7. Dezember 2017 – Ausgabe 51

Leserbrief zu „Der neue Grundschul-Schock” von Thomas Kerstan

Zum Glück wachsen in meinem 10.000-Bücher-Haushalt keine Kinder heran. „Kinder aus Familien mit mehr als 100 Büchern sind jenen aus Familien mit weniger als 100 Büchern um mehr als ein Lernjahr voraus.“ Lese ich so in der heutigen ZEIT. Nicht auszudenken, wie weit voraus meine Bücher-Kinder wären. Im Detail würde mich freilich interessieren, wie das Verhältnis zwischen 102-Buch-Kindern und 94-Buch-Kindern ist, ob zwischen denen nur die großen Ferien liegen und welche von beiden eher im Chor singen. Zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund ist der Abstand ähnlich groß. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Eintritt in die örtliche Jugendfeuerwehr und der Bücherzahl im elterlichen Schuhschrank, zählen Feuerwehr-Bilderbücher mit oder nicht mit. Wenn ein Elternpaar 107 Scientology-Fachbücher besitzt sowie vier Bücher über vegane Baby-Nahrung: hilft das oder hilft das nicht? Was bewirken Essay-Sammlungen? – Eckhard Ullrich


Leserbrief zu „Kühler Querkopf” von Mariam Lau

In dem Artikel über den Migrationsforscher Ruud Koopman steht, dass Pim Fortuyn von einem Islamisten ermordet wurde. Das ist meines Wissens falsch. Der Attentäter war ein Tierrechtler. – Jan Pehrke


Leserbrief zu „Kann Söder auch anders?“ von Matthias Geis

Es wäre doch ein – willkommener – Treppenwitz der Geschichte, wenn durch das Erstarken der AfD und die politische Brachialgewalt von Herrn Söder – „kann denn Söder Sünde sein?“ – der meiner Meinung nach antiföderale und somit verfassungsfeindliche Einfluß der Regionalpartei CSU im Bund marginalisiert werden würde. Unter diesem Gesichtspunkt: Viva Söder! (und der einzig mögliche, positive Beitrag der AfD zur politischen Landschaft in Deutschland) – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „»Bloß nicht weiter so«“ von Peter Dausend und Tina Hildebrandt

Die Philosophie von Manu Dreyer führt noch nicht weit genug. Denn der eigentliche Vorteil einer Minderheitsregierung besteht nicht nur darin, dass jene mindestens genauso stabil wie eine Groko sein kann, sondern vor allem darin, dass derartige Modelle in der Regel sehr reform- und innovationsfreudig arbeiten. Wie zum Beispiel in Skandinavien, wo anders als hierzulande die Digitalisierung seitens der Politik eben nicht verschlafen, sondern frühzeitig mutig angegangen wurde oder man ebenfalls bei der Energiewende bereits viel weiter ist. Deshalb bleibt eine solche Option in jedem Fall die beste Alternative, um Deutschland wirklich voranzubringen, zumal nach drei krachenden Niederlagen in Folge bei einer Bundestagswahl die SPD mit hoher Wahrscheinlichkeit keine weitere Chance mehr bekommen dürfte, um sich endlich glaubhaft von innen zu erneuern! – Rasmus Ph. Helt


Leserbrief zu „Kann Söder auch anders?“ von Matthias Geis

Nach seiner Nominierung als neuer Ministerpräsident hat Herr Söder in einem ZDF-Interview in drei Minuten vier mal erklärt, es gehe doch um die Menschen. Viel Menschlichkeit…. – Lutz Landorff


Leserbrief zu „Wirkung mit Lücken“ von Kolja Rudzio

Dass viele Unternehmen ihre Beschäftigten unter dem Mindestlohn bezahlen ist eine ausgemachte Sauerei und hat mit dem ehemals geschätzten Berufsstand eines ehrbaren Kaufmanns nichts mehr zu tun. Dieses Vorgehen ist kriminell, da es eindeutig gegen gesetzliche Bestimmungen verstößt und darf weder von der Öffentlichkeit noch vom Staat geduldet werden. Der Staat muss durch verstärkte Kontrollen sicherstellen, dass die Beschäftigten ihren gesetzlichen Mindestlohn erhalten. Das ist in unser aller Interesse, da die unterbezahlten und ausgebeuteten Arbeitnehmer im Alter eine nicht auskömmliche Rente erhalten werden, damit Alterssicherung benötigen und somit wieder die Staatskasse und damit uns alle belasten. Wer Gesetze erlässt muss auch deren Einhaltung sicherstellen. – Helmut Jung


Leserbrief zu „Grenzenlos naiv” von Ulrich Ladurner

In Ihrer heutigen Ausgabe findet sich im Artikel von Ulrich Ladurner ein kleiner, aber ärgerlicher Fehler. Dort wird behauptet, es hätte in Nordirland eine Mehrheit von 56 % für den Brexit gestimmt. Dies ist nicht korrekt. Dieser Prozentsatz hat sich gegen den Brexit ausgesprochen, es gab also in Nordirland keine Mehrheit für den Brexit. – Andreas Koch


Leserbrief zu „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ von Caterina Lobenstein

Vielen Dank an Catarina Lobenstein für den tollen Artikel. Ich arbeite seit 1992 in der Altenpflege und seit 2008 im Bereich des Qualitätsmanagements. Vieles ist für die Bewohner besser geworden ….. aber für die Mitarbeiter manches auch schlechter. Wobei ich das Gefühl habe, dass das Gehalt oft nicht das Wichtigste ist, sondern ein verlässliches Frei oder der Urlaub. – Michaela Hempel


Leserbrief zu „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ von Caterina Lobenstein

Danke für den treffenden Artikel. Sehr aufschlussreich präzisieren Sie die Ursachen der heutigen Pflege-Misere auf verschiedenen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ebenen. Auch meine Wahrnehmung ist, daß wir Pflegenden selbst einiges zu der problematischen Situation beitragen, sei es durch das, was wir tun – arbeiten bis zum Umfallen, uns selbst verleugnen, unsere eigene Gesundheit ruinieren, resignieren usw. – oder durch das, was wir nicht oder viel zu wenig tun – uns wehren, uns verbünden, uns politisch organisieren usw. Wenn ich mich und meine Kolleginnen (in der Häuslichen Pflege) betrachte, sehe ich Folgendes:

Mit einem hohen Maß an Idealismus und gutem Willen wird eine körperlich und seelisch strapaziöse Dienstleistung bei familien- und gesundheitsgefährdenden Arbeitszeiten erbracht. Die pekuniäre Entlohnung ist sehr übersichtlich, die Aufstiegsmöglichkeiten kann man an einer Hand abzählen, die gesellschaftliche Resonanz schwankt zwischen Überhöhung „ich bewundere dich“ und Abwehr „…aber ich könnte das nicht“. Ja, und sicherlich kann „man“ hinter Idealismus, Bescheidenheit, Nächstenliebe und Leidensbereitschaft auch ganz prima ganz viel verbergen – Angst, Ich-Schwäche, Minderwertigkeitskomplexe, Schuldgefühle, Selbsthass. Wenn ich mich und meine Kolleginnen betrachte, sehe ich dies alles – aber ich sehe noch mehr:

Wir pflegen Menschen, weil wir Menschen mögen. Unser Beruf ist zutiefst sinnstiftend, erfüllend, er führt uns täglich vor Augen, was der Mensch dem Menschen sein kann, er führt uns über uns selbst hinaus, lässt uns innerlich wachsen, macht uns mehr zu dem Menschen, der wir im Idealfall sein wollen – warmherzig, anteilnehmend, liebevoll, eins mit uns und unserem Mitmenschen. Vielleicht haben wir Angst, unsere altruistischen Ideale zu verraten, wenn wir streiken oder sonstwie renitent werden – vielleicht müssen wir Pflegenden lernen, daß eine gute oder sehr gute Bezahlung nicht automatisch Integrität und ethisches Format des Menschen schmälert. Aber sehr wahrscheinlich müssen unsere Politiker jetzt ganz zügig lernen, daß Gewinnmaximierung in Pflege, Erziehung und Bildung nicht nur nichts zu suchen hat, sondern daß es auch ein Stück weit pervers ist, wenn zB Aktionäre Gewinne gleichsam absahnen von Geldtöpfen, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam füllen. – Elisabeth von Randow


Leserbrief zu „»Wir schaffen die Wende«” von Marc Brost und Mark Schieritz

Man kann sich nur wundern, warum der portugiesische Außenminister die Befürchtungen vieler Deutscher vor einer Transferunion nicht versteht, weil doch , so Santos Silva, mit dem Geld, dass portugiesische Familien aus Brüssel erhalten, auch deutsche Autos gekauft würden. Ist dem Außenminister bewusst, woher das Geld aus Brüssel zum großen Teil stammt? Und warum der Umweg über Brüssel? Die Deutschen könnten den portugiesischen Familien doch direkt das Geld geben, mit dem sie die deutschen Autos kaufen, oder noch einfacher, die Autos gleich schenken. Solche Äußerungen eines Ministers bestätigen deutsche Befürchtungen. Warum haben Sie im Interview hier nicht nachgehakt? – Frank Lamprecht


Leserbrief zu „»Bloß nicht weiter so«“ von Peter Dausend und Tina Hildebrandt

Frau Dreyer ist eine nette und sympathische Frau der man gern folgen möchte. Das mögen besonders die Deutschen. Hinzu kommt ihre Krankheit das vertieft das ganze noch. Ihre politischen Ansichten sind alles andere als zukunftsweisend. Schon in der Nürburgring-Affäre hat sie sich völlig vergaloppiert und trotzdem wurde sie wiedergewählt. So ähnlich ist das mit Frau Merkel, die gehörte eigentlich aus dem Rathaus gejagt. Mutti muß bleiben – meinen die Wähler. Daran krankt unser ganzes Land. Die heutige Generation wählt nach Sympathie und nicht mehr nach Qualität. Das gab es natürlich früher auch aber nicht so offensichtlich wie Heute. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Grenzenlos naiv” von Ulrich Ladurner

In dem genannten Artikel ist Ihnen ein ärgerlicher Fehler unterlaufen! Sie schrieben: „…dass nur 56 Pozent der nordirischen Bevölkerung für den Brexit gestimmt haben.“ Nach meiner Kenntnis waren es nur 44%, 56% haben gegen den Brexit gestimmt. Bitte korrigieren! – Friedrich Hönecke


Leserbrief zu „Traue deinen Augen nicht“ von Alard von Kittlitz

Das Merkel-Szenario ist insofern gar nicht so weit hergeholt, als ihr vor einigen Jahren tatsächlich der Sinn einer Rede durch Manipulation um 180° gedreht wurde, Ein noch bekannteres Beispiel sind die Frau Künast unterschobenen Äußerungen zum Mord an einer Studentin in Freiburg. Beides waren zwar nicht Videos, aber das Fake-Problem ist das Gleiche.

Das eigentliche Problem sind aber nicht die Fakes als solche, sondern die Tatsache, dass die Fakes oft genug nahtlos in einen echten Äußerungskanon des Betreffenden passen und deshalb Ernst genommen werden. „Deutschland muss islamisiert werden“ ist mehr oder weniger nur eine – wenn auch extreme – Zuspitzung von Positionen, die Frau Merkel tatsächlich vertritt, eigentlich nur noch als Fake dadurch erkennbar, dass diese Offenheit aus dem Rahmen der Political Correctness herausfällt.

Mit Signaturen lässt sich das Problem nicht lösen, wenn es über Ihren innerbetrieblichen Datenverkehr hinaus geht. Zum Einen sind die privaten Internetnutzer weder in der Lage, Signaturen bewerten zu können, noch bereit, sich der Mühe zu unterziehen, das zu lernen. Sehr viel hilfreicher wäre es, die Political Correctness zum Teufel zu jagen, denn die dient mehr oder weniger nur noch dazu, Andersdenkende in irgendeine Extremistenecke zu stellen statt die Sachdiskussion zu suchen. Wenn man wirklich weiß, was eine Frau Merkel im offenen Schlagabtausch mit Gegnern ihrer jeweiligen Position so von sich gibt, schwindet auch die Gefahr, blind auf Fakes hineinzufallen. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Der Trottel und die Tulpe“ von Stefan Willeke

Ein interessanter Artikel, aber die Schlußsätze enthalten eine geradezu groteske Fehleinschätzung. Praljak hat mit diesem Selbstmord dokumentiert, daß er sich der Autorität des Gerichts eben nicht unterordnet, und zwar dadurch, daß er sich der verhängten Strafe entzogen hat. An der Stelle hat Herr Willeke nicht geschrieben, was ist, sondern was er sich wünscht. Solche Dinge sind mit dem Begriff „Lügenpresse“ gemeint, nämlich, daß die Journaille gerade auf dem Gebiet der Politik gern einmal Wunsch und Wirklichkeit durcheinander bringt. – Fritz Kronberg


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Ich wünsche mir einen Abbruch der öffentlichen Dokumentation von Texten und Fotos zur „Fernbeziehung“ im Zeitmagazin, damit Larissa und Thomas ihre Beziehung ohne Voyeure privat und persönlich klären können. Mein Wunsch gilt unabhängig davon, ob es sich bei der Dokumentation um eine Inszenierung handelt oder um die (traurige) Wirklichkeit. – Jürgen Schneider


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Hoffentlich trennen sich Larissa und Thomas bald endgültig, damit wir ihre unsäglichen „Ergüsse“ nicht länger ertragen müssen. – Wiebke Robl


Leserbrief zu „Rettet Trump die Presse?“ von Holger Stark

Der gute Chefredakteur der New York Times rudert auch an der Sache vorbei. Ich würde gern wissen wollen: was hätten die Kollegen nicht alles über Donald Trump geschrieben, wenn er nur im Ansatz auch zu den Verdächtigen gehört hätte. „Wir sind nicht die Oppositionspartei zu Donald Trump.“ Ein Schelm der so was denkt. Die Medien haben zwar über den lockeren Umgang mit Frauen Trump in die Nähe rücken wollen, aber mehr war nicht drin. Es wird geheuchelt was das Zeug hält. Baquet ist ein typischer Vertreter davon. Klar ist, wie das auch in Deutschland verläuft, wenn die Politik nicht die Interessen der Medien teilt wird hemmungslos niedergemacht. Bei uns ist es die AfD und Herr Söder aus Bayern. In Amerika ist es Trump. Einen Söder brauchten wir auch in Berlin. Wenn er sagt: Unsere Aufgabe ist es die Politik kritisch zu begleiten, dann setzt er die Heuchelei fort. Genau das, tun sie nicht! Wahr ist vielmehr: Die Medien spielen sich als vierte Macht auf.

So wie das viele Frauen auch tun. Glauben Sie im Ernst, daß die Mädchen oder Frauen der Fußballspieler, diese auch wirklich lieben.? Die setzen ihre Macht der Schönheit dafür ein, daß sie ein finanziell unabhängiges Leben führen können. Was ja durchaus verständlich ist. Zu meiner aktiven Fussballzeit sind die Mädchen vor uns geflohen. Unsere Eltern haben die Fußballer als Proleten bezeichnet, was ja so verkehrt auch nicht war. Die kamen alle aus einem einfachen Arbeitermilieu. Manche hatten nicht einmal einen Schulabschluss. Meine berufliche Laufbahn (Abitur) war eine Ausnahme unter den Fußballern. Ich bin etwas vom Thema abgewichen, aber irgendwie gehört das auch dazu. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Kann Söder auch anders?“ von Matthias Geis

Herr Geis meint, Markus Söder habe sich hartnäckig und rücksichtslos an die Spitze gearbeitet. Soweit Söder trotz der Verhinderungsbemühungen durch Horst Seehofer Zustimmung in der Partei erfahren hat, ist dies neben seinen politischen Fähigkeiten auch darauf zurückzuführen, dass er auf die bekannten Äußerungen Seehofers mit Anstand reagiert hat. Für die Bewertung rücksichtslos bleibt Herr Geis – für einen Journalisten einer Qualitätszeitung enttäuschend – eine Information dazu schuldig, auf welche tatsächlichen Vorgänge er Bezug nimmt. Das Gleiche gilt für die negative Charakterisierung als Brachialpolitiker. Söders Eigenschaft, Gegensätze klar darzustellen, als aus der Zeit gefallenen polarisierenden Politikstil zu beschreiben, ist unzutreffend. Sie führt jedenfalls nicht zu der zu beobachtenden Politikerverdrossenheit. Söder muss nicht anders. – Stephan Kammerer


Leserbrief zu „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ von Caterina Lobenstein

Herzlichen Dank für Ihren Artikel. Zwei Aspekte dieses Themas finde ich besonders wichtig. Zum einen erscheint mir die Renditeerwartung der Investoren als ethisch höchst fragwürdig. Man sollte sich das in aller Deutlichkeit vor Augen führen: Geld, das die Erwerbstätigen monatlich von ihrem Lohn abgeben, um sich in solidarischer Weise abzusichern, wird letztlich dazu verwendet, auf völlig unsolidarische Art Privatpersonen zu bereichern. Das Geld wird einerseits zweckentfremdet (Gewinn statt Pflege) und andererseits kommt es nur einigen Wenigen statt der Allgemeinheit zugute, zu deren Wohlergehen es ursprünglich angespart wurde.

Der zweite Aspekt ist die Frage nach der gesellschaftlichen Wertschätzung von Sozialberufen. Aus der kapitalistischen Logik heraus ist es folgerichtig, Pflegekräften wie Frau Noe vorzuwerfen, sich nicht ausreichend für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Nicht hinterfragt wird hingegen der Umstand, ob sich bestimmte Bereiche der gesellschaftlichen Grundversorgung überhaupt dieser Logik unterwerfen sollten. Erführen Sozialberufe die Wertschätzung, derer sie angesichts des Dienstes, den sie für die Gesellschaft leisten, würdig sind, könnte Frau Noe ihre Berufung als Beruf leben, ohne eine angemessene Bezahlung erst im Arbeitskampf einfordern zu müssen. Es gilt sich als Bürgerin und Bürger an die eigene Nase zu fassen: Wem hohe Lohnnebenkosten ein Gräuel sind, wer die Arbeit der Sozialberufe nicht zu schätzen weiß und wer sein Geld selbst in einen Fonds investiert, der acht Prozent Rendite verspricht, ohne sich darum zu scheren, wo diese erzielt wird, dessen Empörung über die schlechte Bezahlung in Sozialberufen ist wohlfeil. – Monika Platz


Leserbrief zu „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ von Caterina Lobenstein

Ohne Einsatz kein Ergebnis. Wenn ich das Zitat von den Pflegekräften lese: „In einem solchen Beruf darf man doch nicht für die eigenen Interessen kämpfen“ und dann im zitierten Umfrageergebnis „Mehr Gehalt“ als wichtigster Punkt genannt wird, dann ist das Problem offensichtlich. Man will mehr Geld, aber nicht dafür kämpfen. Kämpfen hieße, sich in Betriebsräten und Gewerkschaften engagieren. Ohne das geht es nicht. Es sind weder die privaten Investoren schuld, noch die Tradition, wie der Artikel glauben machen will. Die genannte IG Metall hat nur mit privaten Investoren zu tun, und dort wird viel verdient. Und Krankenschwestern, Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen haben trotz Tradition auch einiges erreicht. – Raimund Helbrich


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Dürfen wir davon ausgehen, dass diese Rubrik „Fernbeziehung“, mit Jahresende 2017 zu Ende geht? Ich persönlich wäre sehr froh darüber. Das Paar, das sich seit Anfang des Jahres über die Ferne oder auch Nähe austauscht darüber‚ „wie jede/r grade drauf ist“ hat mich gelangweilt. Dazu noch häufig eher uninspirierte Fotos – wer z.B. will schon die Teilansicht eines selbst fotografierten Oberschenkels sehen – . Bitte! Nu is jenuch! Ich wünsche dem Paar alles Gute – wie immer es auch auseinanderdriftet oder wieder zusammen kommt, aber ich muss als sonst treue Leserin der ZEIT und des ZEIT-Magazins darüber nicht mehr informiert werden. – Renate Boos


Leserbrief zu „Der neue Grundschul-Schock” von Thomas Kerstan

Vielleicht liegt das nicht so gute Ergebnis bei IGLU auch daran, dass das, was bei IGLU getest wird, nämlich das stille selbstständige Lesen im eigenen Tempo, in unseren Schulen zumeist keinen Übungsschwerpunkt darstellt. Statt dessen werden häufig Laut-Lese-Verfahren zum Training der Leseflüssigkeit eingesetzt. Wann kommt dann das Text-Verstehen, denn „Lesen ist Verstehen“, oder? – Erika Altenburg


Leserbrief zu „Grenzenlos naiv” von Ulrich Ladurner

Nein, es haben nicht „nur 56 % der nordirischen Bevölkerung für den Brexit gestimmt“! – sondern nur 44% wollten ihn. 56% der Menschen in Northern Ireland wollten in der EU bleiben… – Elisabeth Mayer


Leserbrief zu „Der Jäger und der Yogi“ von Bastian Berbner und Amrai Coen

Chapeau! Wegen solcher Stories lese ich nach wie vor Die Zeit. Hammer! Die Protagonisten, T. Alexander und C. Yates, haben mich fasziniert in ihrem Facettenreichtum und ihrer Charakterisierung. So viele Dimensionen! Auch die Orte, die sie beschrieben haben, glänzten durch Vielfalt und wahrem Einfühlungsvermögen. Ich habe in der Tat gespürt, dass Sie sich wirklich Zeit genommen und auf die Geschichte eingelassen haben. Wunderbar. Besonders der Twist zum Ende, wo Herr Yates seinen Gefühlen freien Lauf ließ, hat mich umgehauen. Nicht erwartet. Wie ein guter Film! Letztendlich mochte ich aber beide Männer und würde mit denen ein Bier trinken gehen. We‘re all devils and angels, I suppose. Danke für diese außergewöhnliche Reportage. – Sönke C. Weiss


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Kommt Donnerstags die Zeit, dann schnappe ich mir zuerst das Zeitmagazin. Ich mag es. Aber jetzt muss ich mal Dampf ablassen. Die Kommentare des Paares Thomas und Larissa gehen mir seit einiger Zeit ziemlich auf die Nerven. Die Fotos – na ja, gibt auch Besseres, und es braucht immerhin 2 wertvolle Seiten, für diese unsägliche Beziehung, die Wen interessiert ? Könnte man diese nicht mit Wichtigeren, Interessanteren, Lustigen, was weiß ich, Beiträgen füllen ? Mein Rat an die Beiden: Macht Schluss, trennt Euch, das wird eh nix mehr. Und verschont uns.. Es ist sooo langweilig. Danke und alles Gute für die Zukunft. – Karin Hämmerling


Leserbrief zu „Nichts ist mehr sicher“ von Jochen Bittner und Jörg Lau

Inhaltlich kann ich Ihrem Artikel einiges abgewinnen. Ihren Schlussfolgerungen kann ich allerdings nur begrenzt folgen. Darauf einzugehen würde allerdings den Rahmen sprengen. Deshalb nur ein paar Richtigstellungen bzw. Ergänzungen bei zwei Personalien:

Mike Pompeo – als möglicher Nachfolger von SecState Tillerson
Es ist richtig, dass Pompeo sein „undergraduate“ in West Point gemacht hat (als Bester seines Jahrgangs). In Ihrer Aufzählung fehlt allerdings, dass er nach Ablauf seiner verpflichtenden Mindestdienstzeit (5 Jahre) 1991 aus dem Militär ausgeschieden ist. Als Zivilist hat er seinen an der Harvard Law School Rechtswissenschaften studiert und auch dort promoviert. Anschliessend hat er u.a. als Anwalt gearbeitet.

Tom Cotton – als möglicher Nachfolger von Pompeo
Cotton hat in der US Army gedient, nicht bei den US Marines. Die Aussage „Ex-Marineinfanterist“ ist also schlichtweg falsch. Cotton hat in der Army die Ochsentour gemacht und als „Private“ angefangen. Studiert hat er ebenfalls an der Harvard Law School. Beide Männer waren/sind (Cotton ist Oberstleutnant der Reserve) weit von Generalsrängen entfernt. Gehe ich recht in der Annahme, dass die kleinen Schwindeleien eher dazu gedacht waren, dem Leser die „Militarisierung“ der Trump Administration etwas näher zu bringen? Oh mei, das ging daneben. – Werner Schüßler


Leserbrief zu „Die großen Fragen der Liebe“ von Wolfgang Schmidbauer im ZEIT Magazin

Im Magazin schreibt der Paartherapeut Schmidbauer verfehlt. Das Paar ist geteilter Meinung, weil die Frau intensiv abergläubisch ist, der Mann nicht. Schmidbauer schreibt dazu, dass „heute viele Liebesbeziehungen Traditionsgrenzen überschreiten.“ Aber schon seit Jahrhunderten gab es abergläubische und nicht abergläubische Leute, da hat sich keine Tradition geändert. Dann nennt er die Situation „Glaubensunterschied.“ Aber allgemein nennt man Aberglauben nicht Glauben. Schmidbauer spricht von „Eiferern“ und dem „Kampf zwischen Narzissmus und Liebe.“ Das gibt es natürlich, aber die Einschätzung von Aberglaube als Unfug ist nicht Narzissmus. Schmidbauers Toleranz gegenüber Aberglauben geht einfach zu weit. Kern der Sache ist die Frage, ob ein vernünftiger Mensch mit einem/r massiv abergläubischen PartnerIn leben kann. Der richtige Rat wäre gewesen: Geht zu einer Gesprächstherapie, und versucht den Aberglauben zu überwinden. – Dr. Jochen Mallison


Leserbrief zu „»Frauen sind auch getauft«“ von Margot Kässmann

Frau Kaßmann hätte sich den Scherz mit der apokryphen Junia sparen können, zumal eine Junia, nach dem Namen als römische Adelige identifizierbar, in einer jüdischen Apostelgruppe ohnehin nichts zu suchen gehabt hätte. Die antifeministischen Ungereimtheiten in der Bibel beginnen ja schon bei Matth.16 im griechischen Text: Du bist Petros, und auf diesen Felsen (griechisch feminin: petra) will ich meine Kirche bauen. Aha! Eine Apostolin Petra wurde da also von den Herausgebern des Neuen Testaments in einen Mann verwandelt. – Alfons Raith


Leserbrief zu „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ von Caterina Lobenstein

Als ich den Leitartikel las, freute ich mich und dachte, „die Zeit“ greift dieses wichtige Thema auf, sodass die Pflege Aufmerksamkeit erhält und Veränderungen beschleunigt werden, doch ich wurde sehr enttäuscht. Interviewt wurde eine Altenpflegerin, die zufrieden ist mit ihrem Gehalt und ihrem Beruf, trotz der miserablen Arbeitsbedingungen und dem niedrigen Gehalt. Ich bin bei Verdi, ich bin im DBfK, ich stelle Gehaltsforderungen an zukünftige Arbeitgeber, mehr als 3500€ bei 25 Jahren Berufserfahrung war nicht möglich und das auch nur im Intensivbereich. Den habe ich aber letztes Jahr verlassen, da mir der Betreuungsschlüssel von 1:2 (Pflegekraft versorgt 2 Patienten) versprochen wurde, es waren dann aber 4 Patienten die ich betreuen musste. Jeden Tag bin ich mit Panik zur Arbeit dass aus Zeitmangel ein Patient verstirbt oder aber Komplikationen erleidet die er nicht hätte, wenn es einen adäquaten Personalschlüssel gäbe. Diese Missstände sind überall, von würdevoller Pflege in den Pflegeheimen kann man nicht reden, man versucht die Grundbedürfnisse zu stillen, mehr ist nicht möglich. In den Krankenhäusern sind Patienten unterversorgt, Operationen werden gemacht ohne Rücksicht darauf ob genug Personal anschließend da ist, das die Patienten postoperativ überwacht. Diese Missstände kann man auf Dauer nicht aushalten.

Die ganze Zeit ist davon die Rede wo kann man neue Mitarbeiter in der Pflege finden, anstatt die Arbeitsbedingungen zu verändern, damit die Pflegekräfte die noch da sind, nicht abwandern. Ich bin gegangen, und war frustriert wie unser Land so mit Kranken und alten Menschen umgeht. Es ist inzwischen so dass ich Angst auch mal Patient zu sein und dann auf ein unterbesetztes, nicht gut qualifiziertes Personal zu stoßen und nicht gut vesorgt zu werden. Auf der Intensivstation auf der ich arbeitete, hatten zwei die Weiterbildung als Intenvipflegekraft, unter anderem ich. Man absolviert neben dem Beruf noch eine 2-jährige Weiterbildung und erhält dafür kaum etwas mehr. Ich habe inzwischen einige Weiterbildungen absolviert, das brachte finanziell bisher nichts, soll sich aber ändern,hieß es, bisher war es mehr ein Privatvergnügen.

Ich arbeite inzwischen in einem Hospiz und ich betreue die gleiche Anzahl von Patienten wie vorher auf der Intensivstation.Das erste mal seit langem, dass ich meiner Arbeit wieder gerecht werde. Das System ist krank. Alle schauen zu, und je länger dieser Zustand währt umso mehr Menschen, Patienten oder Pfleger sind die Leidtragenden. Als ich nach Berlin kam, fragte ich meine Hausärztin, ob sie mir eine Arbeitsstelle empfehlen kann, „Nein“ sage sie „alle Schwestern kommen zu mir, um sich krank schreiben zu lassen, weil sie die kontinuierliche Überlastung nicht mehr ertragen können. Damals dachte ich, es wäre übertrieben,leider wurde ich eines Besseren belehrt. Diese Versorgung kann man nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren. Bleiben Sie an dem Thema dran bis sich endlich etwas verändert, es geht hier um uns alle, denn jeder der ins Krankenhaus kommt, möchte gut versorgt werden, zur Zeit bzw schon länger ist das in unseren Krankenhäusern nicht mehr möglich. – Christine Eidenschink


Leserbrief zu „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ von Caterina Lobenstein

Von 2005 bis 2016 habe ich in Deutschland eine große Rehaklinik geleitet. Zwischen 2008 und 2009 entschied sich die AOK in RLP, keine Preisverhandlungen mehr mit den Rehabilitationskliniken zu führen, sondern sie nur noch nach dem Kriterium des billigsten Angebotes zu belegen. Da sich der Träger dieser Repression verweigerte, führte die AOK an dem Standort mit 1000 Rehabetten die Belegung auf 0 zurück. Der Träger wechselte zu einem Finanzinvestor. Die Repression wurde von diesem akzeptiert, die Belegung stieg zu schlechteren finanziellen Konditionen wieder an. Im Verlauf der nächsten 10 Jahren führte dieses Verhalten dazu, dass die gesetzlichen Krankenkassen für die Rehabilitation Ihrer im Durchschnitt 72 Jahre alten polymorbiden Patienten nur noch ca., 50% der Summe zahlten im Vergleich zur DRV, deren Patienten im Durchschnitt 55 Jahre alt waren. In einem Gespräch einer Vereinigung mehrerer Rehakliniken mit dem Abteilungsleiter im Gesundheitsministerium RLP, der für die Verhandlungen der gesetzlichen Krankenkassen mit den Akutkliniken zuständig war, Herrn M., wurde das repressive Verhalten der gesetzlichen Krankenkassen gegenüber den Rehakliniken als gesetzeswidrig bezeichnet, er wollte es an höherer Stelle vortragen.

Keine weiteren Konsequenzen. Dem Erwartungsdruck des Trägers, ein zweistelliges EBIT-DA zu erzielen, widersetzte ich mich mit dem Hinweis auf die Morbidität meines Patientengutes. Dennoch trat eine schleichende Reduktion des Personals ein, sodaß ich meine Position gelegentlich durch eine grosse Medizinrechtskanzlei vertreten ließ. Ohne viel Erfolg. Auch ein Gespräch bei der regionale Ärztekammer, die ich über die Repression der GKV einerseits, die Gewinnerwartung des Trägers andererseits und die damit verbundene Gefährdung der Patienten informierte, verlief im Sande – obwohl ich Delegierter dieser ÄK war. Daher wandte ich mich an meine Landtagsabgeordnete der SPD, die Ministerpräsidentin und bekam einen Gesprächstermin. Auch dort trug ich meine Geschichte vor, Erpressung der Krankenkassen auf der einen Seite, Gewinnerwartung des Trägers auf der anderen Seite, daraus resultierend eine Gefährdung der Patienten, da um deren ärztlichen und pflergerischen Betreungsbedarf seit Jahren nicht mehr verhandelt wird -und eine haftungsrechtliche Gefährdung der Mitarbeiter. Wenn Sie mir helfen könne, wolle Sie sich melden. Sie konnte (?) nicht. (Die Rechtsaufsicht über die GKV liegt beim Gesundheitsministerium, die Ministerpräsidentin soll juristisch gebildet sein).

Daraufhin schrieb ich einen Brief an den Gesundheitsminister, der Staatssekretär antwortete, ich solle mich zusammen mit meinem Träger, also dem Finanzinvestor, an eine Schiedsstelle wenden, die das Land eingerichtet hat. – Dieses Risiko ist bisher kein Rehaträger eingegangen. Es kam der nächste Finanzinvestor, jetzt mit einem EBIT-DA Ziel an allen Standorten von 20%. Weitere Qualitätsreduktion. Meine Kündigung und die der Oberärzte und aller Weiterbildungsassistenten. Es mag ein Zufall sein, dass auch der Chefarzt eines großen regionalen Krankenhauses und die Chefärzte zweier zuweisender grosser Herzzentren im gleichen Zeitraum vorzeitig ihre Ämter niederlegten. Ich informierte die Ethikkommission der Landesärztekammer ausführlich – sie sei nicht zuständig. Schliesslich kam mir vor meiner Kündigung noch ein Vertrag in die Hände, der sich AR (Anschlussrehabilitation)Plus nennt. In diesem Vertrag mit dem Träger regeln die GKV, dass Patienten, die von den Ärzten zur geriatrischen Reha angemeldet werden (dort höherer Personalschlüssel, höhere Kosten für die GKV), nach Beurteilung von Sachbearbeitern der GKV in orthopädische oder kardiologische Rehakliniken verlegt werden (weniger Personal, billiger) – also Ersetzung des ärztlichen Entscheides durch den des Sachbearbeiters.

Ich wollte wissen, ob irgendeine staatliche Instanz sich für die Einhaltung der medizinischen Qualität in der Versorgung des einzelnen Patienten verantwortlich fühlt, und habe diesen Vertrag der Staatsanwaltschaft geschickt, nachdem mir die Rehaabteilung des MDK zuvor versichert hatte, dass sie mit diesem Vertrag nichts zu tun habe, da er offensichtlich rechtswidrig sei und die Patienten gefährde. Kein Ermittlungsbedarf war die kurze Antwort der Staatsanwaltschaft. Fazit: die ärztlichen Organisationen, der Gesundheitsminister, die Ministerpräsidentin, die Staatsanwaltschaft (auf Anweisung ?) unterlassen Aufsichtspflichten. Es ist von höchster Stelle nicht gewünscht, Misstände anzugehen, die schwer regelbar sind. Die Rechtssicherheit ist nicht gegeben. Die Politik schmückt sich lieber mit Erfolgen. Man überlässt die Betroffenen ihrem Schicksal – hier die Patienten und die Mitarbeiter der Gesundheitsberufe – und wundert sich, wenn man nicht mehr gewählt wird.

Wählen wir doch den, der sich um Kindergärten kümmert, die Schulen renoviert, eine stabile Schulpolitik macht und nicht mit unsern Kindern experimentiert, der eine Gesundheitsfürsorge sicher stellt, in der wir uns sorgfältig behandelt fühlen, der sich für Renten stark macht, die einen angemessenen Lebensabend ermöglichen, der für die Verarmten in unser Bevölkerung etwas übrig hat. Und wer ist das? – Dr. Clemens Drobig


Leserbrief zu „»ICH WAR IMMER JENSEITS VON GUT UND BÖSE«” von Christoph Amend und Christiane Arp

Einen ganz herzlichen Glückwunsch an die Chefredaktion zu dieser – wohl ersten – und sehr vielversprechenden Kooperation!!! Sehr gerne würde ich das Interview mit Karl Lagerfeld lesen! Aber, wie soll ich mich jetzt entscheiden, welchem Ihrer beiden Magazine ich den Vorzug geben soll? Ich bin ehrlich, ich liebe beide! Und genau das ist mein Problem mit einem möglichen Online-Abonnement: abonniere ich nur ein Magazin, muss ich daraus alles lesen und kann dann viele andere interessante Beiträge von anderen Zeitungen und Zeitschriften und Magazinen nicht mehr lesen. Ich wünsche mir, dass sich die Verlage endlich zu einer Online-Kooperation zusammen schließen und dass ich dort alle die Beiträge lesen kann, die mich interessieren! Ich wünsche mir, dass die Zeitungen und Zeitschriften, die so großartigen Journalismus machen, wie Zeit und Vogue überleben!!! Ich wünsche mir, dass die Journalisten weiterhin und wieder von ihrem Beruf leben können!!! Ich wünsche mir, dass so zukunftsweisende Projekte, wie Teen Vogue weitergehen und es mehr davon gibt!!! – Katharina Mensah


Leserbrief zu „»Er hat den größeren Machtwillen«” von Marc Brost

Der wesentliche Grund für den Vertrauensverlust aller Volksparteien war der Kontollverlust im Herbst 2015, sagt Edmund Stoiber. Die Kontrolle wurde nicht verloren, sondern bewusst aufgegeben. Das war so irr, dass die ganze Welt uns für verrückt hielt. Das Vertrauen in die Volksparteien wird nie mehr wie früher sein. – Klaus Scheffler


Leserbrief zu „Grenzenlos naiv” von Ulrich Ladurner

Ihnen ist im Artikel zum Brexit ein fataler Fehler unterlaufen. Bei der Abstimmung waren nicht 56 Prozent der Nordiren für den Brexit, sondern dagegen! – Annie & Hans Reinhardt


Leserbrief zu „Pin eingeben und bestätigen“ von Ulrike Gastmann

Haben Sie vielen Dank für Ihre Ausführungen. Sehr gut geschrieben, leichter Humor und ernsthaftes Interesse an Leipzig. Ich hoffe, dass Ihnen die Chefredaktion weiterhin die Möglichkeit gibt, gute Artikel zu formulieren. Platz hätte „Die Zeit“ genug. Sie bräuchte nur die unsägliche Seite „Fussball“ aufzugeben. – Hartmut van Meegen


Leserbrief zu „Mehr Lehrer! Egal, woher?“ von Martina Kix

Aus Deutschland kann nichts mehr werden. Die Politik und die Gesellschaft will oder kann das nicht begreifen. Das Problem sind doch nicht nur zu wenig Lehrer. Für mich ist das nur ein Randproblem. Entscheidend ist die Gestaltung des Unterrichts. Das hat zu der heutigen Verblödung geführt. Die Schüler müssen wieder lernen und nochmals lernen. Und das geht nur, wenn die Pädagoginnen (Pädagogen?) wieder als Autorität anerkannt werden. Das ist seit über 40 Jahren verloren gegangen. Das alles wird bis heute nicht umgesetzt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Mehr Lehrer! Egal, woher?“ von Martina Kix

Eine Frage in diesem Beitrag fiel mir ins Auge: „Können strenge katholische Polen deutsche Kinder liberal, liebevoll und dennoch mit Bestimmtheit erziehen?“ Offensichtlich hält man allgemein die zwei vergangenen Jahre der rechts-konserva- tiuven Regierung für maßgebend und entscheidend. Auch, wenn die regierende Koalition (PiS + zwei andere) von der katholischen Kirche nicht nur unterstützt sondern tatsächlich gelenkt wird, spiegelt dies keinesfalls die gesamte Gesellschaft wieder. Unter dieser – etwas leichtsinnigen – Meinung leiden die liberalen Errungenschaf- ten der früheren Regierungen nach dem Umbruch, aber auch stark geprägte Frei- heitsbedürfnisse dieser Nation in ihrer gesamten Geschichte und Tradition, die vom Geist der Freiheit, Offenheit und der Wissenschaft gekennzeichnet war.

Unbekannt bleibt die Tatsache, dass ausgerechnet in Polen die erste in Europa der Neuzeit DEMOKRATISCHE VERFASSUNG – mit u.a. Gewaltenteilung und religiöser Toleranz im Jahr 1791 entstand. Drei Teilungen Polens durch die Nachbarmächte, mit starker Germanisierung und Russifizierung sowie beide Weltkriege des 20. Jahrhunderts, haben die polnische, auch darunter leidende, Kirche zu einer „Zufluchtstation“ gemacht und ihr auf diese Weise große Einflussnahme verliehen. Die „Führung der leidenden Seelen“ übernimmt sie auch heute sehr gerne und daher ist sie an liberale Entwicklungen nicht interessiert. Ganz im Gegenteil! Doch die Proteste der Bevölkerung, selbst in den eigenen Reihen der Kirche, bleiben stark. Sie benötigen aber kräftiger Unterstützung der liberalen Gesellschaften. – Halina Maria Kochan


Leserbrief zu „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ von Caterina Lobenstein

Da ich diesen Arbeitsbereich aus eigenem Erleben als Zivildienstleistender und nun seit Jahren als Hausarzt kenne, hat mich Ihr Artikel zur Titelgeschichte sehr interessiert. Nach der Lektüre war ich äußerst verärgert. Keines der Grundprobleme wie demographischer Wandel, technischer Fortschritt und dadurch bedingte längere Lebenszeiten der Menschen wird besprochen. Die durch staatliche Eingriffe bedingte Bürokratisierung und durch entsprechende gesetzliche Auflagen bedingte deutlich teurer gewordene Pflege wird gar nicht erwähnt. Pflegeversicherung Segen oder Fluch möchte ich da fragen. Ich lese ein wenig Kapitalismuskritik und „ideotologische“ gender Erklärungen. Die arme Frau der mächtige Mann etc.. Die bösen Heuschrecken aus dem Ausland etc.. Dieser Artikel ist meiner Ansicht nach einer „Zeit“ nicht würdig. Schlecht recherchiert, das Grundproblem nicht im Ansatz erfassend, ideologisch massiv eingefärbt (da spricht die alte SPD und der pseudointellektuelle Mainstream unserer Zeit). Dumm, setzen Sechs !!!! – Wolfram Wieser


Leserbrief zu „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ von Caterina Lobenstein

Für Ihren Bericht über die Bezahlung der Pflegekräfte und die Situation der Alters- und Pflegeheime danke ich Ihnen und Frau Catarina Lobenstein sehr. Zustand der Heime, Überlastung und Bezahlung der Mitarbeiter sowie Entwicklung der Eigentumsverhältnisse müssen uns berühren, da wir alle älter werden und unseren letzten Lebensabschnitt in diesen Heimen verbringen können. Unsere Gesellschaft ist derzeit auf die allgemeine Entwicklung und die Situation im Pflegebereich in keiner Weise vorbereitet. Die Privatisierung ist die schlechteste aller Lösungsmöglichkeiten, weil sie ausschließlich dem Profit der Anteilseigner dient und keine Rücksicht auf die Belange der betroffenen Menschen nimmt.

Ihr Artikel weist allerdings noch auf die offene Frage der Ursachen hin, warum bestehende Heime an an Investoren verkauft werden. Ist es nicht grundsätzlich Aufgabe der Kommunen, von Kirchen und charitativen Organisatoren, Altersheime für die älteren Menschen bereit zu stellen? Oder gehören diese Einrichtungen nicht wie Kindergärten, Schulen, kommunale Einrichtungen in staatliche oder quasi halbstaatliche Hände, also zur kommunalen Infrastruktur? Und: zahlt nicht die Kommune (das Sozialamt) am Ende weitgehend die Kostensteigerungen in den Heimen, nachdem die Kapitalseigner ihren Profit erzielt haben?

Schweden scheint in der Privatisierung der kommunalen Strukturen wie Schulen, Universitäten, Alters- und Pflegeheime sehr weit voranzugehen, sehr zum Leidwesen der betroffenen Menschen. Unsere Tochter hat Jahrzehnte lang in Alters- und Pflegeheimen gearbeitet. Die Betreiber privater Heime, soweit sie größeren Kapitalgesellschaften gehören, müssen zu allererst die Anteilseigner zufrieden stellen und eine deutliche Rendite erbringen. Hierzu gehören, wie von Ihnen teilweise geschildert, u.a. der Einsatz weniger qualifizierten Personals anstelle von voll ausgebildeten Mitarbeitern, das Drehen an der Lohnschraube, das Übertragen zusätzlicher Aufgaben bei gleichbleibender Arbeitszeit, das Catering anstelle eigener Küche, der Einsatz von nicht der Landessprache mächtigen Hilfskräften. Gerade Verständigungsschwierigkeiten zwischen Heimbewohnern und Pflegepersonal können schnell lebensgefährlich werden. Wenn wir als Gesellschaft humanitäre Aufgaben privatisieren, schaden wir den schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft, die sich kaum wehren können. Vor dieser Entwicklung ist zu warnen. Der Finanzbereich darf nicht unser Leben in allen Lebensphasen bestimmen. – Christian Kieß


Leserbrief zu „Der neue Grundschul-Schock” von Thomas Kerstan

Ihr Autor ist ein Witzbold. Das, was er feststellt wurde schon vor über 30 Jahren festgestellt. Für die Politik ist das kein Thema. Das Problem sind die Pädagogen, die verfolgen eine Politik die nichts taugt. Die Schüler sollen ja verblöden – das ist Absicht. Die Eltern haben die gleiche Ideologie vermittelt bekommen. Die Verblödung wird sich in noch viel stärkerem Maße fortsetzen. Die Handygesellschaft kann heute schon ihre Sprache nicht mehr vernünftig sprechen, geschweige schreiben. Hinzu kommt: Wir haben Rotzlöffel erzogen, wie die „Zeit“ vor einiger Zeit geschrieben hat. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ von Caterina Lobenstein

Ihr aktuelles Titelbild „auf diese Frau ist Deutschland angewiesen“ hat mich dazu gebracht, ihnen zu schreiben. Sie schreiben darüber, dass Pflegekräfte gebraucht werden, der Beruf aber unattraktiv ist weil er schlecht bezahlt wird. Sie suggerieren aber auch, dass die Antwort ist, besser zu zahlen und das dann schon alles gut wird. Hier kann Ich aber nur widersprechen. Es würde nichts ändern. Sie übersehen, dass die Pflege technisch erneuert, ja revolutioniert werden muss, damit körperlich schwere Arbeit schnell automatisiert und robotisiert werden kann (in Japan, aber auch den USA und anderen Ländern werden bereits Roboter hergestellt, die Patienten wenden, tragen, aufrichten, mit ihnen Gespräche führen könne und die meisten Pfleger brauchen körperlich gesehen auch wiederum einen Pfleger, weil Sie schon in vergleichsweise jungen Jahren körperlich stark geschädigt sind). Dann wiederum kann die Pflege stärker professionalisiert werden und die Pflegerinnen und Pfleger können sich alle akademisch weiter bilden – Pflege kann ja jetzt schon studiert werden, dass würde dann die Regel werden, anstatt der Ausbildung.

SO kann das Problem gelöst werden und so kann es grundsätzlich in allen Bereichen laufen, die aktuell sehr oder gar zu niedrig zahlen aber viele neue Kräfte brauchen – das Geschäftsmodell bzw. die technische Funktionsweise der Abläufe muss erneuert werden und dann können weniger, aber besser ausgebildete Kräfte eingestellt werden bzw. die bereits aktiven Kräfte können sich weiter bilden und erhalten danach auch höhere Gehälter und ihre Arbeit ist insgesamt weniger prekär. Leider wird das Problem aus dieser Warte nicht gesehen, sondern es wird halt einfach beklagt, dass zu wenige Kräfte da sind um schlecht bezahlte Arbeit zu machen, welche wiederum schlecht bezahlt ist, weil man diese nicht modernisiert. Dann wiederum würden weniger Kräfte gebraucht und die aktuell dort arbeitenden Kräfte würden sich weiter bilden können. Ich denke, dies sollte man mit einbeziehen und es wäre sicher ein sinnvoller Beitrag zur aktuellen Debatte um nicht nur die Pflegeberufe sondern insgesamt schlecht bezahlte abhängige Berufe, wenn ihre Redakteure sich einmal diese Probleme aus der oben geschilderten Warte ansehen würden. – Till-Ulrich Hepp


Leserbrief zu „Grenzenlos naiv” von Ulrich Ladurner

In der aktuellen Ausgabe der Zeit zum Thema Brexit ist Ihnen bei folgender Information ein wichtiger Fehler unterlaufen. “Gleichzeitig ist sich Foster bewusst, dass nur 56 Prozent der nordirischen Bevölkerung für den Brexit gestimmt haben.” In Nord-Irland haben 56% der Wähler gegen, nicht für den Austritt des Vereinigten Königreiches gestimmt. Besonders interessant ist in dem Zusammenhang, dass die Befürworter des Brexit, die vorrangig in der DUP zu finden sind, fast ausnahmslos im Norden Nord-Irlands ansässig sind. Die Regionen entlang der Grenze zur Republik, die von den Verhandlungsergebnissen mit der EU ganz besonders betroffen sind, zählten zur Mehrheit, die die weitere Mitgliedschaft in der EU gewünscht hatten.

Diese Information ist auch insofern interessant, das Vereinigten Königreichs in der Brexit Entscheidung insgesamt gespalteten ist. Die Hälfte des U.K., nämlich Schottland und Nord-Irland, stimmte für den Verbleib, während England (mit Ausnahme vieler Großstädte inklusive London) und Wales für den Austritt stimmten. Für eine Richtigstellung dieser Tatsache wäre ich Ihnen dankbar. – Marie-Louise Read


Leserbrief zu „Hoffen auf links“ von Peter Dausend

Hat Peter Dausend in seinem Leitartikel das Ei des Kolumbus für die chronisch schwächelnde SPD gefunden? Gewiss nicht für alle Probleme, aber genauso gewiss für den Kardinalfehler: Die Genossen haben sich in ihrer Verzagtheit viel zu sehr und viel zu lange in der politische Mitte verkrochen.

Dort aber haben sich inzwischen Mittelmäßigkeit und Beliebigkeit derart breitgemacht, dass die Mittel zur Aufarbeitung und Erneuerung der eigenen sozialdemokratischen Identität nicht greifen (können). Links der Mitte ist hingegen noch beträchtlich Platz, nicht zuletzt dank der nach wie vor recht kompromisslosen Haltung der Linken in etlichen zentralen Fragen. Fragen, der sich die SPD als ehemalige Volkspartei zwecks Reanimation von Größe und Gestalt freilich so oder so stellen muss, selbst wenn sie demnächst wieder mehr über „links kommen“ sollte. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Grenzenlos naiv” von Ulrich Ladurner

Ich bin sicher nicht der erste und einzige, der Folgendes anmerkt. Mit dem Satz „Gleichzeitig ist sich Foster bewusst, dass nur 56 Prozent der nordirischen Bevölkerung für den Brexit gestimmt haben.“ stimmt etwas nicht. Man weiß nicht, wessen sich Frau Foster bewusst ist. Aber: Erstens haben laut http://www.bbc.com/news/uk-northern-ireland-36614443 (dem ich kurzerhand einmal glaube) 55.8 Prozent der Referendumsteilnehmer für REMAIN gestimmt und 44.2 Prozent für den Brexit (LEAVE). Zweitens gibt es noch einen Unterschied zwischen Bevölkerung, Wahlberechtigten und Referendumsteilnehmern. Es gab 789879 gültige Stimmen bei 1260988 Wahlberechtigten. Das ergibt, dass 27,7 Prozent der Wahlberechtigten für den Brexit gestimmt haben. Die Bevölkerung ist natürlich noch größer als diese 1,26 Millionen. Bemerkenswert neben den Prozentzahlen fand ich noch die doch relativ kleinen absoluten Zahlen. Das Vereinigte Königreich hat gut 65 Mio. Einwohner, Nordirland knapp 1,9 Millionen, etwas mehr als Hamburg … – Martin Dietzfelbinger


Leserbrief zu „Nichts ist mehr sicher“ von Jochen Bittner und Jörg Lau

Eine hervorragende Darstellung der Verbindungen der einzelnen Krisen und Gefahren miteinander in unserer heutigen Welt und damit ein Kompliment an die Verfasser! Nach meiner Ansicht fehlt in dieser „Gemengelage“ nur noch ein Hinweis auf den ueber 1000 Jahre alten Konflikt Sunniten-Schiiten, der mit der Vertreibung eines fundamentalischen Predigers von einem Stamm auf der Arabischen Halbinsel Anfang des 19. Jahrhunderts und Aufnahme bei den Vorfahren des Kronprinzen Mohammed bin Salman – die Geburt des Wahabismus – blutig wurde mit der Ermordung einiger 1000 schiitischer Pilger in Bagdad. Heute ist der Iran als „schiitische Schutzmacht“ auch in Syrien engagiert, denn die herrschenden Alawiten in Syrien sind ein (noch liberalerer). Ableger des Schiitismus! Auch dieser Konflikt traegt mit bei zu der heutigen Gefahrenstuation im Nahen Osten. Ob Trump das bei der Freundschaft zu Saudiarabien kennt? – Juergen Keller


Leserbrief zu „Kühler Querkopf” von Mariam Lau

DIE ZEIT lese ich unter anderem, weil ich mir da sicher sein kann, dass ich sorgfältig recherchierte Berichte und Kommentare vorfinde. Deswegen eine kleine Korrektur zum Interview mit Ruud Koopmans. Da gab es einen (ver)störenden Fehler: Der Filmemacher Theo van Gogh wurde tatsächlich von einem Islamisten ermordet, aber der Politiker Pim Fortuijn wurde von einem radikalen Umwelt-Aktivisten (Volkert van der Graaf), der nichts mit dem Islam zu tun hatte, erschossen. – Henk Harbers


Leserbrief zu „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ von Caterina Lobenstein

Ausgezeichnete Reportage! Sie haben endlich das komplexe Problem auf den Punkt gebracht, indem Sie über den unsichtbaren Gegner schreiben. Nicht nur im Altenheim arbeiten fast ausschließlich Frauen, sondern im gesamten sozialen Bereich. In dieser Branche sind die männlichen Mitarbeiter schon seit langem händeringend gesucht, aber wo sind sie, die Männer, die theoretisch ca. die Hälfte unserer Bevölkerung ausmachen? Üblicherweise lebt man in einer Welt, wo es Männer und Frauen gibt. Aber wenn man einmal alt und krank wird, oder behindert ist, wird man urplötzlich einer vormodernen Frauenwelt zugeordnet. Das ist sehr befremdlich, beinahe unheimlich.

Der Pflegenotstand ist wirklich alarmierend, er ist eine tickende Zeitbombe. Falls sich die aktuellen Rahmenbedingungen nicht großartig verändern, erwartet uns eine düstere Zukunft: Die Reichen werden im Altenheim von den deutschen und osteuropäischen Frauen umsorgt, und die anderen harren zu Hause im verdreckten Bett einer gestressten Pflegerin, die für jeden Patient bloß fünf Minuten Zeit hat, oder kommt möglicherweise niemand mehr vorbei. Man stirbt einfach allein, jeder für sich. Eine pragmatische Lösung wäre Rekrutierung der Pflegekräfte aus den anderen Ländern, die mit kontrollierter Migration gekoppelt wird. Dann würde es aber vielleicht geschehen, dass die ost- und südeuropäischen, oder sogar die afrikanischen Frauen die meiste Sorgearbeit tragen und sie bleiben höchstwahrscheinlich im Niedrichlohnsektor. Ob das richtig und gerecht ist?

Ich denke, jeder, der in einer alternden Gesellschaft lebt, sollte einmal gründlich darüber nachdenken, wo, wie, und bei wem sterben möchte. Und man darf auch nicht vergessen, was für eine Belastung die Pflege ist. In Japan (wo ich herkomme) häufen sich seit Jahren die tragischen Fälle, der Fall heißt Kaigo-Jisatsu, also Pflege-Selbstmord (251 Tote im Jahr 2016). Der Selbstmörder, der oft überforderter alter Mann ist, verlässt diese Welt nicht immer allein. Unter Umständen nimmt er seine pflegebedürftige Gattin mit. Erstechen. Erwürgen. Der letzte Ausdruck der Verzweiflung.

Aber Hoffnung muss es trotz allem geben, deshalb notiere ich hier einen Bericht, den ich in einer japanischen Zeitung gelesen habe. Auf einer kleinen Insel in Japan ist der Begriff Haikai (zielloses Herumlaufen der Demenzkranken) praktisch bedeutungslos. Wenn eine hochbetagte Frau ihr Haus verlässt und sich verirrt, wird sie von einem anderen gleich bemerkt. Dieser jemand denkt, ach, die Oma um die Ecke geht spazieren, dann komme ich gerne mit. Dann drehen sie gemeinsam eine Runde und wird die Ältere nach Hause gebracht. Sie würden vielleicht denken, na ja, das ist aber ein nostalgisches Bild, völlig obsolet, aber könnte das trotzdem ein Zukunftsbild sein? Die Realität bietet uns noch einige Möglichkeiten zwischen Dystopie und Utopie. Im Grunde genommen hatte Helmut Schmidt recht, wer Visionen hat, sollte man ja tatsächlich zum Arzt gehen. Aber allein in diesem Bereich wird eine Zukunftsvision dringend gesucht. Wir haben nicht mehr soviel Zeit. – Ai Kretschmer-Nakashima


Leserbrief zu „Das gestörte Programm“ von Götz Hamann

In dem Bericht wird treffend davon gesprochen, dass „junge Leute die ARD/ZDF (….) für einen audiovisoellen Seniorenteller halten.“ Und genau so ist es. Möchte ich mich abends unterhalten lassen, schalte ich eher Netflix ein, als das ich mir im Ersten die 150 Sendung vom Bergdoktor angucke. Überhaupt stellt sich für mich schon die Frage, wieso Sendungen wie der „Bergdoktor“, die „Lindenstraße“ oder „Sturm der Liebe“ von der Allgemeinheit für ein überwiegend älteres Publikum bezahlt werden, während die eher jüngere Generation für visuelle Unterhaltung bei Netflix & Co teures Geld bezahlten muss. Und ist nicht auch die immer größer werdende Programmpalette der ÖRR eine eher unnötige Verschwendung von Ressourcen? Braucht es wirklich 4 Regionalsender in Deutschland, die den Beitragszahler immer mehr Geld kosten? Die politische Grundversorgung der Bevölkerung durch die ÖRR sollte in jedem Fall beibehalten werden, die immer größere werdende Versorgung mit Unterhaltung- und Regionalsendungen braucht es (in diesem Umfang) definitiv nicht. – Alexander Beger


Leserbrief zu „Der Trottel und die Tulpe“ von Stefan Willeke

Am Artikel über den kroatischen General Slobodan Praljak, der nach der Verurteilung als Kriegsverbrecher durch Suizid im Gerichtssaal in Den Haag Berühmtheit erlangte, hat mich verdrossen, wie das „Problemknäuel Bosnien-Herzegowina“ präsentiert wird: „Wenn Kroatien ein eigenständiger Staat ist, was haben dann all die Kroaten in Bosnien verloren?“, desgleichen „die Serben“? – Muss ich mich wirklich fragen, wann ich auch in der ZEIT lesen muss: „Wenn Israel ein eigenständiger Staat ist, was haben dann all die Juden in Deutschland verloren?“ Bis Hitlers Helfer den Kontinent verheerten, waren multiethnische und -konfessionelle Gesellschaften und Staaten in Europa selbstverständliche Realität. In Jugoslawien galt dies bis zum Ende des Kalten Krieges. Wenn das nun – zumal nach all den engagierten ZEIT-Artikeln über den verheerenden Eindeutigkeitswahn ethnisch-religiöser Konflikte – „so kompliziert“ erscheinen soll, dass es „im Westen“ kaum zu verstehen sei, frage ich mich, ob – und warum bloß?! – Herr Willeke nach seiner Berufung in die Chefredaktion der ZEIT all die guten Artikel einschließlich seiner eigenen vergessen machen will? Das Komplizierte ist das Normale, und wenn „ein unbeteiligter Mensch im Westen“ das nicht versteht, wer soll es sonst verstehen (und dafür einstehen, wenn der nächste Staat kollabiert)?

Auch das Resümee des Artikels, die Flucht des Verurteilten in den Tod habe „die Macht dieses internationalen Gerichtshofes auf so spektakuläre Weise dokumentiert“, irritiert mich. Der Internationale Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien, der Ende 2017 geschlossen wird, wurde 1993 errichtet, um „zur Wiederher­stellung und Wahrung des Friedens“ beizutragen und weitere „Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht“ zu verhindern (UN-Resolution 827). Er wurde nicht gegründet, um Verurteilten eine Plattform zu bieten, mittels Schuldverleugnung und Suizids vor laufender Kamera den Hass nach Jahrzehnten neu zu schüren und ideologischen Kriegsgewinnlern – „das [kroatische] Parlament legt eine Schweigeminute ein“ – das Feld zu überlassen. Sehr geehrter Herr Willeke, liebe ZEIT, dass der Preis des Friedens Versöhnung ist und nicht Vergeltung, sollten gerade wir in Deutschland nicht vergessen. Genugtuung über den Freitod des Verurteilten sollte Sache der durch Krieg und Vertreibung Versehrten bleiben, deren Leiden sie lindern mag oder auch nicht – schließlich entzog er sich der Haftstrafe und leugnete damit wie seine noch immer einflussreichen Anhänger bis zuletzt die Autorität des Gerichts und Schuldspruchs. – Thorsten Maentel


Leserbrief zu „Der Krieg gegen die Wahrheit“ von Maximilian Probst und Daniel Pelletier

Wer steht bei den Autoren im Hintergrund um so selbstbewusst um jeden Zweifel erhaben, das Klima auf das Konto der Menschen geht. Was meinen Sie, wie oft sich schon die Wissenschaft mit ihren Untersuchungen und Voraussagen getäuscht hat. Ich möchte aber eher auf die Zustände in unserem Land eingehen, die ein vernünftiges Miteinander nicht mehr möglich machen. All die Versuche der Medien das dem Leser näher zubringen gehen völlig an den Tatsachen vorbei. Die Wahrnehmung der Medien hat eine besondere Qualität des Verschweigens. Sie hingegen bieten dem Leser einen differenzierten Journalismus. Und deswegen ist die „Zeit“ lesenswert. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ von Caterina Lobenstein

Es wäre leicht, Vieles zum Guten zu wenden, denn Schweden macht es bereits vor Reduzierung der Arbeitszeit auf sechs Stunden bei vollem Lohnausgleich für alle, die in der Kranken- und Altenpflege tätig sind, hat in Schweden einen Schub von Glück und Motivation bewirkt. Die Pflegenden haben inzwischen einen so niedrigen Krankenstand, dass die Kosten für diese Maßnahme schon ausgeglichen sind! Dass es den Patienten mit ausgeruhten und motivierten Pflegenden ebenfalls wesentlich besser gehen dürfte, versteht sich von selbst. Statt ein grausames Ungetüm wie die Bürgerversicherung auf den Weg bringen zu wollen, könnten GRÜNE und SPD hier viel Gutes schnell und einfach erreichen: Warum übrigens nicht in einer ROT-SCHWARZ-GRÜNEN Koalition!? Das wäre dann auch keine Neuauflage sondern eine Regierung, die sowohl zukunftsfähig als auch stabil ist! – Annette Weber


Leserbrief zu „Was wollte Jesus?“ von Sarah Schaschek

Was Jesus wollte ,wer kann das wissen? Die Evangelien,geschrieben nach Hören-Sagen und zum Teil widersprüchlich, taugen wohl kaum als Quelle. Aber das hat die Amtskiche ja noch nie gedtört. Was aber Jesus bestimmt nicht wollte,war das Abendmahl mit Damen nach den Vorstelungen des Zeichners Wieslaw Smetek. Da sieht man 12 Damen,aber wo ist die Dreizehnte , die den Judas gibt? Hat der Zeichner ,als Gentleman, die unterschlagen? Nein ,die Lösung ist ,eine der Damen hat einen Säuging bei sich. Dieser könnte im Garten Gethsemane so laut gebrüllt haben, dass die Wachen herbeieilten und Jesus festnahmen. Das unbotmäßge Brüllen des kleinen Rackers ist auch zu erklären. Das Abendmahl mit Wein und trockenem Brot war nicht in seinem Beuteschmema. – Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „Zurück in die Hölle“ von Martin Klingst

Bei allen mit der Migration verbundenen Belastungen für unserer Land scheint so manchem Entscheidungsträger, gerade in den C-Parteien zu entgehen, dass es hier nicht primär um Zahlen, sondern um Menschen und ihre Schicksale geht. Wenn nun einige Innenminister (und nicht nur sie) der Auffassung sind, dass Syrien zumindest teilweise sicher ist: Ich empfehle ihnen, doch in Kürze mal ihren nächsten Urlaub in Syrien zu verbringen. Ein kulturell und geografisch sehr interessantes Land. Vielleicht den Heiligabendgottesdienst in Aleppo? Ich bin sogar bereit, einen kleinen Beitrag für ihre Reisekosten zu spenden. Danach sollen sie mal von der dortigen Sicherheit erzählen. Auf den Bericht in ich gespannt. Danke an Martin Klingst für seinen Artikel. – Michael Schreck


Leserbrief zu „Das gestörte Programm“ von Götz Hamann

Die Marktanteile von 49,3% für Privatrundfunk bzw. 45% für Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk(ÖR) zeigen ein annähernd ausgeglichenes Kräfteverhältnis. Stellt man die 7,5 Mrd. € jährliches Gebührenaufkommen (ÖR) und die ca. 11 Mrd. € Werbeerlöse (überwiegend Privatrundfunk) ins Verhältnis zu den angebotenen Inhalten, so scheinen mir die ÖR aber effizienter zu Arbeiten. Inflationsbereinigt zahlen wir tatsächlich nicht mehr Rundfunkbeitrag, als zu Beginn des Fernsehens in den Fünfzigern – bei einem ungleich größeren Angebot! Der Kostentreiberei kann man die ÖR also wahrlich nicht bezichtigen. Die Jagd nach Quote ist leider der vierjährlichen Rechtfertigung bei der KEF (bzw. den Länderparlamenten) geschuldet – ohne nennenswerte Publikumsreichweiten dürfte die Höhe der Gebühr gefährdet sein! Im Übrigen: beim Privatrundfunk von „Free-TV“ zu sprechen ist purer Etikettenschwindel: Die Werbeerlöse, aus denen sich die Privaten hauptsächlich finanzieren, sind auch eine „Zwangsgebühr“, welche allerdings völlig intransparent an der Ladenkasse erhoben wird. Will man das Programm in HD-Qualität sehen, ist eine Zusatz-Gebühr fällig. Zum Dank dafür wird ein – bei SD noch mögliches – Überspringen der Unterbrecherwerbung verhindert. – Ernst Sommer


Leserbrief zu „Genie entschuldigt nichts“ von Christine Lemke-Matwey

So wie das Verhalten des Dirigenten James Levine nichts entschuldigt, entschuldigt auch ein Faux Pas der Autorin durch nichts entschuldigt werden , wenn sie die Wendung „an den Rollstuhl gefesselt“ gebraucht. Bisher hatte ich gedacht, dass nur die Boulevardmedien unbelehrbar sind, aber dass so etwas auch in Ihrem Qualitätsmedium vorkommt, hat mich doch sehr verblüfft. Hoffentlich war das „nur“ eine Gedankenlosigkeit! Hier zur Aufklärung:

an den Rollstuhl gefesselt – ist niemand; der Rollstuhl ermöglicht vielmehr Mobilität; daher: jemand sitzt, benutzt den Rollstuhl; ist damit unterwegs oder darauf angewiesen. Zu dieser Redewendung gibt es bereits die Antwort, wie sie auf der Webseite www.leidmedien.de gegeben wird: Sollten sie jemanden sehen, der an der Rollstuhl gefesselt ist, binden Sie ihn los. Dieses Zitat ist auf der Website www.barrierefreiemedien.at zu finden. Ich kann ihre Lektüre jedem Journalisten und jeder Journalistin sehr empfehlen. Diese Seite ist inklusives Produkt einer mehrjährigen Arbeit von in Medien tätigen Menschen mit und ohne Behinderungen. – Johann Döller


Leserbrief zu „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ von Caterina Lobenstein

Der Pflegenotstand, wie er geschildert wurde, ist nicht einfach zu lösen. Er ist sogar noch komplizierter! Natürlich hätte man damals, als die Pflegeversicherung kreiert wurde keine privaten Pflegeeinrichtungen zulassen dürfen, aber jetzt ist es so. Aber sehr viele ausgebildete Altenpfleger und Altenpflegerin geben nach 3-5 Jahren ihren Beruf auf, denn sie verdienen z.B.in der Autobranche mehr Geld. Und natürlich stellen auch einige fest, dass sie mit der Situation mit dementen Menschen oder mit Sterbesituationen nicht zurecht kommen und wo anders ihre Erfüllung im Beruf suchen.

Junge Menschen, die Pflegewissenschaft studieren, sind auch in der Regel für die Pflege am Bett verloren. Vielleicht bringt die neue Ausbildung mit Zusammenlegung von Alten-,Kranken-, und Kinderkrankenhilfe eine Verbesserung für den Pflegeberuf. Zu wünschen wäre es uns allen. Aber es geht nur, wenn alle Pflegenden am Monatsende mehr Geld im Geldbeutel haben! – Ingeborg Soller-Britsch


Leserbrief zu „Grenzenlos naiv” von Ulrich Ladurner

Wenn Ulrich Ladurner schreibt, „dass nur 56 Prozent der nordirischen Bevölkerung für den Brexit gestimmt haben“, ist ihm wohl ein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Er meint „nur 44 Prozent“, denn eine Mehrheit von 55,8 Prozent hat für den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU gestimmt. In der Tat war die Regierung May „grenzenlos naiv“, nicht nur was die Zukunft Nordirlands angeht, sondern auch die des gesamten Vereinigten Königreichs. Wie segensreich die Überwindung nationalistischer Beschränktheit durch die EU war, wird am Beispiel Nordirlands besonders deutlich. Um weiterhin die Freizüzigkeit innerhalb der EU nutzen zu können, beantragen inzwischen sogar mehr und mehr nordirische Protestanten einen Pass der Republik Irland. Die einfachen Menschen sind längst weiter als ihre politischen Vertreter von der DUP. – Jürgen Thiede


Leserbrief zu „Grenzenlos naiv” von Ulrich Ladurner

Danke für diesen Artikel,der mir und vielen Menschen die Augen geöffnet hat dieses wohl häßlichste Gesicht des globalen Kapitalismus zu sehen. – Dr.med.Arno-Christian Schulze