig jede Wahl bei Bedarf leicht anfechten lässt.

Seit Wochen ist das Amt des Präsidenten vakant und alles läuft in diesem Land so (schlecht) wie bisher. Wie wäre es damit, sich die Schweiz als Vorbild zu nehmen! Wenn für dieses hochentwickelte Land ein Grüß‐August reicht, dann wohl auch für Österreich! Allerdings ohne teils präfaschistischer Vollmachten und ohne ein Gehalt, das über jenem des US‐Präsidenten liegt, wie bisher gehabt!

Wie formulierte Andre Heller schon in den 1980er Jahren so treffend: Österreich, das Land der
unbegrenzten Unmöglichkeiten. –  Manfred Ambach


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

Leider muss ich immer wieder feststellen, dass sich anscheinend alle an Steuer gewöhnen und dann tatsächlich bei einer geringeren Steuer von einer Subvention sprechen. Wo kommt der Staat dem Dieselkäufer zu Hilfe (lat. subvenire)? Wo ist festgeschrieben, dass und in welcher Höhe auf Benzin/ Diesel neben der Umsatzsteuer weitere Steuern erhoben werden? Wieso „kostet“ eine niedriger Dieselbesteuerung dem Staat Geld? Vielleicht ist dies der richtige Steuerumfang und der Staat erhält durch die höhere Benzinsteuer zu viel!

Wenn man als Subvention eine Ungleichbehandlung gleicher Tatbestände definiert, dann mag die niedrigere Steuer auf Diesel im Verhältnis zum Benzin eine Subvention sein. Benzin ist aber nicht gleich Diesel. Wieso ist es nicht der richtige Weg, die Steuer auf Benzin auf die Höhe der Besteuerung des Diesels zu setzen.

Die Förderung der „Elektromobilität“ ist sicher eine Subvention, da der Staat an den Bürger Geld zahlt ohne echte Gegenleistung. Er kommt im zu Hilfe. Aber bitte vergessen Sie bei Ihrer Rechnung dann nicht: Bei jedem gekauften E-Mobil geht dann auch noch das Steueraufkommen auf den gesparten Diesel/Benzin verloren. Beim Strom fließen dagegen ein Großteil der Abgaben/Steuern an andere (Rentenkassen über Stromsteuer, Ökostromproduzenten über EEG-Umlage, KWK-Produzenten über KWK-Umlage etc.). Wenn also nicht erhaltene Steuern bereits Subventionen sind, dann gehören die nicht erhaltenen Steuern aus dem gesparten Diesel/Benzin auch zu den Subventionen der E-Mobilität, oder?

An diesen Punkten kann man erkennen, warum der Staat so gerne über Steuern „subventioniert“: Niemand kann am Ende sagen, wie hoch die Subventionen wirklich sind (ganz extrem ist dies bei allen Tatbeständen in Bezug auf Ertragsteuerersparnis: hier müsste man die Steuerhöhe ohne den Subventionstatbestand kennen, noch dazu bei einem progressiven Steuersatz) und ob sie den gewünschten Effekt haben, danach wird bereits nicht mehr gefragt. – Jens Kruse


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

Die Abgabe des ursprünglich für Güterkraftverkehr und Landwirtschaft reservierten subventionierten Dieselkraftstoffs an die Allgemeinheit war eine gigantische politische Fehlentscheidung. Steuergeschenke pressten zu Beginn der 1980er Jahre die Schmutzautos unter die Verbraucher, die bald vergaßen, dass die Verbrauchs- und Kostenvorteile des Diesel nur bei Langstrecken wirklich zutage treten. Bald schon gab es jeden Kleinwagen für die City auch als Selbstzünder.

Die Dieselschwemme ließ die Luftverschmutzung wieder anwachsen, so dass die Europäische Union als Notwehrmaßnahme die Umweltzone erfinden musste. Emissionsvorschriften für Hersteller wurden in jetzt aufgedeckter „skandalöser Weise“ umgangen. Eine politische Korrektur der Fehlentwicklung kam nicht in Frage. Die moderne Raumstruktur der Bundesrepublik wurde auf dem Auto auf- und die flächenerschließende Infrastruktur abgebaut. Alle Kinder, die mit dem Mantra von der grenzenlosen, billigen Mobilität aufwuchsen, hatten keine andere Wahl, als später auch die räumliche Trennung von Wohnort und Arbeitsplatz nachzuvollziehen. Sie stellten diese Lebensweise nicht mehr in Frage und bauten sich eben Doppelgaragen neben das Häuschen im Grünen.

Die Pendlerpauschale wird auch in Zukunft unangetastet bleiben. Sie kommt billiger als die Wiedereinrichtung von Kleinbahnen und Buslinien.

Zu viele Arbeitsplätze hängen vom Automobil ab. Die demographische, wirtschaftliche und kulturelle Austrocknung peripherer Räume nimmt man in Kauf, die Wähler sitzen ja in den Städten. Und so verspricht Bundesverkehrsminister Dobrindt auf der Webseite des BMVBF sinngemäß „noch mehr Mobilität zu noch günstigeren Kilometerpreisen bei noch mehr Umweltschutz“ und meint damit das Elektroauto. Auch diese Fehlentwicklung werden die Verbraucher vermutlich wieder als Heilsbringer willkommen heißen, Hauptsache, weitermachen können wie bisher. Der Strom fürs Auto kommt ja aus der Steckdose, wie praktisch.

Und die extrem schmutzige, wasser- und rohstoffverschlingende Produktion der Fahrzeuge findet nicht in Deutschland statt, das ginge auch gar nicht, wegen der hiesigen Umweltauflagen für die Industrie. Für die ausgebrannten Batterien wird sich schon ein Endlager finden, notfalls auf dem Mars.

Doch spätestens, wenn das Fünfjahrplanziel der Kanzlerin von einer Million Elektroautos erreicht ist, muss der Fahrzeugstrom – vergleichbar der Heizöl- und Diesel-Problematik – besteuert werden. In den Bedarfsberechnungen für die Energiewende ist der zusätzliche elektrische Betrieb von 45 Millionen PKW nicht enthalten. Das ach so saubere Elektroauto wird also noch lange mit Kohlestrom fahren. Und der schlichte Wechsel der Antriebsart die Mobilitätsprobleme der Republik nicht lösen. –  Katharina Lange


Leserbrief zu „Die NATO kreist Russland ein!“ von Jochen Bittner

Noch eine Verschwörungstheorie. Und was dran ist von Jochen Bittner

Ich möchte mich in diesem Leserbrief nur am Rande mit dem Thema auseinandersetzen, ob die Einkreisungstheoerie stimmt oder nicht stimmt. Den Focus möchte ich auf die Art der Darstellung setzen und kritisieren.

Die Wortwahl und die Ländergrafik ergeben als Gesamtes einen manipulativen Beitrag. So etwas möchte ich als Leser nicht in der ZEIT sehen. Schon in der Überschrift verwendet der Autor den Begriff „Verschwörungstheorie“. „Verschwörungstheorien“ gelten in unserem Sprachraum als etwas unseriöses. Aus Sicht des Autoren wird also schon mal Jeder der von „Einkreisung Russlands“ spricht, in die unseriöse Ecke gestellt. Weiterhin ist die Diskussion des Autors, ob es sich nun geometrisch gesehen, um einen Voll-, Halb- oder Viertelkreis handelt, politisch betrachtet , vollkommen nebensächlich. Die kleinliche Auflistung und Addition der gemeinsamen Ländergrenzen zwischen Russland und der NATO suggerieren darüber hinaus, „wo keine gemeinsamen Grenzen, droht auch keine Gefahr“.

Die USA haben weder mit Afganistan noch mit dem Irak gemeinsame Grenzen und haben trotzdem dort Krieg geführt. Entfernungen spielen heute wirklich nur noch eine untergeordnete Rolle, wenn geopolitische Machtinteressen die Oberhand gewinnen. Der Autor unterstützt seine Ausführungen mit einer Grafik, die nur Russland zeigt. Ein ganz anderes Bild würde für den geneigten Leser optisch entstehen, wenn Russland UND (!) die NATO Staaten auf EINER (!) Karte gemeinsam zusehen wären. Es würde optisch sehr deutlich werden, dass die NATO ihren Einflussbereich immer mehr in Richtung Russland ausdehnt. Und ob sie (die Nato) das nun langsam oder schnell und mit oder ohne Masterplan betreibt, wie der Autor rhetorisch hinterfragt, spielt meines Erachtens keine Rolle…sie tut es!  – Ronald Wieder


Leserbrief zu “ von Benedikt Erenz

Der kurze Artikel von B. Erenz in der ZEIT Nr. 38 hat mich sehr erstaunt. Was gibt ihm das Recht, alle konservativen Bürger in einen braunen Topf zu werfen? Was heißt konservativ denn eigentlich? Für mich als gefühlter Konservativer sind es vor allem die preußischen Tugenden, die ich in der deutschen Politik nicht mehr vertreten sehe. Ja, und wohin soll ich mich denn flüchten, wenn unsere CDU mehr und mehr nach links driftet und sich von der SPD im Lande rumführen lässt? Leider ist die CSU noch nicht im ganzen Deutschland wählbar.

Das wäre dann eine echte Alternative: Wir haben so viele Krisen im Lande, die nicht bewältigt sind. Das fängt beim € an, dann die Energiewende, die Bankenkrise, jetzt Flüchtlingskrise, und keine ist bewältigt. Immer nur Wischi-Waschi und beruhigen. Das Land ist gespalten und wird weiter gespalten werden, wenn tatsächlich Terroranschläge auch bei uns stattfinden werden. Frau Merkel hat eben auf der rechten konservativen Seite ein Vakuum entstehen lassen, das sich die AfD zu Nutze macht. Ich jedenfalls fühle mich zwischen CDU und AfD hilflos alleingelassen, da das nicht mehr mein Deutschland von noch vor wenigen Jahren ist. – Freigang Müller


Leserbrief zu „Die CSU wird sich durchsetzen“ von Marc Brost und Peter Dausend

Ego-Politiker Söder setzt auf Stimmungsmache – Was würden die bayerischen Christsozialen jetzt im deutschen Vorwahlkampf nur machen, wenn es die Flüchtlingsfrage nicht gäbe? Also wird das nationale Thema aufgeheizt, werden Ängste geschürt, Fakten verdreht, die Gesellschaft gespalten. Alles unter der Behauptung, dies sei der Urwille einer aufgeklärten Bevölkerung. International bereits zu besichtigen bei Putin, Erdogan, Trump und allen Rechtspopulisten. Markus Söder ist wie die Genannten in erster Linie „Ich-Politiker“, in seinem Falle gnadenlos unter der erklärten Absicht, bayerischer Ministerpräsident zu werden. Von Ehrgeiz zerfressen, mit zu vielen „Schmutzeleien“ charakterisierte ihn selbst sein Parteichef Host Seehofer vor Jahren. Beide jedoch spielen mit Stimmungen, stellen fortwährend die Glaubwürdigkeit von Kanzlerin Angela Merkel in Frage. Von Erfolgen in der deutschen Flüchtlingspolitik, dem großen Einsatz von haupt- und ehrenamtlichen Helfern ist dabei keine Rede. Ebenso wenig von den Erfordernissen gelingender Integration. Gerade solche sind die Aufgabe aller Beteiligten.

Typisch griffige Söder’sche Plattitüde in Zusammenhang mit Flüchtlingen und geforderter Abschottung a la Orbán: „Der beste Schutz gegen Terroristen sei, keine Terroristen im Land zu haben“. Damit werden wird mangelhafte Sicherheit auf Grund angeblich immer noch anhaltender, unkontrollierter Zuwanderung suggeriert. In Wahrheit sind die Flüchtlingszahlen längst drastisch reduziert, die Kontrollen greifen – auch durch harte Asylgesetze und eine ausschließlich parallele Sozialhilfe. Niemand aus der deutschen Bevölkerung hat zudem bisher wirtschaftliche oder soziale Einschränkungen hinnehmen müssen. Von den vielen schändlichen, durch einseitig rechtsnationale Agitation hervorgerufene Übergriffen auf Flüchtlingsheime sprechen weder Söder, noch die AfD.

Sein mangelndes Demokratieverständnis offenbart Markus Söder auch jüngst in der Ablehnung, sich demnächst eventueller Berliner Kabinettsdisziplin unterwerfen zu müssen. Das Akzeptieren mühsam ausgehandelter Kompromisse auf kleinstem Nenner seien nicht sein Ding, sagt er. Wie steht es dann erst bei schwerwiegend großen Kmpromissen? Mir als bürgerlich Wertkonservativer scheint, hier versucht der Schwanz mit dem Hund zu wedeln, wie man in Franken sagt. Toleranz und Weltoffenheit muss er scheinbar noch lernen. Die Welt ist mehrdimensional und erschließt sich nicht in Bierzelten.

Die vorgebliche Wirklichkeitsbeschreibung, welche Söder für die  CSU reklamiert, ist an vielen Stellen so fehlerhaft wie die Folgerungen, die er daraus zieht. Deutschland hat in der Flüchtlingspolitik zum Nutzen der eigenen Bevölkerung, der Wirtschaft und seines internationalen Ansehens, aber auch seiner christlichen und humanitären Grundsätze das allermeiste richtig gemacht. Wie auch bereits bei den Flüchtlingsströmen der Vergangenheit. Die Erfolgsfaktoren sprechen für sich und werden sich noch deutlich verstärken. Man muss es nur wollen. – Jochen Freihold


Leserbrief zu „Die NATO kreist Russland ein!“ von Jochen Bittner

Ganz simpel sehe ich die Nato wie einen Kleingärtnererein mit Satzung, demokratisch gewähltem Vorstand und völlig freiwilliger Mitgliedschaft.

Und um die (ertragreichen) Beete vor ungebetener Aberntung zu schützen gibt es einen Maschendrahtzaun, den alle gemeinsam errrichtet haben.

Und wenn andere Gärtner ihre Ernte auch mit diesem Zaun schützen wollen, fragen sie beim Vorstand an, ob der Maschendrathzaun auch um ihre Beete gezogen werden kann. Das hatten auch   balt   drei Kleingärtner erwogen, um ihre geringen Ernten zu schützen.

Und die waren froh darüber, als in der Nachbarschaft ein großer, starker Riese sich von den Beeten der nicht zum Verein gehörenden Kleingärtner Georg und Ukrainus mutwillig einfach die besten Früchte nahm.

Es ist ein nahezu kindliches Denkmodell, das die Erwartungshaltung nach Maschendrahtzaun-Schutz verständlich werden lässt. Mir ist kein Ab-Ernten fremder Beete im Kleingartenverein bekannt, seit es ihn gibt.

Was sollten die fleißigen Kleingärtner mit dem verwilderten großen Feld des Riesen anfangen, die genug mit ihren eigenen Beeten zu tun haben, deren Ertag ihnen zum guten Leben reicht. – C. G.


Leserbrief zu „Die NATO kreist Russland ein!“ von Jochen Bittner

Herr Doktor, Sie sind ja ein Schelm! Im Zeitalter der Interkontinentalraketen muss man nicht unmittelbarer Nachbar sein, um Einfluss auszuüben. Das wissen Sie doch. Und wenn man kleine Prozentzahlen erzielen will, muss der Nenner im Bruch groß gemacht werden – da ist das riesige Sibirien mit viel „Kantenlänge“ schon nützlich. Und wenn man noch die ehemaligen Ostblockstaaten von Polen bis zur Slowakei vergisst, mehrere Balkanstaaten, Griechenland und die Türkei übersieht und Irak und Afghanistan ausblendet – dort haben die USA ja gewissen Einfluss, wenn auch nicht die NATO direkt – dann kommt man zum gewünschten Ergebnis: die NATO ist ein lupenreines Bündnis zur Selbstverteidigung. Werter Herr Bittner, Sie waren schon besser! –   Magdalene Baier


Leserbrief zu „Frau Grimmenstein sagt Nein“ von Pauline Schinkels

Ihr Artikel ist im Wirtschaftsteil erschienen,  und deswegen hatte ich Argumente erwartet, die mit Wirtschaft zu tun haben. Eigentlich wollte ich endlich einmal wissen, wogegen viele Leute protestieren, wenn sie TTIP oder CETA hören. Es ist immer nur in den Medien von Befürchtungen oder Ängsten die Rede, nie wird ein konkreter Text aus den beiden Abkommen diskutiert. Für mich ist es eine Phantomdebatte.

Ihren Artikel verstehe ich so, daß Frau Grimmenstein ihre Freizeit mit einem imaginären Protest, der eine Klage in Karlsruhe zur Folge hat, gestaltet.

Das nennt sie “demokratisch”. Anscheinend macht sie sich Sorgen, daß Konzerne vor Schiedsgerichten Staaten verklagen können. Vielleicht sind die Konzerne damit sogar einverstanden? Schiedsgerichte sind nichts Neues und Schlimmes.

Es wäre für alle, die nicht zum Mainstream-Protest gegen TTIP und CETA neigen, wenn endlich einmal eine Zeitung konkret berichten würde, welche Texte in den verhandelten Abkommen Steine des Anstoße sind. Aus Ängsten und Befürchtungen kann ich mir keine Meinung bilden. – Klaus Haack


Leserbrief zu „Was hat die Politik versprochen-und gehalten“ von Daniel Erk et. al.

Der Bundesinnemminister kündigte an: „Wer nicht schutzbedürftig ist, soll schnell das Land wieder verlassen.“ Es ist mir ein Rätsel, wie Sie ihm bescheinigen können, dieses Versprechen sei gehalten worden. Nur eine Minderheit der Nichtschutzbedürftigen hat Deutschland wieder verlassen (meist Menschen aus Balkanländern, die eine Prämie erhielten, und von denen mancher im nächsten Jahr wieder einreisen wird). Da die meisten Abschiebehindernisse weiterbestehen werden, wird sich daran auch nichts ändern.

Die Zahl der Abschiebungen sei „um bis zu 50 Prozent“ gestiegen. Politiker gaukeln gerne Erfolge vor, indem sie nur relative Zahlen nennen. Journalisten sollten das Zahlenmaterial analysieren. Die 50 Prozent beziehen sich auf die niedrige Zahl der Abschiebungen im ersten Halbjahr 2015 und blieb auch danach, anders als suggeriert wird, mickrig. Die Bilanz sieht schlecht aus: nie hielten sich mehr Nichtschutzbedürftige in Deutschland auf als heute. –  Karl-Heinz Eckert


Leserbrief zu „Ich liebe mein Kind, aber…“ von Jutta Allmendinger

An dem Artikel ist wenig zu kommentieren, da es sich um recherchierte Statistiken handelt.

Aber bedarf es dazu dieser Überschrift? Befinden sich Eltern im Kampf?

Dieser Begriff, Eltern kämpfen für ihre Rechte, für die Rechte ihrer Kinder, für gemeinsame Haushaltsführung, Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung ect. begegnet mir immer wieder. Was bedeutet es für unser Selstverständnis, Elternsein mit Kampf gleichzusetzen?

Wie wäre es mit der Überschrift „Herausforderung“?

Sähe ich die tägliche Fortbewegung im Straßenverkehr als Kampf an, wäre es purer Stress, sehe ich es als Herausforderung, die es zu meistern gilt, umfahre ich viele Hindernisse viel gelassener und erreiche doch mein Ziel.

Sprache ist etwas sehr sensibles und kann zur „Aufrüstung“ beitragen.

Und noch ein Satz zu der inhaltlichen Feststellung, dass ein hoher Bildungsabschluss und Kindererziehung schwer zu vereibaren sind. Gerade Akademiker z.B. Ärzte, Juristen, Lehrer, Angestellte im Öffentlichen Dienst haben gute Voraussetzungen für Teilzeitangebote und könnten auf Grund Ihres Einkommens Familienpausen einlegen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass „wir Deutschen“ so perfekt sein wollen. Perfekt in der Mutterrolle, perfekt in der Vaterrolle und perfekt in der Kindererziehung und Förderung der Kinder.

 Alles ein bisschen viel….aber wer erwartet das von uns? – Marlies Wenzel


Leserbrief zu „Die Nato kreist Russland ein!“ von Jochen Bittner

Der Westen ist opportunistisch. Erst die EU dann die Nato. Die Östliche Partnerschaft wurde die grenzstaaten Weissrussland bis Aserbaidschan angeboten. Der Westen ist nach dem Mauerfall verwöhnt und hat die Krise im Osten provoziert. Das ist auch die russische Sicht. Die Theorie von Francis Fukuyama hat sich nicht bewährt. Noch nicht. Vielleicht wollen die Russen noch ein bisschen Kontrolle bewahren. Einkreisungsängste haben eine Lange Tradition in Europa. Europa sollte in der Tradition von Metternich und nicht unilateral handeln. – John-Olof Bauner


Leserbrief zu „Die sanfte Provokation“ von Anke Lübbert

Die Kleinen sind die Großen

Wahrscheinlich ist das jedem von uns schon aufgefallen: Die Kleinen sind immer am frechsten. Anders können sie sich gegen die Großen nicht durchsetzen. Es geht dabei nicht nur – in diesem Fall gar nicht – um Zentimeter. Es geht um mehr.

Fangen wir bei den Großen an. Anlass dazu gibt der Artikel „Die sanfte Provokation“ (DIE ZEIT, 8. September). Da wird geschildert, was Klara Fries, eine Studentin,  in Anklam gegen die Neonazis auf die Beine gestellt hat: Das Jugendzentrum Demokratiebahnhof.

Da sagt zum Beispiel eine andere Clara, 16 Jahre jung, dass „in der Schule kaum über Politik diskutiert wird. Um nicht mit den rechtsextremen Schülern, die in jeder Klasse sitzen, aneinanderzugeraten, vermeiden die Lehrer Auseinandersetzungen um kontroverse Themen. Manche Pädagogen erzählen einem, wie sie das ‚Dritte Reich‘ als Unterrichtsstoff lieber ausklammern.“

Die Lehrer, in diesem Beispiel die Großen, Klara und Clara, die Kleinen. Klara und Clara haben sich nicht einschüchtern lassen. Sie reden nicht nur, sie tun etwas. Die Lehrer kneifen.

Das sieht so harmlos aus wie eine der üblichen Generationenfragen: Die da oben wolle ihre Ruhe, die da unten stiften Unruhe. Nein. Das ist kein Problem zwischen jung und alt. Das ist eine Charakterfrage. Karla und Carla haben die richtige Antwort gegeben. – Peter Gudelius


Leserbrief zu „Die Mode macht der Staat“ von Gero von Randow

Der historische Exkurs des Autors ist ja interessant und unterhaltsam, doch das Bild zum Artikel spricht Bände!

Die westlich, laszive (oder war es laizistische?) Frau – jedenfalls gehörig „gephotoshopped“ – vor der etwas unförmig dargestellten unter ihren Burkini daherkommenden Muslima. Beides Modevorbilder darstellend, die von Männern bestimmt sind.

Die einen hungern sich ab im Paris der Laufstege von all den männerdominierten Modelabels (ja, es gibt weibliche Ausnahmen) die anderen huldigen mit ihrer Kleidung einem männlichen Frauenideal auf dem Laufsteg der Religion…

Wo bleibt die Frau und deren Selbstbestimmung, wie sie sich anziehen will ohne irgendwelche Männer befriedigen zu müssen?

Daß die immer kleiner werdenden Fetzen das Evakostüm verdecken (war das nicht auch religiös?) oder die immer größeren Fetzen vor der Eva schützen, sollte Anlaß für die Frau sein, sich davon befreien zu wollen oder es zu wählen.

Wir Männer sollten uns da endlich mal raushalten! –  Wolfgang Michel 


Leserbrief zu „Was hat die Politik versprochen-und gehalten“ von Daniel Erk et. al.

In der Ausgabe 38, 8.sept. 2016, stellen Sie gegenüber, was die Politik bei der Flüchtlingspolitik versprochen und gehalten bzw. nicht gehalten hat.

Bei den Abschiebungen stellen Sie dar, daß die Zahl der Abschiebungen um bis zu 50 % gestiegen ist. Leider unterschlagen Sie aber, daß die absolute Zahl Abzuschiebender überportional angestiegen ist. Es befinden sich mittlerweile an die 600.000 Abzuschiebende im Land.

 Diese Information ist doch wichtig. 13 743 Abschiebungen im ersten Halbjahr 2016 nehmen sich angesichts solcher Zahlen geradezu peinlich  aus. Man kann das Staatsversagen nennen.

 Ich mag den Begriff „Lügenpresse“ nicht, aber Lückenpresse ist in diesem Fall angemessen. Die halbe Wahrheit ist der schnellste Weg zur ganzen Lüge.

 Leider lassen sich bei Ihnen immer wieder solche Beispiele finden. – Dr. Michael Seyfert


Leserbrief zu „Die Entzauberte“ von Tina Hildebrandt

Angela Merkel und das Substantiv Zauber in einen Kontext zu stellen, hält genau dem Pragmatismus nicht stand, der die Kanzlerin in einem ganz überwiegenden Maße auszeichnet.

Wer sich dennoch, ob im positiven oder negativen Sinne, vom (Politik-)Stil der CDU-Bundesvorsitzenden hat verzaubern lassen – bitte schön.

Sehr berechtigt ist allerdings der Vorwurf, die Kanzlerin habe die Flüchtlingskrise, aus welchen Gründen auch immer, bei weitem nicht  transparent genug zu erklären vermocht.

Dass die Geschehnisse seit Jahresfrist zudem zum großen Teil als diffuse Projektionsfläche vielgestaltiger gesellschaftlicher Probleme und Ängste missbraucht werden, erklärt sodann den erfolgreichen Aufstieg der Rechtspopulisten und Maßlosen. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Die CSU wird sich durchsetzen“ von Marc Brost und Peter Dausend

Marcus Söder hat unrecht wenn er sagt, dass „die Mehrzahl der Flüchtlinge zu uns kommt, weil WIR sind, wie wir sind“.   Herr Söder zählt sich fälschlicher Weise zu UNS…  Wenn alle so sprächen wie er, würde sicherlich keiner kommen wollen.

Ich wette außerdem, dass wenn man CSU Aussagen gegenüber AfD Aussagen stellt, diese sich im Kern sehr ähnlich anhören.  Pfui ihm und seinen Leuten die sich gegen Integration, Menschlichkeit und Multikulti aussprechen.  Ich bin entsetzt über seine Aussagen.  Wenn das so weiter geht, muss man schon fast die schreckliche Zeit der Mauer vermissen; da waren wir Berliner von solch Gedankengut etwas abgeschottet.  Wir haben damals unsere Grenzen aufgemacht und geholfen und werden es auch wieder tun.  Ob die Menschen von da oder von dort  kommen, auch wenn sie andere Mentalitäten, Sitten und Gebräuche haben, und das hatten sie damals auch, standen und werden wir wieder mit offenen Armen alle willkommen heißen…es waren und sind Menschen in Not… –  Timm Jones


Leserbrief zu „Frau Grimmenstein sagt Nein“ von Pauline Schinkels

Der Zeitgeist beschert uns ja von vielen Schreiberlingen eine sehr flapsige Schreibe, manchmal witzig und kreativ. Darunter könnte man den Artikel von Frau Schinkels ablegen, nur – ihr fehlt der Esprit. Statt dessen eine langatmige Bagatellisierung all dessen, was Frau Grimmenstein ausmacht. Selbst Lüdenscheid muss herhalten. Dazu ein Bild, das unattraktiver kaum sein könnte.

Sie mag keine Politiker…. . Muss man Politiker, eine Berufsgruppe, mögen?

Viele Ökonomen sind für Ceta… . Genau so viele sind dagegen! Et cetera pp. Meine Güte!

Wiedermal dem beliebten journalistischen Sport gefrönt: der Verunglimpfung von Frauen! – Ruth Balden


Leserbrief zu „Die Armen Kinder vom Silicon Valley“ und „Der König im Kokaland“

Gier, Verlogenheit und Dummheit des Menschengeschlechts kennen keine Grenzen. Hoffentlich können Sie auch mal wieder Positives vermelden, so gut recherchiert und verpackt wie in den beiden Artikeln „Die armen Kinder vom Silicon Valley“ und „Der König im Kokaland“. Seit etwa zwanzig Jahren abonniere ich die „Zeit“. Wenn ich so großartig recherchierte und hintergründige Artikel gelesen habe, weiß ich warum. Vergessen sind dann die zuweilen aufkommenden Zweifel aufgrund von überlangen, langatmigen und sich wiederholenen Inhalten, die den Wunsch aufkommen lassen, doch besser die englische Sprache zu beherrschen, um so ein verdichtetes Medium wie den „Economist“ lesen zu können. Dort ist aber wohl doch nicht genügend Raum, um ein Thema tiefgründig zu beleuchten. Vielen Dank und vielleicht werden es ja weitere zwanzig Jahre! – Antje Koch


Leserbrief zu „YUSSUF“ von Kersten Augustin, über Ikea-Katalog

Der Beitrag ist spitzenmäßig. „Die Gesellschaft hat sich verändert, und Ingvar will zeigen, dass er das kapiert hat.“ Herrlich! Habe bislang noch nie einen solchen rätselhaft- direktiv-Lebensraum-bestimmenden Möbel-Katalog gesehen. Einen, in dem die Klein-Küche irgendwo im Großraum-Loft steht und deren Abfluss der Spüle sehr futuristisch sich nicht mehr um Platzierung des Abflussrohres kümmern muss… So geht also Einrichten heute. – Annette Ante-Beldowski


Leserbrief zu „YUSSUF“ von Kersten Augustin, über Ikea-Katalog

Meine Mittagspause habe ich soeben genutzt den Artikel Ihres Autors zum neuen Ikea-Katalog zu lesen. Einen solchen tollen und zutreffenden Artikel hatte ich lange nicht mehr gelesen.

Gleich 2x las ich den umfangreichen Text und musste feststellen: Der Autor hat ja wirklich recht mit seinen Gedanken. Der Text ist wunderbar zum Schmunzeln und für ein dann doch ernstes Gesicht. Ich schließe mich den Ausführungen des Autors für  Zeile an. Herzlichen Dank für eine wunderbare Mittagspause. Weiter so. –   Detlef Riedel


Leserbrief zu „Schöne Grüße vom Revoluzzer“ von Uwe Jean Heuser

DIE ZEIT hat sicher unter der Rubrik WIRTSCHAFT schon gute Beiträge veröffentlicht. Der  Nachruf auf Reinhard Selten von Herrn Uwe Jean Heuser gehört meines Erachtens nicht dazu.

Eine saubere  Darstellung wissenschaftlicher Inhalte und historischer Abläufe wird der Verwendung greller Bilder und Formulierungen geopfert und ist zu einem erheblichen Teil nicht korrekt. Sie  suggeriert ideologische Gräben innerhalb der Wirtschaftswissenschaft ,die es in dieser Form nicht gegeben hat

Die spezielle Art der Herangehensweise des Autors mag in Ansätzen den Unterhaltungswert steigern, dem Wissenschaftler Reinhard  Selten, seinem  Werk und dessen  Bedeutung wird sie nur sehr bedingt gerecht.

Die schon im Titel  angesprochene Revolution Seltens hat es nicht gegeben. Evolution wäre die angemessene Beschreibung gewesen, die zugleich einen Anknüpfungspunkt zu Seltens bedeutenden Beiträgen zur Evolutionsforschung in Biologie und Sozialwissenschaft ermöglicht hätte.

Das Bild eines Häretikers ,der sich in den dogmatisch abgeschlossenen  neoklassischen Vatikan Bonn begibt, verzerrt. Der „große Werner Hildenbrand“  und seine Kollegen, Papst und Kurie in diesem Bild, hatten  Selten ja gerade nach Bonn geholt wegen der Bereicherung ,die er erwarten ließ. Und Selten war gekommen, weil er die in Bonn pulsierende wissenschaftliche Aktivität bewunderte.

Aber Selten , langjähriger Direktor des Bielefelder Instituts für Mathematische Wirtschaftsforschung, dessen Namensgebung er selbst beeinflusst hatte, sah sich als Vertreter dieser Richtung ,nicht jedoch als Neoklassiker. Auch „zerstörte“ Selten nicht  „den alten Konsens, das alte Menschenbild der Volkswirte“ , das eine Fiktion ist und nur einer unnötigen Polarisierung das Wort redet. Viele Kritikpunkte der  „Nachwuchsökonomen “ ( einiger, vieler, aller ? ) haben die meisten etablierten Neoklassiker selbst gesehen, etliche in eigenen Arbeiten darauf reagiert. Die aus Experimenten sich bildenden und Erkenntnisse aus der Psychologie oder Soziologie berücksichtigenden neuen Ansätze in der Ökonomik kennzeichnen Veränderungen aber keinen Umsturz. So hatte etwa Lionel  McKenzie, einer der Väter der modernen allgemeinen Gleichgewichtstheorie, schon 1955 und 1957 zwei Arbeiten mit den Titeln  „ Competitive  equilibrium with dependent consumer preferences“ und  „Demand  theory  without a utility index“ veröffentlicht. Das von Simon 1956 erörterte Konzept der eingeschränkten Rationalität  wurde auch von Neoklassikern und Spieltheoretikern aufgegriffen (z.B Roy Radner und Roger Myerson ), wenn auch auf unterschiedliche Weisen. Bereits 1963 erschien das Buch „ A behavioral theory of the firm“  von Cyert und March. Das alles schmälert nicht Seltens Verdienste und innovative Kraft, relativiert jedoch das Bild des  „ Revoluzzer “.

Es ist auch in den verschiedenen Interpretationen der vagen  Passage des Autors falsch , dass Selten  „ nicht einmal im Ansatz an die Idee von der Rationalität“ glaubte.

Wessen Rationalität? Des Wissenschaftlers, des  modellierten Wirtschaftssubjekts, eines  Lösungskonzepts? Selten sprach häufig vom nachträglichen Versuch einer Rationalisierung individueller  Entscheidungen, benutzte also das Konzept in seiner Argumentation. Er entwickelte das Konzept des teilspiel- perfekten Nash – Gleichgewichts, das rationales Verhalten im Sinne des Nash – Gleichgewichts selbst nach beobachtetem   Abweichen eines Mitspielers beizubehalten fordert.

Selten bewegte sich in der Tat kompetent und engagiert in sehr unterschiedlichen Ansätzen und Methoden in der Einsicht, dass  alle ihre Vor – und Nachteile haben.

Die Passage „ Im Gleichschritt mit dem Amerikaner John Nash trieb er die Entwicklung der Spieltheorie voran“  beschreibt reine Fiktion. Lange nach seinen fundamentalen Arbeiten zur Spieltheorie zwischen 1950 on 1953 erkrankte Nash 1958 an Schizophrenie ,der er erst in den frühen 1990er Jahren, kurz vor dem Nobelpreis für ihn, Harsanyi  und Selten, entkam.

Erst 1960 und 1964 veröffentlichte Selten seine ersten Arbeiten zur Spieltheorie. Es waren seine Diplomarbeit und seine Doktorarbeit in Mathematik an der Universität in Frankfurt. Sie waren der Analyse der Bewertung von Spielen gewidmet . Vermutlich haben Nash und Selten sich erst nach der Genesung von Nash persönlich kennen gelernt.

Ich bin versucht,  auch die völlig missratene Darstellung von Seltens Ladenketten- Paradox in diesem Nachruf zurechtzurücken, kann das aber leider im Rahmen dieses ohnehin schon langen Leserbriefe nicht tun.

Was den außerordentlichen Rang des Wissenschaftlers Reinhard SELTEN betrifft, kann ich nur abschließend feststellen : NOMEN EST OMEN. – Walter Trockel


Leserbrief zu „Ich liebe mein Kind, aber…“ von Jutta Allmendinger

Eine kurze Rückfrage zu Ihrer Interpretation der Ergebnisse: Warum deuten Sie denn Kontrast zwischen den Eltern-Antworten (Wichtigkeit eigener Kinder gegenüber Wichtigkeit von Kindern allgemein) nur unter dem Gesichtspunkt der Reue? Es könnte doch auch ein anderes, selbstbewusstes, ja egoistisches Motiv dahinterstecken: Ich selbst stehe zu meiner Entscheidung für Kinder, will aber nicht, dass alle Menschen Kinder bekommen. Diese Sichtweise könnte gerade unter bildungsaffinen AkademikerInnen verbreitet sein – und hat in Zeiten einer rasant wachsenden Erdbevölkerung ja durchaus eine Daseins-Berechtigung. Oder ist diese Interpretation moralisch unappetitlich? – Johanna Herdtfelder


Leserbrief zu „Glauben und Zweifeln“, Gespräch mit Benedikt XVI.

Die (tödliche) Seins-BegegnungBenedikt XVI. sagt, dass das ganze Leben auf eine einzige Begegnung (die über Alles entscheidet) zugeht.Das ist die christlich-initiatische Begegnung, die einen (schwierigen) Weg im Leben zur Auflösung des „Weltlichen“bewirkt. Dieser Weg ist eine Art „Zwischenzustand“; die Katholische Kirche nennt ihn „Fegefeuer“. Wer diesesdurchsteht und überlebt, kann die Auferstehung oder Wiedergeburt ins Sein feiern; so wie Jesus ins „Ich bin“.

Die Anderen sterben irgendwann endgültig; eine Auferstehung ist wegen der Erbsünde (s. Katholische Kirche) unmöglich. Selbstverständlich muss dieser Weg im täglichen Leben (vor allem ohne den Schutz eines Amtes, sonst geschieht Manipulation, und die Spreu wird nicht vom Weizen getrennt) absolviert werden, und ebenso selbstverständlich muss die „Auferstehung“ als Resultat dieses Erlösungs-Weges auf der Erde geschehen. Der Mensch, auch der erlöste, kann nur auf der Erde leben. Das „Alles“ muß Benedikt wissen, wenn er, wie er sagt, das Bewusstsein dafür hat. – Ruth Gehring


Leserbrief zu „Verstaubte Technik“ von Claas Tatje

In der Ausgabe Nr. 38 fragen Sie zu Recht, ob die Subvention für den Dieselkraftstoff noch Sinn macht. Vergünstigung für eine Technik, die dem Bürger nur schadet, entbehrt – nach meiner Meinung – jeder Rechtfertigung.

Warum sprechen Sie die Sorgfaltspflicht des Staates nicht an? Wie kann es sein, dass der Bundestag Gesetze verabschiedet werden, die die Industrie total unterläuft ? Wie kann es sein, dass diese Tatsache den Behörden bereits viele Jahre bekannt ist ohne das etwas dagegen unternommen wird? Zählt unsere Gesundheit nicht? Dies erfüllt doch den Tatbestand einer reinen Interessenpolitik und mißachtet das Allgemeinwohl.

Mit dieser Haltung wird die Politikverdrossenheit gefördert und die Populisten unterstützt. – Volker Cochius


Leserbrief zu „Zu verbandelt“ von Aziz Bozkurt

Herr Aziz Bozkurt hat in seinem o.a. Artikel die Thematik von A-Z auf den Punkt gebracht. Endlich wird einmal klar gestellt, dass die meisten Muslime sich nicht durch die Verbände vertreten fühlen .Die Bundesregierung muss sich stärker bemühen ,die  größere Zahl der liberalen Muslime (u. vermutlich   überwiegend türkischstämmige) als Ansprechpartner zur Kenntnis zu nehmen. – Dorle Koller


Leserbrief zu „An der Heimat-Front“ von Angela Köckritz

Im ersten Absatz des genannten Artikels schreibt Angela Köckritz in ihrem Bericht über Van der Bellens Besuch beim Altausseer Kirtag: ‚Fels, der dramatisch in die Tiefe stürzt, davor eisblau der See.‘

Aus unzähligen am Altausseer See verlebten Sommern weiß ich: Dieser See ist dunkelgrün, grau oder schwarz, im äustersten Fall dunkel graublau. Niemals, niemals eisblau!

Wie glaubwürdig ist ein Text, der mit einem solchen Fehler beginnt? Die Journalistin schreibt den Artikel aus der Perspektive einer beim berichteten Event anwesenden Beobachterin, aber der Fehler im ersten Absatz entlarvt diese Behauptung als unwahr. Wäre sie wirklich dabei gewesen, hätte sie den See nicht als eisblau beschreiben können. (Oder sie ist farbenblind? Dann sollte sie Farben lieber nicht erwähnen.)

So entstehen Schlagworte wie die von der Lügenpresse. – Dorothea Renckhoff


Bemerkung zur Grammatik in „Operation Renzi“ von Federico Fubini  und Mark Schieritz

Es geht mir weniger um den Inhalt dieses Artikels als um die stark zunehmde Angewohnheit ihrer Autoren, Vergangenheit und Gegenwart zu vertauschen. Aktuell in diesem z.B. „am vergangenenen Freitag kommt Renzi am Comer See…“ , es fällt schwer Artikel in diesem Stil ohne Ärger zu lesen! – Tilman Muthesius


Leserbrief zu „Ich liebe mein Kind, aber…“ von Jutta Allmendinger

Brauchen wir solche Ergebnisse der Sozialforschung? Immerhin verspricht sie Antworten auf menschheitsewige und ebenso bedeutsame Frage: Will ich/ wollen wir ein Kind? Und: Sollen andere das auch wollen? Das Ergebnis in Form der Balkengrafiken ist aber keins. Diskrete Erhebungswerte von „sehr wichtig bis überhaupt nicht wichtig“ werden auf der Y-Skala als graduelle Häufigkeitswerte dargestellt: 95 Prozent von was? Witzig! Durchgefallen in der ersten Scheinklausur im Grundstudium. Und was ist mit Müttern ohne Zusammenleben mit Kindsvater, dto. Väter ohne Kindsmutter? Hilfe, Katja Berlin übernehmen Sie, die Balken der Wahrheit biegen sich. – Jörg Peter


Leserbrief zu „Die Wörterjäger“ von Fritz Habekuss

Zu Ihrem Artikel „Die Wörterjäger“ im Wissen-Ressort auf Seite 33 der Ausgabe 38/2016   möchte ich anmerken, dass Fragewörter auch in der Sprache Unserdeutsch, einer vom Deutschen hervorgebrachten Kreolsprache, die nur noch vereinzelt vorkommt, in Fragesätzen am Satzende stehen können und nicht nur, wie von Ihnen behauptet, in Gabun, wo Ikota gesprochen wird. Hierbei beziehe ich mich auf einen Artikel auf Seite 87 im Spiegel-Geschichte 1/2016. –   Nico Jörg, 14 Jahre

 

01. September 2016 – Ausgabe 37

Leserbrief zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner

Über Bernd Ulrichs naiv-unkritischen Rückblick auf das vergangene Flüchtlingsjahr bin ich schon ein wenig erschrocken. Jetzt kam zumindest eine notwendige Widerrede von Ulrich Greiner. Seine Aussage: „Man muss kein Reaktionär sein“, möchte ich erweitern. Man ist kein Reaktionär (oder muss man sich immer noch zuerst einmal verteidigen, wenn man der Merkel-Linie nicht folgt?), wenn man dieses Flüchtlingsjahr als mindestens höchst problematisch einschätzt. Im Bundestag wurde diese Masseneinwanderung mit all seinen Auswirkungen für die Bürger leider nicht umfassend kritisch diskutiert. Hier haben alle „Volks“Parteien versagt.

Zwar hat inzwischen Merkel ihren „Alle-sind-Willkommensgruß“ korrigiert – aber sie lässt diese Aussage weiterhin stehen. Was ist dies für ein unsouveränes Verhalten. Dazu passen auch die weiteren Versuche von Merkel alle anderen EU-Länder zur Aufnahme von Flüchtlingen zu bewegen und sich mit ihr solidarisch zu verhalten, obwohl unsere Nachbarländer dies wiederholt abgelehnt haben.

Und als kritischer Beobachter dieser Millioneneinwanderung und letztendlich auch Betroffener musste man (und muss man wohl noch immer) damit rechnen, dass man gleich von den meisten Medien und lautsprechenden Politikern in eine rechte Ecke gestellt wird. Wenn immer noch auf die gelungenen Integrationsbeispiele nach dem Krieg oder nach dem Mauerfall hingewiesen wird, dann möchte man wohl bewusst manipulativ die krassen Unterschiede zu den aktuellen Flüchtlingsbewegungen verschleiern.

Ich befürchte, dass die wirklichen Probleme, durch diese (zu einem großen Teil unkontrollierte) Masseneinwanderung erst in vielen Jahren so richtig zu Tage treten werden. Neben den gerne gezeigten und hoffentlich zehntausenden gelingenden Integrationsbeispielen wird es aber auch die gern verschwiegenen zehntausende anderer Fälle geben.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie problematisch, ja oft scheinbar unüberwindbar die Integration von Menschen aus einem anderen Kulturkreis ist. Mindestens sehr viele Flüchtlinge sind wohl mit unrealistischen und teilweise paradiesischen Vorstellungen von einem Deutschland, das nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, hierher gekommen. Und dies wird auch zu großen Enttäuschungen führen und sicherlich nicht nur positive Folgen haben. – Peter Gernbacher


Anmerkung zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner

Ulrich Greiners Beitrag auf Seite 2 war längst überfällig wie  erforderlich – grundsätzlich in der aktuellen Debatte, wie auch in der  ZEIT !!! Vielen Dank! – Dieter Hampel


Leserbrief zu „Wenn Putin das wüsste …“ von Alice Bota

Wunderschöner, sehr anschaulicher Artikel, warum es in Russland ist, wie es ist und wie es wahrschinlich schon seit hunderten von Jahren war. Schon zur Zarenzeit gab es  den Mythos einer Art goldenen Bulle, in der der Zar gelobt habe, sich für die ausgebeuteten, entrechten Leibeigenen und Bauern, also das gemeine Volk einzusetzen. Man schickte damals sogar Abgesandte aus entlegenen Dörfern nach Moskau, um den Zar um die Einhaltung dieses „heiligen“ Vertrages zu bitten. Man wunderte sich auch nicht, wenn die Menschen einfach zurückgeschickt wurden, böse Höflinge, der Adel, etc. würden den Zaren umgeben und „das Volk“ von ihm fernhalten.

Das Ganze kennen wir  recht gut. Im dritten Reich hieß es genauso: „…wenn das der Führer wüsste…“. Damit waren Ausschweifungen, Unterschlagungen, Nepotismus und Verbrechen der alten Kämpfer in München oder sonstwo in Deutschland gemeint. Also Ausdruck eines Führerkultes, den wir hier in Russland, in der Türkei, und, und ,und erleben. Als Psychiater muss ich bei der Theorie der Psychologin Petranowskaja, die Russen würden unter einer kollektiven posttraumatischen Belastungsstörung leiden, schon tief durchatmen… . Nun kann man Frankreichs und Deutschlands Einmarsch in Russland, vielleicht noch als Argument darür bemühen, aber Russlands Aggressionen? Der türkisch-russische Krieg, der 1. Weltkrieg, Afghanistan, Ungarn, die CSSR, Tschetschenien, die Ukraine etc. Und das Gewaltpotential der Russen innerhalb der eigenen Gesellschaft: Die Gulags wurden ja nicht von fremden Invasoren oder Marsmenschen errichtet. Die Russen litten nicht unter Revolutionen, sie machten Krieg, Revolutionen, Gulags etc.

Da schüttelt die Familienpsychologin unwidersprochen ja ganz schön was durcheinander und spielt munter mit der Täter-Opfer-Rolle. Wie etwas später beschrieben, scheint es viel einfacher. Gewalt erzeugt Gewalt. Hier geht es  weniger um eine erlernte Hilflosigkeit, sondern um die Entscheidung einer Zivilgesellschaft, Gewalt als legitimes Mittel zur Durchsetzung eigener Ansprüch, und das fängt schon in der Erziehung an, zu ächten. Nur, eine Zivilgesellschaft, wie wir diese verstehen, existiert in Russland nicht. mit freundlichen Grüßen und geben Sie auf sich acht, in Russland ist kritischer Journalismus nicht gerne gesehen – Dr. Thomas Lukowski


Leserbrief zu „Deutsche Gelenkigkeit“ Rezension von Adam Soboczynski

Dass die Flüchtlinge häufig beruflich unqualifiziert sind, erscheint in diesem Zusammenhang als Manko, das durch forcierte gesellschaftliche Anstrengungen überwunden werden muss.“ – Wenn ich diesen Satz höre, stellen sich mir die Haare. Zuletzt wurde bei der Vorstellung der Shell-Jugendstudie im Herbst 2015 zwar die beste Jugend seit Jahrzehnten gepriesen, allerdings müsse man, so wurde vorgetragen, viel mehr Anstrengungen unternehmen, um den wachsenden Anteil derer zu fördern, die am unteren Rande der Sozialskala im Begriffe sind, abgehängt zu werden. (Man müsse übrigens auch was unternehmen, gegen die steigende Zahl Jugendlicher mit „asozialen“ Haltungen am obersten Ende der Skala. – Beides stand nicht in den Broschüren, sondern wurde nur mündlich vorgetragen.)

Das ist alles nicht neu, sondern wurde u.a. vom Soziologen Bude mit den „Entbehrlichen“ (2006) und den „Ausgeschlossenen“ (2008) öffentlichkeitswirksam thematisiert, weil es ein neuer Trend sei. Dabei ist es Fakt, dass wir seit über dreißig Jahren 10 bis 18 Prozent unserer Jugendlichen ohne ausreichende Kenntnisse ins (Arbeits-)Leben entlassen. Es wurden große Anstrengungen unternommen, um dies (überwiegend nachträglich) zu korrigieren. Ein (ohn)mächtiger Apparat an pädagogischen Einrichtungen zur „Nachbesserung“ wurde ins Leben gerufen. Die Ergebnisse blieben eher bescheiden. Entweder taugen also die Einrichtungen und ihre Methoden nichts oder die Umstände auf den (Arbeits-)Märkten sind zu widrig oder es geht nicht, weil, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr oder es ist eine anthropologische Konstante, dass einfach ein bestimmter Prozentsatz nicht kann oder nicht will oder so… (Ich kenne keine ehrlichen Evaluierungen.)

Als die Arbeitslosenstatistik durch die Decke ging, kam das Gespann Schröder/Hartz mit dem euphemistischen Etikett „fordern und fördern“ und hegte das ganze problematische Segment von armen, kranken und schwarzen Schäfchen zur Ruhigstellung mit einem Weidezaun aus engen Sozialgesetzbuchmaschen ein. In der Folge entstanden zwei Arbeitsmärkte: ein guter bis einigermaßen auskömmlicher in der auf Grund geringer Lohnstückkosten und gewollter Euroschwäche boomenden Exportwirtschaft (wenngleich über 10 Jahre ohne reale Lohnzuwächse) und ein Markt – hart an der Grenze zum Schafspferch – mit Minilöhnen und prekären Existenzen.

Inzwischen reproduziert sich die Gruppe innerhalb des Weidezauns im Generationsrhythmus weiter und die Chance raus zu kommen ist gering. Die Gefahr rein zu kommen ist derzeit auch gering, dank der starken Stellung vor allem der Exportwirtschaft. Das kann sich aber schnell ändern, die Eurokrise schwelt weiter. Zumindest besteht eine große Furcht bei denen, die dem Zaun am nächsten stehen und nicht nur bei denen (Industrie 0.4).

In dieser Situation erhöht sich schlagartig die Zahl der Migranten, die zu einem erheblichen Teil Kandidaten sind, die im Pferch untergebracht werden müssen. Da wächst die Unruhe im Pferch und um den Pferch herum dramatisch an und man hört nun überall solche Sätze: dass das Manko dieser Leute “…durch forcierte gesellschaftliche Anstrengungen überwunden werden muss.“ – Für die einen klingt es wie Hohn: Anstrengungen? wieso erst jetzt, und wieso nur für die? Mangels eines anderen Sprachangebots (es gibt für sie kein anderes „Narrativ“) bedienen sie sich dabei alter Formeln aus der Mottenkiste des Völkischen und Rassistischen. Und die anderen hegen Zweifel, warum etwas, das seit Jahrzehnten nicht recht klappt, jetzt auf einmal klappen soll? Wir schaffen das – durch neue »Gelenkigkeit« und »Flexibilität« ! Oder? – Dr. Hans-Peter Biege


Anmerkungen zu „Lese und lebe“ Zeitgeist-Kolumne von Josef Joffe

Lieber Josef Joffe, bitte gebe dir etwas Mühe und mache möglichst keine Grammatikfehler in deiner Kolumne mehr: Nehme einfach eine Konjugationstabelle und lese dort unter „Imperativ“. – Viele Grüße, Roland Rössler – P.S.: Bitte nehme mir das Duzen nicht übel!

Als Viel-Leserin und Freundin starker Verben bedaure ich die klanglich hübsche Überschrift „Lese und lebe“. –Ute Meyer

Leserbrief zum Titelthema „Warum wird Putin so geliebt?“

n der ZEIT Nr. 15/2014 fragten Sie in Bezug auf Erdogan: „Warum lieben ihn die Türken?“ und in der aktuellen Ausgabe heißt es: „Warum wird Putin so geliebt?“ Soll das unterschwellig vielleicht auch eine Langzeitstudie zum Liebesverständnis Ihrer Leserinnen und Leser sein? In beiden Fällen geht es meines Erachtens eher um Idolatrie. Okay, man kann unter gewissen Vorbehalten auch Idole lieben. Dann stellt sich aber die Frage nach dem Warum. Und das hat sicher auch damit zu tun, dass es unangenehm bis gefährlich sein kann, nicht auf der „richtigen“ Seite zu stehen. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Aus der Zelle vom Typ F“ von Can Dündar

Als ich den Bericht von Can Dünbar las, hatte ich den Eindruck, dass sich die türkische Geheimpolizei bei ihrer Strategie zur „Behandlung“ der Gefangenen von ehemaligen Mitarbeitern der Staatssicherheit der untergegangenen DDR hat beraten lassen! Auch dort ging man dazu über, die Gefangenen mit der Methode „absolute Isolation“ psychisch zu zermürben und so gefügig zu machen. Ich lernte 1977  nach einer Odyssee durch ungarische und ostdeutsche Haftanstalten eine solche „Einrichtung“ in Berlin-Pankow kennen, nachdem ich beschlossen hatte, am Experiment „Aufbau des DDR-Sozialismus“ zukünftig nicht mehr teilzunehmen. Der Blick durch das Fenster vermauert, reduzierte sich der Kontakte zur Aussenwelt  auf die stundenlangen Vernehmungen und den täglichen „Hofgang“ innerhallb eines gemauerten Würfels, dessen Oberseite mit Maschendraht versiegelt war (bei den Gefangenen Tigerkäfig“ gerufen). Treffen mit Verwandten oder Kantinenbesuche – wie von Herrn Dünbar beschrieben – waren in den Stasi-Knästen nicht vorgesehen. Für zufällige Begegnungen mit Leidensgenossen auf den Fluren war folgende Anweisung zu befolgen: Gesicht zur Wand und keinen Laut! Nach wochenlanger Existenz  in einer Art mentalem Vakuum (ohne Bücher oder Zeitungen, von Radio oder TV gar nicht zu reden) trat dann eine Art von Stockholm-Effekt ein: Der „Vernehmer“ wird als einzige Bezugsperson wahrgenommen und die Möglichkeit des Gedankenaustausches dankbar ergriffen. Nicht wenige verkannten in der Folge die Brisanz dieser Konstellation,  und redeten sich um Kopf und Kragen!
Die Stasi ist Geschichte, die Haftanstalten sind zu Museen geworden. Doch nicht fern von uns – in einem Staat, der die Mitgliedschaft in der Europäischen Union  anstrebt und auf dessen Goodwill die Bundesregierung z.Zt. angewiesen ist – werden immer noch Menschen mit den gleichen Methoden drangsaliert, welche einst das System „DDR“ stabilisieren sollten und es doch nicht vor dem Untergang bewahren konnten. Wir sollten nicht aufhören, unsere Stimme dagegen zu erheben! –
Christian Friedrich Reineck

Leserbrief zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner
Man kann es sich einfach machen und die Frage so interpretieren: ist das Glas halb voll oder halb leer. Es ist doch relativ sinnlos, eine Diskussion darüber anzuzetteln, ob der Optimist oder der Pessimist recht hat. Der Pessimist schwächt allerdings seine Position, wenn er unterschwellig anklingen lässt: man wird doch wohl noch noch sagen dürfen, dass uns Humanität überfordert usw.. Diesen Eindruck erweckt aber der Artikel.Um auf einige Punkte konkret einzugehen:
1. Wir schaffen das
Dieser Spruch von Merkel wird gerne und häufig kritisiert. Allerdings bleiben uns die Kritiker eine überzeugende Alternative schuldig. Hätte uns Merkel wirklich besser von ihrer Politik überzeugt, wenn sie gesagt hätte: O je, o je, o je, wie konnte so etwas passieren, jetzt geht alles den Bach runter, das wird eine Katastrophe geben, das schaffen wir nie, das können wir gar nicht schaffen!Wenn man über Alternativen zu Merkels Satz nachdenkt, dann muss man zum Ergebnis kommen (um weiter Merkel zu zitieren), dass er alternativlos ist.Soll es dieser Satz sein, der das letzte Jahr zu einem schlechten macht?Soll es wirklich dieser Satz sein, der Hunderttausende in Bewegung bringt?
2. Wer kommt?
Woher weiß Herr Greiner, dass alle in das Land der Satten wollen, nicht etwa in ein Land, in dem nicht geschossen wird?Wenn es um Flüchtlinge geht, dann ist Herr Greiner sehr um Differenzierung bemüht. Wie kann er eigentlich zwischen Armutsflüchtlingen, Glücksrittern und „richtigen“ Flüchtlingen unterscheiden?  Will er hier die klägliche Konstruktion des sicheren Herkunftslands bemühen? Bisher hat auch noch niemand überzeugend darlegen können, was daran schlecht ist, wenn jemand, der für sich keine Perspektive sieht, dazu bereit ist, seine Heimat zu verlassen und sein Glück anderswo zu versuchen? Und, wenn man doch dafür Verständnis aufbringen kann, soll man sich auf das St. Florians Prinzip zurückziehen und sagen: gut so aber nicht hier? Die Entwicklung Amerikas hat gezeigt, dass diese Menschen auch für das Zielland ein Gewinn sind. Gerne wird dann mit dem platten Argument gekontert: wir können nicht die ganze Welt aufnehmen! Will denn wirklich die ganze Welt kommen? Z. B. für über eine Milliarde Chinesen ist Europa unkultiviert und barbarisch, also keineswegs attraktiv.
Auch wenn es bei den Geflüchteten Menschen gibt, die aus einer vormodernen und antisäkularen, fremden Kultur kommen, was niemand ernsthaft bestreitet, dann bedeutet das nicht dass Integration unmöglich ist, sie ist nur schwierig. Das ist kein Grund, es nicht zu schaffen.
3. Man wird doch wohl noch vor Islamisierung warnen dürfen?
Jawohl das darf man, auch wenn man dafür das schlimme Risiko eingehen muss, als hinterwäldlerisch oder reaktionär zu gelten. Man darf auch sagen, dass es im Islam bedenkliche Facetten gibt. Es wird nur zweifelhaft, wenn man diese zum Wesen des Islam an sich aufbläst. Man kann sogar darüber diskutieren, welche der Religionen, der Islam oder das Christentum zu mehr Bedenken Anlass gibt. Auf die Gefahr hin, die Verteidiger des christlichen Abendlandes (ob diese wirklich wissen, wovon sie reden?) in Rage zu versetzen, kann man der Meinung sein, das Christentum habe gute Chancen auf dem vordersten Platz zu landen (nur ein paar Beispiele: Kreuzzüge, Inquisition, Hexenwahn…). Wahrscheinlich wäre ein Unentschieden gerecht. Es ist unzweifelhaft, dass extremistische, fanatische, leicht erregbare, kranke, sadistisch veranlagte Menschen gerne die Religion als Rechtfertigung für Ihre (Misse)Taten bemühen. Daraus lässt sich allerdings nicht die grassierende Islamophobie herleiten.
4. Moral oder Politik
Es klingt an, Moral habe für Herrn Greiner nicht die oberste Priorität. Wenn es einen Konflikt zwischen (vermeinlicher) Realpolitik und Moral gibt, dann hat die Moral zurückzutreten. Moral ist sozusagen ein Luxus, den man sich gönnen kann, um sich wohl zu fühlen, wenn es die Umstände erlauben. Sollte der Artikel wirklich ein Plädoyer dafür sein, unmoralisch zu handeln, wenn es sein muss?
Welcher der Punkte, über die es sich sicher streiten lässt, belegt, dass das letzte Jahr schlecht war? – Günter Zeyer

Leserbrief zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner

Vielen Dank für die bewiesene Zivilcourage, über Dinge zu schreiben, von denen ich glaubte, sie in den deutschen Medien, auch den Qualitätsprintmedien, während der Kanzlerschaft Angela Merkel’s nicht mehr zu sehen. Wenn es stimmt, das die politisch Verantwortlichen schon Monate, möglicherweise Jahre vorher, von den zu erwartenden Flüchtlingsmassen wußten, dann erscheint die der Bevölkerung präsentierte aus humanitären Gründen vollzogene Entscheidung, die Flüchtlinge aus Ungarn ohne Kontrolle ins Land zu lassen, als unglaubliche Verlogenheit. Durch die Fehlentscheidungen und Nichtentscheidungen der Frau Merkel und ihrer Regierung wird nun die Folgen der verfehlten Flüchtlingspolitik die Bevölkerung zu tragen haben. Die Entscheider selbst kommen ja nie direkt mit den Problemen ihrer Entscheidungen in Berührung. Wenn ich heute (2.9.2016) die Berichterstattung über das neue Erdogan-Problem der Angela Merkel und die in meinen Augen Desavouierung des Deutschen Bundestages verfolge, frage ich mit Verwunderung, wohin Deutschland geführt wird. Ob nicht auch die Koalitionsmitglieder des Bundestages sich gedemütigt fühlen? – Klaus Grasenick


Leserbrief zu „Rettet die Provinz“ von Florian Gasser et. al.

Vielen herzlichen Dank für Ihren unglaublich guten aufrüttelnden Artikel. Für mich und die Sicht meiner Lebenswelt sind Ihre Gedanken sehr „aufmüpfig“ was mir wunderbar gefällt. Unser „sogenanntes“ modernes Leben hat ja jede Menge Schönheitsfehler, welche wir – wohl Alle zu gläubig angenommen haben. Als Mensch auf dem Land war es ziemlich selbstverständlich sich – falls man einen Garten hatte die Versorgung aus Diesem sein Gemüse und auch das Obst als selbstverständlich in seinem täglichen Leben zu nutzen.Man hatte wenn es denn möglich war, eventuell Hühner oder sonstige Kleintiere,  womit ein Teil der der Vorsorge fürs Jahr ablief.Aber die Versorgung anderer Teile wurden natürlich im Umfeld gekauft.
Es war ein scheinbar unwichtiges Ereignis, welches mir durch ein Gespräch mit meinem damaligen Mann gedanklich haften geblieben ist. „Sinn gemäß teilte er mir mit, dass er mit einem Freund nach Norddeutschland fahren wolle, um dort Eier einzukaufen. Meine Rückfrage wozu denn das?  wurde mir mitgeteilt, dass die Eier in Oldenburg viel billiger seien. Meine Frage: was ist mit der Zeit? – was ist mit den Kosten? was ist mit der allgemeinen Luftverschmutzung durch das Auto. Es gab eine Diskusion bei der ich nicht der Gewinner war.
Meine schon damals kritische Überlegung über solche fragwürdigen Entscheidungen haben ja inzwischen allgemeine Anerkennung gefunden, nur zu Wenige haben Versuche gemacht diese Art von „Leben“ die doch wie inzwischen Alle wissen für unsere Umwelt zu einer grossen Katastrophe geführt haben. Überall wo man hinschaut finden wir Fragwürdiges aus unserer Art zu leben. Wir haben uns doch hemmungslos ins „sogenannte“ moderne Leben begeben, ohne Sinn und Verstand.Was wir unserer Natur sehenden Auges täglich zumuten um weitere Schäden zu verhindern hat  sich noch immer nicht herumgesprochen. Alles scheint „Alternativlos“.
Wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe, sehe ich kaum noch Insekten. Sie sind allemal Raritäten geworden. Dank der Chemie und der Uneinsichtigkeit  unserer Mitmenschen. Das die Schwalben inzwischen Mühe haben Nistplätze für Ihre Brut zu finden, ist bekannt, und Futter ist auch ein Thema! Davon lese ich kaum etwas in einer Zeitung. Wir tun Alle so, als hätten wir noch einige Ersatzwelten!
Man könnte einer lange Liste machen, aber das ist alles kein Thema. Es wird genügend gejammert über alles Mögliche, aber es geht immer nur um Wirtschaft. Sicher ist Wirtschaft wichtig, aber nicht alles was wirtschaftlich klug wäre geschieht auch. Unsere Welt wird weiter zugepflastert – wohin soll das noch gehen?
Vermutlich ist einiges was ich Euch Allen hier zumute für Euch junge Leute „merkwürdig“  Aber die Frage „was ist ein gelungenes gutes erstrebenswertes Leben“ ? dafür muss man Antworten suchen und hoffentlich finden.
Aus meinem eigenen Leben weiss ich, dass Bildung und Ausbildung ein enorm wichtiger Faktor ist. Als alter Mensch blicke ich auf die traurige Erkenntnis – noch immer gelingt es uns in Deutschland nicht ausreichend Kindern Chancen zu geben, wo auch immer sie sind, wo auch sie leben. Das wäre ein Akt auf der Suche nach Gerechtigkeit.  Es wäre ein schöner Gedanke das endlich begriffen wird – Geld macht wirklich nicht glücklich, aber Chancen zum Leben als kluges denkende Wesen sehr wohl.- Astrid Heil

Anmerkung zu zu „Rettet die Provinz“

Es ist zwar nur eine Petitesse, aber, dennoch – Margret Thatcher kann 1993 die Mine in Sunderland nicht geschlossen haben, weil seit 1992 John Major Premierminister war. Auch glaube ich nicht, dass es in der Macht des PM lag oder liegt, Minenschliessungen zu verfügen. Frau Thatcher hat (erbittert) gegen die Macht der „Coal Miners‘ Union“ gekämpft (und sich am Ende durchgesetzt), so viel erinnere ich. Dennoch sehr lesenswert. – Oliver Kaden

Leserbrief zu“Ich bin ein schlimmer Nostalgiker“ von Ijoma Mangold

Und das geht im Zeit-Feulleton als Literatutr durch: „zu spät , das Niesen hatte sich schon aus ihren Zügen gelöst, wie ein Taifun blies es nach vorne, ein langer, glitzernder Tropfen baumelte von ihrer Nase, und es spiegelten sich darin nicht nur die Reispapierwände des Separe’es und die warmgelben Lampen an der Decke, sondern auch die völlig entsetzten Mienen der anwesenden Japaner„. Ein Glück noch, dass der Autor verzichten konnte, aus der glitzernden Rotzglocke wahrzusagen. – Paul Zwirchmayr

Leserbrief zum Interview über die drei RAF-Terroristen Meinhof, Ensslin und Mahler

Das Interview mit dem Vertreter der Studienstiftung über Ulrike Meinhof, Ensslin und Mahler hat mich sehr beeindruckt, v.a. dass er auf die Frage, warum sie zu Terroristen wurden, keine Antwort weiß und gibt. Ich selber habe Ulrike Meinhof etwa 1970 in einem Fernsehinterview gesehen und war von ihr fasziniert. Später studierte ich Sozialwissenschaft, sympathisierte mit dem Kommunistischen Bund Westdeutschlands und ging erst auf Distanz, als ein KBWler vor meinen Augen einen Rechten mit einem Faustschlag niederstreckte. Noch später wurde ich auch Studienstiftlerin, promovierte und wurde dann Mutter, Ehefrau eines beruflich sehr engagierten Mannes und freiberufliche Nachhilfelehrerin – eine eher untypische „Karriere“ einer Studienstiftlerin. Vor kurzem hatte ich eine Hirnhautentzündung. Im Fieberwahn beschäftigte mich nur eine Frage: Wer bin ich? Meine momentane Antwort lautet: eine Frau und Mutter, die liebt und geliebt wird. Das Geheimnis, warum Ulrike Meinhof von einem ethisch hoch motivierten Menschen zur Terroristin wurde, kann von außen nicht gelöst werden. Aber dass ihr auf diesem Weg die Liebe abhanden kam, das ist aus meiner Sicht die Tragik ihres Lebens. – Elisabeth Wagensommer

Leserbrief zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner

Bravo, Herr Greiner! Sie zeigen viel Zivilcourage, indem Sie die „moralisch unangreifbare Seite“ der Flüchtlingspolitik mit vielen Sachargumenten in Frage stellen und deshalb gewiss Zorn und Hass erdulden müssen. Für mich ist Ihr Artikel ein Hoffnungs-schimmer, dass Meinungsfreiheit in unserem Lande noch nicht ganz verloren ist. – Klaus Müller


Leserbrief zu „Lese und lebe“ Zeitgeist-Kolumne von Josef Joffe

schauen Sie einmal nach, wie der Imperativ Singular von“lesen“ heißt.Und dann treten Sie zurück als Herausgeber, wenn so etwas möglich ist.

Bis jetzt habe ich Ihre Zeitung sehr geschätzt, auch wegen des erfreulichen Umgangs mit der deutschen Sprache. Natürlich sind Tipp- und Druckfehler verzeihlich, aber das, was Sie sich hier geleistet haben, ist eine andere Art von Fehler. Haben Sie denn niemanden, der bei Ihnen lektoriert? Übrigens bin ich keine Lehrerin, und dies ist der erste Leserbrief meines Lebens. – Bettina Gebauer


Leserbrief zum Titelthema „Warum wird Putin so geliebt?“

Das Titelbild von Putin ist richtig aber unvollständig. Daneben gehören der Zar und ein Generalsekretär der KPdSU zum Aufzeigen der Kontinuität. Denn das autoritäre Herrschaftssystem ist durchgehend geblieben, nur das zwischenzeitlich der Zar „Generalsekretär der KPdSU“ hieß. Lenin hatte den Sozialismus, bei dem „alle Macht vom Volke“ kommt,  also von unten, russisch adaptiert mit „ja, aber es braucht eine Avantgarde, die dem Volk von oben sagt, was es will“. Anders hätte Sozialismus in der SU nicht funktioniert. Putin kehrt nicht zurück, sondern setzt nur fort. Dazwischen gab es die Chaos-Verhältnisse von Jelzin, und die Bevölkerung ist froh, dass es jetzt wieder stabil ist. Unter Putin ging es zehn Jahr gut aufwärts, erst seit den westlichen Sanktionen abwärts. Warum sollte die Bevölkerung letzteres Putin anlasten?

Diese Herrschaft von oben wird auch von unten erwartet. Als Gorbatschow den Bürgern mehr Freiheiten gab, waren die Bürger zunächst froh. Doch nach eineinhalb Jahre wurden sie unmutig, weil ihnen niemand sagte, was sie mit der Freiheit anfangen sollen. Gewiss gibt es auch die uns so sympathischen Liberalen, die dort demonstrieren, so westliche Journalisten sind. Doch das ist bei einer Bevölkerung von ca. 150 Mio. eine kleine Minderheit von weniger als 1 ‰. Dem Denken der weiten Bevölkerung entspricht das nicht. – Prof. Andreas Elepfandt


Anmerkung zu „Im Weltraum hört dich keiner schreien“ von Caspar Shaller

in einem irrt Ihr geschätzter Autor: Eine 18 mit achtzehn Nullen heißt im Deutschen 18 Trillionen, nicht Quintillionen. Ich vermute, der Irrtum ist dem verbreiteten Übersetzungsfehler geschuldet, der aus dem englischen Wort „billion“ im Deutschen eine „Billion“ macht (statt eine Milliarde).Eine Quintillion hat, nebenbei bemerkt, 30 Nullen. – Rudi Knop


Leserbrief zu „9 Menschen von Haien getötet“ von Alard von Kittlitz
Der Titel des Artikels ist schon ausgesprochen bemerkenswert. Wenn es da heißt: „9 Menschen von Haien getötet – 100 Millionen Haie von Menschen getötet“,  so ist man zunächst doch etwas verwundert, dass eine doch angeblich vom Aussterben bedrohte Art einen jährlichen Aderlass von 100 Millionen Exemplaren verkraftet, ohne tatsächlich auszusterben. Aber ganz offensichtlich ist die Relation von 9 zu 100 Millionen doch ein geradezu groteskes Missverhältnis, zumal es ja vermutlich auf der Welt deutlich mehr Menschen als Haie gibt.
Der dadurch implizierte Appell, die Zahl der menschlichen Todesopfer durch Haie deutlich zu steigern, dürfte allerdings in der Praxis relativ schwierig zu realisieren sein. Ein gemeinsamer Aufruf aller Naturschutzorganisationen, sich hierfür freiwillig zu melden, würde höchstwahrscheinlich selbst bei Naturschutzidealisten nur eine sehr geringe Resonanz zeitigen. Und diesbezügliche Zwangsmaßnahmen wären im Hinblick auf manche Personengruppen vielleicht wünschenswert, aber vermutlich dennoch kaum realisierbar. –Peter Simm

Leserbrief zu „Wenn Putin das wüsste …“ von Alice Bota

Vielen Dank für die beiden o.g. Artikel! Der erste gibt einen guten Einblick in das Alltagsleben mancher Russen, der zweite zeigt erstaunliche Daten über die Ansichten von BundesbürgerInnen.

Herr von Randow gibt die Ergebnisse einer Untersuchung des Umfrageinstituts Forsa wieder zum Vertrauen von Bundesbürgern zu Russlands Präsidenten sowie nach Ihrer Zustimmung zu seinem außenpolitischen Weltbild. Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach der Anhängerschaft zu politischen Parteien und der Zugehörigkeit zu Ostdeutschland oder Westdeutschland. Herr von Randow schließt seinen Artikel:

“ Wenn beinahe jeder dritte Bundesbürger seiner Regierungschefin nicht mehr Vertrauen entgegenbringt als dem illiberalen Machtmenschen im Kreml, dann deutet das auf ein Problem hin. Russlands Auslandsmedien wie RT Deutsch, im deutschsprachigen Internet pausenlos auf Sendung, scheinen diese Vertrauenslücke erkannt zu haben. Ihre bevorzugte Zielscheibe ist die deutsche Kanzlerin. „

Herr von Randow geht argumentativ überwiegend auf die Meinungsäußerungen von LINKEN- und AfD-Anhängern ein.  Die auf die Frage: Hat Putin mit der Einschätzung recht, der Westen würde Russland wieder wie im Kalten Krieg feindselig behandeln? auch bei Anhängern der Parteien der bürgerlichen Mitte erstaunlich hohen Zustimmungen werden leider nicht kommentiert.

Daher und weil ich seine  Problemdeutung (s. o. : russische Propaganda) der Zustimmungen für mein eigenes „ja“ bei dieser Frage anders sehe als Herr von Randow, schreibe ich diesen Leserbrief als jemand, der noch nie LINKE oder AfD gewählt hat (obwohl sie in einigen Punkten Recht haben), sondern immer SPD oder CDU, was wohl auch so bleiben wird.

Ich kenne die genannte russische Auslandspropaganda nicht und kann sie nicht beurteilen. Ich habe den Luxus, das Zeitgeschehen anhand mehrerer deutscher mainstream-Medien verfolgen zu können. Dabei habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Berichterstattungen zu den Themen Putin und Russland häufig einseitig und gelegentlich  falsch oder gar hetzend sind.

In diesen Medien wird z.B. die russische „Annexion der Krim“ immer wieder als Begründung für eine vermeintliche Aggressivität von Putin/Russland vorgebracht. Diese Kritik muss im Zusammenhang mit der komplexen Entwicklung in der Ukraine gewürdigt werden.

Man kann die Krimentwicklung durchaus begründet (s. PS unten) auch mit folgenden Merkmalen sehen:

– Seit Jahren geopolitische Konflikte zwischen den USA und Russland.
– Absprachewidrige Ostausdehnung der Nato ohne Berücksichtigung der Interessen Russlands.
– Sehr unkluge Stellung der Alternative für die in dieser Frage sehr uneinheitliche Ukraine durch die EU: Entweder Handelsvertrag mit der EU oder mit Russland.
– Ungeklärte Herkunft der Schüsse auf dem Maidan, die die Situation eskalieren ließen. Verdacht, das Maidan-Lager habe selbst rechtsextreme Scharfschützen engagiert.
– Einflußnahme der USA auf den Machtwechsel in Kiew.
– Nicht nur russische Bewertung dieses Machtwechsels als Staatsstreich (illegal, weil die für die Neuwahl eines Staatspräsidenten nach der
ukrainischen Verfassung vorgeschriebene Dreiviertelmehrheit nicht erreicht wurde).
– Wesentliche Beteiligung von Rechtsextremen an der neuen Regierung in Kiew, die vor dem Machtwechsel forderten, den Sonderstatus von Sewastopol abzuschaffen und den Vertrag von Charkiw zu kündigen, mit dem der Stationierungsvertrag der russischen Schwarzmeerflotte bis 2042  verlängert worden war.
– Keine Sicherheit für Russland, dass sich die neuen Machthaber in Kiew an die rechtsgültigen Verträge über den (seit über 200 Jahren) russischen Marinestützpunkt Sewastopol halten würden.
– Machtwechsel in der autonomen Republik Krim (nicht demokratisch legitimiert).
– Referendum auf der Krim, das sich mit großer Mehrheit für den Anschluss der Krim an Russland aussprach (illegal, weil in der Verfassung der Ukraine nicht vorgesehen).
– Fazit: In Kiew hat sich unter dem militärischen Druck des Rechten Sektors ein illegaler Machtwechsel ereignet, der einen illegalen Machtwechsel auf der Krim auslöste. Nach zweierlei Maß wurden vom Westen die Vorgänge auf der Krim von den Vorgängen in Kiew abgekoppelt und umgedeutet in einen angeblichen russischen Strategiewechsel hin zu einer aggressiven Außenpolitik an allen Fronten, auf den die Nato reagieren müsse.

Vor diesem Hintergrund ist die in unseren Medien häufig wiedergegebene Kritik an Russland (kurz: aggressives Russland und friedlicher Westen) sehr einseitig, zu wenig selbstkritisch und wenig glaubwürdig.

Der Westen hat zur Krimkrise viel beigetragen und sollte selbstkritischer und vorsichtiger sein mit seiner Kritik an Putin/Russland.

In Medien und Politik des Westens werden häufig auch  – nach unseren Maßstäben –  Demokratiemängel kritisiert. Die bestehen wohl, sollten jedoch auch vor dem Hintergrund der Geschichte und der Erfahrungen Russlands mit dem Westen gewertet werden.

Im Artikel von Frau Bota heißt es zu den restriktiven Maßnahmen Russlands zur Regelung von NGO`s:

„Aus Sicht des Kremls ist es folgerichtig, die NGO`s als Feinde zu bekämpfen: Eigeninitiative fordert seine Macht heraus, die sich auf Unmündigkeit gründet.“

So kann man es sehen: als Unterdrückung von Eigeninitiative. Bei einem Teil der NGO`s trifft das wohl zu. Ob sich Putins Macht auf Unmündigkeit gründet ???

Man kann die Regelungen zu NGO`s aber auch im Zusammenhang von Maßnahmen zur Vermeidung von –  jedenfalls in der Vergangenheit erfolgten – „regime change“- Aktivitäten  der USA sehen,  vor denen sich Russland schützen will. In diesem Zusammenhang sind z. B. folgende Äußerungen wichtig:

Äußerung von Henry Kissinger am 2. 2. 2014 in einem CNN-Interview, wonach der Regime Change in Kiew sozusagen die Generalprobe für das sei, „was wir in Moskau tun möchten“.

Der Republikaner George Friedman (Direktor des US-Think-Tanks Strategic Forecasting Inc.) sagte am 4. 2. 2015 am Chicago Council on Global Affairs: “ Für die Vereinigten Staaten ist die Hauptsorge, dass …. deutsches Kapital und deutsche Technologie sich mit russischen Rohstoff-Ressourcen und russischer Arbeitskraft zu einer einzigartigen Kombination verbinden, was die USA seit einem Jahrhundert zu verhindern suchen. Also wie kann man das erreichen, dass diese deutsch-russische Kombination verhindert wird? Die USA ist bereit, mit ihrer Karte diese Kombination zu schlagen: Das ist die Linie zwischen dem Baltikum und dem Schwarzen Meer.  … Der Punkt bei der ganzen Sache ist, dass die USA ….einen Sicherheitsgürtel um Russland herum aufbauen. …    Die Vereinigten Staaten kontrollieren aus ihrem fundamentalen Interesse alle Ozeane der Welt. Keine andere Macht hat das jemals getan. Aus diesem Grund intervenieren wir weltweit bei den Völkern, aber sie können uns nicht angreifen. Das ist eine schöne Sache.“

Laut SPIEGEL 30/2016 hat der US-General Breedlove – bis vor wenigen Wochen Oberbefehlshaber der Nato und der US-Truppen in Europa – alarmistische öffentliche Meldungen über angeblich große russische Truppenbewegungen gemacht und versichert, die USA seien bereit, „falls nötig“ Russland in Europa „zu bekämpfen und zu besiegen.“ Laut Spiegel hat Breedlove „ein Netzwerk westlicher Scharfmacher“ um sich, das dazu beitrug, den Ukrainekonflikt anzuheizen.

Der Forex-Report der Bremer Landesbank vom 29. 8. 2016 berichtet:
„Zibigniew Brzezinski mit erstaunlicher Kehrtwende. Der maßgebliche Architekt der US-Außenpolitik erkennt das Ende der USA-Vorherrschaft an und fordert von den USA die Führung der Welt neu zu organisieren, indem die Verbindungen zu Russland und China neu gestaltet werden sollen. Damit steht im Raum, dass die konfrontative Politik der USA und im Nachgang des Westens zur Disposition stehen und ein neuer Weg der Kooperation eröffnet werden könnte  …..Entscheidend ist die Frage, welchen Einfluss er (gemeint ist Brzezinski) gegenüber den dominierenden neokonservativen Kreisen hat.“ Es wäre schön, wenn Herr Brzezinski friedlicher würde. Es gibt aber leider auch noch andere Hardliner in den USA und im übrigen Westen.

Einseitige, gelegentlich falsche oder gar hetzende Kritik an Putin/Russland und die Unwilligkeit in vielen Medien (an Unfähigkeit will ich nicht glauben, obwohl die Rationalisierungen im Medienbereich vielleicht auch dazu führen),  die Dinge sachlich differenzierter und selbskritischer zu sehen, sind gefährlich, weil sie ein falsches Freund-Feund-Denken fördern, kurz:  aggressives Russland und friedlicher Westen. In Russland denkt man entgegengesetzt: Aggressiver Westen und attackiertes Russland.

Beide Seiten denken: Vor den Aggressionen der anderen Seite muss man sich natürlich schützen. Das führt zu Wiederaufrüstung auf beiden Seiten, zur Zunahme von Spannungen und einem erhöhten Risiko für einen neuen Krieg in Europa.

Außenminister Steinmeier hat das sehr richtig erkannt und eine Initiative zur Rüstungsbegrenzung gestartet. In einigen deutschen Medien (ich habe FAZ und Spiegel in Erinnerung ) ist Herr Steinmeier – vom Stil her z.T. verletzend – stark kritisiert worden. Ich habe großen Respekt vor seinen Bemühungen und wünsche ihm Erfolg!

Ernsthafte Bemühungen des Westens um einen Beitrag zur Deeskalation der Ukrainekrise durch einen vernünftigen Ausgleich der Interessen aller Beteiligten wären besser für die Erhaltung des Friedens als die bisherige russlandkritische Haltung des Westens im Übermaß.

Vielleicht konnte ich Sie etwas nachdenklich machen mit meiner Argumentation, dass wir vielleicht – wie Herr von Randow meint, ich kann die Propaganda nicht beurteilen –  ein Problem mit russischer Propaganda haben, dass aber der Westen  auch selber Propaganda betreibt und  wir jedenfalls das Problem haben, dass in unseren Medien hinsichtlich Putin/Russland häufig zu einseitig, gelegentlich falsch und sogar hetzend berichtet wird. Ein Mißtrauen gegenüber dieser Art der Berichterstattung dürfte wesentlich zur Zustimmung zur oben genannten Frage beitragen.

Soweit meine Meinung als Wähler der bürgerlichen Mitte.  –  Klaus-Peter Koppelmann


Leserbrief zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner

In seinem Artikel kritisiert Greiner das Lob seines Kollegen an Ulrich an Kanzlerin Merkel und weist auf einen interessanten Aspekt hin, der selten diskutiert wird: Die Öffnung der deutschen Grenzen war nämlich ein Ergebnis jahrelanger Untätigkeit aller europäischen Regierungen und der Weigerung, das dysfunktionale Dublin-Abkommen zu reformieren. Insofern hat Merkel nur versucht, eine Krise in den Griff zu kriegen, die sie zum Teil selbst (mit-)verursacht hat. Auch in einem anderen Punkt hat Greiner Recht: Merkel hat im Sommer 2015 keineswegs von einer Ausnahmesituation gesprochen, sondern ist dem damaligen Trend der Willkommenskultur gefolgt und hat hohe Erwartungen an eine neue Politik geweckt. Davon hat sie sich inzwischen verabschiedet, ihr „wir schaffen das“ meint heute etwas völlig anderes als vor einem Jahr.

In einem allerdings irrt Greiner: Auch mit mehr strategischer Weitsicht der Regierung wäre Deutschland um höhere Flüchtlingszahlen nicht herumgekommen. Und dass demokratische Gesellschaften ein höheres „Wir-Gefühl“ brauchen, wie er richtig schreibt, heißt nicht, dass die Mehrheitsgesellschaft die Integration lediglich als Einbahnstraße definieren kann, die Anpassungen lediglich von den Neuankömmlingen fordert. „Wir-Gefühl“ lässt sich ja auch bewusst stärken und ist nichts Statisches. Damit Integration funktioniert, braucht es jedenfalls schon ein bisschen Willkommenskultur. – Dr. Dirk Kerber


Anmerkungen zu „Lese und lebe“ Zeitgeist-Kolumne von Josef Joffe

Nachdem der Genitiv so gut wie tot ist, hat sich Dr. Joffe wohl vorgenommen, nun auch den Imperativ zu erledigen. „Fresse oder sterbe“, daran werden wir uns vielleicht bald gewöhnen müssen. – Dr. Friedrich Schulz


Leserbrief zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner

Der Meinung zweier Leser schließe ich mich an. Jean-Claude Will schreibt, die Flüchtlinge seien mit einer scheinbaren Selbstverständlichkeit gekommen, als sei Deutschland ein herrenloses Land, und nennt diesen Zustrom von Flüchtlingen die größte Völkerwanderung seit dem Zusammenbruch des Römischen Reiches. Das sehe ich auch so. Dass Angela Merkel mit ihrer Flüchtlingspolitik zum Brexit beigetragen hat, halte auch ich für wahrscheinlich. Dr. Klaus Brink schreibt, die Medien – auch Sie, die Zeit – seien damals alle für die Flüchtlingseinwanderung gewesen und seien unkritisch auf Merkel und die Willkommenskultur eingeschwenkt. Genau diesen Eindruck hatte ich auch.

Lassen Sie jetzt die Journalisten zu Wort kommen, die zu einer nüchternen Analyse fähig sind und die langfristigen Auswirkungen dieser Ereignisse im Jahr 2015 abzuschätzen vermögen. Ulrich Greiner hat mit seinem Artikel „Das war kein gutes Jahr“ in der Zeit Nr. 37 einen dankenswerten Beitrag geleistet. – Isolde Heinritz


Leserbrief zu „Voller Durchblick“ von Harro Albrecht

die digitale Akte wäre durchaus eine Revolution in der Medizin. Wenn ich an meine früheren Arztbesuche denke, dann hatte ich immer ein Gefühl der Ohnmacht, unabhängig von dem unfreundlichen und teilweise herrschaftlichen Getue des Personals. Vermittelt zu bekommen, daß sie abhängig von den „Wunderheilern“ sind, spüren sie fast in jeder Phase. Und wenn Sie die Stationen durchlaufen haben, stellen sie fest, die können das alles gar nicht. Heilen tun ganz andere, nämlich Bayer, Merk und wie sie alle heißen.

Die Ärzteschaft wird nur gebraucht, um die richtige Pille zur richtigen Krankheit zu verschreiben. Das ist die ganze Leistung, die von den Halbgöttern erbracht werden. Alles etwas dünn, in Anbetracht ihres Verhaltens. Es ist heute durchaus besser geworden, dafür müssen sie 2 – 12 Monate warten, um einen Termin zu bekommen, manche nehmen gar keinen Termin wegen Überfüllung an. Das macht die soziale Haltung der Ärzteschaft auch nicht gerade zugänglicher. Alles in der eigenen Familie erlebt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Rettet die Provinz“ von Florian Gasser et. al.

Vielen Dank für diesen klug recherchierten Artikel. Er zeigt auf, warum wir – sofern wir nicht Afd wählen – die Wähler dieser Partei verstehen können. Und er beschreibt auch, was getan werden könnte, damit die Menschen in der Provinz (wie viel Anteil haben sie an der Gesamtzahl der Wähler?) ebenso gefördert werden könnten wie die in der Stadt. Nicht nur Hoffnungslosigkeit allerorten. Das kann man gut brauchen nach der Wahl in Meckpomm.

Übrigens: Ich bin ein begeisterter Fan Ihrer Rechercheprotokolle am Schluss eines Artikels. Sie belegen die außerordentlich intensive und z.T. schwierige Arbeit von gutem Journalismus.  Mehr davon, z.B. auch bei dem über die Provinz. – Edith Gieler-Weiler


Leserbrief zur Rubrik „Fussball“

Der Fussball bestimmt die sportliche Medienlandschaft in ganz Deutschland. Dennoch gibt es viele andere interessante Sportarten und genauso interessante Menschen die sie ausüben. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie den sportlichen Horizont der ZEIT etwas erweitern würden. Fussball ist zwar mainstream, aber dafür steht die ZEIT ja zum Glück nicht. – Marc Jankowsky


Leserbrief zu „Kriegspropaganda gegen Russland“

Die USA haben 140 ausländische Militärstützpunkte in aller Welt, darunter auch in Deutschland mit Atomwaffen. Und Russland? Die Grenzen der NATO zu Russland beschränken sich auf Estland und Lettland. Finnland ist neutral. Zwischen Russland und dem NATO-Partner Türkei liegen die Karpatenstaaten mit allerdings einigen russischen Militärstützpunkten. Ein direkter Angriff Russlands auf die NATO könnte also nur über die wenigen Kilometer zu Estland und Lettland erfolgen, die schon jetzt über 25% und 28% russischsprachige Bevölkerung enthalten. Was soll diese Kriegspropaganda gegen Russland?

Im Konflikt zwischen Russland und den NATO-Staaten ruhen viele Hoffnungen auf dem unscheinbaren Finnland. Verglichen mit vielen anderen westlichen Staaten hat Finnland die Geschichte und die diplomatischen Kanäle, um die Nerven des Kremls über die NATO-Kriegspropaganda zu beruhigen. Russland ist der Schlüssel, um die finnische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verstehen. Bei jedem Thema, das in Finnland diskutiert wird, Wirtschaft, Sicherheit, Migration, Energie, Geschichte, Kultur, Sport usw. – die Rolle Russlands kann nicht ausgelassen werden.

Wir sollten anstelle von Kriegspropaganda gegen Russland Handelsgespräche unter Einbeziehung Rußlands führen, um den nun schon seit Jahrzehnten andauernden Frieden in Europa weiter zu sichern. Russland liegt uns näher als die USA, die nur noch durch Kriege ihre stetig sinkende Weltmacht weiter halten können. Ihre Konkurrenz BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) wächst ständig. – Otto Einsporn


Leserbrief zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner

Vielen Dank für“ Das war kein gutes Jahr“. Ich helfe einer bulgarischen Fami!ie auf den Ämtern und gebe abends Deutschunterricht. So von Mensch zu Mensch und ohne das große Trara. Und mir liegt viel an Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit und deswegen nervt mich z.B . Herr Ulrich mit vielen seiner Artikel, wenn ich die denn überhaupt noch verstehe. Das ist bei Ihrem Artikel ganz anders und ich freue mich, ihn gelesen zu haben.Sie sprechen mir aus dem Munde, wenngleich besser. – Hartwig Block


Anmerkungen zu „Lese und lebe“ Zeitgeist-Kolumne von Josef Joffe

Bei der mitunter von Josef Joffe an den Tag gelegten Überheblichkeit ist es schon verwunderlich, dass er in seinem Kommentar zum Thema Lesen den richtigen Imperativ des Verbs nicht zu finden vermag. – Alice Scherer


Leserbrief zu „Damals“

Da Asterix und Obelix gegen Julius Cäsar kämpften, kann es sich nur um das 1. Jahrhundert vor Christus handeln. Im 1. Jahrhundert nach Christus hätten sie sich z. B. mit Augustus oder Nero herumgeschlagen.  – C.-E. Zietsch


Leserbrief zu „Die Uni-Akten der RAF-Terroristen“

Zitat 1: … Denn die Unmöglichkeit der eigenen Vertiefung und kritischen Durch-dringung unseres Wissens führt zur Unsicherheit im Urteil oder gar zu einem mehr oder weniger bewußten Verzicht auf ein eigenes rationales Urteil und zwingt uns in die geistige Sklaverei von Vorurteilen. … Horst Mahler, Bericht über das Wintersemester 1955, 12. März 1956

Zitat 2: Die Investitionsblasen müssen periodisch „entlüftet“ werden, damit das Spiel von Neuem beginnen kann. Die „Entlüftung“ ist die Entreicherung der nicht-jüdischen Geldbesitzer, die jetzt erfahren, dass sie nicht wirklich reich, sondern nur die juristischen Zurechnungspunkte für illusionären Reichtum waren. Sie werden jetzt des-illusioniert. Kommentar von Horst Mahler zur „Bankenkrise“, 2008, in: archive.org

Die Juden haben den Durchblick. Die Nichtjuden sitzen Illusionen auf. Die Reich-tumsdebatte lässt sich auf die Judenfrage reduzieren. Der Jude ist der Schlaue und der Nichtjude der Gelackmeierte. Dermaßen trivial und naiv ist das Weltbild des Herrn Mahler. Und dafür lässt er sich einsperren. Missionare und Märtyrer. Sie hängen mir alle zum Hals heraus. – Ernst Lauer


Leserbrief zu „Gülen darf nicht bleiben“ von James Jeffrey

Fairer Prozess? – Es verwundert, dass Herrn Jeffrey nicht selbst die Widersprüche und Problematiken seiner Argumentation auffallen. Einerseits heißt es: alle Türken, mit denen gesprochen wurde, sind sich einig…hinter dem Staatsstreich stecken Gülen und seine Bewegung. Wie kann vor diesem Hintergrund die Auslieferung von Gülen an die Türkei gefordert werden? Was für einen Prozess kann man erwarten, wenn offenbar die Unschuldsvermutung unbekannt und Beweise nicht erforderlich sind? Was bedeutet es für die Unabhängigkeit der Justiz, wenn Erdogan die Justiz von Gülenisten säubern liess? Sind das Voraussetzungen für einen fairen Prozess? Bekanntlich gibt es keinen Verein mit Mitgliederlisten der Gülenisten. Wer entscheidet, und wie tut er das, ob jemand Gülenist ist? Alles was man aus der Türkei erfährt, besonders nach den letzten Ereignissen, reicht es aus missliebig zu sein, anderer Meinung als Erdogan zu sein, um zum Gülenist erklärt zu werden.

Soll wirklich behauptet werden, in der Realpolitik heiligt der Zweck die Mittel, falls nötig vergisst man eben mal die Rechtsstaatlichkeit? Um es deutlich zu sagen: ein gewaltsamer Umsturz und die Anwendung von tödlicher Gewalt sind Unrecht. Rechtfertigt das aber, dass man selbst Unrecht verübt. Letzten Endes läuft es wieder auf die Frage hinaus: welche Werte muss man über Bord werfen, um seine Werte zu verteidigen? Bleibt dann überhaupt noch etwas, was es wert ist zu verteidigen? – Dr. G. Zeyer


Leserbrief zum Interview mit Philippe-Joseph Salazar

Die Gesinnung von Philippe-Joseph Salazar setzt ja voraus, daß wir uns in Europa damit abzufinden haben, diese Religion als gegeben hinzunehmen. Ich denk ja gar nicht dran. Die Asiaten gehen damit viel cooler und klüger um. Dort werden nur Muslime akzeptiert, die mit Haut und Haaren sich integrieren und keine Extratouren unternehmen wollen.

Das klappt alles wunderbar und das schon seit 53 Jahren. Die Muslime leben mit anderen Religionen in bester Verbundenheit. Wer das doch untergraben möchte fliegt im hohen Bogen raus. Die Deutschen wollen sich mal wieder links überholen und den Staat in eine gefährliche Schieflage zu bringen. Was ist das für eine dümmliche Diskussion. Abgesehen von der ökonomischen Ausbeutung.

Die Politik kommt wie immer zu spät. Jetzt, „die Geister die wir riefen“ (Goethe,) kriegen wir nicht mehr los. Deutschland hat sich, wie so oft, zu weit aus dem Fenster gelehnt. Jetzt wissen sie nicht mehr, wie sie die Kuh wieder vom Eis kriegen sollen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Lese und lebe“ Zeitgeist-Kolumne von Josef Joffe

Wie schön zu lesen, dass Bücherwürmer eine höhere Lebenserwartung haben als unbelesene Zeitgenossen, und wie erstaunlich – geschieht doch das Lesen im Sitzen, jedenfalls nicht in Bewegung. „Lese und lebe“ klingt hübsch, aber der Imperativ des Verbs „lesen“ lautet, nichts für ungut, lieber Herr Joffe, „lies“! – Brigitte Moldenhauer


Leserbrief zu „9 Menschen von Haien getötet“ von Alard von Kittlitz

Beim Lesen dieser Überschrift à la Bild schoß mir sofort der Gedanke durch den Kopf:“Und wieviel Millionen Haie wurden umgebracht?“ Die Antwort fand ich sofort, als ich die Zeitung wendete.

9 : 100 000 000. Jawohl, wir schaffen das. Wir schaffen das, uns abzuschaffen, indem wir, gedankenlos die einen, maßlos geldgierig die anderen, alle Ressourcen von Luft, Land und Wasser gnadenlos plündern.

Möge dieser sachliche und kundige Bericht dazu beitragen, die Hysterie ebenso wie den Mythos um den Hai, als der blutgierigen Bestie, zu beenden. – Jutta Schroer


Leserbrief zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner

Vielen Dank für Ihren Artikel. Wahrscheinlich werden Sie jetzt auch aus der falschen Ecke Beifall erhalten. Dennoch war er notwendig! Das sehe ich daran, dass wieder so ein “Gutmensch” , bitte verzeihen Sie den harten Ausdruck, auf Seite 1 meint, dass die Burka Debatte nebensächlich ist.

Wann werden diese Menschen endlich begreifen, dass durch diese “Salamitaktik” islamischer Kreise uns nach und nach diese Lebensart erst zur Akzeptanz und dann zur Verbindlichkeit aufgezwungen  wird. Ich will jetzt nicht auf die Einzelheiten Ihre Artikels eingehen, möchte aber auf folgendes hinweisen: Warum bringt die ZEIT – man hält doch dort viel von investigativen Journalismus – nicht mal eine Artikelserie  über Krankheiten, die die Flüchtlinge mit bringen, z.B. hauptsächlich Afghanen Syphilis. Solange diese Leute in einem Lager sind, gelingt es Amtsärzten einigermaßen die Patienten zu behandeln; sobald sie aber das Lager verlassen, ist die Behandlung zu Ende. Sie können nicht begreifen und, aufgrund ihre kulturellen Hintergrundes, wie sollten sie auch, dass man Tabletten regelmäßig nehmen.

Auch Tb Erkrankungen haben drastisch zugenommen. In der größten Entbindungsklinik in Berlin haben Flüchtling Frauen den berühmt berüchtigten Krankenhaus Virus eingeschleppt. Damit wie uns nicht miss verstehen, ich mache denen keinen Vorwurf; sie wissen es nicht und wegen der ärztlichen Behandlung in ihren Heimatländern können sie auch nichts dafür. Oder die Heranwachsenden: und das sind nicht nur Einzelfälle , bei zahnärztlichen Untersuchungen stellt sich dann heraus, dass es keine Jugendlichen sondern junge Männer von 24 , 25 Jahren sind. Ich wünsche Ihnen, dass Sie etwas bewegen können und viel Glück. – Ulf Hanel


Leserbrief zu „Rettet die Provinz“ von Florian Gasser et. al.

Was tut die Politik heute für die Bürger? Eine Analyse am Beispiel eines jungen Arbeitnehmers. Der Wahlerfolg der AfD hat in meinen Augen nur wenig mit den Themen der AfD selbst zu tun.

Randthemen wie Flüchtlingskrise, Ausländer, Muslime, Homosexuelle werden immer dann gerne hervorgeholt, um dem Populismus genüge zu tun und die sogenannten Ängste des gemeinen Bürgers zu adressieren.

Nein, die Ursache liegt tiefer. Es ist eine generelle Unzufriedenheit mit der Politik, die so viel für die Bürger tun könnte, es aber seit Jahren versäumt sich für Ihre Wähler einzusetzen und die aufgestauten Aufgaben endlich einmal beherzt anzugehen.

Nehmen wir als Beispiel einen jungen Mann mit Ende 20, Anfang 30, wie es auch auf mich zutrifft. Das Studium ist beendet, die neue Arbeitsstelle aufgenommen. Für solch einen jungen Menschen könnte die Politik sehr viel tun. Doch was macht sie stattdessen? Steine in den Weg legen, wo es nur geht.

 Beispiel 1: Der Steuerbauch

Unser junger Arbeitnehmer zahlt heute deutlich mehr Steuern als es seine Eltern und Großeltern bei vergleichbarem, inflationsbereinigten Einkommen gezahlt haben. Ersparnisse lassen sich dadurch nur schwer aufbauen Die Politik verspricht seit Jahren hier Abhilfe zu schaffen. Passiert ist bislang wenig bis nichts.

 Beispiel 2: Rentensystem

Der Staat zwingt heutige junge Menschen in ein System einzuzahlen, das nicht mehr halten kann, was es verspricht.

Gleichzeitig wird auf die private Versicherungswirtschaft verwiesen, um den Schock etwas abzumildern. Vom angesparten Geld bleibt dank Gebühren so noch weniger übrig als durch die niedrigen Zinsen sowieso schon.

Doch abgesehen davon ist es eine Bankrotterklärung, wenn der Staat bei einem so essenziellen Punkt wie die Rente auf die Privatwirtschaft verweist; tollkühn dazu, wenn man bedenkt, dass ein Währungssystem im Schnitt alle 60 Jahre zusammenbricht.

Unser Arbeitnehmer wird also statistisch einmal in seinem Leben seine angesparte Rente komplett verlieren. Schöne Aussichten, oder?!

Was könnte die Politik hier tun? Sehr viel!

Zunächst das Rentensystem umbauen, also alle einzahlen lassen, die bis jetzt noch nicht einzahlen müssen: Ärzte, Apotheker, Anwälte, Architekten beispielsweise. Sie alle haben ihre eigenen Kassen. Wo bleibt das Solidarprinzip, dass die Starken die Schwachen schultern, wenn die Vielverdiener ihre eigenen Kassen haben?! Die Einzahlung flexiber gestalten, man sollte auch durch Einmalbeträge aufstocken können.

Das System zusätzlich durch Steuern stützen. Es gäbe eine Unmenge Möglichkeiten…

Beispiel 3: Krankenversicherung (Arbeitgeberbeitrag eingefroren) Auch hier tut die Politik nichts Gutes für unseren Arbeitnehmer. Der Arbeitgeberbeitrag ist eingefroren worden. So kann man die Solidargemeinschaft auch schwächen. Spätestens hier sollte die Politik dringend handeln und diesen Unsinn stoppen.

Doch damit wäre es noch nicht getan, denn die Kosten im Gesundheitssystem explodieren. Doch ist das ein Wunder?! Auch hier wie im Rentensystem schon, können sich die Gutverdiener aus der Verantwortung stehlen. Was für ein Unsinn! Alle müssten ein einzahlen und zwar ohne Deckelung beim Einkommen. Wie soll sich ein System tragen, wenn es alle, die gut verdienen, verlassen dürfen?!

 Beispiel 4: Infrastruktur

Infrastruktur ist eine der wichtigsten Aufgaben des Staates. Gerade in der Finanzkrise hat sich gezeigt wie fehlgeleitet Politik sein kann. In Deutschland gäbe es viel zu investieren, vor allem in die Infrastruktur.

Eine schwarze Null nutzt unseren Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern wenig. Das Geld muss in die Infrastruktur, denn die bleibt, auch wenn es mit der Währung bergab geht.

 Beispiel 5: Eingetragene Lebenspartnerschaft Wäre unser Beispielarbeitnehmer verpartnert, wirft die Politik ihm sogar hier noch Knüppel zwischen die Beine, denn heiraten darf er nicht.

 Fazit: Ist es bei diesen fünf Beispielen nicht verständlich, wenn man sich als Politikinteressierter frustriert von den üblichen Parteien abwendet?! Keine einzige adressiert die Probleme. Alle oben genannten Beispiele sind seit Jahren bekannt. Verbessert wurde wenig, das meiste wurde schlimmer oder verschlimmbessert.

Die Politik sollte aufpassen, dass sie nicht noch die übrigen Wähler verliert. Es ist keine Frage von links oder rechts, es ist eine Frage von „Werden die Probleme gelöst oder nicht?“ Die Politik stielt sich immer mehr aus der Verantwortung statt die entscheidenen Fragen wirklich anzugehen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen…

 … denkt ein junger Arbeitnehmer mit Anfang 30, der politikinteressiert ist und aus einem Akademikerhaushalt kommt, der tatsächlich nicht mehr weiß, wen er wählen kann…

Doch wenn selbst ein solcher Mensch schon nicht mehr weiß, was er mit der jetzigen Politik anfangen soll, was soll dann erst jemand denken, der aus einer bildungsferneren Schicht kommt oder sich gar nicht für Politik begeistern kann?! So langsam lassen sich die 20% AfD in Mecklenburg-Vorpommern doch verstehen, oder?! – Andreas Müller


Leserbrief zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner

Es war ein gutes Jahr.

Zum mehr oder weniger Jahrestag des Beginns der Flüchtlings“welle“ werden uns auch wieder die damals einprägenden Fotos gezeigt: Der LKW mit den über 70 toten Flüchtlingen in Österreich, der am Strand tot liegende Aylan Kurdi, die auf der Autobahn marschierenden Flüctlinge, Angelas Merkels „Wir schaffen das.“ Es gab eine Euphorie und ein selten gekanntes Maß an Solidarität und Hilfsbereitschaft (in Deutschland und Österreich). Wer damals angepackt hat und noch immer Flüchtlinge auf vielfältigste Weise unterstützt, weiß (und wusste), dass die Situation keine leichte sein wird und ist. Diese Menschen erleben nun Freude, erfahren Hass und Enttäuschungen, aber viele wissen, dass sie damals das Richtige getan haben.

Welche Alternative hätte es gegeben? „Erschießt 300 von uns und wir bleiben stehen,“ sagte ein Flüchtling auf der Balkanroute auf die Frage, wie sie zu stoppen wären.
Wir sind nun wieder am Stand von 2014 angelangt: 100.000e versuchen über das Mittelmeer nach Italien zu gelangen oder stranden in Griechenland – sie sterben und leiden – aber weit weg.

Es ist zu schaffen, aber es geht nur, wenn wir die Bequemlichkeit aufgeben und ein bisschen unseres Wohlstandes abgeben. Angela Merkel hat ihre schon legendären Worte nicht vollständig aussgespochen. Der vollständige Satz lautet: „Wir schaffen das, wenn wir alle anpacken. Arsch hoch!“ – Mag. Wolfgang Ölzant


 Leserbrief zu „Voller Durchblick“ von Harro Albrecht

Mit zunehmendem Befremden habe ich o.g. Artikelgelesen. In über zwanzigjähriger Erfahrung als niedergelassene Ärztin für Allgemenmedizin konnte ich die unterstellte „Geheimniskrämerei“ der Ärzte nicht als Ursache nichtgelingender Patientenaufklärung erleben, dahinter steht wohl viel häufiger Zeitmangel,  ein an der Erbringung technischer Leistungen orientiertes Entgeldsystem,sowie die fehlende Ausbildung zur „Kommunikation auf Augenhöhe“ . Daran ändert sich im Prinzip nichts, wenn der Patient mit medizinischen Ergebnissen versorgt wird, ohne sie verstehen und werten zu können.

Erstaunlich sorglos geht der Autor mit der Bewertung der Datensicherheit in den Clouds um. Zu guter Letzt versäumt er es nicht den Patienten als viel zu unsicheren Kandidaten bei der Sorge um seine Gesundheit zu charakterisieren. Schöne neue Welt….schade eigentlich, dass auf den Wissensseiten unserer Leitmedien die Autoren nicht auch ihre Interessenskonflikte darlegen müssen. Ruth Kindt-Hoffmann, Ärztin für Allgemeinmedizin – Hannover


Leserbrief zu „Ewiges Schlachtfeld“ von Adrea Böhm

es ist lange her, dass ich einen so aufrichtigen und ehrlichen Artikel bzgl. des Krieges in Syrien in der Zeit gelesen habe, wie den von Frau Böhm! Im Namen aller Opfer dieses abscheulichen Krieges bedanke ich mich von Herzen bei dieser mutigen, objektiven, neutralen und sachlichen Journalistin!

Es wäre schön, wenn man im Westen sich endlich mal an seine so hochgeprisenen christlichen Werte halten und Nächstenliebe zeigen würde, anstatt unter dem Deckmantel der Diplomatie seine Gleichgültigkeit gegenüber dem Gemetzel im Nahen Osten weiter pflegen und unter Einhaltung von kapitalistischen „Werten“ sich durch Waffenlieferungen in Krisengebiete auch noch bereichern würde.

Sind das Gemetzel durch die Barbarenbande des selbsternannten IS, der nicht das Geringste mit dem Islam zutun hat und die Selbstmordattentate von wem auch immer  – die übrigens auch nicht mit dem Islam vereinbar sind – weniger schlimm, als die bequem aus sicherer Entfernung abgeworfenen Bomben der US-Amerikaner, der Russen, der syrischen Regierung und andererer Profiteure dieses offensichtlich von Unzähligen gewollten, widerlichen Kriges?

Welche Gefahr geht durch ein Kleidungsstück, dass man es für nötig hält, auf großer Bühne darüber zu diskutieren, was Frau nun tragen darf, soll, muss? Merkt man im Westen nicht, dass einer der Hauptgründe für die Rückschrittlichkeit der islamischen Länder deren seit Jahrhunderten anhaltende Konzentration auf das Äußere ist? Ist ein Mensch weniger fortschrittlich, wenn er nackt oder vollverhüllt rumläuft? Und wie glaubt man Toleranz zu lernen, wenn man in einer homogenen, gleichgeschalteten Gesellschaft  lebt?

Man möchte angeblich die Ursachen von Terror und Flucht bekämpfen. Weder Gleichgültigkeit, noch wertfreie interessengesteuerte Politik sind dazu geeignet. Werte sind Konstanten, die nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden und je nach Interessenlage unterschiedlich ausgelegt werden. Ist es so schwer sich vorzustellen, dass es eines Tages mehr Menschen geben wird, die mit der Einstellung: „Wen wir euch gleichgültig sind, dann seid ihr uns auch gleichgültig.“ jederzeit und überall bereit sind, so viel Menschen wie möglich mit in den Tod zu reißen? – Mahire Krüger


Leserbrief zu “Gülen darf nicht blieben” von James Jeffrey

„Ich habe einfach nur meinen Job gemacht“ – In seinem Aufsatz „Gülen darf nicht bleiben“ in der ZEIT von letzter Woche plädiert der Verfasser dafür, den Prediger Gülen aus den USA an die Türkei auszuliefern – genauer: an die „türkische Justiz“. Auf seine rhetorische Frage, worin eigentlich das Problem bestehe, Gülen „den türkischen Gerichten zu überstellen“ fallen dem Autor nur Fallstricke des US-amerikanischen Auslieferungsrechts ein. Dass es „Zweifel an der Unabhängigkeit der türkischen Justiz“ geben könnte, erwähnt er nur einmal am Rande – und greift diese „Zweifel“ auch nie wieder auf. Das kann nicht unwidersprochen bleiben.

De facto bestehen nicht nur leise „Zweifel“ an der Unabhängigkeit der türkischen Justiz, vielmehr wird jeder der es wissen will – also auch Herr Jeffrey – derzeit Zeuge der offen und unverdeckt durchgeführten vollständigen Demontage der Reste des türkischen Rechtstaats.

Bereits lange vor dem Putsch im Juli sah sich die Justiz in der Türkei immer unverhohleneren Übergriffen von Regierungsseite ausgesetzt. Bereits vor zwei Jahren schuf Präsident Erdogan, damals noch Ministerpräsident, eine „Plattform für die Einheit der Justiz“ mit dem Ziel der Machtübernahme im Obersten Justizrat – der vor allem für Ernennung, Versetzung und Entlassung von Richtern zuständig ist. Dieser Plan gelang – die renommierte Internationale Juristenkommission erklärte dazu nach einer umfassenden Recherche vor Ort, die Justiz sei nun von der Exekutive kooptiert. Die Folgen ließen nicht auf sich warten: im Februar 2016 etwa legte das türkische Innenministerium dem so unter Kontrolle gebrachten Justizrat eine Liste von 78 unliebsamen Verwaltungsrichtern vor, die es gewagt hatten, in Einzelfällen gegen die Regierung zu entscheiden – Grund genug, gegen diese Disziplinarverfahren einzuleiten. Richter und Staatsanwälte, die in Korruptionsverfahren gegen Regierungsmitglieder beteiligt waren wurden strafversetzt oder inhaftiert. Am 30. Juni 2016 verabschiedete das Parlament dann eine „Justizreform“ um die obersten Gerichte auch direkt unter Kontrolle zu bekommen: der Kassationshof und der Staatsrat – die höchsten Gerichte des Landes – wurden personell stark verkleinert – alle Mitglieder dieser Gerichte außer der Führungsriege verloren ihre Posten. Für die Neubesetzung zuständig wurde: der bereits kontrollierte Oberste Justizrat.

Unmittelbar nach dem gescheiterten Putschversuch wurde dann das Schicksal der unabhängigen Justiz auch in der Fläche besiegelt: an Hand von offenkundig lange vorbereiteten Listen wurden auf einen Schlag und bereits wenige Stunden nach dem Putschversuch fast 3.000 RichterInnen und StaatsanwältInnen vorläufig ihres Amtes enthoben – das ist ein Viertel der gesamten Richterschaft, darunter auch zwei Mitglieder des Verfassungsgerichtshofes sowie zehn Mitglieder des Obersten Verwaltungsgerichtshofes. Ein Großteil von ihnen wurde verhaftet. Am 27. Juli 2016 saßen mehr als 1.600 Richter und Staatsanwälte in Untersuchungshaft. Schon einen Monat später, am 24. August, wurden aus diesen vorläufigen Entlassungen endgültige: 2847 Richter und Staatsanwälte wurden ohne geordnetes Verfahren und ohne vorherige Möglichkeit der Verteidigung endgültig aus dem Dienst entfernt. Zusätzlich wurden die Privatvermögen von 3.049 Richtern und Staatsanwälten (Immobilien, Bankkonten oder Fahrzeuge) beschlagnahmt – und den Betroffenen damit neben dem wegfallenden Gehalt auch jede andere Möglichkeit genommen, sich und ihre Familien zu ernähren. Auch der Regierung unliebsame Richterverbände wurden verboten, deren Vermögen eingefroren.

Die Botschaft, die damit in die verbleibende Richterschaft gesendet wird, ist eindeutig: wer nicht regierungstreu urteilt, wird in seiner bürgerlichen Existenz vernichtet. Die Maßnahmen richten sich damit nicht nur gegen die betroffenen Richter, sondern hebt die Unabhängigkeit der gesamten Justiz auf: Ein Richter, dem derart unmittelbar vor Augen geführt wurde, dass er bei unliebsamen Entscheidungen Amt, Freiheit und Vermögen verlieren wird, kann die Rechte und Freiheiten anderer nicht wirksam schützen. Die Wirkungen gehen damit weit über die Justiz hinaus: Wie sollen rechtsstaatliche Prozesse gegen die zeitgleich laufenden Repressionen gegenüber Presse, Rundfunk, Kultur und Wissenschaft fair geführt werden, wenn die entscheidenden Richter mit sofortiger Entlassung und Haft im Falle rechtstaatlicher Entscheidungen rechnen müssen?

Entsprechend eindeutig ist die internationale Reaktion: Das Netzwerk der Präsidentinnen und Präsidenten der Obersten Gerichtshöfe der Europäischen Union, dem auch die Präsidentin des Bundesgerichtshofs angehört, sieht die Entlassung und Verhaftung Tausender Richter als Angriff auf die Unabhängigkeit der Justiz und Bedrohung für den Rechtsstaat. Die Internationale Rechtsanwaltskammer forderte die sofortige Wiedereinstellung der entlassenen Richterinnen und Richter. Auch die EU-Kommission wirft der türkischen Regierung nach dem gescheiterten Putschversuch durch Teile des Militärs Verstöße gegen die Rechtsstaatlichkeit vor.
Helfen wird dies auf die Schnelle nicht. Die Situation für die Betroffenen vor Ort ist derzeit verheerend. Einer der letzten Wortmeldungen der unabhängigen türkischen Richterschaft las sie wie folgt: „Liebe Kollegen, ich bin entlassen und werde mit Haftbefehl gesucht. Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Ich habe einfach nur meinen Job gemacht. Wir werden uns nicht mehr wiedersehen”.

Hintergrund: Der Verfasser ist Richter am Landgericht Lübeck und Mitglied der Fachgruppe Internationales in der Neuen Richtervereinigung (NRV). Die obigen Zeilen geben naturgemäß nur meine private Meinung wieder. – Marc Petit


Anmerkungen zu „Lese und lebe“ Zeitgeist-Kolumne von Josef Joffe

Der Titel der Zeitgeistspalte auf der S. 10 der Ausgabe der Zeit vom 1. September 2016 scheint aus der Zeit gefallen zu sein, denn „Lese und lebe“ muss nach der schon  lange  im Deutschen gültigen Flexionsregel  grammatisch korrekt lauten: Lies und lebe (vgl.: https://de.wiktionary.org/wiki/Flexion:lesen). Was man im Titel noch als poetische Devianz mit Stolpersteincharakter und neue Stilvariante des sonst dem pragmatischen Schreiben verpflichteten Herausgeber durchgehen lassen könnte, wird dem Leser und der Leserin im ersten Satz des letzten Absatzes dann so zugemutet: „Für uns alle gilt: Mach dir ein paar schöne Stunden, und lese Literatur.“ So unmotiviert für die Textsorte  des bisherigen Zeitgeists das Komma erscheint, so wenig nachvollziehbar ist hier die Wiederholung des stammeldeutschen Imperativs des Verbs lesen in der 2. Person Singular, Präsens Aktiv. Notabene: Lies/lest/lesen Sie doch bitte den Zeitgeist Korrektur (oder lass/t/lassen Sie ihn Korrektur lesen). – Jürgen Hahn-Schröder


Leserbrief zu „Deutsche Gelenkigkeit“ von Adam Soboczynski

Mir hat gefallen, wie unaufgeregt Sie die nationalen Entwicklungen in Europa beschreiben. Ihre Beschreibung kann ich gut nachvollziehen.

Ihre Aussagen zu dem Buch der Münklers finde ich interessant. Deren Forderung nach den neuen Deutschen, in die sich alte Deutsche und Flüchtlinge verwandeln sollen, wird nicht erfüllt werden.

In meiner Familie wird doch z.B. nicht vergessen, daß mein Urgroßvater Kriegsanleihen für den ersten Weltkrieg zeichnete, die er niemals zurück erhielt. Dafür stand mein Großvater nach der Währungsreform nach dem 2. Weltkrieg völlig mittellos da. Den Anpassungsprozeß meines Vaters nach dem 2. Weltkrieg habe ich persönlich miterlebt, und meine Schulzeit in teilzerstörten Schulen als Wanderklasse und das Studium in den wieder geöffneten Universitäten vergesse ich nicht. Und das alles strahlt in der Familie natürlich auf die Meinung in der Familie aus. Entsprechendes gilt für die Kriegs- und Fluchterfahrungen der Flüchtlinge. Und daß die leistungsethische und verfassungspatriotische Haltung als Solidaritätsgenerator dienen soll, halte ich für eine Illusion. – Dr. Walter Engel


Leserbrief zu „Nein danke!“ von Fabienne Hurst

zum Thema aufwärmen und gute Laune; Erfahrung mit Fairtrade. Niet – kein Wässerchen, lieber Wein. Es gibt ja eine große Auswahl beim Wein. Ein Wein aus dem Supermarkt für 3,59, Fairtrade 13 % Vol., da greift man doch zu. Fairtrade hatte es in sich, ehrlich, mein lieber Steuermann. Man fühlte sich gut dabei, ringsum gute Laune. Keiner schaute auf die Uhr. Erst spät mit Gesang gingen alle selig nach Hause. – Gerhard Knaak


Leserbrief zu „Wenn Putin das wüsste …“ von Alice Bota

Vielen Dank für Ihren Artikel über Putin. Leider schreiben Sie in keiner Zeile, daß die finanziell zunehmend schlechte Lage in Rußland zu einem Großteil durch die von „uns“/ vom Westen verhängten Sanktionen verursacht wird! Stattdessen wird der Eindruck vermittelt, Putin hätte Schuld durch schlechte wirtschaftliche Entscheidungen und mangelnde Fürsorge für sein Volk. Daß die sogenannte „Annexion“ der Krim nach wie vor als Grund für die Verhängung der Sanktionen genannt und daran festgehalten wird finde ich unerhört, obwohl von verschiedenster Seite mittlerweile der Begriff „Sezession“ als viel treffender eigestuft wird. Daß sich ein Volk zu 90 Prozent (auf der Krim) für die russiche Zugehörigkeit ausspricht, scheint anscheinend nicht zu zählen!? Und daß es dort tatsächlich zu einem Massaker in einer Kirche gekommen ist, bei dem russiche Bürger auf der Krim von ukrainischen Nationalisten (man könnte auch sagen Faschisten) umgebracht wurden, kam hier in den westlichen Leitmedien kaum oder gar nicht nicht zur Sprache oder wurde wenn als russische Propaganda abgetan.

Wie wäre es mit einem etwas neutraleren und respektvolleren Umgang mit Putin und Rußland? Wir haben eine lange traditionelle Verbindung zu Rußland und sollten tunlichst schaun, diese auszubaun anstatt mehr und mehr das gegenseitige Vertrauen zu verspielen, negativ beeinflußt möglicherweise durch gewisse Kräfte aus den USA, denen nicht an einem gelungenen Ost-West Verhältnis (Rußland+das westliche Europa – vor allem Deutschland+Frankreich) gelegen ist. Für uns in Deutschland aber, die wir so nahe an Rußland sind, sollte ein gutes Verhältnis und etwas mehr Verständnis für dieses Riesenreich im Osten (das enorme Veränderungen durchgemacht hat und sehr schwere Zeiten hatte in den 90 er Jahren unter Jelzin – wie Sie auch schreiben) oberste Pflicht sein. – Heidi Greb


Leserbrief zu „Ganz schön in der Tinte“ von Thomas E. Schmidt

Schade! Wieder mal ein Artikel in dem Verfehlungen von Volksvertretern beschrieben werden, leider sind wir dies schon gewohnt. Und leider verfestigen diese das Bild von Volksvertretern als nur auf den eigenen Vorteil bedachten * (das Wort lasse ich lieber weg!).

Ich frage mich aber, was wollen Sie (die Verantwortlichen, für den Inhalt dieser Medien) mit derartigen Berichten bewirken? Das generelle Misstrauen gegen jeden Volksvertreter schüren? Mit welcher Motivation steigt man heute noch noch in Politik ein? Eine Aufgabe die sicher nicht in 40 Wochenstunden, bei 30 Tagen Urlaub im Jahr, zu erledigen ist. Diese erfordert eher den Einsatz in der Freizeit (ja, es gibt auch politische Aufgaben unterhalb der Landesebenen) oder als Berufspolitiker mit praktisch keiner Freizeit. Was kann sie/er erwarten? Die Unterstützung  derer, deren Interessen sie/er vertritt? Eher nicht! In Zeiten in denen man sich in den Medien für  jeden „abgeschossenen“ Politiker eine Kerbe in den Colt zu machen scheint (sogar ein Präsident ist schon dabei), wird doch nur auf jeden Fehltritt gelauert!

Wir brauchen sie aber, die Freiwilligen diese „miesen“ Jobs machen! Ohne Sie haben wir keine Gemeinderäte, Abgeordnete, Minister. ..! Wie wenig das erstrebenswert erscheint, lässt sich bei der einen oder anderen Parteigründung beobachten, deren Vorsitzende plötzlich, einer nach dem anderen das Handtuch wirft. Diesen Job haben sie doch nicht gewollt.

Wollen Sie genau das bewirken?

Zurück  zu Ihrem Artikel, jede/r Bundestagsabgeordnete verfügt  über einen Pauschalbetrag für Büromaterial. Damit soll er selber haushalten,  aber Halt, Luxusfüller darf sie/er nicht davon kaufen. Was denn nun, soll sie/er selber haushalten oder nicht? Ist der Betrag aufgebraucht, gibt es nichts mehr. Wollen wir den Volksvertretern Bleistift und Radiergummi vorschreiben? Sollen sie sich mit derartigen kleinkariert Vorschriften herumschlagen, oder sollen sie ihre Zeit nicht eher mit den wirklich wichtigen Entscheidungen verbringen?

 Oder projektieren wir die Behandlung eines Pauschalbetrages mal auf die familiäre Ebene. Nehmen wir z. B.  das Taschengeld, wer untersagt seinem Kind den Kauf von Sachen der Marke X? – Jürgen Baginski


Leserbrief zu „Wer bekommt die Milliarden?“ von Felix Rohrbeck

Ich kann das Verhalten der Vereinigten Staaten nicht nachvollziehen. Natürlich verstehe ich Ihr Geschriebenes schon, nur ist die Steuerfrage letzten Endes doch nur eine Rechenaufgabe. Wenn es tatsächlich so ist, dass die im Ausland gezahlten Steuern gegen die im Inland gezahlten gerechnet werden können, dann sollte doch die US Regierung den tax holiday aussetzen und normale reguläre Steuersätze verlangen. Zahlte dann zum Beispiel Apple eben die auferlegten 13 Milliarden an die EU, dann können sie diesen Betrag gegen die zu entrichtenden Steuern in den USA legen. Übrig bliebe dann, wenn richtig kalkuliert wird, auch wieder ein „tax holiday“. Freundliche Grüße von einem Samsung Besitzer – Yves Pulst


Anmerkungen zu „Lese und lebe“ Zeitgeist-Kolumne von Josef Joffe

In Ihrer Kolumne „Zeitgeist“ vom 1.9.2016 benutzen Sie den Begriff „die Imprimatúr“ (im 2. Fall Singular). Wahrscheinlich ist ihr Lateinunterricht schon einige Zeit her; sonst wäre Ihnen eingefallen, dass sich dieser Begriff vom lateinischen „imprimátur = es soll gedruckt werden“ herleitet und im Deutschen das sächliche Geschlecht besitzt: das Imprimátur, das Ihr Korrektor (falls es einen solchen bei Ihnen gibt) in der Akürzung „impr.“ unter alle genehmigten Artikel setzt. Übrigens heißt der Imperativ Singular von „lesen“ (noch immer): „lies“. – R. Rentz


Leserbrief zu „Ansage: Der Nichttrinker“ von Fabienne Hurst

Ein wunderbarer Artikel – ich habe viel geschmunzelt: jedes Wort ist wahr !

Am wichtigsten aber finde ich den Satz: „Nichttrinken ist aber einfach immer noch viel zu unattraktiv“ —- > ich trinke sowieso sehr wenig Alkohol, aber erst mit Getränken wie der Bionade in der Hand hatte ich das Gefühl, mit „dabei“ zu sein: die Flasche ist in der Form nämlich nahezu identisch mit der Becks-Flasche; ansonsten sind die non-Alkoholika einfach optisch zu unattraktiv …. (seit es Mineral-Wasser in Edel-Flaschen gibt, hat es wenigstens in guten Restaurants den Touch von „Stil“) und erwähnen möchte ich noch folgendes: ich war mal auf Dienstreise mit meinem Chef in Wien und wir waren im Steirereck; bei der Getränkebestellung erfuhren wir, dass unser Gast schwanger war: daraufhin hat man ihr statt diverser erlesener und jeweils toll passender Weine: erlesene und toll passende FRUCHTSÄFTE serviert !! Aus verschiedenen Apfelsorten, Birnen, Pflaumen … immer passend und immer mit einer Anekdote!! sensationell!! Da war unser Gast mördermäßig beeindruckt und WIR auch !! – Thomas Pirzer


Leserbrief zur 77. Wiederkehr des Beginns des Zweiten Weltkriegs:

Neben der Monstrifizierung Putins und der notorisch erstunkenen „russischen Bedrohung“ – in Wahrheit schlüpft dem Nato-Goliath, der vor Kraft kaum gehen kann (allein USA: 596 Rüstungsmilliarden jährlich), ein russischer David (nur 66) zwischen den Beinen durch – soll eine noch weitaus diabolischere Tatsachen-Verdrehung unser Gemüt auf der Betriebstemperatur röhrenden Kruppstahls halten: Die Nato ist angeblich unfähig, die Terroristenproduktion auszurotten oder auch nur zu lähmen. So sollen trotz perfekter Beherrschung des libyschen Luftraums durch die französisch-britischen Luftstreitkräfte und trotz detaillierter Satellitenaufklärung die dortigen drei Terrorismus-Akademien, die unter freiem Himmel ohne jegliches schützende Dach extrem unsicher sind, sich wirksamen Angriffen entziehen können.

Tatsächlich erleben wir gerade den „völligen Zusammenbruch diplomatischer Gepflogenheiten“ (Prof. M. Chossudovsky): Seit 2011 koordiniert die Nato in Verbindung mit dem türkischen Oberkommando die Rekrutierung von Jihadisten für Syrien. Auch die ISIS-Brigaden im Irak werden von westlichen Militärberatern zusammengestellt. Im Namen der USA finanzieren und trainieren die Saudis und Quatar ISIS-Terroristen, und Israel beherbergt sie auf den Golan-Höhen. Nicht Zivilbevölkerungen oder ihre Infrastruktur werden mit unseren „humanitären Einsätzen“ verschont, sondern ihre Henker. Diese fanatischen Mörderbanden hält der menschenrechtsversessene Westen sich als seine Höllenhunde, um – mit ihnen im Teamgeist geeint – hinter dem Eisernen Vorhang der Medien die perverse Theorie des Machtzynikers Leo Strauss vom „kreativen Chaos“ umzusetzen: Staaten plattmachen, um ihre Territorien unbehindert plündern und ummodeln zu können. Demnächst in diesem Kriegs-Theater: Die Krönung der „Chaos-Königin“ (Diana Johnstone) Hillary I. – Uwe Brauner


Leserbrief zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner

Stimme Bernd Ulrich zu, Merkels Postulat war, ist und bleibt grundsätzlich richtig. Stimme ebenso Ulrich Greiner zu, es war kein gutes Jahr, die Zeit zwischen September 2015 bis September 2016. Weil europäische Hilfe in der Flüchtlingskrise lange sehenden Auges anachronistisch verhandelbar war, weil viele tausend Tote im Mittelmeer lange Zeit nicht genug Tote waren.

Dem merkelschen Blitzimparativ vor Jahresfrist, den Flüchtlingen die Grenzen und die Herzen doch zu öffnen, folgte dann beinah logischerweise die personelle und strukturelle Überforderung. Dennoch, wäre die menschliche Würde das primäre Indiz für gute Politik, stände eine weitere Kanzlerschaft Merkels wohl genauso wenig zur Disposition wie populistisch phrasierte Wahlerfolge des politischen Scheinriesen namens AfD. Politik ist gewiss die Kunst des Machbaren, der Versuch, Humanismus und Realismus zu polarisieren, hingegen ist schlechthin Egoismus der Mächtigen. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner

Endlich jemand aus der sonst ach so progressiv-linksliberalen weltdeuter- und volkserzieher-redaktion, der die konservativ-liberale ecke in der ZEIT besetzt und verteidigt. In den 1980er jahren konnte man in der ZEIT noch lesen, dass ein staatsvolk das recht haben soll, darüber zu entscheiden, mit wem und mit wie vielen es auf seinem staatsgebiet in der zukunft leben will. Auch wenn diese frage vielen heute noch egal ist, siehe wahlergebnisse: am deutschen humanitarismus-wesen wird europa leider nicht genesen. – Winfried Wolf


Leserbrief zu „Wenn Putin das wüsste …“ von Alice Bota

Sehr gut gewähltes Thema, zutreffender Text und schlaues Titelbild.

Das hervorragende Photomontage-Portrait in Napoleons Aufmachung zeigt, dass es auch in ernsten Fragen noch einen Spielraum für angebrachten Humor gibt, welcher zum Nachdenken führt. Im Zusammenhang mit dem ausgezeichneten Artikel hat allerdings « Smetek » das Portrait eines viel zutreffenderen Diktators verpasst: MUSSOLINI! Schade, aber ich kann mir vorstellen, dass Artikel und Portrait gleichzeitig und deshalb von einander unabhängig entstanden sind.

Kurz nach dem 1. Weltkrieg hatte es Mussolini in den 20er und frühen 30er Jahren tatsächlich geschafft durch diktatorische Herrschaft manchen seiner Bürgern zu erneutem Nationalstolz zu verhelfen (intensivere koloniale Herrschaft in Libyen, Somalien, Abessinien,usw.) und nach dem Pakt mit Hitler auch auf Albanien und griechischen Inseln auszuweiten (ähnlich wie Putin in der Krim, Georgien, Tchetchenien, Ostukraine, …). – Pierre von Meiss


Leserbrief zu „Gülen darf nicht bleiben“ von James Jeffrey

Unter Unterwanderern

Herr Jeffrey schreibt leider aus sehr verengter Perspektive. OK: Die mögliche Verstrickung Gülens in den Putschversuch muss untersucht werden, wenn es denn neben Animositäten auch klare Indizien dafür gibt.

Die behauptete „Unterwanderung“ von Staatsorganen allerdings ist doppelt fragwürdig: Zum einen lebt sie von der Prämisse, die entsprechenden Posten dürften nur an bestimmte Personen vergeben werden und stünden nicht grundsätzlich jedem – also auch Anhängern der Gülen-Bewegung – offen. Zum anderen schreibt Jeffrey selbst von der noch jungen AKP, sie konnte „diverse Organe von Staat und Wirtschaft gleichschalten.“ Die AKP betreibt also „gute Unterwanderung“, wenn sie ranghohe Posten in Politik, Justiz und Militär an eigene Leute verteilt, kritische Medien und Stimmen unterdrückt, missliebige Parteien und Bevölkerungsgruppen drangsaliert, nicht linientreue Beamte entlässt etc., die Gülen-Bewegung hingegen betreibt „schlechte Unterwanderung“? Das ist dann doch zu billig und interessegeleitet. – Anonym


Leserbrief zu „Voller Durchblick“ von Harro Albrecht

Da ist sie wieder die große Verschwörung der Menschen in weißer Berufskleidung!

Zum Glück haben Sie uns nun davor gewarnt. Konnten wir in „Die Zeit“ schon davon lesen, wie das deutsche Volk durch weiß gekleidete Menschen, und ich gehöre ja auch dazu, in ein Heer schlafmittelabhängiger Zombies verwandelt werde oder unwissende Psychiater Medikamente verschreiben, deren Wirkungslosigkeit seit Jahren erwiesen sei, nun also der dritte Teil der niemal endenden, großen „Enthüllungsstory“: Die Patientenakte als Herrschaftsinstrument.

Sie raunen, „die Ärzte“ seine gegen eine frei zugängliche, digitalisierte Patientenakte, denn dann wäre es vorbei mit dem ärztlichen Umgang, mit dem Wissen über den Patienten, nach Gutsherrenart, ein goldenes Zeitalter ohne Doppeluntersuchungen, fehlerhaft verschriebenen Medikamente und Geheimniskrämerei breche an.

Illustriert wird Ihr Artikel mit einer jungen Dame, die ein Tablet hoch hält:

Geburtsdatum, Größe, Gewicht, raucht, leidet unter einer Penicillinallergie, hatte Masern, eine Unterschenkelfraktur, auch einmal eine Depression und eine Beinvenenthrombose… . Und das soll der Mensch, den dies betrifft, nicht selber, ohne große Digitalisierung und Transparenzoffensive wissen?

 Lieber Herr Albrecht, wie sieht denn die Realität wirklich aus? Seit 15 Jahren, die Zeit meiner Niederlassung als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, bekommen meine Patienten alle Arzt- und Krankenhausberichte ausgehändigt. Denn natürlich ist es wichtig, dass der Patient über diese Informationen verfügt, sollte ich einmal im Urlaub sein, der Notfall tritt ein oder der Patient entscheidet sich prinzipiell zu einem Wechsel des Behandlers (freie Arztwahl! Aber alle wollen ja ihre Patienten beherrschen???).

Mit diesem Vorgehen unterscheide ich mich nicht als Lichtgestalt der Tranparenz von anderen Kollegen. Ich kann Ihnen viele nennen, die machen das genauso.

Schon in der ärztlichen Ausbildung, egal ob ich in der Kardiologie oder in der Psychiatrie tätig war, wurde uns beigebracht: EIn Arztbrief ist so abzufassen, das ihn der Patient lesen kann, muss aber alle wichtigen Informationen für den EInweiser oder Weiterbehandler enthalten. Schon in der Kardiologie wurden den Patienten also die Arztbericht in unverschlossenen Umschlägen ausgehändigt.

Natürlich gibt es gute und schlechte Arztbericht, genauso, wie es guten und schlechten Journalismus gibt. Daran gilt es, zu arbeiten.

Sie raunen weiter…natürlich wäre es problematisch, wenn „psychisch labile“ Menschen ihre psychiatrische Diagnose einfach so lesen würden. Herr Albrecht, wenn es eine psychiatrische Diagnose gibt, muss der erkrankte Mensch doch vorher beim Arzt oder im Krankenhaus gewesen sein, und da soll ihm die Diagnose, die Behandlungsgrundlage, nicht schon bekannt sein?

Was bleibt, zieht man Ihre boulevardesken Verschwörungstheorien ab: Ein Artikel über die schleppende Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen, weniger Zeilen, ein hinterer Platz auf den „Wissen“-Seiten.

Also ein Schuss „crime“ und schon liest sich das ja viel schwungvoller. Mit  seriösem Journalismus hat das nichts zu tun.  Aber ich vergaß, es geht ja um die Aufdeckung der ganz großen Verschwörung. Aber eine vorgefaßte Meinung ist nicht immer die richtige. – Dr. med. Th. Lukowski


Leserbrief zu „Wenn Putin das wüsste …“ von Alice Bota

Wer sich der letzten Dreißigerjahre noch bewußt erinnert und nun Putins Rußland erlebt, wird sich angesichts des Leitartikels über die dortigen Verhältnisse unter dem Titel „Wenn Putin das wüsste..?“ an den damals weitverbreiteten  Spruch „Wenn das der Führer wüßte?“ entsinnen.

Der tatsächlich  Verantwortliche, der nach einem demütigenden  Niedergang seines Landes die Wiedererlangung einstiger Bedeutung des Landes betreibt, wird ob seines dabei fragwürdigen, sogar gesetzeswidrigen Vorgehens von der Mehrheit seines Volkes exkulpiert. Statt dessen wird die Verantwortung anonymisiert.

Welch eine Ähnlichkeit zwischen Nazi-Deutschland damals  und Putin-Russland heute.

Doch das ist nicht die einzige – es gibt mehrere Parallelen zwischen Hitler sowie Putin, um Bedeutung und Größe des Landes wiederherzustellen. Putins Aktionen nach Niedergang und Auflösung der Sowjetunion und der chaotischen Jelzin-Zeit ähneln oft dem Handeln Hitlers nach den „Demütigungen“ Deutschlands  durch den Versailler Vertrag. – Dankward Sidow


Leserbrief zu „Ein Käse verschwindet“ von Georg Blume

Georg Blume bleibt in seinem Käse – Artikel den Nachsatz schuldig,wie der Ortsname Fougeres nun korrekt geschrieben wird. Er läßt dem Leser die Wahl, nachdem er ihn  5x mit „r“ und 6x ohne“r“ geschrieben hat.Ziemlich viel Korrekturbedarf für solch kleinen Beitrag! – Johanna Stoll


Leserbrief zu „Nein danke!“ von Fabienne Hurst

Dieser Artikel ist das Dümmste, das ich je in der ZEIT gelesen habe. Zunächst hoffte ich, er sei ironisch gemeint, aber konnte doch beim besten Willen keine Anhaltspunkte dafür finden. Die Autorin sucht verzweifelt nach Argumenten, am Ende aber kommen nur ihre eigenen Neurosen zum Vorschein. Eine Gesellschaft, die sich ihre Sinne stetig benebeln muss, um Spaß zu haben und ihre Verklemmtheit zu überwinden, ist bemitleidenswert. –  Lukas Nickel


Leserbrief zu „Lese und lebe“ Zeitgeist-Kolumne von Josef Joffe

DANK an Josef Joffe für den Hinweis zu einer Langzeitstudie der Yale University!

Ich habe es immer geahnt: Belletristik zu lesen bedeutet Nahrung für den Kopf, ölt das Hirn, wirft moralischen Gewinn ab, stärkt mein Mitgefühl,

und – nicht zu fassen – verlängert mein Leben (!), macht mich zu einem besseren und gesünderem Menschen: Wasser auf meine Lesemühle, denn mein großer Verzehr von Romanen, – z.Zt. Juli Zehs „Unterleuten“ –  wurde von nahen Angehörigen häufig mit Kopfschütteln begleitet: „Zeitvergeudung, lies besser etwas Vernünftiges, öfter mal ein Sachbuch…“,  und mein schlechtes Gewissen schmälerte das Lesevergnügen.

Als Viel-Leserin begann ich im Rentenalter selber zu schreiben, wurde in die hiesige Autorengruppe „Bochumer Literaten“ aufgenommen, veröffentlichte bei BoD selbst einen Band mit Kurzgeschichten, aus dem ich bei unseren Auftritten – mit positivem feedback des Publikums –  lese.

(Im Anhang ein Artikel aus der WAZ und das Foto einer, leider geklauten, Verwirklichung einer Idee über den möglichen besseren Inhalt von Zigarettenschachteln, die mit Kurzgeschichten bestückt wurden..:-).)

Alles, was mich heute ausmacht –  meine Schulbildung dauerte nur 8 Jahre – verdanke ich den großen Romanciers! – Waltraud Sophie Reich


Leserbrief zu „Ewiges Schlachtfeld“ von Adrea Böhm

Eigentlich müsste der Westen (Russland sowieso) jeden Tag 5 Minuten die Arbeit ruhen lassen um der Ungeheuerlichkeit des Syrienkrieges zu gedenken. Wenn Andrea Böhm schreibt, dass etliche EU-Staaten durch Rüstungsexporte an diesem globalisierten Krieg (China fehlt noch) mitverdienen fragt man sich, warum es eine Außenbeauftragte der EU gibt. Eine gemeinsame Außenpolitik der EU fällt dadurch auf weil sie nicht  vorhanden ist. Beschränkungen für Rüstungsexporte der EU scheinen in das Belieben der Nationalstaaten  gestellt zu sein. Amerika, Europa, Russland, Saudi-Arabien, die Golf-Staaten und jetzt noch die Türkei rühren in dem  Bürgerkrieg herum wie furchtbare Köche, die ein vergiftetes Gericht aufbereiten. Kein Land  oder Instanz (UNO)  der Welt kann oder will Assad daran hindern seelenruhig sein Volk abzuschlachten.

In der Hauptsache sind die  obengenannten Staaten aus folgenden Gründe in den syrischen Bürgerkrieg verwickelt : Bekämpfung von Rebellenformationen, die Assad stürzen wollen, durch Russland und den Iran nebenbei hilft man dem Westen freundlicherweise noch den IS zu vernichten (wie scheinheilig !)- und die Saudis, obwohl früher Sympathisanten des IS, kämpfen jetzt auf der Seite der USA und einiger europäischen Staaten gegen ihre sunnitischen Glaubensbrüder. Und nun noch die Türken die ihr ewiges Kurdenproblem dazu verleiten ließ, auf syrisch irakischem Staatsgebiet die Kurden militärisch daran zu hindern, staatliche Strukturen zu schaffen. Nur der große Zufallsgenerator der liebe Gott oder Allah mischen sich in die militärischen Konflikte der Menschen nie ein- generiert die nächste Situation in diesem Spiel der bösen/ohnmächtigen Teilnehmer. – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu „Voller Durchblick“ von Harro Albrecht

Ihr Wissensbeitrag, insbesondere der Artikel von Harro Albrecht, läßt mich zur Feder greifen. Er nimmt die Perspektive eines jungen, gesunden, kontrollsüchtigen Mannes ein. Ich selbst war 50 Jahre lang als Ärztin tätig und sehe mit Sorge die Entwicklung, alles Geschehen mechanistisch  erfassen zu wollen, alles in Algorithmen zu pressen. So funktioniert das Leben nicht, so kann man Gesundheit und Lebensqualität nicht erklären.

Ich bin kein Technik-Muffel, aber nicht alles, was machbar ist, ist auch sinnvoll. Er beklagt das Machtgefälle im Sprechzimmer. Das wird immer so sein, denn die Ursache dessen ist das Gefälle an Wissen und Können. Nicht jeder kann auf jedem Gebiet ein Spezialist sein. Und das Vertrauen in den Arzt und sein Können ist wichtiger Bestandteil des Heilungsprozesses. Aus dem Artikel schlägt mir chronisches Mißtrauen entgegen.

Doch jeder, der das Vertrauen in den Arzt versucht zu untergraben, greift in den Heilungsprozess ein. Wenn von der „Herrschaft“ der Ärzte gesprochen wird, so sagt das mehr über den Verfasser aus, als über die Ärzte. Immer mehr wird über die Medizin von fachfremden Menschen diskutiert und entschieden. Wir leben in einer Zeit, in der die Profitmaximierung das Nonplusultra alles Handelns ist. So aber funktioniert Medizin nicht. Wir müssen aufpassen, dass nicht die Industrie das Zepter übernimmt, jedem Menschen seinen Bordcomputer verpasst und daran gut verdient. –  Dr. Annebärbel Jungbluth


Leserbrief zu „Ja er ist autoritär – muss er sein“ von Gero von Randow

Die Frage, Merkel oder Putin, ist für meine Begriffe unfair. Und sie führte in dieser Meinungsumfrage auch zu unlogischen Ergebnissen. Die Frage, ob der Westen Putin feindselig behandeln würde, ist schon besser und sagt auch mehr aus. Zwischen 20 und 78% würden dies so sehen. Der Prozentsatz ist in jedem Falle hoch und ist erklärungsbedürftig.

Das man Putin aber tatsächlich mehr trauen würde als Merkel, kann ich mir demgegenüber nicht vorstellen. Hier spielt für meine Begriffe etwas anderes hinein: Die westliche Elite hatte sich angewöhnt, das Volk bei Wahlen als Stimmvieh zu benützen, ansonsten hat man aber gemacht, was man wollt. Das ist der Grund für die jetzt fast überall vorliegende Unsicherheit: Brexit, Wahlen in Italien,  Wahlen in Frankreich, Wahlen in den USA und irgendwann dann auch bei uns.

Man hat vergessen, das das Volk  ein Gefühl für Gerechtigkeit hat. (Und selber nicht zu kurz kommen will.)

Russland hatte 1989 eine Neuordnung in Europa ermöglicht. Alle Osteuropäischen Staaten und Deutschland haben davon profitiert. Letztendlich bezahlt hat es Russland. Mit Gebietsverlusten und mit militärischem Machtverlust. Auf mehr oder weniger freiwilliger Basis, zumindest ohne militärischer Gegenwehr. Und mit einem wirtschaftlichen Zusammenbruch. ( dadurch ist es auch für Jedermann am eigenen Leib zu erfahren gewesen.  Wobei Russland am Anfang zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Westen bereit war. Im ersten Irak-Krieg haben Russland und die USA zusammen gegen Saddam Hussein gekämpft. Und Gorbatschow fragte nach dem Platz Russlands im Hause Europa.

Eingehandelt hat sich Russland demgegenüber ein Vorrücken der Nato nach Osten ohne irgendwelche Gegenleistungen oder Entschädigungen. Der Westen war der Meinung, für diesen freiwilligen Glücksfall 1989 die Russen es auch noch büßen lassen zu können. Bei der Ukraine liegt aber für Russland die rote Linie. Und wie normal nimmt im Westen darauf  Niemand Rücksicht. Wir sind zwar gewohnt, auf amerikanische Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen, auf russische aber in keinem Fall, vor allem, weil man Russland nach dem Zusammenbruch 1989 nicht mehr für ernst genommen hat. Anstatt die Ukraine als Mittler zwischen Ost und West von beiden profitieren zu lassen, gibt es im Westen kalte Krieger , die aus der Ukraine am liebsten einen Frontstaat gegen Russland machen wollen. Wie so üblich ist der Westen völlig unempfindlich gegenüber der Geschichte und vergisst die uralten Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine.

Im Gegensatz zu den Politikern gibt es im Volk aber eben ein Gefühl für Gerechtigkeit. Schließlich verdanken wir Russland die Wiedervereinigung. Und Polen und die Baltischen Staaten ihre Unabhängigkeit. Und das der Westen Russland dafür bestraft hat, ist und bleibt eben ungerecht.

Nun braucht man Putin deshalb nicht mehr vertrauen als Merkel. Wir sollten uns daran erinnern: Weil Russland 1894 den Pakt mit Frankreich geschlossen  hat, wurde es Frankreich ermöglich, den 1.Weltkrieg anzugehen ( Christopher Clark). Mit der Hoffnung, das Deutschland dadurch in jedem Fall in einen 2 Frontenkrieg verwickelt würde, hat Frankreich die Gewissheit  eines kommenden Sieges vermittelt. Deshalb, wenn Russland nicht mitgemacht hätte, hätte es keinen 1. und keinen 2. Weltkrieg gegeben. Staaten handeln nach Interessen,und so auch Russland. Und Putin macht es ebenso. Auch das Verhalten Russlands gegenüber von Minderheiten und oder Andersdenkender ist teilweise skandalös.

Das ändert aber nichts daran, wenn Russland berechtigte Interessen hat,( Krim, Ukraine) dann müsste der Westen versuchen, darauf einzugehen. Das macht er aber nicht. Er spricht dann von seinen Werten und vergisst, das der Westen eigentlich auf Niemanden Rücksicht nimmt: Iran, Vietnam, Irak, Afghanistan, Guantanamo, Abu Greib, Libyen und Syrien.

Eine verantwortungsvolle Politik des Westens sähe anders aus. Sie würde auf berechtigte Interessen Rücksicht nimmt und versuchen, beiden Parteien gerecht zu werden. Wenn der Westen so vorgehen würde könnte man auch in Menschenrechtsfragen gegenüber Russland massiver auftreten. – Reiner Püschel


Leserbrief zu „Damals“

In der Zeit Nr. 37 ist dem Autor, der Autorin mit dem Kürzel MTH in der Rubrik „damals“ ein Fehler unterlaufen: Asterix und Obelix lagen in Dauerstreit mit Caesar, der jedoch bereit 44 vor Christus ermordet wurde. Asterix kann also nur VOR Christus angesiedelt werden und nicht NACH Christus! – Hubert Berke


Leserbrief zu „Rettet die Provinz“ von Florian Gasser et. al.

Vielen Dank für diesen sehr gut recherchierten Artikel. Obwohl die Politik die Probleme seit Jahren kennt, wird nichts für eine Besserung getan. Es sind nicht nur die vernachlässigten Verkehrswege. Damit junge und auch ältere Menschen wieder aufs Land ziehen, müssen auch Ärzte, Apotheken, Banken und Einkaufsmöglichkeiten im Umkreis der Orte sein. Da will man Menschen ab 70 Jahren den Führerschein abnehmen, weil sie so viele Unfälle verursachen. Wie sollen sich diese Mitbürger denn dann auf dem Land versorgen? Dabei wird auch immer vergessen, dass wohl kaum ein Autofahrer über 70 während der Fahrt am Handy herumhantiert oder zu schnell fährt und riskant überholt. Dadurch werden doch die meisten Unfälle verursacht. – Günter Belschner


Leserbrief zu „Gebt dem Schmutz einen Preis“ von Christoph Bals

Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass ein Funktionär des BDI sich selbst den Ast absägt, auf dem er sitzt. Vorweg- es gibt keinen ökologisch wirksamen und ökologisch vertretbaren Klimaschutz. In der seriösen Wissenschaft ist längst bekannt, dass Kohlendioxid-Emissionen keinen schädlichen Einfluss auf das Klima haben. Ohne staatliche Förderung wäre keine der erneuerbaren Energien marktfähig. Zum Glück gibt es einige Länder, die sich aus dem Kreis der „Klimaschützer“ verabschiedet haben, weil sie erkannt haben, dass sich das Klima nicht schützen lässt. Von den Umweltschützern wird leider übersehen, dass ihr „Klimakiller CO2“ nicht schädlich und kein Treibhausgas ist, sondern Voraussetzung für jegliches Pflanzenwachstum.

Es wäre wünschenswert, wenn die Wirtschaft energisch Widerstand leisten würde, gegen die irrationalen Entscheidungen der Bundesregierung, die unserem Volk viel Schaden zufügen. Herr Lösch ist aber gerade dabei Vorschläge zu machen, die diesen Schaden noch vergrößern und hat dabei 2 Herren im Boot, deren Ziel es ist, über Preise für den CO2-Ausstoss Geld zu verdienen. Die ca. 25 Milliarden Euro, die die Energiewende den deutschen Steuerzahler jährlich kostet, sollte man besser für die Reinhaltung von Luft und Wasser nutzen und nicht für eine Chimäre wie den Klimaschutz. Und natürlich sollte der Ausstieg aus der Energiewende so schnell wie möglich erfolgen, je eher, umso preiswerter. – Joachim Rescher


Leserbrief zu „Schaut auf diese Kinder!“ von Christine Brinck

Ein durchaus interessanter Beitrag, gleichzeitig aber auch ein Beleg dafür, dass bei der – thematisch hier eigentlich völlig überflüssigen – Erwähnung des Begriffs „Zwangsarbeiter“  offenbar wieder einmal einem Vorurteil der Vorrang gegenüber Fakten gegeben wird.

Wie in England und den USA wurden auch in Deutschland in hohem Maß Frauen zur Rüstungsarbeit verpflichtet. So weist beispielsweise die Werkstättenleitung der Lufthansa in ihrem Jahresbericht 1939 auf „zu Kriegsbeginn in großer Zahl zugewiesene Frauen“ hin. Ein besonderes Problem war dabei unter anderem, dass diese von weit entfernten Teilen Berlins nach Staaken kommen mussten, da die näher liegenden „Bezirke Spandau, Charlottenburg und Berlin-Norden meistenteils ihre dienstverpflichteten Frauen an die Firmen Siemens, AEG usw. … abgegeben hatten“. Die Rede ist hier von ganz normalen deutschen Bürgerinnen, also – noch – nicht von Zwangsarbeiterinnen. – Werner Bittner


Leserbrief zu „Rettet die Provinz“ von Florian Gasser et. al.

Ein Bevölkerungsminus muss also der „Hundsrück“ aushalten, weil seine Kinder lieber in die Stadt ziehen als das Haus von Oma und Opa zu renovieren. Das ist wahr. Das ist nicht neu. Der Hunsrück – so heißt er richtig – ist im Lauf seiner Geschichte schon ein paarmal entvölkert worden: nach den Römern, im Dreißigjährigen Krieg und bei verschiedenen Auswanderungen. Neu sind die zugewanderten Windräder, die den Horizont zerschneiden und viel Geld in Dorfkassen wehen. Neu ist aber auch das wieder erwachende Gefühl von Heimat, vom Hunsrücker Edgar Reitz wunderschön in Filme übersetzt und – darin auftauchend – das Zauberwort „Geheischnis“, für den Hunsrücker in der Bedeutung absoluten Wohlgefühls. Irgendwann wird es Menschen wieder dorthin ziehen. Nein, wir Hunsrücker sind noch lange nicht auf den Hund gekommen. – Werner Bohn


Leserbrief zu „Nein danke!“ von Fabienne Hurst

Sexuelle Belästigung hin oder her, ich  liebe Sie für diesen Artikel!! – Thomas Walter


Es ist erstaunlich wie leicht und zugleich wie kraftvoll sich alte Vorurteile gegen “ Die Russen“ wieder aufbrechen und geradezu „heißlaufen“ können. „Da, wo man singt und lacht, da lass dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder“. Friedrich Nietzsche benutzt dieses Sprichwort, um hinzuzufügen: „Warum haben eigentlich die Russen Lieder ?“ Ich, der ich seit den 60er Jahren mit einer russischen Familie befreundet bin, mehrfach den Zusammenbruch ihrer Träume und Hoffnungen miterlebt habe,erlaube mir Folgendes hinzuzufügen. „Die Russen“ scheinen mir auch heute noch in mancher Hinsicht sehr viel reicher zu sein als mancher wertebewusster Westeuropäer es sich vorstellen kann, wenn man Armut und Reichtum nicht nur nach Auswahl und Erschwinglichkeit von Wurst und Käse u.ä. bemisst, sondern ,ganz abgesehen von den Ressourcen, nach Lebensklugheit und Gemütswerten, wie z.B. Warmherzigkeit ,Geselligkeit und diese unvergleichliche Gastfreundlichkeit. – H.Koop


Leserbrief zu „Rettet die Provinz“ von Florian Gasser et. al.

Eigentlich könnte es auch heißen: Rettet Deutschland! Wenn ich durch die Provinz wandere, fühle ich mich eher zu Hause. Sie haben natürlich recht, wenn Sie das auf die Infrastruktur beschränken. In der Tat, gibt es verlassene Dörfer, die das Leben sehr beschwerlich machen. Auch hier zeigt sich, die Politik hat   versagt.

Und wenn die veröffentliche Meinung und die Politik der guten wirtschaftlichen Lage ständig das Unrecht der Klage dagegenhält, hat sie nach wie vor nichts verstanden. Die Bürger sind zu unmündigen Befehlsempfängern dekradiert worden.

Verbote über Verbote regeln heute das gesellschaftliche Leben. Das Beamtentum ist immer weiter ausgeufert. Alles wird nur noch reglementiert. Ständig am Bürger vorbei. Vor 30 Jahren sollte das zurückgefahren werden. Alles nur Hohlsprech. Und die Bürger haben keinen Schlag mehr in der Hose. Jetzt aber scheint durch die Flüchtlingspolitik der folgsamste Bürger die Schnauze voll zu haben.

Das dumme Gerede von der humanen Haltung der Bundeskanzlerin hat es in Wirklichkeit nie gegeben. Auch den Flüchtlingen hat die Politik geschadet.  Jetzt werden die schärfsten Gesetze gegen die Einwanderer formuliert, die es jemals gegeben hat. Ein Eingeständnis erster Klasse. Ganz Europa hat so ziemlich alles verpennt.

Es war alles abzusehen. Das alte Spiel geht aber weiter. Die Politik sucht wieder das Heil in der Administration. Die Medien schreiben sich die Finger wund, um den Bürger ruhig zu stellen. Die sind mitschuldig , daß es heute zu diesem Fiasko kommen konnte. Nein, die politische Klasse hat völlig versagt. Sie macht Politik ohne Bürger. Unsere Demokratie taugt nichts.

Es fehlt eine Autorität, die dem Bürger vernünftig erklärt, wie wir wieder aus diesem Dilemma herauskommen. Herr Bosbach wäre so ein Mann – der geniest auch das Vertrauen der Bürger. Der Mann hat Größe gezeigt. Er hat die Konsequenzen gezogen und sich zurückgezogen. Sehr, sehr schade !

Ich will jetzt nicht noch Europa ins Spiel bringen, der Flop war fast noch größer. Und jetzt versammeln sie sich wieder und tun so als sei alles in Ordnung. Auch in Brüssel wird nur Blech geredet. Das ganze Personal ist völlig zerstritten. Und die Bürger wissen gar nicht wovon die reden. Das ist doch alles verrückt.

Und die Bildungspolitik hat die breite Masse der Bürger dumm gemacht. Das kam der verblödeten Politik entgegen. Es kam mir immer so vor als wenn da eine Methode dahinterstand…… – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Damals“

Auf Seite 11 der obigen Ausgabe befindet sich unter der Rubrik DAMALS eine Foto von Asterix und Obelix, deren Abenteuer sich lt. Ihrem Redakteur MTH im ersten Jahrhundert nach Christus zugetragen haben sollen…. Tatsächlich beginnen aber alle bisher erschienenen Asterix-Bände mit dem Hinweis: „Wir befinden uns im Jahr 50 v. Chr . Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein!“ Cäsar,  der in vielen Bänden auftaucht, wurde 44 v. Chr. an den Iden den März ermordet. Das wußte früher jedes Schulkind!

Warum dieses Wissen bei MTH fehlt und dieser Irrtum auch niemandem bei der ZEIT aufgefallen ist, erschließt sich mir nicht so recht. Bitte schenken Sie Ihrem Redaktionsmitglied MTH doch einen Asterix-Band zwecks Schließung einer Bildungslücke. – Ingrid Freyer


Leserbrief zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner

Herr Ulrich hat es mal wieder geschafft, einen leicht absurden Artikel zu verfassen. Zum Glück hat ihm ja Herr Greiner bereits widersprochen.

Die Bilanz der Flüchtlingspolitik ist alles andere als „nicht so schlecht“ und in ihren Auswirkungen noch nicht annähernd abzusehen und sie war auch absolut nicht alternativlos. Das Mindeste wäre es gewesen, sich zumindest im Vorfeld mit den anderen Statten der EU zusammenzusetzen. Das hätte uns auch die Probleme mit den Partnern erspart, die nun „mit dem Finger auf uns zeiegen“.

Es mag vielleicht sein, dass Herr Ulrich und die Stadt Hamburg „zum Bersten reich“ sind. Hier im Ruhrgebiet sieht die Sache allerdings doch etwas anders aus. Außerdem bin ich nicht der Ansicht, dass die hier lebenden Muslime ein Recht haben, darüber zu bestimmen, wer im Land aufgenommen wird, zumal sie doch eher den türkischen Präsidenten als den ihren ansehen und ihm zujubeln. Und auch die Kanzlerin hatte kein Recht, die Zusammensetzung einer gesamten Alterskohorte vollkommen zu verändern.

Die Kollateralschäden sind ebenfalls überhaupt noch nicht abzusehen. Als erstes wäre hier wohl der Brexit zu nennen, bei dem nach Meinung mehrerer Politologen die deutsche Flüchtlingspolitk wohl das Zünglein an der Waage war, ferner die drohende Spaltung der EU und eine nie gesehen starke Rechtspartei. Die Probleme mit der Integration der Flüchtlinge sind doch überhaupt noch nicht annähernd abzusehen.

Bleibt vielleicht, dass es „einer Million Menschen heute besser geht als zuvor“. Nur, das war erstens noch nie ein Asylgrund und zweitens hätte man den enormen Summen, die jetzt aufgebracht werden müssen, deutlich mehr Menschen nachhaltig ein besseres Leben verschaffen können.

Die Flüchtlingspolitik war ein Desaster und zudem ein ziemlich wahnhaftes. Die Bereichterstattung der Medien war eine Katastrophe; inzwischen wird ja allenthalben zurückgerudert. Nur leider zu spät. – Hans-Jürgen Eißing


Leserbrief zu „Das war kein gutes Jahr“ von Ulrich Greiner

Was Bernd Ulrich (ZEIT Nr. 36) und Ulrich Greiner (ZEIT Nr. 37) leider ausblenden: Eine verfehlte europäische Freihandelspolitik (CETA und TTIP) verhindert eine erfolgreiche Flüchtlingspolitik. Sie geht zu Lasten der ärmsten Regionen der Welt geht und zwingt immer mehr Menschen, nach Europa zu fliehen. – Ludwig Petry


Leserbrief zu „Die Uni-Akten der RAF-Terroristen“

Wie kann es sein, dass angeblich hochbegabte Menschen sich dem Terrorismus verschreiben und zu extremen Fanatikern werden. Dabei ist doch Fanatismus die höchste Stufe menschlicher Dummheit. Ein intelligenter Mensch setzt sich mit der Realität auseinander und kann vernünftige Schlüsse ziehen. Dies alles haben die RAF und ihre zahlreichen Unterstützer nicht vermocht. Vielmehr wurden Theorien nachgeplappert ohne das eigene Gehirn einzuschalten. Das hatte wenig mit Intelligenz zu tun und führte letztlich in die Katastrophe. – Ernst Lothar Helwig

 

25. August 2016 – Ausgabe 36

Leserbrief zu „Lieber Herr Tuchel, auch Spaß muss sein“ von Marcel Reif

Dass Bayern München wider jegliche Logik doch nicht Meister werden, darüber zu streiten habe ich ehrlich gesagt keine Lust. Die Bayern sind nicht unschlagbar – aber über eine ganze Spielzeit gesehen doch meilenweit über die Mitbewerber zu stellen. Mit Mats Hummels haben die Münchner ihre Abwehr aus Nationalspielern komplettiert, bei Renato Sanches die Konkurrenz ausgestochen, und gleichzeitig haben sie klug für die Zukunft vorausgeplant.Die wichtigste Personalie ist jedoch der neue Trainer. Mit Carlo Ancelotti verändert sich der Aggregatzustand, der Italiener ist der Gegenentwurf zu Pep Guardiola. Durch den Katalanen haben die Bayern so viel Wissen und Können angehäuft, dass sie für mich das beste Team der Welt sind. Was unter dem manisch auf Details fixierten Pep Guardiola gefehlt hat, waren Leichtigkeit und Fröhlichkeit – das konnte man auch auf dem Platz spüren. Kühle Distanz und ein schroffes Lehrer-Schüler-Verhältnis reichen nicht.
Profis brauchen einen normalen Umgang unter Erwachsenen und eine menschliche Art.Unterschätzen sollten wir den »freundlichen Onkel« aus Reggiolo nicht. Ancelotti ist der Lieblingsschüler von Arrigo Sacchi, einem der größten Reformer im Fußball. Nur mit seiner väterlichen Art und scheinbar konfliktfreien Attitüde hätte Ancelotti nicht dreimal mit verschiedenen Vereinen die CL gewonnen – was Guardiola noch lange nicht geschafft hat.Im Gegensatz zu den Bayern, die ihre Stars nur verkaufen, wenn sie wollen, muss der BVB als börsennotierter Klub bei überdimensionierten Angeboten handeln. Die Verluste von Mats Hummels, Ilkay Gündoğan und Henrikh Mkhitaryan könnten wehtun. Die Dortmunder setzen mit ihren hochgehandelten Jungen auf die Zukunft – die fängt allerdings schon an diesem Wochenende an. Daher sind sie für mich mehr ein Kronprinz als ein echter Herausforderer. Zweifellos kann Thomas Tuchel mit Talenten arbeiten, er wird sie besser machen.

Ich wünsche dem leidenschaftlichen Guardiola-Bewunderer, er möge erkennen, dass ein großer Trainer nicht nur Wissen und Akribie benötigt, Spaßfaktor und Spielfreude sind auch essenziell. Trotzdem bleiben in Dortmund viele Fragezeichen: Wie schnell entwickelt sich eine neue Hierarchie, nachdem Kapitän Hummels beim Champion angeheuert hat? Der BVB wird nicht alle Spiele gewinnen, nach Niederlagen braucht das Team innere Stabilität, neue Führungsspieler müssen sich zeigen.Wird sich Borussia Dortmund als Rehabilitierungszentrum und Kurklinik für Gestrauchelte bewähren? Die Neuzugänge Mario Götze und André Schürrle sind durchaus diskussionswürdige Transfers. Der mittlerweile 24-jährige Mario Götze muss jetzt schleunigst erwachsen werden, und Thomas Tuchel wird ihm mit seiner feinmotorischen Antenne für sensible Schwingungen auch helfen. Aber selbst er kann ihm nicht abnehmen, unter Druck und im Brennglas der Öffentlichkeit Leistung zu bringen. In München hat es nicht funktioniert – Dortmund ist jetzt die letzte Ausfahrt für den Nationalspieler. Unstrittig ist das überbordende Talent des Weltmeisters, aber er muss liefern. Die Verantwortlichen beim BVB sind intelligent genug, sich nicht als Bayern-Jäger zu profilieren, koste es, was es wolle. Das ist ja bekanntlich schon einmal krachend schiefgegangen.Die für mich spannendste Frage bleibt jedoch das Thema Uli Hoeneß. Was bedeutet das für das Innenverhältnis in München, wenn der große Patron zurückkommt? Macht kann man nicht vermehren, Macht muss man teilen. Wie reibungslos schaffen das die Herren Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß? – Peter Prinz zu Hohenlohe


Anmerkung zu Wolfgang Bosbach in „Worte der Woche“

Nachtreten – Bei Wolfgang Bosbach wird immer ein fader Beigeschmack bleiben. Denn zum kritischen Geist innerhalb der CDU wurde er erst dann, als fest stand, dass er kein Minister wird und damit sein politischer Aufstieg beendet ist. Insofern wird er den Verdacht niemals ganz entkräften können, dass sein Verhalten in den letzten Jahren nicht mehr und nicht weniger war als ein Nachtreten gegenüber Angela Merkel. – Dr. Jens Brökelschen, Schwerte


Leserbrief zum Rückblick über die deutsche Flüchtlingspolitik von Bernd Ulrich

Beruflich selbst im Bereich Migration/Flüchtlinge aktiv, verfolge ich die Artikel zum Thema „Flüchtlinge“ meist besonders intensiv. Hierbei fällt es mir bereits seit ein paar Wochen auf dass die Artikel von Bernd Ulrich mittlerweile wesentlich weniger Kritik zum Beispiel auf die deutsche Regierung ausüben als noch vor einigen Monaten. Woran das liegen könnte weiß ich nicht, aber es fällt auf.

 Im Artikel „Ein Jahr wie keines“ hat diese Tendenz eine neue Hochform erreicht. Ich weiß nicht ob es darum geht die deutsche Gesellschaft zu trösten (oder zu motivieren?) in dem man ihr klar macht, dass doch alles „gar nicht so schlimm“ sei mit der Million Flüchtlingen im Land oder was dahinter steckt. Eine Bilanz vom vergangenen zu ziehen und sich zu freuen dass die Zahlen der Neuankömmlinge weiter gering bleiben, nur in einem Nebensatz zu erwähnen dass der „Deal“ mit der Türkei ja schließlich auch noch bestehe (frei nach dem Motto: kein Grund zur Sorge, wir können uns weiterhin auf die Türkei verlassen); vor allem aber absolut nicht die Lage in Griechenland (von Italien beginne ich erst gar nicht) zu erwähnen. Da fehlen mir die Worte.

Seit Wochen steigen die Zahlen der Ankömmlinge auf den griechischen Ägäis Inseln wieder, wenn auch weniger stark als noch im letzten Jahr, dann dennoch mehr als stark genug um die Lage in den „Hotspots“ dort vor Ort nur noch schlimmer zu machen als sie es ohnehin schon ist. Und das zynische an der Situation ist, dass selbst Flüchtlinge die es im rechtlich/bürokratischen Wirrwarr des Türkeideals endlich aufs griechische Festland geschafft haben, teilweise versuchen wieder zurück auf die Inseln zu gelangen, weil die Lage auf dem Festland selbst noch viel chaotischer und für allem für besonders schutzbedürftige Menschen unzumutbar ist.

 Dass dieser oben genannte Aspekt in der Recherche nicht vorkommt ist doch bemerkenswert, ist es doch öffentlich bekannt dass Frau Merkel höchst persönlich an der Verhandlungen mit der Türkei beteiligt war (bzw sie initiiert hat) und somit den Grundstein für die Entscheidung gelegt hat, man könne jetzt alle Neuankömmlinge auf griechischen Urlaubsinseln festhalten. Hätte dies nicht in die Bilanz des Flüchtlingsjahres aufgenommen werden können? Des Weiteren hätte man erwähnen können, dass die „entspannte Lage“ in Deutschland natürlich vor allem davon profitiert dass die Balkanroute nun gesperrt ist, was wiederum zu oben beschriebenen Lage in Griechenland geführt hat. Früher standen diese Dinge in Artikeln die von Herrn Ulrich verfasst wurden. Es wäre schön, wenn die Thematik Flüchtlinge auch in Zukunft wieder von allen Seiten, und mit gesunden Maß von Kritik beleuchtet würde. –  Anna Hardy


Anmerkung zu „Jetzt wird es eng“ von Mark Schieritz

Seit Jahren hinterfrage ich die Lebensbedingungen alter Menschen in GER und habe als dringenden Veränderungs-Faktor „Alte Menschen aufs Land“ gefunden. Bitte bleiben Sie am Thema; es ist spannend wie ein Krimi.Welche anderen Aufgaben sollten unsere Dörfer demnächst eigentlich übernehmen, wenn sie nicht als äusserst angenehme Residenzen für ältere Menschen entwickelt werden???Hier bietet sich ein kollossales politisches Tätigkeitsfeld zur Entlastung unserer Ballungsräume in unseren ländlichen Regionen an.  Unsere Städte platzen aus allen Nähten und die Dörfer suchen nach neuen Aufgaben, das passt doch!! Breit gestreute öffentliche Rückendeckung wäre hilfreich! Vielleicht passt das Thema zu Ihren Recherchen?? – Albrecht von Hagen


Was mein Leben reicher macht
An einem Spätsommertag auf der Terrasse sitzen, in den Garten mit den alten Bäumen schauen und den welkenden Sommerblumen, dazu das Beethoven-Violinkonzert hören in einer Aufnahme von 1947 mit Yehudi Menuhin und Wilhelm Furtwängler – aus allem weht ein Hauch von Vergänglichkeit und zugleich Ewigkeit, sehr tröstlich. –Sigrid von Swieykowski

Leserbrief zu „Unterstützt die Türkei Islamisten?“

Die Entwicklungen der letzten Zeit haben eine Mitgliedschaft der Tuerkei in der EU unwahrscheinlich und wenig wuenschenswert gemacht. Der saekulare Staat Kemal Pashas scheint in Gefahr, von einer nicht ganz kosheren Radikalisierung des Islam uebernommen zu werden – wobei auch einige offensichtliche Kollaborationen mit ISIL (wie z.B. Oelhandel aus IS besetzten Gebieten, sowie Logistik ueber tuerkisches Gebiet) einiges zu denken geben. Dabei liegt auch der Verdacht einer Anti-Shia-Verbindung mit Saudi-Arabien nahe, und Herrn Erdogans Aufstieg zum Quasi-Sultan ist gleichfalls sehr bedenklich. Die besagt Kollaboration mit ISIL macht die offizielle „Erklärung“ des Einmarschs in Syrien auch sehr viel weniger glaubwürdig: Das Hauptziel war, wie auch Herr Biden bei seinem Besuch bei Erdogan klarmachte: Den kurdischen Landgewinn gegen ISIL einzudämmen. Biden sprach von einer Demarkationlinie am Euphrat. Das ist kein türkischer Einsatz gegen ISIL, sondern deren Schutz im Bereich der türkischen Grenze, woher ja auch ihre logistische Versorgung kommt – wie auch die der offiziellen „gemäßigten“ Hillary-Freunde.

Was dahinter steht, ist ein US-Vergebungseinschleichen bei Erdogan, das ihm volle Freiheit für alles gibt. Die Unterstützung der Kurden war ja nur insoweit von US Interesse, als es sie von Allianz mit Assad fernhielt – der sich auch etwas schwer täte mit einer autonomen kurdischen Region – es aber wohl annehmen müsste aufgrund eigener strategischer Notwendigkeit und russischen Drucks. Der US Partnerwechsel wird das Einverständnis sicher voranbringen. Im Zusammenhag mit den immer staerker hervorkommenden tuerkischen Regional-interessen wird selbst die NATO-Mitgliedschaft fragwuerdig: fuer Europa, seit dem Wegfall des alten Kalten-Krieg-„Feindes“ Sovietunion, ohnehin hinfaellig, wird selbst die Verlaesslichkeit fuer die ueblichen US-Manipulationen fraglich – Washington ist selbst viel zu viel in Kriege und Buergerkriege hineinmanipuliert worden, weil andere dort unten (vor allem in der Wueste) sie fuer ihre eigenen Spiuelchen benutzt haben – und das geht von Iraq bis nach Libyen und Syrien.

Was die Türkei angeht, und die angebliche „Rechtlichkeit“ ihrer invasion, so kann von der letzteren keine Rede sein: Wie auch die Gegenwart in Syrien von US-Truppen und Trainern von Untergrundtruppen (wenn auch mit kläglichen Resultaten), ist der türkische Einmarsch ein Akt des Krieges, ein Verbrechen nach Internationalem Recht. Dabei ist aber Erdogan die Unterstützung der USA wichtig, da diese sich ohnehin nie um Recht oder Gesetz kümmern.Die Frage ist natürlich: Wollen USA und Türkei wirklich ISIL schwächen? Die Antwort ist ein klares „Nein“! Denn ohne Isil auf einer Seite, könnte die syrische Armee sich auf Terroristenherde von Al Nusra  (nahe Damaskus) und andere (in Aleppo) konzentrieren. Bislang hat der Zweifrontenkrieg eine Lösung verhindert, was Obama -und besonders auch Hillary Clinton- ganz bestimmt nicht sehen wollen, bestimmt nicht vor den Wahlen! – Dr. J. Boost


Leserbrief zu „Jetzt wird es eng“ von Mark Schieritz

Schlimm genug, dass ein Arbeitnehmer mit solidem Einkommen nur noch dann von seiner „Hände Arbeit“ leben kann, wenn er das Glück hat, preisgünstigen Wohnraum in günstiger Lage zum Arbeitsplatz gefunden zu haben.

Schlimm, wenn Menschen in schwieriger wirtschaftlicher Situation darauf angewiesen sind, mehrere Jobs anzunehmen, um über die Runden zu kommen.
Schlimm, dass vieles auf der Strecke bleibt: Gesundheit, Seele („Angst essen Seele auf“), vernachlässigte Kinder, einsame Alte, Freizeit, Bildung und Lebensfreude,
Und dies alles nur, weil diejenigen, die ohnehin schon genug haben, immer noch mehr haben wollen und dabei noch den Staat um die Steuern bringen, die für soziale Hilfen so dringend benötigt werden.
Die in der freien Wirtschaft Tätigen entwickeln phantastische Ideen, wie Wohnen und Arbeiten zum Wohle der Investoren immer besser verknüpft werden können. Die großen IT-Firmen entwickeln mit Milliardeninvestitionen gigantische Firmenzentralen mit allen Raffinessen, damit die umworbenen Mitarbeiter dort andocken, sich wohlfühlen und bis zum nächsten Rausschmiss ordentlich schuften.In den einschlägigen Behörden allerdings sitzt ein Heer von staatlich alimentierten „Fachleuten“, die weder bei Immobilien-Projektplanungen noch bei sozialen Fragen den in der freien Wirtschaft tätigen Eierköpfen das Wasser reichen können oder (noch schlimmer) wollen.
Es tut einfach nur weh, zu sehen, welche Chancen in diesem wunderbaren und reichen Land immer dann vertan werden, wenn es um das Wohl der Massen geht, weil man die Reichen und Großen weder seitens der Administration noch der Politik um des Wohles der hier lebenden Menschen willen nicht zwicken will.Und dann wundert man sich, wenn demagogische Sprücheklopper mit dümmlichen unausgegorenen Versprechungen Aufmerksamkeit und Zulauf der Geängstigten und schlecht Informierten bekommen.Ehrliche und gutmeinende intelligente Mahner sind selten zu hören und werden dann oft auch noch niedergemacht.Kultur in einem demokratischen Rechtsstaat sieht anders aus.Die nächsten Wahlen könnten ein böses Erwachen bringen. – Friedrich Funk

Leserbrief zu „Jetzt wird es eng“ von Mark Schieritz

Jetzt wird es also eng? Das Verschwinden bezahlbaren Wohnraums beschäftigte uns in Berlin Kreuzberg vor zehn Jahren, als das Land Berlin seinen sozialen Wohnungsbau ‚versilberte‘, um die Haushaltslöcher zu stopfen, die die Verstaatlichung der Spekulationsverluste im Berliner Bankenskandal gerissen hatte. Damals meinten noch grüne Politiker, so ein bisschen Gentrifizierung könnte Kreuzberg 36 ja nicht schaden. Jetzt ist alles für n Appel und n Ei verkauft und keine Grundlage mehr für eine staatliche Einflussnahme auf Mietpreise. Wenn Schieritz nun „intelligente Interventionen“ fordert, so muss man leider sagen: „Wohnungsbaupolitik“ ist ein Beharrlichkeit erfordernder Kampf von Politik und Gesellschaft mit Kapitalinteressen. Wenn nun Mainstream-Journalisten (wahrscheinlich aus schönen Wohnungen in Mitte) die Bundesregierung anrufen, um Zustände zu bekämpfen, die vor zehn Jahren nur die mittlerweile an den Stadtrand verdrängten ‚Radikalos‘ verhindern wollten, kann ich nur schlecht applaudieren. Das macht mich eher melancholisch. Was hat Schieritz vor zehn Jahren geschrieben und ist sein Zuspätsein nicht systemisch, ja in gewisser Weise Teil der Wertschöpfungskette?  – Matthias Meindl

Leserbrief zum Artikel von Jens Spahn, „Doppelt hält schlechter“

Wem von den “automatischen“ Deutschen wird denn bitte die Frage gestellt, inwieweit man “diese Gesellschaft mit ihren Prinzipien und Grundlagen, ihren Werten und ihrer Kultur“ gutheißt oder nicht? Und warum geht es der CDU bei diesem Thema ausschließlich um die Deutsch-Türken? Ich persönlich kenne Deutsch-Italiener, Deutsch-Finnen etc. Was ist mit denen? – Michael Hauck

Leserbrief zu „Ein Jahr wie keines“ von Bernd Ulrich (und „Als Deutschland die Kontrolle verlor“ in Ausgabe 35)

„Hat die Kanzlerin richtig entschieden, als sie…“ die Grenzen offen gehalten hat, die Flüchtlinge ins Land ließ und…? Auch wenn diese Frage immer wieder und gern gestellt wird, geht sie meines Erachtens völlig am Problem vorbei. Die Bundesregierung und die Kanzlerin haben völlig darin versagt, das Land und die Einsatzkräfte auf einen Flüchtlingsstrom vorzubereiten und sie haben, als es soweit war, kaum etwas getan, um Länder, Kommunen, Hilfsorganisationen und private Helfer zu unterstützen. Dass uns das Chaos erspart blieb, ist der Bundesregierung jedenfalls nicht zuzuschreiben. Dass die Kanzlerin nur die Wahl zwischen „Willkommenschaos“ und „Abschottungschaos“ hatte, ist einfach falsch. Zu Recht setzt Die Zeit noch den Halbsatz „wegen der vorhergehenden Versäumnisse“ hinzu. Warum steht das immer nur als Randnotiz? Das ist das Thema! Ein anständig geführter Staat erkennt mögliche Probleme wie eine Flüchtlingswelle (war bekannt!), entwickelt frühzeitig Lösungsszenarien und trifft Vorkehrungen, damit Grenzschutz, Kommunen usw. im Ernstfall angemessen Unterstützung erfahren, insbesondere indem sie Handlungsempfehlungen erhalten. Nichts von dem ist passiert. Das ist der Regierung anzulasten. Der Apparat sollte groß genug für diese Aufgaben sein. Als die Lage in Ungarn eskalierte, war es doch schon fast zu spät. Die Ahnungslosigkeit und Unvernunft der Regierung hat Die Zeit ja schön nachgezeichnet. Das Flickwerk und der Murks nach den Septembertagen wären eine weitere Reportage wert. Wird die Regierung lernen? Es wird ja nicht die letzte Herausforderung gewesen sein. Klima, Demografie, Abbau der Demokratie auch in der EU… gibt es einen Plan? – Dr. Eberhard von Faber


Anmerkung zum Artikel „Omran“ von Malin Schulz

Ja, ich kenne die Diskussion um die Macht der Bilder und nein, die Aufnahmen mit dem fünfjährigen Omran sind bei weitem nicht das einzige Dokument menschlicher Schande. Dennoch habe ich jedwede Relation unendlich satt, wenn einmal mehr – im Namen von wem oder was auch immer – unschuldige Menschen, insbesondere Kinder, unter der fürchterlich inhumanen Diktatur höchst verantwortungsloser Erwachsener leiden müssen. Wenn uns einmal mehr die Perversion und der ewige Irrtum des Krieges genauso gewahr werden müssen wie die Einsicht, dass die Menschheit zur Zivilisation nicht fähig ist. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Jetzt wird es eng“ von Mark Schieritz

 Als Wohnungswirtschaftler bin ich mit dem Tenor Ihres Beitrags völlig einverstanden. „Wie wir wohnen und wo, ist die wohl wichtigste soziale Frage dieser Tage“ wird allenfalls von der Klimafrage übertroffen, und die hat sehr viel mit dem Wohnen und dem Wohnungsbau zu tun. Dass die Mietpreisbremse nicht funktioniert hat, sondern teilweise sogar das Gegenteil bewirkt hat, hat mich nicht überrascht. Gut gemeint ist eben nicht automatisch gut gemacht. Sie schreiben, „was hingegen funktionieren könnte, sind intelligente staatliche Eingriffe“. So ein Eingriff könnte für Hamburg und andere Ballungsgebiete eine Wohnflächenabgabe sein. Ich habe meine Überlegungen dazu in dem angehängten „Denkanstoß“ zusammengefasst. In London wohnen die Menschen übrigens durchschnittlich auf 22 qm pro Kopf, habe ich kürzlich dem Handelsblatt entnommen. Mit Ihrem Kollegen Frank Drieschner bin ich über die Frage des Wohnflächenkonsums und eine Wohnflächenabgabe zur Belebung des Wohnungsmarkts im Gespräch. – Helgo Klatt

Leserbrief zu „Jetzt wird es eng“ von Mark Schieritz

Langsam wird wohl allen klar, dass Erhöhungen des Rentenniveaus (Ankündigung einer Kampagne durch Bsirske) oder Erhöhungen von Sozialleistungen, BAFÖG, steuerliche Verbesserungen für niedrige Einkommen usw. kaum nützlich sind, wenn jede Einkommensverbesserung sofort von den Wohnkosten wieder aufgefressen wird.

Wir brauchen eine ganze Reihe von Maßnahmen, wenn nicht noch viel mehr Haushalte von staatlichen Zuschüssen abhängig werden sollen – mit deutlich progressiver Tendenz. Die aktuelle Prognose besagt, dass bis zur Hälfte aller künftigen Rentner sofort in die Grundsicherung müssen. Das wiederum wird auf den Konsum durchschlagen mit weiteren Folgen für die gesamte Wirtschaft. Diese Keule wird die nächste Bundesregierung mit voller Wucht treffen, egal wie sie zusammengesetzt sein wird.

 Die Entwicklung wurde für mich schon Anfang 2016 deutlich und veranlasste mich, 2 kleine Bücher zum Thema zu schreiben, ein Fachbuch (Juni 2016) „Meine unpfändbare Wohnung“ mit einem Vorwort von MdB Corinna Rüffer und eine Erzählung (August 2016) „Anna lebt noch einmal“. Die Erzählung schrieb ich deshalb, weil die LeserInnen sich die komplexen Sachverhalte dann zusammen mit den handelnden Personen erschließen können. –  Klaus Puchstein


Anmerkung zum Artikel über Bayreuth „Überall spritzt Fett“

Herrlich Ihr Artikel über den Grünen Hügel, der auch mein Sehnsuchtsort ist! Vielleicht schaffe ich es in dreißig Jahren, wenn ich so zwischen Achtzig und Neunzig bin, auch einmal dorthin. Bis dahin halte ich mich an die Worte des fiktionalen Wagnerianers Inspector Morse aus der gleichnamigen britischen Krimiserie. Er belehrt in der letzten Folge „The Remorseful Day“ seinen Adlatus Sergeant Lewis: „You really should persevere with Wagner, Lewis. It’s about important things: life and death…and regret.“ Fogerichtig sind die letzten Sequenzen des Films, die Apotheose des ungewöhnlichen Inspektors, unterlegt mit Teilen aus dem Parsifal-Vorspiel. Auch herrlich! – Hildegard Wittersheim


Leserbrief zum Artikel über Bayreuth „Überall spritzt Fett“

ich oute mich gerne als Uralt-Abonnent …der fast nie Artikel öffentlich kommentieren will/wollte …! Aber der diesjährige Kommentar zu den Festspielen – ( bis auf Sloterdijks Glosse ist diese ‚Spezies‘ sowieso bereits unsäglich gewesen ) – schlägt dieses Jahr dem Fass den Boden vollends aus!!!  Will die ZEIT nun junge ‚Talente‘ so dreist alimentieren??? Diese ausgehungerte Jungautorin muss sich in diesem Provinznest B einfach den kümmerlichen Bauch ‚vollschlagen‘ …??? Ein Füllhorn an pejorativen Attributen könnte ich über dieses pubertäre Geschreibsel schütten … aber was soll’s … das Elaborat liegt nun vor … ! Grund genug, sich weder dieses ‚Talent‘ weiter zu merken – geschweige denn zu lesen – ! Aber vielleicht sollte ich mir doch Gedanken machen … mich einfach als Ü-60ziger zum alten Eisen zu zählen, mir einzugestehen, dass die Zeit gekommen ist, mein jahrzehntelanges Abo zu kündigen …. – Helmut Karl Degen


Leserbrief zum Artikel über Bayreuth „Überall spritzt Fett“

Vielleicht kann man dem Artikel, der sich mit den Abseitigkeiten der Bayreuther Festspiele beschäftigt, einmal die Wahrnehmung eines Festspielbesuchers entgegenhalten, der sich für Wagner ernsthaft interessiert: Hochgradig beeindruckend war der zweite Akt von „Tristan und Isolde“. Während des Liebesduettes „O sink hernieder, Nacht der Liebe“ gehen die beiden Protagonisten auf eine Projektion des bekannten Nahtoderlebnisses (dunkler Tunnel, erlösendes Licht am Ende) zu. Endlich einmal wirkten Musik und Bühnengeschehen stimmig. Dank an Christian Thielemann und Katharina Wagner.
Ebenfalls interessant, aber letztlich ärgerlich war z.B. der zweite Akt der „Götterdämmerung“, der vor einer Dönerbude an der Berliner Mauer spielt: Während Brünnhilde erkennt, wie sehr sie betrogen wurde („Schuft ihr mir Schmach, wie nie sie geschmerzt?“) zerhackt der Koch in der Dönerbude Salat, schneidet sich dabei in die Hand, viel Theaterblut fließt, um die Blutung zu stillen, steckt er die Hand in einen Eimer mit Kartoffelsalat und das Ganze wird auch noch gefilmt und in Echtzeit auf eine Großbildleinwand auf der Bühne übertragen, so dass man von Brünnhildes Klage nichts mehr mitbekommt.
Kein Dank an Frank Castorf, Dank dagegen an Marek Janowski, der entgegen dem deutschen Musiktheatergedöns Musik machen möchte, sich um das Bühnengeschehen nur soweit kümmert, dass die Sänger tatsächlich singen können. In diesem Fall haben das viele Besucher nicht mitbekommen, weil sie über diese Slapstickszene tatsächlich gelacht haben. Der Ärger stellt sich erst hinterher ein, ebenso wie der Ärger darüber, das Menschen, die dem zentralen Anliegen der Festspiele nichts abgewinnen können, knapp zwei Seiten für die Schilderung der Nebenschauplätze eingeräumt werden. – Rüdiger Mühlhausen

Anmerkung zum Artikel über Bayreuth „Überall spritzt Fett“
Von der “Zeit” bin ich gewohnt, dass im eigentlichen Blatt meist viel Vernünftiges steht, nur im nobel aufgemachten “Zeit- Magazin” viel völlig Überflüssiges und Inhaltsloses hochglanzmäßig aufpoliert wird. Nur “um die Ecke gedacht” finde ich dort immer schön, auch Martenstein schreibt öfter ganz nett. Diesmal hat es aber auch die eigentliche Zeitung erwischt: da schreiben 2 Leute aus Wien über Bayreuth, die mit ihrem Leben und ihrer Zeit nichts besseres anfangen können, als sich zu besaufen und vollzufressen und das anschließend der durchaus schönen Stadt anzulasten, wo es angeblich keine anderen Möglichkeiten gäbe, sich zu beschäftigen. Über Wagner und Wagnerianer kann man natürlich unterschiedlicher Meinung sein, ist Geschmackssache und in Wien wird musikalisch bestimmt mehr und Verschiedenes geboten. Mir persönlich ist Wagner oft auch zu bombastisch und aufgeblasen, obwohl ich in Bayreuth aufgewachsen bin. – Gerhard Bien

Anmerkung zum Bericht aus dem Landtag von Sachsen-Anhalt „Wir sind dagegen“Ich zitiere aus oben genanntem Artikel:“Eine Landtagsfraktion funktioniert ja wie ein kleines Unternehmen, sie braucht Sekretärinnen, Referenten, Hilfskräfte, einen Pressesprecher.“Fällt Ihnen etwas auf? Niemand erwartet geschlechtergerechte Sprache in Form von Binnen-Is oder Asterisken in einer Zeitung, aber dieser Satz geht nicht! Es ist ein leichtes, aus den Sekretärinnen z.B. Büromitarbeiter zu machen. – Antje Krauße


Leserbrief zu „Ein Jahr wie keines“ von Bernd Ulrich

Ihr Autor hat anscheinend eine andere Wahrnehmung als die meisten Bürger in unserem Lande. Meine Wahrnehmung ist auch eine andere. Das mag auf den ersten Blick, den Ihr Autor beschreibt, so sein. Auf den zweiten Blick oder genaueren, stelle ich eine große Unzufriedenheit fest. Manche sind auch unsicher und wissen noch nicht wie sie die Politik der Bundeskanzlerin einschätzen sollen.   Viele Bürger sind auf Abstand zur Bundeskanzlerin gegangen. Das Vertrauen zu ihr scheint aufgebraucht zu sein. Es wäre für eine Beurteilung auch hilfreich, mit denen zu sprechen, die sonst schweigen. Wer soll es sonst machen ? Diese Frage ist immer wieder zu hören. Eine Alternative sehen die Bürger kaum. Jedenfalls nicht unter den aktiven Politikern. Vielleicht einer von aussen, der nur unter den Insidern bekannt ist. Dem allzu beliebten Herrn Bosbach würden alle Herzen zufliegen. Da käme auch die Bundeskanzlerin unter die Räder. Bloss keiner von der linken Fraktion, denen hat man das Dilemma angehangen. Ihr Autor scheint auch nicht weit davon entfernt zu sein. Den Medien fehlt ein Grundgesetz, welches ausschließt, als vierte Kraft in der Politik mit zu wirken. Das sollte für alle gelten. Auf die Idee ist noch keiner gekommen. Das wäre aber ein wichtiger Beitrag für unsere Demokratie. Dann wäre eine Partei wie die AfD erst gar nicht geboren. – Gunter Knauer


 Leserbrief zu „Ein Jahr wie keines“ von Bernd Ulrich

Danke, Bernd Ulrich, für den treffenden Kommentar zum Jahrestag des 4. September 2015! Endlich ist einmal klar und deutlich zu lesen, dass Angela Merkel nicht die Grenzen geöffnet (sondern offen gehalten) hat, dass Hundertttausende von Flüchtlingen längst unterwegs waren, bevor sie angeblich die Grenzen geöffnet hat, dass sie nicht gegen geltendes Recht verstoßen hat, sondern dass eine Grenzschließung gegen deutsches und europäisches Recht verstoßen hätte, dass eine andere Entscheidung Deutschland verändert hätte, weil es kein Rechtsstaat mehr gewesen wäre, in dem die Menschenrechte gelten, dass die Entscheidung richtig war und der Preis nicht zu hoch. Wer für die Alternative plädiert, „Abertausenden hilfsbedürftigen und hilfsberechtigten Kriegsflüchtlingen“ (Bernd Ulrich) die Hilfe zu verweigern, plädiert, sollte wissen, dass er sich vom Erbe des christlichen Abendlandes verabschiedet, zu dem der Grundsatz gehört: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. – Jürgen Thiede


Leserbrief zum Artikel ,,Was heißt hier Nein?“ von Dagmar Rosenfeld
Der Fall Lohfink und vor allem die absurde Verschärfung des Sexualstrafrechts, werden dazu beitragen, dass immer weniger Männer eine Frau kennenlernen wollen. Nach neuem Recht reicht bereits das Herunterreißen der Kleidung für den Tatbestand der Vergewaltigung aus, was früher nicht der Fall war (vgl. BGH 3 StR 172/06 – Beschluss vom 22. Juni 2006). Somit wird die Geburtenrate weiter zurückgehen. Durch die Schaffung des neuen § 184i StGB wird jede Berührung einer Frau für den Mann zum strafrechtlichen russischen Roulette. – Alexander Gruber


Leserbrief zum Artikel „Omran“ von Malin Schulz

Seit der Syrien-Krieg im März 2011 ausgebrochen ist, schreiben Ihre Redakteure immer wieder ergreifende Artikel, diese Woche z.B. über das Kind Omran, und jedes Mal geschieht in mir ein Flashback, zurück zum März 2006, als ich mit meinem Mann und unserem Pflegesohn, der zu der Zeit Arabisch in Damaskus studierte, ein kulturell begeisterndes und in seiner menschlichen, religiösen und historischen Vielfalt beeindruckendes Syrien kennnenlernte. Mit einem Privatauto durchfuhren wir knapp 2 Wochen lang einen großen Teil von Syrien, machten viele Fotos, viele auch an den archäologischen Stätten, die mich als Ex-Archäologie-Studentin besonders interessierten.

5 Jahre später brach der Krieg aus. Wieder 5 Jahre später kümmern wir uns nun in Heidelberg um syrische Flüchtlinge. Besonders um die Familie A. mit ihrer 3-jährigen Tochter aus Damaskus. Der Vater B. besaß dort ein Restaurant in der Altstadt, so erzählte er uns. Als wir vor wenigen Wochen mit einigen Nachbarn und weiteren syrischen Flüchtlingen ein deutsch-syrisches Gartenfest feierten, wollten die Syrer gern einige unserer Fotos sehen. Ich zeigte u.a. ein Bild von der Straße, in der unser damaliges Lieblingsrestaurant lag. Es schnürte mir den Hals zu: unser syrischer Vater B. rief plötzlich: „in der selben Straße hatte ich mein Restaurant. Dies ist das Restaurant meines Freundes!“ 10 Jahre später treffen sich ein Touri-Bild und die schreckliche Wirklichkeit des Krieges in einem kleinen Garten in Heidelberg. – Christiane Kehrel


„Doppelt hält schlechter“ Parlamentarischer Staatssekretär Jens Spahn (CDU) zur doppelten Staatsbürgerschaft

Jens Spahn geht es in seinem Artikel um Identität, insbesondere um die eindeutige Zugehörigkeit zu einem Staatsvolk, zu dem sich  jemand unter Ausschluss “fremder” Prinzipien, Werte oder Kultur bekennen muss, wenn er in den Genuss einer deutschen Staatsbürgerschaft kommen will.
Diese Perspektive ist bei weitem zu eng und wird den Normen und Werten, zum Beispiel eines in der BRD geborenen Deutschen mit türkischen Eltern, nicht gerecht. Eine solche Person ist von beiden Kulturen, ihren jeweils attraktiven und auch unsympathischen Merkmalen, so imprägniert, dass eine Entscheidung für die eine Kultur als Verrat an der anderen empfunden wird. Das gilt auch dann, wenn in einem der Länder, wie in diesem Fall in Deutschland, die Wirtschaft “brummt”, die Deutschen länger leben als die Türken und die Deutschen weltweit visafrei reisen können.
Ich habe als Entwicklungshelfer mein Leben im Ausland verbracht, und die Auseinandersetzung mit “ausländischen” Wertsystemen hat meine “deutschen” Werte und Kultur ausserordentlich bereichert. Ich betrachte mich in Bezug auf fröhlichen Witz als Afrikaner, in Bezug auf Zurückhaltung als Portugiesen, in Bezug auf Leidenschaftlichkeit als Brasilianer, in Bezug auf die Leichtigkeit des Zugangs zu anderen Personen als US-Amerikaner, bezüglich des Respekts vor der Privatsphäre als Spanier, und in Bezug auf Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit – und leider auch der Versuchung zur Rigurosität und anderen unangenehmen Eigenschaften – als Deutschen. All diese Länder sind für mich ein Teil meiner Identität, wenn auch nicht dokumentiert durch einen Pass.
Diese Differenzierung und der geographische Bezug der Wertsysteme gilt auch innerhalb Deutschlands: ein Bayer, der in seiner Jugend mit seiner Familie zwischen Hamburg und München gependelt hat, liebt die Aussenalster ebenso heiss wie das Oktoberfest, er wird nur nicht gezwungen, sich für die Zugehörigkeit zu einem der beiden Kulturen zu entscheiden, da beide Orte zufällig in Deutschland liegen. – Dr. Winfried Zettelmeyer 

„Doppelt hält schlechter“ Parlamentarischer Staatssekretär Jens Spahn (CDU) zur doppelten Staatsbürgerschaft

Sehr geehrter Herr Spahn, Sie versuchen zu begründen, weshalb zwei Staatsbürgerschaften für die Kinder von Nichtdeutschen falsch seien. Dabei nehmen Sie Bezug auf jüngste Pro-Erdogan-Demonstranten, erklären den Begriff des „Staatsbürgers“ – und sprechen von hohen Sozialstandards sowie großzügiger Zuwanderungspolitik als Gegensätzen. Ferner fordern Sie eine „bewusste Entscheidung“ für eine Staatsbürgerschaft – und fragen, weshalb diese unzumutbar sein solle. Es sei Ihnen nicht nachvollziehbar. Sie schließen mit dem Blick gen USA, wo Amerikaner italienischer oder chinesischer Herkunft ein klares „Ja“ zu ihrem Ami-Sein gäben, und fragen, warum bzw wann dies bei uns ebenso der Fall sei.

Es wird dann der Fall sein, wenn Sie endlich aufhören, alle über einen Kamm zu scheren, die vergangenen sechzig Jahre deutscher Einwanderungsgeschichte zu ignorieren und all den Menschen mit dem ihnen gebührenden Respekt zu behandeln, den sie verdienen. Meine Eltern haben durch ihre Einwanderung in den siebziger Jahren wie Millionen andere für den Aufbau dieses Landes gesorgt. Sie haben all jene schwere körperliche Arbeit, ohne zu Murren übernommen, und sich auch sonst nie beschwert. Ihre Kinder aufs Gymnasium geschickt, vom Sportverein abgeholt und auf Schulausflüge gesandt, ob sie es sich leisten konnten oder nicht. Sie sind krank zur Arbeit, haben uns Disziplin, Zuverlässigkeit und Anstand gelehrt, und Respekt vor unseren Mitmenschen, gleich welcher Herkunft. Sie zahlen ihre Steuern und dennoch: kein Funke Respekt für ihre Lebensleistung. Noch heute geistert der Begriff „Gastarbeiter“ durchs Land – Dummerweise kamen aber Menschen.

Es gibt einen kleinen Anteil jener, die in einem parallelen Milieu leben, das ist sicher. Oder zwei Reisepässe für Schandtaten nutzen, mag sein. Was aber ist mit den Millionen von Menschen, die hier leben und arbeiten, seit teils Jahrzehnten Steuern zahlen – und zwischen zwei Ländern, zwei Kulturen pendeln, denen wollen Sie diese Realität beider Kulturen verweigern, dem Hickhack beim Grenzübertritt aussetzen? Was fürchten Sie? Kennen Sie eigentlich die Gegebenheiten, wenn ehemalige Staatsbürger mit zB deutschem Pass oder Visum in ihr Herkunftsland einzureisen vorhaben?

Das Leben unserer aller Werte – es bedeutet gewiss nicht eine Entscheidung für dieses oder jenes Dokument. „Integration“ ist, was wir täglich leben. Ich muss mich nicht „integrieren“ – Ich bin längst da! Mittendrin! Können wir endlich einmal beginnen, das „Wir“ als Menschen jeglicher Herkunft anzuerkennen?

Ich habe meinen deutschen Personalausweis heute, mit 35 Jahren, abgeholt. Warum erst jetzt, fragen Sie sich?

Weil ich es leid war, darauf zu warten, dass die politischen Parteien dieses Landes für Menschen wie mich, eine Generation wie meine, Realitäten anerkennt, und uns beide Staatsbürgerschaften lässt. Uns das Wahlrecht zugesteht ohne die andere Staatsbürgerschaft aufgeben zu müssen.

Die Idee einer einzigen Staatsbürgerschaft ignoriert Realitäten unserer Zeit. Jeder kommt „irgendwoher“, jeder bringt irgendetwas „Fremdes“ mit..bis es alle kennenlernen und Teil des „Wir“ wird, eben nicht mehr „fremd“ ist – was ist daran verkehrt?

Dass Sie trotz Ihres Alters und Ihrer Lebenserfahrung sowie dem angenommenen erweiterten größeren Bekanntenkreis eines bekannten Politikers niemanden, wirklich niemanden kennen, den Sie persönlich zu dieser Situation, zu dieser von Ihnen formulierten „bewussten Entscheidung“ hätten befragen können – Das erstaunt mich zutiefst. Ist das nicht eben jene Abschottung in totaler Konsequenz, die Ihre Partei von Einwanderern eben nicht sehen will? Das Gegenteil all dessen, was Sie in Ihrem Beitrag formulieren und einfordern?

Ich bin hier geboren und auch hier aufgewachsen, habe mich während meiner Schulzeit und im Studium stets engagiert und für andere eingesetzt – mehr als mancher ihrer „deutschen“ Staatsbürger, ja, sogar sportliche Leistungen bis auf nationaler Ebene erbracht. Aber dass ich fremde Wurzeln, eine andere Kultur und andere identitätsstiftende Wesensmerkmale in all mein Tun tagtäglich einfließen lasse – Das ignoriert Ihre Politik. Sie schreiben, dies könne man auch mit deutscher Staatsbürgerschaft tun. Richtig: Fortan muß ich also als Deutsche ein Visum in Serbien beantragen, wenn ich längere Zeit einmal das Herkunftsland meiner Familie bereisen, meine Wurzeln kennenlernen, meine Großeltern länger sehen will. Könnten Sie nicht endlich anerkennen, dass ich beides in mir trage, und beides lebe, im Inneren wie im Außen, charakterlich wie formal? Zudem: Sind Politiker nicht gewählte Vertreter eben dieses ..Volkes..dieser Menschen?

Meine Eltern könnten Ihnen so einiges aus ihren vierzig Jahren in Deutschland erzählen. Sie könnten endlich ins Gespräch kommen. Sich ein auf persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen fundiertes Bild machen. Von jenen, für die Sie vorgeben zu arbeiten. Von deren Wünschen, Zielen und Hoffnungen. Damit man endlich nicht mehr übereinander, sondern miteinander spricht. Dann nämlich schaffen „wir“ das in Deutschland, was ja Ihre Frage war. Letztlich eine Frage der Prioritäten, des politischen Willens. Es war Ihnen wichtig genug für einen in meinen Augen unausgegorenen Zeitungsbeitrag in Wahlkampfzeiten. Jetzt wäre Ihre Chance gekommen, tatsächlich mehr zu verstehen. Zuzuhören. Ihre Politik den Bedürfnissen und Notwendigkeiten unserer Zeit anzupassen. Wenn wir das schaffen..Dann hören Sie von mir und von meiner Generation ein „Ja, wir sind Deutsche, wir sind all das!“ Und, vielleicht dann auch, werden irgendwann Begriffe nicht mehr da sein, die eher etwas über eines Geisteshaltung des Sprechers als über das avisierte Sprachobjekt aussagen, als da wären „Gastarbeiter“, „Integration“, „Wirtschaftsflüchtling“..die Reihe ist lang. Es ist an der Zeit. Legen wir los! – Slavica Markovic


Anmerkung zum Gespräch mit Halil Akkanat, Rektor der Türkisch-Deutschen Universität in Istanbul

Das Interview mit dem Erdogan-Claqeur Herrn Akkanat hätten Sie sich wahrlich sparen können. Die Äußerungen dieses Abnickers sind nur peinlich. Allerdings vermute ich, dass er lediglich an seinem  Posten festhalten will und vielleich eine ganz andere Meinung hat. – Roland Fischer


Leserbrief zu „Beton brutal“ über den neuen Geschmack an Nachkriegsbauten von Hanno Rauterberg
listet man die Vorschläge vieler Brutalismus-Liebhaber auf – diese werden nicht selten mit alten Agit-Prop-Phrasen vorgetragen – bleibt mir das Lob für jene Bauten im Halse stecken. Die Jahre, in denen diese Häuser realisiert worden sind waren durch eine insbesondere in Deutschland beispiellose Rücksichtslosigkeit gegenüber der Geschichte der Orte geprägt. Ganze historische Kernstädte – so in Ost-Berlin – fielen den Abrissbirnen zum Opfer und hinterlassen bis heute gähnend ausgedehnte Stadtplätze, die nur durch Autoschneisen begrenzt werden. In England, Frankreich oder Italien ist ein Erhalt einfacher, da hier keine
Stadträume leergeräumt worden sind. Warum sollen die Fehlplanungen – nicht wenige dieser solitären Großbauten sind stadtplanerisch verheerend falsch plaziert worden – musealisiert werden? – Markus Erich-Delattre

„Doppelt hält schlechter“ Staatssekretär Jens Spahn (CDU) zur doppelten Staatsbürgerschaft

Ist aber nicht unzeitgemäß, wird man zunächst spontan antworten. Wenn ein junger Staatssekretär mit keinem Wort die Globalisierung in diesem Zusammenhang erwähnt, in der es vollkommen logisch ist, dass es zwangsläufig immer mehr Menschen mit zwei oder sogar mehr Staatsangehörigkeiten geben wird, so ist das wenig überzeugend. Hinzu kommt, dass seine Forderungen, die nahezu ausschließlich mit dem Selbstlob unseres Sozialstaates „begründet“ werden, den Eindruck erwecken, nur die bewusste Entscheidung zur deutschen Staatsangehörigkeit könnte eine krisenfeste Gesellschaft „garantieren“. Auch der ablenkende rhetorische Schlenker („Pars pro Toto“) für das Selbstverständnis mit dem inzwischen überall beliebten inflationären Gebrauch „unserer Werte“, sind alles andere als ein argumentativer Begründungszusammenhang! Hier versucht der Politiker, Jens Spahn, eine Homogenität im Denken zu  erreichen, die gerade in seinem Job,  nicht nur falsch, sondern bereits bedenklich erscheint!! –  Johannes Seidel


Leserbrief zu „Stark durch Therapie“

Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass sich DIE ZEIT in die endlose Reihe der Lobbyisten einreihen würde. Aber nun ist es passiert. Mehr Werbung für Psychotherapeuten geht nun wirklich nicht.  Erstaunlich, wie die zitierten Herren sich dazu bekennen, dass es ihnen schlicht ums Geschäft geht:  „Psychotherapie muss sichtbarer werden, als begehrenswertes Produkt inszeniert werden. Echte Psychotherapie richtig zu vermarkten, das wäre eine große Geschäftsidee.“ (Alain de Botton).

Das sieht auch Johannes Vennen so, der der Nachfrage von Männern etwas nachhelfen möchte. Wie es aussieht, hat er damit Erfolg.   Alle möglichen Lächerlichkeiten – und jede einzelne ist ärgerlich – kommen zur Sprache. Schon der Süfke-Titel „Männer. Erfindet. Euch. Neu.“ Vor solchem Gestammel schreckt sogar die „LeichteSprache“ zurück. In der wird auch das Wort „Männlichkeitstechnisch“ nicht vorkommen, das Herr Süfke in die Welt gesetzt hat.  Herr Vennen setzt Tools ein und empfiehlt Achtsamkeits-Apps. Wenn es ums Geschäft geht, kennt die Phantasie der Psychotherapeuten offenbar keine Grenzen. Mit dem Mann wurde ein neuer Markt entdeckt.

Schluss mit den Einzelheiten. Eine nervt mehr als die andere. Alles deutet darauf hin, dass sich die Psychotherapie-Branche an der Pharmaindustrie orientiert. Ihr wird nachgesagt, dass sie ständig neue Krankheiten erfindet und sich damit neue Märkte erschließt. So ganz abwegig dürfte diese Vermutung nicht sein.

Männerkrisen, Männerkrisen, Männerkrisen – die habe es  zwar immer gegeben, und nun kommen noch aktuelle hinzu. Frauenemanzipation. Und die große Frage: Was bedeutet „männlich sein im 21. Jahrhundert?“ Das weiß niemand so genau, nur die Psychotherapeuten – wenn man ihnen glaubt.

 Weil der Mann jahrhundertelang der Boss war  und es heute nicht mehr ist, muss sich der Mann erklären, sagt Herr Hümer. Und weiter: „Es gibt viele Wege, das herauszufinden. Einen direkteren Weg als eine Psychtherapie, eine professionelle Lebensberatung oder ein gutes Coaching gibt es nicht.“  Doch, den gibt es: Das ehrliche Gespräch mit sich selbst. Davon muss niemand Angst haben, auch wenn manche Erkentnis vielleicht weh tut.

Zwei Anmerkungen zum Schluss:

Erstens: Die Therapie eines jungen Mannes, der fürchtet, sein Vater könne ihn für einen Schlappschwanz halten, ist wichtiger als die Therapie von misshandelten traumatisierten Kindern und von Soldaten, die ihre grausamen Kriegserlebnisse allein nicht verarbeiten können? Der Beitrag lässt diese Überlegung nicht ganz abwegig erscheinen.

Zweitens: Gespräche mit therapierten Männern haben nicht stattgefunden? Sie hätten zumindest geholfen, den Beitrag nicht so einseitig kommerziell zu schreiben. – Peter Gudelius


Leserbrief zu „Jetzt, jetziger, am jetzigsten“ Maximilian Probst über den beschleunigten Medienbetrieb

Meines Erachtens ist das Ungefühl mit den Medien – im Kern – nicht auf  die Beschleunigung als solche zurückzuführen, sondern auf die immer  weiter gehende „Medialisierung“ im eigentlichen Sinne des Wortes – der  Einfügung von immer mehr Zwischenebenen zwischen dem, der tatsächlich  etwas gehört, gesehen, erfahren, erlebt, gedichtet, gesagt, gestaltet  hat, und dem Nachrichtenempfänger. Es ist zwar das Wesen von Medien,  dass es Zwischenebenen gibt – das ist gerade der Sinn der Sache, dass  ich etwas über Dinge erfahre, die ich NICHT selber erlebt habe, und  Meinungen zur Kennntnis nehme, die andere sich über Dinge gemacht haben,  oder Gefühle, die sie zum Ausdruck bringen, usw. Gleichwohl: kann es  sein, dass heute weitaus mehr inner-mediale Selbstreferenzialität  besteht als früher (mir fällt leider kein einfacheres Wort ein)? Es gab  schon immer die „Presseschau“ – dass eine Zeitung berichtet, was andere  Zeitungen berichten. Nur, die HAUPTarbeit war, SELBER etwas zu  recherchieren – Leute liefen rum, stellten Fragen, machten Bilder,  durchsuchten Archive, … irgendwann entstanden Artikel oder Sendungen.

Heute besteht – glaub ich – mindestens 95 % der Arbeit einer  Nachrichtenagentur und vielleicht sogar einer Zeitungsredaktion darin,  zu überwachen, was alle anderen Teilnehmer am Medialen Leben senden,  schreiben, tweeten, re-tweeten, usf. Und dann entstehen Meldungen, die  letztlich in der 4., 7. oder 13. „Zitatebene“ zu einem tatsächlichen  Geschehen in der wirklichen, der physischen Welt stehen: A. zeigte sich  enttäuscht über die Reaktion von B. auf den Tweet von C., mit dem dieser  die Einordnung von D. kritisierte, der die xy-Politik von E. eine  „mittlere Katastrophe“ genannt hatte … Sack Reis, China, Sie  verstehen?

Und das passiert eben auch ganz schnell bei WICHTIGEN Themen:  irgendeiner filmt wackelig ein Flugzeug im Anflug auf einen Twin Tower,  oder im Überflug über Istanbul, und ZACK geht das in die Endlosschleife  – das ist ja nicht „falsch“, ja, aber es ist unterkomplex – eine  Riesengroße Realität wird plötzlich an irgendeinem Detail  „festgetackert“ und dann dröhnt die „Deutung der Deutungen der  Deutungen“-Maschine und keiner geht mehr los und stellt echten Leuten  Fragen – oder denkt mal in Ruhe nach, WAS ist hier eigentlich – alle  Label und alles Framing mal weggestrichen – wirklich passiert?Etc.,  etc. Man weiß fast nichts, und weil man das nicht zugeben will, wird das  Loch mit wiederholenden Kommentaren des Kommentars zum Kommentar gefüllt …  Um Sie zu bestätigen: das ist nichts Neues!

Ich hatte „schon immer“ ein  Ungefühl, wenn eine Tageszeitung berichtete: „Wie der SPIEGEL in seiner  morgigen Ausgabe berichtet, ist / hat …“ Die Nachricht war also nicht,  was passiert ist, sondern dass der SPIEGEL etwas berichtet – und ich hab  mich immer gefragt, was soll das? Wenn ich wissen will, was der Spiegel  schreibt, kauf ich den Spiegel … gell? Bloß, das war „eine Ebene  mehr“. Jetzt sind es gern mal drei, vier – oder noch mehr. Und das führt  natürlich zu einer völligen Diffusion der Quellen und der  Nachvollziehbarkeit. DAS ist – glaube ich – das größere Problem als das  „Tempo an sich“.  Schickt Leute in die Welt hinaus (oder in die Dörfer, es geht nicht um  die Entfernung) – macht das außer der BBC ÜBERHAUPT noch irgendwer? –  und starrt nicht nur auf Monitore, die berichten, was Al-Jazeera dazu  meint, was CNN zu einem Tweet von xyz zum Thema abc gesagt hat … so etwa. – Christian Naundorf


Anmerkungen zu den Fotos in der Rubrik Reisen

Auf Seite 52 zeigen Sie Bilder von der mir als gebürtigen Oberösterreicher so sympathischen Donau-Flusskreuzfahrt auf. Zumindest die Beschreibung des Bildes links oben ist sehr historisch. Am 17.9. jährt es sich (laut dem bedeutenden Geschichtsschreiber Otto von Freising) zum 860. Mal, dass Aschach an der Donau an das Herzogtum Österreich (ob der Enns) ging. Wie weit geht es zurück, dass dies als bayrische Landschaft gehandelt wird, zumindest hat der Ort unter bairischer Herrschaft sicherlich ganz anders ausgesehen. Ob es sich darunter wirlich um den Passauer Dom handelt, bezweifle ich ebenfalls, ohne allerdings so handfeste Beweise bringen zu können.- Dr. Herbert Peherstorfer


Leserbrief zum Bayreuth-Artikel „Überall spritzt Fett“

Zum Kotzen. Nicht nur wegen der gefühlt 80 Croissants und Rühreier. Wieder einmal opfert die ZEIT 2 Seiten für einen Bericht von den Bayreuther Festspielen, der sich durch komplette Ignoranz gegenüber dem Gegenstand auszeichnet. Nach dem Motto – ist das ein Spaß! – wird gefrühstückt und gesoffen und allenfalls das alt-dick-rechts-Wagner-Bayreuth-Klischee ausgepackt. Dabei ließe sich über diese Festspiele trefflich streiten, in inhaltlicher und sicher erst recht in kulturkritischer Hinsicht. Aber dann bräuchte es etwas mehr als die Feststellung, einige der Besucher hingen schon „am Tropf“.
NB: Warum nur ist sie nicht auf das Bonmot gekommen: Das Gefresse hält uns über WAGNER? – Jan Knobbe


Leserbrief zu „Schöner scheitern“ über Misserfolge von Wissenschaftlern

Über den Artikel habe ich mich geärgert. Ich hatte schon oft den Eindruck, dass das Ressort „Chancen“ sich sowieso ausschließlich an Akademiker und dort hauptsächlich an solche, die in der Wissenschaft verhaftet sind richtet und dadurch eine gewisse Reaalitätsferne aufweist. Aber dieser Artikel übers sogenannte „Scheitern“ war ja wohl ein Gag, oder? Wenn ich mir da erzählen lassen muss, dass jemand seinen Posten als Direktor am Max-Planck-Institut als „unglamourösen Job ohne Prestige und Lernfaktor“ klassifiziert und ein bedeutendes Scheitern in seiner Karrierre die verhinderte Rückkehr (aus Stanford!!) nach Deutschlan war, aber nur wegen seines Alters, jajaja, ist klar und ein anderer seine gescheiterten Bewerbungen, um Missverständnissen vorzubeugen, direkt alst „nur Testbewerbungen“ einstuft, dann zeigt mir das weniger, dass auch Wissenschaftler mal Misserfolge haben – das habe ich mir schon vorher irgendwie gedacht – , sondern eher, dass die, die es geschafft haben, eine verzerrte Realität wahrnehmen. Da ich beruflich öfter mal mit Hochschulpersonal aus den verschiedensten Disziplinen zu tun habe, war mir allerdings auch das kein neue Erkenntnis. Ich finde, diesen Artikel hätte man sich besser gespart. Oder anders genannt. Meine Sympathie gilt allerdings der Dame, die wenigstens wirklich mal einen unglamouräsen Nebenjob „Hase“!) genannt hat. –Katharina Voigt


Leserbrief zum Bayreuth-Artikel „Überall spritzt Fett“

Die Reportage der beiden österreichischen Autoren S. Sargnagel und M. Witzmann über ihre gemeinsamen Erlebnisse anläßlich des Besuchs einer Wagner-Inszenierung nebst ausladender Fress- und Sauforgien läßt den Leser schmunzeln: Wer rechnet schon damit, dass jemand den Mantel der Opern-Geschichte ausgerechnet an seinem Rektum zu spüren meint! Auch das Wiederaufleben der alten deutschen Sitte, aufgeregten Mannsbildern zur Beruhigung in aller Öffentlichkeit das Skrotum zu massieren, verblüfft den Leser. Sich den „Führer“ und Winifred Wagner bei der gleichen Praktik vorzustellen, dürfte allgemeine Belustigung erzeugt haben. Überhaupt hat man den Eindruck, dass der Geist  des „GRöfaz“, der scheinbar ständig den Grünen Hügel umweht, auf die klassische selbsterfüllende Prophezeiung zurückzuführen ist. Die Verehrung für Wagner durch den Weltenzerstörer Hitler ist historisch belegt, wohingegen eine wie immer geartete Affinität des Meisters selbst zu Adolf Hitler (wie von Christoph Amend in der letzten Ausgabe der ZEIT behauptet) eindeutig in den Bereich „Üble Nachrede“ gehört. Alles in allem ein erfrischend unkonventioneller Beitrag, wie er wohl nur mit der richtigen Portion „Wiener Schmäh“ so richtig zündet! Dass das Haupthaar der Protagonistin ob der Eindrücke „über Nacht ergraut“ ist, muss wohl als Berufsrisiko in der Branche gelten. – Christian Reineck


Leserbrief zu „Ein Jahr wie keines“ von Bernd Ulrich

Bernd Ulrich verdient Sympathie, dass er in der Zeit allgemeiner Erregung über die Flüchtlingsfrage, die Dinge wieder einmal in die richtige Perspektive rückt. Seine Kritik an der Bundesregierung in diesem  Zusammenhang gehört zu dem Gesamtbild dazu. Allein – sie ist zu verhalten.

Wer in seinem näheren Umfeld, im Kreise von Freunden und Bekannten erfährt, welche bürokratischen Hürden inzwischen aufgebaut wurden und welches Chaos noch immer bei der administrativen Bewältigung der Flüchtlingszustromes herrscht, der muss sagen:Die Deutschen haben nicht mit Hilfe ihrer gewählten Regierung die Situation leidlich bewältigt, sondern trotz dieser Regierung!

Man fühlt sich derzeit an die Agonie der letzten Kohl-Jahre erinnert.  Hoffentlich ist Frau Merkel so klug, dass sie es in 2017 –  wie ihr seinerzeitiger Ziehvater  – <nicht noch einmal wissen  will>.  Es ist höchste Zeit, dass die jüngere Generation das Ruder übernimmt. – Klaus Grieshaber


Anmerkung zu „Schöner Scheitern“

Vor rund 30 Jahren, Wir waren fünf junge Frauen die Lust und Mut hatten eine Galerie zu führen. Als wir nach Jahren diese wieder auflösten, wurden wir bedauert. Für uns war es eine großartige Zeit und neue Experimente warteten. Eine der letzten Ausstellungen zeigte die Abgelehnten und Zurückgewiesenen  der Bergischen Kunstausstellung. „Der Salon des Refusés“ wurde unser größter Erfolg. – Agnes Groschke-Faruß


Leserbrief zu „Die Feinde der Weltwirtschaft“ von Mark Schieritz

Lassen wir doch am besten Zahlen sprechen, die vor der Globalisierung in den USA geschrieben worden sind.
Die Globalisierung ist nicht Gott gegeben. Fast jeder Wirtschaftsökonom und Politiker preist es als Wunderheilmittel der Zukunft. Ich habe eher den Verdacht, daß der eine von den anderen abschreibt.
Also bleiben wir bei Zahlen: Das Bruttoinlandsprodukt der gesamten Welt betrug im Jahr 2014 etwa 19,2 Prozent. In den 80er Jahren waren es noch 25 Prozent. Nun will ich nicht die ganzen wirtschaftlichen Daten aufführen, das würde in einem Leserbrief den Rahmen sprengen. Aber allen an dieser Zahl kann ich Donald Trump sehr gut verstehen, wenn sein Bestreben wieder in einer stärken USA liegt. Er wird damit auch erreichen, daß die Arbeitslosenzahlen weiter zurückgehen.

Als Exportweltmeister gilt Deutschland. Das hat aber wenig damit zu tun, daß dafür die Globalisierung verantwortlich ist. Das Ausland kommt gar nicht drumherum Produkte aus Deutschland zu importieren. Sonst müssten die heute noch alles manuell herstellen. Unser Erfindungsgeist und Ingenieurkunst sucht weltweit seines Gleichen. Das ist das Geheimnis unseres Erfolges. Und in Amerika ist es der Dienstleistungssektor und im besonderen die Elektronik. Ohne Amerika gebe es keine Handys und Computer in dieser Qualität. Ihre Redaktion sollte sich der üblichen Demagogie in Deutschland etwas mehr zurückhalten. – Gunter Knauer


Leserbrief zum Bayreuth-Artikel „Überall spritzt Fett“Als Münchnerin, die Anfang der 50er Jahre in der damals höchsten Wohnung von Bayreuth Stadt geboren ist, empfehle ich der jungen Autorin des Artikels für ihren Besuch der Bayreuther Wagner Festspiele 2017 folgendes: Sie könnte sich an den zahlreichen Straßenzügen mit den unter Markgräfin Wilhelmine gebauten Sandsteinhäusern und diversen Barock Brunnen erfreuen, ganz abgesehen vom Markgräflichen Opernhaus (UNECO Welterbe), dessen derzeitige Restaurierung nächstes Jahr möglicherweise abgeschlossen ist. Ein geruhsames Flanieren im Hofgarten mit all den barocken Figuren auf Inseln im Wasser und unter schattenspendenden Bäumen gehört ebenso zum Bayreuth Besuch. Auch eine Ruhepause in einer der Kirchen kann erfrischend sein. So hat die Spitalkirche am Marktplatz mit ihrem Kanzelaltar mich als Kind besonders fasziniert. Sollte die junge Wienerin wieder einen Gang über den Friedhof machen, dann könnte sie vielleicht der große Findling, den Jean Paul sich für sein Grab gewünscht hat, beeindrucken. Anstatt wieder in die von ihr so bezeichnete Monotonie und das exzessiv geschilderte opulente Essen zu verfallen empfehle ich Frau Sargnagel und ihrem Partner einen Ausflug in die Eremitage; dort erfreuen sich Kinder und Erwachsene an den Wasserspielen und bewundern die mächtigen uralten Perückensträucher. Sollte die Autorin dann immer noch an einer „Schwere“ leiden, die „physisch kaum mehr überwindbar“ ist, so könnte sie es mit einem Ausflug ins nahe gelegene Kulmbach versuchen; die dem Städtchen Schutz gebende Plassenburg lockt mit ihrem Renaissancebau zu einer flotten Besteigung des Burgbergs.

– Jedenfalls haben meine Münchner Verwandten und ich all dies genossen, wenn wir bis in die 80er Jahre die Bayreuther Großeltern besuchten. Es „spritzte“ kein „Fett“, sondern es waren gemütvolle Erlebnisse. – Dr. Cornelie v. Schütz


Anmerkungen zum Bayreuth-Artikel „Überall spritzt Fett“

Selten habe ich einen so niveaulosen Artikel in Ihrer ansonsten von mir sehr geschätzten Zeitschrift gelesen.  Ohne wirkliche Sachkenntnis, langweilig, witzlos und überheblich. Unter dem Titel „Mein Ferienerlebnis“ hätte wohl jeder Gymnasiast nur mit Mühe ein „ausreichend“ bekommen. Schade dass dafür auch noch Gelder, auch aus meinem Abo, ausgegeben werden. – Dr. Theodor Schwenk

Ich war noch niemals in Bayreuth, ein Wagner-Freund bin ich auch nicht, aber ich weiß, dass Bayreuth und Wagner einen gehalt- und niveauvolleren Verriss verdient hätten als den, der ihnen und uns Lesern auf zwei vollen Seiten des “Zeit”- Feuilletons zugemutet wird. – Stephan Fritzen

Das war NICHTS. Nicht witzig, nicht anregend, nicht interessant, auch nicht provokant. Das war einfach nur dumm und schlecht. Qualitativ nicht einmal Oberprima. Das Spiel mit der deutschen Sprache ist hohe Kunst, die Frau Sargnagel nicht beherrscht. Wer in Ihrer Redaktion hat diesen Text freigegeben und es zugelassen, das dieses Nichts in der Zeit veröffentlicht wird? Ich möchte für diese zwei Seiten Papiermüll mein Geld zurück. –  Ursula Ide

„Überall spritzt Fett“ ist ein unglaublicher dummer Artikel: der Unterhaltungswert beträgt Null, der Erkenntnisgewinn liegt erheblich darunter. Als Leser Ihrer Zeitung seit 60 Jahren frage ich mich bei Beiträgen wie diesen, ob sich ein Abonnement noch lohnt. Wenn die Autoren im letzten Satz androhen, im nächsten Jahr wieder nach Bayreuth zu fahren, dann aber bitte nicht einen weiteren „Erfahrungsbericht“. – Dr. Dieter Kastrup

Zwei Seiten für einen so uninteressanten Text: ist eigentlich schade! – Marlis Körmann

Muss es sein, dass dem dermaßen dilettantischen Autoren-Duo Sargnagel und Witzmann so viel Platz eingeräumt wird, um über Bayreuth zu berichten und man genervt über  ihre Ess- und Trinkgewohnheiten lesen muss, statt ausführlicher über die Aufführungen informiert zu werden?  – Wiebke Robl

Schön über die Äußerungen der Herren Meese und Sloterdijk zum Thema Festspiele Bayreuth in den Vorjahren konnte man im Grunde nur die Nase rümpfe ob deren unsäglichen Stil. Frau Sargnagel aber schießt den Vogel ab: Ein solches Sammelsurium an Widerwärtigkeiten, gepaart mit einer Arroganz und Ignoranz der Unbekümmertheit, wie sie wohl vor allem Menschen eigen ist, die sich nie mit dem Thema RW intensiver beschäftigen wollten (oder konnten?) in Sprache und Inhalt auf fast zwei Seiten ist kaum noch zu ertragen. Hat die ZEIT es wirklich nötig, ihrem ohnehin immer etwas schwächelnden Feuilleton mit derart viel Ignoranz ein paar Wunden mehr zuzufügen? – Dr. Harald Lucius

Wenn ihr nichts am Hut haben mit Oper, ist es nicht schlimm. Lass es einfach. Schon wieder irgendeine Person nach Bayreuth zu schicken, so dass sie über die Shicki-Micki lüstig machen  ist langweilig. Für die. die Oper lieben – und dass ist natürlich nicht alle die da auftauchen – geht es haupsächlich um Singen und Sänger. Nicht um die Inszenierung, nicht um den Dirigenten, nicht um die Abendkleider. Kostüme oder Bühnenbild. Wenn das Singen nicht gut ist wird alles andere den Abend nicht retten aber wenn es richtig gut ist, ist das andere eigentlich egal. Es ist mir nach 10 Jahre abo klar, dass ihr das nicht versteht. Deswegen wäre es schön wenn ihr einfach aufhört über Oper zu berichten. – Sarah Johannsen
Ich möchte Sie bitten, mir einen Auftrag für eine Reportage über die Stadt Wien zu erteilen. Aber wahrscheinlich wird es mir nicht möglich sein,  in einer derart schnoddrigen und primitiven Art zu berichten. Unerklärlich, wie so ein Bericht in der Zeit erscheinen kann. – Johann Steinweg

Selten habe ich  etwas so Banales gelesen wie den Beitrag  von Stefanie Sargnagel über Bayreuth.  Da werden  uns  endlose Beschreibungen der von ihr und ihrem Begleiter  konsumierten Mahlzeiten und deren Garderobe zugemutet- neben taktlosen und überhaupt nicht witzigen Bemerkungen über  das  angejahrte Publikum. Über die Aufführungen selbst erfährt man relativ wenig… Wie es möglich gewesen ist, dass diese Dame im Rahmen des Ingeborg Bachmann- Preises  ausgezeichnet worden ist- wenngleich nur mit dem „Publikumspreis“- ist  mir unerklärlich.  Mit ihrem Beitrag über Bayreuth in der „Zeit“ hat  Stefanie Sargnagel ihren Offenbarungseid  geleistet. – Dr.Christa Sauer

Was für eine Verschwendung! Wie kann man nur jugend-hochmütigen Leuten mit völliger Ahnungslosigkeit von Musik bzw. Wagner eine solche Reise spendieren. Kein Wunder, das Resultat: keinerlei qualifizierte Äußerung zu den Aufführungen, dafür völlig uninteressante Beschreibungen kulinarischer Völlerei und Hitler-Visionen. Unmöglich! (Wen interessiert es, wie viele Marmeladen-Croissants Herr Witzmann essen kann?) Ich behaupte, Ihnen eine bessere – durchaus kritische – Reportage liefern zu können, sollten Sie auf die Idee kommen, mich dafür zu engagieren. Eine Woche all-inclusive Bayreuther Festspiele mit sämtlichen Aufführungen – das wäre mir schon eine Arbeit wert, die mit Sicherheit inhaltsreicher ausfallen würde als diese Schnodderei. Sie haben „Perlen vor die Säue geworfen“. – Christine Bickel
Bravo! Danke, daß wir diesen Bericht über die Bayreuther Festspiele lesen durften. Die Autoren waren mir unbekannt aber ich hoffe demnächst mehr von ihnen
lesen zu können. Der Redaktion gebührt der Dank, daß sie uns (der vielfach ergrauten  Leserschaft) diese „respektlose“ Schilderung dieser ehrenvollen  Veranstaltung gegönnt haben. Selten so herzlich gelacht und Gratulation an Frau Sargnagel: besser könnte man sich die Entdeckung des „Führers“ in diesem  Umfeld kaum denken. – Dr. K.H. Wüst

Leserbrief zu „Ein großer Wurf“ über die italienische Autorin Elena Ferrante

Iris Radisch nimmt sich als Frau den Romanzyklus der Schriftstellerin Ferrante vor und informiert den Leser ausführlich über das -dem Medienecho zufolge- bedeutende Werk. Wir Männer erfahren wieder einmal, wie weit weg die Frauen von uns denken und fühlen (müssen), da von Seiten der Männer eher Geringschätzung, großzügiges Mitleid oder ein schwer auszurottender Überlegenheitswahn die zwischengeschlechtliche Wahrnehmung beherrscht. Wenn in der Zeit zu einem Thema oft zwei Redakteure gegensätzliche Meinungen vertreten, sollte dieses Prinzip bei dem Thema bedeutende Literatur aus der Feder einer Frau hier erst recht angewandt werden : Lasst auch einen männlichen Feuilleton-Redakteur zu dem Werk der Schriftstellerin Ferrante zu Wort kommen ! Der männliche Kollege von Iris Radisch müsste eigentlich etwas spezifisch männliches in seiner Wertung erkennen lassen -spannende Frage ist nur : Was ? – Klaus Reisdorf


Leserbrief zum Gespräch mit Starökonom Jagdish Bhagwati

Dafür, dass Herr Bhagwati so ein großer Ökonom ist, sind seine Aussagen  aber sehr schmalspurig. Zwei Kernaussagen sind mir besonders  aufgefallen: Die Leute verstehen nichts von Wirtschaft und die  Globalisierung ist nicht Schuld an der Arbeitslosigkeit. Nun, das ist  mir zu einfach und undifferenziert.  Ich möchte voranschicken, dass ich keine Anhängerin der AfD bin, die  sich ja auch globalisierungskritisch gibt. Globalisierungskritik gab es  schon vor der Geburtsstunde der AfD (siehe ATTAC).  Ich bin nicht generell gegen Freihandel und auch nicht gegen  Globalisierung, aber ich bin gegen die Art und Weise, wie die  Globalisierung gestaltet wird. In dem Interview mit Herrn Bhagwati wird  die Textilindustrie genannt.

Vor einigen Wochen haben Sie in einer  Ausgabe der Zeit über Arbeiter aus einer Textilfabrik in Pakistan  berichtet, die nach einem Brand nun die deutscher Firma KIK verklagen,  der sie eine Mitberantwortung für die verheerenden Zustände an ihrem  Arbeitsplatz in Pakistan geben. Der damalige Bericht und viele weitere  zu dem Thema bringen auf den Punkt, warum die Globalisierung kritisch zu  sehen ist. Die Weltkonzerne verlagern ihre Produktion in Länder, in  denen es billiger ist, arbeiten zu lassen. Das schadet nicht nur den  Arbeitern in den westlichen Industrienationen, sondern es nützt auch den  Arbeitern in den Billoglohnländern nur vermeintlich. Wie oft wurde  beschrieben, zu welchen grausamen Bedingungen die Menschen dort arbeiten  müssen. Keine Sicherheitsstandards, Hungerlöhne, keine  Sozialversicherungen! Die Arbeiterinnen und Arbeiter in diesen Ländern  werden schlicht ausgebeutet, während die Konzerne immer mehr Gewinne  einfahren. So darf Globalisierung nicht aussehen.

Auch in der Debatte über die Freihandelsabkommen TTIP und CETA wurde  deutlich, dass die Globalisierung einseitig die Interessen der Konzerne  berücksichtigt. Wenn Arbeitnehmerrechte und Umweltschutz zu  „Handelshemmnissen“ deklariert werden, nur damit den Konzernen nichts  von ihren Millionen entgeht, dann läuft auch hier Globalisierung falsch.  Es gibt zahlreiche andere kritische Entwicklungen im Schlepptau der  Globalisierung. Die Massentierhaltung, die zur Folge hat, dass deutsche  Tiermäster ihre Schweine- und Hühnerreste auf afrikanischen Märkten  verkaufen, mit der Folge, dass afrikanische Bauern ihre Produkte nicht  mehr absetzen können, ist nur ein weiteres Beispiel. Will man diesen  Bauern sagen, sie müssen halt umschulen und ins Dienstleistungsgewerbe  gehen? Was für ein Quatsch!

Über die Zusammenhänge solcher  Wirtschaftspraktiken mit Flucht und Migration ist dabei noch gar nicht  nachgedacht worden.  Über diese Kritikpunkte hat sich der Starökonom Herr Bhagwati überhaupt  nicht geäußert. Zu behaupten, wer gegen Globalisierung sei, verstehe  einfach nichts von Wirtschaft, ist schon sehr arrogant.  Im Übrigen halte ich es für fatalistisch zu sagen:“Mann kann der Welt  nicht entfliehen.“ Nein, das kann man nicht, aber man kann die Welt  gestalten. Und nicht alles, was neu und modern ist, ist super, nur weil  es neu und modern ist.  Der Maßstab allen wirtschaftlichen Handelns muss das Wohl aller Menschen  und nicht nur der Konzerne sein. Dazu gibt es mannigfache Ideen, ohne  dass man sogleich in den Marxismus und die Planwirtschaft oder gar in  die Nationalstaaterei a la Front National und AfD zurückverfallen muss.  Es geht nicht um die Abschaffung der Globalisierung, sondern um ihren Umbau. – Erika Sigrid Becker


Leserbrief zu „Ausprobieren statt Null-Eins-Angst“ von MATHIAS TERTILT

Als ehemaliger Programmierer möchte ich vehement dagegen sprechen, dass eine schwarz-weiß-Denke durch die Codierung von was auch immer in ein Eins/Null-System nicht gefördert wird und eine solche Erfahrung als Unsinnig deklariert wird. So kann eigentlich nur jemand reden, der nicht verstanden hat, dass ein Binärsystem sich vor allen Dingen durch Alternativlosigkeit auszeichnet: Wo keine Eins zu finden ist, MUSS eine Null stehen, nichts anderes ist möglich. Hegel behandelte das wohl als „Bestimmte Negation“. Ich habe Jahrzehnte mit der Programmierung zugebracht, war ein Kind und ein Opfer des in den Achtzigern aufkommenden PC-Zeitalters. Und ich brauchte ein Jahrzehnt, bis ich wieder „analog“ denken konnte: Wo keine Eins ist, ist nicht-Eins. Was immer das ist. „Null“ ist nur ein Fall der möglichen Fälle. Die Kompetenz des sokratischen Wagen könnens verliert sich im binären Eins-Null-Schema. Menschen suchen Gewissheiten, das liegt in ihrer Natur. Das Binär-System und das binäre Denken „liefert“ eine solche Gewissheit. Auch wenn sie verdeckt, dass diese Gewissheit auf Alternativlosigkeit gründet, mithin: Einfältig ist. Ein bipolarer Absolutismus kann sich daraus so trefflich entwickeln wie der Schimmelpilz in einem warmen, feuchten Habitat.  – Volker Homann


Anmerkung zum Nachruf auf Ernst Nolte

Gegen Ende Ihres berechtigterweise kritischen Textes schreiben Sie,  Nolte habe nach 9/11 „hellsichtig“ den Islamismus als Gefahr für den Westen erkannt. „Hellsichtig“ – echt? Ich bin kein Freund von Samuel P. Huntingtons wilden Thesen, aber er hat das schon viel früher erkannt – und zwar vor 9/11 (siehe: Kampf der Kulturen [1996],  Tb-Ausgabe, 2. Aufl. München 1998, S. 168-187, 279-288, 334-350,  415-422). – Prof. Dr. Burkhart Lauterbach


Leserbrief zu „Ist es fair, Donald Trump aus der Ferne zu analysieren?“

Warum reicht es nicht, Trumps Verhalten nüchtern zu beschreiben? Anschließend kann jede/r Amerikaner/in frei entscheiden, ob sie/er einen Mann wählen will, der so redet und sich so verhält wie Trump.

Stattdessen werden Ferndiagnosen gestellt, die Trump in einer Richtung bestärken. Er kann an dieser Stelle mit Recht behaupten: Seht her, Leute, hier sind ein paar Akademiker/innen, die glauben, mir sagen zu können, wie ich angeblich bin. Das ist mitten in einem Wahlkampf, der die soziale Spaltung in den USA deutlich zeigt, Wasser auf Trumps Mühlen. Die Objekte akademischer Analysen mit schrumpfenden Mitteln zur gesellschaftlichen Teilhabe, die vielen verarmten Amerikaner/innen nämlich, kennen das sicher nur zu gut. Man redet über sie, aber nicht mit ihnen, denn die „Expert/innen“ glauben ohnehin besser zu wissen, was bei ihnen los ist.
Mit der Verbreitung der Psychotherapie sind einige Vokabeln in den alltäglichen Sprachgebrauch übergangen. „Widersprüchlich“ heißt jetzt öfter mal „schizophren“, „gesteigert“ wird zu „manisch“ und ein „hartnäckiges Beharren“ zur „Fixierung“. Meistens erfolgen die „Diagnosen“ aus der schlichten Absicht heraus, Gegner/innen herabzusetzen. Es klingt ja auch nach mehr als ein einfaches: „Du bist doch doof.“ In bestimmten Kreisen gehört die Redeweise im Psycho-Vokabular auch zum guten Ton und soll zeigen, dass man sich mit dem eigenen Unbewussten und dem der anderen auseinandersetzt. („Ich bin ja so Walt-Disney-geprägt.“)
Es ist naheliegend, niedrige Motive zu vermuten, wenn Psychologen ausgerechnet im Wahlkampf Politiker/innen pathologisieren. Wenn eine (behauptete) psychische Erkrankung  zum Aufruf werden soll, politisch aktive Menschen aus dem Politikbetrieb auszumustern, läuft eindeutig etwas falsch. Sollte der therapeutische Berufsstand nicht Empathie zeigen und Menschen bei der persönlichen Entwicklung helfen statt Stigmatisierungskampagnen anzuzetteln? Empirische Zahlen, Daten, Fakten zu Trump sind informativ, „Krankengeschichten“ nicht. – Claudia Herbst

Leserbrief zu „Überall spritzt Fett“

Dieser Artikel hat meine über Jahrzehnte sorgsam gehegten Vorurteile gegenüber Wagner und seiner Musik aufs Schönste bestätigt. Das Dumpfe und Ideologiebehaftete dieser Musik hat mich schon immer angewidert, obwohl ich zugestehen muss, dass das Tristan-Vorspiel tatsächlich ein Schritt in die Zukunft des Komponierens war. Aber ist es nicht auch ein erster  Sargnagel für die einzigartige Musikkultur des 18. Und 19. Jahrhunderts? Daher hat es mich auch sehr gestört, dass Wagner und Mozart hier in einem Atemzug genannt wurden. Der Schlusssatz der Jupitersymphonie mit seiner einzigartigen Symbiose von Homophonie und Polyphonie ist eine so geniale kompositorische Großtat, dass es praktisch keine Beurteilungsmöglichkeit mehr gibt. Und gibt es irgend ein Stück von  Wagner, das dermaßen in seelische Tiefen vordringt wie Mozarts Adagio in h-moll für Klavier? Da steht Mozart wirklich turmhoch über Wagner.

Was für Wagners Musik gilt, das gilt erst recht für den Menschen Wagner. Seine bösartigen Bemerkungen über den Kollegen Mendelssohn kann ich ihm nie verzeihen. Meiner Meinung nach ist Mendelssohn der viel bessere Musiker. Wie er die heiteren und auch die melancholischen Stimmungen Italiens eingefangen und ausgedrückt hat, das soll ihm Wagner erst mal nachmachen. Ich würde die Bayreuther Festspiele selbst mit einer geschenkten Eintrittskarte nie besuchen, obwohl ich zu der im Artikel beschriebenen Altersgruppe gehöre. – Klaus Hettesheimer 


Leserbrief zum Leitartikel „Jetzt wird es eng“

Viel peinlicher geht es nicht. Da debattiert Deutschland seit mindestens vier Jahren über steigende Mieten und Kaufpreise für Wohnungen, Phänomene wie Gentrifizierung und regionale Wohnungsnot – und DIE ZEIT kommt allen Ernstes im August 2016 (sic!) mit einem Artikel, der im Wesentlichen zusammenfasst, was schon lange bekannt ist. Und das dann auch noch auf Seite 1! Ist das Sommerloch noch größer und tiefer als in anderen Jahren?
Der Autor ist mit seinem Beitrag leider nicht nur vier Jahre zu spät, sondern er liefert neben vielen Allgemeinplätzen („Nicht jeder kann in der Stadt in den schönsten – und teuersten – Quartieren wohnen.“ Potzblitz!) auch noch mancherlei faktischen Unsinn.Die Mietpreisbremse ist ein bürokratisches Monstrum? Wieso das denn? Ist es etwa schon zu viel verlangt, einen Blick in den Mietpreisspiegel zu werfen und einen mit der Mietpreisbremse ausdrücklich erlaubten Aufschlag von 10% auszurechnen?
Die Mietpreisbremse konnte den Anstieg der Mieten nicht verhindern? Nein, natürlich nicht. Das liegt daran, dass die Bremse erst vor gut einem Jahr eingeführt wurde. Bei einem solchen Instrument liegt es in der Natur der Sache, dass frühestens nach zwei, wahrscheinlich eher nach drei Jahren belastbar festgestellt werden kann, in welchem Umfang die Mietpreisbremse wirkt. Zum jetzigen Zeitpunkt zu schlussfolgern, sie bewirke nichts, ist ungefähr so sinnvoll, wie am 25. November zu behaupten, der Winter sei kein echter Winter und werde es auch nicht mehr werden.
Sodann stieß der Autor auf einen – wie er schreibt – intelligenten staatlichen Eingriff. Damit meint er die Auflage der Stadt München, bei Wohnungsneubauten einen Teil der Flächen für Sozialwohnungen vorzusehen. Was ist daran neu? Und was ist daran besonders? In Städten wie Berlin, Hamburg und Stuttgart sind solche Vorgaben längst ganz normale Praxis. Das ist in der Öffentlichkeit bekannt und sollte wissen, wer im August 2016 über den Anstieg der Wohnungspreise in Deutschland schreibt.
Zuguterletzt schreibt Herr Schieritz noch: „Lange hat sich die Regierung beim Thema Wohnen einfach weggeduckt.“ Das stimmt, aber nur zum Teil. Immerhin gibt es längst die von der Bundesbauministerin einberufene Initiative für bezahlbares Wohnen und Bauen. Wer sich beim Thema Wohnen aber einfach weggeduckt hat, das ist DIE ZEIT. Warum eigentlich? Höchste Zeit, das zu ändern. Aber bitte mit kompetenten Artikeln, die Denkstoff liefern, und nicht mit unfundierten und völlig unseriösen Sprüchen!“ –Bernhard Bomke

Leserbrief zu „Wir sind dagegen!“ Beobachtungen aus dem Landtag von Sachsen-Anhalt

„Das Grundgesetzt ist nicht für den Islam gemacht“ Diese Aussage hat mich zu meinem Bücherregal geführt, um das GG mal wieder aufzuschlagen. Die dort aufgeführten Grundrechte kann ich nur als Ideale, als Ziele, auf die hingearbeitet werden soll, verstehen. Um dort hinzugelangen braucht es Toleranz, Kritikfähigkeit, ein starkes Selbstbewustsein, Solidarität und Empathie. Es gibt nicht viele Menschen und Institutionen, die diese Eigenschaften leben. So verstoßen z.B. auch die Glaubenssätze der römisch-katholische Kirche gegen das GG. Das Nichzulassen weiblicher Priester beispielsweise gegen Artikel 3 (Männer und Frauen sind gleichberechtigt) oder die Intoleranz in der persönlichen Lebensführung in Bezug auf Homosexualität oder den Zölibat gegen Artikel 2 (Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit). Dies ist nur ein Beispiel, es finden sich noch viel mehr, da muss man nicht lange suchen.
Damit der einzelne Bürger toleranter und offener für andere Lebensentwürfe und Ansichten sein kann, sollte er sich sicher und respektiert fühlen. Die Abwehr von Fremdem ist oft nur Angst vor Veränderung oder vor Machtverlust. Gute Rahmenbedingen für Toleranz und Offenheit zu schaffen ist Aufgabe der politsche Führung und jedes Einzelnen. Die Richtung gibt uns das GG vor.
Also sollten wir uns auch mit der AfD auseinandersetzen. Und zwar inhaltlich und nicht dadurch, dass wir den Abgeordneten keine Räume zuweisen oder sie nicht grüßen, das ist Kinderkram. Nur weil wir jemanden nicht mögen, kann er trotzdem mal recht haben. Genauso wie ein uns sympathischer Mensch mal eine andere Meinung als man selbst vertreten darf. Positiv ist doch, dass mal wieder gestritten wird. Auf eine respektvolle Art unterschiedliche Meinungen zu vertreten ist gut und bricht Verkrustungen auf. Das kann den etablierten Parteien nicht schaden. Die AfD repräsentiert eine nicht unerhebliche Menge von Menschen, auch deren Stimmen müssen wir hören. Müssen sie uns ja nicht zu eigen machen. –Katrin Schobig

Leserbrief zu „Ein Jahr wie keines“
So lange es Armut und Kriege gibt auf der Welt, so lange wird es Flüchtlinge geben. Logisch ist, dass diese besitzlosen, geschundenen Menschen in diejenigen Länder flüchten, wo Industrie und Wohlstand am stärksten sind. Dass Deutschland, vor 71 Jahren selbst am Boden zerstört, vor 27 Jahren noch durch eine Mauer in zwei Teile geteilt, und vor einem Jahr, als grösste Wirtschaftsmacht Europas, seine Grenze geöffnet und eine Million Menschen aufgenommen hat, denen es heute (den meisten von ihnen) besser geht, ist  eine grossartige, humanitäre Leistung! Das sollte Vorbild sein für alle anderen europäischen Ländern, auch für die Schweiz! Gretchenfrage: Geht es Deutschland dadurch wirtschaftlich jetzt schlechter? Mussten Löhne und Renten gekürzt, mussten die Hartz-IV Sozialleistungen an die eigenen Arbeitslosen gekürzt werden? Nein, es geht Deutschland wirtschaftlich noch genauso gut wie  vor dem 4. Sept. 2015.  Teilen macht glücklich. Wer gibt, dem wird gegeben! –  Verena Keller

Leserbrief zu „Kampf mit den Silben“ über Therapien für Stotterer

Mit Interesse habe ich diesen Artikel gelesen, da ich als Kind auch gestottert habe. Und zwar erst nach einemHundebiss im Alter von 4 Jahren. Vor diesem Ereignis habe ich flüssig geredet. Ich habe auch früh angefangenzu reden. Die Autorin verneint ja, dass Stottern durch ein solches Ereignis ausgelöst werden kann.Ich habe Gegenteiliges erlebt. Zu der Zeit auf dem Land gab es keine Hilfe für Stotterer. Ich habe mich selbstaus diesem Sumpf rausgezogen – dies hat zwar Jahre gedauert, aber als ich so 10 Jahre alt war, konnte ichwieder richtig sprechen. Es ist im Laufe des Lebens nicht wieder schlimmer geworden. Manchmal habe ich kurze Aussetzer – aber das merkt keiner – ich kann es gut überspielen.Kinder sind grausam – es ist gut, dass es heute Hilfen gibt. – Undine Mix-Falter

Leserbrief zum Selbstversuch von Viktoria Morasch, mit Burkini zu baden

Ihren Bericht über den Selbstversuch mit einem Burkini fand ich gelungen und geradezu kurzweilig, da nicht mit dem theoretischem Überbau überfrachtet zu der schwierigen Diskussion der deutschen Gesellschaft zu den in arabischen Ländern vertretenen weiblichen Kleidungsstilen.

Leider verdirbt der Schlusssatz den guten Eindruck, denn Sie scheinen auf einen Übersetzungsfehler hereingefallen zu sein. Kurva ist ein polnisches Schimpfwort für „jeden Zweck und jede Lebenslage“. Es  bedeutet keineswegs „Schlampe“ und ist eher mit „Scheiße“ zu übersetzen, wobei kurva nicht der Fäkalsprache entstammt und bei Weitem nicht so ordinär ist. Aufgrund der beschriebenen Lage – Sturz eines Betrunkenen – vermute ich eher, dass sich sein kurva-Ausruf auf den Sturz selbst bezog.

Ihr Erfahrungsbericht endet nun mit der geradezu erwarteten Erfahrung einer Abwertung und Beschimpfung durch die Mitbürger – schade. –Beate Stroka


Leserbrief zu „Omran“

Wiedermal hat mich dieses Bild erschüttert und mit Interesse habe ich den Artikel dazu gelesen.  Ich kann diesem weitgehend zustimmen. Was ich aber schon seit Jahren nicht verstehe, ist, warum niemand diesen Menschen wirklich hilft. Die ganzen schönen Worte der UN über die Menschenrechte sind das Papier nicht wert, auf das sie geschrieben sind. In Syrien gibt es nicht so viel Öl wie im Irak. Sonst hätten die Amerikaner längst richtig eingegriffen. Aber sie taktieren auch nur so rum und verfolgen nur ihre eigenen Interessen. So gewinnen die Russen dort Einfluss. Aber das ist nicht das Thema.

Ich bin so enttäuscht von den sogenannten Demokraten, dass sie diese Gewalt gegen Menschen und Sachen einfach geschehen lassen. Die Betroffenheitsbekundungen sind nichts als Heuchelei. Und diese Argumente, man wolle einen womöglich größeren Krieg verhindern, lasse ich nicht gelten. Man kann doch nicht alle Werte, die man hat und die gut sind, einfach vergessen. Ich verstehe unsere Politiker nicht mehr. Früher habe ich SPD gwählt, aber seit Hartz IV und anderen Dingen ist die SPD für mich nicht mehr wählbar. Auch die Grünen kann ich nicht mehr wählen. So bleibt mir nur noch die Linke oder gar nicht mehr wählen.

Trotz meines ganzen Frustes werde ich niemals eine rechte Partei wählen. Was sich da tut, ist auch mehr als beängstigend. Aber zurück zum Thema. Dieses Foto von Omran war in allen Zeitungen. Konsequenzen hat dies nicht. Ich würde mich anbieten, diesen Jungen zu mir zu nehmen, falls er keine Familie mehr hat. Er wird dann sicher in einem üblen Kinderheim landen. Es ist furchtbar – kaum zu ertragen.  Und Ihre Endsätze sind richtig – die schlimmsten Bilder sehen wir nicht. Es werden weiter Kinder sterben und es wird weiter fotografiert. Doch leider tut niemand was dagegen. Ich bin so enttäuscht. – Undine Mix-Falter


Leserbrief zu „Die Erde ist eine Scheibe“

Wieso versteckt sich dieser verstörende, aber wichtige Artikel über die „post-truth politics“ in „Zeit zum Entdecken“ und nicht im „politischen Buch“? Natürlich will die Zeitung von der ersten bis zur letzten Seite gelesen werden und der Blick in die „Zeit zum Entdecken“ lohnt immer.  Aber die „politische Lüge“ ist doch ein anderes Thema als beispielsweise „Der unnütze Vergleich“. – Dr. Dietrich Tamm


Gedanken zu „Ein Jahr wie keines“

Erstens: Sie schreiben: Angela Merkel hat nur Zeit kaufen wollen, um eingeordnetes,rechtmäßiges Verfahren zu schaffen.Die Probleme in Syrien bestehen seit ca. 5 Jahren. Was wurde ihr in dieser Zeitvon Herrn Steinmeier & co darüber berichtet?Und sie wollte noch immer Zeit für ein geordnetes Verfahren kaufen?! Es hätte schon längst eines bestehen müssen!

Zweitens: Sie hat nach etwa einem Jahr ihre Aussage “Wir schaffen das” wiederholt! M. E. ein trauriges Zeichen für Realitätsverlust und/ oder Lernunfähigkeit.
Was sie offensichtlich auch nicht begriffen hat ist, daß sie  für 80 Millionen Deutscheverantwortlich ist!
Drittens: Der unselige Pakt mit Herrn Erdogan, der die Fehler der Flüchtlingspolitikbemänteln sollte, wurde zum Desaster. Ein Psychogram von Herrn Erdogan, das im Kanzleramt mit Sicherheit vorliegt,hat die Gefahren mit Sicherheit offengelegt!
Diese Beispiele zeigen, daß sie für Managementaufgeben ungeeignet ist. Und mit ihr alle, die ihr noch die Stange halten. Weil niemand als Alternative zur
Verfügung steht? Was haben wir für armselige s.g. “Eliten”! – Klaus Riediger

Leserbrief zu „Jetzt wird es eng“

Im Artikel wird nicht der Hauptgrund und damit der erste Ansatz zur Lösung des Problems der steigenden Immobilienpreise genannt, die Flutung des Marktes mit billigem Geld durch die EZB. Nicht nur der Leitzinssatz ist auf historischem Tief, um die Volkswirtschaften der Südeuropäischen Euroländer zu retten, sondern die EZB führt weitere Stützungsmaßnahmen durch wie den Ankauf von Länderanleihen. Das führt nicht nur zu immer günstigeren Immobilienkrediten durch die Banken, sondern auch zu einer Verunsicherung des Marktes und damit der Flucht in „Betongold“, weil der wahre Wert eines Euros von undurchsichtigen politischen Maßnahmen der EZB abhängt. Wichtigste Schritte der Politik wären es, die nicht mandatierten Aktionen der EZB zu unterbinden und die betroffenen Länder vor allem mit direkten Transferleistungen zu unterstützen. Damit wäre dann auch klar, in welcher Höhe die Südeuropäer tatsächlich Unterstützung benötigen, wenn die Löhne dort nicht im benötigten Maß gekürzt werden. Effekte wie die steigenden Immobilienpreise würden abgeschwächt. – Martin Stoppel

Leserbrief zu „An der Nase herumgeführt“

Ulrich Bahnsen zufolge hat der G-BA drei Kriterien dafür, ob eine medizinische Diagnostik die Kassenzulassung erhält oder nicht. Diese Kriterien möchte ich mir im Hinblick auf die vorgeburtlichen Bluttests einmal genauer ansehen:

Das erste Kriterium ist der medizinische Nutzen. Wem nützen vorgeburtliche Bluttests zur Erkennung von Chromosomenstörungen? Dem Fötus definitiv nicht. Sollten bei ihm chromosomale Abweichungen entdeckt werden, würde ihm diese Entdeckung weder zur Heilung noch zur Linderung seiner Anomalien verhelfen.Hätte unsere Gesellschaft einen medizinischen Nutzen von diesen Tests? Wenn ja,dann wäre sie anormal und nicht der Fötus.

Das zweite Kriterium ist die Notwendigkeit. Worin soll diese bestehen? Warum soll es für werdende Eltern notwendig sein, bereits in einem frühen Stadium der Schwangerschaft  darüber in Kenntnis gesetzt zu werden, ob bei ihrem Kind voraussichtlich eine Chromosomenstörung vorliegt oder nicht? Wessen „Not“ soll durch dieses Wissen gewendet werden? Die des Kindes jedenfalls nicht. Befinden sich etwa die werdenden Eltern in einer für sie selber existenziell bedrohlichen Notsituation?

Das dritte Kriterium ist die Wirtschaftlichkeit.Es soll Chancengleichheit bestehen insofern, als dass diese Tests allen Schwangeren mit erhöhtem Risiko offenstehen sollen und nicht nur denen, die sie bezahlen können.Die Vermutung liegt nahe, dass diese Tests bei Kassenzulassung zu Routineuntersuchungen für sämtliche Schwangeren werden. Möchte eine werdende Mutter diese Tests ablehnen, wird sie sich vermutlich zukünftig dafür rechtfertigen oder sogar gegen die Durchführung zur Wehr setzen müssen. – Annette Wiesen


„Doppelt hält schlechter“ Staatssekretär Jens Spahn (CDU) zur doppelten Staatsbürgerschaft

Als Antwort auf Özlem Topcu dient Jens Spahns Artikel kaum, da er nicht substanziell auf Fr. Topcus Argumente eingeht. Vielmehr liefert er ein gutes Beispiel für die reaktionäre Position vieler Unionspolitiker, die in der Frage der doppelten Staatsbürgerschaft lediglich ihre milde Borniertheit in scheinbarer Vernunft ummanteln. Von ihnen hat bisher keiner erklären können, was denn so außerordentlich besonders an Deutschland ist, dass die doppelte Staatsbürgerschaft hier nicht gut funktionieren kann, während sie es seit Jahrzehnten in vielen anderen westlichen Industriestaaten tut.

Hr. Spahns vermeintlichen Argumente gegen die doppelte Staatsbürgerschaft wirken umso weniger überzeugend, als dass sie um 180 Grad gedreht werden können und trotzdem ihre Gültigkeit behalten: Auch mit einer doppelten Staatsbürgerschaft kann man übrigens die Kultur Deutschlands weiterpflegen. Zu unterstellen, dass man sich ausschließlich mit einem deutschen Pass bewusst und positiv für Deutschland entscheiden kann, verkennt grundsätzlich, dass der Mensch in seiner Vielfalt viele Identitäten in sich trägt. Herrn Spahn und seinen Gleichgesinnten kann ich wärmstens die Lektüre von Amartya Sens „Die Identitätsfalle“ empfehlen, um ihre Vorurteile abzubauen und nicht mehr Schwierigkeiten zu haben, nachzuvollziehen, „warum eine solche Entscheidung zu viel verlangt sein soll“.

Zwei Wünsche habe ich an Herrn Spahn. Erstens: Verbringen Sie längere Zeit als nur zum Weihnachtsshoppen in den von Ihnen gelobten Chinatowns oder Little Italys und fragen Sie sich dabei, ob diese Orte vielleicht deswegen erfolgreich sind, weil deren Bürger vermittelt bekommen, dass sie gleichzeitig Chinesen oder Italiener und Amerikaner sein können. Zweitens: Fragen Sie Ihre Unionskollegen Seehofer und Söder, ob und wann sie sich zwischen der bayerischen und der deutschen Staatsbürgerschaft entscheiden werden. Danach können Sie sich hoffentlich etwas fundierter und überzeugender zu diesem Thema äußern. –
Dr. Moni Islam


Leserbrief zum Dossier „Oben Rechts“

 Die ZEIT hat, besonders in den vergangenen Monaten, die Fahne der Toleranz und der Vielfalt hochgehalten. Ich stimme zu, dass Niemand unter Generalverdacht gestellt werden darf. Um so mehr erschreckt mich das Dossier zur Landtagswahl in Mecklenburg Vorpommern mit dem Titel „Oben Rechts“. Unterstellt das nicht jedem Menschen in unserem nordöstlichen Bundesland er oder sie sei rechtsextrem? Wie verträgt sich das mit der der Ablehnung des Generalverdachts? – Gabriel Jezek


Anmerkung zu „Tschack! Bumm!“

In Ihrem erfreulichen Artikel zum Thema des „Schlagzeug-Landes“ Schweiz hätte noch erwähnt werden können, dass die Schweiz selbst für internationale Top-Schlagzeuger eine gewisse Attraktivität zu haben scheint. So hat sich der Amerikaner Billy Cobham, einer der weltbesten Schlagzeuger („Spektrum“, „Crosswinds“) aus dem Jazz-Rock, seit einigen Jahren in einem Schweizer Bauerndorf im beschaulichen Seeland zwischen Bern und Biel niedergelassen. Eine grosse Ehre für die Schweiz! – Beat Rüegger


Leserbrief zu „An der Nase herumgeführt“An der Nase herumführen will uns wohl zuerst Herr Bahnsen.

1. Er spricht zum Schluss vom Bluttest als einem medizinischen Fortschritt, der allen Beteiligten nur Verbesserungen bringt. Das ist irreführend und äußerst zynisch. Für den Embryo soll es eine Verbesserung sein, wenn er in Folge getötet wird. Oder er zählt ihn nicht unter die Beteiligten, was eine unerhörte Geringschätzung und gleichzeitige Offenbarung wäre.
2. Er spricht von einem verbesserten Klima für Menschen mit Behinderung. Auch hier fällt die Hälfte Wahrheit unter den Tisch. Es ist richtig, das heute erfreulicherweise Menschen mit Behinderung viel mehr Offenheit und Förderung erfahren als früher.  Das gilt aber nur ab der Geburt. Die Schizophrenie beginnt mit der anderen Hälfte der Wahrheit, dass nämlich alles getan wird, um Menschen mit Behinderung vor der Geburt zu töten. Die Widersprüchlichkeit der vorherrschenden Ethik erreicht ihren Gipfel, wenn ein behindertes Kind eine Spätabtreibung überlebt, und derselbe Arzt der eben noch töten wollte, alles tun muss, um das Leben des Kindes zu erhalten.
3.Der gemeinsame Bundesausschuss hat für den Bluttest als Kassenleistung u.a. den medizinischen Nutzen und die Notwendigkeit zu prüfen.
Der medizinische Nutzen ist schon deshalb nicht gegeben, weil es gar keine Therapiemöglichkeiten im Fall eines Gendefekts gibt. Oder soll es ein medizinischer Nutzen sein, wenn risikofreier Selektion von Menschen mit Behinderung betrieben werden kann?

Und eine Notwendigkeit kann nur erkannt werden, wenn die Selektion von Menschen mit Behinderung Vorrang vor der Menschenwürde hat. –Günter-Helmrich


Trump aus der Ferne analysieren

Eine Person als solche kann man nicht analysieren. Sie befindet sich nicht im luftleeren Raum. Also muss man einen Fall, d.h. eine Person oder ein Ereignis innerhalb relevanter sozialer Bezüge betrachten. Will man dies ernsthaft unternehmen, muss es professionell erfolgen. Dazu gehört zuerst eine Fragestellung, ein sozialer Auftrag, in forensischen Zusammenhängen etwa die Frage, ob jemand gefährlich ist. Hingegen das eigene Weltbild zu befördern, Klischees anerkennungsheischend zu reproduzieren, dem Feuilleton zu dienen, das sind alles übliche Wege, sich öffentlichkeitswirksame Dinge dienstbar für die eigene Sache zu machen. Im Ergebnis wird auf scheinbar konsensual geteilte Wissensbestände zurückgegriffen und deren Gültigkeit im vorliegenden Fall behauptet, etwa dass wer mit einer Rotlicht-affinen Frisur rumlaufe, nicht über Tiefgang verfüge. Das ist verführerisch, jedoch in methodischer Hinsicht ein gravierender Fehler. Wer zu Herrn Trump im Rahmen von dessen sozialen Interaktionen belastbares Beobachtungsmaterial gesammelt hat, dieses methodisch streng jenseits von scheinbar gesicherten Wissensbeständen zur Rekonstruktion von Geschehnisabläufen genutzt hat, könnte vielleicht etwas dazu sagen, wie sich Herr Trump in vergleichbaren Situationen tendenziell verhalten wird. Aber auch mit einem solchen differenzierten Urteil stünde man auf dünnem Eis, stellt doch ein Wahlkampf einen anderen Kontext dar als etwa eine hypothetische Regierungsverantwortung. Insofern ist die Frage der Fairness der Fernanalyse sicherlich im Zusammenhang mit deren methodischer Seriosität bzw. Machbarkeit zu sehen. –Harald Dern


Leserbrief zum Dossier, Beobachtungen im Landtag Sachsen-Anhalts

Bei aller nötigen grundlegenden Kritik an der AfD oszilliert die Debatte über diese Partei leider oft zwischen den antagonistischen Polen der fundamentalen Verdammung und der gleichgültigen Apologie. Dass Herr Machowecz mit seinem Artikel einen nüchternen, unvorgeingenommenen, und dabei keineswegs gefälligen Lagebericht abgeliefert hat, habe ich als sehr angenehm empfunden. Sehr erfreut hat mich auch, wie Ihr Autor konsequent herausgestellt hat, dass die parlamentarische Demokratie auch von einer AfD nicht allein ausgehoben werden kann. Sei es aufgrund der diversen Gegenmaßnahmen der anderen Fraktionen und des Landtagspräsidenten, der Mäßigung des politischen Temperamentes durch die Pflicht zur Ausschussarbeit, und der Tatsache, dass die AfD selbst einsieht, dass Sie das Versprechen, schnelle Lösungen zu liefern, nicht einhalten kann. Ich hoffe, dass Sie bei der weiteren Auswahl Ihrer Dossies ein gutes Händchen behalten und weiterhin den Mut haben, bei aller Hysterie in der aktuellen Medienlandschaft besonnen zu bleiben. – Max Lüggert


L e s e r b r i e f   zu „Gehupft   wie   gesprungen“

Je  heterogener   eine   Klasse   zusammengesetzt   ist,  desto   schwieriger   wird  die  individuelle   Förderung  der   Schüler. Das   betrifft   z.B.   Klassen   mit     vielen   Kindern   aus   sozialen   Brennpunkten,  etlichen  Migranten   ohne   Deutschkenntnisse   und   auch  solchen   mit  besonderem   Förderbedarf.  Selbst   unter  Ausnutzung   verschiedener   Möglichkeiten  qualitativer   und   quantitativer   Differenzierung   wird   man   den   verschiedenen   Lernbedürfnissen  wohl    kaum   gerecht.  Da   besteht   dann  in der   Tat   die   Gefahr,   dass  Hochbegabte   zu   kurz   kommen.

Warum   tun   sich   die   Verantwortlichen  oft  so   schwer,  Speziallerngruppen  und   -klassen   einzurichten   wie   z.B. Vorbereitungsklassen   für   Kinder  ohne   Deutschkenntnisse   oder   auch   Lerngruppen   für    sehr   begabte   Kinder ? Eine äußere   Differenzierung   nach   Schwächen   und   Stärken  bedeutet  sicher  auch   keine   Ausgrenzung,   wenn  man   an   der   betreffenden  Schule  entsprechend   damit   umgeht,   z.B.   gemeinsame   Aktivitäten  und  Hilfsmaßnahmen   organisiert. – Gabriele   Gottbrath


Leserbrief zu „Überall spritzt Fett“

Wir sollen uns doch jetzt alle Notvorräte zulegen. In den Notvorrat von Stefanie Sargnagel gehört in jedem Fall eine Pinzette. Es sollte aber eine teure sein. Nur mit wirklich guten Pinzetten lassen sich die kleinen, weißen Borsten, die in den Wechseljahren perfiderweise auf dem Kinn einer zunächst noch arglosen Frau erscheinen können, erfolgreich entfernen. Und wenn dieser Notfall eintritt, ist es gut, wenn man die Pinzette schon hat. Auch Weichplastik-Stoßdämpfer für Gehhilfen sollten bereit liegen, wenn die Hüftgelenke frühzeitig nekrotisch aussteigen sollten. Dann klappert das nicht so. Ein Hidschap ist für das Verbergen von weißen oder grauen Haarsträhnen deutlich besser geeignet als ein purpurfarbenes Käpplein und stellt sowieso eine definitiv sozialfreundlichere Verhüllungsvariante dar als eine verspiegelte Sonnenbrille, hinter der man die Trägerin derselben nicht erkennen kann. Also – ab in den Notvorrat mit dem Hidschap. Die Verschreibungswut bundesdeutscher

Mediziner hinsichtlich stimmungsaufhellender Medikamente beschränkt sich keineswegs auf alte Menschen. Es ist daher eine einfache Übung für alle, sie dem Notvorrat hinzuzufügen. Zum Schluss noch ein hölzernes Tröglein. Im Grimm’schen Märchen „Der Großvater und der Enkel“ schnitzt der Enkel so eines für seine Eltern – sozusagen als Rüstzeug für ihr voraussichtlich sabberndes, zitterndes Alter. Die Lektüre des Märchens hilft auch gegen die gedankenlose Verachtung von alten Menschen und den Irrglauben, diese könnte witzig oder kultig sein? Also ab damit in den Notvorrat von Stefanie Sargnagel. Sie kann es sich natürlich auch an den Spiegel kleben. – Angela Gülle


Leserbrief zu „Überall spritzt Fett“

Die Beauftragung des Wiener Autorenteams Stefanie Sargnagel und deren Freund Martin Witzmann, Eindrücke von den Wagner-Festspielen einzufangen, war wohl eher für die Autoren ein Glücklichs- griff als für die Leser, denn nun war Frau Sargnagel da, wo sie „schon immer sein wollte“.

Das Autorenduo kreist im Wesentlichen um sich selbst und berichtet anfangs von seinen Aufgeregtheiten. Bei der Autorin bewirken die Namen der Wagnerschen Helden in ihrer Lautmalerei  Rückenschauer und einen „fröstelnden Anus“. Die Art, wie sie der Nervosität ihres Mitautors in einem Aufzug begegnet, erspare ich mir zu wiederholen. Soll diese Art der Darstellung der Erinnerung an eine weniger rosige Vergangenheit der Autorin in „abgeranzten Punklokalen“ geschuldet sein?

Einen größeren, immer wiederkehrenden Raum – der Bericht ist als Tagebuchaufzeichnung angelegt-, nehmen die Schilderungen von unmäßigen Frühstücksgelagen „bis 13 Uhr“ in ihrem Hotel ein, die derart übertrieben sind, dass dem Leser der mangelnde Ernst nicht verborgen bleibt. –  Aber was soll das?

Demgegenüber erfährt man herzlich wenig über den eigentlichen Anlass und Zweck der Reise. Allein der kurze satirische Schlussbeitrag aus der Feder des Malers und Musikers Martin Witzmann gibt viel eher die Eindrücke eines kritischen Beobachters vom Hype des grünen Hügels wieder.

Die Autorin, die unter ihrem Künstlernamen auftritt und in Wirklichkeit Stefanie Sprengnagel heißt, hat mit ihrem Beitrag bei mir keinerlei Interesse an ihren bisherigen Veröffentlichungen geweckt. Daran ändert auch nichts die neuerliche Zuerkennung des Publikumspreises anlässlich der Verleihung des diesjährigen Bachmannpreises in Klagenfurt. – Karl-Heinz Schürmann


Leserbrief zum Artikel „Die Täuschung der Stromkunden“

Der gesamte Artikel geht von einer – meines Erachtens diskussionswürdigen – Grundannahme aus: Strom ist gleich Strom ist gleich Strom. Dem ist jedoch nicht so. Ich habe mich bereits 1999 von der Jagd nach dem vermeindlich stets günstigsten Tarif verabschiedet, weil Strom für mich nicht gleich Strom ist. Ganz entscheidend ist für mich die Frage, wie der Strom produziert wurde. Das wird im Artikel mit keinem Wort thematisiert. Selbstverständlich möchte ich keinen Atom- und Kohlestrom. Daher habe ich entschieden, Mitglied der Stromgenossenschaft von Greenpeace Energy zu werden. Seither ist mir das Auf und Ab der Tarife bei den sog. „Stromdiscountern“ völlig gleichgültig. Ich habe über die Jahre hinweg kaum Veränderungen beim Strompreis gehabt und zahle den Tarif gerne, da ich weiß, dass das Geld gut ausgegeben ist. Gewinne der Genossenschaft werden in neue Anlagen zur umweltverträglichen Erzeugung von Strom investiert. Als Genosse erhalte ich zudem eine Dividende und somit eine Art „Cash-back“. Außerdem unterstütze ich damit das Prinzip der dezentralen Stromerzeugung „in Bürgerhand“ und freue mich bei jeder Stromabrechnung, dass mein Geld nicht in die Hände der Atom- und Kohlekonzerne RWE, EnBW, Vattenfall und deren „Tarnmarken“ fließt. Für die Verbraucher gibt es neben Greenpeace Energy eG zahlreiche weitere Anbieter von „echtem“ Ökostrom aus Bürgergenossenschaften, wie z. B. den ElektrizitätsWerken Schönau (EWS). Die schlichte Verengung auf die Preisfrage wird dem Thema Stromeinkauf daher nicht gerecht. Beim Wein käme auch niemand auf die Idee, nur den Literpreis zu diskutieren. – Michael Schiedermeier


Leserbrief zum Interview „Man kann der Welt nicht entfliehen“ mit Jagdish Bhagwati

Man kann der Welt nicht entfliehen, ohne auf Wohlstand zu verzichten, aber man kann versuchen bzw. die gewählten Politiker(innen) der westlichen Welt, die – jedenfalls in der Theorie – dem Gemeinwohl verpflichtet sind,  könnten versuchen, einheitliche oder zumindest Mindeststandards bezüglich Arbeitszeit, Arbeitslohn, Arbeitsbedingungen und Besteuerung von Unternehmen und Personen auszuhandeln, die weltweit gültig sind und deren Einhaltung international überwacht wird. Dabei sollte freilich nicht das Land mit den derzeit schlechtesten Bedingungen für Arbeitnehmer(innen) der Maßstab sein. Und es wäre meines Erachtens durchaus ethisch gerechtfertigt, Waren aus Ländern, in denen die ausgehandelten internationalen Standards nicht eingehalten werden, mit Strafzöllen zu belegen. – Ulrich Willmes


Zum Gespräch mit mit Jagdish Bhagwati

Mark Schieritz spielt wieder den Wachstums- und Freihandelsideologen und schreibt: „Dass der freie Handel den Wohlstand mehrt, ist einer der wenigen Grundsätze, auf den sich Volkswirte unterschiedlichster Prägung verständigen können.“ Und er verweist dabei auf das Interview mit dem „Starökonomen“ Jagdish Bhagwati, das Lisa Nienhaus geführt hat. Bhagwati beschwert sich, dass die Leute die Mechanismen der globalen Wirtschaft nicht verständen. Als Grund gibt er an, dass es bisher einfach nicht gut genug erklärt wurde. Das hat er aber selbst bisher auch nicht getan. Auch in dem Interview unternimmt er keinen Versuch dazu. Er verweist lediglich auf bestimmte Statistiken, „die gar nicht so schlecht beweisen, dass Handel gut ist“. Es behauptet ja aber auch niemand, dass Handel grundsätzlich schlecht sei. Dass aber immer mehr Handel insgesamt für immer mehr Wohlstand sorgt, geben die Statistiken eben nicht her. Wie viele andere Wirtschaftswissenschaftler macht Bhagwati die Rechnung ohne den Wirt: Seine Statistiken blenden die externen Kosten und die Folgekosten aus. Das Wachstum durch immer „freieren“ Handel ist letztlich teuer erkauft. Dazu unten mehr.

Bhagwati muss anerkennen, dass die industriellen Arbeitsplätze durch die zunehmende Produktivität weltweit immer weiter abnehmen werden. Er setzt auf „handelbare Dienstleistungen“. Aber immer mehr Rechtsanwälte werden die Probleme dieser Welt nicht lösen. Außerdem, wer soll sie wovon bezahlen? Das gleiche gilt für alle anderen Dienstleistungen: Arbeit ist sicherlich immer noch genug vorhanden – aber es muss auch jemand da sein, der sie bezahlen will und kann. Nicht alle geschassten Detroiter Fließbandarbeiter können als Frikadellenbrater bei McDonalds weitermachen: Davon kann man weder eine Familie ernähren noch will jemand die vielen Hamburger essen. Die Menschen müssten sich halt anpassen, meint Bhagwati. Wir müssten ihnen Anpassungshilfe „gewähren“, beispielweise durch bessere Bildung. Irgendjemand müsste also das Geld für mehr Lehrer ausgeben. Aber wer? Auch diese Frage bleibt Bhagwati schuldig.

Der Druck zur Anpassung und die Geschwindigkeit, mit der sich die Menschen neuer und immer besserer Konkurrenz anpassen müssen, werden weiter drastisch steigen. Die Menschen müssen immer mobiler werden. Gewachsene soziale Strukturen werden nur noch eine Erinnerung aus einer romantischen Vergangenheit sein. Auch das muss Bhagwati anerkennen.

Aber bringt uns das wirklich weiter? Wie lange soll das gut gehen? Ist es tatsächlich ökonomisch sinnvoll? Also nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern für die Menschheit insgesamt? Es gibt immer detailliertere Schätzungen der versteckten Kosten des Wachstumswahns: Die sozialen Kosten, die Kosten für die irreversibel verbrauchten Ressourcen, die Kosten für die Umweltschäden. Wenn man diese Kosten mit in die Bilanzen aufnimmt, müssten auch die Herren Schieritz und Bhagwati sehen, dass unser wachsender Wohlstand zum größten Teil eine Blase darstellt, die früher oder später platzen wird. Ein echter Starökonom wäre jemand, der eine tatsächlich nachhaltige Art zu Wirtschaften erfinden und uns beibringen könnte. Eine Wirtschaft, die zu echtem Wohlstand führt, jenseits von Primark und von „Mein Haus, mein Auto, …“. Dann hätten auch die Populisten keine Chance mehr. –  Volkmar Heitmann


Anmerkung zu „Ein kleiner Mittelständler“

In der deutschen Journaille und in den deutschen Medien grassiert  ein Virus in Bezug auf den Umgang mit Betriebsräten. Immer und immer wieder wird der Vorsitzende des Betriebsrats als Betriebsratschef tituliert. Der Vorsitzende des Kollegialsorgans ist aber nur primus inter pares und mitnichten der Chef des Mitbestimmungsorgans eines Unternehmens – auch wenn sich viele Betriebsratsvorsitzende gerne so sehen. Schade, dass sich auch Die Zeit mit diesem Virus infiziert hat! – Holger Kintscher


 

 

18. August 2016 – Ausgabe 35

Zum Titelthema „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Ihre Dokumentation über die Schicksalsnacht im September 2015 ist atemberaubend spannend und erhellend. Die journalistische Recherche und die ansprechende Darstellung sind preiswürdig. Die Aufklärung über Fakten und Zusammenhänge stellt eine Sternstunde der aktuellen Geschichtsschreibung dar. Deutlich wird auch: Die Warnung, der deutsche Adler-Horst sei voll, konnte nur aus der Froschperspektive des bayrischen Altmühltals kommen. – Alfred Schubert


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Betrifft: HA 15.8. Die verschleierte Debatte um die Leitkultur. Streit um Burka-Verbot in der Union

Es geht bei der Frage um das Burka-Verbot kaum um Keidungsstücke. Wir akzeptieren auch die „freiwillige“ körperbedeckende Kleidung der Nonnen und Mönche – auch wenn sie das Gesicht nicht versteckt  –  ebenso ihre selbstgewählte Klausur. Es ist eine abendländische Unterstellung, vorauszusetzen, dass Muslima sich nicht „freiwilig“ bedecken. Nein, es sind die unterschiedlichen Werte, die uns schrecken. Seit der Antike gelernte christliche Werte sind uns naturgemäß genehmer, fremde muslemische machen auch mir Angst, greifen sie doch tief in Psyche, tägliches Miteinander und auch in Politik ein. Es braucht viel Akzeptanz und ein hohes Maß an Toleranz, verschiedene Kulturen nebeneinander zu ertragen. Schaffen wir das? Sollen wir das wagen? Das Grundgesetz gibt uns dazu einen Fingerzeig. – Uwe-Carsten Edeler


Ich freue mich jeden Donnerstag auf “ die Zeit“, aber diesmal scheint mir “ die Zeit “ besonders gelungen mit vielen interessanten Artikeln und schönen Fotos ! Danke ! – Anna- Maria Gießmann


Betrifft Titelthema:

Ich bin entsetzt. Mehr als 60 Mio. Menschen fliehen vor Krieg, Hunger, Versklavung., sexueller Ausbeutung, Mehr als 10 Tausend Menschen sind in den letzten 2 Jahren im Mittelmeer ertrunken. Und die Zeit ordnet die Grenzoffnung als Panne ein. Fischt jetzt auch Dir Zeit am rechts konservativen Rand?
Heike Stoll


Zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Burka bis Kopftuch: Die Selbstdiskriminierung des arabischen Mannes

Aristoteles definierte den Menschen einst als Zoon politikon, für Freud liegt dann eine psychische Störung vor, wenn das „Ich“ nicht zwischen „Es“ und „Über-Ich“ vermitteln kann. Was für ein Männerbild steht hinter dem Verschleierungsgebot? Nur zoon, kein politikon, nur Trieb-Es, alles potenzielle Vergewaltiger, die sich beim Anblick eines Stückes Frauenhaut nicht beherrschen können? Wenn das kein von innen betriebener Rassismus ist. – Jürgen Krätzer


Zum Titelthema:

Es ist beeindruckend, wie gut die ZEIT mittlerweile von der BILD gelernt hat, mit einer unschuldig-zweideutigen Schlagzeile ein Horrorszenario zu entwerfen… und dann zum „Kontrollverlust“ gleich noch die Burka-Diskussion hinzuzufügen – wirklich saubere journalistische Arbeit… – Ulrike Maetzig


Die ZEIT hat das Thema heute im Leitartikel nach bekanntem Muster diskutiert:

Iris Radisch sprcht dafür, Elisabeth Raether dagegen. Ich selber war in dieser Frage (und ähnlich schwierigen!) lange hin- und hergerissen, unsicher. Jetzt ist mir aufgegangen: Unrecht haben beide.

Verboten werden muss nicht die Burka. Verboten werden muss nach unserer aufgeklärten Rechtsauffassung das Burka-Gebot. Nur dieses unterdrückt die Frau, macht sie zum Untertan in einer Männerwelt.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ähnliche Unterdrückungsformen gab es auch in der katholischen Kirche. Es gibt sie vielleicht nach wie vor, wenn auch nicht mehr so häufig, weniger sichtbar.

Wir tun uns nicht mit Gott schwer, sondern mit der menschengeprägten Religion. Dort, wo sie versucht, Macht auszuüben, wird Religion vom Zweck Gottes zum Mittel des Menschen.  Gott hat das nie gewollt. Insofern wäre vielleicht sogar er/sie für das Verbot des Burka-Gebots.  – Dr. Hans-J. Gscheidmeyer


Zum Artikel von Marc Widmann „Fahnenflucht auf hoher See“:

Mein Erfahrungsbericht:

Ich war bei sea chefs in Zypern für die TUI Cruises GmbH angestellt und arbeitete auf der Mein Schiff Flotte (maltesische Flagge) der TUI Cruises GmbH (deutsches Unternehmen) als Leiharbeiter. TUI Cruises bedient sich meiner Ansicht nach eines Konzeptes, das sich die internationalen Regelungen zu Nutze macht.

TUI Cruises lässt die Mitarbeiter von sea chefs an Bord arbeiten. Sea chefs hat keine deutschen Sozialleistungen (Rentenbeiträge, Krankenkasse, Pflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung) gezahlt. Wo zyprisches oder maltesisches Arbeits- oder Steuerrecht anfängt oder aufhört, wird einem nicht erklärt. Mein Vertrag war befristet für die Zeit an Bord. Wenn ich im „Urlaub“ (rechtlich gesehen: Arbeitslosigkeit) in Deutschland bin, musste ich für die Krankenkasse selbst sorgen. Arbeitslosengeld I im „Urlaub“ bekommt man eigentlich nicht, weil ja keine Sozialleistungen gezahlt wurden. Arbeitslosengeld II (Hartz IV) würde man erst bekommen, wenn man sich auf einen gewissen Betrag (=150 EUR multipliziert mit dem Lebensjahr) heruntergehungert hat.

Wenn man Arbeitslosengeld I im „Urlaub“ (etwa weil man noch Ansprüche vor der Zeit an Bord geltend macht) beantragt, ist es sehr langwierig bis sich Malta oder Zypern zuständig fühlt, um das EU-Formular PDU auszufüllen und bestätigt, dass keine Ansprüche aus den dortigen Sozialkassen geltend gemacht werden können. Letztendlich war Malta zuständig gemäß Art. 11 Abs. 4 EG-VO 883/2004. Die Zuständigkeit musste ich als Privatperson mit viel Zeit und Ärger selbst herausfinden und mich gegen die Inselstaaten durchsetzen, es gab keine Hilfe von TUI Cruises oder sea chefs. Malta hat sich geweigert das PDU auszufüllen, aber Malta hat immerhin ein formloses Schreiben aufgesetzt, das das hiesige Arbeitsamt zum Glück akzeptiert hat.

Weitere Probleme ergeben sich für die spätere Rente: Das deutsche System erkennt die arbeitslosen Zeiten („Urlaub“), sofern gemeldet, für den späteren Rentenanspruch (es wird die Arbeits(losen)zeit anerkannt, für die Höhe der Rente ist dies unerheblich, weil ja nicht eingezahlt wird) an. Die Erwerbstätigkeit im anderen EU-Land wird _zeitlich_ anerkannt. Wenn man sich für die Zeit an Land arbeitslos meldet, entsteht dann keine nachteilige Lücke im Erwerbsleben. Diese Arbeitslosigkeits-Meldung ist also zu empfehlen, nicht dass dann mit 63/65/67 Jahren die Frage kommt, „was haben Sie denn zwischen den Bordzeiten gemacht?“ In der Regel kann man kein Arbeitslosengeld I bekommen, da nichts in die Sozialkassen eingezahlt wurde, aber ich bin an einen Sachbearbeiter geraten, der sagte „Sie sind jetzt arbeitslos und -suchend, bekommen zwar kein Arbeitslosengeld, aber Sie sind in unserer/meiner Statistik drin, also müssen Sie auch jede Arbeit annehmen. Wir wollen Sie aus der Statistik haben. Wenn Sie dies nicht tun, bekommen Sie eine Sperrzeit und haben doch eine Lücke für Anrechnung der Erwerbszeit. Ich habe viele freie Stellen als Hilfskraft für Sie… “ Wenn man sich nicht zu wehren weiß, muss man in seinem „Urlaub“ in Deutschland noch arbeiten gehen. Zwischen den internationalen Systemen hin und her zu wandern, bringt dem Arbeitnehmer nichts.

Die Sozialversicherungsbeiträge könnte man natürlich auch selber zahlen (plus eigentliche Arbeitgeberbeiträge), aber dafür ist das Gehalt zu niedrig, als dass sich die Arbeit auf dem Schiff lohnt. Selbständige, die in Deutschland arbeiten und in die Sozialversicherung selbst einzahlen, verlangen ganz andere Stundensätze bzw. Tagessätze.

Im Krankheitsfall gibt es an Bord eine sehr geringe Lohnfortzahlung. Wird man während des „Urlaubs“ an Land krank oder hat einen Unfall, gibt es überhaupt keine Lohnfortzahlung. Eventuell verpasst dann die nächste Ablösung an Bord und rutscht aus der Rotation. Dann kann man lange ohne Gehalt warten bis der nächste Schiffseinsatz kommt.

Würde man in den Genuss von deutschen Sozialleistungen kommen, würden z. B. mögliche eigene Kinder in die Familienkasse der deutschen Krankenkassen aufgenommen werden. Andere deutsche Selbstverständlichkeiten fallen einfach weg, weil man im Ausland beschäftigt ist, obwohl die TUI Cruises GmbH ihren Sitz in Deutschland hat. Hieran erkennt man, wie gut und ausgefeilt unser deutsches System ist, was aber mittels einer zyprischen Zeitarbeitsfirma zu Lasten der Leiharbeiter an Bord umgangen wird.

Tatsächliche Zwölf-Stunden-Tage (14 Stunden können auch vorkommen) ohne arbeitsfreies Wochenende sind die Regel. Bei einigen Besatzungsmitgliedern werden die Arbeitsstunden in Tag- und Nacht-Schichten aufgeteilt. Schlafen und Essen muss man auch irgendwann, viel Zeit für einen Landausflug bleibt da nicht mehr. Die Erschöpfung wird immer größer und irgendwann hat man trotz der wenigen Reststunden am Tag auch nicht mehr die Motivation einen Landausflug zu machen.

Trotz des längeren „Urlaubs“ an Land arbeitete ich aufs Jahr gerechnet mehr Stunden als jemand, der an Land eine 40-Stunden-Woche und ca. einen Monat Urlaub hat.

TUI Cruises lässt seine Schiffe unter maltesischer Flagge fahren, folglich gelten keine deutschen Tarifverträge (z. B. Heuertarifvertrag), die unter deutscher Flagge gelten würden.

Wenn der befristete Arbeitsvertrag sich dem Ablauftag nähert, ist nicht immer gesichert, dass man abgelöst wird. Es kann noch einige Zeit dauern bis der/die Ablöser/in organisiert ist.

Weil es keine unbefristeten Verträge sind und man besorgt ist, dass ein Konkurrent in die Ablöserotation hineinrutscht, greift man nach dem Strohhalm, wenn der nächste Schiffseinsatz angeboten wird, auch wenn dies „Urlaubs“verkürzung bedeutet.

Wer nur kurz an Bord ist, um eine Art Work&Travel-Erfahrung zu machen, für den ist das Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff eine gute Möglichkeit. Wenn man aber etwas wie touristisches Kreuzfahrtmanagement, Nautik, Schiffsbetriebstechnik, etc. studiert hat, bieten die unbefristeten, zyprischen Verträge von sea chefs keine sichere Zukunft. Darüber hinaus muss man wettbewerbsfähig mit Osteuropäern und Asiaten sein, die in ihren Heimatländern ganz andere Voraussetzungen haben. Meiner Meinung nach liegt es auch daran, dass TUI Cruises sehr touristisch aufgestellt ist, nur wenige Mitarbeiter im Hamburger Hauptbüro haben Reedereierfahrung oder ursprünglichen Schiffsbezug. Mein Eindruck war, dass viele Mitarbeiter vom Hamburger Hauptbüro die Arbeit der Besatzungsmitglieder nicht einschätzen können und deshalb die Fähigkeiten oder gar die Belastung von den Besatzungsmitgliedern unterschätzen.

Das Steuerrecht war vor 2012 nicht eindeutig geklärt. Ich kenne Kollegen, die in Deutschland Steuern vor 2012 nachzahlen mussten, obwohl sea chefs mündlich gesagt hat, Brutto sei gleich Netto. Diese Kollegen haben ein finanzielles Risiko getragen im Vertrauen darauf, dass sea chefs Recht hat.

Die Rechtsprechung definierte nach dem alten Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und Zypern den Begriff Unternehmen im Sinne des Art. 15 Abs. 3 DBA „ein Unternehmen (hier: TUI Cruises) das selbst internationalen See- und Luftverkehr  betreibt. Zugleich muss dieses Unternehmen wirtschaftlicher Arbeitgeber (hier: sea chefs) des Besatzungsmitglieds im Sinne des Abkommensrechts sein“ (http://justiz.hamburg.de/contentblob/4367468/23e9595b213979621e75eb4c7140a18a/data/newsletter2013-4.pdf).Da also das schiffsbetreibende Unternehmen (TUI Cruises) nicht der Arbeitgeber (sea chefs) ist, bestand keine ausschließliche Besteuerung nach zyprischem Recht.

Das neue DBA, welches seit 2012 gilt, hat den Begriff Unternehmen im angehängten Protokoll genauer definiert, sodass eine ausschließliche Besteuerung nach zyprischen Recht möglich ist. Trotzdem bleibt eine gewisse Ungewissheit bestehen. Weder TUI Cruises noch sea chefs klären hier auf oder geben gar Garantien, falls Brutto nicht gleich Netto ist. Müssen nach zyprischem Recht wirklich keine Einkommenssteuern gezahlt werden? In welchem zyprischen Gesetz kann man dies nachlesen? Was sagt das maltesische Recht und das DBA zwischen Deutschland und Malta oder zwischen Malta und Zypern? Was passiert, wenn das deutsche Finanzamt auf die Idee kommt und meint „es heißt ja DOPPELbesteuerungsabkommen, wenn keine Steuern in Zypern gezahlt werden, dann kann es keine DOPPELbesteuerung geben, wenn Deutschland die Steuern für sich eintreibt“? Wer zahlt die Gerichtskosten in einem solchen Fall (z. B. dieser Fall: Bundesfinanzhof I R 63/13)? Wer zahlt mir die Differenz, wenn das Nettogehalt plötzlich wegen einer anderen Interpretation der internationalen Rechtslage ein Bruttogehalt wird? Was passiert, wenn wegen der durch die Euro-Krise verursachten Kapitalverkehrskontrollen mein Gehalt aus Zypern nicht mehr gezahlt werden kann? Hier wird schlecht von Seiten TUI Cruises und sea chefs aufgeklärt und/oder etwas zugesichert, aber vermutlich soll die Besatzung nicht so genau Bescheid wissen.

Falls das neue DBA nicht hilft: Um nicht steuerpflichtig nach dem deutschen § 1 EStG zu sein, dürfte ich keinen Wohnsitz (§ 8 AO) oder keinen gewöhnlichen Aufenthalt (§ 9 AO) in Deutschland haben. Oft wird das Gerücht von Kollegen an Bord verbreitet, dass man nur 180 Tage im Ausland sein müsse und schon sei man nicht mehr steuerpflichtig in Deutschland. Das stimmt nur, wenn die Alternative Wohnsitz nicht vorhanden ist, § 8 AO: „Einen Wohnsitz hat jemand dort, wo er eine Wohnung unter Umständen innehat, die darauf schließen lassen, dass er die Wohnung beibehalten und benutzen wird.“ (Für mehr Informationen: FG Baden-Württemberg, Urteil vom 22. Juli 2008, Az. 4 K 1296/08)

Ich habe Argumente gehört, dass das Essen und die Wohnkosten an Bord gratis sind. Ich schätze den Verpflegungssatz pro Besatzungsmitglied auf ca. 6 EUR pro Tag, also ca. 180 EUR im Monat, denn dies ist der Satz den andere Crewing Agencies ungefähr ansetzen. Ich ziehe lieber ein angemessenes Jahresgehalt vor und zahle 180 EUR im Monat für die Verpflegung, als ein sehr niedriges Jahresgehalt plus gratis Essen. Es sei angemerkt, dass die Besatzung in der Regel nicht das Essen der Passagiere bekommt. Zu dem Argument Wohnkosten: Und wer bezahlt mir meine Wohnung an Land, wenn ich an Bord bin?! Wenn ich mir keine Wohnung an Land leisten soll, frage ich mich, warum man überhaupt arbeiten oder wo man während des „Urlaubs“ unterkommen soll.

Ein weiteres gehörtes Argument: Das Arbeiten an Bord mache Spaß und es gehe um Freundschaften, deswegen kann man nicht viel verlangen. Das ist zynisch: Dann dürfte derjenige, der seinem Traumjob nachgeht, gar nichts verdienen. Nach dieser Logik müsste derjenige, der nur halb so viel Spaß im Beruf hat, doppelt so viel verdienen. Wie gesagt, für ein kurzes Work&Travel-Feeling mag der Spaßfaktor wichtig sein. Wer sich mit einer Karriere auf See eine Zukunft aufbauen möchten, wird enttäuscht sein, die Kurve kratzen und an Land sich eine auskömmliche Arbeit mit vernünftigen Sozialbeiträgen in Deutschland suchen. Mein Bruttojahresgehalt in Deutschland ist mehr als das Doppelte an Bord und meine Jahresarbeitsstunden an Land sind weniger. – Anonym


Zum Titelthema „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Als langjähriger Leser der ZEIT bin ich hell entsetzt, auf welch reißerisches Niveau Sie sich mit Ihrem heutigen Titelthema („Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“) herunterlassen.

Durch Bild und Headline suggerieren Sie einen angeblichen Kontrollverlust, der auch in weiten Teilen des dann folgenden „Protokolls“ intendiert wird.

Sie stilisieren eine unübersichtliche und in der Tat schwierige Situation zu einem Kontrollverlust hoch. Das empfinde ich sowohl im Hinblick auf die Flüchtlinge als auch auf die vielen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer als schamlos. Kontrollverlust herrscht z. B. in Syrien und im Irak, nicht aber in Deuschland.

Welcher schon vor jenem Septemberwochenende 2015 in Deutschland lebende Mensch hat durch die Zuwanderung seinen Job oder seine Wohnung verloren oder weniger zu essen gekriegt? Kein einziger.

Stattdessen ist in einer schwierigen Lage sehr viel Hilfe und Solidarität gewachsen. Flüchtlinge werden zunehmend besser untergebracht, ihre Sprachkenntnisse verbessern sich, etliche arbeiten bereits oder nehmen auf andere Weise am gesellschaftlichen Leben teil.

Wollen Sie all das kleinreden? Oder sind Sie so arrogant, dass Sie meinen, nach einem Jahr die „richtige Version der Geschichte“ präsentieren zu können? – Nikolaus Schneider


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Wieder einmal eine hervorragende Wortmeldung von Iris Radisch zum Thema „Islam und Frau“. Schon ihre frühere Stellungnahme zur Erlaubnis des Kopftuchs für Lehrerinnen fand ich überzeugend und weitsichtig. Solange die „Zeit“ solche Meinungen zulässt, bleibe ich ein begeisterter Abonnent des Blattes. – Heinrich Meißner


Anmerkung zu „Späte Reue“:

Zwar bin ich kein Biologe (aber ein bisschen ein ,Besserwisser‘) -Sicher ist das kein Elchgeweih. Wenn, dann stammt es wohl von einem Wapiti oder wie man den Hirsch in Nordamerika auch nennt um einen Elk – Peter Krieger


Zum Artikel „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Ihre Wut, Ihre Frustration und Ihr Erstaunen kenne ich nur zu gut aus meinem eigenen Leben.
In einer absolut geschlechtsneutral agierenden und erziehenden Familie aufgewachsen frustrierte mich die Reaktion und Klassifizierung der Umwelt hinsichtlich männlich/weiblich schon früh. Bei uns in der Familie sind die Frauen technikafin, für die Finanzen verantwortlich und zupackend in Ingenieursberufen tätig. Die Männer, natürlich auch zupackend, in therapeutisch-pflegenden Berufen tätig.

Jetzt zeigt mir mein jüngerer Sohn (bald 9), wie man auf einem Dorf begeisterter Fußballspieler, Meisterkletterer und wilder Radfahrer sein kann. Dazu trägt er dann am liebsten pastellfarbene, rosa, lila Kleidung und lässt seine langen blonden Locken hinter sich her wehen. Gerne holt er auch mal sein buntes Kleid und seinen Blümchenrock aus dem Schrank. Zur Einschulung ging es in einem weiß-rosa-lila Glitzeroutfit mit entsprechender Schultüte.

Die Frage nach dem Geschlecht überhört er meistens und ignoriert sie.
Maria und Joseph tauscht er gerne mal aus bei Ausmalbildern. Seine Argumentation: Es gibt Frauen mit Bart(flaum), alle hatten damals lange Haare und Männer trugen lange Gewänder.

Einige Mädchen finden es wohl ärgerlich, dass da ein Junge in ‚ihrem Revier wildert‘, ansonsten wird er akzeptiert wie er ist – sich seiner Bedürfnisse und Wünsche sehr bewusst. – Maike Wolfram


Zu „Späte Reuhe“:

Die auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe der ZEIT abgebildete Trophäe zeigt nicht die eines Elches (alces alces) sondern vermutlich die eines Wapitihirsches (cervus canadensis), US-amerikanisch auch unter „elk“ bekannt. Ist das Fach Biologie auch nicht mehr Teil des Programms deutscher Gymnasien? – Rolf Jessl


Zum Thema Burkaverbot:

Eine interessante Diskussion. Nicht zuletzt, weil sich ein Verbot des Burka-Gebots auf den Koran stützen kann. Dort sind die gläubigen Frauen gewiesen, ihre Kleidung derart zu handhaben, dass ihre Identität für andere durch die Freilegung des Gesichts erkennbar ist:

Prophet! Sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie mögen ihre Gewänder über sich schlagen; es ist dann leichter, dass man sie erkennt, auf dass sie nicht belästigt werden. [Sure33, Vers59]

Dafür ist hier ein Anlass genannt, das Gebot wird aber nirgendwo im Koran für andere Anlässe aufgehoben. Zudem gibt es keine andere Kleidungsregelung im Koran, aus der sich das Burka-Gebot herleiten ließe.Da nun alles, was die Religion des Islams ausmacht, von Gott ausdrücklich allein dem Koran vorbehalten ist, verstößt also ein Burka-Gebot gegen die Religion. Merkwürdigerweise wird das von den Islamwissenschaftlern des Landes nicht klar gestellt. – Reinhard Stransfeld


Zum Burka-Verbot:

Ich denke, dass es an der Zeit wäre mal von Innen nach Aussen zu schauen. Es ist zu fragen, was z.B. eine afghanische Frau sieht, wenn sie durch ihr gestricktes Fensterlein schaut und was sie dabei empfindet. Nun ist nicht jede Frau wie jede Frau – eben wie bei uns auch nicht. Eine Burka ist nicht nur Last, sondern auch Schutz. In der Burka kennt sich die Trägerin aus, ausserhalb möglicherweise nicht so genaue. Im Haus selbst trägt eine Frau nie eine Burka oder ein vergleichbares Kleidungstück, ganz im Gegenteil, mitunter sind Frauen im Haus recht locker ankleidet. Die Sichtachse ändern nennt Prof. Günter Faltin so was. – Rolf-p. Owsianowski


Zu „Einigkeit und Recht und so“ einer Grafik der Nationalhymne:

Ich bin ein begeisterter Leser und Abonnent Ihrer Zeitung. Eine Kleinigkeit zu kritisieren habe ich ausnahmsweise doch:

In Ihrer Ausgabe Nr. 35/2016 vom 18.08.2016 wurde auf Seite 36 der Text des „Deutschlandliedes“ aufgearbeitet. Als Beleg für die Recherchen werden verschiedene Quellen genannt.

Bezüglich der Ausführung „Erstmals offiziell gesungen wird das <Deutschlandlied> 1890, als Helgoland im Tausch gegen die afrikanische Insel Sansibar wieder zu Deutschland gehört“ scheint hier jedoch ein Irrtum vorzuliegen. Denn wenn man die damaligen Ereignisse auf der u.a. als Quelle genannten Internetpräsenz Wikipedia nachliest, ist dort von dem immer wieder verbreiteten Missverständnis die Rede, wonach Helgoland nach einem Tausch gegen Sansibar zu deutschem Staatsgebiet zähle. Diese falsche Annahme basiere auf einer missbilligen Äußerung des damals schon ehemaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck. Wenn die Ausführungen korrekt sind, hat nun auch Die Zeit zur weiteren Verbreitung dieses Irrtums beigetragen.

Auch, dass Helgoland „wieder zu Deutschland gehört“, ist bei in den Quellen genannter vormaliger Zugehörigkeit zur dänischen Krone nicht nachvollziehbar.

Die Helgoland-Sansibar-Geschichte. Vielleicht auch eine Geschichte, die einen eigenen Einzelbericht lohnt.  – Tobias Avermann


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Benoîte Groult sagte: „Le sexisme est plus profond et plus endémique encore que le racisme.“
E. Raether nennt die Befürworter eines Vollverschleierungsverbots „Radikalliberale, die den Frauen den Stoff wieder vom Gesicht reißen“. Sagt sie dies auch zu Befürwortern des Verbots des Tragens von Hakenkreuzen auf der Kleidung? Warum dürfen die Menschen hier nicht ihre Persönlichkeit entfalten, wie es ihnen gefällt? Die Antwort ist klar: Beim Tragen von rassistischen Nazisymbolen ist der Schutz der durch dieses Symbol Angegriffenen wichtiger als die freie Entfaltung der Persönlichkeit und die Meinungsfreihei, also anderer Grundrechte. Was bedeutet aber die Vollverschleierung? Sie schließt Frauen grundsätzlich aus dem öffentlichen Leben aus. Sie werden zu schwarzen Nullen degradiert, wie Iris Radisch in ihrem Artikel feststellt. Ist das nicht der blanke Sexismus!? Und er wird offensichtlich nicht einmal von gebildeten Frauen als solcher erkannt, sondern man versucht auch hier noch Verständnis zu haben. Das Verbot soll in erster Linie Klarheit schaffen vor allem für die muslimischen Männer, die ihre Frauen zur Vollverschleierung zwingen.

Der Satz in unserem Grundgesetz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ ist auch gegen den Widerstand vieler Männer und der drei Frauen im Parlamentarischen Rat 1949 von einer Frau, nämlich Elisabeth Selbert, durchgesetzt worden und 1992 nach der Wiedervereinigung ergänzt worden durch den Satz:“Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“  Wenn vom Gesetzgeber keine Klarheit geschaffen wird, dann haben immer nur die Schwächeren zu leiden und beim Thema Vollverschleierung sind das eben die Frauen. – Christine Czerny-Schäfer


Zu „Einigkeit und Recht und so“ einer Grafik der Nationalhymne:

Zur Geschichte unserer Nationalhymne fand ich im Büchmann folgenden Hinweis:

Gemeint war vom Dichter nicht, dass Deutschland über alles herrschen solle, sondern dass es mit allen Problemen in der Welt fertig werden könne, wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält.

Dort wird auch im einzelnen belegt, dass dieser Gedanke bis in das 17. Jahrhundert zurückgeht und von verschiedenen Autoren in ähnlicher Form und in unterschiedlichen Zusammenhängen formuliert wurde.

Die irrige Meinung über den Sinn des Textes ausrotten zu wollen, wäre zwar mit Sicherheit aussichtslos, weshalb die erste Strophe zu Recht tabu zu bleiben hat. Das sollte uns aber nicht daran hindern, über den ursprünglichen Sinn Bescheid zu wissen. – Eglof v. Schnurbein


Zum Artikel „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Ich möchte mich beschweren. In dem Artikel ROSA IST SCHEISSE bezeichnen Sie Frauen, die studiert haben als klug und erwecken den Eindruck das Menschen, die nicht studiert haben automatisch dumm sind („anfangs dachte ich noch an ein Milieuphänomen. Dann hörte ich auch studierte, kluge Frauen…..“) Nun kenne ich kluge Krankenschwestern, Sekretärinnen Köchinnen und reflektierte Handwerkerinnen. Diese Arroganz, den Schulabschluss oder die Berufswahl mit der Intelligenz  eines Menschen zu vermischen, die sich immer wieder in Artikeln der Zeit findet , hat mich dazu bewogen, mein Abonnement zu kündigen. Gerne möchte ich aber noch betonen, wie lesenswert ich die Artikel der wunderbaren Elisabeth Raether die letzten Jahre genossen habe. – Irina Mecklenburg


Über den Artikel „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Helfen Verbote?

Nein: In Deutschland können die Frauen anziehen, was sie wollen. Dieses Recht muss für alle gelten, die hier leben. Sehr geehrte Frau Raether,  Sie hätten Recht, wenn die Frauen, die sich so verkleiden müssen, sprechen dürften. Ich muss dazu Ihnen meine Erfahrungen schildern. Unser Nachbarhaus wurde von den Erben verkauft. Ein Nachbar kam zu mir und sagte, das Nachbarhaus wurde von Türken gekauft. Unsere Häuser und Grundstücke verlieren an Wert. Darauf antwortete ich, wenn Gott die Menschen gemacht hat, dann hat er auch die Türken gemacht. Die Familie, zog nach ein paar Anpassungen des Hauses, ein. Diese türkische Familie ist mir lieber als die alten Nazis, die in der Adenauer CDU alle christlich wurden.

Diese Menschen, wurden von der Firma Honsel zum Arbeiten nach Meschede geholt. Sehr viele dieser Einwanderer sind in der Türkei nicht zur Schule gegangen. Die Frauen gehen nur in einem schwarzen langen Mantel und Kopftuch nach draußen. Ich habe den Mann gefragt, warum die Frauen im Sommer so herumlaufen müssen. Im Winter habe ich dafür volles Verständnis. Der Mann antwortete mir, dass das im Koran steht. Frauen müssen von den Füßen an, bedeckt herumlaufen. Sagen Sie mir Frau Raether, warum sollen diese armen Frauen das nicht machen, es steht so in dem Koran, wird ihnen erzählt. Die Frauen können das Gegenteil nicht wissen weil sie nicht lesen können. Diese Frauen wurden aus ihrer Gemeinschaft gerissen und mussten den Männern nach Deutschland folgen.

Nach einiger Zeit, bekam die Frau des älteren Sohnes ein Kind. Ich gratulierte zur Geburt. Der junge Mann sagte zu mir, es ist nur ein Mädchen. Da habe ich diesen netten jungen Mann erklärt, dass er ohne ein Mädchen, seine Mutter, nicht geboren wäre. Alle Männer dieser Familie grüßen keine Frau. Bin ich auch draußen,  sagen alle Männer, „Guten Tag Herr Sauter“

Der zweite Sohn sagte eines Tages zu mir, Er wird heiraten. Ich fragte, wen er denn heiraten will. Er sagte: „Meine Verlobte, die habe ich mit sechseinhalb Jahren das letzte Mal gesehen.“ Er heiratete in der Türkei, kam ohne seine Frau nach Meschede. Wo ist denn Ihre Frau, fragte ich. Sie darf erst in 6 Wochen nachkommen. Er zeigte mir voller Stolz die Fotos seiner Heirat. Als die Frau nach Deutschland einreisen durfte, kam er ganz stolz und stellte mir seine Frau vor. Sofort sagte ich, sie muss die deutsche Sprache lernen. Ich sagte, diesen Ausspruch fast täglich. Eines Tages kam er an und sagte zu mir, er hat  seine Frau zum Lernen der deutschen Sprache angemeldet. Toll, erwiderte ich. Noch etwas sagte er, wir bekommen ein Kind. Ich gratulierte. Die Frauen in unserem Nachbarhaus, dürfen auch nicht grüßen. Wenn ich die Frauen am Anfang der Straße treffe sind sie ganz umgewandelt. Sie spüren den Druck der Männer nicht. Wie soll man diesen Frauen sagen, Ihr habt die gleichen Rechte wie die Männer.

Dank einer SPD Frau aus Wuppertal, die sich gegen die Männerwelt durchsetzte, wurden die Gleichheit im Grundgesetz aufgenommen. Die CDU hat sehr lange gebraucht, bis das die Frauen ohne die Unterschrift des Mannes arbeiten durften.

Dazu kann ich Ihnen noch etwas mitteilen. Als unser erstes Kind vor 49 Jahren geboren wurde und ich den Kinderwagen mit Stolz geschoben hatte, sagte meine Schwiegermutter, „Ein Mann schiebt keinen Kinderwagen“ Als die Polen ins Ruhrgebiet einwanderten, durften sie in der Öffentlichkeit kein Wort polnisch reden. Noch nicht einmal in der Kirche. Vielleicht ist dadurch die Einbürgerung besser gelaufen. Heute sehe ich die Worte anders, die Helmut Schmidt Anfang der Sechzigerjahre sagte. Er warnte davor zu viele Menschen aus einem anderen Kulturkreis zu holen. Wer weiß was in den Moscheen gesprochen oder gehetzt wird.

Frau Raether, ein Sprichwort sagt, manche Menschen müssen zu ihrem Glück gezwungen werden. – Werner Sauter


Zum Artikel „Achtung, hier spricht die Polizei!“ von Henning Sussebach:

Wenn die Polizei von ihren Einsetzen berichten, dann weiß man sehr gut wie es tatsächlich um unsere Gesellschaft bestellt ist. Für mich war das zwar nicht neu, aber es war notwendig, daß Sie das veröffentlicht haben. Vielleicht hat das dazu beigetragen, daß die Politik endlich eine andere Einstellung bekommt. Bisher konnte man das nicht erkennen. Die aufrechten Bürger werden fast wahnsinnig, daß die Politik nicht vehement gegen steuert. Ich bringe das alles in Verbindung mit den unzähligen Morden und körperlichen Angriffen, mit denen die Bürger fast täglich konfrontiert werden.

Auffällig dabei sind die vielen Ausländer, die wenig Respekt gegenüber den Ordnungshütern haben. Und die Politik fördert diese Zustände und lassen die Ordnungshüter im Regen stehen. Es wird nur verschwiegen, weil dann sofort die Keule der Diskriminierung geschwungen wird. Selbst die Ordnungshüter trauen sich das nicht mehr zu sagen. Allein darin kann man das ganze Elend unserer Politik erkennen. Die Wut der Bürger wird, fürchte ich, noch zunehmen. Und die Flüchtlingswelle wird das ganze Dilemma noch befördern. – Gunter Knauer


Zu Josef Joffe: „Reich des Guten“:

Ich bin verwirrt. Thema: Europa ist der kranke Mann der Welt. Ist das Orwell – da wo das Wahrheitsministerium … straight aus dem Land der Freiheitstatue. – Karin Hofmann


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Meine Meinung zu dieser Thematik ist diese: „Eine offene Gesellschaft, wie die unsrige und ihre Werte verlangen ein offenes Gesicht; sie muß daher gegen die Unterwanderung durch Vermummungen wie Burka und Niquab verteidigt werden, zumal dafür keine religiöse Begründung ersichtlich ist. Die Gegenmeinung mit ihrer exzessiven Freiheitsideologie weitergedacht würde dazu führen, dass beispielsweise auch auch der Exhibitionismus und anderes nicht allgemein Zumutbares erlaubt sein/werden müßte.“ – Dr..Friedrich K. Dünisch


Zur Titel-Schlagzeile „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Ihre aktuelle Titel-Schlagzeile „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“ finde ich völlig daneben, journalistisch nahe Bild-Zeitungsniveau, politisch nahe AfD. Wenn das der künftige Stil und Inhalt der „Zeit“ sein soll und Sie damit neue Leser gewinnen wollen, werden Sie auf mich sicherlich verzichten müssen. – Dietrich Scholle


Betrifft Titel-Schlagzeile „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Ihre aktuelle reißerische Titel Schlagzeile „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“  hat mich entsetzt. Sie ist journalistisch völlig daneben, politisch nahe der AfD.

Am 4. September 2015 traf Angela Merkel eine politische und humane Entscheidung, Hunderte von Menschen haben damals Geflüchtete aus Kriegs- und Krisengebieten willkommen geheißen und mit dem Nötigsten versorgt.

Seit dieser Zeit (und auch schon vorher) sind Hunderte von Menschen in Deutschland ehrenamtlich in verschiedenen Funktionen für Geflüchtete tätig. Wir haben damals und heute nicht die Kontrolle verloren, Sie aber offensichtlich Ihr Urteilsvermögen und Ihre Verantwortung als Chefredakteur einer ehemals großen und seriösen Wochenzeitung. Wenn Sie mit diesem Stil neue Leser gewonnen wollen, nur zu, mich haben Sie damit verloren. – Hanna Scholle


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Ihre beiden Beitraege haben mich (mal wieder) zum Nachdenken ueber das Verbot einer Vollverschleierung veranlasst. Waehrend ich das Argument sehe, dass die Vollverschleierung ein Unterdrueckungsinstrument sein kann, sehe ich nicht, was ein Verbot daran aendern wuerde. Wenn ein Mann seine Frau/Tochter/Schwester/… derzeit nur voll verschleiert aus dem Haus laesst, so bezweifle ich, dass ein Verbot daran etwas aendern wird. Entweder er laesst sie garnicht mehr aus dem Haus oder eben weiterhin nur verschleiert. Auch ist mir unklar, wie ein solches Verbot durchgesetzt werden soll. Wird eine verschleierte Frau nach einer Anzeige festgenommen und zu einem Bussgeld verurteilt? Hilft ihr das freier zu werden?

Auch scheinen voll verschleierte Frauen eine kleine Minderheit darzustellen, mit wenigen Tausend Faellen in Deutschland. Insofern erscheint mir das eher Symbolpolitik (auch auf dem Ruecken der Frauen) als eine echte Hilfe fuer unterdrueckte Frauen. Oder erwartet jemand, dass eine von ihrem Mann unterdrueckte Frau ihm sagt, dass seine Regeln gegen das deutsche Gesetz verstossen und sie sie daher nicht beachten wird? Es ist auch verboten Ehepartner und KInder zu misshandeln und trotzdem geschieht es. Darueberhinaus habe ich meine Probleme mit Kleidungsvorschriften – manche betrachten das Tragen von Minirock und Make-Up als Zeichen der Befreiung, waehrend es fuer mich eher Vermarktung von Frauenkoerpern ist.

Insgesamt erscheint mir – wie bereits erwaehnt – die Debatte um ein Verbot der Vollverschleierung eine klassische Debatte um ein Gesetz fuer ein Problem, das sich nicht ueber Gesetze loesen laesst. Aber ein neues Gesetz macht sich eben gut und vermittelt den Eindruck, man habe etwas getan – auch wenn es im Alltag wenig bis garnichts aendert. Vielleicht waere ich eher zu ueberzeugen, wenn man mehr ueber die geplanten Ausfuehrung hoeren wuerde – aber da ist Schweigen – ob von Politkern oder Medien ist mir nicht klar.  Danke fuer Ihre Beitraege und die Anregung zum Nachdenken! – Sabine Moehler


Bezugnahme auf Artikel „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Haben Sie vielen Dank für Ihren Artikel! Ich kann mir vorstellen, dass dieser bei der LeserInnenschaft einigen Unmut hervorrufen wird und möchte gerade deshalb ein explizites Lob aussprechen. Wenngleich ich das Gefühl habe, schon hunderte von Artikeln zu diesem Thema gelesen zu haben, scheint sich die Tendenz „Rosa für Mädchen, Blau für Jungs“ noch eher zu verstärken. Insofern ist es wichtig, dass immer wieder Artikel publiziert werden, die auf diese unsäglichen Erfüllungen sämtlicher Klischees aufmerksam machen. Schön wäre es gewesen, wenn Sie zusätzlich noch auf die Problematik des Binarismus „Junge – Mädchen“ eingegangen wären; diesen haben Sie nämlich leider nur reproduziert. Ansonsten besten Dank für Ihre Zeilen! – Isabella Buck


Zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Es tut mir Leid für Ihre Autorin Elisabeth Raether.  Iris Radisch hat die überzeugenderen Argumente. Daran gibt es nichts zu rütteln.

Eine Religion, die die halbe Welt und darüber hinaus mit Terror überzieht, kann die Vollverschleierung nicht mehr für sich in Anspruch nehmen, wenn sie in einem Land leben möchte, das davon auch betroffen ist. Eine Burka ist das Diktat einer Männerwelt, die uns das Leid und den Tod in den Westen getragen hat. Die Burka ist eines der Symbole davon. – Gunter Knauer

Bezüglich der Rubrik „Prominent Ignoriert“:

Eigentlich eine unwichtige Information, die ich Ihnen hier in aller Kürze sende, aber der letzte Satz Ihres Textes wird im Nachhinein zu einer ungewollten Pointe. Ja, da lachen die Elche wirklich, denn auf dem Foto ist das Geweih eines Wapiti, einer großen nordamerikanischen Hirschart, zu sehen. Im Amerikanischen auch elk genannt. Den Elch selbst nennen die Amerikaner moose. – Steffen Walentowitz


Zum Titelthema:

Von wegen „Kontrolle verloren“

Gegen Ihren Aufmacher in der ZEIT vom 18. August zur „Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“ und die gesamte Tendenz Ihrer „Chronik“ möchte ich entschiedenen Widerspruch, ja Protest einlegen. Hätte es geheißen, „als Deutschland eine Entscheidung traf“, dann wäre eine sachliche Diskussion über die Umstände und Abläufe möglich gewesen. Da wären sicher auch Mängel sichtbar geworden, und ebenso sicher ist, dass die Umstände der Tage Anfang September letzten Jahres nach Entscheidungen verlangten, die nicht auf ein konzertiertes Qualitätssicherungsmanagement und den Auftritt des Chors der Bedenkenträger warten konnten. Die gesamte Tendenz Ihrer Darstellung, gespickt mit Vokabeln wie „Täuschungsmanöver“, „politische Illusion“ oder „verhängnisvoller Tweed“ soll wohl irgendwie das Bild einer zweiten Schabowskiade bedienen. Nein, das ist gar nicht witzig, denn es heißt im Klartext, dass man die Flüchtlinge am Budapester Hauptbahnhof und sonstwo besser hätte unter Herrn Orbans Fittichen verdursten lassen sollen, während auf Aleppo bis heute Bomben abgeworfen werden und auch sonst keine Fluchtursachen behoben sind – nur dass sich aus Angst vor den heimischen Reaktionen mittlerweile kaum einer der politischen Akteure sich noch traut, sich davon bewegt zu zeigen. Mit Ihrer tendenziösen Darstellung betreiben Sie nicht nur das Geschäft der Herren Gauland, Höcke und Seehofer. Sie spielen selbst mit dem Feuer und befeuern eine Stimmung, mit der das Handeln nach humanitären Prinzipien diskreditiert wird. Das ist zynisch und billig. Vielleicht ist es auch strafbar. – Prof. Dr. Johannes Heil


Zu Josef Joffe: „Reich des Guten“:

Bisher habe ich Ihre kurzen, prägnanten Artikel geschätzt. Aber „Reich des Guten“ finde ich völlig daneben. Den Vergleich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs hätte ich eher in der Bildzeitung vermutet. Haben Sie vergessen, dass wir über eine Million Flüchtlinge aufgenommen haben? Wenn man nun den Spreu vom Weizen trennen muss (Abschiebungen) und Obergrenzen anstrebt, ist das nicht unmoralisch (von wegen Moralpolitik). Es ist einfach, „eine überbordende Krise, unmenschlicher Druck, betrogene Hoffnungen, Fehlkalkül, Bürokratengerangel und Inkompetenz“ vom Journalistenschreibtisch aus zu kritisieren. Ihnen ist scheinbar nicht bewusst, dass es für die Bewältigung der (un)bekannten Aufgaben keine Lehrausbildung gibt. Unsere Politiker, Kirchen, Caritasverbände und ehrenamtlichen Helfer (auch hier gibt es den „Faktor Mensch“) haben bisher wahnsinnig viel geleistet und natürlich auch Fehler gemacht (die werden in Ihrer Zeitung auch gemacht!). Mit diesem Artikel haben Sie unserem Land, Ihrer Zeitung und Ihrer Person kein gutes Zeugnis ausgestellt. – Rudolf Lobecke


Zum Artikel von Jürgen Krätzer: „Atheismus ist immer noch erlaubt!“:

Na endlich einmal Klares bei all diesem Glauben & Zweifeln!  —  Wunderschön insbesondere:  “Und der Atheist? Schaut … neidvoll auf die Gläubigen” … Der Arme!  —  Herzlichen Dank! – Herbert Grösch


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether:

In Deutschland können die Menschen ihr Leben gestalten, wie sie wollen. Dieses Recht muss für alle gelten, die hier leben. Auch für Menschen, die sich – angeblich freiwillig – versklaven. Weil sie kein anderes Leben kennen als das eines Sklaven oder einer Sklavin.

Liebe Frau Raether, würden Sie diesen Satz auch mit Ihrem Namen unterschreiben?
Stellen Sie sich vor, es kämen Menschen zu uns nach Deutschland aus einem Kulturkreis, in dem Sklaverei gängige Praxis wäre. Mit allen Ihren Argumenten für das Tragen einer Burka könnten Sie auch die Fortsetzung des Sklaventums rechtfertigen.

Es gibt so viele Entscheidungen im Leben, die nie freiwillig als Folge einer gedanklichen Auseinandersetzung getroffen werden. Sie sind vielmehr Resultat von Erziehung und Gewohnheit, verstärkt durch Gruppendruck und psychische Abhängigkeit. Selbst wenn Betroffene in psychische Not geraten, würden sie diese eher leugnen als zugeben. Sie ertragen freiwillig seelische Gewalt, weil sie keine Alternativen kennen. Es ist falsche Toleranz, diese Menschen ihrem Schicksal zu überlassen. Aus meiner Sicht gibt es keine andere Wahl, als Rahmenbedingungen zu schaffen, die persönlichkeitsauslöschende Kleidung – eine Variante der Versklavung – klar verbieten.  – Reinhild Berger


Leserbrief zu „Mit Super-Ironie“ von Jens Jessen:

Zum Nachruf von Jens Jessen auf den Schriftsteller Hermann Kant im Feuilleton vom 18. August (Nr. 35): Wenn es einen „Dichterhimmel“ gibt, in dem Jens Jessen Hermann Kant jetzt vermutet, dann wird der frühere DDR-Schriftsteller den Nachruf summa summarum gern gelesen haben, denn mehr kann man doch einer zwielichtigen Person nicht nachreden, als dass sie trotz allem doch noch in den Himmel kommt. Jessen sei Dank, dass aber auch die Schattenseiten dieses „Super-Ironikers“ der DDR-Literatur mit seinen „Gutenachtgeschichten“ (Jessen) gebührend zur Sprache kommen.

Ich habe mir nach dem Tod von Hermann Kant nochmal einen Band mit Gesprächen des Schriftstellers mit Irmtraud Gutschke von 2007 zur Hand genommen („Die Sache und die Sachen“), in denen Kant bei allen Versuchen zur Selbstrechtfertigung seines Spagats zwischen Schriftsteller und Kulturfunktionär in der DDR (Mitglied des SED-Zentralkomitees) auch deutliche und erstaunlich offenherzige Worte über das politische System DDR (und des „großen Bruders“ Sowjetunion) findet. In diesem System sei die Kultur als eine Sache betrachtet worden, „die man per Ukas regulierte“. Die Menschen in der DDR, die im Oktober 1989 auf die Straße gegangen seien, „hatten genug von der Zwangsherrschaft, die wir wirklich ausgeübt hatten“. Kant sagt „wir“. Im Hinblick auf Beobachtungen bei Reisen in die Sowjetunion erwähnte Kant Beispiele „für etwas, das sich sozialistisch gerierte, in Wirklichkeit aber menschenverachtend war“.

Er habe begriffen, „daß du nicht straflos über Jahrzehnte gegen alle möglichen Regeln – ökonomische, ethische – verstoßen kannst“. Das hätte man in Ost und West auch gerne auch vor dem Fall der Mauer von Kant öffentlich gehört. Und last but not least bleibt es immer ein Rätsel, wie ein intellektueller Mensch und Künstler ein System rechtfertigen und mittragen kann, in dem nur eine Staatspartei auf Dauer das sagen hat („Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!“) und dessen Generalsekretär das letzte Wort in allen, wirklich allen Angelegenheiten hat. Hatte Kant, der doch als deutscher Wehrmachtssoldat in leidvolle polnische Kriegsgefangenschaft geraten war (und darüber sein  eigentliches Meisterwerk „Der Aufenthalt“ geschrieben hat), dieses „Führer befiehl, wir folgen dir!“ vergessen? Natürlich ist der nackte Kapitalismus keine menschenwürdige Lösung aller Probleme der Menschheit – aber darüber muss und wird gestritten werden, öffentlich! – Wilfried Mommert


Liebe Kollegen der Zeit, ich möchte mal zu dieser nachtschlafender Zeit ein Lob loswerden.

Ich bin zum zweiten Mal in diesem Jahr lange mit dem Zug quer durch Deutschland unterwegs, um einen lieben Verwandten zu beerdigen. Kein schöner Anlass, aber ein Grund, sich die Fahrt mit der ZEIT zu verkürzen. Während der ersten Fahrt im Januar hat es Frau Hasel geschafft, mich mit dem Artikel „Heul doch“ aufzumuntern. Und heute finde ich in der aktuellen Ausgabe „Scheiß Rosa“  – einfach klasse. Wieder so ein Muntermacher an einem Tag der Tränen. Danke dafür! – Sabine Hildebrandt


Zum Artikel „»Huhu, Prof, läuft das mit Hausarbeit?«“:

Der kurze Artikel zur Email Kommunikation zwischen Studierenden und Dozenten in der aktuellen ZEIT Ausgabe spricht mir aus der Seele! Ich studiere an der Deutschen Sporthochschule, wodurch der Umgang mit vorgesetzten oft sehr Kumpelhaft ist. Dennoch versucht man als (Master) Student in der Kommunikation mit Profesoren und Institutsleitern die Höflichkeit zu waren, was auch teilweise gewünscht wird. Die Antworten sind aber oft so kryptisch und unterirdisch, dass man sich schon sehr wundert.

Hier ein paar E-Mail Antwort Highlights (Prof. Dr. und Institutsleiter ….):

>>wenn Sie heute oder morgen abgeben (mein Postfach), können Sie mittwoch abholen herzl Gruss <<

>>Abstract auf English ist OK. Attached Instruction gibt es jetzt auch auf Moodle A final time plan and program for nxt sessions will follow later cause I need to include some (minor) changes. HGr<<

>>vielen Dank für Euer Anwort ! weiteres dann Donnerstag Herzl Gr<< – Stefanie Rüdiger


Zur Burkadebatte:

Abgesehen davon, dass ich es als absolut erniedrigend finde mich als Frau in der globalisierten Welt vollverschleiert bewegen zu müssen, möchte ich darauf hinweisen dass ein /e Motorradfahrer/in den Helm beim Betreten einer Bank oder Tankstelle abnehmen muss! – Cornelia Mumm


Leserbrief  zum Burka-Verbot:

Sehr ausführlich wird auf der Titelseite das Für und Wider eines Burka-Verbotes dargelegt.
Ich habe in Deutschland noch keine der vermutlich 6 500 Burka-Trägerinnen erlebt.

Fast täglich sehe ich aber  sehr junge bis nicht mehr ganz so junge Frauen in neuen Jeans, die von hinten perfekt aussehen, vorne aber zerrissen sind (wenn man genauer hinsieht, mit Absicht – an den Ränder kann man häufig Nähte sehen, die ein weiteres Einreißen verhindern sollen).
Es wäre schön, wenn sich die ZEIT  ebenso intensiv und grundsätzlich mit dieser Modeerscheinung beschäftigte.  Ich nehme an, die meisten  Trägerinnen solcher Jeans  denken nicht daran,  dass solch ein Gebaren  dekadent und verächtlich wirkt auf die Menschen, die aus Not schlechte und zerschlissene Kleider tragen müssen.  Und diese armen Menschen leben in der Mehrzahl in den Ländern, in denen solche „zerrissenen“ Hosen hergestellt werden. – Michael Strake


Betrifft das Thema Burka-Verbot:

Schon allein die Überschrift im Beitrag von Elisabeth Raether zur Burka-Diskussion lässt denken, es handele sich um eine Frage der Mode. Doch weit gefehlt, ist doch die Verhüllung der Frauen Ausdruck höchst ungleicher repressiver Religionsausübung, die ich trotz oder vielleicht gerade wegen jener hehren präsidialen Worte, der Islam gehöre zu Deutschland, nicht als Bestandteil von Deutschland sehen möchte. Frei wäre diese Religionsausübung, die im Übrigen vom Koran so nicht vorgeschrieben ist, wenn sie Schwestern oder Töchtern die Wahl ließe, sich als „Zelt“ oder mit Burka in unserer liberalen Gesellschaft zu bewegen oder aber nicht genötigt vom patriarchalischen Diktat ihrer Muskel-T-Shirt tragenden Brüder unverhüllt leben zu wollen. Und mehr: wenn genau diese verhüllten Frauen und ihre Männer, die in unserer Gesellschaft ihr Recht auf eigene Kultur so sehr reklamieren, sich im gegenseitigen Respekt auch für die Akzeptanz von Minirock und Biercafés in Mekka und Medina einsetzen würden. Tun sie aber nicht, insofern bleibt das aufeinander Zugehen vollkommen einseitig und gefährdet mit dem Eintritt eines reaktionären Frauenbilds durch die Hintertür falsch ausgelegter Liberalität das konstitutionelle Selbstverständnis unserer Gesellschaft. – Dr. Joachim Schüürmann


Zum Artikel „Was geschah an diesem Wochenende wirklich?“:

Eine faszinierende Recherche. Ein Politkrimi. Es fehlte nur das Ergebnis des Fußballspiels Ungarn-Rumänien. – Dr. Dietrich Berndt


Leserbrief zu „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Ihr Anliegen kann ich sehr gut nachvollziehen. Es wundert mich aber, dass Sie gar nicht auf den Punkt eingehen, dass die Eltern von denen Sie die gebrauchte Kleidung bekommen haben, für ihre Jungs ja anscheinend auch ganz bewusst blaue Kleidung ausgesucht haben – was bedeutet denn blau?
Am Ende Ihres Artikels schreiben Sie, dass Sie Ihrer Tochter inzwischen bewusst blaue Kleidung anziehen. Warum keine andere, neutrale Farbe, weiss, gelb, grün? Da Sie wissen, welche Reaktionen das blaue Shirt hervorruft,nutzen Sie Ihre Tochter zum Senden einer Botschaft. Meiner Meinung nach sollte niemand eine Botschaft an seinem Körper tragen, der sich nicht bewusst dafür entscheiden kann. – Nadine Wagenbach


Zu „Gestrandet in Bonn“ von Christiane Florin:

Ich habe selten einen so oberflächlichen Artikel gelesen, wie diesen! Da schreibt jemand über Bonn, hat sich vorher nicht schlau gemacht und geht prompt in die falsche Richtung.Das damalige Regierungsviertel war für die Bonner nie Bonn, es war eben das „Regierungsviertel“: quasi eine Stadt für sich. Und das Beethovenhaus ist schmal! Wenn die Schreiberin gewußt hätte, dass Beethoven bald 200 Jahre alt wird, wüßte sie auch, dass man damals noch keine Glaspaläste baute, und Beethoven auch nicht das Kind reicher Eltern war.

Und die „Scala“ am Rhein? Das war die Bonner Oper wirklich einmal, zu einer Zeit, als es die Schreiberin vielleicht noch nicht gab. „Scala“ das war unter den Intendanten Riber und Carlo del Monaco. Große und berühmte Sänger der damaligen Zeit sangen in der Oper, sie aufzuführen würde den Rahmen sprengen. Um nur einen zu nennen: Domingo, ein Freund von del Monaco, ging damals in der Bonner Oper ein und aus.

Hätte die Schreiberin das richtige Bonn kennenlernen wollen, hätte sie genau in die andere Richtung gehen müssen: am Rhein entlang, vorbei an der Beethovenhalle ( ständiger Zankapfel in Bonn), dann Richtung Altstadt, ein interessantes Viertel mit engen Straßen, alten Häusern, teils gut saniert, teils noch verkommen. Hier gibt es viele urige Kneipen verschiedener Nationen, hier wohnt das alternative und multikulturelle Bonn, auch viele Studenten, denn Bonn ist auch eine Universitätsstadt!(zur Information für die Schreiberin) Danach wäre empfehlenswert ein Gang durch die Innenstadt ( keineswegs großstädtisch), vorbei am Münster Richtung Kaiserplatz über die Poppelsdorfer Allee zum Poppelsdorfer Schloß. Ein toller Anblick vom Kaiserplatz aus, gefiel schon Kurfürst Clemens August, der auch die Brühler Schlösser bauen ließ, ( zur Information für die Schreiberin).

Des weiteren könnte man auf den Venusberg fahren.Von dort hat man einen wunderschönen Blick auf das Rheintal mit dem Siebengebirge und auch auf das Kameha Hotel. Nur dort geht kein Bonner hin. Das ist was für die Snobiety. Es gibt andere urtümlichere Hotels und Restaurants auf beiden Seiten des Rheins.

Bonn hat also mehr zu bieten als das , welches die Schreiberin gesehen hat. In einem aber hat sie Recht: Bonn ist die nördlichste Stadt Italiens: Bonn ist nicht großstädtisch, es ist laut, familiär, ein bißchen“knüselig“ ( nicht sehr sauber), im Sommer schwül, aber mit dem südländischen „dolce far niente“ ausgestattet. Ich liebe es und lasse es mir nicht vermiesen.

Es grüßt Sie eine überzeugte Bonnerin  – Ingrid Grenzmann


Betrifft „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Richtig: Das Thema gehört auf das Titelblatt. Leider entgeht den beiden sehr geschätzten Autorinnen,  die ich hiermit hochachtungsvoll um Nachsicht bitte,  das m.E. „schlagende“ Argument  f ü r  das Burka-Verbot.   Es lautet: In Zeiten  des ausufernden islamistischen Terrors ist es für den einchlägigen Attentäter, insbesondere bei größeren Menschenansammlungen,  ein Leichtes,  sich unter der Maske der Burka an sein Opfer bis auf Dolchstoßnähe anzuschleichen und nach erledigter Tat in der Menge unterzutauchen. Im Übrigen:  Es wäre denkbar fatal,  wenn sich alleine die AfD  des attraktiven Themas annehmen würde. – Heidi Vogel


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether:

Was Frau Raether hier produziert, ist in zweifacher Hinsicht sehr ärgerlich. Erstens ist der Artikel von seiner inneren Zusammenhangsstruktur her gesehen miserabel. Zweitens habe ich den Eindruck, dass die Verfasserin gar nicht weiß, worüber sie schreibt. Es geht hier nicht um ein Stück Mode und auch nicht um Genderfragen und auch nicht um Religionsausübung, sondern darum, dass irgendwelche Menschen in unserer Gesellschaft in der Öffentlichkeit ihr Gesicht zu verbergen sich anmaßen. Und das ist unerträglich. Und hat durchaus auch einen polizeilichen Aspekt. – Nithart Grützmacher


Zum Artikel „Wo sind sie denn?“ von Jana Gioia Burmann et. al.:

Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Ich glaube, der Satz ist noch nicht so durchgedrungen… Letztlich bräuchten viele Flüchtlinge einen Anfang in der Grundschule (oder deren Stoff), um dann langsam darauf aufzubauen. Das hieße äußerste Flexibilität: wer schon weiter ist – den Lehrstoff kennt -, springt eine oder mehrere Klassen bis zur angemessenen Qualifikation.

Das erfordert ein Behördensystem, das schnell und flexibel agiert und reagiert (ein Widerspruch in sich?) und es erfordert eine Gesellschaft, die ihre Lehrer besser bezahlt und überhaupt das Lehren obenan stellt (nicht den Banker, der wieder so toll die Märkte ausgetrickst hat).

„Die Globalisierung klopft an“ und die hochentwickelten Dienstleistungs- und Industriegesellschaften antworten mit ihren gewohnten Verfahren…so wird es nicht gehen! Oder haben damals die Trümmerfrauen den Schutt nach DIN-Norm weggeräumt und später alle das Land nach Paragraph xy aufgebaut? Nach jeder „Jahrhundertflut“ wird schnell und unbürokratisch geholfen  (wirklich?!?), warum nicht jetzt?!? – Wolfgang Michel 


Leserbrief zum Artikel von Jürgen Krätzer: „Atheismus ist immer noch erlaubt!“:

Wer sagt, ohne Gottglauben und Religion sei keine Moral möglich, stellt Atheisten als moralische Mangelwesen dar. Würde man wagen, so über Russen oder Chinesen zu reden oder es ablehnen, wenn gar fürchterlich moralunfähige Atheisten einem Erste Hilfe leisten, das Leben retten?

Als wenn Atheisten nicht zu liebevoller Hinwendung zum anderen, zu sozialem Verhalten, zur Demokratie, zur Sinngebung fähig wären. Anmaßung pur, sieht die auch sehr blutige Geschichte der machthabenden Kirchen.

Peinlich auch der Anspruch der Theologie auf Wissenschaftlichkeit. Deren einzig weitgehend wissenschaftliche Bereich ist die neutrale, möglichst nicht bekenntnisgebundene historisch kritische Forschung. Exakt diese hat aber das „religiöse Kartenhaus“ zusammenfallen lassen – und wird natürlich meistens ignoriert. Theologen lehren heute, indem sie aus der Bibel die ihnen genehmen Rosinen rauspicken, deren hochgradig inhumane Aspekte aber ausblenden. So legen sie immer noch das „Alte Testament“ in den Kirchen auf dem Altar aus. Der Verfassungsschutz würde den Text verbieten, würde er heute geschrieben.

Wer Strafdrohungen eines Gottes braucht, um „gut“ zu sein, tut das „Gute“ nicht um des „Guten“ willen, sondern aus Angst. Interessante „Ethik“.

Wer als Christ die Massenmorde im letzten Jahrhundert den Atheisten anhängen möchte, treibt ein schlimmes Spiel. Kein Krieg wurde zur Ausbreitung des Atheismus geführt. Der Holocaust fand in seiner ungeheuren Eigenheit in einem christlichen Land statt. Wer Leichen zählt, um Atheisten zu diffamieren, sollte analytisch sauber die Kennziffer befragen: Wie viele Tote gab es im jeweiligen Kriegsgebiet prozentual zur dortigen Bevölkerung unter Nutzung welcher waffentechnischen Möglichkeiten? Sieht man z.B. den stark religiös motivierten Dreißigjährigen Krieg: Was, hätten dessen christliche Akteure bei entschieden geringerer Bevölkerung mit den Waffen des letzten Jahrhunderts anrichten können!

Das Neue Testament? Die katholische Theologin Uta Ranke Heinemann schreibt in großer Ehrlichkeit von einer „Menschenopferreligion“. Benötigt ein „höheres“ Wesen als Vater den grauenhaften Kreuzesfoltertod seines Sohnes zur Vergebung der Sünden der Menschen, dann ist das in der Tat die „Ethik“ des Menschenopfers. Über andere Religionen mit Menschenopfern rümpft man die Nase. Nur löst die dort entschieden höhere Opferzahl das ethische Grundproblem nicht.

Laut Ranke-Heinemann wird zwar die wirkliche Lehre Christi völlig falsch wiedergeben. Diese käme ohne Opfertod aus. Das ändert nichts an der amtlichen Lehre. Was würde die sagen, wäre Jesus etwa unter Helmut Kohl gekommen? Die Todesstrafe war abgeschafft, eine Erlösung somit unmöglich. Was, wäre Jesus an einer Fischvergiftung gestorben? Nicht diese Fragen sind abstrus, die Lehre ist es.

Dann die Frage der Theodizee. Es geht um die Verantwortung dieses Gottes den Menschen gegenüber. Ein Gott, der tatenlos zuschaut bei jeder Vergewaltigung, bei jedem nachfolgenden Vertuschungsmord, der nicht hilft, auch nicht den Opfern des Nazimassenmordes. Da dürfen manche mit ihren Verunglimpfungen von Atheisten genauso schweigen wie der von ihnen geglaubte Gott. –  Johannes Haverkämper


Betrifft „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Sie beschreiben die Irritierung, wenn Ihre Tochter Shirts mit LKW-Aufdruck trägt. Meine Tochter (1) trägt viel Kleidung ihres großen Bruders (2) und bisher ist das mir gegenüber weitgehend unkommentiert geblieben. Versuchen Sie allerdings mal einem kleinen Jungen auch nur unauffällige Mädchenkleidung ohne Rosa (Hosen mit Blumeninnenfutter oder Shirts mit kleinen Raffungen) anzuziehen. Die Reaktionen darauf sind deutlich stärker! – Hannah Bittner


Zum Burka-Verbot:

Der entscheidende Punkt, der in meinen Augen für ein Verbot spricht, wird in dem Plädoyer gar nicht genannt, und der ist Teil unserer

Ur-Kultur: wer seine Höhle verläßt und im öffentlichen Raum anderen begegnet, zeigt sein Gesicht! Und das seit Jahrmillionen! Das ist ein Akt unmittelbarer, sofortiger, wortloser, aber gewichtiger Kommunikation. In Sekundenbruchteilen schätzt man sich gegenseitig ab: freundlich oder feindlich gesonnen, harmlos oder gefährlich, offen oder verschlossen?

 Wer sich unter einer Burka versteckt (und das hat mit dem Geschlechterkampf oder -konflikt rein gar nichts zu tun) zeigt nicht nur eine grundsätzliche Kommunikationsverweigerung, sondern löst auch Angstgefühle aus: wer versteckt sich darunter? mit welchen Absichten? trägt „es“ eine Waffe? – Wolfgang Heckl


Über die Titel-Schlagzeile:

Ich bin gerne Leser Ihrer Zeitung und möchte in Kürze ein weiteres Abonnement abschließen. Dennoch möchte ich eine Kritik äußern und Ihnen schreiben, was mich an Ihrer Zeitung stört.

Ich finde den roten Banner „Mit 3 Seiten ZEIT im Osten“ auf der Titelseite überflüssig. Was hat es damit auf sich und muss explizit darauf hingewiesen werden? Ist es nicht besser, wenn man den Schriftzug „Die Zeit“ komplett sehen kann? Ich würde mich freuen, wenn Sie mir dazu eine Erklärung geben könnten. – Lars Geigner


Über das Burka-Verbot:

Freiwillig Burka tragen, ein größeres Paradoxon gibt es kaum! Die meisten Frauen tun dies aus Zwang, eine Verweigerung hätte brutale Folgen! Warum behaupten manche Frauen, dies aus „Glaubensüberzeugung“ zu tun? Die Antwort steckt in der Gegenfrage: Welche Möglichkeiten der Anerkennung hätten sie denn sonst, außer Kinder kriegen und dem Manne allzeit zu Diensten zu sein? So erlangen sie wenigsten ein wenig „Ansehen“ und können gegenüber den „Burka-Verweigerinnen“ als „moralische Instanz“ auftreten. Darum ist diese „Freiwillige Glaubensüberzeugung“ einzig eine Flucht nach vorne. Vor allem aber muss die Diskussion um die Rolle der muslimischen Frau weiter gehen, um ihr die gleichen Rechte innerhalb der muslimischen Gemeinde zu garantieren. Ohne diese Veränderung würde die Frau hinter der eigenen Wohnungstür wieder ungeschützt den Repressalien des Mannes oder der Verwandtschaft ausgeliefert sein bis hin zur Verweigerung der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. – Joachim Kretschmann


Betrifft „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Mir ist es mehr als unangenehm, wenn ich im öffentlichen Raum nicht die Gesichter der Menschen sehen kann, die mit mir diesen Raum teilen, das möchte ich nicht. Es ist auch erstaunlich, dass öffentliche Räume videoüberwacht werden und dies auch legal ist, aber die Vollvermummung unter der Burka erlaubt sein soll – was ist das für eine Vorstellung von „Freiheit & Gleichheit“? Den Vergleich mit Nikolaus- und Faschingskostümierumgen erachte ich als an den Haaren herbeigezogen und oberflächlich so unvergleichbar sind beide Sachverhalte. Vertretern dieser Argumente fällt wohl nichts Substantielles, will heißen Inhaltliches ein. Warum nur? Wovor fürchten sie sich? – Johanna Weber


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Iris Radisch:

Wir sollen also die Vollverschleierung als „nicht hinnehmbares Symbol islamischer Fanatiker“ verbieten, und mit eben diesem Verbot dann ein Symbol christlicher Fanatiker klaglos akzeptieren? Das ist mir zu durchsichtig, Frau Radisch. Mir scheint, Sie sind in Wirklichkeit genauso schlimm wie diejenigen, die Sie bekämpfen wollen. Vielleicht sogar noch schlimmer. –  Michael Ferner


Zum Artikel „Darf man die Burka verbieten?“ von Iris Radisch und Elisabeth Raether:

Burka und Naqib sind Symbole für die Unterdrückung der Frauen im extremen Islam und für politischen Fanatismus bei Taliban und Salafisten, die ihre Frauen zur Ganzkörperverschleierung zwingen. Symbole sind aber beispielweise auch Hammer und Sichel und das Hakenkreuz. Wenn ich damit mein T-Shirt verzieren würde und so auf die Straße ginge, würde mich die Polizei schnell aus dem Verkehr ziehen, und Gerichte würden mir das öffentliche Tragen dieser Symbole verbieten. Genauso sollte man auch das  öffentliche Tragen von Burka und Naqib verbieten. – Dr. Peter Dodel


Zum Burka-Verbot:

Die so genannte „Burka-Gesichtsschleier-Diskussion“ bei unseren Politikern ist einfach unerträglich. Ich gehöre nicht den „besorgten“ Bürgern an. Burka u.ä haben keine Grundlage im Koran, sondern gehören zu Tradition und Kultur, sind also keine religiösen Merkmale. In Deutschland haben wir ein Vermummungsverbot . Wenn man die Burka bzw. den Gesichtsschleier toleriert, sollte man das Vermummungsverbot auch konsequenterweise aufheben. Warum wird nicht thematisiert daß wir kein Gesetz gegen das Kleidungsstück haben? Ich würde mich freuen, wenn von Ihnen eine Diskussion angestoßen werden würde. – Eva Zimmermann-M.


Anmerkung zur Titel-Schlagzeile „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Bitte helfen Sie mir. Die Schlagzeile vermittelt den Eindruck eines Vorwurfes. Absichten, Pannen und Missverständnisse belegen die Autoren. Aber wie hätte mehr Kontrolle den flüchtenden Menschen geholfen? Nach der Lektüre des Artikels bin ich perplex. Jetzt eben werden im Fernsehen Bilder aus Aleppo gezeigt. Ich habe dafür keine Lösung. Aber die übergeordnete Botschaft, dass es schlecht für Deutschland ist wenn plötzlich Hundertausende Flüchtlinge ins Land kommen ist doch sehr verstörend. – Norbert Lindenlaub


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Iris Radisch und Elisabeth Raether

In der allgemeinen Burka-Diskussion (nicht nur in Ihrer Zeitung) geht der kulturelle Aspekt nahezu völlig unter. Iris Radisch spricht von einem kulturellen Signal, würde die Burka verboten. Doch bleibt ihr Einwurf sachlich und allgemein. Was eine Burka im Alltag  unserer Kultur bedeutet, wird interessanterweise in keinem Medium emotional so schön nachvollziehbar dargestellt, wie die Bedeutung einer Burka im Hinblick auf die Frau.

Unsere Kultur basiert auf dem offenen Austausch zwischen den einzelnen Gesellschaftsmitgliedern. Dazu gehört, am Gesicht des Gesprächspartners abzulesen, wie das Gesagte einzuordnen ist.
Darauf sind wir trainiert. Verbergen Teile der Gesellschaft ihr Gesicht, ist das nicht mehr möglich.

Mit muslimischen Frauen mit Kopftuch arbeite ich gelegentlich beruflich zusammen, sehr gerne und wie ich meine, sehr gut. Im öffentlichen Leben habe ich mit Muslimas häufiger einen Blickkontakt und den Austausch eines Lächelns oder sogar Lachens. Frauen mit Ganzkörperschleier dagegen sind für mich hinter einer Barriere, nicht erreichbar. Der Gesichtsschleier schließt mich als deutsches Gesellschaftsmitglied mit aus.

Somit stellt das Tragen eines Gesichtsschleier einen Riss dar, ein punktuelles Verdrängen unserer Kultur im Moment der – beschränkten – Begegnung. Das ist das Erleben im Alltag, das sich kaum jemand ausmalt, weil kaum jemand einer Vollverschleierten überhaupt so nahe kommt.

Unser gesellschaftliches Leben ist nicht darauf ausgerichtet, dass ein Teil der Gesellschaft nicht sichtbar ist. Toleranz ist Teil unserer Kultur und Basis unserer Demokratie. Doch liegen die Grenzen der Toleranz dort, wo Kultur und Demokratie sich selbst aufgeben müssten.

Im Moment sprechen Sie von ca. 6.500 Nikab-Trägerinnen. Gewährt man ihnen die Freiheit, ihn zu tragen, kann in Zukunft jeder, der das möchte, sich darauf berufen. Auch Männer….  Haben wir nicht aus gutem Grund ein Vermummungsverbot? Soll es nur bei Versammlungen gelten? Oder ist es nicht vielmehr geradezu zwingend nötig, auch ansonsten darauf zu bestehen? Ich erinnere an die entsetzlichen Straftaten in U-Bahnstationen, nicht nur an die letzte Silvesternacht, sondern auch an die Menschen, die ihre Zivilcourage mit dem Leben bezahlten. Die Täter wären vermummt erst recht nicht zu ermitteln.

Das Burkaverbot ist mehr als notwendig, es ist logisch und unverzichtbar. Diejenigen, die aus islamischen Orient kamen, wussten, dass in Deutschland eine völlig andere Kultur herrscht. Dies nun zu ignorieren und den Anblick des Gesichts und damit die Kommunikation zu verweigern, empfinde ich als respektlos. Damit werden im Übrigen die Pflichten des Gast verletzt.  Sollten die Muslime gekommen sein, um zu bleiben, müssen sie sich sowieso dem Grundgesetz beugen. – Edda Karnowski


Leserbrief zu „Wie geht noch mal das »Magnificat«?“ von Christine Lemke-Matwey:
Ihre Autorin Christine Lemke-Matwey hat mich indirekt beleidigt, obwohl ich sie sehr schätze, ändert sich nichts daran. Jazz mit Pop und Schlager auf eine Stufe zu stellen ist für jeden Jazzer eine Zumutung.

Zumal Daniel Barenboim ebenso wie die Klassik auch den Jazz liebt. Und nicht nur das, er spielt diese Musik auch. Als Wiedergutmachung sollte sie im Klassik Forum des WDR, wenn sie wieder dran ist, ein Stück von Duke Ellington mit Daniel Barenboim am Klavier auflegen. Das müsste sich im Archiv finden lassen. – Gunter Knauer


Zur Schlagzeile des Titelthemas:

Die headline der aktuellen Zeit vom 18.8.2014 ist weit unter dem bislang von mir geschätzten Niveau Ihrer Zeitschrift.

Glauben die AutorInnen ernsthaft daran, dass Deutschland (personifiziert durch die Kanzlerin) seine Geschichte kontrollieren könne?

„Unser Wunsch, das Leben zu kontrollieren…wirkt wie der kindliche Versuch, den Himmel mit ein paar Holzlatten zu stützen….. sobald menschliche Interaktionen ins Spiel kommen, sind wir immer auch auf Vertrauen angewiesen“.

Nathalie Knapp (2015), „der unendliche Augenblick; warum Zeiten der Unsicherheit so wertvoll sind“; ein lesenswertes Buch für alle, die von der Kontrollierbarkeit des Lebens überzeugt sind

oder

Ist es die Absicht dieses populistischen Titels, Leserschaft aus dem Kreise der CSU und AFD zu aquirieren und die Spannung um die historische Dramaturgie der Flüchtlingsthematik weiter anzuheizen?

Beide Varianten finde ich beschämend.

Der Artikel bilanziert u.a. mit folgendem Satz:

„Merkel musste entscheiden, unter hohem Druck, innerhalb von kaum drei Stunden, nachdem es Victor Orban gelungen war, sie in eine fast alternativlose Lage zu bringen“.

 „wir schaffen das“ ist ohne Alternative, so hätte der Titel auch lauten können und wäre stark gewesen.- Susanne Quistorp


Zum Artikel von Jens Jessen „Mit Super- Ironie“:

Seit über25 Jahren lese ich die „Zeit“, immer mit großem Interesse. Eine seit Jahren verstorbene Freundin hat mir das Abonnement über 20 Jahre hinweg  geschenkt, und heute lesen sowohl mein Sohn in München als auch meine Tochter in Merseburg die Zeitung.

Ihr Nachruf für Hermann Kant bringt mich endlich dazu, Ihnen und all Ihren Mitarbeitern zu danken für die vielen anregenden Artikel.

Ich habe Kant selbst als Studentin der Humboldt-Universität in einem seiner Seminare 1955/56  erlebt  und kann Ihnen in Ihrem Urteil auf jeden Fall zustimmen, seine Meinungen fanden keineswegs meine Zustimmung.

Nur eine Kleinigkeit habe ich an Ihrem Artikel zu monieren: Kant studierte nicht in Rostock, sondern in Greifswald. – Christa Rudnik


Leserbrief zur Burka-Debatte:

Da widmet die ZEIT dem Thema Burka-Verbot die gesamte Titelseite und reiht sich damit in die Gruppe derer ein, die aus diesem Nischenthema ein Symbol für Integration, Sicherheit und Frauenrechte machen. Hoffentlich hat das Thema bald ein Ende, wenn sich die Unions-Innenminister mit ihrem wie ich finde recht guten Kompromiss (Verbote in ausgewählten Bereichen) durchsetzen können. Wichtiger als die Diskussion um Burkas finde ich das Thema Kinderehen, das uns als Gesellschaft und in der Rechtsprechung immer wieder fordert. Hierzu hört man von Parteien und Medien so gut wie nichts.

Irgendwann im Herbst will man sich in der Politik damit beschäftigen. Mal sehen, wann etwas Brauchbares rauskommt. Kinder zu retten – oder neutral formuliert: Regeln für den Umgang mit Kinderehen zu finden, der allen Beteiligten Rechtssicherheit gibt -, ist offenbar weniger systemrelevant und prioritär als Burkas zu verbieten oder Banken zu retten, so etwas geht im Zweifel sogar über Nacht. Aber solange die ZEIT und andere Medien lieber über Burkas als über Kinderehen berichten, wird auch kaum öffentlicher Druck aufkommen.  – Sven Garber


Betrifft die Diskussion um das Burka-Verbot:

Weshalb genau sollen Burkas verboten werden? Erzählt uns bloß nicht, dass mit dem Verbot die arme muslimische Frau „befreit“ wird. Wer genau das behauptet, macht diese Frauen erst recht unfrei und vermeidet den Punkt, um den es geht. Ihr schwurbelt lieber von der Befreiung der Frauen und von der Unmöglichkeit Verschleierte integrieren zu können und vermeidet eine klare Antwort. Warum denn? Den Ton hat de-Maizière vorgegeben: „Teile der Antwort würden die Bevölkerung verunsichern “.  Mensch, für dumm verkaufen ist gelaufen! Beim Verbot dieser Kleidungsstücke geht es nicht um den Islam, nicht um Un- oder Freiheit der Frauen. Fakt ist: Burka, Nikab und Tschador bedecken meist das ganze Gesicht. Das sollte verboten werden, allein aus erkennungsdienstlichen Notwendigkeiten. Auf diese kommt es im Zeitalter des Terrors wirklich an. Es gäbe auch noch andere handfeste Gründe gegen  Ganzkörperschleier: gutes Versteck für Waffen oder Sprengwesten; doch soweit sollten wir  nicht gehen, was wäre dann mit Gitarren- oder Geigenkoffern, welche sich auch als tatverdächtig herausstellen könnten?

Also liebe Angela Merkel samt Kollegen, liebe Iris Radisch und liebe Elisabeth Raether, lasst die Befreiung und Integration der Frauen beim Thema Burka-Verbot aus dem Spiel. Und nehmt mal echten Kontakt zu Burka-Frauen auf, versetzt euch hinein in sie. Aziza, eine 24jährige Afghanin,  kenne ich aus der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit. Sie trug eine Burka. Sie integriert sich sehr wohl, lernt motiviert Deutsch, war/ist für Austausch mit mir (Nichtmehr-) und anderen (Weniger-) Fremden offen. Nach einer Weile hat Aziza die Burka abgelegt. „Nicht mehr nötig“, ihr Kommentar. Die Burka hat sie am Anfang in der Fremde als Schutz empfunden. Als sie sich sicherer fühlte, brauchte sie die  eben nicht mehr. Aus religiösen Gründen trägt sie nun al-Amira oder Hijab. Diese Kopfbedeckungen und auch Schaila und Chimar sind völlig in Ordnung: die Frauen zeigen ihre Gesichter. Diese Kleidungsstücke – sozusagen abgewandelte große Kopftücher – müssen nicht verboten werden. Hoodies – beliebt bei Schülern auch während des Unterrichts – müssen nicht verboten werden; Kutten und Schleier der Nonnen, die durch Straßen, christliche Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser geistern, sind auch erlaubt.

Über Mundschutz bei Vogelgrippegefahr oder Luftverpestung sollten wir reden, wenn es soweit ist. Mundschutz in solchen Fällen verbieten wäre allerdings dumm und dass das mal klar ist: Verbot von medizinisch begründetem Mundschutz ließe sich auch nicht mit der Befreiung von Frauen, Männern, Kindern begründen. Teile einer solchen Begründung würde eindeutig die Bevölkerung verunsichern. – Sabine Wilms


Herzlichen Dank zunächst für diese ausführliche „Nach – Livereportage“. Diese komprimierte Übersicht über die auch parallel verlaufenden Aktivitäten gibt einen guten Einblick. Verschiedene Zusammenhänge waren mir so nicht klar. Und manche waren auch nicht zugänglich – Achtung vor der Rechercheleistung.

Was mich jedoch irritiert und sogar verärgert, ist die Überschrift „Die Nacht,…..die Kontrolle verlor“. Die Überschrift suggeriert die Möglichkeit, dass alles kontrollierbar gewesen wäre – und enthält damit implizit einen Inkompetenzvorwurf. In einem komplexen chaotischen System ist Kontrolle jedoch eine Illusion.

Das ist der Anspruch, den die AfD signalisiert. Und damit unterstützen sie ( ungewollt, nehm ich an) die zentrale Botschaft der AfD der harten Hand, der strikten Lösungen und ähnlichen Denkfallen ( wie sie schon Dörner in der „Logik des Misslingens“ treffend analysiert hat). Schade, dass hier die Balance zwischen einladender Überschrift und Populismus verloren ging. – Walter Herter


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Appeasement-Politik bei Menschenrechten – Die Krise des globalen Islam regiert bereits unseren Alltag und stellt unsere Demokratie zunehmend in Frage. Noch vor wenigen Jahren hätten wir angesichts der heutigen Zustände an eine Zukunftsvision von Michel Houlebecq geglaubt. Der Islam gehört zu uns ?

Ja, wie die Faust auf’s Auge !  Feige, wankelmütige Politiker fast aller Parteien reagieren nur noch auf die täglich sich ausbreitende Krake „islamische Religion“. Ich erinnere an die Diskussionen um’s Kopftuch, heute ein Witz, im Angesicht der Burka. Wir lassen zu, dass Menschen lebend eingemauert in der Mitte unserer Gesellschaft vegetieren, aller Menschenrechte beraubt, oft jeder Würde und Selbstbestimmung entledigt.

Als Rechtfertigung bemühen wir tatsächlich das Grundrecht der Religionsfreiheit. Damit wurden lange genug auch Ehrenmorde und Kinderehen großzügig übersehen. Wo bleibt das Menschenrecht auf selbstbestimmtes Leben ? Was passierte, würde ich meine Tochter derart pervertiert in der Öffentlichkeit präsentieren ? Zehntausende junger Menschen – mit und ohne Migrationshintergrund –  pilgern zum IS, als ob die Hölle hier wäre und nicht dort. Die Türkei, vorgestern noch unter uns, heute ein rechtsradikaler Unrechtsstaat. Woher wissen wir, dass die Putschisten nicht die Demokratie in der Türkei retten wollten ? Was alles haben wir falsch gemacht ? Wo sehen wir noch aufrechte Politik, jenseits von bloßer Anbiederung an islamische Despoten, zugunsten einer Flüchtlingspolitik, die genau von jenen Despoten losgetreten wurde ? Der globale Islam löst seine ihm innewohnenden Widersprüche und seine archaische Reformationsunfähigkeit durch Radikalisierung – von Indonesien bis Marokko – auf Kosten unserer lebensbejahenden pluralistischen Gesellschaften. Unsere Politik ignoriert den täglichen, religiös verbrämten Wahnsinn schon viel zu lange. Löste man ad hoc alle Konflikte, in die der Islam verwickelt ist, hätten wir erst einmal weltweiten Frieden für eine ganze Weile.

Der globale Islam ist längst eine misanthrope (in-)sektenähnliche  Heuschrecke geworden, die sich zudem noch durch eine exorbitante – von der UN ignorierte -Bevölkerungszunahme unsterblich machen will. Wenn sich das populistisch anhören sollte, liegt das nicht an meiner Weltanschauung, und ist auch nicht beabsichtigt;  es liegt einzig an den handelnden Protagonisten. – Thomas Schröder


Zum Artikel von Marc Widmann „Fahnenflucht auf hoher See“:

„Man mag es vewerflich finden…“ Es ist verwerflich, wenn sozial abgesicherte und finanziell solide ausgestatteete Mittelstandsbürger unserer Gesellschaft auf dem Rücken von Ausbeutung und sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen Urlaub machen.Ich hätte mir da eine klarere Stellungnahme Ihrer Zeitung  gewünscht. Anstatt einer fragwürdigen  Definition von sozialer Gerechtigkeit sollte Die Zeit sich als Anbieter aus so einem Reisesegment verabschieden! Ganz davon abgesehen, welche katastrophalen ökologischen Auswirkungen -genau wie Billigflugreisen- dieser maritime Massentourismus hat. – Barbara Reene-Spillmann


Leserbrief zum Artikel“Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Zunächst einmal kann ich den Unmut der Autorin über die vorschnellen und falschen Geschlechtszuschreibungen gegenüber ihrer Tochter verstehen. Wir alle möchten doch viel lieber erkannt werden als das, was wir wirklich sind, mit all unserem Potenzial, all unseren Fähigkeiten – und nicht als das, was wir auf den ersten Blick zu sein scheinen.

Paradoxerweise betreiben viele von uns aber gerade für unsere Erscheinung, für unser Äußeres, tagtäglich einen gewissen Aufwand, um uns so sehen zu können, wie wir auch von anderen wahrgenommen werden wollen.  Diese fremde Wahrnehmung orientiert sich aber nun mal an Stereotypen und läuft routiniert und meist blitzschnell ab, was sicherlich schon seit Ursteinzeiten so war und uns enorme Vorteile im Überlebenskampf gebracht haben dürfte (Frühstück oder Feind? Mammut oder Säbelzahntiger? -so stelle ich mir das ungefähr vor.) Und so läuft es bis heute. Und daher fahren alle eben auf diese Stereotypen ab, sie helfen uns, den Überblick zu bewahren. Und wenn man mal daneben tritt?

Die Geschlechterzuordnung meiner Kinder erlebte ich bei allen Schwangerschaften schon durch den Kennerblick meiner weiblichen türkischen Mitmenschen, wenn sie lächelnd „Oh – ein Junge“ sagten- beim bloßen Blick auf meine Kugel. Dann wurden diese Kinder – zugegeben nicht immer mit Treckerpulli bekleidet, aber auch nicht konsequent blau/grau/braun oder rosa gekleidet, sondern eben in irgendwie nette Kinderklamotten gesteckt – doch übermäßig häufig als „kleine Maus“ oder gleich als „die Kleine“ tituliert, wobei ich mich oft fragte, wieso denn eigentlich… Und wenn man dann doch mal dazu kam, zu erklären, dass es ein Junge sei, kamen die einleuchtendsten Argumente für die Fehleinschätzung: „Ja, aber bei den Wimpern!“ oder auch „Wenn doch die Augen so groß sind!“. Auch gehört wurde: “So feine Gesichtszüge, da kann man doch nur an ein Mädchen denken!“ Näher betroffen hat mich das allerdings alles nicht, aber als zuletzt unser jüngster Sohn einjährig und splitternackt bei einer kinderärztlichen Untersuchung auf der Waage saß und die Sprechstundenhilfe ihn dennoch hartnäckig als „die Kleine“ bezeichnete, hat das schon einen Nachgeschmack hinterlassen, das gebe ich zu. Da aber nun einfach die ganze Geschlechterfrage dran aufhängen und durch bewusstes Gegensteuern (blauer LKW-Body) die Dinge zu Besseren wenden wollen?

Das klingt für mich nach Kindheit in den 80er Jahren. Da habe ich auch keine Zöpfe bekommen, meine Freundin immer einen Kurzhaarschnitt und Hosen an und zum Ballett durften wir auch nicht. Und auch für den Blick in die Zukunft brauche ich an dieser Stelle keine Prognosen aus der Wissenschaft, da reicht schon der Blick in die Vergangenheit: ja, ich habe ein besseres Abi gemacht als mancher Mitschüler und – jawohl – habe trotzdem nichts naturwissenschaftliches studiert. Tatsächlich auch deshalb, weil ich an entscheidender Stelle auf das Einschätzungsvermögen meines Mathelehrers gehört habe: „Oh,einen Ingenieurstudiengang solltest Du aber besser nicht wählen!“ Okay, kann ich halt kein Mathe und bin jetzt trotzdem glücklich! – Julia Hirdes


Leserbrief zum Titel über den 4. September 2015 „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Ihr an die Dramaturgie eines Kriminalromans erinnernder Zeit-Ticker um die vor Krieg Fliehenden im September 2015 klärt weniger über Zusammenhänge auf, sondern kitzelt mehr die Nerven. Aufklärend wäre die Beleuchtung von Ursachen für die Tragödie der Fliehenden. Es wäre dabei durchaus interessant, einen Zeitticker zu den Ereignissen in der Nato und in den USA selbst über die Anfänge des Abrutschens der Kriegsregionen ins Gewaltchaos zu schreiben. Z.B. im Mittleren Osten markiert der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der US-Koalition der ‚Willigen‘ einen solchen Punkt. Nach der Festnahme Saddam Husseins verbreitete der Hauptverantwortliche G.W. Bush damals diese Botschaft an viele derer, die nun auf der Flucht vor der Todeszone sind: „Die Ziele unserer Koalition sind die gleichen Ziele wie die ihrigen: Souveränität für Ihr Land, Würde für Ihre große Kultur und für jeden irakischen Bürger…“  Der Irak- und Afghanistan-Krieg ist auch noch Vorgeschichte dessen, was derzeit in Syrien mit ISIS usw. geschieht.

Sie berichten über die Flüchtlingstragödie aber so, als seien „Pannen und Missverständnisse“ im letzten Jahr und nicht lange schon eskalierende Gewalt und Kriege dafür verantwortlich,“dass .. Hunderttausende Flüchtlinge ins Land kamen“. Jede Oberflächlichkeit aber spielt Vereinfachern von ganz rechts in die Hände. – Bernhard Trautvetter


 Leserbrief zu „Die Ferienpfarrer“ von Roland Kirbach:

„Zielgruppen-Seelsorge“

Da habe ich mich seit drei Jahrzehnten wohl irrtümlich wohl gefühlt, zuhause und geborgen, wenn ich im Urlaub, wo es ging, in den Gottesdienst gegangen bin. Seit kurzem weiß ich: Die Kirche betreibt an den Urlaubsorten Zielgruppen-Seelsorge, und ich gehöre gar nicht zur Zielgruppe! Angesprochen werden sollen „Menschen, …, die sonst keine Gottesdienste besuchen“. Ach ja? Dann sind außer mir wohl noch viele falsch informiert, die nämlich, die z.B. in der Kar- und Osterwoche die Dorfkirchen auf Föhr bevölkern und einfach mitfeiern, sich freuen, das Gewohnte auch im Urlaub erleben zu können, mit fremden Menschen, die wie sie ihren Glauben nicht an der Fähre abgegeben haben.

Lassen wir doch bitte den Krampf und die Bemühtheit! Angesprochen dürfen alle sein, wo auch immer sie im Leben und im Glauben stehen. Viel entspannter und sympathischer wäre es, wir ließen uns von der Gewissheit tragen „Der Himmel geht über allen auf“ – im Alltag, im Feiertag, im Urlaub, alle Tage. –  Dr. Annelen Ottermann


Zu „Atheismus ist immer noch erlaubt!“ von Jürgen Krätzer:
Als ehemaliger DDR-Lehrer für Deutsch und Geschichte wird Jürgen Krätzer sicher wissen, dass nicht nur „Staatsbürgerkunde“ Bekenntnisfach war, sondern auch die von ihm unterrichteten Fächer. Bekenntnisfrei war damals bestenfalls der Schulgarten. Zahllosen Schülern hat dieses Bildungssystem die Berufschancen verbaut. Nicht selten kam es vor, dass Kinder wegen ihrer Religion vor versammelter Klasse lächerlich gemacht wurden.
Immerhin haben Schüler heute die Wahl zwischen Ethik und Religion. Immerhin können Menschen unabhängig von ihrem Bekenntnis studieren. Immerhin kann Krätzer in einer der größten deutschen Wochenzeitungen über eine vermeintliche Allgegenwart und Dominanz der Religion klagen. Immerhin konnte er als Atheist und ehemaliger DDR-Lehrer Dozent an einer heute glücklicherweise weltanschauungsneutralen Universität werden. Was will Jürgen Krätzer eigentlich? Das was er immer wollte: Religion abschaffen.

Im Übrigen ist es ein billiger und gleichzeitig bösartiger argumentativer Taschenspielertrick, über „religiöse Extremisten und theokratische Staaten“ zu schreiben, in Wirklichkeit aber den christlichen Religionsunterricht treffen zu wollen. Die Art zu diskutieren kenne ich von damals, aus dem „Staatsbürgerkundeunterricht“. – Thomas Groß


Leserbrief zum Titel  „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

A country in a mess! – Muß man wieder einmal erst von der englischen Presse über die Ursachen des Kontrollverlusts aufgeklärt werden, da angeblich die deutsche Medienlandschaft einer Zensur unterworfen ist und in der englischen Presse nicht nur diese ‚EU‘, sondern vor allem ein Deutschland als ein Land ohne Einwanderungsgesetz, ohne Souveränität, ohne Friedensvertrag und ohne eine Verfassung ‚as a country in a mess“ angeprangert wird, wobei fairerweise eingeräumt wird, daß England eine Mitschuld an diesem Zustand trägt, in der auf Grund dieser rechtsfreien Zustände es einer Einzelperson, wie Angela Merkel, möglich gemacht wird, bestehende ‚EU‘ Bestimmungen nach Belieben aushebeln zu können. So dürfte auf Grund dieses Zustandes eines Landes wie Deutschland politisch als eine ‚persona non grata‘ ‚Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor‘ nur der Anfang gewesen sein, wobei England begründet seinen Brexit vorangetrieben hat, um nicht selbst in diese unhaltbaren Zustände einer ‚EU in a mess‘ mit hineingezogen zu werden. – Heinz Schroeder


Zu „Achtung, hier spricht  die Polizei!“ von Henning Sussebach:

Vor ein paar Jahren lernte ich, als Kriminalhauptkommissar beim Polizeipräsidium Bonn, dienstlich eine geschiedene alleinerziehende arabische Frau kennen. Ihr Kind und Sie wurden von ihrem Ex-Mann auf das Übelste gestalkt, belästigt und geschlagen. Ein normales Leben war überhaupt nicht mehr möglich! Mehr Angst, als vor Ihrem Mann hatte sie jedoch vor der Polizei. In Ihrer Heimat hätte sich die Polizei mit ihrem Ex-Mann verbündet und es wäre noch schlimmer geworden. Nach 2-3 Jahren. Endlich! Ein Anruf! „Bitte kommen! Hilfe! Deutsche Polizei!“ Ein paar Wochen später bekam ich eine Email von Ihr: „Herr Pfeiffer. Die deutsche Polizei kann zaubern!“ Ihr Ex-Mann hat sich niemals wieder sehen lassen! –Thomas Pfeiffer


Zum Nachruf auf den Fotografen Daniel Josefsohn:

Dass der „Führer“ eine gewisse Affinität zum Hause Wagner besaß, ist unbestritten. Schließlich existieren Fotodokumente, die ihn in Begleitung der Wagner-Tochter Winifred beim Lustwandeln in den Grünen Hügeln zeigen. Diese wiederum zeigte ihre frenetische Verehrung für Hitler bis zu ihrem Tode in der längst demokratisch regierten Bundesrepublik völlig ungeniert. Nun will Christoph Amend herausgefunden haben, dass die Verehrung für den Meister der brachialen Monumental-Musik auf Gegenseitigkeit beruht hatte. Richard Wagner soll (dann ja wohl der allererste) Fan Hitlers gewesen sein! Wenn dies stimmt, haben wir es hier mit einer mysteriösen posthumen Verehrung seitens des berühmten Komponisten zu tun: Als nämlich Klara Hitler mit dem zukünftigen Gröfaz (Größter Führer aller Zeiten) in den Wehen lag, lag auch Richard Wagner bereits einige Jahre in der zur Villa Wahnfried gehörigen Gruft; er verschied – zur Verzweiflung  Millionen Opernbegeisteter – bereits anno 1883 im zukünftigen Wallfahrtsort Bayreuth.

Es wäre auch zu schön gewesen…. – Christian F. Reineck


Leserbrief zum Titel  „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:
Titel, Titelbild und Untertitel der aktuellen Ausgabe – das ist reißerischstes BILD-Zeitungsniveau und absolut daneben!!Sie spielen rechter Propaganda und AFD-Parolen in die Hände.Ein Kündigungsgrund.

Bitte überlegen Sie sich sachlichere Titel, sowas ist absolut unnötig und gibt dem Artikel – den ich übrigens vor lauter Abschreckung immer noch nicht gelesen habe, einen sehr schlechten Beigeschmack. – Marlen Ihle


Anmerkung zu „Späte Reue“:

Die in der Glosse erwähnten Elche lachen sicher nicht über die Rückgabe der Jagdtrophäe von Hemingway, sondern über den Autor, der das Foto so prominent ignoriert. Abgebildet ist nämlich nicht das Geweih eines Elches (Alces alces), sondern das eines Wapiti-Hirsches (Cervus canadensis), der iin den USA „elk“ genannt wird. – Dr. Christian Steffen

Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

Frau Elisabeth Raether plädiert für alle Frauen die in Deutschland leben sich anzuziehen wie sie es wollen. Und „das sollte man den Frauen hinter ihrer Mauer aus Stoff ans Herz legen. Dafür müsse man aber mit ihnen sprechen,  . . . “. Wie könnte dieses „mit ihnen sprechen“ praktiziert werden? Dürfen wir davon ausgehen, dass eine Frau aus dem gesellschaftlichen Umfeld, in dem die Vollverschleierung praktiziert wird, eigenständig entscheidend die Wohnung verlassen und eine adäquate Gesprächsrunde oder Weiterbildung besuchen wird? Und falls sie das nicht darf, wie gehen wir damit um? – Reimar Schappach


Leserbrief zum Titel  „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Danke für diese außerordentliche „Rekonstruktion“! Endlich „Fakten“ statt Vermutungen und daraus abgeleitete Bewertungen! Und welch glänzende Zusammenarbeit von 12 Journalisten, die möglich machte, was kein einzelner in so kurzer Zeit „geschafft“ hätte, die nicht gegen, sondern miteinander reden und schreiben!

Dennoch bleiben Fragen: Wenn Frau Merkels „historische Entscheidung“ weder auf einen „spontan-humanitären“, noch einen „emotionalen Affekt“, noch eine „moralische Selbstüberhöhung“ zurückzuführen ist, weshalb hat sie dann all diesen massenmedial verbreiteten Behauptungen nicht klar mit dem Hinweis auf ihre durch Orbans Verhalten „alternativlose“ Lage widersprochen? Wieso hat sie im Gegenteil gerade ihre moralische Motivation noch befeuert mit dem Hinweis auf eine von vornherein unrealistische „humanitäre Ausnahmeentscheidung“ und ihr „freundliches Gesicht“ gegenüber den Flüchtlingen? Wollte sie nicht von Anfang an verschleiern, dass sie damals eben nicht frei entschieden, ja sogar die Kontrolle in dieser Frage verloren und letztlich bis heute nicht zurückgewonnen hat? Und nicht weil sie eine bedächtige, einzig rational handelnde Naturwissenschaftlerin ist, ein gern verbreitetes Klischee, sondern aus Furcht vor ähnlich „schrecklichen Bildern“ und deren „politischer Wucht“ bei uns, genauer: den Verlust ihres „Images“ und damit des Vertrauens in ihre Übermutterrolle, ihrer Machtbasis?

Dann ergäbe sich das Bild einer Kanzlerin, die zwar durchaus „Emotionen“ wie Furcht und Einfühlungsvermögen kennt, dann aber weniger aus empathischen als „real“politischen Gründen entscheidet. Das würde auch erklären, weshalb sie auf „schreckliche Bilder“ bis heute erst „humanitär“ reagiert, wenn sie näher kommen und für uns bedrohlich werden. Nur: Hat damit wirklich schon die „Real- über die Moralpolitik“ gesiegt, wie Herr Joffe meint? Welche „Moral“- hat hier gegen welche „Real“politik gekämpft und dann verloren, wenn genau diese Moralpolitik die Tages-, die Realpolitik bestimmt und weiterhin „siegt“? Und dieser „Sieg“ gerade in der „guten“„Mitte“ der „Gesellschaft“, dem seriösen Wahlvolk, ja sogar in Teilen einer großen Wochenzeitung noch immer als Sieg der Moral gefeiert wird?

Lässt sich nur so mit „humanitären“ Hinhalte- und Beschwichtigungsparolen „erfolgreich“ und „ alternativlos“ inhumane Interessenpolitik machen? Und inwiefern ist eine Politik, die wider besseres Wissen weiter auf Europas „Werte“, Einigungsfähigkeit und –bereitschaft setzt, tatsächlich „Real“politik? Zumal wenn sich Verantwortung mit eben dieser Politik – auch für das Wahlvolk – moralisch wunderbar zumindest teilen, wenn nicht gar ganz loswerden lässt? Müsste also Ihre Rekonstruktion jenes Wochenendes nicht zusätzlich in das Davor und Danach eingebettet werden, um es in seiner Bedeutung für interessierte Wähler und mögliche alternative Politik noch besser verständlich zu machen?

Zum Schluss daher die Bitte: Recherchieren Sie weiter und soweit wie möglich wieder im Team zu diesen Fragen und ähnlich zu den anderen großen Entscheidungen „unserer“ Kanzlerin zum Atomausstieg und Klimawandel! Dabei könnten sich weitere wichtige Erkenntnisse ergeben. – Eckhard Heumann


Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

Ein nordrheinwestfälischer Minister ließ sich vernehmen, daß von burkatragenden Frauen keine Gefahr ausgehe. Sancta Simplicitas! Zu burkatragenden Männern hat er sich nicht geäußert. Und hat er noch nie von weiblichen islamistischen Attentätern gehört? Unsere Sicherheit beruht u.A. auf der Möglichkeit Personen anhand ihres Konterfeis zu identifizieren. Unser Vermummungsverbot gilt bisher nur für Versammlungen, es sollte ausgeweitetwerden. Ich Unterstütze die Sicht von Iris Radisch voll und ganz. –
Dr. Dirk Warning


Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

Die Frage würde sich von selbst erledigen, wenn das Thema, was Religion heutzutage überhaupt ist bzw. sein könnte, mehr Aufmerksamkeit fände. Gibt es unabhängig von Glaubensbekenntnissen verbindliche Merkmale von Religionen? Setzt man nämlich Glauben und Religion bis auf ganz krasse Extremfälle gleich, kann sich jeder Gläubige mit was auch immer auf Religionsfreiheit berufen und sich benachteiligt fühlen, wenn man ihn kritisiert. Eins aber kann Religion nicht sein: eine Liste zu erfüllender Rezepte und Vorschriften für gelingendes Leben. Denn dazu gehören vor Allem vorurteilsfreies mitmenschliches Verhalten, Bereitschaft zu gemeinsamen Überlegungen bezüglich der aktuellen Weltlage und die Öffnung gegenüber Hinterfragungen eigener Einstellungen und Traditionen. Würden diese Punkte gründlicher als bisher beachtet, gäbe es nicht nur das Thema Vollverschleierung nicht. – Christoph Müller-Luckwald


Zu „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Sehr gefreut habe ich mich über den Artikel „Rosa ist Scheisse“, der auf humorvolle Art zeigt, wie tief Geschlechterklischees noch in unserer Gesellschaft verankert sind. Dann aber Verwunderung – während im Artikel rosa Mädchenkrams von Prinzessinen-Zubehör bis hin zu Kochlöffel angeprangert werden, findet sich auf der Rückseite des Z-Teils der ZEIT das „Malen nach Zahlen“ eben mit einem rosa Mädchen in Hello-Kitty-Outfit und dahinter ein Junge im Football-Shirt. Da hätte sich die Reaktion wohl besser absprechen sollen… Es mag dazu auch bei Ihnen unterschiedliche Meinungen geben, aber die Nähe dieser beiden Beiträge empfinde ich als höchst ironisch. – Vera Hark


 Leserbrief zum Titel  „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:
Ein Jahr „danach“ berichten Sie scheinheilig und mit vielen Seiten Reportage über die Tage der Flüchtlingsinvasion im Spätsommer 2015.
Ich schreibe bewusst „scheinheilig“. Denn Sie – die ZEIT, der SPIEGEL, der STERN, TAGESSCHAU und TAGESTHEMEN, HEUTE und HEUTE JOURNAL, alle alle waren noch ab demselben Abend für diese Flüchtlingseinwanderung und sind unkritisch auf Merkel- und Willommentrip eingeschwenkt.
Aber alle jene, die wagten, gegen diese „plötzliche“ und unglaubliche Grenzverletzung („Kontrolle verloren“) und unglaublich hohe Anzahl von Flüchtlingen („Hunderttausende“) Stellung zu beziehen, wurden umgehend und unisono als Fremdenfeinde und Rechtspopulisten nieder gemacht. Auch von der ZEIT.
Ein Jahr danach machen Sie dicke Backen und tun so als seien es die grünen Männchen vom Mars gewesen, die 2015 diesen Unsinn verzapften. Niemand ist haftbar zu machen, jeder stiehlt sich davon (Reiter und Co).
Heute am Samstag habe ich mal wieder eine Ausgabe von Ihnen gekauft. Im Glauben, Sie würden nun den Kritikern ein klein wenig Recht geben (Josef Joffe). Aber vergebens. –Dr. Klaus Brink

 Leserbrief zum Titel  „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Es ist das schwerste Versagen einer Regierung, wenn sie die Kontrolle verliert, denn das ist ihre elementarste Aufgabe: Den Staat zu managen.

Leider hat Frau Merkel als getreue Ziehtochter von Helmut Kohl bei aufkommenden Problemen fast immer nach der Devise gehandelt: Aussitzen und notfalls das Problem mit dem (Steuer) Geld der Bürger übertünchen und hinauszögern. Zukunftsweisende Projekte sucht man vergebens, nur nicht irgendjemandem auf den Schlips treten durch notwendige Änderungen ist die Devise.

Zum Thema Flüchtlinge und Asyl. Bis heute fehlt jegliche Aufarbeitung die bei allen Problemen in drei Schritten erfolgen müsste: 1. Analyse, 2. Plan zur Lösung, 3. Durchführung.

 1. Analyse: Es gibt weltweit 60 Mio. Bürgerkriegsflüchtlinge und einige 100 Mio. Menschen, die in Staaten mit teilweise brutalen Despoten leben. Alle hätten nach geltender Rechtslage ein Recht auf Asyl bei uns. So sehr man jedem einzelnen gerne helfen würde, wir schaffen das eben nicht. Also muss ein gangbarer Weg gefunden werden, wie man diejenigen selektiert, denen geholfen werden kann/muss.

Aufgrund der beschriebenen Situation und der geltenden Rechtslage muss ehrlich genug sein zu sagen, wir kommen um eine Grundgesetzänderung nicht umhin. Zudem muss endlich definiert werden, wer zuwandern darf, um Asyl zu bekommen oder um hier erwerbstätig zu werden. Wenn wir das nicht machen, selektieren wir nach dem Schema: Wer todesmutig genug ist, sein Leben auf Schlauchbooten zu riskieren, den nehmen wir, die anderen nicht. Das ist in höchstem Maße menschenverachtend.

2. Plan: Es muss gesetzlich festgelegt werden, wen wir aufnehmen, bei Asylsuchenden am besten durch die deutsche Botschaft im Herkunftsland. Derjenige kann dann legal einreisen, andere nicht. Dazu gehört, dass die (Außen)Grenzen gesichert werden, auch wenn einige symbolisch eine Mauer oder Stacheldraht verdammen, ansonsten ist eine Grenze keine. Zudem muss als längerfristige Lösung dringend gegen Religionskriege wie im Nahen Osten und Diktaturen, wie weitgehend in Afrika vorhanden, vorgegangen werden, um die Ursachen von Migration zu beseitigen.

Es wird dringend Zeit, dass Frau Merkel außer Allgemeinplätzen endlich die Probleme im Land zukunftsgerecht angeht. Deutschland hat Besseres verdient.  Eine Regierung, die Probleme gut löst, ist ein Glück, eine Regierung, die Probleme schlecht löst ist ein Unglück, eine Regierung, die Probleme gar nicht löst ist eine Katastrophe. – Martin Bruch


 Zum Leitthema:
Ihr großer Flüchtlingsbericht mag ja sehr verdienstvoll sein, hätte aber besser ins Dossier oder woandershin gepasst. Ich jedenfalls fühle mich um 6 Seiten aktuelle politische Information gebracht  – für die ich die ZEIT ja kaufe! Ich weiß, es gibt bestimmt gute Gründe, aber mir fehlen ganz einfach die Artikel, die jetzt nicht erschienen sind. – Rainer Gerstle


Zur  Diskussion um ein Burkaverbot:

Jörg Quoos schrieb in der Morgenpost, dass „ein totales Verschleierungsverbot der falsche Weg im Kampf gegen Islamisten wäre“ und weiter „am Ende läuft der Staat sogar Gefahr, den oft gegen ihren Willen verhüllten Frauen auch noch den letzten öffentlichen Freiraum zu rauben, weil sie unverschleiert gar nicht mehr auf die Straße dürften.“

Ich möchte dem widersprechen.

Beim Voll-Verschleierungsverbot geht es doch gar nicht darum, den Frauen etwas zu verbieten, es geht darum, den Männern etwas zu verbieten. Die Männer sind es doch, die ihre Frauen zu Hause einsperren und sie zwingen, nur mit Vollverschleierung auf die Straße gehen zu dürfen.

Was machte ein gewisser Přiklopil mit Natascha Kampusch? Er hielt sie in seinem Haus gefangen! Und nichts anderes tun die Männer, die Frauen nur in Vollverschleierung erlauben, öffentliches Straßenland zu betreten! Wann gehen wir gegen diese Männer vor?

Herr Quoos spricht zwar von „oft gegen ihren Willen verhüllten Frauen“, aber er sagt nicht ein Wort, wie man ihnen helfen kann! Wir müssen gegen die Männer vorgehen, die ihre Frau einsperren,  denn diese sind Verbrecher. Und wir müssen die Frauen befreien und dazu gehört auch, dass die Vollverschleierung verboten wird. Wie in unseren Nachbarländern.

Wenn Politiker sagen, dass es doch nur ganz wenige Frauen in Deutschland seien, die vollverschleiert rumlaufen, dann lügen sie. Man muss sich nur auf den Flugplätzen Deutschlands, in der Innenstadt Münchens, in einigen Bezirken Berlins umsehen! Schenk diese Frauen die Freiheit!!! – Marita Stark-Harneid


Zu „Reich des Guten“ von Josef Joffe:

Natürlich ist es verdienstvoll, wenn DIE ZEIT in einem mehrseitigen Faktenprotokoll die „Vicissitüden“ der Flüchtlingsflutung nach Deutschland hinein nachvollzieht. Aber wie im Falle des Brexit zählt eben nur die Fortwirkung der Fakten und leider di Tatsache, daß sich die Bundesrepublik mit der durch die Kanzlerin wiederholt zum Ausdruck gebrachten Haltung, Deutschland schaffe dies, in Europa mehr Gegner als Freunde geschaffen hat. – Immerhin hat dieser unglaubliche Vorgang, daß ein Staat sagt, die eigenen Grenzen ließen sich in Zeiten der Globalisierung nicht mehr schützen, zu einem intensiven Nachdenken über das Verhältnis von Real- und Moralpolitik angeregt.

Im Ergebnis steht fest, daß es in der Staatenwelt von 2oo Nationen kein allgemeines Zuwanderungsrecht gibt und daß der Flüchtlings- und Asylantenstatus sehr strikt eingegrenzt werden muß. Es ist ja auch innerhalb Deutschlands nicht möglich, das Privateigentum aufzuheben und zu sagen, alle Häuser und Wohnungen seien ausschließlich nach dem Bedarf von Menschen zu verteilen. Der Zugang zu den allgemeinen Rechtsgütern der Bundesrepublik Deutschland kann Zuwanderern nur unter der Bedingung gewährt werden, daß deren Situation und Motivation bestimmten Kriterien genügt. Eine Herz-Jesu-Politik der Darreichung der Herberge nach dem Muster von Bethlehem ist völlig unrealistisch. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zur Lidl-Werbung:

bin sehr verwundert und enttäuscht bei ihnen eine seitenfüllende werbung für lidl milch für 42cent zu lesen, einzig positive ist der genfrei aspekt. der preis ist krank. seite 27, wirtschaftsteil.

diese preise machen die bauern kaputt. sie drucken das ab und unterstützen es damit. wie kann das sein? sicher brauchen sie einnahmen durch werbung, aber bitte nicht für diese ausbeute. bin beim thema besonders empfindlich, da freunde einen kleinen konventionellen milchviehbetrieb haben, der schwere zeiten erlebt. – Tina Becker


Betrifft „Prominent ignoriert – späte Reue“ über die Rückgabe eines Elchgeweihs:

Da lachen ja die Wapitis – Ein kurzer Blick auf das zugehörige Bild macht mich stutzig: Elch haben doch Schaufelgeweihe? Wikipedia lehrt mich, dass manche Elche Stangengeweih tragen. Die sehen allerdings etwas anders aus, als das Geweih auf dem Bild. Irgendwo in der Weite des Internet findet sich ein englisch-sprachiger Artikel zu dem Thema. Dort ist von „elk“ die Rede.

Wikipedia lehrt mich wiederum, dass „elk“ im britischen Englisch sehr wohl „Elch“ bedeutet, im amerikanischen Englisch aber den Wapiti-Hirsch bezeichnet. Und dem Wapiti steht das gezeigte Geweih deutlich besser zu Gesicht.

Da lacht ja der Wapiti, dass ein False Friend ihn zum Elch machte. Zum Trost: Die Verwechslung zieht sich durch zahlreiche deutsche Medien: SPIEGEL, taz, Süddeutsche Zeitung. – Thorsten Bauer-Yang


Über den Leitartikel:

Dank den Autoren für ihre minutiöse Recherche, der Titel hätte allerdings präziser „Die Nacht, in der die Bundesregierung die Kontrolle verlor“ lauten sollen. Das aufgezeigte Geschehen ist nachvollziehbar und verständlich bis zu dem Augenblick, in dem aus der „Ausnahme“ ein länger währender Zustand wurde.

Hier fehlte der Regierung der Mut und die Kraft der „Ausnahme“ frühzeitig ein Ende zu setzen. Die offenen Grenzen, durch Medien in windeseile verbreitet, mussten eine große Sogwirkung auf Flüchtlinge in aller Welt ausüben.

Anzunehmen, dass uns die EU-Partner einen Teil der Flüchtlinge abnehmen, war von vornherein unrealistisch. Für jeden politisch Interessierten war auch damals schon klar erkennbar, dass die großen europäischen Staaten wie England, Frankreich und auch die osteuropäischen Länder allein aus innenpolitischen Erwägungen einer angedachten quotengeregelten „europäischen Lösung“ nicht zustimmen würden. –  Wolfgang Gerbes


Leserbrief zu „Warum kokettiert die Freiheit mit der Diktatur?“ von Adam Soboczynski:
Auch ich kokettiere mit der Diktatur?Weil ich erkannt habe, daß die Freiheit zu viele häßliche Zustände erzeugt hat, die uns das Leben schwer machen.Ich bin doch gar nicht frei. Schon in der Definition „Freiheit“ liegt das Übel. Unser Leben wird ständig weiter beschnitten, bis hin zum Ausgehrisiko. Ständig müssen wir unsere Richtung ändern, um nicht Gefahr zu laufen, nicht mehr nach Hause zu kommen.

Mich interessiert überhaupt nicht, ob wir eine Linke oder rechte Regierung das Vertrauen schenken. Die Intellektuellen sind von einer Ideologie besessen, die es nur in ihren Köpfen gibt. Allein Rußland als Diktatur hinzustellen, zeigt mir ihre Verbohrtheit in der sie leben. Putin will Ordnung in seinem Land. Das dabei auch Späne fallen ist nur allzu erklärlich. Meines Wissens können die Kollegen Theater machen wie sie wollen. Sie müssen Putin ja nicht beleidigen. Entscheidend sind die Bürger, wenn die Putin nicht mehr haben wollen, dann muß er seine Sachen packen.

Das wird von Boris Schumatsky so nicht gesehen. Insofern ist die Überschrift schon eine Täuschung.

Ich habe über 4 Jahre in Singapur gelebt. Dort habe ich mich freier gefühlt als in Deutschland. Obwohl  nur eine Partei am Ruder ist. Die Opposition sind die Bürger, Die politische Elite in Singapur hat nie ein Hehl daraus gemacht, nichts von einer westlichen Demokratie zu halten. Wenn sie so wollen; damit scheinen sie recht zu behalten.

Für mich ist das eine „Autokratie“, die überall dort Schule machen sollte, die  eine grenzenlose Freiheit zulässt. Der Mensch ist dafür nicht geschaffen, damit im richtigen Verhältnis zu seiner Persönlichkeit umzugehen. .

Boris Schumatsky soll daran nicht verzweifeln. Wenn er sich in Berlin wohlfühlt, sollte er sein Leben nicht unnötig schwer machen. Er sollte in seiner Arbeit aufgehen und etwas flexibler diese gestalten.

Wie wäre es mal mit einem Liebesroman. Reich-Ranicki hat immer behauptet: das die Deutschen keine Liebesromane schreiben können. Beweisen sie ihm das Gegenteil. Ihr Autor Adam Soboczynski kann ihm das ja sagen. – Gunter Knauer


Zur Titelstory über den Kontrollverlust Deutschlands:

Was für eine Titelseite! Auf den ersten Blick denke ich: Ist jetzt auch die ZEIT durchgeknallt? Ich sehe dort die allgegenwärtige unselige Burka Debatte und darüber die Schlagzeile vom „Kontrollverlust Deutschlands“, die von jedem Pegida Anhänger stammen könnte. Doch dann folgt zum Glück: Eine erstklassige Reportage, die die Komplexität dieser historischen Nacht nachvollziehbar macht. Nur kann ich bei genauer Lektüre keinen Kontrollverlust Deutschlands erkennen.

Im Gegenteil: Während fast alle anderen europäischen Länder wegschauen, versuchte Angela Merkel die Kontrolle über eine sich anbahnende Katastrophe zu gewinnen. Der vermeintliche Kontrollverlust entstand weit vorher durch das falsche Dublin-System, welches versuchte die Verantwortung auf die europäische Peripherie zu verlagern. Wovon auch Deutschland zu lange profitierte. Europas Illusion liegt darin eine Wohlstandsinsel inmitten von Krieg und Not sein zu können. Diese Illusion dauert weiter an und wird zu weiterem „Kontrollverlust“ führen. Solange bis wir erkennen, dass Globalisierung nicht nur den eigenen Wohlstand, sondern auch Öffnung und Solidarität bedeutet. Für diese Wahrheit war die Nacht mit der spontanen Entscheidung von Frau Merkel ein erster, noch ungewollter Beginn. – Dieter Halbach


Zum Titelthema:

Das brilliant geschriebene Protokoll sollten die Redakteure noch einmal durch“spielen“ mit Helmut Schmidt als Kanzler und seinem Kabinett,beginnend mit dem geheimnisvollen Gespräch eines seiner Regierungsmitglieder in einem Hinterzimmer. – Womöglich sogar veröffentlichen als ZEITversetzt. – Prof. Ernst Schönfelder


Zum Leitartikel:

Seit mehr als 30 Jahren lese ich die ZEIT. Noch nie gab es eine solche ZEITverschwendung wie bei diesem von 12 ZEITjournalisten erstellten „Protokoll“ darüber, was am 4.9.2015 (angeblich) geschah. Einen humanitären Akt einer ganzen Nation, bei der sicher vieles nicht geplant war, nun als größte Panne zu verunglimpfen und damit ein Jahr danach nur die Ressentiments der ewig Gestrigen in unserem Land zu bedienen, ist eher das größte Missverständnis, das sich die vermeintlich so weltoffene ZEIT leistete. „Welche Absichten, Pannen und Missverständnisse dazu führten“, um bei Ihrer Wortwahl zu bleiben, wäre allemal interessanter als der mich ratlos zurücklassende erste Teil dieser Ausgabe der ZEIT. – Werner Schwamb


Leserbrief zu „Grandios sowieso“ von Benedikt Erens:

Er fand Worte für meine Liebe zum Theater. Ich fing an ins Theater zu gehen, als sein Vater Intendant in München war und Thomas Holtzmann den „Hamlet“ spielte. Er war mein Lieblingskritiker – in der SZ und in der ZEIT. Dann kam die Zeit, wo ich ihn schmerzlich vermisste und nicht mehr fand. Bis heute. Wieso schreibt er nicht mehr die spannendsten Theaterkritiken, einer, der das Theater liebte! – Ingeborg Lukowski


Leserbrief zu Fäkalsprache in DIE ZEIT:

Ich bin darueber veraergert, dass in der aktuellen Ausgabe gleich  dreimal das SCH-Wort auftaucht:

Ganz prominent auf  Seite 51, in der Ueberschrift der Kolumne auf Seite 21 und dann dort auch nochmal im Text. Vor einigen Wochen hatte sich bereits ein Leserbriefschreiber ueber ‚heissen Sch…‘ beschwert. Interessiert Sie das ueberhaupt?

Meine Tochter lernt gerade Lesen und das SCH-Wort ist bei uns zuhause tabu. Jetzt muss ich wohl auch das sogenannte Qualitaetsprodukt ZEIT vor ihr verstecken, wie schade. Bitte verzichten Sie in Zukunft auf diese Ihrer nicht wuerdige und unnoetige Faekalsprache. – Rainer Schlitt


Zum Artikel des Leitthemas „Was geschah an diesem Wochenende wirklich?“:

Ich bin eine Leserin. Ja, tatsächlich, ich lese die „Zeit“, weil ich lesen(!) möchte. Wenn ich bunte Bilder anschauen möchte oder knappe aktuelle Information suche, finde ich das anderswo. Ich suche Erholung vor schrillem, lärmendem, oft hohlem Aktualismus. Manchmal finde ich Denkanstöße und manchmal Erklärungsansätze, die ein Stückchen der wirren Realität zu fassen scheinen. Manchmal freue ich mich über gut geschriebene Texte, gelegentlich auch über sprachlich brillante, denen man Sorgfalt und Denkarbeit anmerkt.

Was ich nicht brauche: von überdimensionierten Bildern angesprungen zu werden, die vier Fünftel der Seite beanspruchen, reißerische Überschriften wie in diesem Politikteil, peinliches Pathos (der Schlusssatz) oder sensationsheischende Aufblähung (S. 6: „Für einen kurzen Moment hängt alles von diesen beiden ab: das Schicksal des Marsches.“). Wie wäre es bei der Präsentation der Recherche mit ein bisschen mehr hanseatischem Understatement? Und, verdammt, ich will gar nicht wissen, welche Farbe Orbans Krawatte hatte (Auch wenn die Hemdfarbe des Interviewpartners inzwischen in keinem Wirtschaftsartikel verschwiegen wird). In Wochen wie diesen ein ganzer Politikteil für einen Beitrag? Damit hängt man die Messlatte sehr hoch… Beim Weiterblättern zum Dossier stoße ich auf die gleiche Häppchenstruktur – hier passt sie hin. –  Angela Rupp


Zum Artikel „»Huhu, Prof, läuft das mit Hausarbeit?«“:

Frau zu Eppendorf übersieht eine Kleinigkeit: wenn in ihrem Kurs alle x Studis dem Prof eine mail schreiben, hat der mit den Antworten x mal soviel Arbeit, wie sie. Irgendwann versucht er dann wahrscheinlich, den Schreibaufwand zu  minimieren. Ich mache das auch – meistens lasse ich die Anrede ganz weg. Andererseits nötige ich meine Studis auch nicht, Formvorschriften einzuhalten, nur um Respekt zu heucheln. Mit den Fristen verhält es sich übrigens genauso: sich rechtzeitig zur Prüfung anzumelden macht wesentlich weniger Arbeit, als x Bachelorarbeiten zu korrigieren! Mit „Augenhöhe“ hat das alles nix zu tun. – Prof. Dr. Heinrich Dirks


Über die Diskussion zu einem Burkaverbot:

Sie stellen einige Überlegungen an, die sicher ihre Berechtigung haben. Ich möchte allerdings von ganz anderer Seite an das Thema herangehen.

Mein Sicherheitsbedürfnis verlangt, das Gesicht eines jeden zu sehen, dem ich in der Öffentlichkeit begegne. Ich halte das für ein archaisches Bedürfnis. Die Motive, sein Gesicht zu verhüllen, sind deshalb für mich nicht von Belang.

Stellen Sie sich vor, die Hälfte der Menschen in einer Fußgängerzone wären verhüllt, z.B. auch durch Masken, wie sie im Karneval von Venedig üblich sind. Wie sicher würden Sie sich fühlen?

Hier geht es um eine grundsätzliche Entscheidung. Der Hinweis auf die nur wenigen Burkaträgerinnen zählt deshalb für mich. – Reiner Felkel


Leserbrief zum Titelthema:

Angesichts Ihrer alarmistischen Überschrift zum Titelthema Ihrer aktuellen Ausgabe hätte ich es eigentich besser wissen müssen – trotzdem habe ich mir Die Zeit mal wieder gekauft, in der Hoffnung, genaue Recherchen, klug und sachlich aufbereitet vorzufinden. Doch am Ende bleibt einmal mehr Ernüchterung. Unscharf mischt sich das Protokoll mit Spekulationen, die sich mitunter auch noch Seehofers Stammtisch-Rethorik vom „Pfropfen und der Flasche“ zu eigen machen. Im Text wird immer wieder angemerkt, niemand würde definieren, was mit „Ausnahme“ gemeint sei. Auf die Idee, dass das Wort „Kontrolle“ hier auch defniitionsbedürftig sein könnte, kam offenbar niemand. Von der Überschrift über das Foto auf der Titelseite bis hin zum finalen „… hätte nicht… wäre die Geschichte  Europas anders verlaufen.“ wird nicht etwa beantwortet, WIE „die Geschichte Europas“ dann „anders verlaufen“ wäre, sondern wohlfeil suggeriert, die Aussetzung von Personenerfassungen beim Übertritt der deutschen Grenzen hätte dem ganzen Land „die Kontrolle“ entzogen – wäre das nicht passiert, hätte es es wohl keine Übergriffe in der Silvesternacht und keine Anschläge von Flüchtlingen gegeben. Das ist plumpes Boulevardniveau, sechs Seiten „Protokoll“ von 12 Autoren hin oder her. Hatte vorher Deutschland denn die (wie auch immer definierte) „Kontrolle“? Offenbar in einem stärkeren Ausmaß als gedacht, heißt es doch gegen Ende „Hat Merkel einen Fehler gemacht, als sie die Flüchtlinge nach (sic!) Ungarn einreisen ließ?“ oder hat nun der Kontrollverlust auch das Lektorat der Zeit erreicht? Mich würde interessieren, was jenes ominöse „Mitglied der Bundesregierung“, das am Morgen des 4.9.15 die Ereignisse der kommenden Tage (dem weiteren Text zufolge als einziger) voraussah, sonst so macht, außer mit Journalisten zu frühstücken? Es scheint ja ein analytisches Vermögen in Regierungskreisen vorhanden zu sein, dass offenbar bestürzend wenig Einfluss auf das Handeln der Bundesregierung hat… Dabei wäre es doch ein Zeichen von „Kontrollbesitz“, politisches Handeln nach der Erkenntnis auszurichten „… dass die Dritte Welt eine Macht ist, dass die auf deren Kosten man lebt, dem nicht ewig tatenlos zusehen werden. Dazu bedarf es keiner militärisch ökonomischen Stärke. Es reicht völlig wenn sich Millionen Verelendeter in Bewegung setzen.“ Aber, ach nein, das war ja kein Zitat aus Regierungskreisen, sondern von Heiner Müller. Über 20 Jahre alt… Die Unschärfe, mit der ich Müllers Worte mit den Ereignissen des letzten Septembers in Beziehung setzte, scheint mir nur eine leichte zu sein. Man möge sie mir trotzdem verzeihen. – Ralf Krämer


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Iris Radisch:

Sie sprechen mir mit Ihren gut begründeten, kraftvollen Sätzen aus dem Herzen und Geist! Diese falsch verstandene Toleranz führt in unserer werteverwirrten pseudoliberalen Gesellschaft genau dahin, was der in Berlin lebende russische Autor Boris Schumatzky in der gleichen Ausgabe zu Recht hier bemängelt. Freiheit muss wehrhaft sein, sich rechtzeitig gegen Tendenzen behaupten können, die wie jene gesichts- und damit identitätsverhüllende, Präsenz und Verantwortlichkeit negierende Verschleierung freiheitlich-gleichberechtigte Prinzipien letztlich angreifen und zerstören wollen. Europäische Identität heißt für mich auch, sichtbar zu sein und dem Anderen gleichermaßen in sein Gesicht sehen können.

Was bei der Verschleierung nur als Einbahnstraße funktioniert: Die verschleierte Frau kann mich sehen, ich aber sie nicht richtig. Und das ist keine Gleichberechtigung und damit nicht in Ordnung! Meinetwegen soll die mehr oder weniger islamaffine Frau in ihren Säcken rumlaufen. Aber das Gesicht muss klar erkennbar sein. Erst recht in unserer terrorgefährdeten Zeit. Und wer das nicht will oder kann, hat auf europäischem Boden nichts verloren. Ich finde, das Vorgehen der Franzosen hier absolut richtig. Man darf sich nicht Dinge aufzwingen lassen, die der eigenen Kultur völlig zuwiderlaufen und mich als Frau und Mensch gleichermaßen zudem kompromittieren und irritieren. Ich respektiere ja auch die Kleiderordnung deren Länder, indem ich dann ein Kopftuch aufsetze oder dementsprechend gekleidet bin. Wenn ich das nicht will, reise ich da nicht hin oder lasse mich dort gar nieder.

Dass ausgerechnet der Innenminister diese falsch verstandene Toleranz bis auf Weiteres zementiert, ist mir völlig unverständlich. – Karin Hepperle


Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

Keine Toleranz für Intolerante. „In Deutschland können Frauen anziehen, was sie wollen“, meint Elisabeth Raether. Aber hier irrt sie. Denn dann könnten Frauen nackt oder nur mit einem Höschen bekleidet in einer Behörde, einem Einkaufszentrum oder in der Öffentlichkeit auftreten. Das können sie nicht (Männer übrigens auch nicht)!  Es existieren Konventionen in unserem Kulturkreis, was die Bekleidung betrifft, Konventionen, um die Beeinträchtigung von Gefühlen anderer zu vermeiden. Und diese werden auch nicht mit Bezug auf Religionsfreiheit außer Kraft gesetzt.  Sonst könnte sich eine Anhängerin einer Naturreligion aus einem Dorf in Afrika auch darauf beziehen und nackt oder halbnackt in der Öffentlichkeit auftreten. Die Burka ist das Symbol islamischer Fanatiker. Und da muss gelten: Keine Toleranz für Intolerante. – Raimund Helbrich


Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

Wenn eine Burka als Vollverschleierung der Frau den gleichen Stellenwert hat wie der Keuschheitsgürtel im Mittelalter, sollte man sie gesetzlich verbieten. – Prof. Dr. Johannes Jörg


Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

Ein Burka-Verbot ist einer freien und liberalen Gesellschaft unwürdig.  In einer solchen Gesellschaft gilt das „Schädigungs-Prinzip“. Hiernach gibt es nur einen „Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gemeinschaft rechtmäßig ausüben darf: die Schädigung anderer zu verhüten“ (John Stuart Mill).

 Eine Frau, die eine Burka trägt, schadet niemand anderem. Ein Burka-Verbot ist daher ungerechtfertigt. Wenn wir nicht zu einer illiberalen und islamophoben Gesellschaft werden wollen, sollten wir davon Abstand nehmen. –  Michael Pfeiffer


 Leserbrief zum Titel  „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Ich finde es bemerkenswert, dass es nun auch in der ZEIT endlich möglich ist, die Wörter „Merkel“ und „Fehler“ im selben Satz unterzubringen. Der Artikel wirft ein Schlaglicht auf das Fundamentalproblem des Merkelschen Politikansatzes. Es gibt keinerlei aktive Gestaltung zur Vorbereitung auf mögliche zukünftige Entwicklungen. Entscheidungen werden solange vermieden, bis alternativlos nur noch eine einzige (d.h. im Grunde gar keine mehr) übrig bleibt. – Gerhard Reinelt


Zur Diskussion um ein Burka-Verbot:

„Ich denke vielmehr, dass der Zugang zum Antlitz von vornhereinethischer Art ist. … Zugleich ist das Antlitz das, was uns verbietet zu töten.“ (Emmanuel Lévinas, Ethik und Unendliches, Seite 64f., Edition Passagen, Wien, 1996)

Verhüllen des Antlitzes als Akt der Selbstbestimmung?
Beide Artikel aus der Zeit vom 18.08.2016 sind aus meiner Sicht nicht stichhaltig. Elisabeth Reather suggeriert:wenn die Frau sich nicht frei für die Verschleierung entscheiden kann, lebt sie als „Gestalt im Kopfe eines Mannes“.Verschleierungist ein Akt der Selbstbestimmung. Iris Radischmeint zum Burka-Verbot, dass abgesehen von den „Schwierigkeiten seiner Durchsetzbarkeit ein wichtiges politisches und kulturelles Signal“ nötig und vielleicht ausreichend ist, um gegen „islamische Fanatiker“ vorzugehen. Verschleierung als Selbstbestimmung vs. Notwendigkeit von Symbolpolitik – das sind nicht die Alternativen.

Zunächst hat mich der Artikel von Frau Raether überzeugt. Jede Frau bestimmt selbst, was sie anziehen möchte. Das ist selbstverständlich, und jeder Eingriff von außen in diese Entscheidung widerspricht der Selbstbestimmung. Das ist klar und gilt selbstverständlich auch für die Burka oder Niqab, und natürlich nur unter Prämisse der Freiwilligkeit.

Aber ist das wirklich der Kern des Problems? Ist es nicht genau umgekehrt? Nicht die Burka oder Niqab sind in der Regel verboten, sondern das Nichtverschleiern ist verboten, sogar unter Androhung von empfindlichen Strafen.Vielmehr ist es wie Raether sagt: mit dem Verbot der Verschleierung nimmt man die Wut konservativer Muslime in Kauf. Man nimmt die Wut konservativer Muslime in Kauf, die z.B. diesem Satz aus dem Koran folgen: „Prophet! Sag deinen Gattinnen und Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen (wenn sie austreten) sich etwas von ihrem Gewand (über den Kopf) herunterziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, dass sie (als ehrbare Frauen) erkannt und daraufhin nicht belästigt werden. Gott aber ist barmherzig und bereit zu vergeben.“ – Sure 33, Vers 59: Übersetzung: Rudi Paret

Den Gattinnen und Töchtern wird gesagt, sie seien nicht als „ehrbar“ oder anständig zu erkennen, wenn sie unverschleiert herum laufen, ungeschützt vor den Belästigungen von Männern, die sich offensichtlich nicht beherrschen können. Mit der Burka und Niqab leben Frauen und Männer als „Gestalt in den Köpfen“ konservativer Muslime – darum geht es!

Nun soll die Verschleierung verboten werden. Also muss es einen Grund, einen Wert geben, der höher anzusehen ist als die Selbstbestimmung der Frau, wenn sie sich für die Verschleierung entscheidet. Dieser Wert ergibt sich aus Raethers Artikelselbst – sie selbst sagt es, und zwar gleich im erstenund im letzten Satz ihres Artikels:

1. „Die Burka bringt eine Frau zum Verschwinden.“ Frau Raether versteht diesen Satz postmodern: nicht die Frau selbst verschwindet, sondern sie verschwindet als freies Subjekt, als Person, wenn man ihr die Kleidung vorschreibt. Tatsache ist jedoch, dass durch die Verschleierung ganz konkret das Antlitz der Frau verschwindet. Nach Lévinas ist das Antlitz der phänomenologische Zugang zum Andren, es ist vor allem ein ethischer Zugang. Mit der Verschleierung des Antlitzes ist dieser phänomenologische Zugang versperrt.

2. Und am Ende sagt sie: Vielmehr sollte man den Frauen „hinter Ihrer Mauer aus Stoff ans Herz legen“, „sich anzuziehen, wie sie wollen.“ „Dafür müsste man aber mit ihnen sprechen, statt ihnen Lektionen zu erteilen.“ – Wer „müsste“ (Konjunktiv!) mit denen sprechen, die sich hinter einer Mauer befinden?„Antlitz und Gespräch sind miteinander verbunden. Das Antlitz spricht. Es spricht, indem gerade durch es das Gespräch ermöglicht und begonnen wird.“ (Lévinas Seite 66) Genau diese Mauer, die nicht nur aus Stoff ist, verhindert das Gespräch.

Insofern sagt Frau Raether selbst, was sie nicht wahr haben will: Die Verschleierung bringt die Frau zum Verschwinden, und zwar nicht auf postmoderne Weise, sondern ganz konkret, indem sie das Gespräch und damit den ethischen Zugangverhindert. Indem die Burka (oder die Niqab) das Gespräch verhindert, wird die Frau „zur Gestalt im Kopfe eines Mannes“, und nicht nur die Frau, der Mann ist in dieser Gestalt das unbeherrschte Monster. Die Frau, die sich nicht schützt, ist selbst schuld! Das ist die Gestalt, um die es geht, und nicht um eine Gestalt, die Verschleierung zu einem Akt der Selbstbestimmung erhebt – das ist absurd.

Wenn man den Gedanken Lévinas‘ weiter denkt, dann wird die Frau, der Mensch, durch die Verhüllung des Mundes, des Ausdrucks, der nackten Haut im Gesicht, der Schutzlosigkeit, der gesamten Figur, alles dessen, was das Antlitz ausmacht, zu genau dem Objekt, das nur begehrt wird, das sich selbst nicht wehren kann, das keinen Ausdruck hat, das keinen Einspruch äußern kann, usw.. „Zugleich ist das Antlitz das, was uns verbietet zu töten.“ (Lévinas)Dieses Zitat deutet auf die Ähnlichkeit zu den Hinrichtungsopfer (nicht nur des IS). Sie alle werden mit verhülltem Gesicht hingerichtet. Unverhüllt würden sie alle ihre nackte Schutzlosigkeit offenbaren, die ein Töten ungleich schwerer macht.

Burka und Niqabsind Ausdruck dieses Menschenbildes und damit symbolisch. Man müsste untersuchen, wie viele Frauen sich mal verschleiern und mal nicht, aus freien Stücken.Wievieleder angeblich 6.500 Frauen in Deutschland entscheiden sich wirklich selbst, oder ist es nicht eher so, dass die, die sich verschleiern, sich in der Öffentlichkeit immer verschleiern, dass es da also keine Entscheidunggibt, sondern nur eine vorentschiedene Tradition? Das ist jedoch keine Freiheit. Aufgrund dieser Überlegungen, bin ich der Ansicht, dass das Verschleierungsverbot, so wie es im Tessin gilt, vernünftig ist.Ob man es gleich so weit treibt, sei dahin gestellt, Frau Merkel und Herr De Maizière sind auf einem richtigen Weg. – Matthias Schulte

Der Kanton Tessin stimmte bei einer Volksabstimmung am 22. September 2013 mit 63.494 Ja gegen 32.377 Nein für ein Gesichtsverhüllungsverbot.[31] In der Folge wurde ein Artikel 9a neu in die Tessiner Kantonsverfassung aufgenommen: (1) Niemand darf sein Gesicht im öffentlichen Raum und an Orten verhüllen oder verbergen, die allgemein zugänglich sind (ausgenommen Sakralstätten) oder der Erbringung von Publikumsdienstleistungen dienen. (2) Niemand darf eine Person zwingen, ihr Gesicht aufgrund ihres Geschlechts zu verhüllen. (3) Das Gesetz regelt die Ausnahmen von Absatz 1 und bestimmt die Sanktionen. (https://de.wikipedia.org/wiki/Verschleierungsverbot#Schweiz)


Betr.: „Fahnenflucht auf hoher See“ von Marc Widmann:

Dieser Artikel hat mich sehr schockiert und betroffen gemacht. Das einiges faul mit den Kreuzfahrern ist, war mir bekannt, aber nicht in diesem Ausmaß! Dazu fällt mir nur ein: Ausbeutung und moderne Sklaverei in großem Stil. Ich schäme mich und alle schauen weg. Ein kleiner Steuersünder wird bestraft, aber ab einer gewissen Summe, ob Kreuzfahrer, Banken, Millionäre kann man machen was man will. Pfui! Hinzu kommt, daß mehr oder weniger alle Kreuzfahrtschiffe gigantische Umweltsünder sind. Jeder, der eine Kreuzfahrt bucht, macht sich mitschuldig und ist verantwortlich für dieses Geschehen. So löblich es ist, daß die Zeit diese Dinge veröffentlicht, so wichtig wäre es auch für sie, ab sofort alle Kreuzfahrten aus ihrem Reiseangebot zu streichen. –  Bernhard Weber


Leserbrief zu „Wo ist Bach?“ von Christof Siemens:

„Ganz netter Bericht über einen der windigsten Sportfunktionäre unserer Zeit – um es mal salopp auszudrücken. Allerdings fehlt mir in dem Artikel ein wenig mehr Einblick in die Strippenziehereien des Thomas B. Mit Sicherheit falsch ist die Aussage, dass die brasilianischen Fussballerinnen die Schwedinnen demontierten. Vielmehr besiegten die Nordeuropäerinnen die favorisierten Südamerikanerinnen völlig überraschend im Elfmeterschießen. Oder?“ – Holger Kintscher


Über die Diskussion um ein Burkaverbot:

Die Pro- und Contra-Autorinnen lassen außer Acht, dass wir Menschen uns so erfolgreich zivilisiert haben, weil wir miteinander kommunizieren, nicht zuletzt von Angesicht zu Angesicht. Wir sehen im Gesicht unseres Gegenübers mehr als das, was er mit Worten sagt. Wer sein Gesicht verschleiert, lässt das nicht zu, schlägt sein Gegenüber mit Blindheit und verschafft sich dadurch einen Vorteil. Das ist nicht nur unlauter, sondern auch missachtend, diskriminierend und deshalb beleidigend. Es verträgt sich nicht mit der Würde des Menschen. – Carlo Vernimb


Zum Artikel von Jürgen Krätzer: „Atheismus ist immer noch erlaubt!“:

Nein, Herr Krätzer, ich schaue nicht neidvoll auf die Gläubigen, die an ein Weiterleben nach dem Tod glauben. Seit ich mich vor vielen Jahren von Gott löste, fühle ich mich frei von religiöser Gängelei, spüre aber im gleichen Atemzug meine Verantwortung für mein Leben und empfinde Respekt für andere. Die Behauptung, dass es ohne Gott kein moralisches Handeln gäbe, ist ungültig. Meine Loslösung von Gott war ein jahrelanger Prozess, in dessen Verlauf mein Bestreben wuchs, Gutes zu tun und einen positiven „Fußabdruck“ auf unserem Planeten zu hinterlassen. Meine Zweifel wichen einer wohltuenden Klarheit. Keine Rede mehr von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen, sondern ein klares, gottesunabhängiges Bekenntnis zur Würde des Menschen. Ich kann das nur empfehlen. – Carlo Vernimb


Anmerkung zu „Späte Reue“:

Dieses Geweih von Haus des Ernest Hemingway stammt nicht von einem Elch, sondern von einem Wapiti. Beide gehören zur Familie der Cerviden, der Wapiti ist dem europäischen Rothirsch ähnlich, aber wesentlich massiger.

Die Verwirrung kommt aus der Sprache: Das Wort Elk stammt aus dem britischen Englisch wohl aus der Zeit vor der Entdeckung Amerikas. Gemeint war und ist (in England) der Elch. Wapitis gab und gibt es in Europa nicht. Im amerikanisch/kanadischen Englisch wird der Wapiti auch Elk genannt, der Elch aber  i m m e r  Moose !

Elk ist ein Wort von dort eingewanderten Europäern, Wapiti nannten Indianer dieses Tier, übersetzt „weißer Hintern“, etwas feiner und jagdlich korrekt „weißer Spiegel“. – Dr. Hermann Bodenseher


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Zu diesem Thema ist in letzter Zeit sehr viel, m. E. zuviel, geschrieben und diskutiert worden.  Ich bin der Auffassung, daß unsere Bundesrepublik Deutschland (noch) ein weltoffener, demokratischer Rechtsstaat ist. Es gehört zu unserer Lebenswahrnehmung, daß wir offen miteinander umgehen. Dies ist bei einer Vollverschleierung, die den freien Blick bewußt verhindert, nicht gegeben. Außerdem ist sie nach unserer, westlichen Wertevorstellung ein Zeichen für die  Unterdrückung der Frau.

Im Übrigen kann jeder, der mit unseren Werten nicht einverstanden und sie einzuhalten nicht bereit ist, jederzeit das Land verlassen und sein (vollverschleiertes) Leben dort nach seinen Vorstellungen gestalten.

Die von Minister Jäger dargestellte mögliche Auswirkung auf den Karneval zeigt nur die Hilflosigkeit der Politik in dieser Frage. Das nächste wird sein, daß für diesen Personenkreis besondere Rechte eingefordert werden, wie z. B. besondere Badezeiten in Schwimmbädern.

Ich frage mich, wie lange die Politik diese selbstzerstörerische Toleranz gegenüber einem zugewanderten Personenkreis noch aufrecht erhalten will. – Martin Engelberg


Leserbrief zum Artikel „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Mütter tradieren Rollenbilder, will uns die Autorin sagen. Richtig!  Natürlich geht es hierbei auch um Äußerlichkeiten, Rosa oder Blau, zu toben oder vorsichtig zu sein, mit Puppen oder Autos zu spielen. Trefflich lässt sich streiten, ob so ein Verhalten oder eine Vorliebe in der Natur von Mädchen und Jungen liegen, in welchem Umfang sowie wie weit das für ein einzelnes Kind gilt. Doch mir scheint, wir sollten bei dieser Diskussion primär unser Augenmerk darauf richten, welchen Wert Jungen und Mädchen, Frau und Mann zugesprochen wird?

Wenn ich meiner Tochter „zwanghaft“ Jungenkleidung anziehe, ihr mit Absicht eine häßliche Spange kaufe, drückt sich dann hierin nicht aus, dass das Männliche wertvoller und erstrebenswerter ist als das Weibliche? Wie ein Junge sich verhält, was er bevorzugt, ist besser, teile ich meinem Kind mit. Übermittle ich dem Mädchen gar, ein Junge wäre mir lieber gewesen? Auch für diese Haltung existiert eine lange Tradition!

Warum sollte Blau besser sein als Rosa? Warum ist Vorsicht schlechter als Wildheit? Wie viele männliche Jugendliche erleiden großen Schaden durch hohe Risikobereitschaft! Weiter gefragt: Warum sollte es für eine Frau erstrebenswert sein, wie ein Mann zu leben, seine Vorstellung von Arbeit zu übernehmen? Ist es da nicht überaus erfreulich, wenn sich Frauen selbstbewusst auf ihre Weiblichkeit, ihre Interessen und Vorlieben besinnen und dies in die Gesellschaft einbringen? Und das gilt auch, wenn dies Rosa bedeutet! Die Freiheit, sich gleichberechtig auf sich selbst besinnen zu dürfen, ist ein hohes Gut. Die Andersartigkeit von Frau und Mann, von jedem Menschen, als gleichwertig anzuerkennen, schenkt Sicherheit und Selbstbewusstsein. Dafür müssen wir auf den Einzelnen hören. – Michael Geisler


Zum Artikel von Jürgen Krätzer: „Atheismus ist immer noch erlaubt!“:

Herzlichen Dank für Ihren klaren Artikel. Man fürchtet sich z.Z. wirklich vor dem Zurück ins Mittelalter. – Gotthard Popp


Zur Diskussion über ein Burkaverbot:

Ich vermisse in der gesamten Diskussion eine sehr viel deutlichere Unterscheidung zwischen dem Tragen einer Burka und dem eines Niqab, der die Augenpartie der Trägerin offen lässt. Während Letzteres grundsätzlich bis zum Beweis des Gegenteils als Ausdruck des autonomen religiösen Selbstverständisses einer Person angesehen werden sollte, negiert eine Burka die Grundvoraussetzung für ein auf egalitäre Ideale gegründetes Zusammenleben, indem die Trägerin ihr Gegenüber sehen kann- was diesem jedoch verwehrt bleibt. Mit einem solchen einseitigen Blick ist eine Hierarchie zwischen Personen etabliert, die einer gegenseitigen Anerkennung als Kern einer demokratischen Gesellschaft widerspricht und aus diesem Grund- und nicht aus vorgeschobenen sicherheitspolitischen Erwägungen oder einer paternalistischen Befreiungsrhetorik heraus- sollte die Burka nicht akzeptiert werden. –  Johanna Rehner


Bemerkung zu Fäkalsprache in DIE ZEIT:

Hat die Zeit es nötig, Überschriften mit Wörtern aus der Fäkalsprache zu formulieren? „Rosa ist scheiße“, lese ich auf der Titelseite der „Zeit zum Entdecken“, und mit „Heißer Scheiß“ kündigt sich Marcus Rohwetters „Quengelzone“ an. Besonders letztere Wendung ist wahrlich appetitlich für Menschen, bei denen ein sprachliches Bild tatsächlich ein Bild im Kopf erzeugt. Ich frage mich, wessen Lebensgefühl Sie ausdrücken oder welcher Leserschaft Sie sich anbiedern wollen, um Ihre Auflage zu steigern.

Selbstverständlich steht es in Ihrem Belieben, was Sie schreiben und wie Sie es schreiben. Mir allerdings steht es frei, was ich lese, und es wird mir immer klarer, dass mich außer einer etwa 40 Jahre alten Gewohnheit immer weniger dazu drängt, jede Woche die Zeit zu lesen. –   Dr. Günter Lins


Zur Debatte über ein Burkaverbot:

Der Koran schreibt nirgends vor, dass sich Frauen vollständig verschleiern müssen. Er empfiehlt, dass sich Frauen in der Öffentlichkeit die Schultern und die Haare bedecken. Darum kein Verbot für das Kopftuch, jedoch Burka und Niqab verbieten. Aber nicht aus religiösen oder terroristischen Gründen. Die Begründung für ein Burkaverbot muss in Gesellschaften wie in Deutschland oder der Schweiz anders lauten: In unserer Kultur ist beim persönlichen Kontakt das Gesicht ganz wichtig. Wir kommunizieren oft und viel mit unserer Mimik. Mit Burka und Niqab ist das unmöglich. –  Roman Weibel


Leserbrief zum Tietelthema „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Am Ende Ihrer  minutiös geschilderten Geschehnisse  des  4. September und der darauf folgenden 2 Tage schreiben Sie,  „Merkels historische Entscheidung… war kein spontaner humanitärer Impuls, kein emotionaler Affekt.“ Ich denke, dass Sie an dieser Stelle Ihre Recherche gewaltig irren. Warum kann es nicht sein, dass auch eine deutsche Bundeskanzlerin Mitgefühl zeigte?  Mitgefühl, kein Mitleid – das ist ein Unterschied. Und es war genau dieses Mitgefühl, diese menschliche Geste, die  vor einem Jahr zigtausende andere Menschen dazu veranlasste, Willkommenskultur zu zeigen, nicht nur verbal, sondern auch durch großherzige, tatkräftige reale Hilfe. Ich bin sicher, dass diese humanitäre Welle des Mitgefühls einen besonderen Platz in den Geschichtsbüchern einnehmen wird.

Wie allerdings der gewaltige Zustrom weiterer von Krieg, Folter und wirtschaftlichem Elend verfolgter Menschen gemindert werden kann, darauf hat Europa und die Welt keine wirkliche Antwort. Nationalstaatliche Interessen, daran sind sich alle Experten einig, sind sicher nicht die richtige Antwort. Ein zerstrittener Haufen von Einzelstaaten, die egoistisch und unsolidarisch nur Eigeninteresse verfolgen, ist nicht handlungs- und lösungsfähig. Die Lösung wird nicht einfach sein, wenn ich an ein Zitat von Umberto Ecco denke, der sinngemäß einmal Folgendes sagte: „Für jedes komplexe Problem gibt es eine einfache Lösung, aber die ist meistens die Falsche.“ – Dipl. Ing. (FH) Franz Josef Dorn


Zur Titelschlagzeile:

Leserbriefe haben bekanntlich kurz zu sein, wollen sie eine Chance haben, abgedruckt zu werden. Das von DER ZEIT erstellte Protokoll mit der Überschrift Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor macht es schwer, wenn nicht gar unmöglich, diesen Grundsatz zu beherzigen, wenn der Inhalt im Einzelnen, sprich: die Gewichtung der beschriebenen Ereignisse gewürdigt werden soll. Ich beschränke mich deshalb auf die Feststellung, dass die detaillierte und –soweit erkennbar – sorgfältige Recherche und anschauliche „Protokollierung“ sehr verdienstvoll und uneingeschränkt anzuerkennen ist.

Leider kann dieses positive Urteil nicht, um nicht zu sagen „überhaupt nicht“, für die auf Seite 1 gewählte Überschrift gelten, die bezeichnender Weise in ihrer offenbar gewollt apodiktischen Form im Text des Protokolls an keiner Stelle wiederholt wird. Im Text vielmehr wird die Formulierung an verschiedenen Stellen deutlich relativiert und an einer Stelle gar von einem Rückgewinn der Kontrolle gesprochen. DIE ZEIT setzt sich damit dem Vorwurf aus, mit einer reißerischen Formulierung – wenn auch nur in einer Überschrift, aber immerhin mit einer Schlagzeile auf Seite 1 – recht nahe an die überwiegend populistisch  agierende Boulevardpresse gerückt zu sein. Hat eine Wochenzeitung von der Qualität der ZEIT dies nötig? Ein über Jahrzehnte lang passionierter und „geübter“ Zeitleser bittet deshalb, künftig auch in Überschriften und Schlagzeilen populistische Töne zu unterlassen. –  Michael Streffer


Über das Titelthema:

In dem Beitrag „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“ fehlt mir eine wichtige Information, und zwar geht es um die vom Bamf am 25.8. über Twitter veröffentliche Mitteilung zur Aussetzung des Dublinverfahrens für syrische Staatsangehörige, was offensichtlich der Katalysator für die Flüchtlingsbewegung war. Wurde diese Mitteilung in Abstimmung mit Frau Merkel und Anderen veröffentlicht oder nur vom Bamf? War die CSU darüber informiert ? – Helmut Rembold


Leserbrief zu „Wo ist Bach?“ von Christof Siemens:

Wahrscheinlich finden Sie Thomas Bach im Zentrum eines wenig an Sport interessierten Altherrenvereins, weit genug aufgestiegen, um für das Sanktionieren von Doping keine Verantwortung mehr tragen zu müssen, auch nicht für die lukrativen kriminellen Ticketgeschäfte eines seiner Vorstandskollegen. Thomas Bach sitzt sozusagen im Auge des IOC. Aber warum, um alles in der Welt, suchen Sie ihn? – Christian Then


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Ein Verbot per Gesetz kann freilich immer nur so gut sein, wie dessen Intention praktisch umsetzbar ist. So wäre das nunmehr anvisierte Burka-Teilverbot zwar eine vermeintlich verfassungsmäßige, mitnichten aber wirklichkeits- getreue Lösung.

Unter dem sicherheitspolitischen Aspekt stellt die Vollverschleierung gewiss nur ein abstraktes und somit marginal relevantes Risiko dar; eine religiöse Legitimation kann ich nicht nachvollziehen, sehe die Verhüllung im Wesentlichen patriarchalisch begründet und anerzogen.

Der Definition und Spiegelung einer offenen Gesellschaft, die wir in Deutschland bei weitem nicht erst seit dem merkelschen „Wir schaffen das“ sind, steht die Vermummung jedweder Art überaus entgegen, natürlich auch dem Gelingen von Integration, dem Aufbau von Vertrauen und verbindender Identität.

Fazit: Insbesondere mit einem Burka-Teilverbot gelänge wohl so oder so lediglich die Camouflage einer gesellschaftspolitischen Chimäre. – Ira Bartsch


Zur Diskussion über ein Burkaverbot:

Darf man die Burka verbieten? Auch ich möchte die Burka in Deutschland nicht verbieten – ich möchte, dass einfach keine Frau in Deutschland Burka oder Hijab trägt,  freiwillig.

Ja, ich  möchte die Burka-Diskussion um den Hijab („Kopftuch“) erweitern: Burka und Hijab sind in Deutschland Symbole für die Unfreiheit der Frau – das sollte jeder Frau bewusst sein, die ein solches Kleidungsstück hier tragen will. Ihr sollte auch bewusst sein, welche Provokation dieses Symbol für Frauen ist, die selbst, deren Mütter und Großmütter, häufig unter leidvollen Erfahrungen, für die Gleichberechtigung der Frau gekämpft haben. Das Recht auf Gleichstellung von Mann und Frau erscheint jung und leicht störbar, da es noch keineswegs selbstverständlich ist in unserer heutigen Gesellschaft . Natürlich sind Mann und Frau nicht gleich – sie sind sehr unterschiedlich und das ist schön so, doch sie haben die gleichen Menschenrechte, die in unserem Land garantiert sind. Legislativ sind wir da gut, mit der Umsetzung hapert es noch.

Doch wir, vor allem wir Frauen, arbeiten daran. Es provoziert, wenn Frauen, insbesondere junge Frauen, die hier aufgewachsen sind, einen Hijab tragen: sie benutzen ihr Recht auf Selbstbestimmung – indem sie das Symbol der Unfreiheit tragen. Dieses Symbol haben wir uns nicht ausgedacht, sondern es  entstand durch die gescheiterte Integration der Gastarbeiter in unserem Land. Diese hat zu Verletzungen auf beiden Seiten geführt, ist immer noch ein Tabu – was der Verarbeitung nicht dienlich ist. Allein schon, dass ich in diesem Beitrag von „wir“ und den „Musliminnen“ rede, macht deutlich, dass die Gesellschaft noch nicht zusammengewachsen ist. Symbole der Abgrenzung sind da nicht hilfreich.

Es gibt auch andere Symbole in unserem Land, die geächtet sind – auch sie erklären sich aus unserer Geschichte. Diese Symbole muss man nicht mögen oder wollen, sie sind Realität und wir sollten sie erkennen.

Wichtig ist es, in der Burka-Diskussion den Hijab einzubeziehen, weil so deutlich wird, dass wir nicht über eine vereinzelte Burka reden. Es ist nicht lange her, da sah man auch nur vereinzelt Hijabs, heute gibt es KiTas, da trägt fast jede Mutter diese Verhüllung.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, die Hijab auch für Staatsvertreterinnen in ihrem beruflichen Umfeld zuzulassen, ist für mich ein Zeichen von interkultureller Insensibilität,  denn inzwischen gibt es viele Gründe, einen Hijab zu tragen, religiöse scheinen mir in der Minderzahl zu sein. Über das religiöse Gebot einen Hijab zu tragen sind sich die Muslime selbst nicht einig – und oftmals wird in dieser Diskussion Religion mit Tradition verwechselt, die nicht von dem Recht auf Religionsfreiheit geschützt ist.

Der Hauptgrund, meine ich,  warum in Deutschland vor allem junge Frauen Hijab tragen, ist die Renaissance einer Bewegung, die erstmalig unter Shah Mohammad Reza Pahlevi entstand, der den Iran „verwestlicht“ hatte. Traditionalisten riefen dazu auf, sich von dieser Strömung und dem damit verbundenen  „moralischen Niedergang“  zu distanzieren, indem man Hijab trug.
Muslimische Frauen in Deutschland entdecken ihre Wurzeln, machen sie modisch deutlich. Es ist gut, seine Wurzeln zu leben, auch afrikanische, indische Frauen tragen ihre traditionelle Kleidung: niemand stößt sich daran – im Gegenteil, sie gehören zur bunten Vielfalt in unserem Land.

Warum aber provoziert der Hijab so? Einerseits weil er – wie oben beschrieben – ein negativ besetztes Symbol ist, andererseits aber, weil diese „Verhüllung“ zu oft Segregation bedeutet, aktive Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft, deren Vorzüge man gleichzeitig nutzt.

Allerdings wird der Hijab inzwischen zunehmend zu einem Modeaccessoire – was natürlich den Sittenwächtern gar nicht gefällt und auch manchem in der Mehrheitsgesellschaft, da diese Mode unehrlich erscheint: Die keusche Verhüllung  schmückt, wird mit Glitzer getragen, mit tiefem Ausschnitt und knallengen Jeans – und konterkariert sich damit selbst. Gut wäre es, wenn der Hijab – wie alle Modeerscheinungen – dann bald verschwunden wäre. Doch daran glaube ich nicht, seine Steigerung rückt bereits an: die Burka.

In diesem Land kann jeder sein Gesicht zeigen. Dieses ist ein freies Land, in dem sich fast alle politischen Parteien als liberal verstehen – wenn auch der Liberalismus zunehmend missverstanden wird. Liberalismus meint nicht absolute, egozentrische Freiheit – die kann man nur allein auf einer einsamen Insel leben. Die Freiheit des Liberalismus wird sozialisiert durch die Verantwortung, die Verantwortung, dass das, was ich tu oder lasse, gut ist für die Gesellschaft, in der ich lebe. Liberal zu sein, bedeutet nicht, alles zuzulassen – das ist Laissez-Faire und unverantwortlich, sondern die Menschenrechte zu leben und zu verteidigen für mich und jeden in meiner Gesellschaft.
Menschen, die die Menschenrechte nicht leben, haben in unserer Gesellschaft nicht zu suchen. Dazu brauchen wir keine neuen Gesetze, das steht in unserem Grundgesetz. Was ist zu tun?

Das Bundesgerichtsurteil ist zu revidieren: in einem freien Land können Staatsvertreterinnen nicht ein Symbol der Unfreiheit tragen.  Man kann dieses Problem auch nicht, meine ich,  durch ein Verbot lösen – wie können Frauen, die immer eine Burka tragen, aus welchem Grund auch immer, sich plötzlich „nackig“ machen, nur weil sie eine Behörde besuchen müssen!

Ich möchte, dass wir mit Musliminnen, viel mehr in ein sachliches Gespräch kommen – mit meist männlich geführten Muslim-Verbänden gibt es diese Gespräche, doch Hijab und Burka sind dort immer noch tabuisiert. Das führt nicht zum gegenseitigen Verstehen. Dieses wird ein weiter Weg: Die unterschiedlichen Interpretationen des Hijab liegen extrem weit auseinander: vom Symbol der Unfreiheit in der Mehrheitsgesellschaft über Abgrenzung gegen die sittliche Verrohung Deutschlands bis zum Symbol der persönlichen Freiheit für  selbstbewusste Musliminnen. Es wird auch mit Freiheit argumentiert, wenn es um das Recht geht, Burka zu tragen.

Wir brauchen Zeit, sollten uns vielleicht drei Jahre geben, in denen wir einen intensiven, sachlichen Diskurs auf allen Ebenen der Gesellschaft –vom Privaten bis zum Medialen – führen mit Musliminnen, mit dem Ziel, unsere Werte und Normen nicht wegzustecken hinter vermeintlicher Toleranz und der Verteidigung der Religionsfreiheit, die hier meist gar nicht greift, sondern offen und authentisch für die Freiheit einzutreten, wie wir sie verstehen. Vielleicht könnte es sogar eine kluge, sensible Plakataktion geben zu diesem Thema, damit auch die, die – auf beiden Seiten – nur Kontakt zu ihresgleichen haben, nachzudenken beginnen. – Dr. Ursula Augener 


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Das System Vollverschleierung breitet sich dieser Tage in Deutschland aus und hat inzwischen auch unsere Stadt erreicht. Für viele Menschen finden gerade die ersten persönlichen Begegnungen mit voll verschleierten Frauen statt. Wobei man von einer persönlichen Begegnung eigentlich nicht sprechen kann. Es ist die erste unpersönliche Begegnung mit einem Menschen, der sein Gesicht nicht zeigen kann.

Warum lösen diese Begegnungen so viel Unbehagen und negative Gefühle aus. Was ist daran, dass uns erschreckt und das wir instinktiv ablehnen. Hat es damit zu tun, dass wir andersartige Menschen und Gewohnheiten nur zu einem gewissen Grade tolerieren können?

Ich denke es ist Scham und Wut darüber, dass wir Zeugen einer menschenverachtenden Praxis werden und dabei tatenlos zusehen. Wie können wir Abseits stehen und zusehen wie Frauen systematisch aus der Gesellschaft gedrängt werden. Ihre Fähigkeit zur Teilnahme an der Gesellschaft zerstört wird. Wir wissen das es für viele Frauen in ganzen Regionen Alltag ist, in einem System der Vollverschleierung leben müssen. Jetzt also auch in Deutschland?

Frauen die ihr Gesicht nicht zeigen können, sind außerhalb ihrer Familie, ihres Clans völlig isoliert. Es gibt Gesellschaften in denen diese Isolierung noch gesteigert wird, indem Mädchen das lesen nicht lernen dürfen. Manchmal können Sie nur mit dem Vater, dem Bruder dem Onkel vor die Tür treten. Und sie werden in eine vorgegebene Ehe verheiratet. All das wissen wir.

Vollverschleierung ist ein menschenverachtendes System, in das Mädchen geboren werden, das ihnen einen ganz kleinen Raum zuweist und kaum eine Möglichkeit bietet andere Menschen, Meinungen, das Leben außerhalb kennen lernen zu dürfen. Wieviel mehr kann man einem frei geborenen Menschen eigentlich nehmen.

Mag sein das es Frauen gibt, die in Vollverschleierung gehen wollen. Wie viele von ihnen haben die Fähigkeit verloren, ihr Gesicht unbeschwert in der Öffentlichkeit zu zeigen. Sie fühlen sich unsicher und finden sich nicht zurecht. Das zeigt wie brutal das System funktioniert. Der Gefangene kann die Zelle nicht mehr verlassen, der Vogel bleibt im Käfig, auch wenn die Tür offensteht.

Wir als Gesellschaft dürfen dem nicht schulterzuckend zusehen. Es ist beschämend zusehen, wie sich dieses System in Deutschland etabliert. Es sind nicht die anderen, weit weg. Es sind jetzt unsere Mitbürger. Wir dürfen dazu nicht schweigen und müssen etwas tun.

Unsere Rechtsordnung lässt ein generelles Verschleierungsverbot wohl nicht zu und das ist vielleicht auch gut so. Aber es können Grundlagen geschaffen werden, die es Behörden, Schulen, Asylheimen, Einkaufscentern, Sportvereinen etc. ermöglicht, eine Etikette des offenen Gesichtes einzufordern, ohne sich dem Vorwurf der Diskriminierung auszusetzen.

Die Einführung eines solchen „Grundlagen- Gesetzes“ sollte von einer öffentlichen Kampagne „Offenes Gesicht“ begleitet werden. An öffentlichen Einrichtungen, Behörden, bei Vereinen und auch in privaten Einrichtungen, wie Einkaufszentren, sollte ein freundliches Logo „offenes Gesicht“ an der Eingangstür aufgehängt werden das ausweißt das sich in diesem Gebäude Menschen mit einem offenen Gesicht begegnen. Vollverschleierung wird hier abgelehnt und nicht zugelassen.

Menschen die Ansprüche auf Asyl haben, aber der offenen Gesicht Etikette nicht folgen können, können nicht integriert werden. Sie sollten nicht in die Asylheime in unserer Mitte aufgenommen werden, sondern in reinen Schutzeinrichtungen unterkommen, in der Integration gar nicht erst angestrebt wird.

Es gilt zu verhindern, dass sich das System der Vollverschleierung in unserer Gesellschaft etabliert, unter dem viele Frauen werden leiden müssen und das gleichzeitig die Ablehnung der Burka in eine Ablehnung von Asylsuchenden führt, die unsere Fähigkeit Menschen in diese Gesellschaft zu integrieren beschädigt. So schaffen wir das nicht. – Matthias Schmidt


Zum Artikel „»Huhu, Prof, läuft das mit Hausarbeit?«“:

Frau Katharina Meyer-Eppendorf gehört genau zu der Generation, die wahrscheinlich von den Altvorderen der 68er, die zuhauf den Lehrerberuf ergriffen haben, um Ihre Ideologie schon den Kindern beizubringen. Das hatte alles Methode.

Auf Augenhöhe zwischen Lehrenden und Lernenden kann es gar nicht geben. Der Lehrende ist in einer Gesellschaft als Autorität anzusehen, der nicht als Freund oder guter Bekannter eingeschätzt werden sollte.

Das verbietet schon der Anstand -wenn man welchen hat. Aber der ist heute bei vielen jungen Menschen abhanden gekommen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten?“ von Elisabeth Raether und Iris Radisch:

Wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière lehne auch ich die Vollverschleierung persönlich ab. In der Frage, ob das Tragen der Burka und des Nikab verboten werden sollte, bin ich jedoch unentschieden. Was passiert nach einem Verbot? Werden Frauen, die vorher mit Vollschleier in der Öffentlichkeit zu sehen waren, in den Wohnungen verschwinden, weil ihre Männer ihnen den Ausgang verbieten?

Benötigen diese Frauen vielleicht Hilfsangebote, um wirklich den Schleier ablegen zu können? Die Zahl der vollverschleierten Frauen in Deutschland ist verglichen mit der Zahl der muslimischen Frauen in Deutschland gering. Wird es wie in Frankreich nach dem Burka-Verbot zu einer Solidarisierung mit islamistischen Positionen kommen und die Zahl der Burka-Trägerinnen zunehmen?

Islamwissenschaftlern zufolge, lässt sich aus dem Koran die Vollverschleierung für Frauen nicht eindeutig ableiten. Auch die Mehrheit der Muslime lehnt Burka und Nikab ab. Ich frage mich auch, worum es beim geforderten „Burka-Verbot“ eigentlich geht. Geht es nicht eher darum, wie man mit radikalen, fundamentalistischen Strömungen in einer freiheitlichen Gesellschaft umgehen will? Eine Frage, die nicht einfach zu beantworten ist, während ein Verbot schnell gefordert ist. – Dr. Nicole Hilbrandt


Zum Leitartikel „Die Nacht, in der Deutschland die Kontrolle verlor“:

Victor Orban hat seine Rolle, und/oder 2 Flüchtlinge, die in Griechenland mit einigen Tausend anderen losmarschiert sind, und die so das Flüchtlingschaos in Europa  ausgelöst haben, ebenso, die tieferen Ursachen aber sind andere.

Ein Blick ins „Zeitarchiv 2015“ genügt, um sich ein Bild zu machen. Schon im Januar  gab es den Bericht „Alexandria,Ägypten“ über eine gescheiterte Flucht im Mittelmeer, im Februar  den Artikel „Flüchtlinge, die Ware Mensch“, im März dann in dem Artikel „Hilfe, Flüchtlinge“ , dass Länder und Kommunen heillos überlastet sind.  Im April  ein Artikel über ein brennendes Flüchtlingsheim in Tröglitz und in  „Grenzen auf, Grenzen dicht“ über Beratungen der EU in Sachen Flüchtlinge. Auch noch im April der Bericht über die Seawatch „Vietnam liegt am Mittelmeer“.  Zum gleichen Thema im Mai „Retten mit Gewalt“ und „Global Player: Welt, Macht, Europa“.

Und im Juni mit „Überfordert“  ein Bericht über katastrophale Zustände in Flüchtlingslagern in Österreich. Im Juli dann verabschiedete sich die Bundesregierung wie jedes Jahr in die Sommerpause, während man fast täglich in den Medien die unsäglichen Bilder der laufenden Menschen sehen musste.

Und auch danach hatte sie das Thema offensichtlich noch immer nicht auf dem Bildschirm. Das beweisen die aufgelisteten Routinetermine am 4. September.

Die folgenden  Notmaßnahmen waren dann wohl tatsächlich alternativlos. Hätte die Politik sich allerdings rechtzeitig der Thematik angenommen, hätte es wahrscheinlich weitere Optionen gegeben und ganz sicher nicht den Zeitdruck des 4./5. September.

Ursache also ist, dass die Politik, wie leider viel zu oft,  erst dann aktiv wurde, als „die Hütte brannte“.

In diesem Fall brannte die Hütte schon lange, die Regierung aber hat angestrengt weggeschaut. –  Hendrik Takes


Zum Artikel „Die Ohnmacht“ des Titelthemas:

Sind Sie sicher, dass dieses Foto „In einem Bus wartende Flüchtlinge am Budapester Bahnhof auf der Abreise zur Grenze nach Österreich“ zeigt?

Ich sehe eine
– Straßenbahn?
– einen 48er Müllsack (Österreich)
– einen glatt rasierten Mann
– frisch lackierte Fußnägel der Dame
– sehr saubere Füße eines Kindes …

Meines Wissens war es den „Flüchtlingen“ erstmals in Wien möglich umfassende Körperpflege zu betreiben, durch Öffnung von Schulen und Unterstützung zahlreicher Privathaushalte. – Andrea Maenle


Leserbrief zu „Die Nacht in der Deutschland die Kontrolle verlor.“:

Danke für Ihre Recherchen! Sie erinnern daran, warum Deutschland (und Österreich) im vergangenen Sommer human handelte und die Grenzen öffnete. Leider ist das heute bereits alles wieder vergessen. Eine kalte Hartherzigkeit hat sich erneut über das Land gelegt. Möglicherweise auch eine Hasskappe. Die Erde dreht sich weiter. Aleppo stirbt. – Peter Wolfgang Hendl


Zur Frage „Darf man die Burka verbieten?“:

Es ist schade, dass sich die ZEIT tatsächlich auf eine Diskussion um ein Burka-Verbot einlässt und völlig ignoriert, was eigentlich hinter dem Vorschlag der CDU-Innenminister steckt: nämlich der Reflex, eine komplizierte Situation so zu vereinfachen, dass sie lösbar erscheint und damit die Gelegenheit gibt, sich als Handelnde zu profilieren.

Die Situation ist doch die, dass aus völlig unterschiedlichen Motiven Menschen, die vorher allenfalls kleine Kriminelle waren wie der Attentäter von Nizza, ganz plötzlich Gewalttaten verübt haben, die nicht vorhersehbar und verhinderbar waren:

Mit Islamismus haben die Motive kaum zu tun: Da ist die Homophobie eines vielleicht versteckten Schwulen (Orlando), der soziale Frust eines Zukurzgekommenen (Nizza) oder der latente Rechtsextremismus eines Menschen mit iranischen Wurzeln, der es vermutlich hasste, ständig mit Arabern und Türken in einen Topf geworfen zu werden,  und darum einen tödlichen Hass auf sie entwickelte (München). Allenfalls Ansbach und Würzburg können als dschihadistische Attentate durchgehen, wobei im Falle des Würzburger Jugendlichen Zweifel angebracht sind und hier wohl eher traumatische Erlebnisse vor und während der Flucht als Ursachen vermutet werden müssen.

Die Innenminister haben diese ganze Serie als „islamistische Gewalt“ abgespeichert und offenbaren somit einen erschreckenden Mangel an Professionalität und Souveränität.

Deshalb sei ihnen hier noch einmal gesagt: die größte Verunsicherung der Bevölkerung entsteht nicht dadurch, dass Gewalttaten passieren, sondern dadurch, dass die  Politiker durch ständig neue Gesezte den Eindruck erwecken, dass unsere Institutionen schwach und nicht krisenfest sind. Den Vertrauensverlust, der durch so eine Haltung entsteht, lässt sich auch durch schärfste Überwachungs- und Sicherheitsgesetze nicht wieder herstellen.

Und was das Recht einer Gesellschaft betrifft, Rückständigkeit zu sanktionieren, wie es Frau Radisch postuliert, so kann ich nur sagen: ein solches Recht kennt das Grundgesetz nicht. Und wenn, dann fallen mir viel mehr „Rückständige“ ein, die viel bedrohlicher sind, als voll-verschleierte Frauen. – Dr. Dirk Kerber


Zum Politik-Teil:

Auf vielen Seiten zeichnet die ZEIT die Ereignisse des „Flüchtlingssommers“ 2015 nach. Warum, frage ich mich? Hat denn damals denn ein Epochenwandel stattgefunden, der das Bedürfnis erklären würde, zu verstehen, wie es dazu kam?

Nein! Deutschland hat im Jahr 2015 erheblich mehr Flüchtlinge aufgenommen als zuvor und danach. Aber das war’s auch schon! Weder hat sich an den Fluchtursachen etwas geändert, noch am dysfunktionalen Dublin-System, das dafür sorgt, dass Flüchtlinge in den Randstaaten der EU hängenbleiben. Hinzugekommen ist hier nur die Türkei als zusätzlicher Puffer-Staat, der sehr effektiv den europäischen Türsteher gibt.

Es mag sein, dass es keine bessere Lösung gab – es ist aber auch kein Grund, eine historische Ausnahmesituation zu einer epochalen Zäsur hochzujazzen, wie es die ZEIT durch ihren mono-thematischen Politikteil offenbar suggerieren möchte. – Dr. Dirk Kerber


Zu Ihrer Dokumentation „Drei Tage im September 2015“:

Obwohl noch nicht einmal die Hälfte der Asylbewerber seit September 2015 aus Syrien stammt, hat sich die Politik zum Zwecke der Beschwichtigung auf ein Flüchtlingsnarrativ verständigt, das nahezu ausschließlich von syrischen Schutzsuchenden handelt. Es gibt sie ja, die syrischen Familien, die vor dem Terror in ihrem Heimatland geflohen sind, genauso wie vornehmlich Männer aus dem Maghreb, Afghanistan oder Albanien, die – wer will es Ihnen verdenken – ihr Glück in Deutschland suchen. Und ja, es gibt offensichtlich auch einige wenige frustrierte männliche Wirrköpfe, die aus dem arabisch-muslimischen Kulturraum zu uns gekommen sind und zu einer Gefahr für unser Gemeinwesen werden können. Ein Ausblenden dieser Tatsachen spielt nur dem xenophoben Rechtspopulismus in die Hände. –
Dr. Bernhard Neff


Leserbrief zur Grafik der Nationalhymne:

Ich hatte mich sehr gefreut über die Kopie der Handschrift von v. Fallersleben. Ich bin aber nicht einverstanden mit der Kommentierung im Begleittext.  Er enthält Fehler, die für einen gebildeten Deutschen direkt peinlich sind:

Linke Spalte

Absatz 3

Die Maas floss weder im Jahr 1841 noch 2016 irgendwo durch Deutschland oder deutschsprachiges Gebiet, weder größten- noch kleinstenteils.

Mittlere Spalte

Absatz 2

Mit welcher Logik wird  wird die Memel als litauischer Fluss bezeichnet? 1841 floss sie im Unterlauf seit über 500 Jahren durch Deutschland bzw. die analogen Staatsgebilde, mit zunehmender deutscher Bevölkerung sowie litauischen Bürgern und Bewohnern anderer Nationalität. Weiter flussaufwärts  war die Memel Grenzfluss zwischen Polen und Russland und schließlich entsprang sie in Russland. 2016 liegt nur der Unterlauf in Litauen, Mittellauf und Quelle liegen in Weißrussland.

Darüber hinaus frönt der Autor einer modischen journalistischen Seuche: Er vergegenwärtigt ohne Not die Vergangenheit und nimmt damit dem Deutschen einen Teil seiner Kraft und Klarheit und Eindeutigkeit. Ein Beispiel von mir: „als er dann endlich anfangen kann zu schreiben …“. Damit meinen viele Autoren keineswegs, dass jetzt / heute ein Autor endlich zu Potte kommt, sondern dass er gestern oder vor 100 Jahren begonnen hat zu schreiben. Solch eine Satzbildung provoziert also durch die plumpe Vereinfachung eine sachlich falsche Erkenntnis. Es kommt dann viel mehr auf die Interpretation des Adressaten an als auf die Aussage des Senders. Wenn in dieser Art jede Aussage durch die Sprachform in die Gegenwart gezogen wird, erscheint die Vergangenheit  flüchtiger, veränderbarer, unwichtiger. Es gibt noch weiterreichende Folgen: in jedem einzelnen Autor und in jedem Leser wird der Aufbau eines geistigen Rasters über die Abläufe in der Vergangenheit erschwert. Darüber hinaus verarmt die Sprache, ein Teil der Vielfalt,  des Klanges und der Differenziertheit gehen verloren.

Unerfreulich liest sich daher der Satz in

linke Spalte

Absatz 2:

Die Maas fließt auch damals größtenteils durch Frankreich und Belgien …

Völlig verwirrend und historisch fragwürdig ist der Satz:

Der Belt … liegt im damaligen Herzogtum Schleswig, dort gibt es deutschsprachige Einwohner.

Es ist eine dumme Vereinfachung der Sprache, vielleicht, weil es alle machen, vielleicht, weil es ein Amerikanismus ist, vielleicht, weil man damit das Interesse des Lesers besser erregen kann, vielleicht, weil man sich von der Verkaufbarkeit seiner Nachrichten korrumpieren lässt. Man benutzt einen billigen fast unterschwelligen Effekt, bezahlt aber teuer mit einer Verschlechterung unseres Deutsch.

Die ZEIT hat unzweifelhaft eine gesellschaftliche Wirkung und ist sich gewiss auch ihrer Verantwortung als Printmedium für die Entwicklung der deutschen Sprache bewusst. Ich würde mir wünschen, dass die ZEIT und ihre Journalistenschule den Gebrauch dieser Unsitte diskutiert.

Ansonsten: Dank allen Mitarbeitern, ich lese die Zeit jede Woche wieder gern und mit Gewinn.  – Margrit Kischkat


Zum Artikel von Marc Widmann „Fahnenflucht auf hoher See“:

Gerade komme ich von einer Kreuzfahrt von Island/Grönland zurück. Mit großem Interesse habe ich den Bericht über die Gehälter der Angestellten auf den Schiffen gelesen.

Es ist auch während unserer Kreuzfahrt unter den Passagieren ein Thema gewesen. Die Touristen nehmen wahr, wie die Gehaltsstruktur auf den Schiffen ist und es ist ihnen nicht gleichgültig.

Leider habe ich mich vor Beginn meiner Reise nur für die Route interessiert, nicht für das Schiff. Das ist ein großer Fehler gewesen.

Die MS Ocean Majesty ist von Hansa-Touristik, Stuttgart,  gechartert. Es ist ein griechisches Schiff Baujahr 1965/1966. Läuft unter portugiesischer Flagge.

Dieses Schiff hat so viele technische Mängel, dass ein Passagier anmerkte. „Dieses Schiff kann man nur noch versenken“.

Dazu drei Bespiele: Es gibt keine moderne Klima-Anlage, nur eine Art Absauganlage, die nicht ausreichend ist und dafür gesorgt hat, dass über die Hälfte von 450 Passagieren eine starke Bronchitis bekamen. Die Kabinen sind nicht beheizbar. In Grönland froren die Gäste der Außenkabinen. Man stellte ihnen Heizlüfter zur Verfügung. Das ist auf Schiffen wegen Brandgefahr verboten. Die Decken sind nur ca. 2 m hoch, auch im Theater die sog. Bühne. War da ein Ballett zugange, hielten wir immer die Luft an, ob nicht einer der Scheinwerfer berührt wurde und auf die Akteure herabstürzt.

Wenn  mir die Behörde bekannt wäre, die dieses Schiff aus dem Verkehr ziehen kann, ich würde sofort aktiv werden. Die Reise nach Grönland ist für 2017 wieder im Prospekt von Hansa Touristik. – Brita Link


Zum Titelthema:

Es war interessant zu lesen, was Sie bei Ihren Recherchen an Details herausgefunden haben. Um aber die Geschehnisse dieser Tage zu verstehen und die Handelnden besser beurteilen zu können ist diese Betrachtungsweise völlig unzureichend.

Die am 4. September 2015 entstandene Situation war nicht plötzlich da, sondern sie entwickelte sich und die Verantwortlichen in der Regierung der BRD wurden bereits ein Jahr früher im Herbst 2014 und im Frühjahr 2015 über das was auf sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zukommt vorinformiert. Es interessierte nur niemanden besonders.

Die UNHCR informierte die Regierung der BRD im Herbst 2014 darüber, dass die Geldmittel für die Flüchtlingscamps in der Türkei, Jordanien usw. stark zurückgehen und in der Folge damit gerechnet werden muss, dass Flüchtlinge die Lager verlassen. Dies interessierte zu diesem Zeitpunkt in der Regierung der BRD wohl kaum jemanden, denn sonst hätte man bereits zum damaligen Zeitpunkt andere Schritte eingeleitet.

Mit den Möglichkeiten die Ihnen zur Verfügung stehen müsste es ein Leichtes sein, den Sachverhalt zur damaligen Zeit zu erhellen und die Untätigkeit der Kanzlerin aufzuzeigen.

Diese Untätigeit setzt sich auch im Frühjahr und Sommer 2015 fort und somit kann nicht gesagt werden, dass die Kanzlerin plötzlich vor einem nicht mehr zu lösenden Problem stand. Es muss gesagt werden, dass die Untätigkeit der Kanzlerin genau zu diesem Sachverhalt geführt hat und damit trägt sie die Hauptverantwortung für die Sache.

Vielleicht können Sie in einem der nächsten Artikel diesen Sachverhalt aufgreifen und trauen sich auch ihn zu veröffentlichen. – Rudolf Höfling


Zur Titelschlagzeile:

Seit vielen Jahren bin ich Zeit-Leserin.  Aber heute muss ich mich bei Ihnen über die Titelseite „Die Nach in der Deutschland die Kontrolle verlor“ der Ausgabe vom 18. August 2016 beschweren.

 Diese polemisierende, angst- und hassschürende Titelzeile ist der „Zeit“ unwürdig und ich bin mit nicht sicher, ob ich die dazugehörigen Artikel überhaupt lesen will. Auch die Unterzeile macht es nicht besser.

 Wir – bzw. Angela Merkel – hat am 4. September 2015 nicht die Kontrolle verloren, sondern Menschlichkeit bewiesen. Wie das Ganze aus geht ist noch offen und liegt an uns allen.

 Aber ich möchte so angstschürende und wenig objektive Schlagzeilen nicht in der „Zeit“ lesen. Diese erwartet man so eher in der Bild oder in Medien, die weit rechts stehen.

 Bitte überdenken Sie in Zukunft derartige wenig sachliche Titelseiten, denn Besonnenheit steht in unserer Zeit nicht nur der Kanzlerin gut an, sondern auch unseren Medien, vor allem den intelligenteren Medien, zu denen sich die „Zeit“ sicherlich zählen möchte. – Nicole Dietrich


Zum Artikel „Gefäße unter Stress“ im Medizin-Teil:

Sehr geehrte Damen und Herren, unter „Medizin“ entdeckte ich einen Satz, den ich nicht verstehe:

„Alkohol sollten Menschen mit Hypertonie nur moderat trinken, Zigaretten am besten garnicht“. Können Sie das verstehen? –  Ulrich Bratfisch


Leserbrief zur Lidl-Werbung:

Game over – Mit einer ganzseitigen Anzeige in der „Zeit“ wirbt Lidl am 18.8 2016 unter der Überschrift „Gen Over“ für Frischmilch ohne Gentechnik zu einem Schnäppchenpreis von 42 Cent. Der Handel suggeriert damit dem Konsumenten als ginge beides: Hochwertige Lebensmittel, die mehr als die gesetzlichen Standards erfüllen zu Schnäppchenpreisen im Angebot. Mit Nachhaltigkeit hat dieser Weg nichts mehr zu tun. Denn für viele Milchviehhalter und bäuerliche Familienbetriebe heißt es damit: Game over. Das Spiel ist aus. Ob sich Lidl mit seinem Werbeslogan „ Auf dem Weg nach Morgen“ dieser endgültigen Auswirkungen bewusst ist? Wann werden sich die mit Tierschutz, Umweltschutz und Nachhaltigkeit werbenden Handelsketten um den Schutz der bäuerlichen Familienbetriebe kümmern, die an 365 Tagen im Jahr 2 mal täglich ihre Kühe melken? Hat Lidl ein Konzept für die nachhaltige Nutzung aufgegebener Kuhställe und neue Arbeitsplätze für die Bauern im Land? Die Landfrauen und Bauern in Schleswig-Holstein erwarten dringend überzeugende Antworten von den großen Handelsketten. – Anette Röttger


Zur Diskussion über ein Burkaverbot:

Es geht in Sachen Burka nicht um Frauenrechte. Es geht um unsere deutsche Kultur. Die Kultur ist kein Fixpunkt. Nein,sie entwickelt sich durch unsere volksansichten. Zu meiner Kindheit vor 75 Jahren haben auf dem Land fast alle Frauen ein Kopftuch getragen. diese Zeiten sind aber in Deutschland vorbei.Daher ist es geboten, dass sich die Einwanderer nach unserer Kultur und Sitten richten. Also weg mit jeder Art von Verschleierung, die von den Männern-nicht von den Frauen- verlangt werden.

Hierzu nur ein Beispiel aus meiner Dienstzeit: Es hat sich eine Frau mit Kopftuch bei mir beworben. Ich fragte sie, ob sie heute ihre Haare nicht gewaschen hätte. “Nein, ich bin Muslima. Ich muss ein Kopftuch tragen. Das steht im Koran.” “Da haben sie den Koran noch nicht gelesen”, antwortete ich. “Aber mein Vater, mein Bruder und mein Cousin haben gesagt, dass das im Koran stehe”. “Und ihr dummen Weiber glaubt das, was euch eure Männer sagen, ohne euch zu vergewissern”, antwortete ich.

Einige Tage später traf ich diese Frau wieder. Sie trug kein Kopftuch mehr. – Dietmar Deckelmann


Zu der Frage „Darf man die Burka verbieten?“:

Diese Frage ist doch nicht neu. Europa hat fast 2.800 Jahre unter der orientalischen Angst vor dem „unehelichen Kind“ gelitten. Das ist im Kern der wahre Grund für diesen Verhüllungswahnsinn, denn er ist ein wichtiger Bestandteil der alten Familienreligion, er soll die Frau vor der sakralen Verschmutzung durch einen Männerblick schützen, darum die totale Verhüllung der Frau incl. Handschuhe,  woraus die Weigerung orientalischer Männer stammt einer Frau die Hand zu geben.

Erst mit der Heirat und ihren drei Akten: traditio, deductio in domum, confarreatio wurde dies für einen Mann möglich. Dieser Mann war ihr Ehemann. Nun war Sie,  die sexuell unberührte,  mit ihrem Gatten und der gesamten Familie in der religiösen Gemeinschaft mit den häuslichen Göttern,  den Genien ( arabisch die Dschinn,  al-ginn ). Diese Hausfrau, eine orientalische Erfindung aus dem sehr fernen Altertum, war im Hause frei, in der Außenwelt aber durfte sie nicht gesehen werden was die Vollverschleierung auch verhinderte.

Sie war eine häusliche Priesterin der Totenreligion ( gemeinsame Mahlzeiten mit den Toten an deren Gräbern,  lautes Geschrei und Wehklagen der Frauen usw. ) . Viele Relikte dieser in Europa vorab fremden Religion wurden erst spät beseitigt,  wie zum Beispiel die rechtliche Ungleichstellung zwischen ehelichen und unehelichen Kindern zum 1. Juli 1970. Ohne das Christentum mit seiner Übernahme der alt-orientalischen Sitten und Vorstellungen, inkl. Verhüllung und Musikverbot hätten wir nicht bis 1970 warten müssen. Dann wären diese alt-orientalischen Vorstellungen längst vergessen. So aber erinnern die Vollverschleierung, das Kopftuch,  die Haube (unter die Haube kommen) und der Hut auch heute noch an diese alte Religion der Ahnenanrufung.

Wer gerne wieder den Artikel 40 der assyrischen Gesetzgebung ( Irak ca. 1.350 vor Chr.) in Deutschland einführen möchte sollte auch in seinem Beitrag so aufrichtig sein und es erwähnen,  statt sich hinter einem Recht zu verstecken das für alle gilt, die hier leben. – Anonym


Leserbrief zu „Darf man die Burka verbieten? “:

Sie machen wütend, diese naiven, timiden Verharmlosungen  weiblicher Verhüllungen der Islamisten. Erfrischend dagegen der zornige Blick von Iris Radisch auf die radikal-islamische  Realität, auf den Anspruch, die Hälfte der Menschheit unter dem Vorwand von Religion unterdrücken zu dürfen. Lassen wir uns nicht dadurch  irritieren, dass einige erfolgreich indoktrinierte Verschleierte die eigene Unterwerfung unter diese Macho-Kultur als freiwilliges Praktizieren einer Religion missverstehen.  Die allermeisten Betroffenen haben keine Chance, sich diesem Zwang zu entziehen.  Es spielt keine Rolle, dass Burkas u. CO. bislang (!) erst selten in unseren Straßen zu beobachten sind, wir sollten das Selbstbewusstsein haben, zu unseren Werten zu stehen.

Jedenfalls wäre es  fatal, wenn die AfD die einzige Partei wäre, die  sich weigert, diesen menschenverachtenden ‚ mittelalterlichen Fanatismus in unserer Gesellschaft zu tolerieren. – Dr. Wolfgang Salzert


Zum Titelthema:

Gestern habe ich mich wieder einmal auf die neue ZEIT-Ausgabe vom 18.8.2016 gefreut. Interessante Artikel, Hintergrundinformationen und Inspirationen, vielen Dank.

ENTTÄUSCHT war ich jedoch, dass mit keinem Wort der 80. Geburtstag von Robert Redford erwähnt war, der genau auf dieses Datum fiel. Ein Schauspieler, der abgesehen von einigen späten Blockbustern auch tolle sozialkritische Filme gemacht hat wie „Die Unbestechlichen“, „Der elektrische Reiter“, „Milagro“ und viele unvergessene Filmfiguren verkörpert wie Sundance Kid und Der große Gatsby. Nicht zu vergessen, dass er auch Begründer des Sundance Filmfestivals ist, das nach wie vor als die Plattform für den internationalen unabhängigen Film gilt. Eine Würdigung seiner Person wäre meiner Meinung nach durchaus berechtigt gewesen. – Jacqueline Schaffrath


Zum Titelthema:

Ich habe gerade Ihre – sehr verdienstvolle, sehr interessante – Rekonstruktion des „Kontrollverlusts“ im September letzten Jahres im Zuge der „Flüchtlingskrise“ gelesen. Es ist als hätte man den ersten Akt eines Politdramas gesehen: Jetzt will jeder wissen, wie es weitergeht. Warum haben die Balkanstaaten es irgendwann auf sich genommen, die Route zu schließen und hatte die Bundesregierung daran einen Anteil? Warum hat die Bundesregierung sie dafür kritisiert – wenn doch ursprünglich nur an die Aufnahme von vielleicht 7000 gedacht war? Oder hat die Bundesregierung mit „verstärkten Zurückweisungen“ an der Grenze – die in den Medien allenfalls am Rande Erwähnung fanden – selber die entscheidenden Gründe für einen „Dominoeffekt“ bei der Schließung der Grenzen auf dem Balkan geliefert? Welche Flüchtlinge sind dabei überhaupt zurückgewiesen worden, wie wurde das gerechtfertigt und warum wurde diese Maßnahme erst im Dezember ergriffen? Und wie passt diese Linie zur offiziellen Kritik der Bundesregierung an der Schließung der Balkanroute? Eine Fortsetzung Ihres Politdramas, die all diese Fragen beantwortet, würden sicher viele Leser hochspannend finden. – Axel Conrads


Leserbrief zum Titelthema:

Quo vadis, Zeit??
Die Überschrift der Titelgeschichte und vor allem die Unterzeile (im 2. Teil ohne jedes Fragezeichen!) sind allein von der Machart her überaus niveauarm und reißerisch.

Also:
Wohin wollen Sie mit der Zeit – ab ins rechte Spektrum – ? Unter Frau Dönhoff, Herrn Sommer und Herrn Schmidt wäre eine solche Titelzeile nicht möglich gewesen.

Und noch eins:
Am Erscheinungstag dieser Zeitausgabe (18.8.) wird Robert Redford 80 Jahre alt, einer der größten Schauspieler, Regisseure und Festivalbegründer aller Zeiten. Und – im Gegensatz zu allen anderen Publikationsorganen – findet sich in der Zeit keine Silbe dazu (dafür ein langes Interview mit den – wohl bedeutenderen –  Kessler-Zwillingen zum selben Anlass!). Oder kam sein Geburtstag so überraschend („plötzlich und unerwartet…“)?? – Hans-Jürgen Mahnkopf


Zur Frage „Darf man die Burka verbieten?“:

Gegen wen würde sich ein Burka-Verbot eigentlich richten? Doch nicht etwa gegen ihre Trägerin?  Da müsste man dann doch wohl auf den altlateinischen Spruch zurückgreifen :Qui asinum non potest, stratum caedit (»Wer den Esel nicht [schlagen] kann, schlägt den Packsattel«).

Nur wer ist hier der Esel?

Elisabeth Raether nennt ihn wenigstens andeutungsweise beim Namen, wenn sie bezweifelt, dass der Ehemann, der „seiner Frau zuvor das Tuch über den Kopf gezwungen hat“, sich über die Befreiung seiner Frau davon „freuen“ würde.  Schließlich ist es eben dieser, der die textile Verhüllung seiner  Frau (und/oder Tochter)  beim Verlassen der häuslichen Wohnung mit den vermeintlichen Bekleidungsvorschriften des  Korans aus dem 7.Jahrhundert ( Suren 24 Nr.31 und 33 Nr.59) rechtfertigt.

Wenn dieser Gatte – oder allgemeiner der fundamentalistisch geprägte muslimische Mann – sich mit seiner Verfügungsmacht über die Frau auch noch im 21. Jahrhundert und dazu in einem völlig anderen Zivilisations- und Kulturkreis auf seine Rolle als Wächter über die anti-emanzipatorischen  Vorgaben seines ‚alten Testaments‘ beruft , so werden wir es auch mit jemandem zu tun haben, der sich auch auf die Koran-Sure 4 Nr.38 für seinen sonstigen Umgang mit (s)einer Frau beruft: „Die Männer sind den Weibern überlegen…Die rechtschaffenen Frauen sind gehorsam… Diejenigen aber, für deren Widerspenstigkeit ihr fürchtet – warnet sie, verbannet sie in die Schlafgemächer und schlagt sie…“

So gesehen ist die Zielgruppe für die Adressierung von Bemühungen, muslimische Mitbürger in unsere westliche Gesellschaft zu integrieren einschließlich eines Burka-Verbots wohl weniger die traditionsbelastete muslimische Frau als der sie nach wie vor dominierende sprich unterdrückende (Ehe-)Mann. – Heiner Kuse


Leserbrief zum Artikel „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Es geht um den Artikel „Rosa?“ von Emilia Smechowski. Kurz zu meiner Person: Ich bin Witwe, 66 Jahre alt, seit 01.03.2015 in Rente, keine Kinder. Mit diesem Artikel gehe ich vollinhaltlich einig. Mein Mann war 23 Jahre älter als ich – wir haben uns bewußt gegen Kinder entschieden. Die Erde ist heute schon überbevölkert. Aber das ist nicht das Thema.

Schon seit Jahren stelle ich fest, dass gerade junge Mädchen rückwärts gewandt orientiert sind. Das ist erschreckend und ich begreife es nicht – wir sind doch im Jahre 2016. Augenscheinlich waren die langen Kämpfe um Gleichberechtigung, die immer noch nicht völlig erreicht ist, wirkungslos. Meines Erachtens liegt das auch an der schulischen Bildung bzw. Nichtbildung.

Ich finde es mutig, was Sie getan haben. Ich kenne nur eine weitere Frau, die dies auch getan hat und ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Angesichts der heutigen Probleme kann ich sagen, dass ich froh bin, so alt zu sein. Ich habe keine große Hoffnung für die Zukunft.

Ich wünsche Ihnen und Ihrem kleinen Tiger viel Durchhaltevermögen und Kraft. Das werden Sie brauchen, wenn der kleine Tiger älter wird. – Undine Mix-Falter


Zum Artikel „Nie wieder Billigsprit“ von Mark Schieritz:

Zunächst: eine platte grüne Forderung nach 5 Mark pro Liter Benzin hat es nicht gegeben, da hilft auch die ständige Wiederholung nicht.

Wer die geringe Anzahl von Elektroautos beklagt (die übrigens bei weitem nicht alle mit Ökostrom fahren), sollte sich auch über weitere Konsequenzen Gedanken machen. Der Entwurf des Klimaschutzplanes der Bundesregierung führt aus, „dass bis ca. 2050 der Stromverbrauch (…) um etwa 200-250 TWh über dem heutigen Niveau liegen wird.“ Das ist nach meiner Rechnung eine Erhöhung um ca. 50 Prozent und somit völlig unrealistisch. Man fragt sich, ob das ernst gemeint ist.

Wir brauchen völlig neue Mobilitätskonzepte und weniger Individualverkehr, da helfen E-Autos nur zum Teil. – Heiko Reinhold


Leserbrief zu „Achtung, hier spricht die Polizei“ von Henning Sussebach:

Medien   sollten   viel   häufiger  Hintergrundwissen   zu  Berufen   vermitteln. Man hat   dann   sicher   mehr   Verständnis   für  berufliche   Tätigkeiten, sieht   die damit verbundenen Probleme   und   Belastungen.   Dies   gilt   vor   allem   für   Berufe,   die  sich   nicht   immer   allgemeiner   Beliebtheit   erfreuen,   wie   etwa  die   der   Polizei.   So   mancher   beurteilt   sie  oft   nur   unter   dem   Aspekt   der   Kontrolle   und   damit   verbundener   Sanktionen, sieht  seltener   den   der   Sicherheit  und   öffentlichen   Ordnung. Diese   Einstellung   hat   sich   wohl   bei   vielen   Bürgern verändert. „In   Zeiten   von   Amokläufen   und   Terroranschlägen  entdeckt     die   Gesellschaft  ihre   Liebe   zur   Polizei,“   heißt   es   so   treffend  im   Untertitel. Schön,  dass   man   in   diesem  Artikel   etliche   Polizeibeamte   zu   Wort   kommen   lässt   und   dadurch   der   Laie  eine   bessere   Vorstellung   von   dem   breiten   Spektrum   ihrer  häufig  gefährlichen   Aufgaben  bekommt ! – Gabriele   Gottbrath


Leserbrief zur LIDL – Werbung „GEN OVER“:

Unter der Überschrift „GEN OVER“ bietet das Handelsunternehmen LIDL auf grünem Hintergrund frische fettarme Milch ohne Gentechnik für 42 Cent je Liter an. Hier wird eine heile Bauernwelt im Sonderangebot vermarktet.

Doch welche Bauernwelt stellt sich LIDL unter seinem Motto „Auf dem Weg nach morgen vor“? Für diesen Milchpreis im Laden kann kein Landwirt dauerhaft Milch erzeugen. Die Milchviehhaltung wird sich in immer größer werdenden Kuhherden auf wenige Gunststandorte konzentrieren. Futter, Stallmist und Gülle müssen über weite Entfernungen transportiert werden. Weidende Milchkühe werden die Ausnahme sein. Ist das im Sinne von Politik und Verbrauchern? Nachhaltigkeit sieht anders aus!
Mit der Marktoffensive „Ohne Gentechnik“ stellt sich LIDL als erster Händler mit bundesweitem Angebot an eigenen Milchprodukten vor.

Lediglich das zur Proteinergänzung in der Milchviehfütterung eingesetzte Sojaschrot ist gentechnisch verändert und stammt aus den USA, Brasilien oder Argentinien.

Die vor Ort wachsenden Futtermittel für Milchkühe wie Gras, Mais, Getreide und Raps sind dagegen frei von gentechnisch veränderten Organismen und machen 95% der täglichen Ration aus.
Sollte Sojaschrot ausschließlich durch heimisches Rapsschrot ersetzt werden, würden die jährlichen Erntemengen nicht ausreichen.

Die Werbeaussage „Ohne Gentechnik“ ist populistisch.  Ängste und Verunsicherungen sollen den Konsumenten genommen werden.

Doch was sagt LIDL zu Erzeugnissen aus der Schweine- oder Geflügelhaltung. Beide Tiergattungen haben im Gegensatz zu den Wiederkäuern nur einen Magen und sind auf hochwertiges Protein in Form von Sojaschrot angewiesen. –  Wolfgang Behrendt


Zum Artikel „Nie wieder Billigsprit“ von Mark Schieritz:

Der SPD – Vorsitzende Herr Gabriel, sollte den Spruch von Voltaire bedenken. Alles was du sagst sollte wahr sein, aber nicht alles was wahr ist solltest du auch sagen.  – Gerhard Knaak


Zum Artikel „Rosa ist scheiße“ von Emilia Smechowski:

Ihr Artikel „… Rosa ? … Es ist eine Rollenerwartung.“ ist m.E. überflüssig. – Kleidungsfarben können keine Rollenerwartung sein. Eine Frau und Mutter kann keine „Rolle erfüllen“, sondern sie kann ihre Zeit dem Wesentlichen im Leben widmen. Wenn Sie aber einem Mädchen ein Lkw-Body anziehen, dann manipulieren Sie in Richtung Gender-Mainstreaming. Gleichmachung von Mann und Frau. Möglichst alle erwachsenen Menschen sollen erwerbsarbeiten und konsumieren. Ist das Freiheit ?? Es geht doch wieder nur um mehr Geld und mehr Macht. – Sind die Folgen für Kinderseelen, Familie und Umwelt verantwortbar ? Ist die jederzeit verfügbare liebevolle Zeit der Mütter (notfalls Väter) für Kinder und Familie ersetzbar ? – Außerdem : Die globalen ungeheuerlichen Folgen des Überfluss/Luxus-Konsums und der Überfluss/Luxus-Mobilität für Umwelt-Tier-Mensch sind allgemein bekannt und keinesfalls verantwortbar. Warum lernen wir nicht von Sokrates : „Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf“ ! – Annick und Volker Freiesleben


Zum Titelthema:

… nicht Kontrolle, Vernunft und Verantwortung für eigenes Land verloren

Die im September letzten Jahren seinen Höhepunkt erreichte Flüchtlingehysterie und einen absurden Ausbruch sogenannten Willkommenskultur – im Lande wo eine Kommunikation mit Fremden in sich fast zum schlechten Ton propagiert ist  – ist ein klare Zeichnung der Absage der Staatlichkeit und Degradation von etablierten Parteien in Deutschland. Es besteht keine gesetzliche Grundlage, kein wirtschaftlicher Bedarf und wenig „humanitäre Verantwortung“ für den Zuzug – und das für einen unklaren Zeitraum – von Millionen von dazu angeblich willenden Wessen aus fernen kulturell völlig fremden Ländern. Der misslungenen Versuch türkische Mitbewohne zu domestizieren wird dabei kaum berücksichtigt.

Wenn das Ziel solcher Abenteuer den einmaligen zivilisatorischen Kraft und vorbildliche Attraktivität Deutschland als Kern mitteleuropäischen Zivilisation ins quasi Vorort Kabul umzuwandeln, ist das bereits erreicht und zwar am e.g. am Münchener Bahnhof oder im Zentrum von Karlsruhe. Wenn das Ziel gewesen Fremden „zu helfen“, ein Gegeneffekt ist kaum zu bremsen: den Reizeffekt des  „Drangs nach Deutschland mit allen Mittel“ ist kaum zu stoppen, den Herkunftslande fehlen Leute, die in Deutschland und Europa sich nie integrieren können und werden.

In eine Nacht und ganz still soll die Regierung, die geringste Verantwortung für eigenes Land hat, man diese Misere einzustellen und danach eine zwangsläufige Aufklärung dieser jüngsten Zeit, wie die letzte deutsche Umnachtung von 1933-1945 sehr sorgfältig analysieren. Die Diagnose bleibt leider ähnlich: Sehnsucht nach und Leichtigkeit der Indoktrinierung, diesmal von lokalen Alternativ-Grünen Postulaten. Wenn es nicht idealistisch wäre, würde man diesem Lande eine schnelle Genese wünschen. – Dr. Wassily Petrov


Beitrag zur Olympiade in Rio:

Die Olympiade war ein fairer Wettbewerb, bei der alle Athletinnen und Athleten die gleichen Chancen hatten, im Hinblick die Geräte, Boote, Sportbekleidung und Schuhe, Waffen oder Pferde, und gleiche Sportförderung. Alle bekamen von Organisationen wie Polizei, Militär usw. ihren Lebensunterhalt, sodass sie sich voll aufs Training konzentrieren konnten, und gleiche Bedingungen im Hinblick auf die Trainingsstätten, qualifizierte Trainer und die gesundheitliche Betreuung im Sport, Ärzte, Physiologen, Krankengymnasten, Medikamente usw. Oder war es doch nicht so? Ja, was sind dann diese Medaillen eigentlich wert? – Frank Becher


Leserbrief zur Olympiade in Rio:

Olympia mit vielen Fragezeichen – Ich war „olympiakrank“, bin jedoch inzwischen wieder geheilt. Als suchtverdächtiger Sportfan war ich intensiver Fernbeobachter der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Ich habe dabei viele freudige Momente durchlebt. So beispielsweise als Fabian Hambüchen „sein Reck-Gold“ holte, das attraktive Spiel im Sand von Laura Ludwig und Kira Walkenhorst, unsere Vielseitigkeits- und Dressurreiter, Ruderer und Kanuten, und natürlich unsere beiden Fußballteams. Auch der Überraschungssieg von Christoph Harting – im so turbulenten 6. und letzten Durchgang erworfen – versetzte mich in Begeisterung. Und als der Disko-Hüne auf dem Siegerpodest ein Tänzchen versuchte – was soll’s, lustig war es allemal.

Natürlich gab es auch sehr Fragwürdiges zu sehen. Zum Beispiel die so übertriebene Jagd bestimmter Länder nach Medaillen, mit einem täglich aktualisierten, für mich fragwürdigen Länder-Medaillenspiegel. Nicht die gewonnenen Medaillen sollten den Wert einer Olympiade bestimmen, sondern das faire Verhalten der Athleten im Wettkampf miteinander. Und natürlich das ungelöste Doping-Problem. Nicht nur in Russland wurde und wird gedopt, leider auch in anderen Ländern. Ich meine, im Vorfeld einer Olympiade müssten alle Athleten, vor allem der dopingverdächtigen Sportarten, eine festgelegte Zahl von negativen Dopingproben nachweisen können. Und wer einmal gedopt hat, sollte für immer ausgeschlossen bleiben. Lässt sich das nicht realisieren, sollten – wie es der deutsche 800-Meter Olympiasieger Nils Schumann bereits empfohlen hat – alle leistungssteigernden Mittel, egal welcher Art, legalisiert werden.

Die Rio-Olympiade wird bereits jetzt in den medialen Auswertungen als unvollkommen oder gar als sehr mangelhaft bewertet. Gegenüber einem Gastgeber, der in wirtschaftlichen Zwängen, in Armut und in sozialen Spannungen lebt, sollte rücksichtsvoller umgegangen werden. Für mich waren diese olympischen Spiele, trotz aller Mängel, ein Erlebnis! – Dieter Lehmann


Zum Titelthema:

Ich lese die ZEIT gerne, weil sie sich normalerweise um eine Zusammenstellung vieler Sichtweisen bemüht und damit ein großes Maß an Objektivität bietet. Mi Ihrem o.g. Leitartikel habe ich aber immer wieder gehadert. Der Titel und damit der vorgegebene rote Faden verzerrt das Gesamtbild. Besser träfe z.B.: Die humanitäre Größe des neuen Deutschland

Die Öffnung Deutschlands für Flüchtlinge aus den Krisengebieten des Nahen Ostens war kein Kontrollverlust sondern eine mutige Entscheidung zur Hilfe, um eine humanitäre Katastrophe an den Grenzen Europas abzuwenden.

Eine mutige Entscheidung, weil sie ganz klar im eigenen Land unpopulär sein würde. Herrn Seehofers Kommentare illustrieren gut die Sichtweise der Bevölkerungsteile, die abschotten wollen, statt zu helfen. Eine mutige Entscheidung, weil nicht klar war, wieviele Menschen in wie kurzer Zeit kommen würden. Eine mutige Entscheidung, weil die Hilfe anderer EU-Staaten zweifelhaft war.

Die Entscheidung war eilig, weil Ungarn mit dem Versuch der Abschottung und letztendlich Abschiebung der Flüchtlinge völlige Verantwortungslosigkeit bewies. Und zurückschicken? Wie hätte das ärmste EU Land Griechenland, das um seine finanzielle Existenz kämpft, so viele Flüchtlinge menschenwürdig beherbergen und ernähren können?

Unsere Bundeskanzlerin mag stur sein und ihre Entscheidungen nicht blumig erklären oder verteidigen, dumm ist sie sicher nicht. Sie hätte Nein sagen können wie es Leute wie Herr Seehofer, wohlgemerkt im Nachhinein, fordern, und das Problem vorerst in Österreich stranden lassen können. Damit hätte sie Zeit gewinnen können, sich aber genauso unverantwortlich wie die Ungarn gezeigt.

Also gab es für sie nur eine Entscheidung: die Flüchtlinge aufzunehmen. Wie Ihr Artikel beschreibt, geben ihr ja auch alle an den Flüchtlingstransporten Beteiligten – und dadurch Gebeutelte – Recht!

Angela Merkel sagte „Wir schaffen das“, und wir haben das geschafft! Inzwischen sind die Flüchtlingsströme wieder deutlich gesunken.

An Recherchen zu diesem Thema würde ich gerne noch einige Vertiefungen lesen:

1) Flüchtlingsströme aus den Krisengebieten liefen schon längst vor den genannten Tagen im September 2015 nach Europa. Dass Zivilpersonen in hoher Anzahl fliehen müssen, wird bei Betrachtung der zerbombten und zerschossenen Städte Syriens eigentlich jedem klar. Auch im Irak, Afghanistan und Afrikanischen Staaten herrscht heute noch Bürgerkrieg. Durch deutsche Vertretungen in den Regionen müssten unserer Regierung eigentlich längst Zahlen vorgelegen haben, mit wievielten Flüchtlingen gen Europa in den nächsten Jahren zu rechnen ist. Leider ist davon bis heute nichts Wesentliches an die Öffentlichkeit gelangt. Wieviele Flüchtlinge müssen wir noch erwarten? Demagogen müssten dazu etwas zu sagen haben. Mit konkreten Zahlen lassen sich konkrete Pläne schmieden.

2) Ähnlich wie in der ZEIT 28/16 das Dossier über Überlebende der Bombenattentate von Brüssel würde ich mir Berichte über das Schicksal der Flüchtlinge vom Septemberanfang 2015 heute, ein Jahr später, wünschen.

3) Wo sind die Ansätze zur Friedensstiftung, die nicht auf Vernichtung, sondern auf Vermittlung setzen? Gibt es keine? Warum fragt die Presse nicht lauter danach?

4) Hilfe zur Selbsthilfe: Ich wünsche mir eine Entwicklung von Konzepten zum Wiederaufbau der zerstörten Kriegsgebiete. Rasche Integration von Flüchtlingen ist eines. Aber längst nicht alle wollen für immer bleiben, was für beide Seiten zu wünschen ist. Dann braucht es Wiederaufbauprogramme und Menschen, die sie umsetzen, die sie am besten selbst mit entworfen haben, weil sie ihre Kultur und geographische Besonderheiten ihrer Heimat kennen, die in den nötigen Kenntnissen und Fertigkeiten ausgebildet sind. Das wären Menschen, die ihren neuen Staat selbst aufbauen und selbst tragen. Wenn sie die Grundlagen hier erwerben können, denke ich mir das auch ganz eigennützig als bestes Mittel gegen Terrorismus: Syrer, Afghanen, Afrikaner, die ihr Land mit unserer Hilfe erfolgreich wieder aufbauen, werden unsere Freunde sein, nicht unsere Feinde. Und deren Kinder, Enkel und Urenkel, ein Prinzip mit Nachhaltigkeit.

Vielleicht klingt das alles etwas blauäugig, aber ich glaube an das Prinzip Hoffnung. Nur wenn unsere Aktionen und Entscheidungen etwas positives zur Welt beitragen, sind wir in der Lage, sie auch positiv zu verändern. Ich bin stolz auf die deutsche Entscheidung, im Notfall erst mal im Alleingang für Zehntausende Flüchtlinge da zu sein, ich bin stolz, dass das alles so gut verlief und glaube nicht, dass die Entscheidungen aus dem September den einzelnen Attentätern erst den Zugang ermöglicht haben. Ich möchte auch weiter stolz sein auf ein Land der Toleranz und tatkräftigen Hilfe, die sich in den vielen Freiwilligen zeigt. Und ich glaube nicht an einen Kontrollverlust der Regierung, genauso wenig wie ich an totale Kontrolle glaube. Wer sollte die auch wollen?- Claudia Mock


Zum Artikel von Jürgen Krätzer: „Atheismus ist immer noch erlaubt!“:

Die christliche Religion macht einen schweren logischen Fehler, wenn sie als Tatsache annimmt, daß Gott existiert. Es gibt nämlich (seit ca. 2000 Jahren) weder einen Beweis für, noch einen Beweis gegen seine Existenz! Daher der religiöse Glaube!

Der Religiöse glaubt fest an die Existenz Gottes, der Atheist glaubt genauso fest nicht daran und der Agnostiker hält sich einfach raus. Und wenn man keine Ahnung hat (s.o.), dann ist das der sicherste Standpunkt! Es ist doch keine Schande, wenn man behauptet, von etwas keine Ahnung zu haben. Es ist m.E. eher eine Schande bzw. unsportlich, meine Unwissenheit mit Gott auszufüllen. Mit wachsendem Wissen immer wieder neu!

Und ein besserer oder schlechterer Mensch ist man in allen drei Spielarten nicht zwingend!!!

Trotzdem hat die Religion eine ausgesprochen wichtige Aufgabe: Gott als Ansprechpartner, als Erwachsener für Erwachsene, als stiller Zuhörer für die Nöte und Ängste derer, die keine Zuhörer (mehr) haben. Eine unschätzbar wichtige Aufgabe! Egal ob fromm, atheistisch oder als Agnostiker. Ich bin davon überzeugt, daß auch ein Atheist, wenn es nur richtig hart genug kommt, “betet”. – Klaus Riediger


Zu Medizin: „Gefässe unter Stress“:

„Alkohol sollten Menschen … nur moderat trinken, Zigaretten am besten gar nicht.“ Gut, daß ich noch nie Zigaretten getrunken habe! Soll wirklich nicht gesund sein! Prost und viele Grüße – Sibylle Fischer


Leserbrief zur Graphik der Nationalhymmne:

Da ich Jahrgang 1933 bin, habe ich eine 12 jährige nationalsozialistische, völkische, strenge Erziehung erfahren. Das prägt. Als angehender Hitlerjunge war man in der Vorstufe, dem Jungvolk organisiert. Durch das Radio wurden die Ansprachen Hitlers übertragen. Die wurde im geordnetem Stehen, von allen Volksgenossen ehrfürchtig angehört. Anschließend wurde das Deutschlandlied gespielt und alle sangen mit dem Hitlergruß inbrünstig mit. Ob alle 3 Strophen gesungen wurden, weiss ich nicht mehr. Als der letzte Ton noch nicht ganz zu Ende war, wurde das „Horst Wessel Lied“ eingespielt und  mitgesungen („Die Fahne hoch, die….usw.). Musik prägt so intensiv, dass solche Erinnerungen sich nicht abstellen lassen. Auch nicht in 70 Jahren. Deshalb habe ich das Deutschlandlied als Hymne des neuen, demokratischen Staates nicht anerkennen können, weil mir immer „…die Fahne..“ im Kopf als Melodie ertönte und hochging. Zu Fahne und Nationalhymne habe ich deshalb ein gespaltenes  Verhältnis behalten. –  Wolfgang Bürger


Zum Artikel von Jürgen Krätzer: „Atheismus ist immer noch erlaubt!“:

Mit Bezug auf den im Betreff genannten Artikel gestatten Sie mir bitte einige Anmerkungen. Der Autor zeichnet ein Zerrbild, das eine erschütternde Unkenntnis gegenwärtiger Theorie und Praxis des konfessionellen Religionsunterrichts enthüllt. Recht hat der Autor in Hinblick auf die Funktionalisierung von Religion. Religion ist kein „Pumpwerk für das Gute“ (Matthias Matussek). Sie ist vielmehr Staunen und Ergriffensein angesichts des Absoluten. Dass dies zum menschlichen Erlebnisspektrum gehört, kann Herrn Krätzer missfallen, er kann es aber nicht aus der Welt schaffen.

Diese spirituellen Kräfte bedürfen der Bildung, auch deshalb, weil, wie der Autor zutreffend feststellt, Toleranz Kenntnis voraussetzt, und zwar Kenntnis auch der eigenen Position. Ziel des Religionsunterrichts ist es aber nicht, alle zu Christen zu machen, schon überhaupt nicht zu eingeschüchterten. Ziel ist es, dass die Heranwachsenden in der Auseinandersetzung mit der christlichen Überlieferung sowie den anderen Weltreligionen und den philosophischen Traditonen einen eigenen weltanschaulichen Standpunkt finden. Das ist viel mehr, als nur Kenntnisse über Religion, Philosophie und Ethik zu besitzen.

Dazu brauchen sie Lehrkräfte, die einen eigenen Standpunkt haben, den sie zur Disposition stellen können und mit dem sie in der pädagogischen Situation angemessen umgehen: als Hilfsmittel, niemals als verbindliches Lernziel. Mir persönlich würde grauen vor einer weltanschaulichen Lehre, in der die Position des Lehrenden nicht transparent wäre.

Bitte verzeihen Sie mir die Offenheit zu sagen, dass ich die von jedem Wirklichkeitsbezug freie Unterstellung, im Religionsunterricht werde „Angst vor Autoritäten“ vermittelt und „die Furcht vor Gottsstrafen und das Hoffen auf Belohnung im Jenseits “ walte „als pädagogisches Prinzip“, als plump manipulativ betrachte, eines Hochschullehrers nicht würdig.

Bei Interesse an einem neueren Stand der Religionsdidaktik empfehle ich die Lektüre des Kerncurriculums Evangelische Religion auf dem Niedersächsischen Bildungsserver www.nibis.de. – Regina Steindorf


Zur Diskussion über ein Burkaverbot:

Selbst der Contra-Beitrag strotzt nur so vor Klischees (von dem niveaulosen, diffamierenden Pro-Beitrag ganz zu schweigen). Da ist etwa die Rede von „radikal-muslimischen Männern“, die Frauen zwangsverschleiern. Ich frage mich: Was soll das? Worin besteht der Neuigkeitswert derartiger Artikel? Wird es dem Leser nicht langweilig, von weder betroffenen noch fachlich versierten Journalisten immer wieder denselben Vorurteilsbrei vorgesetzt zu bekommen? Frau Raether kommt zum Schluss selber drauf: Sinnvoll wäre es, auch einmal „mit den Frauen zu sprechen“.

Man würde dann feststellen, dass unter dem Tuch, ebenso wie unter dem Gesichtsschleier sehr unterschiedliche Köpfe stecken: Konsumorientierte, religiös eher desinteressierte Araberinnen, junge Mädchen, die die Schockwirkung des Gesichtsschleiers entdeckt haben, Konvertitinnen, die auf ihre Weise gegen die Vermarktung des weiblichen Körpers protestieren (und dafür oft gute Gründe haben), tief religiöse Menschen ebenso wie extremistische Salafistinnen oder  IS-Sympathisantinnen. Viele von diesen Frauen experimentieren jedoch herum und tragen den Schleier nur versuchsweise oder vorübergehend.

Die pauschale Behauptung, Musliminnen würden von Männern zwangsverschleiert, ist schlicht falsch. Ich bin selbst Muslima und habe sogar den Gesichtsschleier einmal ausprobiert. Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass sehr vielen Vätern und Ehemännern das Tuch- bzw. Schleiertragen ihrer Töchter und Frauen eher ein Dorn im Auge ist. Es ist ihnen nämlich peinlich. Würden wir tatsächlich einmal MIT statt ÜBER Musliminnen reden, müssten wir uns zweifellos von mehr als nur diesem Vorurteil verabschieden. – Anja Hilscher, Muslima und Buchautorin („Imageproblem – das Bild vom bösen Islam und meine bunte muslimische Welt“)


Korrekturanmerkung zum Nachruf von Jens Jessen auf den Schriftsteller Hermann Kant

In dem trefflichen Nachruf von Jens Jessen auf Hermann Kant (DIE ZEIT Nr.35) ist eine winzige Kleinigkeit zu korrigieren: Kants Die Aula handelt nicht von der Arbeiter-und Bauern-Fakultät Rostock, sondern von derjenigen in Greifswald. Ich bitte, mir die kleine Penibilität nachsehen zu wollen. – Prof. Dr. Christoph Krummacher


Leserbrief zum Titelthema

Glauben die AutorInnen ernsthaft daran, dass Deutschland (personifiziert durch die Kanzlerin) seine Geschichte kontrollieren könne? „Unser Wunsch, das Leben zu kontrollieren…wirkt wie der kindliche Versuch, den Himmel mit ein paar Holzlatten zu stützen….. sobald menschliche Interaktionen ins Spiel kommen, sind wir immer auch auf Vertrauen angewiesen“. Nathalie Knapp (2015), „der unendliche Augenblick; warum Zeiten der Unsicherheit so wertvoll sind“; ein lesenswertes Buch für alle, die von der Kontrollierbarkeit des Lebens überzeugt sind. Oder ist es die Absicht dieses populistischen Titels, Leserschaft aus dem Kreise der CSU und AFD zu aquirieren und die Spannung um die historische Dramaturgie der Flüchtlingsthematik weiter anzuheizen? Beide Varianten finde ich beschämend.

Der Artikel bilanziert u.a. mit folgendem Satz: „Merkel musste entscheiden, unter hohem Druck, innerhalb von kaum drei Stunden, nachdem es Victor Orban gelungen war, sie in eine fast alternativlose Lage zu bringen“. „Wir schaffen das“ ist ohne Alternative, so hätte der Titel auch lauten können und wäre stark gewesen. – Susanne Quistorp

 

11. August 2016 – Ausgabe 34

Leserbrief zum Artikel „Was für Landsleute?“ von Özlem Topçu:

Das Zurücknehmen der doppelten Staatsbürgerschaft würde enorme Klarheit für alle Beteiligten bringen. Dies ergibt sich aus der Gruppen und Systemen inhärenten Psychologie und Verhaltensweise, unabhängig von deren Nationalität, Religion oder Weltanschauung. Sobald eine Gruppe Mitglieder anderer Gruppen in ihr Revier lässt, traut man neu hinzugekommenen Menschen dann, wenn sie kein Hintertürchen mehr offen halten für sich. Das bedeutet, man stimmt einem Ausgleich von Geben und Nehmen zu, geht Bindungen ein, bildet Respekt aus und Empathie und bleibt auch präsent und zugewandt, wenn es mal schwierig werden sollte. Das ist menschlich und hat nichts mit Politik zu tun, es ist weder per Dekret noch mittels Wunschdenken zu ändern.

Stellen Sie sich einen Spieler vor, der gleichzeitig Mitglied in zwei gegeneinander antretenden Teams ist. Diesen Gewissenskonflikt erspart er sich, indem er sich für eine Seite entscheidet, auch wenn er weiterhin beide durchaus sympathisch finden kann. Danach darf er mit Vertrauen rechnen – und zwar von beiden Seiten, denn sie wissen dann, woran sie sind. Oder stellen Sie sich einen Mann mit zwei Geliebten vor, meinetwegen auch eine Frau mit zwei Männern – glauben Sie ernsthaft, da kommt Vertrauen auf?

Ob wir Erdogan in die Hände spielen mit der Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft? So abwegig dieser Gedanke ist, so wenig spielt er eine Rolle. Man sollte Entscheidungen, die man für richtig erachtet, nicht von der Reaktion anderer abhängig machen, sonst wäre man fremdbestimmt. Da Sie die doppelte Staatsbürgerschaft ohnehin nicht als „Geschenk“ bezeichnen, dürfte deren Zurücknahme dann ja auch nicht weiter tragisch sein. – Corinna Grund


Zum Artikel „Die Höschenfrage“ von Dagmar Rosenfeld:

nachdem ich in der Ausgabe vom 11.August 2916 den Meinungsartikel „Die Höschenfrage“ von Dagmar Rosenfeld gelesen habe, musste ich mich doch ein wenig ärgern. Sicher es ist ein Meinungsartikel, dennoch befreit dies einen Journalisten nicht von der notwendigen Sorgfalt. Es heißt da: „Die Antwort gab es bei den Olympischen Spielen in Rio, da traten die ägyptischen Beachvolleyballerinnen im Burkini an.“ Da ich das besagte Spiel selbst gesehen habe, weiß ich, dass nur eine der beiden Spielerinnen eine Kopfbedeckung trug. Das wird in dem Artikel aber mit keinem Wort erwähnt. Zudem ist es das erste ägyptische Team überhaupt bei einer Olympiade. Man kann sicherlich darüber streiten ob dies zur Emanzipation der Frauen in Ägypten beträgt, aber immerhin konnte sich eine der beiden Frauen frei entscheiden mit oder ohne Kopfbedeckung zu spielen. – Florian Goßler M.A.


Zum Thema Olympia in Rio:

Organisation und Struktur ist für mich allenfalls medaillenträchtig in jenen Wettbewerben, die sich mit Pharmazie und anderen leistungstreibenden Methoden befasst. Würde das Geldeinstreichen irgendwann auch olympisch werden, dann würde diese „Sportart“ mit Sicherheit all jene Disziplinen verdrängen, die sich mit körperlicher Betätigung befassten. Für mich ist der olympische Gedanke mausetot, verkommen, wie er verkommener nicht sein kann! – Kurt Nickel


Leserbief zum Artikel „Der für das Recht kämpft“ von Angela Köckritz:

im Artikel „Der für das Recht Kämpft“ ist Ihnen ein Buchstabe sinnverändernd missraten. Sorry aber der Skandal in China betraf nicht Melanin, es war Melamin! Ein Buchstabe grosser Unterschied! – Rudi Gaul


Zu „Aus dem Archiv der üblen Nachrede“ von Klaus Mertes:

Wie naiv kann man sein! Gülencis werden nicht dadurch zu freiheitsliebenden Demokraten, dass der gewählte Diktator Erdogan sie verleumdet und verfolgt. Einmal ganz abgesehen von der Rolle, die die Gülen-Bewegung bei der Ausschaltung säkularer demokratischer Kritiker Erdogans in der Türkei gespielt hat (wofür sich der Staatspräsident jetzt bei seinem Volk entschuldigt), hätte Klaus Mertes in seinen „Gülen-Freunden“ die grauen Wölfe im Schafspelz erkennen können. Schon seit 6 Jahren warnt die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) vor einer „unterschiedlichen ‘Verpackung’ der Ideen Fethullah Gülens je nach Adressat“*. Natürlich spielen die panturanischen und neo-osmanischen Ansichten Gülens, die in der Türkei zu den Grundpfeilern seiner Bewegung gehören, beim öffentlichen Auftreten im Ausland keine Rolle. Die EZW stellte 2012 fest: „Mit ihrem ‘Angebot zur kulturellen Verständigung’ ziehen die Dialoginstitute in Österreich und Deutschland vermehrt das Interesse von Schulen, Universitätsprofessoren, Politikern und Religionslehrern an. Dass es sich um eine Propagandataktik handelt, ist im ersten Moment nicht ersichtlich.“** Aber auf den zweiten Blick ist nicht zu übersehen: Gülen teilt Überzeugungen, wie sie die für den Genozid an den Armeniern verantwortlichen Jungtürken beeinflussten. Das ist keine „üble Nachrede“, sondern wissenschaftlich fundiert. – Jürgen Thiede

* Friedmann Eißler: Islamisierung profaner Arbeit als Dienst an der Menschheit – Zum Bildungsideal Fethullah Gülens, EZW-Texte Nr. 210/2010, S.178

** Karina Hawle,: Der Dialog der Fethulahcis (Gülen-Bewegung), Materialdienst der EZW 6/2012, S.227


Betrifft die Fotoserie „Du siehst aus, wie ich mich fühle“:

Eigentlich lese ich die Zeit wegen der Politik und wegen des Feuilletons. Aber die Fotoserie „Du siehst aus, wie ich mich fühle“ in der Abteilung „Z“ hat es mir angetan. Was für ausdrucksstarke, ungewöhnliche und berührende Fotos. Falls Sie noch nicht daran gedacht haben, die Serie mal als Kalender oder in einer anderen Editionsform gesammelt zugänglich zu machen: tun Sie es! Unbedingt! Ich hoffe sehr, dass eine solche Art der Veröffentlichung urheberrechtlich möglich ist und harre nun erwartungsvoll der Dinge.  – Brigitte Klein


Leserbrief zu „Trump: Ausgereizt“ von Josef Joffe:

Josef Joffe kann es nicht lassen! Ja, der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf wird immer schmutziger. Aber müssen deutsche Politiker und Medienstars da mitmachen?
Der Herausgeber der ZEIT hat aus jüngsten falschen Prognosen gelernt: Er formuliert nun vorsichtiger, ist aber sicher, dass Trump „ausgereizt“ hat, d.h. Hillary Clinton wird seiner Meinung nach das Rennen machen.
Nun muss man Donald Trump nicht mögen, aber doch wissen, dass er die zornige Stimme der frustrierten Mittelschicht in den USA gegen das Establishment ist. Die kommenden TV-Duelle werden zeigen, ob er punkten kann. Heutige Umfragen zu seinem sicheren Scheitern anzuführen ist recht dünnes Eis für einen Amerikakenner.
Was aber gar nicht geht: Joffe spricht Trump ab, „den Komment zu bewahren“. Kann er das denn selbst? Wer – neben weiterer negativen Wortwahl – Trump als „Alien“ bezeichnet, disqualifiziert sich selbst als unprofessionell. – Heinz Dieter Mück


Zum Artikel „Was für Landsleute?“ von Özlem Topçu:

Gut gebrüllt muss ich sagen und auch, dass Sie natürlich recht haben. Ich arbeite mit einem türkischen Kollegen zusammen, wir sitzen auch im gleichen Büro. Und es ist mir persönlich vollkommen egal, welche Staatsbürgerschaft er hat. Ist er Deutscher oder Türke oder Beides? Was spielt das für eine Rolle? Er ist mein Kollege, ein Freund, wir lachen und arbeiten zusammen. Ich habe nicht verstanden, wieso Thomas de Maiziere dieses Thema wieder ausgegraben hat und es auch noch auf seine Sicherheits-Agenda gesetzt hat. Wieviele Türken haben bitteschön in den letzten Jahren Anschläge verübt? Wieviele Türken haben Amokläufe in Schulen oder Einkaufszentren verübt? Ein Wort: überzogene Hysterie!

Ich hoffe nur, dass sich unsere Politiker noch eines besseren belehren lassen und vernünftige Entscheidungen treffen. Aber die Bundestagswahlen stehen ja vor der Tür, da dürfen wir nicht mit rationellen Vorschlägen rechnen. – Yves Pulst


Zu »Wir lachen viel. Auch über Hierarchien hinweg« von Felix Dachsel:

Ich lese gerade die „Postkarte in denUrlaub“ von Felix Dachsel und muss schmunzeln. Obwohl ich seit 14 Jahren selbständig bin und nie in einem Büro gearbeitet habe und seit 3 Jahren keinen Urlaub mehr drin war, fühle ich mich getröstet. Ich bin ganz drin in der Geschichte, in der Atmosphäre der verwaisten Büros und dem neuen Gemeinschaftsgefühl das da gerade zusammenwächst.

Heute hat mein kleiner Bruder Geburtstag. Er lebt seit 7 Jahren auf Malta, ich habe ihn dort schon besucht, es ist wie im Paradis. Er hat mir gesmst wie er den Tag verbringen wird: er und seine Freunde werden ein Speedboat mieten und zu der benachbarten kleinen Insel übersetzen, dort werden sie in der blauen Lagune vor Anker gehen und die ersten Drinks mixen. Vielleicht schaffen sie es diesmal die unbewohnte Insel zu umrunden. Abends gibt es exquisite Köstlichkeiten, mein kleiner Bruder ist ein großer Gourmet. Und dann geht es auf in die Nacht, reinstürzen ins Partygetümmel, denn zufällig ist heute auch noch Freitag.

Und ich hier so? Gucke zwischen zwei kleinen Aufträgen Trailer von Romantic Comédies auf Youtube und esse in der Küche direkt aus der Pfanne, weil wenn man für sich alleine kocht ist eh alles egal. Hab ich erwähnt das es draußen in Strömen gießt? Wie schon den ganzen Sommer!

Kleiner Bruder ich wünsch dir von Herzen alles Gute zum Geburtstag – genieß den Tag und lass die Puppen tanzen! ich freu mich, dass ich in Gedanken das Ausflugs-Programm mitmachen kann und ganz vielleicht bin ich ja im nächsten Jahr dabei… Schöne Grüße aus dem Ruhrgebiet – Bianca Wickinghoff


Anmerkungen zum Gedicht „Das Versagen der Philosophen“:

Wer entscheidet eigentlich, welche Gedichte in der ZEIT veröffentlicht werden? Und nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl?

Ich mag Gedichte, bin aber zunehmend enttäuscht von den ‚abgehobenen‘ Inhalten Ihrer ausgewählten Gedichte. Dort sind mir immer skurriler erscheinende Wort- und Gedankenkonstruktionen notiert, von einem erkennbaren Sprachrhythmus oder gar Reim ganz zu schweigen. Freunde und Bekannte, denen ich das oben genannte Gedicht vorgetragen habe, schauten mich jedenfalls völlig verständnislos und entgeistert an. Auch sie konnten es nicht deuten.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie die ZEIT nur für Menschen mit ungewöhnlichem Abstraktionsvermögen herausgeben. Schön wäre es zudem, wenn Sie gelegentlich auch Gedichte mit Bezug zu aktuellen Ereignissen bringen würden, gerne auch humorvolle Reflektionen dazu. – Günter Koch


Betrifft „Erfurt“ von Martin Debes:

Es gibt noch mehr „Knoten“ in Erfurt: So in den deutsch-deutschen Beziehungen: Am 19. März 1970 treffen sich Willy Brandt und Willi Stoph (damaliger Ministerpräsident der DDR) in Erfurt, im Herzen Deutschlands. Für die alten Erfurter ein sehr bewegender Tag. „Willy ans Fenster!“ – ruft die Menge vor dem Erfurter Hof. – Und 1989: am 10. Dezember bilden die Erfurter eine Menschenkette um das innerstädtische Andreas-Viertel, um gegen den Verfall zu protestieren und einen möglichen Abriss zu verhindern. Erfurt ist mehr als eine bunte Ansichtskarte. – Dr. Werner Marx


Leserbrief zu „Türken in Deutschland – Was für Landsleute? – Die doppelte Staatsbürgerschaft ist eine Errungenschaft.“ von Özlem Topçu:

„Frau TOPCU ist in Deutschland offenbar noch nicht angekommen. Nicht nur der deutsche Staat ist eine Gemeinschaft von Menschen, die nach den Regeln der jeweils geltenden Verfassung zusammen leben. Wer seine türkische Identität leben und anerkannt wissen möchte, sollte dies nicht in Deutschland tun, und sich nicht um die deutsche Staatsbürgerschaft bemühen. Deutschland muss von seinen Bürgern (-innen) Loyalität zum deutschen Staat und zum Grundgesetz „verlangen“ dürfen und fordern müssen. Frau TOPCUS Überlegungen beweisen, dass die doppelte Staatsbürgerschaft ein Fehler, und keineswegs eine Errungenschaft ist.“ – Dr. Franz-Friedrich Rohmer


Leserbrief zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Ich stelle mich kurz vor: bin Rentnerin, 66 Jahre alt, seit 01.03.2015 nach 48 Jahren Arbeit, keine Kinder. Ich verwahre mich langsam dagegen, von Jüngeren immer wieder die Schuld zugeschoben zu bekommen, so wie in diesem Artikel. Ich habe 48 Jahre gearbeitet. Dazu habe ich meinen inzwischen verstorbenen Mann drei Jahre lang gepflegt, ohne einen Cent von irgendjemand zu bekommen.
Ich war immer schon gegen die zwangsweise Zahlung in die Rentenkasse. Ich habe gut verdient, aber leider nicht soviel, dass ich es hätte beeinflussen können.

Ich habe ausgerechnet, was ich in diesen 48 Jahren bezahlt habe. Hätte ich diese Summe privat anlegen können, wäre ich heute reich. Im übrigen haben wir uns bewusst gegen Kinder entschieden – mein Mann war 23 Jahre älter als ich. Das war nicht der Grund, sondern wir waren beide der Ansicht, dass diese Erde heute schon überbevölkert ist. Vieles in dem Artikel ist richtig- Aufgrund der demographischen Entwicklung war die Absenkung richtig. Sie darf aber jetzt nicht weiter runter gehen.

Ich bin auch dagegen, allen nicht mehr im Arbeitsprozess befindlichen Personen besondere Zahlungen zukommen zu lassen. Ich habe ausreichend Rente, die ich mir erarbeitet habe. Sie besteht aus meiner eigenen Rente zu 80 %, Witwenrente 15 %, Zusatzversicherung öffentlicher Dienst 5 %. Man sollte wirklich nur die Menschen unterstützen, die bedürftig sind. Im übrigen bin ich auch dafür, dass endlich alle ausnahmslos in das System einzahlen müssen – dann ist es zu retten. Oder es kommt das bedingungslose Grundeinkommen – diese Variante finde ich noch besser. – Undine Mix-Falter


Leserbrief zu Fritz Schaap: „Diese Männer werden wahrscheinlich sterben“:

Einmal mehr wird klar, wir Menschen sind aus dem Paradies Vertriebene und längst in der Hölle angekommen. Versuche, Dir höllische Verhältnisse vorzustellen und Du wirst den irdischen Zuständen begegnen. Dem erbarmungslosen Miteinander von Leben und Tod, Liebe und Hass, Krieg und Frieden, Gesundheit und Krankheit, Armut und Reichtum, Macht und Ohnmacht, Mut und Feigheit, Möglichkeiten und Grenzen. Eine Welt ohne Hoffnung, gäbe es da nicht den Lichtblick, in ihr zwar leben zu müssen, aber am Ende auch wieder gehen zu dürfen. – Konrad Sauheitl


Einige Kommentare zum Politikteil ZEIT 34:

J Joffe, Trump: Ausgereizt

Ich teile Herrn Joffes geschätzte Meinung in puncto Trump nicht. So unbeliebt Trump sein mag, er wird in vielen Staaten trotzdem gewinnen. Und die wenigen Staaten, um die gekämpft werden wird, muss Clinton erst noch gewinnen. Dabei hilft Trump, dass seine Wähler alt, weiß und konservativ sind. Sie werden sich registrieren lassen und zur Wahl gehen. Clinton hingegen kann kaum auf den Obama-Bonus bauen. Obama war ein Hoffnung und ein Versprechen für alle Farbigen Amerikas. Er wurde als Symbol für den überkommenen Rassismus betrachtet. Clinton kann hingegen nicht erwarten, dass sie von den Frauen Amerikas zur ersten Präsidentin gewählt wird. Bei zwei sehr unbeliebten Kandidaten kann man auch nicht davon ausgehen, dass viele Clinton nur deshalb wählen, weil sie Trump verhindern wollen. Es droht vielmehr die Brexit-Falle: Trump erhält „seine“ Stimmen, Clinton aber zu wenige Stimmen der Unentschlossenen, weil die gar nicht erst zur Wahl gehen. Die Positionierung des Chefdiplomaten Steinmeier, von dem man ein genaue Kenntnis der Verhältnisse erwarten darf,  gegen Trump, erscheint da bereits wie ein erster Hilferuf.

Ö Topcu, Was für Landsleute?

Frau Topcus Argumentation für die doppelte Staatsbürgerschaft hängt an einem seidenen Faden. So argumentiert sie, dass man nicht alle doppelten Staatsbürger dafür bestrafen könne, wenn eine Minderheit sich zu Erdogan und dessen Gebaren bekenne.

Hier kommt nun aber die verworrene Funktion der Demokratie zum Tragen. Es bedarf einer Mehrheit, um sich für Minderheiten einsetzen zu können. Die doppelte Staatsbürgerschaft stellt allerdings keinen Minderheitenschutz dar, sondern ist ein Angebot, eine „Investition“, wie Frau Topcu es nennt. Wenn man nun aber feststellen muss, dass diese Investition dahingehend verwendet wird, dass Bürger mit zwei Pässen sich nicht nur deutlich zu einem der beiden Staaten hin positionieren, sondern dabei auch noch ein Rechtsverständnis offenbaren, dass klar gegen den Grundkonsens des anderen Staates gerichtet ist (Todesstrafe), dann erscheint es wenig zielführend, das Angebot einer doppelten Staatsbürgerschaft aufrechtzuerhalten. An die Reaktionen vieler Türkischstämmiger nach der Armenien-Resolution sei nur am Rande erinnert.

Die doppelte Staatsbürgerschaft wird von Frau Topcu so dargestellt, als solle sich der deutsche Staat aus den Traditionen und Gesellschaftsvorstellungen der Bürger komplett heraushalten. Wenn das aber dazu führt, dass nicht nur auf deutschem Boden ausländische Politik gemacht wird, sondern selbst die Verfassung infrage gestellt wird, gerät der Staat in den Grenzbereich seiner Toleranz und darüber hinaus. Dann besteht eben auch das Recht, vom Bürger doch wieder eine Entscheidung für oder gegen eine der beiden Staatsbürgerschaften einzufordern. Dies bedeutet ja nicht die Abschiebung, aber verhindert beispielsweise die weitere Radikalisierung durch Ausschluss vom aktiven und passiven Wahlrecht.

M Klingst et al, Erdogan, der Retter?

Die Analysen der Autoren erscheinen wenig plausibel. Der Grund dafür, dass nur noch wenige Flüchtlinge kommen, hat kaum etwas mit der Kontrolle der türkischen Küste, sondern sehr viel mit der Abriegelung der türkischen Ostgrenze zu tun. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund, dass die Türkei sich mit den Konflikten des Nahen und Mittleren Ostens belasten sollte. Im Gegenteil führt die Grenzschließung zu mehr Druck auf die im Grenzgebiet lebenden Kurden, was Erdogan für sich nutzen kann.

Der Flüchtlingsdeal war von Anfang an nur darauf ausgerichtet, der Wiederherstellung geschlossener europäischer Grenzen einen humanitären Anstrich zu geben. Wenn die Verteilung der Flüchtlinge innerhalb Europas vor dem Deal nicht funktionierte, weshalb sollte sie danach funktionieren?

Im Übrigen ist es völlig sinnfrei, für einen Deal zu werben, der gar nicht existiert, und der nur deshalb das Sterben im Mittelmeer beendet, weil die Menschen eben gar nicht mehr bis zur Ägäis kommen.

Ferner erscheint es nur zu notwendig, die Verhandlungen mit der Türkei auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Mag es keine Einstimmigkeit für ein Ende der Verhandlungen geben, so wird es für die nächsten 30 Jahre auch keine Einstimmigkeit für den Beitritt geben. Die Gründe liegen dabei auf der Hand.

Europa sollte sich vielmehr auf ganz andere wichtige Entscheidungen vorbereiten. So bedeutet die Annährung Russlands und der Türkei eine höhere Wahrscheinlichkeit für den Bau der Pipeline Turkish Stream. Sollte sie gebaut werden, dürfte sich Osteuropa bald auf recht kalte Winter einstellen. Damit wird man sich in der Ukraine-Frage sehr bald neu positionieren müssen, da die die höheren Energiekosten kaum allein wird stemmen können. Die Flüchtlingsdebatte mag für die Medien interessant sein, für Europa sollte sie nun bald abschließend gelöst werden, da ganz andere geopolitische Fragen vor der Tür stehen, die zwingend ein möglichst einiges Europa erfordern. Clinton bleibt der letzte Strohhalm für das „alte“ Europa, denn bei Trumps Sieg wird man eine Abkehr von Europa und einen neuen Fokus auf Asien erleben, mit Positionierung der USA und Russlands gegen China.

F Schaap, Diese Männer werden wahrscheinlich sterben

Es wird niemand gezwungen, durch die Sahara zu laufen und durch das Mittelmmer zu paddeln, um dann in Rimini billige Sonnenbrillen oder Drogen zu verkaufen.

M Funck, Wie antisemitisch ist dieser AfD-Politiker?

Lässt sich Antisemitismus quantifizieren? Aus meiner Sicht genügt es festzustellen, dass man als lupenreiner Antisemit Mandatsträger der AfD werden kann und sich dagegen kein großer Aufschrei der der Politik, der Medien oder allgemein der Öffentlichkeit findet. – Dr. David Wolff


Zum Artikel „Was für Landsleute?“ von Özlem Topçu:

Sie sprechen ein wichriges Thema an, was wie ich finde, einer umfangreicheren Vertiefung bedarf, als Sie für Ihren Artikel zur Verfügung gestellt bekommen hatten.

Zunächtseinmal halte ich die Debatte um die doppelte Staatsbürgerschaft für Spiegelfechterei, da sie eh schwer, wenn nicht sogar im gesetzlichen Rahmen unserer demokratischen Verfassung eigendlich gar nicht kontrollierbar ist. Wenn sich Ihr Chefredakteur nicht zufällig in einer Talkshow verplappert hätte, wäre seine Wahl in zwei Ländern von keine Behörde aufklärbar gewesen. Natürlich wissen die alle im politischen Apparat tätigen. Um was es den Protagonisten der eindeutigen Staatsbürgerschaft eigendlich geht, ist die Vorstellung einer Integration, in der am Ende des Tages alle Migranten, die hierbleiben wollen, deutsch werden, im Ideal halt wie Pinar Atalay, Dunja Hajali oder auch Giovanni Di Lorenzo oder Sie, damit es keine Parallelgesellschaften gibt. Wie absurd diese Denkweise ist, macht dieser krude Begriff des „Bio-Deutschen“ in Abgrenzung zu den gut integrierten Deutschen mit Migrationshintergrund. Ich hätte mir gerne gewünscht, dass Friedrich März damals seine Vorstellung der Anpassung an die heimische Leitkultur in Swakopmund in Namibia vor den Einwohnern mit deutschem Migrationshintergrund dargelegt hätte und die Diskussion dazu beobachtet. Ist es nicht ein völlig natürlicher Reflex der Menschen, wenn sie sich in der Fremde ansiedeln, dass sie dabei die Nähe zu Menschen suchen, die auch der Kultur ihres Herkunftslandes entspricht? Nichts anderes tun die Deutschen, die nach Mallorca ziehen; New York ist von diesem Verhalten geprägt mit seiner China town und auch dem German Quarter. Und appropos USA. Über 300 Jahre eine multikulturelle Gesellschaft und wie leben diese Kulturen zusammen? In ihren Vierteln! Und trotzdem sind z.B. die Latinos auch US-Amerikaner.

Der erste Schritt in die richtige Richtung wäre, dass wir mit dem Trugbild aufhören, Parallelgesellschaften zu vermeiden; einfach weil es sie realistischerweise immer gibt, auch schon in der normalen sozialen Schichtung, da muss man nur einmal Harvestehude und Mümmelmannsberg besuchen. Und bei jedem Politiker, der über Parallelgesellschaften schwadroniert, würde ich gleich scharf nachfragen, wir er dann z.B. zu jüdischen Vierteln steht, die es ja auch gibt.

Menschen gruppieren sich und die Aufgabe der Politik besteht eigendlich vielmehr darin, die gemeinsamen Schnittmengen zu fördern, um einen gemeinsamen gesellschaftlichen Grundkonsens zu finden. – M. Parbs-Dalitz


Über den Artikel „Eure Krise, unser Aufstieg“ von Jan Ross:

Das liest sich gut. Ihr Autor hat unsere Welt erklärt. Er hat leider übersehen, das die jetzige Epoche zu Ende geht.

Donald Trump ist nicht vom Himmel gefallen und Putin ist kein Halbstarker, beide gehören zu unserem Planeten, die ihre Berechtigung zu unserer verwahrlosten westlichen Politik durchaus Akzente in der Weltpolitik setzen können. Die Journalisten denken leider nur in einem bestimmten Ordnungsrahmen Ihrer westlichen Denkschule. Das ist zu wenig, um die Welt richtig einschätzen zu können. Die Demokratie ist verkantet worden. Die Scheindemokratie scheinen viele Intellektuelle nicht verinnerlicht zu haben. Die glauben immer noch unser Geschäftsmodell ist alternativlos. Das ist ihr Irrglaube. Der Verständniswahn hat solche Menschen wie Donald Trump auf den Plan gerufen.

Für welches Europa soll ich mich begeistern, wenn ich sehen muß, die Menschen, die über mein Leben entscheiden, haben dafür gar keine Legitimation. Das bestehende kann es also nicht sein. Europa kann oder sollte nur nach dem Prinzip der Subsidiarität aufgebaut werden. Der Euro und das Schengenabkommen kamen viel zu früh, dadurch hat man die Völker auseinander getrieben anstatt zusammenzuführen. Alles nur Murks. Natürlich ist Trump ein arroganter Flegel. Der rückt den etablierten Politikern auf die Pelle und spricht damit vielen Menschen aus der Seele. Ich bin mir auch  ziemlich sicher, der wird Amerika wieder stärker machen. Frau Clinton ist ein schwacher Konkurrent – sie kann auch auf wenig Sympathie zurückgreifen. Sie wird wahrscheinlich trotzdem gewinnen.

Die etablierten Politiker haben sich bereits in Stellung gebracht. Die werden Trump schwer zu schaffen machen. Und Putin verfolgt eine andere Politik als der Westen  – und das ist alles. Warum soll das verkehrt sein, wenn das Volk es will. Der Westen lebt mit einer gefährlichen Sprache gegenüber anders Denkender. Ich habe nichts gegen Kritik, aber gegen Demagogie. Die Volksverführung hat uns schon mal den Kopf gekostet. Die Welt braucht dringend ein neues Geschäftsmodell, sonst wird es noch zu schweren Verwerfungen kommen. Eine Multikulti Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn strenge gesellschaftliche und soziale Vorgaben fest geschrieben werden.

Ich habe über vier Jahre in Singapur gelebt. Dort hat man schon vor 30 Jahren Europa ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Alles was damals  über Europa in Rede stand hat sich heute bewahrheitet. Der Verfall ist für die Singapurer keine Überraschung.

Es gibt weder Arbeitslose noch Arme, der Wohlstand ist weit höher als in Europa. Es gibt also noch viel zu tun, wenn Europa zusammenwachsen will. Ich sehe das nicht. Das wird oder kann nur eine neue Generation auf die Beine stellen können. – Gunter Knauer


Leserbrief zu »Wie in den 30er Jahren« von Cem Güler und Caterina Lobenstein:

Dem“fairen“Artikel in Ihrer Rubrik Glauben und Zweifel, hätte ein bisschen mehr Wissen gut getan. Die gebetsmühlenartige Wiederholung der These, es handle sich bei der Bewegung in erster Linie um ein weltoffenes Netzwerk von Schulen , Unternehmen, Medien etc. kennen wir ja nun    schon zur Genüge. Das ist das eine und von Gülenanhängern bewusst inszenierte Erscheinungsbild der Bewegung in der Öffentlichkeit. Was aber steckt hinter Hizmet, dem Dienst, den jeder gut ausgebildete Anhänger für die Sache leisten soll? Was meint Gülen, wenn er davon spricht, dass der Demokratie der Islam fehlt?  Wie soll das Ziel, eine „Gesellschaft des Lichtes“, aussehen? Welche Rolle spielt da z. Bsp. die Frau, die nach den Worten des Predigers, dem Manne charakterlich unterlegen ist ?

Und warum haben vor allem Schulen jahrelang geleugnet etwas mit Gülen zu tun zu haben und auch nicht vor Prozessen bei Zuwiderhandlung halt gemacht?

Diese Bewegung ist alles andere als harmlos und sollte , bei aller Ablehnung der aktuellen türkischen Politik, auch so nicht dargestellt werden. Dazu gibt es ja nun auch genügend unabhängige Quellen. Die Chance eine solche zu Wort kommen zu lassen, wurde leider vertan. Im Interview mit Harvard Professor Dani Rodrik wurde an der entscheidenden Stelle nicht nachgehakt. Was meint er konkret mit Krebsgeschwür, was hat er schon vor 6 Jahren im Justizapparat der Türkei aufgedeckt?

Manchmal ist es ganz gut, wenn Ressorts miteinander sprechen, bevor in Druck gegangen wird. Die Informationen lieferte dankenswerter Weise ein Beitrag in Die Welt! – Martina Baumgardt


Leserbrief zu dem Artikel von Heike Buchtner u. a.: „Das ist kein Spaß mehr“

Der Chefökonom der Deutschen Bank fordert 150 Mrd. Euro für die Rettung der europäischen Banken. Das finde ich ziemlich dreist. Was hat der Souverän damit zu tun, wenn sich ungebildete Banker mit unmoralischen Geschäften ruinieren? Laufen diese Geschäfte gut haben diese Menschen auch kein Problem damit, den Gewinn, wenn möglich steuerfrei, einzustecken. Will man einen Teich trockenlegen, darf man die Frösche nicht um Rat fragen. Im übrigen gilt immer noch der Spruch. „Wer zahlt, schafft an!“ – Hubert Kohlbrenner


Leserbrief zu „Erdogan, der Retter?“ von Martin Klingst et. al.:

An Ihrem Artikel ist wenig auszusetzen, wenn, ja wenn nicht Ihre Autoren völlig am eigentlichen Problem vorbeigeschrieben hätten.

Dass die Beitritsverhandlungen mit der Türkei mit Leichtigkeit auf St. Nimmerlein hinausgedehnt werden können, weiß inzwischen jedes Kind. Das Kernproblem ist das offensichtliche Junktim zwischen Flüchtlingsabkommen und der Visafreiheit für türkische Passinhaber in der EU. Daran scheiden sich die Geister. Angesichts der Entwicklung der Türkei zum nicht mehr laïzistischen, sondern islamischen autoritären Staat mit allen hässlichen Begleiterscheinungen ist diese Visafreiheit ganz einfach ausgeschlossen.

Was, wenn eines nahen Tages die Türken beginnen, ihr Land in großer Zahl zu verlassen? Ein Prozent davon sind auch annähernd eine Million. Einen Plan B wird es schon deshalb geben müssen! – D.H. Bauer


Leserbrief zu „Die Marquise ging um fünf Uhr aus“von Ulrich Greiner:

Regelmäßig lese ich Ihre Artikel. mehrschtenteils mit Vergnügen. So auch diese Woche o.g. Beitrag im Feuilleton. Die Geschichte mit den Buchanfängen  – das geht mir ähnlich, nur daß mein Gedächtnis doch recht häufig strauchelt (sicher öfter als das Ihrige). Aber sagen Sie mir doch bitte, warum Sie ausgerechnet „Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.“ weggelassen haben? Oder war die Zeilenzahl am Ende zu begrenzt? Keine Angst, ich denke, ich werde Sie auch weiter in der Regel mit Vergnügen lesen! – Rainer Lüdigk


Leserbrief zum Artikel „Türken in Deutschland“ von Özlem Topcu:

Dass viele Türkischstämmige in Deutschland  auf die Straße gehen, die Gewaltwellen in der Türkei gut heißen und die Todesstrafe einfordern, finde ich sehr bedenklich und zeigt dass Sedar Somuncu Recht hat: Die Integration ist leider bei vielen gescheitert. Jedoch zeigen diese Demonstranten kein komplettes Bild der Türkischstämmigen hier in Deutschland, denn viele wollen, können sich aber nicht integrieren. Dies hängt auch mit der doppelten Staatsbürgerschaft zusammen. Deutschtürken zu einer Entscheidung zu zwingen, finde ich etwas theatralisch ausgedrückt  von Özlem Topcu, da es weder Zwang noch Strafe sein sollte, sich für ein Land zu entscheiden und sich diesem dann auch komplett zugehörig fühlen zu dürfen. Wie soll sich ein Mensch integrieren und sich als anerkannter vollständiger Bürger eines Landes fühlen, wenn er zwischen zwei Stühlen steht? Welche Bedeutung hat denn dann die Staatsbürgerschaft überhaupt noch? Die doppelte Staatsbürgerschaft ist keineswegs Ausdruck eines fortschrittlichen Staatsbürgerschaftsverhältnisses, sondern zwingt Generationen immer wieder sich als Ausländer in der eigenen Heimat zu fühlen. Zerrissen zwischen zwei Staaten, Ausländer in Deutschland und Fremde in der Türkei. Es sind Entwurzelte, die man durch die doppelte Staatsbürgerschaft in diese Rolle drängt. Es sind Heimatlose, gemacht durch Generationen, die moralisch verpflichtet sind, sich mit einem Land zu identifizieren, in dem sie nicht leben. Die Dichterin Hilde Domin drückt es in ihrem Gedicht passend aus, indem sie von dem Gefühl der Heimatlosigkeit schreibt: „ Mir schwindelt. Ich schlafe nicht ein. Meine Hand greift nach einem Halt und findet nur eine Rose als Stütze.“ – Sarah Löffler


Leserbrief zu Marcus Funck, „Wie antisemitisch ist dieser AfD-Politiker?“:

Wolfgang Gedeons Weltbild basiert auf dem bekannten Strickmuster aller Ideologien und Religionen:

     1) Es war einmal ein Paradies.

     2) Dann geschah etwas Furchtbares, deswegen gibt es

     3) die heutige mieserable Situation. Es muss daher

     4) eine Revolution stattfinden, damit

     5) das Paradies wieder hergestellt werden kann.

Ausgeliehen hat sich Wolfgang Gedeon das Märchen aus dem Roman des französischen Adeligen, dem Diplomaten Comte de Gobineau, in dem er eine

Rassentheorie erfindet, die – wissenschaftlich gesehen –  absoluter Nonsens ist. Als unkritischer Dilletant befindet sich Gedeon in der Gesellschaft seinesgleichen, den damals wie heute gläubigen Ahnungslosen.

Zur Info für Ahnungslose: Es hat noch nie eine jüdische Rasse gegeben, die Bezeichnung Semiten bedeutet (die nomadisierenden) Schafzüchter, zum Unterschid von den sesshaften Rinderzüchtern, den Hamiten. Es gab eine semitische Sprachenfamilie: von den ursprünglich 24 Sprachen blieben vier übrig. Davon die zwei bekanntesten: das Aramäisch (die Sprache der Israeli) und Arabisch!

Wolfgang Gedeons Weltbild:

     1) Es gab die gute alte Zeit.

     2) dann kam die „Infiltration des imperialistischen Globalzionismus“ (der Juden!), dadurch ist

     3) Frieden, Souveränität und Freiheit aller Völker dieser Welt bedroht. Dagegen muss man

     4) mit der AfD für Demokratie und Frieden eintreten und muss sich heute gegen den Zionismus (also die Juden) stellen. Dann folgt zwangsläufig

     5) das ersehnte (judenfreie?) Paradies in Deutschland. Oder in Österreich. Oder in Polen. Oder in Ungarn ….

Zur Information: Man sollte den Punkt 2) nicht so eng sehen. Hier ist Platz für alle möglichen schuldigen Minderheiten: Flüchtlinge, Emigranten, Angehörige nichtchristlicher Religionen, „Gutmenschen“, Kapitalisten, Banker, Manager, Journalisten („Lügenpresse“), Intellektuelle und generell die Ausländer.

Achtung! Bei den Ausländern gibt es einen deutsch-fundamentalistischen Joker ohne Arier-Nachweis mit blitzartig erworbener deutscher Staatsbürgerschaft. Gleiches gilt in Österreich! Man muss Fußballspielen können. Und zwar für Deutschland. Oder für Österreich. Das ist beispielhafte Integration!

Aber es besteht in Deutschland die Gefahr einer multikulturellen Fußball-Gesellschaft mit dominanter Emigranten-Herrschaft. Detto in Österreich.

Gedeon für Deutschland! Wir haben Strache in Österreich! – Johann  Ernst


Leserbrief zu dem Artikel von Heike Buchtner u. a.: „Das ist kein Spaß mehr“:

Sie beziehen sich auf das Buch von Martin Hellweg. Wenn man das Geldsystem aber wirklich verstehen will, hilft dieses Buch nicht viel weiter. Es wird suggeriert, dass Banken die Einlagen der Sparer als Kredit an Unternehmen oder Privatpersonen weitergeben. Tatsächlich hat die Kreditvergabe jedoch nicht viel mit den Einlagen der Sparer zu tun. Mit der Vergabe von Krediten wird Geld, was zuvor nicht da war, geschöpft.

Es fehlt die tiefe Analyse des Banken- und Geldsystems. Deshalb kann die Lösung „mehr Eigenkapital“ nur eine Scheinlösung sein. Doch eine Lösung, die auf einer fehlerhaften Analyse beruht, taugt nichts. Schade,ist doch Prof. Hellweg Experte für Gemeinschaftsgütern, der sich eigentlich mit unserem Geldsystem auskennen sollte. – Rüdiger Weigel


Zum Artikel „Es brennt“ von Jeanette Otto:

Naja, es „brennt“ doch überall im Bildungswesen. Und da ist es doch völlig egal, welche politische Partei(en) am Runder ist/sind. – Volker Arnold


Zum Artikel „Die Höschenfrage“ von Dagmar Rosenfeld:

Zunächst Dank an die ZEIT, den Meinungs-Artikel „Die Höschenfrage“ gedruckt zu haben, dann der Dank an Frau Rosenfeld, Ihre Meinung kund getan zu haben.

Meine Lebensgefährtin sagte soeben leicht hin, beim Anblick meines Schreibens an Sie, „Ach Du meine Güte, Frauen interessiert das gar nicht, so’n reiner Männerartikel“ und wendete sich rasch wieder ihren sonntäglichen Verrichtungen zu.

Ich finde allerdings nicht, dass  Frauen das nicht interessiert, zumal meine Liebste vorhin aufmerksam meinem Vorlesen des Artikel lauschte und doch Beach-Volley-Ballerinnen sämtlichst Frauen sind und also direktest betroffen von Wettkampf-Bekleidungsvorschriften.

Ich finde es absolut richtig, die Nacktheit als Schwester der Freiheit zu bezeichnen, genauso, wie die Entscheidungsfrei- oder Bestimmungshoheit von Sportlerinnen in Fragen ihrer Sportkleidung die Schwester der Demokratie, des Liberalismus genannt werden könnte.

In diesem Lichte besehen, so denke ich, hatten die Damen aus Ägypten gar keine Wahl, denn ohne Burkini, ob bekennende Muslima oder nicht, hätten sie sicherlich gar nicht antreten dürfen und deshalb stimme ich Ihrem Satz „Du bist eine Option“ zwar bedingt zu, aber das „Frauen sich für oder gegen Dich entscheiden können“ stimmt meines Erachtens nur sehr bedingt und das auch für beiderlei Kleidungsträgerinnen:

Die aus Ägypten wären sicherlich als Bikiniträgerinnen übelst attakiert worden und die Bikini-Trägerinnen wiederum sind den Zwängen der den Sport beherrschenden Männerbünde unterworfen und hätte deshalb (un)wohl ebenso nicht mit, z.B. Badeanzug antreten dürfen/können.

Und genau deshalb meine vollste Zustimmung: Die Nacktheit ist die Schwester der Freiheit !!!

Was sicherlich auch ganz interessant wäre: Welche Mühlen mahlen wie und warum für oder gegen den Beach-Volley-Ball-Bi-Burkini? Und: welche sachlichen Argumente aus dem Erleben der SportlerInnen sprechen für oder gegen eine bestimmte Kleidung? Das sollten Sie nachholen um der Freiheit Schwester willen. – Wolfgang Maeser


Leserbrief zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Es ist unseriös eine Formel anzugeben, in der die einzelnen Komponenten nicht erklärt werden was sie bedeuten. Der Untertitel der Formel ist auch Populismus. Ich, 67 Jahre, stimme durchaus dem Autor zu, dass das „Rentenproblem“ nicht auf den Schultern der jüngeren Generation ausgetragen werden kann, sondern alle Renten und vor allem die Pensionen nach einer Formel ausgerechnet werden müssen. Es kann nicht sein, dass Sozialbeiträge im Januar erhöht werden und die Rentenerhöhung im Juli häufig genug die höheren Sozialbeiträge übers Jahr gesehen auffressen, also ein Minus entsteht . Wohingegen Pensionen immer prozentual mit der Erhöhung der Gehälter im öffentlichen Dienst einhergehen. – Ute Bergmann


Leserbrief zum Artikel „Was für Landsleute?“ von Özlem Topçu:

Wir sind auch noch da! „Wir“, das sind die Doppelstaatler, deren zweite Staatsangehörigkeit nicht die türkische ist.

Dass die CDU und andere Gruppierungen die doppelte Staatsangehörigkeit immer als deutsch / türkisch darstellen, schon in der Diskussion der 90er Jahre, hatte und hat einen sehr durchsichtigen Grund: Populismus.

Wenn die ZEIT sich auf diese Schiene der Verengung begibt, zumindest am Anfang des Artikels, bin ich darüber sehr traurig. Für den Rest des Artikels ganz großen Dank an Özlem Topcu (Entschuldigung für das fehlende Cedille, ich kann es nicht finden), sie bringt die Fragen, Gefühle und auch Probleme gut zum Ausdruck.

Wann wird man begreifen, dass „Staatsangehörigkeit“ immer noch etwas mit „Wurzeln“ zu tun hat, die man nicht mal eben so kappen kann? Bei den einen geht das schneller, bei den anderen nicht, und das hat bei den meisten nicht viel mit „Integration“ zu tun. Die ist außerdem ein Prozess, der Zeit braucht oder auch gar nicht zum Abschluss kommt, wenn darunter ein „entweder – oder“ verstanden wird.

Das kann man in Grenzgebieten sehr gut beobachten, dort gab es in Europa schon immer Übergangszonen, bevor der Nationalismus im 19. Jahrhundert die strikte Grenzziehung und Trennung einführte. Das kann nötig sein zur leichteren Verwaltung (und zur Kriegführung!), aber sollte nicht auf das Leben der Menschen ausgedehnt werden.

Ich selber lebe seit 47(!)Jahren mit einer doppelten Staatsbürgerschaft. Entscheiden könnte ich mich kaum, denn beides gehört zu meinem Leben, ich freue mich an der Erst- wie an der Zweitsprache, daran, mich in beiden Kulturen durchaus zu Hause zu fühlen und zurecht zu kommen. Das alles ist eine unglaubliche Bereicherung, für die ich sehr dankbar bin.

Die Frage der unbedingten Loyalität stellt sich in Europa zum Glück seit einiger Zeit nicht mehr (sehr stark), und ich werde alles dafür tun, dass das so bleibt. „Wir“ Doppelstaatler lassen uns von den Rückwärtsgewandten nicht davon abbringen, denn unser Horizont ist weit geworden, zu weit für nationalistische Enge.

Und à propos Nationalstaat: Bayern gehört zu Deutschland, aber die Sprache und so manche Tradition verstehe ich nicht … – Heide Itasse


Leserbrief zum Artikel „Kindgerecht“ von Rainer Rettinger:

Sie fordern: Kinderrechte ins Grundgesetz.

Es gibt zweifelslos schweres Unrecht an Kindern, doch es ist genauso wenig durch Gesetze völlig aus der Welt zu schaffen, wie alles anderes Unrecht auch.

o  Den Kindern wäre schon viel geholfen, wenn die potentiellen Eltern nicht nur geschlechtsreif zu sein brauchen, um Kinder zu zeugen. Leider eine unrealistische und deshalb naive Vorstellung.

o  Den Kindern wäre auch dann geholfen, wenn sie nicht in einem prekären  Umfeld aufwachsen würden. Leider ebenfalls eine unrealistische und deshalb naive Vorstellung.

o  Den Kindern wäre ebenfalls geholfen, wenn sie weniger durch Gesetze als Zuwendung geschützt würden. Millionen von Eltern tun das! Ganz ohne Gesetze!

Mein Vorschlag wäre: Sie machen sich mal Gedanken um die Ursachen (Pkt. 1 & 2), statt mit dem ewigen Geschreie nach Gesetzen nur über die Wirkung zu krakeelen!!! – Klaus Riediger


Zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Chapeau – ein junger Redakteur setzt auf den hinteren Seiten des Wirtschaftsteiles der ZEIT ein journalistisches Glanzlicht! Die im Gesetzestext gruselig schwer verständliche Rentenanpassungsformel aus § 68 SGB VI wird graphisch hervorragend dargestellt und nebenbei in wenigen Sätzen so einleuchtend erklärt, dass auch dem Laien klar werden kann: das Problem der gesetzlichen Rente liegt an den vollständig oder teilweise fehlenden Beiträgen der Selbstständigen, besser Verdienenden, Beamten, Arbeitgeber und dem Schicksal der skandalös schlechter gestellten Arbeitslosen und Minijobber, nicht am sinkenden Rentenniveau.

Wer populistischen Stimmenfängern  à la Gabriel/Seehofer/Bsirske so elegant entgegen tritt, empfiehlt sich selbst für ein politisches Amt. Rohrbeck for Wirtschaftsminister! Bitte gründen Sie eine Partei, damit ich Sie wählen kann. – Michael Dammann


Zum Artikel „Gold für Zynismus“ von Josef Joffe:

Das Dopingproblem wird keiner in den Griff bekommen, weil es keiner will – behaupte ich. Das ist ein Gesellschaftsproblem des Westens. In Asien ziehen sich die Menschen haufenweise Drogen rein. In Europa wird es teilweise geduldet und auch staatlich sanktioniert. Dieser Vergleich hinkt etwas, ich weiß, aber in der Sache nicht so ganz falsch.

Seit über 50 Jahren gibt es Drogenkontrollen nur dort wo es möglich ist. Ich bin mir ziemlich sicher, die Chinesen jetzt bei Olympia in Rio, sind nicht frei von Doping. Die Wissenschaft unterstützt das ebenfalls. Alles was Ihr Autor Josef Joffe zu Papier gebracht hat wird auch seiner Kritik widerstehen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Was für Landsleute?“ von Özlem Topçu:

In Ihrem Leitartikel in der Zeit 34/2016 „Was für Landsleute?“ gehen Sie von der zentralen Behauptung aus, die doppelte Staatsbürgerschaft vermittle den türkischstämmigen (Mit-) Bürgern, sie müssten sich nicht entscheiden, sie seien an zwei Orten [in der BRD und der Türkei] zu Hause. Dies klingt wie ein Werbeslogan aus der Phase der parlamentarischen Debatte um dieses Thema, ist aber von der Soziologie hinlänglich widerlegt und ich wundere mich, wie Sie so etwas heute ernstlich schreiben können. Identität und Staatsbürgerschaft sind nicht identisch und gerade bei Jugendlichen – mit denen ich beruflich seit 20 Jahren zu tun habe – ist die Entwicklung einer tragfähigen Antwort auf die Frage „Wer bin ich/will ich sein?“ eine heikle Aufgabe, dabei macht ein Migrationshintergrund die Lösung eher schwieriger. Der deutsche oder doppelte Pass hilft da sehr wenig. Sie sprechen die Problemfelder zu Beginn Ihres Artikels an (geringere Qualifikation, fehlende Berufsabschlüsse, Hartz IV Bezug, häusliche Gewalt und Kriminalität), vernachlässigen diese aber im Weiteren.

Ich begegne zunehmend türkischstämmigen SchülerInnen, die nach 17 Jahren in unserem Land die deutsche Sprache auf dem Niveau der 4. Klasse beherrschen. Textverständnis, Regelbeherrschung, Wortschatz sind so gering, dass höhere Bildungswege verschlossen bleiben müssen. Wenn diese jungen Menschen mir als Perspektive nennen „Ich werde Hartz IV“ und sich Kritik verbitten mit dem Verweis darauf, sie seien „stolze TürkInnen“, frage ich mich schon manchmal, was wir mit diesen Landsleuten anfangen sollen. Die Entscheidung, in einem fremden Land zu leben, wird nur dann für beide Seiten eine Erfolgsgeschichte, wenn der Zuwanderer einige grundlegende Dinge bejaht: die Beherrschung der Landessprache, Zustimmung zu den geltenden Normen und Werten (Grundgesetzt reicht), ein Minimum an Interesse Land und Leuten. Wer physisch und mental in seiner Parallelgesellschaft verharrt, wird in der ersten nicht ankommen.

Es gibt neben Pinar Atalay andere populäre Figuren in den Medien, die zeigen, dass das geht. Ich könnte bescheidenere Beispiele anfügen, wie den besten Schüler meiner letzten FHR-Klasse: ein türkischstämmiger junger Mann, vor dem ich nicht nur wegen seiner guten schulischen Leistungen den Hut ziehen würde. Ja, alles richtig und gut so. Aber die Diskussionen um doppelte Staatsbürgerschaft und Kopftuch, um Schächten und Moscheen umkreisen immer wieder den – aus meiner Sicht – zentralen Punkt, ob jemand bereit ist, sich auf das neue Land einzulassen und es so zu seinem zu machen, oder ob „bei uns“ dann selbst in der dritten Generation noch heißt „in unserer türkischen Community“. Wenn es Möglichkeiten gibt, eine solche bewusste Entscheidung zu befördern, vielleicht so einzufordern, dann sollte man darüber auch nachdenken. Die doppelte Staatsbürgerschaft war in dieser Hinsicht ein symbolischer Akt ohne nachhaltige Wirkung. – Uwe Altmann


Leserbrief zu „Heim, Herd, Blog“ von Verena Friederike Hasel und „Wir sehen das nicht so“ von Felix Lill:

Wenn in „Heim, Herd, Blog“ Frau Hart ihr Geld damit verdient, dass sie ihr Leben als ein schönes darstellt und deswegen keine Bilder ins Netz stellt, auf denen sich Ihre Kinder streiten, dann ist das o.k..

Wenn im direkt anschließenden Artikel eine Seite weiter das böse, böse IOC mit seinem eigenen Sender exakt das Gleiche macht, dann ist das verpönt. Bitte erklären Sie mir den Unterschied! – Michael Müller


Zu »Wir lachen viel. Auch über Hierarchien hinweg« von Felix Dachsel:

Ich habe Ihnen schon Leserbriefe geschrieben. Meist dann, wenn ich etwas zu beanstanden oder zu hinterfragen hatte. Heute möchte ich Ihnen ein dickes DANKESCHÖN schreiben für die oben genannte Glosse von Felix Dachsel. Wunderbar, wie humorvoll er die sonst übliche Situation des Kartenschreibens aus dem Urlaub umgekehrt hat. Bitte bringen Sie häufiger solche Texte zum Schmunzeln in einer ansonsten eher bedrückenden Zeit. Danke! – Günter Koch


Zum Artikel „Pflegemutter“ von Moritz Herrmann:

Vielen Dank für Ihren ehrlichen, offenen , persönlichen und vor allem einfühlsamen Bericht über die katastrophalen Arbeitsbedingungen Ihrer Mutter in der Pflege. Ich habe die „Zeit“ und Ihren Artikel  nach meinem Sonntagsdienst in einer Wohngruppe für psychisch kranke Menschen gelesen und war sehr berührt. Vieles, was Sie beschreiben, kann ich aus Berichten von anderen Krankenpflegern nur bestätigen.

Wir Pflegekräfte arbeiten rund um die Uhr, an allen Feiertagen für das Wohl der uns anvertrauten Menschen. Das tun wir gerne. Aber Zeitdruck und Ökonomisierung des Gesundheitswesens , damit verbundener Kostendruck, erschweren erheblich die Arbeit!

Noch ist es im Bereich Psychiatrie nicht ganz so extrem wie in der ambulanten Pflege. Wie kann es sein, dass ein Arbeiter am Band bei BMW das Dreifache einer Altenpflegerin oder Krankenschwester verdient? Liegt es nur daran, dass es ein Frauenberuf ist? Mir fällt es schwer, junge Menschen zu überzeugen,den von mir so geliebten Beruf der Heilerziehungspflegerin zu ergreifen. Die Arbeit lässt sich nur schwer mit dem Familienleben und einer erfüllenden Freizeit vereinbaren.

Möge Ihre Mutter Erfüllung in der Arbeit mit Kindern im Kindergarten finden. Ich zolle Ihr größte Achtung  für die vielen Jahre aufopferungsvoller Arbeit mit kranken und alten Menschen. Sie haben Ihr und allen Pflegekräften das gegeben, was wir so oft vermissen :RESPEKT. Dafür Danke. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Ihr Artikel durchaus auf  das Titelblatt gehört hätte. Mich hat er bewogen, das Abonnement der „Zeit“ nicht zu kündigen. Trotz beginnendem Fernstudium der Psychologie im Herbst. Das ist meine Antwort auf häufig anfallende Überstunden. – Ute Krzykowski


Leserbrief zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Herr Rohrbeck hat recht: mit einer Stabilisierung oder gar einem Anstieg des Renten-Niveaus zu locken, ist purer Populismus im Hinblick auf Wahlen. Das wäre genauso falsch wie die Zusage von „Mütterrente“ und „Rente mit 63“

im Jahr 2014 – ohne dafür entsprechende Einnahmen vorweisen zu können. Die Folge dieser Entscheidungen wird sein, dass die Nachhaltigkeitsrücklage der Rentenversicherung von 34 Mrd. € (2014) auf 14 Mrd. € (2019) schrumpfen wird (siehe Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung von 2015).

Die Beamten und Selbständigen in den Kreis der Rentenversicherten einzubeziehen, ist leider auch nicht die Lösung, wenn nicht gleichzeitig weitere Stellschrauben  justiert werden (das Rentenproblem würde durch diese eine Maßnahme erst einmal etwas in die Zukunft verschoben, im Übrigen aber dramatisch verschärft, weil die Zahl der Rentenempfänger größer würde, die Zahl der Beitragszahler durch den Geburtenrückgang seit 1964 aber nicht ausreichend wäre.)

Der von mir zusätzlich anzusprechende Schritt wäre eine wesentliche Heraufsetzung oder gar Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze samt Neuregelung der Beitragssätze – wie es seit vielen Jahren in  der Schweiz gehandhabt wird. Dort liegt der Beitragssatz bei rund 10% des Lohnes/Gehaltes und wird wie bei uns zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezahlt. Für die Selbständigen beträgt der Beitragssatz 5-6 %, ist von ihnen allein zu tragen und wird berechnet vom Erwerbs-/Netto-Einkommen (abzüglich Steuer und Abgaben) – auch hier gibt es keine Beitargsbemessungsgrenze. Für die Arbeitnehmer ist die Belastung gegenüber Deutschland günstiger, für die Selbständigen ganz klar ungünstiger: es erfolgt über die Rentenversicherung eine echte Umverteilung, ohne dass es in der Schweiz zu einer Revolution gekommen wäre.

Ein weiterer Punkt ist die sog. Riester-Rente. Sie ist eingeführt worden zum Ausgleich für den Rückgang des Renten-Niveaus. Leider läuft es in der Praxis so, dass Diejenigen, die auf dieser Zusatzrente angewiesen sind, die Riester-Rente nicht abschließen (können, weil sie zu wenig verdienen) und für die Besser-Verdienenden hier eine Zusatz-Rente geschaffen wurde.

Wie in der Schweiz müsste die Riester-Rente  v e r b i n d l i c h  gestaltet werden –  für Arbeitnehmer und Arbeitgeber  also PFLICHT sein. – Andreas Tiefensee


Kommentar zu „Was hat dieser Mann getan?“ von Christian Fuchs und Lars Weisbrod:

Was hat dieser Mann getan? Er hat immerhin Stoff für zwei Seiten Schwachsinn auf BILD-Niveau geliefert. Was soll das? – Peter Riegger


Leserbrief zum Artikel „Erdoğan, der Retter?“ von Martin Klingst,
Jörg Lau und Bernd Ulrich:

Als langjährige Zeitleserin bin ich immer mehr entsetzt, dass sich eine Zeitung, die die demokratischen Begriffe immer verteidigt hat, von Woche zu Woche mehr zu einer abwiegelnden Wortwahl und Meinung hinreißen lässt, was die Ereignisse in der Türkei angeht!

Die Gefangennahme von tausenden Richtern, Lehrern, Menschen mit anderer politischer Meinung wird als „Säuberung“ in Anführungsstrichen genannt! Wie würde man das nennen, wenn es in Polen, Ungarn o.ä. geschehen würde ? Anstatt die Tatsachen beim Namen zu nennen, dass nämlich die Geschehnisse in der Türkei doch verdammt viel an den Reichstagsbrand und die nachfolgenden Geschehnisse erinnern. Warum wiegelt man ab anstatt sich klar zu distanzieren? Wegen der Flüchtlingsschwemme, vor der man Angst hat, das Erdogan sie auf den Weg schickt. Wie erbärmlich, dass sogar Zeitredakteure lieber eine Diktatur schönreden!

„Weniger Tote im Mittelmeer und bessere Lebensbedingungen“ in der Türkei werden dagegengehalten. Mehrere Absätze weiter wird ehrlicher gesagt, dass die Türken auch auf Flüchtlinge schießt. Und wie wohl werden diese in den Lagern gehalten? Aber solange Erdogan die Dreckarbeit für uns macht, ist es doch einfacher, dass er Oppositionelle erschiesst anstatt dass wir eine starke Aussengrenze aufbauen, die wir vielleicht sogar wirklich verteidigen müssen, im Notfall auch mit Waffengewalt!

Die Ansicht der Autoren, dass wir Zutrittsrecht durch die Verhandlungen zum Eintritt der Türkei in die EU hätten und damit Einflussnahme, mutet nur noch wie ein Wunschgedanke an und nimmt ihnen keiner mehr ab. Es sei denn als Anleitung dafür, nicht selbst handeln zu müssen! – Dr. Elisabeth Gabka


Zu Rohrbeck: „Kämpft für diese Rentenformel“:

Ein wichtiger Artikel mit Einsichten in die Alterssicherung. Leider wird bei diesem Thema immer wieder Sand in die Augen der Bevölkerung gestreut. Ihre Diskussion der Altersarmut,  bei der Sie vor allem die Billigjobber, Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose hervorheben, scheint in die richtige Richtung zu gehen. Allerdings wird doch ein entscheidender Punkt übersehen.

Im Nachhaltigkeitsfaktor wird das Verhältnis der Beitragszahler zu den Rentnern berücksichtigt. Aber es müsste auch das Verhältnis von Eltern mit Kindern und Paaren sowie Singles ohne Kinder in die Rechnung mit eingehen. Bei der Pflegeversicherung hat man das immerhin im Ansatz versucht.

Denn zweifelsohne sind Kinder – wie jeder weiß – für eine Gesellschaft, in der ein ausgewogenes Verhältnis von Einzahlern und Rentenempfängern angestrebt wird, unabdingbar. Sonst funktioniert keine Formel. – Hans Lazarus


Kommentar zum Leserbrief von H. Weigmann:

Ich verstehe nicht, warum man eine solche Aussage macht bzw. hervorhebt („… eine Folge der Einteilung der kapitalistischen Gesellschaft in ‚winner‘ und ‚loser‘.)

Es ist offenbar ein aktueller Trend, „den Kapitalismus“ für alles Mögliche verantwortlich zu machen, was ganz offensichtlich seinen Grund nicht im Kapitalismus hat, sondern im „Menschlichen“. Oder können Sie mir auch nur eine Gesellschafts- und Wirtschaftsform nennen, die keine ‚winner‘ und ‚loser‘ hervorbringt ?

Ähnlich unsinnig ist es, „den Kapitalismus“ für das Auftreten von Kriegen verantwortlich zu  machen – als ob es in der Menschheitsgeschichte nicht auch genügend Kriege gegeben hätte, als es noch keinen Kapitalismus gab. – Herbert Rein


Zu Reisen: Espresso-Zeichnungen von Martin Burgdorff:

Ich langjähriger ZEIT-Leser habe ich mich sehr über o.g. Seite gefreut, weil ich in M. Burgdorff einen Gleichgesinnten kennengelernt habe. Auch er verzichtet beim reisen auf einen Fotoapparat und zeichnet mit Fineliner und koloriert mit Espresso. Anbei meine 1. Espresso-Zeichnung, in die allerdings auch ein grüner Oleander gerutscht ist. Ort der Handlung war Vaison la romaine in der Provence 2015. – Helmut Wartner


Leserbrief zu „Was hat dieser Mann getan?“ von Christian Fuchs und Lars Weisbrod:

Seit fast 40 Jahren bin ich Abonnent Ihrer Zeitschrift. Seit meinen ersten Tagen mit der „Zeit“ habe mit dem Feuilleton-Teil gefremdelt. Er ist nicht mein Favorit und wird nicht als erstes aufgeschlagen und gelesen, wenn ich die neue Ausgabe aus dem Briefkasten geholt habe. Andererseits habe ich mich aber immer auch mit den Themen dort auseinandergesetzt, mal mehr und mal weniger erfolgreich. Aber der Aufmacher in dieser Ausgabe ist mir absolut unverständlich – als Teil in Ihrer Zeitschrift. Das Schicksal von Herrn Appelbaum ist natürlich schlimm. Seine Ausbotung aus dem Tor-Projekt trifft ihn sicher sehr. Für mich habe ich erstmals von diesem Projekt gehört und was dahinter steckt. Das ist interessant und berichtenswert. Die Geschichte dahinter mit all den Details – wer wann mit wem wo und wie Sex hatte – finde ich absolut überflüssig und dem Niveau dieser Zeitschrift nicht angemessen. Bitte verschonen Sie mich in Zukunft solchen Texten und bleiben Sie oberhalb der Gürtellinie. Ich möchte solch schmierige Texte in der „Zeit“ nicht lesen müssen. Für derartige Inhalte sind andere Blätter bekannt. – Wolfgang Lichius


 Zum Artikel „Unter Verdacht“ von Umut Yetmezoglu:

In dem Artikel der Unter Verdacht setzt sich Ihr Autor „Umut Yetmezoglu“ mit Fethullah Güllen auseinander. Der Artikel lobt Herrn Gülen Fethullah und seine Bewegung ungewöhnlich hoch und attestiert ihm etwas, wovon die meisten Belesenen der Türkei nicht überzeugt sind: Gülen wäre ein Demokrat und Laizist.

„Die Zeit“ kann mit dem Hinweis auf den objektiven Journalismus zu einem Thema wie die Gülen Bewegung  Artikeln in pro oder contra Haltung publizieren. Man erwartet sogar von Die Zeit einen solchen Journalismus.

Allerdings ist der Kommentar der Redaktion unter dem Artikel „Wer derzeit als türkischer Publizist fair über Gülen schreibt, muss mit einer Verhaftung rechnen“ nicht mit der journalistischen Ethik vereinbar. Hier teilt die Redaktion dem nicht minder belesenen Leser mit, was „fair“ in Sachen Gülen Bewegung bedeutet: Loben des Herrn Gülen und seiner Bewegung, wie es der „Umut Yetmezoglu“ erfolgreich tut, das wäre fair.

Es ist von der Redaktion „Die Zeit“ ziemlich unfair, die ganzen Journalisten Unfairness zu attestieren, weil sie der Gülen Bewegung gegenüber kritisch stehen. Die Haltung der Zeit Redaktion ist kritisch, weil sie uns mitteilt: Wer Gülen Bewegung kritisiert ist unfair, wer lobt ist fair und wird auch noch verfolgt.

Von einem renommierten Magazin wie die Zeit kann man schon erwarten, dass dort in der Redaktion Journalisten sitzen, die der deutschen Sprache so weit mächtig, um einen Unterschied zwischen „fair“ und „positiv“ oder „andersdenkende“ machen zu können und davon zu gebrauchen. – Adil Kaya


Leserbrief zu Fritz Schaap: „Diese Männer werden wahrscheinlich sterben“:

Zutreffend wäre die Überschrift: „Auf lange Sicht sind wir alle tot“. Europa und Deutschland würde mal wieder ein Kanzler vom Typus Helmut Schmidt gut bekommen.

Derzeit sind es unhistorische Menschen, die leider in Verantwortung stehen für den Staat und die Geschicke der Menschen. Wen wundert’s, dass von Politikern ohne Kriegserfahrung leichtfertig Säbelrasseln veranstaltet wird. Wollen sie diese Erfahrung nachholen? – Erik Schneider


Leserbrief zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Ob Ihre Rentenformel gut ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Das ist auch völlig unwichtig. Bisher ist es so, dass das Kapital für die Rentenversicherung von den lohnsteuerpflichtigen Arbeitnehmern aufgebracht wird.  Kluge Menschen haben festgestellt, dass diese Sorte Mensch langsam aber sicher schwindet und damit auch das Kapital der Rentenversicherung.  Bei diesem Sachverhaltwird Ihnen, wenn Sie im Rentenalter sind, auch die beste Formel keine ausreichende Altersversorgung bringen.

Ich gehöre dem Jahrgang 1931 an. Für mich ist das alles nicht mehr wichtig. Aber für Sie!! Das Rentensystem muss umgebaut werden. Beiträge müssen nicht nur von den Lohnsteuerzahlern aufgebracht weren sondern von ALLEN Steuerzahlern einchl. der Kapitalgesellschaften. Dafür sollten Sie kämpfen und nicht für eine Formel, die wertlos sein wird, weil es dann nichts mehr zu verteilen geben wird. – Immo Richter


Zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Für dieses Fazit „eine Formel für alle“ steht derzeit leider lediglich die AfD (Schweizer Modell), weil sie noch nicht in der Wandlitz-Gesellschaft (Waldsiedlung) angekommen ist. Es ist sehr bedauerlich, dass sich nicht eine der etablierten Parteien zu diesem Schritt durchringen kann.

Unabhängig vom Schweizer Modell könnte das bestehende System aufwandsneutral berichtigt werden. DIE ZEIT hat schon vor 20 Jahren in diesem Sinne insistiert: „Banger Blick aufs Altenteil“  (DIE ZEIT Nr. 7/1996 vom 9.02.1996). „Der „Generationenvertrag“ müsste nämlich ein Vertrag nicht nur zwischen zwei, sondern zwischen drei Generationen sein. 1957 unterließ man es, in die Rentenformel ein „Kinderelement“ einzufügen; Kinder, so dachte man naiv, kommen ohnehin.“ In einem weiteren Artikel wurde aufgezeigt, wie diese Gerechtigkeitslücke über ein Bonus-/Malus-System behoben werden könnte.

Der Autor  Jürgen Borchert, Richter am Hessischen Landessozialgericht („Sozialstaatsdämmerung“ 2013) sagt deutlich: „Da diejenigen, die die Sozialgesetzte machen ( . . . ) nicht von dem betroffen sind [was sie beschliessen] ( . . . ) [ist] eine gerechte Sozialordnung unmöglich.“ Wandlitz lässt grüßen. – Reimar Schappach


Betrifft Josef Joffe: „Trump: Ausgereizt“:

Arrogante Menschen sind zweifellos ignorante Menschen, gleichwohl können sie uns auf allen Ebenen begegnen.

Dass sich seit geraumer Zeit – mal mehr, inzwischen weniger – mit Donald Trump sogar ein Paradebeispiel für diese Spezies durchaus Hoffnung auf das weltweit politisch mächtigste Amt machen kann, dürfte allerdings selbst die ideologische Vorstellungs- kraft vieler Republikaner gesprengt haben.

Dabei sind die Grenzen des demokratisch Vertretbaren nach all den gezielten Tritten in jedes nur erdenkbare Fettnäpfchen und das Brechen jedes noch so biegsamen Tabus durch den Immobilienmogul ohnehin längst erreicht.

Von Anfang an haben viele Fragen Trumps Bewerbung um das US-Präsidentenamt begleitet, mit den meisten Antworten hat sich der offensichtlich beratungsresistente Milliardär höchstselbst entlarvt und disqualifiziert, menschlich wie politisch.

Derweil muss ernsthaft gerätselt werden, ob der ausgewiesene Narzisst nicht doch nur spielen will, ob er nicht schlichtweg als Vertreter in eigener Sache zur besten Sendezeit und mit dem größtmöglichen Aufmerksamkeits-Bonus das ihm in den Vorwahlen entgegengebrachte Vertrauen und somit bereits erteilte Verantwortung und Macht missbraucht.

Doch worin auch immer das Agieren des Donald Trump begründet sein mag, dieser Mann ist eine lose Kanone an Deck des Schiffes Amerika, und es segelt in stürmischen Zeiten.  Entstehende Wellenschläge erfassen indes absehbar nicht zuletzt den alten Kontinent. – Matthias Bartsch


Leserbrief zum Artikel „Was für Landsleute?“ von Özlem Topçu:

„Abgesehen davon, dass ich der Autorin in ihrer Ablehnung der erneuten Politisierung der doppelten Staatsangehörigkeit zur zustimmen kann, irritiert mich, dass die Debatte um die doppelte Staatsangehörigkeit von Anbeginn von Unehrlichkeit geprägt war und noch immer ist. Sie ist unehrlich, weil verschwiegen wird, dass die doppelte Staatsangehörigkeit schon seit langem für gewisse Bevölkerungsgruppen akzeptiert wird:

  • Deutsche, die mit Geburt eine zweite Staatsangehörigkeit erwerben (Abstammung von den Eltern, das legendäre jus sanguinis; Kritiker sprechen immer von der Blut- und Bodenpolitik der Nationalsozialisten, was natürlich Unsinn ist, denn das Abstammungsrecht ist viel älter und im Übrigen erwerben fast auf der ganzen Welt Kinder die Staatsangehörigkeit ihrer Eltern, was auch Sinn macht) müssen sich NICHT mit 18 entscheiden, wie immer irrtümlich behauptet wird;
  • So trifft man auch auf der ganzen Welt Deutsche an, die über Generationen hinweg ihre deutsche Staatsangehörigkeit durch Abstammung erworben haben und entweder gar keine Beziehung mehr zu Deutschland haben, natürlich auch nicht mehr deutsch sprechen oder ein Deutschlandbild haben, das in der Zeit stehengeblieben ist (mit Glück in den 50er Jahren, aber auch gerne mal früher); diese Deutsche haben häufig auch eine zweite Staatsangehörigkeit;
  • EU-Staatsangehörigen und Schweizern erlaubt Deutschland seit einigen Jahren die doppelte Staatsangehörigkeit.
  • Seit gut  einem Jahrzehnt erlaubt Deutschland in Ausland lebenden Deutschen großzügig die Staatsangehörigkeit ihres Gastlandes zu erwerben, wenn dies einigermaßen plausibel begründet wird.

Ich frage mich, wieso dieselben Politiker, die „unseren“ Deutschen in Deutschland und weltweit eine zweite Staatsangehörigkeit großzügig gestatten (ohne Sorge zu haben, dass sie ihre Loyalität dem anderen Staat schenken),  in Deutschland seit Generationen lebenden Ausländern eine Wahl aufzwingen wollen. „ –  Kirsten Hardt


Zu „Trumps amerikanischer Traum“ von Heike Buchter:

ihre Aufstellung der Berater für Donald Trump hat große Qualität, wenn ich meinen Freunden in Amerika glauben schenken darf. Ich sehe keinen Grund das nicht zu tun. Das war auch meine Einschätzung schon vor Wochen.

Unabhängig von den Meinungen der Wissenschaftler, die kein gutes Haar an der Nominierung lassen. Das scheint mir eher eine beleidigende Nummer zu sein. Natürlich werden die auch ihre Vorteile darin sehen, Na und!?

Unser Wohlstand in Europa konnte nur durch hohe Schulden gehalten werden. Ich behaupte; nur dadurch konnten wir den Wohlstand sichern. Und das wird auch in Zukunft so weitergehen, auch wenn der Finanzminister stolz auf die schwarze Null sein kann.

Unsere Sozialausgaben werden in ungeahnte Höhen steigen. Sonst wäre der Wohlstand nur noch für wenige in unserem Land möglich. Die Flûchtlingswelle wird ja ungebrochen weiter gehen. Das belastet zusätzlich unseren Haushalt.

In Japan wurden Schulden gemacht bis der Arzt kommt. Das als Vergleich, hat Deutschland noch jede Menge Luft nach oben. Ein Widerspruch in sich. Das Kartenhaus bricht erst dann zusammen, wenn kaum ein Mensch , ausser Nahrungsmittel, etwas kauft. Trump wird ohnehin nicht gewinnen. Ich rede eigentlich um ungelegte Eier. Ich verschätze mich selten. – Gunter Knauer


„Der Drink: Pfeffi; Die Lage: Vorstellungsgespräch“ von Giulia Becker:

Seit vielen vielen Jahren lese ich die ZEIT aus Überzeugung. Auch weil immer wieder kontroverse Meinungen und Themen gedruckt werden.

Aber die Serie „Drinks für jede Lebenslage“ finde ich arg daneben. Am Anfang war es ja noch ganz lustig und auch irgendwie ironisch, aber inzwischen liest man jedes Mal nur noch eine weitere Folge von „Man muss ja nicht immer und zu jeder Gelegenheit betrunken sein, ABER mit diesem Alkohol ist der Rausch schon kultig/spannend/niveauvoll/erstrebenswert. Also haut euch die Birne bitte damit weg!“

Gerade in der neuen Z gibt es eine Menge tolle Rubriken zu allen möglichen Themen. Bestimmt findet man da eine neue Serie mit weniger alkoholischem Inhalt. Zum Beispiel: „Essen für jede Lebenslage“. – René Lange


Leserbrief zum Artikel „Kämpft für diese Rentenformel!“ von Felix Rohrbeck:

Felix Rohrbeck sprach in seinem Artikel zu Recht die Forderung aus, dass alle Erwerbstätigen in eine gemeinsame Altersversicherung einbezahlen müssen. Auch Selbständige und Beamte. Nur so kann in Zukunft ein gerechteres Sicherungssystem für die Rente aussehen. Von einer Solidargemeinschaft kann man vom derzeitigen Rentensystem nicht sprechen.

Eine grundlegende Rentenreform ist dringend notwendig, wenn wir der jungen Generation nicht zunehmende Lasten auferlegen bzw. weitere Absenkungen des Rentenniveaus hinnehmen wollen.
Leider sind im Parlament Beamte überproportional vertreten, die Interessenvertreter der Beamten und Selbständigen äußerst stark.

Umso wichtiger ist es, das Thema Rentenreform unter dem genannten Aspekt viel häufiger in den Medien zu thematisieren. – Elisabeth und Engelbert Schmitt


Leserbrief zum Artikel „Eure Krise, unser Aufstieg“ von Jan Ross:

Einem Teil der Entwicklungsländer geht es heute wesentlich besser als früher. Der Kapitalismus hat sich in diesen Fällen positiv ausgewirkt. Kann man deshalb die Entwicklung insgesamt positiv sehen?

Es gibt heute Zweifel. Prozentual kommt möglicherweise auch heute ein Gewinn heraus. Die Menschen sind aber Individuen und wollen Einzeln betrachtet werden. Vor Allem kommt es auf Gerechtigkeit an. Und das spielt in heutigen Betrachtungen überhaupt keine Rolle. Kann das Ganze aber zum Kippen bringen.

1.) Die Überlegung, wir lassen einige Wenige reich werden und dann wird schon genügend nach unten tropfen, um die große Masse auch zu Frieden zu stellen, geht nicht mehr auf. Es kommt unten nicht genügend an.

2.) Beispiel USA: Die Produktion wurde nach Asien verlagert und Teile der heimischen Bevölkerung in die Armut gedrängt. Dieser simple Tatbestand ermöglicht Donald Trump eine Chance, ins Weiße Haus einzuziehen. Es ist ein Spiel mit hohem Risiko.

Außerdem, ein Importeur macht einen hohen Gewinn, die Produzierenden in Asien nagen am Hungertuch und zu Hause kann sich ein Teil der Bevölkerung, soweit er noch ein Einkommen hat, billige Produkte leisten, ein anderer Teil ist inzwischen aber arbeitslos. Diese Verfahrensweise geht langfristig nicht auf. Es ist mehr Gerechtigkeit erforderlich, allen Beteiligten gegenüber. Den produzierenden Asiaten sowie der heimischen Bevölkerung gegenüber.

3.) Der Aufschwung dieser neuen Märkte birgt ein Risiko. Diese neuen Märkte sind in der Regel  durch ethnische Spannungen gekennzeichnet. Indien ( Hindus gegen Muslime) China als kommende Weltmacht gegen fast alle Nachbarn. Wobei Indien und Pakistan und China Atommächte sind. Es kann also noch lustig werden.

Das schlechte Beispiel Europa stimmt vorsichtig. Der Aufschwung in Europa im 19.Jahrhundert hat zu einem Militärpakt fast aller gegen Deutschland geführt und in der Folge dann zum 1. Weltkrieg. Russland, England, Frankreich und zum Schluss auch noch Italien wollten Deutschland als wirtschaftlich stärkstes Land ausschalten (nach Christopher Clark). Was dann auch gelungen ist mit Hilfe der Amerikaner.

Ein anderer Aspekt ist das verheerende Wirken europäischer Staaten im 18. und 19. Jahrhundert als Kolonialmächte in Asien. Wenn sich die Gewichte verschoben haben, die neuen Märkte in Asien gleichstark oder sogar stärker sind, wird man es Europa heimzahlen? Die Versuchung könnte zumindest bestehen.

4.) Ein wirtschaftlicher Aufschwung ist ebenso in Afrika und Südamerika erforderlich. In Afrika ist es erforderlich die korrupte Oberklasse zu umgehen. Dafür gibt es noch keine Rezepte.

Ich freue mich über jedes Land, dem es gelingt, der Armut zu entfliehen. Es gibt Ansätze und gute Beispiele, der Masse ist es aber noch nicht gelungen und das Risiko steigt. – Reiner Püschel


„Es hätte so schön sein können“ von Stefanie Kara:

Wenn es Teilchenphysiker nicht gäbe, müsste man sie… finden:-) – Wolfgang Backes


Leserbrief zu „Der Prinz ist es nicht“ von Anna von Münchhausen:

Schön, daß ich auch mal etwas von Ihnen lese. Friedrich August von Kaulbach ist mir auch wohl bekannt. Mit viel Phantasie könnte man im  “ „Porträt eines Unbekannten“ den Kollegen und wunderbaren Landschaftsmaler Karl Raupp erkennen, der ja auch in München gelebt und gelehrt hat. – Gunter Knauer


Zum Artikel „Pflegemutter“ von Moritz Herrmann:

Welch krasser Gegensatz zum Artikel „das ist kein Spass mehr“ im Wirtschaftsteil der gleichen Ausgabe. Wann wacht die Politik endlich auf und reformiert ihr krankes Gesundheitssystem? Statt immer mehr Geld in marode Banken zu pumpen sollten endlich mal die Bedingungen für die Menschen verbessert werden, die überhaupt noch bereit sind, für andere etwas zu leisten. – Doris Weimert


Leserbrief zu „Zu platt für den Aufstand“ von Johanna Schoener:

Zunächst gestatten Sie mir die Frage: Was ist falsch am klassischen Familienbild, daß es mit solcher Vehemenz bekämpft und abgeschafft werden muß. Vor unserem ersten Kind war meine Frau kaufm. Leiterin einer mittelständischen Firma mit Prokura. Ich war und bin selbständiger Rechtsanwalt -nur hatte die Kanzlei bis 2002 noch ein Büro in London und Berlin. Wir haben uns bewußt für Nachwuchs entschieden und wir haben uns bewußt entschieden, daß meine Frau und ich beruflich kürzer treten werden. Meine Frau ist auf eine Halbtagesstelle gewechselt, daß diese nicht auf dem vorherigen beruflichen Niveau zu erreichen war, brauche ich nicht zu erläutern. Ich arbeite zwar weiter Vollzeit – aber deutlich weniger. Die Alternative, daß ich auf eine Halbtagsstelle ausweiche, war im Gespräch und ist von uns verworfen worden. Die Entscheidung für Kinder ist in gewisser Hinsicht mit Einschränkungen verbunden. Dies betrifft den beruflichen als auch den privaten Bereich. Wer das nicht will, sollte eben keine Kinder bekommen. Ich mag jetzt nicht davon reden, daß sich in meinen Augen diese Einschränkungen mehr als gelohnt haben. Auch für mich war klar, daß meine Karriere mit der Geburt unseres ersten Kindes beendet ist. Ich wollte meine Kinder aufwachsen sehen, Freizeit mit ihnen verbringen und nicht der Vater sein, den sie kaum gesehen haben. Meine Arbeitszeit habe ich entsprechend reduziert, die Büros in London und Berlin geschlossen und ich trenne den beruflichen und den privaten Bereich. Die Vorstellung, mit dem Smartphone am Sandkasten zu sitzen und geschäftliche Telefonate zu führen oder e-mails zu beantworten, halte ich für absurd. Das Gerät kann man abschalten!

Warum ist dieses Familienmodell nicht mehr tragbar? Ihr netter Artikel beschäftigt sich letztlich nur mit der Abschaffung dieses Modells ohne einen einzigen Grund dafür zu nennen.

Ich behaupte, daß dieses klassiche Familienbild für die Kindererziehung besser ist. Die Kinder haben einen klaren ersten Ansprechpartner; Widersprüche in der Erziehung kommen nicht vor, weil ich als zweiter Ansprechpartner immer zuerst frage, was hat denn deine Mutter dazu gesagt. Es gibt also klare Strukturen, in denen sich die Kinder entfalten können. Die Idee dazu stammt natürlich nicht von uns sondern von Goethe, der bereits sagte, daß man seinen Kindern Wurzeln und Flügel geben müßte. Das klassische Familienbild mit seinen klaren Strukturen ist hierfür besser geeignet als ein ambivalentes Hin- und Hergeschupse der Kindern zwischen beiden Elternteilen, je nachdem, wer gerade mehr Freizeit auf seinem „Zeitkonto“ hat – schwachsinnige Idee übrigens. Bevor man als Autor so einen Blödsinn schreibt, sollte man sich mal über die Durchführbarkeit Gedanken machen. Wie soll dieses System zwischen den Tausenden von Arbeitgebern und Hunderttausenden von Selbständigen ansatzweise funktionieren? Und wozu führt das, daß Kinderzeiten letztlich nur Verrechnungswerte auf einem Zeitkonto sind? Das wollen Sie so?

Wenn ich als Elternteil nicht in der Lage bin, die Zeiten mit meinen Kindern angemessen zu verbringen, dann wird das im Regelfall an mir selber liegen und nicht an der „bösen“ Gesellschaft. Die Entscheidung gegen Überstunden, gegen ständige Erreichbarkeit und gegen Karriere kann ich immer und zu jeder Zeit selber treffen. Das Rad dreht sich auch ohne mich weiter. – Volker v. Moers


Über den Artikel „Eure Krise, unser Aufstieg“ von Jan Ross:

Ich habe Ihren interessanten Artikel „Eure Krise, unser Aufstieg“ gelesen. Ich würde mich freuen, wenn Ihre positive Einschätzung zu Indien wahr würde. Ich habe beim Besuch meiner indischen Verwandten dort empfunden, als befänden sich die Bewohner nie im jetzigen Leben, sondern immer schon im nächsten. Darum bestand überall „Chaos mal Provisorium erster Klasse zum Quadrat“ und es ist überhaupt kein Ende abzusehen. Ein kleiner Lichtblick scheint zu sein, dass sich die Bevölkerungsexplosion augenscheinlich verlangsamt und Bildung einen hohen Stellenwert besitzt. Es wird noch Generationen dauern, sollte Ihre Prophezeiungen zum Tragen kommen.

Völlig falsch liegen Sie – meines Erachtens -, wenn Sie uns Europäer in Panik vermuten. Wir sind zwar beunruhigt aber trotzdem erstaunlich gelassen. Wir werden mit etwas mehr oder weniger „Federlassen“ unsere Krisen überwinden. Danke für den Artikel! – Günter Garbrecht


Leserbrief zum Artikel „Sie duzen sich, sie streiten sich“ von Mariam Lau:

Herr Lucht bezeichnet die Grünen als Existenzvernichter,dabei sitzen diese doch in seinen eigenen Reihen des Deutschen Bauerverbandes. Völlig losgelöst von einer Landwirtschaft der Achtsamkeit gegenüber der Ökonomie und ohne Rücksicht auf Belastungsgrenzen für Mensch und Tier, haben sie „ihre Bauern“ in eine extreme Wachstumsfalle getrieben, in der nur noch ökonomische Sachzwänge gelten. Der Ideologie des so genannten „Freien Marktes“ folgend.  Es waren doch die letzten Jahrzehnte verantwortungsloser Politik, die diese desolate Situation in der Landwirtschaft verursacht haben. Herr Habeck stößt nun in seiner Amtszeit auf viele Missstände und muss sie lösen. Lucht und andere Vertreter des Deutschen Bauernverbandes waren es gewohnt, sich in Zeiten der CDU, jeweilige Politiker zurecht zu biegen. Nun kommt Habeck und zeigt Rückgrat. Da fährt der DBV dann seine Strategie des“ runter bügelns“.

Die Aussage  von Herrn Lucht, dass er ein freier Mensch sein wolle, wirkt auf mich befremdlich und unreif .  Er scheint sich selbst genug zu sein, denn kaum war ein Bauer jemals so unfrei wie heute. Der wirtschaftliche Druck und damit der alleinige Schrei nach Effizienz, zwingt zu sozialem und ökologischem Fehlverhalten.

Der so genannte „Freie Markt“, ist jedoch nur so frei, wie er auch den Menschen des Jahres 2030, 2050 oder 2150 die Freiheit lässt, nicht Sklaven einer verarmten,vergifteten und klimatisch gestörten Umwelt zu sei!

Offenbar fehlt Lucht jegliche Fähigkeit der Empathie und die Bereitschaft das GANZE zu betrachten. Ich bin froh, dass nicht alle Bauern so sind und immer mehr erkennen, dass wir eine Agrarwende brauchen!

Dass Herr Habeck sich in diesem Zusammenhang, mit Herrn Lucht, verniedlicht ablichten läßt,in einer Position wie die Kessler-Zwilling,lasse ich hier mal unkommentiert. – Anneli Wehling


Leserbrief zu „Kämpft für diese Rentenformel“ von Felix Rohrbeck:

Ich verstehe ihren Zorn auf Ungerechtigkeit sehr gut. In meiner Selbstständigkeit habe ich darum kämpfen müssen, um mit meinem Einkommen ein Auskommen zu haben. Auch habe ich mich immer aktiv um meine Rente gekümmert, damit ich auch noch im Alter selbst-ständig bin. Mein Rentenbeitrag beträgt 15 %, die ich im Gegensatz zu ihren lediglich 9,35 % ganz alleine bezahlen muß. Mir hilft kein Arbeitgeber und kein Staat. Zukünftig wünsche ich mir mehr Schärfe und Brillanz bei ihren Recherchen.

Es scheint, daß Vertreter der Generation Y der Sie ja angehören, was geistige und materielle Freiheit zumindest in Kindheit und Adoleszenz angeht, noch größere Speckmaden sind als die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre. – P. Wurmbauer


Zum Thema Olympia in Rio:

Wenn man den „Beipacktext“ zu den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro liest, fragt man sich unwillkürlich, ob eine Teilnahme nicht gesundheitsgefährdend ist. Fragen an den Arzt oder Apotheker des Vertrauens werden den Athletinnen und Athleten nicht erspart bleiben. Welche Medikamente helfen am besten gegen die multiresistenten KPC-Keime in der Guanabara-Bucht? Gibt es überhaupt noch wirksame Medikamente gegen die Superbakterien MRSA, die in fünf Buchten nachgewiesen wurden? Neben den Dopingspezialisten werden nun auch Infektionsspezialisten alle Hände voll zu tun haben.

Die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio werden wohl-in vielerlei Hinsicht-als die unsaubersten in die Geschichte eingehen! Da bewahrheiten sich die Worte aus dem Requiem von Rilke: Wer spricht noch von Siegen? Überstehn ist alles!

Man weiß nun, dass der olympische Gedanke „schneller, höher, stärker/weiter“ nur mehr „mit allen Mittel und um jeden Preis“ umsetzbar ist. Die Medaille und nicht mehr der Mensch steht im Mittelpunkt jeglichen Interesses, der täglich veröffentlichte Medaillenspiegel bestätigt diese Annahme. Man könnte sich auch fragen, ob der Preis für einen Sieg nicht schon zu hoch sei. – Ing. Egon Hofer


Leserbrief zu „Zu platt für den Aufstand“ von Johanna Schoener:

Es ist schon ein Kreuz mit den Politikern. Ihre Autorin Johanna Schoener beschreibt das, was ich schon vor 20 Jahren gepredigt habe. Die Politikerelite scheint gegen jede Kritik immun zu sein. Die suchen ihr Heil in der Kita. Selbst 3 Kinder und eine wunderbare Frau an meiner Seite haben das nie mitgemacht. Das hängt alles mit unserer Gesellschaftsstruktur zusammen. Die etablierten Sozial- und Erziehungswissenschaftler haben das so gewollt.

Ein Kind sollte die ersten 3 Jahre in der Umgebung der Eltern leben und nicht in einer Kita. Vernünftige Wissenschaftler wie der Däne Jesper Juul predigt das auch schon seit Jahren. Er sagt: „Die Wahrheit ist: das Leben der Pädagogen macht es einfacher und nicht die Lebensqualität der Kinder.

Wir haben das auch aus politischen Gründen nicht machen wollen. Die überzahl der Frauen in Schulen und Kitas sind in der Beamtenpartei der Grünen versammelt. Die haben uns das besonders eingeprockt.

Nun kann sich das nicht jede Familie leisten und das ist das eigentliche Dilemma. Es bleibt gar nicht aus,  das später aus fehlender Fürsorge, die Kinder später zur Kriminalität neigen. Die Zahlen machen das recht deutlich, wobei das noch verharmlost wird. Die Statistiken zeigen bei weitem nicht den tatsächlichen Zustand – wie ich von einem führenden Ordnungshüter erfahren konnte.

Die Politik hat keine Alternative zur Hand. Das beide Eltern heute arbeiten müssen lässt sich nicht mehr ändern. Damit sollten wir uns abfinden. Der Tenor vieler Politiker. Dabei wüsste ich Abhilfe zu schaffen. Aber das würde jetzt zu weit führen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Heim, Herd, Blog“ von Verena Friederike Hasel:

„Heute schießen die Konsumenten zurück“, behauptet der Professor für Wirtschaftsinformatik. Mein Eindruck von dem dargestellten Geschäftsmodell Mamablog ist ein anderer: Frau Hart verdingt sich als Treiberin, die der Werbewirtschaft die Konsumenten vor die Flinte bringt. Wie in diesem Zusammenhang von Glaubwürdigkeit die Rede sein kann, ist mir schleierhaft. Besonders problematisch finde ich aber die Rolle der Kinder: kleine Musterkonsumenten, deren Leben teilweise im Schaufenster stattfindet. Wer kümmert sich eigentlich um deren Daten- und Persönlichkeitsschutz? – Bettina Ziegler


Leserbrief zum Artikel „Sie duzen sich, sie streiten sich“ von Mariam Lau:

Mit Ihrem Artikel „Sie duzen sich, sie streiten sich“ haben Sie inder ZEit #34 ein interessantes Thema gewählt und aufbereitet. Entsprechend des Untertitels „Umweltminister und Großbauer diskutieren über Landwirtschaft“ hätte ich mir aber eine tiefergehende Analyse bzw. Auseinandersetzung gewünscht. Der Artikel stellt Ansichten und Einstellungen der beiden Personen dar, aber eine Diskussion über die strittigen Punkte in der Form, dass jeder die Argumente des anderen aus seiner Sicht bewertet, gibt es nicht. Damit hat mich der Artikel insgesamt eher enttäuscht, denn dass die Positionen von konventionellen Bauern und Grünen verschieden sind, war mir bereits bekannt. – Christoph Schürmann


Leserbrief zum Artikel “Zu platt für den Aufstand“ von Johanna Schoener:

Die derzeitige Realität für Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben Sie, Frau Schöner, gut getroffen.

Auf ihre vielen, richtigen Fragen zu Veränderungen unserer Arbeitskultur kann ich nur antworten: weil wir in einer neoliberalen Gesellschaft leben, die von Ökonomen geprägt wird, für die nur Vollzeit-Erwerbstätigkeit und Effizienz zählen, deswegen ändert sich nichts. Anerkennung gibt es über die Vollzeit-Erwerbstätigkeit und nicht über Betreuung und Pflege von Angehörigen.

Im letzten Absatz des Artikels wird auch Ihre, die Elternarbeit gering schätzende, Einstellung deutlich. Zitat: „ Was man Müttern und Vätern vorwerfen kann, ist die in dieser Lebensphase zwar verständliche, aber nachteilige Verkleinerung ihrer Welt, in der viel zu oft über bekömmliches Essen, banale Erziehungsfragen und andere Befindlichkeiten diskutiert wird. Würden sie doch bloß viel lauter für die großen Dinge streiten.“

  1. Beim Essen geht es nicht um Befindlichkeiten! Angesichts einer großen Zahl von Zivilisationskrankheiten aufgrund Fehlernährung, kommt gesunder Ernährung eine große Bedeutung zu. Selbstverständlich sollte darüber nicht nur diskutiert werden, sondern auch danach gehandelt, also gegessen werden.
  2. Kindererziehung ist nun auch keinesfalls banal. Die Folgen falscher oder fehlender Erziehung hat auch unsere Gesellschaft zu tragen.

Solange nicht in allen Köpfen angekommen ist, was Eltern bei der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder – auch für unsere Gesellschaft – leisten, solange dies nicht wertgeschätzt wird und dieser Arbeit nicht angemessenen Raum und Zeit eingeräumt wird, wird sich auch an der schwierigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf nichts ändern.

Jeder möchte Wohlstand und in sozialem Frieden leben, aber die wenigsten sind dafür bereit, in die Keimzelle unserer Gesellschaft zu investieren, indem sie Bedingungen schaffen, damit die Arbeit in dieser Keimzelle gelingen kann. – Ursula Brand


Zum Artikel „Trumps amerikanischer Traum“ von Heike Buchter:

Die Zeit legt meiner Beobachtung nach großen Wert darauf, sich vom Vorwurf der einseitigen und meinungsmachenden Berichterstattung zu distanzieren und stattdessen eine seriöse und durch Fakten, nicht persönliche Meinung gestützte Berichterstattung zu betreiben. Dementsprechend war ich sehr enttäuscht von dem Porträt über Trumps vorgestelltes Wirtschaftsteam. Auch wenn ich niemals für ihn stimmen würde, wünsche ich mir eine sachliche Berichterstattung.

Zu Thomas Barrack Jr.: „Vielleicht lässt ihn sein Freund Donald beim nächsten Deal mitmachen, damit er sich was dazuverdient.“

Zu Steven Mnuchin: „Vielleicht kriegt er ja die Rechte an der Trump Story.“

Dieser „vielleicht passiert ja Folgendes“-Logik könnten sie theoretisch jedem persönliche Vorteilsnahme unterstellen. Derartige Mutmaßungen sind dem ansonsten sehr hohen journalistischen Niveau der ZEIT nicht würdig und wie ich finde unprofesionell. Des Weiteren ist genau so etwas  Wasser auf den Mühlen derer, die den etablierten Medien vorwerfen, ein falsches Bild der Wirklichkeit erzeugen zu wollen. – Richard Kiewitt


Leserbrief zum Artikel  „Erdogan der Retter“ von Martin Klingst, Jörg Lau und Bernd Ulrich:

In ihrem Artikel  brechen die Autoren eine Lanze sowohl  für das Flüchtlingsabkommen als auch die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Es mutet kurios an, wenn sie auf der einen Seite in Anspruch nehmen, Fakten seien das beste Hilfsmittel – wer wollte das bestreiten -, auf der anderen Seite aber eine sehr eigenwillige Gewichtung der Fakten vornehmen. So wird der Rückführung  von bescheidenen 842 Flüchtlingen (Fakt!) in die Türkei wenig Bedeutung beigemessen, die psychologische Wirkung des Abkommens (Fakt?) jedoch stark hervorgehoben – diese lasst sich schwer belegen, dafür aber leicht behaupten. Offensichtlich ist aber doch: die Obergrenze von 72.000 Flüchtlingen (Fakt!), auf die das Abkommen maximal Anwendung finden soll, sind ein Tropfen auf den heißen Stein, da es hier um weniger als 2 Prozent aller bisher aus Syrien Geflohenen geht. Und 6 Milliarden Euro – rund 83.000 Euro pro rückgeführten Flüchtling – sind ein stolzer Preis dafür.

Nicht besser sieht es bei den EU-Beitrittsverhandlungen aus, bei denen sich die Autoren gegen ein „ehrlich machen“ aussprechen und an der „diplomatischen Fiktion“ eines EU-Beitritts der Türkei festhalten. Begründet wird dies mit den diplomatischen Fiktionen „Minsk II“ und der Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina. Es wäre aber schon wichtig anzumerken, dass es bei letzteren um kriegerische Auseinandersetzungen geht, bei denen immer wieder Menschen sterben, und wo eine Lösung schwer bestreitbar in den Bereich des Notwendigen gehört. Es ist nachvollziehbar, dass man sich hier auch an Strohhalme klammert.

Bei einem EU-Beitritt durch die Türkei ist das aber ganz anders: Über dessen Notwendigkeit lässt sich trefflich streiten. Von daher sind die erst genannten diplomatischen Fiktionen ein schwaches Argument für die diplomatische Fiktion eines türkischen EU-Beitritts. Vielmehr sollte darauf achtgegeben werden, dass  die sich seit Jahrzehnten hinziehenden Verhandlungen nicht zunehmend als Farce wahrgenommen werden, bei der man sich fragt, wer von den Verhandlern überhaupt an einen absehbaren Verhandlungserfolg glaubt.

Wäre ein  „sich ehrlich machen“ in Zeiten, in der sich Menschen von etablierten Politikern und Parteien zunehmend abwenden, und in einer Stimmung, die sich populistische und teilweise extreme Strömungen geschickt zunutze machen, nicht vielleicht doch eine überlegenswerte Alternative? Wenn nicht, dann aber wenigstens eine redliche Argumentation! – Berthold Heymann  

 

04. August 2016 – Ausgabe 33

Leserbrief zu „Richter Mundtot“ von Julia Smilga:

Die Gesetzgebung, die der Disziplinarsache gegen von Renesse zugrunde liegt, könnte man aufgrund der Vorkommnisse auch als Absprache gemäßes Zusammenwirken / konkludentes Handeln von  Gesetzgeber und Justiz, also von zwei Grundpfeilern unseres Staates, sehen mit dem Ziel, nach außen hin Wiedergutmachung vorzugeben, diese jedoch bei der Umsetzung  durch kaum zu erfüllende Voraussetzung praktisch wieder aufzuheben.

Diesen Widerspruch erkennend hat von Renesse gehandelt und dabei  nicht zu rechtfertigende Weisungen verständlicherweise ignoriert.

Das Vorgehen gegen von Renesse ist nicht zu rechtfertigen. – Dankward Sidow


Zum Artikel „Richter Mundtot“ von Julia Smilga:

„Mehr als die Beschämung ist tatsächlich nur der Schrecken, den dieser Artikel in mir hervorlockt. Was für eine unterbewusste und kollektive Verstrickung, bis weit zurück ins Dritte Reich, muss wohl in den Köpfen, ja in den Herzen der vielen Protagonisten dieses sich so abscheulich und unwürdig anhörenden Ränkespiels, wirkmächtig die Strippen ziehen. Und was für einem ehrlosen Marionetten-Theater, bar jeder Empathie, geht hier eine große Zahl Menschen ins Netz, entrückt schwebend, über einem Boden, der eigentlich deutsche Staatsräson sein sollte. Bleibt nach dem Lesen des Artikels fast nur die Frage, wie sowohl die ZEIT als auch alle anderen Vertreter der vierten Macht im Staat solch einer unheiligen Allianz entgegen treten werden, um – leider – längst nicht mehr nur den Anfängen zu wehren? Denn hiergegen kommen einem die aktuell noch relativ machtlosen Mini-Massen von Pediga, AfD und Co. fast harmlos vor.“ – Markus Koch


Leserbrief zu „Unsere Arroganz“  von Elisabeth Raether:

Die Schönheit des Bodenständigen:

„Jetzt ist aber mal genug mit diesen originellen Einfällen“, sagt Elisabeth Raether, wenn sie „aus Berufsgründen in einem teuren Restaurant vor einer als Schiefer Turm von Pisa geformten Gänsestopfleber“ sitzt, genießt „diesen Moment der unreflektierten Elitenverachtung“ und fragt: „Ist das Bodenständige nicht viel schöner?“

Ja, selbstverständlich, liebe Frau Raether, damit kann auch ich sehr gut leben. Zumal, wenn das Ganze nicht mit Öl vollgesaugt ist und schwer im Magen liegt. Also: Herzlich willkommen mit dem, was Sie da (mit Ihrem Essay) angerichtet haben. Aber am Ende bitte nicht schwach werden, sondern: „…noch mal pfeffern(!)“. –  Hans-Jürgen Tlusty


Betrifft „Einer flog über das Storchennest“ von Martin Nejezchleba:

Sehr geehrte Damen und Herren, lassen Sie sich von Frau Dr. Gräßle folgende Zahlen geben:

  • Anzahl der noch laufenden Förderprojekte, ggf. getrennt nach Beginn pro Jahr
  • durchschnittliche Laufzeit in Jahren
  • Volumen in Euro, gestaffelt nach Größe
  • Anzahl der Mitarbeiter, die für die Projekte von der Beantragung bis zur Abwicklung (einschl. finanzieller Prüfung) zuständig sind.

Das Mißverhältnis ist unbeschreiblich, aber Brüssel akzeptiert lieber die erwähnten 6,4 Mrd. € dubioser Fälle. Daraus sollten Sie eine Berichtsserie machen.  – Heinz-Dieter Busch


Zum Tietelthema:

Beim Lesen dieses Artikels fragt man sich, ob Frau Rückert mit Karin Göring-Eckardt verwandt oder verschwägert ist… Unglaublich, wie dem Leser hier ein 10-Punkte-Plan (mal wieder) vorgelegt wird, nach dem er sich gefälligst zu richten hat!  Besonders nett ist Punkt 10, treten Sie einer Regigionsgemeinschaft bei, unabhängig von Ihrer persönlichen Überzeugung…? Ich selbst bin Mitglied der katholischen Kirche, vertrete aber den Ansatz leben und leben lassen, warum soll sich jemand einer Gemeinschaft anschließen, deren Werte ihm nichts sagen? Na ja, aber das ist vermutlich wieder der verkappte Gutmenschenansatz der Zeit, dieser kann einen treuen Leser schon mal nerven. – Magrit Mauen


Leserbrief zu „Richter Mundtot“:

Ihr Artikel hat mich an meine eigenen Erfahrungen erinnert. Ich hatte drei Jahre lang mit Vernehmungen von Holocaust Überlebenden im Auftrag von Sozial- und Strafgerichten zu tun. Vielleicht sollten Sie einen neuen Bericht über das Bundesentschädigungsgesetz und dessen Entstehungsgeschichte schreiben. Dabei müssten Sie auch erwähnen, dass es bereits Ende der sechziger Jahre auslief, da nach dem damaligen Rechtsverständnis Rechtssicherheit eintreten sollte. Das führte dann dazu, dass verschiedene Entschädigungsfonds geschaffen wurden. Auch deren Geschichte wäre interessant dazustellen. Eins sollten Sie aber berücksichtigen:  Wenn Sie Entscheidungen über Entschädigungen einer Bürokratie überantworten, dann folgt das Verfahren seit Hamurabi den drei ehernen Verwaltungsprinzipien:
1. Das haben wir schon immer so gemacht. 2. Da könnte ja jeder kommen. 3. Warum sollten wir das
überhaupt ändern. Gestatten Sie mir, dies an einem Fall zu verdeutlichen: Eine polnische Jüdin war Anfang der 40 Jahre in Polen aus einem Ghetto geflohen. Auf der Flucht hatte ihr eine Maschinenpistolensalve den linken Unterarm zerfetzt. Sie hatte daraufhin eine Unterarmprothese mit einer künstlichen Hand erhalten. Als sie eine Neue benötigte, lehnte das die zuständige Entschädigungsbehörde ab, Begründung: Da sie nur eine Entschädigungsrente entsprechend der Rente eines Beamten des mittleren Dienstes erhielte, stünde ihr nur eine Art Greifzange zu. Erst die Drohung, die Akten an den Petitionsausschuss des Bundestages und des zuständigen Landtages zu senden, verhalf der Betroffenen zu einer Hand. – Ulf Hanel


Ich habe selten einen so oberflächlichen und gleichzeitig naiven Kommentar gelesen, wie denjenigen von Frau Baurmann in der aktuellen Ausgabe Ihrer Zeitung. Da beruft sich die Autorin auf den Blogeintrag eines Mitglieds des Chaos Computer Club (CCC) und argumentiert mit Prozentzahlen, womit sie zu belegen versucht, dass man zwar Waffen im Darknet bestellen könne, die dazu gehörigen Seiten aber einen verschwindend geringen Anteil des gesamten Darknets ausmachten, das ansonsten eine „ziemliche gute Sache“ sei. Nicht nur sollte man die statistischen Erhebungen des CCC vor dem Hintergrund einer zunehmende staatlichen Kontrolle des „guten Internets“ mit Vorsicht genießen.

Selbst wenn man aber den Zahlen Glauben schenken möchte, so ist die Nennung von 0,3 % bis 4 % ohne absoluten Bezugspunkt – im für die Autorin besten Fall – bloß Zeichen eines missglückten Versuchs, dem Kommentar einen wissenschaftlichen Anstrich zu verpassen. Neben den mutmaßlichen Feldstudien in Hamburger Problembezirken hätte Frau Baurmann vom Besuch eines Jugendschöffengerichts sicher mehr profitiert: Dort  erlebt man mit trauriger Regelmäßigkeit immer wieder Jugendliche, die sich über das Darknet Dopingpräperate aus Giftmischereien in China, Drogen, Falschgeld oder Waffen an Postfachadressen schicken lassen und damit andere Personen gefährden oder gar verletzen. Die dazu erforderlichen Seiten im Darknet zu finden, scheint ihnen dabei nach meiner Erfahrung jeweils keine großen Schwierigkeiten bereitet zu haben. Dem Amokläufer von München offensichtlich auch nicht. – Dr. Matthias Klöpfer


Zum Leitartikel „Der Kampf um die Demokratie“:

Ja es stimmt, um Demokratie muss gekämpft werden. Das war schom immer so – und was noch viel schlimmer ist: Der Kampf muss in den Köpfen stattfinden. An dieser Stelle wird es dann problematisch, denn der Populismus hat die einfacheren Lösungen anzubieten. Lösungen, die jedem denkfaulen Mitmenschen eingängig sind und die Symptome der Gesellschaft zu heilen versprechen. Da aber das Nachdenken über die Folgen wiederum nichts für die Denkfaulen ist, welche die gegebenen Verhältnisse befördert haben, schwingt das Pendel nach einiger Zeit wieder zurück. So war es bisher. (Siehe Atomkraft, Umweltschutz etc…)
Ob das Pendel hin zu einer demokratischen, und damit den humanistischen Idealen verbundenen, Gesellschaft zurückschwingen kann, darf im Moment getrost bezweifelt werden. Das Informationszeitaler hat den Konstrukteuren phantastischer Verschwörungsszenarien ein Spielfeld eröffnet, das Jeden in den Rang eines Pseudointellektuellen erhebt. Einfache Geister meinen den Zusammenhang komplexer Dinge erkennen zu können und bekommen von sinsitren Meinungsagenten auch gleich die Schuldigen und die Lösung mitgeliefert. Die Erkenntnis, nur missbraucht zu worden zu sein, kommt leider oft zu spät.
Demokratie und deren Pflege bedingt gebildete Menschen. Mit dem Niedergang der Bildung, in Form von Einsparungen im Bildungswesen, bei der öffentlichen Kinder– und Jugendarbeit und letztendlich bei der hirnrissigen Reform des Studiums, schaufelt sich unsere Gesellschaft das eigene Grab. Extremismus gedeiht in bildungsfernen Schichten und nur selten in den Köpfen kluger Menschen. (Es sei denn, sie nutzen ihn zur Verfolgung eigener Interessen!) – Rainer Geyer


Zum Leitartikel:

Der Titel greift zu kurz. Denn die Gefahr für die westlichen Demokratien geht nicht nur von autoritären Populisten aus, die zum eigenen Nutzen die Gesellschaften spalten, sondern ebenfalls von den etablierten Parteien, die immer häufiger eigentlich verbriefte Bürgerrechte einschränken. Wie zum Beispiel in Spanien, wo als direkte Reaktion auf die sozialen Jugendproteste ein Gesetz seitens der alten konservativen Regierung verabschiedet wurde, um insbesondere in den sozialen Netzwerken unbequeme Beiträge zu unterbinden. Oder in Hamburg mit den sogenannten Gefahrengebieten, bei denen nicht einmal die Gewaltenteilung eingehalten wurde, da die Exekutive nahezu im Alleingang die Bevölkerung in ganzen Stadtteilen unter Generalverdacht stellen konnte. Deshalb bleibt die wichtigste Lehre wie schon in der Weimarer Republik, dass eine Demokratie nur so stark ist, wie ihre Repräsentanten auftreten! – Rasmus Ph. Helt


„Mischt euch ein!“ von Thomas Fischermann und Christof Siemes:

Einmischen … ja, aber weit effektiver wäre es zu ignorieren. Die gigantische Wirtschaftsmaschine „Olympia“ benötigt vor allem eines: Aufmerksamkeit. Ob positiv oder negativ, Hauptsache auf Seite 1 in den kommenden Wochen. Wäre es nicht ein Zeichen, das „DIE ZEIT“ setzen könnte, wenn sie über diesen Rummel in Rio inklusive der Feigenblattveranstaltungen darum herum NICHT berichten würde? Kein Foto, kein Text – NICHTS.
Das wäre die effektivste Art Herrn Bach und den seinen zu sagen, was man von Olympia hält. Die Frage ist, hat „DIE ZEIT“ den Mumm dazu, den sie von anderen einfordert. – Manfred Hofmann


„Von wegen ‚die anderen'“ von Sabine Rückert:

Beim Lesen der Vorschläge, die jede/r Einzelne zu einer Stärkung der Demokratie tun könne, stellte sich mir doch ernsthaft die Frage, ob der zehnte Punkt als ironische Pointe zu verstehen oder tatsächlich voll und ganz ernst gemeint ist. Die Kirche als Demokratie fördernde Instanz darzusstellen ist mit der größte Schwachsinn den ich jemals lesen musste! Ihr Weg zu dem politischen und sozialen Einfluss, den sie in den letzten 1000-1500 Jahren erreicht hat, ist gekennzeichnet von Korruption, Intrigen, Machtspielen, Mord und patriarchalen Strukturen; alles Aspekte, die einer Demokratie nicht förderlich sind.
Wo sich hier „Herzlichkeit“ finden lassen soll, bleibt mir schleierhaft im Hinblick auf die Masse an Menschen die unter „christlicher Flagge“ ihr Leben lassen musste. Angefangen bei den frühen Kreuzzügen, über die Vernichtung der Ketzer, psychisch oder körperlich Beeinträchtigter, tausender Frauen – sei es direkt durch die Hexenverfolgung oder indirekt aufgrund illegaler Abtreibungen etc. – bis hin zu den jüngsten Glaubenskriegen.
Liberté, Égalité, Fraternité – bis auf letzteres vielleicht, im wahrsten Sinne des Wortes, lässt sich in der hierarchisch organisierten christlichen Kirche keiner dieser Grundsätze wieder finden. Neu ist mir auch die Tatsache, dass sie davor bewahre „alles besser zu wissen“, hat sie doch selber ihren streng dogmatischen „Irrweg“. Die monotheistischen Religionen sind – wie der Name unschwer erkennen lässt – dadurch gekennzeichnet, dass EINE heilige Person den Menschen Verhaltensweisen und Regeln vorgibt, deren Nichteinhaltung sanktioniert wird. Vor allem in der katholischen Kirche mit dem Papst an der Spitze erinnern solche Strukturen doch eher an Autokratie als an Demokratie.
Weltanschauung, Organisation und Struktur der Kirche sind vielmehr Gefahr für Demokratie und Frieden, als dass sie diese stärken würden. In einer aufgeklärten, starken und sicheren Demokratie sollte Religion eher eine marginale Rolle spielen! Zum Abschluss die Worte Reinhard Meys im Ohr: „Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: Halt du sie dumm – ich halt‘ sie arm!“ – Lena Lindner


Zu „Eine ziemlich gute Sache“ von Jana Gioia Baurmann:

In der aktuellen Ausgabe der Zeit bin ich mit einiger Verwunderung und leichter Verärgerung gleich auf der ersten Seite im Artikel „Eine ziemlich gute Sache“ von Jana Gioia Baurmann auf mir zum Teil nicht bekannte Anglizismen gestoßen. Es waren dies der inzwischen weit verbreitete „Whistleblower“ – dessen Bedeutung mir bekannt ist – sowie das im letzten Absatz erwähnte „Darknet-Bashing“. Entgegen meiner Vermutung stellte diese letzte Formulierung keine satirische Überspitzung dar, die im nächsten Satz etwa erläutert wurde. Stattdessen war dies „ernst“ gemeint und der Leser muss hier anscheinend selbst wissen, was mit einem „Bashing“ gemeint sein soll. Ich möchte mich der Weiterentwicklung der deutschen Sprache und der Aktualisierung der Journalistensprache mittels Verwendung solcher anscheinend mittlerweile gängiger Ausdrücke nicht entgegenstellen und möchte hier nicht darüber schimpfen. Doch würde ich darum bitten, dass solche Begriffe, die sich nicht so leicht (oder gar nicht) erschließen lassen wie beispielsweise der „Whistleblower“ (zu deutsch schlicht als Enthüller zu bezeichnen), erklärt werden. Oder aber, und das wäre meiner Meinung nach ebenfalls sprachfördernd, man findet eine vielleicht noch nicht existierende deutsche Entsprechung, die sich aber jedem sofort erschließen kann. Im Falle des „Bashing“ könnte dies das „Herunterputzen“ sein, wobei dann natürlich die Substantivierung verloren ginge, wie sie im Artikel verwendet wurde.  Vielleicht habe ich den Artikel und seinen Tenor aber auch grundsätzlich missverstanden und mit den früheren Pro- und Contra-Artikeln verwechselt, die bis vor wenigen Jahren immer auf der ersten Seite zu lesen waren. In diesem Falle erhalte ich ausschließlich meine Bitte aufrecht, etwaige Anglizismen kurz zu erläutern. Auch als unregelmäßiger Leser der ZEIT freue ich mich weiterhin über interessante Artikel. – Hendrik Hempfling


Zum Artikel „Der Kampf um die Demokratie“:

Ich schreibe selten Leserbriefe, aber diesmal hat mich doch ein Absatz in einem Artikel so beeindruckt dass ich darauf reagieren wollte. Es geht um den Artikel „Der Kampf um die Demokratie – Was macht die Autoritären so stark?“. Meine Anmerkung bezieht sich dabei auf diesen Abschnitt:

Aber was ist mit den Fake Brüsten der jungen Trans-Frau? Warum sind die einen Brüste fortschrittlich, die anderen aber reaktionär? Wenn man sein biologisches Geschlecht nicht annehmen will, darf man sich bis zur Unkenntlichkeit operieren lassen, aber nicht, wenn man jünger oder besser aussehen will, als man ist? Wie soll man das jemandem außerhalb der liberalen Blase erklären?

Ich bin selber FzM Transgender, habe über 40 Jahre lang in einem Körper gelebt der nicht der meine war. Ich habe alles versucht, um diesen biologischen Körper anzunehmen, habe eine Familie gegründet, Kinder zur Welt gebracht. Es hat alles nicht funktioniert. Nicht, weil ich nicht GEWOLLT hätte, sondern weil es völlig UNMÖGLICH war. Dieses biologische Geschlecht, dieser biologische Körper widersprach all meinen Gefühlen, meiner Identität, meinem Ich. Über 40 Jahre lang habe ich eine Rolle spielen MÜSSEN die mir aufgezwungen wurde weil mein biologischer Körper nicht mit meiner Gesamtidentität übereinstimmte. Erst durch die Möglichkeiten der Gesetzgebung und der modernen Medizin war ich endlich in der Lage MEIN Leben zu führen. Ja, auch ich habe mich dabei operieren lassen – nicht bis zur Unkenntlichkeit, sondern im Gegenteil endlich zu dem Menschen der ich immer schon war, der aber bis dahin unter einem unkenntlichen biologischen Äußeren verborgen war. In Ihrem kurzen Abschnitt setzen Sie allerdings diese für die meisten Transgender lebensnotwendigen Veränderungen gleich mit dem eher oberflächlichen Wunsch nach einem schöneren, jüngeren Körper. Dass dieser Vergleich aus mehreren Gründen völlig unpassend ist habe ich versucht kurz zu erläutern. Ich hoffe ich konnte Sie mit meinem Leserbrief ein wenig ins Grübeln bringen, Sie ein wenig nachdenken lassen darüber dass ein Leben als Transgender solange kein Leben ist bis durch medizinische Eingriffe (lebenslange Einnahme von Medikamenten, aufwändige Operationen) die zumindest Annäherung zwischen dem Äußeren und dem Inneren Ich erreicht werden konnte. – Leon Uppena


Zu „Von wegen „die anderen““:

Den von Ihnen formulierten Anregungen, wie man die Demokratie stärken könne, würde ich mich ja anschließen, wäre da nicht Ihr „zehntes Gebot“. Damit erkennen Sie mal eben allen nicht religiösen Eltern die Fähigkeit ab, ihre Kinder tugendhaft zu erziehen. Ebenso fehlt danach allen Erwachsenen, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören, die Fähigkeit, ihre Meinungen und Positionen selbstkritisch zu prüfen. Sie wissen so gut wie ich, dass die Menschenrechte, die auch in unserer Verfassung wie in vielen anderen verankert sind, erst gegen den erbitterten Widerstand von Adel und Klerus erkämpft werden mussten. Und dass nur die von Ihnen gepriesenen Gemeinschaften die Gesellschaft zusammenhalten können, diskriminiert alle andern Gemeinschaften und Organisationen, die sich um Menschen und ihre Lebensumstände kümmern. Die Relgionsgemeinschaften tragen eher durch Beanspruchung von Privilegien zur Spaltung der Gesellschaft bei. – Karl-Heinz Noack


Betrifft „Vorwärts und nicht vergessen“ von Gero von Randow:

Die Idee der identitären (direkten) Demokratie geht zurück auf Rousseau. Der stets am Gemeinwohl orientierte und den Gemeinwillen repräsentierende Bürgerwille müsse sich auch unmittelbar als staatlicher Wille aussprechen können, ohne die Uminterpretation einer anderen Instanz wie der Legislative oder einer Regierung. Das Volk ist der Souverän und der Bürger ist als Teil des Souveräns citoyen, als Adressat der Politik aber sujet (Untertan). Es besteht also eine Identität von Volk und Staat in dieser idealen Demokratie. Kritiker werfen Rousseau zurecht vor, es gebe kein von vornherein festgelegtes Gemeinwohl und man dürfe Andersdenkende nicht „zwingen, frei zu sein“, wie Rousseau es vorsieht. Vielmehr würde die Idee des Gemeinwohls erst im Laufe einer pluralistischen Diskussion unterschiedlicher Interessengruppen entstehen.

In Deutschland vertreten m.E. alle staatstragenden Parteien und alle Leitmedien eine mehr oder weniger linksliberale Position. Kritiker werden deshalb automatisch als „Rechtspopulisten“ abgestempelt. Als Bürger habe ich kaum eine Chance, mitzubestimmen. Weder über die Mitgliedschaft in der EU, die Einführung des Euro noch über die unkontrollierte Zuwanderung von Migranten darf ich mitentscheiden. Das wissen die Eliten eh besser. Aber die Eliten hinter ihrer Goldenen Mauer (Mulisch) schaffen es nicht, die Außengrenzen der EU zu sichern, die Eurokrise zu meistern und sie sind unfähig, 200000 abgelehnte Asylbewerber abzuschieben.

Es geht nicht um ethnische, sondern um kulturelle Identität. Uns „Rechtspopulisten“ wird inzwischen sogar „kultureller Rassismus“ vorgeworfen, obwohl wir uns an Bassam Tibis Begriff des Kulturpluralismus orientieren, der kulturelle Unterschiede akzeptiert, aber für alle geltende grundlegende Werte wie individuelle Menschenrechte, Gleichheit von Mann und Frau und Laizismus fordert. Einen Multikulturalismus (Kulturrelativismus) im Sinne eines anything goes, wonach z.B. auch das Beschneiden kleiner Mädchen hinzunehmen wäre, lehnt er ab. Die Kulturrevolution der 60er und 70er Jahre hat in den westlichen Ländern zu einer Liberalisierung der Gesellschaften geführt. Dahinter wollen wir nicht wieder zurück.  Ja, wir sind konservativ: Wir bewahren den Fortschritt. – Klaus Lüßenhop


„Zum Ausschneiden und immer dran denken“: Liebe Sabine Rückert, ich lese grade Ihren Beichtspiegel für aufrechte Demokraten. Vielen Dank für die Belehrung, werde es mir  über’s Bett hängen.  – Dr. Sabine Brandenburg-Frank


Sabine Rückert ‚Zum Ausschneiden und Immer-dran-Denken‘:

Liebe Frau Rückert, ich hatte bisher Ihre Beiträge immer geschätzt, aber mit Ihrem 10-Punkte-Manifest zur Rettung der Demokratie kann ich nun wirklich nichts anfangen. Die Demokratie leidet aktuell weniger unter mangelnder Empathie ihrer Bürger, sondern unter wachsender, selbstverursachter Überforderung.
Eine Gesellschaft, zu deren Existenzgrundlage das ständige, aufgeregte Bekenntnis-Engagement ihrer Bürger für aus ‚Gut-Sein‘ abgeleiteten Zielvorstellungen gehört, wird untergehen. Eine Gesellschaft, die ihren Bürgern nicht mehr erlaubt, ihr Leben auch mal passiv zu verbringen, sich auch mal nicht zu engagieren, wird sich mit der Erschöpfung der Aktiven auflösen. Wir sollten geschichtliche Erfahrungen ernst nehmen: An dieser Auszehrung ging die DDR zugrunde.
Demokratie wird nur als ein von der überwiegenden Mehrheit geschätzter, auch durchaus wohlwollend-passiv begleiteter ‚Normalbetrieb‘ einer Gesellschaft überleben. Und nicht als permanenter Ausnahmezustand, in dem das aktive Bekenntnis zu den von Fortschrittsaktivisten definierten Zielen das endliche Leben mit seiner oft banalen Normalität auffrisst. Es muss möglich sein zu leben, ohne ‚immer-dran-denken‘ zu müssen.
Demokratie ist kein Weltglück, das wir mit permanenter Anstrengung erreichen können oder gar müssen, sondern lediglich eine Form, wie wir unsere unüberwindbaren zwischenmenschlichen Interessengegensätze hinnehmbar ertragen und gewaltfrei verhandeln wollen. Le Pen und andere Politiker als demokratiefeindliche, tumbe Populisten zu kritisieren, geht am Kern der Sache völlig vorbei. Sie setzen genau an diesem Missverständnis an.
Ich ziehe meinen Hut vor Ihrer umfangreichen Selbstverpflichtung. Aber glauben Sie mir – ein Leben lang durchhalten – das werden Sie ganz gewiss nicht. Auch Sie werden wohl am Ende Ihres Lebens sagen wollen: Ich habe mein Leben gelebt, und nicht das der anderen. – Matthias Wagner


Leserbrief zu „Wie leben Sie mit dem Terror, Herr Strenger?“:

Carlo Strenger ist ein anerkannter schweizerisch-israelischer Philosoph und Psychologe. Es gelingt ihm, in diesem Interview  viel über Terrorismus zu sagen, ohne nach dessen  spezifischem Hintergrund in Israel/Palästina zu fragen. Im 50. Jahr müssen die Palästinenser ein Besatzungsregime ertragen, dass ihnen fundamentale Menschenrechte vorenthält, das völkerrechtswidrig Land enteignet, um darauf  illegale Siedlungen zu bauen, das die Bewegungsfreiheit  der Palästinenser massiv einschränkt,   das ihnen eine wirtschaftliche Entwicklung unmöglich macht, das sie unterdrückt und vertreibt. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat dazu  im Januar 2016 gesagt: Es liegt in der Natur des Menschen, dass er sich gegen Besatzung auflehnt. Nach einer Umfrage lehnen 91 % der Palästinenser den IS ab, aber 48 % der jüdischen Israelis fordern einen „Transfer“ aller Palästinenser irgendwohin östlich des Jordans. Früher nannte man so etwas Deportation. Der israelische Philosoph Omri Boehm  beschrieb in einem Artikel in der ZEIT die israelische Politik als Apartheid und Staatsterrorismus (Omri Boehm, Eine aufgeklärte Besetzung? DIE ZEIT Nr. 32/2015, 6. August 2015, S. 42). Bei Carlo Strenger findet man zu diesem israelischen Staatsterrorismus kein einziges Wort. – Martin Breidert


Leserbrief zu dem Artikel „Aufgeputscht“ von Özlem Topcu:

Ihnen schreibt Jörg Felski, geboren am 17.11.1965 in Hannover-Linden, aufgewachsen in einem Kaff in der Lüneburger Heide namens Schwarmstedt, das heute zum Speckgürtel von Hannover gehört. Damals nicht. Warum schreibe ich Ihnen das? Es gibt einen simplen Grund: Ich habe heute Ihren Artikel „Aufgeputscht“ in der „Zeit“ gelesen. Seit dem Putsch in der Türkei verfolge ich Ihre Artikel sehr genau; ebenso wie Ihre Anwesenheit im Tv seitdem. Zunächst möchte ich Ihnen eines sagen: Zumindest was meine Person betrifft, gibt es ganz offenbar noch eine 3. Kategorie oder Gruppe derer, die die aktuellen Entwicklungen bewerten möchten. Das wäre meine Gruppe. Ich weiß nicht, wie viele wir sind, aber was ich fühle, ist Traurigkeit.

Gern möchte ich Ihnen eine kurze Begebenheit aus meinem Leben erzählen:

Der Stadtteil Linden in Hannover, in dem nach meiner Landflucht meine Menschwerdung stattgefunden hat, ist ein klassischer Arbeiter-Stadtteil. Seit den 60ern und 70ern gern bewohnt von spanischen, türkischen, ex-jugoslawischen und sonstwie -Zuzüglern. Eine linke Hochburg. Im Jahr 2000 verließ ich Linden, um für einige Jahre in Dänemark zu arbeiten. Mann, war das ätzend. Noch nie habe ich eine dermmaßen korrekte und spießige, aber immerhin nicht-korrupte Gesellschaft vorgefunden. Immerhin: auf dänischen Arbeitsämtern erzählt man Ihnen, worauf Sie Anspruch haben. man muss nicht mehr Wissen haben als die Angestellten der Agentur für Arbeit, um zu seinem Recht zu kommen. Bewundernswert, aber öde. Echt öde. Ich fühlte mich ständig wie ein Sizilianer….

Aber ich hatte Heimweh. Obwohl ich nicht einmal sehr weit weg von Hannover war, traute ich mich nicht, dorthin zu fahren – aus Angst, ich würde den Weg zurück nach Dänemark – und zu meinen Verpflichtungen – nicht mehr finden.Wenn das Heimweh gar zu schlimm wurde, fuhr ich in die Nordstadt von Flensburg. Dort gab es türkische Lebnesmittelgeschäfte, die mich an meinen Stadtteil in Hannover erinnerten. Allein der Geruch der türkischen Lebensmittel genügte, um mich wieder heimisch zu fühlen. Und dazu kam das beruhigende Gefühl, dass wir dort im Laden alle „Exilianten“ waren. Alle von Heimweh geplagt; der eine mehr, der andere weniger.

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und ging zurück nach hause. Mich macht das alles  sehr, sehr traurig. Bestimmt ist ist etwas verkehrt gelaufen mit der Integration. Aber ich dachte, wir haben ein gutes Auskommen miteinander. Jetzt ist alles anders. Und ich fürchte, dass Herr Erdogan schlicht und ergreifend die türkische Gesellschaft gespalten hat. Mit seinem Wunsch nach Macht. Als ich noch ganz jung war, habe ich in einem Kindergarten gearbeitet. Dort hat einmal ein älterer türkischer Herr seine Enkelkinder abgeholt. Es war ein evangelischer Kindergarten. Als er mich sah und merkte, dass ich ein neuer Mitarbeiter war, kam er zu mir, legte seine Hand auf meine Schulter und sagte zu mir in schlechtem Deutsch: „Ist ganz egal, wie dein Gott heißt, Hauptsache, du hast Gott!“ Damals fing ich an, die Türken sehr, sehr , sehr zu mögen. Weil die Dinge manchmal ganz einfach sind. Und mit einem einzigen Gefühl zu erfassen und zu verstehen. Grenzenlos.  Und deswegen bin ich heute so traurig. – Jörg Felski


Betrifft „Von wegen ‚die anderen'“ von Sabine Rückert:

10. Ich  trete  in  die  Kirche  ein  oder  in  eine  aufgeklärte Glaubensgemeinschaft  anderer  Religionen  auch  als  Agnostiker. Diese Gemeinschaften halten die Gesellschaft zusammen, sie lehren die Tugenden des Umgangs: Höflichkeit, Freundlichkeit, Herzlichkeit. Sie bewahren mich vor dem Irrweg, alles besser zu wissen.

Und was tun die Atheisten? Oder wollen Sie hier dieklerikale Meinung verbreiten, Atheisten
besäßen  diese  „Tugenden  des  Umgangs“  nicht?  Was  ist das:  Dummheit  oder Volksverhetzung oder beides? Laut § 130 (1) StGB begeht letztere: „wer … die Menschenwürde anderer dadurch angreift,
dass  er  eine  vorbezeichnete  Gruppe,  Teile  der  Bevölkerung  oder  einen  Einzelnen  wegen
seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung
beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet.“ Also denken Sie nach, bevor Sie solche Sätze schreiben. Der Beitritt in eine Kirche hat sie ja offensichtlich nicht vor dem Irrweg bewahrt, alles besser wissen zu wollen. – Wolfgang Brocks


Zu dem Artikel „Verwandte Seelen“ von Cathrin Gilbert:

Schweinsteiger wird seit Jahren maßlos überschätzt. Er hatte bei Bayern und in der Nationalmannschaft – ähnlich wie Müller, wenn auch in einer ganz anderen Position – Narrenfreiheit. Er wurde im Mittelfeld selten eng gedeckt und noch viel weniger massiv angegriffen. So konnte er in aller Ruhe „die Bälle verteilen“ – oft x-mal hintereinander in die Breite oder nach hinten. Das brachte ihm dann lächerliche Bestnoten bei Ballkontakten und Passgenauigkeit ein. Und: Haben die Schweinsteiger-Apologeten mal gezählt, wie viele Fußballspieler (auch Freizeitkicker) an jedem Spieltag mit blutenden Wunden, Kopfverband etc. weiterspielen, ohne einen „Helden“-Status für sich zu beanspruchen?
Beim 0:2 gegen Frankreich hat er nicht nur durch Handspiel den Strafstoß zum 0:1 verursacht, sondern auch als letztes Glied der Fehlerkette das 0:2 mitverschuldet, indem er Griezmann nicht deckte. (Und gegen Italien hat er einen Elfmeter kläglich verschossen.)
Sein Wechsel zu Manchester United war ein groteskes Missverständnis zu aberwitzigen finanziellen Konditionen. Es reicht. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu: „Terror – Fragen an einen israelischen Psychologen“:

Ein falscher Vergleich – Die Idee, Terroranschläge in Israel und Deutschland vergleichen zu wollen, geht am Wesentlichen vorbei: Der Grund für die Anschläge in Israel ist nicht religiöser Fanatismus sondern es ist die  Besatzung und Unterdrückung der Palästinenser. Der andauernde Landraub durch israelische Siedler, die Zerstörung palästinensischer Häuser, die tägliche Behinderung und Demütigung an den Checkpoints, die Inhaftierung auch von Kindern ohne Gerichtsurteil, all das verstärkt den Hass auf die Besatzer und verleitet bisher unauffällige Jugendliche zu Messerattacken auf Juden. Es fragt sich auch, wer mehr unter dem ‚Terror‘ leidet: Seit Herbst 2015 fielen ca.30 Juden Attentaten zum Opfer und ca. 120 Palästinenser wurden von israelischen Sicherheitskräften erschossen.

Amnesty International hat mehrere dieser Erschießungen als gezielte und bewusste Tötungen verurteilt. Natürlich versucht die Regierung Netanjahu, die Gefahr des islamistischen Terrors heraufzubeschwören, um uns vorzugaukeln, wir bekämpften denselben Feind. Das aber ist grundfalsch. In Israel geht es um den Kampf zwischen Besatzern und Unterdrückten. Wenn wir etwas von Israel lernen wollen, dann die Einsicht, dass Gewalt nur Gewalt gebiert und nur Verständigung und Friedensgespräche (die Israel ablehnt) Terror verhindern können. – Claus Walischewski


Liebe Frau Raether, vielen Dank für Ihren großartigen Artikel auf Seite 2 der aktuellen Zeit! Solche Texte sind für mich absolute Highlights: einmal gelesen, und so vieles wird klar. Oder richtiger: beim Lesen darf ich beobachten, wie Dinge, die mir schon längst klar waren, die ich jedoch nicht schlüssig formulieren konnte, mit großer Präzision in Worte gefasst werden… Das ist, als dürfte man einem Künstler beim Schaffen zusehen (wie in dem Film von Picasso beim Malen). Das ist es auch, was die Zeit für mich so anziehend macht: Ab und zu ein Artikel wie der Ihre (und gar nicht so selten…). Dafür lohnt es sich, das Heft jede Woche zu kaufen. Danke! – Paro Christine Bolam


Leserbrief zu Malte Henk`s Artikel „Ist er besser, weil er behindert ist“:

Es hat mir den Atem geraubt, Ihren Artikel zu lesen. Nicht, weil ich unsportlich wäre und mir die Anstrengung des Lesens den Puls hochgetrieben hätte -ganz im Gegenteil- Sport ist meine Passion. Das Bewußtsein, wie viel Schweiß, Schmerz und Entbehrung hartes Training von der Physis des Körpers fordert- wie viel Geduld, Charakter und Motivation von der Psyche, läßt mich mit Markus Rehm und Alyn Camara -stellvertretend für alle sportlich aktiven Rehm-Kritiker- mitfühlen.

Inklusion ist kein Milchmixgetränk, bei dem sich die heterogenen Bestandteile zu einer Emulsion vereinen. Inklusion verkörpert Widerstand, Schmerz, Leidenschaft, aber auch Herdentrieb, Unwissenheit, Angst und fordert Kompromisse ein. Exkurs: Sport und Politik zu trennen, ist heutzutage noch viel schwieriger als in der Vergangenheit, weil  die Komponente der Wirtschaftlichkeit diesen Kreis schließt. Leidtragende sind aber die Sportler, die sich in diesem System aus Funktionären, Sponsoren, Journalisten, Fans, Kritikern, Neidern und der eigenen Familie bewegen müssen.

Der olympische Gedanke hat noch nie für das sportliche Ziel allein gestanden -es galt immer, die Welt und die dort lebenden Menschen mit all ihren Facetten und Differenzen durch den Wettkampf zu einen. Die sportlichen Gesandten der Länder stehen dann selbstverständlich auch stellvertretend für die Geschicke des Landes. Somit hatte die Politik seit jeher ihren festen Platz auf dem Trainerstuhl des Sportlers. Die Politik als Aushängeschild für die gesellschaftliche Situation des jeweiligen Landes stellt sich allzu gern in den Sog des sportlichen Erfolges.

Um aber bei der Frage nach nachhaltiger Inklusion zu bleiben:“ ist es fair, diese anhand eines Leistungssportlers -behindert oder nicht behindert- zu diskutieren?“ Einem Schauplatz, an dem Geld, Neid und übergewichtige Funktionäre herrschen und Menschen wie Alyn Camara und Markus Rehm als Spielball ihrer Selbstgefälligkeit und Gier benutzen? Ich kann diesen beiden Sportlern bescheinigen:“ Ihr seid gleich!“ Ihr trainiert hart und bis aufs Blut und ihr werdet gemeinsam vor den Karren gespannt! Und wenn ihr es nicht mehr bringt, dann halt ein Jüngerer – mit oder ohne Prothese! – Wilm Störmer


Leserbrief zu „Von wegen „die anderen““:

Den Punkten 1-9 stimme ich ausdrücklich zu und versuche danach zu leben. Punkt 10 empfiehlt: “Ich trete in die Kirche ein oder in eine aufgeklärte Glaubensgemeinschaft anderer Religionen: auch als Agnostiker.“ Etwa jeder dritte Deutsche ist nicht Mitglied einer religiösen Gemeinschaft, die Zahl der Agnostiker ist sicher noch höher. Darf ich hier die frohe Botschaft verkünden, dass diese Millionen Menschen keineswegs einer Gemeinschaft beitreten müssen, deren Glauben sie nicht teilen?
Ich selbst engagiere mich z.B. in der weltanschaulichen Körperschaft  des Öffentlichen Rechts Die Humanisten Baden-Württemberg und in der Humanistischen Akademie Deutschland des Humanistischer Verband Deutschland (HVD). Liebe Frau Rückert („Zum Ausschneiden und Immer-dran-denken“), Ihre Schluss-Sätze gelten auch für uns säkulare Humanisten, auch hier finden Sie „die Tugenden des Umgangs“ und die Überzeugung, nicht „alles besser zu wissen“. Wir arbeiten gerne mit allen Menschen zusammen, welche die von Ihnen skizzierten Werte leben wollen. – Ludwig Lauer


Leserbrief zu „Unsere Arroganz“ von Elisabeth Raether: