23. März 2017 – Ausgabe 13

Leserbrief zu “ Politik, neu entdeckt“ von Henning Sussebach

„Politik entdecken“ – eine charismatische Persönlichkeit, ein glaubwürdiges, aktuelles Thema, das die Medien prägt. Klar!  Nein, es ist nicht Martin Schulz, es ist nicht „Gerechtigkeit“.  Vor 45 Jahren habe ich die Politik entdeckt.  Willy Brandt und die Ostpolitik als Friedenspolitik. Der damalige „Hype“ hieß einfach „Willy wählen“. (Ihr Dossier ruft manche Parallelen in Erinnerung.)

Und dann ging es im SPD-Ortsverein Isselhorst in Ostwestfalen-Lippe ganz schnell: Damals wurden mir „Flugblätter“ in die Hand gedrückt (bei deren Verteilung wir gelegentlich vom Hof gejagt wurden). Und schon war ich endgültig dabei. Heute verteilen wir Kugelschreiber, irgendwie ähnlich.

Irgendwie bin ich auch immer noch dabei. Auch, wenn es in den Wahlkämpfen der vielen Jahre immer wieder ähnlich schöne Reden der jeweiligen Vorsitzenden gab, die manchmal Enttäuschungen und Zweifel danach zeitigten.

Und heute fordert Frank-Walter Steinmeier in seiner Antrittsrede als Bundespräsident, für die Demokratie zu streiten. Der „Streit“ zwischen den demokratischen Parteien, Grüne und Linke zählen neben den „Altparteien“  heute dazu, muss sich wieder zuspitzen, um Alternativen deutlich zu machen. Argumentativer Streit um Inhalte ist etwas Anderes als bloßer Protest.

Also streite auch ich weiter mit! Gut, dass der Schulz-Hype allerseits für neue Mitstreiter sorgt! –  Reinhard Kniepkamp


Leserbrief zu “ Offene Wunde“ von Petra Sorge

Schade dass Sie in Ihrem Bericht über den Vater von Andreas Lubitz unerwähnt ließen, dass sein verstorbener Sohn laut Presseberichten in den Tagen vor dem Absturz intensiv im Internet nach Suizidmethoden und Maßnahmen um die Cockpittür von innen zu verriegeln recherchierte. Ist es nicht so, dass diese Kenntnis die Rechtfertigung für ein erneutes Aufrollen der Ermittlungen ob doch ein Unfall habe vorliegen können, eher wenig stützen? – Anna Bievor


Leserbrief zu „Europa erwacht“ von Jochen Bittner et al.

Als 87jähriger und jahrzehntelanger ZEIT-Leser finde ich das, was zum derzeitigen Zustand der EU geführt hat, zum Teil – Entschuldigung – schlicht zum Kotzen. Aufgrund meines Alters brauchte ich mich darüber eigentlich nicht mehr aufzuregen.

Aber den Verfassern des obigen Artikels sei vielmals gedankt, denn dieser Artikel lässt Hoffnung zumindest wachsen. Mehr davon in der ZEIT wäre wünschenswert!

Dank sei auch dem Ehepaar Röder als Erfinder des „Puls of Europe“. Es sollte mehr Demonstrationen in dieser Richtung geben und sogar eine Spendenaktion dafür ins Leben gerufen werden, falls es diese noch nicht geben sollte. Ich könnte zwar nicht mehr mit demonstrieren, aber zu einer Spende für diese gute Sache wäre ich durchaus bereit und sicher auch viele meiner Altersgenossen, denen der 1945 hinterlassene Trümmerhaufen in ganz Europa noch in böser Erinnerung geblieben ist.

Im übrigen: Es gibt m.W. auch eine Europa-Charta, zu der die darin allen Europäern verbrieften Rechte als von jedem Europäer einklagbar ausgestaltet werden sollten. Die national-europäischen Staaten, die das nicht akzeptieren wollen, blieben dann endlich außen vor!  – Günter Wolf  


Leserbrief zum Titelthema „Die Rückkehr des Politischen“

Wir ältere Generation noch im Krieg geboren sehen mit enormer Geschwindigkeit die POPULISTEN welche nur an sich selbst denken zurück kommen, wie Hr. Erdogan, Hr. Trump, Fr. Merkel, Hr. Schulz, e.t.c. !  die Frage unsere Zeit ist ob wir Europäer überhaupt noch lebensfähig sind oder eben durch die POLITIK bereits alles verspielt haben und in Kürze am Ende sein werden ! ?

unsere Gesellschaft beschäftigt sich nur mehr mit extremen Minderheiten welche durch die Medien und  die Politiker besonders gefördert werden – zu Ungunsten der Mehrheiten welche aber alles bezahlen ! ?  es wird von den Verwaltungen der Länder aber besonders der EU nur Chuzpe erzeugt und nicht genug damit müssen wir auch noch die Kosten dafür und für die Folgekosten übernehmen ! ?

wenn Sie mich fragen würden hätte ich folgende Antwort: alle Parteien und Politiker müssen sich selbst erhalten und bei Ungereimtheiten sofort alle Ämter abgeben, dadurch würden die Herrschaften Demokratie lernen und begreifen das SIE für alle Völker nur arbeiten dürfen ! !  – Franz Peter Jelly


Leserbrief zu „Der große Wirbel“ von Simon Kerbusk und Claas Tatje

Herzlichen Dank für diesen Artikel. Die Vereinigten Staaten mögen derzeit kein Vorbild in Sachen Demokratie sein, bei der Aufklärung und Ahndung von Rechtsbruch in der Automobilindustrie sind sie uns aber meilenweit voraus. Hierzulande wird ja alles Menschenmögliche getan, die Affäre unter den Teppich zu kehren, allen voran der Bundesverkehrsminister.

Man kann ihn ja verstehen: Natürlich will er nach seiner Amtszeit einen lukrativen Posten in der Branche – wer wollte das nicht. Vielleicht plant er, VDA-Präsident werden, der jetzige Amtsinhaber Wissmann, Bundesverkehrsminister a. D. ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Dobrindt ist also kein Vorwurf zu machen, wohl aber den Damen und Herren Parlamentarier, die die höchst sinnvolle Forderung nach einer mehrjährigen Karenzzeit für Minister nach Kräften ignorieren.

Ich würde mich freuen, wenn Ihre Zeitung dieses Thema in einem Artikel bald einmal wieder aufs Tapet bringen könnte. – Johannes Koch


Leserbrief zu “ Offene Wunde“ von Petra Sorge

Es ist alles ein bisschen traurig und auch nachvollziehbar.

Ein nicht gerade öffentlichkeitsscheuer Autor („Das Risiko fliegt mit“) steht einer Familie, deren toter Sohn wie kaum jemand zuvor monatelang über die Titelseiten gezogen wurde, als Berater zur Seite, um endlich die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Was dabei als erstes auf der Strecke bleibt ist natürlich die Wahrheit.

Es beginnt mit dem Lebenslauf des Autors, der augenscheinlich zuletzt vor gut zwanzig Jahren als Gutachter tätig war und damals mitnichten, entgegen der Darstellung des Artikels, dabei geholfen hat, eine rechtliche Mitschuld des damals betroffenen Herstellers Boeing zu belegen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main stellte das Verfahren damals ohne Anklageerhebung ein.

MIt dieser Grundlage ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Familie Lubitz und ihre Berater Aussagen über die Inhalte der beiden Flugschreiber aus dem Kontext reißen, im Versuch, den offiziellen Stellen vermeintliche Widersprüche zu unterstellen, die in Wirklichkeit keine sind. Der Stimmrekorder hat in der Tat in den letzten Minuten von Lubitz nur Atmen aufgezeichnet, was für sich natürlich keine Rückschlüsse darauf zulässt, ob er bei Bewusstsein war. Allerdings hat der Datenrekorder auch mehrfach aktive Manipulationen an der Flugsteuerung aufgezeichnet, die nur aus dem Cockpit vorgenommen werden können, wo Lubitz zu diesem Zeitpunkt allein war. Was wiederum belegt, dass er zumindest während er diese Aktionen getätigt hat bei Bewusstsein gewesen sein muss. Außerdem muss Lubitz mindestens einmal aktiv die Türverriegelung vom Cockpit aus auf „LOCK“ gesetzt haben, denn sonst wäre der Pilot mittels eines Notfall-Zutrittscodes von außen wieder ins Cockpit gelangt.

All das kann man relativ problemlos dem technischen Untersuchungsbericht der zuständigen Stellen für Flugsicherheit entnehmen, z.B. dem Abschlussbericht der französischen BEA https://www.bea.aero/uploads/tx_elydbrapports/BEA2015-0125.en-LR.pdf

Ebenso wie etwas, was im Nachhinein wie eine Art Trockenübung wirkt. Auf dem Hinflug, den die Datenaufzeichnungen noch vollständig umfassten, während die Stimmaufzeichnungen noch dessen letzte 50 Minuten abdeckten, gab es ebenfalls eine Toilettenpause des Piloten, in der Lubitz allein im Cockpit war und in der die Zielhöhe von ursprünglich 37000 Fuß mehrfach geändert wurde und die meiste Zeit über bei 100 Fuß lag, bis sie, kurz bevor der Pilot wieder zurückkam, wieder korrigiert wurde.

All das sagt uns nichts über Lubitz‘ Motive. Dort beginnt die Spekulation.

Aber dass er es tat ist, im Gegensatz zu dem, was van Beveren und die Familie Lubitz nun implizieren möchten, zweifelsfrei belegt und die aktuellen Stellungnahmen sind leider eher geprägt von einem Nicht-Wahr-Haben-Wollen. –   André Fromme


Leserbrief zu „Maach et joot, Poldi“

Können Sie mir den peinlichen Artikel um Podolskis Abschied von der Nationalmannschaft erklären ? Der Verfasser erfindet eine Kölner Band die es gar nicht gibt , beleidigt diverse Kölner Bands . Ist das Ihr neuer Stil ? Populismus ? Wir haben zwar keine Ahnung von etwas aber eine Meinung dazu.

In Frankreich gibt es für solche Journalisten einen Namen : Caviar gauche, für Kaviarfressende Journalisten die von nichts eine Ahnung haben , diese aber veröffentlichen. Oder haben sie da einen Praktikanten an den Artikel gesetzt – Frank Clever


Leserbrief zu „Ab durch den Kamin“ von Annick Eimer

zwar habe ich die Holzeinschlagsstatistik für Niedersachsen schon erstellt, aber steht die Anzahl der gefällten Bäume nicht drin. Trotzdem, als kleiner Waldbesitzer und Holzknecht erlaube ich mir zu sagen:

  • Es werden nicht „immer mehr Bäume gefällt“, sondern die gefällten Bäume werden immer dicker und länger.
  • Natürlich arbeiten in Naturschutzgebieten Motorsägen, Frauen mit Äxten wird man da selten antreffen.
  • Was ein Umweltschützer ist, wird wohl die Natur entscheiden oder wir wissen es erst sehr viel später, ob wir richtig lagen. Fragen Sie mal doch mal bei Herrn Habekuß nach, vielleicht hat er die Antwort im Regenwald und Dieseltank schon gefunden.
  • Das erscheint mir dubios, wie NGO-Sprech: „2015 wurde, trotz des Baubooms, erstmals mehr Holz in Deutschland verheizt als verbaut – 60 Prozent der gefällten Bäume gingen durch den Kamin.“ Die thermische Verwertung hat zugenommen, auch weil weniger „Restholz“ (Äste, Rinde, etc) im Wald verbleibt, das kann jetzt alles durch Häcksler laufen und in ein Containerfahrzeug. Sägewerke und Papierindustrie (wie für die ZEIT) werden weiter die Hauptabnehmer unserer Hiebe sein. Für’s Ambiente-Brennen der nichtkörperlicharbeitenden Besserverdiener werden wohl mehr Fertigholzscheite russischer Holzarbeiter importiert.
  • Das ist falsch, ist NGO: „Dazu kommt aber auch eine strukturelle Veränderung der Wälder, die auch ökologische Konsequenzen hat: Monokultur“. Es werden immer mehr Mischkulturen angelegt.
  • Das ist falsch, ist NGO: „Schnelles Geld lässt sich mit Massenware machen. Und das sind Bäume, die 60 bis 80 Jahre alt sind, gerade gewachsen, ohne viele Verästelungen.“ Im dem Alter ist jeder Forstbetrieb froh, wenn er kein Minus bei diesen „Durchforstungsbeständen“ macht. Geld bringen Nadelhölzer so ab 80 Jahren in wüchsigen Lagen, ab 120 Jahren im Mittelgebirge.
  • Das ist falsch: „Das Forstamt Wolfenbüttel führt in seinen Eichenwäldern regelmäßig Kahlschläge durch; die gefällten Bäume werden vor Ort zerhäckselt.“ Zerhäckselt werden Ausdünnungshölzer (Durchforstungen und Abfallhölzer), die anderweitig nicht zu besseren Preisen zu verkaufen sind.
  • Buchen ab 120 Jahre können eine sinnvolle Sägewerksstärke erreichen.

Die Waldwirtschaft ist die Erfinderin der „Nachhaltigkeit“! Nachhaltig heißt: nachhaltig nutzen. Machen Sie sich bitte nicht zu Unterstützern von neuen Oberoberstaatsgutsinspektoren, die sich einbilden, alles besser zu wissen. – Georg Keckl, Dipl.-Ing.agr.(FH), Teamleiter Ernte- und Betriebsberichterstattung im Dezernat 42 – Landwirtschaft – Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN)


Leserbrief zu „Alles wächst“ von Bernd Ulrich

Im Angesicht einer autoritären Gefahr schreiben Sie. Wieso Gefahr? Das sehen nur die Unverbesserlichen so. Die Weisen in unserem Lande sehen darin die Lösung wieder ein Leben ohne Terror und Kriminalität leben zu können. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Let’s Roll!“ von Anja Rützel

Sie tun mir Leid! Im Grunde machen Sie dasselbe, wie die von Ihnen kritisierten Zeitgenossen Ihrer Generation, denen Sie vorwerfen, einer ewigen Jugend hinterher zu laufen.  Auch Sie laufen, um im Bild zu bleiben, wenn nicht hinterher so doch nach vorn, um einer Lebensphase zu huldigen, die aus Ihrer Sicht gleich weit weg sein dürfte, wie die von Ihnen wenig wertgeschätzte Jugendzeit.

Warum leben Sie nicht einfach in der Gegenwart und genießen die Dinge, die Ihr Körper und Ihr Geist jetzt noch zulassen?   Der Verfall kommt von ganz allein. Und es bedarf keiner Anstrengung, sich so zu verhalten als sei man alt.  Man ist es dann nämlich, wenn die Natur altersbedingte Grenzen setzt.  Dieser Zustand kommt früh genug und keiner weiß, was einem wirklich widerfährt.

Sie jedoch haben dann schon 20-25 Jahre das Alter geprobt und gelebt um schließlich in das tatsächliche Alter zu münden, aus dem es nun aber kein Zurück mehr gibt.- Gruselig!   Wahrscheinlich aber wollen Sie mit Ihrem Artikel nur provozieren, vielleicht auch kokettieren mit was auch immer.

Sollten Sie aber tatsächlich die Sache ernst meinen, bleibt mir nur der Verweis auf meinen Eingangssatz. Freundliche Grüße   (von einem, bei dem sich das Alter langsam bemerkbar macht, ohne darin etwas Erstrebenswertes zu erkennen!) – Ralf Schröter


Leserbrief zu „Alles wächst“ von Bernd Ulrich

Diese Hype die auf einmal in den Zeitungen über M. Schulz verbreitet wird, kann ich nicht ganz nachvollziehen.  S. Gabriel hat es nach meiner Ansicht  ganz richtig gemacht mit seinem Verzicht, er hätte keine Chance.  Die CDU hat doch den Bundespräsidenten mitgewählt, ohne eigenen Kandidaten, warum wohl? SPD und CDU/CSU werden so wie es  aussieht zusammen keine 50% erreichen, und werden aus diesem Grund wieder eine Große Koalition mit Frau Dr. Merkel machen, das ist der Deal.

Im meinem Bekanntenkreis wo sehr kontrovers diskutiert wird hab bis jetzt noch keine Lobpreisungen über M. Schulz wahrgenommen, wofür auch.  Es wächst im Moment nur der Ärger über die Ignoranz der verantwortlichen  Politiker über die maßlose Verschwendung von Steuergeldern,  Berlin(BER), Stuttgart 21 und Hamburg (Elb-Philharmonie) …  Mich wundert es nicht, dass immer radikaler gewählt wird. – H. Porzler


Leserbrief zum Titelthema „Die Rückkehr des Politischen“

Das waren die Autoren, wegen denen ich zum ZEIT-Leser wurde:

Thomas Assheuer, Georg Seeslen, Peter Kümmel und Katja Nicodemus. Ihre Artikel waren kritisch, bissig, ironisch bis sarkastisch , trafen –für mich- ins Schwarze und offenbarten Position und Charakter  dessen, der da schrieb – ganz im Gegensatz zu der Mélange von bis zu fünf Autorenköchen, die sich redlich gemeinsam bemühen, brisante Themen zu einem geschmacks- und meinungsindifferenten Brei zu verrühren, der möglichst vielen ein bisschen schmecken soll.

Georg Seeslen hat offensichtlich online bei der ZEIT Freiheiten, die ihm in der Print-Ausgabe verwehrt sind. Ihm begegne ich dort und in Magazinen und Gazetten, wo er immer noch in alter Schärfe und Brillanz schreibt und schreiben darf, ohne sich nach allen Seiten windend zu verbiegen.

Thomas Assheuers Namen lese ich mit sich verflüchtigender Freude immer noch in der Papier-ZEIT. Sein oben angeführter Artikel hat mir (fast) den Rest gegeben: Bei der Lektüre musste ich mich immer wieder vergewissern, dass er der (einzige) Autor ist, weil ich ganz stark den Eindruck hatte, es sind im oben beschriebenen Sinne mindesten sechs verschiedene, die viele Details zusammengetragen haben und viel sagen, ohne dass ich erkennen konnte, was sie meinen, pardon, was er meint.

„Die Rückkehr des Politischen“ steht groß auf der Titelseite der aktuellen ZEIT.

Ist da vielleicht etwas dran? Frage ich Herrn Assheuer zurück. Es wäre schön und ein Grund für mich, weiter die ZEIT zu lesen, wenn er zu seinen unbestrittenen Qualitäten politischer Analyse und Positionsbeziehung zurückkehrte.

Weil ich sie oben auch erwähnte: Peter Kümmel zieht sich leider tendenziell in den Bereich unverfänglicher Nachrufe und Biografien zurück und Katja Nicodemus bewegt sich geschickt auf dem roten Teppich der Filmkultur, wo sie das Politische, sofern es da ist, durch die rosarote Kunst-Kultur-Brille betrachten und (noch) ungestraft benennen darf.  Doch auch bei ihr würde ich mir eine Rückkehr zu etwas mehr Politischem wünschen.

Mit freundlichen Grüßen und in der Hoffnung, dass die ZEIT die Zeit beim Schopf packt und die „Rückkehr des Politischen“ im Sinne von Prägnanz der Analyse und Aussage aufgreift, bevor er –der Schopf- wieder versinkt. –  Bruno Schneider


Leserbrief zu “ Bei Anruf Arbeit“ von Julia Friedrichs

Eine Baustelle wie geschaffen für „MEGA-Schulz“! Traut er sich da ran? Oder bringt das zu wenig Stimmen?!? Ach ja…. – Wolfgang Michel 


Leserbrief zu „Haltet endlich die Luft an!“ von Petra Pinzler

eine weitere ZEIT Ausgabe, in der von Dieselmonstern die Rede ist, gefolgt von Ankündigungen weiterer beabsichtigter Fahrverbote. Anscheinend völlig unbeeindruckt von technisch fundierten Leserzuschriften, die zu anderen Schlussfolgerungen kommen, heizen Sie weiter einen ideologischen Markt an, der eine Vielzahl von Existenzen vernichten (und wird, wenn alles so umgesetzt wird) und sich durchaus zu einer Wirtschaftskrise auswachsen könnte. Ingenieur- und Naturwissenschaftlern (in Ihren Augen möglichweise gar keine Wissenschaftler, denn den Begriff scheint die ZEIT nur für Geisteswissenschaftler zuzulassen) wird oft mangelnde Folgenabschätzung vorgeworfen. Den Schuh sollten Sie sich auch einmal anziehen und sich Gedanken darüber machen, was diese völlig überzogene Polemik, die Sie tatkräftig unterstützen, für Folgen hat. – Gilbert Brands


Leserbrief zu “ I, Robot“ von Robert Metzinger

In Ihrem Beitrag klingt (mal wieder) die These an, man könne den Natur- und Ingeneurwissenschaftlern nicht jede Forschung erlauben. So nach dem Motto: Naturwissenschaftler sind ja gar keine richtigen Wissenschaftler, deshalb müssen die echten, also die Geisteswissenschaftler, hier die Grenzen setzen (die ZEIT scheint ähnliche Vorstellungen zu haben, wer als echter Wissenschafter zu bezeichnen ist, und wenn einige von uns – ich bin Prof. em. der Informatik – inzwischen mit dem Begriff „Geschwätzwissenschaften“ zurück schlagen, ist das nur eine, wenn auch nicht gerade förderliche, Retourkutsche).

Gerade aufgrund der Erfahrungen der Informatik ist das allerdings ein völlig falscher Ansatz. Sie können Forschung nicht verhindern, oder frei nach C.N.Parkinson: „Was erforscht werden darf, wird erforscht, was nicht erforscht werden darf, wird trotzdem erforscht“. Software- oder Verschlüsselungstechnologien, die frei für jedermann zugänglich sind (Stichwort OpenSource), erfüllen meist sehr viel höhere Qualitätsansprüche als bunte proprietäre Software, über die wenige Leute eifersüchtig wachen. Ethikräte, oft zusammengesetzt aus Leuten, die nur begrenzte Fachkenntnisse haben und lediglich nur alles besser wissen als andere, können nicht der alleinige Maßstab für Wissenschaft und Gesellschaft sein, sondern allenfalls Unterstützung liefern.

Den Schlüssel sprechen Sie im letzten Teil Ihres Beitrags an, wenn auch nicht in aller Konsequenz: der Zeitreisende Müllwerker aus dem 26. Jahrhundert, der nebenbei Einstein über die Fehler in seiner Theorie belehrt, ist pure Fantasie. Bei stetig steigenden technischen Möglichkeiten wird die Kenntnis in der Bevölkerung immer geringer. Waren vor 40 Jahren Kenntnisse der Kfz-Technik damit verbunden, dass man in der Lage war, den Motor zu zerlegen, spricht man heute schon von Informatik-Kenntnissen, wenn jemand weiß, mit welchen Knöpfen ein Handy bedient wird. Das gilt es zu stoppen. Es muss wieder mehr Technikkenntnis her, angefangen damit, dass gewisse Kreise aufhören, eine Technikfeindlichkeit zu verbreiten. Ich würde mir wünschen, dass der eine oder andere Philosoph auch mal von seiner Wolke herunter steigt und auf Augenhöhe mit den Leuten diskutiert, die die Realität heute gestalten und deren Begriffswelt ohne Blick in die Technik selbst nicht zu durchschauen ist. – Gilbert Brands


Leserbrief zu “ Offene Wunde“ von Petra Sorge

…was ist reskektloser: Der Auftritt von Herrn Lubitz sen. oder die Tatsache, dass Sie ihm eine ganze Seite zur Verfügung stellen! Tatsache ist doch, dass Andreas Lubitz für den Flugtag krankgeschrieben war!

Meine Gedanken sind bei den Opfern – was haben sie in den letzten Minuten und Sekunden vor ihrem Tod durchgemacht – und bei den Hinterbliebenen! – Ruth Schütz-Mitterhusen


Leserbrief zu ZEIT Leo „Und wer bist du?“ von Milo

Auf der Seite ZEIT leo  „Und wer bist du“  beantwortet Milo die Frage „Was würde ich meinen Eltern gern beibringen“ mit „Wie man lieber ist“ und ich schliesse mich ihm an: „Liebe Eltern, seid lieber zu Milo!“ – Claretta Cerio


Leserbrief zu „Alles wächst“ von Bernd Ulrich

Diese Hype die auf einmal in den Zeitungen über M. Schulz verbreitet wird, kann ich nicht ganz nachvollziehen.   S. Gabriel hat es nach meiner Ansicht  ganz richtig gemacht mit seinem Verzicht, er hätte keine Chance.   Die CDU hat doch den Bundespräsidenten mitgewählt, ohne eigenen Kandidaten, warum wohl? SPD und CDU/CSU werden so wie es   aussieht zusammen keine 50% erreichen, und werden aus diesem Grund wieder eine Große Koalition mit Frau Dr. Merkel machen, das ist der Deal.   Im meinem Bekanntenkreis wo sehr kontrovers diskutiert wird hab bis jetzt noch keine Lobpreisungen über M. Schulz wahrgenommen, wofür auch.   Es wächst im Moment nur der Ärger über die Ignoranz der verantwortlichen  Politiker über die maßlose Verschwendung von Steuergeldern,   Berlin(BER), Stuttgart 21 und Hamburg (Elb-Philharmonie) …   Mich wundert es nicht, dass immer radikaler gewählt wird. –  H.Porzler


Leserbrief zu “ Offene Wunde“ von Petra Sorge

warum weist ihr den vater von laibitz nicht daraufhin, dass es unmöglich ist zur gleichen zeit die pressekonferenz zu halten. der vater kann ja glauben, dass sein sohn unschuldig, ich weiss es auch nicht genau!!!!

aber geht es dem vater um wahrheit  oder spektakel . ihr als gute journalisten seit doch mitverantwortlich was da geschiet. für mich ist wichtig,dass die frühere freundin mit dem  hinweis, „er wolle mal gross rauskommen“ausfindig gemacht wird und ihr solltet dem vater helfen.

48 stunden nach dem absturz die ursache zu haben ,ist schon zweifelhaft und wenn am flugzeugtyp schon vor her ähnliches passiert ist, mit klemmung der tür,so muss das raus. dass sich der vater hinter der ärztlichen schweigeplicht verklemmt ist bedauerlich. – Dirk Kaufmann


Leserbrief zu “ Bei Anruf Arbeit“ von Julia Friedrichs und „Was ein Bonus bewirkt“ von Elisabeth Niejahr

Wer arbeitet, der sollte soviel verdienen, dass er davon seinen Lebensunterhalt finanzieren kann. Unzureichende Entlohnung (durch welche Tricks auch immer erzeugt) ist eine Form der Ausbeutung. Sie steigert den unternehmerischen Profit (meist marktbeherrschender großer Konzerne) und führt zu unangemessen niedrigen Preisen. Der Käufer des Produktes trägt nicht mehr vollumfänglich die tatsächlichen Kosten der Produktion (hier: den Einsatz der Arbeitskraft). Diese Kosten müssen anderweitig gedeckt werden, etwa durch staatliche Sozialleistungen und/oder eine sich ausbreitende Armut. Der Preis des Produktes kann nicht mehr die ihm zugedachte Allokationsfunktion erfüllen, weil der Käufer durch den zu geringen Preis zu falschen Präferenzen verleitet wird. Das marktwirtschaftliche System funktioniert an dieser Stelle nicht. In ähnlicher Weise setzt das Ehegattensplitting falsche Anreize. Der Staat sollte das hier verschenkte Geld besser dafür einsetzen, um unentgeltlich für gute Tagesbetreuung und umfängliche Bildung der Kinder und Jugendlichen zu sorgen. Dadurch ließen sich brachliegende Potentiale erschließen und soziale Konflikte vermeiden. Es wäre eine Politik, die sich tatsächlich um das Wohl der Allgemeinheit bemühte. – Udo Wolter


Leserbrief zu “ Offene Wunde“ von Petra Sorge

Wenn der Vater sagt dass sein Sohn während der Zeit des Absturzes nicht depressiv war dann wiegt die Tatsache doppelt so schwer als in depressivem Zustand. – Jürgen Mosmann


Leserbrief zu „Pioniere der Ausbeutung“ von Heike Buchter

Schon mehrmals habe ich mit großem Interesse und Respekt Ihre Artikel in der „Zeit“ gelesen.
Exzellent recherchiert und geschrieben, Hut ab! Das gilt auch wieder für den Artikel „Pioniere der Ausbeutung“ am 23. März in der „Zeit“. Wie Wal-Mart und Amazon die Wirtschaftswelt verändern, haben Sie eindrücklich beschrieben.

Ich habe selbst Volkswirtschaft studiert und arbeite bei einer Lokalalzeitung. Leider höre ich von vielen Bekannten und Freunden, dass sie den Wirtschaftsteil ungelesen ins Altpapier entsorgen. Das schmerzt. Daher hoffe ich, dass Sie mit Ihren Berichten weiterhin dafür sorgen, dass der Wirtschaftsteil zur Pflichtlektüre für jeden wird. – Dagmar Stepper


Leserbrief zu „Ohne Worte“ von Marina Adams und Philipp Oswalt

Im Artikel „Ohne Worte“ wird ein klassisches Thema der Integrationsdebatte behandelt: Die Aneignung der deutschen Sprache. Meine universitären Erfahrungen spiegeln diese Meinung grundsätzlich wider. Allerdings möchte ich auch daran erinnern, dass Spracherwerb im Luhmannschen Sinne lediglich durch Kommunikation erfolgt. Der Autor schneidet leider nur kurz die Rolle anderer Studierenden an und vergisst worauf es beim Umgang mit internationalen Kommilitonen ankommt: Austausch und Eigeninitiative. – Julian Kroll


Leserbrief zu „Let’s Roll!“ von Anja Rützel

Ihr Beitrag zum Altwerden ist gekonnt und einprägsam (und eine konstruktive Alternative zum Jugendlichkeitswahn im American Way of live).  Weiter so! – Klaus Lehr


Leserbrief zu „Haltet endlich die Luft an!“ von Petra Pinzler

Der Artikel von Petra Pinzler ist ein Beispiel fuer Halbwahrheiten, wie sie durch das Weglassen der nicht passenden Fakten zustande kommen.

Hier einige Beispiele:

– SUV –  Die pauschale Anwendung dieses Begriffs ist zwar ueblich aber falsch; denn die Masse der Mittelklasse-SUV erzeugt CO2 wie die uebliche Mittelklasse, das Problem sind die grossen Motoren in den Luxuslimosinen,Sportwagen und natuerlich auch den grossen SUV.

– Energiewende – Nur in Deutschland wird dieses Wort  auch mit dem Atomausstieg verbunden, ueblich ist die Wende von fossiler  zur erneuerbaren Energie!  Die UNO hat die Atomenergie zur „sauberen“ Energie erklaert. Es laufen weltweit ueber

400 Atomkraftwerke, die Erde wird es mit einer geringeren Erwaermung der Weltmeere etc. danken. Unsere Probleme liegen in dem beschlossenen schnelleren Ausstieg, z.B.  fehlenden Nord-Sued-Hochspannungsleitungen u. a. im urspruenglichen Ausstieg vorgesehenen und geplante Massnahmen.

– Diesel – Hier wird uebersehen, dass die Diesel bis zu 30% weniger CO2 in die Luft blasen als Benziner! Auch nicht erwaehnt wird „Methan“, 17mal so wirksam wie CO2 in der Atmosphaere! Anstieg verursacht durch die Rinder-Massentierhaltung.

(Damit sollen aber nicht der Abgas-Skandal und Belastung durch Stickstoffdioxyde schoengeredet werden!) Zusammenfassend ist dieses Weglassen doch eine billige Polemik! – Juergen Keller


Leserbrief zu “ Offene Wunde“ von Petra Sorge

Ich finde es gut und richtig, dass die vorschnellen Urteile in Frage gestellt werden und über detaillierte Recherchen versucht wird, die Wahrheit herauszufinden. Dem Frieden für alle und der emotionalen Versöhnung zwischen den Hinterbliebenen und den Eltern Lubitz wäre es zu wünschen.

Der Artikel geht leider nur auf die Möglichkeit bzw. deren Ausschluss ein, dass medizinische oder psychische Ursachen bei dem Unglück eine Rolle gespielt haben.

Für mich fehlt zur ausgewogenen Berichterstattung noch die Recherche darüber, was denn zu dem Unglück geführt haben könnte, wenn es kein vorsätzlicher Absturz war.

Was hat dann Copilot Lubitz denn getan oder nicht getan, was zum Absturz geführt hat? Und warum konnte der Pilot nicht mehr ins Cockpit zurück? Dazu hat Herr van Beveren doch bestimmt auch Nachforschungen angestellt, oder?  Lässt sich dazu auch etwas veröffentlichen? –  Stefan Schnabel


Leserbrief zu “ Dahin, wo es wehtut“ von Anna-Lena Scholz

Foucault zu zitieren schafft natürlich einen abnormen Distinktionsgewinn. Aber die „in der modernen Klinik“ vorgenommene Überführung der „‚Totalität des Sichtbaren“ in „eine ‚Gesamtstruktur des Aussagbaren'“ heißt hier nichts Anderes als: An einem Körper kann man eine Krankheit diagnostizieren. Überraschung! Und so funktioniert ein großer Teil aktueller Philosophie (und aktueller Distinktionsgewinne). – Dr. Rolf Platho


Leserbrief zur Rubrik „Erratum“

Schön, dass Sie Fehler korrigieren und als solche bezeichnen. Blöd, dass Sie das unter dem Titel „Erratum“ tun. Wollen Sie damit zeigen, dass Sie dennoch „kluge Kerlchen“ sind? – Gerda Klier


Leserbrief zur Rubrik „Heute“

Die Aussage der „Grande Dame aus der Berliner Promiszene “ über Menschen in Südafrika finde ich skandalös. „Die Schwarzen klauen, wenn sie nur eine Jacke , eine olle Jacke, sehen. Die klauen alles.
Ich hätte nicht erwartet eine solche Äußerung in ihrer Zeitung zu finden. Ich bereise dieses Land jetzt seit 10 Jahren und habe derartige Erfahrungen noch nicht gemacht. – Werner Krönke


Leserbrief zu „Pioniere der Ausbeutung“ von Heike Buchter

danke für diesen gut recherchierten Artikel. Bemerkenswert Ihre Ursachenanalyse, die mir zeigt, egal ob Demokraten oder Republikaner, egal ob SPD oder CDU, sie alle stützen mit ihrer Lobbypolitik am Ende das Großkapital und zerstören den Mittelstand.

Folgerichtig auch Ihre Schlussfrage, die mich zu dem Nachsatz animiert: „Geiz ist eben nicht geil“. Am Ende schaufelt sich die einkommensstärkere Bevölkerungsschicht mit diesem werbegetriebenen Motto das eigene Konsumgrab und ist neben der für eine globale Verlagerung der Arbeitsplätze in Billiglohnländer die Rahmenbedingungen schaffenden Politik mittelbar selbst am Untergang ihrer eigenen, gut bezahlten Arbeitsplätze verantwortlich.

Warum nicht mal gesamtgesellschaftlich umdenken und mehr auf Qualität, Wirtschaftlichkeit und Regionalbewusstsein setzen? Hier wäre die Politik gefordert, eine Vision vorzugeben und den passenden Rahmen zu schaffen, anstatt nur die selbst geschaffenen Missstände notdürftig reparieren zu wollen.

Zum Beispiel könnte die Vergabepraxis öffentlicher Auftraggeber, immer nur den billigsten Anbieter zu beauftragen, rigoros durch klare Vorgaben in der VOB/A oder VOL geändert werden (z.B. automatisches Ausscheiden des billigsten und teuersten Anbieters-Schweizer Modell).

Wenn Protektionismus mit Reindustrialisierung und Stärkung des heimischen Mittelstandes einher ginge, muss sich dies meiner Meinung nach nicht nachteilig auf den Arbeitsmarkt auswirken, möglicherweise eben nur auf die ohnehin in Steueroasen versteuerten Gewinne des Großkkapitals.

Daher sollte nicht jede Idee von Trump verworfen werden-möglicherweise ist er mit seiner zugegebenermaßen unmöglichen Art doch zumindest ein Katalysator für einige dringend notwendige Veränderungen der viel zu schrankenlosen globalen Wirtschaftsordnung. – Hendrik Meyer


Leserbrief zu „Beinahe abwehrbereit“ von Matthias Krupa

Sie haben versäumt, den olivgrünen Faden in der jüngsten Geschichte wiederaufzunehmen. 1989 wurde die Deutsch-Französische Brigade gegründet, ein Ergebnis der damals noch mit Mitterand und Kohl unter Volldampf fahrenden deutsch-französischen Lokomotive.

Goldenes Eichenlaub der deutschen Reformtruppe prallten kulturell auf französische Traditionsarmee und auf dem Schiessplatz tauschten wir G3 gegen FAMAS. Deutsch-Französische Freundschaft entwickelte sich unter den Rekruten, und nach Dienst folgten gemeinsame Besuche am Institut français de Stuttgart und Wochenendausflüge in die Heimatregionen.Ein gelungenes Experiment, jedenfalls aus der Sicht eines Bürgers in Uniform! 1993 folgte das Eurokorps, nun zusätzlich mit Belgien, Spanien und Luxemburg. Weitermachen! – Dr. York Rudhard


Leserbrief zu „Alles wächst“ von Bernd Ulrich

Der Beitrag von Bernd Ulrich ist ohne Zweifel lesenswert und intellektuell hochinteressant. Dennoch hat der Autor ein wesentliches Detail der Zeitgeschichte falsch dargestellt. Er teilt uns mit: „Martin Schulz, der noch nie mehr als eine Kleinstadt regiert hat…“ und damit strickt er weiter an der Legende, dass Martin Schulz der erfolgreiche Manager der Kommune Würselen gewesen ist, mit allen Lorbeeren, die dafür einzuheimsen sind. Ein Blick in die Kommunalverfassung von NRW lehrt uns, dass der Bürgermeister einer Kommune zu der Zeit, als Martin Schulz dieses Amt bekleidete, nur repräsentative Aufgaben und den Vorsitz im Stadtrat hatte. Das „Regieren“ oder Managen oblag dem Stadtdirektor. Kurzum, der Bürgermeister in der damaligen Kommunalverfassung mit dieser Doppelspitze war eine Art „Frühstücksdirektor“. – Dr. Walter Schmitz


Leserbrief zu „Ab durch den Kamin“ von Annick Eimer

Danke, dass Sie den Wald immer wieder in den Blick nehmen. Denn manchmal denke ich, es fällt entweder niemandem auf oder es ist allen egal. Der Wald wird fast ganz dem ökonomischen Diktat unterworfen: er wird analog der Landwirtschaft in Baumfelder eingeteilt, die regelmäßig abgeerntet werden. Dazu werden in regelmäßigen Abständen Schneisen geschlagen, in denen die Holzerntemaschine fahren kann. Der Boden dort wird auf Jahre so verdichtet, dass kein Baum mehr wächst. Es werden schnell wachsende Arten angebaut, damit schnell geerntet werden kann. Rücksicht auf die Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren, aber auch auf den Erholungswert des Waldes, der eigentlich den gleichen Stellenwert haben sollte wie der wirtschaftliche Faktor, die gibt es schon lange nicht mehr. Wer heute einen Erholungsspaziergang im Wald unternehmen möchte, erlebt dort sein blaues Wunder.

Was unternehmen die Naturschutzverbände? Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, einst gegründet zu dessen Schutz, wird meistens durch die Landesforstverwaltungen finanziert und ist deshalb handlungsunfähig. Deshalb meine Frage: Was können wir dagegen tun?

In Singapur werden Bäume ausgegraben und versetzt, damit sie erhalten bleiben, wenn eine neue Straße gebaut wird. Sie haben dort einen Wert, der nicht in Geld gemessen wird. Die deutsche Forstverwaltung leistet Entwicklungshilfe in China, unterstützt beim Aufforsten rund um Peking, wie passt das zu dem, was in Deutschland passiert?

Die achtlose Umgang mit dem Naturgut Wald ist eine Schande: die Nachhaltigkeit wurde im Deutschen Wald erfunden und wird dort gerade wieder abgeschafft. – Petra Walter


Leserbrief zu “ I, Robot“ von Robert Metzinger

Den Artikel „I, Robot“ von Robert Metzinger vom 23. März 2017 fand ich etwas dünn und extrem spekulativ, ohne einen Unterbau an Fakten vorzulegen. Spekulationen alleine sind zu schwach, um uns die Zukunft zu erklären.

Da ich, schon deutlich vor Erscheinen dieses Artikels, eine Geschichte über Evolution und Computer geschrieben habe, füge ich sie als Attachment bei, da sie als Leserbrief schlicht zu lang ist. Ich habe sie als „lustige Geschichte“ geschrieben, ohne sie (ähnlich wie Thomas Metzinger) richtig lustig finden zu können. Ich habe Biologie studiert und bin dann molekularer Pflanzenphysiologe geworden, aber ich habe mich schon seit dem Studium für Philosophie interessiert. Ich fand den Artikel vom 9. März 2017 in der Zeit „Stimmt’s“ (von Christoph Drösser) weitaus besser, auch wenn er –eher viel zu mutig – Neuronen mit Transistoren verglichen hat. Natürlich fände ich es großartig, wenn sie meine Geschichte auch drucken möchten. In diesem Falle setzen sie sich aber bitte vorher mit mir in Verbindung, da die Geschichte eine aus einer Serie ist, die ich irgendwann veröffentlichen möchte. (Ich behalte aber auf jeden Fall mein ZEIT-Abo). – Prof.  Dr. Günther Scherer


Leserbrief zu „Ab durch den Kamin“ von Annick Eimer

Wieder mal ein Husarenritt durch die deutschen Wälder – im Galopp bekommen Waldbesitzer und Förster eins übergebraten. Die Helden im Sattel, besorgte Kämpfer für die Natur.

Liebe Leserinnen und Leser seien Sie beruhigt, mehr als eine Million Waldbesitzer und in der Waldwirtschaft Tätige kümmern sich mit viel Herzblut um unsere Wälder, sorgen sich um deren Klimaanpassung, schaffen strukturreiche Mischbestände, belassen Habitatbäume und stellen den ökologisch einzigartigen Rohstoff Holz für unsere Gesellschaft bereit.

Die Fakten sind den Ergebnissen der letzten Bundeswaldinventur (www.bundeswaldinventur.de) zu entnehmen. – Thomas Fottner


Leserbrief zu “Die Hippies sind schuld” von Thomas Assheuer

Die Grundthese von Thomas Assheuers Essay, – dass die starke Wechselwirkung zwischen Hippies und Informatik-Freaks, die durch die Person von Stewart Brand verkörpert wurde, ein wichtiger Anstoß zur Entstehung des World Wide Web war, –  kann ich mit voller Überzeugung befürworten.

Ich lehre nämlich eine ähnliche Theorie seit mehr als zehn Jahren an der TU Wien.

Herr Assheuer hat leider ein sehr wesentliches Faktum in dieser Geschichte nicht ganz richtig angegeben. Stewart Brands Publikation hieß nicht Whole World Atlas sondern Whole Earth Catalog. Der Untertitel dazu lautete:  Access to Tools.

Dieser Unterschied ist wichtig, da der Titel und der Untertitel sehr viel über das Wesen sowie die Mission von Brands Unterfangen aussagen.

Das Buch war tatsächlich ein Katalog über Firmen, die Produkte anboten, die für ein selbständiges Leben fernab der damals herrschenden Konsumkultur und dem damit verbundenen Industriekapitalismus von Nutzen gewesen waren. Die Zielsetzung „Access to Tools“ (Zugang zu Werkzeugen) spiegelt die wachsende Erkenntnis der Counterculture wider, dass für die ersehnte Kulturwende, die richtigen und treffenden Werkzeuge unumgänglich wären.

Die mit Abstand wegweisendste Lehre aus dem Projekt war, dass Information und deren rhizomartige Verbreitung das mächtigste Werkzeug von allen ist.  – Mark Gilbert


Leserbrief zu “ Politik, neu entdeckt“ von Henning Sussebach

Was ist so faszinierend an Ortsvereinssitzungen und Haustürwahlkampf?, fragt Henning Sussebach. Antwort eines Betroffenen: Gar nichts. Entweder ist die Frage die Folge einer ungenügenden Recherche oder sie soll die Politik-Amateure in ihrer Verantwortungsübernahme für das Funktionieren des Staates diffamieren. Wer sich an der Basis für Politik engagiert tut dies nach meiner Erfahrung nicht, weil er sich am Haustürwahlkampf beteiligen möchte, sondern weil er sich auch und vor allem für die überregionale und „große“ Politik interessiert, Position beziehen und – mehr noch – verantwortlich einbringen will. Gut, dass es diese Menschen, die das Funktionieren unserer Demokratie sichern, auch heute noch/wieder gibt, sich über sie lächerlich zu machen, ist hingegen eher schädlich. – Falko Radewald


Leserbrief zu “ Offene Wunde“ von Petra Sorge

Ich kann mich aus unerfindlichen Gründen sehr genau an den Tag des Absturzes erinnern.

Was mich schon an diesem Tag enorm erstaunt hat war, dass zwischen dem Zeitpunkt des Absturzes (ca. 9:45h) und dem Auffinden des Stimmenrekorders kaum vier Stunden lagen. (Die Angabe bei Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Germanwings-Flug_9525 ist meiner Erinnerung nach unzutreffend). Und das bei der Gelände-Morphologie !

Ich hänge nie Verschwörungstheorien an, aber die französische Regierung hatte und hat jeden Grund, Schaden von Airbus Industries abzuwenden. Dass sie zu rauen Massnahmen fähig ist, hat sie nicht erst nach Tschernobyl bewiesen… – Dr. Michael Rohe


Leserbrief zu „Ode an das Öde“ von Oliver Guetz

ich unterrichte Französisch an einem Karlsruher Gymnasium und nehme mit meinen Schülern bald „das Wahljahr2017 im Kontext der deutsch-französischen Beziehungen“ durch. Ihr Artikel „Ode an das Öde“ hat mir sehr gut gefallen und ich wollte Sie fragen, ob es möglich wäre, dass Sie mir den Originaltext aus der aktuellen ZEIT (Nr. 13/2017, S. 11 im Politik-Teil) von Olivier Guez auf Französisch zukommen lassen könnten? – Judith Kowal


Leserbrief zu “Die Hippies sind schuld” von Thomas Assheuer

In der aktuellen Ausgabe (13/2017) ist mir im Artikel „Die Hippies sind schuld“ von Thomas Assheuer ein Fehler aufgefallen. Die beschriebene berühmte Publikation von Stewart Brand heißt nicht „Whole World Atlas“, sondern „Whole Earth Catalog“.

Kleine Fehler passieren immer mal. Machen Sie weiter mit der guten Arbeit! – Julian Thiel


Leserbrief zu “Die Hippies sind schuld” von Thomas Assheuer

Habe selten eine Überschrift gelesen, die mit dem Artikel so wenig zu tun hat, wie diese Und zum Untertitel „Die rebellische Gegenkultur hat die Demokratie zerstört. Ist da vielleicht etwas dran?“ sage ich: Nein, da ist nichts dran, denn die demokratie ist zwar – wenn man das so pauschal sagen soll – in einer Krise, aber Gott sei Dank alles andere als zerstört.

Dass die amerikanische Hippies in der kalifornischen Cyberkultur aufgingen, stimmt so auch nicht. Zwar schwärmte selbst Timothy Leary in den 90ern vom Internet, aber sein Slogan „turn on, tune in, drop out“ hatte sich da längst als unausgegorene Spinnerei erwiesen. Es gab natürlich noch ein paar Spät- und Neuhippies, aber als Bewegung hatte sich das längst erledigt. Wir europäischen Hippies der 60er Jahre waren übrigens nur sehr bedingt ein Teil der politisch geprägten rebellischen Gegenkultur und haben die Welt leider auch weitgehend in zwei Lager eingeteilt: wir und die anderen. Das hat sich als gravierender Irrtum herausgestellt, und so schlägt das Pendel, das einst gegen Obrigkeitsstaatlichkeit und autoritär vereinnahmende Verhaltensmuster schwang, jetzt in die andere Richtung. Aber was das dauerhaft bewirkt, lässt sich noch gar nicht sagen. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Ode an das Öde“ von Oliver Guetz

Olivier Guez meint, „Meine lieben deutschen Freunde, eure Politiker sind sachlich, man könnte sagen farblos, sie leiden nicht unter einem aufgeblasenen Ego“ – ihr habt wirklich Glück!!  ^^ Was soll man dazu  nun  als Deutsche  oder als  Deutscher sagen?  Daß Frankreich sich mit seinem Topp-Personal Extravaganzen in Bezug auf quasi Mätressen leistet, ist nicht nur eine französische Besonderheit. Der König von Swaziland hat Dutzende von Frauen und kann sich regelmäßig aus dem Volk neue junge Frauen aussuchen. Die Reichen der Welt , also die Oligarchen etc., kaufen sich mehr oder weniger schöne Frauen nach Belieben.

Die Luxus-Branchen , angefangen von den Immobilien, über Kunst und Schmuck  und Gastronomie , haben eigene personale  Netzwerke – wie eben die Enarchen in Frankreich auch so what ?,  könnte man lakonisch anmerken. ^^ Wenn Olivier Guez sagt:“In Deutschland herrsche das Öde“, dann bedient er natürlich das Vorurteil:  die Deutschen seien humorlos, es fehle ihnen an Ironie, Lebenskunst, Sexualität wäre in Deutschland nur triebhaft , nicht genügend erotisch gefärbt und dergleichen. Tatsächlich reiben sich in der französischen Kultur ganz eigentümlich das Prinzip der persönlichen Entfaltungs-Freiheit und das Prinzip der Gleichheit. ^^  Noch obsiegt aber immer eher die Freiheit und die Lust an einem gewissen Elitegeist.

Der Elitegeist ist aber Deutschland leider total durch das Dritte Reich  verloren vergangen (worden).^^  In Deutschland gilt gern das geflügelte Wirt:  Napoleon bürstete die Fürstenkinder und fürstete die Bürstenkinder. Mit anderen Worten: das °Ancien Régime° lebt unter der republikanischen „Oberschicht“ der heutigen politischen Klasse mit oder ohne Enarchen-Hintergrund lustig  weiter.   ^^ Das Thema:  Liebes- Affären, Schloß ähnliche  Demeures , elegante Eß- und Trinksitten usw . ist  doch durchaus eine amüsante Seite des französischen Lebensgefühls.  Dies kommt in dem Satz zum Ausdruck: °On fait l“amour“, also Liebe wird ästhetisch produziert mit Hilfe eben von Sexwerkzeugen. Diese werden aber „artisanal“ , also handwerklich,  nicht robotermäßig   gebraucht!! – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Let’s Roll!“ von Anja Rützel

Kompliment   an   den   Gestalter   dieses  kostbaren  Rollators!  Ist   dieses beeindruckende    Foto   nicht   eine   Hommage  an   das  äußerst  nützliche Vehikel, vor   allem   an   den   Erfinder  dieser  beliebten  Fortbewegungshilfe ?

Immer   häufiger  trifft   man   Menschen,   nicht   nur   ältere,   die   mit   diesen   Geräten   unterwegs   sind, damit   gehen,   darauf   sitzen   oder   sie   zum   Einkaufen   benutzen.

Sie   müssten   wahrscheinlich  alle   zu   Hause   bleiben,   wenn   es   diese   tolle   Gehhilfe   nicht   gäbe.  Welche   eine   Bereicherung   für   ihr  Leben !   – Gabriele   Gottbrath


Leserbrief zu “Alles für die Tarifpartner” von Elisabeth Niejahr

Daß die SPD immer noch als reine Staatspartei gilt, ist vor allem dem ständigen, polemischen,  „Getrommele“ der Konservativen zu danken. Konservative in Deutschland denken beim Wort:  Genossen…….. immer gleich,  nicht nur an Sozialdemoraten,  sondern an „rote Socken“, also verkappte Kommunisten. Daß es in der marktwirtschaftlich  verfaßten Bundes-republik ein traditionsreiches  „Genossenschaftswesen“ gibt, wollen diese  „ Traditions“  -Deutschen nicht wahrhaben.

Daß es im Bankwesen neben Privatbanken auch Sparkassen und Volksbanken gibt, nehmen diese Mitbürger, die meinen, Deutschland für sich allein  gepachtet zu haben, nicht zur Kenntnis. –  DIE ZEIT- Autorin Elisabeth Niejahr  diagnostiziert wohl zu Recht, daß die SPD in jüngerer Zeit gar nicht so sehr auf Umverteilung gesetzt hat, sondern auf bessere Setzung von  für Soziale Gerechtigkeit fördernde Rahmenregelungen. Dazu gehört:   die Rechte der selbständigen Tarifpartner stärken.

Wie wichtig die sozialen Mitbestimmungsrechte in Deutschland für das Soziale Verfaßtsein des gesamten Gemeinwesens sind ( Betriebsverfassungsgesetz, Mitbestimmungs-Gesetz, Gewerkschaftswesen) merkt man daran, daß des immer noch ausländische Investoren gibt, die ob dieser sozialen „Leitplanken“ der deutschen Sozialen Marktwirtschaft die Nase rümpfen. Diese Investoren sind kurzsichtig, weil sie nicht sehen, daß man mit guten sozialpartnerschaftlichen Beziehungen „Transmissionsriemen“ für den unternehmerischen Erfolg hat. Um ein Bild aus früheren Zeiten  zu bemühen: es steht der damalige autoritäre Land- Junker gegen den zwar landwirtschaftlich kleineren, aber selbstmächtigen und stolzen,  Bauer. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Böse Fantasien” von Jörg Lau

Einen Kommentar zum Leitartikel auf Seite eins von Jörg Lau („Böse Fantasien“) kann ich mir nicht verkneifen.

Es geht um folgende Passage, die ich sehr kritisch sehe:“[…] wie weit es gekommen sein muss, wenn Demokratie und Rechtsstaat ausgerechnet von NSA und FBI gerettet werden müssen“.

Mich stört die offensichtliche Geringschätzung gegenüber den Kern der Arbeit von Geheimdiensten: Bei aller berechtigter Kritik an fehlerhaften Praktiken – für die Fehlerprävention und -aufarbeitung muss es funktionsfähige Kontrollmechanismen geben – sollte nicht vergessen werden, dass u.a. zahlreiche Anschläge durch die Arbeit dieser Geheimdienste verhindert wurden und werden. Die Rettung von Demokratie und Rechtsstaat durch NSA und FBI ist Alltag, kein sonderbares Ereignis. – Pascal Frank


Leserbrief zu “Ein Religionskrieg findet nicht statt” von Evelyn Finger

Es ist traurig, dass die Rhetorik des türkischen Präsidenten den Islamophoben und religiösen Fanatikern gleichermaßen in die Hände spielt. Umso freut mich die erhellende Aussage Evelyn Fingers, dass die Front nicht zwischen den Religionen verläuft, sondern zwischen Toleranten und Fanatikern. Als in Deutschland lebende und arbeitende Muslimin ist diese Trennlinie wichtig für mich. Das Problem liegt nicht bei den Religionen.

In dem Argument, dass religiöser Hass nicht auf den wahren Lehren der Religion beruht, sieht Frau Finger dennoch eine Schwachstelle für den Frieden. Zu diesem Punkt möchte ich sagen, dass alle Religionen eins gemeinsam haben: Sie geben den Menschen eine Morallehre mit auf den Weg, entsprechend dieser sie ihr Leben ausrichten können. Es geht hier stets um die Herstellung von Frieden in einer Gesellschaft. Welchen Sinn hat Religion noch, wenn sie keinen Frieden stiften kann?

Gemäß einem bekannten Ausspruch des Heiligen Propheten Mohammed heißt es, dass der Muslim eine Person ist, vor dessen Hand und Zunge seine friedlichen Mitmenschen sicher sind. Die Glaubensfreiheit „Es soll kein Zwang sein im Glauben“ (Koran Sure 4: Vers 59) oder der Gerechtigkeitsgedanke „Und die Feindseligkeit eines Volkes soll euch nicht verleiten, anders denn gerecht zu handeln“ (5:9) sind seit über vierzehn Jahrhunderten tief im Koran verankert.

Befolgt der Muslim diese koranischen Regeln, tritt er zugleich auch für ein friedliches Miteinander in der Gesellschaft ein. Zum Problem kommt es erst, wenn Muslime ihre Religion abweichend von diesen Ursprungslehren leben. In diesem Fall gilt: Nicht die Religion trägt die Schuld für unverantwortliches Handeln der Menschen. – Dure-Samin Malik


Leserbrief zu „Kleines Land, große Wirkung“ von Peter Dausend, Tina Hildebrandt und Elisabeth Niejahr

Wirklich, selten so gelacht wie über den Artikel der Damen Niejahr, Hildebrandt und des Herrn Dausend. Potz Dausend möchte noch sagen. Schauen Sie sich bitte die Wahlergebnisse an – die Linken verlieren drei Prozent, die SPD bleibt unter 30 % und die Grünen – ja dar war doch mal etwas ! Und die der Verzweiflung nahe CDU gewinnt 5 % dazu. Also bitte, nicht den Wunsch für die Realität nehmen. Der Auftritt von Schulz mit der Attitüde des Hans Albers: Hoppla, jetzt komm ich ist unterhaltsam, aber eben doch auch Kino und da gehen am Ende die Lichter aus. – Dr. Jochen Hecht


Leserbrief zu “Hauptsache, dagegen” von Hanna Engelmeier

Habe mich über Ihren Artikel köstlich amüsiert. Die Geisteswissenschaftler haben immer das Problem mit der mangelnden Objektivität Ihrer Lehr- und Lerntätigkeit. Die Definition für Wissenschaft ist gemünzt auf die Naturwissenschaftler. Das bringt bei den Geisteswissenschaftlern ständigen Frust. Bei den WiWis ist es besonders ausgeprägt, weil sie keiner für voll nimmt. Alles Dünnbrettbohrer, die stets hinterher sagen, warum sie sich vorher geirrt haben. Bei ca. 45000 Professoren und rund 430 Hochschulen ist mit viel Unsinn zu rechnen. Sie haben dies wunderbar dargelegt. Vielen Dank für die vergnügliche halbe Stunde. – Hartmut van Meegen


Leserbrief zu „Die Ausnahmefrau” von Ulinka Rublack

Wie schnell das landläufige (unreflektierte) Reden von der „Kaiserin Maria Theresia“ in die historische Irre und zu einem schreienden Anachronismus führt, zeigt die Bildlegende, in der M. Th. sogar zur „Kaiserin von Österreich“ wird.

Merke:

1) Das Kaiserreich von Österreich gab es erst seit 1804, als der letzte römisch-deutsche Kaiser Franz II., der Enkel M. Ths., dieses Amt niederlegte und dann nur noch Franz I. von Österreich war.

2) Sowohl im alten römisch-deutschen Kaiserreich (HRR) (lt. Goldener

Bulle) als auch im (neuen) Kaiserreich Österreich waren nur Männer Amtsinhaber.

3) Somit ist M.Th. nur „Kaiserin“ als Gattin Franz I.; sie führt diesen Verwirrung durch die Jahrhunderte stiftenden (Ehren)titel nur aufgrund dieser Ehe, jedoch nicht als Amtsbezeichnung.

Es wäre also sinnvoll gewesen, wenn Sie auf diese historischen Fakten hingewiesen hätten. Eine Korrektur der Bildlegende scheint mir nötig zu sein. – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Alles wächst“ von Bernd Ulrich

Im Angesicht zunehmender Autokratie, Demagogie, aggressivem Populismus inklusive alternativen Fakten und Diffamierungs-Unkultur, Renationalisierung und EU-Bashing, Kleingeistigkeit und Kleinmütigkeit, hat der Großteil von Europas Demos inzwischen nicht nur die Nase gestrichen voll von der Diskreditierung und Marginalisierung der europäischen Werte, die in über sieben Jahrzehnten des Friedens und der Partnerschaft erreicht worden sind.

Mehr denn je seit dem Ende des 2. Weltkrieges gilt es jetzt, den Souverän, das Volk, tatsächlich in den Mittelpunkt der Politik zu stellen, denn nur auf dem Weg über die demokratische Basis kann das Fundament von europäischem Zusammenhalt und Wohlstand gefestigt und weiter aufgebaut werden.

So sollte der Blick zurück auf die Unterzeichnung der Römischen Verträge vor nunmehr sechzig Jahren auf jeden Fall mehr als nur einem feierlich-pathetischen Selbstzweck dienen.

Aufstehen für Europa ist daher fürwahr das richtige Motto.  – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Harun war 17, als er einen Mann ins Koma prügelte. In 24 Stunden kommt er aus dem Gefängnis frei. Wer will er draußen sein: Bimbo oder Babo?“ von Florentin Schumacher

Was soll die tiefere Botschaft dieses Artikels sein? Dass man 93 Anklagen mit etwa 600 Tagen abtun kann? Dass man sich als Held fühlen kann, wenn sich eine (eigentlich) gute Zeitung so ausführlich mit einem beschäftigt? Dass die Sprache in Ihrem Artikel völlig verkommt? Dass unser Justizsystem in gewissen Fällen fragwürdig ist?

Mich packt bei dieser Skizzierung die blanke Wut, da es hier nicht um ein „verirrtes“ Kind geht, dass man nur wieder sanft in die richtige Richtung leiten möchte, sondern um einen Menschen, der seine Macht durchaus bewußt auf- und ausgebaut hat. Und wir, und damit meine ich die Menschen, die ehrlich durchs Leben gehen, sitzen still da und schauen zu. In keinem anderen Land der Erde würde das so laufen. Hinaus mit ihm – Steffen Kaufmann


Leserbrief zu „Ab durch den Kamin“ von Annick Eimer

Schade, nun haben die postfaktischen Zeiten ganz offensichtlich auch in der Wissensredaktion der ZEIT Einzug gehalten. Anders kann man sich die Ansammlung von Falschinformationen in Ihrem Beitrag „Ab durch den Kamin“ nicht erklären. Eine ausgewogene Berichterstattung sieht jedenfalls anders aus, oder war das gar nicht das Ziel? In Ihrem Beitrag kommen vor allem Vertreter des Verbandsnaturschutz zu Wort. Auch da, Frau Eimer, gibt es Lobbyisten und einseitige Darstellungen (ich schreibe das als Mitglied eines solchen Verbandes) und so wäre es nur recht und billig gewesen auch die Lobbyisten der anderen Seite zu Wort kommen zu lassen, oder aber – manche Ihrer KollegInnen machen das so – eine unabhängige Stimme einzuholen. Diese hätte Ihnen unter anderem sagen können, dass:

  • immer weniger (und nicht mehr!) Bestände aus nur einer Baumart bestehen, Monokulturen also zurückgehen (im Übrigen sind Monokulturen per se nichts Widernatürliches, Mitteleuropa wäre ohne den Menschen auf über der Hälfte der Landesfläche von mehr oder weniger reinen Buchenwäldern bedeckt),
  • in Deutschland weniger Holz genutzt wird als nachwächst, die Angabe der reinen Nutzungsmenge also irrführend ist,
  • Dauerwälder auch bewirtschaftete Wälder sind,
  • generalisierende Schlussfolgerungen zum Thema Artenvielfalt auf der Basis einiger weniger Artengruppen problematisch sind (so schneiden Buchendauerwälder, wenn man viele unterschiedliche Artengruppen betrachtet, hinsichtlich der Diversität schlechter ab als andere Bewirtschaftungsformen die auf Kahlschlag verzichten)
  • und vieles mehr.

Kurzum, ein wenig mehr Recherche hätte gezeigt, dass auch in der Frage der Waldnutzung die Welt nicht schwarz oder weiß sondern ziemlich bunt ist. Wirklich schade, aber Sie haben es verpasst, den ZEIT-Lesern einen differenzierten Blick auf ein Thema zu verschaffen, das fast so komplex ist wie der Wald selbst.  – Prof. Dr. Christian Ammer


Leserbrief zu „Überlebt! Und jetzt?“ von Josephina Maier

Danke für diesen Artikel Frau Maier!

Vor 5 Jahren ist mein Bruder 30 geworden. 7 Jahre zuvor bekam er die Diagnose: AML – akute myeloische Leukämie. Meine Mutter sagte, in einem Jahr ist das geschafft. Am 28.02.2017 waren es 12 Jahre. Er leider immer noch an den massiven Nachwirkungen: medizinisch, psychisch und sozial. Genauso wie sie es beschreiben und noch intensiver, wie es ihre Fallbeispiele erlebt haben.

2012 zum 30. Geburtstag habe ich Fotos zusammengestellt und mit Musik unterlegt: Haupttitelsong: Alive – von einer der Lieblingsbands meines Bruders: Pearl Jam. Überlebt – I`m still alive! Das ist er. Aber als wir die Bilder sahen: von einem gesunden jungen Mann mit 23 Jahren zu heute, stiegen uns Tränen in die Augen. Die Krankheit hat ihn sehr gezeichnet.

Nein, eigentlich die Nachfolgen: Niere, Darm, Zähne, Augen, Haut, Muskeln …

Ist eine Baustelle geschafft, eröffnet der Körper eine Neue. Davor hat ihn niemand gewarnt oder gefragt und niemand hat das mitgedacht. Einziges Ziel: Überleben, wie Herr Seifert das beschreibt.

Mein Bruder konnte nie zu Ende studieren, nie voll arbeiten, für seinen Lebensunterhalt sorgen. Durch einen glücklichen Umstand (eine Ausbildung vor dem Studium) hat er eine Erwerbsunfähigkeitsrente und ist finanziell einigermaßen abgesichert.

Er wird wahrscheinlich nie eine Familie gründen können. Er hat es schwer Kontakte zu pflegen, weil er so wenig mobil ist, schwer auf Menschen zu gehen kann. Kein Beruf, kein Fitnessstudio, kaum Alltag. Wie schnell ist man da isoliert aus seiner Altersgruppe.

Und wie soll die Psyche das aushalten, die ständigen Schmerzen, das Eingeschränkt sein, der ständige Kampf ums Überleben, ohne sich ab und zu auszuklinken! So werden diese jungen eigentlich chronisch kranken Menschen zu Wandlern zwischen den Sozialgesetzbüchern und Zuständigkeiten. Reha-Anträge, Klinikaufenthalte … ein Drama: für die psychische Kur körperlich zu krank, für die Reha psychisch zu labil.

Genauso in Sachen Wohnformen: Für den Bereich der Menschen mit Behinderung körperlich zu fit, für die Betreuung als psychisch Kranker psychisch zu fit. Für ein alleine Wohnen auf Dauer weder körperlich noch psychisch fit genug.

Wie integrieren wir Überlebende wieder in unsere Gesellschaft? Im Moment überlassen wir das voll und ganz den Familien. So lange diese noch da sind und können. – Verena Altenhofen


Leserbrief zu “ Bei Anruf Arbeit“ von Julia Friedrichs

Dies ist nur ein weiteres Beispiel in der langen Reihe von neueren Regelungen in der Arbeitswelt, die zu Gunsten der Arbeitgeber und zu Lasten der Arbeitnehmer ausfallen. Dass der Staat solche Regeln macht, und dann nicht mehr davon abgehen will, weil er selbst davon z. T. exzessiv profitiert, ist nicht nur beim geschilderten Konstrukt und nicht nur bei der Deutschen Post so. Oft übernimmt die öffentliche Hand Entwicklungen aus der Privatwirtschaft.

Dabei ist sie i. d. R. spät dran, übertreibt, macht handwerkliche Fehler, und hinkt bei Änderungen oder Wieder-Abschaffung grundsätzlich hinterher. Ich selbst habe in 17 Jahren 43 Arbeitsverträge an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen abgearbeitet, davon viele mit nur 1 Monat Laufzeit, einer sogar mit einer Laufzeit von 2 Wochen. Von manchen Arbeitsverträgen habe ich nur einen Tag vor Vertragsbeginn erfahren. Dass die Politik in Deutschland Wissenschaftler partiell wie im Mittelalter behandelt, für Jahrzehnte auf ″Gesellenwanderschaft″ schickt, ohne die Chance zur Niederlassung, Sesshaftwerdung und Familiengründung zu geben, ist nur die eine Seite.

Die andere ist, dass ich mich tatsächlich als Monatslöhner wie im Mittelalter gefühlt habe, und den Status des Wochenlöhners fast schon erreicht hatte. Danke! Davon habe ich doch geträumt! Dass im Bereich der Wissenschaft der Schwachsinn sogar noch größere Dimensionen erreicht hat, erkenne ich, wenn ich in den Spiegel sehe.

Da sehe ich einen Wissenschaftler, der so berufserfahren (= ″zu alt″) geworden ist, dass er nach Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG; das Teilzeit- und Befristungsgesetz TzBfG habe ich noch nie ″erlebt″) nicht mehr beschäftigt werden darf, wenn und da die einzig bei seinem Vorgesetzten C4-Professor und Lehrstuhlinhaber verfügbaren Stellenmittel Haushaltsmittel sind, selbst wenn er damit in einem nur kurzen, 3-monatigen Zeitraum einen Drittmittelantrag schreiben würde, nach dessen positiver Beurteilung er dann Drittmittel zur Verfügung hätte, aus denen er trotz WissZeitVG für z. B. 3 Jahre eingestellt werden dürfte.

Die Folge dessen ist, dass dieser Wissenschaftler sich zwangsweise arbeitslos melden muss. Das WissZeitVG zwingt ihn also, arbeitslos zu werden, nur um sich in die Zwänge eines anderen Gesetzes zu begeben, nämlich des Arbeitsförderungsgesetzes (AFG). Dass er dann auch keinen Drittmittelantrag schreibt, liegt nahe. Denn will er kostenlos arbeiten? Arbeiten ohne Bezahlung? Wer will denn so was!? Die Logik hinter dem WissZeitVG ist außerirdisch.

Zwei Konstruktionsfehler zeigen sich hier: einerseits fehlt eine Ausnahmeregelung, die unter diesen genannten spezifischen Bedingungen eine Übergangsfinanzierung erlaubt, und zum Anderen wird die Ursprungsintention des WissZeitVG ins Gegenteil pervertiert. Wenn Wissenschaftler, anstatt endlich, nach viel zu vielen und viel zu kurzen, Arbeitsverträgen  unbefristet eingestellt zu werden, lieber entlassen werden, weil die z. B. Universitäten das nötige Geld nicht aufbringen wollen o. können, weil der Staat dann, wenn eine solche unbefristete Stelle ″verdient″ und zu finanzieren wäre, die nötigen zusätzlichen Stellenmittel nicht zur Verfügung stellt, dann stimmt was nicht.

What a nonsense! Ich habe mit vielen Wissenschaftlern, v. a. aus anglophonen Staaten, auf internationalen Tagungen geredet, und diese können einerseits nicht verstehen, wie der deutsche Staat Wissenschaftler so schlecht behandeln kann, und die sich andererseits diebisch freuen, dass deswegen so viele deutsche Wissenschaftler das Land verlassen. In den Exil-Ländern sind sie hoch beliebt, da motiviert, gut ausgebildet und ohne Ausbildungskosten zu haben! Die Welt sagt ″Danke Deutschland, dass Du so doof bist!″. – Dr. rer. nat. Jürgen Kühn


 

 

16. März 2017 – Ausgabe 12

Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Jahr für Jahr das gleiche Lamento über die „chronobürokratische Maßnahme“ Sommerzeit. Auch wenn im Artikel eine angebliche Ablehnung durch „drei von vier Befragten“ behauptet wird und die angeblichen negativen Auswirkungen auf jeden Einzelnen hervorgehoben werden, werden die positiven Auswirkungen auf die Menschen, mehr Sonnenlicht nach Feierabend und mehr Arbeitsstunden in den kühleren Morgenstunden (Klimawandel) nicht erwähnt. Für Kleinkinder und Nutztiere und alle anderen, die angeblich besonders unter der Zeitumstellung leiden, kann der „Schock“ leicht durch einen Umstellungsprozess von dreimal je 20 Minuten gemildert werden. Zu erfragen wäre im Zukunft auch die Reisegewohnheiten der Gegner, schon ein Urlaub auf den Kanaren oder in der Türkei bringt genau eine Stunde Zeitumstellung mit sich. – Gudrun Schmied


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Überzeugender Artikel. Ich finde ohne Sommerzeit bei den heute flexiblen Arbeitsbedingungen, kann fast jeder seinen Tagesablauf der Sonne anpassen, z.B. im Frühling jeden Tag ein wenig eher aufstehen.

A propos: es gibt keine zeitumstellung (wie sollte das gehen?), es gibt nur eine Uhrumstellung ;-) – Christian Voss


Leserbrief zu „Schulz sieht rot“ von Peter Dausend und Fabian Klask

Das wäre in der über hundert Jahren Sozialdemokratie, das erste Mal, das ein Regierungschef aus der SPD für Wohlstand sorgen kann. Warum soll ich so einen wählen.? –  Gunter Knauer


„Als wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen (…) wird immer noch der Völkermord ameuropäischen Judentum herangezogen“ von Paul Middelhoff

Es mag den ehrwürdigen Ablauf des hohen Hauses im ehemaligen Reichstag natürlich stören, wenn da so ein Ewiggestriger Alterspräsident würde (die vorauseilende Panik ob eines noch nicht eingetretenen Ereignisses ist auch irgendwie amüsant).

Allerdings könnte das dochmal ein bißchen Butter bei die Fische für all die Sonntagsreden vom „Nie wieder!…“ bedeuten.

Verstehen Sie mich nicht falsch! So ein Geschichtsklitterer ist abscheulich, aber wenn dann der Hühnerhaufen etwas aufgeschreckt wird und der eine oder andere endlich mal im Angesicht des „Bösen“ Farbe bekennen muß, kann das durchaus heilende Wirkung für eine gelebte Demokratie haben!

Nach dem Motto: laßt sie doch kommen die Verwirrten, wir werden ihnen den Kopf schon zurechtrücken. – Wolfgang Michel 


Leserbrief zu “ Gegenrevolution“ von Josef Joffe

Vom Patriarchat kann keine rede sein. Bleiben Sie auf dem Teppich. Es geht um unsere Rechtsordnung die versagt hat. Alles andere ist mehr oder weniger Dichtung. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Ich habe wirklich kein Verständnis dafür, dass so ein Quatsch auf der Titelseite steht. Da jettet ein Gutteil der Bevölkerung (zumindest der Zeitleser) permament beruflich durch die Gegend und fliegt obendrein noch 5x im Jahr in Urlaub, jeweils mit mehreren Stunden Zeitverschiebung versehen, und hier wird ein Faß aufgemacht für zweilmal 1h Verschiebung, noch dazu am Wochende, was jeder halbwegs normale Mensch problemlos zwischen Bier- und Weinkomasaufen am 1. Mai und Vatertag versteckt.

Es ist lächerlich, wenn hier wie bei Folgen von Dieselfahrzeugnutzung von tausenden früh Verstorbener rumgefaselt wird, und das bei ständig steigender Lebenserwartung. Um es auch mal für Journalisten verständlich zu formulieren: Statistiken sind in den seltensten Fällen dazu da, Zusammenhänge aufzuzeigen; in der Regel geht es darum, beliebige Fakten so zusammen zu stellen, dass frei erfundene Behauptungen untermauert werden. Es wäre Zeit für eine wirkliche Zeitumstellung, nämlich der Abkehr von Die Zeit von solchem Blödsinn. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Prominent Ignoriert: Der kluge Wirt“ von GRN

Der sehr amüsante Artikel erinnert mich an das“Holtmanns“ (Café) im Museum für angewandte Kunst, Köln. Lange Zeit wure dort eine Serviette mit folgendem Aufdruck ausgegeben:

„Unbeaufsichtigte Kinder erhalten einen doppelten Espresso und ein Haustier nach Wahl.“ – Claudia Westermann


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Eigentlich könnte mich das Gejammere über die alljährliche Zeitumstellung völlig kalt lassen. Ich bin Rentner und kann meinen Tag  gewöhnlich so einteilen, wie ich es möchte.  Aber vor nicht allzu lange Zeit habe ich die Umstellungen auf die Sommerzeit geradezu herbeigesehnt.  Endlich war der Winter vorbei, bei dem Arbeitsbeginn und –ende in die Dämmerung fielen. Da die Arbeit bei den meisten Arbeitnehmern (nicht so sehr bei Journalisten) an Tageszeiten gekoppelt ist, bedeutet ein früher Arbeitsbeginn (in der Sommerzeit eine Stunde früher) bei Vollzeitbeschäftigten, dass man vielleicht in der Dämmerung beginnen muss, dafür aber die Chance hat, bei Sonnenschein den Feierabend genießen zu können.

Ich wundere mich, dass die Diskussion über diese ach so gesundheitsschädliche Zeitumstellung in Deutschland diesen Raum einnimmt. Als Reiseweltmeister werden Jetlags infolge oft mehreren Stunden Zeitverschiebung in beiden Richtungen innerhalb kurzer Zeit  von vielen Jammerern klaglos hingenommen.

Falls es fundierte Studien an großen Kollektiven über einen langen Zeitraum gibt, die eindeutig einen Zusammenhang zwischen mehr als die Befindlichkeit betreffenden Erkrankungen und der Zeitumstellung nachweisen, lasse ich mich gerne belehren. Aber man kann ja auch erkranken, wenn man sich über die obrigkeitsverordnete Maßnahme nur ordentlich ärgert.  – Dipl.Ing. Dr.med. J. Hanse


Leserbrief zu „Riechst du das?“ von Joachim Bessing

Sehr gelungen, der Artikel von Joachim Bessing. Das Duft-Thema hat aber noch eine ganz andere Seite: nämlich die, dass immer mehr Menschen durch die Überparfumierung erkranken.

Es wäre toll, wenn Sie da weitere Aufklärungsarbeit leisten würden – viele wissen es einfach noch nicht. Der DAAB hat nur knapp verhindern können, dass die Hamburger S-Bahnen beduftet werden… – Frauke Lippens


Leserbrief zu “ Wie geht’s, Doktor?“ von Johannes Gernert und Kristiana Ludwig

Chapeau für diesen Beitrag.

Die Frage: Ist die Privatisierung schuld ? ist leider irreführend. Es ist nicht die Privatisierung. Es ist Gier. Krankheitssymptom zur Abklärung: ==>Verdacht auf Abrechnungsbetrug auf allen Ebenen (Labor anbei-Googlesnapshot)

Ursache: ==>via deregulierte Gesundheits-Ökonomie mit jährliche Wachstumsziel: „15% unter INEK“ (Institut für Entgeltwesen im Krankenhaus), will heissen „Entlasse die Patienten 15% schneller als der Mittelwert“-bei gleichem Erlös.

Diagnose: ==>Diese finden Sie in DIE ZEIT (Heft 4 aus 2015) im Gespräch von Adam Soboczynski mit Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwic:

==> „Das, was uns geschehen ist, ist über das Manifeste hinaus ein symbolisches Geschehen. Es ist der Krieg des Kapitals wider den Geist.

Nur auf dem Feld des Gesundheitswesens zu Ungunsten derjenigen, die sich im Krankenhaus nicht wehren können: Kinder, Alte, Menschen mit Demenz, Menschen mit Migrationshintergrund, Behinderte, Patienten mit sprechender Medizin, Angestellte u.v.m.. – Dr.med. R.Thiesemann MSc, Krankenhausarzt seit 1994, Chefarzt a.D. 2017


„Als wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen (…) wird immer noch der Völkermord ameuropäischen Judentum herangezogen“ von Paul Middelhoff

Der AfD-Politiker Wilhelm von Gottberg könnte neuer Alterspräsident werden. (Zeit Nr.^2/2017). Er ist 77. Der offenbar verdiente CDU-Kommunalpolitiker sei, so schreibt Autor Paul Middelhoff,  seiner Partei „irgendwann zu antiquiert“ geworden, wurde ausgemustert und wechselte zur AfD. Sollte man nicht mal bei den anderen Parteien fragen, warum Ältere für die Politik, geschweige denn für den Bundestag, „zu antiquiert“ sind? Die „fitten Alten“ dürfen die Stützen der Zivilgesellschaft sein, gern auch als Quereinsteiger; fast ein Viertel der über 60 jährigen ist erstmals bürgerschaftlich engagiert, so die Generali Altersstudie 2013.

Selber schuld, wenn nun über einen AfD-Quereinsteiger aus dem Lager der Älteren gejammert wird. – Henning v. Vieregge


„Als wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen (…) wird immer noch der Völkermord ameuropäischen Judentum herangezogen“ von Paul Middelhoff

Ich habe keine Einwände an der Kritik am AfD Politiker von Gottberg. Ich halte nicht nur die Partei aber auch deren Politiker für widerlich und bekämpfenswert.

Aber Verharmlosung des Nationalismus, gibt es bis tief in unsere bürgerliche , Bildungsgesellschaft hinein. Ich war in der Paulskirche dabei ,als Martin Walser seine Preisrede hielt und von “ einer Instrumentaliasierung der Schande“- der Moralkeule  Auschwitz sprach (Höcke??) und dafür standing ovations bekam.

Und ich erinnere mich noch an das Entsetzen von Ignaz Bubis und seiner Frau ,die in der ersten Reihe saßen. Ich habe damals mit meiner Frau die Paulskirche verlassen. – Wilhelm Staudacher


Leserbrief zu „Riechst du das?“ von Joachim Bessing

vielen Dank für diesen Artikel – Sie sprechen mir aus der Seele! Ergänzen möchte ich einen weiteren Effekt synthetischer Duftstoffe: Es handelt sich um chemische Substanzen, die Allergien auslösen können.

Mit der Zunahme synthetischer Duftstoffkombinationen steigt auch die Zahl der Menschen mit Unverträglichkeitsreaktionen. Seit ich selbst betroffen bin kenne ich neben den direkten Allergiefolgen (z.B. Schmerzen, Entzündung) auch die weiteren Folgen.

Es sind dies: Suche nach duftstofffreien Produkten, Bitte um Rücksichtnahme und die oft vergebliche Suche nach ‚sauberen‘ Räumen (in Restaurant, Kino, Theater, U-Bahn,.. ). Dies kann sehr mühsam sein und auch zu Unverständnis führen.

Eine Allergie oder Abwehrreaktion des Immunsystems auf synthetische Duftstoffe ist keine „elitäre Befindlichkeitsstörung“! – Ulrike Schmidt


Leserbrief zu „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ von Dr . Med. Harro Albrecht und Dr . Med. Josephina Maier

Immanuel Kant schreibt in seiner Kritik der reinen Vernunft:  Wir leben auf einer kleinen Insel des Wissens umgeben von einem Ozean des Nichtwissens.

Es erstaunt mich immer wieder, mit welcher Vehemenz viele Ärzte und ihre Apologeten Wirkungen homöopathischer Medikamente in den Bereich von Hokuspokus und Placebo verbannen – so als hätte die Schulmedizin für Gesundheit und Krankheit eine vollständige Erklärung.

Der Dogmatismus dieser Abwehr hat mit Aufklärung (s.o.) jedenfalls nicht das Geringste zu tun! – Dr. Michael Parys


Leserbrief zu “ Wie geht’s, Doktor?“ von Johannes Gernert und Kristiana Ludwig

Es ist offentsichtlich, dass die „Fallpauschalen“ abgeschafft gehören, da sie falsche finanzielle  Anreize geben, die dem kranken Menschen nicht gerecht werden. Die Beschwerden und Krankheiten des Patienten gehören in den Fokus einer vernünftigen Medizin, die am Ende auch wirtschaftlicher wäre.

Kein Arzt möchte mehr unter den in Ihrem Beitrag beschriebenen  Bedingungen in Deutschen Krankenhäusern arbeiten, und kein Patient möchte unter diesen menschenunwürdigen Bedingungen behandelt werden. Vieler meiner Patienten bestätigen nach ihrer Entlassung die katastrophalen Zustände in den Notaufnahmen und Abteilungen der großen Krankenhäuser, einschließlich den Unikliniken in Berlin. Die Aufsichtsbehörden in Bund und Ländern versagen völlig, in dem sie die Augen verschliessen.

Der Gesetzgeber ist in der Pflicht, Mindest-Versorgungsstandards mit der erforderlichen Personaldichte festzulegen. Es ist zudem ein Skandal, dass die Leitung von Krankenhäusern Kaufkeuten überlassen wird, deren Hauptinteresse im Profit und nicht in der Behandlung kranker Menschen liegt, bei der selbstverständlich der medizinische Sachverstand von Chefärzten mit einzubeziehen ist. Ein gutes Beispiel einer menschenwürdigen Krankenhausversorgung auf hohem fachlichen Niveau  im pflegerischen und ärztlichen Bereich geben Dänemark und Schweden. –  Dr. med. Charles Woyth


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Hände weg von der Sommerzeit! Was für die Einen ein  „Ärgernis“ darstellt ist für viele Menschen ein Grund zur Freude. Den langen, dunklen Herbst/Winter überdauert man in Erwartung der helleren Jahreszeit – erster Höhepunkt: die Umstellung der Uhr und damit abends eine Stunde länger hell!……für Arbeiten im Garten, draußen sein, nach Feierabend noch mal ins Freibad gehen u.v.m.

Stadtneurotiker haben damit vielleicht ein Problem und verschlucken sich  an dieser vergleichsweise lächerlichen „Taktstörung“. Wenn solche Neurastheniker-Themen neuerdings auf die Leitartikel-Seite vorrücken dürfen, dann muss man sich wohl ernsthaft Sorgen machen um den Zustand einer Zeitung  mit überregionalem Anspruch oder um einen Teil deren Leserschaft. – Ulrich A. Fay


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Ist es nicht merkwürdig, dass zwei Mal im Jahr “eine halbe Milliarde Europäer” unter einem inzwischen ausgeleierten Theater der Zeitumstellung leiden, andererseits aber überhaupt keine Probleme haben,  regelmäßig Urlaub zu machen in Ländern in anderen Zeitzonen? Was in der Heimat eine Katastrophe ist, ist im Urlaub oder auf Geschäftsreisen kein Problem? Hier wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Sollte es tatsächlich so sein, wie Sie schreiben, dann kann ich  mir die großen weltweiten Touristenströme nicht erklären. Andere Völker müßten doch auch unter Zeitumstellungen leiden.

Wenn die Zeitumstellung abgeschafft würde, plädiere ich dafür, die Winterzeit abzuschaffen, weil die Sommerzeit erheblich mehr Lebensqualität bietet. – Klaus Haack


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Der Artikel über die Zeitumstellung auf der Titelseite der ZEIT wunderte mich doch sehr, findet man Ähnliches in der Regel unter ‚Dies und Das’ eines Auto- oder Modemagazins. Die Umstellung auf Sommerzeit ist ein echtes Geschenk, haben wir doch, zumindest gilt das für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, eine ganze Stunde mehr Tageslicht.

Normalerweise, also ohne Umstellung, würde in Berlin die Sonne zum Sommeranfang bereits um 20:33 Uhr untergehen, aber schon um 03:42 Uhr aufgehen. Die morgendlichen Sonnenstunden würden den Wenigsten zugute kommen. Helle Abendstunden dagegen können fast alle genießen – das ist echte Lebensqualität!

In Zeiten des Jet-Sets und der Schichtarbeit sich Gedanken über die Verträglichkeit der Umstellung zu machen ist sehr müßig. Fährt oder fliegt man zum Beispiel von Berlin nach Stuttgart, so ergeben sich im Sommer unterschiedliche Sonnenaufgangszeiten von 37 Minuten. Ist das Ziel Paris, so liegt zwischen den Sonnenaufgängen beider Hauptstädte etwas mehr als eine Stunde! Würde jemand auf diese Reisen aus Gründen des ‚Biorhythmus‘ verzichten?

In Paris und London wiederum findet der Sonnenaufgang Mitte Mai eigentlich nahezu gleichzeitig statt, allerdings liegt London nicht in der mitteleuropäischen Zeitzone. Fährt man durch den Eurotunnel mit dem Zug von Frankreich nach England (Fahrtzeit 35 Minuten) muss die Uhr um eine Stunde verstellt werden. Würde man von dieser Reise aus gesundheitlichen Gründen abraten?

Wenn nun jemand mit dem Umstellen von zwei, drei Uhren an den Rand der Verzweiflung gebracht wird, hat er natürlich mein vollstes Mitgefühl und ich wünsche ihm, dass er von anspruchsvolleren Aufgaben in seinem Leben verschont bleibt.

Ich selbst würde gern von unreflektierten Artikeln verschont bleiben. Oder glaubt ein aufgeklärter, selbst denkender Mensch ernsthaft, dass die Zeitumstellung gesundheitsgefährdend ist? Die meisten stellen ‚ihre innere Uhr‘ jedes Wochenende um, oft nicht nur um eine Stunde (und kommen dann montags vielleicht etwas unausgeschlafen in die Redaktion, zum Beispiel). Weit mehr als eine tickende Uhr wirkt sich das natürliche Tageslicht auf unseren Biorhythmus aus, auch heute noch, trotz künstlicher Beleuchtung. Da kommt uns die Zeitumstellung eher entgegen. – Stefan Bayer


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Übers Schimpfwort “Lügenpresse” ist DIE ZEIT meilenweit erhaben. Unwahr ist trotzdem Stefan Schmitts Vermutung, unübersehbar auf Seite 1, die alljährliche Umstellung auf die Sommerzeit “ärgere jeden”. Mich nicht ! Binnen ein, zwei Tagen pendelt sich mein Schlafrhythmus ein, und dann freue ich mich auf die Sommerabende bei verlängertem Tageslicht.

Jenen Unflexiblen und allzu Bequemen, die das Wecker-Umstellen überfordert, empfehle ich Empathie mit unseren Busfahrern, Triebfahrzeugführern und anderen Nachtschichtlern, die allwöchentlich ihren Taktgeber umstellen müssen. – Joachim Conseur


Leserbrief zu „Wie sie euch gefällt“ von Franziska Brantner

Frau Brantner beschreibt eine schöne neue EU, wie sie meine volle Begeisterung zurückgewinnen könnte. Nur eines schreibt sie nicht: Wie dahin kommen? Nach allem, was ich weiß, ist die EU dank des ungebremsten Idealismus, um den Begriff  Naivität zu vermeiden, ihrer Gründerväter wie ihrer Nachfolger so festgezurrt und unbeweglich, dass nur eine voraus gehende formelle Auflösung zu einem Neuanfang führen könnte. Nach den bestehenden Verträgen, die nur einstimmig geändert werden können, ist es wohl unvorstellbar, dass Länder ihrem zwangsweisen Ausschluss zustimmen würden, die zwar die Milliarden aus Brüssel weiter kassieren wollen, auf die fundamentalen Grundrechte einer liberalen Demokratie jedoch pfeifen. Schon ein überfälliger Ausschluss eines Euro-Landes aus der gemeinsamen Währung  ist ja nicht einmal möglich. – Gebhard Boddin


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Ich gehöre zu den 75 von Ihnen beschriebenen Prozent, die die Umstellung auf Sommerzeit ablehen. Jedes Jahr um dieses Zeit erscheinen ähnliche Artikel in allen möglichen Medien. Es wird viel geschrieben aber nichts unternommen. Im Gegensatz zu mir steht Ihnen folgende Möglichkeit zur Verfügung: Sie haben als Journalist Medien samt Kollegen zur Hand,  womit Sie mit einem entsprechenden Artikel, Aufruf, was auch immer, mobilisieren können. Ich alleine weiß nicht, was ich tun soll, um dem Unfug Sommerzeit ein Ende zu setzen. Aber Sie, jammern Sie sich nicht in einem Artikel aus, der nichts verändert, sondern, bitte, handeln Sie. Sie wissen, Sie haben 75 % der Bevölkerung hinter sich. – Regina Winkler


Leserbrief zu „Frei zu reden“ von Elisabeth Von Thadden

Im 4. Absatz ist gedruckt worden:

Und setzt ruhig auf die eigene Resilienz gegen Kontaminationsgefahren.

Resilienz habe ich im Großen Meyer nicht gefunden.  Ihr Kollege in der Druckerei der den Text eingegeben hat, war nicht resistent gegen einen „Druckfehlerteufel“. – Hartmut Wagener


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Ich sehe Parallelen zwischen der Zeitumstellung und dem Ansehen Europas. Man hat sich an Beide so gewöhnt, dass man nicht mehr die Vorteile sieht, sondern nur noch nach Nachteilen sucht.

Bei einer dauerhaften Wiedereinführung der permanenten Winterzeit würden wahrscheinlich viele Menschen die schönen langen Sommerabende und die relative morgendliche Frische (es wäre dann eine Stunde früher warm) schmerzlich vermissen. Wer braucht in Hamburg wirklich einen Sonnenaufgang um 03:51 Uhr?

Warum sollte man dann nicht eine permanente Sommerzeit einführen?

Es gibt nicht viele Nachteile für die Einführung der dauerhaften Sommerzeit, aber leider einen gravierenden: Sonnenaufgang am 21.12. in Hamburg 09:34 Uhr, weshalb der zitierte Chronobiologe Till Roenneberg dies auch ablehnt. Ich wage mir gar nicht vorzustellen, welche Auswirkungen dies auf meinen Winterblues hätte. Interessant wäre eine Studie, wie sich dieses Phänomen auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkt.

Eine permanente Anpassung der Uhrzeit an die Sonnenzeit, wie von Prof. Roenneberg in dem Artikel vorgeschlagen, scheint mir utopisch. Selbst eine 2 monatige Übergangszeit, in der täglich die Uhrzeit um eine Minute angepasst wird, dürfte die finanzielle und logistische Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft sprengen.

Welche realistische Alternativen bleiben?

Wir verzichten auf die langen Sommerabende und die relative Morgenfrische, oder wir verfallen einer noch schlimmeren Winterdepression. Da erscheint mir doch die Alternative jedes halbe Jahr das Jetleg eines Fluges von London nach Hamburg in Kauf zu nehmen geradezu himmlisch. Noch dazu wird einem die Umstellung auf die „dunkle Zeit“ durch einen Tag versüßt, der endlich einmal 25 Stunden hat, und für das Ende der „dunklen Zeit“ nehme ich die eine Stunde Schlafentzug gerne in kauf.

Wenn Sie am Sonntag spazieren gehen, werden Sie vielleicht in etwas übermüdete Gesichter blicken. Aber auf fast jedem werden Sie ein kleines Lächeln über das Ende der „dunklen Zeit“ erkennen. – Georg Unterlinner


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Jede Provinzpostille setzt eine redaktionelle Gebetsmühle unter die zweimal  im Jahr erscheinende grau schattierte Info-Grafik zum Thema `Zeitumstellung´. Der Aufstand gegen diese Umstellungswillkür lässt seit 37 Jahren auf sich warten. Ist der Beitragsplatz auf der ersten Seite der ZEIT nicht zu prominent für verstaubte Nischenmeldungen mit etwas Empörung zu bekanntem wie übersichtlichem Inhalt? Bitte mehr Information und weniger Murmeltier. – S. Albers


Leserbrief zu „Prominent Ignoriert: Der kluge Wirt“ von GRN

„brave“ Kinder in Restaurants sind der Horror und wenn sich Kinder in Restaurants genau so benehmen wie Erwachsene, geht jedes Leben verloren. Und wer den kindlichen Spieltrieb mit einem Rabatt auf die Kosten, die ein Kind verursacht, einschränkt, tickt für mich nicht richtig (wie kommt gerade ein italienischer Wirt auf so einen Schwachsinn?). Aber dass Sie, liebe Zeit, das Benehmen von Erdogan und Trump oder gar des polnischen Europa-Abgeordneten Korwin-Mikke mit einem sich nicht benehmenden Kindes vergleichen, ist eine Beleidigung für unseren Nachwuchs und verbietet sich. Eine verkleckerte Tomatensoße oder das Herumschreien von Kindern ist Leben, das Benehmen von Erdogan und Co. einfach nur abstoßend. Da hilft auch kein Rabatt für die anderen Gäste, sondern nur noch Lokalverbot. – Christof Hafkemeyer


Leserbrief zu “ Niemand will privatisieren, oder?“ von Felix Rohrbeck

„Konzerne bereichern sich auf Kosten der Allgemeinheit“? Konkret: die Besitzer der Konzerne werden reicher. Aktienbesitzer also. Im Großen und Ganzen Reiche. Die Allgemeinheit sind alle. Im Großen und Ganzen also die weniger Reichen und relativ Armen. Umverteilung von Unten nach Oben. Hübsch versteckt, natürlich. Ach, noch eine Frage. Oder zwei. Gibt es Abeordnete ohne Aktiendepot? Wohl kaum? Den Rest kann sich jeder selbst denken: Das Gesetz wird kommen. Und die Dritten als Betreiber unseres Autobahnnetzes werden es auch. – Fritjof Möckel


Leserbrief zu „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ von Dr . Med. Harro Albrecht und Dr . Med. Josephina Maier

Die dagegen plädierende Fr. Dr. Maier hat zuerst einen wichtigen Übersetzungsfehler gemacht: informed concent bedeutet Einwilligung nach Aufklärung und nicht Einwilligung gegen Aufklärung, das keinen Sinn ergibt, aber wiederum gerade deswegen „lustigerweise“  die baseline des Beitrages bestimmt….

Der ganzen Diskussion liegt eine veraltete Vorstellung vom so genanten „Placeboeffekt“ zugrunde. Dieser Effekt  ist eine Behandlung/Heilung/Therapie im Kontext. Diese Art der Therapie ist in jedem nicht chirurgischen oder technischen Medizinfach präsent:  bei der Schmerztherapie, in der Allgemeinmedizin, in der Kinderheilkunde, in der Inneren Medizin u.s.w.. Man kann es auch „die innere Verbindung“ zwischen Leidenden und Therapierenden nennen.

Die Naturheilkunde benutzt die tatsächlich real vorhandene Fähigkeit des Menschen der Linderung/Heilung sucht, sich Zusammenhalte meist nur durch den Kontext zu erklären. Das Benutzen des Begriffs „Placeboeffekt“ ist einfach irreführend und gehört zur Medien des 20 Jahrhunderts….und zeigt letztendlich dass man die ganzheitliche Herangehensweise in der Medizin nicht versteht. Dem Problem der Behandlung/Heilung käme man näher wenn man sich dem Menschen zuwendet und nicht einer Therapiemethode.

Die Fragen könnten lauten: Welche Therapiemethode ist für diesen Menschen die geeignete? Sollen überhaupt „die Krankenkassen“ entschieden welche Therapiemethode wirksam ist?

Aus meiner über 35 jährigen Erfahrung als Allgemeinarzt mit einer sehr umfangreichen Ausbildung in der Biomedizin, der Naturheilkunde und als Psychotherapeut kann ich nur sagen dass so ein „Pro“ und „Kontra“ am Problem vorbei geht. Es ähnelt der Frage „Wer ist besser,  FC Barcelona oder Real Madrid?“

Und Zaubereien a la von Hirschhausen, der nie eine Arztpraxis von innen gesehen hat, verleiten dazu, die wichtigen Fragen auf dem Niveau  des  Show Klim-Bims zu diskutieren und für Medizin zu halten. Manche Menschen mögen sich von diesem Showmaster behandeln lassen…das wäre dann ein „Plazeboeffekt“, eben Heilung durch den Kontext, der von einem sympathischen Showmaster ausgeht….

Dass Sie überhaupt der Institution Krankenkasse zugestehen, über die Wirksamkeit der Therapien zu entscheiden ist eine Bankrotterklärung! Mit dieser Diskussion stimmen Sie zu, dass die Geldgeber über die Wirksamkeit von Therapien entscheiden. Es wird Zeit diese Entscheidungen Medizinethikern und praktizierende Ärzte aller Fachrichtung zu überlassen, die dann mit den Geldgebern zusammenzukommen. Wir Mediziner müssen uns den Fragen stellen „Was ist innovativ? Was ist konservativ? Was ist ganzheitlich?“.

Ich hätte mir von der „Zeit“ ein anders Niveau der Diskussion gewünscht, leider sind Sie auf dem Show Master Niveau geblieben! – Dr.med.Dip.Ing Bogdanov


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Offenbar   ist   die  Welt  schon  fast  wieder  heil.  Ansonsten  ist unverständlich,  wieso es die halbjährliche Zeitumstellung bis auf die Titelseite einer renommierten Wochenzeitung schaffen kann. Oder wollte man   auch   etwas   von  dem  Wolfsgeheul  der  Boulevardpresse,  den selbsternannten     Schlafforschern,   Philosophen,  Psychologen  usw. abbekommen und sich an die Speerspitze der Aufreger stellen?

Seit   Jahren   bekommen   wir  zweimal  im  Jahr  erklärt,  dass  die Zeitumstellung  doch  so  schädlich für den Körper wäre und jetzt will man  auch  noch  vermehrt  Herzinfarkte etc. festgestellt haben. Dabei haben  Millionen  von  Urlaubern kein Problem, mal eben für eine Woche eine  Zeitumstellung  von sechs Stunden oder mehr auf sich zu nehmen – trotz Herzinfarktrisiko, Jetlag.

Dass  andererseits  Sonnenlicht  für  den Körper und das Gemüt wichtig ist,  dass  es im Winter ziemlich nervig ist, im Dunkeln zur Arbeit zu fahren und im Dunkeln zurück zu kommen – das berücksichtigt keiner.

Schließlich  wird auch noch der Volkeswille bemüht, 75% wünschten sich den  Wegfall  der Umstellung. Da  könnte  ich  auch  gut  mit  leben – dann machen wir doch nur noch Sommerzeit das ganze Jahr! Aber das wird man in Europa auch nicht so einfach geändert bekommen. – Ulrich Behrens


Leserbrief zu „Gegen den Rhythmus der inneren Uhr“ von Miray Caliskan

Ihren Artikel habe ich mit Aufmerksamkeit gelesen, obwohl jedes Jahr im März ähnliche Beiträge in Zeitungen erscheinen, immer dann, wenn die Zeitumstellung ansteht. Insofern habe ich nicht viel Neues gelernt, wohl aber, dass bestimmte Fragestellungen völlig ausgeblendet werden, und das sind z. B. Geschäfts- und Urlausbsreisende, die unsere Zeitzone +1 verlassen.

Sie verweisen auf Fallzahlen bei in-vitro-Fertilisation, wobei nicht klar ist, ob die Fallzahlen groß genug sind, um allgemeine Urteile zu erlauben. Auch Fallzahlen zu Schlaganfällen bleiben vage. Eine Zunahme um 8% hilft niemandem, solange man nicht konkrete Zahlen und auch Vergleichszahlen hat.

Wenn es heißt, Ende März würden wir normalerweise mit der Sonne aufstehen (das wäre in Karlsruhe am 20. 3. zu Frühlingsanfang um 6.29 und am 26. zu Beginn der Sommerzeit um 7.17, aber EIGENTLICH um 6.17 ohne Sommerzeit), so vermag ich den Sinn nicht zu erkennen. Was ist mit all den Menschen, die jeden Morgen eine Stunde und mehr zur Arbeit brauchen und immer früh aufstehen müssen? Leiden die noch mehr? Was ist mit SchichtarbeiterInnen, die in ständig wechselnden Schichten arbeiten müssen? Was ist mit Nachtdienst, der dem Biorhythmus völlig entgegenläuft? Was ist mit dem gesamten Flugpersonal auf Langstreckenflügen? Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. All diese Menschen kommen aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit praktisch nie zu ihrem „normalen“ Biorhythmus.

Dass die Sommerzeit uns „teilweise drei bis vier Wochen“ zurückwirft, scheint mir erstaunlich angesichts aller freiwillig erfolgenden Urlaubsreisen, die unsere Zeitzone verlassen. Da reicht schon eine Reise zu den Britischen Inseln oder nach Griechenland, ganz zu schweigen von Thailand oder den USA, um nur  zwei zu nennen. Zunächst also würden wir die drei bis vier Wochen nach Umstellung auf die Sommerzeit zurück geworfen, dann erneut mit der Urlaubsreise in eine andere Zeitzone, was einem den gesamten Urlaub vermiest, und dann nochmals nach Rückkehr. Geschäftsreisende und PolitikerInnen leiden dann das gesamte Jahr.

Mein konkrete Frage ist, ob Sie bei den Recherchen für Ihren Beitrag irgendwo Untersuchungen zu Auswirkungen der Zeitumstellung auf die Urlaubsqualität der Reisenden oder deren Wohlbefinden gefunden haben? – Prof. Dr. Dr. h.c. Liesel Hermes


Leserbrief zu „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ von Dr . Med. Harro Albrecht und Dr . Med. Josephina Maier

Eine professionelle Zahnreinigung sei gut geeignet, einer Parodontis vorzubeugen – sagt der Zahnmediziner an der Hotline meiner Krankenkasse, und auch, dass die Krankenkasse die Kosten nicht übernähme. Meinem Argument, dass damit später höhere Kosten vermieden würden, stimmt er zu, allein: „Wir müssen sparen, ich kann da nichts machen, wenden Sie sich an die Servicehotline“.  Bei Homöopathie tut meine Krankenkasse sich weniger schwer, denn „viele Kunden schätzen Naturheilverfahren. Wir bieten deshalb bei der Homöopathie eine besondere Leistung“.

Diesen Satz könnte man auch anders formulieren: „Wenn nur genügend Kunden wollen, machen wir es.“ oder auch schlicht „Die Nachfrage bestimmt das Angebot.“. Das ist fatal, wissenschaftsfeindlich und nirgendwo sonst so fehlplatziert, wie in der Gesundheitsversorgung. Therapien sollten streng evidenzbasiert angewendet und bezahlt werden – alles andere ist Mittelalter, denn wer oder was sollte sonst eine Grenze ziehen, wenn allein die Nachfrage bestimmt? Warum nicht auch – wenn nur ausreichend viele Versicherte das wollen und daran glauben – Aderlass, Pendeln oder Geisteraustreibung finanzieren?

Wer eine homöopathische Behandlung möchte, soll sie bekommen – aber er soll sie dann auch selbst bezahlen. Die Homöopathie gehört in den Bereich, den Ärzte auch sonst gerne nutzen, um Kasse zu machen, und der für so etwas wie gemacht ist: Die IGeL-Leistungen. – Dr. Markus Holt


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Seit Ende Februar zähle ich dich Tage bis zu dem Tag, an welchem das „chronische Ärgernis“ stattfinden wird. Die „Idee, die nichts bringt“ und „jeden ärgert“ macht für mich den schönen Teil des Jahres um ein Vielfaches lebenswerter. Die Jahreszeit des Lichtes! Endlich. Abends bei Tageslicht laufen gehen, draussen ein Bier trinken gehen, ein Gefühl zu bekommen, dass noch nicht alles vorbei ist am Tag, wenn man aus dem Büro kommt. Ein Gefühl der Unbeschwertheit und der Aktivität. Es geht hier nicht ums Energiesparen, Herr Schmitt, es geht um mehr Lebensqualität. Wenn Sie Ideen beschreiben wollen, die „nichts bringen“, dann schreiben Sie doch einfach einen Artikel über Herrn Dobrinth. Und zwar draussen in einem Café. Um 21:05h, mit einem Glas Wein. Und bei Tageslicht. –  Hauke Krämer


Leserbrief zu „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ von Dr . Med. Harro Albrecht und Dr . Med. Josephina Maier

Ich schätze Die Zeit seit sehr vielen Jahren, besonders wegen Ihrer differenzierten Berichterstattung. Mutig fand ich die Ausgabe zur Selbstreflektion Ihrer Arbeit. Entsetzt bin ich allerdings über Ihre Berichterstattung, seit mehren Jahren, zum Thema „Homöopathie“, zuletzt im Artikel in Die Zeit No 12/2017  „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen?“.

Sie nehmen als Grundlage ausschließlich Forschungen die gegen die Homöopathie sprechen, stellen diese Therapierichtung sogar in eine Ecke mit Magie. Das ist unseriös! Und einer seriösen und in der Regel sehr gut recherchierten Zeitung wie Die Zeit in keinster Weise angemessen.

Vielleicht schauen Sie einmal in das amtliche Arzneibuch der Bundesregierung HAB Homöopathisches Arzneibuch 2009, auf die Seiten der Karl und  Veronika Carstens-Stiftung (www.carstens-stiftung.de/studien-kurz-und-knapp.html), in den Reader der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie von 2016 (www.homoeopathie-online.info/wp-content/uploads/Der-aktuelle-Stand-der-Forschung-zur-Hom%C3%B6opathie-2016-WissHom.pdf). Hier ist folgendes zu lesen: Studien aus derVersorgungsforschung zur Homöopathie unter Praxis-Bedingungen zeigen klinischrelevante Verbesserungen von Symptomen und Lebensqualität, häufig vergleichbar mit denen konventioneller Therapien; jedoch werden weniger Nebenwirkungen berichtet.

In der Hälfte aller gesundheitsökonomischen Evaluationen geht die Homöopathie mit geringeren Kosten einher. Eine Kausalbeziehung zwischen Arzneitherapie und Therapieergebnis lässt sich aus methodischen Gründen allerdings aus diesen Studien nicht ableiten. Die hier untersuchten randomisierten kontrollierten klinischen Studien (ausschließlich methodisch hochwertige Studien zur individualisierten Homöopathie mit Hochpotenzen) ergeben, in Übereinstimmung mit früheren Untersuchungen, Hinweise für eine Überlegenheit der klassischen Homöopathie im Vergleich zu Placebo, mithin für einen spezifischen Effekt von Hochpotenzen.

Eine endgültige wissenschaftliche Aussage ist aufgrund der heterogenen Studienlage und der geringenAnzahl qualitativ hochstehender Studien aber derzeit nicht möglich. Eine Betrachtung der Meta-Analysen zur Homöopathie zeigt überwiegend statistisch signifikante Ergebnisse gegenüber Placebo, die auf eine spezifische Wirksamkeit potenzierter Arzneien hinweisen. Je nach den verwendeten Selektionskriterien werden hierbei unterschiedliche Studien in die Auswertung eingeschlossen. Die Mehrzahl der Studien, auch der methodisch hochwertigen, weist in allen untersuchten Übersichtsarbeiten (inkl. Shang et al.) auf die Überlegenheit der homöopathischen Therapie gegenüber Placebo hin. Diese Befunde werden von den Autoren der jeweiligen Meta-Analysen zum Teil stark relativiert.

Die angeführten Vorbehalte, z. B. hinsichtlich der Studienqualität, entsprechen hierbei nicht immer den üblichen wissenschaftlichen Standards, oder sie berufen sich sogar ausdrücklich auf eine postulierte Implausibilität der Wirksamkeit hochpotenzierter Arzneimittel. In der Grundlagenforschung finden sich viele qualitativ hochwertige Studien, die spezifische Wirkungen auch für Hochpotenzen beobachteten, darunter mittlerweile auch unabhängig replizierte experimentelle Modelle. Zum physikochemisch-pharmazeutischen sowie zum biologischen Wirkprinzip gibt es erste empirische Hinweise, aber noch keine ausgereifte Theorie.

Eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belegt hinreichend einen therapeutischen Nutzen (effectiveness) der homöopathischen Behandlung.“  Auf der Datenbank Homeopathic Basic Research experiments database finden sich über 1000 Grundlagenstudien zur Homöopathie. Die Homöopathie-Stiftung des DZVhÄ (www.homoeopathie-stiftung.de/index.php?menuid=22) dokumentiert vieles. Ein Blick lohnt sich auch in die Studien der Grundlagenforschung der Interuniversität Graz (www.inter-uni.net/de/Komplementaerheilkunde#homoe.) Hier wird seit Jahren solide Grundlagenforschung betrieben.

Ich habe selbst eine verblindete Studie „Weizenkeime (40 Stunden) unter dem Einfluss von Gibberellin (10e-30), ein Wachstumshormon in einer  homöopathischen Hochpotenz, durchgeführt. Pflanzenkeime können bekanntlich nicht über einen Placeboeffekt beeinflusst werden. Im Institut für Komlementärmedizin der Universität Bern (www.ikom.unibe.ch/forschung/publikationen/artikel_in_peer_reviewed_journals/index_ger.html) finden sich ebenfalls zahlreiche Publikationen.

Somit finde ich die Aussage eines Journalisten zur Homöopathie „Sie sei nach wissenschaftlichem Verständnis unwirksam…Die Welt wolle betrogen werden… GROB FAHRLÄSSIG und zeitlich etwa im Neandertal der Forschung angesiedelt, in dem wahrscheinlich vor allem Magie praktiziert wurde! Zudem spricht die Praxis der Homöopathie, die Tausenden von Krankenhäusern, Ärzten und Heilpraktikern auch in den armen Ländern dieser Welt, die erfolgreich mit dieser Therapierichtung arbeiten, wohl sehr deutlich eine andere Sprache, die man seriöserweise nicht ignorieren sollte.

Artikel können auch etwas zerstören was wertvoll ist! Auf Seite 31 der gleichen Ausgabe Die Zeit kritisieren sie zudem zu Recht unter „Der Zugutachter“ die Ablehnung der American Psychological Association eines Reviews ihrer Fachartikel. Das  kann ich nur unterstreichen! Ich hoffe daß Sie in den nächsten Ausgaben der Zeit einmal eine umfassende, ausgewogene Darstellung der aktuellen Forschung zur Homöopathie und ihrer weltweiten Anwendung veröffentlichen und darin auch Forscher wie zum Beispiel den Physiker PD Dr. sc. nat. Stephan Baumgartner (Universität Bern) zu Wort kommen lassen. Ich bin gespannt. – Hagar Hartung, Master of Science für psychosoziale, integrative und komplementäre Gesundheitswissenschaften, Heilpraktikerin


Leserbrief zu “ Diplomatie ohne starke Armee ist wie Baseball ohne Schläger“ von Peter Dausend und Martin Klingst

„Diplomatie ohne eine starke Armee ist wie Baseball ohne Schläger.“

Habe ich mich verlesen oder vergleicht der gute Mann tatsächlich Diplomatie mit einer *SPORTART*? (wo, nebenbei gemerkt, ein Unentschieden die seltene Ausnahme ist, ergo es nur um Gewinnen oder Verlieren geht, wie eigentlich überall im Sport)

Wieso nicht mit Football (…ist wie Football ohne Luftpumpe) oder mit Curling (..ist wie Curling ohne Wischmob)?  Alternativ: Hochseeangeln (wie Hochseeangeln ohne Angeln)

*Kopfschüttel*

Erleuchte mich bitte jemand, ob es daran liegt, dass ich diese Metapher falsch verstehe, oder er tatsächlich allen Ernstes diesen völlig weltfremden Vergleich gezogen hat…#HouseofCards #dannkammartin – Philipp Vosshans


Leserbrief zu „Scholz sieht Hoffnung“ von  Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Warum war die SPD erfolgreich, wenn sie neben der sozialen Frage auch für Wirtschaftskompetenz stand? 1. Sie war nicht erfolgreich, weil sie Wahlen und massenhaft Mitglieder verloren hat, vom Einbruch in den Meinungsumfragen ganz zu schweigen. 2. War die Schröder-Politik von Wirtschaftskompetenz geprägt? Nicht im Geringsten: durch die Unternehmenssteuersenkungen 2000 (Eichel) und 2008 (Steinbrück) wurden die Einnahmen des Staates deutlich verringert und der Boden für die Verrottung der öffentlichen Infrastruktur und des öffentlichen Bildungswesens bereitet.

Die sog. Arbeitsmarktreformen haben durch den dadurch ausgelösten Lohndruck den bereits hohen Leistungsbilanzüberschuss weiter vergrößert und damit die negativen wie positiven Leistungsbilanzsalden in der Eurozone (und in der Welt) auf Kosten anderer Länder erhöht und damit die Währungsunion an den Rand des Zerfalls gedrängt. Schröders und Eichel Wirtschaftskompetenzen waren minimal, Schröder hatte die seine im Aufsichtsrat von VW und damit auch von Piech erhalten, eine Kompetenz, die durch die Sucht nach sozialen Aufstieg getrieben wurde und insofern bloß mikroökonomisch auf das Wohl von Unternehmen ausgerichtet war.

Di Lorenzo und Wefing folgen dem Mythos vom deutschen Beschäftigungswunder, das auf prekärer Arbeit und dem Export von Arbeitslosigkeit in andere Länder basiert. Die ZEIT findet diesen Wirtschaftsnationalismus offensichtlich gut und präsentiert sich damit de facto als antieuropäisches Medium. – Michael Wendl


Leserbrief zu „Mit eigenen Waffen“ von Holger Stark

Darf ich „den eigenen Waffen“ noch ein wenig Pfeffer beigeben?

Einige Unternehmen, vornehmlich die finanziell fettleibigsten, die nun angesichts des Getrumpels jenseits des Atlantiks um ihre Gewinne fürchten, gehen mit ihrem Image recht sorglos um. Da werden – auch und besonders in Trumpland – auf Deubel komm raus krumme Finanz-Geschäfte getätigt (DB) und Fachbehörden hinters Licht geführt bis das Umweltschutzgetriebe knirscht (VW, Audi, Mercedes). Mutti wird’s schon richten.

Nebenbei wird mit Boni um sich geschmissen, daß es nur so klimpert in den Taschen der verdienten Empfänger.

„Wir können uns das leisten, wir garantieren Arbeitsplätze…“ Nun gut, wollte ich nur erwähnen.

Nachfolgend einige Links auf meine Anmerkungen zum grassierenden Trumpoganismus, unter dem Motto „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“.

http://www.literatpro.de/gedicht/080317/hilferuf

http://www.literatpro.de/gedicht/080317/der-poli-ticker

http://www.literatpro.de/gedicht/180217/wenn-maerchen-wahr-werden

http://www.literatpro.de/spruch/220516/nahoestliche-erfahrung

http://www.literatpro.de/spruch/181116/aktueller-ratschlag

http://www.literatpro.de/gedicht/170317/im-westen-was-neues

Dieter J Baumgart


Leserbrief zu „Scholz sieht Hoffnung“ von  Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Die Argumentation von Olaf Scholz greift zu kurz. Zum einen erfordert eine faire Regelung beim Kindergeld, die nicht gegen den Europa-Gedanken verstößt, dass man das Preisniveau der Länder, wo die Kinder leben, nicht nur bei Regionen anrechnet, wo jenes niedriger, sondern auch höher als in Deutschland liegt, wie etwa in Skandinavien. Zum anderen bedarf ebenfalls der geöffnete Arbeitsmarkt einer besseren Regulierung, da es zum Beispiel im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg einen sogenannten Arbeiterstrich gibt, wo Migranten als Tagelöhner ausgebeutet werden. Deshalb muss sich die Politik auch mit diesem Thema befassen, zumal sich hier im erheblichen Maße eine rückläufige Moral innerhalb der deutschen Wirtschaft widerspiegelt, die sich bei einer Tolerierung über kurz oder lang auf die gesamte postmoderne Arbeitswelt negativ auswirken wird! –  Rasmus Ph. Helt


Leserbrief zu “ Die Feldherren von Washington“ von Illustrationen Von Uli Knörzer

Die zweite Seite Ihrer Ausgabe Nr. 12, vom 16.3., würde sich in einem “Compact”-Heft gut machen. Eine Aufstellung der Kriege der “Feldherren von Washington” ohne die Gründe zumindest in Klammern anzugeben, ist einfach infam. Unter Rooswelt steht “Beteiligung am Zweiten Weltkrieg 1941-1945”; nachdem USA durch Japan angegriffen worden ist und Deutschland den USA den Krieg erklärte. Die Kriege in China, Korea und in Indochina sowie Cuba und anderswo sind geführt worden, um dem Anspruch der Achse Moskau-Peking die ganze Welt nach der Ideologie des Marxismus-Leninismus zu verwandeln („Proletarier aller Länder, vereinigt euch!”), einen Einhalt zu gebieten. Dieser Standhaftigkeit der USA verdankt das heutige Deutschland übrigens nicht nur die Wiedervereinigung, aber auch den Wiederaufbau des westlichen Teils (Marshall-Plan).  – Jiri Havrda


Leserbrief zu „Frei zu reden“ von Elisabeth Von Thadden

Wenn ich Ihren Artikel richtig verstehe, ist dieser ein intelligentes Plädoyer für all das Positive, was zwischenmenschliche Kommunikation für den EInzelnen und die Gesellschaft bewirken kann. Deshalb solle man Andersdenkende vom freien und öffentlichen Diskurs nicht ausschließen. So weit, so gut. Da treffen Sie sicherlich auf breite Zustimmung. Auch von meiner Seite als Psychiater und Psychotherapeut, für den das Gespräch ein wichtiges berufliches Instrumentarium darstellt.

Ich erkenne jedoch zwei grundlegende Fehler in Ihrer Argumentation. Definieren Sie Volk (wer immer das auch sein möge) als Wahlvolk in einer Demokratie,  kann vielleicht wirklich alles diskutiert werden. „Demokratie“ bedeutet dann nur, dass Menschen zu einer Abstimmung gehen dürfen (siehe Russland, die Türkei, Afghanistan, und, und, und). Demokratie ist dann oberflächliche Beschreibung, keine inhaltliche Qualität.

Wir aber leben in einer pluralistischen, freiheitlichen Demokratie. Wir haben uns ein Grundgesetz gegeben, das Explizit die unantastbare Würde des Menschen (und damit aller Menschen)  an oberste Stelle gesetzt hat. D.h. wer Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass das Wort redet, wie die Demagogen und Führungspersönlichkeiten der AfD, stellt sich außerhalb des Diskursforums unserer deutschen pluralistischen Demokratie, die den vom mir genannten „kleinsten“ gemeinsamen Nenner voraussetzt (Art. 1 Grundgesetz).

Außerdem missachten Sie die Tatsache, dass mit Radikalen und Fanatikern nicht zu reden ist. Der norwegische Staat, i.e. das norwegische Volk, hat mit gutem Grund den Massenmörder Breivik isoliert. Menschen, die Schießbefehle auf Flüchtlinge fordern, den Holocaust leugnen und, und, und wird es immer geben und sie werden sich nicht durch irgendeine Art von Dialog beeinflussen lassen Dies haben Sie am Beispiel entsprechender Versuche von Herrn Leggewie und Herrn Nassehi eindrücklich dargestellt. Diesen Fanatikern ein Forum zu bieten, wertet sie auf, sonst nichts.

Auch „verständnisvolle“, gefühlige Artikel, wie zuletzt „Die Bundesbrüder“, in dem rechtsradikale Studenten als nicht zu Ende sozialisierte, eine politische Heimat suchende junge Menschen beschrieben werden, die zwar Sätze wie „Der Islam ist zu domestizieren und kann dann herausgezüchtet werden“ raushauen, aber doch nette Musik hören und die Dönerbude um die Ecke empfehlen, ist der falscher Ansatz im Umgang mit Radikalen und Neonazis.

Nun könnten man zu guter Letzt einwenden, eine freiheitliche Gesellschaft müsse radikale Sprache aushalten. Herr Böhmermann mit seinen unflätigen Pöbeleien gegenüber dem türkischen Präsidenten ist  Liebling des Feuilletons und durfte einem Ihrer Kollegen im Interview schon androhen, ihm in die Fresse zu schlagen, sofern noch missliebige Fragen gestellt werden, Also, was solls? Aber vielleicht bringe ich hier etwas durcheinander, das ist ja hohe Kunst. Oder müssen wir das wirlich aushalten, egal ob von Rechts, von Links oder von „Künstlern“? – Dr. med. Th. Lukowski


Leserbrief zu “ Österreichs Penis-Affäre“ von Tomasz Kurianowicz

Dichtung und Wahrheit – Frau Sargnagel und Co. Sind doch nur Symptome einer sich selbst beliebäugelten, um sich selbst kreisenden Gedankenschau. Hoch subventioniert, öffentlichkeitsgeil und bis zur Selbstentfremdung ausgeartete Kunstgestalten. Meilenweit entfernt von satirischen Lichtgestalten. Was der berüchtigte „Sargnagel“ an satirischen Ergüssen von sich gibt spottet jedweder Ironie, Tucholsky würde sich vor Gram im Grab umdrehen, wenn ihm dieser Aberwitz hinzu gelegt würde. Diese sogenannten selbst ernannten Literaten sind politisch derart desorientiert, abgehoben und überhaupt nicht fähig, die Gesellschaft und ihre Doktrin kritisch zu hinterfragen, sondern verkaufen ihre pubertären Albernheiten als literarische Großkunst und heischen sogar vom literarischen Mainstream noch den Applaus ein.

Wenn sie dann frontal angegriffen werden, was sicher in diesem Fall von Frau Sargnagel zu weit gegangen ist, dann spielen sie die Oberbeleidigten, sie, die doch genau mit dieser Öffentlichkeit herumjonglieren, sie ständig in ihren Dreck ziehen und dabei in ihren goldenen Badewannen herumplantschen. Diese selbst ernannten Lichtgestalten sind nicht fähig, sich von sich abzukoppeln, da sie ständig um sich kreisen, eine Kunst, die sich selbst entwertet, da sie keine Regung und Empathie auf das Gegenüber hin entfacht. Ein Lämpchen, das schwach leuchtet und kein bleibendes Licht hervorbringen wird. – Christian Wiesinger


„Als wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen (…) wird immer noch der Völkermord ameuropäischen Judentum herangezogen“ von Paul Middelhoff

Es ist unter Strafandrohung verboten, das Dogma der von den Siegermächten geschriebenen Geschichte des Holocaust auch nur annähernd in Frage zu stellen. Da drängt sich ein Verdacht auf: Was gibt es zu verbergen, wenn sie doch korrekt ist?

Der Jude Gerard Menuhin, Sohn des berühmten Geigers, hat akribisch Unmengen von Zahlen, Daten und Fakten zum Holocaust gesammelt. Sein daraus entstandenes Buch „Wahrheit sagen – Teufel jagen“ widmet er „Deutschland und allen Deutschen, die es noch sein wollen“. Er hat die deutsche Fassung kostenfrei ins Netz gestellt, denn es darf nicht in Europa verlegt und auch nicht aus den USA hierhin verschickt werden. Wer kann ein Interesse daran haben, dass das ehemals zu Recht so stolze Volk der Dichter und Denker mit gesenktem Kopf über Generationen hinweg seine offenbar erbliche Schuld tilgen muss? Und es sich in Toleranz bis zur Selbstaufgabe seiner Identität übt, um nur ja nie wieder als rassistisch zu gelten?

Was, wenn die Geschichtsklitterung schon damals im Interesse fremder Mächte stattfand und die rechten Parteien womöglich gar nicht so unrecht hätten? Diesen Fragen sollte man sich mutig stellen, anstatt  Andersdenkende mit allen Mitteln daran zu hindern.  – Eva Maria Griese


Leserbrief zu „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ von Dr . Med. Harro Albrecht und Dr . Med. Josephina Maier

Die  Vergütung der Beratungszeit des Arztes ist nur die eine Frage.

Weiteren Klärungsbedarf sehe ich bei den Homöopathika. Wenn diese an sich wirkungslos sind, dann darf für sie auch nicht mehr als der Materialwert der Zuckerglobuli von der Kasse übernommen werden. An Stoffaktivierer, Verdünner und Consorten darf kein Cent aus der Solidargemeinschaft fließen. – Christoph Schröder


Leserbrief zu „Viel Sorgen, viel Hype“ von Petra Pinzler

Befragt wird der Generaldirirektor der Welthandelsorganisation (WTO). Diesen Job hat Herr Roberto Azevedo. Die WTO ist vermutlich eine Internationale Organisation mit steuerfreien Gehältern.Generaldirektoren haben gewöhnlich Spezialverträge ausserhalb der Gehaltsskala. Das sollte gründlich vor  dem Interview recherchiert werden.Da muss man sich nicht wundern,wenn Herr Azevedo die WTO so hochjubelt. Der Mann  ist doch nicht blöd,und redet sich um seinen Job. – Hans-Emil Schuster         


Leserbrief zu „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ von Dr . Med. Harro Albrecht und Dr . Med. Josephina Maier

Aber sicher sollen die Kassen für die Kügelchen und die bis zur  Endlosigkeit verdünnten Wässerchen bezahlen, Dann aber etwa nach folgendem Modell. Wer unbedingt Homöopathie will, muss erhöhte Beiträge zahlen. Entsprechend der Zusatzbeiträge sind die Extraleistungen gedeckelt. Es ist ein Skandal,wenn Kassen Homöopathe anbieten ,aber alle Mitglieder,auch die Gegner dieser Methode,kräftig mitzahlen müssen. – Hans-Emil Schuster       


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Ich vermute, werter Herr Schmitt, dass Sie ab 20 Uhr vor dem Fernseher sitzen und es eher lästig finden, wenn es  lange hell ist. Für alle anderen ist die Sommerzeit ein großer Gewinn  an Lebensqualität.

Fragen Sie Schichtarbeiter z. B. aus dem Krankenhaus, die nach Dienstende um 18 Uhr noch ausreichend Zeit für Tätigkeiten im Freien haben.

Auch Menschen, die nicht um 17 Uhr mit der Arbeit aufhören, können noch Wandern oder Sport treiben. Der gesundtheitsfördernde Effekt der Bewegung wird Immer beschworen! Aber in diesem Zusammenhang ignoriert.

Ärgerlich ist nur ihr Artikel. – Dr. Götz Dyckerhoff


Leserbrief zu „Bye-bye Britain“ von Khuê Pham

Seit geraumer Zeit stellt es für mich ein wirkliches Ärgernis dar, dass Artikel, die sich laut Ressort eigentlich mit Politik, Wissenschaft oder Wirtschaft beschäftigen sollten, sehr häufig mit der Beschreibung des Aussehens und der Bekleidung der artikelrelevanten Person begonnen werden.

Jüngstes Beispiel, die britische Premierministerin Theresa May: Ist es für ihr politisches Handeln wirklich von Bedeutung, welche Schuhe sie trägt?

Scheinbar schon, wenn „Die Schuhe aber flüstern: Achtung vor der wilden Seite!“ Wenn ich derartige Schlussfolgerungen lesen möchte, existiert in der deutschsprachigen Presselandschaft ein ausreichendes Angebot.

Wenn ich mich jedoch über Politik informieren möchte, interessieren mich weder „graue Föhnwelle“ noch „dicke Perlen“

Vielen Dank für die Berichte „Selber schuld“ auf der Seite Glauben und Zweifeln! –  Wiebke Siebenhaar


„Als wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen (…) wird immer noch der Völkermord ameuropäischen Judentum herangezogen“ von Paul Middelhoff

Wo Herr Paul Middelhoff in der Überschrift Recht hat, hat er Recht. Das Deutschland dadurch erpressbar ist, wurde mir schon vor über 30 Jahren von meinen türkischen Schülern mitgeteilt. Darin sahen sie auch Deutschland als künftige Kolonie der Türkei.

Abgesehen davon, dass in Verbindung mit dem Holocaust noch Aufklärungsbedarf besteht, stellt sich mir die Frage, aus welchem Grunde die Eröffnungsrede im Bundestag auch in Israel, den USA und Russland zu hören ist? Einfach auf die Übertragung ins Ausland verzichten. Ist die einfachste Lösung. Abgesehen davon haben ausländische Zeitungsberichte doch schon immer wieder auf ein bis heute bestehendes NS-Deutschland aufmerksam gemacht (Frau Merkel in braun mit NS-Symbol usw.). Von Abbildungen solcher Art ist mir seitens eines AfD-Mitgliedes keine bekannt. Was also sagt und macht Frau Merkel, dass sie als Nazi wahrgenommen wird?

Beiträge dieser Art von Herrn Paul Middelhoff wecken zumindest bei mir kaum den Wunsch, die ZEIT dauerhaft zu abonnieren. Ich wünsche mir von seriösen Journalisten eine sachliche Berichterstattung und keine einseitigen Hetzkampagnen. – Ellen Renate Koesling


Leserbrief zu „Radikal gewendet“ von Gary Gerstle

George Bernhard Shaw soll gesagt haben: „Der hundertprozentige Amerikaner ist ein neunzigprozentiger Idiot.“ Ob er wohl  Recht hatte? Der Bericht sagt JA! –  Martin Hardt


Leserbrief zu „Warum ist das ärmste Land der Welt so arm?“ von Mark Schieritz

Mark Schieritz als Hohepriester des freien Unternehmertums singt das neoliberale Hohelied von privater Firmengründung und internationalem Kapital, das angelockt werden muss Das ist die banale Standardargumentation, kein Kommentar.

Aber der Geschichtsklitterung und den absurden politischen Vergleichen – ist die „Zeit“ in ihrem Wirtschaftsteil nun auch im postfaktischen Zeitalter angekommen? – muss widersprochen werden. Kann man eine historische Erklärung hinnehmen, die sich auf den frühkapitalistischen Sklavenhandel bezieht, aber die modernere Form der Versklavung, die französische Kolonialherrschaft, einfach ignoriert, obwohl der genannte Staat nichts anderes ist als die Fortsetzung einer Provinz dieses Kolonialreichs?

Und dann wird noch der Vergleich ausgerechnet  mit China draufgesetzt. Der ist  absurd wegen der Größenverhältnisse bei 4,9 Millionen gegen 1,2 Milliarden Einwohner. Aber noch absurder ist der Schnelldurchlauf durch die chinesische Geschichte und Politik, wonach vor dreißig Jahren in einem „bitterarmen“ Land plötzlich „gewaltige Produktionsstätten“ errichtet wurden. Da passt offenbar nicht ins Weltbild, dass in China eine kommunistische Revolution stattgefunden hat, die die vielzitierten korrupten alten Eliten beseitigt und die Industrialisierung eingeleitet hat.

Bei Schieritz fällt die Industrialisierung offenbar vom Himmel. Ich verstehe ja, dass er nicht vom Hohelied des Neoliberalismus zum Hohelied der führenden Rolle der kommunistischen Partei Chinas überleiten und dies der Zentralafrikanischen Republik als Entwicklungsmodell empfehlen kann. Soweit ist das postfaktische Zeitalter noch nicht vorangeschritten. Aber etwas mehr intellektuelle Redlichkeit bei Umgang mit Geschichte und Politik würde ich mir wünschen, auch im Wirtschaftsteil. – Thomas Isensee


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Nein, nicht jeder ärgert sich über die Sommerzeit. Das sie in Deutschland als Energieeinsparung verkauft wurde, ist typisch. In den USA heißt sie „Daylight’s saving time“ und sie beschert auch deutschen Arbeitern und Angestellten, die im allgemeinen erst gegen 18.00 Uhr zuhause sind, schlicht und einfach eine Stunde länger Tages- und hoffentlich im Sommer auch Sonnenlicht. Dann können auch sie nach Feierabend vielleicht noch mit ihren Kindern toben oder sogar draußen Tennisspielen. Hat Herr Schmitt diesen Teil der „hart arbeitenden Bevölkerung“ übersehen? –  Martin Lindner


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Jedes Jahr zwei Mal schwappt das Genöle über die verheerenden Folgen der angeblich so unbeliebten Zeitumstellung durch die Medien und hat es nun auch bis auf die Titelseite der ZEIT geschafft.. Bisher dachte ich, was ist schon dabei, wenn die Uhr gerade mal um eine Stunde vor- oder nachgestellt wird. Während ich dies schreibe, läuft im Fernsehen gerade Wintersport. Die Athleten pendeln in der Saison von Korea über Europa bis nach Kanada quer durch die Zeitzonen und erbringen dennoch bewundernswerte Leistungen.

Selbst meine beiden Hunde, die über eine außerordentlich präzise funktionierende innere Uhr verfügen, vor allem wenn es um die Futterzeiten geht, bewältigen die Zeitumstellung in kürzester Frist ohne merkbare gesundheitliche Probleme wie Inappetenz oder Haarverlust. Jetzt aber müssen wir wohl umdenken: Schlimme Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall drohen!

Schon seit jeher gibt es bei den medizinstatistischen Daten jahreszeitliche Schwankungen. Im Herbst und am Ende des Winters verzeichnet man eine erhöhte Mortalitätsrate. Bisher nahm man an, dies hinge mit der erhöhten Anzahl der Grippeerkrankungen zu Beginn und gegen Ende der kalten Jahreszeit  zusammen, die nicht selten alte oder chronisch kranke Menschen dahinraffen. Vermehrt Depressionen bis hin zum Selbstmord im November?

Folge des Mangels an Tageslicht in diesem grauen, nebligen Monat. Oktober / November werden weniger Babys als im September geboren? Sehr viele der Septembergeborenen wurden unter dem Weihnachtsbaum gezeugt. Anfang April mehr Schwangerschaftsabbrüche als sonst? Vor ca. sechs Wochen war Karneval. Zu Beginn des Frühjahrs fühlen sich viele Menschen matt und ausgelaugt? Das nannte man früher einfach nur Frühjahrsmüdigkeit.

All diese Gegebenheiten und Vermutungen müssen nun unter dem Aspekt der Zeitumstellung in einem neuen Licht betrachtet werden. Man vergesse dabei auch nicht die volkswirtschaftlichen Schäden in Milliardenhöhe durch krankheitsbedingte Ausfälle! Die Unternehmen befürchten sogar einmal mehr (horribile dictu!) den Verlust von Arbeitsplätzen. Jedoch: Jedes Jahr pilgern Millionen deutsche Touristen an die Küsten der Kanaren (-1 Stunde) oder Griechenlands und der Türkei (+1 Stunde). Dabei riskieren sie freiwillig, sich durch Befindlichkeitsstörungen oder gar Krankheit die kostbarsten Wochen des Jahres zu verderben.

Ja, nicht wenige Todesmutige reisen sogar bis in die Karibik („DomRep“) oder die USA oder an die Strände Thailands. Auch ich bin eigentlich ein Gegner der Zeitumstellung, würde aber im Falle ihrer Abschaffung für eine Beibehaltung der Sommerzeit plädieren. Im Winter muss man ohnehin im Dunkeln aufstehen und zur Arbeit gehen, da spielt es doch keine größere Rolle, ob die Sonne nun eine Stunde früher oder später aufgeht.

Die Nordeuropäer machen uns ja vor, dass man damit ganz gut leben kann. Auf der anderen Seite gäbe es einen Großteil des Jahres lange genug Tageslicht, um nach Feierabend noch gesundheitsförderlichen Freizeitaktivitäten an der fischen Luft nachzugehen. Hat eigentlich je mal jemand diesen positiven Effekt der Sommerzeit untersucht? Die Wirtschaft würde natürlich auch enorm profitieren.

Es entstünden höchstwahrscheinlich sogar neue Arbeitsplätze, da viele Firmen ihre Produktionsstätten aus Ländern, in denen es sich die Arbeitnehmer nicht leisten können, wegen einer Zeitverschiebung von einer Stunde zweimal im Jahr tagelang krank zu feiern, nach Deutschland zurück verlagern würden.

Verlierer wären allenfalls die Hersteller von Stirnlampen für Jogger oder Flutlichtstrahlern für Fahrräder. Doch dieser Wunsch wird wohl Utopie bleiben. Der seltene Fall, dass sich sämtliche EU-Länder mal einvernehmlich auf einen Beschluss einigen, wird wohl so schnell nicht wieder eintreten, zumal dies die ohnehin jetzt schon übermächtige Wirtschaftskraft Deutschlands noch weiter stärken würde. – Dr. Wolfgang Frey


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Der Analyse von Stefan Schmitt antworte ich mit einem heftigen und zustimmenden Kopfnicken!

Diese Sommerzeit könnte auch als Zeichen für die vermeintliche Überlegenheit des Menschen über die Natur gesehen werden: seht her zu was wir alles fähig sind!

Andererseits ist dieses Triumphgeheul als Ablenkungsmanöver von der stillen (un)heimlichen Erkenntnis zu interpretieren, dass dieser menschengewollte Zeitsprung eigentlich ein ausgewachsener Blödsinn ist!

Daher bleibt nur eins: schaffen wir sie ab – mit der gesichtswahrenden Erkenntnis, dass irren eben menschlich sei.  – Wolfgang Sauer


Leserbrief zu „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ von Dr . Med. Harro Albrecht und Dr . Med. Josephina Maier

„Die Zeit“ ist mir wertvolle Lektüre und  für meine Meinungsbildung eine wichtige Quelle. Was mir jedoch immer wieder aufstößt, ist die negative Darstellung der Homöopathie in Ihrer Zeitung. In der aktuellen Ausgabe vom 16.03.17 bringen Sie im Artikel „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ selbst in der „Ja“-Spalte sämtliche Negativa, die in schöner Regelmäßigkeit in der Presse immer und immer wieder durchgekaut werden.

Ich kann es wirklich nicht mehr hören, dass Homöopathie lediglich auf dem Placeboeffekt beruht und dass homöopathische Arzneimittel aufgrund der Tatsache, dass kein chemisches Molekül mehr nachweisbar ist, nicht wirken. Die Erfahrung in der Behandlung und in der Praxis spricht doch eine ganz andere Sprache!

Ich weiß nicht, wer Ihre Texte über die Homöopathie verfasst. Es kann kaum jemand sein, der die Homöopathie studiert hat, in der täglichen Praxis anwendet, die Wirkungen an seinen Patienten beobachtet hat oder auch selber eigene Erfahrungen an sich erlebt hat. Warum lassen Sie nicht mal einen der vielen erfahrenen homöopathischen Ärzte oder Heilpraktiker zu Wort kommen anstatt immer in die gleiche Kerbe zu schlagen? Ich frage mich: Wer steckt dahinter? Wer hat so große Angst vor der Homöopathie, dass es diese regelmäßigen Negativkampagnen braucht? – Anita Schachtner, Heilpraktikerin


Leserbrief zu „Die Bildungsangst der Pädagogen“ von Manuel J. Hartung

Der Autor supponiert, dass Computerisierung in Bildungseinrichtungen wünschenswert sei. Internetsucht, Smartphone-Zombies und Asoziale Medien belegen aber eindrücklich den Abbau von Bildung, Freiheit und Humanität durch die Herrschaft des Digitalen. Zudem gelingt Lernen vor allem durch persönlich-pädagogischen Bezug. Womöglich ignorieren „bildungsängstliche“ Lehrkräfte das Diktat des Silicon Valleys, weil sie diese Verwerfungen täglich miterleben und weil sich der Einsatz des Popanz E-Learning in ihrer Praxis schon als drittmittelaffin, aber didaktisch wertfrei erwiesen hat? – Dr. André Hempel


Leserbrief zur Rubrik “Damals”

Die von mir sonst sehr geschätzte „Heute/Damals“-Rubrik ließ mich beim Lesen heute (Ausgabe vom 16.3.) irritiert zurück: Sie schließen den fotobegleitenden Text über Heidi Hetzers Oldtimer-Fahrt mit dem Zitat „Die Schwarzen klauen, wenn sie nur eine Jacke … sehen. Die klauen alles.“ Diese Aussage bedient Stereotypen. Sie sollte meiner Meinung nach so nicht unkommentiert bzw. ohne kritische Einordnung in einer seriösen Zeitung stehen.

Das vorliegende Textformat kann dies verständlicherweise nicht leisten (Platz, Unterhaltungsanspruch statt kritischer Auseinandersetzung in dieser Rubrik). Dann sollte aber bitte alternativ ein Zitat verwendet werden, das lediglich den berechtigten Anspruch der Rubrik bedient. Falls die Autorin / der Autor durch das Setzen in Anführungszeichen ihre/seine Distanzierung von Frau Hetzers Äußerung deutlich machen wollte, so kommt das bei mir als Leserin nicht deutlich genug an. Meine Bitte: Geben Sie derartigen Pauschalisierungen keinen Raum, bzw. nur dann, wenn auch Raum für kritisches Einschätzen und journalistisches Durchleuchten des Gesagten gegeben ist! – Susanne Zastrau


Leserbrief zu „Warum ist das ärmste Land der Welt so arm?“ von Mark Schieritz

Afrika ist und bleibt ein Sorgenkind. In der ZEIT Nr. 45 vom 29.10.2009 ist auf den Seiten 26-27 unter der Überschrift „Afrikas gierige Herrscher“ zu lesen, woran der Kontinent krankt: „Die afrikanischen Eliten betrachten ihre Staaten als Goldesel. Sie äffen den Lebensstil der Kolonialherren nach. Sie haben keinerlei Verantwortungsgefühl für ihre Länder und sind nicht an deren Entwicklung interessiert.“ Weiter ist zu lesen: „Die Kapitalflucht aus Afrika beträgt jährlich rund 30 Milliarden Euro. Das ist mehr, als die gesamte Entwicklungshilfe, die auf den Kontinent fließt.“ Was es sonst noch in dem Beitrag zu lesen gibt, kann man unter „haarsträubend“ zusammenfassen. Wie ist dem Übel beizukommen?

Eigentlich müsste das doch die Weltbank mit ihren 10.000 Mitarbeitern wissen. Nun ein Blick auf die Zentralafrikanische Republik: Dem Präsidenten Faustin Touadéra fehlt all das, was einen Staat ausmacht. Hoffnung macht, dass mit dem Mathematikprofessor offensichtlich der richtige Mann am Steuer sitzt. Der Austausch der ‚korrupten Elite’ durch eine am Gemeinwohl orientierte Regierungsmannschaft ist das allergrößte Problem vieler afrikanischer Länder.

Neben Geld braucht Touadéra Hilfestellung durch manpower, damit die Verwaltung, das Rechtswesen, der Staatshaushalt richtig arbeiteten. Ein funktionierender Staat ist Voraussetzung für Investitionen. Die Weltbank hat nun Gelegenheit, mithilfe des Hoffnungsträgers Touadéra ein Vorzeigebeispiel in Afrika zu schaffen. – Reinhold Biggeleben


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Es wird höchste Zeit zu akzeptieren, dass sich ebendiese durch das Drehen an der Uhr weder ökonomisch noch ökologisch überwinden lässt. Wir Menschen sollten uns daher besser erst mit der Zeit messen, wenn wir Sonne, Mond und Sterne beeinflussen können. Laut Albert Einstein stehen diesem Vorhaben jedoch relativ gewichtige Gründe entgegen. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Ganz ohne Krawall“ von Christoph Vratz

Schmerzlich habe ich Christine Lemke-Matwey oder Volker Hagedorn vermisst bei dem Artikel über den jungen, hübschen, sportlichen…, ach ja, Klarinettisten Andreas Ottensamer.

Eine neue CD wurde aufgenommen mit Werken der Mannheimer Schule, die doch nicht so belanglos ist wie oft behauptet, da… hmm, weitgehend Fehlanzeige. Die Galanterien lassen sich jedenfalls besser auf der „modernen“ Klarinette realisieren, weil die historischen Instrumente ja noch so unvollkommen waren…, puh!

In der Rubrik „Musik“ hatte dieser Artikel meiner Meinung nach jedenfalls wenig zu suchen, und auch sonst will mir keine geeignete innerhalb der ZEIT einfallen. – Bernd Schäfer


Leserbrief zu “ Gegenrevolution“ von Josef Joffe

Über gegenaufklärerische Bewegungen, die sich in liberalen Gesellschaften ohne realen Anlass auszubreiten scheinen, äußert Josef Joffe s   ein Unverständnis. Vielleicht gründet dieses in einem Missverständnis.

„Dass Wahrheit möglich sei, stand im Zentrum der Au fklärung“, heißt   es in der Kolumne. Das ist das nicht wahr.  Aufklärung stand und steht für das Gegenteil, dass Zweifel möglich und   Kritik nötig sei. Konservative, die gerne dem Wahrheitsglauben anhängen und sich heute über die Konjunktur des ‚Postfaktischen‘ wundern, sollten ihren Umgang mit Kritikern des ‚Weiterso‘ überdenken.

Wenn Politik als alternativlos, Sachzwänge als vernünftig und medial   verstärkte Mainstream-Behauptungen stets als richtig gelten, also ernsthafte Kritik ignoriert wird, dann untergräbt das die Glaubwürdigkeit liberaler Institutionen und überlässt sie dem zynischen Zugriff   autoritärer Bewegungen. – Bernward Bergmann


Leserbrief zu „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ von Dr . Med. Harro Albrecht und Dr . Med. Josephina Maier

Die Herzklappenoperation meines Vaters verlief schlecht, zweimal hatte er massiv nachgeblutet und musste so zweimal nachoperiert werden. Er lag zehn Tage auf der Intensivstation, auch dort gab es Komplikationen. Die Ärzte waren sehr engagiert, verloren aber zusehends die Hoffnung, meinen Vater retten zu können, weil er nicht mehr aus der Bewusstlosigkeit erwachte: „Wenn er nicht in den nächsten zwei Tage aufwacht, dann schafft er es nicht!“ In meiner Verzweiflung wandte ich mich an meinen Hausarzt, der ein erfahrener Schulmediziner mit  großer Offenheit zu alternativen Heilungsmethoden ist.

Er gab mir ein Brieflein mit drei Globuli, ich solle sie meinem Vater in einem unbeaufsichtigten  Augenblick unter die Zunge legen. Die Möglichkeit ergab sich am nächsten Vormittag gegen 10.00 Uhr. Als ich ihn am Nachmittag erneut besuchte, rief er mich beim Eintreten ins Zimmer bereits an, ich solle ihn losbinden, die Pfleger hätten ihn fixiert‘. Er sei gegen 11.00 Uhr völlig überraschend erwacht und hätte versucht, sich von allen Schläuchen zu befreien, es sei ein Wunder geschehen‘, war die Auskunft des Arztes. Mein Vater lag bei der Einnahme der Globuli im Koma, er konnte an nichts glauben, der Placeboeffekt konnte hier nicht greifen, es war einfach ein magischer Moment.

Das Mittel war Opium C 200: „Wir bekämpfen Gleiches mit Gleichem, die Narkosemittel, die ihn ins Koma gelegt haben, mit Opium C 200.“ Die Worte meines Arztes haben sich bei mir eingegraben. Ich brauche keine wissenschaftlichen Erkenntnisse – „Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit!“  Es gab auch Zeiten, da haben wir das „Dampfross“ für ein Werk des Teufels gehalten. So hatte mein Vater noch viele schöne Jahre. Danke an die Homöopathie und die mutigen Ärzte und  sonstigen Heiler, die daran glauben. – Klaus Kuchlmaier


Leserbrief zu „Scholz sieht Hoffnung“ von  Giovanni di Lorenzo und Heinrich Wefing

Zu o.g. Artikel stelle ich mir die Frage, ob es nicht auch Sinn macht AfD zu wählen, damit sich Personen wie Herr Scholz so äussern, wie sie es z.B in diesem Interview tun. Sehr ausgewogen, aber sicherlich auch bedingt durch den Druck der AfD. – Christian Voss


Leserbrief zu “Wir müssen die Lebensläufe entzerren” von Kerstin Bund

die Situation der Familie wird hier als Sorgenkrise beschrieben:  Arbeit zu Hause – in aller Regel von der Frau & Mutter – , Kinder, Alte, wobei eben dieser Aufwand von der Gesellschaft nicht anerkannt wird, obwohl sie ohne diese Leistung gar nicht funktionieren würde. Die Behebung dieser Schieflage soll mit verschiedenen Mütter- Eltern- Arbeits- und Freizeiten erfolgen. (siehe Familienleistungsausgleich, u.a.) Dafür kommen fast jedes Jahr neue Vorschläge.

Der jetzige sogenannte  Generationenvertrag muß von 1 auf 2  erweitert werden, weil er nur die Generation 2, Erwerbstätige  < –— >  Alte, berücksichtigt, während die Generation 1, Erwerbstätige < –— >  Kinder,  „leer ausgeht“. Der Knackpunkt liegt im mittleren Teil der Darstellung, wenn die Erwachsenen / Erwerbstätigen den Aufwand für  2 Generationen aufbringen müssen, für die Kinder und die Alten.

Diese Schieflage versucht man z.Z. mit allen möglichen Zuwendungen aus dem Familienleis-tungsausgleich zu beheben, die den Zeit – und Geldaufwand betreffen.

In der Gesellschaft, insbesondere in der Wirtschaft, ist  anerkannt, daß der Aufwand für eine Leistung bezahlt werden muß, wenn  „Andere“, Rentner, Pflege – u. Sozialfälle, davon profitieren. Hier angewandt bedeutet das:  von dem Aufwand für Betreuung, Ernährung und Erziehung der Kinder profitieren nach ca. 30 Jahren zeitversetzt die „Anderen“, vor allem die, die keine Kinder großgezogen haben. Wenn man Aufwand und Vergütung gerecht zuordnen will, muß die/der Erziehungsberechtigte seine Kosten zeitnah Zug um Zug erstattet bekommen.

Dabei taucht sofort die Frage auf:  und wer bezahlt das.?

Die Gesellschaft allgemein, wie die Familienleistungen bisher auch. Wenn man unterstellt, daß so ein  „Müttergehalt“ – um das würde es sich in aller Regel handeln, trotz Gender-Ideologie – zu teuer wäre, müßten Sie mal die Kosten für Kindertagesplätze und Fremdbetreuung durch Erzieher(innen) gegenrechnen, und zum Vergleich die in der Statistik ausgewiesenen Erziehungskosten je Kind heranziehen.

Ein gravierender Aspekt, warum man obige Betrachtung nie ernsthaft in Erwägung gezogen , ist die Tatsache, daß dann ein Großteil der „billigen Arbeitsräfte“  auf dem Markt fehlt. Dieser Effekt wird noch dadurch verstärkt, daß die Frauen immer noch nicht gleichen Lohn wie die Männer erhalten.

Ferner muß man unseren Lebenslauf  Kinder – Eltern – Großeltern nicht als „Sozialfall“ sehen, sondern als einen essentiellen Bestandteil unseres Daseins, der gesellschaftlich und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gestaltet werden muß. – Gerhard Bünger


Leserbrief zu “Speed-Dating in Teheran” von Stefanie Kara

es ist hinreichend bekannt, dass die deutschen Medien viel Schrott produzieren.Ob das auch in anderen Ländern so ist, mag ich nicht beurteilen. Auch das was ich bisher über Iran gelesen habe spottet oft jeglicher Beschreibung. Ihr Blatt gehört selten dazu. Eher klären sie auf, so wie sie das mit dem in Rede stehenden Beitrag tun.

Meine iranische Zahnärztin hat mir schon vor 8 Jahren gesagt: „in Deutschland wird in den Medien zuviel gelogen.“Ich könnte viele andere Berichte aufzählen, in denen es nicht anders aussieht. Ist das schlechte Recherche oder ist das politisch gewollt? Letzteres wäre fatal. In Amerika war es offensichtlich politisch gewollt.

Meinen Sie nicht, dass es an der „Zeit“ wäre, den Presserat aufzufordern, Öffentlich dazu Stellung zu beziehen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu “ Wie geht’s, Doktor?“ von Johannes Gernert und Kristiana Ludwig

Danke, daß die vier Kolleginnen und Kollegen sich so deutlich zu ihren Arbeitsbedingungen geäussert haben – der Artikel gehört auf’s Titelblatt! Hoffentlich bekommen die Vier am Arbeitsplatz keine arbeitsrechtlichen Probleme…

Jeder, der weiß, wie die Krankenhausfinanzierung gestaltet ist – Tagesgeschäft durch Krankenkassen, (ungenügende) Investitionen durch Träger und/oder Staat – kann nicht nachvollziehen, daß noch Renditen erwirtschaftet werden sollen für Aktionäre! Das kann nur funktionieren, wenn am Personal gespart wird! Daraus folgt zwingend, daß Zeit und Zuwendung den Patienten entzogen werden – bestimmt nicht zu deren Vorteil! Die unsägliche Mischung zwischen Plan- und Marktwirtschaft führt zu den geschilderten Auswüchsen.

Ach, wenn doch die Politik endlich mal ein klares Konzept für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung entwickeln würde – einzig mit dem Ziel, ernsthaft Kranke gut, schnell und vernünftig zu versorgen! Das muss und darf nur das einzige Ziel der gesundheitlichen Versorgung in unserem Land sein! – Dr. Ursula Stüwe


Leserbrief zu „Frei zu reden“ von Elisabeth Von Thadden

frei zu reden: für wen?  Das ist die alles entscheidende Frage. Nur für die, die eine grenzenlose Freiheit oder für die, die lieber das Nationale wollen – und nur eine bedingte Freiheit akzeptieren. Für mich läuft alles aus dem Ruder, wenn ich ihre gesamte Ausgabe lese.

Zuhauf wird gestritten bis der Arzt kommt. Manchmal komme ich mir vor als wenn ich mich nur noch unter pupertierenden Teenager bewege. Sind wir nun in einer Demokratie oder wo bin ich?  Ebenso verhält es sich mit Trump oder Erdogàn.  Trump ist kein deutscher Präsident. Ich traue mich kaum das zu sagen: er ist ein amerikanischer Präsident.

Mit Erdogàn ist es ähnlich. Der Mann macht das was auch seine Bürger wollen.  Kai Dickmann hat in seinem Buch von „Selbstbetrug“ gesprochen, den die Deutschen anheim gefallen sind. Freunde, so wird das alles nix. Ihre Autorin sollte damit anfangen, von dem Selbstbetrug abstand zu nehmen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Und schon wieder Thema: die Zeitumstellung! Sollte die „Winter“zeit zukünftig statt des Wechsels im Sommer weiterlaufen und sich – wahrscheinlich oft die gleichen – Propheten des Biorythmusses auch immer mehr mit immer längerer Ganztagsschule durchsetzen, dann wird die Zeit der Kinder, draußen in der Sonne zu spielen und zu kicken täglich nochmals um eine Stunde eingedampft.

Weltmeisterschaft a.D. Wenn denn nun die Energieeinsparung ein Fake ist, dann sollte doch ruhig die Sommerzeit zukünftig im Winter weiterlaufen. Damit wäre ich sehr einverstanden. Vielleicht ergänzt durch ein generelles Fernreiseverbot für alle   ……wegen des heiligen Biorythmusses. – Wolfgang Frings


Leserbrief zu „Riechst du das?“ von Joachim Bessing

Ganz toll, dass Du dieses Thema aufgreifst!

All diese künstlichen Düfte, die so billig hergestellt und dafür breit eingesetzt werden, „vernebeln“ einen wichtigen Wahrnehmungskanal , übertünchen die natürliche Wachsamkeit und sind alles andere als „fein“.

Es ist hier in der Schweiz manchmal richtig schwierig, unparfumierte Produkte im Körperpflegebereich zu finden. Fast alles und jedes wird mit einer Allerwelts-Duftnote überstrichen. Ich bin froh, dass Du die Sensitivität für diesen Aspekt und eine schleichende um sich greifende Monotonie zur Diskussion stellst.  – Gianni Zanetti


Leserbrief zu “Leben im Befehlston” von Manuel J. Hartung

ich fand etwas schief an Ihrem Artikel und habe eine Weile darüber nachgedacht. Mittlerweile glaube ich, den Punkt gefunden zu haben: die Annahme, dass der „Befehlston“ imperativer Programmiersprachen die Persönlichkeit von uns Nerds beeinflusst, ist zwar plakativ, aber halt auch nicht wirklich bewiesen. Nach meinem Eindruck haben andere Faktoren einen größeren Einfluss, z.B. die Notwendigkeit strukturiert zu denken. Ohne diese kann man größere Probleme nicht sinnvoll in kleinere zerlegen, was für die Entwicklung von Software entscheidend ist.

Im professionellen Bereich, in dem man typischerweise mit anderen Entwicklern zusammen arbeitet, kommt man ohne die Fähigkeit zur Kommunikation nicht weit. Ständig muss Arbeit aufgeteilt, müssen Schnittstellen zwischen Komponenten abgestimmt und Anforderungen analysiert werden (nicht in dieser Reihenfolge). Ohne den erfolgreichen Austausch mit Kollegen oder gar Kunden kommt man da nicht weit.

Wenn Sie interessiert sind, können wir uns ein wenig weiter über das Thema austauschen. – Robert Klemme


Leserbrief zu “ Wie geht’s, Doktor?“ von Johannes Gernert und Kristiana Ludwig

Wann setzen Sie sich mit KlinikCHEFärzten an den Abendbrottisch, wann mit Klinikgeschäftsführern?

Mir scheint, das Gesundheitswesen ist ein gutes Beispiel, um die Ursachen unserer derzeitigen gesamtgesellschaftlichen Stimmung zu studieren. – Susanne Sänger


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Mit schöner Regelmäßigkeit erscheinen Artikel zur Zeitumstellung. Die Autoren übersehen dabei, daß auch die Mitteleuropäische Zeit in ihrer Ausdehnung nicht unproblematisch ist, Sonnenauf- und -untergänge differerieren erheblich  zwischen den östlichen und westlichen Grenzen der Zeitzone. Je weiter man nach Norden kommt, und das ist auch in Deutschland schon spürbar, um so länger bleiben die Tage hell, bis hin zur Mitternachtssonne. Ich persönlich bin für die Sommerzeit, denn die langen hellen Abende bieten einen Ausgleich für die kurzen, meist trüben Tage des Winters und fördern das Wohlbefinden. – Dr. Karl Klaus Walther


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Die Sommerzeit ist eine hervorragende Einrichtung. Ich möchte nicht darauf verzichten. Der Gewinn an Lebensqualität überwiegt gegenüber allen anderen möglichen Nachteilen. Was nützt es, wenn es morgen um Fünf hell ist, dafür aber Abends um Acht schon wieder dunkel wird. Ich behaupte auch, dass das Sommermärchen bei der WM2006 ohne Sommerzeit nicht so möglich gewesen wäre. Zur Zeit ist es „IN“ gegen die Sommerzeit zu sein. Dafür werden alle möglichen Studien heran gezogen, um die Sommerzeit zu diskreditieren. Ich traue aber keiner Studie, die ich nicht selbst in Auftrag gegeben habe. (siehe Zeit 16.03. Seite 31 Halbwissen Der Zugutachter. Wessen Brot ich es, dessen Lied (muss) ich sing(en)). Ist die Sommerzeit auch Schuld, dass die Krebserkrankungen sich seit 1970 verdoppelt haben? Beim Feiern geht es doch auch, wenn man mal etwas weniger schläft. Bevor man die Sommerzeit abschafft, sollte man erst die Schichtarbeit verbieten, die ist schädlich. Deshalb: Freuen wir uns auf die schönen langen Sommerabende (von April bis Oktober), die wir gemeinsam draußen verbringen können. – Lothar Kaulbarsch


Leserbrief zu “Der Elefant ist im Raum” von Peter Kümmel

Ihr Autor nimmt die Vergangenheit zu hilfe, um das Wunder Trump zu rechtfertigen.  Im Klartext: die etablierte Politik hat nur Dummköpfe hervorgebracht. Da ist in der Tat etwas dran. Jetzt wo es zu spät ist oder das Kind im Brunnen liegt, jammern die Etablierten und keilen gegen einen Mann, den sie selbst hervorgebracht haben. In Deutschland ist es nicht viel anders. Ihr Kollege Michael Jürgs hat das schon in seinem Buch  „Seichtgebiete“ und „Warum wir hemmungslos verblöden“ verarbeitet.

Die Verflachung, Verblödung und Verrohung hat Konjunktur. Und ich mache dafür unsere liberale und grenzenlose Toleranz für verantwortlich. Das hören die Intellektuellen nicht gern. Und das ist das zweite Hindernis. Die Rechten werden jetzt durchs Dorf getrieben und keiner bietet ihn eine Unterkunft.

In ihrer Notlage (die Etablierten) begehen sie einen dritten Fehler, indem sie verbal munter auf sie losdreschen und jeden Kontakt vermeiden als hätten sie alle Krätze. Wenn sie so wollen ist das auch eine Art Dummheit.  Die „Röhre“, wie Ihr Autor schreibt, ist von den 68ern besetzt worden, die uns heute das Leben schwer machen.

Die heutigen Studenten sind Produkte der 68er Generation. Auf die kann die AfD nicht hoffen. Die wollen weiter ihren Jux und die Selbstfindung ausprobieren. Die AfD ist eigentlich von seinerzeit abgehängten Wissenschaftlern platziert worden, die nicht mit dem Zeitgeist einverstanden waren.  Hatte also die Verblödung der Verantwortlichen Methode.? – Gunter Knauer


Leserbrief zu “Was, wenn er zuschlägt” von Jörg Lau Und Michael Thumann

in einem alten Arbeiterlied aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts heißt es: …“Nur zum Spaß macht man Gas, weil’s noch keiner kennt, Panzerkreuzer sind das beste Friedensinstrument“…

Der Frieden kostet Geld, der Krieg bringt Gewinne und Profite für die Waffenproduzenten. Und wenn es dann noch heißt, „Wir gewinnen die Kriege, wir machen Amerika groß“ und was dergleichen Phrasen sind, dann kommt mir das Grausen, der Ekel auch vor soviel Selbstgerechtigkeit und Menschenverachtung.

In Syrien können wir live mit verfolgen, was ein Krieg anrichtet!  Vietnam, Afghanistan? Die Bilder sind längst vergessen, nur die Soldaten leiden noch heute ebenso wie die Menschen in diesen Ländern.

An die Machenschaften der deutschen und internationalen Waffenproduzenten und ihren Lobbyisten dürfte ein Journalist sich vermutlich nur unter Lebensgefahr wagen. Ja, beides hängt in meinen Augen zusammen, das Säbelrasseln von Trump und die Waffenindustrie. – Angelika Ezzeldin


Leserbrief zur Rubrik Traumstück “Dezenter Radical Chic” von Caspar Shaller

Es wäre ein Leichtes gewesen, diesen Artikel fehlerfrei zu schreiben: Banksy ist keine Künstlerin. – Marta Nowakowski


Leserbrief zu “Der Elefant ist im Raum” von Peter Kümmel

Ich war an der Uni als „Network“ rauskam. Ich fand den Film damals übertrieben und blöd. Leider muß ich jetzt gestehen, dass ich Bekannte habe, die in den letzten Jahr genau den Satz gesagt haben („I’m as mad as hell, and I’m not going to take this anymore“). Muß ich sagen, dass diese Leute für Trump gestimmt haben? An einem Punkt muß ich Herrn Kümmel wiedersprechen. Herrn Trump hat seine Rhetorik nicht von dem Film gelernt. Herr Trump guckt bekanntlich keine Filme an. Der, der das gelernt hat war Rupert Murdoch. Es heißt, bevor der Sender angefing hat man die Nachrichtensprecher mehrere Monate trainiert, und die Sprecher auf Fox News in USA benutzen genau diesen wütenden Ton. In den 90er Jahren als Fox neu auf Sendung kam war dieser Ton zu rau für die meisten und viele Leute haben den Sender als Blödsinn abgetan. Jetzt ist genau dieser Ton allgegenwärtig in den Nachrichten in den USA. Hat Herr Lummet das vorhergesagt oder die Vorlage gegeben? Schwer zu sagen. – Sarah Johannsen


Leserbrief zu “Jagdszenen in Paris” von Elisabeth Raether

Ich finde es ungeheuerlich, mit welchen Worten Frau Raether  Emmanuel Macron abwertet. War sie dabei, als er angeblich mit drei Freunden und einem weißen Blatt Papier zusammensaß? Warum so negativ, sie stellt selber fest, ein begabter junger Mann. Ich entnehme seiner Miene nicht, dass er Angst davor hat, von seinem persönlichen Erfolg hängt die Zukunft Europas ab. Ganz im Gegenteil, innerhalb kurzer Zeit hat er gute Berater zur Seite und ein interessantes Wahlprogramm für Frankreich aufgestellt. Ich habe Alfred Grosser kürzlich zugehört, dessen Student er war und der ihn auch jetzt berät.  Es sieht doch derzeit sehr gut aus, dass Emmanuel Macron der nächste französische Präsident werden wir. Ich wünsche es den Franzosen!  – Gisela Maasjost


Leserbrief zur Rubrik Traumstück “Dezenter Radical Chic” von Caspar Shaller

Gleich zur Sache: in Ihrem Artikel über die Versteigerung des Banksy-Kunstwerks »Love is in the Air« nennen Sie Banksy eine weibliche Künstlerin. Zwar ist die Identität des Künstlers weitgehend unbekannt, aber er/sie wird bisher immer nur einer männlichen Künstlerrolle zugesprochen. Einige unscharfe Bilder und auch seine eigenen Dokumentation »Exit through the gift shop« lässt auf eine männliche Physiognomie schließen – außer er/sie lässt sich selbst für dieses Bildmaterial doubeln, um seine Identität vollends und nachhaltig geheim zu halten. Aber vielleicht haben Sie ja auch gesicherte Quellen aus erster Hand, die faktisch eindeutig eine weibliche Künstlerin (BankSIE) hinter der Identität belegen? Dann sind sie uns Unwissenden natürlich Äonen Lichtjahre voraus … – Daniel Sauthoff


Leserbrief zu „Wie sie euch gefällt“ von Franzisk A Brantner

Der „Pulse of Europe“ will alle Parteien und Anstrengungen von Politikern unterstützen, die sich für ein vereintes und starkes Europa einsetzen. Ihr Umbau-Vorschlag und die Grundrechtecharta der Europäischen Union sollten mehr auch in die öffentliche Debatte einfließen!!! – Walter Moritz


Leserbrief zu “Wir müssen die Lebensläufe entzerren” von Kerstin Bund

Man   kann   Frau  Jurcyk  nur   Recht   geben,   wenn   sie   sagt: „ Menschen,   die   zu   Hause  wichtige   Sorgearbeit   leisten- kleine   Kinder   betreuen,  kranke  oder    alte   Angehörige   pflegen -,  erfahren   in   unserer   Gesellschaft   kaum   Anerkennung.“

Um   dies   zu   ändern,  müssten   nicht   nur   bessere   Möglichkeiten   gefunden   werden, Familie   und   Beruf   miteinander   zu   vereinbaren.  Vor   allem  sollte   Menschen   bewusster   werden,   wie   wichtig   es   z.B.   für   eine   gesunde   kindliche   Entwicklung   ist,  besonders   in   den   ersten   Lebensjahren   täglich   viel   Kontakt   zu   den   leiblichen   Bezugspersonen  zu   haben. Diese   Zeit   ist   prägend,   baut   das   Kind   doch  dann  Urvertrauen   und   das   Gefühl   von   Geborgenheit   und   Sicherheit   auf.  Schäden   dahingehend   können   später   wohl   kaum   wieder   ausgeglichen   werden.

Vielen   Menschen,   insbesondere   den   Müttern,   würde   viel   Druck   genommen,  wenn   sie   ihre   Erwerbstätigkeit  für   einen   bestimmten   Zeitraum   leichter   unterbrechen   könnten.  Doch   kann   man   nicht   immer   nur  die   Hände   aufhalten   nach   dem   Motto „Der   Staat   wird´ s   schon   richten.“   Auch   die   Betroffenen   sollten      intensiver  darüber   nachdenken,   ob   sie   nicht   manchmal   zu viel   miteinander   vereinbaren   wollen,   letztlich   zu   hohe   Ansprüche   stellen. „Der   Staat   ist   kein   politisches   Versandhaus,“   hat   J.   Gauck   einmal   gesagt.  Darüber   sollten  Bürger   sicher   häufiger   nachdenken. – Gabriele   Gottbrath


Leserbrief zu „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ von Dr . Med. Harro Albrecht und Dr . Med. Josephina Maier

Es geht dabei nicht um die Homöopathie, sondern um ein weltweites gesellschaftliches Problem. Des Glaubens an Absurditäten und die damit verbunden Probleme. Schon Voltaire bemerkte:  «Wer dich veranlassen kann, Absurditäten zu glauben, der kann dich auch veranlassen, Gräueltaten zu begehen.» – Martin Novotny


Leserbrief zu „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ von Dr . Med. Harro Albrecht und Dr . Med. Josephina Maier

Was soll das denn: Da urteilen zwei Dr. med., die ganz offenkundig von Homöopathie nichts halten und sich nicht ernsthaft mit ihr beschäftigt haben, über deren Erstattung durch Krankenkassen. Ganz gleich, wie die Argumentation geführt wird: Wenn man voraussetzt, dass die homöopathischen Mittel wirkungslos sind, ist die Erstattung natürlich nicht zu verantworten…

Aber Ironie beiseite: Wenn es die Heilwirkung, die von der eigenen Überzeugungskraft bzw. von der des Behandelnden ausgeht, tatsächlich gibt, warum bezieht man sie dann nicht bewusst in die schulmedizinische Therapie mit ein, statt sie nur staunend festzustellen? Ist das Problem vielleicht nur die Zeit und Zuwendung, die dazu nötig sind?

Warum lässt man in der ZEIT nicht – gerade was die Potenzierungen betrifft – einen erfahrenen Homöopathen (da gibt es auch Dr. med.!) zu Wort kommen, auch jemand aus dem Bereich der anthroposophisch arbeitenden Ärzte und Heilpraktiker (womit ich natürlich auch die weiblichen Vertreterinnen meine)? Vorschlag: eine ausführliche Behandlung in einer ZEIT-Doctor-Ausgabe.

Wenn man dazu noch bedenkt, wie es in den medizinischen Einrichtungen zugeht (s. letzte ZEIT-Ausgaben!), wie wenig Zeit ein Dr. für seine Patienten hat, wie sehr die Pharma-Industrie hineinredet, wie hoch der Kostendruck ist, darf man sich außerdem nicht über das gestiegene Misstrauen gegen die Schulmedizin wundern. – Ernst Simon


Leserbrief zu “Was, wenn er zuschlägt” von Jörg Lau Und Michael Thumann

In einem alten Arbeiterlied aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts heißt es: …“Nur zum Spaß macht man Gas, weil’s noch keiner kennt, Panzerkreuzer sind das beste Friedensinstrument“…

Der Frieden kostet Geld, der Krieg bringt Gewinne und Profite für die Waffenproduzenten. Und wenn es dann noch heißt, „Wir gewinnen die Kriege, wir machen Amerika groß“ und was dergleichen Phrasen sind, dann kommt mir das Grausen, der Ekel auch vor soviel Selbstgerechtigkeit und Menschenverachtung.

In Syrien können wir live mit verfolgen, was ein Krieg anrichtet!  Vietnam, Afghanistan? Die Bilder sind längst vergessen, nur die Soldaten leiden noch heute ebenso wie die Menschen in diesen Ländern.

An die Machenschaften der deutschen und internationalen Waffenproduzenten und ihren Lobbyisten dürfte ein Journalist sich vermutlich nur unter Lebensgefahr wagen. Ja, beides hängt in meinen Augen zusammen, das Säbelrasseln von Trump und die Waffenindustrie. – Angelika Ezzeldin


Leserbrief zu „Die Bildungsangst der Pädagogen“ von Manuel J. Hartung

Dass Bertelsmann einen „Monitor Digitale Bildung“ herausbringt, ist das eine; das andere, wie die Frage, ob Schulen und Hochschulen auf den digitalen Wandel vorbereitet sind, denn erfasst und beantwortet werden soll. Ich lese, dass die technische Ausrüstung der Hochschulen gut ist.

Prima, gut so. Ob sie nun aber gut auf die digitale Welt vorbereiten, von der Frage abhängig zu machen, ob Hochschullehrer digitale Präsentationstools einsetzen (und sich den Zwängen wohlaufbereiteter Power-Point-Präsentationen unterwerfen), lenkt von der Vorbereitung auf digitalisierte Arbeits-, Lern- und Lebenssituationen schlicht ab. Geht es in allen Fächern um die perfektionierte Präsentation von „Lernstoff“?

Welche Rolle spielt die Herauspräparierung des Arguments, seine Infragestellung oder Kritik? Wenige laden Texte online hoch, heißt es im Artikel – als sei die Arbeit am Thema in allen Fächern auf kanonisierte Texte reduzierbar (von der Frage abgesehen, ob die Auswahl relevanter Texte nicht Teil der Lernprozesse selbst sein kann und – in manchen Fächern – auch sein soll). Digitale Lernformate wie Lernspiele, Simulationen, Foren usw., in denen das lernende Verhalten von Studierenden selbst vorformatiert und kontrolliert ist, also eben nicht in der Auseinandersetzung mit Stoffen, Thesen, Haltungen etc. besteht…

Der Artikel wirft Fragen auf, ob man die Bertelsmann-Meßlatte an alle Fächer anlegen kann und welche Vorstellung akademischen Lernens (und

Lehrens) das alles denn übergreift, vor allem: welche Vorstellung von „Bildung“ ist im Titel eigentlich abgerufen. Es ist gut, über den „Monitor“ zu berichten; aber eine wenigstens kurze Problematisierung hätte die so selbstgewiss sich gebende Studie verdient. – Hans J. Wulff


Leserbrief zu „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ von Dr . Med. Harro Albrecht und Dr . Med. Josephina Maier

Über Sinn und Unsinn der Homöopathie wird seit vielen Jahrzehnten gestritten. Was mir in der aktuellen ZEIT-Debatte fehlt, sind folgende Argumente:

  1. Homöopathie ist nicht gleich Homöopathie: sog. Niedrig-Potenzen enthalten sehr wohl messbare Wirkstoffkonzentrationen.
  2. Die vom Arzt Samuel Hahnemann begründete Lehre setzt zwingend voraus, dass sich der geschulte Behandler sehr intensiv mit seinem Patienten beschäftigt. Dieses sog. Repertorisieren beträgt beim Erstgespräch im Regelfall ein bis zwei Zeitstunden. Welcher Mediziner nimmt sich dafür heute Zeit? Dabei lernt der Behandler nicht nur den Patienten kennen, sondern löst sich – gewissermaßen verhaltenstechnisch – auch aus der so weit verbreiteten rein symptomatischen Therapie. Der Therapeut lernt also vom Patienten! Insofern ist die argumentative Fokussierung auf Placebo-Effekte einseitig, spart sie doch aus, dass gute Therapeuten nie ausgelernt haben. Auch ärztliche Intuition scheint auf laufend angereichertem Erfahrungswissen zu beruhen. Dieses Immer-besser-Kennenlernen von Patienten inkl. der familiären und generationenübergreifenden Zusammenhänge zeichnet auch von jeher gute Hausärztinnen und -ärzte aus, ob konventionell oder homöopathisch ausgerichtet. – Dr. med. vet. Gero Beckmann

Leserbrief zu “Da muss Zug rein!” von Kerstin Bund und Claas Tatje

Es wäre schön, wenn die Aussage des Artikels, dass die Politiker der Regierungsparteien die Bahn wieder verstärkt als Dienstleister für die Allgemeinheit betrachten, zutrifft.

Die ganzen Privatisierungsbestrebungen gehen bezgl. der Bahn in die falsche Richtung.  Dieses Unternehmen gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge und kann nicht unter rein betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten vernünftig betrieben werden. Hinsichtlich des Güterverkehrs wäre es z.B. auch aufgrund der durch den Straßengüterverkehr verursachten Emissionen dringend notwendig, wieder mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen.

Warum investiert man nicht in zusätzliche Gleise , um den Güter- vom Personenverkehr zu trennen und so einen reibungsloseren Verkehr auf der Schiene zu gewährleisten ? Stattdessen wird von der Politik  immer mehr auf LKW-Verkehr gesetzt bis hin zu dem Pilotprojekt, LKW’s unter Strom auf der Straße fahren zu lassen.  – Axel Brunkow


Leserbrief zu “Blaue Noten aus Tel Aviv” von Ulrich Stock

Ihre differenzierte, lebensnahe Reportage über Jazzmusik in Israel habe ich mit Interesse und Genuss gelesen.

Dabei reflektieren Sie auch deren politisches Umfeld, mit der Feststellung, dass „in diesem Landstrich 13 Millionen Einwohner leben, von denen 5 Millionen rechtlos“ seien. Die nächsten Worte lassen nur den Schluss zu, dass damit die Araber in Israel und in den umstrittenen Gebieten unter der Herrschaft eines jüdischen „Apartheits“-Staats gemeint sind.

Die israelischen Araber (1,6 Millionen der 8 Millionen Israelis) haben volle Bürgerrechte, eigene Parteien in der Knesset, nicht wenige von ihnen dienen freiwillig in der Polizei und der Armee. Die Situation der ca. 0,5 Mill. Palästinenser in den umstrittenen Gebieten Westjordanland und Gaza ist sicherlich sehr viel schwieriger, aber auch Palästinenser in den von Israel kontrollierten Teilen der Westbank (Zone C) können sich an israelische Gerichte wenden, und haben wiederholt Recht bekommen, zum Beispiel was eine Korrektur des Verlaufs des Sicherheitszaunes angeht. In den palästinensisch kontrollierten Teilen des Westjordanlandes (Zone A) führte dagegen 2006 die letzte freie Wahl, in der die Hamas über die Fatah gesiegt hatte, zu einem Putsch der Fatah, die seitdem diese Gebiete beherrscht, während es unter der islamistischen Hamas im Gazastreifen es z.B. noch nicht einmal Frauen gestattet ist, einem Fußballspiel zuzusehen. Das ist „Rechtlosigkeit“ von Arabern unter palästinensischer Herrschaft.

Ihre pauschale, unreflektierte, durch keinerlei Recherche belegte Verurteilung des Staates Israels als Apartheid, von den oben genannten Fakten und Zahlen klar widerlegt, macht mich sehr ärgerlich und besorgt. Die Juden haben in ihrer gesamten Geschichte grundlosen Hass und schlimme Verleumdungen erleben müssen, die immer wieder zu tödlicher Gewalt gegen sie geführt haben und führen. Es ist mein Bedürfnis, dass zumindest von deutscher Seite, und dort zumindest in einer der führenden, aufgeklärten Zeitungen, die sonst durch klare politische Analyse besticht, dieses Gift nicht weiterverbreitet wird, damit Juden (weltweit und in Israel) so etwas möglichst erspart bleibt.

Ich bitte Sie daher dringend, bei zukünftigen Reportagen zu jüdischen Themen in jeder Hinsicht sauber zu recherchieren und fair zu berichten.  – Eberhard Schmiedeke


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Gründe zum Unausgeschlafensein gibt es viele. Zu den heftigsten gehören kleine kranke Kinder, aber auch Sorgen bei der Arbeit oder im privaten Umfeld. Wie viele Menschen würden in einer Umfrage, ob sie immer gut ausgeschlafen sind, mit einem fröhlichen „ja“ antworten? Quasi niemand! Auch nicht Stefan Schmitt.

Und wieviele Menschen kommen um sechs Uhr abends von der Arbeit, widmen sich dann Kindern, alten Eltern, Rechnungen, der Wäsche und all den täglichen Kleinigkeiten? Endlos viele! Wer möchte dann nicht um neun Uhr abends gerne zur ZEIT greifen und sich noch eine Stunde seufzend auf die Terrasse/den Balkon setzen und bei Tageslicht und Wärme lesen? Ich! Dieser Ausbruch aus dem Hamsterrad gelingt mir im Mai, Juni, Juli. Dank wunderbarer Sommerzeit! – Ulrike Wallrabe

PS: Die ewig Ausgeschlafenen müssen zum Urlaub leider in deutschen Landen bleiben. Im Ausland könnte man eine Stunde Zeitverschiebung erleiden.


Leserbrief zu “ Wie geht’s, Doktor?“ von Johannes Gernert und Kristiana Ludwig

(Selbst-) Mord am Humanismus in der Medizin

Meine Hochachtung vor den vier Medizinern, die den Mut und die Offenheit hatten, dieses Gespräch mit Kristiana Ludwig und Johannes Gernert zu führen. Es ist an der Zeit/ZEIT, Fragen zu stellen anstatt Gegebenes hinzunehmen und zu resignieren.

Wenn sich Mediziner in Friedenszeiten bei ihrer Arbeit wie Militärärzte fühlen, dann stehen grundlegende gesellschaftliche Werte auf dem Spiel. Ich habe erlebt, wie es sich anfühlt, mit einem Kind in der Notaufnahme – mit weiteren 30 Personen – 4 Stunden lang auf dem Flur zu warten. Kriegsähnliche Zustände. Ich habe ebenso die im Interview beschriebene Unvereinbarkeit ärztlicher Aufgaben erlebt, als ich mit meinem lebensgefährlich erkrankten Kind auf der Intensivstation weilte. Später stellte sich heraus, dass ein Pfleger auf jener regelmäßig unbesetzten Station über acht Jahre Patienten missbrauchen konnte, weil der Personalschlüssel nicht stimmte.

Dieser Text ist kein „J’accuse!“. Es ist eine Kritik an Fallpauschalen, keine Pauschalverurteilung.

Und es ist in erster Linie der Versuch, den Schmerz eines Vaters fühlend begreifbar zu machen. – Martin C. Löffler


Antwort auf Leserbriefe zum Artikel “Prostitution kann niemand »einhegen«”

Ich finde es sehr schade, dass sich unter den Leserbriefen vier Männer darüber höchst empört äußern, dass man Prostitution verhindern/vermindern/abschaffen möchte. Sie beschweren sich darüber, dass der Mann als das Böse und als der Übeltäter dargestellt wird. Anstatt Vorschläge dazu zu machen, wie man die schrecklichen Verhältnisse bezüglich Zwangsprostitution verändern könnte. Das ist das Hauptproblem! Es scheint aber die meisten von ihnen kaum zu beschäftigen. Warum? – Debbi Benavides


Leserbrief zu „Riechst du das?“ von Joachim Bessing

Meines Erachtens geht es bei der Sinnesassoziation von Marcel Proust mit der in den Tee getauchten Madeleine um Geschmack und nicht um Duft. – Wiltrud Klundt


Leserbrief zu „Schulz sieht rot“ von Peter Dausend und Fabian Klask

Im Artikel heißt es Kurt Beck ist in Hessen 2008 an den Linken gescheitert. Kurt Beck regierte jedoch in Rheinland-Pfalz. – Christos Ioannidis


Leserbrief zu „Warum ist das ärmste Land der Welt so arm?“ von Mark Schieritz

Laut einem Artikel der „le monde diplomatique“ fließen derzeit ca. 1000 Milliarden Dollar/Jahr – durch Korruption erworben – aus schlecht regierten, meist sehr armen Ländern in die Finanzwelten der reichen Länder – also zu uns. Vielleicht empfangen wir diese Gelder allzu gerne und reden nicht gerne darüber. Was halten Sie von dieser Zahl? Ist sie nicht auch ein Grund, warum die ärmsten Länder so arm sind? Gehört diese Zahl nicht auch in Ihren Bericht hinein?!

Und kennen Sie Grand Inga? Gegen diesen werdenden Staudamm des Kongo (der leider ökologisch desaströse Folgen haben wird), ist der Dreischluchtendamm in China recht klein. Von daher verstehe ich nicht recht, warum es aus der Mode gekommen sein soll, in Entwicklungsländern Staudämme zu bauen. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Die Hybris des Journalisten, jeden ärgere die Zeitumstellung. Sie dürfen nicht meinen, in Ihrer Person und Meinung spiegele sich jeder. Das Überhebliche bedarf der kleinen Demutsbremse um im Wahrhaftigen anzukommen. – Otto Kaufmann


Leserbrief zu „Mit eigenen Waffen“ von Holger Stark

Im Fall der türkischen Wahlkampfauftritte wird jedoch ein entscheidender nicht zu akzeptierender Aspekt übersehen, der sich darin begründet, dass Propaganda mit faschistoiden Inhalten zur Mobilisierung gegen andere Völkergruppen ( z. B. Kurden ) und Gesinnungen ( z. B. Gülenisten ) praktiziert wird.

Propagandaauftritte, die gegen eine rechtsstaatliche, demokratische Verfassung gerichtet sind, auf demokratischem Staatsterritorium zu dulden, und diese Praxis mit dem Deckmantel der Meinungsfreiheit zu rechtfertigen, hat die Demokratie nicht verstanden.

Diplomatie ist ein zweischneidiges Schwert, doch nicht der Verleumdung demokratischer Grundgesetzgebung wert.

Daher stellt sich die Frage der Entscheidung, welche Strategie in rationem vorzuziehen ist:

— Provokationen in‘ Leere laufen lassen. Nach „Jiu- Jitsu-Methode“.

oder

— Klare Position beziehen, Propagandaauftritte unterbinden, sowie auf Provokationen nicht reagieren.

Die ewigen Abwägungen und Rechtfertigungen der Journalisten zur Politik der Bundeskanzlerin sind kaum noch zu ertragen.

So kam auch der Ratschlag von „Can Dündar“ ( Hürriyet ) bgl. „Provokationseindämmung durch Erlaubnis der türkischen Wahlkampfauftritte“ der Kanzlerin – wie auch den Journalisten – recht, um aus Ratlosigkeit eine „Strategie“ zu formulieren.

Verantwortungsvolle Politik zeichnet sich nicht dadurch aus, dem Staatsvolk „political correctness“ zu verordnen ( „autokratisches Tool“ ), mittels „appeasement-policy“ sich vor der Verantwortung zu drücken, sondern mittels repräsentativer Kompetenz bewusst zu handeln.

Demokratisches Regieren heisst gestalten und Diskurs betreiben.

In einer omnikulturellen Gesellschaft erwartet man, dass die Repräsentanten mittel demokratischer Präsenz in der Lage sind, Konfliktpotential, das sich aus ihren Entscheidungen entwickelt, nicht zur Spaltung der Gesellschaft beiträgt.

„Wehe die Dummheit befiehlt der Intelligenz…“- Sonette 66 – Shakespear. Falls Interesse diesen Leserbrief zu veröffentlichen, erhalten Sie hiermit die Erlaubnis. – Dirk Bachem


Leserbrief zu „Mehr als Kaffeesatz“ von Christoph Drösser

in Ihrem Artikel beschreiben sie sorgfältig die Methoden und auch die Probleme der politischen Meinungsforschung, die nach Brexit und Trump-Sieg enorm an Glaubwürdigkeit verloren hat. Dennoch können oder wollen die Medien (z.B. das ZDF-Politbarometer) aber auch die politischen Redaktionen noch immer nicht davon lassen. Keine Wahl in Sicht, dennoch werden Meldungen wie „Merkel um 2 % abgestürzt“ rausgehauen, obwohl die Autoren die methodische Streuung, mehr als 2 % , eigentlich kennen sollten.

Die Präsentation ist zum Entertainment verkommen ohne politische Relevanz. Was unterscheidet die monatliche Erhebung die Beliebtheitsskala einzelner Politiker von DSDS? Und dennoch interessieren sich die Akteure: Politiker, Parteien, das TV-Volk und besonders Polit-Redaktionen brennend dafür. Es soll sogar Parteien und Redaktionen geben, die diese Erhebungen beauftragen und bezahlen, z.B. das ZDF. Das ist mir ein Rätsel.

Leider geht Ihr Bericht auf dieses Phänomen überhaupt nicht ein.

Warum genügt es nicht über den Martin-Schulz-Hype und die Euphorie des SPD-Lagers zu berichten OHNE %-Werte? Es ist doch politisch völlig irrelevant, ob die Zustimmungswerte zur SPD zur Zeit (!) mit 24, 28 oder 32% ermittelt werden. Und dennoch sind auch CDU und CSU darüber ganz aus dem Häuschen. Wenn es draußen „lausekalt“ ist, reicht das als Beschreibung; die Angabe von Grad Celsius bringt kaum Erkenntnisgewinn. – Thorvald von Uthmann


Leserbrief zu „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ von Dr . Med. Harro Albrecht und Dr . Med. Josephina Maier

Die zwei Meinungen, die von Ärzten vertreten werden, die erkennbar keine Ahnung von der Homöopathie haben sind nichts wert.

Warum dürfen sich auf diesem Gebiet völlige Dilletanten äußern?

Homöopathie bedarf durchaus einer Ausbildung in Theorie und Praxis. Diese hat keiner der beiden „Fachleute“ genossen. Die Erklärung der Wirkung über das Placebo  sticht insofern nicht als sie auch bei Tieren und Säuglingen wirkt und hier sogar besonders gut.

Eine Heilkunde wie die Homöopathie die es seit über 200 Jahren gibt hat sich bewährt, denn sonst würde sie keiner anwenden.

Die Arzneimittel der Homöopathie kosten meist nur ein paar Euro und sind sehr ergiebig. Da kann man sich kaum vorstellen, dass dies den Kostenrahmen einer Krankenkasse messbar beeinflusst. Die Kassen zahlen z.B. zigtausende von Euro für Medikamente mit fraglichen Nutzen etwa Statine.

Warum in der letzten Zeit soviel Hass über die Homöopathie publiziert wird erschließt sich mir nicht wirklich. Sie hilft, der Patient verlangt danach und ist zufrieden. Sie schadet in der Regel nicht im Gegensatz zu den meisten schulmedizinischen Medikamenten, die alle auch Nebenwirkungen haben.

Was soll damit bezweckt werden?

Gerade die Schulmedizin mit ihrer 90 Sekunden-Konsultation ist vielleicht ein bißchen neidisch auf den Homöopathen, der sich soviel Zeit nehmen kann, muss, darf.

Viele Grüße von einer Heilpraktikerin und Homöopathin mit drejähriger Vollzeitausbildung in Theorie und Praxis, Prüfung am Gesundheitsamt mit amtsärztlicher Bescheinigung keine Gefahr für die volksgesundheit darzustellen (sowas hat kein Arzt) und selbständiger Praxis seit 1994. – Doris Reinfeld


Leserbrief zu „Bye-bye Britain“ von Khuê Pham

Welche  persönlichen Ambitionen die britische Premierministerin Theresa May treiben, ist nicht bekannt. Da sie in der BREXIT-Frage eine 180 Grad-Wendung vollzogen hat, kann man Theresa May nicht in die Kategorie verläßlicher Politiker einordnen. Der Ausgang der Brexit-Verhandlungen dürfte davon abhängen, ob die Briten überhaupt zu den in ihrer Mitgliedschaft zur EU eingegangenen rechtlichen und damit auch finanziellen Verpflichtungen stehen. Dies gilt nicht nur für das Thema: Pensionsverpflichtungen für bei den EU- Institutionen angestellte Briten.^^

Ein besonderes Kapitel sind vielmehr auch diejenigen EU-Angehörigen,  die im UK seit langem leben und arbeiten, aber keine britische Staatsangehörigkeit besitzen. Sollte der Brexit auch auf deren Rücken abgeladen werden… in Klartext, sollten diese genötigt werden, ihren Arbeitsplatz im UK aufzugeben, so wäre dies ein frontale Ansage fehlender Bereitschaft, auch zukünftig irgendwie mit der EU zusammen zu arbeiten. ^^ Theresa May hat mit nur etwas über 51% Befürworter-Stimmen für das  Brexit kein Mandat des gesamten Landes , Großbritannien total von Europa abzukoppeln.  Wenn man, wie Theresa May , vor allem junge Briten, gegen sich hat, sollte man sich eigentlich dessen bewußt sein, daß man gegen die Interessen der jüngeren Generationen schlecht regieren kann. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Schulz sieht rot“ von Peter Dausend und Fabian Klask

Der historisch schon frühzeitig vollzogene Bruch zwischen kommunistischen Parteiungen und der Sozialdemokratie ist endgültig. Auch in der „LINKE“  sind immer noch viel zu viele Erbschaften aus der DDR-Zeit versammelt, als daß auch eine SPD unter Martin Schulz es dem Wahlvolk zumuten könnte, durch eine Koalition mit der „LINKE“ unüberblickbare Risiken einzugehen. Eher gehen CDU und CSU noch mit der AfD zusammen als die SPD mit der LINKEN. ^Sollte die SPD auch nur eine hauchdünne Mehrheit im September 2017 im Bundestag erreichen, dann sollte man aus politologischer Sicht eine Minderheitsregierung nicht ausschließen. Denn dann könnten sich Mitglieder aus allen Fraktionen an Gesetzesabstimmungen für die Regierung beteiligen. Auch dies ist natürlich nicht unproblematisch und eine sehr stabile Regierung wird hierdurch nicht erleichtert. Aber völlig  ausschließen sollte man eine Minderheitsregierung nicht !! – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Die Bildungsangst der Pädagogen“ von Manuel J. Hartung

Dieser Artikel trägt eine falsche Überschrift !

Viele Pädagogen haben keine Angst , digitale Medien einzusetzen, sie erkennen vielmehr , dass Lernfortschritt und Lernen wenig mit digitalen Medien zu tun haben. Erkenntnisgewinne, Auseinandersetzung mit Thesen, Suchen nach Lösungsansätzen und diese sich bewähren lassen im Versuch und Irrtum finden im Tun, und vor allem im Hirn und mit genug Zeit statt.

Ob man einen Text aus dem Buch anschaut oder per Beamer : es bleibt die Aufgabe, ihn zu verstehen, ihn einzuordnen , ihn zu zerlegen. Copy and paste sind keine Werkzeuge , die Zusammenhänge und Querverbindungen generieren.

Im Experimentalunterricht muss man selbst Hand anlegen, bei fremdsprachlichen Texten muss man selbst Vokabeln lernen , muss man Sequenzen selbst sprechen , um voran zu kommen.

Lernen geschieht mit allen Sinnen und in kleinen Schritten: „to act and to do“.  Der menschliche Geist  ist keine Modulmaschine, die man wie beim Nürnberger Trichter mit Digitalisaten füttern kann, und seien sie noch so bunt und beweglich. Gute Filmsequenzen , die abstrahierten und durchsichtig machten, gab es auch früher schon ; sie mögen gerne aus dem Beamer kommen. Aber man möge doch endlich akzeptieren, dass es vor allem auf Klarheit, auf eine positive Zugewandtheit dem Lernenden gegenüber und auf eine individuelle Lerngeschwindigkeit ankommt.

Nicht umsonst braucht der Mensch ca 2 Jahrzehnte, um erwachsen zu werden. – Alois Lienhard


Leserbrief zu „Weg mit der Lücke!” von Elisabeth Niejahr

Gerade habe ich Ihren Artikelt zur Lohnungleichheit (zwischen Männern und Frauen) gelesen. Dass die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in unserer Gesellschaft noch nicht erreicht ist, kann ich nur bestätigen.

Allerdings habe ich Zweifel, dass der von Ihnen zitierte Equal Pay Gap von 22% diese Ungleichheit tatsächlich belegt. Soweit ich es erkennen konnte, handelt es sich bei dieser Zahl um einen unbereinigten Wert, der nach fest gelegten EU-Vorgaben erhoben wird. Die bereinigten Zahlen fallen tatsächlich deutlich geringer aus. Wenn man Ihrem Kollegen Thomas Moser (https://www.heise.de/tp/features/Ten-Years-Gender-Pay-Gap-Mistake-Ein-Irrtum-wird-zehn-Jahre-alt-3652060.html) glauben darf, beträgt der bereingte Equal Pay Gap nur noch 6% bzw. 2%.

Über Statistik lässt sich mit Sicherheit streiten und es war mir auch nicht möglich alle Aussagen von Herrn Moser anhand einer Internet-Recherche nach vollziehen. Trotzdem hätten Sie meiner Meinung nach die Erhebung des Equal Pay Gap genauer beleuchten können.

Die Schlußfolgerung von Herrn Moser, dass mit dieser „gefakten“ Zahl von der tatsächlich viel gravierenderen Lohnungleichheit zwischen Mindestlohn- und Großverdienern abgelenkt werden soll, erscheint mir durchaus plausibel.

Vielleicht könnten Sie in einem separaten Artikel noch einmal auf die Plausibilität des Equal Pay Gap eingehen. – Julian Jentjens


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Die Zeitumstellung zweimal jährlich ist tatsächlich ein wenig lästig – die Sommerzeit selbst jedoch bedeutet für mich eine große Erleichterung. Je früher es morgens hell wird, desto früher wache ich auf, unfreiwillig, und durch die Verschiebung gewinne ich eine Stunde Schlaf. Von „Diebstahl“ kann also keine Rede sein.

Eine dauerhafte Beibehaltung der Sommerzeit wäre mir recht – womöglich ließe sich damit im Winter nachmittags tatsächlich zumindest Beleuchtungsenergie sparen. – Bettina Ziegler


Leserbrief zu „Ein Siegel ist nicht genug“ von Fritz Habekuss

Zunächst stimme ich ihnen voll und ganz zu, dass Deutschland bzw. die EU nur zertifiziertes palm(kern)öl importieren sollten.  Leider sind aber einige wesentliche dinge in ihrem artikel nicht korrekt:

  1. europa steht an dritter stelle  der weltweiten importeure,
  2. der bodenbürtigen pilz fusarium kommt nicht nur in afrika , sondern  durchaus auch in südostasien vor,
  3. heutige bestände sind gegen diesen pilz allgemein nicht resistent
  4. der anbau in westafrika ist nicht durch fusarien zurückgegegangen, sondern aus mangel an geld/investoren
  5. eine bekämpfung erfolgt allgemein nur durch eleminierung befallener pflanzen im bestand, was die wirtschaftlichkeit beeinträchtigt
  6. nach einer 20-30-jährigen nutzung bzw. neu-anpflanzung besteht erhebliche gefahr durch übertragung des pilzes von den wurzelresten

der gerodeten palmen, die aber über eine biologische prävention (impfung mit mykorrhiza-pilzen, oder andere anbaumaßnhmen) zu kon-

trollieren ist. die nachhaltigkeit wird durch den pilz  im grundsatz nicht infrage gestellt

  1. eine ölpalmen-plantage ist keine monokultur, sondern eine DAUERKULTUR, was ökologisch einen fundamentalen unterschied bedeutet. – Prof. H.Herzog, (ehem. leiter des fachgebietes trop.pflanzenbau, humboldt-universtät zu berlin)

Leserbrief zu „Das wird ein Fight!“ von Thomas E . Schmidt

Martin Schulz klagt über die Ungerechtigkeiten in unserem Land, was so verkehrt nicht ist. Was mich persönlich auf die Palme bringt ist die Armut der Alten.

Diese Generation hat unseren Staat mit aufgebaut und das waren oft entbehrungsreiche Zeiten, die uns heute den Wohlstand gebracht haben. Und jetzt müssen viele im Alter Armut ertragen. Das sollte  ein Staat, der im Wohlstand lebt, nicht zulassen. Und trotzdem liegt Martin Schulz falsch, wenn er das übers Geldausgeben ändern möchte oder die Variante der Umverteilung.

Darüber hat er sich noch nicht richtig ausgelassen, bis auf die Kürzung der Militärausgaben. Was mich aber jetzt schon stört, ist die Tatsache der Eigenverantwortung vieler Bürger, welche völlig verloren gegangen ist. Darüber habe ich noch kein Wort von ihm gehört.  – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Das problem ist nicht die zeitumstellung, sondern das fruehe aufstehen im allgemeinen, und an den montagen im speziellen. jeder montag morgen bringt verdruss fuer kinder, eltern, arbeitgeber, arbeitnehmer, aerzte, auto fahrer und auto fabriken. montag/ morgens gibt es jede menge tote und verletzte. 7 von 9 deutschen wuerden den montag/ morgen abschaffen. – Christian Alberti


Leserbrief zu „Sollen Krankenkassen Homöopathie bezahlen“ von Dr . Med. Harro Albrecht und Dr . Med. Josephina Maier

Die Erde drehte sich bereits 4 Mrd. Jahre um die Sonne, ohne dass es wissenschaftlich bewiesen war, Menschen wissen seit 50.000 Jahren, dass ein Boot schwimmt, bevor Archimedes die wissenschaftliche Erkenntnis dazu hatte, und das Gegenstände zu Boden fallen, wussten Menschen auch schon lange vor Newtons wissenschaftlicher Erkenntnis des Gravitationsgesetzes.

Deshalb ist es immer wieder überraschend, die Überheblichkeit eines Teils der Ärzteschaft hinsichtlich ihrer eigenen Allwissenheit wahrzunehmen, begründet aus dem Stand der Wissenschaft (hier die Homöopathie betreffend) , der immer nur ein Augenblickszustand ist und sich mit fortschreitender Entwicklung bekanntermaßen in immer kürzeren Zeitabständen erneuert. – Thomas Hillig


Leserbrief zu „Risiken und Nebenwirkungen“ von Stefan Schmitt

Kann das wirklich sein? Herzinfarkte, Schlaganfälle, Fehlgeburten, erhöhter Schlafmittelkonsum usw. wegen einer einzigen Stunde zweimal im Jahr? Müssten wir Nacht-und Schichtarbeiter dann nicht längst alle tot sein? – Rainer Steinmair

 

09. März 2017 – Ausgabe 11

Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

60 Jahre Römische Verträge. ‘Unsere‘ Politiker feiern die Feste, wie sie fallen. Klar, ‘morgen‘ ist man vielleicht schon nicht mehr im Amt, da nimmt man jedes Ereignis gerne mit. Rom ist immer eine Reise wert! Zum Papst kommt man ja auch nicht alle Tage. Der Sohn italienischer Auswanderer weiß um die Sorgen und Nöte der Menschen. Hoffentlich haben alle Anwesenden ihn auch verstanden!

Vielen Menschen, denen ich meine Botschaften zusende, ist der Inhalt meiner E-Mails egal. Verständlich, sie haben Last mit dem eigenen kleinen Los.

Ich lernte in den letzten Jahrzehnten alle Mentalitäten von allen Europäern kennen: ‘Die Ursache‘ einiger bitterer Zeilen, eines gleichnamigen Buches von Thomas Bernhard, aus dem ich im Beitrag kurz vorlese. Ich war mal wirklich überzeugter Europäer. Ich konnte 60 Jahre ja auch reisen, wohin ich wollte. Sogar hinter den Eisernen Vorhang. Doch ich bin nunmehr abgestoßen durch den moralischen Morast seiner Bewohner! Ich finde keinen Platz, von dem ich mich angezogen fühle!

Ich wollte mich nur 60 Minuten äußern, pardon, es ist mit mir wie früher bei ‘EWG‘, also dem ARD-Zuschauermagneten ‘Einer Wird Gewinnen‘ mit Hans-Joachim Kulenkampff, dessen Besonderheit war stets eine knapp 30 minütige Überziehung. – Ich hatte mich aber auch an eine Menge ‘Europa‘ zu erinnern!

Das Video ist sichtbar auf Dailymotion http://www.dailymotion.com/Dr_Roman_Schreiber

und / oder  http://www.dailymotion.com/video/x5g689b

YouTube https://youtu.be/lOCvJq5Ob6c

Ich wünsche besten Internet-Empfang, gute Unterhaltung und grüße zum Wochenende besonders herzlich aus dem sonnigen sauren Land – Dr. Roman Schreiber

P.S. Im Abspann des Videos weise ich auf die natürlich kostenlose Download-Möglichkeit meines neuesten Kataloges ‘März/March 2017‘ hin: Hier geht es zur Magenta-Cloud. Dort wartet ein E-Buch mit 207 DIN-A5 Seiten, 13,1 MB, auf Sie: https://www.magentacloud.de/lnk/V2CCUt01


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Vor dem Lesen war die Erwartung groß, nach dem Lesen die Enttäuschung. Der Vatikan ist eine in Jahrhunderten mit Dogmen und Konzilsbeschlüssen geschmiedete Zwangsjacke. Sie auch nur etwas zu lockern, schafft selbst ein so lebensnaher und gütiger, ja, charismatischer Papst wie Franziskus nicht. Seine Antworten zeigen es. Bei brennenden Fragen wie Priestermangel („ein Problem“), Zölibat („Freiwilligkeit ist keine Lösung“), Verheiratete zu Diakonen weihen („wir müssen darüber nachdenken“) oder Frauendiakonat („eine Kommission prüft“) sind sie ausweichend. Eingeschnürt in eine altersstarre Tradition bleibt dem Papst nur, geduldig darum zu beten, die Kirche möge den richtigen Augenblick erkennen, „wann der Heilige Geist etwas verlangt“.

Ein „Tempelreiniger“ wie einst Jesus wäre wohl vonnöten, die Macht und Pracht des Vatikanstaates zu brechen. Dann könnte das überlieferte, das wahre Evangelium vielleicht wieder aufblühen. – Dr. Eugen Schmid


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Das großartige Gespräch mit Papst Franziskus in der „Zeit“ Nr.  11 steht unter der Signatur von Barmherzigkeit, Vergebung und Versöhnung. Tief beeindruckend ist der Hinweis des Papstes auf  das Kapitell in der Basilika Sainte Marie-Madeleine in Vézeley mit dem Guten Hirten, der den Leichnam des erhängten Judas mit sich trägt, und auf die Reue des Judas. Der Papst fügt hinzu: „Das war die Theologie des Mittelalters, wie sie die Mönche lehrten. Der Herr vergibt bis zuletzt.“

Es gab jedoch im Mittelalter auch eine andere theologische Auffassung, von der die katholische Theologin Johanna Rahner, Professorin in Tübingen, wie folgt geschrieben hat: „Das Heil ist die außerordentliche Gnade Gottes, die Hölle das gewöhnliche Schicksal. Die Höllenangst wird damit zur dominierenden Existenzerfahrung“ (J. Rahner, Einführung in die christliche Eschatologie (2010,  p. 272.) Es gibt zahlreiche Belege hierfür.  Johanns Fried breschreibt in seiner Geschichte des Mittelalters diesen Sachverhalt und bringt als Illustration Hans Memlings Gemälde vom Jüngsten Gericht, auf dem die wenigen Geretteten sich der Seite des Paradieses, die Mehrzahl der Verdammten der Hölle zuwenden. Martin Luther hat in seiner Schrift „De servo arbitrio“ geschrieben,  es sei „die höchste Stufe des Glaubens, zu glauben, dass der, welcher so wenige rettet und so viele verdammt („qui tam paucos salvat, tam multos damnat“), gnädig ist.

Ein italienischer Jesuit, Giuseppe Gravina, war es, der 1762 mutig gegen die Lehre von der massa damnata oder massa perditionis aufgetreten ist. Das Buch, in dem er das schrieb, wurde 1772 von der Index-Congregation verurteilt (Näheres bei Jean Delumeau, Le péché et la peur, 1983, S. 320).

Die Lehre von der massa perditionis ist wohl vor allem auf Augustinus und dessen überragenden Einfluss durch viele Jahrhunderte zurückzuführen. Karl Rahner hat nach dem II. Vaticanum Augustinus dafür bitter kritisiert: „Augustinus hat eine Betrachtung der Weltgeschichte inauguriert und sie der Christenheit gelehrt, in der aus der Unbegreiflichkeit der Verfügung Gottes heraus die Weltgeschichte die Geschichte der ‚massa damnata‘ blieb, aus der letztlich nur wenige durch eine seltene Auserwählungsgnade gerettet wurden“ (Sämtliche Werke, Bd. 21/2, S. 966-67).  –  Univ.-Professor Dr. Gerald Stourzh


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Im Papstinterview der ZEIT gab es einen interessanten Zirkelschluss auf Seiten des Heiligen Vaters, oder eine Art Koan, über den man noch einmal meditieren sollte. Franziskus weist darauf hin, dass der Glaube ein Geschenk sei, eine Gnade, um die man nur beten könne. Indirekt sagt er damit, dass der Glaube nicht ein Willensakt sei oder etwas, das man „erwerben könne“.

Das Beten um den Glauben – jedenfalls das herkömmliche Beten – scheint aber problematisch zu sein: Denn es erhebt sich die Frage, ob man für dieses Beten nicht genau den Glauben benötigt, der einem abhanden gekommen ist, den Glauben an den Gott, zu dem man beten soll.

Oder gibt es ein Gebet, das ohne den Glauben auskommt, ein Gebet, das einfach wach ist und wartet, bis der Herr kommt wie bei den klugen Jungfrauen (Mt 25:1ff) oder den treuen Knechten (Lk 12:35ff)?

Und kann es nicht sein, dass die Gnade, die ja allen Menschen gilt, und das Gebet, das auf den Herrn wartet, von außerhalb des Christentums kommen?

Kann es sein, dass jemand, der Menschen finden will, die für den Glauben bereit sind, wieder „an die Straßen und Zäune gehen“ muss (Lk 14:23) wie der Jesuitenpater Gabriel Mejia in Kolumbien, der über 50 Heime für Straßenkinder errichtet hat und der diese Kinder Maharishis Transzendentale Meditation lernen lässt, die einst auch die Beatles praktiziert haben.

Kann es sein, dass Maharishi mit seinem „Gebet der Stille“ der Ignatius unserer Zeit geworden ist? Der universale Gegenreformator, der immer betont hat, dass man zu Gott nur mit Freude, mit Licht und mit Entspannung komme? Ja, Gnade ist Entspannung und Entspannung ist Gnade.

Der Interviewer stellt dem Papst die sehr kluge Frage: „Ist er (der Glaube) eine Kraft, eine Freude, ein Licht, das Sie in sich spüren?“ Der Papst bejaht diese Frage etwas zögerlich, denn selbst wenn es im Gehirn ein Belohnungssystem für den Glauben geben würde, würde er von den Agnostikern als Droge bezeichnet werden. Aber ein integriertes Gehirn braucht den Glauben, wie der Hirnforscher Iain McGilchrist (ZEIT vom 13.

  1. 2013) gezeigt hat. Und ein integriertes Gehirn empfindet Freude und Frieden.

Ein integriertes Gehirn braucht jedoch auch Wissen, nicht so sehr ein Wissen von den Dingen, sondern das Selbstwissen der Ganzheit, das Meister Eckhard ein einem Dreifaltigkeitsgedicht so beschrieben hat:

„Die drei sein ein(s)! Weißt du was? Nein! ES weiß sich selber allermeist.“ Vielleicht kommt die Bestätigung für dieses Wissen eines Tages von der Mystik der Quantenphysik oder vom Veda (Wissen) aus Indien. Aber es ist ein Seins-Wissen, ein Wissen, das nur im Zustand der Kommunion mit dem Kosmischen Christus (oder Krishna) wirklich gewusst werden kann.

„Die Kirche wird mystisch sein, oder sie wird nicht mehr sein“ soll einst der Jesuit und Heideggerschüler Karl Rahner gesagt haben. –  Franz Richter


Leserbrief zu „Ende des Bildungswunders“ von Thomas Kerstan

Ein Jurist, Prof. für öffentliches Recht, Kultusminister in einem deutschen Bundesland y hat den Auftrag ein als vorbildlich geltende Schule zu besuchen um Informationen für eine geplante Schulreform zu sammeln.

Was wird dieser von der Schule, in der Schule, im Unterricht wahrnehmen?

Wahrscheinlich nicht viel mehr als die vielen Berufsanfänger für den Lehrberuf, die ich auszubilden hatte, aber es wird vermutlich weniger sein, denn die Referendare, Studenten haben ja sich bereits mit „Pädagogik“ beschäftigt.

Oberflächenphänome wie: die SchülerInnen waren aktiv, es beteiligten sich nicht alle Lernenden am Unterricht, es war laut,  die Lernenden hatten Spaß am Unterricht, die Anweisungen/Aufgabenstellungen der Lehrperson waren verständlich, die Lehrperson war freundlich, empathisch, der Unterricht war gut vorbereitet,  usw. usw. wurden genannt.

Und es folgen meist noch Aussagen über die Räumlichkeiten, die Ausstattung der Schule, die Klassengröße u. ä.

Letzteres sind Rahmenbedingungen, die sich auf Unterricht auswirken, in welchem Ausmaß, wäre zu klären.

Aber das Entscheidende: der Unterricht, die Lernaktivitäten der Lernenden und die Lehraktivitäten der Lehrperson werden in einer Sprache beschrieben, die empirisch leer ist und auf eine unzureichende, ungeschulte Wahrnehmung schließen lässt, auf Vorurteilen beruht, ohne gründliche Beobachtung und Analyse des Geschehens.

Die angehenden Lehrkräfte müssen zuerst lernen Lehr- und Lernprozesse gezielt zu beobachten und zu deskribieren,  bevor sie sie analysieren, interpretieren und beurteilen.

Ansonsten sind ihre Urteile empirisch haltlos, Vorurteile, allenfalls diskussionswürdige Hypothesen.

Die Schulung der Wahrnehmungs- und Beobachtungsfähigkeit ist allerdings ein langwieriger Prozess, bis sie die Stufe der Expertise erreicht und nicht wenige Professionelle haben damit Schwierigkeiten, gleiten leicht ab in Fantasien über die realen Lehr- und Lernprozesse, die sich empirisch nicht belegen lassen.

(Sie gehört zum Konzept der Unterrichtsforschung durch Lehrkräfte zur schrittweisen Verbesserung des Unterrichts von Lehrkräften, wie ich es für meine Lehrtätigkeit in der Lehrerausbildung realisiert habe.)

Für Laien, wie Juristen, gilt dies erst recht. Weshalb das im Artikel Geschilderte nicht verwundert.

Verwunderlich ist allerdings, dass Póylas (Schule des Denkens. Vom Lösen mathematischer Probleme) Unterrichtskonzept aus dem vorigen Jahrhunderts (1. Aufl. 1949), offensichtlich so spät Beachtung für eine Umgestaltung des finnischen Mathematikunterricht gefunden hat und vermutlich gehören diese Ideen auch nicht zum Standardrepertoire der deutschen Lehrerausbildung.

Dieses Konzept verlangt von der Lehrperson, die durch die Lernenden zu bewältigenden kognitiven Prozesse und die dabei auftauchenden möglichen Schwierigkeiten und Hindernisse beim Lernen mathematischer Gegenstände akribisch zu durchdenken. Setzt also voraus, dass die Lehrperson selbst die Sache, z. B. Differenzialrechnung, selbst „beherrscht“, mit ihr gänzlich vertraut ist; was, auch bei angehenden Lehrkräften, nicht a priori vorausgesetzt werden kann.

Ersteres ohnehin nicht, es ist in der Lehrerausbildung zu lernen. Ob dies in Deutschland flächendeckend geschieht, entzieht sich meiner Kenntnis.

Aber ALLE Bildungsreformen und Reformen der Lehrerausbildung hatten und haben nicht ihren Fokus gerichtet auf eine Verbesserung der hier nur angedeuteten Fähigkeiten der Lehrkräfte, sie hatten und haben sich auf die Oberflächenphänome des  Lehrens- und Lernens gerichtet, wie z. B. die Kompetenzorientierung, das selbstorganisierte Lernen oder noch abgehobener: Gesamtschule vs. gegliedertes Schulwesen usw. usw. – Rainer Egold


Leserbrief zu “ Adolf reloaded“ von Matthias Geis

Zu Ihrem Artikel „Adolf reloaded“ gibt es einiges aus wissenschaftlicher Sicht zu sagen.

Nun bin ich als Österreicher nicht mit der Afd liiert in keinster Weise und will diese auch überhaupt nicht verteidigen oder mich einmischen in Dinge, die nur Leute angehen, die davon betroffen sind.

Mir geht es eigentlich nur jemanden wie sie darauf aufmerksam zu machen, dass es in der wissenschaftlichen Sicht auf die Geschichte sehr viel anders ist als man sie darstellt.

Ich frage sie-haben Sie jemals von einem Gesetz von Ursache und Wirkung gehört? Haben Sie jemals von einem Gesetz des Karma gehört? Und haben sehr jemals von der Theorie der Selbstorganisation, wie sie von Teilhard de Chardin entwickelt wurde gehört?

Wahrscheinlich nicht oder schon, das kann ich nicht wissen. Wenn Sie aber davon Kenntnis haben sollten –und das Gesetz von Ursache und Wirkung ist eine Geschichte die letzten paar 1000 Jahre schon bekannt und wird ja auch gelebt —dann müsste man auch und wird auch die Geschichte völlig anders sehen, als Sie dies darstellen und als dies die gesamte Geschichtswissenschaft derzeit darstellt.

Ich möchte Sie nur darauf hinweisen in aller Freundlichkeit und würde mich freuen von Ihnen zu hören, wie sie das aufnehmen. –  F. Moser


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Ihr Gespräch mit Papst Franziskus liest sich ebenso großartig wir Ihr Mitbringsel des Ordensgründers der Franziskaner.

Als Bub durfte ich in Messen der Frankfurter Jesuiten wie etwa Professor Gummersbach (St. Georgen/St. Ignatius) dienen; Jorge Mario Bergoglio hat sich dort i.S. Dissertation eine Weile aufgehalten.

Mein Verwandter mütterlicherseits, Pater Rupert Mayer S.J. selig PRM), stirbt an Allerheiligen 1945; er bricht während seiner Predigt in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael zusammen. Seine letzten Worten eines nicht mehr vollendeten Satzes sind „Der Herr, der Herr …“.

Das Foyer der Klosterkirche Ettal zeigt eine gemeinsamen Gedenktafel für Pater Rupert Mayer und Pastor Dietrich Bonhoeffer mit den jeweils ersten Zeilen ihrer Lieblingsgedichte „Herr, wenn du willst, dann ist es Zeit“ und „Von guten Mächten wunderbar geborgen.“

Heute ist die ZEIT für mich besonders wunderbar. – Frank Müller-Thoma


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Vielen Dank für Ihr menschlich bewegendes und kluges Interview mit Papst Franziskus. Mir fällt allerdings auf, wie sehr doch Ihr Bild von der Kirche in Deutschland geprägt ist von der offiziellen Inszenierungen der beiden Großkirchen. Es gibt aber – um nur einmal bei meiner eigenen Konfession zu bleiben – eine Menge Katholiken in den Aufbruchsbewegungen, denen das, was den „Apparaten“ als Kirche in Deutschland vorschwebt, nicht mehr ganz viel sagt. Da ist noch immer jede Menge Geld zuhause, aber kaum noch Leben – mehr Stein als Sein.

Glauben Sie wirklich, die Probleme sein auch nur ansatzweise gelöst, wenn die Kirche ein paar hundert Laien (meinethalben auch Frauen) zu Priestern weiht? Meines Erachtens liegen die Probleme viel tiefer; sie und ein halbes Jahrtausend alt. Die Gegenreformation hat zu einer ungesunden Aufwertung der Kleriker geführt, die im Gefolge eine Zweiteilung der Kirche mit sich brachte – eine (nicht mit dem Evangelium vereinbare) Aufteilung der Kirchenwelt in Kleriker und Laien, Akteure und Zuschauer, Funktionäre und Funktionslose, „Betreuer“und „Betreute“, Heilsbesitzer und Heilsempfänger, Wissende und zu Belehrende. Diese Art von Problemlösung würde die Klerikerseite nur mit „Klerikern“ neuen Typs anreichern, zur Abwechslung mal verheiratet oder weiblichen Geschlechts … Fällt Ihnen nicht auf, dass die vermeintlich modernen Forderungen nach den viril probati etc. im Grunde strukturkonservativ sind und weiterhin bloß das pyramide Modell von RERUM NOVARUM (von 1891) bedienen? Zitat daraus: „Ihr (der Kirche d.A.) ganzes Arbeiten geht dahin, die Menschheit nach Maßgabe ihrer Lehre und ihres Geistes umzubilden und zu erziehen. Durch den Episkopat und den Klerus leitet sie den heiligen Strom ihres Unterrichtes in die weitesten Kreise des Volkes hinab, soweit immer ihr Einfluss gelangen kann.“ (RN 22).

Der renommierte Münchner Exeget Gerhard Lohfink hat schon vor Jahren („ Braucht Gott die Kirche“) die normative Struktur der Kirche im Neun Testament beschrieben; sie geht von einer Dreiteilung aus. Es gibt in einer nach innen wachsenden Struktur: A. Das VOLK (griech. Laos …woraus der unmögliche Begriff „Laie“ wurde); zum „Volk“ gehören alle, also ist auch die Amtsträger „Laien/Laoten“ und die Gegenüberstellung von Kleriker und Laie ist Nonsens; B. die JÜNGER – nach Joh 15,15 eine bestimmte Gruppe, die in der Nähe Jesu lebten, eine Art „Freundeskreis Jesu“, von ihm gesondert unterwiesen wurden und die eigentlichen Träger der Sendung Jesu waren; aus den Jüngern genommen ist schließlich eine Art Diensttruppe, C. die APOSTEL … mithin das AMT (heute der Klerus). Die Effekte liegen auf der Hand: Eine Kirche, die keine Jünger mehr hervorbringt – eine Kirche also, die eine ursprünglich triadische Struktur in einem historischen Prozess in eine duale Struktur überführt hat – produziert notwendig die hilflos autoritäre Kirche der Gegenwart.

Die Aufbruchsbewegungen in der Kirche, die es weltweit und oft konfessionsüberbegreifend gibt, setzen beim JÜNGERTHEMA an – dem kleinen Kreis mit „Jesus in der Mitte“. Dort sind junge Leute in wachsender Zahl. Diese Bewegungen sind Bewegungen von Nichtklerikern, ohne antiklerikal zu sein. Sie sind loyal kirchlich, freilich auch in nicht unkritischer Distanz zu den Potemkinschen Dörfern der kirchensteuerfinanzierten Großkirchen, denen die Leute weglaufen.

Wenn Sie das Thema interessiert, so schauen Sie sich mal meinen Text „Draußen Frühling“ an … die Vorstudie zu einem Buch, das „ReFormation“ heißen soll und sich dem Thema widmet, wie eine Kirche, die sich gerade in Auflösung befindet ihre Gestalt wiederfinden kann. – Bernhard Meuser


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Wenn Populisten über Populismus sprechen, dann artet das zumeist in einer gigantischen Selbstbespiegelung verbunden mit maßloser Koketterie aus.

Die höchste römisch-katholische Autorität auf Erden hat bisher hinreichend bewiesen, dass er mit Wörtern umgehen kann ohne sich festlegen zu müssen.

Was fehlt sind Taten die seinen Schäfchen Orientierung geben könnten.  Ein gleichzeitiges Gespräch mit ihm und dem papa emeritus, das könnte interessant sein. – Roland Reithinger


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Ein großartiges Interview, das einen menschlichen und sehr bescheidenen Papst zeigt. Kritische Fragen wurden angesprochen, ohne eine unversöhnliche Konfrontation zu suchen. Papst Franziskus zeigt sich als ein Mensch, der einerseits klare Vorstellungen hat (die einigen in der Kirche missfallen), und der andererseits diese Vorstellungen nicht mit der Brechstande durchsetzen will (was wiederum anderen nicht gefällt).

Eine kritische Anmerkung möchte ich aber ich machen:

Ihr Eingangsbeispiel vom  Krippenspiel in Ihrer Hamburger Gemeinde scheint mir nicht ganz passend, um auf die Frage der fehlenden Priester aufmerksam zu machen. So wie ich es kenne, ist ein Krippenspiel schon immer eine Art Wortgottesdienst gewesen, in dem alle Beteiligten vom Weihnachtsgeschehen, und damit auch (ansatzweise) von ihrem Glauben Zeugnis geben. Solche Gottesdienstformen halte ich für wichtig, in denen wir Nicht-Priester unseren Glauben ausdrücken. Welchen Mehrwert hätte bei einem solchen Gottesdienst die Anwesenheit des Priesters? Brauchen wir Bestätigung durch ihn? Würde sein Zeugnis mehr wirken als das der Kinder?

Aus meiner Perspektive gibt es an Weihnachten in unseren Gemeinden noch sehr viele Eucharistiefeiern, bei denen die Anwesenheit des Priesters nötig ist. Und nach meiner Überzeugung müsste bei einem Krippenspiel nicht zwingend ein Priester dabei sein, auch wenn es genügend gäbe. – R.-Michael Schulze


Leserbrief zu „Und dann kam Martin“ von Peter Dausend et al.

Mich wundert etwas ganz anderes – nämlich, dass alle anscheinend vergessen haben, dass es die SPD war, die Grundpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft angeknabbert hat. Bis zu Kanzler Helmut Kohl galt in der Bundesrepublik: der Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse wird zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geteilt. Die SPD hat das geändert, jetzt tragen die Arbeitnehmer den größeren Anteil.

Würde der „Prophet“ es ernst meinen, dann würde er in den Wahlkampf gehen mit der Maßgabe: „Wir haben den Fehler korrigiert!“ Noch hätte seine Partei Zeit dazu. Bleibt sie ungenutzt, bleibt es dabei, dass wir der Partei den Rücken zukehren. – Karl-Heinz Niwek


Leserbrief zu „Der Verstoßene“ von Felix Rohrbeck

Mit Interesse lese ich Ihren sachkundigen Artikel über Niko Paech, lieber Herr Rohrbeck,
Danke. Nur bitte die Waldorfschule nicht auf Kaesebrote reduzieren, okay? – Dorothea Birnbaum


Leserbrief zu „Und dann kam Martin“ von Peter Dausend et al.

„Detailreparatur an Schröders Reformpaket .., die quer durch die Bevölkerung große Zustimmung findet“? Man wird IMMER Mehrheiten finden, wenn man der Bevölkerung zusätzliches Geld, längere Bezugsdauern und geringere Zumutungen in Aussicht stellt. Eine kluge und mutige Politik ist das jedenfalls nicht!  Insofern ist Schulz ein ganz gewöhnlicher Populist. –  Hans Hardenberg


Leserbrief zu “ Adolf reloaded“ von Matthias Geis

Wer sich auch nur etwas mit Geschichtsschreibung , Deutung historischer Ereignisse und Beurteilung historischer Personen befasst, wird sehr schnell bemerken, dass dies alles einem steten Wandel unterworfen ist. Es wäre daher naiv anzunehmen, dass unser Bild vom Nationalsozialismus und unsere Beurteilung seiner Protagonisten für alle Ewigkeit Bestand haben werden.

Ebenso offensichtlich ist, dass unsere Einstellung historischen Ereignissen gegenüber maßgeblich durch Zeitzeugen beeinflusst wird. Die Annäherung an Polen z.B. ist ungeachtet des mutigen Briefes der polnischen Bischöfe von 1965 und Willy Brandts Kniefall von 1970 auch der Tatsache geschuldet, dass es nur noch wenige Polen gibt, die die Gräueltaten der Deutschen am eigenen Leib erfahren haben.

Höcke zu widersprechen, dass „Überlebende“ unser historisches Selbstverständnis beeinflussen, wäre daher wenig überzeugend. Andererseits tragen Darstellung, Deutung und Beurteilung historischer Ereignisse und Personen  wesentlich zur Identität und zum Selbstverständnis eines Kollektivs bei.

Und die Beurteilung Hitlers als des „absolut Bösen“ scheint für die Konstituierung unserer Identität immer noch zentral zu sein. Insofern ist Höckes Äußerung ein Tabubruch. Allerdings könnte man sich fragen, wie relevant das Urteil über eine so sinistre Persönlichkeit wie der Hitlers heute eigentlich noch ist. Ist es für uns Deutsche nicht wichtiger, uns zu vergewissern, dass wir für alle Zeiten gegen Intoleranz, Rassismus, Militarismus und Selbstüberhebung geimpft sind? – Ralph Müller


Leserbrief zu „Es fehlt am Willen“ von Heinrich Wefing

Ich möchte mein Lob ausdrücken über Ihre Beiträge zu den deutsch-türkischen Beziehungen. Die Analysen und Schlussfolgerungen zu diesem Thema werden informativ und zudem transparent und überzeugend dargestellt. Exemplarisch möchte ich den Artikel „Es fehlt am Willen“ von Heinrich Weding in der ZEIT Nr. 11 hervorheben. Hier wird Hintergrundinformation geliefert, die ich bisher keiner anderen Quelle entnehmen konnte. Mit der Kolumne von Can Dündar der türkischen Opposition eine Stimme zu geben zeugt von verantwortungsbewusstem Journalismus und ist sicherlich auch im Fall Deniz Yücel sehr hilfreich. Allerdings muss aufgepasst werden, dass mit der Dauer des Verfahrens sich nicht der Mantel der Vergessenheit über dessen Schicksal legt, denn ich vermisse seit einiger Zeit die Berichterstattung über Raif Badawi! – Hans-Joachim Fuhlbrügge


Leserbrief zu “ Wider die Verbotspolitik!“ von Can Dündar, aus dem Türkischen von Sabine Adatepe

Ich bin weiterhin dafür solche Auftrittsverbote auszusprechen, weil es zum einen dem Zusammenleben zwischen Deutschen und Türken schadet, den Wahlkampf nach Deutschland zu tragenDamit gerät Deutschland in die Zwickmühle der türkischen Innenpolitik, in welcher jeder der außerhalb der AKP und Erdogan steht, in die Nähe eines Staatsfeindes gerückt wird.

Spannungen in der türkischen Gemeinde, Spannungen zwischen Deutschen und Türken sind die Folge. Solange der Welt Journalist Denis Yücel nicht wieder freigelassen ist, solange sollte türkischen Begehren nach Auftritten in Deutschland nicht stattgegeben werden.

Ohne ein Entgegenkommen in Menschenrechtsfragen, wie die geplante Wiedereinführung der Todesstrafe, wird es keine Auftrittsmöglichkeiten für Funktionäre der AKP geben.

Das seien Nazi Methoden, der Deutschen, für diese Haltung sind wir beschimpft worden in den vergangenen Tagen. Aber solange Denis Yücel inhaftiert ist, solange die Haftbedingungen so sind, solange sollte es keine Auftrittsmöglichkeiten mehr für die AKP Minister geben.

Auftritte türkischer Minister in Deutschland nur in Gegenleistung zu Erleichterungen in der Menschenrechtsfrage. –  Stefan Vollmershausen


Leserbrief zu “ Das Leben nach dem Töten“ von Yassin Musharbash

Unter das Bild von  aus Mossul Flüchtenden – ein junger Mann schiebt den Großvater im Rollstuhl, beide in zerfetzter Kleidung – ein Reklamefoto für eine Anzugsfirma – mit Robert de Niro und einem weiteren Unwichtigen – zu setzen ist einerseits mehr als geschmacklos, andererseits aber auch symptomatisch für die Realität dieser Gesellschaft (und stellvertretend für die Ihrer Zeitung)! – Hans-Gerd Benninghoven


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Besonders herzlich danke ich Ihnen für den hervorragenden Artikel über den Heiligen Vater.
Ein AUSNAHMEINTERVIEW!!!!!  – Renate Quack


Leserbrief zu “ Nach der Wut geht’s weiter“ von Bernd Ulrich

Chapeau und Danke für diesen gelungenen Artikel! Recht haben Sie und all‘ jene unsere Politiker, die sich gerade nach dieser Maxime verhalten. Auch wenn das den meisten Männern – im Gegensatz zu unserer Kanzlerin, einer wahren Meisterin in dieser Disziplin – wahrlich nicht leicht fallen dürfte.
Und Ihre drei abschließenden Sätze sind ganz großes Tennis. Mein vorläufiges quote of the year. – Horst Storkebaum


Leserbrief zu „Journale im Zwielicht“ von Martin Spiewak

Zuerst einmal vielen Dank dafür, dass Sie kontinuierlich über die Zusammenhänge und Eigenheiten des Wissenschaftssystems berichten. Es stößt bei uns immer wieder lebendige Diskussionen an.

Meine Kollegen wie auch ich sind mit dieser Art der Journale und deren Einladungen fast täglich konfrontiert. Ich muss allerdings sagen, dass der Artikel doch etwas stark suggeriert, es wäre schwierig verlässliche von unverlässlichen Studien bzw. Journalen zu unterscheiden. Dem ist – zumindest in meiner wissenschaftlichen Umgebung – nicht so.

Ich denke, dass diese „Discounter-Journals“ kein wirkliches wissenschaftliches Problem darstellen. Die unseriösen Einladungen zu Publikation und Konferenzteilnahme sind etwa gleichbedeutend mit den alltäglichen Spam-Emails eines gewöhnlichen email-Accounts. Sie haben vollkommen Recht, dass es einen zu starken Publikationsdruck gibt, der falsche Anreize setzt. Dennoch existieren stillschweigend zwei einfache Mechanismen, die uns davor bewahren, im Postfaktischen zu versinken: Zum einen kann es sich kein seriöser Wissenschaftler erlauben in solch einem Journal zu publizieren. Sein Renommee würde in der Scientific Community sofort drastisch sinken.

Zum anderen ist die Qualität oder Relevanz einer Studie weder von Impactfaktoren, Rejection Rates oder der Journal Reputation abhängig, sondern einfach von der Studie selbst. Es werden auch viele qualitative minderwertige Studien in hochrangigen Fachzeitschriften publiziert und umgekehrt. Dies kann im Endeffekt nur vom Experten als Leser beurteilt werden. Zugegeben, für den Laien ist dies wahrscheinlich nicht ohne weiteres möglich. – Dr. rer. nat. Marius Majewsky


Leserbrief zu “ Überzogenes, rücksichtsloses und sittlich anstößiges Erwerbsinteresse“ von Marcus Rohwetter

Ich habe soeben Ihren Artikel über Anton Schlecker in Ihrer Ausgabe 11 gelesen. Schon die aufreißerische Schlagzeile „Überzogenes, rücksichtsloses und sittlich anstößiges Erwerbsinteresse“ deutet auf nichts Gutes hin und ist ganz im Stil der Boulevard-Presse. Im Verlauf des Berichts von Marcus Rohwetter zeigte sich auch, dass das Erwerbsinteresse wenig Aufschluss drüber gibt, ob Herrn Schlecker strafrechtlich etwas vorgeworfen werden kann. Von großer Bedeutung dagegen erscheint die Information, dass DIE ZEIT bereits 2005 mit Anton Schlecker ein überaus aufschlussreiches Interview geführt hat.

Um es kurz zu machen, dieser tendenziöse, unsachliche und inhaltsarme Bericht gehört nicht zu meinem Bild, das ich von einem seriösen Journalismus habe. – Karl Seifert


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Papst Franziskus verrät Pfingsten. – Der Gründungsmythos der katholischen Kirche liegt im Pfingstereignis, als die Apostel in vielen Sprachen zu den Menschen sprachen. (Apostelgeschichte 2.01 – 2.41)

Diese Idee griff Papst Johannes-Paul II. auf, als er den Weihnachts- und den Ostersegen („Urbi et Orbi“) mit Grüßen in vielen Sprachen verband. Damit nutzte er erstmals umfassend die modernen Medien um alle katholischen Christen auf der Erde zu erreichen.

Besonders wichtig dürften diese Grüße in den Ländern gewesen sein, in denen Christen als Minderheit leben oder gar verfolgt werden. Diese Pfingst-Idee übernahm Papst Benedikt XVI. zur Freude auch der deutschen Christen.

Leider hat Papat Franziskus diese sehr positive kleine Tradition sofort „über Bord“ des Schiffs „das sich Gemeinde nennt“ geworfen.Das ist nicht nur bedauerlich, sondern auch eine Schwächung der katholischen Christen in den arabischen Ländern, China, Russland und anderswo.

Ein kurzer Gruß auf Italienisch oder in Latein ist nunmal etwas anderes als Grußworte in der jeweiligen Muttersprache. Christliche Barmherzigkeit kann auch dadurch umgesetzt werden. – Werner Thiel


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Vielen Dank für Ihr gelungenes Interview mit Papst Franziskus!

Respektvoll und doch auch bemüht, „heiße Eisen“ anzupacken, haben Sie uns Lesern einen Zugang zum Menschen und zum Amtsträger vermittelt.

Ich bin berührt von Ihrer offensichtlich für beide Seiten berührenden Begegnung. Auch die Fotos, vor allem das nachdenkliche Titelbild des Dossiers, sprechen mich sehr an.

Ihnen alles Gute und Gottes Segen für Ihr neues Lebensjahr; da haben Sie sich ja ein schönes Geburtstagsgeschenk gemacht! – Dr. med. Astrid Nelle


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Herzlichen Dank für Ihr Dossier und ihre mutigen Fragen – und die mutigen Antworten Ihres Interviewpartners!

Bzgl. Ihrer Krippenspiel-Erfahrungen erlaube ich mir Sie darauf hinzuweisen, dass es schon lange neben der Hl. Messe noch andere Gottesdienstformen gibt, die mehr und mehr verbreitet werden müssen, weil liturgische Vielfalt den komplexen Interessen der Mitfeiernden sehr viel mehr entgegen kommt, als nur „die eine“ Hochform.

Wortgottesfeiern werden von Nicht-Geweihten geleitet (sog. „Laien“, die aber natürlich eine entsprechende Ausbildungs-Kompetenz haben, also Fachleute sind). Solche „Laien“ predigen selbstverständlich in einer solchen Feier auch. War denn bei Ihrem Krippenspiel keine verantwortliche Leitung im Gottesdienst zu erkennen?

Anhängend schicke ich Ihnen ein Strategiepapier, wie das „Programm für die nächsten Jahre der Kirche“ (der „Masterplan“ Evangelii Gaudium) und die nationale Umsetzung der dt. Bischöfe in „Gemeinsam Kirche sein“ (wo die Unterzeichner mit dem traditionellen Klerikalismus brechen) im kleinen Bistum Osnabrück modellhaft umgesetzt wird. Laien als Gemeindeleiter – das ist nach meiner Erfahrung das „Modell Freikirche“, das verständlicherweise nicht so genannt wird. Leider sind solche Ansätze in Deutschland noch lange nicht flächendeckend durchgeführt worden. Im Bistum Osnabrück sind es bisher nur ca. 15 Gemeinden, die diesen Weg gehen wollen, in der Stadt leider nur eine einzige kleine am äußersten Stadtrand. Daher bleibt mir hier nichts anderes übrig, als Katholik in einer freikirchlichen Gemeinde des Mülheimer Verbands mitzuarbeiten, denn ich möchte nicht länger Totengräber des Evangeliums sein, sondern die Kirche der Zukunft mitgestalten. Freikirchen sind wachsende Gemeinden, auch in Hamburg!

Die Mülheimer sind „gemäßigt charismatisch“ (wie PP. Franziskus!) und in Barmbek und Bramfeld aktiv (Christus-Gemeinden). Die Christus-Gemeinde Barmbek-Nord hat z.B.  Mitarbeiter/innen des weltweit am meisten verbreiteten Glaubenskurses „Alpha-Kurs“ ausgebildet und in die St.

Sophien-Gemeinde entsandt, wo sie dieses Format weiter entwickeln. Über http://glaubenskurse-hamburg.de kann man das ganze Jahr hindurch in irgendeiner Gemeinde einen Glaubenskurs buchen! Sie sehen also: Zum „Jammern auf hohem Niveau“ haben wir Katholiken überhaupt keinen Grund!

Man muss nur über den konfessionellen Tellerrand rüber gucken und die entspr. Anlaufstellen kennenlernen.

Empfehlen möchte ich Ihnen das Buch von Peter Hundertmark (Bischöfl. Ordinariat Speyer): Gemeinden gründen! ISBN078-3-89857-296-5,, über das Bibel-TV einmal berichtet hat: http://www.bibeltv.de/mediathek/video/gemeinden-gruenden-3598/

Hundertmark zeigt Aspekte auf, wie man dem Rückbau von Kirchen und Gemeinden auch in der kath. Kirche Deutschlands ein Gemeindeaufbauprogramm entgegensetzen kann. Sehr spannend!

Nach dem Lesen Ihres Dossiers habe ich den Eindruck, dass freikirchliche Gemeinden (bes. charismatisch orientierte) näher dran sind am PP.

Franziskus als viele kath. Gemeinden… – MNA · Dipl.-Geront. · Dipl.-Relpäd. Bernd Steinfeld


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Was ein vorbildlicher Mensch, welch eine demütige Haltung. Als Mitglied einer protestantischen Freikirche, die so manches Problem mit den Verkrustungen und Traditionen der katholischen Kirche hat, bleibe ich nach der Lektüre dieses unverkrampften und ungekünstelten Gesprächs mit dem stärkenden Eindruck zurück: Solch eine Haltung kann uns Christen nur gut tun und gefällt Gott. Dass der Papst über sich selbst lachen kann, ist in einer Verantwortung und in einer Welt, in der es nicht so viel zu lachen gibt, ein echtes Charisma. Und sich am Ende bewusst und nicht zu schade zu sein, selbst in diesem Gespräch mit dem Chefredakteur möglicherweise Schwäche gezeigt zu haben und nur den einfachen und doch so erfüllenden Wunsch zu haben „Beten Sie für mich!“, dieses Beispiel darf gerne Schule machen, auch in den Freikirchen. – Andreas Lang


Leserbrief zu “ Überzogenes, rücksichtsloses und sittlich anstößiges Erwerbsinteresse“ von Marcus Rohwetter

Nur ein persönlicher Eindruck:

Es wiederstrebt mir in Geschäften wie „Schlecker“ oder „Aldi“ einzukaufen, in denen

  1. die Belegschaft Repressalien und niedrigen Löhnen ausgesetzt ist und
  2. vielfach die Menschen einzukaufen gezwungen sind, die jeden Cent dreimal umdrehen müssen,und gleichzeitig sind die Eigentümer dieser Firmen Milliardäre! (nichts gegen Milliardäre, aber so auf dem Rücken anderer?!?…)

Hier hat man in der Nußschale woran dieses System krankt. Da zahle ich lieber etwas mehr bei hochpreisigen Einzelhändlern in der HOFFNUNG, daß es auch den Beschäftigten zu Gute kommt… – Wolfgang Michel 


Leserbrief zu „Gegen die Masse“ von David Grossman

Grossman versteht etwas von Literatur und ist begabter Schriftsteller, man wundert sich nur, warum er unbedingt über Politik schreiben muss, von der er anscheinend wenig versteht. Seine eigenwillige Beschreibungen der Politik sind gelinde gesagt nicht überzeugend.  – M. Pelc


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Nachdem meine Frau Ihre Wochenzeitung abonniert hat, lese ich ein wenig mit. Beim Gespräch von Giovanni di Lorenzo mit Papst Franziskus wunderte ich mich allerdings sehr über das z.T. im Mittelalter wie auch im kindlichen Bereich verhaftete Weltbild des Papstes, aber wohl auch des Interviewers.

Es ist ja beeindruckend, dass Franziskus nicht nur an das Böse, sondern auch an den Bösen glaubt, doch spricht das für ein der Moderne gemäßes Weltbild und ein hohes, auch philosophisch gegründetes  Reflexionsniveau? Passend dazu kam die Frage, ob Gott auch Adolf Hitler oder Stalin verzeihen könne, was der Papst ehrlicherweise nicht beantworten konnte.

Klar dass man bei einem solchen Realitätsbezug auch gleich den Bogen zu den Populisten schlagen konnte, die offenbar wie der deutsche Diktator über damalige Probleme jetzt über die Lösung der Flüchtlingskrise sagen:“Ich kann, ich kann, ich kann“.

Ein solcher Umgang mit aktuellen politischen Problemen, deren genaue Ursachen man verschweigt, um sich als Pharisäer in ein gutes Licht setzen zu können, entspricht allerdings der Urteilskraft der Mehrheit, die  bei ihrem im Mittelalter (gilt auch und besonders für Luther) wurzelnden und  in der Kindheit autoritär vermittelten Weltbild bleiben will. – Karl Seegerer


Leserbrief zu „Der Verstoßene“ von Felix Rohrbeck

Die Entlassung von Niko Paech von der Universität Oldenburg war mehr als ein Fehler.

Die Glaubwürdigkeit der neoklassischen Wirtschaftslehre ist mit den Finanzblasen 2008 geplatzt. Es gibt heute größere Blasen als damals. Das Verdrängen der Krise durch gigantisches Umverteilen von unten nach oben gelingt immer schlechter. Die Weltgesellschaft ist durch Wachstumszwänge der Märkte in einer Position, welche wahrscheinlich all die Opfer nicht wert war, die sich vor allem aber wegen der ökologischen Überdehnung auch mit militärischer Gewalt nicht halten lässt. Mit der Postwachstumsökonomie werden Auswege gesucht und gefunden, zu denen es im Klimawandel keine Alternative gibt. Je später das Umdenken erfolgt, um so heftiger und bedrohlicher werden die Krisen. Paech ist Vordenker und Pionier auf diesem Gebiet. Welch Armutszeugnis für die Uni Oldenburg, sich von ihm zu trennen! – Friedrich Brachmann


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Wie schön, dass Sie mit dem Papst sprechen konnten – danke Ihnen und Ihrem Team für dieses Interview. Meine 15 jährige Tochter, die demnächst in Berlin zur Firmung gehen wird – erfreut sich ebenso an Ihrem Artikel, weil dieser ihr hilft zu verstehen, dass Glaube auch immer ein Stück „ringen um…“ ist  – und bleibt. – Gilla Berquet


Leserbrief zu “Sie sind großartig!” von Christian Schüle

Zu dem unter der Rubrik „Chancen“ veröffentlichten Artikel „Sie sind großartig!“ von Christian Schüle übersende ich nachstehenden Leserbrief mit der Bitte um Berücksichtigung.

Über den Artikel und dessen Gehalt an Zuversicht habe ich mich schlichtweg gesagt, einfach gefreut. Danke für den Einblick, der naturgemäß zwar nicht repräsentativ sein kann, dennoch hoffen lässt. Darüber hinaus wage ich es auch zu hoffen, dass der in dem Artikel beschriebene Esprit auch in anderen Studiengängen hier und da zu spüren ist. Ich freue mich auf die zu erwartenden Reaktionen in der ZEIT in den nächsten Wochen. – Klaus S. Plamp


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Die meisten von uns, ob Gläubige, Agnostiker oder Atheisten, haben durchaus eine bewusste Vorstellung von einem friedlicheren, humaneren und gerechteren Leben auf Erden, von einer besseren, vielleicht also gottgefälligeren Welt.

Dabei fällt es nicht sonderlich schwer, Jorge Mario Kardinal Bergolio ebenso in dieser Anschauung den Menschen und dem Glauben dienend wiederzufinden.

Denn Papst Franziskus gibt dem Haus Gottes in Wort und Tat nach und nach von dem zurück, was viele Menschen besonders hinter den Mauern des Vatikans nicht mehr zu finden glaubten: Demut, Barmherzigkeit, Offenheit.

Bei allem Verständnis für die Auffassung des Papstes, dass die Idealisierung eines Menschen auch eine „unterschwellige Art der Aggression ist“, so möchte ich doch auf ebendiese Ein- und Wertschätzung gegenüber dem Bischof von Rom nicht verzichten.  – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Ich möchte Herrn di Lorenzo sagen, dass ich sein Interview mit dem Papst mit grossem Genuss gelesen habe. Ich habe seinerzeit nach seinem törichten Interview mit Herrn von Guttenberg die ZEIT abbestellt. Jetzt ist die damalige Sünde vergeben: Ich lese die ZEIT wieder gerne. – Franz-Josef Vollmer


Leserbrief zu „Der Verstoßene“ von Felix Rohrbeck

Den Artikel von Felix Rohrbeck im Wirtschaftsteil finde ich wichtig, nur schade, dass das Ende wie eine Warnung an jüngere Ökonomen klingt, ihre Karriere nicht durch einen ‚radikal anderen Ansatz‘ zu verderben. Denn brauchen wir nicht gerade mehr mutige Menschen mit Weitblick, die uns eine Alternative zum kapitalistischen Wirtschaftssystem wenigstens schon mal gedanklich vorstellen? – Waltraud Stumme


Leserbrief zu „Scrabble“ von Fabienne Hurst

Es schön, von Ihnen gute Worte über das Scrabble-Spiel zu lesen.

Leben Sie zufällig in München ?  Dann würden wir uns freuen, wenn Sie zu unserem Scrabble-Treff namens MARSS kämen, auch wenn es nur gelegentlich wäre. Der Treff findet monatlich am ersten Sonntag von 11:30 bis 17:00 statt, in der Pizzeria „curva-est“ in der Sieboldstr. 4 nahe Rosenheimer Platz.

Wir sind meist 8 bis 14 einschlägig infizierte Spielerinnen und Spieler, die aus Salzburg, Rosenheim, Schönberg, Deggendorf, Augsburg (und München) angereist kommen und 5 Runden spielen.

Damit füllen wir nach unserer Meinung den sonst so langweiligen Sonntag optimal. – Christoph Haenel


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Vieles, was über den Reformstau in der katholischen Kirche geschrieben wurde, bewegt sich nur auf der Erde und steht auf einem Bein. Das zweite Bein ist Christus, der seit 1000 Jahren nicht mehr Urheber seiner Lehre ist. Im Jahr 1139 hat die katholische Kirche durch die Einführung der Pflicht zum Zölibat die Macht an sich gerissen, die Priester zu abhängigen Sklaven gemacht und alles geerdet!

In der Bibel ist zu lesen: „Christus wird wiederkommen, so wie ihr ihn zum Himmel habt auffahren sehen“. Er ist schon da und kämpft um sein Mensch und Mann sein. Darum muss die Pflicht zum Zölibat auf jeden Fall aufgehoben werden, damit Christus in seiner Kirche wieder als Mensch und Mann leben und wirken kann.

Dazu wäre eine Möglichkeit, die berufenen aber verheirateten Priester in die Kirche zurück zu holen, der sie am Anfang voller Begeisterung gedient haben und dann in ihren Lebenskrisen allein gelassen wurden. Es heißt nicht umsonst: „Männer können ein Lager bereiten, zu einem Heim aber braucht es eine Frau“. – Ilse Sixt


Leserbrief zu “Mütter bleiben zu Hause“ von JBA

Unter der Überschrift „Mütter bleiben zu Hause“ ist zu lesen: 90% der Mütter  von Kleinkindern hatten 2015 keinen Vollzeitjob. So ein Blödsinn:  das   i s t   ein Vollzeitjob, bloß einer ohne Einkommen und Rente! Auf der Erziehungsleistung der Eltern beruht doch unser Renten- und Sozialversicherungssystem (Was Frau Schwesig noch nicht kapiert hat)! Statt kleine Kinder wie ein Gepäckstück tagsüber „dauerbetreuen“ zu lassen, sollten diejenigen, die sich für ein kindgerechtes Aufwachsen in der Familie engagieren,  besser vom Familienministerium unterstützt werden. – Hannelore Bedal


Leserbrief zu „Ende des Bildungswunders“ von Thomas Kerstan

Der letzte Satz des Artikels gibt Statistik falsch wieder, es müsste heißen: In Mathematik ist Finnland inzwischen auf deutsches Niveau abgestürzt.

2006                                 2015

Finnland               548 Punkte                     511  Punkte

Deutschland        504 Punkte                     506 Punkte

Das deutsche Niveau ist nahezu unverändert. – Dr. med. H.-J. Kalbheim


Antwort auf den Leserbrief zur Titelgeschichte „Deutschland im Visier“ von Prof. Rudolf Forsthofer

Der Vorschlag des Lesers Forsthofer ist zwar originell, aber nicht zielführend, weil – wie so oft – die Wahrheit längst die Satire schlägt. Bei „Herrn Merkel“ und „Frau Putin“ mag das zwar gerade noch klappen.

Aber seit kürzlich in der „Berliner Zeitung“ (die ich eigentlich nicht der Fake-News-Fraktion zuordnen möchte) von der „Grünen-Vorsitzenden Katja Kipping“ zu lesen war, glaube ich nicht an die Wirksamkeit des vorgeschlagenen „Gegen-Hacks“. Es findet ohnehin keine Endkontrolle gedruckter Texte mehr statt, d. h. es geht ohnehin so viel Schwachsinn in den Druck, dass „echter“ Schwachsinn gar nicht mehr besonders auffällt und also auch zur Markierung von Falsch-Nachrichten nicht taugen würde. – Dr. Christian Naundorf


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Papst Franzismus, Stellvertreter Christis auf Erden, hat den bekennenden Katholiken Giovanni di Lorenzo zum Interview empfangen. Was erfahren die Leser bei diesem Gespräch von diesem Mann?

* Der Glaube ist ein Geschenk

* Er wid ein bisschen wütend, wenn die „heilige Mutter Kirche (meine Mutter, meine Braut) sich nicht so verhält, wie es das Evangelium vorgibt.“

Auf die einzige kritische Frage nach Aufhebung des Zöllibats antwortet Franzismus:​ ​

„Es geht der Kirche stets darum, den richtigen Augenblick zu erkennen, wann der Heilige Geist nach etwas verlangt.“ Jetzt wissen wir es. Er wartet auf die göttliche Eingebung. Wann das sein wird, bleibt ungewiss.

Die Leser lernen einen humorvollen (7x gelacht) und sympathischen Mann kennen. Das ist schon alles. Spannender wäre es wohl gewesen, wenn di Lorenzo einen Atheisten aus seine​m​ Journalisten-Team mit nach Rom genommen hätte- Aber so war es denn ​nur ​ein brüderliches Gespräch, von Katholik zu Katholik. – Karl-Heinz List


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Es tut wunderbar gut, das Porträt des Papstes Franziskus auf  dem Titelblatt zu sehen. Bei bisherigen Zeit-Ausgaben habe ich die jeweiligen Porträts oft abgedeckt . Denn es schien aus ihnen  das um sich greifende zu sprechen:  Brutale selbstgefällige Dummheit und Menschenverachtung. Dagegen Papst  Franziskus:  Wärme, Klugheit, Humor. Genau das  und  VIEL VIEL MEHR  davon  brauchen wir alle!!!

Danke,  Franziskus!!! – P.W. Anders

P.S. Dem katholischen Glauben gehöre ich nicht an.


Leserbrief zu „Wider die Verbotspolitik!“ von Can Dündar

So sehr, wie ich damit einverstanden bin, daß man als demokratischer Staat nicht provozieren lassen darf und nicht mit gleichen Mitteln auf Provokationen zurückschlägt, gehört es zu einer ausgewogenen Berichterstattung, dem Leser immer wieder mitzuteilen, daß die Demokratie durch Gesetze und Verordnungen geschützt wird und geschützt werden muss. Auch wenn es langweilig erscheint, muß man in Artikeln und Kommentaren immer wieder auf folgende zwei Punkte hinweisen:

  1. Nach Artikel 94/A des Wahlgesetzes der Türkei aus dem Jahre 2008 ist es verboten, Wahlkampf im Ausland zu betreiben. Aus diesem Grunde sind alle Veranstaltungen in Deutschland unter einem falschen Deckmantel („Kulturveranstaltung etc.“) angemeldet worden. Der eigentliche Wahlkampfveranstaltung findet dann nach dieser kulturellen Veranstaltung statt, wenn die Presse gelangweilt den Raum verlassen hat.
  2. Die Verwaltung vor Ort muß nach unseren Gesetzen und Verordnungen prüfen, ob und in welchem Umfang Veranstaltungen durchgeführt werden können, um die Sicherheit der Teilnehmer und der übrigen Bürger des Landes zu gewährleisten. Nur aus diesem Grunde hat zum Beispiel der parteilose Bürgermeister von Gaggenau eine Veranstaltung untersagt. Die Veranstaltung war nicht ordnungsgemäß angemeldet und die Räumlichkeiten haben sich als unzureichend herausgestellt.

Ferner sollte man immer wieder darauf hinweisen, daß die Bundesregierung öffentlich und deutlich erklärt hat, daß man seitens des Bundes nichts verbieten kann und will.

Wenn Herr Dündar erklärt, daß es falsch sei, Auftritte türkischer Politiker zu verbieten, darf man dem Leser aber eine Erwähnung der Fakten des Einzelfalles nicht verschweigen. Dieses Verständnis darf man auch von Herrn Dündar, den ich ansonsten sehr schätze, selbst erwarten.

Erwähnt man diese Fakten nicht immer wieder, werden unnötigerweise Emotionen geschaffen, die nicht mehr kontrollierbar sind. – Hans-Jürgen Kühnbaum


Leserbrief zu „Gegen die Masse“ von David Grossman

Man möchte den wunderbaren David Grossman ganz sanft in den Arm nehmen und ihm zuflüstern: wach auf, David. Die lesen alle gar nicht. Weder die Manipulierer und noch weniger die Manipulierten. Geh  auf die Straße und rede  mit den Leuten. Oder nein, besser nicht. Das hast du nicht verdient. Von 33 bis 17 für die Evolution eine zu kurze Spanne, als dass sich etwas hätte ändern können. Trotzdem vielen Dank für den großartigen Artikel. – Manfred Wagener


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

D A N K E  für den wunderbaren Artikel über den Papst. Wir könnten   Ihrem Gespräch mit Papst FRanziskus noch   seitenweise zuhören.   UNd wenn die geplanten REisen in Kriegsländer auch nur teilweise   stattfinden,  ist das viel wichtiger als  sein   Besuch im reichen Deutschland.   Wir wünschen sehr,  dass dieser Ausnahmepapst noch lange lebt. – Heinz und Christa Plagemann


Leserbrief zu “Sie sind großartig!” von Christian Schüle

Wunderbar, dass Sie nicht rummäkeln, sondern begeistert sind. Ich war  auch so eine zu Euphorie fähige Lehrerin, kam nach dem philosophischen  Kunstreferat eines Grundkursschülers strahlend ins Lehrerzimmer: „Was  für tolle Schüler!“ und der skeptische Deutsch-Geschichts-Kollege  antwortete betrübt: „Du hast so fantastische Schüler – und ich habe nur so  langweilige und desinteressierte….und das schlimme ist, dass es die  selben sind.“ Noch nach Jahrzehnten denke ich an die Szene und wünsche  Ihnen in Ihrem Umfeld auch die Fähigkeit zu  selbstkritischem Humor der  Hochgebildeten, die meist alles tiefschürfender durchleuchten und ihr  Selbstwertgefühl aus der Erkenntnis der Mangelhaftigkeit ihrer  Mitmenschen speisen. – Fee Girod


Leserbrief zu „Scrabble“ von Fabienne Hurst

Mit Vergnügen habe ich Ihre Kolumne in DIE ZEIT gelesen. Auch ich spiele leidenschaftlich gerne Scrabble. Nachdem ich meine langjährige Scrabble-Partnerin durch Wegzug verloren hatte, spielte ich lange Zeit allein. Vor etwa zwei Jahren entdeckte ich die Scrabble-App (Scrabble MATTEL) und spiele seither mit GegnerInnen im ganzen deutschsprachigen Raum. Dank der Chat-Funktion habe ich mit einigen von ihnen eine nette Beziehung entwickelt. Ich dachte, dass Sie das interessieren könnte. – F. Moser


Leserbrief zu “ Adolf reloaded“ von Matthias Geis

Mit einer gewissen Wut im Bauch erlebe ich, wie Ihre Zeitung der Sucht nach Aufmerksamkeit eines Herrn Höcke nachkommt und seinen Äüßerungen einen ganzen Titelartikel widmet. Dieser Marktschreier ist viel zu platt, um intelligente Menschen zu erreichen. Dumm ist er nicht, er und seine Partei wissen sich geschickt in den Schlagzeilen zu halten. Man äußert sich zu Hitler, zum Holokaust, auch das Schiedsgerichtsverfahren hat meiner Ansicht nach einzig den Zweck, größtmögliche Aufmerksamkeit zu erzeugen und wird wie alles andere auch, keine Folgen haben. Aber viele Berichte über diese Bewegung erzeugen.

Was die AFD von anderen Parteien unterscheidet, hier möchte ich Matthias Geis wiedersprechen, ist nicht ein ungetrübter Blick auf die Nation und deren Geschichte, sondern schlicht der Wunsch nach permanenter Aufmerksamkeit ohne Substantielles beizutragen. Alle anderen Parteien nehmen an einer Debatte teil, die AFD polarisiert nur, kann nichts als regelmäßig Tabus zu brechen und Sie liefern ihr die Bühne für ihre Luftnummern.

Einige Seiten weiter der zweite Schlag; eine volle Seite für den Holländer Wilders auf Seite 7. Was treibt ihre Redakteure dazu, diesen Leuten so viel Hirnschmalz zu opfern und sich mit deren Thesen auseinanderzusetzen? Es muss doch allen klar sein, dass es nur darauf ankommt, die Debatte zu bestimmen, alle Augen und Gedanken bei sich zu wissen. Mit welchen Mitteln spielt keine Rolle und ist diesen Populisten ganz egal. Mein Wunsch an dieser Stelle; verwenden Sie ihre wertvolle Zeit für Ernsthafteres. Leute wie Wilders und Höcke, auch Donald Trump, beleidigen jeden, der sich mit ihren Gedanken beschäftigt. Ignorieren Sie sie und niemand wird Ihnen vorwerfen zu lügen. Bitte. – Thilo Stumpf


Leserbrief zu “ Nach der Wut geht’s weiter“ von Bernd Ulrich

So einfach wie in vergangenen Zeiten ist es heute nicht menr, die Großmachtkarte zu spielen, man braucht dazu schon ein Motiv, das als Berechtigung für autoritäre Herrschsucht vorgeschoben werden kann. Und da bietet sich die Berufung auf die jeweilige Religion an. Trump schwört seinen Amtseid nach seinen ganzen Ausfällen im Wahlkampf demonstrativ auf zwei Bibeln, Putin unterhält beste Kontakte zur orthodoxen Kirche zwecks gegenseitiger Unterstützung und Erdogan versteht sein angestrebtes Kalifat als unübertreffliches Gesellschaftsmodell.

In allen drei Fällen handelt es sich um Instrumentalisierungen des Religiösen, sonst müssten sich die genannten Herren nämlich dem Dialog um religiöse Werte im Zusammenhang mit den bekannten globalen Herausforderungen stellen, und Auskunft darüber geben können, was sie unabhängig von ihrem jeweiligen Glauben bzw. ihrer Konfession denn eigentlich unter Religion verstehen. Dazu hat man aber von denen außer Selbstbestätigungen noch nichts gehört, was den Schluss zulässt, dass sie es nicht wissen. Was die Verabsolutierung des eigenen Glaubens als letzte Bastion ihrer Ansprüche und ihrer Strategien übrig lässt.

Autoritäre Herrscher müsste man also Atheisten nennen, wenn sie ihre Herrschaft mit religiöser Terminologie, der Teilnahme an entsprechenden Ritualen oder exklusivistischen Zugehörigkeiten versuchen zu legitimieren.  Wie soll man mit denen umgehen? Indem man deren Religionsverständnis auch mal ganz undiplomatisch in Frage stellt, Antworten dazu einfordert und ihnen klar macht, dass sie mit ihren Selbstdarstellungen keinen Eindruck mehr machen. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Apocalypse-Stopp now!“ von Manuel J. Hartung

das ist ja eine ganz neue Eingebung. Das in unseren Schulen zu wenig gelernt wird, wie auch der Präsident Dieter Lenzen von der Freien Universität in Berlin schon vor 10 Jahren geschrieben hat. Und ich als Vater von 3 Kindern das auch seit Jahren bemängelt hat, stelle ich allerdings fest; es scheint sich endlich etwas zu bewegen. Die Pädagogen ziehen wieder die Zügel an, wie ich jetzt von der Schulbehörde hörte. Das konnte sich schon in einigen Hauptschulen festgestellt werden.  Das Dilemma ist die Selbstfindung der Schüler und das Antiautoritäre Gehabe der Pädagogen, was die Altvorderen verabreicht haben. Ohne Autorität der Lehrenden ist eine Lehranstalt nicht vernünftig zu führen.  Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das als Blindgänger herausgestellt.  Ihr Autor sollte das eigentlich wissen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wer braucht Journalisten?“ von KAT

Natürlich sind die Journalisten wichtig. Was weiss den das Volk, wenn es nicht so wäre.? Fast nichts! Ich habe aber was gegen Journalisten, die nicht mehr die Realitäten sehen wollen und ständig an der Sache vorbeischreiben.  Besonders die ständig einseitige Sicht der Ereignisse.  Ihre Wochenzeitung ist davon nur am Rande betroffen.  Wenn ich immer lesen muß: Wir berichten überparteilich, dann ist das für mich schon die erste Lüge.  Es ist ja offensichtlich, dass die konservativ ausgerichteten Bürger ständig von den Medien beleidigt werden. In Deutschland ist das Wort  „Konservativ“ negativ besetzt als ewig gestrige. Das ist schon die zweite Lüge. Der Wohlstand ist in erster Linie von den Konservativen geschaffen worden. Das ist keine Lüge, das ist die „bittere“ Wahrheit. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Macht der Niedrigzins arm?“ von Mark Schieritz

ich mag das Großmaul Markus Söder auch nicht, aber das ist vielleicht seine bayerische Art, FJS war ja auch kein Braver. Und wenn Herr Söder mal übertreibt, dann ist für Sie noch lange kein Grund unsere Sorgen und Nöte, gerade im finanziellen Bereich zu bagatellisieren. Die Bermerkung, dass es ja auch noch alte Versicherungen/Bausparverträge zu alten Konditionen gäbe, treibt mir den Schweiß auf die Stirn.

Gerade hat das BGH den Bausparkassen Recht gegeben, die alten Vertäge zu entsorgen! Und was nützt es mir, wenn ich als Immobilienbeitzer „auf dem Papier“ reicher geworden bin, wenn ich erst in 15 Jahren mein Haus verkaufen will, mir aber heute die Zinsen gkelaut werden und der Lebens- standard schwindet. Warum kann man Herrn Draghi kein Verfahren wegen schlechter Amtsführung und Veruntreuung von zig-Milliarden an deutschem Sparvermögen anhängen. (Danach kommen schlechte Gedanken) Appropos: Geringverdiener oder Rentner müssen auch leben und die Teuerungsraten bezahlen und bekommen auch keine Zinsen mehr auf der Bank.

Ihr Fazit: „die Klage über niedrige Zinsen hat mit der Lebenswirklichkeit der meisten Geringverdiener nur wenig zu tun“. Gehts noch, die Leute wollen auch leben und ihr Auskommen haben, keinen Luxus!! Und nicht zusehen müssen, wie es jeden Monat weniger wird.   Natürlich jammern wir auf hohem Niveau, ABER die Absturzgefahr ist heute größer geworden und da wollen wir nicht hin, während Andere Boni und Tantiemen abschleppen, für die sie nie einen Finger krumm gemacht haben. – R. Ciliox


Leserbrief zu “ Adolf reloaded“ von Matthias Geis

Es sind diese tendenziösen Unschärfen in den Medien, die einen zum Verzweifeln bringen und auch die ZEIT ist nicht frei davon.  Höcke plädiert eben nicht für einen „positiveren Umgang mit Hitler und dem Nationalsozialismus“. Aus dem veröffentlichten Kontext geht ganz eindeutig hervor, dass Höcke eine differenzierte Bewertung der Person Hitler einfordert. Dass das am Ende möglicherweise auf eine positivere Einschätzung hinaus läuft, liegt schlicht daran, dass Hitler bisher als der personifizierte Teufel dargestellt wird und sonst gar nichts.  Lange war es opportun, ihm die alleinige Verantwortung für die Katastrophe des Jahrhunderts zuzuschreiben, weil’s halt auch praktisch war: Viele konnten sich selbst so aus dem Focus nehmen. Irgendwann wurde klar, dass das so nicht stimmen konnte. So wie irgendwann die Rolle der Wehrmacht neu bewertet werden musste und nicht zuletzt auch die der Bevölkerung, die sich oft bis zum eigenen Ableben mit „das haben wir nicht gewusst“ weggeduckt hat.

Aber es geht hier nicht um Hitler und den Nationalsozialismus sondern um den Umgang mit anders denkenden Personen und Gruppen. Das Verdrehen von Aussagen ist leider im Wahlkampf ein probates Mittel, politische Gegner zu diffamieren, in seriösem Journalismus gehört es sich nicht. Auch oder gerade dann, wenn es um so heikle Themen geht einerseits, und um so kritikwürdige  Parteien und Personen wie AFD und Höcke andererseits. – Hendrik Takes


Leserbrief zu „Die Omelettschule“ von Gero von Randow

Ich freue mich schon auf Ihre Omelettschule der Zeit zum Entdecken.

Da ist mir ist noch ein weiterer Film eingefallen: in Madame Mallory und der Duft von Curry ist die Zubereitung eines Omelettes immerhin Bedingung für die Aufnahme in die Sterneküche.. – Christel Hüttl 


Leserbrief zu „Le Pen wird nicht gewinnen“ von Petra Pinzler und Mark Schieritz

In Ihrem Artikel „Le Pen wird nicht gewinnen“ (Die ZEIT 9.März Wirtschaft S. 24)
bringen  Sie ein Interview mit Herrn Pierre Moskovici. Dieser ist nicht wie Sie anmerken „in Brüssel für den Euro zuständig“.
Bitte korrigieren Sie die Zuständigkeit – beachten Sie z.B.:https://ec.europa.eu/commission/commissioners/2014-2019/dombrovskis_en:

Valdis Dombrovskis – Vice-President for the Euro and Social Dialogue, also in charge of Financial Stability, Financial Services and Capital Markets Union und Pierre Moscovici – Economic and Financial Affairs, Taxation and Customs – Prof. Dr. Alexander Wynands


Leserbrief zu „Das geht doch schöner“ von Hanno Rauterberg

Während der Autor sich in philosophischen Höhenflügen zum Thema verliert – etwa über „die suggestive Kraft der Ästhetik“ eines Mauerbauwerks meditiert – und mit zahlreichen historischen Beispielen gegenwärtige Mauern und Mauerprojekte als in der globalisierten Welt notwendige „Einfriedungen“ zu rechtfertigen versucht, bleiben die Menschen, die gestern und heute an solchen Mauern und Grenzzäunen sterben, auf der Strecke.

Die von Rauterberg so gelobten Mauern sind, da beißt keine Maus den Faden ab, Instrumente der Gewalt, die mächtige und reiche Nationen ihren ohnmächtigen und armen Nachbarn antun.

Besonders wenig Realitätsrecherche hat der Autor bezüglich der Mauer in Israel-Palästina betrieben: Diese trennt nicht Israel vom Westjordanland, sondern verläuft großenteils auf –von Israel besetztem bzw. annektiertem palästinensischem Boden im Westjordanland und im arabischen Ostjerusalem. Sie trennt arabische Ortschaften voneinander, von ihrem landwirtschaftlich dann kaum noch nutzbaren Umland sowie von den völkerrechtswidrigen jüdischen Siedlungen im Westjordanland. Damit zerstört sie die Hoffnung der palästinensischen Bevölkerung auf einen eigenen Staat, sie zerstört Lebensperspektiven und fördert die Gewaltbereitschaft der palästinensischen Jugend.

Ich möchte Herrn Rauterberg, da er sich für Utopien von einer neuen Welt interessiert und auf das „heilige Jerusalem, diese Utopie einer neuen Welt, als bestens gesichert“ rekurriert, die Lektüre von Jesaja 2 empfehlen: die Utopie von der Völkerwallfahrt zum Zion, die einher geht mit der Verwandlung von Schwertern in Pflugscharen. – Annegret Mayr


Leserbrief zu „Großer Schnauzer“ von Michael Thumann und Özlem Topçu

Ja: die Türkei ist auf dem Weg in eine Diktatur. Ja: der Vorwurf von Nazi-Methoden gegen Deutschland (noch schlimmer gegen die Niederlande) ist unerträglich. Dennoch, ich rate zu Gelassenheit. In der Türkei gibt es ein Gesetz, von Ergogans AKP initiiert, das Wahlkampf im Ausland verbietet. Unerheblich für  Erdogan, der ohnehin Gesetze schreiben lässt, die ihm gerade passen. Aber es ist nicht die Aufgabe der deutschen Regierung, dieses Gesetz durchzusetzen. Lasst Erdogan und seine Minister einreisen. Nicht als Staatsgäste, sondern als Privatpersonen. Welch eine Demütigung: Kein roter Teppich, keine offizielle Begrüßung am Flughafen, keine Hymne. Und für den Personenschutz müssen sie dann schon selbst sorgen. Über geeignete Veranstaltungsräume entscheiden die lokalen Behörden. Die Regierung möge ihnen Großzügigkeit nahe legen. Und die deutsche Polizei sorgt für einen geordneten Ablauf der Veranstaltungen – eben wie bei Bundesligaspielen auch. – Dietrich Briese


Leserbrief zu „Es fehlt am Willen“ von Heinrich Wefing

Zum einen: Top-Analyse von Heinrich Wefing, glasklar und punktgenau. Zum anderen:

So sehr Europa verständlicherweise den 16.04.2017 (Tag des Verfassungsreferendums in der Türkei), somit mutmaßlich das Ende der türkischen Kakophonie auch herbeisehnt, seine Souveränität und Werte sollte es allenthalben bewahren.

Das heißt für Deutschland, obgleich um die juristische Klarstellung des Bundesverfassungsgerichts vom 10.03.2017 betreffend Wahlkampf ausländischer Politiker im Bundesgebiet wissend, der schamlosen Demagogie und absurden Hybris der türkischen Regierung mit der diplomatischen Überlegtheit und Überlegenheit, sowie selbstverständlich mit der verlässlichen Bestimmtheit eines demokratischen Rechtsstaats begegnen.

Denn nicht zuletzt gilt selbst in der Politik: Höflichkeit ist die höchste Form der Verachtung. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Nicht nur Ihnen, sondern natürlich in erster Linie möchte ich Papst Franziskus für dieses Interview danken, welches sie in der Zeit vom 09.03.2017 veröffentlicht haben!

Der Sonnenschein der diesem Artikel entspringt ist wohltuend. Ihre Themenführung und Papst Franziskus erhellende Antworten sind erheiternd und stimmen Hoffnungsvoll. Sie, durch Ihre Präsenz in von Ihnen moderierten Talkshows, sind in Ihrer Gesprächsführung hinreichend bekannt. Dadurch ist der Blick auf den uns unbekannteren Papst Franziskus besser. Toll! – Tilman Gotschlich


Leserbrief zu “ Adolf reloaded“ von Matthias Geis

Ihre Einstellung erinnert mich an Leopold von Ranke (1795-1886). Der berühmte Historiker beschrieb es als die Aufgabe der Geschichtswissenschaft, aufzuzeigen, „wie es eigentlich gewesen“ ist.

Inzwischen wissen wir, dass sich bei aller Unverrückbarkeit der Fakten ein Geschichtsbild nicht einfrieren lässt. Zur Verdeutlichung greift man gern auf die Metapher des Autofahrers zurück, der im Rückspiegel verfolgen kann, wie sich der Blick auf den Hintergrund stetig verändert.

So kann man z.B. Karl den Großen als „Sachsenschlächter“ verdammen oder aber als „Vater Europas“ feiern, und der Freiheitsheld des einen ist bekanntlich der Terrorist des anderen. Revisionismus in der Geschichte ist also ein ganz natürlicher Prozess. Das zeigt auch – ungewollt – Ihre eigene Diktion: Sie sprechen in Bezug auf Hitler von einem „positiveren Umgang“ (auch „positiveres Licht“ in der Unterzeile). Vor noch gar nicht so langer Zeit wäre dieser Komparativ der Schere zum Opfer gefallen. – Heinz Dieter Mück


Leserbrief zu „Lass die Sonne rein“ von Gregor Vulturius

Gregor Vulturius  stellt Indien und China als Vorreiter bei dem Kohleausstieg und bei der Entwicklung alternativer Energien dar, an denen sich Deutschland ein Beispiel nehmen sollte. Dabei verschweigt er eine wichtige Tatsache: Beide Länder setzen massiv auf die Kernenergie: Indien hat 21 Kernkraftwerke in Betrieb (mehr als Deutschland je hatte), 6 sind in Bau und weitere 22 geplant. Ähnliches gilt für China: 36 in Betrieb 20 in Bau und bis 2020 soll die Gesamtzahl auf 71 steigen. Diese Zahlen passten wohl nicht in das Bild? – Prof Dr. Jürgen Kiefer


Leserbrief zu „Gegen die Masse“ von David Grossman

Es mag sein, dass Literatur all das leisten kann, was Grossman ihr zuspricht, doch was nützt das, wenn Trump, Putin und deren Anhänger nie ein Buch zur Hand nehmen, geschweige denn Thomas Mann, Kafka und Co. lesen? – Alice Scherer


Leserbrief zu „Wider die Verbotspolitik!“ von Can Dündar

Mit Verspätung hinsichtlich Ihres Artikels in der Zeit frage ich mich, ob Sie nicht wissen, dass Föderalismus und Zentralregierung vollkommen unterschiedliche Möglichkeiten bieten. Auftritts-oder Redeverbote aus Berlin hat es wohl nicht gegeben und wird es nicht geben.

Haben die Bürgermeister, die ihre Halle nicht zur Verfügung stellen wollen, Sicherheitsbedenken ( erinnere: Love-Parade) oder sind sie nur so schlau wie David vor dem Goliath und treffen eigene Entscheidungen, was die Redefreiheit betrifft? Sie sind die Verantwortlichen. Oder war es der von Ihnen geforderte Humor?

Ich glaube auch nicht, daß hier Frau Merkel eingreifen wollte, könnte oder würde. (vielleicht passt es ihr aber gut in den Kram?)

Cem Özdemir von den Grünen hat festgestellt, dass Wahlkampf außerhalb der Türkei nicht verfassungsgemäß ist; allerdings ist dies ja wohl kein Wahlkampf, sondern eine beabsichtigte Verfassungsänderung.

Wenn also Herr Erdogan oder seine Minister in Deutschland sprechen wollen, warum mieten sie dann nicht die Hallen von türkischstämmigen Unternehmern, die ja für Großveranstaltungen wie türkische Hochzeiten für 1000 Leute und mehr bestens gerüstet sind und auch sicher gerne das Sicherheitspersonal zur Verfügung stellen.

Die Presse muss aber zugelassen sein (Redefreiheit, Pressefreiheit!)

Hinsichtlich des Schadens, den Herr Erdogan anrichtet, möchte ich Ihnen sagen, daß ich gerne in die Türkei reisen würde und es auch vorhatte; wenn aber momentan nicht einmal mir bekannte Türken dorthin reisen, weil sie nicht wissen, was ihnen blüht, ob der Geheimdienst sie in Deutschland ausspäht, wie soll dann der Tourismus funktionieren? Mit Türkenhass hat das Ausbleiben also nichts zu tun.

Übrigens: wir gehen in den türkischen Supermarkt, unser Fliesenleger (-freund) ist Türke, unser Autolackierer ebenso. Zahlreiche türkisch-stämmige Schüler wurden von mir bis zum Abitur begleitet und mit manchen stehe ich bis heute in Kontakt. – G.Paulus


Leserbrief zu „Passt!“ von Volker Kitz

Sinnvolle Arbeit ist ein Luxusproblem – ja. Aber genau deshalb dürfen wir der Sinnfrage nicht ausweichen.

Vorab: in vielen Punkten stimme ich Volker Kitz zu. 1. Eine sinnvolle Arbeit alleine führt nicht zu einem erfüllten Leben. 2. Wer arbeitet, egal in welchem Beruf, sollte von seiner Arbeit leben können. 3. Viele Jobs, wie Lehrer, U-Bahnfahrerin, der genannte Bäcker usw. können als sinnvoll erlebt werden.

ABER, das Plädoyer dafür „die Sinnschraube …. zurückzudrehen“, wirkt auf mich wie ein Kopf in den Sand stecken. Wie der Rückzug in den eigenen Garten oder Balkon, während draußen die Welt immer komplexer wird. Ja, die Sinnfrage ist ein Luxusproblem. Aber das heißt nicht, dass man sie deshalb beiseitelegen sollte! 73% der Befragten in der zitierten Studie sagen, dass sie etwas Sinnvolles tun wollen – weil sie die Chance haben darüber nachzudenken! Wer abends hungrig schlafen geht, der interessiert sich nicht für Sinn. Das ist menschlich. Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral würde Brecht sagen.

Wer Zeit hat seine Arbeit zu hinterfragen, ist in einer komfortablen Lage. Und meiner Meinung nach ergibt sich daraus die Verantwortung zu handeln. Ich zitiere bei ähnlichen Diskussionen gerne Spider-Man: Aus großer Kraft, folgt große Verantwortung.

Meine Klienten kommen oft aus der „klassischen Wirtschaft“, sind z.B. Produktmanager bei Modefirmen oder Marketingverantwortliche für Lifestyle-Produkte. An sich ist an beidem nichts auszusetzen. Herr Kitz würde möglicherweise sagen, sie befriedigen das Bedürfnis nach Kreativität und Individualität. Sie selber sagen, sie möchten nicht an der Ausbeutung von Menschen in anderen Ländern beteiligt sein. Und jetzt sollen sie die Sinnschraube zurückdrehen?

Viel logischer wäre es, die Sinnschraube der Wirtschaft wieder hochzudrehen. Also zu hinterfragen, inwiefern Produktion und Arbeitsbedingungen menschlich, ökologisch und ökonomisch Sinn machen. Herr Kitz schreibt wir betreiben Feuerwehren, um Brände zu löschen, nicht um die Kindheitsträume der Feuerwehrleute zu erfüllen. Ich meine: Wir arbeiten, um einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Nicht um die Anteilseigner und Vorstandvorsitzenden immer reicher zu machen.

An vielen Stellen passiert das bereits. Sozialunternehmen verknüpfen den Anspruch Gutes zu tun mit dem Anspruch Geld zu verdienen. Plattformen wie The Changer, nominiert für den ZEIT-WISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit, erleichtern den Wechsel in einen Job mit Sinn.

Ja, wir sind viele, die einen Job mit Sinn wollen. Das ist eine Art Feedback an die Wirtschaft. Nicht umsonst heißt es Berufswahl. Herr Kitz schreibt, dass der Arbeitsmarkt anscheinend nicht genügend Sinn für alle bietet. Dem stimme ich zu. Aber ich schlage eine andere Lösung vor: Unternehmen kommen mit ihren Mitarbeitenden ins Gespräch: Was genau empfinden sie als nicht sinnvoll? Wie könnte es besser werden? Und zwar im Sinne aller Mitarbeitenden, Produzenten und Lieferanten weltweit. Das ist menschlich.

Dieser Text ist kein Plädoyer dafür, Berufsgruppen, wie die von Herrn Kitz herangezogenen Bäcker, abzuwerten. Forschungsergebnisse zeigen, dass Sinn nicht bestimmten Tätigkeiten innewohnt oder eben nicht. Sinn ist etwas, das wir erleben – und damit sehr individuell und von vielen Faktoren abhängig. In manchen Lebensphasen steht ein sicheres Einkommen im Vordergrund, um den Studienkredit zurückzuzahlen oder die Familie zu finanzieren. In anderen Lebensphasen haben wir uns selbst gut versorgt und sind bereit groß zu denken.

Meine Bitte an alle, die sich fragen, ob ihre Arbeit sinnvoller sein könnte: Gehen Sie dieser Frage nach. Kommen Sie mit anderen ins Gesprächen. Suchen Sie gemeinsam nach Antworten. Und setzen Sie Ihre Version von sinnvoller Arbeit um. Die Welt hat viele Baustellen, wir brauchen Ihren Beitrag. – Tina Röbel


Leserbrief zu “Die Wut der Frauen” von Anne Hähnig

Zu dem o.a. Beitrag will ich Ihnen   die folgenden Bemerkungen übermitteln. Meine Heimatstadt Aue ist in der Tat eine Kleinstadt. Sie schrumpfte im Zuge der Deindustrialisierung nach der Wende auf reichlich 50% ihrer  Einwohnerzahl von 1989. Trotzdem firmiert sie als „Große Kreisstadt“, denn  sie war einmal der Sitz der Landkreisverwaltung des Kreises Aue. Einen Vorteil brachte die der Sächsischen Gemeindeordnung entsprechende Großspurigkeit – unser Stadtoberhaupt darf sich Oberbürgermeister nennen und das entsprechende Gehalt beziehen-

Die Frau Held hat sie offensichtlich nicht völlig korrekt informiert. Das Halbzeugwerk  Auerhammer, so lautete die offizielle Bezeichnung, machte nach 1989 als einer der wenigen Auer Industriebetriebe nicht dicht, sondern produziert unter einem neuen Eigentümer, natürlich aus den alten Bundes ländern, als „Metallwerk Auerhammer“mit einer drastisch verminderten Belegschaft bis heute weiter. Allerdings nicht für die Musikindustrie, wie Sie schreiben, sondern für die Musik- INSTRUMENTEN- Industrie. Die Musikindustrie, wenn es denn solche gibt, verarbeitet kein Metall.

Damen wie Frau Barbe erinnern mich an die Fähigkeit eines Chamäleons zum Farbwechsel. Sie war rot. ist jetzt schwarz . Das ist sehr nützlich, wenn man in Sachsen helfen will, die SED-Diktatur aufzuarbeiten und dafür ein sicher angemessenes Salär zu beziehen. Sollte sie tatsächlich eine Pedigistin sein  und trotzdem in der Landeszentrale für politische Bildung wirken dürfen, dann ist das sicher ein Zeichen für die Toleranz unserer Staatsregierung. – Rudolf Müller


Leserbrief zu „Der Verstoßene“ von Felix Rohrbeck

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem sehr gelungenen Beitrag über die Art, wie der Nachhaltigkeitsforscher Niko Paech aus der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg herausgedrängt wurde – und wie damit alternative ökonomische Ansätze weiter zurückgedrängt werden.

Ich stimme inhaltlich mit Herrn Paech in sehr vielen Positionen nicht überein. Trotzdem steht für mich außer Frage, dass es für Forscher wie Herrn Paech klar einen Platz als Professor an den deutschen Universitäten geben muss. Herr Paech steht exemplarisch für eine wissenschaftlich fundierte Kritik an den gängigen Glaubenssätzen der traditionellen Ökonomie, und er hat die diesbezügliche Diskussion in vorbildlicher Weise immer wieder in die breite Gesellschaft getragen (nicht zuletzt durch Gastbeiträge in der ZEIT). Er ist damit nicht nur ein Musterbeispiel für kontroversen und konstruktiven wissenschaftlichen Diskurs, sondern auch für das Erfüllen der so genannten „dritten Mission“ (neben Forschung und Lehre), die die Politik immer wieder von Hochschulen abfordert.

Leider ist die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg kein Einzelfall. Obwohl mit der Finanzkrise 2008/9 eine Welle fundamentaler Kritik über den Mainstream der Ökonomie hereingebrochen ist und auch Studierende zunehmend ihren Unmut über die Einseitigkeit der Lehre geäußert haben, wird an vielen deutschen Hochschulen der Diskurs über eine gezielte Stellenbesetzungspolitik weiter verengt.

Ein weiteres Beispiel lässt sich zurzeit an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin (nicht zu verwechseln mit meiner Hochschule!) beobachten. An der HWR hat es über Jahrzehnte ein konstruktives Miteinander verschiedener Theorierichtungen gegeben, und die Hochschule hat sich einen ausgezeichneten internationalen Ruf für plurale ökonomische Lehre und Forschung erworben. Nun wird im Verfahren um die Nachfolgeberufung eines sehr renommierten Vertreters der post-keynesianischen Ökonomie (Prof. Dr. Hansjörg Herr) unter Ausnutzung der Professorenmehrheit versucht, Vertreter mit vom Mainstream abweichenden  Forschungsansätzen schon im Vorneherein von der Mitwirkung bei der Besetzung der Professur auszuschließen.

Meine Bitte an Sie: Bleiben an Sie an diesem Thema dran – zum Wohle der deutschen Wirtschaftsstudierenden und der deutschen ökonomischen Debatte! – Prof. Dr. Sebastian Dullien


Leserbrief zu „Wider die Verbotspolitik!“ von Can Dündar

Dündar schreibt: „Was die Auftritte türkischer Politiker in Deutschland angeht, wäre es richtig gewesen, wenn nicht der Staat, sondern das Volk die Wehrhaftigkeit der Demokratie bewiesen hätte“. Laut Umfrage ist eine große Mehrheit der Bundesbürger gegen Auftritte von Erdogan und seinen Ministern in Deutschland. Sollen die alle auf die Straße gehen, um zu protestieren? Da überschätzt er vielleicht doch das Interesse der Bürger hierzulande an diesen Vorgängen. Es ist eine weitere Ein-Mann-Schow, nach der Trump-Schow, nach Putin, Orban und anderen, die von den Medien spektakulär in Szene gesetzt wird. Aber die Deutschen haben wohl kaum das Gefühl, dass Deutschland einen „Krieg“ mit Erdogan führt, dass sie ihre Demokratie gegen ihn verteidigen müssen. Mehr Sorge bereiten mögliche Auswirkungen des türkischen Wahlkampfs auf das friedliche Zusammenleben mit unseren türkischstämmigen Mitbürgern. – Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu „Ohne Streit keine Versöhnung“ von Evelyn Finger

Sie haben erfreulicherweise einen sachlich starken (und auch witzigen) Beitrag im Ton und in der Sprache maßvoll und doch zugleich kritisch gestaltet (Ohne Streit keine Versöhnung, 8.3.17, S. 48). Dabei geht es nicht ohne diesen – leider  seltenen –  selbstkritischen Blick zurück auf sich bzw. uns selbst bzw. auf gute Grundsätze wie Gegenseitigkeit, Fairness und den Verzicht auf abwertende Etikettierungen (und auf dauernde Empörung über genau und nur jene Details, die einen gerade „stören“).

Der „Furor der Rechthaberei“, wie Sie treffend sagen, und der maßlosen Abwertung abweichender Positionen, Wahrnehmungen und Einstellungen sowie die Auffassung, alles Wichtige zu wissen und zu verstehen und daher nicht mehr zuhören zu müssen: sind Haltungen, auf die wir besser verzichten. Ebenso auf den Hang, alles nur Wünschenswerte stramm zu „fordern“ – nämlich von „den anderen“.

Dann können wir einander viel mehr mitteilen und nützen. Und gegenseitig wertschätzen. So wie Ihren Beitrag. – Jürgen Germann


Leserbrief zu „Ich kenne auch die leeren Momente“, ein ZEIT­-Gespräch mit Papst Franziskus, geführt von Giovanni di Lorenzo

Ich habe mich bei dem Interview gelangweilt. Es gab keine Frage nach den Reformen in der Kurie, auch wenn er sie vielleicht nicht beantwortet hätte. Auch die Frage nach der Zukunft „seiner“  katholischen Kirche und seinen nahen Zielen, die er erreichen kann, wurde nicht deutlich gestellt.   Die Frage nach der Verlobten und zu seinem Glauben fand ich überflüssig. Lieber hätte ich Fragen und Antworten zu seiner täglichen Arbeit gelesen – es hat der rote Faden gefehlt.   Warum ich aber schreibe, ist die Frage nach den Diakoninnen.

Das wird in allen Apostel-„Geschichten“  deutlich beantwortet: Nach dem Abendmahl und den „Verrat“ von Judas flohen die Jünger – sie schliefen. Sie versäumten den Leidensweg, die Kreuzigung und die Auferstehung. Jesus hat ganz klar Maria Magdalena als Chronistin und Verkünderin der Auferstehung gewählt, die sie den Jüngern mitteilte.   Wenn Jesus eine Frau mit dieser Aufgabe betraut, kann die katholische Kirche doch auch endlich über ihren Schatten springen und die Frauen zu dem berufen, wofür sie von Jesus bestimmt wurden: Gleichberechtigte Partnerinnen an der Seite von „Kirchenmännern“ aller Art! – Inge Büttner-Vogt


Leserbrief zu „Großer Schnauzer“ von Michael Thumann und Özlem Topçu

Sie berichten umfassend über Wahlkampfauftritte türkischer Regierungsmitglieder in verschiedenen europäischen Ländern. Frage: Es gibt in der Türkei (noch) Oppositionsparteien. Haben die Verantwortlichen dieser Parteien vor, Wahlkampf für/gegen das Verfassungsreform im In- und Ausland zu machen? Da ich davon bisher noch nichts hörte, gehe ich davon aus, dass sie sich an die türkische Verfassung halten (müssen), die Wahlkampf im Ausland verbietet.

Hier liegt für mich ein weiterer Hebel, mit dem Auftritte“regierungstreuer“ Wahlkämpfer verhindert werden könnten, bzw. in Frage gestellt werden sollten. Wie sieht das Ihre Redaktion? – Sabine Prinsloo


Leserbrief zu “ Das Leben nach dem Töten“ von Yassin Musharbash

Was hat sich die Redaktion nur dabei gedacht, auf den Seiten 4 und 5 die dekadente Werbung mit den Schauspielern zu platzieren, wo auf Seite 4 ein Bericht über das Töten in Mossul veröffentlicht wurde. Es erschüttert mich und macht mich richtig wütend, diese Gleichgültigkeit ertragen zu müssen.“ – Elke Schlobohm


Leserbrief zu “ Nach der Wut geht’s weiter“ von Bernd Ulrich

Ein überaus kluger Artikel. Man wollte ihn in die Welt hinausrufen:

Männer lasst ab von dem Wort „Ehre“ und es wird keine Kriege mehr geben. Frau Merkel ist die stärkste Politikerpersönlichkeit der letzten 50 Jahre weil sie so völlig uneitel ist. „Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich selbst beherrscht, besser als einer der Städte einnimmt.“ Sprüche16,32. Die beiden Weltkriege verursacht durch das männliche Pathos. Welch ein Irrwitz. Männer lasst uns Humor lernen, das Lachen über uns selbst. Größe – die größte und die schwerste Gabe des Geistes. – Michael Buzzi


Leserbrief zu „Das geht doch schöner“ von Hanno Rauterberg

Ich war begeistert – ein großartiger Artikel -das Aufbrechen herkömmlicher Sichtweisen auf den Mauerbau, die historischen Beispiele aber insbesondere die Erkenntnis: Nur wer seine Grenzen kennt, kann sich zu einer Gemeinschaft verbinden – das hätte auch in den Politikteil gepasst.

Bemerkenswert auch Ihre Analyse zu sonstigen Grenzen, nach denen sich tatsächlich sehr viele Menschen in Zeiten der Entgrenzung sehen.

Mir fällt dazu ein Satz aus der Zeit nach dem Mauerfall ein, unter Studenten flapsig hingeworfen, aber in der Nachschau vielleicht eine Ursache für das politische come back von Grenzbauern – ein westdeutscher Kommilitone sagte auf die weinselige Frage, was denn nun anders sei im Westen: „Hier kannst’e machen was Du willst.“

Vielleicht maßlos übertrieben, aber es scheint mir doch, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt durch grenzenlose Möglichkeiten jedes Einzelnen verloren geht. Auch die Individualisierung braucht Grenzen, sonst haben wir überspitzt ausgedrückt bald eine Republik mit 80Mio Minderheiten.

 

Diese Gedanken mit der trumpschen Mauerpolitik in Verbindung zu bringen, wäre mir gar nicht gekommen – umso bemerkenswerter fand ich Ihre für mich sehr überzeugenden Überlegungen und Ableitungen. Nochmals danke dafür! – Hendrik Meyer


Leserbrief zu „Großer Schnauzer“ von Michael Thumann und Özlem Topçu

Im 19. Jahrhundert machte einmal im Zusammenhang mit dem damals niedergehenden Osmanischen Reich das Schlagwort vom „kranken Mann am Bosporus“ die Runde. Es ist nun in anderer Bedeutung wieder sehr aktuell, wobei man das „krank“ durchaus sehr unterschiedlich interpretieren kann. „Bosporus“ hingegen bedeutet übrigens „Ochsenfurt“ (von gr.), demnach derzeit dort ein recht großer Ochse mit einem ökonomisch und finanziell sehr kleinen Karren unterwegs ist. Möglicherweise ist der große Ochse auch nur ein Frosch, der sich – wie bei Jean de La Fontaine – aufgeblasen hat und irgendwann platzt…

Wie so häufig in ihrer Geschichte, versucht die Türkei jetzt wieder einmal ganz unverschämt ihre strategische Lage zwischen Orient und Okzident an der Nahtstelle von Europa auszuspielen. Schade, daß sie nicht auch mal was anderes anzubieten hat, um ernstgenommen zu werden! So wie sie sich in der letzten Zeit nicht nur gegenüber Deutschland gebärdete, wäre an sich die sauberste Konsequenz: diplomatische Beziehungen bis zu Geloben auf Besserung abbrechen – Flüchtlinge hin, Deutschtürken her. Oder ist es nicht natürlich, daß jeder, der mehrfach beleidigt wird, irgendwann doch zumindest nicht mehr reden will, wenn ihm schon nicht die Hand ausrutscht?

Ein solcher heftiger Schnitt wäre allerdings ein schwerer Schlag für alle demokratisch und freiheitlich denkenden Türken, die es sicher sowohl (noch) in der Türkei, als auch in Deutschland gibt: Journalisten, Schriftsteller, Intellektuelle. Sie brauchen weiterhin den Draht zu politisch Gleichgesinnten. Mit ihnen müssen wir daher noch stärker den Schulterschluß suchen.

Klare Grenzen müssen jetzt dennoch irgendwo aufgezeigt werden, auch, um zu verhindern, daß in diesem Wahljahr noch mehr deutsche Wähler zu den Rechtsparteien laufen. Das Erstarken dieser, wie auch die Furcht vor der Macht der Deutschtürken aufgrund von Jahrzehnten nicht vorhandener bzw. mißlungener Integrationspolitik gehen klar auf das Konto schlechter deutscher Staatsführung! – Olivér Meiser

 

02. März 2017 – Ausgabe 10

Leserbrief zu „Schulz ist kein klassischer Populist“, ein Interview mit Clemens Fuest, geführt von Lisa Nienhaus

Herr Fuest wiederholt ein Argument, das schon gefühlt 10000 mal von „Ökonomie-Experten“ vorgebracht wurde, ohne dass es dadurch an Glaubwürdigkeit gewinnt, nämlich: „es ist besser,wenn Menschen zu niedrigen LöhnenLöhnen arbeiten und vom Staat Zuschüsse bekommen, als wenn sie arbeitslos sind.“ Natürlich ist es nicht gut, wenn Menschen arbeitslos sind, aber wie soll es die Wirtschaft voranbringen, wenn ausgerechnet das Geschäftsmodell Niedriglöhne zu zahlen vom Staat subventioniert wird? Damit wird doch nur erreicht, dass die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft leidet. Dieses Geschäftsmodell ist keines, das Deutschland auf dem Weltmarkt zum führenden Anbieter machen kann. Etwas derartiges wäre aber Voraussetzung für eine robuste Wirtschaft, deren Erfolg zu mehr Arbeitsplätzen führt.

Wie gesagt, die ständige Wiederholung macht das Argument von Herrn Fuest nicht überzeugender, das wäre anders, wenn er erklären könnte, wie der beschriebene Widerspruch aufzulösen wäre! – Dr. G. Zeyer


Leserbrief zu „Frei schreiben“ von Bernd Ulrich

Da bin ich mir nicht so sicher. „Deutschland ist liberal. Aber nicht blöd.“ Ihr Autor Bernd Ulrich will den Auftritt von Erdogàn verbieten lassen. Ach herrje.

Ich würde ihm raten, am Eingang der Halle in Oberhausen oder an jedem anderen Ort, mit einen Baseballschläger bewaffnet auf Erdogàn zu warten, um ihn mundtot zu machen…… Spaß bei Seite.

Erdogàn will zu seinen Landsleuten sprechen, die sehnsüchtig darauf warten. In Köln wurde er schon wie ein König empfangen.

Die Türkei ist vom Terrorismus stark gefährdet. Das hat auch der Putschversuch deutlich gemacht und auch andere Anschläge. Und das nicht zur Kenntnis nehmen will, dann war seine Kritik nicht mutig sondern dumm.

Die Türkei ist vom Terrorismus besonders stark gefährdet, das sollte der Autor wissen. Er wird es auch wissen. Er sollte lieber darüber nachdenken, ob der Journalismus nicht zu weit geht mit der Pressefreiheit. Auch die sollte nicht grenzenlos sein.

Für meine Begriffe wird sie über Gebühr missbraucht, um seine eigene Ideologie öffentlich zu machen. In der DDR nannte man das Demagogie. –  Gunter Knauer


Leserbrief zu „Er macht sich breit“ von Paul Middelhoff und Holger Stark

Ich weiss gar nicht was Sie wollen. Die deutschen Medien vereint machen doch das Gleiche was Sie Breitbard vorwerfen. Die Deutschen bringen es nicht fertig einen Gegenpart gegen Links einzurichten.

Seit Jahrzehnten müssen die vernünftigen und konservativen Menschen mit dieser Wucht den linken Journalismus über sich ergehen lassen. Ich begrüße es ausserordentlich, dass uns jetzt Amerika darin unterstützt.

Natürlich hat unser Land durch Merkels unverantwortliche Flüchtlingspolitik stark darunter zu leiden. Das sollte doch ausser Frage stehen. Also her mit den Amerikanern, das kann unserem Land nur gut tun.

Die Angstmacherei von den Medien hat sich verbraucht. Damit machen Sie keinen Eindruck mehr. – Gunter Knauer


Leserbrief zu “ Im Staat der Nacktmull*innen“ von Jens Jessen

Das Herr- pardon – Frauschaftsprinzip der Nacktmulle hat noch eine pikante Eigenheit – da die untergebenen Weibchen nicht zur Geschlechtsreife kommen, bilden sie auch keine weiblichen Hormone, die aber zur Brutpflege wichtig wären. Um ihren Mutterinstinkt zu wecken, wird der Kot der Königin mit Östradiol gesättigt, wenn sie trächtig ist. Die ‚Arbeiterinnen‘ fressen diesen Kot und werden dadurch zu aufmerksamen Pflegerinnen des Nachwuchses. Dieses Verfahren dürfte allerdings auch bei den glühendsten Anhängerinnen des Matriarchats auf wenig Gegenliebe stoßen… – Wolfgang I Waas


Leserbrief zu „Der blinde Fleck“ von Georg Blume et al.

Le Pens Partei wird das nicht schaffen. Die Wahl kommt noch etwas zu früh. Aber stark wird sie trotzdem bleiben. Es wäre gar nicht so verkehrt, wenn die „Alten“ weiter machen.

Frankreich liegt zwar am Boden ist aber noch nicht k.o. Das wird erst in den nächsten Jahren eintreten. Ich glaube ohnehin nicht, dass das noch 5 Jahre gut geht.

Einer meiner früheren Kollegen lebt in Frankreich (nicht in Paris), der gibt der jetzigen Politikerelite keinen Pfifferling mehr. Die Leben immer noch in ihrer eigenen Welt.

Kennen Sie den Witz von Frankreich?

Ein Deutscher beklagt sich über Frankreich: Ich werde nicht mehr nach Frankreich reisen, lieber mache ich Urlaub in Paris….. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Die Mitte liegt rechts von der CDU“ von Marc Brost und Peter Dausend

Na endlich spricht einer der politischen Größen Klartext.

Die ungezügelte Einwanderung besonders von Menschen, die uns nur zu Last fallen wollen. Die angebliche Integration, die kaum stattgefunden hat, ist ja schon länger eine Lebenslüge der Linken. Auch in Ihrer Redaktion gibt es sie zuhauf.

Ich kann mir nicht helfen, Herr Schäuble wird ähnlich denken. Sein Staatssekretär ist ein begabter Junge, der ist mir schon in früheren Zeiten aufgefallen. Wenn diese Ansicht in der ganzen CDU wieder einkehrt , werde ich sie auch wieder wählen.

Seit Frau Merkel ist die CDU gespalten. Die ist größer als viele glauben. Die halten sich nur geschlossen ohne Merkel die Wahlen zu verlieren. Das sehe ich zwar ganz anders. Die CDU würde wieder zur gewohnten Größe aufsteigen, wenn sie sich von der SPD wieder ideologisch trennt.

Jede Menge AfD Wähler würden wieder zur CDU zurückkehren. Und auch von den Linken und der SPD. Wenn Schulz die alten Sozis wieder zurûckholt , dann wandern viele wieder zur SPD zurück. Beide großen Parteien würden davon profitieren. Was will das Herz eines Demokraten mehr. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Schulz ist kein klassischer Populist“, ein Interview mit Clemens Fuest, geführt von Lisa Nienhaus

Lisa Nienhaus verlangt bei ihrem Interview mit dem Ökonomen Clemens Fuest eine Definition des Begriffs Populismus und erfährt, dass Populisten „stets schlichte Ansagen (machen), die meistens falsch sind, weil die Welt kompliziert ist“. Leider wurden solche Argumente früher schon gegen die Eurokritiker verwendet, neben Wirtschaftsprofessor Lucke nicht wenige andere Professoren, darunter drei Nobelpreisträger.

Man fragt sich, was viele Journalisten, Ökonomen  oder Politiker machen würden, wenn sie auf abwertende Etikettierungen verzichten und stattdessen nur Sachfragen klären müssten.

Fuest lobt z.B. an Martin Schulz: „Er schimpft nicht auf Immigration“, weshalb er „kein klassischer Populist“sei. Allerdings wäre es interessant zu wissen, warum er (Schulz) auch die Politik der lange Zeit ungesteuerten Einwanderung  für richtig hält, obwohl sie den Steuerzahler für zwei Jahre 62,2 Milliarden Euro kostet. Dies hat ein Autor von „Tichys Einblick“ aus vielen öffentlich zugänglichen offiziellen Quellen mühsam und meines Wissens bisher unwiderlegt ermittelt. Eine andere Sachfrage an Fuest wäre, ob denn die wissenschaftlichen Untersuchungen des Instituts seines Vorgängers Professor Sinn falsch sind, die ergaben, dass bei früheren Einwanderungswellen bisherige Arbeitsplatzinhaber von ihren Arbeitsplätzen durch die Migranten im Maß der Einwanderungszahlen verdrängt wurden.

Was im Übrigen die Bezahlung von Fußballspielern betrifft, so richtet sich das Gehalt  eines Fußballprofis  nach seinem Marktwert, also nach seinem Nutzen für den Verein. Da es weltweit nur ganz wenige Fußballspieler gibt, die ein Spiel entscheiden können, man denke z.B. an Arjen Robben, berechnet sich das Spielergehalt gemäß der Nachfrage. Bei Managern dürfte der wirkliche Marktwert nicht so leicht zu ermitteln sein. – Karl Seegerer


Leserbrief zu „Diesel raus aus de Städten“ von Dietmar H. Lamparter, Petra Pinzler und Claas Tatje

In diesem Artikel werden Ursachen und Auswirkungen durch Feinstaub- und Stickoxydemission leider nicht auseinandergehalten. Ein „Benziner“ mit Direkteinspritzung (derzeit noch ohne Abgaspartikelfilter) emittiert ein mehrfaches an Feinstaub im Vergleich zu einem Dieselfahrzeug mit Rußpartikelfilter. Andererseits ist die Emission von Stickoxyd beim Diesel-PkW wesentlich höher als beim „Benziner“, solange die Abgasentgiftung dieser Fahrzeuge wegen manipulierter Software nur unzureichend (auf dem Prüfstand) funktioniert. Da die Feinstaubbelastung etwa zur Hälfte durch Brems-,Kupplungs- und Reifenabrieb entsteht, ist die alleinige Verbannung von Dieselfahrzeugen aus dem Stadtverkehr keine Lösung des Problems. –  Hans Reinhardt


Leserbrief zu „Liebe Freier“ von Johannes Böhme

Über Ihren  Artikel „Liebe Freier,“ habe ich mich sehr geärgert! Denn dieser ist sehr schlecht recherchiert,beinhaltet Lügen und Pauschallisierungen! Ich bin Freier, 44, habe keinen Charme,Offenheit,Humor und Mut gegenüber Frauen in diesem Land! Es ist sehr sehr schwer hier Frauen kennenzulernen und das geht sehr vielen Männern so! Man muss eben ein Frauenversteher sein und auch noch gut aussehen! Deswegen ist es eben doch gut, dass es Prostituierte gibt! Sie aber picken sich Extremfälle von Frauen raus, die dazu gezwungen werden. Ich glaube schon, dass es auf dem Strassenstrich solche Fälle gibt und dieser müsste verboten werden! Seit langer Zeit ist es doch schon im hintersten Rumanien und woanders bekannt, dass Frauen mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelotst werden, das müssen schon sehr naive Frauen seien. Sie aber kriminalisieren die ganze Branche wegen dieser wenigen Frauen und deren „Verbrechern“, das ist masslose Übertreibung! Ich gehe immer in Wohnungsbordelle und ich habe dort nicht den Eindruck,dass dort welche gezwungen werden.Dort gibt es auch deutsche Frauen, die dort nebenbei arbeiten. Es ist gut, dass es Foren für Freier gibt, denn die meisten Prostituierten halten nicht das was abgegesprochen wurde,versuchen mit der Zeit zu betrügen, retuschieren Fotos,unwahre Angaben über Alter,Gewicht! Da werden viele Freier betrogen! Es gibt nur einige, die wirklich gute Arbeit machen und diese Foren helfen einem dabei.Es gibt in der Branche viele geldgierige Luder, die immer wieder nach Deutschland einreisen! – Mario Behring


Leserbrief zu „Die Ungehörten“ von Moritz Aisslinger et al.

Für das oben genannte Dossier danke ich Ihnen und der Redaktion außerordentlich.  Diese Offenheit und den Mut zu anderen konkreten Wahrheiten ist sehr zu begrüßen.

Die gelenkte oder sich selbst kasteiende breite Öffentlichkeit schließt Debatten über aktuelle Fragen „alternativlos“ aus. Daher ist es befreiend zu lesen, was außerhalb selbstzufriedener Kreise längst bekannt ist. – Reinhard Schmollig


Leserbrief zu „Schulz ist kein klassischer Populist“, ein Interview mit Clemens Fuest, geführt von Lisa Nienhaus

Das von Frau Nienhaus mit Herrn Fuest geführte Gespräch ist sehr aufschlussreich. Die Antworten des Herrn Fuest lassen aus meiner Sicht erkennen, welchen Einfluss er auf die Untersuchungen des Münchener Ifo Institut hat.

Es ist schwierig, seiner Logik in Sachen Zeitarbeit zu folgen. Weniger Arbeitsplätze wegen Einschränkung der Befristung würde wenige Produktion, weniger Umsatz, weniger Gewinn bedeuten. Ist das wirklich Marktwirtschaft? Wenn es wirklich so käme, bedeutete es genau das Gegenteil von sozialer Marktwirtschaft.

Herr Fuest unterschlägt, dass die extremen Zahlungen an die Führungsriegen der Unternehmen von der Produktion erwirtschaftet und vom Steuerzahler subventioniert werden. Wenn beim Fußball die Besucher ausbleiben, sinkt die Gage. Er sieht diesen Unterschied nicht.

Schade für jemand mit dieser Bildung und mit diesem Einfluss. –  Reinhard Schmollig


Leserbrief zu „Leserbriefe: Claudia Heinkele“

Frau Heinkele: Das „Selbsternannte“ ist es, was die Überheblichkeit ausmacht: die Manager, die überzeugt sind, ihre Boni in Millionenhöhe zu verdienen …

Dazu folgende Information: Top-Manager mit Gehältern und Boni in Millionenhöhe werden von den Aufsichtsräten (Vertreter der gierigen Aktionäre, Anleger

und den mit den Zinsen unzufriedenen Sparern) von einem anderen Großunternehmen abgeworben, weil man überzeugt ist, dass er „unser“ Unternehmen

gewinnbringender führen kann (Wertsteigerung der Aktien, Dividenden). Dieser umworbene Manager hatte schon ein fürstliches Gehalt, weil er sehr erfolgreich war und ist. Um ihn abzuwerben muss man diesem Typ schon ein sehr verlockendes Angebot unterbreiten. Sonst wechselt der ja nicht seinen Job. Neben dem Gehalt lockt man mit Pensionen, Luxus-Limousine mit Chauffeur, Dienst-Villa, einem attraktiven Büro bis zum extra für ihn ein- oder angebauten Lift. Wenn seine bisherige Firma Wind bekommt, dass man ihn abwerben will, versucht man ihn mit weiteren Vergünstigungen zu halten. Diese Lizitation führt letztlich zu Gehältern und Boni, die mit dem Begriff „Verdienen“ nichts zu tun haben. Was für uns Normalsterbliche ein astronomischer Betrag ist, ist für einen Konzern – im Vergleich zu den sonstigen Kosten-Milliarden – eine quantité négligeable. Wenn im Rahmen des üblichen Fünfjahres-Vertrages dieser Manager nach vier Jahren einen guten Job geliefert hat, kann noch eine weitere Steigerung stattfinden.

Das Abwerben von Top-Leuten ist seit jeher die weltweit völlig normale Spielart einer Karriere, egal, ob in der Wirtschaft oder im Sport (Fußball, Eishockey, Golf …). Schon Julius Caesar holte sich die germanischen Feldherrn, die Habsburger den fürstlich belohnten Prinz Eugen usw.

Das kann auch schief gehen, relativ selten, daher meist spektakulär und bringt die ahnungslosen Neider auf die Palmen, weil der Geschasste selbstverständlich auch noch seine vertraglich fixierte Abfertigung bekommt. Vertrag ist Vertrag! Er musste einkalkulieren, dass er möglicherweise keinen auch nur annähernd adequaten Job mehr bekommt.

An alle notorischen Nögler, Raunzer, Neider: Es lohnt sich darüber nachzudenken, warum wir noch nie so ein tolles Angebot bekommen haben.

Take it easy: „We are not the champions!“ – Johann ERNST


Leserbrief zu „Die Ungehörten“ von Moritz Aisslinger et al.

Besten Dank für Ihren Artikel „Die Ungehörten“. Bitte mehr davon in der Hoffnung, dass die PolitikerInnen dieses Landes diese Berichte auch lesen. Aus meiner Wahrnehmung sind genau dies die Gründe, warum Bürger und Bürgerinnen AfD wählen und in anderen Ländern Trump und Co. Könnten Sie nicht bis zur Bundestagswahl daraus eine Serie machen und regelmäßig von den Ungehörten berichten. Ich wäre Ihnen sehr dankbar. – Susanne Koch


Leserbrief zu “ Im Staat der Nacktmull*innen“ von Jens Jessen

„unglückliche, was hast du gehofft“ kam mir in den sinn, als ich die zeit mal wieder las – jessens tierleben verleidet mir das.

ein vollendetes matriarchat wird erwähnt als vergleich zu nacktmullkolonien – und ich sehe deutlich, das nicht recherchiert wurde zum thema matriarchat.

da sehe ich nur pornofilm-fantasien und stammtisch-grundlagen in der kolummne.

wenn du keine ahnung hast – einfach mal fresse halten!

matriarchate sind egalitäre, friedliche gesellschaften die es überall, ausser in europa, noch gibt. mit glücklichen männern. –Bettina Stratmann


Leserbrief zu „Schulz ist kein klassischer Populist“, ein Interview mit Clemens Fuest, geführt von Lisa Nienhaus

Lise Nienhaus ist es gelungen, mit ihren Fragen Clemens Fuest zu ermutigen, die ganze Einfalt seines ökonomischen Denkens offen zu legen. Drei Beispiele: 1. Die Wirkungen von arbeitsrechtlichen Normen auf die Entwicklung der Beschäftigung. Aus empirischen Untersuchungen wissen wir, dass die Beschäftigung von den vorhergegangenen Investitionen abhängt. Diese Investitionen hängen aber nicht von irgendwelchen Regeln auf dem Arbeitsmarkt ab, sondern basieren auf dem Zusammenspiel von Kapitalmarkt und Gütermärkten. Diese Konstellation wiederum wird geprägt durch makroökonomische Bedingungen, wie z.B. die Entwicklung der aggregierten Nachfrage und das Zinsniveau, dass die Kapitalkosten bestimmt. 2. Die Vorstellung, dass die Lohnhöhe Beschäftigung und Arbeitslosigkeit bestimmt, resultiert aus einer bloß mikroökonomisch begründeten Spekulation. Dem Einzelunternehmer wird unterstellt, dass sinkende Löhne zu Einstellungen motivieren. Das ist eine reine Vermutung, die aus einer gesamtwirtschaftlichen Sicht nicht haltbar ist. Das solche Spekulationen an deutschen Universitäten mit Wissenschaft verwechselt werden. demonstriert das ganze Elend der deutschen Mainstream-Ökonomie. 3. Fuest wiederholt die auch von anderen wirtschaftsliberalen Ökonomen vorgetragene Behauptung, dass sich das Ausmaß der Ungleichheit in der Einkommensverteilung seit 2005 nicht vergrößert habe. Das ist schlicht falsch, zeitgemäß gesagt, handelt es sich um „alternative Fakten“. Der SPIEGEL hat in seiner aktuellen Ausgabe Grafiken präsentiert, die auf Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung basieren. Diese empirischen Daten zeigen, dass diese Ungleichheit zwischen 2000 und 2005 stark zunimmt und danach ab 2010 wieder signifikant ansteigt. Vermutlich will Fuest das nicht wissen, weil es nicht in sein simples und ideologisches Bild von Wirtschaft passt. Das ist alles kein Zufall. Fuest ist der Nachfolger von Hans-Werner Sinn in der Leitung des Ifo-Instituts. Er will der Öffentlichkeit beweisen, dass er ein würdiger Nachfolger ist. Ich hänge noch einen Text an, den ich zu Fuest und Sinn geschreiben habe und bitte, diesen an Frau Nienhaus weiter zu leiten. –  Michael Wendl


Leserbrief zu „Die Ungehörten“ von Moritz Aisslinger et al.

„Nicht nur Flüchtlingshasser und Islamfeinde sind der Meinung, dass in Deutschland etwas falsch läuft. Viele Menschen fühlen sich von der Politik verlassen, sie vermissen die soziale Gerechtigkeit.“

Zu diesem Thema haben Sie in Ihrem Dossier „Die Ungehörten“  fünf Bürgern aus verschiedensten Bereichen zugehört. (Ein tolles Dossier!)

Mir stellen sich zwei Fragenkomplexe:

  1. Wie groß ist der Faktor, das heißt, wie viele Nullen muss ich der Zahl „Fünf“ hinzufügen, um die Anzahl der ähnlich Denkenden zu ermitteln? Meine Vermutung: Die Anzahl der Einzelfälle, die Ihr Dossier widerspiegelt, ist in den vergangenen Jahren, ablesbar an den AFD-Stimmen, erheblich gewachsen und natürlich noch weitaus differenzierter – die Klage, der in Ihrem Artikel konkret Genannten erscheint mir prinzipiell berechtigt.
  2. Doch: Welcher entscheidungsberechtige Verantwortliche („Politiker“) hört den „Ungehörten“ ehrlich zu und setzt dann auch um? Die Frage Ihrer Autoren richtet sich auch an Martin Schulz.

Was tun? Wie geht man mit den Einzelfällen, sie bilden eine erhebliche Summe, um?

Obwohl ich große Vorbehalte gegenüber Kommissionen und behördlichen Institutionen habe, scheint es mir dringend erforderlich, eine Einrichtung zu schaffen, die sich mit solch konkreten Bürgerpetitionen befasst. Eine Institution, möglichst auf bürgernaher regionaler/kommunaler Ebene ansetzend. (Der Bundestags-Petitionsausschuss erscheint mir viel zu fern.)

Der Einwand: Das kostet viel Geld! In der Tat!

Wie das Beispiel der von Ihnen zitierten Bauunternehmerin deutlich macht, es steht ja für vieles, kann die von ihr angebotene Qualitätsarbeit gegenüber scheinbaren Billigangeboten auch öffentliche  Kosten einsparen. Die häusliche Pflege alter oder behinderter Menschen ist sicher nur ein weiteres von vielen Beispielen, wie durch öffentliche Unterstützung privaten Engagements erhebliche Kosten eingespart werden könnten – sollte nicht St. Bürokratius aus formalen Gründen Einspruch erheben.

Mein persönlicher Einwand, den ich gerade heute noch mehr gewichte: Wie hoch sind die immateriellen Kosten für unser demokratisches Gemeinwesen, wenn es nicht gelingt, einen Teil dieser Bürgerbedenken ernsthaft aufzugreifen?  (Und welche materiellen Kosten werden diese immateriellen Folgen letztlich doch für jeden einzelnen Normalbürger bedeuten?) –   Reinhard Kniepkamp


Leserbrief zu „Die Ungehörten“ von Moritz Aisslinger et al.

Es tat so gut, Ihren Artikel zu lesen, endlich wird zur Sprache gebracht, was sonst keine Zeile Wert zu sein scheint. Ich kann alle vier Themen nachvollziehen und habe alle Bereiche auch selbst schon erlebt. Besonders aber entspricht die Beschreibung der Alleinerziehenden meine Geschichte.

In Kurzform, der Vater meiner Kinder hat sich von uns getrennt, da war unser erstes Kind 2,5 Jahre alt und die Kleine war erst eine Woche alt. Beides übrigens Wunschkinder, der Vater Diplom Ingenieur für Elektrotechnik und GmbH-Geschäftsführer, ich war Fachkauffrau für Marketing. Eigentlich könnte man meinen, eine gute Ausgangslage um eine Familie zu gründen. Aber mein Exmann hatte während der zweiten Schwangerschaft sein Interesse an Kindern verloren und eine andere Frau kennengelernt. Danach träumte er vom Neuanfang und da waren „Altlasten“ natürlich unerwünscht.

Wie bei Frau Eickhoff in ihrem Beitrag, stellte der Vater plötzlich die Zahlungen ein – da war die Kleine gerade mal 1 Jahr alt. Und er fand einen Anwalt, der das für ihn durchboxte. – Was darauf hin folgte, war schlichtweg ein Alptraum durch den unübersichtlichen Behörden-Dschungel, endloser Papierkrieg und immer wieder Demütigungen auch seitens der Beamten, aber auch mit den Gerichten. Es wäre jetzt zu lang, um alles zu erzählen, aber es gipfelte für mich in einer Aussage vom Jugendamt „Stellen Sie sich doch nicht so an, die Trümmerfrauen nach dem 2. Weltkrieg saßen mit 4 und mehr Kindern zu Hause und der Mann kam nicht zurück“. Zum damaligen Zeitpunkt wurde gerade der Unterhaltsvorschuss eingestellt, weil meine Älteste 12 Jahre alt wurde und es stellte sich heraus, dass das Amt in der Zeit des Unterhaltsvorschusses nicht einmal versucht hatte, den Unterhalt vom Vater zu bekommen. Für ihn reichten ein paar lapidare Aussagen am Telefon, dass er eben kein entsprechendes Einkommen hätte und seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommen könnte. Während ich mit den beiden Kindern um unsere Existenz kämpften, lehnte er sich einfach zurück und hatte auch noch die Rückendeckung vom Amt.

Fazit war: Mir fehlten damals 175 Euro pro Monat und das war äußerst schmerzhaft, weil schon in den Jahren zuvor die finanzielle Seite immer prekär war (ich konnte ja nur so viel arbeiten, wie ich Kinderbetreuung sicherstellen konnte und diese kostete zusätzlich Geld) und kaum noch irgendwelche Einsparmöglichkeiten hatte. Verzicht war an der Tagesordnung. Mir blieb nichts anderes übrig, als wirklich auch bei den Kindern schmerzhafte Einschneidungen vorzunehmen, d.h. den geliebten Sportverein kündigen, noch günstiger Lebensmittel einkaufen und ich habe bei meinem Arbeitgeber um Stundenerhöhung gebeten, was natürlich bedeutet hat, weniger Zeit für meine Kinder zu haben. Das war mit Abstand das schmerzhafteste.

Trotzdem haben wir es bis heute irgendwie geschafft über die Runden zu kommen.

Beide haben einen sehr guten Schulabschluss erreicht. Meine Große (23) hat eine Ausbildung gemacht und steht inzwischen auf eigenen Füßen. Die Kleine (20) studiert jetzt an der Universität im ersten Semester Biologie. Aber es ist für mich seit 1996 ein ganz erheblicher Kraftaufwand und ja, ich fühle mich seit Jahren damit buchstäblich „allein gelassen“. Von der Politik, die es nicht schafft, hier vernünftige, flächendeckende Maßnahmen bereit zu stellen (wenn es schon akzeptiert wird, das sich Väter einfach nicht an Gesetze halten!), aber auch von den Gerichten, die wie zahnlose Tiger wirken (da kann ich dem Staatsanwalt nur voll zustimmen!), von Arbeitgebern, die wenig Verständnis für den permanenten Balance-Akt in einer solchen Situation haben und natürlich von der Gesellschaft, die auch nur auf verwahrloste, schlecht erzogene Kinder von Alleinerziehenden schielen – anstatt die vielen Anderen zu sehen, die sich täglich dem Kampf stellen und eben nicht aufgeben. Für ihre Kinder. Egal, welche Steine die Politik einem in den Weg legt und wie überfordert man sich bereits fühlt. – Katrin Durner


Leserbrief zu „Journalismus als Verbrechen“ von Can Dündar

Kein Pardon für Erdogan und Co.! Die Türkei-wie wir sie kennen-darf nicht untergehen!

Die Türkei ist kein Rechtsstaat mehr, möchte aber von Österreich und Deutschland demokratisches Verhalten einfordern. Wir sind doch nicht auf einem Bazar! Free Deniz Yücel, oder die Türkei wird ein Staat „non grata“! Journalismus darf kein Verbrechen sein! Wir wollen wieder eine Türkei gratissima! Erdogan macht Deniz Yücel zu einem Nelson Mandela!

Es darf nicht sein, dass, wer die Wahrheit liebt und sagt, in der Türkei gleich einmal der PKK oder Gülen zugerechnet wird und als ein Staatsverräter denunziert wird. Die Türkei ist zu schön um verskandalisiert zu werden.

Friede und Wohlstand für die Türkei! (Meine Rufzeichen sind die roten Flaggen mit Mondstern!) Lassen wir die Türkei im Frieden wieder aufblühen! Das türkische Volk soll wieder tanzen dürfen und sich nicht hinter Gewehren und Panzern verschanzen müssen. Free Turkey!

PS: Herr Bozdag! Potz Blitz! Blitztausend! Schließen Sie die Höllenpforte, bevor der Dämon die Türkei auffrisst! – Ing. Egon Hofer


Leserbrief zu „Bibel-Fälscher? Bibel-Retter!“ von Evelyn Finger

Dem Artikel von E. Finger hätte es gut getan, wen er mit einigen der 15 785 geänderten Verse unterfüttert worden wäre. Die Zitate im Kasten mögen alle aus der neuen Lutherbibel stammen, allerdings finden sie sich samt und sonders genau so in der Version von 1985. Bitte nachliefern ! – Helga Rolker


Leserbrief zu „Diesel raus aus de Städten“ von Dietmar H. Lamparter, Petra Pinzler und Claas Tatje

Bei dem Thema habe spontan ein déjà vue: erst gibt es zu AKW keine Alternative, wenn man mit dem CO2-Ausstoß runter will, dann kam mit Fukushima eine radikale und mehr als überstürzte Wende und das Vom-Netz-nehmen der Kraftwerke. Nicht, dass sie abgeschaltet worden wären, das geht technisch nicht so einfach, und manche laufen noch mehr als 10 Jahre weiter, ohne allerdings noch Strom zu produzieren. Und nicht, dass die CO2-Aussage sich damit geändert hätte. Physik lässt sich nicht betrügen.

Bis zur Causa VW waren Dieselfahrzeuge der Bringer. Wirtschaftlich (auch wieder mit Blick auf CO2) und mit großem Potential. Dann der VW-Skandal, eben noch schnell ein paar Großbetrüger mit Millionen abfinden, und plötzlich dürfen selbst neue Fahrzeuge nicht mehr in Innenstädte. Wobei sich natürlich ebenfalls wenig an den Wirtschaftlichkeitsargumenten geändert hat, dafür aber plötzliche Horrorzahlen über Frühverstorbene, und mit gutem Zureden lassen sich auch Leute, die in den 1960er und 1970er Jahrem im Ruhrgebiet kräftig durchgeathmet haben, davon überzeugen, nun über Atemnot und allen möglichen Wehwehchen zu leiden. Und wie immer werden Behauptungen auch von den Medien kritiklos akzeptiert und verbreitet. Keine Frage, wer das außer Dieselfahrzeugen noch so rumgurkt, wo sonst noch Schadstoffquellen sind, wieso die Messwerte der Umweltämter auf dei Euronormen 2-5 überhaupt nicht mehr ansprechen und unter welchen sonstigen Lebensumständen die putativ früh verstorbenen denn sonst noch gelebt haben. Egal, um welche Erscheinung es sich handelt – der Diesel ist alleine verantwortlich, andere Ursachen gibt es nicht.

Wenn ich ein ähnliches Fass aufmachen wollte, brauchte ich nur zu behaupten, dass aufgrund von Erkenntnissen aus der Auswertung der Fernsehwerbung die Mitglieder der deutschen Fußballnationalmannschaft nur deshalb ihre Fähigkeiten entwickelt haben, weil sie konsequent einen bestimmten Nuss-Nougat-Brotaufstrich gefrühstückt haben. So lange ich das sage, sicher zu belächeln, aber es spricht einiges dafür, dass sich die Lemminge in Bewegung setzen, wenn jemand wie die Zeit die Behauptung seitenfüllend bringt. – Gilbert Brands


Leserbrief zu “ Bioschwabe kämpft mit Geistern“ von Burkhard Müller

mit Erstaunen und Irritation habe ich Burkhard Müllers Rezension des Erzählungsbands „Truggestalten“ von Rudolph Herzog gelesen, in der Sarah Khans „Die Gespenster von Berlin“ mit keinem Wort erwähnt werden, obwohl diese literarischen Reportagen Herrn Müllers Beschreibung nach offensichtlich die Blaupause für Herzogs Debüt bilden. Dass die ZEIT den Truggestalten eine halbe Seite widmet, ohne ihr Wiedergängertum zu thematisieren, erscheint mir ein bisschen viel der Ehre für Herrn Herzog. Die Tatsache, dass Sarah Khans Gespenster Herrn Herzog verfolgen und in seinen Truggestalten herumspuken, wäre doch eine schöne Pointe gewesen und hätte eine Würdigung verdient, anstatt lautstark totgeschwiegen zu werden. Khans Original jedenfalls sei hier nachdrücklich zur Lektüre empfohlen. – Julia Kühn


Leserbrief zu „Der 18. Brumaire des Donald Trump“ von Micha Brumlik

Micha Brumlik schreibt: „1840 unternahm er [Louis Napoléon Bonaparte] einen erneuten Anlauf gegen die Republik, diesmal von England aus, und erneut kam er in Haft.“ Halten sie mich bitte nicht für einen Erbsenzähler, und Frankreich erscheint uns seit Generationen nur als Republik, als drumherum alle Länder – mit Ausnahme der Schweiz – noch von gekrönten Häuptern regiert wurden, aber seit 1814 war Frankreich im Rahmen der Restauration wieder ein Königreich geworden (nur kurz unterbrochen von den „cent jours“ Napoléons I. im Jahr 1815). Nach der Julirevolution 1830, die den reaktionären König Charles X. hinwegfegte, bestieg der „Bürgerkönig“ Louis Philippe den Thron, von dem er dann aber in der 1848er Revolution absteigen musste. Damit begann die kurze II.

Republik, in deren Verlauf Louis Napoléon Bonaparte, wie im Artikel von Micha Brumlik beschrieben, sich erst zum Präsidenten wählen ließ und

1852 zum Kaiser Napoléon III. hochputschte. So viel von meiner Seite zur „Republik im Jahr 1840“. – Raimund Scholzen


Leserbrief zu „Diesel raus aus de Städten“ von Dietmar H. Lamparter, Petra Pinzler und Claas Tatje

Im Artikel widersprechen sich die Zahlen von vorzeitigen Sterbefällen (10.400 vs. 59.500 in 2012). Die EU Umweltagentur veröffentlicht solche Zahlen: der aktuelle Bericht schätzt für 2013 eine verkürzte Lebenszeit von 73.400 (eine weitere Zunahme) und ein Verlust der Lebenszeit von 943 Jahren/100.000 Einwohnern (auf den Einzelnen bezogen sind das 0,000934 Jahre oder 8 Stunden und 11 Minuten). Aber diese letzte Zahl bietet deutlich weniger Erregungspotential. Methodisch haltbar sind sie nicht. Jede Erkrankung hat eine Vielzahl von Einflussfaktoren, die sich gegenseitig verstärken oder auch schwächen. Wenn das Ergebnis von vielen auch untereinander abhängigen Faktoren abhängt, kann nicht auf den genauen Einfluss eines Faktors auf die Gesundheit geschlossen werden. M.a.W. die Gesamtsterbefälle können nicht auf die einzelnen Faktoren aufgeteilt werden. Nebenbei: das gilt in allen Systemen, in denen durch die Kombination von vielen Faktoren etwas Neues (hier leider die Krankheit oder der Tod) entsteht. Hinweis: im o.a. Bericht finden sich auch eine geschätzte Beeinflussung der Lebenszeit für Stickoxide und Ozon.

Wie allein diese drei Einflussgrößen sich gegenseitig beeinflussen und welche Auswirkungen das hätte, fehlt. Die Aufteilungsgrößen kommen aus epidemiologischen Untersuchungen; einfacher aus erhobenen Daten über Krankheiten und möglichen messbaren Verursachungsfaktoren. Der Rest ist Statistik und Mathematik. Wesentlich sind hier die Annahmen; denn jeder vermutete Wirkungsfaktor wird einen Teil erklären – mehr oder weniger gut (auch dafür gibt es Methoden). Die Abhängigkeiten zwischen den Faktoren werden i.d.R. nicht berücksichtigt. Um es kurz zu machen: man ermittelt mathematische Abhängigkeiten in beobachteten Zeitreihen, keine Ursache-Wirkungsketten, hierzu sind andere wissenschaftliche Methoden notwendig. Die Sache wird noch verzwickter, wenn auf solchen Grundlagen Grenzwerte festgesetzt werden, von denen behauptet wird, dass sie das Risiko senken (am liebsten vermeiden). Für die geneigten Leser wird dann mit Vermeidung argumentiert; denn nur das wird akzeptiert. Wird das Risiko nur reduziert, kommt die nächste Senkung des Grenzwertes spätestens dann, wenn die Messgeräte genauer werden.  Das Ganze kann erweitert auf die Ursachen der Feinstaubbelastung – das sind ja nicht nur Autos, sondern er entsteht auch durch „Kraft- und Fernheizwerken, Öfen und Heizungen in Wohnhäusern, bei der Metall- und Stahlerzeugung oder auch beim Umschlagen von Schüttgütern.

Er kann aber auch natürlichen Ursprungs sein (beispielsweise als Folge von Bodenerosion).“ (Umweltbundesamt) Wie immer gibt es mehrere Ansätze: etwa jeder bekannte Verursacher wird zur Vermeidung herangezogen. Wenn das nicht ausreicht, muss auch über eine Erhöhung der Grenzwerte nachgedacht werden. Da immer ein Risiko der Beeinträchtigung bleibt, ist auch dieser gewählte Grenzwert nicht wissenschaftlich bestimmbar bei einer schwachen methodischen Basis, sondern eine politische Entscheidung. Es geht um die Abwägung: welche Einschränkungen mute ich meinen Wählerinnen und Wähler zu, um ihr Leben um 8 Stunden und 11 Minuten zu verlängern (wenn man den Zahlen glauben mag). Vorsichtiger Hinweis: dem Tod entgehen wir damit nicht.  Die Gerichte prüfen die Übereinstimmung von Tatbeständen mit den gesetzlichen Vorschriften – und da ist es schon sinnvoll, wenn zumindest der Staat diese einhält, mal abgesehen von Verletzungen bestimmter EU-Vereinbarungen und –Verträge. – Bernd-D. Wieth

P.S. die methodische Basis gilt auch für Wirkungsaussagen zu bestimmten Lebens- und Genussmittel, sportlichen Aktivitäten etc. – Ihr Einfluss kann nicht bestritten werden, aber EINE einzelne Maßnahme hilft in den seltensten Fällen.


Leserbrief zu „Der 18. Brumaire des Donald Trump“ von Micha Brumlik

ich habe Ihren Artikel mit großem Interesse gelesen. Ganz zum Schluss werden Sie Napoleon III. aber nicht ganz gerecht. Sie schreiben, er habe Frankreich 1870 in den Krieg geführt. Nach allem was ich bisher mitbekommen habe, ist das nicht ganz richtig. Diesen Krieg wollte nicht die Führung Frankreichs, sondern die Bevölkerung. Diese war in Sorge, Frankreich könnte seinen bisherigen Einfluss in Deutschland ( seit dem 30.jährigen Krieg) verlieren und meinte, dies durch diesen Krieg verhindern zu können.

Napoleon der III. war also mehr getriebener als Anführer in diesem Krieg.

Schlimm ist diese Niederlage Frankreichs vor allem deshalb gewesen, weil Frankreich diese Niederlage 1871 nicht verkraftet hat und 1914 eine  Wiederholung betrieb, diesmal allerdings im Verbund mit fast ganz Europa. Und deshalb 1.Weltkrieg und im Gefolge der Faschismus. – Reiner Püschel


Leserbrief zu „Frei schreiben“ von Bernd Ulrich

Jeder gute und sinnvolle Diskurs erfolgt mithilfe einer einvernehmlichen Definition von Begriffen,  Deutschland und die Türkei indes entfernen sich darin zunehmend diametral.

Anders jedenfalls kann man Aussagen türkischer Minister, die Föderalismus als Faschismus, Meinungs- und Pressefreiheit als Agententum und Spionage bezeichnen, gleichwohl lauthals und wütend Benehmen einfordern, wohl kaum bewerten.

Aus diesem Grunde ist die türkische Regierung derzeit leider kein diplomatischer und politischer Gesprächspartner auf Augenhöhe, dortige Wahlen hin oder her.

Für die Zukunft muss daher beidseitig gelten: Weniger Stolz und Vorurteil zulassen, miteinander anstatt übereinander reden, dabei besser erklären und zuhören. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „»Wenn Sie mich namentlich zitieren, verklage ich Sie«“  von Tuvia Tenenbom

Wie bitter und von Ressentiments getrieben müssen Sie sein, um einen solchen Artikel zu verfassen. Den Rest Ihres Buchen mag ich mir nicht vorstellen.
Aber wenn ihre Ausführungen bei allem Zynismus wenigstens von Intelligenz und Originalität getragen wären, würde ich gern etwas lernen. Ich finde jedoch nur Plattitüden, in welche Sie die „investigativen Erkenntnisse“ hineinklöppeln – die in Ihr Weltbild passen –  ob`s Sinn ergibt oder nicht.

Das hanebüchene Argumentationsgebäude zum Thema Flüchtlinge in Deutschland, dass Sie aus den Aussagen dreier „guter Deutscher“ (woran erkennen Sie die eigentlich?) und zweier „reizender Studentinnen“ – einer blonden und eine dunkelhaarigen (welche Körperregionen reizten die beiden bei Ihnen genau?) zusammenzimmern, besteht also aus Deutschen und Arabern, die geliebt werden wollen, arabischen Frauen, die sich in deutschen Lagern prostituieren, wo sie gemeinsam mit ihren viele Kindern außerdem der massenhaften Vergewaltigung ausgeliefert sind. Das ist so haarsträubend, dass ich mich für Sie und die ZEIT fremd schämen muss, was da veröffentlicht wird.

Ich frage mich im übrigen, wer „das arabische Volk“ ist und wen Sie mit „uns“ meinen (von denen „das arabische und das deutsche Volk geliebt werden wollen“). Schaut her: so geht Demagogie!

Immer wieder prima auch die simplifizierte Argumentation bezüglich der schießenden Araber im Gaza-Streifen. Ich versuche mich mal an Ihrer Verkürzung von komplexen Zusammenhängen: Palästinenser werden belagert, vertrieben und eingemauert. Sie wehren sich aus einer eingemauerten Stadt heraus gegen Besatzer, die ihnen weder Freiheit noch Rechte gestatten und die obendrein die Mauern kontrollieren. Daraufhin schießen die Besatzer von außen auf die Eingemauerten, die also natürlich selbst schuld sind.

Aber zurück nach Deutschland. Angenommen, Sie wären wirklich daran interessiert zu erfahren wie junge Deutsche – eingeklemmt in Geschichtsbilder und Identitätssuche – darum ringen, eine Haltung zum Thema Solidarität mit Schutzsuchenden und historischer Verantwortung zu finden, biete ich Ihnen als Horizonterweiterung an: vielleicht geht es oft nicht um das Geliebtwerden von der Weltbevölkerung. Das ist für mich auch überhaupt nicht erkennbar neben all der Klugscheißerei von Leuten wie Ihnen. Ich kann für mich und meinen 18jährigen Sohn nur sagen: es ist eher ein zähes Ringen um moralische Werte, Achtung vor sich selbst, Hoffnung – obwohl deutsch – mal was „moralisch richtig“ zu machen. Die Tatsache, dass dabei Vieles in der Umsetzung überhaupt nicht gut läuft, diskreditiert nicht automatisch die guten Absichten und das große Engagement vieler Menschen in Deutschland, das in einer Extremsituation oft schlicht aus Mitgefühl entstanden ist. Was daran verdient Ihren Zynismus und Ihren Klugschiss?
Aber ich spüre kein Interesse. Sie sind alt und – ich fürchte – jenseits der Lernfähigkeit. Mir scheint, Sie sind auf Antworten angewiesen, die zu Ihrem Hass und Ihrer Verbitterung passen. Woher beides kommt, wissen Sie sicher besser als ich. Aber ich stelle mir vor, Beides würde mich sehr einsam und unglücklich machen und ich bin froh, nicht in Ihrer Haut zu stecken. Was soll nach Zynismus noch kommen?

Schade nur, dass Sie mit dieser Haltung auch genau die Antworten bekommen werden, die Ihnen Ihre Klischees von den hinterhältigen und gefährlichen – also antisemitischen – Deutschen bestätigen. Und Sie benutzen dann eben auch nur diese Antworten. Was gewinnen Sie dabei außer sich selbst zu befriedigen? – Uta Behrend


Leserbrief zu “ Das Gesetz der Straße“ von Martin Klingst

Sie schreiben, die Gerichte erkennten „inzwischen auch immer öfter auf Totschlag“ bei durch illegale Rennen Getöteten.

Können Sie ein – auch nur ein einziges – Beispiel dafür anführen?

Gericht, Datum, Aktenzeichen? Oder eine sonstige Quelle für diese Behauptung?

Ich bin nicht spezifisch im Verkehrsrecht unterwegs, aber ich halte mich für einen recht aufmerksamen (juristischen) Zeitgenossen, und ich habe noch nie davon gehört oder gelesen, dass JE ein Raser wg. Totschlages belangt worden wäre. Helfen Sie mir auf die Sprünge. – Dr. Christian Naundorf


Leserbrief zu „Die Ungehörten“ von Moritz Aisslinger et al.

Zeit N.10 vom 2.März 2017. Im Artikel „Die Ungehörten“ nimmt ein Staatsanwalt Stellung zu Fehlentwicklungen in der Justiz: „Das Dogma in deutschen Gerichtssälen ist, dass ein Verbrecher eigentlich kein Verbrecher ist, sondern en Opfer. Schwere Jugend, schlechter Einfluss, was auch immer. Die Gesellschaft war böse zu ihm, und deswegen müssen wir ihm jetzt helfen und ihn als armen Erkrankten behandeln und nicht als den Verbrecher, der er ist.“

Zeit: Es gibt verschiedene Gründe, weshalb der Staat einen Menschen bestraft. Einer wäre Vergeltung, ein anderer der Schutz der Gesellschaft vor gefährlichen Menschen. …. In Deutschland hat das Bundesverfassungsgericht 1973 entschieden, dass ein Straftäter sogar einen Anspruch auf Resozialisierung hat – dies leite sich aus seiner Menschenwürde ab.

Staatsanwalt: Ich kann einfach nicht einsehen, warum uns das Gesetz dazu zwingt, einen Straftäter, den wir für gefährlich halten, wieder auf die Menschheit loszulassen. Das müsste man ändern, um die öffentliche Sicherheit zu erhöhen. Dazu dürfte man den Täter aber nicht als armes Opfer betrachten, dass schnell wieder in Freiheit gehört. Man müsste sagen: Dieser Täter ist gefährlich. …. Über diese Schwelle gehen wir nicht. Das widerspricht unserer Freiheitsideologie.

Was hat dieser Ausschnitt mit „Hänschen klein“ zu tun? Wir könnten einen „Täter“ wie einen Erwachsenen  behandeln, der Verantwortung für sein Handeln übernehmen kann und muss, entsprechend der Würdigung seiner Schuld – so wie Hans nach den Verwirrungen seines Lebens gezeichnet ist von seiner Reise zum Erwachsen werden (ursprüngliche „Hänschen klein“ Fassung).  Das gäbe ihm meines Erachtens die Würde zurück, die er durch seine kriminellen Taten verletzt oder gar verloren hat. Die Rechtsprechung der deutschen Justiz macht aus dem Kriminellen jedoch ein „Hänschen“. Mutter „Justiz“ weinet sehr, hat ja gar kein „Hänschen“ mehr, da besinnt sich das reuige „Kind“ (der Täter macht sich klein) und Mama „Rechtsstaat“ geht lieb und fürsorglich mit ihm um und verschont ihn mit schlimmen Konsequenzen. Die Gefahr kommt jedoch jetzt auf, dass der Täter sich in der Seele nicht hinreichend für ihre Taten gewürdigt fühlt und „Mama“ Staat auf der Nase herumtanzt – bis Papa endlich reagiert und sei es in Form von Schicksal: Tod. Schuld braucht Würdigung, Konsequenz, damit der Täter seine Würde, seine Ehre wiederbekommen kann. Das ist gemeint mit dem Ruf nach einem starken Staat.

Das spüren insbesondere die eingefleischten Kriminellen, die kaum erreichbar sind mit den Methoden deutscher Resozialisierung, z.B. die libanesischen, kurdischen Familienclans oder die Kriminellen, die zum Teil sich als „Hänschen“ verkleidet unter die Flüchtlinge mischen und jetzt zum Thema der Politik werden. Wie viele Polizisten können ein Lied davon singen, das sich kriminelle über die deutsche Justiz lustig machen. Ich selbst haben in der Drogentherapie die Doppelbödigkeit erleben und erleiden dürfen, mit der kriminelle Drogenabhängige gerne mit §35 die mütterliche Resozialisierung in Anspruch nahmen, jedoch nur ein Teil von Ihnen sich zumindest ernsthaft einer konsequenten Therapie stellte. Und das Behandlungssystem, das abhängig ist von Belegung zur Existenzsicherung, läuft Gefahr, sich von den Kriminellen in Geiselhaft nehmen zu lassen.

Auf die Verweichlichung und den Verlust  erwachsener und auch väterlicher Reaktion auf Kriminalität in der Justiz reagiert nicht umsonst die „Volksseele“ – auch in Form der nationalen und autoritären Bewegungen.

Und auch deshalb braucht es eine neue Form von „Nüchternheit“ in der Gesellschaft. Für diese Qualität wurde Angela Merkel geschätzt. Jedoch gerät Sie vielleicht auch deshalb jetzt in die Krise, weil „Nüchternheit“ ohne „Lebendigkeit, Emotionalität und Schicksal“ nicht ausreicht. Nüchternheit ist mehr als Abstinenz!

Vielleicht stehen die rechten Bewegungen auch für die Krise der Männlichkeit. Männliche Nüchternheit ist in einer neuen Qualität gefordert. Martin Schulz scheint diese Qualität als trockener Alkoholiker mitzubringen. Ich vermute, dass er auch deshalb so gut ankommt, weil er nüchterne Lebensbewältigung mit seinem Schicksal als trockener Alkoholiker verkörpert – und das auf männliche Weise. Er hat sich seiner Heldenreise gestellt.

Angela Merkel stand als ehemalige DDR-Bürgerin und Frau auch für die Emanzipation der Frauen und verkörperte sie auf populäre Weise – als Heldin. Erleben wir jetzt die Zeit der Emanzipation des Mannes? – Jürgen Behring


Leserbrief zu „Diesel raus aus de Städten“ von Dietmar H. Lamparter, Petra Pinzler und Claas Tatje

Bei ihrem Artikel frage ich mich ob Sie abhängig von Hamburg sind. Wir haben in Hamburg sechs Luftmessstationen die seit Jahren die 40 Mikrogramm Stickoxid mehrfach im Jahr überschreiten. Hinter vorgehaltener Hand sagt man, das rund 200 000 Bewohner vergiftet werden. Wenn so ein Artikel, dann bitte auch Hamburg mit einbeziehen. – Alwin Richmann


Leserbrief zu „»Wenn Sie mich namentlich zitieren, verklage ich Sie«“  von Tuvia Tenenbom

Ich lebe auf dem Land in Oberbayern und erlebe, wie viele Menschen sich aus unterschiedlichsten Gründen in den Gemeinden bei den Flüchtlingen engagieren. Es ist nicht nur abwegig dies mit der Nazizeit in Verbindung zu bringen, sondern zeugt von mangelnder Bereitschaft den gelebten Humanismus in Deutschland zu honorieren. In einem jedoch muss ich dem Autor zustimmen, dass im deutschen Alltag die Nazivergangenheit, durch Dauerpräsenz ein schlechtes Gewissen hervorruft. Das macht sich unter anderem dadurch bemerkbar, dass ein Israeli eine Seite in ihrem Blatt für ein unsäglich und unqualifiziertes Buch mit spitzen Seitenhieben zur Verfügung gestellt bekommt.- Anonymer Leser


Leserbrief zu „Europa kann es doch“ von Mark Schieritz

Gerade in Zeiten wie heute können wir alle solche Nachrichten wie „Europa kann es doch“ sehr gut gebrauchen.  Diesesr Artikel hätte eigentlich auf Seite 1 gehört und nicht auf Seite 29. Hier kommen diese Nachrichten nicht mehr zur Geltung. Öfter mal positives zuerst. Schlechte Nachrichten können auch mal hinten anstehen. – Wolfgang Vögele


Leserbrief zu „Bibel-Fälscher? Bibel-Retter!“ von Evelyn Finger

Auf Seite 50 haben Sie einen einen brillanten Artikel von Evelyn Finger über die neue Lutherbibel gebracht. Allein die angeführten Bibelstellen sind nicht überzeugend. Der Vergleich zeigt, dass oft zum 1984er Text keine Unterschiede bestehen, manchmal nur Umstellungen, selten inhaltliche Änderungen, über die man auch streiten kann, so z.B. wieder „Staub“ statt „Erde“. Beim ersten Lesen in der neuen Ausgabe hatte ich sowieso den Eindruck, dass sich der Texte wieder dem 1912er Text annähert, also archaischen(?) Worten oder Formulierungen voller Kraft. Im Vergleich der hier angegebenen Bibelstellen erkennt man, dass der 1984er Text doch sehr gut und lutherisch war. Es freut mich, dass bei den Übersetzern seit Langem (wieder?) Qualität vor Mode geht. – Christian von Faber


Leserbrief zu „Liebe Freier“ von Johannes Böhme

Der Blick eines Gutmenschen auf die Prostitution.Was Freund Rene betrifft,der ist ja nun gerade auf den Geschmack gekommen und wird Mittel und Wege finden,wie auch immer die Gesetzeslage ist, entsprechende Damen aufzuspüren. Denn Rene bleibt Rene,wie auch anders? Da helfen auch die Vorschläge und Ermahnungen des Autors nichts. Merke: „Das gebührenpflichtige Bumsen in seinem Lauf,halten weder Gesetze,die Schweden noch  der Autor auf“ nb Schweden: den Damen weniger Kondome geben volliodotisch.Weil: Glauben die Svenkes bei der Kälte in  ihrem Land, fieren Gonokokken und Spirochäten auch ein? – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „»Wenn Sie mich namentlich zitieren, verklage ich Sie«“  von Tuvia Tenenbom

Ach du liebe ZEIT, bitte hören Sie damit auf, ganzseitige Beiträge von Demagogen und Deutschlandhassern zu veröffentlichen. Im vorliegenden Fall hätte eine bescheidene Rezension in der Rubrik „Wir raten ab“ genügt. – Manfred Dubrow


Leserbrief zu „Die Mitte liegt rechts von der CDU“ von Marc Brost und Peter Dausend

SPAHN LIEGT FALSCH!

Die Warnungen von Herrn Spahn sind ein erschreckendes Amalgam aus den ewigselben reaktionären Thesen zu „Wir“ (Deutschen) und „Die“ (Nicht-Deutschen) einerseits und wirren soziologischen Befunden andererseits. Wie er in ein und demselben Interview von teilweise jahrzehntelang missratener Integration und kultureller Überforderung zugleich sprechen kann, offenbart sein Grundmuster: Integration ist misslungen, weil nicht rechtzeitig durchgegriffen wurde. Wieso muss man einem führenden deutschen Politiker immer noch erklären, dass der Kriminalitätserfolg libanesischer Familienclans auch etwas mit fehlenden Bleibeperspektiven zu tun hat? Ist es ihm z. B. unmöglich, die Demütigungserfahrungen eines schwulen Mannes in einer konservativen (deutschen) Heimat einmal auf ihre strukturelle Ähnlichkeit mit den Herabwürdigungserlebnissen einer illiberalen (Neu-)Heimat für türkische Jugendliche zu überprüfen? Und was meint er schließlich damit, gefühlte Fremdheit in der eigenen Stadt als politischen Auftrag wahrzunehmen? Wenn er hier im Sinne des AfD-Mottos „Perception is reality“ unterwegs ist, dann steht fest: Nicht die Mitte liegt rechts von der CDU, sondern Herr Spahn liegt – falsch. » – Ulrich Speckenwirth


Leserbrief zu „Liebe Freier“ von Johannes Böhme

Die Tatsache, daß die Menschheitsgeschichte ohne die sehr vielfältigen „Spielarten“ von Prostitution  faktisch nicht vorstellbar ist, obwohl in der offiziellen Ethik der Staaten die Körperleihe zu Zwecken der Erzielung eines Einkommens verpönt oder auch streng verboten ist, führt dazu, daß in regelmäßigen Zeitabständen wieder einmal darüber räsonniert wird, wie man dem Übel abhelfen könnte. Ob das sogenannte „nordische Modell“ der Prostitutions-Prohibition – also Bestrafung der Freier – wirklich „all in all“   eine Lösung ist, weiß Niemand. Denn was man weiß,  ist, daß wenn Prostitution in den Untergrund gedrückt wird, jegliche Kontrolle – auch und gerade  mit der Prostitution ansonsten einhergehender krimineller Delikte – sehr schwierig wird. ^^ Der Gegenstand der Bekämpfung von Prostitution ist zwar in erster Linie die Zwangsprostitution-. Aber die Grenzen zwischen dieser und  einer freien Entscheidung, sich zu prostituieren, sind offenbar fließend. ^^ Ausgerechnet sehr ehrenwerte Gesellschaften und Staaten wie die  Schweiz tun sich äußerst schwer, das „Phänomen“ der Prostitution auf menschliche Maßstäbe °einzuhegen°.  Die Stadt Zürich kann davon ein Lied singen.  Zwangsprostitution läßt sich bekämpfen,  wenn Zwangsprostituierten sehr großzügige Ablösesummen für den Ausstieg aus der Sklavin-Situation gezahlt werden und ihnen  auch die nötigen Identitätspapiere verschafft werden, damit sie in ihre Heimatländer zurückkehren können oder in Deutschland  um einen normalen Job nachsuchen können. ^^ Ein generelles Verbot der Prostitution ist aber heute schon deshalb nicht möglich,  weil die faktische Prostitution längst bis weit in die Gesellschaft hinreicht. ^^  Es gibt Frauen, die sich  in den entsprechenden Kreisen von gut betuchten Freiern gar nicht mit € in Scheinen  entlohnen lassen, sondern mit teuersten Modeartikeln aus der Luxusbranche. ^^  Rosemarie Nitribitt war eine solche Hure, die aber nun einmal ihren „Beruf“ mit einer gewissen Eleganz ausübte, was sie leider vor einer bisher ungeklärten Ermordung nicht schützte. ^^ Der offizielle Feminismus hat sich zur Prostitutionsfrage meist immer nur lauwarm geäußert. Prostitution ist – soziologisch –zwar °abweichendes Verhalten°, aber wegen der Jahrtausend langen  mehr oder weniger stillen Duldung doch Teil der Gesellschaft geworden ( siehe das „lucanum „ in Pompei und anderen Orten der Römischen Antike). Im Übrigen ist inzwischen in modernen westlichen Gesellschaften die gesamte Konsumwelt hoffnungslos erotisiert und sexualisiert. Auswüchse muß man bekämpfen und die Zwangsprostitution läßt sich auch bekämpfen, wenn man den betroffenen Frauen den Ausstieg aus ihrem , eben Sklavinnen-Käfig ,  materiell erleichtert. Ob allerdings die Steuerbürger dafür zahlen wollen, ist gar nicht so  wirklich ausgemacht !!!- Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Tödliches Gift“ von Ulrich Bahnsen

In dem Artikel wird ausgeführt, dass Atropin ein wirksames Gegenmittel für das Nervengift VX sei, mit dem Kim Jong Nam ermordet wurde. Diese Aussage trifft nur teilweise zu. Zwar hilft Atropin gegen zahlreiche der von VX ausgelösten Symptome, aber nicht gegen die letztlich zum Tode führende dauerhafte Kontraktion der Atemmuskulatur.

Zum Hintergrund: VX hemmt den Abbau von Acetylcholin, eines wichtigen körpereigenen Botenstoffs. Die Wirkungen von Acetylcholin werden über zwei unterschiedliche Rezeptortypen, nämlich muskarinische und nikotinische Acetylcholin-Rezeptoren vermittelt. Während Atropin ein wirksames Gegenmittel an muskarinischen Rezeptoren ist, lässt es die Acetylcholin-Wirkung an nikotinischen Rezeptoren praktisch unbeeinflusst. Die Dauerkontraktion der Atemmuskulatur involviert allerdings die nikotinischen und nicht die muskarinischen Acetylcholin-Rezeptoren. Ein wirksames Gegenmittel für VX im Hinblick auf die Atemlähmung wäre zum Beispiel Curare (d-Tubocurarin) oder eine andere Substanz aus der pharmakologischen Gruppe der Muskelrelaxantien. – Prof. Dr. med. Rainer Rettig


Leserbrief zu “ Hört auf zu schweigen!“ von Karl-Ludwig Kley

Hinkende Vergleiche

Herr Karl Ludwig Kley von E.on, bezieht sich bei seiner Ablehnung einer Obergrenze bei Managern auf das Einkommen von Sportlern  und Medienstars. Dieser Vergleich scheint nur im ersten Moment plausibel, bei genauerer Analyse ergeben sich jedoch Sachverhalte die einem Vergleich nicht standhalten.

  1. Sportler und Medienstars bekommen keine Abfindungen wenn sie nicht mehr engagiert werden. – Manger hingegen schon.
  2. Sportler und Medienstars bekommen keine Rente (da selbständig)  – Mager hingegen schon.
  3. Sportler und Medienstars müssen sich dem direkten Feedback durch die Öffentlichkeit stellen – Manger hingegen nicht.
  4. Für Fehler die ein Sportler oder Medienstar anrichtet, muss kein anderer dafür gerade stehen- bei den Manger schon (Arbeiter und Angestellte – siehe VW)
  5. Es lohnt sich daher immer die getroffenen Vergleich und Aussagen einer genauen Analyse zu unterziehen.

Mein Vorschlag wäre: Manger bekommen ein Grundgehalt (gerne bis 1 Million). Die darüber hinausgehende Bezahlung ist Ergebnisorientiert (Boni) und wird für mindestens 5 eingefroren (Eine ähnliche Vorgehensweise gibt es bei Vorzugsaktien). Stellt sich nach Ablauf dieser Frist heraus, dass die Entscheidungen dem Unternehmen nicht geschadet haben, so bekommt der Manger das Geld ausbezahlt. Falls jedoch das Gegenteil der Fall ist, fließt es dem Unternehmen wieder zu. Somit wäre eine langfristige Strategie gewährleistet. – P. Emmert


Leserbrief zu „Liebe Freier“ von Johannes Böhme

Das älteste Gewerbe abschaffen zu wollen wäre eine moralisch gute Tat. Es wird sich nur nicht machen lassen. Das eigentliche Dilemma ist ja nicht die Prostitution selbst , sondern das Umfeld auf dem sie sich bewegt.

Es wird auch viel dummes Zeug erzählt. Verlässliche Untersuchungen sind gar nicht möglich , weil sich das Gewerbe gar nicht in die Karten gucken lässt. Deutschland hat die Prostitution legalisiert. So verkehrt war das gar nicht. Es kann meines Erachtens nur politisch gelöst werden.

Die polizeilichen Massnahmen gegen Menschenhandel müssen erhöht werden. Im Zuge der Absicherung der Ländergrenzen gegen Einwanderung müsste der Menschenhandel auch ins Visier der Grenzwächter genommen werden. Irgendwie müssen diese Damen doch auch reisen.

Dafür ist doch die Zeit jetzt gegeben. Wenn nicht jetzt, wann dann. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Bibel-Fälscher? Bibel-Retter!“ von Evelyn Finger

So sehr ich sonst die Arbeit von Evelyn Finger schätze, so verärgert war ich über ihren Beitrag „Bibel-Fälscher? Bibel-Retter!“ vom 2. März 2017. Leider hat sie vom Thema Lutherbibel nicht die nötige Ahnung. Es stimmt einfach nicht, dass sich die evangelische Kirche erst jetzt auf die Sprachkraft Martin Luthers besonnen hätte und „die EKD nun Schluss“ machte mit unnötigen sprachlichen Modernisierungen seiner Übersetzung. Damit war schon bei der vorletzten Überarbeitung des Neuen Testaments 1984 Schluss, die anders als alle vorangegangenen Revisionen der Lutherbibel nicht mehr das vorrangige Ziel leichterer Verständlichkeit hatte, sondern an vielen Stellen den alten Wortlaut wiederhergestellt hat, auch wenn es sich um lexikalische und syntaktische Archaismen handelte. So lauteten die 13 Beispiele, die Evelyn Finger unter der Rubrik „Luther spricht wieder seine Sprache“ anführt, schon in den letzten 33 Jahren keinen Deut anders.

Um die Richtung der neuesten Revision zu verdeutlichen, hätte sie ganz andere Stellen heranziehen müssen, z.B. Markus 1,14. Luther übersetzt 1545: „Nachdem aber Johannes überantwortet ward, kam Jesus in Galiläa“. Bei der vorletzten Revision waren wir „Bibelfälscher“ der Überzeugung, dass man unter „Überantwortung“ nicht mehr die „Gefangennahme“ versteht, die im Urtext gemeint ist, und so lautete die Stelle seit 1984: „Nachdem aber Johannes gefangen gesetzt war, kam Jesus nach Galiläa“. Jetzt meint man, dass beim heutigen Leser und Hörer vorausgesetzt werden kann, dass mit „überantwortet“ „verhaftet“ gemeint ist, ersetzt aber „ward“ durch „wurde“: „Nachdem aber Johannes überantwortet wurde, kam Jesus nach Galiläa“ (2017). Das ist zwar wörtlich richtig, aber insofern inkonsequent, als uns an 115 anderen Stellen das Wort „ward“ zugemutet wird, macht die Lutherbibel zu einem Museumsstück, das man bewundern, jedoch nicht mehr ohne weiteres verstehen kann, und widerspricht Luthers eigenem Grundsatz, sich nicht an der Ausgangs- sondern an der Zielsprache zu orientieren. Luther fragte sich, wie ein guter deutscher Satz lauten müsse, damit er den gleichen Sinn wie das Original transportiert. Eine Bibelübersetzung, deren Sprache nur wenigen Germanisten zugänglich ist, kann ich als Pfarrer und Religionslehrer nicht gebrauchen. – Jürgen Thiede


Leserbrief zu „Schulz ist kein klassischer Populist“, ein Interview mit Clemens Fuest, geführt von Lisa Nienhaus

Ärgerlich undifferenziert

Manager, Fußballer und auftretende Künstler in einen Topf zu werfen ist nicht sonderlich genau. Die als Beispiel genannten Sänger treten immerhin jedes Mal selbst auf, verrichten den Hauptteil der Arbeit, es gibt keine Ersatzbank, die wesentlichen Einnahmen werden nicht durch horrende Rahmenverträge mit den Rundfunkenanstalten erzielt.

Ein Sänger verdient solange gut, wie Menschen zu Konzerten kommen oder Tonträger kaufen. Und jetzt vergleiche jeder selbst mal schnell, wie es im Gegensatz dazu bei Managern bzw. Fußballern aussieht…- Rudolf Hartmann


Leserbrief zu „Die Ungehörten“ von Moritz Aisslinger et al.

ENDLICH veröffentlicht mal jemand, was wirkliche Menschen wirklich erleben und wo es doch hier und da erheblich hapert in unserem ansonsten so beneidenswerten Land. Hoffentlich kommen auch konstruktive Antworten von den Verantwortlichen (Parteien).

Wie gut, dass es die ZEIT gibt. Weiter so! – G.Gutermuth


Leserbrief zu „Diesel raus aus de Städten“ von Dietmar H. Lamparter, Petra Pinzler und Claas Tatje

Im Artikel „Diesel raus aus den Städten (Seite 25)“ präsentieren Sie Zahlen, die ich im Zusammenhang mit dem Artikel „Fortschritt beim Feinstaub (Seite 5 in der Beilage „ZEIT Doctor“) in derselben Ausgabe nicht verstehe und ich bitte Sie um Erklärung oder ggfs. Richtigstellung:

Die Zahlen im Wirtschaftsteil nennen als Quelle das Umweltbundesamt mit Messungen von 2014.

Die Zahlen in der Beilage ZEIT Doctor beziehen sich auf 2009 und 2016 ohne Quellenangabe, aber mit dem Zusatz „10 Mikrometer pro Partikel (PM10)“.

Sicher bin ich nicht der einzige Leser, der beide Artikel gelesen hat und sich wundert:

Wie ist es möglich, dass in München 2009 32 mikrog/m3, 2016 nur noch 22 mikrog/m3 (Doctor) aber kurz vor 2016, nämlich 2014, noch 83 mikrog/m3 (Wirtschaft) gemessen wurden?

Was ist zwischen 2014 und 2016 in München geschehen, um den Feinstaub um 61 mg/m3 zu reduzieren?

Mit den Zahlen für Berlin sieht es ähnlich aus: 2009: 33, 2016: 22, aber 2014: 62 mikrog/m3.

Falls ich da irgendetwas nicht richtig verstanden habe, erklären Sie es mir bitte oder korrigieren Sie es.

Möglich sind 3 Antworten:

  1. a) Beide Ihrer Angaben sind korrekt – aber warum?
  2. b) Eine Ihrer beiden Angaben ist korrekt – aber welche?
  3. c) Keine Ihrer beiden Angaben ist korrekt – wohl eher unwahrscheinlich.

Über eine Antwort mit EWrklärung würde ich mich sehr freuen. – Hans-Peter Dickmann


Leserbrief zu „Einsen für alle“ von Thomas Kerstan und Martin Spiewak

Herr Klein hat meine volle Sympathie. Ich wohne in NRW und habe selbst 3 Kinder und war eine zeitlang im Elternbeirat einer Realschule in Düsseldorf. Wahr ist, die Schulen in NRW befinden sich fast durchweg in einem Bildungsnotstand.  Und ich behaupte, das ist von den Schulbehörden auch so gewollt.  Herr Klein untertreibt noch.  Der Leistungsgedanke war besonders für die Sozis eine autoritäre Schandtat aus den Jahren des Dritten Reiches. Diesen obstrusen Gedanken erkenne ich auch bei Frau Stanat. Ich hatte mich bei Pädagogen in meiner aktiven Zeit in Bayern erkundigt. Für die wäre das alles unvorstellbar gewesen.

Die kannten den Zustand in NRW. Eine Lehrerin riss sich sogar zu der Aussage hin: „Es würden ihr die Kinder und Eltern leid tun, die in NRW  auf solche Schulen angewiesen sind. Bayern und Sachsen sind die Leistungsträger der kommenden Elite. Ich kann mich noch gut daran erinnern als die SPD den Begriff „Elite“ abschaffen wollte. Was mich nach dem Interview viel mehr umtreibt ist die Frage: Wie konnte Frau Stanat überhaupt zu ihrem Job als Direktorin des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen kommen? Das macht mich wütend , wenn man solche dummen Aussagen von Frau Stanat sich anhören oder lesen muss.

Ihr Kollege Dieter Lenzen von der Freien Universität, Berlin ist ein großer Verfechter einer Leistungskultur in unseren Bildungsstätten.  Wer hat das zu verantworten, das Frau Stanat überhaupt dafür ausgesucht worden ist.? Die Leserbriefredaktion möge doch bitte meine Zuschrift auch den Beiden zur Kenntnis bringen. Vielen Dank.  – Gunter Knauer


Leserbrief zu “ Trump und Terror“ von Josef Joffe

Wenn ich Herrn Joffe richtig verstanden habe, dann ist das Verhältnis zwischen Trump und den Medien eben nicht parasitär (einseitig), sondern eher und ironischer Weise symbiotisch (beidseitig). Danke in jedem Fall an Herrn Joffe für seine stets gern gelesenen Einwürfe zum Zeitgeist. – Robert Lojewsky


Leserbrief zu „Was machen die mit ihren Köpfen?“ von Adrea Böhm

Es war übrigens eine Frau, die aus den ursprünglich düsteren Anfängen des Sufismus eine mystische Bewegung machte.

Really, düstere Anfänge? Is that a fact?

And where in the world is it written that in the 8th century Sufis were contemplating Armageddon?

ständig über den Weltuntergang meditierend” come on give me a break!

The original Sufi were basically mystics – people who followed a pious form of Islam and who believed that a direct, personal experience of God could be achieved through meditation.

Sufi mysticism endeavored to produce a personal experience of the divine through mystic and ascetic discipline. (Quotes from somewhere)

I don’t doubt any of the gefährliche Übungen and the twisting and turning, what have you.

BUT it really has very little to do with Sufism. I have a vague suspicion that when these mystics had and actual experience they might have started to dance, for joy, for gratitude or just for the hell of it. To whirl and twirl around in the hope of seeing god, good luck!

Please give my regards to Frau Böhm. I’m not trying to be a smart ass, or am I? I hope not. It’s just that some readers might stuff Sufism into some kind of box where it definitely does not belong.

By the way liebe ZEIT, I do get you every week and you are great. Keep it UP! – Günther Schöll


Leserbrief zu „Liebe Freier“ von Johannes Böhme

Was für ein dummer und sexistischer Artikel. Ja, man kann der Meinung sein, dass Prostitution verboten werden muss. Aber dann muss es für beide Seiten verboten sein. Der Autor verbrämt natürlich die tatsächliche Intention. Richtig ist nicht, dass Freier einseitig bestraft werden sollen, sondern dass Männer einseitig bestrafr werden sollen. Männer, dieser Abschaum, den man nach Meinung unserer gleichgeschalteten Presse am besten mit Güterwaggons in den Osten fahren und dort vergasen sollte.

Ja, Männer verdienen mehr und haben öfter politische Macht. Dafür sterben sie sechs Jahre früher, haben weniger Zeit für ihre Familie und vor allem: erhalten keinen Respekt.

Wenn in Köln in der Sylvesternacht Ausländer häufiger kontrolliert wurden als Deutschen, dann heißt es: „Dann ist es kein Wunder, wenn die Terroristen werden“. Wenn Männer an bestimmten Tagen nichts ins Schwimmbad gehen dürfen, bestimmte Clubs oder Gaststätten nicht betretten dürfen und – ganz nebenbei – von der Polizei ebenfalls häufiger angehalten werden, schweigen die gleichen Leute.

Das ist erbärmlich. Ja, man kann Prostitution verbieten. Aber nicht nur für ein Geschlecht. – Jan Alexander


Leserbrief zu “Globalisierung, aber gerecht” von Wolfgang Schäuble

Minister Schäuble legt die guten Vorsätze der Regierung vor der Übernahme der G20-Präsidentschaft dar. Er schreibt von der besonderen Verantwortung Deutschlands für ein sicheres Zusammenleben durch Kooperation der Staaten und für die internationale Arbeitsteilung als Grundlage unseres Wohlstandes. Das, was er dazu ausführt, ist eine Einkleidung des „Weiter so“ in schwammige Phrasen, nebulöse Aussichten und Halbwahrheiten. Es sind des Kaisers „neue“ (alte) Kleider.

Ein Beispiel: „…ganz oben auf der Agenda“ stünden „eine konsequente und lückenlose Regulierung der Finanzmärkte“. Von „ eine(r) stabile(n) und robuste(n) internationale(n) Finanzarchitektur“ ist die Rede. Mit keinem Wort erwähnt der Finanzminister die weltweite Verselbstständigung des fiktiven Kapitals, also des Wettlaufs von Wertversprechen auf die Zukunft mit sich selbst. Das Verhältnis der Größe von solchem Casino-Kapital zu der Menge des realwirtschaftlichen, das durch stoffliche Produkte gedeckt ist, beträgt laut wissenschaftlichen Befunden ca. 5000 zu 1. Die Realwirtschaft, in der die Masse der abhängig beschäftigten Menschen ihre Lebensgrundlage hat, ist ein irrelevantes Anhängsel des fiktiven Kapitals geworden, sie ist nicht mehr systemrelevant und kann beliebig geopfert werden.

In diesem Rahmen ist der „Compact with Africa“ – ein Angebot, dass „internationale Organisationen mit ausgewiesener Afrikaexpertise gemeinsam mit interessierten afrikanischen Ländern … enge Partnerschaften eingehen“, – ein lächerliches Unterfangen. Herr Schäuble redet hierbei übrigens mit keinem Wort über eine dringlich notwendige Umkehrung der unfairen Zollpolitik der EU gegenüber Afrika.

Beim Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankgouverneure (die das Geld für die Verlängerung der Wertversprechen auf die Zukunft drucken) am 17./18. März sollen „Prinzipien für die Stärkung der Widerstandsfähigkeit“ der erwähnten Finanzarchitektur verabschiedet werden. Welche Prinzipien sollen das denn sein? Vor den Folgen des nächsten Kollapses des Casino-Kapitalismus kann uns nur eine strikte Abkopplung der Realwirtschaft von der Sphäre des fiktiven Kapitals schützen. Dazu müsste die entsprechende Erleuchtung in die Hirne der tatsächlich Mächtigen fahren. Und zu denen gehören Herr Schäuble und seine Chefin kaum. Die christlichen Demokraten müssten zudem wissen: Der Heilige Geist hat es im Vatikan schon schwer genug, von London oder der New Yorker Wall-Street ganz zu schweigen. – Viktor Rintelen


Leserbrief zu „»Wenn Sie mich namentlich zitieren, verklage ich Sie«“  von Tuvia Tenenbom

Ach du liebe Zeit, Herr Tenenbom ist wieder on the road. Zugegeben: Die jungen Menschen in seinem Report reden einigen Blödsinn. Aber die Folgerungen, die Herr Tenenbom daraus zieht, zieht er an den Ohren herbei: „Wir sind in Deutschland, kein Wunder also…“, „…irgendwie nicht in der Lage, Juden als Menschen zu betrachten…“, ..die Juden sind unmenschlich…“, „…Judenhasser…“. Es gibt in Deutschland immer noch viel zu viele, die Juden hassen. Leider. Aber ein jüdischer Dummschwätzer hilft da auch nicht wirklich weiter. Oder war das jetzt antisemitisch? – Kurt Eimers


Leserbrief zu “ Das Gesetz der Straße“ von Martin Klingst

In der Befürchtung, dass Thomas Fischer Das Gesetz der Straße aus Rücksicht vor seinen Kollegen, die mutmaßlich – der Autor möge gedanklich hinzufügen: bedauerlicherweise – von den Angeklagten in der Wahrnehmung ihrer Verfahrensgrundrechte, d.h. mit ihrer Revision, beansprucht werden, umkommentiert lässt:

Wie kommt ein Urteil zustande? In § 261 StPO heißt es dazu: „Über das Ergebnis der Beweisaufnahme entscheidet das Gericht nach seiner freien, aus dem Inbegriff der Verhandlung geschöpften Überzeugung.“ Der Richter wird sich dabei nicht nur mit den ermittelten Tatumständen – der Amtsermittlungsgrundsatz des § 244 Abs. 2 StPO gilt auch für Fragen der Entlastung -, sondern – und an dieser Stelle wird es nun spannend – auch mit den Rechtsfragen auseinandersetzen. Er fragt also abstrakt in etwa: „Aber ist es tatsächlich etwas anderes, ob jemand mit direkter Tötungsabsicht handelt oder es [der Tod eines anderen] ihm ‚nur‘ völlig gleichgültig ist?“ Eine Frage, die – streicht man ihre aufgedrängte Suggestion als Geschmacksanreger für den gemeinen Anhänger des hiesigen Empörungskults weg – mit Blick auf die hier interessierenden Tatumstände denknotwendig (§ 261 StPO) mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann; und nicht wie der Autor dem Bauchgefühl wohlgesinnt insistiert, „nur“ in der Annahme (sic!, denn niemand kann in den Kopf eines anderen schauen) einer „bedingten Tötungsabsicht“ mündet.

Sollte der Richter nunmehr zu der Annahme eines wie auch immer gearteten Tötungsvorsatzes gelangen, der im Übrigen unverzichtbare Voraussetzung sowohl für Mord als auch für Totschlag ist (Umkehrschluss zu § 222 StGB; das gegenüber dem „Mord“ vermeintlich abtrünnige Institut des bloß „vorsätzlichen Totschlags“ dient allein der Erregung der vom Autor adressierten Law-and-Order-Fans), stellt er sich die Frage der Mordmerkmale: ist ein Pkw also ein „gemeingefährliches Mittel“. Auch wenn der Autor hier mit seiner legitimen Argumentation eine andere Ansicht scheinbar nicht zulässt, dürften sich mit Blick auf den ultimativen Strafrahmen des § 211 Abs. 1 StGB durchaus Zweifel an einer entsprechend extensiven Auslegung einstellen.

Denn: wie lautet das (selbstgerechte) Mantra dieser Tage? „Wir leben in einem Rechtsstaat.“ Angesichts der aufgezeigten Komplexität der richterlichen Urteilsfindung ist man mit Blick auf die vom Autor präsentierte quasi-„postfaktische“ Stimulation des Volkszorns indes geneigt, ein „solange und soweit es uns passt“ hinzuzufügen. Das öffentlichkeitswirksame Bashing der „zu lange […] nachsichtige[n]“ Justiz dient dabei als Wasser auf den Mühlen derjenigen, die es – entgegen von Art. 1 Abs. 1 GG – als Aufgabe des Rechtsstaats ansehen, „endlich“ (die mitschwingende Verdächtigung wegen Rechtsbeugung, § 339 StGB, außer Acht gelassen) „ein Zeichen [zu] setzen“, den einzelnen also zu Gemeinpräventivzwecken zum bloßen Objekt des Staates zu machen.

Das Gesetz der Gerichtsreportage als Bärendienst am Rechtsstaat. – Maurice Heine


Leserbrief zu „Wenn Sie mich namentlich zitieren, verklage ich Sie“ von Tuvia Tenenbom

Dies ist einer der Artikel, die folgendes Strickmuster haben: Der jüdische Autor schlendert durch die Landschaft – leutselig, aufgeschlossen für alles, klug und liberal. Eine Mischung zwischen Goethe beim Osterspaziergang und dem märchenhaften Hārūn ar-Raschīd.

Im Wesentlichen trifft er zwei Sorten von Leuten:  Dumpfbacken (meist gutmenschenhafte) und Kryptoneonazis. Die Dumpfbacken sagen etwas so dumpfbackenhaftes gegen Israel, daß sie zweifelsfrei auch Kryptoneonazis sind, Sie wissen’s halt wohl nicht, oder vielleicht doch.

Was es nicht gibt in dieser Konstruktion, sind zum einen diejenigen, die es toll finden, daß Israel es den Arabern mal so richtig zeigen, was eine Harke ist. Wie sie ja auch in diesen beiden Gruppen reichlich vorhanden sind. (Die Neonazis müssen da etwas krumm um die Ecke denken, aber das tun sie ja sowieso) Zum anderen intelligente Menschen, die … Aber solche tauchen eh nicht auf.

Das ärgerliche an diesen schalen und sebstverliebten Ergüssen ist, ob nun von von Tenebom, Broder oder (wiewohl mit deutlich mehr Umdrehungen, auch unterhaltsamer) Biller: daß es immer haargenau das gleiche ist, und absolut steril.

Sie lenken davon ab, wieviel kluge Diskussionen über Juden /Israel/Deutsche es gibt : im Netz etwa tacheles.ch,  haGalil.com,  juedische-allgemeine.de (um nur einge deutschsprachige herauszugreifen).

In Zeiten, in denen die Freunde Israels mit Trauer und Entsetzen eine mögliche Entwicklung des Landes in Richtung eines chauvinistischen Nationalismus a la Polen oder Ungarn sehen, wären weniger der Selbstbefriedigung dienenden Artikel dem Niveau der ZEIT angemessener. – Christoph Denstaedt


Leserbrief zu “Alphabet des rechten Denkens” von Thomas Assheuer

Ironie der Geschichte! “Am 3. Januar 1941 wird in einem internen Rundschreiben der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei kurz und bündig verfügt, daß die Antiqua-Schrift künftig als Normalschrift zu bezeichnen sei. […] Die in einem nicht gerade vorzüglichen Deutsch gefaßte Begründung zu dieser Maßnahme ist eigenartig genug, um sie der Absonderlichkeit  wegen noch eigens anzuführen: “Die sogenannte gotische Schrift als eine deutsche Schrift anzusehen oder zu bezeichnen, ist falsch. In Wirklichkeit besteht die sogenannte gotische Schrift aus Schwabacher-Judenlettern […].”

Damit hat der Kampf um “deutsche” oder “lateinische” Formen als Grundlage einer Einheitsschrift noch zusätzlich von außen her und autoritativ eine Entscheidung zugunsten der Antiqua gefunden. Dieser Prozeß erstreckte sich gleichzeitig auch auf die Schreibschrift.” (Unsere Schrift von Heribert Sturm, Neustadt an der Aisch 1961, S. 137). Warum also wurden die Kampfbegriffe der heutigen nationalistischen Politiker von “Alternative” bis “Wahre Demokratie” in der seit 1941 unerwünschten gotischen Schrift gedruckt?

Das verstärkt immer mehr den Eindruck, als sei die schöne gotische Schrift nationalsozialistisch gewesen. Unsere Demokratie lässt sich doch auch mit Artikeln verteidigen, die ganz in lateinischer Schrift veröffentlicht werden. – Rudolf Wyrsch


Leserbrief zu „Die Ungehörten“ von Moritz Aisslinger et al.

Als ich das Thema des Dossiers gesehen habe, dachte ich: sehr gut! Und warum erst jetzt? Und noch einmal deutlicher: W-A-R-U-M  E-R-S-T  J-E-T-Z-T???

Vor den Wahlen in den USA habe ich höchstselten etwas über die gravierende soziale Schieflage in der ZEIT gelesen, mal einen Artikel über die Paketzusteller, versteckt im Wirtschaftsteil. Jetzt geht es plötzlich. Mehr davon, unbedingt! Diese Menschen haben nicht nur im toten Winkel der Politik gelebt, sondern auch der Medien, auch und gerade der ZEIT. Ich erwarte diesbezüglich auch eine selbstkritsiche Einschätzung!

Was mich auch gestört hat: dass ein Straftäter SOGAR einen Anspruch auf Resozialisierung hat. Na Mensch, das ist doch das Sahnehäubchen auf dem gelungenen Leben eines Kriminellen! Guckt man sich die Biographien genauer an, findet man schon die Gründe für ein Leben abseits des Gesetzes. Ein professionelles System thearpeutischer Hilfe wäre hier angesagt und nicht zwangsläufig härtere Strafen. dann müsste man auch nicht AFD wählen, wie der Staatsanwalt das vorhat. – Rainer Kurt Neh


Leserbrief zu „Du bist, was du liest“ von Michael Allmaier

Ich erlaube mir diese Anrede, weil ich mich auch zu den „Büchernarren“ zähle…. Mit grossem Vergnügen habe ich die erste Seite – Sie wissen schon, über die Kommunikationsforscherin Friederike Schultz – gelesen… Leider ist die Rückseite mit den Beiträgen über Stephan Porombka und Christoph Möller in ausserordentlich verwaschenem Druck in meiner Ausgabe: der Bildlegendentext ist ganz knapp lesbar, die Bilder wie aus einem sehr antiken Buch das zu lang an der Sonne gelegen hat.

Der Text an sich geht noch…. ob das wohl gewollt ist, um zu zeigen, dass Bibliotheken dieser Art verschwinden werden? Ich nehme es eigentlich nicht an und hoffe sehr, dass es weiterhin BuchliebhaberInnen geben wird, die Freude am Lesen, „Begreifen“, Stapeln haben! Danke für diese Doppelseite – auch in blassem Druck! – Lisbeth Vontobel


Leserbrief zu “ Trump und Terror“ von Josef Joffe

Ganz, ganz erstaunlich Ihre Einsichten! Für einen wie Sie reichlich spät! Zu spät! Was ist ER denn nun? Geisteskrank, dämonisch, genial etc.etc.etc. pp.?!

Vielleicht setzen Sie sich einmal mit Ihrem Kollegen Sommer zusammen und gehen ihre Positionen nochmal im einzelnen durch…. Und hinterfragen auch einmal, warum sich die Umfragen bei uns und die (bei Populisten auschließlich brauchbaren) anonymen(!) Umfragen in den USA derart unterscheiden.

DER muß ja wirklich größenwahnsinnig werden, wenn er von dieser Art von Elaboraten und Analysen über sich etc. pausenlos rund um den Erdball erfährt…! Und sicher nicht auf geringste Gedanken kommen, ob er irgendetwas ändern sollte…! Und Immer wieder – nicht nur bei Ihnen: die Leserkommentare mindestens so interessant wie der Artikel…! – F. Duwe


Leserbrief zu „Die Ungehörten“ von Moritz Aisslinger et al.

Es sind eigentlich nur drei Beispiele, aberich denke, es läuft unendlich viel schief. Bleibt die Frage bei „unendlich“, wie kann man etwas ändern. Für mich ertaunlich, dass die Gewrekschaften versuchen, auf den Schulz-Zug aufzuspringen, obwohl sie selbst Möglichkeiten hätten, einen Teil zu ändern. In diesem Zusammenhang ist es schade, dass man bei dem Leiharbeiter Herrn Hennig nicht gefragt hat, ob er Gewerkschaftsmiltglied sei. Da spricht manches dafür, dass er kein Mitglied ist…. Und Leiharbeit durch zeitliche Begrenzung zu normalisieren, halte ich für falsch. Leiharbeiter müßten angesichts des unsicherenen Arbeitsverhältnis 10 % mehr Lohn bekommen als „normale“ Arbeitnehmer. Dann werden Sie nur für Saisonspitzen genutzt und das wäre dann möglich.

Bei der „Alleinerziehenden“ sind gleich eine Vielzahl an Themen angesprochen., auch dort müßte einiges getan werden. Aber stellen Sie doch einmal die Frage an Ihre Leser, wo finden Sie Gerechtigkeitslücken.

Gerechtigkeitslücken gibt es sogar im Arbeitslosengeld Q. Kann es gerecht sein, daß einer sich abends und an Wochenende qualifiziert und dafür leer ausgeht, während dem anderen erst eine Qualifikationsmaßnahme zu mehr Arbeitslosengeld verhilft.

Und was ist mit den Lohnsteigerungen. Wenn ein Fünftel unter EUR 2000,00 verdient und alle in zwei Jahren 5 % mehr verdienen, verdient er dann EUR 2.100,00. Bundestagesabgeordnete verdienen aber über EUR 500,00 mehr für unkontrollierte Arbeitsleistung. Ist das gerecht? – Dipl. Kfm. Johannes Barth


Leserbrief zu „Die Ungehörten“ von Moritz Aisslinger et al.

Eine großartige Reportage – alle 5 Beispiele auf den Punkt gebracht, einfach, klar und verständlich geschildert – ich fühlte mich regelrecht befreit, dass diese mir aus 20 jähriger anwaltlicher Praxis nur zu gut bekannten Missstände endlich einmal so deutlich auf größerer Bühne ausgesprochen werden.

Es handelt sich keinesfalls um Einzelfälle und wir sollten uns diese Erfahrungen auch nicht durch die sicherlich von den liberalen Populisten (vgl. Bernd Stegemann in ZEIT Nr.9) sofort heranziehbaren alternativen Sichtweisen wegdiskutieren lassen.

Seit Jahren fordern Wirtschaftsanwälte eine Anpassung des Vergaberechts dahingehend, dass einfach der billigste und der teuerste Anbieter vorab pauschal von der Vergabe ausgeschlossen werden (Schweizer Modell). Ein einfaches Modell für die ohnehin überforderten Kommunen, welche ja auch den wirtschaftlichsten Anbieter ausschreiben könnten, sich aber diese Arbeit nicht machen können (wollen?)  bzw. das Verfahrensrisiko scheuen. Natürlich müsste der Gesetzgeber tätig werden-es gibt große rechtliche Hürden für dieses Modell-aber genau solche progressive Gestaltung erwarten wir von unserer Regierung doch, und nicht die ständige Flickschusterei an bestehenden, ohnehin schon schlecht gemachten Gesetzen.

Die werden mittlerweile ja fast ausschließlich von großen Anwaltskanzleien mit Lobbyeinfluss vorformuliert-ein ruhiges Gesetzgebungsverfahren mit einer Abwägung verschiedener Alternativen gibt es doch kaum noch – den oft verschachtelten  Gesetzestext neuerer Vorschriften verstehen dann selbst wir Anwälte kaum noch.

Nochmals vielen Dank für Ihr Dossier – und weiter so!!! – Hendrik Meyer


Leserbrief zu „Die Ungehörten“ von Moritz Aisslinger et al.

Ein wahrhaft lesenswerter Artikel ist Ihnen hier gelungen, vielen Dank. Er sollte Pflichtlektüre für alle Politiker der etablierten Parteien vor der Wahl werden, denn besser kann man nicht zusammenfassen, was in unserer (doch weitgehend erfreulichen) Demokratie geschieht:

  • Eine schreiende Ungerechtigkeit im ehrlichen Handwerksbetrieb durch Dumpinglöhne,
  • ein Hilferuf an die Justiz (Begünstigungen derTäter und der Bagatellisierung der Nöte der Opfer),
  • eine Alleinerziehende, für die der Staat es nicht fertigbringtt, die Zahlungen des unwilligen Vaters so selbstverständlich einzutreiben, Steuer-Schulden und Parkplatz-Sünden.

Diese Beispiele sind sicher stellvertretend für die Unzufriedenheiten vieler Bürger. Ich wundere mich nicht, wenn diese Menschen sich nicht ernstgenommen fühlen, und sich bei der nächsten Wahl aus Daffke rächen, „falsch“ oder gar nicht wählen. – Ilse Kämmer


Leserbrief zu “Globalisierung, aber gerecht” von Wolfgang Schäuble

Da behauptet dieser Bannon in seinen Breitbart Medien doch tatsächlich eine Verfilzung von Politik und Mediesn – so ein Unsinn! Sie tun ja nur Ihre Pflicht: Sie informieren die Wähler in einem Wahljahr was die Parteien so vorhaben.  Und am einfachsten ist das natürlich indem man die Politiker gleich selbst ihr Werbung – oh entschuldigung – ihre Wählerinformationen niederschreiben lässt. Hallo – gehts noch? – Dieter Herrmann


Leserbrief zu „Die Ungehörten“ von Moritz Aisslinger et al.

Mit Intersse habe ich den Artikel mit den Interviews der 5 Personen gelesen.   Ich meine, diese Gespräche zeigen auf, wo sich die Parteien die Wähler suchen, die sie ansprechen wollen.   Ein bisschen kann ich jeden verstehen. (und tauschen will ich mit keinem (will ja nicht unglücklich durchs leben gehen)   hier mein konkrete Fragen zu Frau Eickhoff:

Von 1650€ mit 3 Kindern leben ist sicherlich nicht einfach (davon muss man ja auch noch Miete bezahlen)   Das Thema Hartz IV spielt ja im aktuellen Wahlkampf aktuell eine zentrale Rolle.   Wie hoch wäre denn der Anspruch von Frau Eickhoff bei Hartz IV?   – Wohngeld in Hannover: – Regelbedarf Alleinerziehende: – Regelbedarf Kinder – Kindergeld? (ist das im Regelbedarf enthalten): – ggf Sonderleistungen.

Die Frage gründet nicht auf Neid !!!!!!!!!!!!!!   Aber vielleicht sollte man als mündiger Bürger (einfach nur Wahlberechtigter) wissen, welche Leistungen unser Staat für seine Bürger tatsächlich erbringt?   Die Information, dass unbegleitete jugendliche Ayslbewerber 5000€ kosten, trägt ja nicht unbedingt dazu bei, dass Bürger (auch Staatsanwälte) die AFD wählen.

Warum wird dieser Betrag im Artikel nicht zum Vergleich erwähnt? (ganz egal ob er jetzt höher oder niedriger als 1650€ ist)? Oder ist vielleicht Frau Eickhoff ganz einfach die Dumme, da sie sich um ihre Mutter kümmert und in der Familie noch Vermögen vorhanden ist, das bei Hartz IV angerechnet wird.

Wenn ja, könnte ich mir vorstellen, das dies dann die unzufriedene Mittelschicht ist.   – zu „wohlhandend“ für Hartz IV – und trotz guter Bildung abgehängt von den wirklich Wohlhandende (10% bis 20%) der Bevölkerung – voll den Vermögenden (Aktien, Unternehmer, Manager jenseitz der Million) ganz zu schweigen. – Siegfried Schwarz


Leserbrief zu „Einsen für alle“ von Thomas Kerstan und Martin Spiewak

In dem Interview mit zwei Bildungsexperten zu „Wissen und Können“ in der Schule erwähnt Frau Stanat Änderungen im Englischunterricht und dass Englischlehrkräfte Wert darauf legen, „dass Schüler sich in der Fremdsprache tatsächlich ausdrücken können“. Das ist löblich; allerdings geht es am Ziel der Mündlichkeit in der Fremdsprache vorbei, wenn sie dann auf Verbesserungen im „Lese- und Hörverstehen“ verweist.

Bei beiden handelt es sich um rezeptive Fertigkeiten, die man schulen kann, ohne dass man sich fremdsprachlich mündlich äußert. Und wenn sie anschließend betont, „auf diesen Bedeutungszuwachs der kommunikativen Föhigkeiten hat der Unterricht reagiert“, dann kannn es nur um das Sprechen, also fremdsprachliche mündliche Ausdrucksfähigkeit gehen. Die sollte aber in der Hauptsache dialogisch geübt und entwickelt werden, also im Wechsel von Hören und Sprechen bzw. im freien monologischen Sprechen bei kleinen Präsentationen. – Prof. Dr. Dr. h.c. Liesel Hermes


Leserbrief zu “Kollaps im Hinterland” von Heike Buchter

Obama wollte mit seiner Gesundheitsreform den Einkommensschwachen in den USA eine erschwingliche Krankenversicherung ermöglichen.

Da die Republikaner die Obamacare aber torpedierten, konnte nur ein fauler Kompromiss in Kraft treten, den die Betroffenen kritisierten. Gleichwohl wählten viele dieser Benachteiligten – vor allem Weiße –  den Republikaner Trump, der Obamacare ganz abschaffen möchte.  Sind diese Wähler wirklich so einfältig? – Jürgen Neunaber


Leserbrief zu „Die Mitte liegt rechts von der CDU“ von Marc Brost und Peter Dausend

Was immer Jens Spahn unter dem Begriff verstehen mag: „Kulturelle Sicherheit“ (im Sinn vom Bewahren des wohlverstandenen Eigenen) ist am ehesten gewährleistet, wenn Politik endlich aktiv die Fähigkeiten von Zuwanderern und von Alteingesessenen fördert, mit Verschiedenheit konstruktiv umzugehen.  Genau dann braucht sich nämlich weder jemand der einen noch der anderen Seite  in seiner kulturellen Identität gefährdet zu fühlen. Angstvolle Ab- und Ausgrenzung und damit verbundene Selbstüberhöhung verlören an Bedeutung.

Zu Recht stellt Spahn fest, dass bis hin in sein Heimatdorf die Gleichstellung von Homosexuellen akzeptiert wird, Heterosexuelle sich also dadurch nicht mehr bedroht fühlen. Dies gelang aber nicht durch „Sicherheit“ (bzw. „Schutz“)  vor zu vielen Homosexuellen, sondern durch deren zunehmende Sichtbarkeit und durch den selbstverständlichen Umgang miteinander. Gleiches gilt für Menschen unterschiedlicher Herkunft.

Spahns Volte hin zu „Überforderung wahrnehmen“ – statt sie aktiv abzubauen – steht offensichtlich im Widerspruch zu seinen eigenen Erfahrungen und will sich wohl einer sehr rechten Wählerschaft andienen, bietet aber keine Lösungen.

Besser wäre es, vom gern hochgelobten Einwanderungsland Kanada zu lernen: Es fördert aktiv sowohl die Pflege der Herkunftskultur als auch die gegenseitige Akzeptanz und die Fähigkeit, mit Unterschieden umzugehen. Das funktioniert nicht immer reibungslos, ist aber der bei weitem beste Weg hin zu „kultureller Sicherheit“ und damit zur Bereitschaft zur Annäherung.

Der Einsatz für Menschenrechte wird damit übrigens nicht infrage gestellt. So kann man von Muslimen die Gleichstellung von Frauen und Homosexuellen genauso fordern wie von Katholiken, ohne die jeweilige Religion im Ganzen zu verurteilen. – Dorothea Schmidt


Leserbrief zu „Lieber Rechte als Verbote“ von Algorithm Watch

Glückwunsch für diese Diskussion – sowohl Steven Hill, als vor allem die Antwort von Algorithm Watch. Sie ist überlebenswichtig für unsere Freiheit und technische Fortentwicklung. Lebendige Demokratie heißt aktives Mitgestalten, und die algorithmische Erfassung menschlichen Verhaltens erzeugt gerade den größten Wandel im Umgang unserer Gesellschaft miteinander. Erst wenn die Bürger wissen und wollen, was da geschieht, wird es wirklich produktiv und lebensverbessernd, andernfalls bleibt es beängstgend und macht einige wenige mächtig über alle. – Prof. em. Dr. Rüdiger Grimm


Leserbrief zu „Frei schreiben“ von Bernd Ulrich

Ich finde den Artikel von Herrn Ulrich ziemlich schwach, der letzte Absatz ist allerdings erschreckend. Um in der Wortwahl zu bleiben… glaubt Herr Ulrich im Ernst, dass die deutsche Regierung dem (Wahlkampfauftritt) zustimmen kann, wenn dann Deniz Yücel NICHT in einem türkischen Knast sässe. Eben? – Angela Lederer


Leserbrief zu „Lieber Rechte als Verbote“ von Algorithm Watch

Ich kannte Algorithm Watch bislang nicht und finde es gut, dass es Sie gibt. In einer idealen Welt stimme ich ihren Argumenten vollumfänglich zu. Doch ihr Artikel beantwortet nicht alle Fragen.

Zum Beispiel könnte man fragen, wie mit einer Situation umzugehen ist, in der die Entwicklung technischer Neuerungen deutlich schneller ist als  (a) die gesellschaftliche Wahrnehmung von Vor- und Nachteilen dieser Entwicklungen und (b) als die gesetzgeberischen Regularien einer von Natur aus eher trägen Demokratie.

Meines Erachtens wird die Gesellschaft momentan überrumpelt von Neuerungen, deren Langzeitwirkungen einem überwiegenden Großteil der Bevölkerung mitnichten klar sind. Eine Art schöpferische Pause täte der Gesellschaft gut in dieser atemlosen Zeit, dessen bin ich mir sicher. Es wird sie aber nicht geben, diese Pause, auch das steht fest.

Das Paradies von morgen ist digital, virtuell und ein klein wenig autistisch. – Christian Voll


 Leserbrief zu „Diesel raus aus de Städten“ von Dietmar H. Lamparter, Petra Pinzler und Claas Tatje

„Abgasmonster“ (auf der Ankündigung auf der Wirtschafts-Titelseite) und „Diesel raus aus den Städten“ – von den Überschriften wären wir damit auf Bild-Niveau angekommen. Dazu eine schön einseitige Polemik gegen den Diesel. Natürlich sind Abgase ein Problem.

Dass Stuttgart aber auch die Stauhauptstadt ist, findet mit keinem Wort Erwähnung. Eine „intelligente“ Ampelschaltung sorgt hier dafür, dass sich die Karawane durch die Stadt steht.

Dass die so gemütlichen Schwedenöfen auch in den Städten immer beliebter werden, bleibt ebenfalls unerwähnt. So ein Ofen bläst bei der Holzverbrennung gegenüber einem Dieselfahrzeug ein vielfaches an Feinstaub und Stickoxiden ungefiltert in die Luft.

Verbote dieser Öfen in Tallagen (wie in Stuttgart), wirklich intelligente Ampelschaltungen, die den Verkehr verflüssigen anstatt zum Stillstand zu bringen und Angebote, die den öffentlichen Nahverkehr attraktiv machen, würden in kurzer Zeit wesentlich mehr bringen als kompliziert zu überwachende Fahrverbote.  – Dr. Thomas Gronemeyer


Leserbrief zu „Die Mitte liegt rechts von der CDU“ von Marc Brost und Peter Dausend

Das richtige Maß an kultureller Vielfalt? Jens Spahn platziert zur Profilierung der CDU mit Blick auf das beginnende Wahljahr 2017 den Begriff „Kulturelle Sicherheit“. Ein richtiger Schritt, um Menschen mit CDU-Migrationshintergrund  vom rechten Rand wieder in die CDU zurückzuholen.

ustimmungsfähig auch, wenn er in Abgrenzung zur Obergrenzendiskussion der CSU das Thema „kulturelle Vielfalt“ wieder in die Hände der Gesellschaft legt.  Verdienstvoll auch, wenn er für die CDU an dieser Diskussion profilbildend – und nicht polarisierend – teilnimmt. Problematisch allerdings im isolierten Bezug des Themas „Vielfalt“ auf Menschen, die nicht Deutsche sind.

Als wenn in Zeiten des ethischen Individualismus und des kontinuierlichen Auseinanderfallens der Gesellschaft nicht auch die Deutschen in die Vielfalt-Diskussion einbezogen werden müssten. Denn auch Deutsche leben nicht mehr miteinander, sondern nebeneinander her und erscheinen auch nicht mehr zuverlässig in Elternabenden in die  Schule.

Von der Dynamisierung der Welt sind wir alle betroffen. Integration und „Erwartungssicherheit“ geht uns alle an. Hier den deutschen Wählern „kulturelle Sicherheit“ als entlastende Projektionsfläche anzubieten, ist hoffentlich nur der Auftakt dazu, um insgesamt in die Diskussion der Frage der Bedingungen für die Verbesserung des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu kommen. – Reinhard Koine


Leserbrief zu „Sie wollen Champion sein“ von Jelk A Lerche und Benedikt Becker

Ich bin enttäuscht, dass Sie von der ZEIT jetzt in denselben Fehler verfallen, den lokale Zeitungen zunehmend machen. Sie machen statistische Aussagen ohne Angabe der Einheiten:

–        Die Marktanteile können sich auf den Umsatz in Euro, verkaufte Pkw, verkaufte Motorfahrzeuge (Pkw, Lkw, Busse) beziehen

–        Ebenso ist es bei der Aufstellung ‚Made in Germany‘. Was heißt in diesem Fall ‚Auto‘?

–        Auch der Vergleich der weltweiten Produktion hat denselben Mangel

Für eine Erläuterung wären ich und bestimmt noch viele andere Leser Ihnen dankbar. In der Hoffnung, dass solche Fehler vermieden werden, verbleibe ich – Werner Broll


Leserbrief zu „Diesel raus aus de Städten“ von Dietmar H. Lamparter, Petra Pinzler und Claas Tatje

Sie berichten über die Initiative „ältere“ und „dreckige“ Dieselfahrzeuge aus den Städten zu verbannen. Es sollen nur noch Dieselfahrzeuge in den Städten fahren dürfen, die die Euro 6 Abgasnorm erfüllen.  Ist Ihnen bewusst, dass diese Stufe nur von den neuesten Dieselfahrzeugen erfüllt wird? Mein 2 Jahre altes Auto erreicht die Euronorm 5.  Sollte die Euro 6 Einstufung für die blaue Plakette Realität werden und sich flächendeckend Städte an der Umsetzung beteiligen, bin ich sicher, dass danach die Dörfer rund um diese Städte ebenfalls ein Fahrverbot fordern.

Somit zahlen millionenfach Autobesitzer für Fahrzeuge, die sie de fakto nicht mehr nutzen können. Was soll mit diesen Fahrzeugen geschehen?  Ich weiß nicht, ob eine Umrüstung auf die Stufe Euro 6 bei den „alten“ Autos technisch möglich ist, mit Sicherheit ist sie aber mit deutlichen Kosten verbunden.   Wer entschädigt die Besitzer?  Ich bin im Außendienst tätig, mein Fahrzeug ist ein Arbeitsgerät, dass ich benötige, um Kunden in Städten und Dörfern zu erreichen.

Schon die Anreise zu einer Schulung, für die ich probeweise auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen bin, war ein Fiasko, da ich gleich 2 mal den Anschlusszug wegen Verspätung verpasst habe, weil die Bahn Verspätung hatte.   Bei der ganzen Diskussion vermisse ich die Berücksichtigung der Auswirkungen auf gleich mehrere Berufsstände, denn auch Handwerker und Lieferanten wären betroffen. – Tobias Böhm


Leserbrief zu „»Wenn Sie mich namentlich zitieren, verklage ich Sie«“  von Tuvia Tenenbom

Der Artikel von Herrn Tenenbom steckt voller Klischees, die ihrerseits recht billig an deutsche Schuldgefühle appellieren. Ich weiß von Unterkünften, in denen die Geflüchteten kaum anderes Personal als Sicherheitsleute zu Gesicht bekommen, das sind z.T. Türken oder Russen, die sehr unfreundlich mit ihnen umgehen (und manchmal auch nicht besonders gut deutsch können). Und ich kenne Deutsche, die helfen, weil sie ein großes Herz haben, weil sie was Sinnvolles tun wollen, weil selbst im Ausland waren oder Kinder haben, die im Ausland sind, oder weil sie es schön finden, wenn Deutschland bunter wird oder weil sie oder ihre Eltern aus Ostpreußen und sonst woher geflüchtet sind etc.pp.

Es gibt viele Gründe, Flüchtlingen zu helfen, gute, vielleicht auch weniger gute, es gibt Deutsche, die Schwierigkeiten mit Juden haben mögen und es gibt Juden, die meinen, sie hätten das WahreGuteSchöne für sich gepachtet und die mehr oder weniger bequem auf diesem deutsch-jüdischen Ticket ihre Seele putzen. – Hazel Rosenstrauch


Leserbrief zu “Globalisierung, aber gerecht” von Wolfgang Schäuble

Da hat Deutschland in diesem Jahr mit der G20-Päsidentschaft eine „besondere Verantwortung“ übernommen, auch mit der Absicht, „die Zusammenarbeit mit Afrika zu vertiefen“.

Wie sollen nun die „besondere Verantwortung“ und „die vertiefte Zusammenarbeit mit Afrika“ aussehen?

Der Durchbruch für private (!) Investoren soll erreicht werden durch verbesserte und risikomindernde makroökonomische, wirtschaftspolitische und finanzielle Rahmenbedingungen. Da werden Finanzminister aus einigen afrikanischen Ländern aber doch gerne den G20-Finanzministern Mitte März in Baden-Baden zustimmen, verspricht dies doch auch einiges Geld in ihre eigenen Taschen.

Konkret bedeutet das dann, dass multinationale Konzerne und das Finanzkapital riesige Ländereien aufkaufen und z.B. Plantagen für Biokraftstoffe oder für Blumen, alles für Europa, errichten und kaum noch Steuern zahlen.  Sie werden argumentieren, dass sie Arbeitsplätze schaffen.  Ja, vielleicht einigen Menschen von denen, die sie zuvor von ihrem Land vertrieben haben, das sie immerhin noch irgendwie ernährt hat.

Natürlich Arbeitsplätze nur auf der untersten Ebene, denn die weiter oben werden die afrikanischen Potentaten ihren Großfamilienmitglieder zuschanzen und die ganz oben bleiben ohnehin fest in westlicher Hand.  Überschrift:  „Globalisierung, aber gerecht!“

So sieht also die anvisierte „vertiefte Partnerschaft mit Afrika“ aus.  Und der „ehrliche Makler“ Deutschland schreibt sich in seiner „besonderen Verantwortung“ dann wahrscheinlich auch noch auf die Fahne, damit Fluchtursachen zu bekämpfen.

Es ist unerträglich! – Wo bleibt der Aufschrei derer, die das falsche Spiel durchschauen? – Dr. Renate Weiss-Kreidler


Leserbrief zu „Liebe Freier“ von Johannes Böhme

Nun also zum Internationalen Frauentag von einem Mann ein Beitrag in der ZEIT, wie er dort kaum mehr zu erwarten war – und umsomehr zu begrüßen ist.  Johannes Böhmes Brief an die „Lieben Freier“ bietet in Tonlage und Inhalt all das, was unser deutsches Intelligenzblatt bisher zum Thema Prostitution vermissen ließ: die Diskussion darüber, was Prostitution (und Pornografie) mit und aus Männern und Frauen macht.  Er bietet kompaktes Faktenwissen mit aufklärerischem Engagement im Sinne des von ihm selbst zitierten Kant: Aufklärung ist der Ausgang des Mannes aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit…

Vor drei Jahren sah das bei der ZEIT in den Beiträgen ihrer Redaktionsfrauen zur laufenden Prostitutionsdebatte noch ganz anders aus.  Da konnte eine Mariam Lau („Was will das Weib“/ Nr. 11/2014) unter souveräner Ausblendung der Heerscharen von Armuts- und importierten Zwangsprostituierten das happy fucking,  die frisch-fröhlich-freiwillige Prostitution vermeintlich ach so selbstbestimmter Sexarbeiterinnen hierzulande preisen und das nordische Modell der Freierbestrafung als „Staatsfeminismus“ diffamieren.

Die – nicht nur wegen ihrer kreativen Rezepte – sonst immer höchst lesenswerte Elisabeth Raether („Was will der Kerl?“/Nr. 12/2014) sprach noch von „Alices Schwarzers Schauermärchen von Freiern“ und wünschte sich einen Mann, der ihr in einer Talkshow Paroli bieten sollte.

Das tut nun Johannes Böhme in der ZEIT selbst. Dieser Kerl weiß, wer er ist und was er will: Selbstbesinnung für seinesgleichen, die Männer,  und Empathie für die in der Prostitution geschundenen Frauen. Und er beruft sich  dabei auf Immanuel Kant, der in Sachen Menschenwürde in unserer säkularen Gesellschaft immer die letzte Instanz sein wird. – Ingrid Staehle


Leserbrief zu „»Wenn Sie mich namentlich zitieren, verklage ich Sie«“  von Tuvia Tenenbom

Nach Gesprächen mit mehreren Deutschen schreibt Herr Tenenbom:

„Ja, die Deutschen sind gute Menschen. Die Frage ist nur: Warum sind die guten Menschen, denen Flüchtlinge, und ganz allgemein die Menschenrechte, so am Herzen liegen, irgendwie nicht in der Lage, Juden als Menschen zu betrachten?“

Herr Tenenbom schreibt leider nicht, was ein guter deutscher Mensch sagen sollte, damit er, Herr Tenenbom, merkt, dass der gute Mensch Juden als Menschen betrachtet.

Dazu müsste er sagen (was vielleicht an anderer Stelle des Buchs steht), was er mit „Juden“ meint: Mitglieder der jüdischen Glaubensgemeinschaft? Menschen, deren Mutter eine Jüdin war? Jüdische Israelis? Alle Israelis?  Alle Juden weltweit?

Und dann müsste er genauer sagen, welche menschlichen Eigenschaften diese „guten Menschen in Deutschland“ den Juden absprechen.

Das alles fehlt mir.  Ich habe den Eindruck, bei den Gesprächen von Herrn Tenenbom, die Juden betrafen, geht der Streit darum, mit welchen Mitteln der Staat Israel sich verteidigt und wie er seit 50 Jahren in besetzten oder eingeschlossenen Gebieten (Gaza-Streifen) agiert.  Und da gibt es sehr unterschiedliche Ansichten. Die wichtigste Grundlage für eine friedliche Einigung ist die gegenseitige  Anerkennung der  Menschenrechte. Sagen in Deutschland ganz viele Menschen. Weshalb das bedeutet, dass sie Juden nicht als Menschen betrachten, sollte Herr Tenenbom deutlich sagen. – Michael Strake


Leserbrief zu “ Hört auf zu schweigen!“ von Karl-Ludwig Kley

Dieser Artikel erinnert an die Abstimmung der Frösche, ob der versumfte Teich saniert werden soll oder nicht. – Friedrich Küspert


Leserbrief zu “ Hört auf zu schweigen!“ von Karl-Ludwig Kley

Wenn sich ein ehemaliger CEO, der bis vor kurzem einen nach Umsatz, Mitarbeiterzahl und Marktkapitalisierung zwar kleineren der DAX- Konzerne führte, der aber trotzdem zu den best-dotiertesten seiner Zunft gehörte und der aktuell einer der Spitzenverdiener unter den deutschen Aufsichtsratsvorsitzenden ist, zu Managergehältern und der damit verbundenen Gerechtigkeitsdebatte äußert, ist man auf die Argumente und Begründungen natürlich besonders gespannt. Die Vagheit und Ungenauigkeit seines Textes ist dann allerdings eher enttäuschend –  insbesondere im Vergleich mit dem durch Klarheit und Präzision gekennzeichneten Interview von Burkhard Hirsch, eine Woche zuvor zum selben Thema.

Der faktenarme aber behauptungsreiche Text enthält auch Aussagen wider besseres Wissen: die Behauptung des Autors die Einkommensschere sei seit 2005 nicht mehr auseinandergegangen. Sein eigenes Vorstandssalär ist, wie aus den Geschäftsberichten der Merck KGaA ersichtlich, zwischen 2009 und 2013 von 2,3 auf 7,3 Millionen € um 240% gestiegen (ohne Berücksichtigung der enormen Pensionsrückstellungen), während sich im gleichen Zeitraum seine Mitarbeiter, gute Leistung vorausgesetzt, über jährliche Gehaltssteigerungen von 2 – 3 % erfreuen durften.  Da von einem Nicht-Auseinandergehen der Gehaltsschere zu sprechen zeugt von Chuzpe oder gar von Irreführung.

Würden sich die Vorstände doch wenigstens an ihre in Festtagsreden so hochgelobten Company-Values halten:  sogenannte Werte Kleys ehemaliger Firma sind u. a. Transparenz und Integrität.  Die Unternehmen könnten sich allerdings die Aufwände, Company Values zu kreieren, sparen und sich einfach auf die seit Jahrtausenden bewährten vier Kardinaltugenden Klugheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Maß verpflichten. Aber Gerechtigkeit (Fairness) und Maß sind heutzutage in keinem Werte-Kanon der DAX-Konzerne explizit erwähnt –  eher sind sie wohl explizit nicht erwähnt.

Kleys Apell, das Thema Vorstandsvergütung – er spricht im Untertitel vom Lohn der Manager, vielleicht um die Assoziation zu „gerecht“ und zu „Arbeit“ zu wecken – doch dem „Gefühl der Aufsichtsräte“ zu überlassen, folgt in etwa der gleichen Logik wie die Anophelesmücken mit der Trockenlegung der Malaria-Sümpfe zu beauftragen. – Dr. Reinhard Müller-Gerharz


Leserbrief zu „Die Mitte liegt rechts von der CDU“ von Marc Brost und Peter Dausend

Herr Spahn legt, wie er scheibt, großen Wert auf Differenzierung. Zum Interview-Gespräch mit Herrn Spahn könnte man ziemlich viel anmerken. Ich möchte einige Punkte herauspicken:

Erstens: Herr Spahn spricht von einer zunehmenden Verunsicherung, da immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Dabei gibt er als Beispiel zu zunehmende Zahl von Bettlern in der Münchner Innenstadt an. Ja, es stimmt, dass es in den letzten Jahren mehr Bettler auf Münchens Innenstadt-Straßen gibt. Diese sind aber zum überwiegenden Teil keine Flüchtlinge, sondern EU-Ausländer aus Südosteuropa. Die „Bettler-Gruppen“ werden dabei von ihren „Anleitern“ gnadenlos ausgenützt und müssen ihr erbetteltes Geld abgeben. Das kann man manchmal sogar beobachten.

Zweitens: Dass viele Menschen aus Nordafrika – Marokkaner, Tunesier, Algerier – vorwiegend nach Deutschland kommen, um hier Straftaten zu begehen, halte ich – milde ausgedrückt – für eine waghalsige These. Die Menschen kommen, weil sie in ihrem eigenen Land keine Perspektive haben Und auch bei uns bekommen sie keine Perspektive, da sie nicht unter das Asylrecht fallen. Da stellt sich die Frage, warum dieser Zustand seit vielen Jahren andauert. Entweder muss man diesen Menschen sehr schnell klar machen, dass sie nicht bleiben können und entsprechend reagieren oder man muss ihnen – vielleicht auch vorrübergehend – eine (Arbeits-)Perspektive anbieten, damit sie das dann in ihrem Land umsetzen können.

Drittens: Dass Frauen blöden Sprüchen und Hinterhergepfeife ausgesetzt sind, ist kein neues Phänomen. Hier geht es nicht um Flüchtlinge, nicht um Migranten oder andere spezielle Gruppen. Hier geht es einfach um Männer. Männer tun das. Ich bin eine Frau, das erlebe ich seit Jahrzehnten.

Soviel zur Differenzierung! – W.S. Völker


Leserbrief zu „Die Ungehörten“ von Moritz Aisslinger et al.

Aus einer Urlaubswoche  zurückkehrend hatte mich der i. Betr. genannte Artikel in dem irrigen Vorurteil angesprochen, er würde sich mit den Beweggründen für die Wahl der AfD der interviewten Personen auseinander setzen. Mit dieser Thematik hatte ich mich nämlich eine Woche lang auseinandergesetzt und war zu dem Ergebnis gekommen, dass weniger materielle Not zu einer Wahlentscheidung  für die AfD führt, sondern eher das unbefriedigende Empfinden, mit der eigenen Meinung zu Fragen der gesellschaftlichen Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen zu werden. Und dies meint insbesondere den Mangel, selber über ein Druckmittel zu verfügen, das es gestattete, der eigenen Haltung deutlich Nachdruck verleihen zu können.

Wer in einem totalitären System wie Nazideutschland oder der DDR gelebt hat weiß , mit wie wenig Aufwand Systemkonforme Andersdenkende verschrecken können. Die inspirierende Macht zu verspüren, den  verhassten Klugscheißer von nebenan mit der Drohung „Das melde ich der Partei“ in Angst und Schrecken zu versetzen. Macht ist, die anderen Angst macht. Das wunderbare Machtgefühl haben zu dürfen, den verdammten Sieger einer  jeden Auseinandersetzung mit geringen Mitteln zum Schweigen bringen.  Das schafft eine breite Brust. Da kannste punkten.  Da genügt strammes Auftreten. Auch ohne Abitur.

Der interviewte Staatsanwalt beklagte nicht materielle Not wie zwei der Frauen, sondern eine zu lasche Bestrafung  straffällig gewordener Wiederholungstäter. „Da könnte ich vor Wut in die Tischkante beißen“ ist nachvollziehbar und gleiches gilt, wenn der Straftäter  „rotzig seinen Mercedesschlüssel auf den Tisch legt.“ Aber deshalb AfD wählen? Ein Akademiker!!  Was ist da denn schief gelaufen? Lechzt der vielleicht auch nach der beschriebenen Gewalt ohne Paragraphen? – Wolfgang Giesler

 

23. Februar 2017 – Ausgabe 9

Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

Die Struktur des Artikels lässt erkennen, dass sie dem Prinzip der Simplifizierung folgt:

Fake News, falsch, unwahr  ist, wenn das Behauptete Statistiken, Befragungen widerspricht.

Dazu werden dann auch entsprechende Definitionen gewählt: „Prekär heißt unsicher“.

Eine, mit Verlaub, sehr einfache Sichtweise der Dinge.

Beginnen wir mit der Definition, von „prekäre“ oder präziser „prekäre Arbeitsverhältnisse“. Warum wurde diese Definition gewählt, weil sie zum Nachweis des Rückgangs „prekärer Beschäftigung“ anhand der „Unsicherheit von Arbeitsplätzen“ dienen soll.

Aber der Begriff „prekäre Arbeitsverhältnisse“ lässt sich viel weiter definieren, sie kann die Arbeitsbedingungen, die Entlohnung beinhalten und natürlich die Bedrohung durch den Verlust des Arbeitsplatzes. Dann ist es nicht mehr in dieser vom Artikelschreiber praktizierten Weise möglich, die Schulz-Behauptungen scheinbar zu widerlegen.

Statistiken, Befragungen = Fakten = Realität = Wahrheit?

Von dieser Annahme geht offenbar der Autor aus.

Eine Annahme, die zu bezweifeln, zu hinterfragen ist.

Statistiken beruhen auf Erhebungen.

* Was wurde wie erhoben?  Das ist die Frage nach der Methodologie der statistischen Verfahrensweise, die zu stellen ist.

* Wer lieferte die Daten? Sind die „Informanten“  objektiv? Haben sie Möglichkeiten ihre Informationen in ihrem Interesse zu beeinflussen? *Da stellt sich z. B. die Frage, was „Normalarbeitnehmer sind“, was „Solo Selbstständige“ sind – wurden , z. B. im Transportgewerbe ALLE, die auf deutschen Straßen als LKW-fahrer tätig sind erfasst? Wie wurden sie erfasst? Wie wurden die Arbeitnehmer von Sub-Sub-Sub-Unternehmen erfasst?

* usw. Die Validität von Statistiken hängt davon ab, wie diese Fragen methodologisch berücksichtigt wurden.

* Und auch dann, wenn die statistischen Erhebungen methodologisch fehlerfrei erfolgte, bilden diese nicht die Realität ab, sind sie nicht „wahr“ – denn jede Erhebung vermag nicht die gesamte Realität zu erfassen. Aber für die nicht erfassten Menschen ist sie nun einmal erlebte Realität – Erfahrung. Sind diese Erfahrungen unwichtig, vernachlässigbar?

Befragungen

Auch hier wäre es geboten, ähnliche kritische Fragen nach der Methodologie der Befragung zu stellen.

*Zumal die Stichproben bei Befragungen häufig sehr gering sind.

*Zudem hängt die Validität von Befragungen nicht nur von der Qualität der Frage ab – Es gibt äußerst „dumme“ Fragen – sondern auch von der Qualität der Antworten, des Umgangs des Interviewten mit der Frage.

* Wenn jemand nach „Ängsten“, wie Arbeitsplatzverlust, Abstiegsängsten befragt wird, geht man davon aus, dass die Befragten ihre Gefühle preisgeben. Nun kann aber kein Mensch ständig in Angst leben, sich ständig diese Gefühle bewusst machen – Menschen entwickeln Verdrängungsmechanismen, reden sich ihre Umwelt schön et. vice versa.

* Antworten auf Fragen hängen von Stimmungen ab, individuellen und der Stimmungslage der Umwelt – sie sind also „beeinflussbar“.

* Befragungen bilden also keineswegs die Realität ab, sind nicht „Wahrheit“ im Sinne der Übereinstimmung mit Realität.

Mithin ist ihr Schulz-Test in diesen Punkten untauglich. Er ist ungeeignet, die Schulz-Behauptungen zu widerlegen.

Objektiv aber ist:

* die gesetzlichen Kündigungschutzvorschriften wurden deutlich gelockert

* Leiharbeit, Werkverträge, Scheinselbstständigkeit gibt es – die es in Zeiten der sozialen Marktwirtschaft nicht gab

* Sub-Unternehmen gibt es, mit allen möglichen Folgen für die Beschäftigung – auch diese gab es zu Zeiten der sozialen Marktwirtschaft nicht

* es gibt Menschen mit mehreren Minijobs – auch dies……

* es gibt die Umgehung des Mindestlohnes

* es gibt Verstöße gegen die Arbeitszeitordnung

usw. usw.

Diese Aussagen sind Realität, sind Wahrheit. Sie nachzuweisen brauch keine Versuche, Gefühle von Menschen zu ergründen. Sie sind falsifizierbar, erfüllen die Kriterien einer möglichen rationalen Überprüfung.

Warum versuchen Sie nicht, in dieser Weise die Behauptungen von Schulz zu widerlegen. Sicherlich sehr mühsam, nicht einfach. Aber sich der Wahrheit anzunähern war noch nie einfach, leicht, auch nicht in den Naturwissenschaften und schon gar nicht in den Sozialwissenschaften.

Aber immer muss man sich vor dem Trugschluss der Verallgemeinerung hüten, dem Sie in Ihrem Beitrag unterlegen sind. – Rainer Egold


Leserbrief zu „Bessere Demokraten“ von Benedikt Erenz

es ist so einfach, nach weit mehr als hundert Jahren ein paar Namen in die Debatte zu werfen, deren Träger – tatsächlich oder nach eigener subjektiver Bewertung – ihrer Zeit in bestimmten Bereichen weit voraus waren, und aus der hohen Warte des spätgeborenen Besserwissers arrogant über alles zu urteilen, was diesen hehren Kriterien nicht genügt, auch wenn dabei aus missionarischem Eifer grundlegende historische Begriffe entweder mangels historischer Bildung oder – was noch schlimmer wäre – absichtlich durcheinandergeraten oder zumindest nicht objekt-/zeitbezogen richtiggestellt werden. Der schillernde Begriff des Antisemitismus, beispielsweise, war zur Zeit Arndts höchstwahrscheinlich noch gar nicht geprägt, aber damit läßt er sich natürlich wunderbar, zumindest unterschwellig, mit dem rassistischen Antisemitismus der Nationalsozialisten in direkte Verbindung setzen. Auch der Begriff „Demokrat“, beispielsweise, hätte in diesem Zusammenhang einer Untersuchung bedurft, wenn man Arndt und die ihm Gleichgesinnten wie selbstverständlich als – so ist es ja wohl zumindest gemeint – antidemokratisch abkanzeln möchte.

Und es ist so schwer, die Leistungen derer zu würdigen, die, obwohl nicht in den Olymp der Mainstreamer  zu versetzen, in Teilbereichen Besonderes geleistet haben, obwohl sie im übrigen die „Frechheit“

besaßen, nur Kind ihrer Zeit – und in den so hochfahrend bemühten, aus heutiger Sicht kritikwürdigen Aspekten beileibe nicht nur der deutschen!

– zu sein. Mal was von dem jahrtausendealten Antijudaismus zumindest in allen europäischen Ländern, den zumeist nichtdeutschen Begründern der Rassenlehren, den „demokratischen“ Zuständen selbst im sogenannten Mutterland der Demokratie zu Arndts Zeiten (usw., usw.) gehört?

Es gab Zeiten, da wäre sich DIE ZEIT zu schade für einen solchen Artikel gewesen. – Dr. Helmut Borngräber


Leserbrief zu “ Nur mit Amerika“ von Matthias Nass

Es reicht! Der Artikel von Matthias Nass und die Seite 6 zeigen mir als langjähriger Leserin der ZEIT,dass die Richtung nicht mehr meine ist. Ich bin entschlossen die Zeitung abzubestellen.

Wenn einer der Journalisten das Buch von Trump ”GREAT AGAIN “ gelesen hat,ist der Stil der Artikel nicht zum Lachen,sondern zeigt genau das,was Trump über die Medien sagt. Hier wird gelogen und Angst verbreitet.  Was soll das ? – Christa Warzecha


Leserbrief zu „Der gute Mensch und seine Lügen“ von Bernd Stegemann

Der Beitrag von Hern Stegemann ist so gut, inhaltlich richtig und pointiert, dass ich eigentlich gar keine Lust/Traute habe, diesen mit meinen eigenen schwachen Worten zu kommentieren. Ich möchte aber zum Ausdruck bringen, dass ich sehr froh bin, einen solchen Beitrag in Ihrer Zeitung lesen zu können. Wünschen würde ich mir, dass viele Entscheidungsträger sowohl in Politik als auch Wirtschaft diesen ebenfalls lesen und beherzigen würden. Denn die Probleme unserer Zeit, die ja objektiv vorhanden sind und den Rechtspopulisten lediglich den Raum gegeben haben, um wieder auf sich aufmerksam zu  machen, lassen sich nicht lösen, wenn in Sonntagsreden immer nur davon gesprochen wird, die Probleme des „kleinen Mannes“ (wieso eigentlich immer klein, wir sind doch nicht alle kleinwüchsig) seien natürlich im Bewusstsein der Entscheider, ohne dass sich das im wirklichen Handeln widerspiegelt.

Gerade die im Artikel angesproche Doppelmoral ist ja nicht einfach herbeigeredet, sondern ein reales Problem, dass man nicht einfach niederreden oder wegerklären kann, wie der Autor zu Recht anmerkt. Der Widerspruch, der darin steckt, dass – wie überall zu lesen ist – die Wirtschaft boomt, die Steuern sprudeln, das Vermögen der Deutschen einen  Höchststand ausweist und breite Teile der Bevölkerung – vorzugsweise der gern besprochene „einfache, hart arbeitende Bürger“

(wieso eigentlich immer einfach? Versteht der nix?) sich fragt, wieso merk‘ ich nichts davon? Wieso verfällt dann die Infrastruktur eines reichen Landes, warum verfallen Schulen und Universäten? wird auch von diesem gesehen und hinterlässt – leider – einen fruchtbaren Boden für Menschen mit einfachen Rezepten. Dass diese schon in der Vergangenheit nicht für eine Lösung getaugt haben, sondern höchstens andere Ungerechtigkeit, Leid und im schlimmsten Fall Krieg gebracht haben, scheint da schnell vergessen. Ja, der Autor hat Recht, genau jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, unser Wirtschaftsystem neu zu denken. Statt denjenigen, die darauf hinweisen, dass die Globalisierung ungerecht verläuft, vorzuwerfen, sie seien Fortschrittsfeinde,  wäre ja eine mögliche Antwort auch einmal: Wenn das so ist, wie behalten wir sie bei und gestalten sie gerechter für Alle? Dies ist nur ein Beispiel und vielleicht naiv gedacht, aber wünschen würde ich mir das. – Kornelia Kania


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

Der Bericht ihres Redakteurs bzw. Redakteurin – geht aus dem Vorname Kolja – nicht hervor, ist sehr einseitig arbeitergebernah verfasst. Er bzw. Sie hätten sich auch mal bei den Gewerkschaften, die täglich mit den Problemen der Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu tun haben, informieren sollen. Ich als Mitglied der SPD/AfA und ver.di  habe nach dem lesen dieses Berichts  Verständnis dafür, wenn das Wort „Lügenpresse“ aufgekommen ist. Karl Jacobs


Leserbrief zu “ Nur mit Amerika“ von Matthias Nass

Sie beschreiben in Ihrem Artikel, dass Europa nicht so stark ist, beim Kampf gegen den Rechtspopulismus und dass es Unterstützung seitens eines liberalen und demokratischen Amerikas benötige. Wir brauchen Amerikas wirtschaftliche Dynamik, ihre Qualitätsforschung und ihren Qualitätsjournalismus und ihre militärische Stärke. – Glauben Sie das alles, ernsthaft? Das ist ihre Begründung für eine deutsch – amerikanische Freundschaft? Klingt sehr einfach und populär. Muss man sich keine weiteren Gedanken mehr machen! Alles klar! Soll das Zeit – Niveau sein? – Dennoch, es ist zwar kaum zu glauben, aber es gibt auch Menschen, die das anders sehen. Sieht man über die Schatten der Höhle hinaus, so erkennt man, dass die Amerikaner nie unsere Freunde waren, es auch nicht sind und es wahrscheinlich nie sein werden. Die USA sind ein Imperium mit imperialen Gelüsten. Nachzulesen bei den amerikanischen Geostrategen Zbigniew Brzezinski’s Chessboard und George Friedman von Stratfor und seinen Veröffentlichungen. Gemäß dieser Ziele wollen sie Einflussbereich und Macht sichern. Die NATO führt Angriffskriege und ist demzufolge auch kein Verteidigungsbündnis. So sind Clinton, Chirac, Blair Schröder u. a. als Kriegsverbrecher zu bezeichnen. All die Kriege, die der „Westen“ unter der „Führung“ der USA im Nahen Osten ohne UN Mandat führt und führte, sind Rohstoffkriege, die dem Machterhalt und der Einflussnahme der USA dienen. Hier geht und ging es nie um Menschenrechte, sondern immer um Schürfrechte. Wir benötigen weder Schutz noch Hilfe von den USA. Auch schulden wir ihnen keine Hilfe. Das ist lächerlich und ähnelt eher einer Freundschaft zwischen Teenagern. Die Frage, die bei allen Interaktionen immer als Erstes zu stellen ist, heißt Cui Bono, wem nützt es? Die eindeutige Antwort lautet: „America first“, das wurde bisher von keinem amerikanischen Präsidenten in Frage gestellt. – Hubert Kohlbrenner


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

Selbst wenn die prekären Beschäftigungsverhältnisse nicht zugenommen haben, vielmehr auf hohem Niveau stagnieren, liegt Deutschland europaweit mit über 10 Mio. Beschäftigten damit an führender Stelle. Und bei den regulären sozialversicherungspflichtigen Normalarbeitsverhältnissen muss man genau hinsehen, was sich darunter verbirgt. Wer 40 Stunden/Woche zum Mindestlohn arbeitet oder knapp darüber, kann davon kaum leben, ist trotz Arbeit an der Armutsgrenze. Das betrifft ca. 4 Mio. Menschen. Hinzu kommt: Immer mehr Unternehmen setzen auf „Kontingenzarbeitskräfte“. Die sind formal selbständig, haben kein sicheres Einkommen und müssen sich immer wieder um Aufträge bewerben. Kopfarbeit wird zunehmend wie am Fließband organisiert, in kurzen Takten mit wenigen fest angestellten Mitarbeitern – und vielen freien, die zu Dumpinglöhnen nach Bedarf zuliefern. Man spricht von „Gig-economy“. Das trifft Industrie, Verwaltung und Kreativwirtschaft. – Stefan Kaisers


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

Täusche ich mich oder ist es die Absicht der Zeit den Kanzlerkandidaten der SPD als Populisten darzustellen,der mit bewußten Fakes argumentiert.

Ich wundere mich schon,daß dies nun der 2. Versuch in 2 aufeinander folgenden Ausgaben ihrer Zeitung ist Herrn Schulz in dieses negative,oberflächliche Licht zu rücken.Den Bericht von Herrn Rudzio halte ich für oberflächlich.Die von Herrn Schulz genannten Korrekturen an der Agenda 2010 verdienen es von einer Zeitung ihres Formats näher beleuchtet zu werden.Ich jedenfalls hielte eine Verlängerung des Arbeitslosengeldes für ältere Arbeitslose für sinnvoll und auch bezahlbar.Die Befristung von Arbeitsverhältnissen ohne sachliche Begründung sollte auch aus meiner Sicht nicht mehr möglich sein.Auch das Rentensystem sollte auf eine neue Grundlage gestellt werden.Könnte es sein,daß die Zeit eben die Zeichen der Zeit nicht erkennt?Auch wenn es unserer Wirtschaft sehr gut geht und der Staat gerade das größte Plus im Staatshaushalt verkündet,bedeutet dies nicht,daß es der gesamten Bevölkerung gut geht und wir die Weichen für die Zukunft richtig gestellt haben.Ich bin der Auffassung,daß die sozialen Fragen die Bundestagswahlen stark beeinflußen werden.Und es wäre schön,wenn sie zukünftig Herrn Schulz zwar kritisch aber objektiv bewerten. – Karl-Heinz Peikert


Leserbrief zu „Dann doch lieber eine Kreuzfahrt!“ von Christine Lemke- Matwey

Bezüglich des obengenannten Artikels möchte ich Ihnen als langjährige Leserin Folgendes mitteilen:
Seit mehreren Monaten fällt mir auf, dass die Kritiken von Christine Lemke- Mattwey zunehmend den Hass erfüllten Attacken ähneln und mit dem Berufsethos eines Kritikers nicht zu vereinbaren sind. Ihre neuesten, toxischen, diskriminierenden Bemerkungen über die Homosexualität sind für mich ein klarer Kündigungsgrund: Sie sollten Frau Lemke- Mattweyl fristlos entlassen und die Richtung Ihrer Zeitung ernsthaft überdenken.  – Dr. Jasenka Roth


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

Die Analyse des ersten großen Wahlversprechens von Martin Schulz greift zu kurz. Zum einen gibt es trotz des aufgeführten statistischen Booms von vor allem regulären sozialversicherungspflichtigen Jobs seit 2005 weiterhin Bereiche wie etwa die Wissenschaft, wo man beim Thema eines postmodernen Prekariats kaum von einer Besserung sprechen kann und man dringend fairere Regelungen benötigt, damit nicht noch mehr akademische Talente in Form eines Brain-Drains in andere Länder abwandern. Zum anderen haben jüngere Geschehnisse wie zum Beispiel die Knebelverträge für aus Spanien abgeworbene Pflegekräfte oder osteuropäische „Lohnsklaven“ in hiesigen Fabriken gezeigt, dass bei vielen Unternehmen im Zuge der guten Konjunktur die Moral nicht angestiegen, sondern eher sogar noch weiter gesunken ist. Deshalb muss man doch über grundlegende Reformen sowie bessere gemeinwohldienliche Anreize nachdenken und darf nicht nur den Stillstand verwalten, wie es Angela Merkel tut, zumal sich die deutsche Wirtschaft nunmehr seit etlichen Jahren erfolgreich einer längst überfälligen Wertedebatte verweigert!- Rasmus Ph. Helt


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

Alle haben Recht. Schulz, denn es ist nicht gerecht, dass jemand, der 40 Jahre in die AL-Versicherung eingezahlt hat, nur unwesentlich länger ALG I bekommt als jemand, der fast noch nichts eingezahlt hat. Die Wirtschaft insofern, dass wenn es in absehbarer Zeit endet, das die Motivation erhöht, sich einen neuen Job zu suchen. Wie wäre es, das Schonvermögen zu staffeln? Wer 40 Jahre lang jeden Monat 50 € auf die hohe Kante gelegt hat, ist bei 24.000 €. Das ist ja kurz vor der Rente nicht gerade ein Reichtum. Selbst das Doppelte nicht. Je Arbeitsjahr oder besser je Lebensjahr ab 20 z.B. 1000 € zu schonen wäre fair denen gegenüber, die versucht haben, etwas (für das Alter) zu sparen. Egal wie.

Die Steuern zu senken für niedrige Einkommen ist eher ein niedlicher Vorschlag, der nur Leuten einfallen kann, die ein hohes Einkommen haben. Die am Wenigsten haben, bekommen keine Erleichterung. Eine Steuergutschrift von, naja, vielleicht 1000 oder 2000 € für jeden Bürger, das wäre ein Einstieg, die kleinen Leute zu entlasten. Wer nämlich so wenig verdient, dass er keine Steuer zahlen muss, (weil er gar nicht kann) hätte plötzlich einen Steuervorteil – sprich: etwas mehr Geld. Wer 100.000 € Steuer zahlt, weil er 250.000 verdient, hätte absolut den gleichen Vorteil. Das wären ca. 4 Mrd €, wenn das wirklich jeder Bürger bekommt. Geld, das mit Sicherheit zum größten Teil sofort in Umlauf gebracht wird, weil die allermeisten Leute es als Möglichkeit sehen würden, dringend notwendige Ausgaben zu finanzieren, die sie schon lange vor sich herschieben. Das wäre also gleich noch ein Konjunkturprogramm. Das dürfte dann aber nicht auf Hartz IV angerechnet werden. Alle sollten es bekommen!

Wird nicht so kommen. Oder doch? – Fritjof Möckel


Leserbrief zu “ Nur mit Amerika“ von Matthias Nass

Wie gut, dass wir alle der ZEIT und anderen Medien vertrauen können, dass, wenn „Amerika“ geschrieben ist, ausschließlich die „USA“ gemeint sind.

Über „Make America Great Again!“ machen wir uns lustig, weil wir ja wissen, dass nicht die „Vereinigten Staaten von Amerika“ gemeint sind – also die 35(!) Staaten des amerikanischen (Doppel-)Kontinents mit den 42.849.000 km2 Landfläche und den 990 Millionen Einwohnern -, sondern bloß die „USA“ mit ihren 9.834.000  km2 Fläche, auf denen 320 Millionen Menschen wohnen. Aber was soll’s: Wer die Hegemonie der Bezeichnung hat, hat gewonnen.

So wie ja auch ein Kalendertag jedes Jahres, der 9. September, von den USA als „9/11“ („nine eleven“) auf unabsehbare Zeit besetzt ist. – Walter Stach


Leserbrief zu „»Wir brauchen Vielfalt«“ ein Interview mit Carl-albrecht bartmer, das Gespräch führten Christiane Grefe und Andreas Sentker

Es grenzt an ein Wunder, von der Einsicht in der Gedankenwelt von Carl-Albrecht Bartmer zu lesen, nachdem der Bio-Landbau seit hundert Jahren vormacht, wie es gehen könnte. Leider vertritt CA Bartmer immer noch die Idee des perpetuums mobile: Zerstören – aufbauen – zerstören – aufbauen – ….. und meint, damit immer wieder die „neue Innovation“ (neue Erneuerung) und ein weiter Voran auf dem Weg zu gehen mit der Angst vor der Rückschau und dem Lernen aus Fehlern. – Aber, eine Idee von Aufbruch ist zu bemerken; dann kann wohl selbst unser Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt noch etwas lernen; denn „Gibt’s nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur“. – Hanna Leinemann


Leserbrief zu Titelthema „Großangriff aus dem Netz – Deutschland im Visier

Richtig ist, dass fast nichts mehr geheim bleibt und die Parteien sich darauf im Wahlkampf einrichten müssen – was vielleicht auch Vorteile für uns normale Bürger hat.

So wie es Nachteile für die Demokraten in USA hatte.

Ob Putin’s Beauftragte mehr oder weniger hacken als mancher anderes Land, das dazu in der Lage ist – wir werden es kaum erfahren.

Glaubt die ZEIT et al wirklich, dass diese Herren einen Unterschied zwischen Merkel oder Schulz machen? Oder schlaflose Nächte haben, ob in Deutschland die Linke 6 oder 8% hat? Oder die AfD 10 oder 14?

Oder geht es in den deutschen, völlig parteifernen objektiven Medien mehr darum, die Wahlprogramme in mehr oder weniger „Russlandfreundlich, Türkeifreundlich, USAfreundlich“ einzuteilen?

Oder geht es gar um ganzseitige Anzeigen von noch parteiferneren Unterstützern?

Kurzform: Wer im Wahlprogramm nicht schnell den Wehretat um 25 Milliarden Euro pro Jahr erhöht, der kann doch nur ……………………

Wer Sanktionen für wenig hilfreich beim Ukrainekonflikt hält, der kann doch nur …………………

Wenn Rot/Rot/Grün mehr Stimmen als Gelb/Schwarz bekommt, dann kann das doch nur wegen der russischen Hacker sein. Und wenns umgekehrt ausgeht, dann auch. Oder es war der NSA.

Könnten wir nicht die nächsten 8 Monate unsere Probleme diskutieren statt die russischen Hacker, den NSA , Erdogan, Poroschenko, Trump, die Russland/Griechenlandversteher und Orban ?

Quo vadis ZEIT ? – Helmuth Coqui


Leserbrief zu „Ungeliebt und unersetzlich“ von Jana Simon

Endlich ein Artikel, der die Nöte des mittleren Managements aufgreift! Denn während die Unternehmensspitze in aller Munde ist (Stichwort Management-Gehälter), interessiert sich für die Situation des Mittelmanagements kaum jemand wirklich. Weder die Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften, denn in ihrer Wahrnehmung sitzen das Management auf der anderen Seite des Verhandlungstisches, und mittlere Führungskräfte werden ungerechtfertigt in Sippenhaft genommen. Auch nicht die Öffentlichkeit, die Berichte der Sandwich-Führungskräfte oft mit einem kühlen Schulterzucken abtut nach dem Motto: „Du hättest diesen Job ja nicht annehmen müssen. Schließlich verdienst du ja mehr als deine Mitarbeiter.“ Ob dieses „Schmerzensgeld“ die hohen psychischen Kosten rechtfertigt, steht auf einem anderen Blatt: In einer vor kurzem veröffentlichten bundesweiten Studie („PsyGeMa“) waren mittlere Führungskräfte jene Gruppe, in der am häufigsten psychische Beeinträchtigungen, wie Schlafstörungen und psychische Erschöpfung, berichtet wurden.

Solche Ignoranz haben mittlere Führungskräfte nicht verdient. Denn sie bilden das Rückgrat  der Unternehmen, die Klammer, die „Oben“ und „Unten“ zusammenhält. Zum anderen kann sie sich für die Unternehmen als existenzgefährdend erweisen. Dann will diesen undankbaren Job irgendwann keiner mehr machen. Nicht ohne Grund machen junge Mitarbeiter um diese Positionen schon heute einen großen Bogen. – Prof. Dr. Andreas Zimber


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

Mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag zu Fakt oder Fake gelesen. Dazu habe ich ein paar Fragen:

  1. Sie verzeichnen einen „Boom der Normalarbeitnehmer“. Gehören dazu auch Beschäftigte mit

Mindestlohn, dessen Zahlung von Arbeitgebern oft trickreich umgangen wird? Sind

„Aufstocker“ Normalarbeitnehmer?

 

  1. Wie hoch ist in etwa die Überschneidung der Arbeitnehmergruppen untereinander? Kann man

sagen, dass trotz Überschneidungen etwa jeder fünfte Arbeitnehmer kein „Normaler“ ist?

 

  1. Wie wird „unfreiwillige“ bzw. „freiwillige Teilzeit“ definiert? Ist Teilzeitbeschäftigung eines

Ehepartners bei nicht ausreichendem Familieneinkommen und notwendiger Kinderbetreuung

„freiwillig“ in Ihrem bzw. Enzo Webers Sinne? Und wie passt in diese Systematik die

Tatsache, dass sogar für Akademiker zunehmend Teilzeitstellen ausgeschrieben werden,

Vollzeit also gar nicht angeboten wird?

 

  1. Der Bezug von sog. Alg-W durch 70.000 Bundesbürger kann trotz sinkender Arbeitslosenraten

nicht unbedingt als ein zentrales Instrument angesehen werden. Warum wird es nicht stärker

eingesetzt, und wie erfolgreich ist es überhaupt?

 

  1. Bedeutet der Anteil von immer noch 42% der Befragten, die sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz

machen, dass die Politik sich entspannt zurücklehnen darf? Sind in diesem Kontext nicht

auch die Probleme der Menschen mit steigenden Mieten, fehlenden Ersparnissen, unsicherer

Altersversorgung und insgesamt der sich weiter öffnenden Schere zwischen Arm und Reich

zu sehen?

Mit der Statistik ist das so eine Sache. Schön reden sollte man sie sich nicht. Aber selbst wenn man die Interpretationen kritisch sieht, Recht haben Sie: Es fehlt schon noch ein bisschen mehr an Programm bei Martin Schulz. Aber er fängt ja auch gerade erst an. – Joachim Hinze


Leserbrief zu „Dann doch lieber eine Kreuzfahrt!“ von Christine Lemke- Matwey

In Ihrer Ausgabe vom 23.2.2017 drucken Sie mehrere Leserbriefe unter der Überschrift „Dem Hass keinen Raum geben“ ab, die sich auf den Artikel „Aufstehen gegen Trump“ aus der Nr.7. Ihrer Zeitung beziehen. Die gleich Überschrift könnten Sie als Überschrift dieser Zuschrift schalten. Im Artikel „Dann doch lieber Kreuzfahrt“ stellt Frau Lemke-Matwey in unerträglicher Weise einen Zusammenhang zwischen der persönlichen Lebensweise und künstlerischen Entscheidungen an der Deutschen Oper Berlin her. Sie tut dies in rein abwertender Absicht, ohne eine fundierte und profunde Kritik einer Theateraufführung zu liefern.

Es geht ihr auch nicht um die Darstellung einer in ihren Augen misslungenen Auftragskomposition, zu der sie ja bei Ihnen beschäftigt sein sollte, sondern um die Stigmatisierung einer Gruppe von Menschen. Dies tut sie in einer Zeit, in welcher solche Äußerungen wieder allerorten auftauchen und mehr oder weniger besorgt zu Kenntnis genommen werden. Dass Sie allerdings, als Vertreter einer unabhängigen Zeitung mit liberalem Anstrich solchen Hetzreden eine Plattform bieten, empört mich zutiefst. Am Augsburger Theater sind Produktionen unter meiner Intendanz herausgekommen, bei welchen Frauen Regie führten, die Bühne und Kostüme gestalteten und weibliche Dramaturgen die Produktion begleiteten. Zu verantworten waren diese Arbeiten von einer weiblichen Intendantin mit weiblicher Operndirektorin und weiteren Mitarbeiterinnen weiblichen Geschlechts.

Hier zu untersuchen, welche der Damen sich einer lesbischen Neigung erfreut oder einen Artikel zu verfassen, der diese Geschlechtszugehörigkeit in den Vordergrund stellt, um dann eine vernichtendes Urteil über einen Theaterabend zu fällen, würde doch zu erheblichen Protesten führen.  Es empört mich, dass es möglich sein soll, im Rahmen einer ausgewogenen Berichterstattung solche Äußerungen lesen zu müssen, die offensichtlich sehr persönliche Ursachen haben. Daher bitte ich Sie um eine öffentliche Stellungnahme zu diesen Unterstellungen und Abwertungen von Personen, die sich in einer angesehenen Institution um einen Kulturbeitrag bemühen. – Juliane Votteler


Leserbrief zu „Grafik: Karl May“

Da haben Sie aber einen gewichtigen Karl-Mai-Experten unterschlagen.: ARNO SCHMIDT.Vielleicht weil er Mai in seinen Texten (latente)HOMOSEXUALITÄT nachgewiesen hat? – Dr. Franz Dachs


Leserbrief zu „Brillant und hochgefährlich“ von Felix Rohrbeck

Felix Rohrbeck zitiert im ersten Teil seines Artikels Steuerexperten, nach deren Auffassung eine weltweite Einführung des beschriebenen Steuersystems „nahezu alle drängenden Probleme lösen könnte, die heute die Diskussion um die Unternehmensbesteuerung prägen“.

Insofern hätte ich mir am Ende seines Artikels eine  Diskussion gewünscht, ob es- anstatt Nachteile zu erleiden oder einen Handelskrieg zu führen- nicht eine ernstzunehmende Option darstellen würde, dieses Steuersystem auch in Deutschland oder gar im Rahmen der G7 einzuführen.

Mich stört die Mentalität des „Dagegen“, nur weil es von den Amerikanern kommt, anstatt gute Ideen unbürokratisch aufzugreifen und für uns nutzbar zu machen. – Hendrik Meyer


Leserbrief zu „Das jüngste Gerücht“ von Georg Blume

Der eigentliche Skandal an dieser Geschichte ist aber, dass der Versuch eines Rufmordes mit der Meldung, ein Politiker sei möglicherweise schwul, selbst in offenen pluralistischen Gesellschaften noch immer als nicht aussichtslos erachtet wird – obgleich Nachrichten wie diese doch nur noch ein gelangweilt achselzuckendes „Na und?“ evozieren sollten. – Kerstin Amadori


Leserbrief zu „Wer hat gelogen?“ von Sabiene Rückert

Das ist leider sehr verbreitet in Verwaltung und Politik. Führen ohne klare Anweisung (schon gar nicht schriftlich) hat den Vorteil, dass man im Falle des Erfolgs den großen Manager geben kann, Im Falle des Misserfolgs von nichts gewusst haben muss und dann darüber jammert, dass man sich auf seine Mitarbeiter nicht verlassen kann.

Wir brauchen mehr solche Berichterstattung.

Insbesondere im Wahljahr müssen wir wissen wer eigentlich seine Arbeit macht und wer uns nur zuschwätzt.

Welche Rolle spielten  eigentlich Herr Steinmeier und Herr Maas bei der Entscheidung über die Ermittlung gegen Jan Böhmermann. Eigentlich waren diese beiden doch eher zuständig als die Bundeskanzlerin, die am Ende die Entscheidung treffen musste.

Auch hier gibt es ein Gutachten, das wir aber nicht kennen ( sollen, dürfen ). – Karlheinz Martin


Leserbrief zu „Dann doch lieber eine Kreuzfahrt!“ von Christine Lemke- Matwey

Mit sehr großem Befremden und dem im Verlauf der Lektüre immer stärker werdenden Gefühl einer persönlich empfundenen Diskriminierung habe ich den Artikel „Dann doch lieber eine Kreuzfahrt“ von Christine Lemke-Matwey in der Ausgabe vom 23.02.2017 gelesen. Grundsätzlich bin ich ein großer Freund der Meinungsfreiheit und ich finde auch, dass es das Recht jedes Menschen und somit auch jedes Journalisten, jeder Journalistin ist, eine starke, auch zugespitzte Meinung zu verteten, vor allem, wenn damit die Absicht verbunden ist, eine Diskussion anzustoßen oder auf ein Problem aufmerksam zu machen. Natürlich gestehe ich auch jedem Operngänger – egal ob aus privaten oder, wie hier, aus beruflichen Gründen – zu, dass man eine Produktion ganz oder in Teilen ablehnt und dies dann auch argumentativ begründet und zugespitzt artikuliert. Aber was Frau Lemke-Matwey in diesem Artikel macht und was somit von der Ressort-Leitung, den Blattmachern und der Chefredaktion getragen wird, überschreitet deutlich einige Grenzen.

Frau Lemke-Matwey insinuiert in ihrem glossenhaften Text, dass es eine Art Verbindung zwischen künstlerischem Dilettantismus und der sexuellen Neigung der beteiligten Künstler gibt. Meiner Meinung nach stellt das ein übles Beispiel gruppenspezifischer Menschenfeindlichkeit dar, das in einer Opernkritik genauso fehl am Platz ist wie im Alltag. Ich spare mir an dieser Stelle jegliche konkrete Parallele zu historischen oder aktuellen Beispielen derartiger Klischees und Vorurteile; aber es gäbe genügend aufzulisten. Deshalb bin ich auch so erbost: Denn ich habe in rund 20 Jahren die ZEIT immer als ein liberales Blatt erlebt, in dem für derartige verbale Entgleisungen und menschenfeindliches Gedankengut kein Platz ist.Sollte Frau Lemke-Matwey ein Problem mit homosexuellen Menschen haben, so ist das eine Meinung, die sie im Privaten ja gerne vertreten kann; DIE ZEIT ist dafür aber der falsche Platz. Vor allem tangiert die Autorin damit nach meiner Ansicht zwei juristische Bereiche auf negative Art: Derartiges Klischeedenken verstößt nach meiner Wahrnehmung gegen Art. 1 unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Zieht man die Definition Immanuel Kants zur Würde heran, so weiß man, dass darunter der Mensch in seiner Gesamtheit und Integrität verstanden wird, also und gerade auch die Frage nach seiner sexuellen Orientierung (für die der Mensch, wie wir wissen, nichts kann; das ist ein genetisches Merkmal wie die meisten anderen äußeren Erscheinungsmerkmale). Wenn Frau Lemke-Matwey in ihrem Artikel die sexuelle Orientierung des Produktionsteams unbegründet und vorurteilsbehaftet mit künstlerischer Inkompetenz verbindet, dann ist das ein Angriff auf die Würde dieser Menschen. Sollte ich mit meiner Vermutung richtig liegen, dann ist hier auch – zweiter juristischer Bereich – das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetzt“ tangiert, denn Frau Lemke-Matwey startet hier einen wüsten Angriff auf Menschen, die homosexuell sind und von ihr verbal herabgewürdigt werden.

Da derlei verbale Entgleisungen in den Texten Christine Lemke-Matweys immer wieder vorkommen und sie meiner Meinung nach vielfach auch eher ungenau über musikalische Fakten schreibt, gelegentlich auch dilettantisch wirkt (Entschuldigung, wenn ich das so direkt sage, aber ich bin „vom Fach“, denn ich habe Germanistik, Schulmusik und Musikwissenschaft studiert und arbeite im Musik-Bereich) und in vielen Texten auch unverhohlen ihre Klischees zum Ausdruck bringt (ich erinnere mich noch an einen besonders peinlichen und fehlerhaften Text über Nina Stemme), kann ich mich mit dieser jüngsten Entgleisung einfach nicht abfinden. Ich kann auch nicht verstehen, wie ein derartiger Text die Schranken der ressortinternen Abstimmung, Korrektur und Freigabe sowie die kritische und kontrollierende Lektüre innerhalb der Redaktion, ehe das Blatt in den Druck geht, passieren kann. Daher weite ich meine Kritik aus: Ich kann weder verstehen noch akzeptieren, dass die Leitung des Feuilletons sowie die Chefredaktion so einen Artikel ins Blatt lassen.

Aus all diesen Gründen bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass ich mein Abonnement der ZEIT nur unter der Bedingung aufrecht erhalten kann, dass die Redaktion in angemessener Form zu erkennen gibt, dass sie von derlei Texten und geistigen Haltungen Abstand nimmt. Mein Ratschlag an Sie ist, sich in einem Kommentar von diesem Text zu distanzieren. Darüber hinaus glaube ich nicht, dass Frau Lemke-Matwey die richtige Musik-Kritikerin für DIE ZEIT ist. Gerade das Feuilleton ist ein Buch einer Wochenzeitung, das von intellektuellem Anspruch und sprachlichem Niveau geprägt sein sollte. Beides erfüllt Frau Lemke-Matwey nicht, wie nicht nur ich seit geraumer Zeit beobachte, und das ist ganz sicher ein Negativum für die Außenwirkung dieses Blattes. – Dr. Markus Dippold


Leserbrief zu „Gestrandet in … Köln“ von Ulrich Stock

Irgendwann wird ja mal das Ende der Serie kommen. Bitte sparen Sie Bonn bis dahin auf, und dann muss es heißen: „Da wollten Sie schon immer hin. Jetzt sind Sie endlich da.“ Ich bin schon vierzig Jahre da. – Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

In Ihrem Beitrag sprechen Sie von regulärer und atypischer Beschäftigung. Ich vermisse die osteuropäischen „Wanderarbeiter“, die unter sehr dubiosen Umständen in deutschen Schlachthöfen über Subunternehmer beschäftigt werden. Auch in meinem Ort beobachte ich Rumänen, Bulgaren und Ungarn, die Tag für Tag mit ihren Plastiktüten von ihren Massenunterkünften zum hiesigen Schlachthof unterwegs sind, um dort eine Arbeit zu verrichten, die früher einmal  überwiegend von deutschen Metzgern ausgeführt wurde. Es ist ein Skandal mitten in Europa, dass Menschen eine sehr schwere und gefährliche Arbeit erledigen und vielleicht 3 € in der Stunde dafür erhalten, davon aber überteuert für ein Bett in einem Mehrbettzimmer, für Arbeitskleidung, Reinigung und Werkzeuge bezahlen müssen, ganz abgesehen von den Strafen für Fehler während der Arbeit. Wenn Politiker nichts dagegen unternehmen, so liegt der Schluss nahe, dass sie dieses System tolerieren. Es funktioniert ja. Die Wanderarbeiter werden dermaßen eingeschüchtert, dass sie ihre Stimme nicht erheben. Alle verdienen gut an ihnen: die Subunternehmer, die Schlachthöfe und der der Handel. Wie konkret die Lage der Wanderarbeiter ist, kann man im Artikel Die Schlachtordnung bei zeit online nachlesen. Mein Dank gilt Anne Kunze, die sich dort dieser Thematik angenommen hat. Der Magen dreht sich mir um, besonders, weil ich mir hilflos vorkomme.

So widerspreche ich Ihrer Aussage, dass der Trend zu mehr prekärer Beschäftigung gestoppt ist. Nein, die Situation in den Schlachthöfen spricht eine andere Sprache. Es ist Versklavung und Beraubung von Grundrechten in einem mafiösen System, wo jeder wegschaut. – Bernd Schippel


Leserbrief zu “ Kann ein Türkeobjektiv sein?“ von Özlem Topçu

Ich lese meistens gerne Ihre Artikel. Vom objektiven Türken habe ich nur den letzten Absatz richtig verstanden. Beim großen Rest glaube ich, dass es darum geht, dass Sie ein bisschen empfindlich reagiert haben. Oder habe ich auch da etwas nicht mitbekommen?  – Hartwig Block


Leserbrief zu „Der gute Mensch und seine Lügen“ von Bernd Stegemann

Respekt und Glückwunsch für Ihre souveräne Entscheidung. für die unabdingbar notwendige Replik auf Jens Jessen, „Der Hass auf die da oben“ nunmehr Bernd Stegemann zu gewinnen.

Sie hatten damit wahrlich eine glückliche Hand. Jens Jessen blieb doch sehr in den sattsam bekannten und fruchtlosen Ansätzen von Polemik vs. Gegenpolemik, von Correctness vs. Populimus und letztlich, wie viele andere vor ihm, in üblicher Empörung stecken.

Im Vergelich dazu führt der sprach- und kommunikaritische Ansatz von Bernd Stegemann über die Begriffe „paradoxe Kommunikation“ und „Verschleierung“ weitaus stringenter und klarer

zum Kern der beklagenswerten Erscheinungen. Es kommt sicher nicht von ungefähr, dass gedankliche Schärfe auf diesem Niveau von „außen“ herein zu holen war. Verschleiernde und paradoxe Formen der Kommunikation haben sich mittlerweile seit fast einer Genaration bilden und festigen können.  Das zeitigt nicht nur Wirkungen auf die öffentliche Rhetorik. Die noch bedeutendere Wirkung besteht darin, dass durch die Technik der Verschleierung lösende Denkansätze nicht allein verborgen wurden und werden sondern in bedeutendem Ausmaß im öffentlichen Diskurs endgültig schon nicht mehr vorkommen, weil sie im breiten Bewusstsein nicht einmal auch nur als Option gedanklich überhaupt noch verfügbar wären.

Das gilt in gleichem Maß sowohl für die Rhetorik in den Bereichen Politik und Wirtschaft und leider durchaus auch in der veröffentlichten Meinung. Vielleicht sind Medien, Politik und Wirtschaft mittlerweile in ihrem Sprechen und Denken zu oft zu nahe aneinander gerückt. Vielleicht hat kritische Distanz als Preis des  Dabeiseins an den Entscheidungszentren abgenommen.

Insofern wäre nicht nur Ihnen sondern uns allen dringend zu wünschen, dass sie weiterhin so repektabel, intelligent und mutig Kommikationskritik und -kompetenz wie auf dem Niveau von Bernd Stegemann immer wieder auch von „außen“ zu sich holen. – Bernd Nickel


Leserbrief zu „Der gute Mensch und seine Lügen“ von Bernd Stegemann

Ich halte Ihre begriffliche und inhaltliche Fassung ‚derer da oben‘ sowie die Beschreibung der Hintergründe der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen mit einem wie auch immer verstandenen Populismus für nicht überzeugend. M.E. geht es weder um die pöbelhafte Verdammung jeder Abweichung von der eigenen Meinung, wie von Herrn Jessen entwickelt (ZEIT 8), noch um die moralische Doppelgesichtigkeit Gutsituierter, wie von Herrn Stegemann angeprangert (ZEIT 9).

Beide übersehen Sie, dass das Wesen des seit mindestens einem Jahrzehnt heraufziehenden Protests gegen die ‚Eliten‘ ein Problem der Legitimation von politischem Handeln ist. Es geht nicht nur um Brüssel. Es geht um die seit langem und noch immer zunehmende Verwechslung von guter  Absicht mit Legitimität.

Legitimität ist ein grundlegendes, stabilitätsbestimmendes Prinzip jeder menschlichen Gemeinschaft.  Deren widersprüchliche und fragile Grundlagen hat, auch wenn Sie mein Verweis auf einen konservativen Theoretiker jetzt kalt erwischen wird, Roger Scruton in seinem Manifest ‚The Meaning of Conservatism‘ vor nunmehr fast 40 Jahren ausführlich analysiert. Selbst wenn man seine Schlussfolgerungen nicht immer teilen mag, zurückgehen hinter das dort präsentierte Niveau der Analyse von Legitimität politischen Handelns sollten wir nicht.

Natürlich spielen mangelnde Wahrhaftigkeit und moralische Obszönitäten eine nicht zu unterschätzende Rolle. Diese Dinge allein würden aber niemals erklären, warum inzwischen ganze Schollen des Bürgertums aus dem Fundament der westlichen Demokratien herausbrechen und davontreiben.

Der von Ihnen so beklagte Populismus bezieht seine Wirksamkeit aus der lange verdeckten, mittlerweile jedoch öffentlich herausfordernd artikulierten Ablehnung des zeitgeistlichen Anspruchs von Politik und Medien an den Bürger, Entscheidungen schon wegen deren guter Absicht als legitim anzuerkennen und hinzunehmen. Abweichende Meinungen werden heute bereits anhand von Kriterien, über die (noch) gar kein öffentlicher Konsens besteht, bewertet. Gesellschaftspolitische Positionen von Bürgern werden in gutes und schlechtes Ja, in richtiges und falsches Nein klassifiziert.

Aktuell sortieren wir jede Zustimmung und jede Ablehnung anhand von immer denunzierender daherkommenden Begrifflichkeiten, ohne sie auch mal nüchtern als aktuelle Interessenlage von Bürgern oder einfach als zwischenmenschliche Abneigung hinzunehmen. Es scheint gar nicht mehr darum zu gehen, ob diese oder jene Position vom Bürger als vernünftig akzeptiert oder als inakzeptable Zumutung in einem demokratischen Prozess abgelehnt wird, sondern eher darum, ob sich der Bürger jederzeit einer ‚öffentlichen Vernunft‘ unterwerfen will. Ohne dass breiter Konsens darüber herrscht, worin diese denn bestehen soll.

Wir sind dabei, schleichend einige von Robespierres Auffassungen vom ‚guten Staatsbürger‘ und von ‚berechtigter Denunziation der Untugend‘ in die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung zu integrieren. Wer meint, es gäbe noch Raum für Ansichten oder Interessen jenseits einer Tiefenprüfung auf Rassismusnähe, Islamophobie oder Sexismus durch politische und mediale Wohlfahrtsausschüsse, der führt zumindest in der öffentlichen Debatte ein riskantes Dasein.

‚When they go low, we go high‘ – mit derartigen, zweifellos gut gemeinten Parolen begeben wir uns, am durchschnittlichen menschlichen Verhalten gemessen, mit schwerem Gepäck sehr weit hinaus auf das mitunter dünne Eis der Akzeptanz ‚vernünftiger‘ Entscheidungen. Politik der guten Absicht ohne hinreichende Legitimation kann leicht zum destabilisierenden Faktor werden, der den von Ihnen so beklagten Populismus immer wieder aufs Neue gebiert und möglicherweise dazu führt, dass das Eis sogar mitten in Europa bricht.

Zum Abschluss noch etwas zur aktuellen Auseinandersetzung in Dresden (ZEIT 8): Man verstößt nicht ungestraft eine Stadt, die sich demokratisch für eine bestimmte Lösung eines brennenden Verkehrsproblems (Waldschlösschenbrücke) entschieden hatte, wegen vorgeblich ästhetischer Zumutungen für die Welt als unartiges Kind aus der UNESCO-Familie,  um sich hernach zu empören, wenn Bürger dieser Stadt nun ihrerseits gegen eine ästhetische Zumutung an einem Ort höchster politischer und oft noch persönlicher Sensibilität aufbegehren, auch wenn (oder gerade weil?) diese als – m.E. unfassbar naiv vorgetragener – politkünstlerischer Denkanstoß verstanden sein wollte. Aus der Sicht von Legitimität gesellschaftspolitischen Handelns waren beide Dresdner Ereignisse Unfälle der Demokratie, die nicht nur Schäden am Lack zur Folge hatten. – Matthias Wagner


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

„Der Trend zu mehr prekärer Beschäftigung ist seit einem Jahrzehnt gestoppt“ lautet der Untertitel des Beitrages von Kolja Rudzio. Wenn man unter „prekärer Beschäftigung“ nur die vom Statistischen Bundesamt aufgeführten Arbeitsverhältnisse ‚Minijobber/Teilzeitbeschäftigte bis 20 Std/befristet Beschäftigte/(Solo)=Scheinselbständige und Leiharbeiter‘ versteht, weist die Statistik in der Tat keinen bemerkenswerten Anstieg aus. Statistik ist eine Sache – die erlebte Realität in der Arbeitswelt eine andere.

Der Normalbürger versteht unter einer ‚prekären Beschäftigung‘ auch eine solche, von der er trotz Vollzeit nicht oder nur schlecht leben kann, von der Möglichkeit einer zusätzlichen Altersvorsorge oder der Gründung einer Familie ganz zu schweigen. Es gibt leider keine Statistik, die die ‚Normalarbeitsverhältnisse‘ prozentual nach ihrem Bruttoeinkommen ausweist. Dass eine Beschäftigung sozialversicherungspflichtig ist, heißt lediglich, dass mehr als 450,00 € im Monat verdient werden – über das verfügbare Einkommen und ob die Menschen in einer prekären Situation leben, sagt es überhaupt nichts aus.

Es gab auch schon vor Martin Schulz Umfragen, in denen die Menschen zu Protokoll gaben, dass sie im Augenblick zufrieden sind, ihnen der Blick in die Zukunft aber Angst macht – und das nicht wegen der Flüchtlinge! Und das sollte zu denken geben und zum Handeln auffordern. – Hedine Meier-Stehnken


Leserbrief zu „Krieg ohne Blut“ von Patrick Beuth, Marc Brost, Peter Dausend, Steffen Dobbert und Götz Hamann

Auf der Suche nach einem „Breitband- Antibiotikum“, das möglichst viele Fake News- Erreger erwischt, bleibt m. E. ein ganz wichtiges Element unerwähnt: Vertrauen in die eigenen politischen Akteure:

– Wenn z. B. eine Bundeskanzlerin in den Medien erklärt, dass sie die NSA- Spionage- Aktivitäten in Deutschland „aus der Zeitung“ erfahren habe,

–  wenn ein Bundesverkehrsminister vor dem Untersuchungsausschuss zum Abgasbetrug aussagt, er habe von diesem Vorgehen erst im September 2015 „aus den Medien“ erfahren, obwohl der Tatbestand sowohl dem Bundesverkehrsministerium als auch der EU- Kommission seit 2008 und detailliert seit November 2010 vorlag (Die Zeit Nr.31, 21.07.2016), dann vernichtet dieser politische Umgang mit der Wahrheit nicht nur den Rest an Vertrauen in unsere Politik sondern bereitet in höchst wirksamer Weise den Nährboden vor auf dem sich die Fake News der Schurkenstaaten und Cyberkriminellen hervorragend entwickeln können.

Nur wenn Politiker, wie übrigens auch Journalisten, ihre Glaubwürdigkeit tagtäglich unter Beweis stellen, kann sich Vertrauen entwickeln und so ein Immunsystem gegen die Fake News- Attacken kranker Cyberhirne aufbauen. –  Michael Deil


Leserbrief zu „Krieg ohne Blut“ von Patrick Beuth, Marc Brost, Peter Dausend, Steffen Dobbert und Götz Hamann

Mit Vehemenz widmen Sie sich regelmässig dem Thema Hackerangriffe aus Russland.

Leider habe ich den Eindruck, dass Sie der Regierungspropaganda der CDU folgen und Russland immer wieder ins Zentrum Ihrer unbewiesenen Behauptungen stellen.

In den letzten Tagen sehen wir aus der Nachrichtenlage, dass ein britischer Hacker für die Telekom-Attacke in 2016 verantwortlich ist.

Trotzdem nehmen Sie die Theorien immer wieder auf, dass Russland hinter den Attacken steht, Sie und die Regierung nennen es Teil der hybriden Kriegsführung Russlands.

Wie wir alle wissen, stationiert die NATO in kriegstreiberischer Weise an  der EU-Aussengrenze massiv Truppen und provoziert damit Gegenmassnahmen Russlands und eskaliert damit die Situation. Mich würde aber interessieren welche Interessen die deutsche Lügenpresse dabei hat, immer wieder Russland zu bezichtigen, daneben natürlich die CDU, die Partei der Diktatur der Saturierten in Deutschland. Ich glaube, dass die Lügenpresse   nicht mehr die 4. Gewalt in Deutschland, die Meinungshoheit, besitzt, sondern die Menschen sich über die Situation im Lande über die sozialen Medien austauscht. Natürlich beim arabischen Frühling war das noch für die Lügenpresse akzeptabel, aber wenn es um die eigenen Pfründe geht, ist man halt dünnhäutiger.

Ich rate Ihnen, kehren Sie zum ordentlichen Journalismus zurück, sonst verdienen Sie sich das Prädikat Propagandapresse zurecht. – Jens Ockert


Leserbrief zu „Rechenkunst“ von Josef Joffe

„Dieser „Stolperdraht“ aber funktioniert nur, wenn dahinter ganze Kampfbrigaden stehen, die rasch an die Front rücken können. Die fehlen der Bundeswehr, und deshalb muss sie massiv in Kampfbereitschaft investieren, um Putins Risikokalkül zu schärfen.

Gerade wer in der Ära Trump/Putin über den Verlust der amerikanischen Verlässlichkeit orakelt, muss für Abschreckung durch Kampfbereitschaft an den Ostgrenzen der Nato sorgen. Die Deutschen haben fünfzig Jahre lang Sicherheit zum Discountpreis genossen. Wenn sie jetzt mehr einzahlen müssen, führt das nicht in eine „blinde Aufrüstungsspirale“ (Gabriel). Es ist die Korrektur einer einst verständlichen Abrüstungsspirale, die der Kreml als Gelegenheit wahrgenommen hat. Für diese schlichte Einsicht braucht Europa keine Nachhilfe von Trump.“

Was ist nur los mit der „Zeit“ seit Helmut Schmidt nicht mehr ist?  Offene Befürwortung oder gar Forderung nach einem Krieg mit Russland? „Kampfbrigaden, die rasch an die Front rücken können“? Warum machen Sie das? Wie können Sie es verantworten, dass wieder deutsche Soldaten mit Russland Krieg führen sollen? Reichen Ihnen die Millionen und Abermillionen Toten, die Deutschland in beiden Weltkriegen verursacht hat, immer noch nicht? Haben Sie eine Rechnung offen mit Russland oder wie darf ich Ihre Worte verstehen?

Es ist traurig, wie eine einst renommierte Wochenzeitung der Frau Dönhoff und des Herrn Schmidt auf ein solches Niveau sinkt. – Renate Vetter


Leserbrief zu “ Kann ein Türkeobjektiv sein?“ von Özlem Topçu

Ich möchte Frau Topçu und Herrn Yüzel danken,  weil Sie verlässlich gute Arbeit leisten. Ich finde es traurig, dass Debatten dieser Art immer noch geführt werden müssen. Unser Land ist bunt, vielfältig und erfolgreich. Bayern mischen sich mit den einst verhassten „Saupreußen“, Schwaben sind glücklich in Berlin, Sachsen in Ostfriesland, Münsterländer im Allgäu, und die einstigen Gastarbeiter aus der Türkei sind längst angekommen und aus Deutschland weder wegzudenken noch wegzuwünschen. Nicht zuletzt die astronautische Sicht auf unseren kostbaren blauen Planeten sollte uns dazu auffordern, beschränkte Sichtweisen vollends aufzugeben und uns alle als Menschen wahrzunehmen, die miteinander Großartiges zu schaffen imstande sind. Herr Yüzel hat sich mit seiner Berichterstattung in der Türkei als mutig und solidarisch mit seinen Kollegen erwiesen. Ich kann nur sagen: Hut ab vor so viel journalistischem Engagement! Ich wünsche ihm und allen zu Unrecht festgenommenen Kämpfern für Freiheit und Demokratie baldmögliche Freilassung. – Bettina Oehmen


Leserbrief zu „Hilfe den Verletzten“ von Sven Krüger

Mit großem Interesse habe ich den Artikel in der Zeit vom 23.7.17 gelesen.
Ich möchte den Beitrag zu der Frage der Verletzten von Fake-News um einen wichtigen Aspekt ergänzen.

Sie schreiben, dass  die Verletzung von „nur“ Ehrenschutznormen rechtlich kaum, meist sogar gar kein Gehör finden. Diese derzeit praktizierte rechtliche Bewertung der Ehrenschutznormen ist grundlegend falsch.

Nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen aktivieren Beleidigungen, Herabwürdigungen, Mobbing etc. die gleichen neuronalen Zentren wie die Zufügung unmittelbarer körperlicher Gewalt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Schmerzzentren auch dann reagieren, wenn Menschen sozial ausgegrenzt oder gedemütigt werden. Körperlicher Schmerz hinterlässt eine Art Fingerabdruck. Dies lässt sich bildgebend sichtbar machen. Der gleiche Fingerabdruck des Schmerzes taucht an gleicher Stelle auf, wenn ein Mensch von anderen sozial ausgegrenzt, zurückgewiesen verachtet oder gedemütigt wird. Körperlicher und seelischer Schmerz werden in sehr ähnlicher Weise im Gehirn wahrgenommen und verarbeitet und müssen somit auch vergleichbar bewertet werden.

Jeder weiß, dass Worte verletzen und schmerzen können. Die Wissenschaft hat diese Erfahrung experimentell explizit bestätigt. Aber diese Erfahrung von jedermann wird rechtlich unverständlicherer weise völlig missachtet. Beleidigung ist eine Form von vorsätzlicher Körperverletzung !

Die minderwertige rechtliche Bewertung der Ehrenschutznormen geht so weit, dass das Bundesverfassungsgericht (BVG) in einem Urteil es einem Anwalt explizit erlaubt zu Beleidigen, und zwar zur Durchsetzung seiner Interessen (BVerfG, NJW 2008, 2424) . Im Kontext der Beleidigung als Körperverletzung lässt das BVG unmittelbare körperliche Gewalt zur Durchsetzung von Interessen zu. Es gilt das Recht des Stärkeren. Das BVG verletzt damit Artikel I des GG indem Anwälte die Würde des Menschen angreifen dürfen. Die Würde des Menschen ist antastbar.

Verfolgt man den Gedanken weiter, muss man sich fragen, warum laut BVG nur Anwälte beleidigen dürfen. Weil nur ein Anwalt geklagt hat ? Andere haben doch auch Interessen ! Konsequenterweise müssten dann eigentlich alle beleidigen dürfen…… Absurd !

Vorausgesetzt, dass die Rechtsprechung die sachlich dringend gebotene Neubewertung der Ehrenschutzklausen vornimmt, ergeben sich auch neue rechtliche Möglichkeiten gegen die Verbreiter verletzender Fake-News und verbaler Hetze im Internet vorzugehen. – Dr. Herbert Helmle


Leserbrief zu „»Wir brauchen Vielfalt«“ ein Interview mit Carl-albrecht bartmer, das Gespräch führten Christiane Grefe und Andreas Sentker

Wer sich fragt, was zur Zeit falsch läuft in der Welt, der muss nur das Interview mit Hr. Bartmer lesen. Die hochsubventionierte und technisch hochgerüstete Agrarlobby hat Bauchschmerzen, weil sie Ihren Auftrag, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren nicht mehr erfüllen kann. Auf der nächsten Seite wurde es leider nicht besser, als die Insemination daheim fürs Wunschkind mit dem Sperma aus dem Paket nicht geklappt hat. Vielleicht darf man auch einfach nicht Querlesen.  – Johannes Stockerl


Leserbrief zu „Dann doch lieber eine Kreuzfahrt!“ von Christine Lemke- Matwey

In der aktuellen Ausgabe der ZEIT echauffiert sich Christine Lemke-Matwey über die Uraufführung von Edward II. an der Deutschen Oper Berlin, das sie als ‚jämmerliches Stück‘ brandmarkt. Das mag – insbesondere subjektiv gesehen – durchaus der Fall sein, obliegt doch die Wahrnehmung derartiger Kulturangebote stets individueller Geschmäcker und Präferenzen. Es irritiert jedoch sehr, dass die Autorin die mangelnde Qualität der Inszenierung nicht etwa auf die künstlerischen Fertigkeiten der Beteiligten zurückführt, sondern diese schlicht auf deren sexuelle Orientierung reduziert. Dies ist nicht nur extrem undifferenziert, sondern auch durchaus diffamierent für die Beteiligten. Insbesondere von Autoren der ZEIT erhoffe ich mir die Wahrnehmung des Individuums als komplexe Kombination vielfältiger Eigenschaften und Attribute, und nicht die klischeeschafte Reduzierung auf einen einzelnen Aspekt. – Felix Behr


Leserbrief zu “ »Vielen Managern ist das peinlich«“ von Petra Pinzler

Zum Artikel, genauer gesagt Interview „Vielen Managern ist das peinlich“ mit Burkhard Hirsch sticht mir vor allem eine „Peinlichkeit“ ins Auge:

Da beklagt Herr Hirsch, dass dem Fiskus Einnahmen entzogen werden, weil die Managergehälter steuerlich absetzbar sind. Vereinfacht ausgedrückt: Durch die Absetzbarkeit der Gehälter als Betriebsausgabe wird der Gewinn verringert, mit der Folge, dass dann auch die Steuern auf den Gewinn geringer ausfallen – soweit verständlich.

Was bei dieser Betrachtung allerdings vollständig unterschlagen wird: Muss der Manager, der 10 Mio Gehalt erhält, dieses etwa nicht versteuern ?

Nach meiner „schnellen“ Recherche müssen Kapitalgesellschaften ihren Gewinn mit 15 % versteuern. Ein Manager mit Millionengehalt dürfte annähernd den Spitzensteuersatz von 42 % bezahlen. Oder liege ich da falsch ?

Peinlich, dass jemand, der für den Wirtschaftsteil der ZEIT Interviews führt, so einen wichtigen Punkt einfach übersieht oder – schlimmer noch -absichtlich unter den Tisch fallen lässt. Mein Respekt vor der fachlichen Kompetenz des ZEIT-Wirtschaftsresorts hat einen deutlichen „Knacks“ erlitten. – Herbert Rein


Leserbrief zu „Die Bundesbrüder“ von Daniel Erk

Wie macht man Rechtsradikale, ob Jung oder Alt salonfähig? In dem man solch freundliche und empathische Artikel über Sie schreibt. Da darf ein Bundesbruder knallhart und unwidersprochen raushauen: „Der Islam muss erst domestiziert und dann herausgezüchtet werden.“ Das bedeutet im Klartext: Menschen mit islamischem Glauben müssen domestiziert und dann „herausgezüchtet“ werden. Blut-und- Boden-Ideologie reinsten Wassers oder sehen Sie das anders?

In Ihrer Lesart sind das aber nur „junge Männer auf der Suche nach Zusammenhalt und Zugehörigkeit…, …sentimentale Jungkonservative…und Konvertiten aus grün-bürgerlichen Milieu…“, die halt ein bißchen „der alten Idee von Nation und Volk“ anhängen. Da möge man doch Verständnis für aufbringen. Sind wir nicht alle irgendwie Brüder im Geiste?

Fürchterlich, mehr gute Presse für Nazis geht kaum noch. Und das in „Die Zeit“.

Oder darf Ihr Artikel  als Bewerbungschreiben für die neuen Nationalsozialisten verstanden werden. Die werden ja bald im Bundestag sitzen und dann Deutschland und dann die ganze Welt? – Dr. med. Th. Lukowski


Leserbrief zu „Kuscheln mit den Mächtigen“ von Gero von Randow

Schon die Präsentation der Familie Fillon vor ihrem Schloss ist so unglaublich manipulativ ausgerichtet, dass es den Atem verschlägt! Soll hier Neid gesäht werden ? Sie sollten wissen, dass auch sozialistische Politiker (siehe Mitterand etc.) in Frankreich eher üppist lebten und sich Zweitfamilien leisten konnten. Diese Aufmachung ist unredlich! Ohne Fillon verteidigen zu wollen-aber wo war Ihr Aufschrei, als der jetzige französische Präsident das Elysee zum bordello machte und die ganze Welt über ihn und seine shenanigans lachte ? Sie sollten sich lieber darüber aufregen, wer Frankreich in den letzten 5 Jahren in den Abgrund führte.

Valeurs actuelles (mit c) ist ein Journal mit ausgezeichneten Autoren, die ein vorzügliches Französich beherrschen und wirklich nahmhaft sind-dass Ihnen die politische Couleur nicht paßt, die sich auf traditionelle Werte gründet und unsere westlich-aufgeklärte Gesellschaft verteidigt, macht dieses Blatt KEINESWEGS zur rechten Kampfpostille-das ist unterste Schublade!

Wie nennen Sie denn  *Libération*   ? Linke Hetze ??? Reicht es nicht, dass  die Anzahl von getöteten Polizisten in Frankreich auf Rekordhöhe ist ? Nuit debout und Paris brule finden  in deutschen Medien kaum Beachtung. Angst vor schlafenden Hunden ??? Es wundert kaum, dass immer mehr Bürger sich von unseren grün-links verblendeten Medienvertretern abwenden. Mir reicht es auch. – G. Franz


Leserbrief zu “ »Vielen Managern ist das peinlich«“ von Petra Pinzler

Es ist zum Haare raufen!

Alle Politiker wissen wie man richtig regieren kann, aber immer nur, wenn sie entweder in der Opposition, oder in der Pension sind.

Also immer dann, wenn Ihre Ansichten keinerlei Wirkung erzielen können. Kaum sind sie an einer Regierung beteiligt und könnten etwas bewirken, sind all diese Erkenntnisse total vergessen und alle grapschen, was sie bekommen können!

Wundert der weltweite Rechtsruck eigentlich noch irgendjemanden?

Es ist zum Haare raufen! – Horst Köpplpinz


Leserbrief zu „Der ewige Zweite“ von Lisa Nienhaus

Hab erst jetzt den Artikel von Lisa Nienhaus über den AfD-Politiker Jörg Meuthen gelesen und halte es für eine Unverschämtheit, wenn sie ihn folgendermaßen charakterisiert: „Wenn er zuhört, legt er den Kopf schief und schaut mit großen Augen von unten- beinahe wie ein Hund, der auf ein Leckerli wartet“. Ich begeb mich auf das Niveau von Nienhaus und sag ihr, sie ist eine dumme Ziege.

Vielleicht hat Trump zuweilen doch Recht, wenn er die Medien u.a. wegen der Art ihrer Berichterstattung kritisiert. – Dr. Diethard Hennig


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

Sollte die Zahl der prekären Arbeitsverhältnisse seit 2006 tatsächlich zurück gegangen sein, so wäre das eine überaus erfreuliche Entwicklung. Was aber bei den genannten Zahlen übersehen wird, sie sind noch immer zu hoch. Eine Million Leiharbeitnehmer machen dieselbe Arbeit wie die Stammbelegschaft und verdienen aber um 10 bis 20 % weniger. Es gibt Betriebe mit 20 % Leiharbeitnehmeranteil. So groß können Auftrags Schwankungen gar nicht sein. Was hier zumindest gelten muss: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Wir haben 2,5 Millionen befristete Beschäftigungen. Ist das toll? In der Regel bekommen Auszubildende nach der Ausbildung nur befristete Arbeitsverträge. Wie soll hier Zukunftsplanung möglich sein? Die Forderung von Schulz, Befristungen ohne sachlichen Grund zu streichen,  ist richtig. Es wird schon genug Missbrauch mit Sachgrundbefristungen betrieben. 12 Jahre Schwangerschaftsvertretung habe ich da schon erlebt. Frauen, und damit die Hoffnung auf  die Freude neuen Lebens, gibt es in den meisten Betrieben. Also gleich den Bereich der Sachgründe einschränken bitte. 4,8 Millionen Minijobs haben wir noch. Das sind 4,8 Millionen Menschen, die von Altersarmut bedroht sind. Zwei Millionen Scheinselbständige haben wir. Das sind zwei Millionen Menschen, die sich nicht um das Arbeitszeitgesetz kümmern müssen, denn es gilt für Selbständige nicht. Sie beuten sich selbst aus. Auch von ihnen sind viele Altersarmutsgefährdet. Ich weiß nach der Lektüre des Artikels, das es nicht ganz so schlimm ist, wie Herr Schulz meint, aber doch noch schlimm genug. – Eduard Kelsch


Leserbrief zu „Grafik: Karl May“

In der Ausgabe vom 23.2. Seite 34, Wissen, schreiben Sie, dass die Festspiele in Seegeberg seit 1952 aufgeführt werden. Ich habe die Festspiele schon vor dem Kriege besucht, habe sogar Fotos davon. Ich habe schon mehrmals bemerkt, dass Recherchen nur bis 1945 reichen z.B. über die Sommerzeit. Die Sommerzeit gab es in Deutschland schon in den 30. Jahren. Im Krieg gab es sogar eine doppelte Sommerzeit, also 2 Stunden. Wenn Ihr Archiv nicht über 1945 zurück reicht, fragen Sie doch mal Ihren Opa. – Harald Schulze


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

Liebes ZEIT-team, der Schulz-Test greift zu kurz. Ich erinnere mich an eine Zeit, als 2 % Arbeitslose noch zuviel waren – also sind gut 4 % Arbeitslose das doppelte an Zuviel zu einer Zeit, in der man über die Deckelung von Managergehältern nur noch in Millionen € – immerhin pro Mensch – spricht. Offensichtlich in den besprochenen zehn Jahren konstant geblieben, ist ein Anteil von 5 Millionen Menschen als Minijobber, Teilzeit- und befristet Beschäftigte, Leiharbeitern (sogar angestiegen) und Solo-Selbständigen (Ich-AGs). Dieses Millionenheer von MENSCHEN ist zu hoch und wird jedem Einzelnen und der Gesellschaft einmal als arme Rentner auf die Füße fallen genauso wie alle, denen in diesen zehn Jahren und davor einfach das Lebensalter davongelaufen ist, ohne noch besser für das Alter vorsorgen zu können; denn mit dieser Zeit sind die Rentenansprüche kontinuierlich gefallen (auch die Pensionsansprüche). Selbst die Universitäten stöhnen: Der Anteil an befristeten Verträgen für Wissenschaftler stellt schon die Freiheit der Forschung infrage; die Auswirkungen heute bedeuten schon Abwanderung der Besten; für später ist das kaum abzuschätzen. – Und trotz allem nimmt die Zahl der Reichen und Superreichen zu, die der Armen auch. – Wenn über 50 Jahre alte Menschen arbeitslos werden, haben sie kaum eine Chance; selbst mit Weiterbildung (die leider häufig am Wollen des Weiterzubildenden und/oder am Bedarf der Wirtschaft vorbeilief) gab es überwiegen nur geringer bezahlte Stellen, anschließend weniger ALG, anschließend noch geringer …….etc, also Abwärtsspirale und dann geringerer vorzeitiger Rentenbezug. Solche Abqualifizierung trägt in sich den Frust mit allen seinen Folgen (Krankheit, Wut, Erfahrungsweitergabe). Wo geht solches in die Statistiken ein, wo auch diejenigen, die auf der Straße leben? – Hanna Leinemann


Leserbrief zu „Bitte nicht umarmen“ von Djamilia Prange de Oliveira

vor 40, 50 Jahren stand in Heiratsanzeigen nach Alter, Körpergröße und Gewicht fast immer auch kath. oder ev., denn damals war das wichtig. Die Kirchen waren noch mächtig, und die Hirten behüteten ihre Herden, wie Jesus das seinen Jüngern geboten hat. Wenn also Mohammedaner beginnen, dessen Heilige Schrift, den Koran, als „Wort des lebendigen Gottes“ (kath. Liturgie) zu lesen, dann wird, wie im Artikel anschaulich geschildert, die Doppelwirkung aller Religionen offensichtlich: verbindend nach innen, trennend nach außen, d. h. feindlich gegen Anders- und Nichtgläubige. Denn was bedeuten schon humane Gefühle und mitmenschliche Triebe im Vergleich zu göttlichen Worten und überirdischen Geboten!? Und die beschriebene Liebes-Einschränkung im Vergleich zu den angedrohten ewigen Höllenstrafen? Auch bei Jesus übrigens, wenn das heutige Christentum light die Worte des synoptischen, des nicht ganz erfundenen Jesus lesen und beachten täte!

Dass in Kontaktanzeigen heutzutage die Religion kaum noch erwähnt wird, dass in Todesanzeigen und auf Gräbern Kreuze immer seltener werden, liegt nicht an in Kirchen plötzlich entdeckter Humanität, sondern an ihrem zunehmendem Machtverlust. Die meisten Christen in Europa sind heutzutage Taufschein-Scheinchristen: siehe z. B. die Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher. Nur dadurch ist die große Zunahme an Mitmenschlichkeit zu verstehen. Früher wurden Moslems an den Grenzen Europas erbittert bekämpft, heute aber eingelassen, versorgt und verpflegt! Und nach dem Glaubensbekenntnis wurde nicht gefragt.

Ich darf hinweisen auf Schmidt-Salomons „Manifest des evolutionären Humanismus. Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur“, ein Büchlein, das Jesu Hirten früher zur Verbrennung bestimmt hätten. Auch die Sites von gbs und hpd bieten durchaus Interessantes.  – Manfred Schleyer 


Leserbrief zu “ Kann ein Türkeobjektiv sein?“ von Özlem Topçu

Vielen Dank für Ihren wunderbaren Artikel über ‚Türkisch-Sein‘ und objektive Berichterstattung. Sie haben alle Argumente (waren es wirklich welche?) von Herrn Martens klar widerlegt und hervorragend formuliert  (Bspw. „Integration ist ein deutsches und kein Ghetto-Thema“).

Die Logik der Aussagen die Herkunft und Kenntnis miteinander in Verbindung stellen, und so Aussagen des/der Autors/in herabwürdigen findet sich nicht nur in AfD-Kreisen, sondern lassen sich auch versteckt in der „FAS“ finden.

Ihr Artikel hat so nicht nur die Fadenscheinigkeit des „FAS“-Kommentars entlarvt, sondern auch gute Argumente für den Umgang mit versteckten diskriminierenden und rassistischen Logiken geliefert. – Mert Dinçer


Leserbrief zu „Bitte nicht umarmen“ von Djamilia Prange de Oliveira

Was für eine berührende und zugleich schmerzhafte Geschichte !

Mit Nietzsche kann man zu dem Verhalten des armen Hamoudi sehr wohl sagen :“Alles Absolute gehört in den Bereich der Pathologie“. –  Dr. Klaus Tiedje


Leserbrief zu „Bessere Demokraten“ von Benedikt Erenz

Sowohl Historiker wie auch Journalisten haben gemeinsam, dass sie aus der Fülle der vorliegenden Informationen selektieren müssen. Aus der Art, wie selektiert wird, erkennt man die Zeitströmungen. Das ist wohl unvermeidlich. Man erkennt aber auch, ob ein Autor sich um Objektivität bemüht, indem er das Für und Wider eines Themas darstellt, oder ob er einfach nur agitieren, ja hetzen will und damit alle Aspekte weglässt, die ihm nicht in den Kram passen. Ich habe in der ZEIT selten einen derart einseitigen Artikel gelesen wie den ihren über Ernst-Moritz Arndt. Über Arndt zu schreiben und seine Einstellungen  zu diskreditieren ohne das Wort „Befreiungskriege“ einzubauen, passt in ein linkes Hetzblatt, aber nicht in eine Zeitung, die sich eigentlich um Ausgewogenheit bemüht. Es wird auch nicht erwähnt, dass er 1848/49 in der Nationalversammlung in der Paulskirche saß, dem ersten deutschen Parlament. Ihre Geschichtsdarstellung beschreibt in keinster Weise den damaligen Zeitgeist. Wenn man frühere Jahrhunderte nur nach unseren heutigen Wertmaßstäben beurteilt, kann nur pharisäerhafte Überheblichkeit herauskommen. Ein Verständnis für die damals handelnden Personen erschließt sich einem nicht. Leser, die die damaligen Umstände nicht kennen, haben keine Chance sich auf Basis dieses Artikels ein objektives Urteil über Arndt zu bilden.

Ich möchte die ZEIT bitten, in Zukunft auf solch einseitige Beiträge zu verzichten. – Erwin Böhm


Leserbrief zu „Damals“ von Özlem Topçu

In der Rubrik „Damals“ schreibt Özlem Topcu: „In einigen Gesichtern erkennt man die Anspannung, einer links kaut schon an seinem Kragen.“ Ich sehe mindestens 10 Männer, die ihren Kragen mit den Zähnen hochhalten, damit ihr Partner gegenüber in der aufzubauenden Pyramide etwas zum greifen und festzuhalten hat. Wenn man die Menschentürme und den Aufbau genauer ins Auge nimmt fällt einem guten Beobachter auf, dass man sich dabei oft an den Kragen packt um einen festen Stand zu bekommen, das ist Teil der Technik!

Herr Topcu, die nach Ihrer Meinung ängstlichen Männer bereiten sich sehr konzentriert vor und halten die zu greifenden Krägen schon mal in Position.

Journalisten sollten meiner Meinung nach nicht so oberflächlich daherschreiben, sondern genauer beobachten! Tut mir leid, aber mir fällt so etwas immer sofort ins Auge. – Eckhard Adler


Leserbrief zu „Dann doch lieber eine Kreuzfahrt!“ von Christine Lemke- Matwey

Diesen diffamierenden Artikel auf der ersten Seite Ihres Feuilletons zu lesen macht mich fassungslos. Sachlich auf Null-Niveau (ich erfahre nichts über das „rezensierte“ Werk), ist die Autorin auch geistig und sprachlich unter ZEIT-Niveau:

vielleicht sollte sie demnächst bei Compact! schreiben. Gibt es bei Ihnen keine Endredaktion, die solche Entgleisungen verhindert? – Manfred Weiß


Leserbrief zu “ Kann ein Türkeobjektiv sein?“ von Özlem Topçu

Bei dem Beitrag von Özlem Topcu geht es vor allem um Eitelkeiten und Animositäten und weniger um den in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel. Dessen vornehmliches Problem scheint die doppelte Staatsbürgerschaft zu sein. Wenn er nämlich nur Deutscher wäre, wäre er vermutlich nicht festgenommen worden. – Günther Lettau


Leserbrief zu „Aufrüsten für Amerika“ von Von Jochen Bittner Und Peter Dausend

Ihre Gegenüberstellung der Militärausgaben von Nato und Russland halte ich für bedingt aussagekräftig, denn bei einer weiteren Eskalation der weltweiten Sicherheitslage würden die Fronten nicht nur zwischen der Nato und Russland verlaufen, sondern auch durch die Nato. Dennoch zeigt sie schön wie sehr das Militärbündnis an der Realität des 21. Jahrhunderts vorbei geht. Es fasst zu viele Interessen zu vieler Staaten, die sich politisch voneinander enfernten haben, zusammen. Ihre einzige Gemeinsamkeit ist es, dass sie während des kalten Krieges nur im Kollektiv bestehen konnten. Die Hinzunahme sowjetischer Satellitenstaaten war das Öl im Feuer das heute in der Ukraine lodert. Wenn Trump die Nato als obsolet bezeichnet hat er im Grunde recht. Und das bedeutet auch zwangsläufig, dass sich die militärische Kooperation innerhalb der Nato verändern muss. Westeuropa muss selbst das Kräftegleichgewicht mit Russland herstellen, um in Zukunft auf Augenhöhe für Stabilität sorgen zu können. Amerikanische Soldaten in Polen sind nicht förderlich. Vielmehr sollten ausschließlich europäische Staaten Polen militärisch stützen. Denn für Europa ist die polnische Sicherheit existenziell. Die Vereinigten Staaten hingegen nutzen sie praktisch nur um ihren Anspruch auf Vormachtstellung gegenüber Russland zu verdeutlichen. –Franz Rupprecht


Leserbrief zu “ Kann ein Türkeobjektiv sein?“ von Özlem Topçu

Vielen Dank für ihren Artikel „Kann ein Türke objektiv sein?“.

Ist es sinnvoll, Menschen in ein Land zu schicken, mit dem sie familiär und geschichtlich, vielleicht sogar emotional verbunden sind, um dort Journalismus für hiesige Zeitungen zu betreiben?

Ich antworte: Die Frage verstehe ich nicht!

Ich bin mittels Heirat, aber auch durch die Sprache, den Alltag, die Lebensweise und den eigenen Erlebnissen Italien verbunden, aber zugleich sehe ich die Probleme und Herausforderungen, denen sich Italien stellen muss. Bin ich dadurch ebenso von der Schelte ihres Kollegens betroffen?

Oder müsste ich einen italienischen Vater oder eine solche Mutter haben?

Sollte ich Italienisch als Muttersprache sprechen, um mich für die Arbeit als zukünftiger Journalist, der über sein geliebtes Italien berichten möchte, zu disqualifizieren?

Die Fragen sind falsch gestellt, weil die Prämissen, die ihnen zugrunde liegen, nicht stimmen: Menschen mit Migrationshintergrund werden von Redaktionshäusern  auf ihre Geschichte reduziert und müssen deshalb, unabhängig ihres eigenen Willen, aus dem Land der Emigration berichten.

Stimmt das? Wo sind die Studien, die Umfragen, die nüchternen Analysen, die solch eine Prämisse legitimieren? Gleiches gilt für die Aussage bezüglich dem Für und Wider einer Landesliebe. Ebenso muss man sich überlegen, inwieweit es gerechtfertigt ist, zu verallgemeinern, dass „[s]olange der Eindruck vorherrscht, dass ein „Türke“ nur Türkei „kann“, müssen sich die Leser auf den Arm genommen fühlen.“

(http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/kommentar-fuer-immer-tuerke-14885078.html,

Zugriff: 26.02.2017, 12:00Uhr). Für mich gilt dieser Eindruck nicht. Die Artikel von Ihnen, Frau Özlem Topcu, sind differenziert, gut recherchiert und kritisch. Sie verstehen „Kritik“ als „Prüfung“, so scheint es mir – ein aufklärerischer Gebrauch!

Wer sollte nun aus der Türkei berichten?

Die Motiviertesten, die Besten, die „Prüfer/innen“.

Kurz: Es kommt nicht darauf an, ob man einen Migrationshintergrund hat oder nicht, um qualifiziert zu sein. Es ist die Frage, was er oder sie aus dem eigenen Potenzial machen will – neben all dem Glück und der Hilfe, die man benötigt, um die eigenen Ziele zu erreichen.

Das Wichtigste ist: Ein Migrationshintergrund sagt nichts über die Qualität des Journalismus aus, den die oder der Betroffene betreibt. Man muss die Ergebnisse (Artikel, Kommentare, Berichte) einzeln prüfen. Da klingt der Kommentar von Michael Martens leider anders.

Sollten wir nicht über einen solchen Reduktionismus hinaus sein? – Christopher Fritzsche


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

Wenn man diesem „Wahrheitstest“ liest, muss man den Eindruck gewinnen, das prekäre Beschäftigungsverhältnisse in unserem Land kein Problem sind. Um diese zu untermauern, beruft sich der Autor auf diverse Statistiken. Jetzt will ich an dieser Stelle nicht generell diese Statistiken in Frage stellen. Fragwürdig ist aber die Interpretation des Autors. Bezüglich der Entwicklung der Leiharbeit  empfehle dem Autor zudem einen Artikel in Zeit-Online vom 8.6.2016 („Zahl der Leiharbeiter steigt auf Höchststand“).

Soweit zu Statistiken und Zahlen. Aus eigener Erfahrung möchte ich auf die Lage in der Automobilindustrie verweisen. Bei den OEM’s ist, zumindest bezogen auf die Einstellpraxis im gewerblichen Bereich, kein direkter Einstieg ins Unternehmen mehr möglich, das geht nur noch über den Umweg der Leiharbeit. Für sehr viel (zu viel!) Berufsanfänger gelingt der Einstieg ins Arbeitsleben nur noch über das Vehikel prekärer Arbeitsverhältnisse. Bei VW, Daimler, BMW (und all den anderen OEM’s) ist es ist einzig dem zähe Ringen der Betriebsräte und der IG Metall zu verdanken, das immer wieder umfangreich Leiharbeits- in Stammarbeitsverhältnisse gewandelt wurden. Ohne die durchgesetzten Vertragswandlungen sähe die Statistik, bezogen auf die Normalarbeitsverhältnissen, sicherlich um einiges schlechter aus. In der Praxis dient Leiharbeit in dem meisten Fällen auch nicht zur Kompensation von Auftragsspitzen, ein Verbote der sachgrundlosen Befristung ist deshalb längst überfällig. Weiterhin ist es Realität, das die Konditionen bei Leiharbeit und Werkverträgen deutlich schlechter sind, wie die des Stammpersonals. Und dies trotz Anforderung von equal pay und equal treatment.

Ein weiteres Problem, auf das ich aus Platzgründen allerdings nicht weiter eingehen kann, ist das zunehmende Outsourcing von Produktions- und Verwaltungsfunktionen an Werkvertragsunternehmen.

Resümee: Das was ich in meinem Berufsalltag erlebe, bestätigt das, was Martin Schulz auf den Punkt gebracht hat. Unsere Gesellschaft braucht mehr soziale Gerechtigkeit! – Dieter Seidel


Leserbrief zu “ Krise der Klugen“ von Manuel J. Hartung

Ich habe die politische Phase in den Universitäten, die Hartung für die Gegenwart wünscht, als Student erlebt (der Journalist war damals noch nicht auf der Welt). Es war ein Tiefpunkt in der Geschichte der bundesrepublikanische Hochschulen. Wenn Hartung nur die Besetzung von Hörsälen durch Gegner des Vietnamkrieges erwähnt, ist dies Schönfärberei. Dozenten wurden niedergeschrien, bedroht, boykottiert, wenn sie ins Visier linker Ideologen gerieten. Die unterschiedlichen Gruppen, jede überzeugt von ihrer Wahrheit, bekriegten sich untereinander. Freie Meinungsäußerung und Wissenschaftsfreiheit  wurden bekämpft. Eine Politisierung der Universitäten (warum nicht gleich auch der Schulen und Kindergärten) würden diese wieder zu einer Kampfzone machen.

Vernünftige Bürger sollten sich dies nicht wünschen. –  Karl-Heinz Eckert


Leserbrief zu „Jetzt kommen die Ängstlichen“ von John F. Jungclaussen

Diesen Zustand mache ich fest, an dem neuen Zeitalter der Elektronik.

Ob Facebook oder Twitter zermürbt den Menschen, besonders die Jugend leidet darunter.

Das Handy wird rund um die Uhr vergewaltigt. Der ganze Schund von menschlichem Müll macht auf Dauer psychisch und physisch krank.

Die Jugend giert regelrecht darauf irgendwelche Spiele oder Informationen einzusaugen und merken dabei gar nicht, daß sie das auf Dauer krank macht.

Und die meisten Eltern erkennen das nicht. –  Beste Grüße


Leserbrief zu “ Nur mit Amerika“ von Matthias Nass

Fairer militärischer Beitrag

Der „faire militärische Beitrag“ sollte doch dem Erhalt und Ausbau des Friedens in der Welt dienen. Entsprechend dieser Zielsetzung leistet Deutschland und die EU vermutlich einen weit bedeutenderen Beitrag als die USA. Von den militärischen Kosten der USA sind die für imperialistische Zwecke im Irak, in Afganistan, in Syrien u.ä.

eingesetzten Mittel abzuziehen. Da Deutschland und die EU derzeit keine imperialistischen Ziele verfolgen und für die Sicherung der Nato-Neuerwerbungen an der Ostgrenze der EU Entwicklungskosten und Verantwortungen übernehmen, sieht die Bilanz der Friedenssicherungskosten für Deutschland und die EU doch deutlich positiv aus. Allerdings, die Rüstungsindustrie ist vermutlich not amused… –  Dieter Sander


Leserbrief zu „Der gute Mensch und seine Lügen“ von Bernd Stegemann

Um nur eine Forderung Ihres Autores herauszugreifen, der vieles auf den Punkt gebracht hat, begnüge ich mit dem klugen Hinweis: „Die einzige Lösung liegt in der Selbstkritik des Liberalismus.“

Damit ist eigentlich alles gesagt, um die Bürger wieder näher zusammenzubringen.

Das gilt aber auch für die Medien. – Gunter Knauer


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

Ich hätte nie gedacht, dass ich mich über einen Zeitartikel, der sich auch noch Wahrheitscheck nennt,derartig ärgern könnte.

Frau Nahles und die Böcklerstiftung haben eine Untersuchung gemacht, wieviele  Minijobber um den Mindestlohn betrogen werden. (Da sind die Arbeitgeber sehr ideenreich!). Frau Nahles verkündigte in der Öffentlichkreit 13%, die Böcklerstiftung 44%. Der Unterschied? Frau Nahles fragte die Arbeitgeber, die Stiftung die Arbeitnehmer. Es ist also so eine Sache mit der Wahrheitsfindung.Die Agenda 2010 hat Arbeitslosenhilfe  und Sozialhilfe  zusammengelegt,das war richtig. Die Leiharbeitsgesetzte wurden aber derart schlampig und nachlässig verfasst, dass sie sofort missbraucht wurden. Von wegen Einsatz in Spitzenzeiten. Viele Leiharbeiter arbeiteten jahrelang beim gleichen Arbeitgeber Seite an Seite mit der Stammbelegschaft, nur für gleiche Arbeit schlechter bezahlt. Als das endlich nach Jahren angeglichen wurde, erfanden die Arbeitgeber, die der Politik immer ein Schritt voraus sind, die Werkverträge. Der einzige Zweck war wieder einen Niedriglohnsektor zu haben. Diesmal mit wesentlich schlechteren Arbeitsbedingungen und Löhnen.Aus der Verantwortung entzogen sie sich durch Outsourcing, Sub und Subsub unternehmer. Die OECD hat mehrfach darauf hin  gewiesen, dass Deutschland unter vergleichbaren Ländern den größten Niedriglohnsektor hat. Anderen ist das auch schon aufgefallen.

Warum würden sonst die reichen Dänen ihre Schweineberge im Niedriglohnland Deutschland ver arbeiten lassen?

Mag sein, dass die Zahl der „Normalarbeiter“( Schon dieser Begriff spricht Bände) gestiegen ist. Aber kein Wort  findet sich in diesem Artikel über die 1,1Millionen „Aufstocker“, also Menschen, die Vollzeit arbeiten und Zuschüsse vom Steuerzahler benötigen um über die Runden zu kommen. Das heißt letztendlich , dass die Allgemeinheit den Mehrgewinn subventioniert, den der Arbeitgeber durch Dumpinglöhne erzielt!. Ich nenne das nicht normal, sondern skandalös!

Des Weiteren sind die Sozialversicherten durch die Verschiebung der Krankenkassenzahlungen zu Gunsten der Arbeitgeber zusätzlich belastet worden. Anstatt das in Boomzeiten rückgängig zu machen , hat Herr Gröhe es kürzlich festgeschrieben. Die Verwerfungewn aufe dem deutschen Arbeitsmarkt sind schon lange sichtbar und es ist eine Schlag ins Gesicht von Millionen Betroffenen, wenn Frau Merkel und Herr Schäuble gebetsmühlenhaft betonen, den Deutsche gehe es so gut wie nie.

Ich glaube nicht, dass Herr Schulz da viel ändern wird. Aber sein Verdienst ist, dass wenigstens  drüber gesprochen wird. Wenn Leute Angst vor Altersarmut haben und im März nicht wissen, ob sie im November noch einen Job haben, sind das ganz konkrete Ängst, die nichts mit der Globalisierung und Flüchtlingen zu tun  haben. –  D. Fehsenfeld


Leserbrief zu „Krieg ohne Blut“ von Patrick Beuth, Marc Brost, Peter Dausend, Steffen Dobbert und Götz Hamann

Entblößt die Fake-News

Fake-News sind in aller Munde und während in „Krieg ohne Blut“ auf die Ansätze hingewiesen wird mit Kontrollteams Fake-News zu entlarven, fehlt mir in dieser Diskussion ein nahe liegender Schritt. Wie unterscheiden sich Fake-News von echten Nachrichten? Oft oberflächlich gar nicht. In vielen Fällen sind beides zunächst Behauptungen, die man glauben kann oder nicht. Und das ist fatal, denn während gute Nachrichten wohl recherchiert und belegt sind, lassen sich Fake-News in kurzer Zeit erfinden. Ich plädiere dafür, gerade diesen Unterschied offensichtlich zu machen, indem alle Verfechter seriösen Journalismus  noch viel mehr Quellen und Referenzen bereitstellen als bisher und so ihre Nachrichten überprüfbar machen. Wenn alle Menschen Referenzen und Überprüfbarkeit von guten Nachrichten gewohnt sind, dann bin ich überzeugt, dass es Fake-News schwerer haben werden, glaubhaft zu erscheinen und es leichter sein wird sie als solche zu entlarven. –  Henrik tom Wörden


Leserbrief zu „Der gute Mensch und seine Lügen“ von Bernd Stegemann

Eine großartige Analyse Herr Prof. Stegemann – vielen Dank-und ich setze noch oben drauf, dass es aus meiner Sicht weniger die Professoren mit Ihren Eigentumswohnungen sondern die Bildungsbürger der leistungsfernen Mittelschicht, die im Beruf vordergründig Wert auf work-live-balance und Elternzeit legen, der von Ihnen geschilderten Doppelmoral unterliegen.

Diese sehr intelligenten, top ausgebildeten, gut bezahlten, in sicheren aber oft unterfordernden Arbeitsverhältnissen oder gar verbeamteten grün-links-mitte-Liberalen lehnen Hierarchien und Wohlstand durch Wachstum ab und schwadronieren von einer aus hunderten Jahren der Ausbeutung fremder Völker abzutragenden Schuld zur Rechtfertigung der wahnwitzigen Integrationsversuche von 1Mio Flüchtlingen aus einem vollkommen fremden Kulturkreis und weisen jede Kritik mit vermeintlichen Ängsten des vermutlich bildungsfernen Kritikers zurück – ein Totschlagargument. Als eigenen Beitrag für eine bessere Welt essen sie vegetarisch und tippen in ihre politisch korrekten „Nicht-Apple-Handys“.

Durch die liberale Gleichmacherei nach dem Motto „Jeder kann machen was er will, jeder kann sein was und wer er will“ wird der gesellschaftliche Zusammenhalt bedroht – überspitzt formuliert müssten am Ende 80Mio Minderheitenrechte beachtet werden – wie soll eine Gesellschaft da noch funktionieren.

Das Gegner von Unisextoiletten, Kopftuch und Minarett auch einfach nur ästhetische Gründe haben könnten, einfach so nicht leben wollen, kommt in der Wahrnehmung der politisch korrekten Bildungsbürgerarroganz nicht vor (müsste aber konsequenterweise unter den von diesen Leuten so übermäßig propagierten Minderheitenschutz fallen).

Ihre Analyse, dass diese Arroganz einer Selbstkritik weichen muss, trifft es auf den Punkt. Insofern betrachte ich den aufkommenden Rechtpopulismus als Korrektur einer wohl unvermeidlichen Wellenbewegung der gesellschaftlichen Entwicklung, natürlich mit Ihnen gemeinsam hoffend, dass hier nicht Geister hervorgerufen wurden, welche durch die Zauberlehrlinge der Neuzeit (Trump, LePen, Petry) nicht mehr gebändigt werden können. – Hendrik Meyer


Leserbrief zu “ »Vielen Managern ist das peinlich«“ von Petra Pinzler

Burkhard Hirsch bezeichnet in der ZEIT Managergehälter ab einer bestimmten Höhe als verdeckte Gewinnentnahme, die nicht mehr als Betriebsausgabe anzusehen sei. Bei Aufsichtsratsvergütungen sieht § 10 KStG die Hälfte der Bezüge als nicht abzugsfähig an. Managergehälter könnte man an das Durchschnittsgehalt einer Firma koppeln. Eine mögliche Formel wäre: Lohn-und Gehaltsumme dividiert durch Mitarbeiteranzahl mal Durchschnittsgehalt dividiert durch 1000.
Bei 40.000.-€ Durchschnittsgehalt wären 1,6 Mio als Managergehalt abzugsfähig. Bei 50.000,- wären es 2,5 Mio. Bei einem Durchschnittsgehalt von nur 30.000,-€ in einer Firma nur 0,9 Mio als Betriebsausgabe. Der übersteigende Rest muss aus versteuertem Gewinn genommen werden. – Anton Aulbach


Leserbrief zu “ »Vielen Managern ist das peinlich«“ von Petra Pinzler

Die Vielemillionenmanagergehälter, bezahlt von (zum Beispiel) Mercedes, VW & Co. werden in den Peinlichkeitssektor gestellt. Die Vielmehrmillionengehälter, bezahlt  von (zum Beispiel) FC Bayern München, Borussia Dortmund & Co. regen offenbar niemanden auf. (Anm.: Einer etwa, der seine berufliche Leistung gar nicht mehr auszuüben hat, wird dafür mit 10 Millionen Euro – ohne „Nebengeräusche“ – bezahlt: Herr Schweinsteiger.) – Walter Stach


Leserbrief zu „Krieg ohne Blut“ von Patrick Beuth, Marc Brost, Peter Dausend, Steffen Dobbert und Götz Hamann

Da beißt sich die Katze in den Schwanz: Wenn sich die ZEIT „erklärend und kritisch“ in der spannenden und gut recherierten Titelgeschichte mit Fake-News auseinandersetzt, leistet sie gleichzeitig diesen weiteren Vorschub. Die Autoren zitieren darin mehrere Falschmeldungen, die ich als Leser vorher nicht kannte – und liefern selbst ein Beispiel dafür, wie renommierte Medien Falschmeldungen aus dem Netz, wenn auch auf einer Metaebene, millionenfach weiterverbreiten. Eine journalistische Zwickmühle, die scheinbar nicht zu lösen ist. – Stefan Kranewitter


Leserbrief zum Leserbrief von Herrn Dr. A. Kühn

Wer leidet an Hochmut und Selbstüberschätzung?

Eine höchst eigenartige Meinung wird hier geäußert. Es ist wirklich kühn (sorry, das Wortspiel drängt sich auf), den Gegnern Trumps Hochmut und Selbstüberschätzung zu attestieren. Wenn auf jemanden diese Einschätzung zutrifft, dann ist das doch wohl Trump selbst!

Man leidet nicht an Hochmut und Selbstüberschätzung, wenn man das konstatiert. – Dr. G. Zeyer


Leserbrief zu „Wer hat gelogen?“ von Sabiene Rückert

In einer Demokratie mit echter Gewaltenteilung wäre das Drama mit Minister Haas und Generalbundesanwalt Harald Range nicht passiert. Unsere Justiz ist leider nur ein Anhängsel der Exekutive, was in diesem Fall eindeutig erkennbar ist.

Unser Grundgesetz widerspricht sich selbst, wenn es zuerst die Dreiteilung der Gewalten festschreibt und dann die Justiz der Dienstaufsicht eines Ministers unterstellt. Die Richter sind zwar unabhängig, aber nur beim Finden eines Urteils im Prozess, ihre berufliche Laufbahn liegt in den Händen eines Ministers. Staatsanwälte haben nicht einmal diese geringe Unabhängigkeit, sie sind wie die gesamte Anklagebehörde an die Weisungen ihres Justizministers gebunden.

Um echte Gewaltenteilung einzuführen, müsste neben dem Präsidenten der Executive (Bundeskanzler) und dem Präsidenten der Legislative (Parlamentspräsident) ein gleichrangiger Präsident der Justiz stehen. Ihm müssten alle Richter und Gerichte, alle Staatsanwälte und die gesamte dazugehörige Verwaltungen unterstellt sein.

Nebenbei muss man feststellen, dass es auch zwischen Exekutive und Legislative keine Gewaltenteilung gibt. Der oder die Vorsitzende der Regierungspartei wird praktisch immer Bundeskanzler(in). Dadurch hat er/sie nicht nur in der Regierung die Richtlinien der Politik in der Hand, sondern auch die politische Laufbahn der Mehrheit der Bundestagsabgeordneten. Weil es im Bundestag keine geheimen Abstimmungen gibt, kann der Bundeskanzler bei jeder Abstimmung jeden ‚Abweichler‘ sofort identifizieren und parteiintern sanktionieren. Wo bleibt da die Unabhängigkeit der Abgeordneten, die nur ihrem Gewissen verantwortlich sein sollen? – Wilhelm Pfeiffer


Leserbrief zu „Der gute Mensch und seine Lügen“ von Bernd Stegemann

Die versteckten Populisten sind die Eliten, die jetzt dadurch definiert werden, dass sie von Anderen verlangen, was sie selbst nicht zu tun bereit sind – die offenen Populisten haben das erkannt und verlangen, dass von niemand verlangt werden kann, was zu tun sie natürlich auch nicht bereit sind… – Wolfgang I Waas


Leserbrief zu „Der gute Mensch und seine Lügen“ von Bernd Stegemann

Es hat gut getan, Ihren Artikel zu lesen, und mich wieder ins Gleichgewicht gebracht, nachdem Herr Jessen mich mit dem „barbarischen Elitenhaß“ völlig ratlos machte. Vielen Dank für’s Zurechtrücken. – Hanna Leinemann


Leserbrief zu „Wer hat gelogen?“ von Sabiene Rückert

Da staune ich schon! Sollte der dargestellte Sachverhalt zutreffen: Wieso hat das für die Verantwortlichen offenbar keine wirklichen Konsequenzen? Es verstärkt sich der Eindruck, das politische Entscheidungsträger die Gefahren von Cyberangriffen  nicht beurteilen können (Stichwort: Kanzlerhandy)! Angesichts dieses Geheimnisverrats stellt sich mir die bange Frage, ob unsere Sicherheitsarchitektur überhaupt bestehen kann! Ich würde mir wünschen, dass Sie diese die Anglegenheit weiter verfolgen! Könnte  ein Untersuchungsausschuss des Bundestages nicht nötig und hilfreich sein? – Friedrich Prüfer


Leserbrief zu „I Laaf” von Adreas Meier

Sie schreiben : „Dennoch ist Fastnacht auch heutzutage stets ein umfassendes Erarbeiten von Gemeinwesen.“ Das sehe ich ggf. auch so. — Seit 1965 leben wir im Zentrum von Köln. Wir kommen nicht aus Köln, aber wir haben unsere Kinder in den Fastelovend/Karneval hineinwachsen lassen, weil der ursprüngliche Karneval m.E. ein Kulturgut ist. Der heutige Kölner Karneval ist sicher für viele Kölner in manchen Stadtteilen ein echtes Bedürfnis und eine große Freude. In Großveranstaltungen, z.B. im Gürzenich, kann man auch manchmal lachen. — Es gibt aber auch einen anderen Blickwinkel aus der Sicht des Stadtzentrums. Karneval müsste dort Karnequal oder Alkohol-Fest heißen. Die Keipen brechen fast auseinander, weil dort Alkohol-Menschen eng aneinander stehen und bei höllisch lauten Karnevalsliedern mitgrölend rumzappeln. So stelle ich mir eine große Psychiatrie-Anstalt vor, bei der die Medikamente ausgegangen sind.  – Volker Freiesleben


Leserbrief zu “Das Letze” von Finis

bitte etwas zurückhaltener.

Hier schreibt ein Bayernfreund aus Nordrhein-Westfalen.

Ich weiß, die Bayern müssen für vieles herhalten, obwohl es das beste Bundesland ist, was Deutschland zu bieten hat, wird darüber nachgedacht sich Oesterreich wieder anzuschließen, damit die Finanzen der Bayern lieber in Burgenland oder Niederoesterreich und nicht in NRW oder Bremen landen.

König Otto I von Griechenland – ein Bayer – hat im Neunzehnten Jahrhundert Griechenland den Wohlstand gebracht und nach 4 Jahren einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt. Das kann nur ein Bayer. Und kein west- oder norddeutscher Armleuchter. Damit ist nicht „FINIS“ oder Herr Jessen gemeint. – Gunter Knauer


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

Es wäre äußerst interessant, zu erfahren, was Herr Schulz dazu zu sagen hat, dass Teile seiner Aussagen schlichtweg falsch sind. Leider fehlt dafür eine öffentliche Plattform. Dem Publikum der üblichen Talkshows kann ja offenbar nicht zugemutet werden, einer längeren, detaillierten Diskussion über Zahlen und Fakten folgen zu müssen. Dies wäre aber notwendig, wenn es, wie auch im Artikel, darum geht, gefühlte Wahrheiten von der Realität zu differenzieren.   – Priv.-Doz. Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Andreas Zabel


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

Vereinfachung!

Die von Martin Schulz als prekär eingestufte Situation auf dem Arbeitsmarkt wird in Ihrer Darstellung nicht befürwortet und  Sie führen eine Statistik an, in der keine Verschlechterung der Zahlen deutlich wird.

Nimmt man jedoch die Summe der  „Nicht-normal-Arbeitnehmer“ , ergibt sich neben den Normal-Arbeitnehmern ( ca. 25 Mio )ein völlig anderes Bild:

Zusammenaddiert sind es ca. 15,5 Mio Minijobber, Teilzeit- und befristet Beschäftigte etc..

Wieviel davon Hartz IV Empfänger sind, wird nicht gesagt.

Auch die Möglichkeit des Umgehens der Praxis des Mindestlohns und das geringere Bezahlniveau in den neuen Bundesländern wird verschwiegen.

Dazu kommt notwendigerweise  die von der Bundesanstalt für Arbeit  mitgeteilte Zahl der Langzeit-Arbeitslosen, die ohne die Erwähnung der „Nicht-normal-Arbeitnehmer“ als  geschönt betrachtet werden muss.

Mir erscheint der Artikel sehr Arbeitgeber-freundlich.

Auch wenn sich die Zahlen lt.  Statistik nicht verschlechtert haben, muss ein SPD-Politiker diese prekäre Situation ansprechen und Maßnahmen der Abhilfe schaffen. – Hartmut Heining


Leserbrief zu „Wer hat gelogen?“ von Sabiene Rückert

In der Kontroverse zwischen dem Bundesjustizminister  (BMJ) und dem Generalbundesanwalt (GBA) kommt es gar nicht mehr so sehr darauf an, wer hier oder da gelogen hat. Es genügen die feststehenden Tatsachen, um den Fall zuverlässig beurteilen zu können.

Allein  die Aussage der damaligen Staatssekretärin Hubig vor dem Rechtsausschuss des Bundestages lässt keinen Zweifel daran zu, dass darüber gestritten worden ist, ob der vom GBA ausgesuchte und bereits beauftragte Gutachter, der sein Gutachten schon im wesentlichen fertig gestellt hatte, abzubestellen und stattdessen eine „Stellungnahme“ eines Referenten des BMJ zu berücksichtigen sei. Der GBA habe selbst der Rücknahme des Gutachterauftrags zugestimmt. Eine Zustimmung kann man nur zu etwas geben, was einem vorgeschlagen wird. Ob der zum Ausdruck gebrachte Wille eines Ministeriums gegenüber einer nachgeordneten Stelle ein bloßer unverbindlicher Vorschlag sei, kann nur jemand behaupten, der keine Milieukenntnisse hat.

Allein dieser Sachverhalt zeigt, dass das BMJ auf das Ermittlungsverfahren des GBA, und zwar auf die konkrete Ermittlungsarbeit Einfluss genommen hat, einen Einfluss, der schließlich auch zu dem vom BMJ verlangten Ergebnis geführt hat, dass durch Versetzung des GBA  in den Ruhestand das Ermittlungsverfahren durch neue Funktionsträger eingestellt wurde.

Das war aus rechtlicher Sicht unzulässig.

Was der Staatsanwalt zu ermitteln und wie er den Sachverhalt zu erforschen hat, ist bereits in § 160 StPO hinreichend  festgestellt. Schon diese eindeutige gesetzliche Ermächtigung lässt eine Einwirkung von Außen nicht zu. Denn die Rangfolge zwischen einer gesetzlichen Zuweisung von Aufgaben, Rechten und Pflichten einerseits und einer ministeriellen Weisung andererseits ist eindeutig. Hinzu kommt, dass einem Justizminister in der Strafprozessordnung keinerlei Befugnisse zugewiesen oder auch nur gestattet sind.

Als Einfallstor für eine Einwirkung von Außen wird von den Befürwortern einer solchen Möglichkeit die in der Tat bestehende Dienstaufsicht des zuständigen Ministers gesehen.

Ob diese Dienstaufsicht auch eine Weisungsbefugnis zu strafprozessualen Fachfragen, also die Fachaufsicht, umfasst, ist die eigentliche Frage. Dass sie das tue, wird oft schlicht aus       § 146 GVG geschlossen. Unstreitig ist, dass diese Fachaufsicht dem staatsanwaltlichen Vorgesetzten zusteht. Dabei bleibt ja die fachlich Entscheidung innerhalb der Staatsanwaltschaft, wo sie auch hingehört. Dass das Gleiche auch für das Verhältnis der politischen Aufsichtsbehörde zu den obersten Staatsanwälten gilt, kann nur der behaupten, der den zweifachen Inhalt des Begriffs Dienstaufsicht vernachlässigt. Dieser beinhaltet einerseits die Regelung von Organisation, Personalwirtschaft, Sitz und alles, was zur Funktionsfähigkeit der Behörde notwendig ist, sowie allgemeine Verwaltungs- und Disziplinarangelegenheiten, andererseits in der Regel auch die fachliche Überwachung der Aufgabenerledigung, d.h. die Fachaufsicht.

In einigen besonders sensiblen Aufgabenstellungen ist kraft Gesetzes verfügt, dass beide Aufsichtsarten institutionell getrennt sind. Das ist dann der Fall, wenn die fachliche Überwachung, die Fachaufsicht, besonderen mit Unabhängigkeit ausgestatteten Organen  übertragen ist. Wir finden diese Trennung vollzogen z.B. im Bundesrechnungshofgesetz und im Bundesbankgesetz. Ferner gibt es die Trennung bei einer Reihe von Selbstverwaltungskörperschaften des öffentlichen Rechts. Selbstverständlich sind auch die Gerichte, in denen sogar jeder einzelne Richter auch gegenüber justizinternen Organen unabhängig ist, keiner Fachaufsicht der Regierung unterworfen.

Es ist also so, dass eine Fachkontrolle der übergeordneten politischen Instanz dann nicht stattfindet, wenn durch Gesetz eine Fachaufsicht überhaupt ausgeschlossen oder einem anderen staatlichen Organ zugewiesen hat.

Das ist auch im Falle des strafprozessualen Ermittlungsverfahrens ganz eindeutig durch Gesetz geschehen, und zwar mit einer Vollständigkeit und Präzision, wie sie sonst nicht festzustellen ist. Alle Verfahrensschritte, die dem Staatsanwalt zugewiesen sind und in die Rechtssphäre eines Verdächtigen oder Beschuldigten eingreifen, bedürfen – auch ohne Beschwerde des Betroffenen –  der Einwilligung oder der Zustimmung des zuständigen Gerichts. Das gilt für die Inhaftierung, für die Haftfortdauer, die Durchsuchung die Beschlagnahmung, die Telefonüberwachung und schließlich für die Anklage. Damit

ist klar, dass das Ermittlungsverfahren in allen wesentlichen Schritten voll der Kontrolle eines unabhängigen Gerichts unterliegt. Diese beispiellos enge Bindung eines staatlichen Exekutivorgans an ein Gericht zeigt mit eindeutiger Sicherheit, dass für die Einwirkung einer politischen Instanz auf das Ermittlungsverfahren als Ganzes oder auf einzelne Verfahrensschritte kein Raum ist. Denn deutlicher kann eine gesetzliche Zuweisung der Fachaufsicht an eine außerpolitische fachlich berufene unabhängige Instanz kaum geregelt werden.

Es ist also nicht so, wie oft gesagt wird, dass der Staatsanwalt der Herr des Ermittlungsverfahrens ist. Herr ist, der das letzte Wort hat. Und das ist immer der unabhängige Richter.

Wo also die totale Fachaufsicht über die Staatsanwaltschaft den Strafrichtern übertragen ist, die ihrerseits von jeglicher Fachaufsicht freigestellt sind, ist für justizministerielle Fachaufsicht nicht der geringste Raum. Wo sich, wenn überhaupt einmal, die Frage nach Einflussnahme des Justizministers stellt, wird es oft als nobile officium angesehen, sich dabei zurückzuhalten. Deshalb kommen derartige problematische Fälle ja auch nur selten vor. Dass sie doch in der Affäre Maas/Range vorgekommen sind, zeigt, dass es notwendig ist, die gesetzlichen Regelungen wahrzunehmen und zu befolgen.

Wäre das hier geschehen, hätte die Frage nach einer Amtsenthebung anders beantwortet werden müssen. – Dr. Josef Fabry


Leserbrief zu „Dich bring ich ganz groß raus“ von Alice Bota und Kerstin Kohlenberg

Während ich die Analyse über Putin und Trump las, fiel mir das Zitat „ Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger“ von Kurt Tucholsky ein.

Nach dem Lesen bin ich mir zwar weiterhin absolut sicher, dass Putin der eindeutig Klügere von den beiden ist, den daraus resultierenden Vorteil hingegen beurteile ich inzwischen anders. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Ungeliebt und unersetzlich“ von Jana Simon

Die Driesner-Reportage spricht unzähligen Führungskräften des mittleren Managements aus der Seele. Alle dort genannten Aspekte höre ich seit Jahren in meiner Arbeit mit dieser Klientel. Leider kommt in diesem Artikel ein wesentliches Problem nicht deutlich genug zum Ausdruck, das jedoch entscheidend für das erfolgreiche Zusammenspiel aller Akteure in einem Unternehmen ist: mangelnder Respekt und Anerkennung von Leistungen. Vielen Führungskräften der oberen Etagen fehlt es an grundsätzlichen empathischen Fähigkeiten, ihre Mitarbeiter für ihre Anliegen und Aufträge zu gewinnen. Statt sich auf einen konstruktiven Dialog einzulassen, läuft es in den allermeisten Fällen darauf hinaus, dass der Druck einfach weitergegeben wird; getreu dem Motto „shit flows downhill“. Die kritische Auseinandersetzung und der respektvolle Umgang mit den Mitarbeitern, gerade unter Druck, finden nicht statt. Sich diesen Anstrengungen auszusetzen ist jedoch eine wesentliche Aufgabe aller Führungskräfte im Unternehmen und nicht eine einseitige Aufgabe des mittleren Managements. – Tim Frhr. v. Campenhausen


Leserbrief zu „Grafik: Karl May“

In Ihrer Huldigung für Karl May, „einen der meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache“, weisen Sie darauf hin, dass dieser begnadete Fabulierer zahllose Bewunderer und Nachahmer gefunden hat: „Karl Mays Silbersee ist Namensgeber für zahllose Silberseen weltweit.“ Stimmt. Einer der frühesten Leser dürfte William Shakespeare gewesen sein, der in seinem Drama „König Richard II.“ England so beschreibt: „Dies Land der Majestät, dies Kleinod, in die Silbersee gefasst …“ . Der Meister aus Radebeul hätte es nicht besser ausdrücken können.  – Erwin Häckel


Leserbrief zu „Dann doch lieber eine Kreuzfahrt!“ von Christine Lemke- Matwey

Seit Jahrzehnten bin ich begeisterter Leser des ZEIT-Feuilletons. Umso mehr erschrak ich über diese niveaulose Besprechung…. !

Bereits der Untertitel des Artikels  “ Eine Oper für die schwule Community „  …zeigt überaus deutlich Missverständnisse. Die Rezensentin hat offensichtlich Grundlegendes bezüglich der politischen Aussage dieser Oper nicht begriffen ! Es handelt sich bei der Zielgruppe nicht im geringsten nur um die schwule Community! Ganz im Gegenteil!

Und was soll bitte die Aufzählung der an dieser Produktion beteiligten schwulen Künstler? Soll dies ein Argument für oder gegen irgend etwas sein? Soll daran etwa die Qualität der Aufführung festgemacht werden? Kaum zu glauben.  – Gernot Lindner


Leserbrief zu “Der ewige Sohn” von Ehrich Follath

Vielen Dank für Ihren Artikel über Benjamin Netanyahu in der Zeit vom 23.2.2017. Durch Ihre langjährige persönliche Bekanntschaft mit Israels Premier ist Ihnen ein einzigartiges, aufschlussreiches Portrait gelungen, das sicher nicht nur mir, sondern vielen weiteren Lesern hilft, die Situation im Nahen Osten besser zu verstehen.

An einem wichtigen Punkt stimme ich allerdings nicht mit Ihnen überein. Sie bezeichnen die jetzige Regierung des Iran als „neuere, gemäßigtere“. Präsident Ruhani ist allerdings ein typischer Vertreter des aggressiven, islamistischen Regimes, wie seine Aussage aus dem Jahr 2006 zeigt: „Dieser Sieg der Hisbollah ist ein ruhmreicher Sieg der islamischen Umma. So Gott will, ist es der Anfang der nächsten muslimischen Eroberung (aghazi), und des nachfolgenden Untergangs von Amerika und Israel.“ Die Erlangung nuklearer Technologie bezeichnete er schon 2001 als entscheidend zur Erlangung von Macht und militärischen Erfolg, wichtiger als konventionelle Waffen und politische Maßnahmen. (Quelle: http://de.stopthebomb.net/text-audio-und-video/rohani.html#c2792).

Es liegt also durchaus im Bereich des Möglichen, dass Netanyahu als Warner vor dem drohenden nuklearen Holocaust durch den Iran genauso recht behalten könnte wie sein Vater BenZion, der sehr früh den Holocaust durch die Deutschen kommen sah.

Ich bitte Sie, ihre entsprechende Einschätzung im Licht dieser Tatsachen zu überprüfen. – Eberhard Schmiedeke


Leserbrief zu „Revolution in Sicht” von Christiane Grefe

mit großem Interesse habe ich ihren Artikel über Pestizide in der aktuellen ZEIT (Rubrik Wissen) gelesen. Darin berufen sie sich auf einen Artikel in der Zeitschrift SCIENCE 2014 „was passiert, wenn Unkrautvernichter nicht mehr vernichten“? Bisher habe ich es sehr geschätzt, dass sie in der Rubrik WISSEN zahlreich die Referenz (Zeitschrift, Jahr und Autor) angegeben haben, so dass man nachrecherchieren kann. Da dies in dem Pestizidartikel jedoch leider nicht der fall ist, konnte ich den Originalartikel nicht finden. Ich wäre ihnen dankbar, wenn sie mir die Referenz zu diesem Artikel nennen könnten. – Thomas Behrendt


Leserbrief zu “ Krise der Klugen“ von Manuel J. Hartung

In Ergänzung zu Herrn Hartungs Artikel und vielleicht auch ein wenig zur „Ehrenrettung“ der wissenschaftlichen Fachgesellschaften dürfen wir darauf hinweisen, dass die Deutsche Gesellschaft für Geographie (DGfG) bereits Anfang Februar 2017, anlässlich eines Statements ihrer amerikanischen Schwestergesellschaft „American Association of Geographers“ (AAG) zur „Executive Order“ von Präsident Trump (Einreiseverbot für Angehörige bestimmter Staaten), dazu Stellung bezogen und ihrer Sorge über diese politische Entwicklung Ausdruck verliehen hat.

Das Statement der AAG und die sich darauf beziehende Stellungnahme der DGfG können auf der Homepage der DGfG (www.geographie.de) unter „Aktuelles“ (http://geographie.de/2017/02/09/dgfg-nimmt-zu-statement-der-aag-trump-executive-order-stellung/) eingesehen werden. – Prof. Dr. Werner Gamerith


Leserbrief zu “ Nur mit Amerika“ von Matthias Nass und zum Titelthema „Großangriff aus dem Netz – Deutschland im Visier

Ich war in früheren Jahren oft Leser der ZEIT und hatte sie auch mal abonniert. Es interessiert mich daher, wie sich die ZEIT entwickelt hat und welche Positionen sie heute in einer komplizierter gewordenen Welt vertritt. Am 23.02.2017 habe ich die erste von fünf Ausgaben der ZEIT aus dem angebotenen Probeabonnement erhalten.

Begrüßt wurde ich vom Leitartikel Nur mit Amerika, in dem Matthias Nass gegen alle Besorgnis, die von der neuen US-Administration weltweit ausgelöst wird, dafür eintritt, Seit’ an Seit’ mit dem liberalen Amerika die Demokratie zu verteidigen. Europa gegen Amerika, das sei die falsche Frontstellung. Ich fühlte mich gleich wieder zu Hause bei ZEIT. Hier schrieb offenbar ein neuer Josef Joffe. Und richtig: Nass ist Mitglied der Transatlantic Academy.

Leider übergeht Nass, dass die Frontstellung gegen die Europäische Union von den USA ausgeht und reale Folgen haben wird, mit denen ebenso real politisch umgegangen werden muss. In seinem Bemühen, die transatlantische Brücke zu kitten, schreibt er Europäern wie Amerikanern eine Prägung durch die Aufklärung zu. Er sollte es besser wissen: Die USA sind durch Religion geprägt. Das hat niemand anders als Josef Joffe Anfang des Jahres mit Verweis auf Jesaja 49 noch einmal in Erinnerung gerufen: Die USA haben sich – bis zu dieser neuen Administration – als neues Jerusalem verstanden.

Auf Seite 2 folgt dann ein ausführlicher Beitrag zum Cyberkrieg, oder besser zu den Fake-News-Kampagnen, die von Russland ausgehen. Da wird schon massiv Material aufgetragen und fast ist man geneigt, dem Beitrag einen Informationskern zuzugestehen, knüpft er doch auch an bereits Bekanntes an. Doch es macht stutzig, dass der entscheidende Beleg ausbleibt: Die Identität des Informanten wird nicht offen gelegt. Nur seine Glaubwürdigkeit behauptet. Warum also dieser Beitrag?

Dem unvoreingenommenen Leser der zeitgeschichtlichen Ereignisse ist noch in Erinnerung, dass gerade einmal zwei Wochen zuvor, das Ergebnis einer Untersuchung von BND und Verfassungsschutz bekannt geworden ist. Beide Nachrichtendienste haben ein Jahr lang ermittelt, ob Russland Fake-News-Kampagnen gegen die Bundesregierung gesteuert hat und haben dafür keine Beweise gefunden. Das notiert der Beitrag nicht, er nimmt vielmehr auf den Bericht der Dienste Bezug: „Längst gibt es Hinweise darauf, dass Russland …“. Ja, eben, Hinweise, die Anlass zur Prüfung waren, aber keine Beweise. Hier soll offensichtlich das Ergebnis der eigenen geheimdienstlichen Untersuchungen in den Köpfen der Leser überschrieben werden.

Der Beitrag Das jüngste Gerücht macht es dann noch einmal konkret. Und man hätte ja an Hand des Beispiels einiges lernen können (siehe unten: Und es geht die Post ab). Aber bevor noch Inhalte präsentiert werden, wird das Denken der Leser justiert: Macron könnte die Stimmung in Europa drehen … „zum Ärger Moskaus offenbar“. Oh, hättet ihr nur die Fakten sprechen lassen. Aber es muss ja der Hieb nach Osten hinzu. Bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit wird heute Putin ausgemacht.

Wenn man nicht bloß aktuelles politisches Interesse hat, fällt einem dazu das mit Executive Order 2594 von Woodrow Wilson 1917 eingerichtete Committee on Public Information ein. Wilson hatte die Wiederwahl zum US-Präsidenten mit einer Kampagne gegen den Eintritt in den Ersten Weltkrieg gewonnen, verfügte dann aber doch die Kriegsbeteiligung der USA. Das Committee on Public Information erhielt den Auftrag, die Bevölkerung psychologisch auf den Kriegseintritt vorzubereiten. Dazu wurde unter anderem ein Freiwilligen Corps von 75.000 Personen gebildet, die im ganzen Lande vor öffentlichen Veranstaltungen, Filmvorführungen usw. in kurzen Reden den Kriegseintritt gegen Deutschland begründeten. Diese Four-Minute-Men hielten insgesamt über 750.000 Reden für den Kriegseintritt und sorgten so für einen Meinungsumschwung in den USA.

Oder um ein neueres Beispiel zu nennen: Das informelle Deception Operation Committee von Ronald Reagan. Dem es Anfang der 1980er Jahre durch eine U-Boot-Affäre erfolgreich gelungen ist, die öffentliche Meinung in Schweden zu manipulieren und Angst vor einer russischen Aggression zu schüren. (Das Gefühl der Bedrohung durch die damalige Sowjetunion stieg in der schwedischen Bevölkerung dadurch von zuvor 27 % im Jahr 1981 auf 83 % im Jahr 1983.)

Nicht zu vergessen die Manipulation der Wiederwahl Boris Jelzins 1996 durch US-Wahlkampf- Berater, die seinen Konkurrenten Sjuganow dämonisierten, wie das Magazin Time aufgedeckt hat (July 15, 1996; Vol. 148 No. 4).

Bevor heute (mögliche) russische Propaganda-Aktivitäten kritisch kommentiert werden, sollte man sich bewusst sein, dass (wie dilettantisch auch immer) westliche Herrschaftsstrategien nachgeahmt werden. In zynischer Einstellung wären diese Aktivitäten zu begrüßen, weil sie zeigen, dass Russland sich auf dem Weg zur Demokratie befindet.

Von einer unabhängigen Presse erwarte ich, dass sie die Wirklichkeit analysiert und einen Standpunkt außerhalb des Konflikts zweier Seiten einnimmt. Die mich begrüßenden Beiträge aber waren Partei im politischen Streit. Deshalb möchte ich die ZEIT nicht weiter beziehen. – Klaus Menne


 Leserbrief zu „Wer hat gelogen?“ von Sabiene Rückert

Ich bedanke mich sehr, dass Sie dieses Thema wieder aufgreifen. Mir macht Angst, dass feige Politiker/Juristen vor der Machtdemonstration vieler Medien einknicken und unseren Rechtsstaat, auf den ich sehr stolz bin, unterhöhlen. Auch scheint einigen Medien eine unabhängige Justiz, die ihnen nichts nutzt, nicht so viel zu bedeuten. Wie wichtig aber eine solche ist, sehen wir jetzt in den Vereinigten Staaten.  – Renate Manon Heise-Gartz


Leserbrief zu „Krieg ohne Blut“ von Patrick Beuth, Marc Brost, Peter Dausend, Steffen Dobbert und Götz Hamann

Vielen Dank für diesen – wie immer excellent recherchierten und geschriebenen – Beitrag. Das ist wirklich mehr als beunruhigend, was sich hier immer rasanter auf den verschiedenen Plattformen der web-basierten Kommunikation an Entwicklungen abzeichnet. Eine Idee, die mir beim Lesen des Artikels in den Sinn kam: Sollte man nicht einmal über die Möglichkeit nachdenken, die Systeme von systematischen Fake-News Verbreitern selbst zu hacken? Denen einen Trojaner unterzujubeln, der z.B. als eine Art Filter-Programm alle ausgehenden Posts und Mails etc. scannt und systematisch die Namen von z.B. Angela Merkel oder Martin Schulz ersetzt? Wenn dann z.B. eine Meldung rausgeschickt wird wie „Die deutsche Bundeskanzlerin Marine Le Pen . . .“ oder „Der Kanzlerkandidat der SPD, Wladimir Putin . . .“, wer würde so einen Blödsinn dann noch weiterlesen?

Das ist jetzt echt kein Faschingsscherz. Ich habe mehr und mehr das Gefühl, dass man sich gegen diese unglaublichen Attacken wahrscheinlich nur noch mit den gleichen Waffen erwehren wird können. Die sieben, auf Zeit-Online vorgestellten Maßnahmen gegen solche infamen Desinformationskampagnen in allen Ehren, absolut d´accord, machen alle Sinn. Aber damit erreicht man wahrscheinlich nicht diejenigen (oder zumindest zu wenige davon), zu denen man einen Zugang finden müsste. – Prof. Dr. Rudolf Forsthofer


Der Appel an die „Klugen“ hat mich überrascht. Es ist selten, dass „die Professoren“ sich derart angesprochen finden; eher sind sie an Medienschelte gewöhnt.Von einem Professor wird heute  die Erwerbung von Drittmiteln und eine berufsorientierte Ausbildung mit erfolgreichen Abschlüssen verlangt und belohnt. Dass sich immer noch viele unter ihnen für sebständiges, kritisches Denken und allgemeine Bildung einsetzten, wird selten honoriert. So sieht selbst der Verfasser in dem Streit um eine Ausbildung in Sprache und Litteratur kaum mehr als „eine Beschäftigung mit sich selbst“. Dass Professoren bei Ihrem Einsatz für die Demokratie am Orte Ihrer Verantwortung ansetzen, sollte nich überraschen. Zugleich ist die Bereitschaft, sich darüber hinaus in der Öffentlichkeit zu engagieren, gewiss auch keine Seltenheit. Die Zeit könnte erfolgreich so manchem Beitrag Ihre Spalten öffnen. – Louis Hay


Leserbrief zu “ Der Schulz-Test“ von Kolja Rudzio

,”Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gehe es unfair zu, beklagt der Kanzlerkandidat der SPD. DOCH der Trend zu mehr prekärer Beschäftigung ist seit einem Jahrzehnt gestoppt”.

Mein Deutschlehrer hätte vor über 60 Jahren “Logik?” als Kritik am Rand vermerkt. Mit dem Wort “Doch” wird vom Autor ein Widerspruch hergestellt, den es nicht gibt. Die Behauptung (ob richtig oder falsch), dass der Trend gestoppt sei, heißt ja nicht, dass es auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht mehr unfair zugeht, sondern nur dass die “Unfairness” nicht weiter zugenommen hat. Schon in der Überschrift wird suggeriert, dass Schulz die Unwahrheit sagt. Nach meinem Geschmack ist auch die Bezeichnung “Wahrheits-Check” ein zu hoher – wenn nicht gar überheblicher – Anspruch.

Und noch eine Anmerkung: Die Meinungsvielfalt in den verschiedenen Ressorts, die ein Hauptgrund dafür ist, dass wir seit 60 Jahren die ZEIT lesen, vermissen wir im Wirtschaftsteil (mehr oder weniger).  – Sven Herfurth


Leserbrief zu „Bessere Demokraten“ von Benedikt Erenz

„Wenn ein hypochondrischer Wind in den Eingeweiden tobt , so kommt es darauf an , welche Richtung er nimmt; geht er abwärts , so wird daraus ein Furz , steigt er aber aufwärts , so ist es eine Erscheinung oder gar eine heilige Eingebung “ .

Bezug nehmend , auf den Beitrag von Herrn Erenz wäre es wohl  angebracht gewesen , seine Auslassungen hätten als Furz ihren Weg genommen .

Für seinen Drang nach  „Richtigstellungen“ habe ich einen Tipp: Er sollte sich um den Saaleckplatz in Berlin-Lichterfelde kümmern .

Dies ist wirklich ein Grund zur Richtigstellung . – Dr. Harald Braun


Leserbrief zu „Rechenkunst“ von Josef Joffe

„Dieser „Stolperdraht“ aber funktioniert nur, wenn dahinter ganze  Kampfbrigaden stehen, die rasch an die Front rücken können. Die fehlen  der Bundeswehr, und deshalb muss sie massiv in Kampfbereitschaft  investieren, um Putins Risikokalkül zu schärfen.  Gerade wer in der Ära Trump/Putin über den Verlust der amerikanischen  Verlässlichkeit orakelt, muss für Abschreckung durch Kampfbereitschaft  an den Ostgrenzen der Nato sorgen. Die Deutschen haben fünfzig Jahre  lang Sicherheit zum Discountpreis genossen. Wenn sie jetzt mehr  einzahlen müssen, führt das nicht in eine „blinde Aufrüstungsspirale“  (Gabriel). Es ist die Korrektur einer einst verständlichen  Abrüstungsspirale, die der Kreml als Gelegenheit wahrgenommen hat. Für  diese schlichte Einsicht braucht Europa keine Nachhilfe von Trump.“

Was ist nur los mit der „Zeit“ seit Helmut Schmidt nicht mehr ist?  Offene Befürwortung oder gar Forderung nach einem Krieg mit Russland? „Kampfbrigaden, die rasch an die Front rücken können“? Warum machen Sie  das? Wie können Sie es verantworten, dass wieder deutsche Soldaten mit  Russland Krieg führen sollen? Reichen Ihnen die Millionen und  Abermillionen Toten, die Deutschland in beiden Weltkriegen verursacht  hat, immer noch nicht? Haben Sie eine Rechnung offen mit Russland oder  wie darf ich Ihre Worte verstehen?  Es ist traurig, wie eine einst renommierte Wochenzeitung der Frau  Dönhoff und des Herrn Schmidt auf ein solches Niveau sinkt.  – Renate Vetter


Leserbrief zu “ Nur mit Amerika“ von Matthias Nass und zum Titelthema „Großangriff aus dem Netz – Deutschland im Visier

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle rückmelden, dass es mich sehr traurig macht, dass eine Wochenzeitung Ihres Formats und Ihrer Reichweite im Newsletter suggeriert, es gäbe einfache Antworten auf komplexe Fragen. In diesen Zeiten ein gängiger Fehler, der großen Schaden anrichten kann und auch bereits anrichtet.

 

Wenn man nur die kurzen Einführungstexte aus untenstehender Mail liest, wird einem vermittelt. Russland und Putin manipulierten Trump und trieben auch in Deutschland bedrohlich ihr Unwesen, um am Ende ihr Wohl über unsere demokratische Freiheit zu stellen. Außerdem sieht es so aus, als würde Martin Schulz Misstände erfinden um seine politische Position zu stärken und sich zu profilieren. Was soll das?

Vielleicht ist es so, vielleicht nicht. Ich finde Ihre vereinfachende Darstellung (bereits im Newsletter!) aber ehrlich gesagt sehr peinlich. Die Presse kann mich ja gerne mittels neutraler Berichterstattung zu einer solchen Sichtweise einladen, aber dabei bitte persönliche Meinungen der Autoren klar abgrenzen. Wenn Sie in der Schlagzeile schon derart einschlägige politische Statements setzen, ist meiner Ansicht nach eine Grenze überschritten und das Niveau einer BILD in akademischem Gewand erreicht.  – Niklas Benjamin Hoffmann


Leserbrief zu „Der gute Mensch und seine Lügen“ von Bernd Stegemann

Die Diagnose Bernd Stegemanns, die populistische Elitenschelte sei Ausdruck des Unmuts gegenüber denjenigen, ‚die eine (moralische) Forderung erheben, für die sie selbst keine Opfer bringen müssen‘, hat durchaus einen wahren Kern und sollte ernst genommen werden, auch wenn Stegemanns Argumentation selbst populistische Züge hat, insbesondere wenn er die soziale Marktwirtschaft als Neoliberalismus und als Form des Populismus zu bezeichnet. Dennoch trifft er mit seiner Kritik, dass die etablierten Parteien nur ästhetische Korrekturen am bestehenden Gesellschafts- und Wirtschaftssystem vornehmen, die Machtlosigkeit der Politik gegenüber den multinationalen Konzernen aber nicht mehr in Frage stellen, einen wunden Punkt. – Gudrun Rogge-Wiest


Leserbrief zu “ Krise der Klugen“ von Manuel J. Hartung

„Die Zeit“ beklagt zu Recht eine Entpolitisierung der Menschen mit Kopf und Geist an den deutschen Hochschulen. Sie mutieren zusehends zu hochspezialisierten Fachidioten, die viel zu oft den Blick auf’s Ganze verlieren. Dass diejenigen mit politischem Weitblick den Gang in Fernseh-Diskussionsrunden meiden, liegt meines Erachtens auch an der Sammlung dummschwätzender, sich stetig im Wortlaut wiederholender Teilnehmer- und ModeratorInnen. Wer will sich schon mit solchen auseinandersetzen? Dennoch tut es heftig Not. – Peter Richartz


Leserbrief zu “Wäre es nicht besser, fortzugehen?” von Christiane Grefe

Wie können wir Afrika und uns selbst helfen?

Im Fernsehen schaue ich gerne Filme mit Toten an, im Alltag sind mir Lebende lieber. Seit vergangenem Oktober gibt es von Johan Norberg „Progress. Ten reasons to look forward to the future“; in der Graphik zum ersten Kapitel kann man sehen, dass von 1945 bis 2015 die Unterernährung von etwa 50% auf etwa 12% der Weltbevölkerung zurückging. Leider verrät Norberg uns nicht die Zaubermittel, die die gesellschaftlichen Übel zurückdrängten.

Die vielen Gründe für das Elend

Frau Grefe besprach am 23.2. vier Bücher aus dem vergangenen Herbst, die sich mit verschiedenen Gründen des Elends befassen, in dem viele Afrikaner leben. Sie fand: Ethnische Rivalitäten, Kampf um Rohstoffe, Landflucht und anarchische Megacitys, Landnahme durch (ausländische) Konzerne, Korruptheit und Menschenverachtung afrikanischer Regierungscliquen, deren Verfügung über Rohstoffe, folglich Unabhängigkeit von Bürgern/Steuern, fehlende Korruptionsbekämpfung, Behinderung der afrikanischen Industrie durch hohe Wechselkurse, Notwendigkeit von (teuren) Importen zur Versorgung der Bevölkerung, Klimawandel. Die vielen Gaunereien bei den Rohstoffen gehen Frau Grefe besonders nach: „Nein, auf Dauer werden die Europäer nicht folgenlos ausblenden können, was bei den Nachbarn geschieht.“

Bei diesem Grund läuft es nicht rund

Zum ersten fände ich gut, wenn sich DIE ZEIT von der Fixierung auf die Rohstoffe lösen könnte. Ende April 2013 starben z.B. in Bangladesch mehr als 1100 Menschen, als eine Textilfabrik zusammen-stürzte. Die Einsicht in lebensgefährliche Arbeitssituationen ist bei der Fischerei, bei offenen Goldminen und anderen Tagebauen nur einfacher als bei Gebäuden.

Zum zweiten hat DIE ZEIT am 2.2. über das Buch „Der Große Ausbruch. Von Armut und Wohlstand der Nationen“ von Angus Deaton berichtet. Für den sind wachsende Bevölkerungen das Hauptthema. Allerdings springt er zwischen zwei Sichtweisen hin und her. Auf der einen Seite ist er wie andere Volkswirtschaftler (Michael Kremer, Esther Duflo) überzeugt, dass viele Kinder eine Hilfe für ihre Eltern sind: „jeder zusätzliche Mensch (hat) nicht nur ein hungriges Maul, sondern auch zwei Hände“ (S.308); „Jeder zusätzliche Mensch … bringt auch einen kreativen Verstand mit.“ (S.312) In anderen Ländern überwiegen offenbar die Nachteile eines hohen Bevölkerungswachstums: „Ein überzeugenderes Argument sind die Kosten, die anderen entstehen – die Bildungs- und Gesundheitssysteme werden zusätzlich belastet, gemeinsam nutzbarer Boden, Brennholz oder Trinkwasser werden knapper, die Erde erwärmt sich stärker.“ (S.310) Die Daten aus 102 Ländern überwältigen Deaton, er kann sich nicht entscheiden. Zuletzt verspottet er die Suche nach allgemeinen Gründen für wirtschaftliches Wachstum als „Versuch, die gemeinsamen Merkmale von Personen auszumachen, die am Roulettetisch auf die Null gesetzt und gewonnen haben.“ (S.305) Welcher Deaton beschreibt die Regel, welcher die Ausnahmen?

Die UNO kann uns den Überblick geben

Wir müssen nur die Statistiken ansehen, die UNO und die Weltbank bereitstellen. Um uns den überaus mühsamen Einkommensvergleich zwischen Ländern und im Zeitverlauf zu ersparen, verwendet Deaton in Abbildung 18 die „Lebenserwartung mit 50“ und in Abbildung 21 die „Lebenserwartung bei Geburt“. Wie verhält es sich damit weltweit? 2015 erschien die 24. Revision der „World Population Prospects“ (- die erste könnte mithin ins Jahr 1969 zurückgehen). Von Taiwan abgesehen, das so böse war, sich nicht von Mao befreien zu lassen, enthalten die „World Population Prospects“ Bevölkerungsdaten zu allen Ländern. Frühere Ausgaben unterschieden zwischen „More/Less/Least Developed Regions“, die noch aktuelle von 2015 trennt auch zwischen „High/Middle/Low Income Countries“.

Was zeigt die Tabelle? Bei den High-Income-Countries wuchsen zwischen 1950 und 2015 die Bevölkerungen am geringsten und die Lebenserwartungen (mit 50/bei der Geburt) am stärksten. Bei den Low-Income-Countries war es umgekehrt. Für kürzere Zeiträume kann man bei der Weltbank entsprechende Entwicklungen etwa bei der Alphabetisierung und beim (Fach-)Hochschulbesuch finden.

Lösungswege

Nun bleibt die Frage, wie das Bevölkerungswachstum in Afrika gebremst werden kann. Gut bekannt ist die Methode Boko Haram; unser Freund Kim Jong-un könnte mit seinen Atombomben zudem dafür sorgen, dass alle afrikanischen Hauptstädte an Meeresarmen liegen, um sich zu Zwillingen Singapurs zu entwickeln.

An Menschen mit mehr Geduld richtet sich folgender Ratschlag Deatons: „Zu denn geeigneten politischen Eingriffen, zählen wirtschaftliche und politische Anreize, die Familiengröße zu begrenzen, und diese Art der Geburtenkontrolle ist – sofern sie demokratisch durchgeführt wird – ein angemessene Lösung für die Allmendeklemme.“(S.310) Aber wer mag schon auf den fetten Wirtschaftsprofessor hören, zumal nach seiner albernen Auslassung von Seite 305? – Armin Amrhein

PS: „Die neue Völkerwanderung“ habe ich schon gelesen, die anderen drei Bücher bestelle ich heute Nachmittag.


 

16. Februar 2017 – Ausgabe 8

Leserbrief zu „Atommacht D?“ von Josef Joffe

Sie schreiben: „Heute ist die nukleare Option“ weder Träume noch Alpträume wert, weil Deutschland schlicht nicht hat, was gebraucht wird. Diese Meinung teilen Sie mit ca. (92-98%) aller Landsleute. Aber das ist eine Illosion:

  1. Wenn Deutschland Plutonium benötigt, liegt dieses wohlverwahrt in unzähligen gelben Fässern mit dem „Radioaktivitäts-Symbol“. Diese sollen sicher für 1.000.000 Jahre gelagert werden. Es ist den Fachleuten auf der Welt wohlbekannt, wie man Plutonium aus diesen Fässern mit schlichten und wohlbekannten chemischen Mitteln herausholt. Derartige Anlagen kann man nebst Bedienungspersonal preiswert auf dem Weltmarkt einkaufen.
  2. Viel schlimmer ist aber unser gesetzliches DENKVERBOT über die Alternative wie solches in interessierten Ländern praktiziert wird, um die friedliche Nutzung der Kernenergie zukunfts-sicher zu machen – und damit einem entscheidenden Beitrag zu den REALEN Weltproblemen, wie Kimawandel und die gesicherte Stromversorgung in Mega-Städten während möglicher Kälteeinbrüche zu gewährleisten.

Wir befinden uns auf dem 3. Sonderweg Deutschlands nach 1900, den die Welt mit Erstaunen zu Kenntnis nimmt – und den nicht nur Nachbarnationen bedenklich finden. – Reinhard Brandt


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Ich habe selbst noch keine Kinder. Dennoch habe ich mich sehr auf die Titelgeschichte gefreut. Denn natürlich ist die Erziehung in einer Zeit mit einem allgegenwärtigen Smartphone, der Auflösung von Öffentlichem und Privaten, und einem globalen Wettbewerb schwieriger geworden. Leider beschäftigt sich der Autor lediglich das x-te Mal mit der Degradierung Trumps als US-Präsidenten. Schade. Aus meiner Sicht ist das eine Themaverfehlung. Man hätte auch eine andere Frage stellen können: Sind Grenzen nicht etwas Positives? Haben nicht erst Entgrenzungsprozesse dazu geführt, dass mehr Menschen als je zuvor unter Depressionen, Burnout etc. leiden? – Christian Orth


Leserbrief zu „Fake-News im Vatikan“ von Evelyn Finger

Es ist nicht verwunderlich, dass hier immer wieder von „Reformen“ in der katholischen Kirche gesprochen werden; welche „Reformen“? Verwaltungsreformen im Vatikan – nach dem Konzil waren welche; Benedikt XVI. hat einige veranlasst – so wird jetzt auch einiges notwendig sein; das ist ja – wie in jeder non-profit-organisation – mal notwendig. Also, welche sog. Reformen werden hier gemeint? Die Lehre des Herrn „reformieren“ – wird dies her gemeint? Das wäre sicherlich nicht im Sinne unseres Herrn und Gottes! Der Apostel Paulus sagt in Gal 1, 8 „wer ein anderes Evangelium verkündet als ich, der sei verflucht“; ist doch klar und eindeutig – oder?!

„Darum lässt Gott sie der Macht des Irrtums verfallen, so dass sie der Lüge glauben“ 2 Thess 2, 11. Hier wird suggeriert – das bedarf alles einer sog. Reform; es wird darsgestellt als seien hier Architekten am Werk die der Statik sehr böse sind, dass sie sich nach ihr richten müssen, wenn ihr Haus Bestand haben soll. Arme Irre! Dominus Jesus sagt sachlich und objektiv was Sache ist. Das kirchliche Bodenpersonal ist nicht Verfügungsberechtiger über die wahre Lehre unseres Herrn und Gottes Jesus Christus; sondern auch sie unterstehen dem Wort dieses Gottes – für alle Zeiten! Sie neigen immer dazu, die Wahrheit zu verfälschen, sie den Menschen maul-gerecht zu machen. „Sie haben den geraden Weg verlassen und sind in die Irre gegangen“ 2 Petr 2, 15. Sicherlich für viele Menschen „dummes Zeug“;  „für die Welt ist das Kreuz Torheit für uns aber das Heil“! – Dr.Dr.  Michael Joseph Schaaf


Leserbrief zu „Falsche Feinde“ von Uwe Jean Heuser

Alles OK. Den Eurokurs hat die EZB durch ihre Maßnahmen abgesenkt. Deswegen exportiert Deutschland (zu) viel. Jedoch “Nur können die Deutschen ausnahmsweise nichts dafür.” ist zumindest etwas schief. Deutschland hätte das schon geändert haben können, wenn es schrittweise und vorsichtig, aber doch deutlich die MwSt-Erstattung für Exporte heruntergeregelt und die Exportfirmen veranlasst hätte, diese ihre Kostenerhöhungen an die ausländischen Kunden weiter zu geben. Das hätte, wenn man ein wenig nachdenkt, wie ein Ei des Kolumbus per Saldo fast nur Vorteile gehabt. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Ergänzend zu Ihrer umfangreichen Recherche zum Thema, wie Kinder an das Wissen der heutigen Zeit herangeführt werden können, möchte ich auf das „homeschooling“ hinweisen, das in Deutschland verboten, in umliegenden Ländern jedoch erlaubt ist.

Ich habe die große Freude, eine nach England ausgewanderte deutsche Familie beim homeschooling beobachten zu können. Die vier Kinder, zur Zeit 3-5-7-9 Jahre alt, sind bilingual, englisch und deutsch, sie sind erfolgreich im Sport, spielen, so es das Alter ermöglicht, ein Instrument ihrer Wahl. Ich erlebe die Kinder als ausgesprochen kreativ, sozial und außergewöhnlich interessiert an allem was um sie herum passiert. Die Kinder haben eingeschränkten Zugang zu smartphones, ohne großes Interesse an Spielen damit zu entwickeln. Viel mehr nutzen sie die Geräte um z.B. im Kontakt mit Familienmitgliedern auf dem Kontinent zu sein, aber auch um eine weitere Sprache über eine App zu lernen oder Matheaufgaben zu lösen.

Die Familie folgt keiner speziellen Ideologie. Die Kinder sind in ein soziales Netz gut integriert und können sich dank homeschooling entsprechend ihren intellektuellen Fähigkeiten bilden.

Es ist mir aus diesem Grund ein Anliegen, Sie zu bitten, auch dieses Thema in Ihrem nächsten ZEIT-SCHULE zu berücksichtigen. Vielleicht interessiert es Sie, dass in den Pfingstferien ein homeed-camp in S-England stattfindet, wo Sich die Familien treffen können.  Die Kinder werden in einem Zirkus betreut, wenn die Eltern sich in Diskussionsgruppen zum Erfahrungsaustausch treffen. – Sabine Krause-Holzer


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Eine der direkten und indirekten Leitfragen: Warum wird im Elternhaus kaum noch gebildet, erzogen und unterrichtet? Dazu gibt es einen interessanten Hinweis bereits bei Martin Luther, der im Reformationsjahr nicht unterschlagen werden sollte:

„Dass dies durch die Eltern nicht geschieht, hat mancherlei Ursachen. Zum einen sind etliche einfach nicht so rechtschaffen und pflichtbewusst, dass sie es täten, obgleich sie es könnten….

Zum zweiten ist die große Mehrheit der Eltern leider unfähig dazu und weiß leider nicht, wie man Kinder erziehen und lehren soll…

Zum dritten….haben sie vor anderen Geschäften und der Haushaltung weder Zeit noch Raum dazu…..
Weiter gibt es etliche, die keine Kinder haben. Die kümmern sich daher auch nicht um diese Sache…..
Darum wird es nun dem Rat und der Obrigkeit zukommen, die allergrößte Fürsorge und Gewissenhaftigkeit dem jungen Volk zu widmen.“

Bereits vor 500 Jahren ruft Luther deshalb zur Gründung von Volksschulen auf. Er macht sich außerdem für die Ausbildung von Volksschulehrern (nicht nur Lateinschulmeistern) stark sieht und dabei nicht nur die Notwendigkeit, mit Hilfe des Lesens die Bibel zu lesen und dadurch zu einer selbst verantworteten Religiosität zu finden, sondern auch den direkten Nutzen für die Berufsfindung und für den damit verbundenen, selbst erworbenen Wohlstand, indem er Eltern davor warnt, bei sich und ihren Kindern nicht vorrangig um die Bequemlichkeit der „Bauchsorge“ bemüht zu sein. – Dr. Hartmut Karg


Leserbrief zu „Assads Hölle“ von Mohamed Amjahid

das Interview mit Herrn Serrih stimmt mich nachdenklich. Er hat recht mit der Aussage, dass der Westen es sich teilweise zu einfach macht. Doch es bleiben Fragen:

– Warum die Attacke nur auf den Westen? Machen es sich Lander wie Saudi-Arabien nicht auch ziemlich einfach?

– Wenn man persoenlich solche Graeuel erfaehrt wie Herr Serrih, dann ist es unertraeglich zu erfahren, dass andere Menschen weiter weg nicht sofort eine Notwendigkeit zu handeln sehen. Doch die Reaktion des Westens ist nicht so ungewoehnlich: Wie hat Herr Serrih (sofern er schon alt genug ist dafuer) auf den Voelkermord in Ruanda reagiert? Wuerde er in einer aehnlichen Situation z.B. 200000 Fluechtlinge aus Ruanda aufnehmen und militaerisches Eingreifen befuerworten? Und wuerden das die syrischen BuergerInnen insgesamt befuerworten?

Dass uns Leid in der Ferne weniger beruehrt ist menschlich, aber deshalb nicht akzeptabel (gleiches gilt z.B. fuer das neugierige Anstarren von Unfallopfern). In beiden Faellen hilft es den Verstand einzuschalten und deshlab waere etwas weniger moralische Selbstgerechtigkeit auf beiden Seiten hilfreich. – Sabine Moehler


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Wer hat diese anspruchsvollen Zeilen mit falschem Ergebnis geschaffen, geschrieben, als Leitlinie vorgegeben?? Ich habe keinen Verfasser feststellen können.

Ich wollte ihm/ihr  sagen: wenn Sie das gut finden, was in den Familien, in den Schulen, auf der Straße heute von vielen Kindern/Jugendlichen – weit mehr als vor 10,20,30,40,50 Jahren – gelebt und als Erzogene gezeigt wird, dann graust mir vor den nächsten 10 Jahren.

Wenn die Eltern die Charakter-Werte – pünktlich, ehrlich, zuverlässig, höflich, ordentlich, fleissig, sparsam, hilfsbereit, geduldig, rücksichtsvoll, gutes Benehmen – nicht mehr ihren Kindern vermitteln wollen oder können, und wenn Gerichte und Mütter Kindeswollen vor Kindeswohl stellen – aus welchen Gründen auch immer – dann gehen wir einem noch schwierigeren gesellschaftlichen Zusamennleben entgegen, als wir derzeit schon erleben. Ich statt wir wird noch mehr gezüchtet werden . Die heutigen „europäische Zustände“  finden Sie gut?? In welcher europäischen Welte leben Sie – behütet bei Mama, abgelegen im Dorf, auf einer Insel?? Doch nicht etwa in einer größeren Stadt, in einem Ballungsgebiet, auf der Straße? Schon starker Tobak, den sie da mit elitären Worten schildern. – Albrecht von Hagen


Leserbrief zu „Martin, wir wollen den Sieg von dir!“ von Matthias Geis

Seit Willy Brandt hat kein SPD-Chef und Kanzlerkandidat das sozialdemokratische Herz berührt, wie Martin Schulz. Beide stehen in in ihrer Zeit für eine politische Vision, die wider der herrschenden Vernunft zu den politischen Gegebenheiten gerichtet ist. Dies war bei Willy Brandt die neue Ostpolitik, dies ist bei Martin Schulz viel mehr in der Verkörperung seiner Person als in den bisherigen Worten zum Thema, die neue Europäische Perspektive für dieses Deutschland.

Auf dem Boden der wirtschaftlichen und geopolitischen Machtkonstellationen hat sich in den letzten 2 Jahrzehnten eine politische Dominanz Deutschlands in Europa entwickelt, die ihre Mitglieder immer stärker an den Rand drückt und – als Gegenreaktion – die nationalistischen Tendenzen beflügelt. Die Kanzlerin mit der Union steht zu dieser Dominanz Deutschlands, sicher auch verführt durch die Ratio der amerikanischen Politik, in der der Stärkste auch die Führungsverantwortung übernehmen muss. Sie ist mit dieser politischen Ratio – auch in der öffentlichen Wahrnehmung vieler Menschen – in Europa mehr zum Teil des Problems denn als Teil zu dessen Lösung geworden. Sowohl der Brexit als jetzt auch Donald Trump heben neue europäische Gefühle, die Martin Schulz durch seine bisherige politische Vita sehr viel glaubwürdiger repräsentiert als die Kanzlerin.

Der kommende Wahlkampf wird daher ein Wahlkampf über die Zukunft Deutschlands in Europa werden, zu der mit Martin Schulz dann nicht mehr nur eine Defensiv-Position eines Europas als Ausdruck der politischen Vernunft sondern eine Offensiv-Position zu einem internationalen Europa zur Wahl steht wider die Vernunft nationaler Interessenpolitik. – Michael Parbs-Dalitz


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Über die Zeit-Themen muss ich manchmal lächeln, sie bewegen sich oftmals zwischen Plattitüden und Plaudern aus dem Nähkästchen.

Das Thema „Wer setzt Kindern noch Grenzen“ ist alt, und doch nicht gelöst. Ich sage Ihnen auch warum:

Wer setzt in der Gesellschaft ÜBERHAUPT noch Grenzen? Befinden wir uns alle nicht zwischen großer Freiheit (links) und Sehnsucht nach Orientierung (rechts)?

Das wäre mal ein Thema, das es lohnen würde zu erörtern. (Und so ist es doch überhaupt nicht verwunderlich, dass unsere Sprösslinge sich ebenso verhalten – wie die Alten…) – S. Ritter


Leserbrief zu “ Busse stehen kopf, Bürger auch“ von Hanno Rauterberg

In der letzten Printausgabe der Zeit berichten Sie über am 13. 2. angeblich abgeklebte Stolpersteine (zur Erinnerung an Holocaust-Opfer) in Dresden. Damit haben sich zwar Rechte im Netz gebrüstet, aber das hat es wohl nicht wirklich gegeben, wie die „Sächsische Zeitung“ am Mittwoch berichtete:

Zitat SZ:

Weder einen Hinweis auf die Täter noch auf die Tat fand die Polizei bei ihren Ermittlungen zu angeblich überklebten Stolpersteinen in Dresden. Eine Gruppe, die sich „Freie Aktivisten“ nennt, hatte bereits am Montag im Internet behauptet, solche Gedenksteine, die an ermordete Dresdner Juden erinnern, überklebt zu haben. Dazu veröffentlichte die Gruppe entsprechende Fotos. Die Polizei überprüfte daraufhin alle Dresdner Stolpersteine, sagte Sprecher Marko Laske am Dienstagnachmittag. „Wir haben nichts gefunden.“ Zitatende.

Es handelt sich bei Ihrer Darstellung wohl um die Unwahrheit. Damit liefern Sie leider ein weiteres Beispiel für einseitige Berichterstattung (eine sehr wohlwollende Charakterisierung) über den Osten Deutschlands, speziell Dresden. Über die durchgängig positive Aufnahme des auf dem Theaterplatz installierten Gräberfelds vonn Bootsflüchtlingen berichten Sie nichts. Natürlich! – Thomas Hanke


Leserbrief zu „Martin, wir wollen den Sieg von dir!“ von Matthias Geis

Als ich den Artikel las, fragte ich mich, was das denn für ein Niveau ist, ähnelt es doch sehr dem der anderen Zeitung mit den vier großen Buchstaben. Immer schön bis nah an die Gürtellinie, am besten noch ein wenig darunter.

Warum die ZEIT das Geschreibsel des Herrn Reul als Basis für einen Artikel nimmt, bleibt wohl ihr Geheimnis.

Und übrigens, auch ich esse gerne gut. –  Anne Sieben


Leserbrief zu „Prominent Ignoriert: Wahres Schwein“

Die Bauernregel ist leider nur rudimentär gebracht. Der Geamttext lautet: „Steht das Schwein auf einem Bein, Ist der Schweinestall zu klein. In Panik rennt es schnell hinaus, Bis nach Berlin, ins Bundeshaus. Schaftt es sogar ins Kabinett, Macht sich dort dick und rund und fett. Hinterläßt noch seinen Mist, Obwohl davon genug dort ist!“ – Rudolf Reinhardt  


Leserbrief „Wo seid ihr, Kollegen?“ von Arnfried Schenk

Mit großem Interesse begann ich den Artikel „Wo seid ihr, Kollegen? Frankfurter Grundschullehrer klagen über zu hohe Arbeitsbelastung und zu schlechte Schüler. Was ist da los?“ zu lesen. Ich stimme mit den Grundthesen überein und freue mich sehr über die Aufmerksamkeit für das Thema „Zu viel Arbeit für zu wenige Menschen“ im Schulbereich. Gerade in so einem Artikel sollte allerdings darauf geachtet werden, dass Vorurteile, also Urteile, die vorm eigentlich Wissen gefällt wurden, auch noch ausgeschrieben werden. „Man liest: Aysche, Muhammad, Caleria, Dragan, 23 Namen, nur zwei davon lassen auf deutsche Muttersprachler schließen“ ist genau so eine Aussage. Wir befinden uns nicht in den 80ern und haben eine Menge Kinder in der zweite und sogar dritten Generation nach der Migration vieler Mitbürger_innen. Das Wort Muttersprache ist sowieso überholt, Germanisten und Erziehungswissenschaftler nennen das Erstsprache. Diese Kinder wachsen öfter mit Deutsch im Haushalt auf, als Sie denken. Ich habe mehrere Kinder in meiner Stadtteilschulklasse in Hamburg, deren Name etwas anderes suggerieren könnte, als es die Realität ist. Ich würde Sie wirklich bitten von solchen Verallgemeinerungen abzusehen. Darzustellen, wie viele kein ausreichendes Deutsch können, wäre ja kein Problem… Lehrer und die Gesellschaft weiterhin darauf zu polen, dass sie beim Hören/Lesen solcher Namen auf die Herkunft schließen und das Sprachvermögen vorbeurteilen, ist wie People of Color als potentiell schlechte Schüler mit schlechten Deutschkenntnissen abzustempeln! Differenziertes Schreiben und Berichten über Schule und gesellschaftliche Probleme geht anders. – Sarah Schnoor


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Als jemand, die 3 Kinder großgezogen hat und als Pädagogin tätig ist, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Ihr Artikel komplett an der Fragestellung vorbeigeht. Gemeint sind doch nicht die Grenzen Trumps, sondern ganz konkret die Grenzen der Erziehung jeder einzelnen Mutter, jedes einzelnen Vaters hierzulande. Müssen wir wirklich momentan jedes Thema mit Trump in Verbindung bringen? Was sollen diese postfaktischen Pseudozusammenhänge? – Hildegard Schuster


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Ich bedanke mich für Ihren Artikel in der ZEIT.

An der von Ihnen zitierten Aussage von Martin Schulz über die „selbst ernannten Eliten“ und die „hart arbeitenden Menschen“ beschlich mich, wie Sie, ein Ungefühl, das Sie mir bestätigt und erhellt haben. (Ich denke, das freut Sie, das soll es ja auch) Schon das Wort „selbst ernannt“ ist irreführender Blödsinn. Es gibt doch kein Elitemitglied, das nicht irgendwo diplomiert oder/und gewählt wurde, das reicht von Herrn Schulz bis zu Hitler, man kann auch noch was erben (Trump).

Ich hab dazu zwei ergänzende und vertiefende Gedanken.

1.)

In dem Buch »Amerika vor Kolumbus« von Charles C. Mann las ich folgenden Satz: »Das Schreiben beginnt mit dem Zählen. Wenn eine Kultur groß genug wird, schafft sie eine Elite, die alles, was als wichtig gilt, überwachen muss…«. Auf der Basis von Rechnen, Lesen und Schreiben. D.h. auch Bürokratie. Den Beginn davon kann man datieren auf ca 8000 vor Christus, sowohl in Mesopotamien, als auch sehr früh in Mittelamerika.

2.)

Die Geschichte im Alten Testament von Josef und seinen Brüdern. Diese wollten ihren Bruder umbringen, weil er hübscher, begabter und deshalb bevorzugt war. Er taucht dann in der Elite von Ägypten wieder auf, weil er gut rechnen, schreiben und lesen kann und überhaupt klug ist. Am Ende rettet er noch generös seine Brüder. (Zwischendurch wird er noch von einer hoch gestellten Frau angemacht, aber auch dabei bleibt er klug)

Die CDU hat den Widerspruch bei Schulz sofort instinktsicher erkannt, verbindet das aber gleichzeitig mit einer, wie ich auch finde, »Schmutzkampagne«. Es geht also los. Dennoch finde ich Schulz, wie einige Ihrer Kollegen, im Augenblick einen »Glücksfall« für unsere Demokratie und die sonst untergehende Sozialdemokratie. Ich will aber auch Frau Merkel und einigen anderen Elitepolitikern meine Anerkennung gar nicht verwehren.

Ich frage mich, schlägt Schulz bewusst und mit Kalkül diesen populistischen Ton an? In dieser populistischen Zeit. Oder reicht seine Bildung nicht, weil er kein Abitur hat? Aber als Buchhändler..?

Ich frage mich auch: fühlen Sie und ich uns als Mitglieder einer intellektuellen Elite mit Abitur nur angegriffen und meinen uns verteidigen zu müssen? Vielleicht auch. Aber das wäre nicht der Kern der Sache!

Bzw. warum eigentlich nicht? Es bleibt doch festzustellen, wer schreiben und lesen kann, kann mehr als der, der es nicht kann. »Das wird man doch noch mal sagen dürfen!« – Prof. Karsten Schwerdtfeger


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Eltern sind unsicher, wie sie ihre Kinder richtig erziehen

Die Unsicherheit vieler Eltern ist von Herstellern für Babyartikel aber auch gewollt. Diese können sich dann in als Expertenhilfe getarnten Werbeplattformen, wie zum Beispiel dem HiPP Baby- und Elternforum, „informieren“. Dort erfahren sie unter anderem, wer Gläschenkost statt Selbstgekochtem füttere, mache mit der Nährstoffzusammensetzung nichts falsch und habe dann auch noch mehr Zeit zum gemeinsamen Spielen. Die Angst, etwas Wichtiges falsch zu machen, wird hier bewusst ausgenutzt. – Mal davon abgesehen, dass laut der Internetseite der Gesellschaft für Kinderernährung in Dortmund kaum ein Gläschen namhafter Hersteller die empfohlene Nährstoffzusammensetzung aufweist.

Und so geht es munter weiter: Um ein Töpfchen mit Ipad-Halterung zu verkaufen, brauche ich schon ziemlich verunsicherte Eltern. – Helena Krebs


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Wie schade! Leider verstärkt das Heft mit der Frage, wie bloß Erziehung geht und der Aussage, man weiß es nicht, alles unklar! die Unsicherheit der Eltern nur noch mehr. Dabei zeigt ihr doch die Vorteile der autoritativen Erziehung (Hier gibt es übrigens auch empirische Befunde) ganz klar! Man hätte mit einem verlagerten Fokus auch ein deutlich konstruktiveres Bild von Elternschaft und Erziehung zeichnen können und Eltern damit Sicherheit und Entspannung geben können. Wäre das nicht dramatisch genug?  – Katharina Odebrecht


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

“Er”ziehung ist einfach nicht mehr das verbindende Wort für unsere junge Generation. Es muss” Be”ziehung werden, damit wären einige Brücken leichter geschlagen. – Adelheid Wijgmans


Leserbrief zu „Der Kampf um die Windmühlen“ von Christiane Grefe Und Stefan Schirmer

Ich habe selten einen so oberflächlichen Artikel in der ZEIT gelesen zu einem inzwischen recht brisanten Thema, das auch für den Wahlkampf wichtig werden wird.

Anstatt des albernen Fotos eines Toilettenhauses, das fast die halbe Seite einnimmt, hätte man den Platz nutzen und einige Fakten schreiben sollen, z.B. warum es inzwischen sage und schreibe 630 Bürgerinitiativen gibt, die sich gegen den weiteren Ausbau  von Windparks engagieren – bestimmt nicht, weil die Menschen sich langweilen oder ein wenig blöd sind: „Bürger verlieren den Überblick…kennen auch nicht die technischen Möglichkeiten, um etwa Seeadler oder Fledermäuse zu schützen“ oder „Viele Anwohner verkennen vor lauter Aufregung, wie viel Einfluss sie noch nehmen können“.

Warum nennen Sie keine technischen Möglichkeiten zum Schutz von Seeadlern und Fledermäusen? Warum erläutern Sie nicht, wie die Anwohner noch Einfluss nehmen können? Diese Informationen hätten Ihren Artikel extrem bereichert.

Die Bürger, die sich in diesen Initiativen zusammentun sind auch nicht zwangsläufig von „Rechtspopulisten“ geködert, wie Sie unterstellen. Auch der Zusammenhang zwischen der „Angst vor Überfremdung durch Flüchtlinge“ und der „Angst vor Windkraft“ ist mir unbegreiflich (Ihr Zitat des CSU-Bundestagsabgeordneten Göppel).

Sie tippen so viele Dinge an, ohne interessante und informative Details zu bringen: Sie erwähnen, dass Herr Raake die 150 m hohen Mühlen „Monster“ nennt, dass 26.000 WKA Ende 2015 auf dem deutschen Festland Strom erzeugten.

Kein Wort darüber, dass im übrigen Norddeutschland meist nur noch WKA von mindestens 200 m Höhe aufgestellt werden, kein Wort über den „Wegwerfstrom“, der zwar produziert, aber nicht abgenommen werden kann, da die Stromnetze noch nicht fertig sind. Das sind Fakten, mit denen sich die Bürgerinitiativen befassen, da jeglicher weiterer Zubau von Windkraftanlagen unsinnig ist, solange der erzeugte Strom nicht genutzt oder gespeichert werden kann. Wahrscheinlich „störte die Mitstreiter von Herrn Günter Raake die Windkraft lange nicht“, weil ihr Ausbau bisher nicht so blind und unsinnig vorangetrieben wurde wie jetzt. Wer stellt sich denn heute schon mal ein Auto in die Garage, weil in 10 Jahren eine Zufahrt zu seinem Grundstück gebaut werden soll?

Da schreiben Sie mit Hinweis auf Fukushima, 90 % der Deutschen wären sich einig, dass die Energiewende sein muss. Ja glauben sie denn, der Energiewende ist damit Genüge getan, dass man überall Windräder hinstellt, die abgeschaltet werden müssen, wenn der Strom nicht abgenommen werden kann? Und wenn kein Wind weht, müssen herkömmlichen Anlagen wie Atom- und Kohlekraftwerke wieder herhalten. Diese können also beileibe nicht alle einfach abgestellt werden, solange man versucht, die Energiewende allein mit Windkraft zu meistern – ein Tropfen auf den heißen Stein.

Ebenso wie die Bürgermeisterin von Rügen, die nicht in der Lage war, auf Nachfragen zu antworten, wie Sie schreiben, weil „Wir sind ehrenamtlich tätig und keine Fachleute auf dem Gebiet“, sich dann auch nicht anmaßen sollte, für neue Windmühlen auf Rügen zu werben, so sollten auch Sie Ihrem Artikel keine bestimmte Tendenz geben, solange Sie sich nicht wirklich mit dem Thema befasst haben. – Gertraut Koch


Leserbrief zu „Atommacht D?“ von Josef Joffe

Dieses gedankliche Abwägen von Herrn Joffe, ob Deutschland Atombomben haben sollte, benutzt falsche Gewichte. In die Waagschale zu legen ist die Frage, ob die Welt Atomwaffen braucht, was atomare Bewaffnung bedeutet, und die Antwort mit den Gewichten von Klugheit, Humanität, Sittlichkeit und Verantwortungsbewusstsein abzuwägen. Die Zerstörungskraft des weltweit vorhandenen atomaren Arsenals reicht, um die gesamte Menschheit, Tierwelt, ja die gesamte Biosphäre mehrfach zu töten bzw. auf Jahrtausende radioaktiv zu verseuchen. Es gibt kein Lebewesen in unserer Mitwelt, das je einen solchen Irrsinn geplant oder verwirklicht hat. Land und Meer starren vor Missiles, Bomben und U-Booten mit Massenvernichtungswaffen. Allein in Deutschland, Italien, Belgien, den Niederlanden und der Türkei lagern als Faustpfand der NATO an die 200  einsatzbereite, US-amerikanische Atomsprengköpfe.Weltweit sind es an die 15 000 wie die Zeit in der gleichen Ausgabe das SIPRI zitiert.

Dagegen nennt Herr Joffe die atomare Bewaffnung der Briten und Franzosen „schwachbrüstige Arsenale“. Was denn noch, – darf´s ein bisschen mehr sein? fragt die Metzgersfrau: Es darf etwas weniger sein, viel weniger, sehr viel weniger, und zwar in allen Ländern, in allen, Herr Joffe! Von der Abschaffung dieser Waffen hat nicht nur Obama bei Amtsantritt „ geträumt“. 93 % der Deutschen sind laut einer FORSA-Umfrage vom vergangen Jahr für deren Abschaffung. Es wäre ein sittlicher Fortschritt der menschlichen Gesellschaft, für den wahrscheinlich die Mehrheit unserer Artgenossen sehr dankbar wäre. Und es ist ein sittliches Debakel, das Deutschland die internationalen Bemühungen um deren Ächtung bis anhin sabotiert.

Für unsere Erde könnte eine früher oder später entfesselte atomare Option allerdings die Notbremse sein, ein aktiviertes Selbstmord-Gen, mit dessen Hilfe eine Gattung Lebewesen sich selbst dezimiert und beseitigt, die begonnen hat, mit ihrer unkontrollierten und ökologisch völlig aus dem Ruder gelaufenen Vermehrung und ihrem verantwortungslosen Verhalten wie eine Krebserkrankung die Biosphäre zu zerstören. Die ganze Dummheit und seelisch geistige Unreife unserer Gattung Mensch zeigt sich doch exemplarisch allein schon an dem zigfachen Overkill ihrer verheerenden Massenvernichtungswaffen. Manche Menschen nennen das süffisant <Abschreckung>, was in Wirklichkeit die gesamte globale Population, Freund wie Feind, in atomare Geiselhaft nimmt. Zeitgeist? Nein, das ist <The Bottle Imp>, unser Zeitgespenst, und leider all zu real und bereits aus der Flache entwichen. – Dr.med. Carl-Michael Budcke


Leserbrief zu “ Schieritz, der Wasserfenchel“ von Peter Dausend

Aktuell reihen Sie sich ein in die bereits recht lange Reihe derer, die baustoppende Lebewesen – nicht ohne jeglichen höhnischen Unterton –  als bizarre Ursachen bizarrer Wirkungen vorführen. In Ihrem nächsten Beitrag könnten Sie ja den Menschen als bizarre Ursache einer Leistung darstellen, die zuletzt ein Meteorit vor 65 Millionen Jahren schaffte: ein irgendwie auch unterhaltsames Massensterben von mehr als 75% aller zuvor existierenden Arten. Aber Gott sei Dank wird dieses unmittelbar drohende Massensterben nur von unbedeutenden und alarmistischen Käseblättern wie „Nature“ als unmittelbar drohend dargestellt, während sich seriöse Blätter wie die ZEIT eher auf den adäquaten Spott über baustoppende Lebewesen mit komi – chen Eigennamen konzentrieren. Herzlichen Glückwunsch und Dausend Dank! – Christian Voll


Leserbrief zu „Prominent Ignoriert: Wahres Schwein“

Ihre Stellungnahme auf Seite 1 in Nr. 8 vom 16.2.2017 (s. Anhang) ist beschämend und typisch für Ihre Meinung zur Landwirtschaft. Schlecht recherchiert und mit eigenem Kommentar versehen. Leider erlebe ich häufig diese Art von Journalismus in Ihrer Zeitung. – Dr. Heino Prigge


Leserbrief zu „Das Letzte“ von Finis

Wer auch immer den Artikel unter „Finis“ in der ZEIT vom 16. Februar verbrochen hat, kennt Alice Schwarzer wirklich nur aus „Funk und Fernsehen“ und hat ihr dort auch nicht richtig zugehört. Ganz sicher aber hat der oder die Autor(in) noch nie einen Text von ihr oder die EMMA gelesen. Das ist billigstes und dümmstes Alice-Schwarzer-Bashing, außerdem feige, so eine Häme ohne Angabe des Verfassers zu verbreiten. Ich tippe mal auf Sabine Rückert, mit so einer Dreckarbeit macht sich ja bei der ZEIT kein Mann die Finger schmutzig. Pfui Teufel, der ZEIT absolut unwürdig! – Claudia Wenzl


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Sie machen es sich zu leicht, Herr Jessen. Indem Sie die unsägliche Polemik der Populisten von Trump bis Le Pen vorführen, was simpel ist, suggerieren Sie die Alternativlosigkeit des Establishments. Die offensichtlichen Mängel der Populisten belegen jedoch nicht die Weisheit der sogenannten Eliten. Diese haben im Gegenteil den Puls der Zeit, wie wir heute merken, auf fatale Weise überhört. Ihr listiger Hinweis auf den SPD-Kanzlerkandidaten ändert daran auch nichts. – Dr. Andreas Schäfer


Leserbrief zu „Einer wird gewinnen“ von Oliver Fritsch

Man kann Philipp Lahm zu seinem Entschluss, nach dieser Saison mit dem Fußballspielen  aufzuhören und nicht Sportdirektor des FC Bayern zu werden, nur gratulieren.  Genau wie bei seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft nach der WM 2014 hat er damit wieder den richtigen Zeitpunkt für seinen Abschied getroffen, anders als viele andere Fußballprofis wie etwa Ballack und Schweinsteiger, die nicht einsehen konnten oder wollten, dass sie ihren Zenit weit überschritten hatten und Ansprüche stellten, denen sie selber nicht gerecht wurden. Auch seine Weigerung, anschließend Sportdirektor des FC Bayern zu werden, ist wohlbegründet:  Er hat es einfach nicht nötig, nach dem Vorbild von Nerlinger oder Sammer als machtloser  Grüßaugust oder selbsternannter Kettenhund von Hoeneß‘ und Rummenigges Gnaden seine  Zeit zu verschwenden.  Ganz nebenbei hat er durch seine klare Haltung dem scheinbar allmächtigen und allwissenden  Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Hoeneß dessen Grenzen aufgezeigt.  – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Fake-News im Vatikan“ von Evelyn Finger

Es gibt im Vatikan ein Change-Management laut diesem Artikel.   Seit wann gibt dieses Management und welche Änderungen  im Bereich Sexualmoral sind in der Planung? Bis dato gab es nur eine marginale Änderung zur Zulassung von Wiederverheiraten zur Kommunion.   Bleiben die Verbote wie künstliche Empfängnisverhütung  und Sexualität vor der Ehe,  dürfen Schwule weiterhin nicht Priester werden, auch wenn sie zölibatär leben?  – Dieter Fiebelkorn  


Leserbrief zu „Ingenieur? Ingenieurin!“ von Axinja Hachfeld

Natürlich kann kluge Pädagogik Mädchen für Naturwissenschaften und Mathematik begeistern. Ein erfolgreicher Physik-Unterricht (oder Mathematik-, Chemie-, Biologie-Unterricht – ich bin selbst Physiker) hängt weniger von Lehrplänen und gendersensibler Sprache ab als davon, ob es einem Physiklehrer oder einer Physiklehrerin gelingt, die Schüler nachhaltig für Physik zu begeistern. Und dazu bedarf es exzellenter Lehrkräfte.

Überspitzt ausgedrückt ist es doch so, wer als Physiker Renommee erlangen will, geht als Forscher an ein Forschungsinstitut oder eine Universität. Wer Geld verdienen will geht in die Industrie. Und der Rest bleibt dann für die Schulen und das sind folglich meist nicht die Top-Leute (einige hervorragende Lehrkräfte natürlich ausgenommen).

Wir brauchen die besten Pädagogen und Fachdidaktiker in den Schulen, dann wird es nicht nur mehr Mädchen in den MINT-Fächern geben. – Martin Hoheisel


Leserbrief zu „Unter Berührzwang“ von Bernd Ulrich

Auch wenn man die Auftritte von Herrn Höcke nicht mag, sollte DIE ZEIT ihn korrekt zitieren: Bernd Ulrich benennt Björn Höcke als „den mit dem Schandmal“. Dieser Ausdruck stammt jedoch nicht von Höcke; denn er sagte genau: „Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat“. Ein Denkmal der Schande ist nicht mit einem Schandmal (oder Schandfleck) gleichzusetzen. Ein Denkmal der Schande kann durchaus auch als „schmerzhaftes Denkmal an unsere Schande“ verstanden werden. Ob dies Höcke so gedacht hat, weiß er allein. Bernd Ulrich glaubt dies wohl nicht; aber das sollte DIE ZEIT dann auch nur als Vermutung und nicht wie ein Faktum behandeln. – Prof. Dr. Joachim Fruböse


Leserbrief zu „Ami goes Home“ von Martin Klingst und Jörg Lau

Ein bisschen klingt es bei Ihnen an, man hat sich etwas vorgemacht. Wobei ich noch einen Schritt weitergehe würde. Schließlich hat fast 50% der Bevölkerung dem Establishment die rote Karte gezeigt. Man muss das auf der Zunge zergehen lassen. Die Ursache ist keine leichte Unzufriedenheit, hier wurde die Führung abgelehnt.

Während unsere  Transantlantiker nicht müde werden von unseren Werten zu sprechen, hat das für die Hälfte der Amerikaner keinen Wert mehr. Es ist jetzt genau 100 Jahre her, das die USA auf der Weltbühne erschienen sind und sich als Großmacht etablierten. In dieser Zeit ist viel passiert und so mancher US Bürger ist wohl zu dem Schluss gekommen, es hat sich nicht gelohnt.

— Fangen wir mit 1917 an. Die USA treten in den 1.Weltkrieg ein und sorgen dafür, das England und Frankreich den Krieg gewinnen. Nach Christopher Clark hat Frankeich den Krieg als Revanche für 1870 genau 20 Jahre lang vorbereitet. Und Dank der USA auch gewonnen. Wilson sprach vom Selbstbestimmungsrecht der Völker, England und Frankreich haben dafür gesorgt, das es für alle galt, nur nicht für Deutsche. Im Gegenteil, Deutschland wurde 10 Jahre lang gedemütigt und damit die Voraussetzungen geschaffen, das der Faschismus die Oberhand gewinnen konnte. Zum Schluss hatten Hitler, Mussolini , Franko und Stalin Einfluss. Der 1.Weltkrieg war die Urkatastrophe das 20.Jahrhundert. Und die Amerikaner haben sie für die Verursacher entschieden.

— Für den 2.Weltkrieg sind die USA zu loben, das ist keine Frage. Sie haben große Lasten und Opfer auf sich genommen, um dem verbrecherischen NS-Regime Einhalt zu gebieten. Aber ohne ihre Unterstützung der Alliierten 1917 hätte es den 2.Weltkrieg und den NS-Staat wahrscheinlich überhaupt nicht gegeben.

— Und nach dem 2.Weltkrieg ging es weiter. Das Eingreifen der USA im Iran 1953 kommt einem moralischen Super Gau gleich. Zusammen mit England wird ein demokratisch gewählter Ministerpräsident Mossadegh abgesetzt und durch einen Diktator Schah ersetzt. Man wollte Einfluss auf die iranischen Ölfelder nehmen. Durch den Terror des Schah wird der Widerstand von der Straße in die Moscheen verdrängt. Es ist die Geburtsstunde des Fundamentalismus, von den USA und England erzwungen.

— Über Vietnam (1961 bis 1975) braucht man nicht viel sagen. Die amerikanische Gesellschaft hält den Vietnamkrieg für einen GAU.

Afghanistan 2001, ein Kriegseinsatz (ohne Ergebnis) der zu einem Dauerproblem geworden ist.

Irak 2003. Ein völkerrechtswidriger Einsatz, der uns auch nach 12 Jahren noch  über die Flüchtlingswelle nach Europa heute in Anspruch nimmt. Ein Krieg der den religiösen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten explodieren lies.

Guantanamo, Abugreib, Chile, die Wirtschaftspolitik in Süd-und Mittelamerika, es gibt  nichts viel was diesen angeblich so hohen Werten dieser Transantlantiker entsprechen würde. Allgemein kann man feststellen, die Amerikaner haben viele Kriege begonnen, aber keinen mit einer Zukunftsperspektive für die betroffenen Völker beendet. Mit einer Ausnahme, der des 2.Weltkrieges. Hier hatte Stalin  allerdings Bedingungen geschaffen, die ein reagieren der Alliierten erforderlich machte. Stalin wollte aus der DDR ein Musterschaufenster des Sozialismus machen, in einem Europa mit damals  noch starken kommunistischen Parteien in Frankreich und Italien.

Heute hält man den neuen Raketenschirm in Polen gegen Russland gerichtet für eine neue Sicherheit. Man muss wahrscheinlich alles abwählen, was sich mit dem Begriff Transantlantiker verbindet. In 2017 werden Raketen als Sicherheit verkauft! Für wie dumm wird die Öffentlichkeit gehalten? Ende des 19. Jahrh. wollte Bismarck durch Verträge Sicherheit erreichen. Weil man ihm nicht gefolgt ist, haben wir ein blutiges 20.Jahrhundert erlebt. Seine Nachfolger wollten sich damals auf militärische Stärke verlassen. Und denselben Fehler macht die heutige politische Führung wieder, sie setzt wieder auf Bedrohungsszenarien! Und das nach 2 Weltkriegen!

Immer wieder taucht das Wort Selbstbestimmungsrecht der Völker auf. Wilson hat es 1919 propagiert. England und Frankreich haben dafür gesorgt, das es für alle gelten sollte, aber nicht für Deutsche. Und heute darf es nicht für Russen gelten. Die Ukraine ist uraltes russisches Einflussgebiet. Nach der verständlichen Ausweitung der Nato über Polen und die Baltischen Staaten war für Russland in Bezug auf die Ukraine die rote Linie überschritten. Vor allem auch, weil der Westen sich nicht verpflichtet sah, Russland durch die ermöglichte Neuordnung 1989 irgendwie entgegen zu kommen. Man lies Russland geographisch, militärisch und wirtschaftlich abstürzen. Und wenn Putin dies heute ändern will, wird über ihn geschimpft.

Das eine Regelung mit Russland nicht auf Kosten Polens und der Baltischen Staaten erfolgen darf, ist selbstverständlich. Wenn man aber russische Interessen in Bezug auf die Ukraine z.B.  ablehnt, dann kommt man auch nicht weiter und die Konfrontation hält an. Wenn man an eine politische Lösung denkt, dann darf diese grundsätzlich nicht zu Lasten eines Verlierers gehen, auch nicht zu Lasten der Ukraine. Aber beteiligt ist sie allemal. Die Ukraine sollte von Ost wie West profitieren. Bisher stellt sich Brüssel in Kiew hinter rechtsgerichtete, gegen Russland eingenommene Kreise. Als westlicher Frontstaat gegen Russland gerichtet, kann die Ukraine langfristig aber nur verlieren.

Wir haben uns daran gewöhnt, amerikanische Interessen als selbstverständlich zu akzeptieren, andere Interessen ( russische z.B.) aber als unbegründet.

Die Transantlantiker sonnen sich auch heute noch im Sieg über die Sowjetunion. Das wäre tatsächlich etwas zu feiern, wenn man den Sieg  im Nachhinein nicht durch falsches Verhalten  verspielt hätte. Schließlich stehen wir heute wieder vor einem neuen Kalten Krieg. Und ohne Gorbatschow wird es diesmal anders ausgehen. Auch hat sich das Entgegenkommen Russlands 1989 nicht ausgezahlt. Im Gegenteil. Sie hatten zum Schaden auch noch den Spott. Der Westen kann ganz schön arrogant sein ( und dumm).

Unsere Elite ist nicht ehrlich. Wenn man glaubt, das es einem nützt, dann sind Grenzen heilig, Verträge heilig. Andererseits, wenn europäische Gesetze unmodern werden, werden sie einfach vergessen. Dann weisen europäische Gesetze plötzlich eine Halbwertszeit auf, die aus der Milchbranche bekannt sind.

Auf eine gewisse Weise ist die amerikanische Nation zu bewundern. Nach 100 Jahren wird ein Schlussstrich gezogen und eine Rückbesinnung eingeleitet. Haben sich die 100 Jahre Weltmacht für den Bürger ausgezahlt? Die Lasten und Opfer waren erheblich. heute sind 50% der Bevölkerung der USA der Meinung, der Einsatz hat sich nicht gelohnt. Wird dieser Rückbesinnungsprozess erfolgreich sein? Zweifel sind angebracht. Die heutigen Akteure haben keine Erfahrung. Und die abgewählte Elite geht auf Konfrontationskurs. Und der Leitspruch “Make America great again”, der eigentlich immer gegolten hat, jetzt aber erstmalig offen ausgesprochen wird, wird Widerspruch herausfordern.  Das heißt alles nichts Gutes. Leider. – Reiner Püschel


Leserbrief zu “ Busse stehen kopf, Bürger auch“ von Hanno Rauterberg

Ihr Autor muss offenbar Falschbehauptungen und Unterstellungen aneinanderreihen, um sein eigenes Ressentiment zu pflegen. Also: Die Dresdner Proteste kommen aus der Mitte der Bevölkerung und nicht (nur) von Pegida und Abendlandrettern. Selbstverständlich war das anglo-amerikanische Moral Bombing der Dresdner Innenstadt ein kriegsunerheblicher Akt der Vergeltung und Erniedrigung der Bevölkerung, und zwar jenseits von der Mitschuld am Hitler-Regime. Es geht bei den derzeitigen Protesten in Dresden keineswegs um Schuldbefreiung und Opferstolz, sondern um die oktroyierte Instrumentalisierung des Dresdner Gedenkens an die Opfer für die Syrien-Politik des Westens. Über die Situation in Syrien, ihre Urheber und ihre Ursachen kann man streiten, aber bitte unvoreingenommen und nicht an der Frauenkirche am 13./14. Februar. – Manfred Dubrow


Leserbrief zu “ Der Musterflüchtling“ von Nadine Ahr und Joanna Nottebrock

Im Frühjahr 2016 ist der syrische Arzt 26 Jahre alt. Im Oktober 2014 sei er nach Deutschland gekommen, müsste also damals 24 Jahre alt gewesen sein und habe auch schon einige Monate zuvor in Syrien gearbeitet. Zumindest in Deutschland wäre dies bei einem mindestens 6 Jahre dauernden Studium kaum möglich. Wie passt das zusammen ohne Abstriche in der Ausbildung (Schule/Studium) – Dr.Michael Wuestemann


Leserbrief zu „Assads Hölle“ von Mohamed Amjahid

Zur Frage was der Westen tut:  u.a. den www.civilmarch.org Civil March for Aleppo initiiert von Anna Alboth. Ich war auch für einen Tag dabei…. – Marion Claus


Leserbrief zu „Sanftmut predigt Hass“ von Marco Stahlhut

Schon lange möchte ich Ihnen schreiben und vorschlagen, die Rubrik „Glauben & Zweifel“ doch inhaltlich zu erweitern und vielleicht sogar prinzipiell daraus eine Seite für Spiritualität entstehen zu lassen, wobei wir natürlich ausführlich klären müssten, was wir unter Spiritualität verstehen. Aber Tatsache ist, dass Spiritualität aus der allgemeinen gesellschaftlichen Diskussion abhandengekommen ist , obwohl diese für mich einer der wichtigsten Ebenen unserer immer größer werdenden Entwurzelung und den damit verbundenen Krisen ist.

Und nun sehe ich einen Bericht über Buddhismus und falle dabei fast von meinem Stuhl! Es gibt wirklich wenige, vollkommen verblendete, buddhistische Mönche auf dieser Welt und genau über einen dieser Mönche schreiben sie eine ganze Seite? Natürlich ist das eine vollkommene Verblendung und Missverstehen der Lehre was dieser verlorene Mann da macht, mit schrecklichen Folgen!
Aber ich werde so oft mit diesem Mann konfrontiert und kann es eigentlich nicht mehr hören!

Warum berichten Medien immer nur mehr über das Negative? Buddhismus im Allgemeinen und ganz besonders im Westen, schafft so viel Neues, und unterstützt inzwischen so viele Menschen auf ihrer Suche nach Spiritualität, oder vielleicht anders gesagt, auf der Suche nach dem was da noch ist, was wir tief in uns spüren, aber wir kognitiv nicht verstehen können und uns dafür die Methoden abhandengekommen sind! Ich bitte wirklich um eine Antwort! Warum berichten sie zum Beispiel nicht über das Entstehen der deutschen Gefängnismeditationsgruppe, die sich nächste Woche gründet? – Andreas Hagn


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Unterschiedliche Auffassungen über Erziehung von Eltern und Lehrern sind nicht neu. Sie hat es zu allen Zeiten gegeben. Gerade im Lutherjahr möchte ich an einen Aufsatz  seines Weggefährten PHILIPP MELANCHTHON erinnern, in dem dieser das schwere Los der Lehrer beschrieb:

„Denn kein Mülleresel hat jemals so viel Leid erlebt, als wer Knaben zu lehren hat. Wird ein Knabe einem Lehrer zum Unterrichten übergeben, so ist er meistens schon durch das Haus verdorben. Weil er die Schlechtigkeit kennt und sogar schon gekostet hat, so mangelt es ihm an Liebe und Bewunderung für die Wissenschaft; im Gegenteil, er haßt dasselbe; verachtet seinen Lehrer und bringt die übelsten Gewohnheiten von Hause mit. Mit einer derartigen Mißgeburt muss  nun der Lehrer sich abplagen…Worin aber besteht nun der Lohn und der Dank für so viele Mühe? Das ist in der That das allertraurigste. Alles bisher Erwähnte ist Scherz und Kinderspiel im Vergleich zu dem, was jetzt noch kommt.

Die Besoldung ist so gering, dass man den Katheder mit Recht unfruchtbar genannt hat. Denn einen Tagelöhner bezahlt man besser als den Lehrer. Kaum kann man sich des Hungers erwehren. Hinzu kommt noch der Undank der Schüler, welche der Ansicht sind, dass sich niemand schlechter verdient macht, als die Lehrer. Ja, sie hassen dieselben, als ob sie Henker wären. Wie die Knaben selbst, so machen es auch die Eltern.

Sie bedenken nicht, dass sie einen großen Teil ihrer Sorgen  auf die Lehrer abladen. Ja sie werfen sogar das bißchen Gehalt demselben vor. Hat der Sohn etwas recht gemacht, so hat der Lehrer kein Verdienst dabei; hat er sich aber vergangen, so ist natürlich der Lehrer schuld. Die Eltern machen es so wir Diogenes, der dem dabeistehenden Pädagogen eine Ohrfeige gab, als dessen Zögling Anlass zum Tadel gab. In keinem Berufe gibt es so viel Widerwärtiges als in dem des Lehrers, unter allen Sterblichen sind die Lehrer die geplagtesten.” (Quelle: Lateinische Rede von Melanchthon „de miseriis paedagogorum“ in der Übersetzung von Prof. Dr. Karl Hartfelder: Philipp Melanchthon als Praeceptor Germaniae, Hofmann, Berlin 1889 Monumenta Germaniae Paedagogica, Bd. 7, S. 406-410) Ganz so krass ist es doch heute nicht mehr. – Guido Seelmann-Eggebert


Leserbrief zu „Unter Berührzwang“ von Bernd Ulrich und „Wessen Schande ist das?“ von Anne Hähnig Und Martin Machowecz

Man sollte es  nicht ableugnen: Die Holocaust-Gedenkstätte in der Mitte Berlins ist ein Denkmal der Schande. Aber die Deutschen sollten  stolz darauf sein, dass sie den Mut fanden, dieses Mahnmal zu errichten. Das unterscheidet uns  von jenen anderen Nationen, die ihre Verbrechen unter dem Staub der Geschichte begraben oder  den Japanern, die den Kriegsverbrechern des 2. Weltkriegs einen Gedenkschrein errichteten, wo sie auch von führenden Politikern geehrt werden. Wer ein solches Mahnmal verunglimpft wie der Josef Goebbels der AfD, zeigt uns, dass  die finstere Vergangenheit selbst für die Generation der Enkel noch nicht zu einer abgeschlossenen Episode der Geschichte geworden ist. – Armin Steinmüller


Leserbrief „Wo seid ihr, Kollegen?“ von Arnfried Schenk

Zu meiner Person: Ich bin pensionierte Schulleiterin einer Grundschule. Mein nunmehr erwachsenes Kind hatte Lese- Rechtschreibschwäche; ich habe ihr etwa 3 Jahre lang Nachhilfestunden gegeben, jeden Tag 30 Minuten, fünfmal in der Woche. Erfolgreich.

Ich weiß also ganz sicher, dass die eine Schulstunde pro Woche,, oft ausgefallen, die wir vom Ministerium gegen Legasthenie zu meiner Diesntzeit erhalten haben, nicht ausreicht.

Einer mir gut bekannten, freundlichen und tüchtigen Rektorin einer Grunschule habe ich angeboten, Nachhilfestunden an ihrer Schule zu erteilen. Sie hat sich gefreut.

Dann rief sie ganz entsetzt an: Die KollegeInnen können mich nicht in ihren Stundenplan einbauen.

Nun präzisierte ich, was ich eigentlich wollte: Nachhilfestunden nachmittags  erteilen im Fach LESEN  für eine kleine Gruppe von zwei bis drei hiesigen Kindern (an anderer Stelle habe ich für Flüchtligskinder Geld gespendet), deren Eltern ihnen nicht helfen können; an eine gute Betragensnote habe ich nicht gedacht. Ich sprach an, evtl. geeignete Software benutzen zu wollen.

Folgende Antwort habe ich von der Rektorin erhalten:

Ich muss Kinder für Dich auslosen oder bestimmen, die dann bevorzugt werden.

Für alles, was im Schulhaus läuft, trägt die Schulleitung die Verantwortung. Ich muss also anwesend sein.

Du bist im rechtlichen Sinn eine schulfremde Person, und ich muss alle entsprechenden Vorschriften beachten.

Die Schulhäuser sind nachmittags bis 17.00 Uhr mit ca. 155 Kindern in der FGTS belegt, dort arbeiten zurzeit etwa 11 Mitarbeiterinnen. Wir haben in dieser Zeit keine räumlichen Kapazitäten mehr. Das Kinderhaus platzt aus allen Nähten. Dort ist ja sowieso bis 18.00 Uhr die Betreuung durch „Barmherzige Organisation XXX“. Ich muss Kinder auslosen oder bestimmen, die dann bevorzugt werden.

Für alles, was im Schulhaus läuft, trägt die Schulleitung die Verantwortung. Ich muss also anwesend sein.

Du bist im rechtlichen Sinn eine schulfremde Person und ich muss alle entsprechenden Vorschriften beachten.

Die Schulhäuser sind nachmittags bis 17.00 Uhr mit ca. 155 Kindern in der FGTS belegt, dort arbeiten zurzeit etwa 11 Mitarbeiterinnen. Wir haben in dieser Zeit keine räumlichen Kapazitäten mehr. Das angeschlossene Kinderhaus platzt aus allen Nähten. Dort ist ja sowieso bis 18.00 Uhr die Betreuung durch die  „Barmherzige Organisation XXX“. Außerdem ist noch türkischer und italienischer Unterricht und Hausaufgabenhilfe der „Barmherzigen Organisation XXX“. Nebenbei muss dann auch noch gereinigt werden.

Ich muss bei der Stadt die Benutzung des Gebäudes durch Dich genehmigen lassen.

 Ich als Schulleitung bin leider nicht mehr in der Lage, mich um einzelne Kinder zu kümmern. In meiner Schule (Zwei Gebäude, weit entfernt voneinander), haben wir zurzeit 310 Kinder, 31 Lehrkräfte, 16 FGTS Mitarbeiter, 5 Integrationshelfer. Ich kann mich nicht mehr um solche Kleinigkeiten kümmern, sonst werde ich krank. Den Lehrerinnen geht es übrigens auch so. Die können nicht auch noch den Nachhilfeunterricht für einzelne Schüler betreuen und organisieren.

 Viele Grüße

(Zahlen leicht verändert, um Wiedererkennen zu vermeiden)
Die Antwort ist  in allen Teilen berechtigt. Es ist so. Es bleibt kein Platz in den Köpfen der Lehrkräfte und Schulleitungen für zusätzliche Aktivitäten in der Schule. Diese, wenn auch von außen, vergrößern die Menge der Arbeit und des Stresses.

Die Rektorin hat sich die Mühe gemacht, mir ausführlich zu schreiben, wofür ich ihr herzlich danke. – Anonymer Leser


Leserbrief zu “ Der Musterflüchtling“ von Nadine Ahr und Joanna Nottebrock

Ihr Artikel behandelt die Herausforderungen und die Grenze der Integration, unparteiisch, aber mit sensibler Einsicht in die fremden Eigenschaften. Es ist ein sehr gelungener Artikel, den ich in dieser Thematik leider sehr selten lese.

Der Integrationsprozess bedeutet ständige Konfrontation mit der Fremdheit auf allen Ebenen, was nie ein Ende nimmt, solange man lebt. Wie in einer Liebesbeziehung setzt man sich einer Fremdheit aus und transformiert sich bis zur äußersten Grenze, lustvoll oder qualvoll, je nachdem. Aber im Laufe der Jahre erreicht man einen bestimmten, unter Umständen schmerzhaften Punkt, wo man seine eigene Grenze der Identität klar erkennen und behutsam bewahren soll, sei es die intellektuelle, sei es die mentale, und wo man irgendwann sagen muss; ich bin ich, du bist du, ich denke und fühle mich anders als du. Sollte man jedoch hinzufügen; trotzdem liebe ich dich, dann besteht man die uralte, harte Prüfung, die uns allen zumutbar ist. – Ai Kretschmer-Nakashima


Leserbrief zu „Atom-Macht Europa“ von Peter Dausend und Michael Thumann

Es kann doch nicht Sinn und Zweck sein, wenn es einen Atomwaffensperrvertrag gibt, diesen zu missachten um wieder für nukleare Aufrüstung zu werben. Wozu dann die ganze Arbeit über Jahrzehnte verteilt?

Wie wahrscheinlich ist denn ein nuklearer Holocaust, wenn jede größere Nation Atomwaffen besitzt?

Wir müssen in der Tat doch einfach nur über den Atlantik schauen. In den Vereinigten Staaten darf jeder eine Waffe führen. Wie oft gibt es dort Schießereien und Amokläufe! Wie oft wird in den Medien über Tote nach Schusswaffengebrauch in den USA berichtet! Es heißt eigentlich, die Waffe dient der Selbstverteidigung. Nur was nützt dies, wenn alle so nervös sind, dass bei der kleinsten falschen Bewegung sofort der Abzug betätigt wird!

Europa ist ein wirtschaftlich sehr starkes Bündnis, es muss nur verstehen was damit möglich ist. Wenn die Amerikaner sich gegen den Freihandel und den Wettbewerb positionieren, muss Europa andere starke Partner finden. Die gibt es und diese Partner sind auch kooperationsbereit. Ich denke wirtschaftliche Sanktionen sind weit tiefgreifender und wirkungsvoller als militärisches Säbelrasseln! Diplomatie vor Aufrüstung!

Eine weitere Kuba Krise möchte doch wohl niemand!  – Yves Pulst

P.S. Wenn die Briten meinen Europa erpressen zu können, hoffe ich dass Europa eine geeignete Antwort parat hält.


Leserbrief zu „Müttermacht“ von Elisabeth von Thadden

Was will uns Frau von Thadden mit Ihrem Artikel über „Müttermacht“ eigentlich sagen?

Sollen Frauen in exponierten Positionen nicht schwanger werden? Sind fünf Kinder zu viel? Weiße Bekleidung ist für Frauen, die nicht mehr Unschuldig sind nicht angemessen? … Meinen Sie, dass Frauen deshalb schwanger werden, um das werdende Kind für Ihre Zwecke politisch zu instrumentalisieren? Das scheint mir doch alles sehr weit her geholt.

Ihre Aussagen lassen nur eine Interpretation zu: „Liebe Karrierefrauen, wenn ihr schwanger werdet, bleibt zu Hause und verhaltet euch still.“

Ist das ihr Ernst? –  Andrea Walter


Leserbrief zu „Fake-News im Vatikan“ von Evelyn Finger

Ihr Beitrag beginnt mit  „…, als die Erde noch eine Scheibe war …“. Auch im Mittelalter wurde die Kugelgestalt der Erde in gebildeten Kreisen nicht angezweifelt, und zu diesen kann man „Die mächtigsten Familien Roms, die die Kardinalshüte unter sich ausknobelten“ zählen. Der kopernikanische Streit ging nicht um die Scheiben- oder Kugelgestalt der Erde, sondern darum, ob die Erde oder die Sonne im Mittelpunkt des Weltalls stünde und welcher Himmelskörper „sich doch bewege“ (auch wenn nicht sicher ist, ob Galilei sich so ausgedrückt hatte). Dazu der Beitrag in der Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Flache_Erde , in dem auch eine Darstellung des Gossouin de Metz aus dem 14. Jhdt. wiedergegeben ist, auf der zwei Personen, erst Rücken an Rücken, sich voneinander entfernen und nach einer halben Erdumrundung einander Antlitz zu Antlitz begegnen. Bereits im Altertum war die Kugelgestalt der Erde bekannt, und dieses Wissen wurde auch innerhalb der Kirche weitergegeben. – W.A. Kreiner


Leserbrief zu “ Zeiten des Aufruhrs“ von Ulrich Ladurner

Ob KI zu einer Bedrohung wird, das hängt von uns ab. Das mit Ford ist eine schöne Geschichte, sie mag sich ähnlich zugetragen haben und ist gut für das Image der Unternehmer. Aber wenn nur ein Unternehmer in einem Industriezweig „menschlich“ ist, geht er wegen überdurchschnittlichen Kosten pleite. Deshalb verschleiert diese Geschichte nur den Einfluß der Gewerkschaften. Bisherige Technologieschübe wurden nur durch den Zusammenschluss der Betroffenen zum Wohle Aller produktiv. Unser Problem heute ist nicht eine neue Technologie, unser Problem ist die Individualisierung. Solange die Glorifizierung des Erfolges aus eigener Kraft Wirkung zeigt, solange gibt es keine Solidarität unter den Betroffenen – bestenfalls Mitgefühl. Wenn die Blütenträume der Computerindustrie wahr werden, dann kommen wir um ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht herum. Das kann kein Land alleine regeln, wenn die Industrie global wirtschaftet, muß auch der Druck global sein. Finanziert werden kann das nur durch Steuern auf produktive Elektronik – notfalls so hoch, daß sich der Einsatz der Maschinen nicht mehr „rechnet“. Es kann sein, daß dann eine neue Legende ähnlich der des Fordismus entsteht, aber treibende Kraft wird immer der Druck von „unten“ sein.  – Schmidt


Leserbrief zu „Falsche Feinde“ von Uwe Jean Heuser

Es ist nicht das erste mal, dass mich ein Beitrag Heusers auf der  Titelseite sehr mißfällt. Vor einigen Wochen habe ich aber eine Replik  aus Zeitgründen sausen lassen. Diesmal habe ich ein paar Tage Zeit gelassen, und den Artikel noch mal  gelesen – etwas ruhiger…  Ich betone, dass ich es für unverantwortlich halte, einen  undifferenzierten Beitrag auf der Titelseite zu bringen. Schließlich  ist es in Zeiten wie diesen einmal wichtiger als sonst, dass die Presse  sachlich richtige Informationen und Meinungen „liefert“. Insbesondere  zielt das auf den Titel des Beitrages ab, nämlich das „zu Unrecht“. Das  stimmt nicht.

Meine Kritik im Einzelnen, anhand von Zitaten:  … weil Mario Draghi mit Nullzins und Geldflut genau das erreicht  hat, was er wollte: Der Euro-Kurs ist gegenüber dem Dollar gesunken.  Es sollte eigentlich erwähnt werden, dass die EZB … (warum immer  Personen benennen, die EZB als Institution ist verantwortlich; wie es  geschrieben ist wird nur der Stammtisch befeuert, zumal „Draghi“ beim  Stammtisch eh schon allergische Reaktionen hervorruft) … aufgrund der  europäischen Regeln keine länderspezifischen Geldpolitiken handhaben  darf. Aber auch wenn das möglich wäre (z.B. Zinspolitik) trifft eine  Senkung des Euro natürlich alle gleichermaßen. Ein Ziel ist eben, den  Euro für die schwachen Staaten besser abzubilden (nebst Inflation  erzeugen wollen). Die EZB nimmt in Kauf, dass der Euro für Deutschland  zu schwach ist. Nicht von ungefähr hat die EZB schon seit Jahren  Fiskalpolitik und/oder Lohnanhebungen in Deutschland  angemahnt, um  weniger selbst aktiv werden zu müssen. Die Deutschen können also sehr wohl etwas für den entstandenen Zustand: Verschleppung von politisch notwendige (aber unpopuläre) Maßnahmen.   Als Sparer leiden die Bundesbürger unter den Nullzinsen.  Finanzielle Repression hat es grob im Zeitraum von 1945 bis 1980 auch  gegeben.

Der Unterschied zu damals: die nominellen Zinsen waren höher. Der Realzins aber vergleichbar. Damals begehrte niemand auf. Obwohl die  Situation eigentlich vergleichbar war. Die höhe der Nomimalzinsen  machen blind für eine differenzierte Sichtweise. Die aber tut not.   Weil die billige Währung das Exportieren leichter macht, fehlt den  Unternehmen der Druck, immer effizienter und besser zu werden.  Hier erlaube ich mir einen Abstecher. Mit dieser Aussage habe ich  übrigens keine Probleme. Nach dem Interview mit Fratszcher und Fuest  (Dez. 2016) habe ich Herrn Fuest einige Anmerkungen zukommen lassen. Seine rechte Hand (Anja Hülsewig) schrieb zurück:   Sofern die Konkurrenzsituation keine Preiserhöhung zulässt, wäre die  zunehmende Verlagerung der Produktion ins Ausland infolge der  Einführung eines Grundeinkommens die Folge. Zum anderen dürften  Arbeitgeber die Beschäftigung abbauen und verstärkt Maschinen  einsetzen, um die Produktivität zu steigern. Das würde diejenigen mit  der geringsten Produktivität zuerst treffen.  Lesen Sie statt „Einführung eines Grundeinkommens“ einfach „erstarken  des Euro“. Was ich nur sagen will: Die Exportindustrie hat es offenbar  lieber so wie es ist, anstelle von sich anstrengen zu müssen (das Ifo  ist ja ein wirtschaftsnahes Institut). Man kann es auch nie recht machen…  Zurück zum Beitrag.

Lohndumping kann man Deutschland auch nicht mehr vorwerfen.  An sich richtig, aber: diese Lohnsteigerungen waren über, überfällig. Zwischen 2000 und 2008 betrug die Reallohnsteigerung magere -0,1%. Weit  abgeschlagen innerhalb Europas. Was jetzt passiert, ist nur der Anfang  einer Korrektur, die übrigens aufgrund des schwächer gewordenen Euro  locker wettgemacht wird. Warum wird dieser zeitlich wichtige  Zusammenhang weggelassen? Man darf auch nicht vergessen, dass  kumulierte Ungleichgewichtsprozesse viel Zeit brauchen, bis eine  Korrektur tatsächlich Wirkung zeitigt.

Deutschland als kranker Mann Europas.  Ich weiß noch, dass alle Welt (hierzulande) sich darüber beschwerte,  dass die EZB keine länderspezifische Geldpolitik betreiben darf. Sonst  wäre Deutschland ja nicht so krank gewesen.   Heute ist die Bundesrepublik der lebende Beweis, dass Reformen sich  lohnen.  Es sind einige ausländische Ökonomen (z.B. Krugman), die darauf  hingewiesen haben, dass es auf den Kontext ankommt. Aber weil  Deutschland auf diese eigene Erfahrung beharrt, und dies der  Bevölkerung auch so verkauft (Stammtisch), ändert sich nichts. Solange  es der Politik an Mut mangelt, die Agenda 2010 zum einen kritisch zu  hinterfragen und zum anderen im Kontext der Umstände damals und heute  zu differenzieren, wird sich nichts ändern, weil das Wahlvolk eben  keine ehrliche Bewertung jener Agenda vermittelt bekommt. Bei diesem  Thema kommt mir unwillkürlich der Spruch hoch „am deutschen Wesen soll  die Welt genesen“. Dann schweige ich noch von Kauders „Europa spricht deutsch“ Ich vertiefe das jetzt nicht, und belasse es mit dem Hinweis auf die  Paradoxa, die sich aus der Saldenmechanik (Rationalitätenfallen) ergeben.   und deren Kurs passt nicht zu Deutschland, so wie der Wert des Dollar  nicht immer zu Kalifornien passt.  Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. In den USA gibt es wie in  Deutschland so etwas wie einen Länderfinanzausgleich. Ohne dieses „Tool“ wäre Trump wahrscheinlich vor vier Jahren schon Präsident geworden  (wenn er sich damals zur Wahl gestellt hätte).  Das war es…  – Rob Maris 


Leserbrief zu „Assads Hölle“ von Mohamed Amjahid

Herr Serrih irrt, wenn er von einem Stellvertreterkrieg spricht. Es handelt sich um einen muslimischen Konfessionskrieg (im 21. JH!), in dem keine Seite eine Spur von Versöhnungsbereitschaft zeigt. – Werner Koetz


Leserbrief zu „Atom-Macht Europa“ von Peter Dausend und Michael Thumann

Die sich mit zunehmender Vehemenz selbst in besonneneren Zeitungen wie FAZ und jetzt DIE ZEIT ausbreitende Diskussion darüber, dass Europa, ja sogar Deutschland zur Abschreckung eine eigene Atommacht aufbauen müsste, ist mir und vielen in meinem Umkreis vollkommen unverständlich und stößt auf enormen inneren Widerstand.

Die Geschichte der bisherigen Abschreckung durch nukleare Machtmittel wird immer wieder sehr verzerrt abgebildet. Auf alle Fälle ist die Behauptung so nicht wirklich in dem Sinne richtig, dass diese Art der Abschreckung bisher der Garant für die Abwesenheit neuer großer Kriege in Europa und transatlantisch war. Ja, es ist geradezu fatal, daran zu glauben und daraus die Berechtigung herzuleiten, dass diese Form der Abschreckung nötigenfalls von Europa und von Deutschland weiter geschultert und gesichert werden sollte.

Wie oft gab es nicht schon derartige Grenzsituationen, die bekannt wurden, bei denen es nur durch äußerst glückliche Umstände nicht schon früher zum Ausbruch eines nuklearen Schlagabtausches gekommen ist. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass Kontrollmechanismen versagen und /oder dass es doch zum bewussten und gewollten Einsatz nuklearer Waffen kommt, ist unglaublich groß. Käme es dazu – Europa stünde im Zentrum der unvorstellbaren Katastrophen mit irreversiblen und irreparablen Konsequenzen, Deutschland mitten drin. Es ist unbegreiflich, wie leichtfertig über das Thema nukleare Aufrüstung (und auch sonst Aufrüstung allgemein!) debattiert wird. Noch unverständlicher, wie wenig die Gegenstimmen zu Gehör kommen, geschweige denn ernst genommen werden. Welche Interessen stecken bloß dahinter, uns alle derart zunehmender entsetzlicher Kriegsgefahren und -zerstörungen auszusetzen, die mit solcherart Aufrüstung und Aufbau eines hierfür nötigen entsprechenden Feindbildes erforderlich sind? Was ist bloß los?

Das oberste Gebot müsste heute mehr denn je lauten: Unter allen Umständen Verbot nuklearer Waffen weltweit. Sofortiger Beginn dahin führender ernst gemeinter Abrüstungsverhandlunge auf allen Seiten. Auf UN-Seite haben sich bereits über zwei Drittel der Nationen erst kürzlich für ein entsprechendes Verbot ausgesprochen! Russland und die meisten NATO-Staaten, auch Deutschland, haben sich diesem Votum widersetzt, China(!) und Pakistan immerhin der Stimme enthalten. Merkel selbst hat noch vor wenigen Jahren zugesichert, sich für ein generelles Verbot einsetzen zu wollen! Und jetzt? Die deutsche Seite will an den demnächst weiter anstehenden UN-Verhandlungen nicht einmal teilnehmen! Welcher Druck wird da auf Politiker (und offensichtlich auch auf Medien) ausgeübt, dass es zu einer solchen Situation wie jetzt kommen kann. Wer übt ihn aus? Wo bleiben die Politiker, die sich für ernstgemeinte und bedingungslose Annäherung, für Abrüstungsverhandlungen und intensive friedensorientierte Diplomatie einsetzen? Die glaubhaft an einer Deeskalation der bestehenden Konflikte mit Ziel einer Auflösung der Konflikte und der Feindbilder arbeiten? Wir wollen doch Entwicklung zu Frieden und nicht zu Krieg und Zerstörung! – Dr. Christian Harms


Leserbrief zu “ Hör zu, Boss!“ von Leonie Seifert

Die Autorin bringt Beispiele für unterschiedliche Führungsprinzipien, deren Relevanz für ein möglichst breites Unternehmensspektrum (Größe, Marktgebiete) doch sehr fraglich sind. Letztlich mündet ihre Schlussfolgerung darin, dass von allen Beispielen etwas Positives darin verwirklicht werden kann, wenn der Chef Verantwortung übernehmen, aber auch abgeben (=delegieren) kann. Darüber hinaus sollen sie ihre Mitarbeiter in deren Wünschen wahrnehmen und diese zu schätzen wissen. Eine Erkenntnis, die nach den langen Ausführungen wahrlich überrascht!

Als ehemalige und langjährige Führungskraft sehe ich diejenige Tatsache als diskussionsbedürftig, wonach Umfragen ergeben, dass sehr viele Angestellte ihre Chefs weder charakterlich noch fachlich qualifiziert für die Führungsfunktion sehen. Nach meinen Erfahrungen zieht sich diese „Wahrheit“ von der Unternehmensspitze über das mittlere Management bis auf unterste Führungsebenen durch.

Nach wie vor ist es erstaunlich, welche „Führungsnullen“ heute noch ihr Unwesen in Unternehmen treiben.

Deswegen müssen tiefergehende Untersuchungen sich mit charakterlichen und fachlichen Eigenschaften eines Chefs beschäftigen und vor allem mit der Frage, wie diese Chefs an ihre Plätze gekommen sind.

Wer trifft die Entscheidungen darüber? Welche Qualifikationen habe diese Entscheider? Wo finden sich hierfür Lehrstühle der BWL und ihrer Nachbardisziplinen in der Forschung?

Ich hätte erwartet, dass die Autorin Leonie Seifert in diesen Fragen die Sinnspitze ihres Artikels findet und dazu vielleicht Ansätze aufzeigt. – Dipl. Kfm. Hubert Klötzer


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Nicht nur die Wortwahl „ Ein jämmerlicher Irrtum“ ist daneben, der Artikel zeigt, dass Herr Jesse nichts verstanden hat. Es geht nicht um ein semantisches Problem der Definitionsgenauigkeit der Eliten, sondern um das Fehlverhalten eines nicht kleinen sichtbaren Teils der Eliten, das heißt der Politiker in gehobenen Positionen, der Wirtschaftsführer und auch der Meinungsbildner in den Medien. Die Selbstversorgung der Abgeordneten, die Gehälter von vielen Vorständen und Geschäftsführern, deren Betriebsrenten, die Korruption in den EU-Behörden, das Verschweigen von Kriminalität und vieles mehr, alles das sind Skandale, mit denen sich viele Bürger nicht abfinden wollen. Wenn die Medien nicht darauf im Sinne eines aufdeckenden und investigativen Journalismus eingehen, werden Populisten immer mehr Auftrieb bekommen. –  Martin Lindner


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Well – persönlich hab‘ ich die Maßgabe umzusetzen versucht, dass wir Eltern keinen Anspruch darauf haben, unsere Kinder zu vermurksen, ihnen die Zukunft zu verbauen, sie an Körper, Geist und Seele zu schädigen, gefährden.

Kinder müssen nicht – Kinder wollen angeleitet werden.

Man muss sich nur die tottraurigen, verwahrlosten, oft ganz bösen Gesichter der Kinder anschaun, denen diese Zuwendung vorenthalten wurde.

Was braucht’s zur Erziehung? – ganz wenig: Zuwendung, Zeit, Humor, und Phantasie… – und noch ein paar ganz und gar nicht aufwendige gute Einfälle – wie Mitmachen, Einbinden, Vertrauen, Challenge, Zurückstellen der eigenen Wichtigkeit, des eigenen Glanzes… (man bleibe mir auf Distanz mit der Belehrung von zusätzlich noch Liebe als Kriterium – wenn man allein die Lieblosigkeit beobachtet, mit der heutzutage die Kinder günstigsten Falles noch als Kostenfaktor, und Hindernis in der Selbstentfaltung gesehen werden – mal abgesehen davon, wie viele dieser Kinder zunächst schon mal vollends ohne LIEBE gezeugt wurden).

Was es jedenfalls nicht braucht ist das Zumüllen der Kinder mit Liebes-Ersatz in Form von Scheinzuwendung durch den heutzutage so wohlfeilen materiellen Aufwand bis zum Überdruss – inklusive SUV Transport bis fast hinein in den Kindergarten, und später die auffälligsten Protzereien des bewussten Einzelkindes gegenüber seinen etwas schlichter daher kommenden Klassenkameraden. Nicht die Altersgenossen werden dabei bloßgestellt – sondern allein der kleine Protz-wider-Willen.

Und – vergesst alsbald all den PiPi-Kram aus der Berater- und (Pseudo-) Psychologen-Riege

…und vieles andere mehr.

Die Hilflosigkeit und Unbeholfenheit zu solchen Aufgaben kann man doch garnicht besser darstellen als durch einen mit Fragezeichen derart gesättigten, zugemüllten, vollends unleserlichen Leitartikel des Herrn Heinrich Wefing. – Hans von Schack


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Es geht ja möglicherweise noch viel weiter. Die Bereiche, in die der Populismus sich eineschleicht und in denen man ihm vielleicht nur noch „bedingt abwehrbereit“ gegenüber steht, sind mittlerweile  eventuell noch größer, als man vermuten könnte.

Lesen Sie doch einmal im Wirtschftsteil DIE Zeit N° 8, „Die Welt wird immer instabiler“.

Dort sagt die Oxfam-Leiterin Winnie Byanyima: „Wir erleben seit einigen Jahren, dass die Reichen und die großen Konzerne die globalen Regeln immer stärker zu ihren Gunsten umschreiben, und deshalb wird die Welt immer ungerechter. Die gute Nachricht ist: Jeder vernünftige Mensch versteht, dass wir das ändern müssen.“ – und DIE ZEIT reagiert: „Wir wundern uns über Ihren Optimismus.“

Angesichts der Erörterungen in Ihrem oben genannten Artikel, hätte man doch eine wachsam-aufgeklärte Entgegenung erwarten müssen, wie etwa: „Wir wundern uns über Ihren Populismus. In Würdigung Ihrer Erkenntnisse wäre das doch für ein Flaggschiff-Medium das mindeste gewesen. Oder nicht?  – Bernd Nickel


Leserbrief zu „Martin, wir wollen den Sieg von dir!“ von Matthias Geis

Den Titel möchte ich nicht schreiben – der ist einfach daneben, wenn auch damit klar zum Ausdruck kommt, dass es hier um etwas undifferenziertes geht. Es sieht so aus, als würden die Gestalter der Seite schon wissen, dass da was faul ist: Wenn Fans von den Beatles in Ekstase geraten sind damals, war das privat und hatte keine politischen Auswirkungen für alle.

Wenn Menschen in Ekstase fallen wegen Martin Schulz, ist Alarm angesagt, weil die Projektionen auf Schulz keine privaten sind, sondern politische Auswirkungen haben werden. Bisherige Leistungen, Fehlleistungen, Habitus und Persönlichkeitsstruktur müssen schon auch beachtet werden, nicht nur das, was jemand so in Worte fasst, um bewundert zu werden.

Ekstase ist eine emotionale Projektion. Für ein verantwortliches Kreuz bei der Wahl braucht es schon eine vollständige Wahrnehmung.

Das Foto ist die eigentlich wichtige Aussage, wenn auch verschlüsselt. Ob das ekstatische Schulz-Anhänger blicken (wollen)? –  Heike Schalles


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Nach Ihrer Aussage ist Elite für die haßerfüllte rechtsgerichtete Szene gleich Bildung/Kultur, die sich als „Verteidigung der einst etablierten Ordnung“ sieht.Warum ist das in der Vergangenheit (Kolonialismus, Faschismus, Rassismus, Antisemitismus) so gelaufen und setzt sich bis heute fort? weil die Kluft zwischen beiden Extremen nicht behoben worden ist.Die weiterhin bestehende große Bildungsungleichheit bedingt durch die Kluft zwischen Arm und Reich, sprich Chancenungleichheit ist u.a. die  Ursache dieses wieder aufbrechenden Übels. Wo waren für Millionen Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und den daraus resultierenden zerrütteten Familien und  geschädigten Kindern und Jugendlichen angepaßte Kampagnen für breite politische Bildung, öffentliche Diskussionsveranstaltungen auf verständlichem Niveau, bezahlbare Kunst- und Kulturangebote in Institutionen, ausreichenden, gut ausgestatteten Ganztagsschulen und Jugendzentren, um ihnen Gelegenheit des Verstehens und Lernens politischer Zusammenhänge zu ermöglichen? Weil dies nicht- oder nur unzureichend geschehen ist, sondern Ungleichheit im Gegenteil weiter zunimmt, erleben wir nun erneut europa- und weltweit die erschreckenden Konsequenzen, von denen wir in naiver Weise geglaubt hatten, daß der demokratische Westen sie für immer überwunden hätte.

So wie wir nicht anerkennen wollen, daß die Flüchtlinge indirekt das Produkt der Kolonisation mit nachfolgender Unterstützung der z.T. daraus resultierenden Diktaturen waren und  sind bei weiterhin bestehender Ausbeutung dieser Länder durch den Westen, so verharmlosen wir die eklatante Chancenlosigkeit hinsichtlich Bildung und Aufstieg eines großen Teils der Bevölkerung hier und erst recht welt und wundern uns auch noch. – Teresa Scholl


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Ihr Artikel in der Zeit Nr.8, „Hass auf die da oben“ hat mich sehr beeindruckt, bringt er das Problem doch nicht nur auf den Punkt, sondern analysiert es präzis und in aller Nüchterheit.

Er zeigt die Gefahr des neuerlichen Erfolges von macht= besessenen und verantwortungslosen Volkstribunen und man kann nur hoffen, dass Ihr Aufruf zum Nachdenken über die verheerenden Folgen gehört und ernst genommen wird !!

Gerade in der augenblicklichen politischen Situation können wir es in unserem Land nicht leisten, Populisten nachzulaufen. – Dr.Richard Stolze


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Ich habe Ihren o.g. Artikel mit großem Interesse gelesen.

Sie beschreiben darin den „naturalistischen Fehlschluss“ der Rechten, nach dem nur das unverbildet Rohe echt und edel sein könne.

Interessanter Weise habe ich in den letzten Wochen in den gentrifizierten Vierteln Kölns die Beobachtung gemacht, dass auch die Linke und die bourgeoise Elite einem ähnlichen Denkmuster anhängen; hier wird das „einfache und natürliche Leben“ als Leitbild verfolgt.

Das treibt nun in dieser Spielart wiederum absurde Blüten, den vermeintlich konsumverzichtenden Hyperkonsumismus von Manufakturware haben sie in Ihrer Zeitung vor einigen Wochen in der Rubrik Z anschaulich dargestellt.

Urban Gardening, Stadthonig und Bio-Rote Beete vom eigenen Balkon müssen als naturverbundenes Leben herhalten.

Studenten und Studentinnen kleiden sich in Outdoor-Funktionskleidung gegen die Unbillen des Stadtklimas, während die Arrivierten und Betuchten in englischen Filzstiefeln und Wachssteppjacken mit trekkergroßen Landrovern kalbsgroße Hunde durch enge urbane Viertel chauffieren.

Auch in dieser Gruppe, die die neue Rechte als „Elite“ darstellt sehe ich eine große Entfremdung (im ungefähr Marxschen Sinne) gegenüber unseren Lebensumständen.

Dieser wird auf ähnlich absurde Weise begegnet; wo jedoch die neue Rechte die Unsicherheit nach außen trägt und aktionistisch Abschottung gegen die Globalisierung und einen vermeintlichen Feind von außen fordert, flüchtet sich die „Elite“ in ein ebenso exklusives biedermeierliches urbanes Bullerbü.

Dieses Stadtidyll darf jedoch in seiner Schizophrenie nicht hinterfragt werden, daher bleibt man lieber unter seinesgleichen, damit die Widersprüche nicht offensichtlich bleiben.

Auch dies ist also eine Bewegung der Distinktion und der Spaltung. Für die, die den habituellen „secret handshake“ kennen und die finanziellen Mittel haben, um mitzuspielen.

Letztendlich sehe ich es so:

Wir leben in einer „westlichen Welt“, in der unbequeme, selbstverschuldete Konflikte beginnen, uns einzuholen.

Die Rechte reagiert mit einer aggressiven Gegenbewegung nach außen, die Linke reagiert mit einem eskapistischem Selbstbetrug, den aufrechtzuerhalten viel habituelle und diskursive Disziplin verlangt.

(Es bliebe zu untersuchen, ob die Verteidigung der habituellen und diskursiven Grenzen, innerhalb derer dieser Selbstbetrug funktioniert, nicht mit den von der Rechten oft erhobenen Lügenpresse- und Political Correctness-Vorwürfen zusammenhängt.)

Ich hoffe, dass ich mich klar ausdrücken konnte und dass ich vielleicht einen interessanten Gedanken habe formulieren können. – Gereon Stefer


Leserbrief zu “ Déjà-vu in Rüsselsheim: Opel steht zum Verkauf“ von Dietmar H. Lamparter und Claas Tatje

Jedoch dreht es sich hier vielmehr darum wie es bei den Opelanern weiter gehen könnte und wie sehr der PSA – Konzern schon jetzt bei OPEL mitredet und nicht wie GM die Opeltochter besonders in den letzten 8 Jahren geradezu heruntergeknebelt.  Ein Recherchierender blick auf die Verkaufsstrategien in den Autohäusern hätte gezeigt wie sehr GM die Opelproduktpalette  aus dem Markt drückt. Es gibt mittlerweile zu fast jedem Opelmodel ein passendes Zwillingsmodell von Chevrolet zu einem wesentlich geringeren Preis. Es handelt sich hier um Technisch nahezu identische Fahrzeuge und werden paralel Da es kleineren Opel Autohäuser, die ausschließlich Opel anbieten, so gut wie gar nicht mehr gibt , wird der Kaufinteressent bei den großen Anbietern immer auch auf die günstigere Alternative von Chevrolet stoßen. Diese Vorgehensweise ist nicht geade Opelfreundlich, trifft allerdings leider den Zeitgeist der „ Einbahnstraßen„ denkenden Manager ! – Bodo Klimmek 


Leserbrief zu “ Hör zu, Boss!“ von Leonie Seifert

Vielen Dank für diese spannende Reportage, die uns auf den Nordcampus der Göttinger Universität führt, zum wohl letzten Ort der Wissenschaftswelt, an dem an der zentralen Frage der Wirtschaft geforscht wird: Wer hat die Kokosnuss geklaut?  – Peter Häußermann


Leserbrief zu “ Der Musterflüchtling“ von Nadine Ahr und Joanna Nottebrock

Die Bemerkungen des Chefarztes „Professor Willenbrock“ bzgl. der Arbeitsmoral deutscher Ärzte – sie tragen zu  seinem Leidwesen keine Anzüge zu Vorstellungsgesprächen, wollen ein Leben neben dem Beruf und auch noch Elternzeit – illustrieren die wichtigsten Gründe für den Ärztemangel an deutschen Kliniken: Steile Hierarchien und schlechte Work-Life-Balance. Hinzu kommt, dass gerade in den populäreren Disziplinen wie z.B. der Kinder- und Jugendmedizin, an den Kliniken über viele Jahre hinweg ausschließlich befristete Arbeitsverträge ausgegeben werden. Ärzte an Universitätskliniken können sogar bis zum 15 Jahren, bei Drittelmittelfinanzierung ihrer Stellen sogar darüber hinaus, befristet angestellt werden.

Weiterhin frage ich mich, wie die Einhaltung des Fastens am Ramadan mit der verantwortungsvollen Tätigkeit eines Arztes vereinbar sein soll. Hierunter muss zwangsläufig die Patientensicherheit leiden. Dieser Punkt wird in Ihrem Artikel leider nicht ausgeführt, zeigt aber deutlich, dass dem syrischen Kollegen seine Religion offenbar wichtiger als das Wohlergehen seiner Patienten zu sein scheint. Dies lässt mich dann doch sehr an seiner Integrationsfähigkeit zweifeln. – Dr. Sebastian Wien


Leserbrief zu „Prominent Ignoriert: Wahres Schwein“

Ach wie gut, dass es mal wieder die Gelegenheit gibt, über die sogenannte Agrarlobby her zuziehen. Ich verkneife mir den Drang, komplexe Zusammenhänge zu erklären, fände es allerdings erfrischend wenn zur Abwechslung beim Bashing um das Thema Landwirtschaft und Lebensmittel mal Verbraucher dran wären („Ist der Skandal erst aus dem Fernsehen, kann das 1-Euro-Schnitzel wieder auf dem Tisch stehen“) oder eine ausführliche Recherche darüber wie Großschlachtereien und Lebensmittelkonzerne ihre Einkaufspreise gestalten bzw diktieren. Bei Interesse vermittle ich gerne einen Kontakt zu einem, der Ihnen dazu tatsächliche praktische Erfahrung schildern kann. Bis dahin ist es aber wohl einfacher, in bewährter Manier die kleinste Lobby aufs Korn zu nehmen, kennt man ja schon.  – Inken Hansen


Leserbrief zu “ Hör zu, Boss!“ von Leonie Seifert

An der angegeben Stelle heisst es: Zwei Drittel (von 1000 Befrgaten) der Angestellten „halten“ Ihren Chef für charakterlich und fachlich ungeeignet.

Mit dieser Formulierung wird die Aussage in einen persönlichen Ermessensraum gestellt und damit relativiert (das ist eine Feststellung).

Eine andere, mögliche, Aussage ist: Gemäß einer Umfrage der Personalberatung Rochus Mummert sind Chefs überwiegend charakterlich und fachlich ungeeignet, wie 2/3 von 1000 befragten Angestellten angaben. – Raine Brings

P.S.: Wer,wenn nicht Betroffener, sollte das sonst anhanf welcher Kriterien beurteilen? Und welche Belege gibt es, diese Darstellung auszuschliessen?


Leserbrief zu “ Hör zu, Boss!“ von Leonie Seifert

Ohne Worte! Hat die letzten paar Sätze mal jemand gegengelesen? Was auf der krampfhaften Suche nach einem guten Schluss so alles schief gehen kann… – Jenny


Leserbrief zu „Atommacht D?“ von Josef Joffe

Auch nach siebzig Jahren kann sich niemand in Europa für nuklear bewaffnetes Deutschland erwärmen, und es ist gut so. Desto besser dass diese Option nicht mehr zu Disposition steht. –  Marek Pelc


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Der Begriff Elite wird anders als im Feuilleton vom 16.02. beschrieben nicht durch Personen besetzt sondern beschreibt eine Art moralische Keule die oft bei den kleinsten Gegebenheiten den Menschen hier im Land gezeigt wird. Vielleicht das beste Pseudonym für Elite ist das Unwort des Jahres 2015, der Gutmensch. Mit diesem Wort sind nicht die Mehrheit der hilfsbereiten Menschen in unserer Gesellschaft gemeint die sich in lobenswerter Weise um Flüchtlinge kümmern sondern die Wenigen, die mit vorwurfsvoller Mine einen Teil der Bevölkerung allein durch ihr auftreten als „Schlechtmensch“ deklarieren. Obwohl diese „Schlechtmenschen“ oft einfach keine Mittel, Zeit oder auch Bildung haben um sich im selben Maße zu angaschieren.

Weiter Beispiele wären der veggie Day der Grünen, Fuchs du hast die Ganz gestohlen im Magen einer Veganerin oder die ständige Nörgelei an der Polizeiarbeit in Deutschland usw. usw. usw.

2009 machte mich ein Kollege in einem Gymnasium in Bayern darauf aufmerksam, das Handwerker, die im Gebäude Arbeiten zu verrichten hatten um stehende Gymnasiasten herum laufen mussten obwohl die Handwerker oft schwere Lasten schleppten. Da die Realschule im selben Gebäude untergebracht ist schauten wir uns voller Neugier das Verhalten der Realschüler Schüler an. Wenn ein Handwerker schwer zu tragen hatte wichen diese Schüler automatisch aus.

Es geht nicht um eine Personengruppe oder einzelne Menschen, es geht um ein elitäres Verhalten, das wie es scheint bereits in den Gymnasien vermittelt wird. – Klaus Lang


Leserbrief zu “ Busse stehen kopf, Bürger auch“ von Hanno Rauterberg

Der Beitrag von Herrn Rautenberg irritiert und ärgert mich. Denkt man den Standpunkt des Autors zu Ende, dann müsste sich jeder Künstler, der sich heute mit seinem Werk in den öffentlichen Raum begibt, dem antidemokratischen Zeitgeist anbiedern und seine Kunst danach ausrichten, dialogunfähige Bürger nicht zu provozieren. Das wäre dann aber keine Kunst mehr. Kunst darf und soll provozieren. Sie mag Fragen aufwerfen, in erster Linie aber steht sie für sich selbst. Möglicherweise kann sie Dialoge befördern.

Wenn aber Betrachter etwas, was nicht in ihr enges Weltbild passt, von vornherein ablehnen und denunzieren, dann ist kein Dialog möglich. Dass aus dem „Friedensmal ein Zeichen des Zwists geworden“ ist, wie Herr Rautenberg beklagt, ist meines Erachtens nicht dem Künstler zuzuschreiben, sondern Zeichen der Dialogunfähigkeit und fehlenden Empathie seitens Pegida und Co. – Barbara Walther


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

in einem land , das laut „dauermeldung“ seiner kanzlerin von menschen und nicht von mündigen bürgern – war einmal

früher der normalzustand – bewohnt wird , braucht man sich nicht mehr wundern , wenn diese seelisch – geistige

dauer – verbalmassage zu einer verbreitung des „morbus postfaktus“ bei vielen geführt hat.

das bauchgefühl regiert ´halt und es ist ja auch so bequem!…wohl auch zum regieren…

wenn nämlich jeder das erledigen würde , was seine pflicht ist , dann wären die probleme eher marginal.

nun ist aber erziehung , unterrichten wie auch regieren meistens dröge und zähe „körnerarbeit“ –

nicht „prickelnd , spannend oder noch besser im mittelpunkt eines wie auch immer gearteten

öffentlichen interesses“ für den ausführenden protagonisten.

auch ist das lob ungewiss…

wichtiger scheint mittlerweile das positionieren und zerreden des anderen geworden zu sein , als  sich

mit dessen anliegen ernsthaft auseinanderzusetzen.

empathie und kritischer diskurs sind m.e. zu leeren worthülsen verkommen in einem alltag , in

dem sich viele nur noch um sich selbst drehen.

das wirkt sich nicht nur bei der erziehung und bildung von kindern aus!

sollte also houellebecq recht behalten mit seiner vision einer opportunistischen unterwerfung unter einen „neokapitalismus“ ? – Dr.Thomas Dieterle


Leserbrief zu „Der Hass auf die da oben“ von Jens Jessen

Es ist auch bezeichnend, dass der brisanteste und aufschlussreichste Artikel „Der Hass auf die da
oben“ im Feuilleton erscheint. Der Hype von Schulz zerlegt sich nicht von selbst, wenn er die Parolen
der Nationalisten gegen die Eliten übernimmt. Das ist Volksverdummung und sollte nicht als
Populismus abgetan werden. Die sogenannten Eliten, das sind auch die NGOs, die besten Kräfte aus
Wissenschaft, Philosophie, Wirtschaft und Umweltpolitik. Hetze gegen die Eliten machten die
Faschisten in aller Welt, heute angeführt von Putin, Erdogan und Trump. Die politischen Parteien werden dem internationalen Faschismus nichts entgegen setzen können, von sich aus werden sie keine Veränderungen herbeiführen, zu sehr sind sie den eigenen Machtansprüchen und den Lobbyisten ausgeliefert. Und was machen die sogenannten Nichtregierungsorganisationen? Der
Name sagte schon aus, dass sie auf verlorenem Posten sind, jede NGO hat sein eigenes
Betätigungsfeld auf dem sie nur partiell etwas bewirken und allein doch machtlos sind. Die Spenden
an die NGOs geben dem Bürger das Gefühl, dass er etwas getan hat zur Rettung der Welt. Dabei wäre es so einfach, Organisationen wie Greenpeace, Amnesty International, Club of Rome etc.
verfügen über arbeitsfähige Strukturen, sind keine Spontis, jedoch allein können sie nur wenig
bewirken. Das Beste wäre eine „Internationale der Eliten“, raus aus dem eigenen selbstgenügsamen
Anspruch auf Weltverbesserung. Der Name Elite sollte seinen entsprechenden Stellenwert erhalten,
das sie da ist um etwas zu verändern, den politischen Parteien nicht das Feld überlassen , den
Lobbyisten Paroli bieten, indem sie deren Aufgabe übernehmen. Eine Plattform für die Weltpolitik
erstellen, die UNO umkrempeln, Schluss machen mit Veto, die Massenmörder vor Gerichte stellen
und verhindern dass die Politiker ihnen in den Arsch kriechen. Die M enschen werden die neue
Organisation unterstützen mit Massendemonstrationen und Streik, wenn es nötig ist, Schluss mit
Verbot von „politischen“ Streiks. Und die Zeitungen wie die Zeit? Schluss machen mit ausgewogenen fein säuberlich recherchierten Artikeln, wirkliche Partei ergreifen, keine Angst vor Auflage, dann sind Zeitungen nicht besser als Politiker. Alles leicht gesagt, aber der Mensch, zusammen mit seinen Eliten, kann was bewegen, wenn er will. –Ulrich Trabandt


Leserbrief zu „Assads Hölle“ von Mohamed Amjahid

Das Interview mit Herrn Serrih treibt einen die Zornesröte ins Gesicht. Es ist erbärmlich wie der Westen hilflos daneben steht und das ganze Elend gewähren lässt. Statt sich mit Trump oder Putin täglich zu beschäftigen und sich in uferloser Kritik ergehen, sollten sie mit Trump und Putin nach einer schnellen Lösung suchen. Es ist auch ein großes Ärgernis, wenn die Medien ihre Arbeit nur noch im moralisieren sieht. Unsere politische Elite hat die Linie längst überschritten, um ihr noch Vertrauen entgegenzubringen. Der zur Zeit größte Populist Herr Schultz denkt nur an seine Partei, anstatt mit der seinen Kollegen und dem Koalitionspartner nach Wegen zu suchen, wie das Dilemma in Nahost minimiert werden kann.  Das wäre zielführende und ehrlichere Politik. Es muss doch möglich sein, in den Gefahrengebieten mit den Hilfskräften und der Bundeswehr Zentren vor Ort einzurichten, wo sie dem mörderischen Treiben der Terroristen einigermaßen sicher sind. Jetzt bei der Sicherheitskonferenz in München wäre es geboten gewesen, darüber ernsthaft zu sprechen. Was wird wieder gemacht: Hohlsprech und übermorgen geht man wieder auseinander und  es wird weiter wie bisher regiert.   – Gunter Knauer


Leserbrief zu “ Der Musterflüchtling“ von Nadine Ahr und Joanna Nottebrock

Besten Dank zunächst einmal für einen guten Artikel. Ich schreibe Ihnen diesen Brief nicht unbedingt zur Veröffentlichung, sondern weil ich gern wissen möchte, was wirklich vorgegangen ist, und ob Sie dazu nicht-veröffentlichte Informationen haben. Denn eigentlich steckt da ein kleiner Skandal drin.

Wie Sie sagen, haben Sie Herrn Alkhyoti 9 Monate lang in Deutschland begleitet. Sie berichten allerdings auch über die Stationen seines Lebens bis zu seinem Eintreffen in Deutschland, — und da liegen ein paar potentiell unsaubere Knackpunkte im Tun des „Musterflüchtlings“, über die Sie allzu schnell hinweggehen.

Von der deutschen Botschaft im Libanon, so berichten Sie, habe er ein Visum für einen „Sprachkurs für Ärzte“ für 6 Monate bekommen. „Nach dem Sprachkurs würde er sich Arbeit als Arzt suchen, dann würde er seine Frau nachholen …“. Wie kann das sauber gehen ? Sie schreiben es zwar nicht, aber es klingt so als ob der Mann kein Wort Deutsch sprach, als er sich anmeldete. Da ist doch etwas faul. Sprachkurse für Ärzte, die bei der absoluten Beginnerstufe anfangen A-0 anfangen, gibt es meines Wissens nicht. Solche Spezialkurse machen sowieso (in jeder Sprache) erst Sinn ab der Stufe B-2.

Das Visum, das allgemein für „isolierte“ Sprachkurse (die nicht zum Studium führen) ausgestellt wird, läuft für 3 Monate und kann auf 12 Monate verlängert werden. Auf 6 Monate begrenzt wird es eigentlich nur, wenn nicht genügend finanzielle Mittel nachgewiesen werden konnten, um 12 Monate zu erreichen.

Jede Sprachschule weiß natürlich und informiert entsprechend, dass in 6 Monaten keinesfalls von A-0 aus eine Sprachkompetenz zu erreichen ist, die zur Ausübung ärztlicher Tätigkeit reicht. Das wäre nämlich die Stufe C-1, die man nach 1 Jahr harter Sprachhlernarbeit erreicht, währenddessen man allerdings keine Erwerbstätigkeit ausüben darf. Im übrigen ist das Visum für Sprachkurse nur verlängerbar über 12 Monate hinaus, wenn wiederum ausreichende finanzielle Mittel nachgewiesen werden; eine einfach anschließende Aufnahme von Erwerbstätigkeit ob als Arzt oder als Hilfsarbeiter ist ausgeschlossen.

Hier ist also, so mein Schluss, in einer Weise herumgetrickst und fehlinformiert worden, um ein Visum zu erhalten, dass einem die Haare zu Berge stehen. Und das soll ein „Muster“ sein ? Einfach mal Asyl beantragen, weil man keinen Job findet, den man ohnehin legal niemals hätte aufnehmen dürfen ? Ich hoffe bloß, der Trick spricht sich nicht überall herum !!! Ein prima Geschäft für die Sprachschulen tut sich da auf.

Um welche Sprachschule, die Herrn Alkhyoti ja schließlich für das Visum „einladen“ musste, handelt es sich eigentlich ? – Kurt Gamerschlag


Leserbreif zu “ Amerikas Wissenschaftler machen mobil – ein Aufstand für die Vernunft“ von Christoph Dösser

Auch Ihr Beitrag ist unaufrichtig. Trump wird keinen Gelehrten oder Wissenschaftlicher des Feldes verweisen.  Es geht um eine ganz andere Flüchtlingsgruppe, das sollten sie wissen. Flüchtlinge, die im Zuge der Volkswanderung gen Westen unterwegs sind und deren Identitäten unklar sind. Das hätte man auch bei uns so halten müssen. Auch die doppelten Staatsbürgerschaften waren schon verkehrt. Wer logisch denken kann, der wird auch zu dieser Erkenntnis kommen. Bei uns wird alles mit einer lebensfremden Ideologie erklärt.  – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Der Kampf um die Windmühlen“ von Christiane Grefe Und Stefan Schirmer

Dieser Streit dürfte nicht ausbrechen, wenn unsere Politik energisch ihre eigenen Vorschläge verfolgen würde, denn unser Umweltministerium hat ein 10-stöckiges Haus vorgestellt, das seinen ganzen Strom auf dem eigenen Gelände erzeugt (mit Wind und Sonne), also müsste die Industrie gezwungen werden, dass sie sich auf die Produktion solcher kleiner Einheiten umstellt, das wäre die konsequente Energiewende ohne Arbeitsplatzverluste und ohne Überlandleitungen. – Bernd Roth


Leserbrief zu „You’re fired“ von Steven Hill

Herr Hill zitiert in seinem Artikel die Anekdote von Henry Ford II und seinem Gewerkschafter. Die heutigen Technologiekonzerne scheinen es mir da einfacher zu haben:

Auf Twitter zum Beispiel seien ja angeblich inzwischen viele Bots aktiv, die fleissig retweeten und damit für „Umsatz“ sorgen. Dann braucht man auch den Menschen als Abnehmer der Nachrichten nicht mehr unbedingt. – Jochen Schmähling


Leserbrief zum Titelthema „Wer setzt Kindern noch Grenzen?“

Heilige Einfalt! Ich weiß nicht, ob Ihre Recherche betreibende Louisa Reichstetter nur eine Fleißarbeit mit der „Kleinen Geschichte der Erziehung“ abliefern sollte, aber den hochkarätigen, im Impressum aufgeführten Redakteuren müsste doch aufgefallen sein, wie widersprüchlich die Angaben sind. Da wird der DDR vorgeworfen, „Erziehung erneut zu einem Mittel der Einschüchterung und Konformierung“ missbraucht zu haben, was sicher partiell zutrifft. Erhellend, ernüchternd und entlarvend ist jedoch der Hinweis aus dem Jahre 1970 (!). Da erfährt der erstaunte einstige DDR-Bürger, dass in diesem Jahr Bayern die Prügelstrafe in Schulen abgeschafft hat! Aber das hatte in Bayern sicher nichts mit Einschüchterung zu tun, sondern stärkte gewiss das Selbstbewusstsein der Geprügelten.

Dazu noch zwei Fakten: die Prügelstrafe in den Schulen wurde in der DDR im Jahr ihrer Gründung, 1949, abgeschafft; in der Bundesrepublik 1973 und in Bayern nicht 1970, sondern 1980. – Dr. paed. Lutz Behrens


Leserbrief zu „Unter Berührzwang“ von Bernd Ulrich und „Wessen Schande ist das?“ von Anne Hähnig Und Martin Machowecz

Sie stellen die rhetorische Frage, „Wessen Schande ist das?“ Rhetorische Fragen bedürfen eigentlich keiner Antwort. Aber:  Natürlich ist das die Schande unseres Volkes; wessen Schande sonst? Das hat Herr Höcke zutreffend so geäußert.  Aber der entscheidende Punkt dabei  ist: er will diese Tatsache nicht ertragen! Und er ist damit leider nicht allein. Die vielen merkwürdigen heuchlerischen (?) Reaktionen auf eine eigentlich sachlich richtige Aussage zeigen das. Die Schöpfer des Mahnmals haben das aber offenbar vorausgesehen und genial in ihre Gesamtkonzeption integriert. Sie haben den charakterschwachen Wunsch dieser Personengruppe symbolisch dadurch dargestellt, dass sie den Informationsteil des Mahnmals, die Gedenkausstellung mit den Namen unglaublich vieler Opfer, unter die Erde verlegten. Wenn sich das Mahnmal auf diesen Teil beschränkt hätte, würde das sicher die Zustimmung von Herrn Höcke und seinen Sympathisanten finden. Die Schuld wäre scheinbar verschwunden.

Aber da sind ja noch die Stelen!  Sie konfrontieren uns mit einer solchen Wucht mit den Tatsachen, die viele gerne vergraben und vergessen würden. Und sie sagen uns: „Auch wenn ihr versucht, alles unter den Teppich zu kehren oder zu vergraben; die Opfer, die das deutsche Volk verschuldet hat, werden niemals aus dem Bewußtsein entfernt werden können. Sie haben so ein Gewicht, dass es übermenschliche Anstrengungen erfordern würde, sie zu beseitigen!“

Die Stelen, die scheinbar direkt aus der unterirdischen Gedenkausstellung herauswachsen und somit das vergrabene Leid an die Oberfläche befördern, bringen das wunderbar zum Ausdruck. Da auf dem Mahnmal direkt auf jede Inschrift verzichtet wurde, ist der Besucher gezwungen, selbst nachzudenken. Das Ergebnis seiner Nachdenklichkeit sagt stets mehr über ihn als über das Mahnmal. Das sollte Herr Höcke fernab jeder Parteipolitik auf rein menschlicher Ebene erkennen und sich dann im Spiegel ansehen.

Über Karl den Großen kann man getrost an anderer Stelle reden. Und das soll man auch gründlich tun. – Klaus Lachetta

 

09. Februar 2017 – Ausgabe 7

Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

„Verdienen diese Männer, was sie bekommen?“, lautet Ihre Titelfrage im Wirtschaftsressort. Vorsichtig deutet der Inhalt an, dass die Titelfrage mit sehr viel Berechtigung auch umgekehrt hätte lauten können: „Bekommen Krankenschwester, Bäcker oder Verkäuferin, was sie verdienen?“ Dahinter steht die Frage der Verhältnismäßigkeit, z.B. was die persönliche Arbeitsbelastung betrifft. Oder: Wenn das Gehalt „oben“ als o.k. angesehen wird, was ja sein kann, wieviel müsste man „unten“ draufpacken, damit es gerecht bleibt?

Wie bedeutend dieser Tenor werden könnte, machen die ersten Reaktionen auf die vom Gerechtigkeitsthema geprägte Kandidatur von Martin Schulz deutlich. Ob der Kandidat dies Thema glaubwürdig durchhalten kann, muss er noch beweisen.

Das Thema „Gerechtigkeit“selbst, längst nicht nur den Lohn betreffend. so scheint mir, wird Bestand haben.  Daran könnte sich entscheiden, welchen Erfolg die gefährliche Stimmungsmache der Populisten haben wird, die unser demokratisches Gemeinwesen bedroht. – Reinhard Kniepkamp


Leserbrief zu „Ich will Verbote!“ von Sebastian Dalkowski

Sie mögen sich wundern, dass ich nicht zu den „Christian Lindners und Freihandelsphilosophen“ dieser Welt gehöre, und beim Lesen Ihres Artikels dennoch über Ihre weltfremde und naive Argumentation schockiert war.

Ich bin SPD-Mitglied und weder ein Fan von Sigmar Gabriels anbiederndem Stil gegenüber Lobbyisten (Schulz und Steinmeier sei Dank, hat das nun ja auch endlich ein Ende) noch von der FDP, obwohl ich Herrn Lindner – Inhalte mal beiseite – für ein rhetorisches Ass halte und seine Pressekonferenzen stets mit Freude verfolge.

Herr Dalkowski prangert die Bequemlichkeit unserer Gesellschaft an, deren Konsum nicht von Nachhaltigkeit für die Umwelt und nachfolgende Generationen geprägt ist. Damit hat er selbstverständlich recht.

Aber kann es die Lösung sein, Verbote zu fordern, nur damit „wir uns keine Gedanken mehr darüber machen, ob das, was wir tun, der Umwelt oder unseren Mitmenschen schadet“? Solch einen Zustand als neue Freiheit zu propagieren? Frei nach dem Motto: „Kann nicht sein, was nicht sein darf“? Das wäre bequem, verdammt bequem, und zudem ein Armutszeugnis für eine sozial-liberale Gesellschaft!

Besten Dank für das Lesen meines ersten (!) Leserbriefes – Vanessa Theil


Leserbrief zu „Ich will Verbote!“ von Sebastian Dalkowski

In der Umwelt – Diktatur des Herrn Dalkowski würde ich nicht leben wollen! Und: ich esse täglich Salat -habe aber noch nie den an der Kühltheke in Plastik verpackten Fertigsalat mit Plastik Gabel erworben.

Den gibt es nur, weil Leute wie der Autor ihn kaufen. Ließen sie es sein, würde er verschwinden, ganz ohne Verbot! –  Elisabeth Mayer


Leserbrief zu “ Kalter Bürgerkrieg“ von Moritz Aisslinger, Kerstin Kohlenberg Und Nicola Meier

In der aktuellen Ausgabe der ZEIT findet sich in dem ansonsten sehr aufmunternden und hoffnungsvollen Dossier auf S. 14 die Bildunterschrift: „1.2.2017, Standing Rock, North Dakota: Ein Indianer protestiert gegen den Bau einer Ölpipeline“. Indianer?? Sind das nicht die rothäutigen Gesellen mit dem Federschmuck auf dem Kopf, die Friedenspfeife rauchen, wenn sie nicht gerade johlend ums Lagerfeuer tanzen oder auf Büffel schießen? Ich finde, es wäre der ZEIT angemessen, wenn die Redakteure sich in diesem Zusammenhang die Bezeichnung „Native Americans“ angewöhnen könnte, statt mit dem I-Wort weiterhin Klischeepflege zu betreiben. – Nora Oehmichen


Leserbrief zu „Mit dem Panzer mittendurch“ von Mia Raben

Zur polnisch-jüdischen Geschichte gehört auch der Hirtenbrief des Primas der polnischen röm.-katholischen Kirche Kardinal Hlond von 1936. Hierin heißt es wörtlich: „Es besteht ein jüdisches Problem, und es wird weiter bestehen, solange Juden Juden bleiben…Es ist Fakt, daß die Juden die katholische Kirche bekämpfen; sie sind Freidenker und bilden die Vorhut des Atheismus, der bolschewistischen Bewegung und revolutionärer Aktivität. Es ist Fakt, daß der jüdische Einfluß auf die Moral fatal ist. Ihre Verleger verbreiten pornographische Literatur. Es ist wahr, daß die Juden betrügen, Wucher betreiben und weiße Sklaverei. Es ist wahr, daß in Schulen der Einfluß der jüdischen Jugend auf die katholische Jugend von einem religiösen und ethischen Gesichtspunkt aus bösartig ist. Aber,  so ist es eben“.

Zitiert nach: Celia S. Heller, On the Edge of Destruction, New York 1980, S.113 Das Buch stellt klar, daß die Polen die Juden bereits an den Rand der Vernichtung getrieben hatten und die Deutschen diese nur noch vollenden mußten. – Prof.em.Dr.Karl-Heinz Kuhlmann


Leserbrief zu „Die Schande von Dortmund“ von Martin Machowecz

Ihre Analyse scheint mir verfehlt. Sie schreiben der Hass rühre aus einer Haltung westdeutscher Besitzstandswahrung. Dem widerspreche ich. Vereine wie Dynamo Dresden, Hansa Rostock oder Energie Cottbus spielten jahrelang in den obersten beiden Ligen mit ohne sich ähnlichen Anfeindungen ausgesetzt zu sehen wie neuerdings RB Leipzig.

Auch die Hoffenheimer sahen sich schon mit verschmähenden Plakaten der Etablierten beleidigt.

Und ja, die Schläger sind das hässliche Gesicht der m.E. weit verbreiteten Ablehnung dieser Retorten à la RB, 1899 oder Wolfsburg. Auch ich habe mit deutlich mehr Herzblut Fußball geschaut, als noch nicht immer die gleichen gewonnen haben und auch die Kleinen große Erfolge feierten. Wenn man aber um Erfolg zu haben seinen Namen und seine Farben preisgeben muss, ist das zumindest schade für den Sport und bestimmt ein Zeichen der Zeit.

„Und Ihr macht unseren Sport kaputt“ richtet sich nicht gegen ostdeutsche sondern ist der verzweifelte Ruf nach Fußballromantik. –  Stefan Weingärtner


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Neben dem Betrug ist die Untreue der wesentlichste Tatbestand des Wirtschaftsstrafrechts.  Die gültige Fassung des Untreuetatbestandes stammt vom Juni 1933 (!) und wird von  vielen Experten zu Recht als viel zu unbestimmt und unscharf angesehen.  Die jüngsten Exzesse bei der Vergütung und Versorgung von Vorständen bei Daimler, VW und  der Deutschen Bank, um nur die Spitze des Eisberges zu nennen, wären undenkbar, wenn  die dafür verantwortlichen Aufsichtsräte wegen Untreue zur Rechenschaft gezogen werden  könnten.  Ohne Änderungen in der Gesetzgebung bzw. in der Rechtsprechung wird sich nichts bewegen. Wie sie ganz richtig schreiben – von altgedienten Managern in den Aufsichtsräten ist nicht zu erwarten, „dass sie ein System austrocknen, das sie selbst so gut genährt hat und noch bis heute nährt.“  – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Ich will Verbote!“ von Sebastian Dalkowski

Ein Riesenlob für Ihren Artikel „Ich will Verbote“ in der aktuellen Ausgabe der Zeit. 100%ige Zustimmung. Von selbst passiert nichts – auf Eigenverantwortung zu setzen bringt nichts, weil sehr viele (die meisten) von uns einfach zu egoistisch oder zu bequem sind. Der Artikel sollte an jedes Mitglied des Bundestages verteilt werden. Ich bin sehr gespannt auf die Reaktionen der anderen Leser ;-).  – Marianne Haslbeck


Leserbrief zum Titelthema „Aufstehen gegen Trump“

Wie schon bei Trumps Charakterisierung der NATO als „obsolete“ haben Sie auch „We make America great again“ offenbar zu vordergründig interpretiert. Hat er nicht gesagt „We make America grate again“?

(Um Ihnen den Blick ins Wörterbuich zu ersparen: to grate – verärgern, beleidigen, verletzen) –  Johannes Kettlack


Leserbrief zu „Feuer im Herzen“ von Evelyn Finger

Bei aller Sympathie für den hoffnungsfrohen Artikel der geschätzten Evelyn Finger (u. dem Lob für diese Seite in der ZEIT) in Sachen Ökumene erscheinen mir  Anfragen not-wendig über das bessere ökum. Klima, „die neue Freundschaft“… hinaus.

Es bleibt das zentrale ökum. Thema der vielen konfessionsverbindenden Paare u. Familien (was die kath. Amtskirche betrifft) weiterhin ungelöst in der „noch nicht möglichen vollen Gemeinschaft im Herrenmahl“ (im neuen Wort der DBK, u.a. auch zur Zulassung wiederverheiratet Geschiedener). Dabei ist die „Zulassung konfessions- verbindender Ehepaare zur Kommunion …ja theologisch längst geklärt – das bleibt aber offiziell wirkungslos“ (Johanna Rahner, Die ZEIT v.2.2.2017, 46).

Was soll diese rituelle Ökumene-Rhetorik vom „Schmerz der Trennung zwischen den Kirchen…in einer solchen Ehe“?!

Schon 1970 äußerte Prof.(!) Kasper: „Die konfessionellen Differenzen sind heute höchstens zweit- oder drittrangig, daß man allen Ernstes fragen muss, ob wir überhaupt noch das Recht haben, in getrennten Kirchen zu leben“ (Publik v.

6.11., S. 23).

Wann, wenn nicht hier u. jetzt im Jahr des Reformationsgedenkens 2017 ist es an der Zeit für ökum. Aufbruch u. Bewegung. „In dieser ökumenischen Perspektive könnte 2017 für ev. wie kath. Christen eine Chance sein. Wir sollten sie nutzen.

Es täte beiden Kirchen gut, vielen Menschen, die darauf warten, u. der Welt, die zumal heute unser gemeinsames Zeugnis braucht“ (Kardinal Kasper, 2016). – Karl-Dieter Müller


Leserbrief zu “ Sind Auffanglager in Nordafrika sinnvoll?“ von Mariam Lau und Caterina Lobenstein

Mitgefühl für die Flüchtlinge wird nicht reichen, die Probleme der Migration in diesem Europa in den Griff zu bekommen. Die Emotionalität, die aus dem Artikel von  Caterina Lobenstein spricht, ist kein Ansatz für eine Erfolg versprechende Lösung. Es ist derzeit sicher unrealistisch anzunehmen, daß die EU-Mitglieder sich auf eine gerechte Verteilung ankommender Migranten verständigen und ein entsprechendes Abkommen auch vollziehen.

Deutschland allein wird nicht in der Lage sein, einen Flüchtlingsandrang wie im Herbst 2015 nochmals zu verkraften, es würde höchstwahrscheinlich politisch kollabieren, nicht nur wegen der AFD. Eine tragfähige Lösung des Problems bietet Frau Lobenstein nicht an. Das Argument, daß mit Auffanglagern das Asylrecht abgeschafft würde, reicht nicht aus. Wie Mariam Lau bin ich der Auffassung, daß das Genfer Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge von 1951 nur zu retten ist, wenn alle aufnehmenden Bevölkerungen es auch akzeptieren. Anzumerken ist, daß unser grundgesetzlich geschütztes Asylrecht, wie es zur Zeit praktiziert wird, von den Gründern der Verfassung nicht so vorgesehen war. Realistisches Vorgehen ist angesagt. – Klaus Grasenick  


Leserbrief zu „Unheimlich entspannt“ von Elisabeth Raether

In Ihrem Artikel beklagen Sie sich darüber, dass die deutsche Öffentlichkeit mit „vollständiger Leidenschaftslosigkeit zur Kenntnis nimmt“, dass Marine Le Pen die Präsidentschaftswahlen in Frankreich gewinnen könnte.

Meiner Meinung nach gibt in unserem Lande viele Menschen, die das mit großer Sorge erkennen und die dabei durchaus nicht leidenschaftslos sind.

Sie beschreiben (durchaus richtig), was nach einem Sieg Le Pens passieren könnte und fragen am Ende Ihres Artikels:

„Wo sind die Antworten der Deutschen? Wo sind die Vorschläge derer, die Europa nicht zerstören wollen?“

Jetzt frage ich Sie: Wo sind Ihre Antworten, wo sind Ihre Vorschläge? Sie geben in Ihrem Artikel nicht ansatzweise zu erkennen, was Sie anders machen würden, oder was Sie konkret von der „leidenschaftslosen deutschen Öffentlichkeit“ erwarten.

Soll ich mir ein Plakat malen „Le Pen muss weg!“ und durch meine kleine Stadt laufen? – Hans-Peter Dropschewski


Leserbrief zu „Die Schande von Dortmund“ von Martin Machowecz

Der Beitrag von Martin Machowecz trifft den Nagel auf den Kopf. Die Vorbehalte und Vorwürfe, mit denen sich RB Leipzig vor allem seit dem Aufstieg in die erste Bundesliga konfrontiert sieht, sind unerträglich und mehr als scheinheilig. Wenn man dem Verein vorwirft, er sei ein „Retortenverein“, der nur dank eines Großsponsors so erfolgreich agiert, dann möge man bitte auch die anderen Spitzenvereine des deutschen Fußballs nach diesem Maßstab beurteilen. Sind Vereine wie Bayern München oder Borussia Dortmund nicht nur so erfolgreich, weil sie für Millionen Spieler anderer Clubs aus dem In- und Ausland kaufen und das Geld dafür dürfte bei weitem nicht allein aus den Erlösen für die Eintrittskarten aus den Spielen stammen. Im Übrigen sind die Gehälter der Manager dieser Clubs und die ihrer Spieler mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches höher als bei RB Leipzig. Man sollte also nicht mit Steinen werfen, wenn man selber im Glashaus sitzt.

Was die Ausschreitungen im Spiel gegen RB Leipzig letzen Samstag betrifft, ist mir unbegreiflich, wie trotz angeblich regider Einlasskontrollen derartig viele und große Transparente mit ihren üblen Parolen in die Arena gelangen konnten. War das etwa sogar gewollt? Auch das Agieren des Herrn Watzke im Vorfeld des Spieles sowie das Verhalten des Trainers während des Spieles dürften die Stimmung im Stadion im negativen Sinne angeheizt haben. Beide sehen das offensichtlich bis heute völlig anders. Ihre lapidaren Entschuldigungen vor der Presse lassen mich zu dieser Schlussfolgerung kommen. –  Dr. Karlheinz Großkopf


Leserbrief zu “ Kalter Bürgerkrieg“ von Moritz Aisslinger, Kerstin Kohlenberg Und Nicola Meier

Zum Nachtisch gibt’s einen Druckfehler zum Schmunzeln. Letzte Spalte S. 15: „… in Aquakulturen werden unter Wärmelappen Fische gezüchtet.“ Bekommt da jeder Fisch seinen eigenen Lappen?  Erwärmt und erheitert grüßt – Almut Stribeck


Leserbrief zu „Die Schande von Dortmund“ von Martin Machowecz

10 Gebote für Borussia

Sehr geehrter Herr Watzke! Verehrter Herr Zorc! Lieber Thomas Tuchel!

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Als MSV Duisburg Fan liebe ich die Borussia bei sieben guten Jahren mit Jürgen Klopp; dazu unglaublichen Spielen, deren Verlauf (Malaga z. B.) manches Mal ans Wunderbare grenzten … Ich schätze Thomas Tuchel mit seiner Mainzer Herkunft.

Jetzt müsst ihr handeln; die (Fußball-) Welt will Taten sehen.

Wenn Ihr Charakter habt – und das habt Ihr – würdet Ihr – und jetzt folgen meine 10 Gebote –

1.- beim nächsten Heimspiel der Leipziger in Eurem Stadion Plakate mit Entschuldigung zeigen.

  1. Eine Menschenkette rund um das Stadion für fairen Fußball („Fußball ist Liebe“) zulassen und dazu ermutigen.
  2. Würde Thomas Tuchel einige Worte  v o r  dem nächsten Heimspiel an die Fans richten; besser noch: Sie zu dritt. Dazu eine Anzeige in den Zeitungen und der Stadionpost.
  3. Würden Sie die Gastfreundschaft der Dortmunder erwecken (geht mit gutem Beispiel voran!) und die harmlosen Leipziger Fans vor oder nach der Begegnung zu Euch nach Hause einladen: am besten Übernachtung mit Frühstück.
  4. Würden Sie – als Wiedergutmachung – ein Heim der Salisianer Don Boscos, einem Orden für Straßenkinder und Straßenfußballer in allen Teilen der Welt unterstützen. Monatlich mit einer spürbaren Summe (5000 Euro?).
  5. Würdet Ihr Euch um eine Versachlichung in der Diskussion über Sponsoren bemühen, wie Bayer, SAP, DB, Audi und VW, Signal Versicherung, Telekom und natürlich Brausehersteller.
  6. Erinnert Euch an Eure Wurzeln: die Anfänge des BVB gehen auf einen katholischen Geistlichen (Kaplan) zurück; eine Dank- und Gedenkminute für die restlichen Heimspiele ist sinnvoll.
  7. Die verletzten Fans und Polizisten schließt Ihr in Euer Gebet ein. Der Stadionsprecher könnte dieses Gebet einladend vortragen und dem Spiel voranstellen.
  8. Ihr bittet die kommenden Schiedsrichter in einer vergleichbaren Situation das Spiel mit dem Anpfiff gleichzeitig abzupfeifen; denn das Spiel, das keines ist, ist dann schon vor dem Spiel gelaufen.
  9. Geht zu den nächsten Spielen zu Fuß ins Stadion und geht in Euch!

Euer Fußball, Klopp und den BVB liebender Bernhard Weskamp

Ich bin katholischer Pfarrer im Ruhrgebiet, MSV Fan und Straßenfußballer … – Bernd Weskamp


Leserbrief zu „Jetzt ist es an uns!“

Sollte bis zur Bundestagswahl 2017 möglichst jede Woche in allen Tageszeitungen erscheinen.  In Oberschulen, Fachschulen,Universitäten, etc. aushängen! An öffentliche Werbeflächen plakatiert werden!

Finanziert durch Spenden! Vielleicht stehen auch öffentliche Mittel zur Verfügung!? – Dieter Krause


Leserbrief zu “ Sind Auffanglager in Nordafrika sinnvoll?“ von Mariam Lau und Caterina Lobenstein

Jährlich fließen ca. 1000 Milliarden Dollar aus den armen Ländern zu uns, den Reichsten dieser Erde. Tendenz stark zunehmend. Diese Gelder werden in schlecht regierten Ländern durch korrupte Machenschaften erworben und in den sicheren Hafen rechtsstaatlich geschützter Märkte geschleust. Unsere Politik lässt beide Seiten gewähren. Diese systematische Ausbeutung der Armen ist die wahre Schande für den Westen. Solange unsere Wertegemeinschaft dies nicht unterbindet, sind keine wirklichen Lösungen in Sicht. Mit 1000 Milliarden Dollar pro Jahr könnten sich die armen Länder vielleicht sogar selbst auffangen. Ohne Lager. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zum Titelthema „Aufstehen gegen Trump“

Auf der Titelseite der „Zeit“ vom 9. Februar stehen zwei Fotos. Das linke Foto zeigt eine Frau in einer Menschenmenge mit offenem Mund und zwei hochgereckten Mittelfingern. Das rechte Foto zeigt Donald Trump im Profil bei starkem Gegenwind mit verzerrtem Gesicht, Sturmfrisur und einer nach hinten wehenden Krawatte. Die Unterzeile zu diesen Fotos lautet: „In ganz Amerika formiert sich Widerstand gegen den Präsidenten – und zeigt Wirkung“ Ja, der Widerstand zeigt Wirkung, aber leider genau die Wirkung, die Donald Trump auch beabsichtigt: Hass und Angst!

Trump macht seit seinem Amtsantritt genau dort weiter, wo er im Wahlkampf aufgehört hat. Seine Dekrete, Aussagen, Interviews und Tweeds haben nur ein Ziel, Hass und Angst zu säen. Dies ist ihm, Dank der Medien, auch schon im Wahlkampf sehr gut gelungen. Kein anderer Präsident der USA hat ein Land so sehr gespalten und wurde wenige Tage nach seinem Amtsantritt so sehr gehasst, wie Trump. Leider macht der Hass nicht an Ländergrenzen halt und so wurde der Hass durch die Medien über die ganze Welt gespült. Kaum eine Talkshow in Deutschland, die sich seit 3 Wochen nicht mit Trump und den Auswirkungen seiner Politik beschäftigt. Was will Trump? Wie gefährlich ist Trump? Müssen wir uns in Europa schützen? Was wird mit der Nato? Nicht nur die USA, auch Europa und die Welt ist verunsichert. Muslime, Schwule und Mexikaner haben sogar Angst vor Trump. Und das ist genau sein Ziel. Trump möchte Hass und Angst verbreiten und dies gelingt ihm seit seinem Amtsantritt leider sehr sehr gut. Applaus gab es ja schon von den „Fachleuten“ in Sachen  „Angst, Schrecken und Hass“, Al Quaida und IS.

Wir tuen gut daran, nicht die Mittelfinger in die Höhe zu recken und dem Hass und der Angst keinen Raum zu geben. Die USA, aber auch Europa und Deutschland können diesem Mann klar und deutlich entgegentreten, mit Werten, mit dem Hinweis auf Menschenrechten und mit ganz viel Liebe und Achtung. Liebe ist das Gegenteil von Hass und deutlich größer und stärker.“ – Ralf Huber


Leserbrief zu “ Sind Auffanglager in Nordafrika sinnvoll?“ von Mariam Lau und Caterina Lobenstein

Caterina Lobenstein weiß genau, welche Probleme  Transferzentren in Nordafrika mit sich bringen könnten, doch was sind ihre Alternativen? Die EU ist heute in der Asylpolitik tief gespalten, Schleuser bringen ihre „Kunden“ in Lebensgefahr, Menschen ohne Bleiberecht stehen nach Monaten oder gar Jahren vor der Abschiebung. Außerdem werden unsere Politiker nicht müde zu versichern, dass es Flüchtlingsströme wie 2015 nicht mehr geben dürfe. Das wird derzeit leider nur mit Transferzentren in Nordafrika gehen, hoffentlich bald verbunden mit einem europäischen Asylrecht und einem modernen Einwanderungsrecht. Es könnte auch viele skeptische EU-Bürger überzeugen, wenn die „Weltmeister der Willkommenskultur“ die Realitäten zur Kenntnis nähmen. Eine vom Philosophen Lichtenberg stammende Weisheit besagt: “ Man weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“ – Brigitte Schellnhuber


Leserbrief zu „Die Schande von Dortmund“ von Martin Machowecz

Sehr verwundert habe ich den Artikel „Die Schande von Dortmund“ in der letzten Ausgabe gelesen. Herr Machowecz führt Rasenballsport Leipzig als Gegengift für den Populismus ein und bedient sich dabei eines unfassbaren Populismuses. Zunächst wird den Anhängern von Borussia Dortmund wieder einmal völlig zu Unrecht vorgeworfen sie würden vor der voranschreitenden Kommerziallisierung des eigenen Vereins die Augen verschließen, was jeglicher Grundlage entbehrt. So ist vor allem die Fanszene in Dortmund dafür bekannt, sich bei kritischen Fragen des öfteren auch gegen den eigenen Verein zu äußern, sei es in Fragen der Ticketpreise oder bei der fragwürdigen Auswahl der Länder, in denen man seine Trainingslager abhält.

Anschließend wird wieder einmal fernab jeglicher Grundlage ein West-Ost Konflikt heraufbeschworen, der plötzlich der Grund für die Ausschreitungen sein soll. Wie man zu dieser Einschätzung kommen kann, ist aufgrund des friedlichen Pokalspiels von Union Berlin in Dortmund, in keinster Weise nachzuvollziehen. Ähnliche Proteste gegen einen Verein, wie man sie zuletzt im Stadion sehen konnte waren lediglich gegen die TSG aus Hoffenheim zu verzeichnen, die nun wahrlich keinen Ost-Verein darstellt. Auch die Behauptung, diese Anhänger würden den Fußball in den Händen jener (westdeutschen) Vereine halten wollen, die schon immer da waren, zeigt wie wenig sich hier mit dem Protest an sich auseinander gesetzt wurde. Der Protest richtet sich durchaus gegen die Übernahme von Fußballvereinen, durch Geschäftsmänner und Milliardäre, die den Sport für ihre Zwecke benutzen. Davon kann man halten was man möchte und man kann natürlich argumentieren, dass dieses Verhalten nicht erst durch Rasenballsport Leipzig Einzug in den deutschen Fußball erhielt. Was sich nicht verschweigen lässt, ist das Rasenballsport Leipzig eine neue Dimension dessen darstellt. Ein Verein, der offensichtlich keine Mitglieder möchte, der das Logo des Sponsors im Vereinswappen trägt und der einen Namen für einen Verein erfinden muss wie „Rasenball“ um das charakterische RB zu erschaffen, hat in dieser Form zuvor nicht exisitiert. Interessant wäre zu sehen was passiert, sollten Union Berlin oder Dynamo Dresden den Sprung in die Erstklassigkeit dieses Jahr schaffen. Ähnliche Proteste sind hier nicht zwingend zu erwarten.

Zu guter Letzt wird Rasenballsport Leipzig dann noch als der einzige Verein in Deutschland bezeichnet, der es schafft pure Leidenschaft mit absoluter Gewaltlosigkeit zu kombinieren. Mal abgesehen davon, dass durch diese Aussage etlichen Amateurvereinen die Leidenschaft abgesprochen wird, sollte man vor einer solchen Aussage doch erst einmal die Entwicklung in Leipzig abwarten. Das erste Jahr in der Bundesliga ist sicherlich nicht das Ende der Fahnenstange und ob in fünf bis zehn Jahren die Stimmung in Leipzig immer noch so familiär ist kann bezweifelt werden. So stellt das Stadion auch gewissermaßen immer einen Querschnitt der Bevölkerung dar und ob potentielle „Randalierer“ nicht auch aus Leipzig kommen und eines Tages den Weg in den Fanblock finden bleibt abzuwarten.

Insgesamt wird ein einmaliger Vorgang, der hier keineswegs schön geredet werden soll, genutzt um Konflikte heraufzubeschwören, die nicht exisitieren und einer Fanszene werden Dinge vorgeworfen, die sich faktisch nicht begründen lassen. Vielleicht sollte der Autor des Textes öfter Spiele des Gegengifts für Populismus besuchen.  – Daniel Hülsmann


Leserbrief zu „Was wir von den Medien erwarten dürfen“ von Uwe Jean Heuser

Vielen Dank für diesen äußerst realistischen Blick auf die Medienwelt. Obwohl vollkommene Objektivität unmöglich ist, haben Sie Recht, dass zu häufig ein zu einseitiges oder überzogenes Bild der Realität gezeichnet wird. Hinzu kommt, dass Finanzexperten und andere Fachleute in Wirtschaft, Politik, Fernsehen und Printmedien häufig mit einem unfassbaren Maß an Zuversicht zukünftige Entwicklungen vorhersagen möchten. Studien* haben gezeigt, dass vermeintliche Experten kaum bessere Vorhersagen treffen als es ein Münzwurf tun würde. Und dennoch wägen wir Leserinnen und Leser uns in der Sicherheit, einen aufschlussreichen und erhellenden Blick in die Zukunft zu erhalten. „Die Illusion, wir verstünden die Vergangenheit, fördert die Überschätzung unserer Fähigkeit, die Zukunft vorherzusagen“, schrieb Kahneman treffend. Ich vermute, daran wird sich auch in Zukunft nicht viel ändern. Das Eingeständnis, die Welt ist zum großen Teil von Zufall bestimmt, ist vielen eine zu unangenehme Wahrheit. – Dario Sonnenburg


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

In einer freien Marktwirtschaft können Aufsichtsrat (inkl. Gewerkschaften!), Vorstand und die Aktionäre Vergütungen frei aushandeln und gewähren.

Wenn es die Firma verkraften kann, ist das deren Sache.

Es bleibt dem Staat (also den Bürgern) durch die Steuergesetzgebung überlassen, welcher Anteil dem Gemeinwohl zusteht.

Bis zu einem als fair angesehenen Betrag könnte die Steuerlast günstiger gestaltet werden als bei Einkommen weit darüber. So bliebe es den Managern überlassen, ob sie eher viel verdienen oder eher weniger Steuern zahlen wollen.

Beides sollte sich ausschließen.

Das setzt natürlich eine entsprechend besetzte und befähigte Steuerfahndung voraus, die dann auch eintreibt was der Gemeinheit zusteht. (merkwürdig, daß die Steuerfahndung meist so gravierend unterbesetzt ist! „Ein Schelm, wer…“)

Und es setzt voraus, daß auch für große Vermögen oder Großverdiener eine Offenbarungspflicht bestünde, ähnlich wie die Pflicht zur Offenlegung für ALG II-Empfänger. (irgendwo habe ich mal gelesen, vor dem Gesetz seien alle gleich. Wo war das nur? „Ein Schelm, wer…“)

Allerdings fördert dies wieder nur den anhaltenden Reflex der Politik, für alles neue Steuern zu erfinden und draufzusatteln.

Anstatt das bestehende Steuersystem endlich einfacher und gerechter zu machen.

Seit dem „Die-Steuer-paßt-auf-einen-Bierdeckel-Wahlkampf“ hört man allerdings in dieser Richtung nichts mehr („Ein Schelm, wer…“)

Es setzt natürlich auch voraus, daß sich die Politik mit Experten (z.B. Steuerprofessoren) zusammensetzen müßte und daranginge Probleme im Hier und Jetzt anzugehen und zu lösen, anstatt sie immer in die Zukunft zu verschieben und den nachfolgenden Generationen aufzuhalsen.

Daran scheint die Politik aus „unerfindlichen“ Gründen kein Interesse zu haben. („Ein Schelm, wer…“) – Wolfgang Michel 


Leserbrief zu „Was wir von den Medien erwarten dürfen“ von Uwe Jean Heuser

Besten Dank für dieses artistische Kunststück, nämlich:

Mit der einen Hand sich „an der eigenen Nase zu fassen“ und mit der anderen Hand „vor der eigenen Haustür zu kehren“!

Diese Form von Sichtbarmachung, können nur die Medien leisten, weder die Politik, noch die Wirtschaft, noch die Religionen können das!

Deshalb ist es so wichtig, dass Sie hier den Vorreiter geben!

Warum sollte also die Kolumne FAKT ODER FAKE nur während dieses Wahljahres erscheinen? Die brauchen wir immer! – Horst Köppl


Leserbrief zu „Unheimlich entspannt“ von Elisabeth Raether

Wir Menschen mit unseren Allmacht Vorstellungen. So überheblich und von uns selbst überschätzt. Glauben wir könnten Dinge ignorieren, nur weil sie uns nicht gefallen. Wir schränken unseren Blick absichtlich ein. Sehen die Krisen, die Unsicherheit durch Kriege, Hunger, Flüchtlingsströme, Wirtschaftsturbulenzen, Umwelthemen, Digitalisierungswahn usw. und blenden aus. Es überfordert uns.

Daher der Wunsch, die Zeit zurückzudrehen. Alles soll so sein wie früher. Sich wieder vor der Außenbedrohung sicher fühlen! Früher war nicht alles so schnell, unübersichtlich und beängstigend. Die Menge der Bedrohungen war geringer. Es gab Ost und West, es gab die Guten und die Bösen. Es gab die Retter und die Zerstörer. Jetzt weiß man gar nicht mehr so genau, wo der richtige Weg ist. Eine klare Zuordnung wird immer schwieriger.  Die Fronten verwischen immer mehr. Was ist richtig, und was ist falsch? (Das Sicherheitsgefühl nimmt immer mehr ab.)

Dieses Ausblenden ist zum großen Teil einfach nur menschlich. Um zu funktionieren und uns auf Alltägliches zu konzentrieren, müssen wir diese Fähigkeit haben. Ausblenden bedeutet aber auch, man kann es wieder einblenden. Was jetzt passiert ist, dass es ignoriert, dementiert und verneint wird. Umweltprobleme werden dementiert. Die sind nicht Mensch gemacht. Ganz normale Zyklen. Kriege, Hunger und Flüchtlingsströme gehen uns nicht an.  Das sind Probleme Anderer.

Wenn wir dann völlig überfordert sind, vereinfachen wir. Dann wollen wir nur Antworten. Das ist schon mal besser als keine Antworten. Richtungsweisungen. Ansagen, wohin wir gehen sollen. Die, die wir dafür gewählt haben, richten das schon. Die Rufe nach Trump, Putin, Erdogan, die Wählerstimmen sind nichts anderes als ein Ruf der Verzweiflung. Zuerst war da die Angst vor den vielen unverständlichen neuen Dingen der Globalisierung, dann wird man abgehängt und das Versprechen, dass es jeder folgenden Generation immer bessergehen wird, ist gebrochen. Daraus entsteht die Wut. Aus der Wut heraus blenden wir vieles aus.

Wir Menschen mit unseren Allmacht Vorstellungen, leben nicht jeder für sich, sondern in einer großen, weltweit vernetzten, voneinander abhängigen Welt, mit einer wachsenden Weltbevölkerung. Die vernetzte digitalisierte Welt hat die Welt kleiner werden lassen. Es hat die Menschen näher zusammengebracht. Und diese Vernetzung können wir nicht mehr abstellen! Das werden auch die Autokraten nicht. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen.

Der Mensch ist ein Herdentier. Man will sich in Nischen mit seiner Herde zurückziehen. In Nationalismen, Patriotismus und Abschottung. Wir können jedoch die Perspektive nicht einfach nach innen kehren und dann wird alles wieder gut. Die Probleme sind vielfältig und dürfen und können nur mit nachhaltigen, demokratisch legitimierten Mitteln justiert werden. Das Aufweichen der Gewaltenteilung, die Einschränkungen der Meinungsfreiheit, die Zensur, die Machtanhäufung einzelner Personen und auf der anderen Seite, der Ruf nach den starken Männern und Frauen (J) die alles richten werden, sind gefährlich. Die Heilsversprecher, wie Trump, Putin, Erdogan, Orban, in Südamerika und auf der ganzen Welt versprechen genau diese einfachen Lösungen! Und die Menschen wollen Lösungen haben. Nur die sind nicht so einfach! Man will den Lügen glauben. Da steckt auch irgendwie ein Teil Wahrheit drinnen?!!? Wird so gesagt!

Diese Überheblichkeit führt uns dazu, kurzfristig zu denken und zu emotionalen, statt zu rationalen Lösungen, zu kommen.  Die kleine Herde ist uns wichtiger als der verwirrende Blick nach außen. Auch das führt uns dazu, einer starken Führungspersönlichkeit folgen zu wollen .Wir sind ein Teil von einem Ganzen. Ganz individuell und einzigartig, wie so vieles auf diesem Planeten. Wir tun alle und alles miteinander. Unsere DNA, unsere Baustoffe, unsere Bestandteile sind von dieser Erde. Wir sind aus den Baustoffen der Erde entstanden, so wie alles Leben auf diesen Wurzeln beruht. Es ist ein fortwährender Entwicklungsprozess. Alles wächst, gedeiht, blüht auf und stirbt. Das Sterben schafft den Humus damit Neues wachsen, entstehen kann. Wie immer, das einzige was sicher ist, ist, dass es sich verändert. Auch die Weltordnung und Wirtschaftsordnungen unterliegen Veränderungen. Diese Veränderungen finden gerade statt.

Die Nato, EU, WTO (Welthandelsorganisation) und viele Multinationale Vereinbarungen werden in Frage gestellt. Der Brexit ist Realität. Bilaterales und Nationales werden in den Mittelpunkt gestellt. Handelskriege, mit dem Mittel der Währungskriege und Strafzöllen sind angekündigt. Reise- und Meinungsfreit gehen zurück. Trump hat eine ganze Glaubensgemeinschaft ausgeladen. Ganze Weltregionen, so wie große Teile Afrikas, werden mehr und mehr alleingelassen. Multinationale Interessen der Regierungen nehmen ab. Wir gehen in eine andere Ära. Viel Bekanntes wird zerstört. Stirbt ab.

Die Frage ist doch eigentlich: Was bewirkt dieser Rechtsruck, dieser erstarkende Nationalismus dieser Ruf nach Stärke? Bringt er die Isolierung oder bringt er die Anderen, uns, dazu, näher zusammen zu rücken? Lässt es uns nicht besser erahnen was wir überhaupt wollen? Ein Teil ist Demokratie, mit Meinungs- und Pressefreiheit, Minderheitenrechte, Gewaltenteilung. Ein anderer Teil ist eine intakte Umwelt, Frieden, materieller emotionaler und sozialer Wohlstand in denen Kompromisse erarbeitet werden. Nicht der Stärkere setzt sich durch. Aus unserer Blase aussteigen und kämpfen, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Aufwachen und die Augen aufmachen! Der Umbruch, der gerade stattfindet, ist real.

Die Welt ist geteilt. Gespalten. Es gibt die eine Masse der Nationalisten, aber es gibt auch eine große Masse, die diese Veränderungen kaum ertragen können, fassungslos, und erst langsam anfangen zu begreifen, was hier passiert. Aber bitte nicht gleich wieder einschlafen! Bitte nicht gleich einlullen lassen, mit den Aussagen “das wird schon wieder“! Wir stehen dem ganzen scheinbar hilflos gegenüber. Wir müssen dem aber entgegenstehen. Nicht klein beigeben.

Nicht der Lauteste und der Stärkste hat recht. Auch mit leiser Stimme, Zurückhaltung und Freundlichkeit kann man seine Meinung gut vertreten.

Kleine Bewegungen! Justierungen! Wir können beeinflussen, wir beeinflussen. Jeder in seinem Umfeld, indem wir reden und unsere Werte verteidigen. Wir haben unser Bewusstsein und können zielgerichtet agieren und kommunizieren. Die Demokratie retten. Ein Kulturkampf entsteht.

Geplant werden muss für die Zeit nach dieser Ära des Vandalismus. Nicht der anderen Masse den Raum kampflos übergeben!! Auf dem Humus der abgestorbenen alten Ordnung wird Neues wachsen müssen. Lasst uns nicht die Scherben wieder zusammenkitten, sondern andere, neue Weltordnungen, Wirtschaftsordnungen, globale internationale Organisationen, Weltregierungen denken. Dazu gehört es, die Privatvermögen zu begrenzen. Dass sich niemals wieder ein Mensch eine Präsidentschaft der USA mit seinem Privatvermögen erkaufen kann. Eine Weltregierung mit dem Auftrag der Nachhaltigkeit erarbeiten. Eine Wirtschaftsordnung mit mehr regionalen Wachstumsansätzen durchsetzen. Weltwährungsreform mit einer globalen Währung wissenschaftlich erforschen. Börsenregulierungen strukturieren, u.v.m.

Ich fühle mich als Mensch aus Deutschland, Europäischer Bürger, Demokrat und Weltbürger besser als als Weißer, Christ und Deutscher mit Wut im Bauch. – Tilman Hans Gotschlich


Leserbrief zu „Splatter-Star Trump“ von Josef Joffe

Ihre eigene Zeitung Herr Joffe betreibt munter die Trump-Hysterie. Man vermisst die klugen Analysen, die Sie postulieren. Auch Sie vermeiden das Aufbauschen nicht in Sachen Trump, was immerhin eine Stufe unter der Trump-Hysterie ist. – Marek Pelc


Leserbrief zu “ Sind Auffanglager in Nordafrika sinnvoll?“ von Mariam Lau und Caterina Lobenstein

Ich möchte hier meine bescheidene Meinung zu den beiden kurzen Artikeln pro und contra Auffanglager in Nordafrika loswerden.

Was bringt es, eine Stimme für Auffanglager sprechen zu lassen und sie auf der gleichen Seite wieder zum Schweigen zu bringen?

Der Beitrag von Frau Lobenstein ist ein hilfloser Aufschrei nach Solidarität, die in Europa scheinbar abhanden gekommen ist. Er entkräftet alle Argumente in Laus Artikel, nennt aber keine Alternativen.

Wer sich bis Nordafrika durchgeschlagen hat, den wird ein abgelehnter Asylantrag nicht aufhalten, die gefährliche Überfahrt nach Europa zu wagen. Schwarzafrikaner, die nach einer besseren Lebensperspektive suchen, deren Flucht von Familie und Freunden unter Entbehrungen mitfinanziert wurde, werden es mit allen Mitteln versuchen, nach Europa zu gelangen.

Was wir aber brauchen ist Optimismus.

Eine Alternative wäre, dass die Flüchtenden Asylanträge in ihren Heimatländern stellen. Dafür muss Europa Ressourcen in den Auslandsvertretungen der EU-Länder zur Verfügung stellen. Es gäbe weniger Sprachprobleme, die Hilfe könnte direkt vor Ort ansetzen. Traumatische Fluchterfahrungen, Schlepperwesen und überfüllte Schlauchboote wären Geschichte.

Frau Lobensteins Artikel knüpft in sehr destruktiver Weise an Herr Laus Artikel an und lässt den Leser mit einem Gefühl, dass man doch sowieso nichts ändern könne, allein.

Wir aber brauchen mehr Optimismus und den Mut zur Alternative. – Wilfried Fuß


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Danke für die Recherche und den wenigstens ansatzweise kritischen Artikel. Was mir fehlt ist das Erkennen eines Zusammenhangs mit der zerrütteten politischen Glaubwürdigkeit und Bindekraft – und der Mitverantwortung der genannten Lenker dafür. Diese bestimmen seit Jahren die Argumentationslinien der Politik. Die FDP tat es in den 90ern als „Neiddebatte“ ab, wenn man warnte vor den Auswüchsen in den Chefetagen. Seit Jahren dient noch jede Partei in Regierungsverantwortung mehrheitlich der Ideologie dieser Herren, die zu einer gesellschaftlichen Zersplitterung geführt hat. Und das bei vorhandenem Reichtum. Wem fühlen sich die Herren mit Ihrem „Eigentum“ denn verpflichtet? Was für fade Begriffe dienen den Konzernlenkern zur Erklärung Ihrer abgehobenen Bezüge. Da ist die Welt am auseinanderfliegen und sie sprechen von „kontraproduktiv“ und „weltfremd“, wenn man zaghaft auf ihre Mitverantwortung für die gesellschaftlichen Fliehkräfte, ja die Schattenseite ihrer Entscheidungen anspricht. Da wird als „legitim“ bezeichnet, was als entfesselter Ego-Wahn Schwächeren die Luft abdrückt. Und als „legal“ wird bezeichnet, was ganze Heerscharen von Anwälten an Gesetzeslücken aufspüren, um dem Staat, also der Allgemeinheit, Steuermittel zu entziehen. Und das nennen wir dann unser westliches Modell. Und darin wird dann in der Not das „unternehmerische Risiko“ auf die Öffentlichkeit abgewälzt. Gewinne, das wissen wir, werden dagegen gerne privatisiert. Solche scheinbar „legale und legitime“ Umverteilung bedeutet Diskriminierung in Reinform und wirkt zunehmend zersetzend und explosiv.

Und es scheint tatsächlich kaum mehr ein Unterschied zwischen einer auf die eigene Machtfülle ausgelegten und bei Bedarf menschenverachtenden Selbstherrlichkeit und den Mechanismen bei Hofe zu Zeiten des Sonnenkönigs.

In Ihrem Blatt vergleichen Sie den Führungsstil des Unternehmers Donald Trump mit dem von Kaisern und Königen in der absolutistischen Zeit. Mag sein.

Aber erscheint es nicht als eine logische Konsequenz des politischen „Marktmechanismus“, die Weltgeschehnisse gleich direkt – ohne Vermittlung durch Politiker – durch Konzernlenker zu entscheiden? Mit Trump fällt doch lediglich eine Maske ab und es wird die hässliche Einseitigkeit sichtbar, welche sich auf eigene Macht- oder Gewinnmaximierung fixiert und sich gegen friedlichen Handel und Wandel und gegen eine solidarische Ermöglichung von Leben und Leben lassen wendet: Ein für das Zusammenleben und allgemeine Wohlergehen und den demokratischen Rechtsstaat zerstörerischer Nationalismus kriecht aus dem Schatten. Umkehr, raus aus dem Reformstau steht an. – Kai Hansen


Leserbrief zu „Mein Gott, Schulz!“ von Marc Brost, Martina Kix Und Fabian Klask

Sind Sie schon auf diesem Nieveau angelangt um sich über Herrn Schulz an Jesus abzuarbeiten? Es ist ja denkbar dass Sie es gar nicht wollten, aber auf billigere Art und Weise können doch die, die so etwas verbreiten wollen gar nicht ihren Erfolg feiern. Es reicht doch, wernn diese armen Irren ihre Botschaft in dieser Form verbreiten, da kommen Sie legen diesen Chaoten den roten Teppich aus und geben denen die zweite Seite einer doch bisher noch seriösen Zeitung wie der „Zeit“. Durch Ihre Überhöhung von Herrn Schulz schaden Sie ihm höchstens, statt ihm zu helfen.

Ja, Jesus war auch politisch aktiv, aber in diese Höhen ist bisher kein Mensch, kein Politiker gekommen und auch Herr Schulz wird das nicht schaffen. Außerdem ist Ihre Art der Darstellung ein Faustschlag für jeden gläubigen Christ und anderer Jesusverehrende Gläubigen ins Gesicht, ganzeinfach zum kotzen!!! Ich bin kein SPD-Parteimitglied, dennoch gehört Herr Schulz zu den Personen denen man ob seiner Aktivität Respekt zollen kann, ihn aber ob dessen ins „Gotthafte“ zu überhöhen ist in hohem Maße dem eigentlichen Thema abträglich und für Herrn Schulz schädlich. Dabei hat Herr Schulz bis jetzt eigentlich noch gar nichts gemacht für die deutsche Politik. Bitte jetzt verschonen Sie uns in Deutschland mit „Trumpschen“ Verhältnissen, was Sie bis angerichtet haben reicht bereits. – Dieter Fendesack


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

In Deutschland sind die Gehälter von Top- Managern unanständig hoch, das hat sogar ein hoher CDU- Politiker festgestellt. Die SPD möchte daher eine Obergrenze einführen, was zu einem Aufschrei bei den Betroffenen geführt hat. Eine Obergrenze für Gehälter mag auch verfassungsrechtlich bedenklich sein. Mich wundert aber, dass noch niemand auf den naheliegenden Gedanken gekommen ist, den Spitzensteuersatz stufenweise zu erhöhen. Das Bundesverfassungsgericht hat nämlich in 2016 in einem Urteil festgestellt, dass Steuersätze auch oberhalb von 50 % zulässig sind. Zur Zeit beträgt der Spitzensteuersatz bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 53.666 €  42%, und steigt ab einem Einkommen von 254.000 € auf 45%. Was spricht eigentlich dagegen, hier noch etwas draufzulegen, es brauchen ja keine 80 % sein, wie in USA unter Roosevelt? Natürlich nicht nur für Wirtschaftskapitäne, sondern beispielsweise auch für Spitzenfußballer und Filmgrößen. Abgesehen von der damit erzielten „sozialen Gerechtigkeit“ würde auch der Fiskus von den erhöhten Steuereinnahmen profitieren. – Dr. Peter Dodel


Leserbrief zu „Ich will Verbote!“ von Sebastian Dalkowski

Der Turbokapitalismus des 21.Jahrhunderts ist darauf angewiesen, dass der enthemmte Konsument ohne gewissenhaftes Abwägen und ökologische Skrupel zugreift bei allem, was die Produktpalette bereit  hält. Seine Verfechter denken sich, um Kunden zu gewinnen, die bizarrsten Dinge aus, vom konsequent völlig wirkungslosen Medikament über Wegwerf-Geschirr bis hin zu rosagefärbten Globen und Erdbeerjoghurt ohne Erdbeeren. Wer all diese Dinge braucht? Wir nicht, aber unser ökonomisch-politisches System, das den Profit zum obersten Wert erhoben hat. Wie naiv muss man sein, um auf staatliche Verbote zu hoffen! – Susanne Windheuser


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Menschen die der Ansicht sind, dass sie hunderte Male mehr Wert sind als andere, tun mir persönlich Leid. Sie sind nach meiner Definition krank. Wenn ein System Kranke an die Spitze hievt, ist das System krank. Einziger Ausweg ist ein Systemwechsel. Bedingungsloses Grundeinkommen und ein Verhältnis von maximal 1:4 zwischen schlechtesten und besten Verdienst, wären Beispiele für Schritte in Richtung gesundes System. Stellt Euch vor keiner muss mehr um die Zukunft bangen. Das würde einen Motivationsschub hin zu einem besseren Leben auslösen. Dann können wir diesen Herren mit ihren Millionen helfen gesund und zufriedener zu werden. – Martin Novotny


Leserbrief zu „Hier gibt’s am wenigsten für Ihr Geld“ von M. Breitinger Und J. Tönnesmann

Mit Interesse habe ich den ZEIT-Beitrag über den Nahverkehr gelesen (Zeit #7, S. 22-23). Dazu folgende Bemerkungen:

1) Die Leistung oder Güte eines Nahverkehrs an den Faktoren „Preis Einzelfahrkarte“ und „Abfahrtenmenge“ zu messen, halte ich für zu vereinfachend  und nicht hilfreich, um eine abgewogene Beurteilung zu ermöglichen. Grundsätzliche finde ich den Ansatz, Fahrtmenge und Preise ins Verhältnis zu setzen sinnvoll. Mir ist aber nicht klar, warum ausgerechnet die Einzelfahrkarte einen Tarif repäsentativ abdeckt. Hier hätten auch Mehrfahrten- oder Monatstarife berücksichtigt werden sollen. Schon eine geringe Veränderung am Preis der Einzelfahrkarte hat einen großen Einfluss auf die Position und Bewertung einer Stadt. Auch bei der anderen Größe, der Anfahrtenmenge/Einwohner, fehlen mir weitere relevante und zu berücksichtigende Faktoren, beispielsweise die Netzabdekcung im 24-Stundenverlauf und die Dichte der Haltestellen bzw. räumliche Abdeckung von Stadtvierteln.

Die aus der Beurteilung gezogenen Schlüsse sind nur dann gültig, wenn die Ergebnisse auch bei veränderter Operationalisierung der Einflussgrößen (Abfahren, Preis) im Wesentlichen unverändert bleiben. Hat civity entsprechende Sensitivitätsanalysen durchgeführt? Wo können sich die Leser darüber informieren?

2) Bei der Beschreibung des Dresdner Nahverkehrs wird leider nicht beschrieben, auf welche Mengen von Fördergeldern oder sonstiger finanzieller Unterstützung die DVB zurückgreifen konnten. Das ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Aspekt, wenn im Vergleich von 2 Städten auch Ursachenforschung für die unterschiedliche Qualität beschrieben wird.

3) Den Vergleich der Abos finde ich unvollständig und damit irreführend. In den Ruhrgebietsstädten (Verkehrsverbund VRR) gibt es durchaus Monatskarten, die Extras wie Personen- oder Fahrradmitnahme  ermöglichen. Außerdem gibt es hier die Option, die Reichweite der Karte deutlich zu erweitern. Sofern es so ist, hätte die Infografik deutlich hervorheben sollen, dass sich die Preise auf die günstigste Monatskarte beziehen, die eine uneingeschränkte Nutzung im jeweiligen Stadtgebiet erlaubt.

Einigen Beobachtungen möchte ich hingegen ausdrücklich zustimmen, so z. B. dem Eindruck, dass Parkgebühren keine entsprechende Preissteigerung erfahren und das Parken ohne Parkticket (oder Falschparken) nicht ausreichend sanktioniert bzw. bepreist werden. – Christoph Schürmann


Leserbrief zu „Unheimlich entspannt“ von Elisabeth Raether

Marine Le Pen, Beppe Grillo, Geert Wilders: Ist ihr Erfolg nicht auch ein Resultat der sehr unsolidarischen, egoistischen Politik Deutschlands seit Schroeder ?  – Hermann Weigmann


„Die Verprollung der Politik“ von Adam Soboczynski

Den Hinweis in Sp.2, oben auf Adorno („Der Trumpismus, der auch ein Produkt der … Unterhaltungs- und Kulturindustrie ist, …“) möchte ich durch ein Wort von A. Schweitzer (1875-1965) ergänzen: „Die USA-Massenverblödung. die … immer mehr um sich greift, ist eine der schlimmsten Kriegsfolgen.“ – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Ohne großen Bruder “ von Adam Tooze

Zuerst wird in dem Beitrag ein demokratisch gewählter US-Präsident zum „narzisstischen Soziopathen“ erklärt. Es wird ihm weiter vorgeworfen, dass er – als Repräsentant US-Ameri8kanischer Interessen, von den Europäern nicht mehr über den Tisch ziehen lässt. Dies betrifft – wie Adam Tooze schreibt – sowohl militärische Angelegenheiten (Europa soll einen angemessenen Beitrag zu seiner eigenen Verteidigung leisten), wie auch in wirtschaftlichen Bereichen, wo sowohl – wie es bei Tooze steht – Washington, der IWF und die europäische Kommission den deutschen Handelsbilanzüberschuss beanstanden.

Es scheint, dass man diese beiden Forderungen – die jeder vernünftige, weitsichtige und gegenwartskritische USA-Politiker stellen sollte – als empörend und soziopathisch betrachtet. Dabei ergeben sie sich aus dem Kontext der augenblicklichen, weltweiten Krisensituation, die durch die hemmungslose Globalisierung und einen totalen Kontrollverlust über ihre Folgen (Finanz- und Migrationskrise) entstanden ist. Nur ein wilder Eber, wie Donald Trump, kann den ersten Schritt zu einer neuen Weltordnung schaffen. Sympathisch ist er mir nicht – doch es wird jetzt einer gebraucht, der den ersten brutalen Schritt in eine neue Richtung schafft. Evolutionär-allmählich kann man die angehäuften Weltprobleme der neoliberalen Globalisierungsprozesse und ihre Folgen – Migration, Elend in Afrika und abgehängte Verlierer neoliberaler und industrievernichtender Prozesse in Europa und den USA – nicht verifizieren. Man sollte dabei überlegen, ob es im Bereich des „Kapitals“ und der „Wall Street“, die immer wieder als Trump-Verbündete bemüht werden, ausschließlich neoliberale Fanatiker und unreflektierte, geldgierige Finanzweltspekulanten agieren. Ich glaube, dass es dort etwas differenzierte Positionen vertreten werden, die – auch bei Teilen der Wirtschaftswelt – aus der wachsenden Angst vor der unberechenbaren wirtschaftlichen Folgen der Globalisierung und der nicht mehr übersichtlichen, wie auch immer bedrohlich werdenden Finanzspekulation resultieren. Die bisherige Himbeerbub-Gutmensch-Politik, der abgehobene „Eliten-Liberalismus“ , wie auch die bereits unzählige, doch völlig unwirksame Geldfresser – die internationalen Organisationen mit UNO an der Spitze – sind offensichtlich nicht im Stande diese Probleme zu lösen und diesen Gefahren entgegenzuwirken. Sie stellen keine Problemlösungen dar, sie sind ein Teil der gegenwärtigen Probleme. Die sie tragende  Programmatik  ist nichts anders, als das falsche Bewusstsein der neoliberalen Globalisierung und der pseudoliberalen Eliten, die jetzt in vielen ihnen nicht genehmen Prozesse und Fakten, das Ende ihres Zeitalters wettern.

Desweiteren wäre es seitens der Europäer ausgesprochen dumm, eine Russlandpolitik ohne die USA und ohne eigene militärische Stärke zu betreiben. Eine enge Allianz zwischen Europa und Russland ohne die USA, wäre aus der Sicht der USA – übertrieben gesagt – fast ein „casus belli“ und gleichzeitig ein politisches Armutszeugnis der Europäer. Darüberhinaus, ist das tief marode Russland ein zukünftiges Wideraufbau- und Entwicklungsprojekt für die Europäer. Doch nicht zu vergessen: nur für die Europäer eine Nummer zu groß. Auch hier wird es nur zusammen mit den USA gehen.  Genau so ein Zukunftsprojekt ist der Nahe und der Mittlere Osten. Nach dem klar wird, wer dort die Steuer hält: die Türkei, der Iran oder (unwahrscheinlich, da zunehmend marode) Saudi-Arabien, wird es an die Arbeit gehen. Diese Beute müssen sich die USA und die Europäer auch teilen müssen. Dies geht auch nicht ohne den Aufbau einer europäischen Militärstärke und auch nicht ohne ein großes Projekt der Beherrschung und Kontrolle neoliberal-globalistischer Umtriebe. Es wird dabei wohl auch so sein, dass die Zukunft nicht internationaler Organisationen gehören wird, sondern einem neuen Modell der Zusammenarbeit starker Nationalmächte, die verstehen werden, dass nur über eine unter ihnen vereinbarte, streng durchgesetzte Kontrolle, eine sinnvolle  – also gerechte – Steuerung der globalen (nicht der globalistischen) Wirtschaftsentwicklung möglich wird.

Donald Trump ist vielleicht der Rammbock (doch kein Erfinder) dieser neuen Entwicklung. Um dies zu prüfen, sollte man nun aufhören zu jammern und zu schreien, zu schimpfen und zu blöken.  Man sollte endlich sachlicher und analytischer werden, sonst verpasst man vielleicht eine historische Wende. Vordenken – nicht nachdenken! Vielleicht geht eine Epoche Eine, in die wir noch allzu verliebt sind. – Dr. Andreas Billert


Leserbrief zu „PRÄVENTION: Gar nicht erst krank werden“

Leider ist es ein Trugschluss, dass man im Winter durch Stoßlüften die (relative) Luftfeuchte in Räumen erhöhen kann – es ist nämlich genau umgekehrt! Dazu folgender physikalischer Exkurs:

Luft nimmt mit steigender Temperatur bis zur jeweiligen Sättigung immer mehr Wasser(dampf) pro Kubikmeter (m³) auf: bei 0 °C ca. 2 g, bei 10 °C ca. 10  g, bei 20 °C ca. 20 g, bei 30° ca. 30 g; bei diesen Werten sind das jeweils 100 % Luftfeuchte. Ein trockenes Zimmer von 20 °C hat noch eine Feuchte von ca. 40 % und somit gibt es in dessen Luft noch 8 g/m³ Wasser. Beim Stoßlüften und einer Außentemperatur von ca.  0 °C sowie einer relativen (Außen-)Feuchte von 100 % (= Nebel) strömen 2 g/m³ in den Raum und 8 g/m³ hinaus. Die 2 g/m³ erwärmen sich auf 20 °C und sind dann nur noch 10 % relative Feuchte. Also ist der Raum jetzt trockener als vor dem Stoßlüften; q.e.d. – Volker Morstadt

PS: Wegen dieses Mechanismus können feuchte Keller nur im Winter durch Lüften trockengelegt werden, niemals jedoch im Sommer.


Leserbrief zu „Die Masche der Big Boys“ von Fritz Schaap

Tausend Dank für diesen anschaulichen Bericht, das Buch „Jeder Tag gehört dem Dieb“ von Teju Cole vertieft diese Dramatik und zeigt die Konfliktsituation auf, in der sich „Rückkehrer“ befinden! – Ruth Schütz


Leserbrief zu “ Entgleiste Leistung“  von Matthias Breitinger et al.

Soeben habe ich in der aktuellen Ausgabe unter Wirtschaft im Artikel „Entgleiste Leistungen“ gelesen, dass mein Ticket 2000 der Essener Verkehrs AG weder übertragbar sei noch die Mitnahme weiterer Personen oder eines Fahrrads anbiete. Das ist nicht richtig. Habe ich das Diagramm falsch interpretiert? Wie kommt es zu dieser inkorrekten Darstellung?

Das Aboticket der EVAG ist super: Werktags ab 19:00 und am Wochenende kann ich im ganzen Verkehrsverbund fahren und noch zwei Erwachsene und Fahrrad mitnehmen.

Übertragbar ist das Ticket ebenfalls.

Die meisten Ruhrgebietsstädte fahren dieses System, und auch die sind im Diagramm anders dargestellt. Für eine Erklärung wäre ich dankbar. – Katrin Sons


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Über die Höhe der Einkommen und Boni der Unternehmensvorstände oder Manager lässt sich streiten, falls sie mit der erforderlichen Sorgfalt, der gebotenen Umsicht, der dazugehörigen Kreativität und Seriosität ihre Unternehmen in die Zukunft führen und für den Erhalt der Arbeitsplätze in ihrem Verantwortungsbereich Sorge tragen. Im Gegenzug müssen sie jedoch zumindest finanziell geradestehen, falls sie durch Unfähigkeit, Misswirtschaft, frühzeitigen Abgang o. ä. ihren Unternehmen und somit auch den Arbeitnehmern Schaden zufügen.

Dennoch bleibt die gesamte Diskussion über die Managergehälter unglaubwürdig, da die “heiligen Kühe” der Nation in der seit Jahren im Raum stehenden Diskussion völlig außen vor bleiben: Dutzende, wenn nicht Hunderte von Profifußballspielern, sonnen sich in ihren Millionengehältern und verdienen zumindest gleichviel oder lachen die Unternehmensvorstände in finanzieller Hinsicht aus, zumal sie Verantwortung, falls hier dieser Begriff überhaupt zutrifft, für maximal zehn Mitspieler haben und auch bei schlechter Leistung und andauernder Formschwäche keine Abstriche im Einkommen befürchten müssen. Hier über eine adäquate Leistung zu sprechen, verbietet sich von selbst.  – Rudolf Pfadenhauer


Leserbrief zu “Seit’ an Seit’ mit den Arbeitgebern” von Claas Tatje

Die Vergütung der Mitarbeiter bei der IG Metall ist bestimmt 50% mit daran schuld, dass die Gewerkschaften zum zahnlosen Tiger geworden sind. Viele machten und machen bei den Arbeitgebern Karriere und bekommen viel Geld und Pensionen. Die Gehälter der Mitarbeiter bei der IGM sind fast geheim nur Insider wissen was sie bekommen. Noch geheimer sind die Gehälter der gewählten Funktionäre wie Bevollmächtigte der Verwaltungsstellen, Bezirke und Vorstand. Ich war lange Vertrauensmann und auf meine Frage „Was bekommt ihr brutto im Monat“ bekam ich nie eine Antwort oder es wurde hingewiesen was die Arbeitgeber bekommen und das müsste uns das auch wert sein. 10 000€/Monat für einen Bevollmächtigten einer mittelgroßen Verwaltungsstelle wird angenommen.  Was bekommt dann der 1. Vorsitzende (alles eingerechnet) brutto?

Das ist mit der Grund, (man kennt sich zugut) dass jahrelang die Tarifergebnisse mager ausfielen. Hätten die Funktionäre so viel wie die Tarifverträge der Mitglieder in den Betrieben würde es wahrscheinlich anders aussehen bei den Tariferhöhungen jedes Jahr. – Günther Preßer


Leserbrief zu „Bus und Bahn: Der Grosse Städtevergleich”

Die Zahl der Haltestellen-Abfahrten pro Tag und 100 Einwohner ist keineswegs ein fuer die Qualitaet des staedtischen Nahverkehrs aussagestarker Wert; dazu haengt er zu sehr von anderen Faktoren ab: Beispiele: (1) Wie leicht finde ich in der Innenstadt einen Parkplatz. (2) Wie eignet sich eine Stadt zum Radfahren; Beispiel Stuttgart, wo die unterschiedlichen Hoehenlagen das Radfahren behindert, eignet sich weniger als Hannover; Berge spielen also doch eine Rolle. (3) Das Vorhandesein von Schwester- oder Satellitenstaedten (Nuernberg: Fuerth bzw. Langwasser) wird mehr Menschen den oeffentlichen Nahverkehr in Ansruch nehmen lassen. Also: Ihr “grosser Staedtevergleich” sagt herzlich wenig aus ueber die jeweilige Qualitaet des staedtischen Nahverkehrs. Zeitverschwendung. – Hermann Weigmann


Leserbrief zu „Unheimlich entspannt“ von Elisabeth Raether

Seit 25 Jahren lebe ich nun in Frankreich, und bis zum Ende letzten Jahres war ich felsenfest davon überzeugt, dass Marine Le Pen niemals Präsidentin werden könnte. Doch muss ich der Analyse Ihres Leitartikels leider voll und ganz zustimmen. Donnerstag abend konnte man auf France 2 die « unheimlich entspannte » und siegessichere Marine Le Pen in voller Grösse auf sich wirken lassen.

  1. Fillon wird es sehr schwer haben, seine Affaire vergessen zu machen, und bei M. Macron ist für meinen Geschmack zu viel Heiterkeit und zu wenig Programm. Benoît Hamon scheint man in Deutschland nicht für voll zu nehmen, ich habe zumindest bisher noch keinen Kommentar über den einzigen Kandidaten mit einer postiven Vision für die französische Gesellschaft in der Zeit gelesen (meine einzige deutsche Quelle). Wie man es auch wendet, im Moment kann niemand Marine Le Pen gefährlich werden und ihre Wahl könnte dramatischere Folgen haben, als die Wahl Trumps. Hoffen wir, dass wir nicht Recht behalten !

Wenn ich Ihnen jedesmal schreiben würde, wenn mir ein Artikel von Ihnen besonders gefällt, würden meine Mails bald in Ihrem « spam » landen. Also nur kurz ein grosses Kompliment für Ihren Beitrag zum Feminismus. Hat mir sehr gefallen.

An der Küchenfront auch noch ein paar Komplimente : ich wollte schon schreiben, dass mir Ihre Texte (« Zutaten mit Migrationshintergrund ») noch besser gefallen als die Rezepte, aber das wäre gelogen, denn Letztere sind genial, wir essen mindestens zwei bis dreimal die Woche nach « E.R. ». Meine französischen Freundinnen fragen ebenfalls speziell nach Ihren Rezepten. Haben Sie schonmal darüber nachgedacht, Ihr Buch in Frankreich herauszubringen ?

Zum guten Schluss noch ein Rezept von meinem Blog, dass Ihnen gefallen könnte : Türkische Nudeln oder Pâtaturques unter https://letempsaujardin.com/2015/10/30/trop-de-persil/Heike Bourlier


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Wie steht es um die Idee, die deutsche Steuergesetzgebung zu entschlacken, zu effizientieren, „Schlupflöcher“ zu schließen? Und so von Höchstverdienern (wem dienen diese – eigentlich?) und damit von Konzernen das abzuverlangen, was jedem „normalen“ Arbeitnehmer und Unternehmer abverlangt wird: Der Solidarbeitrag zur Gesellschaft. Der Krieg ist vorüber, das Land wirtschaftlich saniert, weshalb noch steuerliche Anreize für Wachstum? Vielleicht kann die Redaktion ja in einem der nächsten Ausgaben den ausgewiesenen Gehältern einmal die tatsächlich entrichteten Steuern beiseit‘ stellen und das dann mal mit Durchschnittseinkommen vergleichen. Und vielleicht kann man mit den so möglicherweise gewonnen Geldern einen Grundstock für das bedingslose Grundauskommen legen. – Volker Homann


Leserbrief zu „Die Schande von Dortmund“ von Martin Machowecz

Ich lebe seit ca. 50 Jahren im Ausland und in meiner grenzenlosen Dummheit muss ich Vegessen haben, dass Fussball nicht an der Wiedervereinigung teilgenommen hat, da man im Jahr 2017 noch von ostdeutschen und westdeutschen Vereinen spricht;  Was geht mich der Holocaust an ? Als Deutscher, waehrend des Krieges geboren stelle ich die gleiche Frage, sehe ich doch den Holocaust als ein grausames und absolut verwerfliches historisches Ereignis,  Wie es im Laufe der Geschichte leider haeufig passiert is –nicht mehr und nicht weniger; Sagen Sie mir bitte jetzt welche Bedingungen man mir auferlegen sollte; Fuer meine schon geplante Reise in meine Heimat hoffe ich dass man mich unbehelligt ein – und aus-reisen laesst Und dass  ich mich nach wie vor  stolzer Besitzer eines deutschen Passes nennen darf ?  – Dr. Heinz Kestermann


Leserbrief zu „Hier gibt’s am wenigsten für Ihr Geld“ von M. Breitinger Und J. Tönnesmann

Bei Ihrer Leistungsrecherche im Nahverkehr des Ruhrgebietes, also VRR, ist Ihnen ein Fehler unterlaufen. Bei allen Abos des Ticket 1000 also Normalticket ist an Werktagen abends sowie an Wochenenden die Personenmitnahme ohne weitere Kosten möglich – was aber am Ergebnis nämlich dass es zu teuer ist, nichts ändert – Anna Konincks


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Frau und ich haben erst seit kurzem Ihre Zeitung abonniert, weil wir nach Jahrzehnten mit unserer hiesigenTageszeitung inhaltlich und stilistisch nicht mehr zufrieden waren. Aber über was Sie uns in dieser kurzen Zeit alles informiert haben, hätte ich nie für möglich gehalten. Um auf o.g Themen zurückzukommen, entsteht bei mir der Eindruck, dass in manchen Vorstandsetagen einige Raffkes, Nieten und Betrüger sitzen, die für ihr Fehlverhalten und ihre Mißwirtschaft auch noch hochbezahlt werden. Denn von „Verdienen“ im Sinne des Wortes kann ja keine Rede sein, wenn durch deren Agieren am Rande oder jenseits der Legalität für das jeweilige Unternehmen Milliardenschäden entstehen (z.B. Deutsche Bank oder VW) und letzten Endes Arbeitnehmer durch Entlassungen dafür büßen müssen, während die „feinen“ Herren auch noch Boni kassieren. Wenn dabei auch noch sogenannte Gewerkschaftler mit im Boot sitzen, die ja die Interessen der Arbeitnehmer vertreten und derartigen Mißständen entgegen treten sollten, dann kann ich nur sagen: Pfui Teufel! Weiter so, bleiben Sie dran. – Klaus Szogas


Leserbrief zu „Mein Gott, Schulz!“ von Marc Brost, Martina Kix Und Fabian Klask

Weder bin ich besonders religiös, schon gar nicht bigottisch. Aber, dass man dem „Herz-Jesu- Bild“ (Zeit Nr.7/2017) das Gesicht von Herrn Schulz verpasst, finde ich, geht zu weit.  Traurig, dass Ihre Zeitung so etwas ihren Lesern zumutet. Die sozialen Netzwerke (Internet) sind eine Seuche mit üblem Ausgang. Leserin der „Der Zeit seit Jahren“. – Helene Raffl


Leserbrief zu “ Kalter Bürgerkrieg“ von Moritz Aisslinger, Kerstin Kohlenberg Und Nicola Meier

Danke für den gut gemeinten Versuch der Klarstellung von jounalistischer Haltung. Aber m.E. geht es grundsätzlich nicht darum, ob der Anteil des fremdenfeindlichen Erlebnisses an der Entscheidung zur Kündigung nun 5% oder 80% betrug. Für mich ist jedes fremdenfeindliche Ereignis eines zu viel, da brauche ich keine Details. Die Beschreibung des Altenburger „Bürgerforums“ als ein „Grüppchen…“ empfinde ich als eine gefährliche Verharmlosung. Dort wird mit billigen populistischen und falschen Behauptungen Hass und Unfrieden gestiftet, auch gegen die Landrätin persönlich. Es geht – wenn schon von Komplexität die Rede ist – auch nicht nur um Altenburg. Es ist kein rechtes Nest. Aber: „Der Schoß ist fruchtbar noch“ – heißt es bei Brecht. Hass gegen Juden und Intellektuelle hat sich in Deutschland schon einmal verheerend in den Köpfen breitgemacht.

Das Dossier über Amerika zeigt mir, wie demokratisches Engagement und Pragmatismus gegenüber Einwanderern funktionieren kann. Warum melden sich bei uns nicht mehr prominente Vertreter von Wirtschaft, Verwaltung, Politik und intellektueller Elite zu Wort, um für Migranten einzutreten und Offenheit zu praktizieren? Mit Erschrecken fallen mir Parallelen auf, wenn deutsche Politiker die Abschiebung von Migranten als Wahlkampfmittel einsetzen, statt endlich Verantwortung zu übernehmen für gravierende Mängel im Umgang mit „Gefährdern“ im Falle des Berliner Attentats. Aber das alles scheint ja kaum jemanden in der Öffentlichkeit wirklich aufzuregen.  – Carola Arnold


Leserbrief zu “Verdienen diese Männer, was sie bekommen?” von Marc Brost et al.

Ich finde es richtig, die Entlohnung der DAX-Chefs zu thematisieren, insbesondere die Mitwirkung von SPD Funktionsträgern beim höchsten bekannten Managergehalt des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des VW Konzerns, Herrn Winterkorn. Wenn jetzt, der von vielen als Heilsbringer der SPD gefeierte Herr Schulz (s. auch Mein Gott Schulz in der gleichen Ausgabe), wieder einmal wie seine Vorgänger Schröder und Gabriel, vollmundig von den hart arbeitenden kleinen Leuten spricht, und einen gesetzlichen Maximallohn fordert, dann empfinde ich das als Heuchelei und eine Beleidigung der Intelligenz der sogenannten „kleinen Leute“. Es ist zu befürchten, dass diese Doppelmoral weitere Wähler für rechtspopulistische Parolen empfänglich macht.  – Dieter Klein


Leserbrief zu „Die Gespenster von Belgrad“ von Andrea Jeska

als regelmäßiger Leser der ZEIT erscheinen mir Ihre Artikel zu allermeist seriös. Jedoch stoße ich heute in der aktuellen Ausgabe auf Seite 4 und 5 auf einen Bericht samt Fotos über die Flüchtlingssituation in Belgrad, daneben zwei Meinungsbeiträge zur Frage, ob Auffanglager für Flüchtlinge in Nordafrika sinnvoll seien samt einer Statisik zu auf der Flucht Ertrunkenen – und unmittelbar darunter eine Anzeige für eine Luxusuhr (siehe Anhang). Man wird quasi vor die Wahl gestellt, die EU-Flüchtlingspolitik zu kritisieren oder sich die neue Cartier-Uhr für 21.800 Euro zu kaufen (laut der Cartier Webseite). Was für ein skandalöser Zynismus, besonders in Winter, besonders in diesen Tagen. Zugleich gehört die Doppelseite in die Vitrine als Musterbeispiel unserer heutigen sozialen Ungleichheit und die eigene Verstrickung in eben diese. Ich bin grundsätzlich von der Menge an Werbung in der ZEIT irritiert, aber hier wird eindeutig eine moralische Grenze verletzt. – Martin Pairet


Leserbrief zu “Kino auf Rädern” von Adrian Lobe

Interessanter Artikel, aber wer haftet in diesen Wundermobil mit Dauerbespaßung im Falle eines Unfalls? Auf die Autobauer würde ich mich ja nicht verlassen. Da ist mir das ehrliche Taxi bzw. der Wagen mit Chauffeur lieber und menschenfreundlicher. Die Vorstandsetagen der Automobilbranchen  scheinen  sich ja sehr zu langweilen bzw. verdrängen offenbar immer noch Begriffe wie Verantwortung, Haftung usw. Kein Wort dazu. Verständlich, aber auch ein Armutszeugnis. – Mag. Afra Margaretha


Leserbrief zu „Ich will Verbote!“ von Sebastian Dalkowski

Sehr erfrischend und sehr wahr. Wollen Sie diesbezüglich nicht eine kleine Reihe eröffnen? Ökologischer Fußabdruck, Artensterben, Klimawandel; Zudem soziologische Prognosen, die so langsam tatsächlich eintreffen? Ist der Bericht von Jorgen Randers („2052“) schon wieder so lange her, dass er nicht mehr aktuell ist? Wollen wir den Unzufriedenen im reichen Teil der Welt weiter vorgaukeln, wir könnten sie durch ewiges Wachstum in noch mehr Überfluss hinein noch glücklicher bzw. wieder glücklich machen? Wer soll diese Erwartungen erfüllen? Donald Trump? Marine Le Pen? Müssen wir tatsächlich erst alles verlieren, bevor wir den Kurs ändern? Klartext wäre die Aufgabe der ZEIT. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu “Auf dem Rückzug” von Carlo Masala

Und ein passendes Beispiel für die Irrwege, auf denen die deutsche Politikwissenschaft auch meiner Meinung nach unterwegs ist. Ein solcher Irrweg stellt sich  mir auch in der „Arndt-Debatte“ in Greifswald dar. In der nun schon 4. Kampagne seit der Wiedervereinigung haben Politikwissenschaftler und Historiker der Universität mit einer kleineren Zahl ihrer Studierenden im Senat die Streichung von „Ernst-Moritz-Arndt“ aus dem Namen der Universität durchgesetzt. Eine breitere aktuelle Diskussion dazu gab es bei dieser erneuten Kampagne nicht mehr. Dass nach dem Entscheid des Senates, zu dem es trotz erheblicher rechtlich zu beanstandender Verfahrensmängel kam, ein Proteststurm der Mitglieder der Universität und der Bürger der Region losbrach, „überraschte“ die Initiatoren und zeigt den von Carlo Masala kritisierten „Rückzug aus der Öffentlichkeit“ bestimmter, sich als „Eliten“ fühlender Gruppen an deutschen Universitäten – wenig Antworten auf brennende gesellschaftliche Fragen dafür unermüdliches Engagement auf selbst ausgewählten Schauplätzen. – Prof. Dr. med. Otto-Andreas Festge


Leserbrief zu “ Sind Auffanglager in Nordafrika sinnvoll?“ von Mariam Lau und Caterina Lobenstein

Leider gibt es wenig Hoffnung, dass sich die Probleme, die durch die in Europa Zuflucht suchenden Afrikaner entstehen, durch die Einrichtung von Auffanglagern, die auch verräterisch als Rückführungslager bezeichnet werden,  in den nordafrikanischen Staaten lösen lassen. Die Vorschläge des Bundesinnenminsters bieten Scheinlösungen, zwar immer juristisch unangreifbar, aber doch sehr papieren, sie werden an der Realität scheitern. Selbst wenn mit europäischem Geld Lager gebaut, Europabeamte zur Prüfung delegiert, Wachpersonal geschult und beaufsichtigt würde, wird die Zahl der Einreisewilligen weiter steigen und jede Planung überrollen. Mit der Überbelegung wird die Gewalt von beiden Seiten, zwischen den Insassen und den Bewachern, zunehmen.  Um sich ein gutes Gewissen zu bewahren, wird Thomas de Maisiere wegsehen müssen wie von Afghanistan, wo nicht die Sicherheit des Herkunftslandes gegeben ist, sondern eine schwache Regierung die Rückführung hinnehmen muss.

Ein anderer Bundesminister verfolgt die richtige Strategie. Entwicklungshilfeminister Müller will die Lebensverhältnisse in Afrika verbessern. Das geht nur, wenn alle in Deutschland, möglichst alle in Europa bereit sind, in den Ländern Afrikas eine eigenständige Industrie und Landwirtschaft aufzubauen. Wenn wir darauf verzichten, dort den Überschuss an Lebensmitteln und von Second-Hand-Ware abzusetzen, sondern eine Binnenwirtschaft fördern, die den Menschen Arbeit, Einkommen und eine Perspektive gibt, werden die Ursachen der Wanderungsbewegung bekämpft und nicht nur ihre für alle Betroffenen inhumanen Folgen. Dazu gehören in erster Linie Zurückhaltung unserer Exporteure und Ausfallbürgschaften für Investitionen, die gemeinsam mit einheimischen Fachleuten umgesetzt werden sollen. Unsere Wirtschaft und auch der IWF müssen anerkennen, dass nur Länder mit eigener Wertschöpfung Partner im Welthandel sein können. Es geht darum, Handel zu betreiben, der diesen Ländern nützt, und nicht, sie nur als Absatzmärkte zu betrachten. – Jürgen Kirschning


Leserbrief zu „Mit leichter Hand“ von Thomas Meyer

Seit Beginn meines Jura-Studiums (1968), damals  mit der Lektüre in seiner Allgemeinen Psychopathologie und der Psychologie der Weltanschauungen, haben mich bis heute Gedanken von Karl Jaspers zur Reflexion angeregt, zuletzt (2016) seine Notizen zu Martin Heidegger.

Ich glaube, dass es für jeden, der über sich und die Welt im Hier und Jetzt nachdenkt, weniger bedeutsam ist, welche Wirkung Jaspers zu seiner Zeit als Hochschullehrer bei seinen Kollegen, als Autor philosophischer Werke bei seinen Kritikern oder mit seinen Beiträgen zu damals aktuellen Themen in den Medien hatte. Vielmehr zählt das, was geistige Weite öffnet, den Blick frei macht, Freude am eigenen Denken hervorruft und in seiner geistigen Klarheit einfach begeistert. Das findet sich überall in seinen Werken zu den verschiedensten Themenbereichen.
Wir werden mitgenommen zu Orientierungspunkten, zu Aussichtspunkten eines philosophierenden Menschen und werfen den Blick auf unsere geistige Landschaft und ihre Bewohner.

Er war ein Suchender. Er hat es sich nicht leicht gemacht, und uns macht er es auch nicht.
Belehren oder Ratschläge erteilen wollte er nicht. Lehren ziehen aus dem eigenen Denken und die eigene Lebensführung  danach auszurichten, hat er als Aufgabe jedes Einzelnen angesehen.
So gibt es die Anekdote von Studenten des Theologen Karl Barth, der in Basel seine Vorlesung unter dem Hörsaal von Jaspers hielt. Sie hörten auch mal bei ihm rein und meinten, wenn es Karl Barth nicht gäbe, würden sie ihm folgen. Dazu Jaspers: Wie gut, dass es Karl Barth gibt.

Golo Mann, der bei ihm promoviert hatte, schreibt über ihn in seinem Brief vom 29.10.1945 an Erich von Kahler:
„…. In Heidelberg I saw nothing but Professors, especially Jaspers who was simply insatiable in talking and listening. He has become very white, thin and old and he and his (jewish) wife used to carry poison with them all through the last year. I must say that I respect him greatly in spite of his weaknesses. …” – Norbert Becker


 

02. Februar 2017 – Ausgabe 6

Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Ein prophetischer Artikel! Ein altes Schauspiel mit neuen Darstellern! Das Nachdenken über diese Lektüre kostete mich 5 Stunden Nachtschlaf. Die Mahner wurden schon immer verfolgt. – Detlef Hagge


Leserbrief zu „2+2=5“ von Josef Joffe

Ja, in Ihrem kurzen Kommentar bleiben 2+2=4.

Trotzdem ist der letzte Absatz äußerst manipulativ und liefert meiner Meinung nach wieder einmal einen berechtigten Grund für Kritik an meinungsmachender und verkürzender Darstellung durch die Medien – auch ich wäre fast auf Ihre Zahlenspiel hereingefallen.

Freilich haben nur 26 Prozent der Wahlberechtigten für Donald Trump gestimmt. Trotzdem war die Stimmenanzahl, die auf Trump entfielen fast genauso groß wie die für Clinton.

Dass nur 53,1 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl gehen, und dass man durch das Wahlmännersystem seit 240 Jahren mit etwas weniger Wählerstimmen eine Wahl gewinnen kann – dafür kann Donald Trump nun wirklich nichts. – Benedikt Flurl


Leserbrief zu „Godard irrt“ von Katja Nicodemus

Welch wunderbare Zeilen über den größten Tennisspieler aller Zeiten!

Federers Aufschlag ist vielleicht in seinen frühesten Kindestagen mal auf der Grundlinie aufgeprallt (dann allerdings sicher nicht mit 220 km/h). In den letzten 15 Jahren jedenfalls nicht mehr, denn das wäre ja ein so katastrophaler Fehlschuss, der noch nicht mal mir passiert (1. Verbansliga Mittelrhein). Schade, dass Sie in der ZEIT niemanden haben, der Ihnen hätte helfen können! – Torsten Heydrich

P.S.: Wäre es vielleicht möglich, dass Sie mir den Artikel auf den Sie sich beziehen: ZEIT Nr. 48/07 senden könnten?


Leserbrief zu „Innere Unsicherheit“ von Nadine Ahr et al.

Mit Fassungslosigkeit habe ich Ihren sehr guten Bericht über den Zustand unserer Polizei gelesen.Ich bin sicher nicht die Einzige,die sich Sorgen zu der inneren Sicherheit der Stadt macht.

Die Konsequenz,die daraus folgt,kann nur bedeuten,dass es mehr ausgebildete Polizisten gibt, und diese mit einer Ausstattung ausgerüstet werden,damit sie ihren Arbeitsalltag bewältigen können.

Geradezu skandalös ist,dass die Verantwortlichen – also die Politiker der jeweiligen Ressorts sowie der Polizeipräsident Herr K.Kandt, es nicht für nötig erachten,für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung standen!  Wer sollte es dann sonst tun?In diesem Zusammenhang,sei an die  Ereignisse der Zwanziger Jahre erinnert, wo sich z.T. durch Hinnahme der Gewalt,die Zustände zu Gunsten der Radikalen Parteien entwickeln konnten.

Es ist erschreckend,dass von der SPD nur wenige – außer der damalige Bezirksbürgermeister H.Buschkowskx von Neukölln,eine klare Linie vertreten,und danach handeln.Das ist die einzige Möglichkeit,der Gewalt zu begegnen! Arroganz und Schweigen der Verantwortlichen führt in die falsche Richtung und sind meines Erachtens unverantwortlich. – Marion Detzler


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Ihren Bericht habe ich mit großer Sorge und z.T. auch mit entsetzen gelesen. Was für ein Gebräu ist da entstanden? Vieles von dem las, hörte ich bereits aus anderen redaktionellen Quellen. Nun beschäftigt mich die Frage wie stabil ist eigentlich das staatliche System in den USA, oder anders gefragt welche Möglichkeiten bestehen denn wirklich unter welchen Szenarien den Staat auszuhöhlen und dann einen Systemwechsel hin zu einer diktatorischen Staatsform zu formen. So, wie Sie den Bericht angelegt haben, erfüllt er mich nur mit Sorge und Angst und von daher wäre es sehr hilfreich die Szenarien zu einem Systemwechsel zu beschreiben und in einem Ihrer nächsten Berichte zu veröffentlichen. – Klaus Voßwinkel


Leserbrief zu „Sie können mehr als nur rosa Blumen malen“ von Jana Gioja Baurmann

ich möchte mich auf diesem Weg für den Beitrag von Frau Baurmann bedanken. Ich bin ausgesprochen froh, dass die konservative und selbst auf nachvollziehbare Argumente durchaus verzichtende Darstellung von Herrn Binswanger nicht unwidersprochen bleibt. –  Doris Boden


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

Was Herr Schwägerl hier vertritt (allgemeine Dienstpflicht), ist genau das, was mir schon seit dem Aussetzen -war das so ? – der Wehrpflicht  in Deutschland durch den Kopf geht.Genau !

Wo besteht heute noch in Deutschland institutionell die Möglichkeit für junge Leute, Mitbürger  aus anderen Lebenswelten zu treffen  ? ( In den letzten Hauptschulen , den neuen Sekundärschulen ? Bei der freiwilligen Feuerwehr? In der Polizeiausbildung ?)

Neu ist für mich, den Gedanken des Gesellschaftsdienstes auf ältere Bürger im Ruhestand auszuweiten .
Auch das halte ich für einen guten Gedanken , der verwirklicht werden sollte. (Gut , dass er auch einen finanziellen Apekt hinzufügt !)

Wir haben gesellschaftlich viel zu wenig Kontakt untereinander,wissen viel zu wenig voneinander und ein gemeinsamer Dienst an unserer gesamten Gesellschaft würde helfen, uns gemeinsam zu achten,zu einen und zu stärken. – Horst-M.Gerngreif


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

Ihr Artikel spricht mir aus der Seele!!!

Ich bin 47 Jahre und habe 5 Kinder und das Haus wird immer voller, aber es ist wie ein Tagebuch und all´ die kleinen Dies und Das sind und waren mein Leben und mein Ich. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich an all die schönen Momente und Zeiten ohne sie erinnern kann. Auch von meinen Großeltern und Onkel und Tanten besitze ich solchen Kleinkram an denen meine Seele hängt. Z.B. liegt auf unserer Garderobe ein Hut von meinem Onkel, den er stets trug, als ich Kind war und mein Locher habe ich von meinem Großvater geerbt…

Was ich fragen wollte, wie sieht das Bild aus, das in ihrem Schlafzimmer hängt, ist es das Deckblatt von Z oder etwas ganz anderes. – Tabea Melekian


Leserbrief zu „Kleine Fehler, großer Schock“ von Kerstin Bund Und Claas Tatje

Herr Dr. Grube hat hier in Stuttgart nichts befriedet, sondern das Gegenteil ist der Fall. Das Tricksen und Täuschen der Bevölkerung durch die PSU und ihres obersten Ex-Chefs‘, Herrn Dr. Grube, ist hier in Stuttgart ganz schlecht angekommen. Wir müssen hier in weiten Teilen mit einer bereits jetzt gravierend zerstörten Infrastruktur zurechtrecht kommen – siehe Stadtbahn- und S-Bahn-Betrieb. Privateigentum wird beschädigt. Persönlichkeitsrechte mit Füßen getreten, wie z. B. das Recht auf körperliche Unversehrtheit, wenn es um die Nachtruhe und die Feiertagsruhe geht.  Auch das Feinstaubproblem der Stadt wurde und wird verschärft durch die anhaltende Zerstörung unserer Parkanlagen und den rund um die Uhr stattfindenden Baubetrieb.

Wenn er auch erst nach der Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung Bahnchef wurde und somit das Projekt übernommen hat; er selbst hat das Treiben um Stuttgart 21 weiterhin zugelassen. In der Finanzierungsvereinbarung war nämlich explizit der 31.12.2009 als möglicher spätester Beendigungstermin für S21 festgelegt. Ein möglicher Ausstiegsgrund war ein Anstieg der Kosten auf über 4,5 Milliarden Euro. Kein anderer als Dr. Grube hatte im Spätjahr 2009  sog. Kosteneinsparungspotentiale entdeckt und die Kosten für das Projekt angeblich gerade soweit zurechtrücken können, dass die Kündigung der Finanzierungsvereinbarung und eine geordnete Beendigung des Projekts obsolet erschien. Zu diesen plötzlich aufgetauchten „Kosteneinsparungspotentialen“ gehörte auch die Reduktion der Tunnelwanddicken im kritischen Untergrund. Dr. Grube trägt also die volle Verantwortung. Ein verantwortungsvoll handelnder Bahnchef mit genügend Mut hätte dieses Projekt zu diesem Zeitpunkt also gerade noch rechtzeitig beenden können und müssen.

Dieses ist nur ein Aspekt – und ein nicht unwichtiger für das Hinschmeißen des Herrn Grube, nehme ich an – nachdem sich nunmehr die Probleme um Stuttgart 21 zunehmend verschärfen. – Barbara Sandhoff


Leserbrief zu „2+2=5“ von Josef Joffe

Danke für diese „Zeitgeist“-Verstehenshilfe in Sachen Trump mit Hilfe der Literatur! Aber warum fand Dostojewski die obige Lösung zumindest auch „bezaubernd“? Oder denken wir an Lektüre aus Kindertagen. Singt da nicht Pippi Langstrumpf noch immer: „Ich mach mir die Welt, …, wie sie mir gefällt…“ Neigen wir, die „Vernünftigen“,  nicht vielleicht dazu, die Macht unserer Gefühle zu unterschätzen, hier z. B. die von Freiheit und Abenteuer und Verfügungsgewalt über andere? Denn diese Gefühle belohnt unser Belohnungssystem um so mehr, je mehr sie auf eine nahezu ununterbrochene, nun aber vor allem von Angstgefühlen getriebenen Aufmerksamkeit in der massenmedialen Öffentlichkeit treffen. Diese Wirkung schafft ihrerseits umso wirkmächtigere „objektive“ Tatsachen, je mehr ein Mensch an einer narzisstischen Selbstüberschätzung leidet, die auf Unsicherheitsgefühlen beruht. So wird auch ein „demokratisch“ gewählter Präsident zum Spielball – sowohl von Machtinteressen und „unvernünftigen“ Überlegenheitsgefühlen anderer als auch von entsprechend „vernünftigen“ Überlegenheitsgefühlen und Ängsten  bei uns. Wie wird der „Zeitgeist“ mit solchen Zusammenhängen umgehen? – Eckhard Heumann


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Lassen Sie mich auf Ihren Artikel mit einem Schmunzeln und einer kleinen persönlichen Statistik antworten:

Von den vier Katzen, die ihr Leben bisher mit mir teilten, haben zwei nicht einmal Stubenfliegen oder Hausspinnen gefangen. Die dritte Katze schaffte statistisch 0,5 Mäuse pro Jahr, und das vierte Tier hat – ja, Sie haben recht! –  in 17 Jahren mindestens 10 Vögel erlegt!

Meine – unwissenschaftliche  – Erhebung lässt daher einen möglichen differenzierteren Blick auf die von Ihnen genannten 13 Millionen Stubentiger zu. Darüber hinaus weiß ich aus verlässlicher Quelle, dass ein nicht unerheblicher Teil dieser Millionen sein Dasein als Stubentiger daselbst fristet; ebendiese nicht verlassen darf und seine Karriere maximal als Hausspinnenmörder beenden darf.

Die Idee mit der Katzensteuer hat noch weitere Phantasien in mir losgaloppieren lassen: ich sehe dunkel gekleidete sonnenbebrillte Gestalten um die Häuser streichen und heimlich Gärten und Eingänge ausspähen. Sie kommen von der „KGEZ – Katzengebühreneinzugszentrale“. Schafft Arbeitsplätze, und Bewegung ist gesund.

In diesem Sinne grüßt Sie recht herzlich eine Katzen- und Kastrationsfreundin (für Katzen!) – Susanne Middelberg


Leserbrief zu „Kleine Fehler, großer Schock“ von Kerstin Bund Und Claas Tatje

Die Deutsche Bahn steht vor erheblichen Herausforderungen – neben Dauerbrennern  wie Schienennetz, Güterverkehr und Stuttgart 21 (sowie seit einigen Jahren die Billigkonkurrenz  der Fernbusse im Personenverkehr) müssen neue technologische Konzepte entwickelt und umgesetzt werden, wie es z. B. in der Automobilindustrie unter dem Schlagwort Digitalisierung  schon seit Jahren geschieht.

Hierfür ist der Konzern in der Spitze denkbar schlecht aufgestellt: Grube war ein Vertreter der  traditionellen Bahnphilosophie, und daher sind die Vorbehalte gegen ihn im Aufsichtsrat durch- aus berechtigt. Dem von der Kanzlerin zum Kronprinzen erhobenen Ronald Pofalla fehlen sämtliche fachlichen (und wohl auch Management-) Kenntnisse und Fähigkeiten, einen Konzern wie die Deutsche Bahn in die Zukunft zu führen – ganz zu schweigen von Herrn Dobrindt, dem Minister für Verkehr und, jawohl, digitale Infrastruktur, der in seiner monomanen Fixierung auf die Ausländermaut die Führungskrise der Bahn mitverschuldet hat. Angesichts der Bedeutung des Schienenverkehrs für unser Land ist dies mehr als ein Jammer, es ist eine Schande. –Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Wenigstens Reden“ von Özlem Topçu

Ja, man muss mit Autokraten sprechen! Nein, Autokraten sind nicht per Definition „Männer“!

Vorsicht mit dem Begriff „Wahrheit“. Von der Definition von Wahrheit über „Fake News“ zur Zensur ist ein kurzer Weg. Demokratie beruht nicht auf Wahrheit sondern auf Interessenausgleich, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit – das alles in dem Bewusstein, dass es „Wahrheit“ nicht gibt, schon gar nicht in der Politik. – Gerd Reese


Leserbrief zu „Kleine Fehler, großer Schock“ von Kerstin Bund Und Claas Tatje

„ … er befriedete die Protestler von Stuttgart 21 …“ Wie bitte? Nächsten Montag haben wir die bereits 358.  (das ist Guinness-Buch-rekordverdächtig!) Montagsdemo gegen Stgt. 21. Selbst an den bitterst frostigen letzten Montagen kamen jeweils viele Hunderte  von – nein, nicht Protestlern, welch abschätziges Wort der ZEIT  für viele blitzgescheite Leute und Redner, darunter auch viele ZEIT-Abonnenten – sondern aus bis heute anhaltend überwältigend guten Gründen Protestierenden,  Nachdenkenden, für ihre Stadt verantwortlich Fühlenden und Handelnden.  – Eberhard Rapp  


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

In diesen turbulenten Zeiten ist die deutsche medienpolitische Elite in der Verantwortung, den Menschen weltweit zu erklären, was Demokratie ist und was Wahrheit. Die Beispiele England (Brexit), USA (Trump), Ungarn, Polen und vielleicht bald auch Frankreich und die Niederlande zeigen, dass weder die direkte noch die repräsentative Demokratie uns schützen vor alten weißen wütenden Männern, die rassistisch sind und undemokratisch.

Schon Rousseau erklärte, dass das Gemeinwohl a priori feststehe und von allen freien Menschen automatisch angestrebt werde, und dass Menschen mit egoistischen Sonderinteressen unfrei seien und „zur Freiheit gezwungen“ (Originalton Rousseau) werden müssten. Josef Joffe betont zurecht, dass die Wahrheit objektiv sei, und dass nur 26% der Amerikaner Trump gewählt hätten. Die Hamburger rotgrüne Regierung haben immerhin 32% der Wahlberechtigten gewählt.

Unsere demokratischen Parteien und Leitmedien in Deutschland zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich einig sind in der Bestimmung des Gemeinwohls (außer der AfD natürlich!). Daher ist auch eine allgemeine Dienstpflicht für junge und alte Menschen im Sinne des Gemeinwohls zu befürworten. Kritikern, die sich etwa auf Heinrich Heines Diktum berufen, Robespierre sei die blutige Hand Rousseaus gewesen, sei gesagt: Dieser Heine, was war denn dem sein Vaterland, Frankreich?  – Klaus Lüßenhop


Leserbrief zu „Kleine Fehler, großer Schock“ von Kerstin Bund Und Claas Tatje

Herr Grube fiel in Stuttgart immer nur durch faktenfreie Duchhalteparolen auf, weder durch aktuelle Sachkenntnis noch durch Gespür für eine Situation. Meinen Sie, der Schwarze Donnerstag am 30.9.2010 hätte stattfinden können ohne die Zustimmung des Bahnchefs? Ich kenne niemanden unter den Demonstranten für einen optimierten Kopfbahnhof, der sagen würde, Herr Grube hätte als Bahnchef den Konflikt befriedet. Er hat mit seinen Sonntagsreden alles immer nur noch schlimmer gemacht, und seine Fehlentscheidungen werden den Bahnverkehr in ganz Deutschland noch lange ausbremsen. – Dorothee Speck


Leserbrief zu „Laut und zäh“ von Siri Hustvedt

Amerika hat mit Trump den Kandidaten der niederen Instinkte zum Präsidenten gewählt, einen Mann, der Anstand, Moral, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie so unverhüllt lächerlich gemacht hat, dass kein Zweifel an dem, was zu erwarten war, herrschen konnte. Der Teil seiner Wähler, der angeblich gute Gründe für seine Wahl hatte, verdient keine Absolution, gezählt wird die abgegebene Stimme, nicht die Motivation. Auch sie tragen die Verantwortung für Trumps Regierung.

Nicht wenige seiner Wähler haben allerdings genau diesen Kandidaten mit Freuden gewählt. Ob rechte Radio- und Fernsehsender oder Internetseiten wie Breitbart news hatten die Bahn für Lüge, Verachtung und Hass bereitet, die durch die Wahl dieses Präsidenten nun scheinbar legitimiert sind. Es ist beängstigend zu sehen, wie dünn offensichtlich der Firnis der Humanität und Zivilisation ist und wie leicht sich selbst in wohlhabenden, rechtsstaatlich geordneten Gesellschaften atavistische Instinkte mobilisieren und instrumentalisieren lassen. Es ist die Frage, ob der Widerstand laut und zäh genug sein wird oder ob nicht Trump und Co. im Verein mit den Zynikern, den Opportunisten und den Ängstlichen die Oberhand gewinnen. Nicht zuletzt wird das entschieden durch das große Geld, wenn z.B. Bastionen wie CNN oder die New York Times in die Hände von Trump-Freunden geraten, wenn der Widerstand marginalisiert werden kann. – Tilli Isemann-Schollweck


Leserbrief zum Thema „Trump-Schock“

Bei der Lektüre der heutigen Zeit-Ausgabe (Nr. 6 vom 2.2.2017) war ich überrascht, über welch subtilen politischen Humor die Zeit Redaktion verfügt: nach einem Artikel über den Trump-Schock und das Einreiseverbot auf Seite 3 folgt auf Seite 10 eine viertelseitige Werbeanzeige mit dem Inhalt: „Freiheit spüren. Sehnsucht stillen. Mit dem Schiff (und mit Stil) über den Atlantik nach New York! Die Freiheitsstatue hat ihren Trauerflor abgeworfen und winkt fröhlich, freundlichst, Ihre Zeitreisen.“ – Dr. Dietmar Heinz


Leserbrief zu „Die paywall kommt“ von Heike Buchter

Warum beträgt die Unternehmenssteuer in Deutschland nur 15,8%? Warum wird die Gewerbesteuer nicht dazu gezählt? Das vermittelt einen falschen Eindruck. – Claudia Lechte


Leserbrief zu „Der Bauchredner“ von Roman Pletter

Das ist wieder mal ein Artikel, den ich überhaupt nicht verstanden habe! Herr Tichy ist mir aus etlichen Auftritten im ARD – Presseclub bekannt. Mir ist an Herrn Tichy nichts aufgefallen, was mich an Pegida oder AfD erinnern könnte. Offensichtlich ist Ihr Redakteur (Roman Plettler) dermaßen abgehoben, dass er die Meinungen „normal“ denkender Menschen nicht mehr kennt geschweige denn akzeptiert! –  Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

In turbulenten Zeiten braucht EUROPA eine allgemeine Dienstpflicht für junge Leute!

Großbritanien kehrt Europa den Rücken, Amerika schottet sich ab, in vielen Staaten gibt es Bestrebungen sich hinter seine Grenzen zurückzuziehen (in einigen die Grenzen zu erweitern)!

Europa ist jahrzehntelang den umgekehrten Weg gegangen:

Jahrhundertelange „Erbfeindschaften“ sind vergessen, Grenzen wurden durchlässig, lösten sich auf, kein Grenzbaum blockiert die Fahrt durch einen Kontinent der unterschiedlichsten Kulturen!

Europa hat Großes erreicht! Staaten, die sich zusammen tun, Menschen, die sich frei über viele Nationen bewegen können um dort zu leben und zu arbeiten. Und das alles ohne die eigene Kultur zu verleugnen!

Wie die Menschheit friedlich zusammenleben kann, wird in Europa erprobt, nicht ohne Fehler und Rückschläge, doch es ist der richtige Weg! Nirgends in der Welt ist man bisher so weit gekommen, sind Grenzen so offen, gibt es eine gemeinsame Währung.

Und deshalb ist Europa es Wert dafür zu kämpfen:

Die Nato ist obsolet! Die europäischen Partner engagieren sich nicht genug für das westliche Verteidigungsbündniss?

Stimmt! Es ist Zeit, dass Europa für seine Interessen einsteht und für sie kämpft!

War es nicht auch Rücksichtnahme auf amerikanisiche Bedenken, dass eine eurpäische Armee in Konkurrenz zur Nato stehen könnte?

Waren es nicht auch die Briten, die ihre Militärmacht nicht in einer europäischen Armee aufgehen lassen wollten?

Jetzt ist der Moment unsere Kräfte zu bündeln und selbst europakritische Regierungen, wie die Polens haben angedeutet, dies mitzutragen. Europa muss nicht nur die Idee der Freiheit verkörpern sondern auch verteidigen, zum Beispiel an den Grenzen der baltischen Länder.

Eine allgemeine Dienstpflicht, die nicht nur die Armee sondern auch soziale und ökologische Einrichtungen tragen würde, sollte dabei ganz Europa STRESSTAUGLICHER machen. Mindestens die Hälfte der Zeit wären die Männer und Frauen im Ausland tätig, wobei ihnen dort auch die Sprache und Kultur des Gastlandes vermittelt wird. Freundschaften werden sich über einen ganzen Kontinent erstrecken, wer würde dann noch eine Mauer hochziehen oder diesen Bund verlassen wollen. –   Ralf Grünewald


Leserbrief zu „Sie können mehr als nur rosa Blumen malen“ von Jana Gioja Baurmann

Mädchen von Mathe fernhalten ? Und das dann noch pseudoempirisch belegen ? Ja, das hätte so manchem ganz gut ins Konzept gepasst, denn in Naturwissenschaft und Technik sind viele gutbezahlte Jobs zu finden. Da hält man(n) sich doch gerne die Konkurrenz vom Leib.

Frau Baurmann sei Dank, dass sie den tieferen Zusammenhang aufdeckt: Dort, wo es um die Gleichberechtigung schlecht bestellt ist, sind Mädchen tatsächlich geringer motiviert für die MINT-Fächer. Woran das wohl liegt ? Ein Beispiel: Im Gymnasium meiner Kinder gab es einen Mathematiklehrer, der oft und gerne seine Meinung kundtat, für Mädchen reiche es aus, bis vier zählen zu können, denn das wäre die maximale Zahl von Kochplatten. So etwas soll keinen Einfluss auf die Neigungen und Interessen haben ?

Ich unterrichte selbst Mathematik und stelle fest, dass bei jungen Erwachsenen mit technischer Ausrichtung die Frauen meist zur Spitzengruppe gehören.  – Rüdiger Meinardus


Leserbrief zu „Betreten verboten!“ von Alice Bota

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen.  Darin schildern Sie u. a. Ihre Erlebnisse auf Veranstaltungen mit Lesern.  Dass Leser der ZEIT glauben, dass die Redaktion die Themen und Inhalte an ihre Korrespondenten vorgeben, irritiert mich zu tiefst.  Woher kommt diese Vermutung der Leser? Die ZEIT ist doch Revolverblatt!  Ich habe die ZEIT auch schon sehr viele Jahre im Abo und stelle gerade in den letzten Jahren einen selbstkritischen Umgang mit Themen und Formulierungen fest.

Das gefällt mir und gibt mir ein gutes Gefühl, dass ich immer besser informiert werde.  Auch dann, wenn die Umstände schwierig sind, so wie Sie in Ihrem Artikel über die Ukraine beschreiben.  Gut finde ich auch bei vielen Recherche-Artikeln den Infokasten, in dem Angaben zu den Umständen der journalistischen Arbeit gemacht werden; wer hat wen wann wo wie oft getroffen usw.  Ich wünsche Ihnen bei Ihren Recherchen weiterhin viel Kraft und Erfolg. – Franziska Hermanns


Leserbrief zu „Der heitere Populist“ von Georg Blume und Elisabeth Raether

Kann Le Pen Präsidentin werden? Wie soll sie die absolute Mehrheit bekommen? Das ist sehr unwahrscheinlich (S. Umfragen) Außerdem könnte sie nicht regieren, da sie keinen einzigen Abgeordneten im Parlament hat. Beim Mehrheitswahlrecht muss ein Kandidat die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang haben oder die relative im zweiten Wahlgang. Meistens gibt es aber nur noch zwei Kandidaten im 2. Wahlgang, sodass wiederum die absolute Mehrheit notwendig ist. Die FN hätte meiner Meinung nach extrem wenig Abgeordnete. Macron hat nicht einmal eine Partei. Wie soll er regieren? – Gérard Dugave


Leserbrief zu „Die paywall kommt“ von Heike Buchter

So wie Sie die Grenzausgleichssteuer beschreiben, erscheint sie mir in ihren Auswirkungen doch sehr mit unserer Mehrwertsteuer vergleichbar, nur dass letztere transaktionsbezogen erhoben wird, während erstere anhand der Unternehmensbilanz ermittelt würde. Im Ergebnis wird jeweils der mit Endkunden im Inland erzielte Umsatz mit 20 % (USA) oder 19% (Bundesrepublik) belastet. Mit einer solchen Steuer sollte man nicht die WTO befassen, sondern vielmehr mit den USA über die Dauer des Einführungszeitraums sprechen. Eine schlagartige Umstellung beschert den USA Inflation und vernichtet Investitionen bei den Handelspartnern. Mittel- bis langfristig könnte man den USA aber kaum vorwerfen, wenn sie – endlich – ihr strukturelles Handelsbilanzdefizit in den Griff bekommen wollten.

Noch ähnlicher wäre die Besteuerung übrigens, wenn die bisherige US-Unternehmenssteuer im Gegenzug nicht abgeschafft, sondern auf 14% gesenkt würde. Unsere Körperschaftssteuer beträgt ja auch nur 15%. Dann wäre die Summe der Steuerbelastung jeweils 34 % (plus Gewerbesteuer hier und lokale Mehrwertsteuer dort).

Leider haben die Amerikaner mit der Wahl von Trump auch für eine Steuersenkung gestimmt, die ihre Staatsfinanzen weiter aushöhlen würde. Aber das ist deren Angelegenheit, nicht unsere. – Andreas Genau


Leserbrief zu „2+2=5“ von Josef Joffe

Wo ist der wunderbare nüchtere Schreibstil von J. Joffe geblieben? Es scheint, dass die Tump Hysterie auch ihn erfasst hat. Mit Orwell lässt sich Trump nicht beschreiben, ich bin überzeugt,dass Joffe es auch weißt. Die ausverkauften „1984“-Exemplare sind lediglich eine Panik- und Modeerscheinung der urbanen Mittelschicht in drei US-Staaten, die sich H. Clinton erhofft hatten. – Marec Pelc


Leserbrief zu „Schläge nach dem Terror “ von Wolfgang Bauer

Die Frage, ob in der Hektik unmittelbar nach dem Weihnachtsmarkt-Anschlag einem zunächst Verdächtigten Gewalt und sogar Folter angetan wurde (für diese Tatbestände reicht übrigens das deutsche Strafrecht, da muss man nicht gleich UN-Resolutionen bemühen), wird wohl ungeklärt bleiben, da hier die Aussage des Betroffenen gegen die Aussagen der Polizei stehen.

Was nun die Glaubwürdigkeit des Herrn Baloch angeht, so sollte man in Erwägung ziehen, dass bereits seine Behauptungen zu den vorgebrachten Asylgründen äußerst zweifelhaft sind: der Konflikt zwischen Beluchi-Separatisten und der Regierung hatte seinen Höhepunkt vor über zehn Jahren schon überschritten, und von dem „vergessenen Krieg“ in Beluchistan war zuletzt um 2005 die Rede – wobei es sich dabei nie um einen Bürgerkrieg gehandelt hat. Baloch war damals 14 Jahre alt, und somit ist die angebliche Flucht mit diesem „Krieg“ kaum glaubhaft zu begründen. Bedauerlicherweise wird aber in dem Zeit-Artikel die Mär vom „Krieg, über den in Europa niemand berichtet“ und vor dem B. geflohen sein will, offenbar ungeprüft und unkritisch übernommen und macht so voreilig aus dem irregulären Migranten uns Asylbewerber aus Pakistan einen potentiellen Flüchtling. Übrigens wird auch unterschlagen, dass B. im November 2016 bereits polizeibekannt war – allerdings nur als Kleinkrimineller. – Prof. Bernd Leber


Leserbrief zu „Wir stehen alle im selben Wind“ von Steffen Martus

Bei aller Euphorie über Raoul Schrotts Erste-Erde-Epos muss man das Versäumnis des fleißigen Rechercheurs und Skribenten beklagen, die nomen est omen Ur-Schrott-Theorie nicht berücksichtigt zu haben. So hätte es in Anlehnung an Luthers Übersetzung der ersten Johannes-Worte heißen können: im anfang war der schrott und der schrott war bei gott und gott war der schrott. In Spinozas Diktion: deus sive natura. Und laut Goethe: Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, Ich muss es anders übersetzen.

Kein Wunder, dass Immanuel Kant angesichts des bestirnten Himmels vor Bewunderung und Ehrfurcht erstarrte: Alles Schrott da draußen und hienieden sowieso. Ob das moralische Gesetz in mir schrottreif geworden ist, wird wohl nach der Lektüre des kosmologischen Wälzers offen bleiben. – Alfred Schubert


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Ihr  Artikel „Kampf dem System“ sollte in allen Zeitungen veröffentlicht werden, in allen Schulen gelesen werden, in jedem Eck des öffentlichen Raums veröffentlicht werden, in allen Medien publiziert werden.

Bitte sorgen Sie für eine große Verbreitung!!!Dr. Alexander Tillinger


Leserbrief zu „Die paywall kommt“ von Heike Buchter

Im Absatz 6 wird behauptet, die Unternehmenssteuer in Deutschland beträgt 15,8 %. Das ist nur die halbe Wahrheit. Die Unternehmenssteuer (Gewinnsteuer) bei Kapitalgesellschaften errechnet sie wie folgt:

Körperschaftsteuer incl. Soli                     15,82 %

Gewerbesteuer je nach Hebesatz ca.      15,00 %

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Gesamt                                                     31,82 %

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Peter Gerdes


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

In der aktuellen ZEIT No.6 vom 2. Februar 2017 äußerte sich die Autorin Linda Tutmann zum Thema Minimalismus. Dabei fällt auf, dass sie sich offenbar nur sehr peripher mit der Essenz dieses Lebensstils beschäftigt hat. Die Autorin reduziert den minimalistischen Lebensstil auf “Es gilt als schick, so gut wie nichts zu haben” und beschreibt Minimalisten als “Anhänger der leeren Lehre”. Leider verpasst Frau Tutmann hier die Chance, sich tiefer damit auseinanderzusetzen, wofür Minimalismus tatsächlich steht, denn wie man aus dem Artikel herausliest, scheint sie der wahren Grundidee in keinster Weise abgeneigt zu sein.

Zu allererst sei gesagt, dass Minimalismus als Begriff keine fixe Definition hat. Stattdessen bietet es eine Hand voll Grundwerten, aus denen sich jeder frei bedienen kann. Einer dieser Grundwerte besagt: “Liebe Menschen, benutze Dinge. Das Gegenteil kann nie funktionieren”.

Im Wesentlichen geht es darum zu reflektieren, in welchem Verhältnis man zu seinen eigenen Besitztümern steht. Minimalismus kritisiert den gesellschaftlichen Fokus auf den Besitz von Objekten, von Dingen, als Definition von Erfolg und sozialem Aufstieg. Sich den Porsche mit 40 endlich leisten zu können und es damit “endlich geschafft zu haben”, das ist das Lebensmodell, dem sich der Minimalismus entgegenstellt. Er mahnt an, sich nicht über den Besitz von Objekten zu definieren, sondern stattdessen über Erlebnisse und Erinnerungen. Dr. Travis Bradberry hat diese Idee in einem Artikel in der Huffington Post (oben verlinkt) einmal wunderbar auf den Punkt gebracht: „Buying an Apple Watch isn’t going to change who you are; taking a break from work to hike the Appalachian Trail from start to finish most certainly will.“

Definiere dich über all das, was du erlebt und gelernt hast und über die Menschen, mit denen du dein Leben teilst. Definiere dich nicht darüber, ob du eine teurere Uhr am Handgelenk trägst als dein Gegenüber. Um nichts anderes geht es.

Wie extrem sich diese Lehre jedoch in der Praxis äußert, ist jedem selbst überlassen. Es gibt Minimalisten wie Andrew Hyde, die nur 15 Dinge besitzen, und es gibt “Minimalisten”, die lediglich beschlossen haben, bewusstere, langfristigere Kaufentscheidungen zu treffen und weniger verschwenderisch zu leben.

In unserer Gesellschaft wird viel Geld für Krams ausgegeben.

Ein zweiter Grundwert des Minimalismus besagt, Objekte danach zu beurteilen, ob sie das eigene Leben erfüllter machen, und sich von all dem Clutter zu trennen, der zur Belastung wird. Die Autorin Linda Tutmann missversteht diesen Grundwert schon in der Überschrift ihres Artikels. Sie fragt: “Wie soll jemand, der nicht mal bereit ist, ein altes T-Shirt aufzubewahren, Menschen die Treue halten?”. Unabhängig davon, dass sich dieser Zusammenhang grundsätzlich nicht erschließt, ist diese Frage auch eine bösartige Unterstellung: Du trennst dich von unnützem Zeug? Dann bist du mit Sicherheit auch ein untreuer Mensch. Das ist ganz offensichtlich Blödsinn.

Der Minimalismus mahnt an, es mit dem Konsum nicht zu übertreiben. Und dafür hat er gute Gründe, wie sich anhand von wenigen Zahlen belegen lässt:

– In einem durchschnittlichen amerikanischen Haushalt befinden sich 300.000 Objekte (Quelle).

– Jeder zehnte Amerikaner mietet sich Platz zum Lagern von Objekten an, die nicht mehr in den eigenen Haushalt passen (Quelle).

– Im Schnitt besitzen 10-jährige Kinder in Großbritannien 238 Spielsachen, nutzen davon aber nur 12 pro Tag (Quelle).

– 47% der amerikanischen Haushalte leben sparen keine (Quelle).

– Amerikaner geben mehr für Schmuck, Schuhe und Uhren aus als für private Bildung (Quelle).

Diese Liste lässt sich noch deutlich weiterführen.

 

Und nicht nur theoretisch, auf praktisch lässt sich jedes Jahr z.B. am Black Friday beobachten, was passiert, wenn Menschen um die besten Schnäppchen streiten. (klick hier)

Minimalismus lehrt, nicht nur ungehemmtem Konsum zu widerstehen, sondern sich zusätzlich auch von Dingen zu trennen. Während die ZEIT-Autorin Linda Tutmann jedoch Angst hat, jemand wolle ihr ihr Lieblingsbild über dem Bett wegnehmen, weil es keine Funktion erfüllt, ist vielmehr das Gegenteil der Fall. Minimalismus sagt: Investiere in Dinge (Objekte, Erlebnisse), die dich glücklich machen und trenne dich von Dingen, die dich belasten. Zahlreiche Bilder, riesige Vinyl-Sammlungen, nichts davon wird verurteilt. Dass angeblich jeglicher Besitz wegrationalisiert wird und nur noch Spotify und digitale Fotos erlaubt sind, wie Frau Tutmann behauptet, ist Quatsch. Es geht nicht um den funktionalen Wert, sondern um den Emotionalen.

Sich von Dingen zu trennen, sie zu spenden, zu verkaufen oder im Notfall auch wegzuschmeißen, macht die emotionale Bindung erst sichtbar. Sich zu sagen “Ich besitze 5 verschiedene Pullover. Mehr brauche ich nicht. Wenn also ein neuer hinzukommt, gebe ich einen Alten weg.” erhöht die Wertschätzung für das einzelne Objekt. Es macht den Kauf von Dingen bewusster, weil er Konsequenzen hat. Ist man bereit, für diesen neuen Pullover einen alten wegzugeben? Brauche ich überhaupt einen Neuen? Nur weil er billig ist, ist das wirklich ein Grund, ihn zu kaufen? Es geht nicht darum, Bilder wegzuschmeißen, weil sie keinen funktionalen Wert erfüllen. Es geht darum, das Wert zu schätzen, was man besitzt, anstatt sich ständig auf das zu fokussieren, was man besitzen könnte.

„You have this thing that you were obsessed about. But then the new version comes out and now you no longer care about the one you have. In fact, the one you have is a source of dissatisfaction.“ – Konstantin Escher


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

Mit großer Zustimmung habe ich den Artikel von Christian Schwägerl gelesen. Wünschenswert wäre es, wenn alle Parteien sich dieses Themas auch im bevorstehenden Wahlkampf positiv annehmen könnten. Sie würden damit ein klares Signal an unsere jungen Wähler richten. Dieses Thema darf allerdings im Wahlkampf durch Ablehnung von Parteien nicht als Stimmenfanginstrument missbraucht werden.

Um dieses sinnvolle, den Zusammenhalt in der Gesellschaft fördernde und persönlichkeitsentwickelnde Instrument durchaus auch attraktiv anzureichern, wäre eine Verknüpfung auf europäischer Ebene mit EU-Mitgliedsländern, die ebenso einen Sozialdienst verlangen, im gegenseitigen Austausch denkbar. Der Anreiz, den Sozialdienst auch im europäischen Ausland absolvieren zu können, könnte viel von dem Gefühl einer aufgezwungenen Pflicht nehmen und würde den europäischen Gedanken mit Leben füllen. – Hans-Wilhelm Hoffmann


Leserbrief zu “ Wie viel Schulz erträgt das Land?“ von Fabian Klask und Matthias Krupa

Ihr Artikel über Martin Schulz, den Mann der verbrannten Erde und der Erzeuger des Schuldenchaoses in Würselen unter dem die ganze Stadt seit Jahren leidet, ist die dümmste und erlogenste Propaganda, die ich jeh gelesen habe.

Und die Behauptung man könnte aus dem Insolenzbad Aquana ins Wurmtal schauen zeigt mir das Sie nur „dumm abgeschrieben“ haben ohne vor Ort gewesen zu sein.

Wenn dieser Mann dann Kanzler ist und ein weiteres Mal Chaos hinterlässt wie auch in Brüssel um sich die Taschen voll zu machen und seinen Machthunger zu stillen, dann werden Sie vllt. bereuen was Sie da geschrieben haben um Ihm zu Stimmen zu verhelfen. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „»Neue Verteilungsdebatte«“ ein Gespräch mit den Soziologen Luc boltanski und Arnaud Esquerre, geführt von Gero von Randow

Ws geht um den Artikel „Neue Verteilungsdebatte“. Ich bin Abonnentin, Witwe, 66 Jahre alt, keine Kinder, in Rente seit 01.0.2015. Das Interview mit den Herren Esquerre und Boltanski hat mir sehr gefallen. Vor allem die Aussage von Herrn Boltanski zur Werbung. Mir ist das auch schon öfter aufgefallen, auch in Ihrer Zeitung und im Magazin. Die Preise in Ihrem Shop haben ein erhöhtes Preisniveau, so dass nicht jeder diese Sachen kaufen kann. Ich werde mir das erwähnte Buch der beiden „Eine Kritik der Ware“  kaufen. Der letzte Satz von Herrn Esquerre „Wo also ist deren Anteil am Wertezuwachs“ ist eine Frage, die sehr berechtigt ist. Denn mein Eindruck ist, dass die Politiker hierzulande sich mehr um Lobbyisten und das eigene Säckl kümmern anstatt  um das „gemeine“ Volk. Das wird so lange gut gehen, bis es zu spät ist. Ich könnte noch viel zu diesem Thema schreiben, da es mich sehr beschäftigt. Ich selbst bin sehr gut versorgt und könnte sagen, das interessiert mich nicht. Aber ich habe Augen um zu sehen und Ohren um zu hören ……- Undine Mix-Falter 


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

Der Autor führt gute Gründe für eine allgemeine Dienstpflicht auf – und vergisst doch aus meiner Sicht den Wichtigsten: Wir brauchen wieder eine Organisation, in der sich Menschen aller Schichten begegnen. Die Reichen schicken ihre Kinder in selbstverwaltete Kindergärten, sie besuchen Privatschulen und an der Uni begegnen sie auch nur mit geringer Wahrscheinlichkeit Kindern aus Hartz-IV-Familien. Für viele dieser Kinder der oberen Mittelschicht gilt als arm wer nicht zum Christmas-Shoppingnach New York fliegt.

Umgekehr verlassen Kinder aus armen Familien nur selten ihren Stadtteil, Menschen deren Eltern allmorgendlich zur Arbeit gehen, kennen sie nur aus dem Fernsehen.

Für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft ist das verheerend.Ich denke gerne an meine Zivildienstzeit zurück, in der ich Menschen aller Schichten und Einkommensverhältnisse kennenlernen durfte – auch solche, die aus vermeintich sicheren sozialen Höhen abgestürzt waren.

Eine allgemeine Dienstpflicht (aus der man sich nicht freikaufen kann!) wäre eine wirkliche Bereicherung für alle. – Holger App


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

Es gibt immer wieder diese Artikel in der Zeit, nach deren Lektüre ich dem/ der Autor(in) einfach nur schreiben möchte: Toll!. So auch diesmal. Ich möchte Ihnen aber auch gerne darüber hinaus eine kleine Geschichte von mir erzählen.

Vor vielen Jahren (ich bin jetzt 49) benötigte ich ein neues Fahrrad. Ich liebe Fahrräder. Die Technik und deren Ästhetik. Ich muss vor fast jedem Fahrradladen stehen bleiben und mir die Räder anschauen. Der Laden meines Vertrauens hatte zu dieser Zeit einige interessante Angebote, die ich wieder und wieder probefuhr. Der Verkäufer war irgendwann schon ein wenig genervt von mir und übte irgendwann eine wenig Verkaufsdruck aus, dem ich mich damals gerne fügte. Er maß meine Beinlänge und bestimmte darüber die Rahmengröße, die anders war als die des Rades, welches ich ausprobiert hatte. So erhielt ich also ein Fahrrad, mit dessen Rahmengröße ich eigentlich nicht 100% glücklich war (etwas zu klein). Ich fahre es noch heute. Nach unzähligen Modifikationen.

Ich kaufte das Fahrrad mit einer damals sehr modernen 8-Gang Nabenschaltung. Nach ein oder zwei Jahren fand ich, dass diese Nabenschaltung irgendwie schwergängig sei und kraftraubend. Zufällig bekam ich dann einen neuen Kollegen, der nicht nur Radsportler war sondern auch solchen modischen Trends wie Single Speed Fahrrad fahren folgte. Nach einigen Recherchen fasste ich den Mut einfach mein Fahrrad umzubauen. Ich ersetzte das Hinterrad mit der leidigen Nabenschaltung durch ein Hinterrad ganz ohne Schaltung. Single Speed halt. So fuhr ich mit dem Rad ebenfalls ein- zwei Jahre, bis ich auch damit nicht mehr glücklich war, da das Anfahren mit so einem einzelnen Gang (ich wählte damals eine recht hohe Übersetzung, damit ich bei meiner üblichen Reisegeschwindigkeit nicht mit super hoher Frequenz treten musste) doch recht mühsam war. So baute ich mir eine Kettenschaltung ein. Mit der fuhr ich ebenfalls ein paar Jahre. Zwischenzeitlich baute ich noch verschiedene Lenker ein (um die zu kleine Rahmengröße auszugleichen), verschiedene Vorbauten und verschiedene Pedale. Letztes Jahr merkte ich, dass mir das Radfahren (ich fahre damit täglich zur Arbeit) mittlerweile zu erschöpfend war. So entschloss ich mich einen recht teuren Elektromotor einzubauen. Also wieder das Hinterrad ausgewechselt und durch ein Hinterrad mit Motor ersetzt. Akku an den Trinkflaschenhalter, Kabel, fertig. Zuletzt habe ich mir noch ein hinteres Schutzblech auf das Vorderrad montiert (geht jetzt nach vorne deutlich weiter über den Reifen), da mir bei Regen immer zu viel Wasser hochspritze. Da ich damit etwas schneller unterwegs bin habe ich außerdem noch ein größeres Kettenblatt am Tretlager montiert. Wahrscheinlich habe ich noch mehr an dem Fahrrad umgebaut, was mir jetzt spontan nicht alles einfällt.

Ich bleibe immer noch vor jedem Fahrradgeschäft stehen und muss mir die Räder dort anschauen. Häufig finde ich dabei ein Fahrrad, dass ich toll finde und denke, dass ich dieses oder jenes gerne hätte. Und dann denke ich an mein Fahrrad, dass mich so häufig genervt hat, in das ich aber auch so viel Zeit und Energie gesteckt habe. Nicht nur durch die Umbauten. Natürlich auch durch die vielen tausend Kilometer, die ich darauf gefahren bin, darauf geschwitzt und mich auch häufig gequält habe (auch durch viele Sättel, die ich ausprobieren musste). Und die vielen Stunden, die ich es geputzt und gepflegt habe. Wer weiß, ob ich mich jemals davon trennen kann. – Mirko Strick


Leserbrief zu „Im Wunderland der Korrektheit“ von Josef Joffe

Zunächst vielen Dank an DIE ZEIT für eine weitere Folge in „Wir diskutieren ein Thema – u. U. auch kontrovers“ Das ist das, was ich an Ihrer Zeitung so schätze und für meine eigene Meinungsbildung für so wichtig halte. Zum Thema.

Vielen Dank Herr Joffe für Ihre Erwiderung auf Herrn Staas. Sie spricht mir aus dem Herzen. Doch was Sie beide nicht benennen sind die beiden wichtigsten Fundamente allen Handelns: Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Ohne aus allem eine Ideologie zu machen. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit auszuüben sind für mich sehr wichtige Voraussetzungen in einem Gespräch, einer Auseinandersetzung, einem Streit. Bei den PCisten vermisse ich sie weitgehend. Warum?

Ich finde den zitierten Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes richtig und sehr wichtig. Doch was immer von den PCisten (vielleicht sogar bewusst) bei der Anwendung missachtet wird, ist die Tatsache, dass es um Menschen geht, die vor dem Gesetz gleich zu behandeln sind: z. B. gleiche Entlohnung für gleiche Arbeit, unabhängig von Geschlecht und Hautfarbe. Doch die Neigung zur Ungleichbehandlung steckt in uns allen und ist eher eine menschliche Eigenschaft, die unabhängig ist von Geschlecht, Hautfarbe oder anderem und nur teilweise anerzogen wird:

Warum wird mit einer männlichen Hebamme so umgegangen http://www.zeit.de/2010/28/S-Hebammen ?

Würden die PCisten ehrlich anerkennen, das Menschen unterschiedlich sind und Gleichbehandlung nur dann möglich ist, wenn Unterschiede für den Gegenstand der Entscheidung zu Behandlung keine Rolle spielen, wäre viel gewonnen.

Zwei Beispiele:

Ich fühle mich noch sicherer im Flugzeug, wenn die erste Durchsage des Kapitäns im Flieger von einer Kapitänin kommt, weil Frauen die besseren Fähigkeiten im Steuern habe (das sage ich als Sicherheits-Ing. für High Risk-Anlagen). Sind Männer deshalb unsichere Piloten?

Ich fühle mich sicherer als Mitarbeiter im Rettungsdienst (habe ich 10 Jahre geleistet), wenn ich einen kräftigen männlichen Kollegen an meiner Seite habe beim Transport eines Patienten in einem engen Treppenhaus auf einer Trage in Über-Kopf-Haltung der Trage, wo einfach die größere Körperkraft benötigt wird und man nicht mal eben absetzen kann um sich zu erholen. Sind Frauen deshalb im Rettungsdienst ungeeignet?

Die Beispiele zeigen, wären alle ehrlich, dann ginge es tatsächlich um Gleichbehandlung und nicht um stumpfe Gleichmacherei. Empfehlung: Lesen Sie DIE ZEIT. Es gab einige interessante Artikel, die deutlich machen, was „Kleinigkeiten“ dazu beitragen können Menschen in die Arme von AFD und Co. zu treiben. Es werden sogar solche Leute nachdenklich, von denen man eher eine PC-konforme Haltung unterstellen würde, siehe Autor des zweiten Links:

http://www.zeit.de/zeit-magazin/2016/52/junge-afd-nachwuchs-politiker-ziele-feindbilder oder hier

http://www.zeit.de/2016/12/alternative-fuer-deutschland-waehler-profil-afd-uwe-junge

Im Umgang mit dem den Leuten „auf der Straße“ habe ich bei meiner Arbeit eines für mich gelernt:

Komm runter von Deinem akademischen Ross, von Deiner pharisäerischen Haltung „Ich stehe auf der guten Seite“, ich bin political correct. Dann erlange ich Zugang zu den Menschen, sie hören mir zu und ich erlange Glaubwürdigkeit. Sie ist die Grundlage für VErtrauen, das wir heute in unserer Gesellschaft dringend benötigen, aber immer mehr verlieren. – Michael Pëus


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Müssen wir uns bei Trump bedanken, dass wir uns endlich Gedanken um unsere Werte und Institutionen machen? Die Autoren verweisen auf die Zeit der APO vor 50 Jahren. Die sind damals auf die Straße gegangen und haben ihre Ziele laut und teilweise und demokratisch vorgetragen.

Unter den Zeichen von Globalisierung, Pluralismus und Meinungsfreiheit, die uns ja so viele Vorteile bringen (auch Trump!), hat doch schon längst der zugelassene Abbau der Institutionen und Werte begonnen. Wir diskutieren über die Verschärfung von Anti-Terror-Gesetzen und über Flüchtlinge als mögliche Terroristen. Was ist mit den „Terroristen“ auf der Straße? Im Jahr 2014 3.581 Tote durch Verkehrsunfälle, 9.044. Tote durch Unfälle im Haushalt, 971 Tote durch Arbeitsunfälle: Verschärfen wir die Regeln? Wir schaffen es nicht einmal, die bestehenden Regeln zu kontrollieren und zu sanktionieren. Gleiches im Steuerbereich. Mir werden Einkommenssteuern direkt vom Lohn abgezogen. Wer Spielraum und „gute“ Steuer- und Bankberater hat, lässt sein Geld auf irgendwelchen Fonds und Inseln verschwinden, um gleichzeitig über schlechte Schulen, Straßen und staatliche Vorsorge zu jammern. Weil dem Staat (also mir) wichtiges und viel Geld entzogen wird. Und Steuerbetrüger dann als Fußballvereins (?)-Präsidenten zu Vorbildern werden.

Auch „Die Zeit“ jubelt über

  • die günstigen Übernachtungskosten bei Airbnb, vergisst aber, dass damit Mietpreise in Innenstädten steigen, Hotels nicht ausgelastet sind, Hotelmitarbeiter entlassen werden müssen,
  • Uber und seine Preise, vergisst aber, die dadurch arbeitslos werdenden Taxiunternehmen und -fahrer.

Im Artikel schreiben Sie, dass Institutionen funktionieren, wenn sie „mutig sind, optimistisch, wenn sie vom Vertrauen der Bevölkerung getragen werden“. Wo finde ich solche Institutionen in Deutschland? So genannte „Fußballfans“ dürfen Steine, Flaschen, Pyrotechnik auf Polizisten, Ordner, Kinder, Familien werfen. Wären die Institutionen (Polizei, Staatsanwaltschaft, Fußballklubs) mutig, würden dieser Straftäter am gleichen Tag verhaftet, beschleunigt verurteilt, auf Lebenszeit aus dem Verein ausgeschlossen und kein Journalist würde Verständnis für eine „Pyrotechnik-Kultur“ aufschreiben.

Wir haben alle hier viel zu tun. Sie als Journalisten darüber zu berichten, unbequeme Fragen zu stellen, Argumente zu vermitteln und ich als Leser und Bürger zu wählen, mich vor Ort einzumischen und genauso unbequeme Fragen zu stellen. – Wolfgang Krause


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

Konsum mit eingeschaltetem Gehirn!

Wie immer, die Dosis macht das Gift. Auf der einen Seite die Entwicklung des Minimalismus, die mich sehr freut, auf der Anderen der unkontrollierte Konsumrausch (jedem Mainstream hinterher, keine reparierfähigen Produkte, Massenware etc.).

Vielleicht, meine große Hoffnung, kann sich hier ein Gleichgewicht entwickeln?

Wenn jemand Monate braucht (in denen er nichts kauft) um ein bestimmtes Produkt zu suchen und dann zu kaufen um sein kahles Heim damit für Jahrzehnte zu schmücken, ist doch schon sehr viel erreicht. Alle sind entsetzt über die ozeanischen Müllstrudel und sind doch alle direkt/indirekt daran beteiligt. Wie gesagt: Weniger ist mehr! Wenn das Weniger auch noch Erinnerungen innehat, umso besser. –  Kristina Baginski


Leserbrief zu „Wieviel Nähe darf es sein?“

500 Jahre nach Luther sind die EKD und der Vatikan weiter von einander entfernt,  als je zuvor!

In den fundamentalen Aussagen der altkirchlichen Glaubensbekenntnisse gibt es jedenfalls keine Übereinstimmung mehr. So wird auf „evangelischer“ Seite weitgehend sowohl die Jungfrauengeburt, als auch die leibliche Auferstehung der Toten nicht mehr geglaubt, ja sogar die Auferstehung Jesu Christi in eine weiter andauernde Bedeutung seiner Lehre umgedeutet. Die Botschafterin des Reformationsjubiläums Margot Käßmann nennt Joseph  den leiblichen  Vater Jesu und die „Jungfrau“ Maria nur noch eine selbstbewußte junge Frau, – wobei damit das Geheimnis der Menschwerdung Gottes von ihr völlig der „Vernunft“ preisgegeben wird.

Vor diesem Hintergrund erübrigen sich alle Bemühungen um Einigung in der Ämterfrage und im Verständnis der Eucharistie. Die Reise der EKD nach Rom verdient insofern das Urteil : Außer Spesen nichts gewesen. – Prof.em.Dr.Karl-Heinz Kuhlmann


Leserbrief zu „Im Wunderland der Korrektheit“ von Josef Joffe

Für den ernsthaft interessierten Leser, der natürlich auch „1984“ sowie den Beitrag von Christian Staas vom 19. Januar gelesen und daraufhin PC im Internet recherchiert hat, mag es zunächst beeindruckend sein, dass JJ sich nicht auf die im Internet gefundenen 13 Mio. Einträge bezieht, sondern sich auf die eine Erklärung im Duden beschränkt. Dann folgt allerdings eine Seite voller Beispiele als „Entgegnung“ auf die ebenfalls mit vielen Beispielen bestückte Seite von Christian Staas, die jedoch ebenso wenig eindeutig zu vermitteln vermag, was die PC nun wirklich ist.

Vielleicht sollten wir uns in diesem Zusammenhang die „Goldene Regel“ – nicht in der komplizierten Form Kants Imperatorischen Imperativs sondern wie wir sie kennen und als „Goldene Regel des Mittelalters“ häufig bezeichnen – in Erinnerung rufen: „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg auch keinem andern zu!“

Die GR ist ein Appell aus Zeiten (nicht des Mittelalters sondern) lange vor unserer Zeitrechnung und wurde in vielen Kulturen dieser Welt zum moralischen Maßstab gesetzt. Sie beinhaltet die Grundlage menschlichen friedlichen Zusammenlebens – und ist vermutlich gerade deshalb utopisch in ihrer Umsetzung – aber erstrebenswert, gerade auch im Umgang mit der „Political Correctness“! – Hans Jürgen Hahn


Leserbrief zu “ Wie viel Schulz erträgt das Land?“ von Fabian Klask und Matthias Krupa

So so; einer, der sich von Mr, „Steueroase Luxenburg“, Herrn Claud Junker die Plete küssen lässt soll jetzt die Steuerhinterziehung bekämpfen? Leute aus „kleinen“ Verhältnissen sind sehr anfällig für diese subtile Korruption der Macht vertreten durch ihre „tollen“ Repräsentanten, siehe auch ein gewisser Herr Schröder (Genosse der Bosse). – Dieter Herrmann


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

Ihren Beitrag finde ich mutig, aber notwendig. „Gefühlt“ wurde die Wehrpflicht erst gestern abgeschafft, man hat sich gerade daran gewöhnt. Diejenigen, die die Hals über Kopf getroffene Entscheidung falsch fanden, bekommen jetzt recht. Die Zeiten ändern sich schnell und grundlegend. Der jungen Generation ist nicht vorzuwerfen, dass sie keinen Gemeinsinn hätte, obwohl in manchen Kreisen der Individualismus überwiegt. Das Problem für die Gutwilligen, die sich einbringen wollen, ist die berufliche Belastung, gerade bei jungen Familien. Unser Förderverein gestaltet zu dieser Frage einen Abend, an dem junge Menschen darüber berichten, wie sie Beruf, Familie und gesellschaftliches Engagement unter einen Hut kriegen. Gerne schicke ich Ihnen in der Anlage eine Ankündigung zu diese Veranstaltung am 16.02.17. Wenn Sie Gelegenheit haben zu kommen, möchten wir sie herzlich dazu einladen. – Klaus Tuch


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Exzellente Artikel an dem Journalisten vom Fach am Werk waren, wie man es von der „ZEIT“ erwartet. Sehr gut wurde die Aushöhlung des demokratischen Staatswesens der USA durch den gewissenlosen Missbrauch und Verhöhnung des Legalitätsprinzips durch Donald Trump (und seinen diabolischen Chefstrategen Steve Bannen) dargestellt als auch die Manipulation der öffentlichen Meinung. Nennt man nicht eine skrupellose  Politik, die es mit der Wahrheit nicht so genau hält, ihre Ziele auch  mit moralisch verwerflichen  Mitteln anstrebt und versucht durchzusetzen: Machiavellismus? Ein Trost, das öffentliche Gewissen in den USA lebt, meldet sich zu Wort und möge deshalb der Himmel eines Tages in das Spiel sich einmischen, das gegen ihn  gespielt wurde.  – Johannes van den Boom 


Leserbrief zu „Sie setzen ein Volk unter Strom“ von Claus Hecking

es ist schon ganz interessant, was Sie da Ihren Lesern mitteilen. Doch ist Ihr Beitrag aus meiner Sicht etwas einseitig.

1.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Chinesen auf den kompletten Ersatz der Verbrennungsmotore durch E-Motore setzen und nicht auf Verringerung des MIV. Das ist wohl eher unzutreffend, denn auch die Chinesen werden sicherlich versuchen, den Stau sowie den Flächenverbrauch durch PKW in ihren Städten abzubauen. Das aber ist nicht durch Fahrzeug-Ersatz, sondern nur durch Ausweitung des öffentlichen Verkehrs möglich. Und da tun die Chinesen schon einiges:

Dr. Josef Doppelbauer, Vertreter der „European Union Agency for Railways“ verglich während eines Vortrag am 19. September 2016 den chinesischen mit dem europäischen Fernverkehr (Etwa gleich große Fläche und etwa die doppelte Einwohnerzah lin China):

– Europa hat etwa 9000 km High-Speed-Strecken und China 19000.

– Europa hat etwa 900 High-Speed-Züge, China 4000.

– Bis 2020 sind in China gewaltige Zuwächse geplant.

Und was die Chinesen im Fernverkehr schaffen, wird wohl auch im ÖPNV möglich sein.

2.

Ihre Aussagen zu den Batterien für Landfahrzeuge, die hier ja das A und O sind, sind meines Erachtens sehr optimistisch.

Da ergibt sich zunächst die Frage: Woher nehmen Sie eigentlich Ihre Aussage „Doppelte Energiedichte in 2-3 Jahren“ ?

Dann fehlt m.E. auch eine Aussage hinsichtlich des Ausgangsmaterials für Batterien. Ist es nicht so, dass die Ausgangsmaterialien in der Erdkruste recht dünn gesät sind, und dass dadurch bei massiver Inanspruchnahme die Kosten rapide steigen werden? Und ist es nicht so, dass die Batteriekapazität mit der Anzahl der Ladungen sinkt und die Batterien nach etwa 1000 Ladezyklen erneuert werden müssen?

Ich wünsche den Herren Breitfeld und Kirchert viel Glück. Doch bleiben bei mir Zweifel für ihr Vorhaben. – Dieter Schuster


Leserbrief zu „Im Wunderland der Korrektheit“ von Josef Joffe

Ich habe schon seit einiger Zeit den Verdacht, dass PC (Political Correctness) in der heutigen Form zum Maulkorb für die Meinungsfreiheit wird. PC hat es immer schon in der verschiedensten Form gegeben, im praktizierenden Sozialismus wie im Faschismus. Sie war immer die Planierwalze hin zum Autoritären. Siehe heute USA, Polen, Türkei. Praktische Demokratie heißt immer das gesellschaftliche Gleichgewicht wahren, dazu gehört selbstverständlich eine antidiskriminierende Sprechweise. Demokratie ist nicht einfach, das Gleichgewicht muss immer neu erarbeitet werden. – Jürgen Scharnhorst


Leserbrief zu „Innere Unsicherheit“ von Nadine Ahr et al.

Ihr Dossier ist atemberaubend. Berlin ist wohl der Extremfall einer Erscheinung die die gesamte Bundesrepublik betrifft. Nach 25 Jahren in Brasilien fallen mir doch einige Unterschiede auf, sagen wir im Vergleich zu den 80er-Jahren:

  1. Museumsbesuch: heute typischerweise 10 EUR für ein großes Museum. Früher: keine 20 DM, sondern einige wenige DM (4 bis 5?) 2. In jedem Bahnhof gab es beheizte Wartesäle.
  1. Anzahl Polizisten: deutlich mehr als heute (wie Sie selbst schreiben).
  1. Anzahl Staatsanwälte: siehe 5.
  2. Sonstige Öffentliche Angestellte und Beamte: deutlich mehr (Sie schrieben vor einigen Wochen von Investitionen in die Infrastruktur die nicht ausgeführt werden weil es an Verwaltungsbeamten fehlt).
  1. Bundeswehr: deutlich größer.
  2. Marode Schulen: damals kein Thema.

Wenn nun also der Staat früher mehr ausgegeben hat als heute, heute aber besonders hohe Einnahmen hat („die Wirtschaft brummt“), dann fragt man

sich: Wohin geht denn das ganze Geld das er früher hatte? Wirtschaftlich bin ich blutiger Laie, und meine Beispiele sind nicht quantitativ. Sie haben sowohl die wirtschaftliche Kompetenz als auch ausgiebige Möglichkeiten der Recherche. Wäre das nicht auch ein interessantes Thema für ein Dossier? – Frank Hrebabetzky


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

Ein dreistöckiges Haus in Italien, das 18 Jahre viel genützt wurde und als Alterssitz gedacht war, wird nun in andere Hände übergeben. Zum einen haben viele Objekte in Haus und Garten Ihre Sinnhaftigkeit für das letzte Viertel des Daseins an Bedeutung eingebüßt, zum anderen ist es verantwortungslos, den Erben einen Wust von Ballast zuzumuten. So ergibt sich eine auf den Kopf gestellte Pyramide: Ganz unten die Entsorgung an diverse Mülltrenn-Stationen in der Umgebung, darüber Geschenke an Freunde und Nachbarn, den Ortschronisten, den Pensionistenclub, das Pflegeheim, andere Bedürftige, die nach Nachfrage Verwendung haben. In der Pyramidenetage darüber sind schon Transporte angesagt: Nach Innsbruck, vor allem Bilder und Skulpturen, die als Geschenke dienen oder über unsere Geschäft verkauft werden können. Und dann die große – am Kopf stehende – Basis: Möbel, Bilder, Skulpturen und Objekte in jeder Winzigkeit oder Größe, die mit uns über die Lande und die Zeiten gezogen sind. Alle völlig ohne bedeutenden Wert – weder im Dorotheum noch bei Sotheby’s anbietbar. Aber lebensbegleitend mit jeweils einer oder mehreren unverzichtbaren Geschichten und Anekdoten: Die in Innsbruck mehrmals herumgewandert sind, nach Bagno Vignoni reisten, von dort nach Radi, dann an den Gardasee und nun ihren Weg zurück nach Innsbruck und nach Osttirol als unsere Begleiter antreten. Vermutlich ist es ihre (und unsere) letzte Übersiedlung. Zurücklassen dieser liebgewonnen Begleiter ist völlig unmöglich. Das gilt natürlich auch und in primis für  das(Mit-)Reisen von Büchern. Habent sua fata libelli! – Dieter Tausch


Leserbrief zu „Innere Unsicherheit“ von Nadine Ahr et al.

Ich bin kein Freund davon, ständig nach einer stärkeren Polizei oder gar mehr Überwachung zu rufen und halte die deutschen Gesetze im Großen und Ganzen für ausreichend, um auch mit dem Terrorismus und organisierter Kriminalität fertig zu werden. Was die ZEIT da aber über Zustände bei der Berliner Polizei berichtet, kommt für mich der Kapitulation des Rechtsstaates gleich. Neben den materiellen und natürlich auch persönlichen Schäden, die die Opfer unmittelbar erleiden, wiegt der politische Schaden, der hier angerichtet wird, noch sehr viel schwerer. Umso unverständlicher ist die Dickfelligkeit mit der die Verantwortlichen die unfassbaren Zustände einfach ignorieren und nicht einmal Stellung beziehen können oder wollen.   – Priv.-Doz. Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Andreas Zabel


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Mit Ihrem Artikel über die Zerstörung des gesellschaflichen Systems ist für mich endlich der entscheidende Puzzelstein aufgetaucht, der alle bisherigen Fragmente der Trump’schen Politik zu einem – noch unvollständigen, aber erkennbaren – Gesamtbild zusammen fügt.

Er zerstört das System unter Verwendung der Möglichkeiten des Systems und zeigt am Ende auf die Unfähigkeit des Staatssystems, mit ’seinen‘ Herausforderungen umzugehen; der Schritt zu einer kompletten Änderung der Regeln und Gesetzmäßigkeiten nach seine Vorstellungenist dann nur noch ein kleiner. Das Schlimme wird sein, dass Trumps Befürworter nicht erkennen werden, was am Ende entstehen wird: eine Diktatur – welche nicht zu ihrem Nutzen agieren wird!

Die Zukunft wird schwarz – fast überall auf der Welt sind schließlich vergleichbare Entwicklungen zu beobachten – und es wird schnell gehen. Was im Detail entstehen wird, kann wohl nicht vorhergesagt werden, aber für die Bürger westlicher Staaten wird die Zeit der Offenheit, Toleranz und gesellschaflichen Weiterentwicklung nun vorbei sein.

Freuen wir uns, dass wir sie erleben durften – kämpfen wir dafür, dass sie vielleicht irgendwann einmal wiederkommt. Demokratie und Freiheit: RIP. – Eberhard Goette


Leserbrief zu „Kampf dem System“ von Kerstin Kohlenberg, Gero von Randow und Heinrich Wefing

Tja, jetzt kommt die Ernüchterung und auch, zumindest bei mir, ein wenig Bangen vor der Zukunft. Da hat man geglaubt, Trump will bloß rasch seine Wahlversprechen einlösen und schnell liefern. Aber  laut dem Artikel von Frau Kohlenberg, Herrn von Randow und Herrn Wefing steckt ein weitreichenderes  Ziel hinter seinem Handeln, das perfide Kalkül, die Intuitionen in den USA zu zerstören und die  amerikanische politische Kultur, so wie wir sie kennen, zu sprengen.  Ich fürchte, die Autoren des Artikels haben recht. Es gibt zwar hoffnungsvolle Zeichen, dass sich bei den  Amerikanern Widerstand dagegen formiert. Aber bei der Geschwindigkeit, die Trump vorlegt, wird dieser  Widerstand den Ereignissen nur hinterher laufen können.   Hoffentlich lernen die Politiker in der EU und in unserer Regierung daraus, wie unser liberale Demokratie aktiv zu verteidigen ist. Ich fürchte nicht ….. aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt! – Dr. Thomas Henn 


Leserbrief zu „Die Ausweitung der Kampfzonen“ von Slavoj Žižek

Ich bin erschrocken, dass eine liberale Wochenzeitung einen Beitrag von Slovoj Žižek veröffentlicht, in dem der Poststrukturalist bekennt, er würde, weil sie sich „stärker am Schutz von Arbeiterinteressen“ orientiere, Marine Le Pen zur französischen Präsidentin wählen und dafür das Projekt eines vereinten Europa und die Ideale der freiheitlichen Demokratie aufgeben. So wie die Kommunisten in den 1930er Jahren die Sozialdemokraten als „Sozialfaschisten“ diffamierten und den Untergang der Weimarer Republik in Kauf nahmen, behauptet Žižek, der Unterschied zwischen der neofaschistischen Kandidatin und dem Konservativen Francois Fillon sei „rein formaler Natur“. Zum Glück läuft es in Frankreich aber nicht auf die Alternative Le Pen oder Fillon hinaus, sondern mit Emmanuel Macron gibt es einen Kandidaten, der für mehr Offenheit und für mehr Europa steht und trotzdem die Franzosen begeistert. Es gibt nämlich noch Menschen, die sich nicht von rassistischen Vorurteilen und nationalistischen Ressentiments leiten lassen. So schnell kann eine politische Theorie von der Wirklichkeit überholt werden. – Jürgen Thiede


Leserbrief zu „Sinnlos gelitten“ von Miriam Gebhardt

Eine Frage und auch Anmerkung: Hat der Hausarzt einen Palliativmediziner hinzugezogen und hat eine ethische Fallbesprechung stattgefunden? (Ich bitte um eine Antwort von Frau Gebhardt.) Ich selbst habe in einer ähnlichen Situation eine Gesprächsrunde zwischen Angehörigem, Hausarzt/auch Palliativmediziner und Pflege moderiert. Die Pflege bestand damals auf der PEG-Sonde (auch aus Furcht vor dem MDK, dessen Rolle in diesem Artikel überhaupt nicht zur Sprache kommt) und hatte beim Amtsgericht Klage eingereicht.

Das Protokoll dieser Gesprächsrunde mit all seinen durchaus differenzierten Betrachtungen und dem Entschluss gegen eine weitere PEG-Sonde wurde dann dem zuständigen Richter vorgelegt, der daraufhin das Verfahren unter Hinweis auf unsere Ausführungen, die ja eigentlich keine gesetzliche Grundlage haben, eingestellt hat. Die Patientin ist dann wenig später friedlich verstorben. Die Gerichte, auch nicht BVG oder EVG, werden die persönlichen Verantwortung gegenüber dem individuellen Schicksal nicht abnehmen können. Oder: Die Flucht vor das Gericht ist die Verweigerung der eigenen Verantwortung in einer beteiligten Gemeinschaft. – Eckart Schermuly 


Leserbrief zu „Sinnlos gelitten“ von Miriam Gebhardt

Ans Bett gefesselte Probanden

Die Patientenbiografie des Heinrich S. ist erschütternd und seine Sekundärleiden wie die Versteifung zeigen den Pflegenotstand in Deutschland. Möge Herr S. seinen Frieden finden. Ich möchte Gedankenexperiment wagen:

Der schwer kranke, stark behinderte Heinrich S. litt an Demenz. Im November letzten Jahres wurde eine Neuregelung des Arzneimittelgesetzes beschlossen, fortan sind diesbezügliche Medikamententests an nicht einwilligungsfähigen Patienten erlaubt. Nehmen wir an, Herr S. hätte Jahre vorher einmal der Teilnahme an Mediakmenten-Tests zugestimmt. Wäre es nach der aktuellen Rechtsprechung möglich gewesen, an dem im wörtlichen Sinne ans Bett gefesselten Mann die (Neben-)Wirkung von noch nicht zugelassenen Alzheimer-Medikamenten zu erproben? Wäre eine solche Versuchsanordnung für die Pharmaforschung wissenschaftlich sinnvoll oder ökonomisch attraktiv? Kann eine Patientenverfügung oder der Angehörigen-Wille eine einmal gegebene Zustimmung zu Medikamententests revidieren?   – Mark Rozin 


Leserbrief zu “ Wie viel Schulz erträgt das Land?“ von Fabian Klask und Matthias Krupa

Ich bin ein “ Arbeitersohn “ und stamme aus sehr einfachen Verhaeltnissen. Mit Realschulabschluss und Lehre begann ich ueber den “ zweiten Bildungsweg “ 1973 ein Fachhochschulstudium , welches ich nach einer sehr anstrengenden Studienzeit mit Diplom abschloss. Schon sehr frueh in jungen Jahren war ich fuer mehrere Jahre beruflich im “ Nahen Osten „. Viele Freundschaften mit moslemischen Einheimischen , darunter etlichen moderaten palaestinensischen Ingenieuren konnte ich damals schliessen. Allerdings gilt fuer mich heute als “ bekennender Christ “ : Der Islam , bisher klaeglich gescheitert , gehoert eben nicht zu Deutschland.

Wann endlich fassen wir uns ein Herz , um den arabischen Fluechtlingen bei uns die “ gewaltige und befreiende “ Botschaft des biblischen Evangeliums nahezubringen ? Oder sind wir etwa zu egoistisch und denken erst mal an uns ? Und da bin ich schon bei einem meiner Hauptanliegen an die Traditionspartei SPD. Als ich noch Heranwachsender war , da galten die Gymnasiumbesucher schon als was besonderes . Schon in der von mir besuchten freikirchlichen Jugendgruppe  bekam ich zu spueren , dass die jungen Damen und Herren mit kuenftigem Abitur schon was besonderes waren. Ein verstecktes “ Elite-Denken “ bahnte sich schon damals an. Nun – dies ist lange her und jetzt ist Wahljahr und da geht es wohl den sogenannten Eliten an den Kragen. Und da freu ich mich ueber den fuliminanten Neustart der Genossen unter Schulz.

Ich bin dabei und unterstuetze als Nichtparteimitglied gerne den Kanzlerkandidaten. Allerdings nur , wenn folgende Themen auf die Agenda kommen : Bestrafung von Kriminellen wie Winterkorn und Konsorten , radikale Reform unseres Rentensystems und humane Mietgesetze fuer Mieter . Und aussenpolitisch : Kooperation mit Putin im Kampf gegen den Islamismus und vor allem eine sinnvolle Nahostpolitik . Dies beinhaltet die Unterstuetzung der moderaten Kraefte bei den Palaestinensern und das Unterlassen von einseitigen Verurteilungen von arabischen Machthabern. Sollte ich aber in den kommemden Monaten den Eindruck gewinnen , dass die SPD lahmt aufgrund eigener falscher Themen – dann spring ich ab vom “ SPD-Volldampf-Wahlkampfzug „. Jetzt heisst es erst mal Aermel hoch und hart anpacken und schuften – vor allem fuer die “ Partei-Oberen „. –  Dipl.Ing. Erwin Chudaska 


Leserbrief zu „Im Wunderland der Korrektheit“ von Josef Joffe

Was wäre DIE ZEIT ohne Josef Joffe! Vielen Dank für ihren Beitrag „Im Wunderland der Korrektheit“.

Die Auswirkungen der PC schlagen bis zur Diskussionskultur im Gymnasium durch. War es bis vor ca. 15 Jahren völlig normal, dass Schülerinnen und Schüler in Diskussionsbeiträgen ihre Meinungen offen und nachdrücklich äußerten, ist das heute keineswegs mehr der Fall. Selbst durch Provokationen lassen sie sich nicht mehr locken.

Nach den Ursachen befragt, kommen Äußerungen wie: „Bestimmte Dinge sagt man heute nicht offen“ oder „Ich weiß nicht, ob ich meine Meinung politisch korrekt genug ausdrücken kann“.

Unter diesen Bedingungen junge Leute zu kritischer Haltung und zur Kritikfähigkeit zu erziehen, ist wesentlich schwieriger geworden. – Rainer Stein


Leserbrief zu „Sinnlos gelitten“ von Miriam Gebhardt

Der Artikel „Das Geschäft mit den Sterbenden“ beinhaltet neben der Beschreibung einiger wirklichen Tatsachen eine Unterstellung von merkantilen und unmoralischen Beweggründen bei der Behandlung schwerstkranker Patienten auf der Intensivstation. Dies kann nicht den publizistischen und journalistischen Regeln entsprechen.

Die intensivmedizinische Behandlung ist offensichtlich teuer und muss entsprechend vergütet werden, um diese Art der Therapie zu ermöglichen. Zur Verdeutlichung stellen Sie Sich vor, dass die intensivmedizinische Behandlung nicht gewährleistet werden könnte, falls sie für die medizinische Einrichtung mit einem finanziellen Verlust einhergeht. Zudem existieren verschieden Formen der Intensivstationen mit unterschiedlichen Möglichkeiten der Behandlung.

Aufgrund der Erkrankungsschwere der genannten Patienten besteht eine hohe Letalität, sodass trotz maximaler Therapie nicht jeder der genannten Patienten geheilt werden kann oder überlebt. Für verschiedene Krankheitsbilder kann eine spezielle Wahrscheinlichkeit genannt oder errechnet werden, dennoch bleibt die Behandlung individuell und ob ein Überleben gesichert werden und eine Behandlung erfolgreich ist entscheidet sich erst in deren Verlauf, sodass ein vorzeitiger Abbruch nicht gerechtfertigt sein kann. Besteht ein infauste Prognose, wird in Übereinstimmung mit dem Patientenwillen, den Angehörigen und der gültigen Rechtslage, welche ein wesentlicher Faktor in der speziellen Behandlungssituation ist, entschieden, inwieweit die Behandlung fortgeführt, eingeschränkt oder gar abgebrochen wird.

Aus den beschriebenen einzelnen Krankheitsverläufe, laienhaften Vermutungen und allgemeine Schlüsse zu ziehen und diese in ihrer Zeitung ernsthaft zu veröffentlichen gleicht der Verleumdung und kann nicht hingenommen werden. Die Art und der Aufbau unseres Gesundheitsystems sind ein unabhängig zu diskutierendes Thema.

Seit über 20 Jahren habe ich Ihre Zeitung gelesen und werde dies nun beenden, da die Art und Weise Ihrer Berichterstattung zu oberflächlich und häufig nicht wahrheitsgemäß geworden ist. Ihre Schlagzeilen und Artikel hinterlassen ihrerseits den Eindruck, ohne Berücksichtigung des Inhalts und der Wahrheit, Aufmerksam erhaschen zu wollen. Dies trifft insbesondere für die digitale Berichterstattung und den Auftritt im Internet zu, was in der Tat für die Meinungsbildung gefährlich ist.  – Dr. med. Robert Karl Zahn


Leserbrief zu „Sind wir an alldem schuld?“ von Bernhard Pöksen

Postfaktische Wissenschaft

Wir sind im postfaktischen Zeitalter angekommen. Es wird Zeit mit all diesen Lügen aufzuräumen. Nur wollen wir aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Situation unsere Erkenntnistheorie umwerfen? Wollen wir die Frage nach dem Grundsätzlichsten, nach Wissen, mit Realismus beantworten um so aufzuzeigen, was Wahrheit und was Lüge ist? Und ist nicht gerade diese Antwort darauf postfaktisch? – Florian Jauernig


Leserbrief zu “Die große Abrechnung” von Matthias Krupa

Leider haben weite Teile der Medien in Deutschland lange unterschätzt, welch zerstörerische Kraft für die Demokratie von Leuten wie Jarosław Kaczyński ausgeht. In einem bereits im Juni 2011 in der „ZEIT“ veröffentlichten Widerspruch hat der Verfasser dieser Zeilen darauf hingewiesen, dass Kaczyński – damals noch Oppositionsführer – die politische Kultur des Landes demontiert, demoliert und demoralisiert, indem er die regierende Elite und die bestehenden Institutionen infrage stellt, Andersdenkende ausschließt und schließlich die polnische Nation zum Maß aller Dinge erhebt. Damit lag auf der Hand, dass PIS sich zu einer (reaktionär)revolutionären, antisystemischen, autoritären, nationalistischen Bewegung entwickelt, die nicht auf Zivilgesellschaft, Vielfalt und Kooperation setzt, sondern Homogenität und Konfrontation anstrebt.

Das politische Ziel besteht zurzeit darin, Staat und Gesellschaft von Grund auf umzubauen, obwohl lediglich knapp 19 Prozent aller Wahlberechtigten ihre Stimme der PIS gegeben haben. Der Begriff >Rechtsruck< erscheint in diesem Zusammenhang wie eine klare Verharmlosung der „Programmatik“ einer Partei, die bei der Verleumdung ihrer politischen Gegner systematisch an das aus der Volksrepublik Polen gut bekannte Vokabular anknüpft und somit das „Kontrafaktische“ perfekt verkörpert. – Dr. hab. Dariusz Adamczyk


Leserbrief zu “Die große Abrechnung” von Matthias Krupa

Seit über fünf Jahren bin ich Professor in Polen an der Politechnika Koszalińska (ehemals Köslin) und lehre dort etwa alle zwei Wochen.

Die Einschätzungen Ihres Artikels teile ich im Grundsatz. Mir fiel schon oft auf, dass neben den Banken auch der Einzelhandel, z.B. Lidl, Netto, Marché, Biedronka (Portugal), die Logistik, z.B. DB Schenker, die Müllabfuhr, z.B. Remondis, der Automobilbau, z.B. Fiat, Daewoo, General Motors, VW, der Schienenfahrzeugbau, z.B. Bombardier, und anderes weitgehend in ausländischer Hand sind – und dieses ein potentielles Problem darstellt. Allerdings ist in meinem Kollegenkreis von einer Unterstützung der jetzigen Regierung nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil. Das Programm 500 Plus (Kindergeld) wird als zu undifferenziert, eigentlich nicht finanzierbar und nicht nachhaltig genug eingestuft (rausgeschmissenes Geld). Die Machenschaften der Regierung, z.B. die Beugung der Verfassung, werden als peinlich und schädlich für Polen angesehen.

Was Sie in Ihrem Artikel nicht thematisieren ist die räumliche Verteilung der Stimmen für Regierung (PiS) und Opposition (PO).

Präsidentschaftswahl 2015:

http://www.wyborynamapie.pl/prezydenckie2015/pierwszatura.html

Parlamentswahl 2011:

https://pl.wikipedia.org/wiki/Wybory_parlamentarne_w_Polsce_w_2011_roku

Die Karten der Wahlergebnisse sprechen für sich und lassen Raum für Interpretationen. Ich beteilige mich an den wissenschaftlichen Arbeiten meiner polnischen Fachgesellschaft. Die dortigen Kollegen kommen ausschließlich aus den ocker eingefärbten Regionen.

Bei der Parlamentswahl 2015 hat die PO deutlich verloren. Nach meiner Einschätzung hatte das zwei Gründe: 1.) Nach dem Wechsel von Tusk zur EU konnte die schwache Nachfolgerin Ewa Kopacz nicht die Lücke füllen. 2.) Im Jahr nach dem Beginn des Ukraine-Konflikts war die Angst vor russischer Expansion vor allem im Osten Polens sehr groß, so dass die PiS dort sehr viele Stimmen sammeln konnte. Das dürfte heute eventuell wieder etwas anders aussehen.

Der gleiche Effekt beeinflusste die Präsidentenwahl. Duda, der Gewinner der Wahl, hat nur in sieben von 16 Wojewodschaften gewonnen, Komorowski dagegen in neun. Duda konnte jedoch im Osten mit starken Mehrheiten punkten. Aber schon kurz nach der Wahl hat Duda durch seine Unterschrift die Beugung der Verfassung durch die Regierung in der Frage der Neubesetzung von Richterstellen beim Verfassungsgericht mitgetragen und dadurch nach Umfragen 10% bis 20% der Zustimmung verloren. Duda hätte danach bei einer erneuten Wahl wahrscheinlich keine Mehrheit mehr gehabt – trotz seines regelmäßig charmanten Auftretens, oft zusammen mit seiner Frau.

Meine polnischen Freunde hoffen inständig, dass die zerstörerische Energie der aktuellen Regierung begrenzt und ein Regierungswechsel in zweieinhalb Jahren noch möglich bleibt.  – Wolfgang Kresse


Leserbrief zu „Innere Unsicherheit“ von Nadine Ahr et al.

Jenseits der Statistiken sollte in der Öffentlichkeit das Bewusstsein der Folgen von Straftaten stärker gefördert werden. Kriminalität ist eben kein Bereich, in dem man, wenn man nicht erwischt wird, irgendetwas Positives erreichen kann. Mit krimineller Energie schadtet man sich in jedem Fall selbst. Man schränkt den Radius seiner Handlungsoptionen, und damit seiner Weltsicht, vorsätzlich oder leichtfertig ein. Freiheiten verwandeln sich in Abhängigkeiten von der Bedrohung, verhaftet zu werden, auch dann, wenn man das durch aggressives und/oder unauffälliges Verhalten versucht zu kompensieren. Es sollte mal darüber nachgedacht werden, ob durch verstärkte Aufklärung darüber, dass kriminelle Handlungen nie zu einem echten positiven Ziel führen können, die Hemmschwelle zu entsprechenden Biografien erhöht werden könnte – zum Schutz Gefährdeter. –  Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Innere Unsicherheit“ von Nadine Ahr et al.

Es ist schön, dass Sie versuchen das Berliner Chaos die Innere Sicherheit betreffend bloßzulegen und zu ordnen. Kriminalitätsbekämpfung, egal ob Wohnungseinbrüche, Diebstahl oder Verkehrsvergehen, ist hier politisch nicht erwünscht, weil nicht möglich. Ein Paradies für Kriminelle. Und versucht der alte oder der neue Senat gegenzusteuern? Fehlanzeige, es wird weiter gewurstelt. Der Innensenator duckt sich weg. Bürger die sich seit Jahren engagieren, werden mit Floskeln, den wenigen Erfolgsmeldungen und vielen Zahlen, die sich bei genauem Hinsehen als Katastrophe erweisen, abgebügelt. Veraltetes Equipment, lustlose Politiker, (zu Recht) ärgerliche Polizisten. Ich wundere mich allerdings auch, wie vorsichtig die GdP agiert. Interessant übrigens: die Anträge für den kleinen Waffenschein sind in Berlin im letzten Jahr um ca. 400% gestiegen. – Herbert Kolokewitzsch


Leserbrief zu „Wenigstens Reden“ von Özlem Topçu

vielen Dank für Ihre Artikel „Türkische Abrissarbeiten“ in der ZEIT Nr. 4 und „Wenigstens reden“ in der ZEIT Nr. 6 sowie Ihre detailreichen Beobachtungen im ZEITmagazin Nr. 6 aus der Redaktion von „Cumhuriyet“. Ich habe sie gern gelesen und sehe sie als gelungene Beiträge zur Versachlichung der Berichterstattung über eine insgesamt enttäuschende und gefährliche Entwicklung. Natürlich muss Frau Merkel immer wieder in die Türkei reisen – und diesmal rechtzeitig vor dem großen Referendum, um nicht als unfreiwillige Wahlhelferin missbraucht zu werden, wie Frau Dagdelen MdB (Die Linke) befürchtete. Natürlich muss sie „wenigstens reden“ wie in allen privaten oder politischen Konflikten, in denen sich Positionen festgefahren haben. Aber gibt es eine Erklärung dafür, dass „die Türken ihre Demokratie so gnadenlos demontieren“ wie Sie schreiben (Die ZEIT Nr. 4)? Hat deutsche und europäische Politik dieses Land „am langen Arm verhungern lassen“ (sorry für dieses Bild aus dem Boxsport)? Oder fehlen der türkischen Mehrheit Geduld und Gelassenheit für die längeren Wege in Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung? – Karl Neuwöhner


Leserbrief zu „Stimmt’s?“ von Walther Schärke

Ihre berechtigte Frage ‚Macht kiffen dumm?‘ hätte eine bessere Antwort verdient. Oder überhaupt eine.

Bei einigen kiffenden Neuseeländern hat sich also der IQ im Laufe von mehr als zwei Jahrzehnten um fast eine halbe Standardabweichung verringert, soso. Grösse der Stichprobe: 41! Kontrollgruppe: Fehlanzeige.

Mein Mathelehrer hätte gesagt: ‚Dat is n Beweis für gar nix‘. ‚Bedenkenswert‘, wie Herr Drösser schreibt sind solche „Ergebnisse“ eben nicht, sondern einfach Statistikmüll.

Die richtige Antwort wäre übrigens gewesen: Nein.

Es sei denn du bist Teenager und übertreibst. Dann: Ja.

Deutlich effektiver dimmst du deine Birne dennoch definitiv durch Dauerdaddeln.

Ich vermute, dass unsere Neuseeländer mit der Zeit einfach die Lust an diesen ständigen (und wissenschaftlich fragwürdigen) IQ-Tests verloren hat. Eigentlich ziemlich intelligent… – Markus Kreuzheck


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

Als ich Ihren Artikel, Herr Schwägerl, gelesen hatte, war ich sehr begeistert von Ihren vielen interessanten Vorschlägen und Ideen. Ihre Ansätze gehen meiner Meinung nach in die richtige Richtung, sowohl für die Allgemeinheit als auch für unsere Jugendlichen im Besonderen. Gerade nach oft vielen Jahren nur „Kopfarbeit“ wäre eine soziale oder praktische Tätigkeit in den vielen von Ihnen aufgeführten möglichen Bereichen sicherlich eine gute Abwechslung. Ich glaube, es könnte für viele Jugendliche eine positive Zeit sein und vielleicht würde auch manche/r in diesem Dienst den Beruf fürs Leben finden! Das wäre doch wunderbar! Den Urlaub in Neuseeland kann man auch noch später machen! Man muß doch schließlich noch Träume haben! – Margarete Fuchs


Leserbrief zu „Das Liebste töten“ von Claudia Wiggenbröker

zu Ihrem Artikel „Das Liebste töten“ vom 2.2.17, in dem es um das Auftreten von Zwangserkrankungen bei Müttern nach der Geburt ihres Kindes geht, habe ich folgende wichtige Anmerkung:

In dem Artikel heißt es, die Frauen hätten „den Drang, ihr Kind umzubringen“. Jedoch ist eben dies nicht der Fall. Vielmehr leiden die betroffenen Frauen unter unwillkürlich im Gedankenstrom auftretende GEDANKEN, dem Kind Gewalt anzutun. Diese Gedanken sind so aversiv, dass sie versuchen, die Gedanken zu unterdrücken und alle potenziellen „Gefahrensituationen“ (z.B. mit dem Kind allein sein) meiden, was wiederum dazu führt, dass die Zwangsgedanken verstärkt auftreten. Ganz sicher haben die betroffen Frauen jedoch NICHT den Drang, ihrem Kind Gewalt anzutun. Vielmehr stellt dies ihre größte Angst, ausgelöst durch die Zwangsgedanken, dar. – Dipl.-Psych.Alexandra Gräter


Leserbrief zu „Tag der Deutschen Bahn“ von Jens Jessen

Meinetwegen auch ein Tag für die DB, wenn es der besseren Beförderung dient. Aber der Vorschlag 30. Januar ist ganz schlecht. Nicht, weil das mein Geburtstag ist (wirklich!). Sondern weil es der „Tag der Machtergreifung“ ist. Sie wissen schon: Hitler wird Reichskanzler usw., das war ein großer Feiertag im Dritten Reich. Mit diesem Stigma wollen wir die DB doch nicht belasten. – Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

Das sehe ich genauso: Liebevoll angehäufte Objekte und Souvenirs sind ebenso wie treue Freunde wichtige Weggefährten im Leben. Aber es gibt auch Wackelkandidaten, z.B. Literatur zu Themen die ich vielleicht gerne aufgreifen würde, aber eben nur vielleicht. Hier kommt mir zugute, dass meine Frau in Zweifelsfällen den zur endgültigen Klärung der Sachlage erforderlichen Pragmatismus aufbringt. Das ist wichtig; schließlich muss für neue Gegenstände, an die ich mein Herz hängen will, Platz geschaffen werden. Dazu zählt, soviel steht fest, ihr Essay, weil er dazu beigetragen hat, die eigene, eher intuitive Vorgehensweise und somit mich selbst besser zu verstehen. Daher hat er das Recht, ausgeschnitten und an exponierter Stelle aufbewahrt zu werden. – Walter Kaspers


Leserbrief zu „Gezielte Desinformation“ von Eva Wolfangel

Wie kann es sein, dass ein Artikel mit so essenziellen Informationen auf der 2. Seite im Wissen Teil verschwindet? Informationen über die Zusammenhänge die die Veränderung unserer Welt so entscheidend mit beeinflusst haben, ohne denen es wahrscheinlich keinen Präsidenten Trump geben würde oder auch keine so starke AFD und so fort.

Warum  lassen wir als Gesellschaft eine so starke Einflussnahme, Verbreitung von Unwahrheiten, überhaupt zu? Mit diesen falsch verstandenen Auslegungen von Freiheit können wir doch inzwischen umgehen! Aber anscheinend doch nicht, und die Positivismus – Argumentationsindustrie der großen Player aus dem Valley vereinnahmt alles immer mehr. – Andreas Hagn


Leserbrief zu „Sind wir an alldem schuld?“ von Bernhard Pöksen

Doch, wir sind an alldem schuld! Eine Entgegnung auf Bernhard Pörksen

Der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen geht in seinem Artikel „Sind wir an alldem schuld?“ (DIE ZEIT vom 2. Februar 2017) dem Vorwurf nach, ob nicht die Geisteswissenschaften mit ihrer konstruktivistischen Beliebigkeit das postfaktische Szenario, unter welchem die westlichen Gesellschaften derzeit leiden, erst ermöglicht haben. Aber nein, so Pörksen, denn die „Kritiker von Postmoderne und Konstruktivismus verwechseln die Seminarsituation und den beherrschenden Denkstil sehr spezieller, vergleichsweise machtloser geisteswissenschaftlicher Milieus mit der allgemeinen politischen Großwetterlage.“ – Stimmt das wirklich? Werden nicht in eben diesen Seminaren jene Eliten ausgebildet, die später in Redaktionen, Regierungen und Universitäten den Mainstream der Meinungen vorgeben, von dessen Richtigkeit sie überzeugt sind? Und doch, wie leicht fielen manche Gewißheiten wie ein Kartenhaus in sich zusammen, unterzöge man sie nur einem „Faktencheck“. – Beispiele gefällig?

  1. Welcher Faktor zeigt die höchste Korrelation mit der Länder-Performanz im PISA-Vergleich? Ist es die Klassengröße? Das Schulsystem? Die Motivation? Frontalunterricht ja oder nein? Autoritäre oder liberale Lehrer? Computer in den Klassenzimmern? Keines von alledem, es ist der durchschnittliche Intelligenzquotient des jeweiligen Landes. Eine lineare Beziehung besteht zwischen den IQs der Länder und deren PISA-Performanz (beide Indizes jeweils mit Singapur an der Spitze). Dabei dürfte es solche eindeutig feststellbaren und auch erheblichen Intelligenzunterschiede gar nicht geben, denn wie stellt es die UNESCO, die Kulturinstitution der Vereinten Nationen, in bester behavioristischer Manier in ihrer „Declaration on Race and Prejudice“ von 1978 fest: „All peoples of the world possess equal faculties for attaining the highest level in intellectual, technical, social, economic, cultural and political development“ und „the differences between the achievements of the different peoples are entirely attributable to geographical, historical, political, economic, social and cultural factors.“ Also ausschließlich kulturelle und nicht etwa angeborene, also genetische Faktoren seien demnach verantwortlich für den Erfolg. – Der Trierer Philosoph Michael Schmidt-Salomon nennt einen Fehlschluss wie jenen, den die UNESCO in ihrer Deklaration von 1978 zum Ausdruck bringt „Normativen Kulturalismus“. Es kann nicht sein, was nicht sein darf, und wenn die Faktenlage noch so eindeutig ist.
  2. Bis in Koalitionsverträge hinein hat die Überzeugung, dass „das Geschlecht“ ausschließlich ein „soziales Konstrukt“ sei, Eingang gefunden. Dies äußere sich beispielsweise in der Wahl des – geschlechtsspezifischen – Spielzeugs; die jeweilige Vorliebe von Jungen und Mädchen sei allein durch Eltern, „Peers“ und die rosarote Welt der Spielzeugläden bestimmt. Und doch: Männliche und weibliche Rhesusaffenkinder, die nie einen Spielzeugladen von innen gesehen haben, weisen eine vom Menschen ununterscheidbare geschlechtsspezifische Spielzeugpräferenz auf – die männlichen Jungtiere spielen lieber mit Modellautos („Dingen“) als mit Barbiepuppen („Subjekten“), und die weiblichen halten es gerade umgekehrt. Braucht man da, und warum eigentlich, für Menschen wirklich ein anderes Erklärungsmodell als für Affen? Mädchen mit Androgenitalem Syndrom („congenital adrenal hyperplasia“, CAH), einer angeborenen Hormonstörung, die später im Leben eine phänotypische Vermännlichung zur Folge hat, weigern sich nicht nur, mit Mädchenspielzeug zu spielen, sie ziehen auch Jungs eindeutig als Spielkameraden vor und werden überproportional häufig lesbisch. All das ist immerhin seit 1975 bekannt. – Sollte hieraus nicht langsam mal der Schluss gezogen werden, dass die Geschlechtsidentität und damit verbundene Verhaltensweisen auch genetischen Ursprungs sind?
  3. Der Soziologe Gunnar Heinsohn hat „Ockhams Rasiermesser“ – das überaus nützliche Prinzip, nach welchem ein Wissenschaftler derjenigen Erklärung, die mit den wenigsten zusätzlichen Annahmen auskommt, stets den Vorzug geben sollte – auf die Entstehung von Kriegen und Bürgerkriegen angewandt. Braucht man tatsächlich, um die Entstehung eines Krieges zu erklären, Konstrukte wie „Einkommensverteilung“, „Kolonialgeschichte“ oder „Religion“? Nein, man braucht sie nicht, denn der Faktor mit dem höchsten „Erklärungswert“ ist der Altersaufbau der Gesellschaft. Heißt, überproportional viele junge Männer im Verhältnis zur restlichen Bevölkerung („Youth Bulge“) stellen einen sehr zuverlässigen Prädiktor („Kriegsindex“) für das Auftreten sozialer Unruhen dar. Aber wird sein Modell in den Feuilletons oder im Politikteil der Zeitungen thematisiert? Etwa im Hinblick darauf, ob es wirklich die politische EU ist, die den Frieden in Europa garantiert, oder ob der Schlüssel zum Frieden nicht eher im Erreichen einer seit langem konstanten und teilweise sogar rückläufigen Bevölkerungsdichte auf diesem Kontinent liegt?

Die Liste der widerlegbaren postfaktischen Überzeugungen und die traurige Rolle, welche die Universitäten, und darin nicht nur die Geisteswissenschaften, bei deren Fortschreibung spielen, ließe sich fortsetzen: Medizinische und tiermedizinische Fakultäten dürfen die Homöopathie propagieren, nach der „geistartige Kräfte“ (Samuel Hahnemann) in komplett wirkstofflosen Zubereitungen heilsam seien; eine agrarwissenschaftliche Fakultät promoviert Doktoranden, die sich der Kupferchlorid-Kristallisation zum „Testen“ der Lebensmittelqualität verschrieben haben, eine okkulte „Methode“, welche in der als Pseudowissenschaft geltenden Anthroposophie Rudolf Steiners wurzelt. Und kein Universitätspräsident oder Minister zeigt genügend Rückgrat, solchen Unfug zu beenden, indem er einschlägigen Fakultäten beispielsweise die Steuergelder entzieht.

Jedes dieser Beispiele stellt im Grunde einen Beweis für das Versagen der akademischen Bildungseinrichtungen dar. Würden „die Eliten“ das, was eindeutig belegt werden kann, auch standhaft als Kanon des Wissens vertreten, und würden Ministerien, Redaktionen und andere Verantwortliche nicht jeder Mode folgen, sondern Qualitätsstandards setzen, was ihre Aufgabe wäre, dann würden Pseudowahrheiten und „alternative Fakten“ heute sicherlich nicht den gesellschaftlichen Raum einnehmen, den sie derzeit für sich beanspruchen. – Jobst Meyer


Leserbrief zu „Stresstauglich werden“ von Christian Schwägerl

Dass ein freier Bürger in einem freien Land Hand- und Spanndienste zu leisten hat wie im Mittelalter, widerspricht völlig einem modernen Verständnis über das Verhältnis zwischen Bürger und Staat. Das gilt erst recht, wenn es offenbar vorrangig darum geht, den Wohlstandszöglingen (man hört förmlich das Adjektiv „verweichlicht“ heraus) Zucht und Ordnung und Respekt beizubringen. Gerade in Deutschland haben wir in Kaiser-, Nazi- und DDR-Zeit schlechte Erfahrungen damit gemacht, wenn der Staat meinte, seinen Untertanen irgendwelche staatstragenden Tugenden vermitteln zu müssen. Meint etwa, wer „Stresstauglich werden“ sagt, in Wahrheit: Wir müssen einen neuen Menschen erziehen, auf dass unser Volk nicht an  den Degenerationserscheinungen der Zeit zugrunde geht (von wem stammt wohl dieses Zitat)? Zweifelhaft erscheint auch die als selbstverständlich hingestellte These, man lebe „in gefährlichen Zeiten“. Das Gefährlichste, was einem heutzutage passieren kann, sind Autofahren und Hausputz. Nein, Herr Schwägerl, das ist der falsche Weg. Die Idee des Westens ist die der Freiheit und die gilt es zu verteidigen. Auch dadurch, dass man Thesen wie „Armee als Schule der Nation“ eine Absage erteilt. Den Wert freiheitlicher Demokratie durch un- oder unterbezahlte Zwangsarbeit vermitteln zu wollen, wie Sie es offenbar vorschlagen, wird nicht funktionieren.  – Dr. Lorenz Claussen


Leserbrief zu „Wie viel Nähe darf es sein?“

500 Jahre Reformationsfeier

Am 17. und 18. April 1521 musste sich Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms vor Kaiser Karl V. verantworten. Er war hier vorgeladen und aufgefordert seine Schriften und Überzeugung zu widerrufen.

Hier sprach er die Worte: “Mein Gewissen ist im Wort Gottes gefangen. Deshalb kann und will nichts widerrufen. Denn es ist unzuverlässig und unredlich, gegen das Gewissen zu handeln. Ich kann nicht anders. Hier stehe ich. Gott helfe mir. Amen!

Martin Luther, und die Reformatoren wie Jan Hus, Johannes Calvin, Guillaume Farel und andere, erinnern uns nachdrücklich an den Ursprung unseres Glaubens, die Bibel und Jesus Christus. Wir machen uns bewusst, dass wir unseren Glauben durchdenken sollten, dass unser persönliches Gewissen geschärft und erweckt werden soll.

Für Luther war Sola scriptura, lat. = „allein durch die Schrift; und allein Christus“ der Theologische Grundsatz der Reformation. Maßgebend für die reformatorische Theologie war die Heilsbotschaft, die allein durch die Bibel vermittelt wird und durch keine Ergänzung von kirchlichen Überlieferungen bedurfte.

Luther hat dafür gekämpft, die Lehren der Kirche mit der Bibel in Einklang zu bringen. Er hat auf viele unbiblische Vorstellungen aufmerksam gemacht und sie abgelehnt: den Verkauf von Ablassbriefen, die Verehrung von Heiligen und Reliquien die Überzeugung, Priester und Heilige ständen als Vermittler und Fürsprecher zwischen Gott und den Menschen. Er hinterfrage auch die Überlieferung der Kindertaufe und lehnte die Lehre von der „Unsterblichkeit der Seele“ ab.

Als protestantischer Christ kann sich genaugenommen nur bezeichnen, wer sich nicht auf seine eigenen Werke beruft um vor Gott zu bestehen, sondern allein durch das Opfer Jesu Christi. Wer nie aufhört, sein Denken und Handeln an Hand der Bibel zu hinterfragen und zu reformieren. Wer sich weder an der Meinung und Wertvorstellung der Gesellschaft, ihren Gefühlen und seinen eigenen Meinungen orientiert, sondern sein Gewissen am Wort Gottes schärft.

Das Jubiläum der Reformation nach 500 Jahren zeigt uns einen Mann des Glaubens, der unerschrocken und mutig, seinen Glauben und seine Überzeugung lebte. Ein Mann der die zehn Gebote Gottes lehrte und respektierte. Der sich nicht dem Gesellschaftsdruck beugte, um sich deren Vorstellungen an zu passen.

Luther hatte eine Reformation begonnen, die aber heute nicht zu Ende geführt ist. Trotz der heutigen Abkehr von der Autorität der Bibel, sollte auch nach dem Prinzip „Sola Scriptura“ die Reformation im 21.Jahrhundert weitergeführt werden. – Hans Woywod


Leserbrief zu „Sind wir an alldem schuld?“ von Bernhard Pöksen

Politik und Kriminalität gehören zusammen wie sie Siamesischen Zwillinge. Da ist kein Platz für Psychologie. „Alles geschieht hier und jetzt“wie die wunderbare Schauspielerin Isabelle Huppert auf der gleichen Seite in der „Zeit“ erzählt. „Es gibt keine imaginäre Konstruktion, es gibt nichts Vorgefasstes“.  Genauso läuft auch die Politik ab. Die politische Wissenschaft ist nur in den Hochschulen zu gebrauchen.  – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Der Dirty Eater ist zurück!“ von Moritz Hermann

Als ich den Artikel in der Z bezüglich der Rückkehr des Dirty Eater las, kam mir folgender Gedanke:

Obwohl ich die Distanzierung von jeglichen quasireligiösen Essenstrends löblich finde, so wie ich die Distanzierung von allen quasireligiösen Strömungen löblich finde, finde ich doch, dass der Dirty Eater zu Unrecht als Rebell dargestellt wird, der es all den Paleos und Veganern der siebten Stufe mal so richtig zeigen will. Oftmals wird der Grund simpel sein, warum er zu Tütenessen und Fast Food Burger greift, anstatt sich von Radiccio und Möhren zu ernähren. Er hat kein Geld, sich gesund zu ernährend. Und mit diesem Blickwinkel wirkt der Beitrag – meiner Meinung nach – recht zynisch und dann doch im Kulturkreis der Quasireligion gefangen. Schade! – René Lange aus Leipzig


Leserbrief zu „Auf Mission“ von Heike Buchter

„In dem Artikel „Auf Mission“ berichtet Heike Buchter von der unlauteren Praxis, steuerfinanzierte Schulen in die Hände von privaten Betreibern zu geben, die nichts als Gewinnmaximierung anstreben. Pädagogik? Unwichtig? Lerner? Mittel zum Zweck. Diese Charter-Schulen werden als unethisch dargestellt und erweitern das düstere Bild der neuen US-Regierung um eine haarsträubende Dimension.

Doch Obacht: Schon seit Jahrzehnten ist die geschilderte Privatisierung steuerfinanzierter Schulen Gang und Gäbe in Schweden. Ja, in Deutschlands eigenem Bullerbü werden Schüler mit gratis Führerschein oder Laptops an die jeweilige Schule gelockt. Dort wird dann lehrerloser Unterricht betrieben, da Lehrkräfte bekanntlich Geld kosten, oder Distanzunterricht eingeführt, da man so die Mieten für Schulgebäude einspart.

Weshalb wird dies in dem Artikel nicht erwähnt? Würde es nicht ein anderes Bild ergeben, wenn wir die schwedischen Schulen, die mit wenigen Ausnahmen gewinnorientiert arbeiten, neben die Michigans stellten? Oder wollen wir den verklärten Blick auf das Nachbarland nicht beschädigen, indem wir aufdecken, dass vor unserer Haustür Hunderttausende von Schülern privaten Investoren aus dem In- und Ausland als Spielball für Profit dienen?

Trumps Politik polarisiert und verleitet zur Schwarz-Weiß-Malerei. Möge die ZEIT nicht in diese Falle tappen.  – Katrin Geneuss


Leserbrief zu „Innere Unsicherheit“ von Nadine Ahr et al.

Sie beschreiben eine seit sehr vielen Jahren anhaltende Entwicklung und zeigen die Willenlosigkeit der verantwortlichen politischen Vertreter. Meine Ergänzung zu Ihrem Bericht: Belassen sie die Fakten. Tauschen die Namen. Statt Berlin setzen sie Bremen ein. Es ist ein Trauerspiel.  – H. Harders


Leserbrief zu „Wir sind Dinosaurier“ von Dagny Lüdemann

herzlichen Dank für diesen engagierten Artikel über die beiden Tierfilmer, deren Bilder und Geschichten auch meine Jugend begleitet haben und die mir immer noch viel Spaß bereiten.

Schade, dass der BR die Zusammenarbeit aufgekündigt hat, er erhält doch auch sonst jede Menge Urgestein, was eine Aufgabe der dritten Programme sein sollte. Etliches davon besorgt bestimmt keine hohen Einschaltquoten – ein Komödienstadl aus dem Jahr 1977 am Samstag um 20:15 Uhr etwa?

Ich habe die Herangehensweise der beiden Tierfilmer immer sehr geschätzt und erinnere mich heute noch an die Keas, die sämtliche Gummiteile des Unimogs sauber herauslösten oder die Bisons, die hintereinander auf dem freigeschaufelten „Gehweg“ neben dem Highway in Alaska liefen oder die Maus, die mitten auf der Straße in einem Schlagloch lebte. Diese „Tiere vor der Kamera“ wurden mir in biologisch treffenden, unterhaltsamen Worten nähergebracht, so dass sie mir im Gedächtnis geblieben sind. Man konnte, wie Sie zurecht schreiben, die harte Arbeit des Tierfilmers ein Stück weit miterleben und ich habe Hans Schweiger immer für das Ausharren in allen möglichen Unterständen und unter widrigen Bedingungen bewundert. Das große Verdienst der beiden Tierfilmer ist in meinen Augen, dass sie mich als Zuschauerin praktisch in ihrem Unimog mitnahmen und ich mich fühlte wie auf einer Campingtour – nur mit viel spannenderen Eindrücken. Ich stimme Herrn Arendt zu, wenn er sagt, dass es bei den gängigen Formaten nur um eine Aneinanderreihung von spektakulären Aufnahmen geht. Sie sind nach vermeintlich zugkräftigen Themen zusammengeschnitten, werden reißerisch angepriesen und mit dramatischer Musik untermalt – und sind doch nur künstlich. Nach 45 bzw. 60 Minuten fühlt man sich wie durch eine Waschmaschine geschleudert und kann nur noch rudimentär aufzählen, was man gesehen hat. Das macht Tiere zu austauschbaren Attraktionen und ihren Lebensraum zur Kulisse. Daher freue ich mich auf die DVDs der Herren Arendt und Schweiger! – Dr. Agnes Becherer


Leserbrief zu „Das Liebste töten“ von Claudia Wiggenbröker

In ihrem Artikel schildert Claudia Wiggenbröker sehr bewegend das Leid einer jungen Mutter, die von Zwangsgedanken, ihr neugeborenes Kind zu töten, gequält wird. Leider nennt die Verfasserin als einzige Hilfe Verhaltenstherapie mit der wenig Hoffnung vermittelnden Aussicht, dass solche Patientinnen nur selten geheilt würden und die Betroffenen auch nach einer Therapie mit der Angst leben müssten, dass die Zwangsgedanken bei einer weiteren Schwangerschaft zurückkommen. Als langjährige Abonnentin Ihrer Zeitung (die ich sonst sehr schätze) fällt mir immer wieder auf, dass Sie das Bild vermitteln, bei psychischen Erkrankungen gäbe es nur Verhaltenstherapie – ein Verfahren, das damit arbeitet, die Symptome abzutrainieren, mit derart zweifelhaften Erfolgen, wie hier auch beschrieben, da die den Symptomen zugrundeliegenden Ursachen nicht verändert werden.

Vereinfacht formuliert: Tötungsimpulse gegenüber einem Kind, das man ja immer auch liebt, sind Ausdruck dafür, dass Liebe und Hass in dieser Beziehung auseinanderklaffen und es der Betroffenen nicht geglückt ist, beide Gefühle in ihrer Persönlichkeit zu verbinden und damit zu steuern. Um dies zu erreichen, bietet sich eine psychoanalytische Behandlung an. Ich würde mir wünschen, dass Sie Ihren Lesern einen Hinweis auf dieses bewährte Verfahren nicht vorenthalten. – Annegret Wittenberger


Leserbrief zu „Tag der Deutschen Bahn“ von Jens Jessen

Protest! Es gibt kein Nord-Süd-Gefälle, sondern ein Süd-Nord-Gefälle. Und ein Nord-Süd-Gesteige. Der Einwurf ist nicht ernst zu nehmen. – Ernst Lang


Leserbrief zu „Nur Du und ich“ von Constantin Van Lijnden und Christel Mitchell

Ich kenne den Autor nicht, aber wenn ich seinen Artikel lese, steigt vor meinem geistigen Auge ein naiver, sehr junger Mann ohne Lebenserfahrung hoch. Oder: Der Autor ist älter und nicht ganz so naiv, schafft es aber überhaupt nicht, den Text NICHT frauenfeindlich, anklagend und hoffnungslos unpsychologisch rüberzubringen.

Ich fürchte, es gibt Menschen, die solche Sätze ernst nehmen; Sätze wie „gebrochen von der Ehe mit einer Frau“ (Die Frau hat ihn also gebrochen. Soso, böse, böse, böse Frau!) oder „wann aus Liebe Hass wurde“ (Sie halten die Art von krankhafter Nichtbeziehung, die dieser Mann hat, für Liebe?) oder „Tom war verzweifelt. Er hätte an Einsamkeit ertrinken können….“ (Hier hört sich der Puppenkauf wie eine gute Entscheidung an, wie etwas, das man aus Selbstfürsorge tut. Dass der Mann in Therapie gehört, um alleine mit dem Leben klarzukommen, ist für den Autor keine entfernte Ahnung gewesen?).

Liest man als Frau den Artikel, kann man sich nur mit Grausen abwenden vor der kindlichen Anklage gegen die Frauen, die diesen armen, schwachen, doch nur die Liebe suchenden Mann mit Boshaftigkeit und Killerinstinkt „gebrochen“ und ausgenommen haben. Wäre vielleicht eine gute Idee gewesen, ein klitzekleines bisschen dieses kindlichen und pathologischen Benehmens nicht ganz so neutral zu reportieren, als sei es irgendwie das gesunde Verhalten eines Erwachsenen, der einfach Pech hat. – Beate Mischke


Leserbrief zu „Alles Mein“ von Linda Tutmann

Ich könnte eine ganzseitige Erwiderung auf Ihren Text schreiben. Ein Tipp: Drehen Sie jeden Satz um und beziehen Sie ihn auf sich. Und dann gucken Sie mal, wie gut es Ihre eigenen Ängste und Muster trifft. Zum Beispiel: „Ich glaube, dass Minimalisten mit aller Kraft versuchen, etwas zu kontrollieren…das Leben selbst.“ Da muss man als Leserin laut lachen – wie wenig kommen Sie sich selber auf die Schliche! Genau das tun doch Sie: Sie wollen das Leben kontrollieren, indem Sie die Vase mit frischen Blumen versorgen und das rote Kleid tragen. Sie wollen Dinge behalten, weil Sie Angst davor haben, dass andere Sie „entrümpeln“ könnten. Ich habe selten jemanden gesehen, der so viele Ängste vor Veränderung und Kontrollverlust hat wie Sie – und Sie machen das, was typisch ist für unreflektierte Menschen, Sie zeigen mit dem Finger auf andere.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie ehrlich mit sich sein können. Sie können andere Menschen nicht kontrollieren und verhindern, dass sie eigene Entscheidungen treffen. Sie können nur lernen, Ihre eigenen Ängste ehrlich zu sehen und dann auch aufhören, alles auf andere zu übertragen, was eigentlich Ihrs ist. – Beate Mischke

 

26. Januar 2017 – Ausgabe 5

Leserbrief zu „Welch eine Ironie!“ von Mark Schieritz

Welch ein gelungener Abschluss:“Das muss nicht so bleiben.“ Mir fehlt dahinter, um die Bedeutung des davor geschriebenen noch ein wenig zu untermauern, das Ausrufezeichen.

Und wenn ich das so sagen darf, ist gerade in diesem speziellen Fall Martin Schulz die wahrscheinlich bessere Wahl. Denn er hat schon mehrmals bewiesen, dass er sich im Kreise großer Namen sehr gut zu behaupten weiß! Wir sind nicht der Schoßhund der Amerikaner! – Yves Pulst


Leserbrief zu „Das Letzte“ von Fines

Mein lieber Scholli „FINES“. Es geht kein Weg daran vorbei, der Journalismus liegt genau wie Europa am Boden. Vielleicht schon unterm Boden.  Seit Jahrzehnten sind die Medien zur 4. politischen Kraft herangereift. Die Politik lässt sich davon leiten, die eigentlich besorgniserregend ist. Die Macht hat sich zu Gunsten der Medien verschoben. Früher konnten Sie unbeschwerter Ihre Meinung kundtun. Heute geht das nicht mehr.  Das Interesse an Politik hat in den letzten Jahren stark zugenommen.  Die einseitige Berichterstattung in der Flüchtlingspolitik hat das Fass zum überlaufen gebracht. Alle, die die Flüchtlingspolitik stark kritisiert haben, wurden von den Medien als Populisten hingestellt und noch schlimmer als Nazianhänger tituliert. Nichts von dem stimmt.

Es hat sich in unserem Staat ohnehin eine politische Kultur entwickelt, die alles was nicht sozialistisch durch die Gegend läuft von Medien (auch von der Zeit) permanent diskriminiert.  Bayern ist das beste Beispiel. Obwohl hinreichend bekannt ist, auch in Journalistenkreisen das Bayern eine Vorzeigeland ist . Auf fast allen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zahlen schreibt Bayern die besten Zahlen. Sie lügen also ständig willentlich und wissentlich.  Wenige Kollegen, wie zum Beispiel der große Kollege Claus Jacobi, sind noch oder waren noch unter den fairen Journalisten zu finden, die nicht im Sog der Masse der Journalisten mitliefen.

Regelmäßig nimmt der Freistaat Bayern zum Vergleich der anderen Bundesländer den ersten Platz ein. Sie haben die wenigsten Arbeitslosen, die wenigsten Schulden, die niedrigste Kriminalität, die klügsten Schüler, die wenigsten Scheidungen. den besten Fußball. In Forschung und Wirtschsftswachstum rangiert Bayern weit vor allen anderen Bundesländern.

All das, wird sträflich von den Medien ignoriert. Keiner will Sie einschüchtern. Sie sollten Größe zeigen und nicht beleidigend darauf reagieren. Aber wahrscheinlich haben Sie deshalb Ihre wahre Identität verbergen wollen. Ein schlechtes Gewissen scheinen Sie doch zu haben. Ihre personifizierten Lügen wagen Sie nur anonym zu schreiben. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Nie wieder Hausaufgaben““ von Magdalena Hamm

Nie wieder Hausaufgaben an einer Grundschule in Norddeutschland und dadurch mehr Harmonie zu Hause, mehr Zeit zum Spielen, mehr Zeit für den Unterricht, mehr Gerechtigkeit, weil jetzt alle Kinder ohne helfende Eltern auskommen. Was für ein Gewinn!

Werden Eltern, die ihren Kindern bisher bei den Hausaufgaben geholfen haben, künftig keine Ideen mehr haben, wie sie ihre Kinder fördern können? Werden Kinder jetzt zu Hause keine Hilfe mehr benötigen? Was ist mit den Effekten, die durch eigenständiges Lernen zu Hause möglich sind? Eine inhaltliche Auseinandersetzung findet außerhalb der schulischen Räume statt, und die Lerninhalte werden dadurch mental nicht alleine in der Schule verortet. Die Selbstdisziplin wird eingeübt, Arbeits- und Denkstrukturen werden gelegt. Ein unverzichtbares Gut.

In der Schule sollte Unterrichtszeit immer auch als Lernzeit verstanden werden. Wenn den Kindern anstatt Hausaufgaben „extra Übungszeit“ gegeben wird, dann ist auch das Unterrichtszeit. Ist diese Übungszeit effektiver als regelmäßige Hausaufgaben? Braucht man nicht beides? Die Zeit zur Besprechung und auch Kontrolle der Hausaufgaben sollte als Unterrichtszeit verstanden werden, als Lernzeit, und nicht als Zeit, die dem eigentlichen Unterricht fehlt. Natürlich ist der Lehrplan gefüllt. Wie wäre es, wenn man von Zeit zu Zeit die Hausaufgaben reduziert, anstatt sie bis auf einige Ausnahmen ganz abzuschaffen? – Dr. Christine Meinhardt-Remy


Leserbrief zu „»Es gehört nicht jeder dazu« – »Ein Schreckensgedanke«“ ein Streitgespräch zwischen Frauke Petry (afD) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne), die Fragen stellten Matthias Geis und Tina Hildebrand

Da wirft sich die Wölfin den Schafspelz über, frisst einen Haufen Kreide, weil es sich so besser von irgendwelchen Werten schwafelt, und das bisslose Lämmchen von den Grünen fällt auf diese Taktik rein. Die Basis und treibende Kraft jener Partei, nämlich der dumpf geifernde

Hass- und Hetzmob, kommt so gar nicht erst in den Blick.- Auch von Seiten der ZEIT-Reporter kommt nichts außer, sagen wir, vornehme

Zurückhaltung.- Das war kein Beitrag zur politischen Diskussion und Information sondern eine Werbeveranstaltung für diese Partei da, die versucht, sich so mit Ihrem Wohlwollen Einfluss auf den demokratischen Sektor der Gesellschaft  zu verschaffen.- Das war ganz mies. –   Jürgen Wißner


Leserbrief zu „Keine macht der Lüge“ von Marina Weisband

Die größte Zuschauermenge bei einer Amtseinführung? Jeder sieht die Fakten durch seine eigene Brille.

Trumpsleute zählen natürlich nicht nur die Zuschauer vor dem Capitol, sonder auch die vor den TV-und-Netz-Bildschirmen weltweit dazu. Andere Leute zählen nur die, die zwischen Capitol und Washington Monument standen.

Die Eiferei über die Mengenangabe entspringt einer fehlenden Zusatzinformation. Diese hätten Sie eigentlich zugunsten beider Seiten in ihrem „Eifer“ erwähnen müssen. – Jürgen Kastner


Leserbrief zu „Lasst die Mädchen doch mit Mathe in Ruhe“ von Mathias Binswanger

PISA kann wohl nicht als Evaluation von einzelnen Interventionsmaßnahmen interpretiert werden. Dafür muss man schon genauer gucken, was da hilft und was nicht.

Zudem: Studien zeigen, dass sowohl Lehrer als auch Schüler in Stereotypen verhaftet sind, danach bewerten und unterrichten bzw. Leistung und Begeisterung zeigen. Stereotype nich zu reproduzieren sollte deshalb Ziel von Interventionen sein. Lediglich für die Attraktivität von Mathe und co zu werben reicht sicher nicht.

Aufgeben kann jedenfalls nicht das Ziel sein. Dafür brauchen wir die Mädchen zu sehr als Fachkräfte in der Naturwisenschaft. – Katharina Odebrecht


Leserbrief zu „Trumpistan“ von Josef Joffe

Hier irrt der geschätzte Josef Joffe. Trump ist zwar der 45. Präsident der USA, er hatte aber nicht 44 Vorgänger sondern nur 43. Wie das? Ganz einfach: Dem 23. Präsidenten, S. Grover Cleveland, gelang, bisher als einzigem Präsidenten, nach einer Pause von vier Jahren die Wiederwahl zum 25. Präsidenten, in der er William Mc. Kinley, dem 24. Präsidenten, das Amt überlassen musste.  – H.-Jürgen Borchelt


Leserbrief zu „Fuck You Silicon Valley?“ von Alard von Kittlitz

Eine provokative Überschrift ist OK.  Alard von Kittlitz hat nichts verstanden von „go west, Ihr Genies….“

Anscheinend ist der Redakteur ein Schwarzmaler und voller Neid, warum die US eine Kultur der technischen Innovation schaffen kann, die in Deutschland nicht aus den Startlöchern kommt!

Denn warum haben fast alle namhaften deutschen Autobauern und deren Zulieferer Entwicklungscluster in der so kritisierten US Region ?  Die Antwort ist eindeutig. Weil man sonst den Anschluss an innovativen Produktentwicklungen wie das autonome Fahrzeug verlieren würde !

Sachlich gesehen mutiert Deutschland zu einer Region mit optimierten Fertigungskompetenz. Aber die großen Innovationen in der Elektronik und SW Technologie werden schon längst wo anders vorangetrieben. Oder haben wir noch irgendwo deutsche handy’s oder kaufen wir deutsche Fernseher ? Nein , in kundennahe innovative Produkte hat Europa inklusive Deutschland den Anschluss schon längst verloren !

Also geben wir doch deutsche Autobauer eine Chance im Bereich der innovativen Entwicklung noch mit zu spielen und begrüßen wir das Interesse für die Silicon Valley Mentalität statt alles nur schwarz zu reden. Nur so hat man hier zulande die Chance eine florierende Automobilindustrie erfolgreich Richtung mobility solutions des 21 Jahrhunderts, mit autonomen und elektrischen Fahrzeugen , aus zu bauen und viele Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. –   Henk Rippen


Leserbrief zu „Mit Gewicht in die kurve “ von Angelika Franz

Schon interessant was Ihre Autorin Angelika Franz schreibt . Sie steht im bus anscheinend immer mit dem Rücken in Fahrtrichtung ( Ich selbst wie die meisten Menschen bevorzugen den Blick nach vorne ) . So neige ich mich in einer Linkskurve des Busses tatsächlich nach links um nicht umzukippen . Ihre rückwaerts stehend Autorin allerdings darf sich dann tatsächlich nach rechts neigen . Daß allerdings die römichen Fahrer im Circus Maximus mit dem Rucken in Fahrtrichtung standen wußte ich bisher nicht . – Stephan Eitel


Leserbrief zu „Hygge“ von David Hugendick

wie schade, dass Ihr Artikel Dänemark unerfahrenen Lesern keine Vorstellung davon vermittelt, wie sich hygge anfühlt.

Den meisten deutschen Dänemarkurlaubern fällt, wenn sie das Ferienhaus verlassen und mit Dänen- egal welchen Berufsstandes – in Kontakt kommen, eine überraschend angenehme selbstsichere Entspanntheit auf, von der gern etwas abfärben dürfte. Diese Unangestrengtheit hat etwas mit hygge zu tun.

Louisa Thomsen Brits hat es ungefähr so ausgedrückt: Hygge ist, wenn wir uns um uns selbst und um andere kümmern.Hygge beschreibt die Art, Verbundenheit zu erzeugen, Seele und Herzlichkeit in unser oft überspanntes, komplexes Leben zu bringen. Hygge ist die Kunst, Nähe zuzulassen. –  Christine Tischer


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Bei aller Wertschätzung für Herrn Soboczynski:  Was Trump sein will, sieht man an den Fotos, auf denen er dreinzublicken übt, wie er sich vermutlich vorstellt, dass tatkräftige und entschlossene Charaktere dreinblicken, und politisch sprechen kann er womöglich nicht anders, als er eben spricht. Vom Bruch mit einer Tradition politischen Sprechens könnte man nur reden, wenn prinzipiell die Möglichkeit/die Fähigkeit gegeben wäre, diese auch fortzusetzen, denn der Bruch mit einer Tradition scheint dem Sprachgebrauch nach immer mit einem intentionalen Akt verbunden. Oder will man einem Verkaufsverbot in den USA vorbeugen? – Prof. Dr. Bernd Schwarz


Leserbrief zu „»Es gehört nicht jeder dazu« – »Ein Schreckensgedanke«“ ein Streitgespräch zwischen Frauke Petry (afD) und Katrin Göring-Eckardt (Grüne), die Fragen stellten Matthias Geis und Tina Hildebrand

Ich hatte nicht den Eindruck, dass die beiden Frauen, Frauke Petry und Katrin Göring-Eckardt  s i c h   streiten. Die Frauen streiten. Und zwar tauschen sie sachlich ihre Argumente aus. Streiten heißt Leben, ist sogar eine rabbinische Weisheit. Nur kleine Kinder streiten sich im Sandkasten um Eimer und Schaufel. – Ilse Vogel


Leserbrief zu “ Marx hätte Ceta gewollt – Was FDP-Politiker Kubicki an dem linken Denker schätzt“ ein Gespräch geführt von Stefan Willeke

das wird Kubicki nicht gemeint haben, wenn er meint, Marx würde heute für Freihandelsabkommen wie Ceta stimmen.  Eine Rede über die Frage des Freihandels, gehalten am 9. Januar 1848 in Brüssel schließt mit:

„Aber im allgemeinen ist heutzutage das Schutzzollsystem konservativ, während das Freihandelssystem zerstörend wirkt. Es zersetzt die bisherigen Nationalitäten und treibt den Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie auf die Spitze. Mit einem Wort, das System der Handelsfreiheit beschleunigt die soziale Revolution. Und nur in diesem revolutionären Sinne, meine Herren, stimme ich für den Freihandel.“

Der Importzoll auf Getreide belastete damals die Arbeiter. Soweit war Marx für Freihandel, beklagte aber, dass die Arbeitslöhne gesenkt wurden und sich die „Freihändler“ heftig gegen die Reduzierung der täglichen Arbeitszeit von 12 auf 10 Stunden wehrten. Die zerstörerische Wirkung der britischen Textilexporte auf die indische Textilwirtschaft war Marx bewusst. Vermutlich auch die unfreundliche Art, mit der die Briten den Chinesen den Opiumhandel nahe brachten: mit zwei Kriegen und Millionen Opfern – vom Krieg und vom Opium. – Gerhard Schroeder


Leserbrief zu Bildunterschrift in „»Ich war kein braver Schüler«“ von Leonie Seifert

Eigentlich war ich der Ansicht, das die „Feuerzangenbowle“ als Kultfilm im deutschen Bildungsbürgertum hinreichend bekannt ist. So kann ich es überhaupt nicht verstehen, dass keinem Redakteur und/oder Korrekturleser (falls es diesen Beruf überhaupt noch gibt) aufgefallen ist, dass Heinz Rühmann nicht einen Lehrer darstellt, sondern den besonderen Schüler Pfeiffer – den mit den fff! Ich hoffe darauf, dass Sie diesen Fehler in der nächsten Ausgabe korrigieren. – Dr. P. Mühlner


Leserbrief zu “ Die letzten Radikalen“ von Elisabeth von Thadden

Hunde und Katzen seien eine Belastung für die Umwelt und daher auch zu Recht zu besteuern – um den Bestand steuern zu können. Ich bin mir nicht sicher, ob man das postfaktisch oder ignorant nennen soll. Nichts auf der Erde belastet ebendiese so stark, wie der Mensch. Der auch der einzige ist, der glaubt eine Umwelt zu haben. Alle anderen Lebewesen leben nämlich IN der Welt. Der Mensch sorgt dafür, dass Vögel zu den bedrohten Arten zählen – und geißelt dann Katzen als verantwortlich für deren Aussterben. Wer so argumentiert, müsste sofort für die Einführung einer Babysteuer und für die Abschaffung des Kindergeldes sein. Keine Kinder mehr und das Umweltproblem Mensch wäre in hundert Jahren gelöst.

Und außerdem: es gibt ja wirklich nichts Wichtigeres, keine größeren Probleme, die zu lösen sich die Politiker zur Aufgabe machen könnten, als: Katzen. – Jürgen Weltzer, Hundepension Starzach


Leserbrief zu „Fuck You Silicon Valley?“ von Alard von Kittlitz

Ich habe mir die aktuelle ZEIT nur wegen der Ankündigung des Artikels „Fuck you, Silicon Valley“ gekauft und wurde nicht enttäuscht. Man ist im allgemeinen Mainstream,  den auch die ZEIT pflegt eher gewohnt entweder Hymnisches zum Silicon Valley zu lesen, s. auch aktuell den Beitrag Herrn Schmitts auf S. 31 zu sprechenden Kühlschränken etc. oder Angstvoll-Ehrfürchtiges (s. Broy/Precht, S. 8).

Wie erfrischend nun zu erfahren, daß ein auch wohl wesentlich Jüngerer als der Schreiber dieser Zeilen (fast 58 J.) einen ungestümen Hass gegen die größenwahnsinnigen Geldgierigen des Silicon Valley hegt, das für mich schon lange nur noch  „Silly con Valley “ geschrieben wird. Hass ist eigentlich kein schönes Gefühl – wenn es aber wie beim Autor und mir selbst doch gewaltfrei daherkommt ist es sogar noch politisch korrekt.

Das abscheulich Abstoßende an den von Ihnen genannten Figuren ist ja, daß sie nicht nur sagen: Wir wollen ganz schnell viel Geld verdienen und vor allem mehr als die Andern. Das ist nicht schön, aber man kennt es. Das Widerliche ist,  daß es mit diesem Erweckungserleben verknüpft ist, daß man mindestens die Welt besser machen wolle etc. Aber wie man alle Menschen der Welt mit sauberem Wasser und funktionierenden Toiletten versorgt interessiert keinen im tiefen Tal der Supernerds. Absurd das tatsächliche Bemühen um Unsterblichkeit – ein alter Menschheitsmythos, aber eben ein Mythos. Wie abgrundtief dämlich muß man sein, solch ein Ziel überhaupt in Augenschein zu nehmen, wo jeder Grundschüler schon weiß, daß so etwas (und wenn nur alle 150 Jahre alt werden) ein grausames Ende der Menschheit bedeuten würde.

Dann  der Machbarkeitswahn: in einem ähnlich unsäglichen Beitrag Claus Klebers fürs ZDF sagte vor einiger Zeit ein deutscher Valleyist, wahrscheinlich Herr Thiel, „warum sollen wir nicht doppelt so groß und viermal so alt werden wie jetzt (oder so ähnlich). Ja – vielleicht weil wir dann nicht mehr durch die Tür passen? Auch Wikipedia gibt schon vor: Alles Wissen der Menschheit jederzeit an jedem Ort der Welt – Größenwahn allerorten.

Aber das ist deren Vision: der Unsterbliche, der im selbstfahrenden Auto über die Erde rast, im Auge die blutzuckermessende Kontaktlinse, allseits das moderne Gold der Digitalidioten ausscheidend, nämlich Date Daten Daten.

Neben demn dämlichen Big Data Gewäsch (man forsche einmal nach dem noch analogen Datentod der Stasi) ist noch ein sehr schönes Hassobjekt das Internet der Dinge. Alles ist mit allem vernetzt – nur wozu? Schon allein absurd wegen der vielen Manipulationsmöglichkeiten. Will ich, daß in meinem Urlaub sich John und seine Freunde in Atlanta/Georgia abends einen Spaß draus machen, meinen internetfähigen Gefrierschrank online abzutauen?

Und wie genau benannt das ehrfürchtige Erwarten der offensichtlich nicht zu kritisierenden Digitalisierung, eine Art messianischer Heilserwartung die kommen muss, weil sie es KANN, plus die imbezile „Künstliche Intelligenz“ und die Roboter die uns Arbeit abnehmen, die wir gerne noch selbst täten.

Man findet kein Ende, deswegen mache ich jetzt erst mal Schluß: aber ganz ehrlich: ich würde mir überhaupt und speziell in der ZEIT mehr kritische Beiträge zum digitalen Unsinn wünschen – und zwar aus verschiedenen Sichtweisen: Philosophie, Politik, Psychologie etc. Kritisch heißt für mich auch: die Visionen überprüfen. Und daß Maschinenstürmer nicht nur rückwärts gewandt sind.

Flächendeckend wird doch das selbstfahrende Auto niemals kommen – oder glaubt jemand ernsthaft, daß ein Auto mit 15 Kameras und x- Sensoren im Stadtverkehr von Djakarta, Mexico City, Bangkok etc. eine Überlebenschance hat?

Vielleicht mal ein Sonderheft dazu? Wenn Sie einen Leserbeitrag dazu brauchen, bin ich gerne dabei. – Dr. med. Uwe Zeller


Leserbrief zu „Hygge“ von David Hugendick

Nicht nur die Dänen kennen ein besonderes Wort für diese Art der gemeinsamen Ruhe und Entspannung.

In meiner Heimat, dem Hunsrück, gibt es das entsprechende bisher unübersetzbare aber unverkennbar ähnliche „Gehaichniss“

Das ist zum Beispiel ein glühend heißer Ofen mit den Bratäpfeln vom Opa obendrauf, wenn man als Kind an einem eisigen Schneetag völlig durchgefroren vom Schlittenfahren in die warme Stube kommt.

Und darin sind die Hunsrücker Profis. Es fragt sie nur niemand danach, wie das geht. Und ungefragt werden Sie´s nicht erzählen. – Jürgen Wagner


Leserbrief zu „Daten essen Seele auf“ von Richard David Precht und Manfred Broy

Ist es wirklich so, dass hunderttausende Arbeitsplätze als direkte Folge des digitalen Fortschritts drohen wegzufallen? Und ist es tatsächlich die alleinige Aufgabe der Politik entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen um dem entgegenzuwirken? Nun, was würde denn passieren, wenn die Menschen ihre Arbeit verlören, den Sinnspender des bisherigen Lebens? Und was würde unsere viel gelobte und hoch entwickelte Wirtschaft machen, träfe dies ein? Wie bei jeder Revolution, müssen alle Zahnräder ineinander greifen! Mensch und Maschine, Politik und Wirtschaft, die Gegenwart und die Zukunft! Es heißt doch, wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere.  Könnte man auch daraus schließen, dass, fiele aufgrund der digitalen Revolution ein Arbeitsplatz weg, ein anderer vollkommen Neuer entstünde? Ich denke, diesen Kraftakt der Veränderung kann Niemand ganz allein und ohne Hilfe stemmen. Dazu bedarf es einer homogenen und dynamischen Gesellschaft. Es wird sich zeigen, ob die Deutsche dieser Aufgabe gewachsen ist. – Yves Pulst 


Leserbrief zu „Krustentier“ von Lisa Zeitz

Diesen guten Beitrag kann ich in einigen Punkten ergänzen. Erstens. Der dort genannte „unbe-kannte Augenzeuge“, der Dürer die Vorlage für seine kongeniale Zeichnung und seinen Holzschnitt lieferte ist Vanentim Fernandez. Er ist Mähre und ist in Lisabon als Makler für die deutschen Kauf-leute wie die Welser tätig. Sein eigentlicher Beruf ist aber der eines Druckers, und er gilt als der bedeutendste Typograph Portugals zu dieser Zeit. Daher ist seine Zeichnung des Nashorns auch konzis und genau. Seine Zeichnung schickt er nach Augsburg zu seinem Geschäftskorrespondenten und dieser gibt sie an Dürer weiter. So kann Dürer daraus eine exzellente Zeichnung an-fertigen und diese setzt er dann in einen Holzschnitt um, von dem er wohl mehr als hundert Exemplare abzieht und die seine Frau verkauft. Als Dürer mit seiner Frau 1515 in Antwerpen ist, verkaufen sie dort die Zeichnung und einige Holzschnitte. Die Zeichnung wird noch heute im British Museum in London aufbewahrt und ausgestellt. Zweitens. Dürer hat nicht, wie Walton Ford meint, „die dicke Haut in einen Panzer umgedeutet“, sondern bei dem fraglichen Nashorn handelt es sich um ein indisches Panzernashorn. Dieses hat einzelne, voneinander abgesetzte Lederplatten, die wie ein Panzer wir-ken. Die heute bekannteren afrikanischen Nashörner haben dagegen eine durchgehende Lederhaut. Dürer hat das indische Panzernashorn also richtig wiedergegeben. Drittens. Dürer hat in Antwerpen auch Erasmus getroffen und ihn dort porträtiert.

Thomas Morus, der später im Jahr 1515 auch in Antwerpen ist, hat die Nashorn-Zeichnung und den Holzschnitt gesehen und ist davon stark beein-druckt. Und so schreibt am 31.10.1516 von London aus an Erasmus, dass er seinem ironischen Buch, dem er etwas später den Titel „Utopia“ gibt, auch einen ironischen Titel geben wolle. Und damit könne er den wegen ihrer falschen Leidenschaftlichkeit ungebildeten Menschen (er meint da-mit vor allem die Machthaber) „eine Nase drehen, die länger als die des Nashorns sei“. So nennt er dann sein Buch „Utopia“. Das „U“, griechisch „OU“ bedeutet die Leugnung einer Tatsache, und das steht im Gegensatz zu „µñ“, gesprochen „mä“, das die Ablehnung einer Sache ausdrückt. Folglich heißt Utopia „das Land, dessen Existenz von den Alten geleugnet wird“. So steht es auch ausdrück-lich im „Hexastichon“ einem der Vorsatzgedichte in der lateinischen Originalausgabe der Utopia. Wir ha-ben damit den Fakt, dass der Anblick der Nashorn-Zeichnung von Dürer bei Morus zu der Entste-hung der Idee beiträgt, den Titel seines Utopia-Buches zu finden. Und der Utopiebegriff hat dann in die Weltliteratur, Philosophie und Politik breiten Eingang gefunden, auch wenn er dabei vielfach missdeutet wird. Insgesamt zeigen die hier zusätzlich aufgeführten Fakten zusammen mit denen, die Lisa Zeitz nennt, dass das genannte Nashorn, das von 1513-1516 in Europa war, und seine Zeich-nung durch Dürer einen immensen Einfluss auf die europäische Kultur genommen haben.
Ich habe die oben genannten Sachverhalte genauer und ausführlicher in meinem folgenden Buch dargestellt:

Lothar Wolfstetter, DIE BEZIEHUNG DES MENSCHEN ZU ANDEREN TIEREN: Am Beispiel des Nashorns und Einhorns, Materialis 2014,  ISBN 978-3-88535-480-2, 54 S. A4 m 11 Abb in Spiralbindung, 8,90 €

Dort nehme ich dies auch zum Ausgangspunkt, um die allgemeine Beziehung des Menschen zu den anderen Tieren am Beispiel des Nashorns zu problematisieren. Denn das Wollnashorn war für die Frühmenschen wie den Neandertaler das hauptsächliche Beutetier in Europa und Asien und wurde von ihm dort wohl auch ausgerottet. Dann war es lange Zeit nicht mehr im Bewusstein präsent, aber  zugleich nur verdrängt, denn es fand seit der Antike und im Mittelalter als Einhorn Eingang in die Mythen der Religion und wurde später zum Symbol der weltlichen Liebe in Literatur und Kunst. Und heute ist es wiederum von der Ausrottung bedroht, während zugleich bei seinen Bewahrungs-
versuchen das ausgeprägte Sozialverhalten erkannt wird. – Lothar Wolfstetter


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Wir lesen gerne die Zeit und schätzen die seriöse und ausgewogene journalistische Arbeit Ihrer Autoren.

Nun lesen wir in der Ausgabe Nr. 5 mit Interesse den Bericht von Adam Soboczynski über den Amtsantritt von Donald Trump und seiner beachtlichen Rede anlässlich seiner Vereidigung. Die Reihe der höchst interessanten und bedenklichen Zitate gipfelt unübertroffen in dem folgenden „Und jetzt noch ein längeres Zitat: Wir wollen arbeiten, aber das Volk selbst…“, welches sich laut ihrem Artikel mit einem Ausschnitt aus Hitlers Rede deckt. Dies ist eine ungeheuerliche Parallele und Anschuldigung und würde unserer Meinung nach viele heftige Reaktionen in der Weltpresse erwarten lassen. Bei der Suche nach weiteren Reaktionen darauf wurden wir allerdings nicht fündig. So stießen wir weiters auf den Wortlaut der gesamten Trump-Rede u.a. in ihrem Online-Artikel vom 20.1. und waren entsetzt, dieses Zitat und auch andere von Herrn Soboczynski zitierte Ausschnitte im Originaltext gar nicht zu finden. Wir bitten sie um Aufklärung! – Johannes Bock


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

In der Zeit Nr. 5 wird im Artikel von Adam Soboczynski ein Zitat Trumps aufgeführt, in dem er angeblich Teile einer Rede Hitlers verwendet („Und jetzt noch ein längeres Zitat: „Wir wollen arbeiten, aber das Volk selbst,…“). Können Sie mir sagen, wann Trump diese Zitate verwendet hat?

In dem Artikel wird suggeriert, dass sie Teil seiner Vereidigungsrede waren, dies wird in diversen Blogs inzwischen so weitergegeben. In den veröffentlichten Abschriften Trumps‘  Vereidigungsrede finde ich aber dieses Hitler-Zitat nicht?! – Eckart Linow


Leserbrief zu „America first!“ von Jörg Lau

Mit großem Interesse verfolge ich Ihre Berichterstattung zur neuen US-Regierung und den aktuellen Vorgängen in den USA. Dabei bin ich sehr dankbar, in einem Land zu leben, in dem eine qualitätsvolle und unabhängige Berichterstattung erfolgen kann.

Aus Interesse, was die „andere Seite“ zu sagen hat schaue ich mir auch die Inhalte auf der Seite „Breitbart News“ an, welche meist ein sehr gegensätzliches Bild zeichnen.

Könnten Sie nicht einmal Stellungnahmen zu solchen Artikeln, wie zum Beispiel diesem verfassen? Das würde mich sehr interessieren und möglicherweise auch einen Dialog initiieren.

Vielen Dank für Ihre gute Arbeit! – Matthias Heitmann


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Ihr Artikel hat mich aus der Bahn geworfen.  So sehr, dass ich selber erst einmal recherchiert habe, ob ich nicht einem „Fake“ erliege. Ich mag nämlich keine Verschwörungstheorien.  Und eigentlich vertraue ich der Zeit!  Ihre Analyse ist aber korrekt, das hat mich noch viel mehr schockiert.  Die Inaugurationsrede von Trump zitiert Adolf Hitlers Antrittsrede zur Machtergreifung.

Nach meinem Gefühl—vielleicht liege ich da ja falsch—hat Ihre Recherche aber eine Menge Sprengkraft.  Soweit ich weiß hat das noch kein US-Medium aufgegriffen.  Hatten Sie kontakt dazu zu Medien in den USA?  Bei einem solchen Plagiat, dass ich eigentlich nur Bannon zutraue, muss doch eine Nachfrage der Presse dazu kommen.  Und wenn das keiner aufgreifen möchte, ist es nicht unsere Pflicht als deutsche, diese Frage zu seiner Rede bei einem Besuch in Deutschland an Ihn zu richten?  Ich bin schockiert, die Textpassagen sind zu eng an Hitlers Rede angelehnt, als das dies ein Zufall sein kann.  Dieses Plagiat darf nicht in der Zeitgeschichte untergehen.  Mir läuft es kalt den Rücken runter, weil es so entlarvend ist.

Vielen Dank für Ihre tolle Arbeit. – York Wollatz

P.S. Sie als Journalisten machen so tolle Arbeit in unserem Land, kommunizieren Sie auch Ihre Arbeitsstandards, damit Sie weiterhin geschätzt werden.


Leserbrief zu  „Ich eine Islamistin ? Schauen Sie mich doch an !“  von Mariam Lau

In ihrem Artikel zeichnet Mariam Lau ein detailliertes Bild von der Staatssekretärin Sawsan Chebli . Ich empfinde die Frau mit dem hübschen Gesicht als fordernd, arrogant und undankbar –  und genau das drückt auch ihr Gesicht aus. Als 70-jährige, ehrenamtliche Flüchtlingshelferin habe ich viele junge Flüchtlinge kennengelernt, die oben genannte Wesenszüge auch zu erkennen geben. Natürlich sind die dankbaren Flüchtlinge, die ich kenne, in der Mehrzahl. Warum antwortet Frau Chebli nicht auf die Frage wovon ihre Familie gelebt habe ?  Grob gerechnet waren es rund 1,5 Mio. € allein für die Grundsicherung – die tatsächlichen Sozialleistungen sind weitaus höher – die der Steuerzahler für sie und ihre Familie gezahlt hat. Da ist schon Dankbarkeit angesagt. Und man kann erwarten, dass Frau Chebli – insbesondere als Staatssekretärin – nicht solchen Unsinn verzapft, dass die Scharia mit unserem Grundgesetz kompatibel sei ! Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Chebli den Koran nie richtig gelesen hätte.

Der als radikal geltende Imam Kamouss predigt und Chebli sitzt als einzige Frau  unverschleiert in der ersten Reihe ? Da wittere ich Ungemach !  Grundsätzlich ist gegen den JUMA- Kreis nichts einzuwenden,  bedenklich ist nur die Zugehörigkeit Einzelner zur Muslimbruderschaft oder Ditib . Man weiß, wie die Muslime dort ticken.

Ich engagiere mich als alter Mensch mit meiner ganzen Kraft für die Flüchtlinge. Zum Freundeskreis meiner Familie gehören auch Muslime, mein Enkel hat türkische Wurzeln. Aber ich habe ganz entschieden etwas gegen Menschen, die zu uns geflüchtet sind, die alle durch unser Sozialsystem versorgt werden, die sich aber nicht integrieren wollen, die weder unsere Sprache erlernen wollen noch unsere Gesetze halten. –   Rita Mielke


Leserbrief zu „Mit Gewicht in die kurve “ von Angelika Franz

In der ZEIT Nr. 5 vom 26.1.2017 ist der Redakteurin Angelika Franz im Artikel „Mit Gewicht in die Kurve“ auf Seite 34 ein (Denk-)Fehler unterlaufen:

„Rennt ein Pferd durch eine Linkskurve, lehnt der Fahrer sich – beim Versuch, die Balance zu halten – nach rechts.“

Das ist falsch! Man lehnt sich in einer Kurve immer zur Kurveninnenseite, in diesem Falle also nach links. Auch wenn ich eine Linkskurve laufe, neige ich mich nach links, um der Zentrifugalkraft entgegenzuwirken.

Probieren Sie es aus! – Manfred Krajewski


Leserbrief zu “ Darf das in den Unterricht?“ von Julia Bernewasser

Dürfen darf das schon – nur gehen tut es nicht! Dass Hitlers „Mein Kampf“ in der jüngsten oder einer der älteren Editionen in den Geschichtsunterricht eingebracht wird, ist ebenso unwahrscheinlich wie, dass Golo Manns Wallenstein oder Ernst Kantorowicz’ Friedrich II., Friedrich von Raumers Geschichte der Hohenstaufen oder Theodor Mommsens Römische Geschichte darin Berücksichtigung finden. Die Lektüre mehrere hundert, gar über tausend Druckseiten einer wissenschaftlichen Edition oder Darstellung ist in einem Fach, dessen Stundenvolumen in den letzten Jahren permanent gedrosselt wurde, aus Gründen des Umfangs schlichtweg nicht praktikabel.

Doch darum geht es doch eigentlich auch gar nicht. Nicht ob die Neuedition von „Mein Kampf“ für den Unterricht taugt, ist kontrovers, sondern inwiefern die darin enthaltende Ideologie in einer nur durch die distanzierende Kommentierung ihrer wissenschaftlichen Bearbeiter Eingang in den Unterricht finden kann – oder besser: darf? – macht den Streitpunkt aus.

Wie kann man da argumentieren, die Neuedition eigne sich nicht für den Geschichtsunterricht und ebenso wenig für die Lehrerausbildung und dürfte auch nicht den Weg in die Hände akademisch gebildeter Lehrer finden? Wenn die nationalsozialistische Ideologie, die zu einem nicht unerheblichen Teil in „Mein Kampf“ ausformuliert wurde, zu den dem Geschichtsunterricht curricular vorgeschriebenen Gegenständen zählt – wie das in allen Ländern der Bundesrepublik Deutschland der Fall ist –, dann gehört die Neuedition selbstverständlich in die Hände von Lehrern, die aufgrund ihres geschichtswissenschaftlichen Studiums damit umzugehen wissen. Und ebenso selbstverständlich kann eine Auseinandersetzung mit ihr in der Lehrerbildung Berücksichtigung finden, damit die Studierenden lernen, wie sie als Lehrer mit derartigen Angeboten der Geschichtswissenschaft zu verfahren haben. Und in den Unterricht gehört das Buch insofern, als selbstverständlich neuere Schulgeschichtsbücher Auszüge aus ihm in sich aufnehmen werden. Damit ist dann auch die Gefahr gebannt, dass geschichtswissenschaftliche Erträge ungefilterten Eingang in den Geschichtsunterricht erhielten. Dazu hat der für ihn verantwortliche Staat nicht nur formale Hürden in erklecklicher Zahl errichtet, dafür hat er vor allem die Akademisierung der Lehrerbildung betrieben. Dass irgendein Geschichtslehrer – wenn nicht wider besseren Wissens – die Neuedition ohne ein geschichtsdidaktisches Arrangement in den Unterricht einbringen würde, das zum kritischen Umgang mit ihm anregt, darf man – schon aufgrund der Ausführungen der zitierten Praktiker – nicht nur hoffen, sondern in höchstem Maße vermuten.

Warum also die Hysterie? Sollten wir Quellen aus dem Geschichtsunterricht verbannen, die Gedankengut transportieren, das moralisch anstößig ist? Dann erfahren die Schüler nichts mehr über die Anfänge des rassistischen Nationalismus bei Ernst Moriz Arndt (so argumentiert B. Erenz, in: Die Zeit Nr. 5 (26.01.2017), S. 612) oder eben über die des nationalsozialistischen Denkens bei Adolf Hitler. Dann erfahren sie nicht mehr, wie solche Gedankengebäude entstehen, weil sie gar nicht erfahren, dass es sie gegeben hat.

Wenn es Geschichtsunterricht geben und der Nationalsozialismus darin eine (besondere) Rolle spielen soll, dann kann man in einer akademischen Welt schwerlich darüber debattieren, ob die jeweils am besten editieren Quellen dafür und darin Berücksichtigung finden sollten. Das ist schlicht ein Gebot der geschichtswissenschaftlichen Redlichkeit, das weder geschichtsdidaktisch ausgehoben werden kann, noch mit den Zielen eines Geschichtsunterrichts kollidiert, der mündige Bürger zu erziehen sucht, die sich nicht zuletzt über das Gewordenheit der Gegenwart Auskunft zu geben vermögen. – Prof. Dr. W. Hasberg


Leserbrief zu „So kommen Sie durchs »Kapital«“ von Gero von Randow

Der Artikel von Gero von Randow ist aufschlussreich, weil hier unfreiwillig demonstriert wird, wie in der Deutschen Kommunistischen Partei das „Kapital“ von Karl Marx gelesen und falsch interpretiert worden ist. Das beginnt mit der sog. Arbeitswerttheorie. Von Randow schreibt, dass die Kosten  des Warenwerts aus der „durchschnittlichen“ Arbeitszeit für die Herstellung der Ware ergeben. Einmal geht es nicht nur um die durchschnittliche Arbeitszeit, sondern darum, ob die Ware als Ergebnis verausgabter privater, arbeitsteiliger Arbeit als „gesellschaftliche“ Arbeit anerkannt wird. Das ist nur der Fall, wenn sich ihr Tauschwert auf dem Markt realisiert, die Ware also gekauft wird.

Es kommt daher nicht nur auf die Produktion, sondern auch auf die Bedingungen in im Austauschprozess an, um zu wissen, was diese gesellschaftlich bestimmte durchschnittliche Arbeitszeit ist.  Der gesellschaftliche Wert und darum geht es Marx, wird daher erst in der Zirkulation abschließend festgestellt. Es kommt also auch auf die Nachfrage nach Waren und die Konkurrenz auf dem Markt an. Es spielt daher der Gebrauchswert oder Nutzen der Ware ebenfalls eine entscheidende Rolle. Deshalb sind die kommerziellen Lohnarbeiter auch produktive Arbeiter, weil sie dafür sorgen, dass die Waren Käufer finden können.

Von Randow vertritt hier die Variante einer Arbeitswerttheorie, die davon ausgeht, dass der Wert einer Ware in der Produktion gebildet wird und vor dem Austauschprozess bereits feststeht. Kritiker haben dies als die „Pfannkuchentheorie“ des Wert bezeichnet, so als seinen die Waren mit Arbeitswert gefüllt wie ein Pfannkuchen mit Marmelade. Die Verwechselung von Arbeitskraft mit Arbeit ist kein Kunstgriff (Volte), sondern bis heute die Realität. Die Gewerkschaften fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit, also Lohn für Arbeit und nicht für Arbeitskraft. Anderseits fordern sie, dass der Lohn für Vollzeitarbeit zum Lebensunterhalt reichen muss.

Hier sind sie nahe an der Marxschen These, dass der Lohn für den Aufwand der Reproduktion des Alltagslebens darstellt und dieser Lohn auch unter diesen Wert der Arbeitskraft gedrückt werden kann (im Niedriglohnsektor oft Realität). Von Randow ist, was seine Interpretation des „Kapital“ betrifft, nicht auf der Höhe der Zeit. Von der ZEIT kann auch nichts anderes erwartet werden. Wenn wir Marx kritisieren wollen ( was durchaus sinnvoll ist), dann auf höherem Niveau. – Michael Wendl


Leserbrief zu „Fuck You Silicon Valley?“ von Alard von Kittlitz

Wie arm ist denn diese Argumentation? Sie rufen nach Diskurs und liefern eine Jammerorgie.

Die Fakten zu denen Sie im grossen Bogen Stellung beziehen, stammen aus einer, ehrlich gesagt auch aus meiner persönlichen Perspektive, mässigen TV-Doku. Damit hätte Ihr Artikel eigentlich schon in der Redaktionskonferenz durchfallen müssen: Sie üben Kritik an Zuständen und Personen, die Sie also nur vom Hörensagen kennen. Basierend auf einer für die TV-Sendung sehr selektiv gewählten Sicht auf das Phänomen Silicon Valley. Sollte das anders sein, Sie also tatsächlich Informationen aus eigenem Eindruck besitzen, dann wäre es besser diese zu benennen um dem Anspruch an die Qualität der „Zeit“ gerecht zu werden.

Inhaltlich ist die Kritik nahe an der Grenze zum Prä-Pubertären. Wer nicht die grossen Probleme der Welt löst (Frieden, Hunger in Afrika, Flüchtlingsströme) hat kein Recht auf Ihre Anerkennung. So reden in der Tat 14jährige, wenn ihr moralisches Weltgewissen erwacht. Umgekehrt haben Sie mit Ihrem Wunsch selbststeuernde LKWs wegen der Verluste an Arbeitsplätzen zu ächten, sicherlich eine Kandidatur bei DJT-Preis um den „Back to the 50s“ Preis sicher.

Ich verbinde persönlich 59 Jahre Lebensalter (und damit die Möglichkeit zum Vergleich über eine einigermassen lange Zeit) mit der Erfahrung als Unternehmensgründer im Silicon Valley (also Erfahrungen aus erster Hand). Natürlich gibt es dort auch unsympathische Typen. Natürlich gibt es dort Hype. Aber vor allem gibt es dort eine extrem positive Einstellung, mit neuen Ideen und harter Arbeit eine bessere Zukunft zu gestalten. Das ist allerdings diametral anders als die in ihrem Artikel geäusserte Jammerhaltung, dass besser alles so bleiben möge wie es ist, bevor man nicht 100% sicher ist, nebenwirkungsfrei eine optimale Welt zu schaffen. Ich habe dabei kein Problem, mich auf die Seite der Gründer im Silicon Valley zu schlagen. Sie arbeiten statt zu nörgeln und sie lösen tatsächlich Probleme. Sogar unter Armen und Hungernden. Und wenn ich den gleichen Platz in der „Zeit“ bekomme, schreibe ich Ihnen die auch gerne mal im Detail auf. – Ralph Treitz


Leserbrief zu „Fuck You Silicon Valley?“ von Alard von Kittlitz

Ihr Artikel über das Silicon Valley tat gut. Endlich einmal kein Hochgesang. Erschreckend. Schade, dass der Bericht nicht im Hauptteil erschien. Ich habe mich immer gewundert und geärgert, wie maßegende Personen, die über Ihre Firmen und Informationsmittel undemokratisch und selbstherrlich Einfluss nehmen, von Regierungen und Parteien u.a. hofiert werden. Besonders deutlich ist mir der ergebene Empfang von Hr. Zuckerberg. Auch die Überschätzung von Apple und dem früheren Chef gehören in diese Reihe. – Elisabeth Hettwer


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

In dem Artikel [1] vom Autor Adam Soboczynski wird mit falschen Trump-Zitaten gearbeitet. Hinter dem Satz „Und jetzt noch ein längeres Zitat“ wird der Eindruck erweckt, dass Präsident Trump seine Rede 1:1 bei Adolf Hitler abschrieb. Jedoch: Trump hat das (so) nicht gesagt, und selbst bei geringschätzender Übersetzung kommt das so nicht raus.

Ich las diesen Absatz im ZEIT-Artikel, stockte, wunderte mich, dass dies in einer Woche niemandem aufgefallen sein soll, suchte im Netz die Texte der Trump-Rede und verglich sie mit dem, was (im Artikel richtig wiedergegeben) Hitler bei der Antrittsrede sagte. Um sicher zu gehen und aus Zeitnot fragte ich im Kommentarbereich [2] und sehe mich jetzt bestätigt: Was als Trump-Zitat bezeichnet wird wurde weder so noch „irgendwie“ ähnlich von Trump gesagt.

Meine persönliche Meinung dazu: Trump ist der schlechteste und schlimmste Präsident den die USA hatten bzw. den ich in meinen 50 Jahren erlebte. Jede seiner Lügen, jede seiner zweifelhaften Erlasse usw. sollen und müssen kritisiert werden. Dabei müssen (wir) bei der Kritik aber ehrlich sein, nichts wäre schlimmer als sich auf sein Lügenspiel einzulassen und mit „Gegenlügen“ zu arbeiten. Sonst stehen sich zwei Gegner gegebüber: Einer der lügt und einer der das Vertrauen verspielt hat. – Michael Renner, Redakteur von „Die Flaschenpost“ – Das Nachrichtenmagazin der Piratenpartei

[1] http://www.zeit.de/2017/05/donald-trump-politische-kommunikation-rhetorik-sprache/komplettansicht
[2] http://www.zeit.de/2017/05/donald-trump-politische-kommunikation-rhetorik-sprache?commentstart=97&cid=11351201#cid-11351201


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Ich habe betroffen Ihren Beitrag Feuilleton/ „Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen“ vom 26.Januar 2017 Seite 37 gelesen.

Hier werden wortgleiche Passagen zu Hitlers Rede vom 10.02.33 aufgezeit. Ich konnte diese Passage:

„Und jetzt noch ein längeres Zitat: „Wir wollen arbeiten, aber das Volk selbst, es muss mithelfen. Es soll nie glauben, dass ihm plötzlich Freiheit, Glück und Leben vom Himmel geschenkt wird. Alles wurzelt nur im eigenen Willen, in der eigenen Arbeit (…). Glaube niemals an fremde Hilfe, niemals an Hilfe, die außerhalb unserer eigenen Nation, unseres eigenen Volkes liegt. In uns selbst allein liegt die Zukunft des amerikanischen Volkes. Wenn wir selbst dieses amerikanische Volk emporführen durch eigene Arbeit, durch eigenen Fleiß, eigene Entschlossenheit, eigenen Trotz, eigene Beharrlichkeit, dann werden wir wieder emporsteigen – genau wie die Väter einst auch Amerika nicht geschenkt erhielten, sondern selbst sich schaffen mussten.“

bei Trumps Antrittsrede vom 20.01. nicht finden. Bezieht sich das oben zitierte auf eine andere Rede Trumps? – Markus Lübke


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Gerade habe ich diesen Artikel gelesen:

http://www.zeit.de/2017/05/donald-trump-politische-kommunikation-rhetorik-sprache

Adam Soboczynski behauptet hier, dass Donald Trump in seiner Vereidigungsrede wortwörtlich aus einer Rede von Adolf Hitler zitiert, nämlich aus dieser hier:

http://www.stefanjacob.de/Geschichte/Unterseiten/Quellen.php?Multi=68

Er schreibt, dass Trump „lediglich „deutsch“ und „Deutschland“ durch „amerikanisch“ und „Amerika“ ausgetauscht“ habe.

Das ist nicht korrekt. Oder übersehe ich etwas? Ich kann dieses Zitat nicht in Trumps Rede vom 20.01.2017 finden.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-01/rede-amtsantritt-donald-trump-inauguration-komplett

Christine Bais


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Den von Ihnen zitierten Abschnitt aus der Rede von Donald Trump wollte ich im englischen Originaltext nachlesen.

http://www.zeit.de/2017/05/donald-trump-politische-kommunikation-rhetorik-sprache/komplettansicht

Ihr Ausschnitt:

[ (…) Und jetzt noch ein längeres Zitat: „Wir wollen arbeiten, aber das Volk selbst, es muss mithelfen. Es soll nie glauben, dass ihm plötzlich Freiheit, Glück und Leben vom Himmel geschenkt wird. Alles wurzelt nur im eigenen Willen, in der eigenen Arbeit (…). Glaube niemals an fremde Hilfe, niemals an Hilfe, die außerhalb unserer eigenen Nation, unseres eigenen Volkes liegt. In uns selbst allein liegt die Zukunft des amerikanischen Volkes. Wenn wir selbst dieses amerikanische Volk emporführen durch eigene Arbeit, durch eigenen Fleiß, eigene Entschlossenheit, eigenen Trotz, eigene Beharrlichkeit, dann werden wir wieder emporsteigen – genau wie die Väter einst auch Amerika nicht geschenkt erhielten, sondern selbst sich schaffen mussten.“ (…)  ]

Leider habe ich diesen Abschnitt in der durch die Time veröffentlichten textlichen Aufzeichnung nicht entdeckt:

http://time.com/4640707/donald-trump-inauguration-speech-transcript/

Jedoch ist dieser Abschnitt teilweise wörtlich in Quellen zur Deutschen Geschichte zur Parteitagsrede von Adolf Hitler vom 30.01.1933 zu finden.

Ich befürchte, Sie sind hier einer „frisierten“ Übersetzung aufgesessen. Eine wörtliche Übernahme von Texten aus der NS-Zeit durch die Trump Administration erscheint mir selbst in diesen Zeiten zu unglaublich. Vielen Dank für eine Rückmeldung falls ich mich hier irre. – Daniel Koch


Leserbrief  zu „Hingehen, wo es brodelt und stinkt“, das Gespräch führte Martin Spiewak

Endlich einmal der Versuch einer Analyse der medialen Kommunikation resp. des Journalismus. Wie verheerend schlechte Informationspolitik sein kann, erleben wir gerade im Hinblick auf den Brexit und vor, während und nach den Wahlen in Amerika. Weitere Beispiele lassen sich rund um den Erdball finden. Berichterstattung ist immer subjektiv, auch dort, wo sich gute Journalisten zumindest bemühen, einigermaßen neutral und umfassend zu informieren. Sie gibt es noch, allerdings zunehmend weniger. Gründe dafür sind mangelhafte Ausbildung, wirtschaftliche Zwänge der Medien, in denen fest angestellte Journalisten durch Praktikanten/Volontäre etc. ersetzt werden. Medien sind Unternehmen,  die ihre Handelsware, Kommunikation und Information, immer schneller verbreiten  müssen. Diese wirtschaftlichen Interessen in Verbindung mit einem extrem hohen Zeitdruck durch den digitalen Wettbewerb bleiben nicht ohne Auswirkungen auf den Informations- und Wahrheitsgehalt. Dies sind fatalen Auswirkungen auf „die vierte Gewalt“ in diesem Land, die den Spagat zwischen neutraler Berichterstattung und Wirtschaftsinteressen in weiten Teilen immer weniger schafft. Eine unabhängige, glaubwürdige und dem Wahrheitsgehalt orientierte  Presse ist ein Eckpfeiler der demokratischen Grundordnung. Sie muss substanziell dazu beitragen, diesem Anspruch höchstmöglich gerecht zu werden. – Liane Heinze


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

Im Artikel „Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen“ von Adam Soboczynski am 27. Januar 2017 (http://www.zeit.de/2017/05/donald-trump-politische-kommunikation-rhetorik-sprache/komplettansicht) wird behauptet, dass der 45. Präsident der USA in seiner Inaugurationsrede Teile aus Hitlers Antrittsrede von 1933 übernommen hätte. Das wäre ein ungeheuerliche Tatsache, die auf die Titelseiten aller deutschen Nachrichten gehören würde und eine Schlagzeile von internationaler Tragweite sein müsste.

Ich war empört und bin der Behauptung des Artikels aufgesessen, habe ihn in Sozialen Medien geteilt und einige Reaktionen erhalten. Dennoch wunderte ich mich, dass noch niemand diesen Aspekt öffentlich gemacht hatte. Und obwohl ich Vertrauen in die Seriösität ihrer Zeitung habe, habe ich selbst die Behauptung zu verifizieren versucht. Mein Ergebnis: Tatsächlich hat Hitler die in dem genannten Artikel zitierten Sätze gesagt.  Aber der neue US-Präsident hat sie in seiner eigenen Rede -entgegen der Behauptung – nicht verwendet! Im Artikel von Herrn Soboczynski ist ein Link auf die Übersetzung der Rede (http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-01/rede-amtsantritt-donald-trump-inauguration-komplett) allerdings nur in Ausschnitten. Da ist das Zitat nicht zu finden. Also habe ich noch zwei Mal die ungekürzte Rede im Original gehört. Und auch hier wird klar, dass der Immobilienmogul die angeblichen Hitler-Sätze nicht gesagt hat.

Dass Ihre Zeitung in einer so aufgeheizten politischen Zeit, in der Begriffe wie „Lügenpresse“ und „Fake News“ zum weitverbreiteten Vokabular werden, einen so gewichtigen Fehler macht, hätte ich nicht erwartet. Sie unterstellen dem Mann Hitlers Worte zu plagieren, was er nachweisbar nicht getan hat. Aber er hat von seiner „Bewegung“, vom „Blut der Patrioten“ gesprochen und gefordert, dass „Amerikaner nur bei Amerikanern“ kaufen sollen. Das sollte doch schon Hinweis genug für die These des Artikels von Herrn Soboczynski sein. Leider ist Ihr Autor nicht nur übers Ziel hinausgeschossen, er hat mit seiner weitergehenden Behauptung die Glaubwürdigkeit Ihrer Zeitung beschädigt. Denn sein Artikel verbreitet sich weiterhin bei Facebook und Co.. Ich hoffe mein Hinweis ist hilfreich. – Olaf Kröck


Leserbrief zu „Einer wird fehlen“ von Bernd Ulrich

Bitte lassen Sie die Kirche im Dorf. Auch wer Sigmar Gabriel mag, sollte ihn nicht zum „zweitwichtigste(n) Politiker des wichtigsten Landes Europas“ hochstilisieren. Nach dieser Logik wäre Mike Pence ja der ‚zweitwichtigste Politiker der Weltmacht USA‘. – Heinz Dieter Mück


Leserbrief zu „»Wir werden unsere Nation mit amerikanischen Händen wieder aufbauen«“ von Adam Soboczynski

In Ihrem Zeitartikel vom 26.1.2017 mit dem o.g. Titel behaupten Sie, dass D. Trump einen kompletten Artikel aus Hitlers Sportpalastrede vom 10.2.1933 übernommen hat und lediglich „deutsch“ und „Deutschland“ durch „amerikanisch“ und „Amerika“ ausgetauscht hat.

Wenn man sich die Antrittsrede von D. Trump, wie Sie in dem Zeitartikel vom 20.1.2017 wörtlich  wiedergegeben wurde, durchliest, sucht man allerdings diese Passage vergebens.

Würde hier nur schlampig recherchiert oder ist das ein weiterer Beweis für „alternative Fakten“!

Wenn Ihre Behauptung allerdings zutrifft ist es unerklärlich, warum namhafte amerikanische Zeitungen diese Ungeheuerlichkeit nicht aufgegriffen haben. – Lothar Matthies


 

 

19. Januar 2017 – Ausgabe 4

Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Wer Trump verstehen, sich seine bisherigen Erfolge erklären und sein mögliches zukünftiges  Scheitern abschätzen will, sollte sich das Gebaren typischer amerikanischer Großkonzerne  in der vor-digitalen Zeit vor Augen führen: Mit aggressiven Management-Methoden, meist ohne  Rücksicht auf die Geschichte, die Kultur, die Strukturen und die sonstigen Eigenarten der Märkte und mit einem Führungspersonal, das weniger nach fachlicher Kompetenz, sondern primär nach Durchsetzungsvermögen gegenüber der Belegschaft und der Konkurrenz ausgewählt wurde,  versuchte man, oft mit großem Erfolg, den Shareholder Value zu steigern. Aber: General Electric schmückte sich einst mit dem Etikett „Most admired company of the world“ und musste doch z. B. GE Capital sang- und klanglos begraben, und Walmart ist in Deutschland  krachend gescheitert. Die Hybris des Donald Trump könnte zu ähnlichen Ergebnissen führen. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Ein interessanter Artikel von Herrn Joffe. Fragen bleiben offen, woher die Annahme kommt, dass Trump „hochintelligent“ sei – ich vermag nicht dagegen argumentieren, aber ein kleiner Beleg wäre nicht schlecht, und was in Sachen Globalisierung bis 1914 und dann erst ab 1970 maßgeblich passierte: „Die erste Globalisierung endete 1914, die zweite begann um 1970.“ In einem ersten Impuls würde man sagen, Globalisierung findet seit Menschengedenken immer stärker statt. – Eike Arnold


Leserbrief zu “ Ein rechtes Urteil“ von Heinrich Wefing

Die NPD ist verfassungsfeindlich und wird dennoch nicht verboten, weil unbedeutend! Sehr kurios, denn darin liegt eine Kehrtwendung des Bundesverfassungsgerichts zu seinem KPD-Urteil in 1956, wonach „Eine Partei … auch dann verfassungswidrig im Sinne des Art. 21 Abs. 2 GG sein (kann), wenn nach menschlichem Ermessen keine Aussicht darauf besteht, daß sie ihre verfassungswidrige Absicht in absehbarer Zukunft werde verwirklichen können.“ Könnte es sein, dass diese Kehrtwendung auch mit einem anderen, im Urteil nicht erwähnten aktuellen Grund zu tun hat, etwa dem, der alles andere als unbedeutenden AfD zumindest die rund 1,5% NPD-Wählerstimmen zu entziehen, die sie wahrscheinlich im Falle eines NPD-Verbots bekäme? Dies ist deshalb nicht abwegig, weil die Richter am Bundesverfassungsgericht unter Durchbrechung des Gewaltenteilungsprinzips nicht von der Richterschaft, sondern von Bundestag und Bundesrat, also den regierenden etablierten Parteien, gewählt werden. – Dr. Csaba Láng


Leserbrief zu „Die ist einfach nicht authentisch“ ein Gerpäch mit Roland Berger, geführt von  Laura Cwiertnia

Da haben Sie den Roland ja ganz schön auf das Glatteis gelockt! Die Beurteilung wie er sich da gehalten hat soll jeder Leser selbst durchführen, lediglich eine Äusserung möchte ich, als Unternehmensberater, korrigieren.

Der Unternehmensberater, also auch ich, trägt keinesfalls eine größere Verantwortung als Lehrer, Ärzte oder Journalisten. Denn erstens entscheidet er  N I E , sondern stets der Unternehmer und zweitens trägt er  N I E  die Konsequenzen, sondern der Unternehmer und das Unternehmen in seiner Gesamtheit!

Insgesamt ist die Beraterbranche sowohl überschätzt, als auch überbezahlt. Warum, seit wann und in welcher Art wäre ein separater Artikel! – Torsten Heydrich


Leserbrief zu „Leinen los, die Insel legt ab“ von John F. Jungclaussen

Von Großbritannien gingen einmal die großen, Welt wirksam  gewordenen, theoretischen Anstöße für Freihandel und internationalen Wettbewerb aus. Als Stichwort genügen die Namen:  Adam Smith, John Stuart Mill,  David Ricardo. Das Vereinigte Königreich trieb die globale Handelsverflechtung – auch später durch den Finanzplatz London – mächtig voran. Als „Empire“ entwickelte Großbritannien eine weitaus größere Strahlkraft in weltwirtschaftlichen Fragen als  Portugal, Spanien Holland oder Frankreich. Nun ist aber – wie die ZEIT ja schreibt – seit dem EU-Beitritt des UK Anfang der 7oer Jahre des vorigen Jahrhunderts der Anteil des Außenhandels am britischen Sozialprodukt kontinuierlich zurück gegangen. Dies fällt zusammen mit einer beispiellosen De-Industrialisierung des ältesten Industrielandes der Welt, nämlich Großbritannien. Lange Zeit übte man sich im UK an einer fest hämischen Kritik gegenüber der Bundesrepublik.   Während das UK selbst die modernsten Dienstleistungen,  insbesondere im Finanzbereich,  erfolgreich betreibe, sei Deutschland im Festhalten an güterwirtschaftlichen Strukturen rückständig.^^ Der Brexit muß  nun vor diesem Hintergrund ganz anders erklärt und gelesen werden. Ausgerechnet das UK verabschiedet sich vom Wettbewerbsprinzip und vom Freihandel und macht das eigene Territorium Menschen dicht gegenüber der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte. Premierministerin Theresa May versucht einen Verzweiflungsakt, sich aus dem Wettbewerb innerhalb des EU-Binnenmarktes zu verabschieden. Wichtige Unternehmen, die noch güterwirtschaftlich im UK produzieren, sind längst in ausländischer ( insbesondere deutscher und indischer) Hand. ^^ Daß Großbritannien meint, sich aus dem Gewebe internationaler Rechtsbeziehungen so einfach einmal lösen zu können, ist ein einziger Treppenwitz der Wirtschaftsgeschichte. Nicht das UK übernimmt als“ europäisches Singapur“ die Geschicke der Weltwirtschaft, sondern das UK wird weiterhin Übernahmekandidat für Investoren aus aller Welt bleiben. So sind nun einmal die wirtschaftlichen Machtverhältnisse. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

In der neuen Ausgabe der Zeit findet sich auf Seite 13 ein hervorragender Artikel : Zur Wahl steht :die Demokratie. Ich habe ihn mir von eurem  Archiv zusenden lassen, um ihn möglichst vielen Leuten weiterzugeben.

Meine Bitte: Widmet doch diesem Thema regelmäßig Artikel, damit dieses Denken auch hier Schule macht. Denn das ist wirklich ein guter Weg, Menschen das Gefühl zu geben, an Entscheidungen teilzunehmen und wahrgenommen zu werden.   – Josef Völker 


Leserbrief zu “ Ein rechtes Urteil“ von Heinrich Wefing

Artikel 21 Absatz 2 GG lautet: „ Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig. Über die Frage der Verfassungswidrigkeit entscheidet das Bundes-verfassungsgericht.“

Gemäß Artikel 21 Absatz 2 GG hat das Bundesverfassungsgericht  dem klaren Wortlaut nach keinesfalls primär über ein Parteiverbot zu entscheiden, es hat allein die Frage der Verfassungswidrigkeit und zwar ausschließlich  hinsichtlich der Ziele der Partei zu beantworten, nicht  die Frage wie effektiv die Partei bei der Verfolgung dieser Ziel war oder zur Zeit ist.

Das Bundesverfassungsgericht hat, dies entnehme ich den Ausführungen des Artikels, entschieden, dass die NPD hinsichtlich ihrer Ziele verfassungsfeindlich und damit verfassungswidrig sei.

Damit ist die eigentliche Arbeit des Bundesverfassungsgerichtet getan. Wird eine Partei für verfassungswidrig erklärt, so treffen grundsätzlich gemäß § 32 Abs.1 PartG die von den Landesregierungen bestimmten Behörden im Rahmen der Gesetze alle Maßnahmen, die zur Vollstreckung des Urteils (Vollzug des Verbotes verfassungswidriger Parteien) erforderlich sind.

Nach § 32 Abs. 3 PartG kann das Bundesverfassungsgericht die Vollstreckung nach § 35 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht jedoch in Einzelfällen abweichend von den Vorschriften des § 32 Absatz 1 und 2 PartG regeln. Dies bedeutet: das Bundesverfassungs-gericht kann den Nicht-Vollzug seiner Entscheidung anordnen.

Dies wird es dann, wenn nach dem Verhältnismäßigkeitsprinzip anzunehmen ist, dass der Vollzug einen unverhältnismäßig großen Aufwand darstellt angesichts der Offenkundigkeit des Darniederliegens einer als verfassungswidrig angesehen Partei.

Ein Problem, das sich mit hoher Wahrscheinlichkeit allein erledigt, oder so minimiert ist, dass es eben nicht mehr problematisch ist, muss nicht noch mit großem Aufwand aus der Welt geschafft werden.
Dies muss die Matrix für die womöglich weitläufigeren Ausführungen des Bundesverfassungs-gerichtes sein. Alles andere wäre gegen klare verfassungsrechtliche Vorgaben.

Wollten die Richter des Bundesverfassungsgerichts im Umgang mit Extremisten erst Streit und keine Verbote, wie im Obersatz des Artikels zum Ausdruck gebracht, dann hätten sie ihre roten Roben an den Nagel zu  hängen und sollten den Weg als Politiker wählen.

Artikel 21 Absatz 2  GG hat gerade durch die Fokusierung  auf die  „Ziele“ einer Partei, dem Rechtsstaat die Möglichkeit gegeben, dem Grundsatz „Wehret den Anfängen !“ im Bedarfsfall rechtzeitig Rechnung tragen zu können. – Dr. Manfred Regler


Leserbrief zu den Leserbriefen „Es fehlt nicht nur an Geld“ zu Julia Friedrichs: „Jedes fünfte Kind ist arm“

Als Erwiderung zu einem Leserbrief von Claudia Füßler möchte ich bemerken, dass die kinderlosen Ehepaare keineswegs pauschal weniger Ausgaben haben, denn sie zahlen doppelt in Krankenkassen, Pflegeversicherung (sogar erhöhten Beitragssatz), Rentenversicherung (von der Mütterrente und ähnliches gezahlt wird) und mit ihren doppelten Steuern finanzieren sie den Krankenschutz der Familien, die Kindergärten, Kitas, Schulen, Bafög und vieles mehr, das die Kinder der ‚Anderen‘ in Anspruch nehmen können. Weshalb müssen immer diese kinderlosen Ehepaare herhalten, wenn es eigentlich an anderen Fehlentwicklungen liegt, dass Kinder nicht die ihnen zustehenden Lebensumstände haben? Hat sich Fr. Füßler übrigens mal überlegt, dass es auch ungewollt kinderlose Paare gibt, die sich bei ihr dafür auch noch rechtfertigen müssen? –  Dagmar Lundmark


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

So sehr ich Sie als politischen Analytiker schätze, in diesem Artikel vergreifen Sie sich mangels Fachkenntnissen im Urteil. Sie schätzen Herrn Trump als „hochintellligent“ ein, verschweigen uns aber die Quelle Ihrer Schlussfolgerung. All das, was bis dato von Herrn Trump zu hören war, beweist keine außergewöhnliche Intelligenz; die ist auch zum geschäftlichen Erfolg  entbehrlich, dieser taugt somit auch nicht als Beweis. Sie stufen ihn als „nicht verrückt ein“, auch da verschweigen Sie uns, welchem Fachmann Sie diese Erkenntnis verdanken. Trumps Erfolgsgeheimnis scheint in der Tat viel mit seiner Schamlosigkeit zu tun zu haben,  da stellt sich aber automatisch die Frage nach der Quelle dieses Verhaltens.

Aus meiner Sicht wird man Trump nicht gerecht, solange man seine Psychopathologie übersieht oder geringschätzt. Damit meine ich nicht seine narzißtische Persönlichkeitsausprägung an sich, die haben viele Wirtschaftskapitäne und Politiker, ohne deswegen gleich frei von moralischen Standards zu sein, sondern das Ausmaß der subjektiv empfundenen Bedrohung seiner Persönlichkeit, das ihn zu hektischen, unüberlegten, oft selbstschädigenden Reaktionen veranlasst. Trump stellt sich aus gutem Grund keiner Diskussion; er umgibt sich mit lauter Leuten, die von Politik so wenig verstehen wie er, dafür aber seine Sprache sprechen, und die ihm dadurch Sicherheit geben, ohne ihm voraus zu sein. Für die engeren Zwiebelschalen um sich herum rekrutiert er Verwandtschaft, anderen scheint er nicht (mehr) zu trauen.

Möge er seine Experimente mit wirtschaftlichem Isolationismus machen, das ist hier nicht mein Thema. Viel wichtiger ist, dieser Mann ist alles andere als krisenfest, im Grunde mit seiner jetzigen Position heillos überfordert, ein Strahlemann auf dem Höhepunkt seiner narzißtischen Schwellung, jedoch gänzlich ohne Haut und im Grunde voller Angst. Zu befürchten ist, dass er schon ohne objektive Bedrohung seiner Position alles wegschießt, was sich ihm in den Weg stellt; einer realen Krise ist er in keiner Weise gewachsen, es kann alles von ihm erwartet werden.

Moralische Standards werden ihn mangels Vorhandensein an nichts hindern.

So ein Mensch denkt nicht weiträumig, er phantasiert höchstens weiträumig. Sein Denken ist auf das Stabilisieren seines Selbst im Hier und Jetzt gerichtet, auf nicht mehr. Erwarten Sie nicht Strategie von ihm, allenfalls (kurzsichtige) Taktik, dann sind Sie auf der sicheren Seite. – Dr. Hartwig Kulke


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Welche Teufel haben Sie denn da geritten, als Ihnen einfiel, Trump nach der Aufzählung all seiner Missgriffe als „hochintelligent“ (2. Sp.,

oben) zu werten? Hörten Sie denn da nicht das disharmonische Sausen in den Gräbern Ihrer Vorgängerin, der „Gräfin“, und Ihres Vorgängers Helmut Schmidt? Sie widersprechen sich doch selbst, wenn Sie gleich eingangs schreiben „Nur kurz … ging das Fenster der Vernunft bei Donald Trump auf“, denn dazu passt das „hochintelligent“ überhaupt nicht – Grundfeste jeglicher Intelligenz ist nämlich die Vernunft. Ihrem Chefredakteur und der Redaktionskonferenz muss ich vorwerfen, dieses „hochintelligent“ durchgehen gelassen zu haben, oder können Sie gar unbesehen schreiben, was Ihnen gerade so einfällt? Ich erwarte in der nächsten Nummer Berichtigung. – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Die ist einfach nicht authentisch“ ein Gerpäch mit Roland Berger, geführt von  Laura Cwiertnia

Roland Berger hat Recht – die Praxis und die handelnden Personen der Unternehmensberatung  werden in dem Film „Toni Erdmann“ völlig unrealistisch, in einigen Passagen bestenfalls oberflächlich  dargestellt. Es handelt sich nicht einmal, wie Sie schreiben, um eine Persiflage, die als Übertreibung  oder Überspitzung akzeptabel wäre, sondern schlicht um Szenen voller Fehler und Klischees – im  Guten wie im Schlechten. Ein Tiefpunkt ist der in mehrfacher Hinsicht völlig irreale Besuch auf einer Baustelle der Ölfirma.  Und wenn bei einem realen Beratungsprojekt ein nuschelnder Narr mit Zauselperücke auftauchen  würde, der in Beziehung zu einer Beraterin steht (in diesem Fall sogar als Vater), würden die Vorgesetzten  diese Beraterin vor die Alternative stellen, dass entweder der Hanswurst oder sie sofort zu verschwinden  hätte. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zum Titelthema “ Was für eine Vorstellung!“

„Das Publikum beklatscht ein Feuerwerk, aber keinen Sonnenaufgang“ Friedrich  Hebbel (1813-1863, dt. Dramatiker u. Lyriker)

Hebbels Satz passt gut in die gegenwärtige politische Landschaft:

Das Publikum (Teile des „Volkes“) spendet Beifall den marktschreierischen Populisten (Trump) und Volksverhetzern (AFD), die schnell ihr Pulver verschossen haben dürften, nicht aber den demokratischen Kräften, die erst für dauerhaften Frieden, Wohlstand und Freiheit gesorgt haben. – Bernd Schwarz


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Endlich keine spekulativen Sandkastenplappereien mehr, sondern fundamentierte, sachliche Berichterstattung mit historischen Hinweisen, die einiges erklären. Ein konstruktiver kritischer Blick auf die Hintergründe, der künftige Einschätzungen besser eröffnet. Darauf hat man lange gewartet. Dank an das Team Kohlenberg, Lau und Schieritz! –  Marianne Peycke


Leserbrief zu “ Mein Leben mit dem Monster“ von Daniel Kehlmann

Bravo für diesen Augenöffner, bravo auch für den Mut,  dies  als momentaner „US-resident“  an prominenter Stelle so ungeschminkt zu publizieren. Was können Literaten, was könnte die „schreibende Zunft“ (die mehr drauf  hat  als nur zu  twittern)  darüber hinaus  gegen den bevorstehenden Kulturschock tun?

Mein Vorschlag : Den Namen dieses Größenwahnsinnigen, der sich da an keine Regeln hält, konsequent klein schreiben – kleines d, kleines t.  Und wenn wir seinen Namen aussprechen, stottern wir  – kleine Erinnerung an seinen Umgang mit einem Behinderten, dessen Handicap er nachäffte.  Klar, alles reine Symbolik, die diesen herrn kalt lassen wird. Aber man zeigt damit auch, dass man ihm doch etwas entgegen setzen und seine Opposition öffentlich machen kann.

Die wahren Werte und die grandiosen Menschen, die die USA schon hervorgebracht hat, die schreiben wir natürlich umso bewusster …. groß. – Michael Euler-Ott


Leserbrief zu „Blinde Flecke“ von Yannick Haan

Den Beitrag von Yannick Haan kann man nur als postfaktisch bezeichnen. Die Behauptung, die Opfer der Terroranschläge seien selbst schuld ist zynisch. Sie hätten halt mehr für die Integration der Ausländer tun müssen – da stellt sich die Frage, ob dann die deutschen Muslime auch selbst an einem Anschlag auf eine Moschee wären, weil sie halt mehr für die Integration hätten tun müssen und den indigenen Deutschen mehr Respekt hätten entgegen bringen müssen? – Jan Alexander


Leserbrief zu “ Ein rechtes Urteil“ von Heinrich Wefing

Ihren Artikel habe ich mit Aufmerksamkeit gelesen. Der von Ihnen gewählten Überschrift stimme ich vollständig zu, nicht aber Ihren nachfolgenden Ausführungen. Sie sind mir zu vorsichtig und zurückhaltend. Ein klar erkennbarer Standpunkt – nicht nur in der Überschrift- währe bei dieser Problematik wohl angebracht. Gern teile ich Ihnen meine Meinung zu dem Nicht-Verbot der NPD-mit:

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes  ist schwer zu verstehen und für viele Leser wohl nicht nachvollziehbar. Wie kann ein solches Urteil zustande kommen, nachdem anerkannte, deutsche  Politikwissenschaftler parallelen zwischen dem NPD-Programm und der Programmatik der NSDAP zweifelsfrei festgestellt haben ? Das Gericht führt in seiner Begründung aus, das politische Konzept der NPD missachtet die Menschenwürde und ist mit dem Demokratieprinzip unvereinbar.   Eine beachtliche Zahl von Innenministern  aus den Bundesländern haben diesen Verbotsantrag unterstützt und sind zur Entscheidungsverkündung mit Hoffnung nach Karlsruhe angereist. Das Nicht-Verbot der NPD durch das Bundesverfassungs-gericht  kann auf den sehr problematischen Kerngedanken reduziert werden, wonach die NPD wohl rassistisch, nationalistisch und antisemitisch ist, a b e r unbedeutend und ungefährlich,  weil die Mitgliederzahl der NPD (noch !!!) zu gering ist. Auch die NSDAP hat bekanntlich mit wenigen Mitgliedern begonnen und unbeschreibliches Unheil – auch mit ihrer Ideologie – mit angerichtet. Das Kriterium aktuelle Mitgliederzahl hatte das Bundesver-fassungsgericht 1956 beim KPD-Verbot nicht angewendet. Eine solche Rechtsprechung sollte doch sehr zum Nachdenken anregen.

Was denkt wohl die restliche Welt über Deutschland , wenn das deutsche Verfassungsgericht im Kalenderjahr 2017 ein solche Entscheidung trifft und damit der NPD einen „Persilschein“  ausstellt ?

Berthold Brecht schrieb 1941 in seinem Anti-Kriegsstück – Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui –

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ – Dr. Stephan Müller


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Spätsommer 2015. 25 Millionen Wahlberechtigte haben im Parlament keine Stimme. Warum? Weil das Parlament, und mit ihm die Qualitätspresse, sich damit begnügt, den Rädelsführern von AfD und Konsorten diskussionswürdige Positionen abzusprechen. Was nicht falsch ist, aber den 25 Millionen Bürgern ihre Fragen nicht beantwortet und ihre Sorgen nicht nimmt. Noch ist unsere Demokratie zu retten. Man muss nur einmal übers Bruchstückhafte, übers aktuell Taktische hinausdenken, die Sorgen wahrnehmen, eine echte langfristige Perspektive erarbeiten. Noch ist das möglich. So einfach. So schwer. – Angela Paap


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Nach schier endlosen Wochen mit billiger Polemik gegen Trump, die zudem meist mit beachtlicher Arroganz daherkam – noch zu dem der schlimmsten, die ich kenne, der Arroganz der Dummheit,  hat sich Ihr Blatt dieses Mal  ernsthaft mit dem neuen Präsidenten der USA auseinandergesetzt. Ein Fortschritt und dringend erforderlich! Ich hoffe auf Fortsetzung dieses Lernprozesses. – Dr. Erken Schmidt


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Chapeau Herr Joffe, oder- welcome back! Der glühende Bewunderer der konservativen amerikanischen Politiker ist heimgekehrt in das Lager der „Zeit“ und schreibt einen Leitartikel über den schamlosen, größenwahnsinnigen Donald Trump. Das wurde auch „Zeit“!. – Dieter Hasselberg


Lesesrbrief zu “ Stimmt’s?“ von Gudrun Günther

Soeben las ich “Stimmt‘s” (DIE ZEIT, Nr. 4, 2017)  den unsinnigen  Begriff „Klimaerwärmung“ gleich mehrfach.  Man kann das Klima nicht erwärmen!    Hier die Erklärung:  Durch den sog. „Treibhauseffekt“, was allerdings physikalisch ein falscher Begriff ist,  erwärmen sich allenfalls die Erdoberfläche und die Troposphäre.

Die durch anthropogene Aktivitäten verstärkte Erwärmung der  Erdoberfläche und der Troposphäre wird oft als Erderwärmung bezeichnet.  Das ist ebenfalls Unsinn, da ja nur ein sehr, sehr kleiner Teil der Erdmasse erwärmt wird.  Klima ist eine Zustandsbeschreibung der  komplexen Prozesse in der Troposphäre und deren Wechselwirkungen mit der Erdoberfläche.   Eine solche  Zustandsbeschreibung (== Klima)  ist nur für Zeiträume > 30 Jahre und natürlich nur für einen definierten Teil der  Erdoberfläche  einigermaßen sinnvoll.

Eine Masse (im physikalischen Sinne)   kann man erwärmen, aber keine Zustandsbeschreibung.   Bitte diesen unsinnigen Begriff „Klimaerwärmung“ nicht wieder verwenden und auch nicht durch Erderwärmung ersetzen.  Klimaveränderung ist richtig!    Erlauben Sie mir noch folgende Bemerkung:  Mehrfach habe ich die hier beschriebne Verwendung der unsinnigen Begriffe  „Klimaerwärmung“ und „Erderwärmung“ in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ moniert. Mehrere Redakteure begründeten die  Weiterverwendung dieser Begriffe  mit dem Argument, diese Begriffe seien allgemein gut verständlich.  Ich verstehe das nicht!  – Paul Gerhard  


Leserbrief zu den Leserbriefen „Es fehlt nicht nur an Geld“ zu Julia Friedrichs: „Jedes fünfte Kind ist arm“

Zwei Vorurteile in den abgedruckten Leserbriefen sind ärgerlich. Erstens werden die Einzelfälle, die es tatsächlich gibt (Geld kommt Kindern nicht zugute, Eltern sind Alkoholiker, … ) benutzt, um eine sinnvolle zusätzliche finanzielle Leistung an arme Familien generell als nicht notwendig und als nicht zweckmäßig darzustellen. Im Regelfall dagegen wird eine erhöhte finanzielle Zuwendung, so behaupte ich, sowohl für die meisten Eltern, die ihren Kindern gern ein besseres Leben bieten möchten und die für sie eine bessere Zukunft wünschen, als auch für deren Kinder eine zielgerechte Hilfe sein.

Zweitens wird ein scheinbarer Lösungsvorschlag für die Einsparung öffentlicher Mittel gemacht, der auf der Unkenntnis unseres Steuersystems und der Regeln für die Steuererhebung beruht, indem ein Unverständnis darüber geäußert wird, „dass wir immer noch das Ehegattensplitting haben“ und „warum ein kinderloses Ehepaar steuerlich gefördert werden soll“.  Das Splitting fördert jedoch kein Ehepaar, sondern stellt nur sicher, dass ein Ehepaar nicht höhere Steuern zahlen muss als zwei Alleinstehende mit je gleichem Einkommen. Dabei ist im Falle des Ehepaares zu berücksichtigen, dass das Einkommen nicht gemäß dem jeweiligen Erwerbsanteil verbraucht wird, sondern dass das Haushaltseinkommmen gemeinsam, also im Prinzip je zur Hälfte von jedem Partner, verbraucht wird. Die gleiche Besteuerung der für den Verbrauch bereitstehenden Einkommen, ob Ehepartner oder Partner einer eingetragenen Partnerschaft einerseits oder Alleinstehende(r) andererseits, nennt man die Besteuerung gemäß der steuerlichen Leistungsfähigkeit, die das Grundgesetz in Art. 3, Absatz 1 fordert, die also ein Grundrecht ist. – Dr. Ernst Niemeier


Leserbrief zu “ Elf Aufrechte gegen Lügen“ von Peter Dausend, Ulrich Ladurner Und Michael Thumann

Zum Thema fake news hätte ich einen Hinweis, über den es sich lohnen könnte, nach zu denken. Am Besten öffentlich. Man sollte es in den Schulen sagen, wo man lernt (und man lernt es nicht nur da, aber es ist eben ein guter Platz zum Nachdenken): was Vertrauen ist, welche Quellen verlässlich sind, wie sie zu überprüfen sind, und vor allem was objektive Forschung ist, eben nicht ideologische, vom Eigeninteresse geleitete Indoktrination. Man sollte sagen, dass jeder Mensch eine Internetseite starten kann, eine Öffentlichkeit erreichen kann. Und wie man eben verlässliche Quellen findet. Bei Zeitungen weiß man, dass die seriösen Blätter gut überprüft sind und dass es Menschen braucht, die einen unterstützen, um die Info unter das Volk zu bringen.

Also, das wurde in der Diskussionen um fake news irgendwo schon gesagt, aber viele junge Leute scheinen es nicht zu wissen; und viele Erwachsene denken da wohl nicht drüber nach, oder wollen es nicht wissen.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls, im Interesse der Bürgerinnen und Bürger, dass es Menschen bewusst wird, und dass sie wieder das zu schätzen wissen, was man von Lehrern eben erwartet, objektive Darstellung der verschiedenen Positionen, ohne Eigeninteresse. – Sebastian Schröer


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Mister Trump ist nicht intelligent. Wiederholung ist ein Merkmal mangelnder Intelligenz. Auch, wenn es mehere Arten von Intelligenz gibt, unter denen auch die gehört, sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Diese Intelligenz scheint er zwar zu besitzen, aber für einen Mehrfach-Millionärssohn ist das eindeutig zu wenig.

Trump hat wie kaum ein Politiker eine Reihe von Sätzen herausgegeben, die bezeugen, dass er eine Schlangenzunge hat, die symobolisch für die Sprache des Teufels steht. Der Teufel ist nicht nur die dunkelste Form des Egos, sondern kann nur in einem System überleben, das sich der Bewusstheit entzieht. Es versteht sich, dass Intelligenz sich im Reich des Bewusstseins befindet.

Ansonsten fand ich die Analysen Ihrer Kollegen auf den nachfolgenden Seiten doch sehr intelligent, und als wäre Ihre Zunft aufgewacht vom tiefen Schlaf der Illusionen. – Constantin Garyfallakis


Leserbrief zu “ Wie kann es sein, dass im VW-Skandal fast alles in Amerika enthüllt wird und kaum etwas in Deutschland?“ von Felix Rohrbeck, Marcus Rohwetter und Claas Tatje

Winterkorn wusste von nichts…? Wäre er Pinoccio, so würde seine Nase bis Amerika reichen. Doch für über 3000 Euro Ruhegeld täglich kann man das in Kauf nehmen. Der Mann gibt nur scheibchenweise zu, was er ohnehin nicht abstreiten kann. Wahrheit und Konsequenzen werden deshalb nicht zum Tragen kommen, weil sie alle untereinander Verstrickt sind, Konzerne und Politik. Und WEIL (MP Nieders.) das so ist, wird sich der Bürger damit abfinden müssen.

Das wirklich Schlimme am VW-Skandal ist die Tatsache, dass die substantiell Leidenden, die Arbeiter des Konzerns sind. Sie müssen mit Einbußen und Jobverlusten ausbaden, was ihre Führungsebene verbockt hat. Und trotz dieses Betruges an ihren Arbeitern, den Käufern und der Umwelt werden jene der Führungsebene weiterhin in finanziellen und materiellen Überfluss leben können. Durch fette Abfindungen und Umbesetzungen, oder schlimmstenfalls in den Ruhestand. Ein Leben in Saus und Braus ist garantiert. Hallo AfD, ich fürchte, da kommen weitere Wähler-Sympathisanten auf euch zu!! – Kurt Nickel


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz; „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Die beiden Artikel bestätigen voll und ganz die Befürchtungen, die ich schon seit Monaten in Bezug auf Trump und Co. habe. Was mich aber maßlos ärgert, ist Ihre fast beiläufig erwähnte Meinung, Trump wäre „hochintelligent … und nicht verrückt“ und Putin „der Schlaue“. Diese Männer ordnen ihrem Ego alles andere unter, es geht ihnen ausschließlich um ihre persönliche Macht. Und daran gibt es wirklich nichts schönzureden.

Mir drängt sich immer massiver die Frage auf, wie wohl die internationale Presse seinerzeit auf die Machtergreifung Hitlers reagiert hat oder heute reagieren würde. Ich vermute, sehr ähnlich. Trumps Wahl als Anlass zu nehmen, unsere bis dato selbstverständlichen und teilweise auch bequemen Ansichten auf die Waagschale zu legen (und für sie zu streiten) ist richtig – das ist aber auch der einzige Vorteil. Die Gefahren, vor allem für unsere im besten Sinne christlichen Werte, sind um ein zig-faches größer. Mir kommt es vor, als versuchten intelligente Köpfe, nämlich die Ihrer Journalisten, ein Phänomen zu analysieren und zu erklären, für das es keine vernünftige Erklärung gibt. Und damit meine ich Trump selbst und nicht die Gründe, die zu seiner Wahl führten. Zu oft mussten Nationen schon ausbaden, was ihre  geltungssüchtigen und größenwahnsinnigen Führer ihnen aufgebürdet haben. – Ute Birrel


Leserbrief zu “ Ein rechtes Urteil“ von Heinrich Wefing

Der 1. FC Großdeutschland (1. FC GD) ist seit Jahren für sein rüpelhaftes und gefährliches Foulspiel bekannt. Anträge zum Ausschluss sollten nun zum wiederholten mal vom obersten Schiedsgericht entschieden werden. Doch dieses erklärt: Solange nicht zu erwarten ist, dass der 1. FC GD Deutscher Meister wird, darf die Mannschaft wie bisher und mit ihren eigenen Regeln weiterspielen. Unausgesprochener Hintergedanke: Dies gilt ebenso auch für foulspielende islamistische  Mannschaften mit ihren Schariafußballregeln. Die Karlsruher Entscheidung ist für mich in der gesamten Bandbreite Drückebergerei pur!  – Erich Michel


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Wow! Ich habe selten so ein gut erklärendes und lösungsorientiertes Dossier gelesen. Auch wenn man oftmals denkt, man weiß schon alles über die Geschichte der Demokratie. Dass die ursprüngliche Idee das Losverfahren war, war mir wirklich neu. Dieses Dossier sollte Pflichtlektüre für alle politisch Verantwortlichen sein. Die SPD machte Anfang der 1970er Jahre Wahlkampf mit dem Versprechen „Mehr Demokratie wagen“. Wir sollten das ENDLICH ernst nehmen, um unsere Demokratie zu retten. Oder anders gesagt: „It’s the lot, stupid!“ – Michael Hauck


Leserbrief zum Titelthema “ Was für eine Vorstellung!“

Am Tage der Amtseinführung des unsäglichen neuen Amerikanischen Präsidenten kann ich mich eines Kommentars zu Ihrer Titelseite Ausgabe Nr. 4 nicht enthalten.

Sie schreiben darüber, warum Donald Trump zum Fürchten ist und auch deshalb fasziniert.

Ich persönlich kann nichts, aber auch gar nichts Faszinierendes an diesem Mann feststellen. Und auch meine Freunde und Bekannte finden seine Äußerungen und Einstellungen von fragwürdig bis abschreckend. Mit dem kleinen Wörtchen „auch“ suggerieren Sie sogar, dass es noch etwas anderes geben könnte, was an diesem Menschen fasziniert!? Ich und mit mir viele Millionen Menschen müssen demnach blind und taub sein. –  Marina Müller McKenna


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Auf drei Seiten dürfen drei Journalisten die Illusion verbreiten, wenn die Entscheidungen in der Demokratie nur repräsentativ genug seien, wäre die gefährdete Demokratie gerettet. Und nicht Wahlen garantierten repräsentative Entscheidungen, sondern das Losverfahren. Diese Botschaft des Dossiers verkennt das Wesen von Demokratie gleich in mehreren Aspekten. Unterstellt wird nämlich einmal, dass es eine für alle richtige und gute Entscheidung gäbe, wenn ein wirklich repräsentativ zusammengesetztes Gremium entscheiden würde.

Im wirklichen Leben gibt es aber sehr unterschiedliche Interessen. Der Arbeitnehmer beispielsweise hat zumeist andere Vorstellungen von einer richtigen Entscheidung als der Arbeitgeber. In der Demokratie können sich unterschiedliche Interessen organisieren und darum kämpfen, dass sie sich durchsetzen. Darüber hinaus gehört es zum Wesen der Demokratie, dass Entscheidungen in einem transparenten und öffentlichen Diskurs vorbereitet werden. Eine geheime Bürgerversammlung, bei der die Mitglieder noch nicht einmal mit Journalisten sprechen dürfen, ist geradezu das Gegenteil von dem für die Demokratie notwendigen öffentlichen Diskussionsprozess. Schließlich wird verkannt, dass es in der Demokratie auch um Verantwortung geht.

Die auf Zeit legitimierte Herrschaft muss ihre Entscheidungen gegenüber den Wählern verantworten und der Wähler kann auf dieser Grundlage bei der Wahl entscheiden, ob er die Herrschaft verlängern oder eine neue Herrschaft haben will. Diese Möglichkeit des Herrschaftswechsels kann aber dann nicht funktionieren, wenn der Wählergar nicht weiß, wer die getroffenen Entscheidungen zu verantworten hat, weil sie von einem anonymen Gremium getroffen wurde, deren Mitglieder zudem gar nicht wiedergewählt werden können. Die Demokratie ist heute sicher gefährdet. Aber Vorschläge, die das Wesen von   Demokratie verkennen, sind nicht hilfreich, sondern gefährlich, da sie dazu beitragen, von den wahren Problemen abzulenken. – Dr. Ortlieb Fliedner, Autor des Buches „Warum soll ich wählen gehen? Wie funktioniert unsere Demokratie?“


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Herzlichen Dank für den Artikel!

Er hat meinen Blick auf unsere Demokratie dahingehend geweitet: mir wurde bewusst, dass wir bei uns entgegen allen Behauptungen tatsächlich k e i n e Demokratie geschweige denn eine repräsentative Demokratie haben, da große Teile der Bevölkerung nicht mehr in den Parlamenten oder den anderen staatlichen Institutionen abgebildet werden.

De von Ihnen vorgestellte irische Weg  sollte auch von uns begangen werden. Wahrscheinlich kann dann  der allseits grassierende Verdruss über die Politiker und die Institutionen abgebaut werden. Ich werde Ihre Ideen weitertragen! –  Jürgen Zimmermann


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Dies ist ein sehr wichtiger Beitrag zur Neuordnung unserer Prioritäten im Gesundheitswesen. Gewinnmaximierung darf nicht im Mittelpunkt ärztlichen Handelns stehen, sonder der Patient muss im Fokus unserer Bemühungen bleiben. So gesehen sind wir in „freier“ Praxis tätigen Haus- und Palliativmediziner die letzten Instanzen, an die sich Patienten vertrauensvoll wenden können, um eine gute Beratung und Begleitung in der letzten Phase ihrer schweren Erkrankungen zu erfahren. Die Gewichtung und die Vergütung der ärztlichen Behandlung in den Krankenhäuser muss neu geregelt werden. Selbstverständlich ist auch hier die staatliche Aufsicht im Gesundheitsministerium in der Pflicht um die adäquate Versorgung von Patienten sicher zu stellen,  und den Gewinnvorstellungen mancher Krankenhausmanager die rote Karte zu zeigen. –  Dr. med. Charles Woyth


Leserbrief zu „“Wozu der ganze Stress?“ von Kolja Rudzio, Till Schwarze und Frida Thurm

Ich habe das Gefühl, dass der Artikel „Wozu der ganze Stress?“ von Kolja Rudzio, Till Schwarze, Frida Thurm und Sascha Venohr irreführend ist. In diesem geht es um die Lohnentwicklung und die korresponierende Preisentwicklung. So wird ständig vom Medianeinkommen geredet, jedoch nur kurz erwähnt, dass hierbei nur die Einkommen von Vollzeitbeschäftigten berücktsichtigt wurden („was heute im Mittel für Vollzeitarbeit herausspringt: 3.169 Euro“).

Zwar wurde auch nur mit dem entsprechenden Median von 1985 verglichen, doch scheint mir, anhand der Kommentare zum Artikel, dass vielen Lesern dies nicht aufgefallen ist. Es wird offen unter der Annahme diskutiert, dass es sich hierbei um das allgemeine Medianeinkommen handelt, und zwar sowohl von Kritikern als auch von Beführwortern des Artikels. Viele Leser scheinen also den Artikel falsch verstanden zu haben, was natürlich zu Beschuldigungen von falschen Statistiken führt. Es hilft wohl kaum, dass in der Einleitung kurioserweise von einem Paar die in Teilzeit arbeiten die Rede ist, welche also gar nicht in dem vom Artikel genannten Median berücktsichtigt werden.

Die schlechter Verdienenden werden nur kurz angerissen im Artikel und kaum mit Daten abgefertigt. Gerade in diesem Artikel wird ein sehr großer Teil der Bevökerung, jener der im Niedriglohnsektor und Teilzeitbereich (oft ein und das Selbe) seinen Lohn verdient, völlig ignoriert. Das ist erstmal kein Problem wenn im Artikel darauf ausreichend hingewiesen wird, was, und ich wiederhole mich bewusst, anhand vieler Kommentare offensichtlich nicht der Fall ist.

Ich habe keine aktuellen Daten zum allgemeine Medianeinkommen in Deutschland, doch 2010 lag es laut dem DIW Wochenbericht Nr. 45 aus dem Jahr 2011 bei 1772 €. Dieser mag gestiegen sein oder nicht, unterstreicht jedoch wie schnell der Artikel zu irreführenden Schlussfolgerungen führen kann.

Ich hoffe es wird eine Anmerkung dazu geben, auch wenn ich leider weiß, dass viele Menschen diese Anmerkung nie lesen werden. – Alexander Sawatzky


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Unter der Schlagzeile „Der Demolierer“ bezeichnen Sie als Journalist den demokratisch gewählten Präsidenten der USA und unterstellen diesen im weiteren „Größenwahn“ und  „zwanghafte Twitterei“ und dass er die „Regale demolieren will“. Nachdem Sie sich bereits einen Tag nach der Wahl in dieser völlig arroganten, überheblichen Art und Weise über Herrn Trump geäußert haben, darf erwartet werden, dass Sie wenigstens versuchen sollten, Ihre Einschätzungen über andere Menschen, die offensichtlich eine andere Weltsicht besitzen als Sie, mit sachlichen Argumenten zu untersetzen und abwarten bis objektive messbare Ergebnisse der Poltik von Herrn Trump vorliegen.

Das System für das Sie und Ihr Klientel seit Jahrzehnten stehen, ist ja offensichtlich auf breiter Linie gescheitert. Gesellschaftssysteme, die noch nicht einmal ihrer Jugend eine Mindestperspektive (ARBEIT!!) (Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland usw.) bieten können und auf der anderen Seite durch zum Teil eines perversen Konsumverhaltens unsere Erde ruinieren sowie der letzte „OXFAM“ Bericht über die Verteilungsgerechtigkeit sind lediglich in 3 Stichpunkten ausreichende Belege für den Niedergang.

Es wäre deshalb wünschenswert, dass Sie wie auch andere Journalistenkollegen sich auf Ihre Hauptaufgaben , einer halbwegs ausgewogenen seriösen Berichterstattung konzentrieren und nicht ständig auf niedrigstem Niveau im Interesse der „Elite“ agieren. – Wolfgang Benz


Leserbrief zu “Türkische Abrissarbeiten” von Özlem Topçu

Ich lese gerade die Printausgabe meines Abos der Zeit 4/17. Auf Seite 7 wird in der 2.Spalte im 3.Absatz behauptet, dass for eine Verfassungsänderung im türkischen Parlament eine 2/3-Mehrheit notwendig wäre. Anderen Quellen zufolge handelt es sich jedoch um 3/5-Mehrheit, also 60%, für eine Verfassungsänderung im türkischen Parlament, was mindestens 330 der 550 Parlamentarier sind.

Kann es sein, dass dort ein Fehler unterlaufen ist? – Peter Hartmann


Leserbrief zu „“Wozu der ganze Stress?“ von Kolja Rudzio, Till Schwarze und Frida Thurm

In diesem Artikel werden zwei wichtige Punkte nicht berücksichtigt.  Einer ist das Rentenniveau von damals und heute und das in einigen Jahrzenten. Man muss heute zusätzlich selbst vorsorgen und das bedeutet ansparen für das Alter und nicht für ein Eigenheim. Der zweite Punkt ist die Jobsicherheit. Wer arbeitet heute noch sein ganzes Leben bei derselben Firma und mehr noch, wer verbringt sein ganzes Leben an demselben Ort. Eigenheim macht immer weniger Sinn und bei den derzeitigen Preisen können sich auch Doppelverdiener, zumindest wenn beide Angestellte sind, nicht mehr leisten.

Die Leistungen bei Arbeitslosigkeit sind auch deutlich schlechter geworden, so dass der Druck eine neue Arbeit zu finden und das nächste beste Angebot zu akzeptieren grösser ist. Dies wirkt sich wiederum auf das Gehaltsniveau aus. Die Vergleich der Lebensstandards in Punkto Konsum stimmen auch nicht ganz. Fernsehgeräte sind heute deutlich billiger und Reisen auch. Wer konnte sich vor drei bis vier Jahrzenten eine Flugreise leisten? Damals kostete auch das Telefonieren bei dem Monopolisten mit einem grünen Telefon mehr wie mit einem grauen! Die Inflationsrate als einzigen Masstab zu nehmen ist deutlich zu kurz gegriffen. Die Zusammenstellung dieses Warenkorbes ist eben auch eine politische Entscheidung.  – Peter Schu


Leserbrief zu “Holla, the Woodfairy” von Peter Dausend

Bewunderung. Your English makes you so fast nobody after. – Klaus Holzer


Leserbrief zu „Amerika ist groß – und allein mit Gott“ ein Gespräch mit Ayad Akhtar, geführt von Peter Kümmel

Ein gutes Psychogramm Amerikas! Nur wenn es um Konkretes geht (was hätte man nach 9/11 tun, wie hätte man mit Saddam Hussein umgehen sollen, usw.), kommt wie immer, wenn dem Westen der Spiegel vorgehalten wird, entweder Nichts oder nur nebulos Klägliches, was mit Politik nichts zu tun hat. – Werner Koetz, emer. Prof. f. Wirtschaftsinformatik an der HTW d. Saarlandes


Leserbrief zu „Schonungslose Klangkühle“ von Christine Lemke- Matwey

Ganz Deutschland hallt wider vom Glücksgeschrei aus HH: Die Hamburger haben das Rennen gewonnen! Für nur ein knappes Billiönchen ist das weltweit leuchtende Denkmal für die brutale Anmaßung einer arrogant abgehobenen Oberschicht nun doch noch fertig geworden! Das lässt Hoffnung aufkommen, dass es eventuell noch im Verlauf dieses Jahrhunderts, dank der überragenden deutschen Ingenieurskunst, und mit weiterer Milliardenvergeudung, zur Eröffnung des Hauptstadtflughafens, und des neuen Bahnhöfles der Schwäbschen Eisenbahne kommen kann.

Stolz eilten die Polit-Vertreter der Parasiten und Schmarotzer der Oberkaste ins neue Häusle, um denen da unten aufzuzeigen, dass deren Umzug in den HARTZ sich gelohnt hat! Zwar stieg die Kinderarmt der BRD unter dem Regime Merkel von 15% auf nunmehr 20 %! Aber Eltern und Kinder der Hartzer haben bereitwillig den Gürtel enger geschnallt, frohgemut, weil sie mit ihrem Scherflein ein wenig zum Wohlbefinden der da oben beitragen konnten. Sie haben es akzeptiert, dass ihre Politiker das Geld nur einmal ausgeben können, und daher für die da unten keines aufzutreiben war und ist. – Jochen Blankenburg


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Der Erfolg ist Trump garantiert!

Trump hat nicht das Rad neu erfunden! Er hat den Rat der beiden besten Ökonomen der Erde angenommen! Es geht weder um Protektionismus noch um Beendigung des Welthandels sondern um Korrektur der Auswüchse! Die beiden Nobel-Ökonomen Stiglitz und Krugman verlangen ein Ende der seit 200 Jahren verpönten „Beggar-Thy-Neighbour-Policy“, die weltweit von Gierschlünden, Schurken und Ganoven aus dem Giftschrank der Ökonomie recycelt wurde: Die EU subventioniert den Export ihrer überschüssigen Agrarproduktion nach Afrika gegen NULL und ruiniert dort die Landwirtschaft. China tut das gleiche mit Zugangsverhinderung, Einfuhrzöllen, Währungsmanipulation, und Export der gegen NULL subventionierter Stahlproduktion sowie Sonnenkollektoren in die EU!

Wer aus Kalifornien den mit ausgebeuteten rechtlosen 1-$-Löhnern (11 Millionen südamerikanischen Illegalen) produzierten billiger Ausschusswein zu Millionen hl in die EU holt, und diese hier völlig überflüssige Plörre gegen ebensolchen Wein aus der EU in die USA tauscht, erzeugt kein MEHR! So wenig, wie rund um den Erdball aus Übersee in die EU beförderte Äpfel, obwohl die EU ihren eignen Obstertrag gar nicht voll verzehren kann. Ökonomisch ist das Ergebnis NULL! Schlimmer noch: In diesen Fällen wird beiderseits Arbeitslosigkeit importiert! Verlierer sind z.B. die illegalen 11 Millionen 1-US-$-Arbeitssklaven in der Agrarwirtschaft der USA, Europas Winzer, Textil-, und Stahlarbeiter, und die durch umweltschädigende Transporte – und den Klimawandel bedrohte Menschheit; Verlierer sind die durch überflüssigen Welthandel verursachten Erwerbslosen! Breite Bevölkerungsschichten auf beiden Seiten bezahlen Millionenfach mit bösen Einkommensverlusten und betonierter Armut. In der Bilanz muss gegeneinander aufgerechnet werden: Nationaler Güterpreisgewinn gegen die Kosten der Erwerbslosigkeit, die durch unbegrenzten Handel über die Weltmeere erzeugt wird! Siehe Bangladesch! Das könnte heute ebenso dastehen wie Südkorea, wäre es nicht seit 60 Jahren vom falschen Welthandel in Armut einbetoniert worden!

Denn der Welthandel wird leider nicht durch gegenseitige Belieferung mit solchen Gütern, die der andere kaum sinnvoll herstellen kann, sondern durch Lohndumping, Ausbeutung, Sklavenarbeit befeuert. Genau diese unheilige Dreifaltigkeit ist es, die alle deutschen Gierschlünde insgeheim meinen, wenn sie vor Gefährdung des „Welthandels“ warnen! “Sie reden uns vom Sinnvollen und meinen Katun!

Und daher ist Trump der durchschlagende Erfolg sicher, wenn er den katastrophal missbrauchten Welthandel auf das Sinnvolle zurückführt! – Jochen Blankenburg


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Das Problem mit unserer Demokratie liegt in dem gezielt auf Beseitigung der Gewaltenteilung gerichteten BRD-Wahlsystem.  Alle Staatsorgane werden indirekt von der Bundesregierung bestellt. Wenn Merkel ein Gesetz haben möchte, stürmt die gesamte Meute der SPD-Fraktion gehorsam los und apportiert schwanzwedelnd das Gewünschte.

In den alten Demokratien mit dem Mehrheitswahlrecht werden dagegen die Regierungen selbst von der eigenen Partei am kurzen Zügel geführt. Daher liegt auch die Trumpomanie der BRD-Presse neben der Realität. Die wird vom Kongress per Etatrecht gestaltet – und von sonst niemand. Daher war Obama der ohnmächtigste und bedeutungsloseste Präsident seit Washington!

Zum anderen: Die etablierten deutschen Parteien sind von Wahl zu Wahl kontinuierlich moralisch verkommen. Schulbuben und Schulmädchen, fern den realen Niederungen herangezüchtet, mutieren heute zum Berufspolitiker. Machtversessen, Volksvergessen! Vor und nach 9/2017 wieder zu beobachten: Vor der Wahl entleert die CDUFDPSPD-Oligarchie jeweils die Staatskasse und kauft sich die Stimmen der vermutlichen Anhänger. Ergänzend werden denen weiter Wohltaten für die Zukunft zugesichert. Sind die erforderlichen 50 % plus eine Stimme eingefahren, werden die unteren 50 % zur Ausplünderung freigegeben.

2 Beispiele! Erstens: Nahles angekündigte Rentenreparatur. Sie schiebt den oberen 50 % der Werktätigen, den nur unter ihnen vermutlich noch verbliebenen SPD-Wählern, den Luxus von drei Renten zu: Ergänzend zur gesetzlichen Alterssicherung verspricht sie noch in 2017 die Reparatur des bankrotten Riester-Systems, und den Ausbau der Betriebsrenten! Damit verurteilt die studierte Unterschicht-Verächterin die unteren 20 Millionen der Werktätigen, die mangels Einkommen nichts sparen können, zu Altersarmut auf der Basis von Grundsicherung! Die wählen ja doch nur AfD! Mögen sie – die etablierten CDUFDPSPD-Oligarchen brauchen daraus nichts für ihre Sinekure zu befürchten. Die sichert ihnen garantiert die mit Wahlgeschenken bestochene Klientel.

Zweitens: Steuersenkungen. Die sind immer nur Umverteilung nach oben! 80 % der Deutschen zahlen mangels Einkommen kaum oder gar keine Einkommenssteuer! Für die da unten bringt das nichts! In den 10 Jahren der Regierung Merkel stiegen die Großvermögen auf astronomische Höhen, die Zahl der bankrotten Privaten Haushalte auf 8 Millionen, und die Kinderarmut von 15 % auf nunmehr 20 Prozent! In Dänemark wurde die im selben Zeitraum auf > Zwei!!! <  Prozent gesenkt! Das Beispiel Dänemark ist eine Tatsache! Die Jubelperser der ZEIT verschweigen sie seit Jahren, um bewusst das Merkel-Verbrechen an unseren Kindern zu verschleiern! Selbst in dem tiefschürfenden Beitrag in Nr. 2/2017 „Jedes 5. Kind ist arm“ haben die Berliner Hofsänger der ZEIT-Redaktion – Dänemarks Erfolgspolitik unterschlagen, um „Mutti Angelas“ Scheinheiligenschein nicht zu beschädigen!

Wen wundert da noch, dass die Entrechteten und Verarmten sich besinnen und AfD ankreuzen?  – Jochen Blankenburg


Leserbrief zum Titelthema “ Was für eine Vorstellung!“

Ihre gute Berichterstattung zum Thema „Trump“ wird leider arg betrübt dadurch, dass Sie Trumps Unterstützung der israelischen Apartheid ignorieren. Über die Freundschaft zwischen Trump und Netanjahu und darüber, dass Trump die amerikanische Botschaft nach Jerusalem verlegen will, darüber berichten Sie kaum.

Dass Netanjahu die Gunst der Stunde schamlos nutzt und den Bau von neuen illegalen Siedlungen auf der Westbank vorantreibt, da hat er die Unterstützung des amerikanischen Präsidenten. Darüber sollte berichtet werden. Die Allianz zwischen Trump und Netanjahu offenbart die Ähnlichkeit der beiden Charaktere. – Prof. Dr. Elias Jammal


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Über Ihren ausführlichen Artikel habe ich mich sehr gefreut. Ein äußerst lobenswerter und gerade zur Zeit sehr wichtiger Einsatz für Demokratie mit sehr anregenden Gründen und Vorschlägen zu ihrer Verbesserung. Ich danke vielmals und wünsche Ihren Worten weitreichende Wirkung. Doch hie und da habe ich auch Einwände:

  1. Die Athener „Demokratie“ mag von antiken Historikern und Philosophen wunderschön gedacht sein. In Wirklichkeit scheint sie mir aber ein Märchen neuzeitlicher Altphilologen. Die blenden aus, dass in der ganzen Antike, auch in Athen, die meisten Menschen rechtlose Sklaven waren, natürlich ohne Wahlrecht. Schätzungen für den Anteil der Sklaven gehen auch für das antike Griechenland bis zu mehr als 80 % der Bevölkerung. Nimmt man hinzu, das für damalige Zeiten selbstverständlich auch Frauen und Kinder freier Bürger kein Wahlrecht hatten, dass jedenfalls in Athen erst vom 20. Lebensjahr an am politischen Leben teilgenommen werden konnte, dann lässt sich errechnen, dass damals der Anteil der „politischen Klasse“ an der Bevölkerungnoch niedriger war als in heutigen Diktaturen.
  2. Auslosen politischer Ämter? Eine interessante Idee, wirklich nachdenkenswert. Allerdings: In Athen machte das Los keineswegs alle gleich. Ab gesehen von den unter 1. genannten Einschränkungen kam hinzu: Der Losentscheid fand nur unter den  Angehörigen der beiden höchsten Vermögensklassen statt. Ich kann nur vermuten: Das waren wohl  auch die kleinsten .
  3. Aus Irland berichten Sie von einem höchst Interessanten Versuch. Allerdings wurden da nach Ihrem Bericht nicht die Entscheider, sondern nur die Berater durchs Los bestimmt. Die Entscheidung hätte also auch gegen die vom Los Erwählten ausfallen können. Demokratie?
  4. Diese irischen Berater wurden mit außerordentlicher Gründlichkeit auf die Abgabe ihres Rates vorbereitet. Wäre es nicht Aufgabe einer wirklichen Demokratie allen Bürgerinnen und Bürgern eine so intensive Ausbildung zu ermöglichen, dass sie in solchen Fragen ohne zusätzliches Spezialseminar zu einem gut begründeten und verantwortungsvollen Urteil finden können?
  5. Verspielt man mit solchen Losentscheidungen nicht den einen, ganz großen Vorteil den unser derzeitiges System hat: Dass, ganz egal wie eine Wahl ausfällt,  alle Wahlberechtigten sich hinterher sagen müssen: Das haben wir uns selber eingebrockt, also müssen wir es jetzt auch auslöffeln. Ausdrücklich sei betont, das gilt auch für Nichtwähler, den die tragen mit ihrem Verhaltengenau soviel zum Ergebnis bei wie Wähler, nur verteilt sich der Nichtwählereinfluss gleichmäßig auf alle Parteien im Angebot.

Es lebe die Demokratie! Aber gerade wenn und weil sie lebt, darf sie sich auch ändern. Nur bitte nicht zurück ins alte Athen! – Helmut Steiner


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

Als ich gestern spätabends den Artikel von Josef Joffe las, erschrak ich und wollte meinen Augen nicht trauen: meint er tatsächlich mit „hochintelligenter Mensch“ Donald Trump?

Wenn dem tatsächlich so ist, dann erlaube ich mir Zweifel an der Intelligenz von Herrn Joffe anzumelden und ich frage mich ernsthaft, wie er es zum Herausgeber der Wochenzeitung gebracht hat. Der Schock sitzt so tief, dass mein Bedarf an „Die Zeit“ vorläufig gedeckt ist. – Angelika Schüsterl


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Ich möchte ein grosses Kompliment an Bastian Berner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius machen für den Artikel im Dossier über die Demokratie (die uns als solche ‚verkauft‘ wurde vor ca. 300 Jahren). Ich fand es äusserst interessant zu lesen was die Iren machen und wie mit Auslosung von Leuten eine Meinungsbildung geschaffen werden kann. Es unterrichtet auch diese Menge Leute im Debattieren und das Angehen von Komplexen Themen. Ich fände es fantastisch wenn das in allen Ländern eingeführt werden könnte!!!

Falls es diesen Artikel in Englisch gäbe – da wäre ich sehr interessiert. Mein Mann ist Amerikaner und würde ihn liebend gern lesen und weiter verbreiten… – Gabriela Scholl


Leserbrief zuDas ist kein Spiel mehr“ von Jana Gioia Baurmann

In der Ausgabe Nr.4 vom 19.Januar 2017, Rubrik Wirtschaft, Artikel „Das ist kein Spiel mehr“ von Jana Gioia Baurmann sind mir zwei Fehler in der blauen Graphik „Der Umsatz wächst“ aufgefallen. Zum einen sind sowohl das Jahr 2016, als auch das Jahr 2019 mit dem selben Betrag von 463 Mio.$ betitelt, während es für 2019 1128 Mio.$ sein müssten, zum anderen sind die 463 auch noch falsch. Es müssten 493 Mio.$ sein wie ich der angegebenen Quelle entnehmen konnte. – Alexander Raab


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

Mit großem Interresse habe ich den Artikel „Zur Wahl steht: Die Demokratie“ gelesen (Printausgabe vom 19. Januar 2017, ZEIT Nr. 4) und muss an dieser Stelle ein Lob aussprechen, wie die Thematik und Problematik Demokratie im Artikel präsentiert wird.

Im Rahmen eines Seminares im Studium der Politikwissenschaften befasse ich mich mit dieser „Krise der repräsentativen Demokratie“, die im Artikel angesprochen wird und weiß, dass theoretisch selbst ein Semester nicht ausreicht, um dem Umfang des Themas gerecht zu werden. Demokratie als solche hat schließlich ihren geschichtlichen Ursprung und Werdegang, meint tatsächlich auch mehr, als nur alle 4-6 Jahre zur Wahl zu gehen und ist ganz sicher kein abgehaktes Thema in der Geschichte der Menschheit, steht sie selbst in Ländern mit langer demokratischer Tradition wieder zur Debatte. Insofern überzeugt der Artikel, dass er all diese Punkte aufgreift und es zu verstehen weiß, auch auf Reformideen à la Losverfahren und Bürgerräte einzugehen, und damit ein umfassendes und trotzdem schlüssiges Bild zeichnet.

Jedoch habe ich bis zum Ende der Lektüre auf eine Klarstellung des Zitats „Wie können wir verhindern, dass diese Leute wählen gehen?“ gewartet. Diese Frage mag logisches Resultat eines Grabens sein, der zwischen der Anhängerschaft repräsentativer Wahlen und der Anhängerschaft des Credos „die da oben“ aufgebrochen ist. Diese Frage drückt im Endeffekt ja nicht viel mehr aus, als die in der heutigen Zeit nachzuvollziehende Sorge vor einer Abschaffung der Demokratie durch – ausgerechnet – wahlberechtigte Bürger. Doch sollte man bei all den Sorgen, Reden von Politikern und Reformideen – die meinem Empfinden nach auch ausgesprochen wichtige Denkanstöße und hoffentlich auch Verbesserung mit sich bringen – nicht vergessen, dass solange in einer Demokratie wie sie in Deutschland, Österreich, Frankreich, Amerika und anderen Ländern existiert, Wahlen Kern der Repräsentation sind. Das Wahlrecht ist ein lang umkämpftes Gut sowohl für Frauen wie auch Männer. Und Demokratie meinte weder im alten Griechenland (zumindest der Theorie nach) Ausschluss einzelner Volksgruppen von der Wahl der Volksvertretung, noch sollte es dies heute meinen.

Über dieses als „Politik(er)verdrossenheit“ bezeichnete Phänomen der sinkenden Wahlbeteiligung und der steigenden Zahl von Anhängern populistischer Parteien zu sprechen und zu schreiben ist wichtig und richtig. Auch sich darüber Gedanken zu machen, dass noch Luft nach oben ist und es etliche Verbesserungsmöglichkeiten gibt, gehört zu einer lebendigen Demokratie. Aber die Errungenschaften, die wir durch regelmäßige Wahlen und dem Recht als Bürger auf Beteiligung zu verzeichnen haben, sollten nicht vergessen werden und sicher nicht in der Hitze des Gefechts einzelnen abgesprochen werden.

In diesem Sinne hoffe ich auf weitere kritische Berichterstattung. – Carlotta Schlosser


Leserbrief zu „“Wozu der ganze Stress?“ von Kolja Rudzio, Till Schwarze und Frida Thurm

Es   ist  nur  allzu   verständlich,   dass   auch   Frauen   ihren   Beruf   ausüben   möchten, in   den   sie   viel   investiert   haben,   der   ihnen   Freude   bereitet,     ihnen   finanzielle   Vorteile   verschafft  und   sie   unabhängig   macht.

Dennoch   sollte   vermieden   werden,   zuviel   miteinander   vereinbaren   zu   wollen. Auf   Dauer  wird   dadurch  nicht   nur   das  eigene   körperliche   und   seelische   Wohlbefinden   beeinträchtigt,   sondern   auch   das     Miteinander  in der   Familie.

Wenn   auch   Betreuungsangebote   in   Kita   und   Schule   für  Entlastung   sorgen,   so   darf   man   doch   nie   vergessen,  dass   eine   liebevolle   Zuwendung   zu   seinem   Kind   nicht  „so   nebenbei“  erfolgen kann. Je jünger   die   Kinder   sind, desto  größer   ist   ihr   Bedürfnis   nach  dem   Zusammensein   mit   ihren   leiblichen   Bezugspersonen.   Gerade   die   ersten   Lebensjahre  sind   prägend.  Hier   bauen   die  Kinder  Urvertrauen   auf   und  das   Gefühl   von   Geborgenheit   und   Sicherheit.

Will   man   zuviel   miteinander   vereinbaren,   muss   man   damit   rechnen,   dass  so   einiges  vernachlässigt   wird.  Selbst   wenn  die   Frau  zuhause viel   Unterstützung   durch   ihren   Partner   erfährt,  muten     sich   beide  oft    zu viel  Stress  zu,   wenn   sie   glauben, Familie,   Haushalt,   Kinder,   Beruf  und   erst   recht   Karrieren   miteinander   in   Einklang   bringen   zu   können. Es   geht   natürlich,   fragt   sich   nur,   wie   und   auf   wessen   Kosten. – Gabriele   Gottbrath


Leserbrief zu “Holla, the Woodfairy” von Peter Dausend

Auch wenn es seinerzeit in unserem Englischunterricht hieß “Lieber Beck’s Bier als Shakespeare”, so sind Sie doch haevy on the woodway, wenn Sie denken, dass ich Ihnen the march blow!

Ich habe laut gelacht, als ich Ihren Artikel gelesen habe. Herzlichen Dank dafür! Keep cool und liebe Grüße – Ursula Schneider


Leserbrief zum Titelthema “ Was für eine Vorstellung!“

Vor knapp einem Jahr verkündete ZEIT-Herausgeber J. Joffe prophetisch; „Trump wird’s  nicht“ und fragte abschließend, „ob Trump den loyalen Verlierer gibt“.

Nun haben wir ihn also und nicht Clinton und wissen nicht, ob er Pest oder Cholera repräsentiert, womit beide, Clinton und Trump in der Vorwahlphase vielmals metaphorisch apostrophiert wurden. Flugs stehen nun schon die nächsten Erklärer parat, um zu verkünden, „Warum Donald Trump zum Fürchten ist“, wie in fünf umfangreichen Beiträgen der „ZEIT“ Nr. 4/2017 abgehandelt wird. Auch hier verkündet Herausgeber J. Joffe, dass Trump die liberale Weltordnung, die über Freihandel, Bündnisse und internationale Institutionen definiert seien, niederreißen will. Er verzichtet aber darauf, seine psychiatrische Diagnose vom 11.08.16 zu wiederholen, worin er Trump definitiv zum Geisteskranken erklärt hat.

Es ist nicht mein Anliegen, jeden dieser Beiträge zu analysieren und zu diskutieren, sondern die Medien zu endlich mehr Zurückhaltung hinsichtlich des Spekulierens über die politischen Absichten des neuen Präsidenten und zu weniger Angstmache aufzufordern.

Trumps Vorgänger im Amt mögen zwar artige Reden gehalten haben, aber zum Beispiel G.W. Bush hat dies dann nicht gehindert, den Krieg in Afghanistan zu führen und mit völkerrechtswidrigem Krieg die Krisen in der arabischen Welt auszulösen, deren unsägliche Folgen Europa und vor allem die Bundesrepublik jetzt auszubaden haben.

Es sei hier an die von US-Präsident Wilson im Jahr 1917 entwickelte Vision „Keine Nation sollte danach streben, ihr politisches System auf eine andere Nation oder ein anderes Volk auszudehnen“ erinnert – ein bis heute nicht verwirklichter Grundsatz wirklich Frieden schaffender Politik.  Die heutige Politikergeneration arbeitet leider akribisch daran,  die Mega-Tragödie 2. Weltkrieg baldigst noch zu toppen. Die braven Medien tun leider alles, sie in dieser Hybris zu unterstützen.

Es ist Abwiegeln angesagt, wann und wo immer dies möglich ist!  Es darf nicht um die Übernahme von mehr Verantwortung beim Einmischen in fremde Regionen gehen (Gauck), sondern um geordnete Rücknahme aller aktuellen Einmischungen.

Andernfalls ist Ende des Homo sapiens besiegelt, lange vor dem naturgesetzlich festgestellten Termin – quod erat dicendum! – Hans Anhoeck


Leserbrief zu „Bitte recht freundlich“ von Jens Jessen

Gratulation Herr Jessen zu diesem gelungenen Artikel für Kinder. Das lässt darauf schließen, dass auch er einen erkennbaren Mangel guten Behnehmens (nicht nur bei Kindern!) feststellt. Vielleicht kann er ja als Argumentationshilfe für Eltern dienen, die aus der antiautoritären Erziehungszeit stammen. – Christa Ragaller


Leserbrief zu “ Mein Leben mit dem Monster“ von Daniel Kehlmann

Wenn man den Artikel von Daniel Kehlmann liest, versteht man, warum Trump gewonnen hat. Könnte es sein, dass eine Gesellschaft auch aus Millionen von Nicht-Schriftstellern, Nicht-Professoren und Nicht-Journalisten besteht, die keine New York Public Library Fundraising-Gala besuchen? In unserer Facebook-Ära ist das allgemeine Wahlrecht vielleicht keine gute Idee! – Dr. Salvatore Algieri


Leserbrief zu “ Zur Wahl steht: Die Demokratie“ von Bastian Berbner, Tanja Stelzer und Wolfgang Uchatius

überzeugte Demokraten befürchten den Untergang  der Demokratie als Staatsform. Der Artikel beschreibt, dass die antike Demokratien in den Stadtstaaten ihre Vertreter per Los ermittelt haben und  erst viel später die  Wahl als wichtige Komponente der Demokratie erfunden wurde.  Aber erstens war die Polis an sich viel kleiner und zweitens handelte es sich um eine Sklavenhaltergesellschaft d.h. der Kreis derer, auf die das Los fallen konnte, war noch einmal viel kleiner, weil nur die Freien und Reichen zur Wahl standen. Letztlich handelte es sich um eine Oligarchie.

Trotzdem ist es dringend notwendig, die Demokratie nicht als selbstverständlich und unverrückbar in der jetzigen Form hinzunehmen, sondern Nachbesserungen vorzunehmen. Es genügt eben nicht, nur verbal eine wehrhafte Demokratie zu beschwören. Insofern ist das irische Modell bedenkenswert. Durch die Einbeziehungen aller Schichten in einen Erkenntnis – und Entscheidungsprozess  wird die Einsicht in das Wesen der Demokratie gefördert, die Motivation zum Mitmachen gestärkt   und  Vorurteile  werden abgebaut. Nicht jede Frage und jedes Problem kann einem so zeitaufwendigem Verfahren  unterworfen werden. Der  Unterschied zu einem Plebiszit , das ja vermehrt ins Spiel gebracht wird, besteht darin, dass erst nach einem Lernprozess  eine konsensuale Empfehlunge abgegeben wird. – Klaus Tuch


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Mit dem obigen Artikel haben Sie ein in der heutigen Medizin extrem wichtiges Problem angesprochen und man kann Sie nur dazu beglückwünschen, dass Sie den in diesem Fall klaren Missbrauch einer medizinischen Behandlung beim Namen nennen. – Prof. Dr. med. Klaus Lang


Leserbrief zu „Political Correctness“ von Christian Staas

Dieser Artikel ist in verschiedener Hinsicht fragwürdig, geradezu grotesk und gefährlich aber wird es in folgendem Passus: „Zu behaupten, ein Zuviel an emanzipativen Bestrebungen bringe notwendigerweise deren Gegenteil hervor, ist daher nicht nur grotesk (solcher Logik zufolge gäbe es Kriege nur, weil es die Pazifisten mit ihrem Pazifismus überbrieben), es ist auch gefährlich.“

Der Autor zeigt hier, ausgerechnet unter expliziter Berufung auf die Logik, wie fatal es gerade für einen Journalisten sein kann, wenn er deren Grundlagen nicht beherrscht: Kurz gesagt, behauptet er (in seinem Klammersatz), aus „A → B“ folge „B → A“. (Tatsächlich folgt aus „ A → B“ natürlich nur: „ nicht B → nicht A“).

Welcher fatalen Verdrehung der Logik hier Vorschub geleistet wird, wird z.B. klar, wenn man sich überlegt, was nach Herrn Staas´ Denkweise aus der Beobachtung folgt, dass alle Attentäter in Deutschland im vergangenen Jahr Muslime waren.

Eigentlich sollte es doch eine der wichtigen Aufgabe seriöser Medien sein, solche gefährlichen Fehlschlüsse zu verhindern und aufzudecken, nicht sie zu verbreiten. – Andreas Obrecht


Leserbrief zu “Terrorist wird Arbeiterkämpfer” von Björn Stephan

In Ihrem Artikel zitieren Sie Herrn Rast damit, dass er mit der Gründung der Gefangenengewekschaft womöglich  eine subtile Rache an dem bundesrepublikanischen Staatspparat ausübt. Wofür könnte er sich denn rächen? Er hat doch die Vorteile eines Rechtsstaats in jeder Hinsicht  in Anspruch genommen.  Die Gründung der legalen Gewerkschaft für Gefangene ist ja ebenfalls eine positive Möglichkeit, die die demokratische Verfassung  der  Bundesrepublik  Deutschland  den Betroffenen  einräumt. Das kann demnach ja nicht als unerwünschte  Schwierigkeit gelten, sondern als Weiterentwicklung  der  demokratischen  Realität.

Auch die Einbindung  der Gefangenen  in Mindestlohn, Bezahlung  der Unterkunft und  der Verpflegung und Mitgliedschaft  in der Rentenversicherung   ist m.E. eine  denkbare und sinnvolle Entwicklung in Bezug auf die spätere gesellschaftliche Eingliederung  der verurteilten Menschen. Die Abwicklung über Bankkonten könnte dabei ein wichtiger Teil sein.

Insgesamt also eine gute „Quittung“, die Herr Rast dem Stast, dem er angehört,.ausgestellt hat.  – Karl Fischer


Leserbrief zu “Türkische Abrissarbeiten” von Özlem Topçu

Die Türkei demontiert nicht. Im Zeichen des Terrors und der fast grenzlosen Armut ist es das einzig Richtige.

Die Träumer im Westen, besonders in Deutschland einschließlich ihres Autors, wollen unbedingt zuschauen, wie Europa immer weiter untergeht. Es gibt solche Spezis, die Neigung zum Sadismus haben.

Die tun gerade so als wenn wir im Paradies durch die westliche Demokratie leben. Die scheinen Immun gegenüber den chaotischen Zustände in unserem Land zu sein. Die wissen nicht wie der Alltag wirklich aussieht. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Was, wenn er doch Erfolg hat?“ von Kerstin Kohlenberg, Jörg Lau und Mark Schieritz

Jetzt ist Mr Trump im Amte – und Sie fragen am Donnerstag auf Seite 2: Was machen wir, wenn er Erfolg hat?

Diese Frage hat mich extrem verärgert. Es gibt da mehrere Ebenen. Egal wer regiert, es ist wirklich schwierig zu sagen, ob die Amtszeit am Ende ein Erfolg war. Obama wird in Deutschland sehr positiv gesehen, George W Bush sehr negativ  – das ist sicherlich zutreffend, aber hauptsächlich wegen der sehr zahlreichen Fehler und Fehleinschätzungen von George W. Obama hat selber nur sehr wenig hinbekommen. Sehr erstaunlich ist außerdem, dass trotz recht guter Wirtschaftsdaten die Wähler einen solchen Verrückten gewählt haben. So dolle war Obama für die Amerikaner also nicht.

Es gibt einfach nicht die Möglichkeit des Vergleichs: Was wäre wenn Hillary 4 Jahre Präsident gewesen wäre? Am Ende wird Trump seine persönliche Leistungsbilanz vorstellen – die wird sicher sehr speziell sein – die Anmerkungen zu den Zuschauerzahlen bei seiner Einführung lassen da Böses erahnen.

Somit stellt sich die Frage einfach nicht: Kann er Erfolg haben? Wir müssen klar machen, dass wir so wie er im Wahlkampf und nach der Wahl aufgetreten ist, keinen Erfolg haben wollen und auch kein Interesse an der näheren Zusammenarbeit haben. Ich habe schon vor Trump meiner Tochter die Fahrt in die USA untersagt – das Land ist einfach nicht sicher. Ich würde jetzt auch wirtschaftliche Investments dort als sehr riskant betrachten und davon eher absehen. Ich bin sehr verwundert, dass aus den Konzernzentralen nicht deutlicher Kontra kommt. Gestern abend bei Anne-Will war das ja in Ansätzen erkennbar. Hier noch einmal – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – eine Liste mit absoluten NoGos von Mr. Trump:

  • Beleidigungen aller Art – Minderheiten, Personen, andere Staatschefs
  • Wüste Drohungen gegen Gott und die Welt (Verschwörungen …) – Weigerung das Wahlergebnis anzuerkennen
  • Missachtung der Pressfreiheit (You are Fake News)
  • Ignoranz von Fakten – ich würde ihm glatt zutrauen, diese Tage in Frankfurt mit einem T Shirt rumzulaufen – hier muss es doch warm sein. Alternative Fakten halt
  • Missachtung des Grundsatzes Pacta sunt servanda – Reformen an der NATO mögen ja ihren Sinn haben, aber ich habe echt Angst um die Ukraine und das Baltikum. Putin ist kein Witz, sondern eine echte Gefahr
  • Beleidigung der Europäischen Union – „Weitere Austritte werden folgen“

In short: He does not stand for a Basis of constitutional attitude, based on freedom and democracy. Er steht eindeutig außerhalb unser freiheitlichen demokratischen Grundordnung und ist damit kein akzeptabler Gesprächs- und Verhandlungspartner. Im Gegenteil: Er macht sich über unsere Grundsätze lustig und missachtet sie – er ist daher eindeutig ein Feind. Ich wünsche mir, dass dieser Fakt von möglichst vielen klar benannt wird. Und um Missverständnisse zu vermeiden: Das gilt für den Präsidenten und – wahrscheinlich – auch für viele in seinem direkten Umfeld – aber das sind nur wenige Amerikaner. Der Feind ist er – nicht die USA.  – Stephan Siegel


Leserbrief zu „Der Demolierer“ von Josef Joffe

bei aller wertschätzung: kann es nicht vielleicht doch sein, dass josef joffe etwas übersieht, wenn er davon spricht, dass die globalisierung   -wie er meint-  märchenhaftern reichtum geschaffen hat, der den grosszügigen sozialstaat alimentiert üund verlierer abfedert ?

märchenhaft ist doch in erster linie nur der reichtum einiger ganz weniger. und dass der sozialstaat ausgerechnet als grosszügig zu bezeichnen wäre, dürfte denjenigen, die mit ihm wirklich zu tun haben wohl kaum einfallen.

in ihrem leitartikel wird aus meiner sicht gar zu behände daran ‚vorbei geschrieben‘, dass sich die grosse zahl der verlierer bei der verteilung des märchenhaften reichtums gewiss nicht gut berücksichtigt sieht, ganz abgesehen von denjenigen, die jedenfalls das vertrauen in einen funktionierenden sozialstaat längst verloren und durchaus berechtigt angst davor haben, auf ihn angewiesen zu sein  –  beide gruppen laufen deswegen den populisten in die arme. letztlich benennt trump genau diese probleme.

allerdings sind es probleme,  die er und seinesgleichen, insbesondere seine milliardärsminister, durch völlig ungebremste und  ungenierte raffgier in den jahrzehnten des globalen neoliberalismus mit heraufbeschworen haben. diese leute werden ganz bestimmt nicht dafür sorgen, dass sich  ihr reichtum auch nur ein bisschen weniger schnell noch weiter vergrössert. mit den sich andeutenden ‚rezepten‘ trumps wird das schon nichts,  mit dieser seiner mannschaft ohnehin nicht.

in einem hat josef joffe hat allerdings recht: trump wird fürchterlichen schaden anrichten können. hoffentlich kommt es doch anders  –  ich würde mich wirklich gerne eines besseren belehren lassen. – Achim Lotz


Leserbrief zu „Bis zum letzten Atemzug“ von Elisabeth Niejahr und Martin Spiewak

Der Artikel ist bösartig und, schlimmer noch, von einer niederschmetternden Ahnungslosigkeit. Keiner der Autoren hat je vor einem 53jährigen Familienvater mit Leukämie gesessen, der verständlicherweise nach jedem Strohhalm greift und bereit ist, ein Wagnis mit neuen Präparaten auf sich zu nehmen, statt in sechs Wochen von dieser Welt zu gehen – und wenn die Chance auf Heilung nur bei wenigen Prozent liegt. Wollen wir ihm diese „Geldverschwendung auf Kosten Todkranker“ vorenthalten? Wollen wir wirklich einer 49jährigen Patientin mit metastasiertem Brustkrebs, die nicht noch wenigstens drei oder vier Jahre ihre kleinen Kindern begleiten will und dafür bereit ist, auch erhebliche Nebenwirkungen durch Chemotherapien zu ertragen, die Behandlung mit dem Verweis aufs Geld verweigern? Ein schrecklicher Gedanke.

Die Autoren sind offenkundig überfordert, sich vorzustellen, das Nichtstun oft keine Alternative ist und der Krebstod leider meist kein friedliches, würdevolles Einschlafen (übrigens auch nicht mit Palliativmedizinern). Den Tod vor Augen, kann und muss man mitunter Risiken eingehen. Wer will es den Patienten und ihren Ärzten verdenken, neue Therapien zu versuchen, an Studien teilzunehmen?  Wer will in diesen existentiellen Situationen wissen oder gar festlegen, was „unnötig“ ist? Hinterher ist man immer schlauer. Dass es nur allzu menschlich ist, die Schuld für alles Leid den Therapien und den Behandlern zu geben, wenn es schief ging: geschenkt.

Stattdessen wird mit einer fragwürdigen Online-Umfrage (aus einem völlig anderen Kontext) suggeriert, dass unnötige Behandlungen Todkranker zur Hälfte aufgrund  „zusätzlicher Erlöse“ verordnet würden. Was für ein Unsinn. Kein einziges Wort zu den obszönen Preisen der Pharmaindustrie und der