12. Oktober 2017 – Ausgabe 42

Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Sehr gut & sehr wichtig Murat Kurnaz‘ zweisprachiger Brief! Gruß an ihn & ihm Alles Gute! Sein Buch ist eines der wichtigsten Menschenrechts -Dokumente überhaupt! – Paul Zendo


Leserbrief zu „Sind wir nun frei?“ von Ulrich Ladurner und zu „Nationen mit Opferkult“ von Herfried Münkler

Die politische Situation in Spanien droht zu eskalieren und dies ist keine Entwicklung, die die Katalanen verursacht haben, sondern einzig und allein der Zentralregierung in Madrid zuzuschreiben. Der unbeugsame Ministerpräsident Rajoy, der seine harte Linie weiterhin verfolgt und wenig Gesprächsbereitschaft zeigt, hat schon vor Jahren die Katalanen vor den Kopf gestossen, als er ihnen weitere Autonomierechte, so wie sie die Basken haben, verwehrt hat. Ist es da ein  Wunder, wenn man sich in Katalonien nunmehr dazu entschliesst, sich von Spanien unabhängig zu erklären? Der katalanische Regierungschef Puigdemont hat mehr diplomatisches Geschick bewiesen als Herr Rajoy, indem er die Zentralregierung zum Dialog aufgefordert hat. Leider schaltet man in Madrid weiter auf stur! Und auch Europa schaut sehenden Auges zu, wie Spanien in den Abgrund driftet und diffamiert die Katalanen als Nationalisten. Auch die Berichterstattung in den Medien hierzulande lässt mit wenigen Ausnahmen sehr zu wünschen übrig, denn viele Journalisten ergreifen einseitig Partei für die Zentralregierung, ohne die Probleme, die dazu erst geführt haben, richtig und konsequent zu reflektieren! Ich jedenfalls habe grosse Sympathien für das katalanische Projekt und hoffe, dass die spanische Verfassung endlich geändert wird und dann auch den anderen 16 spanischen Regionen mehr Autonomierechte gewährt werden! – Thomas Henschke


Leserbrief zu „Nicht durchdrehen“ von Matthias Geis

Ganz gleich, auf welche Regierung man sich einigt, aber der gesellschaftliche Zusammenhalt ist nur durch Homogenität gesichert. Je ungleicher das System, umso größer die Konfliktpotentiale und umso geringer die „Funktionsfähigkeit des Gemeinwesens“, unabhängig davon, ob die Reibungspunkte Einkommen, Arbeitsplätze, Vermögensverteilung, Pensionen, Religion oder ethnische Strukturen sind. Die Problematik kann historisch wachsen, aber auch künstlich durch gesellschaftliche Veränderungen herbeigeführt werden. Da sollte man gehörig aufpassen und keinen weiteren Import von Problemen zulassen. – Martin Behrens


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Heute ist wieder Zeit-Tag, und mein erster Blick galt wieder dem Magazin. So freundlich blau mit weißem Tupfer, eine Aufheiterung in diesen tristen Wettertagen! Dann noch Literarisches! Beim Anblick der Titel-Wolke kam mir auch gleich Brechts Gedicht „Erinnerung an Maria A.“ in den Sinn, eins meiner Lieblingsgedichte. Zum Abitur vor vielen, vielen Jahren mussten wir fünf Gedichte auswendig hersagen können, Brechts „Erinnerung an…“ war eins davon. Aber, welch Enttäuschung, es war nicht im Heft vertreten! Eine große Sünde! Dafür habe ich es mir gleich noch einmal aufgesagt, es ist immer noch wunderschön! Und, es hätte sicherlich auch gepasst!:

In meinem Arm wie einen holden Traum. Und über uns im schönen Sommerhimmel War eine Wolke, die ich lange sah Sie war sehr weiß und ungeheuer oben Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

Dennoch, Dank für das Schöne Heft! – Volker Krause


Leserbrief zu „Der Zündler” von Gero Von Randow und zu „Trotz alledem: Amerika“ von Deidre Berger et al.

Präsident Trump ist brandgefährlich. Es ist mir völlig unverständlich, wieso die Amerikaner diesen selbstherrlichen Macho wählen konnten. Vielleicht liegt es daran, dass sie Hillary Clinton auch nicht als Präsidentin haben wollten, da der demokratische Vorgänger Obama, dem man unverständlicherweise kurz nach seinem Amtsantritt den Friedensnobelpreis verliehen hat, nicht viel bewirkt hat. Statt klare Kante zu zeigen, hat er durch Passivität dafür gesorgt, dass die zahlreichen Konflikte in der Welt – insbesondere in Syrien – weiter eskalieren konnten. Präsident Trump ist das klare Gegenteil davon: Er benimmt sich wie ein selbstherrlicher Unternehmer, der er ja auch ist, und der nur auf seinen persönlichen Vorteil schaut, America first ist die passende Ergänzung. Mit seiner abenteuerlichen Politik dem Iran gegenüber oder der Kündigung des Weltklima-Abkommens macht er die perfekte Rolle rückwärts und richtet unermesslichen Schaden nicht nur für sein Land an. Insgeheim wünschen sich jetzt schon sicher viele Amerikaner dass man die Amtszeit dieses Präsidenten vorzeitig beendet oder dass sie zumindest nach vier Jahren endet und nicht etwa noch eine Verlängerung erfolgt. – Helmut Jung


Leserbrief zu „Nach links?“ von Marc Brost und Peter Dausend

Im Interview mit Frau Nahles keimte bei mir (FDP-Mitglied und -Wähler) bis kurz vor Schluss die Hoffnung auf, es könnte sich bei der SPD tatsächlich was ändern. Die genannten Themen gehen grundsätzlich durchaus in die richtige Richtung, vor allem endlich weg von dieser unerträglichen „Kleine-Mann“-Lyrik, die auch Herr Dachsel in der letzten Woche auf erfrischende Weise und völlig zu Recht angeprangert hat. Aber dann, kurz vor Schluss wird das zarte Pflänzchen wieder zerquetscht, wenn Frau Nahles davon spricht, Herr Schulz sei mit 100% der Stimmen zum Vorsitzenden gewählt und bliebe das bestimmt auch nach dem nächsten Parteitag. Ja, 100% der Stimmen, für einen zu 80% auf falsche Themen setzenden „Kleiner Mann“-Wahlkampf, der dann in 20% der Stimmen mündete. Vielleicht hat die SPD doch zuallererst ein Personalproblem. – Andreas Zabel


Leserbrief zu „Politik gegen das Volk“ von Kerstin Kohlenberg

In der heutigen ZEIT ist in dem Text „Wahlkreise nach Maß“ eine Ungenauigkeit, zwar wird das Repräsentantenhaus parallel zum Präsidenten gewählt, jedoch wird der Präsident alle vier Jahre gewählt, nicht aber das Repräsentantenhaus, das wird alle zwei Jahre komplett neu gewählt. Das ist im Übrigen bemerkenswert, die Abgeordneten müssen sich mit ihrer Arbeit beeilen, während hierzulande die Wahlperioden auf fünf Jahre verlängert werden. – Christian


Leserbrief zu „Der Zündler” von Gero Von Randow und zu „Trotz alledem: Amerika“ von Deidre Berger et al.

Donald Trump hat gute Gründe, aus dem Atomabkommen mit Iran auszusteigen. 2025, wenn es endet, können die Mullahs wieder richtig loslegen. Und dann sind sie mit den Vorbereitungen für den. Bombenbau wahrscheinlich dicht vorm Ziel. Das Teheraner Raketenbauprogramm wird ja auch nicht unterbrochen. Nein, nicht Trumo ist der Zündler, sondern das Teheraner Killerregime (laut Amnesty drei vollstreckte Todesurteile am Tag). Es kungelt mit Brandstifter Kim (worüber wohl?) und agiert im Nahen wie ein Feuetreufel. Die paramilitärischen Revolutionsgarden haben aus gegebenem Anlass gerademit Angriffen auf US-Stützpunkte gedroht. Was die naiven Brüsseler (und Berliner und Pariser und Londoner) Gutmenschen nicht begriffen haben: Ein Chamberlain in hundert Jahren war genug. – Erich Wiedemann


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

In diesem Artikel werfen Sie Weltwärts und andere Organisationen in einen Topf. Bevor man mit Weltwärts in die Ferne reist, muss man sich ein Jahr vorher bewerben, durchläuft im Vorfeld mehrere Seminare. Beim Aufenthalt im Ausland gibt es auch mindestens 2 Seminare und wenn man zu Hause ist gibt es noch ein Abschlussseminar. Außerdem bekommt man ein Taschengeld von 280 Euro pro Monat. Was ist falsch daran mal ein Jahr als Bauer zu arbeiten? Man lernt die Sprache und die Eigenarten des Landes kennen. Vielleicht weiß man wieder das Leben in Deutschland zu schätzen! Die Menschen im Ausland sind auch alle interessiert an den Jugendlichen. Wie lebt es sich so in Deutschland? Wie ist das Familienleben, usw. Es kommt zu einem Austausch. Mein Sohn war ein Jahr in Ecuador, obwohl er auf einer Farm hart arbeiten musste, ein Erdbeben überlebt hat, hat er doch sehr viel positives mitgenommen und möchte das Jahr in Ecuador nicht missen. – Brigitte Votava


Leserbrief zu „Flaschen, die denken“ von Marcus Rohwetter

Habe mich wieder scheckig gelacht! Ihre „Quengelzone“ lese ich immer ganz am Anfang. Wenn sie manchmal fehlt, betrübt mich das. Ich werde heute Abend mit hoffentlich noch unverschrumpeltem Gehirn aus einem – versprochen! – völlig unintelligenten, wirklich stockdummen Weinglas ein Schlückchen auf Sie und Ihre Kolumne trinken. Danke, für den Spaß,  den ich so oft durch Sie habe. – Dr. Sabrina Hausdörfer


Leserbrief zu „Umbau der Pyramide” von Anna-Lena Scholz

Ich kann die Forderung der Jungen Akademie zur „Abschaffung“ des Lehrstuhlsystems nur sehr eingeschränkt nachvollziehen. In vielen, vor allem empirisch arbeitenden Fächern, ist der Lehrstuhl – auch wenn er inzwischen selten mehr als drei Mitarbeiterstellen umfasst – ein echter Wettbewerbsvorteil beim Ringen um die besten Köpfe. Gerade im Vergleich zu dem aus den USA bekannten Departmentsystem erlaubt ein Lehrstuhl langfristige Planungssicherheit und Forschungsfreiheit, ohne ständig um das nächste Drittmittelprojekt kämpfen zu müssen. So manche Wissenschaftler(innen) kommen gerade deshalb nach Deutschland, weil sie hier einen Lehrstuhl bekommen können und anderswo nicht. Warum also Abschaffung? Schon jetzt steht es Professorinnen und Professoren frei, ihre Mitarbeiterstellen zu poolen, den Mitarbeitern hohe Autonomie zu gewähren, verstärkt Juniorprofessuren einzuführen (aber bitte mit Tenure-Track!) und so de facto ein Departmentsystem zu schaffen. Aber „Abschaffung“? Warum schon wieder allen vorschreiben, was vor Ort getan werden soll? Warum alles über einen Kamm scheren? Lasst viele Blumen blühen! Der Wettbewerb der Systeme wird zeigen, was für ein Fach, eine Hochschule, eine spezifische Forscherpersönlichkeit der beste Weg ist. – Oliver Günther


Leserbrief zu „Nach links?“ von Marc Brost und Peter Dausend

Für die komplette Seite hätten drei Buchstaben gereicht: B L A B L A B L A (oft genug wiederholt). Haben die Herren Brost und Dausend nicht gelernt, Fragen zu stellen??? – Hermann Ihde


Leserbrief zu „Trotz alledem: Amerika“ von Deidre Berger et al.

Bei de NATO sollte natürlich „fair share“ gelten. Nur muß sich das „share“ auf den einvernehmlichen Part beziehen. Deutschland wie die EU brauchen den militärischen einschließlich des atomaren Schutzes der USA wohl noch auf lange Sicht. Über Interventionen muß man jeweils sprechen. Darüber hinaus gibt es große Dankbarkeit aus historischer Betrachtung. Und es gibt die vielen persönlichen Kontakte, die auf Reisen, in Wirtschaft. Kunst und Wissenschaft entstanden sind. Und zwar in dieser Ballung bei mir stärker, „familiärer“ als mit anderen Regionen. Wir sollten uns ganz cool die Positionen von Präsident Trump betrachten: „America first“ ist an sich nicht verwerflich. Jede Regierung muß zunächst das eigene Land in den Blick nehmen. Die Frage ist eher, wie Trump das betont hat. Tony Blair hat das auch mal gesagt. Da sollte es wohl unausgesprochen bedeuten „Europe second!“

Der Aufruf der Atlantiker kling ein wenig fade nach „Don’t bother the Gator“. Das habe ich mal in den Okefenokee-Sümpfen (Georgia) gelernt:  Man soll Alligatoren nicht reizen. Ja, Europäische Politiker sollten Twitter und Facebook völlig meiden und wieder ganz auf diplomatische Wege setzen. So viele interessante Informationen man im Internet findet – die eher unsozialen Medien tragen doch mehr zur Zuspitzung gegensätzlicher Positionen bei. Und schon gar nicht zum politischen Kompromiß, den die Unterzeichner doch auch wollen und artikulieren. Wo soll der denn sonst stattfinden, als in Parlamenten und in der Diplomatie? Doch nicht im „Netz“! Und dann TTIP! Ich hatte den Rückzug aus TTIP zu den wenigen positiven Botschaften aus dem Weißen Haus gezählt. Wollen wir wirklich Schiedsgerichte zwischen zwei Nationen mit ausgeprägter Gerichtsbarkeit als Spielwiese für global operierende Unternehmen, die sogar bei der Besprechung neuer Gesetze beteiligt werden sollen?  Handel: ja, Zölle senken: ja!

Vielleicht mit Ausnahme von Agrarprodukten wie Hühner, Eiern, Schweinen u.a. Das bringt doch nur mehr Agrarfabriken, um mit den noch größeren Agrarbetrieben in den USA und Kanada mitzuhalten.  Die „Digitalpolitik“ könnte sehr wohl zu einem zentralen Feld der Auseinandersetzung werden: Die Abhängigkeit vieler Firmen, Organisationen und Regierungen in der EU von der Nutzung von Facebook, Google & Co. als Plattform hat eine bedenkliche Größenordnung erreicht.  Datenschutzstandards müssen wir vielleicht doch stärker durch die EU gegenüber den US-Internet-Konzernen durchsetzen. Das unaufhaltsame Vordringen der Mikrofone in die Autos, in die Wohnungen bis ins Kinderzimmer (ins Handy sowieso) erfordert Regulierung. Frau Sylke Temple war eine sympathische, kompetente und sehr präsente Journalistin, die ich persönlich im sonntäglichen Presseclub vermissen werde. Sie hätte sicher nichts dagegen gehabt, Teile der Resolution zu diskutieren, um im Grunde eine erweiterte US-freundliche Perspektive einzubeziehen. – Gerhard Schroeder


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Das Dossier befasst sich mit nur einem kleinen Ausschnitt des Freiwilligendienstes. Die Jugendlichen werden hier als „Freiwilligentouristen“ bezeichnet und damit in eine ganz bestimmte Eventecke gedrängt. Die Autoren versuchten mehr Wertung als differenzierte Information dem Leser zukommen zu lassen. In dem zwar textreichen, aber leider inhaltsknappen Artikel wurden nur bestimmte Regionen des Auslandseinsatzes genannt. Zudem vermisst der aufmerksame Leser die Trägervielfalt innerhalb der freien Wohlfahrtspflege, die im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres Dienste für die Gesellschaft und auch für die Entwicklung der jungen Erwachsenen von Vorteil sind. Schließlich ist nichts darüber gesagt, dass die Jugendlichen vor, während und nach dem Einsatz mit Seminaren begleitet werden, die einen hohen Bildungswert beinhalten können. – Franz Thurner


Leserbrief zu „Wie ich als Verbraucher beinahe den Verstand verlor“ von Marcus Rohwetter

Die Dilemmata des Verbrauchers haben Sie großartig beschrieben! Ich lese schon lange Ihre Rubrik „Quengelzone“ gern. Jetzt bin ich fast ein Fan. Nur als Ergänzung zu Ihren Ausführungen: Mein Vater hielt in den 1950er, 60er Jahren 50 Freilaufhühner. In jedem Sommer haben wir den Stall so gut es ging gereinigt, insbesondere die roten Milben in den Ritzen der Holz-Sitzstangen getötet, anfangs mit Gift aus der Apotheke, später mit dem Altöl vom Schlepper. Jetzt in der Großstadt haben wir nur wenige Hühner, erst für die Kinder, seit 3 Jahren 3 Hühner für die Enkel, mit Stroh im Stall, mit tagsüber umzäunten Auslauf, stundenweise sogar im 300m²-Garten. Im vorletzten Sommer wollten die Hühner eines Abends nicht wieder in den Stall zurück. Dort warteten Millionen Milben auf sie: unter den glatten Sitzstangen, in der Einstreu, auf der Kotplatte, an der Wand, an der Decke, in der Lampe, im Türschloss, im Lichtschalter… Alles musste gereinigt, das Inventar entsorgt werden. Wegen des Gifteinsatzes (vom Tierarzt) mussten die Eier 3 Wochen lang entsorgt werden. Bis jetzt sind die Tiere milbenfrei – bis ein Wildtier wieder wenige Milben bei uns absetzt. – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Sind die Protestanten schlauer?“ von Ludger Wössmann

Erst 1816, fast 300 Jahre nach dem „Anschlag“ der Thesen konnte man die Schulbildung der Protestanten ermitteln? Nun, zahlreiche Dokumente belegen zumindest punktuell, wann nach „Einführung der Reformation“ Lehrer angestellt, Schulen gebaut wurden, erst in den Städten, dann in den Kirchdörfern, schließlich auch in kleinen Dörfern. Ein Beispiel: das Kirchdorf Wiedensahl (dem späteren Geburtsort von Wilhelm Busch) in Calenberg. Bereits 1528 hatte der 1525 ordinierte Pfarrer Frau und Kind – obwohl der Grund- und Patronatsherr, das Kloster Loccum, noch jahrzehnte katholisch blieb. Möglich war dies meines Erachtens, weil noch weitere Herrscher Rechte am Dorf hatten. Erst in den 1590er Jahren wurde das Kloster Loccum evangelisch. 1593 stellte es 2 Lehrer ein, einen davon für 3 Stiftsdörfer. Um 1600 war dann ein Lehrer in Wiedensahl (also etwa 70 Jahre nach der Reformation im Dorf). 1619 unterschrieben 3 Zeugen eines Kaufbriefes mit „mein Hand“, 3 Zeugen und der Bürgermeister mit „CCC“ (sie konnten also ihren Namen nicht schreiben). Es war ein langer Weg zur Schulbildung. 1669 ermahnte das Kloster die Eltern in den Stiftsdörfern, die Kinder von 6-12 Jahren ungesäumt zur Schule zu schicken. – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Wenn man das Schreiben nach Gehör verbieten will, muss man als erstes das Diktat abschaffen. Kinder, die am Anfang mit einer Anlauttabelle eigene Wörter, Sätze, Texte schreiben, schreiben so, wie sie selbst sprechen, also nach der eigenen Artikulation. – Prof. Dr. Manfred Wespel


Leserbrief zu „»Weg mit den roten Linien«“ von Mark Schieritz

Vielleicht sollte man sich einfach mal daran halten, was man einst unterschrieben hat. Frankreich ist doch wie Deutschland ein Rechtsstaat, wo Verträge einzuhalten sind? Das hat gewiss nichts mit „roten Linien“ zu tun, sondern zu allererst mit Vertrauen in Recht und Gesetz! – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Sind die Protestanten schlauer?“ von Ludger Wössmann

Dank an Ludger Wössmann für die brillante Aufklärung. Kleine Ergänzung zur Ehrenrettung von Ludwig Feuerbach: Die Bezeichnung der Religion als „Opium des Volkes“ stammt nicht von Karl Marx sondern von Ludwig Feuerbach. Marx zitiert ihn. – Johann Ernst


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Marcus Rohwetter beschreibt seine Zweifel am richtigen moralischen Handeln. Seine Ausführungen in einem Satz auf den Punkt gebracht:  „Ich weiß auch nicht!“ Da staune ich, bietet doch der Autor jede Woche in der „QUENGELZONE“ treffliche Erkenntnisse zu Täuschungsversuchen der Wirtschaft und zu vielfältigem Produkt-Unsinn. Und er provoziert damit auch das Handeln dagegen: Bestrafung der Täter durch Nichtkauf ihrer Produkte. – Lutz Landorff


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Ein toller Artikel von Murat Kurnaz! Hochachtung für ihn und seine Haltung. Leider will heute niemand mehr hören wenn man unseren aktuellen Bundespräsidenten-Darsteller Steinmeier an seine Verantwortung und Schande erinnert aufgrund der Jahre die er Kurnaz unschuldig in Guantanamo schmoren und leiden lies. Haben die Mitglieder der Bundesversammlung das nicht gewusst, als sie Steinmeier zum Bundespräsidenten wählten? Mein Präsident wird er aus diesem Grunde nimmer. – Jakob Krose


Leserbrief zu „Nach links?“ von Marc Brost und Peter Dausend

Wenn Frau Nahles soviel von Veränderung der SPD spricht, dann sollte Sie ihre Figur nicht vergessen. Wenn sie das hinkriegt, dann liegen ihr alle Männer zu Füssen. An ihre Frisur sollte sie auch denken. Das ist kein Flachs. Das meine ich bitterernst. Die heutige Gesellschaft steht fast geschlossen auf Schönheit und nochmals Schönheit. Ich zweifle nicht an Ihrem Fachwissen. Den Herren in ihrer Partei sollte sie Intern den Marsch blasen. Wie konnte sie sich nur so der CDU hingeben. Wenn es stimmt, was sie gesagt haben soll: „Jetzt gibt es auf die Fresse“, dann war das schon mal ein guter Anfang. Spaß bei Seite. Wenn sie sich politisch selbst auch ändert, daran kann ich noch nicht so recht glauben, dann hat sie meine volle Unterstützung – ich bin eher ein konservativer Kandidat. Ich denke aber nicht irgendwie parteiisch. Für mich zählt nur was unterm Strich steht. Insbesondere was die arbeitende Bevölkerung betrifft.

Das Leben in Angst und Bange, der Terror, die unzähligen Flüchtlinge, die hohe Kriminalität, die traurige Bilanz der Bildung, das ganze Leben der einfachen Menschen, die Bürokratie, die Steuern. Das ist nur ein Auszug der Missetaten Frau Merkel scheint ein Neutrum zu sein. Als ich hörte: „Sie sieht keinen Grund irgendetwas zu ändern“, viel mir der Löffel aus der Hand. Dabei müssten tausend Dinge geändert werden. Frau Nahles soll an Herrn Seehofer denken, der wurde abgestraft, weil er zu stark mit der Bundeskanzlerin geflirtet hat. Völlige Fehleinschätzung von ihm. Das zeigt, wie fern die Politik vom Wähler steht. Und zum Schluss ein Wort zur AfD . Wenn sie das Abstrafen der AfD fortsetzt, dann hat sie schlechte Karten. Dann kann sie alles vergessen, was sie in ihrem Interview angekündigt hat. Wenn die Bürger Spitz kriegen, daß das Erbe nur verwaltet wird und nichts wesentliches passiert, dann wäre das gut für Frau Nahles. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Über Wolke sieben” von Harald Martenstein

Kolumnisten haben gegenüber ihren Lesern den Vorteil, dass sie schreiben können, was und worüber sie wollen – die Leser müssen es ertragen. Die Leser haben gegenüber den Kolumnisten den Vorteil, dass sie die Ergebnisse von deren Arbeit sehen und beurteilen können, was umgekehrt wohl nur selten der Fall ist. Von diesem Privileg möchte ich Gebrauch machen. Ich bin regelmäßiger Leser Ihrer Glossen im ZEITmagazin und im Tagesspiegel undauch derer Ihrer Kollegen Hacke und Zippert. Unabhängig von meinem persönlichen Geschmack trifft es wohl zu, dass diese Glossen mal mehr, mal weniger gelungen sind – jeder hat gute und weniger gute Tage, mal drängen sich die Themen auf, mal herrscht thematische Flaute, aber Sie müssen immer liefern.

Ein anderes Phänomen besteht leider darin, dass jeder Berufstätige irgendwann den Zenith seines Könnens erreicht hat – danach geht es tendenziell bergab, bei manchen ganz rasch, bei manchen im Sinkflug, und es kann auch durchaus gelegentliche Phasen eines qualitativen Wiederaufstiegs geben. Offensichtlich gibt es einen Trick, auch dann eine Glosse zu schreiben, wenn einem partout nichts mehr einfallen will: Man nehme irgendeinen absonderlichen, abstrusen oder skurilen Sachverhalt, zu dem es etwas in Wikipedia (Martenstein) oder in einemesoterischen Werk (Hacke) gibt, zitiere einen Abschnitt von geeigneter Länge und fügeeinige persönliche Anmerkungen hinzu (bei Ihnen seit einiger Zeit gern einen Seitenhiebauf die „linken Spinner“ (Achtung – Dobrindt!) von SPD, Grünen und Linkspartei) – und,schwupps!, fertig ist die Glosse für die nächste Woche. So stelle ich mir aus der Froschperspektive eines geneigten Lesers das Zustandekommen Ihrer Kolumne „Über Wolke sieben“ vor. Ich hatte schon geglaubt, die unsäglichen Ausführungen über den angeblichen DDR-Toast aus der Vorwoche stellten einen einmaligen Ausrutscher dar. Das war leider ein Irrtum. Wie sagte doch Frau Merkel ganz richtig: „Ein Jegliches hat seine Zeit.“ – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Wie ich als Verbraucher beinahe den Verstand verlor“ von Marcus Rohwetter

Die Sache selbst ist leider nicht so lustig, wie der Artikel krampfhaft zu sein versucht. Manche Entscheidungen sind auch nicht so schwierig, wie es in dem Artikel dargestellt wird: Bioeier aus Freilandhaltung sind selbstverständlich „besser“ als die anderen Eier und sämtliche Mineralwässerchen sind zumindest in Deutschland gänzlich überflüssig. Ein einziges allgemeines Siegel wäre meines Erachtens durchaus hilfreich, wenn es garantieren würde, dass der gesamte Produktionsprozess sowohl in ökologischer als auch in sozialer Hinsicht – auch bezüglich der artgerechten Tierhaltung und einer Schlachtung nicht ohne vollständige Betäubung – ethisch einwandfrei war. Das garantiert allerdings in der Tat derzeit kein Siegel vollständig, aber ich denke schon, dass ein solches Siegel machbar wäre. Dazu müsste freilich der entsprechende politische Wille vorhanden sein. Von der Industrie ist diesbezüglich erfahrungsgemäß nichts zu erwarten. Zum Weiterlesen: http://www.ulrich-willmes.de/angst.html (dort ziemlich weit unten) Übrigens: Sie sind, wie http://www.zeit.de/autoren/R/Marcus_Rohwetter/index.xml zu entnehmen ist, Redakteur der ZEIT, Herr Rohwetter, vermutlich fest angestellt. Dann sollten Sie vielleicht besser nicht schreiben: „Wie viele Menschen muss ich auf mein Budget achten.“ Das dürften viele Menschen, die wirklich auf ihr Budget achten müssen, als Verhöhnung empfinden. – Ulrich Willmes


Leserbrief zu „Jagdunglück“ von STW

Heute morgen beim Frühstück habe ich die aktuelle Ausgab ´der Zeit` auf dem Tisch gelegt und die Titelseite gelesen. Dann habe ich auch ´Prominent Ignoriert´ gelesen. Da ich selbst Jäger bin hat mich der Artikel extrem enttäuscht und wütend gemacht. Das habe ich so von der Zeit nicht erwartet. Ich lese die Zeit, weil ich mir Niveau und gute und vor allem intelligente Artikel erhoffe. Bisher wurde ich auch nicht enttäuscht. Doch dieser Artikel von STW  ´Jagdunglück´  ist einfach nur polemisch und bläst in das Horn der allgemeinen Meinung unwissender zum Thema Jagd. Sich machen Werbung für  ´Freunde der Zeit´  und Kontakt zu Autoren. Können Sie bitte einen Kontakt zu STW herstellen, oder ihm zumindest meine Mail zukommen lassen. Ich würde ihm gerne mehr zum Thema Jagd und ´schlimmster Gefährder im Wald ´ erklären – Frank Keller


Leserbrief zu „Huch, die SPD führt“ von Peter Dausend

In Ihrem jüngsten Artikel stellen Sie erneut durch Wortwahl und Stil Politikerinnen und Politiker und den gesamten „Politikbetrieb“ an den Pranger (z.B. rübergemacht; vor der Zeit an die Fleischtopfe zu kommen). Dieses Verfahren entspricht leider durchaus dem öffentlichen Zeitgeist. Worauf sind Sie eigentlich so wütend? Seriöser Journalismus besteht für mich aus Recherche, Darstellung und Bewertung und nicht in der Mißachtung und Demontage von Personen. Witzig geht übrigens auch anders. – Dorothea Berger


Leserbrief zu „Nach links?“ von Marc Brost und Peter Dausend

Die SPD, so Andrea Nahles, in Ihrem Gespräch, „muss ihr Profil stärken“! Seehofer formuliert Gleiches, nur etwas anders in die gegenteilige Richtung: „Die rechte Flanke schließen.“ Mir scheint es für unser demokratisches Gemeinwesen bedeutend, dass unsere Parteien, die ja auch Überzeugungen ihrer Mitglieder zum Ausdruck bringen, im politischen Wettstreit versuchen, die Wähler(-Stimmen) für eben diese Überzeugungen zu gewinnen. (In „meiner“ Partei bin ich, mal mehr mal weniger gequält, seit über 40 Jahren.) Eine große Gefahr sehe ich in den Volksparteien seit Jahren darin, zu fragen, welche Positionen/Überzeugungen eine Partei dem Wähler zur Schau stellen muss, um Stimmen zu gewinnen. Die „Machtfrage“! Aus meiner Sicht ist der mühsame Umkehrschluss richtig: Wie erkläre ich als Partei meinen Wählern, dass es für sie wichtig ist, durch ihre Stimmen unser Programm zu unterstützen! So lässt sich meiner Meinung nach, allerdings durch langfristige (!) Überzeugungsarbeit „, das „Profil stärken.“ Das Zauberwort scheint mir „Glaubwürdigkeit“ zu heißen. – Reinhard Kniepkamp


Leserbrief zu „Was wird aus der Paulskirche?“ von Benedikt Erenz

In diesen Zeiten, so scheint mir, wird viel zu wenig gedankt. Und ich habe schon lange ein schlechtes Gewissen, Ihnen noch nie geschrieben zu haben. Ihre Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus in Deutschland sind nicht nur spannend, sondern auch erhellend und haben meine Faszination geweckt für eine Tradition, die, obwohl wir ihr soviel verdanken, im Bewusstsein der Gesellschaft kaum verankert ist. Bismarck, Kaiser, Könige kennt jeder, aber kaum einer einen Abgeordneten des Frankfurter Parlaments oder gar irgend eine konkrete Idee, die dort diskutiert worden wäre. Für mich sind Sie, lieber Herr Erenz, ein Fackelträger der Demokratie! Gibt es eigentlich irgendwo einen Verein, der sich der parlamentarischen Geschichte in Deutschland widmet und ihre Verankerung im Bewusstsein der heutigen Gesellschaft fördert? Sonst müsste man ihn eigentlich gründen. – Martin Steinbrück


Leserbrief zu „Die Totale des Jahrhunderts“ von Iris Radisch

„“Prozess der Entselbstung““; gleich ums Eck wohnt Heidegger. – Paul Zwirechmayr


Leserbrief zu „Trotz alledem: Amerika“ von Deidre Berger et al.

Trumps “Amerika first” erinnert mich an Hitlers “Deutschland, Deutschland über alles”, wie auch der Umstand, dass auch Hitler per Wahlentscheid an die Macht kam, sich zum Diktator aufschwang und letztlich neben dem Holocaust auch einen Weltkrieg auslöste. Trump (deutschstämmig) ist auf dem gleichen Wege zurück “in die Steinzeit” wie in einen Weltkrieg. Man spürt keinen Fortschritt, nur Zurücksetzung (Klimabkommen, Kohlenutzung, Krankenversicherung, etc.) und vor allem Konflikte zu schüren statt zu besänftigen (Nord-Korea, Iran), gar einen Atomkrieg heraufzubeschwören. Und die demokratische Wahl Trumps hindert die USA, ihn trotz der Bedrohungen und Gefahren, die von seinen abstrusen Ideen ausgehen, abzusetzen. Die Welt sieht einfach nur zu, was sich in dem US-“Tollhaus” tut – bis die Welt in Atom-Schutt und –Asche liegt. Als könnte man nicht aus Hiroshima und Nagasaki und Hitler-Deutschland lernen – als ob die heutigen Generationen solche Desaster auch noch erleben müssten. Da obsiegt wohl “die Macht der Dummheit”. – Nikolaus Krost


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Dossier enthält viele Angaben und Feststellungen, die zum Nachdenken leiten. In der Geschichte von Tim Große vermisste ich jedoch einige Angaben. Nach meinen bisherigen Kenntnissen verläuft nämlich ein freiwilliges sozials Jahr bei der weltwärts-Stiftung so: – es werden jeweils 2 Personen zum bestimmten Ort geschickt, die sich bei der Arbeit und im Alltag wechselseitig unterstützen sollten, – es gibt eine Person am Ort als Begleiter bzw. Mentor, – es gibt eine Person in Deutschland, die mit Ratschlägen bei der  Verwirklichung von Aufgaben bzw. Zielen hilft, – jeweils nach 3 Monaten muss dem Ministerium ein Bericht vorgelegt  werden: insgesamt also 4 Berichte, die der Beurteilung der Situation dienen.  Nichts davon wurde in der Geschichte von Tim Große erwähnt – auch die Wochen der Vorbereitung vor der Abreise bzw. der Nachbearbeitung nach der Rückkehr nicht. Gibt es eine Erklärung dafür? – Igor Kramberger


Leserbrief zu „Staatsräson unter Wasser“ von Ronen Bergman und Holger Stark

In dem Artikel über die Rüstungsgeschäfte zwischen Deutschland und Israel schreiben die Autoren, der Hyundai Konzern habe Korvetten für 96 Millionen Euro das Stück angeboten. Das halte ich für ausgeschlossen. Dafür bekommt man keine Motoryacht in der Größe, geschweige denn Militärtechnologie. Ich bitte, diese Zahl noch einmal zu prüfen. – Andreas Schmidt


Leserbrief zu „Mit Terpentin im Weinglas“ von Susanne Mayer

Mit großem Interesse und ungeteilter Zustimmung habe ich die Rezension der jetzt eingerichteten Ausstellung der Werke Jeanne Mammens in der Berlinischen Galerie gelesen. Er liest sich wie eine Aufforderung, sich auf den Weg nach Berlin zu machen. Tatsächlich scheint es mir mehr als überfällig zu sein, dass bestimmte und hervorragende Positionen der Kunst vor dem Vergessen bewahrt werden. Wenn allerdings durchscheint, dass jetzt fast zum ersten Mal eine solche Übersichtsausstellung stattfindet, dann steht dem entgegen, dass ich mich sehr genau an eine Mammen-Ausstellung mit retrospektivem Charakter erinnere, die vor zwei Jahren im Barkenhoff/Worpswede zu sehen war. Kann es sein, dass bestimmte Ereignisse erst dann wahrgenommen werden, wenn sie in einer der großen Metropolen sich ereignen? – Dieter Rogge


Leserbrief zu „Verrückt nach Messi” von Hans Ulrich Gumbrecht

Es ist schon deprimierend, dass die ZEIT einen derart „flachen“ Artikel wie „Verrrückt nach Messie“ , den – das ist zu hoffen- kein Professor, sondern dessen Hilfskraft verfasst hat, auf einer ganzen Seite abdruckt. – Dr. R. Schwenk


Leserbrief zu „Sind wir nun frei?“ von Ulrich Ladurner und zu „Nationen mit Opferkult“ von Herfried Münkler

Ob Katalonien, Südtirol, Schottland oder auf Korsika: In der Europäischen Union gibt es viele Länder bzw. Regionen, die nach Unabhängigkeit streben. Die Krise zwischen Katalonien und Spanien bringt auch die EU in eine vertrackte Lage. Bislang hat sich die EU-Kommission nicht als Vermittlerin angeboten und ist dafür teilweise heftig kritisiert worden. Doch mischt sich die Brüsseler Behörde in den Konflikt ein, riskiert sie, den Separatisten Legitimität zu verleihen. Denn was jetzt für Katalonien gilt, müsste später wohl auch für andere Regionen in Europa gelten, die unabhängig werden wollen. Eine Loslösung Kataloniens von Spanien hätte schwerwiegende Folgen für ganz Europa. Nicht nur die wirtschaftliche Erholung Spaniens nach der Wirtschafts- und Finanzkrise stünde auf dem Spiel. Katalonien hat maßgeblich zu dieser Erholung beigetragen, steuert den höchsten Anteil zum spanischen Bruttoinlandsprodukt bei.  Doch in Katalonien geht es nicht nur um eine wirtschaftliche, sondern auch um eine emotionale Entscheidung. Es geht vor allem um Identität und die gesellschaftliche Zugehörigkeit. Gegenseitiges Vertrauen, gemeinsame Werte und das Gefühl der Zusammengehörigkeit halten Gesellschaften zusammen und sind elementare Voraussetzungen für deren ökonomischen Erfolg. Durch eine Unabhängigkeitserklärung würde das Vertrauen zwischen Katalanen und Spaniern belastet und in der Folge auch die gemeinsamen ökonomischen Perspektiven. Die Probleme in Spanien sollten eine Warnung für ganz Europa sein.

Sie offenbaren, dass politische und ökonomische Integration nur gelingen kann, wenn sie mit gesellschaftlicher Integration einhergeht.  Nur Staaten oder Staatenbünde, deren Bewohner eine gemeinsame Identität entwickeln, können langfristig ohne größere innere Konflikte überleben.  Wenn die EU eine stärkere politische und wirtschaftliche Einheit werden möchte, muss sie größere Anstrengungen unternehmen, um auf eine gemeinsame gesellschaftliche Identität hinzuwirken.  Nur wenn die Europäer sich als Europäer sehen, werden sie auch bereit sein, die Unterstützung anderer Länder zu akzeptieren.  So wie die wohlhabenden Bundesländer finanzielle Konzessionen für das gesamtdeutsche Wohl machen.  Bisher wurde „Europa“ weitgehend nur auf den höchsten Regierungsebenen durch das Einbeziehen von Parlamenten und Bevölkerungen beschlossen und blieb dabei an der Spitze der politischen Macht verhaftet. Wirklich gefragt wurde niemand. Stattdessen war die EU für die Völker Europas plötzlich da und sollte bejubelt werden. Es hat sich jedoch gezeigt, dass sich die Einheit Europas nicht einfach beschließen lässt. Es war eine Sache, als Spitzenpolitiker eine Wirtschaftsgemeinschaft zu begründen, aber ein politisches, gemeinsames Europa, das über die Zusammenarbeit von Staaten hinaus gehen soll ist eine andere. Europäische Einigkeit beginnt im Kopf der Bürger. Und da klaffen die Interessen weit auseinander. Statt jedoch zunächst die Gemeinschaft zu stärken, wurde in den vergangenen Jahren ohne Rücksicht auf Verluste territorial und ökonomisch expandiert. Das Brexit-Votum hat offenbart, wie weitgreifend die Identitätskrise schon in das Mark der Menschen Europas eingedrungen ist und wie vermeintlich schnell die Identitätslücke mit einem auf Abschottung und Nationalismus basierenden Wertmodell gefüllt werden kann.. Die Förderung einer gemeinsamen europäischen Identität ist eine gesellschaftspolitische Notwendigkeit, um das Projekt Europa am Leben zu erhalten und nicht wieder in Kleinstaaterei zurück zu fallen. – Alfred Kastner


Leserbrief zu „Braucht Europa die Steuerrevolution?” von Felix Rohrbeck

Leider verstehe ich Ihren Artikel weitgehend nicht. Sie sprechen allgemein von Steuern, meinen aber wohl nur Ertragssteuern (=Einkommen-, Körperschaftssteuer), also die Steuer auf einen erzielten Gewinn bzw. Überschuss (§4EStG, §7KStG). Dann aber erwägen Sie die Besteuerung des Umsatzes eines Unternehmens. Letzteres ist aber bereits seit 1968 (und auch schon davor) im Umsatzsteuergesetz geregelt. §1UStG: „Der Umsatzsteuer unterliegen die …Leistungen, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt, … der innergemeinschaftliche Erwerb…“. Es folgen zahlreiche spezielle Regelungen und in §4 achtundzwanzig Steuerbefreiungstatsachen.

Bei meiner groben Durchsicht fand ich keine Vorschrift, nach der der Versand von Waren durch Amazon oder die Schaltung von Anzeigen durch Google von der Umsatzsteuer befreit wäre. Meines Wissens hat Amazon in Deutschland mehrere Betriebsstätten (Versandstellen), Google zumindest innerhalb der EU Büros. Haben Sie andere Erkenntnisse? Ein Nachteil der Umsatzsteuer ist, dass sie auch anfällt, wenn kein oder kaum Gewinn erzielt wird (z.B. bei Neugründungen, Preisverfall, Ernteausfällen etc.). Sozialhilfe-, Hartz-IV-Empfänger müssen auch die Umsatzsteuer auf Lebensmittel, Kleidung, Seife etc. zahlen; ist beim „Bedarf“ mit einkalkuliert.  Dann schlagen Sie die (Gewinn-) Besteuerung in einem Land nach dem Anteil dieses Landes beim Umsatz einer Firma vor. Wenn zum Beispiel „VW-China“ 1/3 des Umsatzes des VW-Konzernes erzielt, dann ermittelt China: Konzerngewinn x 1/3 x chinesischer Steuersatz = zu zahlende  Gewinnsteuer in China? Auch wenn der Konzerngewinn hauptsächlich in China erwirtschaftet wurde (so jedenfalls frühere ZEIT-Berichte). Entsprechend für die USA, auch wenn „VW-USA“ wegen hoher Straf- und Schadenersatzzahlungen gar keinen Gewinn erzielt hat?  Wie gesagt, ich habe Sie weitgehend nicht verstanden. – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Vielen Dank für ihre sachliche Einschätzung der Debatte um den Rechtschreibunterricht in den Grundschulen. Ich teile Ihre Eiscnhätzung, dass BildungspolitikerInnen das Thema nutzen, um sich kurzfristig als jemand zu inszenieren, der die Probleme angeht. Leider wird die Thematik dabei regelmäßig von Politik und einigen Medien populistisch verkürzt. Die LehrerInnen leiden doppelt darunter: Die wahren Probleme werden von der Politik weiterhin nicht angepackt und man muss sich für Unterrichtsmethoden rechtfertigen, die in der von Politik und Medien dargestellten Form nur in seltenen Ausnahmen verwendet werden. – Stefan Kutter


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Das war endlich (für mich) mal wieder ein schönes ZeitMagazin. Danke. Ich möcht es fast ans Herz drücken, aber dann zerknittert es! – Angelika Busch


Leserbrief zu “Nach rechts!” von Matthias Krupa

Ich schätze sie persönlich als Journalist mit pluralistischem Denken. Der Artikel hat nicht nur inhaltliche Fehlanalysen über Zuwanderung in Wien, das kann passieren, wenn man nicht Vor Ort wohnt. Eine so beabsichtigte Recherche schließe ich jedenfalls aus, auch den Tatbestand einer linken Pflichterfüllung …… Generell scheint jedoch der Mitte und Linkspopulismus in Deutschland ein Problem mit dem Begriff “ Rechts“ zu haben, dieser wird gerne quasi als Schwerverbrechen hochstilisiert. In Österreich wird ein nicht so lustiges Thema wie Migration eben zu Ende diskutiert, nicht wie offensichtlich in Deutschland einfach nicht genug thematisiert! Was hat das alles aber mit Rechts oder so zu tun? – Robert Streit


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Es war so um Mitternacht gestern am Donnerstag, als ich bei „ZEIT zum Entdecken“ angekommen war. Den kenne ich doch: WER ..??? Und dann die Überschrift Oh! Gebannt las ich jeden Absatz. Und heute am Freitag noch einmal. Welch eine Überlebensleistung und welch eine Botschaft! Danke, dass ich davon erfahren kann. Als Berlinerin (74 J.) im Wedding (Ortsteil mit ca. 350 Tausend Einwohnern im Bezirk Mitte) machen Sie mir Mut, wieder das aus zu sprechen, was ich mir wegen der drohenden Gebärden und verbalen Äußerungen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im täglichen Miteinander, abgewöhnt hatte. Nämlich: ihr habt es doch gut in Berlin – was soll das – nehmt Rücksicht auf uns Menschen von hier. — Sie, Herr Kurnaz kennen all die Beschimpfungen, die aus heiterem Himmel ausgeschüttet werden. Zornig werde ich wohl weiterhin bei z.B.: Iss doch nur ne Deutsche, allet Nazis hier usw. Bitte bleiben Sie konsequent – gegenüber beiden Seiten. P.S. Ich habe eine große Altbauwohnung mit einem Gästezimmer und Gästebad. Gerne können Sie das kostenlose Angebot, mein Gast zu sein, annehmen. Das gilt auch in Begleitung (Frau, Kinder, Eltern, nur nicht alle auf einmal, Frühstück und eigene Schlüssel sind selbstverständlich). – Ingrid Peggi Pabs


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Wenn man über 40 Jahre Grundschülern das Lesen und Schreiben nach unterschiedlichen Lehrgängen beigebracht hat, liest man diesen Artikel mit besonderem Interesse. Natürlich ist die Methode nicht allein ausschlaggebend für den Lernerfolg. Was hat man letztlich von einem an sich guten Konzept, wenn man Kinder nicht für das Lernen begeistern kann, zu wenig Anschauungs- und Arbeitsmaterial benutzt und vor allem den Lernstoff nicht genug übt? Wenn hierzu allerdings auch noch ungünstige Schreiblese-Konzepte verwendet werden, muss man sich über schlechte Rechtschreibleistungen nicht wundern.

So hatte nach meinen Erfahrungen die Ganzheitsmethode mehr Nach- als Vorteile. Das „Schreibenlernen nach Gehör“ habe ich als besonders negativ erfahren. Unsere Sprache ist nur zu etwa 25% lautrein. Das bedeutet, dass die allermeisten Wörter anders geschrieben als ausgesprochen werden. Die Gefahr, dass sich Kinder beim Schreiben nach Gehör falsche Wortbilder einprägen, die später nur schwer zu korrigieren sind, sollte man nicht unterschätzen. Für Migranten mit nur geringen Deutschkenntnissen ist diese Methode völlig ungeeignet, weil man den Bildern der Anlauttabelle nur dann den besagten deutschen Anlaut entnehmen kann, wenn man bereits die deutsche Bezeichnung des abgebildeten Gegenstands kennt. Buchstaben-Methoden sind meines Erachtens am effektivsten, Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen. Die Kleinen haben sogar viel Spaß daran, aus Buchstaben Wörter zu „bauen“, die sie dann auch noch lesen und verstehen können. – Gabriele Gottbrath


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Ich habe nur die ganz vorsichtige Nachfrage, ob es möglich wäre, den Artikel auf weiteren Sprachen zu veröffentlichen? Ich denke da vor allem an Persisch (Farsi/Dari). Ich glaube viele Ehrenamtlich hätten ein großes Interesse daran, den Text z.B. mit ihren Mündeln gemeinsam zu lesen. Der deutsche Text ist an einigen Stellen für Menschen, die gerade erst Deutsch lernen, noch zu kompliziert. Es wäre super hilfreich, die Version der Muttersprache daneben zu legen und sich den deutschen Text gemeinsam zu erarbeiten. – Silvia Ernst


Leserbrief zu „Nachruf” von JL

Sylke Tempel war in der Tat eine aussergewöhnliche Journalistin. Ich war geschockt von dieser Nachricht. Nicht nur weil ich mit Ihr im Schriftverkehr stand, sondern von ihrem messerscharfen Verstand und frei von irgendeiner parteipolitischen Linie. Besonders in den heute unsichern Zeiten der Globalisierung wird sie besonders schmerzlich vermisst. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Unter der etwas „schiefen“ Überschrift „Unterwegs zum guten Gewissen“ bringt die ZEIT ein inhaltlich sehr interessantes Dossier über das „Freiwilligenjahr“ Jugendlicher im Ausland weltweit. Dem Thema sollte aber nicht nur ein einmaliges Dossier gewidmet sein, sondern künftig regelmäßig eine Kolumne reserviert werden mit authentischen Berichten von jungen Menschen, die sich die Welt anschauen. Denn „die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben“ (Alexander von Humboldt). – Ludwig Petry


Leserbrief zu „Nur nicht nervös werden“ von Robert Pausch

„Man entzaubert Demagogen nicht, indem man Ihnen ihr Recht verwehrt.“ Da stimme ich Ihnen vorbehaltlos zu. Nur mit dem Wort „Demagogie“ natürlich nicht. Demagogie verstehe ich anders. Ihr Autor verwechselt da was. Die Demagogen sitzen eher auf der linken Seite. Wie blind muß man sein, wenn man nicht verstehen will, daß die Demokratie in Deutschland nichts taugt. Der politische Zustand kann kaum schlimmer sein. In Berlin und in manchen Bundesländern sitzen reihenweise Versager, die uns einen desolaten Staat hinterlassen haben. Ein Blick in den Ballungsräumen würde eigentlich genügen, um das zu erkennen. Es nimmt doch kein Wunder, wenn jetzt eine Partei auftaucht ,wie die AfD, und dieses Versagen anprangert. Das war doch nur eine Frage der Zeit. In Bayern, der erfolgreichste Bundesstaat, hat das jetzt auch deutlich zu spüren bekommen.

Ein eher konservativer Staat hat das kaum für möglich gehalten. Deutlicher kann der Wähler das nicht zeigen, wie es tatsächlich in unserem Land aussieht. Das Affentheater um die Sitzordnung zeigt mir, wie verblödet die Politiker sind. Die sind zwar alle groß geworden – aber nicht erwachsen.  Und die Medien stützen diese desolate Politik.  Wenn Sie glauben, es kann so weiter gehen, dann sind auch Sie betriebsblind.  Manche faseln vom Ende der AfD. Das ist schon wieder eine Fehleinschätzung.  Die meisten Journalisten sind das Geld nicht wert, was sie verdienen.  Bisher sind die etablierten Politiker haarscharf an einer Pleite vorbei geschrammt.  Deutschland muß nicht nur renoviert werden. Sie kriegen die AfD nur dann klein, wenn Deutschland von Grund auf saniert wird. Und das sehe ich weit und breit nicht, und bei den jetzigen Parteien die in Rede stehen, gleich gar nicht. – Gunter Knauer


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Ihr Autor hat es schwer. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe einen Tipp für ihn, bevor ich ihn verrate, liste ich zunächst meine Erlebnisse mit der Wissenschaft auf: Erste Täuschung: Als Fußballer war während des Spiels Wasserverbot angesagt. Wasser bläht auf und schwächt die Leistung. Später hieß es: viel Wasser trinken, das steigert die Leistung. Zweite Täuschung: Die Kinder sollten viel Milch trinken, dann werden sie weniger krank. Später hieß es: möglichst wenig Milch trinken. Dritte Täuschung: Kaffe macht krank, lieber Tee trinken. Später hieß es, Kaffe ist durchaus in Maßen gesund. Vierte Täuschung: Fett war früher der Krankmacher. Später hieß es, Fett ist wichtig für die Gesundheit. Fünfte Täuschung: Fruchtsäfte wurden als sehr gesund angesehen. Später hieß es. Ungesund, Zuviel Zucker ist völlig falsch. Sechste Täuschung: Keine Butter essen, dafür lieber Margarine. Später hieß es: Keine Margarine sondern Butter aufs Brot schmieren. Ich möchte es dabei belassen . Es gäbe aber noch mehr zu kritisieren. Also mein Rat für Ihren Autor: Gehen sie völlig unbedarft in einen SB-Markt und kaufen das, worauf sie Appetit haben. Fleisch sollten sie ohnehin beim Meister kaufen. Und keine Suppentüten oder Fertiggerichte. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Sind die Protestanten schlauer?“ von Ludger Wössmann

Als Katholik gebe ich neidlos zu: Protestanten sind wirklich schlauer. Denn auch nach längerem Nachdenken habe ich nicht ergründen können, was mir Ludger Wößmann in seiner zusätzlichen 5. These mitteilen will: „Der deutliche Einfluss der Bildung auf die Säkularisierung steht im Gegensatz dazu, dass wir keinen ursächlichen Einfluss eines höheren Einkommens auf den Rückgang des Kirchenbesuchs finden.“ – Rudolf Jellinek


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Ich gebe zu, im Supermarkt kann man nicht immer unterscheiden, ABER man kann sehr nachhaltig einkaufen – nämlich einfach liefern lassen! Einmal in der Woche steht eine Kiste da mit allem, was ich brauche, bis auf Milch, Bananen, Staubzucker, normales Salz. Die Milch kann ich mir aber auch beim Milkomaten holen, ein paar Häuser weiter. Ich kenne alle Bauern, die liefern, die Schweinchen, Rinder, Schafe, Ziegen sind mir persönlich bekannt – na ja, zumindest die Vorfahren. Weshalb können sich solch nachhaltige Kooperativen nicht auch in Deutschland entwickeln? Ich sehe, wie das Gemüse wächst, wie die Bäcker backen, die Käser käsen… www.bauernkiste.at

Ich bekomme auch Olivenöl, Orangen, Zitronen von südlichen BIO- Kooperativen – natürlich immer nur saisonal. Das Wild und die Gans nur im Herbst…. Tomaten natürlich nicht ab September… Als Mutter von zwei hungrigen Kindern und einem ebenso hungrigen Gatten, selbst voll berufstätig, fand ich vor 20 Jahren diese Kiste – einfach ideal. Per Internet kann ich bis Montag Abend alles bestellen, was ich brauche, auch abbestellen, dazunehmen, meine Gemüse/Obstkiste adaptieren… So macht man das nachhaltig! – kürzeste Transportwege – alle zu beliefernden Kunden auf einer Linie.

Vom Wasser brauchen wir nicht zu reden – wir brauchen ca. 2 Kisten Mineralwasser im Jahr. Pfand – kürzester Transportweg. Ich muss allerdings auch anmerken, dass ich mir nach Deutschland immer eine Flasche Tiroler (Leitungs) Wasser mitnehme für meine obligate Tabletteneinnahme in der Früh – das Chlorzeug muss ich nicht trinken! Für die Bauern ist das Ganze schon mehr Arbeit – aber auch mehr Ertrag! Natürlich bekomme ich bei der Kiste nicht um € zwei 1 kg Schnitzel, aber die Qualität zählt doch mehr. Wie meine Eltern selig immer schon sagten:“ Du kannst bei allem sparen, aber nicht bei der Qualität des Essens!“ – Barbara Schönegger


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Danke für den Artikel von Herrn Rohwetter. Ich teile die Überforderung, von der er berichtet. Alle 17 Olivenöle im Regal meines Supermaktes behaupten kalt gepresst zu sein – und unterscheiden sich doch im Preis um mehrere 100 Prozent. Wenn mir Hersteller und Handel nicht mehr sich unterscheidende Informationen als den Preis bieten – dann sollen sie sich bitte auch nicht darüber beschweren, dass ich auch genau danach entscheide. Und klar – ich bin Verbraucher – aber auch Arbeitnehmer, alleinerziehender Vater, Kirchenvorsteher etc., etc. Und nicht nur im Supermarkt geht es mir ja so. Schon wenn ich die ZEIT in die Hand nehme, kann ich nicht wissen, welche Artikel von Menschen in einem prekären Arbeitsverhältnis geschrieben wurden. Ich weiß nicht woher das Papier kommt, auf dem der Artikel gedruckt wurde.

Und ich weiß schon gar nichts über die Arbeitsbedingungen auf dem Schiff, mit dem die Druckerfarbe transportiert wurde, deren Reste ich mir nach der Lektüre von den Händen wasche. Und selbst, wenn ich die Chance hätte, mir diese Infformationen zu beschaffen – wie soll ich sie sinnvoll in eine Entscheidung einbeziehen? Nein – wir Verbraucher KÖNNEN es nicht alein richten. Nicht wir sind verantwortlich für das Angebot in den Märkten. Diese Verantwortung haben Hersteller und Händler und die Verantwortung für deren Kontrolle liegt bei der Politik! – Holger App


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Kinder, die mit Hilfe der Anlauttabelle erste Wörter schreiben, haben gelernt, Sprachlaute aus gesprochener Sprache zu isolieren. Diese Fähigkeit (phonologische Bewußtheit) ist unabdingbare Voraussetzung für das Lesenlernen, denn hier müssen im Umkehrschritt Buchstaben wieder Lauten zugeordnet und diese zu Lautketten zusammengezogen werden. Im Lese- und Schreiberwerb lernt das Kind, dass neben dem Lautsystem ein Buchtabensystem existiert. Diese Systeme sind durchaus nicht deckungsgleich, so kann der Laut „i“ einmal „i“, „ie“ oder „ieh“ geschrieben werden. Die gerade gültigen Rechtscheibregeln werden als Konvention einer Sprachgemeinschaft sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben erworben und müssen entsprechend trainiert werden. Sowohl „Schreiben nach Lauten“ als auch der Erwerb von Rechtschreibregeln haben also ihre Berechtigung im Unterricht der Grundschulen. Beide Strategien werden später im Alltag gewinnbringend integriert, z. B.  dann, wenn ein Kind fragt: Wie schreibt man „Krokodil“? Und die Antwort lautet: „Wie man spricht“. – Prof. Dr. Ulla Beushausen


Leserbrief zu „Staatsräson unter Wasser“ von Ronen Bergman und Holger Stark

Ich gratuliere den beiden Autoren Bergmann und Stark zu diesem gut recherchierten und überzeugend geschriebenen Artikel; und der ZEIT zum Mut, dies traurige Kapitel der politisch motivierten Korruption an prominenter Stelle zu drucken! Alle Achtung! Trotzdem: Wenn auch der finanzielle Aspekt der Verwendung der Steuergelder des deutschen BMF für Schmiergeldzahlungen an Mitglieder des israelischen Regierungs- und Familien-establishments deutlich herausgearbeitet wurde, so kommen doch das Fehlen des Antrags, zumindest der Zustimung sowohl der militärischen als auch der sicherheitspolitisch Verantwortlichen zu kurz – und zwar auf beiden Seiten! Mögen die sicherheitspolitischen Gründe für die ersten U-Boote noch nachvollziehbar geweden sein, so wurde zu Nr. 4-9 rein Nichts mehr begründet! Die israelische Marine wird bald -ohne jemals den Bedarf formuliert zu haben- mehr und leistungsstärkere U-Boote haben als die Bundesmarine…. – die schon mehrfach Bedarf vorgelegt hat! Die 570 Mio € haetten auch der Bundesmarine sehr gut getan…. . Ich finde, es hat ein „Gschmäckle“, wie Merkel, Altmaier, Steinmeier, Gabriel und vonderLeyen im Bundessicher-heitsrat sich jahrelang, ernsthaft und aktiv bemüht haben, der AFD die Argumente für deren Kampf gegen das „Establishment“ zu liefern, und zwar mit Fakten, nicht nur Gerüchten. Warum machen die das nur? – Franz Berger


Leserbrief zu „Heute“ von ERA

Ach Du liebe ZEIT! Perücken aus „geblichenem“ Rosshaar! Das ist zum Erbleichen, auch wenn besagter Schweif hoffentlich erst gebleicht worden sein sollte, nachdem er dem verblichenen Ross abgenommen worden war.– Bitte nehmt mir nicht die Illusion ab, dass wenigstens in der ZEIT noch so etwas wie sprachliche Sorgfalt überlebt! – Jürgen Wißner


Leserbrief zu „Umbau der Pyramide” von Anna-Lena Scholz

Laut diesem Text wollen junge Wissenschaftler die alten Lehrstühle abschaffen. Die junge Akademie, ein Zusammenschluss von 50 Postdocs und jungen Professoren, fordert, dass die Uni demokratischer werden soll, sowie die Abschaffung des Lehrstuhlsystems. Professoren/innen sollen ohne wissenschaftliche Mitarbeiter/innen auskommen; das soll 2014 auch vom Wissenschaftsrat empfohlen worden sein. Also kein Mittelbau mehr, dafür ein Tenure Track Verfahren schon nach der Promotion. In einem solchen System habe ich 1975 an der Gesamthochschule Kassel angefangen, Architektur zu studieren (leider ohne Tenure-Track).

Da gab es keinen Mittelbau und das Projektstudium machten wir nur mit den Profs. Die Mitbestimmung war auch besser. Dieses „Modellprojekt“ wurde aber leider bald abgeschafft. Die „Gesamthochschule“ wurde in „Universität“ umbenannt; nun gab es wieder Mittelbau und langsam etablierten sich auch wieder die damals abgeschaften Institute. Seit der Einführung des Bachelor- und Master-System ist ohnehin alles anders geworden. Vielleicht sollte man nochmal eine Evaluation dazu machen, d.h. die Alten nach den Vor-und Nachteilen befragen. Auf jeden Fall könnten diese jungen Wissenschaftler der Jungen Akademie sich mal diese alte Idee der Gesamthochschule Kassel anschauen, wenn sie sie nicht ohnehin schon kennen. – Dr. Sylvia Stöbe


Leserbrief zu „Sind die Protestanten schlauer?“ von Ludger Wössmann

Warum soll die Wissenschaft zu einem Rückgang der Religionen führen? Wissenschaft ohne Werte ist Darvinismus. Die Werte kommen aus der Weltanschauung oder Religion. In vielen Religionen ist der liebe Gott oder die Natur heilig, bei uns ist neuerdings das Individuum heilig (unantastbar). Der Humanismus ist natürlich auch eine Religion (siehe z.B. Yuval Noah Harari). Die Auseinandersetzung mit anderen Religionen muss auf Augenhöhe erfolgen. – Daniel Sauter


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Diese geraden, zutiefst ehrlichen Worte von Murat Kurnaz, lassen mich hoffen, daß es mit umserem Land nicht so schlecht steht. Dieser Mann arbeitet mit seinem Leben, seinen Erfahrungen und vorallem seinem Glauben an dem was wir an Gutem haben und sind, für eine gute Zukunft – und sehr viele tun das ohne ihre Stimme zu erheben. “ Das ist unser Land!“ schreiben sie und das ist wunderbar finde ich. Mit Hass und Wut kann nichts gelingen umso mehr freue ich mich über Ihren Artikel. – Andrea Beck


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Liebe Larissa und lieber Thomas. Ihr nervt. – Sabine Hagn


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Vielen Dank für das wunderschöne Wolkenheft in der letzten Ausgabe der Zeit. Schon als ich das Titelbild sah, musste ich an meinen Vater denken. Seit er ein kleiner Junge war, hat er eine Leidenschaft: die Fliegerei. Bevor er eine Maschine mietet deutet er die Wolken, deutet die Wetterlage. Im November 2013 fing er aus einer Cessna diese fast surreale Wolkenlandschaft ein. Wie ein Wasserfall fließen Wolken an der Albkante herab. Im Hintergrund ragen Windmühlen in die kalte Herbstsonne. Wenn dieser Kommentar einen Weg in die gedruckte Ausgabe der ZEIT finden sollte, und du schlägst deine Ausgabe auf, zu Hause auf dem Küchentisch neben einer Tasse Kaffee, und du siehst dieses Bild, dann würde ich gerne deine Augen sehen. Das ist für dich, Papa. – Judith Becker


Leserbrief zu „Staatsräson unter Wasser“ von Ronen Bergman und Holger Stark

Oft überlege ich mir ja, ob ich DIE ZEIT kaufen soll! Aber Ihr Artikel hat den Kauf voll gelohnt. Und was folgt daraus? Welche Konsequenzen ziehen Frau Merkel, Herr Gabriel, Herr Schäuble und Frau von-der-Leyen? Da muss man sich ja nicht wundern, dass so viele die AFD wählen …! – Hans Hardenberg


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Als ich das Magazin in die Hand nahm, dachte ich, es sein ein Hauptartikel über Spanien drin enthalten. Die Wolke sieht recht iberisch aus, rechts oben, also im Nordosten, löst sich langsam ein katalanischer Wolkenfetzen ab. Stimmt´s oder hab ich recht?! Herzliche Grüsse aus Mülheim a.d. Ruhr. – Uwe Büssing


Leserbrief zu „Nicht durchdrehen“ von Matthias Geis

Sie schreiben vom rasenden Umbruch durch Digitalisierung und Globalisierung, als wäre das etwas spezifisches, etwas besonderes der heutigen Zeit. Mit Verlaub, das ist einfach falsch. Globalisierung ist ein schon länger laufender Prozess. Und Digitalisierung ist ein Hype-Begriff. Als vor 30 Jahren vermehrt und flächendeckend PC und andere Computer in die Arbeitswelt Einzug hielten, wurden die gleichen Geschichten geschrieben wie heute. Rasende Veränderung der Arbeitswelt, Vernichtung von Arbeitsplätzen usw. Natürlich alles Quatsch. Ich bin konservativ, trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass Altes sich permanent mit Neuem messen muss, und ggf. weichen. Aber nicht alles Neue ist automatisch besser, nur weil es neu ist. Übrigens, PCs und Computer funktionieren digital. Weiter unterstellen Sie CDU/CSU ideologisches Handeln und suggerieren , die Grünen, die linke SPD und die Linken wären die großen Pragmatiker der Politikszene. Fakt ist, diese Gruppe ist zutiefst ideologisch und in vielen ihrer Thesen sehr, sehr realitätsfern. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Sind wir nun frei?“ von Ulrich Ladurner

Die Diskussionen in der gesamten europäischen Presse zum Thema der Unabhängigkeitsbestrebungen eines Teils des katalanischen Volkes zeichnen sich durch ein Übermaß an politischer Korrektheit aus. Denn es ist offensichtlich, daß sich fast alle Mitglieder der EU davor fürchten, daß die eventuelle Sezession Kataloniens von Madrid zu ähnlichen Tendenzen in der eigenen Nation ermuntern könnte. Mit diese abwiegelnden Einstellung hilft man aber nicht den Katalanen und auch nicht der Regierung in Madrid, ihren sowohl kulturellen wie ökonomischen Konflikt beizulegen. Es ist nun einmal so, daß sich das katalanische Volk irgendwie durch das Auftreten der spanischen Zentralregierung in Madrid gedemütigt fühlt. An diesem Tatbestand können auch alle juridischen Betrachtungen des Dilemmas nichts ändern. ^^^ Würde Madrid den Katalanen ein Statut konzedieren, wie es Südtirol innerhalb der Republik Italien genießt,dann würde die Katalanen mutmaßlich damit vollkommen zufrieden sein. Es bedarf als eigentlich nur dieserhalb einer klugen Vermittlung. – Siguard Schmidt


Leserbrief zu „Nach links?“ von Marc Brost und Peter Dausend

Neoliberalismus heißt jetzt digitaler Kapitalismus !! Nahles macht sehr konkrete Vorschläge zur Schärfung des politischen Profils der SPD. Dazu gehört auch eine Reform der Arbeit der SPD-Ortsvereine. Nahles unterstreicht vollkommen zu Recht, daß unsere Gesellschaft jetzt sehr fragmentiert ist, so daß die hergebrachte Ortsvereinsarbeit nicht mehr ausreicht. Das Antragsrecht innerhalb der SPD-Gliederungen muß unbedingt Kompetenzen orientiert reformiert werden. Wir brauchen in der SPD permanent tagende Themenforen. Ortsvereine, die nur Feuerwehr und Kaninchenzüchter-Mentalität getrieben sind, müssen sich einfach umstellen. Auch Andrea Nahles kann natürlich kein Generalrezept für ein neues DESIGN der SPD vorlegen. Aber sie gibt m.E. Anregungen in die richtige Richtung !! – Siguard Schmidt


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Schönes Thema ! Wahrscheinlich erhalten Sie nun tausende Wolkenfotos… Zwei Fotos waren richtig gut, die restlichen eher unspektakulär, da hätte ich von den Profis nun Beeindruckenderes erwartet. Und Ihr Haus- und Hof-Fotograph Wolfgang Tillmans: so what ? Das ist ja nun gar nichts. Und wieso muß er sich immer dermaßen in Szene setzen? Turner-Preisträger hin oder her. (War das nicht auch Derjenige, der seinerzeit in Berlin eine ausgiebig plakatierte Ausstellung hatte, wo man eher an „Scham- u. sonstige Körperbehaarungs-Partien, aus ungewöhnlicher Nah-Perspektive“, dachte? Stilistisch Irgendwie unappetitlich -;-) Nunja, ist halt alles Geschmackssache.) – S. Hüttner


Leserbrief zu „Staatsräson unter Wasser“ von Ronen Bergman und Holger Stark

Ist Ihnen wieder einmal eine hervorragende Recherche gelungen, die Sie – Dank unserer Meinungsfreiheit! – auch veröffentlichen können und sogar dürfen. Sie berichten, dass Miki Ganor Aufträge für Thyssenkrupp generiert und dafür hoch belohnt wird. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches in unserer Leistungsgesellschaft mit deren Prämisse Wirtschaftswachstum. Jetzt wird Ganor aber dafür verurteilt, dass er an Entscheidungsträger der Knesset Gelder gegeben hat, die er von Thyssenkrupp (für diesen Zweck?) bekam. Mit Hilfe dieser Gelder sollten hochrangige Spitzen-Politiker in ihren Entscheidungen unterstützt, Dienstwege verkürzt und Kaufverträge per Handschlag abgewickelt werden. Dabei ging es bisher wohl und zweistellige Millionenbeträge im unteren Bereich.

Israel kauft u.a. U-Boote bei Thyssenkrupp zu einem Preis, der Gelder an Ganor u.a. bereits beinhaltet. Man darf auch annehmen, da es um keine öffentliche Ausschreibung sondern um einen an den Formalitäten vorbei lancierten Auftrag ging, dass bereits „Hintergrundwissen“ eingepreist wart, nämlich der Zuschuss der Deutschen Bundesregierung, aus Steuergeldern finanziert! Seit wann gehört Thyssenkrupp zu den Betrieben, die „too big to fail“ sind wie ehemals etliche Banken? Was macht es für einen Unterschied, dass andere Gründe – in der offiziellen Lesart – Israel in den Genuss von deutschen Subventionen in dreistelliger Millionenhöhe im mittleren Bereich kommen lassen, obwohl Thyssenkrupp hier subventioniert wird? Dumm auch, dass ich als Abonnent der ZEIT jetzt zu den Mitwissern zähle und mich durch Nichthandeln und Stillschweigen, das im Kaufvertrag als Zustimmung gilt, schuldig mache. Dem kann ich doch schließlich nur durch Verweigerung meiner Steuerzahlung entgegen wirken. Oder? Da ist unbedingt die Rechtsberatung der ZEIT Redaktion gefragt.  Denn: Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.  Und: Wen wundert da eigentlich noch die Staatsverdrossenheit der Bürger?  Machen Sie weiter so! Manches aus der ZEIT lese ich mit besonders großem Interesse. – Hans Jürgen Hahn


Leserbrief zu „»Ich nehme bewusst in Kauf, früher zu sterben«“ von Uwe Jean Heuser

Zu Ihrem Satz gegen Ende des Gesprächs: „Wenn wir in diesem System als Menschen eine Rolle behalten wollen, dann kann diese Rolle nur in der Kreativität, in der Originalität und in der Irrationalität liegen“ möchte ich folgendes vorschlagen: Wir trainieren endlich die längst fällige Denkfähigkeit von >Dialogischem Denken< als Erbe unserer christlichen, europäischen Erziehung und in der Verantwortung für die Zukunft – s. das Diagramm im Anhang. Ich wünschte sehr, Professoren aller Disziplinen würden sich dieser Denkform zusammen mit Didaktikern annehmen, sonst werden wir Opfer der „mechanistischen“ Kräfte wie Digitalismus, Kapitalismus, Klima-Veränderung. Ich hoffe, das Diagramm erschließt sich Ihnen. Wenn nicht, schicke ich gern ein paar Hintergrundinfos. – Elke Blancke


Leserbrief zu „Das Männer-Ding” von Johannes Ehrmann

Danke für den Blick in eine Männerseele. John Williams‘ „Stoner“ fragte sich 1965 am Ende des Buches: „Was hast Du denn erwartet von Deinem Leben?“ Und ich möchte im Anhang in „Gedanken zu Ehe“ einwerfen, was man auf den schwierigen Wegen u.a. finden Könnte. – Elke Blancke


Leserbrief zu „Verrückt nach Messi” von Hans Ulrich Gumbrecht

Als unkritischer Claquer des Spektakels blendet Gumbrecht leider aus, dass die teilweise dubiosen Profiteure eines Systems aberwitziger Finanztransaktionen nicht nur zur Lösung der Frage beitragen, wo künftig das beste Spektakel zu sehen sein wird, sondern nachhaltig zur Entpolitisierung nicht nur der Konsumenten sondern auch der Akteure. Als Gegenleistung für astronomischr Transferzahlungen und Spielergehälter verpflichten sich die Megastars zu umfassendem Wohlverhalten und geben damit Hirn und Rückgrat spätestens in der Kabine ab. Die Verknüpfung von wirtschaftlicher Macht und Herrschaft über das Spektakel hat der Film „Rollerball“ bereits 1975 als science fiction thematisiert. Willkommen in der Vergangenheit Herr Gumbrecht! – Robert Minor


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Welch Chance wurde hier vertan! Da wird das Titelthema „Konsum oder Moral“ angekündigt und als Leserin erwarte ich, von einem ernsthaften Selbstversuch zu lesen. Stattdessen hat man dieses Thema einem Journalisten anvertraut, der sich nur ansatzweise mit der Problematik befasst. Weil es so schwierig ist, verliert er bereits beim Recherchieren „beinahe den Verstand“. Weinerlich erklärt er sich für überfordert und wählt bei den Eiern und dem Mineralwasser trotzig die moralisch denkbar schlechtesten Produkte. Beim Thema Fleisch weigert er sich gar, sich mit den vielen guten Argumenten für ein fleischfreies Leben auch nur zu befassen. Warum? Nicht weil diese etwa schlecht wären, sondern weil sie in der öffentlichen Moraldebatte „gefühlt“ so präsent seien.

Er wolle nicht dauernd „ermahnt und erzogen“ werden. Da fürchtet also jemand, dass ihm seine heile Welt oder wohl eher seine Bequemlichkeit kaputt gemacht werden, und blockt daher bockig ab. Das Fazit des Artikels, dass der Aufwand für den „richtigen Konsum“ […] unangemessen hoch“ sei, ist niederschmetternd. Ja, der Aufwand ist hoch, aber in Anbetracht dessen, was es auf der Welt zu verbessern gilt, keinesfalls unangemessen. Und wenn alle Verbraucher so handeln wie Herr Rohwetter, nämlich sich nur da ein bisschen zu bewegen, wo es nicht weh tut und keine Mühe macht, und erst mal darauf zu warten, dass alle anderen mitmachen, wird sich nie etwas tun. Haben die 1600 „Freunde der ZEIT“ den fertigen Artikel lesen können, bevor sie ihn zum Titelthema wählten? Ich glaube nicht: Auch sie werden Besseres erwartet haben. – Inga Jürgens


Leserbrief zu „Das Männer-Ding” von Johannes Ehrmann

Denken Sie wirklich, nur Männer erleben das, was Sie in Ihrem Artikel beschreiben? Unverstandene Verletzlichkeit, Perfektionismus, Größenwahn und Verzagtsein? Glauben Sie, nur Männer können schweigen? Lassen Sie sich sagen, es gibt auch Schweigerinnen. Ringen nur Männer mit dem Verlust der Möglichkeiten, der entsteht, wenn man sich für einen Lebensentwurf entschieden hat? Ja, sind Frauen denn Automaten? Wenn man den Wandel der Rollenklischees in Anrechnung bringt, der sich seit unserer Großvätergeneration vollzogen hat, werden die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Bezug darauf, ob sie sich einen Rückzug von ihrer Familie, ein Ausweichen vor ihren Gefühlen erlauben, äußerst klein. Man hört heute sogar von Frauen, die bekunden, dass sie bedauern, Kinder bekommen zu haben. Das Männer-Ding, das sie beschreiben, ist ein geschlechterübergreifendes Ding – nur leben die Männer es offensiver. Sie lassen die Umwelt für ihre Mitwirkung an ihren Lebensentscheidungen eher büßen. – Angela Paap


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Wir brauchen wahre Preise. In den Preisen für Dinge und Dienstleitungen müssen die wahren Kosten enthalten sein, nämlich auch die Kosten für Entsorgung und die Folgekosten für die Reparatur von Umweltschäden durch deren Produktion und Transport. Diese Kosten werden bisher von allen Steuerzahlern getragen, nicht nur von den Konsumenten der Produkte. Als Meßgrößen für den wahren Preis eines Produkts könnten z.B. die CO2-Emissionen, der Wasserverbrauch, der Pestizid- und Düngemittelverbauch und der Antibiotikaverbrauch für die komplette Herstellungs- und Transportkette des Produkts herangezogen werden. Einige Dinge würden dann teurer werden. Zum Ausgleich sollten Arbeitseinkommen steuerlich entlastet werden, was durch den Wegfall von umweltschädlichen Subventionen finanziert werden könnte. – Christine Tischer


Leserbrief zu „Nicht durchdrehen“ von Matthias Geis

Der Artikel lässt uns ruhig durchatmen nach den ständigen Wasserstandsmeldungen zum Thema Flucht und Abschottung. Die Obergrenze ist vom Tisch, aber Deklamationen reichen nicht. Stutzig wurde ich dann aber beim letzten Abschnitt, als es um die Ressourcen für die Eigenen und die Hilfsbedürftigen ging. Was, wenn beide Seiten zur selben Medaille gehören? Wenn unser Überfluss so schlecht verteilt ist, dass er daheim die wachsende Gruppe der Unzufriedenen speist und gleichzeitig im Zuge seiner Entstehung ein Heer an vertriebenen Kleinbauern und Klimaflüchtlingen (etc.) produziert werden. Sollte dem so sein, reichen Deklamationen in der Tat nicht mehr aus. – Johannes Stockerl


Leserbrief zu „Bitte genau hierhin!“ von Josef Joffe

Diese Persiflage war fällig! Viel besser kann man die heutige Vergabepraxis für Nobelpreise nicht geiseln. (Hoffentlich war das die Absicht des Verfassers!?) Denn auch dieser Nobelpreis war so überflüssig wie ein Kropf (der Kropf möge mir verzeihen!) Die“bahnbrechenden“ Erkenntnisse (des Preisträgers) hat doch jede(r) von uns schon bei der Morgentoilette!“!  Am originellsten war noch der zitierte Schlusssatz: „Wir brauchen mehr Forschung – und mehr Drittmittel.“   „Wirtschafts“-Psychologie – lange fallen wir nicht mehr auf Dich herein! – Helmut Lenhart


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Habe als betroffener Vater mit großem Interesse Ihren Artikel gelesen. Ich vermisse die positiven Beispiele. Gibt es keine? Meine Tochter ist mit ASF für ein Jahr in Israel und leistet einen Freiwilligendiest bei  alten und behinderten Menschen. Habe aus der Ferne einen guten Eindruck. – Franz Geberth


Leserbrief zu „Was wird aus der Paulskirche?“ von Benedikt Erenz

Endlich wird publik, worüber ich mich als Exil-Hesse besonders schäme: Als ich vor einigen Jahren meinen Kindern die Wiege der deutschen Demokratie gezeigt habe, traute ich meinen Augen nicht ob der Trostlosigkeit dieses einstmaligen Ortes der Hoffnung und des Aufbruchs. Die Paulskirche hat mehr verdient. Ich appelliere an die Verantwortlichen Frankfurts, sich dieser bedeutenden Stätte anzunehmen und großes zu wagen. – Franz Geberth


Leserbrief zu „Bitte genau hierhin!“ von Josef Joffe

Passend zu diesem Artikel über den Ökonomie-Nobelpreisträger Richard Thaler erinnert das vermeintliche Zitat von Einstein: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit“. Es stellt sich mir die Frage wie man eine Verhaltensökonomie vor dieser „hochwissenschaftliche“ Arbeit des Nobelpreisträgers angesehen hat nachdem plötzlich die wichtigste Lektion für ökonomische Akteure der Mensch erkannt wurde. Also das ist schon enorm obwohl seit Menschengedenken bekannt ist, dass der Mensch für all seine ökonomischen, ökologischen und persönlichen Handlungen selbst entscheidet (oder von anderen Menschen gezwungen wurde, deren Entscheidungen anzunehmen und umzusetzen – hier bekommt das „Nudgen“ eine Bedeutung). Ob dieser „Forschungsbeitrag“ nobelpreiswürdig kann jeder für sich selbst entscheiden, es sei denn, er übernimmt seine Entscheidung aus den Anleitungen von Nudge. Damit stehen wir wieder am Anfang und halten es wie Shakespeare „to be or not to be“, das ist dann die Frage! – Peter B. Sanden


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Eher Erfahrung als Hilfe. Natürlich ist „Elefantenwaschen“ keine Hilfe, aber eine Weitung des Blicks ist wichtig. Manche Veranstalter bieten fragwürdige Reisen an; aber jeder Versuch, an sozialen Brennpunkten zu helfen, schärft das Gewissen und baut Illusionen ab. Deswegen scheint mir die Darstellung des Artikels etwas problematisch. Denn gerade, wer wegen G8 keine Zeit für gesellschaftliche und politische Beteiligung hatte, sollte nach stromlinienförmigem Lernen im Schonraum Schule soziale Erfahrungen sammeln, die ihn befähigen, Lernen selbstbestimmter anzugehen, als es bei direktem Übergang von Schule zu verschulten Bachelor-Kursen möglich ist. Und Studenten, die aufgrund persönlicher Erfahrungen lokal für Hilfsorganisationen werben, die soziale Notlagen in einem anderen Land zu lindern suchen, können dazu helfen, hier in Deutschland eine realistischere Sicht auf andere Länder zu entwickeln.

Ein Beispiel: Weil eine Abiturientin 2008 in ihrem gap year in Gabun geholfen hat, eine hektographierte Zeitschrift für Schulen in vier westafrikanischen Ländern aufzubauen, wurde ich angeregt, deren Artikel in einem Blog zu veröffentlichen. Diese Schulzeitschrift gibt es (u.a. wegen einer Malariaerkrankung des Gründers) schon lange nicht mehr, aber der Blog ist seit 2010 von vier Kontinenten aus über 40 000 mal aufgerufen worden. Ich selbst war nie in Afrika und habe diese Abiturientin nur einmal getroffen. Doch das hat ausgereicht, dass ich u.a. bei Interviews mit Botschaftern, einem Ingenieur, einem Schriftsteller und einer Mitarbeiterin des Goethe-Instituts mitwirken konnte. Zumindest in diesem Fall war das gap year der Abiturientin gewiss mehr als ein Selbsterfahrungstrip. Weitere Beispiele würden zu weit führen. Mein Fazit: Unbedingt sollten Schüler Berichte wie ihren lesen, aber wenn sich alle dadurch abschrecken ließen, wäre es sicher ein Verlust. – Walter Böhme


Leserbrief zu „… sonst brennen die Kinos!“ von Lars Eidinger

Mein Name ist Kira, ich bin 29 und wohne in Moskau. Ich beobachte den Konflikt mit Mathilde sozusagen von drinnen. Ich bin ein großer Fan von Lars Eidinger, und es hat mir so weh getan, als ich seinen offenen Brief gelesen habe. Ich weiß, was für eine wunderschöne offene Person er ist, und dass es mehrmals in Russland war. Ich weiß aber auch, dass er nicht allein ist, wer Angst hat nach Russland zu kommen. Ich habe aber die letzten zehn Jahren gehofft, dass niemand mehr wird sowas von meinem Heimat sagen, dass man davor Angst hat. Es tut mir so leid. Ich will aber auch, dass man weiß, dass außer Natalja Poklonskaya es auch andere Leute hier gibt, die Kunst schätzen können, und die sich auf „Mathilde“ freuen. – Kira


Leserbrief zu „Herzlich Willkommen bei der Zeit“ von Wencke Karla Tzanakakis

Für Ihren Verlag ist das eine gute Einrichtung. So gewinnt man auch Abonnenten. Die jungen Menschen oder Studenten sind in einer Zeit herangewachsen, die von der Wissenschaft nur oberflächlich und dazu noch demagogisch belehrt worden sind. Der zerüttete Alltag ist Zeuge der vermasselten Schulkultur. Ich lehne mich schon seit über 20 Jahre dagegen auf. Es wird überhört oder gar nicht zur Kenntnis genommen. Jeder 4. Student bricht sein Studium wieder ab, weil er erkannt hat, daß er für ein Studium überfordert ist. Das spricht eine deutliche Sprache. Wenn ich meine Söhne in den öffentlichen Schulen belassen hätte, würde es Ihnen wahrscheinlich auch so gehen. Gestern las ich, daß in NRW die Lehranstalten noch schlechter bewertet worden sind. Das zeigt mir, nichts aber auch gar nichts haben die Pädagogen verstanden oder wollen es nicht verstehen. Ihre Veranstaltung macht durchaus Sinn. Trotz der Verkehrsbehinderung war das Haus offensichtlich gut besucht, das zeigt, daß Sie damit richtig lagen. Für mich hat eine solche Veranstaltung wenig politischen Nährwert, weil ich die Denke der Studenten oft zu spüren bekommen habe. Ich beschäftige mich mit unserer Schulkultur seit vielen, vielen Jahren. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Die Auflösung von Normen und Regeln durch „Rechtschreibung nach Gehör“ passt zu der von vielen Parteien gepflegten Politik der Beliebigkeit und des Wohlgefallens! Entsprechend sind die Ergebnisse mit einer beschleunigt zunehmenden Nivellierung der Ansprüche an Leistung und Haltung auf allen Gebieten. – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Der Artikel gibt vor, das zu liefern, was die fanatischen Eiferer vermissen lassen: Ahnung und konkrete Fakten. Dabei lässt der Autor selbst jegliche Auseinandersetzung mit den Grundlagen der Lese-Schreib-Methoden außer Acht und beschränkt sich auf statistische Werte und subjektive Meinungen der Befürworter. Ich habe mich mein ganzes Lehrerleben mit diesen Fragen beschäftigt und stelle deutliche Parallelen zur Ganzheitsmethoden der 60/70-er Jahre fest. Von den Hochschulen als überlegen eingestuft und in vielen Schulbezirken fast administrativ verordnet, war sie über jegliche Kritik erhaben. Die Ergebnisse dieser unseligen Methode waren katastrophale Leistungen in Zentraldiktaten meiner Klasse, die ich als Junglehrer übernahm. Ähnliche Erfahrungen machte ein Freund. Mit großem Elan unterrichtete er seine 1.Klasse natürlich nach der modernen Methode und musste nach einigen Monaten erkennen, dass fast ein Drittel der Schüler Lese- und Schreibprobleme hatte, während in der Klasse der Schulleiterin nach der Lautiermethode kein Kind auf der Strecke blieb.

Wir beide erkannten, dass die grassierende „Legasthenie“, von der auch intelligente Kinder betroffen waren, ein selbstgemachtes Problem war. Folgende Parallelen sehe ich zum „Lesen durch Schreiben“:

  1. Auch diese Methode wird als das non plus Ultra beworben  und besonders von der jungen Lehrergeneration nahezu unkritisch umgesetzt.
  2. Die fachdidaktischen und fachpsychologischen Grundlagen werden kaum hinterfragt. Die Theorie von Professor Reichen ist in wesentlichen Teilen fragwürdig.
  3. Die Zahl der „Legastheniker“ ist wieder epidemisch angestiegen. Gemildert werden die negativen Befunde durch Maßnahmen, die im Artikel erwähnt werden: die reine Lehre von Reichen wird kaum noch angewandt. Viele Lehrkräfte kombinieren sie mit anderen Methoden.

Es bleibt die Frage, warum dann noch dieses Verfahren? Der Autor räumt selber ein, dass Ausländerkinder, (aber auch Kinder aus sprachlich retardierten Milieus) Schwierigkeiten haben. Zu dieser Einsicht bedarf es keiner wissenschaftlichen Studien. Übrigens: Die allseits gepriesene Anlauttabelle ist keine Erfindung von Reichen und wurde auch von mir schon lange vorher eingesetzt. – Johannes Klüppel


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Der Autor dieses Textes scheint mir nicht sehr lebenstüchtig zu sein. Da steht er also vor dem Supermarkt und hat ein schlechtes Gewissen, weil er die Einkäufe nicht nach Hause tragen möchte, es gleich regnet, und er deshalb trotz kurzem Weg sein Auto benutzt. Lieber Herr Rohwetter, kaufen Sie sich doch ein Fahrrad. Der Händler montiert Ihnen gerne einen Korb auf den Gepäckträger, da kann man eine Menge Einkäufe transportieren. Und gehen Sie in ein Bekleidungsgeschäft. Da gibt es wasserdichte Jacken oder Mäntel mit Kapuzen. Damit ausgestattet kann man auch mal ein paar Einkäufe im Regen nach Hause tragen. Es gibt übrigens im Internet Wettervorhersagen, so dass man, wenn es morgen viel regnet, heute etwas mehr einkaufen kann. Ich habe seit beinahe 20 Jahren kein Auto mehr und trotzdem immer genug zu essen im Haus. Also keine Sorge! – Wolfgang Ludwig-Mayerhofer


Leserbrief zu „Am Ende zählen die Jobs“ von Caterina Lobenstein

Alle sind sich einig: Die Armutsmigration lässt sich nur am Ursprung stoppen, alse in den Herkunftsländerm. Alle sind sich ebenfalls einig: Einwandern dürfen nur die Qualifizierten, die hier „gebraucht“ werden. Es ist schwer unverständlich, dass man sich diese Widersprüche seit Jahren anhören muss. In den Herkunftsländer lässt sich nur etwas bewirken, wenn dort Leute mit Qualifikation etwas aufbauen, und genau diese Leute will man krampfhaft abwerben. Regelmäßig wird diese Kritik krampfhaft überhört. Insgesamt schwer verständlich, aber nicht unverständlich: Offensichtlich haben zu viele dieser Experten vergessen, laut HIER zu brüllen, als Gott das Gehirn verteilt hat. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Ottes Welt” von Mark Schieritz

Es ist zu spüren, das ihre Redaktion eine solche Meinung gar nicht gern veröffentlicht. Der Mann gefällt mir aber, schon deswegen, weil er meinen Briefstil die Ehre hält und auch die AfD wählt. Der Mann schwimmt gegen den Strom, auch das zeichnet ihn aus. Nicht unbedingt deswegen. Er schwimmt gegen den Strom weil die Strömer völlig verkehrt unterwegs sind. Sie wissen es nur nicht. Die stellen sich später hin und fragen allen Ernstes: wie konnte das nur passieren. Wenn die in ein Loch fallen, fragen die sich auch: wie konnte das nur passieren. „Frau Merkel ist ist die schlechteste Kanzlerin der Nachkriegszeit.“ Das stimmt doch. Josef Joffe oder Iris Radisch würde das anders formulieren. Es stimmt trotzdem. Frau Merkel ist ein Neutrum. Man weiß nie genau, was sie als nächstes wieder ausheckt. Sie ändert wie ein Chamälion ständig ihre Farbe. Da hat sie was mit Donald Trump gemein. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Schon lange nicht hat mit ein Artikel in der ZEIT so tief berührt wie der Bekenntnisbericht von Murat Kurnaz. Da spricht einer aus Erfahrung, der Schreckliches durchlebt hat, dabei nicht verbittert ist, der seinen Horizont ungemein geweitet hat und der eine Ahnung davon hat, wie es wirklich um die Dinge auf der Welt steht. Alle Achtung! Wenn nur alle so dächten, sie würden begreifen, wie gut es den Menschen geht und was wirklich Not tut in diesem vielleicht freiesten Land der Erde. Und all die Grantler und AfD-Sympathisanten würden im Abseits verschwinden. – Josef Welle


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Was für ein Riesen-Aufmacher, erste Seite: „Konsum oder Moral – ein Selbstversuch“ – dann erste Seite Wirtschaftsteil „wie ich als Verbraucher fast den Verstand verlor“ und „beauftragt vom Parlament der Leser“ : höher kann man die Erwartungen wohl nicht hängen. Wie enttäuschend dann der Artikel selbst! Der Selbstversuch scheint sich auf einen verlängerten Aufenthalt im Supermarkt des Autors beschränkt zu haben, wo er sich dann müßige Gedanken darüber macht, wie ach so schwer die Last der Entscheidung = Verantwortung ist und zum wohlfeilen Fazit kommt: naja, kann man eh nicht wirklich was ändern, die andern tun es ja auch nicht, also probier´ ich einfach mal, so ein bisserl besser als die anderen zu sein. Na toll!

Das soll Journalismus sein? Wenn der Journalist denn tatsächlich Öko und regional konsumieren möchte, reichen ca. 3 Suchanfragen bei Ecosia (guter Tipp für moralischen Komsum) Stichworte „Ökokiste“ – Solidarische Landwirtschaft – Wochenmärkte  – bzw. im ländlichen Raum „Biobauern Hofverkauf“ und schon hat man mehrere Möglichkeiten, seinen moralischen Vorstellungen machzukommen, so sie einem denn etwas wert sind. Oder: Greenpeace rät: ökologisch vertretbar ist 1 Fisch pro Monat pro Person – auch ein einfach zu befolgender Ratschlag, den man einfach so weitergeben und befolgen kann, ohne das Jammern über die verschiedenen Siegel anzuheben und dabei zu bleiben. Ein weiterer Vorschlag wäre, mal den Begriff „positiver Journalismus“ zu recherchieren und vielleicht danach zu handeln: Immerhin beanspruchen Sie etliches an Raum und Aufmerksamkeit mit Artikeln wie diesen, da würde ich mir wünschen, dass Sie auch Ihre Verantwortung als Journalist etwas höher hängen, was Ihren Einfluss auf LeserInnen angeht. Wohin führt denn die immer gleiche Aufzählung von Vorwänden, wieso wir in Trägheit und Konsumismus verharren dürfen wenn nicht genau wieder in Trägheit und Konsumismus? – Eleanora Allerdings


Leserbrief zu „Ottes Welt” von Mark Schieritz

Sie schreiben „Und was ist mit Leuten wie Björn Höcke, der das Holocaust-Mahnmal in Berlin als ‚Denkmal der Schande‘ bezeichnet?“. Ich bitte um Erläuterung, was an dieser Äußerung Höckes zu beanstanden ist. Was ist denn Ihrer Ansicht nach das für ein Denkmal? Eines des Ruhmes Deutschlands? Natürlich ist es ein Denkmal der Schande, nämlich der Schande des begangenen Holocausts. Höcke hat doch nicht gesagt, das Denkmal ist eine Schande. – Reiner Felkel


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Sie fordern ein Signal gegen Terrorismus? Wir auch! Mit wir meine ich uns Ahmadi Muslime, die sich klar zu Deutschland und gegen jegliche Art von Extremismus bekennen. Ich möchte Ihnen einige Kampagnen der Ahmadiyya Muslim Gemeinde KdöR näher bringen, die hoffentlich klar werden lassen, dass es durchaus Muslime gibt, die sich schon Jahrzehnte vor dem Appell von Herrn Kurnaz immer wieder von jeglichen extremistischen Aktivitäten distanzieren, indem die Gemeindemitglieder nach den friedlichen, wahren und ursprünglichen Lehren des Islam leben. So ist unsere feste Überzeugung, dass der Islam wunderbar das Grundgesetz unterstützt und alle Muslime anweist, das Gesetz des Landes, in welchem sie leben, zu achten.

Sie haben vollkommen Recht, wenn Sie sagen, dass das auch unser Land ist. Wir werden hier geboren, gehen hier zu Schule und arbeiten in diesem Land – für unsere Mitbürger: Ein herzliches Geben und Nehmen. Das schließt aber mit ein, dass wir unserem Land etwas zurückgeben müssen. Das Land, was uns so vieles ermöglicht hat, ist Deutschland. Die Loyalität, die wir unserem Heimatland gegenüber erweisen müssen, ist auch in der islamischen Lehre vorgeschrieben. Diesbezüglich sprach der Bundesvorsitzende unserer Jugendorganisation, Herr Hasanat Ahmad, auf der jährlichen Hauptversammlung der Gemeinde dieses Jahr in Karlsruhe und sagte:

„Es spielt keine Rolle welche Hautfarbe wir haben, welche Sprachen wir alles sprechen, welche Herkunft wir haben – wir sind alle Deutschland. Wir halten deine Flagge hoch! Wir sind dir gegenüber treu, denn Du bist unsere Heimat! Unser geliebter Heiliger Prophet Muhammad, hat uns Deine Liebe gelehrt.“

Ein brandaktuelles Ereignis, dass unser Bekenntnis zu Deutschland bekräftigt, ist die Luftbildaktion der Ahmadiyya Jugendorganisation anlässlich ihrer Jahresversammlung vor ein paar Tagen. Dabei haben über 8000 Teilnehmer der Jugendorganisation einen Rekord aufgestellt und die größte Deutschlandflagge abgebildet. Die Gemeinde gliedert sich in Unterorganisationen. Die Frauen und Mädchen haben eine unabhängige und 1922 gegründete Organisation mit eigenen Veranstaltungen. Die Gemeinde bemüht sich konstant um Dialoge mit allen Menschen. (http://www.blick-aktuell.de/Berichte/Muslime-zeigen-in-Mendig-Flagge-291227.html)

Auch die Hauptjahresversammlung der Gemeinde, die Jalsa Salana, findet in Deutschland seit über 40 Jahren unter dem Motto „Liebe für Alle, Hass für Keinen!“ mit ca. 40.000 Besuchern friedlich und ohne Komplikationen statt. Die Lehren des Islam lauten in ihren Essenzen: Der Dienst gegenüber dem Schöpfer und an seiner Schöpfung. Heutzutage gilt es, unsere Religion mit Weisheit und Selbstbewusstsein zu kommunizieren. Gute Taten müssen vollbracht werden, denn so lehrt es uns der Koran. Natürlich fühlen wir uns nach Schmähvideos oder -karikaturen angegriffen und zutiefst verletzt. Allerdings gibt uns der wahre Islam nicht das Recht, über das Leben oder Sterben eines Menschen urteilen zu dürfen. So dürften wir, lieber Herr Kurnaz, auf einen gemeinsamen Nenner kommen: Friedlichen Diskurs führen! Dialoge fördern! Die Feder benutzen, um aufzuklären! Das sind die Devisen! – Intesar Ahmad


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Was für ein substanzloses Geschreibsel. Herr Rohwetter hat mit seinem Artikel die Definition von Stream-of-consciousness-Journalismus geliefert. Finde ich jedenfalls, dachte ich mir gerade eben irgendwie, so feelingmäßig, ihr wisst schon, Freunde! Nach der Lektüre weiß ich nun, was in Herrn Rohwetters Gedankenmaschine live vor sich geht. Nämlich wabernde Wolken mit folgender Struktur: „Afrika geht es noch nicht besser, trotz des (bestimmt riesigen) Anteils an fair gehandelten Produkten. Vielleicht ist ja Fairtrade gar nicht so gut?“ Oder: „Wenn Elendskinder arbeiten wollen/müssen, um zu überleben, ist Kinderarbeit am Ende vielleicht gar nicht so übel?“ Oder: „Ich armes kleines Individuum kann ja so wenig verändern, und wer weiß schon wirklich, was wirklich (also wirklich wirklich) wahr ist? Also lasse ich im wesentlichen alles beim Alten, was mein Konsumverhalten angeht, und das mit der Moral überlasse ich den diesen schrulligen Hardcore-Ideologen. Praktisch für mich, da ich eh ein bequemer Typ bin, und voll dazu stehe.“

Das dergestalt munter dahinplätschernde „Es-denkt-und-fühlt-in-mir“ des Herrn Rohwetter könnte geradezu anrührend in seiner kindlichen Unbedarftheit, in seinem wohlfeilen Abiturientenskeptizismus und seiner beinahe schon stolz präsentierten Ratlosigkeit sein, wenn es in den hier ausgestellten Begründungsmustern und Konsequenzen nur nicht so unglaublich zynisch wäre. „Ausbeutung, Tier-KZs, Ressourcenvernichtung, Vergiftung, über 80% ungesunder Ramsch in den Regalen, grassierende Fettsucht der überzuckerten Bevölkerung, und und und… – mir doch egal, solange ich ab und zu auch mal was mit „Bio“ drauf kaufe, fürs gute Gewissen.“ Das wichtige Thema Konsum mit all seinen Bezügen zu Kapitalismus, Ethik, Ökologie und Gesundheit hat eine dermaßen läppische psychologisierend-reduktionistische, ja geradezu (man muss es leider so nennen) dämliche Behandlung nicht verdient. Lars Jacobsen


Leserbrief zu „Mit Terpentin im Weinglas“ von Susanne Mayer

Ihre Artikel sind stets inhaltsreich, klug und präzise formuliert. Es macht Spass sie zu lesen! In Ihrem letzten Beitrag hat es an ebendieser Präzision ein wenig gefehlt. Sie haben die Malerin zweimal sterben lassen, was insofern tragisch ist, dass es z. B. dem österr. Politiker Adolf H. besser zu Gesicht gestanden hätte, wäre er nicht 1945 sondern schon in 1939 dahingeschieden! Der Menschheit wäre viel Unheil erspart geblieben. Nichts für ungut! – Uwe Büssing


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Sorgen bekam ich bereits, als ich den kleinen Kasten mit dem Titel „Wirtschaft erleben“ las. Subjektiv, persönlich, streitbar und mit klarem Ich-Bezug wollen Sie ab jetzt wichtigen Wirtschaftsfragen näher rücken. Den Anfang dabei macht gleich eine Titel-Story der ZEIT: Konsum oder Moral? Subjektiv, persönlich, streitbar und mit klarem Ich-Bezug, das kann ich auch. Konsum oder Moral? – eine Fragestellung, in der vielschichtige, interessante und streitbare Einzelaspekte stecken. Nun folgt allerdings ein Artikel, der dem resignierten Tagebucheintrag eines verwirrten Großstadtzeitgenossen gleicht, aber in keiner Weise eine ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema ist. Zusammenfassend könnte der Artikel auf drei Zeilen zusammenschnurren und heißen: „Ich bin total überfordert im Supermarkt, da ich nicht weiß wie ich verantwortungsvoll konsumieren kann, denn ich bekomme tausend widersprüchliche Informationen. Um mich doch irgendwie gut zu fühlen, mache ich manches so, wie ich glaube, dass es richtig ist.“

Das empfinde ich leider als ein ziemliches Armutszeugnis. Also auch die führenden Journalisten der Republik haben keine Ahnung, wie man verantwortungsvoll konsumieren kann, klar. Aber sie versuchen nicht einmal Klärung herbeizuführen? Ok, geteiltes Leid ist halbes Leid. Wenn es auch der ZEIT so geht, muss ich mich ja auch um nichts mehr kümmern. Man muss Herrn Rohwetter zu Gute halten, dass er tatsächlich subjektiv, persönlich und auch mit klarem Ich-Bezug schreibt. Aber ist das wirklich ein interessanter Standpunkt zum Thema? Leider präsentieren Sie diese Form des von mir als Küchenklatsch empfunden Textes nun als neuen journalistischen Ansatz für den Wirtschaftsteil der ZEIT. Für mich ist das ein Trauerspiel. Ich hatte gehofft mit der Rubrik „Z“ wäre schon eine Abstellkammer für subjektives Blabla mit klarem Ich-Bezug gefunden worden.

Scheinbar muss sich die immer weiter fortschreitende Lifestyleisierung der ZEIT ökonomisch sehr lohnen, sonst kann ich mir nicht vorstellen warum Sie nun auch den Wirtschaftsteil preisgeben. Aber in Bezug auf die Titelfrage: Konsum oder Moral? macht es mich sehr traurig, dass Sie zwei Seiten ihres vermutlich chlorfreien Recyclingpapiers für so ein Nichts geopfert haben. Thomas Fiedler


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Danke für das Aufgreifen des Themas Rechtschreiblernen. Die Bildungstrendstudie ist nun da und das Befürchtete ist eingetreten: deutlich nachlassende Rechtschreibleistungen. Es tut für den Rechtschreibforscher weh, lesen zu müssen, dass die Faktenlage in diesem Zusammenhang dünn sei, denn das Gebiet des Rechtschreiblernens und auch der qualitativen Fehleranalyse ist außerordentlich präzise und gut erforscht, ich selbst hatte dazu ein Forschungsprojekt  bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft und einen Platz in der Pisa Nachfolgestudie (DESI, Deutsch Englische Sprachkompetenzen International), und z. B. auch Günther Thome, Ute Andresen, Renate Valtin und Carl Ludwig Naumann haben Präzises dazu geliefert.

Es ist deutlich, dass im natürlichen Rechtschreiberwerb eine Phase des lautierenden Schreibens durchlaufen werden muss, dass sich aus Mängeln im deutschen Lautbesitz z. B. bei Migranten mit starker Erstsprache Fehler aus dem anderen Lautsystem (Interferenzen) einschleichen und dass relativ schnell und konsequent an der Verbesserung von Lautfehlern durch Unterricht in den Rechtschreibregeln (orthographische Phase) schon ab dem 2. 3. Schuljahr gearbeitet werden muss. Der deutliche Rückgang der Rechtschreibleistungen hat nicht nur mit den im Artikel angesprochenen Methoden (Lesen durch Schreiben, Schreiben nach Gehör) zu tun sondern vielmehr mit veränderten kulturellen Gegebenheiten (Überlastung der Eltern, Kinderarmut, Migration…). Und der Rückgang hat mit zu heterogenen Lerngruppen, sowie – vom Autor richtig bemerkt – der Überforderung der Lehrkräften im Schulalltag zu tun. Ich selbst habe mich mit der „Forschungs- und Beratungsstelle für lese-rechtschreibschwache  Kinder“ an der Universität Oldenburg, meine Frau als Lerntherapeutin diesem Bereich ein ganzes Berufsleben eingesetzt. – Prof. Dr. Wolfgang Eichler


Leserbrief zu „Totalausfall? Unsinn!“ von Udo Michallik

In diesem Text zeigt sich DAS Problem unseres Schulsystems: er ist verfasst von einem Mann, der die Schule nur aus seiner eigenen Schulzeit kennt, aber nicht die Schulwirklichkeit als solches. Ich war über vierzig Jahre Lehrer und es war vielleicht zweimal für ein Schulhalbjahr der Fall, dass die Lehrerversorgung 103/4/5 Prozent betrug. In allen anderen ca. 80 Fällen lag sie weit unter 100 Prozent, teilweise 90 und weniger. Allein diese Tatsache zeigt schon den vorhersehbaren Unterrichtsausfall, ohne die anderen Gründe wie Krankheit, Klassenfahrten, Fortbildungen etc. Wie dieser Mensch also in diesem Zusammenhang auf das Wort „Unsinn“ kommt, ist und bleibt jedem, der sich mit Schule auskennt, ein Rätsel. Wir sprechen hier von den staatlichen Schulen – eine private Schule in anderer Trägerschaft hat da andere Möglichkeiten und mag flexibler sein.

Sein komplettes Unwissen demonstriert er aber mit dem letzten Absatz: „… Eine mit Eltern abgestimmte Schuljahresplanung und rechtzeitig bereitgestellte Informationen …“ Wie dumm kann man eigentlich sein? Dann planen wir mal, dass Frau M. in neun Wochen schwanger wird, Herr F. sich ein Bein bricht und bei Frau S. Krebs diagnostiziert wird. Zusätzlich stelle man sich vor, wie bei einer Schule mittlerer Größe, etwa 550 Schülerinnen und Schüler, mit den Eltern etwas „abgestimmt“ werden soll. Der Typ geht bei Eltern von Mutter – Vater aus, wie naiv und weltfremd ist das denn in unserer heutigen Welt, ich kann die unterschiedlichen „Elternkonstruktionen“ gar nicht alle aufführen. Mit einem Wort: was macht dieser Mann in seiner Funktion als Generalsekretär der KMK? Dann kann die Äbtissin vom Kloster xy auch das Training bei Bayern München übernehmen. – Oskar Feder


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz und zu „Das Männer-Ding” von Johannes Ehrmann

Ein ganz großes DANKESCHÖN an Murat Kurnatz und Johannes Ehrmann für Ihre berührenden Beiträge in der neusten ZEIT. – Ulrike Weber


Leserbrief zu „Unter Äpfeln“ von Michael Allmaier

In der Ausgabe schreiben Sie einen interessanten Artikel über Äpfel. Ich möchte Ihnen dazu einen kleine Ergänzung geben. Sie führen die Apfelsorte Edler von Borsdorf an. Ich vermute mal,  das diese Sorte mit unserem Pohrsdorfer Apfel identisch ist. Nach unserer Dorfchronik stammt diese Apfelsorte  aus unserem Dorf. Er war früher der erste lagerfähige Apfel. Das Andenken dieses Apfels wird bei uns sehr hoch gehalten. Fast in jedem Obstgarten steht so ein Apfelbaum. Wenn Kinder geboren werden, so wird der Neuankömmling mit der Pflanzung eines solchen Apfelbaumes geehrt. So sind in unserem Dorf schon etliche Streuobstwiesen entstanden. Natürlich haben wir auch eine Apfelkönigin. Dies ist eine, meist junge, Frau aus unserem Ort.  Mit ein paar Bildern möchte ich die Geschichte illustrieren. – Gerhard Böde


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Ich kaufe seit einigen Monaten regelmäßig die ZEIT und beschäftige mich seit ein paar Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit in allen Aspekten des Lebens (zB habe ich seit 2 Jahren einen Schrebergarten, achte bei fast allen Einkäufen auf die Herkunft, seit über 2 Jahren keine Flugreisen), so auch beim Lebensmittelkauf. So hat es mich sehr gefreut, das Titelthema Konsum & Moral zu lesen. Allerdings finde ich, dass der Artikel von Marcus Rohwetter viel zu kurz greift, gerade im Hinblick auf den Status eines Leitartikels. Stattdessen hätte ich mir mehr Darstellungen von Möglichkeiten gewünscht, wie jeder / jede sein / ihr Leben nachhaltiger gestalten kann.

So wurde zB für Großstädter die Möglichkeit des Einkaufs auf Wochenmärkten nicht erwähnt (dort kann man ohne Verpackungen und sehr häufig echtes Bio vom Bauernhof aus der Nähe bekommen), auch fehlt die Erwähnung der Beteiligung an solidarischen Landwirtschaften (Vorfinanzierung der Ernte eines Hofes in der Nähe, im Gegenzug Ernte für die ganze Saison), Urban Farming / Urban Gardening und der Anbau von Obst/Gemüse in den immer beliebter werdenden Schrebergärten. Für die Landbevölkerung gibt es die Möglichkeiten, recht unkompliziert in Hofläden bei Bauernhöfen einzukaufen, oder Obst / Gemüse selbst zu pflücken auf den Feldern beim Bauern. Und überdies bieten die vorgenannten Möglichkeiten auch die Chance zum Aufbau einer Gemeinschaft (insb. Schrebergärten, Urban Farming/Gardening), machen nachgewiesen glücklich (Bewegung an frischer Luft im Grünen beim Gärtnern), und sind nicht kompliziert oder nervig wie der beschriebene Supermarkt-Einkauf. Der soziale Aspekt ist mit dem nachhaltigen Denken meiner Erachtens untrennbar verwoben.

Entgegen der Aussage im Artikel finde ich zudem sehr wohl, dass jeder die Verpflichtung hat, nach seinen jeweiligen Kapazitäten (abhängig von Einkommen und Lebenssituation wie zB Kinder oder zu pflegende Angehörige), nachzudenken über die gegenwärtige Nutzung der Ressourcen des Planeten, denn diese sind endlich. Und je mehr unsere Generation bereits verbraucht, desto weniger wird zukünftigen zur Verfügung stehen. Aufgrund des Vorgenannten wünsche mir für zukünftige Artikel in diesem Themenfeld, insbesondere bei Titelthemen, dass diese vollumfänglich berichtet werden und möglichst viele Aspekte zum Thema, wie oben beschrieben, erwähnen. Und diese sollten einen positiveren Klang haben, denn nachhaltig denken und handeln macht Spaß, glücklich, und bildet Gemeinschaft. – Julia Möller


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Wer wie Marcus Rohwetter als erklärter Gegner der Massentierhaltung nach zweimonatiger Recherche immer noch ratlos vor dem Eierregal im Supermarkt steht, hätte sich lieber nicht an den zentralen Artikel der Zeit über das Titelthema Konsum oder Moral heranwagen sollen. Am Ende findet der überforderte Autor zwar keine Lösung, dafür aber wenigstens Verständnis für seine aktuelle Lage vor dem Eierregal bei dem Philosophie- und Ökonomieprofessor Priddat, der es schließlich wissen muss: Er (M.R.) weiß zwar eine Menge, kann diese Informationsmasse vor dem Supermarktregal aber nicht einordnen. Die Details erschlagen ihn. So kauft er einfach irgendwas, in diesem Fall die billigen Eier.

Dabei ist es kinderleicht, von der ersten Ziffer des Stempels auf dem Ei auf die Art der Tierhaltung zu schließen. Noch einfacher wäre der Einkauf im Bioladen. Leider scheinen dem Autor aber Bioläden nicht bekannt zu sein. Seine Vorgehensweise hat Methode: Durch gezielte Auswahl geeigneter Beispiele, z.T. auch durch Desinformation werden einfache Konsumentscheidungen künstlich verkompliziert und Verwirrung gestiftet. Am Ende der Verbraucher-Odyssee entsteht jedes Mal der Eindruck, dass alles Wissen und Nachdenken unnütz ist und zu keinem klaren Ergebnis führt. M.R. hätte dabei sogar fast den Verstand verloren. So geht er am Beispiel von Fairtrade anhand von China langatmig und ergebnislos der Frage nach, ob das Bekenntnis zu kleinbäuerlichen Strukturen wirklich sinnvoll ist. Dabei geht es Fairtrade um ganz anderes: um Nachhaltigkeit und die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen, egal ob für Kleinbauernkooperativen oder Plantagenbeschäftigte. Die entsprechenden Erfolge lassen sich in Afrika und Lateinamerika leicht beobachten.

Es ist heute gar nicht mehr so schwer, durch verantwortliche Konsumentscheidungen einen kleinen Beitrag zu leisten etwa gegen menschenunwürdige und gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern, gegen den Kahlschlag des Tropenwaldes, gegen Umweltverseuchung, gegen grausame Massentierhaltung oder gegen die Abschlachtung von Robbenbabies. Dank dem Einsatz von Umweltverbänden, NGO`s und auch staatlichen Stellen gibt es seit Jahrzehnten verlässliche und unabhängig kontrollierte Zertifikate und Marken, die dem verantwortlichen Konsumenten seine Entscheidungen leicht machen, etwa das FSC-Siegel für nachhaltige Holzwirtschaft oder den Umweltengel. Hätte M.R. in diese Richtung recherchiert, hätte er sicher einige nützliche Tipps geben können, anstatt verantwortungsbewusste Konsumenten lächerlich zu machen und unter Ideologieverdacht zu stellen. Schade. Eine verpasste Chance. – Friedrich Thimme


Leserbrief zu „Das Männer-Ding” von Johannes Ehrmann

Gerade habe ich Ihren Artikel gelesen. Ich bin ganz hin und weg und möchte Ihnen für diesen großartigen Text danken. Schon nach den ersten Absätzen hatte ich gelacht und geweint. Ihre Worte transportieren eine ganz besondere Intimität. – Lina Huppertz


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Frage 1: Konsum oder Moral? Diese Frage wurde bereits vor Jahrzehnten sinngemäß von Bertolt Brecht beantwortet. Frage 2: Kann man politisch korrekt einkaufen? Sicherlich, alles was unser Staat „erlaubt“ ist politisch korrekt. Alle 4 Jahre wählen wir unsere Bundestagsabgeordneten (jetzt sind es schon 709), die das richten. Ob diese dabei ethisch oder moralische Gesichtspunkte berücksichtigen, da habe ich meine Zweifel. – Peter Baltzer


Leserbrief zu „Ottes Welt” von Mark Schieritz

Ich habe mich nie mit Herrn Otte beschäftigt. Seine politischen Ansichten interessieren mich derzeit nicht wirklich. Ihren Artikel wollte ich erst auch nicht lesen, blieb dann bei einer Tasse Kaffe doch dran hängen. Meine Anmerkung bezieht sich deshalb nicht auf Herrn Ottes Positionen, sondern auf eine Ihrer Aussagen. „Die Grenzen schließen und die exportabhängige deutsche Wirtschaft in den Ruin treiben? Spielen Sie damit auf Grenzkontrollen und auf die Position an, dass nicht einfach jeder der möchte unkontrolliert, unabhängig von seiner Herkunft und Motivation, unabhängig von seiner Vorgeschichte und ohne Papiere nach Deutschland kommen kann? Falls ja, ist das sehr, sehr polemisch, besteht doch zwischen Grenzkontrollen und dem möglichen wirtschaftlichen Ruin Deutschlands kein kausaler Zusammenhang. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Politik gegen das Volk“ von Kerstin Kohlenberg

Ich erlaube mir zu vermuten, Sie sind im Besitz eines Dr.-Titles, aber es ist nicht zu erkennen; ich darf mich als Mittelschüler, gelernter Ingenieur und Rentner vorstellen, der sich wundert, den „Errasmus von Washington“ in Schutz zu nehmen. Zwei Themen, die mich aufregen. A)Sie bemängeln, dass „Herr“ Trump die Steuern für Reiche senken will, obwohl die Mehrheit der Nation dagegen ist…Man muss nicht viel gelernt haben, um diesen Satz zu schreiben, aber sicherlich noch weniger begriffen haben: Reiche zahlen keine Steuern! Sie preisen sie in ihre Einkommens-Anforderungen ein! Doof? – Nein! Die hohen Steuern eines Zahlarztes, und der ist noch nicht einmal als „reich“ zu bezeichnen, beinhalten die hohen Steuern, die er „vermutlich“ zu zahlen hat. Würde er den durchschnittlichen Steuersatz zahlen, dann fiele die Rechnung anders aus, und ich könnte mir so schöne Zähne leisten wie der Herr von der Lufthansa, der vor lauter Selbstverliebtheit den Mund nicht mehr zu bekommt.Meine Zahnärztin ist, um das Thema aufzulocker, eine ganz schlaue. Sie arbeitet nur halbtags. Ihr langt das. Darf sie, darf sie. Sie stellt die hohen Gebührensätze in Rechnund, verdient die Hälfte, zahlt Steuern nur für die Hälfte, was durch die Progressivität hoch ins Gewicht fällt, und verdient so überproportional. Ist einbisschen schwer zu verstehen. Wenn Sie wollen, schreiben Sie mir, und ich rechne es Ihnen aus. Gerechtigkeit? Wenn jemand gar nicht und ein anderer sechs Monate für den Staat arbeitet? Fuck!Ich plädiere für einen festen Est-Prozentsatz für alle (alle), und zwar oberhalb des Einkommens.

Wie eine MWSt. Dann hat auch die BrötchenVerkäuferin das Gefühlt (und darum geht es doch), derIhr Artikel „Politik gegen das Volk“ Verbraucher zahlt die Steuern – so – wie es in der Wirklichkeit der Fall ist. Nur die Sozialisten wollen uns weiss machen, dass sei anders und halten Charlatan-like ihre Klientel bei der Stange. Ganz selbstlos.Nein, ich zähle nicht zu den Reichen. Ich war selbständig arbeitender Ingenieur und habe meine Steuern mit Stolz bezahlt. Und das Einpreisen der ESt. War auch kein Problem, denn die, die mir beruflich das Wasser reichen konnten, haben mich nicht unterboten; sie benötigten genauso wie ich ein entsprechendes Honorar. B)Sie beklagen die laschen WaffenGesetze der USA. Richtigerweise beklagen Sie, dass Waffen in falsche Hände geraten: Psychopathen, Kriminelle, Deprimierte…..30% der Tötungen durch Waffen, sagen Sie, seien Morde. Schön, so zu argumentieren.Die absolute Zahl an Tötungen durch Waffen ist schon sehr hoch. Aber man bedenke, dass Amerika eine ganz andere soziale Struktur hat, als Europa. Nein, nicht anders, schlimmer; denn auch wir hierhaben die Mafia: die italienische, die griechische, die türkische, die libanesische und was weiß ich. Nur von einer deutschen Mafia habe ich nie gehört. Ab und zu fliegt mal ein kriminelles Netzwerk auf, aber deutsch? Kann nicht sein. 60% der Tötungen seien Selbstmorde. Nun, das können wir aber abhaken.

Diese Leute könnten auch einen Strick nehmen. Stricke wollen Sie ja dann doch nicht verbieten. Zugegeben, es ist etwas leichter, sich zu erschießen als sich aufzuhängen. Ja, ja, das schon. Und bei uns?Der junge Mann von München, dieser Neuro-Killer, der hätte sich seine Waffe gar nicht im Dark-Net besorgen müssen; er hätte nur einem Schützen-Verein betreten müssen. Nach einem Jahr unauffälligen Verhaltens hätte er sich ganz legal jede Waffe und so viel Munition besorgen können, wie er hätte wollen. Die Deutschen sind bewaffnet bis an die Zähne. Unter strengen Auflagen, schön. Aber die muss man ja erst einmal einhalten. Und hinter jedem Waffen-Tresor kann man ja auch keinen Aufpasser stellen. Ich plädiere dafür, dass Waffen technisch so gesichert sind, dass sie nur vom Besitzer bedient werden können. Das ist machbar, aber offensichtlich nicht gewollt. Es wäre schon mal eine große Hilfe. Aber mit solch einer Trulla an der Spitze des Staates, wird da niemals etwas draus. Und wenn das nicht die Aufgabe des Bundeskanzlers sein soll, dann ist es auch nicht die des US-Präsidenten. Zudem, die Waffengesetze unterliegen den einzelnen US-Staaten und sind außerordentlich verschieden.Und bei uns?Nicht einmal zu einer reduzierten Geschwindigkeit können sich die Deutschen durchringen. Ich willdazu einmal den Satz wiederholen, den ich von einer Afrikanerin in Erinnerung habe: was auf deutschen Straßen abläuft, das grenze an Menschen-Opfer-Ritualen…….Nein, ich bin kein Grüner, ich fahre 220PS, und fühle mich auf Frankreichs Strassen am wohlsten. Aber ich bin auch froh über diese Leistung, darüber, beschleunigen zu können, um das nächste Ende einer LKW-Schlange erreichen zu können, wenn aus 2 km Entfernung so ein Löhli aus der Schweiz blinkt, um mir mit seinen 250 Sachen mit zu teilen, ich möge mich beeilen, rechts ‚ran zu fahren, er habe es eilig, das Scmier- und SchwarzGeld außer Landes zu schaffen. – G. Roth


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Ich möchte zu dem exzellenten Artikel gratulieren. Ich bin seit mehr als 15 Jahren Vegetarier, weil mir die Art der Tierhaltung weh tut. Wer gibt dem Menschen das Recht, derart unmenschlich zu sein, und den enormen Schaden für die Umwelt werden unsere Nachkommen bezahlen. Bei der Erfindung der Insektizide hat man die schlimmen globalen Folgen nicht geahnt. Der Gewinn stimmte letztendlich alle Menschen positiv. Bio sollte in aller Munde sein. – Manfred Harry Krause


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz, Redakteurin Anita Blasberg

Als langjähriger Zeit Leser möchte ich Ihnen sagen, dass Sie mich mit Ihrem Artikeln sehr positiv überrascht haben! Einen Artikel auf Arabisch abzudrucken finde ich genial! Mein Hintergrund: Ich bin 76 Jahre, Rentnerin und oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln  unterwegs. Ich bin inzwischen auf unseren Strassen und in Bahn und Bussen erstaunt, wenn ich die deutsche Sprache gesprochen höre. Ich bin unterwegs dauernd von einer Sprache umgeben, die ich nicht verstehe. Ich bin in meinem Leben sehr viel gereist und bin neugierig auf die Welt, auch heute noch. Was mich berührt ist, dass ich das Gefühl habe, ausgeschlossen zu sein aus meinem eigenen Land, ich fühle mich beinahe als Fremder in einer, meiner Stadt wie Düsseldorf. Ein Beispiel: in der S Bahn sass mir ein Mann mit schwarzer Hautfarbe gegenüber. Da ich sehr offen bin, nahm ich diesen Platz ein, obwohl noch andere Plätze frei waren. Ich fühlte mich aber zunehmend verunsichert, weil dieser Mann die Kamera seines Handys eine ganze Zeitlang genau in meine Richtung hielt.

Ich wusste nicht, ob er mich fotografiert, wagte es aber nicht, ihn zu fragen. Ich glaube heute, ich hätte es tun sollen….Vielleicht hätte er sehr freundlich geantwortet, oder was hätte passieren können? Gleichzeitig wurde auf den Plätzen nebenan lauthals in einer fremden Spache telefoniert…. Ihr Artikel spricht von der Gewalt im Fernsehen. Wie Sie sehr richtig schreiben , wird dieser Gewalt sehr wenig entgegengesetzt, vor allem von den hier lebenden Menschen, die einen Migrationshintergrund haben. Ich glaube, das trägt zu meiner Verunsicherung bei. Seit einem halben Jahr bin ich ehrenamtlich in einem Erstaufnahmelager tätig, ich habe dort gute Erfahrungen gemacht mit Flüchtlingen, die gern Hilfe annehmen. Artikel in zwei Sprachen zu bringen, die in dieser vorliegenden Art ein Thema behandeln, ist meiner Meinung nach ein sehr guter Schritt für gegenseitiges Verständnis! – Christine Pfeifle


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Vielen Dank für Ihren Artikel in der Zeit. Ich glaube Sie können Ihre Verwirrung nur entwirren, wenn Sie so wenig wie möglich verarbeitete Nahrungsmittel kaufen. Egal ob Bio oder nicht. Und regional ist oft besser als von weither. Damit unterstützt man den Bauern aus der Nähe. Selber kochen macht Spaß und schmeckt besser. – Kerstin Krause


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Mein Name ist Alena Burdack und ich arbeite als Sozialpädagogin in Aschaffenburg mit Berufsintegrationsklassen – Klassen für Geflüchtete und Migranten. Der Artikel von/über Murat Kurnaz und seine Erfahrungen hat mich sehr beeindruckt, das, was er den Jugendlichen mitgeben möchte ist genau das, was auch meine Kolleginnen und ich unseren Klienten vermitteln. Daher finde ich es sehr hilfreich, dass der Artikel über Herrn Kurnaz auch auf arabisch abgedruckt wurde – vielen Dank dafür! Leider arbeiten wir nicht nur mit arabisch-sprechenenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Unsere Klienten kommen aus verschiedenen Ländern: Eritrea, Afghanistan, Nigeria, Äthiopien (Oromo), Somalia. Gibt es eine Möglichkeit, dass weitere Übersetzungen des Artikels veröffentlicht werden? Meine Kolleginnen und ich würden diesen eindrucksvollen Artikel einfach gerne an so viele Schüler wie möglich, eben am besten in der Muttersprache, weitergeben, einfach, weil der Inhalt so unglaublich wichtig ist. – Alena Burdack


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Murat Kurnaz hätte allen Grund, in diesem Land zum Wutbürger geworden zu sein. Stattdessen fordert er die jungen Migranten und Flüchtlinge auf, sich zu integrieren und anzustrengen und das Land zu schätzen, das sie aufgenommen hat. Damit vermittelt er die Werte unserer Gesellschaft und was es heißt Patriot zu sein um ein Vielfaches glaubhafter als es die selbsternannten Retter des Abendlands, aber auch viele unserer Politiker jemals tun könnten. Murat Kurnaz hätte das Bundesverdienstkreuz verdient. Bei dieser Gelegenheit könnte sich unser Bundespräsident gleich persönlich bei ihm entschuldigen für die Jahre in Guantanamo. – Willi Mößel


Leserbrief zu „Nicht durchdrehen“ von Matthias Geis

CDU und CSU haben uns zwei Jahre lang mit Zeter und Mordio die Unbill allein um den Term Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen auferlegt. Natürlich eine politische Farce, die erst nach der „gewonnenen“ Bundestagwahl an einem einzigen denkwürdigen Tag per Parforceritt beendet werden konnte. Nein, der Union steht nach diesem insbesondere durch CSU-Chef Seehofer initiierten, nutzlos aufreibenden Schlingerkurs zwischen Phantomschmerz und opportunistischer Affirmation nur noch koalitionsfähige Realpolitik zu. Die Niederungen bedenkenlosem Populismus und politischer Ideologien sollten von nun an ausschließlich den parlamentarischen Rechts- und Linksauslegern vorbehalten sein. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Was wird aus der Paulskirche?“ von Benedikt Erenz

Haben Die vielen dank für diesen aufrüttelnden Bericht: wohl wissend um die Paulskirche als historischen Ort, war ich denn doch überrascht, wie es um das Bauwerk bestellt ist – sowohl baulich wie auch Erinenrungs-kulturell. Insofern finde es sehr verdienstvoll, darüber zu berichten – zumal angesichts des durchaus vergleichbaren Projektes des Wiederaufbaus der Garnisonskirche in Potsdam, was Sie ja auch direkt ansprechen. Da gibt es für unsere Republik wohl etwas sich zu vergewissern. Wie wäre es denn, wenn Sie darauf den erwähnten Herrn Bundespräsidenten mal direkt ansprechen?! Vielleicht wäre die Paulskirche ja auch gut aufgehoben im Eigentum des Bundes? Soweit meine eher spontanen Assoziationen dazu. – Klaus Brake


Leserbrief zu „Jagdunglück“ von STW

Ich teile Ihnen meinen Beitrag für diejenigen mit, die u.a. für die erste Seite verantwortlich sind. Sie brauchen Sie keine Gründe erfragen, weshalb ich Ihre Zeitung nicht mehr kaufen werde. Stephanie Wunderlich – was diese Frau da uns mitteilen will ist wirklich wunderlich. „Die Jäger sind die schlimmsten Gefährder im Wald“ Nur wunderlich, dass Sie das auch noch drucken. Gut nur, dass in der gleichen Ausgabe ein Bericht über Albert Einsteins Aussage war…“.nicht nur das Universum ist grenzenlos, auch die Dummheit der Menschen“ – Alfred Theis


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Vielen Dank für das Dossier, über diese Themen diskutieren wir privat und dienstlich schon seit einiger Zeit im Zusammenhang den internationalen Freiwilligendiensten. Die super Arbeit der Gruppe der Journalist*innen hat jetzt die Argumente auf den Punkt gebracht! Auch bei Programmen, die nach sich nach internationalen Begegnungen der Kulturellen Jugendbildung in der sehr gewünschten Form von Hin- und Rückbegegnung ergeben haben, sind inzwischen viele Fragen entstanden. Zum Beispiel: Der Jugendliche einer Tanzgruppe aus Marokko, der im Anschluss an eine bilaterale internationale Begegnung (in Marokko und in Deutschland) einen internationalen Bundesfreiwilligendienst in Hannover gemacht hat, ist nie wieder nach Marokko zurück gefahren.

Zur Zeit verfällt das Rückflugticket des Jugendlichen aus Moshi/Tansania, der ebenfalls ein Jahr im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes hier ist. Er wird nicht zurück fliegen. Es gibt um diese Jugendlichen herum am Ende des jeweiligen Jahres plötzlich viele neue überengagierte Helfergruppen mit vielen Ratschlägen dazu, wie man es erreichen kann, hier zu bleiben. Im Ergebnis aber heißt das: keine Wohnung mehr, keine Versicherung, kein Einkommen, Illegalität als Folge. Für die Grundlagen der Finanzierung des Bundesfreiwilligendienstes dieses Jugendlichen aus Moshi/Tansania waren viele Spenden erforderlich (Schulförderverein, Spenden bei einem Geburtstag statt Geschenke usw.) Die gegenseitigen Erwartungen liegen aber offensichtlich sehr weit auseinander. – Insa Lienemann


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Wie ich als Verbraucher beinahe den Verstand verlor…wir auch, nach dem Motto:

Hier steh ich nun,

ich armer Tor

und bin so klug

als wie zuvor!

 – Lothar + Monika Holtfrerich


Leserbrief zu „Kraken zum Kuscheln“ von Jens Jessen

Ohne dafür Werbung machen zu wollen: Es gibt kleine Plüschviren! Ob sie auch „entzückend“ sind, können sie selber entscheiden: www.riesenmikroben.deBeate Sames 


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Ich habe Ihren Artikel zweimal gelesen, weil es mir ganz genauso geht, vielen anderen Lesern wahrscheinlich auch. Und für mich kommt dann noch eine andere Ebene dazu: Wir wissen vor lauter Political-Correctness-Problemen gar nicht mehr, was wir fressen sollen. – Aber Millionen von Menschen mit lebensbedrohlichem Hunger, die in ihrem eigenen Elend noch zusehen müssen, wie vor ihnen ihre Kinder verhungern, hätten uns die zu Millionen, Milliarden vernichteten Fipronil-Eier (was mich schockiert hat, weil das Zeug natürlich in Lebensmitteln nichts verloren hat, die gesundheitliche Gefährdung aber doch eher gering war) buchstäblich aus der Hand gefressen, fürs nackte Überleben. Das macht mich wirklich traurig und ratlos. Aber danke für Ihren guten Artikel über Einkaufsprobleme in westlichen, kapitalistischen Gesellschaften. – Dr. Sabrina Hausdörfer


Leserbrief zu „Was wird aus der Paulskirche?“ von Benedikt Erenz

Die Paulskirche ist leider nicht das einzige Beispiel für vernachlässigte liberale und demokratische Traditionen. Die bayerische Landesausstellung 2018 in Kloster Ettal wird 100 Jahre nach 1918 sich mit den touristischen Klischees befassen. Dagegen hat sich auch zur Würdigung des 200. Jahrestages der ersten bayerischen Verfassung im Landkreis Kitzingen ein Initiativkreis gebildet, der vor allem die Ereignisse um das Fest an der Gaibacher Konstitutionssäule 1832 behandelt – zeitgleich zum Hambacher Fest, in dessen Schatten es steht. – Dr. Karl Klaus Walther


Leserbrief zu „Nein zur Bombe!“ von Josef Joffe

Die Vorstellung, seit Hiroshima über die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen Bescheid zu wissen, zeigt, dass Herr Joffe sich nicht ernsthaft mit ICAN und der humanitären Initiative auseinandergesetzt hat. Sonst wüsste er, dass moderne Atomwaffen die vielfache Zerstörungskraft der Hiroshimabombe „Little Boy“ haben. Diese hatte eine Sprengkraft entsprechend 16 kt TNT und tötete am ersten Tag 45.000 Menschen. Die Sprengkraft moderner Atomwaffen ist um ein Vielfaches größer: Eine Atomwaffe mit einem TNT Äquivalent von 1 Megatonne könnte sofort über eine Million Menschen töten. Hinzu kämen unzählige Verletzte und der völlige Zusammenbruch der Infrastruktur. Die in den globalen Arsenalen zur Zeit existierenden ca. 15.000 Atomwaffen reichen aus um die Erde mehrfach zu zerstören. Etwa 1.800 dieser Atomwaffen sind noch immer auf höchster Alarmstufe und innerhalb von Minuten abfeuerbereit. Eine Handvoll politischer Entscheidungsträger könnte unser aller Schicksal besiegeln und braucht dafür noch nicht mal einen Parlamentsbeschluss. UN Generalsekretär Guterres hat dies kürzlich als die größte akute Bedrohung für die Menschheit bezeichnet.

Es ist erstaunlich, dass Herr Joffe dennoch selbst in der Ära von Kim Jong-Un und Donald Trump Atomwaffen als Garanten des Friedens beschreibt. Der Glaube, dass Atomwaffen Kriege verhindern beruht auf einer fatalistischen Vorstellung über die kriegerische Natur des Menschen und lässt sich weder beweisen noch widerlegen. Ebenso gut kann man postulieren, dass die Menschheit aus Fehlern gelernt hat und deshalb eine lange Zeit des relativen Friedens erleben durfte. Keine Glaubensfrage sind jedoch die zahlreichen gut dokumentierten Beinahe-Unfälle und Missverständnisse, wie z.B. im Fall des russischen Oberst Stanislaw Petrow („The man who saved the world“), der einen vermeintlichen amerikanischen Raketenangriff, welcher sich schließlich als Fehlalarm herausstellte, nicht meldete und damit den Gegenschlag und Weltuntergang verhinderte. Das Rote Kreuz, das von Herrn Joffe im Gegensatz zu den „Atomwaffen-Ächtern“ für den praktischen Schutz von Zivilisten gelobt wird, hat sich deshalb eben Diesen in der Überzeugung angeschlossen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es zum absichtlichen oder unabsichtlichen Einsatz von Atomwaffen kommt und dass jegliche humanitäre Hilfe aussichtslos wäre.

Dass die Gefahr eines Atomwaffeneinsatzes wächst, da  „immer mehr Staaten nach Atomwaffen streben werden, solange sich die Mächtigen für ihre eigene Sicherheit darauf verlassen“, wie Ban-Ki Moon feststellte, sehen wir an der seit Ende des kalten Krieges stattgefundenen Verbreitung von Atomwaffen nach Indien, Pakistan und Nord-Korea, die durch die existierenden Kontroll-Regime nicht aufgehalten werden konnte. Diese Erkenntnis hat nicht nur Henry Kissinger sondern auch ehemalige Deutsche Spitzenpolitiker wie Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Hans-Dietrich Genscher und Egon Bahr dazu bewegt, sich in den letzten Jahren für die rasche und vollständige nukleare Abrüstung auszusprechen. Es ist interessant, dass in der Diskussion um die Kleinwaffen in den USA jedem einzuleuchten scheint, warum es nicht friedensfördernd ist, wenn sich alle bewaffnen, während dies für Atomwaffen nicht zu gelten scheint. Immerhin räumt Herr Joffe ein, dass die Hochrüstung auf zig -Tausende Sprengköpfe zur Zeit des kalten Krieges ein „Wahn“ gewesen sei. Nun habe dieser aber ein Ende, da man in den USA und Russland jeweils nur noch einige 1000 Atomwaffen habe. Da könnte man fragen, ob es für ihn einen Unterschied macht, ob die Erde 100 oder 10 mal zerstört wird?

Wenn man an Abschreckung glaubt ist das „Drohpotential“ der totalen Zerstörung seit Ende des kalten Krieges unverändert. Es sieht jedoch in der Abrüstungsbilanz gut aus und spart viel Geld, die überschüssigen und veralteten Sprengköpfe abzurüsten. Geld, das z.B. in die Modernisierung investiert werden kann, die derzeit von allen Atomwaffenstaaten betrieben wird. Die in Deutschland stationierten NATO Atomwaffen werden beispielsweise durch lenkbare Waffen mit einstellbarer Zerstörungskraft ersetzt, was Putin 2015 bereits dazu veranlasst hat, Gegenmaßnahmen anzukündigen, um „das Gleichgewicht“ wieder herzustellen. Die Kritik an ICAN ist nicht neu, denn es ist von jeher das Schicksal der Friedensbewegung, als weltfremde „Gesinnungsethiker“ dargestellt zu werden. Tatsächlich wissen die Aktivisten von ICAN jedoch genau, was „quälende Kärrnerarbeit“ an der Zähmung des atomaren bedeutet. Nach Jahrzehnten des Stillstands in der Abrüstung haben sie durch jahrelange Lobbyarbeit erreicht, dass zum ersten Mal wirklich demokratisch über atomare Abrüstung verhandelt wird, ohne dass eine kleine Gruppe Atomwaffenmächte dies blockieren kann. Selbstverständlich darf und muss die Staatengemeinschaft der größten akuten Bedrohung für unser gemeinsames Überleben begegnen!

Wenn in einem gemeinsamen Haus einige wenige eine gefährliche Bombe aufbewahren würden, würde die Mehrheit der Nachbarn vermutlich auch nicht resignieren und warten bis sie explodiert. In seinem Kommentar stellt Herr Joffe Tun=Macht über  Wissen und vergisst die Kraft der Moral. Oder haben die Raucher das Rauchverbot durchgesetzt, die Sklaventreiber die Sklaverei abgeschafft oder die Männer das Frauenwahlrecht erkämpft? Der massive Druck, der in den letzten Monaten von Atomwaffenstaaten auf andere Länder ausgeübt wurde, damit diese sich dem Verbotsprozess nicht anschließen, zeigt, dass diese Kraft bereits zu wirken beginnt. – Dr. Inga Blum


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Sie sprechen mir mit dem ganzen Artikel ziemlich aus dem Herzen. Nur beim allerletzten Satz kann ich für mich nicht zustimmen. Ich versuche, mir etwas Neues auszudenken, sobald ich für das Alte keinen Grips mehr aufwenden muss, weil es sich eingespielt hat. Aber vermutlich ist das bei all denen so, die sich Mühe geben. – Fritjof Möckel


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Danke für dieses interessante Thema. Schade allerdings, dass Sie die bereits nach dem 1.Weltkrieg von einem Schweizer gegründete Freiwilligenorganisation SERVICE CIVIL INTERNATIONAL Deutscher Zweig in Bonn, vergessen haben. In Kurzzeit- (Europa)und Langzeitaufenthalten (außereuropäisches Ausland) bietet diese NON PROFIT Organisation den  jungen Menschen nicht nur praktische Arbeit in einem sinnvollen Ptojekt sondern auch durch gute Vorbereitung und Betreuung vor Ort die Möglichkeit zur theoretischen Auseinandersetzung. Sicher nicht nur ich habe der Teilnahme on diesem Projekt  wichtige Impulse für mein  (Berufs)leben zu verdanken. – Helge Holzer


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Vielen Dank für den klug und differenziert recherchiert und kritisch geschriebenen Artikel. Und ziemlich genau in der Mitte finde ich genau den Ausdruck, der beschreibt, was ich als wahren Kern solcher Auslandsaufenthalte erkenne: einen Ego-Trip ins Elend. Auch ich absolvierte ein Gap-Year von 13 Monaten Dauer, man nannte es damals Wehrersatz- oder Zivildienst: Ich erlebte in einem Altenheim eine Station mit 20 Demenzkranken Patientinnen, sah täglich wie Blumen vom Tisch gegessen wurden, wie eine Patientin statt Toilettenpapier ihre Hände benutzte und dann an den Toilettenwänden “reinigte”, ich erlebte wie eine Pflegerin angesichts des täglichen Siechens, Sterbens, der Hoffnungslosigkeiten und der ständigen Überlastung mit einem Heulkrampf zusammenbrach.

Nein, wir brauchen Hilfe und soziale Dienste auch hier bei uns. Und diese Hilfe ist sinnvoll, prägt einen nachhaltig und lehrt einen Dinge fürs Leben und zeigt einem die sonst tief verborgenen Seiten unserer Gesellschaft. Angesichts des aktuellen Pflegenotstands und der massiven Integrationsschwierigkeiten, die uns bald auch überrollen können, erscheinen mir solche Ego-Trips als der blanke Hohn. – Benedikt Flurl


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Herzlichen Glückwunsch dazu, dass Sie angefangen haben, etwas anders zu machen. Ich wünsche Ihnen, dass sie die Umstellung auf Leitungswasser auf die Dauer durchhalten. Eine kontinuierliche Umstellung ist, was meiner Meinung am meisten bringt. Wenn Sie etwas für sich routiniert haben und dadurch entlastet sind, fällt Ihnen vielleicht etwas anderes Sinnvolles auf, was Ihnen möglich ist. So sind wir über die Jahre und Jahrzehnte zu einer ganzen Reihe Routinen gekommen, die uns deswegen auch nicht überfordern: Seit über 20 Jahren kaufen wir ausschließlich fair gehandelten Kaffee, Lebensmittel sind bei uns aus der Region und saisonal, falls es mal eine Ausnahme geben soll, muss es auf jeden Fall Bio sein.

Auch die Umstellung auf Leitungswasser haben wir für uns als sinnvoll erachtet. Es ließen sich noch viele andere Dinge nennen, die wir im Laufe der Zeit entschieden haben in Bereichen wie Kleidung, Mobilität, Haustechnik. Natürlich lässt sich hinter alles ein „aber“ und ein „und“ setzen, aber ist es nicht besser wenigstens den Versuch zu machen, ein Licht anzuzünden als über die Dunkelheit zu klagen. Vielleicht hilft dabei ja auch unsere religiöse Grundhaltung weiter: Gott wird unser Bemühen, das Richtige zu tun, in jedem Fall würdigen, auch wenn es nicht perfekt war. Willkommen also im Club der Nichtperfekten! Ein schönes Buch dazu ist „Wie viele Sklaven halten Sie?“ von Evi Hartmann. – Andrea Braun-Henle


Leserbrief zu „Totalausfall? Unsinn!“ von Udo Michallik

Herr Michallik tut genau das, was seine 16 Auftraggeber in der KMK von ihm erwarten: Zunächst einmal spielt er das Thema „Unterrichtsausfall“ zu einem „kleinen Ausschnitt des schulischen Alltags“ herunter. Dann betet er noch einmal das nach, was die Bildungsministerien jedes Jahr im Herbst vorbeten: Das Wunschdenken, Vertretungsunterricht und Unterrichtsausfall sollten die Ausnahme sein. Die Länder seien hinsichtlich der Unterrichtsversorgung in der Pflicht und man tue alles, um … Die Ausnahme ist aber längst zur Regel geworden und in 35 Dienstjahren habe ich es noch nie erlebt, dass es eine Unterrichtsversorgung zu 100 oder gar mehr Prozent gab. D. h. die Schulen starten bereits ins neue Schuljahr mit einem Defizit von zwei bis manchmal fünf Prozent!

Herr Michallik hat auch gleich die Schuldigen ausgemacht: Das ist einerseits die ZEIT mit ihrer politisch instrumentalisierenden Statistik und andererseits  die Schulen, welche die Möglichkeiten der digitalen Welt nicht nutzen. Auf die Frage, ob die Schulen auch über die entsprechende digitale Ausstattung verfügen, geht er allerdings nicht ein. Es ist aber nicht die ZEIT, welche die Statistik zum Kontrollinstrument macht, sondern die Kultusbürokratie. Jede Unterrichtsstunde, jede Vertretungsstunde und jede ausgefallene Stunde muss von den Schulen statistisch erfasst werden. Erstaunlicherweise bleibt jedes Jahr „ein Rest von circa zwei Prozent“. In Wirklichkeit sind es aber zehn Prozent. Das ist kein Unsinn, das ist ein Politikum! Im Kern der Sache geht es aber nicht um Unterrichtsausfall, sondern um den Stellenwert von Bildung in unserer Gesellschaft. Lippenbekenntnisse, Wunschdenken und Schönreden sind kostenlos zu haben, Bildung aber kostet Geld. Viel Geld! – Gerhard Lambertz


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Die Angebote kommerzieller Anbieter für Freiwilligentouristen sind sicher nicht unproblematisch. Der Artikel zeigt es. Für die Aktivitäten der rund 160 Entsendeorganisationen (Partner von „Weltwärts“, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) gilt dies sicherlich nicht. Hier finden Auswahl-, Vorbereitungs-und Auswertungsseminare statt, ja sogar Alumni-Treffen. So werden die Teilnehmer/innen häufig zu Multiplikatoren für die Herausforderungen des Globalen Südens. Die Freiwilligendiensterfahrung prägt sie für den Rest des Lebens. Die Entsendeorganisationen müssen sich alle zwei Jahre einer Qualitätsprüfung unterziehen um zertifiziert zu werden. Die Untersuchung von Soeren Götz belegt, dass positive Veränderungen stattfinden („Tolerante und umweltbewußte Verfechter der Demokratie? Die politischen Einstellungen der Weltwärts-Freiwilligen“ in: Voluntaris.  Zeitschrift für Freiwilligendienste, 1/2017, Seite 8-33, Nomos-Verlag). Damit der Freiwilligendienst keine Einbahnstraße bleibt, bieten zum Beispiel die Diözese Rottenburg-Stuttgart, EIRENE, Brot für die Welt oder MISEREOR seit einigen Jahren ein „Reverse- oder Income-Programm“  an“, das es Jugendlichen oder jungen Erwachsenen aus Afrika, Lateinamerika und Asien ermöglicht, in Deutschland einen einjährigen Freiwilligendienst zu leisten. – Max Steinacher


Leserbrief zu „Sind die Protestanten schlauer?“ von Ludger Wössmann

Der durch die Reformation ausgelöste Bildungsschub betraf vornehmlich die Protestanten. Er geht wohl in erster Linie darauf zurück, dass die protestantischen Pfarrer nunmehr heiraten und eine Familie gründen konnten. Diese Pfarrerfamilien boten ihren Kindern gute Bildungschancen, die genutzt und inzwischen über ein halbes Jahrtausend hin von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Darartige Chancen gab (und gibt) es bis heute in der katholischen Bevölkerung nicht. Das Zölibat verhindert dies. Es ist daher nicht verwunderlich, dass in führende Positionen in Gesellschaft, in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mehr Protestanten als Katholiken vertreten sind, und den Protestanten ein wirtschaftlicher Vorsprung zugeschrieben wird. Mit „schlauer oder dümmer“ hat dies nichts zu tun. Allenfalls kann man von ungleichen Chancen sprechen. – Bernhard Königstein


Leserbrief zu „Ottes Welt” von Mark Schieritz

Hat Herr Otte wirklich für Schließung der Grenzen – auch für den Waren- und Geldverkehr – plädiert? Und für den – generellen – Ausstieg aus dem Euro? Das zumindest suggerieren Sie und wäre schlimm, wenn es stimmte. Wenn das aber nicht zutrifft, und es also nur um Grenzkontrollen für Zuwanderer und die Möglichkeit geht, daß einzelne Länder aus dem Euro aussteigen können, dann sind Ihre Unterstellungen unverzeihlich. – Heinz-Dieter Busch


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Anderthalb Seiten alles oder nichts? Das kann nicht wirklich zum Ziel führen. Niko Paech, deutscher Volkswirt und Umweltökonom, bietet mit seiner Postwachstumsökonomie einen interessanten Ansatz. Wir sind in der komfortablen Lage, dass wir – noch – den Schwerpunkt unseres Tun und Lassen wählen können – voraus gesetzt wir wagen uns, wenn nötig, gegen den Mainstream unseres jeweiligen sozialen Umfelds zu stellen. Bioeier aus dem benachbarten Hühnerstall, Tomaten vom Balkon und Fertigpizza, Kleidung für mehrere Saisons und eine großzügige Auswahl von Schuhen, sparsamer Gebrauch von Duschgel aber gerne mal ein Vollbad. Das hilft und läßt mir die Freude an meinem Tun. Übrigens schmeckt Leitungswasser delikat, wenn es aufgekocht ist und wirkt angemessen wertvoll, wenn ein Rosenquarz und ein Amethyst in der Karaffe überrascht.  Mehr Mut zur Lücke und mehr Freude am Tun – das wär doch mal verantwortungsvolle innere Freiheit! – Johanne Schloen


Leserbrief zu „Nur nicht nervös werden“ von Robert Pausch

Aufgrund der Argumentation des AfD-Manns Albrecht Glaser, der Islam kenne keine Religionsfreiheit, haben andere Parteien also Zweifel an der Eignung Glasers als Vizepräsident des Bundestags. Wenn man über den konfrontativen Aspekt dieses Vorgangs hinaus kommen will, gilt es, sachlich zu bleiben. Es ist zu bedenken, dass Religionen nun mal weder von außen noch durch Selbstdarstellung nach objektiven Kriterien zu definieren sind. Sie können nur durch das subjektive Verhalten ihrer Anhänger wirksam, also Wirklichkeit werden. Bleibt man bei objektiven Ansprüchen, öffnet man damnit das Feld der Polarisierungen, auf dem bevorzugt selbstbestätigende Positionen vertreten werden. Aber in allen Religionen und ihren Geschichten ist Kritikwürdiges zu finden – man sollte also bei sich selbst anfangen. Herr Glaser macht mit seiner Kritik den gleichen Fehler, den er dem Islam vorwirft: Er meint, objektiv zu sein, und entzieht dem Diskurs damit den notwendigen dialogischen Charakter, obwohl nur damit die Bemühungen um Klärung und Verständigung sinnvoll sein können. Die Kritik der anderen Parteien sollte da ansetzen. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Deutschlandkarte“ von Paulina Thillmann im ZEIT Magazin

Man scheint sich ja einig zu sein, Sonne und Wärme sind immer gut, Wolken und Regen schlecht.  So schreibt es auch Paulina Thillmann und stellt fest, dass sich die Regensburger über einen Jahrhundertsommer freuen konnten. In den letzten 10 Jahren war fast jedes Jahr das Wärmste seit es Temperaturaufzeichnungen gibt, sozusagen jedes Jahr ein neuer Jahrhundertsommer. Als Münchner erlebe ich seit Jahren zunehmende Hitzeperioden. Ich kann Ihnen versichern, dass ich nicht der Einzige bin, der sich bei Dauersonne und ständigen Hitzetemperaturen über 30 Grad, vor allem in zubetonierten Städten, über Abkühlung und schattenspendende Wolken freut. In Zeiten des vor allem in Süddeutschland zunehmend spürbaren Klimawandels, müssen vielleicht manche Verallgemeinerungen und Sprachregelungen differenziert werden. – Andreas Schwarz


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Bin seit 20 Jahren Zeit-Leser, Prof in Hong Kong… Bin vom WOLKEN-Heft sehr enttaeuscht: J e d e r in Deutschland sieht  inzwischen CIRRI HOMOGENITI am Himmel, ZEICHEN AM HIMMEL.. ausser der ALTEN TANTE ZEIT… – Prof Reinhard Renneberg


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Als Murat Kurnaz 2006 wieder nach Deutschland kam,sah ich seine Geschichte eher skeptisch. Auch wenn seine Verhaftung unberechtigt war: Musste er ausgerchnet nach Pakistan reisen, um den Koran zu studieren? Da hätte es mit ein paar kritischen Hinterfragungen in Europa bessere Möglichkeiten gegeben. Um so erfreulicher finde ich jetzt seine aufklärerische Rolle als Sozialarbeiter mit Jugendlichen und sage ihm ein großes und herzliches DANKESCHÖN. Auch der ZEIT für diese Veröffentlichung in Arabisch und Deutsch. – Roswitha Lörsch


Leserbrief zu „Unterwegs zum guten Gewissen“ von Anant Agarwala et al.

Das klingt schon toll für G8-gebeutelte Wohlstands-Jugendliche: Die Welt und exotische Kulturen kennen lernen, gute Gefühle beim scheinbar hilfreichen Arbeiten mit süßen Kindern und hübschen Schildkröten in Vollkasko-Verhältnissen genießen und nachts noch Party machen. Das geht halt nicht für alle und spaltet die Menschen in materiell gut und weniger gut ausgestattete. Und auch wenn die Gutverdiener es sich leisten können, ihre Kinder in die Welt zu schicken und selbst mglw. sogar noch moralisch wertvoll einzukaufen und natürlich grün zu wählen, sind es im Endergebnis dann doch die weniger Betuchten, die aufgrund ihrer beschränkten Möglichkeiten der (Um—)welt besser tun, weil  ihre Kinder nur in einem lokalen Altenheim-Praktikum Helfer-Gefühle entwickeln dürfen, die Eltern selbst kleine Autos fahren und bei Lidl und Aldi einkaufen (müssen). Und ganz unabhängig von der Motivation richten gelegentliche all-inclusiv Mallorca-Flüge vermutlich weniger Schäden an, als eine einzige Fernreise nach Südamerika oder Afrika. Wer darf denn jetzt auf wen herab blicken? – Barbara Rogge


Leserbrief zu „»Bei uns tobt ein kultureller Krieg«“ von Heinrich Wefing

Die Erderwärmung hat dort, wo sie überhaupt auftritt, nichts mit den von den Menschen erzeugten Gasen zu tun, auf gar keinen Fall mit dem CO2 -Ausstoß. Das Pariser Klimaschutzabkommen ist deshalb ideologischer Unsinn. Geradezu irrsinnig ist es, zu glauben dass durch die Festlegung einer bürokratischen Erwärmungsgrad-Obergrenze das Klima verändert werden kann. Die Bürger werden von Pseudowissenschaftlern und unbedarften Politikern für dumm verkauft. Trump ist es zu verdanken, dass die sinnlose Vernichtung lebenswichtiger Industrien verhindert wird. Hier siegt die Vernunft über die Unvernunft. Dringend erforderlich ist vielmehr, die Folgen einer Klimaveränderung abzufedern. – Herbert Gaiser


Leserbrief zum Titelthema „Konsum oder Moral?“ von Marcus Rohwetter

Schade, dass eine so wichtige Fragestellung auf dem Niveau der Kinderseite unserer regionalen Tageszeitung abgehandelt wird. Eine ganze Zeit-Seite voll mit gespielt naiv formuliertem Detail-Geschwurbel, nur um am Ende lapidar festzustellen, dass sich der Autor nicht verwirren lassen will und halt versucht, besser als der Durschnitt zu handeln. Komisch, dass Herr Rohwetter alles kritisch hinterfragen will, die Aussagen eines einzelnen Buchautors (Das Schweinesystem) aber offenbar doch als richtig einstuft. Wie das, wo man doch niemand trauen kann?  Sorry, aber da ist der Platz und die „Zeit“ zu schade. Und so kann jeder aus den Zeilen rauslesen, was er will. Wer keine Verantwortung beim Konsum übernehmen möchte, findet jede Menge Stoff, um sich zu rechtfertigen. Nach dem Motto: ich weiß ja nicht, ob meine Spende ankommt, also spende ich lieber gar nicht. Bringt ja eh alles nichts. Und selbst wenn man wollte: Man könne ja vielleicht das Richtige herausfinden, so der Autor, aber ist es das Wert bei Grünzeug für 2.49 €, wo man doch schnell nach Hause wolle? Und so was lese ich in der Zeit? Ich bin fassungslos! Klar ist aber: wer so handelt, trägt definitiv nichts zu einer Verbesserung bei. Wer trotz aller Unsicherheiten nach einem moralischen Kompass zu handeln versucht, hat wenigstens die Chance,  Verbesserungen für Mensch, Tier und Natur zu bewirken. Die Chance, lieber Herr Rohwetter, ist es wert!

Und immer wieder zu betonen, das Verhalten einzelner sei eh ohne Bedeutung, halte ich für sachlich unzutreffend und für verantwortungslos. Kompliziert ist die Welt auch in allen anderen Fragen des Lebens. Soll man z.B. argumentieren, weil die Politik so vielschichtig bis undurchsichtig ist, und meine einzelne Stimme  in der Masse doch eh nichts bewirkt, brauche ich nicht wählen zu gehen? Was soll also so ein Artikel? Trotz dem Alibi-Friedensangebot am Ende verleitet er lediglich zum Resignieren und Nichtstun ohne schlechtes Gewissen. Wenn die weiteren subjektiven Artikel zu Wirtschaftsfragen auf dem selben Niveau stattfinden, kann ich getrost darauf verzichten. – Wolfgang Neumayer


Leserbrief zu „Jagdunglück“ von STW

Ich möchte mich recht herzlich für Ihren kritischen, wenn auch sehr kurzen Beitrag zum Thema Jagd bedanken. Ich kann mich der Aussage des Verfassers (dessen Name leider nicht genannt wird) nur anschließen: die größte Gefahr im Wald geht von den Jägern aus. Und nicht nur dort: Jedes Jahr werden Menschen verletzt und sogar getötet, ohne dass diese Ereignisse in der Presse groß zum Thema gemacht werden. Schüsse in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern sind ebenso Alltag wie völlig gedankenlos aufgestellte Hochsitze direkt neben viel befahrenen Bundesstraßen. Auch unzureichend gesicherte Treibjagden gehören im Herbst schon fast zur Tagesordnung. Kontrollen durch die Behörden? Fehlanzeige! Immer mehr Menschen versuchen, etwas gegen die herrschenden Zustände zu unternehmen. Und das, obwohl sowohl von Seiten der Jägerschaft als auch von Seiten der Behörden versucht wird, diese Menschen mundtot zu machen. Vor diesem Hintergrund würde ich es sehr begrüßen, wenn Sie dem Thema demnächst etwas mehr Platz widmen würden. Leider bin ich mir fast sicher, dass auch in Ihrer Redaktion genug Jäger sitzen, die dies zu verhindern wissen. Aber vielleicht schaffen Sie es ja, mich positiv zu überraschen. – Karin Oswald


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Es muss und kann einem nicht alles gefallen; doch was sollen die platten Äußerungen der beiden armen Königskinder Larissa und Thomas besagen? Sollen wir sie bedauern, weil sie so gern zusammen wären, es aber in New York oder London gerade keinen adäquaten Job für den anderen gibt? Oder sollen wir sie beneiden um die jugendlich-sorglose Oberflächlichkeit, mit der sie schreiben? Mir sagen diese Artikel nichts, ich kann nicht einmal eine Fernbeziehung dazu entwickeln. – Johannes Wilke


Leserbrief zu „Trotz alledem: Amerika“ von Deidre Berger et al.

Die Verfasser flüchten sich in eine surreale Lösung. Sie tragen die transatlantischen Beziehungen wie ein sakrales Gefäß vor sich her, obwohl eine kritische Auseinandersetzung ohne jeden Ehrfurchtsgestus angezeigt ist. Jedermann weiß: es läuft nicht mehr rund in den transatlantischen Beziehungen. Sie sind nicht nur lädiert, sondern notleidend. Das ist eine fatale Entwicklung. Dieses Bündnis hat über ein halbes Jahrhundert zu Sicherheit und Wohlstand in Europa beigetragen. Wir spüren seit einigen Jahren allerdings schon wieder einen Hauch des kalten Krieges. Diese Entwicklung kann nicht allein auf die völkerrechtliche Annexion der Krim zurückgeführt werden. Sie ist auch die Folge eines außenpolitischen Paradigmenwechsels der USA, der schon vor mehr als einem Jahrzehnt eingesetzt hat. Die traditionelle Doppelstrategie von ausreichender militärischer Sicherheit einerseits und einer Politik der Entspannung, Abrüstung und wirtschaftlichen Kooperation andererseits scheint nicht mehr verbindlich zu sein. An ihre Stelle treten die Sicherung eines globalen Führungsanspruchs der USA und eine Politik der Ausgrenzung Russlands.

Die Unterzeichner von „Trotz alledem: Amerika“ kritisieren die Verlegung einer 2. Pipeline durch die Ostsee. Nichts hat in der Vergangenheit so sehr zum Abbau der Ost-West-Konfrontation beigetragen wie der Ausbau des Erdgasnetzes zwischen der Sowjetunion und West-Europa. Nach Aufhebung des NATO-Röhrenembargos in den 60er Jahren gerieten der Ausbau des sowjetischen Pipelinenetzes und die Erdgaslieferungen aus Russland zu einer nun schon seit einem halben Jahrhundert währenden Erfolgsgeschichte. Sie stützten die Richtigkeit der These vom „Wandel durch Annäherung“.

Nord Stream II ist ein rein wirtschaftliches Projekt. Das belegt schon seine Entstehungsgeschichte. Der Plan zum Bau einer 2. Pipeline entstand in einem Gespräch zwischen dem englischen Premierminister Cameron und Präsident Putin. Cameron schilderte seine Sorgen, dass die britischen Erdgasvorkommen in absehbarer Zeit erschöpft sein würden. Noch weit vor Beginn der aktuellen Planung wurde dieser Sachverhalt der polnischen Regierung vorgetragen, um Empfindlichkeiten der Polen gerecht zu werden. Nachdem die Verlegung der ersten Nord Stream Leitung – eine bemerkenswerte technische Leistung – die Skepsis gegenüber der Machbarkeit des Projekts abgebaut hatte, zeigten sich wesentlich mehr internationale Versorger und institutionelle Anleger an einer Beteiligung an der 2 Ostseeleitung interessiert als schließlich genommen werden konnten. Kaufleute sind an wirtschaftlichen Erträgen interessiert. Sie beteiligen sich üblicherweise nicht an politischen Projekten.

Die Unterzeichner von „Trotz alledem: Amerika“ weisen darauf hin, dass die USA die geplante Ostsee Pipeline als „ein geostrategisches Projekt“ identifiziert hätten, das nicht im „gesamteuropäischen Interesse“ liege. Dann schlussfolgern sie, dass Deutschland eine gemeinsame Position mit unseren europäischen Nachbarn und den USA suchen sollte. Das Streben nach gemeinsamen Positionen ist immer sinnvoll. Aber diese Empfehlung spiegelt eher Servilität oder Anbiederung wieder als ein gebotenes europäisches Selbstbewusstsein. Sie ist eine Zumutung vor dem Hintergrund des kürzlich in den USA beschlossenen neuen Sanktionsgesetzes gegen Russland.

Dieses Gesetz beschränkt sich nicht auf Sanktionen gegen Russland. Es droht europäischen Unternehmen mit Bestrafung, wenn sie sich an Erdgasprojekten wie Nord Stream II mit Russland beteiligen oder sie finanzieren. Völlig ungeniert spricht der Text des Gesetzes davon, dass es um den Verkauf von amerikanischem Flüssiggas in Europa, die Verdrängung russischer Erdgaslieferungen vom europäischen Markt und die Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA gehe – zum Nachteil bedeutender europäischer und auch deutscher Investoren. Es bringt eine völlig neue, negative Qualität in die europäisch-amerikanischen Beziehungen. Entsprechend scharf haben daher europäische Regierungen reagiert. – Frank Elbe


Leserbrief zu „Rechtschreibblockade“ von Oliver Hollenstein

Das ist ein altes Erbübel. Ich wurde 1926 in die Grund(Volks)-Schule in Berlin-Halensee?, Joachim-Friedrichstraße eingeschult. Die Klasse war mit 40 Kindern überfüllt. Die Lehrer hatten ihre Lieblinge. Es wurde keine Orthographie gelehrt, sondern nach Gehör geschrieben. Und das konnte man dann in Berlin etwa so lesen: Fata (Vater), kannste ma mia den Stift da, ooch du weest doch schon, nee den linken meene ick, rüber machen. Wenn ich müde war, schrieb ich noch in meiner Gymnasial-, Kriegs- und Studienzeit oft an Fatan ohne es zu merken. Soviel zu allem Ersten im Kinde. – Claus Dienst


Leserbrief zu „Warten? Geht doch” von Stefanie Kara

Ihr Beitrag überzeugt mich überhaupt nicht. Um Marshmallow-Tests vor 50 Jahren mit entsprechenden Tests aus dem Jahr 2017 zu vergleichen, müsste man erstmal evaluieren, ob Marshmallows für Kinder heute noch dasselbe Begehrlichkeits-Potenzial haben wie damals. Kinder von heute sind mit Süßigkeiten übersättigt, sie sind häufiger übergewichtig und fehlernährt als vor 50 Jahren. In den 1960er Jahren waren Süßigkeiten für Kinder noch eine echte, begehrenswerte Belohnung, heute sind sie reichlichst vorhanden und üben auf Kinder einen weit weniger großen Reiz aus. Ist das in den Untersuchungen berücksichtigt worden? Das würde ich mich sehr interessieren! Vielleicht sollte man bei heutigen Versuchen den Kindern ein Smartphone oder Tablet hinlegen und warten, wie lange es dauert, bis sie zugreifen. Je länger sie warten, umso länger dürfen sie dann daddeln … – Reinhild Berger


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Als in Schweden lebende Exilantin kommen die Themen des Zeitmagazins leider immer etwas zu spät an, aber da ihr Wolken als Titelthema dieser Woche habt, dachte ich mir, ich mache euch auf meinen Instagram-Fotoblog aufmerksam, auf dem ich seit nunmehr 234 Tagen jeden Tag ein Bild des Himmels über Göteborg, meiner Wahlheimat poste. Dies machte ich eigentlich eher aus Frust über das schlechte Wetter, aber ich habe sehr gute Resonanz bekommen und werde das Projekt die 365 Tage durchführen, um der Welt zu beweisen wie unglaublich beschissen das Wetter hier an der Westküste Schwedens ist. Viel Spass damit! Und viele Grüße aus Schweden. https://www.instagram.com/always.sunny.in.goteborg/Carolina Poelk


Leserbrief zu „Was wird aus der Paulskirche?“ von Benedikt Erenz

Es freut mich wieder einen positiven und streitbaren Artikel über unsere lange Demokratie-Vergangenheit zu lesen. Vor allem der erste Absatz spricht mir aus der Seele und ich würde mir wünschen dass jeder Bildungsminister sich diesen zu Herzen nimmt und danach handelt. Und als stete Erinnerung auf seinem Schreibtisch aufstellt oder als Bildschirmschoner einstellt. Denn über die Schulen und die Lehrpläne kann das Demokratieverständnis und das Demokratiebewusstsein am besten vermittelt werden. Und wir Deutsche dürfen zu Recht stolz auf unsere lange Tradition und Erfahrung sein. Leider sind wir’s nicht. Deswegen sind Artikel wie der Ihre über die Paulskirche umso wichtiger! Ich warte schon gespannt auf den nächsten Artikel in dieser Richtung. – Robert Spiers


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Der Bericht von Murat Kurnaz war das beste, was ich seit langem in der Zeit gelesen habe. Tat gut, nach all den völlig überflüssigen Zeit Magazinen mit halb verhungerten Models und teuren Uhren, endlich mal wieder etwas zu lesen, was Sinn und Substanz hat. – Gabriele Krieger-Weigel


Leserbrief zu „Ihr habt alle Chancen!“ von Murat Kurnaz

Besten Dank für diesen wunderbaren Artikel. Nelson Mandela wäre stolz auf Murat Kurnaz gewesen, wie auf alle Menschen, die nach erlittenem bitteren Unrecht Hass in Stärke verwandeln. – Wilfried Buscher


 

 

5. Oktober 2017 – Ausgabe 41

Leserbrief zu „Totalausfall“ von Thomas Kerstan

Vielen Dank für den Artikel zum Unterrichtsausfall…. Die Frage ist aber nicht, darüber zu schreiben, sondern sich in anderer Eltern Mitwirkung zusammenzutun. Dann Beschlussvorlagen für die Schulkonferenzen erarbeiten und diese in der Schulkonferenz mit Lehrern und Schülern beschließen. … umsetzen, nachverfolgen und immer wieder die Frage stellen…. Das nervt – alle Eltern – Schulleiter – Lehrer trotzdem kann man nur durch ständiges nachfassen die Situation verbessern. Seit 3 Jahren schreibe ich den Stundenausfall mit. Basis der Bewertung: „Gütersloher Definition von Unterrichtserteilung“ der Kreisschulpflegschaft GT. Bisher haben nur 82% des Unterrichts regelgerecht stattgefunden. Die Hausgemachten Ursachen: Kursfahrten & Projektwochen. Wenn NICHTS nachgeholt wird und bis Ende des Schuljahres nichts mehr ausfällt werden es am Ende 5,2% sein. Also auf das gesamte Halbjahr hochgerechnet: Nicht einmal 3/4 des UNterrcihts haben bisher wie geplant stattgefunden…. Kursfahrten, Projektwoche, …. Bei Fragen fragen, oder Samstag Demo ;-) – Dr. Christian Legeland


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Vielen Dank für diesen Artikel! Franziska Gminder ist offensichtlich die Personifizierung dessen, was in unserer Gesellschaft lange nur allzu diskret gehandhabt wurde: Waffenhandel führt zu übermäßigem Wohlstand. Und dieser verdirbt bekanntlich den Charakter. Frau Gminder – so wie die AfD insgesamt – ist zu reflektiertem Denken nicht in der Lage. Der Realitätskontakt zeigt: Wir Deutschen sind eben nicht immer nur toll und Spitzenkraft. Wenn Autos mit E-Mototen in China und nicht in Deutschland gebaut werden, dann liegt das schlicht daran, dass die Politik dies bislang nicht von der deutschen Autoindustrie fordert. Seit Jahren beklagen sich Inginieure der großen Autohersteller in Deutschland, dass E-Mobilität in den Schubladen lediglich darauf wartet, verwirklicht werden zu DÜRFEN.

Doch solange mit Verbrennungsmotoren Geld verdient wird, will man sich E-Motoren als Zukunftsversicherung aufsparen. Der Zug (1) der Zeit fährt. Mit oder ohne uns. Das ist eine politische Entscheidung. Die AfD benimmt sich, als sei der Zug Schuld, dass Deutschland selbigen verpasst (hat).

(1) Interessant, dass die Zeit mit dem Zug und nicht mit dem Auto fährt! Ich setze auf Ihr Verständnis, dass ich anonym schreibe – meine Kontakte zu Inginieuren der Autoindustrie sind real. Porsche kann die Sache mit der E-Mobilität bereits – hoffen wir darauf, dass VW, Audi, BMW und auch Mercedes endlich über ihre Schatten springen. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Der Saustall“ von Fritz Zimmermann

Ein super interessanter Artikel über den Saustall von Sandbeiendorf. Und ein wahrlich wegweisendes Urteil, das feststellt, daß die staatlichen Kontrollen nicht funktionieren. Wer allerdings ernsthaft glaubt, daß nach diesem Urteil, so es denn hoffentlich rechtskräftig wird, die staatlichen Stellen das Tierschutzgesetz endlich durchsetzen, der hat wohl schon zu viel verdorbenes Schweinefleisch gegessen. Ich denke, der einzige erfolgversprechende Weg ist der von unten. Weniger Fleisch konsumieren, und wenn schon sollte man sich informieren, wie es produziert wurde. Nur das wird die Massentierquälerei eindämmen. – Wolfram Leonhardt


Leserbrief zu „Brüder zur Freiheit” von Marc Brost

Es gibt zur SPD v.a. zwei Sätze des verstorbenen Kabarettisten Dieter Hildebrandt, die m.E. nach wie vor gelten:

  1. „Die SPD macht in jede Hose, die man ihr hinhält.“
  2. „Man kann nicht mit der Faust auf den Tisch hauen, wenn man die Finger überall drin hat.“

Wohlgemerkt von einem, der einer Sozialdemokratie nahe stand. In diesem Sinne steckt die SPD schon seit Jahren/Jahrzehnten in einer Krise. Da geht es nicht um Sound, sondern um Haltung und Glaubwürdigkeit sowie Inhalte und Visionen.  „Das wahre Problem unserer Zeit (…) ist nicht, dass es uns nicht gut ginge oder dass es uns in Zukunft schlechtergehen könnte. Das Problem ist, dass wir uns nichts Besseres vorstellen können“ (Rutger Bregman in seinem aktuell auf Deutsch erschienen Buch ‚Utopien für Realisten‘). Dies trifft die SPD als selbsternannte Fortschrittspartei ohne Utopien besonders. Sie ist zu einem rein politsch-technokratisches (Ohn-) Machtgebilde geworden. Auch zeigte doch Ihre in Auftrag gegebene und 2016 veröffentliche Studie zur Zukunft der Deutschen – das Vermächtnis – zwei hier wichtige Erkenntnisse:

  1. Die Generation ‚Gibtsnichts‘ – Die Gräben verlaufen nicht zwischen Jung und Alt. Sie verlaufen zwischen sozialen Klassen. Jugend ist mehr als Rebellion, sie ist auch Erneuerung.
  2. Politische Richtungen – Die neuen gesellschaftlichen Trennungslinien verlaufen nicht mehr zwischen links und rechts, sondern zwischen Gewinnern und Verlierern der Globalisierung, zwischen jenen, die sich von der Öffnung unserer Gesellschaft bedroht fühlen, und solchen, die sie als Gewinn empfinden.

Nur wenn sich die SPD allerdings treu bleibt, dann wird eine mögliche Erneuerung nach dem Motto erfolgen: „Konsequent oder inkonsequent, nur das ewige Hin und Her hört endlich auf.“ Und wie ein Freund mal sagte: „Wer die Hoffnung besiegt, braucht das Glück nicht zu fürchten.“ In diesem Sinne Glückauf. Wann wir schreiten Seit ‘an Seit‘, an uns zieht die neue Zeit vorbei. – Andreas Kusserow


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Könnten Sie der Nippes- und Kleinanzeigen-Abteilung ausrichten, dass der Sarotti-Mohr trotz Wahlerfolg der AfD nicht wieder salonfähig geworden ist? Diese Vase so zu präsentieren kann bestenfalls der Blindheit der Redaktion geschuldet sein (Bild umdrehen?), schlechtestenfalls der inhaltlichen Ignoranz. Und das ganze mit einer Erich Kästner Anekdote garniert. Das macht’s leider nicht besser … – Oliver Hering


Leserbrief zu „Gönnen können“ von Peter Dausend und Katja Berlin

Ist ja schon interessant, daß Jamaika (also das Land, nicht dieser unsägliche Koalitionsbegriff) eine parlamentarische Monarchie in einem Zweiparteiensystem ist. Was hat das mit Deutschland zu tun? Geht es hier um Farben oder um politische Inhalte? Mir wäre lieber man machte konstruktive Politik, als sich um unerhebliche Farbkonstellationen zu kümmern! – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Massenmörder ohne Motiv?“ von Kerstin Kohlenberg

MORD, die Frage ist , was treib einen Mensch sowas zutuen ? Wahr er Geistlich krank ? Das wissen sie noch nicht,er wahr ein reicher makler ansonsten weiss man noch nicht viel ueber Ihm. Sowas gab es noch nicht for 40 Jahren ,jeder hatte schuss waffen zum Sport und fuer Jagen aber seit der Zeit hatt sich viel in America geaendert.Keiner Spricht mehr darueber, aber Alles geht zurueck zu Einer Frau Madelin Ohera ,die Democratische Partei und das Oberste Gericht .80 % der Bevoelkerung Glaubte immer noch an Gott,in den Schulen waren ueber all die 10 Gebote zu sehn und auch wurde Gebeted ,Aber Diese Frau glaubte nicht an Gott,und sie wolte nicht das Ihre Kinder das Anhoeren und hatt sich bis zum obersten Gericht durgesetzt natuerlich mit der hilfe von tausenden .

So kam es zum Schluss das Sie den Lieben Gott und seine 10 Gebote Verboten in alle schulen ,Und nun Siehst Du was sie da Geseht haben ,es ist nun die Ernte .Seit dem Kinder Hoeren nichts mehr von Gott es ist eine Gott lose Geselschaft geworden in den Schulen und natuerlich in alle Universitaeten die schon immer von Marxist und Sozialisten belegt waren ,da hatt sich nicht viel geaendert.Dan waren Sie kinder und nun sind Sie 40-50 Jahre alt.Eine GOTT lose Geselschaft. Ueber all in Deutschland liest man immer ,diese Amis und ihre Knarren ,Ja Gott sei dank Das wier ein Gesetz Haben das uns Erlaubt schuss Waffen Zu haben ,eine Schuss waffe Toeted nicht,es ist Der Mensch.Immer wieder Verlangen Die Liberalen Democraten ein Gesetz zur Kontrolle auf Schuss waffen .Sie wollen nicht Die schusswaffen ,sonder nur Die KONTROLLE darueber ,und damit Koenen Sie dan Verbieten was Du haben darfst oder nicht .So wolen Sie Dier deine Rechte Weknehmen ,eine nach dem Anderen ,Wie Bruessel das mit Euch macht.

America hatt 330 Millionen Menschen mit ungefaehr 25.000.00 Tausend Tote mit Schuss waffen davon sind 20.000.00 Tausend selbst Mord also Suizit,das kanst nicht Zaehlken .In Europa mit 740 Millionen Bevoelkerung gibt es 85 Tausend Teotliche Auto Unfaelle. Das muss ein Ende Nehmen und alle Pruduction von Autos muss gestopt werden ,den Jedes Auto kann eine Teotliche Waffe sein .SO Denken Liberale .Es Sind Die Politiker,Sie haben Angst auf Ihr Befafnete Bevoelkerung,den das Haelt Sie immer noch Zureuk und koenen nicht machen was sie wollen mit uns .hahaha. Wie lange haette es eine DDR Gegeben wen Ihr Schuswaffen haettet ? Oder Nord Korea /Cuba usw.Einbrecher wissen auch das die Bevoelkerung schusswaffen hatt und der Besitzer darf Schiessen.Nicht wie in Germany ,who du nicht das recht hast . Ich koente ein Roman darueber schreiben ,aber mein Revolver ist immer geladen und Hand bereit .. Bis dan Tschuess und Moge euch der Liebe Gott Beschuetzen – Dietmar Kubb


Leserbrief zu „Brüder zur Freiheit” von Marc Brost

Natürlich sagt niemand, dass die SPD nicht eine Bewegung à la Macron in Frankreich auf die Beine stellen kann. Nur bedürfte es dazu eben eines Macrons und bei allem Respekt, aber niemand aus der SPD-Spitze spielt auch nur entfernt in dieser Liga. Und: ist vielleicht irgendwer bei den Genossen mal auf die Idee gekommen, dass sich in einem Land, dem es so gut geht, wie dem unseren, tatsächlich nur ca. 20% für uralte Sozialdebatten interessieren und dass die Mehrzahl der Bürger ganz andere Probleme hat? Auch mir als FDP-Anhänger, ist sehr daran gelegen, wenn die SPD den Radikalen von links und rechts Stimmen abnimmt, ich fürchte nur, dass das weder mit dem aktuellen Personal noch mit den gegenwärtigen Themen gelingt. – Andreas Zabel


Leserbrief zu „Einst, aber jetzt“ von Benedikt Erenz

Der Artikel über das Historische Museum in Frankfurt am Main ist ja weitgehend toll – nur gegen Ende kommt doch noch der teutonische Dünkel gegenüber den slawischen Völkern durch: Berlin als Hauptstadt liegt ihm zu nah an Polen – ih gitt. Wie kann man nur nach den Nazi-Gräueln immer noch so daher reden? – Hans-Georg und Ursula Ambos


Leserbrief zu „Was ist ein Kopftuch?“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Wir haben uns über Ihren Artikel gefreut, der die doch oft recht emotional geführte Debatte um das von muslimischen Frauen getragene Kopftuch auf eine sachlichere Ebene zurückführen könnte. Erlauben Sie uns die Anmerkung, dass die in der Einleitung gemachten Angaben über die Rechtslage Gott sei Dank nicht (mehr) den Tatsachen entsprechen. Das Bundesverfassungsgericht hat 2015 ein pauschales Kopftuchverbot für verfassungswidrig erklärt  und da die Entscheidungen dieses Gerichts alle Organe des Bundes und der Länder binden, ist ein solches Verbot nicht mehr zulässig. Die meisten der acht Bundesländer, in denen es ein Kopftuchverbot gab, haben daraufhin auch mehr oder weniger entsprechend reagiert. Auch wenn der Gesetzeswortlaut in der Regel nicht verändert wurde, gibt es doch jetzt eine verfassungskonforme Auslegung des Gesetzes, d.h. Lehrerinnen dürfen mit Kopftuch arbeiten und tun es auch, ohne, dass es irgendwelche Probleme gegeben hätte. Berlin hält zwar noch an seinem Verbot fest, hat aber schon mehrere Klagen verloren, sodass es nur eine Frage der Zeit ist, wann man sich auch dort an den höchstrichterlichen Spruch halten wird. Ebenso hat das BVerfG das pauschale Kopftuchverbot im Bereich der Kinderbetreuung aufgehoben.

Private Arbeitgeber können das Kopftuch ebenfalls nicht einfach verbieten, sondern haben bestimmte Auflagen des Grundgesetzes und des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes zu beachten. Welche genau das sind, würde an dieser Stelle zu weit führen. Nach der Entscheidung des EuGH- und es ist fraglich, inwieweit das auch für Deutschland gilt – muss ein Unternehmen, das ein religiös motiviertes Kopftuch verbieten will, auf jeden Fall schon vor einem Konfliktfall eine strenge und durchgängige Neutralitätspolitik umgesetzt haben. Eine solche Politik würde es ihm z.B. verbieten, mit der Vielfalt der Belegschaft zu werben und auch die Fortführung „christlicher Traditionen“, wie betriebliche Weihnachtsfeiern, Weihnachtsbäume in der Lobby, Festtagskarten und -geschenke für Firmenkunden und -Partner dürfte unmöglich sein. Nach Ansicht des Gerichts ist eine Neutralitätspolitik das Gegenteil einer Firmenpolitik, die die Weltläufigkeit des Unternehmens und die Vielfalt der Belegschaft in den Fokus seiner Eigenwerbung rückt – beides zusammen geht nicht. Jede Firma, die die Charta der Vielfalt unterzeichnet hat, kann sich demnach kaum glaubhaft auf eine Neutralitätspolitik berufen, die dazu führt, dass Frauen mit Kopftuch bei der Einstellung wegen des Kopftuches abgelehnt werden. Soweit die Informationen über die aktuelle Rechtslage. – Gabriele Boos-Niazy


Leserbrief zu „Über die politische Botschaft des Toastbrots“ von Harald Martenstein

Ach, lieber Herr Martenstein, nun ist Ihnen aber offenbar gar kein Thema für die heutige Ausgabe eingefallen. So ein Unsinn. Liegt es am beschränkten Horizont? Kommen Sie mal nach Thüringen, da bekommen Sie eine Bratwurst (meistens) in Brötchen, die es im Westen schon lange nicht mehr gibt, nicht so „fluffig“, sondern knusprig, eher wie früher eben. Und man sollte aufhören, aus Allem und Nichts Ost-West-Gegensätze zu konstruieren. Schade, sehr schade…. Mit freundlichen Grüßen aus der Provinz (Erfurt) in die Hauptstadt. P.S. Übrigens gibt es hier auch keine „Knüppel“. Quatsch – Dieter Tettenborn


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Es scheint immer noch nicht klar zu sein, warum die AfD so populär geworden ist. Es wird vieles vermutet und diskutiert, aber den eigentlichen Grund scheint unklar zu sein. Für mich nicht. Ich habe eher den Eindruck die Wahrheit über unsere Zustände will keiner in unserem Land erkennen. Weil sie es vielleicht verdrängt haben. Ich gehe davon aus, daß die Wähler die AfD nicht gewählt haben, obwohl sie mit ihr sympathisiert haben. Die sind einfach zu Hause geblieben. Wenn keine wesentlichen Änderungen unserer Demokratie, quasi vom Kopf auf die Füße stellen, werden Sie bei der nächsten Wahl nicht mehr zu Hause bleiben.

Auch die meisten Journalisten wollen das nicht verstehen. Wenn ich das Gezeter um die Sitzordnung höre und lese, dann fällt mir dazu gar nichts mehr ein. Dieses Affentheater zieht sich durch unser ganzes Land. Ich behaupte auch: Das ist nicht unbedingt die unkontrollierte Einwanderung, das hat zwar das Fass zum überlaufen gebracht. Es geht aber in erster Linie um den Zustand unserer gesamten Politik. Ich lebe auch in einem anderen Staat. Es ist für mich immer ein Kulturschock wenn ich nach Deutschland zurückkomme. Eine Feststellung von Friedrich Schiller möchte ich zitieren: „Die Heimat ist das Teuerste. was Menschen besitzen.“ – Gunter Knauer


Leserbrief zu „»Wer macht schon keine Fehler?«“ von Lisa Nienhaus

Ihr Gespräch reflektiert sicher viel Kritik an Ackermann. Zwei Argumentationsstränge fand ich nicht angesprochen: 1) Die angestrebte Gewinnspanne von 25% wurde ja realisiert, indem eine Bank bei der EZB oder am Markt 1 Million schwachzinsige Staatsanleihen kaufte, die bei der EZB wieder belieh und weitere Anleihen kaufte bis -bei 4 bis 5 mal – die 25% für den ursprünglichen Einsatz erreicht war.  IKB und die Mutter KfW wurden ja notleidendend, weil die Deutsche Bank ihnen „subprime“ Derivate verkauft hatte, um bald darauf zu „posten“, daß die wohl nun ein Problem hätten.  2) „Die Deutsche Bank hat (habe) kein Steuergeld benötigt.“? Die HRE war die Bad Bank der Deutschen Bank. Da wurde eine Menge Steuergeld verbrannt. Die Deutsche Bank spiele sich als Helfer auf, über Westerwelle wurde die BaFin in den Senkel gestellt, weil sie bei der Depfa in Dublin nicht tätig geworden sei (was sie gar nicht durfte.  Was sollte der Hinweis (Im Kasten Hinter…) auf ein Treffen mit allen seinen Sekretärinnen – nicht zum ersten MalL? Ist A. ein Unhold? – Gerhard Schroeder


Leserbrief zu „Protest der Zwerge“ von Jörg Lau und zu „»No pasarán!«“ von Ulrich Ladurner

Gleich zwei Artikel über Katalonien, doch beide schlagen in die selbe Kerbe. Ein Artikel hätte ausgereicht, der zweite bringt kaum zusätzliche Erkenntnis. Mich würde Folgendes interessieren – vielleicht eine Idee für folgende Berichte:

Wie kommt es, dass eine Bevölkerung in großen Teilen seit über 100 Jahren danach strebt, mehr und mehr Autonomie zu gewinnen, vielleicht sogar Unabhängigkeit? Wie kommt es, dass, seit es die institutionelle Möglichkeit gibt, immer eine starke katalanische Partei im katalanischen Parlament vertreten war und zumeist auch regierte? Die Menschen, denke ich mir, können nicht über Generationen nur starrsinnig, emotional, dumm und verführbar gewesen und platter Propaganda erlegen sein. Zumal der katalanische Nationalismus (anders vielleicht als andere Nationalismen) nicht durch Fremdenfeindlichkeit und ethnische Abgrenzung auffällt. Meine Erfahrung war immer: Jeder, der sich bemüht, Katalanisch zu lernen und zu sprechen, wird freundlich aufgenommen.Welche Rolle spielen die Sprache und Kulturin der katalanischen Frage? Diesen m.E. zentralen Aspekten könnten Sie nachgehen, wenn sich Ihre Berichterstattung vom Alltagsjournalismus anderer Medien unterscheiden soll.

Eigentlich benötige ich als mündiger und einigermaßen gebildeter Leser keine Artikel, die Spaltenlang die Meinung eines Autors predigen. Vgl. dazu einen der Leserbriefe in dieser Ausgabe; die dort geäußerte Kritik an G. di Lorenzos Wahlempfehlung (? – den Artikel habe ich nicht gelesen) lässt sich leider auf viele Berichte beziehen. Bitte nehmen Sie uns Lesern nicht das Denken ab. Schlussfolgerungen kann ich selbst ziehen, wenn ich nur ausreichend informiert wurde. Und genau dies fehlt mir in Ihren Artikeln über die Nationalitätenfrage in Flandern, Katalonien und Schottland. – Stefan Siebers


Leserbrief zu „Kämpft für Europa!” von René Obermann

Ihr Autor hat auch nichts begriffen. Wenn die „Zeit“ so weiter macht, dann werden Ihnen die Leser eines Tages auch weglaufen. Der Ehemann von Frau Illner hat eine desolate Telekom verlassen oder verlassen müssen. Die Bürgerbetreuung der Telekom hat ähnliche Qualität wie die der Politik. Deutschland muß der Welt helfen! Na, wunderbar. Das damit zu erklären, daß sonst alles nach Deutschland flüchtet. Die fünf größten Wirtschaftsunternehmen sind in den USA zu Hause. Europa ist zerstritten wie nie zuvor, und Europa verliert immer mehr seine Bürger, weil Sie kein neues Angebot liefert. Ohne Amerika wäre Deutschland im digitalen Zeitalter ein Nobody. Uns rettet die Maschinenindustrie, die ist so gut, daß sie ein ganzes Land ernähren kann. Und die Chemie, obwohl ich mit denen auf Kriegsfuß stehe, gehört auch zu den prosperierenden Unternehmen. Viel mehr ist da nicht. Europa steht am Scheideweg ihrer Existenz. Schuld hat die Wissenschaft (ja, Sie haben richtig gelesen), die hat sich im Primitiven, wie die Politik, festgesetzt. Ihre Chefredaktion sollte genauer hinsehen wer für sie schreibt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Der Todesstoß” von Joachim Riedl

Ich weiß wenig von der östreichischen Politik, dafür umso über die Sozialdemokraten in ganz Europa, im besonderen in Deutschland. Sorry, ich habe meiner Finger nicht mehr unter Kontrolle – es passiert mir in letzter Zeit häufiger. Ich fahre fort: Die SPD ist in der Tat auch in einer schweren Krise, die nur in ihren Reihen zu suchen ist. Die tragende Figur für den Niedergang zeichnet Thomas Oppermann, der einen schweren Treuebruch begangen hat. Er war auch die treibende Kraft hinter Martin Schultz, der Martin Schultz mit dem falschen Konzept auf die Wähler losgelassen hat. Nicht er wurde aus dem Rathaus geworfen, sondern Hans-Peter Friedrich von der CSU. Die SPD war von da an für mich erledigt. Es scheint bei der SPD in Österreich in ähnlicher Weise, zwar nicht in so gravierender Form, falsch gespielt worden zu sein. – Gunter Knauer


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Ihr neues Magazin handelt vom Sofa und es ist mit „Ein Designheft“ betitelt. Wie zu erwarten, haben passend zum Inhalt verschiedenste Sofa-Hersteller Anzeigen geschaltet. Hier eine kurze Zusammenfassung der dargestellten Sofas:

  • Innenseite Titelblatt:  Fa. Cassina:  rechteckig mit Kissen grau (abgerundete Ecken)
  • Seiten 6/7: Fa. Minotti:  rechteckig mit Kissen grau (gerundete Lehne)
  • Seiten 8/9: Fa. B&B Italia: rechteckig mit Kissen, grau
  • Seiten 10/11: Fa. Flexform:  rechteckig mit Kissen, braun (!)
  • Seite 13: Fa. Poliform:  rechteckig mit Kissen, grau
  • Seite 15:  Fa. Baxter:  gerundet (!) ohne Kissen (!), grau
  • Seite 17: Fa. Porada:  rechteckig mit Kissen, grau
  • Seite 21: Fa. Giorgetti:  rechteckig mit Kissen, grau (aber ein Bett)
  • Seite 25:  Fa. Jori:  rechteckig mit Kissen, grau
  • Seite 55:  Fa. Brühl: rechteckig mit Kissen, (dunkel)grau
  • Seite 71: Fa. Ligne roset rechteckig mit Kissen, (braun)grau
  • Seite 95: Fa. Walter Knoll rechteckig mit Kissen, grau

Es lebe der Individualismus! P.S. Einzige wirkliche Ausnahme Seite 45: oval oder nierenförmig ohne Kissen in 4 verschiedenen Farben. Davon allerdings eins wieder GRAU. – Peter Witt


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Wenn die Journalisten schreiben, dass die Ankunft von einer Million Migranten als Kontrollverlust empfunden werden könne, und Kontrollverlust als Gefühl, dass gesellschaftliche Gruppen, denen man sich selbst nicht zugehörig fühlt, den Wertekanon prägen, definiert, dann verdrehen sie die Tatsachen und wollen den massiven Vertrauensbruch der zuständigen Eliten in Medien und Politik gegenüber dem Bürger nicht wahrhaben. Der Umstand, dass Millionen Menschen unkontrolliert nach Deutschland hineingelassen worden sind, ist ein staatlicher Kontrollverlust und eine historische Tatsache, die mit Gefühlsduselei erst einmal nichts zu tun hat. Das quantitative, aber auch das qualitative Ausmass der Zuwanderung wurde komplett aus den Augen verloren.

Es war beim besten Willen nicht klar, wer eingereist war. Gingen Politik und Medien lange Zeit davon aus, dass überwiegend Kriegsflüchtlinge aus Syrien oder Irak zugewandert seien, so ist heute klar, dass überwiegend Wirtschaftsflüchtlinge, u.a. aus dem Iran, den NAfri- und den Kaukasus-Staaten zugewandert sind. Der Wähler kann sich sehr gut an das realitätsferne Versprechen der Bundeskanzlerin erinnern, dass mit den Flüchtlingen keine Terroristen einreisen würden. Leider haben die fürchterlichen Terror-Anschläge in Frankreich und Berlin bewiesen, dass durch den Kontrollverlust des deutschen Staates das Ausmass ermöglich wurde. Der Wähler kann sich auch daran erinnern, dass die Bundeskanzlerin die Lage mit den Worten beschönigte, wir wären auf die Zuwanderung angewiesen, weil nur mit ihnen das Fachkräftemangelproblem zu lösen sei.

Als es unübersehbar war, dass sich die Behauptung der Kanzlerin nicht aufrecht halten lässt, verkündete die Bundeskanzlerin, dass sie für die Zuwanderer Perspektiven im Bereich des Gütertransports sähe. Solche Aussagen machen dann schon fassungslos. Der Bürger, der die Digitalisierungswelle durch die grossen Konzerne wie Google, Tesla oder Porsche kommen sieht, wundert sich, in welchem Zeitalter die Kanzlerin lebt. Der Bürger ist derjenige, der den staatlichen Kontrollverlust unmittelbar zu spüren bekommt, also die Rechnung im tatsächlichen und übertragenen Sinne bezahlt. Dem – in Heilbronn sogar recht starken – Anstieg der Kriminalität, den Sozialkosten, den steigenden Wohnungskosten und ggf. den stärkeren Wettbewerb auf dem Arbeits- und Dienstleistungsmarkt um Einkommen sind die Wähler unmittelbar ausgesetzt. Diese Folgen und Probleme herunterzuspielen, diese sogar zur Gefühlsduselei zu erklären, dann sogar noch den lantenten Nazi, Halbnazi, Ausländerhasser, Rassist, Dunkeldeutschland, Pack, pp , oben drauf zu satteln, das war ein massiver Vertrauensbruch der Politik und der Medien und konnte nicht ohne Folgen für die Wahlen bleiben. Es verwundert, dass die Journalisten nach dieser Wahl und nach zwei Jahren Zeitablauf es immer noch nicht schaffen, über ihren Schatten zu springen und die Tatsachen und Fehler beim Namen zu benennen. Wie will man sonst das Vertrauen zurück gewinnen ? – Reinhard Wilhelm


Leserbrief zu „»Nationalkonservative gehören in unsere Reihen«“ von Tina Hildebrandt

In ihrem Interview in der Zeit von heute behauptete die bayrische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, das Grundgesetz schreibe vor, Menschen, die aus sicheren Drittstaaten einreisen, an der Grenze zurückzuweisen. Das sei keine Kann-, sondern eine Muss-Bestimmung. Ich werde aber in meiner Version des Grundgesetzes, die ich mir aktuell von der Webseite des Bundestages geholt habe, nicht fündig. In Artikel 16a Abs. (2) heißt es lediglich, dass sich so einreisende Personen nicht auf das in Absatz (1) garantierte Asylrecht berfufen können. Es wird aber überhaupt nichts darüber gesagt, wie die Bundesregierung dann mit ihrer Ein- oder Ausreise verfahren müsse. Ich würde Sie bitten, die Behauptung von Frau Aigner auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.

Sollte ich Recht haben, und diese Behauptung unzutreffend sein, wäre es wichtig, festzuhalten, dass eine Landesministerin angebliche Bestimmungen des Grundgesetzes frei erfindet. Sollte ich mich täuschen und es so eine Regelung tatsächlich geben, wäre ich dankbar für die korrekte Information, wo genau im Grundgesetz sie denn zu finden sei. – Nikolaus Wandinger


Leserbrief zu „Wochenmarkt“ von Margit Stoffels im ZEIT Magazin

Vielleicht wollen Sie mit Ihrer Eingangsfrage „Wer kann sich noch an ein Jahr ohne Halloween erinnern?“ nur tümelnde Altdeutsche fangen. Aber gut, während meiner Kindheit in den 50/60er Jahren in Berlin und Travemünde bestand eine Lücke zwischen den Maßnahmen des großen Keltenforschers Heini Himmler und den aus den USA importierten PR-Aktionen. Also ging man „Laterne“ und schnitzte dazu auch welche aus Kürbissen. Wie immer zu Erntedank. Und die „Nacht vor Allerheiligen“ war damals nicht nur für uns Kinder der Abend des Reformationstages.

Der Kürbis-Brauch kam also keinesfalls „erst Mitte der neunziger Jahre aus den USA“. Und selbst der Totenulk, mit dem heute die Kinder überzogen werden, ist nicht neu. Der hat nämlich als Totenkult schon den Massenmörder Himmler am Keltenkult besonders fasziniert. Da ich seit DDR-Zeiten gern auf den Spreewaldhof fahre, den eine Freundin inzwischen erbte, werde ich Ihren Artikel in Burg schon wegen des neuen Koches von Herrn Clausing herumreichen. Natürlich mit meinen schlauen Ergänzungen. – Michael Brockhaus


Leserbrief zu „Totalausfall“ von Thomas Kerstan

Sehr detaillierte Daten zum Unterrichtsausfall haben wir bereits in den 90-er Jahren der Schulaufsicht, natürlich ungefragt, weil sie nie fragt, vorgelegt. Die Antwort des Schulrates: „Das ist zwar interessant, aber ich kann nichts damit bewirken!“ Zwei weitere Zitate von Schulaufsichtsbeamten angesichts eines Diskussionsversuchs bei Problemen: “ Das ist hier nicht der Ort zum Diskutieren, das ist Sache der Gewerkschaften!“ und, so ein dritter, allerdings mit unüberhörbarer Ironie: „Das Schild muß glänzen!“

Was nach Zuständigkeit der Schulaufsicht aussieht, liegt tatsächlich ausschließlich in der Verantwortung der Politik! Schulaufsichtsbeamte sind durch ihren Dienstherrn unter Verleugnung ihres Wissens und oft auch Gewissens, gezwungen, an der „Front“ Unmut abzufedern und Beruhigungspillen zu verteilen und zugleich die Alltagswirklichkeit nicht zur Ministerialebene durchdringen zu lassen. Dort würden solche Berichte nur die Statistik und den ideologisch-pädagogischen Überbau stören und sind somit unerwünscht. Ahnen reicht – Realität stört! Fazit nach jahrzehntelanger Schulleitungstätigkeit: So wie im Bericht dargestellt war es schon immer und es wird auch so bleiben – leider! – Peter Schiel


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan und zu „Kämpft für Europa!” von René Obermann

Vielen Dank für die beiden sehr analytischen und aufschlussreichen Artikel. Sie zeigen damit auf, dass die Politikersprüche nach der Wahl unter dem Tenor „Wir haben verstanden“ und die angekündigten Themensetzungen der Parteien für die nächste Zeit zu kurz greifen. Ich würde mich an den Kosten für ein Spenden-Abo an die Parteizentralen beteiligen, dort scheinen solche Erkenntnisse noch nicht angekommen zu sein. – Uwe Apel


Leserbrief zu „»No pasarán!«“ von Ulrich Ladurner

Dass sich die Zeit klar auf die Seite des spanischen Nationalstaats geschlagen hat, ist eine Sache, aber dass unbelegte Behauptungen den Artikel schmücken dürfen, ist nicht die übliche Qualität der Zeit, die ich so schätze. «Das Selbstbestimmungsrecht ist eine gefährliche, explosive Utopie» steht da – warum, bleibt offen. Ebenso, warum «die Ausübung dieses Rechts die Unterdrückung des betroffenen Volkes voraussetzt». Darf ein Volk nur dann bestimmen, was es will, wenn es systematisch unterdrückt wird? Und warum kann die EU nicht nun die Chance nutzen, ein Europa der Regionen zu schaffen, anstatt die heutigen «Nationalstaaten» zu zementieren? – Gerhard Schwab


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Vielen Dank für diesen umfangreichen Artikel! Hierzu möchte ich gerne ein paar Gedanken mit Ihnen teilen. Seit letztem Herbst lebe ich mit meiner Familie in Abstatt, einem Ort im Heilbronner Land mit knapp 5000 Einwohnern. Es gibt zahlreiche kleine und große Arbeitgeber, vielfältige Angebote (Kinderbetreuung, Mediathek  & Musikschule, Einkaufsmöglichkeiten & Restaurants, ärztliche Versorgung  im Ort, etc). Durch die Nähe zur Autobahn gehört die Gegend mit Sicherheit auch zum Stuttgarter Speckgürtel. Zudem ist die Gemeinde seit ein paar Jahren schuldenfrei. Ich denke man kann sagen: hier lebt es sich gut! Trotzdem konnte auch hier die AfD knapp 15% der Stimmen für sich holen (immerhin fast 4% weniger als bei der letzten Landtagswahl).

Dieses Ergebnis stimmt mich besorgt und ratlos und wirft Fragen auf… Eine einfache Erklärung für den Erfolg der AfD gibt es nicht, dafür sind die Motive der Wähler zu vielfältig. Ihr Artikel zeigt viele Erklärungen auf, manche lassen sich sicherlich direkt für den ländlicheren Raum übernehmen. Einen zusätzlichen Erklärungsansatz liefert vielleicht nochmal der Blick  auf die Wähler der anderen Parteien. Könnte es nicht auch sein, dass es in Gegenden in denen die Parteien der typischerweise gutgestellten Wähler überdurchschnittlich stark abschneiden (CDU 34% / FDP 15% / Grüne  10%), eine Gruppe gibt, die sich ungerecht behandelt oder vernachlässigt fühlt? Objektiv mag es dieser Gruppe zwar immernoch recht gut gehen, aber die Einschätzung des eigenen Wohlstandes ergibt sich doch  maßgeblich aus dem Vergleich mit den Menschen im eigenen Ort.

Aber was tut die Gemeinde eigentlich für diese Gruppe? Vom viel gepriesenen Haushaltsüberschuss, Ortssanierung, Neubaugebieten etc  profitieren diese Wähler wahrscheinlich tatsächlich kaum. Sozialer Wohnungsbau wäre ein Thema. Und dann müsste vielleicht auch wieder mehr über all die Leistungen und Angebote gesprochen werden die wir so gerne als selbstverständlich hinnehmen… Wir kommen also wieder zur sozialen Spaltung – hierauf muss die Politik im Kleinen wie im Großen eine Antwort finden. Jede Gesellschaft hat ein „oberes“ und ein „unteres Ende“, keines darf vergessen werden. Das „Schließen der rechten Flanke“ wird das Problem nicht lösen. Ich hoffe sehr, dass die Politiker der großen Parteien von Kommune bis Bund dies erkennen. – Kathrin Utz


Leserbrief zu „Totalausfall“ von Thomas Kerstan

Wir brauchen doch – nach einer Diskussions- und Entwicklungszeit von maximal einem Schulhalbjahr – einfach nur ein bundeseinheitliches elektonisches Klassenbuch, das dann auch problemlos der Statistik sowie der Lehrplan- und Unterrichtseffizienzsteigerung dienen könnte. In dieses „Buch“ müßten dann auch die Eltern Einsicht nehmen können. – Edwin Schläger


Leserbrief zu „Die Laster fahren leer zurück“ von Bettina Schulz

Mit großem Interesse haben wir Ihren Artikel gelesen und würden Sie gerne auf ein weit verbreitetes Missverständnis hinweisen. Im vierten Abschnitt Ihres Artikels zitieren Sie einen Spediteur zum Fracht- und Laderaumverhältnis. Die Interpretation der Zahlen scheint problematisch. Denn, wenn ein Verhältnis von 67% freien Laderaum und 33 % zu transportierenden Frachten besteht, wäre es ein Trugschluss anzunehmen, dass 67 % Lkw leer fahren. Zum einen ist es möglich, auf einer Frachtenbörse Teilladungen auszuschreiben, so dass die Lkw sicherlich nicht leer fahren, aber vielleicht nicht komplett ausgelastet sind. Zum anderen haben es die Fracht-Anbieter möglicherweise nicht nötig, Frachten auszuschreiben, sondern reagieren direkt auf die Laderaumangebote in der Böse und stellen ihre Frachten somit nicht ein. Genau das Gleiche gilt auch für einen Frachtüberhang.

Falls sie gerne mehr über die Funktionsweise von Frachtenbörsen und ihre Aussagekraft für den Transportmarkt und damit auch der Wirtschaft erfahren möchten, stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung. Als Europas größte Transportplattform greifen wir sekündlich auf ein sehr umfangreiches Datenmaterial zurück, das wir in dem TimoCom Transportbarometer abbilden und analysieren. Dieses wird unter anderem auch von Deutschlands größter Verkehrszeitschrift als wichtiges Instrument zur Interpretation des Marktes genutzt: http://www.dvz.de/

Weitere Informationen zum TimoCom Transportbarometer finden Sie hier: https://www.timocom.de/Transportplattform/TimoCom-Mobil

https://www.timocom.de/News/Pressemeldungen/Transportbarometer:-TimoCom-verbucht-FrachtenAllzeithochOlga Polasik


Leserbrief zu „»No pasarán!«“ von Ulrich Ladurner

Das Selbstbestimmungsrecht der Völker greift in diesem Falle nicht. Spanien kann die Loslösung nicht zulassen. Und die EU kann es auch nicht zulassen oder gar befördern, zumal jedes EU-Mitglied ein Vetorecht hat. Es geht auch für Katalonien nicht, weil es sich dann sofort außerhalb der EU befinden würde. Ein anscheinend unüberwindlicher Wall. Es müsste schon eine Fee das Vetorecht der Mitglieder abschaffen. Gleichwohl, wenn man sich vorstellt – wie es hier und da schon mal geschieht –, dass in vielleicht zwei Jahrzehnten die EU nicht mehr große Nationen als Mitglieder hätte, sondern nur noch Regionen, dann hätte das einen ganz erheblichen Charme, weil das geballte nationalistische Streben der großen Mitglieder in ein sehr viel diffuseres der Regionen übergehen würde. Die Politik auf EU-Ebene würde viel weniger von starken Mitgliedern beherrscht und könnte somit ein demokratischeres Aussehen erlangen. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zu „Über die politische Botschaft des Toastbrots“ von Harald Martenstein

Nein, lieber Herr Martenstein, nein und nochmals nein! Zugegeben, es ist das erste Mal, dass wir mit Ihnen nicht einverstanden sind. Die Reihenfolge beim Lesen der Zeit heißt normalerweise bei uns: Janosch – Martenstein – Was unser Leben reicher macht, und erst dann wird nachgeschaut, ob noch was Interessantes für uns dabei ist. Meist sind wir von Ihren Artikeln begeistert, manchmal zucken wir auch mit den Schultern mit einem “na ja”. Doch heute sortieren wir Sie zu den vielen Schreibern, die erst mal eine Meinung haben, wie z.B. “im Osten ist alles schlecht”, dann wird der passende Artikel geschrieben, eine Recherche findet nicht statt.  Toastbrot: Es gab in der DDR kein Toastbrot, das lernten wir nach der Wende kennen und nicht lieben.

Zur Bratwurst wurde prinzipiell ein Brötchen aufgeschnitten. Sollten mal keine mehr da sein, wurde Weißbrot mit “Tschuldigung, Brötchen sind alle” gereicht. Die DDR-Brötchen gehören zu den Dingen, die wir heute vermissen, Bäcker, die noch nach dem alten Rezept backen, sind Mangelware geworden bzw. absolute Geheimtipps. Was man am Bratwurststand nicht bekam waren Servietten.  Brötchen hießen nie Knüppel. Es gab Brötchen, Semmeln, Schrippen, regional halt unterschiedlich. Knüppel ist eine Neuerfindung oder eine ganz seltene regionale Variante(?). Bitte Seien Sie doch in Zukunft sorgfältiger und schlussfolgern Sie aus vielleicht tatsächlich gehabten Erlebnissen nicht auf das Prinzipielle. – Dr. Siglind und Hartmut König


Leserbrief zu „Kämpft für Europa!” von René Obermann

Solange der beschworene Kampf für Europa in einer Abschottung nach außen und einer Vereinheitlichung der Lebensbedingungen unter Ausschaltung eines föderalen Wettbewerbs untereinander besteht soll, wird dieses Europa in Sklerose erstarren. Zeigen nicht die Bestrebungen in Katalonien -wie auch in vielen anderen Regionen Europas- nach vermehrter Autarkie und Selbständigkeit, dass die Völker Europas ihre Eigenarten bewahren und pflegen wollen, ohne dass diese aus wirtschafts- und finanzpolitischen Erwägungen glattgebügelt werden? – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „»Nationalkonservative gehören in unsere Reihen«“ von Tina Hildebrandt

Ich möchte bald sagen: was denn sonst. Ein sehr vernünftiger Vorschlag von Ilse Aigner. Der CSU wäre viel erspart geblieben. Horst Seehofer hat sich mit seiner Treue zur Frau Merkel total verkalkuliert. Jetzt weiß er nicht so recht was er machen soll. Er sollte auf seine Vorsitzende hören und eine Kehrtwende einleiten. Wenn er das nicht fertigbringt sollte er seinen Nachfolger damit beauftragen. Das ist nichts ehrenrühriges sondern zeigt eher Größe. Das wird der CDU zwar nicht gefallen und den Medien gleich gar nicht. Die werden sich wieder in Stellung bringen, aber das macht nix. Die Medien haben ohnehin bei den Bürgern verschissen – würde das Fußvolk sagen. Unsere Mutter Gottes wird das auch in ihrer gewohnten Art verkraften. Das wäre endlich mal ein großer Wurf, der die vernünftigen Bürger wieder zusammenbringt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Totalausfall“ von Thomas Kerstan

„Kinder sind unsere Zukunft“, „Bildung ist Deutschlands wertvollster Rohstoff“, diese und ähnliche Lippenbekenntnisse sind allzu bekannt. Leider bleiben es gemeinhin Leerformeln, denn sonst gäbe es keinen derart exorbitanten Unterrichtsausfall und Bildungsnotstand – in zudem teilweise altersblanken Räumlichkeiten, mit mangelhaftem Inventar und anachronistischer Ausstattung. Es gäbe nicht die schlechten Bildungschancen, die schließlich nicht nur in (fortgesetzter) Bildungsferne münden, sondern auch Gesundheit und Kindeswohl gefährden können. Je mehr und je länger der Bildungserfolg der Kinder vom Geldbeutel der Eltern abhängt, desto weniger stark wird der gesellschaftliche Zusammenhalt aufgrund der geradezu implementierten sozialen und finanziellen Spaltungen zukünftiger Generationen sein. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Oh ja – Heilbronn! Das ist schon ein Fall für sich! Was die Autoren schreiben, ist ein getreues Abbild der doch bisweilen recht seltsamen Menschen in der „Unterfrankenmetropole“. Es geht den Leuten gut, die Stadt hat sich in den letzten 35 Jahren, seit es mich dorthin verschlagen hat, auch wegen der großzügigen Hand von Herrn Schwarz enorm entwickelt und bietet ein angenehmes Leben, wären da nicht die Heilbronner, vor allem diejenigen aus Heilbronn Ost: Eine seltsame Mischung aus arroganten Wohlstandbürgern und miesepetrigen Krämerseelen (dies hat schon ein früherer Oberbürgermeister so erkannt!). Alles, was sie nicht kennen, erscheint ihnen suspekt und Vieles lehnen sie ohne jede Überlegung von vorneherein kategorisch ab! Ich habe mich immer gefragt, warum dies so ist und bin bei der Antwort auf diese Frage auf meine ganz eigene, zugegebenermaßen etwas deterministisch anmutende Lösung gekommen. Die Autoren haben verschwiegen, dass mitten in Heilbronn ein Produkt hergestellt wird, das weltweit bekannt ist und durchaus geschätzt wird – nur wenige wissen allerdings um dessen Herkunft: Es geht um die Fleischbrühe von KNORR, nach der es bei ungünstiger Wetterlage in der gesamten Innenstadt intensiv riecht. Vielleicht hat ja gerade dieser Fleischbrühduft den Heilbronnern, vor allem denjenigen aus Heilbronn Ost, die Sinne so vernebelt, dass sie so eigenartige Menschen geworden sind. „Aber ich bitte Sie, das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“ – Franz Schneider


Leserbrief zu „Wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen“ von Adam Soboczynski

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen. Dies ist seit langer Zeit wieder einmal ein Artikel, dessen Inhalt ich mich voll und ganz anschließen kann. Leider werden nur wenige Politiker diesen Artikel lesen, denn sonst müssten Sie sich ja eingestehen, dass Sie dem Bürger gar nicht zuhören, ihn wirklich ernst nehmen müssten, um dann zu wissen, was ihn bewegt. Diese Art von Artikel habe ich in der Zeit vor der Wahl vermisst. Am Politikbetrieb wird sich dadurch leider nichts ändern, das lese ich bereits in anderen Artikeln. Ich bin Atheist, aber es wäre schön, wenn auch innerhalb der Politik das Wort Nächstenliebe das Gewicht bekäme, was das Wort aussagt. Alle Parteien sollten sich meiner Auffassung nach einmal überlegen, ob die Bezeichnungen im Parteinamen noch der Gegenwart entsprechen.

C= christlich,

S= sozialdemokratisch,

Grün= ökologisch!

Die einzigen Parteien, die sich drehen und wenden können, wie Sie wollen, sind die Linken und die FDP. Da weiß man für was Sie stehen. Die AfD‘ler hoffe ich zerfleischen sich selbst. Diese Partei muss gefordert, nicht ausgegrenzt werden. Bundestagsvizepräsidenten wie Albrecht Glaser sollte man sich aber ersparen. Solche Menschen erinnern sehr an eine vergangene Zeit, die wir hofften, überwunden zu haben! Ich kann Herrn Lammert verstehen, der sagt: „Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“ Dies ist in all den Jahren durch den Fraktionszwang ausgehebelt worden. Gewissen, ja was ist das eigentlich? – Gerhard Boerk


Leserbrief zu „Massenmörder ohne Motiv?“ von Kerstin Kohlenberg

Wie Sie schon richtig erkannt haben, hat die auch meiner Meinung zu leichte Verfügbarkeit von legalen Schußwaffen in einigen Teilen der USA diese schreckliche Tat erleichtert. Herbeigeführt hat es sie aber nicht, und bei ausreichend krimineller Energie wären es eben illegale Schußwaffen, aufbereitetes Düngemittel, ein LKW oder was auch immer geworden. Aber die genauen Umstände zu ermitteln und zu ändern, ist natürlich deutlich schwerer und langwieriger als Gesetze zu verschärfen. Gesetze wirken eben nur bei Menschen, die auch gedenken, sich daran halten zu wollen! Darüber hinaus sollten Sie den Unterschied zwischen halb- und vollautomatischen Waffen noch einmal recherchieren. Ein Halbautomat schießt beim Ziehen des Abzug genau ein Mal, ein Vollautomat so lange, wie man den Abzug gezogen hält oder das Magazin leer ist. – Thomas Weiße


Leserbrief zu „Über die politische Botschaft des Toastbrots“ von Harald Martenstein

Herr Martenstein belegt in diesem Artikel kaum vorstellbare Unkenntnis, entsetzliche Ignoranz, granitene West-Ost-Sicht. Ein sehr spezieller Beitrag zur deutschen Einheit. – G. Bauer


Leserbrief zu „Die wollen uns umbringen“ von Alard von Kittlitz

Herr v. Kittlitz sollte sich um das Wohl der beiden von ihm interviewten Chemtrailer keine Sorgen machen. Sie fühlen sich dadurch, dass sie von der Welt missverstanden und abgelehnt werden ja nicht fehl am Platz, sie haben einen Auftrag, sind zu wichtigen Menschen geworden, sind Eingeweihte und Aufgeklärte, wissen mehr als alle anderen, gehören zu einer exklusiven Minderheit, die von mittlerer Intelligenz sein müsste, um zu verstehen dass sie doof ist. – Anette Aslan


Leserbrief zu „Moers“ von Michael Allmaier

Herr Allmaier hätte bei seinem Bummel durch Moers auch noch den bundesweit bekannten Kabarettisten Hans-Dieter Hüsch erwähnen sollen. Er war doch „bekennender“ Niederrheiner aus Moers: Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären. Nach ihm ist in Moers ein Platz (?) oder ein Haus (?) benannt  und ein Denkmal in Bronze aufgestellt worden. In einem Stück des kleinen, feinen Schloßpark-Theaters wurden vor einigen Jahren die Besucher der Vorstellung auch zu einer Kahnpartie auf dem erwähnten „See“ herumgefahren. Die Schauspieler deklamierten vom Ufer aus. – Hartmut Wagener


Leserbrief zu „»No pasarán!«“ von Ulrich Ladurner

Aufgrund der gravierenden Szenarien, die sich zur Zeit in der spanischen Region Katalonien abspielen, empfinde ich es als persönliche Pflicht, meine Meinung mit den Lesern ihrer Zeitung zu teilen. Das Ziel dieses Kommentares ist es, etwas Licht in eines der dunkelsten Kapitel Europas zu bringen. Als gebürtiger Baske, der seit acht Jahren in Deutschland lebt, befürchte ich eine Wiederholung der traumatischen Epoche, welche sich im Baskenland 4 Jahrzehnte abspielte und die nicht nationalistische Gesellschaft leiden lies. Die Bürger, die sich in der Öffentlichkeit gegen den baskischen Nationalismus positioniert hatten, wurden angezeigt, verfolgt und sozial beiseite gestellt. Glücklicherweise gibt es eine solche Terrorgruppe wie die ETA, welche die Unabhängigkeit mit Hilfe von Waffen umzusetzen versuchte, in Katalonien noch nicht. Die nationalistische Regierung Kataloniens, geführt von der lokalen Bourgeoisie, hat gemeinsam mit linkspopulistischen Bewegungen eine illegale und gefährliche Reise begonnen. Die katalanische Regierung hat ein Mandat des regionalen Parlaments erhalten, um ein Unabhängigkeitsreferendum abzuhalten. Diese verfassungswidrige Entscheidung wurde von einer parlamentarischen Mehrheit getroffen, die keiner sozialen Mehrheit entspricht. Die unverantwortliche Entscheidung des katalanischen Parlamentes kann als Katalysator zu einer neuen Balkanisierung eines europäischen Staates führen und somit eine tiefe Spaltung der katalanischen Gesellschaft hervorrufen.

Die separatistische Propaganda ist mit Hilfe von antieuropäischen Lautsprechern exzessiv verbreitet worden. Katalonien, ebenso wie das Baskenland, gehören zu den reichsten Regionen Europas und verfügen über eine moderne Selbstregierung. Die katalanischen Behörden haben in den letzten Jahrzehnten Amtsbefugnisse in unverantwortlicher Art und Weise betrieben. Besonders gravierend ist das Schulsystem, das die Kinder hinsichtlich des katalanischen Nationalismus vor den Augen Europas manipuliert. Diktatoren, wie Franco, Hitler oder Stalin stellten ebenfalls Referenden. Ohne Gesetzte und Rechtstaat gibt es keine Demokratie, und daher ist es die Pflicht der zentralen Regierung in Madrid, diesen Putschversuch mit allen möglichen Mitteln zu unterbinden. Der politische Dialog muss hierbei zu jeder Zeit im Fokus stehen. Hierbei müssen die Rechte aller katalanischen Bürger sichergestellt werden. Ich will diesen Kommentar mit einem Zitat von Stefan Zweig aus dem Buch „Die Welt von Gestern“ beenden: „Ich habe die großen Massenideologien unter meinen Augen wachsen und sich ausbreiten sehen, den Faschismus in Italien, den Nationalsozialismus in Deutschland, den Bolschewismus in Russland und vor allem jene Erzpest, den Nationalismus, der die Blüte unserer europäischen Kultur vergiftet hat“. – Hodei Aizpurua Aldasoro


Leserbrief zu „Protest der Zwerge“ von Jörg Lau

Bereits die Überschrift Ihres Kommentators zum Freiheitskampf der Katalanen entlarvt den Artikel als menschenverachtend: die als „Zwerge“ Herabgewürdigten sollen kein Recht auf nationale Selbstbestimmung haben! Anders als die „Riesen“ der EU wie Luxemburg, Malta, Zypern, Litauen, Lettland und Estland beispielsweise. Zu den Grundprinzipien der EU gehörte es bislang, auch zahlenmäßig kleinere Mitglieder schon aufgrund ihres kulturellen Erbes willkommen zu heißen. Und das soll für mehr als 7 Millionen Katalanen mit ihrer vom übrigen Spanien unterscheidbaren kulturellen Identität nicht gelten? Ich hätte mir eine differenziertere Kommentierung zu diesem Thema gewünscht. – Arnulf Hülsmann


Leserbrief zu „Die wollen uns umbringen“ von Alard von Kittlitz

Fassungslos und entsetzt bin ich, dass DIE ZEIT diesem Unfug eine Doppelseite widmet. Sind Sie denn, banal ausgedrückt, „von allen guten Geistern verlassen“? Wie wäre es, sich in der nächsten Ausgabe mit der These zu beschäftigen, dass die Erde doch eine Scheibe sei? Sicher geben sich für so eine ebenso  pseudowissenschaftliche Untersuchung auch echte Professoren her. – Claus Richter-Haffelder


Leserbrief zu „Kämpft für Europa!” von René Obermann

Ich bin enttäuscht von Herrn Obermann. Mindestens 20-mal das Hype-Wort des Jahres aus dem Marketing Bullshit Bingo Topf: Digital oder Digitalisierung.Von einem ehemaligen Manager von Unternehmen der Telekommunikationsbranche hätte ich mir mehr Differenzierung erhofft.„Was ist in 10 Jahren eigentlich nicht digital basierte Wirtschaft?“, was meint er damit? Gibt es heute noch Unternehmen, die gänzlich ohne Betriebsmittel arbeiten, die auf digitaler Technik beruhen? Selbst der kleinste Handwerksbetrieb arbeitet mit PC und Software für Kalkulation, Angebote und Rechnungsstellung, hat Internet und nutzt Email. Die Digitalisierung hat doch nicht letztes Jahr begonnen, sondern vor 40 oder 50 Jahren. It’s a process not an event (Anglizismus, ich weiß. Level playing field mit Herrn Obermann).“Vor allem aber brauchen wir mehr Solidarität,“ schreibt Herr Obermann. Und das aus der City, dem marktliberalsten, kapitalistischsten Teil Europas, als Partner einer Private Equity Investment Company. Mehr Widerspruch geht kaum. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Totalausfall“ von Thomas Kerstan

Als langjährige Vertretungskraft an weiterführenden Schulen möchte ich wie folgt auf Ihren Artikel reagieren. Anfang dieses Jahres machte ich Vertretung für Französisch und Englisch an einem Gymnasium in Koblenz, und zwar als ausgebildete Fachkraft für Englisch und Französisch und mit Fortsetzung des Unterrichts des Kollegen. Dies in Kombination mit einer befristeten Tätigkeit als Integrationsfachkraft an einer Berufsschule in Mayen. Als mir eine neue Stelle als Integrationsfachkraft in Koblenz angeboten wurde, habe ich für die Stelle in Mayen gekündigt, aber ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich meine Vertretungstätigkeit im Sinne der Schüler bis zum Ende des Schuljahres weitermachen wurde. Zu meinem Großen Erstaunen und Unverständnis wurde mir jedoch vom Schulamt für beide Schulen gekündigt. Im Gegensatz zu mir, die erst kurz an der Schule verbunden war, wurde vom Schulamt keinerlei Rücksicht auf die Schüler genommen. Ich musste ihnen sogar erklären, dass ich nicht freiwillig gegangen war. Soweit zum Umgang der zuständigen Behörden mit der nachteiligen Situation von Schülern beim Unterrichtsausfall. – Antoinette Dorscheidt


Leserbrief zu „Wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen“ von Adam Soboczynski

Endlich spricht es mal jemand aus. Sorgen ernst nehmen, zuhören etc. bedeutet eben nicht, dass daraus folgt, dass man handelt, sondern leider meist sogar Gegenteil. Vielfach kann man auch ja gar nicht so handeln, wie „der besorgte Bürger“ es sich wünscht. Die Politik, die Politiker sollten mutiger sein und einfach auch mal zugeben, dass man zwar versteht, aber trotzdem nicht der Weihnachstmann ist, der Wünsche erfüllt, wie Grenzen dicht, Löhne rauf, Preis runter, Kindergeld nur für Deutsche, einfach wegsperren. Was mich bei diesen Floskel von Sorgen ernst nehmen besonders stört, ist der Eindruck, dass man nur laut genau schreien (Pegida) oder Afd wählen muss, damit die Sorgen ernst genommen werden. Die berechtigten Sorgen der Bürger sollten die Politik immer interessieren und zum Handeln bewegen, nicht erst wenn die AfD in den Bundestag einzieht. Prekäre Arbeit, teure Mieten, mangelnde Aufstiegschancen für Kinder aus „sozialschwachen“ (nicht Akademiker-Haushalten) darum sollte man sich, unabhängig davon, ob man schreit Merkel muss weg, Galgen für Politiker, Lügenpresse u.ä. eigentlich immer kümmern. Gerechtigkeit und ich lasse jetzt sozial bewusst weg, sollte immer ein Thema sein und nicht erst Thema werden, wenn rechte Schreihälse sich breit machen. Das Zuhören, ernst nehmen kann und sollte niemals das Handeln ersetzen. – Marion Kniprath


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Eine sehr interessante und einleuchtende Analyse! Bemerkenswert ist die Beobachtung des Soziologen Heitmeyer über Homogene Gruppen und wie sie sich verhalten und abschotten. Das trifft sicherlich auch auf die Homogene Gruppe des Bundestages zu (hauptsächlich Juristen und Angestellte des öffentlichen Dienstes). Inwieweit hat diese Gruppe noch Kontakt zur Außenwelt, bzw. wie durchbricht sie den „Gruppenzwang“ und öffnet die Augen für Neues?  Mein Eindruck nach diesem Artikel ist, daß sich letztlich seit der „Agenda 2010“ (mit ihrer Politik für die „Eliten“ – Körperschaftsteuersenkung, niedriger Zinsabschlag, Zulassung Hedgefonds, Veränderung Erbschaftssteuer, keine Vermögenssteuer) die Politik nicht mehr um die Belange der Mittel- und Unterschicht kümmert und sich daher diese Angst, wie im Artikel beschrieben nährt.  – Nebenbeobachtung: Soziologisch untersuchenswert könnte auch die Auswirkung einer Rechtschreibreform sein.

Das mag weit hergeholt klingen, aber ist nicht Sprache und sprachliches Denken Heimat und gibt das nicht Sicherheit? (Interessanterweise gab es ja zur vorletzten Jahrhundertwende auch Rechtschreibreformen). Inwieweit werden Menschen verunsichert und sprachlich entwurzelt durch so eine Reform und welche Auswirkungen hat das auf das Denken und Fühlen? (Warum ist plötzlich z.B. „Schiffahrt“ oder „Mißstand“ falsch, was über fünfzig Jahre und länger richtig war? Zugegeben dies ist nur ein kleines Beispiel, aber sind die Auswirkungen solcher Veränderungen untersucht?) Und welchen Bruch zwischen den Generationen bewirken solche Veränderungen? Und dann die Veränderungen der Globalisierung noch dazu! –  Die Äußerung von der geschäftsführenden Bundeskanzlerin Merkel: „Sie wisse nicht was sich jetzt ändern müsse“, ist jedenfalls symptomatisch für einen Realitätsverlust in einer Homogenen Gruppe. Und wenn die Kanzlerin eines Landes von der „marktkonformen Demokratie“ spricht, hat sie eigentlich als Regierungschefin einer sozialen Marktwirtschaft auf diesem Posten nichts verloren.  Daß die AfD nun im Bundestag sitzt ist nach Meinung einiger Beobachter für die aufkommende Debattenkultur nur hilfreich, bzw. wird die bisher Homogene Gruppe des Bundestages gehörig aufmischen.

Ich halte nichts von den Rattenfängern der „AfD“, aber es scheint, daß eine parlamentarische Auseinandersetzung mit den Ängsten und Gefühlen des Verlorenseins der Bevölkerung – anscheinend repräsentiert durch die „AfD“ – überfällig ist! Wenn sich die Menschen um ihre Altersversorgung sorgen oder die Angst vor dem Abfallen in ALG II sie umtreibt oder sie sehen wie ihre Kinder von einem unbezahlten Praktikum zum nächsten herumgereicht werden und sie befürchten, daß ihre Kinder gar nicht mehr für deren Altersversorgung werden aufkommen können, dann sollte der nächste Bundestag wissen, um was er sich kümmern muß. (Aber „Digitalisierung“ ist das A&O! Wo leben die denn?). Da die „neue“, alte FDP voraussichtlich der nächsten Regierung angehören wird, ist allerdings mit einer Auseinandersetzung mit den obengenannten Bedürfnissen der Bevölkerung leider nicht zu rechnen. Und dabei sind zwei große Verwerfungen gar nicht erwähnt: – die Flüchtlings“krise“ aus dem Jahr 2015 und – der Abfall der Sozialdemokratie (als Partei und als Gesellschaftssystem) in die Bedeutungslosigkeit! – Wolfgang Michel


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Finden Sie die Vase, die einen abgeschlagenen Kopf eines ‚Mohren‘ zeigt, passend für das Zeitmagazin? Ich finde sie sehr peinlich!!! – Barbara Sieghart


Leserbrief zu „Der Saustall“ von Fritz Zimmermann

Die Sauställe sind nur möglich, da Politikerinnen, wie Frau Connemann in Verbindung mit untätigen Veterinären und Landräten ihre schützende Hand über die Fleischindustrie halten.  Menschenverachtende und ausbeuterische Arbeitsverhältnisse in den Schlachtbetrieben vervollständigen das Bild der skandalösen Zustände. Man kann nur hoffen, dass die drei Angeklagten in der nächsten Instanz wieder vor einer mutigen Richterin stehen. – Focko Trauernicht


Leserbrief zu „Mit der Flut kamen die Mücken“ von Jakob Simmank

Sie sind nicht der Erste der in der Zeit den Unterschied zwischen der amerikanischen und deutschen Billion nicht kennt. 90 Billionen Liter oder 30 billionen Liter am Tag auf eine Flaeche von 1500 km2. Das sind dann 20 Kubikmeter auf den Quadratmeter oder 20000mm Regen in 24 h. Das glaub ich ihnen nicht. – Markus Harder


Leserbrief zu „Über die politische Botschaft des Toastbrots“ von Harald Martenstein

Ihre Kolumne lese ich eigentlich sehr gern. Aber “ Über die politische Botschaft des Toastbrots“ kann ich nicht lachen und und es auch nicht ernst nehmen. Ich bin in der ehemaligen DDR geboren, aufgewachsen und lebe immer noch in Mitteldeutschland. Ich kann mich nicht erinnern, unterlastet Toastbrot als Beigabe zu Suppen oder Ähnlichem erhalten zu haben. Wo Sie diese Erfahrungen gemacht haben, kann ich mir nicht vorstellen. Für Brötchen gibt es regional unterschiedliche Bezeichnungen, genau wie in den alten Bundesländern. Ich kenne „Knüppel“ als Bezeichnung für ein längliches Brötchen ohne Einkerbung nur aus dem Berliner Raum. Dort gibt es ansonsten Schrippen. Ein wenig Recherche wäre gut. Da bleibt mir nur zu sagen: war wohl nix. – Beate Füßling


Leserbrief zu „Massenmörder ohne Motiv?“ von Kerstin Kohlenberg

Die halbe Seite Bild, von der zweiten Hälfte die Hälfte etwas Information, die man schon x-mal gehört hat, und der Rest relativ sinnlose Spekulation natürlich ohne Ergebnis. Toller Beitrag! So stelle ich mir „Die Zeit“ vor. – Jürgen Völker


Leserbrief zu „Legalisiert es!“ von Justus Haucap

Vielen Dank für den Artikel – ich stehe voll hinter Ihnen. Seit meinem 20. Lebensjahr kiffe ich – nicht regelmäßig, aber bei Bedarf. Ich bin mittlerweile Schmerzpatientin, da rauche ich öfter einen Joint. Jetzt wohne ich in einem kleinen Dorf und habe Probleme, an Nachschub zu kommen. Leider habe ich noch kein Auto. Aber trotz meines Alters werde ich noch den Führerschein machen. Auch aus dem Grunde, mir Stoff besorgen zu können. Wenn es endlich legal wäre, hätte auch ich diese Probleme nicht mehr. Ich hoffe für uns alle, dass „Jamaika“ das zustande bringen wird …….  Ich habe übrigens nie etwas anderes ausprobiert, das hat mich nie interessiert. Zu meiner Person: Ich bin Abonnentin, 67 Jahre alt, Witwe, keine Kinder, seit 01.03.2015 in Rente. – Undine Mix-Falter


Leserbrief zu „Über die politische Botschaft des Toastbrots“ von Harald Martenstein

Als langjähriger Abonnent der „Zeit“ habe ich die Kolumne von Herrn Martenstein im Magazin immer sehr zu schätzen gewusst, weil er intelligent, souverän, sachbezogen und -wo es sich anbot- auch humorvoll mit dem Stoff umging. Vorliegendenfalls frage ich mich allerdings, ob das tatsächlich ein Beitrag zum Tag der deutschen Einheit oder Martensteins Rache sein sollte. Ich habe mehr als 40 Jahre meines Lebens in der SBZ/ DDR verbracht, aber trotzdem gelernt, was anständiges Essen ist und nie ungetoasteten Toast gegessen, weil es seinerzeit auch Toaster zu kaufen gab und ich einen solchen besaß. In welcher ostdeutschen Weltgegend heutzutage besagter Toast ungetoastet verabreicht wird, weiß ich nicht. Für ausgesprochen hanebüchen halte ich auch die Bemerkungen über die vorgeblichen Qualitätsunterschiede zwischen „West-“ und „Ost“brot.

Bei den damals noch existiert habenden Privatbäckern ist immer ein altdeutsches Brot mit Natursauerteig und das klassische (wassergebundene) Brötchen (mancherorts auch Schrippe genannt) gebacken worden,was diese Betriebe auch noch heute tun. Von Gärbeschleunigern und ähnlichen Dingen war keine Rede, sodass man vor den aufgeblasenen Dingern, die heutzutage oft verkauft bzw. gereicht werden, sicher war. Glücklicherweise gibt es da, wo wir wohnen, noch Traditionalisten unter den Bäckern.

Da ich in Thüringen geboren und aufgewachsen bin, noch ein Wort: Wenn der Betreiber eines Bratwurstrostes es gewagt hätte, eine gute Thüringer Rostbratwurst in einem Stück ungetoasteten Toasbrot darzureichen, hätte ihn die Kundschaft wohl auf seinen eigenen Rost gesetzt.

Ich weiß nicht in wessen ostdeutschen Geschmacksnerven sich besagter Toast festgesetzt haben soll, in meinen und denen meines unmittelbaren sozialen Umfeldes jedenfalls nicht. – Eckart Reinboth


Leserbrief zu „Der Saustall“ von Fritz Zimmermann

Es wird höchste Zeit, dass in der Landwirtschaft vieles geändert wird.  In meiner Kinderzeit habe ich noch erlebt, dass Schweine draußen auf der Weide sein „durften“. Heute sehen viele nie das Sonnenlicht, nur vielleicht kurz auf dem Weg zum Schlachter. Ich bin keine Veganerin, esse aber sehr wenig Fleisch. Und wenn, dann nur von Landwirten, die ihre Tiere traditionell halten, also Schweine auch draußen und dazu alte Rassen. Wenn es solche Leute wie Erasmus Müller nicht gäbe, würde sich nie was ändern. Auch die ganzen Filme, die schon liefen, waren fast alle heimlich gefilmt – anders geht es nicht. Der Freispruch hat mich sehr gefreut. Und was Frau Connemann von der CDU sagte, erklärt, warum ich noch nie CDU gewählt habe. Es wird Zeit, dass sich was ändert. Der Staat ist doch sonst nicht so feinfühlig, die Bürger zu ihrem Glück zu zwingen – siehe Rauchverbot. Wir müssen diese ganzen Lobbys abschaffen, die Politiker sind ja nur noch Marionetten dieser Lobbys und der Großfinanz. Ich bin keine AFD-Wählerin…. Bis zu Schröder und der Agenda 2010 habe ich SPD gewählt. Dann die Grünen. Seit diese fast alle ihre Grundsätze verraten haben, kann ich sie auch nicht mehr wählen. FDP geht gar nicht – bleibt mir nur die Linke oder gar nicht wählen. Ich bin wirklich entsetzt, was aus diesem Land geworden ist. Zu meiner Person: Ich bin Abonnentin, Witwe. 67 Jahre alt, keine Kinder, seit 01.03.2015 in Rente nach 49 Jahren Arbeit. – Undine Mix-Falter


Leserbrief zu „Über die politische Botschaft des Toastbrots“ von Harald Martenstein

Ihre Kolumne hat mich erstaunt. Ich habe mir Gedanken gemacht über den Osten und das schlechte Abschneiden des Toastbrotes. Hier im Osten lieben es tatsächlich alle! Säuglinge bekommen, sobald die Muttermilch knapp wird zuallererst Toastbrot (selbstverständlich roh). Auch bei alten Leuten zählt es hier zu einem der wichtigsten Grundnahrungsmittel. Nicht jeder hat Geld für Zahnersatz und greift deswegen gern auf ungetoastetes Toastbrot zurück. Ist Ihnen übrigens aufgefallen, wie kniffelig es ist, kalte Butter auf rohen Toast zu streichen? Fast unmöglich! Hierzulande aber kein Problem! Es gibt auch keine kalte Butter, weil der Eismann nur einmal im Monat Eis für den Eisschrank bringt. Etliche Vorteile für Toastbrot also! Aber diese Zeiten sind wohl vorbei.

Ich kann mich zwar mit den drei Monaten DDR, die ich erlebt habe, nur noch schwerlich einen echten Ossi nennen (wohl eher einen Zeitzeugen), aber mittlerweile verliert hier das ungetoastete Toastbrot seine Bedeutung. Ich bin die ganze Zeit hier und habe tatsächlich noch nie welches aufgetischt bekommen! Also entweder haben Sie früher oftmals die DDR besucht, bevor ich geboren wurde oder wir haben zufällig nie die gleichen Gaststätten und Orte in Ostdeutschland besucht. Ich empfehle also: schauen Sie doch mal in Weimar vorbei! Hier gibt es vorzügliche Bratwürste und sogar im knusprigem DDR-Brötchen! Ich lade Sie gerne ein. Bei der Gelegenheit bietet sich auch eine kulturelle Weiterbildung an, falls sie sich für Klassik interessieren, von der es in Weimar nur so wimmelt. Vielleicht bekommen Sie auch bei einem Stadtspaziergang Ideen für eine folgende Kolumne. Warum nicht zum Beispiel über chinesische Reisegruppen mit Mundschutz und Selfie-Stick? (Jetzt habe ich auch gleich noch das Klischee des ausländerfeindlichen Ossis bedient.) – Clemens Martin


Leserbrief zu „Totalausfall“ von Thomas Kerstan

Die Untersuchung der ZEIT bestätigt leider, wie sehr die Unterrichtsversorgung unserer Schulen „auf Kante“ genäht ist. Interessant wäre hierzu allerdings eine tiefere und differenzierte Ursachenanalyse, die aus den Statistiken der einzelnen Ministerien durchaus ablesbar wäre und der daraus resultierenden möglichen Gegenmaßnahmen (z.B. höhere Vertretungsreserve, aber auch breitere Ausbildung in mehr Unterrichtsfächern, um im Vertretungsfall auch fachgerechten Unterricht erteilen zu können).  Gleichzeitig stellt sich auch die Frage nach dem Blick auf das europäische Ausland, das zum Teil mit Teamteaching, offeneren Unterrichtsmethoden und besserer Personalausstattung, aber auch mit flexibleren Vertretungsregelungen deutlich geringere Ausfallquoten hat.  Zudem möchte ich den Blick noch auf eine andere Art des „strukturellen“ Unterrichtsausfalls lenken: Der „Zeitverschwendung“ an unseren Schulen. Der noch überwiegend übliche Unterricht von 8 Uhr bis 13 Uhr mit sechs 45-Minuten-Unterrichtsstunden und zwei 15-Minuten-Pausen wird zumeist vom Schulbus-Takt diktiert.

Lehrer- oder Fachraum-Wechsel zwischen den einzelnen Unterrichtsstunden sowie die Wegezeit nach den Pausen „verschlingen“ an vielen Schulen täglich fast eine Unterrichtsstunde, die der Unterrichtszeit entzogen wird. Im Verlauf einer Schulwoche addiert sich dieser Verlust auf vier bis fünf Unterrichtsstunden. Bei 12 bzw. 13 Schuljahren entsteht so ein Verlust von mehr als einem Schuljahr. Gleichzeitig klagen fast alle (Lehrkräfte wie Schüler) über Zeitdruck und verlassen zumeist fluchtartig nach Unterrichtsschluss die Schule.  Von daher ist ein gründliches Nachdenken über das Gesamtsystem der deutschen Schule (Lehrerausbildung, Zeitgestaltung, Räume und Raumgestaltung an Schulen, Miteinander von Lehrkräften-Schülern-Eltern, gesundes und qualitativ gutes Essen, Freizeitangebote im „Ganztag“, Ferienbetreuung etc., aber auch über die Effektivität und Zielsetzungen der Schulverwaltung) längst überfällig. Es gibt zwar sehr viele gute und hoffnungsvolle Ansätze und Beispiele, insgesamt befinden wir uns aber noch vielfach im frühen 20. Jahrhundert. – Gerhard Koller


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Ganz herzlichen Dank für das ausführliche Dossier über meine Heimat. Zwei Kleinigkeiten könnte man noch ergänzen: Was unterscheidet etwa gleichgroße Städte wie Heilbronn (oder meinetwegen auch Pforzheim) und Göttingen voneinander? Richtig: Das Vorhandensein einer Universität und eines ICE-Anschlusses. Das lässt sich auch durch einen „Bildungscampus“ und eine BuGa nicht kompensieren. – Peter Häußermann


Leserbrief zu „Totalausfall“ von Thomas Kerstan

… ja, ungeheuerlich! 10% der Schulstunden, die den Schülern zustehen! Und addiert man nun noch die Zeit, die dadurch verloren geht, dass  Schüler in den Stunden, in denen kein Unterricht nach Plan stattfindet (also auch den Vertretungsstunden), nur nach ewigem Aushandeln der  Bedingungen zu irgendewas zu bewegen sind, weil sie eigentlich nur ‚abchillen‘ wollen, dass Schüler gewollt deutlich zu spät ins Klassenzimmer schlurfen, den ‚Knopf‘ noch im Ohr, sich mit Gepolter auf  ihren Stuhl fallen lassen, um mit ihrer Umgebung lautstark noch die  letzten News auszutauschen, dass Schüler von Event zu Event (pädagogisch  mehr oder weniger wertvoll) und von Aktion zu Aktion wandern, weil  Schule ja etwas bieten und Aufgaben übernehmen muss, die früher vom  Elternhaus geleistet wurden, dass Schüler gänzlich unvorbereitet, ohne  Materialien und ohne die Hausaufgabe, auf die der Unterricht aufbauen  sollte, in der Klasse erscheinen, dass Schüler massiv und dauerhaft den  Unterricht stören bis boykottieren, auf den auch der Lehrer ein Anrecht hat, um mehr oder weniger gezielt die Progression zu verlangsamen oder zu stoppen, unterstützt von der Politik („Wir holen die Kinder da ab, wo sie stehen“; „Wir lassen kein Kind zurück“) und den Elternhäusern, die hier nicht müde werden, jeden ‚Stress‘ von ihren Kindern (und sich selbst) fernzuhalten, die deshalb auch eher akzeptieren, dass  Fachunterricht über Wochen überhaupt nicht erteilt wird als von einem Lehrer, der ‚unerwünschte‘ Noten gibt, und die ihre Kinder ohne Bedenken auch für mehrere Schultage ‚entschuldigen‘ (, mögen die Gründe auch noch so nichtig sein), ja, addiert man diesen Unterrichtsausfall, kommt man leicht auf 50-60%! Und da wundern wir uns noch, dass noch immer nicht 70% eines Jahrgangs Abitur machen und nur 35% der Abiturienten mit der Note 1,0 abschließen! Bildungsheuchler aller Bundesländer vereinigt euch! – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „»No pasarán!«“ von Ulrich Ladurner

Sie kritisieren, dass eine alte Dame, die sich wünscht, zum 2. Mal in ihrem Leben die Ausrufung einer Republik in Spanien zu erleben, die aktuelle Republik Spanien ignoriere. Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass Spanien keine Republik, sondern eine Monarchie ist. Es gab bislang zwei spanische Republiken, einmal von 1873-1874 (auch damals gab es einzelne Bestrebungen in Richtung autonomer Staaten) und einmal von 1931 bis 1936 (in deren  Verlauf Katalonien seinen Autonomiestatus erhielt). – Mary Jirsak


Leserbrief zu „Brüder zur Freiheit” von Marc Brost

Herr Schulz wurde im Januar 2017 zum Kanzlerkandidaten und Parteivorstand gekürt, weil Herr Gabriel (als bisheriger Kanzlerkandidat!) für sich (bis zum Wahltermin 24.9. !!!) keine Chance mehr sah. Das war, berücksichtigt man dazu noch die störrische Mentalität der SPD mit ihren Kanzlerkandidaten, ein viel zu kurzer Zeitraum. Unter diesen negativen Voraussetzungen von einer Überforderung zu sprechen, ist unfair! Man könnte ihm allenfalls vorwerfen, nicht abgelehnt zu haben. Aber die Konsequenzen für die SPD wären dann fast noch negativer gewesen. Denn es ist immer noch redlicher, auf verlorenem Posten zu kämpfen, als sich gleich totzustellen!!!! Was hätten Sie denn dazu gesagt?! Ihr Artikel, Herr Brost (46), ist entschieden unterreflektiert!!! Schon als Achtung vor den Lesern sollte etwas mehr intellektuelle Redlichkeit bestehen! – Klaus Riediger


Leserbrief zu „»Nationalkonservative gehören in unsere Reihen«“ von Tina Hildebrandt

Vermutlich hat die CSU in den vergangenen 2 Jahren einen Gesetzentwurf über die bayerischen Vorstellungen zur „Obergrenze“ erstellt. Alexander Dobrindt hat die Vorlage eines solchen Entwurfs am 5. Oktober bei Maybrit Illner öffentlich zugesagt, jedoch bis zum Treffen der Union am 8. Oktober noch nicht erfüllt. Großartig, dass sich Tina Hildebrandt im Interview mit Ilse Aigner nicht mit der schlichten Erkenntnis aller potentiellen Koalitionsparteien begnügt, dass „nicht jeder Flüchtling auf der Welt ein Recht auf ein besseres Leben in Deutschland hat“ (zuletzt Diktion von CSU-Landesgruppen-Chef Dobrindt vor der Jungen Union). Vielmehr bemüht sich DIE ZEIT professionell um eine substantielle (!) Aussage.

Ilse Aigner antwortet der ZEIT immerhin, eine Obergrenze von 200.000 Menschen beziehe sich auf die jährlich maximale Menge („keine Hintertürchen“) aller insgesamt nach Deutschland kommenden Menschen, „egal ob es sich um Fachkräfte, Kriegsflüchtlinge oder Asylbewerber handelt.“

Würde also z.B. für das Jahr 2020 a) die Wirtschaft in Deutschland so boomen und/oder b) China/Indien et al so viele deutsche Fachkräfte für Informationstechnologien und/oder für Klima-/Gesundheitsschutz im Bereich der Bahn-/Fahrzeug-/ Flugzeug, PKW- und LKW-Industrie und/oder für Medizin/Pharmazie nach China abwerben, dass für 2010 in Deutschland 250.000 Fachkräfte aus dem Ausland angeworben werden müssten, wäre die CSU- Obergrenze „ohne Hintertürchen“ allein schon i.S. Fachkräfte schädlich. Herrschten zudem für 2020 derart katastrophale Kriegssituationen, dass eine etwa in Brüssel mehrheitlich beschlossene Umverteilung Deutschland zur Aufnahme eines Anteils von 250.000 „Kriegsflüchtlingen/Asylbewerbern“ verpflichtet, wäre eine „Obergrenze ohne Hintertürchen“ nicht nur wirtschaftsschädlich, sondern zugleich gewiss rechtswidrig. Frank Müller-Thoma


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Ich staune: ziemlich dick das Zeitmagazin diesmal. Doch rasch weiß ich warum: Werbeprospekt mit Textfüllern. Bitte keine Wiederholung! – Claus Schüßler


Leserbrief zu „»No pasarán!«“ von Ulrich Ladurner

Als Abonnentin und Katalanin kann ich diesen Bericht von Herrn Ladurner nicht unwidersprochen lassen. Die Berichtserstattung ist ziemlich einseitig und stellt die katalanische Forderung nach einem Referendum als ein Akt der Sturheit und Dickköpfigkeit dar. Nur einmal erwähnt dieser tendenziöser Artikel die Rolle vom Premierminister Rajoy, und das in einer Weise, als würden die Separatisten dazu noch profitieren. Und dann der Satz: „Die Separatisten nutzen die Übergriffe der Polizei, um das Bild eines vom autoritären Regime gepeinigten katalanischen Volkes zu zeichnen“. Diese Umkehr von Opfer und Täter muss man leider immer noch zu oft sehen, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht. Will uns Herr Ladurner sagen, dass die Bürger Kataloniens selbst Schuld an der polizeiliche Gewalt sind, weil sie das Referendum trotz allen Widerständen abgehalten haben?

Ich würde Herr Ladurner empfehlen, dass er sich um die Partei PP, die Stiftung FAES und der ganzen Manipulation der spanischen Justiz auseinander setzt. Weiß Herr Ladurner etwa, welche Rolle das spanische Verfassungsgericht in Spanien hat, seitdem Rajoy an der Macht ist? Kennt sich Herr Ladurner mit dem spanischen Nationalismus aus, dessen Kern eine katalanischen Phobie ist, die jetzt in den letzten Tagen zum Ausdruck kommt? Der spanische Nationalismus hasst Katalonien und die katalanische Sprache, will die Region aber ganz schön gekettet und „hispanisiert“ sehen. Seine heiligen „Einheit“ Spaniens ist nicht anders als die Forderung, dass sich Katalonien sich endlich und gefälligst assimiliert. Hat Herr Ladurner vielleicht darüber nachgedacht, warum der König Felipe VI am Dienstag den 3. Oktober eine so offene Drohung gegen Katalonien ausgesprochen hat? Was haben jetzt die Katalanen an der Hand, die die Unabhändigkeit nicht wollen? Diese beiden Artikel fassen die Lage zusammen. Rajoy ist nicht untätig, weil er nicht will oder kann, sondern weil er den Nationalismus auf beiden Seiten, aber vor allem den spanischen wieder aktivieren und benutzen will, um den spanischen Staat zurückzuentwickeln:

http://www.eldiario.es/cv/opinion/Adolf_Beltran-opinion_6_694390556.html

http://www.elnacional.cat/es/opinion/albert-carreras-rajoy-no-tonto-aunque-parezca_197787_102.html

Mit all diesen Informationen hätte Herr Ladurner ein viel ausgewogeneres Artikel geschrieben und hätte vielleicht verstanden, warum Herr Rajoy so hartnäckig irgend ein Dialog mit Katalonien seit Jahren kategorisch ablehnt. Und er hätte vielleicht verstanden, was der Kern der katalanischen Auflehnung ist. – Montserrat Varela


Leserbrief zu „Mit der Flut kamen die Mücken“ von Jakob Simmank

Gestern beim Zeit-Freunde-Tag „Wie entsteht die Zeit“ sprach ich Sie auf das Problem großer, kaum vorstellbarer Zahlen an. Soeben stieß ich in o.a. Artikel von Jakob Simmank auf ein weiteres Beispiel:  „90 Billionen Liter Regen prasselten damals in nur drei Tagen auf Houston nieder“. Um es sich vorstellen zu können, rechnen wir: Der Klimaforscher Matif sagte am Freitag in der NDR-Talkshow, dass Harvey an einem Tag mehr als die Jahresniederschlagsmenge von Norddeutschland brachte. Gehe ich von 900 Milliliter pro m² aus, so müsste die Stadt Houston 900 Milliarden (= 900.000 Millionen) Quadratmeter groß sein. Da ein Quadratkilometer 1000 x 1000 = 1 Milionen Quadratmeter umfasst, müsste Houston also 900.000 Quadratkilometer groß sein, also etwa  doppelt so groß wie Deutschland. Der gesamte Staat Texas ist aber „nur“ 691.027km² groß (laut Brockhaus Lexikon). Hat hier der Autor das amerikanische „billion“ mit deutsch „Billion“, statt „Milliarde“ übersetzt?

Auch wenn ich keine Flächenangabe für die Stadt Houston fand, aber 900km² (= z.B. 30×30) finde ich plausibel. In der 4.Spalte, am Ende des 2. Absatzes in o.a. Aufsatz steht, dass 2,5 Millionen Hektar mit Pestiziden besprüht wurden. Da ein Hektar 100×100 = 10.000m² umfasst, ergeben 100Hektar einen Quadratkilometer. Also wurden 25.000km² besprüht (also etwa 100 x 250km bzw. Schleswig-Holstein +  Teile von Niedersachsen). Dies soll nur ein Teil des Countys sein? Ich befürchte, der Autor hat „acre“ mit „Hektar“ übersetzt.  Ich habe einen Wunsch und eine Anregung: Bitte informieren Sie in einem Erratum die ZEIT-Leser über die eventuellen Übersetzungsfehler in der nächsten oder übernächsten Ausgabe. Und installieren Sie eine Person im Haus, die für Zahlen zuständig ist, die schon in der Enstehungsphase eines Artikels überschlägt, ob die Größenordnung einer Zahl richtig sein kann. – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „»Wer macht schon keine Fehler?«“ von Lisa Nienhaus

Herzlichen Dank für Ihr Gespräch mit Ackermann. Trotz meines Ekels vor diesem Menschenverächter habe ich das Interview mit Interesse gelesen – weil Sie die wesentlichen Punkte in der richtigen Schärfe thematisiert haben. Ich habe mich anfangs gefragt, wann der Demonteur der Deutschen Bank und der Unternehmensmoral das weitere Gespräch mit Ihnen verweigert. Schön, dass Sie ihn dazu gebracht haben, alle Fragen zu beantworten – auch wenn dabei die üblichen Glorifizierungen der eigenen Person herauskamen. Mit diesem Beitrag haben Sie viel dazu beigetragen, den Blick auf die Gefahren der Banken-getriebenen Globalisierung zu fokussieren. – Lutz Jäger


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Zunächst einmal vielen Dank, dass sie den extremen Erfolg der AfD in Heilbronn zum Thema gemacht haben. Eine Diskussion darüber hätte ich mir auch von der lokalen Zeitung und dem Oberbürgermeister gewünscht, dessen Partei fast von der AfD eingeholt wurde. Damit stößt er an seine Grenzen. Glücklicherweise spricht er auch nicht von Angst, warum auch, der ‚König von Heilbronn‘ wird’s schon richten. Nun zur Basisaussage Ihres Artikels, der darauf reflektiert, dass der Heilbronner Bürger statistisch am reichsten in Deutschland ist. Wenn Sie nur einen kleinen Blick hinter die genannten 41.000 € tun, dann wird Ihnen schwarz, besser Schwanz, vor Augen, dass besagter Herr und 38 Einkommensmillionäre 43% des Gesamteinkommens von knapp 5 Mrd. einstecken, und die 121.000 verbleibenden Heilbronner sich nur etwas mehr als die Hälfte aufteilen. Das führt dann dazu, dass sich das Einkommen dieser 121.000 auf rund 24.000 € reduziert, deutlich unter dem Durchschnitt von Baden-Württemberg. Ob dieses Einkommenskorrektur eine ausreichende Erklärung für den hohen Wahlerfolg der AfD ist, glaube ich nicht, aber damit passen zumindest Ihre häufigen Hinweise auf die reichen Bürger nicht. Etwas müssen Sie mir noch verraten: wo spaziert man in Heilbronn durch wahr gewordene Architektenträume und den weiteren Zutaten? – Richard Drauz


Leserbrief zu „Kämpft für Europa!” von René Obermann

Der Artikel von René Obermann, welcher eine Einmischung der Unternehmen zu Gunsten der europäischen Integration und vor allem zu deren Aufrechterhaltung fordert, ist richtig und in vielen Aspekten auch zustimmenswert. Ein allerdings zentraler Aspekt fehlt völlig: Der Autor beklagt zu Recht die soziale Schieflage in vielen Ländern, insbesondere in Großbritannien, und unterstreicht, dass das vernachlässigen der sozial Abgehängten zum Erstarken der rechtsradikalen Kräfte führt, wie auch zum BREXIT. Der Umkehrschluss muss aber gezogen werden: ohne substantiell höhere Steueraufkommen in allen EU Staaten, kann der Staat seine Fürsorgepflicht und auch die staatlich nötigen Investitionen in die Zukunft, die Bildung und Technologie, die vom Autor gefordert werden, nicht leisten.

Auf europäischer Ebene wäre es deswegen notwendig, dass führende Unternehmen aller Mitgliedsstaaten gemeinsam auf breiter Front in allen Mitgliedstaaten und auch in Brüssel vorstellig werden um die Steuerharmonisierung im Unternehmensbereich auf ein gutes Maß hin zu harmonisieren. Wie der Fall Google, Amazon und auch Apple zeigt, werden sonst den europäischen Staaten und damit dem Steuersäckel ungerechtfertigterweise, – wenn auch meistens mindestens halblegal -wichtige Mittel entzogen und damit, die für die europäischen Gesellschaften notwendigen Bindungskräfte geschwächt. Man kann als große Wirtschaftsakteure nicht einerseits die Aufrechterhaltung der Europäischen Union und ihre weitere Integration unterstützen und andererseits versuchen, mit manchmal schon krimineller Energie, Steuern über Schlupflöcher im kontinentalen Ausmaß zu sparen. – Dr. Michael Rupp


Leserbrief zu „Kämpft für Europa!” von René Obermann

Der Artikel, der sicher als gut gemeinter Appell gedacht ist, kratzt leider nur an der Oberfläche. Zusammenhänge und Probleme werden benannt, aber Lösungen bleiben im Gefälligen. Wir sehen gerade den Zerfall des Politischen. Egal ob die USA unter Trump, der Aufruhr in Europa, die verfahrene Lage im Nahen und Mittleren Osten oder die Zukunft Afrikas. Entweder die Lage ist dramatisch. Dann werden vor allem wir (wohlhabendste Generation in der Geschichte der Menschheit) verzichten müssen und hinterfragen, inwieweit wir uns weiter einen irrationalen Wettbewerb leisten können. Oder ob wir nicht stattdessen auf Kooperation setzen sollten. Als zweite, zentrale Säule neben dem Verzicht. Oder es ist alles gar nicht so schlimm. Dann kann man sich solche Artikel auch sparen und das Leben genießen. – Johannes Stockerl


Leserbrief zu „Kämpft für Europa!” von René Obermann

Vielen Dank an die Autoren dieses Dossiers. Es setzt sich facettenreich mit den verschiedensten Perspektiven auseinander und lässt insbesondere die Sozialpsychologische „zu Wort“ kommen. – Sophie Zellinsky


Leserbrief zu „Gönnen können“ von Peter Dausend und Katja Berlin

Ich bin sehr froh über dieses Wahlergebnis! Bitte seien Sie nun in aller erster Linie produktiv!!  Hier ein erstes Ergebnis, dass Sie uns präsentieren könnten: Ab 01.06.2018 in Kraft tretend, eine gesetzliche Struktur für eine bedeutende / spürbare Förderung von Nicht-Verbrennungsmotor -Alternativen in Firmenwagenflotten. Hier können sich alle Parteien wiederfinden, Firmen könnten viel Geld sparen, gleichzeitig die Umwelt schützen sowie den Mitarbeitern zukünftig auch noch deutsche Autos anbieten! – Sophie Zellinsky


Leserbrief zu „Kämpft für Europa!” von René Obermann

In Ihrem Beitrag befürworten Sie als „Schlüsselaufgabe für den Zusammenhalt Europas … die Bekämpfung der Fluchtursachen durch Hilfe vor Ort“. Was halten Sie von folgendem Lösungsansatz?

– Je ein EU-Land und ein AU-Land vereinbaren eine Zweierpartnerschaft – zweckmäßigerweise das jeweils Bevölkerungsreichste in Afrika und Europa, also bspw. Nigeria mit Deutschland usw.

– Nach dem Graswurzel-Prinzip „verpartnern“ sich je ein Land, eine Provinz, ein Kreis, ein(e) Stadt(teil), ein Dorf und als Kernbestandteil eine Familie

– Jeweils zwei Partner vereinbaren Inhalte ihrer Projekte unter Beachtung der Subsidiarität und des Networking

– Nach Erprobung und Verabschiedung geben sie die Ergebnisse an die nächsthöhere Ebene bis hinauf in die Landesebene.

Bei der Vereinbarung der Partnerländer sollte ausschließlich nach den Bevölkerungszahlen und klar unter Vermeidung von (z.B. restkolonialen, ethnischen oder religiösen) Bedingungen entschieden werden. Auch ist unbedingt und als kritische Realisierungsvoraussetzung kein Finanzaufwand zu initiieren. – Ingrid und Dr. Rolf Hildebrandt


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Auch in Akademikerkreisen wird AfD gewähl: In Alt-Solln, einem der besten Wohnviertel in München, zog in eine kleine Wohnanlage eine palästinensische Familie ein. An schönen Sommertagen wurde bei geöffneten Fenstern/Terrassentür arabische Musik auf volle Lautstärke gedreht und lautstark gestritten. Auf freundliche Bitten, entweder Fenster zu oder Musik aus, ging die Nachbarin zur Polizei und erstattete Anzeige wegen Hausfriedensbruch, nachdem ich ihren Garten betreten (kein Zaun) und nach ihr gerufen hatte. Hier ist niemand rassistisch, willkommen ist allerdings nur, wer sich zu benehmen weiß, wer sich der Umgebung anpaßt. – Ilse Köhler


Leserbrief zu „»Nationalkonservative gehören in unsere Reihen«“ von Tina Hildebrandt

Wenn die CSU-Wirtschaftsministerin sagt „Unsere Positionen haben deshalb auch im Bund ein so starkes Gewicht, wir können so bayerische Interessen weitgehend umsetzen“, so mag das gut sein für Bayern, aber schlecht für alle anderen und für die Bundesrepublik insgesamt. Ich halte es überhaupt für ein Unding, dass eine Landespartei bei der Bundestagswahl antreten darf. Im Bundestag geht es schließlich um die Interessen Deutschlands und nicht Bayerns. – Udo Wolter


Leserbrief zu „Über die politische Botschaft des Toastbrots“ von Harald Martenstein

Vielen, vielen Dank, lieber Herr Martenstein, dass wir, nachdem wir schon soviel gelernt haben, nun endlich auch wissen, wie man richtig toastet. Das finde ich echte Hilfe. P.s.: ist dieser Trash wirklich von einem Ihrer Kolumnisten, oder war es ein Gruß aus dem finstersten Winkel unserer Republik ? – W. Daniel


Leserbrief zu „Der Saustall“ von Fritz Zimmermann

Was faul ist in unserem Land ist die CDU, wenn Frau Connemann den Saustall unterstützt und den Freispruch für Herrn Müller nicht versteht. „Wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen“, auch für unsere wehrlosen Tiere! Das ist das Gebot! Respekt vor dem Urteil!  – Walter Rücker


Leserbrief zu „Der Saustall“ von Fritz Zimmermann

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Berichts. Der Aktivist Erasmus Müller muß nicht “glauben“, daß Tiere keine Ware seien. Das ist festgelegt in § 90 a BGB schon seit 1990. Da heißt es: „Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt …….“ ( z . B . Tierschutzgesetz ) .

Bitte berichten Sie doch auch über den Berufungstermin beim landgericht Magdeburg am 11.10.2017 ! Karl Wand


Leserbrief zu „Die wollen uns umbringen“ von Alard von Kittlitz

Unter „Entdecken“ verstehen die meisten Mitbürger neueste Erkenntnisse, dazu aufklärende Fakten, und möglichst kritischen Journalismus, der in Frage stellt auch wenn es nicht direkt das Thema angeht. Wegen der Bilder habe ich begonnen diesen Artikel zu lesen – Satz 3, wahr oder falsch, da musste ich weiterlesen. Die Verschmutzung der oberen Troposphäre könnte, nein müsste journalistisch ein Topthema sein. Dieses sowohl sinn- und nutzlose, mit aus dem Wissenskontext gefallenen Personen, so genannte „Experiment“ um „der Wahrheit“ Willen zu verbreiten, ist schon absurd.

Vom Spezialisten kommentarlos zu übernehmen, dass aus den kerosinbetriebenen Düsentriebwerken der Flugzeuge „nur Wasserdampf“ kommt, fördert den Zweifel und das Misstrauen des interessierten Publikums – nicht nur am Journalismus und der Politik. Womit und in welchen Mengen der Mensch, zusätzlich zur Einschätzung der natürlichen Eintragungen, insbesondere die untere Atmosphäre belastet sind Näherungen die mathematisch, statistisch verarbeitet, bis zu weiteren allgemein anerkannten Erkenntnissen, als absolut dargestellt werden. Die Biosphäre schädigende chemische Verbindungen sind in Summe für genetische Defekte sicher ausreichend und „nachhaltig“ langfristig mit dabei. Absicht oder nicht? „Die“ (geheimen Mächte) sind wir Alle! – Rainer F. Baust


Leserbrief zu „Mit der Flut kamen die Mücken“ von Jakob Simmank

Im Artikel wird berichtet, die Biologin Lauren Wilkerson habe einem Spatzen „wenige Milliliter Blut“, also mindestens 2ml, entnommen und den Vogel nach Beringung fliegen lassen.  Nach meinen Recherchen müsste der Spatz an Anämie verendet sein. Können Sie zu meinem Zweifel Stellung nehmen? – Georg Matejko


Leserbrief zu „»Wer macht schon keine Fehler?«“ von Lisa Nienhaus

Ein typisches Interview eines Journalisten. In Staatsanwaltsform wird der Angeklagte verhört. Genau so sollte man kein Interview führen. Wer große Verantwortung übernimmt macht auch automatisch Fehler. Für mich hat nur die Bonifrage eine Bedeutung. Und zwar dann, wenn kein Erfolg dahinter steht. Ein Journalist oder Journalistin kann sich gar nicht vorstellen was es heißt, täglich 17 bis 20 Stunden zu arbeiten, international immer präsent zu sein. Diese Belastung, die Physisch und Psychisch stark an die Substanz eines Menschen zehrt. Das erzeugt auch Fehler. Der alte Bankier Abs hat mal gesagt: Wer über 50% seines Lebens alles richtig gemacht hat kann mit sich zufrieden sein. Ich kann mich sehr gut daran erinnern als in der „Zeit“ Herr Ackermann über alle Maßen für seine Arbeit belobigt wurde.  Er war der Manager des Jahres, über viele Jahre hat Herr Ackermann aus einer „Provinzbank“ ein internationales Bankhaus geformt mit höher Reputation. Er war schlechthin ein großer Player. Er wurde gefeiert von der Politik und der Wirtschaft. Die Schweizer haben es bedauert, daß er nach Deutschland gegangen ist. Das schreibt Ihnen auch ein ehemaliger Banker, der selbst in der Verantwortung stand. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Spirale ins Elend” von Heike Buchter

Ihre Autorin scheint ein besonderes Exemplar zu sein. Es ist über alle Maßen überfällig, die Steuern in den Staaten massiv abzusenken, die besonders unverschämt hinlangen. Und die Steuerveranlagung ist so kompliziert, daß der Staat dadurch zusätzlich davon partizipiert. Der Bund der Steuerzahler hat das mit über 4 Mld, beziffert. Professor Kirchhoff hat ein einfaches Steuerkonzept erarbeitet, das nicht nur jeder versteht, sondern, das es keinen Verlierer gibt, wenn die Steuern auf 25% gesenkt werden.  Wenn Ihre Autorin gern überhöhte Steuern zahlt, dann sollte sie, alles was über 25% geht, den armen Kindern in der Welt etwas zukommen lassen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Sorge – nicht Angst – ist zivilgesellschaftliches Engagement! Mit ihrer Recherche über den AfD Erfolg in Heilbronn haben sie die herkömmlichen psychologisierenden Erklärungen über das „Phänomen Rechtspopulismus“ zu Recht in Frage gestellt. Bei ihrer Suche nach den Motiven der AfD-Wähler ist es ihren Mitarbeitern dennoch noch nicht gelungen, sich aus der Mainstream-geschuldeten Gesichtsfeldeinengung restlos zu befreien. Nicht nur über die AfD Frau Gminder machen sie sich lustig („.. wie weit man mit Angst mittlerweile kommen kann.“), sondern sie verspotten gleichzeitig auch alle AfD-Wähler („Städtle in Angst“). Das ist zwar ausnahmsweise mal nicht moralisierend, aber trotzdem zutiefst unethisch:

Bürgern, die sich Sorgen machen um die Zukunft ihres Landes und die daher aktiv werden und sich politisch engagieren werden als ängstlich charakterisiert und so der öffentlichen Lächerlichkeit preisgegeben. Wundern sie sich da noch, daß ein tiefer Riß durch unser Land geht, der offensichtlich nicht durch materielle Ungerechtigkeit zu erklären ist, wie uns Martin Schulz weismachen will? Ich möchte klarstellen, daß ich die AfD keinesfalls für fähig halte, die Probleme unseres Landes zu lösen! Ich kenne Frau Gminder und viele Vertreter der AfD persönlich, denn ich war bis zum Essener Parteitag selber Mitglied dieser Partei und im Vorstand des Kreisverbandes Heilbronn. Der Anlaß für die Gründung der AfD war ursprünglich die Sorge um Europa gewesen. Nicht erst seit 2013 hat u.a. Bernd Lucke immer wieder auf die Gefährdung der EU durch die Fehlkonstruktion des Euro hingewiesen. Die anhaltenden Griechenland-“Rettung“ und die desaströse Niedrigzinspolitik der EZB sind die – vorläufigen – Folgeschäden.

Der Erfolg der AfD hat viele „Mütter“. Ein wichtiger Beitrag dazu war u.a. auch das Totschweigen von Alternativen zur „Alternative für Deutschland“ durch die Medien: Aber seit 2015 gibt es sie, zunächst unter dem Namen ALFA, jetzt LKR (Liberal- Konservative-Reformer) mit Bernd Lucke, Olaf Henkel und Joachim Starbatty. Übrigens: die „atmende Obergrenze für Flüchtlinge“ wird aktuell von der CSU versucht zu kopieren. Das Copyright aber liegt bei der LKR (damals ALFA). Sie wurde von ihr bereits im Dezember 2015 entworfen und an die Presse kommuniziert.

Gemeinsam mit den meisten Wählern der AfD ist uns die Sorge um Deutschland und um die Zukunft Europas. Angst haben wir allenfalls vor Opportunismus, Realitätsverlust oder Resignation, keinesfalls aber vor einer Partei, wie die AfD. – Roland Hunecke


Leserbrief zu „Mia san wer?“ von Cathrin Gilbert

Ein durchaus gelungener Artikel, welcher die aktuelle Situation des deutschen Rekordmeisters gut veranschaulicht. Jedoch zeigt dieser Artikel auch ein großes Problem der Bundesliga auf. Nach 7 (!) Spieltagen stehen die Bayern zur Abwechslung mal nicht auf Platz 1 und prompt ist die Rede von einer ernsthaften Krise. Natürlich ist diese auch verbunden mit internationalem Misserfolg und internen Problemen, dennoch genieße ich diese Krise der Bayern. Endlich kann man bei dem Kampf um die Meisterschaft wieder von einem Wettbewerb sprechen. – Adam Vuckic


Leserbrief zu „Sind wir noch Freunde?“ von Georg Blume

Nein, sind wir nicht. Auch die anderen Staaten, und zwar ohne Ausnahme, haben von Deutschland die Schnauze voll. Um es plastisch auszudrücken. Die ganze EU ist sauer auf unsere Bundeskanzlerin. Wenn gesagt wird: Kompromisse schließen macht eine Demokratie aus. Das stimmt! Nicht Fisch und nicht Fleisch. Auf die Idee, daß es vielleicht ein besseres Geschäftsmodell gibt kommt keiner. Die Demokratie einiger wenigen EU-Länder, wie in Stein gemeiselt, hält daran fest. Deswegen kann es auch kein gemeinsames Europa geben. Der kommende Umbruch unserer politischen und sozialen Verhältnisse steht vor der Tür. Ein weiter so, wird es nicht mehr geben. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Legalisiert es!“ von Justus Haucap

Selten habe ich eine so widersprüchliche Argumentation wie den Artikel “ Legalisiert es “ (gemeint ist der Handel mit dem Rauschgift Cannabis und dessen Konsum) , dazu noch von einem Hochschullehrer, zur Kenntnis nehmen müssen. Es hört sich nicht nur paradox an, es ist  paradox, dass die Freigabe- auch die kontrollierte Freigabe- des Rauschgifts die Nutzer (gemeint sind wohl die Konsumenten) besser „schützt“ als das Verbot desselben. Mir scheint, dass nicht nur die illegalen Dealer, sondern auch Herr Justus Haucamp kein besonders ausgeprägtes Interesse am Jugendschutz zeigen. Es mag sein, dass ihm die „Qualitätssicherung“ des Rauschgifts am Herzen liegt. Dass dazu noch ausdrücklich auf die Ansicht vieler Ökonomen hingewiesen wird, macht mich besonders nachdenklich. Sinnigerweise erscheint der Artikel denn auch unter der Rubrik “ Wirtschaft“.

Wenn Rauschgift freigegeben wird und dazu -wie Herr H. zusätzlich fordert- wesentlich billiger werden muss,  dürfte wohl klar sein, dass der Konsum ganz erheblich zunimmt. Der Kreis der Konsumenten und der Konsum des Einzelnen wird automatisch steigen. Warum soll in Zukunft eine Beratung mehr Menschen vom Konsum abhalten als das Verbot des Erwerbs und des Handelns mit dem Rauschgift? Zeigt doch gerade die Aufhebung der Strafbarkeit, dass der Gesetzgeber es alles nicht für so schlimm hält. Dazu: Ich sehe nicht, dass – wie Herr H. meint- Dealer in Zukunft finanziell weniger Interesse haben, härtere Drogen zu verkaufen. Im Gegenteil: Wenn die Drogen billiger werden, wie Her H fordert, kann man auch mehr erwerben und möchte noch mehr umsetzen. Ist doch ökonomisch nicht ganz falsch Und: Meine Erfahrung als Vorsitzender einer Jugendkammer und einer Strafkammer in mehr als 20 Jahren lautet: Schätzungsweise ca. 80 bis 90 Prozent  aller Konsumenten von Heroin und anderen harten Drogen haben zunächst Haschisch konsumiert. Dass sich der Staat mit der Freigabe des Rauschgifts eine zusätzliche Einnahmequelle schaffen soll, halte ich schon für pervers. Ähnliches gilt in Bezug auf die Einsparmöglichkeiten bei der Polizei und der Justiz, wobei Herr H. übersieht, dass die Ersparnisse kaum anfallen dürften, wenn der Konsum des Rauschgifts bei Jugendlichen, wie Herr H. meint, weiterhin verboten und damit zwangsläufig kontrolliert bleiben soll, gar nicht zu reden von den anfallenden Mehrkosten bei den Gesundheits- und Sozialbehörden. – Rudolf Kliver


Leserbrief zu „Legalisiert es!“ von Justus Haucap

Warum kompliziert, wenn es auch einfacher geht. Klar dass Seilschaften, gerade bei den Grünen, etwa in der Person des Hanfverbandunternehmers Georg Wurth, darauf drängen, zu Profiteuren einer Freigabe des Cannabisverkaufs zu werden. Aber warum in Gottes Namen kommt niemand der hier benannten Ökonomen und Juristen auf den nächstliegenden Vertriebsweg über Apotheken? Wittern dort irgendwelche Verwaltungsfachleute Tantiemen durch Lizenzvergaben und Schulungen? Bereits heute gibt es ein leistungsfähiges Netz von Drogenabgabestellen, das sich quer über die Republik legt. Es wird Apotheke genannt. Die Mitarbeiter dieses Abgabenetzes kennen sich bereits heute mit Qualitätsanforderungen an Drogen (im Sinne des Wortes: getrocknete Pflanzen), ihrer fachgerechten Lagerung und Distribution bestens aus. Bereits heute wissen Sie, dass Cannabis eben mehr ist als einfach nur Cannabis. Außerdem findet man dort fundiertes Wissen über das Handling von Betäubungsmitteln und die anhängende Dokumentation. Warum also die Legalisierung von Cannabis durch weitere Bürokratie hemmen, wenn es auch einfach geht! Klaus Debring


Leserbrief zu „Brüder zur Freiheit” von Marc Brost

Ich kann Ihre Diagnose, die SPD müsse „cooler, moderner und weiblicher“ werden, nur schwer nachvollziehen. Mein Eindruck ist, dass genau das im Bundestagswahlkampf erfolglos versucht wurde. Katarina Barley und vor allem Manuela Schwesig standen als prominente weibliche Gesichter der Partei durchaus in der Öffentlichkeit. Es fehlte nicht an Themen, die erkennbar eine jüngere Klientel ansprechen und auch so klingen sollten, beispielsweise zur Familienpolitik („laut und fordernd“). Auch für flotte „Gender Pay Gap“-Rhetorik weit jenseits der Wahrheit war jede Menge Platz („Wer als Frau 100 % leistet, darf nicht 21 % weniger verdienen“). Wird nun alles noch „cooler, moderner und weiblicher“? Man wird sehen! Mit Andrea Nahles gibt es jedenfalls ab morgen „in die Fresse“. Herzlichen Glückwunsch. – Daniel Kemper


Leserbrief zu „Arbeit ist ihnen heilig“ von Angela Köckritz

Da ist Ihnen ja ein peinlicher Fehler unterlaufen: In Ihrem guten Artikel über die Mouriden in Senegal schreiben Sie, daß “die Mitglieder der Dahira 1000 französische Franken … als Spende geben”. Es gibt in Westafrika keinen französischen Franken, sondern den CFA Franken, der war früher zwar an den französischen gebunden, jetzt an den Euro. Und ich glaubte immer, die ZEIT hat gute Schlußredakteure….. – Klaus Haack


Leserbrief zu „Die wollen uns umbringen“ von Alard von Kittlitz

Diesen Artikel fand ich sowohl bedauerlich als auch empörend. Bedauerlich, weil hier zwei Chancen verpasst wurden. Zum einen die Chance, zu beleuchten, wie das menschliche Denken funktioniert und wie stark die ‚Beharrungskräfte‘ sein können. Man hätte darauf hinweisen können, dass es nur allzu leicht passiert, dass man sich bei der Informationssuche an eigenen Erwartungen orientiert. Das hat wenig mit dem persönlichen Hintergrund zu tun, diese selektive Informationssuche und-bewertung ist normaler Alltag für jeden von uns, auch für uns Wissenschaftler. Die zweite Chance hätte darin bestanden, zu diskutieren, nach welchen Standards wir im Alltag die Verlässlichkeit von Informationen beurteilen. Das Bauchgefühl oder auch die Intuition kann ein wichtiger Hinweis sein, aber es reicht nicht aus.

Welche Quellen sind glaubwürdig? Wenn Institutionen wie Universitäten und Forschungseinrichtungen misstraut wird, was bleibt dem Einzelnen? Die Sympathie zu demjenigen, der die Information vermittelt? Diese Thematik wurde in dem Artikel bestenfalls angerissen. Stattdessen erfolgte etwas, das ich zutiefst empörend fand. Zwei Menschen hatten sich bereit erklärt, sich auf das ‚Experiment‘ einzulassen und sich in die Höhle des Löwen begeben. Die beiden Forscher haben sich auf die Situation eingelassen und sachlich argumentiert. Die Haltung des Autors, Alard von Kittlitz, hingegen kann ich nur als herablassend-mitleidig beschreiben. Die beiden VertreterInnen der Chemtrail-Idee wurden regelrecht vorgeführt. Dieser Artikel mit seiner Respektlosigkeit gegenüber den Protagonisten und der Rückführung von abweichender Meinung auf persönliche Lebensumstände hat leider all denjenigen, die vorab ein solches Treffen abgelehnt hatten, Recht gegeben. – PD Dr. Jeannette Schmid


Leserbrief zu „Über die politische Botschaft des Toastbrots“ von Harald Martenstein

Zufällig konnte ich am 7.10.17, also am 68. Jahrestqag der Gründung der DDR, die „Toastbrot-Kolumne“ des Herrn Martenstein zur Kenntnis nehmen. Wenn Sie dem Herrn meine Meinung zu diesem Meisterwerk übermitteln könnten, würde mich das freuen, So träge sind wir Ossis: Wir kauen das nicht essbare Ost-Brot, obwohl die Grenze offen ist und ich nur 100 km fahren müsste, um in Franken essbares zu erwerben. Noch schlimmer ist es, dass der Verzehr des labbrigen Toast uns das Hirn verkleistert. Folge? Wir wählen AfD. Ich versspreche, nie wieder Ost-Brot zu essen. Ausnahme könnten Brötchen sein, welche in weiten Teilen des Ostens nicht Knüppel heißen, sondern Semmeln.

Zum Knüppel habe ich auch einen Bezug. Gerne wurde ich mich bei den Gebrüdern Grimm melden und den Befehl „Knüppel aus dem Sack“ aussprechen. Als Ziel würde ich den Autor der vor Häme triefenden  Toastbrot-Kolumne nennen. Schlussbemerkung: Nicht wegen des Broteinkaufs bin ich froh, dass die Grenze gefallen ist. Dafür gibt es viele gute Gründe. Wenn ich aber Auslassungen wie jene des Herrn Martenstein lese, frage ich mich, ob das eine kluge Entscheidung der damaligen DDR-Führung war. – Rudolf Müller


Leserbrief zu „Der Saustall“ von Fritz Zimmermann

Wir möchten Ihnen und Fritz Zimmermann von Herzen für den erschütternden Bericht über die grauenvollen Zustände in einer Massentieranlage in Sandbeiendorf bei Magdeburg danken. Wenn man sich vor Augen hält, dass dieser Frevel an der Schöpfung bei uns im Emsland Gang und Gäbe ist, dann kann einem nur noch übel werden. Zum Glück gibt es ein – wenn auch zaghaftes – Umdenken innerhalb der Bevölkerung in Richtung artgerechte Tierhaltung und weniger Fleischkonsum. Wir brauchen mehr mutige Menschen wie Erasmus Müller von Animal Rights Watch, und wir benötigen eine Justiz, die sich nicht zum Handlanger von Tierquälern machen lässt. Mit Wegschauen lässt sich das Problem nicht lösen. Die emsländisch-ostfriesische CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann, die der Auffassung ist, es sei „etwas faul, wenn einer wie Müller freigesprochen wird“, sollte sich wirklich schämen. Da nicht zu erwarten ist, dass sie das tut, schämen wir uns stellvertretend für diese Abgeordnete. – Kai und Ulrike Engelke


Leserbrief zu „Über die politische Botschaft des Toastbrots“ von Harald Martenstein

Ach Martenstein, seit drei Tagen regnet es fast ununterbrochen, der Herbststurm wütet mit kurzen Atempausen überm Tal, die Stimmung schwankt zwischen Lesen, Fernsehen und Zubettgehen, da schiebt sich DIE ZEIT dazwischen mit einem, laut Radioankündigung „Interview im besten Kolonialstil“ – und natürlich Ihrer Kolumne im Magazin. Endlich hatte ich mich über die peinlichen Kurt Hans und Ingrid sowie zahlreichen Sofas zu Ihrem vermeintlich entspannenden Text durchgekämpft – und dann sowas! Wo, bitte schön, gibt es zur Bratwurst ungetoastetes Toastbrot? Wo wird eine Bratwurst überhaupt mit Toast gereicht, ob getoastet oder nicht? Oder mit Knüppel! Wo soll das denn sein? Etwa in der Hauptstadt (früher: der DDR)? Herr Martenstein, wo nur haben Sie Bratwurst gegessen? Ich lebte 38 Jahre in der DDR, die Sie heute zum Osten erweitern, aber damals und bis heute erlaubte sich noch nie jemand in meinem Beisein, eine Bratwurst mit labbriger, klebriger und geschmacksfreier Teigmasse zu entweihen. Ich schwöre es Ihnen. Mag sein, es könnte damit zusammenhängen, dass ich aus Thüringen stamme und als solcher natürlich nur echte Thüringer Bratwurst zu mir nehme, die ausschließlich mit knusprigem Brötchen verabreicht werden darf. Alles andere wäre Frevel und Verrat an der Bratwurst. Vor allem dann, wenn sie mit diesen, von Ihnen beschriebenen Toastscheiben auch nur annähernd in Verbindung gebracht würde.

Ich glaube, Sie können eine solch verheerende Erfahrung nur in Berlin gemacht haben. Da war aber schon zu DDR-Zeiten kein Osten. Dort musste man nicht, wie Sie als Ursache des Toastfrevels vermuten, auf Sozialismus und Wohlstand warten. Vielleicht kennen Sie den Spruch: Was unterscheidet Ost-Berlin vom Rest der DDR? In Berlin geht man Einkaufen, im Rest der DDR auf Nahrungssuche. Allerdings muss ich Ihnen auch zustimmen: Zu einer Suppe könnte es schonmal passieren, dass eine ungetoastete Toastbrotscheibe, vorzugsweise im Dreieck halbiert, beiliegt, bei der man vermuten könnte, sie sei eben erst per Schiff und bei offener Ladeluke aus dem Erfinderland dieses Labbergebäcks angereist. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Erst vor gut vier Wochen wurde mir eine prächtige, schmackhafte Suppe durch zwei solcher Dreiecksdinger, die sich schon bei bloßem Hinsehen in Krümel auflösten, verdorben. Es war ein Hummersuppe auf Helgoland. Mit ungetoastetem Westtoast. Nun bitte, worauf wartet man denn dort? – Thomas Wunderlich


Leserbrief zu „Der Saustall“ von Fritz Zimmermann

Ich lese jede Woche Die Zeit und möchte zum Artikel „Der Saustall“ anmerken, dass nicht wie am Schluss geschrieben steht „geklärt werden soll, ob Erasmus Müller ein Verbrecher ist“. Verbrechen sind im Strafrecht klar definiert (u.a. Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr, wenn ich mich an meine Ausbildung richtig erinnere) und ich denke nicht, die Voraussetzungen wären hier erfüllt. Demnach wird geklärt, ob er eine Straftat begangen hat. – Robin Weller


Leserbrief zu „Nehmt sie auseinander“ von Felix Dachsel

Flott geschrieben ihr Artikel über die SPD. Aber wie bringt uns der Artikel weiter? Flott oberflächlich allerdings ihr geografisches Wissen, und trotzdem flott niedergeschrieben. MOSSENBERG AN DER LIPPE??? Gibt es denn niemanden mehr, der mal über einen Artikel drüberliest? – Reiner Knocks


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Mit Interesse habe ich Ihr Dossier gelesen. Danke für manch Erhellendes. Leider gibt es aber auch Grund zur Kritik und das betrifft manche Ihrer Zahlen. Was soll ich mit den Angaben des Pro-Kopf-Einkommens von 41.000 € anfangen, wenn es auf der nächsten Seite heißt, dass in Heilbronn der reichste Deutsche und weitere 38 Einkommensmillionäre wohnen. Mich hätte interessiert, wie hoch nach Abzug deren Einkommen das Pro-Kopf-Einkommen dann noch wäre. Besser noch wäre eine Gruppierung, so und so viele Menschen erzielen ein Einkommen von bis usw. Die weitere Ungenauigkeit, die in einschlägigen Zeitungen mit entsprechenden AfD-geneigten Lesern geradezu gefährlich wäre, ist die Tatsache, dass die Zahl der Straftaten, die von Flüchtlingen begangen wurden in 2016 um 52,4 Prozent gestiegen waren. Von welchen Zahlen geht man aus? 52,4 Prozent von 10 wären eine Steigerung um 5 Straftaten, bei einer Steigerung bei 400 Straftaten ausgehend sähen die Zahlen ganz anders aus. Für mich hat Ihre Angabe also keinen Wert. Sie schreiben auf der ersten Seite von insgesamt 4191 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Hier hätte sich angeboten mitzuteilen, wie viele davon durch Flüchtlinge begangen wurden. In allen Medien ärgern mich diese Ungenauigkeiten, werden sie doch auch oft von Politikern benutzt, um bestimmte Interessen durchzusetzen oder richten anderweitigen Schaden an, wenn sie nicht genau aufgeschlüsselt werden. Aber trotzdem vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Artikel. Was können wir gegen diese gefährliche Entwicklung tun? – Erika Piontek


Leserbrief zu „Die Laster fahren leer zurück“ von Bettina Schulz

Wie immer lese ich die Art. Ihrer Zeitung aufmerksam. Mir fiel in dem Wirtschaftsartikel auf, dass der Spediteur Junker einmal in Blankenbach (Unterfranken) beheimatet war und zwanzig Zeilen später in Blankenheim, welches in der Eifel liegt. Wenn er dort eine Dependance hat, sei mein Hinweis hiermit hinfällig, anderenfalls bitte ich doch noch mal um kurzes Überfliegen des Textes zwecks Vermeidung dieser Zeilen. – Uwe Büssing


Leserbrief zu „»No pasarán!«“ von Ulrich Ladurner

Ich bitte hiermit um eine Richtigstellung des Artikels. Darin wird behauptet Spanien sei seit 1978 eine Republik: ,,Die erste Republik ihres Lebens (1936 – 1939) zerstörten die Franquisten. Die zweite soll mit dem heutigen Tag beginnen, mit dem Unabhängigkeitsreferendum und der Geburt der Republik Katalonien. Spanien, diese seit 1978 bestehende Republik, in der Adela seit 39 Jahren lebt, in der ihre Enkeltochter geboren und aufgewachsen ist, existiert für sie nicht.’’ Der Autor hat anscheinend Aufgrund eines rhetorischen Kniffes hier vergessen, dass Spanien keinesfalls eine Republik ist, wohl aber eine Demokratie. In der Verfassung 1978 wurde die Souveränität des Volkes (Artikel 1. 2) in der politischen Form einer parlamentarischen Monarchie (Artikel 1.3) verankert. Diese Unterscheidung ist wesentlich. Vor allem auch angesichts dessen, dass es aktuell neben den separatistischen Bewegungen in Spanien auch republikanische Bewegung gibt, die die Rückkehr zur Republik fordern.

Quelle: https://www.boe.es/legislacion/constitucion.php

Eine zweite kleinere Anmerkung noch zur Schreibweise des spanischen Slogans ¡No pasarán!. Das ist die korrekte Schreibweise – im Artikel wurde mehrfach nur ein Exklamationszeichen verwendet. Im Spanischen wird ein Ausruf mit einem Exklamationszeichen zu Beginn und zum Schluss gekennzeichnet. – Mag. Cristina-Estera Klein


Leserbrief zu „SOFA, SO NAH“ von Sascha Chaimowicz

Ich (80) bin seit über 30 Jahren Abonnent der ZEIT und lese gerne von Ihnen im ZEIT-Magazin. Ihr Beitrag über das Sofa hat mir überhaupt nicht gefallen, outen Sie sich hier doch als Voyeur. Wie anders könnten Sie sonst so intensiv und detailliert vom Verhalten ihres gegenüber  wohnenden Nachbarn und dessen Date-Partnerin berichten. Die Zeit für die wohl längere Beobachtung aus Ihrem Fenster hätte wohl auch ausgereicht, sich entsprechende Informationen über die Verwendbarkeit eines Sofas in jedem x-beliebigen Möbelhaus einzuholen. Sie Erinnern mich an einen Bekannten, der von einem etwas entfernt wohnenden Nachbarn überhaupt nichts wüsste, wenn er nicht ein so gutes Fernglas hätte. Ihr Nachbar mag Sie wohl interessieren, mich als Abonnenten nicht. – Rudolf Reinhardt


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Wie kann man nur so wertvolles Papier mit so viel sinnlosen Fotos vergeuden! Das Magazin wird immer uninteressanter. – U. Joswig


Leserbrief zu „Die wollen uns umbringen“ von Alard von Kittlitz

Ich habe den Artikel über die Chemtrails und Chemtrailer mit Interesse gelesen. Ich muss allerdings sagen, dass sich die Anhänger dieser Verschwörungstheorien in einem ganz zentralen Punkt nicht von den Anhängern aller Religionen unterscheiden. Sie setzen ihren Glauben über wissenschaftliche Erkenntnisse. Letztlich macht es keinen großen Unterschied ob ich als Chemtrailer an Reptiloiden, die genetische Matrix oder ähnlichen Hokuspokus glaube oder als Christ die Evolutionstheorie für ein Märchen halte und statt dessen an eine biblische Schöpfungsgeschichte und eine unsterbliche Seele glaube. Beides basiert auf Geschichten, die sich Menschen ausgedacht haben um Menschen zu beeinflussen. Die größere Gefahr geht allerdings aus meiner Sicht nicht von Chemtrailern sondern von religiösen Fanatikern aus. – Frank Wolff


Leserbrief zu „Die wollen uns umbringen“ von Alard von Kittlitz

Alles gut, aber mit seiner Aussage “Der Flugverkehr hat, seit es Jetflugzeuge gibt, Kondensstreifen hinterlassen” irrt Ihr Experte J. Curtius: Kondensstreifen gab es schon vor Kriegsende, so auch vielfältig dokumentiert in Photoaufnahmen von Bomber(propeller)flugzeugen. – Prof. Dr. Th. Höpner


Leserbrief zu „Die wollen uns umbringen“ von Alard von Kittlitz

War es wirklich notwendig so viel Platz für ein Thema zu verschwenden, dem der Normalo nur ein müdes Lächeln abgewinnen kann? Ich denke, dass man im Zuge der “Aufklärung” dieser unverbesserlichen Spezies in der Zeit hätte thematisieren müssen, was wirklich z.B. bei der Verbrennung von Kerosin  nahe der Tropopause passiert. Aber das durfte selbstverständlich nicht zur Sprache kommen. Nur so viel zu diesem Thema “Gift vom Himmel”: Sind die Rückstände des Verbrennungsvorganges mit Kerosin in großen Höhen weniger giftig als die gleichen Rückstände der Dieselverbrenner am Boden?  Kann durchaus sein, weil, da ist ja kein Lebewesen, das Schaden nehmen könnte, da “Oben”. In diesem Zusammenhang sollte die “Zeit” im Teil “Wissen” mal abklären wie viel Tonnen Kerosin an einem Tag in der  weltweiten Luftfahrt verbrannt in die Atmosphäre entlassen wird. Daraus könnte man errechnen wie viel Tonnen ganz normaler Ruß  in der oberen Atmosphäre eingetragen wird.

Sollte dieser Ruß etwa dafür verantwortlich sein, dass immer häufiger Starkregen auftritt, oder dort wo er auftritt er in dieser Intensität nicht erwartet werden kann oder muss ?  Da bekannt ist, dass  zur Bildung eines Regentropfens ein Kondensationspunkt nötig ist, an dem sich das erste Wassermolekül niederschlagen kann, sollte man diesen Aspekt klären, oder weiß man das (setze ich voraus) ja ohnehin schon lange? An diesem Punkt treffen sich naturbedingte-, und menschengemachte Ursachen.  Nicht alle Menschen studieren Metrologie und es wäre deshalb Zeit wenigstens die wichtigsten Parameter auch in dieser Zeitschrift zu erklären, weil sie ständig und immer intensiver in unser banales Leben eingreifen. Zuletzt wieder in Norddeutschland, wo man im günstigsten Fall sein Auto von einem Baum, der schon 100 Jahre stand, demoliert wiederfindet, oder aber seine Bahnreise nicht antreten kann weil der Sturm Oberleitungen etc. zerstört hat. Der Zusammenhang von atmosphärisch-,geologischen Ereignissen wie der Ausbruch eines Vulkanes und seine Staubverfrachtung bis in die Stratosphäre und die darauf folgenden klimatologischen, kurzfristigen Veränderungen im Weltklima sind wohl unbestritten. Siehe Krakatau, Indonesien 1862(?) oder 1860(Bin zu faul zum Nachsehen). Die darauf folgende Klima Veränderung hatte in der nördlichen Hemisphäre auch in Deutschland eine Hungersnot im Gefolge(siehe Analen aus der Pfalz – Auswanderungswelle) als auch der Ausbruch de Mount St. Hellens in den Rocky Mountains 1980 , der von mir in seinen Folgen sehr aufmerksam begleitet wurde. Hier in Deutschland wirkte sich das so aus, dass es ab da bis 1986 keine gescheiten Sommer in Deutschland und anderen Ländern der Nordhalbkugel gab. Die Schwebezeit der dafür verantwortlichen Ruß-, u. Staubpartikel war, durch ihren Abschattungseffekt auf der nördlichen Halbkugel und der sich daraus ergebenden leichten Abkühlung in der Atmosphäre, Auslöser für diese Entwicklung.

Schon vor mindestens 25 Jahren las ich einen Artikel über die Folgen der Abschattung des Nordatlantiks auf den häufigst beflogenen Nordatlantikrouten in dem eine Abkühlung des Wassers unterhalb dieser Routen um ein halbes Grad konstatiert wurde. In ihrem allumfassenden Archiv könnten Sie den Artikel vielleicht noch recherchieren und die oder den Verfasser eruieren. Habe das sehr wahrscheinlich in der AZ-Mainz gelesen. Muss aber nicht unbedingt stimmen, könnte auch der Spiegel gewesen sein. Und zu den “Chemtrailern” und nebenbei den Kreationisten(in den USA) möchte ich auch ungefragt soviel bemerken: NICHTS ! – W. Schuckmann


Leserbrief zu „Die Laster fahren leer zurück“ von Bettina Schulz

Lediglich eine kurze verständnisfrage: welche parlamentarischen ausschüsse, ministeriumsvertreter und parlamentarier meinen Sie, im letzten satz Ihres obigen artikles? unsere bundesdeutschen? – sven borghs


Leserbrief zu „Über die politische Botschaft des Toastbrots“ von Harald Martenstein

Ich fand es amüsant, dass Sie sich in dieser Woche in Ihrer Kolumne einem ostdeutschen Thema gwidmet haben. Ihre hypothetische Annahme einer Wiedervereinigung in die falsche Richtung hätte sicher viele schreckliche Folgen. Ich kann Ihnen versichern, die Konsequenzen für Jahrmarktspeisen wären die weniger dramatischen. Für das ungetoastete Toastbrot würden Sie nämlich durch die dazugehörige Thüringer Bratwurst mehr als entschädigt werden. Wenn Sie dann gar noch das beiläufg erwähnte ostdeutsche Brötchen dazunehmen würden, hätten Sie so einen kulinarischen Hochgenuss, dass Sie das andere Elend glatt vergessen würden.  Wenn Sie einmal in Dresden sind, lade ich Sie gerne ein, das mal in der Realität auszuprobieren.  Und, um mal etwas Positives über unsere ungeliebte Ecke zu sagen, bei uns heißen Brötchen auch nicht „Knüppel“. – Matthias F.


Leserbrief zu „In Erregung“ von Jens Balzer

Was ist an der Aussage, eine Vertreterin des sog. schwachen Geschlechts ziehe die eigene Stärke aus der willentlichen Unterwerfung unter einen Vertreter des sog. starken Geschlechts, indem sie ihm ihren Willen, sie zu dominieren, aufzwinge, originell? Demonstriert werden auf diese Weise die jahrhundertelang erprobten, hinlänglich bekannten ‚Waffen einer Frau‘. Tabuisiert bleibt dagegen die von einem körperlich schwachen Vertreter des „starken“ Geschlechts geschilderte aufrichtige „Sehnsucht nach der übermächtigen Frau“. Sie würde die real bestehenden Verhältnisse zwischen den Geschlechtern offenbar wirklich erschüttern – eine Zerreißprobe, die die Gesellschaft anscheinend nicht aushält. – Dr. Andreas Schäfer


Leserbrief zu „»Wer macht schon keine Fehler?«“ von Lisa Nienhaus

Ackermann braucht keinerlei materielle Sanktionen zu befürchten: Der Tatbestand der Untreue kommt bei Fehlleistungen des Managements so gut wie nie zur Anwendung, und in den Vergütungs- regelungen gibt es auch bei noch so eklatantem Versagen keinen Malus als Gegenstück zum Bonus. Da überrascht um so mehr das Ausmaß an Dreistigkeit oder Verdrängung, mit dem er seine Schuld  am gegenwärtigen Zustand der Deutschen Bank relativiert oder gar leugnet. Interessanterweise fällt der Name Jain in dem Gespräch überhaupt nicht. Und dass es offenbar keinerlei Kontakte zu seinem Nach-Nachfolger, der jetzt die Scherben der Ackermann-Ära kitten muss, gibt, erscheint ebenfalls wie eine Flucht aus der Verantwortung. – W.-R. Heilmann


Leserbrief zu „Der Saustall“ von Fritz Zimmermann

Endlich wird das Thema Tierschutz und die schrecklichen Zustände in den Ställen in unserem Land aufgegriffen. Spannend und verständlich geschrieben und dargelegt. Endlich wird das Problem beleuchtet. Und endlich spricht eine Richterin im Namen des Volkes diejenigen frei, die auf die Grausamkeiten aufmerksam machen, anstatt diejenigen zu schützen, die Leid zufügen. Erschütternd, wie der im Grundgesetz verankerte Tierschutz, täglich millionenfach gebrochen wird. Erschütternd, dass die CDU-Politikerin diejenigen verurteilt, die helfen und diese als Verbrecher beschimpft und die eigentlichen Gesetzesbrecher in Schutz nimmt. Hoffentlich zeigt das richterlich Urteil Wirkung, wird bekräftigt, sodass diejenigen bestraft werden, die Tiere quälen und Verbraucher täuschen. Danke für diesen aufrüttelnden Artikel! Wir Verbraucher sind dankbar für die Aufnahmen aus den Ställen, damit wir sehen, woher wirklich das Fleisch kommt und so handeln können, anstatt uns von der Lebensmittelindustrie verblenden zu lassen. Danke, dass Sie alle Seiten beleuchten. – Die ganze Familie Koch


Leserbrief zu „Die wollen uns umbringen“ von Alard von Kittlitz

Für die bedauernswerten Schicksale der beiden (immerhin zu Ihrem „Versuch“ bereiten) Chemtrailer kann man sehr wohl Mitgefühl und vielleicht auch Verständnis empfinden, dass aber 15% der bundesdeutschen Bevölkerung irre geworden ist und ebenfalls derartig lächerlichen, abgefahrenen „Theorien“ glaubt, will mir nicht in den Kopf. Andererseits: Außer an Chemtrails glauben auch Millionen Deutsche an heilsame Zuckerkügelchen, glauben an eine „Umvolkung“ und daran, dass es einen Klimawandel nicht gibt. Ein Naturwissenschaftler kann sich dann eigentlich immer nur an dem Sinnspruch festhalten „Wer nichts weiß, muss alles glauben.“ – Willi Mößel


Leserbrief zu „Die mit dem Ohr denkt“ von Peter Dausend

Nachdem die ZEIT, insbesondere ihr Chefredakteur, jahrelang auf penetrante Weise dem ehemaligen Herausgeber und SPD-Kanzler Helmut Schmidt in ich-weiß-nicht-wo-hinein gekrochen ist, fühlte sich während der letzten Monate vor der Wahl der Redakteur Peter Dausend, wohl als „Wiedergutmachung“, bemüßigt, die SPD und ihren Kanzlerkandidaten Schulz so richtig fertig zu machen. Ich hatte gelegentlich das Gefühl, dass der Herr vom Konrad-Adenauer-Haus an Ihre Redaktion abgeordnet war. Nun hat die SPD, auch dank Ihres Blattes, eine böse Wahlschlappe erlitten, und man könnte meinen, dass Herr Dausend zufrieden sein sollte. Weit gefehlt: Neben Herrn Schulz nimmt er sich jetzt (und vermutlich auch in Zukunft) noch Frau Nahles vor und unterstellt beiden „das Grunzen des menschlichen Schweins“. Ich möchte sein Geschreibsel als „das Gerülpse einer journalistischen Sau“ bezeichnen und hoffe, dass er ebenso gut einstecken wie austeilen kann. – Dr. Jürgen Lenz


Leserbrief zu „Die wollen uns umbringen“ von Alard von Kittlitz

Ihren Artikel über Chemtrails fand ich sehr interessant. Früher war ich selbst überzeugte Chemtrailerin. In gewisser Weise passte ich auch etwas in das Bild, das Sie von Herrn Pfeiffer und Frau Berchtold gezeichnet haben: ich wuchs in einer kleinen Gemeinde südlich von München auf und hatte eine schwierige Jugend, in der ich mich am Rande der Gesellschaft sah. Da passte die geheime Weltregierung, die Chemie versprühte um das Wetter zu manipulieren und Menschen zu vergiften, gut in mein Weltbild. Aber ich war auch misstrauisch. Ich wusste, dass die Chemtrail-Theorie unter wissenschaftlichen Aspekten einige Lücken aufwies. Daher wollte ich mit wissenschaftlichen Experimenten die Gegenargumente falsifizieren. Ich beobachtete zunächst den Himmel, kontrollierte mehrmals täglich die Temperatur und beobachtete die Kondensstreifen: wie breiteten sie sich aus? Welche Muster bildeten sie? Wie hoch flogen die Flugzeuge ungefähr? Und gab es Zusammenhänge zwischen dem Verhalten der Kondensstreifen, Luftdruck und Temperatur?

Ich führte ausführlich Tagebuch und hatte große Pläne: ich wollte Luftproben aus unterschiedlichen Höhen auf ihre Zusammensetzung untersuchen und so die Chemiepartikel nachweisen. Doch bevor ich diese Pläne umsetzen konnte, zog ich von der Südprovinz nach Schleswig-Holstein. Dort war der Himmel blau und es bildeten sich nur vereinzelt Kondensstreifen, die sich aber nicht zu Schleierwolken ausbreiteten. Die Schachbrettmuster, die ich im Süden oft gesehen hatte, gab es hier nicht. Ich sah auch viel weniger Flugzeuge (mit oder ohne Kondensstreifen) am Himmel, als im Süden. Das brachte meine Theorie ins Wanken: Wenn es eine geheime Weltregierung gibt, warum will sie nur die Menschen im Süden Deutschlands vergiften und nicht die im Norden oder gleich alle? Wenn Chemtrails irgendeinen Nutzen hätten, müssten sie doch überall eingesetzt werden. Im Norden, wo ich inzwischen seit 8 Jahren lebe, habe ich allerdings noch nie solche Kondensstreifen gesehen, wie im Süden. Die geheime Weltregierung hatte also auch versagt. Mir wurde klar, dass das geringe Kondensstreifenaufkommen im Norden der geografischen Randlage geschuldet ist: Über Schleswig-Holstein gibt es einfach nicht so viel Flugverkehr, wie über München, wo alles in alle Richtungen fliegt. Das Tagebuch habe ich im Norden schnell nicht mehr weitergeführt und meine weiteren Pläne verworfen.

Ich glaube nicht, dass man überzeugte Verschwörungstheoretiker mit wissenschaftlichen Argumenten vom Gegenteil überzeugen kann. Sie finden immer etwas, das ihre Theorie bestätigt. Das Einzige, was meiner Meinung nach zum Umdenken führt, ist eine Veränderung im Leben, die zum Blick über den Tellerrand zwingt wie z.B. ein Umzug. Sollten Sie die Idee Ihres Experiments nochmal aufgreifen könnten Sie ehemalige Chemtrailer fragen, was sie zum Umdenken bewegt hat und so herausfinden, was sie dazu gebracht hat, ihre Haltung zu Satz 3 zu ändern. – Elsa-Sophia Ascherl


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Ich bin eigentlich verwundert, dass Sie das Jubilaeum ueberhaupt feiern, denn meine persoenliche Meinung ueber die Qualitaet des Magazins ist recht negativ. Und da bin ich sicherlich nicht die Einzige. Besonders diese Hefte voller Armbanduhren oder merkwuerdiger Mode:   nach dem Herausreissen von Martenstein, Frau Raether’s Kochrezept und der Landkarte fliegt das Ding meist in den Abfall.  Da gibt es wahrlich andere Rubriken in der ZEIT, auf die Sie stolz sein  koennten. – Brigitta Malm


Leserbrief zu „Über die politische Botschaft des Toastbrots“ von Harald Martenstein

1.Ich mag Martensteins Kolumne. 2. So klar wie dieses Mal konnte ich noch nie sagen: „Das stimmt nicht.“ (subjektiv) Ich wurde in der DDR geboren und lebte dort und lebe jetzt in Niedersachsen jeweils etwa 25 Jahre. Die ganze Verwandtschaft lebt noch in Sachsen-Anhalt und Brandenburg und wir sind regelmäßig zu Besuch dort. Früher und heute gibt es Bock- oder Bratwurst im aufgeschnittenen Brötchen. Auf Schützenfesten oder Weihnachtsmärkten in Niedersachsen gibt‘s die Wurst auf einer Pappe mit einer HALBEN Scheibe Toastbrot (wie von Martenstein beschrieben). Ich erlebe es also genau umgekehrt. Diesen Leserbrief schreibe ich, weil ich eben auch dieses Toastbrot hasse. Ich höre schon die Rufe: „Dann geh doch zurück in die Zone.“ Ich frage mich, ob ich vielleicht doch ein kleines satirisches Augenzwinkern übersehen habe. Zur Not kann man mit dem Toastbrot noch die Enten im Park füttern. – René Liebich


Leserbrief zu „»No pasarán!«“ von Ulrich Ladurner

Es ist doch interessant. In Deutschland wählen 12% der Menschen AfD und seit langem geht der Satz um, man müsse die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Auch die ZEIT reist durch Ostdeutschland, spricht mit Menschen und liefert eine Fotostrecke nach der anderen ab, um zu verstehen, wieso hier Menschen Hass im Internet verbreiten, gegen Politiker hetzen, den Rechtsstaat ablehnen und am liebsten die Demokratie abschaffen würden. In ganz Europa drängen Parteien in die Parlamente, die die EU verlassen wollen, die Presse mit Hass überschütten und nicht gerade die größten Anhänger der Demokratie sind. Hier in Katalonien wollen 40% der Menschen einen eigenen Staat, sie setzen sich friedlich dafür ein und lassen sogar Polizeigewalt über sich ergehen, nur um Ihre Meinung in einer Abstimmung kundzutun. Ich finde, dies ist, gerade im derzeitigen Europa, zunächst einmal eine interessante demokratische Bewegung, wie auch immer man zu ihr steht.

Aber Ihnen fällt nichts besseres ein, als diese herabzuwürdigen und zu verunglimpfen? Glauben Sie wirklich, dass 2 Millionen Menschen, fast die Hälfte der Katalanen, eine Mischung aus „Wohlstandsbürgern“ und „Linksextremisten“ sind? Sie sagen, „das Ausmaß der Gewalt ist nicht vergleichbar mit den Krawallen bei den G20-Gipfeln in Hamburg“. Wenn ich die Vorgänge dort richtig verstanden habe, ging die Gewalt dort von Linksextremisten aus, die die Stadt zerstörten und die Polizei zum Rückzug drängten. Hier war es genau andersrum: Selbst im Angesicht brutalster Polizeieingriffe antworteten die Bürger nicht mit Gegengewalt, es wurde kein Pflaster aufgerissen, keine Zwillen benutzt. Allenfalls kam es zu ein paar Flaschenwürfen. Wo sehen Sie die Parallelen zu Hamburg? Irgendwas muss hier doch anders gelaufen sein. Ihre Darstellung, nach der die fast Tausend Verletzten sich als Teil einer groß angelegten Strategie haben blutig schlagen lassen, wirkt doch sehr weit hergeholt. Auch mit dem Brexit hat die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien rein gar nichts zu tun, da die Katalanen sich als glühende Europäer verstehen.

Während ganz Europa auf die EU schimpft, ruft man sie hier an. Vielleicht sollten Sie diese Einstellungen einfach mal neutral analysieren, da Ihre Ansicht, alles sei eine riesengroße Strategie der Separatisten, ein wenig verschwörungstheoretisch anmutet.  Alle sind sich einig, dass das Referendum gegen die spanische Verfassung verstoßen hat. Doch man hätte diesem Konflikt eine objektive Berichterstattung gestatten können. Das Projekt der spanischen Regierung, einen einsprachigen, auf Madrid ausgerichteten Zentralstaat mit Vorbild Frankreich wird nicht nur von Katalonien, sondern auch von anderen periphären Regionen Spaniens wie dem Baskenland, Valencia, Galizien und den Balearen abgelehnt. Diese sehen sich selbst als Nationen und wollen einen mehrsprachigen, föderalen Staat, eher im Sinne von Deutschland oder den USA, der Spanien als eine Nation aus vielen  Völkern und Kulturen akzeptiert. Dies allerdings wird von Madrid seit Jahren torpediert. Daher das Abkommen mit Russland, dass Flugzeuge aus Barcelona nicht über russischen Luftraum dürfen.

Die Route Spanien-Japan soll nur über Madrid führen. Daher auch die jahrelange Ablehnung des Mittelmeer-Hochgeschwindigkeitszuges, der Frankreich mit Barcelona, Valencia und Granada verbinden soll, wo heute, wenn überhaupt, nur ein Regionalzug fährt. Kürzlich wurde diese Strecke in Planung genommen; allerdings soll diese Mittelmeerverbindung einen kleinen Umweg nehmen:  über Madrid. Auch dass die spanische Regierung den Geheimdienst missbrauchte, um missliebige Informationen über katalanische Politiker ans Tageslicht zu befördern, um diese zu diskreditieren. Die Vorgänge der letzten Wochen: Die Übernahme der Konten öffentlicher katalanischer Einrichtungen, sogar der katalanischen Universitäten (mein Gehalt musste aus den Reserven der Uni bezahlt werden, Forschungsgelder wurden  eingefroren) – all das hätte man berichten können, es steht in den einschlägigen Tageszeitungen (ABC mal ausgenommen).

Stattdessen beschreiben Sie die Vorgänge als reine Folklore, die Sie in einen Topf mit anderen Separatistenbewegungen Europas werfen. Sie beleuchten den Konflikt nur als eine Art historische Narbe, angeführt von alten Menschen, die die Vergangenheit nicht ganz hinter sich gelassen haben. An anderer Stelle versteigen Sie sich sogar zu der Behauptung, „das katalanische Referendum weckt Ängste vor einer Wiederkehr des Eta-Terrors“. Eine klassische Strohmann-Behauptung, da selbst die nationalistischen Blätter Spaniens dies nicht behaupten würden. Ich lebe hier seit zwei Jahren und fühle mich nicht von „Terror“ bedroht und bin da sicher nicht der einzige.  Vielleicht ist diese schwache Berichterstattung Ihrerseits aber auch nicht verwunderlich. Sie haben in der gedruckten ZEIT seit ca. 2 Jahren kein Wort über Spanien verloren.

Nicht über die Wiederwahl Rajoys, nicht über die ständigen Korruptionsskandale der Regierungspartei PP, kaum etwas über die Bewegung Podemos und nichts über die Vorbereitungen des Referendums in Katalonien. Dass Sie nun in der kurzen Zeit keine Chance hatten, sich in diesen komplexen Konflikt einzuarbeiten und daher eine möglichst einfache Narrative suchten, um den Konflikt zu beschreiben, ist vielleicht verständlich, für eine Zeitung Ihrer Qualitätsklasse und Ihres Anspruchs meines Erachtens allerdings extrem enttäuschend. Ich würde mir wünschen, dass Sie diesem großen und diversen Land in Europa, übrigens mit Portugal zunehmend das einzige, in dem es keine nenneswerte fremdenfeindliche, antidemokratische Bewegung gibt, in Zukunft allgemein  ein wenig mehr Beachtung schenken. – Mario Bisiada


Leserbrief zu „Die wollen uns umbringen“ von Alard von Kittlitz

Vielen Dank für den vorsichtigen und persönlichen Text über Ihren Chemtrailer-Versuch. Wir Menschen haben nun mal gern die Dinge unter Kontrolle und reagieren gekränkt, ängstlich oder aggressiv, wenn Zufall und Widersprüchliches zu groß werden. Danke, dass Sie Herrn Pfeiffer und Frau Berchtold zugehört haben und versucht haben, zu verstehen. – Birgit Magiera


Leserbrief zu „Totalausfall“ von Thomas Kerstan

Das Gejammer ist nicht nur rührend, sondern auch gerechtfertigt, aber völlig sinnlos, so lange jeder, der den Finger in die Wunden legt, postwendend aus irgeneiner Ecke das Attribut „Nazi“ zugewiesen bekommt, womit dann jegliche sinnvolle Diskussion zu Ende ist. Wunden in diesem Sinne sind das Berufsbild Lehrer (wer will noch ernsthaft Lehrer werden?) und das Geld, oder genauer, wofür es mit vollen Händern rausgeworfen wird, während für die Infrastruktur, zu der auch die Bildung gehört, immer weniger übrig bleibt. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Die wollen uns umbringen“ von Alard von Kittlitz

Das Problem, das Sie ansprechen – die nahezuhe Beliebigkeit dessen, was der Einzelne als Wahrheit betrachtet – ist in der Tat eines der großen gesellschaftlichen Probleme, Ihre Kritik versumpft aber genau dort, wo Sie Probanden auswählen, die, um es volkstümlich auszudrücken, nahezu jeder für böld hält. Heute bekommen Sie in der Regel noch nicht einmal dann Recht, wenn der Gegenüber die Aussage im wahrsten Sinne des Begriffes nachrechnen kann. Oft genügt ein simpler Dreisatz, um eine Aussage als nicht haltbar zu beweisen, aber anscheinend ist für viele Leute der Dreisatz nicht mehr ein Stück Rechnen am Ende der Grundschule, sondern eine olympische Leichtathletik-Disziplin.

Die Medien sind daran nicht ganz unschuldig, neigen sie doch bei manchen wissenschaftlich kritischen Fragen zu voreiliger Parteinahme und titulieren das als „politische Meinungsbildung“. Die andere Seite erhält kaum Gehör oder wird in der einen oder anderen Form abqualifiziert. Wenn ein Journalist, der keine Physik studiert hat, aber einen promovierten Physiker abkanzeln kann, warum sollte der Leser das nicht auch können? Wiederholen Sie das Experiment doch noch einmal. Aber dann mit Themen, die man nicht unbesehen glauben muss, sondern die man nachvollziehen kann.  – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Den Artikel habe ich mit besonderem Interesse aufmerksam gelesen. Prima und vielen Dank für die umfassende „Erklärung“ und die „Hintergründe“ für den Wahlverlauf in Heilbronn. Wie bekannt, ist dieser leider keine Ausnahme in/für BaWü…. Auch wir leben in einem Wahlkreis (Reutlingen) bzw. in der „Kleinstadt“ Münsingen mit rd. 14,5k Einwohnern. Die Stadt wird als Mittelzentrum zwischen Reutlingen und Ulm/D. beschrieben und hat 16 Wahlbezirke. Der AfD-Anteil an Zweitstimmen beläuft sich im WK Reutlingen auf 12,9%, in Münsingen auf 15,7%. Was die Stadt anbelangt, also sehr nah an der % Zahl, welche im Artikel für Heilbronn angegeben wurde. Von den 16 Wahlbezirken in Münsingen, wird in einem Wahlbezirk der „Höchststand“ mit 26,6% angegeben. Mehrere, andere Wahlbezirke belaufen sich teilweise deutlich über 15%.

Zum Vergleich wurden bei der Landtagswahl 2016 (AfD BaWü: 15,1%) für den Wahlbezirk Hechingen/Münsingen auch schon 16,1% bzw. 17,2% für Münsingen für die AfD gezählt. Kurzes Fazit: Spätestens seit 2016 ist bekannt, dass es „ein (AfD) Problem“ gibt. Frage: Was ist danach geschehen? Antwort: Eigentlich nichts! Soweit mir bekannt ist, gab es dazu von keinem Kandidaten für die jetzige Bundestagswahl eine klare An-/Aussage, noch irgend einen konkreten Fokus auf dieses Thema… Offensichtlich wird das alles einfach so hingenommen oder mit der Hoffnung verbunden, dass sich das alles von alleine gibt… Lediglich ein Vertreter des Gemeinderates hat sich im Vorfeld der Wahl zu diesem Thema geäußert. Prima und sehr, sehr lobenswert! Genau wir im Artikel beschrieben, gibt es auch hier eine Vielzahl von Themen, Aktionen, Projekten, Fördermaßnahmen, etc., welche viel mehr, u. a. mediale Aufmerksamkeit, auslösen und darauf liegt der Fokus! Das ist viel einfacher und es ist dadurch auch möglich „die eigene Person (mit einem positiven Thema…?) in den Vordergrund zu stellen“ und sich ggf. dann auch noch nebenbei ein „Denkmal“ zu setzen. Dieses wird ja meistens durch die Allgemeinheit (z. B. Steuern etc.) finanziert. Daneben gibt es jedoch (noch) eine Stelle in der Stadtverwaltung, welche folgendes Aufgabengebiet umfasst:

Flüchtlingskoordination, Integration, Inklusion, Bürgerbeteiligung

Diese ist besetzt mit der SPD Bundestagskandidatin des Wahlkreises Reutlingen (Zweitstimmen 2017: 14,9%). Mit der Integration der Mitbürger, welche offensichtlich für die sehr hohen AfD Anteile in einigen Wahlbezirken in Münsingen stehen, scheint es nicht so gut zu laufen… Hier sollte/muss ein Schwerpunkt der Aktivitäten/Maßnahmen liegen! Das bezieht sich zuerst auf alle die gewählten Vertreter der Gemeinde und wie glücklicherweise hier vorhanden, auch auf die Mitarbeiter, welche in der Stadtverwaltung für definierte Aufgaben angestellt sind und von der Allgemeinheit bezahlt werden. Es gilt Verantwortung zu übernehmen! Nicht nur auf dem „Papier“, sondern in der Tat! Ich bin schon gespannt, was sich ggf. ergibt. Nach dem Motto, welches die Allgemeinheit in diesen Tagen so oft zu hören bekommt: Wir haben verstanden! Wirklich? – Klaus Frankenberger


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

„Flüchtlinge seien meist junge Männer-und die seien in der Kriminalstatistik eben immer stark vertreten.“ Die Erklärung des Kriminologen Pfeiffer wird gerne nachgebetet, belegt sie doch scheinbar ein normales Verhalten. Es wird allerdings immer unterschlagen, daß die relativ hohe Kriminalität in der Vergleichsgruppe der jungen Deutschen überwiegend auf Deutsche mit Migrationshintergrund und Abkömmlingen von osteuropäischen Übersiedlern zurückgeht. Die Konsequenz kann doch nur sein, die kriminellen Asylbewerber im Rahmen rechtlicher Möglichkeiten (die ausgeweitet werden müßten) abzuschieben. Diese Menschen will die große Mehrheit der Bürger nicht in unserem Lande haben. – Karl-Heinz Eckert


Leserbrief zu „»Nationalkonservative gehören in unsere Reihen«“ von Tina Hildebrandt

Frau Aigner spricht stolz von erreichten Zielen: “..wir haben (gegen viele Widerstände) sichere Herkunftsländer definiert”. Und sie sagt dann mit Bedauern: “- wenn auch wegen der Grünen im Bundesrat leider nicht ausreichend viele”. Der Vizevorsitzenden einer angeblich christlichen Partei geht es nicht darum, zu verhindern, dass schutzsuchende Menschen in Länder zurückgeschickt werden, in denen ihr Leben bedroht ist. Ihr erklärtes Ziel ist es vielmehr – unabhängig von der Gefährdungslage – “ausreichend” viele Flüchtlinge abschieben zu können, damit eine willkürlich bestimmte “Obergrenze” eingehalten werden kann. Diese menschenrechtsverachtende Haltung bestätigt sie noch mehrfach im Verlauf des Interviews, u. a. indem sie empfiehlt ins Grundgesetz zu schauen,wo angeblich steht: “Alle die nicht über den Flughafen kommen, sind an der Grenze zurückzuweisen”. Christliche Gebote, Tugenden und Werte wie Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft sind im politischen Alltag – insbesondere bei den Parteien mit dem C im Namen – schon lange auf der Strecke geblieben. – Sven Herfurth


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Ich möchte Ihnen zu diesem Dossier gratulieren, wenn gleich ich glaube, dass der Titel nicht ganz passt: Angst hat die Wahl entschieden und dies nicht nur im Städtle. Diesen Faktor haben alle übersehen, aber Angst war am Wahltag ein bestimmender Faktor: z.B. Angst vor Eigentumsdelikten, schutzlos trotz Polizei, Angst vor körperlicher Gewalt, Angst vor Jobverlust und damit Statusverlusten. Bedenkt man, wieviele von der Autoindustrie abhängig sind, prägt in diesen Tagen dank Dieselaffäre die Angst vor Jobverlust beinahe jeden und gewählt wird der scheinbar starke Mann, die AfD. Das macht so Sinn. Und wer hat dazu Lösungen angeboten: auch die SPD mit Fortbildungsprogrammen, nachdem sie vorher die zeitlich unbeschränkte Sicherheit dank Agenda 2010 genommen hat. Die Agenda 2010 bietet für die Betroffneen keine Sicherheit, zumal man bei der Dieselaffäre auch von Staatsversagen sprechen kann. Und genau deshalb kann die SPD reden, wie Sie will, sie ist nicht glaubhaft.  Sie bietet keine Sicherheit bei Jobverlust. Die Idee, Jobverlust mit Fortbildungsprogrammen zu antworten ist sicher eine Idee und solange man sich Fortbildungsprogrammen unterwirft, zählt das nicht als  Arbeitslosigkeit. Dass z.B. wäre eine Idee. Also nicht nach rechts schauen und dort Themen wegnehmen, das ist keine Antwort. Gefühlte Sicherheit bieten, das ist die Antwort! – Johannes Barth


Leserbrief zu „Legalisiert es!“ von Justus Haucap

Mit einem Hammer kann man Menschen töten. Ist ein gefährliches Werkzeug, dessen Herstellung und Besitz verboten gehört – auch sein gelegentlicher Gebrauch sollte unter Strafe stehen! Ein Auto ist noch vielfach gefährlicher: tausende Tote jedes Jahr! Autos gehörten verboten und ihre Benutzung streng bestraft! Herstellung und Besitz von Cannabis ist ja auch verboten und strafbewehrt – eben wegen der vielen Toten, den massenweise umherstreunenden Psychotikern, den brandgefährlichen Rauschgiftkriminellen, der akuten Gefährdung der inneren Sicherheit und Ordnung, ja der subtilen Untergrabung der freiheitlich demokratischen Grundordnung (= FDG0). Da bemüht sich insbesondere der Deutsche Hanfverband (DHV) seit Jahren um sachliche Aufklärung und von staatlichen Stellen werden hartnäckig immer noch überholte Horrorgeschichten über Cannabis verbreitet (s.z.B.: http://www.lka.polizei-nds.de/praevention/drogen/zehn-gute-gruende-cannabis-nicht-zu-legalisieren-112176.html).

Ob ein „Umdenken“ durch „Aufklärung“ überhaupt funktionieren kann, wenn dogmatischer „Glauben“, pekuniäre „Pfründe“ oder geschönte „‘Aufklärungs’statistiken“ das Feld bestimmen? Ich danke Justus Haucap sehr für seinen überaus überzeugenden Artikel „Legalisiert es!“ und wünsche ihm eine weite Verbreitung! Vielleicht kann er doch ein Stück weit zur Entmystifizierung der jahrtausende alten, außergewöhnlichen Nutz- und Heilpflanze Cannabis in den Köpfen von Dogmatikern und Bedenkenträgern beitragen. Meine Hoffnung bestärkt er jedenfalls, dass auch in Bildungseinrichtungen bald eine andere Drogen“aufklärungs“kultur einziehen möge, die endlich eine Erziehung zur Drogenmündigkeit ernst nimmt – und auch umsetzt. Nicht der Hammer ist das Problem, sondern der Umgang damit! Danke, lieber Herr Haucap! – Ricardo


Leserbrief zu „Nehmt sie auseinander“ von Felix Dachsel

Die Analyse der risikoscheuen SPD leuchtet sofort ein. Felix Dachsel verweist auf risikofreudige Ideen Macrons, schreibt aber nicht, um welche Ideen es sich handelt. Vermißt habe ich, dass nicht wenigstens ein konkreter, riskanter Vorschlag beschrieben wurde. Dann könnte sich der Leser besser vorstellen, welche mutigen Pespektiven die SPD eröffnen könnte. Nur als Beipiel: Initiativen formulieren, die Besitz dynamisch und wesentlich schneller als heute immer wieder neu an die Leistungsträger unserer Gesellschaft, egal ob Arbeitnehmer oder Unternehmer, verteilen. Ein riskantes Beispiel? Ich denke schon! Auch irgend eine andere riskante Zukunftperspektive hätte deutlicher dargestellt, wie risikoscheu die SPD heute ist. – Siegfried Veile


Leserbrief zu „Nehmt sie auseinander“ von Felix Dachsel

So wie es ihrem Autor Felix Dachsel mit seiner SPD geht, geht es mir mit der CDU so. Ich bin eher ein konservativer Typ, habe aber auch schon die SPD (Schröder) gewählt. Der wollte doch genau das, was Ihr Autor sich wünscht. Den Alptraum mit Frau Nahles habe ich mit Frau Merkel. Für mich, müsste sich jede etablierte Partei vom Acker machen, wie das einer von der AfD kürzlich formulierte. Unsere Gesellschaft ist krank gemacht worden. Tausend Dinge müssten geändert werden. Um unser Land wieder gesund und lebensfroh zu gestalten, müssen ganz andere Persönlichkeiten an die Macht. Die gibt es ja, die wurden aber alle entsorgt.  Der unkontrollierte Strom der Flüchtlinge hat dann das Fass zum überlaufen gebracht. Eigentlich müsste man im Nachhinein dankbar dafür sein, sonst wäre es so weiter gegangen. Eine Renovierung reicht nicht aus. Unser Geschäftsmodell muss von grund auf saniert werden. Wenn ich jetzt mit ansehen muß, wer für einen Neuanfang zur Debatte steht, dann bekomme ich erneut einen Alptraum. Die SPD soll sich nicht so zieren und Frau Merkel den Marsch blasen.

Das geht viel besser in der Verantwortung als in der Opposition. Ausser Herrn Oppermann (schwerer Vertrauensbruch) ist mir fast jeder recht. Mit Frau Nahles hätte ich allerdings auch meine Probleme.  Ihr Autor wird viele aus seiner Partei persönlich kennen.  Er soll seinen Freunden versuchen klar zu machen, daß sie ständig auf die falschen Kollegen herum kloppen. Was soll dieser Schwachsinn mit Herrn Schrôder. Der Mann fehlt der SPD an allen Ecken und Kanten. Das Arbeitermilieu gehört der Vergangenheit an. Das müssen die Regionalvertreter übernehmen, den Arbeitern klar zu machen. Hier im Ruhrgebiet sind die Kollegen nicht so unbelehrbar. Ich lebe nicht weit davon.  Das ist leider versäumt worden. Herr Schröder wäre heute noch Bundeskanzler… Mit der Jamaikatruppe wird ohnehin nichts. Selbst wenn die sich nach aussen hin zunächst verständigen. Das ist nur heiße Luft. Die Grünen haben die falschen Leute reaktiviert. Herr Trittin ist die personifizierte Streitfigur für fast alle Politiker. Sein Menschenbild hat wesentlich dazu beigetragen, daß wir heute eine zerrüttete Gesellschaft haben. Vor allen Dingen ist der Mann nicht lernfähig. Ich lebe auch in Singapur. Jedes Mal wenn ich in Deutschland bin, muß ich erst einmal einen Kulturschock überwinden. Ihr Autor soll in die Offensive mit seiner Partei gehen. Das wäre jetzt auch seine Aufgabe. Reden ist jetzt besser als schreiben. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Sicher werden die Aussichten in Deutschland in nächster Zeit nicht mehr so gut werden, wie in den glücklichen Jahren des Wirtschaftswunders. Diese Zeit ist als glückliche Ausnahme anzusehen (insbesondere wenn man den Krieg der Einfachheit halber ausblendet). In der Regel ist die Zukunft eher ungewiss und eben mit Unsicherheit verbunden. Dass Menschen, denen es offenbar im Wesentlichen gut geht, Angst vor der Zukunft haben, weil sie befürchten, dass es ihnen in eben jener Zukunft möglicherweise weniger gut geht, ist für mich kaum zu begreifen. Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Dagegen kann rationale Politik, also eine Politik der Vernunft, kaum etwas ausrichten. Dass Menschen Dritte für ihre (vermeintlich) schlechte Situation oder einfach nur aus Verunsicherung immer mal wieder verantwortlich machen, ist offenbar auch unausrottbar. Ich hatte gehofft, das Deutschland mittlerweile weiter ist.

Auch ich habe ein ungutes Gefühl die Zukunft betreffend. Das Gefühl speist sich allerdings eher aus den Dingen, mit denen die Menschen aus ihrem Artikel ihren Wohlstand verdienen, namentlich großvolumige Autos mit Verbrennungsmotoren und Handfeuerwaffen. Beide sind dazu geeignet, die Klimaveränderung und Kriege weiter zu befeuern, und so letztlich den Flüchtlingsdruck noch zu erhöhen. Die zitierten Bürger aus Heilbronn fühlen sich offenbar als (zukünftige) Opfer, dabei sind sie eher Täter. Vielleicht denken sie noch einmal darüber nach, womit sie ihr Geld verdienen, und was die Folgen davon sein könnten. – Till Borchert


Leserbrief zu „Totalausfall“ von Thomas Kerstan

Unsere Schulen sind in allen Bereichen schlechter aufgestellt als die Politik wahrhaben will. Das predige ich seit über 20 Jahren. Nicht nur im Unterrichtsausfall. Irgend eine Pädagogin ist immer krank. Die überwiegende Anzahl der Pädagoginnen sehen ihren Job als zusätzliche Einnahmequelle. Das ist das einzige was die Politik weiß. So erklären sich auch die niedrigen Gehälter. Deswegen gibt es auch so wenig Männer. Ein fataler Fehler. Ich kann nur von NRW sprechen. Ähnliche Klagen höre ich aber auch in anderen Bundesländer. In Berlin muß es besonders schlimm sein. In unserer Schulkultur wurde alles mögliche veranstaltet, nur gelernt wurde nicht. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Den Beitrag “Städtle in Angst” zu lesen, ist es ein ganzes Die Zeit-jährlicher-Abo wert. Kompliment an die Autoren. – Lilia Bevilacqua


Leserbrief zu „»Nationalkonservative gehören in unsere Reihen«“ von Tina Hildebrandt

Als 60-jähriger Bayer – so alt wie die CSU ohne Unterbrechung regiert – überrascht mich die Analyse von Frau Aigner zum Bröckeln der absoluten CSU-Mehrheit. Meiner Meinung nach sind neben dem Hin und Her in der Flüchtlingsfrage und dem Verhältnis zur CDU noch folgende 3 Punkte entscheidend: Die CSU hat auf allen Ebenen zu wenige kluge und wertkonservative Persönlichkeiten in ihren Reihen. Das reicht einfach nicht mehr für die absolute Mehrheit. Inzwischen gefährdet die CSU-Allmacht mit ihrer neo-liberalen Wirtschafts-und Verkehrspolitik die Schönheit unserer bayerischen Heimat: Während man früher im Ruhrgebiet die Industriebauten noch ordentlich eingrünte, setzt man in Bayern an jede Autobahnausfahrt und an jeden Ortsrandkreisel ungeschützt die gewerblichen und landwirtschaftlichen Hallen in die Landschaft. Und daneben in der Feldflur und in den Gewässern ist kein Leben mehr. Die CSU ist längst nicht mehr die Partei der kleinen Leute. Sie redet zwar immer davon, aber gerade die kleinen Leute registrierten doch, dass die CSU immer dann am heftigsten widersprach, wenn die GroKo von den Arbeitgebern und Reichen etwas mehr fordern wollte. – Erwin Engeßer


Leserbrief zu „»Wer macht schon keine Fehler?«“ von Lisa Nienhaus

Herr Ackermann ist sicher kein Sympathieträger und, wie viele andere Manager auch, frei jeder Verantwortung. Schuld sind immer andere. Nachdem ich die ersten Absätze des Artikels gelesen hatte, beschlich mich ein bekanntes ZEITgefühl. Aggressivität. Auf Seite zwei des Artikels fand ich die Erklärung. Lisa Nienhaus. Sie hatte sich schon bei Herrn Schäuble disqualifiziert. Warum tut sich die ZEIT das an? – Harald Harders


Leserbrief zu „Gönnen können“ von Peter Dausend und Katja Berlin

Vielen dank für diesen hoffnungsvollen Artikel. Es gibt derzeit leider nur wenige davon. Ich würde mich freuen, wenn die Parteien diesen Weg einschlagen und damit in Deutschland und Europa eine grundlegende Veränderung bewirken. SO könnte sich unsere Gesellschaft für die Zukunft neu aufstellen. Diese Verhandlungseinstellung sollte umsichgreifen und zum Leitbild zukünftiger Debatten und Lösungsfindungen werden. Tatsächlich: hoffen wir auf eine bessere Welt – und arbeiten daran. – Eberhard Goette


Leserbrief zu „Kämpft für Europa!” von René Obermann

Was qualifiziert Rene Obermann (der im wesentlichen den Niedergang der Deutschen Telekom zu verantworten hat) den Lesern der Zeit das Thema Europa näher zu bringen? Darf jede/r die/der im Herausgeberrat sitzt auch Journalist spielen? In letzter Zeit häufen sich die fragwürdigen Inhalte leider ein wenig (siehe auch die Leserreaktionen auf das abstruse Forum für V. Ferres). – Simon Zabel


Leserbrief zu „Massenmörder ohne Motiv?“ von Kerstin Kohlenberg

Ihre Berichterstattung über das Massaker von Las Vegas erfüllt nur bedingt einen ebenso seriösen wie kritischen Journalismus: Waffen, zumal in der menge, anzuhäufen, ist das eine; über diese „Besonderheit“ der USA reden jetzt hier alle wieder mal ausgiebig. Individuelle Schießwut ist das andere: Das ist nicht weit weg von Amoklauf – eine Äußerungsart, wie wir sie insbesondere aus den USA kennen. Diese Art von Kontrollverlust hat, zumal als Üblichkeit, doch wohl psycho-soziale als gesellschaftliche Ursachen der USA. Darüber aber redet auch eine Zeitung wie ausgerechnet die ZEIT hier kaum: Das finde ich nachlässig. Und dann noch das: Wie des öfteren verwechseln Sie auch hier die USA mit Amerika: Was sollen denn Menschen in diversen anderen Ländern Amerikas denken, wenn sie Ihre Bild-Unterschrift lesen? Was haben sie mit einem Albtraum der USA zu tun? Wieso werden sie dafür vereinnahmt? – Klaus Brake


Leserbrief zu „Sind wir noch Freunde?“ von Georg Blume

Nach der Lektüre von „Sind wir noch Freunde ?“ ihres Autors Georg Blume halte ich die folgende Charakteristik unserer Nachbarn durch Friedrich den Großen immer noch für erstaunlich aktuell, und das nach 265 Jahren. In seinem politischen Testament von 1752 schreibt er: Frankreich sieht es gern, wenn seine Verbündeten die größte Last übernehmen, während ihm selbst nur eine leichte Bürde zu tragen bleibt. Darum heißt es, bei allen Verhandlungen mit dieser Macht auf der Hut zu sein, sonst zieht man den kürzeren.“ Zitat aus:  Friedrich 2013,Mit dem Preußenkönig durch das Jahr, Preußenmuseum NRW. – Birgit Haffner


Leserbrief zu „Zu groß, zu mächtig“ von Götz Hamann

Hier eine kleine Berichtigung: Bei der Zerschlagung von Standard Oil vor 100 Jahren kamen nicht die “Sieben Schwestern” heraus, sondern 34 Ölgesellschaften in den USA. Einige davon zählte man später zu den “Sieben Schwestern”, die den Mineralölmarkt weitgehend kontrollierten. Es waren: Standard Oil of New Jersey (Exxon), Standard Oil of New York (Mobil), Standard Oil of California (Chevron), Gulf Oil, Royal Dutch Shell, Anglo-Persian Oil Company (BP),  und Texaco. Durch Übernahmen und Zusammenschlüsse verringerte sich die Zahl in den letzten 30 Jahren auf vier Gesellschaften: Exxon-Mobil, Chevron (Texaco), BP und Shell. – Sven Herfurth


Leserbrief zu „Wie baut man einen Staat auf?“ von Elisabeth Raether

Nicht nur, dass mir die Auswahl, besonders aber ihr Stil der Beschreibung ihrer Kochexperimente wirklich gefällt-  ihr Essay“ Wie baut man einen Staat auf“ ist eine informative, stilistische und damit journalistische Meisterleistung für mich. Chapeau Nicht nur, dass die Arbeit dieser hartnäckigen Vermittler wie Herr Kobler auf diese Weise exemplarisch gewürdigt werden – was für eine Leistung diese konträren Interessen um Milliardenbeträge wenigstens anzunähern- auch, wie sie knapp und präzise die Aspekte aufsummieren – es beschleicht mich das Gefühl dass ähnliche Aktionen und politische Notwendigkeiten in anderen Teilen unserer zerrütteten kleinen Welt noch ganz andere Bedarfslagen haben. Und doch bleibt die Frage offen- welche Macht des „Westens“ profitiert denn nun in Lybien? Ihnen noch viele weitere ähnliche Einblicke in die politische Realität in “Anderland“ . – Thomas Herion


Leserbrief zu „Mit der Flut kamen die Mücken“ von Jakob Simmank

Gerade habe ich Ihren Artikel angefangen zu lesen. Nur angefangen weil schon in der ersten Spalte zwei Zahlenangaben mein Erstaunen weckten. 90 Billionen Liter auf die Flächen von Houston? 90 Billionen Liter sind 90.000 Kubik-Kilometer. 1.000 x 1.000 x 1.000 Meter. Die Ostsee hat nur ein Volumen von 21.631 km3. Und das auf die Fläche von Houston? Houston wird mit 1.700 km2 angegeben. 90.000 km3 auf 1.700 km2 verteilt ergäbe eine Höhe des Wassers von 53 km! Da liegt wohl ein Fehler vor.

Dann kommt der Spatz. Wenige Milliliter Blut sollen ihm abgenommen worden sein? Soviel Blut hat er gar nicht. Ein Mensch wiegt etwa das 3.000 fache eines Spatzen. Wenige Milliliter beim Spatzen wären also 3 bis 9 Liter Blut beim Menschen. Damit wären Spatz wie Mensch im eigentliche Sinne vollständig blutleer.

Irgend jemand sagte mir mal: Journalisten haben kein Verhältnis zu Zahlen – sie könnten nicht mal ihren Stromzähler richtig ablesen. Das Vorurteil soll hier doch nicht bestätigt werden? – Reinhard Schmidt-Moser


Leserbrief zu „Die wollen uns umbringen“ von Alard von Kittlitz

In Ihrem Artikel über Chemtrails machen Sie die so ernste Thematik so lächerlich – daran glauben Ihrer Meinung nur Astrologen und Arbeitslose. Viele Menschen haben große Ängste, auch mich hat Herr Dr Klinghardt überzeugt, meiner Borrelioseerkrankung mit einer Schwermetallausleitung beizukommen. Er arbeitet in Deutschland und den USA und warnt immer wieder vor der Belastung dieses Flugzeuge-Fallouts. (vor einigen Monaten haben selbst Sie bereits über Chemtrails geschrieben… im Konjunktiv zwar aber doch als reale Möglichkeit, dem Klimawandel beizukommen)  Selbst wenn die Chemtrail-Debatte Humbug wäre, müsste man verantwortlicher mit dem Thema umgehen.  Sie haben sich für mich mit der Bösartigkeit und Dummheit dieses Artikels als ernstzunehmende Zeitung völlig disqualifiziert. – Sonja Fröhlich-Graf


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Das ist das bisher Ausgewogenste – ja, das Beste -, was wir bisher über den „Dunst“ der AFD gelesen haben. – Christel und Gunter Herden


Leserbrief zu „»No pasarán!«“ von Ulrich Ladurner

Die durchklingende Sympathie für die Sezession Kataloniens ist merkwürdig und nicht ganz nachvollziehbar. Innerstaatliche Autonomie, mehr Föderalismus und ein entsprechendes Maß an Subsidiarität sollten im Vordergrund stehen, aber nicht Abspaltung. Es ist Ambivalenz und mehr als ein Hauch von Schizophrenie zu spüren, wenn Brüssel zwar einen Zentralstaat zu konstruieren beabsichtigt, aber zahlreiche Regionen die staatliche Unabhängigkeit anstreben. Wie würde Deutschland reagieren, wenn sich beispielsweise Bayern dem Berliner Zentralismus und dem damit verbundenen Finanzausgleich entziehen möchte oder gar Berlin-Kreuzberg den Freistaat Klein-Türkei ausruft? – Martin Behrens


Leserbrief zu „Sind wir noch Freunde?“ von Georg Blume

Der Artikel enthält interessante Einzelheiten auf hohem (Zeit-) Niveau. Titel und Schlussfolgerung dürfen aber nicht unwidersprochen bleiben.

  1. Der Autor behandelt Frankreich als den kleinen Bruder Deutschlands. Er versucht, seine Gesprächspartner zu belehren, der deutsche Oberlehrer spricht aus jedem seiner Sätze. Niemand will aber von oben herab belehrt und gegängelt werden.
  2. Die hochrangigen Gesprächspartner ( G.Cette und T.Breton) haben mit ihrer Analyse recht- vom volkswirtschaftlichen wie auch vom politischen Standpunkt aus ( z.B. notwendige Investition statt der schwarzen Null)
  3. Der französische Präsident ist gleichzeitig Visionär und Macher – eine äußerst seltene Mischung bei Spitzenpolitikern.
  4. Glücklicher Weise gibt es viele positive Verbindungen zwischen deutschen und französischen Vereinen – ein Rückgrat der Freundschaft, die weit über eine Zweckehe hinausgeht.
  5. Macron ist überzeugter Europäer und ein Freund Deutschlands. Sein Wunsch nach der Stärkung Kerneuropas ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen in Europa und der Welt nicht nur nachvollziehbar, er erkennt eine absolute Notwendigkeit. Damit ist Macron nicht nur ein Glücksfall für Europa, sondern auch für Deutschland. – Ulrich Deisenhofer

Leserbrief zu „Sind wir noch Freunde?“ von Georg Blume

Ich möchte den Worten meines Mannes hinzufügen, dass mich der Anfang des Artikels etwas befremdet hat. Die Ansprache „Mein lieber Freund“ wäre zwar nicht so herzlich, aber  „Cher ami“ klingt ganz anders, und dass es nur herablassend gebraucht wird, ist mir neu. Übrigens, was würden Sie, Herr Blume, als Alternative zu „Chère Angela“ vorschlagen? Aber ich bin ja nur „native Speaker“ (immerhin mit Studien Abschluss an der Sorbonne) und dass mir des Öfteren Deutsche beweisen wollten, sie würden besser Französisch können als ich, ist immer wieder vorgekommen. Oberlehrer Mentalität? Der Artikel ist sicher nicht geeignet freundschaftliche Gefühle Deutschland gegenüber in Frankreich zu stärken. Man kann nur hoffen, dass wenige Franzosen ihn lesen werden.

Zu dem Thema des Artikels, und besonders betrüblich, ein  Artikel im Nouvel Obs Plus online heute (Zufall!) zum Thema: Studium für eine Französin in Deutschland (Berlin) nach Erasmus unmöglich. Erschreckend! Zu meiner Zeit vor 50 Jahren war es so aber ich hatte naiver Weise gedacht, es sei jetzt ganz anders. – Nicole Deisenhofer


Leserbrief zu „Arbeit ist ihnen heilig“ von Angela Köckritz

Ihren Artikel über die Mouriden im Senegal habe ich mit großem Interesse gelesen. Was Sie darin beschreiben erinnert mich sehr an die M’zabiten in der algerischen Sahara, in der Pentapolis der Oasenstadt Ghardaia. Auch diese eine religiöse islamische Minderheit, ursprünglich aus Djerba stammend. Im 11.Jh. nach Vertreibung durch die orthodoxen Ibaditen in der unwirtlichsten Region der Sahara schließlich seßhaft geblieben, haben sie diese zu einer blühenden Landschaft gemacht. Heute dominieren sie das Wirtschaftsleben Algeriens, haben wie die Mouriden eine weitgespanntes Netzwerk in alle Welt mit strengen Verhaltensregeln. Vielleicht sehen Sie sich’s mal an oder schreiben über die etwas, würde mich freuen. – Dr. Stanzl


Leserbrief zu „Über die politische Botschaft des Toastbrots“ von Harald Martenstein

Ich bin so sauer! Auf Sie! Seit Wochen wird in der Zeit ein Bild von „den Ossis“ vermittelt, welches ich nicht ansatzweise teilen kann. Voller dummer Klischees und langweiligem Schubladendenken. Wenn Sie nach solchen Dingen suchen, können Sie diese natürlich finden, jede Woche auf´s Neue. Aber warum machen Sie das? Warum hetzen Sie? Was soll das? Labbriger Toast als Synonym für den Osten? Soll das ein Witz sein? Überall, ob im Osten oder im Westen, gibt es Menschen, die Sie in Schubladen stecken können, die AfD wählen oder seltsame Eigenschaften besitzen. Aber es gibt auch andere Menschen. Sogar im Osten!!! Hier lebt es sich bunt und überaus angenehm. Es gibt jede Menge positive Dinge zu berichten und wunderbare Menschen, die man porträtieren könnte. Wie wäre das mal zur Abwechslung? Kein Interesse? Es würde ja nicht dem Bild vom Osten entsprechen, das Sie so gerne vermitteln. Bei uns spielt „Ossi und Wessi“ kaum eine Rolle, da sind wir anscheinend schon weiter als Sie bei der Zeit. – Corina Dölling


Leserbrief zu „Städtle in Angst“ von Nicola Meier, Tanja Stelzer und Björn Stephan

Mit großem Interesse habe ich ihr Dossier gelesen. Festzustellen ist, dass Sie einige wenige beispielhafte Persönlichkeiten und Lebensgeschichten herausgearbeitet haben, um um Verständnis zu werben für AfD -Wähler und ihre emotionalen Beweggründe für ihr Handeln. Dass bei uns (Bayern) gerade auch in den etwas wohlhabenderen Gegenden durchaus AfD gewählt worden ist, ist mir aufgefallen. Was mir in ihrer Darstellung allerdings fehlt. ist, dass wenn wir, wie von ihnen sehr treffend dargestellt, von der „Angst vor Kontrollverlust “ sprechen, hier von Urängsten reden. Diese sind so alt wie die Menschheitsgeschichte, beginnen mit dem ersten Atemzug und dem durchtrennen der Nabelschnur und bedürfen keines speziellen Auslösers. Die Angst zu verlieren, was man „hat“ , sei es materieller Besitz, Sicherheit, soziale Integration, Frieden, steigt mit der Menge des „Besitzes“ und diesen zu teilen oder in Gefahr zu sehen fällt zunehmend schwer.

Dass sich die AfD in unserer Kultur diese Verlustängste so spielend leicht und unreflektiert zu nutze machen kann, sollte stutzig machen – aber dafür reicht uns vielleicht die Zeit der gebündelten Aufmerksamkeit nicht mehr aus. Es wirkt schon beinahe chic, wenn man sich für unmenschliches und egozentrisches Denken und Handeln nur eine passende Gemeinschaft von Gleichgesinnten suchen muss und schon kommt man mit der eigenen Angst besser voran im innergesellschaftlichen Ranking und wird zum neuen Stern am Himmel. Die selbstverständliche Mitmenschlichkeit gegenüber Schwächeren und Bedürftigen ist in unserem christlichen Abendland noch nicht verloren gegangen. Ihre Gegner bekommen nur leider grade sehr viel mehr Gehör als die Masse der Menschen, die immer noch in dem anderen ihren Nächsten sehen. – Ane Trümpelmann


Leserbrief zu „Totalausfall“ von Thomas Kerstan

An einem Gymnasium in Baden-Würrtemberg kann es keinen Ausfall von nur 10 % der Stunden geben. Ich war bis zur meiner Pensionierung mit Vertretungsplänen befasst, über 25 Jahre und ich werde es Ihnen begründen. Auch das Etikett „vollständige Unterrichtsversorgung“, das nun vor den Koalitionsverhandlungen durch die Presse geistert, halte ich für Augenwischerei. Auch das angeschlossene Interview mit H. Tim Kubalek geht von geschönten und nicht zu verallgemeinernden Behauptungen aus: Es stimmt zwar, dass Vollzeitkollegen bis zu 3 unbezahlte Zusatzstunden im Monat leisten müssen, aber der hohe Anteil an Teilzeitkräften mit verringertem Deputet muss das nicht !Und diese kann man dann nicht zu mehr als einer Unterrichtsstunde heranziehen. Aufsicht ja, aber das ist ja nicht gewollt.

Die Schüler am Gymnasium haben heute im Schnitt ca 34 Pflichtstunden, was bedeutet, dass mindestens 4 Stunden nachmittags liegen, plus AG-Stunden oder Stunden vom Ganztagsangebot, die freiwillig sind.

1) Wenn ein Kollege ausfällt, der in einer Klasse nachmittags unterrichten soll, bekommt man dafür keinen anderen Lehrer als Ersatz. Der Unterricht entfällt. Dies gilt auch für Randstunden (6.Stunden) .

2) Da die Eltern nicht wollen, dass die Schüler an einem Vormittag 6 verschiedene Unterrichststunden haben mit 6 mal Hausaufgaben und 6 verschiedenen Büchern, werden die Stunden in der Regel als 3 Doppelstunden gefahren. Also muss zB  im Krankheitsfall die 5.+6. Stunde vertreten werden. Kollegen, die diese Doppelstunde (5+6) nicht unterrichten, haben nach der 4. frei und gehen nach Hause, also ist niemand verfügbar. Konsequenz: beide Stunden am Rand entfallen.

3) Wenn am Tag vorher schon klar ist, dass die 3.und 4.Stunde zu vertreten ist, kann man schauen, ob ein Kollege 3. und 4. Stunde , oder der eine die 3. , der andere die 4. frei ist. Aber durch das Fachlererprinzip ist es unwahrscheinlich, dass er gerade diesen Unterricht fortführen kann. ZB Sportlehrer krank: Die Englischlehrerin der Klasse kann keinen Sport unterrichten, sie kann eventuell in der Turnhalle hoffen, dass ein anderer Sportlehrer  Sportgeräte zum Spielen ausgibt. Sie kann auch kein Englisch unterrichten, denn im Sport (männlicher Sportlehrer fällt aus) sind die Gruppen geschlechtergetrennt, und die zu beaufsichtigende Jungsgruppe besteht nur zum Teil aus eigenen männlichen Schülern, die Mädchen haben ja regulär Sport, sind aber auch a/b gemischt. Fällt zB Erdkunde aus, kann die Englischlehrerin 2 zusätzliche Englischstunden unterrichten.Hat sie aber halbes Deputat, muss sie nur eine unterrichten, und kann die andere verweigern. Vielleicht macht sie dann Aufsicht.

4) Meist sind aber mehrere Lehrer absent. Dann wird vorrangig der Unterricht der unteren Klassen versorgt, und der der Klassen ab 10. entfällt. Sie haben „Selbstbeschäftigung“ . Manche lesen, wenige üben oder bereiten die nächste Stunde vor, gehen in die Bibliothek, die meisten chillen mit ihrem Smartphone.

5) Kommt morgens erst die Absenzmeldung (Kind ist krank geworden, Kollege ist krank geworden), ist sinnvolle Ersatzregelung meist nicht möglich.Die Kollegen, die vielleicht gerade passen würden und frei sind , kommen erst später, haben schon frei, haben einen freien Tag (reduziertes Deputat) , könnten angerufen werden, aber wohnen zu weit weg.

6) Manchmal kann man den Nachmittagsunterricht vorziehen, aber dann fällt der vorgezogene Nachmittagsunterricht aus.

7) Die Vorstellung der Eltern, dass Kollege A beim Kollegen B einfach weitermachen kann, ist blauäugig. Wenn ein Fachkollege keine Möglichkeit hat, vom ausgefallenen Fachkollegen genaue Anweisungen zu bekommen, was er gerade machen kann, dann wird er irgendwas Füllendes machen. Ja, Wiederholen kann man immer, aber für A ist es einfacher und nervenschonender (er kann die fremden Schüler ja gar nicht mit Namen ansprechen, da er sie nicht kennt) die Schüler nur zu beaufsichtigen. Die Schüler wissen ganz genau, dass der einspringende Lehrer sie nicht kennt, ihnen auch keine Noten geben wird und kann, also wird dies das Engagement der Schüler bremsen.

8) Einspringende Personen von außerhalb , wie sie H. Kubalek im anschließenden Interview erwähnt, sind nur möglich, wenn diese am telefon erreichbar sind und nicht zu weit weg wohnen.

Eine Lösung wäre nur denkbar, wenn die Lehrer, wie in anderen Berufen,für  ihre Arbeitszeit von 38 Zeitstunden in der Schule präsent wären , und nicht nur 25 mal 45 min (ca 20 Zeitstunden, das sind nur 53 % der Arbeitszeit) . Aber da würde die Lehrergewerkschaft Sturm laufen. Fazit: Zu glauben, dass bei diesen Randbedingungen der Unterrichtsausfall unter 30 % gedrückt werden könne, ist kaum vorstellbar nach meinen Erfahrungen. – Alois Lienhard


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Als ich gestern bei meinen Eltern das Zeitmagazin vom 1. Oktober aufgeschlagen habe, bin ich beinahe vor Fassungslosigkeit vom Klo gefallen. Was soll diese kolonialistische Vase von Christa Seya? Ist die ironisch gemeint? Ein lustiger hohler Mohrenkopf, der auf dem Kopf steht, in dem ich meinen kuratierten Wiesenblumenstrauß arrangieren soll ist das gefühlt einzige Bild einer Schwarzen Person im Zeitmagazin in den letzten 100 Ausgaben?!Das stimmt Sie heiter und glücklich, Frau Beermann? Und was soll Erich Kästner damit zu tun haben? Mir fällt dazu einiges ein! General von Trotha wäre wohl die passendere Referenz gewesen…Oder gehen Sie mit dem politischen und gesellschaftlichen Zeitgeist und versuchen nun eine neue Zielgruppe zu erschließen und die „rechte Flanke“ zu schließen? Das Zeitmagazin ist mir nie durch besonders differenzierte Produktplatzierung aufgefallen, aber die Vase ist eindeutig der geschmackloseste Dekoartikel, den ich seit langem gesehen habe. Schlimm, wenn man so einen rassistischen Schrott auf dem Flohmarkt sieht, aber dass Sie einer „Designerin“, die „lustige N….“ Wohnaccessoires aus den 30er Jahren wieder auflegt und für 1070 € verkauft, mit dem Zeitmagazin unkritisch eine Plattform bieten, das ist einfach nur abartig! – Galatea Ziss

 

28. September 2017 – Ausgabe 40

Leserbrief zum Titelbild „Fluch der Karibik“

Chapeau! an den oder die Ideenkopf/köpfe, welche das neue Titelbild der Ausgabe 40/2017 kreiert haben. Das Wahlergebnis konnte nicht passender dargestellt werden. Diese Variante des Fluches der Karibik spricht an, macht sofort Lust zum Weiterlesen und Denken. Vielen Dank! einfach genial! – Petra Baier


Leserbrief zum Titelbild „Fluch der Karibik“

Ich schreibe ja nie Leserbriefe, aber zu diesem grandiosen Titelbild muss man euch wirklich gratulieren! – Adriane Gunzer


Leserbrief zum Titelthema „Fluch der Karibik“

Zu Ihrem Titel „Fluch der Karibik“ möchte ich Ihnen ganz herzlich gratulieren. – genial auf dem Punkt! Das hat mich bewogen die Zeit wieder regelmäßig zu lesen. Danke, …. – Thomas Harms


Leserbrief zum Titelbild „Fluch der Karibik“

Volltreffer ! Kompliment! Wolfgang Walczynski


Leserbrief zum Titelthema „Fluch der Karibik“

Es war ein in vieler Hinsicht seltsamer Wahlabend. Denn nachdem das eingetreten war wovor man uns permanent gewarnt hatte wurde uns jene überraschende Erkenntnis nun als Neuigkeit verkauft. Die Angst vor der AFD ging um oder besser gesagt die Angst vor dem Volke, welches ganz nebenbei gesagt nur zu knapp 13 Prozent die AFD gewählt hatte. In meinem Wohnviertel hatte das Schreckgespenst der Politik seltsamer Weise nur knapp sieben Prozent erreichte. Enorm vergleicht man die Anzahl der Flüchtlingsheime hier mit jenen in den nobleren Nachbarvierteln – da kennt man den Begriff Flüchtlingsunterkunft dank Jamaika Koalition im Rathaus nicht. Man ist Gutmensch aber bitte nicht in der eigenen Nachbarschaft. Politiker der etablierten Parteien haben sich hier auch nicht sehen lassen. Wozu auch.

Dank der Schröderschen Agenda hat man vor gut Zwanzig Jahren mit einem Teil der Bevölkerung abgeschlossen und ein großer Teil der Bevölkerung hat nun mit der Sozialdemokratie abgeschlossen. Ich kann mich noch gut daran erinnern wie der Schatten Geschäftsführer einer dubiosen Firma zu Beginn der Zweitausender uns Mitarbeiter tagtäglich mit der Drohung begrüßte „Hartz 4 wartet auf euch“! Die Demokratie in Deutschland scheitert letztendlich an der täglichen Wahrnehmung vieler Menschen bezüglich der Seriosität der Politik als auch der selbsternannten Eliten. Da kostet eine Busfahrt von fünf Minuten vom Kölner Westen ins benachbarte Frechen 3,80 €, aber die Grünen fordern den Umstieg in den ÖVP, welcher in Köln mehr schlecht als recht funktioniert. Dank Jamaika. Da wird man selbst Opfer eines Taschendiebstahls in nahe gelegenen Einkaufscenter, aber das ist alltäglich. Fahrräder werden am helllichten Tag geklaut. Alles ganz normal. Bekannte aus den besseren Wohnvierteln berichten grinsend von einer permanenten Polizeipräsenz. Spaziert man an den Flüchtlingsunterkünften vorbei und lauscht dem Betreuungspersonal als auch den Betreuten so stellt sich oft die Frage wer von wem Deutsch lernen könnte und warum man die Geflüchteten nicht von „adäquaten “ auch deutschen Personal betreuen lässt als Zeichen einer gewünschten Integration abseits des neoliberalen Gedankens „Hier sind die Billigjobber der Zukunft“! Wenn wohl knapp achtjährige weibliche Flüchtlingskinder ohne Kopftuch in besten Deutsch sich einem Aufpasser mit fragwürdigen Deutschkenntnissen bezüglich ihres fehlenden Kopfschmucks rechtfertigen sollen bleibt nur ein Schmunzeln ob dieser Politik.

Jamaika wird die Reichen reichen machen und die Kluft noch mehr wachsen lassen. Wir werden das rheinische Braunkohlerevier schließen und stattdessen Billig Kohle aus der Türkei und China importieren oder gar aus Australien. Da opfert man das Great Barriere Riff für die Kohle. Die Grünen sind sozusagen der Ablassbrief für eine fragwürdige Gesinnung. Das passt auch gut in die Gesinnung von FDP Chef Lindner welcher mit dem Begriff sozial so seine Probleme hat. Die AFD und ihre Protagonisten sind mir gänzlich unsympathisch und Deutschtümelei ist mir ähnlich unangenehm wie jenes Grüne selbsternannte Gutmenschentum. Dazwischen sollte aber Platz für eine Politik sein welche sich nicht einer ZweiDrittel Gesellschaft verschreibt. Mit Wehmut erinnere ich mich daran wie ich als Kind den Wehnerschen Auftritten im Bundestag lauschte. Hätte die AFD Fraktion sich den Auslassungen eines Herbert Wehner ausgesetzt. Wahrscheinlich schon, aber nicht ohne Magengrummeln. – Elmar Schwarz


Leserbrief zum Titelbild „Fluch der Karibik“

Lange nicht mehr so gelacht. Das ist einfach genial! Glückwunsch an den  Ideenliferanten und auch an die Technik ! – Gisela Claus


Leserbrief zum Titelbild „Fluch der Karibik“

Ich habe einen Vorschlag für den Tag der ZEIT am 7.Oktober: Können Sie die Titelgrafik nicht allen Teilnehmern als Extradruck überreichen? Smeteks Werk ist einfach Klasse! – Helmut P. Hagge


Leserbrief zum Titelbild „Fluch der Karibik“

Die Piraten, das war einmal. Jetzt kommen die Korsaren – eine schöne Viererbande! Mutti mit der Augenklappe, also blind auf dem linken Auge,  Horsti mit dem rechten Haken, Chris nach dem erfolgreichen Kapern in Farbe und Cem mit Jakob auf der Schulter – sehr gelungen! Ob der Kanonendonner verhallt, sich der Wahlschlachtenlärm verzieht, der Himmel aufklart? Oder ob sich die zum Erfolg Verdammten, Karibik-Verfluchten verirren, monatelang ohne Kompass herumirren und irgendwann vor Madagaskar liegen? – Dr. Klaus Cordes


Leserbrief zu „Das Letzte“ von Finis

Käthe Kollwitz´ 150. Geburtstag nutzt Ihr Autor, um trotz aller Ironie deutlich die herausragende Bedeutung dieser Künstlerin für unsere Gegenwart zu leugnen und Kollwitz´ Kunst in der verstaubten Vergangenheit floskelhaft („Krieg und Kind“) anzusiedeln. Diese Kolumne wird Käthe Kollwitz nicht gerecht, haben wir doch in Ratzeburg mehrfach erleben dürfen, welche Aktualität ihre Kunstwerke besitzen: Allein Kollwitz´ „Klage“ konnten die Jugendlichen unseres Schulprojekts „Go Young“ im Rahmen einer Barlach-Kollwitz-Ausstellung in zahlreichen Tageszeitungen variiert wiederentdecken; die Theodizeefrage, also weshalb ein liebender Gott uns leiden lasse, sowie alle tagespolitischen Ereignisse von Krieg bis hin zur Flüchtlingsnot finden sich in Kollwitz´ Kunst wieder. Jede Tages- und Wochenzeitung, so ein Schüler der Lauenburgischen Gelehrtenschule, könnte mit einem Werk Kollwitz´ als Titelbild aufmachen. – Felix Evers


Leserbrief zum Titelthema „Fluch der Karibik“

In Ihrem Artikel stehen m.E. viele richtige Erkenntnisse und Einschätzungen aber auch sie sind von diesem journalistischen „Zenit-Bazillus“ befallen worden, der allenthalben in den Medien z.Zt. Hochkonjunktur hat. Ich frage sie allen Ernstes: Hat Frau Merkel als Bundeskanzlerin je einmal sich im Zenit ihres Wirkens sonnen dürfen? Und falls sie einmal wirklich diesen sog. Zenit erreicht hatte, da wurde sie zur gleichen Zeit niedergeschrieben, so dass dieser Zenit gar nicht sichtbar wurde. Ihr politisches Handeln und ihre Machtpolitik ist gar nicht darauf ausgelegt irgendwann einmal den Zenit erklimmen zu wollen. Und falls Sie mit Zenit ein gutes Wahlergebnis gleichsetzen – das ist doch ein bisschen dünn!

Ich bin sogar der Meinung, dass dieses Ergebnis für die CDU – gerade vor dem Hintergrund weltpolitischer Verwerfungen (Syrienkrieg und Flüchtlingsproblem, die Euro/Griechenlandkrise, Russlandkrise) und nicht zu vergessen die vierte Kanzlerschaft, die per se eine Wechselstimmung impliziert – gerade wegen Frau Merkel so gut geworden ist. Ja, sie lesen richtig: so gut! Umfragen haben ergeben: ein Drittel der Deutschen ist fremdenfeindlich, wenn nicht sogar rassistisch eingestellt. Die haben endlich ihr zuhause bei der AfD gefunden. Vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass dies endlich auch parlamentarisch dokumentiert wird und damit problematisiert werden kann. Falls der Eindruck entstanden ist, mit meiner Verteidigungsrede Frau Merkel über den grünen Klee loben zu wollen: ganz und gar nicht!

Mich stört eben hauptsächlich die etwas dümmliche, weil extrem vereinfachende Aussage, und zudem eine Aussage, die sie zum hauptsächlichen Sündenbock stempelt: sie hätte ihren Zenit überschritten! Als Frau Merkel 2015 die Grenze für die Flüchtlinge geöffnet hatte, wurde sie bestimmt von Ihnen hochgeschrieben – man konnte schon damals ahnen, dass sie damit Probleme bekommen könnte. Die Probleme sind da, komplexer Natur und sie betreiben Kanzlerin-Bashing mit der ultimativen Argumentationskeule, sie hätte den richtigen Zeitpunkt zurückzutreten verpasst! – Constantin Ungureanu


Leserbrief zu „Nicht sein Land” von Bernd Ulrich

Die AfD macht all das, was Sie und die Politiker verboten haben. Die öffentlich-rechtlichen Wahrheitsanstalten mit Ihrer Moralkeule und die schlauen Printmedien haben die AfD hervorgebracht und stark gemacht. Und das wird so bleiben, solange Sie solche Artikel schreiben. Ihr neues Rezept im Umgang mit der AfD ist nicht zu genießen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Dann lieber grau“ von Benedikt Erenz

In einem Punkt stimme ich mit Ihnen überein: Pedantisch kurzgemähte Rasen in unsere Städten sind nicht mehr zeitgemäß. Ab diesem Punkt sind unsere Meinungen jedoch Lichtjahre voneinander entfernt. Warum diese Grünflächen nicht dafür nutzen, den paar Vögeln und Insekten, denen wir noch nicht mit Pestiziden und durch Habitatraub auf die Pelle gerückt sind, ein Eckchen in der Stadt zugestehen und den Rasen, die Hecke, die Wildblumen frei wachsen lassen und nicht jedes wenige Tage alte Gänseblümchen wieder ummähen? Wie können Sie stattdessen Nachrichten über Biodiversitätsverlust so hartnäckig ignorieren und für das Zuspachteln der wenigen Grünflächen plädieren, die es in unseren Großstädten gibt?

„Diese Leere, wie eine Wüste“, dachte die Amsel beim Anblick des betonierten Marktplatzes und zog sich wieder in ihre Hecke zurück. Wenn Sie mal für einen Moment Ihren anthropozentrischen Tunnelblick verlassen könnten, würde Sie sehen, wie schön und bunt der Horizont hinter jenen Betonmauern und jenseits der Ozeane aus Asphalt sein kann, die Sie so vehement verteidigen. Und sie würden verstehen, warum man jedes bisschen grün in unseren Städten wertschätzen sollte. – Anna Walentowitz


Leserbrief zu „Kippt der NC?” von Astrid Herbold

Warum nicht einen Blick in das benachbarte Ausland werfen? 1.  Österreich: Alle Bewerber für Medizin werden am gleichen Tag in den für das Fach relevanten Fächern geprüft und die besten (derzeit 10%) erhalten einen Platz. 2. Frankreich (u. franz. Schweiz): Alle Bewerber werden zugelassen und nach einem Jahr dürfen nur die besten weiter studieren. – Dr. Gerhard Schaden


Leserbrief zu „Hier spricht das »Mischvolk«“ von Yassin Musharbash

Danke für deinen Artikel. Ich selbst bin Deutsche, obwohl ich mich lieber als Hamburgerin bezeichne, und mein Mann ist Ghanaer. Wir haben uns in Ghana kennengelernt. Ich kenne also tatsächlich sein Land und seine Familie. Um mich das erste Mal in Hamburg besuchen zu dürfen, um mein Land und meine Familie kennen zu lernen, gab es monatelange Visumsarbeit für uns beide. Es schien unmöglich. Nachdem wir geheiratet haben (weil es sonst keine reale Möglichkeit für uns gab zusammen zu sein, außer ein Kind zu zeugen) hat uns der Visumsantrag auf Familienzusammenführung sieben unwissende Monate gekostet. Plötzlich von einem Tag auf den anderen bekam er sein Visum und konnte kommen.

Ich fragte mich viel in den ersten drei Jahren unserer Beziehung, ob mein Land, Deutschland, es mir wirklich so schwer macht? Ob mein Land mir wirklich mit allen Mitteln probiert klar zu machen, dass ich mich nicht in den Mann verlieben darf, in den ich mich nun mal verliebt hatte? Ich weiß, dass viele binationale Paare an Visumsprozessen zerbrechen, und das ist pure Absicht von Deutschland. Noch mehr gilt meine Empathie und meine Fassungslosigkeit jedoch Flüchtlingen. Menschen, die ihr fundamentales Menschenrecht wahrnehmen, und denen dies schwer bis unmöglich gemacht wird. Mein Mann und ich wollten bloß zusammen sein. Klar würde ich romantisch sagen, dass ich ohne ihn nicht hätte leben können. Aber das ist nichts und auch garnichts im Vergleich zu der Situation von Flüchtlingen. Habt ihr euch mal gefragt, warum es so viele Flüchtlinge gibt und ob der Grund dessen irgendetwas mit Deutschland zu tun hat? Hätten die Leute das im Hinterkopf, so würde ganz anders über Flüchtlinge, Fremde und Andere gesprochen werden. Auf der anderen Seit gibt es Menschen, die viel weniger „deutsch“ aussehen als du, vielleicht aber viel „deutscher“ sind. Man sollte da immer vorsichtig sein mit zu schneller Einordnung in eine Schublade.

Nun erwarten wir unser erstes Kind. Unser Kind wird auch zum „Mischvolk“ zählen. Es wird wunderschöne braune Haut haben (andere rennen dafür ins Solarium um sich grillen zu lassen). Ich bekomme ein Kind in meinem Land und frage mich, was mein Land meinem Kind für Probleme bereiten wird, nur weil es offensichtlich anders aussieht.

Nebenbei ist mein Mann auch Moslem. Das heißt, dass er den Islam praktiziert. Ich selbst glaube an nichts, wie so viele in meinem Alter. Leider wird in den Medien zu oft Islam mit Islamismus verwechselt. Vor dem Islam muss niemand Angst haben. Das ist zwar anders, aber nicht böse, liebe Leute. Alle Menschen, die an den Islam glauben, als Islamisten zu bezeichnen, das ist gefährlich. Die in Deutschland lebenden Moslems haben nicht die Absicht, das Land zu übernehmen. Auch davor muss niemand Angst haben. Vielleicht täte es der Mehrheit gut, Moslems kennen zu lernen, anstatt nur von außen mit dem Finger zu zeigen und aus Unwissenheit heraus große Aussagen zu formulieren.

So, wie es peinlich war, mit anzusehen was in den USA bei der letzten Wahl passiert ist, so ist es nun peinlich, das Wahlergebnis in Deutschland zu betrachten. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zum Titelbild „Fluch der Karibik“

Das Titelfoto ist herrlich. Genial! Sagt mehr als alle Worte. Der nach dem Wahldebakel zerzauste, freistaatlich-bayerische Obergrenzen-Wächter Seehofer, die nach verheerenden Verlusten gebeutelte wir-schaffen-das-Kanzlerin Merkel, der wiedererstarkte ein-FDP-Mann-Heros Lindner und der nach-allen-Seiten-sich-neigende Özdemir zusammen in einem Boot? – das kann nicht Volkes Wille sein, der einer bürgerlich-liberalen Mitte, den bürgerlich-konservativen und rechtskonservativen Parteien zu einer satten Mehrheit von 420 Sitzen im Bundestag verholfen hat. 289 Sitze bleiben den Sozialen, Sozialisten und Grünen noch übrig.

Ausgerechnet die kleinste Partei mit gerade mal 67 Abgeordneten und ihrem Wahlziel, dem guten, alten Benzinauto ein jähes Ende zu bereiten, soll jetzt das Zünglein an der Waage sein? Na denn! Eine Koalition aus CDU/CSU, AfD und FDP käme dem Wählervotum am nächsten und würde auch rechtspopulistische Strömungen zu zähmen verstehen. Da bedürfte es dann auch keines alternden ´Dompteurs´ auf dem künftigen Sessel des Bundestagspräsidenten. Aber die wie Phönix aus der Asche und demokratisch gewählt in den Bundestag ziehenden Alternativen werden jetzt ja genauso dämonisiert, wie es einstmals den Grünen und später den Linken widerfuhr. „Niemals!“ käme eine Koalition der Bürgerlichen mit den grünen Chaoten oder den PDS-Nachfolgern in Frage.

Ich höre es noch in den Ohren schallen. Selten so gelacht. So viel Heuchelei und Realitätsverlust via erneuter Machtspielchen und Umgehen des Wählerwillens, dazu Bejubeln der eigenen Untergangsszenarien durch die ´großen Volksparteien´, war nie zuvor. Auf, gen „Jamaika“! – und mit wehenden Fahnen und Jubelgeschrei hineingestürmt in den politischen Hurrikan, der am schwarz-gelb-grün erleuchteten Horizont schon aufzieht! Die nächste Wahl kommt bestimmt. – Axel Spellenberg


Leserbrief zu „Noch eine Alternative?“ von Mariam Lau

Lassen wir den Kyffhäuser in Thüringen. Die Sachsen haben schon das Völkerschlachtdenkmal Eine Überführung des Kyffhäusers nach Sachsen würde der der Sage nach schlafende Barbarossa nicht überstehen. Er würde sich wohl wegen des AFD-Wahlergebnisses in Sachsen vor Gram in die Elbe stürzen. – Dietmar Seela


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Mit großem Interesse habe ich diesen Artikel gelesen und kann Ihnen nur vollinhaltlich zustimmen. Ich bin keine ehemalige DDR-Bürgerin, trotzdem kann ich Ihren Gedanken nur zustimmen. Ich war schon bei dem Mauerfall bzw. kurz danach nicht mehr damit einverstanden, wie von unserer Westseite verfahren worden ist. Ein Glück, dass Sie dies nochmals in Erinnerung brachten. Hoffentlich haben das viele gelesen. – Undine Mix-Falter


Leserbrief zu „Dann lieber grau“ von Benedikt Erenz

Begriffsverwirrung

Nachdem Sie voller List zunächst die Nachteile Grün-loser Städte vor dem Ersten Weltkrieg aufzählen und dann die Fortschritte des modernen Städtebaus, nehmen Sie dem Leser die Argumente aus der Hand. Da ja alles objektiv gesagt ist, können Sie nun mit übertriebenen Vokabeln („enthemmtes Grün“, „nackter Rasen“, „Grün getünchte Wüstenei“) über „Abstands-“ und „Fahrbahnbegleitgrün“ herfallen. (Auf letzterem allerdings werden sich die von Ihnen geforderten Wohnungen nicht bauen lassen.)

Was Sie stört, ist aber gar nicht die Farbe Grün, sondern die leere, ungestaltete Fläche. Das verraten Sie uns ziemlich spät in der fünften, der letzten Spalte Ihres Artikels. Was Sie mögen, sind zu Recht kleinteilige, vermittelnde Übergänge zwischen Horizontale und Vertikale. Das hat etwas mit Raumbildung zu tun; und genau das liefern eben auch Parks, geplante Grünanlagen mit Blumenbeeten, Büschen und Bäumen auf Grasflächen. Blickbarrieren und Durchblicke wechseln sich ab mit weiten Perspektiven. Ob grün oder steinern macht keinen Unterschied: Gassen, Höfe, Straßen, Plätze, hohe und niedrige Häuser geben ein abwechslungsreiches Bild wie die Parkanlage. Dabei kommt es allerdings auf das Maß der Durchmischung an: Zu viel Abwechslung führt zu Chaos, zu wenig zu Monotonie. Nach der Lehre des Semiotikers Max Bense stellt sich ästhetisches Empfinden bei einer ausgewogenen Mischung aus Ordnung und Unordnung ein.

Die von Ihnen dem Anschein nach mit Hass verfolgten Grünflächen sind übrigens nicht nur willkommener optischer Ausgleich für das im städtischen Raum sonst überwiegende Ziegelrot und wirken mäßigend auf das städtische Mikroklima, sondern binden auch Feinstaub. – Dr. Dietrich W. Schmidt


Leserbrief zum Titelbild „Fluch der Karibik“

Was für ein herrliches Bild! Ich habe herzhaft gelacht, als ich die ZEIT  aus dem Briefkasten holte, und bin lachend in’s Haus gelaufen, um meiner  Frau das Bild von den vier Piraten zu zeigen. So tolle Typen, die sich  da zusammengestellt haben.  Was die wohl ausbaldowert haben? Man kann gespannt sein.  Danke für diesen Gag, liebe ZEIT! – Rainald Ammon


Leserbrief zu „Gerädert, apathisch, erschöpft” von Nina Pauer

Der Moment der Wahrheit erschöpft sich nicht in der Erschöpfung von Wählern und Volksvertretern nach einem am Ende dann doch erschöpfenden Wahlkampf. Der Moment der Wahrheit besteht darin, dass es aus dem Wahlergebnis heraus eine unübersichtliche Gemengelage von Wahrheiten gibt, die ihren Weg in die Wirklichkeit nur durch erschöpfende und aufopferungsvolle Wandlungen finden: durch Häutungen, Entfaltungen, Verpuppungen, Entlausungen, Verkapselungen, Entblödungen, Entzauberungen und Entkopplungen. Selten haben die Wähler im Zuge ihres Votums so viel Einfluss auf die Ausrichtung und Sortierung der Macht in den Parteien, im Parlament und in der Bundesregierung ausgeübt wie jetzt. Die politischen Institutionen beginnen zu verstehen und verwandeln sich in Stätten, wo dem Wählerwillen Opfer dargebracht werden:

So opfert die SPD selbstreinigend ihre Regierungsbeteiligungsoption für die Sicherung der Demokratie in Deutschland und wird als Opposition der Regierung den Rücken freihalten, indem sie im Parlament – ab und an vom künftigen Bundestagspräsidenten zur Mäßigung ermahnt – laut und stolz und manchmal auch klug die Drecksarbeit erledigt. Wieder opfert sie sich in bewährt dienender Arbeitsteilung für andere auf und gewinnt dabei erfolgreich abtrünnige Wähler für die traditionellen Parteien zurück, einmal mehr auch für die CDU.

Die CDU opfert für die scheinbar selbstgenügsame Übernahme der Regierungsverantwortung weiter scheibchenweise ihr Selbstverständnis als Sammelbecken konservativer Gesinnungen. Vom Volk entkoppelt wird sie sich in der vollen Konzentration auf eine optimierte Machtausübung weiter aufopfern: für Deutschland und die wachsende Verantwortung von Deutschland in Europa und in der Welt. Einzig die Schwesterpartei hindert – machtvoll verbissen in sich selbst verstrickt – das Optimum tatsächlich erreichen zu können.

Die CSU ist selbstverliebt immer hart an der Obergrenze, sich selbst und jeden Hauch von Glaubwürdigkeit zu opfern, um für den eignen maximalen Machterhalt möglichst keine Opfer für Deutschland bringen zu müssen. Sie krankt schlimm an der Macht, da der Weg der Heilung durch einen Machtwechsel ihr verstellt ist. Die Zauberformel „Wir haben verstanden“ bewirkt nichts, wenn die Hauptakteure für jeden durchschaubar zeigen, dass sie eben nichts verstehen. Wenn nicht die Macht, so könnte die CSU wenigstens die stumpf gewordene Spitze opfern.

Die FDP opfert freimütig das übergroße Gewand der selbstgefälligen Überlegenheit und baut im engen Maßanzug im Rahmen der letztendlich dann doch angestrebten Regierungsbeteiligung einen flexiblen Brückenkopf in die eigene Zukunft, die nach dem Ende der jetzt zu bildenden Koalition mit einem mächtigen Thesenpapier erst richtig beginnen wird.

Die Grünen opfern letzte Ausläufer ihrer selbstgerechten linken Protesttradition, um sich selbstlos und im Namen des Weltklimas anstelle der CDU an Themen abzuarbeiten, mit denen die CDU keinen Blumentopf gewinnen kann. Sie springen – zumindest ein Stück weit – in den Abgrund und opfern sich dafür, die CDU im unaufhaltsamen gesellschaftlichen Klimawandel vor einem weiteren Abschmelzen ihrer Wählerschaft zu schützen.

Die Linke opfert selbstredend ihre Oppositionsführerschaft im Bundestag und gibt die wachstumsfördernde Wirkung dieser Rolle mit einem weinenden linken Auge an die konkurrierende SPD ab und macht sich mit dem rechten Auge auf die Suche nach blinden Flecken.

Die AFD pflegt selbstdemontierend ihre Protestrolle, und opfert medienwirksam auf der Parlamentsbühne vor dem Hintergrund selbst gebastelter teutonischer Kulissen kalt kalkulierend ihre heiß gemachten Wähler als Statisten in einer drittklassigen Wiederaufführung eines scheinoppositionellen Machtergreifungsschauspiels. Die Fernsehmoderatoren assistieren dabei noch häufiger im Namen ethischer und journalistischer Grundsätze, um den AFD-Vertretern noch mehr Raum für Richtigstellungen missverstandener Äußerungen und für aufwertende Inszenierungen als sich kümmernde Volks-Vertreter zu geben.

Na dann, nimm uns mit Kanzlerin auf die letzte Reise. – Reinhard Koine


Leserbrief zu „Noch eine Alternative?“ von Mariam Lau

Es gibt keinen sächsischen Kyffhäuser. Der Kyffhäuser ist ein Höhenzug zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt. Dort steht das Kyffäuser Denkmal (auf Thüringischem Gebiet) in dem, gerne solcher Art Treffen abgehalten werden. Mann oder Frau muss ja nicht gleich merken, wie weit der oder die Verfasser vom Osten entfernt sind. – Andreas Treydte


Leserbrief zu „Putins Freunde Unter Sich“ Von Alice Bota und Maxim Kireev

Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis Herr Schröder auch den Rostnef-Chef Setschin einen lupenreinen Demokraten nennt. Und eine Frage der Zeit dürfte auch sein, wann die Wähler auch und besonders in Erinnerung an den „Genossen der Bosse“ Schröder die SPD in die Bedeutungslosigkeit wählen. – Lutz Landorff


Leserbrief zum Titelthema „Fluch der Karibik“

Während alle Welt noch darüber spekuliert, ob eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, FDP und den Grünen zustande kommt oder doch die Große Koalition trotz des verständlichen ablehnenden Votums der SPD fortgesetzt werden muss, geht die Diskussion über den neuen, viel zu großen und viel zu teuren Bundestag völlig unter. Denn sechs Fraktionen mit 709 Abgeordneten ( 631 bisher) kosten den Steuerzahler 50 Millionen Euro mehr. Die Normalgröße von 598 Sitzen wird also aufgrund des geltenden Systems mit Überhang- und Ausgleichsmandaten bei Weitem überschritten.

Der bisherige Parlamentspräsident Norbert Lammert hatte diese skandalöse Entwicklung vorhergesehen, ist aber mit seinem Vorschlag einer Wahlrechtsreform mit einer Höchstsitzzahl von 630 Parlamentariern bei seinen Kollegen gescheitert. Nach der letzten Wahlrechtsreform im Jahr 2011 hatten Wahlrechtsexperten schon 2012 eine grundlegende Reform des Bundeswahlrechts angemahnt, aber die Parteien haben nur von einer Reform geredet, aber keine eigenen Ideen entwickelt, um mehr Effizienz, straffere Arbeitsabläufe, erhöhten Einfluss des einzelnen Abgeordneten und weniger Aufblähung der Verwaltung zu erreichen. Angesichts des riesigen Schuldenbergs von über zwei Billionen Euro ist die Kostenexplosion beim Deutschen Bundestag unverantwortlich und erfordert dringlich vom Parlament die Durchsetzung einer grundlegenden Reform, die die Wahlrechtsreform von 2011 ersetzt.

Wenn man bedenkt, dass die USA mit mehr als viermal so vielen Einwohnern wie die Bundesrepublik Deutschland mit 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses vertreten werden, sind die 709 Abgeordneten im neuen Bundestag ein Skandal im Hinblick auf den sorgsamen Umgang mit Steuergeldern und die jetzt schon astronomische Staatsverschuldung. Dies bekräftigt den Vorwurf, dass unsere parlamentarische Demokratie immer mehr zu einer Beute des Parteienstaates verkommt. – Hans-Henning Koch


Leserbrief zu „Ohne roten Faden” von Marc Brost et al.

Gleich 4 Autoren haben Sie eingesetzt um sich mit der neuen politischen Situation auseinanderzusetzen. Richtig so! Denn die, die jetzt regieren sollen, weil die SPD jetzt schnullert, sind Parteien, die so diametral in ihrer politischen Auffassung auseinander liegen, da reichen Kompromisse nicht mehr aus. Eine fast unlösbare Aufgabe. Der Selbsterhaltungstrieb der Politiker um an die Macht zu kommen ist aber so groß, daß wahrscheinlich irgendwie eine Lösung gefunden wird. Auch wenn es zum Nachteil der Bürger ist. Die Frage stellt sich allerdings für mich nicht, ob sie das schaffen oder nicht. An der Substanz unseres politischen Modells wird sich kaum was ändern. Egal wer regiert – bis auf die AfD.  Die SPD hat sich in den Jahren halbiert. Und in den anderen europäischen Ländern sieht es nicht viel anders aus. Frau Nahles wird gegen Windmühlen kämpfen müssen. Ihre Nominierung war ohnehin der zweite große Fehler der SPD. Der Sozialdemokratie sind die Wähler abhanden gekommen.

Die Arbeiterklasse gehört der Vergangenheit an. Die Latte liegt einfach zu hoch, um an dem politischen Modell festzuhalten. Die Zeit spricht nur für die AfD. Wer sich zuerst traut oder aus der Deckung kommt, mit Ihr eine Verlobung einzugehen wird am Ende der Gewinner sein. Bayern hat ein wenig anklingen lassen, daß sie, nicht wie im Rest von Deutschland, nicht alles falsch ist was die Partei fordert. Ein bisschen ist zu wenig. Die hätten in Bayern mit der AfD zusammengehen müssen.  Scheißdrauf auf das Geschrei der Medien. Die Bürger sind da klüger. Die haben längst erkannt, was für Leute da am Werk sind.  Es gibt nur noch ganz wenige unter den Journalisten, denen man über den Weg trauen kann. Ihr Blatt gehört, mit wenigen Abstrichen, zu den vernünftigeren Printmedien. Nein, die SPD wie wir sie kennen, ist tot.  Das wird einige Leser schmerzen. Sie werden aber unterm Strich belohnt. Die AA-Gesellschaft (Arme und Alte) dürfen von den Konservativen nicht vernachlässigt werden. Das wäre die Voraussetzung. Das lässt sich durch eine bessere Bildung minimieren, wie alle Parteien es heute auch wünschen. Die SPD wollte sonst immer das Gegenteil.  Dann wird Europa nicht vor die Hunde gehen. Wenn das nicht verstanden wird, wird Europa zwar nicht untergehen, aber chaotische Zustände wird der Bürger dann in Kauf nehmen müssen. Daraus kann sich dann alles mögliche entwickeln…… – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Dann lieber grau“ von Benedikt Erenz

Ich habe den Beitrag zweimal gelesen und bin immer noch unsicher, ob es nur eine Provokation oder doch eine Glosse sein soll. Grünflächen als „nur Wüste, nur Leere“ zu bezeichnen und sie der Nachverdichtung zu opfern, halten wir für grundfalsch. Ja, die Dichte der Bebauung und des Verkehrs, die hohe Anzahl von Aktivitäten auf knapper Fläche und dementsprechend hoher Verbrauch von Ressourcen charakterisiert unsere Städte. Eine Folge ist, dass Städte, was Temperaturen, Wind und Wassermanagement betrifft, von klimatischen Extremen geprägt sind. Dazu kommen weitere Belastungsfaktoren wie Feinstaub und Lärm. Die Grüne Infrastruktur trägt wesentlich zur Abpufferung dieser Belastungen und somit zu Klimaanpassung und aktivem Gesundheitsschutz bei. Das im Mai d.J. vom BMUB herausgegebene „Weißbuch Stadtgrün“ betont genau diese Aspekte und mehr: Was wir brauchen ist eine integrierte Städteplanung und -entwicklung, in der Grünflächen nicht nur hübsches Beiwerk sind, sondern essenzieller Bestandteil lebenswerter Städte. – Peter Menke


Leserbrief zu „Ich ist ein anderer“ von Christoph Drösser

Vielen Dank für Ihren sehr guten Artikel. Keine Software vermag die Komplexität der menschlichen Psyche exakt zu vermessen. Denn die Null-Eins-Logik der Computer reduziert den Menschen auf ein Abstraktum. Ein einzelner Mensch in einer jeweils konkreten Situation wird von Algorithmen nur über den groben Kamm einer Mehrheit geschert – also eingeordnet in standardisierte Verhaltensmuster – und so der Blick aufs je Einzelne versäumt. Psychotests stellen zumeist durchschaubare Fragen.

Nicht nur Personalabteilungen treffen dadurch Fehlentscheidungen. Auch Strafverfolgungsbehörden sowie unsere Sicherheitsdienste machen mittels Psychometrie völlig harmlose Bürger unversehens zu Verdächtigen. Um den Verdacht zu überprüfen müssen sie dann unnötig Zeit, Personal und andere Mittel der Recherche aufwenden – und verbrauchen hierfür unsere Steuergelder.

Digitale Psycho-Profile werden niemals die Vorteile des persönlichen Gesprächs aufwiegen. Und der beste Persönlichkeitstest ist nach wie vor eine gediegene Psychoanalyse, erarbeitet von Analytiker und Klient gemeinsam. Nur im Gespräch können wir den schönen Titel, den Christoph Drösser für seinen sehr guten Artikel gewählt hat, zur Geltung bringen: „Ich ist ein anderer“ – im Original „Le je, c’est un autre“ (sic: je, nicht moi), ein Zitat aus dem Aufsatz „Das Spiegelstadium als Bildner der Ich-Funktion“ des Psychoanalytikers Jacque Lacan. Nach ihm sollten wir uns bei jeder Beurteilung einer Person wirklich richten. – Burkhard Schwarzkopf


Leserbrief zu „Dann lieber grau“ von Benedikt Erenz

In Köln lebend bin ich immer noch dankbar für die anerkannten Stadtplaner, die seinerzeit an Erholungsräume für die Bevölkerung dachten, den inneren und äußeren Grüngürtel schufen, Straßenzüge zu Alleen gestalteten. Mit Respekt beobachte ich die kontinuierlichen saisonalen Arbeiten des Grünflächenamtes und der täglichen Müllabfuhr, die gegen die Wegwerfgesellschaft unermüdlich ihren Dienst tut. Die Unarten der Menschen bleiben auch dann, wenn sich Ihre Vorstellungen verwirklichen ließen. Das Glück, im Frühjahr das Blattgrün sprießen, im Sommer die Grünflächen mit Menschen wandernd, joggend, bevölkert zu sehen, im Herbst das wunderbar gefärbte Laub und im Winter vielleicht auch schneebedeckte Äste, Tau und Rauhreif auf den Gräsern: nein, das alles scheint für sie nicht zu existieren. Wir Menschen sind und bleiben aber ein Teil der Natur und sie soll uns auch weiterhin umgeben, nicht vertrieben werden. – H. Schwarz


Leserbrief zu „Dieser Mann hatte einen Plan für Europa. Dann kam Christian Lindner“ von Georg Blume et al.

Danke für diesen Artikel. Er rückt ein paar Sachen zu Recht. Es ist sehr ärgerlich, dass so viele Politiker (FDP, CSU, AFD) Formulierungen kommentieren und kritisieren, die Herr Macron noch nicht mal gebracht hat: Eurobonds, Transferunion, Umverteilung usw. Die Art und Weise wie es geschieht, ist voll Arroganz. Herr Lindner: „Der deutsche Steuerzahler bezahlt nicht für die Sanierung des französischen Haushalts“ (o.ä), Herr Kubicki: “Wenn ich französischer Staatspräsident wäre, möchte ich auch, dass die Deutschen bezahlen“ Wir sind im Bereich von „Fake News“. Es wäre wünschenswert, dass seriöse Zeitungen (wie „Die Zeit“) endlich aufzeigen, dass der „deutsche Steuerzahler“ (ich gehöre als in Deutschland lebender Franzose dazu) nicht weniger und nicht mehr als andere Bürger für Europa bezahlt. Im Gegenteil profitiert Deutschland als Ganzes am meisten von Europa (mit Dänemark)

Die deutsche Politik sollte die Nerven von Herrn Macron nicht zu sehr strapazieren. Ich verfolge seine Karriere seit langer Zeit. Er hat einige Sachen durchgezogen, zieht z.Zeit andere durch. Wenn er merkt, dass es in Deutschland nur eine Antwort auf Vorschläge gibt: „NON“, wird er sicher andere Wege suchen. So stark ist Deutschland wiederum nicht, um allein zu bestehen: ich könnte eine lange Liste von Unzulänglichkeiten aufstellen. Wirtschaftsmacht ist nicht alles. – Robert Camboni


Leserbrief zu „Hebamme per Skype” von Silke Weber

Auch ich war vor vielen Jahren begeistert, als mich eine junge Mutter per Skype von ihrem Wohnsitz, den kanarischen Inseln, wegen diverser Probleme kontaktierte. Ich hatte sie Wochen zuvor hier in Deutschland bei ihrer geplanten Hausgeburt als Hebamme begleitet. Diese Form der Beratung stieß und stößt allerdings sehr schnell an ihre Grenzen. Ich kann nicht fühlen, tasten, riechen, ja ich sehe auch anders, die Farben des Laptops oder Smartphones verfremden die eigentliche Sache. Kurzum: Babys, Bäuche und Brüste entsprechen zweidimensional nicht immer der Realität und damit fehlt dem ansonsten sehr informativen Artikel über eine an sich gute Idee eine wichtige Sache. Wie sieht die juristische Seite bei dieser globalen Internetbegleitung aus?

Gibt es überhaupt eine Beratung in diese Richtung und auch über die Höhe der Haftpflichtversicherung? Entspricht diese dem deutschen Standard einer Haftungssumme von 6-10 Millionen Euro? Wie verantwortet es die Hebamme, wenn sie aufgrund der oben angeführten Verfremdungen Dinge anders sieht und damit einschätzt? Und wie berät sie, wenn sie die örtlichen Netzwerke in den extrem unterschiedlichen Ländern gar nicht kennt? Diese Beratung verläuft deshalb zwangsläufig viel oberflächlicher und ist dafür sehr teuer. Die Spanierin buchte nach unserem Skype-Date ein Flugzeug, ließ sich mehrere Tage von mir wie nach ihrer Hausgeburt aufsuchend begleiten und stillte danach noch über zwei Jahre. – Martina Eirich


Leserbrief zu „Der ganz Nahe Osten“ von Anne Hähnig

Mit großem Interesse und Zustimmung habe ich Ihren Beitrag ‘ Der ganz Nahe Osten’ gelesen. Im gesamten Bundestagswahlkampf gab es keinerlei Erwähnung der Situation im Osten unseres Landes. Bis heute – 27 Jahre nach der Wende- sind dort z.B. die Löhne um 25% niedriger als im Westen und vieles mehr. Politisch ein Riesenskandal!! Keiner sollte sich wundern, dass die AfD in Sachsen stärkste Partei geworden ist. – Christof Müller – Wirth


Leserbrief zum Titelthema „Fluch der Karibik“

Alle Gewalt geht vom Volke aus. Alle Staatsgewalt. Sie wird unmittelbar ausgeübt in Wahlen. Aber musste das Volk gleich so gewalttätig werden? Musste es ausgerechnet denen, die nicht damit umgehen können, den Blauen, so viel von seiner Gewalt übertragen? Im Osten Deutschlands, dem DIE ZEIT einen Rechtsruck bescheinigt, wird die Demokratie gerade von einer Cyanokratie abgelöst, von der Herrschaft der Blauen. Da ist es gut, dass wir sie erkennen und uns mit ihnen auseinandersetzen können. Im Landtag von Sachsen-Anhalt wird das schon geübt, wenn auch noch sehr zurückhaltend. Im Deutschen Bundestag werden die Regierungsfraktionen und die demokratischen Oppositionsfraktionen besonders aufmerksam sein, wie Claudia Roth empfiehlt. Dann gibt es auch keinen Grund zur Cyanophobie, einer Angst vor den Blauen. – Wolfgang Stein


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Ich finde es höchst befremdlich, dass Thomas Oberender tatsächlich meint, Kindergarten und Hortbetreuung sowie der Haushaltstag in der DDR seien in irgendeiner Weise lobenswert gewesen, statt in ihnen nur die perfide, sogar noch über den Haushalt hinaus gehende Versklavung der sozialistischen Frauen zu sehen, deren Karrieren aber dann fast niemals über eine mittlere Ebene hinausgingen (außer vielleicht mit Vitamin B, siehe Margot Honecker). Mithin waren diese „Errungenschaften“ doch auch nur zur Betonierung männlicher Macht gedacht. – Maj Kuchenbecker


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Ihr Artikel ist zu einseitig. Sammy Molcho würde ergänzen, wenn sich nur einer bewegt, kommt Garnichts zu Stande. Mein Jahrgang ist 1934 und ich habe mit Kriegsende Mai 1945 nicht nur meine Identität und die Familiengeschichte ( 300 Jahre Ostpreußen )verloren, sondern einfach den Neubeginn umgesetzt. Meinem Vater ( Dozent u. Landesbeamter) wurde einfach erklärt, 10 Jahre Kriegsdienst seien keine Voraussetzung für die weitere Beschäftigung ( Beamter ) im Lehrstuhl!!!!. Folglich hat er sich anders orientiert. Auch die Wessies haben einen Anspruch wahr genommen zu werden mit ihrem Fleiß und ihrem Willen zur Einigkeit des Landes. Was tragen die Ostdeutschen dazu bei, damit wir eine große glückliche Familie werden? Die “Vertriebenen“ nach 1945 haben sich eingegliedert und mitgeholfen beim Aufbau. Sie haben sich nicht hingestellt und gefordert ( Faktor 1,2 etc.). Also wo bleibt der Unschuld andere Seite? Womit arbeiten die Ostdeutschen den Zusammenschluss auf ? – Dr. Klaus Kern


Leserbrief zu „Der ganz Nahe Osten“ von Anne Hähnig

Ein Beitrag von Autoren, die den Osten ganz gut analysiert haben. Ich bin selbst Sachse, lebe aber schon über 50 Jahre im Westen. Meine Familie hatte schon frühzeitig erkannt, daß unter dem Kommunismus kein vernünftiges Leben möglich sein wird. Gedanklich habe ich mich bis heute von Sachsen nie abgewendet. Mit alten Schulfreunden bin ich bis heute in Kontakt. Durch einen längeren Aufenthalt im Ausland wurde der Kontakt von mir etwas vernachlässigt. Selbst im zerstörten Dresden und der kärglichen Ernährung hatte ich eine schöne Kindheit. Das vergisst man nicht. Ostdeutschland ist vom Westen nie richtig anerkannt worden. Das hinterlässt Narben. Die Arroganz kannte keine Grenzen. Auch heute ist es nicht viel anders. Warum das so ist, kann ich auch nur Vermutungen anstellen. Für den Westen waren die Ostdeutschen alles Stasispitzel. Die Leistungssportler besonders. Die Waren für den Westen alles Spitzel. Abgesehen von den weit besseren Leistungen. Was meinen Sie, was im Osten los war als die DDR-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1974 die BRD geschlagen hat. Es war eine Freude die unbeschreiblich für den Osten war. Und das alles unter Helmut Schön der selbst ein Sachse war.

Auch die Wiedervereinigung hat unter den Bürgen im Osten Wunden hinterlassen. Den ganzen Stasileuten wurde kein Haar gekrümmt. Die wurden sogar integriert und brauchten nur die Uniform wechseln. In Stendal regiert ein ehemaliger Stasioffizier als Oberbürgermeister, der für die Grenze Berlin-Nord verantwortlich war und einige Tote auf den Gewissen hat. Das habe ich bei der Regierung angemahnt. Herr Kauder schrieb mir damals: Der Mann ist demokratisch gewählt worden. Punkt. Das war sehr leichtsinnig. Er weiß nicht was ich weiß. Es haben seinerzeit nur 30% der Bevölkerung von Stendal gewählt. Und das waren fast alles Wähler die für die Stasi gearbeitet haben. Es war unter eingeweihten DDR-Bürgern bekannt, das die Einwohner Stendals voll von Stasileuten war. Darüber gab es in Ihrer Zeitung vor einiger Zeit auch einen Beitrag. Man muß auch wissen, die Stasileute waren verantwortlich für unermessliches Leid vieler DDR-Bürger. Auch das ist den westlichen Politikern aber auch Medien und den meisten Bürgern überhaupt nicht bewusst. Das alles zusammengenommen mag das Verhalten im Westen zumindest teilweise erklären. Es war schlicht und einfach gesagt, eine ganz andere Welt. Die haben meilenweit vom Westen Weg Leben müssen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „»Ich will zurück nach Deutschland«“ von Wolfgang Bauer und Andy Spyra

Ich habe viel Verständnis für journalistische Freiheiten, aber hier gehen Sie klar den falschen Weg. IS, alle, Frauen Männer Kinder, sind mörder und Schlächter der übelsten Sorte. Wollen Sie diese hier haben? Ich nicht. Ihre Überschrift ist geradezu eine Einladung. Sie zitieren offensichtliche Lügen ( wir haben nichts Böses getan), schweigen aber zu den Gräueltaten des IS. Erinnern Sie sich an unsere eigene, deutsche Geschichte. Damals hatten die mörder auch alle nichts getan oder waren nicht verantwortlich. In diesem Fall hätten Sie auf Ihren Dolmetscher hören sollen. – Andreas Görner


Leserbrief zu „Der ganz Nahe Osten“ von Anne Hähnig

Die Frage warum die Ostdeutschen immer noch renitent gegenüber dem Westen seien ist tatsächlich falsch gestellt: sie sind es gar nicht- und Sie können es auch nicht sein, denn es gibt die „Ostdeutschen“ als einheitliche Bevölkerungsgruppe seit Jahren gar nicht mehr. Und schon gar nicht wählt „Ostelbien“ seit Generationen anders. Beispielsweise wurden in Hessen mehr Kreuze bei den nazis gesetzt als im vermeintlich immer schon anderes tickenden Sachsen. In meinem Leipzig war das Wahlergebnis auch jetzt durchaus vergleichbar mit anderen deutschen Städten. Aber in dieser Pauschalisierung der „Ostdeutschen“ mit einer immer noch vorherrschenden westlichen „Draufsicht“ der Bundespolitiker und auch der Medien liegt eine Ursache der Befindlichkeiten meiner Landsleute.

Der Osten und speziell Sachsen ist aber kein Kind mehr, dem man alles erklären muss. Vielleicht ist es eher ein aufbegehrender Jugendlicher, der den Mund manchmal etwas zu weit und im falschen Ton aufmacht und es satt hat wie ein Kind behandelt zu werden. Die demokratische Meinungsäusserung ist aus meiner Sicht vorbildlich lediglich die unpassende Form und der unerträgliche Inhalt, vorgegeben durch die role Models der Populisten ist kritikwürdig. Allerdings sollte man vor der eigentliche Aussage des Wahlergebnisses berechtigte Sorge haben: Eine Mehrheit hat z.B. in Bayern ihre Stimme bei einer rechten (AFD) oder zumindest stockkonservativen Obergrenzenpartei (CSU) nach dem Motto “ das Boot ist voll“ abgegeben. Übrigens haben mehr deutlich mehr Bayern AFD gewählt als Sachsen in absoluten Zahlen. Die Gefahr lauert also an ganz anderen Stellen als vermutet, jedenfalls nicht im „ganz nahen Osten“ – Tom Schöpe


Leserbrief zu „Dann lieber grau“ von Benedikt Erenz

Was für eine grässliche Idee, die letzten grünen Nischen in den Städten auch noch zuzupflastern. Eine Stadt ohne grüne Ecken finde ich unerträglich, selbst wenn der Rasen noch so klein ist. Zugegeben: Viele Grünflächen sind langweilig – aber das gilt schließlich auch für die meisten Häuser und Straßen. Keiner würde sie deswegen abreißen. Die meisten Menschen haben ein Bedürfnis nach einem Zipfel Natur. Warum sonst ziehen Menschen, die es sich leisten können, in die grüneren Viertel? In dem Park hinter meinem Büro spielen regelmäßig Kinder auf der glatten, mit einem Aufsitzrasenmäher geschorenen Fläche. Hundebesitzer treffen sich dort, um zu sehen, wie ihr Liebling die vereinzelten Bäume anpinkelt. Jugendliche sitzen dort auf Bänken und nicht etwa auf dem Marktplatz neben dem Park oder auf Stufen vor den Häusern. Die Grünfläche ist neutrales Terrain, wo einen kein Hausbewohner verscheucht. Die Grünfläche gehört keinem und allen.

Der Rasen ist ein Ort, der nichts von einem will. Der einen nicht dazu auffordert, etwas zu kaufen. Der nicht verlangt, dass man über etwas nachdenkt. Der nicht verlangt, dass man am urbanen Treiben teilnimmt, sondern eine kleine Auszeit bietet. Der keine Reklame trägt. Der keine kitschigen Gardinen zur Schau stellt und wo kein Essensgeruch aus den gekippten Fenstern quillt. Der Park trägt kein Preisschild und keine Graffiti. Keine Frage, Parks kann man schöner gestalten. Aber bitte nicht mit Beton. Denn Parks zu bebauen würde das Problem des knappen Wohnraums nicht lösen. Schon bald wären auch diese Wohnungen vergeben – Und sicherlich wären sie nicht preiswert. – Nina Haupt


Leserbrief zu „Die ganze Stadt ist ein Theater“ von Peter Kümmel

Mir scheint, dass ein großer Teil der Öffentlichkeit und insbesondere der Medien die Besetzung der Volksbühne mit klammheimlicher Schadenfreude, wenn nicht sogar unverhohlener Sympathie verfolgt und kommentiert hat. Liegen denn hier nicht ganz eindeutige Rechtsbrüche und Straftatbestände vor – vom Hausfriedensbruch bis zur Nötigung, vermutlich auch Sachbeschädigung und Diebstahl? Der Kultursenator setzte sich dem Verdacht aus, dass er von illegal Handelnden seinpolitisch bisher nicht durchsetzbaresZiel – das Scheitern von Dercon – erzwingen lassen wollte. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Nicht sein Land” von Bernd Ulrich

Danke für die Skizze eines „zeitgemäßen Patriotismus“, „jenseits von Heldentum und Märtyrertum“. Aber „Schuld, Buße und Läuterung“ sowie „siebzig Jahre, in denen man zu einem etwas besseren Selbst gelangte“, verbergen doch den Blick gegenüber einer Tradition, die zu verleugnen mit zu dem fanatischen, selbstüberzogenen, isolierenden, fremdenfeindlichen Nationalismus geführt hat. Diese Tradition mit „GG, Wurst und Goethe“ in die „Leitkultur“-Ecke abzustellen, greift doch zu kurz. Unsere deutsche kulturelle Tradition und Identität ist bis zur nationalen Einigelung immer zugleich eine europäische gewesen, offen für „Weltliteratur“ und Humanität (Goethe). Sie hat seit Beginn der Neuzeit in der Auseinandersetzung mit dem mittelalterlichen Christentum durch Humanismus (Renaissance als Rückbesinnung auf die antike Kultur), Aufklärung und Klassik den Blick geöffnet für Selbstbestimmung, Menschenrechte und Humanität.

Wir sollten Namen wie Erasmus von Rotterdam, Kant, Lessing, Schiller, Goethe oder Beethoven nicht als als irgendeine Sorte von provinzieller Bedeutung „verwursten“. Sie haben durch ihre Beiträge zur Weltkultur den Blick über Länder und ihre Grenzen geöffnet: „Diesen Kuss der ganzen Welt!“, bei Goethe mit seinem späten „West-östlichen Diwan“ und den Romantikern noch weiter durch das Interesse für das scheinbar orientalisch Fremde – mit Nachwirkungen bis in die Moderne (z.B. Hermann Hesse). Wenn ich im Deutschunterricht zum Thema „Aufklärung“ kam, sah ich große Augen meiner türkischen Schüler. Da war etwas, was sie auch über ihre ideologisch-religiösen Grenzen hinausführte. An diesen Traditionen sollten wir gegenüber innerdeutschen Engköpfen und fremdenfeindlicher Abkapselung festhalten und sie als wertvolles Gut der Weltoffenheit weitergeben. Diese Kultur war nie durch nationalstaatliche Grenzen eingeengt und überwand kleinstaatliche Grenzen wie die „Weimarer Klassik“. Wien (also Österreich) war das Zentrum der musikalischen Klassik.

Zur deutschsprachigen Literatur gehören Österreich ebenso wie die Schweiz: Franz Grillparzer, Nikolaus Lenau, Adalbert Stifter, Georg Trakl, Robert Musil, Ingeborg Bachmann – Gottfried Keller, C.F. Meyer. Während der Nazizeit lebte diese Kultur im Exil und sprach zu uns und der Welt aus dem Ausland: Bertolt Brecht, Hilde Domin, Ernst Bloch, Thomas Mann, Klaus Mann, Heinrich Mann, Stefan Zweig, Franz Werfel, Anna Seghers u.a. Diese Kultur ist immer noch lebendig, aber dennoch bedroht. Sie kommt in den täglichen Nachrichten nicht vor und geht als „Bildungsgut“ zunehmend verloren. (In pädagogischen Diskursen geht es schon lange nicht mehr um „Bildung“.) Das wird sich als Identitätsverlust rächen im bloßen Warenaustausch des globalen Marktes und durch orientierungslose politische Hasardeure. – Theo Zindler


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Ich staune, und da ich mich vor langer Zeit entschlossen habe, mich über die deutsch-deutschen Verhältnisse, wenn irgend möglich, zu amüsieren, komme ich aus dem Amüsement kaum noch raus. Beinah 30 Jahre nach der sogenannten Wende schafft es also ein Text mit der unglaublichen Überschrift „Die Mauer ist nicht gefallen“ in die ZEIT. Ist denn der Christoph Dieckmann nicht mehr in der Redaktion? Er und noch ein paar Millionen Ostdeutsche hätten Ihnen doch diese, im Beitrag sehr richtig benannten Tatsachen und noch einige weitere, schon in den frühen 90ern mitteilen können. Der Eine oder Andere hat dies ganz sicher – mehr oder weniger vergeblich – auch versucht. Offensichtlich wollte in den MSM schon seinerzeit niemand lesen und zuhören. „innerdeutscher Kolonialismus“ – eine ungeheuerliche Vokabel. Aber eben weitgehend richtig. Und dass diese Vokabel ihre Berechtigung hat, ist eine Schande für dieses Land und seine sogenannte politische Klasse, die ja doch wohl für die Verhältnisse wesentlich und übrigens hochbezahlt Verantwortung trägt.

So ärgerlich (und möglicherweise in Zukunft sogar gefährlich) dieses Wahlergebnis sein mag, wenn JETZT die politischen, demokratischen Kräfte nicht aufwachen, dann wohl nie mehr. Bis zur nächsten ganz großen Katastrophe, die ja, auch angesichts vieler anderer Entwicklungen, durchaus nicht mehr unvorstellbar ist. Michael Haneke hat es Ihnen ja mitgeteilt: „Also was die Medien anrichten, gerade auf politischem Gebiet – da kann einem schlecht werden.“ Und er meint ganz gewiss nicht nur die österreichischen Medien. Der Begriff Lügenpresse ist schwer kritisiert worden, ohne dass die Angesprochenen ihn jemals auch nur ansatzweise hinterfragt hätten, warum der in die Welt gekommen war. Dabei war der ein früher hilfloser und natürlich sachlich nicht 100ig richtiger Hinweis auf die Probleme. Sie hätten den verstehen können und MÜSSEN. Die Tomaten auf die Kanzlerin und die Eier auf Kohl waren weitere eigentlich unübersehbare (hilflose) Zeichen. Die Erwiderung der Kanzlerin, wer schreit, will/kann nicht argumentieren, war die reine Demagogie. Als wenn die Kanzlerin sich jemals von nicht ausgesuchten Menschen sprechen ließe.

Gar mit denen diskutieren würde. Der Eierwurf zu Halle fand übrigens am 10. Mai 1991(!!!). NEUNZEHNHUNDERTEINUNDNEUNZIG! Auch auf den wurde mit den üblichen falschen und auch noch langweiligen Empörungsritualen reagiert. Es waren eben, da waren sich die unabhängigen Medien flächendeckend einig, die üblichen Krawallmacher. Aber die waren es ganz gewiss nicht. Aber ich bin nicht der Mann Ihnen das ausführlich zu erklären. Fragen Sie Dieckmann, Osang, Ensikat, Wolfram… Ist Dieckman eigentlich immer noch der „Ossi vom Dienst in der Zeit? „Die Mauer ist nicht gefallen“ – Dann MUSS die bange Frage folgen: Haben wir dann etwa keine Deutsche Einheit, die wir doch immer an diesem lustigen und völlig falschen Datum 3.10. feiern? Die haben wir, schauen Sie sich die Grundbücher, die Firmeneigentümer, die Chefsessel, die politischen und sonstigen Entscheider etc. an, natürlich nicht. Aber bis dieser Satz in den MSM erscheint, werde ich wohl verstorben sein. Fassen Sie Mut zu einem weiteren, völlig korrekten Satz: ES WAR NICHT ALLES SCHLECHT IN DER EHEMALIGEN BRD.

Das wäre auch so ein Anfangssatz, der vielleicht doch noch zu später Verständigung führen könnte. Ich allerdings befürchte, dass es längst zu spät ist. Die Verhältnisse wurden von Westdeutschen wesentlich im Alleingang gestaltet. Die Ergebnisse können von jedermann betrachtet werden. Ich lese nun schon wieder: Die ostdeutschen Männer seien das Problem. Na dann, kann ich da nur sagen. So wird es garantiert nicht zur Verstänidung kommen. Oder gar zu einer wirklich gemeinsam zu feiernden Deutschen Einheit ohne alle Anführungszeichen. Und nur noch am Rande:10% Stimmenverlust waren für manchen schon mal ein Rücktrittsgrund. Die Zahl könnte ja auch mal hinterfragt werden. Warum wird sie das nicht? Man macht sich halt immer auch unfreiwillig so seine Gedanken. – Gerhard Mühlhausen


Leserbrief zu „Kippt der NC?” von Astrid Herbold

Ihren Artikel „Kippt der NC?“ habe ich mit Spannung gelesen, legt er doch den Finger auf eine offene Wunde. Vieles wurde schon geschrieben und versucht – doch sie will einfach nicht heilen. Leider empfiehlt auch Ihr Artikel (wieder) nicht die richtige Therapie, unter anderem deshalb, weil er meiner Meinung nach entscheidende Symptome unbeachtet lässt. Richtig ist, dass die Abiturnote überhaupt nicht widerspiegelt, ob aus dem Einser-Abiturienten später einmal ein guter Arzt wird. Einfach die Zahl der Studienplätze im Fach Medizin zu erhöhen, löst das Problem aber nicht. Viele der angehenden Mediziner drängen in die zum Teil schon überversorgten Ballungsräume (weil dort zu leben hip ist) oder wollen in die Forschung (bzw. Pharmaindustrie). Ländliche Regionen bleiben unterversorgt. Vielleicht sollte man schon während des Studiums unterscheiden, ob man künftig in der Forschung oder in der Praxis tätig werden will. Völlig unberücksichtigt lassen Sie, dass die Abiturnote in Deutschland bei (mindestens) 16 unterschiedlichen Bildungsphilosophien gar keinen wirklichen Vergleich mehr möglich macht.

Die vielleicht für die 1960er Jahre zutreffende Warnung „vor dem NC-Irrsinn“ müsste man heute allerdings umformulieren in eine Warnung „vor dem Studier-Irrsinn“. Der (durch die Politik beförderte) Ansturm auf die Universitäten ignoriert völlig die weltweit beispiellose hohe Qualität der dualen Berufsausbildung im deutschsprachigen Raum. Hier ist dringend ein Umdenken notwendig. Und dass im Fach Psychologie die Zahl der Studienplätze nicht ausreicht, liegt doch vor allem darin, dass dieses aus den unterschiedlichsten Gründen gerade in Mode ist. Wenn Sie schreiben, dass „die Universitäten nicht willkürlich eine Notengrenze festlegen können“, nähren Sie mit Ihrem Artikel das häufig anzutreffende falsche Verständnis des Begriffes „Numerus clausus“. Niemand legt einen NC fest, um eine Hürde zu schaffen! So eine begriffliche Unsauberkeit darf in einem gut recherchierten Artikel in der ZEIT einfach nicht auftreten! – Uwe Loitsch


Leserbrief zu „Nicht sein Land” von Bernd Ulrich

Ihr Satz „Die AfD ist der erste relevante Gegner der (…) deutschen Leitkultur“ ist nicht nur klug (im Sinne von clever), sondern auch klug (im Sinne von richtig). Respekt! – Dr. Matthias Wilke


Leserbrief zu “Mit Stundenplan und Spucktuch“ von Friederike Lübke

Es liegt mir fern, die Mühe der heutigen Frauen beim Studium und der Mutterrolle zu unterschätzen, aber Sie tun in Ihrem Artikel so, als ob das nur für heutige Jugend gilt. Als ich 1969 meine Tochter bekam, war ich im vorletzten Semester meines Studiums, musste Oberseminare besuchen und Semesterarbeiten schreiben- ohne Elterngeld plus, sondern nur mit bescheidenen Stipendien- von meinem Mann und mir-700 DM monatlich, wovon dann 200 DM für die Betreuung des Kindes gingen, 300 DM für die Wohnung. Wir könnten nur dadurch überleben , dass wir uns das Mensaessen teilten. Und ich war nicht die Einzige in jener Zeit, die das Studium und das Familienleben in Einklang bringen musste. – Katharina Göggel


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Ihr Artikel trifft genau ins Schwarze. Als ehemalige DDR-Bürgerin, seit 1990 in den alten Bundesländern lebend, bin ich aus eigenem Erleben entsetzt, wie einseitig der überwiegende Teil der Bürger der alten Bundesländer über das Leben in der ehemaligen DDR und über die Bewältigung der Nachwendezeit informiert ist. So baut man Mauern und Grenzen auf. Auch ich könnte da Geschichten erzählen. Die um ihre Identität gebrachten Ostdeutschen suchen sich natürlich ein Ventil für ihren Frust.

Der Ausgang der letzten Bundestagswahl sollte Anlaß für Medien und Politik sein, die Zeit vor und nach der Wende in den neuen Bundesländern aus der Sicht der betroffenen DDR-Bürger zu sehen, zu akzeptieren und an die Öffentlichkeit zu bringen. Wenn dieses Thema offen und sensibel genug bearbeitet wird, könnte das zu einem besseren Verständnis zwischen Ost und West beitragen. Es besteht natürlich auch Erklärungsbedarf, warum seitens der Politik und der Medien die positiven Seiten der DDR-Vergangenheit unter den Teppich gekehrt worden sind. Ich hoffe auch, daß die Redaktion der Zeit ihren Teil dazu beiträgt. Ein Schritt ist ja mit diesem Artikel schon getan worden. – Gabriele Fuisting


Leserbrief zu „Alkohol“ von Jörg Burger im ZEIT Magazin

Mit Interesse las ich den Artikel über Alkohol. Was ich allerdings nicht verstehe ist, dass es keine Rolle zu spielen scheint, ob der Wein biologisch angebaut wurde oder nicht. Vielleicht haben die negativen Folgen nicht nur mit dem Alkohol zu tun, sondern auch mit den vielfältigen Chemikalien, die wir im Glas haben, ohne es uns bewusst machen zu wollen. In manchen Veröffentlichungen werden inzwischen endlich Empfehlungen für Nahrungsmittel wie Äpfel oder Grapefruits mit dem Zusatz versehen „Bio-Apfel“, „Bio-Grapefruit.“ An welchen Krankheiten leiden eigentlich die Winzer? Womöglich werden diese auch nur dem Alkoholkonsum zugeschrieben und nicht dem regelmäßigen Umgang mit Glyphosat und Co. Die Zeitbombe tickt, und wir leisten uns immer noch den Luxus, nicht über sie zu reden geschweige denn, sie zu entschärfen und unseren vielbeschworenen „Grips“ dazu zu verwenden, uns nicht über unsere eigenen, gut gemeinten und sich zunächst auszahlenden Vergiftungsmethoden langfristig auszurotten. – Bettina Oehmen


Leserbrief zu „Ganz schön riskant“ von Peter Dittmar

Mein Verständnis der modernen Kunst war bislang schon angespannt genug, aber was ich nun in der durchaus sehr interessanten Rubrik im Wirtschaftsteil lesen konnte, hat es endgültig auf Null reduziert. Auf den Punkt gebracht: wenn man früher wissen wollte, was „pervers“ bedeutet, hat man sich in der Psychiatrie erkundigt oder nach obskuren Pornoseiten im Darknet gesucht – heute liest man den Kunstmarkt in der ZEIT.

Verdienen tun an dem ganzen Rummel anscheinend nur Auktionshäuser und – eingeschränkter ? – Galeristen sowie ggf. ein paar Künstler, die aus irgendwelchen Gründen von den Verkäufern protegiert werden und das Glück haben, noch zu leben. Zu vermuten ist, dass der Kreis der „bedeutenden Künstler“ künstlich klein gehalten wird, um den Markt durch Verknappung auf einem hohen Preisniveau zu halten. Beruhigend ist, dass vorzugsweise Reiche bis sehr Reiche nach Strich und Faden ausgenommen werden, beunruhigend wiederum, dass auch Steuergelder in nicht zu knappem Ausmaß verbraten werden, was dann doch wieder die breite Masse trifft.

Bevor sie diese Zuschrift müde lächelnd droppen: Ich fände es sehr interessant und aufschlußreich, wenn es auch einmal ein Stimmungsbild der Leserschaft zu diesem Thema geben würde, vielleicht sogar in der Rubrik selbst. Aufgrund vieler Gespräche im Bekanntenkreis kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass das allgemeine Verständnis für den modernen Kunstbetrieb sehr groß ist, und dass Ihre Rubrik wie bei mir eher das Gegenteil erreicht hat, sollte sie darauf angelegt sein, mehr Verständnis zu wecken. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Wie Sie wurde ich 1966 geboren. In Ihrem Artikel stieß mir die folgende rhetorische Frage auf: „Bin ich in der DDR also in so etwas wie dem „Dritten Reich“ aufgewachsen?“ In den Jahren 1985-1990 studierte ich als Bürger der Volksrepublik Polen in Dresden und war so ein Beobachter des Systems. Die Erfahrungen meiner Familie als Volksdeutsche mit dem Dritten Reich waren Ausgangspunkt für meinen Vergleich mit dem System in der DDR. Meines Erachtens war das in der DDR herrschende System in konzeptioneller Hinsicht eine Fortsetzung des Dritten Reiches (vgl. Jugendorganisationen wie HJ / FDJ, organisierte Ferienaufenthalte, ein auf eine dominierende Parteiausgerichtetes System: NSDAP / SED, Terrorapparat: Gestapo / Stasi, politische Gefängnisse, fortwährend andauernde Indoktrinierung durch die Ideologie; ein Auto für alle: „Volkswagen“ / Trabant). Lediglich die Ideologie des Nationalen Sozialismus wurde durch die kommunistische marxistisch-leninistische Ideologie ersetzt. Vielleicht hätte sich das Reiche Reich, hätte es länger gewährt, so entwickelt, wie wir die DDR erlebt haben? Ja, Sie sind in „so etwas wie dem „Dritten Reich“ aufgewachsen“. – Dr. Jerzy Wachowiak


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Die Erfahrungen, die ich durch meine Arbeit als Psychotherapeut mit den sog. „Brüdern und Schwestern“ der ehemaligen DDR gemacht habe, bestätigen Thomas Oberender. Das „Begrüßungsgeld“ war das Ticket an der Kasse zum westlichen „Vergnügungspark“ mit der Auflage, den Entwertungsschein der eigenen Lebensgeschichte zu unterschreiben. The winner takes it all! – Wilfried Vendel


Leserbrief zu „Alles hört auf Andrea“ von Peter Dausend

Und Andrea ist links (?) und die Linke der SPD ist traumatisiert wegen der Agenda 2010 (so auch Herr Norbert Bolz in der Phönixrunde). Sie hält die Agenda – Politik für falsch bzw nicht sozialdemokratisch – genau wie die LINKE, also die Partei, die sich wegen der Agenda gebildet hat. Die Agenda spaltet aber auch, weil eine Menge SPDler sie für richtig halten (Seeheimer Kreis , Dohnani usw) genau wie die CDU und die FDP. Also ist die einzige Wahrheit die die Verhältnisse über die SPD sagen, dass sie obsolet ist ( Die Linken zur LINKEN und der Rest verteilt sich auf CDU, von Frau Merkel solialdemokratisiert, und FDP).

Herr Dohnani hat übrigens bei Frau Maischberger gesagt, dass die Globalisierung das wichtigste Thema überhaupt ist und wenn ich es richtrig verstanden habe, dass er deswegen CDU gewählt hat (?). Damit verweist er auf die Agenda, denn sie wurde geschaffen um global wettbewerbsfähig zu sein; und weiter: dass die nicht diskutiert wurde (weder die Globalisierung noch die Agenda). – Dieter Herrmann


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Wieso kommen die Überlegungen, was nun „mit dem Osten los ist“ erst jetzt? Der Artikel z.B., hätte vor ca. 1 Jahr zum 3. Oktober sehr passend stattfinden müssen und sollen – es hätte eine Diskussion angeregt. Jetzt, nach dieser Wahl, mit d e n Erkenntnissen heraus zu rücken ist fast fatal. Die anderen Betrachtungen sind natürlich erst NACH einem Ereignis möglich – das weiß ich auch, dennoch: Diskussionen sind nun mal vorher nötig anzustoßen, Da ist auf breiter Medien-Front nix passiert außer Gejammer über die AfD und Meldungen über jeden Pub der dort gelassen wird/wurde. Ich bin auch traurig über das Ergebnis, aber ich hatte es noch schlimmer erwartet. Jetzt muß ich wieder vier Jahre, wahrscheinlich extraordinär-turbulente, ver-warten. – Susanne Hüttner


Leserbrief zu „Dieser Mann hatte einen Plan für Europa. Dann kam Christian Lindner“ von Georg Blume et al.

Die Sache mit Lindner-Bambi – tja, der hätte eben auch gerne in „so jungen Jahren“ eine solche Position wie Macron. Da ist auch Neid im Spiel, das sollte man nicht unterschätzen, es geht im Leben (auch u. gerade im politischen) eben immer auch um Emotionen u. Gefühle, auch wenn sie „immer cool“ weg gesteckt werden, wer mit wem „kann“ und wer nicht. Da haben wir ja alle schon einige unzeitgemäße Entscheidungen erlebt, NUR weil Mann sich nicht mag. (Später sitzen dann alle „Ehemaligen“ bei Markus Lanz und schwafeln darüber was das „alles mit Ihnen gemacht hat“.) Nunja. – Susanne Hüttner


Leserbrief zu „Ich war noch niemals in … Budapest“ von Agnes Fazekas

Ja, in Budapest gibt es viel zu entdecken und in dem Artikel von Agnes Fazekas geht es hauptsächlich um die „subversive Fröhlichkeit“ – aber dann doch nicht nur. Die Autorin erwähnt auch den jüdischen Anteil am Budapester Leben. Und hier habe ich einen Hinweis auf das vermisst, das ich in Budapest entdeckt habe: nämlich das Denkmal für Raoul Wallenberg, den schwedischen Diplomaten, dem es 1944 gelang mehrere tausend Juden zu retten und dann unter bisher ungeklärten Umständen in sowjetischer Haft zugrunde gerichtet wurde. Das Denkmal, von Varga Imre 1987 gestaltet, steht im 2. Bezirk, ist beeindruckend in seiner Form und sollte auf jeden Fall bei einem Budapest-Besuch angeschaut werden. Schade, dass es in dem Artikel nicht erwähnt wurde!! – Ilse Onnasch


Leserbrief zu „Hebamme per Skype” von Silke Weber

Die Geburt eines Kindes gehört in Frauenhände. Der Kampf durch den Geburtskanal bis zum Erblicken des Licht des Lebens ist ein anstrengender, natürlicher und wunderbarer Prozess. Und dass dies liebevoll, vertrauensvoll und fachgerecht geschehen kann, braucht es die Hebammen. Die verantwortungsvolle, kompetente Arbeit von Hebammen, die ein Kind zusammen mit der Mutter auf dem Weg in das Leben begleiten, ist etwas sehr Wertvolles. Eine Regierung in Bund, Land und Stadt müsste eigentlich wissen und auch Verantwortung dafür tragen, dass Kinder das Wichtigste sind, was wir haben. Und sie sollte dafür Sorge tragen, dass unsere Kinder in ein menschenwürdiges Leben hineinwachsen dürfen. Und dazu gehört auch der Beruf „Hebamme“, und dieser Beruf muss ordentlich bezahlt werden, und den Frauen die Bedingungen für ihre Arbeit so verbindlich wie möglich gemacht werden.

Das muss eine Selbstverständlichkeit sein. Wenn ich bedenke, wie viele sehr gut bezahlte Berufe es gibt, wo es um Vernichtung und Zerstörung in unserer Welt geht, um Vernichtung von Menschenleben, um Vernichtung von Kinderleben z.B. in Afrika, um Zerstörung der Umwelt, um Vernichtung von Werten in unserem Leben, um Zerstörung von Menschenwürde – und mit all dem wird eine dicke Kohle verdient. Und dazu brauchen unsere Machtstrukturen Menschen, die funktionieren, die müssen sich für dumm verkaufen lassen, sie müssen glauben, dass man es gut mit ihnen meint, und dann müssen sie auch den Mund halten. Und in einer solchen Welt will mann sich nicht nur die Hebammen sparen. Der Beruf „Mutter“ und die Arbeiten darum herum, sind die wertvollsten Berufe in unserer Gesellschaft, und sie werden um so wertvoller, je skrupelloser und menschenverachtender unsere Gesellschaft sich aufspielt. – Heidi Malzacher


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Bravo! Endlich hat es mal jemand in einer weitverbreiteten Zeitung thematisiert, für uns alle nachzulesen: Dass einer der Hauptgründe für den besorgniserregenden Ausgang der Bundestagswahl 2017 der war, dass sich die westdeutsche Politik die Revolution der DDR-Bewohner als Verdienstmedaille ans eigene Revers geheftet hat. Und dass seitdem der Schock des politischen Systemwechsels nur noch als Randnotiz vorkommt, der Lächerlichmachung in TV-Kabarettshows preisgegeben, und ostdeutsche Lebensgeschichte und -geschichten nicht als Bereicherung gesehen werden, sondern als Belastung. Ich weiß, wovon ich spreche: Meine Partnerin stammt aus der ehemaligen DDR und lebt seit ihrem Umzug nach Westdeutschland in einer Art ständigem Weder-Noch, ist stolz darauf, wenn man ihr ihre Herkunft nicht anhört und enttäuscht, dass uns hier im Westen das abhanden gekommen ist, was für sie – abseits des fürchterlichen systemimmanenten Irrsinns – das Leben in ihrer Heimat ausgemacht hat: Menschlicher, direkter, ungeschminkter Umgang miteinander. – Jörg Walesch


Leserbrief zu „Fahrplan für eine Seereise“ von Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie

Frage an Herrn Cohn-Bendit: Koennen Sie nicht Ihren Freund Verhofstadt animieren, auf seine deutschen liberalen Parteifreunde einzuwirken, dass die sich nicht gegen Macron und gegen Europa stellen? Sonst fuerchte ich, dass wir bei der naechsten Praesidentschaftswahl in Frankreich doch Marine Le Pen bekommen. – Hermann Weigmann


Leserbrief zu „Dieser Mann hatte einen Plan für Europa. Dann kam Christian Lindner“ von Georg Blume et al.

Im Bauerntheater ist „Der reiche Onkel aus Amerika“ eine feste Größe. Die immer wieder gleiche Handlung lebt davon, dass der Protagonist sich beim näherem Kennenlernen als arm entpuppt. In Europa ist das nicht viel anders. Man hat den deutschen Steuerzahler und Sparer als „reichen Onkel der Alten Welt“ für sich entdeckt. Doch wie sieht es in Wirklichkeit aus? Da lohnt ein Blick auf die wirtschaftliche Situation unserer direkten Nachbarn: In Dänemark, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, der Schweiz und Österreich wird pro Arbeitsstunde mehr bezahlt als bei uns. Nur in unseren beiden vom Sozialismus geschädigten östlichen Nachbarländern liegen die Stundenlöhne niedriger. Ganz ähnlich wie bei den Stundenlöhnen sieht es bei den Privatvermögen aus. Selbst in den „Krisenstaaten“ sind die Vermögen erstaunlich hoch. Auch wenn wir keinen Grund zur Klage haben: die wirtschaftliche Stellung Deutschlands in Europa resultiert eher auf der Größe des Landes, als auf seinem Reichtum.

Besonders interessant ist der Blick zu unseren französischen Nachbarn: Die Stundenlöhne in Frankreich liegen höher als bei uns, auch die Privatvermögen sind größer. So konnte Hollande seinen Landsleuten versprechen, dass er die Rente mit 60 einführen wird, Macron, etwas weniger großzügig, spricht sich für die Rente mit 62 aus. Mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 35 Stunden tun sich einflussreiche Kreise des Landes schwer. Selbstverständlich steht es jeder Nation in Europa frei, derartige Fragen nach eigenem Ermessen zu regeln. Wer aber Solidarität innerhalb Europas einfordern möchte, tut gut daran, die primären Wohlstandsindikatoren – Vermögen und kurze Arbeitszeiten – in den Vordergrund seiner Betrachtung zu rücken. Jahreseinkommen und Lebenseinkommen sind nur sekundäre Wohlstandsindikatoren und als Bemessungsgrundlage für Umverteilungsprozesse höchst ungeeignet.

Um es mit Martin Schulz zu sagen: Was sich die „hart arbeitenden Menschen“ nach dem 62. Lebensjahr und durch Mehrarbeit über die Woche erarbeitet haben, steht ihnen persönlich zu. Es ist nicht der „Knochenleim“, mit dem man Europa zusammenkleistern kann. – Claus-Werner Brill


Leserbrief zu „Ohne roten Faden” von Marc Brost et al.

Wenn die konservativen Wähler aus Protest gegen die CDU die AFD gewählt haben, weil Ihnen konservative Politik fehlte, was immer sie sich darunter in der globalisierten Wirtschaftswelt darunter vorstellen, wird diesen Jamaika nie Konservativ genug sein. Die Wähler werden so nicht von der AFD zurück geholt. Müsste es nicht R2G2 geben, um diesen Wählern zu sagen: „Wählt Ihr eine rassistische Partei bekommt Ihr linke Politik. Wollt ihr mehr konservatives müsst ihr nicht rassistische Parteien wählen, z.B. CDU/CSU“? – Gunnar Bewig


Leserbrief zu „Knausgård für die Jüngsten“ von Nina Pauer

Sie haben ja vollkommen recht: Conni-Machwerke sind langweilig, konformistisch, intellektuell von vorgestern. Aber wie begründen Sie das pauschale Urteil der Überschrift, „moderne Kinderliteratur (sei)so öde wie der Alltag“? Was für ein Unsinn. Kennen Sie nicht die großartigen, spannenden, anregenden Bücher von Rotraut Susanne Berner (Karlchen), Andreas H. Schmachtl (Tilda Apfelkern, Juli Löwenzahn) oder Tanya Stewner (Liliane Susewind)? Um nur einige Autor*innen und Titel aus der gegenwärtigen Kinderliteratur zu nennen, die keineswegs ein Nischendasein fristen, sondern ihre begeisterten Leser*innen finden.Vorausgesetzt, Sie sind selbst auf diese Alternativen neugierig – wäre es danicht sinnvoller, den eigenen Kindern und dem ZEIT-Publikum die Lust an solchen Büchern zu vermitteln, als ewig über Conni zu lamentieren? Seit ein paar Jahren haben meine Frau und ich die Freude, diese literarischen Wunderwerke mit meinen Töchtern (4 und 6) täglich zu erkunden. Seit wir Juli Löwenzahn und Liliane Suwewind kennengelernt haben, war von Conni nie wieder die Rede. Lesen Sie das mal mit Ihren Kleinen: Der Alltag wird dann ganz bestimmt auch nicht öde. Ganz abgesehen davon, dass auch Pippi Langstrumpf und all die anderen „Kindheitshelden der Eltern“ natürlich „moderne Kinderliteratur“ sind. – David Wachter


Leserbrief zu „Dann lieber grau“ von Benedikt Erenz

Dankeschön für Ihren Artikel über die städtischen Grünflächen. Ich stimme Ihnen vollkommen zu, die öden grünen Rasenflächen aus den Innenstädten neben die Autobahnen zu verbannen. Genauso die undefinierten öffentlichen Grünflächen mit Bank, Abfalleimer und vor sich hinvegetierendem Strauch. Als die Fläche mit Bank einst angelegt wurde, hatte der Planer sicher ein Bild vor Augen, wie diese Situation sich im Lauf der Jahre entwickeln sollte. Der einzelne Blütenstrauch und die um ihn herum gepflanzten Blütenstauden hätten sich in ihrer Pracht entfalten sollen. Ihre Blüten und Früchte hätten die Schmetterlinge, Bienen und Vögel anlocken sollen, um dem auf der Bank sitzenden Bürger die Vielfalt der Stadtnatur bewusst zu machen. Ihn vielleicht zu einem netten Plausch mit seinem Nachbarn verleiten sollen. Leider kam es nicht dazu, da sich niemand um die Vollendung der gewünschten Situation gekümmert hat. Der Strauch wurde sich selbst überlassen, vertrocknete zur Hälfte und wurde von der Acker-Winde als Rankgerüst genutzt.

Die Blütenstauden wurden vom Rasen verdrängt und der wurde zum Lieblingsplatz der anwohnenden Hunde. Zum ersten hinter die Bank geworfenen Kaffeebecher gesellte sich schnell die leere Zigarettenschachtel und das Bild entspricht nun dem, das wir aus vielen Städten kennen. Irgendwann kam der städtische Grünflächentrupp und verwies mit Maschinengewalt die Acker-Winde in ihre Schranken, verlieh dem Blütenstrauch einen kantigen Heckenschnitt und dem Rasen eine Pflegemahd. Wie sollten es die Bauhofgärtner auch besser wissen. Der Planer hatte ihnen nie gesagt, wie die Fläche denn zukünftig aussehen soll. Vielleicht wollten sie es auch nicht wissen. Die Lösung dieser Situation könnte vieles ändern. Herr Erenz, ich verstehe Ihren Frust über die grüne Wüste, aber die Lösung dazu darf nicht sein, alle verbliebenen Grünflächen in den Städten abzuschaffen. Wir befinden uns mitten im Klimawandel und dem größten Artensterben, das die Erde jemals erlebt hat. Das sommerliche Stadtklima wird für die Bürger immer anstrengender, die Hitzetage häufen sich, genauso wie die schlaflosen, schweißgebadeten Nächte. Die bedrohten Tierarten finden außerhalb der Städte aufgrund der perfekt organisierten Landwirtschaft, die kein Kräutlein stehen lassen will, immer weniger Lebensraum. Bekanntermaßen kann das Stadtgrün dabei helfen, den Klimawandel in den Städten erträglicher zu machen.

Stadtbäume sind die grünen Klimaanlagen der Stadt und der Raum um den Baum herum kann vom eingeweihten Stadtgärtner zum Eldorado der Biodiversität gestaltet werden. Große gesunde Bäume beschatten den Straßenbelag und die Häuserfassaden. Der Baum bewahrt den Stein davor sich aufzuheizen und Wärme zu speichern, die ansonsten in der Nacht in unsere Schlafzimmer wandert. Auch schwächt der Baum den Sturm, der gern an unseren Dachziegeln nagt und vieles mehr bringt er dem Stadtbürger, wenn er gesund wachsen darf. Der Bürger möchte auf einer Bank unter einem prächtigen Stadtbaum sitzen, der ihm Schatten spendet und durch seine Verdunstungskälte Kühlung verschafft. Um den Baum herum gedeihen vielfarbige nektarreiche Blütenstauden, auf denen sich die Insekten und Bienen tummeln und die Natur erlebbar macht. Der Stadtbürger verteidigt nicht die verwahrloste grüne Leere, sondern sehnt sich nach ästhetischem, ökologisch wertvollem Stadtgrün, in dem er sich aufhalten mag. Ihr dreistufiger Hauseingang gehört in die Stadt, aber das kleine bunte Staudenbeet neben der Treppe macht das Bild erst harmonisch. Das möchte der Bürger verteidigen, denn in einer solchen idyllischen Stadt möchte er leben. – Mario Dietrich


Leserbrief zum Titelbild „Fluch der Karibik“

Das Piraten-Titelbild ist das gelungenste Titelbild der ZEIT seit Jahren! Die Jungs unter Käpten Angelo sind lebensecht getroffen und das dramatische Szenario könnte direkt aus Hollywood sein. Großes Kompliment an den Grafiker/Designer. Angesichts dieses Motivs möchte man am liebsten gleich ins Kino, sich einen Piratenfilm reinziehen. Aber wir werden demnächst wohl genug Reality-Kinohaben. – Peter Eich


Leserbrief zu “Mit Stundenplan und Spucktuch“ von Friederike Lübke

Bitte hört auf, mit solchen Artikeln wie diesen die Mär „Ist Frau nur gut organisiert, dann schafft sie auch Kind und Karriere“ weiter zu füttern. Dies ist nämlich blanker Hohn und hat nichts mit „Organisation“ zu tun. Die Haushaltsabläufe u.ä. kann ich zeitsparend optimieren, aber ein Kind braucht langfristige und fürsorgliche Betreuung und die lässt sich nicht einfach mal schnell organisieren. Entweder übernimmt diese Betreuung während der Lernzeit der andere Elternteil (und bringt das Baby idealerweise sogar 4-5 Mal zum Stillen wie hier im Artikel) oder die Großeltern oder die Kita oder der Babysitter übernehmen das. Und hier liegt nämlich der Knackpunkt: Den Elternteil oder die Großeltern, die die Kinderbetreuung übernehmen wollen und können, kann ich nicht organisieren, die muss ich glücklicherweise HABEN und den Babysitter muss ich bezahlen KÖNNEN. Was es hier zu ORGANISIEREN gäbe, und zwar von unserer Regierung (!), wären Kita-Plätze sowie eine familienfreundliche Gesellschafts- und Firmenpolitik, die es ermöglicht, dass sich beide Elternteile gleichwertig an der Kinderbetreuung und -erziehung beteiligen können, ohne dass sie auf Hartz IV-Niveau absinken oder Burn Out bekommen. Nur so können Kind und Karriere /Studium „organisiert“ werden. – Susanne Lindenau


Leserbrief zu „Was heißt hier Gelb?“ von Uwe Jean Heuser

Warum habe ich das Gefühl, daß sich liberale Politik nur für Wohlhabende lohnt? Wenn ich mir das Ergebnis der FDP im Wahlkreis 167 (da wohnen anscheinend viele Wohlhabende) anschaue, z.B. Königstein/Kronberg FDP 25,7% (SPD 12,5%), dann frage ich mich, für wen macht die FDP Politik? Da gibt es den Anspruch der FDP zu besserer Bildungspolitik (durch verstärkte Digitalisierung), aber ich höre nichts darüber, daß die FDP die gläserne Decke für sozial Schwache in der Bildung einreißen will. Wäre das nicht „liberal“, wenn alle die gleiche Chance bekommen und dadurch eigenverantwortlich das Beste aus ihrem Leben machen könnten? Aber warum geht es dann nur um Digitalisierung und nicht um gleiche Bildungschancen? Ich warte nur auf einen Skandal – vergleichbar zur „Hotelsteuer“ – in den nächsten 4 Jahren… – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Ist das noch Kunst oder schon AfD?“ von Moritz von Uslar

Danke für die aussagekräftige Beurteilung es bescheidenen Buches von Oskar Roehler. Als Leser kann ich nur folgendes feststellen. Warum sollte ich mir diese Geschmacklosigkeiten, die auch noch unter „Literatur“ eingestuft werden, überhaupt zumuten. Der Titel des Buches ist wohl auf den sexistischen Mainstream ausgerichtet wie schon so viele zuvor. Danke für die Aufklärung und damit ist auch gut. Der Autor Oskar Roehler kann sich ja jetzt die „Kaputtheit mit „Hummerfressen“ ausgleichen. Sind doch bezaubernde Bilder vom Künstler. – Gerd Hummert


Leserbrief zu „Gefühlte Wirklichkeit” von Martin Schröder

Macht mir doch bitte das Zeitlesen nicht so schwer. Da beschreibt Casper Shaller das schwere Leben der Absolventen und zwei Ausgabe später geht es doch den Meisten erstaunlich blendend. Nun gibt es sicherlich unterschiedliche Bewertungen, aber in dieser krassen Form lässt mich das sehr unbefriedigt zurück. Mir wäre manchmal lieber, die Zeit würde selbst recherchieren und eine sachgerechte Schilderung bieten. Die von Shaller war es offenbar nicht. – Hans Ulrich Hoppe


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Der Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Mein großer Dank und meine Hochachtung ihm und der Zeit, die diesen Artikel gedruckt hat. Erstmals lese ich den Begriff des innerdeutschen Kolonialismus. Wie mutig, diese Wahrheit auszusprechen. Treffend auch das Bild: Betreuung und Bildung der kleinen Kinder, heute nur ein simpler Flickenteppich und die Asbestgebäude Westberlins stehen noch immer fest auf ihren Fundamenten. Es ermutigt mich auch, auf meine selbstverlegte Autobiographie hinzuweisen, in der ich authentisch und plastisch die Berliner Geschichte aus meiner persönlichen Sicht erzähle, seit den Kriegswirren bis in die jüngste Vergangenheit.  „Ja. Aber… Eine Berliner Ärztin erzählt “ (Auch als E-Book). Das Buch ergänzt die Sicht auf die Vergangenheit, um die Gegenwart besser zu verstehen und die Zukunft gestalten zu können. – Dr. Annebärbel Jungbluth


Leserbrief zur Graphik „Schläue beflügelt“ von Jelka Lerche und Miray Caliskan

Schön, dass Sie den zwar mitunter als dreist beschriebenen („Hans Huckebein“), aber, wie auch ich finde, durchaus liebenswerten Raben und Krähen eine informative Grafikseite widmen. Dass diese „gemeinsam die Familie der Rabenvögel Europas bilden“ ist jedoch eine erstaunliche Fehlinformation. Wozu gehören dann wohl die hierzulande verbreitet anzutreffenden Elstern und Eichelhäher? Da muss dann der irritierte Leser wohl selbst die Hausaufgaben der Redaktion machen und recherchieren, dass Raben und Krähen lediglich eine GATTUNG (Corvus) einer GRUPPE (Raben, Krähen, Eichelhäher und Nussknacker) der FAMILIE der Rabenvögel (Corvidae, mit 120 lebenden Arten in 25 Gattungen) darstellen. Zur selben GRUPPE gehört die nah verwandte GATTUNG Garrulus, zu der u. a. die Arten Elstern und Eichelhäher zählen. So kann man bei aller Schläue und Liebenswürdigkeit leicht einen besten Ruf verlieren. – Hans-Jürgen Tlusty


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

In der aktuellen Ausgabe der Zeit finden sich gleich mehrere Artikel, die sich mit dem Wahlerfolg der AfD befassen, und die sich um einen nachsichtig wohlwollenden Blick auf den Anteil, den die Wähler/innen in der ehemaligen DDR daran hatten, bemühen. Mich verstören alle diese Artikel ein wenig, und so möchte ich auf einen davon antworten, bzw. die eine oder andere Gegenfrage stellen. Herr Oberender vertritt einen ausgesprochen persönlichen und dabei auch vorwurfsvollen Standpunkt bezüglich dieser Thematik. Er macht allein den Westen verantwortlich. In der Summe erklärt er die Wiedervereinigung zu einem Anschluss („…, wurde aus dem Aufbruch ein Anschluss.“). Abgesehen davon, dass der Begriff ‚Anschluss‘ historisch schon belegt ist und damit hervorragend ins Schema mancher Rechter ‚Angriff ist die beste Verteidigung‘ passt, habe ich das damals deutlich anders erlebt. Ich war mit einer Vielzahl ‚deutscher‘ Staaten aufgewachsen. Neben der DDR und der BRD gab – und gibt – es ja auch noch Österreich, Luxemburg, Liechtenstein. Dem Adjektiv ‚deutsch‘ hatte ich konsequenterweise auch keine große Bedeutung beigemessen. Doch ich habe mich riesig über den Aufbruch in Ost- und Mitteleuropa gefreut, mich für die Menschen dort und die Möglichkeiten, die sich daraus für sie ergeben.

Einer Wiedervereinigung von etwas, das ich nur ‚unvereinigt‘ kannte, stand ich dennoch zumindest ambivalent gegenüber. Meine Begeisterung gar für irgendwelche ‚Anschlüsse‘ hielt sich demzufolge durchaus in Grenzen. Aber wenn ich mich erinnere, dann waren da Plakate ‚Wenn die D-Mark nicht zu uns kommt, dann kommen wir zur D-Mark!‘, da war eine Volkskammerwahl, bei der diejenigen gewannen, die nichts sehnlicher wünschten als eben diese Volkskammer im Zuge einer Wiedervereinigung aufzulösen. Der Westen Deutschlands hatte übrigens im fraglichen Zeitraum keine Wahl. Da war eine Kohl-Genscher-Regierung, die – zu meiner großen Erleichterung – ihren Zenit überschritten zu haben schien, die dann aber in den ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen im Osten einen Wahnsinnserfolg einfahren konnte und im Westen reanimiert wurde.

Ich habe mich damals der Mehrheit und in mein Schicksal gefügt, habe – nicht immer gern, aber doch in der Überzeugung etwas Vernünftiges zu tun – meinen ‚Soli‘ bezahlt. Und heute nun darf ich zusehen, wie dieses Land, das ja auch mein Land ist, von einer Minderheit in eine Richtung gedrängt wird, in die ich nicht will, weil, so wird mir erklärt, ich die Menschen im Osten nicht doll genug lieb gehabt habe. „Warum bekommen die [Flüchtlinge] Geld und Wohnungen und wir nicht?“? Zwei Billionen Euro (i.e. 2.000 Mrd. €!) sind nicht nichts, Herr Oberender! Nein, ich verlange keine Dankbarkeit. Hilfe für die, die sie benötigen, sollte selbstverständlich sein. Aber ich verlange eben das, dass Hilfe für die, die sie benötigen selbstverständlich ist, gerade auch von Menschen, die selbst Hilfe erhalten haben.

„Mit dem Verschwinden der Grenze bezog sich das wiedervereinigte Deutschland plötzlich auf Europa.“? Plötzlich?`Die Montanunion bestand seit 1952, die EWG seit 1957! „Deutschland hat sich Europa geschenkt“? Kaum ein Staat profitierte und profitiert so von der EU (und vom Euro!) wie Deutschland und damit eben auch die ehemalige DDR – die fünf ’neuen‘ Bundesländer erhalten nach wie vor Mittel aus der EU-Regionalförderung. Für mich als (zugegeben blöden, egoistischen) Wessi war die Entwicklung zur Europäischen Union (incl. Währungsunion) damals nur folgerichtig und überfällig. Geradeso wie mir heute Macrons Überlegungen zu Europa zwingend und – ja! – alternativlos erscheinen. Und was wäre denn da die Alternative gewesen? Ein sich in Selbstmitleid suhlendes, chauvinistisches Großdeutschland – ungefähr so, wie es die AfD heute fordert? Selbst wenn man außer Acht lässt, dass so ein Deutschland in der Mitte Europas eine veritable Bedrohung für alle seine Nachbarn wäre, denke oder besser: hoffe ich, dass die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung das nicht wollen würde. Würde ich heute gezwungen zwischen deutscher Staatsbürgerschaft und europäischer Unionsbürgerschaft zu wählen – ich müsste nicht einmal überlegen. Es stimmt schon, „heute sagt niemand mehr: Wir sind ein Volk.“ (Von jüngstem exzessiven Gebrauch des Wortes ‚Volk‘ einmal abgesehen.)

Könnte das eventuell daran liegen, dass diese Floskel historisch vor allem von kriegsbenebelten Kaisern und total benebelten Führern gebraucht wurde? Könnte es vielleicht sogar sein, dass wir gar nicht ein Volk sind, sondern eine bunte Ansammlung von Menschen und Gruppen von Menschen mit unterschiedlichen Interessen, unterschiedlichen Biografien, unterschiedlichen Identitäten, unterschiedlichen Zielen? Wir sprechen ja nicht einmal alle dieselbe Sprache! Neben (Hoch-) Deutsch wird in Deutschland Platt (-deutsch), Sorbisch, Friesisch, Romanes, Dänisch/Südjütisch, Niederrheinisch-Limburgisch gesprochen. In Schleswig-Holstein ist Deutsch als Umgangssprache nicht wesentlich älter als Gelaterien und Döner-Buden. Sie mögen mir verzeihen, Herr Oberender, dass ich in der Vielfalt, in der Multikultur den Charme unseres Landes sehe, nicht in einer deutsch-tümelnden Uniformität, und dass ich mich insofern mit Händen und Füßen dagegen wehren werde, irgendwohin ‚zurückgeholt‘ zu werden, wo ich nie war, wo ich nicht sein möchte und wohin ich niemals wollte. Sie haben recht, dass Integration wichtig ist, und vor allem auch, dass Integration bedeutet aus Verschiedenem eine neue Form von Einheit zu schaffen. Und ja, ein unterstützendes Kinderbetreuungssystem, wie in der DDR, ist überfällig.

Aber schon bei der Vorstellung eines ‚Haushaltstages für Frauen‘ stellten sich mir die Nackenhaare auf. Gerade hinsichtlich dieser Betreuung sind wir aber auch, so will es mir scheinen, auf dem Weg. Leider nun dauern manche Dinge in ‚diesem, unserem Lande‘ einfach etwas länger. Seit mit dem SSW erstmalig eine demokratische Partei vor der Atomenergie warnte, sind über 50 Jahre ins Land gegangen und wir haben den Ausstieg immer noch nicht abgeschlossen. Klar, auch mir fehlt es ab und an an der Geduld – z.B. wenn wir uns, wie jetzt, anschicken, die Erde im Rahmen einer Klimakatastrophe zu zerstören. Aber, dass die AfD „ihre Stimmen überwiegend jenen verdankt, die nicht das Programm der AfD unterstützen, sondern der Rache an den ‚Etablierten‘ Ausdruck verleihen“ wollten, akzeptiere ich so nicht. Wer eine Partei wählt, nimmt deren Inhalte zumindest billigend in Kauf! Und: Hätte eine ‚Protestpartei‘, die die Abschaffung aller Autos fordert, dieselben Chancen auf 25% gehabt, wie eine Partei, die ihre Bereitschaft geäußert, auf Kinder zu schießen? Warum also wählt jemand, der sich an den ‚Etablierten‘ rächen will, ausgerechnet eine Partei, die auf die Schwächsten in der Gesellschaft einprügeln will?

Ich sehe darin einen Rückzug in eine Opferhaltung: >Weil ich doch ein armes Opfer bin, bin ich nicht verantwortlich für mein Tun.< Sie sprechen in dem Zusammenhang von „Dekolonialisierung“. Wenden wir doch mal gemeinsam den Blick von Ost nach Nord: So wie Mecklenburg-Vorpommern vom Wirtschaftswunderland Obersachsen abgehängt wurde, so sind Schleswig-Holstein und Niedersachsen die ‚Left-Behinds‘ im Vergleich zu Bayern*. Als Altenpfleger verdiene ich in Schleswig-Holstein weniger als in irgendeinem anderen Bundesland (die NeBuLä) eingeschlossen. Die Bahn verbuddelt zur Zeit Milliarden in Stuttgart, ziert sich aber en même temps außerordentlich bezüglich einer besseren Anbindung Skandinaviens. Sogar im Wetterbericht wird Norddeutschland diskriminiert. Richtig gutes Wetter ist nur, wenn im Süden und in der Mitte die Sonne scheint, derweil es im Norden friert, stürmt und schüttet. Die meisten der oben genannten autochthonen Minderheitensprachen werden in Norddeutschland gesprochen und fast alle davon sind in ihrer Existenz bedroht.

Wenn nun aber die Regierung Mecklenburg-Vorpommerns ‚Niederdeutsch‘ zu einem ordentlichen Schulfach machen will, dann wird das als ‚Plattinum‘ lächerlich gemacht. Und das geht nicht nur den ‚Nord-Ossis‘ so, die Küstenkoalition in Schleswig-Holstein hatte mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen. Sollten nun vielleicht wir nach Dekolonialisierung rufen, sollten wir bockig werden und eine Protestpartei wählen, die dann vielleicht zur Abwechslung das Erschießen aller Hunde fordert? *So wie Sachsen die Ost-Hochburg der AfD ist, ist dies Bayern im Westen. Umgekehrt steht Schleswig-Holstein dieser Partei im Westen am ablehnensten gegenüber, so wie Mecklenburg-Vorpommern im Osten. Bei Betrachtung dieses Nord-Süd-Gegensatzes stellt sich mir die Frage, ob es nicht – statt des angenommenen Sozialneids – vielmehr asozialer Geiz war, der die Wahlentscheidung für die AfD beeinflusst hat. >Gib mir alles, was du hast, aber wage es ja nicht von mir zu verlangen etwas abzugeben! – Hermann Thomsen


Leserbrief zu „Dann lieber grau“ von Benedikt Erenz

Eingangs meines Leserbriefes möchte ich würdigen, dass Sie sich eines stadtplanerisch zentralen und brandaktuellen Themas unserer Zeit annehmen: Den Zielkonflikten in der urbanen Flächennutzung. Über die Form und die Schlussfolgerungen lässt sich wie bei jedem Thema trefflich streiten, daher möchte ich auf Ihr Statement reagieren. Zugebenermaßen ist mir gerade fast mein Abendessen im Halse stecken geblieben, als ich Ihren Artikel las. Mein letzter Rettungsanker bei meiner Verwunderung, ob dies wirklich Ihr Ernst sein kann, war die Vermutung, dass es sich hier um eine gezielte Provokation handeln könnte. Nun ich springe darauf an, da sich nicht alle meine Zweifel über die Motive Ihrer Argumentation ausräumen lassen. Die Daseinsberechtigung von Grünflächen an Ihr ästhetisches Empfinden zu koppeln, empfinde ich als äußerst wagemutig. Wie begründen Sie Ihre These? Sollen dann auch alle Häuser abgerissen werden, die Sie als hässlich ansehen? Welche Kriterien ziehen Sie für Ihre Wertung heran? Wo ziehen Sie die Grenze?

Selbstverständlich sind in der Stadtplanung der vergangenen Dekaden auch Fehlentscheidungen getroffen worden, deren gebaute Folgen wir jeden Tag er-leben. Viele Grün- und Freiflächen werden den funktionalen und gestalterischen Anforderungen nicht gerecht, was auch an der schlechten Finanzausstattung der kommunalen Grünflächenämter liegt (und Entscheidungsträgern, die den Wert von Grünflächen ebenso verkennen wie Sie). Die Stadt- und Landschaftsplanung auf die Zielstellung Ihres kitschigen Schönheitsbegriffs zu reduzieren, finde ich der Komplexität dieser Fragestellung in keiner Weise angemessen. “So einfach geht Stadt” eben nicht! Grünflächen bedienen nicht nur ästhetische Funktionen, sondern tragen wesentlich zu gesunden Lebensverhältnissen in der Stadt bei. Einige Schlagworte in diesem Zusammenhang: Ökosystemdienstleistungen, Klimafolgenanpassung, Gesundheit, Baukultur. Wer einmal im Sommer in Berlins Innenstadt war, kennt den Unterschied zwischen grünen und grauen Flächen nur zu gut. Zahlreiche Gutachten belegen den hohen Stellenwert des urbanen Grüns für den Lebensraum Stadt. Dies zu verkennen, grenzt an Realitätsverlust. Die eigene Polemik dadurch zu verstärken, indem Sie sich auch noch auf Doktoranden*innen als Stellvertreter*innen der Planungswissenschaften lustig machen, werte ich als Armutszeugnis und einer Veröffentlichung in der ZEIT unwürdig.

Vielmehr muss es darum gehen, die von Ihnen (berechtigt) kritisierte Grünflächen-Qualität zu steigern und die Stadtstruktur fit zu machen für die Folgen der globalen Megatrends. Hier sind konstruktive Ideen gefragt, an denen derzeit intensiv geforscht bzw. über welche politisch debattiert wird. Die Bundesinitiative “Grün in der Stadt” wirkt dabei besonders katalysierend. Die kommunalen Planungsämter stehen bei diesem Thema vor großen Herausforderungen, auf die es leider keine so einfachen Antworten gibt, wie Sie es hier versuchen darzustellen. Wenn Sie an einer fachlich fundierten Auseinandersetzung zu diesem Thema interessiert sind, bin ich dazu gern bereit. Denn Ihr Artikel offenbar letztlich, woran es allenthalben krankt: sachgerechte Information, Bewusstsein und Veränderungsbereitschaft zugunsten einer GUTEN Stadtplanung, die klimagerecht, gesund, gestalterisch qualitativ und somit letztlich nachhaltig ist. Im Übrigen habe ich zu diesem Thema vor kurzem eine wissenschaftliche Arbeit verfasst. Titel: Doppelte Innenentwicklung – ein integrierter Planungsansatz zur Stärkung grüner Infrastruktur im urbanen Raum. Ich habe also aufgepasst! – Ute Franke


Leserbrief zu „Einstieg in den Ausstieg“ von Christiane Grefe

Die Lektüre der Zeit genieße ich normalerweise wegen der umfassenden und ausgewogenen Darstellung komplexer Sachverhalte. Umso mehr fällt dieser unsachliche und ideologisch eingefärbte Beitrag von Frau Grefe auf, der ironischerweise in der Rubrik „Wissen“ erschienen ist. Man kann als Leitmedium nicht beklagen, dass Fehlinformationen auf breitere Bevölkerungsschichten an Einfluss gewinnen und dann deren Effekt auf selbige loben. Zunächst einmal sollte die in Frankreich generell zu beobachtende Abkehr von faktenbasierter Risikobewertung und deren Ersatz durch Ideologie keinesfalls ein Vorbild für Europa sein, sondern Anlass zur Sorge bieten. Fest steht, dass das als unabhängige Behörde von denen Grünen gegründete und von der Industrie finanziell unabhängige BfR sachlich und unideologisch auf Basis aller verfügbaren Studien festgestellt hat, dass bei sachgemäßer Verwendung keine Krebsgefahr besteht. Dem Institut vorzuwerfen die Industrie dürfe mitreden weil die Mehrzahl der Studien für die Zulassung (zu recht) von der Industrie bezahlt/durchgeführt werden mussten ist lächerlich, so lange die Studien methodisch sauber und reproduzierbar sind. Bedenklich hingegen ist die Nähe des Bundesumweltministeriums zu Umweltorganisationen, denen häufig eher die schnelle Schlagzeile und Verbreitung der eigenen Ideologie wichtig ist als die Suche nach wirklich nachhaltigen Lösungen.

Die Grünen, deren Ideologie Sie hier zitieren, haben sich von sachlicher Agrarpolitik längst verabschiedet. Der dosierte Einsatz moderner, streng geprüfter und biologisch abbaubarer Spritzmittel ist deutlich nachhaltiger als das Ausbringen von chemisch zufällig natürlich vorkommenden Schwermetallsalzen als Fungiziden (klar, ohne Chemie), die nachweislich die Biodiversität im Boden schädigen. Und das obwohl es bewährte, vollständig abbaubare Alternativen gibt, die jahrelang erlaubt waren. Bei so viel Dogma und Ideologie statt nüchterner Betrachtung von Nachhaltigkeit verschwinden die sinnvollen Ansätze wie z.B. Einhaltung von Fruchtfolgen fast im Hintergrund. Warum sollten, im Falle der von Ihnen in Betracht gezogenen Unbedenklichkeit, nicht ausgeräumte Bedenken von 1.3 Millionen Laien irgendeine Relevanz haben? Deren Meinung wurde durch Parteien und NGO‘s mittels Agitation durch Fake News gebildet (z.B. grüne Studie zu: (Kein) Glyphosat in Muttermilch).

Wer am lautesten schreit hat meist nicht recht. Oder würden Sie auch befürworten das Grundgesetz abzuschaffen, wenn Extremisten in Deutschland 200000 Unterstützer dafür finden und es der Politik und Wissenschaft nicht gelungen ist deren „Zweifel auszuräumen“. Dass Glyphosat Gift für den Artenschutz sei ist eine willkürliche Behauptung. Wie in einem lehrreichen Zeit-Interview mit Hanno Schäfer festgestellt, ist der beste Artenschutz eine möglichst intensive (und Bodenqualität erhaltende) Landwirtschaft auf einer möglichst geringen Fläche. Um Ihre Behauptung umzudrehen: Wenn Glyphosat also eine effiziente Landwirtschaft unterstützt und dafür mehr Fläche brach liegen kann, leistet es einen Beitrag zur Biodiversität, denn eine Toxizität gegenüber Insekten ist meines Wissens bei normaler Anwedung nicht bekannt. Falls man die Aussage nur auf das Feld bezieht, auf dem man Glyphosat anwendet, wäre der Effekt äquivalent zu einer Entfernung des Unkrautes mit der Hacke. – Dr. Immanuel Willerich


Leserbrief zu „Ohne roten Faden” von Marc Brost et al.

Im letzten Absatz wurde das Hauptproblem der Grünen genannt: Die Gefahr, zwischen den Mühlsteinen von CSU und FDP zerrieben zu werden. Aber falls sie geschickt verhandeln, ihre wichtigsten Anliegen nicht verraten und es erreichen, für das Scheitern der Koalitionsverhandlungen den Vorsitzenden der CSU verantwortlich zu machen, wird sie das nicht „kaputt machen“, wie die Autoren eine Befürchtung aus der Partei zitieren. Wenn die Anführer der Grünen eine konstruktive Politik beabsichtigen, sollten sie Frau Merkel vorschlagen, von Fall zu Fall eine Minderheitsregierung zu unterstützen. Was in Dänemark, Norwegen und Schweden schon häufig funktioniert hat, sollte auch in Deutschland möglich sein. – Armin Steinmüller


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Vielen Dank Herrn Oberender für seine „Nachfragen zum Tag der Deutschen Einheit“. Die aufmerksame Lektüre seiner Analyse des Dialogs und des Zusammenlebens zwischen den Deutschen zwischen Rhein und Oder in den vergangenen 27 Jahren möchte ich besonders all Jenen (auch Politikern) empfehlen, die die auch in meinen Augen beschämende hohe Zustimmung für die AfD bei den Bundestagswahlen in den neuen Bundesländern hauptsächlich einer ungerechtfertigten Verlierer- und Jammermentalität der Ostdeutschen zuschreiben.  Eine solche Haltung bedient nur sattsam bekannte Ressentiments und ist in keiner Weise geeignet, einem unserem Land dienenden Zusammenleben aller Deutschen gleich welcher Herkunft gedeihen zu lassen. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft ein Gefühl des Glücks und das Bereichernde des Zusammenlebens unseres Volkes ohne Mauer den Tag der Deutschen Einheit prägen möge, und das nicht erst nach weiteren 27 Jahren. – Hannelore Steer


Leserbrief zu „Dann lieber grau“ von Benedikt Erenz

Das ist doch Kokolores! Ich fasse es nicht: „Grünflächen sind Wüste“? – Beton  (mit beschmierten Wänden), das ist  W ü s t e  und beleidigt unsere Augen in der Stadt. Aber Grünflächen? Sie beruhigen, lassen Wasser durch, Kleinviecher finden Unterschlupf, wenn nicht zu stark rasiert wird. Zugegeben, Bäume sind noch besser und „gestaltete“ Flächen wären ein großer Gewinn. Aber vielleicht sind die Grünflächenämter-Fuzzies  nur zu fantasielos?

Aber es gibt Lichtblicke an den Straßenrändern, zumindest in Hannover: die Narzissen und Tulpen im Frühjahr, hier und da Klatschmohn im Sommer, das ist doch ein Anfang! Und: Was halten Sie (und die Zeit-Leser) vom Guerilla-Gardening? Das ist doch die richtige Strategie um der Ödnis von Rasenflächen zu begegnen –  zur Freude der Spaziergänger. – Ilse Kämmer


Leserbrief zu „Blick ins Herz der Finsternis“ von Urs Willmann

Auf Seite 41 ist euch bei der Beschriftung der Grafik ein Fehler unterlaufen. Die mit „Erdkruste“ bezeichnete Zone ist Teil des Erdmantels. Die Erdkruste ist nur der etwas dunkler gezeichnete dünne Strich ganz außen mit tatsächlicher Dicke von 5 bis 70 km. Dabei ist er im Verhältnis noch viel zu dick eingezeichnet. 70 km wären im Verhältnis der Zeichnung nur 0,4 mm, die durchschnittliche Dicke von 35 km wären etwa 0,2 mm. Die Welt, die wir als gewaltige Gebirge und festen Grund und Boden wahrnehmen ist wissenschaftlich betrachtet eine sehr, sehr dünne Eierschale und sollte in einem Artikel über Erdbeben auch so dargestellt werden. – Hannes Eichinger


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Diesem Aufsatz ist nichts hinzuzufügen, denn er trifft den Nagel auf den Kopf. Endlich Offenheit in der Debatte und das richtige Gespür für die echten Fragen. Bravo ! – Wolfgang Schuckmann


Leserbrief zu „Ich ist ein anderer“ von Christoph Drösser

Natürlich sollte der Vergleich eines standardisierten Persönlichkeitsfragebogens – in Ihren Worten: „Psychotest“ – mit anderen, sog. externen Kriterien korrelieren. Leider erwähnen Sie den Test nicht, den der Kollege Kosinski ins Netz gestellt hat: Sie schreiben lediglich, dass es sich um „100 Fragen“ handelt. Unterstellt, dieser Fragebogen ist gemäß wissenschaftlicher Kriterien entwickelt (wie z.B. die Testverfahren des Hogrefe Verlags, Göttingen), da auf der Website der Universität Cambridge veröffentlicht, können Sie von einem seriösen Verfahren ausgehen. Dass andere – hier: BigData – Verfahren zutreffende Vorhersagen zu bestimmten Verhaltensweisen machen, ist ein Beleg für die Wahrheit der großen Zahl, nämlich der Statistik. Ob Sie aber im Vergleich von standardisiertem Test und einem Big-Data-Algorithmus dieselben Eigenschaften vergleichen, konnte ich aus Ihrer Reportage nicht entnehmen.

Die Validität von „Like“-Symbolen auf einer Website (hier: Facebook) bezüglich den von Ihnen zitierten Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen wird von Ihnen nicht aufgezeigt: Die Gültigkeit des Kriteriums „Like“ mit z.B. Offenheit oder Verträglichkeit. Wieso sollte, wie Sie weiter schreiben, „mit jedem „Like“… die Aussage präziser“ werden? Welche Untersuchungen wurden durchgeführt, um die sinnhafte Korrelation der Testfragen mit „Likes“ zu überprüfen? Korrelieren können Sie alles mit allem – solange Sie keine inhaltliche Plausibilität zwischen den korrelierten Kriterien finden, kann das Resultat sinnfrei sein. Eine Korrelation ist lediglich ein statistischer Zusammenhang, oder eine Wahrscheinlichkeitsverteilung – zunächst einmal von Häufigkeiten, oder eben: Zahlen. Keine statistische Zahl kennt die Inhalte, die sie ins Verhältnis setzt. Die kann nur der Wissenschaftler belegen. Dieser Beleg wird leider nicht erkennbar. – Michael Berger


Leserbrief zu „Dann lieber grau“ von Benedikt Erenz

Nicht alles, was grün ist, ist schön, da stimme ich Ihnen zu. Sie vergessen in Ihrem Engagement für die Vollbebauung aber zwei ganz wichtige Funktionen der ungeliebten Grünflächen: die Geruchs- und Schallisolierung, speziell im Sommer, wenn viele Fenster und Balkontüren offen sind. Nein, ich möchte nicht jeden Streit, jeden Liebesakt, jeden Kinderlärm in der Nachbarschaft akustisch miterleben müssen, nicht jeden Furz, jeden Rülpser, jeden Hustenanfall, nicht jede Klospülung, incl. der Geräusche, die ihr vorausgehen, ich möchte gelegentlich in Ruhe mein eigenes Musikprogramm hören, statt mit einer musik- und TV-basierten Kakophonie von draußen überzogen zu werden; und unbedingt mitriechen zu müssen, was meine Nachbarn sich einverleiben, vom Gestank der von Ihnen romantisierten Pissecke ganz zu schweigen, war auch nie mein Ziel. Dies sollten Sie bei Ihrem radikalen Stadtkonzept vielleicht mitbedenken: Menschen leben friedlicher zusammen, wenn ein bisschen Platz zwischen Ihnen ist. – Dr. Sabrina Hausdörfer


Leserbrief zum Titelthema „Fluch der Karibik“

Aber endlich wird wieder gestritten… Angela Merkel hat in den vergangenen Jahren bewirkt, dass durch eine Polarisierung in „die Guten“  und „die Bösen“ ein Keil bis in die Familien und Freunde der deutschen Bevölkerung getrieben wurde, der das Land spaltet. Da dies das Ende einer„Streitkulturbedeutet, begrüße ich es sehr, dass mit der ZEIT-Ausgabe N° 40 „Endlich wird wieder gestritten…“ eine Wende zum Positiven, einer differenzierten und streitbaren Sichtweise der Lage, deutlich wird. Denn dann besteht Hoffnung, dass Heraklits Ausspruch im Sinne von „Der Streit ist der Vater aller Dinge“ wieder als Weisheit und nicht als Dummheit der Bösen verstanden wird.  Ich erlaube mir einen Hinweis im Anhang beizufügen. Für die großen Herausforderungen des gesellschaftlichen  Wandels bieten Eckert & Gonzalez (2017) ein Denk- und Strategiemodell an, das der Frage nachgeht: Warum wir in komplexen Systemen – also allen gesellschaftspolitischen – unter großem Aufwand das Gegenteil von dem erreichen, was wir als Ziel definiert haben. – Prof. Dr. Ines Heindl


Leserbrief zu „Über echte und falsche Ansichten“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Herr Martenstein berichtet über den merkwürdigen Umgang mit seinen Auffassungen durch die Heinrich-Böll-Stiftung oder das ND und fühlt sich dabei an die DDR erinnert. Zurecht, muss ich sagen. Leider ist das in der heutigen Zeit kein Einzelfall, sondern weit verbreitet. Diesen „Diskussionsstil“ bemerke ich häufig bei den Grünen und den Linken. Aber auch die anderen etablierten Parteien sind nicht frei davon. Schlimmer noch, diese Art der Auseinandersetzung begegnet mir oft in den Medien, es ließen sich weitere Bereiche nennen. Gerade bei Diskussionen zur Flüchtlingskrise (aber nicht nur dort) konnte (und kann) man den DDR-Stil ausgiebig bewundern.

Typisch ist zunächst, das eine Argumentation ersetzt wird durch das Zuordnen der nicht goutierten Meinung zu einem unakzeptablen „Ismus“: Zu DDR-Zeiten war das – neben dem im Artikel erwähnten Trotzkismus – der Revisionismus. An ihre Stelle sind jetzt Rassismus, Sexismus u.s.w. getreten. Beide Diskussionsstrategien verwenden auch gern das Wort Hetze. „Hetze gegen die Sowjetunion“ hatte so manchem DDR-Bürger Gefängnis eingebracht, vor allem in der Anfangszeit. Auf der anderen Seite werden positive Begriffe okkupiert. In der DDR war das z.B. der Frieden, jetzt sind es u.a. Toleranz und Weltoffenheit. Vertrat man damals eine unbotmäßige Auffassung, so wurde man gefragt: „Du bist wohl nicht für den Frieden?“  Heute führen kritischen Äußerungen zu Migrations-Themen schnell zu dem Vorwurf, für Toleranz und Weltoffenheit generell nicht viel übrig zu haben.

Typisch für beide Diskussions-Stile ist auch der Umgang mit Vorkommnissen, die nicht ins Konzept passen, aber nicht mehr verschwiegen werden können: Sie sind grundsätzlich als Einzelfall zu betrachten. Daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen, ist verboten. Dieses Vergehen heißt heute Pauschalisierung, wie man damals sagte, weiß ich nicht mehr. Übrigens ist die Pauschalisierung heute nicht grundsätzlich verboten. So ist sie z.B. bei Ostdeutschen, Lehrern oder Polizisten erlaubt.

Aber zurück zum Thema: Erwähnt werden muss, dass beide Strategien sogar gleiche Redewendungen nutzen. Zum Beispiel, wenn bestimmte Dinge unerwähnt bleiben sollten, wurde zu DDR-Zeiten gesagt: „Das spielt dem Klassenfeind in die Hände“. Heute sagt man das – bei gleichem Verwendungszweck – praktisch genauso. Statt auf den „Klassenfeind“ wird jetzt lediglich auf die „Rechten“ verwiesen. Genug der Beispiele. Wohin ein derartiger Umgang mit Fakten und Meinungen, die man nicht hören möchte, führt, ist am Beispiel der DDR gut zu erkennen: Zum klanglosen Untergang. Und, um im Jargon zu bleiben: Dieser DDR-Diskussionsstil spielt der AfD in die Hände – vor allem im Osten Deutschlands. – Siegfried Vieth


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Der sehr gute Artikel erinnerte mich an ein Buch, welches ich 1995 als Vorbereitung für eine rd. 5 jährige berufliche Tätigkeit in Sachsen-Anhalt mit großem Interesse gelesen habe und nun anlässlich der verschiedenen (leider häufig sehr eindimensionalen) Deutungsversuche für das Wahlergebnis nochmals zur Hand genommen habe. In seinem bereits 1990/1992 veröffentlichen Buch „Der Gefühlsstau“ beschreibt der Hallenser Psychologe Hans-Joachim Maaz ein einfühlsames Bild der Gesellschaft im Osten. Gleichzeitig stellte er schon damals die richtigen Fragen . Ich zitiere: Wo sind die ehrlichen Politiker des Westens, die uns(die Bürger Ostdeutschlands)warnen und informieren

über die Fehlentwicklungen und Nöte ihres eigenen Systems, und die uns nicht mehr nur selbstgefällig ihre“Überlegenheit“anbieten? Wo sind die ernsthaften Überlegungen, was sich auch in der Bundesrepublik verändern müßte, damit ein gemeinsames Deutschland für Europa eine Chance und nicht eine neue Gefahr wird? Zu glauben, daß wir in der der DDR nur so werden müßten , wie der große und reiche Bruder und dann wäre auch für uns alles gut, ist so kurzsichtig wie verlogen.(Zitat ende) Über 20 Jahre nach dem ersten Lesen dieses Buches verneige ich mich nochmals vor Hans-Joachim Maaz, hat er doch bereits damals nicht nur ein Psychogramm der DDR erstellt, sondern vor allem auch die verschiedenen Folgewirkungen aufgezeigt, wenn die vielen (insbesondere auch emotionalen) Probleme und Defizite nicht aufgearbeitet/verarbeitet werden. – Eckhard Bannas


Leserbrief zu „Über echte und falsche Ansichten“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ihre Kolumne hat mich wirklich getroffen. Man weiß das ja alles, aber dass auch seriöse Kreise da mitmachen, hatte ich nicht gedacht. Es ist alles so konkret, lassen Sie sich nicht einschüchtern, ich lese ihre Kolumne sehr gerne, Sie finden immer so interessante Themen, ich kann mich sehr oft anschließen. – Marianne Boberg


Leserbrief zur Graphik „Schläue beflügelt“ von Jelka Lerche und Miray Caliskan

Vielen Dank für die bisherigen Folgen der ZEIT Infografik. Für mich ist die Printausgabe der ZEIT immer noch das #1 Qualitätsmedium in Deutschland. Heute aber möchte ich Ihnen schreiben, weil mir die Fehler in der Infografik einfach zu grob und zu viel waren – ich bin zwar Ornithologe, aber diese Fehler sind so eklatant und ich bin sicher, dass die Fakten auf den angegebenen Internetseiten von NABU und LBV dort korrekt sind. 1.Rabenvögel Europas. Dass hier die seltenen Alpendohlen (immerhin deutscher Brutvogel) und die Alpenkrähe nicht auftauchen, ist ggf.  noch akzeptabel (obwohl beide überwiegend schwarz gefärbt sind und damit voll ins Bild passend). 2. Dass allerdings die Elster fehlt (!) ist ein sehr bedauerlicher Fehler, zumal auch Elstern über hohe kognitive Leistungen verfügen, wie z.B. die Selbsterkennung im Spiegeltest. 3. Es fehlen ebenfalls die beiden Häherarten, zumindest der Eichelhäher ist so häufig, dass er gut in die Aufzählung gepasst hätte. Außerdem wurden die soziale Kognition und das Futterverstecken besonders an Häherarten untersucht (in den USA, übrings auch von Emery, den Sie in diesem Zusammenhang zitieren). 4. Sie beschreiben eine Aaskrähe und eine Nebelkrähe. Dies ist in der vorliegenden Art vollkommen falsch. Es gibt eine Aaskrähe als Superspezies, die in zwei Formen aufgeteilt ist, die sich gerade im Endstadium der Artbildung befinden: die Rabenkrähe und die Nebelkrähe. So wäre es richtig benannt. Man hätte also entweder Raben- und Nebelkrähe darstellen können oder eben nur die Aaskrähe (dann allerdings die Nebelkrähe weglassen). 5. Rabenkrähe und Nebelkrähe sind auch fast gleich groß, sodass die Größendifferenz von 5 cm vollkommen unzutreffend ist, zumal ja die Nebelkrähe (wie auch die Rabenkrähe) als eine Aaskrähe beschrieben werden könnten. – Christoph Randler


 

Leserbrief zum Titelbild „Fluch der Karibik“

Großartiges Titelbild „Fluch der Karibik“. Gibt es das zum Kauf? Ich sähe es gerne in meinem Büro. – Dr. Peter Woeste


Leserbrief zu „Ohne roten Faden” von Marc Brost et al.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Nun hat man „die mächtigste Frau der Welt“ auf ihre tatsächliche Höhe gekürzt und alle sind erstaunt. Frau Merkel bleibt gelassen: die CDU hat die meisten Stimmen. Aber natürlich kann man nicht allein regieren (Gott sei Dank), aber auch nicht ohne sie.  Die etablierten Parteien, die uns jahrzehntelang Offenheit – Toleranz – Multikulturalismus ins Poesiealbum druckten, dürfen jetzt mit Respekt ihre bunte Patchwork-Koalition bilden und uns beweisen, wie integrationswillig und -fähig sie sind. Die hohe Staatskunst erfordert, nicht nur den eigenen Willen, sondern auch den Wählerwillen zu würdigen: Wähler, deren gelebte Wirklichkeit seit langem der schwierige Umgang mit gebrochenen beruflichen  und privaten Biographien bedeutet und die einen legitimen Anspruch auf geordnete und rechtssichere  Gesellschaftsbedingungen einfordern können. Ich hoffe, sie schaffen das!, damit man nicht am Ende nach einem visionären Heilsbringer von außerhalb  Ausschau hält. – Rena Bzoch


Leserbrief zu „Nicht sein Land” von Bernd Ulrich

Sich in dem Land, in dem man lebt, beheimatet zu fühlen – ist wohl mit das Schönste, denn es bedeutet, angekommen zu sein, sich angenommen und akzeptiert zu fühlen. Wenn das nicht mehr gegeben ist, verlassen Menschen das Land, ob real oder emotional. Und das geschieht auch hier, nicht nur in Syrien oder in Afrika. Mathias Döpfner hat in seiner Rede zum ‚Journalismus als Werkzeug der Freiheit‘ auch nicht „pompös“ nur über den Islamismus gesprochen, Herr Ulrich, wie Sie es darstellen, sondern er hat festgestellt, dass auch intolerante Minderheiten einer Demokratie gefährlich werden können – und dies von links, von rechts und von islamistischer Seite. Und damit hat er Recht, denn genau das haben wir doch in den letzten Jahren erlebt. Sich jetzt nur auf eine Seite – auf rechts – zu fokussieren, wie Ihr Beitrag es impliziert, ist viel zu einfach gedacht und wird der AfD im Zweifel mehr nutzen als schaden. Intoleranz darf nicht akzeptiert werden, egal von welcher Seite. Wenn eine Pseudo-Political-Correctness Demokratie beschädigt, dann spätestens wird es Zeit, den Mund aufzumachen und die Gegner der Demokratie offen anzugehen. Dazu gehört sicher auch die ‚gauländische‘ AfD, aber nicht nur. – Lisa Werle


Leserbrief zum Titelthema „Fluch der Karibik“

„Was mich betrifft, ich hab´ die Faxn satt“ (sang Reinhard Mey). Unser Fluch ist nicht die Karibik, sondern unsere Ellbogen-Gesellschaft mit ihren Nebenkriegs-Schauplätzen!  Wenn „Jamaika“ und erneute GroKo nicht klappen (sollten), gibt es noch eine (ganz) andere Option, Neuwahlen – und damit eine Minderheitsregierung (die AFD würde noch stärker) – zu verhindern: 52 %!  Auf den ersten Blick leuchtet es sicher nicht ein, den Wahlverlierer SPD mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Wahlverlierer ist aber auch die Union (die CDU hat allerdings6,3 % mehr Stimmen als die SPD erhalten).  Diese Regierungsbildung ist für Martin Schulz sicher keine Belohnung. Aber eine lohnende Aufgabe wäre es schon, mit 3 Wahl-Gewinnern zu koalieren. Alle könnten ihre Schwerpunkte vertreten und sich für die nächste Wahl in Stellung bringen. Auch um die Opposition müsste man sich wohl keine größeren Sorgen machen. Neuwahlen zum jetzigen Zeitpunkt wären jedenfalls das größere Übel! Damit appelliere ich an Rot/Gelb/Rot/Grün, sich ihrer oft gerühmten Verantwortung zu stellen!

Auch wenn nicht alles in den Programmen dieser Parteien für mich wünschenswert ist, findeich alles Wünschenswerte darin (ohne Anspruch auf Vollständigkeit und in bedeutungsloser Reihenfolge):  – Abschaffung des Kooperationsverbots  (bei namentlicher Abstimmungkönnte die dafür erforderliche 2/3-Mehrheit erreicht werden) – Korrekturen der Agenda 2010 -Weitere Erhöhung des Mindestlohns – Ein Energiekonzept, das diesen Namen verdient – Eine große Bildungsoffensive -Ein Einwanderungsgesetz (und dessen konsequente Umsetzung!) – Verantwortbare Wohnungs-Politik – Zukunftsweisende Steuer-Politik (dazu gehört auch eine höhere Erbschaftssteuer!) – Sicherung der Renten (auch der Betriebsrenten) – Gerechte(ere) Finanzierung der Gesundheitsversorgung  (z. B. Verdoppelung der Beitragsbemessungsgrenzen!)  Dasbedingungslose(?) Grundeinkommen ist ein Fall fürdie vollendete Solidar-Gemeinschaft. Wäre- frei nach E. Kästner – die noch unvollendete kein Ziel? (auch für die FDP?) – Helmut Lenhart


Leserbrief zu „Über echte und falsche Ansichten“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ich folge Ihnen dabei, die beschriebenen Verunglimpfungen zu kritisieren, ja empfinde sie als unangemessen, stillos, Menschen verachtend, selten dämlich. Solange ich mich (unter meinem Klarnamen) mit Kommentaren im Netz „tummelte“, schlugen auch mir – aus dem Hinterhalt der Anonymität – ähnliche Reaktionen wie Ihnen entgegen. Irgendwann habe ich mich entschieden, dem nicht mehr auszusetzen.

In Ihrem Fall machen Sie pauschal und undifferenziert „Die Linken“ verantwortlich. DIE Linken – eine Abstraktion, ähnlich wie DIE Frauen oder DIE Männer. Es gibt sie nicht, sondern nur Personen. Dadurch geht für mich manches der in Ihren Sätzen enthaltenen Qualität verloren. Ihr „blinder Fleck“? Wie sagte einmal ein begnadeter Karikaturist: „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche!“ – Wolfgang Leiberg


Leserbrief zu „Dann lieber grau“ von Benedikt Erenz

„Grau“ sind unsere deutschen Nachkriegsstädte ohnehin schon genug. Noch mehr grau in grau macht das Leben in der Stadt noch trostloser. Wer traditionsreiche Stadtparks wie den Londoner Hyde Park zu überbauen vorschlägt, haut in die Kerbe eines Le Corbusier, der die europäischen Altstädte komplett abzureißen gefordert hatte. Um darauf seine Visionen für Trabantenstädte zu errichten. Die Stadt aus der Retorte schuf dann auch die beklagten „Grünflächen“ zwischen den Häuserblöcken und Hochhäusern. Stadt sind Häuser, Straßen, Gassen, Alleen, Plätze, Parks und: Wasser und Landschaft. Eine Stadt wie Hamburg ist ohne Wasser nicht vorstellbar. Das wird viel zu wenig genutzt.

Stattdessen wird noch immer die Le-Corbusier-Vision der funktionalen, autogerechten und durchgrünten Satellitenstadt favorisiert, wenn es jetzt darum geht, Pläne für einen neuen Stadtteil Grasbrook zu entwerfen, die bedeuten: nur wieder neue Grünflächen und Leere zwischen öden Baublöcken, Klötzen und Hochhäusern. Stadt ist Wasser,nicht mehr mit dem Auto, mit dem eigenen Boot fährt der Bewohner durch die neuen Elbgrachten, Landschaftskanäle und über die Elbe in die Innenstadt. Venedig-Flair mit Brücken und Bootsanlegestellen inspiriert zum reizvollsten Wohnen am Wasser. Stadt ist Landschaft: der westliche Teil der nach meinem Plan von der Halbinsel zur Insel verwandelten, neuen Stadt am Wasser bleibt der Natur, und damit der Klimaverbesserung und Regenerierung der Fauna und Flora, vorbehalten. Nicht im ´Grau´ einer wie spektakulär visualisierten, neuen und gigantomanischen Trabantenstadt, sondern im Ziegelrot der neuen Häuser am Wasser, dem Blau der Elbgrachten und Grün der neuen Elbauen- und strände – so entwerfe ich die Stadt der Zukunft.

Eben nicht „groß denken“ – weil damit nur wieder ´großer´ Schaden angerichtet wird – sondern an die Natur und die Menschen, ihre wahren Sehnsüchte und Träume von einem liebenswerten und naturnahen Leben in der Stadt, denken. Und eben nicht „aufs Land fahren“ und „sich in all den herrlichen Landschaften zwischen Rügen und dem Allgäu vergnügen“. Weil dann wieder nur Millionen Menschen wie gehabt aus den Trabantenstädten und Wohnsiedlungen fliehen und diese Landschaften mit Infrastruktureinrichtungen und Emmissionen belasten. Zuhause bleiben, in den eigenen vier Wänden, der Wohnung direkt am Wasser, den Strand vor der Tür und eine neue, ´herrliche Landschaft´ ganz in der Nähe. Das ist meine Vision. Aber wen interessiert die schon in dieser Bau-Welt des Strebens nach Ruhm, Profit und Gewinn? – Axel Spellenberg


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Selten eine so unaufgeregte Stellungnahme gelesen. Die von Ihnen vorgenommene Bewertung der Gesamtlage ist exakt, weil der Westen in der Übergangsphase die Befindlichkeiten der Ostdeutschen total an die Wand gefahren hat. Diese gesellschaftliche Missachtung kommt im Rundumschlag nach Jahren zum Vorschein. Ihre Analyse finde ich z.Zt. als die beste in Bezug auf die Befindlichkeiten. Wenn die Politiker glauben, immer dann sich vor dem Wähler sehen Lassen zu müssen, wenn die Stimme gefragt ist, stimmt etwas nicht im Gefüge der demokratischen Ordnung. Auch sind Rundumschläge und das Abstellen in bestimmte Schubläden keine lebhafte Auseinandersetzung mit dem Wähler. Wir sind des öfteren im Osten unterwegs gewesen. Was hier geschaffen wurde, ist vorbildlich, im Sehbereich. Daher ist Ihre Feststellung „die mit dieser partiellen Geschichtsblindheit im Westen und der Entwertung kompletter Lebenswelten im Osten“ eine ganz wichtige Ausgangslage zum Erstarken einer noch nicht einzuschätzenden Partei. Jedoch, Extreme gab es immer schon und eine lebendige Demokratie wird damit umzugehen wissen. Danke für Ihren Nachdenkenswerten Beitrag. – Gerd Hummert


Leserbrief zu „Was heißt hier Gelb?“ von Uwe Jean Heuser

Chapeau – ich hätte es nicht besser formulieren können! Die FDP postulierte im Wahlkampf nicht nur an den falschen Orten ihre Forderung nach einem ungezügelten Markt (Mietwesen, Energie), sie hört auch weg – da wo sie ihre Lauscher spitzen müsste: Beim einfachen Volk, auf dessen Ver-Dienste Stabilität, Wohlstand und Arbeitsfrieden gründen. – Karin Unkrig


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Der Artikel stellt die beste und überraschendste These zur Lage der „Ostländer“ auf, die ich bisher gelesen habe. Er stellt – so will mir scheinen- die bisherige West-Ost-Diskussion („Keine Demokratie-Erfahrung im Osten“; „keine Dankbarkeit“) vom Kopf auf die Füße: Die DDR-Bürger hätten die Wende mit revolutionärem Elan und unter hoher Gefahr selbst herbeigeführt und niemand honoriere das. So entsteht logischerweise eine Art von „ostdeutscher Bitternis“ aufgrund der „partiellen Geschichtsblindheit“ im Westen sowie ein „Gefühl von Verlust und Entwertung der eigenen Lebensgeschichte“.

Man kann sich nur wünschen, dass diese umfassende Analyse dazu führt, dass der nachwachsenden Generation der geglückte Umsturz als Leistung nahegebracht wird und die Männer und Frauen, die an vorderster Front Verantwortung übernahmen, gewürdigt werden, zum Beispiel dadurch, dass man Straßen nach ihnen benennt. In Tschechien wird die „Wende“ bis heute „samtene Revolution“ genannt. Das Wort „Revolution“ fehlt bei uns völlig. – Dr. Karin Michaelis-Jähnke


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Es ist schwierig, in einem kurzen Leserbrief zu den Aufzeichnungen von Herrn Dr. Thomas Oberender Stellung zu nehmen, weil er, um seinen „Nachfragen“ Gewicht zu geben, über das eigentliche Ost-West-Problem, wenn auch immer nur andeutungsweise, hinausgeht. Z.B. Frauenvollbeschäftigung, Europa, Dinslaken, Grundgesetz. Um die für mich wichtigen Punkte herauszugreifen: Demokratie muss tatsächlich gelernt werden, das haben auch die Westdeutschen nach dem Krieg lernen müssen. In den Ostblockländern ist dieses „Umschulen“ bis heute nicht gelungen.

Weil man sich „abgehängt“ und „übersehen“ fühlt, weil man ihnen „Stolz und Biografie“ genommen hat, wählen die Ostdeutschen die AfD, die durch Herrn Gauland verspricht, Heimat und Identität „zurückzuerobern“, sonst aber außer Opposition nichts Konstruktives zu bieten hat. Man weiß mit Demokratie nichts anzufangen, nutzt sie aber um ungehindert Politiker bei Wahlveranstaltungen niederzubrüllen. Mutti Merkel hat Flüchtlingskinder aufgenommen, die ostdeutschen Kinder aber übersehen, schreibt der Autor. Frau Merkel hat Menschen in größter Not aus Kriegsgebieten Asyl gegeben, die jedoch nur zu einem kleinen Teil in den neuen Bundesländern Aufnahme fanden.

Haben die Ostdeutschen vergessen, dass es selbstverständlich war, sie aufzunehmen, als sie vor der Wende die DDR verließen? Man fürchtet sich im Osten, übrigens auch im Westen, vor fremden Religionen, ist aber aus der eigenen Kirche ausgetreten, als man ihren Schutz nicht mehr brauchte. Die überwiegend allgemein geübte Kritik des Verfassers wird schließlich persönlich, wenn es um die Abqualifizierung seiner Abiturnote geht. Diese Erfahrung als Ostdeutsche teile ich mit ihm (Nichtanerkennung des Staatsexamens), kann aber trotzdem seine Ansichten nicht teilen. – Marianne Foersch


Leserbrief zu „Nicht sein Land” von Bernd Ulrich

Die „üblichen Bannsprüche“ und „nach Kräften ignorieren“ werden gegen die AfD nicht helfen. Dem ist zuzustimmern. Man muss endlich die inhaltliche Auseinandersetzung annehmen und in der Sache argumentieren. Festzustellen, die AfD lehne „den bisherigen Grundkonsens des Landes“ ab, ohne diesen Grundkonsens zu beschreiben und zu benennen, wodurch die AfD diesen ablehnt, ist allerdings auch kein Argumentieren. In Anlehnung an das Christentum als Inhalt eines neuen Patriotismus ewige Schuld und Buße vorzuschlagen, wird kaum mehrheitsfähig sein, insb. wenn man es so ehrlich und deutlich ausspricht. Außerdem wäre Deutschland damit mal wieder einzigartig auf der Welt. Darunter geht es ja offensichtlich nicht. Rolf Peter Sieferle und sein „Mythos Auschwitz“ lassen grüßen.

Es gibt wohl Themen, die sind von solch eminenter Bedeutung für nicht wenige Wähler, dass alleine die Positionierungen der Parteien dazu ihre Wahlentscheidung bestimmen. Dazu gehören Islam und Islamismus. Sie täten also gut daran, sich dem zu stellen und nicht gleich abweichende Einschätzungen wie die von Herrn Döpfner abzuwerten. Unser Grundgesetz lässt sehr viel an politischen Meinungen zu. Die Grenze wird erst überschritten, wenn zur Erreichung der eigenen politischen Ziele Gewaltanwendung als legitim angesehen wird oder wenn Menschenrechte infrage gestellt werden. Genau dies wäre nachzuweisen. Bei abweichenden Meinungen zu argumentieren und die Diskussion auf Augenhöhe zu führenund die inhaltliche Auseinandersetzung nicht durch Ausgrenzungsversuche und Abwertung der sie vortragenden Person zu umgehen, das ist die Herausforderung für die nähere Zukunft, auch für die ZEIT. – Reiner Felkel


Leserbrief zu „Der ganz Nahe Osten“ von Anne Hähnig

Ihr großer Artikel geht bei mir als Bürger des Nahen Ostens ganz gut durch – ein akzeptabler Versuch einer Bestandsaufnahme. Dennoch stieß bei mir sofort Kritik und Abwehr auf bei dem Halbsatz: „- der Osten wählt verstärkt AfD, in Sachsen sogar mehrheitlich.“ Können Sie bitte den Ball flach halten? Die AfD ist „nur“, und auch das in einzelnen Kreisen knapp, stärkste Partei geworden. Sie hat nicht die Mehrheit. Ich finde diesen Unterschied wesentlich und er hilft Panikargumentationen zu vermeiden. – Mathias Kleinschmidt


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Ihr Artikel hat mir gefallen. Ich bin Wessi, 30 Jahre älter als Sie und erinnere mich an eine Unterhaltung mit einem Kollegen, als Kohl der DDR die Dmark anbot. Mir war klar, daß bei einer Übernahme der DM fast alle eigenständigen Entwicklungen der damaligen DDR-Wirtschaft scheitern würden, was danach mit zu der von Ihnen monierten Entwicklung beigetragen hat. Nun hat unsere Demokratie dazu beigetragen, daß sich bei den Wahlen Menschen bemerkbar gemacht haben, die mit dem Merkelschen Populismus nicht einverstanden sind. Insofern ist das auch ein Zeichen für die Funktionsfähigkeit des Systems.

Mir hat ein Halbsatz in Ihrem Artikel gefallen, in dem Sie vom Kolonialismus des Liberalen sprechen. Dieser scheint mir nicht nur für Deutschland zu gelten, sondern auch für die Entwicklung in Europa. Die unbedachte Einführung des Euro für Länder, die dafür nicht reif waren, hat dazu geführt, daß diese sich ebenfalls „kolonialisiert“ fühlen. Der Effekt ist wohl derselbe wie in der „kolonialisierten“ DDR: Ressentiments und Unfrieden.

Dabei gibt es positive Effekte des Liberalismus, die wir nicht missen möchten. Ich habe diese bei meinen 3 Jahren Postdoc-Zeit in Paris und Ithaca, USA, kennen gelernt. Die Zeit hat mich auch gelehrt, daß es Unterschiede in den verschiedenen Ländern gibt, die ich liebenswert fand und auf die ich und die Länder selbst nicht verzichten möchte. Deswegen sollte man versuchen, neben den liberalen auch konservativen Werten – jenseits der parteipolitischen Bedeutung des Ausdrucks – einen Raum zu geben, damit eine „Kolonialisierung“ von Staaten/Regionen vermieden wird, was dem Frieden inner- und zwischenstaatlich förderlich wäre. – Dr. Walter Engel


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Ihnen ist ein überzeugender Artikel mit einer sehr schlüssigen Argumentation gelungen. Mir war von Kindheit an bewusst, dass die Generation meiner Eltern seit der Wende unter dem fehlenden Respekt ihrer „westdeutschen Brüder und Schwestern“ gelitten hat und wohl noch lange leiden wird. Ihr Artikel ordnet dieses Gefühl aber in einen größeren Kontext ein und hilft damit uns Nachgeborenen, die ganze Problematik besser zu verstehen. Natürlich war auch ich schon des Öfteren über die Ignoranz der Westdeutschen gegenüber dem Erfahrungsschatz der ehemaligen DDR-Bürger verwundert: Warum hat man zum Beispiel, als G9 ziemlich überstürzt und ohne viel Phantasie im Westen eingeführt wurde, nicht mal die gefragt, die sich damit auskennen, nämlich die Ostdeutschen?

Nach der Lektüre Ihres Artikels verwandelt sich diese Verwunderung in Wut und Traurigkeit. Es sind in den Jahrzehnten seit der Wende einmalige Chancen für die Gestaltung unserer Gegenwart und Zukunft verspielt worden. Mittlerweile dürfte auch der Letzte verstanden haben, dass eine rein auf Profit und grenzenloses Wachstum ausgerichtete Wirtschaft sowohl die Gesellschaft als auch den Planeten zerstört. Hätte man nach der Wende ein bisschen länger über den „dritten Weg“ nachgedacht, würde die Politik dieser Tatsache heute vielleicht nicht so hilflos gegenüberstehen, wären vielleicht die getroffenen Entscheidungen nicht so alternativlos. Und die „Alternative“ im Osten nicht so stark. – Christiane Plociennik


Leserbrief zu „Dann lieber grau“ von Benedikt Erenz

Bitte nehmen Sie es nicht persönlich, aber den Artikel fand ich einfach ganz ganz schlimm. Sie sollten sich mit Biodiversität befassen und für die Ihnen trostlos erscheinenden rasengeprägten trostlosen Grünanlagen mit geringer Größe mehr Biodiversität und Ideen fordern, nicht das Überbauen mit noch mehr Beton. Davon haben wir in den Städten leider schon genug.

P.S. Es gibt tatsächlich Leute, die mal auf Rasen liegend sich sonnen wollen…die auf Rasen sitzend grillen wollen…Federball spielen wollen…Feste feiern wollen…usw. – Johanna Baer


Leserbrief zu „Nicht sein Land” von Bernd Ulrich

Es ist zweifellos eine bittere Niederlage für alle demokratischen Parteien und DemokratInnen, dass die hässliche Politfarbe braun zum ersten Mal nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder in den deutschen Reichstag einziehen wird; erschreckend für alle, die die Augen vor den dunkelsten Stunden deutscher Geschichte nicht fahrlässig verschließen wollen. Aber es es ist auch eine Bewährungsprobe, in der die Chance liegt, zumindest den Wählern, die „nur“ aus Protest für die AfD gestimmt haben, eines möglichst nachhaltig zu verdeutlichen: Im Hohen Haus wird nicht gejagt, sondern mit Argumenten um einen klugerweise breiten Konsens gerungen. Allein mit niederen Parolen und verbalen Tabubrüchen wird sich auch zukünftig kein Staat, mithin kein authentischer und gesunder Patriotismus machen lassen. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Mit großem Interesse habe ich diesen Artikel gelesen. Sprache verrät so viel; daher ist der Titel „Die Mauer ist nicht gefallen“ hervorragend gewählt! Sie ist ja eben nicht gefallen wie ein Naturereignis genau so wenig wie der zweite Weltkrieg ausgebrochen ist wie ein Vulkan!  Meine Zustimmung zu der dargestellten Problemanalyse wuchs bis zum vorletzten Absatz! Dort schreibt der Autor leider:  „Was hätte es wohl bedeutet, wenn man nach der Wende die Abiturnoten der Westdeutschen mit dem Faktor 1,2 multipliziert und damit abgewertet hätte, wie mir das Anfang der Neunziger passiert ist, weil im Osten das Leistungsniveau angeblich niedriger war?“ Die hier behauptete Kausalität für dieses Verfahren ist schlicht falsch, da die Ursache in der unterschiedlichen Skalenbreite der Schulnoten in der DDR (1 – 5) und in der Bundesrepublik (1 – 6) zu suchen ist!

Die Abiturnoten der Westdeutschen hätte man bei einer Angleichung an das DDR-Notensystem eben mit 0,833.. multiplizieren müssen um eine rein formale rechnerische Vergleichbarkeit zu erreichen.  Ich kann fast nicht glauben, daß dem Autor dieser Sachverhalt unbekannt ist; das ist umso ärgerlicher weil dies wohl bei den meisten Lesern so sein dürfte, die nicht – so wie ich – auf beiden Seiten zur Schule gegangen sind. – Kurt Rosenkranz


Leserbrief zu „Einstieg in den Ausstieg“ von Christiane Grefe

Das BfR hat nie gesagt, dass die IARC mit ihrer Einstufung von Glyphosat als „potenziell krebserregend“ falsch liegt, denn IARC verfüttert Chemikalien (und Lebensmittel) in steigenden Dosen so lange, bis ein Effekt sichtbar ist und nimmt dann die Klassifizierung vor. Das BfR hat alle Studien begutachtet, die zu Glyphosat veröffentlicht wurden und hat daraus den Schluss gezogen, dass die Substanz bei bestimmungsgemäßem Gebrauch nicht gesundheitsschädlich ist. Jetzt muss die Politik also entscheiden, ob sie ihre eigene wissenschaftliche Institution, das BfR, desavouiert und einer lauten NGO recht gibt.

Anstatt zu sagen, dass aus der wissenschaftlichen Sicht Glyphosat unbedenklich ist, wenn man es richtig anwendet, aber dass aus politischen Gründen anders entschieden wird, entscheidet sie erstmal gar nicht, sondern hofft, dass andere für sie entscheiden. Das Muster ist bekannt. Wahrscheinlich wird wieder einmal eine Substanz, die man kennt und die beherrschbar ist, durch eine unbekannte ersetzt und das Spiel beginnt von neuem. Übrigens hat die IARC auch rotes Fleisch als carcinogen klassifiziert, aber darüber redet keiner mehr. Wahrscheinlich, weil niemand sich das Steak vermiesen lassen will. – Bernd Sumfleth


Leserbrief zu „»Wir sind emotional blind«“ von Katja Nicodemus

Wenn M. Haneke seiner Zuschauerschaft immer düsterer, aber immer glaubhafter ihre existentielle Befindlichkeit vor Augen führt, ist er so etwas wie der Hohepriester nicht nur einer eingeschworenen Cineasten-Gemeinde, sondern er steht da für eine wirklich große Prophetie. Dabei tendiert gar nicht jedes Sendungsbewusstsein in Richtung Metaphysik, aber eigentlich immer geht es mit partieller Realitätsverweigerung einher. Wenn Herr Haneke sich die Mühe machte, einmal mit offenen Augen durch die Wiener Bezirke 10 bis 17 zu schlendern, wäre er ganz gewiss einer nicht mehr ganz so subjektiven, sondern einer ganz anderen, ganz brutal sozialen Befindlichkeit ansichtig geworden. Es ist nicht zuletzt diese abgehobene, verblendete Haltung der meinungsführenden Peers von heute, die den sog. „Rechtsextremen“ ihre Anhängerschaft zutreibt. – Alfred Franz


Leserbrief zu „Gefühlte Wirklichkeit” von Martin Schröder

Wenn die Fakten von Martin Schröder die Wahrheit sind über die Situation der jungen Deutschen, wie konnten die anekdotischen Einhörner von Caspar Shaller dann durch die Qualitätskontrolle mit einem Faktencheck der Redaktion durchschlüpfen? Diese Einhörner von Caspar Shaller sind also Faked News über die jungen Deutschen und die ZEIT hat ein Dossier über die Situation der 30-jährigen jungen Deutschen auf dieser anekdotischen Datenbasis zugelassen? Schon peinlich wie die Einhörner da durch die Redaktion galoppieren, oder? – Jörg Stolzenburg


Leserbrief zu „Kippt der NC?” von Astrid Herbold

Es ist wirklich unbefriedigend, wenn so viele junge Menschen nicht das studieren können, was sie wollen. Liegt es aber wirklich nur am NC? Wird das Abitur wirklich durch den NC abgewertet? Oder liegt es nicht daran, dass nun mehr als die Hälfte eines Jahrgangs diesen Abschluss schaffen? Aus meiner Sicht ist das Abitur entwertet worden – eben durch die vielen Menschen, die nun zwar den Zugang zur Hochschule auf dem Papier nachweisen können, dann aber schon bei der ersten Prüfung aufgeben müssen. Ein Studium soll nur vom Können abhängen – eben deshalb wäre die Stärkung des Abiturs wichtig. Und begabte Schüler und deren Familien sollten mehr Unterstützung bekommen. – Ulrich Fürst


Leserbrief zu „Auf dem Kriegspfad” von Josef Joffe

Trügt mich mein Gedächtnis? War Herr Joffe nicht ein Gegner des Atomabkommens mit dem Iran? War er nicht auch ein Befürworter des „Krieges gegen den Terror“ in Afghanistan und des völkerrechtswidrigen Einmarsches der US-Truppen im Irak? Man muss halt flexibel sein, wenn man seinen Ruf als Experte für politische und militärische Strategie nicht verlieren will. Herr Netanjahu wird traurig sein, einen engen Verbündeten verübergehend verloren zu haben. – Sven Herfurth


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Dass die Mauer nicht gefallen ist, sondern von innen überwunden und abgetragen wurde, ist mir deutlich geworden, als ich in der Leipziger Bahnhofsbuchhandlung Ludwig das Buch „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ entdeckte. Der Autor Peter Wensierski hat darin den jungen Leuten ein Denkmal gesetzt, die in den offiziellen Verlautbarungen zur „Wende“ nicht vorkommen, in Wirklichkeit aber Keimzelle all dessen waren, was wir der Einfachheit halber ein paar Politikern zuschreiben oder selbstgefällig als zwangsläufige Folge der Überlegenheit des westlichen Systems verbuchen. Thomas Oberenders Diagnose, dass es sich im Übergang zur heutigen Bundesrepublik um eine „innerdeutsche Kolonialisierung“ und die Entwertung kompletter Lebenswelten gehandelt habe, stimme ich zu. Ich befasse mich seit Jahren mit den Herausforderungen, die in Unternehmen entstehen, wenn sie sich strategisch und kulturell neu orientieren.

Ich habe gelernt, dass bei den von Veränderungsprozessen betroffenen Menschen nichts so nachhaltig negative Auswirkungen auf die Bereitschaft hat, neue Wege mitzugehen, wie die Entwertung vergangener Leistungen. Leistungen, die in Jahrzehnten erbracht wurden, als Irrweg abzuqualifizieren, heisst schlicht: das Leben und die Arbeit von Menschen nachträglich zu zerstören. Sie werden dadurch ihrer Identität beraubt. Genau das ist den Menschen der ehemaligen DDR passiert. Sich deshalb mit dem Alten nicht mehr, mit dem Neuen noch nicht identifizieren zu können, lässt viele mental in einem „leeren Raum“ zurück, der sich mancherorts physisch in der Entvölkerung und dem infrastrukturellen Niedergang ganzer Landstriche widerspiegelt. Der leer innere Raum schmerzt und wird gefüllt, mit allem was geeignet erscheint und verfügbar ist. Vor allem populistische Ideologien taugen dazu, den Schmerz der Leere zu betäuben und eine Ersatzidentität zu schaffen. Sie sind wie Psychopharmaka: leicht zu konsumieren, von betäubender, aber nicht nachhaltiger  Wirkung. Man braucht immer mehr davon. Die radikalen Parteien finden Zustimmung, so lange sie die Droge liefern und in der Dosis nachlegen können. Das weiss die AfD und auch deshalb freut sie sich auf die Oppositionsrolle im Bundestag.

Um Identitätskrisen zu überwinden, muss man sich, meiner Erfahrung nach, seiner Vergangenheit und Gegenwart zugleich stellen und dabei jede Einseitigkeit vermeiden. Gefragt ist die paradoxe Fähigkeit, eine Distanz zu schaffen, die Nähe erlaubt, eine innere Unvoreingenommenheit, die es möglich macht, genau hinzuschauen. Man könnte das einen bilanzierenden Blick nennen: Verteufelung und Überhöhung sind gleichermaßen ungeeignet. Es gab gute und schlechte Seiten. Punkt. Beide müssen klar benannt werden, denn aus beiden lässt sich für die Zukunft lernen. Thomas Oberender erwähnt, dass seine Abiturnoten im Zuge der Wende abgewertet wurden und schreibt den beeindruckenden Satz: „Dies ist eine Kleinigkeit, das Leben ging lächelnd darüber hinweg, aber ich kann es nicht vergessen.“ Ein echter, bilanzierender Dialog zur „Kolonialisierung“ Ostdeutschlands würde viele Erinnerungen dieser Art wecken. Wir brauchen sie dringend. – Michael Karl Heidemann


Leserbrief zu „Hier spricht das »Mischvolk«“ von Yassin Musharbash

Der Artikel enthält meiner Meinung nach einen zentrale Punkt der auch in Ihrer Zeitung viel zu wenig Beachtung und Raum erhält: Politik ist kein Selbstzweck sondern ein Instrument zur Schaffung eines Gemeinwohls. Ich halte es für grundfalsch, dass Politiker ihre Programme und Wahlversprechen nach dem vermeintlichen Wählerwillen ausrichten. Und dies wird ja sogar ganz offen auch so kommuniziert. Im Gegenteil ist es, wie Herr Musharbash ausführt, die Aufgabe der Politiker Ideen und Lösungen zu entwickeln. Die in diesem Prozess gewonnenen Überzeugungen müssen dann mit Haltung vertreten werden, unabhängig davon wie viele Wähler diesen folgen. Die insbesondere durch die CSU betriebene Anbiederung an den Wähler verstärkt nur den Vertrauensverlust in die etablierten Parteien. Und ist dies nicht gerade ein wesentlicher Grund für den Erfolg der AfD? – Kai Harenberg


Leserbrief zu „Alles hört auf Andrea“ von Peter Dausend

Ein Glück, dass die SPD Martin Schulz so früh zum Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten gekürt hat. So konnte bis zur Bundestagswahl die Welle der Begeisterung abebben und Schulz auf dem Boden der Tatsachen landen. Nach den Umfragen haben die Wähler gemerkt, dass er zum Kanzler nicht das notwendige Format hat. Da halfen auch die harten Sprüche und direkten Angriffe auf die Kanzlerin  im Wahlkampf nicht. Auch in der Elefantenrunde am Abend nach der Wahl war er noch im Wahlkampfmodus. Inzwischen ist er auch in der Meinung seiner Partei weit von den 100% entfernt. Klaus von Dohnanyi empfahl in der Maischberger- Sendung den Rücktritt. So wichtig ist das richtige Timing. Wir hatten Glück. – Werner Wittig


Leserbrief zu “Aufräumen im Miststall der Demokratie“ von Thomas Assheuer

Die Art, wie die ZEIT Zitate verfälscht („Wer kein ‚Volksgenosse‘ ist, wird ’nach Anatolien entsorgt'“), – gegen die sich Gauland übrigens nach den Grundsätzen des Böll-Urteils des BVerfG wehren könnte (BVerfGE  54,208) -, kennzeichnet den Umgang mit der AfD und bestätigt die Skepsis  hinsichtlich neutraler journalistischer Arbeit bei „anschwellendem  martialischen Tremolo“  (Assheuer) der ZEIT. – Rolf Platho


Leserbrief zu “Aufräumen im Miststall der Demokratie“ von Thomas Assheuer

Sie schreiben tiefschürfend wie immer, danke! Nur: In der rechten Sp., Abs. 6 schienen Sie zwei antike Helden und deren Taten zu vermischen:  Sie schreiben: „Im Augiasstall der Demokratie geht Gauland voran, er ist  der … Odysseus, der das linksgrün versiffte Ithaka … befreit …“  Nach „Augiasstall“ erwartet man jedoch, dass Sie Herakles nennen; der hatte nämlich den Augiasstall auszumisten, während Odysseus sein  Eigentum unter Vernichtung seiner Feinde wieder in Besitz nahm. – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Als ich die Überschrift Ihres Artikels las, hatte ich die Hoffnung, dass von ihnen Hinweise gegeben würden, wie wohl die Vereinigung verbessert würden könnte. Das Fazit Ihres Artikels kann man leider schon im Untertitel lesen: „Den Ostdeutschen wurden ihre Identität und ihre Lebensgeschichte geraubt“, und am Ende: die Westdeutschen sind nicht in der Lage bzw. willens dieses zu sehen und müssten schleunigst anfangen, den Ossis zuzuhören. Wichtig ist, einander zuzuhören. Wichtig ist, die Ereignisse von 1989 und 1990 möglichst genau zu beschreiben und nicht heute fast unisono in den neuen Ländern zu sagen: „So wollten wir das nicht!“. Ja, wie wollten Sie es dann? Die ersten Demonstranten wollten auf ihr Recht auf Ausreise aufmerksam machen. Die Bürgerrechtler wollten für die DDR einen demokratischen Umbau erreichen. Im Laufe dieser wunderbaren Bewegung wurden von der DDR Regierung Modrow die Stichworte „Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion“ zum Thema gemacht.

Danach veränderten sich die plakatierten Ziele der Demonstrationen: „Reisefreiheit „wurde verstärkt gefordert, „Kommt die D-Mark nicht zu uns, gehen wir zur D-Mark“! D.h. das Ziel der Mehrheit der Menschen in der DDR war nicht mehr der Umbau der DDR, sondern die Teilhabe am wirtschaftlichen Erfolg der Bundesrepublik. Sie bemängeln, dass Ihre Schulleistungen mit dem Faktor 1,2 multipliziert wurden, da das Niveau in der DDR angeblich niedriger war. Ich war Leiter einer Schule in Westdeutschland. Bei den Schülern, die in den Zeiten des Umbruchs zu uns kamen, musste ich feststellen, dass die Zensuren tatsächlich nicht unserem Standard entsprachen. Sie waren nach unserer Einschätzung geschönt! Ich hatte Anfang der neunziger Jahre, in denen ich in einem ostdeutschen Kultusministerium arbeitete, die Gelegenheit, Lehrer auf diese Problematik anzusprechen. Die Antwort dieser Lehrer auf meine diesbezüglichen Fragen hat mich erschüttert: „Zum Tag des Lehrers wurden die Prämien an die Lehrer verteilt, die besondere Leistungen erbracht hatten. Wie sollte man diese Leistungen messen? Die Leistungen wurden gemessen an den Zeugnisnoten der Schüler“. Zum Schluß Ihres Artikels stellen Sie die Frage, ob nicht bei einer Wiedervereinigung das Grundgesetz durch eine neue Verfassung ersetzt werden sollte. Das Grundgesetz sieht diese Möglichkeit vor, es sieht auch die Möglichkeit des Beitritts zum Geltungsbereichs des Grundgesetzes vor. Die demokratische gewählte Volkskammer hat sich 1990 für den Beitritt entschieden. – Bernd Vogel


Leserbrief zum Titelbild „Fluch der Karibik“

Die köstliche Kollage erinnert an das jamaikanische Piratenschicksal von Port Royal. Freilich sagt die Überlieferung nicht, dass dort der Hut von Horatio Nelson alias Seehofer seetüchtig unterwegs war. Auch ist nicht belegt, dass Freibeuter etwas mit Freien Demokraten zu tun haben und dass der Rote Korsar mit Vornamen Cem hieß und einen Papagei auf der Schulter trug. Bleibt noch die historische Frage nach der Piratin Bonny. Jawohl, diese Dame führte einst ein Schwert in der Hand. Allerdings hatte sie zwei sehr weitsichtige Augen. Hätte sie je als Tarnung eine Augenklappe getragen, wäre ihr gleichwohl das Entern jedweder Schaluppe gelungen. – Frank Müller-Thoma


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Als alter Wessi, der sehr früh viel Kontakt mit Ossis hatte, bin ich überrascht, wie Sie als erfolgreicher Ossi immer noch die alten Vorurteile pflegen, wir Wessis seien die Sieger und die Ossis die Verlierer. Wir Wessis hätten den Ossis Stolz und Biografie genommen. Wer sorgt denn per Soli dafür, dass es den Ossis an nichts mangelt? Haben die heutigen Ossi-Rentner nennenswerte Beiträge in die Rentenkassen eingezahlt, aus denen sie heute Rente beziehen? Worauf sollen denn die Ossis stolz sein? Auf den früheren Gestank in ihren Städten? Dass sie Kinder gezeugt haben? Auf die Verwaltung des Mangels? Und die Biografie? Was soll das sein? Da hatten sie jetzt 30 Jahre Zeit, selbst daran zu basteln. War vorher nicht möglich. Wer das in den letzten 30 Jahren nicht gemacht, hat dies aus freien Stücken nicht gemacht. Keiner hat ihnen was weggenommen. Sie verurteilen die „Jammerossis.“ Dabei sind Sie selber einer. Viele Ossis kommen mir vor wie verzogene und verwöhnte Muttersöhnchen. Nur dass es nicht die leibliche Mutter ist, die verwöhnt, sondern die Staatliche Fürsorge. Sollen sie es genießen, aber nicht jammern. Sie dürfen sogar meckern, schimpfen, etc. Deswegen nimmt ihnen keiner die Unterstützung. Aber bitte nicht jammern.

Und wenn Sie bemängeln, dass es in Berlin kein Archiv der friedlichen Revolution, keine Bibliothek der 89er Ideen, etc. gibt, dann kümmern Sie sich darum. Und warten nicht, bis irgendein Senator meint, er habe da eine gute Idee. Bei Ihren Kontakten werden Sie auch genug Sponsoren finden, die das bezahlen. Warten Sie nicht auf den Staat, bis der was macht und bezahlt. Es reicht, wenn er Sie bezahlt. Und einen Kolonialismus des Liberalen in der innerdeutschen Geschichte festzustellen, wie krank ist das denn? Und: Wer nimmt einen Boris Buden ernst? Sie doch wohl hoffentlich nicht. Lieber Herr Oberender, nichts ist perfekt, auch das jetzige Deutschland nicht. Aber: wenn ich was ändern will, habe ich hier die Möglichkeit es zu tun. Ob es gesellschaftlich ist oder privat. Ich muss nicht damit rechnen, deswegen ins Gefängnis zu kommen. Aber ich muss damit rechnen, zu scheitern. Das nennt man Freiheit. – Hartmut van Meegen


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Wie die einst beseelten Dissidenten der DDR zu „Jammerossis“ werden konnten, führt der geschichtsverklärende Jammerton des Artikels beispielhaft vor. Der Autor bemüht das bekannte ostalgische Narrativ: Die arglosen Revolutionäre, die sich gerade wohlgemut einer Diktatur entledigt hatten, wurden vom arglistigen Westdeutschen entmündigt und ihrer ganzen Identität beraubt. Und da die westdeutsche Umschulung auch nicht ins Paradies auf Erden geführt hat, wird es heute doch wohl erlaubt sein, sagen zu dürfen, dass nicht alles schlecht war – das Schulsystem, Gesundheitswesen, Vollbeschäftigung. Auf einen solchen Standpunkt stellt sich aber nur der Geschichtsblinde: Was ist mit der tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise der DDR, was mit der ideologischen Indoktrination im Bildungswesen, was mit den tausenden Flüchtlingen und dem deutlichen Ruf nach Wiedervereinigung? Und weder Frauenbild noch Vollbeschäftigung zeigen sich bei genauerer Betrachtung so, wie der Autor es vorgibt.

Ohne Zweifel sollten auch Vorzüge des DDR-Systems diskutiert werden. Ob sie aber erstrebenswert sind, muss im Lichte der politischen Strukturen und Intentionen, die sie entstehen lassen haben, betrachtet werden. Alles andere ist tröstliche Retrospektion. Wir sollten uns aber gerade heute den Glauben an unsere Republik bewahren, statt die Privilegien einer mit Recht zerfallenen Diktatur hochzuhalten. – Felix Apel


Leserbrief zu „Was heißt hier Gelb?“ von Uwe Jean Heuser

Herrn Heuser stimme ich zu, dass es gut ist, dass die FDP wieder im Bundestag vertreten ist. In vielen Politikfeldern ist der Leistungsgedanke und der Wettbewerb verloren gegangen. Die Vorschläge der FDP zur Energiewende sieht Herr Heuser allerdings sehr kritisch. Dem möchte ich widersprechen. Die Energiewende ist sozial ungerecht. Diejenigen, die ein Stück Land besitzen oder ein Haus, auf dem dann eine Windkraftanlage bzw. eine Photovoltananlage ist, verdienen auf Kosten derer, die beides nicht besitzen z.B. bei Windkraftanlagen 30000 Euro im Jahr (in 20 Jahren 600000 Euro). Auch die oft genannten Alleinerziehenden, Rentner und die Menschen, die kein Geld übrig haben, um sich an Bürgergesell- schaften zu beteiligen, bezahlen den teuren Strom. Ihnen wird inzwischen zu Tausenden der Strom abgestell, weil er für sie der Strom unbezahlbar geworden ist. Ökonomisch gesehen ist das EEG ein Subventionsmonstrum mit inzwischen mehr als 5000 verschiedenen Einspeisevergütungen, d.h. in der Regel mit für 20 Jahre garantieten Abnahmepreisen.

Das reine Subventionsvolumen beläuft sich inzwischen auf 25 Milliarden Euro im Jahr, also 300 Euro je Bürger im Jahr. Hinzu kommen weitere Kosten z.B. für den Netzausbau oder Offschorhaftungsumlagen. Besonders durch den massiven Ausbau der Windenergie werden goße ökologische Schäden verursacht. Ohne Rücksicht auf Natur und Menschen werden auch in Landschafts- und Naturschutzgebieten, in alten Buchenmischwäldern oder an Seen WKAs geplant und gebaut.  Die massiven Gesundheitsschäden bei Menschen, hervorgerufen durch zu viele und zu nah an Wohngebieten errichteten WKAs, werden von der Politik totgeschwiegen. Da möchte ich doch aus dem Wahlprogramm unseres FDP Bundestagsabgeordneten zitieren: „Wir werden das Weltklima mit noch so vielen hunderten von Milliarden an EEG-Umlagen nicht retten. Vernünftiger wären Investitionen in Stromnetze und Forschung und Entwicklung, damit unser Erfinder- und Entwicklungsgeist preisgünstige und umweltschonende Technologien für die ganze Welt bereitstellen kann.“ Mein Fazit: Es ist gut und wichtig, dass die Handschrift der FDP in der Politik wieder sichtbar wird. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu “Aufräumen im Miststall der Demokratie“ von Thomas Assheuer

Geht es vielleicht auch etwas kleiner. Ihr Autor suhlt sich in seinem aufgedonnerte Vokabular ohne wirklich den Zustand in Deutschland und Europa zu beschreiben. Hetze gegen Muslime, Ausländer, afrikanische Horden überfallen Europa, mordende Soldaten, autoritäres Präsidialregime, die ganze Palette eines Demagogen. Ich bin ein Mann aus der Mittelschicht und lebe auch in einem Staat in dem eine Parlamentarische Republik mit autoritären Zügen zu Hause ist. Dort lebe ich freier als in Deutschland, der Wohlstand ist höher und die Kriminalität tendiert gen Null. Zigarette auf die Straße werden wird mit circa 500,-€ bestraft. Ouintessetz: keine beschmierten Wände, saubere Umgebung. Das würde im Westen keinem einfallen. Nichts anderes ist auch Ungarn und Polen – auch die Türkei. Von kaukasischen Staaten ganz zu schweigen.  Wenn das Wort „Autorität“ fällt, dann geht es bei den Intellektuellen zur Sache. Wie kindisch. Sorry, ich fahre fort: Der Präsident der Freien Universität, Dieter Lenzen hat in einem Gastkommentar des Handelsblattes geschrieben: „Weil die Durchsetzung von Leistungsstandards als ein besonderes Beispiel für autoritäres Unterrichten gehalten wurde, diskriminierte man die Prinzipien der Leistung, der Anstrengung oder gar den Wettbewerb.“

Ich selbst hatte 3 Söhne und kann Ihnen ein Lied davon singen, wie man die Schüler hat verblöden lassen. Alles andere roch nach Nazizeit  – jedenfalls ist es so in NRW. Das kann man alles auf die Politik übertragen. Wer Autorität verlangt hat in Deutschland per es schlechte Karten. Ich habe letztlich nicht die AfD gewählt, obwohl ich nah dran war. Nicht wegen ihres politischen Programms.Die sollten sich erst einmal personell sortieren. Alles andere hindert nur ihre politische Arbeit. Ich bin aber davon überzeugt, daß diese Partei den richtigen Weg finden wird. Die Medien werden weiter aus allen Röhren versuchen die AfD zu diskriminieren. Das kann auch hilfreich für die Partei sein. Die AfD wird in einigen Bundesländern in die Verantwortung kommen, das ist viel produktiver als im Bund. Denn die wirkliche Politik wird in den Provinzen gelebt. Dort ist zunächst der richtige Platz für diese Partei. Sie sollten sich von politisch tätigen Kollegen mehr fernhalten. Für sie ist es nur dann demokratisch. wenn es in ihre Gesinnung passt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Gefühlte Wirklichkeit” von Martin Schröder

In Ihrem Artikel kommt zum Ausdruck, dass Caspar Shaller keine typischen Absolventen in seinem Artikel beschrieben hat. Als Beleg dafür dienen Zahlen vom SOEP, eine Langzeitwiederholungsbefragung des DIW in Berlin. Ich meine, bei einer Befragung kommt neben objektiven Befunden wie z.B. Gehalt immer die selbst gefühlte Wirklichkeit ins Spiel. Ob die Überschrift vom Autor des Artikels ist, weiß ich nicht. Das er aber oft auch gefühlte Wirklichkeiten als Beleg für seine Argumente heranzieht, ist seinen eigenen Aussagen zu entnehmen. „Ihre erste Stelle finden sie …. nach drei bis vier Monaten. Weil viele ihren ersten Job schon im Studium finden, … haben (sie) in ihrem Leben im Schnitt nur sieben Wochen Arbeitslosigkeit erlebt.“ Nun sind drei bis vier Monate 12 bis 16 Wochen, mindestens gibt es also solche und solche Absolventen. Der Hinweis, das 1987 ihre (vermutlich ebenfalls akademisch gebildeten Eltern) 17 Wochen arbeitslos waren, hilft niemandem. Heute geht es Deutschland so gut wie nie (kann man jeden Tag lesen) und wir haben quasi Vollbeschäftigung.

„Tatsächlich arbeiten derzeit zwei Drittel aller 30-jährigen mit Hochschulabschluß in Vollzeit…“ Und das restliche Drittel? Und zwei Sätze weiter: „Deswegen haben heute 87,6 Prozent aller …. einen befristeten Vertrag.“ Ob aus diesem ein unbefristeter Vertrag wird, steht in den Sternen. Eine Lebensplanung ist damit schwierig. Aber sie arbeiten Vollzeit und Ihre Gehälter sind 14% höher als vor dreißig Jahren. „Das scheint nicht viel…“ Stimmt. Man könnte auch sagen, 30 Jahre Stillstand. Und jetzt kommt endgültig die gefühlte Wirklichkeit: „Die allermeisten Uni-Absolventen werden also nicht ausgebeutet, sondern sind zufrieden mit ihrer beruflichen Situation.“ Was ist Ausbeutung? Wenn man zufrieden ist, kann man gar nicht ausgebeutet werden? Ach nein, im letzten Satz heißt es: „Sie gehören auch nicht zu einer ausgebeuteten Masse, die die … Revolution ausrufen könnte.“ Ganz nebenbei, die Masse hat noch nicht viele Revolutionen ausgerufen. Wohlstand ist immer relativ, daher ist es kein Widerspruch, wenn viele Absolventen zufrieden sind, denn es könnte ihnen ja noch viel schlechter gehen. Vielleicht aber auch besser. Und zum Schluss, es gibt also „untypischste“ Arbeitsmarktbedingungen. Warum in einem der reichsten Länder der Erde? Weshalb lassen Politik und Gewerkschaften solche Bedingungen zu? – Reinhard Granitzki


Leserbrief zu „Noch eine Alternative?“ von Mariam Lau

Im Artikel schreibt Ihre Korrespondentin Miriam Lau vom „sächsischen Kyffhäuser“. Weil Sachsen schön zu AfD passt oder weil kein Atlas in der Nähe war? Der Kyffhäuser liegt in Thüringen, an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Ich hoffe, andere Fakten des Artikels sind besser recherchiert… – Markus Menzel


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

1.Der Osten war falsch und schlecht (darum haben ihn die Menschen dort abgeschafft). 2. Der Westen war undist richtig und gut. Kein Mensch der diese Erkenntnisse so total verinnerlicht hat wie Mutti. Wie toll muss ein Systhem sein, in dem ein naives Mädchen in 10 Jahren Bundeskanzlerin werden kann? Und wie doof müssen all die Anderen sein, die es nicht einmal zum Millionär gebracht haben? „Its the economy stupid“. Wir leben im Kapitalismus und Mensch ist wer Kapital hat; und wer gedacht hat Herr Quandt sucht sich einen netten Ossi dem er die Hälfte seines Kapitals schenkt der spinnt. – Dieter Herrmann


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Wie wahr dieser Beitrag. Ihr Autor erklärt dem Westen wie Arrogant er sich gegenüber den ostdeutschen Bürgern Verhalten hat. Als Sachse fühle ich mich bestätigt, wie oberflächlich mit den Ostdeutschen umgegangen wurde. Ich bin zwar mit meinen Eltern früh in den Westen geflüchtet. Mein Abitur müsste ich durch die Flucht abbrechen. Später stellte sich heraus, das ich, bis auf Englisch, den Schülern in allen Fächern weit voraus war. Ich hätte glatt eine Klasse wenn nicht gar zwei Klassen überspringen können. Leistung war schon damals nicht unbedingt gefragt. Der Epochenbruch kam zwar später, aber schon im Vorfeld der 68er Generation gab es schon Tendenzen, die erahnen liessen, wo die Reise hingeht. Ich habe natürlich noch einige Freunde in Dresden, die mir gesagt haben: Der Westen hat uns nie richtig als gleiche Bürger gesehen. Vielleicht hing das mit den vielen Stasi-Leuten zusammen. Mir wurde später zugetragen: in jedem zweiten Mehrfamilienhaus wohnte auch ein Stasimann oder Familie. Vielleicht hat Ihr Autor eine andere Erklärung. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wie stoppt man Fake-News“ von Ulrich Schnabel

Es braucht keine gesondert vermittelte „Nachrichtenkompetenz“, weder an Schule noch im Lehramtsstudium. Es braucht eine Verstärkung vertiefter analytischer Textarbeit (hier gilt der erweiterte Textbegriff, also „Text“ auch im Sinne anderer Medien), welche lehrt, Absichten und Strategien von Verfassern zu durchleuchten und möglicherweise zu entlarven. – Carolin Schmidt


Leserbrief zu „»Ich will zurück nach Deutschland«“ von Wolfgang Bauer und Andy Spyra

Vielen Dank für die immer wieder interessanten und fundierten Artikel in der Zeit. Ich hatte schon oft Lust mal einen Leserbrief zu schreiben, weil ich die tiefgründigen Artikel wirklich gern lese und ich somit für die Arbeit danken wollte. Aber bisher hatte ich es nie gemacht… Doch heute las ich einen Artikel, der etwas thematisiert, was für unsere jetzige Situation mit dem Wahlergebnis besonders brisant ist. Kurz zu mir: ich bin 35, aus Meißen und somit umringt von AfD-Wählern. Es bricht mir das Herz, zu sehen, wie erfolgreiche Menschen der bürgerlichen Mitte und gehobenen Mitte stolz zugeben die AfD aus Protest gewählt zu haben. Verstehen kann ich das mit keiner Wimper, denn waren sie es, die bisher immer stolz die CDU wählten, weil es ihnen dann finanziell besser geht. Und dann kamen die Flüchtlinge…

Die Angst entsteht, dass die ihnen plötzlich alles wegnehmen. Verschwörungstheorien kommen hervorragend an, entlassen sie einen doch aus der Verantwortung, dass die Gesellschaft selbst schuld ist an den Zuständen in der Gesellschaft, ob durch Wahlentscheidungen oder mangelndes Engagement. Und ich stehe als Gutmensch da, weil ich kein Problem damit habe, Menschen in Not zu helfen. Die Nationalität ist dabei für mich unerheblich. Ich habe auch schon Deutschen am unteren Ende geholfen… Mit der Feststellung, dass es da nicht viel zu helfen gibt, da es ihnen gut genug geht und nur ein erhöhter Reichtum willkommenes Hilfsmittel ist. Was Flüchtlinge stattdessen durchgemacht haben, passt in kaum einen Horizont unserer Bürger, weil wir derartiges lange nicht erleben mussten.

Obwohl man an den älteren (Kriegs-)Generationen sieht, dass auch solche Erfahrungen nicht vor unrechtem Denken schützen. Was ist nur schief gelaufen, dass der Mensch (im erhöhtem Maße der „Ossi“) in seinem Wohlstand keine Akzeptanz für wahre Not hat? Warum sind die Herzen so abgestumpft? Zumal niemand irgendwas von seinem Reichtum abgeben muss!? Und nur weil die Flüchtlinge da sind, gibt die CDU nicht mehr Geld für Bildung aus. Wer sowas denkt, hat die Politik nicht verstanden. Von daher ist es vielleicht gut, dass es genug Fehlgeleitete gab, die sich dazu hinreißen ließen eine Protest Partei zu wählen, denn ändern muss sich etwas an der Politik, die den inneren Zusammenhalt im Land vernachlässigt, weil es ihr wichtiger ist in der Welt draußen stark zu sein.

Der Protest Wunsch sollte unbedingt ankommen, aber schlimm ist, dass all diese Wähler im tiefen Inneren, nicht aus innenpolitischen Gründen diese Entscheidung trafen, sondern weil sie einfach keine Ausländer hier haben wollen, also fremdenfeindlich motiviert. Die anderen Gründe der Unzufriedenheit sind vorgeschoben, damit sie sich nicht so rechts fühlen, denn bisher hat es kaum einen CDU-Wähler ausreichend interessiert, ob genug Geld für Bildung etc.ausgegeben wird. Aber nun sind das zwei Fliegen mit einer Klatsche, Fremdenfeindlichkeit wird salonfähig, weil es angeblich unsere Probleme löst. Es macht mir Angst, dass wieder eine bestimmte Gruppe stigmatisiert wird. So rückschrittig kann man nur am Gipfel des Berges denken. Wie kann man nur vermitteln, dass miteinander effektiver ist als gegeneinander. Tausende Jahre Geschichte reichen da offenbar nicht!?

Naja, bezüglich des eigentlichen Artikels der jungen Frau, die den islamischen Staat ja so toll findet, aber doch lieber wieder in deutscher Sicherheit wäre, obwohl wir ja alle minderwertige Menschen sind.  Menschen anderer Religionen und Nationen zu integrieren ist bereits ein bekanntes Problem in Deutschland. Einerseits weil es Deutschland in der Vergangenheit nicht ernst nahm und andererseits weil mancher Deutsche nicht bereit dazu ist. Wie soll das dann mit einer Islamistin funktionieren, die ja noch nicht einmal integrationswillig ist? Die das Land verlassen hatte, um gegen die Ungläubigkeit in den Kampf zu ziehen. Und dann will sie zurück in eines der unreligiösesten Länder, weil es da zufällig sicher ist!? Mir fehlen die Worte! Muss wieder erst etwas passieren, damit man sieht, dass solche Biografien ihren Grund haben und somit auch das Undenkbare passiert, dass auch mal eine Frau Amok läuft?  Eine Frau, die offen zum radikalen Islamismus steht! Dann ist es kein Wunder, dass noch mehr AfD-Wähler geboren werden, wenn dieses Szenario wahr wird. Man muss es mit der Menschenliebe nicht übertreiben, Prävention sollte in Deutschland definitiv größer geschrieben werden, statt immer nur tätig zu werden wenn es zu spät ist. Ursachen bekämpfen, nicht immer nur Notpflaster verteilen und Bonbons. – Nicole Böer


Leserbrief zu “Aufräumen im Miststall der Demokratie“ von Thomas Assheuer

In der Ausgabe haben Sie und Ihr Kollege Herr Ulrich ausgiebig über die AfD „geschimpft“. Ebenso zum Beispiel in der Talkrunde der Spitzenpolitiker nach der Wahl, wurde mehr als 20 Minuten nur über die AfD geredet. Das ist Ihr gutes Recht und Ihre Kommentare über die AfD kann ich nur unterstreichen. Aber diese Partei haben über 1 Million Menschen gewählt (Ich übrigens nicht!). Es geht um diese Wähler, von denen nur ein kleiner Anteil rechtsradikal oder fremdenfeindlich ist- Sie und auch die etablierten Politiker haben nicht verstanden, oder wollen es nicht verstehen, was in unserem Lande schlecht läuft. Die Parole „Es geht uns gut, weiter so“ ist nicht zu rechtfertigen!  Dass es den meisten Menschen in Deutschland gut geht, besser als in vielen anderen Ländern ist unbestritten.

Dies ist aber nur unserer Wirtschaft zu verdanken, die Rahmenbedingungen dazu wurden aber schon lange von der Schröder/Fischer Regierung geschaffen. Die letzten 12 Jahre Merkel-Regierung sind verlorene Jahre in denen keine Massnahmen für die Zukunft ergriffen wurden. Besonders Herr Ulrich und Sie, für mich die „Merkel-Versteher“ haben nach meiner Meinung bei Ihren Artikeln die rosa Merkel Brille auf. Warum? Die Regierung Merkel hat das Land in den letzten Jahren gut verwaltet und im Ukraine-Konflkt eine gute Entscheidung getroffen.  Viele Probleme wurden (auf Sicht fahren Merkel-Device) einfach vor sich hergeschoben. 1. Energiewende stark begonnen, begünstigt durch Atomunfall in Japan, stark nachgelassen, Kohleausstieg?, Dieselskandal? 2. Anstieg der befristeten Arbeitsverhältnisse 3. Kinderarmut 4. Probleme Alleinerziehender, besonders von Frauen 5. Altersarmut 6. Flüchtlingspolitik: kein Fortschritt bei der Abstimmung mit den europäischen Partnern, Familiennachzug ungeklärt, Abschiebung von mehreren Hunderttausenden, welche kein Bleiberecht haben  Alle vorigen Punkte und noch mehr harren seit mehreren Jahren wenigstens der Inangriffnahme und jetzt sagen die verantwortlichen Politiker, „da müssen wir daran arbeiten“. Da frage ich mich, was haben Sie denn die letzten 12 Jahre getan?

Für mich sind die letzten 12 Jahre Merkel-Regierung eine verlorene Zeit in der notwendige Massnahmen für die Zukunft nicht ergriffen wurden, keine Zukunftsideen entwickelt wurden.   Das Erstarken der AfD haben ausschließlich die Regierungsparteien zu verantworten und statt über die AfD zu lamentieren, sollten Sie lieber Ihre Selbstzufriedenheit erkennen und Sie Herr Assheuer sollten neben Ihrer berechtigten Kritik an der AfD lieber Ihre Schreibkraft für die Ursachen Bekämpfung einsetzen. – Klaus Hurlebaus


Leserbrief zu „Hier spricht das »Mischvolk«“ von Yassin Musharbash

Ihre emotionale Reaktion ist verständlich, aber einmal sind Sie ja durch Abstammung bereits halber Deutscher, und–das ist der wichtigere Punkt -zeigt Ihre berufliche Tätigkeit, daß Sie nicht zu den Bevölkerungsteilen gehören, die manchen Deutschen Sorgen machen. Zudem wissen Sie selber, wie Sie schreiben, daß Sie an Ihrer Anerkennung in unserem Land nicht Zweifel haben müssen. Auf Ihre Frage, welches Anliegen Wähler gehabt haben, ihr Kreuz bei der Afd zu machen, finden Sie die Antwort in der Zeit in einer der letzten Ausgaben. Dort steht, daß, wer Merkel nicht will, nur die Wahl hat, Linke oder AfD zu wählen, und gegen Merkel als Bundeskanzlerin gibt es mehr als einen Grund.

Ansonsten wissen Sie, daß in der Demokratie Meinungsfreiheit eine zwingende Resource ist. Dies hat dazu geführt, daß die konträren Themen Flüchtlinge und Einwanderer Themen im Parlament werden, wohin sie gehören, und nicht mehr nur in dumpfen Kanälen und im Wahlkampf behandelt werden. Insofern hat das System bereits zu einem Teil seine Funktionsfähigkeit bewiesen. Ich bin zuversichtlich, daß im Parlament klarere und gegensätzlichere Diskussionen anstelle der klebrigen Argumentation von Merkel zu besseren Lösungen und mehr sozialem Frieden führen werden. Mein Wunsch: Bleiben Sie so, wie ich Sie aus Ihren interessanten Beiträgen kenne. – Dr. Walter Engel


Leserbrief zu „Gefühlte Wirklichkeit” von Martin Schröder

Vielen herzlichen Dank auf diesem Weg an Professor Schröder für seine Antwort auf Caspar Shallers ZEIT-Dossier (Nr. 38/17). Ich hatte immer wieder in Erwägung gezogen eine Antwort / einen Leserbrief zu schreiben, doch mir erschien der Aufwand für so ein Gejammer auf ganz hohem Niveau schlichtweg zu groß. Umso erfreulicher und auch aussagekräftiger die Antwort von Martin Schröder, der diese mit Daten belegen kann. Als ich das Dossier las, tauchte bei mir das Bild eines lauthals schreienden Kleinkindes auf, das gegen die Welt außerhalb des gut genährten Wohlstandsbauches protestiert, weil es keine Rundum-Versorgung mehr bekommt, sondern sich selbst etwas anstrengen darf und muss, um etwas zu bekommen, und auch damit klarkommen muss, dass die eigenen Ansprüche auch mal nicht vollumfänglich bedient werden.

Nehmen wir mich (49 Jahre) als Beispiel: Ich habe einen sehr guten Universitätsabschluss (M.A. am renommierten „Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften“ der FU Berlin), gelte derzeit – nach einer beruflichen Neuorientierung im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ (ich habe bisher hauptsächlich in sogenannten Vorbereitungsklassen (Flüchtlinge) unterrichtet) – im Land Baden-Württemberg aber 1) als „Nicht-Erfüllerin“ (des fehlenden Staatsexamens wegen) anstatt als Lehrkraft mit einem anderweitigen Universitätsabschluss; 2) ich habe von Jahr zu Jahr einen auf längstens (!) ein Schuljahr befristeten Lehrauftrag, da ich als Nicht-Erfüllerin nur 2. Wahl für die staatlichen Schulen des Landes bin und kann – sobald ausreichend Absolventen mit Staatsexamen ausgebildet sind (das kann auch unterjährig, also in einem laufenden Schuljahr passieren) umgehend entlassen werden; in den Sommerferien bin ich also arbeitslos und beziehe ALG 1, um dann, kurz vor Beginn des neuen Schuljahres, hoffentlich wieder eingestellt zu werden 3) Lehraufträge, die man in anderen Bundesländern wahrgenommen hat, werden nicht anerkannt, weshalb das Lohnentgelt (ohnehin nicht vergleichbar mit einem Beamtengehalt) in den untersten Stufen verharren kann bzw. es einfach sehr lange dauert, bis man ein bisschen mehr Gehalt bezieht; hinzu kommen viele weitere kleine Diskriminierungen …

Ich würde eine pädagogische, didaktische, methodische Qualifizierung begrüßen (auch wenn ich ein Weiterbildungsstudium in DaZ in der Tasche habe) und gerne nebenberuflich durchlaufen (wie z. B. in Mecklenburg oder Berlin möglich, da ich mich als Quereinsteigerin in den Lehrberuf durchaus bewährt habe), um mittelfristig in B.W. eine Entfristung zu bekommen (wie z. B. in Brandenburg der Fall). Doch das Land bietet das nicht an. Schade, denn ich bin geeignet, und der Beruf macht mir großen Spaß. Außerdem ist es doch bereichernd, wenn Menschen mit Berufserfahrung in andere Branchen – außerhalb der Schule! – unterrichten und die homogene Lehrerschaft etwas „aufmischen“; das kann den Kindern doch nur wohl bekommen (finde ich jedenfalls). Davor habe ich lange an einem bekannten freien Theater in Berlin gearbeitet; dann als Selbständige (Geschäftsführerin einer GbR) für einen Berliner Sprechtheater-Regisseur. In der freien Theaterszene verdient man aber noch weniger! Und im Hinblick auf die Rente sieht es dort ganz düster aus ….Von daher, das Jammern von Caspar Shaller findet auf ganz hohem Niveau statt !!! – Regina Zimmermann


Leserbrief zu „Noch eine Alternative?“ von Mariam Lau

Leider ist Ihnen in Ihrem Artikel ein peinlicher Fehler unterlaufen, der die in anderen Zeit-Artikeln schon aufgenommene mangelnde Kenntnis der ostdeutschen Verhältnisse unterstreicht: Sie schreiben „…das jährliche Kameradschaftstreffen im sächsischen Kyffhäuser,….“.  Ein Blick auf die Landkarte von Mitteldeutschland würde Ihnen zeigen, dass der Kyffhäuser ziemlich weit von Sachsen entfernt liegt, nämlich in Nordthüringen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. – Prof. Dr. Michael Lorenz


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Als aufgrund des Zeit-Volumens verzögerter Magazin-Leser kann ich Sie zu der Modestrecke in dieser Ausgabe nur gratulieren. In lustigen Bildern sind entgegen anderer Modestrecken die Kleidungsstücke auch klar abgebildet. dies fehlte bei vielen der bisherigen Modestrecke. Weiter so. – Alfred Kurz


Leserbrief zu „Ich ist ein anderer“ von Christoph Drösser

Allein anhand seiner Facebook-Likes oder Twitter-Kommentare Rückschluss auf die Persönlichkeit eines Menschen zu ziehen scheint für die Wirtschaft verführerisch. Ihre Recherche zeigt auf, dass diese neuen Persönlichkeitstests bisher auch einfach schlechte Testverfahren sind. Die Psychometrie liefert mit den Gütekriterien Validität und Reliabilität eigentlich auch Kennzahlen, um dies einzuschätzen. Validtät gibt an, wie sehr ein Test das misst, was er vorgibt zu messen. Reliabilität gibt an, wie genau der Test das misst, was er misst. Die Breite an Ausprägungen der Testergebnisse des Autors zeigt, dass eines der Gütekriterien nicht erfüllt sein kann. Zwar schließt Herr Drösser auf eine mangelnde Präzision (also Reliabilität) der neuen Persönlichkeitstests, diese lässt sich aber mit statistischen Tricks konstruieren, die jeder Psychologiestudent erlernt. Deswegen würde ich stark auf eine mangelnde Validität tippen. Dies würde bedeuten, dass diese Tests eben nicht die Persönlichkeit eines Menschen erfassen und diese nicht nur ungenau messen. Die Wirtschaft sei also beraten, eine deutliche Verbesserung der Testverfahren abzuwarten. – Nico Müller


Leserbrief zu „Fliehen? Kämpfen!“ von Sugárka Sielaff

Das alles gibt es bei uns auch. Ein typischer Beitrag der Wadenbeisser, was besonders in Deutschland vorherrscht. Absichtlich will man Orbàn ans Bein pinkeln. Die angeblichen Ordnungshüter sollten sich lieber mit unserem Land beschäftigen, da stinkt es nämlich gewaltig. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Fliehen? Kämpfen!“ von Sugárka Sielaff

Herzlichen Dank für Ihren Artikel über Andras Fekete- Györ und seine Mitstreiter. Schön daß es wieder junge Menschen gibt die sich um Die Politik bemühen, sich nicht bequem zurücklehnen und dann uns “ älterer“ Generation vorwerfen wir würden alles falsch gestalten. Auch wir könnten „Angst und Apathie“ besiegen, wenn es wieder mehr junge Menschen gebe die echtes  Interesse am politischen Geschehen zeigen – und ihre eigene Unzufriedenheit mit konstruktiven Ideen beseitigen würden. Vielleicht gelingt auch ein Miteinander – ohne die unterschiedlichen Charaktereigenschaften eines Volkes zu ignorieren – vielleicht gelingt Europa ! – Angelika Kellner


Leserbrief zu „Ist das noch Kunst oder schon AfD?“ von Moritz von Uslar

Was glaubt den Ihr Autor, was der widersprechende Oskar Roehler für ein besonderer Typ ist? Der Mann brüllt nur seine ganze Wut über unser desolates Land hinaus. Ohne Rücksicht auf Verluste. Die gibt es zwischenzeitlich zuhauf in unserem Land. Das Menschenbild des Autors scheint genauso verrückt zu sein. Alles was Rechts daherkommt hat die Krätze und gehören vom Hof gejagt. Die Intellektuellen reden immer den gleichen Unsinn. Wenn die Welt sich nicht mehr nach links dreht, dann geht die Welt unter. Ich spreche lieber von Konservatismus. Ihr Kollege Jens Jessen hat in der „Zeit“ online dazu Stellung genommen: „In Deutschland hat es den Klang des Verstaubten des Unbeweglichen und Autoritären. An allem könnte, von Fall zu Fall, auch etwas Wahres sein, trifft aber nicht den Kern des Konservatismus. Was aber, wenn der Fortschritt seine Richtung ändert. Wenn die Globalisierung den Wohlstand gefährdet (Flüchtlinge, in Massen, hohe Kriminalität, Terror, Ausbeutung unserer Sozialsysteme, Angst der Bürger).“ In Klammern von mir präzise erwähnt. Was ist dann?  Nach Ihrer politischen Einstellung hat man trotzdem so weiter zu machen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

M.E. verharmlost Thomas Oberender Verblendung und Kahlschlagwahn der SED. Zu Recht erinnert der Autor Stefan Berg – aktuell im „Spiegel vom 30.09.17 – an den langen Schatten der SED-Diktatur. Auch die aberwitzigen stadtzerstörerischen Kahlschläge in Ost-Berlin waren letztlich nur eine monströs vergrößerte Kopie der autogerechten Stadt. Jene in den 30er Jahren entwickelte Planung der Stadtauflösung war keine Erfindung der SED. – Markus Erich-Delattre


Leserbrief zu „Die Mauer ist nicht gefallen” von Thomas Oberender

Ich bin „Wessi“, aber mir war damals schon die „Wieder“vereinigung („wieder“ von was? War Deutschland nach 1918 oder 1945 schon einmal geteilt?) zu schnell und unüberlegt. Die Bürger der ehemaligen DDR konnten sich gar nicht einbringen, außer vielleicht als Ampelmännchen oder Rechtsabbiegen bei Rot! (wie ärmlich). Und BP Steinmeiers Rede am 3.10.17 hat es auch wieder gezeigt: diese Überheblichkeit der Wessis und ihr Anspruch moralisch auf der Siegerseite zu stehen. Sieger von was? Dem Kampf zweier Gesellschaften, die nach einem verschuldeten Weltkrieg ihre jeweils unwirkliche Nische gefunden hatten, aber nicht aufeinander zugehen konnten?

Wenn mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger auf die Unart der „Wutbürger“ hingewiesen wird und dagegen das kleinbürgerliche Idyll der Vereinsmeier und Freiwilligen hochgehalten wird, stimmt etwas nicht an der Art, wie Deutsche unterschiedlicher Nachkriegsgeschichte aufeinander zugehen! Wann gibt es endlich einen offenen, ehrlichen Dialog (Steinmeier sprach von „ehrlich machen“, aber ehrlich machen wem gegenüber?!?) in dieser Gesellschaft? Befreit von Besserwissen und Hochnäsigkeit aber auch von Opferrolle und Ressentiment? Egal ob die Mauer (eine von vielen) gefallen ist oder noch da ist, wirkliches Interesse am Anderen schert sich nicht um Mauern und Hindernisse. Ist das Interesse denn überhaupt da? – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Alkohol“ von Jörg Burger im ZEIT Magazin

Ergänzen möchte ich das sehr informative und aufklärende Interview durch Zweierlei: 1) Mir fehlen jegliche Hinweise auf zusätzlich zum Alkohol von der Leber abzubauende und diese belastende Medikamente. So muss z. B. ich selbst seit bald vierzig Jahren wegen einer Trigeminusreuralgie das hiergegen wirksame Standardpräparat Carbamazepin einnehmen, das sich seit vier Jahren auch nicht mit kleinsten Alkoholmengen mehr verträgt. 2) Ferner fehlt der Hinweis, dass im Fernsehen endlich auch das Alkoholtrinken, vor allem das Rotweintrinken, so wie das Rauchen endlich geächtet gehört. – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Der ganz Nahe Osten“ von Anne Hähnig

Zum Glück habe ich nach Ihrem Beitrag den Artikel von Frau Lau gelesen, der die ganze Problematik angemessen auf den Punkt bringt und dem ich voll und ganz zustimme. Ihr Artikel gehört leider zu den vielen Ossi-Versteher-Artikeln, die mit ganz viel Verständnis auf den überbordenden Rechtsextremismus in Dunkeldeutschland reagieren. Ich kann dieses ewige selbstmitleidige, passiv-agressive Lamentieren nicht mehr hören. Leute, die es nach 27 jahren immer noch nicht fertigbringen, sich an neue Lebensumstände gewöhnen zu können, müssen ganz alleine bei sich gucken, wo es intellektuell, reflektorisch und empathiemäßig mangelt. Es gibt keinen Grund, AfD zu wählen und auch keine Entschuldigung dafür. Offenbar gibt es in Deutschland einen gewissen Prozentsatz an rechtsextrem-völkisch-nationalem Gedankengut, vor allem im Osten.

Diese Typen haben nun eine Partei gefunden, die diese Haltung bedient und deren Wähler haben diese Partei ganz bewusst deswegen gewählt. Es geht um „Ausländer raus!“ und um nichts anderes. Jetzt dürfen Faschisten wie Gauland und Co. den Bundestag mit ihrer Anwesenheit besudeln. Ich könnte kotzen. Hören Sie bitte auf, AfD-Wählern Verständnis entgegenzubringen. Das haben die nun wahrlich nicht verdient. Deren „Probleme“ interessieren mich einen Scheißdreck. P.S. Ich lebe im Ruhrgebiet. Hier sind viele Regionen „abgehängt“, wo man nicht tot überm Zaun hängen will. Für diese Region interessiert sich auch niemand. Hass und Wut sind hier trotzdem bei weitem nicht so ausgeprägt. – Peter Selisko


Leserbrief zu „Nicht sein Land” von Bernd Ulrich

Außer unserem Namen, Sie als Zu-, ich als Vor-, haben wir wenig gemeinsam! „Leitkultur“: wozu dieses pompöse Wort? Einfach „Gastpflicht“, so wie es ein „Gastrecht“ gibt! Ein Immigrant muß den gesellschaftlichen Umgang in seinem Gastland, dessen Gepflogenheiten und Werte akzeptieren! Dazu gehört etwa, sich nicht zu vermummen und eine(n) „Ungläubige(n)“ nicht umzubringen! Sonst hat er sein „Gastrecht“ verwirkt! „Islam“: wir rollen ihm den roten Teppich der Toleranz aus, ohne ihm klar die roten Linien, ggfls. die rote Karte zu zeigen! Denken Sie doch ein paar Jahre weiter: ein immer stärker werdender Islam wird ständig versuchen, einen immer größeren Einfluß auf unser gesellschaftliches Leben zu nehmen. Toleranz wird bestimmt nicht auf seiner Agenda stehen! „Millionen“ „AfD“ (Wähler): die allermeisten sind keine Nationalisten, sondern Protestwähler gegen die Berliner ToKo (Totalkoalition), heimatlos gewordene Wertkonservative, auch „Patrioten“ (nur bei uns ein Unwort!) Wenn nun doch „Patriotismus“, warum muß er anders sein als der anderer Völker? Es gibt genügend Nationen, die in ihrer Vergangenheit furchtbare Schuld auf sich geladen haben – denken Sie nur an die Türkei! Und trotzdem liebt der Türke seine Heimat (über alles) und ist stolz auf die Leistungen seiner Mitbürger und Vorfahren – ohne ständig mit einem unsicht-, aber spürbaren Büßergewand durchs Leben zu schleichen! „Wir werden unser Land…!“ „Wir schaffen das!“ ist entweder pluralis maiestatis oder hundsgemeine deutsche Hybris! Da unterscheiden sich die beiden Politiker nicht voneinander! Haben wir vielleicht auch eine „Sonderhybris“? – Dr. med. Ulrich Pietsch


 

 

21. September 2017 – Ausgabe 39

Leserbrief zu „Von den Schülern geliebt Von den Kollegen gehasst“ von Martina Kix

Dankeschön für Ihren Bericht über Neid und Missgunst in deutschen Lehrerzimmern. Die Schulform Berufliches Gymnasium wird im Artikel leider als Notlösung oder zweite Wahl auf dem Weg zum Abitur dargestellt. Die Verhältnisse in Brandenburg kenne ich nicht, aber in Hessen oder Baden-Württemberg sind die Zweige dieses Oberstufengymnasiums sehr begehrt, auch bei Gymnasiasten, die sich mit Leistungskursen wie Datenverarbeitung, Wirtschaft oder Ernährung besonders auf ein entsprechendes Studium vorbereiten. Die Abiturschnitte der landesweit gleichen Prüfungen lassen nicht den Schnitt zu, dass hier prinzipiell eine „bildungsferne“ Schülerschaft zum Abschluss geführt wird. – Ralf Pauli


Leserbrief zu „Die Durften Nicht Fliegen“ von Claas Tatje

Der interviewte Pilot hat recht, die durften wirklich nicht fliegen. Ich weiss definitiv von einem Piloten aus meinem engeren Freundeskreis, dass abends vor seinem geplanten Flug dieser storniert wurde, obwohl keiner der Besatzung krank war oder aus anderen Gründen verhindert war. Das Fluggerät war ebenfalls vor Ort. Die Crew war bereit zu fliegen und durfte nicht. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Von den Schülern geliebt Von den Kollegen gehasst“ von Martina Kix

Beim Lesen des Artikels bin ich über die Formulierung „Seine nicht repräsentative Studie ergab.. 54%“ Gestolpert. Was immer in der zitierten Studie herausgefunden wurde, die dort genannten Prozentzahlen haben denknotwendigerweise keine allgemeingültige Aussagekraft. Warum also solche Zahlen zitieren? Weil diese Zahlen besonders spektakulär klingen? Weil diese Zahlen eine Relevanz des Themas „belegen“ sollen, für die Autorin keine wirklichen Belege gefunden hat? Seit mehr als 30 Jahren lese ich wöchentlich Die Zeit, wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir Sensibilität im Umgang wissenschaftlichen Studien und den daraus zitierten Zahlen wünschen. Das größte Problem bei Statistiken, ist nicht deren Fälschung, sondern deren Missbrauch zur Konstruktion suggestiver Schlussfolgerungen außerhalb des Kontextes. – Dr. Reiner Hoffmann


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Bitte , bitte geben sie mir etwas hoffnung : wann hören sie mit diesem thomas/larissa-schwachsinn auf ? Bitte bitte bald. – Dieter schultz


Leserbrief zu „Ich bin aufgewühlt, enttäuscht und wütend” von Stephan Lebert

Mit dem Verkauf von Versicherungen macht man sich bekanntlich nicht nur Freunde, aber wie im Fall von Carsten Maschmeyer immerhin viel Geld, das sei ihm gegönnt. Aber Herr M. will mehr, nicht nur von all seinen Kunden, sondern offenbar von der ganzen Republik geliebt werden. Das Krönchen der Integrität setzte er sich in Person von Frau Ferres auf, die durch die Auswahl ihrer Rollen, jetzt als Ehefrau, eine hohe moralische Verfasstheit kommuniziert, „sie kann nicht anders“. Bei so viel Ehrlichkeit dürfen wir wohl die erfolgreiche Anlage ihres Geldes durch den Herzenssohn Marcel in Cum-Ex-Geschäften vernachlässigen. Denn wie sagte ihr Mann im Untersuchungsausschuss so schön:“von Steuern habe ich keine Ahnung“. Wieviel öffentliche Aufmerksamkeit möchten Sie dieser Schmierenkomödie eigentlich noch widmen? – Julia Bernt-Dori


Leserbrief zu „Von den Schülern geliebt Von den Kollegen gehasst“ von Martina Kix

Wir wissen, dass der Umgang mit heterogener Schülerschaft die zentrale Herausforderung und Aufgabe für Deutschlands Schulen ist. Wir wissen, dass 10 % der Eltern ihre Kinder mittlerweile in Privatschulen schicken. Wir wissen: ca. 50.000 Schüler verlassen jährlich die Schulen ohne Abschluss, es gibt 7,5 Mio. Analphabeten in der BRD und das bei Spitzengehältern der verbeamteten Lehrerschaft  (im OECD-Vergleich). Es besteht seit langem dringender Handlungsbedarf in Bezug auf die Entwicklung zeitgemäßer Unterrichtsmethodik und –didaktik. Es stimmt mich traurig und macht mich fassungslos, wenn reformwillige PädagogInnen solche Schicksale, wie im Artikel geschildert, erleiden müssen! – Hans-Joachim Rohnke


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Vielen Dank für die sehr lesenswerte Reportage im heutigen Zeitmagazin! Sie ist geradezu liebevoll und angenehm nachdenklich. Trotzdem geht es mir auch hier so, wie bei allem was ich in den letzten Jahren zu Ostdeutschland gelesen habe, dass mir etwas fehlt, dass ich das Gefühl habe, die „Seelenlandschaft“ ist unvollständig dargestellt – und ich bin auf der Suche danach, was fehlt. Wir leben seit 4 Jahren in Jena, sind aus dem tiefsten Westen hergezogen – kein echter Kontakt mit Ostdeutschland, keine Ahnung von der „Seelenlandschaft“, aber (und das ist denke ich typisch für die Menschen unter 50) auch keine ausgeprägten Vorurteile. Einfach Nichtwissen, geprägt von der Vorstellung, es werde so lange nach der Wende schon keinen Unterschied mehr machen. Vielleicht war diese Naivität gut, denn es ist uns rasch gelungen, Kontakt zu knüpfen und viele ostdeutsche Freunde zu finden – neben den unverbindlichen Bekanntschaften, die sich aus dem Alltags- und Berufsleben ergeben.

Im Prozess des Kennenlernens und Sich-Näherkommens fallen uns nun doch unterschiedliche Mentalitäten auf, es wird uns unser Nichtwissen umso klarer. Ost und West macht einen gewaltigen Unterschied und es hat lange gedauert, bis wir das herausgefunden haben. Kleine Unterschiede, die sich ergeben, wenn man aus dem katholisch geprägten Rheinland in eine durch und durch säkularisierte Gegend kommt – wie zum Beispiel das vollkommene Fehlen des Christkindes zugunsten des Weihnachtsmannes. Oder große Unterschiede, die sich z.B. daraus ergeben, wie das Verhältnis zu Obrigkeiten und Autoritäten geprägt ist – nämlich, dass von dort grundsätzlich nur Unsinn zu erwarten ist und man dem am besten durch geschmeidiges Aufbauen von Potemkinschen Dörfern begegnet, um in der Realität einfach das zu tun, was man selbst für richtig erachtet. Unabhängig davon, ob die angebliche „Obrigkeit“ vielleicht im konkreten Fall ein sinnvolles Anliegen hat. Westdeutsche erleben dies Verhalten im schlimmsten Fall als unehrlich, meistens zumindest als wegduckend, ausweichend und unberechenbar.

Aber neben diesen Aspekten haben wir rascher und unvermittelter einen anderen Unterschied gefunden: wir sind hier vielen Menschen begegnet, denen wir die Energie einer neugewonnenen Freiheit und Selbstbestimmung anmerken. Das Engagement, mit dem unser katholischer Kindergarten betrieben wird, die Sorgfalt und Liebe, die die Kindergärtnerinnen an den Tag legen, ist beispiellos. Die meisten von ihnen sind seit der Gründung vor ca. 25 Jahren dabei und es ist ihnen bis heute anzumerken, wie wertvoll es für sie ist, sich endlich endlich nicht mehr verstecken zu müssen und die Pädagogik machen zu dürfen, die sie immer schon angestrebt haben. Ähnliches kann man beim lokalen Biobauern erleben, der im Familienbetrieb den Hof weiterführt und selbstständige Ideen hat, die er unbehelligt umsetzen kann. Oder bei der Tagesmutter, die auf ihre alten Tage ihren Traumberuf ausüben darf und ihre Aufgaben von ganzem Herzen treulich jeden Tag erfüllt.

Aber es sind nicht nur berufliche Beispiele: tief beeindruckt haben mich die Geschichten der, nicht mehr ganz jungen, Mütter, die ihr erstes Kind in der DDR und ihr zweites Kind nach der Wende bekamen – die Erzählungen von den Gängeleien noch unter Presswehen bei der ersten Geburt, die abwesenden Kinder, der Schmerz beim frühen Abgeben in der Krippe – und die große Erleichterung bei der späteren, würdigeren Geburt, das Beisammenbleibendürfen – all das resultiert in einem besonders starken Familiensinn und einem oft innigeren Zusammengehörigkeitsgefühl als bei vielen westdeutschen Familien. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Anzahl der „Wutbürger“ unter diesen Müttern sehr groß ist.  Wenn wir also ein bißchen durch den Bekannten- und Freundeskreis gucken, dann haben wir das Gefühl, die Menschen begegnen der Herausforderung einer Wende in der eigenen Biographie auf sehr unterschiedliche Weise: es gibt diejenigen, die mit einer DDR-Prägung einfach so weitermachen (wir vermuten, dass hier möglicherweise auch in Jena „Wutbürger“ zu finden sind – aber naturgemäß wird das uns gegenüber nicht kommuniziert) und es gibt diejenigen, die die neue Freiheit genießen und ihre Persönlichkeit entfalten können und aufgeblüht sind. Hier finden wir eine Dynamik, eine Herzlichkeit und eine Konzentration auf das Wesentliche, die im Westen nicht so unmittelbar anzutreffen ist und wo man sich ruhig eine Scheibe abschneiden könnte. Materiell macht das unserer Beobachtung nach keinen Unterschied – vielleicht steht erstere Gruppe sogar eher etwas besser da.

Und natürlich, wie so oft, gibt es ganz viel dazwischen – Dynamik in einem Lebensbereich, Starre in einem anderen.  Und da komme ich wieder zu dem Ausgangspunkt, dass mir in allen Berichten über Ostdeutschland etwas fehlt: während wir hier viele Freunde gefunden haben, die alle zur zweiten Gruppe gehören, und uns vielleicht in dieser befreiten Dynamik sogar wohler, weil unverstellter, fühlen als im Westen, bleibt uns der emotionale Zugang zur ersten Gruppe komplett versperrt. Vielleicht hat das tatsächlich mit einer Prägung zu tun, die uns einfach vollkommen fremd ist und die ich nicht verstehen kann, weil ich sie nicht kenne. Ich vermute, dem liegt das Bedürfnis nach Freiheit zugrunde. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man sich in einem repressiven System einrichten kann, ohne permanent Magenschmerzen zu haben. Aber vielleicht erlebt man das komplett anders, wenn man es wirklich nicht anders gewohnt ist und wenn vor allem die enge Familie sich damit gut eingerichtet hat. Dann steht das „Versorgtsein“, das „Sich-Auskennen“ im Vordergrund. Wenn allerdings die enge Familie im Grunde immer schon Freiheit wollte, dafür vielleicht auch etwas in Kauf genommen hat, dann scheint ein repressives System unerträglich, egal was für materielle Konsequenzen entstehen. Ein Taxifahrer, der mich mal zum Bahnhof fuhr, und hier seit 20 Jahren arbeitet aber selber aus Syrien stammt, behauptete, er könne sofort erkennen, ob ein Ostdeutscher oder Westdeutscher in sein Auto steige – die Westdeutschen seien freier in allem was sie tun.   Mich würde mal interessieren, ob Ostdeutsche selber sich eigentlich gegenseitig verstehen.   Ich glaube, Ihre Reportage bringt tatsächlich die wichtigste Erkenntnis an der Stelle, wo sie ausführt, dass die ostdeutsche Berichterstattung über Ostdeutsche in den großen Medien fehlt. Ich sehe das auch so. Interessant ist nur die Diskrepanz zu der Tatsache, dass schon seit ein paar Jahren u.a. in der Zeit ostdeutsche Journalisten über Ostdeutschland berichten – warum haben wir dennoch das Gefühl, die ostdeutsche Stimme kommt zu kurz? Vielleicht, weil die Wahrnehmung über diese Berichte zu oberflächlich ist.

Ich glaube, wir Westdeutschen müssen wirklich eingestehen, das wir an einigen Stellen einfach keine Ahnung haben und dass es darum gehen muß, zuzuhören und zu verstehen. Da gibt es noch viel zu tun. Aber neben der Darstellung der negativen Auswirkungen der Nachwendezeit, der Einsamkeiten und Entwurzelungen, die entstanden sind, fehlen mir vor allem die positiven Berichte. Ich glaube, solche Berichte könnten viel zu einem beginnenden Verständnis beitragen und quasi eine Brücke schlagen. Wir haben die positiven Beispiele hier gefunden und ich finde, die befreiten Biographien und was alles daraus Positives entstanden ist, kommen in der Berichterstattung zu kurz. Es wird zu wenig berichtet, was der Westen lernen könnte. Die positiven Einflüsse, die eine „unterbrochene“ Biographie haben kann, kommen zu kurz. Das Lebendige und Bunte, das aus so einem wechselvollen Leben entstehen kann, wird kaum honoriert. Und ganz konkret: ich habe noch nie verstanden, warum „Zeit im Osten“ nur im Osten erscheint – im Westen wäre sie viel notwendiger. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Pass auf, Deutschland!” von Giovanni Di Lorenzo

„Endlich ein Neuanfang“! Auch Trump ist ein Neuanfang! Endlich? Was soll denn neu anfangen? Fällt Ihrer Zunft nichts mehr ein? Wenn Merkel so langweilig ist, müssen deswegen die Medien einen Einheitsbrei aus Skandalstichworten (Diesel als Teufelszeug, heilige Windkraft, E-mobil für die Reichen) verbreiten? – Dieter Redl


Leserbrief zu „Unter Strom“ von Mirko Borsche im ZEIT Magazin

Als Vielradler habe ich mit Interesse Ihren Bericht gelesen. Danke dafür. Vielleicht erfüllt dieses Modell Ihren Gedanken… https://hovding.de/video/  – Hans-Joachim Schröder


Leserbrief zu „Keine Kohle!“ von Petra Pinzler

Offensichtlich haben Sie große Probleme damit, den EU-CO2-Emissionshandel (der mit Unterstützung der Grünen eingeführt wurde) zu verstehen. Der Unsinn wird nämlich ewig weitergehen. Während wir Pseudo-Diskussionen führen, bereiten die EU-Länder längst neue Zielsetzungen für den EU-ETS 2030 vor. Aber das interessiert ja niemanden. – Wolfgang Ströbele


Leserbrief zu „Eurovision Contest“ von Lisa Nienhaus

Sie haben Zweifel daran, „ob die FDP überhaupt die Kraft und den Willen hat, das durchzuziehen“ Zweifel daran habe ich auch, obwohl es Herrn Lindner durchaus ernst ist mit der Sorge um die „Enteignung“ der Sparer (das darf man ruhig so sagen, wenn Lebensversicherungen rückwirkend die Leistungen kürzen!!) und derjenigen, die auf ihr angesparte Alterversorgung, (Versorgungswerke etc.) angewiesen sind. Deswegen bin ich mir sicher, dass Herr Lindner keinen Koalitionsvertrag unterschreibt, der ein „weiter so!“ mit zahllosen Rettungsprogrammen garantiert. Andernfalls dürfte ein scharfes Schwert mit der Zunge auf der Seite der Opposition für die weitere Genesung der FDP förderlicher sein! Sonst werden sich bestimmt sehr viele Wähler wieder abwenden! – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Wir brauchen die Kunst!“ von Klaus Weise

Ich empfehle Herrn Weise, mo. bis fr. von 19:00 bis 20:15 3sat einzuschalten. Dort hat er alles: Heute, Kulturzeit (mit allen von ihm geforderten Themen) und Tagesschau. – Peter Janssen


Leserbrief zu “Das Gesicht als Nummernschild” von Stefan Schmitt

Apple ist wegen Desensibilisierung Schuld daran, dass Polizei und Geheimdienste Gesichtserkennung verwenden. Endlich nennt mal jemand den wahren Schuldigen! Technologie ist grundsätzlich problematisch und kann nur zu Problemen führen. Natürlich zeigt die Geschichte, dass Technologie nicht aufzuhalten ist. Was wäre die Alternative? Könnte die sichere und auf Privatsphäre achtende Implementierung von Gesichtserkennung im iPhone X vielleicht auch als gutes Beispiel und Ansporn für andere dienen? Könnten Bürger so vielleicht sehen, dass digitale Transformation nicht notwendigerweise zur Erosion von Bürgerrechten führen muss? Nein! Denn dazu müssten wir genauer hinsehen, nachdenken, unsere Kaufentscheidungen ändern, mehr Privatsphäre einfordern und Parteiprogramme lesen. Das ist zu anstrengend!

Klar, Journalisten wie Sie könnten helfen. Aber dann wären solche Artikel auch viel schwerer zu schreiben. Schlimmer noch, wollen die Leser überhaupt so differenzierte Betrachtungen lesen? Nein, wir wollen unsere Vorurteile bestätigt sehen (alle Technologie ist böse, es kommt nicht auf die Umsetzung an). Dann freuen wir uns auch viel mehr, wenn am Donnerstag die neue Ausgabe kommt. (Ich schreibe diese Email übrigens von einem Mac aus. Ja, ich bin ein Fanboy! Es ist ja nicht so, dass ich als Akademiker das Denken gelernt hätte, dass ich seit Jahren online wie offline um digitale Bürgerechte kämpfe, dass ich mich um die Zukunft unserer Demokratie sorge, und dass mich Schwarzweißmalerei wie Ihre daran hindert, mit meiner Aufklärungsarbeit vorwärts zu kommen.)

Glauben Sie wirklich, dass Artikel wie der Ihre jemals neue Technologie verhindert haben? Wir können lediglich über die richtige Ausgestaltung aufklären und für bessere Gesetze kämpfen. Artikel wie der Ihre haben eine demotivierende Wirkung. Keiner wird darauf hin anders handeln oder realistische Gesetzesänderungen unterstützen. Lesen Sie vielleicht noch mal 1984. Dann überlegen Sie mal, ob Sie Ihre Arbeit in Zukunft ernster nehmen wollen? Ich kämpfe für eine Zukunft, in der unsere Software human und die Demokratie gesichert ist. Wollen Sie auch dafür kämpfen oder es lieber weiterhin bequem haben? – Dr. Jürgen Schweizer


Leserbrief zu „Von den Schülern geliebt Von den Kollegen gehasst“ von Martina Kix

Ihr Artikel spricht mir aus der Seele und spiegelt in etwa wieder, was ich einst durchgemacht habe. Auch ich wurde von Kollegen gemobbt bis ich keine Lehrerin mehr war. Ich habe meine Schüler lange sehr vermisst und ich vermisse es heute noch zu unterrichten. Wenn ich jetzt manchmal so höre, was in der Schule vor sich geht, dann blutet mir das Herz.  – Petra Malatynski


Leserbrief zu „Land ohne Lächeln“ von Fritz Habekuß und Pieter Hugo im ZEIT Magazin

Die „antik aussehende Statue“ auf S. 29 ist eine Nachbildung der weltberühmten David-Statue von Michelangelo. Haben Sie von der noch nie ein Bild gesehen? – Christian Klarhoefer


Leserbrief zu „Pass auf, Deutschland!” von Giovanni Di Lorenzo

Es gilt zu Fragen, warum Konservativ als Pest ständig hingestellt wird. Die Medien tun so als hätte ein Konservativer die Seuche am Hals. Ich darf erinnern, nur durch konservative Politik haben wir den Wohlstand geliefert bekommen. Die Konservativen sind vielleicht moderner als jede andere Partei. Warum sollte man Traditionen nicht bewahren wollen. In keinem Land auf unseren Planeten wird die Tradition missachtet. Und das ist auch recht so. Trotz Globalisierung. Das Gewese um des Kaisers Bart ist kontraproduktiv und dümmlich. Ihr Autor bringt die Grünen ins Spiel. Angeblich will das auch Frau Merkel. Für mich wäre das die schlechteste Option. Die ist weder modern noch zielführend. Die ist aus ihrer Rolle als Protestpartei nicht wirklich herausgekommen.

Sorry, vertippt. Ich fahre fort: Frau Merkel hat sich von ihrer Partei zu weit fortbewegt. Den Riss hat sie mit zu verantworten.  Das Desaster in der Flüchtlingsfrage war der eigentliche Auslöser. Warum Herr Schultz keinen Boden sieht, ist für mich ein Rätsel. Das die soziale Frage so an den Wähler vorbei geht. Dafür habe ich keine Erklärung. Das einzige was mir dazu einfällt sind die Personen in dieser Partei. Da ist für die Wähler kein Liebling darunter. Herr Oppermann hat kein Ansehen in der Bevölkerung. Der Mann hat sich als Plaudertasche selbst disqualifiziert. Und noch schlimmer: er hat einen Kollegen über die Klinge springen lassen. Und Herr Heil ist kein Typ. Der langweilt nur.  Deutschland mit seinen Medien wird über kurz oder lang sich reformieren müssen. Tut sie das nicht, was anzunehmen ist, wird sie eines Tages abgestraft. – Gunter Knauer


Leserbrief zu “Uromas unterschätztes Herbstfrüchtchen“ von Katharina Menne

Danke für den Beitrag. Beim „Männlein steht im Walde“ hat man wohl falsche Hagebuttensorten ohne schwarzes Käpplein ins Bild gesetzt. Seit meiner Kindheit pflücke ich die frostgereiften Früchtchen bei Waldspaziergängen und sauge sie mit Behagen aus. Die kleinen schlanken Früchte haben mehr Aroma, als die dicken dargestellten Brocken, vermutlich auch mehr Vitamine. – Diether Sieghart


Leserbrief zu „Land ohne Lächeln“ von Fritz Habekuß und Pieter Hugo im ZEIT Magazin

Ja, Herr Habekuß hat es mit seiner Geschichte über den Osten richtig getroffen. Ich bin gelernte DDR – Bürgerin und kann das beurteilen. Es kommt noch dazu, je näher eine Großstadt ist umso besser geht es dem Dorf. Wenn man schnell ins Theater oder Museum kommt, ist es schön wieder in das ruhige Dorfleben abzutauchen. Uns regen Reportagen über den Osten auf wenn z.b. so ein Typ ein paar Tage nach Bautzen fährt und meint, er hat alles erforscht. Eine Jana Hensel brauchen wir auch nicht für uns sprechen lassen. – Liane Hampel


Leserbrief zu „»Das hatte Signalwirkung«“ von Rudi Novotny

Drei Monate Elternzeit, oh! Erlauben Sie mir, dass ich nicht beeindruckt bin. Als Ihre zweite Tochter drei war, gingen Sie in Teilzeit – und die Monate dazwischen? Teilzeit mit 80%, na bravo! Nach Ihrem Montag sind aber noch vier Schul- und Kindergartentage zu bewältigen, ganz zu schweigen von den kleinen Arbeiten des Alltags (nicht die großen, die Chorproben und die Sommerfeste) wie Frühstück machen, auf den Weg bringen, Schulranzen durchschauen, Elternabende, Hausaufgaben… ach, lassen wir das, Sie kennen die Litanei. Wer hat denn diese Arbeiten in Ihrem Haushalt gemacht? Jetzt sagen Sie bloß nicht: Nannys, Haushaltshilfen, Au-pairs. Ich meine: die wirklich kleinen und die absolut alltäglichen Arbeiten.

Und nach viereinhalb Jahren übernimmt dann – wer eigentlich? Interviews wie das mit Ihnen machen mich wütend. Wir alle wissen, dass die Kindererziehung einen Flaschenhals hat (er liegt ungefähr in den ersten 120 Monaten, es können durchaus ein paar mehr sein) und die zwei oder drei Vätermonate wirken angesichts dieser Zahl schon ein bisschen albern. Drei Monate haben Mütter schon locker mit ihrem Mutterschutz für ihre Arbeit ‚verloren‘ (ja, wirklich, Mütter fallen kurz vor, während und kurz nach der Geburt aus – bis auf einige Hochbegabte, die auch im Kreißsaal arbeiten). Gleichheit hieße doch: Für jede Stunde, die die Mutter für die Familie beruflich kürzer tritt, tritt auch der Vater eine Stunde kürzer (und umgekehrt). Dabei lernen beide Arbeitsmanagement und Disziplin und können ihre guten Ausbildungen nutzen. Ach so: Die Karriere ist gefährdet? Tja, bei Müttern leider auch. Wie wäre es denn mit Modellen zu einem Lebensarbeitszeitkonto, das den Flaschenhals zu überbrücken hilft statt auf die Illusion der drei Vätermonate und der viereinhalb 80%-Jahre als „Signalwirkung“ zu vertrauen? Ich bin für die Inklusion der Mütter in den Arbeitsmarkt! – Susanne Hartwig


Leserbrief zu „Das letzte Mittel” von Nicola Kurth und Jan Schweitzer

Die Argumentation, die Pharmaindustrie sei am Einsatz von Methadon nicht interessiert, weil eine Behandlung nur acht bis zwanzig Euro einbrächte, während sich mit einem Krebsmittel 20 000 bis 25 000 Euro verdienen ließen, ist nicht schlüssig. Zwar sind Verträglichkeit und Nebenwirkungen bei einem so alten Medikament bekannt, die Wirksamkeit in der neuen Indikation aber wäre noch nachzuweisen. Es müsste also einen wesentlichen Teil des Zulassungsprozederes durchlaufen (540 Mio. Euro bzw. 2 Mrd. Euro nach Ihren Angaben). Auch wenn für Methadon nur ein Teil dieses Aufwands nötig ist, bleibt ein Riesenbetrag. Methadon würde also – auch für die bisherigen Anwendungen – erheblich teurer, und der Kostenvergleich wäre hinfällig. Nebenbei: Der Patentschutz ist längst abgelaufen, und keines der Unternehmen könnte eine solche Preiserhöhung am Markt durchsetzen. – Werner Toporski


Leserbrief zu „Armer Hund!“ von Björn Stephan

Mit Entsetzen musste ich zur Kenntnis nehmen, dass das Cover des aktuellen Dossier-Teils – sagen wir mal zur einen Hälfte – überhaupt keinen Zusammenhang zum Inhalt des Artikels aufweist, der sich nämlich nicht etwa, wie von mir auf den ersten Blick erwartet, mit Themen wie „Sexismus (unter Hundebesitzern?)“ oder „Warum immer noch mit Brüsten (für Hunde?) geworben wird“ auseinandersetzt, sondern ich stellte geschockt fest, dass mit dem Brüste-Cover offensichtlich selbst für einen mit Brüsten gänzlich unzusammenhängenden Inhalt geworben wird, nämlich die Folgen von Überzüchtung bei Hunden! Da kann ich nur sagen (wie man zu sagen pflegt:) „sind wir denn hier“ bei der BILD-Zeitung, bei der eine solch anti-intellektuelle und sexistische Blickfang-Strategie zum Markenkern gehört? Gewissermaßen handelt es sich hierbei nicht, wie ich oben im Betreff schrieb, (Achtung, Kalauer) um ein Bildcover, sondern um ein BILD-Cover! Ich hoffe, Sie verzichten in Zukunft auf solche der Zeit (und diese im doppelten Sinne) unwürdigen Gestaltungskonzepte! – Felicia Schliebs


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Wann werden die Leser des ZEIT-Magazins endlich erlöst von dieser narzistischen Selbstinszenierung ? So langsam wird es unerträglich. Null Informationswert … null Relevanz. – Jürgen Hilleke


Leserbrief zu „Pass auf, Deutschland!” von Giovanni Di Lorenzo

Schämt Euch, Ihr Tendenzjournalisten. Noch schnell ein paar Stimmen für Martin herbeischreiben und den Teufel an die Wand malen. Habe seit Jahrzehnten immer wieder gerne Zeit gelesen, aber so kotzt ihr mich an. – Johannes Becker


Leserbrief zu „Keine Kohle!“ von Petra Pinzler

These der Redakteurin: Aus Gründen des Klimaschutzes müsse richtig viel Braunkohle aus der Stromerzeugung verbannt werden. Tatsache ist jedoch: Ein staatlich reglementierter beschleunigter Ausstieg aus der Braunkohle führte zu höheren Treibhausgas-Emissionen. Konsequenz wäre nämlich nicht deren Ersatz durch erneuerbare Energien. Die haben Einspeisevorrang vor allen anderen Energien und gewinnen zusätzliche Marktanteile durch staatliche Förderung. Vielmehr würde mehr Erdgas verstromt. Das müsste aus Russland importiert werden. Die dadurch bei dessen Förderung und auf den langen Transportwegen entstehenden zusätzlichen Emissionen an Methan und an CO2 sind – anders als die CO2-Emissionen aus der Verstromung von Braunkohle – nicht durch das europäische Emissionshandelssystem gedeckelt.

Eine staatlich reglementierte Verdrängung der Braunkohle zur Erfüllung des nationalen Treibhausgas-Minderungsziels von 40 % bis 2020 im Vergleich zu 1990 hätte nur eine Verlagerung der Emissionen innerhalb der EU zur Folge. Die Höhe der Emissionen von Energiewirtschaft und Industrie wird nämlich durch die für diese Sektoren EU-weit gültige Obergrenze bestimmt. Bei einer Betrachtung über die Grenzen der EU hinaus wäre also eine durch administrierte Maßnahmen in der Kohleverstromung erzwungene nationale Zielerfüllung mit Mehremissionen verbunden. Dem Klimaschutz würde ein Bärendienst erwiesen. Sinnvoll wäre stattdessen eine Neujustierung des nationalen Treibhausgas-Minderungsziels mit der Konsequenz einer Begrenzung auf die Sektoren, die nicht dem europäischen Emissionshandelssystem unterliegen. Das sind der Gebäudesektor und der Verkehr. Nationale Maßnahmen sollten sich auf Bereiche richten, die nicht europäisch geregelt sind, statt europäische Regelungen zu unterlaufen. – Dr. Hans-Wilhelm Schiffer


Leserbrief zu „Distanziert euch von den Autokraten!“ von Thorsten Benner und Wolfgang Reinicke

Das könnte euch so passen. Unsere liberale Demokratie hat sein Ende erreicht. Es hat sich gezeigt, das auf Dauer ohne einen Ordnungsrahmen der Gesellschaftsrahmen große Baustellen hinterlassen hat. Wo kommen wir hin, wenn jetzt auch noch die großen Unternehmen dafür missbraucht werden sollen. Das läuft darauf hinaus, daß die freie Marktwirtschaft politisch korrumpiert werden soll. Was sind das denn für Wissenschaftlicher.? Nein, mit unserer Demokratie wird das noch ein schlimmes Ende nehmen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Herr Minister muss leider gleich weiter“ von Thomas Fischer

Herr Fischer würdigt in seiner „Würdigung“ der Arbeit von Heiko Maas nur das, was Herr Fischer selbst kann: das Strafrecht. Es wäre leserfreundlich gewesen, nicht erst im drittletzten Absatz deutlich zu machen, worum es dem Autor eigentlich geht (was der Leser freilich schon ahnte): Strafrechtspolitik. So hält der Artikel nicht, was er verspricht. Die Tätigkeit des Justizministers besteht aus mehr als nur dem Strafrecht, auch wenn Herr Fischer sich für andere Bereiche nicht interessiert. Mehr als Expertenkritik ist das nicht. Ist das Justiz-Ressort der ZEIT der richtige Ort dafür? – Sarah Wilkens


Leserbrief zu „Keine Kohle!“ von Petra Pinzler

der ruf nach einer radikalen energiewende ist völlig verfehlt, da die wende schon längst beendet ist. dies belegen die zahlen für die installierte leistung zur stromerzeugung in deutschland: es stehen bundesweit beinahe 100.000 mw kraftwerksleistung bei den „konservativen“ energien (kohle, uran, gas…) ebenso wie bei den alternativen (sonne, wind, wasser…) zur verfügung. dabei benötigen wir maximal 80.000 mw,  d.h. wir haben weitere ca. 120.000 mw zur verfügung. jedes zusätzliche  neue sonnen- oder windkraftwerk kann gar nicht mehr eingesetzt werden. die abkehr von der kohle ist unmöglich, da nur wenige mw an  alternativer leistung zur verfügung stehen, wenn die sonne nicht scheint  und der wind nicht bläst. dann benötigen wir dringend kohle- oder  kernkraftwerke. im übrigen ist auch der einsatz von gaskraftwerken keine  lösung, da auch diese co2 freisetzen und die vorräte endlich sind. wie  lange hält also diese unrealistische forderung nach einer „radikalen  energiewende“ und dem ausstieg aus der kohle noch an? – Dr. Helmut Kiendl


Leserbrief zu „Ich bin aufgewühlt, enttäuscht und wütend” von Stephan Lebert

Ihr seid die ZEIT und diese „Interviews“ stehen im Wirtschaftsteil, oder?…Laecherlich!‎!! – Heike Mertens


Leserbrief zu „Sangerhausen“ von Christoph Dieckmann

Haben Sie schon mal Kuchen gebacken? Stachelbeer gibt’s entweder mit Baiser oder mit Eierschecke, Letzteres eine thüringische Spezialität, die es offenbar bis nach Sachsen-Anhalt  geschafft hat. Der Eierstich gehört in die Suppe. Das weiß sogar ich als Abubü. – Cordula Orphal


Leserbrief zu „Von den Schülern geliebt Von den Kollegen gehasst“ von Martina Kix

In 2 aufeinander folgenden ZEIT-Ausgaben wird mal wieder die eigentlich sehr erkenntnisreiche Hattie-Studie zitiert, aber in einen sehr unglücklichen, weil wenig hilfreichen Zusammenhang gestellt. Ja! Die Persönlichkeit des Lehrers sowie die persönliche Beziehung zwischen Schülern und Lehrern sind entscheidend für den Lernerfolg. So weit, so gut und richtig! Dieser wertvollen Aussage wird LEIDER immer wieder eine konterkarierende und mir rätselhafte Behauptung voran bzw. gegenüber gestellt. So heißt es in der Zeit vom 21.9.: “Weder Geld noch Klassengröße entscheiden über den Lernzuwachs einzelner Schüler. Es kommt fast ausschließlich auf den Lehrer an.”  Schon am 14.9. war zu lesen:  “Nicht die Ausstattung einer Schule oder die Größe der Klassen bestimmen, was Schüler lernen.” Solche Studienergebnisse kommen natürlich wie gerufen, wenn Einsparungen im Bildungssystem gerechtfertigt werden sollen, aber was sollen wir Lehrer daraus schließen?

Es ist also “nur” eine Frage des guten Willens der Lehrer bzw. ihrer naturgegebenen Persönlichkeit, ob sie persönliche, motivierende, individuelle Beziehungen zu 15, 20 oder 30 nach Aufmerksamkeit verlangenden Schülern pro Klasse aufbauen und pflegen?   Beziehung hat also tatsächlich nichts mit Zeit und Lernerfolg nichts mit Ausstattung zu tun? Räume, in denen Brandschutz vor Schallschutz geht, wo Schüler nicht ekelfrei die Toiletten benutzen können, alles zweitrangig?? Bilden wir uns die Bedeutung der Klassengröße nur ein? Oder hat jemand Studien so konstruiert, dass diese Ergebnisse rauskommen?  Bei einem Lehrervortrag vor hoch motivierten Schülern mag das ja stimmen, aber das ist nicht die Realität. Gerade die ZEIT, die sich doch sonst für Bildung stark macht, sollte sich nicht vor diesen Karren spannen lassen. Mich macht es wütend. – Barbara Rogge


Leserbrief zu „Von den Schülern geliebt Von den Kollegen gehasst“ von Martina Kix

Als Lehrperson misst man sich intellektuell das ganze Berufsleben lang nur mit den auszubildenden Jugendlichen. Einige tun sich dann schwer mit Kollegen, die mehr können. Mir ist das als berufs- und lebenserfahrener Quereinsteiger selbst widerfahren. Einige Kollegen hatten vielleicht Angst, dass ihre offensichtlichen Mankos, wie beispielsweise die fehlende Praxiserfahrungen, durch mich aufgedeckt würden. – Martin Novotny


Leserbrief zu „Pass auf, Deutschland!” von Giovanni Di Lorenzo

Wenn Herr Di Lorenzo schreibt „Pass auf, Deutschland! Rechtsradikale im Bundestag,…“, dann springt Herr Di Lorenzo nicht nur zu kurz, sondern insbesondere daneben. Richtiger wäre die Überschrift „Passt auf, Ihr Eliten, Euch droht der Putsch !“

  1. Von der AfD geht nicht vorrangig eine Gefahr für Demokratie aus. Sie wäre ggf. unter der Aufsicht von mindestens einem der zahlreichen Verfassungsschutzorganisationen, was aber nicht der Fall ist. Die innerparteilichen demokratischen Defizite sind in der AfD nicht so ausgefeilt kaschiert wie in den etablierten Parteien. Es gibt keine Partei, deren innerparteiliche Demokratie nicht durch Netzwerke ausgehebelt wäre und deren Struktur nicht zu einer Negativauslese in Bezug auf Bildung, Qualifikation und Charakter führen würde. Exemplarisch kann man in Ihrer aktuellen Ausgabe über die dürftigen Qualitäten des noch amtierenden Bundesjustizministers in dem Artikel „Herr Minister muss leider gleich weiter“ nachlesen. Über den aktuellen Aussenminister würde man mit höchster Wahrscheinlichkeit eine ähnliche Expertise lesen können, sollte mal ein gebildeter Insider eine solche anfertigen. Die Qualität der zukünftigen Minister wird nicht anders ausfallen, unabhängig davon, welche Partei an die Regierung kommt. Dieser Umstand ist einfach den innerparteilichen Demokratiedefiziten der Parteien geschuldet. Eine skrupellose und anpassungsfähige Person, die ihre Energie und Zeit nicht in Bildung und Studium, sondern in Netzwerke und Parteiarbeit investiert, wird sich gegenüber einem fleissigen und gebildeten Akademiker stets durchsetzen. In den Neugründungen setzen sich die Erwerbslosen, vielleicht noch höhere Beamte durch, weil sie die meiste Zeit, ggf. den notwendigen Erwerbsdruck haben. Ein Blick in die AfD-NRW ist da recht aufschlussreich. Aber auch bei den Piraten sieht es vergleichbar aus.
  2. Die AfD setzt sich nicht nur aus Rechtsradikalen und Reaktionären, sondern zu mindestens 50 Prozent, also mehrheitlich, aus Opportunisten ( Petry, Pretzell, Meuthen, Weidel, pp. ) zusammen. Die Wählerschaft selber dürfte kaum im nennenswerten Umfang schwerpunktmäßig rechtsradikal sein. Das wäre ggf. schon deutlich früher und unter Begleitung einer deutlich höheren Gewaltquote aufgefallen. Die AfD ist vorrangig eliten-feindlich. Das erklärt auch am ehesten den Hass von etablierten Politikern und Medien gegen die AfD.
  3. Der Hass im Volk gegen Politiker, Parteien und auch Medien ist als Poltik(er)verdrossenheit seit Jahrzehnten durch Umfragen, Nichtbeteiligung an Wahlen und Protestwählerschaft bekannt. Die rückläufigen Auflagen bezüglich der Leitmedien und die rückläufigen Einschaltquoten bezüglich der öffentlich-rechtlichen Sender ist gemeinhin bekannt. Ebenfalls ist bekannt, dass sich die Einschaltquoten und Auflagen konform zur Demografie entwickeln. Dass jetzt die AfD, Pegida, pp. „Lügenpresse [ halt die Fresse ]“ oder „Hau ab Merkel“ oder „Hau ab Maas“ rufen, ist lediglich eine neue Stufe der Eskalation. Im Westen erfolgt die Kommunikation noch zivilisierter, aber das sollte nicht zur Fehlinterpretation verleiten, dass der Hass weniger ausgeprägt wäre. Die Wahl- und Konsumverhalten und die Umfrageergebnisse weisen eine eindeutige Entwicklung auf. Die AfD kanalisiert den Hass auf die Elite und spitzt diesen zu.
  4. Ich glaube auch, dass der Hass auf die bisherige Elite zugunsten der AfD zunehmen wird. Die Vorbehalte gegen die Zuwanderung stellt schon jetzt eine Zäsur im Verhältnis der urbanen Bevölkerung zur rot-grünen Ideologie dar.

Der Meinungsumschwung von der Welcome-Gefühlsduselei hin zur Zuwanderungskritik ist eine Zäsur. Vor zwei Jahren wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, dass sog. Entfremdung zum Meinungsumschwung führen würde. Erstaunlicherweise ist das links-grüne urbane Milieu besonders empfänglich. Der Wählerschwund bei SPD-Grüne spricht Bände. Der Begeisterung für Multi-Kulti rauscht dahin und das Entfremdungsgefühl tritt an ihre Stelle. Es soll hier lediglich angemerkt werden, dass ich persönlich von derartigen Gefühlschwankungen gar nichts halte. Verantwortung übernimmt man mit dem Verstand und nicht mit dem Bauch. Ich frage mich einfach nur: Was soll diese ganze urbane Gefühlsduselei, diese Infantilität ?! Die infantile Begeisterung für Anti-Kernkraft- / Klimaschutz- / Welcome- / Diesel- / E-Auto- / Gender- Hysterie verstehe ich auch nicht. Sie ist völlig irrational. Die meisten politischen Entscheidungen sind auf diesen Feldern ebenso irrational, unausgegoren und völlig unverhältnismässig. Die infantile urbane Begeisterung wird auch hier rapide nachlassen und mittelfristig einer scharfen Kritik unterzogen werden. Die Frage der Verhältnismässigkeit wird aufkommen, wenn die Produktivitätssteigerungen und Wirtschaftswachstum ausbleiben und die Folgekosten nicht kompensiert werden können. Die Skepsis wird sich in der Folge gegen die Parteien und Medien, die diesen Hype jeweils erzeugt haben, richten. Vermutlich mit der gleichen emotionalen Intensität wie jetzt die Entfremdung.

  1. Die Frage ist m.E. noch, ob gerade im urbanen Bereich die Emotionalität für rot-grüne-Themen grundlegend in Hass gegen diese Themen umschlagen könnte. Die AfD könnte dann tatsächlich Volkspartei werden und die heutigen Eliten dürften dann der Vergangenheit angehören. Wenn man sich das Ergebnis der tiefenanalytischen Umfrage des Rheingold-Instituts vom 4. September 2017 anschaut, dann ist eine derartige Entwicklung nicht auszuschließen:

https://www.rheingold-marktforschung.de/veroeffentlichungen/artikel/Gebremste_Wut_der_Waehler_-_Eigenstudie_zur_Bundestagswahl_2017.html  „• Das Misstrauen gegenüber Politikern wächst rasant. Der Wahlkampf wird als Ablenkungsmanöver empfunden, um den wahren Problemen auszuweichen. • Deutschland wird trotz des Wohlstandes als verwahrlostes Land mit maroden Schulen, No-Go-Areas, sozialer Ungerechtigkeit und Geheim-Absprachen zwischen Politik und Industrie gesehen. • Zwar sind viele Wähler unzufrieden mit Angela Merkel (CDU), scheuen aber Veränderung aus Angst vor Instabilität.  • In der Wahlkabine werden sich die Wähler mit der Schönfärberei der Politiker arrangieren, sie schwanken zwischen halbherzigen Treue-Bekenntnissen zu Angela Merkel und kompensatorischen Korrektur-Versuchen. • Die Grünen haben es schwer. Die Wähler verbinden mit ihnen „Dinkel und Dünkel“ und finden das Thema Umwelt nicht so wichtig. • Die AfD wird als Sprachrohr der Bevölkerung erlebt, es fehlt ihr aber eine berechenbare Leitfigur. • Dieses Problem hat auch die LINKE, die aber ansonsten klar konturiert wirkt.“

Die Studie bestätigt auch die Analyse von Di Lorenzo, dass das drängendste Thema, das Flüchtlingsthema aus der Sicht der Befragten ausgeklammert ist und dass der Wähler mit der Polarisierung, ein Nazi zu sein, weil man einerseits nicht überfremdet werden möchte, oder ein Gutmensch zu sein, weil man andererseits auch gerne hilft, nicht einverstanden ist.

Die Studie spricht davon, dass trotz des hassvollen Volkszorns die AfD nicht gewählt würde, um den Laden noch zusammen zu halten:

Der hassvolle Volkszorn macht den Wählern Angst, dass in Deutschland alles auseinanderfliegen kann. Diese Angst aktiviert bei vielen eine Selbst-Bremsung. Sie verpflichten sich stillzuhalten, die Verhältnisse nicht grundsätzlich in Frage zu stellen. ‚Nur nicht dran rühren‘ lautet die insgeheime Devise: Mutter Merkel darf auf keinen Fall verprellt und abgewählt werden, denn sie ist die Einzige, die die wölfischen Despoten – Erdogan, Putin oder Trump – zur Räson bringen kann. Zudem ist Deutschland ja trotz aller Mängel immer noch das sicherste und erfolgreichste Land der Welt.“  „Die AfD soll sicherstellen, dass Merkel die Tür nicht wieder für die Fremden öffnet und die deutschen Werte verrät. Die AfD wird oft als Arbeiterpartei erlebt, als Sprachrohr der Bevölkerung: „Die artikulieren etwas ohne Aber.“ Ihre Vertreter beziehen als einzige Stellung, und „sie sind für Volksentscheide“. Die AfD verspricht die Befreiung von den Fremden und dem Befremden im eigenen Land – durch rigide Abschottung, nationalen Egoismus und eine Rolle rückwärts in die Beschaulichkeit der alten Bundesrepublik: „Die ändern was. Denn die sind gegen Frauenquote, Flüchtlinge und Homo-Ehe.“ Erst einmal sollen alle Deutschen einen Arbeits-oder Kindergartenplatz bekommen. Trotz ihrer radikalen Standpunkte im Osten gilt die AfD nicht als eine rechtsradikale Partei wie etwa die NPD. Die AfD kanalisiert zwar das Wüten der Wähler, aber ihr fehlt eine berechenbare Leitfigur. Es war daher aus Sicht der AfD ein Fehler, Frauke Petry auszubooten. Die beschriebene Selbstbremsung der Wähler führt auch dazu, dass die AfD allenfalls die drittstärkste Partei werden wird.“

Die Warnung von Di Lorenzo müsste also richtigerweise lauten: „Passt auf, Ihr Eliten !“ In Hinblick auf das deutsche Volk bleibt die Frage, ob die nächste Elite besser wird. Zweifel sind angebracht, aber nicht zur Entlastung der aktuellen Elite. Diese wird auch rückwirkend eine Katastrophe bleiben. Das gilt auch in Hinblick auf die schreibende Zunft. Es ist zwar schön, dass ich die Zeit verbessert. Aber in Hinblick auf die Tageszeitungen fallen die deutschen Produkte weit hinter die der schweizerischen zurück. – Reinhard Wilhelm


Leserbrief zu „Herr Minister muss leider gleich weiter“ von Thomas Fischer

Abgesehen von einer Jugendsünde (August 1975 an den Spiegel, nicht veröff.) schreibe ich Leserbriefe nur ab und an für die hiesige Lokalzeitung (Die Glocke), wenn es kommunalpolitisch denn zu sehr faktenfremd und lobbyzugetan wird, aber Thomas Fischers Bilanz der vierjährigen Amtszeit des Ministers Heiko Maas zeigt derartig überzeugend zugleich und bestürzend, zudem noch als stilistischer Genuss, wie weit politische Gestaltung sich in inhaltsleichtem Aktionsmus verirrt hat, dass ich nicht anders kann, als leserbrieflich mein Kompliment zu machen. – Dr. Bernward Fahlbusch


Leserbrief zu „Pass auf, Deutschland!” von Giovanni Di Lorenzo

Sie haben für den Durchschnitts-Leser zu viel geschrieben. Wahlen sind m.E. überflüssig. Wir brauchen eine andere Demokratie. Unsere Demokratie ermöglicht die grenzenlose (!) freie Entfaltung von Egoismus und Habsucht, was jeder mehr oder weniger in sich trägt. Maßloser Konsum und maßlose Mobilität haben übermächtige Konzerne und Banken erschaffen, die folgerichtig die Politik in den wesentlichen Bereichen steuern müssen. Wir brauchen eine Regierung, die den Forderungen eines Ethik-Öko-Gremiums folgen muss, deren Mitglieder jährlich neu gewählt bzw. wiedergewählt werden. Gremium-Mitglieder, die nachweislich unabhängig von der Wirtschaft und Politik sind sowie freiwillig einen umweltverträglichen und sozialverträglichen Lebensstil haben. – Volker Freiesleben


Leserbrief zu „Eine blendende Analyse“ von Elisabeth Raether

In Zukunft werde ich Beiträge von Elisabeth Raether meiden. Immer wenn es in Ihren Artikeln um Frauen geht, bedienen Sie sich zahlreich an rhetorischen Figuren, um auf die scheinbare Benachteiligung der Frau hinzudeuten. Zwar behaupten Sie, Clinton sei nicht aufgrund ihres Geschlechts gescheitert, dennoch geht es in dem Text immer wieder darum, welche Nachteile Frauen haben.. Beispielsweise nachts Angst im Park zu haben. Haben Männer etwa keine Angst auf ihrem Heimweg durch den Park? Natürlich sind Frauen von Natur aus das schwache Geschlecht, aber darauf haben wir keinen Einfluss. Die Gleichstellung von Mann und Frau ist ein langwieriger Prozess und kann nicht, so wie Sie es gerne hätten, von jetzt auf gleich erfolgreich. – Adam Vuckic


Leserbrief zu „Habe Geld, suche Einfluss „ von Ulrich Ladurner und Steffen Richter

Auch das ist ein Ergebnis merkelscher Austeritätspolitik. Erst wird Griechenland gezwungen Tafelsilber zu verschleudern – denn was sind schon 280 Millionen Euro Erlös gegenüber 328 Milliarden Schulden – und dann in die Hände dubioser Investoren getrieben die im Zweifel bestimmt nicht die Interessen und Werte der EU vertreten. Dass dieses Spiel vor allem in einigen osteuropäischen Staaten durchschaut wird liegt auf der Hand und dass diese sich andere Optionen offen halten wollen ist nur legitim. Eine integrative Europa – Politik sieht anders aus. – Rüdiger Weigel


Leserbrief zu „Scham-Rot-Gold“ von Mariam Lau und Paul Middelhoff

„Rund die Hälfte der …Abgeordneten gehört zum rechten Flügel der Partei“ Ist das nicht immer so? Die Mitte ist in der Mitte, weil rechts und links von ihr gleich viel ist. Sonst ist die Mitte nicht in der Mitte. Auf dem Dachfirst gegenüber sitzen 10 Vögel. Fünf davon sitzen links von der Mitte und die anderen Fünf sitzen rechts von der Mitte. Wer hätte das gedacht? – Hans-Ulrich Wagner


Leserbrief zu „Herr Minister muss leider gleich weiter“ von Thomas Fischer

Wöchentlich wandert mein Blick auf die Rubrik „Recht & Unrecht“. Wenn ich dort den Namen Thomas Fischer lese, so freue ich mich auf die stets lesenswerte Kolumne des Bundesrichters a. D. Versucht sich indessen ein Redakteur der ZEIT in dieser Rubrik, kann ich die Zeitung getrost beiseite legen. Dann wird wieder ein Strafurteil aufgearbeitet: „Wie konnte zum Tod von XY kommen?“, „Warum sahen alle weg?“. Die ZEIT-Redaktion setzt offensichtlich Recht mit Strafrecht gleich. Dabei gibt es genügend andere Themen mit rechtlichen Einschlag, die eine Befassung verdienen.

Mein Vorschlag daher: Überlassen Sie Herrn Fischer gleich die Rubrik und ersparen Sie den Lesern die langatmigen Ausführungen ihrer Redakteure zur (mutmaßlichen) Opfer- und Täterpsyche in Strafprozessen, die mit Recht und Unrecht sehr wenig zu tun haben! Es ist verwunderlich, dass in Ihrer Zeitung politische und wirtschaftliche Themen gut recherchiert sind und einen hohen inhaltlichen Anspruch haben, während juristische stiefmütterlich behandelt werden und einen wissenschaftlichen Tiefgang insgesamt vermissen lassen. – Carsten Schier


Leserbrief zu „Die Durften Nicht Fliegen“ von Claas Tatje

Das Interview von Tatje mit einem anonymen Piloten war wichtig. Passt zeitlich auch wunderbar wg. den aktuellen Vorkommnissen bei diesem bekannten irischen Flieger bei denen die Piloten wegrennen wie die Lemmingen. Dieser Fluggesellschaft sucht nun Piloten in Südamerika, weil Piloten in Europa wohl zu teuer seien. So ähnlich wie etwa in Vietnam oder sonstwo Pflegekräfte für unsere Senioreneinrichtungen geholt werden. Angeblich weil der Markt in Deutschland leergefegt sei. Und dann fragt Tatje:  Noch einmal: das ist weiterhin ein sehr hohes Gehalt aus fernen Zeiten der Monopole. Aber Herr Tatje! Was wollen sie denn? Anständige Gehälter sind das A und O einer flüssig laufenden Volkswirtschaft. Frei nach Henry Ford: „Autos kaufen keine Autos“.

Überall, überall wird versucht, Lohnkosten zu senken. In der Pflegewirtschaft führt so etwas zum Abkehr von diesem an sich schönen und ehrenwerten Beruf (kein Wunder, dass der Markt „leergefegt“ ist), und Piloten sollen ihrer Verantwortung und ihren fachlichen Anforderungen entsprechendes Gehalt beziehen. Punkt.  Branchentarifverträgen sind gut. Sehr gut sogar. Das wird allmählich wiederentdeckt! Weil es ein Instrument ist, einen Wettbewerbswettlauf über Lohnkosten zu verhindern. Das führt auf Dauer nur in die Deflation. Kostenwettbewerb über bessere Verfahren und derlei sind völlig in Ordnung. Nicht aber über Personalkosten. Das Gleiche gilt auch für das Thema Flexibilisierung der Arbeit. En Masse umgesetzt sorgt das für Planungsunsicherheiten und z.B. Familiengründungen (die mit Anschaffungen verbunden sind, Konjunkturimpulse eben!) werden auf die lange Bank geschoben.  Fazit: der Arbeitsmarkt ist etwas ganz anderes als der „Gütermarkt“. Das hat nichts mit Monopole zu tun. Im Gegenteil. *Bestimmte* Monopole sind wichtig.

Ich zitiere aus dem Werk des ehemaligen Wirtschafts-Sachverständigen der Bundesregierung, Wolfgang Stützel: Freilich schützt dieses Angebotspreiskartell der Arbeitnehmer automatisch auch die Unternehmer davor, ihrerseits in den Teufelskreis einer auch für sie unangenehmen Rationalitätenfalle zu geraten. Das gewerkschaftliche Angebotspreiskartell befreit die Unternehmer von dem Marktzwang, ihrerseits in ihrem Konkurrenzkampf gegeneinander zur Waffe eines unmenschlich harten Drucks auf die Stundenlohnsätze greifen zu müssen. Hätten ja auch nur einige Unternehmer Zugang zu dieser Waffe, so müßten die anderen, um zu überleben, zur selben Waffe greifen. Genau das aber bleibt ihnen dank des gewerkschaftlichen Arbeitsangebots—Preiskartells erspart. (Marktpreis und Menschenwürde, 1981) – Rob Maris


Leserbrief zu “Maschmeyers neuer Fan“ von Christian Fuchs et al.

Eine zweiseitige Lobeshymne mit Interview und Ehrerbietung für einen Mann, der sich mit zwielichtigen Methoden auf Kosten von Drückerbanden und zu Lasten vieler vertrauensvollen Kunden ein Vermögen zusammengerafft hat, ist schon mehr als zweideutig.  Wahrscheinlich kennen Sie seine Methoden nicht, wie er zu seinem Reichtum gekommen ist:  Die AWD schaltete Jobangebote für die kostenlose Ausbildung zum Versicherungs- und Vermögensberater, Schulabschlüsse, Qualifikation, Alter und Geschlecht spielten alles keine Rolle. Hauptsache die Maße an Bewerbern war ausschlaggebend und wurden zur Präsentation der Aufgabe eingeladen. Die Ausbildung dauerte nur wenige Stunden mit Filmvorführungen, Folien und Grafiken, die einen Verdienst vorgaukelten, der einem Akademiker gereicht hätte.

Keiner der Anwesenden wollte sich eine solche Gelegenheit entgehen lassen. Und dann kam die Frage, was man wohl hätte für eine solche Einführung bezahlen müssen, die der AWD den Bewerbern und künftigen „Freien Mitarbeitern“ kostenlos hat angedeihen lassen? „Ja, also da hätte man sicherlich bei anderen Firmen eine Gebühr bezahlen müssen“, war die einhellige Meinung. Aber die AWD war ja großzügig und meinte, man solle mal Verwandte, Freunde und Bekannte aufschreiben (dafür lag ein besonderer Vordruck auf dem Pult) die eventuell von den Angeboten, die man vorgestellt hatte, profitieren könnten. Und schon hatte man seinen Kundenkreis mit einfachen Mitteln erweitert. Entweder warben die neuen „Mitarbeiter“ ihren Bekannten- und Freundeskreis selber, dann bekamen sie einen Anteil von den Versicherungs- und Bankenprämien, oder sie überließen es einem ranghöheren Angestellten der AWD die Kundenbesuche und Abschlüsse.

Die Rangordnung war militärisch ausgerichtet: Rekrut, Gefreiter, Feldwebel, Leutnant, Oberts, General (Maschmeyer) und die Verteilung der Prämien wurde nach einem besonderen Schlüssel vorgenommen – der General bekam von JEDEM Abschluss einen Prozentsatz. Das ist die Kurzform des AWD Schneeballsystems.

Ich erinnere mich noch an einen Vorgang nach der Wende bei einem Bauträger, der Wohnungen im Osten sanierte und als Eigentumswohnungen verkaufen wollte. Ein Geschäft an dem die AWD im großen Stil beteiligt war, als Vermögensbildung für kleine und große Investoren. Er kam mit seinem Privatflugzeug und einem Tross von Sekretärinnen und „Unteroffizieren“, wie ein König mit seinem Hofstaat, und erwartete von dem Bauherrn auch so empfangen zu werden. Ich fühlte mich zum Statisten degradiert oder verschwand so schnell um meine Countenance nicht zu verlieren. Und so einem Menschen gibt man eine Plattform um sich weiterhin als „König in der Höhle der Löwen“ darzustellen. In dieser Sendung geht es letztlich nicht um Start-ups zu unterstützen, sondern Start-ups zu finden, mit denen sie mit ihren Investitionen viel Geld auf Kosten der willigen und risikofreudigen Gründer machen können.

Es ist schon erstaunlich wie man dieser Person und seiner, in die Jahre gekommenen Schauspielerin, Ehefrau eine solche Bühne in Ihrer Zeitung kostenlos bietet und mit schmeichelhaften Inhalten hofiert. Bedauerlich nur, dass ich auch noch mit meinem ABO-Geld dafür bezahlt habe. Ich denke mal diesen Artikel über Maschmeyer, Ferres und Co. hat sich sicherlich niemand gewünscht. Klatsch und Tratsch ist etwas für BILD, Bunte, Grünes Blatt, etc. aber nicht für eine (nach eigenen Ansprüchen geltende) seriöse Zeitschrift. Was ich aber in der letzten Zeit an Inhalten entdecken musste, macht diese Einschätzung bedenklich. Vielleicht wäre es gut mal das Ohr am Bürger, Abonnenten, Kunden zu haben. – Peter B. Sanden


Leserbrief zu „Armer Hund!“ von Björn Stephan

Ich habe mich wirklich sehr gefreut, dass mal ein Artikel über dieses heiße Thema in der „Zeit“ erscheint – leider leider bin ich maßlos enttäuscht über die miserable Qualität Ihrer Recherche. Sie haben in Ihrem Artikel Dinge vermischt, die null und nichts miteinander zu tun haben und Dinge über eine Kamm geschoren, die völlig verschieden sind. Richtig ist, dass es ein massives Problem mit der Gesundheit vieler Hunderassen gibt – und dass dies viel mehr gesetzlich reglementiert werden müsste. Dies kommt von einseitiger Zuchtauswahl auf phänotypische Merkmale, die durch die Genlokalität oft mit Anderen – für den Züchter erstmal unsichtbaren – Eigenschaften verbunden sind (wie zB mit bestimmten Krankheiten wie Taubheit oder Augenprobleme, auf die ja kein Züchter bewusst selektiert). Dazu kommen dann noch die von Ihnen so in den Vordergrund gestellten Rassen, deren Schönheitsideal schon in seiner anatomischen Beschaffenheit Gesundheitsprobleme provoziert. Dies ist nur bei einem relativ geringen Teil der Rassen der Fall – das viel größere Problem liegt in der Rassezucht auf ein bestimmtes festgelegtes Äußeres als solches. Hundezüchter haben in den allermeisten Fällen keinerlei Ahnung von Vererbung & Genetik, sie beurteilen die Qualität ihrer Zuchthunde daran, wie sie auf Ausstellungen bewertet werden – äußerlich – und hier liegt das eigentlich Hauptproblem, welches in Ihrem Artikel leider nicht ein einziges Mal erwähnt wird:

Der VDH ist der Hauptschuldige und Initiator des ganzen Schlamassels – der VDH richtet diese unsehligen Ausstellungen aus, auf denen den Leute erzählt wird, der eine Hund ist gut, der andere nicht – auf der Basis von rein subjektiven Kriterien. Voher soll denn der Hundekäuferlaie wissen, dass ein „Champion“ eben tatsächlich nur bedeutet, dass der Hund ein völlig fiktives Schönheitsideal zufällig trifft – oft genug entscheidet sogar noch mehr die perfekte Vorführung (was auch die Kleidung des Vorführers – bei Frauen sind zB kurze Röcke sehr vorteilhaft – beinhaltet!!!!) darüber, ob ein Hund auf Ausstellungen vorne steht oder eben nicht. Und ja, das Ganze hat einen sehr großen monitären Hintergrund, wie das meist bei Übeln der fall ist. Dieses kranke System der Bewertung ist das Übel und nicht dieser Mulm, den sie da über Liebe schreiben. Liest man Ihren Artikel, könnte man meinen,  Hunde, die mit Stachelhalbändern gedrillt werden (findet man auch heute in der „richtigen Szene“ ohne weiteres) sind die Glücklicheren, weil man mit denen, wie mit Tieren umgeht.

Ihre Artikel behauptet, Hunde würden wie Menschen behandelt und damit gequält  – in der darauf folgenden Aufzählung schreiben Sie: „trägt ihn auf dem Arm oder in der Tasche (bei genügen Rassehunden ist das aus Größengründen schon nicht möglich)..was für eine sinnlose und schwachsinnige Verallgemeinerung, davon abgesehen, dass sicher kaum ein Kleinhund ein wirkliches Problem damit hat, mal getragen zu werden. Weiter schreiben Sie…“er kauft ihm Biofleisch  und Frischfleisch vom Schlachter“…was ist daran jetzt genau schlecht und was vermenschlicht? Ist es menschlich, dass auch ein Hund etwas zu sich nehmen muss???? Ja, das muss auch tatsächlich jeder Mischling mit normallanger Schnauze tun, um zu überleben und wenn man als Halter, gerne eine nachhaltigere und tiergerechtere Nutztierhaltung unterstützen möchte und den klimaaschädlichen Sojaimport aus Lateinamerika genausowenig wie die Ausbringung von krebserregendem Glyphosat unterstützen will, ja tatsächlich, dann kauft man eben UU Bioprodukte.Bei der Motivation Bioprodukte vorzuziehen (weil sie nachhaltiger sind ) ist doch vollkommen unerheblich, was man dann damit macht! Ähnlich sinnfrei, Ihre Aburteilung von „Fleisch vom Schlachter“, die Sie auch direkt hinter „dass er ihn damit quält“ auflisten. Was ist daran jetzt genau schlecht und tierquälerisch??? Hunde sind nunmal Fleischfresser und Fleisch die gesündeste Ernährungsweise. Schlachtabfälle können so prima verwertet werden, ohne sie noch aufwendig und mit Energieaufwand weiter zu transortieren bzw. weiter zu verarbeiten (oft genug dann zu Instant-Tiernahrung) .  Natürlich finden Sie in Ihrem Artikel auch weiterverarbeitetes Futter „schlecht“ – was genau sollen denn Hunde Ihrer Meinung nach zu sich nehmen?

Falls Ihnen in Ihrer Pauschalisierungswut mal aufgefallen ist, verkauft Fressnapf auch Hundefutter und es gibt tatsächlich Leute (wie mich), die bei Fressnapf einkaufen und noch nie sowas wie Hundepralinenen oder Hundekleidung gekauft haben, sondern schlicht und einfach dort von zeit zu Zeit ihr Hundefutter erwerben. Meine Familie hatte schon vor meiner Geburt Hunde (meinen ersten Eigenen hab ich mit 6 bekommen und habe mit mittlerweile mit fast 40 immernoch zwei Hunde) – weder meine Eltern noch ich haben jemals Hundebier, Hundepediküre, Hundeyoga, Hundefiseur, Hundekita, (…und den ganzen anderen Quatsch, den Sie da aufzählen) in Anspruch genommen – und das gilt für die absolute Mehrheit der Hundehalter!!!

Insgesamt stellt ihr Artikel die Auswüchse der VDH Rassehundezucht und von einigen verrückten alten Frauen als Pauschalisierung von Hundehaltung dar und vergisst dabei die durchschnittliche Realität: die meisten Menschen kaufen sich nähmlich keine Hunde, um damit ihr Ego mit Ausstellungstiteln aufzupolieren, noch um sie zum buchautor zu machen. Sie kriegen nur vom VDH und deren Züchtern eingetrichtert, dass Mischlinge immer total krank seien und überhaupt immer aus polnischen Hinterhofzuchten kommen würden – sowas kann man natürlich nicht unterstützen, wenn man einen Sinn für sozialen Status hat und kauft deshalb einen Rassehund. Die probleme, die man damit bekommen kann, erzählt einem natürlich weder VDH noch Züchter, die ja beide damit Geld verdienen.

Auch Ihre Behauptung, dass Hunde keine Liebe/Zuneigung empfinden/zeigen können, ist, sowohl empirisch als auch wissenschaftlich betrachtet, schlicht falsch. Hunde besitzen eine eindeutige Körpersprache, mit der sie sowohl gegenüber Artgenossen als auch gegenüber Menschen Zuneigung mitteilen können.  Es gibt mittlerweile jede Menge wissenschaftlicher Studien, die sich mit der Gefühlwelt von Tieren (nicht nur Hunden) beschäftigen und deren Existenz zweifgelsfrei nachgewiesen haben – vor diesem Hintergrund zu behaupten, dies wären rein menschliche Gefühle, zeugt von keinerlei Recherche und einem Allgemeinwissen aus dem vorletzten Jahrhundert. Hätten sie sich ansatzweise mit Recherche beschäftigt, dann wäre Ihnen vielleicht auch mehr Sinnvolles zum „Gebrauch“ bzw. „Gebrauchgtwerden“ von Hunden eingefallen – Tatsachen, wie etwas jene, dass Hundehalter in unseren entfremdeten gesellschaften erwiesener Maßen glücklicher, stabiler und sogar langlebiger sind ( http://www.presseportal.de/pm/32294/1763497 ) hätten Ihnen zB einen Hinweis in die richtige Richtung geben können.

Und nein, es geht dabei nicht um Vermenschlichung – die wäre davon abgesehen auch mit jedem Mischling möglich und hat somit null und nichts mit dem Thema des Artikels (Rassehundezucht) zu tun. Dass, was Sie „Vermenschlichung“ nennen, gab es nebenbei bemerkt schon immer – lange lange vor der Rassehundezucht im heutigen Sinne (nach Rassestandard): schon auf frühmittelalterlichen Bildern können Sie Hunde finden, die schlafend am Fußende ihres Herrn in dessen Bett liegen. Die tatsächlich wichtigsten Gründe und Motive heutzutage Hunde zu halten kommen in Ihrem Artikel überhaupt nicht vor…und nein, es liegt nicht immer alles an Ängsten und anderen „Absonderlichkeiten“ – Sie werden es nicht glauben, aber selbst im abgelegensten Urwalddörfern in Lateinamerika, in den Savannensiedlungen der afrikanischen Sahelzone, in den Jurten von Steppennormaden Zentralasiens halten die Menschen Hunde – heute noch – oft mehrere pro Familie – ganz ohne Fressnapf und Hundekleidung. Frage Sie sich doch mal, wie das sein kann und warum ( und nein, die Hunde arbeiten dort genausowenig wie hier heutzutage, die Hunde sind meist komplett unerzogen )? Schade, dass ein so wichtiger Artikel, der eigentlich von der Qualzucht berichten sollte, derartig falsche Antworten liefert. – Nora Irrgang


Leserbrief zu „Der Kampf der Politiker“ von Marc Brost et al.

Ihr Beitrag zur Wahl lässt aus meiner Sicht einen Aspekt aus. Ich vermisse die Auseinandersetzung mit den Linken (Mitte-Links und Links), insbesondere mit der Weigerung der SPD mit der Linkspartei ein Bündnis einzugehen. Ist diese Weigerung der SPD heute nicht überholt? Ich denke an die Thüringer Koalition. Die Gefahr einer Diktatur geht ja nicht nur von Links aus. Das zeigen mehr als deutlich das Entstehen der AfD, die Proteste auf den Wahlveranstaltungen der CDU in Ostdeutschland und die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. Hier sollte meines Erachtens an die Frage links und rechts und die Gefahr von Diktaturen neu herangegangen werden. Selbst die Grünen sind nicht ganz frei von solchen Tendenzen, die uns zum Beispiel einen Veganer-Tag aufschwatzen wollten. In der Auseinandersetzung mit der AfD fehlt mir eine stärkere Auseinandersetzung mit ihrer gesamten Politik, die in ihrer Auswirkungen gerade jene enttäuschten dürften, die jetzt am lautesten auf der Straße schreien. Und noch einen Hinweis. „Die Zeit“ hatte bis in jüngerer Zeit auch hin und wieder eine Seite mit Berichten aus den Bundesländern. Ich vermisse sie schon. – Gerhard Morgenroth


Leserbrief zu „Land ohne Lächeln“ von Fritz Habekuß und Pieter Hugo im ZEIT Magazin

DANKE an den Autor, Fritz Habekuß, und den Fotografen, Pieter Hugo, für diese gelungene Reportage über die Ostdeutschen (bin selbst einer von denen)! Die Begegnung mit den Menschen ist spürbar, ihre Situation, ihre Probleme sind feinfühlig benannt. Und -liebevoll  das Titelfoto mit Hildegard! Zu lesen und zu sehen ist die Bitte: Redet miteinander, fragt nach, seid aufmerksam füreinander. Ich schreibe wenige Stunden vor der Wahl. Möglich, dass nach der wahl mit dem Finger auf den osten gezeigt wird. Nachdenken, besuchen, fragen – das darf, bitte, nicht aufhören. – Volkmar Gartenschläger


Leserbrief zu „»Ich hätte gerne öfter erlebt, Martin, dass du dich mal ereiferst«“ von Iris Radisch und Alexander Cammann

Der arme Herr Schulz. Was Frau Zeh empfiehlt, obwohl ich sie sehr mag, wäre genau der falsche Ansatz. Das mag für die Intellektuellen zutreffen, aber nicht für den gemeinen Bürger. Die haben mit Europa nichts am Hut. Und warum ist das so: Es fehlt die Legitimation für ihr handeln. Die jungen Menschen beklagen das besonders  (siehe Brexit). Herr Schulz weiß das. Seine Antwort ist leider undurchsichtig. Frau Merkel ist für viele Bürger die Mutter Gottes. Das  hatten wir noch nie. Die Reputation der Politiker tendiert ohnehin gegen Null. Frau Merkel nimmt da eine Sonderstellung ein. Sie hat ihren größten Fehler, die unkontrollierte Einwanderung, längst bereut.  Ein solches Bekenntnis ist den Politikern sonst fremd. Die Bürger haben ihr verziehen.  Ob Herr Schulz oder ein anderer von der SPD, ich behaupte, keiner wäre gegen Frau Merkel angekommen. Und sollte das morgen anders kommen, dann vergessen Sie ganz schnell meinen Leserbrief … – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Der Riss im System“ von Felix Rohrbeck und Kolja Rudzio

Seit 36 Jahren bin ich privatversichert, noch nie bin ich durch eine separate Tür zu einer „edlen Sitzlandschaft“ gegangen, empfangen vom „Patientenmanagement“. Noch nie habe ich im Krankenhaus „a‘ la carte“ gespeist, eine Zeitung hat mir auch noch keiner dort gereicht. All das, was Sie ausführlich beschreiben mag für einige, wenige Privatkliniken  (bzw.- Abteilungen) zutreffen, betrifft aber nicht den „Alltag“ von geschätzt 99,9% der Privat-Krankenversicherten. Auch die immer wieder behauptete bevorzugte Behandlung von Privatversicherten hält sich in engen Grenzen. Zum Beispiel warte ich jetzt insgesamt gut 2 Monate auf eine Augen-OP. Aber ich wechselte auch nicht vor 36 Jahren wegen erwarteter Vorzugsbehandlung von einer Ersatzkasse zu einer Privatkasse, sondern aus finanziellen Gründen.

Durch meine Verbeamtung – zunächst auf Probe –  fiel der Arbeitgeberzuschuss zur Krankenversicherung weg, mein Beitrag verdoppelte sich dadurch. Der Berater der Ersatzkasse empfahl mir, Krankenhausrechnungen sowohl bei der Beihilfestelle meines Dienstherrn  als auch bei der Ersatzkasse einzureichen und dadurch mehr erstattet zu bekommen, als ich bezahlt hatte, dadurch also den erhöhten Beitrag  wieder „einzuspielen“. Jedes Jahr hätte mindestens eine Person aus meiner Familie ins Krankenhaus gehen müssen. Darauf ließ ich mich nicht ein (dies ist auch längst nicht mehr möglich). Sondern ich wechselte zur Privatkasse und zahlte kaum mehr Beitrag als vorher, obwohl ich bei der Verbeamtung schon relativ alt war und schon drei Kinder hatte. Seitdem hat sich der Beitrag vermehrfacht – wie auch in der gesetzlichen  Versicherung. In den 36 Jahren habe ich „meiner Kasse“ etwa doppelt soviel gegeben wie sie erstattet hat. Dieses Polster soll für die höheren Erstattungen im hohen Alter reichen – so haben es jedenfalls die Statistiker berechnet. – Aolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Wir brauchen die Kunst!“ von Klaus Weise

Ich bin mir nicht sicher, aber was ich in vielen Jahren im Fernsehen an Abendnachrichten gehört und gesehen habe ist oft nur Bilder und Informationen mit reißerischer Aufmachung, meist weit weg von unsererem Horizont . Hauptsache schrill, und möglichst dramatisch . Unsere direkten Nachbarn in Europa kommen so gut wie nie vor. Es sei denn es gibt Krawall oder sonst etwas. Wie  unsere Nachbarn leben und ihren Alltag gestalten? Nie davon gehört!  Ich spreche von den Nachrichten um 19.00 und 20.00 Uhr, und weiter, nicht die regionalen Sender. Die Nachrichtensender sind auch viel zu aufwendig ,ein Sender wäre wirklich ausreichend, da sie sowieso immer das gleiche berichten. Nur die Moderatoren und das aufwendige Studio sind unterschiedlich. – Klaus Luening


Leserbrief zu „Herr Minister muss leider gleich weiter“ von Thomas Fischer

Ich war erstaunt über Ihren Artikel. Ich wussste nicht, dass bei Ihnen (subjektive) Meinungsbeiträge und recherchierte Informationen nicht mehr getrennt werden. In diesem Text sehe ich ausschließlich die Meinung eines früher sicher hochgeehrten, jetzt aber frustrierten Juristen, dem offenbar nicht genug Aufmerksamkeit („Herr Minister muss leider gleich weiter“) entgegen gebracht wurde. Denn für eine tatsächliche Würdigung finde ich keinerlei abwägende Überlegungen zur Arbeit einer Legislaturperiode. Und das kann aus meiner laienhaften Sicht nicht sein. Relität zeigt sich in Schattierungen, nicht im Schwarz in schwarz. – Dr. Gerhard Raff


Leserbrief zu „Land ohne Lächeln“ von Fritz Habekuß und Pieter Hugo im ZEIT Magazin

Dieser junge Journalist hat es geschafft, die ewige Meinungsgleichheit der westlichen, vermeintlich Wissenden, zu durchbrechen und eine differenzierte, intelligente Reportage zu diesem Thema zu schreiben. Respekt und Glückwunsch! Es hat mich schon lange geärgert, wie eindimensional die übliche Berichterstattung ist. Die ständigen Empörungen über die inakzeptablen Äusserungen einzelner AfD Politiker, die immer gleichen Bilder der östlichen Wutbürger, die überhebliche Art, derartige Denkansätze selbstverständlich nicht verstehen zu können. Dieser Artikel erklärt sehr plausibel und einfühlsam, warum es zu dieser Entwicklung gekommen ist und warum es Gründe dafür geben kann, so zu denken. Er bewertet nicht, er spielt sich nicht als Besserwisser auf, sondern sucht nach Erklärungen. Ich kann dem sehr gut folgen und denke, dass wir nur dann diesen rechten Trend umdrehen können, wenn wir anfangen, die Sorgen und Gedanken der betroffenen Menschen ernst zu nehmen und nach Lösungsmöglichkeiten suchen. – Katrin Hering


Leserbrief zu „Das letzte Mittel” von Nicola Kurth und Jan Schweitzer

Ihr Methadon-Artikel ist leider wenig überzeugend, da das Interesse Erkrankter zu gering und nur mit einem Seitenhieb auf ergänzende Mittel als “Alternativmittel” ins Abseits gestellt wurde. Die pauschale Disqualifikation von z.B. Mistel wirft Fragen Ihrer journalistischen Unvoreingenommenheit auf. Außerdem fehlen ernstzunehmende Stimmen, die leider bei Ihnen nicht zu Wort kommen. Das Thema hätte eine breiter angelegte Diskussion verdient (was sagt die Gegenseite, was ist die Antwort der Pharmaindustrie, wie sehen die Einzelfälle aus, …). – Adolf Georg Riedel


Leserbrief zu „Der Riss im System“ von Felix Rohrbeck Und Kolja Rudzio

Der PKV-Verband wirft Ihnen starke Einseitigkeit bei der Recherche vor. Nach Lektüre Ihres Artikels kann ich das nachvollziehen. Ich erwähne nur ein paar Punkte, da eine umfassende Analyse des Bias Ihres Artikels hier den Rahmen sprengen würde.

  1. Sie führen anhand des Beispiels der Klinik mit zwei Eingängen erst mal das Bild der Zweiklassenmedizin ein, um später Leistungslücken der PKV etwa in der Psychotherapie aufzuzeigen. Was ist denn nun das System, das für die Versicherten mehr leistet?
  2. Sie zeigen die Kosten auf, die der GKV durch die beitragsfreie Mitversicherung von Angehörigen ohne Einkommen entstehen. Sie erwähnen nicht, dass die etwas über 10% PKV-Versicherten zusammen mit ihren Kostenträgern mit 25 – 30% des Gesamtaufwandes weitaus mehr an die Leistungserbringer zahlen als deren Bevölkerungsanteil entspricht und somit eine Stütze des Systems sind- Viele Ärzte können überhaupt nur deshalb eine Praxis mit Ertrag betreiben, weil die Leistungen für privat Versicherte höher vergütet werden.
  3. Sie führen das Beispiel eines Handwerkers auf, dessen Prämie von 297 DM auf 503 EUR gestiegen sei, und stellen dessen Prämie von vor 22 Jahren dem damaligen Beitrag von 770 DM für die GKV entgegen. Was Sie nicht erwähnen (weil es wohl den gewünschten Effekt beeinträchtigen würde), ist der Beitrag, den der Betreffende heute als freiwillig Versicherter an die GKV zahlen würde – das wären etwa 750 EUR je nach Zusatzbeitrag der gesetzlichen Kasse. Hinzu kämen ggfs. noch Kosten für eine Zusatzversicherung, um auf das Niveau des Tarifs NK 1 der Halleschen zu kommen.
  4. „Wer jung und gesund ist, zahlt wenig. Wer alt ist oder krank, zahlt viel.“ Ist im wesentlichen Demagogie. Ist Ihnen das Äquivalenzprinzip der Tarifkalkulation bekannt? Einen Beitragsanstieg nur aufgrund des Alters gibt es nicht! Was zum Tragen kommen kann, sind Selbstbehalte, wenn man erkrankt – aber das trifft auch GKV-Versicherte, dort nennt man das Zuzahlungen.

Was wollen Sie erreichen – der sogenannten Bürgerversicherung das Wort reden? Sie können Sich gerne im Vereinigten Königreich umsehen, was eine allgemeine steuerfinanzierte Gesundheitsversorgung für die Patienten bedeutet. Dort gibt es eine echte Zweiklassenmedizin – wer es sich leisten kann, lässt sich im Ausland behandeln, und das sind dann nur noch die wirklich Vermögenden. – Michael Buscher


Leserbrief zu „Ich bin aufgewühlt, enttäuscht und wütend” von Stephan Lebert

Da bin ich ja jetzt beruhigt: Wenn der Partner der Ferres ein Krimineller wäre, würde sie ihm den Laufpass geben – und da das bis jetzt nicht der Fall gewesen ist, hat Herr Maschmeyer alle seine Millionen auf redliche Weise verdient. Wer etwas anderes auch nur andeutet, ist ein von der Konkurrenz geschmiertes Mietmaul gewesen. Systematische Fehlberatung von AWD-Kunden durch die Vermittlung von riskanten geschlossenen Fonds auch an Durchschnitts- und Geringverdiener waren also auch nur böse Unterstellungen von Neidern, da hat der Maschi der Ferres sein großes Indianerehrenwort gegeben. Warum haben Sie dieses sogenannte Interview in der ZEIT veröffentlicht und nicht in Bunte oder Gala? – Michael Buscher


Leserbrief zu „Pass auf, Deutschland!” von Giovanni Di Lorenzo

Damit wieder einmal etwas Lesenswertes auf der ZEIT-Titelseite steht, müssen Sie wohl selbst ran. Zwischen den Zeilen glaube ich eine gewisse Fassungslosigkeit darüber zu spüren, dass die ZEIT Angela Merkel so lange so kritiklos begleitet hat. Und die schmerzhafte Erkenntnis, dass Helmut Schmidt während einer Zigarettenlänge mehr durchdachte politische Gestaltungskraft entwickeln konnte als Angela Merkel in 12 Jahren. – Gerhard Reinelt


Leserbrief zu „Der Riss im System“ von Felix Rohrbeck Und Kolja Rudzio

Danke für diesen Artikel. Es ist definitiv die exklusiven Privatkassen abzuschaffen und eine gemeinsame Bürgerversicherung zu gründen. Wer sich dann noch zusätzlich privat absichern will kann das ja weiterhin. Allerdings muss dann das zusätzliche Geld auch bei den Leistungserbringern sprich Ärzten ankommen. Ein Großteil der Arztpraxen könnte ohne die Einnahmen aus Privatrechnungen gar nicht existieren. Würde man dann auch gleich noch ein Primärarzt System schaffen , in dem der Hausarzt wieder ärztliche Kompetenzen und Möglichkeiten zur medizinischen Diagnostik hat und das niedergelassene Facharztsystem abschaffen, wären wir einen großen Schritt weiter. Es gäbe wieder Anreize sich als Hausarzt niederzulassen , da sowohl der Verdienst, als auch die Arbeitskompetenz stimmt. Fachärzte würden dann , wie in allen anderen Ländern auch im Krankenhaus die ambulante und stationäre spezialisierte Medizin fachübergreifend gestalten. Dieses System wäre effektiver und kostengünstiger! – Dr.med. Andreas Pauw


Leserbrief zu „Das letzte Mittel” von Nicola Kurth und Jan Schweitzer

Ich bin immer wieder entsetzt, wie einseitig und diffamierend in der „Zeit“ über die Alternativmedizin, aber auch die Hoffnungen von Menschen geurteilt wird, die dem Tod geweiht sind. Ihre Anhänger werden als ahnungslose Idioten beschrieben, die dubiosen oder „obskuren“ Heilversprechen zum Opfer fallen. Als Apothekerin, die beide Richtungen der Medizin gut kennt, würde ich mir eine differenziertere, sachlichere und einfühlsamere Darstellung an Stelle von Polemik wünschen. Man weiß aus Studien, dass Placebos nicht nur Wirkungen, sondern auch unerwünschte Wirkungen haben. Angesichts ihrer häufig beeindruckenden Wirksamkeit wundere ich mich, dass man den Placeboeffekt in der medizinischen Praxis nicht viel häufiger nutzt, sondern wie im Zusammenhang mit der Homöopathie allenfalls abwertend von einem Placeboeffekt spricht. Es sei ethisch nicht vertretbar, ein Scheinmedikament zu verabreichen, höre ich immer wieder. Die zum Teil erheblichen Nebenwirkungen von Medikamenten sind es offensichtlich. Der Fachmann staunt darüber, der Laie wundert sich.

Wir leben zum Glück in einem Land mit einer freiheitlichen Grundordnung. Jeder Bürger hat das Recht seinen Weg durchs Leben frei zu gestalten – auch bei der Wahl der medizinischen Behandlung. Es ist die Aufgabe des Gesetzgebers seine Bürger vor Methoden zu warnen und zu schützen, die die Gesundheit gefährden können. Er nimmt diese Aufgabe wahr –  oftmals auf Kosten der Freiheit des Einzelnen und unter Anwendung von zweierlei Maß, denn gefährliche Sportarten werden beispielsweise nicht verboten, obwohl auch sie die Gesundheit gefährden können. Und das ist richtig so, weil ein mündiger Bürger auch das Recht haben muss zu entscheiden, wie viel Risiko er in seinem Leber eingehen will. Diese Maßgabe sollte dann allerdings auch für die Wahl seiner medizinischen Versorgung gelten. Die evidenzbasierte Medizin hat in der Vergangenheit immer wieder Wege eingeschlagen, über die kritische Fachleute den Kopf geschüttelt haben. Irgendwann waren die Langzeitdaten dann so eindeutig, dass eine Kehrtwende notwendig wurde. Man denke nur an die Verschreibungshäufigkeit für den sogenannten Magenschutz (Protonenpumpenhemmer) oder an den massenhaften Einsatz von Antibiotika. Die moderne Schulmedizin ist noch jung und muss daher noch viel lernen, denn jeder Schritt nach vorn hat häufig eine Kehrseite, die sich manchmal erst später zeigt.

Man hat den Eindruck, der medizinische Laie soll dem Fachmann blind vertrauen – in anderen Gebieten darf er gerne kritisch sein, aber nicht, wenn es um seine Gesundheit geht. Dazu sind jedoch nicht alle Menschen bereit. Ich bin absolut damit einverstanden, dass jeder Patient ausführlich über den aktuellen Stand der Erkenntnisse rund um seine Erkrankung aufgeklärt wird, beispielsweise zu Methadon in der Krebstherapie. Wenn er sich unter Abwägung aller Vor- und Nachteile für einen anderen Weg entscheidet als die sogenannten Experten empfehlen, ist das die Entscheidung eines mündigen Patienten, den jeder respektieren sollte. Die Fachleute sollten aber auch ehrlich sein und zugeben, dass auch sie nur einen Teil der weltweit durchgeführten Studien kennen und sich auf bestimmte Behandlungsformen spezialisiert haben, von denen sie überzeugt sind. Es gibt meist viele Wege nach Rom, auch in der Medizin.

Vielfach suchen Menschen nach alternativen Behandlungsmethoden, weil sie aus Sicht der Schulmedizin austherapiert sind, oder weil sie sich die Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie ersparen wollen. Sie tun dies aus freiem Willen und häufig vielleicht auch, weil sie sich an den vermeintlich rettenden Strohhalm klammern. Daran ist jedoch nichts verwerflich! Es ist vielmehr bewundernswert wie sie um ihr Leben oder ihr Wohlbefinden kämpfen – und haben gerade daher bessere Heilungschancen, weil sie aus ihrer Passivität heraus kommen. Sie verdienen daher nicht nur Hochachtung, sondern ebenso Verständnis, Respekt und Toleranz wie jeder andere Patient, gerade wenn es um Leben und Tod geht. Artikel in Ihrer Zeitung verhöhnen die Betroffen jedoch immer wieder unterschwellig. Das finde ich weder akzeptabel noch dem Niveau der „Zeit“ angemessen. Es ist bedauerlich, dass Patienten sterben, aber das Leben verläuft nun einmal zu 100 % letal. Daran wird auch die Schulmedizin nichts ändern, die den Fokus derzeit dem Anschein nach allerdings eher auf eine Verlängerung der Lebensquantität und nicht auf eine Verbesserung der Lebensqualität gerichtet hat. Wenn man Zahlen von Patienten nennt, die im Rahmen alternativer Behandlungen an den Folgen ihrer Erkrankung gestorben sind, sollte man diese Zahlen fairerweise der Zahl der Todesfälle in Folge einer herkömmlichen medikamentösen Therapie gegenüber stellen: 1,6 Millionen Patienten werden hierzulande pro Jahr aufgrund unerwünschter Arzneimittelwirkungen im Krankenhaus behandelt. 30.000 Menschen sterben an den Folgen von Nebenwirkungen. (Quelle: Pharmazeutische Zeitung 3.8.2017) Darüber hinaus sollte man erwähnen, wie viele Menschen pro Jahr an den Folgen der entsprechenden Erkrankung trotz evidenzbasierter Medizin sterben. Vielleicht hätte manch einer länger gelebt, wenn er eine andere Behandlung bevorzugt hätte, aber er hat sich eben anders entschieden!

Muss man sich vor dem Hintergrund dieser Zahlen wirklich wundern, dass mündige Bürger eine gesunde Skepsis gegenüber der Schulmedizin mitbringen? Und was wohl dabei heraus käme, wenn man genauso viel Geld in medizinische Studien für naturheilkundliche Behandlungsverfahren stecken würde wie in die Medikamentenforschung? Ich habe einen Traum, dass der Frontenkrieg zwischen Schul- und Alternativmedizin beigelegt wird, dass beide gemeinsam zum Wohle des Patienten beitragen und sich niemand mehr für seinen bevorzugten Weg rechtfertigen muss. Dazu könnte eine tolerante, vorurteilsfreie Berichterstattung in den Medien beitragen! – Sabine Ritter


Leserbrief zu „Auf der Suche nach der Zusatzbevölkerung“ von Wolfgang Streeck

Mich stört an der ganzen Diskussion das man überhaupt nicht an die Länder denkt aus denen die Flüchtlinge kommen. Mein Freund, ein Syrier, spricht von Arroganz der politischen Elite im Westen. Genau die Personen, die der Westen sucht, werden in den Herkunftsländern auch dringend gebraucht, wenn sich die arabischen Länder einigermaßen stabilisiert haben. Vielleicht dringender denn je. Der Westen muß halt mehr für die Familien tun, damit die Geburtenrate wieder ansteigt. Und dafür öffentliche Einrichtungen schafft, damit die Eltern ihre Berufe ausüben können. Eine solche egoistische Einstellung des Westens ist der Anfang von kriegerischen Auseinandersetzungen. Es wird ständig von Globalisierung gesprochen, die aber nicht mit Leben auf beiden Seiten gefüllt wird. Die ständige Kritik für Andersdenkende ist kontraproduktiv und trennt eher als zusammenzuführen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Der Riss im System“ von Felix Rohrbeck Und Kolja Rudzio

Eine umfassende Darstellung der Situation. Vielleicht zwei ergänzende Details.

  • Durch den Mix von PKV- und GKV-Patienten können manche Arztpraxen überleben, durch diesen nicht genau quantifizierbaren Effekt sponsort die PKV auch die Allgemeinheit.
  • GKV-Patienten können durch Zusatzversicherungen auch alle denkbaren Leistungen bekommen wie PKV-Versicherte und es gibt auch bei der PKV Tarife bei denen nicht mehr bezahlt wird als in der GKV.

Wichtiger finde ich jedoch wie es weiter gehen soll. Ich finde es bedauerlich, dass es bei den Parteien gar kein Konzept in die Richtung gibt, die GKV zu Gunsten der PKV abzuschaffen oder ein Mischmodell. Beides mit Steuerzuschüssen für Bedürftige und ggf. Kinder. So könnte man die Vorteile beider Konzepte nutzen. – Christian Voss


Leserbrief zu „Ich bin aufgewühlt, enttäuscht und wütend” von Stephan Lebert

Zu Herrn Maschmeyers und Frau Ferres öffentlicher Immagekorrektur ist nur zu sagen, dass es nachvollziehbar und verständlich ist in gutem Licht dastehen zu wollen. Leider sind die Indizien zu dieser hochbrisanten Schmierenkomödie meines Erachtens zu entlarvend. Aber nicht nur an der Familie Maschmeyer bleibt der schale Geschmack von Einflussnahme, Korruption und Käuflichkeit hängen, sondern auch die regierenden Parteien und ihre Vertreter spiegeln das Bild einer korrupten „Demokratie“ wider. Wirtschaftsbosse die mit eifriger Lobbyarbeit zu ihrem eigenen Vorteil auf die Gesetzgebung einwirken und sich ihr eigenes Wirtschaftswunderland basteln, mit staatlichen Zuschüssen, Steuererleichterungen und Abschreibungslücken werden von gewählten, willfährigen, auf ihrer Gehaltsliste stehenden Volksvertretern devot bedient, als wäre dieses auszubeutende Land das ihrige.Kein Wunder, dass bei derartigen Enthüllungen die Wut auf die „Volksvertreter“ immer größer wird. Verwunderlich ist aber nur, dass dies nicht schon lange zu anderen politischen Mehrheitsverhältnissen geführt hat. Oder sollte etwa der kommende Wahlsonntagabend doch noch eine Überraschung parat haben? – Eckhard Adler


Leserbrief zu „Armer Hund!“ von Björn Stephan

Vielen Dank für Ihren Bericht zum Thema Mopszucht. Wir sind selbst Besitzer von einem Mops und ärgern uns oft über die gesundheitlich angeschlagenen Artgenossen von unserem Eddie. Es ärgert uns allerdings auch, dass selbst Fachleute wie Dr. Oechtering oder Frau Ries-Scherf verallgemeinernde Aussagen treffen wie „Es gibt keinen einzigen gesunden Mops“ oder „Möpse hätten schon immer geschnarcht“. Das ist zum Glück falsch! Wir haben im Bekanntenkreis (Züchtertreffen und entsprechende WhatsApp Gruppe) dutzendfache Gegenbeispiele. Es handelt sich um dir Untergattung der Möpse die Sie im Artikel außen vor gelassen haben: die altdeutschen Möpse. Diese Rückzüchtung ist von den Züchterverbänden leider noch nicht anerkannt, daher zählen Sie de facto zu den Möpsen.

Hier werden lediglich hochbeinige Tiere mit ausgeprägter Schnauze verpaart. Dadurch sind die Hunde genauso agil und alltagstauglich wie normale gesunde Hunde. Alle Tiere aus den verschiedenen Würfen unserer Züchterin (Mopszucht vom Stromberg) sind schlank und sportlich. Das bestätigen auch die Tierärzte der verschiedenen Besitzer. Couch-Potatoes mit den üblichen Mops-Gebrechen gibt es daher auch nicht. Die Tiere haben nicht mehr oder weniger Probleme bei Hitze als andere Rassen. Unser Hund ist sogar ein echter Sonnenanbeter. Das traurige ist, dass die meisten Menschen sich über den Kauf eines Hundes soviel Gedanken machen wie über den Kauf eines neuen Paares Schuhe. Nach dem Motto: „Oh ein Schnäppchen, da greife ich zu.“ Wir haben lange recherchiert und uns bewusst für einen altdeutschen Mops entschieden und gegen die bekannten Quetschnasen. Seit wir den Hund haben bekommen wir auch laufend Komplimente und die Anmerkungen „Schade, dass das nicht mehr Leute machen“. Hoffentlich gibt es in dieser Hinsicht bei der großen Masse langfristig eine Bewusstseinsänderung, die Hunde haben es verdient. – Julian Fuchs & Jasmin Sitter


Leserbrief zu „Der Riss im System“ von Felix Rohrbeck Und Kolja Rudzio

Ich danke Ihnen für Ihren Artikel. Er war längst überfällig! Ja, es stimmt etwas nicht mit dem System wenn:

– der (Kassen)-patient uninteressant wird, weil dieser kein Interesse an IGEL-Leistungen hat.

– dem (Kassen)-patient bei akuten gesundheitlichen Problemen die Behandlung mit dem Hinweis verwehrt wird, dass man eine Terminpraxis sei und kein Zeitfenster für Notfälle habe.

– einem bei Beschwerde bei der KVO gesagt wird, es gibt keine Zwei-Klassen-Medizin, da jede Blinddarmop. – ganz gleich ob privat oder gesetzlich versichert – nach gleichen Standards durchgeführt wird.

– ich auf einen Facharzttermin  4 1/2 Monate warten muss.

Dies sind meine ganz aktuellen Erfahrungen der letzten Wochen mit dem Fachgebiet Orthopädie. Mittlerweile bin ich in privatärztlicher Behandlung, um eine weitere Schädigung meiner Gesundheit zu verhindern. Ob eine Bürgerversicherung oder wie immer man sie letztendlich nennt hilft, weiss ich nicht. Es muß sich aber grundsätzlich etwas beim ärztlichem Ethos verändern. Das Pendel ist mir in den letzten Jahren zu extrem zur betriebswirtschaftlichen Seite  – dies insbesondere bei der nachwachsenden Ärztegeneration – ausgeschlagen. – Ursula Thomas


Leserbrief zu „Herr Minister muss leider gleich weiter“ von Thomas Fischer

Es hat mich ein wenig verwundert, dass sich die Zeit mit dem Artikel zu Heiko Maas auf Stammtischniveau begibt. Der Beitrag von Thomas Fischer ist gut geschriebener und nicht minder spannender, wäre da nicht dieser beleidigte Habitus. Dieses, dem ist es zu leicht gemacht worden: „Das zeigt sich schon früh als er vom Rechtsreferendar, ohne Umweg zum Staatssekretär befördert wurde,…, während man in Bayern dafür erst mühsam promovieren muss.“ Auch der Frauenfeindliche Unterton stößt auf: „…ein neues Sexualstrafrecht….Das wurde zur Sicherheit gar nicht mehr im Ministerium entworfen sondern gleich von den feministischen Spezialistinnen im Rechtsauschuss.“  Sobald Herr Fischer etwas beschreibt, dass im missfällt bzw. was seiner Meinung nach nicht richtig gelaufen ist, wird darauf hingewiesen, dass es eine Frau war, die diese Entscheidung durchgeführt hat. So wie bei der Einstellungsverfügung zu Herrn Range. Wohingegen vorher „hochqualifizierte Ministerialbeamte“ durchs Land reisten, um sich von Fehlentscheidungen (das waren die der Feministinnen) zu distanzieren. Bestimmt ist viel Richtiges und auch Erhellendes an dem Artikel von Herrn Fischer leider ist er in der Form allein dazu angetan an Stammtischen alter Männer zitiert zu werden. Schade! – Ann-Christin Wehmeyer


Leserbrief zu „Ein barocker Totentanz“ von Michael Struck-Schloen

Willkommen im (ZEIT) Club , Michael Struck-Schloen ! „Mein“ Moderator als ständiger Hörer von  WDR 3 -Mosaik, Lieblingsstücke, Klassikforum etc. Werde ich jetzt häufiger Kritiken von Ihnen in DIE ZEIT lesen ? – Hartmut Wagener


Leserbrief zu „Früher war mehr gestern“ von Matthias Geis

Ihr Artikel, der pointiert die Herausforderung des konservativen Denkens einer, sagen wir mal salopp, sich hurtig verändernden Welt beschreibt, hat mir gut gefallen. Allerdings: Und hier möchte ich ein Zitat von Karl Kraus einfügen – nämlich: „Deutsche und Österreicher sind durch eine gemeinsame Sprach getrennt.“, ist mir der letzte Absatz dann doch aufgestoßen:

Verkürzt zusammenfassend: Horst Seehofer meinte, Bayern habe während der napoleonischen Kriege mal auf Österreichs mal auf Frankreichs Seite gekämpft, wäre aber letztendlich auf der Seite der Sieger gestanden. Nochmals ein Einschub: Soweit historisch korrekt und mitnichten meinerseits auch nur das Geringste gegen die Errungenschaften der französischen Revolution. Und dennoch eine kleine Anekdote zum Abschluss: Im Zuge der napoleonischen Kriege wurde eine Tiroler Adelige wegen Spionage zum Tode verurteilt. Durch den Strang. Ihre kurze Bemerkung dazu. Hängen na gut, aber dann mit dem Gesicht nach Tirol und mit dem Arsch nach Bayern. – Norbert Budil


Leserbrief zu „Wir brauchen die Kunst!“ von Klaus Weise

Das wäre in der Tat einmal eine dringende Nachfrage wert, warum nämlich in gebührenfinanzierten Nachrichtensendungen von ARD und ZDF, die Kultur im engeren Sinn kaum vorkommt. Der Verweis auf die Spartensender 3-sat und Arte hilft der Sache da nur bedingt weiter, denn es geht nicht darum, den kulturaffinen Nutzer zu erreichen, sondern gerade den, dem sich diese spannenden Felder bisher nicht erschlossen haben. Leisten könnten das die öffentlich-rechtlichen Anstalten ohne Frage, man muss die Bedeutung dieses wichtigen Informationssegments aber auch erkennen. – Dr. Wolfgang Weikert


Leserbrief zu „Land ohne Lächeln“ von Fritz Habekuß und Pieter Hugo im ZEIT Magazin

Was für eine großartige Reportage ! Ich lebe seit 5 Jahren in  Brandenburg und kann verstehen und fühlen, was die Beiden schildern. Ich  hoffe, Fritz Habekuß bekommt einen Preis zusammen mit Pieter Hugo. So wünsche ich mir das Zeitmagazin ! – Alfred Preuß


Leserbrief zu „Von den Schülern geliebt Von den Kollegen gehasst“ von Martina Kix

  1. Mobbing ist immer eine sehr, sehr subjektive Wahrnehmung und vor allen Dingen gehören immer zwei Parteien dazu. Sich bei Meinungsverschiedenheit gemobbt, gedisst oder diskriminiert zu fühlen, gehört gegenwärtig zum Zeitgeist.
  2. Klassenraum- und Lerngruppenwechsel sind bei jedem Schuljahrsbeginn, mitunter sogar im Halbjahr, wegen der unsteten Personalversorgung (Schwangerschaften, Burnout, Lehrermangel…) ganz normaler Schulalltag.
  3. Natürlich bekommt man jede Klasse in allen Jahrgangsstufen mit Chill-Ecken, Kuchenbacken, vermeintlich originellen Arbeitsblättern und ähnlichen Konzentrationsvermeidungsstrategien bespaßt und damit um den Finger gewickelt. Die Frage ist nur, mit welcher Ernsthaftig- und Nachhaltigkeit dann die fachlichen Inhalte noch wahrgenommen werden. Ich stelle mir gerade den Club der toten Dichter mit Playmobil hantierend vor.
  4. Privatasyl für Schüler halte ich für bedenklich, weil weniger gutmeinende Schüler und Eltern daraus beispielsweise einen Pädophilie-Strick drehen könnten.
  5. Offensichtlich wird die Welt nicht automatisch in dem Verhältnis besser, wie Frauen in Führungspositionen gelangen. Erstaunlicherweise ist in dem gesamten Artikel nur von Lehrern die Rede und nicht einmal von LehrerInnen, wo doch fast alle Kollegien inzwischen in der Mehrzahl aus Frauen bestehen.
  6. Schließlich bleibt die Frage nach der Sinnhaftigkeit der angesprochenen Auszeichnungen. Welche Qualifikation bringen Schüler mit, um die Güte von Unterricht beurteilen zu können? Wie kann sich eine Schulverwaltung ein solches Schülervotum zueigenmachen, ohne beim Gepriesenen vielleicht übertriebene Vorstellungen zu wecken? Beliebtheit ist jedenfalls kein Kriterium, denn ich halte mich schließlich auch für schön, schlau, rank und schlank und nähen kann ich auch! – Ulrich Maas

Leserbrief zu „Gretchenfrage!” von Evelyn Finger und Wolfgang Thielmann

Die Gretchenfrage: „Sag, wie hast Du’s mit der Religion?“ ist obsolet. Die aktuelle und nach wie vor wichtige Frage sollte sein: Gibt es unanhängig von unterschiedlichen Glaubensorietierungen gemeinsame Merkmale des Religiösen? Die statistische Einordnung der Konfessionen aufgrund ihrer Mitgliedszahlen und der Bezug auf deren oft unkritische Selbstdarstellungen werden diesem Thema nicht gerecht. Die Herausforderung liegt darin, dass Religionen keine abschließend und objektiv darstellbare Größen sind, sondern erst durch das individuelle Verhalten der Gläubigen Gestalt annehmen. Auch in den Medien werden Religionen viel zu oft als sachlich definierbare Phänomene gehandhabt – was dazu führt, dass sich dort Leute zu Wort melden, die ihr Religionsverständnis selbst nicht geklärt haben. Die in dem Artikel erwähnte Kritik an einer Aussage der Bundeskanzlerin zum friedensfördernden Auftrag der Religionen finde ich jedenfalls überzogen. Da sollten sich die Autoren lieber mal an die eigene Nase fassen. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Der Riss im System“ von Felix Rohrbeck und Kolja Rudzio

Zu dem Thema ist auch festzustellen, dass zahlreiche Ärzte die privaten Krankenkassen ganz offensichtlich als Selbstbedienungsladen betrachten. Eine Umfrage in meinem Bekanntenkreis ergab, dass teilweise völlig überhöhte Rechnungen erstellt und auch Leistungen abgerechnet werden, die nicht bzw. nicht im angeführten Umfang erbracht worden sind. Die Versicherten sind jedoch zu einer Auseinandersetzung mit den Ärzten nicht bereit, weil „ja die Krankenkasse alles zahlt“. Die Krankenkassen / Beihilfestellen sehen sich außerstande, hier zu intervenieren, weil ihnen das notwendige Wissen über den tatsächlichen Ablauf der Behandlung fehlt. Ich selbst kämpfe zur Zeit mit einer Anästhesistin, die eine ganz einfache Dämmerschlafnarkose anläßlich der OP meines Grauen Stars als Vollnarkose mit dem 3,5-fachen Satz (angeblich eine sehr schwierige OP im Kopfbereich) in Rechnung gestellt hat. Die betreffende Rechnung enthält noch mehrere Posten, die nicht nachvollzogen werden können.

Das nächste Problem ist die Tatsache, dass die meisten Patienten die Rechnungen gar nicht auf Plausibilität prüfen und einfach an ihre Krankenkasse / Beihilfestelle zur Erstattung weiterleiten. Es wäre m.E. eine lohnende Aufgabe für eine Zeitung wie die ZEIT, einmal eine Umfrage zu starten, welche Erfahrungen ihre Leser insoweit gemacht haben und evtl. auch Privatkrankenkassen einzubeziehen. Durch das Verhalten sowohl der Ärzte, als auch der Patienten sowie der Krankenkassen und Beihilfestellen werden die Kosten immer höher getrieben. – Edith Pauckner


Leserbrief zu „Der Riss im System“ von Felix Rohrbeck und Kolja Rudzio

Grundsätzlich stimme ich Ihrem Artikel zu. Es muss eine gesetzliche Krankenversicherung für alle Bürger geben, egal ob selbstständig, Arbeitnehmer oder Beamter und mit deutlich höheren Beitragsbemessungsgrenzen. Sich darüberhinaus privat zu versichern, steht jedem frei. Aber leider schüren Sie gleich im ersten Absatz durch eine tendenziöse Darstellung Vorurteile und Neid! Das ist dem Niveau der “ Zeit “ nicht würdig! Ich bin als Bundesbeamter privat versichert. Aber ich müsste aber als Privatversicherter bei der von Ihnen als Beispiel gewählten Klinik auch durch die Tür für die Kassenpatienten. Ich würde mir das Zimmer mit den Kassenpatienten teilen, das gleiche Essen essen, von den gleichen Ärzten behandelt werden und hätte trotzdem die doppelten bis dreifachen Zuzahlungen zu zahlen wie ein Kassenpatient. Und würde ich die Tür für die Privatpatienten nutzen, müsste ich mindestens mein Auto verkaufen, um diesen Aufenthalt zu finanzieren!

Das erkennen Sie schon daran, dass an der Rezeption russisch und arabisch gesprochen wird. Hier geht es um völlig andere Privatpatienten. Im normalen Patientenalltag erlebe ich es vielleicht einmal in fünf Jahren, dass ich in der Terminvergabe bevorzugt werde. Dafür werden mir in der Regel Beträge in Rechnung gestellt, die weit über die Verrechnungssätze der gesetzlichen Krankenkassen hinausgehen. Die Differenz beträgt für mich und meine Tochter mehrere Tausend Euro. Diese Differenz zahle ich aus meinem Nettoeinkommen, obwohl mein Versicherungsbeitrag nicht niedrig ist. Für mich wäre die gesetzliche Krankenversicherung günstiger! – Rainer Funke


Leserbrief zu „Land ohne Lächeln“ von Fritz Habekuß und Pieter Hugo im ZEIT Magazin

Seit etwa 25 Jahren lese ich die ZEIT, ich lese sie recht gern und empfinde sie in der Regel als Zeitung der alten Bundesrepublik. Artikel, die die Realität Ostdeutschlands beschreiben oder analysieren kommen selten vor. Kaum ein Redakteur ahnt, was sich seit der umfassenden Abwicklung der alten DDR an innerer Not, oft Verzweiflung in den Menschen im Osten angsammelt hat. Für sehr viele war die Nachwendezeit ein Leben in dem ihre persönliche Würde immer und immer wieder verletzt wurde.

In den ausgebluteten Gebieten gibt es kein Geschäft, kein Wirtshaus, keine Gemeindeschwester – der Arzt ist 20km weg, keinen Briefkasten, kaum Busanbindung, wenig Arbeit, die Einkünfte sind gering. Die Menschen erfahren seit über 25 Jahren zu wenig „Achtung und Aufmerksamkeit“ (“ …“ aus H.Sußebach – Deutschland ab vom Wege). Es ist wohltuend, dass F. Habekuß im Zeitmagazin die Realität mal bschreibt. Dr. Elke Wäsch


Leserbrief zu „Länger als gedacht” von Ricarda Richter

Unter Ziffer 3 Ihres informativen Artikels schreiben Sie „minus 50 Milliliter pro Quadratmeter“. Da haben Sie aber leider zwei Einheiten vermischt, nämlich Millimeter (mm) und Liter pro Quadratmeter (l/m²). Der physikalisch-meteorologische Hintergrund ist folgender: Bei Niederschlägen interessiert zunächst dessen Menge, also dessen Volumen; das wird als Dimension Länge³ z.B. in Meter³ (m³) oder in dessen Untereinheit Liter (l) = Kubikdezimeter (0,1³ m³) gemessen. Man hat sich in einem zweiten Schritt aus Anschaulichkeitsgründen darauf  verständigt, diese Menge auf eine Fläche = Länge² z.B. in m² zu beziehen  und sagt dann: Es sind soundsoviel l auf den oder pro m² gefallen; das wiederum wird dann l/m² geschrieben. Aus unerfindlichen und nicht nachvollziehbaren Gründen glauben sich nun Meteorologen dazu berechtigt, l/m² fälschlicherweise ausdividieren zu dürfen, nämlich: 0,1³ m³ : m² = 0,001 m³ : m² = 0,001 m = 1 mm; diese Leute merken also nicht, dass sie zweimal die Dimension Länge hinausdividiert haben, und sagen dann unkorrekterweise: Es hat soundsoviel mm geregnet. Das sieht dann so aus, als wollten sie die Tiefe eines Gewässers anstatt die flächenbezogene Menge von Regen angeben. Die obige Angabe muss also korrekterweise lauten: „minus 50 Liter pro  (besser: auf den) Quadratmeter“. – Volker Morstadt


Leserbrief zu „Land ohne Lächeln“ von Fritz Habekuß und Pieter Hugo im ZEIT Magazin

Als ein sehr genügsamer und gelassener Zeitgenosse muß ich Ihnen zu Ihrem letzten Zeit-Magazin schreiben – und das in aufgebrachter Form. Was haben Sie sich bei dieser Fotoreportage, dem Frontbild und dem Header „Land ohnen Lächeln“ gedacht? Was wollen Sie bei Ihren Lesern – die wohl größtenteils nicht in den vom Autor und Fotografen besuchten Landstrichen leben – mit den abgedruckten Bildern und der Motivsuche „Warum ist der Osten so anders“ bewirken? Wofür steht der Tierkadaver – das speziell die „Ostdeutschen“ Tiere auf den Straßen töten? Und welche Botschaft wollen Sie mit dem Text transportieren? All die geschriebenen Inhalte sind bekannt und werden seit Jahren medial „ausgetreten“ – meinen Sie damit etwas zur Erweiterung bei Ihren Lesern vor der Wahl oder zur Verbesserung der Lebensumstände der Menschen in den von Ihrem Redakteur besuchten Regionen beizutragen?

27 Jahre nach dem Fall der Mauer sprechen Sie zudem auf Seite 5 noch immer von den „neuen Bundesländern“ – dies ist mehr als ermüdend. Ein Blatt wie „Die Zeit“ stand/steht für den differenzierten Blick in die Details und über den Zeithorizont hinaus. Doch keine Kritik ohne Alternativangebot: mit Geburtsjahr 1972 und aus Ostdeutschland stammend nehme ich gern Ihren jungen Redakteur und den Fotografen aus dem südlichen Afrika an die Hand und zeige Ihnen Regionen in Ostdeutschland die fotogener für das Auge Ihrer Leserschaft erscheinen mögen – und bestimmt finden wir dort auch Menschen die sich lächelnd abbilden lassen und andere Meinungen haben wie die von Ihnen zitierten. Die von Ihnen ausgesuchten Motive kann ich beiden Autoren darüber hinaus in sehr ähnlicher Form beispielsweise auch in Franken zeigen – hier wohnte und arbeitete ich die letzten 7 Jahre als Pendler – und wahrscheinlich gibt es derartige Motive auch in anderen (sogenannten strukturschwachen) Regionen in Deutschland.

Und aus aktuellem Anlass sei dies vorgeschlagen: schicken Sie doch bitte beide Autoren nach Ober- und Niederbayern – mehr als 1 Million CSU-Wähler haben am Sonntag für die AfD gestimmt – ich wäre neugierig auf die dabei entstehende Reportage bei der Suche nach der Antwort auf die Frage: was ist dort so anders, dass all jene für die AfD gestimmt haben? Abschließend sei dies erwähnt: in einer Ihrer letzten Ausgaben war der zurückgehende Anstand in unserer Gesellschaft inhaltlich ein gelungener Schwerpunkt. Auch wenn Frau Weiß wahrscheinlich ihre Zustimmung zur Veröffentlichung des Bildes gegeben hat – so empfinde ich dieses Frontbild im Zusammenhang mit Ihrer Reportage dennoch als unanständig und respektlos den Menschen in Ostdeutschland gegenüber. Bleiben Sie offen und differenziert! – Lutz Gaschin


Leserbrief zu „»Duzen ist weniger anstrengend«“ von Martin Spiewak

Ein Zweitklässler sagte mal zu mir, seiner Lehrerin: „Es ist schön bei dir. Bei dir darf ich nicht alles wie bei meiner Mama.“ Diese Äußerung drückt doch wohl viel aus: einerseits ein Gefühl von Geborgenheit, andererseits Respekt vor der Person. Je jünger die Schüler sind, um so stärker ist ihr Bedürfnis nach Nähe und persönlicher Zuwendung. Wenn es der Lehrperson gelingt, dies zu beachten und dennoch die nötige Distanz zu halten, wird sie in der Regel viel erreichen. In Zeiten, in denen Menschen, die in keinem besonderen Verhältnis zu einander standen, sich siezten, zeichnete eine besondere Nähe das Verhältnis von Menschen aus, die sich duzten. Hierdurch unterschied es sich von dem zu irgendeinem x-beliebigen Dritten.

Durch das Angebot, sich duzen zu lassen, brachte man zum Ausdruck, dass diese Beziehung für eine besondere gehalten und ihr im Vergleich zu den üblichen ein besonderer Wert zugemessen wurde.Im Gegensatz dazu schaffte das Siezen eine gewisse Distanz, die den Umgang frei von sachfremden persönlichen Einflüssen hielt. Eine plumpe „Duzerei“ muss auf jeden Fall vermieden werden. Lehrer laufen dadurch Gefahr, von Schülern, aber auch deren Eltern, nicht ernst genug genommen zu werden. Zudem werden dadurch unbeliebte, aber erforderliche Lehrertätigkeiten wie die Vergabe schlechter Noten oder das Tadeln miesen Verhaltens erschwert. – Gabriele Gottbrath


Leserbrief zu „Ich bin aufgewühlt, enttäuscht und wütend” von Stephan Lebert

Frau Ferres sagt von sich, sie und Herr Maschmeyer polarisieren. Mich nicht. Ich empfinde ihre umfassende Selbstbeweihräucherung und Selbstgerechtigkeit einfach nur unerträglich. Dass sie dabei  in Würdigung der Maschmeyerschen Vita dem Mythos „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ erliegt: Schwamm drüber! Das Herausstellen der liebenswerten Seiten ihres Gatten verkennt Entscheidendes: Maschmeyers Handeln hat viele Anlieger in – mehr oder weniger große – Not gestürzt. Dies wird auch dadurch nicht besser, dass DVAG, Deutsche Bank und Andere eine ähnliche Spur des Grauens mit ihren Finanzgeschäften hinterlassen.

Die Finanzbranche ist wahrlich nicht als Hort von Ethik und Moral bekannt, geduldet bis gefördert von großen Teilen der etablierten Parteien. Schon die legendäre Erste Allgemeine Verunsicherung wusste: „Das Böse ist immer und überall.“ Frau Ferres bestätigt dies auf höchst eindrucksvolle Weise mit ihrer Reaktion auf die Frage nach den vielen Menschen, die ihr Geld durch die windigen Geschäfte des AWD verloren haben. „Dies ist nicht mein Thema“ verkündet sie, um sich anschließend für ihre „große Empathie“ selbst zu feiern. Offenkundig verwechselt sie dabei Selbstverliebtheit mit Empathie. Wirkliche Empathie geht anders – ganz anders. Etwa mit emotionaler Anteilnahme bei Anderen. – Wolfgang Leiberg


Leserbrief zu „Land ohne Lächeln“ von Fritz Habekuß und Pieter Hugo im ZEIT Magazin

Vielen Dank für diese tolle Reportage und die sensiblen Bilder. Auch die persönlichen Anmerkungen, u.a. „mir sind seine Wut und seine Verachtung fremd, aber ich verstehe ihren Ursprung“ haben mich beeindruckt. Diese Reportage sollte Pflichtlektüre für alle Journalisten, Politiker und Kirchenvertreter werden, die gerne alles erklären und verurteilen ohne auf die Hintergründe einzugehen und die keine Spur von Verständnis für andere Lebenswelten zeigen. Und damit eine ganze Gruppe von Menschen ausgrenzen, bis hin zur Diskriminierung. – Marlies Wenzel


Leserbrief zu „Der Riss im System“ von Felix Rohrbeck Und Kolja Rudzio

Wie könnte eine Reform des Neben- und Gegeneinanders von privaten und gesetzlichen Krankenkassen Heilung versprechen, solange der Politik, Medien und Gesundheitsinstitutionen durchwuchernde Lobby-Krebs nicht wirksam bestrahlt wird? Unbehandelt blieben unter vielen anderen folgende Symptome: Abrechnungsbetrug, skandalös überteuerte Medikamente, Hilfsmittel und Geräte, fehlende Priorisierung. Möglich, dass die Erkrankung des Systems, die noch keine politische Kraft anders als palliativ therapiert hat, Stoff genug böte für die Gründung einer GfD – Gesundheit für Deutschland. – Andreas Goletz-de Ruffray


Leserbrief zu „Das ist Hunger im Paradies” von Christiane Grefe

Hier wird wiederum einseitig die Schuld am Hunger auf den „Westen“ geschoben. Auch in diesen hungernden Ländern haben die Menschen eine Verantwortung, z.B. die gewaltige Vermehrung der eigenen Bevölkerung in Grenzen zu halten und effizient zu wirtschaften. Im Übrigen brauchte der Westen Jahrhunderte um mit Intelligenz, Fleiß und Unternehmungsgeist das nötige Wissen und die Technik aufzubauen, damit ein angenehmes Leben überhaupt erst möglich wird. Nur wenige Länder außerhalb des Westens wie Japan, Südkorea und neuerdings China haben diese westliche Denkweise übernommen und genießen nun ebenfalls einen guten Lebensstandard ohne Hunger. Der Westen hilft den armen (hungernden) Staaten gerne und mit erheblichen Mitteln; ohne enorme eigene Anstrengungen wird der Hunger dort aber nicht weichen. – Ernst Lothar Helwig


Leserbrief zu „Der Ozean flüstert: Kauf dir ein Haus, hier darfst du sein und schweigen“ von Dmitrij Kapitelman

Haben Sie vielen Dank für diese wunderschöne Beschreibung Ihrer Suche nach Heinrich Böll auf Irland. Ich war das erste Mal in Irland 1972 und habe die Schafe auf den Straßen erlebt. Ab und an kam ein Morris Minor mir entgegen. Mein Deutsches Nummernschild kannte keiner. Aber der Fahrer hielt an und wir plauderten ein wenig. Kam irgendwann ein anderer Fahrer vorbei, hielt auch er an und wir plauderten zu dritt. Hielt der Fahrer nicht an, grüßte er freundlich. Die wenigen Damen, die ein Auto fuhren, grüßten nicht. Aber egal: Ihr Artikel hat mir eine Riesenfreude bereitet. Ich kenne die Gegend, die Sie beschreiben, sehr gut. Ihr bewundernswerter Humor passt wunderbar zu dieser Insel. Als alter Mann ist das Buch „Z“ in der Zeit nicht meine bevorzugte Lektüre. Aber Sie sind eine echte Bereicherung. Noch einmal: vielen Dank. Der Tee schmeckte bei der Lektüre noch besser. Mit den allerbesten Empfehlungen und viel Glück für Sie. – Hartmut van Meegen


Leserbrief zu „Armer Hund!“ von Björn Stephan

Ja, auch ich habe einen Mops. Da unser Grundstück nicht eingezäunt ist, war ich auf der Suche nach einem kinderfreundlichen, unagressiven Hund und landete bei einer Züchterin in München. Da mir die Problematik der Freiatmigkeit bewusst war, suchte ich lange, glaubte naiv den Versprechungen einen sportlichen Mops zu erhalten, legte 1700€ auf den Tisch und bekam FCI Papiere. Nun habe ich einen Hund, den ich fast nirgends mitnehmen kann, geschweige denn Spaziergänge unternehmen, da sie nicht genug Luft bekommt. Auf meine kritische Bemerkung hinauf, meinte die Züchterin lapidar: “ Schade, dass Sie den Hund nicht gerne haben“. Das war nun wirklich nicht der Punkt!!! Eine Operation erspare ich meinem Hund und mir und lebe ein etwas eingeschränktes Leben. Vielleicht finde ich noch mal einen guten Platz für sie? Jedenfalls nie wieder einen Hund bei einem Züchter kaufen!!! – Nini Rauch


Leserbrief zu „Das letzte Mittel” von Nicola Kurth und Jan Schweitzer

In dem Artikel „Das letzte Mittel“ werden zwei Stadien im Krebsgeschehen unzulässig vermischt:

1. Die Situation eines Krebskranken, für den es in der Schulmedizin keine Therapieoption mehr gibt. Warum sollte man solchen Patienten den Opiatabkömmling Methadon vorenthalten, wenn er schmerzlindernd und sedierend wirkt zumal solche Stadien oft von schweren Schmerzen begleitet werden, die häufig den Einsatz von Opiaten erfordern? Dass die Gabe von einem erfahrenen Arzt begleitet und nicht nur schnell als Rezept ausgestellt werden sollte, ist eigentlich selbstverständlich. Dass in dieser Situation die wirksame Krebstherapien unter- oder abgebrochen werden könnten, wie von Frau Jutta Hübner behauptet, ist in sich widersprüchlich, denn offenbar existieren ja für solche Patienten eben keine wirksamen Therapien mehr.

2. Situationen, in denen möglicherweise noch eine wirksame therapeutische Option besteht. Hier stellt sich die Frage, wie so eine Option aussieht. Wegweisend ist hier ein Statement des IQWIG, das kürzlich einer Substanz die nachweislich zu einem verlängerten progressionsfreien Überleben beim metastasierten Brustkrebs führt, keinen Zusatznutzen zuerkannte. Das progressionsfreie Überleben wurde nicht als Ersatzkennzeichen für ein verlängertes Gesamtüberleben anerkannt. Darüberhinaus wurden die Nebenwirkungen als so gravierend angesehen, dass sich ein Zusatznutzen für das IQWIG nicht erkennen ließ. Wenn man viele der bereits etablierten Krebsmedikamente unter diesen Aspekten heute beurteilte, würden manche, wie z.B. die Taxane vermutlich keinen Zusatznutzen zuerkannt bekommen (Siehe Ghersi et al 2015).

Die Entscheidung, ob ihm/ihr ein (mehr oder weniger) längeres Überleben mit oft gravierenden Nebenwirkungen oder eventuell ein kürzeres schmerzarmes Überleben mit höherer Lebensqualität wünschenswert erscheint, sollte den Patienten überlassen bleiben. Diese Frage der Lebensqualität wurde in der Diskussion mit den Spezialisten überhaupt nicht angesprochen, ist aber oft der Grund, weshalb Patienten alternative Behandlungen bevorzugen und wäre aber in diesem Zusammenhang vielleicht ausschlaggebend. – Katharina Pachmann


Leserbrief zu „Der neue Clownismus“ von Khuê Pham

Es erschüttert einen Wähler, wenn am Wahlabend der drohende Krieg zwischen Nordkorea und den USA (in deren „Sprache“ zwischen dem kleinen Raketenmann und einem senilen alten Mann) nur am Rand Erwähnung findet, wohingegen die gesamte Berichterstattung auf die künftige Koalition und Postenvergabe hinausläuft. Der 3. Oktober bietet sich als Gebetstag für den Frieden an, und zwar aus folgendem Grund:

Am 3. Oktober 1942, also vor genau 75 Jahren, gelang in Peenemünde ein erfolgreicher Start, bei dem eine Rakete mit einer Spitzengeschwindigkeit von fast 4824 km/h eine Gipfelhöhe von 84,5 km erreichte und damit erstmals in den Grenzbereich zum Weltraum vordrang. Aggregat 4 (A4) war die Typenbezeichnung der weltweit ersten funktionsfähigen Großrakete, die ein Flüssigkeitstriebwerk besaß. Diese wurde im Deutschen Reich in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde (HVA) auf Usedom ab 1939 unter der Leitung von Wernher von Braun entwickelt und kam im Zweiten Weltkrieg ab 1944 in großer Zahl zum Einsatz. Gott bewahre uns 75 Jahre später vor einem Krieg, der durch Nordkoraes Raketen und Trumps Verbalinjurien ausgelöst wird. – Felix Evers


Leserbrief zu „Land ohne Lächeln“ von Fritz Habekuß und Pieter Hugo im ZEIT Magazin

Ich möchte Fritz Habekuß und Pieter Hugo zu der sehr guten Reportage über die Befindlichkeit des Ostens gratulieren! Ohne großes Theoretisieren oder Erklären, allein durch die Schilderung ihres Alltags, kam ein überzeugender Eindruck der Gemütslage der Bewohner einiger im Abseits befindlichen Landstriche zustande. – Dr. Karin Michaelis-Jähnke


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Wann setzen Sie dieses unerträglich belanglose Gelaber von Thomas und Larissa, habe die beste Beziehung zu meiner Mutter, sie aber 6 Jahre nicht gesehen, endlich ab! ewig Martenstein ist schon schwer zu ertragen, aber diese beiden sind nur noch nervig. – S. Leu


Leserbrief zu „Land ohne Lächeln“ von Fritz Habekuß und Pieter Hugo im ZEIT Magazin

Danke für den Bericht über Ostdeutsche im Zeitmagazin. Er ist mit Nachdenklichkeit und Behutsamkeit geschrieben und fotografiert. Ich möchte jedoch auf einen Irrtum hinweisen. Ihr Autor schreibt auf S. 40: „Vielen DDR-Akademikern wurden die Abschlüsse aberkannt …“ Im Einigungsvertrag Artikel 37 heißt es jedoch: „(1) In der Deutschen Demokratischen Republik erworbene oder staatlich anerkannte schulische, berufliche und akademische Abschluesse oder Befaehigungsnachweise gelten in dem in Artikel 3 genannten Gebiet weiter. In dem in Artikel 3 genannten Gebiet oder in den anderen Laendern der Bundesrepublik Deutschland einschliesslich Berlin (West) abgelegte Pruefungen oder erworbene Befaehigungsnachweise stehen einander gleich und verleihen die gleichen Berechtigungen, wenn sie gleichwertig sind. Die Gleichwertigkeit wird auf Antrag von der jeweils zustaendigen Stelle festgestellt. … Das Recht auf Fuehrung erworbener, staatlich anerkannter oder verliehener akademischer Berufsbezeichnungen, Grade und Titel bleiben in jedem Fall unberuehrt.“ Darunter fallen selbst die an der Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit in Potsdam-Eiche erworbenen Abschlüsse und akademischen Grade und Titel. Vielleicht ist es Ihnen möglich, diesen Irrtum richtigzustellen. – Christoph Werner


Leserbrief zu „Wir brauchen die Kunst!“ von Klaus Weise

Das Problem, welches in Kultur und Kunst zurzeit zu bestehen scheint, ist viel eher in der Kunst selber und ihrer öffentlichen Betrachtung, als in der Präsentation jener in ZDF und ARD und den Subventionen der “Behörde der Kulturbeauftragten“ zu suchen. Es gäbe genug Themen, denen sich die Kunst widmen könnte, die die Kraft hätten, mehr Publikum emotional zu erreichen; einige Beispiele: die Auswirkung der neuen Medien auf das Miteinander, das Erstarken autoritärer und nationalistischer Politiker, die Spätfolgen des Kolonialismus… Aber scheinbar schafft es niemand, oder kaum jemand, diese Sujets so zu behandeln, dass sie öffentliches Aufsehen erregen, was nicht zuletzt an den Rezipienten liegen könnte. – Felix Mair


Leserbrief zu „Land ohne Lächeln“ von Fritz Habekuß und Pieter Hugo im ZEIT Magazin

Der schicksalhaft in sein Leben und sein Land geworfene Mensch braucht Unterstützung, damit sein Glaube an eine wahre Demokratie nicht zerbreche. Der Artikel berührte mich. Es geht daraus klar hervor, dass wir im Wohlstand Lebenden noch viel zu tun haben, um die sogenannte „gleichgerichtete Gerechtigkeit“ in die Regionen des Bedarfs zu bringen. Was braucht eine sich evolutionär weiterentwickelnde Demokratie? (damit revolutionäre Auseinandersetzungen vermieden werden können) weniger Bittsteller, Entscheidungen bringen oftmals verschieden Betroffenheiten. Oder anders gesagt: Wenn ich zum Vorteil anderer einen Nachteil zu ertragen habe, so verlangt das nach einem Ausgleich. Die im Bericht befragten Personen äusserten mehrmals solche ihnen auferlegten Nachteile, die sie als Belastung zu ertragen haben – hilflos und rechtlos haben sie das zu ertragen.

Eine sogenannte Vorteils-Nachteils-Koppelung sollte demnach selbstverständlicher Bestandteil demokratischer Entscheidungsprozesse sein. Die Zahl der „Verlierer“ muss weniger werden. Mitsprache als selbstverständliches Recht festlegen. Insbesondere überall dort, wo der Einzelne unmittelbar eingebunden ist. Beispiel: Fernwärmeversorgung … Hier müsste es zu „Lieferanten – Erzeuger – Verteiler – A b n e h m e r – Kooperativen“ kommen. – Alfred Pretzler


Leserbrief zu „Armer Hund!“ von Björn Stephan

Sehr gut recherchierter und unterhaltsamer Artikel! Und doch kann ich mich, als Besitzerin zwei adoptierter Mischlinge, so gar nicht in ihm wiederfinden. Mir fehlen hier die Menschen, die ungewollte und ausgesetzte Hunde adoptieren, statt sich einen überzüchteten Hund zu kaufen. Die eigentlich Armen, sind die Hunde im Tierheim. Hier in Spanien werden sie oftmals getötet, wenn sie nicht schnell vermittelt werden können. Wieso noch Hunde züchten und kaufen, wenn so viele bereits dringend ein liebendes zuhause brauchen, und nebenbei oftmals viel gesünder und langlebiger sind als ihre reinrassigen Artgenossen. – Maira Neubert


Leserbrief zu „Was wird hier gespielt?“ von Volker Hagedorn

Es ist ja schön, dass (selbsternannte ?) Fachleute der interessierten Öffentlichkeit immer wieder Tipps und Anregungen geben, was man hören sollte und was man droht zu versäumen – was Herr Hagedorn aber liefert, ist nicht zielgerichtet. Er beklagt den Mangel an Novitäten und Raritäten im Repertoire der deutschen Musikhallen und kann es sich nicht verkneifen, immer wieder Seitenhiebe zu verteilen: Es ist doch nicht nötig, die Münchner als „Wiederkäuer“ zu beschimpfen oder die Elbphilharmonie als „steilen Zahn im Norden“ lächerlich zu machen. Auch das Mainstream-Bashing braucht keiner! Kann sich der Autor nicht vorstellen, dass es sehr viele Menschen (wie mich) gibt, die einfach nur dankbar sind, wenn sie nach einem herrlichen Konzertabend mit „ihrem Beethoven, Bruckner oder Brahms“ glücklich nach Hause gehen? Mir ist solche Musik, auch wenn ich sie schon zigmal gehört habe, allemal lieber als das Gekratze auf Streichinstrumenten, das bisweilen als Novität oder Rarität angepriesen wird. – Franz Schneider


Leserbrief zu „Auf der Suche nach der Zusatzbevölkerung“ von Wolfgang Streeck

Der Artikel liest sich gruselig. Früher hieß es Volk ohne Raum, heute Raum ohne Volk. Die im Untertitel angekündigte “melancholische Betrachtung” ist eher zynisch geraten. “Biopolitk” ist in der Tat leicht zu verwechseln mit nachhaltiger Landwirtschaft. “Bevölkerungspolitik” ist rassistisch kontaminiert . “Die medizinische Eugenik als bevölkerungspolitisches Gestaltungsinstrument nicht mehr im Gebrauch” zu wissen, scheint der Autor zu bedauern. “Fertilität” ist ein Begriff in der Tierzucht; bei der Vermehrung von Menschen pflegt man sich sensibler auszudrücken. Nun ja, Wissenschaftler mögen es gern ungeschminkt. Aber die Bereitschaft zu helfen, als “Bußritual der Willkommensfraktion” zu diskreditieren, ist schon allerhand. Genauso gut könnte man den Einsatz der vielen ehrenamtliche Helfer bei dem Eintreffen der Flüchtlinge als blinden Gehorsam gegenüber der Kanzlerin und ihrem Aufruf “Wir schaffen das” abwerten. Die Polemik ist natürlich geeignet, bisher verschwiegene Tatsachen schonungslosschonunglos auf den Tisch zu bringen. Danach ist der einzige Grund, Flüchtlinge aufzunehmen und solange zu sieben, bis die richtigen gefunden sind, der ökonomische. “Das zivilreligiöse Ritual” verbrämt das nur. Ein aufwändiges Verfahren allerdings. Da fragt man sich, warum die CDU/CSU sich Jahrzehnte lang gegen ein Einwanderungsgesetz sträubt. Den Personalbedarf aus Europa zu rekrutieren, hat offenbar nicht geklappt. Beispiele für geordnete Einwanderung gibt es in“klassischen” Einwanderungsländer, zuallererst in den USA. Es ist zu hoffen, dass die Jamaikakoalition es fertigbringt, ein Einwanderungsgesetz für Deutschland zustande zu bringen. – Klaus Tuch


Leserbrief zu „Von den Schülern geliebt Von den Kollegen gehasst“ von Martina Kix

Warum fällt es manchen Menschen eigentlich so schwer, Andere zu loben, ihre Art, auf jemanden zuzugehen, aber auch ihr Äußeres, ihre Leistung, gar ihren Besitz? Mit Kritiken, Beschwerden oder anderen negativen Bemerkungen ist man dagegen rasch bei der Hand. Wird man selbst größer, indem man seinen Nächsten klein macht ?

Wer selbst Größe besitzt, wird in der Regel seltenerzu Neid und Missgunst neigen, hat auchwenigerSchwierigkeiten, Vorzüge Anderer zu sehen und anzuerkennen.

Wo Menschen zusammenarbeiten, ist die Gefahr der Missgunst, der Neidgefühle nicht zu unterschätzen. Chefs solltenbereitsden Anfängen wehren. Ziel des Einzelnen muss es sein, den Erfolg des Teams als Ganzes zu sichern, gemeinsam dafür zu sorgen, dass Fehler erkannt und abgestellt werden, bevor sie draußen Unheil anrichten können. – Gabriele Gottbrath


Leserbrief zu “Das Gesicht als Nummernschild” von Stefan Schmitt

Als nächstes bitte ein Artikel darüber wie Desensibilisierung durch den Gebrauch von Messern beim Kochen zu mehr Messerattacken führt. Falscher Vergleich? Richtig, bei den Messern erkennt jeder den Bullshit. Die digitale Transformation ist hingegen so neu und mächtig, dass niemand richtig weiß, was man denken soll. Auf diesem Hintergrund kann so ein Unfug wie der Ihrige schon mal durchgehen. Realitätscheck:

*Samsung bietet schon länger eine (unsichere) Gesichtserkennung an.

* Kameraüberwachung im öffentlichen Raum wird von Polizei, Geheimdiensten und konservativen Politiken gepusht. Glauben Sie allen ernstes, dass jemand anfängt rechts zu wählen, weil sein iPhone eine Gesichtserkennung anbietet?

* Glauben Sie allen ernstes, dass Überwachungsstaaten von Desensibilisierung abhängig sind?

Das Schlimme an Ihrem Artikel ist nicht nur die Verdrehung der Wirklichkeit, sondern dass Sie die Leser nicht darüber aufklären, wie sie am besten Handeln könnten, um gegen die Erosion von Bürgerrechten und die Erhaltung ihrer digitalen Privatsphäre kämpfen könnten. Artikel wie der Ihre (von denen es viele gibt) sind der wahre Grund, warum sich niemand gegen die Invasion der Privatsphäre durch Google und Werbe-Netzwerke wehrt. Im Falschen gibt es nichts Wahres, gelle? Da kann ich doch gleich die Spionage-Software von Google nutzen, mich aber besser fühlen, weil ich ja Apple doof finde. Wenn sich irgendwann einmal ein Autokrat der Daten von Google bemächtigt und damit den Widerstand erstickt, dann werden es Leute wie Sie gewesen sein, die nicht ihren Job gemacht haben, rechtzeitig die notwendige Aufklärung zu liefern. Ismael Digg


Leserbrief zu „Das letzte Mittel” von Nicola Kurth und Jan Schweitzer

Wenn der Wissenschaftsredakteur der Wochenzeitung Die Zeit einen Beitrag zum Thema Methadon mitverfasst, erwartet der Leser eine objektive Darstellung, die alle relevanten Seiten der Thematik berücksichtigt. Dies ist bei diesem Beitrag nicht der Fall. Er ist einseitig geschrieben und tendenziös. Dies wird an folgenden Punkten deutlich:

  1. In der Aufmachung. Das Medikament Methadon wird verschüttet. Dieses framing suggeriert visuell die Nutzlosigkeit des Medikaments.
  2. In der Sprache: Methadon wird mit folgenden Attributen bedacht: „vermeintliches Wundermittel“, „vermeintliche Erfolgsgeschichte“, ebenso als “ gefährlich“ bis „tödlich“ dargestellt.
  3. Frau Dr. Friesen hat 2007 entdeckt, dass Methadon Krebszellen zerstören kann. 10 Jahre gehen ins Land. Seitens eines Wissenschaftsjournalisten wäre doch wohl zu fragen, warum in diesem Zeitraum keinerlei Studien gemacht wurden.
  4. Die ablehnende Position von Ärzten, die auf Chemotherapie setzen, wird als verantwortungsvoll dargestellt. Der Forderung von Patienten, Methadon nutzen zu können, wird herablassend betrachtet.
  5. Die jahrelange Referententätigkeit auf Kongressen von Frau Dr. Friesen wird kritisch kommentiert. Ist es nicht so, dass sie sich dem kritischen Diskurs einer Fachöffentlichkeit stellt und damit eine Voraussetzung erfüllt, dass Studien erst in Auftrag gegeben werden können? Ebenso: Warum wird auf die Veröffentlichungen von Frau Dr. Friesen mit keinem Satz eingegangen? Völlig unverständlich bleibt wie man der Wissenschaftlerin Friesen vor diesem Hintergrund unterstellen kann, ihr Vorgehen sei „durch Enttäuschung“ getrieben.
  6. Warum wird die Wirkungsweise von Methadon nicht dargestellt?
  7. Die biologische Krebsabwehr wird in Misskredit gezogen. Diese gäbe „Wundern in der Medizin“ mehr Raum als „harter Empirie“.

Damit wird der Chemotherapie das Wort geredet. Deren Wirkungsweise ist nicht unumstritten. Daher ist es nachvollziehbar, wenn Patienten „subjektiven“ Berichten bei Behandlungen mit Methadon mehr Glauben schenken, als den werbenden Aussagen der Pharmainustrie, die Langzeitschäden bei Chemotherapie in Abrede stellen.

  1. In dem Artikel kommen Ärzte, die mit Methadon arbeiten, nicht zu Wort.
  2. Insgesamt gesehen fördert die Einseitigkeit dieses Artikels in keiner Weise eine Auseinandersetzung um Heilverfahren bei Krebs. Der Artikel ist eben nicht patientenorientiert, sondern pharmaorientiert. – Ulrike & Volker Dieffenbacher

Leserbrief zu „Auf der Suche nach der Zusatzbevölkerung“ von Wolfgang Streeck

Wenn ich auch nur im geringsten verstanden habe was Sie umtreibt, unterstelle ich Ihnen, dass Sie sich die Frage stellen, wie ganz viele außer Ihnen, ob Deutschland wirklich und wenn ja wie viele Zuwanderer braucht. Die Frage ist ebenso schwierig wie die ob man heiraten soll. Tut man es bereut man es, tut man es nicht bereut man es auch. Aber nachdem ich gegen Ende Ihres Beitrages auf Formulierungen wie „Überschäumen der Gefühle im zivilreligiösen Ritual“ oder es kommt an auf „expressive Gemeinschaftsbildung“ und nicht etwa auf „instrumentelle Ergebnisse“ gebe ich zu dass ich intellektuell meine philosophischen Segel gestrichen habe. Wenn Sie damit wirklich etwas aussagen wollen, warum formulieren Sie es nicht so, dass auch Leser ohne Philosophiestudium folgen können? – Hubert Harbacher


Leserbrief zu „Über Umbenennungen“ von Harald Martenstein

Ich lese Ihren Text um 21.35 Uhr am zweiten Tag nach der Bundestagswahl, die einen Höhepunkt des offenen Rassismus und der Geschichtsumdeutung in Deutschland darstellt. Es ist spät, ich komme gerade vom Sport, eigentlich habe ich noch anderes zu tun heute Abend, aber ich werde später nicht schlafen können, wenn ich nicht meinen Widerspruch gegen Ihren Text formuliere. Sicherlich lesen Sie zuweilen die Zeitungen, für die Sie arbeiten und Sie werden sich deshalb nicht auf den Einwand zurückziehen, dass der Text vor der Wahl entstanden sei und deshalb jetzt in einem anderen Licht dasteht. Sie haben Ihren Text auf einem Hintergrund von Phrasen wie „Denkmal der Schande“, „links-grün versifft“ und „Political Correctness auf den Müllhaufen der Geschichte“ platziert.

Auch Sie stilisieren sich als Tabubrecher. Als May Ayim (1960-1996) Mitte der Achtziger Jahre an einer Berliner Universität ihre Abschlussarbeit zum Themas Rassismus in Deutschland schreiben wollte, stieß sie damit auf Ablehnung. Rassismus sei ein Phänomen in den USA, aber nicht in Deutschland. Gemeinsam mit anderen afrodeutschen Frauen und mit Unterstützung der Dichterin Audre Lorde sammelte und schrieb Ayim im Folgenden unter dem Titel „Farbe bekennen“ zum ersten Mal die ansonsten verdrängte, oftmals leidvolle Geschichte der Afrodeutschen.

Im Vorwort zu „Farbe bekennen“ von 1992 registrieren die Herausgeberinnen bereits ein neues „Erstarken rechts-radikaler Ideen und Parteien“ und weisen auf die besonders schwierige Situation von People of Color nach der deutschen Einigung hin. Im September 2017 ist die Empörung, sicher auch die Ihre, groß, dass dieser Rassismus „plötzlich“ im Parlament offen repräsentiert ist. Auf Initiative von zivilgesellschaftlichen Gruppen wie AfricAve-nir, der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland, der Werksstatt der Kulturen oder dem Berliner entwicklungspolitischen Ratschlag wurde May Ayim für ihr Engagement und dichterisches Werk in Kreuzberg mit einem Straßennamen geehrt. Die Grünen, DIE LINKE und SPD in der Bezirksverordnetenversammlung haben das Anliegen aufgegriffen und auf demokratischem Weg umgesetzt.

Das May-Ayim-Ufer hat den Namen der afrodeutschen Vorkämpferin in der Mehrheitsgesellschaft bekannter gemacht, auch wenn ich fast sicher bin, dass Sie, sehr geehrter Herr Martenstein und viele Leser*innen zum ersten Mal von dieser bedeutenden Frau lesen. Auch ich habe als weißer Deutscher erst spät von May Ayim und der Problematik der kolonialen und nazistischen Straßennamen in Berlin erfahren. Dass das Ufer zuvor nach einem der Pioniere des deutschen Kolonialismus und des globalen Sklavenhandels benannt gewesen war, wurde mir ebenfalls erst durch seine Umbenennung bewusst. Weder im Geschichtsunterricht, noch in der bundespolitischen Debatte haben der Kolonialismus, seine Spuren in deutschen Städten und postkoloniale bzw. antirassistische Einsprüche angemessenes Gewicht, so dass ich mich damit auseinandersetzen hätte müssen.

In meinem Stadtteil Wedding und im Bezirk Mitte macht vor allem der Verein Berlin Postkolonial auf die koloniale Geschichte der Straßennamen im „Afrikanischen Viertel“ aufmerksam und hat den schwierigen politischen Umbenennungsprozess von einigen besonders anstößigen Straßennamen initiiert und begleitet denselben. Im letzten Jahr war ich bei einem Stadtspaziergang von Berlin Postkolonial. Auf der Ecke „Nachtigalplatz“ und „Petersallee“ (googlen Sie ruhig einmal Gustav Nachtigal oder den als Hänge-Peters und in Tansania als mkono wa damu (blutige Hand) bekannten Carl Peters) trug eine junge Ehrenamtliche gekonnt ein Gedicht von May Ayim vor: „ich werde trotzdem/afrikanisch/sein/auch wenn ihr/mich gerne/deutsch/haben wollt/und werde trotz-dem/deutsch sein/auch wenn euch/meine schwärze/nicht paßt“. Zwei Straßen weiter, wurde aus Fenstern gebrüllt, wir (die Umbenennenden) sollen uns verpissen.

Die genannten, vor allem von Schwarzen Menschen getragenen Initiativen, die ohnehin von einer desinteressierten Mehrheit im Stich gelassen werden, denunzieren Sie, Herr Martenstein, wenn Sie in „Über Umbennenungen“, alle Umbenennungen im öffentlichen Raum gleichsetzen und einer Partei zuschreiben. Im Übrigen wissen Sie, dass zivilgesellschaftliche Gruppen darauf angewiesen sind, dass die freiheitlichen Parteien ihre Themen aufgreifen, um sie demokratisch legitimiert zu realisieren. Konkrete Gesellschaftskritik ist so kompliziert, ich verstehe, wenn man lieber Kolumnen mit Sound schreibt. Herr Martenstein, entschuldigen Sie, dass ich nicht so witzig, sprachspielerisch und distanziert schreiben kann wie Sie (das meine ich ganz ernst). Ich bin müde, ich habe andere Sorgen. – Stefan Hunglinger


Leserbrief zu „Land ohne Lächeln“ von Fritz Habekuß und Pieter Hugo im ZEIT Magazin

Danke für diesen Artikel. Erst dachte ich – ach, ein bisschen lang. Stimmt nicht. Danke für’s Erklären. Von der Sorte bräuchte es wohl noch ein paar mehr … – Susanne Pitz


Leserbrief zu „Ich bin aufgewühlt, enttäuscht und wütend” von Stephan Lebert

Ich bin auch aufgewühlt und wütend! Und zwar, dass das Geld, welches für meine Rente zu Verfügung stand, gegen eine sehr hohe Provision von einem freundlichen AWD-Vertriebler an eine dubiosen Beteiligung (DLF) mit hohen Renditeversprechungen vermittelt wurde. Die Auszahlungen wurden sehr schnell eingestellt und mir bis heute nur 30% der eingelegten Summe zurückgezahlt. Das kann man nicht mit einem Aktienfond der Deutschen Bank vergleichen. Ich bin enttäuscht, aufgewühlt und wütend, dass ich darauf hereingefallen bin und das Geld für meine Rente fehlt. – Frauke Hofmann


Leserbrief zu „Ich bin aufgewühlt, enttäuscht und wütend” von Stephan Lebert

Nach Lektüre des Interviews mit Veronica Ferres wollte ich schon mehr wissen: welche Schule ist das nur, auf dessen Hof die Kinder über Carsten Maschmeyer Bescheid wissen? Das muss schon eine besondere Schule sein. Ich wage nun freilich nicht, irgendwelche Vermutungen über des Gatten Charakter zu treffen. Allerdings beschlich mich schon der Wunsch, Ferres oder vielmehr ihrer Schauspielerinnenpersona zuzurufen: Oh, deutsche Loreley, willst Du Deine blonden Locken nicht mit Scheisse beschmiert sehen, dann halte dich doch fern vom Abtritt der Gesellschaft, der Hochfinanz. Das war jedenfalls mein Bauchgefühl. – Matthias Meindl


Leserbrief zu „Wir brauchen die Kunst!“ von Klaus Weise und zu „Was wird hier gespielt?“ von Volker Hagedorn

Für die Artikel „Was wird hier gespielt“ und vor allem für „Wir brauchen die Kunst“ von Klaus Weise bin sicher nicht nur ich, Musikerin, sondern viele andere Kulturfreunde und Kulturschaffende sehr dankbar! Die Aufforderung an die Medien, besonders die Fernsehanstalten, viel mehr über Theater, Kino, Ausstellungen, Literatur, Oper, Konzerte zu berichten, ist mir aus dem Herzen gesprochen. Das Bewusstsein für alle Schätze unserer, der deutschen und der europäischen Kultur, sollte nicht nur in Vor-Mitternachs-Sendungen gestärkt werden, sondern in regelmäßige tägliche (Kurz-)Sendungen zu normalen Abendzeiten einfließen. Damit könnte auch politischen Kräften, die einen deutschen und europäischen Identitätsverlust panisch an die Wand malen, der Wind aus den Segeln genommen werden. Dazu müssten aber auch die entscheidenden Intendanten bereit sein, z.B. nicht Orchesterfusionen gegen Fussballspiele aufzurechnen, wie leider geschehen.  Im ganz Kleinen erlebe ich die wachsende Begeisterung eines 14.jährigen syrischen Flüchtlingsjungen für europäische Musik im wöchentlichen Geigenunterricht, meinem persönlichen Beitrag zur Flüchtlingskrise… – Barbara Ströbel


Leserbrief zu „»Das hatte Signalwirkung«“ von Rudi Novotny

Nichts gegen Herrn Schürmann. Aber dass er sich für drei (!) Monate Elternzeit und einen (!) freien Tag in der Woche von der ZEIT feiern lassen kann (noch dazu dank „flexibler“ Ehefrau), ist doch ziemlich symptomatisch das Rollenverständnis in unserem Land. Währenddessen wird der Löwenanteil der Familienarbeit nach wie vor von den Frauen erledigt. Weil…? – Florian Kraemer


Leserbrief zu „Auf der Suche nach der Zusatzbevölkerung“ von Wolfgang Streeck

Diese Beschreibung der Flüchtlingspolitik der Jahre 2015 und 2016 ist hervorragend! Endlich eine sachliche emotionsfreie Beschreibung! Ich möchte noch einige Punkte ergänzen: 1. Das Dogma der auf Grund der demographischen Entwicklung unbedingt erforderlichen Zuwanderung stelle ich in Frage. Ein bestehender Fachkräftemangel lässt sich über die Gehälter regeln. Zum einen, in dem ich die Ausbildung für Einheimische finanziell attraktiver gestalte. Und zweitens, in dem ich mit wettbewerbsfähigen Gehältern aus anderen Ländern Europas (nicht nur EU, sondern auch aus der Ukraine und vom Balkan) Fachkräfte gewinne. Deutschland hat nur für die Migranten der Jahre 2015 und 2016 dauerhaft jährliche Kosten in Höhe von 25 Mrd. €. Von diesem Geld hätte man besser eine Willkommensprämie in Höhe von 100.000€ für jeden Ingenieur oder Arzt ausgelobt. Dann könnten wir jedes Jahr 250.000 Ingenieure/Ärzte aus dem nicht europäischen Ausland willkommen heißen. 2. Mit der fortschreitenden Digitalisierung werden viele „einfache “ Arbeitsplätze wegfallen, z.B. ich denke da nur an Taxifahrer, Busfahrer, Zugführer, LKW Fahrer. Dahinter steht eine große Zahl von Arbeitskräften, die man nicht mal eben zu Ingenieuren, Ärzten oder Facharbeitern umschult. – Rainer Funke


Leserbrief zu „Auf der Suche nach der Zusatzbevölkerung“ von Wolfgang Streeck

Von allen Seiten wird ein Einwanderungsgesetz gefordert, um es qualifizierten Menschen aus anderen Ländern zu ermöglichen bei uns ihren Lebensunterhalt zu verdienen, das demographische Defizit auszugleichen, die Sozialkassen zu stabilisieren usw.. Das sind sicher alles löbliche Absichten und Ziele. Ein Aspekt wird allerdings weder von der Politik noch z.B. von der ZEIT hinreichend angesprochen: Wie sollen die Länder, aus denen die qualifizierten Einwanderer kommen, jemals zu einer lebenswerten Infrastruktur kommen, wenn die meisten, die dies eigentlich leisten müssten, ihrem Land den Rücken kehren und ihr Glück woanders suchen. Wie soll ein afrikanisches Land etwa ein funktionierendes Gesundheitswesen einrichten, wenn die Ärzte weg gehen.

Besonders perfide ist es doch, wenn wir Ärzte einwandern lassen, die dort ausgebildet wurden und dann an unseren Krankenhäusern zu unserem Wohl arbeiten, während in ihrem Heimatland an allen Enden Ärzte fehlen. Sinnvoll wäre es vielmehr, Studenten aus z.B. Afrika hier an unseren Universitäten kostenlos auszubilden mit der Auflage anschließend in ihrem Heimatland beim Aufbau des Gesundheitssystems mitzuwirken. Das wäre eine wirkliche Entwicklungshilfe. Ich glaube, wir betreiben hier eine neue Form des Kolonialismus. Hat man früher die Rohstoffe aus den Kolonien abgeschöpft und ist damit reich geworden, so machen wir das heute mit der Intelligenz. Auf Dauer werden sich das die ausgebeuteten Völker nicht bieten lassen, denn dadurch wird die Schere zwischen denen, die alles haben und denen, denen es an fast allem fehlt, immer größer. – M. Klein


Leserbrief zu „Land ohne Lächeln“ von Fritz Habekuß und Pieter Hugo im ZEIT Magazin

Tut mir leid, aber das, was der Herr Habekuß da von sich gibt, ist in meinen Augen zum großen Teil blanke Schwarzmalerei. Und ich (76) bin gelernter Ossi! Hier nur einige Anmerkungen zu seinen Darstellungen:

– Da beklagt er die „Bewohner ganzer Dörfer“ wegen der installierten Windkraft- und Biogasanlagen. Klar, das kann unangenehm sein und man kann es auch verstehen. Doch was wäre denn gewesen, hätte die DDR weiter existiert? Auch sie hätte sich angesichts ihrer massiven Umweltverschmutzung einem Wandel in der Energiepolitik auf Dauer nicht entgegenstellen können und hätte entsprechende Maßnahmen einleiten müssen. Proteste der Anwohner wären dann allerdings ausgeblieben, denn Proteste galten zu DDR-Zeiten als Politikum und wurden entsprechend verfolgt. Die Anwohner hätten die Anlagen wohl mit einigem untergründigen Murren akzeptiert.

– Herr Habekuß schreibt weiter über die Aberkennung der Abschlüsse von DDR-Akademikern. Mag sein, dass es das gab. Ich persönlich habe das aber anders erlebt: Ich kenne einige schlichte DDR-Ingenieure, die sehr stolz waren, als sie sich plötzlich offiziell als „Dipl.-Ing. (FH)“ vorstellen durften. Und wenn einige Leute mit ihrem Titel „Diplom-Gesellschaftswissenschatler“ nichts mehr anfangen konnten, dann hält sich mein Mitleid mit diesen System-Speichelleckern sehr in Grenzen.

– Herr Habekuß kann es auch mehr oder weniger verstehen, wenn Herr Schrader meint, „viele“ wären durch die Agenda 2010 „auf der Strecke geblieben“. Ist ihm (Herrn Habekuß) wirklich nicht klar, dass ohne diese Agenda die deutsche Wirtschaft sich kaum erholt hätte, und dass das Arbeitslosengeld der „Vielen“ und auch die Rente von Herrn Schrader möglicherweise hätte gekürzt werden müssen – wie jetzt bei den Griechen? – D. Schuster


Leserbrief zu „Der Riss im System“ von Felix Rohrbeck Und Kolja Rudzio

Vielen Dank für diesen interessant zu lesenden Artikel. Ich hätte einen  Vorschlag zu machen, wie die Solidarität im Krankenkassensystem erhöht  werden kann ohne das System in seinen Grundfesten aktiv ändern zu müssen. Dabei denke ich an folgende Punkte:

– Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze. Es ist doch nicht einzusehen  warum der Beitrag ab einem monatlichen Bruttolohn von ca. € 4.300,-  gedeckelt sein soll.

– Die Differenz zum rechnerischen Beitrag für die gesetzliche Kasse und  den tatsächlichen Beitrag für die private Kasse kann man dann leicht  ausrechnen.

– 2/3 dieser Differenz sollen trotz Privatversicherung an die staatliche  Krankenkasse fließen. Somit bleibt nicht nur ein Minimum Konkurrenz im  System bestehen, sonder es kehrt auch die Solidarität zurück.

– es ist auch ein voller Ausgleich denkbar, denn eigentlich sollte die  Konkurrenz zwischen den Kassen alleine über den Leistungskatalog  stattfinden.

Dann hätten die Privaten auch keinen Anreiz mehr Gesündere  günstiger zu versichern und könnten ihrerseits ein Solidaritätsprinzip  einführen. – Die zuvor genannte Berechnung findet nicht nur über alle Berufsgruppen  statt, sondern über alle Einnahmequellen, also auch Einkünfte aus  Vermögen und Verpachtung.  Mir ist bewusst, dass damit der bürokratische Aufwand steigen würde, da  eine zentrale Stelle benötigt würde die diese Daten zusammenführt um sie  kontrollieren zu können. An der Stelle höre ich schon die  Datenschutzbedenken. Allerdings könnte diese Aufgabe der  kassenärztlichen Vereinigung übertragen werden. Dort laufen sowieso  schon fast alle Abrechnungsdaten der gesetzlich Krankenversicherten  zusammen. Im Gegenzug würde ich auch bei der gesetzlichen Kasse das Prinzip der  Privaten einführen, dass die Leistungsempfänger eine Rechnung erhalten  und diese Abzeichnen müssen. Damit wird auch ein Bewusstsein für den  monetären Wert der Behandlung transportiert. Zusätzlich könnte, wie in  Luxemburg, ein allgemeiner Eigenanteil von 20% eingeführt werden, um die  Kostenentwicklung zu dämpfen. Dieser Eigenanteil lässt sich natürlich  sozialverträglich gestalten. – Sebastian Fontaine


 

 

14. September 2017 – Ausgabe 38

Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Die Zeit verwirrt mich gerade ein wenig, was ist nun richtig ? Aussage von Fr. Weidel, zu Ihrem Thema Schwarzarbeit, oder Ihr Bericht. Hier hängt auch die Glaubwürdigkeit, der Zeitung mit von ab. Da ja Fr. Weidel Ihren Bericht dementiert… – Peter Piechnitzek


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Stefan Schmitt hat in dem Artikel „Unser Blauer Planet“ versucht eine globale ökologische Bestandsaufnahme zu machen. Dies scheint mir äußerst wichtig, da die Diskussionen über Klimaschutzziele meist über Maßnahmen in einem Land, z. B. Deutschland, geführt werden. Der Vergleich von Maßnahmen sollte aber immer auch die Fragen nach der Durchführbarkeit, der Nebenwirkungen, der weltweiten Effizienz und die Frage nach den Kosten beinhalten. Wenn Deutschland über Kohleausstieg und endgültigen Atomausstieg spricht, müssen gleichzeitig die Fragen nach realistischen Alternativen mit gleichbleibender Versorgungssicherheit und nach den Kosten gestellt werden. Die Schwankungen bei Sonne und Wind müssen bei der Stromerzeugung ja ausgeglichen werden. Da bleiben die alten Technologien Kohle oder besser Gas für die Stromgewinnung auf absehbare Zeit notwendig. Da nur ca. ein Drittel der Energie für Stromerzeugung benötigt wird, ist die Frage von fundamentaler Bedeutung, wie man den größeren Teil z.B. für Wärmeerzeugung, kurzfristig klimaverträglich reduzieren will. Da auch dies nur längerfristig erreicht werden kann, stellt sich die Frage nach schnelleren Lösungen für die Rettung des Weltklimas.

Hier gibt es aus meiner Sicht (und vor allem aus Sicht von bedeutenden Fachleuten wie Nicolas Stern und Claude Martin) die relativ einfache Lösung: sofortiger Stopp der Regenwaldrodungen! Hiermit könnte in kurzer Zeit für unseren Planeten wirklich sehr viel erreicht werden, denn die laufende Vernichtung von Regenwald hat durch die entstehenden klimaschädlichen Gase extremen Einfluss auf unser Weltklima. Der im 3. Teil des Artikels dargestellte Rückgang der Artenvielfalt könnte so ebenfalls gestoppt werden. Dieses Ziel kann natürlich nur durch größere Kompensationszahlungen an die betroffenen Länder erreicht werden. Hier wäre eine Lösung die langfristige Pachtung von Regenwaldflächen. Dabei muss nicht in Millionen sondern Milliarden Euro gerechnet werden. Aber dies ist immer noch billiger als die indirekte und direkte Subvention von Anlagen zur Gewinnung von alternativen Energien zur Stromerzeugung (z.B. Windkraftanlagen) in wenig effizienten Gegenden. Insgesamt ist Regenwaldschutz preiswerter und effektiver.  Die Ziele Klimaschutz und Artenschutz können so auch schnell  zusammengeführt werden. Die von Politikern manchmal geäußerte Auffassung, Klimaschutz hier und Regenwald- / Artenschutz in anderen Ländern seien zweierlei Dinge und diese würden aus verschiedenen „Töpfen“ finanziert ist bürokratisch, unsinnig und schädlich. – Karl Enk


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Mit großem Interesse verfolge ich die kritischen Leserbriefe, die regelmäßig einem ZEITmagazin-Modeheft folgen. Ja, ich warte schon regelrecht darauf. Dabei frage ich mich, wann die ZEIT diese – und damit ihre Leser – endlich ernst nimmt und mit der Zumutung „Modeheft“ aufhört. – Marcus Heckerle


Leserbrief zu „Ein zorniger Veränderer“ von Werner A. Perger

W o h l b e k o m m‘ s !

Im Nachruf für Heiner Geißler bringt DIE ZEIT vom 14. September ein Zitat aus ihrem „Gleisweilerer Dialog“. Gleisweiler, Gleisweilerer, am Gleisweilersten: Heiner Geißler hat auch in seinem pfälzischen Gleisweiler den Superlativ verdient.  Die dortige Lage seines Weinbergs heißt im Übrigen „Gleisweiler Hölle.“ Wenn der Gleisweiler Geißler den Himmel um ein Glas Wein bittet, wird ihm wohl die gute  „Gleisweiler Hölle“ kredenzt. Der „Veränderer“ Heiner Geißler hat ihn unverändert verdient.

Wohl bekomm’s ! – Frank Müller-Thoma


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Die Information in dem Artikel „Himmel, Lille!“ war schon erschreckend. Nun hat die Frau demnach einem Versicherungskonzern gearbeitet und hat da sicher mit Kollegen intensive Kontakte gehabt. Die frage ist, wird in diesen Kreisen so gesprochen? Bleibt das in diesem geschlossenen Zirkel geheim? Die Dame weiß wohl nicht, dass Die Deutschen schon längst eine Mischung der europäischen Nachbarn sind? Eine kleine Auswahl: Franzosen, Polen , Italiener, Holländer, Spanier, Russen, Türken und viele Andere gehören längst zu uns und sind weitgehend nur an den Familiennamen erkennbar. Bis sich diese Menschen ganz und gar als Deutsche fühlen, müssen einige Generationen vergehen. Bei den Türken gibt es noch das Problem, dass die alte Heimat  mit Geld und Organisation immer noch versucht auf diesen Bevölkerungsteil zuzugreifen.

Ich bin inzwischen 92 Jahre alt und bin in Polen als Deutscher aufgewachsen. Ich weiß sehr wohl, dass die alte Heimat in einem zunächst fremden Umfeld attraktiv ist, da man immer mit der Nase darauf gestoßen wird, eben anders zu sein. Unabhängig davon wurde meine Mutter in Sarajevo geboren und ist in Wien groß geworden. Ihr Vater war ein hoher österreichischer Offizier. Mein Vater wurde in Hamburg geboren, der Großvater war Direktor bei Nagel und Kamp. Ich habe daher über Brasilien, der Schweiz und ach Schweden eine weit verstreute Verwandtschaft. Meine Sandkastenfreunde hießen: Wlatke, Staszek Franzek Felek u.s.w. Diese völkische und rassistische Aufteilung der Menschen nach Religion, Hautfarbe, Sprache und sonstigen Kriterien sind für mich nicht nachvollziehbar. – Heinrich Mecke


Leserbrief zu „Huhu, hört ihr mich?“ von Maximilian Probst

Ach, was fühle ich mich mit meinen 56 Jahren doch jung bei der Lektüre der Fragen, die größtenteils auch meine sind. Ist die Übereinstimmung vielleicht weniger eine Altersfrage als eine Frage des Status? In besseren Kreisen etabliert oder eher (noch) nicht? Geärgert hat mich die unübersichtliche Präsentation. Wollten Sie dadurch ausdrücken, dass  Sie die Fragesteller für nicht ernst zu nehmen halten? – Susanne Sänger


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Als ständiger Leser ihres Blattes bin ich doch erstaunt auf welches Niveau sie sich begeben. Ich frage mich, was das Diskreditieren der kleinen Parteien kurz vor der Bundestagswahl nützt? FDP hinterzieht Rentenbeiträge, AfD Spitze stellt Schwarzarbeiter ein, nun, .welchem Interesse nutzt das? Was ist der journalistische Beweggrund? Insb. dieser Beitrag hat absolut keine Relevanz, außer der Versuch, den kleinen Parteien zu schaden?! Anmerkung : Ich bin kein Parteisoldat, sondern gehöre zur Spezies gemeiner Wähler, der sich schon per Briefwahl enschieden hat. – Erhard Sendowski


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Wenn auch Sie schon mit der ZEIT immer  rechter werden und zB. als Kopartner die AFD von der Stiftung Lesen als Lesepaten einladen lassen, dann ist es auch kein Wunder, dass der Rest von Deutschland nach rechts driftet. Schade, ich war mal eine begeisterte ZEIT Leserin. Sie schüren mit dem Flirten mit der AFD in Ihrer Berichterstattung auch den Rechtsruck. – Myriam Halberstam


Leserbrief zu „Hau ab!“ von M. Brost et al.

Die Zeit drängt….noch fleißig Schlagzeilen gegen AfD produzieren, dass auch ja noch mehr potentielle Wähler aufwachen, die Partei zu wählen. Dann noch mit solch uninteressanten und schlecht recherchierten Anfänger-Schlagzeilen. Muss da sein?? Hätte Ihre Zeitung seriöser eingeschätzt. (So etwas traut man ja nur „Bild“ zu.) – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Nun also geht es richtig unter die Gürtellinie. Alice Weidel soll eine Hilfe schwarz beschäftigt haben!! Was meinen Sie, wieviel politische Prominenz ähnliches tun?! Wetten, dass Sie auch nicht einen Finger krumm machen, um dies aufzuklären?! Ich verabscheue diesen regierungs-kriecherischen Schmieren-Journalismus, der  alles tut, um das Ansehen  der Print-Presse ins Bodenlose sinken zu lassen. So denken viele und wenden sich dem Internet zu. – Horst Blanck


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Was soll ich sagen. Das hätte ich nicht von Ihnen gedacht. So eine Blüte zur Titelstory zu machen: „Frau Weidel hat syrische Putzhilfe beschäftigt“. Also wirklich, Leute. Das ist doch offentsichtlich eine Kampagne und keinen TitelWert. Ich bin kein AFD-Wähler und hatte mich schon für die SPD entschieden. Aber wer so hartnäckig angegangen wird wie die AFD verdient schon um der Demokratie willen meine Stimme. – Peter Zimmer


Leserbrief zu „Huhu, hört ihr mich?“ von Maximilian Probst

Immer wieder wird behauptet, die „Belange der Jugend“ kämen in der Politik zu kurz – wer ist denn „die Jugend“? Der 25-Jährige, der sich in diesem Sinn bei der ZEIT-Umfrage geäußert hat, könnte sich doch selbst einer Partei-Gruppierung anschließen und für seine Belange eintreten! Viele Mitbürger- und nicht nur junge-, wollen von der Politik „bedient“ werden. Das ist meines Erachtens ein falsches Politik-Verständnis in einer Demokratie. – Dr. Karin Michaelis-Jähnke


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Eine Antwort könnte sein, dass dieses Land sich immens vergrößert – friedlich zur Abwechslung. Wir leben virtuell global, jedoch real bereits mindestens europäisch. Im Sport, in der Musik schon immer – in anderen Branchen jetzt auch. Bilingual ist jetzt schon im Kindergarten normal, nur da kommt schon nicht jeder mit.. Hinterher Hinkende haben in diesem Land auch Wahlrecht… – Tanja Czibulinski


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Es liegt auch daran, das sich diese Zeitung hier so dem Materialismus verbunden fühlt, dass sie im „Leitartikel“ die Frage zulässt: Erkennen Sie die Zukunft, wenn sie vorfährt? Und was erkenne ich? Eine Zukunft, in der der Mensch nicht mehr vorkommt! – Lothar Flachmann


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Sie und Ihre studentischen Freunde müssen etwas falsch gemacht haben. Es gibt in Deutschland tausende junge Männer, die kostenlos wohnen und leben. In Köln, so habe ich gehört, gibt es sogar die Möglichkeit, kostenlos bei Vollpension im Hotel zu wohnen, sie bekommen dazu noch Taschengeld und zahlen keine Studiengebühren. Das allerdings finde ich übertrieben. Und deshalb wähle ich nicht links! – Renate Ehrich


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Das ist ja eine wunderbare Nachricht: man kann jetzt eines der Hauptprobleme des Elektroautos- zu schwere und teure Lithiumbatterien mit zu geringer Kapazität- einfach durch ein Softwareupdate lösen! Eine wundersame Kapazitätsvermehrung? Wohl kaum. Für uns Nichtfachleute wäre eine Erklärung, wie das funktionieren soll, sicherlich hilfreich. Meine laienhafte Vermutung geht dahin, daß durch ein Software- Update schlicht die Entlade- Schlußspannung niedriger eingestellt (was aber vermutlich auf Kosten der Lebensdauer der Batterie gehen würde) oder die Leistung reduziert wird. Für das Image von Tesla dürfte die Nachricht – im Zusammenhang mit Irma- aber sicherlich von Nutzen sein. – Dr. Michael Woernle


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ich finde den Artikel sehr gut gelungen – Sie stellen sehr anschaulich dar, was hierzulande passiert. Ich fühle mich beinahe angesprochen(allerdings bin ich 46 Jahre) – aber die Motivationen der jungen Generation, die Sie beschreiben, kann ich nachvollziehen – im Prinzip habe ich es ebenso gemacht. Daher gute Frage – wann wehrt sich Ihre Generation dagegen, ich fürchte auch sie werden Merkel wählen…. – Birgit Kasimirski


Leserbrief zu „Ein zorniger Veränderer“ von Werner A. Perger

„Er wird fehlen“ – aber trotz aller seiner Verdienste ist es gut, dass ein Politiker seines Zuschnitts heute vermutlich keine Chance mehr hätte: Wie oft hat Heiner Geißler seine Meinung – oder das, was er dafür ausgab – radikal geändert, seine politischen oder weltanschaulichen Gegner bewusst verletzt und diffamiert und dabei gelegentlich ein eigenartiges Verhältnis zur Wahrheit offenbart!  Auch noch so viel Geißlersche Haarspalterei konnte seinen schlimmen Satz vom Pazifismus, der Auschwitz erst möglich gemacht habe, nicht aus der Welt schaffen. – Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Peter Dausend

Ein schönes Psychogramm der Beziehung zwischen Sozialdemokratie und Linker bzw. historisch kommunistischer Linker in Deutschland. Aber irgendwie auch wieder typisch „ZEIT“: Der Rauch wird begutachtet, aber zum Feuer gibt es keine Silbe. Mag es vielleicht sein, dass dem Zwist auf der „Beziehungsebene“ eine harte Differenz auf der „Sachebene“ zugrunde liegt? Folgendes Denk-Angebot an die Autoren: Durch das gefühlte „politische Lager der Linken“ läuft ein fundamentaler ökonomischer Riss (nicht nur zwischen Linkspartei und SPD, sondern manchmal auch mitten durch die Parteien selbst – übrigens: früher auch durch die Grünen):Die einen haben sich mit dem Kapitalismus arrangiert und aufgehört (bzw. nie angefangen), die ungeheuren Vermögen einer Elite, die durch das System bereichert wird (und die damit zusammenhängende auch politische Macht) in Frage zu stellen. Sie akzeptieren dieses System und diese Machtverhältnisse und beschränken sich darauf, in diesem Rahmen fortschrittliche Politik zu machen. Sie wollen zwar soziale (und manchmal auch ökologische) Verbesserungen, aber bitte niemals, ohne die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen „Wirtschaftsstandortes“ im Buhlen um die Gunst des großen privaten Kapitals zu gefährden. Das ist ihr geistiges „Framing“ (nach Elisabeth Wehling) – ob ausgesprochen oder nicht. Sie nennen diese Anpassung an die Machtverhältnisse „Realpolitik“ – und werden hierfür auch von nahezu der gesamten Medienlandschaft gelobt und gefördert (man erinnere sich auch an die Medienkampagnen gegen die „Fundis“ bei den Grünen in den 1980er Jahren).

Die anderen stellen ebendiese Machtverhältnisse und das System, das sie hervorbringt, fundamental in Frage (darum auch „Fundis“). Sie haben ein anderes Framing im Kopf, in etwa so: „Die Ökonomie hat den Menschen zu dienen. Oberster Zweck sind soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und eine funktionierende Demokratie. Wir müssen die Wirtschaftsordnung so lange umbauen und die vorhandenen Konzentrationen von Vermögen und Macht auflösen, um dieses jemals erreichen zu können. Wer diese bestehenden Verhältnisse jedoch explizit oder implizit anerkennt (und im Zweifel sogar noch verteidigt), gehört nicht zu unserem Lager, sondern zusammen mit den Bürgerlichen zum gegnerischen Lager.“ (By the way: Wie kann man einen Artikel zu Wagenknecht schreiben, ohne ihre Bücher, die vom Umbau der Wirtschaftsordnung handeln, sowie ihre sehr sachliche Argumentation gegenüber der SPD, die alles andere als feindselig ist, auch nur zur Kenntnis zu nehmen?). Ist es nicht im Kern dieses – ökonomisch fundierte – Feuer, das die eigentliche Ursache für den Rauch ist, den die ZEIT beschreibt? Und ist es nicht vielmehr so, dass die ZEIT als Redaktionslinie selbst die Position A mit einer großen Selbstverständlichkeit vertritt, so dass ihr eine solche Differenz nicht in den Blick geraten kann („toter Winkel“, sozusagen)? – Kris Kunst


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

…was mich an der ZEIT am meisten stört, ist die einseitige Ausrichtung auf rot-grün vieler Redakteure (was auch sehr leicht zu erkennen ist) ….beispielsweise Ulrich, Dausend, Pinzler,  etc. Ich hatte das früher nie so empfunden! Ich bedauere dies sehr, da es in der ZEIT sehr viele interessante Artikel -abseits der Parteipolitik- gibt, die ich nur ungern missen möchte. Ganz früher gab es Sommer, Jungblut … natürlich auch Dönhoff und Schmidt, die sich trotz gewisser „Herzensanliegen“ wie Brandt’sche Ostpolitik oder Europa nie haben so sehr durch die Politik vereinnahmen lassen. – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Peter Dausend

Sie schreiben, dass Ebert und Noske keine Räterepublik wollten. Dies wollten etwa 90 % der deutschen Bevölkerung nicht. War  es nötig war, um das zu verhindern, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu töten? Darüber kann man streiten. Ob Ebert und Noske diesen Tod wollten, ihn wenn nicht direkt veranlassten,  zumindest aber billigend in Kauf nahmen, werden weitere historische Forschungen zeigen.

Aber zum Kern ihres Artikels. Er erinnert mich an Christian Morgenstern: Meistes ist mit sechs bis acht Wörtern völlig abgemacht, doch mit ebenso viel setzen lässt sich Bandweisheit schwätzen. Kurz, lassen Sie Herrn Schulz morgen sagen, eine Koalition mit Frau Wagenknecht wäre noch gar keine so  schlechte Sache, die Zahl der SPD Wähler würde sich halbieren. So einfach ist das. Und dazu braucht man keine 2 Seiten. – D. Höffler


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Bisher war ich immer davon ausgegangen, dass die Zeit grundsätzlich objektiver berichtet als die anderen wichtigen Mainstream Medien. Diese Artikelreihe und die über die AfD haben meinen Glauben daran aber erschüttert. Was gibt Frau Finger das Recht,  Wähler, die in der ehemaligen DDR  gegen Frau Merkel, lautstark und teilweise ausfällig und  gemein protestieren, als Feinde der Freiheit zu bezeichnen? Nur weil diese Proteste  nicht  ihren Vorstellungen über political correctness  folgen? Begreift denn keiner in der ZEIT Redaktion , dass die Wähler in der ehemaligen DDR nach 40 Jahren SED Propaganda in den Medien ein feines Gespür dafür entwickelt haben, wenn ihnen Nachrichten vorenthalten werden, auch wenn die gegenteiligen in den neuen Medien  nicht immer der Wahrheit entsprechen?  Glauben Sie denn im Ernst, dass das Strafverfahren gegen Frau Petry, ein paar Wochen vor der Wahl in Gang gesetzt, dass die rechtsradikale E – Mail  von Frau Weidel  von 2013 und ihre Beschäftigung einer  Asylantin als  “Schwarzabeiterin “ den Anteil der AfD – Wähler  unter die  5% Grenze zu drücken? Merken Sie denn nicht , dass in der Bevölkerung die Meinung wächst, außer bei den Wahlen nichts mehr zu sagen zu haben? Begreifen Sie denn nicht, dass man die Wahl des Herrn Steinmeier zum Bundespräsidenten nicht als demokratischen Prozess akzeptiert, weil seine Kandidatur  vorher zwischen SPD und CDU “ausgemauschelt” wurde und die Bundesversammlung diese Mauschelei nur bestätigen durfte. Meinen Sie denn, dass die geplante Verlängerung der Legislaturperiode des Bundestages von vier auf fünf Jahre der Bevölkerung als Effizienz Maßnahme verkauft werden kann?

Glauben Sie denn im Ernst, dass der kleine Mann einen französischen Eurofinanzminister über seine Steuergelder verfügen lassen will? Meinen Sie denn, dass der deutsche Facharbeiter bereit ist, höhere Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zu zahlen, damit ein griechischer oder italienischer Arbeitsloser bessere Zahlungen erhält.  Warum werden Volksabstimmungen  in EU Fragen  von den alten Parteien abgelehnt? Wenn Sie diese Ansichten weiter verteidigen, dann steht zu befürchten, dass in der Bevölkerung die Ablehnung des Systems “Parlamentarische Demokratie”  wachsen wird. Wenn weiter so gemacht wird ( und Frau Merkel bietet ein gewisse Garantie dafür) dann hat doch Rainer Mausfeld Recht, der einmal sagte: Die gegenwärtige Formen repräsentativer Demokratien sind Elite Demokratien, also de facto Wahloligarchien. Seit ihren historischen Anfängen wurde die Idee einer  repräsentativen Demokratie mit der Absicht entwickelt, das als irrational, infantil und als launenhaft angesehene “dumme” Volk von politischer Macht und Einfluss fern zu halten. – Ulf Hanel


Leserbrief zu „Welches Deutschland hätten Sie denn gern?“ von Matthias Krupa

Sie haben in Ihrem Artikel die Unterschiede in den Zielen der Parteien aufgedeckt. Mir sind dagegen Gemeinsamkeiten aufgefallen, die es unmöglich machen, die Favoriten und deren mögliche Steigbügelhalter beim Kampf um die Kanzlerschaft zu wählen. Ganz gleich, welche Wohltaten sie ihrer oft egoistischen Klientel versprechen. Denn sie vergessen dabei ganz die sorgsame Herstellung und Erhaltung der menschlichen Würde. Frau Wagenknecht ist dafür bekannt, dass sie zu ihrem persönlichen Genuss lebende Tiere in kochendes Wasser werfen lässt. Herr Schulz verzehrt gerne Gänsestopfleber, die nur durch extreme Tierquälerei erzeugt werden kann. Unser für den Tierschutz zuständiger Minister der CSU beantwortet nicht einmal Nachfragen zum Thema Küken schreddern oder monatelange Kastenstände von Schweinen. Dieses Verweigern einer Antwort auf kritische Wählerfragen hat er mit Frau Wagenknecht und ihren Mitstreitern gemeinsam. Das passt nicht zur demonstrativ behaupteten Nähe zum Menschen in beiden Parteien.

Über Monate hinweg habe ich in zahlreichen Briefen an die Parteien, insbesondere an die SPD und die LINKE, versucht, zu erreichen, dass sie in ihren Wahlkampfreden leidenschaftlich gegen die furchtbare, durch Gesetze unterstützte Tierquälerei ankämpfen. Sie haben mit kalter Ignoranz gegenüber dem Leid der Tiere geantwortet. Wer solche Menschen wählt, macht sich mitschuldig an künftiger millionenfacher Tierquälerei in Deutschland. Die Medien unterstützen das – ob gewollt oder nicht – durch Verzicht auf entsprechende Nachfragen zum größten Skandal in Deutschland. Ich hätte gern ein Deutschland, dass sich bewusst ist, welches Verhalten notwendig ist, damit man von einer Gemeinschaft mit respektablem, würdevollen Verhalten sprechen kann. Dann wären die Volksparteien auch wieder wählbar. – Klaus Lachetta


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Sie haben mit „Der blaue Patient“ einen grandiosen Statusbericht zum Thema Umweltzerstörung geschrieben. Nur: Warum  haben Sie diesen nicht auf Seite 1 genannt? Denn letztendlich wird die Umweltzerstörung viele der Probleme, die wir derzeit haben, noch vergrößern. Gegen zukünftige Flüchtlingsströme ist alles, was in den letzten Jahren aus Syrien zu uns kam, ein Klassenausflug.

Die kommende soziale Ungerechtigkeit wird uns glauben lassen, wir lebten derzeit im reinsten Sozialismus. Wir müssen viel mehr Anstrengungen, viel mehr Kraft, aber auch mehr Verzicht in den Schutz unseres bislang einzigen Planeten stecken, um diesen noch zu schützen. Aber vielleicht ist das Titelthema dieser „Zeit“ ein erster Schritt dahin. Mit Nationalismus lässt sich beim Umweltschutz nämlich nicht viel erreichen. Es wäre in der Debatte vielleicht sinnvoll, dies als weiteren wichtigen Punkt hervorzuheben. – Hauke Mewes


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Investigativer Journalismus wird bei der „Zeit“ offenkundig ganz groß geschrieben, insbesondere wenn es um das Privatleben der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel geht. Was seid Ihr doch für armselige und miese Schreiberlinge, die nichts Wichtigeres zu tun haben, als bei einer mutigen und ehrenhaften Frau, der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel, im privaten Bereich und auch noch am schweizer Wohnort herumzuschnüffeln, um vielleicht doch noch etwas herauszufinden, was dieser Frau vor der Wahl noch schaden könnte. Bevor solch ein armseliger und mieser Bericht erscheint, solltet Ihr mal besser Hintergründe erfragen, beim Betroffenen selbst, das schweizer Recht ausleuchten und dann vor allem soviel Anstand in der „Hose haben“, subjektive Annahmen und Vermutungen völlig wegzulassen und auch nicht mit Fragezeichen zu versehen. Aber Anstand kennt die „Zeit“ zumindest wenn es um die AfD oder deren Funktionäre geht nicht. Eben ein Haufen mieser und feiger Schreiberlinge. Statt das Wahlplakat der CDU aus dem Jahre 1991und die grundgesetzwidrigen Machenschaften einer Kanzlerin Merkel seid 2015 auszuleuchten und festzustellen, dass diese Wahlaussagen der CDU von 1991 die Aussagen der AfD von heute sind, seid Ihr nur noch darauf aus, dieser AfD zu schaden. Es wird Euch nicht mehr gelingen, Ihr charakterlosen Feiglinge. – Werner Christ


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Das ist ja fast wie im amerikanischen Wahlkampf. Mann, muss euch die Muffe gehen. – Klaus Lüßenhop


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Evelyn Finger greift ordentlich in die Tasten. Aber Zwischentöne werden oft geschlampt. Die Paraphrasierung verschwimmt. Aber zum Stück selbst. Genau dort, wo der Anschlag der Akkorde mit heftigem Forte intoniert wird, dröhnen einem die Ohren: Hass. Man braucht jedoch kein ostdeutscher Schöngeist zu sein, es reicht schon ein westdeutscher Musikliebhaber, um zu hören, um zu verstehen, um welche Partitur es sich handelt. Das Stück ist durchdrungen vom Identitätsthema. Mit fordernden Anklängen toleranter Begleitinstrumente, die dem Spiel größere Farbigkeit verleihen sollen, setzt die Solistin Evelyn Finger das eine und andere Rhythmus getragene Highlight. Während bei Wagner eher die germanischen Themen dominieren – sein Bayreuth liegt schon fast an der ehemaligen Grenze zwischen West – und Ostdeutschland, das früher DDR hieß. Diese tiefe Trennung nimmt die Solistin zum Anlass, De Bruyns “Theorie der Abgrenzung” als kurzes Zwischenthema einzuspielen und leitet kühn zu ihrer Theorie vom “Stolz der Verlierer” über. Arrangiert In einem rasanten Stakkato brüllen die Blechbläser “ihren Hass gegen die Politiker heraus”.

Von Verdis NABUCCO kennt man die Hymne des Gefangenenchors, ein Meisterstück melodisch – einnehmender Kunst. Aus “den” Ostdeutschen macht die Solistin “aus Befreiten nur Feinde der Freiheit” – eine schroffe Intonierung. Ihnen sei keine Freude zu entlocken, eine Freude, die bei Verdis Musik Sänger und Publikum geradezu in Verzückung geraten lässt. Bei Ostdeutschen dagegen – so posaunt die Solistin – gäbe es nur so etwas wie einen (peinlichen ) “Verliererstolz”, der den alten “Dünkel vom besseren Deutschland im Osten überlebt” habe. Diese Passage ist nicht nur in Moll gefärbt, hier gerät das Orchester aus dem Takt. Auch wenn einige Flöten dieses Thema unbeiirt weiterspielen. Aber tatsächlich reicht die Titelmelodie viel weiter. SIe ergreift nicht nur Ossis. Auch Migranten, Nazis, Salafisten. Die amerikanischen Südstaaten seien dafür “das große politische Vorbild”. Jetzt klingt im Hintergrund die Titelmelodie des Musicals Porgy und Bess an, die von Gershwin abgeguckte Art des unverfälschten afrikanischen “Shoutings”. Warum aber bringt das unverfälschte ostdeutsche Shouting die Solistin aus dem Takt? Wollen sie sich vielleicht bloß ihrer Heimat vergewissern? Aber für differenzierte Töne scheint das Titelthema der Solistin keinen Platz zu lassen. Doch im nächsten Satz wird übergeleitet zu den feineren Klängen. Mit subtiler Phrasierung werden doch noch Differenzierungen in der Ost – Westdeutschen Partitur herausgearbeitet. Aber Cui bono? Im Osten setzte schulische Bildung noch 1989 beim Abitur auf Goethe und Schiller. Im Westen dagegen “gleich auf Plenzdorf”. Und schon bewegt sich das Spiel des Orchesters wieder auf ein Crescendo zu, bei dem “der Konflikt zwischen den verschiedenen Arten des Deutschseins eskaliert” – “nach der Wende”. Etwas lieblos und unterkomplex wird die deutsch – deutsche Partitur heruntergespielt, wenn die Solistin – angesichts der Vielstimmigkeit des Chores – alles ihrer Titelmelodie unterordnen will: “Stolz der Verlierer”, “Hass gegen die Politik”.

Dem Gefangenenchor gab Verdi eine geradezu sehnsuchtsvolle Melodie, eine Melodie, die Heimat beschwört. Diese Melodie findet nach wie vor auf der ganzen Welt – nicht nur in Ostdeutschland – ein begeistertes Publikum: Va, pensiero, sull’ ali dorate – ein Lied, das Gedanken fliegen lässt, die die Sehnsucht nach Heimat ausdrücken. Und – nach einem zustimmungsfähigen Kommentar – Heimat gilt Menschen als der konkrete Ort, der die Identität des Menschen prägt. Für Kölsche ist das Köln, für Dresdner ist das Dresden. Nicht um Nation, sondern um Heimat geht es. Die Idee der Heimat ist universell. “O membranza, si cara e fatal!” Dieses Pathos können viele nur in der Musik Verdis nachempfinden, nicht unbedingt im Text. Statt O schmerzlich süßes Angedenken” singt man in Köln: Mer losse d’r Dom en Kölle… und jeder Kölsche kann hier sofort mitsingen. Die Solistin des Stolzes der Verlierer überspielt aber diese heimatliche Tonlage und verlegt sich gleich auf ein stakkatoartiges: Befreite wurden zu “Freiheitsfeinden”. Statt der hymnischen Leitmelodie Verdis klirrt es in ihrem Schlussakkord. Starke Motive der Spaltung, des Eigenen und des Fremden übernehmen die Führung und das gesamte Orchester schließt mit einem Furioso der “Wut gegen die Allerschwächsten: die Flüchtlinge”.Ein Fortissimo der Blechbläser verstärkt die Leitmelodie der Solistin mit “Verliererkonkurrenz” und “Ausländerhass”. Wo aber hört man die leisen Töne der Sehnsucht nach Heimat? – Klaus D. Lubjuhn


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Habe ich das richtig gelesen? Die Tesla Kunden haben die ganze Zeit eine Batteriekapazität spazieren gefahren, die sie nicht nutzen konnten. Nur wegen dem Hurrikan Irma hat dann Herr Musk die Kapazitäten frei geschaltet. Das ist doch wohl ziemlich absurd. – Karlheinz Martin


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Nein, ich bin bisher weder AfD Wähler noch neige ich dazu, meine bisherige Parteipräferenz aufzugeben.  Was Sie in den letzten Tagen fast schon zwanghaft in Richtung AfD / Frau Weidel – entschuldigen Sie den Ausdruck, „absondern“ ist fast schon  bemitleidenswert. Sie machen es Ihren Lesern zunehmend schwer, die „Schöpfer“ Ihrer Auslassungen, nein, ZON überhaupt, noch ernst zu nehmen.  Offensichtlich hat die Studie der Otto-Brenner-Stiftung zum Versagen der Presse in Ihren Reihen nichts bewirkt. Ich bedauere das. – Otto Werthmann


Leserbrief zu „Zähes Geschöpf“ von Josef Joffe

Wenn meine Frau und ich donnerstags die neue Zeit erhalten, gilt mein zweiter Blick nach dem  Lesen des Inhaltsverzeichnisses oft dem „Zeitgeist“, den ich häufig lesenswert finde, denn der solide Konservatismus des mir öfter als  gläubig-aufgeklärten Atlantikers vorkommender Autor fordert bei mir das Überprüfen der eigenen Position wie auch zum Widerspruch  immer wieder  heraus.Meines Erachtens handelt es sich im vorletzten Absatz beim eingeschobenen Relativsatz um keinen grammatisch und inhaltlich vernünftigen Satz. Es heißt wörtlich: „Ohne Zusammenhalt, die der Verpflichtung gebiert, zerfällt die Nation in lauter selbstbezogene Stämme“Wie bitte? Wer oder was gebiert hier wen oder was? So elaboriert gestammelt ich den Satz syntaktisch finde, so kühn ist die fast hinter dem Kuddelmuddel veschwindende These von dem Zerfall in lauter selbstbezogene Stämme. Soll ich an die berühmten Hottentotten denken, von der meine Elterngeneration (Jahrgänge 21 und 23 des 20. Jh.) gelegentlich sprach oder an Bayern, Westgoten, Bretonen oder Sachsen? Ich bitte um Aufklärung im Sinne der Aufklärung. – Jürgen Hahn-Schröder


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Es ist mittlerweile sehr sehr peinlich wie alle Medien versuchen Frau Dr.Weidel und Ihre AFD in Misskredit zu bringen. Da sind Sie leider Gottes keine Ausnahme. So funktioniert die deutsche Demokratie nicht. Das ist unterste Wahlschublade und  Wilder Westen. Kehren Sie um und hören auf gleich geschaltet zu sein. Wovor haben Sie alle eigendlich  Angst wenn interlektuelle Leute offen Ihre politische Meinung sagen und dann öffendlich so an Kreuz genagelt werden. Gerade bei dieser Wahl ist das nicht mehr mein Deutschland und die Medien sind auch nicht mehr wiederzuerkennen. Darüber sollten Sie mal nachdenken ob das alles so seine Richtigkeit hat. Das hat nichts mehr mit seriösem Jornalismus zu tuen. Eine Schande für diesen Berufsstand, das Fernsehen und Ihre Sendungen eingeschlossen. – Klaus Ostermeier


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Das Titelthema stellt die Frage: „Warum rückt das Land nicht nach links?“ Traditionell verband man in der Bundesrepublik die SPD mit Rot als Symbolfarbe für den politischen Linksbegriff. Martin Schulz hingegen bezeichnet sich selbst als einen Konservativen, was im Farbspektrum der Parteien besser zum Schwarz der CDU passt. Die großformatige Wahlwerbung des Wissenschaftsforums der Sozialdemokratie in derselben Ausgabe unter der Überschrift „Mit starker Wissenschaft und Forschung in die Zukunft“ sagt über den Verlust des Attributs „links“ bei der SPD einiges aus. Zwar kommt die rote Farbe noch im angefügten Logo der SPD vor, doch der Text spricht eher für ein Weiter so! im konservativen schwarzen Spektrum. Von den insgesamt 54 Unterzeichnenden stehen 46 männlichen gerade mal 8 weibliche Professoren gegenüber. Der Inhalt der Anzeige verspricht, die „erfolgreiche sozialdemokratische Politik für Hochschulen, Wissenschaft und Forschung“ auch in den kommenden Jahren fortzusetzen. Ist das Verhältnis männlich 46 zu weiblich 8 in der Professorenschaft in den Augen der SPD und ihres Kanzlerkandidaten etwa ein Ausdruck erfolgreicher Wissenschaftspolitik? Auch optisch präsentiert die Anzeige ein vermännlichtes Wissenschaftsverständnis: Das zukunftsweisende Foto in der Anzeige präsentiert einen modisch-bärtigen jungen Mann im typischen Silicon Valley-Outfit; ein ebenfalls männlich designter Roboter assistiert dem deutschen Jungstar bei seiner Lösung weltumspannender Probleme.

Während man im klein gedruckten Block der Unterzeichnenden die wenigen Frauen mit einer Lupe noch finden kann, kommt im groß gedruckten Text das in der Bundesrepublik im Vergleich mit anderen EU-Ländern besonders gravierende Problem der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern nicht nur im Bereich von Wissenschaft und Forschung, sondern auf allen Ebenen des sozialen Lebens gar nicht vor. Willy Brandt hatte einst mit dem Aufruf: Mehr Demokratie wagen! die weiblichen Wähler für sich und die SPD gewinnen können. Bisher sieht es mir nicht danach aus, als wolle die Partei mit Martin Schulz an die Tradition der Brandt-Regierung anknüpfen. – Professor em. Dr. Herta Schmid


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Hat also ihren Hauptwohnsitz nicht in der BRD. SELTSAM, daß es nicht Voraussetzung für eine Kandidatur für den Bundestag ist, daß man auch im Inland wohnt. Oder WENIGSTENS innerhalb der EU?!??? Wenn ich bei den Kommunalwahlen für ein Amt kandidieren will, muß ich in der betreffenden Gemeinde wohnen, und zwar nicht erst seit gestern. tsk tsk tsk – Rena Rappel


Leserbrief zu „Meister der hocherotischen Zone“ von Martin Machowecz

Die Vielzahl herausragender Artikel häuft sich, daher muß ich mich schon wieder rühren:  Herzlichen Dank, Herr Machowecz,  an Sie & an die ZEIT für Ihr herausragendes Gespräch < Meister der hocherotischen Zone   mit  Neo  Rauch über den leider verstorbenen Arno Rink.  Es tut sehr gut ( speziell für mich als Künstler :  https:// youtu.be/ ZvS2TiT84jI   )  des geschätzten Neo Rauchs herrlich künstlerisch + politisch unkorrekte Ansichten zu Kunst & Leben in solch beispiellos wohltuender Ausführlichkeit in der ZEIT zu lesen!  Da kann sich speziell das ART-Kunstmagazin noch eine dicke Scheibe von der ZEIT abschneiden! Bitte weiter so. – Paul Zendo


Leserbrief zu „Der Ersatzkaktus“ von Doris Dörrie

Stacheln oder Dornen? Doris Dörrie schreibt „Aber was ist ein Kaktus ohne Stacheln?“. Nun, Kakteen haben KEINE Stacheln, sondern Dornen (… und Rosen haben Stacheln). Dornen sind umgewandelte Blätter und wurzeln in tieferen Schichten. Ihre Aufgabe in den heißen und trockenen Wüstenregionen erfüllen diese hervorragend: Vor Fraß schützen (Kaktus als Feuchtigkeitsquelle für andere Tiere), vor UV-Strahlen schützen (intensive Sonneneinstrahlung), Reduzierung der Verdunstung (dichtes Dornenkleid spendet Schatten). Sie können – ebenso wie ihre Vorfahren, die Laubblätter – mit der Zeit abfallen. Stacheln sind Sonderformen der äußersten Zellschicht, der Epidermis und „piksen“ uns z.B. an Rosen. – Annette Fiering


Leserbrief zu „Buntes auf dem Bildschirm“ von Matthias Schütte und Sven Stillich

Danke für die immer wieder erhellenden Beiträge von Jana Simon und Christoph Dieckmann – auch und nicht nur über den OSTEN.   Wenn dann aber in „gesamtdeutschen“ Statistiken die Geschichte der DDR immer wieder hinten runterfällt, versteht man auch immer wieder das Gefühl, nach 1990 der eigenen Biografie beraubt worden zu sein.  Denn selbstverständlich gab es im Fernsehen der DDR mit dem „Kessel Buntes“ auch eine „wichtige Unterhaltungsshow“ in Farbe – mit dem unsäglichen Rainer Süß und der frechen Helga Hahnemann. Ich selbst habe den „Kessel“ – jung und anti – nie geschaut, aber die halbe DDR eben doch. Selbstverständlich werde ich deshalb nicht AfD oder LINKE wählen. Aber für den einen oder anderen wird diese immer wieder durchschlagende West-Ignoranz (und das schreibe ich ganz ohne moralische Empörung) das Fremd-Fühlen gegenüber dem bundesdeutschen „System“ stets neu befestigen. – Matias Mieth


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Die „Wutbürger“ im Osten gehören mehrheitlich einer Generation an, die noch in diktatorischen Zeiten („die Partei hat immer Recht“) aufgewachsen ist und der ein Abscheu gegen „die Politik“ und „die Politiker“ eingeimpft wurde. Hinter allen Beschlüssen wittern sie böse, egoistische Machenschaften einer Kaste. Leider haben wir es nach der Wende versäumt, diese anders tickenden Menschen in demokratische Prozesse einzubinden. Auch heute noch gibt es im Osten – leider auch unter Lehrern – immernoch eine Scheu, sich politisch zu outen, wie ich bei meinen häufigen Besuchen „drüben“ erfahren habe. Und genau das ist ja kontraproduktiv: es werden nur Funktionsträger, und es wird nicht die diskutierende Basis wahrgenommen. – Dr. Karin Michaelis-Jähnke


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Die Zeit hat sich also endgültig in den schleimigen Kanzlerin-Wahlverein eingereiht. Wo ist Robert Leicht ? – Gerhard Hetzer

Leserbrief zu „Das Leben danach” von Ilka Piepgras im ZEIT Magazin

Ich bin überwältigt, geschockt und doch beruhigt, als ich die Geschichte von Ariel Levy zu Ende lese. So sehr Sie bemüht ist Ihr Leben als lesbische Ehefrau- dann zwischendurch Fremdgeherin inklusive künstlicher Befruchtung selbstbewusste Frau darzustellen und als postmoderne freie Feministin zu gelten, wird mir als Lesererin klar, dass so ein Leben ganz ohne Furcht und Tadel am Ende zu nichts führt. Wir brauchen Regeln als Fundamente in unserem Leben. Ich würde sogar eine Schritt weiter gehen und ihren Satz neu schreiben, „Wir haben längst nicht soviel Kontrolle über unser Leben wie wir glauben, denn nicht die Natur ist unser Boss sondern Gott.“ – Marzena Juliana Pustelnik


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Drei riesige ZEIT-Seiten nur Klage! Was wäre denn die Abhilfe der Herren Ménélon, Sanders usw.? Ein Gesetz, nachdem ein Anstellungsvertrag immer für das ganze Leben gilt? Der Vorgeneration fehlte halt noch die chinesische Konkurrenz (und ein PC kostete zwei Monatsgehälter) … – Werner Koetz


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Weil in diesem Land in allen relevanten Felder seit Jahren längst linke Politik gemacht wird: in der Flüchtlingspolitik seit der Grenzöffnung August 2015, in der unengagierten Kriminalitätsbekämpfung, in der Umweltpolitik, in „solidarischen“ Bürgschaften für die Schuldenpolitik anderer Länder…Und der Protest dagegen vertritt ja aus Sicht der ZEIT nicht „unsere“ Werte und soll deshalb lieber heute als morgen von der politischen Landschaft verschwinden! – Dr. phil. Hans-Joachim Eberhard


Leserbrief zu „Zähes Geschöpf“ von Josef Joffe

Endlich sagt’s mal einer! Man muss nur in ein beliebiges Geschichtsbuch zu schauen, um festzustellen, dass die weitaus meisten Konflikt daraus entstehen, dass man unterschiedliche Kulturen zwangsverheiratet. Der gewöhnliche Deutsche mag halt seine Bratwurst mit Kartoffelsalat und reagiert ungehalten, wenn man die zwangsenteignet und durch Hähnchenflügel und Fladenbrot ersetzt. Wenn man vorsichtig auf diesen Umstand hinweist, darf man sich allerdings in der Regel sofort das goldene Nazi-Abzeichen an die Brust heften. Wieso erwarten die Multi-Kulti-Propheten eine unglaubliche Aufgeschlossenheit bis zur Selbstverleugnung beim Normalbürger, während ihre Politik sich geistig nach wie vor auf dem Niveau von Dschinghis Khan gewegt?

Das gilt insbesondere für die EU. Von den Bürgern der 27 Nationen kann man sich – schon sehr gute Schulbildung vorausgesetzt – gerade mal mit einer Hand voll direkt verständigen, und von gut einem Drittel ist noch nicht einmal die Schrift zu entziffern. So lange die EU nach dem Design EUdSSR konstruiert ist, wird sie genauso wie die Blaupause im Orkus der Geschichte landen. Es wäre sinnvoll und hilfreich, wenn die Medien die Volksbefindlichkeiten Ernst nehmen, anstatt in Hyperventilieren und Nazi-Gebrüll auszubrechen, wenn mal jemand sagt „Ich mag aber lieber Bratwurst mit Kartoffelsalat“. Gilbert Brands


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Eine brillante, klare Analyse der materiellen Situation der jungen Generation (m.E. bis ca. 45 Jahren) und ihres beruflichen sowie politischen Verhaltens in den westlichen Staaten, einschließlich Deutschlands. Als 67igjähriger bin ich in der Tat sehr verärgert darüber, dass mein Sohn und wohl auch künftig mein Enkel im Vergleich zu mir im Alter zwischen 25 und 45 Jahren über ein deutlich niedrigeres Arbeitseinkommen verfügt, verfügen wird,;  selbst bei Festanstellung als Hochschullehrer, nach jahrelangen Praktika, befristeten Verträgen.

Dies ist ein gesellschaftlicher Skandal, der von den 25 – 30jährigen ganz offensichtlich eben nicht als solcher wahrgenommen wird, weil sie nichts anderes kennen als diese Situation, der, reden wir Klartext: Ausbeutung. Diese Ausbeutung in jungen Jahren mit Dumpinglöhnen induziert auch Altersarmut – es gibt dann keine ältere Generation mehr, die die junge Generation materiell unterstützen könnte…. All das, wofür ich in jungen Jahren politisch kämpfte, auch für Kinder und Enkeln, wurde politisch und ökonomisch  pulverisiert durch einen faktisch schrankenlosen Kapitalismus. Das Leistungsprinzip ist insbesondere auf dem Arbeitsmarkt völlig außer Kraft gesetzt durch das Prinzip „Macht“.  – Rainer Egold


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

In der Schweiz ist es gesetzlich so geregelt: Für Haushilfen in Teilzeitbeschäftigung braucht es keinen Vertrag, keine Sozialabgaben, und der Lohn ist bar auf die Hand zu zahlen. Die im o.a. Artikel Frau Weidel unterstellten Fake-Verdächtigungen sind also nur eine ekelhaft widerliche Hetze von 3 Ihrer Mitarbeiter, die vortrefflich in das Team der ZEIT-Lügenpresse passen. Ich bin ein lebenslang in der Wolle rot gefärbter Sozialist und wollte Schulz und SPD wählen.  An Stelle der von Ihnen natürlich nicht zu erwartenden Wiedergutmachung Ihrer Verleumdung hab ich mich entschlossen, meine Stimme diesmal der AfD zu geben. – Hans-Joachim Blankenburg


Leserbrief zu „Zu intelligent fürs Leben” von Gero Von Randow

„Wenn Siri Unsinn antwortet …“ – da frage ich, wer ist Siri Unsinn?  Aber Spaß beiseite, der Artikel spricht mir aus der Seele.  Es gibt keine künstliche Intelligenz, es gibt nur programmiert gesteuerte Geräte bzw. Maschinen (pgGs).  Das ist es, was alles als künstliche Intelligenz bezeichnet wird, ist meist eine Übertreibung. Vorweg bedarf es einer Begriffsdefinition, was ist Intelligenz?  Ich verstehe darunter „die Fähigkeit des selbständigen Denkens“.  Demnach gibt es keine künstliche Intelligenz, denn hinter all diesen programmiert gesteuerten Geräten steckt menschliche Intelligenz.  Die Computersystemen (Watson, AlphaGo, Deep Blue) zugeschriebenen Siege bei Quiz (Jeopardy), Go und Schach sind nicht Siege von Maschinen sondern Siege der Programmierer.  Die Computer stellten lediglich die Hilfsmittel und Werkzeuge hinsichtlich von großer Rechenleistung und von gewaltigen Speichermöglichkeiten dar.  Die Algorithmen jedoch stammen von menschlicher Intelligenz, von Programmierern.  Warum wird das Computerspiel Tetris nicht als künstliche Intelligenz betrachtet?  Da gewinnt auch hin und wieder der Computer – aber das wird als zu minder betrachtet.  Dabei ist es hier auch nichts anderes als eine von Menschen geschaffene Hard- und Software, die dahinter steckt.

„Künstliche Intelligenz“ oder „Artificial Intelligence“ sind Marketingbegriffe.  Ein großes IT-Unternehmen geht bereits zu dem Begriff  von „kognitiver Intelligenz“ an der Stelle von „künstlicher Intelligenz“ über.  Das ist viel zutreffender.  Eingabeinformationen (z.Bsp. durch Sensoren) werden „erkannt“, durch Algorithmen verarbeitet, durch Zusatzinformationen (wie Daten) ergänzt, dann werden Aktionen gesetzt.  Ein Kfz erkennt einen Prüfstand und drosselt den Schadstoffausstoß.  Das entspricht der gängigen Computer-Architektur – Eingabe, Informations/Daten-Senke, Verarbeitung, Ausgabe.  Auch bei „neuronalen Netzen“  bzw. „selbst lernenden Systemen“ muss das „selbst lernen“ erst einmal programmiert werden.  Eine Technologie (Biologie) durch eine andere Technologie (Mechanik, Elektronik, Elektromechanik) zu ersetzen ist keine Lösung für eine selbständige Intelligenz.

„Selbst lernende“ Systeme basieren auf „Try and Error“ (Versuch-und-Irrtum).  Kein Pilzsucher und kein Verzehrer von Pilzen agiert nach diesem System.  Ein Kind, welches heiß als solches erst erkennt, nachdem es sich verbrannt hat, hat zwar dazu gelernt, aber eine intelligente Leistung ist das nicht.  Unlängst wurde in einer Radiosendung des ORF ein autonom fahrendes Kraftfahrzeug als künstliche Intelligenz bezeichnet.  Im nächsten Zug wurden selbst lernende Systeme als künstliche Intelligenz erwähnt.  Ich will in keinem selbst lernenden Fahrzeug sitzen, sondern in einem, welches nach allen Regeln der Kunst ausgetestet wurde, die komplette Hard- und Software!  Die grundsätzlichen Parameter der Straßenverkehrsordnung sind beispielsweise durch Menschen vorgegeben und nicht selbst erlernt.  Bumms, das war jetzt falsch – so ein Verfahren ist unzureichend. „KI- und Robotersysteme müssten ihr Handeln erklären können“ heißt es in Ihrem Artikel.  Die Erklärungen gibt es bereits!  Sie sind in den Daten, Informationen und Programmen, die dem Handeln zu Grunde liegen.  Software-Tester kennen die „Traces“ zum Verfolgen von Programmabläufen.  Aber das hat einen Umfang, den sich kaum jemand ansehen will.  Diese Forderung ist vielleicht für Programme wie Tetris zu erfüllen, ist aber für komplexe Systeme mit großen Datenmengen oder Berechnungen völlig unrealistisch.  Wobei ich unter Daten auch Informationen anderer Art, wie beispielsweise von Sensoren, verstehe.

Beim Streit zwischen Musk und Zuckerberg und auch Hawking geht es beispielsweise um die Frage, ob Roboter irgendwann so intelligent werden, dass sie ihre menschlichen Schöpfer töten könnten.   Natürlich kann es programmiert (digital und/oder analog) gesteuerte Maschinen und Geräte geben, beispielsweise Drohnen, die gezielt (einige oder vielleicht alle) Menschen töten.  Alles was einem Menschen ähnlich sieht wird gekillt.  Aber nicht weil sie so intelligent sind, sondern weil sie von Menschen so programmiert wurden.  Vielleicht geraten sie auch aufgrund eines Software-Errors außer Kontrolle.  „Beware of the Software Error“ sage ich immer.  Es gibt bereits Roboter, die gegeneinander in Wettbewerben kämpfen.  Aber dahinter steckt menschliche Intelligenz.   Menschen entwickeln die Regeln, Algorithmen, Techniken, Programme nach denen die so genannte „künstliche Intelligenz“ ablaufen kann.  Ich fürchte nicht die künstliche Intelligenz, sondern die menschliche Intelligenz bzw. noch viel mehr „die menschliche Dummheit“.  Durch dumme oder bösartige Programmierer oder durch Software-Fehler könnten digital gesteuerte Geräte großes Unheil anrichten.  Das ist das eigentliche Problem.  Die Chefs sind nicht „Bits und Bytes“, sondern die vorgebenden Programmierer.  Alle Macht den Programmierern, das soll man sich einmal überlegen.  Notfalls kann man die Stromversorgung der Geräte kappen, dann hat man statt der angeblichen künstlichen Intelligenz wieder tote Materie.

PS: Ein Programm muss nicht unbedingt aus einer Software bestehen, es kann auch ein rein Hardware-mäßig vorgegebener Ablauf sein (wie früher bei den Lochkartenmaschinen beispielsweise oder einer Wasserstoffbombe).   Übrigens ist in meinem Meyers Lexikon für die umfangreiche Begriffsdefinition von Intelligenz die „Try-and-Error-Systematik“ ausgeklammert („… somit Versuch-und-Irrtum-Verhalten und Lernen an Erfolgen, die sich zufällig einstellen, entbehrlich macht“).  Das noch als Anmerkung zu den selbst lernenden Systemen, ich nenne sie nicht künstliche Intelligenz sondern Try-and-Error-Systeme, die auf Zufallsalgorithmen beruhen. – Peter Jürß


Leserbrief zu „Meister der hocherotischen Zone“ von Martin Machowecz

Wie so viele bin auch ich eine kleine Bewunderin und Bestaunerin Ihrer Werke (und eine noch etwas größere Bewunderin und Bestaunerin der Werke Ihrer Frau Rosa Loy). So habe ich gerne Ihr Interview mit der ZEIT vom 14. September gelesen und bedauere sehr den Tod Ihres Freundes Arno Rink. Ich bin froh, dass der Selbstzweifel und „das Aus der Malerei“ in den neunziger Jahren sie nie vom Malen abgehalten hat. Ich möchte zum Interview nur eines anmerken. Es ist weniger ein Kritisieren, mehr ein Hinzufügen. Sei meinen, Sie wünschten sich manchmal, „dass ein Kerl wie Arno Rink durch die Ateliers der Kunststudenten gehen würde, um die jungen Männer zu ermuntern, dass es doch nicht schlimm ist, wenn man sich von weiblichen Körperformen angeregt fühlt.“ Ich wünschte mir manchmal, dass jemand, durch die Ateliers der Kunststudenten gehen würde, um die jungen Frauen zu ermuntern, dass es doch nicht schlimm ist, wenn man sich von männlichen Körperformen angeregt fühlt. Genauso wie ich mir manchmal wünschte, dass jemand durch die Ateliers der Kunststudenten gehen würde, um den jungen Männern zu ermuntern, dass es doch nicht schlimm ist, wenn man sich von männlichen Körperformen angeregt fühlt und den jungen Frauen zu ermuntern, dass es doch nicht schlimm ist, wenn man sich von weiblichen Körperformen angeregt fühlt. Es geht nicht darum zu verbieten, „der weiblichen Schönheit Huldigungen darzubringen“, aber darum, dass die Frau mehr kann und will, als gehuldigt zu werden, dass auch die Frau Huldigungen darbringen kann, der männlichen Schönheit zum Beispiel.

Es geht nicht um ein Ausradieren von Schönheit oder um ein Verzicht auf Begehren, sondern um ein Lenken der Aufmerksamkeit darauf, dass die aktiven und passiven, die als schön gepriesenen und die als schön preisenden Rollenbilder auch anders verteilt werden können als bislang, und dass mit der bisherigen Rollenverteilung stets viele ausgeschlossen wurden. Es geht nicht um zwanghafte Sprachpolizei und „gendersensible Bücklinge“, sondern darum, dass Frau und Mann jeglicher Sexualität und jegliches Geschlechts diese Art des „Hedonismus“ hätten erleben dürfen und können, wie Sie und Arno Rink ihn als heterosexuelle Männer in Ihrer Studienzeit erlebt haben – und zwar mit einer Sensibilität für Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen und Ausgrenzungen, die damit einher gehen können. Sensibilität und Lust schließen sich nicht aus. Es mag sein, dass es innerhalb der feministischen Bewegung Menschen gibt, die das anders sehen. Es mag sein, dass für sie die genderneutrale Sprache eine weitaus höhere Priorität hat, als für mich (und scheinbar für Sie). Doch Gendersensibilität auf Sprachpolizei, Bücklinge und Inquisition zu reduzieren, versperrt den Blick darauf, wofür sie wirklich wichtig ist: auf tatsächliche Gleichberechtigung aller Geschlechter ohne dabei die Besonderheit des einzelnen Menschen zu verlieren. Danke. – Iphigenia Andreou


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Ich vermisse Helmut Schmidt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein derart krudes Machwerk auf der ZEIT-Titelseite zugelassen hätte. – Gerhard Reinelt


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Eine einleuchtende, gute und klare Analyse des Verhältnisses von „Die Linke“ und „SPD“. Jedoch scheint es mir ein globaleres Problem zu sein, warum nicht mehr oder so wenig links gewählt wird. Es läßt sich ja europaweit und fast weltweit beobachten, daß ein Riß durch die „linke Ecke“ geht. Und zwar meist zwischen etablierter Linker und neuen, meist jugendlichen linken Bewegungen. Um nur einige zu nennen: In Griechenland will Syriza nicht mit den alten Sozis koalieren (eher mit einer extrem rechten Partei). In Frankreich verschmäht Mélenchon die „alten“ Sozialisten um Hollande. In Spanien will Podemos nichts mit der PSOE zu tun haben. Und in den USA stritten sich Bernie Sanders und die etablierte Hillary Clinton um den „linken“ Ansatz. Irgendwann hat die Linke (generell – nicht die dt. Linke) ihren Auftrag oder ihr Anliegen über Bord geworfen.

Mir scheint, das war mit „New Labor“ und unserem brionihaften „Agendakanzler“. Die Erzählung lautete plötzlich: die Globalisierung kann man nicht aufhalten, also müssen wir uns anpassen.  Hieß übersetzt: die Schwachen müssen sich anpassen. Die Linke hat damals aufgegeben, die Globalisierung gestalten zu wollen und zu können! Und gerade mit New Labor und der „Agenda“ wurden Reformen eingeleitet, die letztlich nur die Schwachen zur Anpassung zwingen. Es heißt ja immer, das die „Agenda“-Reformen (ich benutze bewußt keinen Namen eines Dieselskandalfirmenmanagers) Deutschland fit für die Globalisierung gemacht haben und eben die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist. Aber zu welchem Preis, bzw. auf wessen Kosten? Doch gerade nur der Schwachen – eben der Klientel, um die sich die Linke eigentlich kümmern sollte, anstatt z.B. die Abschlagssteuer für alle Wohlhabenden auf 25% zu senken oder von den Starken rein gar nichts zu fordern! Letztlich ist die Linke eingeknickt vor dem immer wieder gebetsmühlenartig vorgetragenen Argument, daß doch „Arbeitsplätze gefährdet seien“ und man die Globalisierung nicht aufhalten könne. Das mag ja sein! Aber man kann sie gestalten! Und da hat in allen westlichen Ländern die Linke versagt und ist deswegen nun gespalten. Gespalten bis zu dem Punkt, daß sie untereinander nicht mehr kooperiert und eben linke Politik überhaupt nicht mehr stattfindet!

Und leider profitiert davon eben überall eine populistische Rechte, da sie erkannt hat, daß sie mit der Unzufriedenheit der gesellschaftlich und wirtschaftlich Abgehängten Reibach machen kann – ohne deren Bedürfnisse und Nöte in irgendeiner Weise ernst zu nehmen geschweige denn diese in politische Programme aufzunehmen.  In Deutschland mag der Zwist zwischen Lafontaine und Schröder die Entzweiung der Linken befördert haben, aber weltweit steckt da Größeres dahinter. – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Danke für den Artikel und für die wichtige Frage, warum es keine Bewegung nach links gibt. Der Ausschnitt, den Sie betrachten, ist allerdings zu klein! Geisteswissenschaftler, Psychologen…. Sie sind eine Minderheit des Jahrgangs. Absolventen der MINT Fächer finden sehr bald feste Anstellungen, oft schon vor Beeidigung des Studiums… War nicht immer so. Bei Juristen und Wirtschaftler sieh es auch nicht so schlecht aus, wie es mal war. Im Handwerk werden Gesellen gesucht. Wenn ich also den gesamten Jahrgang betrachte, dann schildern Sie die Situation einer Minderheit. Kann es sein, dass diese sich ihrer Minderheitssituation bewusst sind? Dazu würde mich Ihre Meinung interessieren. Deutschland täte eine Linke Regierung sooo gut! Vielleicht ist es in 4 Jahren so weit! – Dr. Götz Dyckerhoff


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

Viel trinken ist das neue Beten. – Margot Neuser


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ein sehr schöner Artikel von Caspar Shaller – interessant durch seine zumindest teilweise Aussensicht. Ein wichtiges Moment oder Motiv für den Unterschied der Einstellung in Deutschland einerseits und USA, Grossbritannien,Frankreich etc. andererseits bleibt jedoch unerwähnt. Und das ist die grosse Wende der Jahre 1989 ff.Die Wende betraf zwar ganz Europa und Amerika, aber Deutschland doch noch in ganz anderer Weise : Hier war ein Teil des Landes (zumindest real-)sozialistisch gewesen. Und dieser Sozialismus war jetzt – 1989 – nicht nur moralisch (Mauer), sondern auch ökonomisch, politisch, eben faktisch gescheitert.Das war so in Westeuropa und Amerika nicht geschehen.Ein Rückgriff auf einen solchen „looser“ ist nicht eben attraktiv (ausser für die „Linkspartei“). Das schwächt jede Alternative.In meiner altersbedingten Erinnerung war die Einstellung und das Verhalten der entsprechenden Altersgruppe (nicht nur an der Uni) in den achtziger Jahren in der damaligen Bundesrepublik noch wesentlich anders. Damals wunderten wir uns eher über das politische Desinteresse z.B. der amerikanischen Studenten. Diese spezifisch Situation in Deutschland – und Osteuropa- erklärt auch zumindest teilweise die in anderen Artikeln derselben ZEIT-Ausgabe beklagten Schwäche der Linken und diesen seltsamen „rechten Antikapitalismus“ in Ostdeutschland und Osteuropa. Denn wo ein linker Antikapitalismus  die Produktionsverhältnisse in den Blick nimmt, kapriziert sich die rechte Variante auf die „Eliten“.Marx hätte hier wahrscheinlich vom Verharren auf der „Erscheinungsebene“ gesprochen. – Jürgen Elsner


Leserbrief zu „Meister der hocherotischen Zone“ von Martin Machowecz

Die Wut packt mich im Feuilleton: Ich lese dort, dass einer der bekanntesten deutschen Maler sich wünscht, dass ältere Männer die jüngeren männlichen Kunststudenten stärken. Damit sie endlich mal wieder mutig, lustig und „genussfähig” einen Blick auf Frauen werfen. Was für ein unglaublich unkritisch geführtes und hochpeinliches Interview mit Neo Rauch!  Neben den offensichtlich uralten, abgelutschten, weinerlichen „Argumenten” (dass man heute keinen Spaß mehr haben dürfe und ui, immer muss man sich als Mann so intensiv mit dieser nervigen Sprache auseinandersetzen und auf sooo viele Gemüter Rücksicht nehmen!) und der unkommentiert gelassenen Andeutung, dass Frauen „Minderheiten“ seien, entsetzt mich an diesem Interview, dass die ZEIT es nicht schafft, Herr Rauchs Antworten in den Kontext der aktuellen Diskussion um Sexismus im Alltag der deutschsprachigen Hochschulen zu stellen (siehe das Dossier im Merkur:  https://www.merkur-zeitschrift.de/2017/07/06/sexismus-an-schreibschulen-hildesheim/ bis https://www.merkur-zeitschrift.de/2017/08/28/sexismus-an-hochschulen-8-und-schluss/ sowie https://www.merkur-zeitschrift.de/2017/08/04/presseschau-sexismus-an-hochschulen/, eine Presseschau mit den Reaktionen darauf – in der die ZEIT auffallend wenig präsent ist).

Somit wird dieses Interview zu einem herrlich passenden Beitrag in genau dieser Diskussion. Allerdings ist es nicht gerade so, dass wir auf noch mehr Beiträge gewartet hätten, die uns beweisen, dass alte Männer im Dienst von Kunst, Freiheit, Spaß (oder welchem hehren Ideal sie im Moment nacheifern), sich öffentlich alles erlauben dürfen. Im Gegenteil! Eigentlich erhoffen wir uns mehr Portraits von Menschen, die einen differenzierten Blick auf unsere Gesellschaft werfen und Interviewer, die nicht hilflos überfordert sind, wenn ein Gespräch solche Bahnen nimmt. Deshalb erlauben wir uns auch, diesen Leserbrief an Sie in modifizierter Form als offenen Brief auf unserem Blog zu posten: https://www.wepsert.de/artikel/neo-rauch-sexismus-ein-offener-brief-an-die-zeitRicarda Kiel


Leserbrief zu „Ein Mann mit Agenda“ von Harald Welzer

In Ihrer im Übrigen sehr detaillierten und ausgewogenen Beschreibung Gerhard Schröders und seiner Agenda 2010 fehlt ein Hinweis auf die sozialpolitische und wirtschaftliche Situation der Zeit: Wir hatten eine sehr hohe Arbeitlosigkeit von über 5 Millionen, die z.T. auf die zu hohe Lohnnebenkosten zurückzuführen war. Die Arbeitslosenzahlen sind bis heute auf ca. 3 Millionen zurückgegangen. Schröders Agenda hatte also auch einen erheblichen sozialpolitischen Hintergrund.

Zu dem von Ihnen so gelobten Geschichtsbewusstsein Gerhard Schröders möchte ich zwei Einschränkungen machen: Er gehörte neben Grass und anderen zu den Skeptikern der Wiedervereinigung. Sie wollten die DDR als soziale Demokratie neben der BRD etablieren. Schröder hätte wissen müssen, dass ein Nachfolgestaat der DDR im Zusammenhang der deutschen Geschichte keine Berechtigung hatte. Zu dieser Fehleinschätzung passt der Vorschlag der Bundeskanzlers Schröder, den 3. Oktober als arbeitsfreien Feiertag abzuschaffen. Damit hat er sich dann ja auch nicht durchgesetzt. – Reimer Wohlenberg


Leserbrief zu „Und jetzt, wohin?“ von Jan Ross

Meine Frau stammt aus dem Süden von Myanmar, wir haben dort Grundbesitz und reisen regelmäßig dorthin. Ich habe daher einen etwas anderen Blick auf das Land als manche Journalisten, Touristen oder Medienkonsumenten. Ihr Artikel beschreibt  meines Wissens richtig die Historie der durch britische Kolonialkräfte betriebene Ansiedlung muslimischer Anwohner im ehemaligen Arakan (heute: Rakhine). Was leider fehlt ist die Feststellung, dass die vielfach seit ca. 20 Jahren verwendete Bezeichnung „Rohingya“ historisch nicht belegt ist. Die von offizieller Seite in Myanmar verwendete Bezeichnung „Bengali“ („Bengalen“) dürfte korrekter sein. Festzuhalten ist: Diese Menschen sind in Myanmar nicht nur in ihrem unmittelbarem Umfeld, sondern im ganzen Land extrem unbeliebt. Fraglich ist daher aus meiner Sicht, von Aung San Suu Kyi einen wie auch immer gearteten Einsatz für die „Rohingya“ einzufordern. Sie hätte sofort ihr gesamtes Volk gegen sich, und in dem bis dato stolzen (und weltweit einzigartigen) 135-Ethnien-Staat Myanmar wäre ein Bürgerkrieg die unausweichliche Folge. So gesehen, ist sie eine kluge und versierte Politikerin – trotz der aus westlicher Sicht tragischen Vertreibung muslimischer „Rohingya“. – Jan Schüsseler


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Das Bild was Ihre Autoren von Frau Weidel und der AfD überhaupt, ist der eigentliche Grund warum die AfD die drittstärkste Partei  in unserem Land wird. Vorher wurde Frau Petri zur Unperson von den Medien erklärt. Herr Gauland ist der Nachkomme von Hitler. Sie machen sich langsam lächerlich. Wahr ist dagegen: die AfD ist die eigentliche Opposition von allen anderen Parteien. Und Frau Weidel triftet nicht ab, sondern versucht aus der Pleitepolitik wieder ein Leben für die Bürger zu schaffen, ohne  täglich Angst haben zu müssen , ob man morgen noch am Leben ist. Weil der Terror und die hohe Kriminalität Ausmaße angenommen haben, die viele Bürger verrückt machen. Und wenn ich hören muß: „Das muß eine Demokratie aushalten können“. Einen noch blöderen Spruch habe ich noch nie gehört. Wer nicht zum Mainstream passt, wird von Ihnen niedergemacht.  Aussenseiter sind nicht willkommen. Die Scharfmacher sitzen nicht in der AfD sondern in Ihren Redaktionen. Das Chaos, daß die etablierten Politiker in Deutschland und Europa hinterlassen kann schlimmer nicht sein.  Ich grüße Sie trotzdem recht herzlich, aber nur, weil für Ihr Blatt auch Autoren schreiben, die Intelligenter sind. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Ein absoluter Witz. Die SPD und die GRÜNEN zum linken Lager zu rechnen, ist für mich ein absoluter Witz. Dies zeigt, wie weit inzwischen unser Land nach rechts gerückt ist. Das macht mich sehr traurig. – Artur Borst


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Wegen solcher Analysen lese ich die Zeit. Super. – Martin Loser


Leserbrief zu „Hau ab!“ von M. Brost et al.

Die Schreiber dieses Artikels glauben, etwas Neues aus der Bundesrepublik Deutschland zu beschreiben. Da irren sie sich. Wie hat man Helmut Kohl zugerufen während seines letzten Wahlkampfs? Wie hat man Franz Josef Strauß genannt, beschimpft, welche unflätigen Bemerkungen machte Helmut Schmidt über ihn!!  (Die Autoren mögen aus dem Archiv jene Zeit-Ausgabe mit Bild und Bildunterschrift auf der 1. Seite – wenn ich mich recht erinnere  –  herausholen:  da ist vom pissenden Bullen die Rede.) Zum Verhalten gegenüber  Strauß schreibt Golo Mann am 5.4. 1980: „Ich würde nicht für ihn eintreten, wenn nicht  …. eine Hetzkampagne gegen ihn stattfände, wie ich es vorher nur einmal erlebt habe,  und das ist sehr lange her, gegen Friedrich Ebert in den zwanziger Jahren.“   Die Autoren übersehen das Verhalten der bekannten Parteien gegenüber der AfD, beschrieben in einem Artikel der NZZ vom 13. September 2017 auf S. 5: Die Ghetto-Brüder von der AfD. Sie übersehen die Schmähungen und Behinderungen ‚Linker‘ gegen die Professoren Münkler und Baberowski an der Humboldt-Universität in Berlin. Audiatur et altera pars – gilt dieser Grundsatz noch und die Debatten-Regeln des 21jährigen  Benjamin Franklin? – Helmut Wiench


Leserbrief zu „Meister der hocherotischen Zone“ von Martin Machowecz

Ich musste mich schon sehr wundern, über die Formulierungen des Herrn Rauch : „Wer mit den Jahren nicht konservativer wird, dem ist nicht zu helfen.“ Ist Herrn Rauch noch zu helfen? „Den Ort zu verlassen, das ist eine typisch deutsche Anwandlung“…Was soll denn das?? Was sind „sich selbst verwirklicht habende junge Paare“ und „Weibspersonen“? Seit wann ist das Wort „anfühlen“ „neudeutsch“?  Und wenn ein KunstProfessor in dieser Weise über „gendersensible Jünglinge“ herzieht, dann kann man nur noch mit dem Kopf schütteln…. – Gernot Lindner


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Sie haben recht, dass junge Leute in Deutschland erstaunlich leise sind, wenn es darum geht, die Auswirkung des Raubtierkapitalismus auf unsere sozialen Systeme anzuprangern. Da liegt vieles im Argen. Aber als jetzt 63-jähriger kann ich Ihnen versichern: Die geschilderten Schicksale Ihrer Altersgenossen lassen sich 1:1 auf viele meiner damaligen Kommilitonen übertragen (Stichwort „Lehrerschwemme der 80er Jahre“). Und ich gestehe: Analog zu den heutigen Jobs als Pizzaboten oder Kaffee-Ausschenker habe ich in dieser Zeit Säcke geschleppt, geputzt und niedere Lagerarbeiten gemacht, um über die Runden zu kommen. Das war…normal !  Wenn Sie solche Tätigkeiten als „Bullshit-Job“ bezeichnen, ist dies eine schwere Beleidigung für die dort arbeitenden Menschen und zeugt leider von einer erheblichen Arroganz. – Dr. Thomas Rutt


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

Eine Billion Dollar (sofern hier die deutsche und nicht die amerikanische Einheit gemeint ist) entspricht 840 Milliarden Euro und nicht 840 Millionen.  Wie kommt es, dass die „Stuttgarter Nachrichten“ den gleichen Fehler enthalten, während die FAZ die richtig umrechnet?  *) – Wolfgang Schäfer


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

840 Millionen Euro, gleich 21 Euro pro Einwohner, will Polen als Ausgleich für die Kriegsschäden? Da ließe sich doch ein Weg finden, wie Polen einen geldwerten Ausgleich erhält, der dann nicht Reparation genannt wird. Hat nicht seinerzeit Bundeskanzler Schmidt mehrere  illiarden DM in die polnische Rentenkasse gezahlt, damals ausserordentlich von Frau Dönhoff in der ZEIT gelobt?  eider steht der genannte Euro-Betrag in Klammer als Ihre Umrechnung. Vor der Klammer steht: eine Billion Dollar. Dies entspricht 1.000.000  Millionen Dollar bzw. 1.000 Milliarden Dollar. Je nach aktuellem Wechselkurs weicht der Euro-Betrag etwas davon ab.  Ich bin gespannt, ob die Redaktion die Leser so wertschätzt und ein Erratum bringt. – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Zukunft ist keine Lösung“ von Peter Kümmel

Ein journalistisches Meisterstück! Ein Hochgenuß für mich als Leser! Bitte mehr davon… – Dieter Gollong


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Mit großem Interesse habe ich den Artikel gelesen, in dem sich der Autor darüber wundert, weshalb junge Deutsche ihre prekären Arbeitsverhältnisse akzeptieren, statt für mehr Gerechtigkeit auf die Straße zu gehen. Ich denke, das lieg daran, dass die Menschen nach dem verlorenen Weltkrieg zugunsten des Wiederaufbaus ihre persönlichen Interessen den Anforderungen von Arbeitsmarkt und Gesellschaft untergeordnet haben. „35 Jahre lang Haken für den Duschvorhang“, sozusagen. Es wurde schlicht und ergreifend das gearbeitet, was gefragt war. Für die materielle Sicherheit haben die Menschen freiwillig und unaufgefordert Selbstverwirklichung & Co ins Rentenalter verschoben … Die (Groß-)Eltern der heutigen Jung-Akademiker verzichteten also auf etwas, das die junge Generation wertschätzt und als Fortschritt empfindet: eine selbstbestimmt Berufs- und/oder Studienwahl. Dafür bringt sie nun ihrerseits ebenfalls freiwillig und unaufgefordert ihr Opfer: die materielle Sicherheit.

Das Problem liegt darin, dass sowohl Jung als auch Alt davon überzeugt sind, diese beiden Alternativen wären eine klares Entweder Oder. Wer das Studium nach Herzenswunsch statt nach Arbeitsmarktanforderungen wählt, opfert  die Sicherheit und muss damit leben. Punkt. Statt Musik hätte frau ja auch IT studieren können, nicht wahr? Dabei wird dann gerne übersehen, dass auch die vermeintlichen Vernunftlösungen heutzutage nicht automatisch zu materieller Sicherheit, sondern genauso in prekäre Arbeitsverhältnisse führen. Wenn die Jungen erkennen, dass sie einem falschen Glaubenssatz aufgesessen sind, werden sie schon noch zu kämpfen beginnen. Es wird sich nur nichts an ihrer Lage ändern, solange die Alten (und damit die etablierten Entscheidungsträger) selbst noch dem falschen Glaubenssatz nachhängen, die richtige Berufs- oder Studienwahl wäre automatisch ein Schutz vorm Prekariat. – Doro Simpfendörfer


Leserbrief zu „Zu intelligent fürs Leben” von Gero Von Randow

In Ihrem Artikel lassen Sie diejenigen zu Wort kommen, die mit Robotik Geld verdienen . Es ist doch naheliegend, dass sie aus Eigeninteresse die Gefahren herunterspielen. Wenn gleichzeitig das Physik-Genie Hawking und ein sehr zukunftsgerichteter, erfolgreicher Visionär vor den Gefahren warnen, dann weiß ich, wem ich eher glaube. Wenn die ersten vollautonomen Kampfdrohnen eingesetzt werden, außer Kontrolle geraten und nicht nur Familien auslöschen, die den Drohnenbesitzern egal sind, dann sind wir an dem Punkt, vor dem gewarnt wird. Das ist dann noch nicht KI, schon klar, was aber wenig tröstlich ist. Da niemand weiß, unter welchen Bedingungen Bewusstsein erlangt wird, kann mich kein Robotik-Unternehmer damit beruhigen, dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Roboter werden vermutlich nicht dadurch Bewusstsein erlangen, dass Forscher dies zu erzeugen versuchen. Irgendwann wird es plötzlich einfach da sein, ohne dass dies jemand beabsichtigt hat. – Heiko Friedrichs


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Vielen Dank für Ihren Artikel „Unser blauer Patient“. Es ist ein Thema, dass wir alle so sehr verdrängen. Viele Menschen, denen ich begegne, merken garnicht die drastischen Veränderungen selbst in ihrer unmittelbaren Umgebung. – Heiko Friedrichs


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

Eine Billion sind 1000 Milliarden, und auch von einer Billion Dollar sollten, jedenfalls im Deutschen und wahrscheinlich auch im Polnischen (im Gegensatz zum Englischen) 840 Milliarden Euro übrig bleiben. Mit Ihrer Umrechnung haben Sie dem Artikel gekonnt die Basis weggespült. Denn schenke ich der Euro-Zahl Glauben, dann liegt in der Bedienung der polnischen Forderung die Chance eines echten Schnäppchens für die Deutschen! Was hat die polnische Regierung nun gefordert? Und wie versöhnungswidrig ist die Forderung dann wirklich? Sinnlos, den Artikel bis zum Ende zu lesen. – Jochen Stecher


Leserbrief zu „Viel Gewinn, wenig Steuern. Wie kann der Fiskus Apple und Google zur Kasse bitten?“ von Marcus Rohwetter

Sie beschreiben Denkansätze, wie der unfairen Besteuerung internationaler Konzerne durch EU-Länder wie Irland oder Luxemburg (Holland und Belgien könnte man wohl auch noch nennen) begegnet werden könnte. Aber Sie schreiben auch, dass Länder wie Deutschland, Frankreich usw. sich solche Besteuerungsansätze auf europäischer Ebene genehmigen lassen müssten. Ich halte das für erklärungsbedürftig. Wie kann es sein, dass Irland zu unserem Schaden machen kann, was es will, und wir uns neue Steuerregeln EU-seitig genehmigen lassen müssen, womöglich noch einstimmig?? – Gebhard Boddin


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Glückwunsch zu diesem Dossier des Herrn Caspar Shaller! Glückwunsch an die ZEIT, dieses auch zu veröffentlichen. Ein Einspruch allerdings muss sein: Ich kenne  einige junge Leute (allesamt Akademiker), die in Unternehmen der von der Presse hochgepriesenen Kreativwirtschaft( start-ups in Berlin!!!!!!!) arbeiten und dort dermaßen ausgebeutet werden, dass es eine Schande für Deutschland ist. Moderne Sklaven! Allerdings: Diese jungen Leute finden das gar nicht so cool wie es die Reportage glauben machen möchte. Die sind nämlich ziemlich verzweifelt, vor allem, wenn sie keine zahlungsfähigen Eltern haben und kein Erbe winkt! In diesem Zusammenhang wäre die Bekanntgabe des Klicks, mit dem man sich „leckere Lebensmittel besorgen“ kann sehr sinnvoll, vielleicht aber würde dieser Klick den berechtigten Zorn weiter verhindern. – Barbara Hornbacher


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Ich bin auch der Meinung: Wir sollten so bald wie möglich  nur noch regenerative Energie nutzen.   Wir haben aber nicht nur Millionen PKW, die fossile Energie nutzen. Wir haben Millionen LKW, Millionen heizende Haushalte und eine Industrie die riesige Mengen fossiler Energie verbrauchen. -Wir können in Deutschland nicht ausreichend regenerative Energie erzeugen um Verkehr, Haushalte und Industrie zu versorgen.  -Wir  können regenerative Energie  nicht  in ausreichenden Mengen speichern um wind- und sonnenarme Zeiten zu überbrücken.Wir werden also weiter Energie importieren müssen. Wir müssen diese transportieren und speichern.   Man kann zum Beispiel in den Wüsten der Erde aus der Sonnenenergie fast unbegrenzt elektrische Energie erzeugen. Man kann diese aber schlecht speichern und schlecht über große Entfernungen transportieren. Man kann daraus aber leicht Wasserstoff erzeugen.

Der ist auch noch schwer zu speichern und zu transportieren. Aus dem Wasserstoff  kann man mit CO2 aus der Atmosphäre  synthetische Kraftstoffe (E-Fuels – Erdgas, Benzin oder Diesel ) als Energieträger  gewinnen. Diese sind gut zu transportieren  und gut zu speichern. Bei diesen Umwandlungen geht zwar Energie verloren aber die Sonnenenergie steht fast unbegrenzt zur Verfügung.  Wenn wir diese synthetischen Kraftstoffe verbrauchen, geht zwar CO2 in die Atmosphäre aber das wurde bei der Herstellung aus der Atmosphäre entnommen,  der Verbrauch  ist CO2 – neutral.  Wir können diese  synthetischen Kraftstoffe guten Gewissens im Verkehr, in den Haushalten und in der Industrie verbrauchen.  Die Verbrennungsmotoren arbeiten mit den E-Fuels  sauberer  und CO2-neutral.  In Norwegen wird gerade eine Großanlage für E-Fuels gebaut, um überschüssige Energie aus Wasserkraft zu nutzen. – Bernhard Schulz


Leserbrief zu „Fernbeziehung“ von Larissa Hofmann und Thomas Lohr im ZEIT Magazin

Ich lese gerne und oft die Zeit samt Magazin. Seit Beginn des Jahres ärgere ich mich allerdings jede Woche, dass Sie ein Fotografenduo (Larissa und Thomas) präsentieren, das weder von den Bildern noch von den Texten dem Niveau des Zeitmagazins entspricht. Ich frage mich, was an den Fotos oder den Nachrichten der beiden interessant sein soll und behaupte, dass es weitaus bessere Möglichkeiten gäbe, die beiden Seiten zu nützen … eventuell weiß lassen als Raum für Notizen?  Mir ist bewusst, dass man über Geschmack nicht streiten kann, aber ich bin jede Woche aufs Neue enttäuscht. Da ich den beiden nun schon einige Chancen gegeben habe, möchte ich mein Feedback nicht für mich behalten. Mir ist bekannt, dass ich nicht die einzige Kritikerin der beiden in meinem Bekanntenkreis bin, allerdings möchten sich die anderen die Zeit nicht nehmen, extra ein e-mail zu schreiben. – Birgit Kraus


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Nun also Frau Weidel. Eine Mail, von der Sie nicht mit Gewissheit sagen können, ob sie von Alice Weidel geschrieben wurde, reicht aus, um mit Hilfe einer ihrer ehemaligen Freundinnen eine doppelte Alice zu kreieren. Die Freundin, die Sie offenbar zu den Künstlern und Linken rechnen, ist enttäuscht und packt aus: Wie kann man Zugpferd einer rechten Partei werden, wenn man Linken freundschaftlich verbunden ist? Wie kann man links und damit gut sein, und rechts und folglich böse? Ja, und böse ist Frau Weidel, wie die E-Mail zeigt. Ihr Text ist ein Beispiel für unseriösen und unethischen Journalismus. Sie warten nicht ab, bis die Echtheit der Mail geklärt ist. Sie verurteilen aufgrund eines Textes, von dem der Leser nicht erfährt, an wen er gerichtet ist und in welchem Zusammenhang er steht. Enttäuschte Freunde sind mitunter unangenehmer als alte Feinde.

Ganze acht Mal ist in Ihrem Text die Rede von Weidels Bekannten, Freunden, Freundeskreis oder (ehemaliger) Freundin. So, als ob es sich um viele denkende Menschen handle. Darf man vermuten, dass es sich um eine einzige Gewährsfrau handelt, die wiederum von gemeinsamen Bekannten spricht? Sie schreiben, die zweite Version, also die böse Weidel, „wurde scheinbar erst in diesem Wahlkampf geboren“. Meinen Sie, was Sie schreiben? Oder meinen Sie „anscheinend“? Wenn Ersteres zutrifft, ist meine Kritik natürlich völlig unberechtigt. – Johannes Kettlack


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

„Wut, Angst, Frust“ …….

……. könnte von mir stammen. Schrieb dazu ein Essay in 2016 mit dem Titel „Die Stufen einer babylonischen Gefangenheit hin zum vollendeten Chaos“ für den Zeitraum 2008 (zunehmend eigene innere Zweifel) bis 2016 (vollendete Abkehr). Dabei geht es nicht um mich, sondern um die Zukunft meiner Kinder und Enkel. 1938 hineingeboren in eine liberal-konservative, lutherische, hanseatische Familie, ist meine jahrzehntelange  – auch aktive –  politische Ausrichtung gewiß umfassend genau beschrieben. Zur BTW 2009 vergab ich nur noch die Erststimme an „meine Koalition“ . Bei der BTW 2013 weder Erst- noch Zweitstimme. Und dies wird auch diesmal so sein. Aber was denn diesmal ? Ich gehöre sicherlich zu den weiter steigend 30-35 % „Wutbürger“, weil sich die gewählten Mitbürger von der Polis und der Humanitas  – leider nicht bis zur eigenen Aufgabe durchringend – verabschiedet haben. Stattdessen verstecken sie sich hinter Floskeln wie Zwängen der Globalisierung, europäischer und internationaler Verpflichtungen und den Verweis auf neue „Angstgegner“, statt politisch aktiv in die Speichen des Räderwerks eines Wandels zum Besseren zu greifen. Naiv ? Nein ! Ein Grufti wie ich zitiert hier gerne  – pars pro toto –  Sascha Lobo in der Illner-Runde am 15.12.2016: „Wenn die Republik die innerdeutsche Willensbildung der Menschen weiter falsch versteht, wird die etablierte Politik ihr blaues Wunder erleben. Und die sich seit Jahren verstärkende Unzufriedenheit der Bevölkerung geht wegen der nicht mehr aufzuhaltenden Exzentrizität durch die fünfte Macht im Staate (Medien aller Art) weit über die erste Revolte der Mitte- & Ende der 60-er Jahre hinaus“.

Untertitel “ Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links ?“, …….

……. weil jede GROKO die Offenbarung eines nicht mehr zur Gestaltung fähigen Gemeinwesens ist. Kohls Mädchen kriegt doch schon lange wichtige Gesetze nicht mehr durch den Bundesrat. Durch den Bundestag paukt die erste Ministerin des Kabinetts nur mühsam ihre GROKO-Verordnungen. Roman Herzog mit seiner Forderung „ein Ruck muß durch die Gesellschaft gehen“, war nicht nur an die Bürger zum politischen Ungehorsam gerichtet sondern auch und besonders an die gewählten Handelnden, ihre völlig überkommenen „Grundgesetze“ ihrer parteilichen Strukturen der Gegenwart anzupassen. F.J.Strauß hatte vor 50 Jahren  – zu Zeiten der 68-er Bewegung –  schon einmal die Idee, die stief-schwesterliche Liaison der Union aufzugeben und bundesweit zu gehen. In meinen Kreisen wäre das jubelnd begrüßt worden. Jetzt alle im Grufti-Alter, hofften wir seit dem 2015-Alleingang der Dame-Alternativlos noch einmal, die Bayern-Partei würde nach all den Verbissen ihrer frühen Jahre endlich die rote Karte ziehen. Gewiß, zu spät für die jetzige Wahl. Aber allein die Ankündigung hätte die AFD ordentlich in´s Schlingern bringen und als Vorschußlorbeer die alte Union (fast) zur absoluten Mehrheit führen können. Mit Sicherheit aber hätte es zu vier Jahren Schwarz/Gelb gereicht. Und die älteste Volkspartei hat nur noch eine Chance wieder Boden unter die Füße zu kriegen. Sie muß nach mehr als 25 Jahren der deutschen Vereinigung einen“ Zusammenschluß der Linken“ forcieren, wenn sie in weiteren vier Jahren wieder in Richtung Augenhöhe wachsen will. Hätte „die alte Dame“ dies analog zur Bayer-Partei ebenfalls noch vor der Wahl artikuliert, hätte sie analog zur Union alle Wahlvorhersagen kippen können. Beide Maßnahmen von rechts und von links hätten  – da bin ich mir sicher – die Massen der Politikverdrossenen mobilisiert .

Fazit …….

……. aus dem hätte, wäre, wenn bleibt, dass ich wie immer wählen gehe, auch wenn sich meine Stimme nur in den Überhangmandaten des vorderen Wahlkampf-Sextetts aus wie stets etwa 2,5 Prozentpunkten der „Anderen“ in Brökchen verteilt ……. Hinein also in die  baldige Zukunft aller Wutbürger für meine Kinder und Enkel mit posthum einem späten Triumph für einen der letzten Großen wie Roman Herzog, nachdem nun auch Heiner Geißlers Stimme nicht mehr zu uns dringt. – Peter Rutenberg


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Ist ein Teil unserer Bevölkerung von Sinnen?

Wir leben in einer Zeit, in der sich der größte Teil unserer Bevölkerung in Deutschland in einem Wohlstand und in Lebensverhältnissen befindet, wie diese selbst Kaiser und Könige in früheren Jahrhunderten nicht genießen konnten. Sicher gibt es massive Wohnungsprobleme besonders in den Großstädten und die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander. Ebenso haben sich die Pflegeverhältnisse in den Krankenhäusern und in den Altenheimen in den letzten Jahren  zum Teil deutlich verschlechtert. Auch das Flüchtlingsproblem ist riesengroß.

Weiterhin bedarf die unglaubliche Bereicherung der Vorstände in den Banken und in den Konzernen durch ungerechtfertigte Millionenboni einer neuen gesetzlichen Neuregelung. Als Sozialdemokrat sehe ich in einer großen Koalition mit einer konstruktiven linksgrünen Opposition, deren Argumente auch wirklich beachtet werden sollten, den besten Lösungsansatz. Wut, Angst und Frust sind jedoch die schlechtesten Ratgeber. Mit Gottvertrauen, Beachtung der wichtigsten neutestamentlichen Lebensregeln und mit klarem Verstand kommen wir sicher in der Lösung dieser Probleme, soweit das möglich ist, am weitesten. – Klaus Koch


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Für den Artikel, „Die Lust an der Vergeblichkeit“ möchte ich Herrn Ulrich meine Anerkennung aussprechen, es ist das Beste, was ich seit längerem in der Zeit gelesen habe. – Hermann Spielhofer


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Vielen Dank für Ihren Artikel. Viele der von Ihnen angesprochenen Probleme sehe ich sehr ähnlich. Allerdings teile ich nicht Ihre Auffassung hinsichtlich der ersten Begründung für das Fehlen der Begeisterung für das Thema soziale Gerechtigkeit. Denn wenn ich Ihren Gedanken zu Ende denke, dann müssten Sie m. E. fordern, dass die Eltern ihre Kinder finanziell nicht unterstützen, damit diese Armut erfahren und deshalb für ihre sozialen Rechte auf die Straße gehen. Eine solche Forderung macht m. E. diese jungen Menschen zu Objekten der, falls ich Sie richtig verstanden haben sollte, von Ihnen gewünschten Versammlungen für soziale Rechte. Aber eine solche Forderung vermag ich nicht in Einklang zu bringen mit der Menschenwürde dieser jungen Menschen. M. E. ist in der Solidarität der Eltern mit Ihren Kindern eine Chance zu sehen. Denn dies könnte es den Kindern tatsächlich ermöglichen, nicht jede angebotene Stelle annehmen zu müssen, sondern tatsächlich eine Wahl zu haben. Sie könnten sich also gegen ihre Ausbeutung wehren, weil ihre Eltern es ihnen ermöglichen. Mehr noch, sie könnten sich dafür entscheiden, sich selbständig zu machen und eine neue, sozial gerechtere Arbeitskultur zu etablieren. Sie könnten die Unternehmer von morgen sein, die aus Überzeugung anders wirtschaften, arbeiten und vielleicht sogar einstellen. Und dabei wird ihnen auch ihre, im Vergleich zu ihren Eltern höhere Bildung helfen, die vor allem der Entfaltung ihrer Persönlichkeit dient, aber sie eben auch besser dazu befähigt, über sich selbst zu bestimmen und die Welt, in der sie leben, mitzugestalten.

Diese lässt sich jedoch besser mitgestalten, wenn man und auch diese jungen Menschen in Entscheidungspositionen sind. Bis dahin mag es ein langer, beschwerlicher und entbehrungsreicher Weg sein. Aber von da aus lässt sich die Welt besser verändern und sozialer gestalten. Und sollten die jungen Menschen diesen Weg auf sich nehmen, dann ist es um so besser, wenn sie die Möglichkeit haben, von günstigen Alternativen zur Lebensgestaltung zu profitieren. Denn dann scheitert ihr Widerstand wenigstens nicht an zu teuren Lebensverhältnissen. Allerdings braucht es dafür noch etwas, was die Eltern dieser Kinder, aber auch die politische Bildung diesen jungen Menschen mit auf den Weg geben muss: die Überzeugung davon das soziale Rechte Menschenrechte sind, mit denen alle Menschen geboren werden und von denen und deren Durchsetzung die jungen Menschen überzeugt sind. Der Welt könnte gar nichts besseres geschehen als mehr Eltern, die ihre Kinder bei einem solchen zivilen Ungehorsam und sozialen Widerstand finanziell unterstützen würden. Und das gilt ganz besonders auch für junge Menschen mit Migrationshintergrund, die derart ihre Unterdrückung und die Ungerechtigkeit, die sie in dieser Gesellschaft erfahren, aushebeln könnten. Denn der Staat versagt bei diesen und den o. g. jungen Menschen. – Atefeh Shariatmadari


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Die Ausgabe der ZEIT ist zum lupenreinen Richtungsblatt der Linken mutiert. Eklatante  Defizite in puncto Rechtmäßigkeit politischen Handelns seitens der Linken werden unter den Tisch gekehrt. So wurden z.B. etliche Gesetze, die Lafontaine in seiner Eigenschaft als Kurzzeit-Finanzminister in der Ära Schröder angestoßen hatte,  später vielfach wegen Verstoß‘ gegen die Verfassung korrigiert oder ganz für nichtig erklärt. – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Der Autor des Dossiers wundert sich, dass es von den Leuten seines Unter-30-Umfeldes keinen öffentlichen Protest wegen ihrer Situation gibt. Mich wundert das nicht, weil diese Leute gebildet sind und ich ihnen daher zutraue, Folgendes zu wissen oder zumindest irgendwie zu spüren: Sie sind auf coole Berufe in coolen Großstädten fixiert – während in der Provinz viele Betriebe händeringend Mitarbeiter und Auszubildende suchen (und viele Wohnungen verfügbar sind). Sie können mit ihrer Ablehnung „normaler“ Berufe vermutlich ihre Mitbürger, die überwiegend solche Berufe ausüben, nicht gewinnen. Und sie bekommen schlimmstenfalls (Hartz IV) vom „System“ immerhin Miete, Heizung und Krankenversicherung bezahlt – und noch etwa 400 Euro monatlich obendrauf. Also ist es in der Tat angemessen, in Sachen Protest den Ball flach zu halten. – Christian Sorge


Leserbrief zu „Ein zorniger Veränderer“ von Werner A. Perger

„Jeder intelligente Katholik ist im Inneren auch immer ein Protestant“, davon war der Katholik, frühere Jesuiten-Schüler und Luther-Kenner Dr. Heiner Geißler überzeugt. Genauso überzeugt war er von der Notwendigkeit, dass in die Gestaltung einer gerechten Politik die humane und soziale Dimension des Evangeliums mit einfließen muss. So lässt nicht zuletzt Geißlers eigene politische Verortung die Anschauung vermuten, die bestmögliche Politik sei allenthalben von leicht links der Mitte umzusetzen. Die Würdigung Geißlers etwa durch Bundeskanzlerin Merkel, die in ihm Ratgeber und Stütze, überdies einen intellektuell herausragenden, rhetorisch brillanten und streitbaren Geist gesehen hat, findet ganz ohne Frage zu Recht einen breiten und parteiübergreifenden Gleichklang. – Matthias Bartsch


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Natürlich ist mir bewusst, dass die gedruckten Medien auf Werbung angewiesen sind. Doch als Käuferin Ihrer kostspieligen Zeitung, die mich im Normalfall mit sorgfältigen Reportagen und intelligenten Artikeln begeistert, möchte ich im Magazin nicht mit primitiven Bildern und Werbung eingedeckt werden. Nach zwei Modenummern erhoffe ich mir wieder Gehaltvolleres. – Monika Schumacher-Bauer


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Neben all den jungen Leuten in den schlecht bezahlten und oft befristeten Jobs gibt es auch all die schlecht bezahlten nicht mehr jungen Menschen, oft unfreiwillige Minnijobber,  in den Supermärkten, Tankstellen, Altenheimen,  Haushalten, Friseursalons, etc., wovon einzelne Betriebe profitieren und jeder einzelne von uns.  Was machen wir, wenn alle gut ausgebildet und studiert haben und sich keiner mehr findet, der für uns Besserverdiener die Regale auffüllt, die Haare schneidet, putzt, unsere Eltern pflegt? Es muss sich lohnen, zu studieren. Aber es wird auch in Zukunft so sein, dass einige Menschen einfach nicht in der Lage sind, eine höhere Ausbildung zu erreichen- aus welchen Gründen auch immer. Auch diese Menschen sollten besser verdienen, feste Arbeitsplätze haben, auch sie werden gebraucht und erfüllen für eine Gesellschaft wichtige Aufgaben. Auch da sollen junge Menschen hinschauen. – Marianne Merz-Petrat


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

In Ihrem Artikel vermisse ich die andere Seite, die der Arbeitgeber. Wenn heute 50% alle Kinder studieren, wollen sie  nach Ende des Studiums ein sehr hohes Einstiegsgehalt.  Für jeden Arbeitgeber stellt sich dann die Frage ob er sich fest an jemanden binden möchte, von dem er gar nicht weiß, ob er nicht nur studiert hat sondern auch etwas für den Betrieb leisten kann.  Die Eltern ohne Studium und mit einigem Wohlstand, haben sich langsam emporgearbeitet, mit 14 Jahren angefangen und nicht mit Ende 30. Zuviel Akademiker mit zu hohen Gehaltserwartungen lassen ein Überangebot entstehen, daß drückt die Preise. Besonders heute kann ein guter Facharbeiter und Handwerker ganz schnell eine Festanstellung erhalten, denn da herrscht  Mangel. Ist da nicht ein Fehler im System?  Positiv sehe ich bei den Jungen Menschen (ich habe 4 Kinder zwischen 30 und 37), die dies teilweise auch so halten) daß alles besitzen nicht der Schlüssel zur Zufriedenheit ist, Leihen statt kaufen ist in vielen Bereichen zu begrüßen. Die Generationen vor uns haben dies in der Nachbarschaft praktiziert, heute hat jeder alles was einmal im Jahr gebraucht wird im eigenen Keller, statt nebenan zu fragen. Ich bin 62 Jahre alt und werde vielleicht  noch erleben, ob diese Einstellung der unter 30jährigen, auch in 10-20 Jahren noch vorhanden ist oder ob auch dann der Habitus wichtig geworden ist. – Elisabeth Hoffmann


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ich habe eben Euer Dossier gelesen und bin begeistert. Es geht mir hier jetzt nicht darum von meiner Seite weitere Ansichten oder Argumente beizutragen. Ich möchte an dieser Stelle Caspar Shaller ein Kompliment aussprechend wie hervorragend der Artikel recherchiert wurde und wie gut, aus meiner Sicht, die vielen soziologischen und volkswirtschaftlichen Aspekte ausbalanciert wurden.  Solche Ausführungen, die das „Grosse Ganze“ kritisch in den Kontext stellen, gibt es viel zu wenige. Gar zu oft sind in der Presse nur tendenziöse Fragmente finden und es ist regelrecht anstrengend selbst auch andere Aspekte zusammenzutragen. Leider sind damit auch viele der angesehen Medien wie FAZ, SPIEGEL oder SZ gemeint.  Dieses Dossier ist der Grund warum ich so gerne die Zeit lese. – Gunnar Finck


Leserbrief zu „»Herausgefordert ja, überfordert nein«“ von Anna-Lena Scholz und Jan-Martin Wiarda und zu „Auf dem Weg zum Streber“ von Martin Spiewak

S.80 „Chancen“: Bildung und Biografie von Edelgard Bulmann: …“Sogar privat spielt Bildung eine Rolle: Seit 1979 ist sie mit einem Professor verheiratet. Auch bei mir spielt Bildung privat eine Rolle ohne mit einem Professor verheiratet zu sein!!!

S.82 „Chancen“: Deutschlands Bildung (Wie immer sie zu definieren ist!) erhält von der OECD recht gute Noten

Die Ausgaben pro Schüler liegen über dem internationalen Durchschnitt, die Jugendarbeitslosigkeit ist vorbildlich, auch wegen der dualen Ausbildung.

Bitte setzen Sie diesen Nebensatz nicht in Klammer, sondern unterstreichen Sie ihn ganz bewusst!

Dann geht es wie üblich weiter: … Bildungsstatistik…OECD mokiert sich über niedrige Akademikerquote…Deutsche holen bei Studienanfängern auf…Deutschland erlebt eine zweite Bildungsexpansion…

Verehrter Schreiber, Martin Spiewak, wo sind unsere Meister erfasst?, was hat es mit dem einen Drittel Studienabbrechern auf sich?… So pauschal kann man dieses Thema nicht angehen! Danke, dass ich etwas zu kritisieren gefunden habe! – Gisela Prebeck


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

Haben Sie schon einmal von „Acetyldehyd“ gehört? – Ihre Autorin offenbar schon. Jedenfalls hat sie sich offenbar entsprechend verhört. – Acetyldehyd [wohl zu sprechen als: Acetyl-Dehyd] wäre eine chemische Nonsensverbindung, Acetaldehyd [sprich: Acet-Aldehyd] hingegen nicht. Acetaldehyd gibt es tatsächlich. Und wie es sich leicht recherchieren lässt, soll es auch von PET-Flaschen freigesetzt werden. Schon wieder ein falsch wiedergegebener Schlüsselbegriff in der ZEIT (siehe meine Mail von gestern), so dass man Zweifel am gesamten Artikel bekommt (Hastig zusammengestricktes Machwerk? Inkompetente Autorin?).Bezweifeln will ich auch die verbreitete Statistik, dass ein Deutscher 1970 nur 12,5 Liter natürliches Mineralwasser konsumiert haben soll – das widerspricht gänzlich meiner persönlichen Erfahrung; in meiner Familie und im gesamten Umfeld (Nordbaden) trank „man“ kein Leitungswasser (es sei denn, abgekocht, veredelt als Tee/ Kaffee), sondern „Sprudel“, der jede Woche vom „Sprudelmann“ ins Haus geliefert wurde. Ob nun jedes „Sprudelwasser“ „natürlich“ war, weiß ich nicht. Doch das ist ja nicht der Fokus Ihres Artikels. – Wie gründlich hat die Autorin diese – höchst zweifelhafte – Statistik geprüft?

Mein zweiter hier vorgetragener Zweifel ist, zugegeben, rein spekulativ, der erste hingegen gesichert. Muss ich solch seichtes Handwerk als Leser eines, wenn auch im „Ich-Stil“ geschriebenen, Artikels der ZEIT hinnehmen oder soll ich einen Leserbrief schreiben, der sicher auch Ihrem Korrektorat zu gelten hat? Ich habe mich für die lautere Variante entschieden. – Jochen Stecher


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Nicken. Zustimmen. Sich endlich mal verstanden fühlen. So ging es mir beim Lesen Ihres Artikels. Vergessen haben Sie nur diejenigen von uns, geboren in der DDR, keine reichen (Groß-)Eltern, in derselben Lage. Mit Anfang 30, 2 kleinen Kindern (2 und 3 Jahre) einem Diplom in BWL und zig tausend Euro Schulden (Bafög, KFW, Studienkredit) frage ich mich oft: für was habe ich studiert? Mit Mitte 30 schuldenfrei, das wäre schön. Würde ich es noch einmal machen? Ich denke nicht. Mit 16 eine Ausbildung beginnen, 15 Jahre (Teilzeit) arbeiten, schuldenfrei leben und eine Familie gründen. Das wünsche ich mir für meine Kinder. Ich fang schon mal an zu sparen. Ihren Artikel sollten all die Eltern und Großeltern lesen deren Ersparnisse eben nicht für schöne Reisen im Alter etc. ausgegeben werden können. Ihnen ist vielleicht gar nicht bewusst, dass sie (wenn auch nur indirekt) die Unzulänglichkeiten deutscher Politik kompensieren. Eigentlich müssten und sollten gerade sie laut aufschreien! Das würde auch „uns Jungen“ helfen. – Romy Gröschner


Leserbrief zu „Viel Gewinn, wenig Steuern. Wie kann der Fiskus Apple und Google zur Kasse bitten?“ von Marcus Rohwetter

Ich habe mich für eine „populistische“ Antwort entschieden. Die Staaten sind eigentlich ratlos, wie sie solche Firmen wie Google an den Steuertopf heranführen können. Das liegt an ihrer Steuergesetzgebung. Jetzt werden sie dafür bestraft. Recht geschieht ihr. Wenn sie auf Prof. Kirchhoff gehört hätten, dann wäre heute die Kuh vom Eis. Stattdessen wurde er lächerlich gemacht. Recht so! Ausserdem ist die Verwendung des eingezahlten Geldes der Bürger ohnehin eine Farce.  An diesen sozialen Töpfen darf heute die halbe Welt teilnehmen. Deutschland macht es möglich. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

Die seit kurzem wieder erhobenen Reparationsforderungen aus Polen sollen, so ist zu lesen,  „1 Billion US-$ (840 Millionen EURO)“ betragen. Nun, wenn ein US-Amerikaner von „one billion $“ spricht, sind in der Tat eine Milliarde gemeint [warum die Milliarde im US-Englisch nicht „milliard“, sondern „billion“ heißt, kann ich nicht erklären], aber wenn Polen von einer Billion Dollar spricht, dürfte auch eine Billion Dollar gemeint sein  – und das wären dann etwa 840 Milliarden EURO. – Michael Buscher


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Der Grund, warum wir auf der großen Bühne – also Demos usw. – still bleiben, ist der, dass die Generationenkonflikte innerhalb der Familie schon unsere ganze Kraft kosten. Ich bin die erste in meiner Familie, die studiert. Darauf sind meine Großeltern einerseits stolz, andererseits verstehen sie nicht, warum ich nicht endlich Geld verdiene, sondern im Gegenteil,  das Studium auch noch Geld frisst. Meine Tante, ihr Leben lang Beamtin und jetzt in Pension, ihr Mann Bauingenieur  im Ruhestand, sie reisen sehr viel, fragt mich regelmäßig, wohin denn mein nächster Urlaub ginge. Wenn ich ihr sage, dass ich nicht in Urlaub fahren kann, weil ich einfach kein Geld dafür habe, antwortet sie mir, ich müsse mir halt ein, zwei T-Shirts weniger kaufen. Ich kaufe mir nicht andauernd T-Shirts und die Kleidung, die ich tatsächlich kaufe, hat bestimmt nicht den Gegenwert eines Urlaubs. Seit ich kein Bafög mehr bekomme, gebe ich jeden Monat mehr Geld aus, als ich verdiene, aber ich will und muss mein Studium beenden. Ich möchte endlich meine Traumstelle finden. Meiner Familie erklären zu müssen, warum ein Studium sinnvoll ist oder warum ich mir keinen Urlaub leisten kann, kostet da nur unnötig Kraft. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Da ich einige junge Leute mit einer ähnlichen Biographie kenne, habe ich Caspar Shallers klare und differenzierte Darstellung der Situation der 20 – 30 jährigen in Deutschland mit großer Anteilnahme gelesen.

Möge sich der Artikel bis zur Bundestagswahl möglichst weit vor allem unter jungen Leuten verbreiten, ihnen den Anstoß geben ihr Wahlrecht wahrzunehmen und einer der Parteien ihre Stimme zu geben, die sich für eine solidarischere Gesellschaft einsetzen und für politische Vertreter, die von der Wirtschaft mehr Verantwortung sowohl für die Gesellschaft als auch die Umwelt einfordern. Eine Reform des Systems von innen ist notwendig und möglich. Protest und Wut allein führen letztlich ins Leere! – Gudrun Rogge-Wiest


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Bernie Sanders wählen und Donald Trump bekommen, dazu ist Deutschland  viel zu schade. Diesen Artikel kann nur ein amerikanisch sozialisierte  Journalist schreiben. – Josef Stempfle


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ist es heute wirklich so viel schwieriger, eine unbefristete Anstellung zu finden? Ohne Mühe kann ich an beiden Händen Universitätsabsolventen meiner Generation abzählen, die seit gut 30 und mehr Jahren trotz Promotionen und bester Noten in prekären Jobs oder als schlecht bezahlte Selbständige arbeiten oder denen es erst nach mehrfach wechselnden fachfremden Tätigkeiten  gelang , eine längerfristige Anstellung zu  finden. Um- bzw. Neuorientierung war das Gebot der Stunde. Nicht jeder war dabei gleichermaßen erfolgreich. Ist das nun sozial gerecht oder ungerecht? Jede Generation muss sich den Herausforderungen ihrer Zeit stellen. Und was die soziale Gerechtigkeit betrifft: wäre es nicht möglich, statt  diesen Begriff punktuell auf einen Zeitpunkt ( z.B. das  hier und jetzt ) zu fokussieren   eine “ Total Life“  Betrachtung in Erwägung zu ziehen?  Das könnte zu ganz neuen Ideen und Bewertungen führen. – Mathilde Hammerschmidt


Leserbrief zu „Zu intelligent fürs Leben” von Gero Von Randow

Im Artikel versucht der Autor Gero von Randow, eine Standortbestimmung zum Thema „Künstliche Intelligenz“ mit einfachen Erklärungsversuchen vorzunehmen. Leider verschleiert der Artikel die Aktualität und Problematik  der Technologien, indem dem Computer zu Recht jegliches Bewusstsein oder intelligente Denkweisen abgesprochen werden. So kann man folgerichtig auch die auf solchen Annahmen basierenden apokalyptischen Prognosen trivialisieren und als Dystopien (Siehe Aldous Huxley und George Orwell) entlarven. Wären da nicht die selbstlernenden Systeme und die globalen Abhängigkeiten von algorithmischen Steuerungs- und Kontrollmechanismen! Im Zeitalter von Digitalisierung, Big Data und autonomen Systemen haben diese im übertragenen Sinne ein „Eigenleben“ entwickelt, um die Welt „smarter“ zu machen.  Und das Ganze wird uns auch noch serviert mit einem Schuss Sicherheitsversprechen und Umweltschutzbewusstsein, denn wir sparen Energie mit „Smart Grids“, fahren risikofrei mit „Smart Cars“ und leben wohlbehütet in „Smart Cities“.  Damit gehört zur Standortbestimmung nicht nur, ob der Computer dereinst ein Bewusstsein hat und kognitiv heuristisch denkt wie ein Mensch, sondern welche algorithmischen Steuerungs- und Kontrollmechanismen global schon heute und besonders in der Zukunft wirksam werden! – Prof. Dr. Detlev Doherr


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Es ist die Berufswahl und nicht das System! Unbefristete Vollzeitstellen gibt es für Maurer, Köche, Altenpfleger, Erzieher, Mittelschullehrer, Ingenieure … . Der Bedarf für Museumsangestellte, Graphikdesigner und ZEIT-Redakteure ist überschaubar. Natürlich kann jeder junge Mensch eine Berufsausbildung nach Neigung und am „Bedarf“ vorbei wählen. Wenn es dann mit der gut dotierten, unbefristeten Vollzeitstelle nicht gleich klappt, liegt es vielleicht nicht nur am System. – Dr. Wulf-Rüdiger Herzog


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Ich möchte Ihnen herzlich für den umfangreichen Artikel zu Natur- und Klimaschutz in der aktuellen Ausgabe der ZEIT danken. Auch ich bedauere, dass dieses Thema im Wahlkampf so wenig Beachtung findet. Zu abstrakt und zu wenig präsent im persönlichen Alltag der Menschen scheint es zu sein. Ich selbst versuche, meinen kleinen Teil beizutragen, auch wenn es nur ein winziger Tropfen auf den heißen Stein ist: Lebensmittel kaufe ich ökologisch und wo immer möglich regional und saisonal, unterstütze bei allen Kaufentscheidungen lieber kleine lokale und nachhaltig wirtschaftende Unternehmen als Konzerne, Müll und insbesondere Plastikmüll haben wir auf ein Minimum reduziert und wir beziehen schon seit vielen Jahren Ökostrom. Wenn ich mit Freunden oder Kollegen über diese Themen rede, versuche ich zu informieren (ohne zu missionieren), denn viele beschäftigen sich leider immer noch wenig mit Umwelt- und Klimaschutz oder machen sich häufig die Zusammenhänge (z.B. der Ausbreitung von Palmölplantagen in Indonesien zu ihrem eigenen Konsumverhalten) nicht bewusst. Daher freue ich mich sehr, wenn dieses wichtige Thema in großen meinungsbildenden Medien aufgegriffen wird, um es stärker in das Bewusstsein der Menschen zu rücken. Dafür möchte ich Ihnen danken und hoffe, dass Sie weiterhin über diese Themen berichten, auch wenn diese anscheinend weniger populär sind als andere. Auch das ist nur ein kleiner Beitrag. Aber wenn jeder einen kleinen Schritt tut und im Rahmen seiner Möglichkeiten einen kleinen Beitrag leistet, dann könnten wir schon einiges erreichen. – Maren Sommer


Leserbrief zu „Dieses Bad geriet im Sommer völlig aus dem Lot“ von Ursula März

Da gibt es ein Bad , das 1873( 1842) gegründet wurde. Nur für Frauen, ein Damen Bad . Niemand dachte damals an Kopftücher, oben Ohne, Religion, Feminismus. Die Frauen von damals, behaupte ich jetzt mal, wollten einfach ihre Ruhe haben. Keine Sportler, die das Wasser im Gesicht oder Frisur verteilen und keine Unruhe, die Männer nun mal so vermitteln, sportlich aktiv eben.  Frauen unter sich, ein sozialer Faktor, ein sozialer Aspekt, der viele Jahrzehnte funktioniert hat. Jetzt kommen die anderen Frauen, die aus ganz anderen Gründen in dieses Schwimmbad drängen. Das kann  nicht gutgehen! Die Frage, ob sich diese Frauen an unsere Regeln anpassen müssten, und nicht umgekehrt…. will ich hier gar nicht stellen,  jedoch um meinen Leserbrief abzukürzen, möchte ich folgenden Vorschlag machen: Schild an die weiße Tür hängen mit der Aufschrift:  Wegen Überfüllung ist das Bad vorübergehend geschlossen, bitte benutzen sie das Familienbad. Oder auch: aus Sicherheitsgründen ist das Frauenbad vorübergehend geschlossen. Die Bademeister haben die Hoheit und nicht die muslimischen Frauen.

Und nebenbei, in Deutschland gehen wir in ein Schwimmbad um zu schwimmen und nicht um zu beten. Allerdings, wenn das Beten wichtiger ist als das Schwimmen, dann sollten die Islamverbände, in der Tat, ein Schwimmbad bauen für diese Frauen, die in Deutschland ( Europa) noch lange nicht angekommen sind.  – Astrid Behrendt


Leserbrief zu „Der Messi der Herzen“ von Peter Dausend

Der Vergleich Martin Schulz mit dem SV Elversberg ist beleidigend und dumm. – Jutta Hoff


Leserbrief zu „Ein Mann mit Agenda“ von Harald Welzer

In Ihrem Artilel über Gerhard Schröder fiel mir ein Absatz auf, zu dem  ich einige Fragen an Sie als Soziologen habe. Sie schreiben über die Aufstiegschancen und Durchlässigkeit der  Gesellschaft zu dieser Zeit, auch am Beispiel Schröder und Fischer. Die  Aufstiegschancen sind, so entnehme ich es Ihrem Artikel ist  zurückgegangen, Schuld ist die Bildungspolitik. Das gleiche erzählen auch unsere Politiker vor dem Wahlkampf und  versprechen Besserung.  Für mich stellt sich die Frage: können wir die Zeit damals, mit der Zeit  heute vergleichen. Die Eltern dieser Generation hatten zwar kein Abitur,  aber Arbeit und oft auch Aufstiegschancen. Sie waren bemüht, ihren  Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen und haben Werte vermittelt  auch wenn sie ihnen nicht das Abitur ermöglichen konnten. Die  Bildungspolitik hat diese Lücke erkannt und vielen eine zweite Chance  ermöglicht. Die Situation ist doch heute eine ganz andere. Es gibt viele  Möglichkeiten, auf verschiedenen Wegen einen Abschluss zu erreichen.  Wenn heute von einem bildungsfernen Millieu gesprochen wird, ist damit  nicht nur das fehlende Abitur gemeint. Es spielen auch andere Faktoren  eine Rolle warum Kindern aus diesen Familien ein Aufstieg schwerfällt. Als Soziologe mit so vielen guten Ideen und Schlussfolgerungen  und  Forschungsmöglichkeiten müsste es doch spannend sein, hier einmal  grundlegender zu forschen. Welche Gruppe ist betroffen, welchen Einfluss hat das Elternhaus, das  Milieu in dem die Kinder aufwachsen? Was kann die Gesellschaft, die  Politik konkret anbieten ohne in die Grundrechte der BürgerInnen  einzugreifen. Die Erkenntnisse von vor über 50 Jahren und deren Lösungen sind nicht  mit heute zu vergleichen. Hier könnten Sie und Ihre Kollegen wertvolle  Erkenntnisse liefern um zu einer gezielten Verbesserung der Situation  beizutragen. – Marlies Wenzel


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Der Mensch ist das einzige Lebewesen auf Erden, das seinen Lebensraum (mit wachsender Begeisterung) freiwillig selbst zerstört und somit das Aussterben seiner Gattung voran treibt. – Siegfried Knauer-Runge


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

„Ihr Innenminister hat die Summe der Kriegsschäden schon mal mit einer Billion Dollar (rund 840 Millionen Euro) beziffert.“  Eine Billion Dollar entsprechen 1000 Milliarden Dollar und das sind nie und nimmer 850 Millionen Euro! Die Verwirrung entsteht regelmäßig durch die falsche Übersetzung des US-amerikanischen „billion“. Diese „billion“ wird korrekt mit Milliarde übersetzt und nicht mit Billion! – Günter Schütte


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Dieser Artikel greift in aller Klarheit und in angemessenem Umfang das Thema “Soziale Gerechtigkeit”  auf. Auch ich wundere mich, dass  angesichts vieler prekärer, befristeter und unterbezahlter Arbeitsplätze offenbar nur wenige bemerken, wie seltsam niedrig die Preise von T-Shirts, von Milch und anderen Dingen, die wir konsumieren und wie astronomisch hoch Gehälter von so manchem Manager oder Fußballspieler hier in Deutschland sind. Wer bemerkt es und wer empört sich? Wir finden in dem einen oder anderen Artikel den Hinweis darauf, dass die soziale Schere in Deutschland stetig weiter auseinander geht. Aber die Bedeutung, die dieses Problem verdient, hat es in der Politik nicht. Und wenn das so ist, warum gehen dann nicht, wie bei den zeitweiligen wunderbaren sonntäglichen Treffen “Pulse of Europe” die Menschen (und nicht nur die jungen) auf die Straße und zeigen, dass wir uns nicht damit abfinden, wie wenig chancengleich es in Deutschland zugeht. Hoffentlich setzt das nächste Wahlergebnis vom 24.9. deutliche Zeichen. – Anne Menke


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Es erscheint sehr sinnvoll, vor einer Bundestagswahl die Spitzenkandidaten aussichtsreicher Parteien genauer zu beleuchten, insbesondere wenn es sich mit Sahra Wagenknecht und Martin Schulz um potentielle politische Bündnispartner handelt. Sie stellen Fragen an die Beziehungsprobleme der Linken und der SPD, die bisher keine gemeinsame Regierungsbeteiligung zuwege gebracht haben, unter drei Aspekte:

– die politischen Charaktere von Sahra Wagenknecht und Martin Schulz,

– die Psychologie ihrer Parteien,

– die deutsche Geschichte mit der Ermordung Rosa Luxemburgs oder den Rückzug Oskar Lafontaines aus der Schröder-Regierung.

Der wichtigste Aspekt aber fehlt meiner Meinung nach in Ihrem Artikel, nämlich die Diskrepanz der inhaltlichen Ziele in den jeweiligen politischen Programmen. Die Linke strebt einen Umbau unseres Gemeinwesens an: Die Überführung der grundlegenden Elemente der Daseinsvorsorge in staatliche Trägerschaft (z. B. Energie, Wohnen, Bahn/Straßen, Alterssicherung), konsequente Gewinn- und Erbschaftsbesteuerung, Friedens- und Entwicklungspolitik, die ihren Namen verdient. Die SPD könnte sich darauf einlassen,wenn sie ihre Ideale einer sozialen Marktwirtschaft ernst nimmt (vgl. Godesberger Programm). In der Theorie klingt das linke Bündnis ziemlich leicht machbar. In der tatsächlichen Praxis verweisen Sie, Herr Ulrich, auf die gestörte Kommunikation zwischen Sahra Wagenknecht und Martin Schulz und auf historisch bedingte unüberwindliche Differenzen eines geschiedenen Paares. Dem halte ich ein Zitat des preußischen Staatsphilosophen Hegel entgegen: “Wenn die Theorie nicht mit den Tatsachen übereinstimmt, umso schlimmer für die Tatsachen.” – Viktor Rintelen


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller und zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Ich will obige Artikel nicht kommentieren, denn die Artikel sprechen für sich. Ich spreche Ihnen an dieser Stelle meine Anerkennung dafür aus, dass die ZEIT über Themen berichtet, die über das Tagesgeschehen hinaus wichtig sind und bleiben. Und ich finde es gut, dass eindeutig Stellung bezogen wird und der Leser herausgefordert wird, ebenfalls Stellung zu beziehen. Diese Artikel bestätigen mir, dass es eine gute Entscheidung war, die ZEIT zu abonnieren. Ich werde diese beiden Artikel aufheben und meinen Kindern zeigen – mal sehen, wie sich die Welt in den nächsten Jahren entwickelt. – Erich Würth


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Zum Thema der Zeitung „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links!“, sehe ich vieles ähnlich. In 12 Jahren konservativer immer nur reagierender statt gestaltender Regierung, die mit Brot (Hartz IV) und Spielen (Weltmeisterschaft) das Volk bei Laune hält und die Kreisbewegungen in Umwelt-, Wirtschafts-, Bildungs- und Sozialpolitik als Fortschritt preist, haben wir uns wohlig an das Gerede „Uns geht es doch Gut! was soll sich ändern?“ gewöhnt. Wir scheuen jede Veränderung, egal ob es um Flüchtlinge, die Energiewende, die Entwicklungshilfe oder die Agrarreformen geht, wir haben Angst dass uns etwas weg genommen wird. Die Folgen sind wie in einem Einmachglas von Mirabellen zu besichtigen. Die konservierten Früchte bleiben unter ihres gleichen, besaufen sich an ihrem eigenen Saft und werden braun. Hoffentlich ändern Wahlen doch etwas und die unheilvolle Mischung aus Machtstreben,Nationalismus, Radikalität, Hass, Bequemlichkeit, Dummheit und Fatalismus wird verhindert. – Jochen Kleem


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

Man kann dem Artikel nur zustimmen. Leider geht er nach hinten los. Unfreiwillig sicher, aber es werden jede Menge von Wässerchen bei Klarnamen genannt. Das macht die Wassersüchtigen doch erst richtig durstig. Jetzt wollen alle diese Flüssigkeiten auch noch haben. Aber gemach,eines Tages ist der Planet trocken, um das Restwasser wird erbittert gekämpft werden.Das ist dann der letzte Krieg.Hans-Emil Schuster


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ich sende Ihnen ein paar von meinen Gedanken zu dem Artikel von Caspar  Shaller – ich würde sehr gern 27 Seiten dazu schreiben, aber Ihre Zeit  ist begrenzt, und die des jungen Journalisten, wo er jetzt die  großartige Chance hat für „die Zeit“ zu arbeiten, Gott sei’s gedankt,  erst recht:   Zu dem Artikel von Caspar Shaller eine Widerrede. Zunächst ist es  wunderbar, daß so viele Schüler gegenwärtig das Abitur machen – 50%! Es  stattet sie, so sie gute Lehrer haben (und hier hapert es schon: Lehrer  fehlen, und die jungen Leute, die den Freundeskreis des Autors  ausmachen, werden zum „Quereinstieg“ in den Lehrerberuf nur bei größter  Verzweiflung bereit sein) mit einer guten Allgemeinbildung aus, die  einen Wert per se darstellen sollte. Viele Schüler in sozialistischen  Systemen, welches unter 30-jährigen heute wieder an Attraktivität  gewinnt und deren Parteien sich zuzuneigen der Autor sich von den  deutschen Altersgenossen wünscht, hätten das auch gewollt. Was sie sich  auch – wie alle jungen Menschen – wünschten, war eine Studienrichtung  nach ihren Neigungen zu wählen. Zu solchen Fehlinvestitionen war und  wäre ein sozialistischer Staat aber nicht bereit: es gab eine  Studienlenkung, studieren konnte man das, was gebraucht wurde, und  arbeiten hinterher dort, wo Bedarf war, z.B. als frisch approbierter  Arzt in Bitterfeld oder auf dem Lande – nicht in Berlin, es sei denn man  war Kind eines Kaders. Es werden heute in allen Ausbildungsberufen  händeringend Bewerber gesucht – die jungen Leute studieren je nach  Neigung aber lieber Kommunikation und Medienwissenschaften,  Grafikdesign, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte – sie haben die  Freiheit dazu, wir leben ja nicht im Sozialismus, und es sei ihnen auch  gegönnt. Wenn die Omi, die für Caspars Freundin Nina Geld für die  Ausbildung gespart hat, pflegebedürftig werden sollte, wird sie jemand  aus Rumänien, Polen oder Rußland pflegen – keine Schulkameradin der  Enkelin jedenfalls.  Wenn nun mehr Geld von den Wohlhabenden per Steuern gewonnen würde, was  sein soll, und davon auch etwas in Theater oder Museen fließen würde,  reichte das nicht, um genügend unbefristete Stellen für alle jungen  Bewerber  zu schaffen, die in den vergangenen 10, 15 Jahren die  korrespondierenden Studienrichtungen gewählt haben. Wenn es – was auch  sein soll – eine faire Bezahlung für Zusteller und Callcentermitarbeiter  geben sollte, werden daraus auch noch keine Traumberufe. Wacht auf,  Kinder: Eure Eltern und Großeltern haben finanziert, daß Ihr Euer  Wunschfach studieren konntet – daß es für 50% einer ganzen Generation  den Traumjob da draußen danach gibt , mag für Utopia gelten, nicht für  das reale Leben, unter sozialistischer oder kommunistischer Führung nun  auch ganz bestimmt nicht, egal was deren gealtertes Parteipersonal heute  verspricht. Zur erinnernden Lektüre sei empfohlen: „Balzac und die  kleine chinesische Schneiderin“ von Dai Sijie. – Dr. H. Schroeder


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Im Leitartikel von Frau Finger wird offensichtlich im Zusamenhang mit dem Zweiten Weltkrieg die Forderung, neben den Opfern der Deutschen auch auf deutsche Opfer zu schauen, als „fatal“ bezeichnet (fatal=unangenehm, peinlich). Der Kritikpunkt wird mit einem die Empörung der Autorin unterstreichenden Ausrufezeichen versehen. Ich bin der Meinung, dass es gerade solche pauschalisierenden Aussagen an zentraler Stelle sind, die politischen Kräften am rechten Rand in die Karten spielen und ihnen leichtfertig Argumente liefern, da man historische Tatsachen offensichtlich nicht so recht wahrhaben will. Kein Mensch, der einigermaßen bei Trost ist, wird die verabscheuungswürdigen Taten Deutscher in jener Zeit leugnen oder relativieren, dass jedoch die Tatsache, dass auch Deutsche Opfer waren und – ohne Schuld zu tragen –  erheblichen Leiden ausgesetzt waren, Würdigung verdient und ein entsprechender Wunsch keinesfalls fatal ist, müsste eigentlich politischer Konsens sein. Meine betagte Mutter, die als Kind Flucht und Vertreibung von der Krim miterlebte, könnte Ihnen mit Blick auf die Opfer ein paar gruselige Geschichten erzählen. Sie und viele andere Menschen ihrer Generation tragen bestimmt keine Schuld an den Verbrechen Nazideutschlands. Und ganz bestimmt üben sie sich nicht „in nachgeholter Selbstgerechtigkeit“. – Robert Hartung


Leserbrief zu „Das Letzte“ von Finis

Nomen est omen. Wie gut, wenn man sich „Finis“ nennt- denn das bedeutet ja etwas, und  dieses ist durchaus Programm! Wenn also „Finis“ jüngst in seinem Verriß  der Frau Steinbach die „Flüchtlinge“ von 1945 und 46- also die Millionen  geflüchteter und vertriebener Ostdeutscher, mit den „Flüchtlingen“ von  heute bei uns, also den Hunderttausenden von Migranten, den Arabern,  Südosteuropäern, Nordafrikanern und Asiaten in einen Topf wirft und  direkt vergleicht bzw gleichsetzt, dann offenbart er (sie) eben eine sehr „begrenzte“ Sicht der Zusammenhänge und der Dinge, und zudem ein  sehr beschränktes geschichtliches Wissen und Differenzierungsvermögen -aber das darf man sich offenbar bei einem solchen Pseudonym erlauben… Ansprechend bzw überzeugend ist es deswegen dennoch nicht- eher peinlich, das muss man dem „Finis“ wirklich in dem Fall klar sagen, da nützt auch das Pseudonym nichts mehr. Ein bisschen Niveau sollte selbst  durch eine Glosse noch durchscheinen… – Karl-Heinz Grau


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Selten habe ich einen so faden Artikel auf Seite 1 der ZEIT gelesen. Entschuldigung, es war Seite 3; die ersten beiden Seiten der ZEIT bestanden ja zu drei Viertel aus der Werbung (vorsichtshalber ohne Angaben zu Kraftstoffverbrauch und Emissionen) eines Automobilherstellers, dessen Mutter dann auch brav im Seite-„1“-Artikel als „führender Autokonzern“ gelobt wird, der als einer der „ersten“ ein vielfältiges Spektrum an Antrieben auf die Straße bringt (in acht Jahren…). Apropos Spektrum: der Artikel hätte einen echten Mehrwert gehabt, wenn Herr Heuser — anstatt dem gerade in Mode gekommenen Batterieantrieb als scheinbaren Heilsbringer gegen die Dieselemissionen zu hofieren — auf die Brennstoffzelle und dem mangelnden politischen Interesse hieran (siehe Seite 28 der selben ZEIT-Ausgabe) verwiesen hätte. Und nur für den Fall, dass auch dieser journalistische Tellerrand noch zu naheliegend ist: die Eisenbahn zeigt schon seit Jahren, wie wirklich umweltverträgliche Elektromobilität funktionieren könnte (genauer gesagt: mangels politisch-gesellschaftlichem Interesse eben gerade nicht funktioniert). – Martin Herrenbrück


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Der Leitartikel „Kalifornien ruft“ von Uwe Jean Heuser in der aktuellen Zeit ist der Anlaß für mich, mich zum Tag der Zeit anzumelden und Ihnen einen Leserbrief zu schreiben. Vielleicht ist ja am 7. Oktober Zeit bei der Zeit für ein Gespräch:

Es erschreckt mich, wie die E-Mobilität sich von der möglichen Innovation zur teuren Ideologie wandelt. Anstatt von starwarstauglichen 1000 Volt mit 1000 Ampere beim Tanken – pardon Laden – einer 300kWh Batterie in 20min zu träumen, wünsche ich mir als ersten Schritt anstatt der 1kWh-Blei- einen oder zwei 5kWh-Lithiumionen-Akkus in meinem Auto. Reicht denn dazu nicht ein Plug-In-Hybrid-Konzept mit 25km Reichweite für die erste Million Elektrofahrzeuge oder ist Ihnen das einfach nicht spacig genug? – Christoph Oertel


Leserbrief zu „Das Letzte“ von Finis

Das Problem ist nicht Frau Steinbach oder Herr Gauland. Das Problem sind Sie. Ihr Beitrag ist ein Paradebeispiel für den „Untergang“ des Abendlandes. Sie rennen wie die Lämminge in den Abgrund. Unten angekommen ist nichts mehr. Selbst den Unterschied zwischen Vertriebene und Flüchtlinge ist Ihnen nicht bekannt. Hauptsache draufhauen, irgendwann wird es auch den Richtigen treffen. Stimmig ist viel, aber das Geschreibe Ihres Autors ist weder stimmig noch richtig. Sie haben für Ihren Aufsatz eine fünf Minus verdient. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

In dem doppelseitigen Artikel, zu dem auch Sie unter Ziffer 3 einen erneuten Beitrag zum Thema Artensterben verfasst haben, fällt auf: von Ackergiften, die ein massives Artensterben verursachen, ist mit keinem Wort die Rede. Schon vor einigen Wochen gaben Sie in einem diesbezüglichen Artikel Ihrer Verwunderung Ausdruck, wieso es überhaupt zu einem solchen komme, weshalb ich Ihnen eine deutliche Kritik schrieb. Ihre Antwort: Sie seien auf der Suche, es gäbe halt keine belastbaren Zahlen. Falsch. Inzwischen konnten Sie sich informieren: 140 000 Tonnen Pestizide pro Jahr allein auf Deutschlands Äckern, was kein Kleinkram ist,  unter ihnen 6000 Tonnen reines Glyphosat. Dies hat die Aufgabe, sämtliche Ackerwildkräuter zu töten und damit die Lebensgrundlage der Insekten, Schmetterlinge, Vögel, Käfer zu vernichten. Hinzu kommen u.a. Nervengifte wie Neonikotinoide, durch die zum Beispiel Bienen, Schmetterlinge und Fledermäuse sterben.

Sie machen Monokulturen, Bodenversiegelung oder den sogenannten Klimawandel, besser: die Erderwärmung verantwortlich. Die Vergiftung des Ökosystems bleibt unerwähnt.  Nun liefern Sie also die Haupt-Übeltäter nach: sulawesische Banden, die beim Fischfang das Nervengift Cyanid einsetzen. Schurken in Thailand, die illegal das letzte Rosenholz schlagen. Sogar die europäische Erdhummel in Chile muss herhalten, dieser Bösewicht.  Ihre Schuldigen sind über unseren Planeten verstreut, namenlose Bewohner der Zweiten und Dritten Welt, die irgendwelchen Raubbau oder anderen ökologischen Unfug treiben, man kann ihrer nicht habhaft werden. Und dann auch noch die Invasion der Arten, die den Planeten überkommt wie ein Naturereignis, was soll man da machen.  Lieber Herr Habekuss: schon wieder reden Sie um den heißen Brei herum, und das wissen Sie auch. Die Hersteller von Ackergiften ( z.B. in gebeiztem Saatgut, Spritzmitteln, Pestizid-kontaminiertem Futter) sind alles andere als marodierende Halunken aus Ländern, wo der Pfeffer wächst. Sie tragen Krawatte und sind anzutreffen als Gast im Bundestag, haben einen Namen und eine Firmenadresse, zum Beispiel in Leverkusen oder St. Louis. Denn sie wollen mit Hilfe der Politik ihre Geschäfte ausweiten, um demnächst 65% des weltweiten Agrarmarktes kontrollieren zu können. Keine Chance also für die „Arten“: sie werden weiter sterben, und zwar gar nicht weit von uns, sagen wir mal, in Zeven oder in der Uckermark.

Bis auch die Menschen umfallen, vergehen noch einige Jahre diffuser chronischer Leiden, so dass eine Kausalität durch Ackergifte nicht nachweisbar ist. Ärzte zucken die Achseln und verordnen Cortison. Moderne Kreislaufwirtschaft, Super- Geschäftsmodell von Agrar- und Pharmaindustrie.  Das muss ja ein verdammt heißes Eisen sein, auch diese Verantwortlichen zu benennen, so wie Sie und Ihre Kollegen sich darum herumdrücken, es anzufassen. Ihre Leser sind aber nicht so deppert, wie Sie vielleicht denken: langsam fällt es unangenehm auf. Gehe ich recht in der Annahme, dass man Ihnen einen Maulkorb verpasst hat ? Vielleicht mussten Sie sogar was unterschreiben ( „Vermeiden Sie eine Kritik an Monsanto, Bayer, Syngenta, Dow … finden Sie irgendwas mit Erdhummeln „… ) Denn ich weiß von früher, dass Sie ganz viel wissen, was Sie aber nicht (mehr ? ) schreiben. Insofern geht ein so durchsichtiges Manöver leider nach hinten los, weil Ihr einst renommiertes Blatt durch diese Art von Gefälligkeitsjournalismus in ein trübes Licht gerückt wird. Kann das sein –  nun auch die gute alte ZEIT käuflich ? – Sybilla Keitel


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Die vielen Pauschalierungen helfen uns nicht weiter bei der Suche nach Gründen für die Wut und den Hass eines Teils der Ostdeutschen. Ich habe im Herbst 1989 mit vielen anderen „Wir sind das Volk“ gerufen. Nicht gebrüllt. Denn in uns war kein Hass, wir wollten unsere unerträglich gewordene Situation verändern. Vermutlich waren auch Sie damals in derselben Stadt dabei wie ich.

Als 2015 „Wir sind das Volk“ von manchen Ostdeutschen lautstark zu hören war, entsetzte das mich, wie viele andere Ostdeutsche auch. Wie konnten die, die vermutlich 1989 gar nicht oder erst spät dabei gewesen waren, den Begriff für sich in Anspruch nehmen, ohne wissen zu wollen, welchen großen Teil der Bevölkerung aus Ost und West ihnen überhaupt nicht zustimmten. Mittlerweile brüllen viele von ihnen noch ganz anderes, und sie haben keinerlei Respekt für alle anderen Menschen als sich selbst. Aber wir anderen sind da, und wir verteidigen das, wofür wir 1989  demonstrierten, und dazu gehören auch Demokratie und Freiheit. – Dr. Petra Hoffmann


Leserbrief zu „Hauptsache, gelikt” von Larissa Kikol

Larissa Kikol hat eine kurze, aber erstaunlich uninformierte Kritik am Umgang von Museen mit sozialen Medien verfasst. Selbstverständlich setzen viele Museen mittlerweile auf die „Macht“ (wie auch immer sie definiert sei…) von social media: Teils machen Museen momentan immer noch erste Schritte, teils bespielen sie verschiedene Kanäle auf professionelle Weise. Manche Aktionen und Projekte scheitern, andere funktionieren. Zahlreiche Instagramer oder Blogger (oftmals Frauen) widmen sich Museum – und produzieren Inhalte und Diskussionen. Ganze Konferenzen finden rund um das Thema statt. Und oft gibt es in den Institutionen noch viel zu wenig Gelder, um Stellen zu finanzieren, die sich mit social media beschäftigen. Der Vergleich, ein „analoges“ Angebot wie einen Workshop des C/O Berlins in Konkurrenz zu digitalen Inhalten zu setzen, schlägt fehl: Er zeugt von einer Vorstellung von „Virtualität“ vs. „Realität“, die schlichtweg nicht mehr zeitgemäß ist. Sowohl Workshops, Führungen, Bildungsarbeit oder Vorträge als auch social media sind Wege, Menschen in Museen zu bringen und Auseinandersetzungen zu fördern. Analog und digital ergänzen und inspirieren sich gegenseitig, sie erfüllen teils komplementäre, teils ähnliche Aufgaben. Ein so komplexes Feld auf eine derart simple Kritik herunterzubrechen, tut zahlreichen Ansätzen unrecht. Übrigens zeigt ein schneller Blick auf ins www: Das C/O nutzt – wie andere Häuser und Institutionen – Facebook, Twitter, Youtube und Instagram. Und Workshops. P.S.: Es wäre toll, wenn sich DIE ZEIT zu einer regelmäßige kleine Kolummne zu Museen und social media überreden ließe… Julia Dombrowski


 

Leserbrief zu „Meister der hocherotischen Zone“ von Martin Machowecz

Danke danke an Martin Machowecz für das tolle inhaltsstarke Interview. Besonder Rauchs Einlassungen zur Gendersensibiltät und zum Konservativ-Sein bestärken mich in Haltungen, die ich gelegentlich mich kaum noch traue in der Öffentlichkeit lautstark zu vetreten. Nächstens kommt es noch soweit, dass „Liebe machen“ selbst als maskuliner Dominanzakt des invasiven Eindringens denunziert wird und gefälligst abgeschafft gehört. Nun gut.Rinks und Rauchs aufrechte Gangart schaffen Platz für Lebenseuphorie. – Mathias Kleinschmidt


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

Sie sprechen mir ganz aus dem Herzen! Von Dr. med. M.O. Bruker, der die Gesellschaft für Gesundheitsberatung gegründet hat (www.ggb-lahnstein.de), kommt der Spruch: Kauf nichts, wofür Werbung gemacht wird. Ja, wir sollen uns nach dem Durstgefühl leiten lassen….stellen Sie sich mal vor, wir würden den ganzen Tag immer essen wie manche immer am Trinken sind! Damit das gesunde Hungergefühl aufkommt, sollen wir auch 4 – 5 Stunden zwischen den Mahlzeiten lassen. – Marian Blass


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“ und zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Die Frage zu dem Titelthema ‚Warum rückt das Land nicht nach links?‘ hat sich  im Rahmen des Wahlkampfes ja wirklich in erdrückender Weise gestellt. Daher Glückwunsch zu diesem hervorragenden Artikel, der sehr interessante und nachvollziehbare Antworten enthält und journalistisch sehr ansprechend aufbereitet ist. Die Erkenntnis, dass es nicht (nur) am Wahlkämpfer Schulz liegt, kommt aber leider ein wenig spät. So ist  auch die ZEIT bedauerlicherweise in den letzten Ausgaben dem Mainstream gefolgt, Herrn Schulz auf seinem Weg anstatt mit Argumenten mit weiteren Hürden zu begleiten (man denke nur an die entgleiste Lokomotive). Schön, dass Sie mit dieser Ausgabe der ZEIT die Kurve bekommen haben. Ich hoffe, Herr Shaller hat nun bei der ZEIT eine Festanstellung erhalten! – Matthias Gruner


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ich kann der Analyse weitgehend zustimmend folgen, doch ein gravierender Fehler ist dem Autor unterlaufen. Einem Autor, der seine Ausbildung im Ausland absolvierte, fehlt der Blick auf das „Duale System“. Ein Großteil der beschriebenen Altersklasse hat die Schule mit 16 Jahren verlassen, anschließend eine Lehre absolviert und arbeitet als gesuchte Fachkraft in sicheren Berufen. Mit 30 Jahren haben sie über zehn Jahre Berufserfahrung als Krankenschwester, ErzieherInnen, Monteure, Disponenten, Facharbeiter an CNC-Maschinen usw. Diese Berufsgruppe hat schon über zehn Jahre Steuern gezahlt und Beiträge in die Sozialkassen abgeführt. Sie unterstützen Demos gegen Umweltskandale. Studenten haben in dieser Zeit eine weitgehend kostenfreie Bildung genossen. Dieses Bildungsprivileg, von der Allgemeinheit finanziert, kann nicht überschätzt werden. Mit dieser umfassenden Bildung, sollte es doch gelingen, in einen Beruf zu starten (Quereinsteiger), wo Fachkräftemangel herrscht. – Dr. Erwin Kreim


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Ich habe selten eine Ausgabe der Zeit so gründlich und so gerne gelesen wie die letzte. Ich kann mich nur bedanken für die guten Recherchen und Analysen. Besonders haben mich als ehemaligen Biologielehrer die Artikel zum Thema „Wie geht es der Erde?“ angesprochen. Ich fand darin viele Gedanken wieder, die ich in der vergangenen Woche bei einem Vortrag von Dr. Franz-Alt zur Eröffnung der Klimaschutzwoche im Kreis Coesfeld hören konnte. Nachdenklich hat mich die Auflistung der Fragen junger Menschen an die Politiker gemacht, zeigt sie doch, wie sehr der derzeitige Wahlkampf sich zu sehr mit Themen der älteren Generation befasst. Aufgerüttelt hat mich das abgedruckte Generationen-Manifest, das sich ein jeder Politiker an die Bürotür heften sollte. Es ist bestens für eine politische Gewissenerforschung geeignet. Was ich an der letzten Zeit-Ausgabe kritisieren möchte sind die großformatigen Anzeigen von Audi, BMW und Porsche anlässlich der IAA. Die passen so gar nicht zum Inhalt der Zeit-Artikel und machen lediglich die machtvolle Seite der Automobil-Lobby deutlich. Wie gehen Sie in der Redaktion mit dieser Widersprüchlichkeit um? Lässt sich damit auf Dauer leben? – Heinz-J. Holthaus


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Eine Gruppe als gleichzeitig „freiheitsfeindlich“ und „islamfeindlich“ zu bezeichnen und diese Begriffe noch dazu nebeneinander zu stellen zeugt von einem sehr eigenartigen Freiheitsverständnis. Dies weckt Erinnerungen an DDR-Freiheitsplätze. Es zeigt wohl das Bedürfnis, mit Begriffen Menschen zu manipulieren oder eine bezeichnete Gruppe zu diffamieren. Kann man islamfreundlich und gleichzeitig freiheitsfreundlich sein? Es wäre mir ein Bedürfnis, von Frau Finger zu erfahren, welchen Staat mit mehrheitlich islamischer Bevölkerung sie auf dieser Erde ausfindig machen kann, in welchem es Freiheit, insbesondere Religionsfreiheit, sozialen Ausgleich, Frieden und Respekt vor Frauen gibt. Mehr ist dazu gar nicht zu sagen.

Übrigens: warum wird in den Medien tunlichst vermieden, über die Tatsache der Begeisterung Hitlers für den Islam zu berichten, der wohl zum zündenden Faktor für den Antisemitismus der arabischen Länder im 20. Jahrhundert wurde? Wie kann dann Nazitum mit Islamfeindlichkeit überhaupt unter einen Hut gebracht werden? Deutschland arbeitet mit der Ansiedelung archaischer Völker in Europa fest daran, den Antisemitismus erst richtig zu institutionalisieren. Mit Israel-Boykott-Aufrufen ist auch die Politik schon vorne dabei, selbst linke Parteien sind längst zu Kollaborateuren der Israelfeindschaft geworden. – Siegfried Molnár


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Parteipolitisch werde ich jedenfalls nicht (noch weiter) nach links rücken, obwohl die Linke auf den Gebieten Wirtschaft, Finanzen und Soziales zwar bedenkenswerte Vorschläge macht, aber außen- und sicherheitspolitisch für mein Empfinden immer noch im Märchenland verharrt. Nicht, dass ich gegen das Ziel Frieden wäre, allerdings kann das nur erreicht werden, wenn der Weg dahin klar und wirklichkeitsbezogen definiert wird. Die Grundlage dafür kann nicht aus einem polarisierbaren politischen Konzept bestehen, sondern muss beinhalten, dass wir vorurteilsloses Menschsein als ursprünglichen Wert unserer Existenz verstehen und dialogisch und kooperativ damit umgehen.

Und noch eine Bemerkung zu dem Zitat von Gerd Lippold in Bezug auf die im Wahlkampf zu beobachtende Verrohung der Sitten und der Methoden einiger Gruppen, sich bemerkbar zu machen: „Es geht vielen nur noch darum, dumpfen Hass loszuwerden.“ Diesen oft angeführten Hass deute ich in erster Linie als Selbsthass: Man ist nicht bereit, sich den komplexen sozialen Situationen zu stellen, und füllt dieses Defizit mit der Skandierung von Parolen und Angriffen auf diejenigen aus, die sich um angemessene Lösungen aktueller Herausforderungen bemühen Auf reduktuionistischen Aktionismus und perfektionist zugespitzte Idealisierungen, mit denen man sich selbst unter Druck setzt, sollte sich niemand einlassen, denn damit würde man sich nur weiter von sich selbst entfernen. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Auf diese Artikel habe ich lange gewartet. Sie fassen zusammen, was schon in zahlreichen Buchpublikationen belegt und zahlenmäßig untermauert ist. Wir sind dabei, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören. Das müssten auch unsere Politiker wissen. Ja, wir leben gut und gerne in Deutschland, wie die CDU plakatiert. Dabei aber so tut, als ob unseren Enkeln noch all das verfügbar sein wird, was wir jetzt haben.

Was mich stört, ist dieser Mangel an Courage, uns reinen Wein einzuschenken, auf unvermeidliche Wohlstandsverluste hinzuweisen und einen Weg zu zeigen, wie wir damit fertig werden könnten. Stattdessen: Kabbeleien um die richtige Türkeipolitik und Weitermachen wie gehabt. – Prof. em. Dr. Wolfgang Butzkamm


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Und ausgerechnet ihr solltet still bleiben! Ich gehöre mutmaßlich zu der sogenannten Generation Y oder Generation Praktikum. Zumindest hat man uns damals in den 2000ern so genannt. Gegen Ende meines Studiums hat man uns damit versucht zu erschrecken. Ihr bekommt keine unbefristeten Verträge mehr und müsst euch von Praktikum zu Praktikum durchhangeln, hat man uns erzählt. Ich habe auch Leute wie Lara kennengelernt, in diversen Jobs neben meinem Studium. Soziologen, Museologen, Theaterwissenschaftler, Geisteswissenschaftler, Kommunikations- und Medienwissenschaftler, u.ä.. Was haben die einem immer alles erzählt, wie fantastisch sie ihren Studiengang finden. Nur auf die Fragen, was sie damit später denn mal machen wollen, respektive wie sie gedenken ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, konnten die Wenigsten eine klare Antwort geben. Und für all jene ist es auch so gekommen, wie die düsteren Prophezeiungen es vorausgesagt haben: Nur befristete Stellen, Praktika, Volontariate, schlechte Bezahlung, unsicheres Leben. ABER: ich kann ihn hören den Aufschrei. Unser Land braucht auch Kultur- und Geisteswissenschaftler. Man kann doch seinen Beruf nicht nur nach den Verdienstmöglichkeiten wählen, usw. …Nicht dass man mich falsch versteht. Gern soll jeder das studieren und den Beruf ausüben, den er möchte. Die Laras dieses Landes haben größtenteils ein kostenloses Studium erhalten (Semesterbeiträge mal ausgenommen, Studiengebühren gibt es meist nicht) und konnten ihr Selbst sowie offensichtlich ihre Leidenschaft verwirklichen. Nur stellen sie eben nun erstaunt fest, dass niemand für ihre Liebhaberei zahlen möchte und sie sich kein Haus kaufen können. Sie sind auch keine Minderheit mehr wie vielleicht noch vor Jahrzehnten und wenn man allein an der Universität Leipzig seit dem WS 13/14 jedes Jahr über 1.000 Erstsemester an der Philologischen Fakultät zulässt (Vergleich WiWi-Fakultät ca. 600 Erstsemester), dann muss man sich über Fachkräftemangel und prekäre Einkommenssituationen von Hochschulabsolventen nicht wirklich wundern.

Wie der Verfasser des Artikels bemerkt, sind die Proteste in Deutschland noch ausgeblieben, aber Gedanken wie das Grundeinkommen werden immer wieder in die Welt geworfen, damit in Zukunft sich auch wirklich jeder auf seine Hobbies und Selbstverwirklichung konzentrieren kann. Auch ich werde bei der Aussicht auf ein Grundeinkommen schwach, habe ich doch bisher niemand gefunden, der mich für meine Leidenschaften wie Schlafen, Essen und sommerliche Spaziergänge im Regen bezahlen will. Im Übrigen: Von allen anderen Bekannten und Freunden, die nicht unbedingt ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und bspw. Jura, Informatik, Ingenieurswesen, Medizin, Wirtschaftswissenschaften, u.ä. studiert haben, erhielten ausnahmslose alle, die ich kenne, nach ihrem Studium relativ nahtlos einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Vielleicht hat auch meine Generation – heute Mitte 30 bis 40 Jahre – noch Glück gehabt. Vielleicht finden sich die heute unter 30-Jährigen bald als Ärzte, Informatiker und Ingenieure in prekären Arbeitsverhältnissen wieder. Oder aber es gibt doch das Grundeinkommen für ALLE, verbunden mit einer staatlichen Garantie für Wohneigentum. – Andreas Blum


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

An der Berichterstattung und Kommentierung zur Bundestagswahl in den Medien und auch in Ihrer Zeitung missfällt mir vor allem eines: Es wird fast gar nicht nach den Qualitäten der Kandidaten gefragt.  Offenbar spielen bei der Frage, wer die Bevölkerung demnächst im Bundestag repräsentieren wird und wer in der künftigen Bundesregierung als Minister oder Staatsekretär fungieren soll, fachliche Qualitäten, Kenntnisse und Führungseigenschaften so gut wie keine Rolle.  Sogar bei Kandidaten, die bereits Ämter und Mandate innehatten, wird kaum  die bisherige Leistung bewertet. „Er (oder sie) hat diesen Wahlkreis bereits zweimal direkt gewonnen“ reicht als Leistungsbeschreibung aus – dass man von ihm oder ihr zwischen den Wahlen so gut wie nichts wahrgenommen hat, keine  Initiative bekannt und keine Rede erinnerlich ist, wird nicht thematisiert. „Die Partei XY fordert das Finanzministerium“ – eine solche Aussage wird nur  unter machtpolitischen und koalitionstaktischen Aspekten diskutiert. Die Frage,  wer denn die für dieses Amt am besten geeigneten Persönlichkeiten sind,  wird gar nicht erst gestellt.  Bei jeder Einstellung eines Sachbearbeiters wird die Qualifikation des Kandidaten   intensiver geprüft als bei unseren Vertretern in Legislative und Exekutive. – Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Geschacher um den Euro“ von Georg Blume und Mark Schieritz

Der französische Präsident Emmanuel Macron nennt drei Ziele für den Umbau der Währungsunion: Einen eigenen Haushalt für die Eurozone, einen eigenen Finanzminister und ein eigenes Eurozonen- Parlament. Dies würde für die Eurozone eine kraftvolle aktive Wirtschaftspolitik ermöglichen.   Die Eurozone bekäme das fiskalpolitische Instrumentarium, um zusammen mit der Geldpolitik der EZB ihre Dienstleistungsfunktion gegenüber der Wirtschaft besser zu erfüllen.   Ein viertes Ziel ist jedoch zwingend erforderlich, um aus dem Euro die sicherste Währung der Welt zu  machen: die Garantie der EZB für alle Euro-Giroguthaben im Euroraum. Die Umwandlung des Euro von einer 1%-Reserve-Währung zu einer 100%-Reserve-Währung würde alle Zahlungsmittel in der Eurozone sicher machen, seien es Münzen, Banknoten oder Euro-Giroguthaben. Die Eurozone würde sich von einer Nutzgemeinschaft für Wirtschaft und Finanzinstitute auf Kosten der Steuerzahler zu einer Schutzgemeinschaft für die Bürger wandeln. Die Staaten, die Wirtschafts- Unternehmen  und die Bürger würden durch diese Reform aus der Geiselhaft des Finanzsektors befreit.   Die Voraussetzungen für diese Reform sind günstig: Durch die viel gescholtene Politik der EZB unter Herrn Draghi hat sich die Deckung der Giroschulden der Banken in der Eurozone von 3,7 % (Dez. 2014) auf 13,4 % (Dez. 2016) erhöht.

Die Ende Dezember 2016 bestehende Geldmenge M1 von 7.238 Mrd. Euro setzt sich aus dem Bargeldumlauf von 1.087 Mrd. Euro und den Giroschulden der Banken von 6.151 Mrd. Euro zusammen. Diese Versprechen der Banken zur sofortigen Lieferung von Zentralbankgeld von 6.151 Mrd. Euro sind durch Guthaben der Banken bei der EZB von 823 Mrd. Euro (13,4 %) gedeckt. Dank Herrn Draghi und der EZB ist dies inzwischen wesentlich mehr als die vorgeschriebene Mindestreserve von 1 %. Trotzdem bleibt eine fehlende echte Liquidität (Zentralbankgeld) von 5.328 Mrd. Euro. Bei dieser bestehenden Luftnummer von 5.328 Mrd. Euro hilft das Garantieversprechen der Physikerin Dr. Merkel (CDU) für die deutschen Sparer nicht weiter. Der Bundeshaushalt Deutschlands hatte 2016 nur ein Volumen von 316,9 Mrd. Euro. Das gezeichnete Kapital des ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) beträgt bisher auch nur 704 Mrd. Euro (davon Deutschland 190 Mrd. Euro). Von diesen 704 Mrd. Euro sind bisher nur 80 Mrd. Euro eingezahlt.   Eine Mobilisierung der Wähler durch die Aufklärung über die immer noch bestehende Gefahr für Ihre  Geldvermögen würde einen heilsamen Druck auf widerstrebende Eliten ausüben. Infolge der bereits  erreichten Deckung von 13,4 % der Giroschulden der Banken erscheinen die Gefahren eines vorübergehenden  Runs auf die Banken beherrschbar.   Der bisher nur  intern in der SPD diskutierte Antrag „Rettet unser Geld“ vom 12.02.2017 aus der SPD  Berlin-Tegel ist zur  weiteren Erläuterung des Reformplans  als Anlage beigefügt. – Josef Langenmayr


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Herr Shaller sollte seine Wut etwas abkühlen, weil sie klares Denken verhindert: Welches ist denn die Alternative zur Eigenverantwortung, die  er so vehement ablehnt? Meint er etwa eine staatliche Fürsorgepflicht für uns alle, damit sich jeder in seiner Selbstverwirklichung suhlen kann? Es geht ihm wohl vor allem um Menschen, die Helmut Schmidt in einem Bonmot als diejenigen bezeichnet hat, die „alles bestreiten, außer ihrem  Lebensunterhalt“, aber gerne Forderungen an die Gesellschaft stellen, die für ihre Unzulänglichkeiten und  Leistungsverweigerung aufkommen soll – und das ausgerechnet für Leute, die sich doch zur geistigen Elite zählen… Das größte Einstellungshindernis  ist das deutsche Arbeitsrecht mit ständig wachsenden „Schutzbestimmungen“ für Arbeitnehmer, die durch den Arbeitgeber zu organisieren und mitzufinanzieren sind – warum eigentlich?

Die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung würde keine einzige Vollzeitstelle mehr schaffen, weil Arbeitgeber die Risiken höher bewerten als die Chancen – Punkt. All diese Schutzbestimmungen verhindern einen Mindestlohn in vielleicht doppelter Höhe von heute,  der bezahlt werden könnte und sollte, wenn dafür das Risiko sinkt, auch in schlechten Zeiten oder bei schlechter Leistung des Mitarbeiters auf den Kosten sitzenzubleiben und deswegen  ev. sogar in Insolvenz zu geraten. Wenn das Einstellungsrisiko für Arbeitgeber sinkt, steigt erwiesenermaßen die Beschäftigung,  wer keine rote Brille aufhat, kann das etwa in der Schweiz sehen. Der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit ist Bildung, Einsatzwillen, Flexibilität und z.B. die Bereitschaft, seinen Studiengang der Nachfrage anzupassen statt den eigenen Bedürfnissen. Wer das Programm von linken Parteien verherrlicht, übersieht, dass sie weltweit den Nachweis der Wirksamkeit schuldig geblieben sind (Ostblock) oder noch schuldig bleiben (Frankreich, Kuba, Venezuela u.v.a.m.). Herr Shaller: Machen Sie doch ein Praktikum im Arbeitnehmerparadies Venezuela, wo der Staat für alle sorgt, zumindest noch so lange, bis er Pleite ist, woran dann wieder der westliche Kapitalismus schuld sein wird und nicht das Missmanagement und die Korruption. Danach schreiben Sie wieder für uns – ich lese es, versprochen! – Hans Markwalder


Leserbrief zu „Der zerbrechliche Riese“ von Tilman Jens und zu „Ein Mann mit Agenda“ von Harald Welzer

Die Serie „Deutschland, deine Kanzler“ läuft unter dem Motto „die Bundesrepublik verstehen“ und fragt auch bei Kohl und Schröder „Was haben sie bewegt?“ Ich empfehle, beide Artikel nacheinander zu lesen und sich dabei wiederholt zu vergegenwärtigen: „Wer über einen anderen Menschen urteilt, der urteilt auch über sich selbst.“ Tilman Jens „verurteilt“ sich in seinem Text selbst – daher kein Kommentar. Man mag Gerhard Schröder mehr oder, wie ich, weniger schätzen: Harald Welzer zeichnet vom Menschen, wie vom Kanzler, seiner Amtszeit, seinen Vorstellungen, Überzeugungen. Zielen,  den politischen Gegebenheiten und Zwängen, den z.T. bis heute strittigen Entscheidungen ein höchst differenziertes, vor allem nicht einseitiges Bild. Sein Bericht: Gelungen. – Emil Göggel


Leserbrief zu „Huhu, hört ihr mich?“ von Maximilian Probst

Ob das wohl die Wahl-Kandidaten lesen? Zumindest ihre Berater könnten die 1 Woche noch nutzen. Allerdings bin ich erstaunt, dass es nur 100 Zusendungen gegeben hat.   Obwohl nicht zum Kreis der Angesprochenen zählend ( bin 70 J.) würde ich folgende Frage stellen, die mich umtreibt:

Warum wird nicht generell für nur maximal 2 Legislaturperioden gewählt?  Für mich ist es undemokratisch, wenn Politiker länger im Amt sind. Das gilt auch für Kanzler und Minister. Wir haben ja schon fast afrikanische, monarchische Verhältnisse! Darin liegt meiner Meinung nach auch eine der Ursachen für die Politikverdrossenheit (immer dieselben Gesichter, kein neuer Geist, fehlende Visionen…).

Warum gibt es in den Parteien bei der Aufstellung der Kandidaten kein Quote für Jugendliche ? Ich würde mir wünschen, dass mindestens 1/3 der Kandidaten jünger als 35 Jahre sind und dass das Parlament dann von den gewählten Parteien auch so besetzt sein wird. Ich weiß nicht wie es tatsächlich machbar wäre, aber warum hat die angesprochene Jugend nicht in diesem Sinne mehr Teilhabe und Mitsprache gefordert? – Ingrid Kube


Leserbrief zu „Der zerbrechliche Riese“ von Tilman Jens

Besten Dank für Ihre Reihe „Deutschland, deine Kanzler“, der ich mit Interesse und Gewinn folge. Die Würdigung der Kanzler der Weimarer Republkik, sozusagen als Einleitung zu den Kanzlern der Bundesrepubklik, versprach von Anfang an eine faire Würdigung der Leistungen der beschriebenen Personen, ohne ihre Schwächen zu leugnen. Namhafte Historiker und Soziologen waren die Autoren der meisten Beschreibungen bislang. Bei Helmut Kohl fiel Ihre Autoren-Wahl auf einen Journalisten, der durch seinen Rechtsstreit mit Kohl von vornherein als befangen gelten muss. Entsprechend gestaltet sich auch dessen Betrachtung, die vor allem seine Widersprüchlichkeiten, seine Eitelkeit, seinen Machtinstinkt und seine verbalen Ungeschicklichkeiten in den Vordergrund stellt. Selbst seine politischen Leistungen wie der Zehntpunkteplan, der die Grundlage zur Deutschen Wiederveinigung legte, werden, wenn überhaupt, unter den Gesichtspunkt einer egozentrischen Grundmotivation gestellt. Breiten Raum nimmt die Klage des Autors ein, dass seine gerichtlich gestoppten und nicht autorisierten Veröffentlichungen von Kohls derben Bewertungen politischer Weggefährten, nicht veröffentlicht werden dürfen.

Bedauerlich vor allem angeblich deshalb, weil dadurch der Öffentlichkeit, Kohls Wortgewalt vorenthalten wird. Wie kommen Sie dazu eine derart geschmacklose und voreingenommene Darstellung von Helmut Kohl in einer solchen Reihe abzudrucken? Es drängt sich dem Leser der Verdacht auf, sie setzten mit der Wahl dieses Autoren Ihre zweifelhafte Helmut Kohl Politik von 1976 fort, als sie den Kanzlerkandidaten kurz vor der Wahl öffentlich und bewusst und ohne Autorisierung Ihres Interviews mit ihm, vor der Öffentlichkeit blamierten. Tilmann Jens kassierte aufgrund dieses, journalistischen Regeln des Anstands widersprechenden Vorgehens, ein eindeutiges  Gerichtsurteil. Wäre es nicht angemesssen gewesen, einem renommierten Historiker an dieser Stelle Raum für eine reflektierte Darstellung zu geben? Ein bißchen mehr Größe und Ausgewogenheit Ihres Hauses wäre jedenfalls angemessen gewesen. – Bernhard Olpen


Leserbrief zu „Gesellschaftskritik“ von Heike Faller im ZEIT Magazin

Im letzten Zeit-Magazin habe ich Ihre Gesellschaftskritik gelesen. Was Sie über die Glaubensbekenntnisse schreiben, scheint mir sehr oberflächlich; als ob diese immer nur eine Modeerscheinung wären. Und wenn Sie dann zum Schluss schreiben vom „zum Jesuskind beten“, stört mich das als gläubige Christin. Kinder beten zum Jesuskind, Erwachsene zu Christus bzw. zu Gott. Schade, die „Zeit“ hat sonst mehr Niveau! – Angelika Hoch


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

Auf die polnischen Forderungen ruhig und ohne Aufrechnung oder Eskalation zu reagieren, ist vollkommen richtig. Auf eines aber sollte immer wieder verwiesen werden: es kann keine Sippenhaftung geben. Meine Kinder und Enkel haben keinem Polen etwas zuleide getan und sind keinem Polen Geld schuldig. Ich selbst, Jahrgang 1942, habe bereitwillig mitgetragen, was nach dem Kriege an Opfer geflossen ist – in Solidarität mit den Opfern und weil ich die Deutschen noch kannte, die zu Tätern und Mitläufern geworden waren, einschließlich naher Verwandter. Es würde mich freuen, wenn Sie diese Stellungnahme abdrucken könnten; noch wichtiger wäre mir, wenn die hochgeachtete ZEIT diesen Gedanken, wie man es mit Sippenhaftung hält, selbst weiter tragen würde. – Dr.-Ing. Gerd Eisenbeiß


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Als geradezu empörende deutsche Wirtschaftswunder-Unmöglichkeit darzustellen, wenn heutige Großeltern in der Lage sind, ihrer Enkelin monatlich 800 Euro „Gehalt“ fürs Studium zu zahlen, ist doch etwas sehr weit hergeholt. Verglichen mit den Kosten, die Familien in all den vom Autor genannten anderen Staaten – allen voran Großbritannien und die USA – für das Studium ihrer Kinder oder Enkelkinder aufwenden (müssen), nimmt sich der familiäre Eigenanteil in Deutschland doch sehr bescheiden aus. Warum kann der Autor sich eigentlich nicht darüber freuen, dass ein Studium a) in Deutschland so preiswert ist, b) genügend Familien es bezahlen können und c) es genügend Unterstützung in Form von Bafög und Stipendien gibt, die denen, die es sich nicht leisten können, helfen?

Auch fokussiert der Autor völlig einseitig auf geistes- und kulturwissenschaftliche Absolventen; für die war der Berufseinstieg aber auch vor 30 Jahren keineswegs leichter als heute, und dass wir uns damals (ich bin Jahrgang 1962) in den Zwanzigern mehr hätten leisten können als die junge Generation heute, kann ich auch nicht erkennen. Im Gegenteil: Unsere Ansprüche waren oft um ein Vielfaches geringer und auch unsere Möglichkeiten. Hinzu kommt: Hätte der Autor sich bei technischen Hochschulabsolventen, Medizinern oder Naturwissenschaftlern umgehört, wäre er wohl sehr rasch zu gänzlich anderen Ergebnissen gekommen. Auch in vielen Handwerksberufen suchen die Betriebe bekanntermaßen händeringend nach Nachwuchs – und stellen ihn unbefristet ein.

Bei der Studienwahl aufs falsche (Selbstverwirklichungs-) Pferd gesetzt zu haben, kann man nicht „dem System“ anlasten. Allenfalls kann man beklagen, nicht genügend Unterstützung, Zeit, Mut und Kraft für die richtige Studien- und Berufswahl bekommen oder gefunden zu haben. Da hilft aber kein Megaphon für die Straße, sondern nur ein Griff an die eigene Stirn. Insofern scheint die Merkel-Jugend doch ein Stück weit vernünftiger zu sein als ihre Altersgenossen in anderen Ländern! – Birgitta vom Lehn


Leserbrief zu „Die Überschätzten“ von Martin Spiewak

In dem Artikel schreiben sie in der zweiten Spalte oben “ afrikanischstämmige Oberschulrätin“ . Ich finde das erste Wort sehr undifferenziert, da Afrika kein Land ist und es in Afrika viele unterschiedliche Kulturen gibt und es nicht pauschal DAS AFRIKA gibt. Alle anderen Nationen werden in dem gleichen Artikel mit ihren Land genannt, dritte Spalte unter steht „vietnamesische Familie “ und nicht asiatische Familie. Es wäre schön, wenn sie bei ihren weiteren Artikel berücksichtigen könnten, das es DAS AFRIKA nicht gibt und die einzelnen Länder auflisten würden, so wie sie es bei Personen aus anderen Kontinent in dem Artikel auch gemacht haben. – Muriel Schäfer-Asch


Leserbrief zu „Ein Mann mit Agenda“ von Harald Welzer

Herr Welzer hat leider vergessen (?)  Folgendes zu erwähnen: Als Bundeskanzler unterstützte Schröder das Nordstreamprojekt der  Gazprom und besiegelte es mit dem „lupenreinen Demokraten “ Putin am 8.9.2005. Noch in ihrer Amtszeit übernahm die Regierung Schröder im November 2005  eine staatliche Bürgschaft für einen Kredit von deutschen Banken iHv. 1 Milliarde € für Gazprom. Nur einen Monat (!) später im Dezember 2005 erhielt Schröder seinen mit 250 000€ dotierten Posten bei Gazprom. Noch Fragen zur Moral? – Jürgen Neunaber


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Wenn schon nicht die großen Politiker, so prangerst du wenigstens den katastrophalen Zustand unseres Erdballs an. Demnach müssten wir alle grün wählen, denn wie heißt es so schön? „…dann erst merken wir, dass man Geld nicht essen kann“. Danke für den aufrüttelnden Bericht. – Brigitte Wörl


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Mit viel Zeit und Worten haben Sie eine Arbeitswelt von unter 30jährigen beklagt die es so nur in Ihrem Kosmos gibt. Im Handwerk, in der Bauindustrie, in allen Ingenieurberufen und auch im kfm. Bereich werden händeringend Mitarbeiter gesucht. Als Arbeitgeber kann ich Ihnen sagen das das Angebot an Bewerbern die Nachfrage seit Jahren nicht deckt. Wenn junge Leute allerdings vor Beginn ihrer Ausbildung nicht prüfen wo Bedarf besteht oder nicht zielgerichtet Ihren Ausbildungsweg beschreiten kann natürlich eine Minderheit auch in der aktuellen Marklage außen vor sein und als Taxifahrer enden. Aber solche Karrieren gab es auch schon immer. – Peter Knappmann


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

Für Leser und natürlich auch für Greta Taubert erzähle ich ein Wassererlebnis aus meiner Jugendzeit: Als Fußballer durften wir im Training, besonders aber beim Spiel gegen einem Gegner in unserer Liga (Regionalliga) kein Wasser trinken. Die Sportlehrer oder Fußballtrainer hatten uns Spielern klargemacht, das zuviel Wasser im Körper die Leistung schwächt. Es würde eine bestimmte Schwerfälligkeit eintreten. Auch wer starken Durst verspürte, durfte nicht trinken. Erst bei Spielende war es gestattet. Das ist doch auch eine nette Story. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Dieses Bad geriet im Sommer völlig aus dem Lot“ von Ursula März

Das ist ein typischer Beitrag der mich sprachlos macht. Was ist bloss aus Deutschland geworden. Anstatt klare Kante zu zeigen ducken sich ständig bestimmte Menschen vor dem Islam weg und andere wiederum sind dem Islam hörig. Wie konnte es nur soweit kommen. Wer unsere Kultur auch Badekultur nicht aus innere Überzeugung mittragen mag, sollte in das Ambiente zurückkehren, in dem  allein er/sie sich wohlfühlt. Was denn sonst! Kein Land auf dieser Welt würde sich diese Demütigung gefallen lassen. Es wird immer wieder gefragt, woher die Wut oder gar Hass in unserem Land herkommt: Das ist ein typischer Fall der viele Bürger zur Weissglut bringt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Huhu, hört ihr mich?“ von Maximilian Probst

DANKE! Die ausführliche Auflistung politischer Vorstellungen un d Fragen  der „ungehörten“ jungen Generation ist für mich beeindruckender als  jedes noch so ausgefeilte Wahl- oder Parteiprogramm. Nämlich: Sehr  lebens- und menschennah sowohl in aktueller als auch in langfristiger  Themensicht. Ich bin 70 Jahre alt und fühle mit den allermeisten Themen,  Forderungen und Fragen sehr vertreten. Gerade weil zur Zeit die  demographische Realität den Stimmen der älteren Generation automatisch  mehr Gewicht verleiht, müsste den Themen der jungen Generation besonders  viel Raum und Bedeutung zuerkannt werden, besonders da, wo es nicht um  Macht und Kapital geht, sondern um tragfähige existentielle Inhalte für  ALLE Menschen. Dann geht die Politik der Alten auch nicht mehr an den  Jungen vorbei. Und dann werden in Zukunft die jungen Leute vielleicht  auch nicht mehr überrascht sein, überhaupt gefragt zu werden. – Eva Fortelka


Leserbrief zur Grafik „Buntes auf dem Bildschirm“ von Matthias Schütte und Sven Stillich

In die „deutschen“ Wohnzimmer kam z.B. auch „ein Kessel Buntes“. Warum blenden Sie die DDR wieder aus? Auch wenn diese Grafik eher unwichtig ist, zur deutschen Geschichte gehört eben nicht nur Westdeutschland. – Eva-Maria Nickel


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Das Leben wird von Zufälligkeiten geprägt. Das 1945 die Einen im Osten des Landes den Russen ausgeliefert wurden und die Anderen im Westen den Amerikanern hing nicht mit Verdiensten der Betreffenden zusammen sondern nur mit der Geographie. Die Einen haben Pech gehabt und die anderen Glück. Wenn allerdings der Morgenthau Plan verwirklicht worden wäre, dann hätten wiederum wir im Westen Pech gehabt. Nur weil Stalin zur Gefahr wurde und er obendrein aus dem Osten ein Musterschaufenster des Sozialismus machen wollte, hat der Westen Westdeutschland jetzt plötzlich als vorgeschobenes Kampffeld in einem befürchteten 3.Weltkrieg gebraucht und aufgerüstet. Jetzt kam der Marshallplan. Unser Glück im Westen war, das es nicht zu einem Krieg gekommen ist. Sonst gäbe es uns heute nicht mehr.

Arroganz und Hochmut sind also nicht angebracht. (waren eigentlich noch nie). Es fällt auf, das heute unsere bestimmende Elite fast geschlossen hinter der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel steht. Mit Personen, die kritische Töne einfließen lassen, wird nicht mehr gesprochen. Dabei fallen 2 Gesichtspunkte auf:

— die deutsche Elite hat eigentlich immer versagt. Bei der Integration der Gastarbeiter aus Anatolien, im 3.Reich, in der Feudalzeit wurde von Gott gesandten Herrschern das Herrschen ermöglicht, im 30 jährigen Krieg hat man die Zerschlagung des Staates geschehen lassen usw.

— es fällt auf, das fast weltweit kein anderer Staat etwas ähnliches macht. Selbst altbewährte Einwanderungsländer machen nichts ähnliches. Wobei wir Kritik nur an Osteuropäern üben, im westlichen Lager halten wir uns vornehm zurück. Das wir wieder einen Sonderweg beschreiten, hängt wohl mit unserer Geschichte zusammen. Die heutige Elite möchte das Versagen der Elite im 3.Reich vergessen lassen  und  heute selber besonders menschenfreundlich erscheinen.

Nun muss man sagen, menschenfreundlich müssen wir natürlich immer sein. Und die Flüchtlinge 2015 aufzunehmen, war ein Gebot der Stunde und alternativlos. Kritisieren kann man etwas anderes. 4 Jahre schaut die BRD dem Morden in Syrien ungerührt zu. Als Italien und Griechenland um Hilfe rufen, blockt Berlin und Paris ab. Bis eben im Herbst 2015. Jetzt stehen die Flüchtlinge auf der Autobahn. Jetzt wird eine Willkommenskultur ausgerufen und damit ganz Nordafrika eingeladen, nach Deutschland zu kommen. Das wir Flüchtlingen helfen, ist selbstverständlich. Das wir die Umsiedlung ganzer Bevölkerungsgruppen von Afrika nach Mitteleuropa fördern, etwas anderes. Sie monieren zu Recht den Hass, der bisweilen auf Kundgebungen zutage tritt. Nun ist Hass etwas gefährliches und in keiner Weise hilfreich. Dessen Auftreten erkläre ich mir wie folgend:

— in der DDR sind Babys mit 1 Jahr in der Kita gelandet. Ein Psychologe würde wahrscheinlich sagen, diesen Menschen ist von der Mutter kein Urvertrauen vermittelt worden. Und wir im Westen, vor allem Rot-Grün, machen heute denselben Fehler. Die Industrie braucht Arbeitskräfte und dem hat sich alles unterzuordnen. Auch die Erziehung der Kinder.

— die Treuhand hat den Osten deindustrialisiert. Heute noch entvölkern sich im Osten ganze Landstriche. Die Zurückgebliebenen kann man nur bedauern.

— wir haben eine größere Gruppe von Bürgern, die benachteiligt worden sind. Entweder einen befristeten Arbeitsvertrag haben, oder keine preisgerechte Wohnung.  Die Russlanddeutschen haben wenig Unterstützung bekommen. Teilweise sogar Häme. Es wurde auf ihren deutschen Schäferhund verwiesen. Dabei hatte gerade diese Volksgruppe stark unter den Verbrechen des 3.Reiches gelitten und alles verloren. Verständnis haben sie nicht bekommen. Die Gastarbeiter aus Anatolien sind bei ihrer Integration nicht im Geringsten unterstütz worden. Deshalb haben wir heute Parallel Gesellschaften im Lande. Die von Saudi-Arabien durch den Bau von Moscheen unterstütz werden, und von der Türkei durch türkisch sprechende Imame.

— jetzt können wir endlich froh sein, das das Christentum friedlich geworden ist. Nach 1600 Jahren endloser Gewalt. 400 nach Christi ist in Mailand die erste Synagoge in Flammen aufgegangen und es wurde verkündet, kauft nicht bei Juden. Heute besinnt sich die Kirche endlich wieder auf die Lehre Jesu. Und jetzt wird der Islam nach  Deutschland geholt. Ein Religion, die sich seit 1000 Jahren in der größten Krise ihrer  Geschichte befindet. Heute macht der Islam das, was das Christentum vor 1000 Jahren gemacht hat. Damals war der Islam dem Christentum überlegen und  der Papst hat zum Kreuzzug gegen den Islam aufgerufen, und allen Streitern, die im Kampf gegen den Islam fallen sollten, das ewige Leben versprochen. Dies liegt zum Glück inzwischen hinter uns. Heute werden alle Konfliktgruppen Nordafrikas nach Deutschland geholt, Schiiten, Sunniten, Türken, Kurden, Antisemiten. Schon die Aussage, dies kann zum Problem werden, wird nicht akzeptiert. In unserer Tageszeitung stand 2015, dies sind die Menschen, die unsere Renten erwirtschaften werden. Es können nicht genug kommen. Dabei sollte doch Jedem klar sein, bis ein deutsches Kind zu einem verantwortungsvollen Menschen herangewachsen ist, ist viel Kraft und Aufwand erforderlich. Und manchmal scheitert es sogar. Und bei Kindern von Eltern aus einem anderen Kulturkreis, anderer Religion, anderer Sprache wird es nicht einfacher sein. Das hat nichts mit Rassedünkel zu tun, so eine Anpassung erfordert Generationen. Und dann dürfen keine Fehler gemacht werden wie z.B. bei den Gastarbeitern.

Und wenn heute ein Verbrechen im Namen Allahs erfolgt, werden muslimische Verbände nicht müde zu betonen, dies habe nichts mit dem Islam zu tun. Auch die Kreuzzüge hatten nichts mit der Lehre Jesu zu tun. Weil es aber der Papst angeordnet hatte, war es ein christliches Verbrechen.

— bei hoheitlichen Aufgaben versagt unser Staat in der Regel: NSU, Anis Amri, G20 Gipfel, usw. Die Fragen der Sicherheit und der Wohnungssituation hatte man schon seit 15 Jahren schleifen lassen.

— es fällt auf, es gibt von Seiten der Politik und der Medien einen Konsens, den Bürger mit Problemen in der Flüchtlingsfrage nicht zu belasten. Anscheinend traut man dem Bürger nicht. Die Silvesternacht in Köln ist ein Beispiel. Nach den Ereignissen, am nächsten Morgen lässt die Polizei verlauten, es war eine ganz normale Silvesternacht. Erst am 5.1. fanden die Ereignisse langsam Eingang in die bundesweiten Nachrichten, dank einiger lokaler Blätter, die schon vorher darüber berichtet hatten. Die Politik hatte die Erwartungshaltung vorgegeben, über schlimme Vorfälle im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle wird nicht berichtet. Und fast alle haben sich erst einmal daran gehalten.

— Die Grünen verabschieden auf ihrem Parteitag einen Satz der lautet: Uns geht es nicht um Recht oder Unrecht in der Flüchtlingsfrage, uns geht es um die Zurückdrängung des deutschen Bevölkerungsanteils. Und Niemand findet dies einen Kommentar wert. Das Volk soll noch die Flüchtlinge aufnehmen und integrieren und sich dann verabschieden. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan und kann gehen.

— Fr.Özoguz, die Migrationsbeauftragte der SPD, verlautet, es gäbe zwar eine deutsche Sprache, aber keine deutsche Kultur. Hier kann jeder seine Meinung sagen. Auch Fr.Özoguz, interessant ist nur die Reaktion. Es kam erst einmal überhaupt keine. Bis sich H.Gauland gemeldet hat mit einer schlimmen Formulierung. Und jetzt beschäftigten sich alle damit, aber nicht mit Fr.Özoguz, sondern mit H.Gauland. In der Regel wurde Gauland zu Recht verurteilt, was Fr. Özoguz gesagt hatte, blieb unerwähnt.

— unsere etablierten Parteien können von Glück reden, das die radikalen Kräfte fast immer mit nicht akzeptierbaren Antworten kommen. Ich kann mir vorstellen, wenn an der Spitze der AFD ein logischer kühl rechnender Stratege sitzen würde, wäre der Anteil dieser Partei größer. So gesehen können die heutigen Parteien über die heutige unlogische AFD recht froh sein.

Traurig ist es, weil Hass und auch Wut schlechte Ratgeber sind und nicht weiterführen. Und das Wahlprogramm der AFD wird in Bezug auf Zukunftsfragen zur Belastung. Einen Grund misstrauisch zu werden, hatte man manchen Bürgern aber geliefert .Es geschieht eben nichts ohne Grund. Ich würde unserer Politik mehr Ehrlichkeit vorschlagen. Und alle mitzunehmen, das wäre ihre Aufgabe. – Reiner Püschel


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Es ist immer wieder erstaunlich wie einfach doch Innovation geht. Ein Softwareupdate des Tesla und die Batterie kann bis zur vollständigen Entleerung gefahren werden (das heißt aber im Umkehrschluss, Tesla bevormundet seine Fahrer…). Toll! Und damit fährt Tesla den deutschen Autobauern davon. So einfach – und doch so falsch.

Zur Klarstellung: Ein Batterieauto trägt heute und auch in mittelfristiger Zukunft (von ca. 10 Jahren) nicht zu einer Reduzierung der CO2 Emission bei. Ein Artikel der Zeit vor einigen Wochen beschreibt dies und noch etwas ausführlicher auch eine Untersuchung des Energieversorgers „Naturstrom AG“ bei der ein Typ Golf untersucht wurde der mit Benzin, Diesel und als Stromer ganzheitlich betrachtet wurde. In der Betrachtung hat nun mal die Batterie einen sehr großen CO2 Rucksack (und andere Emissionen auf die nicht näher eingegangen wurde) von rd. 5 Tonnen. Diesen Rucksack kann man nur dadurch reduzieren, in dem mit dem E-Auto auch Benzin oder Dieselkilometer vermieden werden. Geht man nun vom Fall aus das Strom aus dem Deutschlandmix der Stromherstellung zum Laden der Batterie eingesetzt wird, dann muss man ca. 46.000 km/a fahren. Geht man davon aus, dass man mit regenerativer Energie die Batterie geladen wird sind es immerhin noch 18.000 km/a um diese anfängliche Negativbilanz der Batterieherstellung zu eliminieren. Das Problem ist also offensichtlich, dass man schon eine hohe Laufleistung benötigt, damit ein E-Auto überhaupt die CO2 Emissionen wieder „herreinfährt“. Gleichzeitig stellt sich die Frage ob die Batterie diese Ladezyklen überhaupt in der Lebensspanne übersteht. Fakt ist jedoch, dass dadurch die Energiewende nicht zu erreichen ist zumal auch unklar ist woher die viele regenerative Energie kommen soll. Der Verkehr hat einen Gesamtprimärenergiebedarf von rd. 750 TWh/a wovon 83% auf den Benzin und Diesel getriebenen Individualverkehr zählt (Incl. LKW). Diese Energiemenge zu erzeugen würde ein vielfaches der derzeit installierten Leistung der regenerativen System betragen.

Es gibt aber viel einfachere und vor allem extrem viel kostengünstigere Methoden, um die Energiewende voranzubekommen. Da wären zunächst einmal die Kühltheken in den Supermärkten und noch viel schlimmer die „offenen Kühlschränke“ aus dem man die kalte Cola vom Bäcker um die Ecke bekommt. Letztere haben einen Strombedarf von ca. 6000 kWh/a – mehr als das doppelte des Strombedarfs des Haushalts des Autors dieser Zeilen. Ein weiteres einfaches Betätigungsfeld sind Pumpen. Es gibt Studien die sagen, dass 8% des Strombedarfs in Deutschland aufgewendet wird um Wasser (und andere Flüssigkeiten) im Kreis zu pumpen. Diesen Aufwand könnte man ohne viel Aufhebens einfach durch richtige Planung um ein Vielfaches reduzieren. Aber das ist natürlich nicht innovativ sondern man müßte nur die seit 100 Jahren bekannten Formeln anwenden und leider kann man kein Softwareupdate einspielen, so dass es nach Innovation aussieht.

Der Autor könnte noch viel berichten – aber leider ist alles nicht innovativ und deshalb leider für die meisten nicht von Interesse. Alexander Knirsch


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Den Zwiespalt, in dem sich junge Leute unter 30 in Deutschland befinden, kann ich gut nachempfinden. Ich selbst habe mich nach ein paar Wendungen im Lebenslauf für ein Leben als Lehrer entschieden. Nicht nur, weil mir der Beruf tatsächlich Spaß macht, sondern auch, weil unser erstes Kind die Perspektive auf das Leben entscheidend geändert hat. Ich wollte nicht mehr ein Spielball der Wirtschaft sein, ständig auf Firmenreise sein und mir Gedanken über den nächsten Vertrag machen.  Mit mittlerweile zwei Kindern haben wir außerdem tatsächlich Bedarf an ausreichend Wohnraum. Auch ein schöner Nebeneffekt: Ich kann es mir leisten, politisch aktiv zu sein und meinen Namen unter diesen Leserbrief zu schreiben, ohne finanzielle Repressalien durch den Arbeitgeber fürchten zu müssen.

Die für mich offensichtlichste, wirtschaftliche Lösung des von Ihnen genannten Problems: das bedingungslose Grundeinkommen. So würden (nicht nur) Studenten und Berufseinsteiger unabhängig von unterbezahlten Praktika oder Nebenjobs.  Arbeitgeber werden mit attraktiven Jobangeboten um diese Leute werben müssen. Wer diese fehlenden Stellen in unserer Dienstleistungsgesellschaft auffüllen soll, ist eine andere Frage. Ebenso, wie man das Ganze finanziert. Grundsätzlich würde sich jedoch die Perzeption der Berufswelt als persönliches Spielfeld des Erfolges oder Scheiterns ändern. – Fabian Kellermeier


Leserbrief zu „Himmel, Lille!“ von Marc Brost, Sarah Jäggi und Mariam Lau

Ja, es ist unmöglich wie sich einige Afd-Repräsentaten verhalten!  Es gibt aber etliche Menschen  – die gerne Menschen in Not unterstützen

– die sich unwohl fühlen, wenn zunehmend „fremde“ Personen (Sprache,  Aussehen, Benehmen, Erziehung) das öffentliche Bild bestimmen und das  nicht haben möchten.

– die sich nicht belehren lassen wollen, dass sie Ihre Befindlichkeiten  zu ändern haben

– die mit Sorge unlösbare Probleme bei der Integration von Menschen aus  Kulturräumen, die im Vergleich zu unserem 500 Jahre zurück sind (keine  Reformation, keine Aufklärung etc.), sehen.  – die durchaus Fremdes als Bereicherung ansehen, aber wenn es auf  gleichem Niveau ist, nicht 500 Jahre rückständig.

– die die Gesellschaft von vor 500 Jahren in Europa heute auch nicht  haben wollen, sondern als überwunden ansehen.

– die zustimmen, dass z.B. deutsche „Ballermann-Leute“ auch sehr  unangenehm für die dortige Bevölkerung sein können (aber aus  geschäftlichen Gründen offenbar doch wieder attraktiv sind und ja auch  nach der Saison wieder verschwinden)

– die keine Lust haben theoretische Debatten über „was ist deutsch“ zu  führen.

Diese Einstellung wird von keiner Partei repräsentiert, ausser von  Teilen der AfD, allerdings eben auch mit erheblichen „Nebenwirkungen“.  Das ist sehr traurig. Das sollte auch einmal in Ihrer Berichterstattung  erwähnt werden. – Christian Voss


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Sie haben es deutlich gemacht, warum „Deutschland“ nicht nach links rückt. Die deutsche Politik ist von den Lobbies der Verbände „eingewickelt“ oder „gekauft“. Und das ist nicht nur Verschwörungstheorie., Die aktuelle ZEIT Ausgabe wurde in vier Seiten Audi Reklame  verpackt. Es sind Konzerne wie VW, Audi, Daimler die die Meinung und Politik bestimmen. Siehe die Reaktion der Regierung zum Diesel-Abgas-Skandal: nur ein „Software update“ . Der Diesel-Abgas Skandal und die Reaktion der Regierung – die m.E von den Manipulationen schon vor 2015 wußte  – sind nur das augenfälligste Beispiel dieses Betrugs. Die Mehrheit der Deutschen ist träge und vielleicht auch zu sehr beschäftigt und wünscht sich nach Feierabend Ruhe, die sie für  erste Bürgerpflicht hält, da sie um ihre – of prekären Jobs bangt.

Nicht nur die Junge Generation ist wütend, viele alte Linke natürlich auch, und dies seit fast 30 Jahren, der Wiedervereinigung, über die Aneignung der DDR –SED Vermögen durch alle Parteien (außer Grüne), aber insbesondere durch CDU, und danach durch die Treuhand – man lese die Seite „Vereinigungskriminalität“ des Bundestags (vielleicht im Archiv noch verfügbar). Manche Wut in den Ost-Ländern ist verständlich. Warum schreibt die ZEIT keine Serie über Parteien-Vermögen und wie sie zustande kamen? Schäuble hat jetzt volle Kassen, aber er hat ja auch kräftig zugelangt, so daß die Schere (Gyni-Index) zwischen Reich und Arm weiter auseinander klafft und die Reallöhne fallen.

Hier nur einige Posten der Regierungs-Abzockerei:  Benzinsteuer, Erneuerbare Energie Abgabe(n) (jetzt 55% des Strompreises und steigend lt VBZ)*.  SOLI wird weiter kassiert, sollte schon 2000 abgeschafft werden., jetzt soll er verallgemeinert werden)., die MWSt.wurde auch durch Merkel erhöht, das größte Verbrechen aber ist, daß die Regierung die Banken nicht zwingt, die DISPO-Zinsen an das Markt-niveau von unter 1% anzupassen. Auch Krankenkassenbeiträge wurden wegen befürchteter Mehrausgaben durch Flüchtlinge Anfang 2017 erhöht.  Pflegeskandal und  Abrechnungsskandal sind Resultate der Gesetzlosigkeit, die den Versicherten nicht erlaubt, die Abrechnungen der Ärzte und Heime bei den Kassen für ihre Behandlung/Pflege einzusehen.  Beschiß ist auch, daß die CSU über das Hintertürchen CDU in die Regierung kommt, und immer wichtige z-B  Verkehrsminister stellt.

Da keine der Parteien auch nur annähernd diese Elemente der „sozialen und ökonomischen Gerechtigkeit“ in ihr Programm genommen hat – nicht einmal die Linke – gehen sie alle an den Problemen vorbei und die Wahl einer Partei ist witzlos. Verarschen können wir uns selber. Die GroKo hat zwar den Mindestlohn eingeführt, aber die Unternehmer „unternehmen“ erhebliche Anstrengungen, diesen mit neuen Verträgen zu unterlaufen.  Wir fordern : Freibeträge immer parallel zum Mindestlohn erhöhen, damit nicht Mindestverdiener auch noch vom Finanzamt „entlastet“ werden. Mit € 13600 Mondestlohn ( d.i.= 12x4x40x8.5o pro Jahr) und einem Freibetrag von 8,800 werden noch € 5,600 vom Mindestlohn besteuert. Ein Freibetrag von 1000 pro Monat wäre angemessen.

Die Finanzämter sollten sich eher auf Steuerflucht, Global Players (Starbucks, Google), und Spitzenverdiener konzentrieren, dann könnte auch das Rentenniveau bei 50% finanziert werden. Wieviel gehen dem dt. Fiskus durch die Politik „Besteuerung am Firmensitz“ verloren ? Die Bundesrepublik ist zur Bescheiß-Republik geworden, und kein Politiker oder keine Partei hat bisher einen„Ruck durch Deutschland“ gefordert, damit die Abzocke der Steuerzahler und Arbeitnehmer durch Regierung und Private Unternehmen aufhört. Von Steinmeier hätte ich mehr erwartete – er hat noch nicht mal eine Ansprache gehalten. – A. Massing


Leserbrief zu „Teuflisch fromme Christen“ von Wolfgang Thielmann

Der Artikel über die Christen in der AfD war sehr gut und auch sehr deutlich. Wir sollten nicht böse und unversöhnlich mit dem Finger auf die AfD zeigen – Christen in anderen Ländern sind auch nicht immer vorbildlich – denken wir an Russland, Polen oder auch die Trump Fans in den USA. In unserer eigenen Vergangenheit hat es ebenfalls manch braunen Fleck gegeben – auch wenn wir gerne an die Widerstandskämpfer und Märtyrer erinnern.  Nur: Wer sich den Text „Wo die Güte und die Liebe“ – auch als Ubi Caritas et amor aus Taizé bekannt – vornimmt – der muss einfach anerkennen: Für nationaler Eingrenzer ist in der Kirche kein Platz. „Brich dem hungrigen Dein Brot“ (Jes 58) – das gilt ohne Einschränkung. Es ist bedauerlich, dass sich engagierte Christen von diesem Kern der Lehre abwenden – dann muss man einfach klar sagen: Du gehörst nicht mehr in die Gemeinde – an vorderer Stelle im Kirchenvorstand / Pfarrgemeinderat – das geht nicht. Es muss diesen Leuten doch klar sein, dass sie in einer Gruppe mitarbeiten, die aktiv Gewalt schürt und blinden Hass fördert. Alles andere wäre falsch verstandene Toleranz. – Stephan Siegel


Leserbrief zu „Auf dem Weg zum Streber“ von Martin Spiewak

Angesichts zunehmend vieler Akademiker in Bullshit-Jobs und deutlichen Problemen, überhaupt noch Azubis für Handwerkberufe zu finden, verdient sich die OECD mit ihrer Kritik einer „zu niedrigen Akademikerquote“ eine glatte 6- . Wenn man sich dann noch anschaut, mit welchen Kenntnissen und Einstellungen die Studienanfänger an den Hochschulen erscheinen, kann ich als ehemaliger Inhaber einer MINT-Professur nur sagen, dass ich heilfroh bin, seid einem Jahr pensioniert zu sein und mich nicht mehr damit auseinander setzen zu müssen, dass die Realität nichts mit der Eigenlobhudelei zu tun hat, die man ständig aus Politikermund vernehmen muss. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Vielen Dank für Ihren Artikel, ich hoffe, dass ihn viele junge Leute gelesen haben. Als ich als Psychologin in der Klinik mit einem befristeten Arbeitsvertrag angefangen habe (nach einem einjährigen Praktikum in derselben Klinik!), war ich erschrocken, wie selbstverständlich dies in meinem Bekanntenkreis aufgenommen wurde: „Das ist doch mittlerweile üblich“, „Sei froh, dann kannst du dich nach einem Jahr nochmal neu orientieren“… Glücklicherweise habe ich nach 2 Jahren einen unbefristeten Vertrag erhalten, da meine Stelle ohne Sachgrund (!) befristet gewesen war. Ich kenne jedoch viele, bei denen die Befristung der Dauerzustand ist. Auf der anderen Seite erwartet man, dass die Deutschen mehr Kinder bekommen, dabei sind doch befristete Verträge das beste Verhütungsmittel! – Merlin Halbach


Leserbrief zu „Meister der hocherotischen Zone“ von Martin Machowecz

Schade. Kein Gespräch über Malerei. Stattdessen Herrenreiter-Phantasien: Der „genussfähige Mann“, der über ein Heer untertäniger Frauen verfügt. Heroisch entreißt er der Welt das große Kunstwerk – im Kampf gegen Parteisoldaten, Gender-Tugendwächter und schlecht gekleidetem Pöbel.   Der autoritäre Charakter, der andere verachtet und nach Herrschaft strebt? Klingt irgendwie nach Propaganda des Wilhelminischen Zeitalters. Oder nach Ayn-Rand-Ideologie, die gegenwärtig in den USA populär ist.  Gruseliges Weltbild. Genie-Inszenierung vom Hersteller des Exportartikels „deutsche“ Kunst … – Irma Stolz


Leserbrief zu „Teuflisch fromme Christen“ von Wolfgang Thielmann

Der Verfasser der „Kirchenpolitischen Manifestes“ der AFD aus Trier sollte eigentlich die Schriften des Kirchenlehrers Nikolaus von Kues (Cusanus) kennen, denn das Cusanus-Forschungsinstitut befindet sich in Trier. Cusanus schrieb schon im 15. Jahrhundert nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen:

„Wenn es Dir so zu handeln gefällt, werden Schwert und blanker Hass und jegliches Unheil aufhören, und alle werden erkennen, wie es nur eine einzige Religion in der Riten-Mannigfaltigkeit gibt. Die Religion soll eine und die anbetende Verehrung eine sein, damit die Verschiedenheit zur Vermehrung der Frömmigkeit beiträgt.“ (De pace fidei). Cusanus bewertet die Vielfalt der Riten und religiösen Gebräuche positiv und betrachtet sie als Mehrung der Gottesverehrung. Er sieht alle Religionen, auch den damals in Europa so verhassten Islam, rückgebunden an die göttliche Wahrheit, die sich in Christus inkarniert und offenbart habe.

Von diesen Gedanken aus dem 15. Jahrhundert ist es nicht weit zur von dem Theologen Hans Küng angestoßenen Stiftung „Weltethos“. Im Kloster Jerichow an der der Elbe in Sachsen-Anhalt, dort wo die AFD besonders viele Wähler findet, befindet sich ein Bildungszentrum der Stiftung. Ein sehr lohnenswertes Ausflugsziel für AFD-Funktionäre. Kein Überleben unseres Globus ohne ein gemeinsames Weltethos. Das ist die Quelle des christlichen Abendlandes, das den Christen in der AFD doch angeblich so wichtig ist. – Dr. Erwin Kreim


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Viele jungen Menschen der Jahrgänge ab 1985 wurden in ein wachsendes System der Unzuständigkeiten geboren, aber gleichzeitig aus angeblicher Fürsorge „in Watte“ gepackt. Die Gemeinden ließen Schulen verkommen, die Länder ordneten per Erlass an, dass nur noch wenige Schüler sitzen bleiben durften und entmündigten engagierte Lehrer, das Abitur wurde inhaltlich ausgedünnt. Den Eltern wurde vor­gemacht, dass eine „Drei“ in diesem System eine gute Note sei und feierten eine vermeintliche „Großtat“ ihres Kindes, wenn es das „Abitur“ schaffte. Etwas Profanes wie Elektriker, Krankenpfleger oder Finanzbeamter (mit weiteren Aufstiegschancen) kann man mit Abitur ja nicht er­ler­nen, sondern man braucht einen möglichst „krea­tiven“ Beruf. Bei einem monatlichem Groß­eltern-Sti­pen­dium von 800 € bis Mitte zwanzig kann dann leicht eine weltfremde Einstellung zur Arbeitswelt entstehen! Auf welcher Basis soll denn ein Arbeitgeber sofort einen dauerhaften Arbeitsvertrag mit einigen zehn­tausend € p.a. ausstellen? – Prof. Emeritus Dr. Wolfgang Ströbele


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Der Artikel beschreibt die Lage der jungen Generation leider nur sehr unzureichend und ist in seiner Oberflächlichkeit für ein Dossier in der Zeit erschreckend. Natürlich gibt es Probleme durch hohe Lebenshaltungskosten, besonders durch die Mietpreise in einigen Universitätsstädten und die Politik muss hier mehr tun. Es ist auch völlig richtig, dass oft die (Gross-)Eltern mit Geld unterstützen. Allerdings fehlt in der Beschreibung komplett, dass man in Deutschland, im Gegensatz zu den USA oder Frankreich, auch nahe der Heimat eine gute Ausbildung oder ein Studium absolvieren kann. Ebenso fehlt, dass hierzulande sowohl im Handwerk als auch in den MINT Berufen derzeit massenhaft Leute gesucht und auch schnell gut bezahlt werden!

Ich bin selbst Jahrgang 79 und auch meine Eltern sind weder Akademiker noch Selbstständige. Jede Wunschvorstellung war nicht oder nur schwer realisierbar, aber mit ein wenig Prakmatismus (Ich habe einfach bei der Wahl des Studienortes schon mal an mögliche Kosten gedacht) war es möglich meine Wünsche zu verfolgen. Der übergrossen Mehrheit meiner Abiturkameraden ist es ebenso ergangen, praktisch alle die ich treffe Leben in guten, gesicherten (fast schon „spiesigen“) Verhältnissen. Auch die Zeit hat vor kurzem einen Artikel veröffentlicht, in dem einer ihrer Reporter seinen Heimatort besuchte, in dem es den Menschen seines Jahrgangs überwiegend gut geht. Dieser Artikel trifft für Deutschland, so einseitig wie er geschrieben ist, nur auf ein eng begrenztes Milieu zu. Für ein Dossier über eine ganze Generation darf man dieses zur Recherche aber gerne einmal verlassen! – Eric Theisinger


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Sie gehören sicher auch zu den Menschen, die sich zu Recht empört gegen Pauschalisierungen und unzulässige Verallgemeinerungen wenden, wenn beispielsweise von „den Ausländern“, „den Asylanten“, „den Muslimen“ usw. die Rede ist. Wenn es da Konflikte gibt, muss man doch sehr differenzieren und genauer hinschauen. Auf keinen Fall generell verurteilen oder von Minderheiten auf das Ganze schließen.

Mich wundert nur, dass Sie in Ihrem Artikel keine Probleme haben, genau das zu tun. Völlig faktenfrei (Statistische Belege? Zahlen? Prozente?) kreieren Sie das Bild des „Ostdeutschen“ allgemein. Hässlich, demokratiefeindlich, undankbar, ungebildet, Verlierer, Nazis. Sie schreiben: „Das »Volk« zeigt im Osten jetzt ein so hässliches Gesicht“. Genau: „Das Volk“. Wer aber ist das Volk, möchte man mit Brecht fragen. Es ist zu befürchten, dass im Osten 25% AfD wählen werden. Etwa drei Viertel werden andere Parteien, vor allem CDU, SPD und LINKE wählen und sich unwesentlich von den Mitbürgern im besorgten Westen unterscheiden. Ist das keine gute Nachricht?

Sie werden jetzt entrüstet sagen: Ja aber das eine Viertel macht mir Sorgen. O.K., mir auch, aber dann müssen Sie es auch so formulieren und auf diese unsägliche Pauschalisierung (die zugleich Diffamierung der Mehrheit im Osten ist) verzichten. Mich stört nicht Ihre Meinung. Ich bin entsetzt über Ihre journalistische Methodik. Sie erinnert mich in fataler Weise an den Stil der DDR-Presse. – Andreas Michel


Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

„Warum ruft er nicht an?“

Vielleicht, weil bei solchen Telefonen der Hörer auf der Gabel liegen muss, damit es klingen kann… – Axel Dorlas


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Mit Interesse verfolge ich Ihre Artikel über die globalen Herausforderungen des Klimawandels aber auch über die nationalen politischen Diskussionen und den Klimaschutz in Deutschland.  Besonders interessant war der letzte Artikel von Maximilian Probst und Daniel Pelletier „Wir schweigen uns zu Tode“ (18.September 2017) in dem Sie über das „Todschweigen“ der Thematik sprechen und dass im Wahlkampf dieses doch so essentielle Thema nicht aufpoppt, obwohl es doch letztlich die Grundlage für das weitere Leben auf unserem Planeten bedeutet.  Als Klimaschutzmanager in einer kleinen Kommune steh ich tagtäglich vor der Herausforderung die Bevölkerung hinsichtlich der Thematik des lokalen Klimaschutzes zu sensibilisieren.

Der Erfolg bei den Kollegen und mir ist mäßig, aber es bedarf eines langen Atems den wir alle mitbringen!  Mit „Wir“ meine ich meine Klimaschutzmanager Kolleginnen. Viele von uns sind interessanter Weise auch im Alter zwischen 25 und 40 Jahren.  Eine Altersgruppe, die in der Zukunft durchaus noch eine wichtige Rolle einnehmen wird.  Ich möchte Ihnen bzw. Ihrer Zeitung eine Vorschlag machen, der mir schon länger im Kopf herumgeistert: Die Themen „Wirtschaft“, „Politik“ und „Wissen“ sowie viele weitere Themen sind fester Bestandteil ihrer Zeitung.  Aber auch ihre Zeitung gehört zu den wichtigsten Printmedien unseres Landes und trägt zum Meinungsbild vieler Bürgerinnen und Bürger bei.  Somit stehen auch Sie in der Verantwortung das Thema weiter in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zu bringen.   Wäre es nicht eine besondere Neuerung und auch ein Statement, wenn Sie in ihren Ausgaben, dass Thema „Klimaschutz“ einreihen in die übrigen Themen und auch hier einen festen Themenblock (Es reicht ja auch eine Seite) veröffentlichen, in dem Sie Herausforderungen des Klimaschutzes ansprechen ,aber auch besondere Projekte aus Wirtschaft, Gesellschaft und Ehrenamt vorstellen und somit den Menschen Material an die Hand geben, dass ein Handeln möglich macht?

Bei Bedarf kann ich Ihnen gerne Plattformen nennen, wo Sie Projekte dieser Art finden!  Es gibt bereits „Grüne“ Medien, die sich dem Thema widmen, aber auch diese werden vornehmlich nur von bereits Interessierten Lesern genutzt.  Ich muss Ihnen ja wahrscheinlich die Filme „Tomorrow – die Welt ist voller Lösungen“ oder „Power to Change“ nicht vorstellen, aber ist es nicht an der Zeit, dass auch die „Massenmedien“ sich an der lebenswerten Zukunft beteiligen, in der unsere Kinder hoffentlich leben werden?  Wie schreiben Ihre Kollegen so treffend: „In der deutschen Debatte ist der Klimawandel aber nur eine Randnotiz.“ tragen Sie dazu bei, dass der Klimawandel nicht nur eine Randnotiz bleibt. – Stephan Baur


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Die Probleme einer zu wenig politisierten Jugend in Deutschland sind existent und allgegenwärtig. Ich stimme zu, dass auch gerade Studenten, die finanziell durch ihre Eltern abgesichert sind, die Tragweite der sozialpolitischen Entscheidungen der letzten Jahre verkennen. Als umso schlimmer empfinde ich die künstlichen Wahlaufrufe – nicht nur von von Politikern und Parteien – sondern von ahnungslosen Youtubern, die ihre „Community“ nach anbiedernden Interviews mit Frau Merkel und Herrn Schulz zur Wahl animieren.  Ganz nach dem Motto: Besser uninformiert irgendwas wählen, als nicht zu wählen. Was eine Bankrotterklärung an die Demokratie!

Warum animieren dieselben Youtuber nicht mal zu einer Groß-Demo gegen die soziale Ungerechtigkeit? Ganz einfach – weil auch diese durch ihre gutbezhalte werbefinanzierte Tätigkeit die Probleme nicht sehen.  Der Autor bemerkt zurecht, dass Ideale wie Altruismus oder Minimalismus schöne Handlungsmaximen sind, die Miete des Monats damit aber noch nicht bezahlt ist. Solange wir alle 4 Jahre unser Kreuz irgendwo setzen und in der Zwischenzeit als Paketbote fleißig ausliefern, ist ja auch die Welt in Ordnung. Warum also noch beschweren? Auf Instagram bilden wir doch auch nur unsere schöne Welt ab. – Christian Popp


Leserbrief zu „Ein Mann mit Agenda“ von Harald Welzer

Ich verstehe nach wie vor nicht, wie sich diese Mär von der „strukturpolitischen Weitsicht“ der „Agenda 2010“ so hartnäckig hält. Setzt der Autor doch den einschneidenden Maßnahmen, die gerade für die „Mittelschicht“ Abstieg und Bedrohung bedeuten lapidar alle Erleichterungen der sozial Starken entgegen, die sicherlich erheblich zur der mehr und mehr auseinanderklaffenden Einkommensschere beitragen, als da sind:

– Entlastung höherer Einkommen

– Absenkung Spitzensteuersatz

– geringere Besteuerung von Kapitalgesellschaften

– kapitalgedeckte Altersvorsorge

– Zulassung von Hedgefonds

– Staatsunternehmenprivatisierung.

Es scheint, als hätte die Sozialdemokratie den allseits angehimmelten „trickle-down-effect“ bestens umgesetzt und nun wundert sie sich, daß die Union und bald die FDP von diesem ihnen ureigenen Ansatz profitieren! Von den Kleinen wird gefordert, nämlich prekär zu leben und die Großen befördern sich ins Steuerparadies und pfeifen auf gesellschaftliche Verantwortung! Was ist daran sozialdemokratisch? 20-24% werden noch viel zu viel sein für diese Partei, die die gesellschaftliche Getechtigkeit verraten hat! – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Danke für den interessanten Beitrag von Caspar Shaller. Die dargestellte Entwicklung wurde und wird, soweit ich das wahrnehme, mit der Globalisierung und dem damit verbundenen Wettbewerb der Arbeitsmärkte erklärt, dem sich ein Staat nicht ohne Nachteile entziehen kann.  Und Wettbewerb hat den Nachteil, dass er nicht danach fragt, welche sozialen Folgen die Gesellschaft treffen, sondern nur danach, wie Kosten gespart werden können. Ein grundsätzlich gutes Prinzip der Marktwirtschaft – aber nur dann, wenn es durch einen Rechtsrahmen entsprechend flankiert ist, um unbillige Effekte zu vermeiden. Hier liegen Defizite. Wieso allerdings der derzeit vielfach genannte Fachkräfte-Mangel nicht zu einem Wettbewerb der Arbeitgeber um geiignetes Personal führt und damit die Position der Bewerber stärkt, ist für mich nicht klar. Als ich Ender der 70-er-Jahre mit dem Studium fertig war, wurden wir von der Firmen umworben und die Einstiegsgehälter waren dabei ein Element – begründet duch den damaligen Ing.-Mangel, der z.B. heute ebenso besteht, wenn man den Meldungen Glauben schenkt. – Tilmann Wolf


Leserbrief zu „Der Wasserstoff, aus dem die Träume sind“ von Dirk Asendorpf

Wenn 95% des Stroms für der Erzeugung des Wasserstoffs aus fossilen Energieträgern gewonnen wird, dann gilt dies auch für E-Autos mit Akkus. Das ist kein Argument für oder gegen die Brennstoffzelle.  Fahrzeuge mit Elektroantrieb sind nur sinnvoll, wenn der Strom in größerem Maße aus Wind, Sonne und Wasser gewonnen wird. Auch Atomkraftwerke wie in China, sind keine gute Idee. Für Fahrzeuge mit Akkus muss dazu dringend die Frage der umweltschonenden und „conflict free“ Herstellung (Bsp. die Gewinnung von Rohstoffen wie Kobalt) und Entsorgung bzw. Wiederverwertung gelöst werden. Es ist wenig hilfreich, ein Problem zu lösen (lokale Emissionen) und dafür andere zu erzeugen, auch wenn sich diese nicht mehr vor der eigenen Haustüre abspielen. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Kalifornien ruft” von Uwe Jean Heuser

Ich habe Ihren Artikel zum Anlass genommen, einmal nachzurechnen, wie realistisch die Forderung nach Elektrifizierung der gesammten Verbrennungsmotor-Flotte ist. Bitte übergeben Sie die Berechnungen im Anhang einem Ihrer Fachleute in der Redaktion zwecks Überprüfung. Die verwendeten Zahlen habe ich aus dem Internet, sie sind teils stark gerundet, teil auch nur geschätzt, aber insgesamt realistisch..

Es gibt in der BRD 46 000 000 PKW’s. Die durchschnittliche PS- Zahl sei 60 PS entsprechend 44 kW. Jedes Auto sei Schnitt eine halbe Stunde pro Tag unterwegs (Annahme ). Das macht pro Tag einen Energieverbrauch pro Auto von 44 kWh * 0.5 = 22 kWh

Alle Autos zusammen haben einen Energiebedarf von

22kWh * 46 000 000 = 1 012 000 000 kWh = 1 012 000 MWh

Die Nennleistung eines Inland-Windkraftwerks beträgt maximal 5 MW  (bei Windstärke 5 ).

Davon werden im Schnitt aber nur 17% entsprechend 5*0,17MW = 0,85 MW realisiert.

Bei 24h Laufzeit pro Tag ergibt das eine Energiemenge von 24* 0,85 = 20.4 MWh.

Energiebedarf aller Autos / Energielieferung eines Windrades

=        1 012 000 MW             /                20,4  MW     =   49 608

Um alle Pkws mit Strom zu betreiben, werden ca. 50 000 Windräder benötigt, wenn deren Strom aosschließlich für PKWs verwendet wird. Installiert sind im Moment ca. 30 000.

Jetzt die LKWs

2 300 000 LKW * 250 KW * 8h = 4 600 000 000  kWh = 4 600 000  MWh

4 600 000  MW / 20,4  MW =  225 000  Windrräder

Sollen auch die LKW elektrisch fahren, so werden weitere 200 000 Windräder benötigt. Insgesamt würden wir 8 mal so viel Winddräder brauchen, wie im Moment installiert sind. Dabei sind nicht berücksichtigt: Die Leitungsverluste, Die Energie, die zum Bau der Akkus benötigt wird, Die Energie, die zum Bau der Windräder benötigt wird usw.

Fazit:    250 000 Windräder?  Da sollten wir uns lieber was Anderes überlegen. – Gottfried Mertens


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ich lese die Zeit seit  30 J. Das Dossier in der letzten Ausgabe war wirklich erstklassig,  habe alles verstehen und nachvollziehen können. Bin zwar nicht unter 30  J, trotzdem hat mich der Artikel getroffen und berührt, weil ich mich und  meine Kinder wiedererkannt habe. Mr. Schaller: Ich möchte mehr von Ihnen  in der ZEIT lesen! – Andreas Lauber


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Warum rückt das Land nicht nach links? Warum war die letzte Nummer so total links?  Ich will eine sachliche Presse und nicht eine Ausgabe, die sich wie eine Parteizeitung liest. Das war nicht mehr objektiv, sondern vollkommen tendenziös. Schade – sehr schade, haben Sie das nötig? Ich bin regelmäßiger Leser, werde aber für längere Zeit,  Ihre Zeitung nicht mehr kaufen. – Alfred Faltermeier


Leserbrief zu „Hau ab!“ von M. Brost et al.

Fälschlicherweise wird Frau Merkels Handhaltung als Merkel-Raute bezeichnet. Mathematisch gesehen handelt es sich nur dann um eine Raute, wenn alle Seiten des Vierecks gleichlang sind. Da Daumen und Zeigefinger diese Eigenschaft nicht haben, handelt es sich also um einen Drachen. Nun hört sich Merkel-Drachen natürlich nicht gut an. Ist es das Streben nach Vollkommenheit, dass dise Kleinigkeit übersehen wird? – Dieter Strommenger


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Sie stellen in Ihrem Artikel selbst fest, dass es sich hier um „unzulässige Verallgemeinerungen“ handelt. Hindert Sie aber nicht daran, mit Verallgemeinerungen, Vorurteilen, Einseitigkeit und Totschlagbegriffen zu arbeiten. Bürger, die ihre Grundrechte der Versammlungs- und Meinungsfreiheit wahrnehmen, aber nicht die offizielle Einheitsmeinung vertreten, die „brüllen“. Ja in der Tat, wer aufgrund seiner Machtposition alle Mikrofone und Kameras auf sich zieht, wenn er ungefragt seine Meinung zu egal welchem Thema absondert, der hat das nicht nötig. Aber hier geht es ja darum, friedlich protestierende Bürger als hässliche Brüllaffen dastehen zu lassen.

Dann werden alle in einen Topf geworfen: NSU, AfD, Kameradschaften, alles eine Soße, Nazis halt – auch wenn der Zusammenhang hier vielleicht keine rechtliche oder semantische Eindeutigkeit besitzt, so ist er doch intendiert. Dass so eine Verallgemeinerung nicht nur im Diskurs nichts nutzt, sondern vor allem als demokratiefeindliche Diffamierung wirkt, dürfte auch Ihnen klar sein. Der Zweck des Artikels ist also – wieder mal – die Diffamierung der AfD kurz vor der Wahl. Der Nazi -Begriff geht Ihnen inzwischen so leicht aus der Feder, wie den „demokratischen“ Politikern von den Lippen. Da das immer ein – bei Erfolg absolut tödlicher – Versuch eines Rufmordes und das Gegenteil von Diskurs ist, zeigt sich hier, dass es Ihnen nicht um Demokratie oder Freiheit geht, sondern um Verteidigung der Hegemonie.

Ich habe jetzt über hundert mal, bei Ihnen wieder, von „Feinden der Freiheit“ oder von „Demokratiefeinden“ gelesen, wenn es um die AfD oder auch um Pegida ging. Was jedes Mal fehlte, war eine plausible Begründung für diesen sehr ernsten Vorwurf. Es wird Sie überraschen, aber nur weil jemand der Meinung ist, dass Deutschland kein Einwanderungsland sein sollte oder weil jemand die (statistisch nachweisbare und im öffentlichen Raum nicht zu übersehende) Ausbreitung des (fundamentalistischen) Islam kritisch sieht, macht das keinen Feind der Demokratie oder der Freiheit aus ihm. Ich bin im Gegenteil nach intensiver Beschäftigung mit den aktuellen Ausformungen des Islams in Deutschland zu der Ansicht gekommen, dass es ein Zeichen der Sorge um Freiheit und Demokratie ist, wenn jemand die Ausbreitung des Islam kritisch sieht. Da können Sie gern andere Meinung sein. Aber argumentieren Sie sauber, recherchieren Sie, respektieren Sie andere Auffassungen und hören Sie bitte mit Ihren billigen Diffamierungen auf! Und verharmlosen Sie nicht den Nationalsozialismus.

Ich frage mich wirklich, wie ein solch schwacher Artikel es auf die Titelseite der Zeit schafft.

…als ich das letzte Mal brüllend auf der Straße war, war das in Berlin, beim Protest gegen den Ausstieg aus dem Ausstieg. Ich bin immer noch stolz auf unseren Erfolg beim Kampf gegen die Atomkraft. Damals habe ich den Euro, die EU, die öffentlich-rechtlichen, insgesamt die deutsche Presse noch sehr positiv gesehen. Ich bin völlig fassungslos, was ich seither mit ansehen muss. Und ich musste vielen Recht geben, deren Haltung ich damals ablehnte. Ach ja, ich bin Wessi, war 1990 in der Oberstufe, habe da meinen Goethe gelesen, bin beruflich erfolgreich, familiär glücklich und leide vor allem an der verlogenen öffentlichen Debatte. Auf meinem Nachttisch liegen derzeit Puer Robustus von Dieter Thomä und Finis Germania von Sieferle. Und Erich Kästner.

Sie können weiter fortfahren, die Bürger zu guten Sozialdemokraten zu erziehen, aber es glauben immer mehr Menschen Ihre Narrative nicht mehr ohne weiteres. Und nein, meine zweifellos vorhandene Wut richtet sich nicht gegen die „Flüchtlinge“, sie richtet sich vor allem gegen jene, die eine zynische und dumme Politik als „mitmenschlich“ und politische Abweichungen von der Political Correctness als „hässlich“ verkaufen wollen. Mit Diffamierung statt mit ehrlichen Argumenten, mit Manipulation statt Information. – Michael Frank


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Sie sind so alt wie meine Tochter und haben einen Teil Ihrer Biografie in der DDR erlebt. So wie meine Tochter auch, die leider kein staatliches Abitur in der DDR aufgrund ihrer Eltern machen durfte. Deshalb hat sie das beste Abitur gemacht, dass es in der DDR gab – das kirchliche, ohne Marxismus-Leninismus, aber dafür mit den alten Sprachen. Ich weiß nicht, was Ihre Eltern von Beruf waren. Wahrscheinlich haben Sie ein staatliches Abitur, da Sie 1989 Ihr Abitur ablegten. Deshalb versuche ich, Sie neutral zu verstehen.

In Ihrem Text stellen Sie die Bevölkerung gleichermaßen dar. Sie verwechseln Hass und Wut. Unter den von Wut beseelten, gibt es Leute, die vom Hass geprägt sind. Beide Gruppen sind auseinander zu halten. Ich war ein aus DDR-Sicht ein Hassbürger. Ich zählte mich zu den Wutbürgern, die verändern wollten und dafür Repressalien in Kauf nahmen. Wir haben uns nicht vereinnahmen lassen und werden uns nicht vereinnahmen.

In der DDR, zzt. da sie geboren wurden, haben wir den Schülerinnen und Schülern, auch Abiturienten, das Reden gelehrt, ihnen Musik und Literatur nahe gebracht. Sie äußern sich negativ über die Literaturkenntnisse des Ostens. Das mag für Sie vielleicht gelten. Wir haben nicht nur das kulturelle Erbe hochgehalten, (dazu zählt z.B. Haydn, dessen Streichquartett op. 76,3 bei uns zu hören war, besonders der 2. Satz), sondern haben, auch meine Tochter, bereits Erich Loest z. B. „Es geht seinen Gang“, Roswitha Geppert „Die Last, die du nicht trägst“, Ephraim Kishon, Frére Roger, Maxi Wander „Tagebücher und Briefe“, Inge von Wangenheim „Die Entgleisung“, Jurek Becker z. B. „Irreführung der Behörden“, Günter Görlich „Eine Anzeige in der Zeitung“, Stefan Heym, Ulrich Plenzdorf z. B. „Die neuen Leiden des jungen W.“, Ruth Kraft „Menschen im Gegenwind“, Alexander Solschenizyn z. B. „Der Archipel Gulag“, Boris Pasternak „Doktor Schiwago“, Christa Wolf z. B. „Kassandra – vier Vorle-sungen – eine Erzählung“, Erwin Strittmatter z. B. „Tinko“, Anna Seghers z. B. „Das siebte Kreuz“…

Uns zeichnete nicht nur die Vielfalt unserer Literatur aus, sondern wir waren sehr schnell dabei, die von der SED veranlassten Auslassungen uns aus dem Westen zu beschaffen. Bereits 1984 haben wir einen vertraulichen Brief von Klaus Höpcke an Kurt Hager über die Auslassungen zu „Kassandra“ in der Hand. Auch ein Teil unserer gemeinsamen Geschichte.

Ich wünschte mir, dass Westdeutsche ein gleich gutes Wissen über das kulturelle Erbe besäßen wie wir. Dann wüssten sie, was Goethe am 23. Oktober 1928 in Weimar zu Deutschland äußerte: „Mir ist nicht bange, dass Deutschland nicht eins werde … vor allem aber sei es eins in Liebe untereinander.“ Oder Schiller zur Freiheit geäußert hat, bevor er eine Professur in Jena annahm. Oder Heine „Denk ich an Deutschland“. Fragen Sie einmal einen Hamburger nach dem Heine-Denkmal.

Wenn man nach den Gründen der Wut forscht, dann sollte man folgende Fragen sich beantworten.

  1. Warum wurde die Entscheidung Rückgabe vor Entschädigung getroffen? Damit hängt die Frage zusammen, dass unwahrscheinlich viel Geld in den Osten transferiert werden musste.
  2. Warum wurden die Arbeitsplätze im Osten so zerstört, dass der Osten auf Transferleistung ange-wiesen war und ist? Damit wurde in einer Krisenzeit des Westens Arbeitsplätze im Westen erhalten, zu Lasten der ostdeutschen Beschäftigten. Vergleichbar wäre das mit einer sofortigen Schließung der Autoindustrie, die Dieselfahrzeuge herstellen. Oder Braunkohleindustrie.
  3. Das Ostdeutsche selbst in ihrem angestammten Landesteil sich von Westdeutschen bevormunden lassen mussten. Und das immer mit dem Hintergedanken: War da etwas in der DDR? Der ständige Verdacht, eine Gruppe Deutscher unter Generalverdacht.
  4. Warum sind die Ostdeutschen immer noch nicht gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger in Deutschland? Warum sind die Renten und Löhne nicht den westdeutschen gleichgestellt? Und das nach 28 Jahren friedlicher Revolution. Ein Novum in der Geschichte der Menschheit. Dass es mit der Gleichheit innerhalb eines Volkes anders gehen kann, beweist uns Südafrika.
  5. Die Abschaffung des ALG 2 hat vorrangig Ostdeutsche betroffen. Eine weitere Rücksetzung, die nicht kommuniziert wurde.
  6. Die Gleichberechtigung der Frauen war in der DDR weiterentwickelt als im Westen. Plötzlich muss-ten die Frauen ihre Rechte aufgeben und mussten sich dem niedrigerem Niveau des Westens anpas-sen. Hätte man bereits 1990 die positiven Regelungen für die Frauen und Mütter übernommen, dann hätten wir nicht Armut für Erziehende, dann hätten wir nicht den ungleichen Lohn.
  7. Die Ostdeutschen hatten die Lasten des 2. Weltkriegs vorrangig leisten müssen (moderne Maschi-nen mussten gegen Panzer und andere Waffen getauscht werden, 40 Jahre Ausgrenzung, 40 Jahre Umweltzerstörung, auch im Namen der westdeutschen Industrie, 40 Jahre Grenzgebiet, 28 Jahre Mauer.

Die Menschen im Osten erleben wie Geld für Bankenrettung, für Flüchtlinge, für Diktatoren und Autokraten da ist, wie Geld für Infrastruktur ausgegeben wird, aber keine Angleichung. Nicht die Rente der heutigen Jugend ist ein Problem, dieses kann leicht gelöst werden, wenn man das will, die Rente von heute ist ein Problem für die Ostdeutschen. Die Armut von heute muss zuerst gelöst werden. Die Politiker und Politikerinnen, der Journalismus haben den Ostdeutschen, nachdem sie ihre Identität verloren, das Selbstwertgefühl genommen. Das Selbstwertgefühl zu nehmen ist eine unbegreifliche Grausamkeit, eine seelische Folter. Und das 27 Jahre nach der deutschen Einheit, nicht der Deut-schen Einheit. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Hier wird sie tagtäglich mit Füßen getre-ten. Wie lange hält das eine Menschengruppe aus? In einem Sprichwort heißt es: Abschied ist die Geburt der Erinnerung. Wie wir damit umgehen, entscheidet jeder für sich selbst.

Den Ärger gegen Merkel kann ich verstehen. Man empfindet sie als das Fettauge auf der Suppe der Geschichte. Junge Menschen, die Demokratie nicht als das erleben, was sie sein kann, kann man keinen Vorwurf machen. Demokratie lebt vom Wort, vom gesprochenen Wort. Demokratie lebt vom Wechsel, lebt vom Wortwechsel, von der Einheit zwischen gesprochenem Wort und Handeln, vom Streit der Worte und Wettstreit der Worte und vom Kompromiss im Handeln. Demokratie lebt vom Personenwechsel. Demokratie braucht das „Du“. Demokratie braucht das „Ich“. Demokratie braucht das „Wir“, die Gemeinschaft, die Ideen, das Tun, die Zeit, von uns, mit uns, für uns. Und dieser Grundsatz ist in Gefahr. Die Politik entwickelte und entwickelt sich zu einem instabilen Isotop mit ganz kurzen Halbwertszeiten. Arno Gruen nennt diese politische Verhaltensweise „Verweigerung der Realität im Namen der Realität“.

Die Menschen erleben, dass der Journalismus zu Diskriminierungen schweigt. Ein Beispiel: Am 26. Juni 2017 habe ich Plakate entdeckt, die für die Bundeswehr werben sollen. „Mach, was wirklich zählt.“ Ich fühle mich diskriminiert, da ich 1. den Wehrdienst in der DDR nicht wahrgenommen habe, weder als Soldat, noch mit dem Spaten, und 2. dass ich „nur“ in der Alten- und Behindertenhilfe sowie in der Kinderhilfe tätig war. Das zählt nach der Aussage, die die Bundesregierung zu vertreten hat, nicht wirklich. Sie diskriminiert 99,5% der Menschen, die den Wohlstand für unsere Gesellschaft erarbeiten und die Regierung bezahlt, also ihre Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. Da nenne ich die Dreherin und den Dreher, die Krankenschwester und den Krankenpfleger, die Professorin und den Professor, die Künstlerin und den Künstler, die Designerin und den Designer, die Richterin und den Richter, die Ärztin und den Arzt, die Studentin und den Studenten, die Forscherin und den Forscher, die Journalistin und den Journalisten, die Reinigungskräfte, die S-Bahn-Fahrerin und den S-Bahn-Fahrer, die Buchhalterin und den Buchhalter usw. (Die Reihenfolge stellt keine Priorität dar.) Ob die Politikerinnen und Politiker etwas machen, das nicht wirklich zählt, kann die Regierung wahrschein-lich besser einschätzen als ich. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie keine ungeteilte Zustimmung unter Ihren Kolleginnen und Kollegen erfahren. Denn das bedeutete, dass das Parlament und damit die Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die Grundlage unserer Demokratie, überflüssig seien. Übrigens, zur G-20-Veranstaltung waren diese Plakate verschwunden, nachdem ich die Regierung angeschrieben hatte, und hinterher wieder da. Demokratie! Vergessen wir nicht, dass der (männli-che) Frieden auf vier (weiblichen) Säulen steht, nämlich der Freiheit, der Demokratie, der Solidari-tät und der Gerechtigkeit. Auch ein kulturelles Erbe.

Deshalb: Reden wir miteinander. Jeder muss eingeladen werden und eingeladen sein. Beginnen wir eine neue Epoche der Aufklärung durch Transparenz in Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität. Es gibt nur einen Ausweg aus dieser scheinbaren Ausweglosigkeit. Wir brauchen wieder einen runden Tisch, an dem die Regierung einer nationalen Einheit und politische Persönlichkeiten ohne Parteibuch nach Lösungswegen suchen. Das müssen keine gewählten Vertreter sein, sondern Menschen mit Weitblick und versöhnlichen Gedanken. Wenn die Regierung sich mit gerichtlich festgestellten Be-trügern an einen Tisch setzt, dann muss sie es auch mit unbescholtenen Bürgerinnen und Bürgern tun. Ich stünde auf alle Fälle in Demut zur Verfügung. Wenden wir die Exekution der Freiheit auf dem Scheiterhaufen der Sicherheit ab. – Ortwin Ringleb


Leserbrief zu „Ein zorniger Veränderer“ von Werner A. Perger

Ja, es ist wahr:“Heiner Geißler war immer in Bewegung, liebte den  Konflikt“ und „Geißlereien“, wie Willy Brandt den „zornigen Veränderer“  etikettierte. Aber als er am 9. März 1977 Generalsekretär der CDU wurde,  hatte ein anderer bereits die Modernisierung der Partei vorangetrieben:  Kurt Biedenkopf. 1973 hatte die CDU den Rücktritt des unglücklich  agierenden Vorsitzenden Rainer Barzel hinnehmen müssen. Helmut Kohl  wurde am 12. Juni 1973 Parteivorsitzender. Seine erste Amtshandlung war,  den wie er 1930 in Ludwigshafen geborenen alerten Professor und  ehemaligen Henkel-Manager Biedenkopf, der es gelernt hatte, die  Organisation eines großen Apparates excellent zu handhaben, zum  „General“ zu berufen. Biedenkopf machte aus der unter Barzel  verlotterten CDU eine moderne Partei, wollte aber nach vier Jahren nicht  weiter im Schatten eines Parteivorsitzenden bleiben, dem er sich  intellektuell weit überlegen fühlte. Kohl hatte aber einen ebenbürtigen  Nachfolger: Heiner Geißler, den er 1967 zusammen mit Bernhard Vogel in  Rheinland-Pfalz als Aufpasser im Kabinett Peter Altmeier durchgesetzt  hatte. Altmeier blieb pro forma im Amt bis Kohl ihn 1969 als  Ministerpräsident bis 1976 ablöste.  Heiner Geißler, 1965 in den Bundestag gewählt, wurde in Mainz Minister  für Soziales, Gesundheit und für Sport und hatte damit ein weites Feld  in der Gesellschaftspolitik, das er mit Leidenschaft und skrupellos  beackerte. Enttäuscht war er, als nicht er, sonderen Bernhard Vogel CDU  Landesvorsitzender wurde. Die CDU wurde für ihn Nebenschauplatz, bis er  im März 1977 beim Bundesparteitag in Düsseldorf zum Generalsekretär  avancierte.

In Rheinland-Pfalz hatten seine scharfe Zunge und sein forsches  Auftreten nicht nur Sozialdemokraten, sondern auch Gewerkschafter  verärgert. Kritisierte die SPD ein sozialpolitisches Problem, konterte  er „was nützt die beste Sozialpolitik, wenn die Kosaken kommen“ und  freute sich spitzbübisch, wenn die Gegner sich erregt an die boshafte  Unterstellung erinnert fühlten, Sozialdemokraten seien „die fünfte  Kolonne Moskaus“.  Obwohl Mitglied in Hans Katzers und  Norbert Blüms schwarz-roten  Sozialausschüssen, prangerte Geißler die „Übermacht der Organisierten“  an, die er 1976 in seinem Buch „Die Neue Soziale Frage“ beschrieben hat.  In Mainz hatte er Arbeitskammern mit zwangsweiser Mitgliedschaft aller  Arbeitnehmer schaffen wollen, die „sich in allen sozial-, wirtschafts-  und berufspolitischen Fragen für die Interessen der Arbeitnehmer  einsetzen“. Gewerkschaften sollten überflüssig werden, die „Mitarbeit  des DGB“ solle neben katholischen Standesvereinen „nötig“ sein.  Der Jesuitenschüler Geißler, der einmal behauptet hat, den Gott der  katholischen Theologie gebe es nicht, kämpfte für ein „Schwarzes  Rheinland-Pfalz“. Der viel gelobte Erfinder der Sozialstationen duldete  diese Einrichtung nicht in Händen der Arbeiterwohlfahrt. Träger sollten  die katholische Caritas oder das Diakonische Werk der evangelischen  Kirche sein. Bei Kindergärten verfuhr er ähnlich. Als kritisiert wurde,  für Kindergärten gebe es in Rheinland-Pfalz weniger Geld als in Hessen  und NRW, zauberte er ein neues Gesetz wie ein Kaninchen aus dem Zylinder  und verkündete, „wir haben das erste Kindergartengesetz der  Bundesrepublik“. Das Gesetz legte fest, Gemeinden dürften nur Träger von  Kindergärten sein, wenn es „keine freien Träger“ gebe. Die fanden sich  immer in Kirchengemeinden.  Als Geißler Minister in Mainz wurde, verkündete er gerne, die CDU sei  „die beste aller Parteien“. Wer dieser idealen Partei in die Quere kam,  wurde wortgewaltig und mit rüden Methoden attakiert. Als Generalsekretär  behielt er diese Praxis bis zum Bremer Parteitag 1989 bei, als er  glaubte, im Interesse der Partei Kohl durch seinen alten Freund Lothar  Späth ersetzen zu müssen. Seinem Ansehen als Querdenker hat das bei  Freund und Feind nicht geschadet. – Theobald Groß


Leserbrief zu „Der Ersatzkaktus“ von Doris Dörrie

Wir bringen auch aus aller Welt Kakteen mit, meist nur Blätter mit etwas lokaler Erde, die dann bei uns zu Hause wurzeln und groß werden. Besonders aus Mexiko, wo wir seit 20 Jahren etwas zu Hause sind, kommen unsere stachligen Freunde. Zuletzt konnte ich auf einer Nord-Süd-Fahrt der Baja California viele Kakteen besichtigen, und ein kleienr Ableger reiste im Koffer mit zurück.  Es ist ja schade, dass der kleine Nopal bei Dir so traurig ist – es fehlen ihm bestimmt Hitze, Sonne, Mariachi und Artgenossen. Gemeinsam im Topf oder Gruppe – so unser gefühlte Erfahrung – tun sich die Kakteen leichter mit den 10.000 km Entfernung von Mexiko. Dass wir öfters mexikanische Musik hören, mexikanische Freunde uns besuchen und Tequila & Tortillas geniessen, bekommen die Kakteen wohl auch mit.  Gerne geben wir Dir einen (Ersatz) Kaktus ab,  der schon die klimatische und kulturelle Hürde genommen hat. Im November reise ich wieder nach Mexiko, und bringe neue botanische Immigranten mit. – Hans und Susanne Hess


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Wenn ich meine 3 Söhne (heute erwachsen) über Jahre beobachtet habe, dann ist das in der Tat aussergewöhnlich. Die wählen die Mutter Gottes und fertig. Fragen sie warum: die lässt uns arbeiten und lernen und nervt uns nicht mit dem sozialen Gehabe. Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich. Peng! Die Medien vermitteln täglich ein anderes Bild. Gezielt und unverdrossen zeigen sie Menschen, die das Beklagen.  Warum rückt das Land nicht nach links – fragen Sie. Die Medien möchten das gern. Die Wirklichkeit sieht anders aus, die von Ihnen ständig ignoriert wird. Damit will ich nicht sagen, daß es auch Jugendliche gibt, die das sehr wohl interessiert. Aber das ist eben die Minderheit. Und das ist auch gut so. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Der zerbrechliche Riese“ von Tilman Jens

Ich vermag diesen doch recht gehässig geschriebenen Artikel nicht als eine objektive Schilderung zu erkennen. Offensichtlich hat der Autor die Niederlage vor dem LG Köln nicht  verwunden. – Dr. Hans Georg Rummel


Leserbrief zu „Zähes Geschöpf“ von Josef Joffe

Wie immer mit grossem Interesse habe ich Ihre Zeitgeist-Kolumne zum „Zaehen Geschoepf“ Nationalstaat gelesen. Und in Grossbritannien – wohin ich vom durch und durch europaeisch gesonnenen Luxemburg aus woechentlich einmal pendle  – hat der Nationalstaat ja in der Tat keineswegs kapituliert, ebensowenig in jenen Mittel-Osteuropaeischen und Mittel-Oestlichen Laendern, die regelmaessig die Krisen-Beitraege der „Zeit“ fuellen. Der Nationalstaat scheint mir damit aber eher die wahrscheinliche Ursache denn eine moegliche Loesung der grossen Probleme der Zeit zu sein und das Anwachsen der UN-Mitglieder eher ein Indiz dafuer zu, dass die zwischen dem Hundertjaehrigen und dem Zweiten Weltkrieg geschafffenen Nationalstaat in alte und neue Gliedstaaten „nach unten“ zerfallen und in neue zwischen- und ueberstaatliche Voelkerrechtssubekte „nach oben“ aufgehen, die zunaechst die problemloesenden Aufgaben und schlussendlich die sinnstiftenden Aufgaben der Nationalstaaten der Neuzeit uebernehmen, wie Jose Ortega y Gasset dies bis fuer sein Land noch heute sehr eindruecklich – und in Katalanien aktueller denn je – im „Aufstand der Massen“ beschrieben hat: was heute als nationale Gemeinschaft ebenso „natuerlich“ erscheint wie Spanien war dies zuvor als Aragon und wird dies in der naechsten Generation vielleicht als Europa sein, weil alleine dies die grossen sozio-oekonomischen Herausforderungen wie kuenstliche Intelligenz in der Arbeitswelt, Migration und „Generationengerechtigkeit“ zu loesen vermag, um nur einige der Themen der „Zeit“ dieser Woche aufzugreifen. Emmanuel Macron und seine grosse Vorwahl-Koalition hat mit Europa ebenso gewonnen wie die (wahrscheinliche) Grosse Koalition vor und nach der Wahl in Deutschland unter Angela Merkel und Martin Schulz.

Und vielleicht erklaert die Tatsache, dass Angela Merkel den auf die mittleren bis aelteren Waehler der  „Zweidrittel-Gesellschaft“ gemuenzten wirtschaftlichen Wohfuehl-Slogan von „uns ging es noch sie so gut“ mit dem auf die juengeren und junggeblieben Waehler gemuenzten ideellen Wohfuehl-Slogan von „wir schaffen das“ in der Fluechtlingskrise verband, dass die Jungwaehler in Deutschland – anders als in den angel-saechsischen Laendern mit ihren wirtschafts-und national-konservativen Regierungen – bisher nicht „nach Links ruecken“. In Grossbritannien wird Angela Merkels Entscheidung im Sommer 2015 zwar fuer die „Brexit“-Entscheidung mitverantwortlich gemacht – auch wenn dies eher auf eine verantwortungslose Berichterstattung zurueckzufuehren ist – aber es gab auch andere Reaktionen wie die von Baroness Neuberger, die sich aufgrund von Angela Merkels humanitaeren Entscheidung in der Fluechtlingsfrage entschloss, den ihr angebotenen deutschen Pass anzunehmen und ich kenne viele, die auch anfingen, stolz auf ihn zu sein. Meines Erachtens nach wird das materiell wie ideell ueberlebensfaehigste Geschoepf das einer gestufen Ordnung und Identiaet sein: als Buerger einer Heimatstadt und region, eines Landes, Europas und der Welt. – Daniel-Christian Mörler


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Inzwischen bin ich etwas allergisch gegenüber dieser immer wiederkehrenden Darstellung, die Ostdeutschen brüllten, wir seien ein Volk. Wer rief das wirklich? Oder wer inszenierte es hinein? Die Ostdeutschen riefen: Wir sind das Volk! Das war die Essenz einer Entwicklung, die ich selbst mit bezeugen kann. Ich bitte Sie darum, mit darauf zu achten, dass eine Wahrhaftigkeit im journalistischen Gebrauch der Zeithistorie erkennbar ist. – Dr. Renate Schubert


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

„Viele kleine blaue Tropfen verteilen sich über Deutschland! Sowas macht mich fröhlich.“

Und dieser herrliche Artikel von Greta Taubert macht MICH fröhlich !!!!! Er hat für mich alle Qualitäten eines guten, klugen Beitrages: Sehr unterhaltsam geschrieben, teilweise schön „subversiv“ (1.Abschnitt!!), das modische Trend Hinterherdackeln wird fein seziert. Dazu gibt’s köstliche Seitenhiebe gegen alle, die ALLES glauben, was die Werbung ihnen suggeriert, ohne mal in Ruhe nachzudenken und nachzuforschen, was sie da eigentlich tun. Soweit ich es beurteilen kann, finden sich darüber hinaus aber auch noch interessante Recherchen zu den Themen Wassergewinn und Firmengewinn und den unlauteren Profitmaximierungen von Nestle und Danone unter dem Mäntelchen des Gesundheitswahnes. Der letzte Teil des Artikels fasst recht gut noch mal wichtige Fakten dazu zusammen ohne moralisiernd zu wirken. Bis zum Schluss trotz allem lustig..Glänzender Journalismus – Glückwunsch und bitte mehr davon!!!! (Denn auf viele üble Schicki Micki Artikel im ZEIT Magazin könnte ich gut verzichten….Natürlich nicht auf Janosch, Martenstein und Elisabeth Raether).. – Leonore Pastewka


Leserbrief zum Titelthema „Warum rückt das Land eher nach rechts als nach links?“

Bei der Lektüre der Artikel tauchen Fragen auf: Ist die politische Unterscheidung zwischen rechts und links aus den Anfangszeiten unserer Demokratie heute noch zeitgemäß? Liefert die rein räumliche Verortung eine zuverlässige Definition und Abgrenzung politischer Inhalte? Führt „rechts-links“ nicht vielmehr zu einer riskanten Simplifizierung und Verwischung differenzierter politischer Standpunkte und Ziele? Wirkt diese unzulässige Vereinfachung am Ende beim Wähler nicht kontraproduktiv und fördert ein undemokratisches Freund-Feind-Denken?

Wir kennen rechte Parteien (CDU/CSU, FDP, AfD), die stellen Wirtschaft und Kapital in den Mittelpunkt ihrer Analysen und Strategien und betrachten den Bürger, vereinfacht, als deren Bestandteil. Wir haben die Linken und die Grünen, deren politische Verantwortung gilt primär dem Wohl des Bürgers. Wirtschaft und Kapital haben dort eher dienende Funktion. Diese grobe Unterscheidung zwischen den beiden Wertestandorten „Vertreter der Wirtschaft“ einerseits und „Humanisten“ andererseits reicht natürlich nicht. Sie müsste in den Namen und den Programmen der Parteien ausgebaut und verfeinert werden. Dann erst könnte der Bürger seine jeweilige Rolle in unserer demokratischen Gesellschaft und seine politische Heimat auf anregenden, anspruchsvollen und interessanteren Wegen finden, als ihm das heute möglich ist. – Anselm Stieber


Leserbrief zu „Huhu, hört ihr mich?“ von Maximilian Probst

Vielleicht ist die geringer als erwartete Zahl der Zuschriften zum Leseraufruf ein Zeichen dafür,  daß die  ZEIT den 15 -25jährigen eben auch zu wenig bietet, was ihnen politisch interessant sein könnte! – Ernst Haase


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

In den „weichen“ Fächern ist das mit den befristeten, schlecht bezahlten Arbeitsplätzen fast immer so gewesen. Ich selbst war etwa 10 Jahre meiner Berufstätigkeit beim Theater und dort sind unbefristete Festanstellungen (vielleicht mal von der Theaterkasse und der Verwaltung abgesehen) niemals je ein Thema gewesen. Wenn man das Theater anstrebt, muss man wissen, worauf man sich einlässt. Das war immer so, vermutlich schon vor 2000 Jahren. Vom Staat bezahlte Stellen sind nun mal nicht besonders gut dotiert, dafür darf man dann Dinge tun, die einen interessieren (Ausstellungsskuratorin z.B.). Viele junge Leute scheinen das ganz pragmatisch genau so zu sehen wie ich in den späten Achtzigern.

Davon abgesehen gibt es auch bei den weichen Fächern durchaus Möglichkeiten, Karriere zu machen und Geld zu verdienen, z.B. im Vertrieb. Und in anderen Bereichen, z.B. Hauswirtschaft, werden die Absolventen mit Kusshand genommen. Aus meiner Sicht hat sich also, was die Berufsaufnahme in den weichen Fächern betrifft, seit den 80ern nichts geändert. – Dr. Verena Streitenberg


Leserbrief zu „Zu intelligent fürs Leben” von Gero Von Randow

Gratuliere zu Ihrer Formulierung  „Sie erkennen nicht, wo die Grenzen ihrer Kompetenz zu liegen“ bei Ki-Systemen. In künftigen Artikeln erwägen Sie bitte auch die Formulierung, dass maschinell lernende Systeme „nicht auf Unverhergesehenes trainiert“ werden können (das ist logisch unwiderlegbar), während der Mensch mit Unvorhergesehenem mit seinem assoziativ und logisch arbeitenden Hirn durchaus fertig wird. – Dr. Dirk Bade


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Langweilen Sie Ihre Leser mit Fußballern. Warum nur? Wenn ich mir die Leserbriefe angucke, dann regen sich ziemlich viele Leser darüber auf. Warum ärgern Sie die Leser. Das sollten Sie den Sportzeitungen überlassen. Der Fußball ist ohnehin kein Ballspiel mehr. Es geht nur noch darum den Gegner kampfunfähig zu machen. Die vielen Verletzten sind das Ergebnis. – Gunter Knauer


Leserbrief zur Grafik „Buntes auf dem Bildschirm“ von Matthias Schütte und Sven Stillich

Da quält ihr euch über viele Seiten und Artikel dieser Ausgabe mit der Frage herum, warum ihr (auch in Person unsrer lieben Politiker) euch aus dem Osten so angebrüllt fühlt. Schaut euch einfach eure Seite 44 an. Da habt ihr einen schönen „Überblick über die wichtigsten Unterhaltungsshows der letzten 50 Jahre“ in den „deutschen Wohnzimmern“ hinbekommen. Ganz in Siegermanier. Ihr merkt es glaube ich wirklich nicht. Jaja, es geht doch um das Farbfernsehen und das kam im Osten vermutlich bisschen später. – Eva Säuberlich


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Liebe Frau F., ihr Artikel hat etwas bei mir erzeugt, was mir beim langjährigen Lesen der „Zeit“ noch nie passiert ist. Meine Nackenhaare haben sich vor Entsetzen und Wut in Sekundenschnelle dauerhaft aufgerichtet. Ihr übles Vokabular, brüllende Ossis, Hochmut der Beleidigten bei Ossis , Nazis und Südstaatler gleichermaßen, dass Volk zeigt im Osten zeigt jetzt ein so hässliches Gesicht , ist eine solche dreckige Steilvorlage für die rechtsradikalen Gesinnungstäter, dass man ihnen ihren ostdeutschen Geburtsort Halle aberkennen müsste. Und sie haben garantiert während des G 8 Gipfel in HH einen schicken Urlaub gemacht, den ich Ihnen natürlich von Herzen gönne. Jedenfalls waren in HH wohl auch ein paar Wutbürger dabei. Waren aber wohl nich alle aus dem Osten mit dem hässlichen Gesicht. Schade, ne?? – Hartwig Pradel


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Ebenso wie Herr Shaller kann auch ich natürlich nur für den Teil der   jungen Generation sprechen, der mir aus dem Familien- oder Freundeskreis   bekannt ist, doch dieser Teil ist hochpolitisch, gut informiert und denkt   vor allem global. Ein Großteil lebt vegetarisch – nicht nur aus Liebe zu den Tieren, sondern   weil sie sich der verhehrenden Folgen der Massentierhaltung für die   weltweite Agrarwirtschaft und das Klima bewusst sind. Sie bemühen sich,   ökologisch und fair produzierte Kleidung zu kaufen, soweit es der   Geldbeutel zulässt, und die Aussage, ein Auto nicht für ein   erstrebenswetes Gut zu halten, ist durchaus keine Schutzbehauptung, um die   eigene Bedürftigkeit zu verschleiern. Vor allem aber ist diesen jungen Menschen sehr bewusst, dass der deutsche   Wohlstand, mit dem sich Frau Merkel so gerne schmückt, auf Kosten anderer   Weltregionen erreicht wurde, die unter den Folgen des Klimawandels und   globaler wirtschaftlicher Verstrickungen erheblich mehr leiden, als es   deutsche Jungakademiker mit unbezahltem Praktikum tun. Angesichts dieses   Bewusstseins wütend nach einem eigenen Stück der fetten Torte zu schreien   – undenkbar! Sie würden sich eher zu Tode schämen. – Susanne Tammena


Leserbrief zu „Versöhnung war gestern” von Michael Thumann

In Ihrem Artikel ist Ihnen ein Umrechnungsfehler unterlaufen: Eine  Billion Dollar wären 840 Milliarden (in nicht Millionen) Euro. Die  „billion“ im amerikanischen Sprachgebrauch entspräche dagegen einer  (deutschen) Milliarde. Es ist allerdings anzunehmen, dass der polnische  Innenminister den im Artikel angegebenen Euro-Betrag (840 Millionen)  fordert. Warum hat er eigentlich in Dollar gefordert und nicht in Euro? – Jörn Bullwinkel


Leserbrief zu „Unser blauer Patient“ von Stefan Schmitt

Ich muss Ihnen ein Kompliment für diesen Artikel aussprechen. Da er ein so klares Bild vom erschreckenden Zustand unserer Erde abbildet. Noch erschreckender finde ich allerdings, dass dieses immense Problem nicht einmal in einer satten und aufgeklärten Wohlstandsgesellschaft wie unserer klar thematisiert wird. Weder im Wahlkampf, geschweige denn im tatsächlichen politischen Handeln.

Den Menschen muss vermittelt werden, dass es ohne ein wenig Verzicht nicht zu schaffen ist.

Wenn meine Kinder mich mal fragen werden: warum habt ihr damals nichts getan als es noch möglich war? Dann habe ich keine Antwort. – Jakob Bröhan


Leserbrief zu „Hau ab!“ von M. Brost et al.

Furcht vor Fremdem (von DAS Fremde) ist ein in einer potenziell gefährlichen Welt ein tief sitzender Schutzreflex bis hin zu Vögeln und Fischen. Er hat eine wichtige Schutz-Funktion auch bei uns. Wenn Sie irgendwo neu hinziehen, ist eine ihrer ersten Maßnahmen, die nähere Umgebung zu erkunden, um die Fremdheit abzubauen. Im unbekannten fremden Wald gehen Sie lieber dort, wo schon andere gegangen sind. Es gibt endlos Beispiele dieser Art. In Westdeutschland hatte man Jahrzehnte Zeit, sich an Fremde zu gewöhnen, doch auch in Stuttgart gab es Spannungen, als in den 60er Jahren der Ausländeranteil auf über 20% stieg. Inzwischen nimmt man Italiener und Spanier nicht mehr als fremd wahr, ein Erfolg der EU-Integration. Aber es braucht Zeit. So lange sich immer noch Leute wundern, dass dort, wo das Unbekannte unbekannt ist, mehr Angst herrscht als dort, wo man es schon kennt und es vertraut ist, ist nichts begriffen. – Andreas Elepfandt


Leserbrief zu „Zu intelligent fürs Leben” von Gero Von Randow

Vielen Dank für diesen hervorragenden Artikel. Als theoretischer Neurowissenschaftler beschäftige ich mich unter anderem mit (künstlicher) Intelligenz und beobachte den seit einiger Zeit kursierenden Hype sowie die damit einhergehende Panik. Leider gehen im Diskurs bisher die tatsächlichen Möglichkeiten und Beschränkungen der Technik neben ebenjenem Duo aus Hype und Panik weitgehend unter. Schön, dass Sie durch Recherche und Auswahl tatsächlicher Experten, deren  Ziel es nicht ist ihren eigenen wirtschaftlichen Mythos zu fördern (Musk) oder eher philosophisch motivierte Utopien zu spinnen (Hawking), ein realistisches Gegengewicht geboten haben. Hoffentlich gelingt es mit solchen Artikeln das öffentliche Bewusstsein auf die tatsächlichen Herausforderungen von Techniken künstlicher Inteligenz zu lenken. – Simon Renner


Leserbrief zu „Unter Strom“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Zum Frühstück lese ich oft das Magazin, obwohl mir der Inhalt immer weniger gefällt. Ihr Autor lebt wahrscheinlich in Berlin. In Düsseldorf tragen junge Menschen zuhauf einen Hut  Und die Story vom Zahnarzt kann ich gut verstehen. Er hätte zu meinem Zahnarzt besser Zahnärztin gehen sollen. Da wäre ihm das alles nicht passiert. Und er wäre wieder gerne zur Zahnärztin gegangen. Vor allen Dingen auch deswegen, weil sie verdammt gut aussieht……. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Sehr interessant und lesenswert, auch wenn ich nicht in allen Punkten zustimme. Die Quote der Studienanfänger ist von 1980 bis 2015 von 19,5% auf 58,2 % gestiegen. Die Diskussion über gefühlte und tatsächliche Wertigkeit des Studiums erscheint mir überfällig.  Vergleiche ich den relativen Wohlstand meiner Jugend mit heute (Anzahl Autos, Reisen, Gadgets) ist die Entwicklung durchaus proportional. Die gewählten Anfangsbruttoeinkommen von 130.000 € (p.a.) und 1.800 € (p.m.) halte ich nach meinen Erfahrungen für sehr extreme und zu bedauernde Einzelfälle. Die Sozialleistungsquote stieg von 24,1% (1990) auf 29,2% (2015) ein Prinzip von steigender Eigenverantwortung kann ich daraus nicht ablesen. Die großen Themen (z. B. Gerechtigkeit, Ressourcen, Jugendarbeitslosigkeit) sehe ich nicht durch linke oder rechte Programme lösbar – vielleicht ist die heutige Jugend nicht nur „reicher“, sondern auch realistischer in ihrer Einstellung. – Andreas Klingebiel

Leserbrief zu „Die Lust an der Vergeblichkeit” von Bernd Ulrich

Die Situationsbeschreibung über die, die „am Unrecht der DDR beteiligt  gewesen“ sind  (vulgo: Stasi), die dann „über den eigenen Schuldanteil  nicht wirklich öffentlich reden“ konnten, weil man „ständig  angeschrien…, moralisch herabgesetzt, wenn nicht vernichtet wurde“  lässt sich 1:1 auf SS-Leute nach 1945 übertragen. Das sagt einiges über  die Berechtigung dieser Mitleidsfloskel („Im Westen macht man sich keine  Vorstellung davon, wie es war …“). Die Summe dieser ZEIT-Ausgabe frei  nach Ihrem Star-Humoristen Dausend: „Wahlhilfe first. Denken second.“. – Rolf Platho


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Unbezahlte Praktika und auf Dauer angelegte, schlecht bezahlte, befristete Jobs sind unschöne Auswüchse, die korrigiert werden müssen. Darin stimme ich mit dem Autor überein. Allerdings kann ich die Klagen über die Lasten und Ungerechtigkeiten, welche die Generation Y zu tragen hätte, nicht nachvollziehen. Keine Generation vorher hatte vergleichbare Möglichkeiten während Schule, Ausbildung und Studium. Natürliche gibt es genügend Einzelfälle, an denen Missstände aufgezeigt werden können. Schlecht bezahlte, unangenehme Nebenjobs während Schule und Studium gehören m.E. allerdings nicht dazu. Die gab es schon vor 40 Jahren (z.B. 8h täglich im Wasser stehend Bierfässer reinigen). Das Handwerk hat übrigens Schwierigkeiten seine Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze mit qualifiziertem Personal zu besetzen. In der Regel nicht üppig aber sehr ordentlich entlohnt. Vielleicht ist es ja für den oder die ein oder andere der  Generation Z eine Option, statt Mediendesign oder Event-Management, eine Ausbildung zum Elektriker, Schreiner, Spengler, Heizungsbauer oder Lüftungsfachmann/frau in Erwägung zu ziehen. Nicht ganz so hipp und sexy, aber gefragt und ordentlich bezahlt.  PS: Links zu sein ist – und war schon immer – ein Privileg der Jugend. – Dietmar Baier


Leserbrief zu „Museum“

Zunächst möchte ich Ihnen zu der Beilage „Museum“ gratulieren. Es ist wunderbar, dass die Museen in gesonderten Artikeln gewürdigt werden. Leider kommen die Museen der Naturwissenschaften und Technik nicht vor. Auch diese gehören zur Kultur. Wir als Freundes- und Förderkreis des Deutschen Museums sehen es als unsere Aufgabe an, Menschen jeglichen Alters für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Es wäre sehr schön, wenn die ZEIT auch über das Deutsche Museum und andere Technische Museen berichten würde. Kunst und Technik schließen sich übrigens auch nicht aus. Der Freundeskreis der Alten Pinakothek, der Pinakothek der Moderne und unser Freundeskreis werden unter dem Motto „Kunst trifft Technik – Technik trifft Kunst“ gemeinsame Veranstaltungen für ihre Mitglieder durchführen, die erste findet am 14. Dezember 2017 statt. Ich hoffe, dass ich Ihr Interesse für das Deutsche Museum damit geweckt habe. – Dr. Sabine Rojahn


 

Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Der Autor hat natürlich mehr als recht, wenn er moniert, daß unser „System“ auf Kosten der Jungen funktioniert. Wenn seine sicher qualifizierten Recherchen ergeben haben, die Jungen (in Deutschland) kommen gar nicht auf die Idee, staatliche Eingriffe und Umverteilung zu fordern, so ist dieses Faktum höchst bedauerlich. Wenn Grosseltern, die möglicherweise nicht im Überfluß gelebt haben, ihren Enkeln Hilfe im Studium geben, dann ist dieses für das Individium Enkel oder Enkelin zwar angenehm aber grundsätzlich abzulehnen, da hierfür prinzipiell der Sozialstaat aufzukommen hat. Steuern, von wem auch immer, werden ja zur Genüge eingenommen. Wenn man nach einem Wunschstudium vom Staat keinen garantierten Arbeitsplatz erhält, so ist dieses etwas, was unserem „System“anzulasten und grundsätzlich abzulehnen ist. Ein Graphikdesign- Master fühlt sich vom Staat verständlicherweise hintergangen, der ihn  mit ausgeübtem zeitlichen Druck an einem vergnüglichen Studentenleben, wie im neunzehnten Jahrhundert üblich, gehindert hat. Die Herausgeber der ZEIT sollten überlegen, ob sich ein solches journalistisches Talent nicht sofort für die Chefredaktion empfiehlt. – Klaus Grasenick


Leserbrief zu „Sie wollen doch nur üben“ von Alice Bota

Ihr Artikel, mit dem Sie ja auch dem westlichen Lager seine Politik  verdeutlichen möchten, finde ich wichtig. Vielleicht, um zu deeskalieren  und eine notwendige Brücke zwischen Ost-West zu bauen, können Ihre  Kollegen, die in Deutschland arbeiten, über die Gedanken von „Pluraler  Frieden – Leitgedanken zu einer neuen Russlandpolitik“ HSFK-Report  2/2017 berichten bzw. ein Interview mit den Autoren Dembinski und  Spanger führen, auch wenn es seitens etlicher Autoren starke  Gegenpositionen gibt, die in der Zeitschrift Osteuropa artikuliert  wurden  – alle Artikel siehe  https://www.zeitschrift-osteuropa.de/themen/internationale-beziehungen/aussen-und-sicherheitspolitik/Walther Moser


Leserbrief zu „Nicht alles schlucken” von Greta Taubert

Ich danke Frau Taubert, dass sie ‚das Fass zum Thema Wassertrinken‘ geöffnet hat!  Endlich mal jemand – ausser mir – der sich Gedanken über den Wassertrinkwahn macht. Mich beschäftigt dieses Thema seit 1999. Am Grand Canyon entdeckte ich eine Reisegruppe, die vom Bus bis zum Rim max. 100 m zurücklegen musste. Jeder hatte eine 0,5 l Flasche mit Wasser in der Hand. Es war keine Gruppe, die zu einer Wanderung aufbrach. Inzwischen ist der Wassertrinkwahn längst zu uns hinübergeschwappt. Meine jugendliche Skepsis hat mich auch mit 62 Jahren noch nicht verlassen. Vor allem erinnere ich, dass während meines Sportstudiums vor mehr als 40 Jahren niemand mit einer Flasche Wasser zum Sport kam.

Meine Sommerferien in der Schulzeit habe ich regelmäßig auf dem Bauernhof meiner Großeltern verbracht. Zur Feldarbeit und Getreideernte wurden keine Getränke mitgenommen. Ist es nicht erstaunlich, dass die Menschen früher ohne Zufuhr von Flüssigkeit zwischen den Mahlzeiten keinen Schaden genommen haben?! Mein Großvater ist 89 Jahre alt geworden und hat bis fast zu seinem Ende noch leichte Arbeiten auf dem Hof verrichtet. Warum wundern sich meine massiv Wasser trinkenden Zeitgenossen nicht darüber, dass man früher ohne diesen Mineralwasserhype überleben konnte? Es kann doch nicht sein, dass die meisten Menschen offensichtlich völlig unkritisch der unterschiedlichen Werbung gegenüber stehen. Natürlich braucht unser Körper Flüssigkeit, und die errechneten 2 l/Tag decken wir zur Hälfte bereits durch das, was wir essen, denn ausser in Zwieback und Knäckebrot ist in fast allen Speisen Wasser enthalten. Falls ich Wasser trinke, ist es unser gutes Leitungswasser. – Brigitte Ganschow


Leserbrief zu „Zu intelligent fürs Leben” von Gero Von Randow

Roboter, Software, KI können kein Bewusstsein entwickeln? Dann beantworten Sie sich bitte dazu zwei Fragen:

  1. Was spricht dagegen, dass eine Maschine, die genauso komplex wie das menschliche Gehirn ist, Bewusstsein entwickelt?
  2. Würde ein Ausserirdischer, der ein isoliertes menschliches Gehirn untersucht, folgern, dass ein Lebewesen damit zwangsläufig Bewusstsein entwickelt?

Komplexe Systeme entwickeln immanente Eigenschaften, das heißt Eigenschaften, die sich nicht aus dem System direkt folgern lassen. Ich vermute, ab einem bestimmten Grad von Komplexität entwickeln alle Systeme Bewusstsein. – Uwe Dieckmann


Leserbrief zu „Stolz der Verlierer“ von Evelyn Finger

Der Aufmacher von Evelyn Finger reiht sich meines Erachtens prominent in die Reihe ossiphober Artikel der ZEIT ein. Die Geschichtsvergessenheit und Arroganz des Textes sind haarsträubend. Der Untertitel diffamiert die Ossis pauschal als Feinde der Freiheit. Unglaublich! Die Menschen im Osten haben ihre Befreiung aus eigener Kraft vollbracht. Und dass sie damals das Unwort „Volk“ gebrauchten, war kein Hauch von rechtslastig, denn es sei erinnert: nur in der BRD gab es Nazirichter, Wehrmachtstradition und eine NPD. Die braune Soße schwappte von West nach Ost.  Auch wurde „Wir sind das Volk“ nicht „gebrüllt“, sondern es war der gewaltfreie Ruf nach Veränderung und Freiheit.

Die Wessis hatten zu diesem Zeitpunkt die Einheit Deutschlands längst verkauft und sich aufs Geschäftemachen mit der Clique Honecker und Schalck verlegt. Als die Ossis die friedliche Wende erreicht hatten, fielen die Gierigen über den Osten her und haben die Problemsituation geschaffen, die der Autorin nun offenbar so unangenehm ist. Falls die Autorin Interesse an den Ursachen verspürt, empfehle ich als Lektüre die Studie der Uni Leipzig „Wer beherrscht den Osten?“ Letztendlich sollte man auch unterscheiden zwischen Wut und Hass. Trillerpfeifen bei Wahlkampfgedöns sind friedlicher Protest. Die Ossis haben Grund zur Wut und die Geschichtsbücher werden belegen – zu Recht! Ob auch rechtzeitig für eine Wende zum Besseren, wird sich zeigen. – Detlef Ulrich


Leserbrief zu „Und ausgerechnet ihr bleibt still!“ von Caspar Shaller

Wenngleich sich Caspar Shaller in o. g. Artikel, auch entlang eigener und als stellvertretend betrachteter biographischer Gegebenheiten argumentierend, u. a. der Gefahr einer Betroffenheitsverengung und Selbstbespiegelung aussetzt, ist ihm eine wichtige und überzeugende Aufklärungsleistung darüber gelungen, welche gesellschaftlichen/ ideologischen Konformitätsfaktoren – vorliegend insbesondere die Jugend-bezogene – Revitalisierung und (allgemein) Perpetuierung kapitalistischer Ausbeutungsstrukturen befördern.

Es mag die vorurteilsbeladene Ignoranz eines 40-Jährigen aus mir sprechen, aber ich habe mich selten mit einem solcherart (auch bzgl. Gegenstandsauswahl) klaren Blick für Relevanz und argumentative Umsicht aus der Feder eines Endzwanzigers konfrontiert gesehen. Bleibt mir, auf einen – gegen den hier beschriebenen Trend bewahrten – klügeren und würdigeren Umgang der ZEIT-Verantwortlichen mit ernstzunehmenden Nachwuchsautoren zu hoffen. – Martin Ditz


 

 

7. September 2017 – Ausgabe 37

Leserbrief zu „Der untaugliche Plan“ von Petra Pinzler

Den Überlegungen von Frau Pizler stimme ich vollkommen zu! Ich halte den Plan aber außerdem für ungeheuerlich:
Seit Jahrzehnten wird Diesel durch die Steuerbegünstigung subventioniert. Und schon vor Jahrzehnten waren zumindest helle Diesel-PKWs an den Schmauchspuren über dem Auspuff bereits von Ferne zu erkennen. Auch damals schon wurden die Diesel durch „geschickte” Bewertung des Feinstaubs sauber gerechnet. Und selbst heute noch kann man sehen, dass z. B. Diesel-BMW beim Start an der Ampel eine Rußwolke abblasen.
Nun soll nach dem neuen Plan die Allgemeinheit aller Steuerzahler die Sanierung der Dieselschäden finanzieren.
Wenn sich schon niemand traut, die Steuervergünstigung für Diesel endlich abzuschaffen – d. h. Diesel auch in Zukunft weiter subventioniert wird – dann sollten wenigstens die tricksenden Verursacher der schlechten Luft in den Städten für die Behebung der Schäden aufkommen!
PS: Die Aussagen von VW-Vorstand Herbert Diss zu „Diesel-Thematik” im Interview auf Seite 28 halte ich für nur widerlich! – Hansjörg Hahn


Leserbrief zu „Gesellschaftskritik“ von Matthias Stolz im ZEIT Magazin

Schön, dass Sie auch mal was auf Französisch bringen, doch korrekt sollte es dann doch sein. Das frz Verb für ‚korrspondieren, entsprechen‘ heißt ‚corresponDRE‘ und nicht corresponder. Vielleicht korrespondiert auch der Drucker mit dem Druckfehlerteufel, um Ihnen vielleicht eine Ausrede zur Hand zu geben, die nicht mit Unwissen korrespondieren muss… – Thomas Wöhler


Leserbrief zu „Merkels letzte Wahl“ von Bernd Ulrich

Im Sinne Bernd Ulrichs sehe ich die einzige Chance für die Grünen bei dieser Bundestagswahl darin, offen für schwarz-grün zu werben, das heißt um die Stimmen bürgerlicher Wähler, die Angela Merkel als Kanzlerin behalten wollen, aber für eine konsequente Klimapolitik, gegen ein Einknicken vor Putin oder Trump und gegen eine Obergrenze für Asylberechtigte sind. So wie die FDP früher ihre besten Ergebnisse eingefahren hat, wenn sie potientielle CDU-Wähler angesprochen hat mit dem Versprechen, für einen Kanzlerwechsel (von Adenauer zu Erhard) zu sorgen, ein Abdriften der sozialliberalen Koalition nach links aufzuhalten oder einen Kanzler Strauß zu verhindern. „Mit Angela Merkel und Katrin Göring-Eckardt gegen Horst Seehofer und Jens Spahn“ müsste die Devise sein, zu der sich die Grünen aus lauter Zaghaftigkeit wohl nicht durchringen werden. – Jürgen Thiede


Leserbrief zu „Wochenmarkt“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

Als jahrzehntelange Leserin Ihrer Wochenzeitung samt Magazin muss ich heute meinen Frust über die wundersame Wandlung Ihres Magazins loswerden.

Früher immer das erste, was ich aus der gedruckten ZEIT herausgefischt habe, hat es sich zu einer ungeliebten Dreingabe entwickelt, deren Aufmachung insbesondere, immer „design-iger“, sprich seltsamer wird. Nachdem nun Gott sei Dank die gelb unterlegten, nur durch Augenzukneifen lesbaren Bildunterschriften verschwunden sind, „erfreuen“ uns nunmehr die, ebenfalls mit einem Gelbfilter verunstalteten Rezeptfotos des „Wochenmarkts“! Wäre ich nicht schon seit Jahren ein Fan von Elisabeth Raethers schlichten, aber meist leckeren Rezepten, würde ich aufgrund der unappetitlichen Fotos niemals auf die Idee kommen, eines zu lesen oder gar nachzukochen.

Meine dringliche Bitte: abgehobene Fotos Reportagen von Jürgen Teller überlassen und Dinge zum Essen auch so fotografieren, dass man sie essen möchte! – Claudia Dittrich


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Die zwei ZEIT-Magazine vom 7.9. und 31.8.2017 bestätigen mich wieder darin, die Zeit nicht regelmäßig zu abonnieren. Insbesondere das Zeit-Magazin vom 31.8. ist eine Verschwendung von Zeit und Geld, und die Ausgabe vom 7.9. quillt nur so von  belanglosen Fotos eines belanglosen „Sohnes“. Schaffen Sie das Zeit-Magazin ab, und integrieren die guten Reportagen daraus in die  Gesamtausgabe der Zeit! – Volkmar Stein


Leserbrief zu „Armes deutsches Würstchen” von Jens Jessen

Dieser Artikel ist eine Beleidigung Ihre Leser. Herr Jessen stellt alles bisher zur Diskussion der Leitkultur Gesagte in den Schatten. Seine Ausführungen “.. von Leuten . die sich an diese Kultur klammern, dabei  wohl eher an  Würstchen mit Kartoffelsalat denken“ stellt die, die seinen abstrusen Vorstellungen zu Mulitkulti nicht folgen wollen, als Idioten dar. Teile seiner Argumentation, die vor Arroganz und  Dünkel strotzt, lassen sich nur mit seinen abgedrehten Ansichten begründen, z.B. “Wir dürfen kein Kreuz auf das Schloss stellen, weil wir uns damit  an der multireligiösen Gesellschaft , vergreifen, die den Staat zu  strikter Toleranz verpflichtet? Ich muss aber in einem Krankenhaus, von der öffentlichen Hand betrieben, Krankenschwestern mit Kopftuch akzeptieren? Nicht wir, sondern er ist  mit seinen seltsamen Vorstellungen in der Minderheit. Seine AfD Psychose  ist eine Zumutung. Ich wäre daher  Ihnen dankbar, wenn Sie  in Zukunft auf  einen solchen,  Tatsachen verneinenden Schwachsinn  verzichten würden. – Ulf & Barbara Hanel


Leserbrief zu „Ein bisschen Spaß muss sein“ von Felix Dachsel

Ich bin weiblich, fast 60 Jahre alt und sehr erstaunt, dass Otto und Mario Barth zu  Vertretern des politischen Fernsehhumors zählen. Fallen darunter nicht Hildebrandt, Jonas und weitere Namen des deutschen Kabaretts? Ich finde, Sie vergleichen Äpfel mit Birnen. Otto ist irgendwo zwischen Pubertät und Adoleszenz hängengeblieben, Mario Barth mag Menschen belustigen, die über Flachwitze lachen und Harald Schmidt, wie passt er in diese Reihe? Ein Zyniker, der in seiner Überheblichkeit ausnahmslos jeden schlecht macht und sich am Ende einen Oliver Pocher an die Seite nimmt, um (sich) zu beweisen, dass die Jugend es auch nicht drauf hat? Und Frauen, egal, ob aus dem Genre Politiksatire oder Klamauk, existieren nicht und bedürfen keinerlei Beachtung? Es wäre sicher interessant, zu betrachten, welche Entwicklung sich im politischen Kabarett der letzten 50 Jahre vollzogen hat und dann wäre der Bezug zu Uthoff und Böhmermann eher zu verstehen. Nur finde ich das in ihrem Artikel nicht wieder. Mit den Worten von Joachim Ringelnatz :“Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“ – Marlu Bohn


Leserbrief zu „Am seidenen Faden“ von Matthias Nass

Bezogen auf Nordkorea und seinen Diktator schreibt Herr Nass: „Deshalb ist es richtig, die Sanktionen noch einmal zu verschärfen, bis zum totalen Handelsboykott. Nur noch humanitäre Leistungen sollten erlaubt sein.“ Hunger und Krankheit, das Leiden von Millionen Menschen, das jetzt schon furchtbar ist, würde Herr Nass in Kauf nehmen um des guten Zwecks willen: „Das politische Ziel sollte ein Regimewechsel sein.“ Sehr originell ist dieses Ziel nicht. Von den USA wird es seit vielen Jahren, ja seit Jahrhunderten angewendet. Mit Millionen und Abermillionen Toten im Gefolge. Nun ist Kim Jong Un bestimmt einer der schrecklichsten Diktatoren und vermutlich noch schlimmer als der König von Saudi Arabien, obwohl er noch keine Massenmorde wie die der Saudis im Jemen vorzuweisen hat. Zudem kümmert sich Nordkorea einen feuchten Kehricht um UNO-Beschlüsse und führt sein Atomprogramm einfach weiter – wie es Indien, Pakistan, Israel usw. getan haben und weiter tun. Mir ist nicht bekannt, ob Herr Nass für diese Staaten auch den totalen Boykott nebst Regimewechsel fordert. Ich kann ihm allerdings nicht zustimmen, wenn er schreibt, Kim Jong Un verhalte sich, „als trage er eine geheime Todessehnsucht in sich.“ Nein, im Gegenteil, er verhält sich absolut logisch. Wie soll er sich sonst davor schützen, dass der Rat von Herrn Nass (Regimewechsel!) in die Tat umgesetzt wird? Und hungern wird er sicherlich nicht müssen. – Klaus Schuricht


Leserbrief zu „Du siehst aus, wie ich mich fühle“ von Julia Christie

Die Fotos in dieser Rubrik finde ich so köstlich. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sie als Sammlung herausbringen.- Gerlinde Hofmann


Leserbrief zum ZEIT Magazin

Das heutige Zeitmagazin ist sehr enttäuschend… Bei Holger Penn haben Sie immer vermerkt, wer so selbstlos die Kleider zur Verfügung gestellt hat, z.B. Dior Homme. Fendi, Dolce &  Gabbana usw. usw.. Warum haben Sie bei den Barenboim-Söhnen nicht die Friseure, bei Johannes Laschet nicht die Firmen für Hemd und  Krawatte und bei Anton Kern z.B. nicht das Uhren- und  das Hemdenfabrikat genannt? Bei dem hohen journalistischen Anspruch der ZEIT (z.B. allein für Gerechtigkeit nehme ich doch an) ist das für mich nach über 40 Jahren ZEIT-Lektüre völlig unverständlich…. – Dieter Stemshorn


Leserbrief zu „Wir haben sehr viel Vertrauen verloren“ von Roman Pletter und Claas Tatje

Ich werde jede Woche bei Ihnen intervenieren, um endlich auf Ihrer Seite des Journalismus zu erreichen, dass Sie bei technischen Fragen und den dazugehörigen Antworten Kompetenz einbringen.

Auf Ihre Frage, “Ist der politische Fokus auf das Elektroauto aus ihrer Sich der richtige Weg?”, antwortet dieser Mann, führender Manager im VW-Konzern mit drei Millionen Euro Jahresgehalt technisch falsch und die Journalisten und Bürger irreführend, um Ihnen Alternativen zum E-Auto anzuzeigen. Dieser Mann meint, einen Unterschied –also eine Alternative- zum E-Auto mit der Wasserstoff-Brennstoffzelle zu sehen. Nehmen wenigstens Sie zur Kenntnis und achten Sie darauf solchen irreführenden Antworten zu begegnen:

Die E-Autos haben einen Antriebsstrang, den E-Motor. Die Energie für den E-Motor ist E-Strom mit entsprechender E-Spannung. Der Energiespeicher dafür (also der E-Tank) ist unterschiedlich. Einmal hat man eine Batterie, die mit E aufgetankt wird und dann entsprechend ihrer Kapazität den E-Motor für eine Kilometerreichweite X versorgt. Die andere Methode des Energiespeichers ist der Wasserstoff in einem Tank, aus dem dann der Wasserstoff mittels Umformer (das ist die Brennstoffzelle) zu E-Spannung und E-Strom geführt wird. Und auch hier ist die Wasserstofftankkapazität die bestimmende Größe für die Reichweite des E-Autos.

Also, wie Sie nun erkennen können, beide Energiespeicher liefern das, was ein E-Motor braucht. Und somit handelt es sich letztlich um ein E-Auto, also die E-Mobilität. Somit ist die von dem Mann Diess aufgezeigte Alternative kein Alternative zum Elektroauto!!!

Er nennt dann noch den Gasmotor. Das ist eine technische Pseudo Alternative zum E-Auto. Warum? Weil der Gasantrieb immer noch ein Verbrennungsmotor ist, mit entsprechenden Emissionen an LÄRM, Abgas und CO2.

WENN man nun eine Alternative zum  bisherigen Auto -und zwar aus Gründen der Emissionen!!!- sucht, dann ist der Verbrennungsmotor raus aus den Lösungsvarianten!

Die Frage an Sie und an den Mann Diess ist also: Warum versucht so ein hochbezahlter Manager, der auch noch sagt, dass er das hohe Gehalt verdient, weil “…ich hier viel leiste”, der Öffentlichkeit Alternativen zu suggerieren, die gar keine sind? Könnte es sein, dass er diese technischen Sichtweisen selbst gar nicht versteht? Sicher ist allerding: Der MAnn Diess, der VW-Konzern und alle anderen Autobauer, die auf Verbrennungsmotoren setzen, haben keine Alternative!!!

Meine Vermutung der Unkenntnis hochbezahlter Manager  ist gar nicht polemisch sondern eher begründet. Warum? Wie ich Ihnen aufgezeigt habe gibt es zwei E-Energieversorgungssysteme für den E-Antrieb: die Batterie und den Wasserstoff. Mit den Batterien sind die Reichweiten sehr begrenzt und die TAnkzeiten sehr lang. Mit dem Wasserstoff hat man Reichweiten wie für Autos üblich zwischen 700 und 1000 km (ist nur eine Frage der Wasserstofftankgröße). Und die Tankzeit ist gleich dem von Flüssigkraftstoffen für Verbrenner!!!

Sie erkennen damit, dass das Wasserstoff-E-Versorgungssystem dem System der Batterie überlegen ist und damit auch alle Stammtischgegenargumente hinsichtlich E-Auto einfach vom Tisch sind!!!

Und nun frage ich Sie: Warum will VW eine Batteriefabrik bauen? Das ist doch eine Fehlinvestition!

Meine Antwort: Weil man Manager hat, die die Technik nicht verstehen. Sie als Journalisten sollten das aber verstehen, damit Sie nicht ungewollt zur Fehlmeinungsbildung der Bürger beitragen. Sie sollten es auch deshalb wissen, um möglichen Fehlinvestitionen in der Wirtschaft vorbeugen zu helfen!

Und mit Hinweis auf die letzte Seite im ZEIT-Wirtschaftsteil, sage ich Ihnen hinsichtlich journalistischer Verantwortung auch: Der VDA mit Herrn Wissmann, kann wohl so eine konstruktive Kontrolle der Autohersteller nicht ausführen, ist doch Herr Wissmann Jurist! – Franz Steiner


Leserbrief zu „99 Fragen an Martin Schulz“ von Moritz von Uslar im ZEIT Magazin

Die ZEIT-Frage (Nr.62) im Interview nach einem weiteren gesellschaftlichen Thema, „das es bringt“ hat mich elektrisiert. Die Antwort konnte ich kaum erwarten. Seit Monaten schreibe ich unzählige Briefe an Martin Schulz und die SPD-Granden, mit der verzweifelten Bitte, doch endlich im Wahlkampf das Thema aufzugreifen, mit dem Deutschland zweifellos blutige Schande auf sich lädt: Die vom Gesetzgeber erlaubte barbarische Quälerei der Tiere, die auch für Wähler immer unerträglicher wird. 50 Millionen Küken werden Jahr für Jahr am ersten Tag ihres Lebens geschreddert. Millionen wehrloser Schweine zwängt man monatelang in Stahlkäfige, die jede Bewegung unmöglich machen. Zahllose weitere Quälereien sind bekannt. Immer wieder habe ich Martin Schulz gebeten, doch endlich in einer seiner Reden für die wirklich Schwächsten und Wehrlosen, für die Tiere –  einzutreten. Vergeblich. Ihre Frag Nr. 62 hätte ihm die gute Gelegenheit gegeben, ohne Risiko dieses Thema anzusprechen. Er hat es versiebt und sich so zu erkennen gegeben. Auch meine Entwürfe für Wahlplakate der SPD zum Tierschutz (siehe Anlage) hat er ignoriert. Mein Hinweis, dass er mit den Themen, die alle seine Konkurrenten ohnehin auch benutzen, krachend verlieren wird, wenn er nicht ein Thema mit Alleinstellungsmerkmal publikumswirksam aufgreift, hat ihn und seine Marketingprofis nicht interessiert. Ich habe ihm die Niederlage bereits zu Zeiten des Schulz-Hype prophezeit und ich – als ehemaliger SPD-Wähler – hoffe inzwischen, dass sich die Wähler ebenso von ihm abwenden wie sich die SPD seit Jahren von den Schwächsten abwendet. – Klaus Lachetta


Leserbrief zu „Über Sprachguillotinen“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ihre Diskussionsbeiträge im ZEIT Magazin lese ich immer zuerst vor allen anderen Beiträgen, jeweils mit großem Vergnügen. Überwiegend kann ich Ihnen auch zustimmen. Ob Sie aber mit Ihrem Vorschlag neuer Monatsnamen der Sprachguillotine sicher entgehen können, erlaube ich mir zu bezweifeln. Ihre gew