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7. September 2017 – Ausgabe 37

 

Leserbrief zu „Der untaugliche Plan“ von Petra Pinzler

Den Überlegungen von Frau Pizler stimme ich vollkommen zu! Ich halte den Plan aber außerdem für ungeheuerlich:
Seit Jahrzehnten wird Diesel durch die Steuerbegünstigung subventioniert. Und schon vor Jahrzehnten waren zumindest helle Diesel-PKWs an den Schmauchspuren über dem Auspuff bereits von Ferne zu erkennen. Auch damals schon wurden die Diesel durch „geschickte” Bewertung des Feinstaubs sauber gerechnet. Und selbst heute noch kann man sehen, dass z. B. Diesel-BMW beim Start an der Ampel eine Rußwolke abblasen.
Nun soll nach dem neuen Plan die Allgemeinheit aller Steuerzahler die Sanierung der Dieselschäden finanzieren.
Wenn sich schon niemand traut, die Steuervergünstigung für Diesel endlich abzuschaffen – d. h. Diesel auch in Zukunft weiter subventioniert wird – dann sollten wenigstens die tricksenden Verursacher der schlechten Luft in den Städten für die Behebung der Schäden aufkommen!
PS: Die Aussagen von VW-Vorstand Herbert Diss zu „Diesel-Thematik” im Interview auf Seite 28 halte ich für nur widerlich! – Hansjörg Hahn


Leserbrief zu „Gesellschaftskritik“ von Matthias Stolz im ZEIT Magazin

Schön, dass Sie auch mal was auf Französisch bringen, doch korrekt sollte es dann doch sein. Das frz Verb für ‚korrspondieren, entsprechen‘ heißt ‚corresponDRE‘ und nicht corresponder. Vielleicht korrespondiert auch der Drucker mit dem Druckfehlerteufel, um Ihnen vielleicht eine Ausrede zur Hand zu geben, die nicht mit Unwissen korrespondieren muss… – Thomas Wöhler


Leserbrief zu „Merkels letzte Wahl“ von Bernd Ulrich

Im Sinne Bernd Ulrichs sehe ich die einzige Chance für die Grünen bei dieser Bundestagswahl darin, offen für schwarz-grün zu werben, das heißt um die Stimmen bürgerlicher Wähler, die Angela Merkel als Kanzlerin behalten wollen, aber für eine konsequente Klimapolitik, gegen ein Einknicken vor Putin oder Trump und gegen eine Obergrenze für Asylberechtigte sind. So wie die FDP früher ihre besten Ergebnisse eingefahren hat, wenn sie potientielle CDU-Wähler angesprochen hat mit dem Versprechen, für einen Kanzlerwechsel (von Adenauer zu Erhard) zu sorgen, ein Abdriften der sozialliberalen Koalition nach links aufzuhalten oder einen Kanzler Strauß zu verhindern. „Mit Angela Merkel und Katrin Göring-Eckardt gegen Horst Seehofer und Jens Spahn“ müsste die Devise sein, zu der sich die Grünen aus lauter Zaghaftigkeit wohl nicht durchringen werden. – Jürgen Thiede


Leserbrief zu „Wochenmarkt“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

Als jahrzehntelange Leserin Ihrer Wochenzeitung samt Magazin muss ich heute meinen Frust über die wundersame Wandlung Ihres Magazins loswerden.

Früher immer das erste, was ich aus der gedruckten ZEIT herausgefischt habe, hat es sich zu einer ungeliebten Dreingabe entwickelt, deren Aufmachung insbesondere, immer „design-iger“, sprich seltsamer wird. Nachdem nun Gott sei Dank die gelb unterlegten, nur durch Augenzukneifen lesbaren Bildunterschriften verschwunden sind, „erfreuen“ uns nunmehr die, ebenfalls mit einem Gelbfilter verunstalteten Rezeptfotos des „Wochenmarkts“! Wäre ich nicht schon seit Jahren ein Fan von Elisabeth Raethers schlichten, aber meist leckeren Rezepten, würde ich aufgrund der unappetitlichen Fotos niemals auf die Idee kommen, eines zu lesen oder gar nachzukochen.

Meine dringliche Bitte: abgehobene Fotos Reportagen von Jürgen Teller überlassen und Dinge zum Essen auch so fotografieren, dass man sie essen möchte! – Claudia Dittrich


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Die zwei ZEIT-Magazine vom 7.9. und 31.8.2017 bestätigen mich wieder darin, die Zeit nicht regelmäßig zu abonnieren. Insbesondere das Zeit-Magazin vom 31.8. ist eine Verschwendung von Zeit und Geld, und die Ausgabe vom 7.9. quillt nur so von  belanglosen Fotos eines belanglosen „Sohnes“. Schaffen Sie das Zeit-Magazin ab, und integrieren die guten Reportagen daraus in die  Gesamtausgabe der Zeit! – Volkmar Stein


Leserbrief zu „Armes deutsches Würstchen” von Jens Jessen

Dieser Artikel ist eine Beleidigung Ihre Leser. Herr Jessen stellt alles bisher zur Diskussion der Leitkultur Gesagte in den Schatten. Seine Ausführungen “.. von Leuten . die sich an diese Kultur klammern, dabei  wohl eher an  Würstchen mit Kartoffelsalat denken“ stellt die, die seinen abstrusen Vorstellungen zu Mulitkulti nicht folgen wollen, als Idioten dar. Teile seiner Argumentation, die vor Arroganz und  Dünkel strotzt, lassen sich nur mit seinen abgedrehten Ansichten begründen, z.B. “Wir dürfen kein Kreuz auf das Schloss stellen, weil wir uns damit  an der multireligiösen Gesellschaft , vergreifen, die den Staat zu  strikter Toleranz verpflichtet? Ich muss aber in einem Krankenhaus, von der öffentlichen Hand betrieben, Krankenschwestern mit Kopftuch akzeptieren? Nicht wir, sondern er ist  mit seinen seltsamen Vorstellungen in der Minderheit. Seine AfD Psychose  ist eine Zumutung. Ich wäre daher  Ihnen dankbar, wenn Sie  in Zukunft auf  einen solchen,  Tatsachen verneinenden Schwachsinn  verzichten würden. – Ulf & Barbara Hanel


Leserbrief zu „Ein bisschen Spaß muss sein“ von Felix Dachsel

Ich bin weiblich, fast 60 Jahre alt und sehr erstaunt, dass Otto und Mario Barth zu  Vertretern des politischen Fernsehhumors zählen. Fallen darunter nicht Hildebrandt, Jonas und weitere Namen des deutschen Kabaretts? Ich finde, Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Otto ist irgendwo zwischen Pubertät und Adoleszenz hängengeblieben, Mario Barth mag Menschen belustigen, die über Flachwitze lachen und Harald Schmidt, wie passt er in diese Reihe? Ein Zyniker, der in seiner Überheblichkeit ausnahmslos jeden schlecht macht und sich am Ende einen Oliver Pocher an die Seite nimmt, um (sich) zu beweisen, dass die Jugend es auch nicht drauf hat? Und Frauen, egal, ob aus dem Genre Politiksatire oder Klamauk, existieren nicht und bedürfen keinerlei Beachtung? Es wäre sicher interessant, zu betrachten, welche Entwicklung sich im politischen Kabarett der letzten 50 Jahre vollzogen hat und dann wäre der Bezug zu Uthoff und Böhmermann eher zu verstehen. Nur finde ich das in ihrem Artikel nicht wieder. Mit den Worten von Joachim Ringelnatz :“Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“ – Marlu Bohn


Leserbrief zu „Am seidenen Faden“ von Matthias Nass

Bezogen auf Nordkorea und seinen Diktator schreibt Herr Nass: „Deshalb ist es richtig, die Sanktionen noch einmal zu verschärfen, bis zum totalen Handelsboykott. Nur noch humanitäre Leistungen sollten erlaubt sein.“ Hunger und Krankheit, das Leiden von Millionen Menschen, das jetzt schon furchtbar ist, würde Herr Nass in Kauf nehmen um des guten Zwecks willen: „Das politische Ziel sollte ein Regimewechsel sein.“ Sehr originell ist dieses Ziel nicht. Von den USA wird es seit vielen Jahren, ja seit Jahrhunderten angewendet. Mit Millionen und Abermillionen Toten im Gefolge. Nun ist Kim Jong Un bestimmt einer der schrecklichsten Diktatoren und vermutlich noch schlimmer als der König von Saudi Arabien, obwohl er noch keine Massenmorde wie die der Saudis im Jemen vorzuweisen hat. Zudem kümmert sich Nordkorea einen feuchten Kehricht um UNO-Beschlüsse und führt sein Atomprogramm einfach weiter – wie es Indien, Pakistan, Israel usw. getan haben und weiter tun. Mir ist nicht bekannt, ob Herr Nass für diese Staaten auch den totalen Boykott nebst Regimewechsel fordert. Ich kann ihm allerdings nicht zustimmen, wenn er schreibt, Kim Jong Un verhalte sich, „als trage er eine geheime Todessehnsucht in sich.“ Nein, im Gegenteil, er verhält sich absolut logisch. Wie soll er sich sonst davor schützen, dass der Rat von Herrn Nass (Regimewechsel!) in die Tat umgesetzt wird? Und hungern wird er sicherlich nicht müssen. – Klaus Schuricht


Leserbrief zu „Du siehst aus, wie ich mich fühle“ von Julia Christie

Die Fotos in dieser Rubrik finde ich so köstlich. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sie als Sammlung herausbringen.- Gerlinde Hofmann


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Das heutige Zeitmagazin ist sehr enttäuschend… Bei Holger Penn haben Sie immer vermerkt, wer so selbstlos die Kleider zur Verfügung gestellt hat, z.B. Dior Homme. Fendi, Dolce &  Gabbana usw. usw.. Warum haben Sie bei den Barenboim-Söhnen nicht die Friseure, bei Johannes Laschet nicht die Firmen für Hemd und  Krawatte und bei Anton Kern z.B. nicht das Uhren- und  das Hemdenfabrikat genannt? Bei dem hohen journalistischen Anspruch der ZEIT (z.B. allein für Gerechtigkeit nehme ich doch an) ist das für mich nach über 40 Jahren ZEIT-Lektüre völlig unverständlich…. – Dieter Stemshorn


Leserbrief zu „Wir haben sehr viel Vertrauen verloren“ von Roman Pletter und Claas Tatje

Ich werde jede Woche bei Ihnen intervenieren, um endlich auf Ihrer Seite des Journalismus zu erreichen, dass Sie bei technischen Fragen und den dazugehörigen Antworten Kompetenz einbringen.

Auf Ihre Frage, “Ist der politische Fokus auf das Elektroauto aus ihrer Sich der richtige Weg?”, antwortet dieser Mann, führender Manager im VW-Konzern mit drei Millionen Euro Jahresgehalt technisch falsch und die Journalisten und Bürger irreführend, um Ihnen Alternativen zum E-Auto anzuzeigen. Dieser Mann meint, einen Unterschied –also eine Alternative- zum E-Auto mit der Wasserstoff-Brennstoffzelle zu sehen. Nehmen wenigstens Sie zur Kenntnis und achten Sie darauf solchen irreführenden Antworten zu begegnen:

Die E-Autos haben einen Antriebsstrang, den E-Motor. Die Energie für den E-Motor ist E-Strom mit entsprechender E-Spannung. Der Energiespeicher dafür (also der E-Tank) ist unterschiedlich. Einmal hat man eine Batterie, die mit E aufgetankt wird und dann entsprechend ihrer Kapazität den E-Motor für eine Kilometerreichweite X versorgt. Die andere Methode des Energiespeichers ist der Wasserstoff in einem Tank, aus dem dann der Wasserstoff mittels Umformer (das ist die Brennstoffzelle) zu E-Spannung und E-Strom geführt wird. Und auch hier ist die Wasserstofftankkapazität die bestimmende Größe für die Reichweite des E-Autos.

Also, wie Sie nun erkennen können, beide Energiespeicher liefern das, was ein E-Motor braucht. Und somit handelt es sich letztlich um ein E-Auto, also die E-Mobilität. Somit ist die von dem Mann Diess aufgezeigte Alternative kein Alternative zum Elektroauto!!!

Er nennt dann noch den Gasmotor. Das ist eine technische Pseudo Alternative zum E-Auto. Warum? Weil der Gasantrieb immer noch ein Verbrennungsmotor ist, mit entsprechenden Emissionen an LÄRM, Abgas und CO2.

WENN man nun eine Alternative zum  bisherigen Auto -und zwar aus Gründen der Emissionen!!!- sucht, dann ist der Verbrennungsmotor raus aus den Lösungsvarianten!

Die Frage an Sie und an den Mann Diess ist also: Warum versucht so ein hochbezahlter Manager, der auch noch sagt, dass er das hohe Gehalt verdient, weil “…ich hier viel leiste”, der Öffentlichkeit Alternativen zu suggerieren, die gar keine sind? Könnte es sein, dass er diese technischen Sichtweisen selbst gar nicht versteht? Sicher ist allerding: Der MAnn Diess, der VW-Konzern und alle anderen Autobauer, die auf Verbrennungsmotoren setzen, haben keine Alternative!!!

Meine Vermutung der Unkenntnis hochbezahlter Manager  ist gar nicht polemisch sondern eher begründet. Warum? Wie ich Ihnen aufgezeigt habe gibt es zwei E-Energieversorgungssysteme für den E-Antrieb: die Batterie und den Wasserstoff. Mit den Batterien sind die Reichweiten sehr begrenzt und die TAnkzeiten sehr lang. Mit dem Wasserstoff hat man Reichweiten wie für Autos üblich zwischen 700 und 1000 km (ist nur eine Frage der Wasserstofftankgröße). Und die Tankzeit ist gleich dem von Flüssigkraftstoffen für Verbrenner!!!

Sie erkennen damit, dass das Wasserstoff-E-Versorgungssystem dem System der Batterie überlegen ist und damit auch alle Stammtischgegenargumente hinsichtlich E-Auto einfach vom Tisch sind!!!

Und nun frage ich Sie: Warum will VW eine Batteriefabrik bauen? Das ist doch eine Fehlinvestition!

Meine Antwort: Weil man Manager hat, die die Technik nicht verstehen. Sie als Journalisten sollten das aber verstehen, damit Sie nicht ungewollt zur Fehlmeinungsbildung der Bürger beitragen. Sie sollten es auch deshalb wissen, um möglichen Fehlinvestitionen in der Wirtschaft vorbeugen zu helfen!

Und mit Hinweis auf die letzte Seite im ZEIT-Wirtschaftsteil, sage ich Ihnen hinsichtlich journalistischer Verantwortung auch: Der VDA mit Herrn Wissmann, kann wohl so eine konstruktive Kontrolle der Autohersteller nicht ausführen, ist doch Herr Wissmann Jurist! – Franz Steiner


Leserbrief zu „99 Fragen an Martin Schulz“ von Moritz von Uslar im ZEIT Magazin

Die ZEIT-Frage (Nr.62) im Interview nach einem weiteren gesellschaftlichen Thema, „das es bringt“ hat mich elektrisiert. Die Antwort konnte ich kaum erwarten. Seit Monaten schreibe ich unzählige Briefe an Martin Schulz und die SPD-Granden, mit der verzweifelten Bitte, doch endlich im Wahlkampf das Thema aufzugreifen, mit dem Deutschland zweifellos blutige Schande auf sich lädt: Die vom Gesetzgeber erlaubte barbarische Quälerei der Tiere, die auch für Wähler immer unerträglicher wird. 50 Millionen Küken werden Jahr für Jahr am ersten Tag ihres Lebens geschreddert. Millionen wehrloser Schweine zwängt man monatelang in Stahlkäfige, die jede Bewegung unmöglich machen. Zahllose weitere Quälereien sind bekannt. Immer wieder habe ich Martin Schulz gebeten, doch endlich in einer seiner Reden für die wirklich Schwächsten und Wehrlosen, für die Tiere –  einzutreten. Vergeblich. Ihre Frag Nr. 62 hätte ihm die gute Gelegenheit gegeben, ohne Risiko dieses Thema anzusprechen. Er hat es versiebt und sich so zu erkennen gegeben. Auch meine Entwürfe für Wahlplakate der SPD zum Tierschutz (siehe Anlage) hat er ignoriert. Mein Hinweis, dass er mit den Themen, die alle seine Konkurrenten ohnehin auch benutzen, krachend verlieren wird, wenn er nicht ein Thema mit Alleinstellungsmerkmal publikumswirksam aufgreift, hat ihn und seine Marketingprofis nicht interessiert. Ich habe ihm die Niederlage bereits zu Zeiten des Schulz-Hype prophezeit und ich – als ehemaliger SPD-Wähler – hoffe inzwischen, dass sich die Wähler ebenso von ihm abwenden wie sich die SPD seit Jahren von den Schwächsten abwendet. – Klaus Lachetta


Leserbrief zu „Über Sprachguillotinen“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ihre Diskussionsbeiträge im ZEIT Magazin lese ich immer zuerst vor allen anderen Beiträgen, jeweils mit großem Vergnügen. Überwiegend kann ich Ihnen auch zustimmen. Ob Sie aber mit Ihrem Vorschlag neuer Monatsnamen der Sprachguillotine sicher entgehen können, erlaube ich mir zu bezweifeln. Ihre gewählten Namen folgen in etwa den Regeln, die für sog. germanische Monatsnamen gelten, wie sie in der Zeit des Nationalismus propagiert wurden: Hartung, Hornung, Lenzing, Ostaramond, Wonnemond, Brachet, Heuert, Ernting, Scheiding, Gilbhard, Neblung, Julmond. So bleibt dann wohl nur, die Monate zu numerieren (in der sog. neuen Rechtschreibung nummerieren). – Joachim Schulze-Osterloh


Leserbrief zu „99 Fragen an Martin Schulz“ von Moritz von Uslar im ZEIT Magazin

Ich bin entsetzt über dieses Interview mit Martin Schulz und frage mich, was die SPD-Spitzen dazu bewogen hat, ihn zum Kanzlerkanditaten zu ernennen. Mir fehlen die Worte. Dennoch wäre es interessant, nach der Wahl, von den Nominierern – rinnen die Gründe für diese einmalige und ausschliessliche Festlegung auf einen Kandidaten wie Martin Schulz zu erfahren. – Klaus Tiedje


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Georg Blume, Elisabeth Raether und Gero von Randow

Wichtig scheint mir, daß diese – nötige – Reform ausgeglichen ist.

Das Beispiel der sogenannten Agenda 2010 zeigt ja, daß eine Öffnung und Liberalisierung des Arbeitsmarkts sinnvoll ist und der Wirtschaft insgesamt einen Schub gegeben hat.

Allerdings wurde beim Fördern und Fordern eben nur bei den sozial Schwachen gefordert – der ALG-II Empfänger muß sich bis aufs letzte Hemd ausziehen und von den Wohlhabenden fehlen qua fehlender Vermögenssteuer alle Daten (sprich das letzte Hemd), um auch bei den Vermögenden zu fordern und somit nach beiden Seiten Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu üben. Wohl mit ein Grund für die sich immermehr spreizende Einkommensschere.

Es bleibt zu hoffen, daß Frankreich da einen gesamtgesellschaftlich gerechteren Weg gehen wird. – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Ist sie ein echter Dalí?“ von Amrai Coen

Dem ehemaligen Tennis-Star Boris Becker, dem amerikanischen Rapper Jay-Z., dem verstorbenen französischen Präsidenten Francois Mitterand, den Königen Juan I. von Spanien und Albert II. von Belgien – ihnen allen wurden uneheliche Kinder nachgesagt. – Gerhard Sittner


Leserbrief zu „Bewahre die Schöpfung!“ von Alexandra Endres

Für diesen Artikel vielen Dank, aber Tadel für diese Überschrift!  „Bewahre die Natur!“ (3. Absatz) und „die Erde zu bewahren“ (6. Absatz) und „die Welt zu erhalten“ – so zitieren Sie im Artikel die Arhuaco.   Und Ihre Überschrift darüber lautet „Bewahre die Schöpfung!“ Obwohl ein Schöpfer im gesamten Artikel nie vorkommt! Obwohl christliche Missionare diese schöpferfreie Kultur jahrhundertelang mittels eines Schöpfergottes unterdrückten (2. Spalte oben)!  Wie lange wird es noch dauern, bis man diesen Unsinn einer „Schöpfung“ in der ZEIT nicht mehr lesen sein muss? Denn: Wer hätte dann diesen Schöpfer erschaffen? Welche der zwei sich widersprechenden Schöpfungen wäre die wahre? Und warum wird immer unterschlagen, das jener Schöpfer auch als Zerstörer zu bezeichnen wäre? In zwei Fluten von 40 und 150 Tagen Dauer? Neben vielem weiteren hirnzerreißendem Schwachsinn, angeblich göttlich, sicher unmenschlich.   Ist Darwin und die Evolution denn in der Redaktion noch immer unbekannt? Dürfen sie nicht gedruckt werden? Obwohl die Evidenz dafür immer noch weiter wächst, mehr und mehr Beweise dafür gefunden werden.   Fast hätte ich mein nach Jahrzehnten beendetes Abonnement wieder aufgenommen – aber nicht bei diesem nicht enden wollenden Kirchenblättchen-Niveau. – Manfred Schleyer


Leserbrief zu „Der Abgasreiniger“ von Claas Tatje

Herr Wissmann war Verkehrsminister und ist seit Niederlegung seines  Abgeordnetenmandats nach 30 Jahren Bundestag nunmehr seit 10 Jahren  oberster Autolobbyist. Der VDA diktiert dem Gesetzgeber Gesetze und ist
trotzdem nicht in der Lage, sie einzuhalten. Und dennoch ist die  Autoindustrie ist „hochinnovativ“? Im Entwickeln und Einsetzen von
Schummelsoftware, Kartellabsprachen, platz- und ressourcenfressenden SUVs?  Ja. Alles andere? Fehlanzeige. Tiefschlaf. Arroganz. Hybris, soweit das  Auge reicht. Greenpeace hat das 3-Liter-Auto auf Basis eines Renault
Twingo schon in den 80er Jahren vorgestellt. Mobilitätskonzepte wie  Carsharing, flächendeckende Verfügbarkeit von Fahrrädern, Jobtickets oder  jüngst der E-Stadttransporter der Post ist von anderen entwickelt worden!
Und jetzt? Herr Wissmann will weiter „Klartext“ reden? Das was wir hier  als Scheingefecht zwischen geschwächter Autoindustrie und mutigem VDA-Chef  wahrnehmen sollen, erscheint mir eher als inszeniertes „Good Cop – Bad
Cop“ Spielchen. Wissmann spricht von Transparenz und Vertrauen, die  Autoindustrie macht weiter wie bisher und wird wie in den letzten
Jahrzehnten die Kohle- und Stromindustrie ihr blaues Wunder erleben. Wir  dann leider auch, weil das jahrzehntelange Missmanagement, das am Ende nur  noch mit Betrügereien kaschiert werden können, mal wieder wir Steuerzahler  wg. „too big to fail“ finanzieren müssen. – Markus Schilling


Leserbrief zu „Abbruch hilft nicht“ von Michael Thumann

In der Frage des Abbruchs der Beitrittsverhandlungen zur EU zwischen Ankara und Brüssel vertritt Michel Thumann den Standpunkt, daß Martin Schulz in dem sogenannten Fernseh-Duell mit Kanzlerin Merkel nicht die richtigen Worte gefunden habe. Thumann meint bündig: “der Abbruch helfe nicht“. Nun ist aber die Frage, ob es überhaupt möglich ist, von außen auf Erdogan irgendwelchen Druck auszuüben, von seinem autoritären Regierungsstil Abstand zu nehmen?

Weder eine °Apeasement°-Politik des Aussitzens der Beleidigungen und groben Rechtsverstöße seitens Erdogan, noch irgendwelche Retorsionsmaßnahmen der EU oder von Deutschland allein  sind offenbar  geeignet, das AKP-Regime unter Erdogan von seinem hyper-nationalistischen Kurs abzubringen. Das einzige ,  maßgebliche,  Argument von Michel Thumann, vom Abbruch der Beitrittsverhandlungen abzusehen, ist, daß viele EU-Länder da nicht mit machten. Wenn dem so ist, bleibt nur die Entscheidung, die Beitrittsverhandlungen eingefroren zu lassen. Die Bundesrepublik wird allerdings dadurch nicht von ihrer Pflicht enthoben, gegen die ungerechtfertigte Verhaftung von Bundesbürgern entschiedener vorzugehen. Im Kontext diplomatischer Handlungsmöglichkeiten muß ernsthafter die Option geprüft  werden, entweder die deutsche Botschaft in Ankara in einen Gesandtenstatus herunter zu stufen oder bei fortdauernder Aggressivität der türkischen Regierung gegenüber der Bundesrepublik die deutschen Interessen vorübergehend durch einen anderen , mit Deutschland verbündeten Staat, vertreten zu lassen. – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Begreife, dass ich Macht will“ von Hans-Joachim Noack

Es macht mir großen Spaß, Ihre Artikelreihe über die Kanzler zu lesen. So sehr, dass ich mir auf YouTube alte Wahlsendungen zu Bundestagswahlen angeschaut habe. Dabei fiel mir etwas auf. Sie schrieben, Brandt hätte „zum ersten und einzigen Mal“ für die SPD ein Ergebnis erzielt, dass die Partei zur stärksten Fraktion im Bundestag machte. Zum ersten Mal stimmt. Einziges Mal nicht. 1998 gelang Gerhard Schröder dasselbe und sogar noch viel eindrucksvoller.

Aber sonst: Ganz tolle Artikel – Ihrer auch. Ich freue mich auf die nächste Ausgabe. – Volker Schoegel


Leserbrief zu „Typisch FDP Typisch Grün“ von Benedikt Herber und Karsten Petrat

Ich wollte einfach mal ein großes Lob an an Adresse Grafiker, Layouter und Illustratoren loswerden. Auf einmal eine Arbeit wie die von Petrat auf Seite 3 auf dem Tisch zu haben, die nicht nur schön ist, sondern eine regelrechte Interpretation der Zahlen ist, bestätigt einen darin, das Geld für die Papierausgabe aufzubringen! – Matthias Meindl


Leserbrief zu „Bitte mehr Wumms!“ von Uwe Jean Heuser

Ich möchte Ihrem Artikel zwei Entgegenhaltungen machen und zum Schluß eine Frage stellen. Sie werfen der aktuellen (Wahlkampf-)Politik vor, zu sehr im Gestern zu verweilen. Das macht irgendwie den Eindruck, ja. Aber es gehört auch zu seriöser Politik, falsche Entscheidungen oder schlecht gemachte Gesetze (z.B. Hartz IV) wieder ins Lot zu bringen. Ihrer Meinung nach gibt es außerdem zu wenig Visionäres. Ich kann nur feststellen, dass es zwischen Rot-Rot-Grün lange Zeit ein Netzwerk gab (oder noch gibt, man hört wenig davon), wo nicht ganz unmaßgebliche Politiker regelmäßig teilgenommen haben. Das Projekt R2G wird jedoch anscheinend nur in den Parteibasen positiv betrachtet. Themen wie das  Bedingungslose Grundeinkommen werden in allen drei „linken“ Parteien diskutiert, mal mehr mal weniger. Aber selbst ist einer Visions getriebenen Partei, wie den Grünen, war das ein sehr schwieriger Prozeß (eigene Erfahrung). Und nun zu meiner Frage: warum wird eigentlich nur von der politischen Linken Visionäres erwartet? Welche Vision hat denn die Merkel-Union? Wollen die Deutschen überhaupt politische Visionen? Oder tendieren diese eher dem alten Schmidt-Spruch zu „wer Visionen hat, sollte zum Arzt“? Ich meine Letzteres, denn die aktuelle Stimmungslage im Land ist doch eher die (angelehnt an ein englisches Sprichwort) – „an Angie a day keeps the doctor away“. – Michael Hauck


Leserbrief zu „Bitte mehr Wummms!“ von Uwe Jean Heuser sowie „Armes deutsches Würstchen“von Jens Jessen

Zeit-Redakteur Uwe Jean Heuser vertritt den  Standpunkt, der Bundestagswahlkampf sei deshalb so langweilig, weil keine Partei mit einem großen Zukunftsentwurf aufwarte. Nun ist es aber doch so, daß die  Grundausrichtung der deutschen Innen- wie Außenpolitik von Haus aus nicht auf weit ausgreifende Visionen und sehr anspruchsvolle gesellschaftspolitische Ziele ausgerichtet ist . Helmut Schmidt hat einmal spöttisch gesagt, wer die Politik mit Visionen gestalten wolle, möge doch bitte besser in die Psychiatrie eingewiesen werden !!  Die Denkfigur: bitte keine zu hoch fliegenden  politischen Ziele,  wird auch mit dem nüchternen Argument begründet, man solle keine  zu hehren Zukunftsabsichten verkünden, wenn nicht klar sei, wie diese  eigentlich zu finanzieren seien.^^  Die Zukunftsglocke im Sinne progressiver Wünschbarkeiten zu läuten, kommt bei der deutschen Wahlbevölkerung doch offenbar auch gar nicht so recht an. Auch die Einrichtung von innovativen Think-Tanks im Stil der Londoner Institution  N e s t a  würde die deutsche Politik nicht progressiver machen, zumal ja nun gerade der Brexit zeigt, daß in der gegenwärtigen britischen Politik ein gehöriges Maß an Irrationalität herrscht !!

Wenn an anderer Stelle in der ZEIT Jens Jessen sagt, die Bundesrepublik befinde sich in einer „panischen Identitätsdebatte“  , der Schauplatz öffentlicher Unsicherheit und des Unmuts der Bevölkerung sei nicht die Politik, sondern die Kultur, die Globalisierung erschüttere alle nationalen Traditionen,  dann ist diese Feststellung  zwar nicht falsch. Nur ergibt sich hieraus noch kein konkretes,  politisches Handlungskonzept für die Parteien . ^^ In der  gegebenen Situation:  beträchtliche Fragilität der EU,  ein großes offenes Fragezeichen bezüglich der Administration in Washington unter  Donald Trump, die Super-Krise in den Beziehungen mit der Türkei, verbunkert sich gewissermaßen die  deutsche Wahlbevölkerung  hinter  der Haltung: „nur keine Experimente“ . Die politische Epoche unter Konrad Adenauer feiert Urständ !! – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Gesellschaftskritik“ von Matthias Stolz im ZEIT Magazin

Gerade habe ich die ‚Gesellschaftskritik‘ gelesen und bin doch etwas überrascht über die Ausführungen von Herrn Stolz. Süffisant schreibt er über die ’schwurbelige‘ französische Sprache und eine ‚furchtbaren Satz‘.

Bevor man sich ein solches Urteil erlaubt – oder gar anmaßt – sollte man doch mit der betreffenden Sprache etwas vertrauter sein, als Herr Stolz unter Beweis stellt – der Infinitiv von ‚correspondent‘ ist nun mal ‚correspondre‘, und nicht, oh Schreck, ‚corresponder‘. Nur gut, dass die bei Martenstein diese Woche beschriebene Guillotine längst abgeschafft ist !! – Jutta Gier


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Meinen Glückwunsch habe Sie. Das gestern erschienene Zeit-Magazin ist mit Abstand das Schlechteste. Nachdem ich seit Monaten die absolute Inhaltslosigkeit über Larissa und Thomas hedonistischen Lebensstil, eine „Reportage“ über junge privilegierte Menschen ganz ohne Sorgen, deren Hauptthema eine (unrealistische) Dokumentation des Immobilienmarktes zu sein scheint, ertragen habe, nehme ich heute jenes Zeit-Magazin in die Hand, das schwerer scheint als die zuvor Erschienenen. Cool wie Daddy

Der Grund: Diverse Seiten Anzeige zu, nun ja, ein und dem selben Magazin wie ich es offensichtlich schon in der Hand halte: ZEIT MANN. Dazu: Söhne berühmter Väter fein brav von Frauen interviewt und untermalt mit Mode-Anzeigen für eben jene Väter und Söhne. Verstehen Sie mich nicht falsch. Gerne schaue ich mir Bilder von schönen Männern an. Noch lieber lese ich allerdings inhaltsreiche Beiträge. Geschichten über zu spät beantragte Reisepässe gehören nicht dazu. Liebes Zeit-Magazin, im Sinne des Umweltschutzes halte ich es sinnvoll sich von Larissa und Thomas zu trennen. Was ich auch eben beiden raten würde. Deine Charlotte.Und lieber Thomas, bitte gehe doch auch für mich eine Wohnung besichtigen, wenn du schon einmal dabei bist.

Ps. Über Harald Martenstein, einen Mann der seit sicherlich 70 Jahren keine Schule mehr betreten hat, äussere ich mich heute nicht. (Auch wenn ich es als diesjährige Abiturientin nur zu gerne tun würde.) – Charlotte Feu


Leserbrief zu „Gepokert und verloren“ von Felix Rohrbeck und Christian Salewski

Ob nun private Beteiligungen an Projekten der öffentlichen Hand sinnvoll und wirtschaftlich sind, sei dahingestellt (der Autor verkneift sich einen entsprechend bissigen Kommentar). Fraglich und hoch diskussionswürdig ist aber, warum sich die öffentliche Hand in so vielen Bereichen immer wieder auf Verträge einläßt, die sie selbst benachteiligen? Bzw. warum läßt sich die Politik immer wieder über den Tisch ziehen? Vielleicht wäre neben der Schuldenbremse im GG auch mal eine „Über-den-Tisch-zieh-Bremse“ zu verankern! Ein durchaus berechtigter Selbstschutz! – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „99 Fragen an Martin Schulz“ von Moritz von Uslar im ZEIT Magazin

Habe das nette Interview mit Genossen Schulz mit großem Vergnügen gelesen. Allerdings hätte man dem Kandidaten auch noch ein paar böse Fragen stellen können. Angesichts der Klima-Katastrophen, die derzeit die Welt erschüttern, wurde ja das drängende Thema Umwelt völlig ausgeklammert!

Z.B. stellt sich unsere Kanzlerin in Paris hin und fordert streng die Welt auf ihre Co2 Emissionen herunterzufahren, schafft es aber im eigenen Land nicht einmal die Klimakiller Braunkohlekraftwerke abzuschalten! Stattdessen mußten Hals über Kopf die Atomkrafwerke vom Netz – ein ziemlicher Kurzschluss angesichts dessen, dass in unserer unmittelbaren Nachbarschaft über 50 Atommeiler auf Volldampf laufen. Und der Koalitionspartner hat das still mitgetragen.

Man könnte auch fragen warum noch immer der Klimakiller Luftverkehr subventioniert wird, der jeden Tag gewaltige Mengen Kerosin verpulvert, während die umweltfreundliche Bahn brav ihre Stromsteuer zahlen muß. Allein der Münchner Airport pumpt täglich 3000 Tonnen! Kerosin in die Flieger, deutschlandweit werden im Jahr ca.9 Millionen t Flugkraftstoff verpulvert. Dabei sind die Kurzstreckenflüge wegen des hohen Startverbrauchsanteils besonders klimaschädlich. Für einen Flug München – Berlin braucht man wohl allein 20 000 Liter K. Müßte die Airline dafür Steuern zahlen wären das allein wohl16 000 €!

Da unser Co2 Ausstoß noch immer steigt, auch weil statt kleinerer immer größere Autos gekauft werden, frage ich mich warum nicht endlich die schweren Autos spübar höher besteuert werden. Denn um einen Menschen in die Stadt zu befördern braucht man keine 2 Tonnen Blech, dazu reicht ein 700-Kilo Smart völlig, der nur die Hälfte Sprit braucht.

Das Problem ist, die großen Parteien wollen nur ja nicht jemand auf die Füße treten! Anders Macron, der wohl auch deshalb gewonnen hat weil er dem Volk nicht verschwiegen hat, dass die Zukunft nicht ohne Opfer zu haben sein wird.  – Rolf Wittig


Leserbrief zu „Nach dem Boom” von Axel Schildt

Im Wahlvolk hält sich die Legende ja hartnäckig, aber Ihre verantwortlichen Redakteure sollten es besser wissen: 1982 sah die FDP eben nicht „den Moment gekommen, die sozialliberale Ehe aufzukündigen“ sodern Helmut Schmidt stellte der FDP ein Ultimatum, das nur mit dem Rücktritt der 4 FDP-Minister beantwortet werden konnte (sinngemäß: „vergesst den Koalitionsvertrag – ab heute gilt nur noch, was ich entscheide!“). Ausführlich ist das im Bericht von Klaus Bölling im Spiegel vom 11.10.1982 nachzulesen; Bölling begründet es als „Präventivschlag, um der FDP zuvorzukommen“ und ist auch heute noch stolz darauf, dass nicht einmal der Fraktioinsvorsitzende Wehner vorher vom geplanten Coup erfuhr. Das Timing war wohl bedacht: während der Unterhaltung Schmidt-Genscher liefen in Hessen die Druckpressen für die SPD-Plakate „Verrat in Bonn!“, denn dort war Landtagswahl.

Warum Schmidt so auf den Rest seiner Amtsperiode verzichtete, habe ich bis heute nicht verstanden. Ich vermute, er hoffte, zusätzlich zum Wahlsieg in Hessen auch noch mit einem Salto mortale wieder mitten im Schoß der SPD zu landen – was ihm aber auf dem folgenden Bundesparteitag gründlich misslang. Und: dass sich Hans-Dietrich Genscher von dieser politischen Hinrichtung unwahrscheinlicherweise doch wieder erholte, hat Helmut Schmidt ihm bis zu seinem Tod nicht verziehen. – Bernhard Hecker


Leserbrief zu „Bloß nicht mit denen!“ von Mariam Lau

„Man wohnt in ähnlichen Vierteln, ist gebildet, gut bezahlt und antiautoritär“ sagt Miriam Lau von der FDP und den Grünen. Sie hätte auch sagen können: in den gleichen Vierteln – das weisen die nach Wahlbezirken detaillierten Wahlergebnisse von Anfang (der Grünen) an aus. Das ist auch gar kein Wunder, denn es geht oft sogar um die gleichen Familien: etwas überspitzt gesagt, ist der Konflikt zwischen FDP und Grünen ein Generationenkonflikt. Zum Beispiel saß ein aufmüpfiger Jungdemokrat jahrelang mit mir im FDP-Kreisvorstand, wo er sich durch genaueste Satzungskenntnis (die Waffe der Abstimmungs-Verlierer) unbeliebt machte, seine erste Frau war FDP-Landtagsabgeordnete; später ging er zu den Grünen, für die seine zweite Frau jetzt im Bundestag sitzt. Durchaus kein Einzelfall, wie ich aus dem Geschehen in vielen Ortsverbänden weiß.

Die Grünen hatten selbstverständlich noch andere Wurzeln: Linksutopisten, Dauer-68er, Pazifisten, Blut-und-Boden-Ideologen und viele mehr. Die waren sich aber nur in der heftigen Ablehnung der etablierten Parteien einig. Organisationsfähig und damit politikfähig wurden die Chaoten-Truppe erst durch den Zuzug aus dem liberalen Umfeld. Auch das Thema Umwelt erscheint ja bekanntlich (?) erstmals in den „Freiburger Thesen“ der Liberalen. – Bernhard Hecker


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Daß die ZEIT auf BUNTE -Niveau einschwenkt ist sehr schade und nicht zu tolerieren. Aber das Gefälligkeitsinterview „Schulz“ im Zeit – Magazin ist schlimm. 7 Seiten Nettigkeiten sind schlimm. – Franz Raab


Leserbrief zu “Scheinehe” von Peter Dausend

Wieso, lieber Herr Dausend, wissen selbst Zeit-Autoren nicht zwischen „am gleichen“ und „am selben“ (Kabinettstisch) zu unterscheiden? – Norbert Weis


Leserbrief zu „Mit ihm?“ von Matthias Geis und Tina Hildebrandt

Das Bundesverkehrsministerium kann man nicht dadurch aufmöbeln, „indem man etwas mit Digitalisierung dazupackt“. Wissen Matthias Geis und Tina Hildebrandt nicht, dass das BMVI schon seit 4 Jahren auch für die „digitale Infrastruktur“ zuständig ist? Siehe: https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/Bundesministerien/BMVBS/_node.html und www.bmvi.de  – Jürgen Thiede


Leserbrief zu „Begreife, dass ich Macht will“ von Hans-Joachim Noack

Der Artikel erfordert zwingend eine  Korrektur.  Noack schreibt ‚ Am Ende seiner betont emotionsgeladenen Kampagne, während der in allen Schichten beheimatete „Bürger für Brandt“ ihre Gesinnung stolz als Button am Revers tragen, werden die Sozialdemokraten zum ersten und einzigen Mal im Deutschen Bundestag stärkste Fraktion. Richtig ist, die Sozialdemokraten werden nicht nur 1972 sondern auch bei den Bundestagswahlen 1998 und 2002 – es war die Zeit der Kanzlerschaft Gerhard Schröders – stärkste Fraktion im Parlament. Zum Ausdruck kommt dies auch durch die Besetzung des Bundestagspräsidenten durch den SPD Politiker Wolfgang Thierse, die traditionell der stärksten Parlamentsfraktion zukommt. Es fällt mir schwer zu glauben, dass ein versierter und kenntnisreicher politischer Journalist wie Noack dies nicht weiß. Diese wäre schon über die Maßen verwunderlich. Ich denke, Noack sollte seine Falschaussage in seiner Betrachtung über die Kanzlerschaft Willy Brandts selbst korrigieren. – Hubert Diehl


Leserbrief zu „§ 1.1 Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer auf eine Frau eine fremde unbefruchtete Eizelle überträgt“ von Martin Spiewak

Bei den Eizellspenden, um die es in dem Augsburger Gerichtsverfahren geht, werden, wie von Martin Spiewak beschrieben, die Eizellen einer fremden Frau im Labor mit dem Samen des Mannes befruchtet und der Empfängerin eingesetzt. Die Überschrift ist deshalb nicht zutreffend. Es geht nicht um § 1.1, sondern um § 1.2. Dieser Absatz lautet: Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer es unternimmt, eine Eizelle zu einem anderen Zweck künstlich zu befruchten, als eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen, von der die Eizelle stammt. – Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu „Armes deutsches Würstchen“ von Jens Jessen

Ihr Artikel “Armes deutsches Würstchen” läßt mich etwas ratlos zurück. Bin ich so ein armes Würstchen, oder habe ich das Ganze nicht richtig verstanden? Oder waren Sie selbst mit dem Thema nicht ganz glücklich? Letzteres könnte ja sein, da Sie nach Ihren Texten und Ihrer Sprache nach zu urteilen ja auch zu den “alteuropäisch Gebildeten” gehören, denen der “Abstieg in die Bedeutungslosigkeit” droht. Warum die mit ihrer “deutschen Spezifik (gibt es das?) bald nichts mehr zu beißen haben”, verstehe ich nicht. Verstehen Sie das? Haben Sie auch Zukunftsangst?

Eingangs konstatieren Sie, das Land sei von einer Unruhe befallen, “die bereits Züge von Paranoia und Panik” trägt, – und dann fällt Ihnen als Beispiel für diese Panik nur der Streit um das Kreuz auf dem Berliner Stadtschloß oder der Streit um die flapsige Bemerkung von Spahn ein. Also, wenn das schon Panik ist,…  Das Problem in der “deutschen Selbstfixierung” zu lokalisieren, scheint mir Angesichts der politischen Verhältnisse in den USA, in Frankreich, England, Holland, Polen, Ungarn….selbst ein Symptom für diese “deutsche Selbstfixierung” zu sein.

“Für Junge, gut Ausgebildete…liegt darin die Chance,…den Lasten deutscher Identität zu entkommen.” Die AfD wird sich freuen: damit haben wir ja die Frage, was wir heute noch mit Auschwitz zu tun haben, gelöst: nichts. Und das führt selbstverständlich zu einem “Mehr an Lebensfreude”. Daß “alteuropäische Bildung” (was is´n das?) “mindestens in Arbeitslosigkeit “ führt, gibt der Bildungsdebatte eine ganz neue Wendung, (macht sie vielleicht ganz überflüssig?). Kann man also die Gleichung ansetzen “weniger alteuropäische Bildung” = mehr Lebensfreude und sicherer Arbeitsplatz? (Meiner Lebensfreude hat jedenfalls Mozart, Shakespeare, Chartres… noch keinen Abbruch getan.) Dieser Satz, “Für Junge, gut Ausgebildete….liegt darin die große Chance…. sich frisch und unbeschwert in der ganzen freien Welt zu tummeln. Für diese bedeutet ein Weniger an Identität…eher ein Mehr an Lebensfreude” ist so schlicht, der könnte aus irgendeinem Wahlprogramm stammen.

Ist Ihnen vielleicht mal der Gedanke gekommen, daß es im Grunde nicht um eine kollektive Identitätsfindung geht (“Wer sind wir Deutschen?”), sondern um eine individuelle (“Wer bin ich?”), – und dabei spielt u.a. die Zugehörigkeit zu einer Nation eine wichtige Rolle, sonst wäre z.B. das Problem mit Auschwitz ja leicht gelöst.

Von Goethe (au wei, schon wieder so was Alteuropäisches) stammt der Satz: Was die Eltern ihren Kindern mitgeben müssen sind “Wurzeln und Flügel”, – und das gilt nicht nur für die Deutschen in ihrer “Selbstfixierung”. Vielleicht sind die Wurzeln eine Voraussetzung dafür, “sich frisch und unbeschwert in der ganzen freien Welt zu tummeln”, d.h. seine Flügel benutzen zu können; dann wäre es auch lohnend über eben diese Wurzeln zu diskutieren, statt über das Kreuz auf dem Stadtschloß oder die Äußerung Spahns. Wenn wir nicht ernsthaft über diese Wurzeln diskutieren, überlassen wir das Thema so dumpfen Nationalisten wie Gauland und Höcke, die es allein auf einer politisch-kollektiven Ebene bearbeiten. Die Hoffnung, dergleichen könnten Parteien in ihren Wahlprogrammen oder gar in einem Fernsehduell leisten, ist ja wohl Unsinn.

Daß die Frage, ob sich jenseits der Sprache eine deutsche Kultur identifizieren läßt, “nicht von Leuten, die sich an diese Kultur (an welche?) klammern, dabei aber wohl eher an Würstchen und Kartoffelsalat denken”, beantwortet werden kann, ist wohl richtig, aber die Intellektuellen, die bei Kultur nicht zuerst an Würstchen und Kartoffelsalat denken, halten sich bei dieser Diskussion vornehm zurück und “tummeln” sich lieber in der weiten Welt. Ist auch einfacher. (Übrigens klingt das “sich in der freien Welt tummeln” so, als seien Sie früher mal bei den Pfadfindern gewesen).

Was ist eigentlich das Fazit Ihres Artikels? Laßt das mit der alteuropäischen Bildung und tummelt euch lieber? Bin ich ein “armes deutsche Würstchen”?

Sie haben schon bessere Artikel geschrieben, die ich meist auch gerne gelesen habe. – Prof.Dr.M.Volkamer


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Offenkundig sind schon Leserbriefe bei Ihnen eingegangen, die sich kritisch zu der Rubrik ‚Fernbeziehung‘ äußerten.

Auch wir, langjährige Leser der ZEIT, stören uns seit Längerem an der Belanglosigkeit, Sinnfreiheit und elitären Larmoyanz der Beiträge. Die Fotografien empfinden wir durchgehend als langweilend oder auch in ihrer vorgeblichen Authentizität als ärgerlich und nervend.

Wen interessiert, wie viele reiche „Freunde“ Larissa in der ganzen Welt hat? Uns jedenfalls nicht. Die gelegentlichen SMS, die wir uns als Ehepartner schreiben, haben einen höheren Nähr- und Unterhaltungswert als die dümmlichen Pseudo-Aphorismen dieser beiden im besten Fall nichtssagenden, im schlimmsten Fall narzisstischen, Kinder des Materialismus. In den 80er Jahren hätte man solche Charaktere als Yuppies bezeichnet. Als literarische Figuren wären sie austauschbar und flach.

Die Lektüre, oder eher Betrachtung, lässt uns mit einem Gefühlt der Leere zurück, versinnbildlicht sie doch die Oberflächlichkeit einer konsumorientierten und ich-bezogenen Welt, ohne dabei jemals reflektiert zu sein. Leider geht es hier eben nicht um Entlarvung oder Gesellschaftskritik, sondern das Ende der Geschichte von Larissa und Thomas ist vorhersehbar. Wir können es kaum erwarten. – Julia und Marvin Ilg


Leserbrief zu „Wir haben sehr viel Vertrauen verloren“ von Roman Pletter und Claas Tatje

Was für ein arroganter Satz. Was soll man jetzt davon halten? Hat VW Vertrauen verloren in seine Kunden die ihnen den Betrug nicht großzügig verzeihen? Und auch noch Entschädigung verlangen! Reicht es denn nicht, dass wir (VW) nicht schon Milliarden an die dösigen Amerikaner bezahlen müssen die uns erwischt haben?  Und warum zieht man so über uns (die VW Manager) her? Es sind doch schon ein paar entlassen worden und auch Herr Winterkorn hat mit seinem Rücktritt die Konsequenzen aus seinem Fehlverhalten (welches Fehlverhalten?) gezogen.   Also nach dem Interview zu urteilen, sind nicht die betrogenen Autokäufer, nicht die fleissigen Fließbandarbeiter, die VW Angestellten die Opfer, nein, es sind die armen und gebeutelten VW Manager die Opfer und die jetzt mit einer hohen Abfindung gesegneten Manager die gehen müssen.

Manchmal hat man das Gefühl, dass die Medien und solche Leute wie ein schuldunempfindlicher Herbert Diess, die Leser und im Allgemeinen die Bürger/innen in Deutschland für blöd halten und sich mit schwarzer Druckerschwärze „verarschen“ lassen.  Solchen Leuten wie Herrn Diess und all die anderen Manager Müller, Blessing, Stadler auch noch eine Plattform zu bieten (statt die Stirn) damit sie ihren geistlosen Unsinn verbreiten können (ich denke an die Äußerungen zu den Elektrofahrzeugen und neuen Techniken), finde ich gelinde gesagt nicht das Druckpapier wert, auf dem Ihre Zeitschrift dieses Interviews (wie auch eine Menge anderer) druckt.  Da ist jeder cent den ich für diese Zeitschrift bezahle zuviel und wäre sicherlich wertvoller dort einzusetzen wo man den Menschen helfen kann, z.B. in Afrika. – Peter B. Sanden


Leserbrief zu „Begreife, dass ich Macht will“ von Hans-Joachim Noack

„‚Begreife, dass ich Macht will‘, hatte Brandt … zugeraunt, um später … seine Qualitäten zu beweisen.“

Zum Gebrauch von um zu s. Duden, Band 4, Berlin 2016, Randziffer 950, Randziffer 951
„… verdächtigten sie den früheren Radikalsozialisten, der im ‚Dritten Reich‘ nach Norwegen geflüchtet war, um von außen die Nazi-Diktatur zu bekämpfen, …“
Hier wird um zu korrekt gebraucht. – Gerhard Sittner


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Ich bin der James Bond der SPD (Martin Schulz)

Frage 37 Welches ist ihre stärkste weibliche Eigenschaft?

Kandidat: „Unkomplizierter Zugang zu Kindern.“ Ob das aber die stärkste weibliche Eigenschaft ist muss offen bleiben. Ich hätte aus meiner Praxis folgendes geantwortet: Morgens Kaffemaschine befüllen, Eierkocher präparieren, den Eierschalensollbruchstellenverursacher bereit halten, Brot schneiden, Aufschnitt auswählen, Kürbiskerne drüber streuen, der Frage, ob es heute regnet sachkundig antworten, kein Wort über Politik verlieren, Zeitung von unten holen (50 Stufen). Dann den Geschirrspüler einräumen, nachdem ich ihn zuvor ausgeräumt habe, dann Betten machen, ggf. frisch beziehen, waschen, bügeln, in den Schrank legen. Dann dem Sauger die Wohnung zeigen, dann erschöpft den Tag genießen (als Kandidat mich natürlich den gesellschaftlichen Anliegen widmen!).

Um Neun ist alles erledigt! So gewinnt man Wahlen! (Heiratsanzeigen unerwünscht) – Burkhard Breslauer


Leserbrief zu „Typisch FDP Typisch Grün“ von Benedikt Herber und Karsten Petrat

Was soll das alberne Parteien-Gedöns !

„Gegen die Diktatur des Finanzkapitalismus …“ schrieb Stephane Hessel (Mitautor der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen, Buch Empört Euch). Er hat m.E. Recht. – Durchschnittsbürger haben seit etwa 1955 mit maßlosem Überfluss-Konsum und maßloser Überfluss-Mobilität den Konzernen und Banken die entscheidende Übermacht in Deutschland verliehen. Die wirklich bedauernswerten Politiker können nur noch dort Wesentliches für die Zukunft unserer Kindeskinder und für die Zukunft der Erdkugel bewirken, wo es der Wirtschaft nicht schadet. Sonst hagelt es Arbeitsplatz-Abbau. – Es ist leider immer noch eine klitzekleine Minderheit der Bürger, die bescheiden sowie konsequent umweltverträglich und sozialverträglich leben wollen.

George Bernard Shaw, irischer Dramatiker 1856-1950, schrieb wohl grinsend und innerlich verzweifelt : „Demokratie ist eine Regierungsform, welche die Anordnungen einiger Korrupter durch die Beschlüsse vieler Inkompetenter ersetzt.“ – Volker Freiesleben


Leserbrief zu „Gesellschaftskritik“ von Matthias Stolz im ZEIT Magazin

Beim Lesen der „Gesellschaftskritik“ zum Thema „Französisch für Aufsteiger“ in der Ausgabe vom 07. September zeigt sich, dass der Autor offenbar nie eine längere Zeit in dem Land verbracht hat, über dessen vermeintliche Sprach-Vorlieben er sich auslässt. Die Beliebtheit des Verbs „corresponder“ in Spanien kann ich nicht beurteilen, in Frankreich würde man wohl eher „correspondre“ sagen. Das System der Grandes Écoles mag nicht zeitgemäß sein – von der nationalen Vergleichbarkeit des in der heutigen Form vor mehr als 200 Jahren eingeführten französischen (Zentral-)Abiturs und vom Ganztagsschulsystem kann Deutschland hingegen noch einiges lernen. – Jacob Fast


Leserbrief zu „Begreife, dass ich Macht will“ von Hans-Joachim Noack

In seinem Essay „Begreife dass ich Macht will“ über Willy Brandt schreibt Hans-Joachim Noack, dass Herbert Wehner den Kanzler 1973 in Moskau als „abgeschlafft“ und „entrückt“ „denunziert“ habe. Was soll diese Wortwahl? Ist – auch öffentlich geäußerte – Kritik gleich Denunziation? Wenn dieser Begriff für jenen Vorgang angemessen ist, dann ist die deutsche Politik insgesamt ein Saustall von Denunzianten und Verrätern. Nun glaube ich nicht, dass Noack das so sieht. Nein, er meint, ganz persönlich, Herbert Wehner. Dahinter steht ein Bild, das Stereotyp oder moderner gesagt das Frame von Wehner als notorischer Verräter. Einmal Denunziant, immer Denunziant. Einmal Kommunist, immer Kommunist. „Wer einmal in seinem Leben Kommunist war, den verfolgt Ihre gesittete Gesellschaft bis an sein Lebensende…“ (Wehner, 1975).
Ob Wehner 1937 in Moskau wirklich „denunziert“ hat, ist strittig. Aufgrund der Quellenlage ist es zu bezweifeln. Und im Zweifel gilt…
Eine Brücke von Wehners Verhalten 1937 zu seiner Kritik an Brandt 1973 zu schlagen ist jedenfalls sachfremd. Zu fragen ist: Worum ging es Wehner mit seiner Kritik? Alle seriösen Quellen belegen: Der Fraktionsvorsitzende wollte den ersten sozialdemokratischen Kanzler nicht stürzen, sondern dessen Ostpolitik stärken, sie wieder flottmachen. Es gebe keinen besseren Kanzler als Brandt, sagte Wehner seinen Moskauer Gesprächspartnern.
Am Ende, nach Moskau, schwenkte Brandt auf Wehners Linie bei der Handhabung der deutsch-deutschen Beziehungen ein, zum Wohle der Menschen im geteilten Deutschland. Den Kanzler Brandt aus seiner wohl auch psychisch bedingten partiellen Lethargie zu reißen, das vermochte Wehner nicht. Insofern darf natürlich gefragt werden, ob die politisch gerechtfertigte Kritik Wehners am Regierungsstil des Chefs psychologisch klug war und ob sie am Ende ihr Ziel, den Kanzler wieder flott zu machen, nicht doch verfehlte. – Prof. Dr. Christoph Meyer


Leserbrief zu „99 Fragen an Martin Schulz“ von Moritz von Uslar im ZEIT Magazin

Ihr Interview mit Martin Schulz hat mir sehr gefallen, vor allem, weil ich Martin Schulz und seine Antworten sehr schätze.

Eine Kleinigkeit jedoch ärgert mich  ein bisschen, nämlich die Formulierung „Sein nordrhein-westfälischer Singsang“. Es gibt keine Nordrhein-Westfalen und auch keinen entsprechenden Singsang. Es gibt Westfalen und Rheinländer. Nach dem 2. Weltkrieg wurden diese beiden Provinzen aus wirtschaftlichen Gründen zusammengefasst, worüber sie ähnlich „glücklich“ waren wie Baden-Württemberg. Martin Schulz ist ein Rheinländer, so wie ich eine wasch- und kochechte Westfälin und zugleich „gelernte“ Berlinerin bin.  – Dr. Almut Mey


Leserbrief zu „Wir haben sehr viel Vertrauen verloren“ von Roman Pletter und Claas Tatje

Wenn man wissen möchte, an welchen Einstellungen, Visionslosigkeiten und  Betriebsblindheiten die deutsche Autoindustrie krankt, gibt einem das  Interview mit Herrn Diess eine ganz gute Kurzzusammenfassung. Der  VW-Chef hat keine Ahnung davon, wie Carsharing anno 2017 funktioniert  und findet, dass mehr Zeit im Stau schon okay ist, VW kann sich doch  schöne Gedanken dazu machen, wie man diese Zeit verbringt. Elon Musk  baut übrigens schöne Raketen.

Nebenbei gibt das Interview auch einen überraschend ehrlichen Einblick  in die moralischen Vorstellungen hochbezahlter Führungskräfte. Jeder  unvorteilhafte Vergleich ist unzulässig, im Zweifel tragen andere die  Schuld und überhaupt war man zum fraglichen Zeitpunkt ja noch gar nicht  beim Unternehmen. Wenn jemand unter Druck und mit einer  Millionenabfindung seinen Posten aufgibt, wird das zum Vorbild an politischer Verantwortungsnahme umgedeutet.Ein andere deutscher Hersteller warb nach zahlreichen Skandalen und Qualitätsproblemen Mitte der 90er mit dem Slogan „Wir haben verstanden“. Bei VW ist man eindeutig noch nicht so weit. – André Fromme


Leserbrief zu „Wer wird’s?“ von Anna-Lena Scholz und Martin Spiewak

Sie haben mal wieder- Zeit-gemäss – in der Tüte der Vorurteile gekramt. Sie (?) maßen sich an, Qualitätskriterien für die nächste Besetzungsrunde des Bundesbildungsministeriums zu erstellen und verraten dabei einen unglaublichen Dünkel.
Natürlich kann nur ein/e VOLLAKADEMIKER/IN dieses Ressort beschlagnahmen-vorzugsweise auch noch mit bildungsnahem Partner und ganz wichtig:Ostdeutsche..eine Merkel der Bildungspolitik! Wenn Sie finden, dass dies ein Positivum  ist, dann sind Sie nicht ganz im Bilde
über das, was bei uns hier momentan abgeht. Frau Merkel richtet unser Land zugrunde..wollen Sie das auch für unser Bildungssystem ? Die Weichen dafür sind bereits gestellt!
Sie erwähnen richtig, dass Frau Aigner, die kompetente Wirtschaftsminsterin des Landes, das den höchsten Beitrag im Länderausgleich zahlen darf und KANN, ja NUR  Mittlere Reife hat-fängt bei Ihnen das Menschsein erst mit dem Erreichen des Abiturs an ? Sie offenbaren hier den typisch deutschen Akademikerdünkel des 19. Jahrhunderts und das in einer*liberalen* Zeitung!
…und gekrönt wird das Ganze mit dem Vermerk – es gäbe schlechtere Kandidaten (aus München)-und das ist besonders infam. Der Freistaat Bayern hat eines der besten Bildungssysteme Deutschlands-ein bayerischer Realschulabsschluß ist gleichwertig mit dem Bremer Abitur!
Wo sind denn die größten Mängel im staatlichen Bildungssystem ? In den Ländern, in denen lange die SPD regierte (Berlin, Bremen NRW etc.)- selbst  im einstmals gescheiten Baden-Würtemberg hat die von SPD – Bildungsminster(innen)  aufgewärmte *Gemeinschaftsschule* zu einem rasanten Bildungsabstieg geführt-darüber verliert niemand ein Wort.
Des *Bayern-bashings* in Ihrer Zeitung bin ich überdrüßig. Was Sie in Hamburg so *auf der Pfanne* haben, hat sich im Sommer beim Gipfeltreffen gezeigt.  Wir haben in Bayern (und jährlich in München) große internationale Tagung mit Themen, die auch Sprengstoff liefern.
Bisher verlief alles reibungslos. Und kein Bundesland hat den immensen Flüchtlingsansturm 2015 organisatorisch besser bewältigt als Bayern.
Oft denke ich darüber nach, warum -speziell in Ihrer Zeitung- so negativ über Bayern (wenn überhaupt) berichtet wird-ist es vielleicht nur der Neid der Wohlstands- und Bildunsgräben, die uns von den Nordlichtern trennen ?
Mit meinem verstorbenen Mann  (Akademiker !!!) war ich nun fast 40 Jahre Zeit-Leserin und obwohl ich das Feuilleton nach wie vor sehr schätze, mißfällt mir mehr und mehr Ihre einseitige politische Ausrichtung und die gelegentlich überhebliche Häme.
Das ist nicht mehr *meine Zeit* in jeder Beziehunng. – Gabrielle Franz


Leserbrief zu „Armes deutsches Würstchen” von Jens Jessen

Wie bei der Immigration, so muß Deutschland auch bei der Gestaltung  der Zukunft unumkehrbare Zeichen setzen und damit weiterhin Vorbild  sein für seine rückwärtsgewandten europäischen Nachbarn!? Wir sollten das Berliner Stadtschloß natürlich nicht mit einem Kreuz,  sondern einem Regenbogen schmücken als Symbol für grenzenlose  Weltoffenheit – so lange, bis er einem Halbmond weichen darf! Wir sollten Deutsch abschaffen und durch Englisch ersetzen; später,  aus demografischen Gründen, durch Türkisch, Arabisch, Suaheli! Wir sollten die störrische, vergangenheitssüchtige Minderheit der  deutschen Parallel-Community in einem Rückzugsgebiet entsorgen, das  natürlich auf ehemaligem deutschen Boden liegt, z. B. in Namibia!Dort kann sie, dank des trockenen und heißen Wüstenklimas, oft und  reichlich Bier auf Deutsch bestellen, ihrer in Frage gestellten  (Leit)Kultur frönen und pünktlich ihre Rente erhalten! Privilegien,  die selbstverständlich jedes bedrohte Volk unserer Erde genießen darf! Grenzenlose Toleranz gegenüber allen Minderheiten, heute (noch) unter  dem Kreuz – und morgen, unter dem Halbmond? – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Abbruch hilft nicht“ von Michael Thumann

Symbolischer Akt? Wie meint denn Herr Thumann das: EU-Beitrittsverhandlungen abbrechen sei der zweite Schritt vor dem ersten tun, nämlich wirtschaftliche Sanktionen zu verhängen? Soll man, sozusagen, dem türkischen Volk den Boden unter den Füßen wegziehen und es erst danach ankündigen? Ein Abbruch oder Aussetzen (was auch immer) von Beitrittsverhandlungen  ist keineswegs nur „ein symbolischer Akt“. Es zeigt ganz klar unser Missfallen gegenüber dem Autokraten und seinem despotischen Gebaren (nicht gegenüber dem türkischen Volk). Und das hat auch konkrete Konsequenzen. Es gibt das Signal an das türkische Volk, dass die demokratischen Prinzipien eine Grundbedingung für einen EU-Beitritt sind, und wir diese Grundrechte verteidigen. Davor darf man auch nicht wegen des Flüchtlingsdeals einknicken und auch nicht als NATO-Partner. Bei beidem wäre ich mir in der Verlässlichkeit der Türkei im übrigen nicht so sicher. – Martin Grau


Leserbrief zu „Ein bisschen Spaß muss sein“ von Felix Dachsel

Bravourös, diese Abrechnung – inhaltlich wie stilistisch. Das muss man doch noch sagen dürfen. Muss man? Unbedingt!

PS: Böhmermann und Konsorten gehen mir fett am Abend vorbei. Ich lasse mir aber auch nicht von Mario Barth „die Badfliesen vollpissen.“ – Hans-Joachim Bertram


Leserbrief zu „Armes deutsches Würstchen” von Jens Jessen

Weißgott ja, arm dran, denn es geht so: Sollte es wg. internationalisierender Globalisierung nur noch Multikulturalität geben, politisch korrekte, gegenderte Kommunikation, keine deutschen Schweinehaxen mehr (allenfalls oder nur noch marginal bei einer Minderheit), keine Eisbeine, die doch weder koscher noch halal sind, keine Vereine mehr, die frisch fromm fröhlich frei turnen, singen und schießen, dann gibt es andere Rituale: mit Beschneidungen, auch von Mädchen, mit Schächtungen (gegen die schon im frühen 19. Jh. englische Tierschützer protestierten, sie galten dann als antisemitisch), mit dogmatisch fundamentalistischen Mentalitäten, mit archaischen Rechtsvorstellungen, mit barbarischen Bestrafungen, mit antidemokratischen Überzeugungen, mit Bejahung und Praktizierung von Gewalt, mit Körperverhüllungen statt textilsparender, hautnaher Minibedeckung usw., etc. Die Aufzählung kann leicht verlängert werden, Beispiele sind unnötig.

Die globalisierte, multikulturelle Welt rutscht vom Regen unter die Traufe, gelöst ist da gar nix. Trotzki wird recht behalten: er sagte, in der multikulturellen Gesellschaft – bei ihm heißt es: in der klassenlosen – wird es Kämpfe geben darum, wo in der Sahara Brunnen gebohrt werden sollen. Also wo man Windräder installieren will oder Gebetsräume in Schulen, Kreuze auf Kuppeln.

Vae victis! Wehe der untergehenden alteuropäischen civilisation (französisch) und Kultur (deutsch).

Allerdings ist gar nicht klar, dass man sich „gegen die Umwälzungen“ „nicht wehren“ könne, wie Jens Jessen in seinem herausragenden Artikel schreibt. Vivere militare est, leben heißt kämpfen, sagen die Lateiner; man kann. Wehrlosigkeit ist fatalistische Resignation. – Dr. Erwin Leibfried


Leserbrief zu „Wir haben sehr viel Vertrauen verloren“ von Roman Pletter und Claas Tatje

Bisher hatte ich gedacht, die Autobranche sei „nur“ von Managern ohne Moral und Anstand geführt – wie die Banken. Aber nun zeigen die Kriminellen (Verurteilung-en- in USA) ihr wahres Gesicht: sie wollen – um jeden Preis – Käufer und Staat betrügen. Herr Diess weiss im Interview nie etwas von „Machenschaften“ – für wie doof hält der uns? Und die Verantwortlichen sind ja alle weg- wie bitte ? Viele von denen kassieren gutes Geld statt Knast. Und das Ganze funktioniert wegen mafiöser Strukturen mit der Politik (Dobrindt, Weil, Wissmann u.a.). Fakten sind: wir brauchen immer Inidividualverkehr, wir brauchen noch länger den Verbrennungsmotor, wir brauchen die Arbeitsplätze in dre Autobranche. Unwahr ist aber, dass wir DESHALB nichts machen können. Versteuerung aller Gewinne der Autobranche zu 90%, bis der Betrug (auch mit Hardwareveränderung) beendet ist, laufende Bezahlung der E-Autos für jedes Jahr, finanziert aus der Abschaffung des Dieselprivilegs, alle Busse ab soofrt mit Sondersteuer, wenn es Diesel sind und aus dieser Steuer Finanzierung der Verbesserung des ÖPNV, „Positivquote“ – je mehr Nicht-Verbrennunsgmotor (auch ausländische Hersteller) ein Konzern in Deutschland verkauft, umso höhere Zuschüsse werden beim Kauf gezahlt und – vor allem – Betätigungsverbot von Ministern und Staatssekretären oder anderen Amtsträgern in einer Branche, mit der sie politisch zu tun hatten für die doppelte Amtszeit. Sonst – ja sonst wird sich das Wahlvolk irgendwann angewidert von den klassischen Parteien abwenden…. – Peter Helbig


Leserbrief zu „Das Auto-Auto und die Ethiker“ von Dirk Asendorpf

Autonome Systeme technischer Art treffen keine Entscheidungen, sie folgen vorgegebenen Algorithmen. Sie schätzen Abstände und Geschwindigkeiten nicht ein, sie messen diese. Und sie sind nicht aufmerksam, sie sind in Betrieb oder nicht, genau so wenig beherrschen sie Verkehrssituationen, sie befolgen Regeln, die in Form von Bitfolgen gespeichert sind und gemäß einer Datenlage verarbeitet werden.  Einem charmanten Blechhaufen mit relativ überschaubarer Technik einen Namen zu geben, mag ja noch angehen, wie wir uns ja auch daran gewöhnt haben, organischen autonomen Systemen wie Hund, Katze, Maus Namen zu verpassen und allerlei Menschliches dort zu entdecken meinen. Einem technischen autonomen System einen solchen anzuheften ist hingegen zumindest bedenklich: Es ist die Aufweichung einer Differenz. Das Bewusstsein ob dieser Differenz hat in gleichem Maß zu steigen, wie die Autonomisierung in Form der Automatisierung technischer Systeme voranschreitet. Sonst finden wir uns gar irgendwann in der dann doch peinlichen Lage, einem autonomen Ethik-Kommissar ‚Leon‘ die Empfehlung in menschlichen Dingen zu überlassen. Womit wir dann freilich unsere Hände in Unschuld waschen können. – Volker Homann


Leserbrief zu „Armes deutsches Würstchen” von Jens Jessen

So ungern ich das auch mache, aber ich muss Herrn Spahn Recht geben und Frau Özoguz bezüglich ihrer Entgleisung Kulturlosigkeit bescheinigen – anscheinend ist sie zwischen zwei Kulturen hängen geblieben, was nun wirklich kein gutes Licht auf das Personal wirft, das uns regieren will.

Kultur ist wesentlich mehr als Sprache, auch mehr als Kunst, wie selbstverliebte und sich mit dem Titel „Kreative“ schmückende Zeitgenossen gerne behaupten. Zeuge dafür, wie weit „Kultur“ zu fassen ist, ist ausgerechnet der Bereich, der wirklich international ist: die Wirtschaft. Selbst kleinere Unternehmen verkaufen ihre Produkte global und sind so globalisiert. Aber haken Sie genau bei den Firmen einmal nach, was wo verkauft wird. Sie werden feststellen: im Endconsumer-Bereich gelingt es keinem Unternehmen, Produkte gegen die Kultur in den Zielländern zu verkaufen. Selbst hier gut laufende Produkte müssen nicht selten beim Export nach Frankreich modifiziert werden, um nicht im Regal zu verstauben.

Mag sein, dass Herr Spahn hier die Bildung von Kulturlosigkeit oder, um mit Herrn Jessen zu sprechen, einer neuen Kultur beobachtet. Gerade Herr Jessen sollte aber darauf achten, worüber er fabuliert. Die Chancen stehen ganz gut, dass diese neue Kultur oder Kulturlosigkeit Leute wie Jessen nicht mehr braucht. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Ist sie ein echter Dalí?“ von Amrai Coen

In diesem Artikel bezeichnet die Autorin die Tochter von Boris Becker als „Besenkammer-Mädchen“. Das ist aller-aller-aller-unterste Schublade!!! Und das in der ZEIT! Unfassbar, und Anlass, diese Zeitung am kommenden Donnerstag NICHT zu kaufen. – Heika Haase


Leserbrief zu „Bloß nicht mit denen!“ von Mariam Lau

Beim Lesen der aktuellen ZEIT-Ausgabe bin ich über einen Fehler gestolpert: Dort schreibt die  Autorin, dass die FDP seit März in Nordrhein-Westfalen mitregiert. Dies  ist falsch: Die Landtagswahl in NRW fand am 14. Mai statt, im Amt ist  die neue Landesregierung in Düsseldorf seit Ende Juni. Gleichwohl dies  sicher kein für das Gesamtveständnis des Artikels schwerwiegender  Fauxpas ist, so halte ich es als treuer ZEIT-Leser und  Nachwuchsjournalist doch für wichtig, dass Sie diesen Fehler in Ihrer  nächsten Ausgabe berichten.  Danke schonmal und weiterhin alles Gute für Ihre (von solchen Fehlern  abgesehen) großartige journalistische Arbeit! – Daniel Godeck


Leserbrief zu „§ 1.1 Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer auf eine Frau eine fremde unbefruchtete Eizelle überträgt“ von Martin Spiewak

Geschäft mit dem Kinderwunsch

Da sieht man es wieder: wo viel Geld zu verdienen ist, werden Begehrlichkeiten geweckt. Erst passt kein Kind in die Karriere, es wird viele Jahre lang auf Kosten der Gesundheit hormonell verhütet. Wenn man dann spät entschlossen doch noch Kinder möchte, ist man zu alt und auf „frische“ Eizellen junger Frauen angewiesen. Diese wiederum setzen sich gegen Bezahlung belastenden Hormonbehandlungen aus. Wie wäre es, wenn die knapp 100.000 Babys, die sich jährlich in Deutschland unerwünscht ankündigen, zur Adoption frei gegeben, statt abgetrieben würden? So könnte vielen Familien geholfen werden.  Allerdings werden sich die Kinderwunschzentren im benachbarten Ausland wehren und betonen, wie wichtig es ist, dass wenigstens ein Elternteil seine Gene ans Kind vererbt. – Inga Hager


Leserbrief zu „Ein bisschen Spaß muss sein“ von Felix Dachsel

Es war sehr schön zu lesen, dass es dem modernen Kabarett nicht nur in meinen Augen an Humor fehlt.

Ich bin in den 70er Jahren mit Kabarettsendungen aufgewachsen, in denen sich darüber lustig gemacht wurde, was nach Meinung der Kabarettisten politisch falsch lief. Heute muss ich mir von Kabarettisten erklären lassen, was für jeden politisch korrekt zu sein hat. Sie lassen sich tatsächlich nur noch verhüllend als „Comedian“ und nicht mehr als „Komiker“ bezeichnen. – Manfred Koopmann


Leserbrief zu „Abbruch hilft nicht“ von Michael Thumann

Leider gewiss, beim Einmaleins im politischen Wahlkampf zählen Stimmzettel mehr als Fakten, ist Opportunismus ein effektiverer Multiplikator als Vernunft. Die verbale Camouflage von Schulz und Merkel versus Erdogans Türkei ist jedoch, Michael Thumann führt es in seinem Leitartikel zutreffend und nachvollziehbar aus, auch unter den gegebenen Umständen überraschend ungeschickt und höchst überflüssig. Derartigen Populismus sollten deutsche Politiker weder sich selbst noch den Wählern antun. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Wer unterrichtet unsere Kinder?” von Milena Reimann

Um Lehrerstellen wieder adäquat besetzen zu können, sollte zunächst der Lehrerberuf wieder attraktiv gemacht werden. Eine Verbeamtung in allen Ländern, sowie die gleiche und faire Entlohnung aller Lehrer wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung. – Valentin Unger


Leserbrief zu „Dies ist Kunst, um ihrer selbst willen“ von Karl-Heinz Kohl

Was für das Humbolt-Forum geplant wird, ist doch ein eher klägliches Kleckern in einem großen Betonklotz. Warum eigentlich nicht ein Museum der Weltgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart? Mit dem Ton vor allem (aber nicht nur) auf den Hochkulturen und ihrer politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung? Das wäre allemal spannender als die wild zusammengeklaubten Zufalls-Kuriositäten zu arrangieren. Für ein Weltgeschichte-Museum mag einiges aus dem Dahlemer Fundus verwendet werden, aber das Gros sollte doch dort bleiben, zumal sich die Rückgabe-Debatte verschärfen könnte. Dass man ein solches Museum nicht mal so hopplahopp hinstellt, ist mir selbstredend klar. Aber man sollte sich auch nicht von irgendwelchen Eröffnungsterminen kujonieren lassen, um dann nach drei Jahren wieder alles umzubauen. – Dr. Ralf Zerback


Leserbrief zu „Begreife, dass ich Macht will“ von Hans-Joachim Noack

In Ihrem o. a. Beitrag (5. Spalte, 22. Zeile) nutzten Sie den Begriff „Parteigenossen”.  Einer nicht unüblichen Unsitte folgend, wollten sie sicherlich den Begriff „Genossen” benutzen – eine übliche Anredeform in sozialdemokratischen, sozialistischen, kommunistischen Parteien. Eigentlich mehr für den internen Parteigebrauch, für Externe nicht unbedingt vorgesehen.  Falsch und irreleitend ist jedoch der von Ihnen benutzte Begriff „Partei- genossen”. Mit dem Zusatz „Partei” haben sich die Nationalsozialisten von den Genossen in anderen Parteien abgesetzt.  Nachlesbar u. a. bei Wikipedia:  „Parteigenosse”, Abwandlung des Wortes Genosse durch die NSDAP aber auch Duden und andere Nachschlagewerke.

Zwar tauchte in der „Vor-Nazi-Zeit” die Bezeichnung Parteigenosse hin und wieder auch bei den anderen Parteien auf. Die Regel war das jedoch nicht. Seit der Übernahme des Begriffs durch die Nazis hörte das jedoch auf.  Verfolgung, Terror und Hetze, ausgeführt durch allgegenwärtige Partei- und Volksgenossen zwischen 1933 und 1945, haben dann diesen Begriff so negativ belastet, das sich die Anwendung auf Nicht-Nazis ausschließt. Es kann keinen „unschuldigen Gebrauch”  von Nazi-Begriffen geben (siehe auch Prof. Dr. Michael Wildt).  Auch in Blick auf Pegida und AfD sollten wir mit  der Verwendung von Begriffen aus dem Wortschatz der Nationalsozialisten bewusst umgehen und nur jene Parteigenossen nennen, die es wirklich waren oder wieder gerne wären. – Uwe Schoormann


Leserbrief zu „Gesellschaftskritik“ von Matthias Stolz im ZEIT Magazin

Für gewöhnlich liebe ich diese Rubrik und muss beim lesen meist wohltuend lachen, aber diese Ausgabe ist ein wenig mißlungen…

Was der Autor versucht rüberzubringen ist nachvollziehbar, doch hat er einen falschen Aufhänger gewählt…

Erstens heißt das Verb das er meint “ correspondre“ und nicht “ corresponder“ was an der Stelle schon ein echt doofer Fehler ist und außerdem ist correspondre wirklich sehr gebräuchlich, nicht nur an Eliteschulen…

Korrespondieren im Deutschen hat schlichtweg eine andere Bedeutung als correspondre im französischen, deshalb kann man nicht einfach buchstäblich etwas übersetzen und dann feststellen, dass es komisch elitär klingt…

Als Halbfranzösin kommt es gelegentlich noch heute vor (in meiner Schulzeit war es häufig), dass ich ein französisches Wort in seiner für mich normalen Bedeutung übersetzt in einen deutschen Satz integriere… einfach weil mir kein ideales deutsches Wort dazu einfällt. Das Resultat war für mich erschreckend und prägend… Ich würde für arrogant und hochgestochen (ähnlich wie elitär…) gehalten und verstand überhaupt nicht warum…

Summa summarum: Vorsicht mit der Wertung wenn es um Fremdsprachen und Übersetzungen geht und v.a. darf so ein Verbfehler nicht übersehen werden, wenn Sprache Gegenstand der Kritik ist… – Myriam Vincent


Leserbrief zu „Abbruch hilft nicht“ von Michael Thumann

Abbruch hilft nicht und kann ja sowieso nur von der EU gemeinsam beschlossen werden. Bleibt die Frage, was denn hilft, um die Spannungen mit der Türkei nicht vollständig aus dem Ruder laufen zu lassen? Nach meinem Empfinden wird zu einseitig auf der Wirkungsebene argumentiert. Man sollte sich auch fragen, welche Berechtigung Erdogan und seine Leute sich für ihre Strategie und ihre Ziele zurechtlegen.Wie legitimieren sie ihre Ansprüche? Sie ziehen die Erlaubnis für ihr Verhalten und ihre taktischen Maßnahmen aus ihrem Religionsverständnis, aus den angeblich nicht hinterfragbaren Werten ihrer instrumentalisierten Interpretation des Islams – und isolieren sich damit. Und das widerspricht dem ursprünglich dialogischen Charakter der Religionen. Man sollte Herrn Erdogan also auffordern, sein Religionsverständnis und daraus abgeleitete Ansprüche der Bewährung im Gespräch mit anderen zu öffnen. Sollte das zu positiven Ergebnissen für alle Beteiligten führen, stünde für die Türkei die Tür zu Europa sicher wieder offen. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Armes deutsches Würstchen” von Jens Jessen

Vermutlich wollten Sie Frau Özoguz etwas Gutes tun, als Sie ihre Behauptung, eine spezifisch deutsche Kultur sei „jenseits der Sprache schlicht nicht identifizierbar“ (also jenseits der Sprache schlechterdings nicht identifizierbar), so interpretierten, als habe sie gesagt, jene sei jenseits der Sprache nicht schlicht, also nicht auf schlichte Weise, identifizierbar. Das wäre dann ein Satz, mit dem ich mich, und wahrscheinlich auch viele andere, sehr viel eher anfreunden könnten als mit Frau Özoguz Original-Text; der von ihr aber eben nicht so formuliert wurde. Oder meinen Sie im Ernst, dass Frau Özoguz ihr ‚schlicht‘ in Ihrem Sinne verstanden haben wollte? – Bernhard Schröter


Leserbrief zu „Ein bisschen Spaß muss sein“ von Felix Dachsel

Kann es sein, dass Felix Dachsel den Unterschied zwischen Comedy und Kabarett nicht kennt? Beides hat seine Berechtigung und sein Publikum. Aber so wenig man dem Comedian Inhaltsleere vorwerfen kann, kann man vom Kabarettisten „Witzigkeit“ verlangen. Es ist mitnichten Aufgabe des Kabaretts, das Publikum „aufzumuntern“, wie Dachsel schreibt. Bezeichnend ist, das in dem Artikel der Name des Kabarettisten Georg Schramm nicht fällt, der alles sein will, aber nicht witzig, und bei dem es dementsprechend auch nichts zu Lachen gibt. Und doch ist das, was er macht, große Kunst.

Wer über die Kalauer eines Mario Barth lachen kann, soll das tun. Viele möchten aber vom Künstler nicht gerne für blöd gehalten werden und sehen lieber Die Anstalt im ZDF. Dass die Dramaturgie dieser Sendung eher dem Kasperletheater folgt – geschenkt. Aber jedes inhaltliche Detail stimmt. Wollen wir wirklich eine Fernsehunterhaltung, die uns bei bester Laune von der Realität fernhält? Das gab es doch schon mal… – Wolfgang Schröter


Leserbrief zu „Mein Wortschatz“ von Renate Heinold

Es liegt durchaus nicht „im Dunkeln“, warum der Hagestolz unverheiratet blieb. Der Hagestolz (Althochdeutsch hagustalt, also Hagbesitzer) war kein Besitzer eines Hofes, was durch Erbfolge meist der älteste Sohn wurde. Er besaß lediglich ein eingefriedetes Grundstück, das zu klein war um nach Heirat darauf einen eigenen Haushalt zu gründen. (vgl. Fr. Kluge: Ethymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache) Ein „überzeugter Single“ war er also eher nicht. Vielmehr war er gezwungen, eine beschnittene, „kryptische“ Existenz zu fristen. In meiner Skulptur „Hagestolz“ aus Bardiglio-Marmor habe ich versucht, das darzustellen.

Der moderne Nachfahre des alten Hagestolz wäre für mich übrigens jemand, der trotz meherer (schlecht bezahlter) Jobs kaum über die Runden kommt. – Detlef Großkopf


Leserbrief zu»Es fehlt der unbedingte Wille zum Witz. Wie ihn Fips Asmussen und Otto Waalkes haben, die nur eine Währung kennen: Lacher«“ von Felix Dachsel

Ich habe nicht schlecht geschluckt, als ich Ihre Beurteilung von Böhmermanns Zigenficker-Gedicht gelesen habe: Was um Himmels Willen ist da „großartig-lustig“ dran? Richtig ist, dass daraus (fast) eine Staatskrise entstand, und ich will nicht ausschließen, dass Erdogans derzeit gestörtes Verhältnis zu den Deutschen viel mit diesem Machwerk zu tun hat. Halb Deutschland hat sich schließlich darüber kaputt gelacht. Vollmundige Solidaritätsbekundungen wurden abgegeben, und selbst greise Comedians, die gescheiter bei ihrem Palimpalim geblieben wären, haben versucht, diesen Unsinn noch zu toppen. Die besonnenere Hälfte der Deutschen hat sich vielleicht entsetzt, wie unverfroren der Begriff der Meinungsfreiheit pervertiert wurde. Kriege wurden geführt und Menschen haben ihr Leben gelassen für das Recht, den Mächtigen sagen zu dürfen: So geht das nicht! Das ist Unrecht! Aber doch nicht, um straffrei jedem persönliche Beleidigungen übelster Art unter die Gürtellinie zu hauen. Deshalb war für mich auch der komischste Moment, wie Böhmermann mit gestrichen vollen Hosen abgetaucht ist.

Aber hier liegt doch der Hase im Pfeffer, der auch was mit der von Ihnen angestoßenen Anständigkeitsdebatte zu tun hat: Können wir nur noch lachen, wenn andere verunglimpft werden? Ich finde das gar nicht witztig. – Hannelore Schreiner


Leserbrief zu „Gesellschaftskritik“ von Matthias Stolz im ZEIT Magazin

das französische Verb „corresponder“ gibt es nicht. Korrespondieren heißt „correspondre“. – Agnete Hagmann-Stephan


Leserbrief zu»Es fehlt der unbedingte Wille zum Witz. Wie ihn Fips Asmussen und Otto Waalkes haben, die nur eine Währung kennen: Lacher«“ von Felix Dachsel

Gratulation zu Ihrem treffenden Artikel. Ich bin Gründungsmitglied des Kabaretts “ Die Niveauhilisten“ und habe drei Jahre lang versucht, den Witz in den Mittelpunkt unserer Nummern zustellen. Gegen meine Mitstreiter konnte ich mich auf Dauer nicht durchsetzen. Der akademische Wahn hatte die Mitglieder befallen. Aus diesem Grund habe ich die Gruppe verlassen. Schabe fertig! – Wilfried Vendel


Leserbrief zu»Es fehlt der unbedingte Wille zum Witz. Wie ihn Fips Asmussen und Otto Waalkes haben, die nur eine Währung kennen: Lacher«“ von Felix Dachsel

Au weia, das darf ja wohl nicht wahr sein.  Sicher, über Humor kann man streiten und verschiedene  Menschen finden eben verschiedene Dinge komisch. Aber  warum darf sich ein Herr Dachsel eine ganze Seite lang  über Humor auslassen, der so jemand wie Mario Barth  komisch findet, aber ganz bestimmt noch nie Volker Pipsers  in einem Live-Programm auf der Bühne gesehen hat. Sonst  wüsste er nämlich, dass da sehr viel gelacht wird und das  durchaus zurecht. Das gleiche gilt für die Live-Auftritte  von Claus von Wagner, einer der besten der jüngeren  Kabarettisten. Allerdings muss ich zugeben, dass deren  Texte nebenbei auch noch Niveau haben und das scheint  diesen Herrn Dachsel grundsätzlich zu stören. Nun, sein  Problem. Aber warum muss ich sowas ausgerechnet in der  Zeit lesen ? Wird auch ihr Niveau jetzt peinlich ? – Eva Wilde


Leserbrief zu „Armes deutsches Würstchen“ von Jens Jessen

Ihr Artikel gefiel mir überhaupt nicht. Was mir aufstieß, habe ich aufgeschrieben.

Auf dem Stadtschloß in Berlin prangte einst ein Kreuz. Da das Äußere nach altem Vorbild neu gebaut wurde, gehört ein Kreuz wieder oben drauf. Das ist nur konsequent. Die Frage, ob so ein Neubau sinnvoll und vertretbar war und ist, hat sich nach dem Bau erledigt. Folglich gilt das auch für die Diskussion um das Kreuz. Was sollen in dem Zusammenhang „internationalisierte, andersreligiöse Fremde“ eine Rolle spielen? Fremde haben sich, wenn sie hier auf Dauer leben wollen, anzupassen und zu integrieren. Andernfalls sind sie Gäste, die eh nicht mitbestimmen.

Sie beklagen sich über Herrn Spahn – der mir auch nicht gefällt -, der sich in Berlin über eine arrogante Dominanz einer kosmopolitischen Elite aufregt. Diese spreche in manchen Cafes nur noch englisch. Im übrigen wird sowieso viel zu oft ohne Sinn und Verstand mit englischen Vokabeln um sich geschmissen. Wenn Herr Habeck das als jugendliche Weltoffenheit bezeichnet, dann ist das für mich nur eine geschichtslose Marotte in der Gegenwart.

Sie zitieren die türkischstämmige Frau Özoguz, die außer der deutschen Sprache keine deutsche Kultur identifizieren könne. Ihr fehlt halt die ganze deutsche Geschichte und Kultur. Bei ihrer Herkunft nicht verwunderlich. Das mache ich ihr nicht zum Vorwurf, dann sollte sie aber auch auf solche Äußerungen verzichten. Es stellt sich dann auch die Frage, ob sie als Integrationsbeautragte die geeignete Person ist. Sie weiß doch gar nicht, wohin die Fremden integriert werden sollen. Nur für einen einfachen Arbeitsplatz fit machen, reicht ja wohl nicht aus.

Als Ihr eigentliches Thema bezeichnen Sie die eskalierende Globalisierungsfurcht. Deutschland internationalisiere sich und relativiere eigene Gewohnheiten, Traditionen und nicht zuletzt die eigene Sprache. Man muß sich wohl in der Gegenwart und weltweit orientieren, sicher auch nicht nur wegen der Arbeitsplätze und des Verdienstes. Wenn das so ist, dann sollte man sich auch um die Geschichte und Kultur des jeweils anderen Landes kümmern. Ansonsten bleiben wirklich nur Würstchen und Kartoffelsalat, primitiv und oberflächlich.

Genauso, wie Sie Frau und vielleicht Kinder, Geschwister, Verwandte und Bekannte sowie Vorfahren haben – also eine persönliche Geschichte – haben auch Länder Geschichte und Geschichten. So etwas verschwindet doch nicht durch die neumodische „Globalssierung“. Kontakte zwischen Staaten, Ländern und/oder Völkern hat es immer gegeben, mal freundlich und mal weniger freundlich. Daraus jetzt ein Drama zu machen, erscheint mir einfach zu kurz und zu oberflächlich gedacht zu sein. – Ulrich Arnold


Leserbrief zu „Armes deutsches Würstchen“ von Jens Jessen

Jens Jessens Beitrag zur Identitätskrise in Deutschland misslingt insgesamt zu einer pauschalisierenden Karikatur, was schon mit seiner überzogenen Diagnose  „Paranoia und Panik“  beginnt.

Jessens Klischee bezüglich der deutschen Gesellschaft:  Auf der einen Seite stehen zunehmend  „Junge, gut Ausgebildete“ , die die Lasten der deutschen Identität gerne eintauschen gegen die befreiende internationale Lebensfreude in der Globalisierung  ( dabei dann wohl auch gerne englisch sprechen in ihren Berliner Szenekneipen ).  Auf der anderen Seite finden sich dagegen zunehmend  „weniger Junge, weniger Gebildete“  wieder, die voller Angst dem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit und Armut entgegenblicken.  Welch krudes, schwarzweißes Zerrbild !

Wenn Jens Jessen dann noch herablassend meint, einen Teil der Befürworter einer spezifisch deutschen Identität als  „Armes deutsches Würstchen“  karikieren zu müssen  ( noch verstärkt durch das unangemessene Foto mit dem Würstchenteller ) , so ist dies stillos und peinlich:  Auf einem solchen Niveau sollte die Debatte in der  ZEIT  nicht geführt werden. – Ulrich Herrlein


Leserbrief zu „Armes deutsches Würstchen“ von Jens Jessen

Ihr Autor Jens Jessen versucht den Zustand in unserem Staat zu beschreiben.  Ich kann das insofern bejahen, daß das alles nur Nebenkriegsschauplätze  sind. Aber das eigentliche Problem was die Bürger auf die Palme bringt, hat ganz andere Gründe. Den interessiert kaum die Kuppel des Stadtschlosses in Berlin. Sehrwohl aber die gnadenlose Plünderung unserer Sozialsysteme. Die Wohnungsfrage, die durch die Flüchtlinge mit in Anspruch genommen wird. Wohlwissend, daß der Wohnungsbau sträflich vernachlässigt wurde und die deutschen Bürger selbst dringend bezahlbaren Wohnungsraum benötigen. Die Kriminalität, die ständig steigt und maßgeblich von den Flüchtlingen ausgeht. Obwohl die Politik das bestreitet.  Die „Gutmenschen“ in der Politik und andere, sind keine Hilfe mehr. Sie sind nur Plage geworden. Der große Selbstbetrug hat viele Bürger um ihre Zukunft gebracht. Vom Terror will ich gar nicht erst sprechen. Es sind schlicht und einfach die Alltagsprobleme, die die Bürger um ihren Verstand bringen.  Auch die ständigen Lügen in der Klimafrage, können sich viele Bürger aufregen. Die erneuerbaren Energien sind gar nicht in der Lage die Welt mit Strom zu versorgen. Ohne fossilen Brennstoff würde die halbe Welt im Dunkeln sitzen. Jedenfalls in den nächsten 50 Jahren. Manche sprechen von einer viel längeren Zeit. Aber das hat wenig mit den Flüchtlingen zu tun. Eher ihre Herkunftsländer, die wenig oder nichts dazu beigetragen haben. Besonders was die Solarenergie betrifft. Die ständigen Frechheiten mancher Muslime, die viele Bürger aufregen. In vielen Schulen bestimmen die Muslime wie der Tagesablauf auszusehen hat. Allein die Burkatragenden Muslime auf den Straßen besonders in den Ballungsgebieten unseres Landes werden als Affront gesehen. Das hätte Ihr Autor auch zur Sprache bringen sollen. Das sind die wirklichen Aufreger der Nation. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Die Frauen finden die Arbeit auch super“ von Hanno Rauterberg

Das hat Ihren Interviewer aus den Latschen katapultiert. Solche Menschen, Künstler gefallen mir. Olaf Metzel würde  ich den Friedenspreis gönnen. Unter den Künstlern ist er ein Ausnahmetalent – nicht nur künstlerisch. Mir gehen die Intellektuellen schon lange auf den Senkel, die angeblich die Welt besser machen wollen. Das Gegenteil ist der Fall.  Aber das scheint es nur in Deutschland zu geben .  Die glauben ständig ihre Arbeit mit politischer Agitation zu unterlegen.  Die Medien sind auch Meister darin. Die sollen vernünftige Arbeit abliefern und die Politik den Politikern überlassen.  Das sind alles noch 68er Manieren, die unserem Land nur geschadet haben. Der große Selbstbetrug ist im vollen Gange . – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Geschichten aus dem Knast“ von Marcus Rohwetter

Dass Thomas Middelhoff in seinem Buch ernsthaft sein Leben mit dem Dietrich Bonhoeffers und die deutsche Justiz mit der NS-Justiz auf eine Stufe stellt, Hinrichtung mit rutschigen Füßen vergleicht, zeugt von Wehleidigkeit und Narzissmus auf seiner Seite, von absolut unreflektiertem Lesen und Schreiben Ihrerseits. – Isabella Draxler


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Ich habe drei Fragen:

  1. Welche coole Unterwäsche trägt Hopper Penn?
  2. Welche Armbanduhr schmückt sein Handgelenk?
  3. Wieviel Prozent der Zeitleser interessiert solch eine Bilderserie ? – Alfred Preuß

Leserbrief zu „Abbruch hilft nicht“ von Michael Thumann

Ihrem Artikel möchte ich dergestalt widersprechen, als es jedem aufmerksamen Beobachter der türkisch-europäischen Verhältnisse schon lange klar ist, dass es der deutschen Politik, vor allem in Gestalt der Bundeskanzlerin, nie daran gelegen war, der Türkei einen Mitgliedsstatus in der EU  zuzugestehen. Die Kanzlerin wollte nie, dass die Türkei der EU als Vollmitglied angehört, oder habe ich da etwas übersehen? Vielleicht hätten wir heute eine andere Situation, wenn die Türkei tatsächlich Mitglied der EU wäre. Dann könnte sich Erdogan möglicherweise nicht so aufführen wie er es tut. – Horst Jakob


Leserbrief zu»Es fehlt der unbedingte Wille zum Witz. Wie ihn Fips Asmussen und Otto Waalkes haben, die nur eine Währung kennen: Lacher«“ von Felix Dachsel

Ich vermute, dass Jan Böhmermann und Genossen nicht ein Zehntel der Gage bekommen, die Harald Schmidt bekam. Das sagt eigentlich alles über ihren Unterhaltungswert. – Klaus Scheffler


Leserbrief zu „§ 1.1 Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer auf eine Frau eine fremde unbefruchtete Eizelle überträgt“ von Martin Spiewak

Was hat denn der weiß auf schwarzem Grund groß als Überschrift zitierte § 1.1 des Embryonenschutzgsetzes mit dem Inhalt des Artikels zu tun??? Darin geht’s doch gerade und allein um die Einpflanzung nicht einer „unbefruchteten“, sondern einer befruchteten Eizelle, s. z. B. Sp. 3., 2. Abs. Auf diesen Fall trifft doch eher § 1.2 ESchG zu; dieser ist allerdings so formuliert, dass er sich für einen schlagwortartigen journalistischen Zugriff kaum eignet („eine Eizelle zu einem anderen Zweck künstlich zu befruchten, als eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen, von der die Eizelle stammt“). Ich halte daher einen Korrekturhinweis in einer der nächsten Ausgaben für angebracht. – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Armes deutsches Würstchen“ von Jens Jessen

Es ist ja alles unabänderlich, die (englisch sprechende) Globalisierung frisst ihre nationalen Kinder (auch die deutsche Sprache), da kann man nichts machen, vor allem die deutschen „Würstchen mit Kartoffelsalat“-Liebhaber nicht, die sowieso nicht „identifizieren“ können, was deutsche Kultur ist. Für die gut ausgebildeten Jungen ist es ohnehin eine Erleichterung, den „Lasten deutscher Identität“ zu entkommen und ein „Mehr von Lebensfreude und Entfaltungsmöglichkeiten“. Und für „viele andere, weniger Junge, weniger Gebildete (mit deutscher Spezifik) dämmert dagegen am Horizont der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit“. Diese „Revolution“ ist nicht aufzuhalten, wer meint, etwas dagegen tun zu können, verteilt Placebos und ist „retro“. Das ist so etwa das Fazit des Meinungsbeitrags von Herrn Jessen zur derzeitigen Debatte.

Der Beitrag klingt etwas überheblich, ist aber in recht gutem Deutsch geschrieben, was man nicht von jedem ZEIT-Artikel in letzter Zeit sagen kann. Gegen die Meinung Herrn Jessens kann man einiges vorbringen, was aber in einem Leserbrief nur verkürzt möglich ist. Wir hören ja gern auf ausländische Meinungen zu unseren Stammeseigenschaften, besonders auf englische. Churchill sagte über die Deutschen: Man hat sie entweder an der Gurgel oder zu Füßen. Er will wohl damit sagen, dass die Deutschen zu Extremen neigen. Er hat Recht, die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist ein Beispiel dafür. Im Moment sind viele Deutschen Musterknaben der Globalisierung und, um im Bild Churchills zu bleiben, dabei, ihr die Füße zu küssen, die deutsche Sprache globalisierungstauglich umzustellen und vieles andere mehr. In diesem Trend sehe ich diesen ZEIT-Artikel.

Frage: Wenn sich die deutschen Würstchenesser auf Hot Dogs und Hamburger umstellen, finden sie dann Gnade vor Herrn Jessen? Noch etwas: Ich habe zwei Söhne, die gut Englisch sprechen. Sie werden im Ausland trotzdem als Deutsche erkannt, entkommen also nie – wie alle Deutsche, auch Herr Jessen und ich – den „Lasten deutscher Identität“, leiden aber nicht darunter und haben auch trotz der noch nicht vollendeten Globalisierung sehr ausreichend „Lebensfreude und Entfaltungsmöglichkeiten“. Ich bin seit Jahrzehnten Abonnent der ZEIT, also weniger jung, zwar eher gebildet, aber mit deutscher Spezifik (ich schreibe Bücher in deutscher Sprache), und arbeite unverdrossen weiterhin daran, nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Dazu dient auch dieser Leserbrief. Und ich bilde mir doch tatsächlich ein, trotz allem weltoffen zu sein. so betreue ich einen jungen Flüchtling aus Eritrea. Abschließend sage ich mit Goethe (deutscher Dichter und Kulturmacher): Wenn Ihr’s nicht fühlt, Ihr werdets nicht erjagen. – Manfred H. Schmitt


Leserbrief zu „Wir haben sehr viel Vertrauen verloren“ von Roman Pletter und Claas Tatje

Ihr Interview mit Herrn Diess ist von ihm ja wohl autorisiert. Das, was er dort äußert, kann also kein Mißverständniss sein. Es handelt sich vielmehr um den Standpunkt der Spitze von VW.

Herr Diess sagt/schreibt: “ In den USA ist die rechtliche und technische  Situation grundsätzlich anders als in Deutschland. Entsprechend schwierig ist es, diese Fahrzeuge in einen ordnungsgemäßen Zustand zu bekommen. Es geht nicht nur um Software, sondern auch um die Hardware. … damit die Fahrzeuge den Anforderungen der Behörden genügen.“

So deutlich habe ich es bisher noch nicht gehört.

Es ist also nicht nur technisch möglich, sondern auch praktisch machbar.  Bisher hat man immer so getan, als wäre das so gut wie unmöglich.

Warum verhielt man sich auf allen anderen Märkten anders, auch in Deutschland? Weil es hier keine entsprechenden Anforderungen der Behörden gab und gibt!  Kosten kann man auf diese Weise  einsparen. Folglich betrügt und belastet man auch in Deutschland die Käufer und die Bevölkerung. Dem eigenen Unternehmen und der gesamten Wirtschaft fügt  man zudem riesige Schäden zu.  Eine Unverschämtheit, die der VW-Vorstand zu verantworten hat. – Wann werden die VW-Verantwortlichen strafrechtlich belangt? Selbst kleinste Diebstähle am Arbeitsplatz werden mit fristloser Kündigung geahndet. Sie kennen doch den alten Spruch: Die Kleinen hängt man, die Großen läßt man laufen.

Eine ähnliche Verantwortung müßte die Bundesregierung, vor allem Herr Dobrindt übernehmen. Spätestens seit der Skandal in den USA auffiel, hätte hier etwas geschehen müssen. Außer blabla aber nichts!

Es geht nicht um die Verteufelung der Autoindustrie, sondern um das Versagen der Manager! – Ulrich Arnold


Leserbrief zu „Ein bisschen Spaß muss sein“ von Felix Dachsel

Was für ein wahres Wort. Böhmermann ist das Brechmittel der Satire. Und die, die ihm den Grimme Preis verliehen haben müssen von einem anderen Planeten kommen. Ich bin allerdings nicht mehr auf dem neuesten Stand , weil ich mir das alles nicht mehr antue. Ihr Autor Felix Dachsel hat diesen erbärmlichen Zustand meisterhaft wiedergegeben. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wir haben sehr viel Vertrauen verloren“ von Roman Pletter und Claas Tatje

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen. Ich bin Betroffener mit einem VW Passat Variant und fordere von der VW AG seit 2015 Rückkauf meines Fahrzeugs und Schadensersatz. Ich hatte einen temporären finanziellen Engpass und musste einen Kredit aufnehmen, da mein Fahrzeug bereits Ende 2015 nicht mehr zu einem angemessenen Marktwert verkäuflich war. In der Korrespondenz belügt und betrügt mich die VW AG fortlaufen mit falschen Behauptungen. Sie haben stellenweise mit Fragen nachgehakt, aber Herrn Diess auch mit Ausweichen und Ausflüchten entkommen lassen. Zwei entscheidende Fragen haben Sie nicht gestellt. Unabhängig von allen Fragen der Nachrüstung per Software/ Hardware und den Behauptungen, dass die Fahrzeuge verkehrssicher seien und alles Genehmigungen auswiesen steht ein Faktum fest: Sie sind nahezu nichts mehr wert. Viele Gebrauchtwagenhändler kaufen die betroffenen Diesel nicht mehr auf. Privatleute kaufen diese Modelle ohnehin nicht mehr. Zumindest dieser Schaden müsste ersetzt werden. Die Abwrackprämien sind Augenwischerei der VW AG. Einen Teil der (vom Staat bezahlten Prämien holt sich der Händler wieder über einen anderen Hauspreis herein)

Die zweite Frage, die Ihrer Vorbereitung entgangen ist: Die VW AG droht -auch im anders gelagerten deutschen Rechtssystem- nahezu jedes individuelle angestrengte Gerichtsverfahren zu verlieren. Bevor es aber zur Klage und zum negativen Urteil kommt, bietet die VW AG den Klägern einen sehr großzügigen Vergleich an. Natürlich unter der Voraussetzung, dass Stillschweigen zu bewahren ist. Warum recherchieren Sie nicht und haken da nach, wo man die Betrüger packen kann? Ich kann Ihnen für ein Dossier meine Akte VW AG Dieselbetrug gerne zur Verfügung stellen, um nachzuweisen, dass eine große Lüge weiter besteht: „Man nimmt den jahrzehntelangen Stammkunden nicht ernst, sondern belügt ihn weiterhin!“ – Dr. Michael Möglich


Leserbrief zu „Folge 5: Was rät der alte Revolutionär?” von Mareike Nieberding

Bloss nicht schon wieder. Cohn-Bendit war das, was Dutschke in Deutschland war.  Mit Ihrer Autorin will ich mich auf Grund Ihres Alters in der Kritik zurückhalten. Sie sollte ihr Dasein mit besseren Dingen des Lebens beschäftigen.  Nichts als Chaos, Angst und Unzufriedenheit der meisten Menschen geht durch unser Land.  Dafür mache ich den 68er Epochenbruch für verantwortlich. Dieser große Selbstbetrug hat uns Armut und Kriminalität allerorten gebracht. Freiheit wurde generiert, die in weniger Freiheit endete.  Die Angst steckt dem Menschen nach wie vor in den Knochen.

Ich frage mich, was will das Mädchen verteidigen. Die Personen, die Sie nennt, sind in Wirklichkeit völlig harmlos. Auch wenn sich manche daneben benommen haben. Die ständigen Übertreibungen ist den Altvorderen vorbehalten, die sich Reihenweise in den Medien festgesetzt haben. Die braucht kein vernünftiger Mensch. Einige wenige Journalisten haben sich geoutet und Bedauern heute ihren Jahrhundertirrtum.  Vielvölkerstaat, das hat die Welt gezeigt, macht jeden Staat instabil.  Das ist das allerschlechteste Geschäftsmodell was man sich wünschen sollte.  Nur des Revolutionswillen wegen, sollte man nicht wieder in das alte Muster verfallen, was sich nur in den Büchern gut lesen lässt.  Sie wird bald erkennen müssen, das dafür der Zug bereits abgefahren ist.  Sie sollte ihre Zeit nicht dafür verschwenden. Wenn Sie ein „Gutmensch“ sein will, dann rate ich ihr zu einer Tätigkeit in den vielen Hilfsorganisationen. Das wäre eine produktive und sinnvolle Tätigkeit.  Das schreibt Ihnen ein lebenserfahrener Mann und aufrechter Demokrat. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Armes deutsches Würstchen” von Jens Jessen

Fluchtmigration, Islam und die Türkei sind die großen Aufregerthemen in diesem Bundestagswahlkampf. Dies gilt nicht nur für die Kandidat/innen der Parteien und die Medien sondern auch für die Bevölkerung. Vor allem für die Bevölkerung ohne den sogenannten Migrationshintergrund. An den Infoständen der Wählerlisten kann man die Gereiztheit und zuweilen die Aggressivität der Passanten beobachten. Prominente Politiker/innen werden bei Kundgebungen mit Pfiffen empfangen oder mit Tomaten beworfen wie zuletzt unsere Kanzlerin. Die Wut richtet sich meistens nicht gegen ihre Klimapolitik oder ihren Umgang mit der Automobilindustrie. Gesundheit scheint Privatsache zu sein, und die chancengerechte Teilhabe an Bildung, Wohnen und Kultur eine Frage der individuellen Leistungsbereitschaft. Die zentrale Gretchenfrage für das eigene Wohlempfinden ist: Wie steht die Politik zu Flüchtlingen, Muslimen und Erdogan?

Die deutsch-türkischen Beziehungen sind wahrlich an einen Tiefpunkt angelangt. Besorgniserregend sind auch die antidemokratischen Entwicklungen in vielen EU-Staaten und in den USA. Eine gemeinsame Einstellung der Populisten ist: Wir wären eine große Nation, wenn nicht so viele kulturfremde Migranten zu uns kämen. Transnationale Verträge und Verpflichtungen schränken unser Selbstbestimmungsrecht ein. Dies gilt insbesondere für die EU-Bürokratie. Wir wollen zwar alle Vorteile der globalisierten Ökonomie haben (Vielfalt ist eine Bereicherung in den Regalen der Supermärkte), aber wir wollen nicht Menschen als Nachbarn haben, die mit ihrer Anwesenheit unsere privilegierte Lebensweise in Frage stellen. Wir wollen nicht mit Schutzsuchenden aus armen Ländern face to face konfrontiert werden. Die von uns Solidarität statt Barmherzigkeit erwarten (so Paul Mecheril). Der Vorwurf der Wutbürger an Angela Merkel lautet immer wieder: Wir schaffen es nicht so viele Flüchtlinge zu integrieren. Diese belasten unsere Sozialsysteme und unsere Sicherheit. Wenn Flüchtlinge sich integrieren, ist es aber auch nicht recht, weil sie dann mit uns auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt konkurrieren.

Bei solchen Kritiken geht es nicht nur um Unsicherheit in Bezug auf den eigenen Wohlstand, sondern um das ungeklärte Selbstverständnis der eigenen Gesellschaft: wer sind wir und wer gehört dazu? Deutschland ist nicht erst durch den großen Zuzug der Geflüchteten eine Migrationsgesellschaft geworden. Es ist legitim darüber zu streiten, wie wir diese veränderte Gesellschaft gestalten wollen – zusammen mit den „neuen Einheimischen“, den „neuen Deutschen“, die de facto dazugehören. Das ist für viele eine Zumutung und der Vorwurf an die Bundeskanzlerin und an andere Politiker, die uns das eingebrockt haben.

Diese Zumutung hatten wir davor in der Geschlechterfrage, die nicht nur eine Frage der Frauen war. Männer versuchen in vielen Bereichen bis heute ihre Privilegien zu verteidigen. Viele „Nichtmigranten“ wollen ihre bisherige Dominanz bei der Platzierung der „Anderen“ beibehalten. Ich bin das Volk und räume dem Neuankömmling (dem Muslim, dem Deutschtürken) ein eingeschränktes Gastrecht ein – egal wie lange er schon hier lebt. Die einen gewähren, die anderen müssen sich erst bewähren.

Auch die Befürworter der offenen Gesellschaft treibt die Frage um, was uns verbindet außer der gemeinsamen deutschen Sprache im öffentlichen Leben und dem Einhalten der Gesetze.

Heimat, Gemeinschaft und Zugehörigkeit, hierzulande historisch belastete Begriffe, werden neu definiert. Das Institut für Auslandsbeziehungen veranstaltet dieser Tage eine Konferenz zu den „Kulturen des Wir“.

Die neue Wir-Kultur, die den sozialen Zusammenhalt in Vielfalt stärkt, kann nicht über Herkunft definiert werden. Eine Migrationsgesellschaft muss von daher zugleich eine „postmigrantische“ sein (Naika Foroutan). Wenn die gemeinsame historische Tradition fehlt, bedarf es einer Verständigung darüber, was das gute Zusammenleben heute und in der Zukunft ausmacht. Darüber hören wir in diesen hitzigen Wahlkampfzeiten wenig. Die AfD bietet bei Migrationsfragen Alternativen zu demokratischen Grundprinzipien und möchte ein Gesellschaftsmodell wie vor 1968 etablieren. Mit Strategien der 1950er Jahren und davor lässt sich aber die Realität von 2017 nicht produktiv gestalten, auch wenn etwa 15 Prozent der Wähler dies gerne hätten. Ihre Gereiztheit ist ein Ausdruck der Sehnsucht nach einer scheinbar homogenen Nation und der wachsenden Einsicht, dass diese Zeit endgültig vorbei ist.

Was bleibt? Das Grundrecht aller auf ein gesundes und glückliches Leben und der noch ausstehende gesellschaftliche Aushandlungsprozess, was dieses jenseits des ständigen materiellen Wachstums ausmacht. Es besteht eine enge Wechselwirkung zwischen persönlichem Wohlbefinden und einem solidarischen Miteinander. Wir haben die Möglichkeit, eine neue inklusive Wir-Kultur zu entwickeln, die auf dem gerechten Ausgleich von Geben und Nehmen basiert – vor Ort und global. Politik kann diesen Perspektivwechsel in vielfältiger Weise fördern, beginnend mit einer neu ausgerichteten Bildungspolitik, auch wenn wir keine fertigen Antworten haben, wie die Welt von morgen aussehen wird. – Gari Pavković


Leserbrief zu „Wer wird’s?“ von Anna-Lena Scholz und Martin Spiewak

Ein sehr informativer Vergleich der BMBF-Aspiranten! Bravo!  Im Kästchen über Ranga Yogeshwar bin ich nicht sicher, ob Sie seine Bildungsnähe bewundern oder anzweifeln.  Leider kennt die Allgemeinheit weniger und weniger den Unterschied zwischen „scheinbar“ und „anscheinend“.  Von der Redaktion des Bildungsteils läßt sich wohl die genaue Kenntnis der entsprechenden Adverbien erwarten.  Zur Not hilft Mr. Google weiter:  – scheinbar: zum Schein; Herr Yogeshwar täuscht seine Bildung vor;  – anscheinend: es scheint,daß Herr Yogeshwar eine hohe Bildung besitzt.  Eine unbekannte Nuance der Semantik, die doch selbst so Gebildeten wenig geläufig ist.  Aber was soll man erwarten, wenn viele Bildungsminister unterschiedlicher Parteifarbe nicht mal wissen wie die Endungen -ig oder -ng korrekt ausgesprochen werden. (Tip: Duden Bd. 6 Aussprachewörterbuch) – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „99 Fragen an Martin Schulz“ von Moritz von Uslar im ZEIT Magazin

Die stilistische Anbiederung des Interviewers an das, was das „gemeine Volk (?)“ vermeintlich zu lesen wünscht, ist weder gelungen noch trägt sie in ihrer Inhaltsleere zur Klärung der Positionen des Kanzlerkanidaten Martin Schulz bei. Was sollen solche Dummheiten wie „Können Sie jetzt  mal etwas ganz, ganz Wahres sagen?“ oder „Wie heißt Ihre Bartschneidemaschine?“ Herr von Uslar scheint unter einem mit Größenwahn gepaarten Realitätsverlust zu leiden, leider mit unentschuldbaren Entgleisungen in der Folge: Unabhängig vom politischen Desaster, das der gegenwärtig mächtigste Politiker der Welt sowohl von seinen Weltanschauunngen wie von seinem Jargon her anzurichten vermag, handelt es sich bei Herrn Trump doch um den vom Volk gewählten und amtierenden Präsidenten der Verinigten Staaten von Amerika. Ein „Turbo-Schwachlopf“?  Das ist an Niveaulosigkeit vielleicht nur noch von Herrn Böhmermann zu unterbieten. Schade, dass Martin Schulz diese Frechheit nicht pariert hat. – Armin Brost


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Georg Blume, Elisabeth Raether und Gero von Randow

Eine ganze Seite mit differenzierten Darstellungen unterschiedlicher Gesellschaftsvertreter.

Ich habe sie gern gelesen, am nächsten Tag jedoch kamen Zweifel, und erst einen weiteren Tag später wurde mir klar, was fehlte. Steht nicht fett über der Seite „KAMPFANSAGE“? Und steht dort nicht, dass „erbittert gestritten“ wird im Land?

Auf der ganzen Seite wird nicht gestritten, und niemand sagt einen Kampf an. Reingefallen. Oder doch? Auf dem Foto die beiden Minister, sagen die einen Kampf an?

Ich erinnerte mich an einen Artikel von Georg Blume vor Frankreichs Wahl, wo er Bekannte zum Abendessen eingeladen hatte, die erklärten, was sie wählen würden. Der Artikel war leer wie eine Publikumsbefragung und erreichte nicht einmal das Niveau einer Talkshow, weil deren Moderator fehlte.

Was ich aber erwarte, ist eine begründete Einschätzung, sonst brauche ich die ZEIT nicht.

Zu den sieben eingeladenen Personen von der Kampfansage: Herr Enderlein ist Macron-Berater, Cohn-Bendit ist kein Grüner (oder gar Roter), sondern enthusiastischer Macron-Fan, Cantarel ist als Hauptnutzer des neuen Gesetzes Macron- Unterstützer, Poivey vom Arbeitgeberverband sowieso und der Personalexperte Soubie erst recht. Bleiben zwei kritische Stimmen, wobei Autain Ansätze zu einer Einschätzung bringt.

Die Einschätzung lautet: Macron scheint umzusetzen, was er versprochen hat. Trotzdem ist er schneller in der Gunst der Franzosen abgestürzt als Hollande. Wie konnte es dazu kommen?

Begründung: Man könnte denken, dass es am französischen Wahlsystem liegt, wo zu viele Kandidaten sich um das Präsidentenamt bewerben und dann einer gewählt wird, der keine 20 % der Wahlberechtigten begeistern kann. Die absolute Mehrheit im Parlament, die ihm der vierte Wahlgang bescherte, verschaffte ihm Macht, aber er setzt nicht um, was er versprach.

In allen Städten, in denen der Front National regiert, werden die ihm nicht genehmen Vereine aus der staatlichen Unterstützung gestrichen. Das soziale Netz Frankreichs beruht zu großen Teilen auf den Vereinen, auf ihrem überwiegend unentgeltlichen Engagement. Meist sind es um die zehn bis zwanzig Mitglieder mit einer hauptamtlichen Person, die ein kleines Gehalt bekommt, das staatlich unterstützt wird. Es bleiben Schützen-, Jäger-, Veteranenvereine  in den Front-National-Gemeinden. Eine der ersten Maßnahmen Macrons war die Streichung dieser Unterstützung. Eine andere Maßnahme war die Streichung eines winzigen Zuschusses zum Wohngeld, die immerhin 30 Tausend der Geringverdienenden betrifft. Cohn-Bendit verniedlicht diese Streichungen als taktische „Fehler“, denn notwendig seien sie ja gewesen.

Macrons Buch heißt „Revolution“. Tatsächlich ist einer seiner ersten Schritte die Fortsetzung der im Parlament weit verbreiteten Begünstigung von Familienangehörigen. Der Ex-Präsident Hollande erhält 15000 € monatlich, hat eine Dienstwohnung in Paris, zwei Chauffeure und fünf Angestellte, damit er nach seinem Amt nicht in ein Loch fällt. Diese Ausgaben sind vermutlich höher, als was die Bundeskanzlerin im Augenblick erhält. Und Ex-Präsidenten gibt es noch mehr. Wenn die Gattin Macron jetzt ebenfalls offiziell ein Amt bekommen hätte, wären auch die dafür erforderlichen Gelder bis zum Lebensende geflossen. Würde Merkel auf die Idee kommen, ihrem Mann ein Amt zu verschaffen?

Es wird nicht viel Widerstand gegen Macrons Arbeitsgesetz geben, weil die Opposition gespalten ist, aber die Wahrscheinlichkeit von radikalen Antworten wächst. – Gerd Stange


Leserbrief zu „Geschichten aus dem Knast“ von Marcus Rohwetter

Ein schöner Bericht!!! Allerdings scheint mir im 5. Abs. bei der Nennung von Dietrich Bonhoeffer nicht klar zu sein, ob „B., der von den Nationalsozialisten verhaftet, zum Tode verurteilt und 1945 hingerichtet wurde“ von Th. Middelhoff stammt oder ein erläuternder Zusatz von Ihnen ist. Sollte das Letztere zutreffen, so möchte ich daran erinnern, dass all diese Naziurteile inzwischen aufgehoben sind und es daher angebracht ist, nicht mehr von hinrichten, sondern nur noch von ermorden zu schreiben. Ferner ist zu bedenken, dass ja Hitler diese Ermordung befahl und somit nur ein Scheinverfahren ohne Akten und Verteidiger stattfand., vgl. Wikipedia. Mein Fazit: Der Begriff Hinrichtung darf allenfalls dann verwendet werden, wenn eine Verurteilung nach Recht und Gesetz stattfand. – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Mengeles Glück“ von Ronen Bergman

Erlauben Sie mir ein paar Hinweise für Ihren Autor Ronen Bergman.

  • Die Freiburger Staatsanwaltschaft konnte einen Haftbefehl gegen Mengele nur beantragen, in der Regel beim Amtsgericht. Das Gericht erlässt sodann den Haftbefehl, nicht die Staatsanwaltschaft.
  • Adolf Eichmann wurde 1960, nicht 1959 vom Mossad entführt.
  • Sassen, der mit Eichmann in Buenos Aires Gespräche führte, trägt den Vornamen Willem, nicht Wilhelm.
  • Karl Wolff, Chef des persönlichen Stabs von Heinrich Himmler, wurde vom Landgericht München II nicht wegen „Kriegsverbrechen“, diesen Tatbestand kennt das dem Verfahren zugrunde gelegte Strafgesetzbuch nicht, sondern wegen Beihilfe zum Mord verurteilt.

Herrn Bergman wäre zu raten, sein angekündigtes Buch sachkundig lektorieren zu lassen.

P.S.: Von 1995 bis Mitte 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut. – Werner Renz


Leserbrief zu „Armes deutsches Würstchen“ von Jens Jessen

Das untergangsverliebte – und insofern sehr deutsche – Moll in Jessens Artikel zur Zersetzung deutscher Identität in der Globalisierungssäure vermeidet den Blick auf psychische Bedürfnisse: jeder braucht sowohl eine Individual- wie eine Kollektividentität. Die findet er etwa im Kreise sich progressiv gebender, bürgerlicher Intellektueller oder in identitären Bewegungen. Entscheidend ist, ob die Wirksamkeit der Gruppenidentität auf Ausschluss und Verfolgung Andersdenkender beruht oder Austausch und Begegnung ermöglicht. Im übrigen: Wie unaufhaltsam die ökonomische Globalisierung tatsächlich ist, wird sich nach Angleichung der Lebensverhältnisse und Übernahme der tatsächlichen, auch ökologischen Transportkosten durch Güterhersteller erst zeigen – die Wiedergeburt regionaler Versorgung scheint nicht ausgeschlossen. – Andreas Goletz-de Ruffray


Leserbrief zu „99 Fragen an Martin Schulz“ von Moritz von Uslar im ZEIT Magazin

S.g.  Herr Schulz, Nachdem dem Sie ja so für Gerechtigkeit Wahlkampf machen darf ich Sie auf folg. Tatsache hinweisen: 2004 hat Rot/Grün bereits jahrelang laufende Verträge von Direktversicherungen rückwirkend, ja rückwirkend, gesetzlich abgeändert, so dass bei Auszahlung der Lebensvers. der volle KV-Beitrag (z.Zt. ca. 18%) gezahlt werden muß. Das war bei Vertragsabschluß nicht auf Einmalzahlungen  vorgesehen. Die Beiträge wurden von meinem Netto gezahlt u. pauschal mit 20% versteuert dh. es wurden bereits der AN- plus der AG-Anteil an die KK abgeführt. Der AG hat nichts dazu beigesteuert nur die Beiträge überwiesen. Hätte ich die Beiträge selber überweisen können bräuchte ich jetzt keine KK zahlen.( oder privat versichert)  Das ist die Falle, in die man uns gelockt hat. Jetzt habe ich ca. 20 Jahre ungef. 100 Euro eingezahlt und jetzt muss ich 10 Jahre ca. 60 Euro an KK-Beiträgen zurückzahlen. Das ist doch Abzockerei. Dazu kommt, dass die Beiträge mit den Steigerungen der KK-Beiträge mitwachsen. In zehn Jahren sind wir dann u.U. Umständen bei 22% oder höher.   Vielen Dank an die SPD! Herr Schulz, sind Sie bereit dieses Unrecht zu beseitigen, oder wie würden Sie diesen Irrsinn bezeichnen? Ihr Wahlslogan würde dadurch für Millionen Betroffene wieder glaubwürdiger. – Georg Langschartner