‹ Alle Einträge

17. August 2017 – Ausgabe 34

 

Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Titel wie Die Schuld der Mütter kann ich echt nicht mehr lesen. Der Einfachheit halber Eltern gegeneinander auszuspielen, auch nicht. Ich vermisse einen wesentlichen Aspekt in Ihrem Artikel – die Rolle der Gesellschaft und der Arbeitgeber. Denn es sind sich viele Paare einig was die wesentlichen Fragen in puncto Kinderbetreuung, Haushalt etc. betrifft. Nicht nur ich, auch viele andere Mütter haben schon mehrmals zu hören bekommen: Sie haben Kinder – schaffen Sie das? Dass diese Frage Vätern niemals gestellt wird, ist der eigentliche Punkt. Denn das Misstrauen, „es“ zu schaffen ist es, weshalb Männer ihre (oft besser bezahlten) Jobs behalten während Frauen zurückstecken (müssen) bzw. schlichtweg gekündigt werden. Vor allem in ohnehin prekären Berufen ist das leider gar nicht so selten, auch im Journalismus.  –  Marlene Gölz


Leserbrief zu „Wahnsinn mit Methode“ von Jochen Bittner et al.

Dass eine Zeitung mit dem Anspruch und dem Niveau wie die ZEIT im o.g. Artikel Puerto Rico mit Costa Rica verwechselt hat mich sehr verwundert, erstaunt und auch verärgert. Zeigt das doch nicht nur eine fehlende Sorgfalt in der Recherche und im Lektorat, sondern auch eine gewisse Arroganz gegenüber lateinamerikanischen Kleinstaaten.

Kennen die Autoren tatsächlich nicht den Unterschied zwischen der „Schweiz Mittelamerikas“ und der karibischen, mit den USA assoziierten Insel? Das wäre betrüblich. Das schlimme an solchen vermeintlich kleinen Fehlern aber ist, dass man sich als Leser fragt, wie viele Fehler es gibt, die man nicht findet. So wird die Zuverlässigkeit des Mediums immer mehr untergraben.

Gerade in Zeiten der angeblichen „Lügenpresse“ wünsche ich mir mehr Sorgfalt auch in Details. – Oliver Dütsch


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Unser Steuersystem geht davon aus, dass es gerecht ist, wenn starke Schultern mehr tragen , sprich höhere  Steuern zahlen als schwache Schultern. Wie es dazu kommt, dass der eine starke Schultern , der andere schwache Schulten hat, wird  unter dem Aspekt Gerechtigkeit leider nicht weiter hinterfragt. Das wird einfach als gegeben unterstellt. Nun werden starke Schultern zum Teil bereits in die Wiege gelegt und durch glückliche familiäre Umstände gefördert. In aller Regel  werden starke Schultern aber durch langjährigen engagierten Einsatz in Schule , Studium und Beruf gewonnen. Wer aus welchen Gründen auch immer keinen Schulabschluss und keine Ausbildung schafft, kann auf seinen schwachen Schultern natürlich weniger tragen  . So kommt es ,dass 10 Prozent der starken Schultern 50 Prozent der Einkommenssteuer aufbringen  und den schwachen Schultern überhaupt keine Einkommenssteuer abverlangt wird. Sie erhalten unter bestimmten Bedingungen stattdessen Zuwendungen von Seiten des Staates.

Mir erscheint das durchaus gerecht, wenn man nur auf die Tragfähigkeit der Schultern abstellt..

Ein gerechtes Steuersystem sollte allerdings auch darauf abzielen ,möglichst viele Bürger dazu zu motivieren , starke Schultern zu entwickeln. Es ist wie beim Sport : starke Schulter entwickeln sich nur durch engagierten Einsatz . Wenn dieser nicht gefordert  und geleistet wird und man auch ganz bequem ohne Einsatz über die Runden  kommt ,erschlaffen die Schultern. Die hohe Zahl von Menschen in unserer hochentwickelten Gesellschaft ohne schulische oder berufliche Abschlüsse und  die derzeit mehr als 6 Millionen Analphabeten in Deutschland lassen vermuten , dass für viele der Anreiz ,starke Schulter zu entwickeln ,nicht sonderlich ausgeprägt ist. Ein gerechtes Steuersystem sollte daher vor allem alle Maßnahmen fördern , die den Menschen dabei helfen ,eigenverantwortlich durch Bildung und engagierten Einsatz starke Muskeln zu bilden. – Dr. Roland Haselmann


Leserbrief zu „Auf der Spur der Insekten “ von Fritz Habekuss

Es besteht nicht der geringste Zweifel: Mit allen Insekten geht es seit Jahren bergab. Desgleichen mit der Vogelwelt. Die Netze der Spinnen bleiben leer. Die “ Silent nature“hat auch uns erreicht. – Manfred Schulz-Medem


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“, „Filterblase?“ von Tin Fischer und “ Wie faschistisch ist Amerika?“ von Christian Caryl

Nach sehr langer Zeit habe ich endlich geschafft, meine Tränendrüsen von eingefrorener Flüssigkeit zu befreien. Wie ein kleines Mädchen oder eine zu Gänze zerschmetterte Frau. Wenigstens ein Lebenszeichen und nicht ein kalter schlüpfriger Stein…

Ich wusste zwar, dass ich kein Talent für Wünsche habe, aber hilflos zuzusehen, wie einer nach dem anderen zersplittert und zum Scherben-Häufchen wird, ist kaum zu ertragen.

Alle alten Bildern sind plötzlich lebendig geworden und liefen vor den Augen, wie in einem Film:

Mein Besuch bei Martha Argerich  (große Idolin seit der Schulzeit), VorführunVorführung eigener Ideen – im Wort und Tanz;g eigener Ideen;  ihr Interesse an Schirmherrschaft und Bereitschaft, an diesem Projekt baktiv mitzuwirken;mitzuwirken; freudige Reaktion ihres EMI-Agenten, der die Finanzierung gleich zugesagt hatte… Dann – Briefwechsel, weit fortgeschrittene Gespräche über Termine, Orchester, Dirigenten, andere Teilnehmer, über Honorare… Das Letztere ist mit Hilfe eines befreundeten SN- Musikkritikers gelaufen…

Mit dem plötzlichen Tod von Jürgen Grant (oder Grand?) war alles begraben und konnte nicht reanimiert werden – trotzt Interesse bzw. Begeisterung vieler Mächtigen.

So abgeschwächt, wie ich derzeit bin, darf an solche Dimensionen nicht einmal denken, aber wenigstens wünschte ich mir, dass ich DIE ZEIT und Hamburg mit meinen Traumbildern anstecken kann.

Für irgendwann… wenn ich mich erholt habe. Es gibt ja dort Neumeier-Ballett und sicherlich andere aufregende Kontakte zu aufregenden Künstlern.

Eine Stunde vor Abreise hat mich meinsich Gelegenheit ergab,(wusste gar nicht, dass er noch in mir lebt!) ins Museum für Kunst und Gewerbe geführt, wo sich eine Gelegenheit ergab. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Dem Tenor von Rudi Novotnys Artikel ‚Die Schuld der Mütter‘ kann ich als Männer- und Vätertherapeut nur zustimmen: zu der Retraditionalisierung von Partnerschaften, nachdem ein Kind geboren wurde, tragen beide Geschlechter bei. Neben dem schnöden Mammon – Stichwort Gender Pay Gap – spielen die Vorstellungen von Männern und Frauen eine Rolle, dass Mütter in der Betreuung von Säuglingen und Kleinkindern kompetenter sind. Wofür es in der Bindungsforschung keine belastbaren Belege gibt.

Retraditionalisierung hat – wie auch in dem Artikel von Novotny – ein schlechtes Image. Warum eigentlich? Im Vordergrund muss in den Familien doch erst einmal das Wohl der Kinder sein. Und denen scheint es doch erst einmal gut zu gehen und piepegal zu sein, wer mehr zuhause bleibt. Wenn ein Paar unter Berücksichtigung sämtlicher Vor- und Nachteile ein traditionelles Familienmodell lebt, dann finde ich diese Entscheidung nicht fragwürdiger, als wenn die Familienverantwortung von beiden Elternteilen gleich geschultert wird. Oder meinetwegen die Mütter ihrer Karriere nachgehen und die Väter sich mehr um die Kinder kümmern. – Johannes Vennen


Leserbrief zu „Sind Sie in Wahrheit konservativ?“ von Marc Brost und Stefan Schirmer

Den Ströbele,unseren  Kreuzberger Ströbele als (wenn auch unbeugsamen)Spiesser zu bezeichnen,führt natürlich zu der Frage, woran  Sie einen Spiesser erkennen? Am Marmeladekochen ,am Backen von Christstollen,an der Unzufriedenheit mit dem Establishment,oder an was?

Noch besser  als eine  z.B.(im Fall Ströbele) an  Widersprüchen scheiternde  Erklärung zu liefern, wäre  es schon,wenn Sie sich schlicht und einfach bei ihm und seinen Wählern und seinen  Nicht-Wählern entschuldigen würden. – Hans-Georg v.Bechtolsheim


Leserbrief zu „Hohle Worte“ von Caterina Lobenstein

Danke für Ihre sehr guten “hohlen Worte” und für das Aufzeigen, dass zu wenig getan wird.  Bei der Bekämpfung der Fluchtursachen (hauptsächlich Armut) und für die Entstehung von mehr Wohlstand und Sicherheit geht die von Karlheinz Böhm gegründete  Organisation Menschen für Menschen schon seit vielen Jahren einen prak- tischen Weg: in  ausgesuchten, armen Gebieten in Äthiopien, werden die Menschen unterstützt (Hilfe zur Selbsthilfe), durch die Anlage von Feldern (Saatgut, Gemüsepflanzen, Obstbäume), Aufzucht von Nutztieren (Hühner, Schafen), großflächige  Aufforstungsprojekte,  Bewässerungsanlagen (Brunnenbau, Quellfassungen, Wasserreservoirs),  Kredite für Frauen, um sich selbst durch wirtschaftliche  Maßnahmen ihr Leben  zum Positiven zu verändern.

Diese Maßnahmen und auch der Bau von Schulen (Grundschulen, Mittelschulen,  Landwirtschaftliche Kurse), Gesundheitseinrichtungen (Augenoperationen, Impfungen, Zugang zu Verhütungsmitteln etc.)  greifen ineinander, damit eine langfristige Wirkung erzielt wird und sich eine Region als gesamtes entwickelt.  So brauchen die Menschen ihre Heimat nicht zu verlassen und können  sich selbst ihre Lebensgrundlage nachhaltig verbessern. – Otto W. Beuchert


Leserbrief zu „Bloß keine Quote“ von Kolja Rudzio

Die von Herrn Schulz geforderten Innovationen für die Umstellung von Verbrennungs- auf E-Motoren finden, wie alle innovativen Ideen, nicht in wahlpolitisch orientierten Reden statt sondern im stillen Kämmerlein.  Nachweislich realistische Konzepte , die man Verbänden, Experten, Umweltorganisationen und diversen Parteien macht, werden entweder garnicht beantwortet oder lapidar mit einem Dankeschön für das große Engagement, der Betonung der Nichtzuständigkeit und einem Leitsatz aus der Organisationsstrategie hochtrabend beendet. Wieder andere verweisen auf ein Buch zu dem Thema, aus dem man weitere  Infos aus ihrer Arbeit entnehmen könnte.

Wir, zwei verrentete Dipl. Ingenieure aus der Raumfahrttechnik, wollten ohne Geldforderungen, lediglich aus moralischen und ethischen Gründen der Nachwelt einen Weg hin zum E-Mobil aufzeigen. Einen sofort möglichen Übergang, mit wenig Aufwand und unter Ausnutzung aller schon vorhandenen und praktizierten Techniken vorweisen, um nicht 20 – 30 Jahre lang hehre Ziele kontinuierlich zu verfehlen. Und dies ist möglich. Man muss es nur wollen!  Und gerade daran scheint es zu hapern. Eine intakte Umwelt geht eben nicht konform mit gewinnmaximiertem Machtgehabe.

Uns beiden, deren Restlebenserwartung eher gering ist, sollte das eigentlich egal sein. Im Hinblick auf die folgenden Generationen ist das aber für uns nicht tragbar.  Die anhängende kurze Vorteils-Darstellung des empfohlenen Antriebssystems zeigt einiges auf. Ob sich dafür noch jemand ehrlich zur Umsetzung interessiert? Unsere kompetente Unterstützung könnten wir demjenigen garantieren. – Klaus Kaeser


Leserbrief zu „Die privaten Krankenversicherungen nutzen Patienten als Versuchskaninchen“ von Jan Schweitzer

Der kleine Gesinnungsaufsatz von Herrn Schweitzer würde vermutlich anders klingen, wenn er – wie ich – in der eigenen Familie den Fall miterlebt hätte, dass viele Oberärzte ratlos waren und nur der Chefarzt die richtige Diagnose einer extrem seltenen Erkrankung fand – die ohne seinen Einsatz tödlich verlaufen wäre.

Wer dann noch die innovativen Medikamente betrachtet, denen der Gemeinsame Bundesausschuss einen beträchtlichen Zusatznutzen bescheinigt, würde feststellen, dass dort die Privatversicherten ebenfalls von Anfang an den Nutzen hatten, die gesetzliche Krankenversicherung hingegen erst nach langwierigen Bewilligungsprozeduren den Weg auch für ihre Versicherten geöffnet hat.

Und wer zudem die Tatsache zur Kenntnis nimmt, dass in der Gesetzlichen Krankenversicherung die Beiträge insgesamt pro Kopf von 2007 bis 2017 pro Jahr um 3,2% gestiegen sind, in der Privaten aber nur um 3,0 %, der kommt am Ende zu anderen Ergebnissen als Herr Schweitzer. Dass er im Krankheitsfall und bei Schmerzen lieber nicht zum Arzt geht, lieber keine Diagnostik nutzt und lieber kein Medikament nehmen möchte, ist sein gutes Recht. Ob es ein guter Ratgeber für andere Patienten ist, sei dahingestellt. – Stefan Reker


Leserbrief zu „Hohle Worte“ von Caterina Lobenstein

Für Ihre Autorin lautet die zentrale Frage bezüglich der Flüchtlingsproblematik, ob sich die Europäer an ihr Versprechen halten, Afrika bei der Bekämpfung der Fluchtursachen zu unterstützen. „Tun sie genug dafür, dass dort mehr Sicherheit, mehr Frieden und mehr Wohlstand entstehen können?“ De facto geht es in erster Linie um Letzteres, da der überwiegende Teil der sogenannten Flüchtlinge aus Wirtschaftsflüchtlingen besteht. Die These, den Migrationsdruck durch die Entwicklung der Herkunftsländer zu verringern, klingt gut, ist aber unrealistisch, denn Entwicklung lässt sich nicht einfach durch externe Leistungen herstellen.

Dies ist eine bittere Erkenntnis nach über 50 Jahren internationaler Entwicklungshilfe. Falls jedoch tatsächlich eine relevante Verbesserung der wirtschaftlichen und politischen Situation in den „armen“ Ländern eintreten würde, könnte dies paradoxerweise dazu führen, dass die Migration in die „reichen“ Länder sogar noch zunimmt, weil die Zahl der mobilitätswilligen und -fähigen Personen dadurch steigen würde. Ein beträchtliches Wohlstandsgefälle würde nämlich nach wie vor noch lange bestehen bleiben – mit dem Unterschied, dass es nun viel mehr Personen geben würde, die in der Lage wären, 5000 oder 10 000 Dollar für die Schlepper aufzuwenden. Eine Erhöhung der Entwicklungshilfe hätte also kaum einen Effekt auf die Reduzierung des bestehenden Migrationsdrucks.

Andererseits hätte auch eine Kürzung der Entwicklungshilfe kaum einen Effekt. Mit einer solchen Drohung wollen die Industrieländer bestimmte Entwicklungsländer zu „good governance“ bewegen. Die Kürzung der Entwicklungshilfe ist jedoch ein ganz stumpfes Schwert. Viel effektiver wäre die Drohung, illegal erworbene Vermögenswerte der sogenannten Eliten der armen Länder zu konfiszieren. Diese befinden sich nämlich zum größten Teil in Bankschließfächern westlicher Länder. Im Übrigen erkennt man im betreffenden Artikel einmal mehr eine gewisse Unwilligkeit, das Problem zu Ende zu denken. Nach einer zurückhaltenden Schätzung darf man wohl annehmen, dass mindestens 2 Milliarden von den derzeit über 7 Milliarden Menschen gerne in Deutschland leben würden.

Anhand solcher Größenordnungen zeigt sich die Kurzsichtigkeit der gegenwärtigen Debatte. Unter diesem Aspekt klingt es auch sonderbar, wenn die Autorin fordert, Europa solle die legale Zuwanderung erleichtern, um weniger illegale Migranten zu bekommen. Realistischerweise würde Europa in diesem Fall mehr legale Zuwanderer bekommen, aber genauso viele illegale wie bisher. Was in diesem Artikel überraschenderweise gefehlt hat, war der beliebte Hinweis auf die „europäischen Werte“. Hierzu eine kurze Anmerkung: Die Befürworter einer anhaltenden Armutszuwanderung nach Europa haben die europäischen Werte nicht gepachtet. Man kann das nämlich auch ganz anders sehen: Mit der anhaltenden Armutswanderung werden die europäischen Werte nicht verteidigt, sondern im Gegenteil gefährdet.

Falls die derzeitige Entwicklung nicht bald und entschieden in eine andere Richtung gelenkt wird, wird Vieles von dem, was unsere Vorfahren unter großen Mühen und Entbehrungen erkämpft und aufgebaut haben, dauerhaft geschädigt. Dies betrifft unsere sozialen Errungenschaften (z. B. die Gleichberechtigung der Frau, die Wahlfreiheit bezüglich des Ehepartners, die religiöse Toleranz, die Trennung zwischen Staat und Kirche, die hohen Ausbildungsstandards, die Arbeitsethik, das Sozialversicherungssystem u.a.m.), unsere kulturellen Traditionen, unsere Lebensweise, unsere Lebensqualität und letztlich auch unsere nationale Identität. Für ein humanitäres bzw. entwicklungspolitisches Engagement Europas bzw. Deutschlands bleibt trotzdem viel Raum, aber dieses sollte nach einer vernünftigen Abwägung aller relevanten Aspekte erfolgen und nicht durch externe Erpressung sowie interne Selbstbindung zustande kommen. – Dr. Manfred W. von Glehn


Leserbrief zu „Hohle Worte“ von Caterina Lobenstein

Wenn wir hier viele einfache Jobs für Afrikaner schaffen, kommt nach zehn Jahren der Soziologe und untersucht das Einkommensgefälle zwischen weiß und schwarz. Ergebnis: Dieses Land ist rassistisch (s. USA)!

Man kann nur jemandem helfen, der sich auch helfen lassen will und nicht bei jeder vorgeschlagenen Maßnahme (z.B. Kinderreichtum) „Kolonialismus“ schreit. – Werner Koetz


Leserbrief zur Grafik: „Trinkwasser“ von Matthias Schütte und Ricarda Richter

Interessant fand ich eure ZEIT Grafik zum Thema Trinkwasser.

Ich wohne in Berlin und trinke viel Leitungswasser, das sich hier häufig geschmacklich von Leitung zu Leitung unterscheidet. Daher muss ich oft an die Schadstoffbelastung durch die häufig uhralten Leitungen denken. Trotzdem fühlt das Leitungswasser sich für mich gesünder an als Wasser aus PET-Flaschen, das zusätzlich durch Weichmacher aus dem Plastik verunreinigt wird und man nichts über das Ausmaß der schädlichen Folgen für den Körper weiß.

Schade, dass diese Aspekte nicht in der Grafik auftauchen.  – Paul Auer


Leserbrief zu „Geht’s hier zur 1b?“ von Anna von Münchhausen

Ihre Geschichte vom ersten Schultag  hat mich gefreut. Mein Mann – Jahrgang 1952 – erzählt ähnliches. Seine Mutter, verwitwet auf einem kleinen Bauernhof im Schwäbischen, vorne und hinten kein Geld, viel Arbeit –  und keine Zeit, den jüngsten Sohn beim ersten Schultag zu begleiten (zu Fuß) „Mama wir müssen gehen“ „Ja ja ich komm gleich“. Worauf der Kleine allein losmarschierte. Aber nicht nur einen kurzen Weg: nein, etwa fünf Kilometer bis zum nächsten Ort, in dem sich die Dorfschule befand. Nachdem alle Kinder aufgerufen waren und er übrig blieb, fragte man ihn nach dem Namen und wo seine Mutter sei: “Dia hot koi Zeit ghet“….

Das Kind hat durch dieses Erlebnis keine traumatischen Schäden davongetragen. Es war für ihn vermutlich völlig normal und hat die Selbständigkeit bestimmt gefördert. – Elvira Kösler


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Frau Nienhaus ist eine sehr erfahrene Journalistin, der  anlässlich ihrer Steuererklärung ( Kunstgriff,  oder macht Sie sie wirklich selbst?) sowie den bohrenden Kinderfragen“der Kragen platzte“ und sie nicht nur mit viel Sachkenntnis, sondern mit elegantem Fluss Herrn Schäuble allgemein verständlich die Leviten las.

Und was mach unser fähiger Finanzminister? Wider Erwartung enttäuscht er. Er lässt (?)  ihr so staubtrocken – dann auch nur auf einiges – antworten, dass man das meiste zum Verstehen 2-3 mal lesen muss, ehe  es auch beim Hartz-VI-Empfänger  eingeht. Man sollte doch meinen, dass er in so einem riesigen Ministerium über jemanden verfügt, der auch flüssig und allgemeinverständlich dem geschröpften  Volk im Lutherjahr „aufs Maul schauend“ gutes  Deutsch kann und  fast alle  Anmerkungen ebenso eingänglich erklärt wie sie gestellt wurden. .

Das Enttäuschendste sind seine Ansichten, dass die Wirkungen seiner Maßnahmen erst einsetzten WERDEN bzw. nach der Wahl durchgeführt werden SOLLEN, wenn, ja wenn diese Regierung wieder gewählt wird. – Claus Richter-Haffelder


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Mit einem Taschenrechner für Prozentrechnung und wenigen Kenntnissen zur Aufstellung einer Cash-Flow-Bilanz als Einnahme-Überschuss-Rechnung lässt sich sehr schnell darstellen, wo die Probleme zu finden sind. Das Steueraufkommen ist zwar ungerecht, aber nicht das eigentliche Ursache der Schieflage unseres Gemeinwesens. Lassen Sie uns rechnen:

Eine Torte als Leitmotiv, dem gilt es zu folgen, schließlich kann man nicht mehr als 100% vom Kuchen verteilen. Was wird aufgeteilt? Es ist der „Gewinn aus Arbeit und Vermögen zu Marktpreisen“ – bei Ökonomen bekannt als BIP. Es geht um die Netto-Verteilung des Brutto-„Kuchens“ am Beispiel des Jahres 2014. (siehe beigefügte Cash-flow-Tabelle)

Addiert man die Brutto-Einnahmen von Subventionen, Steuerquote, Sozialbudget, Lohnsumme, Unternehmergewinn sowie Kapitalertrag jeweils in %BIP, kommt man zu einer „Kuchenverteilung“ von 187% BIP. Das kann nicht sein. Diese Einnahmen haben untereinander Schnittmengen als Abgaben ohne marktwirtschaftliche Kaufkraft.

Was bleibt für „Vater Staat“? 88% seiner Brutto-Einnahmen muss er abgeben, 68% allein an das Sozialbudget. Für 12% unserer aller Steuer-Zahlungen kann der Staat in unserer sog. Marktwirtschaft „einkaufen gehen“. Der Staat ist arm – ihm bleibt heute kaum Netto vom Brutto. 1960 lag die Netto-Steuer-Quote noch bei 15% BIP in 2014 bei 2-3% BIP. Merkt das niemand?

Ähnlich verhält es sich beim Sozialbudget. Alle Sozialgeld-Empfänger zahlen beim Einkauf 8% indirekte Steuern und 23% Kapitalrendite im Marktpreis. Sozial Bedürftige machen Kapitaleigner reich und geben an den Staat Steuern zurück, die vorher als Zuwendungen empfangen wurden. Sozialgelder haben ca. 30% Abgaben, das Sozial-Budget wird um 260 Mrd. €uro p.a. am Markt „erleichtert“ ohne eine Ggenleistung, es beträgt Netto 20,6% BIP.

Die Brutto-Lohnsumme hat kein anderes Schicksal. Zwar bekommen alle abhängig Beschäftigten ca. 50% brutto vom Kuchen, zahlen Steuern und Sozialabgaben, doch der Kapitalertragsanteil in den Marktpreisen wird – wie auch in Ihrem Artikel – gern als Abgabeform vergessen. Mit diesen Beträgen (in 2014 6,6 % BIP oder 190 Mrd. €uro) gehen bekanntlich andere einkaufen. Über 60% der Brutto-Lohnsumme (nicht etwa 50%) sind Abgaben, die Netto-Lohnsumme liegt mittlerweile auf Höhe des Sozialbudgets.

Der Brutto-Unternehmer-Lohn ist von Sozial-Lasten befreit, zahlt direkte wie indirekte Steuern und ebenso Kapitalrendite im Marktpreis. Ihm bleiben nach 36% Abgaben noch 64% netto vom Brutto.

Gewinn aus Arbeit und Vermögen zu Marktpreisen, so das BIP. Wie hoch ist der Vermögensertrag aus dem BIP über die Marktpreise? Netto ca. ein Viertel vom „Kuchen“. Die Renten-Extraktion der Kapitaleigner hinterlässt ein armes Gemeinwesen.

Ohne Arbeit gibt es in Deutschland Sozialleistungen für Viele, aber auch Kapitalertrag für Wenige, zusammen knapp die Hälfte des Gesamt-Kuchens. Ist das gerecht?

Die Cash-Flow-Bilanz hat jetzt unter rechts 100% „Kuchen“ stehen.Sozialabgaben zahlen Kapitaldienst, Kapitalertrag aber ist befreit von jeder Sozialpflicht. Die abhängige Arbeit zusammen mit dem Staat schultert die Sozial-Last allein, während rent-seeking das Gemeinwesen langsam zum Einsturz bringt. Staat und Sozialordnung sind in Gefahr. So sieht es mein Taschenrechner.  – Dr. med. Dieter Petschow


Leserbrief zu „Reichweiten und so“ von Susanne Mayer

Sie schreiben: „Kavalier ist rechts von der Lady gehen, …“.

Offenbar hatten Sie lange keine Begegnung mit einem Kavalier mehr; sonst wüßten Sie, daß er natürlich normalerweise links geht, siehe auch http://www.knigge.de/themen/gesellschaft/an-der-seite-der-dame-gehen-11548.htm

Dort sind auch verschiedene Gründe genannt, vor allem der bessere Zugang zur Waffe. Meine perönliche Theorie fußt auf der Tatsache, daß Frauen links knöpfen (sieh auch Jürnjakob Swehn:

„das ist eine ganz andere Nation, die wo links knöpft“) und damit der links gehende Kavalier leichteren Zugang zum Busen der Dame hat.

Sie können mich jetzt „male chauvinist pig“ nennen, obwohl ich mich als Feminist verstehe, oder „dirty old man“ womit Sie – zumindest was das Alter betrifft – recht hätten. – Prof. Dr. Ulrich Lauthe


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Wolfgang Schäuble war und bleibt der ewige nibelungentreue Vollstrecker seiner Herren und Herrinnen. Was vorher noch eine lawinenartige Bedrohung war, ist nun nur eine normale demografische Entwicklung. Ich wette, die Erklärung, warum nach der Wahl keine Entlastung möglich ist, wird schon vorbereitet. – Gerhard Reinelt


Leserbrief zu „Von Bienen und Blumen“ von Petra Pinzler

Ich habe auch festgestellt, dass Insekten immer weniger werden. Ich lebe in der Eifel, und zwar in 52152 Simmerath-Rurberg. Das ist am schönen Rursee.

Vor ein paar Jahren noch war meine Terrasse voll von Hummeln und Wildbienen, ab und zu sogar ein Taubenschwänzchen. Diesen Sommer habe ich nur einige Hummeln gesehen und wenige Bienen. Und das, obwohl ich nach wie vor Wildpflanzen und Angebote für Wildbienen auf der Terrasse habe.

Von Schmetterlingen will ich gar nicht mehr reden. Das macht mich traurig und wütend. Als ich vor vielen Jahren in diese Gegend kam, gab es noch Lerchen und Kiebitze und Kleiber – heute sind sie verschwunden. Aber bleiben wir bei Insekten. Ich lebe zur Miete in einem Mehrfamilienhaus und kann daher leider keine eigenen Honigbienen halten. Wenn alll die kleinen Tiere, die so wichtig sind, nach und nach verschwinden, geht es auch der überheblichen Menschheit an den Kragen. Es ist ein Trauerspiel. Es ist alles bekannt, aber die Politik wird vermutlich von den Lobbys geschmiert. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum nicht sofort andere Wege in der Landwirtschaft eingeschlagen werden. Ich sage nur Glyphosat und andere chemische Mittel.

Ich danke für Ihren Artikel – hoffentlich lesen diesen auch die entsprechenden Menschen.

Ich bin Witwe, 67 Jahre alt, keine Kinder, seit 01.03.2015 in Rente. Ich habe nie damit gerechnet,  was aus diesem Lande geworden ist. Ich bin sehr enttäuscht und wütend.

Und ich bin froh, dass ich so alt bin. Ich bedauere alle die nach uns kommen. Wir hinterlassen ihnen eine kaputte Erde, die uns eines Tages vernichten wird. – Undine Mix-Falter


Leserbrief zu „Hohle Worte“ von Caterina Lobenstein

Genau diese Art von Artikel ist DIE Steilvorlage für Feinde der Demokratie.

Selbst der Bundespräsident hatte gesagt, dass Deutschland die Massen von Flüchtlingen nicht bewältigen kann. Aber: sobald man entsprechende Maßnahmen zur Begrenzung betreibt, ist man „böse“ oder sogar ein Rechtspopulist. Es soll konsequent abgeschoben werden, aber doch nicht dieser Einzalfall oder dieses Land. Es soll die Sicherheit in Afrika erhöht werden, aber doch nicht mit Polizei, Militär oder Grenzsicherung. Es soll Arbeitsmigration ermöglicht werden, aber doch bitte nur mit Spitzenkräften, die den Entwicklungsländern damit entzogen werden. Interessierte Unternehmerkreise verweisen gerne auf den Fachkräftemangel. Wieviele Flüchtlinge haben sie zwei Jahre nach der ersten Welle eingestellt, 10%, 5%? Nein, so gut wie keine. Ach ja, wegen des Sprachproblems. Können die zigtausend „billigen“ Bulgaren, Rumänen und Polen alle gut Deutsch? Und nun wird die Arbeitsvermittlung in Tunesien wiederbelebt. Und Europa ist immer noch die Ausgeburt des Egoismus und der Ausgrenzung. Wie viele Flüchtlinge, z.B. aus Syrien, haben denn Saudi-Arabien, Iran oder Katar aufgenommen?

Frau Lobenstein verliert offensichtlich den Überblick und schaftt damit sogar „böse Gefühle“ gegenüber Afrika. Das haben die Afrikaner nicht verdient, insbesondere weil Deutschland (eben nicht Europa) bereits sehr viel tut. – Peter Helbig


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Eigentlich haben Sie Herrn Schäuble ganz verständliche Fragen gestellt. Er hat sie leider nicht beantwortet. Wahrscheinlich hat er einen Bot, der das erledigt. Ja ja die Mütterrente und die Eigenheimförderung. Neues aus Oggersheim. Viel Wiederspruch hat er ja nicht zu erwarten. Kostenlose Kitas für Alle z.B. , gehts noch doofer? Was nix kostet ist nix wert. Ich rede viel mit meinem Sohn, der heuer zum ersten Mal wählen kann. Ich habe ihn glaube ich überzeugt, dass es wichtig ist zu wählen und das man  taktisch denken muss. Laut Wahl o Mat müsste er die MLDP wählen. Aber so doof ist er nicht mehr. Hätte er schon mit 16 wählen dürfen , wie das manche SPD Heinis möchten, hätte er es sicher getan. Ich (65) werde wohl zum ersten Mal nicht wählen. Das war noch nicht mal elegant, wie Herr Schäuble Ihrer Mehrwertsteuer – Thematik ausgewichen ist. (Deswegen tippe ich auf Bot).

„Zumal gerade bei Mehrwertsteuersenkungen immer von Experten in Zweifel gezogen wird ….. „, kann man dieses Gelaber noch ertragen? Jede Partei hat ihr Klientel, bloß die arbeitende nicht besitzende Bevölkerung hat keine Partei. Antidemokraten wie AFD und Linke bieten sich da auch nicht an. Die DGB Gewerkschaften werden immer gelber. Je nach Sparte vertreten sie Braunkohletagebau , Dieselmotoren, Atomkraft, Gentechnik, Rüstung, etc. . 19 % MwSt sind nicht nur unmoralisch. (Im Mittelalter gab es den Zehnten) sie sind ein Förderprogramm für Schwarzarbeit und verhindern wirtschaftliche Entwicklung von unten.

Diese Steuer auf Arbeit und aberwitzige Krankenkassenforderungen  nehmen jungem  Nachwuchs -Unternehmerinnen  den Mut.  19% MwSt sind auch ein Komplott. Unternehmen können sie nämlich untereinander ausgleichen. Die Gemüsekäuferin am Ende der Nahrungskette kann das nicht mehr. Macht nix die kriegt dann später eine Mütterrente. – Ossi Baumeister


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Die Antwort von Herrn Schäuble hatte ich erst in der nächsten Ausgabe erwartet.  Seine Antwort ist genauso ausgefallen wie ich es vermutet habe. Nichtsagend!

Verehrte Redaktion, dieser Beitrag von Ihrer Autorin Lisa Nienhaus werde ich als Flugblatt unter die Leute bringen. Wenn Ihre Autorin damit einverstanden ist. Ich denke auch an Schulen, damit die Kinder und Jugendliche frühzeitig ein empfinden dafür bekommen. Ich erinnere auch an den Professor Kirchhoff aus Karlsruhe, der von der Politik nur verhöhnt wurde. Er hatte akribisch unser Steuersystem untersucht und ist zu dem Entschluss gekommen, daß ein Steuersatz über alles von 25% für den Staat  ausreichend ist.  Das war völlig neu für die Politiker. Die haben gar nicht selbst gerechnet. Weil es nicht sein konnte, dass  die Steuer auch gesenkt werden könnte.

Die Sprache kannten sie bisher nicht. Der arme Herr Kirchhoff wurde sofort aus dem Dunstkreis der Politik entfernt. Und die Steuerzahler haben das auch kaum zur Kenntnis genommen. Die Politik hat es sogar geschafft, die heutige Generation zur Hörigkeit zu erziehen. Auf die Antwort von Herrn Schäuble bin ich gar nicht scharf, weil ich in etwa weiß was er antwortet – wenn er antwortet . Herr Schäuble ist fast sein ganzes Leben ein Bilderbuch-Beamter gewesen, der wird sich immer schwer tun anders zu denken. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Die zehn Ungerechtigkeitenvon“ von Mark Schieritz und Doreen Borsutzki

„Der Spitzensteuersatz greift zu frueh“

Sie schreiben, der Spitzensatz der Einkommensteuer gelte ab 54.000 Euro pro Jahr, dem eineinhalbfachen Durchschnittsgehalt. 1975 habe die Schwelle beim sechsfachen Durchschnittseinkommen gelegen. Tatsaechlich gilt seit einem Jahzehnt erst ab etwa einer Viertelmillion der Spitzensatz von 45 Prozent.

Das ist etwa der siebenfache Durchschnittslohn und schwerlich von Facharbeitern zu erreichen. Viel besser als dieser Artikel ist der offene Brief von Lisa Nienhaus an den Bundesfinanzminister. – Dietrich Stauffer


Leserbrief zu „Bloß keine Quote“ von Kolja Rudzio

Die ZEIT ist wunderbar, aber „Bloß keine Quote“ ist so ziemlich das Dümmste, das ich je gelesen habe. Um nur 1 Punkt aufzuführen: Brennstoffzellenautos sind _natürlich_ E-Autos. Was sonst? – Heinz Nabielek


Leserbrief zu „Meine Freunde am Ende der Welt“ von Moritz Kuhlmann

Ich möchte Ihnen gerne bestätigen, daß ich Ihren Bericht über „Ihre Lehrzeit“ bei den Roma in Siebenbürgen mit großem Interesse gelesen haben. Ich Bestätige gerne, daß mich  einige Schilderungen  sehr berührt haben.

Als sog. „Pate im Ehrenamt“ hatte ich nach dem bekannten Termin Sept. 2015 für kurze Zeit  wenige Roma/Sinti aus dem Kosovo in meinem Deutsch- Anschub-Unterricht. Sie waren  dann aber mit Albanern, Mazedoniern die ersten, die in ihre Heimat zurückkehren mussten, um eben Platz für die vielen Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, aus Eritrea oder Somalia zu machen.  – Hartmut Wagener


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Sie haben es Herrn Schäuble zu leicht gemacht. Die Ungerechtigkeit der Staatsbelastung von Einkommen ist größer als Ihr Artikel glauben macht. Ihre Zahlen zur Belastung des Durchschnittslohns sind zu niedrig, wenn Sie (was Sie richtigerweise tun) den ArbG- Abteil der Soz.-Abgaben mit einbeziehen. Auf den Durchschnitts-Bruttolohn bezogen, erreichen dann die Staatsabgaben hier schon über 55%, etwas darüber erreichen sie ca. 60%.

Das bedeutet: Ein Lohnempfänger hat auf jeden hart erarbeiteten Euro bis zu 60% Staatsabgaben zu leisten, während jemand, der wesentlich leichter sein Geld verdient (Großverdiener, Politiker, Spitzenbeamte, Kapitalanleger) seine Staatsabgaben auf jeden verdienten Euro auf bis zu ca. 30% (durch Wegfall der Soz.-Abgaben und steigenden Anteil an Kapitalerträgen!) senken kann.  – Volkhard Ehlert


Leserbrief zu „Von Bienen und Blumen“ von Petra Pinzler

Schon vor 55 Jahren kaufte ich 30 Bücher von Rachel Carson`s „Silent Spring“ und verschickte sie an 30 deutsche Freunde und Bekannte als Weihnachtsgeschenk. Das Interesse war gleich Null – so wie heutzutage – denn ich erhielt nicht einmal ein einziges „Dankeschön“! – Angela L. Münemann


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Auch wenn dieser Artikel sehr polemisch ist und nicht die Realität abbildet reizt mich ein Satz absolut zum Widerspruch, auch wenn er in diesem Fall nicht im Zusammenhang steht mit dem Thema des Artikels.

„Als ob in den vergangenen Jahren nichts passiert wäre… kein Rechtsanspruch auf Kita-Plätze…“

Vielleicht sollten Sie einen Artikel schreiben über die Realität. Ich betreue eine junge alleinerziehende Flüchtlingsfrau aus Afghanistan, die eine Ausbildung als Altenpflegehelferin machen möchte, wenn – ja, WENN es denn Betreuung gäbe für ihre 3 Mädchen.

Die Kleine darf nur 6 Stunden in den Kindergarten. Die 6jährige und 11jährige haben keinen Hortplatz, weil sie nicht 18 Monate vorher angemeldet waren. Damals war ihr Aufenthaltsstatus noch gar nicht geklärt. Eine Altenpflegehelferin arbeitet Schicht. Sie braucht diese Plätze zwingend. So wird die Mutter weiter und dauerhaft bzw. zumindest langfristig in Hartz IV gezwungen.

Aber auch junge deutschen Müttern geht es nicht besser. Ihnen kürzt man Hartz-IV-Bezüge unter Hinweis auf Elterngeld und Kindergeld, das gezahlt wird, bevor es überhaupt eine Geburtsurkunde gibt! Ohne Geburtsurkunde kein Kindergeld, kein Elterngeld – aber die Bezüge gekürzt.

Es wird Zeit, dass dem Behördenunfug mit mindestens 3 Zuständigkeiten,manchmal 4-5,  ein Ende bereitet wird.

Eine junge Mutter muss

  • zur Krankenkasse wegen Mutterschaftsgeld
  • zur Landesbank wegen Elterngeld
  • zur Familienkasse wegen Kindergeld
  • zum Jobcenter wegen Hartz IV
  • zum Jugendamt wegen Leistungen für Bildung und Teilhabe
  • zur weiteren Stelle des Jugendamtes wegen Unterhaltsvorschuss

Begleiten Sie einmal eine junge alleinstehende Mutter!

http://www.spiegel.de/karriere/urteil-vom-bundesgerichtshof-zu-kita-platz-anspruch-was-heisst-das-jetzt-a-1117587.html

„Prinzipiell“ gibt es diesen Anspruch – aber die Gemeinden sind fein raus, denn er ist nicht umsetzbar, weil es nicht ihre Schuld ist, wenn es keine Erzieher gibt. Und das ist ein unumstößlicher Fakt.

Aber von all dem höre ich nichts im Wahlkampf. – Christa Zemke


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Bei so einem schwachen Protestbrief antwortete der Finanzminister bestimmt gern. Schäubles (Wahl)versprechen des Abbaus des Mittelstandsbauchs adressiert das Gerechtigkeitsproblem besser als Nienhaus‘ Forderung nach der Absenkung der Mehrwertsteuer (deren Einkünfte tatsächlich zur Bekämpfung von Altersarmut gebraucht würden). Interessant wird nur, ob Schäuble sein Versprechen einlöst. Darüber hinaus müsste der Spitzensteuersatz erhöht oder ganz abgeschafft werden (sowie die – Schieritz hat Recht! – Privilegierung von Kapitalerträgen).

Die Logik, nach der jemand ab einem bestimmten Prozentsatz genug für die Gemeinschaft getan hat, ist falsch, solange die Vermögensverteilung immer ungleicher wird, und Erwerbseinkommen gegenüber Kapitalvermögen prinzipiell geschwächt wird. Und dabei geht es nicht darum, dass man den Reichen niederträchtigerweise ihr Geld neiden würde, sondern dass dieses den Anspruch an die Gesellschaft (dar)stellt, sich vermehren zu dürfen. Dies führt etwa zu der konkreten Erfahrung von Ungerechtigkeit, dass ohne viel Erbschaftsgeld höchstens noch Spitzenverdiener und Gutverdiener mit vorzüglicher Jobsicherheit Immobilien erwerben und so für ihr Alter vorsorgen können. All dies ist Konsens unter linkeren Ökonomen und keine Kernphysik – dass nichts geschieht, liegt an den Machtverhältnissen in Deutschland, und angesichts der Tragweite dieses grundlegenden Problems des Kapitalismus scheint Frau Nienhaus mit ihrem Steckenpferd Mehrwertsteuer allein auf weiter Flur herumzuhopsen. – Matthias Meindl


Leserbrief zu „Do you speak German?“ von Özlem Topçu

Gehören Sie zu den über 50% der Türken, die bei der letzten Türkei-wahl für Erdogan gestimmt haben ?

Gehören Sie zu der absurden Spezies die der Meinung sind, das es legitim ist, den ausländischen Pass zu behalten und das Deutsche Wahlrecht trotzdem einzufordern ?

Darf ICH das auch mal in Ankara einfordern ?

Und dann standesgemäss einen 3er BMW fahren, während die Eltern sich in einer Sozialwohnung mit 2,5 Zimmern über den schlechten Empfang des türkischen Staatsfernsehens beschweren ?

 

Und kann es sein, das Sie auch zu den Fitness-Jüngern gehören, die perfiderweisse in billigen schlecht geschnitten Unterhosen in die Deutschen Duschräume gehen ?

Aber „draussen“, im Fitnessbereich, ganz viel wert auf Haltung, Genitalienpflege, Muskeln und Posing legen ?

Sie sind dann aber auch nicht zufällig mit breit geschwungenen Beinen und Bart und wild gestikulierenden Armen in Ihrem „Kiez“ unterwegs um nochmals klarzustellen, das Wedding, das Schanzenviertel, St. Georg oder halb Stuttgart türkisch spricht ?

Waren Sie mal in den letzten Jahren in Istanbul oder Ankara oder überhaupt in der Nähe des Bosporus und haben beobachtet, das einer Ihrer Deutschen „Landsleute“ auffällig geworden ist, indem Sie oder Er ein christliches Kreuz öffentlich getragen hat ?

Und versucht hat, nach Sauerkraut oder Schnipo zu fragen ? Oder nach einem Hefeweizen ?

Und dann noch eine weitere Frage: Verstehen Sie unter „Kulturelle Sicherheit“ die Schwulenbewegung auch in der Türkei ? Kurze Hosen oder Minirock vor der Moschee ?

Küssen oder sich anfassen in der Öffentlichkeit? Vielleicht am Flughafen ?

Das funktioniert nicht so richtig in Ihrem eigentlichen Heimatland. Oder haben wir da alle irgendwas bei Ihrem liberalen Duktus und Denken übersehen ?

Gerne nochmals überdenken und vielleicht mal bei Ihren Eltern über den Tellerrand gucken – Michael Wentzel


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Herr Schäuble bemüht in seiner Antwort auf die Frage, warum das Steuerwesen bei uns so ungerecht sei, den Klassiker:

Die reichtsen 10% bezahlen die Hälfte der Einkommensteuer.

Die Aufschlüsselung der Steuereinnahmen zeigt indes, dass die Einkommensteuer lediglich 7,6% des gesamten Steueraufkommens ausmacht.

Davon zahlen die reichsten 10% also die Hälfte.

Die Lohnsteuer macht dagegen 26,2% des gesamten Steueraufkommens aus, und die wird fast ausschließlich von den anderen 90% der Bevölkerung gezahlt.

Zur Redlichkeit hätte übrigens auch gehört, zu sagen, wie viel % der Einkommen an die oberen 10% gehen und wie viel an den mageren Rest der Bevölkerung. Erst mit dieser Information kann überhaupt beurteilt werden, ob die 50% von den 7,6% eine hohe oder eine niedrige Belastung sind für die reichsten 10% der Bevölkerung.

Dieser immer wieder eingworfene Hinweis „Guckt mal, wie viel die zahlen müssen!“ ist also weniger eine Information als eine Desinformation.

Damit stellt sich Herr Schäuble ein Zeugnis aus als gewiefter Politiker, vielleicht auch als cleverer Finanzminister, aber keins der Aufrichtigkeit. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Bis ich 22 war, hatten wir uns nie gesehen. Dann kam der Brief meines Vaters aus Nigeria“ von Ijoma Mangold

Für den Artikel von Ijoma Mangold möchte ich ihnen sehr herzlich danken, natürlich auch dem Autor.

So wunderbar geschrieben. Die Mischung aus Emotionen, Vernunft, das Ganze ohne falsche Sentimentalität, es hat mich begeistert.

So gerne würde ich irgendwann, wenn er mal dazu kommt, eine Fortsetzung lesen, über seine Reise nach Nigeria. Ich bin sicher nicht die einzige, die darauf wartet.   – Eva Wagner


Leserbrief zu „Reichweiten und so“ von Susanne Mayer

Zum Beitrag von „Männer! Reichweiten und so“ von Susanne Mayer in der Zeit No. 34 vom 17. August 2017 erlaube ich mir eine kleine traditionalistische Anmerkung. Frau Mayer schreibt: „ Kavalier ist rechts von der Lady gehen, es sei denn, in einer Menge, dann geht er als Schneepflug voran“. Dem ist nicht so. In meiner Dienstzeit als Sanitätsoffizier der Marine hat mich der in Zivil gekleidete, dienstgradhöhere und lebensältere Admiralarzt Dr. Friedrich-Albert Richarz einmal deutlich aufgefordert, rechts von ihm zu gehen: „Damen, Uniform und Vorgesetzte gehen immer rechts“ – und ich war zwar kein Vorgesetzter, aber in Uniform. Wem das nicht genügt, braucht sich nur ein beliebiges Bild von Prinz Philip und Queen Elizabeth II. anzuschauen – er geht zudem schon ein Leben lang „zwei Schritt tief links gestaffelt“. Abweichungen sind nur ausnahmsweise erlaubt, etwa, wenn die Dame an der Straßenseite eines zu engen Bürgersteigs gehen müsste. – Prof. Dr. med. Hans Anton Adams


Leserbrief zu „Torten der Wahrheit“ von Katja Berlin

hatte das Diagramm gerade an 5 Freundinnen geschickt und direkt 3 sehr gleiche Reaktionen bekommen (anbei) 😊 Danke für diese, aber auch für viele andere gelungene „Torten“. – Carola Kamuff 


Leserbrief zu “ Der Seitenwechsel“ von Adam Soboczynski

Dem „Kulturmilieu“ wirft Adam Soboczynski vor, sich von der Neuen Rechten abzuschirmen anstatt sich  mit ihr  auseinanderzusetzen  – heisst wohl:  ihr besser Paroli zu bieten. Doch dem ist nicht so: hier wird  gezeigt, dass die Rechte ganz wie die Linke den Kapitalismus,  globale Ungleichheit, Globalisierung usw. bekämpft. Diese Gleichstellung ist nicht neu („Ist Links besser als Rechts?“ fragt gerade die FAZ); sie wurde kürzlich von Ronal Trumpf instrumentalisiert: In Charlottesville kämpfte „Alt right“ gegen „Alt left“. Heisst: wer gegen rechts kämpft, macht sich als links verdächtigt (vgl.“das Kulurmilieu“). Fazit: der Schuss tut der AfD nicht weh, kann aber sehr wohl nach hinten gehen.   – Louis Hay


Leserbrief zu „Der Quatschmacher“ von Georg Seesslen

Vielen Dank für die Kritik an Bully Herbigs neuen Film. Ohne diese Zeilen wäre ich vermutlich nicht in den Genuss gekommen. Die ZEIT aber reagiert humorlos und intellektuell wo anarchistischer Humor und der blanke Nonsens regieren. In einigen Punkten mag die Kritik sogar recht haben. Aber ist das ‚recht haben‘ nicht doch ein wenig langweilig, wenn man sich auch mal einen halben Nachmittag amüsieren könnte. Allein die Cameoauftritte sind das Eintrittsgeld locker wert. Auf die ZEIT ist eben Verlass. Ich lese mir in Zukunft bestimmt die Filmkritiken öfter durch. -AURA-Magazin – Herausgeber – Georg Huber


Leserbrief zu „Lieber fluid als rigid“ von Caspar Shaller

Theorien können das Denken beflügeln, sie können es auch ersetzen. Wenn der Kritiker Caspar Shaller dem Künstler Wu Tsan ein von „neuester Theorie geprägtes Denken“ bescheinigt und ihn zuvor als eine „der klügsten Beobachterinnen des Weltgeschehens in der Kunstwelt“ bezeichnet hat, so dürfen wir annehmen, dass Shaller das beurteilen kann, weil er sich selbst auf der Höhe der Theorie befindet. Was also denkt er sich, wenn er schreibt „Weil (weisse männliche Körper) den Standard bilden, werden sie unsichtbar, während alle anderen als falsch, als abweichend erscheinen.“? Hat sich der Theorienebel so undurchdringlich ausgebreitet, dass der Autor nicht sieht, wovon er hier spricht, nämlich von der Weltgeltung eines Apartheidregimes? Glaubt er tatsächlich, Menschen anderer Kontinente hätten einen solch beschränkten Blick auf die Welt? Oder dass es Aufklärung sei, sie postkolonialistisch darauf hinzuweisen, dass wir Europäer ihn hatten?  Die Genderdebatte, die den Ausgangspunkt für die zitierte Stelle bildete, kann schnell auf’s Glatteis führen – und plötzlich plumpst der scheinbar progressive Autor auf sein herrschaftliches Hinterteil. – René Straub


Leserbrief zu „Auf der Spur der Insekten “ von Fritz Habekuss und zu „Von Bienen und Blumen“ von Petra Pinzler

Schon seit mehr als 10 Jahren beobachte ich einen Rückgang der Insektenpopulationen. Bienen, Hummeln, Wespen, Schwebfliegen, Schmetterlinge: Wo es früher summte und wuselte, muss ich heute danach suchen, obwohl mich jedes Jahr eine Vielzahl von Blühpflanzen und Kräutern umgibt.

Besonders auffällig ist es, dass meine Tomatenpflanzen zwar üppig blühen, aber immer weniger Früchte tragen. Wie schön war es doch, mich den ganzen Sommer über mit eigenen Tomaten versorgen zu können, einfach rausgehen und pflücken. Inzwischen muss ich welche dazukaufen, wenn ich nicht, wie in China, mit einem Wattestäbchen umhergehen will.

Ich habe nichts gegen Studien, auch zu diesem Thema. Wegen der Wissenschaftsgläubigkeit unserer Zeit ist es wohl notwendig, alles Mögliche durch nachweisbare Zahlen zu belegen. Meine Wahrnehmung sagt mir natürlich nicht, ob bis zu 80 % oder „nur“ 30 % weniger Insekten-Biomasse vorhanden ist. Dass es aber gravierend ist, spüre ich durchaus.

Und was die Vögel im Garten betrifft: Auch die sind bereits weniger geworden, weswegen ich sie nun das ganze Jahr durch füttere.

Wenn ich bei Bekannten dieses Thema anspreche, ist die Reaktion fast immer dieselbe: Nach kurzem Nachdenken ein erstauntes „Ja, stimmt, jetzt wo du es sagst.“ – Marita Kruckewitt


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Sie greifen dasThema sehr differenziert auf und ziehen gute Schlussfolgerungen.

Mir fielen beim Lesen dann die vielen negativ besetzten Begriffe auf,

wie: Schuld, Eltern leisten Verzicht, Mütter versagen, das größte Problem sind die Mütter/ die Väter, es werden Opfer erbracht ect….

Bei der Berichterstattung über Familien sind diese Themen inzwischen Standard, aber inzwischen auch ein bisschen abgenutzt. Wir brauchen ein Umdenken, frischen Wind und sollten uns nicht auf hohem Niveau bejammern.

Wie wäre es, die Phase der Familiengründung mal anders zu bezeichnen und zu publzieren:

Mut zur Veränderung,  Herausforderung, eine Chance neue Modelle auszuprobieren, den Wandel zu gestalten. Das alles mit Mut, Kreativität und Gelassenheit. Und dem Satz. „Wir schaffen das“! – Marlies Wenzel


Leserbrief zu „Nachholender Klassenkampf“ von Jens Jessen

Der Name „Humboldt Forum“ verpflichtet geradezu zu einer Auseinandersetzung mit der Geistes- und Kulturgeschichte der Begegnung mit dem Fremden, die nicht nur durch Unterdrückung sondern  auch durch Akkulturation und Kulturverflechtung geprägt war. Im 18. Jahrhundert, gekennzeichnet durch zahlreiche Entdeckungsreisen und Begegnungen mit dem Fremden, bildete sich die Einsicht in die Relativität unterschiedlicher  kultureller Lebensformen und in die eigenständige Relevanz der fremden Kulturen (Montesquieu, Voltaire, Herder).  Mit Voltaires „Essai sur les moeurs et L’esprit des nations“  wurde eine neue geschichtsphilosophische Betrachtung zwischen dem Fremden und dem Eigenen eröffnet. Rousseaus „homme natural“, Naturmensch, führte einerseits zu einer kritischen Betrachtung zur Bedeutung der „Zivilisation“ für eine Gesellschaft, andererseits auch zur Frage der eigenen Lebensgestaltung. Geprägt wurde die Auseinandersetzung aber auch von einem Eurozentrismus bzw. dem Anspruch einer kulturellen Überlegenheit mit der Kluft zwischen den zivilisierten, erleuchteten Nationen und den „primitiven Völkerschaften“, den „peuplades sauvages“ (Condorcet: „Esquisse d’un Tableau historique des progrès de l’esprit humain“). Der Glaube an die Vernunftbegabung der menschlichen Gattung führte  nicht generell zu einer konfliktfreien Kulturbegegnung, weil auch andere Interessen bestanden: imperialistische (der Staaten) oder kommerzielle (der Händler und Kolonialisten), die den Fremden überdies auf einem anderen geistigen Niveau begegneten.  Zunehmend gewannen auch Polygenisten an Einfluss, die der Auffassung waren, dass die „Neger“ nicht aus dem selben Stamm entsprangen wie die Europäer, und deshalb nie die Ebenbürtigkeit mit den „Weißen“ erreichen könnten (David Humes Essay „Of National Character“). Der Rassismus und damit auch die Sklaverei haben hier eine ihrer Grundlagen.

Angesicht der Zeiten, da die Fremden in großer Zahl zu uns kommen, der Zeiten eines neuen Nationalismus und der Forderung nach „ethnischer Reinheit“ gepaart mit einem nie enden wollenden Rassismus, erscheint mir ein Forum zur Geschichte der Begegnung mit dem Fremden dringender den je. In diesem Forum könnte mit ganz unterschiedlichen Medien/Objekten/Präsentationen/Gesprächen dieser Diskurs  lebendig gestaltet und ein gegenseitiger Lernprozess eingeleitet werden. Dann gewinnt das Wort „Völkerkunde“ ein ganz neue Bedeutung. – Dr. Ulrich Schläger


Leserbrief zu „Krieg in Zeiten der Cholera“ von Andrea Böhm

Vielen Dank für Ihren kenntnisreichen und dezidierten Artikel. Ich war selbst vor 10 Jahren auf einer privat organisierten Reise im Jemen und verspüre angesichts des Dramas nur noch Wut auf jene, die den Konflikt mit ihren Bombardements, insbesondere Saudi-Arabien, den Konflikt befeuert haben.  – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Über übergriffiges Verhalten“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ich lese immer begierig Ihre Kolumne, sofort nach Janoschs bebilderter Lebenshilfe. Eine Aussage in Ihrem letzten Beitrag ruft jedoch meinen Widerspruchsgeist hervor: Die Taktik, unangemessen neugierigen Kellnern mindestens ebenso unangemessen zu begegnen. Sind Sie sicher, dass man jemandem, der einem auf den Schlips tritt, seinen eigenen abreißen sollte, um wieder gleiche (ramponierte) Verhältnisse herzustellen?

Ich lebe wie Sie in Berlin, seit 2010, aber ich bin auch nicht von hier:

sondern aus München. Das würde ich gern vergessen oder jedenfalls nicht besonders betonen wollen. Jedoch erlebe ich im Berliner öffentlichen Raum seit Jahr und Tag Szenen, die mich nicht nur den Kopf schütteln, sondern Gedanken daran aufkommen lassen, dass es mit der Berliner Höflichkeit, überhaupt mit der ganzen märkischen Art, sich zu geben, jedenfalls der derzeitgen, nicht zum Besten bestellt ist. Bei Alltagsbegegnungen wie zum Beispiel in der proppenvollen S-Bahn registriere ich – aber anscheinend auch nur ich, sonst keiner –

Verhaltens- und Ausdrucksweisen, die man kaum sozial und gewiss nicht wohlerzogen nennen kann. Woran das wohl liegt? Weiß man in Berlin und um Berlin herum einfach nicht mehr, wie man sich im Rest von Deutschland benimmt?  Oder herrschen in München paradiesische Zustände …?

Neulich auf einem Spaziergang im Tiergarten, zum Beispiel. „Hey!“, ruft mir so ein obercooler Berliner Verkehrtherum-Käppi-Träger zu, „An Ihrem Hintern, da klebt wat!“ Ich forsche erschrocken, mit einer Hand und halb umgewandt auf meiner Kehrseite. „Nee – nich da: die andere Arschbacke!“

Daraufhin unterbreche ich meine Suche und äußere ich einige tadelnde Worte zur Ausdrucksweise des Käppiträgers. Der ist einen Moment sprachlos – vor Erstaunen. Dann meint er, sinngemäß, dass dicke, alte Frauen nicht auch noch aggressiv sein müssten. Er habe es doch nur gut gemeint. Seinetwegen könne das Blatt oder das Was-auch-immer ruhig weiter an meinem Arsch kleben!

Wohlgemerkt: Ich habe diesen Berliner Helfer nur getadelt, nicht etwa selbst einen verbalen Übergriff gestartet, um es ihm heimzuzahlen. Doch ich fürchte, auch so dürfte der Lernerfolg des Grobians gegen Null tendiert haben: Was kann von belehrenden, alten und dicken Weibern schon Vernünftiges kommen? Ich hingegen habe mich nach dem Vorfall noch eine ganze Weile unwohl gefühlt. Warum? Weil ich spontan meine Ehre verteidigt habe? Hätte ich das nicht tun sollen? Doch, natürlich. Nur:

Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Dinge.

In dem moralisch recht verunsicherten, um nicht zu sagen: im reichlich verwirrten Großberliner Supermix-Soziotop gelten mittlerweile so manche Übergriffe und Rücksichtslosigkeiten längst als cool und witzig, mindestens aber als als normal. Man sehe sich mal an, was die sich Besitzer von großen oder ungemütlich aussehenden Hunden alles an Belästigungen gegenüber Mitmenschen erlauben, die ihnen auf dem Bürgersteig entgegenkommen. Oder die an so einem Vieh, das im wackelnden S-Bahn-Gang quer liegt und schläft, vorbeiwollen. Übergriffiges Verhalten ist offenbar Anschauungssache. Eine coole Art, sich zu geben, wohl auch.  Und wenn viele Menschen peu à peu ungezogener oder dumm-dreister werden, als ihre Eltern dies waren – oder als die bestandsbedrohten Bildungsbürger dies nun schön finden? Dann reicht es nicht, eine vorlaute Bedienung zu brüskieren, um den alten Benimm wieder herzustellen. Leider.

A propos Übergriffe: Es gibt auch das Gegenteil, untergriffiges Verhalten, sozusagen. Zurückhaltendes, weniger neugieriges Nachfragen als vom Angesprochenen erwartet. Oh ja.

Mein junger Physiotherapeut, den ich sehr schätze, war gestern so: kein Wort zuviel bei der 30-minütigen Rückenmassage, seiner Dienstleistung.

Geschweige denn eine lustige, vorlaute Bemerkung – zum beiderseitigen Vergnügen. Der Griff seiner Hände war streng, der Druck auf meine Rückenmuskulatur wohltuend. Aber es fehlte der nette, unbeschwerte Schwatz, den wir früher, bei der Behandlung meines entzündeten rechten Knies hatten. Ich kann es mir nicht erklären, er hat da einfach etwas Wohltuendes weggelassen: ein ausgesprochen untergriffiges Verhalten, finde ich. Kontern konnte ich auch nicht, den nächsten Termin habe ich bei seinem Kollegen bekommen … – Annette Schorn-Maaswinkel


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Es ist schon ein wenig peinlich, wenn ausgerechnet ein Mann  das Thema ‚Familie und Gleichstellung der Geschlechter’ endlich mal realitätsnah beschreibt: Es ist schon lange klar, dass es überwiegend die Frauen selbst sind, die eine gleiche Verteilung der Erziehungs- und Hausarbeit verhindern. Als Soziologin habe ich viele Jahre für die Gleichstellung der Geschlechter gearbeitet und meine Erfahrungen decken sich genau mit den Erfahrungen des Autors: Frauen fühlen sich gegenüber den Kindern gerne unersetzbar – nicht mal durch den Vater der Kinder.

Kinder brauchen Eltern, und zwar Vater und Mutter und länger als während der ein/zwei Monate Elternzeit. Wenn beide ihre Arbeitszeit um ein paar Stunden reduzieren, bleiben beide im Beruf und verlieren nicht ihre Qualifikationen. Das Argument, dass der Beruf des Mannes zu wichtig ist, ist eine faule Ausrede. Eltern müssen es beide gesellschaftlich einfordern und die Frau muss gegenüber ihrem Partner Druck machen. Jede Änderung im Berufsleben war mal neu und musste durchgesetzt werden. Weder die Wirtschaft noch der öffentliche Dienst kann es sich leisten, auf männliche und weibliche Arbeitskräfte zu verzichten, nur weil sie familienbedingt für einige Jahre kürzer treten müssen.

 

Und es ist auch nicht nur die private Entscheidung der Paare, wenn einer/eine gar nicht oder geringfügig arbeitet. Denn die Gesellschaft muss für das Steuerprivileg durch das Ehegattensplitting, die kostenlose Mitversicherung in der Krankenkasse und den Rentenanspruch ohne eigene Beitragsleistung aufkommen. Wer soll das alles bezahlen?

‚Die Gesellschaft’ , das sind auch Menschen, die ebenfalls Kinder haben, aber ihre Berufstätigkeit nicht an den Nagel hängen und sich nicht infantil darauf verlassen, dass schon irgendjemand für sie aufkommen wird, Steuern und Sozialabgaben zahlen und die Verweigerinnen durchbringen wird.

Es ist wohl die Aufgabe des Staates, Leistungen vorzuhalten, de das Familienleben ermöglichen und erleichtern. Das tut er auch.

Aber es ist nicht die Aufgabe des Sozialstaates, die Bequemlichkeit und Vorlieben von einzelnen Müttern zu honorieren, sondern alle Bürger und Bürgerinnen zu schützen vor Widrigkeiten des Lebens – Kinder gehören nicht dazu. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Ich kann nicht verstehen, dass im Steuerrecht noch immer  das Heiraten belohnt wird. Den günstigen Steuersatz sollten  nur die bekommen, die Kinder haben egal ob sie verheiratet sind  oder nicht. Die Kinder werden mal für die Renten aller arbeiten.  – Karin Buth


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Sie haben  nur einen Teil der Ungerechtigkeit erwähnt. Auch unser Abschreibungssystem ist höchst unsozial. Beantragt ein Pendler mit 10 Prozent Steuersatz 1000 E Kilometergeld, bezuschusst das der Staat mit 100 E. Èiner mit 50 Prozent wird mit 500 E belohnt. Wenn sie wenigstens das Gleiche bekämen, dann wäre das gerechter. Eigentlich müsste der Ärmere mehr erhalten. Herr Schäuble antwortet ‚Die wohlhabensden 10 Prozent zahlen über 50 Prozent der Einkommensteuer. Das ist anzuzweifeln. Viele der Reichen rechnen sich arm oder gehen mit den Steuern, die sie zu zahlen hätten, stiften. Mein Vorschlag : jedermann zahlt seinen  Steuersatz ohne Abschlag! Der Staat finanziert sinnvolle Vorhaben wie PendlerUnkosten, Wohnungs- oder EigenheimBau. Er sollte bestimmen wofür das Geld ausgegeben wird und nicht der (Nicht-) Steuerzahler. Übrigens will man innerhalb 40 Jahren die offiziellen Schulden tilgen, so werden einschließlich Zinsen etwa 70 Milliarden p. a. fällig. Sonst hilft nur eine massive GeldEntwertung. – Hans Peukert Uttenreuth


Leserbrief zu „Ich kann nicht alles kontrollieren“ von Anna-Lena Scholz

Hinsichtlich der Geschlechterforschung/ Gender Studies konnte ich den Darlegungen von Prof. Judith Butler nicht folgen.

Ihre Auffassungen über den leider wildernden Antiintellektualismus, die damit einhergehende Wissenschaftsfeindlichkeit und die programmatische wie finanzielle Schwächung von Universitäten hingegen teile ich.

Nicht zuletzt daher ist es für mich kein Zufall, dass Ignoranten global zunehmend (politische) Macht ausüben können, dass es zunehmend bereits am Willen (geschweige denn der Möglichkeit) den eigenen Verstand zu gebrauchen fehlt.

Eine ziemlich traurige Entwicklung zu Beginn des 21. Jahrhunderts. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Auf der Spur der Insekten “ von Fritz Habekuss und zu „Von Bienen und Blumen“ von Petra Pinzler

In der letzten Zeit-Ausgabe wurde in zwei Artikeln über das Insektensterben berichtet. Dazu mein folgender Leserbrief:

„Wer das massive Insektensterben leugnet, dem sei folgende Beobachtung nahegelegt. Noch vor 30 Jahren hatte ich auf längeren Autoreisen immer eine große Wasserflasche dabei, weil ich nach einer Stunde Fahrzeit eine Pause einlegen musste, um Insektenleichen von der Windschutzscheibe zu entfernen, damit die freie Sicht gewährleistet blieb. Heute kann ich zehn Stunden ohne Unterbrechung fahren, und die Scheibe bleibt sauber.“ – Hans Ludwig Scherer


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Ich bin zwar nicht der Schäuble, möchte aber trotzdem auf Ihren Brief antworten. Die Idee einer Entlastung der Armen sowie der Dämpfung des Leistungsbilanzüberschusses durch Senkung der Mehrwertsteuer bezeichnen Sie als einfache Lösung, geht aber wohl von einigen falschen Prämissen aus. Deshalb möchte ich die folgenden kritischen Anmerkungen machen:

Eine Absenkung der Mehrwertsteuer entlastet unmittelbar den Unternehmer als den Steuerschuldner. Auswirkungen auf den Verbraucher hat sie nur, wenn der Unternehmer diese Entlastung an ihn weitergibt. Das ist aber Bestandteil seiner Preispolitik. Gesetzlich gezwungen ist er dazu nicht. Deshalb hat auch Schäuble in seiner Antwort darauf hingewiesen, dass bei Mehrwertsteuersenkungen immer in Zweifel gezogen wird, ob die Entlastungen tatsächlich an die Verbraucher weitergegeben werden.

Selbst wenn die Reduzierung der MwSt zu einer allgemeinen Dämpfung der Verbraucherpreise führt, kommt es immer noch auf das Verhalten der armen Menschen an. Wenn sie sich durch die günstigeren Preise anreizen lassen, ihren Konsum zu steigern, was Sie sogar in Ihrem Konzept erwarten, ergibt sich aus der MwSt-Reduzierung keine Entlastung. Die Konsumausgaben bleiben gleich.

Was die Steuerbelastung als solche anbetrifft, so liest man aus Ihrem Brief heraus, dass Sie gerne Steuern zahlen, weil der Staat das Geld für Straßen ausgibt, Schulen, Unis und die Polizei. Nicht erwähnen Sie die zig Milliarden, die der Staat alljährlich für die sog. Geflüchteten ausgibt. Diese müssten jedoch erwähnt werden, weil die Legitimität von Staatsausgaben immer besonderer Begründung bedarf, wenn sie nicht dem Kollektiv zugutekommen, das die Steuern zahlt.

Bleibt Ihre merkwürdige Verbindung von MwSt und Leistungsbilanzüberschuss. Zunächst: den hat nicht erst Donald Trump kritisiert, auch z.B. Frau Lagarde namens des Internationalen Währungsfonds. Auch hier bieten Sie wieder ein „einfaches“ Mittel an: die Absenkung der Mehrwertsteuer. Begründung: damit steigen der Konsum und damit auch die Importe. Hier bewerten Sie nicht, dass die Leistungsbilanzüberschüsse auf die großen Exporterfolge zurückzuführen sind, nicht auf zu geringe Importe. Der hohe Leistungsbilanzüberschuss wird durch die große Nachfrage nach deutschen Produkten legitimiert, die wiederum auf deren Qualität beruht. Wenn man das daraus entstehende Ungleichgewicht beklagt, dann muss diese Klage an die exportschwachen Länder gerichtet werden, damit sie Anstrengungen unternehmen, die Qualität auch ihrer Produkte und damit auch ihre Exporte zu erhöhen, und nicht an die exportstarke Bundesrepublik. Im Übrigen sagen Sie selbst, dass die Absenkung der MwSt nach etlichen Meinungen kaum Auswirkungen auf die Importe haben wird.

Mehrwertsteuer runter! ist natürlich eine gute Parole im Interesse einer Reduzierung der Steuerlast und der Steuerquote. Dann muss man aber auch in eine Diskussion über indirekte Steuern eintreten. Sie berufen sich darauf, die Mehrwertsteuer sei ungerecht, weil sie sich nicht danach richtet, wie leistungsfähig derjenige ist, der sie bezahlt. Diese Argumentation ist natürlich „schräg“, wie Sie sich ausdrücken. Denn die leistungsschwachen Menschen zahlen die MwSt nicht, worauf bereits hingewiesen wurde, sind vielmehr auch bei Absenkung der MwSt abhängig von der Preispolitik der Unternehmen und können trotzdem Opfer einer Inflation werden, die selbst eine weitergegebene MwSt-Absenkung aufhebt. Die Gerechtigkeitsdiskussion könnte sich dagegen darauf richten, ob es gerecht ist, außer dem Unternehmensgewinn auch noch den Umsatz zu besteuern. Das würde sich mit Ihrem Lamento treffen, dass der Staat stets kreativ darin war, Möglichkeiten der Besteuerung zu erfinden. Gerade die indirekten Steuern entbehren häufig einer sachlichen Rechtfertigung, sind nur durch das fiskalische Interesse begründet. Dass sich hieran etwas ändert, ist allerdings eine Illusion. Trotzdem vielen Dank für Ihren Vorstoß! – Dr. Harald Kallmeyer


Leserbrief zu „Auf der Spur der Insekten “ von Fritz Habekuss und zu „Von Bienen und Blumen“ von Petra Pinzler

Das der Rückgang der sogenannten Biomasse  real ist, dafür braucht es keine faktengestützten  und über Jahrzehnte erstellte Daten. Jeder Auto/Motorradfahrer kann das aktuell feststellen. Früher waren nach längerer Fahrt die Frontpartien übersäht mit Insekten.Das sieht heute gänzlich anders aus.  Allein das Abhandenkommen dieser Vielfalt sollte alle Alarmglocken schrillen lassen. Es kann später kein Politiker sagen, dass babe er so nicht gewußt. – Stephan Besche


Leserbrief zu „Die vielen Gesichter des Konservatismus“ von Volker Weiss

Wie wenig °Lagerdenken° im politischen Bereich sich eigentlich an überkommenen  Oberbegriffen festmachen läßt, läßt sich aus dem vorzüglichen ZEIT-Beitrag von Volker Weiss ableiten: “Die vielen Gesichter der Konservatismus“ . Denn inhaltlich mutierte dieser Oberbegriff  von zunächst monarchistischer Ausrichtung ( Juan Donoso Cortés ) über die Wendung ins Völkische (Ernst Jünger) hin  bias heute zur Neoliberalität  (AfD-Vice Alexander Gauland). Ähnliche,  gravierende inhaltliche , Transformationen machte natürlich auch die Begriffe Sozialismus und  Sozialdemokratie durch ( Axel Honneth: Die Idee des Sozialismus). ^ Auch der Liberalismus hat seit den Zeiten von Frh. vom Stein und seinem Geistesgenossen Hardenberg, über Ralf Dahrendorf bis heute ( Christian Lindner )  ganz bedeutende theoretische Aktzentverschiebungen erlebt, wobei im Verständnis der früheren, vor allem  geistig-bürgerlichen Liberalität inzwischen eine Verschiebung auf eine  zu starke Fokussierung des liberalen Denkens auf  rein ökonomische Sachverhalte stattgefunden hat.^^  Wie ZEIT-Autor Adam Soboczynski im Zeit-Feuilleton v. 17.8. ausführt, hat die Neue Rechte vor allem von der alten Linken gelernt, was wiederum verdeutlich, wie wenig  eigentlich „Lagerdenken“ heute noch wirkliche  gesellschaftspolitische Erkenntnisse vermittelt. Dies wurde auch deutlich im kürzlichen Mehrheitsvotum im Bundestag über das leidige  Thema  : „Ehe für Alle“. Hier hatte sich,  quer über die Parteien hinweg, plötzlich ein normativer  Dammbruch bis tief hinein ins konservative Lager vollzogen. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel „Die Schuld der Mütter“ in der aktuellen Zeit gelesen. Sie sprechen hier viele wichtige und richtige Aspekte an. Was ich mich jedoch frage, ist: Wie kommt es, dass Frauen in anderen Gesellschaften weniger „Schuld“ auf sich laden (müssen)? Bezeichnender Weise schmückt Ihr Artikel Bilder von schwedischen Männern. Ein Blick nach Skandinavien und Island ist in dieser Frage in der Tat spannend. Island z.B. lebt deutlich mehr Gleichberechtigung als Deutschland – hohe Frauenarbeitsquote, viele Frauen in Führungspositionen und dabei eine der höchsten Geburtenrate in Europa! Ich möchte daher die These aufstellen, dass es nicht (nur) die Frauen sind, die Ihren Männern nichts zutrauen, sondern es auch die Gesellschaft ist, die dies nicht ermöglicht, weil Frauen es nach wie vor ungleich schwerer haben, in Führungspositionen aufzusteigen und selbst wenn, verdienen sie weniger. Und weil es nach wie vor keine adäquate, flächendeckende Kinderbetreuung in Deutschland gibt. Das begünstigt es natürlich, dass die Frau zuhause bleibt. Dazu kommt die traditionelle Überhöhung der Mutterrolle in Deutschland, von der man sich als junge, arbeitende Mutter erst einmal „frei“ machen muss, denn das Kind gehört natürlich zur Mutter! Und trägt mit Sicherheit einen Schaden davon, wenn es in den ersten Jahren „fremd“, d.h. nicht von der Mutter betreut wird. Als berufstätige Mutter von vier Kindern kenne ich diese Fragen. Und sie lautet nie (!) wer bleibt zu Hause, sondern „wie lange“ bleibst Du zu Hause. Und antwortet man dann „gar nicht“, weil man es tatsächlich wagt, gleich nach dem Mutterschutz wieder in den Beruf einzusteigen, wird man – und das Kind! – bemitleidet und nicht beglückwünscht, dass man den Mann eingespannt hat.

Ich stimme zu, oftmals könnten Frauen ihre Männer stärker in die Kinderbetreuung einspannen, aber es ist ein gesellschaftliches Problem, dass dies nicht passiert, weil zum einen Kinderbetreuung und Hausarbeit keine Anerkennung erfahren und zum anderen karriereorientierte Frauen verurteilt werden. Es ist Aufgabe der Gesellschaft und der Politik, dies zu ändern und nicht die der Mütter – glauben Sie mir, die haben schon genug zu tun!  – Meike Stommer


Leserbrief zu „Die zehn Ungerechtigkeitenvon“ von Mark Schieritz und Doreen Borsutzki

Leider finden sich in dem Artikel einige Ungenauigkeiten sowie ein paar Punkte, zu denen ich etwas ergänzen möchte.

  • Punkt 1 suggeriert, dass jemand mit Brutto „1,5 fach Durchschnitt“ einen Grenzsteuersatz von 42% habe. Das stimmt so in zweierlei Hinsicht nicht. Wenn wir von einem RV-pflichtigen Arbeitnehmer ausgehen (der vorläufige Durchschnittswert beträgt 2017 37.103 EUR, somit wäre 1,5-fach nicht ganz 56 TEUR p.a.), so mindern sich zum einen die Einkünfte allein durch die Ausgaben zur Renten- und Krankenversicherung sowie die Werbungskostenpauschale auf einen Wert deutlich unter der von Ihnen genannten Schwelle von 54 TEUR. Zum anderen, beträgt der Spitzensteuersatz effektiv fast 48%, da der „Soli“ noch hinzukommt. (Bei Beamten sieht die Rechnung anders aus, da diese keine RV-Beiträge zahlen.) Das Ergebnis ist aber richtig: Einkommenszuwächse werden insbesondere bei einzeln veranlagten Beziehern von Einkommen zwischen 60 und 75 TEUR in einem erheblichen Maß mit Steuern und Abgaben belastet, darüber sinkt der Zugriff des Staates wieder, weil die Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung erreicht ist und daher „nur noch“ Steuer anfällt.
  • Punkt 2 zeigt ein fundamentales Problem auf: Das Existenzminimum darf nicht besteuert werden; eine Belastung mit Sozialabgaben ist aber zulässig – was m.E. ein ordnungspolitischer Skandal ist. Die von den Autoren geforderten Zuschüsse für Geringverdiener gibt es aber schon; die „working poor“ können Hartz IV beantragen und werden dann zu „Aufstockern“. Ob diese komplizierte Umverteilung innerhalb der gesetzlichen Sicherungssysteme zu Lasten der Kommunen sein muss, das ist sehr die Frage.
  • „Haushaltsnahe Dienstleistungen“ und Handwerkerrechnungen können von Immobilieneigentümern in gewissen Umfang steuerlich geltend gemacht werden. Eine nachvollziehbare steuersystematische Begründung für die Abzugsfähigkeit fehlt. Eigentliches Motiv ist die Bekämpfung der Schwarzarbeit bei bestimmten dafür anfälligen Branchen. Man sieht, nicht nur bei der Kapitalflucht hat der Staat eine Antwort auf Steuervermeidungsstrategien gefunden; das Prinzip der gleichmäßigen Erhebung von Steuern wurde dabei natürlich aus dem Auge verloren.
  • Bei der Erbschaftssteuer darf man nicht übersehen, dass eine Reihe von mittelständischen Betrieben erhebliche Substanz hat, aber gemessen an der Höhe der Substanzwerte geringe Erträge. Eine Steuerzahlung muss aber aus der Liquidität möglich sein, ohne dass die Substanz gemindert wird – sprich Unternehmensteile verkauft oder abgewickelt werden müssen.  Eine „gerechte“ Lösung hierfür in Gesetzestext zu gießen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, gibt es doch Firmenerben mit dem gleichen Arbeitsethos wie ihre Vorfahren und andere, bei denen man 100% Erbschaftssteuer noch als „zu wenig“ ansehen könnte.
  • Punkt 7 erinnert an Punkt 1. Sofern das aus mir nicht bekannten Gründen „kalte Progression“ genannte Phänomen beseitigt werden soll, wäre wohl zur Gegenfinanzierung ein höheres Steuerniveau ab 100 TEUR bzw. 200 TEUR zvE erforderlich.
  • Schön wäre, wenn die Grunderwerbssteuer ein „mittlerer dreistelliger Betrag“ wäre. Meine Frau und ich haben vor fünfzehn Jahren schon einen mittleren vierstelligen Betrag für unsere Eigentumswohnung bezahlt, und da waren die Preise niedriger als heute und der Steuersatz in NRW lag bei 3,5%.
  • Punkt 9 ist unverständlich. Die Wahl der Steuerklasse hat keinen Einfluss auf die Steuerschuld am Ende des Fiskaljahres. Durch die Wahl von III/V statt IV/IV wird der Grundfreibetrag des einen Ehepartners auf den anderen übertragen, so dass die Lohnsteuer (eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer) für den in Steuerklasse III niedriger ausfällt und den in V höher. Wäre das nicht der Fall (oder es wurde IV/IV gewählt), so gewährten die Steuerzahler dem Finanzamt ein zinsloses Darlehen in Höhe der Steuerersparnis durch das Ehegattensplitting. Ich kann nachvollziehen, dass Frauen in Teilzeit und Steuerklasse V sich beim Blick auf ihre Gehaltsabrechnung fragen, ob sich die Arbeit überhaupt lohnt. Aber muss das Finanzamt wirklich den Transfer übernehmen, der eigentlich innerhalb der Ehe passieren könnte bzw. müsste? – Michael Buscher

Leserbrief zu „Die Bombe bleibt“ von Josef Joffe

Ein Absolvent der Harvard University und Dozent der Stanford University müsste wissen, dass „locked“ nicht mit „gesichert“ zu übersetzen, sondern als „feuerbereit“ zu verstehen ist. Wenn Sie die falsche Übersetzung „gesichert“ als Schlüsselwort ansehen, verdrehen Sie den Sinn des Trump-Tweets und stellen Ihre eigene Argumentation auf den Kopf.

Willkommen in der schönen neuen Welt von Politik und Medien: ein unberechenbarer US-Präsident zitiert aus einem John-Wayne-Film und ein Stanford-Dozent (und Journalist) braucht Hilfe bei der Übersetzung eines amerikanischen Slang-Begriffes. – Michael Dammann


Leserbrief zu „Die Hälfte ist weg“ von Lisa Nienhaus

Nach der Lektüre des Briefes an den Bundesfinanzminister von Lisa Nienhaus und der Antwort von Herrn Schäuble stellt sich bei mir folgender Eindruck ein: Während auf der einen Seite in einer klaren und klischeefreien Sprache sehr präzise am Gegenstand die Argumentation vorgetragen wird, bleibt man auf der anderen Seite verwiesen auf Allgemeinplätze und den seit Jahrzehnten gepflegten Jargon der professionellen Politikverwalter. Aber wenn Herr Schäuble empfiehlt, den Kindern ‚die finanziellen Zusammenhänge unseres Gemeinwesen‘ zu erklären, dann hat er in einem Punkt Recht: „Deutschland gibt nach langen Jahren heutzutage nicht mehr aus, als es einnimmt, dadurch sind die Staatsfinanzen gesund geworden.“ Das versteht sogar unser Hund. – Dieter Rogge


Leserbrief zu „Hohle Worte“ von Caterina Lobenstein

Die Zeit-Autorin Caterina Lobenstein versucht sich – im Sinne einer Katharsis – im journalistischen Gutmenschentum, das aber in der in der Tat hoch brisanten  Flüchtlingsthematik der Menschen, die Afrika gen Europa verlassen, leider nicht hilfreich ist. Zunächst gibt es noch kein handlungsfähiges kollektives Staatssubjekt Europa ….  wir sind zwar hoffentlich auf dem Weg dazu, auch wenn England die EU verläßt, aber Europa ist noch in keinerlei Weise so handlungsfähig, um als Gesamtinstanz im Sinne des berühmten US- Marshallplans  nach dem 2. Weltkrieg aufzutreten. Weiterhin hat Caterina Lobenstein offenbar nicht die staatsrechtlichen Implikationen einer massiven Finanz- und Personalhilfe von außen für Afrika  vor Augen . Denn die meisten afrikanischen Länder lassen sich in keiner Weise interventionistisch helfen, weil dortige Potentaten und Machtcliquen dies verhindern.  Schließlich hat man doch auch die frühere Entwicklungshilfe auf das Konzept „Hilfe zur Selbsthilfe“ umgestellt…und auch das funktioniert wegen sehr defizitärer Staatsstrukturen in afrikanischen Ländern  nur unvollkommen.° Hat man schon einmal davon etwas gehört, daß sich die OAS in Addis Abeba mit diesem Thema befaßt? Die Organisation afrikanischer Staaten wäre von der Sache her doch der richtige Ansprechpartner für europäische Unterstützung !! . Frau Lobenstein erwähnt auch nicht, was die UNHCR der UN unternimmt, also das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. Die BRD ist immerhin  drittgrößter Beitragszahler zur UNO !! Einfach nur  Arbeitsvisa für Afrikaner zu fordern, die keinerlei berufliche Ausbildung haben, ist doch abwegig. Es ist bedauerlich, daß ein so komplexes Thema mit dem Schlagwort :: “Hohle Worte“ derart oberflächlich behandelt wird. Es geht hier doch nicht um karitativen , sondern um substantiellen, politisch-ökonomischen Beistand. Der kann nur geleistet werden, wenn die Souveränität der afrikanischen Länder massiv eingeschränkt wird, was diese  aber eben nicht wollen. Die meisten afrikanischen Länder sind doch froh, daß Bürger ihr Land verlassen, weil diese dann bei erfolgreicher Integration in ausländische Arbeitsmärkte Geld in ihre Heimat zurück überweisen. Aber Europa kann leider keine Analphabeten aufnehmen . Auch das heikle Thema der Geburtenexplosion in Afrika schneidet Frau Lobenstein überhaupt nicht an. Es müssen alle Faktoren auf den Tisch der Analyse, um dem afrikanischen Migranten-Tsunami ein wirklich tragfähiges Lösungskonzept gegenüber zu stellen. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Die zehn Ungerechtigkeitenvon“ von Mark Schieritz und Doreen Borsutzki

Vielen Dank für das sehr gelungene Titelthema Steuern. Das Lesen hat mir großen Spaß gemacht.  Jedoch benachteiligt Ehegattensplitting Frauen meiner Meinung nach nicht. Wenn die Frau den höheren Verdienst hat, geht es dem Mann doch genau so. Die Ursache ist doch dann eine andere.   Zudem ist Ehegattenspltting meiner Meinung nach kein Superjoker. Hat eine Familie 50 und 50 T€ Einnahmen aus nicht selbständiger Arbeit, oder 80 T€ und 20 T€ entsteht spätestens nach der Einkommenssteuererklärung die gleiche Abgabenlast.   Ich sehe keine Bevorteilung. Die Einnahmen gehen doch auch durch mindestens zwei. Es ist doch eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt, z.B. bei Arbeitslosigkeit. Davon profitiert doch auch die Gesellschaft.  Ich finde, sie rufen bei ihrer Zeitung zu oft, Frauen werden benachteiligt. Setzen Sie es doch bitte dosierter ein. Sonst geht die Wirkung verloren.  Ich denke auch, Frauen werden in Deutschland nicht durch Gesetze benachteiligt. Eher doch durch veraltete Rollenbilder. Dies schränkt doch auch Männer in der freien Entfaltung ein. Wir sitzen in einem Boot. Wir sollten noch mehr miteinander gehen.  – Marko Becker


Leserbrief zu „Wie faschistisch ist Amerika?“ von Christian Caryl

 … Die 32-jährige Heather Heyer wurde nicht von Killern getötet, die im Namen von Al-Kaida oder des IS morden. Sie wurde von einem Mitbürger getötet,..

Hätte ich nicht die genaue Berichterstattung über die Vorfälle in Charlottesville  verfolgt, würde ich aus diesen Zeilen des Herrn Caryl, Leitartikler der „Washington Post“, schließen, James Fields ist mit dem Vorsatz Frau Heyer auf dieser Demonstration zu ermorden aufgebrochen. Auch wenn der Autor nicht ein Journalist „Der Zeit“ ist, tragen doch Sie die Verantwortung, dass um einer objektiven Berichterstattung gerecht zu werden, zumindest in einer Randbemerkung erwähnt hätte werden sollen, dass der „… schockierende Ausbruch von Gewalt…“ ebenso von den Gegendemonstranten ausging, die mit Baseballschlägern das Auto von Fields frontal angriffen und dieser daraufhin im Rückwärtsgang zu flüchten versuchte. Es ist ein tragisches Unglück, dass Frau Heyer an diesem Tag ihr Leben verlor, aber von „ermorden“ kann in diesem Zusammenhang nicht gesprochen werden. Es war ein Unfall im Zuge der Gewalteskalation. Hätte Fields nicht den Rückwärtsgang eingelegt, ist es gut möglich, dass er von den aufgebrachten Gegendemonstranten erschlagen worden wäre. Hätte der Artikel dann den Titel „Wie gewaltbereit ist Amerikas Linke?“ Wohl kaum. – Dr. Ulrike Seifert-Weisz


Leserbrief zu „Die zehn Ungerechtigkeitenvon“ von Mark Schieritz und Doreen Borsutzki

Ich habe in „meiner“ Zeit selten einen so schlecht recherchierten Artikel gelesen wie „Die zehn Ungerechtigkeiten“.   Einige ganz wichtige Ungerechtigkeiten hat der Autor vergessen, einige wichtige Ungerechtigkeiten ganz offensichtlich nicht verstanden, daher falsch dargestellt.

Die wichtigste Ungerechtigkeit steht nicht als Nummer 1, sondern als Nummer 5:  „Der Staat wird immer gieriger“  Eigentlich trifft das noch nicht einmal. Richtig wäre: Die Inflation treibt dem Staat automatisch neues Geld zu, und der nimmt das stillschweigend (und im Stillen wohl schmunzelnd) hin, ohne groß „danke“  dafür zu sagen (Stichwort: kalte Progression).

Wenn die Politik nicht gegensteuert (und das tut sie seit Jahrzehnten nicht oder allenfalls halbherzig), bekommt der Fiskus automatisch Jahr für Jahr überproportional mehr Geld. Umverteilen wollen alle Politiker, und jeder Steuereuro kann man nur einmal ausgeben, Herr Schäuble schreibt das ganz richtig.   Gelegentlich gleicht die Politik das dennoch etwas aus und verkauft diesen rechnerischen Ausgleich dann den Wählern als großes Geschenk.  Eine gerechte Lösung wäre ganz einfach: Man mußte alle Berechnungsgrundlagen jedes Jahr an die Inflation anpassen (Einzig beim Grundfreibetrag ist das der Fall, da hat aber auch der BVerfG nachgeholfen). Bei den anderen Steuerzehlen wird aber nie so kommen, weil damit der Automatismus „mehr Geld für den Staat“ ausgeschaltet wäre und vor allem nicht alle zehn oder zwanzig Jahre ein Politiker sich als großer Wählerbeschenker geben könnte.

Damit zusammen hängt die Ungerechtigkeit #1  „Der Spitzensteuersatz greift zu früh“  Freilich. Man hat jahrzehntelang die Inflation besteuert, was dazu geführt hat, daß nun bereits das 1,5fache Durchschnittseinkommen an die Decke stößt.  Übrigens: Der Spitzensteuersatz im Land beträgt nicht etwa 42%, wie es immer heißt, sondern 44,31% (Die „Reichensteuer“ mal unberücksichtigt), weil auf jede Einkommensteuer immer dieser falsch etikettierte „Solidaritätszuschlag“ dazukommt.

Also fehlt die Ungerechtigkeit #0:  „Der Staat muß ehrlicher werden“  und den Steuersatz korrekt nennen. Nach mehreren Jahrzehnten SolZ kann man nicht mehr von einem „temporären Zuschlag“ sprechen. Der „Soli“ ist zur Dauereinrichtung verkommen. Er sollte fairerweise offen deklariert, nämlich in den Steuersatz eingebaut werden, wenn der Staat schon meint, darauf nicht verzichten zu können.

Wenn Geld für Steuersenkung da ist (wie es aktuell zu sein scheint), wäre der „Soli“ der erste Kandidat: Weg damit, und zwar sofort und auf einen Schlag (und nicht verteilt auf die nächsten 50 oder 100 Jahre).    Komplett falsch ist die Behauptung  „Für das Kapital gibt es einen Steuerbonus“  Das offen deklarierte Vermögen der Deutschen besteht etwa hälftig aus Immobilienvermögen (in erster Linie das eigene Haus) und „Geld“ (also Wertpapieren und Sparvermögen). Dabei nicht berücksichtigt sind erhebliche Vermögenswerte in Form von Rentenansprüchen, die finanzmathematisch Wertpapieren entsprechen.

Man könnte durchaus sagen: Das Vermögen der Deutschen besteht zu je einem Drittel aus Immobilien, „echten“ Wertpapieren und Rentenansprüchen.  Steuerlich werden diese drei Bestandteile unterschiedlich behandelt:  Immobilien sind de facto steuerfrei. Der Wertzuwachs ist steuerfrei, die Nutzung ist steuerfrei (Wohnen muß jeder, ein Mieter zahlt die Miete aus dem Netto). Das muß nicht so sein, in der Schweiz beispielsweise wird das Wohnen im Eigenheim versteuert wie Wohnen in fremdem Eigentum: Der Hauseigentümer kann die Zinsen absetzen, versteuert aber eine fiktive Miete als geldwerten Vorteil, ähnlich wie bei uns den Firmenwagen  Von den Rentenansprüchen wird der „Zins“ wie Arbeitslohn versteuert (jedenfalls ist das das langfristige Ziel), das Kapital aber nicht. Renten sind cum grano salis inflationsgeschützt.  Beim echten Sparguthaben wird der volle Ertrag besteuert (allerdings aktuell mit einem pauschalen Steuersatz, den aufgrund des obigen Mechanismus quasi jeder Sparer überschreitet), obwohl ein Sparer einen Teil des Zinses für die Kompensation der Inflation braucht. Erst danach beginnt das große Verdienen.

Der Ausgleich wäre einfach wie oben (und unattraktiv für die Politik wie oben): Ein Ertrag in Höhe der Inflation wird von der Besteuerung freigestellt, den Rest mag man dann gern „in voller Höhe“ besteuern.    „Der Fiskus bremst Immobilienkäufer“  klar, das tut er, denn er ist gierig. Die Grunderwerbsteuer geht zu den Länder, es ist eine der wenigen Steuern, die sie allein erheben und erhöhen können, also tun sie es. Die Grunderwerbsteuer hat sich in den letzten 20 Jahren _verdreifacht_ (von 2% auf 6%). Und nein, sie macht nicht etwa (wie im Artikel geschrieben) einen _dreistelligen_ Betrag aus, sondern einen _fünfstelligen_. Wollte ich mein aktuell gemietetes Wohnhaus kaufen (Wert etwa 500.000 Euro), wären dafür 30.000 Euro Grunderwerbsteuer fällig, das ist für mich ein Jahresgehalt.  Die Grunderwerbsteuer auf die Grundsteuer umzulegen, geht so einfach aber nicht, denn die Grunderwerbsteuer zahlt der Eigentümer, die Grundsteuer aber der Bewohner, bei Mietshäusern also der Mieter.

Das kann eine so sozial eingestellt Zeitung wie die Zeit nicht ernsthaft wollen, daß Steuer des Eigentümers auf den Mieter übergeht!    „Ehegattensplitting benachteiligt Frauen“  Ich habe nie begriffen, was am Ehegattensplitting so frauenfeindlich sein  soll, so langsam schwant es mir. Mathe ist ganz offensichtlich schwierig,  gerade für Frauen (Meine Tochter hatte Mathe Leistungskurs, das war ihr  bestes Fach).  Das Ehegattensplitting hat quasi Verfassungrang, es kann ohne  Verfassungsänderung nicht abgeschafft werden, UND DAS IST AUCH GUT SO.   Heiraten zwei Leute mit unterschiedlichen Einkommen, so bilden sie eine  Bedarfsgemeinschaft, ihre Einkommen werden (in der Regel) zusammengeworfen  und so besteuert, als ob beide je die Hälfte verdienten. Durch unseren  progressiven Steuertarif zahlen so beide zusammen weniger Steuer als  vorher separat. Was soll an diesem Prinzip frauenfeindlich sein?   Wenn ein gutverdienender Mann (der häufigere Fall, obwohl es bei mir  andersherum ist) Steuerklasse 3 wählt, unterzahlt er übers Jahr seine  Steuer, wohingegen die geringer verdienende Frau mit Steuerklasse 5 ihre  Steuer überzahlt. In einer funktionierenen Ehe von zwei Leuten, die  rechnen können, sagen beide: Das ist in Ordnung so, lieber behalten wir  das Geld unter dem Jahr und zahlen bei der Steuererklärung nach, statt daß  wir übers Jahr zuviel Steuer zahlen und das zuviel Gezahlte bei der  Steuererklärung erstattet bekommen.   Wirft sich ein Ehe-Pascha in die Brust und schaut herab auf seine Frau mit  dem vermeinlich kläglichen Nettogehalt, wählen beide Steuerklasse 4,  zahlen dann unter dem Jahr halt mehr Steuer, haben dieses Problem aber aus  der Welt geschafft.

Obwohl das finanzmathematisch nachteilig ist, zahlen  manche Leute lieber unterjährig mehr Steuer und freuen sich wie die  Schneekönige, daß sie mit der Steuererklärung etwas zurückbekommen.  Einer Einführung neuer Steuerklassen, wie von der Zeit verlangt, bedarf es  nicht, die gibt es nämlich bereits.    Es gibt in diesem Bereich tatsächlich eine ziemlich schreiende  Ungerechtigkeit, nämlich daß es kein _Familiensplitting_ gibt und die  Kommunen mit ihren Kindergartenbeiträgen eine Politik sogar gegen die  Familien treiben (Das wäre auch mal ein Thema für die Zeit!). Den Kommunen  ist das Kind eines Armen tatsächlich ganz erheblich mehr wert als das Kind  eines Reichen: Mehr als 50% der Kindergartenkinder zahlen in Hannover  überhaupt nichts für den Kindergarten, „Reiche“ bis über 300 Euro — und  Sie werden sich wundern, ab welch übersichtlichen Einkommen man hier  diesbezüglich als „reich“ gilt. Kindergartengebühren sind in dieser Stadt  ziemlich hoch, sie treffen den unteren Mittelstand ganz erheblich  (Überschlägig dargestellt: Bis zu einem Nettoeinkommen von etwa 1800 Euro  zahlt eine 4köpfige Familie für den Kindergarten nichts, vom  überschießenden Betrag gehen etwa 30% weg; ab 2800 Euro netto zahlt die  4köpfige Familie etwa 30 Euro pro Monat Kindergartengebühr fürs erste  Kind, für das zweite die Hälfte).

Das ist eine Menge Schotter für Leute,  die durchaus keine Spitzenverdiener sind.   Ob die Zeit ihren großen Artikel wohl noch korrigiert? Ich bin gespannt.  Ein Megathema sind die Steuern ja, verdient hätte das Thema die Korrektur  und Ergänzung allemal.  – Martin Gerdes


Leserbrief zu „Wahnsinn mit Methode“ von Jochen Bittner et al.

Auf Seite 3, im Artikel „Wahnsinn mit Methode“ schreiben Bittner und Co.:“Auch wurden die 100.000 amerikanischen Zivilisten in Südkorea bisher nicht außer Landes gebracht.“ Auf Seite 10, Zeitgeist, „Die Bombe bleibt“, raisonniert Joffe: „Da würde Amerika seine 200.000 Zivilisten aus Südkorea evakuieren…“.Ja was stimmt denn nun? Die prozentuale Abweichung scheint ein wenig heftig zu sein. Bittner vs. Joffe, wer hat gewonnen. Bitte um aufklärende Recherche und Mitteilung. – Uwe Schmelzeis


Leserbrief zu „Putins AfD-Truppe“ von Christian Fuchs, Paul Middelhoff und Fritz Zimmermann

Drei AfD-Politiker haben auf einer Reise illegal die inoffizielle Grenze von Armenien nach Berg-Karabach überschritten.

Frau Merkel, Ihres Zeichens Bundeskanzlerin, hat hunderttausende von Bürgerkriegs- und Armutsflüchtlinge aufgerufen, offiziell
legale europäische Grenzen zu verletzten, um illegal nach Deutschland zu gelangen.

Was wiegt schwerer? – Klaus Baller


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Ich, 54, Mutter von 2 Kindern, 21+17, sitze gerade mit einem Espresso entspannt an der Algarve und habe mir „Die Zeit“ gekauft. Auch deshalb, da mich auf der Titelseite eine Schlagzeile ansprang: „Selber schuld!“

Amüsiert habe ich ihn gelesen und gehe mit Ihnen fast konform … bis auf den Titel : „Die Schuld der Mütter “

Wie wäre es mit „Die Hormone der Mütter „?

Bis exakt zur Geburt meines Sohnes am 9.6.96 konnte ich mir nicht vorstellen , meinen hochdotierten  Job an der Frankfurter Wertpapierbörse jemals aufzugeben. Ich war seit 1987 eine der ersten weiblichen WPHändlerinnen, emanzipiert , gut gelaunt , erfolgreich , glücklich !

In dem Moment , als mein Sohn das Licht der Welt erblickte, hat sich ein Schalter umgelegt 😳nun konnte mir nicht mehr vorstellen, ihn jemals alleine zu lassen .

Die Hormone !!!

Und schon war ich „gefangen“im Rollenmodell. Üblicherweise blieb man damals  3 Jahre zuhause, war stolz, sich das leisten zu können ..usw

Und ja , mein Machismo (Mann) kam sicherlich nicht breitbeinig daher 🙃

Aber , ich trinke meinen Espresso mit der Gewissheit , glückliche, selbstbewusste u eigenständige Kinder zu haben . Was macht uns glücklicher als das Glück underer Kinder ?

Und ich bin auch weiterhin entspannt, emanzipiert und glücklich .. und erfolgreich ist eine Frage des Blickwinkels 😉 – Jutta Graf


Leserbrief zu „Die Hälfte ist weg“ von Lisa Nienhaus

Zu Ihrem Artikel „Die Hälfte ist weg“ habe ich einen Leserbrief verfasst , den Sie als Worddokument in der Anlage finden. Es würde mich sehr freuen, wenn sie den veröffentlichen könnten. Auch haben Sie alle Freiheiten, den Text zu kürzen, wenn sich das als notwendig erweisen sollte.

Erlauben Sie mir dazu noch diese Anmerkungen:

 

  1. Dort finden Sie eine Reihe von unbelegten Aussagen
  2. Dazu habe ich in meinen Unterlagen eine Fülle von Quellen und vertiefenden Gedanken
  3. Die würden jedoch den Rahmen dieses Leserbriefes sprengen.
  4. Sollten Sie daran interessiert sein, könnte ich Ihnen weitere Unterlagen zur Verfügung stellen. Auch könnte ich mir im Falle Ihres Interesses einen Gastbeitrag dazu in Ihrem  Magazin dazu vorstellen.

 

Für weitere Rückfragen hierzu stehen ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.  – Jochen Schauenburg


Leserbrief zu „Die Hälfte ist weg“ von Lisa Nienhaus

Dass Geringverdiener für ein Produkt genauso viel Steuern zahlen wie Millionäre ist selbstverständlich richtig. Richtig ist auch, dass sich diese Steuer relativ zu dem verfügbaren Einkommen deutlich stärker auswirkt. Aber eben nur relativ. Insgesamt werden Gutverdienende erheblich mehr Steuern zahlen, da sie erheblich mehr konsumieren. Insofern wäre es für das Steueraufkommen neutral oder besse,r wenn der Mehrwertsteuersatz steigen und die direkten Steuern von Lohn und Einkommen fallen würden. Konsequenterweise könnte man durch eine entsprechende Erhöhung der Mehrwertsteuer die direkten Steuern ganz entfallen lassen. Das hätte viele Vorteile:

  • Das höhere Einkommen ohne Steuerabzug gleicht die höheren Produktpreise aus.
  • Die umfangreiche komplexe und kaum noch verständliche Steuererklärung und -berechnung entfiele; entsprechend entfiele der hohe Verwaltungsaufwand. Etwa 80 % der Finanzangestellten, die ja volkswirtschaftlich unproduktiv sind, werden nicht mehr benötigt.
  • Da Steuermanipulation quasi unmöglich würde, wäre eine viel höhere Steuergerechtigkeit gegeben.
  • Die Angebotspreise deutscher Waren im Ausland wären attraktiver.
  • Die noch aus dem Mittelalter stammende Besteuerung von Herstellung entfiele zugunsten einer Konsumbesteuerung, was auch ethisch besser vertretbar ist, im Sinne mehr Luxus, mehr Steuer.

Lediglich am unteren Rand, etwa alle Einkommen unter der heutigen Steuergrenze, wäre eine Härtefallregelung notwendig. Die könnte so aussehen, dass die prozentual erhöhte Mehrwertsteuer berechnet für diese Einkommen rückerstattet würde.

Eine weitere Empfehlung könnte eine Besteuerung nicht investierten Kapitals nach Abzug von Freibeträgen für Ansparvolumina und die Verknüpfung von Staatsbürgerschaft und Steuern sein.   – Wolfgang Clausmeyer


Leserbrief zu „Wahnsinn mit Methode“ von Jochen Bittner et al.

In der Zeit No. 34 schreiben Jochen Bittner e.a. in „Wahnsinn mit Methode“ von 100.000 amerikanischen Zivilisten in Südkorea, die bisher nicht außer Landes gebracht wurden und der Herausgeber der Zeit, Josef Joffe, schreibt in „Zeitgeist, Die Bombe bleibt“ von seinen 200.000 Zivilisten, die Amerika aus Südkorea evakuieren würde.

Wieviel US-Zivilisten gibt es denn nun in Südkorea, oder würden die USA etwa nur die Hälfte evakuieren und die andere Hälfte belassen? Liest das niemand in der Redaktion quer, oder belässt man die Leserschaft absichtlich im Unklaren? – Hermann Schmitt


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Im Artikel ist mir aufgefallen, dass Herr Schäuble von „die wohlhabensten 10 Prozent der Steuerzahler zahlen über 50 Prozent der Einkommensteuer“ spricht, während in der Erläuterung der auf der gleichen Seite zu findenden Grafik die Rede davon ist, dass „die reichsten zehn Prozent 24,6 Prozent ihres Verdienstes als Einkommensteuer ab[führen]“.

So, wieviel ist es denn nun? Oder gibt es einen kleinen, feinen, mithin nicht jedem bekannten Unterschied zwischen „reichsten“ und „wohlhabensten“?

Zum Thema möchte ich anmerken, dass, zumindest „gefühlt“, die Reichsten oder Wohlhabensten oder Vermögendsten, also die mit den vielen finanziellen Mitteln, wohl kaum 50 Prozent der Einkommensteuer berappen.

Diese Mitbürger werden wohl eher von Kapitalerträgen leben, denn von Einkommen, das versteuert wird. Schließlich hat man dazu noch soviel finanzielle Mittel zur Verfügung, sich echt gute Steuerberater zu leisten, die schon dafür Sorge tragen, dass der Fiskus so wenig wie nur möglich bekommt, ob vom Kapitalertrag oder einem Einkommen.

Wie wäre es, Steuerberater in die Arbeitslosigkeit zu schicken und Finanzbeamte in unterbesetzte Ämter zu versetzen, weil schlicht von jedem, der, auf welche Art auch immer, Einkünfte in diesem Land generiert, von diesen 25% an die Gesellschaft abzugeben sind, ohne wenn und aber, ohne Abschreibungen und was es da noch so an Schlupflöchern gibt. Hieße freilich, den Mindestlohn entsprechend anzuheben.

Das sollte doch ausreichend Mittel hervorbringen, um in „Zukunftfelder [zu] investieren“. Das bedingungsfreie Grundauskommen ist auch eines dieser Zukunftsfelder, neben effizienter Krankenversicherung für alle und universitäre (!) Bildung (!) auch für jene, die es sich nicht leisten können, an „Elite“-Schulen eine marktkonforme Ausbildung -oder sollte man wie Ludwig Wittgenstein sagen: Abrichtung- zu kaufen, deren Kosten dann auch noch von der Steuer abgesetzt werden können. – Volker Homann


Leserbrief zu „Wahnsinn mit Methode“ von Jochen Bittner et al.

In Ihrer Ausgabe 34/2017 beschäftigen sich Jochen Bittner, Kerstin Kohlenberg, Matthias Nass und Jan Ross im Artikel „Wahnsinn mit Methode“ mit Nordkorea. Die Autoren sprechen im Kontext möglicher Kriegsvorbereitung, dass „auch […] die 100 000 amerikanischen Zivilisten in Südkorea bisher nicht außer Landes gebracht“ wurden.

In der selben Ausgabe spricht Josef Joffe in dem Artikel „Die Bombe bleibt“, einer ähnlichen Argumentation folgend, auf einmal von 200 000 Zivilisten. Welche Zahl ist nun korrekt? – Jan Philipp Müller


Leserbrief zu „Wenn Köln zurückpfeift“ von Jörg Kramer

Wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, ob wir als Menschen menschlich sein/bleiben wollen, oder die „Optimierung“ überhand nimmt.

Es scheint eine allgemeine Entwicklung zu sein, daß der Mensch sich durch die vermeintlich technische Optimierung überflüssig zu machen scheint:

– das Ultraschallgerät, das dem Mediziner Entscheidungen vorgibt

– die hochtechnisch ausgerüsteten Fahrzeuge, die nicht nur manipulieren, aber auch jede Bewegung durch irgendwelche Sensoren überwachen und kontrollieren

– die Schiedsrichterkamera und vielleicht bald -software, die den Faktor Mensch „ausschalten“ soll und viele weitere Beispiele.

Es ist wie mit Nachbars Kirschen. Kann der Mensch nicht mehr Mensch sein und dazu stehen? Muß er immer haben, was der Andere hat? Auch wenn das virtuell oder gar unausgereift ist?

Muß es immer das vermeintlich Bessere sein, das letztendlich nur die jeweiligen Systeme komplizierter, aber längst nicht effektiver oder gar lebenswerter macht? Was will der Mensch, wenn er eigentlich nicht mehr Mensch sein will? Eine existentiell evolutionäre Frage! –  Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Hohle Worte“ von Caterina Lobenstein

Wenn sich die Schere zwischen arm und reich nicht schließen und sogar vergrößern sollte, dann steuern wir einer Weltrevolution zu.  Noch kommen die Flüchtlinge noch friedlich, falls sie nicht  im Mittelmeer ersaufen.  Aber es gibt schon die ersten Anzeichen für kriegerische Auseinandersetzungen durch die zunehmenden Terroranschläge.  Was für die eine Seite ein Terrorist ist, ist für die andere Seite ein Freiheitskämpfer.  Wir kennen das seit Andreas Hofer.  „Wer wissen will, was kommt, muss sehen was gewesen ist“ meinte Machiavelli.  Nur das Kommende wird in einer anderen Dimension ausarten.

Unsere Politiker(innen) sind des Erkennens nicht fähig.  Die beabsichtigten Kürzungen der Kinderbeihilfen für ärmere Länder durch die deutsche Sozialministerin und dem österreichischen Sozialminister passen beispielsweise in das Schema, aber in die falsche Richtung.  Vergrößerung der Schere zwischen arm und reich anstatt von sich um deren Schließung zu bemühen.  Neid und Gier regieren.  Der Wahlslogan der SPÖ:  „Holen Sie sich, was Ihnen zusteht“  ist gut – besonders für die Afrikaner! – Peter Jürß


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Ein nahezu brillantes Zeitmagazin 😍. Reiner Lesegenuss ! Glückwunsch & bitte weiter so !!! – Berthold Merkt


Leserbrief zu „Hase und Igel“ von Nadine Ahr et al.

Für die kleine Käthe mögen die Löcher im Grenzzaun gereicht haben. Die Schmuggler, mit Bergmannserfahrungen aus dem Aachener Steinkohlenrevier, wollten mehr. Sie gruben einen Tunnel von der Neustraße zur Nieuwstraat in Kerkrade. Butter, Kaffee,Tabak und andere Kostbarkeiten waren in Holland viel billiger als in Deutschland. Aber, der Bürgersteig auf der Nieuwstraat stürzte ein. Der Tunnel wurde entdeckt und der Traum der Herzogenrather Schmuggler von der billigen, holländischen, guten Butter war ausgeträumt. – Herbert Schartmann


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Sie hätten sich den Brief an Herrn Schäuble sparen können. Dann hätten wir Leser allerdings auf Ihre verständliche und spritzige Analyse unseres Steuersystems verzichten müssen. Erspart geblieben wäre uns die – erwartbare – Replik eines in Gesetzesdschungel und Machtsystem verliebten Finanzministers. Markiere ich alle seine Sätze farbig, die peinliches Eigenlob (Gelb) und mächtiges Wahlkampfgetöse (Rot) beinhalten, bleiben nur wenige schwarze Textstellen übrig. Die Belehrung im letzten Absatz zur künftigen Unterweisung Ihrer Kinder gehört auch dazu. Und was soll ich davon halten, dass er Menschen mit 1300 Euro netto offensichtlich zur Mittelschicht zählt?

Das meint einer, der sein Leben lang brav und ehrlich Steuern gezahlt hat, nicht unbedingt gerne, aber doch einsichtig in die Notwendigkeit zur Finanzierung eines gerechten sozialen Staates. Regelrecht aufregend finde ich die Grafik zu Steuern und Abgaben der Einkommensgruppen. Dass die Gruppe der reichsten zehn Prozent spürbar weniger Belastung trägt als die darunter liegende, ebenfalls sehr reiche Gruppe, hier also eine ungerechte und nicht zu rechtfertigende relative Entlastung eintritt, ist nicht als Neider-Betrachtung, sondern als ausgemachter sozialer Skandal zu sehen.

Ich stimme der Veröffentlichung meines Namens und meines Wohnortes zu. Und vielen Dank für Ihren Brief! Dank auch an Herrn Schieritz und Frau Borsutzki.- Helmut Schug


Leserbrief zu „Do you speak German?“ von Özlem Topçu

Ihre Frage im Untertitel der Überschrift „Warum eigentlich?“ und Ihr angedachter Einwand zur Problemlösung im Text, doch sein Schnitzel in der Eckkneipe zu sich zu nehmen und damit Orte zu meiden, an denen man mit den „neuen“ Verhältnissen unzufrieden sei, ist in meinen Augen so anmaßend und arrogant, dass ich mich einfach dazu äußern möchte.

Ich meine, dass es sich bei einer Landessprache nicht nur um Kultur, sondern um ein Identifizierungsmerkmal handelt. Dass eine Sprache sich wandeln kann, sieht man, wenn man versucht, Walter von der Vogelweide im Original zu lesen. Ich spreche keine Fremdsprache und habe daher keine Reisen in nicht deutschsprachige Länder unternommen. Ich finde es einfach einen Akt der Höflichkeit, in einem fremden Land, wenn auch auf einem geringen Niveau, aber doch ein Gespräch führen zu können. Jetzt kommen Sie daher und teilen mir mit, dass ich mich damit abfinden soll, in Deutschland, insbesondere in Berlin, nicht mehr in allen Bereichen mein Leben führen zu können, weil meine Sprache dort einfach nicht mehr gesprochen wird. Ich bin der Meinung, dass ich im Bereich der Dienstleistung das Recht habe, meine Wünsche in meiner Landessprache vorzutragen, um dann davon auszugehen, dass ich mit meinen Wünschen auch verstanden werde. Was ich Ihnen ganz besonders ankreide ist die Tatsache, dass ich mich durch Sie gezwungen sehe, das so ausdrücklich zu betonen; weil ich mich damit (durch Sie und von Ihnen) in eine Ecke gedrückt fühle, in die ich auf keinen Fall möchte: Ich bin keine AfD-Sympathisantin schon gar nicht -Wählerin, keine Pegida oder sonstige -gida Mitläuferin oder anderweitig politisch rechtsaußen aktive Person.

Aber Ihr Artikel ging mir einfach über die Hutschnur. Dass ich nicht völlig allein dastehe, entnehme ich Leserbriefen in der ZEIT. In denen wurde bereits mehrfach bemängelt, dass Anglizismen sich häufen, ohne dass Übersetzungen mitgeliefert werden.

Außerdem stelle ich mir die Frage, warum Ihnen bei dem „Unterhosenduscher“ nicht auch die Möglichkeit einfiel, er könne doch, wenn er die Dusch-Gepflogenheiten in Gruppenräumen in Deutschland nicht akzeptiert, das Duschen zu Hause nachholen. Aber Gott sei Dank sind Sie wenigstens der Meinung, dass ein Zurück zu einem verklemmten Deutschland nicht wünschenswert sei.

Ich bin weiter der Auffassung, dass Sie mit Ihrer Meinung, dass solche Leute wie ich, sich allenfalls noch in Eckkneipen aufhalten und „urbanere Orte“ meiden sollten, genau dieses Unbehagen schüren: Einige fühlen sich in „ihrem“ Land nicht mehr wohl und wenden sich Extremen zu, die „Deutschland den Deutschen“ skandieren.

Noch folgender Hinweis: Der Autor, Wladimir Kaminer, hat in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 19.8.17  unter „Speakers‘ Corner“

ebenfalls einen Artikel zu dem Thema „Kellner in Berlin versteht kein Deutsch mehr“ geschrieben. Nach seinen Erkenntnissen seien es Amerikaner, die sich nicht der Mühe unterziehen, Deutsch zu lernen. Die letzten beiden Sätze dieses Artikels: „Also war ich auf Deutsch angewiesen und lernte fleißig in Berlin. Das sollen die Amerikaner auch tun.“ Ich finde die Einstellung von Herrn Kaminer wesentlich sympathischer als Ihre.

Und zum Schluß: Ihren allerletzten Halbsatz halte ich für so überflüssig, wie einen Kropf. Ein Punkt hinter dem Wort „Gelassenheit“ hätte es auch getan. – Monika Runge


Leserbrief zu „Nicht den Falschen helfen“ von Michael Fuchs

Zumindest der Titel der Stellungnahme von Dr. Fuchs „Nicht den Falschen helfen!“ ist richtig. Was dann folgt, ist jedoch so falsch, dass es einer Erwiderung bedarf:

Erstens:

Die Bestimmung der Ziele und Grenzwerte beim Gesundheits- und Umweltschutz wird nicht den Unternehmen überlassen. Der Staat setzt sehr klare Regeln. Die Autoindustrie jedoch missachtet diese Regeln massiv und mit einem Zynismus, wie wir ihn seit über 70 Jahren nicht mehr erlebt haben.

Statt neue Regeln zu fordern, muß endlich die Exekutive einschreiten: Die kriminellen Täter  – Manager, Ingenieure und Softwareentwickler – müssen dingfest gemacht werden. Ihre Produkte töten jedes Jahr tausende von Menschen mit Abgasen, die bis zu 40-fach (!) über den Grenzwerten liegen.

Hier dienen die USA ausnahmsweise als Vorbild: Sie verfolgen die Täter unerbittlich und bestrafen sie hart. In Deutschland dagegen hilft man tatsächlich den Falschen, indem man sie weder selbst verfolgt, noch ausliefert. Stattdessen werden sie hofiert und gehätschelt.

Zweitens:

Die Staatsbeteiligung an VW ist nicht per se falsch. Die Machtbündelung in den Händen der Familien Quandt, Piech, Porsche hat  zu einem außer Kontrolle geratenen Kapitalismus geführt, der sich um das Wohlergehen der Menschen einen Dreck schert. Das ist nicht anders als bei VW und bei allen anderen Herstellern.

Drittens:

Herr Fuchs warnt vor neuen Subventionen und verteidigt gleichzeitig die alten – und zwar mit dem grotesken Argument, die Dieselsubvention habe eine bessere Klimawirkung.

Die Forderung, Dieselfahrer müssen auf Vertrauensschutz zählen können, ist dann der Gipfel an wahltaktischem Populismus. Vertrauen in Wirtschaftsunternehmen ist schlichte Dummheit. Das haben wir gelernt. Und das Restvertrauen in die Regierung wird im Falle der Abgasgrenzwerte gerade vollständig zerstört.

Viertens:

Ja, auch die E-Mobilität kann zu „ökologische Folgefragen“ führen und das ist gut so. Zu allererst aber führt die E-Mobilität zu weniger Abgasen in den Lungen der Menschen.

„Arbeitsgruppen der Bundesregierung zu zentralen Themen“ dagegen führen zu garnichts. Und auch einen „strukturierten Prozess des Auf-die-Finger-Schauens“ brauchen wir nicht.

Setzt der Industrie endlich eine Frist zur Erreichung der gesetzlichen Grenzwerte! Und überprüft das bei jedem einzelnen Auto!

Vorschlag: 30.09.2017. Es gibt in Deutschland genug KfZ-Werkstätten, die das bis dahin umsetzen können. Notfalls muß der ein oder andere Sportauspuff auf seinen Einbau warten.

Fünftens:

Herr Fuchs schlägt vor, der Autoindustrie „unbequeme Fragen“ zu stellen und nennt auch gleich einige: Was ist die Vision der Autoindustrie? Wie gewinnen wir den Wettlauf um die Digitalisierung? Wenn das für die Regierung bereits unbequeme Fragen sind, dann gute Nacht Deutschland.

Fazit:

Die deutschen Autobauer verstoßen mit dem Einsatz von Betrugssoftware beim Diesel gegen geltendes Recht und nehmen damit Jahr für Jahr den Tod tausender Menschen durch Abgase billigend in Kauf – und zwar aus niederen Beweggründen. Der Staat hat Angst vor den Tätern und schützt sie sogar. Das erinnert an unselige Zeiten: Wollen wir warten, bis über den Auto-Werkstoren „Diesel macht frei“ steht? – Christoph Kreis


Leserbrief zu „Wie sexistisch ist die IT-Industrie?“ von Claas Tatje und Götz Hamann

Wegen der Fokussierung des Interviews auf eine einzige Aussage im Google Manifest bleiben die eigentlichen Forderungen des Verfassers unerwähnt. Der Google Mitarbeiter wünscht sich Transparenz der Diversity- Maßnahmen und eine offene Diskussion anstelle autoritärer Hinterzimmerpolitik.  Es ist einfach, eine Diskussion über berechtigte Forderungen zu vermeiden, indem der Verfasser durch den Sexismusvorwurf mundtot gemacht wird. Der Verfasser beklagt zu Recht den autoritären Charakter dieser Umsetzung von Diversity.  – Georg Kutschke


Leserbrief zu „Filterblase?“ von Tin Fischer

Gemeinsam einsam

Wenn sich Tin Fischer in der „Zeit“ vom 17.08. zum Lobbyisten der Algorithmen macht, betont er zwar, diese seien nicht schuld an der Meinungsunterschiedlichkeit der Menschen und auch blasenfördernde Suchfilter in digitalen Medien seien schon deshalb nicht schlimm, weil sogar ohne  absichtliche Suche würde man die ganze Vielfalt finden, dann hat er unabweisbar recht, schummelt sich aber am Wesentlichen vorbei. Letztlich suchen die User nicht nur Information, sie suchen Selbstbestimmung.

Es gehört zu den gepriesenen Vorzügen freier Individualisierung, dass jeder Denken, Sagen und Meinen  kann, was immer er will, mit gänzlicher Berechtigung. Im wirklichen Leben ist das nur fast ähnlich.

Mag jeder auf der Bühne im Medienzirkus seinen Empfindungen auch Zucker geben, wenn gearbeitet und konferiert wird, geht es immer um eine konkrete Aufgabe und allgemeine Ansichten tun dann nichts zur Sache. Egal welche Ansichten vertreten werden. Es gilt nicht einfach als unhöflich, sondern geradezu als verwerflich, die Gemeinsamkeit an der Aufgabe durch skurrile eigene Prämissen zu untergraben. Soll doch jeder Denken, Fühlen, Meinen, was er will, nur bitte nicht jetzt und nicht hier. Dies sollte im Privaten bleiben.

Dann aber ist bei der schluchzenden Suche nach Zugehörigkeit, eher Wut und Trotz zu finden, sollte der Schutzraum der „Blase“ gestört sein. Fremdmeinungen werden nicht gesucht, sondern weggebissen. Natürlich sind die mitfühlenden Algorithmen daran nicht schuld. Und es wird begreifbar, warum die greifbare Zugehörigkeit bei Demo und Gegendemo auch gegen Hindernisse und Gewalt ankämpfend so dringlich gesucht wird.

Man will einfach irgendwo dazugehören. – Franz Wanner


Leserbrief zu „Hohle Worte“ von Caterina Lobenstein

Frage 1:

Wo sieht Frau Lobenstein die „einfachen Jobs“, die so zahlreich sind, dass jedes Jahr einige (Zehn?) Tausend Afrikaner mit geringen  Sprachkenntnissen Arbeit finden und ausreichend Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen?

Frage 2:

Wann kann ich in der ZEIT eine sorgfältig recherchierte Umweltbilanz für E-Auto und Auto mit Verbrennungsmotor lesen, die nicht nur den Betrieb (Schadstoffausstoß) vergleicht, sondern auch Herstellung (einschließlich Rohstoffgewinnung) und Entsorgung einschließt? – A. Tilk-Kann


Leserbrief zu „Erfolgreicher Reaktionär“ von Diedrich Diederichsen

Diedrich  Diederichsen urteilt über Michel Houellebecqs neues Buch „In Schopenhauers Gegenwart“, es sei voller „Bömbchen von dreister Blödheit“.Man erfährt, dass Houellebeques „Welt- und Menschenverachtung“ „reaktionär“ ist, denn er  wolle „Heimat, Volk und Tradition umarmen“. Offenbar hält sich Diederichsen für fortschrittlich, weil er diese Einstellungen abwertet, obwohl z.B. gerade Migranten daran festhalten, weil sie ihnen Halt und (kulturelle) Identität geben.

Houellebeques Lob Schopenhauers, urteilt der Rezensent, „haut genau hin“, denn nach der Meinung des Philosophen seien „Geschichte und Natur sinnlose Hamsterräder, von Wünschen, deren Erfüllung nie zufriedenstellt, mit Energie versorgt“. Diese bekannten pessimistischen Auffassungen Schopenhauers sind sicher einseitig. Schon Goethe, der „Die Welt als Wille und Vorstellung“ schätzte und mit dem jungen Schopenhauer zusammenarbeitete, hat dergleichen kritisiert. Doch ist es sicher menschenfreundlich, Illusionen aufzudecken. Nicht umsonst bewunderten u.a. Tolstoi, Kafka, Thomas Mann und Borges Schopenhauer.

Die von Houellebecque behauptete Widersprüchlichkeit zwischen der These, die Welt sei sinnlos, und der Abfassung von „Aphorismen zur Lebensweisheit“, könnte man aber durchaus relativieren, was der Rezensent nicht tut. Denn Schopenhauer hat zwar die Bedeutung des Irrationalen, des „blinden Willens“ aufgedeckt – Freuds Begriff des Unbewussten verdankt ihm viel – doch hat er ihm die Welt der Kunst entgegengesetzt. Während undifferenzierte Etikettierungen wie „reaktionär“ und „Blödheit“ wohl dem blinden Willen entstammen, setzt Schopenhauer diesem die Objektivation des Willens entgegen. In Stufen mit ansteigender Deutlichkeit trete das Wesen des Willens in die Vorstellung und stelle sich als Objekt dar. „In diesen Stufen erkannten wir schon dort Plato’s Ideen wieder. “ Hinter den wahrnehmbaren Schattenbildern der Realität existierten die Urbilder jener Schattenbilder, die „wahrhaft seiend“ genannt werden können. Eine solche Welt werde im Erlebnis der Kunst deutlich, z.B. in der Tragödie, die die schrecklichen Seiten des Daseins zeige, weshalb der Zuschauer das Leben nicht mehr liebe. Doch könne man als Folge negativ das erkennen, was „nicht das Leben will“, und daran Gefallen finden. Die Kunst erlöse vom blinden Willen.

Generell kann man zur feuilletonistisch-geistreichen Kritik an großen Philosophen wie Schopenhauer oder auch Heidegger, der politisch natürlich verhängnisvoll irrte, sagen, dass ihre Werke bleiben werden, wenn die Namen von bekannten Journalisten vergessen sind. Das gilt auch für gewisse  Modephilosophen, die eher Irrlichtern gleichen. Kürzlich las ich z.B. eine knappe, aber überzeugende  Fundamentalkritik Adornos in „Liebe“ von R.D. Precht, den der Rezensent wohl kaum als reaktionär bezeichnen dürfte. Ich war verblüfft, wie einfach man Adornos  bis zur Unverständlichkeit verklausulierte Thesen widerlegen kann.  – Karl Seegerer


Leserbrief zu „Die Hälfte ist weg“ von Lisa Nienhaus

Einen Punkt hat Frau Nienhaus in ihrem sehr eindrucksvollen Brief an Herrn Schäuble nicht erwähnt, zu dem ich gerne die Stellungnahme des Finanzministers gelesen hätte: Wie ist es zu erklären, dass man auf zu zahlende Steuern noch einmal Steuern zahlen muss?

Das Mineralöl wird schon zu mehr als 50 % des Ölpreises mit Steuer belegt, und der Gesamtpreis, Öl plus Mineralölsteuer wird mit der Mehrwertsteur belastet. Eigentlich dürfte doch nur der Warenwert des Mineralöls mit Mehrwertsteuer belegt werden.

In diesem Zusammenhang fällt mir auch auf, dass bei der Besteuerung des Diesels von „Subvention“ gesprochen wird. Eine Subvention ist für mich, wenn der Staat etwas dazugibt, Aber er nimmt sich ja etwas, nämlich die Steuer. Man sollte besser sagen, dass Diesel weniger besteuert wird als Benzin , oder andersherum, dass Benzin höher besteuert wird als Diesel. Es ist keine Subvention des Staates für den Diesel. – Dr. Rainer Walcha


Leserbrief zu „Die Hälfte ist weg“ von Lisa Nienhaus

Ich habe heute mit großen Interesse den Artikel „Die Hälfte ist weg“ in der Ausgabe Nur. 34 der ZEIT gelesen. Da Herr Schäuble auf die Beschwerde Ihrer Redakteurin tatsächlich antwortete und Stellung nahm, kam mir die Idee, mich mit einem Anliegen an Sie zu wenden:

ich habe zwei Wochen vor dem G 20-Gipfel am 7. Juli 2017 einen Brief per Mail an Frau Merkel gesendet (siehe Anlage). Ich hatte mir ein Antwort auf die Frage erhofft, wieso JEFTA geheim, ohne Information der Öffentlichkeit verhandelt wurde und ohne die Möglichkeit einer öffentlichen Diskussion beschlossen werden sollte.

Zuvor hatte ich im Herbst 2015 zum ersten Mal einen Politiker – auch Frau Merkel – per Mail kontaktiert, um meiner Zustimmung zur Grenzöffnung für die Flüchtlinge in Budapest Ausdruck zu verleihen. Zu meiner Person: ich bin 53 Jahre alt und in einer sozialdemokratisch, politisch aktiven Familie groß geworden. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie CDU gewählt aber durch die damalige Flüchtlingspolitik von Frau Merkel geriet meine politische Gesinnung fast ins Wanken. Auf meine Nachricht an die Bundeskanzlerin kam nach geraumer Zeit auch eine freundliche und dankende Antwort von einem ihrer Mitarbeiter. Nachdem ich Ende Juni erneut einen Brief, diesmal mit kritischem Inhalt und der Bitte um Klärung meiner Fragen an Frau Merkel richtete, kam bis jetzt leider keine Antwort.

Möglicherweise ist es vermessen, Sie um Unterstützung zu bitten aber es steht Ihnen ja jederzeit frei, meine Anfrage einfach abzulehnen. Ich würde mich dennoch freuen, wenn Sie eine Möglichkeit sehen würden, wie ich (und sicher auch viele andere Menschen) zu einer zufriedenstellenden Erklärung für die Geheimhaltung von wichtigen politischen Entscheidungsprozessen kommen könnten, die wie JEFTA  von enormer ökonomischer und vermutlich generationsübergreifender Tragweite sind und durch den Prozess der Geheimhaltung einer demokratischen „Regulierung“ entzogen werden.

Vielleicht ist Ihnen ja auch bereits eine Klärung meiner Fragen durch Ihre umfassenden politischen Einblicke möglich oder es wurde bereits zu diesem Thema ein Artikel in der ZEIT publiziert, der mir entgangen ist ? – PD Dr. med. Elke Münch


Leserbrief zu „Deutschland-ein Land wie keines“ von Bernd Ulrich

Fürwahr ein erhellender und aufklärerischer Artikel, dazu mit gelenker Feder. Vielen Dank dafür! – Jörg Lottermoser


Leserbrief zu „Die vielen Gesichter des Konservatismus“ von Volker Weiss

Die vielen Gesichter gibt es auch links. Das lässt sich in einer Demokratie gar nicht ändern.  Mir bleibt nur zu sagen, wie Ihr Autor es beschrieben hat: Thomas Mann hat die simpelste und richtige Antwort gefunden: „Deutschland deutsch erhalten wollen – weiter nichts.“ Die Bundeskanzlerin ist auch Deutscher geworden. Sie hat Multikulti als gescheitert angesehen. Aber das muß bei Ihr nichts heißen. So ähnlich wie beim USA-Präsidenten Donald Trump. Heute so und morgen anders. Es muß nur alles vernünftig zu gehen. Die Krux ist aber: Was ist vernünftig. Das konnte mir bisher keiner erklären. Vielleicht kann es ja ihr Autor? – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Hohle Worte“ von Caterina Lobenstein

Ich nehme Bezug auf Ihren Artikel :“Hohle Worte“, der nicht nur Wahrheiten beschreibt, die gerne verdrängt werden, sondern auch das Schlagwort „Fluchtursachen bekämpfen“ aufgreift.   Mein Thema seit über 25 Jahren!!! (Seit dem erschütternden Film „Der Marsch“ – damals fiktiv))  Sicher ein „weites Feld“, aber die praktische Seite, die Menge der perspektivlosen Menschen auf dem Land ist seit 1990 der Fokus unserer Arbeit! Dabei spielen die Frauen eine zentrale Rolle.   ….. und unser Weg zeigt dauerhafte Erfolge …..!!   Wir arbeiten in Uganda, aber unser „Modell“ könnte als Blaupause für andere Armutsregionen dienen.   Vielleicht finden Sie diesen Weg der „Armutsbekämpfung so interessant, dass Sie bei der Verbreitung mithelfen?!?!   – Ilse Schummer


Leserbrief zum „Voyeure tauschen auf einer Pornoseite im Internet Videos und Bilder – eine Undercover-Recherche“ von Isabelle Beer im ZEIT Magazin

Ihr Artikel über abartige Menschen hat mir sehr schlechte Laune bereitet.

Das SO VIELE Menschen diese perversen Neigungen haben ist ja nichts neues, nur das es jetzt im Internet noch einfacher geht als jemals zuvor ist neu. Neu und kostenlos. Viele davon sind sicher auch nur mal Kurzbesucher – so nach dem Motto: Nur mal schauen.

Doch das SIE damit Monate verbringen zu recherchieren hat doch auch Sie bestimmt nicht amüsiert. Herauszufinden wie ein perfekt funktionierendes System die perversen und abartigen Neigungen Tausenden von Nutzern dienlich ist.

Obendrein muss man tatenlos zusehen da man selbst oder die Polizei nichts ändern können. Damit 4 Seiten in „DIE ZEIT“ zu füllen finde ich übertrieben.

Stellen Sie sich vor Sie fliegen über ein Bordell, heben das Dach an und schauen hinein. Alles was man dort sieht ist genauso wenig für die Öffentlichkeit wie das was Sie mühevoll recherchiert haben. – Ludmilla Mueller


Leserbrief zu „Die Hälfte ist weg“ von Lisa Nienhaus

Der nachvollziehbare Vorschlag von Lisa Nienhaus, den Mehrwertsteuersatz zu senken, wird von Finanzminister Wolfgang Schäuble nicht so richtig ernst genommen, da ja „die Staatsfinanzen gesund geworden“ seien. Ein Überblick über die Mehrwertsteuersätze in der EU zeigt, wie unterschiedlich die EU-Mitgliedsländer die Höhe der Steuersätze festgelegt haben. Es gibt außerdem jeweils einen Mindersatz, in Deutschland beträgt er sieben  statt 19 Prozent. Nun wäre es doch bei bestimmten Warengruppen möglich, den Mindersatz festzulegen, wie z.B.

bei Arzneimitteln. In den meisten EU-Staaten wird für Arzneimittel ein Mindersatz veranschlagt, nur nicht in Deutschland. In Schweden, Irland, Großbritannien und Malta wird für verschreibungspflichtige Arzneimittel gar keine Mehrwertsteuer erhoben. Es wäre schon eine Erleichterung, wenn der Fiskus hierzulande Medikamente mit dem Mindersatz von nur sieben Prozent belasten würde. – Dr. Peter Triefenbach


Leserbrief zu „Die privaten Krankenversicherungen nutzen Patienten als Versuchskaninchen“ von Jan Schweitzer

Der Artikel bringt nicht viel Neues, was man nicht längst schon weiss Höchsten der Autor könnte Zoff mit den Privaten bekommen, wegen der Kaninchen. Am Schluss des Artikels ist der Autor ratlos. Private oder Gesetzliche oder was? Kein Problem , Beide werden fortbestehen.Saftige Gehälter in den oberen Etagen, in klotzigen Immobilen. Das wird verteidigt werden.- Hans-Emil Schuster 


Leserbrief zur Grafik: „Ist das gerecht?“ von MAS

Es ist doch mit Verlaub gesagt hanebüchen, alles in Prozent vom Einkommen darzustellen.

Beispiel: Der Staat besteht aus zwei Personen, der eine verdient 100.000, der andere 10.000. Die Abgabenhöhe betrage 40%. Dann zahlt der eine 40.000, der andere 4.000; zusammen 44.000. Wenn man dies nun wieder auf beide verteilt, erhält jeder 22.000; so hat der Arme 18.000 gewonnen und der Reiche 18.000 verloren. Es findet also trotz „gleicher“ Belastung sehr wohl eine Umverteilung statt! – Werner Koetz


Leserbrief zu „Wie faschistisch ist Amerika?“ von Christian Caryl

Ich möchte eine Beschwerde bezüglich des Artikels „Wie faschistisch ist Amerika“ vorbringen (Autor: Christian Caryl), der momentan nur Abonnenten zugänglich ist. Grund für meine Beschwerde ist die Wahl des Bildes.

Ich habe hierzu folgenden Kommentar (Nr. #3) unter dem Namen „homo rhetoricus“ verfasst:

„Das Bild und seine Beschreibung sind äußerst irreführend. Der Mann im Mittelpunkt ist nicht Spencer! Ich habe die Vermutung, dass der Mann am linken Bildrand (weißes T-Shirt) Spencer sein könnte, aber selbst wenn dem so sein sollte, ist die Wahl des Bildes mehr als unglücklich, da man als unwissender Leser den Mann in der Mitte für Spencer halten muss. Entweder handelt es sich hier also um sehr schlechten Journalismus oder (was ich nicht hoffe, aber auch nicht ausschließen kann) um eine bewusste Bildauswahl zur vorsätzlichen Täuschung der Leser. So etwas darf eigentlich nicht passieren. Schon gar nicht in der KOSTENPFLICHTIGEN Premium-Ausgabe von ZON. Ich bitte um eine Rückmeldung des Redaktionsteams.“

Letzten Endes geht es mir um die Qualität und den Wahrheitsgehalt der Berichterstattung und ich hoffe, dass dies auch Ihre Prioritäten sind. Ich bitte daher darum sich meiner Beschwerde anzunehmen und mir eine Rückmeldung zukommen zu lassen.  – Daniel Kästle


Leserbrief zu „Die Hälfte ist weg“ von Lisa Nienhaus

Im Antwortbrief von Wolfgang Schäuble ist zu lesen, daß „starke Schultern mehr als schwache Schultern tragen müssen. Die wohlhabendsten 10 Prozent der Steuerzahler zahlen über 50 Prozent der Einkommensteuer.“ – Schaue ich mir die Portionswurst dazu an, bestehen alle Steuereinnahmen jedoch nur zu 7,6 % aus Einkommensteuer; wenn davon ca. 50 % die starken Schultern schultern, dann sind das vohl 4 % des Gesamtsteueraufkommens. Ist das stark, wenn gleichzeitig die 10 % Ärmsten sich allein durch die Mehrwertsteuer ca. 13 % ihrer Einkommen abzwacken lassen müssen und diese Mehrwertsteuer 30,8 % des Gesamtsteueraufkommens beträgt? – Nein, Herr Schäuble, die CDU (vielleicht nicht Sie persönlich) versprach schon des öfteren eine Neufassung der Steuergesetzgebung, und jetzt soll es wieder die nächste Legislaturperiode machen. Würden Sie das noch glauben, wären Sie nicht selbst CDU-Mitglied? – Und vor allem: Wer hat all’ diese Konsolidierung des Staatshaushaltes denn mitbezahlt, prozentual am höchsten diejenigen, die am wenigsten haben, und die arbeiten auch! – „Wenn es für alle nicht reicht, springen eben die Armen ein.“ (Ernst Bloch) – Hanna Leinemann


Leserbrief zu „Die Hälfte ist weg“ von Lisa Nienhaus

„Jeder Euro kann nur einmal ausgeben werden“, schreibt Herr Schäuble – das ist so richtig wie banal. Dabei könnten es durchaus ein paar Euro mehr zum Verteilen sein. Herr Schäuble „vergisst“, dass aufgrund seiner jahrelangen Untätigkeit gegen die kriminellen Cum-Ex- und Cum-Cum-Deals im Staatshaushalt über 30 Milliarden Euro fehlen. Auf Erbschaften von 300 Milliarden Euro jährlich werden in Deutschland maximal durchschnittlich drei Prozent Steuern gezahlt, sie tauchen bei ihm gar nicht erst auf. Allein die neuen Steuervergünstigungen für Firmenerben betragen laut aktuellem Subventionsbericht des Bundeskabinetts jährlich 5,7 Milliarden Euro. Seine „Schwarze Null“ und die „ausgewogene Mischung“ kommen vor allem durch die Niedrigzinspolitik der EZB unter Mario Draghi zustande: Schäuble hat laut Handelsblatt seit 2008 dadurch 240 Milliarden an Zinsen weniger ausgeben müssen. So viel zu Schäubles Steuergerechtigkeit und „verlässlicher Haushaltspolitik“. – Dr. Emanuel Peter


Leserbrief zu “ Wenn Männer zu sehr lieben“

Die Spalte mit der Schröder-Karriere direkt neben den Artikel über Putins AFD-Truppe zusetzen, ist sicher nur Zufall,aus Platzgründen. Der Schröder-Artikel ist sehr sachlich. Aber nur auf den ersten Blick. „Schröders Vater stirbt an der Ostfront“ Das  sollte reichen. Aber nein,es war die Roten Armee. Na wer denn sonst wohl? Müsste daraus folgen der kleine  Gerhard hasst die Russen ? Und das für immer? Dann folgt Schröders steile Karriere mit den Russen.Im Artikel doch immer mit einem ganz leisen Vorwurfston? Wie auch immer,wir sollten froh sein,an  höchster Position in Russland einen Mann zu haben mit besten Verbindungen zu hohen Wirtschaftsführern und zu Putin.Schröder wäre der Mann, die gestörten Beziehungen zu Russland wieder in Ordnung zu bringen, einschliesslich der Löschung  der unsinnigen Sanktionen. – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Endlich ein Artikel über Familienpolitik, der thematisiert, dass wir selbst die Verantwortung für unsere Lebensentwürfe tragen – mit allen Konsequenzen. Wer eine Familie gründet, begibt sich in ein Abenteuer, dessen Verlauf und Ergebnis er nicht kennt. Für Menschen, die stets die Kontrolle behalten wollen, wird davon abgeraten. Wo am Ende Rentenpunkte fehlen, herrscht dafür vielleicht mehr Lebensfreude und Erfüllung. Wem aber daran gelegen ist, dass sich Vater und Mutter die Elternzeit paritätisch teilen, der muss nur zwei Dinger ändern: Die väterliche Brust mit Milchdrüsen versehen und die Bezahlung von Mann und Frau angleichen. Ersteres halte ich durchaus für möglich.  – Hendrik Große-Homann


Leserbrief zu „Die privaten Krankenversicherungen nutzen Patienten als Versuchskaninchen“ von Jan Schweitzer

Seit so etwa 50 Jahren bin ich Zeit- Abbonent. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen solch unsachlichen Artikel gelesen zu haben. Auf alle falschen Behauptungen einzugehen, würde sicherlich einen Leserbrief sprengen. Also nur eine für die vielen: Ich habe mit 61 Jahren eine mechanische Aortenklappe  bekommen und mit 75 Jahren 2 Bypässe. Beide Operationen, wobei die letzere besonders schwierig war, wurden von Chefärzten vorgenommen. Die Klappen-Op machte der Chefarzt nicht ein-,zweimal im Monat, sondern mehrmals täglich. Und die besonders schwierige   Bypass-Op über 6 Stunden nahezu täglich.

Der Hamburger Senat hat übrigens nicht beschlossen, dass Beamte sich künftig auch gesetzlich versichern dürfen – das durften sie schon immer – , sondern dass sie einen Beitragszuschuss erhalten. Und das tat er nicht, um die Beamten vor der privaten Krankenversicherung zu schützen, sondern aus Ideologie – als Schritt in Richtung Einheitsversicherung, was  von Herrn Lauterbach ja auch genau so begrüßt wurde. Er war hier wenigstens ehrlich. Herr Schweitzer denkt genauso, aber sagt es nicht offen, sondern macht die private Krankenversicherung mit falschen  Behauptungen schlecht.

Schade, dass so ein Artikel bei der Zeit unwidersprochen durchgeht und veröffentlicht wird. Freundliche Grüße aus Montegrotto, deshalb die etwas verspätete Reaktion. – Herbert Grohe


Leserbrief zu „Die Hälfte ist weg“ von Lisa Nienhaus

Ihr Brief an Herrn Schäuble beinhaltet viele Argumente, die ich als Leser nachvollziehen und unterstützen kann. Aber Ihr Hauptargument jedoch, Mehrwertsteuer- Absenkung fusst leider auf einer groben Fehleinschätzung, weil nämlich im besten Fall nur die Hälfte der Absenkung beim Verbraucher tatsächlich ankommen würde. Ein Grossteil der MWST-Reduzierung würde nicht beim Steuerzahler ankommen; sie würde schlichtweg „versickern“ auf dem Weg dorthin als „Mitnahmeeffekt“ bei all denjenigen, die die Verbraucherpreise festlegen. Aus 40 Jahren Berufserfahrung im Handel, dürfen Sie mir das glauben.Wolfgang Seyfert


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Es sei „die Schuld der Mütter“, dass in Deutschland trotz zahlreicher Anreize und politischer Initiativen noch immer v.a. die Frauen Elternzeit nehmen und auch danach den Großteil der Versorgungsarbeit für Kinder, Haus usw. übernehmen, schreibt Rudi Novotny in der ZEIT vom 17. August. So provozierend der Titel, so richtig der Inhalt des Artikels. Frauen hätten allzu schnell die passende Entschuldigung parat, wenn es darum gehe, warum ihre eigentlich willigen Männer gerade jetzt jobtechnisch nicht kürzer treten könnten. „Es gibt nur eine einzige familienpolitische Maßnahme, die Männern nahebringt, dass all dies nicht sein kann: Frauen, die ihnen erklären, dass auch Männer im Job verzichtbar sind.“

Nicht nur erklären, möchte man ergänzen, vorleben, einfordern! Aber genau das fällt einigen bis vielen von uns Müttern so schwer. Weil wir über viele Frauen- und Müttergenerationen hinweg gelernt haben, unsere eigenen Bedürfnisse nicht so ernst, nicht so wichtig zu nehmen, und wenn, dann hinter den Bedürfnissen von Mann (an 1. Stelle) und Kindern zu stellen. Was, Ihr schlagt Euch noch immer mit diesen Themen herum, stellte meine Mutter erschrocken fest, da war unsere erste Tochter vielleicht anderthalb Jahre alt, darum haben wir doch gekämpft! Ja, Mama, ihr habt diesen Kampf begonnen, habt das bis dahin Bestehende aufgebrochen, es war aber erst der Anfang. Und wenn wir ehrlich sind: wer hat denn bei uns daheim gekocht, Wäsche gewaschen, aufgeräumt? Die eigene Karriere der des Mannes hintenangestellt? Es als Schuld auf sich genommen, wenn es uns Kindern nicht gut ging? Woher also, fragt  auch der Familienexperte Jesper Juul, sollen (wir) Frauen (als Gesamtheit, natürlich gibt es Ausnahmen) es denn gelernt haben?

Kein Wunder also, dass in der von Novotny beschriebenen Studie der University of California bei den Filmaufnahmen in Familienwohnungen auffiel, „dass nichts öfter auf den Filmen zu sehen war als Väter, die allein in einem Zimmer herumstanden“. (Eine Vorstellung bei der mein Mann und ich herzlich lachen mussten – nur zu sehr kann man sich das bildlich vorstellen). Aber die Wahrheit ist: Männer haben oftmals kein Problem damit, ihren Bedürfnissen nachzugeben, etwas für sich oder eben „auch mal nichts zu tun“, wie Novotny schreibt. Das könnten sich einige Frauen von ihren Männern abgucken (statt darüber zu schimpfen, wie ungerecht es sei: ich kümmere mich ja schließlich auch, egal ob ich noch kann/mag oder nicht).

Denn letztlich sollte es darum doch gehen: Nicht um die Schuld der Mütter, die ja auch nichts dafür können, was sie Generation für Generation weitergereicht bekamen: dass und wie eine Mutter sich kümmert und für andere sorgt und sich selbst hinten anstellt. Auch nicht um die Schuld der Männer, dass sie als Kollektiv (Einzelne ausgenommen) nicht von ihren Vätern lernen, wie das Kümmern geht, das Intuitive, die Empathie (Dinge, die Väter z.B. in Elternzeit lernen könnten, meint Novotny sicherlich zurecht). Nicht um die Wut der Frauen auf die „herumstehenden“ Männern sollte es gehen noch um die sich als defizitär fühlenden Väter, die auf die Ersatzbank aufgeschoben werden und dann, wenn doch ihr Einsatz unumgänglich ist, eine exakt verfasste Vorgehensanleitung mit auf den Weg bekommen. Es sollte nicht länger ein Kampf der Geschlechter sein und schon gar nicht einer um die Vereinbarkeit von Familien und Beruf.

Vielmehr sollten wir endlich anfangen, uns gegenseitig zu unterstützen. Manche von uns Frauen brauchen die liebevolle und intensive, weil immer wieder nötige, Unterstützung unserer Männer, auf unsere Bedürfnisse zu hören, nicht nur bezogen auf unsere freie „Ich-Zeit“ sondern auch auf unsere Jobs und Karrieren. Es ist sicherlich nicht so gemütlich und bequem, abends die Küche aufzuräumen oder die Kinder ins Bett zu bringen wie auf dem Sofa liegen, aber in the long run lohnt es sich doch. Wir brauchen Frauen, die von den Vätern ihren Anteil einfordern – und sie dann auch machen lassen. Väter brauchen das Vertrauen der Mütter, dass auch sie fähig sind und das mit ihren Kindern schon richtig machen – wenn (oder eben) auch anders als die Mütter. Manche Frauen können von manchen Männern lernen, den Anspruch zu senken, Dinge mal liegen zu lassen und stattdessen mit einem guten Buch ins Bett zu gehen. Und dass es sich positiv auf die Empathiefähigkeit der Männer auswirkt, wenn sie sich auf ein Kind einlassen, schreibt ja schon Novotny.

Mit diesem längst überfälligen Perspektivwechsel geriete dann endlich wieder in den Mittelpunkt, was in den ganzen Debatten um die Vereinbarkeit von Familien und Beruf eben allzu oft verloren geht: das Kind. Und so endet auch Novotny dankenswerterweise mit genau diesem Hinweis, dass eben bei der nötigen Aushandlung zwischen Mutter und Vater, wer wann auf was verzichtet, dies möglichst nicht das Kind sein sollte.

Es werden sich immer Gründe finden lassen, warum es daher das Beste ist, dass die Mutter kürzertritt. Aber wir müssen aufhören, dies als persönliche Entscheidung zu sehen und erkennen, dass hier das Private im Besten Sinne des Wortes politisch ist: Denn auch wenn wir derzeit staatlich gesehen in einem Elternwunderland leben, stehen Maßnahmen wie das Elterngeld ganz schnell auf der Abschussliste, wenn sie für ausgedehnte Familienurlaube genutzt werden statt zu dem erklärten Ziel führen, nämlich einer faireren Aufgabenteilung zwischen Mutter und Vater. Was wir brauchen sind mutige Eltern, die sich gegenseitig unterstützen und sich trauen, ihren Wunsch nach fairer Aufteilung und Gleichberechtigung zu leben – auch wenn es oft unbequem und anstrengend ist. Alle Beteiligten werden langfristig davon profitieren: das Paar, die Kinder, die Gesellschaft. – Magdalena Schmid Noerr


Leserbrief zu „Die zehn Ungerechtigkeitenvon“ von Mark Schieritz und Doreen Borsutzki

Ich hatte Ihre Artikel bisher gerne gelesen, habe nach Ihrem Beitrag „Die zehn Ungerechtigkeiten“ das Vertrauen in Sie verloren. Sie schreiben dort unter „Für das Kapital gibt es einen Steuerbonus“ Folgendes:

„Wer … ein Einkommen von 60 000 Euro zu versteuern hat, muss 17 643 Euro an den Fiskus abgeben.“ Diese Aussage ist korrekt. Die Person zahlt nämlich 16 724 Euro Einkommensteuer zzgl. 5,5% Solidaritätszuschlag, was zusammen genau 17 643,82 Euro ergibt. (Dass Sie hier nicht im mathematischen Sinn gerundet, sondern einfach abgerundet haben, ist hier vernachlässigbar.)

Dann schreiben Sie weiter: „Wer … 60 000 Euro an Zinsen … einnimmt, der bezahlt nur 15 000 Euro Steuern“. Auch diese Aussage ist korrekt. Die Person zahlt nämlich 25% Abgeltungssteuer auf den Betrag, muss aber – um in Ihrem Jargon zu bleiben – insgesamt 15 825 Euro an den Fiskus abgeben. Denn auch auf die Abgeltungssteuer wird der Solidaritätszuschlag erhoben.

Die beiden Zahlen 17 643 Euro und 15 000 Euro sind also ein Vergleich von Äpfeln und Birnen. Aufgrund ihrer sehr diffizilen Formulierungen – „an den Fiskus abgegeben“ versus „Steuern bezahlen“ – könnte man fast vermuten, dass Sie absichtlich diese eigentlich nicht zu vergleichenden Zahlen genannt haben, um den Unterschied größer erscheinen zu lassen. Wenn das der Fall ist, wären Sie aus meiner Sicht als Journalist nicht mehr tragbar. Auf der anderen Seite wäre es auch ein Armutszeugnis für einen wirtschaftspolitischen Korrespondenten der Zeit.

PS: Ich weiß, dass mein Tonfall in diesem Brief vielleicht nicht sehr freundlich geraten ist. Sie sind aber nicht der Erste, der einen solchen Brief erhält. Leider stelle ich doch relativ häufig fest, dass Zahlen, die in Artikeln genannt werden, wenn sie etwas mehr Sachverstand verlangen, schlichtweg falsch sind. Früher habe ich noch Antworten von Ihren Kolleginnen und Kollegen erhalten. Mittlerweile bekomme ich in der Regel keine Antworten mehr. – Prof. Dr. Frank Klawonn


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Yeah, Schuldzuweisungen zwischen Mann und Frau- das ist ja mal konstruktiv und ermutigend. Bringt uns bestimmt weiter:-) Aber geschenkt. Eigentlich schreibe ich Ihnen, um Sie auf einen Sachfehler in Ihrem Artikel aufmerksam zu machen.

Sie verstehen die WHO-Empfehlung bezüglich der Stilldauer so, als würde diese sechs Monate umfassen. Tatsächlich lautet die Empfehlung: „Exclusive breastfeeding is recommended up to 6 months of age, with continued breastfeeding along with appropriate complementary foods up to two years of age or beyond.“ (http://www.who.int/topics/breastfeeding/en/).

Es macht gesundheitlich einen großen Unterschied aus, ob die Stilldauer sechs oder 24 Monate und mehr umfasst. Um nur ein Beispiel zu nennen: Das Risiko einer Mutter, an Gebärmutterkebs zu erkranken, reduziert sich bei einer Stilldauer ab 12 Monaten um 25 Prozent.

Abgesehen davon ist diese gesundheitliche Empfehlung keine „Baby-Gebrauchsanweisung“, sondern immer die individuelle Entscheidung jeder Mutter, die von vielen Faktoren abhängig ist.

 

Das Stillen und die Betreuung des Kindes durch den Vater schließen sich übrigens überhaupt nicht aus. Kümmert sich der Vater ums Kind, kann er es tagsüber mit abgepumpter Muttermilch füttern bzw. später mit ihm zusammen Spaghetti essen. Und die erwerbstätige Mutter stillt abends, nachts, am Wochenende weiter, ganz wie es ihr und dem Kind gefällt. Da braucht es keinen Kalender. Eine schöne Möglichkeit, sowohl die Vater- als auch die Mutter-King-Beziehung mit viel Zuwendung und Körperkontakt zu stabilisieren. – Julia Afgan


Leserbrief zu „Auf der Spur der Insekten “ von Fritz Habekuss und zu „Von Bienen und Blumen“ von Petra Pinzler

Einen wissenschaftlichen Nachweis für das Verschwinden der Insekten kann ich nicht geben, aber die Schwarm-Erfahrung von Millionen Autofahrern ist ein gewichtiger Hinweis: Früher musste man nach zwei Stunden Autofahrt die Frontscheibe mit dem Insektenschwamm reinigen, um wieder freie Sicht zu haben. An jeder Tankstelle fand sich im Wassereimer dieses nützliche Putzzeug und nach einer Reise war es wichtig, die ganze Front des Fahrzeugs von den Insektenresten zu befreien. Es kursierten zahlreiche Tipps unter den Autofahrern, wie das am schonendsten zu bewerkstelligen sei.

Heute kann man den ganzen Tag fahren und es genügt der Scheibenwischer, um die wenigen Insektenspuren zu beseitigen. Das Verschwinden des Insektenschwamms ist ein qualitativer, landesweiter Nachweis des Insektensterbens. – Dr. Heinz Burger


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Sie und ich scheinen den gleichen Bekanntenkreis zu haben: Männer, die zu wichtig sind, um sich mehr als ganz wenig um das eigene Kind zu kümmern, und Frauen, die deswegen willig den Löwenanteil der Kinderbetreuung übernehmen.

Das ist natürlich furchtbar ungerecht. Einzige Abhilfe sei, so schreiben Sie, „Frauen, die ihnen erklären, dass Männer im Job verzichtbar sind“. Zur Schau gestellte Selbstüberschätzung ist peinlich, keine Frage. Dennoch kann Ihr Vorschlag nur Beiwerk sein. Viel wichtiger ist: Frauen zu erklären, dass ihr Wert nicht darin besteht, einen tollen Hecht als Partner ergattert zu haben. Leistungsfähig, gestalterisch und führungsstark können Frauen wie Männer sein. Frauen ernten in der Krabbelgruppe für den Satz: „Mein Mann kann keine Elternzeit nehmen, weil er im Job ein wichtiges Projekt hat“ verständnisvolle oder bewundernde Kommentare. Gerecht leben wir erst, wenn Frauen und Männer selbstverständlich zurückfragen: „Und was ist mit deinem wichtigen Projekt, liebe Tanja?“ (Abgesehen davon ist es befremdlich, wie viele Männer  irgendwelche Projekte im Job wichtiger finden als das eigene Kind.) Also Frauen: Status durch Hochzeit war (vorvor)gestern, packt es an und schnappt euch eure wichtigen Projekte! Eure Männer werden stolz auf euch sein.

Woher Frauen den Mut nehmen sollen, sich auf diese Weise zu emanzipieren? Nicht einfach. Es wäre ein Anfang, sich ehrlich zu fragen, woraus sich der eigene Stolz speist! Wenn ein Mann sagt: „Meine Elternzeit war geil, erst zwei Wochen Südafrika, dann eine Woche bei der Schwiegermutter gechillt, und dann noch eine Woche zu Hause ausgeruht!“ (so auf einem Berliner Spielplatz gehört, vermutlich täglich von deutschen Männern ausgesprochen) trifft das kaum auf Verwunderung. Liebe Frauen! Was habt ihr denn in der Elternzeit eures Partners gemacht? Wolltet ihr da nicht arbeiten? Oder euch mal ganz ohne Kind entspannen? Ich wünsche mir so sehr, diesen Südafrikasatz auch mal von einer Frau zu hören!

In einem zweiten Punkt muss ich Ihnen, Herr Novotny, widersprechen. Sie suggerieren, dass Berufstätigkeit und Elternschaft mittlerweile leicht vereinbar seien. Natürlich sind Elterngeld, Kitaausbau und Teilzeitregelungen wichtig und gut. Aber es reicht hinten und vorne nicht, und Vereinbarkeitsstatements sind  oft substanzloses Marketing. Beispiele: Der Doktorandin und Mutter an der Ludwig-Maximilians-Universität München wird mitgeteilt, ihr Kind sei ‚so nicht geplant gewesen‘, und das (in der wegen Mutterschaft längeren Promotionsdauer) zusätzlich gezahlte Weihnachtsgeld sei ‚ein Problem‘ (Website: „Die LMU möchte alle Beschäftigten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen und stellt ein breites Spektrum an Angeboten […] bereit.“). Und die engagierte Juniorprofessorin an der Eberhard Karls Universität Tübingen, die eine Fachkonferenz mit Kinderbetreuung ausrichten möchte, erfährt, dass sie als Privatperson für mögliche Schäden an den und durch die Kinder der Konferenzteilnehmer haften müsse, da die Universität solche unüblichen Sonderfälle nicht abdecken könne (Website: „Das Zertifikat ‚audit familiengerechte hochschule‘ der berufundfamilie gGmbH wurde der Universität Tübingen am 15. März 2014 verliehen“). Davon abgesehen: Betriebskindergarten überrannt, „unverschiebbare“ Sitzungen im Job am späten Nachmittag, usw. Aber auf diesem Feld hat sich viel getan und wird sich noch viel tun, fraglos wird Vieles immer vereinbarer.

Entscheidend ist jedoch nicht, wie sehr die Gesellschaft denen entgegenkommt, die Mutter sein und arbeiten wollen. Sondern ob es euch Müttern gelingt, sich vom kulturell tief verwurzelten Glauben an die eigenen Zweitrangigkeit zu lösen – auch für eure Männer wäre das gut (sie können dann endlich in der Krabbelgruppe mit euren wichtigen Projekten angeben)! – Johannes Niediek


Leserbrief zu “ Wenn Männer zu sehr lieben“

Da ist damals etwas schiefgelaufen bei der Talkshow von Reinhaold Beckmann. Sicherlich wollte er Gerhard Schröder fragen, ob man bei Benutzung einer sehr starken Lupe bei Putin noch letzte Reste von demokratischer Gesinnung erkennen kann. – Reinhard Fabis


Leserbrief zu „Bloß keine Quote“ von Kolja Rudzio

Grundsätzlich ist es richtig, dass die Politik das Ziel und nicht den Weg vorgeben soll. Allerdings handelt es sich bei der Elektromobilität nicht um eine beliebige alternative Antriebstechnik, sondern einen wesentlichen Baustein der Energiewende. Batteriebetriebene Fahrzeuge können technisch ihre Ladevorgänge an die Produktion von Wind- und Solarenergie anpassen. Keine andere Technologie kann Solarenergie so effizient auf die Straße bringen. Zudem wird durch den Automobilbau die Batterietechnik auch für stationäre Speicher weiterentwickelt, wodurch das Stromnetz überhaupt erst regenerativ betrieben werden kann. Dadurch wird die Ökobilanz eines E-Autos im aktuellen Strommix zweitrangig. – Tobias Riedel


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

In Ihrem Artikel entwerfen Sie ein derart pessimistisches Bild vom Familienleben und Elternsein, dass ich darauf eine optimistische Antwort geben möchte.

Sie schreiben über Schuld, über Probleme (das größte die Mütter, das zweitgrößte die Väter, und drittens gar die Babys) und Verzicht. Dabei verweisen Sie unter anderem auf die WHO und deren vermeintliche Aussage, ein halbes Jahr Muttermilch genüge. Die  WHO empfiehlt jedoch ein halbes Jahr ausschließliches Stillen und danach das Weiterstillen bis mindestens zum zweiten Geburtstag und darüber hinaus. Das lässt sich zwar nicht so knackig in einem Satz formulieren, entspricht aber der Vollständigkeit. Verkürzt ist es meinem Empfinden nach auch, einen Satz aus einem Interview mit Alina Bronsky aus dem Kontext herausgegriffen zu zitieren.

Genauso verkürzt  und unvollständig ist meiner Ansicht nach das Bild vom Leben als Familie, das Sie zeichnen. Als ginge es dabei nur um die Frage, wer auf wie viel verzichtet, wer mehr von seiner beruflichen „Karriere“ opfert. Sie sprechen von Eltern, die wie ihre angeblich verwöhnten Kinder darüber jammern und heulen, dass sie wegen Erziehung und Elternzeit auf Lob vom Chef, Lieblingsprojekte, Applaus der Kollegen und gar Bewunderung von Praktikantinnen verzichten müssen (ich frage mich ernsthaft, wie viele Arbeitnehmer ihren Berufsalltag wohl derart beschreiben würden und spätestens bei den von Praktikantinnen angehimmelten Männern beschleicht mich das Gefühl von Ironie – Ironie im Journalismus, so habe ich es einmal gelernt, wird allerdings häufig vom Leser nicht verstanden und vielleicht passiert nun mir genau dies).

Ich weiß nicht, mit wie vielen Elternpaaren Sie gesprochen haben und wie repräsentativ diese Gespräche waren. Sie erwähnen auch ausschnitthaft allerlei Ergebnisse aus Studien (wie aussagekräftig ist eine Fallzahl von 30 Familien?). Ich kann nachvollziehen, dass Sie aus den Gesprächen und Erfahrungen mit Eltern, die Sie gemacht haben, und den dazu passend erscheinenden Zahlen, die Schlussfolgerungen von Schuld und Verzicht ziehen.

Lassen Sie mich bitte ergänzen: Elternsein bedeutet weitaus mehr als die Debatte darüber, wessen Job wichtiger ist. Was die Vereinbarkeit anbelangt: die Einsicht, dass man im Leben nicht alles haben, alle Optionen und Wege beschreiten kann, fängt nicht mit dem Elternsein an und hört auch nicht damit auf. Egal ob Akademikerteilzeitmutti oder Karrierefrau, Kitakinder oder Vollzeitpapa. Eltern machen sich die Entscheidung, wie sie als Familie leben möchten, sicher nicht leicht und unterliegen dabei sehr wohl auch Zwängen – fragen Sie mal eine alleinerziehende Mutter oder ein Geringverdienerelternpaar nach der finanziellen Abfederung in unserer Gesellschaft  – diese Entscheidungen verdienen Respekt und keine Schuldzuweisungen. Und nicht zuletzt die „Hauptsache“, die Sie in Ihrem Artikel leider mit keinem Wort erwähnen: Elternsein macht tatsächlich Freude.

Wäre es nicht auch denkbar, dass Ihr Geschäftsführer die Gute-Nacht-Geschichte nicht deshalb vorliest, weil er so einen starken Erwartungsdruck spürt, ein guter Vater zu sein, sondern schlichtweg, weil es ihm große Freude bereitet? – Vanessa Renner


Leserbrief zu „Putins AfD-Truppe“ von Christian Fuchs, Paul Middelhoff und Fritz Zimmermann

Nach der Lektüre dieses Artikels schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass es den drei Verfassern vielleicht lieber wäre, wenn z.B. die neue polnische Miliz, gehätschelt vom amtierenden polnischen Verteidigungsminister, so richtig auf die nationale Pauke hauen würde, anstatt endlich einzusehen, dass die Zeiten der Konfrontation vorbei sind und die Probleme der Welt auf dem Verhandlungsweg gelöst werden müssen. Dies kann man aber nicht wenn man dem Gegenüber stets Unredlichkeit unterstellt. Selber aber sich nicht zu schade ist, um tendenziöse Artikel dieser Machart in den Verkehr zu bringen. Da ich langjähriger Abonnent der Zeit bin und schon so manche Kröte dieser Art als Leser schlucken musste, stelle ich fest, dass ich weitere Artikel dieser Art wohl nicht mehr runterkriegen kann. Schon die letzten 1-2 Jahre haben mir gezeigt wohin die Reise mit der ehrwürdigen Zeitschrift geht.

Sie haben sich aus einer seriösen, linksliberalen Zeitung heraus zu einem meinungsmachenden,tendenziösen Blatt verändert, und wollen die Leser dahingehend gängeln, indem Sie suggerieren, dass nur ihre eigene Sicht auf die Dinge die Richtige ist. Sie können dem Leser berichten, möglichst werturteilsfrei, aber Sie machen einen gravierenden Fehler dann, wenn Sie dem Lesenden seine Bewertung des Gelesenen nicht selbst überlassen. Genau diese Überheblichkeit ist es, die den Konsumenten ihrer Gazette für nicht frei urteilsfähig erachtet, und ihm sozusagen die geistigen Krücken hinhält, derer er sich gefälligst zu bedienen hat um sich in seiner Denke nicht auf einem Sonderweg fühlen zu müssen. Ihre Art über Fragestellungen zwischen den Völkern zu berichten gleicht im Grundsatz dem Versuch dem Leser eine  Gehirnwäsche sehr subtiler Art zu verpassen. In ihrer Selbstgefälligkeitsschreibweise vermischen Sie Tatsachen, Vermutungen, Gerüchte , z. B. die ständig wiederholte Behauptung russische Hacker hätten die Wahlen zu Trumps Gunsten manipuliert. Wenn dem so sein sollte, legen Sie endlich die Beweise auf den Tisch. Ich dachte bei uns gelte immer noch der Rechtsgrundsatz in Dubio pro Reo.  Dann sehen wir weiter. Und nur nochmal: Der Grundsatz “ viel Dreck schleudern, es wird schon was hängen bleiben” zieht bei vielen Menschen nicht mehr. Vor allem nicht bei jenen, die vor Ort gewesen sind und sich die Dinge pers. ansehen konnten,zu denen ich nicht gehöre. Wenn Sie weiter so einseitig berichten bei essentiellen Fragen im Zusammenleben der Völker, dann befinden Sie sich bei jenen, die Oliver Clark in seinem Buch “Die Schlafwandler” sehr prägnant beschrieben hat. Auch damals gab es einen Paria, den es auf Grund 1870-71 endgültig zu besiegen galt, nach dem Motto: Nie davon reden, aber immer dran Denken!

Zur  AFD ist zu bemerken, sollte die Partei ein echtes Anliegen der Bevölkerung reflektieren, so ist im weiteren Politbetrieb mit ihr zu rechnen. Sollten die von ihr monierten Themen nicht stichhaltig sein, wird man sehen, dass die Partei in Flügelkämpfen, in denen sie sich zur Zeit befindet, aufreibt. Warten wir die Wahlen ab, dann sehen wir weiter. Auch mit der Linken im Bundestag ist die BRD nicht untergegangen. Also vor was haben Sie denn wirklich Angst, german Angst? – W.Schuckmann


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Ich bin (fast) 33, 2-fache Mutter (1 und 3 Jahre), voll berufstätig (Wissenschaftlerin an einer Universität inklusive Forschungsreisen und

Tagungen) UND verheiratet. Und eben deshalb bin ich wohl Mutter UND voll berufstätig. Mein Mann ist 35, voll berufstätig (Bereichsleiter eines großen Dienstleisters) UND 2-facher Vater. Und wir beide sind Zeit-Abonenten, was uns das Glück ins Haus brachte, den grandiosen Artikel „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny zu lesen. Und wie oft haben wir schon die dort beschriebenen Gespräche mit Eltern aus Kita und Freundeskreis geführt: „Warum nimmt dein Mann nur 2 Monate?“ „Männer können mit Kindern unter 1 Jahr doch gar nichts anfangen.“ Noch nie hat es ein Artikel über dieses Thema geschafft die Realität und Hintergründe so gut wiederzuspiegel, wie der Essay von Rudi! Deshalb schreibe ich nun auch meinen ersten Leserbrief.

Als wir vor ca. 5 Jahren beschlossen haben eine Familie zu gründen, war eine Bedingung, dass die Kinderbetreuung gerecht geteilt wird. Wirklich gerecht! Als dann unser Sohn 2014 geboren wurden gingen die ersten 6 Monate an mich und Monate 8 bis 13 an den Vater. Der 7. Monat war für die gemeinsame Familienzeit reserviert. Ich habe dann nach 7 Monaten wieder voll angefangen zu arbeiten, was ehrlich gesagt sehr anstrengend war. Zum einen habe ich unseren Sohn gestillt, weshalb ich auf Arbeit abpumpen musste und mein nächtlicher so nötiger Schlaf viel unterbrochen wurde. Zum anderen schmerzte die Trennung von meinem Sohn. Besonders als dann die erste (2-wöchige Dienstreise) nach China anstand. Zu diesem Zeitpunkt war unser Sohn schon in einer Kindertagestätte untergebracht und mein Mann ist (als Kompromiss mit seinem damaligen Chef an einer Universität) für 4 Stunden am Tag arbeiten gegangen. Ich habe die Zeit als sehr Kräftezehrend in Erinnerung. Außerdem verstärkten Kommentare von außen („Rabenmutter“ etc. ) das Gefühl der Zerissenheit zwischen Job und Famile. Und das Verständnis in meinem damaligen Arbeitsumfeld war nicht besonders groß (Einmal habe ich nach der Möglichkeit zum Home-Office gefragt. Davon wurde mir jedoch abgeraten. Das Stillen und Abpumpen auf Arbeit wurde dann mit folgendem Kommentar quittiert: „Wärst du mal lieber das ganze Jahr zu Hause geblieben!“) Überhaupt gestaltet es sich tatsächlich schwierig als Wissenschaftlerin und Mutter den Erwartungen gerecht zu werden. Aber auch mein Mann bekam Schwierigkeiten: Sein Vertrag wurde nicht verlängert. Sein direkter Vorgesetzter begründete dies mit der Angst vor einer weiteren Elternzeit. Natürlich gab es dann offiziell andere Gründe, aber mein Mann war schon ziemlich frustriert.

Dann kündigte sich das zweite Kind an.  Mein Mann hatte einen neuen Job und mein Vertrag lief aus (ohne Aussicht auf Verlängerung). Wir beschlossen (aus Angst vor einer Kündigung), dass ich diesmal das volle Jahr (oder noch länger) zu Hause bleibe. Und dann ist es doch ganz anders gekommen. Ich habe ein Jobangebot erhalten und habe zugesagt.

Wieder Wissenschaftlerin an der Universität. Vollzeit. Mein Mann ging wieder in Elternzeit. Dieses Mal nur 4 Monate. Mehr hat er sich nicht getraut. Sein Vorgesetzter nahm das missbilligend zur Kenntnis, konnte jedoch (rechtlich) nichts dagegen tun. Als mein Mann dann aus seiner Elternzeit wiederkam, wurde er befördert! Wir haben es kaum geglaubt.

Aber die Firma braucht ihn und es gab viele Schwierigkeiten ohne ihn (obwohl er fast wöchentlich für eine Stunde vor Ort war). Und auch in meinem neuen Arbeitsumfeld stoße ich auf mehr Verständnis. Mein Vorgesetzter ist selbst 4-facher Familienvater von kleinen Kindern.

Wir sind wirklich froh, dass der Zufall wieder dazu geführt hat, dass auch mein Mann längere Zeit ALLEINE mit den Kindern zu Hause war. Nur so kann doch die Leistung des jeweils anderen Partner geschätzt und verstanden werden! Und was wären wir sonst für ein Vorbild für unsere

Kinder: Gleichberechtigung und Emanzipation muss gelebt werden! Es bringt doch nichts, wenn wir nach der Geburt des ersten Kindes wieder in die Rollenverteilung der 70er Jahre schlittern. Und ja, die Vereinbarkeit von Job und Familie ist nicht immer einfach, aber das größte Problem ist die Gesellschaft und das direkte Umfeld, welches mit mehr Verständnis auf alternative Rollenverteilungen reagieren sollte.

Und die Männer, die auf ihr Recht nach Elternzeit pochen sollten: gegenüber des Arbeitgebers und noch viel wichtiger, gegenüber der eigenen Frau!

PS: Ich hoffe mein erster Leserbrief ist nicht zu lang und langweilig geworden. Eure Artikel sind es jedenfalls nicht :P

Wir planen ein weiteres Kind. Und auch dieses soll wieder von Mutter- und Vatermonaten profitieren. Elternzeit eben.  – Ramona


Leserbrief zu „Bloß keine Quote“ von Kolja Rudzio

Die Behauptung, ein Elektroauto verursache beim jetzigen Strommix genauso viel CO2 wie Diesel, hält dem Faktencheck nicht stand: Laut Bundesumweltamt verbraucht das Elektroauto beim Strommix von 2015 12% -23% weniger, bei dem von 2020 schon 20% -29%, und der Vorteil wird mit steigendem Anteil erneuerbarer Energien immer größer. Richtig ist hingegen die Forderung, Grenzwerte statt Quoten festzulegen. Würden heute  in Europa dieselben Grenzwerte für NOx gelten wie sie in Kalifornien schon seit 2007 gelten (31 mg/km), wäre der Dieselspuk mit einem Schlag zu Ende, und  es hätte ihn nie gegeben, wenn die Grenzwerte auch schon seit 10 Jahre gelten würden. Stattdessen werden in Europa für Dieselfahrzeuge höhere Emissionen gestattet als für Benziner. – Wolfgang Eber


Leserbrief zu „Hohle Worte“ von Caterina Lobenstein

Unsere gesellschaftspolitisch grünbeseelten Gesinnungsethiker werden wahrscheinlich weiterhin Schrottschiffschleusern signalisieren: setzt die Flüchtlinge in eure Boote, wir übernehmen sie! Nach kurzem Zwischenstopp in Italien bringen wir fast alle nach Deutschland, denn die meisten europäischen Staaten wollen sie (leider) nicht aufnehmen.

Dort sind sie vor Ausweisung weitgehend sicher! Zu ihnen stoßen ab sofort auch die legalen Immigranten. Schließlich klappt unsere Integration ja ganz gut – mal abgesehen von ein paar neu entstehenden Parallelgesellschaften mit ein paar neuen ethnischen und religiösen Konflikten und ein paar neuen Terroristen!

Wenn Deutschland irgendwann endgültig Kleinasien  u n d  Kleinafrika geworden ist, dann hat es zwar sein Gesicht verloren, aber: dieses kleine Opfer hat es gern gebracht – seinem neuen Götzen Weltoffenheit! – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Die privaten Krankenversicherungen nutzen Patienten als Versuchskaninchen“ von Jan Schweitzer

Ihr Artikel ist ganz schön einseitig und darüber hinaus nicht korrekt. Chefarztbehandlung und Einzelbettzimmer muss man beispielsweise nicht buchen, und bei vielen Ärzten kommt man als Privatpatient inzwischen auch nicht viel schneller an einen Termin als ein Kassenpatient. Zumindest für mich ist die PKV bislang billiger gewesen. Als Selbständiger konnte ich meine vierköpfige Familie zu 2/3 des Pflichtkassenbeitrags versichern, und wenn man die Option der Beitragsrückerstattung und Eigenbeteiligung einrechnet, war es sogar noch günstiger – auch ein Anreiz, selbst mehr auf seine Gesundheit zu achten anstatt beim kleinsten Wehwehchen zum Arzt zu rennen.

Auch als Beamter bin ich mit Beihilfe/PKV besser bedient, zumal beispielsweise Niedersachsen inzwischen die Freie Heilbehandlung für Bedienstete anbietet, die nochmals günstiger ist. Zuzahlungen zu Medikamenten sind in der PKV deutlich geringer, und einige Sachen, die die Ersatzkassen gar nicht übernehmen, werden von der PKV zumindest teilweise übernommen. Warten auf das Quartalsende auf bestimmte Behandlungen oder Medikamente, weil der Arzt mal wieder sein Budget ausgeschöpft hat, gibt es auch nicht. Ich frage mich, was die ZEIT mit einem dem Tital nach reißerischen Katastrophenjournalismus, der besser in die BILD passen würde, eigentlich bezweckt. – Prof. Dr. Gilbert Brands


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

„Warum Herr Schäuble ist die Steuer so ungerecht?“ Ganz einfach, weil schon seit Adenauers Zeiten die Ungerechtigkeit die Gerechtigkeit von CDU/CSU und FDP sind. Trotz aller Bekenntnisse tendiert die SPD auch dahin. Sehr geehrter Herr Giovanni di Lorenz. Obwohl es Sie wohl, aufgrund eines eigenen Versorgungswerkes nicht unmittelbar tangiert, sollten Sie die Frage noch mit der „Rente“ ergänzen. Leider mischen sich da immer Leute, auch von der Presse, mit ein, die kaum oder nie Rentenbeiträge bezahlen bzw. bezahlten.

Trotzdem werde ich Ihnen nachstehend Auszüge aus einem Schreiben vom 29.4.2016 zitieren:

„Die Riester-Rente ist von dem Grundgedanken, eine umlagefinanzierten Rente durch eine kapitalgedeckte Rente zu ergänzen (letztlich zu ersetzen) vom Grundsatz her richtig,  aber in viel zu komplizierte und in leider unübersichtliche Vertragsgestaltungen auf den Markt gekommen. Von den Kosten mal ganz abgesehen.

Dass eine Alternative, wie die „Deutsche Rente“ die Versicherungswirtschaft scheut und attackiert, wie der Teufel die arme Seele, liegt schon deshalb auf der Hand, weil damit eine gigantische Kapitalsammelstelle geschaffen wird, welche den Banken und Versicherungen auf die Dauer jährlich Milliarden Euro für ihre Geschäfte entzieht. Dies brachte doch damals Herrn Pferdmenges (Vorstand und Aufsichtsrat in wenigsten 12 Banken, soweit ich es noch in Erinnerung habe!) dazu, auf das Entstehen eines Finanzpolitischen und wirtschaftliche Geld-Popanz hinzuweisen, nämlich die größte Geldsammelstelle der Republik zu werden, und deshalb bei Adenauer die Abschaffung der Kapital gedeckten Renten, duch eine Umlage finanzierte durchzusetzen. Nur Ludwig Erhard war dagegen, konnte sich aber nicht durchsetzen. Die Banken- und Versicherungs Lobby, vertreten eben durch Herrn Pferdmenges und mit Unterstützung von Herrn Prof. Dr. Müller Armak, den wirtschaftlichen „Ohrenbläsern“ (Berater) Adenauers waren überzeugender. Das Desaster, was sie damit letztendlich anrichteten, wird erst jetzt richtig deutlich.

Der Unfug, den der Allianz Vertreter erzählte sollte eigentlich dazu führen, ihm die Promotion abzuerkennen. Kein Wunder, wenn solche Fachleute uns weismachen wollen, wie man Geld anlegt und Aktien Depots verwaltet. „Stop loss“ usw. Programme kennt er anscheinend nicht. Und Lieschen Müller und Hans Depp, wird Herr Bouffier wohl kaum bei der „Deutschen Rente“ beschäftigen. Hätte es keine Dresdner Bank gegeben in welche die Schrottpapiere verlagert werden konnten/mussten und die Commerzbank nicht gezwungen worden wäre, diese Bad-Bank zu übernehmen, die Allianz wäre Pleite gegangen wie in den USA die AGiF! Mich kostete das damals rund eine Halbe Million, da ich einen Eingriff der Regierung Merkel/Schäuble nicht glauben wollte. Mir schien dies zu dreist! Ihre, der Allianz, Pimco schlitterten ja auch an der Pleite entlang.

Bei der „Deutschen Rente“ sollte aber die Anlage des Kapitals, auch durch Immobilien und „mündelsicheren“ Schuldverschreibungen ergänzt werden. Also so, wie es eine klassische unendliche Daueranlage bisher war und ist. – Ich persönlich handelte danach und habe ein Mehrfaches nun als private, aber leider auch nicht steuerfreie Zusatzrente! Über vierzig Jahre konsequentes Handeln zahlt sich nun aus – nicht aber bei den Rentnern! Die „Deutsche Rente“ wäre als Einstieg der Ablösung der umlagefinanzierten Rente denk- und förderbar! – Ludwig Stemmer


Leserbrief zu „Putins AfD-Truppe“ von Christian Fuchs, Paul Middelhoff und Fritz Zimmermann

Am 17. August dieses Jahres wurde ein Artikel mit dem Titel „Putins AfD-Truppe“ in Ihrer Zeitung veröffentlicht. Die Ungenauigkeiten und den verzerrten Daten bezüglich der Republik Berg-Karabach, die in dem Artikel zu finden sind, bewegten mich, einen Kommentar zu schreiben, der hoffentlich in Ihrem Medium veröffentlicht wird.

Berg-Karabach ist kein umstrittenes Gebiet zwischen Armenien und Aserbaidschan, wie die Autoren des Artikels darstellen. Die Republik Artsakh – Berg-Karabach-Republik – ist ein unabhängiger Staat, der in 1991 im Einklang mit den Normen des Völkerrechts, in Folge des Zusammenbruchs der UdSSR und des von Aserbaidschan auferlegten Krieges entstanden wurde. Und der Berg-Karabach Konflikt ist eine direkte Folge der Versuche Aserbaidschans, den Kampf der Armenier Artsakhs für die Wiederherstellung der historischen Gerechtigkeit, für ihre demokratischen Rechte, für das Recht auf Leben, auf ihrer Muttersprache zu sprechen, gewaltsam zu unterdrücken. Ich bin zuversichtlich, dass das deutsche Volk, welches in der Geschichte ebenfalls künstlich geteilt wurde und den gleichen Weg des Kampfes gegen die verhängten und fremden Regime ging, kann besser als je ein anderes Volk die Ungerechtigkeit derselben Situation, die in Karabach damals war, völlig erkennen und die Gefühle der Menschen in Artsakh verstehen.

Mit dem Ende des Krieges und dem Abschluss des Waffenstillstandes wurde der Kampf des Volkes von Artsakh für die eigene Rechte nicht beendet. Dieser bekam eine neue Form und entwickelte sich zum weiteren Ausbau der demokratischen Staatlichkeit, wo das Volk und die Regierung Artsakhs aus den gemeinsamen Standpunkten auftreten.

Wie es allgemein bekannt ist, sind die freie, faire und transparente Wahlen die Grundlage für die Förderung der Menschenrechte. Im Gegensatz zu einigen Ländern betrachtet Berg-Karabach allein die Tatsache des nichtgelösten Konflikts als keine Rechtsfertigkeit für die Schaffung eines totalitären Regimes, wo die Staatsmacht vererbt und jegliche Form der Meinungsverschiedenheiten und demokratischen Freiheiten unterdrückt werden. Darüber hinaus, lädt die Regierung von Artsakh – unter den Bedingungen des nichtanerkannten Status, während die internationalen Fachorganisationen, die sich aus einem oder anderem Grund weigern, eine Beobachtungsmission nach Berg-Karabach zu schicken – die Politiker und Personen des öffentlichen Lebens aus verschiedenen Ländern mit diversen politischen Systemen ein, um das  Wahlsystem des eigenen Landes im Einklang der internationalen Standards weiterhalten zu können.

Es ist zu erwähnen, dass bereits 5 Parlaments- und 6 Präsidentschaftswahlen in der Geschichte der Republik Berg-Karabach stattfanden, an denen die Politiker und Personen des öffentlichen Lebens, Experte für die Wahlprozesse aus den Vereinigten Staaten, dem Frankreich, Belgien, Österreich, Deutschland sowie anderen Ländern als Wahlbeobachter teilnahmen. In verschiedenen Jahren stellten sich die Gruppen der deutschen Beobachtungsmissionen aus Vertretern fast aller politischen Parteien, einschließlich aus der regierenden Christlich-Demokratischen Union (CDU) zusammen.

Der Ko-Vorsitzender der Minsker Gruppe der OSZE, die sich schon seit 25 Jahren um eine friedliche Beilegung des Konfliktes unmittelbar bemühen, betonten in ihren Äußerungen mehrmals das Recht des Volkes von Berg-Karabach über eigene Zukunft zu bestimmen, und anerkannten die Verpflichtung der Regierung von Berg-Karabach das öffentliche Leben eigenes Volkes demokratisch zu gestalten. Sowohl während des Vorsitzjahres in OSZE in 2016 als auch in den vergangenen Jahren unterstützte die Bundesrepublik Deutschland immer die Positionen der Ko-Vorsitz-Staaten der Minsker Gruppe. Ich glaube, die Autoren des Artikels wissen, dass sich der amtierende Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, im Rahmen seines offiziellen Besuchs in die Region als OSZE Vorsitzender in 2016, mit dem Präsidenten der Republik Berg-Karabach Bako Sahakyan, der ebenfalls durch die demokratischen Wahlen gewählt worden war, traf.

Ich bin mir sicher, dass die Erwähnung Berg-Karabachs im Artikel in diesem Kontext nicht die Verunglimpfung des Landes bezweckte, sondern das Ergebnis der mangelnden Information über die Realitäten des Konflikts und Situation in der Region war. Deshalb möchte ich gerne die Autoren des Artikels – Herren Christian Fuchs, Paul Middelhoff und Fritz Zimmermann – nach Artsakh einladen, damit sie sich mit den laufenden Prozessen vor Ort vertraut machen. – Harutyun Grigoryan LL.M.


Leserbrief zu „Meine Freunde am Ende der Welt“ von Moritz Kuhlmann

Mit Entsetzen habe ich Ihren Artikel in der Ausgabe Nr. 34 gelesen.

Was Sie dort über Siebenbürger Sachsen sagen hat mich zutiefst verletzt.

Ich selbst bin in Deutschland geboren, meine Eltern stammen aus Siebenbürgen. Und nein, keiner aus meiner Familie fühlt sich national auseinandergerissen. Keiner fühlt sich von der alten „Heimat“ angezogen. Das ist einfach ein gelebter Lebensabschnitt.

Wir sind Deutsche mit deutschem Pass. Schon immer gewesen.

Die tausenden Siebenbürger! Sachsen verzeichnen darüber hinaus durchschnittlich betrachtet mehr Wohneigentum. Und damit ist nicht eine Wohnung im tristen Plattenbau gemeint. Harte Arbeit und Zusammenhalt zahlt sich aus und zeichnet „uns“ aus.

Bitte recherchieren Sie doch ab sofort Hintergründe und Geschichte eines Berichts sorgfältiger damit derartige Fehlgriffe unterbleiben. – Bettina Schneider


Leserbrief zu „Die Hälfte ist weg“ von Lisa Nienhaus

Mit großem Interesse habe ich Ihren Brief an Herrn Schäuble gelesen. Ihr Vorschlag die Mehrwertsteuer zu senken gefällt mir auch gut

In ihrem Brief schreiben Sie, „Laut denken Ihre Politikerkollegen stattdessen über neue Wohltaten nach, die sie mit dem zusätzlichen Geldfinanzieren könnten. Kostenlose Kitas sind eine Idee(SPD) oder mehr Mütterrente (CSU)…“ Die Mütterrente wird nicht aus Steuern sondern aus der RENTENVERSICHERUNG bezahlt und das ist in meinen Augen der eigentliche Skandal. Es war ein Kompromiss, aber dann noch aus der Kasse der Solidargemeinschaft diese unsägliche Rente zu bezahlen ist für mich das größte Ärgernis dieser Koalition. Was ist daran gerecht? Von der SPD höre ich dazu nichts, wenn von mehr Gerechtigkeit gesprochen wird.

Anstatt Mütterrente aus der Rentenkasse wäre es gerechter das weitere Absenken des Rentenniveaus zu verhindern und weitergehend das Rentenniveau wieder anzuheben. Das wären Schritte um die steigende Altersarmut (vor allem von Frauen) zu senken. – Marianne Bürkel


Leserbrief zu „Die Hälfte ist weg“ von Lisa Nienhaus

Frau Nienhaus stellte konkrete Fragen, Herr S. zeigt sein vollkommenes Desinteresse und antwortet mit Allgemeinplätzen. Eine Frechheit gegenüber den Lesern. Das ist die Politik der heutigen Regierung, die Prognose muss ungünstig ausfallen. – Franz Pira


Leserbrief zu „Reichweiten und so“ von Susanne Mayer

Dass ich Ihre Kolumne noch nie so richtig lustig fand, ich ja die eine Sache – aber wenn sie falsche Angaben enthält wie diesmal, dann muss ich mich doch mal äußern!: Der Kavalier geht bzw. ging LINKS von der Lady! (Wie ich gelernt habe, weil er in noch früherer Zeit an SEINER linken Seite den Säbel o. ä. Waffe trug!) – Editha Rochow


Leserbrief zu “ Vor Bebauung wird gewarnt“ von Ronald Düker

Die Stadt verliert.  Über den einfachen Weg, sehr viel Geld zu verdienen.  Und warum Berlin für Künstler schwierig wird.  Auf dem Gelände des 2008 idealistisch begonnenen Projekts UferHallen AG betreiben über 50 bekannte Künstler ihre Ateliers. Gefragte Gewerbe und Veranstalter sind hier ansässig: Eine Rahmenwerkstatt, Film- und Tanzstudios, die Kunstproduktion Sculpture Berlin, der stadtbekannte Pianosalon Christophori, das Café Pförtner, das Kindermuseum und viele andere. Dieses Gelände wurde nun in einem knappen und internen Akt an die Immobilienfirma Augustus Capital verkauft.  Vor ca. 10 Jahren veräußerte die Stadt Berlin das ehemalige BVG-Gelände im Wedding für 6 Millionen € an die Aktionäre der eigens dafür gegründeten UferHallen AG. Nachdem zwischenzeitlich Teile des Geländes für 7,5 Millionen € veräußert wurden, wechselt nun die UferHallen AG, diese beinhaltet das Uferhallengelände und drei Wohnhäuser, für etwa 27 Millionen € den Besitzer.

Dies geschieht per Verkauf der Aktienpakete der Hauptaktionäre, die etwa 95 % halten.  Hinter dem Käufer Augustus Capital stehen die Samwer-Brüder, berühmt-berüchtigt  durch  Rocket Internet, deren Startup-Ableger Zalando und zunehmend auch durch den Erwerb von Gewerbe-Immobilien. Diese Deals vollziehen sich weltweit und verstärkt auch in Berlin, z. B. mit dem Haus der Gesundheit und dem Ullsteinhaus.  Zwei Mitbewerber hätten das Gelände in seiner jetzigen Struktur erhalten: Eine Schweizer Stiftung und die Stadt Berlin.   Die Hauptaktionäre, im Wesentlichen die GVA /Friedrich Orth, Dr. Gottfried Kluge und  Dr. Alexander Damerow, wollten aber offenbar lieber den Maximalgewinn erzielen als für  eine Sicherung dieses Kulturareals eintreten.  Angestrebt hatten Uferhallen-AG und Künstler das Gegenteil: Eine Publikumsgesellschaft  mit einer möglichst breiten Streuung der Aktien. Dank der Initiative von Hans-Martin Schmidt (nicht mehr in der AG) wurden 2011 über 3000 Aktienblätter von Künstlern des Geländes sowie von befreundeten Kollegen künstlerisch gestaltet.

Diese Aktienblätter wurden notariell beurkundet und von dem damaligen Aufsichtsrat Friedrich Orth und den damaligen Vorständen Hans-Martin Schmidt und Heino Jückstock unterschrieben. Und jetzt? Jetzt gehen diese an sich schon im sechsstelligen Wert liegenden Originale zu 95 % in eine Hand. Die Idee der Kunstaktien als Fundament des Projektes Uferhallen ist ad absurdum geführt.  Die Stadt Berlin sichert bis heute in beispielhafter Weise Atelierräume. Aber mit der aktuellen Größenordnung und Geschwindigkeit des Ausverkaufs von Gewerbeflächen kann sie es nicht aufnehmen.   Die Stadt will handeln, aber kann sie jetzt ein Signal setzen? Kann sie uns, den Mietern der Uferhallen, eine Perspektive ermöglichen?   Um in Berlin langfristig Kulturstandorte und die Bedingungen für Kleingewerbe zu erhalten, sind dringend neue Modelle nötig. Es ist höchste Zeit das Problem zu erkennen und zu handeln. – Pressemitteilung der Uferhallen-Mieter


Leserbrief zum Titelthema „Warum sind die Steuern so ungerecht, Herr Schäuble?“

Wer hat denn diesen Unsinn geschrieben ? Mittlerer dreistelliger Betrag ? Gemeint ist wohl eher ein fünfstelliger Betrag ! Warum soll denn der Grundbesitz noch weiter besteuert werden ? Wo ist denn der Gegenwert der Kommune ?

Wichtig ist doch, dass mehr Menschen in den eigenen vier Wänden wohnen. Kontraproduktiv, dies noch zusätzlich zu besteuern. – Bernd Mehring


Leserbrief zu „Wie faschistisch ist Amerika?“ von Christian Caryl

Was sollen wohl Bewohner diverser Länder in Amerika denken, wenn sie von solch einer Formulierung hören? Gemeint sind von Ihnen aus ja offensichtlich die USA: warum wird das dann nicht auch so ausgedrückt? – Prof. Dr. Klaus Brake


Leserbrief zu „Auf der Spur der Insekten “ von Fritz Habekuss

Der Artikel über die gesunkene Häufigkeit der Insekten und ihre wissenschaftliche Erfassung durch Prof. Dr. Josef Settele beschreibt die Problematik in unserer Umwelt sehr gut. Es ist korrekt, dass  Wissenschaftler nur über langfristige Beobachtungen Veränderungen in der Besiedlung der Lebensräume durch Insekten und andere Tiere sowie Pflanzen nachweisen und erklären können. Indessen darf und kann der Umweltschutz nicht jahrelang auf statistisch gesicherte Ergebnisse warten. Die Politik muss handeln, und zwar sofort! Es muss endlich das Vorsorgeprinzip (siehe „Vorsorgeprinzip + Umweltbundesamt“ im Internet)  zur Anwendung kommen, das Schutzmaßnahmen rechtfertigt, wenn sich Gefahren für unsere Mitwelt und uns ankündigen, auch wenn die wissenschaftlichen Ergebnisse noch – über Jahre – ergänzt und besser abgesichert werden könnten. Den Verlust an Insekten gibt es ja nicht nur in der Pfalz. Das Phänomen ist in Deutschland weithin zu beobachten, wenn auch nicht wissenschaftlich exakt zu belegen. Eine Umfrage an Wissenschaftler und Hobbyforscher würde zu gleichen Ergebnissen kommen, Autofahrer wundern sich über die geringe Zahl von Insekten, die im Vergleich mit früheren Jahren beim Fahren auf der Windschutzscheibe zerdrückt werden. Nachts sammeln sich heute weit weniger Insekten – angelockt durch Licht – an Lampen und Fenstern. Das alles ist ausreichend, um das Vorsorgeprinzip anzuwenden. Nur, die Politik muss aktiv werden, sie darf nicht vor Industrie und Lobbyisten zurückschrecken. Wozu haben wir denn das Vorsorgeprinzip? Jetzt muss gehandelt werden! – Dr. Hjalmar Thiel (Biologe)


Leserbrief zu „Die Schuld der Mütter“ von Rudi Novotny

Die Eigenverantwortung der Paare bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein wichtiger und häufig zu wenig beleuchteter Punkt, vielen Dank dass Sie sich dem gewidmet haben. Ich würde Ihnen jedoch in einigen zentralen Punkt widersprechen.

Zunächst zur Emanzipation: Sie interpretieren Emanzipation als völlige Gleichverteilung, dabei geht es bei Emanzipation doch um Gleichberechtigung. Dass Gleichberechtigung eine Gleichverteilung nach sich zieht ist ein meiner Ansicht nach irregeleiteter Schluss und Anspruch. Kein Mensch erwartet durch das Recht auf freie Berufswahl, dass alle Berufe gleich häufig gewählt werden. Es ist daher auch höchst fragwürdig die Emanzipation eines Paares, das gleichberechtigt entscheidet welche Betreuungslösung die passendste ist, anzuzweifeln (davon, die Emanzipation der Entscheidung an persönliches Glück zu koppeln möchte ich gar nicht reden).

Nun zur Debatte über Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Sie behaupten, die Debatte beruhe auf der Annahme, dass Paare emanzipiert (in ihrem

Sinne: mit gleichverteilten Betreuungspflichten) leben wollen.

Tatsächlich beruht die Debatte jedoch auf zwei anderen Annahme, nämlich dass MANCHE Paare mit gleichverteilten Betreuungspflichten leben wollen und dass ALLE Paare die volle Entscheidungsfreiheit bei der Aufteilung der Betreuungspflichten haben sollten. Ihre Annahme, dass alle Paare hier die gleichen Ansprüche haben sollten bedeutet nichts anderes als ihnen das Recht auf freie Entscheidung zu nehmen und das wäre dann tatsächlich unemanzipiert.

Schade ist zudem, dass Sie ihren Artikel so sehr auf die ersten Jahre des Kinderlebens und damit vor allem auf ein Kind fokussieren. Gerade mit einem zweiten und dritten Kind nimmt die Vereinbarkeit nämlich eine völlig andere Dimension an, in der Gleichverteilung zunehmend schwieriger und vor allem weniger praktikabel wird. Damit lassen Sie leider auch den wichtigen Punkt unangetastet, dass sich die Betreuungssituation über das Kinderleben verschieben kann.

Möglicherweise entscheidet ein Paar, dass die Frau in den ersten zwei Jahren die Hauptlast trägt während der Mann Geld verdient und dass danach ein Tausch dieser Rollen stattfindet. Wäre das in Ihrem Sinne emanzipiert oder nicht?

Die Emanzipation im Sinne der Gleichberechtigung hat durch langjährigen Kampf gigantische Fortschritte erzielt. Auch der von Ihnen erwähnte Wertewandel in der männlichen Gesellschaft – dass Väter so viel Zeit wie möglich mit ihrem Kind verbringen wollen – zeigt doch dass sich etwas bewegt. Den Irrglauben der unersetzbaren Männer und die Passivität der Frauen aufzudecken ist die große Stärke Ihres Artikels. Der Bezug zu einem fehlgeleiteten Emanzipationsbegriff die große Schwäche. – Simon Renner


Leserbrief zu „Über übergriffiges Verhalten“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

ich lese regelmäßig und mit zumeist großem bis sehr großem Vergnügen Ihre Kolumne – und es ist nicht so schön, dass ich Ihnen das ausgerechnet dann schreibe, wenn ich einen Text von Ihnen mal weniger vergnüglich fand. Aber so ist es jetzt, ich werde „direkt, offen und ehrlich“ sein.

Ich finde es sehr interessant und außerdem unpassend und ärgerlich, dass Sie einen empfundenen Übergriff, der sich auf Ihre aktuelle Lektüre bezieht, mit einem sexistischen Übergriff kontern.

Um an dieser Stelle kein Missverständnis aufkommen zu lassen, ich empfinde die Frage von der Kellnerin ebenfalls übergriffig, und das Lesen und laut Vorlesen aus Ihrem Buch stellten nach meinem Empfinden weitere Grenzverletzungen dar. (Auch wenn möglich ist, dass alldas aus Sicht der Kellnerin völlig andere Bedeutungen hatte.)

Mein erster Gedanke bezüglich Ihrer Reaktion war jedoch: Warum kontern Sie auf sexistische Weise? Und mir kamen diverse Situationen in den Sinn, in denen ich ähnliches Verhalten von anderen Männer erlebt hatte. Fällt vielen Männer nichts anderes ein? Die Frau hat doch nicht gefragt, wie oft Sie Sex haben oder ob sie zufrieden mit ihrer Penisgröße sind.

Die Antwort erhielt ich dann ja auch. Ihrer Frau ging es vielleicht ein bisschen ähnlich wie mir, und Ihre Antwort auf die Frage Ihrer Frau war: „Darum ging es doch gerade, um das Übergriffige. Ich musste was Übergriffiges fragen“.

Wenn Sie die Grenze einer Frau überschreiten wollen, erscheint Ihnen ausschließlich die sexuelle Ebene geeignet. Eine Frau empfinden Sie im Gegensatz dazu bereits als übergriffig, wenn Sie nach Ihrer Lektüre fragt. Offensichtlich messen Sie mit zweierlei Maß. Und das nennen Sie dann „direkt, offen und ehrlich“ und halten „den Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ für möglich. Na ja. – Dr. med. Sibylle Riffel


Die Schuld der Mütter? – Nein der Frauen!

Glückwunsch zu Ihrem gelungenen Artikel zur Beteiligung der Väter an Elternzeit und Artikel. Grundsätzlich ist eigentlich alles was Sie schreiben, vollkommen richtig. Es fehlen aber m.E. nach zwei sehr wichtige Puzzlesteine, die das von Ihnen beschriebene Phänomen maßgeblich beeinflussen:

  1. Der Altersunterschied bei Paaren liegt laut Statistik immer noch bei durchschnittlich zwei Jahren. Wer mal eine Umfrage bei jungen Frauen (<35 a) macht, bekommt i.d.R. eine klare Präferenz zu Gunsten etwas älterer Männer. Das Problem ist, dass im entscheidenden Alter zwischen 25 und 40 das Einkommen aber am stärksten mit dem Alter zunimmt. Ein zwei Jahre älterer Vater ist häufig schon etwas weiter im Beruf und verdient daher mehr. Die Entscheidung, dass dann doch die Frau zurücksteckt und die Erziehung übernimmt ist aus Sicht der Einkommensmaximierung vollkommen rational.
  2. Vor allem bei Akademikern finden sich immer noch mehr Männer in einkommensstarken Berufsfeldern (z.B. Ingenieur, Naturwissenschaftler, IT) und mehr Frauen in einkommensschwachen (z.B. Germanistik, Kultur- und Erziehungswissenschaften). Hier entsteht dann die selbe Ratio wie unter 1.: die Germanistin bleibt zu Hause, der Ingenieurwissenschaftler bleibt im Beruf, beide maximieren das Haushaltseinkommen.

Ich denke es ist relativ offensichtlich, dass diese Faktoren maßgeblich die Entscheidung zur Aufteilung der Erziehungszeiten beeinflussen, und damit auch später die Karrierechancen beider Geschlechter. Warum die Themen in der breiten Diskussion völlig außen vor bleiben ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Aber es sind Entscheidungen die Frauen treffen, lange bevor sie Mütter werden.

P.S. Und wenn ich mir den Anteil junger Mädchen im naturwissenschaftlichen Gymnasiums meines Sohnes anschaue, dann fürchte ich, dass sich da auch in den kommenden 30 Jahren nichts wesentlich ändern wird…. – Prof. Dr. Tilman Eichstädt


Leserbrief zu „Auf der Spur der Insekten “ von Fritz Habekuss

Überall sind die Zahlen im Keller

Ausgeräumte Landschaften

Ein Beitrag aus der ZEIT Nr. 34/2017, der nicht nur Wohlwollen und Freude ausgelöst haben dürfte. Es war ein wohl wunderschöner Tag mit dem Ökologen Sepp, wie Herr Settele gerne genannt werden möchte. Man entdeckt Schmetterlingseier. Sind es denn weniger geworden, seit Sepp 1989 das Zählen begann? Beiläufig wird erwähnt dass die ökonomische Bestäubungsleistung von Insekten auf 235 bis 577 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Das ist für einen Menschen wie mich, der keine Waffen exportiert, doch eine beachtliche Spanne. Man sollte da einmal über die Differenz nachdenken. Dann kommt der Passus, dass man schon Vieles weiß über den Insektenrückgang. Aber die Befunde sind lückenhaft. Dann kommen noch einige Zeilen über die Lückenhaftigkeit des Wissens.

Im Folgenden wird ein kleiner Hieb auf die „Grünen“ mit ihrer kleinen  Anfrage verteilt. Sie wird abgetan als Wahlkampfgetümmel. Da hätte der Herr Haberkuß aber doch einmal genauer lesen sollen. Diese kleine Anfrage (Drucksache 18/13143 mit der Antwort Drucksache 18/12859) war gar nicht so klein und sie hatte Hand und Fuß. Dass dabei herausgekommen ist, dass man die vielen Berichte und Forschungsergebnisse fleißig gesammelt hat, aber noch nicht gelesen und verwertet, das ist doch zumindest ein gutes Ergebnis. Das kann noch besser werden. Und wenn dabei der Verdacht aufkommt, dass ein Rückgang von bis zu 80% der Biomasse, sagen wir es einmal vorsichtig, zu befürchten ist, dann zeichnet sich ein Drama von unvorstellbarem Ausmaß ab. Da sollte man von Seiten der Regierungsverantwortlichen ganz schnell drüber nachdenken. Aber da darf man doch nicht so nachdenken, wie die beiden Informatoren auf der Wiese. Gibt es ein Insektensterben? Ich würde nicht sagen, dass es das  gibt. Woow!

Dann werden die mühsamen Ergebnisse der Krefelder Gruppe ad absurdum gestellt. Natürlich gilt ein Insektenrückgang von 80% nicht überall in Deutschland. Wenn wir uns aber nicht beeilen, dann gibt es gar keine Insekten mehr, deren Biomasse messbar wäre. Man muss doch unterscheiden zwischen landwirtschaftlich genutzten Regionen, Gebieten des Naturschutzes, ökologisch genutzte Regionen und nicht zuletzt die Städte und dicht besiedelten Gebiete, die weitgehend pestizidfrei zu bezeichnen sind.

Ein ganz kleines Imker Ein mal Eins ist die Tatsache, dass es kaum noch Insekten gibt in Bereichen der intensiven Landwirtschaft. Die Herbizide vernichten alles an Kraut bis auf die Pflanze, die es auszubeuten gilt. Das ist schon einmal der erste Schritt: Keine Blüten mehr, kein Futter für das Kleingetier, damit auch keine Insekten mehr. Gibt es doch noch blühenden Randbewuchs, ist der in der Regel durch Neonikotinoide aus der zweiten Behandlung der Hauptfelder belastet. Damit kämen wir zum Resume des nächsten Textes Ihrer Zeitschrift: Ohne Bienen wären wir aufgeschmissen. Und in der Landwirtschaft sieht man immer weniger Bienen.

Ein Bienen- und Insektenmonitoring mit entsprechend begleitender Forschung wäre wünschenswert. Zunächst aber wäre ein gesunder Menschenverstand mit plausiblen Erkenntnissen schon völlig ausreichend. Und Daten gibt es bereits unendlich viele. Die verarbeitet nur kein unabhängiger Forscher. Die bei der chemischen Industrie gebundenen Wissenschaftler würden ihren Job verlieren, wenn sie feststellen, dass die Insekten tatsächlich durch die Pflanzenschutzmittel vernichtet werden. Es bleibt übrigens unerklärlich, warum man diese Mittel so nennen darf. Sie schützen doch nur eine einzige Pflanze.

In Berlin haben wir zur Zeit eine Bienendichte von etwas mehr als 6 Bienenvölker / km², im Hochsommer sind es durch die Wanderimker rd. 10. Mecklenburg-Vorpommern liegt bei 0,6, Brandenburg bei 0,75. Sie können von mir gern eine Übersicht für ganz Deutschland bekommen.  Die Völkerverluste über den Winter liegen in den Städten bei 15-20%, in den landwirtschaftlich genutzten Regionen bei bis 50%, teilweise auch erheblich darüber. Und  die immer wieder gern zitierte Varroa gibt es in der Zwischenzeit in jedem Bienenstock. Die Behandlungsmethoden sind überall ähnlich. Das hat sich bei den Imkern alles herumgesprochen. Der Honigertrag in den Städten liegt bei 40-50 kg/Volk, auf dem Lande bei max. 30 kg. Darüber sollte man einmal nachdenken, ehe man mit Herrn Settele auf einigermaßen heiler Wiese Schmetterlingseier sucht, was sicherlich auch wichtig ist. Das Insektensterben aber fängt woanders an. Und es ist vor allem kein Wahlkampfgeschrei der „Grünen“. – Reinhardt Löwe


Leserbrief zu „Die zehn Ungerechtigkeitenvon“ von Mark Schieritz und Doreen Borsutzki

Bei der ganzen Diskussion wird neben der Vielzahl der Steuern die Vielzahl der Körperschaften vergessen, die berechtigt sind, Steuern und Abgaben beliebig zu erheben. Es geht nicht nur um Einkommen. Kündigt die Politik medienwirksam Erleichterungen an, wird die Last an anderer Stelle unauffällig erhöht. Was nützen Schlagzeilen machende Steuererleichterungen auf Bundesebene, wenn gleichzeitig an anderer Stelle unauffällig die Daumenschrauben angezogen werden. 20 – 50 € im Monat helfen wenig, wenn z.B. die Kommune  Abgaben erhöht bzw. neue schafft (z.B. Zweitwohnungssteuer) oder für den Ausbau von Anliegerstraßen ad hoc mehrere tausend Euro verlangen kann.

Durch die Vielzahl der Erhebungsberechtigen kommt es, dass man für die gleiche Sache mehrfach Steuern zahlt. Jeder Hausbesitzer befindet sich im Würgegriff der Politik  ohne, dass dies groß in den Medien diskutiert wird. In Niedersachsen können sogar durch ein einfaches Landesgesetz zur Erhebung von Kommunalabgaben grundgesetzlich garantierte Rechte eingeschränkt werden (§ 19 NKAG*).

Dabei sind noch nicht jene weiteren Auflagen angesprochen, die ebenfalls von verschiedenen Gesetzgebern eingefordert werden (Stichworte: EEG, Dämmplicht).  – Thilo Osterndorff


Leserbrief zu „Deutschland-ein Land wie keines“ von Bernd Ulrich

Ich habe mich über Ihren Artikel gefreut. Ich gehöre der Zwischengeneration an, ich bin im Sept. 1933 geboren. Besonders wichtig fand ich den Satz über die Generationenkonflikte in den 60er, 70er Jahren. „Letztlich waren das schlichtweg Konflikte zwischen den Tugenden, die im Krieg vonnöten waren, und Bedürfnissen, die sich im Frieden herausbildeten.“ Dass diese Konflikte im besiegten Deutschland anders verliefen, als bei den Siegern, ist auch richtig. „So viele männliche Autoritäten kamen aus dem Krieg gar nicht wieder, andere waren psychisch oder physisch versehrt, die meisten aber auch moralisch leckgeschlagen.“ Typisch ist aber, dass in ihnen vor allem „zumeist Mitläufer, Mittäter oder Täter“ gesehen wurden. Es gab und gibt keine Hilfe und kein Verständnis für die Traumatisierten, Versehrten und aus der Bahn Geworfenen. Auch, dass sie sich „aus der Demütigung und aus der Schuld buchstäblich herausgearbeitet haben“ wird ihnen nicht als Verdienst angerechnet, sondern als  Versuch, sich der Verantwortung zu entziehen.

Ich bin der Generation unserer Eltern (in ihrer großen Mehrheit) immer noch dankbar, dass sie im Krieg und danach alles taten, um ihre Kinder so normal als möglich aufwachsen zu lassen und ihnen trotz schrecklicher äußerer Umstände, auf der Flucht, bei Fliegerangriffen, in Notquartieren und in Hungerzeiten die Geborgenheit in der Familie zu vermitteln. Danach bemühten sie sich, aus Trümmern sich wieder Existenzen zu schaffen und Häuser zu bauen, in denen man wohnen konnte. Von meinen Schulkameraden haben manche trotzdem heute noch unter Kriegsfolgen zu leiden, manche hatten Schwierigkeiten mit ihren Eltern, vor allem mit den Vätern, aber alle haben ein Leben gehabt, mit dem sie zufrieden sein konnten. Und, ob sie es einsehen oder nicht, auch noch die Enkel haben es dieser verachteten und geschmähten Generation, die nicht resigniert,  sondern unter den schwierigsten Bedingungen sich aus Not und Elend herausgearbeitet hat, mit zu verdanken, dass es ihnen heute gut geht.

Ganz gewiss sind Kriegsverbrechen und Massenmord zu verurteilen. Aber wer es heutzutage nicht begreift, wie leicht es ist, vor allem junge und begeisterungsfähige Menschen dazu zu bringen, ganze Völker als „Täter“ oder „Böse“ oder „Ungläubige“ abzustempeln und ihre Angehörigen wahllos zu töten und das im Namen Gottes oder der Gerechtigkeit oder sonst einem irrwitzigen Vorwand, dem ist nicht zu helfen. Das gegenseitige Verteufeln und die Rachefeldzüge  nehmen kein Ende, bis alle nach Versöhnung trachten und nicht nach Vergeltung. Es ist das „Nie wieder!“ derer, die den Krieg in Europa überlebt haben, das uns den Frieden erhalten hat. – Erika Albert


Leserbrief zu „Meine Freunde am Ende der Welt“ von Moritz Kuhlmann

Moritz Kuhlmann beklagt die Vorurteile gegen „Zigeuner“. Die Erlebnisse, die er schildert, bestätigen aber gerade diese Vorurteile: „Ihre Zimmer im Gemeinschaftshaus…haben sie wie Schweineställe zurückgelassen, Wertvolles gestohlen.“ „Wir rekonstruieren, das er (Moise) 1500 Euro geklaut  und nach Bukarest abgehauen ist…Pater Schorschill wir ihm zum 77.Mal vergeben.“ Kitschige Zigeunerromantik zuhauf: „…die Band? Geniale Musiker…Gabi…Laura…hochbegabte Musikschülerinnen…Ali…er ist genial. ..Die Calici sind arm und wunderschön und die besten Tänzer der Welt.“ Warum druckt die ZEIT einen solch niveaulosen Text ab? – Karl-Heinz Eckert


Leserbrief zu „Ich kann nicht alles kontrollieren“ von Anna-Lena Scholz

nachdem ich in der Vorwoche das Interview mit Alice Schwarzer gelesen hatte, deren Argumente gegen Butlers sektiererische Genderkritik und die  teilweise fast blinde Unterstützung des Islam ich sehr einleuchtend fand, war ich sehr gespannt auf das aktuelle Interview mit Judith Butler.

Doch außer Butlers Gegenvorwurf, Schwarzer unterstütze einen „antiintellektuellen Zeitgeist“ erfuhr ich nichts: keine Antworten, keine Gegenargumente. Gesprächspartnerin Anna-Lena Scholz verzichtete gänzlich darauf, Butler mit Schwarzers durch Beispiele und Details belegten Vorwürfen zu konfrontieren. Ein Fehler und eine vergebene Chance! Denn wo und wann sonst werden diese so gegensätzlichen und offenbar verfeindeten Frauen miteinander in einen Diskurs treten, den auch „Nichteingeweihte“ in den Bereichen aktueller Gendertheorie und Feminismus wahrnehmen und nachvollziehen können. Für mich bleibt deshalb – bei allem Respekt vor Judith Butler und ihren intellektuellen Leistungen – Alice Schwarzers fundierte Kritik an Butler und ihren Anhängern unwiderlegt weiter bestehen. – Achim Forst


Leserbrief zu „Auf der Spur der Insekten “ von Fritz Habekuss und zu „Von Bienen und Blumen“ von Petra Pinzler

Ich denke, man braucht keine wissenschaftlichen Untersuchungen, um zu sehen, dass es kaum noch Insekten gibt. Selbst wer keinen Garten hat und wenig in der Natur ist, sieht saubere Autoscheiben und Aussenlampen ohne Leben.

Mich wundert es nicht. In meiner Heimatstadt im bergischen Land wird fast jede grüne Wiese bebaut. Vorgärten, die früher voller Blumen waren, werden mit Steinen zugeschüttet. Felder haben keine Hecken mehr und werden gedüngt und gespritzt.

Was ich mir von Ihrem Artikel gewünscht hätte: Vorschläge, was jeder Einzelne tun kann. Denn leider glaube auch ich, es ist schon fünf nach zwölf. – B. Thomas


Leserbrief zu „Keiner geht hier ohne  Abschluss“ von Arnfrid Schenk

Wenn   man  viele   Jahre   eine  große   Grundschule  geleitet  hat,  weiß  man  die   Leistungen  der  Rektorin  Ingrid  Macher   und  ihres Kollegiums  wohl  besonders  zu schätzen, vor  allem  ihre  Maßnahmen zur Einhaltung der Regeln, Umgangsformen , Disziplin.

Vorgaben zu angemessenem  Verhalten  brauchen  nicht  nur stark  auffällige  Schüler mit erheblichen Defiziten.  Jedes  Kind  hat im  Allgemeinen   das  originäre  Bedürfnis   nach Orientierung, Werten  und  guten  Vorbildern,  steigern   sie   doch  seine Lebenstüchtigkeit  und lassen  es erfahren,  dass  man  es ernst  nimmt und  an  seinem Wohlergehen interessiert  ist.  So  sagte   einmal   ein Erstklässler  zu  mir, seiner Lehrerin: „Es ist   schön  bei   dir. Bei  dir  darf   ich  nicht  alles   wie  bei  meiner   Mama.“   Kinder  sehnen  sich  nach Liebe und Zuwendung, nicht  nach Verwöhnung. Sie  brauchen ihre Freiräume, aber ebenso ihre   Grenzen, müssen    gefordert  und gefördert , aber nicht überfordert werden. Nur  so  können  sie die ihren Anlagen gemäßen Leistungen  erbringen. – Gabriele   Gottbrath


Leserbrief zu „Wenn Köln zurückpfeift“ von Jörg Kramer

Es kommt nicht oft vor, dass ich die Fußballseite der ZEIT lese, aber Sie konnten mit Ihrem Artikel mein Interesse wecken. Vor allem, weil Sie mich darüber informiert haben, welche Spielsituationen überhaupt Gegenstand der Ermittlungen sind.

Ich stimme Ihnen zu, dass der Weg seit der Torlinientechnik frei ist zum digitalen Schiedsrichter, der alle Spielsituationen überwacht.

Eigentlich kann ich der flächendeckenden Überwachung durch Computer nicht viel abgewinnen; speziell für den Fußball, da ich selbst spiele und auch wenn in der Kreisliga nicht die besten Schiedsrichter das Spiel leiten, ist der Ärger über Fehlentscheidungen nicht allzu groß.

Aber – zurück zum Profifußball – die Videoschiedsrichter in Köln bzw.

die Schiedsrichter auf dem Platz leiten nicht nur ein Fußballspiel. Sie entscheiden auch über viel Geld, das gewonnen oder verloren wird und somit über das Schicksal von Vereinen. Diese Last sollte den Schiedsrichtern genommen werden.

Oder aber der Fußball entwickelt sich wieder zum Sport. In dem Sinne, dass Menschen gegeneinander spielen, ohne dass das Geld im Vordergrund steht. Möglicherweise fühlt sich der Zuschauer dann auch nicht mehr so sehr (oder so lange) betrogen. Dann kann ein Schiedsrichter meines Erachtens auch wieder einen Fehler machen, denn das ist ja bekanntlich menschlich. – Christopher Mischke


Leserbrief zu „Do you speak German?“ von Özlem Topçu

Auch ich rate zu mehr Gelassenheit bei den Unterhosen unter der Dusche. Anschließend kommt wohl eine trockene Unterhose aus dem Handgepäck. So bleibt dies eine zeitlich überschaubare und zu belächelnde Aktion der Muskelmachos.

Für mehr Kopfschütteln sorgen nordeuropäische Muskelmachos, wenn sie nach dem Duschen ihren Körper von Kopf bis Fuß mit dem Fön trocknen, dies allerdings ohne Unterhose.  – Dieter Karsten


Leserbrief zu „Die Hälfte ist weg“ von Lisa Nienhaus

Für den offenen Brief von Frau Nienhaus an Wolfgang Schäuble werden viele ZEIT-Leser dankbar sein (so wie ich auch).

Die Autorin argumentiert sehr schlüssig mit der Ungerechtigkeit der sehr hohen Mehrwertsteuer vs. Einkommensteuer. Das von unseren Finanzministern und Regierungspolitikern immer wieder vorgebrachte Argument, daß 10% der Steuer- zahler für 50% der Einkommensteuer aufkommen ist völlig verlogen. Ein Blick auf absolute Zahlen, den der Minister uns verweigert, würde das belegen. Schäuble sagt: Der  Staatshaushalt ist konsolidiert und vergißt zu erwähnen, daß wesentlich dafür die Zinspolitik der EZB verantwortlich ist. Wenn er, wie man staunend liest, eine baldige Normalisierung der Geldpolitik erwartet, ist ihm zu raten, einen intensiveren  Kontakt zu seinem Bundesbankpräsidenten zu pflegen.

Der würde ihm wahrscheinlich bestätigen, daß der EZB-Präsident Mario Draghi nicht daran denkt, einem deutschen Finanzminister seine wie auch immer geartete Geldpolitik zu widmen. Wieso die demographische Entwicklung in Deutschland den  deutschen Leistungsbilanzüberschuß beeinflussen soll, bedarf für mich der Erläuterung. Zum Schluß: Einen deutlichen Anstieg der Renten kann wirklich nur ein Beamter mit staatlichem Pensionsanspruch feststellen. Sehr geehrte Frau Nienhaus, bleiben Sie an dem Thema dran. – Klaus Grasenick


Leserbrief zu „Auf der Spur der Insekten “ von Fritz Habekuss und zu „Von Bienen und Blumen“ von Petra Pinzler

Mit Interesse, aber auch Erstaunen habe ich die beiden Artikel zum Thema Insektensterben gelesen.

Trotz der mühevollen. akribischen Arbeit von Wissenschaftlern und freiwilligen Helfern soll es keine ausreichenden Daten und klaren Belege geben?

Dann also mal ganz unwissenschaftlich: Ältere Menschen werden sich daran erinnern, dass sie auf Autofahrten im Sommer alle paar Stunden halten und die von toten Insekten verklebte Windschutzscheibe reinigen mussten. Heute kann man 1000 km ohne Sichtbehinderung fahren.

Bis vor etwa 15 Jahren flogen am Abendhimmel über meinem Garten Schwalben. Bei Einbruch der Dunkelheit erschienen die Fledermäuse. Ihr Verschwinden ist doch wohl auf den Mangel an Nahrung, d.h. Insekten zurückzuführen.

Genug Beweise? Aber die Verursacher des Insekten- und Artensterbens wollen gar keine Beweise, sondern einfach weiterwirtschaften. – Margit Betke-Kellner


Leserbrief zu „Die Hälfte ist weg“ von Lisa Nienhaus

Ich habe die Briefe von Frau Nienhaus und Herrn Schäuble zu den „Ungerechtigkeiten des deutschen Steuersystems“ aufmerksam gelesen und muss Ihnen beiden sagen: Sie vergessen die Steuerliche Situation von Alleinerziehenden mit Kindern. Erst meist durchs Ehegattensplitting vom Arbeitsmarkt ferngehalten und wenn der Partner (aus welchen Gründen auch immer weg ist) – geht es voll ab ins kalte Wasser. Und der Staat besteuert fast identisch wie ledige obwohl die Last nun nur noch auf einer Schulter liegt. Denn mit dem Alleinerziehendenentlastunggsbetrag kann man schon „fast“ an einem Elternabend teilnehmen oder anstatt zu Arbeiten auch schonmal eine Vorsorgeuntersuchung machen lassen. Denn mehr isses nicht. Was will der Staat eigentlich von den 20% Familien, die heute in Deutschland alleinerziehend sind? Daß sie arbeiten und fast genau wie eine „normale“ Familie Steuern zahlen oder daß sie ihre Kinder betreuen – oder BEIDES?

Ist das FAIR? Wer sich einmal unter www.fair-fuer-kinder.de oder www.mama-arbeitet.de informiert, bekommt einen Vorgeschmack was es wirklich heisst steuerlich ungerecht behandelt zu werden-zusätzlich zu der doppelten Erziehungs- und Verdienerlast.

Ich verstehe nun sehr gut, daß Menschen nach dem Verlust des Partners aus der Kurve fliegen können. Ich bin dankbar, daß wir ein so gutes Umfeld hatten. Ohne Familie, verständnissvollem Arbeitgeber und vielen guten Händen – kann das eigentlich auf Dauer nur schiefgehen. Es wird Zeit daß sich hier etwas ändert. – Dipl.Ing. Christian Steininger


Leserbrief zum „Voyeure tauschen auf einer Pornoseite im Internet Videos und Bilder – eine Undercover-Recherche“ von Isabelle Beer im ZEIT Magazin

Vor wenigen Tagen wurde ein Mitarbeiter des Suchmaschinenriesen Google gekündigt, weil er Frauen weniger Eignung für technische Berufe attestierte. Die Kündigung wurde mit Sexismus begründet und von praktisch allen Medien begrüßt. Ist ihre Titelgeschichte weniger sexistisch? Nun muss man fairerweise sagen, dass der Beitrag im ZEIT Magazin wesentlich differenzierter ist als die Schlagzeile. Dämlich bleibt sie trotzdem. Entweder es gibt Unterschiede zwischen den Geschlechtern, dann muss man auch sagen dürfen, was Männer vermeintlich besser können. Oder es gibt eben keine. Das Argument, dass sie vermutlich jetzt vorbringen wollen „Wir haben aber Recht und die nicht“ ist wirklich nicht besonders überzeugend.

Was mich als Empiriker besonders ärgert ist die Behauptung, Sie hätten irgend etwas berechnet und bewiesen. Ihnen selbst dürfte klar sein, dass Sie das nicht haben. Fast täglich klopfen Journalisten sich selbst auf die Schultern um zu betonen, wie wichtig ihre Arbeit sei und wie schlimm das Internet sei. Seien Sie versichert, dass ich einen derartigen Blödsinn in meinem Statistiker-Blog niemals publizieren würde. Obwohl ich, im Gegensatz zu Ihnen, das Portal ehrenamtlich betreibe.  – Tilman Weigel


Leserbrief zu „Deutschland-ein Land wie keines“ von Bernd Ulrich

Ich wollte Ihnen, bevor die nächste Nummer der ZEIT in meinem Briefkasten steckt, nur sagen, dass ich mich sehr freue über Ihr Buch „Guten Morgen, Abendland. Der Westen am Beginn einer neuen Epoche. Ein Weckruf.“ Den Vorabdruck im Feuilleton vom 17. August habe ich mit grosser Aufmerksamkeit gelesen. Wunderbar, dass Sie den Text mit diesem träumerischen Bild vom Wald illustriert haben! Genau deshalb, wegen dem Wald, liebe ich die Deutschen!

Mein Grossvater war ein Deutscher Grossgrundbesitzer aus Oberteuringen. Er starb 1912, vor der Geburt meines Vaters. Darum bin ich 1945 dann als Schweizerin geboren. Ihre Texte lese ich immer ganz langsam. Man muss über jeden Satz nachdenken. Dass Sie auch noch die Fragen, die Sie stellen, hinterfragen, fasziniert mich. So bleibt alles offen. Der Leser wird nicht überstülpt mit der Meinung eines Intellektuellen, er hat die Freiheit, selber zu denken.  Ihre grosse Frage am Schluss beantworte ich folgendermassen:

„Das Offene, Liberale, Demokratische in einer immer härter werdenden Welt“, diese Eigenschaften sind gerade die Stärke der Deutschen, ich meine der Deutschen unter der Regierung von Angela Merkel! Mit welchem Respekt und mit welchem Selbstbewusstsein hat sie sich mit den Autoritäten dieser Welt, mit Putin, Erdogan und Trump persönlich getroffen! Ich bin zutiefst überzeugt, dass sie von diesen Persönlichkeiten ebenfalls respektiert wird. Ich glaube keineswegs, dass diese Staatsmänner  „das starke, demokratische Deutschland mehr ablehnen als alles andere“, wie Sie in Ihrem Text behaupten. Im Gegenteil, diese Herrscher möchten eine gute Beziehung haben zu Deutschland, zum Herzen Europas. Die Türkei ist nach wie vor Mitglied der EU und nimmt geopolitisch zwischen West und Ost eine Schlüsselposition ein. Und Russland gehört, was die Kultur und die Religion betrifft, zum „Europäischen Haus“, wie es Gorbatoschow nach der grossen Wende formuliert hat. Wenn Deutschland seinerseits gute Beziehungen pflegt zu Russland, braucht es weder den Schutz von Amerika noch irgend eine atomare Abschreckung. Der gemeinsame Feind, der uns alle bedroht, ist der Dschihadismus. Vor dem haben selbst die gläubigen Moslems Angst! Wie man den besiegen kann, weiss ich nicht. Vielleicht nur dadurch, dass wir Christen wieder echte Christen werden….

Vielleicht ist das alles naiv und blauäugig, aber ohne Glauben an den Sieg des Guten kann ich nicht leben! – Verena Keller


Leserbrief zu „Putins AfD-Truppe“ von Christian Fuchs, Paul Middelhoff und Fritz Zimmermann

Im oben genannten Artikel nimmt der Berg-Karabach-Konflikt breiten Raum ein. Wie Sie wissen ist dieser ein überaus komplizierter internationaler Konflikt mit einer ganz eigenen Genese. Er eignet sich daher mitnichten als Material für innenpolitisch motivierte Auseinandersetzungen im Vorfeld der bevorstehenden Bundestagswahl.

Gestatten Sie mir daher einige Anmerkungen: Bei einer gründlicheren Recherche hätten Sie festgestellt, dass Kongressabgeordnete aus den USA, Politiker aus Frankreich, Großbritannien, ja sogar Abgeordnete des Deutschen Bundestags und auch ehemalige Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Berg-Karabach besucht haben, nicht nur AfD-Vertreter.

Ihre Anmerkung, die OSZE habe keine Wahlbeobachter nach Berg-Karabach geschickt, weil dieser international nicht anerkannt sei, bedarf einer wichtigen Ergänzung: Die OSZE hat vor über 20 Jahren die Minsk Gruppe gegründet. Die Aufgabe ihrer drei Ko-Vorsitzenden (USA, Russland, Frankreich) ist es, gemeinsam mit den Konfliktparteien Aserbaidschan, Berg-Karabach und Armenien eine friedliche Regelung des Konflikts zu erreichen. Dazu gehört auch die Statusfrage von Berg-Karabach. Allein schon deswegen ist es undenkbar, dass die OSZE Wahlbeobachter nach Berg-Karabach schickt.

Dennoch nahmen Mitglieder des Europäischen Parlaments, der Bulgarischen Nationalversammlung, Rechtanwälte, Vertreter der Zivilgesellschaft und Journalisten aus Litauen, Slowenien, Spanien, Großbritannien, Rumänien, Slowakei, Belgien und ehemalige Botschafter der Bundesrepublik Deutschland als Wahlbeobachter beim Verfassungsreferendum vom 20. Februar 2017 teil. Ihre Berichte zeichnen sich durch große Sachlichkeit aus. Ihnen zu unterstellen, sie handelten auf Anweisung Dritter ist abwegig.

Wie Sie sehen ist das Bild wesentlich vielfältiger und differenzierter als von Ihnen dargestellt. Für eine so renommierte Zeitung wie Die Zeit ist das bedauerlich. – Ashot Smbatyan, Botschafter der Republik Armenien