1. Februar 2018 – Ausgabe 6

Leserbrief zu „Quälende Frage” von Ulrich Bahnsen und zu „Tief durchatmen!“ von Harro Albrecht et al.

Sofort gelesen, vermutlich bevor die meisten Leser ihr schriftliches Exemplar hatten. Erst einmal Dank dafür, dass Sie im Wissenteil auch die Wissenschaftler einmal zu Wort kommen lassen. Leider scheint das in Journalistenkreisen inzwischen ja geradezu verpönt zu sein, wenn es gilt, auf einer Empörungswelle zu reiten. Ich kann den Frust dieser Leute lebhaft nachvollziehen, wenn auf ideologischer Grundlage alle möglichen Behauptungen aufgestellt und ohne Hinterfragen verbreitet werden, in dem Augenblick, in dem jemand „dann messen wir doch mal nach“ sagt, ein genauso faktenignorantes Bashing einsetzt. Aus der Diskussion kann man zwei Schlussfolgerungen ziehen:

  1. ist anscheinend niemand mehr Willens, in der Lage oder daran interessiert, sich die Fakten hinter den Schlagworten anzuschauen.
  2. kann man Versuche an Affen kritisieren, aber kaum noch an Menschen, denn wenn man sich auf Politiker und Automobilbauer-Vorstände konzentriert, muss man leider feststellen, dass Homo sapiens bei weitem nicht der intelligenteste Vertreter der Primaten ist. – Gilbert Brands

Leserbrief zum Titelthema „Künstler Im Zwielicht“

In den vergangenen Jahrzehnten haben mir sicher nicht alle Beiträge in Deutschlands einst führender Wochenzeitung gefallen, aber der Aufmacher dieser Woche und der damit verbundene Artikel im Feuilleton (Abbildung Woody Allen neben Albert Speer) haben ein Niveau dokumentiert, das unakzeptabel ist. Sie mögen sich in der selbstgerechten Pose des investigativen Anklägers gefallen und die gewünschte öffentliche Aufregung Ihnen die erhoffte Auflage bringen, für diese Art Journalismus gibt es in Deutschland allerdings traditionell andere Medien. Deshalb musste ich erkennen, dass die ZEIT nach fast 40jährigem Abo nicht mehr für die Art Journalismus steht, der mir eine regelmäßige Lektüre wert ist und habe gekündigt. – Axel Bachmann


Leserbrief zu „Die Welt aus den Fugen“ von Bernd Ulrich

„Die Welt aus den Fugen“. Die Titelzeile des Artikels von Herrn Ulrich fasst denselben meines Erachtens treffend zusammen. Ich stimme Herrn Ulrich völlig zu! Und möchte meine Sicht pointieren: Heute erhalten wir die Rechnung für unsere Bestellungen aus „500 Jahren westlich-abendländischer Dominanz“ (Bernd Ulrich). Wir haben ein Haus geordert – mit den Steinen aus der Jahrhunderte währenden „Globalisierung“-, und nun bröckeln uns die Fugen rapide weg, die das Haus zusammenhalten. In der Tat habe ich Angst (nota bene!) vor den Folgen unserer Verantwortung. Denn wir und unsere Vorfahren haben es uns über Jahrhunderte in diesem Haus zu bequem gemacht.

Vereinfacht gesagt, müssten wir meines Erachtens dringend Anstrengungen unternehmen, dass die Menschen in den Ländern der früher sogenannten „Dritten Welt“ und den Krisenländern stabile eigener Häuser aufbauen können. Auch da stimme ich Bernd Ulrich mit Blick auf die „wechselseitige Globalisierung“ zu: „Himmel, hilf“ – Reinhard Kniepkamp


Leserbrief zum Titelthema „Künstler Im Zwielicht“

Ihre Hauptüberschrift „Darf man diesen Film noch zeigen?“ provoziert bei mir die Gegenfrage: Darf man die deutsche Schriftsprache noch verwenden, da Luther ein Antisemit war? – Friedrich Gebhardt


Leserbrief zu „Über das Fremdschämen für eine Frau“ von Antonia Baum im ZEIT Magazin

Ich wage mir den Kommentar nicht auszumalen, wenn ein männlicher Politiker einen solch kindischen Proll-Auftritt hingelegt hätte. Natürlich: Man kennt Männer, die unkontrolliert ihr rhetorisches und inhaltliches Niveau offenbaren vom Fußballplatz oder der Stammkneipe in fortgeschrittenem Dilirium – aber bisher weniger auf der politischen Bühne. Selbst die Ausfälle von Wehner und Strauss z.B. hatten immer auch einen Hauch von Esprit. Wenn in der Zukunft dieser Stil die Entscheidungen der SPD-Deligierten und -Mitglieder in wichtigen Entscheidungen bestimmt: Gute Nacht. Aus einer solchen Bewertung nun auch wieder die Benachteiligung oder gar Diskriminierung der Frauen an sich abzuleiten, ist für den einen Balsam, für den anderen kühn und für einen Dritten Satire. Ja, Sie haben Recht, das hat ein geschundener Mann geschrieben ;-) – Uwe-Carsten Edeler


Leserbrief zu „… ein schwuler Schiedsrichter zu sein” von Lars Tietjen

Ich war 2012 der erste Schiedsrichter, der sich öffentlich geoutet hatte. Es ging damals auch durch alle großen Zeitungen und Medien. Deshalb freue ich mich immer wieder, wenn man jetzt davon ließt, dass sich weitere Schiedsrichter, Spieler und Funktionäre outen. Ich wünsche allen alles GUTE. Auch für mich war es damals schwer, als ungeouteter Schiedsrichter so zu wirken, dass es keiner mitbekommt. Aber irgendwann ging es nicht mehr und ich hatte mich dann vor 50 Schiedsrichtern geoutet. Damals war ich dann auch schon in der Funktion als Schiedsrichteransetzer und habe nur noch im Kreis selbst gepfiffen. Im Kreis haben es alle Fußballer mit einmal gewusst. Ich habe nie etwas Unangenehmes erfahren müssen. Ich kann aber auch verstehen, dass sich viele Spieler und Schiedsrichter nicht trauen. Aber es ist wirklich nicht schlimm, man bleibt der selbe Mensch und ich glaube, dass die Umwelt heute schon sehr toleranter ist. Ich wünsche allen viel Erfolg, Glück und alles GUTE. – Burkhard Bock


Leserbrief zu „Tief durchatmen!“ von Harro Albrecht et al.

Fragwürdige Tests der „Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“ –EUGT
Sie haben bisher ausführlich über die fragwürdigen Tests mit Menschen und Affen berichtet, die von der EUGT veranlasst wurden. Vermisst habe ich allerdings einen Hinweis auf die Tatsache, dass nicht nur die Automobil- sondern auch als weiterer großer Schadstoffemittent die Luftverkehrsindustrie im Vorstand der EUGT vertreten war.

Als Vertreter der Luftverkehrsindustrie hatte die Fraport AG den Leiter der Abteilung Umweltauswirkungen Lärm und Luft, Max Conrady, dorthin entsandt. Die Verwendung von illegaler Abschaltsoftware für Abgasreinigung kann man der Luftverkehrsindustrie allerdings nicht vorwerfen. Am Flughafen Frankfurt werden pro Tag im Start- und Landezyklus aller Maschinen mehrere Hunderttausend Liter Kerosin verbrannt mit den entsprechenden Emissionen von Stickoxiden, Feinstaub, CO2 und noch viel mehr, aber eine Abgasreinigung ist bei Flugzeugen unbekannt. Speziell Add Blue Tanks, die die Stickoxidemissionen reduzieren, gibt es dort nicht. So hat die Luftverkehrsindustrie ein besonders großes Interesse die Unschädlichkeit von Stickoxiden irgendwie zu beweisen. Hat Max Conrady dem Vorstand der Fraport AG über die unethischen Versuche berichtet? Wurde ihm von der Presse diese Frage gestellt? Wurde sie dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Stefan Schulte gestellt, der gerade aktuell als neuer Leiter des Flughafenverbands ADV noch mehr an Einfluss gewonnen hat? – Gabriele Franz


Leserbrief zu „Jetzt gestalten mal wir die Welt“ von Dimitri Suslow

Schön, dass die ZEIT an prominenter Stelle mal einen Artikel zu einem wichtigen geopolitischen Thema veröffentlicht hat, der von außen sehr vernehmlich an die Echokammer des von den USA und den (auch deutschen) Mainstream-Medien gepflegten Narrativs klopft. Es ist leicht, darin Aussagen zu finden, die falsch sind ( die amerikanische Vormachtstellung ist Geschichte ) oder denen man kaum vorbehaltslos zustimmen kann ( die geforderte absolute Respektierung der eigenen Interessen vor der eigenen Haustür ). Gleichwohl liefert dieser Artikel einen bisher schmerzlich vermissten Beitrag zur Beleuchtung von relevanten Überlegungen, deren Fehlen das bisher gepflegte Narrativ ein gutes Stück weit in Richtung Fake News gedrängt hatte. – Dr. Hergen Heinemann


Leserbrief zu „Quälende Frage” von Ulrich Bahnsen

Warum schreiben Sie diesen Beitrag im Singular? Sie wissen es doch besser. – Sigrid Felske


Leserbrief zu „Wer paktiert hier mit Kriminellen?“ von Lisa Nienhaus und Felix Rohrbeck

An der Zerschlagung der Steuerfahndung in Wuppertal erkennt man, dass das Geschwätz von „Steuergerechtigkeit“ reine Heuchelei ist. Die Regierungsparteien von CDU und FDP in NRW offenbaren damit, dass sie Steuerbetrug offen unterstützen. – Michael Parys


Leserbrief zum Titelthema „Künstler Im Zwielicht“

Die ganze Zeit habe ich mich gefragt, warum nichts mehr über Woody Allen und seine offensichtlich kranke Beziehung zu Mia Farrow und den Enthüllungen um die Kinder und Adoptivkinder und die ganze schmutzige Wäsche, die seinerzeit gewaschen wurde, zu hören ist. Um so mehr, als ich gerade kürzlich auf ZDF neo den Film „Vicky, Christina, Barcelona“ gesehen habe. Was ich zu sehen bekam, war nichts anderes, als der „Stadtneurotiker“ goes Catalunya. Abgesehen davon, dass es einen fantastischen Javier Bardem zu sehen gab, der quasi atemlos agierte, wie seit seiner Jugend nicht mehr, war es die gleiche ewig kranke Scheisse, wie der Stadtneurotiker und es war nur schlimm. Das ganze Drum-herum-Gerede um die „wichtigste“ Sache der Welt und einfach nicht zur Sache zu kommen. Für mich steht das Urteil über Woody Allen fest, wie ich die öffentliche Hinrichtung von Kevin Spacy bedauere. Um alles Geld der Welt, werde ich die neue Ausgabe der Zeit weder kaufen noch lesen, denn ich habe einfach genug davon. – Ingo Knochenhauer


Leserbrief zu „»Dann fliegt mir die Stadt um die Ohren «“ von Mohamed Amjahid und Anne Hähnig

Frau Hähnig, ich bezweifle, das Sie wirklich in Cottbus waren. Zu Ihrer Entschuldigung gilt, kaum ein vernünftiger Mensch im Osten ist noch bereit, ehrlich mit der Presse zu reden. Ich möchte Ihnen deshalb mal kurz schildern,wie es sich anfühlt wenn man ca. 60 Km von Cottbus entfernt wohnt. Hier kommt keiner mehr auf die Idee in das sehr schöne Theater nach Cottbus zu fahren, weil man Angst hat, auf dem Heimweg begrapscht zu werden. Hier kommt keiner mehr auf die Idee einen Einkaufsbummel in Cottbus zu machen, weil man Angst haben muss, mit dem Messer bedroht zu werden. Hier kommt auch keiner mehr auf die Idee sich einen Facharzttermin in Cottbus zu besorgen, weil man dann ja auch hinfahren muss. Zum Glück haben wir Alternativen, ich bedaure aber alle, die es nicht haben. Es wird sehr lange dauern, bis dieser schlechte Ruf vergessen ist und Ihr Beitrag ist da nicht vorteilhaft. Ich bin übrigens kein Nazi, sehe aber die Realität. – Liane hampel


Leserbrief zum Titelthema „Künstler Im Zwielicht“

Natuerlich kann man/frau Filme von Woody Allen ansehen und lachen. Gut, er hat eine junge Frau geheiratet, die in seinem Haus aufgewachsen war – aber sie war nicht seine Tochter! Ja, sie war juenger – aber wurde Charlie Chaplin verflucht, als er die viel juengere Tochter von O’Neill heiratete? Wenn diese Frauen diese Maennerr liebten – wer kann da Steine werfen? Mit Kevin Spacey sieht das anders aus – eigentlich nur wie bei Harvey Milk: Aelterer Schwuler liebt juengere Maenner (oder Knaben – oder gerade an der Grenze) – das ist nur kriminell bei Priestern – Die US Pfadfinder hatten ca. 60% mehr schwule Missbraucher (1,257!), aber keiner wurde strafverfolgt. Hier liegt nur vor: Stacey hatte einen Jungen von 14 -wird jetzt gesagt- mit Andeutung angesprochen – passiert das nicht tausendfach dieser Tage? Und das ist soooo fuechterlich? Er ist schwul, ja? Ich dachte, das ist jetzt erlaubt! Da stimmt sehr vieles nicht: Wenn da einer sich benimmt, wie viele anderen – aber es wird bekannt! – dann wird er ausgestossen. Das ist so unehrlich wie die ganze „Gender“-Ideologie!

Und was das grosse „Me too“ und „Time’s Up“-Trara angeht, wuerde ich Margaret Atwood (Autorin von ‚Handmaid’s Tale‘) und Germaine Greer (Altfeministin – manchmal mit ulkigem Enschlag) zustimmen: Das ist nicht feministisches, sondern Traatsch von ein paar Hoeheren Toechtern, Grossverdienerinnen mit dicken Privilegien, die sich als „Frauenvertreterinnen“ aufspielen und die Sexspielchen, auf denen Hollywood aufgebaut ist – und bei denen sie selbst willig mitgemacht hatten – an einen Pranger stellen, an den sie selber gehoeren wuerden! ABER: Sie sind weiblich – und da darf man nicht! (auch frau darf sas nicht!) Hollywood ist schon immer halbwegs ein Bordell gewesen. – Da darf sich, wer darin gearbitet hat, nicht allzu sehr beschweren – oder er/sie muesste eine Menge Geld zurueckgeben. Slbst die „Ehen“ und „Scheidungen“ usw, usw, die sich da abgespiel haben, und noch immer regelmaessig abspielen, sind meist nur Werbespots.

Was mich bei dieser kalifornischen Oertlichkeit wesentlich mehr interressiert -und da komme wir wieder auf die Pfadfinder zurueck- ist erstens: – Was steckt dahinter, dass Disney (Nein, nicht Walt Disney, den haette das geschaudert) lange Zeit der Hauptspender (‚Sponsor‘) fuer die ‚Boy Scouts of USA‘ gewesen war, alle Spenden ploetzlch stoppte – und die Wiedrraufnhme davon anghangig machte, dass die Boy Scouts wieder Schwule zuliessen: AUCH ALS GRUPPENLEITER (‚Akela‘ usw)

Die Boy Scouts hatten, wie die katholische Kirche, dieses Tor (Akelas und Priester) 1991 verschlossen, d.h. gut 20 Jahre bevor die Priester-Prozesse anfingen. Die Scout-Schwulen hatten nichts dergleichen zu befuechten. Und das ist die zweite Frage: Warum nicht? Wo und wer war der grosse Beschuetzer? Oder war das alles eine gezielte politische Kampagne? Sie sehen: Es gibt da viel groesseres Wild zu jagen als al diesen Kleinkram. Manches davon ist ja wirklich nur zum Lachen: Ein Kabinettsminister tritt zurueck, weil er vor 20 Jahren einer seiner Angestellte im Gespraech die Hand aufs Knie gelegt hatte?! Und die war gar nicht diejenige, die sich beschwerte – sondern nur ihre super-„feministische“ Nachbarin! Sie werden zugeben muessen: Da gibt’s viel schlimmeres! – Dr. Joern Boost


Leserbrief zu „Über das Fremdschämen für eine Frau“ von Antonia Baum im ZEIT Magazin

Fremdschämen für eine Frau? So kann frau nur denken, wenn sie ein genormtes Bild von Frau hat, z. B. schlank, beherrscht in jeder Situation, weichgespült, weibchenhaft o.ä. Sehr geehrte Frau Baum, sind Sie noch nie “aus der Kiepe” gestiegen, haben Sie in Ihrem Leben nie eine Frau laut wütend erlebt? Ich empfinde Ihren Artikel – anspielend auf Figur und Erscheinungsbild von Frau Nahles – geschrieben auf der Basis eines Frauenbildes, das gestaltet scheint vom Säuglingsalter an: Mädchen tragen rosa, spielen mit Puppen … Jungen tragen blau …. Sie schreiben an einer Stelle, der Auftritt wirkte so professionell und selbstverständlich, dass er überhaupt nicht falsch wirke. Warum also Stellvertreter-Scham?

Wenn Frauen und Männer als Menschen zu betrachten sind, wovon ich ausgehe, so ist es legitim Engagement, Zorn, Wut und andere Emotionen menschenartig auszudrücken. Nach meiner festen Überzeugung gibt es keinen geschlechtsspezifischen Zorn, keine frauenspezifische Wut. Sie haben Recht mit dem Satz, dass der eigentliche Fehler wohl im “Betrachter-Kopf” (warum nicht Betrachterinnen) liegt. Und “traktorenhafte Durchsetzungskraft” einer Frau könnte eine Frau, die mitten im Leben lebt, nicht nur im Fernsehen wahrnehmen. Mit diesem Artikel haben Sie sich als Frau, Journalistin, Schriftstellerin – vielleicht ungewollt – in eine Ecke gestellt, in die Sie eigentlich nicht passen. Mir ist jetzt wohler, dies musste ich Ihnen einfach schreiben. – Mechthild Semmerling


Leserbrief zu „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Wir alle wissen, dass Pauschalierungen problematisch, wenn nicht sogar falsch sind. Warum wird bei diesem Thema in keinster Weise differenziert? Es gibt einzelne Menschen, die sich einzelnen anderen Menschen gegenüber nicht richtig verhalten – das muss man ahnden. Aber zu glauben, man könne ein ganzes Volk zu Tätern oder Opfern machen, ist naiv und entspricht nicht der Wahrheit. So wenig wie es den „Kampf gegen den Terrorismus“ gibt, so wenig gibt es „den Antisemitismus“. Dass auf dieser Vokabel immer wieder herumgeritten wird, ist äußerst kontraproduktiv. So weiß man aus der Hirnforschung, dass die Aufforderung „Denken Sie jetzt nicht an eine Schwarzwälder-Kirschtorte“ nicht funktioniert, da das Gehirn Negierungen nicht erkennt. Insofern hat es eben duchaus Einfluss, wie oft Sie das Wort „Antisemitismus“ wiederholen… Da man davon ausgehen muss, dass Ihnen diese Zusammenhänge bekannt sind, kann es nur eine Erklärung für diesen Hype geben: Es soll Täter und Opfer geben, um mit dieser Manipulation Politik zu machen. – Marion Claus


Leserbrief zu „Jetzt gestalten mal wir die Welt“ von Dimitri Suslow

Was ist der ZEIT denn da eingefallen: in ihrem Politikteil Herrn Suslow vom kremlfreundlichen Waldai-Club Russlands Vorstellungen von „gerechter Ordnung“ ausbreiten zu lassen – und das ohne jede Distanzierung oder kritische Stellungnahme? Vielmehr begleitet von einem Artikel, der ostdeutsche Gedankenspiele über die längst fällige Aufhebung der Sanktionen zum Besten gibt? – Bislang war ja hier auf die ZEIT noch immer Verlass. Könnte es sein, dass man nun eine mit der alt-neuen Koalition anstehende Neuorientierung unserer Russland-Politik ventilieren möchte? Dafür bietet die russische Politik nicht den geringsten Anlass, und welche „gerechte Ordnung“ unter russischer Ägide entsteht, ist einmal mehr in Syrien zu bewundern. Russische Politiker und Ideologen haben auch genügend Gelegenheit, ihre Vorstellungen in entsprechenden Internet-Foren unter vielfältiger Flagge in die Welt zu streuen. Die ZEIT sollte sich dafür zu schade sein. – Thomas Fuchs


Leserbrief zu „Kassenlose Gesellschaft“ von Marc Brost, Götz Hamann und Heinrich Wefing

Man muss nicht alles, was sich hinter dem Schlagwort von der Digitalisierung verbirgt, für nötig oder auch nur nützlich halten, aber dass es fatal ist, wenn ein Staat und eine Wirtschaftsnation wie Deutschland in diesem Bereich weit hinter die internationalen Standards zurückfällt, steht außer Frage. Dabei hat sich dieses Desaster seit langem abgezeichnet. Die Bundeskanzlerin hat mit ihrer törichten Aussage von 2013 „Das Internet ist für uns alle Neuland“ den (falschen) Ton angegeben, und dann wurde ausgerechnet Herr Dobrindt zum Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur berufen, dessen einzige Aufgabe es doch war, im Auftrage Bayerns und der CSU die PKW-Maut durchzudrücken.

Bezeichnend, dass seine Parlamentarische Staatssekretärin Bär im September 2017 auf die Frage, was sie sich für die nächste Legislaturperiode wünschte, antwortete, man müsste „unsere kleineren und mittleren Unternehmen mit der besten digitalen Infrastruktur ausstatten“ – genau das, was sie und ihr Ministerium vier Jahre lang verschlafen hatten! Nun ja, und die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Wanka, sah ihren Anteil an der Forcierung der Digitalisierung offenbar schon als erfüllt an, wenn sie gelegentlich in einem Festakt einer Schule zur Anschaffung einer neuen Computer- generation gratulierte. Verfolgt man die zur Zeit noch sehr vorsichtig geführten Diskussionen über die Besetzung der Schlüsselpositionen in der künftigen Bundesregierung oder die in den Medien kursierenden Listen der Favoriten für die Posten eines Ministers oder Staatssekretärs, so muss man befürchten, dass wieder die nach partei- und machtpolitischen Kriterien ausgekungelten Karrieristen ohne fachliche Ambitionen und Qualitäten das Rennen machen – auch auf dem Sektor der Digitalisierung. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Die Putztruppe von Hellersdorf“ von Thomas Assheuer

Thomas Assheuer Sie fragen ganz zutreffend die Putztruppe ,was wissen diese über Literatur und Sprache überhaupt! Denn sich intensiv mit Literatur /Sprache auseinanderzusetzen ,heißt sich mit ihren faktischen Aussagen,Konzepten und Zusammenhängen zu befassen und auszukennen.Nur das bringt uns Leser oft erst weiter ,unser Leben auch zu verstehen. Viele Deutsche fremdeln nicht nur mit der eignen Muttersprache sondern auch mit der klassischen und zeitgenösischen Literatur insgesamt aus Unwissenheit -Überheblichkeit und Arroganz.Literatur war und ist besonders für die 1968 er Erben wie die Putztruppe von Hellersdorf nur ein Instrument zur Provokation eines öffentlichen Skandals.Weil diese es als schick empfinden ,nichts von Literatur und Sprache zu verstehen!.Sie weichen lieber in den Sexismus-Vorwurf gezielt aus und rufen ein Deutungs-Schemata ab,das nur die eignen Verdachts-Momente wachhält und bestätigen soll. Damit zeigen jene Blinden und Verblendeten mir nur,dass sie weiter im Hass auf die üble Welt des Kapitalismus und westlich-liberalen Leistungsgesellschaft gefangen bleiben .Damit aber ihrer eignen Menschenverachtung weiter nur Nahrung geben. Eine Sprache voll Algorismus,ominösen Vergleichen(wie Alleen-Blumen-Frauen -Bewunderer..) sind klassische-konservative Kunsttraditionen ,die es zu bekämpfen gilt.

Und eben keine unangenehme sexuelle Belästigung der Frauen als Begleitung der „Me too“-Debatte und Inszenierung. Der Asta bringt nur raffiniert Schwung in eine Sache, indem er den „Mechanismus der Kategorisierung“ einer Person als „Lyrisch-rhetorische Lösung“ für sich instrumentalisiert und ideologisch zu nutzen versucht. Richtig,“eine vergebliche Liebesmüh,ein unbewaffnetes Gedicht gegen militante Interpretation und Agitation verteidigen zu wollen“- Mein Trost dabei :Mehrdeutigkeiten in der Deutung und Auslegung der Literatur sind die Würze jedes freien Literatur-Schaffens zu allen Zeiten stets gewesen.Daraus sind Vorurteile und falsche Kritik gegen jede Literatur erwachsen und publiziert worden.Dabei stellt sich heraus:Wir alle entscheiden keineswegs immer bewußt oder gar optimal ,sondern lassen uns von unseren Intuitionen und Emotionen(wie die von Hellersdorf) leiten und begehen damit Fehler. All das macht Literatur -und Medienkritik heute umso notwendiger und interessanter.Damit auch hilfreicher für analytische Verwertbarkeit. Nur ist es im heutigen Deutschland gar nicht mehr so leicht,an dieses Wissen überhaupt heranzukommen und öffentlich zur Diskussion zu stellen. Denn das läuft der Eigensicherung bestimmter Geschäftsmodelle und der Interessenlage der eigentlichen kulturellen Macht-Inhaber zuwider.So etwas muß ignoriert werden ,um den Status Quo der Verdummung, erhalten zu können. „Jeder stirbt für sich allein“ laut Hans Fallada.Der eine demokratisch provokant aber eben weiter unwissend und irrational. Dank für den geistreichen Denkanstoß. – Lothar Hantel


Leserbrief zu „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Dass Antisemitismus aus dem Schatten tritt, also kein bloßes Importphänomen aus muslimischen Ländern darstellt, meine ich selbst erfahren zu haben. Kurz vor Weihnachten wurde ich Zeuge, wie in einem großen Berliner Kaufhaus ein Kunde ein angebotenes Bonusprogramm mit den Worten ablehnte, er kenne ja diese jüdischen Methoden. Zum ersten Mal in 38 Jahren wurde ich Zeuge von antisemitischen Äußerungen und war genauso sprachlos wie der freundliche Verkäufer. Dass so etwas gesagt wird, und mit solcher Selbstsicherheit und Un-Verschämtheit. Was tun? Nächstes Mal nicht sprachlos sein! – Peter Löffelbein


Leserbrief zu „Die Putztruppe von Hellersdorf“ von Thomas Assheuer

Den schwarzen Gürtel in Hermeneutik tragen Sie zurecht. Aber den entscheidenden Punkt verpasst auch Ihre elaborierte Gedichtinterpretation: Kein Mensch würde sich über Gomringers Werk echauffieren, stünde es nicht an der Außenfassade eines öffentlichen Gebäudes. Und bevor wir uns also um die Frage streiten, ob das Gedicht weg darf, ist doch zu fragen, warum es überhaupt dort hingepinselt wurde. Die Antwort gibt des Dichters Tochter Nora: „„Ein Gedicht ist vor sechs Jahren auf einer Wand aufgetaucht, weil es sich jemand dahingewünscht hatte. Die Wünschende hat niemanden dazu befragt.“ Auf Deutsch: Die seinerzeitige Hochschulleitung hat ohne hochschulinterne oder gar öffentliche Debatte das Gedicht auf die Fassade malen lassen. Das ist aber etwas wenig Legitimation für eine Ewigkeitsgarantie, die jetzt eingefordert wird.

Überschießender Geltungsdrang der damaligen Rektorin und die Eitelkeit des Dichters haben im Win-win-Bündnis Fakten geschaffen. Wer jetzt, also nachdem die Zeichen an der Wand „aufgetaucht“ waren, die praktische Frage stellt, ob Gomringers Gedicht das ideale Aushängeschild für eine Hochschule mit überwiegend weiblichen Studierenden ist, verliert automatisch. Letzte Frage: Warum, Herr Assheuer, muss das, was Sie als „unbewaffnetes Gedicht“ bezeichnen, dann fünf Stockwerke hoch durch die Gegend brüllen? – Martin Wildermuth


Leserbrief zu „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Ich beziehe mich aiuf den Artikel „Wie antisemitisch ist Deutschland ?“ und würde gerne Frau Altara und Herrn Shiran antworten. Beide beklagen, dass sie für die Politik Israels verantwortlich gemacht werden. Mir ist das Umgekehrte passiert. Ich war Mitglied in einem christlich- jüdischen Verein. Diesem Verein war ich beigetreten, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen und um nach dem Gemeinsamen unseres Glaubens zu suchen. Zu meinem Unverständnis merkte ich, dass meine Mitgliedschaft von den jüdischen TeilnehmerInnen automatisch als Zustimmung zur Politik Israels betrachtet wurde. Diese Zustimmung kann ich nicht geben. Ich habe mir deswegen angewöhnt, wenn ich Kritik an Israels Politik äußere, nicht mehr von Israel, sondern von Netanjahu- Land zu sprechen – wohl wissend, dass die Politik der herrschenden Parteien wohl eine Mehrheit, aber auch eine kritische Opposition hat. – Ursel Heinz


Leserbrief zu „Die Freiheit des Narren“ von Stefan Willeke im ZEIT Magazin

Mit der Geschichte von Horst Schwiperich haben sie mir eine große Freude gemacht. Mein ehemaliger Schwager war ebenso. Ausserdem freute ich mich darüber, dass diesmal ein grossartiger Artikel die bisher übliche doofe Werbung verdrängte. – Joachim Krainz


Leserbrief zu „Zeit ist Geld“ von Claas Tatje

Vom Füttern und Anreichen
Pflegebedürftigen wird Essen angereicht. Füttern könnte man den z.B. Hunde, Löwen oder auch anderes Getier. Ich wage also zu bezweifeln ob die IG Metall für die Fütterung Pflegebedürftiger zum Streik aufruft. – Ralf Grumbein


Leserbrief zu „Zahlen, bitte!“ von Sibylle Hamann

Großen Dank an Sibylle Hamann! Großartiger Artikel ! Besser kann man die diesbezüglichen Missstände nicht ausdrücken! All monetary-wise The Best! –  Paul Zendo


Leserbrief zu “Rennen, bis die Lungen brennen“ von Jörg Kramer

Domenico Tedesco ist zwar 32 Jahre alt, kann dann aber nicht 1995 geboren sein. Merkt sogar ein BVB-Fan. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit passt aber zu S04 ;) – Britta Schäfer


Leserbrief zu „Jeder ist eine Minderheit“ von Roman Pletter

Sie sprechen aus, was ich mich bei den SPD-Themen frage. Gibt es keinen in der SPD-Führung, der das versteht? – Dr. Walter Engel


Leserbrief zu „Die Putztruppe von Hellersdorf“ von Thomas Assheuer und zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Zu den guten Seiten der ZEIT gehört zweifellos, dass sie sich solcher Themen annimmt. Besonders erfreulich die Feststellung des Autors „… das Verwundbarste, was es in einer Gesellschaft gibt: ihre Sprache.“ Zu den schlechten gehört, dass DIE ZEIT selbst wenig darauf achtet. Warum schreibt DIE ZEIT (nicht nur in diesem Beitrag) von Studierenden statt von Studenten? Weil das politisch korrekt ist? Mit Studierenden sind nicht nur Studenten, sondern auch Studentinnen gemeint? Wieso eigentlich? Es heißt doch der Studierende, und das ist ein Maskulinum. Es ändert sich also gar nichts? Oh, doch, wie vor einiger Zeit Roland Kaehlbrandt festgestellt hat.

Er wies darauf hin, dass Studierende nicht unbedingt Studenten sein müssen. Wer beispielsweise einen Behördenbrief liest, wird dadurch nicht zum Studenten, ist aber während des Lesens ein Studierender. Wie wir sehen, verführt political correctness zu ziemlich dummen Fehlern. Hoffentlich kommt DIE ZEIT nicht auf die Idee, ihre Leserinnen und Leser mit „Liebe Lesende“ anzusprechen. Zum Trost sei auf den Beitrag „Geniale Monster“ von Hanno Rautenberg (ebenfalls Ausgabe vom 1. Februar) hingewiesen. Rautenberg schreibt da süffisant vom „Betreuten Sehen“, was sich auf das Lesen leicht übertragen lässt. „Betreutes Lesen“ – noch besser lässt sich der Unfug des politisch korrekten Textes kaum ausdrücken. – Peter Gudelius


Leserbrief zu „Die Welt aus den Fugen“ von Bernd Ulrich

Ein erneuter Versuch von Ihrem Autor den Lesern die Welt zu erklären. Aus seiner Sicht mag das ehrenhaft zu sein. An das eigentliche Problem will auch er nicht ran, weil die Mehrheit zur westlichen Demokratie keine Alternative sehen will. Sie ist quasi wie in Stein gemeißelt. Für die Einwände mancher Leser ist das für ihn zwar ganz originell, aber ernsthaft kann man das nicht nehmen. Allein diese Fehleinschätzung macht mich stutzig. Wenn er mit Freunden über das Ende des Westens diskutiert, würde ich gern wissen wollen, was wirklich danach kommen soll. Das die westliche Demokratie nicht, wie schon erwähnt, abgeschafft werden soll, was soll dann das Rezept sein. Vielleicht in weniger Demokratie. Das wäre zumindest ein Anfang. Bei der Pressefreiheit werden sie nicht rütteln wollen. Ein hohes Gut in einer Demokratie – wie es immer wieder versichert wird. Als Erklärung muß dann die Vergangenheit herhalten.

Alles olle Kamellen. In Deutschland besteht die Berichterstattung fast nur aus moralisieren und skandalisieren. Es müssen Köpfe rollen. Und wenn die Bürger von „Lügenpresse“ sprechen, wäre das spätestens dann angemessen, innerhalb ihres Berufsstandes darüber ins Gericht zu gehen. Stattdessen sah man die Schuld bei den Bürgern. Das alles ist der Pressefreiheit geschuldet. Ich gebe gern zu, daß die heutige Generation dringend Nachhilfeunterricht für ihr Verhalten benötigt. Das gilt aber auch für die Medienbranche. Wer nie wirkliche Armut verspürt hat regt sich als Ersatz über alles und jedes auf. Der unkontrollierte Flüchtlingsüberfall hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Daran gibt es nichts zu deuteln. Das war des Guten zu viel. Und wenn ich jetzt hören muss, daß die SPD weiteren Zuzug von Familien verlangt, dann war’s das mit dieser Partei. Und die AfD, die nur wenige wollten, machen die etablierten Parteien erst recht stark. Mir persönlich kann es nur recht sein. Und die Medien haben Sie zusätzlich gestärkt. Es ist schon eine Tragödie, was sich in unserem Land abspielt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu “Rennen, bis die Lungen brennen“ von Jörg Kramer

Wo stünden wohl die Mannschaft von Schalke 04 und ihr „Systemtrainer“ Tedesco ohne die Sprungkraft und die Kopfballstärke des Instinktfußballers Naldo? Ist es nicht absurd, dass diese „Laptoptrainer“ oder deren immer zahlreichere Komparsen auf der Bank bei der Einwechselung eines Spielers ein Notebook bemühen müssen, um jenem sagen zu können, auf welcher Position er wie gegen wen zu spielen hat? Die nächste Stufe im modernen Fußball könnte dann sein, dass die Spieler mit einer mobilen App ausgestattet wären, mit der sie über jeden zu erledigenden Schritt und Tritt während des Spiels instruiert werden. Am Ende dieser Entwicklung würde man von Trainern bzw. ihren Digital-Assistenten programmierte Roboter gegeneinander spielen lassen. Diese Spieler-Automaten wären in der Tat komplett austauschbar. Darunter würden dann nicht nur Friseure und Tätowierer leiden. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


Leserbrief zu „Quälende Frage” von Ulrich Bahnsen Die Würde, die einen Menschen zum edlen Menschen macht, ist extrem antastbar; durch eigenes Entscheiden und Handeln einer Person.

Die VW-Manager und Auftragnehmer, die für die Affenversuche verantwortlich sind, haben ihre Würde restlos zerstört. Aber sie können sich trösten: Sie verfügen noch über die Würde, die ihnen der Artikel 1 des Grundgesetzes als unantastbar garantiert. Diese Würde teilen sie allerdings auch mit Dieben, Mördern und Vergewaltigern. Das haben sie verdient. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „»Klischees sind härter als Beton«“ von Marc Brost und Tina Hildebrandt

Ihre beiden Autoren Tina Hildebrandt und Marc Brost sind Markus Söder nicht gewachsen. Die Antworten von ihm haben die Autoren ins lächerliche ziehen wollen, was Söder im Keime erstickt hat. Bayern ist auf allen Feldern meilenweit besser aufgestellt als der Rest. Das wollen nicht nur Ihre Autoren wahr haben, sondern fast alle Journalisten. Das stinkt denen gewaltig. Übrigens, der Flughafen funktioniert nicht nur, sondern wurde von einer Jury auch als besten Flughafen geehrt. Die spielen nicht nur den besten Fußball, sie können auch souveräner gegenüber Journalisten auftreten. Sie haben in Bayern schlechte Karten, wenn Sie glauben, Sie können Herrn Söder ans Bein pinkeln. Ich kenne in etwa die politische Haltung ihrer Kolleginnen und Kollegen in der.Redaktion der „Zeit“ durch ihre Beiträge. Bei den freien Journalisten ist öfter eine Pro-Haltung zu erkennen. Ich mag keine Journalisten, die Ihre Haltung nur ideologisch thematisieren. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Der tiefschürfende und sogar historische Anleihen bemühende Beitrag verhebt sich am banalen Gegenstand. Schon die Titelblatt-Fragestellung, ob man denn heute noch einen Film von Woody Allen sehen „darf“, führt in die Irre und völlig falsche Richtung. Ein Kunstwerk, egal ob Film, ein Gemälde oder eine Musikaufnahme, ist, sobald es geschaffen und vollendet wurde, in der Welt und gehört im übertragenen Sinne nicht mehr dem Künstler, egal was er vorher oder dabei getan hat. Etwas völlig anderes ist es, ob bei der Herstellung eines also noch lebenden Künstlers Straftaten geschehen und von der Umwelt geduldet werden, die auch für jeden anderen Menschen gerichtliche Untersuchungen zur Folge haben müssen bis zur Klärung des Sachverhalts. In diesem Zusammenhang Woody Allen an den Pranger zu stellen ist nach allen bisherigen Justizfeststellungen unzulässig, es sei denn, Sie sind im Besitz neuer justiziabler Tatsachen, die dann auch genannt werden müssten. – Wilfried Mommert


Leserbrief zu „Zeit ist Geld“ von Claas Tatje

Ich teile die Auffassung des Autors in weiten Teilen nicht.

  1. Warum ist man automatisch ein Vorreiter für den gesamten Arbeitsmarkt, wenn man sich dafür einsetzt, dass weniger gearbeitet werden darf? Mich erinnert das zu sehr an das Gespräch aus dem Radio an jedem Montagmorgen. Ach wie schlimm, das Wochenende ist vorbei, jetzt müssen wir wieder arbeiten…Der Beruf ist nur noch ein Job, der zu dem Leben passen soll? Ein notwendiges Übel, was am besten ganz abgeschafft würde. Das ist ja alles ganz schön, aber wird dazu führen, dass wir den Wohlstand (auf den alle so viel Wert legen) nicht mehr halten können. Ich fände es wichtig, nicht so naiv an die Dinge ranzugehen.
  2. „Aber es trifft die Richtigen“. Ja, die bösen Firmen, die so viel Geld verdienen! Müssen diese Klischees wirklich so platt bedient werden? Der Autor verkennt im Übrigen, dass die Mehrzahl der 4 Millionen Beschäftigten im Mittelstand ihre Arbeitsstelle haben und eben nicht bei den großen Konzernen. Die Belastungen für den Mittelstand werden immer höher und niemand versteht, dass man damit das Rückgrat der deutschen Wirtschaft lahmlegt.
  3. „Wer hat den Gewinn erwirtschaftet? Die Mitarbeiter und nicht die Aktionäre“. Leider eine Äußerung, die einfach nur vollkommen falsch ist und irreführt. Der Gewinn eines Unternehmens gehört dem Eigentümer, der ja auch alle Risiken zu tragen hat. Die Mitarbeiter erhalten ihren Lohn und oftmals recht üppige Jahresprämien. Das sind die wichtigsten Eckpfeiler einer funktionierenden Marktwirtschaft.
  4. Warum muss sich Siemens erklären, wenn man ein Werk schließt und sonstwo investiert? Es ist doch ganz einfach: Weil die Aktionäre eine hohe Rendite erwarten. Und die Aktionäre sind keine anonymen Gangster, sondern vielfach normale Bürger, die ihr Geld anlegen und sich wiederum beschweren, wenn es keine ordentlichem Dividenden gibt. – Ulrich Meiser

Leserbrief zu „Quälende Frage” von Ulrich Bahnsen und zu „Tief durchatmen!“ von Harro Albrecht et al.

In den Siebzigern nutzte ich emsig die Kölner Uni-Bibliothek. Was ich so alles auslieh, das legte man am Tresen – das war ein Service-Paradies! – jeweils in eine feine weiße Plastiktüte. Drinnen im Sackerl wartete schon ein dezenter Gruß des Tütenstifters, des exquisiten VdC nämlich, des damaligen ‚Verbandes der Cigarettenindustrie’. Eine kleine Broschüre, laut derer ich mir um das da noch allgegenwärtige Passivrauchen in Lichthöfen, Bahnen und Kneipen bloß keinen Kopf mehr machen sollte. Denn glaubhafte Studien noch glaubwürdigerer Wissenschaftler hätten alle Warnungen vor gesundheitsschädlichen Folgen als böswillige Panikmache entlarvt, ein für allemal. Auch unsere Automobilindustrie wollte wohl gerade eine Weiße-Tüten-Kampagne auflegen, für befreites Inhalieren von NOX. Den subjektiven Willen der Wissenschaft, der Politik erleuchtende Entscheidungsgrundlagen zu fertigen, möchte ich nicht in Frage stellen, die objektive Fähigkeit schon eher. – Dr. jur. Karl Ulrich Voss


Leserbrief zu „Wer paktiert hier mit Kriminellen?“ von Lisa Nienhaus und Felix Rohrbeck

Ich bin froh, das Norbert Walter Borjans nicht mehr im Amt ist, das würde auch Zeit Daß die SPD Ihre Sessel räumen mussten, daran hat Borjans mitgeholfen. Der Mann hat der Volkswirtschaft Schaden zugeführt, trotz der eingetriebenen Beträge. Seine ständigen Rechtfertigungen zeigt mir wie unbelehrbar er ist. Solche Politiker braucht kein Mensch. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „»Dann fliegt mir die Stadt um die Ohren «“ von Mohamed Amjahid und Anne Hähnig

Ein frag-würdiger Artikel, entfernt vom alten Zeit-Niveau – zu Bucerius‘ und Marion Gräfin Dönhoffs Zeiten!! Im 2. Abschnitt heißt es: „Drei Fälle hat es hier gegeben.“ Hat: Indikativ Präsens, eine Existenzaussage, in den folgenden Zeilen desselben Abschnitts vergessen die Autoren das ‚hat‘ und setzen: „soll“, „sollen“, „soll“ plus Infinitiv Perfekt hin, d.h.: Es ist unsicher, ob der Sachverhalt vorgefallen ist. Verwirrend. „Fremdenfeindliche Aufmärsche, fremdenfeindliche Pegida-Bewegung“ : warum gleich fremdenfeindlich, wenn die Teilnehmer – vielleicht – nach den Vorfällen in Deutschland nur fremdenkritisch sind? Welches Urteil gilt: „Rechtsextreme“, „die rechtsextremistische Szene“ im selben Abschnitt? Hinzu kommt der Ausdruck: Kleidung rechtsextremer Marken. Können es nicht auch einfach Rechte gewesen sein, wenigstens zum Teil? Nichtdifferenzierende Schlagworte verwirren.

„Doch die Angst davor ist übertrieben“, „er redete die Krise groß“, dann die Frage: „Kocht der Bürgermeister also die Probleme hoch?“ Weder für die Aussagen noch für die Frage werden Gründe angeführt. Merkwürdig: Es ist im 1. Abschnitt der letzten Spalte sogar vom Kleinreden der Probleme die Rede, d.h.: 1. es gibt Probleme, 2. über sie wird nicht sachgemäß berichtet – von Journalisten. Gehören der Verfasser und die Verfasserin dieses Artikels auch zu letzteren? Es fällt das nichts mehr sagende Wort Rechtspopulisten – zweimal -, wie so oft: ohne Definition. Linkspopulisten scheinen den Autoren unbekannt zu sein! Ist jemand nicht ‚satisfaktionsfähig‘, der den „Familiennachzug“ ablehnt – ich nehme an, der Oberbürgermeister wird Gründe für seine Ablehnung anführen können. Warum, wozu ist das Bismarckgemälde in der Amtsstube des OB der Rede wert? Ungesagt bleibt, welche neue Bedeutung der Begriff ‚polizeibekannt‘ erhalten hat (2. Spalte). Auch die Sprachkritik der Autoren ist nicht kohärent: Sie selbst sprechen vom ‚Sprecher der Flüchtlingsclique‘, der Clique, eine Verkäuferin von „Halbstarken“, von irgendwelchen Kindern – ohne die Ausdrücke zu beanstanden, Rotzlöffel dagegen sei nicht Teil gewählter Sprache. – Helmut Wiench


Leserbrief zu „Fehler 404“ von SPI

Definieren Sie oder andere, die diese “Sau durch’s Dorf treiben” endlich, was Sie unter Digitaler Bildung verstehen! Ich sage Ihnen aber, was es sicher nicht ist: Im Englisch-Unterricht mit der Partnerschule in Australien chatten – und das war Ihr genanntes Beispiel. Nennen Sie mir einen Grund, warum man das im Unterricht machen sollte, und was der Gewinn für den Schüler oder die Schülerin dabei wäre. Und zweites ist es sicher nicht die Ausstattung der Schulen mit Tabletts und Whiteboards in allen Klassen. Ich, als technikbegeisterter Ingenieur, frage mich auch, wo das hinführen soll: wir alle wissen, welche Halbwertszeit diese Geräte haben – vergleichen Sie doch mal die Haltbarkeit eines Whiteboards mit der einer Tafel – vom ökologischen Standpunkt wollen wir mal gar nicht sprechen Meine Meinung: Ausbildung und Bildung, ob analog oder digital, unserer Schülerinnen und Schüler könnte man nur verbessern durch mehr Lehrer. Was glauben Sie, was man in kleinen Klassen mit 12 bis 15 Schülern erreichen könnte – Benedikt Flurl


Leserbrief zu „Kassenlose Gesellschaft“ von Marc Brost, Götz Hamann und Heinrich Wefing

Jeden einzelnen dieser Sätze habe ich schon zehnmal an anderer Stelle gehört oder gelesen. Es kann also nicht schwer gewesen sein, den Artikel von einem Computerprogramm synthetisieren zu lassen. Wieder fällt ein Job der Digitalisierung zum Opfer: Journalisten, die den Untergang beschwören. – Kai Seyffarth


Leserbrief zu „Die Herausforderung“ von Uwe Jean Heuser

Wer macht es besser.? An die peinlichen Auftritte von Donald Trump habe ich mich gewöhnt. Ich erinnere mich an einen Ausspruch von meinen ehemaligen Chef Hermann Josef Abs: „Reden hat in der Politik wenig zu sagen. Der Maßstab ist das Handeln!“ Meine Erfahrung hat mich lehren lassen: In einer Demokratie ist das eine Bärenarbeit. „Viele Köche verderben den Brei“, auch ein altes Sprichwort. Vergessen wir also die Auftritte von Donald Trump. Nach meinen Recherchen hat er in der Tat einiges auf die Beine gestellt. Eine große Leistung nach so kurzer Zeit. Ob sich das auch langfristig trägt ist eine andere Sache. Ich bin da nicht so pessimistisch wie Ihr Autor. Trump wird das sehr genau im Auge behalten. Das ist er als Unternehmer gewohnt. Er wird frühzeitig die Reisleine ziehen wenn am Horizont die ersten dunklen Wolken aufziehen. Das zu erkennen ist einem Unternehmer eher gegeben. Trump ist in einer komfortablen Lage, er kann vieles allein entscheiden. Der große Vorteil gegenüber unserer Demokratie. Deswegen bin ich auch kein großer Freund „unserer“ Demokratie. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Der Selbstbetrug“ von Josef Joffe

Was die glänzende Analyse Joffes beschädigt, ist der Umstand, dass er kein Wort über die Dumping-Praktiken der Chinesen verloren hatte. Damit lässt er vermuten, dass er sich vom Trump’s Sieg in den Präsidentschaftswahlen in den USA noch immer nicht erholt hatte. – M. Pelc


Leserbrief zu „Global gewärmt” von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Grundsätzlich finde ich es natürlich außerordentlich erfreulich, dass Sie der römischen Kaiserzeit einen Gastauftritt im „Zeitmagazin“ ermöglicht haben. Der von Ihnen erwähnte Elagabal aber war nun einmal Monarch und diese Form von Staatsoberhaupt 200 v. Chr. in Rom absolut nicht in Mode. Traditionsbewußte römische Senatoren hätten damals unrepublikanisches Liebäugeln mit der verhassten Königsherrschaft unnachgiebig bestraft. Tatsächlich regiert hat der Kaiser fast ein halbes Jahrtausend später und das nur vier Jahre lang: 218 – 222 nach Chr..Ein ähnlicher Zeitsprung also, als hätte man den Zweiten Weltkrieg in das Zeitalter des Dreißigjährigen Krieg rückverlegt und damit Willy Brandt etwa zum Zeitgenossen des Schwedenkönigs Gustav Adolf II. gemacht.

Die Sache mit dem „Daunen“ berichtet auch nur ein unbekannter Verfasser der „Historia Augusta“ (HA Elagabl 19, 9), ein Werk, das selbst wiederum wahrscheinlich erst 200 Jahre nach dem Tod Elagabals entstanden ist. Genannt werden dort „Daunen“ als flauschige Füllung von Kissen auf Speisesofas – aus Unterfedern von Rebhühnern und nicht etwa Enten oder Gänsen. Schade irgendwie – aber er hat’s leider nicht erfunden. – Christine van Hoof


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

In dem Artikel steht auf S. 39, dass Alexej Jawlensky eine 14-Jährige geschwängert habe. Damit dürfte Helene Nesnakomoff, die Mutter seines im Januar 1902 geborenen Sohnes gemeint sein. Laut dem Grabstein von Helene Nesnakomoff wurde sie aber am 5.5.1881 geboren (https://www.findagrave.com/memorial/37396962/helene-jawlensky) und wäre dann 20 Jahre bei der Zeugung gewesen. Man kann natürlich auch nicht ausschließen, dass das Geburtsdatum auf dem Grabstein falsch angegeben wurde. Vielleicht wäre es netterweise möglich, dass Hanno Rautenberg mich wissen lässt, auch welche Quelle er sich bei seiner Aussage stützt. – Filip Schuster


Leserbrief zu „Die Freiheit des Narren“ von Stefan Willeke im ZEIT Magazin

Ich habe selten so einen schönen, wunderbar einfühlsamen Bericht gelesen! – Dr Bernhard Jung


Leserbrief zu „Jeder ist eine Minderheit“ von Roman Pletter

Merkwürdig, wie auf einmal alle Welt der SPD Ratschläge erteilt. Auch ich war schon im Bundestagswahlkampf in Versuchung, als Martin Schulz immer wieder vage das große Thema Gerechtigkeit hervorhob: Was bitte ist daran gerecht, dass der Steuerzahler von der Kita bis zur Promotion für die Bildung der Kinder wohlhabender Eltern aufkommen soll ( die das dann, weil gratis, nicht einmal zu schätzen wissen)? Warum sollen die, die es können, nicht selbstbewußt das Nötige für ihre Kinder zahlen? Sie tun es bereits häufig im Ausland. Mit dem Geld könnte das Bildungswesen saniert werden und alle von neuer Exzellenz profitieren. Auch das leidige Wort von der „Umverteilung“ würde sich erübrigen: „umverteilen“, was mir nicht gehört, ist Diebstahl – oder? – Gudrun Gutermuth


Leserbrief zu „Wann bin ich endlich an der Reihe?“ von Mark Schieritz

Als ständiger Leser der ZEIT seit über 50 Jahren begleiten Sie mein Leben. Ich war 33 Jahre als Kinderarzt niedergelassen. Ihrem Beitrag in der jüngsten Zeit kann ich zustimmen, er ist jedoch in wesentlichen Punkten unvollständig. Das kann dazu führen, dass man aus der Analyse zu Schlussfolgerungen kommt, die die Mängel der Zweiklassenmedizin nicht beseitigen, sondern zu weiteren Kostensteigerungen ohne Verbesserungen führen.

Privatpatienten sind nicht grundsätzlich wohlhabender. Gut verdienende Bürger mit Kindern bleiben in der gesetzlichen Krankenkasse und profitieren von deren sozialen Leistungen, u.a. der kostenlosen Mitversicherung der Kinder. Privat Versicherte sind „gute Risiken“, gesund, keine Kinder, jung. Eine große Gruppe sind die Beamten, die nur die günstige Privatversicherung für den Bereich brauchen, der nicht durch die Beihilfe abgedeckt ist. Daran ändert sich auch im Alter nichts. Der normale alte Privatversicherte ist den rasch steigenden Prämien ausgesetzt, kann die Versicherung aber nicht mehr verlassen. Das kann existenzbedrohende Ausmaße erreichen. Es sei denn, er hat rechtzeitig Tricks genutzt, um in die gesetzliche KV zu wechseln.Nichts einfacher als. das.

Ähnlich fraglich ist das Argument der drohenden Einkommensverluste bei niedergelassenen Ärzten,. In guten Wohnvierteln kann der Anteil der Privatpatienten 25% und mehr betragen, in schlechten 1%. Der Durchschnitt ist 11%. Eine bessere Bezahlung der Leistungen gesetzlich Versicherter ändert nichts an den Unterschieden, Nun gönne ich jedem ein gutes Einkommen. Aber eine unvollständige Analyse führt zu falscher Therapie. Die private Krankenversicherung ist ein Geschäftsmodell, das gesellschaftlich schädlich ist. Warum reformiert man nicht? Das kann dadurch begünstigt werden, dass niemand sich mit Beamten anlegen möchte. Viele Abgeordnete sind Beamte. Für alle Ärzte hat der Staat das Studium finanziert. Er sollte sicherstellen, dass überall gleichwertige Existenzbedingungen bestehen. Das Thema bleibt aktuell. Unser Gesundheitssystem wird teurer, die Einkommen der Ärzte werden steigen. Ändern an der Praxis wird sich ohne Systemwechsel nichts. Eine vollständige Analyse ist fruchtbar. – Dr. J. Onken


Leserbrief zu „Wann bin ich endlich an der Reihe?“ von Mark Schieritz

Die zurzeit mal wieder besonders aggressive und oft pauschale Kritik an der angeblichen „Zwei-Klassen – Medizin“ macht mich als Privatpatientin wütend. Meine persönlichen Erfahrungen entsprechen in keiner Weise den Aussagen von Mark Schieritz. Ein Beispiel: Termin beim Augenarzt nachgefragt am 6. Juli; Untersuchungstermin erhalten: 5. Oktober; Bei dieser Untersuchung wurde festgestellt, dass eine Augen-OP notwendig ist, weil die Therapie mit Tropfen nach 15 Jahren ausgereizt ist. OP-Termin: 28. Februar 2018. Die OP selbst ist genau die gleiche, wie sie auch bei gesetzlich Versicherten bei dieser Erkrankung durchgeführt wird. Die Gerechtigkeitslücke sehe ich eher darin, dass die OP bei mir deutlich teurer ist und ich deshalb erheblich höhere KV-Beiträge bezahlen muss. – Barbara Jacob


Leserbrief zu „Kassenlose Gesellschaft“ von Marc Brost, Götz Hamann und Heinrich Wefing

Bei dem nochmaligen Lesen der Subline Ihres Artikels, namentlich des Teils: „Wem nützt es, und wer bleibt auf der Strecke?“, musste ich mich wirklich zunächst fragen, warum Sie diesen Artikel eigentlich geschrieben haben und bin zu dem Schluss gekommen, die Folgefrage aufzuwerfen: Wem nütz der von Ihnen verfasste Artikel eigentlich? Den Lesern oder Ihrem persönlichen Arbeitsstundenkonto? Ihre Anmerkung, dass die Arbeitsmarktpolitik digital ausgerichtete werden soll bzw. das Recht der technischen Entwicklung angepasst werden muss, konnte mir nur ein – mit Verlaub – müdes Gähnen abtrotzen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin ein großer Fan Ihres Blattes und lese dies auch regelmäßig. Allerdings reicht es nach meinem Dafürhalten nicht aus, wenn Sie lediglich einen Zustand unserer Gesellschaft beschreiben, der ja nun wirklich nicht erst seit gestern offenkundig ist und dann zwei kleine – ebenfalls offenkundige – Anmerkungen zu einem Diskurs beisteuern. Denn was, um Himmelswillen anderes als ein Diskurs, soll uns denn in dieser komplexen Lage sonst helfen?

>>Das große böse Wort „Digitalisierung“. Man kann es gar nicht fassen. Was soll das eigentlich sein?<< Sie sind ja nun wahrlich drei Detektive auf einer ganz heißen Spur. Besonders gut gefallen hat mir auch Ihr sogenanntes „erstes Grundgesetz“ zur Digitalisierung. So ein Novum habe ich ja noch nie gehört: „Alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden“ respektive „alle Informationen die sich elektronisch speichern und verarbeiten lassen, werden auch elektronisch gespeichert und verarbeitet. Halleluja, gut, dass die Leser das nun endlich wissen.

>>Jeder hat Angst vor der Digitalisierung<< konstatieren Sie und die Politik ist zu langsam, um nötige und wichtige Schlussfolgerungen zu ziehen, geschweige denn Lösungsansätze anzubieten. Klasse, was für eine Neuigkeit. Dann machen Sie doch bitte den Anfang. Die Mitglieder der Bundesregierung erhalten jeden Morgen einen Pressespiegel. Warten Sie einmal auf mit einer Überschrift, die es in sich hat und auch etwas Fundiertes bereithält, wie: „So zähmen wir gemeinsam das Monster Digitalisierung“ oder „Digital nichtnormal“

Anstatt zu recherchieren, was wer wo, bei einem zumindest auch hinterfragungswürdigen Weltwirtschaftsgipfel oder Digitalgipfel, wie gesagt hat, – und Sie stellen ja erneut detektivisch-trefflich fest, dass, wenn Frau Merkel über die Digitalisierung spricht, jeder am Ende nur noch gequält klatscht – frage ich mich, ist das hier erneut die ganz heiße Spur eines Qualitätsjournalismus, welcher dieses Prädikat verdient hat? Ich denke, Sie erkennen selbst, dass Sie dem, wenigstens in diesem Artikel, nicht gerecht geworden sind. Bitte verstehen Sie dies nicht als persönlichen Angriff. Ich möchte hier weder verbal um mich schlagen, noch auf den Putz hauen. Es geht mir lediglich um die Sorge, dass die Qualitätspresse ebenfalls von der großen Digitalisierungsangst eingenommen ist und nur noch beschreibt und hoffe, dass die Angst sich von selbst löst. Das hilft uns aber nicht weiter. Außerdem ist diese Angst so abstrakt und so irrational, dass sie gerade aufgeklärt werden müsste und nicht beschrieben werden sollte, in der Art und Weise, wie Sie dies tun. Was nötig ist, ist eine tief gehende Analyse.

Die Antwort auf den Umgang mit der Digitalisierung ist eine in der Theorie recht einfache, in der Praxis, die Schwerste, die Sie sich vorstellen können. Denn der Ansatzpunkt ist in diesem Zusammenhang kein Staat und keine Regierung, es sind keine Großkonzerne und keine systemimmanenten Industrien oder Banken oder sonstige vorgeschobenen Netzwerke. Der Ansatzpunkt ist der Mensch und diesen gilt es darauf vorzubereiten, dass wir – in der Tat – an dem größten Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte stehen bzw. mittendrin sind. Und sollte uns das Angst machen? Selbstverständlich nicht! Denn was Angst macht, ist eben die Ideenarmut mit der man sich konfrontiert sieht und die Ratlosigkeit. >>Die Jobs fallen weg, was sollen die Leute denn dann machen<<. Ja, endlich einmal nicht irgendeinem würdelosen Job hinterherlaufen, der am Ende nur zu einer weiteren Verschlimmerung des Zustandes der Erde führt.

Setzen wir doch endlich da an, wo es Sinn macht anzusetzen, um Probleme zu lösen. Bei uns selbst und das jeder für sich. Fangen wir an zu denken und vor allem, fangen wir an bewussten Kontakt mit uns selbst aufzunehmen auf der Ebene des Gefühls und der Seele. Je mehr Menschen dies tun und je weiter sich das durchsetzen wird, desto schneller wird es auch eine neue Qualität in unserer Gesellschaft geben und die Antworten auf den Umgang mit der Digitalisierung kommen ganz von selbst. Nochmal, Sie wollen eine Antwort auf den Umgang mit der Digitalisierung? Hier ist sie: fangen Sie an sich selbst zuzulassen und reden Sie sich nicht weiter ein, dass Sie einen Job, eine Digitalstrategie oder ein anachronistisches Parteiensystem brauchen, was dieses Problem lösen wird. Denn das Problem ist nicht die Digitalisierung, das Problem sind Sie, das bin ich und das sind die ganzen anderen zig Milliarden Individuen. Je mehr Menschen sich darüber im Klaren werden, dass wir (und das nicht erst) mittlerweile in einer verstörend-inhumanen Welt leben, desto besser für unseren ganzen Planten. >>Die Jobs werden wegfallen, ja! Das ist sicher, wie morgen (hoffentlich) noch die Sonne aufgehen wird:-).<<

Deshalb kann es doch nicht heißen, dass, um in Ihrer Analogie zu bleiben, ein Mechaniker ein Mechatroniker werden wird. Wie absurd ist das denn. Die Menschen müssen verstehen, dass sie sich in Zukunft nur über ihr „selbst“ definieren können. Keine Jobs, keine Autos, keine Häuser, keine Yachten und kein einzigartiges Konsumding oder Event mehr. >>Vorbei, perdu, ohje.<< Alles andere sind nur Arzneien gegen die Symptome, die schon bald gar nicht mehr wirken werden. Fangen wir an bewusst nachzudenken und nachzufühlen. Dann kann es endlich in einer neuen Richtung weitergehen. In diesem Zusammenhang kommt dann auch schnell die wichtigste Frage auf, die in unserer Gesellschaft omnipräsent ist, aber jeder mühselig und durch atemlose Geschäftigkeit versucht, sich diese nicht zu stellen: Was bin ich ohne diesen ganzen externalisierten Lebensinhalt eigentlich wert? Sehr, sehr viel nämlich! Nur müssen sich die Menschen dies erst einmal bewusst machen. Sie sehen, nicht die Digitalisierung macht Angst, nein, die Auseinandersetzung mit sich selbst macht Angst. Seien Sie die ersten, die darauf hinweisen. Ansonsten bleiben wir alle auf der Strecke. – Martin Andreas Dusinski


Leserbrief zu „Quälende Frage” von Ulrich Bahnsen

Der Leitartikel befasst sich mit der VW-Dieselaffäre und den Tiertest´s. Wieso nur VW? Haben nicht alle deutschen Autohersteller diese „Tests“ bezahlt? Ihre Fragestellung basiert auf der Behauptung, dass Unternehmen skrupellos vorgehen, wenn sie gesetzliche Auflagen nicht erfüllen wollen oder können. Dieser Ansatz steht in Widerspruch zu Ihrer vielfachvorgetragenen Aussage, dass der Gesetzgeber den Autoherstellern erlaubt hat, den Schadfilter abzustellen, wenn der Motor „gefährdet“ wäre. Ich habe bisher nicht gehört, dass ein Autohersteller juristisch belangt worden ist, weil er Gesetze mißachtet hat. Die „quälende Frage“ ist aus meiner Sicht, wie kommen solche Gesetze zustande? Ist ein neues Gesetz verabschiedet/geplant, dass den Bürger vor solchen Manipulationen schützt?

Da die „Digitalisierung“ solche Manipulationen ermöglicht, stellt sich auch die Frage, kontrolliert das Kraftfahrtbundesamt die Elektronik überhaupt und darf sie das? Letztendlich wird die Gesundheit von Millionen Bürgern beeinträchtigt! Ihren Hinweis auf „The Monkey Kingdom“ in China ist nach meiner Auffassung ein Ablenkungsmanöver. Marktwirtschaft lebt vom Wettbewerb. Tierversuche sollten dem wissenschaftlichen Fortschritt dienen und nicht den wirtschaftlichen Einzel-Interessen von Unternehmen. Der Gesetzgeber – sprich unsere Bundestagsabgeordneten – setzen die Rahmenbedingungen und hoffentlich nicht Lobyisten. Ihre Leitartikel entspricht nicht dem Stil und Niveau, welches ich von der Zeit erwarte. – Volker Cochius


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Der Artikel zeigt auf erschreckende Weise, wohin wir es mit „#Me Too“ gebracht haben – und ist dabei in mehrfacher Hinsicht auch noch bedenklich schlecht. Vielleicht helfen ein paar einfache Wahrheiten, um das „Problem“ wieder in vernünftige Bahnen zu lenken:

  1. Kunst kommt von Können.
  2. Künstler und Werk sind nicht das Gleiche.
  3. Ein freier Mensch schaut sich an, wozu er/sie Lust hat.

Nichts davon reflektiert der Autor in seinem unbeholfenen Versuch, die Freiheit der Kunst zu verteidigen. Dabei liegen gerade in diesen, offenbar für viele heute nicht mehr präsenten Wahrheiten fundamentale politische Implikationen. Der Reihe nach:

  1. Picasso war imstande mit drei Strichen ein Frauen(!)-Gesicht zu zeichnen, in dem man als Betrachter nicht nur sofort das Modell erkennen konnte, sondern auch noch etwas über das Wesen der Frau und seine Beziehung zu ihr erfahren konnte. Nichts von dem, was dieses kleine, große Werk verströmt, lässt irgendeinen Schluss darauf zu, dass er dieser Frau nicht mit Hochachtung begegnet ist. Verehrung liegt weit näher. Das ist
  2. Das Beispiel eignet sich somit bestens, um den Unterschied zwischen Werk und Künstler deutlich zu machen. Die Gleichsetzung von Werk und Künstler ist generell das Dümmste, was das Feuilleton – nicht nur, aber auch der ZEIT – zu bieten hat. Man kennt das: Wie schlecht muss es Mozart bei der Komposition seiner g-moll Sinfonie gegangen sein? Die Vorstellung, dass es ihm in diesen Wochen, wo er das Werk schrieb, prächtig ging – er befand sich in einem Schaffensrausch -, wollen viele nicht wahrhaben. Nebenbei – Hallo, „#Me Too“! – war er ein schwacher Vater und eher lausiger Ehemann. Die Konsequenzen, die wir aus der gegenwärtigen, angeblich „sensibilisierenden“ Debatte zu befürchten haben, mag man sich gar nicht ausmalen, denn sie berühren die Basis einer freien Gesellschaft.
  3. Womit wir bei Punkt drei wären: Was Kunst ist und auf welche Weise sie Menschen erreicht, anspricht, verändert, soll nun also von oben, per postuliertem gesellschaftlichen Konsens normiert werden. Die, die diesem Wahnsinn das Wort reden, sollen sich bitte vor Augen halten, in welche „Gesellschaft“ (im doppelten Sinne) sie sich begeben.

Statt also sich ernsthaft mit der Freiheit von Kunst, Künstlern und Rezipienten (!) auseinander zu setzen, bedient Herr Rauterberg die seichtesten Klischees von Sex, Drugs and Crime, die in den Hirnen von braven Bürgern herumgeistern. Sorry, aber wenn solche Redakteure die Zeitredaktion bevölkern, dann wundert mich nicht, wieso man(n) dort dem MeToo-Phänomen so hilflos gegenüber steht. Ich denke, die Frauen dort haben stärkere Sparringspartner verdient. In Berlin haben Studenten durchgesetzt, dass ein Gedicht, das auf der Wand der Uni weithin sichtbar zu lesen war, übermalt wird; wegen angeblich sexistischer Botschaft. Es war Liebeslyrik. Welch ein Triumph der Kunst, die es wieder schafft, auf diese Weise gesellschaftliche Empörung zu provozieren! – Johannes Eckmann


Leserbrief zu „Quälende Frage” von Ulrich Bahnsen

Ddanke, für diesen gelungenen und treffenden Artikel zu den widerlichen VW-Tests an Affen. Sie haben uns aus der Seele gesprochen/ geschrieben. Brillant formuliert und weitsichtig. Ja, und wie halten wir es mit Affen insgesamt? Ziel muss ein weltweites Verbot von Tierversuchen sein, da die Ergebnisse ohnehin fast nie auf den Menschen übertragbar sind. Stattdessen muss nach Alternativen zu Tierversuchen gesucht werden. Dahingehend sollte der Wettlauf in der Wissenschaft mit China gestaltet werden. Wir freuen uns über weitere gute Artikel von Ihnen in der Zeit. – Familie Kunze


Leserbrief zu „Quälende Frage” von Ulrich Bahnsen

Ein grossartiger Artikel von Ihnen über die grausamen Tierversuche an Affen und die verständliche Empörung über diese Qual! Dass auch Frau Merkel sich lautstark mit Ihrer Kritik an dieser Tierqual einmischt, ist begrüssenswert. Und doch sollte sie vor allem dafür sorgen, dass auch hier in Deutschland das Tierschutzgesetz eingehalten wird und Verstösse scharf geahndet werden. Gerade die CDU blockiert immer wieder die Durchsetzung eines Wildtierverbots in Zirkussen, in denen Affen, Elefanten und Giraffen zur Belustigung dressiert und gequält werden. Es kann nicht sein, dass in dem von ihr regierten Land, Millionen von Lebewesen gequält und getötet werden in den Massenvernichtungsfabriken, die besonders von der CDU-CSU unterstützt und gefördert werden und sie sich dann bei diesen verwerflichen VW-Tests moralisch hervortun und sich moralisch profilieren möchte. Natürlich ist dies einfacher und effektvoller. Doch sich in der neuen Regierungsbildung für Mindeststandards und Tierwohl in der Landwirtschaft und für ein Wildtierverbot einzusetzen, der nötige Weg und ihre Empörung an den Tests dann gerechtfertigt. Aber Merkels Empörung über die Tierqual bei VW ist hoffentlich ein erster Schritt. Wir freuen uns über weitere gute Artikel von Ihnen zu diesem wichtigen Thema in der Zeit! – Stephanie Hagen und T. Buck


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Frauen sind Machtinstrumente, aber auch Inspirationsquelle und Muse, wofür es viele Beispiele – von Picasso über Max Frisch bis hin zum Wissenschaftler Otto Hahn – der anstatt seiner federführenden Kollegin Lise Meitner den Nobelpreis eingeheimst hat (s. Zeit 4/18). Ich kenne auch so ein Monster, ein ehemaliger Nachbar von mir, Prof. Gynäkologe, der junge Patientinnen zum Sex „überredet“ hat, und der mich, als ich auf seine sexuellen Avancen nicht einging, geschädigt und traumatisiert hat, indem er meine Abstriche, die er durch Zufall in sein Zytologisches Labor bekam, aus Rache fälschte, um dann als ortsansässiger Spezialist für die anscheinend unerlässliche Operation wegen angeblich wuchernden Krebszellen am Gebärmutterhals doch zwischen meine Beine zu kommen. Als ich versuchte, ihn dafür gerichtlich zu belangen, sorgten eine „Frau“ Gynäkologin (meine), eine „Frau“ Richterin, sowie eine „Frau“ Rechtsanwältin aus einer der angesehensten Familien Deutschlands dafür, dass er freigesprochen und ich wegen Verleumdung bestraft wurde. Perfekte Machtinstrumente, diese Frauen. – Ruth Gehring


Leserbrief zu „Jeder ist eine Minderheit“ von Roman Pletter

Die Überlegung, daß die SPD sich pauschal den unteren 50% der Gesellschaft als materielle Umverteiler-Instanz oder kollektiv-psychologischer Anerkennungsstifter für die weniger erfolgreichen Schichten der Gesellschaft zuwenden sollte, ist eine rein arithmetische Vision, die angeblich „Abgehängten“ der Gesellschaft mit irgendwelchen ex-post ( nach dem Prozeß volkswirtschaftlicher Wertschöpfung) zugeteilten sozialen, „gooddies“zu versorgen. Man braucht nicht Volkswirtschaft studiert haben, um eine solche pauschale Umverteilungsorgie als absurd zu bezeichnen. Das kann es doch nicht sein. Die soziale Marktwirtschaft erhebt seit Ludwig Erhard den Anspruch, schon allein durch quantitatives Wachstum „sozial“ zu sein. Ob dieses Verständnis von „sozial“, also nur quantitativ verstanden , ausreicht, ist allerdings zu hinterfragen, ^^ Aufgrund ihrer fast 15ojährigenTradition muß die SPD konkrete ,soziale, Mißstände zum Inhalt ihrer Programmatik machen und darf nicht einer vagen Gerechtigkeits-Duselei zum Opfer fallen. ^^ An anderer Stelle der ZEIT, im Feuilleton auf Seite 45, hat der Basler Soziologe Oliver Nachtwey analysiert, woher die Krise der linken Parteiuungen in Europa wirklich herrührt. Diese Krise leite sich letztlich aus der Akzeptanz der Marktwirtschaft als solcher ab. Die linken Parteien hätten die „Imagination einer anderen , einer besseren Welt und den Willen , sie zu erreichen, aufgegeben. Auch seien die linken Führungskader selber inzwischen Teil des politischen Establishment geworden. Oliver Nachtwey wörtlich: „die Linke ist keine Kraft der Zukunft mehr, keine Treiberin des Fortschritts, keine wirkliche Energiequelle von Reformanstrengungen. Sie hat kein eigenes Narrativ mehr einer Gesellschaft jenseits von universeller Konkurrenz, grenzenlosem Wachstum, Umweltzerstörung und der Auflösung lokaler Gemeinschaften„. Weil sich die Linke ent-ideologisiert hat, ist sie Teil eines alle Lebensbereiche durchdringenden Marktsystems geworden.^ Der Kultursoziologe Andreas Reckwitz hat wiederum ein kluges Buch geschrieben: “Die Gesellschaft der Singularitäten“. Spätmoderne Gesellschaften feierten das Besondere. Das Durchschnittsleben zähle nicht mehr. Der zumindest in der individuellen Psyche der Bürger heute überaus ausgeprägte „Individualismus“ wehrt sich gegen jedwede sozialdemokratische oder gar sozialistische Vereinnahmung im Namen von Solidarität/Fraternität. ^ Vorläuft regiert auch in der Bundesrepublik faktisch das Prinzip der persönlichen „Ich AG“. Merkwürdig am neuen Neo-Individualismus ist dessen massenhafte Vereinnahmung. Warum laufen eigentlich so viele junge und auch schon mittel-älterliche Frauen mit Löchern in den Jeans, meistens an den Knien, umher? Dies ist nicht nur ein Mode-Phänomen , sondern es ist eine neue Dada –Bewegung des Kaputt ( damals 1917 in Zürich entstanden) .Man wähnt sich kaputt, obwohl man es in Wirklichkeit, materiell, doch gar nicht ist ?? – Sigurd Schmidt


Leserbrief zu „Quälende Frage” von Ulrich Bahnsen

In jedem Moment laufen in Deutschland tausende Menschen herum, die freiwillig und gegen Geld nicht genehmigte Medikamente testen, möglicherweise mit schweren Gesundheitsfolgen. Was soll also das Gebarme um die armen Affen? Viele Afrikaner (u.a.) essen Affenfleisch und töten sie naturgemäß vorher. Die ganze Menschheit tötet und ißt Tiere. So what? Der Mensch steht eben an der Spitze der Nahrungskette. Gehen Sie eine Stunde im Ruhrgebiet an der B 1 spazieren- und Sie atmen VW-Affenluft! – Prof. Mag. Peter Meier-Bergfeld


Leserbrief zu „Ich wünsche mir mehr Bekenntnis zur Freiheit…” von Düzen Tekkal

Ein hervorragender Artikel! Probleme der Integration werden auf den Punkt gebracht, und Düzen Tekkal sagt, was zu tun ist. Das sollte sich auch die SPD zu Herzen nehmen! – Dr. Heinz Lorenz


Leserbrief zu „»Angeschnorrt zu werden ist für Kreative Alltag. Die Schnorrer quatschen sie aber nicht am U-Bahnhof an – sie arbeiten in Verlagen, Theatern und Agenturen«” von Sibylle Hamann

Im großen und ganzen bin ich mit dem Artikel einig und kann vieles bestätigen. Nur ein Satz bzw. ein Teil davon hat mich richtig geärgert, so dass ich schreiben muss. Im drittletzten Absatz steht folgender Satz: “ Wollen wir, dass richtig frei bald nur noch jene sind, die sich aus irgendwelchen Gründen leisten können, umsonst zu arbeiten: reiche Erben, Privatiers, Rentner, Mensch mit gut verdienenden Ehepartnern ?“ Die Rentner, die sich leisten können, umsonst zu arbeiten, sind die wenigstens unter den ganzen Rentnern. Fragen Sie mal die Masse an weiblichen Rentnern danach – viele arbeiten, weil sie müssen, weil die Rente nicht reicht. Ich finde, Rentner in diese Aufstellung einzureihen, ist diskriminierend. Ich bin Abonnentin und selbst Rentnerin, 67 Jahre alt, seit 01.03.2015 in Rente nach fast 50 Jahren Arbeit. Ich habe relativ gut verdient und bin eine Ausnahme bei den weiblichen Rentnerinnen. Denn ich habe eine recht hohe Rente. Ich könnte es mir leisten, umsonst zu arbeiten – aber ich bin eine Ausnahme. – Undine Mix-Falter


Leserbrief zu „Er kennt jeden, er ist nah dran“ von Sonja Banze

Im Vorbeigehen habe ich von dem Typen schon mal gehört. Mehr aber auch nicht. Christoph Bornschein scheint ein wacher Zeitgenosse zu sein. Von der Sache habe ich wenig bis keine Ahnung. Ich fand in dem Beitrag von Sonja Banze eine Bemerkung von Bornschein interessant: „Die deutsche Wirtschaft lebt von der Vergangenheit.“ Das es zur Zeit großartig läuft findet er „bizarr“. Das heisst: Es geht auch ohne Digitalisierung. Davon will er natürlich nichts wissen. Verständlich. Ehrlich gesagt: Ich kann das auch nicht verstehen, obwohl ich mich als Banker recht gut mit der Wirtschaft und den Finanzen auskenne. Ich habe große Firmen über 30 Jahre betreut und habe mich dann als Unternehmensberater selbständig gemacht.

Die deutsche Wirtschaft steht nicht so gut da, wie man allgemein annimmt. Die Wirtschaft in Deutschland wird allein von der Industrie (Maschinen, Apparatebau und der Chemie) getragen. Da ist in der Tat Deutschland Weltmeister. Die anderen westlichen Staaten haben diesen Sektor völlig verpennt. Die grasen damit unseren ganzen Planeten ab. Das ist das ganze Geheimnis. Das wird sich auch noch lange halten. Aber eines Tages kommt auch für Deutschland die Auferstehung der Veränderung. Wenn der Zeitpunkt allerdings verschlafen wird, dann kann es eng werden mit unserem Wohlstand. Die Arbeitslosenzahlen sind gelinkt. Da lügt sich die Politik etwas in die Tasche. Viele Menschen werden nach der Mathematik der Politik gar nicht als Arbeitslose aufgenommen. Zum Beispiel die über 57-jährigen oder die irgendwo einen Kursus belegt haben – um nur zwei Beispiele zu nennen. Die Arbeitslosenrate dürfte in Wahrheit bei fast 10% liegen und nicht wie immer zu lesen ist bei knapp 6%. Herr Bornschein liebäugelt auch mit Singapur – das war vor etlichen Jahren mein zweiter Wohnsitz. Ich fliege heute noch nach Singapur.

Ich wäre gern ganz dort geblieben, wenn das Klima nicht wär. Das Land ist eines der wohlhabendsten Länder, weit höher als in Europa. Und was mir besonders gefallen hat ist der Ordnungsrahmen für ein ungestörtes Leben. Keine Arbeitslosigkeit, fast keine Kriminalität und das saubere Leben. Dort gibt es weder Dreck noch Müll. Zigarettenstummel auf die Straße werfen kostet sie umgerechnet circa 800,.€. Als Kettenraucher, wie Herr Bornschein scheinbar ist hat in dem Land schlechte Karten. Die internationalen Player sind dort zahlreich vertreten. Die Chinesen lassen sich von der Elite in Singapur auf einigen Gebieten beraten. Das zu Singapur. Christoph Bornschein wird noch viel zu tun bekommen. Von Singapur aus kann er ganz Asien aufrollen. Ich bin allerdings nicht mehr darüber informiert, wie das Heute mit dem Aufenthalt oder einer Niederlassung aussieht – die Singapurer schotten ihren Staat ziemlich ab. Für Herrn Bornschein sollte es aber keine Probleme geben. Die Verhalten sich ähnlich wie die Schweiz Als ich dort für eine Bank in Luzern gearbeitet habe, brauchte man entweder eine Arbeitsgenehmigung oder den Nachweis dass man finanziell unabhängig ist. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Was wissen Sie über Wirtschaft“ von Uwe Jean Heuser

Warum ist der Begriff „Humankapital“ in der Zeit seit einiger Zeit so negativ besetzt? Ich habe ihn ganz anders kennengelernt. In der landwirtschaftlichen Betriebslehre steht er im Zusammenhang mit den Aktiva der Bilanz, mit Sach- und Finanzvermögen, mit Anlage- und Umlaufvermögen, also Boden, Gebäuden, Vieh, Maschinen, Kasse etc. Setzt man den Erfolg eines Betriebes in Verbindung mit den genannten Vermögenswerten, so stellt man immer wieder fest, dass zum Beispiel ein relativ kleiner Betrieb erfolgreicher sein kann als ein viel größerer Betrieb. Dies nennen wir dann den Einfluss des Betriebsleiters (und seiner Familie) oder auch Humankapital. Aber dieses steht nicht in der Bilanz. Und dieses gut ausgebildete „Humankapital“ ist wichtiger als ein paar Hektar mehr. – Adolf Ronnenberg


Leserbrief zu „Ich wünsche mir mehr Bekenntnis zur Freiheit…” von Düzen Tekkal

“Weil ich Jesidin bin und die Demokratie verteidige, erhalte ich Todesdrohungen!” – Mit dieser bitteren und schockierenden Erkenntnis bringt Düzin Tekkal die konfuse Integrationsdebatte auf den Punkt! Sie widerspricht damit vehement der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli(SPD), einer praktizierenden Muslimin, die kürzlich erklärte, die Scharia sei mit dem Grundgesetz kompatibel. Frau Tekkal, kompetent und authentisch, untermauert ihre These mit Fakten und Namen. Sie bemängelt den fehlenden Mut der Politiker-vor allem Grüne und Sozialdemokraten- zur politischen Islamkritik dort, wo es unerlässlich ist! So fragt sie:”Warum läßt sich die Auslandsfinanzierung deutscher Moscheen nicht kappen?” Das Gleiche gilt für die islamischen (politischen!) Verbände. Frau Tekkal sagt, daß sie sich andere “Fürsprecher” wünscht. Sie fragt weiter:”Wie kann es sein, daß in deutschen Ditib-Moscheen dieser Tage für den Angriffskrieg der Türkei ( heiliger Krieg) auf die Kurden gebetet wird? Was hat das mit Religionsfreiheit zu tun?” Fazit: Mit diesem fundierten und überzeugenden Beitrag hat Düzen Tekkal Maßstäbe gesetzt für eine realistische Integrationspolitik! Ihr Bericht sollte Pflichtlektüre für alle Politiker sein! – Günter Riemer


Leserbrief zu „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Ich glaube nicht ,dass wir mit “Auge um Auge ,Zahn um Zahn” weiter kommen. Wie viel positiver hätte das Gespräch ausgehen können ,wenn Herr Feinberg den Passanten für ein leckeres, koscheres Mahl eingeladen hätte , anstatt ihn von Polizisten in Handschellen abführen zu lassen ? Ganz einfach : so menschlich wie möglich reagieren und sich nicht auf polizeilichen Schutz verlassen. – Adelheid Grussendorf


Leserbrief zu „Zeit ist Geld“ von Claas Tatje

Ihr Überlegungen mögen theoretisch stimmen, sie sollten jedoch an der Praxis gespiegelt werden, dann würde es ein fundierter Beitrag. Angestellte bei Auto-Herstellern – ob am Band oder im Büro – werden für 35 Std. gut entlohnt und partizipieren zusätzlich von den Unternehmensgewinnen mit zusätzlichen Monatsgehältern. Da gibt es sich sicherlich etliche, die es sich leisten können weniger zu arbeiten. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Die Mehrheit der Angestellten arbeitet jedoch >35 Std. zu für sie schlechteren Bedingungen. Sie hätten möglicherweise ein Interesse mehr zu arbeiten. Verantwortliche Eltern sorgen mit Priorität dafür, dass ihre Kinder das Nötige für eine sorgenfreie und fröhliche Kindheit haben und eine gute Ausbildung bekommen. Wenn das sichergestellt ist kommt die Frage nach Arbeitszeitreduzierung, also in gewisser Weise eine Luxusfrage. Industriekonzernen wie Siemens erwirtschaften sicherlich gute Gewinne, aber eben nicht in allen Werken. In manchen Fällen ist es so, dass es wegen der hohen Gewinne im Ausland möglich ist, auch noch Werke in Deutschland zu erhalten. – Christian Voss


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Es ist sehr zu begrüssen, dass „Die Zeit“ die so wichtige Auseinandersetzung um dieses Thema der sexuellen Gewalt vor allem gegen Frauen, Kinder und sonstige „Abhängige“ weiter veröffentlicht und differenziert. Bezeichnenderweise bringen Sie in Ihrem Artikel insbesondere die Jahrhunderte der Inquisition (und deren Folgen) mit ins Spiel, die diese „genialen Künstler“ begünstigte. Selbst die hohen Würdenträger der Kirchen waren ja nicht zimperlich im Umgang mit Gewalt gegen Frauen, und haben vor „Bluttaten“, Verfolgungen und Hinrichtungen auf den Scheiterhaufen der Geschichte nicht zurückschrecken müssen.

Dass es in diesem Zusammenhang in der heutigen Zeit auch um Künstlerinnen Schauspielerinnen, Regisseurinnen, also die Bedrohung von Kolleginnen geht, deren Karrieren massenhaft zerstört wurden, die, noch mehr als die nun so armen „verfolgten“ Herren Schöpfer der Kunst, erheblich verletzt wurden und werden, mit unabsehbaren langfristigen Folgen für ihre Gesundheit, und auch ihr Leben (sie erwähnen ja die Selbstmorde der Opfer z. B. des Herrn Picasso, der ja auch bekanntermaßen in der Darstellungen seiner Frauen nicht unumstritten ist, auch in Künstlerkreisen! was sich allerdings eher in der Grauzone bewegt), ist allerdings in Ihrem Artikel nicht erwähnt („Eine Frau fehlt in dieser Reihe“). Viele fehlen, allerdings mit anderem Schwerpunkt!

Mir ist seit vielen Jahren die Arbeit des „grossen Regisseurs Woody Allen“ unsympathisch, seine Filme haben mich nie wirklich beeindruckt, weder die „Stadtneurotiker“ noch „Vicky…Barcelona“, nun gut, nicht jede/r man/frau muss ja auch ein Fan von ihm sein. Und dass diese Herren nun „das Messer des Boykotts“ trifft, das jede Hoffnung: auf Ruhm, Geltung und auf Ewigkeit ..durchschneidet, mir kommen gleich die Tränen! Vor Wut, über so einen Unsinn, jedenfalls ist dieses Messer bisher bei W.Allen und R.Polanski noch nicht angekommen, die machen doch munter weiter mit ihrer Karriere, und trotz Vergewaltiger noch nicht mal so schlecht, haben ja auch potente Anwälte, Fürsprecher und Ausweichmöglichkeiten. Also, wo ist das Problem, bitte?

Hier geht es doch endlich mal um die Wahrnehmung eines Gefühls von Verletzt-Werden, und vielleicht so auch um einen Prozess der Verarbeitung, anstatt den betroffenen Opfern Rachegelüste zu unterstellen, und so die Verarbeitung auf andere zu projizieren. Und um dadurch der Gerechtigkeit eine Chance zu geben. Schuld und Sühne? Na ja, noch weit weg.

Dass es auch in den vorigen Jahrhunderten hervorragende Kunstwerke von grossen Künstlerinnen gab, ist eindrucksvoll in der interessanten Ausstellung „Die Galerie der starken Frauen“ im Kunstmuseum Düsseldorf im Ehrenhof (sic!) vor mehr als zwanzig Jahren gezeigt worden, allerdings konnten diese Starken Frauen ausschliesslich nur unter dem Namen ihrer Väter oder männlicher Verwandter arbeiten, oder mussten sich selbst einen männlichen Namen und outfit „erfinden“, wenn sie nicht hingerichtet werden wollten. Großartige Künstlerinnen, Philosophinnen, Wissenschaftlerinnen, Schriftstellerinnen, sogar Prophetinnen, auch Apostellinnen, Malerinnen, Skultpteurinnen, gab es bereits seit Beginn unserer Kultur, und je weiter man in der Zeit/Kultur zurückgeht, umso weniger unterdrückt waren diese grossen Meisterinnen, unsere Vorfahrinnen.

Hildegard von Bingen, Musikerin und Kirchenlehrerin, Ärztin/Heilerin, musste fast 1000 Jahre auf ihre Heiligsprechung warten, sie selbst hätte wahrscheinlich noch nicht mal Wert darauf gelegt. Josemaría Escrivá de Balaguer, der Gründer von Opus Dei, der hunderte von Frauen aus adligen und wirtschaftlich begünstigten Familien für sich hat arbeiten (und bezahlen!) lassen, der sich selbst einen Adelstitel zugelegt hatte, hat dafür nur ein paar Jahre gebraucht (sechs Jahre bis zur Selig- und 27 Jahre für die Heiligsprechung, ein absoluter Rekord!) und dafür schon reichlich Geld hinterlegt während seiner unheilvollen, dem Faschismus in Spanien nahestehenden Amtszeit.

Viel wichtiger als die Hervorhebung der mord- und gewaltlüsternen „grossen Kunst“, auch in der Literatur, voriger Jahrhunderte, und Jahrtausende, die ausser bei den Filmen und Fernsehveranstaltungen (das ist allerdings nicht unwesentlich) eher wenige Menschen erreicht, ist das Ankommen dieser Auseinandersetzung in den Behörden, dem beruflichen Umfeld, den Hilfsorganisationen, auch bei den Banken, der Politik, in denen Männer nach wie vor ihre Macht zur Geltung bringen, und somit auch dem Machtmissbrauch allenthalben Vorschub geleistet wird. Aber eins ist bereits jetzt schon klar: die Frauen bleiben dran, wir lassen uns jetzt nicht mehr mundtot machen, auch wenn wir noch etliche große und kleine Wedel´s, Erdogan´s und Trump´s zu überwinden haben.

Brauchen wir noch immer diese Rechtfertigung von Gewalt in alten, patriarchalen Zeiten, um, wie lange noch, die Verbrechen gegen Frauen und Kinder kleinzureden? Wir wissen doch alle Bescheid, auch worum es in Wirklichkeit geht, auch wie unerträglich das Alles ist.

Und wie unerträglich die weiteren Verharmlosungen, bis hin zu den Demütigungen durch die Maßnahmen, die uns allen durch die Bemühungen drohen, das öffentlich zu machen, und Anzeige zu erstatten!

Gewiss, es ist ein weites und lukratives Feld, die Gewalt und die Sexualität, und wir Psychoanalytischen Fundis haben da ein grosses Päckchen auf dem Programm, die Verdrängung! Und: wie war das mit dem Kastrationskomplex? Penisneid?? Wie bitte??? Da kenn ich wirklich KEINE Frau, die ernsthaft damit aufwarten kann. Auch da ist die Debatte längst im Gange.

Die kulturelle Verdrängung hinterlässt nicht nur eine Blutspur, sondern viele übereinander liegende Blutteppiche, jahrtausendelang und -breit. Die Frauen sind nicht nur kastriert worden, entsexualisiert („die Jungfrau Maria als Gottesmutter“), sondern gleich millionenfach ermordet (Heilige und Hure). Beide hat es hart getroffen, letztere trifft es, nicht nur auf dem Sex-Sklavinnen-Markt, noch heute. Peter Hartz (-4) ist immer noch virulent.

Die Behinderungen von hochqualifizierten und wertvollen Arbeiten von Frauen, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Akademikerinnen, Frauen in „ChefIn“etagen, Vorständen, Redakteurinnen etc. sind weltweit Legion, und diese stehen in keinem Verhältnis zu den Verletzungen von Eitelkeiten der von Ihnen beschriebenen „berühmten“ Künstler. Diese haben ihr „Schäflein im Trockenen“, bestimmt keine wirtschaftliche Not, wie die vielen Frauen auf der Welt, die trotz harter Arbeit am Existenzminimum herumdarben müssen, wenn sie überhaupt ihren (verdienten) Lohn bekommen! Die Herren Künstler sind sicher auch deshalb so „berühmt“, weil da die andere Hälfte der Expertinnen fehlt, und ich möchte hier an dieser Stelle zum Ausdruck bringen, dass diese mir sehr fehlen, die grossartigen Arbeiten der Frauen, entweder weil sie unterdrückt werden, oder gar nicht erst zum Vorschein kommen. (Siehe hierzu: „Die Diskriminierung der Matriarchatsforschung – Eine moderne Hexenjagd“ Herausgegeben von der Autorinnengemeinschaft, edition amalia, Bern 2003)

Dass solche Täter, und das sind sie zweifelsfrei, auch wenn sie durch Gerichte wegen wer-weiss-was freigesprochen werden sollten, sich selber als „Opfer einer Hexenjagd“ bezeichnen, auch mit Hilfe von Kumpanen, verunglimpft die Opfer der jahrhundertelangen Hexenjagden bis auf´s äußerste, und verunglimpft weltweit heute die Frauen, die ihr Leben lang unter diesen Verbrechen leiden, inklusive ihrer Kinder und Angehörigen, hingerichtet werden. (S hierzu auch das Interview mit Monika Hauser, Gynäkologin und Geschäftsführerin von „medica mondiale“, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, in der „taz“ vom 31.1. 2018)

Wenn ein berühmter Jurist in hoher Position seiner Tochter, die sexuelle Gewalt erfahren hat, rät, dieses besser nicht zur Anzeige zu bringen in unserem „Rechtssystem“ (befürchtet er selbst Schaden an seiner „Karriere“, oder ist ihm das Leid seiner Tochter durch die „juristische Aufarbeitung“ wichtiger? wahrscheinlich beides) so spricht das doch Bände für die Not, in dem sowohl Frauen, als auch Männer, dieser frauenfeindlichen patriarchalen Gesellschaft ausgesetzt sind. Denn all das tut vor allem unserer Seele, und unserem geistigen Potential, und besonders unserer sozialen Intelligenz, auch der von Männern, erhebliche Gewalt an. Die Folgen dieser jahrhundertelangen Gewalt zeigt sich auch in Ihrem Artikel über die „genialen Monster“, einer „verdrehten Lust am Aufruhr“ nicht weit entfernt. Immerhin löste (erlöste!) er in mir meine immer noch viel zu wohlverpackte Empörung.

Wir Alle brauchen diese Debatte um die Gleichberechtigung von Frauen, die Anerkennung ihrer sexuellen Unversehrtheit, und das hat mit einem „Recht auf den Flirt“ nicht das Geringste zu tun. Solche „Argumente“ beweisen eher, wie gross die Schieflage ist, in der wir uns seit Jahrhunderten, Jahrtausenden befinden. Diese Debatte steht bereits in den Familien, den Freundeskreisen, auf der Tagesordnung, erfordert viel Mut, aber auch Unterstützung, z. B. von solchen Zeitungen wie die Ihre, mit relativ qualifizierten Hintergrund-Berichten, Analysen, Kommentaren, Interviews.

Da wünsche ich mir vor Allem auch mehr mutige Frauen in Ihren Reihen, damit unsere menschliche Welt endlich ein wenig mehr aus der Schieflage gerät, damit wir nicht alle bald von unserem Planeten abrutschen. Dann könnten wir demnächst wieder eine (hoffentlich weibliche) Hieronymus Bosch gebrauchen, die uns nicht nur die Augen öffnet, das haben wir nämlich bereits längst, sondern auch unser aller Mut stärkt, „Farbe zu bekennen“, und die Hoffnung nicht untergeht, dass Recht und Gesetz endlich auch auf der Seite der Frauen steht, damit uns nicht noch weiter die Knüppel zwischen den Beinen stecken.

Ich wünsche uns Allen Gutes Gelingen, nicht nur in der Debatte, das ist eher Kleinkram, das werden wir schon schaffen, wir sind ja nicht dumm, sondern schon dabei und mittendrin, und ich bin sicher, das ist der nicht einfache, aber richtige Schritt in die richtige Richtung. Und Gott sei Dank gibt es da jetzt endlich die erforderliche „kritische Masse“ an MitstreiterInnen (s. auch Interview mit Merry Streep im „Stern“ von Anfang Februar 2018), was wenigstens wohltut, und, da bin ich sicher, auch erfolgreich sein wird. – Mari – Anne Hölscher


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Mit entwaffnender Konsequenz folgt Ihr Artikel den jahrhundertealten Pfaden, welche die romantisierende Vorstellung von Kunst und Künstlern förmlich getrampelt hat. Wie wirksam hätten Sie die kollektiven Synapsen von diesem ermüdend Widergekäuten lösen können, das hätte gut getan. Denken wir uns doch einmal Künstler als Menschen mit einem Beruf, der sie ganz und gar vereinnahmt, ebenso wie es andere Berufe auch tun können. Ausschließlich wichtig ist dabei die Bereitschaft, sich in den Zustand zu versetzen, in welchem Kunst geschehen kann, auf der Bühne, im Atelier, hinter der Kamera. Welcher befähigt, in voller Konzentration und Präsenz eine schwierige Operation durchzuführen, ein Passagierflugzeug zu lenken, eine sportliche Höchstleistung zu vollbringen. Es geht immer wieder um diese besondere Befindlichkeit, eine erhöhte Schwingung auf körperlicher wie auf geistiger Ebene.

Menschen, die verletzen, missbrauchen, ausbeuten, die stehlen, lügen, aufhetzen und dafür die Kunst und andere anspruchsvolle Berufe als Rechtfertigung anführen, haben den Zugang zu dieser besonderen Befindlichkeit verloren und sie durch einen banalen Kick ersetzt. Welch romantische Vorstellung: große Kunst und Erniedrigung anderer, Genie und Wahnsinn, Spießbürger und Künstler als außerhalb der Gesellschaft Stehende! Die Gesellschaft erwartet das wohl von ihren Künstlern (es ist nicht zu leugnen: viele Künstler bedienen gern diese Erwartungen!), sie erschafft ihre Monster und bestätigt sich dann selbst: hat sie es doch immer gewusst! Die Kunst derjenigen, welche die Maske des Monsters nicht benötigen, die in sich vielmehr ganz andere Quellen haben, herabzuwürdigen als kreuzbrave dünne Suppe, bedient das Klischee in ausgesuchter Weise. Kunst und menschenunwürdiges Verhalten haben aber eben NICHT den selben Ursprung. So genieße ich weiterhin Woody Allens Filme und Caravaggios Bilder, finde Kevin Spacey einen großartigen Schauspieler, mag sowieso weder Dieter Wedel noch James Levine , verabscheue Hexenjagden und wünsche mir sorgfältiges Denken. – Susanne Rabenschlag


Leserbrief zu „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Ich lese Zeitung, um dem Informationsgeschnipsel im Internet zu entgehen. Was soll mir dieser Flickenteppich von Interview-Fetzen? Jede einzelne Geschichte jedes einzelnen Befragten kommt zu kurz; zu einer großen „Geschichte“ aber fügt sich dieses Wimmelbild nicht – konkret: es wird redaktionell nicht gefügt. Dass am Brandenburger Tor aktuell Fahnen verbrannt wurden, dass es in Deutschland neuen, alten, importierten und einheimischen Antisemitismus gibt, sollte dem durchschnittlichen Zeit-Leser bekannt sein. Eine (oder mehrere) schlüssige Erklärung – oder neudeutsch: ein Narrativ – versuchen Sie nicht einmal anzubieten. Geschweige denn konstruktive Lösungsideen. Das ist eine äußerst bescheidene redaktionelle Leistung an einer Stelle, die nachgerade ein Paradestück für Print-Journalismus sein sollte. – Stefan H. Seelen


Leserbrief zu „Die Putztruppe von Hellersdorf“ von Thomas Assheuer

Wehret den Anfängen: 1937 vertrieben die Nazis Alice Salomon aus Deutschland, 2017 initiieren die „Tugend“-Wächterinnen an der nach ihr benannten Hochschule eine „Säuberung“ – im wahrsten Sinne des Wortes – des Gomringer-Gedichtes. Wann brennt die erste Kunst in Wort und Bild? –Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Zeit ist Geld“ von Claas Tatje

In einer Zeit, in der das Angestelltenverhältnis zugunsten prekärer Arbeitsverhältnisse durch gerade große Firmen zurückgefahren wird, steht zu befürchten, dass die Forderung zu weiteren Verschiebungen am Arbeitsmarkt führt. Die Mehrklassengesellschaft im Bereich ein- und derselben Jobbeschreibung wird verstärkt werden- es steht zu befürchten, dass tariflich ungebundene Mitarbeiter ihre KollegInnen ersetzen und damit gewerkschaftlichem Zugriff entzogen werden und über Kurz oder Lang beide- der fix und der zeitlich befristet Beschäftigte gegeneinander ausgespielt. Der Bedarf der geschildert wird- die Unterstützung von Verwandten in Ausnahmesituationen- ist vorhanden und auch die Notwendigkeit darauf gesellschaftlich angemessen zu reagieren. Ob dies alleine durch eine mögliche Verkürzung der eigenen Arbeitszeit erreicht werden kann bezweifle ich allerdings stark.

Es erfolgt, wie während der letzten Jahrzehnte immer wieder, die Verschiebung gesellschaftlicher Verantwortung für die Grundversorgung hin zur Einzelnen/ zum Einzelnen. Diese Übertragung zu erleichtern bzw zu unterstützen braucht es Systempartner, die sich darauf einigen- Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter. Die Politik, deren Aufgabe es ist Antworten auf demographische Veränderungen rechtzeitig zu finden reagiert zunehmend ziellos. Das Thema Pflege wird über eine mögliche Arbeitszeitbeschränkung auf Antrag der Beschäftigten nicht gelöst werden können. Bei den zunehmenden Demenzerkrankungen beispielsweise können-aus eigener Erfahrung- die Betroffenen ab einem gewissen Grad der Erkrankung auch nicht stundenweise alleine gelassen werden. Im Gegensatz dazu lassen sich die Auswirkungen etwa chronischer Erkrankungen mit einem schubweisen Verlauf mit einer solchen Maßnahme teilweise einfacher handhaben. Alles in allem jedoch bin ich überzeugt, dass die von der Gewerkschaft gewählte Vorgehensweise nur eine populäre Massnahme für deren Mitglieder ist ohne die gesellschaftlichen Randbedingungen, die zur scheinbaren Notwendigkeit einer solchen Arbeitszeitverkürzung führen, eingehend zu thematisieren. – Michael Rauscher


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Niemand stört sich an großen Künstlern, die zu Verbrechern wurden? Doch! Die Opfer! Wie hätten Sie es denn gefunden, Herr Rauterberg, wenn Sie mit acht Jahren von mehreren Männern „unbeschwert von gutbürgerlicher Moral“ an einen See mitgnommen worden wären, um dort nackt mit weit gespreizten Beinen gemalt zu werden? Wie hätten Sie es gefunden mit sieben Jahren vom Stiefvater sexuell misshandelt und mit 13 Jahren vergewaltigt zu werden? Lebt man wirklich „nicht entfremdet“(!), wenn man einen Menschen, ein Kind rücksichtslos für die eigenen sexuellen Interessen ausbeutet, ohne Empathie und vielleicht nicht einmal mit Schuldbewusstsein. Wünschen Sie das Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn, dass Sie solchen „dionysischen Unholden“ begegnen, die den Mut zur „Überschreitung“ haben, getrieben von der „Kraft der Freiheit“? Oder wünschen Sie sich, dass Ihre Kinder mal zu solchen werden und andere Menschen so behandeln, keine innere Grenze kennen, die verhindert, anderen Menschen allzu viel Schaden zuzufügen?

Wenn mein Sohn seinem Bruder einen Stein auf den Kopf schlägt und dann zu mir kommt, um mir sein sehr gelungenes Bild zu zeigen, werde ich das Bild nicht eines Blickes würdigen, bevor nicht völlig klar geworden ist, dass man so nicht mit jemandem umgeht. Ja, es entspricht gesunden Moralvorstellungen, wenn man jemandem, der einem/r anderen etwas Schlimmes angetan hat, nicht würdigen will, was dieser Großartiges geleistet hat. Viele Opfer leiden ihr Leben lang darunter, sind eingeschränkt, manche zerbrechen sogar. Und dass viele Menschen um die „geinalen Monster“ die Taten einfach totgeschwiegen haben, führte ja dazu, dass diese Männer, so skrupellos und in viele Fällen auch mehr- und vielfach handeln konnten. Diesen Männern, von denen manche, wie Kevin Spacey es ja auch schon gestanden habe, bei denen es also auch ohne Gerichtsurteil keine Vermutung mehr ist, wird nicht „der Garaus gemacht“. Sie haben den Opfern den „Garaus gemacht“. Sie müssen es ertragen, dass ausgesprochen wird, was sie Schreckliches getan habe. Wie viel schlimmer muss es zu ertragen sein, diese Taten nicht nur zu hören, sondern tatsächlich erlitten zu haben? Wären Sie von Kevin Spacey sexuell misshandelt worden, würden Sie dann noch sagen, dass American Beauty wirklich ein ganz bezaubernder Film ist, der nicht oft genug gezeigt werden kann? Vermutlich würden Sie es nicht einmal ertragen, die Plakate davon zu sehen.

Und denken Sie an all die Männer (und Frauen), die in diesem Moment Mädchen und Jungen zur Befriedigung ihrer sexuellen Bedürfnisse benutzen, die Frauen vergewaltigen und körperlich schwer verletzen, die Nonames und die Berühmten. Die werden mit ihrem Artikel ja geradezu geadelt: Hey, wir sind keine asozialen, beziehungsgestörten Triebtäter, wir sind „nonkonforme“ „Regelbrecher“, „dunkle Genies“, die nur „nach der Wahrheit“ suchen und „die Sittenkostüme“ lösen. Bei diesen Euphemismen sexueller Gewalt wird manchem Opfer sicher nicht nur vom aufgezwungenen Sperma schlecht. Dieser Artikel reicht schon. Und man muss noch nicht mal Opfer sein, es reicht schon, dass man irgendeine Moralvorstellung hat. Was ist mehr wert, ein großartiges Kunstwerk oder ein unversehrtes Menschenleben? Unsere Antworten würden sich sicher unterscheiden. – Anika Schäfer


Leserbrief zu „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Wie durch die Beiträge verschiedentlich angesprochen, muss man zwischen Israelkritik, Antizionismus und Antisemitismus unterscheiden. Es ist nicht gerade hilfreich, wenn nahezu jede Äußerung auf den Begriff Antisemitismus verdichtet wird, denn das macht es unmöglich, Vorgänge in Israel von deutschen Bürgern jüdischen Glaubens in Diskussionen sauber zu trennen.

Ein zweites Problem ist, das Juden, die nicht in Israel wohnen, aus Sicht des israelischen Staates israelische Staatsbürger ohne israelischen Pass sind, und dies mittelbar von jüdischen Organisationen und westlichen Regierungen auch so portiert wird. Das macht es gedanklich natürlich wesentlich leichter, jüdische Bürger in eine Ecke zu stellen, in die sie gar nicht gehören. Das ist vergleichbar mit Erdogans Anspruch, für alle Türken in Deutschland zu sprechen, selbst wenn die inzwischen Deutsche sind und mit der Türkei außer als Urlaubsland herzliche wenig am Hut haben. Es sei daran erinnert, dass die Erklärung aller Juden zu Bürgern eines damals fiktiven Israels durch den JWC Hitler einen juristisch einwandfreien Trick geliefert hat, Juden aus Staatsämtern zu entfernen und ihnen eine Reihe der Bürgerrechte zu rauben.

Ein drittes Problem ist die Berichterstattung über Israel in den Medien. Zu Wort kommen die israelische Regierung, jüdische Siedler und Ultraorthodoxe. Die sehr große Gruppe der israelischen Kritiker an der israelischen Politik tritt leider in den Medien überhaupt nicht in Erscheinung und wird in Israel selbst zunehmend durch das orthodoxe Lager, auch gewaltsam, unterdrückt. Ebenso wird die auch nicht kleine Gruppe von Arabern mit israelischem Pass medial unterdrückt. Israel ist nicht im Prinzip weniger zerrissen als die Türkei, aber wesentlich zivilisierter. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Ich wünsche mir mehr Bekenntnis zur Freiheit…” von Düzen Tekkal

Der Artikel von Frau Düzen Tekkal ist sehr interessant und gut geschrieben .Anders kann Integration auch nicht gelingen.Ist nur zu hoffen dass die Politik sich den Artikel zu Herzen nimmt!! – Gernot Keunecke


Leserbrief zu „Eine Uni für Europa!“ von Manuel J. Hartung und Matthias Krupa

Die von M.J.Hartung und M.Krupa vorgestellte konkrete Utopie einer Uni für Europa regt dazu an, Europa „in Hörsälen, Laboren, Bibliotheken“ neu zu erfinden – und nicht zu vergessen- auch in Museen! Europa ist das zentrale Thema des Museums Europäischer Kulturen (MEK) in Berlin-Dahlem. Doch mit dem Auszug des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst hat sich die kulturelle Topografie Berlins verschoben. Die museale Diskussion und Aufmerksamkeit konzentriert sich auf die außereuropäischen Sammlungen im Humboldt Forum, nicht auf das MEK und Europa.

Welche Chance läge deshalb in der Nutzung des z.T. freigewordenen Gebäudes in unmittelbarer Nähe zur Freien Universität als Ort, an dem die Zukunft Europas zur Debatte gestellt wird! Egal ob als eine Uni für Europa oder als Zentrum Europäischer Kulturen, wie es in einem Masterplan von Studierenden der Europäischen Ethnologie an der Humboldt-Universität vorgeschlagen wird, das MEK wäre Teil eines politisch-kulturellen Zentrums mit überregionaler, politischer Funktion, Bedeutung und Ausstrahlung- und nicht zuletzt wie das Humboldt-und Kulturforum ein gleichwertiger Anziehungspunkt in der kulturellen Topografie Berlins. – Prof. Dr. Joachim Kallinich


Leserbrief zu „»Angeschnorrt zu werden ist für Kreative Alltag. Die Schnorrer quatschen sie aber nicht am U-Bahnhof an – sie arbeiten in Verlagen, Theatern und Agenturen«” von Sibylle Hamann

Vielen Dank für diesen Artikel! Wir alle, die wir im kreativen/freien Bereich leben kennen diese Phänomene. Und wir leiden darunter. Niemand wünscht sich, dass seine Arbeit so wenig wertgeschätzt wird. Geradezu zynisch ist es, wenn Redakteure ihre absurd niedrigen Honorarvorschläge mit den Worten „nimm es nicht persönlich“ abrunden. In der freien Wirtschaft würden diese Honorare zu Recht als sittenwidrig bezeichnet. So bezeichnet man Rechtsgeschäfte, wenn sie gegen die guten Sitten verstoßen. „Maßstab hierfür ist das Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden.“

Kein gerecht Denkender würde sagen, ein Honorar von 250 Euro für eine Seite füllende Auslandsreportage (ohne Reisekostenzuschuß) in einer überregionalen, großen Zeitung (!) sei anständig. Dennoch passiert es ständig. Wer da als Einzelner nicht mitmacht oder gar aufbegehrt ist raus. So einfach ist das. Ich bin in diesem Fall lieber raus. Aber nicht jeder kann das. Deshalb ist es so wichtig, das Thema öffentlich zu machen. Denn welcher Leser kennt schon die Hungerlöhne, die freien Journalisten gezahlt werden. Herzlichen Dank für die klaren Worte. – Gitti Müller


Leserbrief zu „Die Welt aus den Fugen“ von Bernd Ulrich

Danke für den nachdenklichen Artikel. Sie werden wahrscheinlich das Buch von Peter Frankopan „Licht aus dem Osten“ gelesen haben. Natürlich wissen wir alle, dass Frankreich, England und die USA den Mittleren Osten von Afghanistan über Pakistan, Indien, Persien, Arabien, den Nahen Osten über Aegypten, Syrien, Irak, Türkei, Palästina, etc. extrem ausgebeutet und extrem schlecht behandelt haben. Diese drei westlichen Staaten haben betrogen, belogen und gemordet. Aber so kompakt und gut beschrieben wie bei Herrn Frankopan erfährt man es als gewöhnlicher Halbgebildeter selten. Sie deuten es in Ihrem Artikel an. Wenn man das alles weiß, wundert es einen nicht, warum diese Menschen alles aus dem Westen ablehnen und uns hassen. Es gibt auch keinen Grund für sie, uns zu mögen. Es wundert mich nur, dass noch keine kleine „schmutzige“ Bombe in London, Paris, New York oder Washington gezündet wurde. Gründe, das zu tun, hätten die o.a. Staaten mehr als genug. – Hartmut van Meegen


Leserbrief zu „»Angeschnorrt zu werden ist für Kreative Alltag. Die Schnorrer quatschen sie aber nicht am U-Bahnhof an – sie arbeiten in Verlagen, Theatern und Agenturen«” von Sibylle Hamann

Ja, ich kenne es gut, dieses Gefühl, ausgenutzt zu werden. Als Grafikerin habe ich mittlerweile klar einen „ehrenamtlichen Bereich“ definiert, Sinnvolles und Sinnstiftendes, für das ich meine Fähigkeiten gerne umsonsteinsetze. Als Künstlerin kämpfe ich immer wieder gegen die Skrupel, mir alle Unkosten für eine Ausstellung bezahlen zu lassen. Dabei gehören Künstler zu den vielleicht unverzichtbarsten Dienstleistern: ein Dienst für uns alle, die wir von mehr leben als nur von dem, was man unmittelbar zum Leben braucht. – Cornelia Grzywa


Leserbrief zu „Wann bin ich endlich an der Reihe?“ von Mark Schieritz

Rückenschmerzen, Knieprobleme ? Akut oder immer wieder? Schon lange Zeit, verbunden mit welchen Symptomen ? Die erfahrene Medizinische Fachangestellte am Telefon und am Empfang kennt ihre Patienten und trifft eine auf dieser Erfahrung gegründete Entscheidung bei der Terminvergabe. Eine Fehleinschätzung ist selten. Nach fast 40-jähriger Tätigkeit als Kassenarzt kenne ich mich aus. Wer kommt ohne Termin in die Sprechstunde, macht er einen akut kranken Eindruck, scheint er an einer ansteckenden Krankheit zu leiden? Auch da muss eine Vorauswahl getroffen werden. Eine 2-Klassenmedizin an den Wartezeiten festzumachen ist Unsinn. Wenn ich für die dringende Untersuchung eines Patienten einen Termin brauche und den infrage kommenden Kollegen anrufe, bekomme ich zeitnah eine Termin. Diese Vorgehensweise ist üblich und bewährt. – 30 Stunden -Sprechstunden pro Woche für GKV-Versicherte -, das entspricht einer wöchentlichen Arbeitszeit von ca. 50 Stunden , je nach Fachrichtung. Dazu Sprechstunden für Privatversicherte und für Individuelle Gesundheitsleistungen wie reisemedizinische , sportmedizinische , vom Patienten gewünschte Untersuchungen und verpflichtende Weiterbildungen.  Die IG-Metall streikt gerade für das Recht auf Verringerung der Arbeitszeit auf 25 Stunden. – Der Altersdurchschnitt der niedergelassenen Ärzte – vor allem im ländlichen Raum – nähert sich dem Rentenalter. Diesen Ärzten will man mehr Arbeitszeit vorschreiben ? – Dr.med. W.Mantey


Leserbrief zu „Quälende Frage” von Ulrich Bahnsen

Wenn wir von den uns millionenfach umgebenden Stoffen, Schadstoffe identifizieren wollen, um gesundheitsrelevante Grenzwerte festzulegen oder Verbote auszusprechen, bringen uns moralische Überheblichkeit und ideologische Besserwisserei nicht weiter. Uns bleibt vielmehr nichts anderes übrig, als in mühseliger Kleinarbeit die chemischen Stoffeigenschaften aufzuklären und die medizinisch-toxikologischen Wirkungsweisen zu untersuchen. Tierversuche spielen dabei eine bedauerliche, aber notwendige Rolle. Erst auf dieser Wissensgrundlage können entsprechende Entscheidungen getroffen werden. Die Vorgehensweise ist gemessen am Schutzziel vernünftig und verhältnismäßig. Das moralische Dilemma bleibt und zeigt einmal mehr, dass wir nicht im Paradies, sondern auf Erden leben. Dieser unbequemen Wahrheit haben wir uns immer wieder neu zu stellen. Die märchenhaften Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, sind leider vorbei. Schade. – Konrad Sauheitl


Leserbrief zu „Für die vielen, nicht die wenigen“ von Oliver Nachtwey

Die SPD zerstört sich gerade selbst. Die merken gar nicht, daß die Bürger ihr längst weggelaufen sind. Das ist so überflüssig wie ein Tropf. Der Anführer wechselt ständig seine Gesinnung. Und die CDU unter Merkel zeigt ähnliches Verhalten. Wer steht für die Rechte, Vorstellungen und Selbstbestimmungen der Bürger ein? 1871 führte die Vereinigung der deutschen Länder (ich lese gerade darüber) aus der Armut in den Wohlstand, führte aber auch in zwei Kriege. Ihr Schweizer Autor lebt in einem Land, die hätte für die Deutschen Vorbild sein können. Denen ist diese Katastrophe erspart geblieben. Dort leben seit Urzeiten verschiedene Volksgruppen friedlich zusammen. Die EU will das Vereinigte Europa, damit werden sie wieder auf den Bauch fallen. Die Sturheit und Unbelehrbarkeit macht wieder Schule wie schon vor über 140 Jahren. Man sollte der politischen Elite zurufen: Macht euch nicht schon wieder Größer als Ihr seit. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wer paktiert hier mit Kriminellen?“ von Lisa Nienhaus und Felix Rohrbeck

Der Steuerstrafverteidiger Kubicki führt aus, dass ein Vorstandsvorsitzender, der nicht alles dafür tut, dass das Vermögen seiner Bank gemehrt wird, sich der Untreue schuldig mache. Nun setzt aber eine Bestrafung wegen Untreue (§ 266 StGB) voraus, dass dem Treugeber ein „Nachteil“ zugefügt wird! – Es ist schon bezeichnend, dass ein Politiker der neokapitalistischen FDP heute öffentlich behauptet, dass das „Nicht-Verschaffen eines Vorteils“ strafbar sei. – Die Bevölkerung kann sich glücklich schätzen, dass ihr ein Bundesfinanzminister Kubicki erspart geblieben ist. Weniger glücklich dürften Kubickis Mandanten sein, wenn sie erkennen, dass ihr Steuerstrafverteidiger Kubicki vom Strafrecht gar keine Ahnung hat…! – Michael Wirriger


Leserbrief zu „Die Freiheit des Narren“ von Stefan Willeke im ZEIT Magazin

Glückwunsch an Herrn Willeke für den wunderbaren Beitrag im Magazin. – Volker Weise


Leserbrief zu „Kurt Biedenkopf“ von Moritz von Uslar

Eine typische Kolumne von Moritz von Uslar. Die angebliche Stärke der AfD in Sachsen haben solche Journalisten wie ihr Autor mit zu verantworten. Der Osten wurde regelrecht von den Medien ignoriert. Die gab es für Sie gar nicht. Der Jubel am Anfang drehte sich als die Ostdeutschen nicht wirklich vom Westen aufgenommen wurden. Das hat Verbitterung hervorgerufen. „Keine Sau hat sich für uns interessiert.“ Hörte ich in Sachsen. Das war schon unter den Preussen so. Ein weiterer Grund war die Wut der Sachsen als die Presse und die elektronischen Medien die Sachsen ständig an den Pranger stellten. Das führte dazu, daß noch mehr Sachsen für die AfD votierten. Das haben Sie vergessen. Vielleicht ist der starke Eierkonsum die Ursache. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Tief durchatmen!“ von Harro Albrecht et al.

Schade – gleich 10 Autoren der ZEIT-Wissens-Redaktion stoßen in dasselbe Horn wie der Pusemuckeler Anzeiger. Dabei sollten Sie es besser wissen. Am Ende des Artikels schreiben Sie: „Gleichermaßen verkündet der Verband der Automobilindustrie, dass die Umweltbelastungen durch giftige Stickoxide neuerdings sinken würden. Dabei belegen brandneue Zahlen des CAR-Institus, dass mindestens 10 Städte aufgrund der chronischen Überschreitung der EU-Grenzwerte mit Fahrverboten rechnen müssen.“ Ich bin sicher, dass Sie wissen, dass beides richtig ist: die Stickoxid-Belastung ist heute geringer als früher, aber sie liegt über den EU-Grenzwerten.

Und damit sind wir bei der Frage, woher Grenzwerte kommen und wie sie festgelegt werden. Ich kann gar nichts daran schlimm finden, wenn Probanden kurzzeitig einer niedrigen NO2-Dosis exponiert werden und geprüft wird, welche Auswirkungen das hat (die RWTH Ethikkommission hatte auch kein Problem damit). Im Gegenteil – wenn niemand solche Versuche macht, werden Grenzwerte ins Blaue hinein festgelegt. Ich bitte darum, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft weiterhin erforscht, welche Auswirkungen Luftschadstoffe auf Menschen (und Tiere und Ökosysteme) haben. Und wenn dabei mal herauskommt, dass es keine schädlichen Auswirkungen gibt, ist das auch nicht verkehrt.

Leider taucht in Ihrem Artikel kein Hinweis darauf auf, dass die RWTH-Untersuchung im Kontext einer Neufestsetzung des MAK, der Maximalen Arbeitsplatzkonzentration von NOx, durchgeführt wurde. Ich kann nichts Böses daran finden, wenn eine von mehreren großen Arbeitgebern getragene Forschungsvereinigung eigene toxikologische Untersuchungen in Auftrag gibt, wenn diesen Arbeitgebern eine Absenkung der Grenzwerte droht – schließlich müssen die dann teure Nachrüstungen von Absaugeinrichtungen usw. vornehmen. Was ist daran widerlich, abstoßend und erschütternd? Ist es unethisch, als Arbeitgeber bei der Festsetzung von MAKs mitreden zu wollen? VW und andere Firmen haben durch die Abschaltvorrichtungen eine große Sauerei begangen – aber nun alle Vorkommnisse durch diese Brille zu sehen ist unangemessen. – Dr.-Ing. Christoph Tiebel


Leserbrief zu „Wer paktiert hier mit Kriminellen?“ von Lisa Nienhaus und Felix Rohrbeck

Ich finde die Argumentation Herrn Kubickis bzgl. der Zulässigkeit von Cum-Ex-Geschäften abenteuerlich. Gibt es denn in der Rechtsprechung nicht das Konzept der Sittenwidrigkeit? Es ist doch offensichtlich, dass mehrfache Erstattung nie gezahlter Steuern auch vor Schließung der Gesetzeslücke sittenwidrig und somit unzulässig war! Wie kann Herr Kubicki ernsthaft etwas Anderes in der Öffentlichkeit behaupten? Ich hoffe, Sie stimmen mir zu. – Roland Ernst


Leserbrief zu „Wer paktiert hier mit Kriminellen?“ von Lisa Nienhaus und Felix Rohrbeck

Eigentlich müsste es der Steuerstrafverteidiger Wolfgang Kubicki (FDP) ja wissen: Der Staat kann nie zum Hehler werden, wenn er eine Steuer-CD ankauft. Denn es fehlt das Tatbestandsmerkmal der Bereicherung. Wenn der Staat eine Steuer-CD ankauft, dann nicht, um sich oder einen Dritten zu bereichern, sondern um eine Straftat aufzudecken und sich die Mittel zu beschaffen, die ihm der kriminelle Steuerhinterzieher widerrechtlich vorenthält und damit seine verfassungsmäßige Pflicht zu erfüllen, für eine gleichmäßige Besteuerung aller Steuerpflichtigen entsprechend ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu sorgen. – Erwin Beck


Leserbrief zu „Die Putztruppe von Hellersdorf“ von Thomas Assheuer

Ich habe Ihren Beitrag mehrmals gelesen und bin mir trotzdem nicht sicher, welches Fazit Sie ziehen. Sie wollen weder die Übermalung offen kritisieren, noch den Kritikern der Übermalung beipflichten. Sie versuchen das Dilemma einer Haltung zwischen beiden Stühlen in Worte zu fassen, aber ohne eine konkrete Position beziehen zu müssen. Ich meine, aus Ihren Zeilen lesen zu können, dass Sie die „Befindlichkeiten“ … „eines kleinen radikalen Teils der Studierenden“ nicht wirklich nachvollziehen können, sich aber auch nicht mit den hysterischen Kritikern in den Reihen von CDU und der konservativen Presse gemein machen wollen. Ich muss gestehen, dass ich, als ich die deutsche Übersetzung des Gedichtes erstmals im Spiegel gelesen habe, ebenfalls dachte: was für ein bescheuertes Gedicht. Blumen und Alleen und Frauen, wie abgeschmackt, wie öde. Hat mich erinnert an die Verfilmung eines Romans von Max Frisch. Das Paar fährt im Cabriolet eine Allee entlang, d.h. er fährt natürlich. Irgendwann sagt sie zu ihm: „Ich möchte für meine Klugheit geliebt werden.“

Was Sie einen „großen projektiven Überschuss“ nennen, ist für Frauen oft unmittelbar peinliche, beschämende Betroffenheit. Es passiert manchmal, dass sich zwischen Beiträgen aus unterschiedlichen Ressorts spannende Bezüge herstellen lassen. So diesmal zwischen dem Beitrag „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ im Dossier und Ihrem Beitrag „Die Putztruppe von Hellersdorf“. Es hätte mich gefreut, wenn Sie die „Befindlichkeiten“ … „eines kleinen radikalen Teils der Studierenden“ mit ebensolcher Differenziertheit behandelt hätten. Hier wie da neigen nicht Betroffene mitunter dazu, die Erfahrungen Betroffener als Überempfindlichkeiten reizbarer Gemüter und Überreaktionen abzutun. Und hier wie da wünschen sich Betroffene mehr Solidarität ihrer Mitmenschen. Der Antisemitismus wird aber wenigstens im linken linksliberalen Milieu ernst genommen, anders als in Ihrem Beitrag das Unbehagen von Frauen angesichts des latenten Sexismus. Ich habe mich an solche Gedichte wie das von Gomringer gewöhnt, wie auch die ewigen weiblichen Akte in Galerien, die nackten Frauenskulpturen im öffentlichen Raum, die zahllosen Marien mit dem Kinde, trauernden Müttergottes, die schlafenden Schönen mit gespreizten Beinen, die Fotos von kopflosen Nackten von Helmut Newton. Das ist das übliche Bild von Frauen in der Kunst. Nicht, dass ich prüde wäre. Es ist der männliche Blick. Er wird als solcher sichtbar, wenn man die Werke von Frauen daneben stellt, von Cindy Sherman, Jean Mammen, Anita Ree (um nur die Namen aktuellerer Ausstellungen zu nennen). Frauen leben mit dem männlichen Blick auf Frauen in der Kunstgeschichte, die nun mal so ist wie sie ist.

Und weil das so ist, hat wahrscheinlich kaum eine Frau etwas dagegen, auch keine radikale „Studierende“, wenn Gedichte wie jenes von Gomringer in Nachtschränken liegen oder auf Teetischen. Wenn sie abends von alten Männern gelesen werden, um feuchte Träume einzuläuten. Aber warum, um alles in der Welt, müssen sie in Übergröße an Hauswänden prangen, und das für alle Ewigkeit? Ich wage zu behaupten, dass es den KritikerInnen des Gedichtes gar nicht um das „ob“, sondern um das „wie“ geht. Die Werke des sozialistischen Realismus, die übergroßen Statuen von Marx Engels Lenin und die Wandbilder, wurden nach 1989 ganz selbstverständlich geschleift und abgehängt und in Depots verwahrt. Es gab keinen vergleichbaren Aufschrei, auch als die Museen ausgeräumt und die Werke von Ostkünstlern Jahrzehnte lang nicht gezeigt und aus dem deutschen Kunstkanon gestrichen wurden. (Jetzt langsam ist eine differenzierte Rezeption und partielle Wiederentdeckung – von wem bitte? – zu beobachten, siehe da.) Aber wenn in einem Ostberliner Außenbezirk eine einzelne Hauswand umdekoriert wird, gibt es einen gesamtdeutschen Aufschrei, als stünde der Untergang des Abendlandes unmittelbar bevor.

Um an das Niveau der Debatte über Antisemitismus anzuknüpfen: es wäre schön, wenn das Empfinden der Frauen zuerst einmal respektiert und dann, im nächsten Schritt, die Kunst auf anhaltend hohem Niveau diskutiert werden würde, einschließlich der Präsentationsform. Was Sie lapidar in Nebensätzen abtun als die „literaturwissenschaftliche Konfektionsabteilung“, ist deshalb doch nicht weniger wahr! Genauso gut könnte man vermuten, dass die „rhetorischen Strategien und Bewegungen“, die „offenbare Rätselhaftigkeit“, der nachträglichen Verbrämung und Verunklärung dienen. Das kann dann im Feuilleton gegeneinander abgewogen werden, und ich bin Ihre erste und interessierteste Leserin. Und man kann darüber diskutieren, ob die übergroße Projektion an eine Hauswand die angemessene Form ist für die Präsentation eines „unbewaffneten Gedichtes“ ist. Lyrik gilt als zart und intim, durch das Lesen geht man eine persönliche Beziehung ein, man fühlt sich persönlich angesprochen. Die Vergrößerung erinnert mich stattdessen an die Methoden des Realsozialismus, die einzig wahre Kunst allen überzuhelfen. Ich denke konkret an die Wand hinter der monumentalen Marxplastik in Chemnitz, ehemals Karl-Marx-Stadt, mit dem vielfach in Stein gemeißelten Schriftzug „Proletarier aller Länder vereinigt euch“. Vielleicht ist es kein Zufall, dass das Gomringer-Gedicht an einer Schulwand in Hellersdorf prangt, einem ehemaligen Berliner Ostbezirk. Die Inhalte sind überschrieben, aber die Formen sind noch präsent.

Egal, durch welches Gedicht, welche Zeilen das Gomringer-Gedicht ersetzt wird, jemand wird Anstoß nehmen, weil die Form als solche provoziert und Anstoß erregt. Der oder die auserwählte Lyrikerin ist jetzt schon zu bedauern. „Bild“ und „Welt“ werden keine Ruhe geben, aus Prinzip, aus Trotz, aus Spaß am Skandal; ihnen wird alles als Steilvorlage im Kampf gegen die political correctness dienen. Ich meine, Grafitti wäre eine Alternative, auf bauliche Großformen zugeschnitten und daher angemessen. Bei Nacht und Nebel, anonym. Und daher ohne Urheberrecht und ohne Anspruch auf ewigen Erhalt. Nur jemand wie Banksy ist jetzt noch dem Problem gewachsen. – Katrin Lederer


Leserbrief zu „Wann bin ich endlich an der Reihe?“ von Mark Schieritz

Das Wichtigste, um ein Problem zu lösen, ist, die Ursachen zu erkennen. Genauso wie der Pflegenotstand dadurch verursacht wird, dass es zu wenig und zu schlecht bezahltes Pflegepersonal gibt, kommen die langen Wartezeiten schließlich durch zu wenig Ärzte und in Teilbereichen auch zu schlechte Bezahlung. In den letzten Jahren sind viele Ärzte in Rente gegangen oder auch in andere Länder wie die Schweiz, weil sie sich dort eine bessere Bezahlung versprechen. In unserer Praxis haben wir daher in den letzten 2 Jahren ca. 300 Patienten pro Quartal mehr als zuvor. Wir sind immer noch in der Lage zeitnahe Termine an alle Patienten zu vergeben, aber wir arbeiten hierfür deutlich mehr als zuvor und stoßen mittlerweile an unsere Grenzen. Richtig ist, dass endlich die Budgetierung wegfallen muß. Für Leistungen, die über dem Budget liegen, bekommen wir nur noch zwischen 10-30% erstattet. Dies sind dann bei einer Pauschale von ca. 40 Euro pro Patient pro Quartal dann um die 5-10 Euro – wirtschaftlich völlig uninteressant zumal die Behandlung eines Patienten auch Kosten wie Labor- und Röntgenbedarf für die Praxis bedeutet.

Ab 1.4.2018 hat ein Allgemeinmediziner 2,02 Euro Laborbudget pro Patient pro Quartal. Allein ein Schilddrüsenlaborwert kostet über 4 Euro im Einkauf. In den 80er Jahren hatte mein Vater noch 35 DM pro Patient pro Quartal. Für eine Magenspiegelung bekommt ein Gastroenterologie ca. 50 Euro erstattet. Hierbei fallen ca. 25 Euro für die Biopsiezange an und ca. 20 Euro für die Sterilisation. Personal ist hierbei noch nicht mitgerechnet. Warum liegen wohl die Termine für diese Untersuchung heute bei einigen Monaten? Für einen Hausbesuch bekommen wir ca. 20 Euro. Wenn meine Toilette kaputt ist, kostet mich dies mindestens 100 Euro. Die letzte Anpassung der Gebührenordnung bei Privatpatienten war 1998 – vor 20 Jahren. Die Personalkosten sind in diesem Zeitraum um 100 Prozent gestiegen. Auch gibt es mittlerweile Basistarife, bei denen man deutlich weniger abrechnen kann. Also auch im Privatbereich ist die Entlohnung deutlich schlechter als noch vor 20 Jahren – bei immer mehr steigenden Kosten.

2001 habe ich meine Praxis für 240000 Euro von meinem Vater abgekauft. Hinzu kamen Kosten für Umbau und zur Finanzierung der ersten Monate – weitere 200000 Euro. Unsere Praxis hat 9 Angestellte und wir haben Kosten von ca. 250 Euro pro Stunde. Personal, Laborbedarf, Röntgenbedarf, Miete und teuere Ultraschallgeräte etc. wollen auch bezahlt werden. Mehrere Kollegen suchen Nachfolger im niedergelassenen Bereich und finden heute keine. Praxen werden geschlossen, weil es keine Käufer gibt. Es gibt kaum noch Ärzte, die aus der sicheren Anstellung des Krankenhauses sich niederlassen wollen. Der Verdienst im niedergelassenen Bereich ist nicht mehr so viel besser als in dem Krankenhaus, aber im Krankenhaus hast du kein wirtschaftliches Risiko, kein Ärger mit den KVen bezüglich Abrechnung, du musst kein Unternehmen führen und wenn du krank bist, bekommst du auch dein Geld. Wir Ärzte machen seit Jahren viel, was wir bei Kassenpatienten nicht erstattet bekommen und wir wollen unsere Patienten nicht durch lange Wartezeiten ärgern. Die Wartezeiten entstehen nicht dadurch, dass wir Ärzte plötzlich keine Lust mehr haben zu arbeiten. Damit die Versorgung für alle gut bleibt, brauchen wir eine adäquate, nicht budgetierte Entlohnung, die es Ärzten attraktiv macht, sich wieder niederzulassen. Dies ist der Stand heute. – Dr. Thomas Ullmann


Leserbrief zu „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Vielen Dank fuer diesen teilweise erschreckenden Beitrag. In so geballter Form gesammelt machen die Beitraege deutlich, dass wir da ein Problem haben, auch wenn viele Menschen wie ich davon nichts mitbekommen, weil ich kaum mit Juden in Kontakt komme. Das Problem, dass in Deutschland lebende Juden fuer Handlungen des Staats Israel und seiner Regierung gleichsam in Haftung genommen werden, beschraenkt sich aber m.E. nicht auf Israel. Ich habe es auch bei Gespraechen ueber z.B. die derzeitige US-Regierung erlebt, bei denen auch ploetzlich von „den Amerikanern“ die Rede ist und sich anwesende US Amerikaner fuer Handlungen und Aussagen der Trump-Regierung rechtfertigen sollen. Das macht die Sache um keinen Deut besser – sie ist nur m.E. nicht auf Antisemitismus beschraenkt.

Besonders zum Nachdenken angeregt hat mich die Frage „Waere Feindseligkeit gegen Juden etwa erlaubt, wenn es in Deutschland keine Konzentrationslager gegeben haette?“ Die Antwort lautet natuerlich „nein“, aber vielleicht sollte man diesen Punkt machmal mehr betonen. Es gibt zum einen Deutschlands Verantwortung fuer seine Geschichte. Aber zum anderen gibt es unser Grundgesetz, was Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Rasse, Religion, Geschlecht etc. verbietet. Und das sollte schon ausreichen, um gegen Antisemitismus vorzugehen, ohne in Diskussionen ueber das angebliche Ausnutzen des Opferstatus zu verfallen. Und es schuetzt Christen, Juden, Muslime, Hindus, Buddhisten etc. vor Verfolgung, unabhaengig von der deutschen Geschichte. Aber es fordert auch all diese Gruppen auf, die Rechte der anderen zu beachten, unabhaengig davon ob die Beteiligten auf beiden Seiten Deutsche sind oder nicht. Ich weiss nicht, ob dieses Argument bei Menschen aus muslimischen Staaten hilfreicher waere als der Verweis auf die deutsche Geschichte, die immerhin nicht ihre Geschichte ist. Aber vielleicht waere es einen Versuch wert. – Sabine Moehler


Leserbrief zu „Die Freiheit des Narren“ von Stefan Willeke im ZEIT Magazin

Die Fotos von Nikita Teryoshin zu dem Artikel über den Teilnehmer am Kölner Karneval, Horst Schwiperich, sind großartig. Jedes für sich ein Kunstwerk. Man wird gezwungen, hin zu sehen, zu verweilen und die Bilder ganz genau zu studieren. Ohne auch nur eine Zeile gelesen zu haben, entsteht ein Eindruck für das Umfeld des Karnevals und die Würde des Protagonisten. Beeindruckend! – Barbara Goldstein


Leserbrief zu „Die Fotografin von Stalingrad“ von Susanne Mayer

Wenn Frau Mayer die Autorenschaft von Fotos Robert Capa bzw. Gerda Taro zurechtrückt, zeigt sie gründliche Recherche. Wenn sie hingegen ohne weitere Kommentare über Alice Schalek anmerkt, “…ließ sich der große Karl Kraus zu Hasstiraden gegen sie hinreißen….” insinuiert dass, KK hätte sie als Frau für ungeeignet als Kriegsberichterstatterin angesehen. Wenn Frau Mayer auch hier recherchiert hat, müsste sie selbst bei oberflächlicher Nachschau auf die Ursache der heftigen Ablehnung gestoßen sein: ihre kriegsverherrlichende Propaganda (“embedded journalist” des k & k Kriegspressequartiers). Warum bleibt das unerwähnt – weil es nicht zum Tenor des Beitrags passt? Damit bleibt Argwohn für den Rest ihrer Ausführungen…. – Peter Altmann


Leserbrief zu „»Klischees sind härter als Beton«“ von Marc Brost und Tina Hildebrandt

Political Correctness und die Moraltheologie
Der designierte bayerische Ministerpräsidenten Markus Söder hat in einem Interview mit der ZEIT zugespitzt, dass „Political Correctness … eine Art Moraltheologie geworden“ sei. Dem stellt er gegenüber: „Wieder mehr die Sprache der Bürger zu sprechen ist ein lohnender Ansatz.“ Damit bringt er selbst ein Beispiel für das, was er später für Klischees feststellt, nämlich dass sie „härter als Beton“ seien. Sicherlich, die Bezeichnung „Moraltheologie“ löst ganz unterschiedliche Assoziationen aus, und es bedarf mitunter einer gewissen Aufklärung darüber, was Moraltheologie als universitäres Fach ist und was sie eben nicht ist. Auch die Moraltheologie weiß also von Klischees ein Lied zu singen.

Da die Moraltheologie, auch theologische Ethik genannt, eine Wissenschaft ist – und eben keine moralinsaure Lehre –, müssen deren Reflexionen ebenso wie die der philosophischen Ethik für alle nachvollziehbar sein. Dabei kommt ihr u.a. die Aufgabe zu, sich mit den gesellschaftlichen und globalen Herausforderungen zu beschäftigen, aber auch inhumane Praktiken und Ideologien zu kritisieren und sich für unterdrückte, ausgegrenzte, diskriminierte und hilfsbedürftige Menschen zu engagieren; ihr geht es um die Würde des Menschen.

Moraltheologie hat daher insofern etwas mit „political correctness“ zu tun, als sie zu einer fairen, redlichen und zivilisierten Debattenkultur beiträgt, wenn es um soziale und politische Fragen geht. Für eine aufgeheizte Diskussionskultur in Öffentlichkeit und Politik ist das eine notwendige Aufgabe – beispielhaft dafür ist die zu beobachtende Tendenz zur Verrohung von Sprache, wenn schon mal der „Krieg erklärt“ oder „zur Jagd aufgerufen“ wird, aber auch „auf die Fresse“ zur politischen Rhetorik zählen, ganz zu schweigen von den unsäglichen Hasskommentaren im Internet. Respekt und Anstand bei allen Kontroversen sind eine wichtige Grundlage unserer demokratischen Kultur. Sicherlich, der Ruf nach „political correctness“ wird im politischen Diskurs gelegentlich so instrumentalisiert, dass eine gewisse Skepsis durchaus verständlich ist. Der Sache nach ist sie in einer pluralen und heterogenen Gesellschaft jedoch unabdingbar, weil ein friedliches, achtungsvolles Miteinander und sozialer Zusammenhalt zentrale Grundanliegen von Politik und Gesellschaft sind. Wenn sich das in der Sprache von Bürgern und Politikern widerspiegelt, umso besser. Bedauerlicherweise unterliegt Söder (CSU) in seiner Zuspitzung also einem Klischee; er verkennt, was im guten Sinne christlich-sozial ist. – Prof. Dr. Dr. Jochen Sautermeister


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

In Konsequenz des kindlich-naiven und primitiv-magischen Denkens, das Kunstwerke als potentiell kontaminiert ansieht durch etwaige oder tatsächliche Verfehlungen oder Verbrechen der sie schaffenden Künstler, gebe ich zu bedenken: auch durch einen moralisch unsauberen Betrachtungsakt könnte eine solche Kontamination geschehen. Es wäre also zu fordern: eine Überprüfung aller Museums- oder auch Kinobesucher auf ihre moralisch-ethische Qualifizierung, bevor ihnen Einlass gewährt wird. – Dr. Roland Schürmann


Leserbrief zu „Die Putztruppe von Hellersdorf“ von Thomas Assheuer

Vielen Dank für den herrlichen (geht das gendermäßig so noch durch?) Beitrag zum Gedichte-Wegputzen!! Besser und treffender kann man diese lächerliche Aktion nicht analysieren. Ich habe Tränen gelacht und innerlich geweint ob der Verblendetheit unserer selbsternannten Tugendwächterinnen, denen offensichtlich nicht bewusst ist (oder doch?), dass sie den rechten Kulturkämpfern in die Hände spielen: Linkes Händeklatschen und rechtes Ins-Fäustchen-Lachen. – Willi Mößel


Leserbrief zu „Quälende Frage” von Ulrich Bahnsen

Es ist schon ärgerlich, wenn wider besseres Wissen, was ich bei Herrn Bahnsen voraussetzen darf, von den Verfehlungen von VW geschrieben wird. Für die Tests mit Affen ist der seltsame Verein verantwortlich, also nicht nur VW. Die haben genug Verfehlungen an der Hacke und noch nicht ausreichend gelernt – zumindest im Management. Für die weiteren Gesichtspunkte bin ich Herrn Bahnsen ausrücklich dankbar. Es ist natürlich noch nicht ausgemacht, dass man überall alles tun sollte, um nicht abgehängt zu werden. Wir können doch auch stolz sein auf die ethischen Prinzipien, die sich zu diskutieren und zu verändern lohnt – nur nicht immer mit Blick auf den Fortschritt: Denn der kann auch blind machen! – Reiner Kaminski


Leserbrief zu „Jetzt gestalten mal wir die Welt“ von Dimitri Suslow

Den Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen, er stellt m.E. die neue „Sowjetpolitik“ überzeugend dar. Die Ziele dieser Politik sind identisch mit der Stalins und seiner Nachfolger. Minderwertigkeitskomplexe bestimmen sämtliche außenpolitischen Handlungen, insbesondere zu den USA. Der Anspruch auf Einflusszonen wurde bereits im Hitler-Stalinpakt festgeschrieben und soll heute noch für den „postsowjetischen Raum „ gelten. Das schien nur zeitweise überwunden, jetzt wird die Europäisierung der russischen Nachbarn durch die EU kritisiert, das Selbstbestimmungsrecht dieser Völker gilt nicht. Es wird mit „Fake News“ großzügig umgegangen: Militärische Gewalt in Syrien hat Russland angewendet, nicht die USA wie fälschlich behauptet wird und das Völkerrecht missachtet. Damit wurde die Gewaltherrschaft des Diktators Assad vorläufig gesichert und kostete hunderttausenden Syrern das Leben. Der Expansionsdrang Russlands zum Mittelmeer wird zugegeben – ein alter russischer Traum- ist jedoch nicht das Endziel. Wohin soll das führen? Das sind Großmachtsträume, deren Auswirkungen die Völker Europas bis 1989 zu erdulden hatten und als überwunden galten.

Militärische Stärke allein – wie sie derzeit vorgeführt wird – verbunden mit der Wirtschaftskraft eines Entwicklungslandes berechtigt nicht gleichberechtigt neben USA und China das Weltgeschehen zu gestalten bzw. zu bestimmen. Es schien nach 1989 eine Zeit friedlichen Wettbewerbs, Handels und Deeskalation anzubrechen. Der Wohlstand gedieh besonders in Europa bis die Annexion der Krim durch Russland und Separationskämpfe in der Ukraine diese friedliche Entwicklung jäh unterbrach. Ist das ein Beispiel der angestrebten „gerechten Ordnung“? Wohl kaum. Für unsere politische Bildung ist der Artikel sehr hilfreich, es sollten öfter die Ansichten unserer politischen Gegner gedruckt werden — allerdings: sie sollten noch deutlicher als solche gekennzeichnet werden und nicht als Fußnote, wie in dieser Ausgabe. – Dr. J. Hassenstein


Leserbrief zu „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Jeder einzelne Fall von Antisemitismus ist erschreckend und widerwärtig und Beleg dafür, dass es nach wie vor ein sehr hohes Maß an moralischer Impotenz und pubertärer Denkweise gibt, dass willfährige und manipulierbare Simplizität und Unreflektiertheit mitnichten allein ein Teil der dunklen deutschen Vergangenheit sind. Darum bleiben wir aufgerufen, weder vor dem rechten noch vor dem linken Auge Scheuklappen zu tragen, darum ist es die vorbehaltlose Aufgabe der Politik, der Medien, aber auch jedes Einzelnen in einem Land wie des unsrigen, Deutungshoheiten und Interpretationen zu hinterfragen und aufzuklären, Rassismus und Diskriminierung entschieden Einhalt zu gebieten und konsequent zu ahnden. Natürlich im Sinne eines gegenseitig gerechten und respektvollen Umgangs, und selbstverständlich zur Wahrung unserer grundgesetzlich verankerten Menschenrechte und Demokratie. – Ira Bartsch


Leserbrief zu „Kassenlose Gesellschaft“ von Marc Brost, Götz Hamann und Heinrich Wefing

Herzlichen Dank den Autoren des Artikels. Da wird die ganze Traurigkeit, die notorische Kurzsichtigkeit und erbärmliche Kleinkrämerei unserer derzeitigen Politik, insbesondere der aktuellen Groko-Verhandlungen deutlich. Wo sind die großen Größen der Politik geblieben? Eines möchte ich den Prognosen zur Zukunft noch hinzufügen. Die Machtfrage (Seite 2, unter dem großen Initial-S, 2. Absatz) könnte eine noch radikalere Wende nehmen: Der Staat, die Demokratie ist längst abgeschafft. Wir werden beherrscht durch ein feudales Kapitalisten-System, größere und kleine Konzerne im Wettstreit miteinander. Arbeitnehmer gibt es nicht, nur Anteilseigner, auch mit nur ganz kleinen Beträgen. Lohn und Gehalt sind durch Dividenden ersetzt, auch für den, der nur eine Aktie besitzt. Dadurch wird die Hierarchie-Position jedes einzelnen fixiert und bewertet – mit entsprechendem Druck auf die unteren Klassen.

Wer keine Aktie kaufen kann, bleibt bei Harz-vier, – wie heute!! – Auf zum „Extrem-Kapitalismus“. So unrealistisch scheint mir das gar nicht! Sie Abschaffung des Staats, der Demokratie in der (ferneren) Zukunft scheint mir sehr wahrscheinlich. Denn die Arbeit der Lobbyisten ist bereits heute unmäßig intensiv, raffiniert und undurchschaubar. Auf diesem Feld würde sich eine umfangreiche Recherche z.B. der Autoren des o.ä. Artikels anbieten. Herzlichen Dank – auch für den zukünftig ersehnten Artikel in der Zeit. – Günter Peuschel


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Ich teile Ihre Ansicht absolut: Kunstwerke sind autonom. Es ist Schwachsinn, sie für menschliche Verfehlungen ihrer Urheber zu „bestrafen“ und sie ihren Bewunderern vorzuenthalten (ist auch ein Übergriff). Allerdings liegt die Sache im Filmgeschäft doch etwas anders: Hier haben nämlich Künstler (in diesem Fall Alfred Hitchcock) (oder Produzenten) verhindert, dass ein anderer Künstler (in diesem Fall Tippi Hedren) seine Kunst ausüben konnte. Ich habe mich oft gefragt, warum man diese interessante Schauspielerin nur in zwei Filmen gesehen hat. Das Ruinieren einer Karriere als „Zugabe“ zur sexuellen Belästigung ist schon besonders bösartig und in einer anderen Kategorie angesiedelt als die von Ihnen geschilderten Fälle. Die Übermalung des Gomringer-Gedichts ist erschütternd. Ich finde nicht, dass Monika Grütters übertreibt. Wo fängt Barbarei denn an? In der Türkei, wo „Nur Diktator“ nicht aufgeführt werden darf und jetzt neben Journalisten, Dozenten auch Schauspieler verhaftet werden? In der Türkei veranlasst das ein Diktator. Soll bei uns diesen Job bald ein irregeleitetes „kollektives moralisches Gewissen“ übernehmen? Grausig! Ich bin in meiner Jugend für Frauenrechte und gegen den Paragraphen 218 auf die Straße gegangen. Aber in einer Welt, in der ein Künstler in einem Werk Frauen, Blumen und Bewunderung nicht mehr assoziieren darf, möchte ich nicht leben. – Dr. Sabrina Hausdörfer


Leserbrief zu „Wann bin ich endlich an der Reihe?“ von Mark Schieritz

Die Diskussion um eine Abschaffung der Privatversicherung zugunsten einer Versicherung “für alle” ohne Differenzierungsmöglichkeiten läuft schon lange und wird voraussichtlich ad infinitum weitergehen. Es konsterniert mich, dass in der ZEIT bislang sämtliche Beiträge dazu dasjenige Faktum ignorieren, das eine “Bürgerversicherung” für Patienten wie mich zum schieren Alptraum macht: Die Deckelung ärztlicher Handlungsmöglichkeiten. Es geht nicht um Wartezeiten u.dgl. Es geht für mich um die zentrale Lebensqualität. Wäre ich gesetzlich versichert, säße ich im Rollstuhl und das als Pflegefall in einem Heim. Da ich Privatpatientin bin, kann ich noch gehen und zu Hause leben.

Mein Fall ist keine Ausnahme, sondern für viele Fälle repräsentativ. Gestatten Sie mir darum bitte, die wesentlichen Faktoren zu nennen. Ich leide an hereditärer Polyneuropathie. Der Neurologe, der die Diagnose stellte, entließ mich mit den Worten: ”Sie brauchen nicht wiederzukommen, ich kann nichts für Sie tun.” Für die Krankheit als solche gibt es überhaupt kein Gegenmittel, zur Linderung der Symptome gerade einmal zwei (Gabapentin und Lyrica). Beide führen bei mir zu unerträglichen Nebenwirkungen.

Was macht ein vernünftiger und disziplinierter Patient in einem solchen Fall? Alles Menschenmögliche, um die Gesamtkondition so zu stärken, dass er so lange wie möglich selbstbestimmt mit der Krankheit leben kann. In meinem Fall heißt das: Sehr, SEHR viel Krankengymnastik. Als Kassenpatientin bekäme ich aber bestenfalls pro Vierteljahr zehn Behandlungen à 20 Minuten – vielleicht nicht einmal das. Da Krankengymnastik nicht gegen Polyneuropathie als solche hilft, kann sie auch nicht “gegen sie” verschrieben werden.

Als Privatpatientin bin ich mit 85 Jahren noch immer imstande, allein zu wohnen und mich selbst zu versorgen. In meinem Alter kann das von den anderen PNP-Patienten meiner Krankengymnastin kein einziger mehr. Sie sitzen allesamt im Rollstuhl und wohnen z.T. im Heim (je nach familiären Voraussetzungen; allerdings: Es gibt unter ihnen auch Privatpatienten, die einfach nicht bereit sind, so hart an sich selbst zu arbeiten wie ich.)

Was der Patient sich zumuten lässt, hängt bekanntlich von dem Leidensdruck ab, unter dem er steht. Wenn ich zum Pflegefall würde, müsste ich in ein Heim ziehen; Verwandte, die mich zu Hause betreuen könnten, habe ich nicht. Die schiere Angst treibt mich dazu an, mich noch im hohen Alter krankengymnastisch schinden zu lassen. Und meine private Versicherung bezahlt das. (Im Heim zu wohnen wäre teurer!!!) Alle Einsatzbereitschaft könnte mir den Status des Pflegefalles nicht ersparen, wäre ich gesetzlich versichert und meine Hausärztin an die dort geltenden Verschreibungsregeln gebunden!

Ich kenne eine alleinstehende Blinde, die ihre Kondition also nicht durch nordic walking und ähnliche Selbstbetätigung erhalten kann. Sie bräuchte Krankengymnastik – laufend, nicht sporadisch! – bekommt sie aber nicht, weil sie nur gesetzlich versichert ist. Das einschlägige “Deputat” ihrer Hausärztin lässt es nicht zu.

Ich zweifle nicht daran, dass Kassenpatienten etwa im Krankenhaus dieselbe Behandlung bekommen wie Privatpatienten und dass letzteren manchmal unnötige, aber lukrative Behandlungen aufgedrängt werden. Dass aber nur Privatpatienten Behandlungen zuteil werden, die zwar nicht medizinisch NOTWENDIG, sehr wohl aber überaus SINNVOLL sind, das verschweigen die Befürworter einer “Bürgerversicherung” mit unverbrüchlicher Konsequenz! Mit Absicht oder aus Unwissenheit???

DIE ZEIT bitte ich dringend, in Zukunft bei der Behandlung einschlägiger Themen immer wieder zu hervorzuheben, was Deckelung bzw. “Deputatisierung” der ärztlichen Möglichkeiten im Rahmen der bisherigen Bestimmungen bedeutet. Viele Menschen sind sich darüber nicht im Klaren. “Bürgerversicherung” hieße, dass man sich nicht dafür entscheiden könnte, eine teure private Versicherung zu bezahlen statt z.B. teure Kreuzfahrten oder andere “Sahnehäubchen” der späten Lebensjahre vorzusehen. – Thelma von Freymann


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Rauterberg hat einen wichtigen Artikel geschrieben, zu einem Thema, das mich auch schon lange beschäftigt und mir unheimlich ist. Man kann über viele Aspekte diskutieren, der Aufbau des Artikels, die Gedankenschlüsse und das eigentliche Fazit gefallen mir jedoch sehr gut. Vielen Dank für einen Artikel, der mich zum Nachdenken und Diskutieren anregte und den ich sogar zweimal las. – Anna Pilatz


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Abseits jeder moralischen Kategorie dürfen wir uns fragen, ob das Werk eines Künstlers als Wegweiser zum Schöpfer taugt, oder in die Irre führt, ob der Künstler das Werk schuf, weil, oder obwohl ihn das Böse berührt hat. Die aus den Werken heraustropfenden Botschaften sind nicht immer leicht zu entschlüsseln und die mitunter herausspritzende Verlogenheit entfaltet meist unterhalb unserer bewussten Wahrnehmung ihre verwirrende Wirkung. Die Deutung des Lebens des Künstlers entspringt einem menschlichen Bedürfnis nach Vereinfachung und ersetzt die komplizierte und mühsame Auseinandersetzung mit seinem Werk. Leider reduziert dieser Prozess – vielleicht auch befeuert durch das Böse selbst – das geistige Nahrungsangebot und damit die Fähigkeit, große, existenzielle Fragen zu stellen, dem Rätsel unserer Existenz auf den Grund zu gehen und am Ende Wahrheit zu finden. – Andreas Meinel


Leserbrief zu „»Dann fliegt mir die Stadt um die Ohren «“ von Mohamed Amjahid und Anne Hähnig

Cottbus spiegelt die deutsche Asylpolitik! Der europäische Musterschüler – ein Masochist: unterwirft sich längst überholten Gesetzen, selbst wenn sie ihn quälen! Würde er nur einmal vom grünen Tisch der Moral(und)Theorie seinen Hintern erheben und durch die schmuddeligen Gassen ziehen, wo der Puls des wirklichen Lebens laut pocht: geläutert und ernüchtert kehrte er zurück in seinen Elfenbeinturm, dessen Fenster er jetzt offen ließe! Wäre damals vor den Augen der Mütter und Väter des Grundgesetzes eine Völkerwanderung aus Asien und Afrika vorbeigezogen – praktische Vernunft würde heute die deutsche (Asyl)Politik leiten! Stattdessen: Cottbus, Freiburg, Köln … – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zu „Ich wünsche mir mehr Bekenntnis zur Freiheit…” von Düzen Tekkal

Den Wunsch von Frau Tekkal nach weniger Bekenntnis zur Religion, dafür mehr zur Freiheit, kann ich angesichts des aktuellen (Miss)verständnisses dieser Werte nur unterstützen. Idealisierungen sind in Bezug auf beide Begriffe nicht hilfreich. Es ist wohl so, dass erst einmal geklärt werden müsste, was Religion und Freiheit überhaupt sind, sein könnten und sollten. Es zeugt jedenfalls nicht von religiösem Glauben, sich in vorgegebene Muster pressen zu lassen, also etwas für wahr zu halten, was einem Interessenvertreter und Selbstdarsteller vorgeben. Und Freiheit ist kein romantischer Höhenflug, auf dem man meint, sich über die (dynamischen) Ordnungen des irdischen Lebens hinwegsetzen zu können oder auf prinzipiell partiellen Interessen beruhen könnte.

In Bezug auf das ausführlich angesprochene Thema Integration gibt es m.E. ein weitgehendes Versäumnis: Flüchtlinge sollten sich gründlich und tiefschürfend mit ihren Fluchtursachen befassen. Wie ist es in ihren Herkunftsländern zu den für sie unerträglichen Zuständen gekommen? Welche Werte wurden dort instrumentalisiert und falsch interpretiert? Was sind die tieferliegenden Ursachen der oberflächlich erkennbaren Ursachen? Sicher sind die vielfältig, aber jede Seite sollte die eigenen gesellschaftlichen Defizite und strategischen Fehler ergründen und Wege aufzeigen, wie es von destruktivem Gegeneinander zu kooperativem Miteinander kommen kann. Anders gesagt, wie man von negativen Identitäten, also der vermeintlichen Selbstfindung durch den Ausschluss anderer, zu positiven Identitäten aufgrund eigener Talente, Erfahrungen und der Bereitschaft zu Dialog in die Menschheitsfamilie zurückfinden kann. Gelegentlicher Perspektivwechsel ist dazu für alle Beteiligten nützlich und führt zu Win-win-Situationen. – Christoph Müller-Luckwald


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Bezugnehmend auf Ihren Artikel muss ich Ihnen meine Bestürzung über Ihr Fazit ausdrücken. Sie warnen vor einem „neuen Moralismus, vor einer Zensur von unten“ und befürchten, dass dadurch dem Kulturbetrieb Handschellen angelegt werden. Ich glaube, dass Sie sich anscheinend nicht in die Haut derjenigen hineinversetzen können oder wollen, die wegen des Ruhms und der damit verbundenen Macht des Künstlers gelitten hatten. Kevin Spacey ist in meinen Augen ein genialer Schauspieler, aber wenn er seine Position dazu ausnutzt, andere sexuell zu belästigen oder zu missbrauchen, ist das abscheulich. Kunst und Künstler lassen sich in diesem Fall nicht voneinander trennen, weil beides miteinander verwoben ist, da die Privatperson Spacey überhaupt nur aufgrund seines Künstlerdaseins über Macht verfügt. Diese Macht hat er nachweislich nicht nur in Privatem oder in anderen Geschäftsbereichen missbraucht, sondern auch unmittelbar vor oder nach einem Dreh.

Wenn nun geraten wird, Dirigenten, Regisseure oder Intendanten zu boykottieren, weil sie ihre Stellung missbrauchen, Menschen zu Objekten degradiert und dazu noch Straftaten begangen haben, verstehe ich das voll und ganz. Der Boykott hat in meinen Augen dann überhaupt nichts mit „Reinheitsdenken“, sondern vielmehr mit Anstand zu tun. Zudem ist es ein Unterschied, ob nur allein die Kunst amoralisch ist – z.B. zeigt ein Bildnis eine lachende Person, die einen abgeschlagenen, blutverschmierten Kopf in die Höhe hebt oder ein gewaltverherrlichender Film zeigt, wie Drogenkartelle Menschen in Stücke schneiden – oder ob der Künstler zuvor selbst handangelegt hat. Und nur weil es in der Vergangenheit für viele außenstehende Menschen nicht anrüchig war, heißt das noch lange nicht, dass alles beim Alten zu bleiben hat. Früher durften auch Kinder geschlagen und Frauen das Arbeiten verboten werden – das waren damals gesellschaftliche Normen in der BRD.

Auf Wikipedia lese ich, dass Sie nach Ihrem Bildungsweg beim Spiegel angefangen haben. Daher folgendes Gedankenexperiment: Sie fangen neu bei Ihrem sehr renommierten Arbeitgeber an, stehen am Anfang Ihrer beruflichen Karriere, bekommen einen befristeten Vertrag und kurz vor Ablauf bittet Sie der Chef abends ins Büro. Sie sind allein. Er schließt die Tür, öffnet den Reisverschluss seiner Hose und er streichelt Sie. Wie fühlen Sie sich? Ist das für Sie in Ordnung? Fänden Sie es noch immer gut, wenn andere Menschen ihren Chef anhimmeln, weil er gute Artikel schreibt? Oder wünschten Sie sich nicht vielmehr, dass seine Artikel keine Beachtung mehr fänden, damit sein Ruhm und seine Macht schwinden und er letzten Endes seine Position nicht mehr ausnutzen kann? – Dominik Göhmann

Dem Kommentar meines Mannes möchte ich folgendes hinzufügen: Es mag durch die #metoo-Debatte teilweise über das Ziel hinausgeschossen werden, jedoch ist die Diskussion in der Kunstbranche mehr als notwendig. Ich selber bin Opernsängerin und habe schon einiges an sexueller Gewalt erfahren, wie so viele andere Kollegen. Durch ein Klima der Angst à la „Sag‘ bloß nichts, sonst ist deine Karriere beendet.“ haben wir schon genug gelitten und wurde künstlerisches Potential unterdrückt. Denn Kunst unter Beteiligung mehrerer wird erst einmalig, wenn alle sich entfalten können. Ja, der Exzess mag die ein oder andere künstlerisch wertvolle Erfahrung hervorrufen, jedoch besteht nochmal ein großer Unterschied, ob es sich bspw. um ein sexuelle Orgie im einvernehmen aller handelt oder ob jemand seine Machstellung missbraucht, wie Levine, dessen Opfer – minderjährige Jungen – Jahrzehnte lang mit Geldern und Angstszenarien zum Schweigen verdammt wurden. Denn genau darum handelt es sich bei der #metoo-Debatte: Machtmissbrauch. Dieser sollte nicht mit dem Exzess im legalen Rahmen verwechselt werden. Mir sind zu Genüge hervorragende Künstler bekannt, die weder Machtmissbrauch noch Exzess – gegen den im Rahmen der Legalität nichts spricht – als Kreativquelle bedürfen. Die These „Kunst bedarf des Machtmussbrauchs.“ lässt sich einfachst stürzen.

Ja, wären undemokratische und menschenverachtende Zustände nötig, um Kunst zu schaffen, dann würde selbst ich als Künstler gegen die Kunst sprechen! Wo kämen wir hin, wenn das Künstlerdasein zur Existenz über dem Gesetz führen würde: „Ich musste ihn umbringen, da ich nur so glaubhaft einen Mörder darstellen kann!“ ; „Als Künstler darf ich das Leben von Jungen zerstören. Sexueller Missbrauch ist meine Inspirationsquelle“ ?!? Ihr Artikel ist ein Schlag ins Gesicht der zahlreichen Opfer. Mir fällt es schwer bei Personen wie Levine, Spacey usw. Kunst von Künstler zu trennen, zumal betreffende Personen finanziell und machtpolitisch von ihrem Erfolg so weiterhin profitieren sowie in ihrem Handeln gefördert würden. De facto würde so an ihrem Status nichts geändert werden und somit ihr Missbrauch legitim. – Britta Huy


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Nur ein grenzenloser und hemmungsloser Mensch kann ein guter Künstler sein? Wir sollten spätestens jetzt begreifen, es muss sich etwas grundlegend ändern an unserem Geschlechterbild, von dem hier indirekt die Rede ist. Der Artikel ist jedoch in seiner Konsequenz ein Statement für kleine Machos, wie für große Monster, und diese als Spitze des Eisberges menschenverachtender Verhaltensweisen gegenüber Frauen – unter dem Deckmantel der Verteidigung der Kunst, und mit Sicherheit nicht von einer Frau geschrieben. Kunst braucht Freiheit und Abgründe, toleriert jedoch nur bis zu der Grenze, wo Recht und Freiheit der anderen beginnen. Die Überschreitung stellt den Wert der erzeugten Kunst m.E. nicht in Frage, der Künstler riskiert jedoch bei Licht betrachtet und wenn er mit dieser Freiheit nicht umgehen kann, mit gutem Grund und mitsamt seinem Werk vernichtet zu werden. Und das ist auf beunruhigende Weise erstaunlich? Was für eine Begründung, es sei jahrhundertelang toleriert worden. Als wenn die Menschheit nicht in der Lage wäre, jahrhundertelang Fehler zu begehen und grenzüberschreitende oder gar vernichtende Haltungen gegenüber Mensch und Natur an den Tag zu legen. – Stefan Frenken


Leserbrief zu „Fehler 404“ von SPI

Leute wie Ch. Lindner supponieren, dass Computerisierung in Bildungseinrichtungen wünschenswert sei. Internetsucht, Smartphone-Zombies und Asoziale Medien belegen aber eindrücklich den Abbau von Bildung, Freiheit und Humanität durch die Herrschaft des Digitalen. Zudem gelingt Lernen vor allem durch persönlich-pädagogischen Bezug. Womöglich ignorieren „bildungsängstliche“ Lehrkräfte das Diktat des Silicon Valleys, weil sie diese Verwerfungen täglich miterleben und weil sich der Einsatz des Popanz E-Learning in ihrer Praxis schon als drittmittelaffin, aber didaktisch wertfrei erwiesen hat? Sie weisen in dem kurzen Beitrag darauf hin, dass mittlerweile bewiesen ist, was jeder Lehrende längst weiß: Digitalisierung von Didaktik und Unterricht zeitigt keinerlei positive Effekte auf den individuellen Bildungsprozess. Vielmehr wird die Kunst des Unterrichtens derzeit durch allgegenwärtige Smartphones und andere digitale Medien in rasant zunehmendem Maße massiv behindert. Die Kinder und Jugendlichen verbringen nahezu ihre gesamte Lebenszeit vor mobilen Bildschirmen und kennen sich damit bestens aus. Deswegen beobachten wir im schulischen Alltag auch einen krassen Niveauverlust, einen Abbau von Gemeinschaft, von sozialer Kompetenz, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Urteilskraft und Muße, jener wesentlichen Voraussetzung für Bildung.

Ich verstehe gut, dass die herrschenden Konzerne diese Verdummung der Konsumenten qua Beschleunigung forcieren, Kontrollsysteme ausbauen und gleichzeitig ihre Produkte verkaufen wollen. Dieselbe neoliberal-ökonomistische Ideologie hat ja ehedem schon Bologna und G8 dekretiert, um Bildung abzubauen. Ich verstehe indes nicht, wieso jemand das Gefasel um „Digitalisierung first, Bildung second“ tatsächlich glaubt, wo doch die Belege für das Gegenteil so offenkundig sind. An dieser Stelle also ein großes Dankeschön an alle Lehrenden der schulischen und hochschulischen Bildungseinrichtungen! Sie haben die Schule anscheinend bis heute als Refugium echten Lernens und demokratieorientierter Bildung gegen die anhaltenden Angriffe der herrschenden kapitalistischen Elite verteidigt, um der Verdummung durch Smartphones und der so katalysierten Isolation des gut ausgebildeten Individuums Einhalt zu gebieten. Der Kampf für Bildung wird seit 500 Jahren gegen die Feinde der Demokratie geführt und muss weitergehen! – Dr. André Hempel


Leserbrief zu „Ich wünsche mir mehr Bekenntnis zur Freiheit…” von Düzen Tekkal

Danke! Das war eines der besten, interessantesten Feuilletons, das Sie je hingekriegt haben. Liebe Frau Tekkal, tausend Dank! Ihr Artikel ist das Beste, was ich in den letzten Jahren zur Integration gelesen habe. Wenn nur mehr Menschen das auch so sehen könnten wie Sie! Danke für Ihren Mut und Ihre klaren Worte! Ganz viel Erfolg für Ihre weitere Arbeit! – Dr. Sabrina Hausdörfer


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Man verzeihe mir die Schärfe, aber milder ist es nicht zu formulieren: Was für ein empörend und unfaßbar dummer Artikel, in dem Unvereinbares ( u.a. Betrügereien, Eigentumsdelikte, Eifersuchtshandlungen, Drogenkonsum, Prostitution und sexueller Mißbrauch von Kindern) in einen Topf geworfen wird ! Es macht aber einen eklatanten Unterschied, ob sich ein Mann in seinem Alltag beispielsweise als „notorischer Betrüger und Dieb “ betätigt (Karl May) oder Kinder sexuell mißbraucht (Roman Polanski, Woody Allen), die an den Folgen dieser Verbrechen oft lebenslang leiden. – Manuela Herzog


Leserbrief zu „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

In Ihrem Artikel über den Antisemitismus in Deutschland unterscheiden Sie wie viele andere auch nicht hinreichend zwischen Antisemitismus und Kritik an der israelischen Regierung. Gerade in Deutschland sollten wir uns um ein semantisch korrektes „Wording“ bemühen:
– Antisemitismus ist eine inakzeptable Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer Abstammung,
– Kritik an der israelischen Regierung wg. einer inakzeptablen Besatzungspolitik ist erlaubt (auch für Deutsche).
Daß es gerade in der Politik führende Vertreter gibt, die diese Unterscheidungen nicht realisieren und daß es auch Gruppierungen gibt, die bewußt (?) beide Begriffe vermengen, ändert nichts an der Notwendigkeit einer klaren Definition, worüber wir reden. Ich bin überzeugt, daß die Akzeptanz für unsere jüdischen Mitbürger steigen würde, wenn diese Unterscheidung der Gesellschaft näher gebracht und auch konsequent angewendet würde. – Klaus Lehr


Leserbrief zu „Wann bin ich endlich an der Reihe?“ von Mark Schieritz

Oje, oje, was war denn das wieder mal für ein Artikel – ganz im Stil der schon bisher allzu oft zu beobachtenden Einäugigkeit der Zeit, wenn es um Ärzte geht. Das Problem der Wartezeiten (ich spreche jetzt für die Fachärzte) ist doch hauptsächlich politikgemacht: Unsere Kapazitäten sind begrenzt und das liegt doch nicht an uns! Wer glaubt, eine Terminservicestelle einrichten zu müssen, um dem angeblichen Problem der langen Wartezeiten zu begegnen (diese Stelle wird aber nur wenig in Anspruch genommen, warum nur?) und ins gleiche „Gesundheitsstärkungs-Gesetz“ schreibt, dass eine Praxis nur noch minimal wachsen darf, der muss sich schon fragen lassen, wie das mit gesundem Menschenverstand zu vereinbaren ist.

Fast jede Praxis bekommt 5 oder 10 oder gar 30 % ihrer Leistungen nicht bezahlt, was also darf man da erwarten? Dass man sich wirtschaftlich ruiniert? Es gibt nicht wenige Praxen, die die Gründungsjahre ohne Privatpatienten wirtschaftlich nicht überstanden hätten. Meine hätte dazugehört. Und dennoch wird bei dringenden und bei Notfällen kein Unterschied zwischen gesetzlich und privat Versicherten gemacht. Wer keinen Termin bekommt, der gehe bitte zum Hausarzt, dieser kann die Dringlichkeit fachlich fundiert überprüfen und jeder engagierte Hausarzt ist in der Lage, seinem Patienten zu einem angemessenen Termin zu verhelfen. So sollte das übrigens immer sein und niemand wegen Lappalien wie 2 Wochen Husten zum Facharzt gehen. Das kommt nicht so selten vor und das sind dann die Termine, die anderswo wirklich fehlen.

Sich 25 oder 30 statt nur 20 Stunden pro Woche um Kassenpatienten kümmern? Glauben Sie, dass von den über 50 Wochenstunden, die ein Arzt durchschnittlich arbeitet, die ca. 10% Privatpatienten mehr als die Hälfte in Anspruch nehmen? Liebe Zeit-Redakteure, bitte machen Sie in Zukunft auch das andere Auge auf, wenn Sie über uns schreiben. Noch ein Wort zu den „Spitzenverdienern“: Wenn ich in Rente gehe, werde ich etwa genauso viel verdient haben wie ein Facharbeiter bei der nicht weit entfernten großen Autofirma, werde aber deutlich länger gearbeitet haben – nicht in Jahren, aber in Arbeitsstunden. – Dr. Martin Langer


Leserbrief zu „Die Freiheit des Narren“ von Stefan Willeke im ZEIT Magazin

Es ist eine wunderbare Geschichte, die Stefan Willeke da geschrieben hat. Unser Land wird genau von solchen Menschen wie Horst Schwiperich getragen: `Er läuft ohne großes Misstrauen durchs Leben. Er drängt sich nicht in den Vordergrund.` „Ich habe mich in den letzten 30 Jahren nie gezankt. Ich mag das auch nicht.“ „Ich kenne keine schlecht Laune.“ `Im Karnevalszug wirft Horst nie mit Süßigkeiten. Er läuft auf die Straße und drückt Kindern Tüten mit Weingummi in die Hand. Er möchte ihnen ins Gesicht sehen und teilhaben an ihrer Freude.` Diese Menschen, die nicht in der ersten Reihe stehen, bereichern unser Leben. – Christoph Pitz


Leserbrief zum Titelthema „Künstler Im Zwielicht“

Darf man diesen Film noch zeigen? Man darf nicht nur, man muß sogar! Denn wohin sollen uns diese Art Fragen denn sonst noch führen? Wenn ich lesen muß, daß Zigtausende online fordern, den Part von Matt Damon aus ‚Ocean’s 8‘ herauszuschneiden, wenn Ridley Scott das im Falle Kevin Spaceys bereits getan hat und wenn, wie bei Woody Allen geschehen, Adaptionen seiner Werke „vorbeugend“ aus dem Programm gestrichen werden, scheint es mir, als befänden sich viele bereits weit vorne auf dem Weg prophylaktischer Inquisition. Das entsetzliche solcher digitalen Hexenjagden liegt für mich darin, daß den Betroffenen nur selten dann ausgleichende Gerechtigkeit widerfährt, wenn sich die erhobenen und von der Masse und dem Boulevard vorschnell in die Welt gesetzten Vorwürfe als unwahr herausstellen; der vormals gute Ruf ist irreparabel beschädigt und bleibt es.

Aber selbst das ist den selbsternannten Gutmenschen dann noch nicht genug: Solange die Hetzjagd andauert, fordern diese Torquemadas unserer Zeit zur Rechtfertigung der eigenen Position wenn machbar die völlige Auslöschung jedes positiven Aspektes im Leben des Betroffenen, in diesen Fällen ihr künstlerisches Schaffen. Nur: Was hat das künstlerische Portfolio mit den charakterlichen Eigenschaften eines Menschen zu tun??? Wer das eine dem anderen gleich setzt folgt einer Logik, die sich als krönenden Abschluß das Autodafé auf die Fahne geschrieben hat. – Burkhard F. Kreutz


Leserbrief zu „Prüfers Töchter“ von Tillmann Prüfer

Dürfen Pflügers Töchter eigentlich die Artikel über sie vorher lesen (Juli vorgelesen), kommentieren und eventuell zensieren? – Siegfried Knauer-Runge


Leserbrief zu „Kein Ende der Unsicherheit“ von Laura Cwiertnia und Kolja Rudzio

Der Vorschlag des Ökonomen Hohendanner, Arbeitgeber sollten für befristete Arbeitsverträge einen Zuschlag bei der Arbeitslosenversicherung zahlen, scheint mir der richtige Ansatz zum Umgang mit Befristungen, denn alle Fristverträge würden gleichermaßen erfaßt. Andere Regelungen können „kreativ“ gehandhabt werden, sei es durch das Erfinden von Sachgründen nach einem Verbot von sachgrundlosen Befristungen, sei es durch den Austausch eines nach Erreichen der zeitlichen Höchstgrenze „verbrannten“ befristet Beschäftigten durch den nächsten Befristeten. Der höhere Versicherungsbeitrag des Arbeitgebers wäre ein gerechter Ausgleich für das höhere Arbeitslosigkeitsrisiko, das der Arbeitnehmer bei einer Befristung zu tragen hat. – Bettina Ziegler


Leserbrief zu „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Tarek und Oskar – zwei Jungs, die verschiedene, doch im Grunde gleiche Geschichten verinnerlicht haben: Tarek Geschichten von Demütigungen und Schikanen israelischer Kontrollposten, von Bulldozern, die zur Vergeltung Häuser wegschieben, von Vertriebenen, auf deren Land jetzt orthodoxe Juden Siedlungen errichten… Oskar Geschichten von Anschlägen palästinensischer Terroristen, von Arabern, die die Juden wieder ins Meer zurücktreiben wollen, von Angehörigen aus seiner Familie, die die Schoa nicht überlebt haben… Geschichten, die sie immer wieder neu erinnert und tradiert bekommen. Doch Erlösung geht anders: durch die Bereitschaft, den Blick zu weiten und eigene Anteile und Schuld – historische miteingeschlossen – sehen zu lernen, Aussteigen aus der Opferrolle, aus der Spirale von Aufrechnen und Vergeltung, Loslassen, Vergeben und dadurch frei werden für eine andere Zukunft. Ein langer und mühsamer Weg – aber es gab einmal einen, der es uns vor zweitausend Jahren vorgemacht hat: „Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein“ und: „Vergebt einander, wie Gott auch euch immer wieder aufs Neue vergibt“ Ob die vielen Tareks und Oscars im Twitter-Gewitter dieser aufgeregten Welt diese Stimme noch hören können? – Mag. Christian Spiessberger


Leserbrief zu „Die Putztruppe von Hellersdorf“ von Thomas Assheuer

Eigentlich bin ich viel zu emanzipiert, um mich über so ein Gedicht aufzuregen. Aber: Eine Allee ist eine Allee, eine Blume ist eine Blume, und eine Frau ist eine Frau. Diesen klebrig-verklärten Allee//Blume//Frau – Blick kann ich im zeitlichen Kontext verstehen, aber er muss nicht auf eine Hauswand. Bei Lesen des Gedichts dachte ich: ‚Was für ein Bullshit.‘. Komischer Weise bezeichnet der Autor am Ende des Textes mit diesem Wort die gegenteilige Weltsicht. Daraus folgt für mich: Auch Bullshit ist Ansichtssache. – Dr. Grit Köhler


Leserbrief zu „Der Selbstbetrug“ von Josef Joffe

Vielen dank für diesen „Zeitgeist“-Beitrag; er bezieht sich auf die von Herrn Trump erstmals verhängten „Strafzölle“. Auch bei anderen Zeitungsartikeln dazu ist mir aufgefallen, dass da von „Strafzöllen“ gesprochen wird. Das kann ich irgendwie nicht nachvollziehen: Wer? bitte, soll da wofür? bestraft werden? Handelt es sich dabei nicht schlicht um (zusätzliche) Einfuhrzölle? was die von Ihnen angesprochenen Problematik natürlich keineswegs mindert.Vielecht könnten Sie mir dazu bitte eine Auskunft geben. – Klaus Brake


Leserbrief zu „Fehler 404“ von SPI

Als Schüler der 12. Klasse, der dieses Jahr sein Abitur absolvieren wird, kann ich sagen, Deutschland hat die digitale Zukunft verpasst und dies noch nicht einmal gemerkt. Blicke ich auf meine Schullaufbahn zurück, so erkenne ich, dass digitale Technik weder Thema in der Schule war, noch dort sinnvoll genutzt wurde. Brauchen Deutschlands Schulen also „digitale Nachhilfe“? Ja, das brauchen sie, denn moderne Technik kann vielseitig zur Unterrichtsgestaltung genutzt werden. Die Schüler sollten so auch in einem zusätzlichen Fach lernen damit umzugehen und dessen jetzige und zukünftige Rolle in der Gesellschaft zu verstehen. In dem Artikel wird dabei eine Hypothese aufgestellt, die nicht unbedingt falsch, aber völlig fehl am Platz und ziellos ist. Eine Verbesserung der Bildung sei „dabei aber nicht garantiert“. Digitalisierung als ein Fach in der Schule ist eine bildungspolitische Notwendigkeit, damit künftige Generationen der rasenden Entwicklung unserer Gesellschaft hinterherkommen. Nehmen wir an, fast alle Schüler in Deutschland seien schlecht in Mathematik, was der Realität gar nicht so fern ist, sollte das Fach dann abgeschafft werden, weil es „nicht per se zu besseren Schülerleistungen“ führt? – Frederic Klemm


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Wäre die Kunst über Jahrhunderte eine Domäne des Weiblichen gewesen, wären die testoteronevozierten Kunstwerke sicher weniger zahlreich (nicht bedauerlich!), sie aber als Quelle, Motor, Katalysator menschlichen Seins nicht weniger spannend, essentiell. Mit der #me- too-Debatte kann die Kunst nicht mehr in die eindimensionale Weltsicht abtauchen, allen in diesem Artikel zu ihrer „Rettung“ angeführten Argumente zum Trotz. – Roswitha Petermann


Leserbrief zum Titelthema „Künstler Im Zwielicht“

Als ich Ihre erste Seite Ihrer Zeitung gesehen habe mußte ich mich doch fragen, ob ich als Mann die Zeit noch lesen kann. Ich kann diese einseitige Kampagne gegen Wedel und anderer Männer nicht akzektieren. Wenn wirklich was passiert ist, hätte die Frau Anzeige erstatten sollen. Dann kann ein Gericht endscheiden und bis dahin gilt die Unschuldsvermutung. Nicht bei MeToo und vielen Frauen. Da brauch sich nur eien Frau zu äußern und schon ist nicht nur der Mann, sondern alle Männer nur noch Täter. Dabei möchte ich dochmal an den Fall Kachelmann errinnern. Und bei Anklagen von verlassenen Ehefrauen, der Mann habe Sie geschlagen, mißbraucht oder noch schlimmer, die Kinder mißbraucht zu haben, hatten zu über 70 bis 80 % vor Gericht kein Substanz. – Herbert Overberg


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Danke für diesen nachdenklichen Artikel. Eines könnte man noch hinzufügen : Die Kunstgeschichte kennt viele Beispiele von Künstlern, die homosexuell waren. Über Jahrhunderte hinweg wurde Homosexualität als ein moralisches Vergehen betrachtet oder galt gar als Verbrechen. Wären die Menschen zu jeder Zeit so moralisierend mit Kunstwerken umgegangen wie einige das heute tun wollen, wären wir alle um einiges ärmer. – Matthias Fahland


Leserbrief zu „Ich wünsche mir mehr Bekenntnis zur Freiheit…” von Düzen Tekkal

Ihr Artikel macht mich wütend — und froh !
Wütend – weil der Großteil der Politiker – insbesondere die führenden Politiker – Ihr erlebtes Wissen und Ihre Erfahrungen nicht in reale Politik umsetzen. Sie setzen weiterhin auf die „Gutmenschen“-Politik (falsch verstandener Liberalismus und naive Humanität), anstatt sich für eine erforderliche langfristige Integration in Freiheit – und auch in Religionsfreiheit – ohne ethnische und religiöse Minderheits-Kämpfe für unsere nächsten Generationen einzusetzen. Sie müssen Wege aufzeigen,dass die Veränderungen von allen Gesellschaftsteilen mitgetragen werden können, um jeglichen Links- und Rechts- Extremismus die Basis zu entziehen.

Froh – dass sich Frauen (wie Sie) und Männer, die trotz der Anfeindungen und Angst, mit dem Wort kämpfen, um Deutschland die Weltoffenheit – ohne Fremdenhass – zu erhalten. Sie tragen dazu bei, dass das größte Gut einer Gesellschaft – die Freiheit in einem Rechtsstaat – sichergestellt werden muss. Danke.Hubert Ludorf


Leserbrief zu „Kassenlose Gesellschaft“ von Marc Brost, Götz Hamann und Heinrich Wefing

Bleibt die Frage nach dem Motiv, warum vor allem die Techkonzerne die Digitalisierung mit aller Macht vorantreiben. Aus Menschenliebe oder anderen hehren Beweggründen? Kleiner Scherz. Ob es um den Stopp des Alterungsprozesses geht, das fahrerlose Fahren oder den Austausch der Arbeitnehmer durch Roboter: Gemeinsam ist allen Projekten, dass sie dem Menschen vorgeblich mehr Zeit verschaffen. Die er dann nutzen kann, um bei Amazon und Co. noch mehr Dinge zu kaufen, die er nicht braucht. Oder, um noch mehr Zeit in sozialen Netzwerken zu verplempern. Auf dass Facebook, Google und Amazon noch mächtiger und reicher werden. Auch ich bin nicht so naiv zu glauben, dass die Digitalisierung einfach wieder verschwinden wird. Ich fürchte aber, dass sie nicht zum Wohle des Menschen konzipiert ist. Auch wenn die FDP mich deswegen als Bedenkenträger verspotten mag. – Marc Strehler


Leserbrief zu „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Vorweg scheint es mir angebracht, sehr deutlich zu machen, dass Israel ein Existenzrecht im Nahen Osten hat. Auch halte ich es für unsäglich, wie immer mehr Menschen – leider auch in Deutschland – antisemitische Ansichten und Beschimpfungen absondern. Darüberhinaus haben wir Deutsche, aufgrund der Historie, eine besondere Beziehung zu den Juden, die uns zu sehr überlegten Äußerungen bezgl. dieses Themas veranlassen sollten. Trotzdem möchte ich einige Überlegungen, die mir in letzter Zeit gekommen sind, darlegen. Wer die Politik des Israelischen Staates kritisch verfolgt, kann durchaus den Eindruck bekommen, daß dort mit allen Mitteln versucht wurde und versucht wird, einen Staat aufzubauen und zu vergrößern, ohne Rücksicht auf Verluste. Es wird häufig angeführt, daß Israel die einzige stabile Demokratie im nahen Osten sei. Eine Demokratie, in der Mörder und Terroristen Staatschefs wurden. In der es üblich ist und war, dass der Regierungschef – nicht selten – Aufträge zur Liquidierung von Menschen erteilt. In der man sich die Atombombe erschlichen hat und nun für sich das Recht in Anspruch nimmt, sie anderen zu verweigern, ja sie anzugreifen, falls diese die Bombe bauen wollen. Eine Demokratie, in der von höchsten Stellen gefordert und gefördert, eine überaus effektive Lobby Einfluss zu nehmen sucht auf die amerikanische Politik, die dann wiederum Einfluss im Sinne Israels nehmen soll in sogenannten Friedens-Verhandlungen.

Manchmal scheint es mir, als wäre das einzige demokratische im Staat, die Opposition von Friedensaktivisten, die allerdings mächtig angefeindet werden von Fundamentalisten und Nationalisten. Selbst der Regierungschef hält sich da nicht zurück (s. Gesprächsverweigerung mit dem Deutschen Außenminister). Sie halten sich für die wahren Israelis. Es gibt von Orthodoxen, ja sogar dem Außenminister, Bestrebungen, allen nichtjüdischen Israelis die Staatsangehörigkeit zu entziehen. Mir kommt beim verfassen dieses Artikels ein Satz von Herfried Münkler in den Sinn, den dieser in anderem Zusammenhang geschrieben hat: Wer sich als Opfer begreift, hat oft keine Probleme damit, andere zu Opfer zu machen. So ist als Bestandsaufnahme ist zu konstatieren: nichts ist in Ordnung im Staate Israel. – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu „Die Freiheit des Narren“ von Stefan Willeke im ZEIT Magazin

Jeglicher Karneval liegt mir fern, aber den Artikel über Horst Schwiperich und den Karneval habe ich mit großem Interesse gelesen. Herr Willeke hat so anrührend und normal ohne irgendeine negative Wertung über diesen Menschen geschrieben und sein Leben dargestellt. Man bekommt eine ganz andere Sichtweise auf das „Treiben“. Die Art und Weise, wie dieser Beitrag verfasst ist, hat mich tief beeindruckt. Vielen Dank. Dass musste ich einfach einmal „loswerden“. – Regina Stadler


Leserbrief zu „Prüfers Töchter“ von Tillmann Prüfer

Ich lese jedesmal Ihren Beitrag über Ihre Töchter, und kann die beschriebenen Situationen bildlich vor mir sehen. Könnten Sie mir aber erklären, was ein Düsenjet ist? – Wolfgang D. Schuele


Leserbrief zu „Prüfers Töchter“ von Tillmann Prüfer

Mit zunehmender Freude lese ich Ihre Kolumne, nun sogar schon direkt nach der von Martenstein- und das will schon was heißen! Unsere jüngste Tochter (17) lässt sich Ihre Kolumne gerne vorlesen, ein kleines Ritual hat begonnen… Weiterhin viel Freude beim Schreiben. – Hans-Rainer Heinrich


Leserbrief zu „Die Putztruppe von Hellersdorf“ von Thomas Assheuer und zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Das ist ja unerhört, was da so Dichter alles schreiben. Bei diesem Heine werde ich kein einziges Kleidungsstück mehr bestellen. Und dieser Gomringer! So alt und sowas, der sollte sich schämen. Kürzlich habe ich auch noch von diesem Göhte was gelesen. Nicht genug, dass der Fack-Filme drehte, der schrieb auch noch. Diese Sauerei: „Knaben liebt ich wohl auch, doch sind die Mädchen mir lieber. Hab ich als Mädchen sie satt, dient sie als Knabe mir noch.“ Unfassbar! Der soll bloß froh sein, dass er tot ist, der Saubär. – Werner Lösch


Leserbrief zu „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Wie antisemitisch ist dieser Artikel?
Die Vielfalt der Äußerungen ist hochinteressant – und doch, auch hier bleibt etwas völlig Groteskes mit größter Selbstverständlichkeit unhinterfragt: Wer alles ist denn jüdisch? Angehörige der jüdischen Religion, klar. Israelische Staatsbürger, meinetwegen, wenn sie nicht ausdrücklich anders religiös sind. Aber was ist mit dem riesigen Rest der „Juden“, die weder religiös jüdisch noch Israelis sind?

Jude ist als ethnischer Begriff untauglich; als nationale Kategorie ist „Jude“ außerhalb Israels absurd; was bleibt also außer einer rassistischen Kategorie, wenn die individuelle Religionszugehörigkeit entfällt? „Jüdische Abstammung“? Selbst wenn beide Eltern gläubige Juden waren, „ist“ ihr Kind nicht auotmatisch Jude – außer man denkt in Rassenkategorien. Wenn so jemand nicht religiös ist, sich aber als Jude definiert, „ist“ er auch nur dann Jude, wenn man rassistische Kategorien anwendet. Denn wenn ich z. B. getauftes Mitglied der katholischen Kirche und deutscher Staatsbürger bin, dann und nur dann bin ich Deutscher und Katholik. Bin ich nicht getauft und US-Bürger, bin ich keins von beiden. Ebenso widersinnig wird der Begriff „Antisemitismus“ verwendet, weil er als gegeben voraussetzt, was damit angeprangert werden soll, nämlich Semiten als eine Rasse zu sehen, nicht als „Völker, die zur semitischen Sprachfamilie gehören“. Rassismus heißt und ist in Wirklichkeit das Problem. Es wird flankiert von einer Sprachverwirrung, die jedenfalls nicht Teil der Lösung ist. – Michael Praschma


Leserbrief zu „Jeder ist eine Minderheit“ von Roman Pletter

Vielen Dank für Ihren klugen Artikel. Ich wünsche mir, der Bundespräsident würde in die Koalitionsverhandlungen gehen und den Parteispitzen Ihre Gedanken mit auf den Weg geben. Es kann doch nicht sein, dass sich die deutsche Regierung um solchen Kleinkram statt z. B.um Umweltschutz und Digitalisierung kümmert, damit die Köpfe der Auslaufmodelle Merkel, Seehofen und Schulz vor dem verdienten Rauswurf gerettet werden. Respekt auch dafür, dass sie die Sitation schon vor einer Woche so klar gesehen haben. – Christopher Hagen


Leserbrief zu „»Klischees sind härter als Beton«“ von Marc Brost und Tina Hildebrandt

Mit Entsetzen habe ich das Interview mit Herrn Söder gelesen. Er ‚verspricht‘ eine knallharte Law-and-order Politik und erinnert bei der Verknüpfung seiner Abschiebeparolen mit gleichzeitigen Steuersenkungen an einen bayerischen R. Nixon. Reflektierte Lösungsansätze sucht man vergeblich. Man kann nur hoffen, dass die Wähler einer rechts/links Differenzierung mit anschließender demokratischer Katharsis den Vorzug vor diesem Radikalismus der rechten Mitte geben. – Johannes Stockerl


Leserbrief zu „Die Putztruppe von Hellersdorf“ von Thomas Assheuer

Von einen Gedicht, bestehend aus 4 Substantiven, Alleen, Blumen, Frauen, Bewunderung, fühlt Ihr Euch sexuell belästigt? Ich fass es nicht! Mit Eurer Aktion seid Ihr doch selbst auf der Suche nach Bewunderung – oder wollt Ihr gar ob Eurer Tat begehrt werden? Ich mag mir gar nicht ausmalen, was uns in der Zukunft noch erwartet. Kein Glückwunsch! – Ein/e Leser/in


Leserbrief zu: „Die Welt aus allen Fugen“ von Bernd Ulrich

die Flüchtlinge sind nur ein von bestimmten Kreisen vorgeschobenes Problem, denn in den letzten 500 Jahren kamen sie aus politischen und wirtschaftlichen Gründen zuhauf aus allen Himmelsrichtungen ins so christliche Abendland ohne dass eine sogenannte Überfremdung der Bevölkerungen stattfand, sondern vielmehr eine Befruchtung. Auch die Globalisierung ist nur deshalb zum Problem geworden, weil sie von allseits bekannten geldgierigen Eliten permanent missbraucht wird und dieses stetig zu einem immer schnelleren unmoralischen Auseinanderdriften zwischen Armen und Reichen in fast allen Ländern dieser Welt führt.
Die  Reichen und Superreichen ersticken fast an ihrem Reichtum und bestimmen mit ihrem Geld die Politik. Die Armen aber darben und die Mittelschichten kämpfen unentwegt um ihren Status ohne dass sie politisch etwas ändern können. Der mündige Durchschnittsbürger spürt aber instinktiv die Verlogenheit der Eliten aus Politik, Wirtschaft, Kirchen, Sport, Medien etc., die Wasser predigen, aber selbst besten Wein trinken. Diesen moralisch verwahrlosten Eliten geht es nur um Geld und Macht. Sie haben enorme Einkommen und Vermögen, gleichwohl hinterziehen sie Steuern, nutzen Steueroasen, betrügen und sind korrupt. – Jürgen Neunaber


Leserbrief zu „Eine Uni für Europa“ von Manuel J. Hartung aus ZEIT Campus

da bin ich ganz bei Ihnen. Es war überfällig, daß die Zeit sich damit beschäftigt. Es ist, wie Sie schreiben, eine konkrete Utopie. Die Autoren sollten den Beitrag in Brüssel vortragen. Warum nicht, wenn es Europa hilft.!? In der gemeinsamen Bildung wird es leichter sein, Europa zusammenzubringen. Das ist überhaupt der Casus Knaxus. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Diese jungen Leute“ von Alard von Kittlitz

In seiner Kolumne schreibt Herr von Kittlitz, dass ihm bewusst wurde, dass Christus nur 33 Jahre alt wurde. Wenn er sich da mal nicht täuscht, denn dieses Alter erreichte Jesus, dessen göttliche Natur mit Christus bezeichnet wird. Und die geht über das Duale und damit begrifflich Fassbare hinaus. Also ist Christus alterslos. – Roswitha Lörsch


Leserbrief zu „Wie antisemitisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

danke für Ihren gut recherchierten Artikel! Sicherlich war es schwierig, so viele Menschen zu diesem Thema zu befragen.  In meinem persönlichen Bekanntenkreis finden sich zwar nur wenige Menschen, denen ich offenen Antisemitismus zutrauen würde.  Jedoch fürchte auch ich, wenn geschickt formulierte Kritik an Israels Politik – mit einem Schwenk auf „die Juden im Allgemeinen“ verbunden würde – dass der Widerspruch eher verhalten ausfallen könnte. Aber nun zu meinem eigentlichen Thema:“Gewalt an deutschen Schulen“:  Der von Ihnen interviewte Schüler Oskar hat  – in meinen Augen –  deutlich gemacht , wie schwer dieses Thema zu fassen ist ( und manchmal auch für die Betroffenen). Leider bin ich nicht über den aktuellen Stand der Forschung zu diesem Thema informiert. Ich weiss jedoch, dass auch in Ihrer Zeitung Stimmen zu Wort kamen, die betonten, wie wichtig es ist, den Bewegungsdrang von Kindern zu unterstützen und dass nicht jede Balgerei mit körperlicher Gewaltausübung  verwechselt werden sollte. Aus meinen persönlichen Beobachtungen würde ich zwischen ungerichteten Balgereien „jeder gegen jeden“ und gezielter Gewalt unterscheiden wollen. Eine 11 jährige Schülerin sagte einmal: „Jungs stapeln sich gerne auf dem Boden … das ist lustig! … und es ist immer ein anderer, der gerade zu unterst liegt“ Es handelte sich offenbar  um eine ungerichtete Rauferei vor den Augen der Mädchen  – mit wechselnden Koalitionen und vermutlich einem gewissen Einverständnis der Beteiligten. Der Fall des Schülers Oskar – oder auch der Mord in Lünen – weisen ein ganz anderes Muster auf: es geht um gezielte Gewalt von Einzelnen oder Gruppen gegen einzelne Schüler. Ich könnte mir vorstellen, dass in großen Schulen mit mehr als 1000 Schülern auf dem Pausenhof dieser Unterschied für die Lehrer oder Sozialarbeiter oft schwer zu erkennen ist. Sie müssen sich auf die Aussagen der Betroffenen verlassen, um gezielte Angriffe von Raufereien unterscheiden zu können. Dabei sollte man sie nicht alleine lassen. Ich denke, hier braucht es mehr Aufsichtspersonal und vor allem Schulung, um diesen oft feinen Unterschied sicherer erkennen zu können. Da die heutige Schule  – nach dem Aussetzen der Wehrpflicht – der einzige Ort ist, an dem die nächste Generation die Regeln des Zusammenlebens lernt, kommt ihr eine überragende Bedeutung zu. Wer dort zu oft erfahren hat, dass gezielte Gewalt „nützlich“ war und ohne negative Folgen blieb, wird sich auch künftig kaum gewaltfrei verhalten. (Überspitzt formuliert: so züchtet man künftige Straftäter) Außerdem werden engagierte Lehrer versuchen, Schulen mit solch rechtsfreien Räumen möglichst schnell zu verlassen – und in der Konsequenz dann denen das Feld überlassen, die sich zu ohnmächtig fühlen, der Gewalt Grenzen zu setzen. Ein Teufelskreis! Gerne würde ich in Ihrer Zeitung mehr zu diesem Thema lesen. – Dr. med.Cornelia Heusgen-Schloter


Leserbrief zu „Laufende Ermittlungen“ von Andreas Bernhard im ZEIT Magazin

Glückwunsch zur neuen Kolumne von Andreas Bernard; Zauberhaft, poetisch, sensibel, geradezu seismographisch. Äußerst berührt finde ich mich wieder, irgendwo zwischen Haiku und Peter Handkes Tagebucheintragungen. Neben Martenstein und Schmidbauer für mich ein weiterer Grund, mich auf die nächste Ausgabe des ZEITmagazins zu freuen. Ganz großes Kino! – Ralf Spieß


Leserbrief zu „Wie antisemitistisch ist Deutschland“ von Laura Cwiertnia

Der Kommentar von Shimon Nebrat „Man muss sich in Deutschland mit einer Kippa verstecken, sonst wird es gefährlich“ ist eine Beleidigung für mich, für meine Freunde und Bekannten, für die Bewohner des kleines Ortes in dem ich wohne und für ganz Deutschland. Die Behauptung ist polemisch, pauschal und falsch. Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt, und wenn Herr Nebrat trotzdem Angst hat, dann  frage ich mich, wieso er sich in einem so gefährlichen Land aufhält. Und ich frage mich auch, wieso eine Zeitung wie „Die Zeit“ einen solchen haarsträubenden und unsachlichen Kommentar veröffentlicht, der nichts anderes ist als Stimmungsmache. – Andreas Pfaff


Leserbrief zu „Wer paktiert hier mit Kriminellen?“ von Lisa Nienhaus und Felix Rohrbeck

Aktuell wird in vielen deutschen Medien wieder das verharmlosende Wort Steuer“sünder“ verwendet, so auch in Ihrem Artikel „Wer paktiert hier mit Kriminellen?Wer paktiert hier mit Kriminellen?Wer paktiert hier mit Kriminellen?“ von Lisa Nienhaus und Felix Rohrbeck. Halten Sie einen Ladendieb für einen Ladensünder? Warum werden Steuerbetrüger als Steuersünder bezeichnet?  Es geht aber um Steuerbetrug. Das ist Betrug an der Allgemeinheit! Und Betrug bleibt Betrug.Steuerbetrug ist kein Kavaliersdelikt. Oder sehen Sie das anders? Das würde mich interessieren. Meine Bitte:  Helfen Sie mit, dass die kriminellen Machenschaften von reichen Sozialbertrügern nicht mit der unangebrachten Wortwahl Steuersünder verharmlost werden. Es gibt eine einfache Möglichkeit, um in einem Script den verharmlosenden Begriff Steuersünder zu vermeiden. Nutzen Sie die Funktion Autokorrektur mit der Eingabe Steuersünder = Steuerbetrüger. Übrigens, wenn es nach mir ginge, würde jeder Steuerbetrüger auch mit einem Jahr Hartz IV  bestraft. – Theo Karczewski


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Es ist die Teilnahme an Allem, egal was, und so äußert sich jeder zu allem, zur Not auch öffentlich. Falls die besagten (noch unter den lebenden weilenden Herren) etwas getan haben, dann klärt es das Gericht, so war es früher. Heute ergießt sich ein shit storm darüber. Diese öffentlich rechtlichen Schmähungen und Ächtungen sind aber auch den Medien geschuldet. Auch wenn man es noch nicht so genau weiß, wenn es der Schlagzeile oder dem Mammon dienlich ist, geht schon. Da werden Unfallopfer fotografiert, Persönlichkeiten an den Pranger gestellt. Die totale Vernichtung ist in Gang gesetzt. Dabei haben wir schon seit langer Zeit eine Verrohung der „guten Sitten“ zu verzeichnen., aber da ist dann wieder der aktuelle Mainstream darüber, ich meine den „Christopher street day“. Mich ekelt es an. Darf ich das sagen? Oder die „Love Parade“, ich möchte hinterher die Strasse der Verunreinigung von und mit Allem nicht säubern müssen. Es ist nicht so einfach ein Guter zu sein, das sehen Sie wohl selbst. Frau Berben hat sich auch geäußert in der Zeit no 5 zu Herrn Wedel. Das war in meinen Augen des Guten zu viel, da sie nur Ihre Bekanntheit genutzt hat, und die Zeit eine willkommene Äußerung einer „Grande Dame“ in Szene setzen konnte.Abwarten ist nicht angesagt, schon gar nicht, wenn eventuell eine Rechnung noch offen ist. Wir müssen Schlimmes aushalten, auch Ergüsse im Fernsehen, wenn Sexualität fast nur noch wie ein Abklatsch ein von „Kaninchenakten“ daherkommt, oder Sadismus als ein Akt der Toleranz zu werten ist. Aber wir legen Blumen nieder und bilden Lichterketten, um zu zeigen, dass wir doch so gut sind. Ich glaube, die Unschuldsvermutung gilt noch – oder? – Liselotte Schuckert


 Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

Den Artikel empfinde ich als Unverschämtheit, deswegen meine Kritik daran. Wirbt der Autor Rauterberg hier etwa dafür, dass es Künstlern erlaubt sein soll unmoralisch zu handeln, Frauen und Kinder zu missbrauchen? Da werden Künstler (Caravaggio,,,)als Beispiele benannt, die schon Jahrhunderte tot sind. Diese haben dann auch noch Absolution vom Papst /anderen Obrigkeiten erhalten. Heute haben sich die Zeiten glücklicherweise geändert und auch ein Papst wird heute der Kritik ausgesetzt, wenn er bei Missbrauchsfällen innerhalb der Kirche wegsieht. Bei dem Autor habe ich allerdings Zweifel, ob er solche Zeiten nicht wieder herbeisehnt. Künstler und Werk trennen? Da es auch genügend erfolgreiche Künstler gibt, die ohne moralische Verwerfungen ein großes Werk schufen, scheint es ja, wie einen Hr. Rautenberg glauben lassen möchte, nicht unabdingbar für die Kunst zu sein, zu handeln wie es einem gut düngt.  Die Proteste gegen sexuelle Übergriffe mit einem Kampf gegen das Rauchen gleichzusetzen, zeigt welch Geistes Kind der Autor ist. Ich als Publikum und Rezipient behalte mir vor, ob ich ein Werk vom Künstler trennen kann oder trennen möchte. Ungetrübt schaue ich mir keine Kunst von Woody Allen, Klaus Kinski, Polanski,,,mehr an und werde sie auch deshalb boykottieren. Schließlich und das ist das Hauptargument des Boykotts bin ich als Konsument ja auch Finanzier und Unterstützer eines Künstlers, somit helfe ich ihm zum Erfolg und ermögliche ihm damit oftmals erst die Macht sich anderen gegenüber moralisch verwerflich zu verhalten. So lange Gerichte und Institutionen (Filmproduktionsfirmen) nicht in der Lage sexuelle Übergriffe angemessen aufzuklären, nutze ich also die einzige Form der Bestrafung eines glaubhaft Verdächtigen, den Boykott! Dabei bleibt es. Was für Rechte für Künstler früher existierten interessiert mich heute nicht- Im HIER und JETZT ändern sich Moralvorstellungen und das, weil sich das Volk von unten einmischt. Betreut von einer von oben vorgegebenen Moral der Kunstbetrachtung möchte ich sicher nicht werden, denn das hat ja all die Jahre, wie sich jetzt zeigt, nicht funktioniert. – Ilona Martin


Leserbrief zu „Wie antisemitistisch ist Deutschland“ von Laura Cwiertnia

Offensichtlich kommen vermehrt antisemitische Äußerungen und Handlungen aus dem muslimisch geprägten Milieu. Erschreckend und beängstigend sind hier die Vorurteile und das gedankenlose Nachplappern dessen, was im Heimatland Propaganda ist. Negativen Einfluss auf die Jugend haben auch Elternhaus, Youtube oder islamistische Imame. Zu der Frage, woher die Feinseligkeit oder sogar der Hass der islamischen Staaten gegenüber Israel und, verallgemeinernd, den Juden rührt, wird ein m.E. wesentlicher Faktor übersehen. Diese Staaten haben gegenüber Israel ein latentes Minderwertigkeitsgefühl. Dieses kleine und junge Land ist ihnen auf allen Gebieten überlegen, sei es im militärischen oder wirtschaftlichen Bereich oder sei es auf dem Gebiet Wissenschaft und Technik. Gegen das Unrecht, das Israel ihren muslimischen Brüdern und Schwestern antut, haben sie keine Mittel, die Hilflosigkeit ist offensichtlich. Das Einzige, was ihnen bleibt, ist die Möglichkeit, zu diffamieren, falsche Behauptungen in die Welt zu setzen und zu versuchen, die Muslime, die außerhalb ihrer Staaten leben, in ihrem Sinne negativ zu beeinflussen. Es sieht so aus, dass sie darauf viel Energie verwenden, leider aber auch, dass sie offensichtlich nicht ganz erfolglos sind. – Klaus Friedrich


 Leserbrief zu „Wie antisemitistisch ist Deutschland“ von Laura Cwiertnia

ich, inzwischen siebzig Jahre – fragte mich beim Lesen des Artikels,- was haben wir in unserem Land versäumt, zu erklären,- damit aus den Ereignissen unserer Geschichte,- zumindest ein Nachdenken, – und ein verändertes Bewusstsein und Handeln möglich würde. Eine eindeutige Schuldzuweisung,- dass es nur bestimmte Gruppen wären,- hilft hier sicher nicht weiter.Aber vielleicht gäbe es andere wirksamere Möglichkeiten dagegen zu steuern! Erinnert sei in diesem Zusammenhang,-dass es in den „Neunziger Jahren“- Demonstrationen unter dem Motto : „Dem Aufstand der Anständigen“  – folgend,- die vor der Synagoge in der Oranienburger Strasse begannen, – und auf denen sich sich der damalige Bundespräsident Johannes Rau, sowie der Bundeskanzler Gerhard Schröder, seinerzeit mit eindrucksvollen Reden vor dem Brandenburger Tor – gegen jegliche Form des Antisemitismus aussprachen,- um somit ein Zeichen zu setzen! Daran sollten sich auch Landesparlamentarier und Bundestagsabgeordnete sehr wohl beteiligen, – um zu zeigen,- es ist ihnen Ernst! Meine Hoffnung ist; ein wirklich deutliches Zeichen,- gegen jede Form der Diskriminierung immer wieder erneut zu zeigen,- auch in anderen Städten Deutschlands! – damit auch dem letzten klar wird,- dass Antisemitismus und Ausgrenzung keinen Platz in Deutschland haben! – Marion Detzler


Leserbrief zu “Wer paktiert hier mit Kriminellen?” von Lisa Nienhaus und Felix Rohrbeck

Aus dem Interview lerne ich Folgendes: 1. Die Schwarz-Gelbe Koalition in NRW begünstigt Steuervermeidung und befördert damit die Politikverdrossenheit. 2. Die Kriminellen sind nicht – wie Herr Kubicki meint – die Lieferanten von Steuersünder-CDs, sondern die Steuerhinterzieher selber, die er offensichtlich gar anwaltlich vertritt. 3. Herr Kubicki will uns glauben machen, dass die Steuerflüchter von allein Reue zeigen. Das ist gegen jede Erfahrung. Ob er diese Volksverdummung selber glaubt, ich kann es mir nicht vorstellen?  4. Herrn Kubickis Einstellung zur Cum-Ex-Ausnutzung als Schwäche/Fehler des Staates zu erklären, die jeder – mit dem nötigen Kleingeld – ruhig nutzen kann sowie seine Vorstellung zur Haltung von Bankmanagern, die solche Lücken nutzen müssen, weil sie sonst raus fliegen, ist skandalös. Da fehlt einfach das Verantwortungsbewusstsein für den Staat und das Format eines Walter-Borjans. Nach diesen Äußerungen seines Parteifreundes bin ich Herrn Lindner dankbar, dass er die FDP-Regierungsbeteiligung in der Jamaika-Koalition verhindert hat. Einen „vaterlandslosen Gesellen“ wie Herrn Kubicki  Finanzminister werden zu lassen,  hätte den sprichwörtlichen Bock zum Gärtner zu machen bedeutet. Dieser Schaden wurde noch mal – bewusst? – von uns abgewendet! – Falko Radewald


Leserbrief zu „Die Fotografin von Stalingrad“ von Susanne Mayer

leider erfährt man gar nichts über das Konzept und eine mögliche Sinnhaftigkeit der Ausstellung. Insofern erscheint mir die Werbung dafür höchst fragwürdig. Das heißt doch, dass Kriegspropaganda, also die Verherrlichung des Krieges oder des Sieges über den Gegner (s. Foto von Natalja Bode) bewundernswerte Leistungen sind, wenn sie von Frauen erbracht wurden. Was für eine Absurdität! Das Zitat von Karl Kraus ist in diesem Zusammenhang bewusst irreführend, weil Sie seine Motivation unterschlagen. Ihn hat nicht das Geschlecht, sondern die Machart der Berichterstattung gestört, die sich in nichts von der der männlichen Kollegen unterschied. Gedankenspiel: Was glauben Sie, wie die Presse reagieren würde, wenn jemand in Berlin eine Ausstellung mit Bildern deutscher Kriegsberichterstatter machen würde? – Christine Maillet


Leserbrief zu „Wie antisemitistisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia

Schlimm, dass es in Deutschland offenen oder versteckten Antisemitismus gibt. Nach dem Holocaust, so heißt es, sei es nicht mehr erlaubt, Juden zu diskriminieren.  Ja, war es denn vor dem Holocaust erlaubt?  Schon immer war das moralisch zu verurteilen; nach Einführung unseres Grundgesetzes aber ist es nicht mehr zulässig.  Antisemiten verabschieden sich von unserem Grundgesetz.Schlimm, dass Zuwanderer, z. B. Muslime, Antisemitismus nach Deutschland mitbringen. Sie suchen Schutz bei uns und werden hier aufgenommen; denn bei uns gilt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.  Ja, merken sie  denn nicht, dass sie ihre Aufnahme in Frage stellen, wenn sie Menschen einer bestimmten Gruppe pauschal diffamieren? – Christine Harder


Leserbrief zu „Kassenlose Gesellschaft“ von Mark Brost  et. Al.

„Die Digitalisierung der Verwaltung – oder eGovernment – sollte ein zentrales Anliegen der Regierung sein. Aber in Deutschland herrscht seit der Einführung der ersten Computer in den 70er Jahren absolute Kleinstaaterei – die Gemeinden, Landkreise, Bundesländer hüten ihre Daten wie Staatsgeheimnisse, mit der Folge dass nicht die Verwaltung für das Volk da ist, sondern umgekehrt. Ein Beispiel: ich (als nicht-Deutscher) will endlich meinen grauen Lappen (Führerschein) ersetzen, damit ich problemlos im Ausland ein Auto mieten kann. Ich muss zuerst eine Karteikartensabchrift von der ausstellenden Gemeinde anfordern (den halben Tag am Telefon gesessen, bis jemanden im Straßenverkehrsamt abgehoben hat). Dann muss ich zur Gemeindeverwaltung fahren, um einen Wohnsitznachweis zu holen. Anschießend darf ich zum Landratsamt (Kreisebene), um den Führerschein zu beantragen. Wenn ich da frage, warum sie keinen Zugriff auf meine Daten haben, heißt es lapidar „Datenschutz“. Hat sich das Verfahren aus Bürgersicht durch den Einsatz von IT verbessert? Keinesfalls. Es dauert genauso lange wie in prä-IT-Zeit. Dieser Vorgang ist symptomatisch für eGovernment in Deutschland. Die ehemaligen Papierregister sind zwar alle digitalisiert worden, aber nicht zusammengefasst (zentralisert) worden. Das Einwohnerregister, das Kfz-Register, … alles wird auf Gemeinde- oder Landkreisebene mit modernster IT geführt. Aber ohne Konsolidierung ist es, als würde man ABS in eine Pferdekutsche installieren. Datenschutz ist höchstes Gebot um Daten nicht teilen zu müssen, aber die Vermutung kommt schnell hoch, dass er als Mittel gesehen wird, Verwaltungsarbeitsplätze zu schützen. Ich möchte expressis verbis, dass meine Basisdaten (Name, Adresse, Familienstatus, usw.) allen Ämtern zur Verfügung stehen, damit ich nicht, wie zum Beispiel nach einem Umzug zu zig Ämtern laufen muss, um mich neu anzumelden. Bei unserem Umzug von NRW nach Bayern vor einigen Jahren mussten wir sogar das Kindergeld neu beantragen, obwohl wir nur unsere Adresse geändert haben! Aus eGovernment Sicht ist Deutschland kein moderner Staat, sondern ein modernder Staat. Gehen wir zu unseren europäischen Nachbarn. Die Franzosen haben ein Internetportal, wo ich nach einem Umzug meine neue Adresse einmal angebe, begleitet von meiner Steuernummer, SV-Nummer, Auto-KZ, usw. Die neue Adresse wird automatisch propagiert. Will ich in England eine Auskunft zu einer staatlichen Leistung haben, brauche ich nur www.gov.uk aufzurufen – alle Informationen stehen mir zur Verfügung. In Deutschland muss ich die Organisation des Staates kennen, um an die Informationen zu kommen (www.bund.de hat nur Informationen über Bundesaufgaben). In Deutschland soll man schon seit Jahren mit dem neuen Personalausweis online Anträge stellen können. Aber das Angebot is derart lückenhaft (u.a. wegen der Kleinstaaterei) und so kompliziert, dass es kaum benutzt wird (und ich als EU-Ausländer bin von dem Verfahren, entgegen dem EU Vertrag, ausgeschlossen). Die österreichische e-Card und deren Verwendungshäufigkeit sind der Beweis, dass es viel einfacher geht.  Die Italiener, Spanier and Franzosen haben in den letzten Jahren ihre Kfz-Zulassungsverfahren auf lebenslange Kennzeichen umgestellt, und dadurch große Verwaltungseinsparungen erzielt. In Deutschland undenkbar. Der deutsche Staat muss sich endlich als Produzent von öffentlichen Gütern (Bildung, Schutz, Sicherheit, usw.) verstehen, die in Konkurrenz zu den Gütern von anderen Staaten stehen. Ein Produzent hat ein einziges IT System, unabhängig von seiner internen Organisation. Und ein Produzent muss versuchen, seine Produkte mit höchster Qualität und zum besten Preis  zu produzieren. Der Preis, den wir für öffentliche Güter bezahlen, sind unsere Steuern. Wie bei jedem wirtschaftlich agierenden Unternehmen muss ein Unterschied zwischen Produktion und Administration gemacht werden. In der freien Wirtschaft hat die IT geholfen, die Administrationskosten auf ein Minimum zu reduzieren – zugunsten der Produktqualität. Diese Vorgehenesweise muss auch für einen Staat gelten. Unsere Nachbarn machen es uns vor! Liebe Koalitionäre, sorge bitte dafür, dass die deutsche Vewaltung richtig digitalisiert wird! Und fragt bitte nicht die Verwaltung, was zu tun ist. Wenn man einen Teich austrocknen will, soll man nicht die Frösche fragen. – Richard Lomax


Leserbrief zu „Jetzt gestalten mal wir die Welt“ von Dmitri Suslow

Schön, dass es der ZEIT immer wieder gelingt andere Sichtweisen als die (links-)liberale Öffentlichkeit prominent zu Wort kommen zu lassen. Bei der Einschätzung von Ihnen, Herr Suslow, musste ich mich aber kurz vergewissern nicht Kreml-Propaganda auf Russia Today serviert zu bekommen. Ihr Einlassungen beginnen mit einer präzisen Analyse der Fehler der Außenpolitik der USA seit dem Fall der Mauer und zeigen am Ende aber doch nur, dass die russische Sichtweise Nichts daraus gelernt hat. Anscheinend ist es gottgegeben, dass „volle Souveränität für Großmächte“ einzufordern ist, welche diese dann für die „Interessen vor ihrer Haustür“ einsetzen dürfen. Der Gedanke, dass im postsowjetischen Zeitalter Völker und Regierungen vor Ihrer Haustüre selbst über sich bestimmen möchten ist wohl nicht vorgesehen. Sie kritisieren die USA dafür in der Vergangenheit (leider) allzu oft den Weltpolizisten gegeben zu haben und beanspruchen im nächsten Satz die Rolle als Hegemon im natürlich angestammten postsowjetischen Raum. Ich frage mich wo das „post“ in Ihrem Denken ist? Herr Suslow, Sie warnen davor, dass die Lage bedrohlicher ist als wir es vermuten – solange Ihre russische Sichtweise ausschließlich weiter darauf abzielt geopolitische Machtkämpfe mit einem erratischen und strategiefreien Präsidenten der USA zu führen, dann glaube ich das sofort. – Michael Neubert.


Leserbrief zu „Jetzt gestalten mal wir die Welt“ von Dmitri Suslow

Dimitri Suslow beansprucht für Russland die machtpolitische Parität mit dem breit verstandenen Westen, der sowohl die USA als auch die EU einschließt. Es gibt gute Gründe, warum die Rechnung nicht aufgehen kann. Am allerwichtigsten: Wenn man dem Begriff der „relational power“ (Susan Strange) folgt, dann entscheiden vier Faktoren über die Stellung eines Landes im Weltsystem: die Qualität der Güterproduktion, die Qualität der Finanzstrukturen, die Verfügung über kulturelle „soft-power“, die für andere Gesellschaften attraktiv erscheint; schließlich das Potenzial, den befreundeten Staaten militärischen Schutz zu bieten. Es liegt auf der Hand, dass Russland als „begnadeter“ Rohstofflieferant lediglich den letzten Punkt erfüllt und bei den drei übrigen weder mit den USA noch mit der EU konkurrieren kann. Zudem wäre interessant zu fragen, ob Suslows Forderung, „die EU soll ihr Ziel aufgeben, die westlichen postsowjetischen Staaten und Russland zu europäisieren“, sich ebenfalls auf die baltischen Staaten bezieht. Sie gehören nämlich zur EU ebenso wie zur NATO und wollen keineswegs Teil der russischen Einflusszone werden – nicht zuletzt aus den oben genannten Gründen. Dimitri Suslow mag das Wunschdenken russischer Elite widerspiegeln, verwechselt jedoch die allein auf militärischer Kraft beruhende Macht mit einer auf breitere Basis stützenden Ordnung. Je schneller die russische Elite die Komplexität der Zusammenhänge im frühen 21. Jahrhundert anerkennt und begreift, dass die Einnahme der Halbinsel Krim oder die „Erfolge“ in Syrien kaum über die schiere Machtdemonstration hinausgehen, die auf mittlere Sicht höchstens den Nationalstolz der Russen befriedigen kann, desto besser für die Bevölkerung. – Dariusz Adamczyk


Leserbrief zu „Umgenutzte Kirchen“ von Paulina Tillmann im ZEIT Magazin

zur Deutschlandkarte „Umgenutzte Kirchengebäude“ möchte ich gerne einen Aspekt hinzufügen. Als erster Vorsitzender des kirchengeschichtlichen Forschungsvereins Netzwerk Apostolische Geschichte e.V. beschäftige ich mich u.a. mit der Entwicklung der Mitgliederzahlen der Neuapostolischen Kirche, die – je nach Zählweise – nach den beiden großen Kirchen als drittgrößte Kirchengemeinschaft in Deutschland gefasst werden kann.
Sie benannten nun in Ihrem Beitrag einige Zahlen: „Seit dem Jahr 2000 mussten über 500 katholische Kirchen schließen, 105 allein im Bistum Essen. Die evangelische Kirche hat es offenbar nicht ganz so schwer: Seit 1990 wurden 377 Kirchen abgerissen oder verkauft und anders genutzt.“
Das ist gut zu wissen und dennoch kein ganz rundes Bild. Nach den Statistiken aus unserem Forschungsbereich (siehe z.B. hier: http://www.apostolische-geschichte.de/wiki/index.php?title=Mitgliederzahlen_der_Neuapostolischen_Kirche_in_Deutschland) hat die Neuapostolische Kirche in Deutschland im Zeitraum Ende 2000 bis Anfang 2017 ganze 1.080 Gemeinden mit eigenem Kirchengebäude aufgegeben (das sind tatsächlich eintausendundachtzig Gemeinden und kein Schreibfehler).
Diese massive Erosion im Bereich der kleineren christlichen Gemeinschaften und weitgehend jenseits der breiten öffentlichen Wahrnehmung übertrifft die negative Entwicklung der Landeskirchen bei Weitem. Sie hat durchaus nennenswerte Auswirkungen – über tausend Immobilien wurden/werden umgenutzt, in der ganzen Breite, die z.B. Google Images unter dem Stichwort „ehemalige neuapostolische Kirche“ zeigt, von der Moschee in Neukölln über die Kindertagesstätte in Bielefeld zur Flüchtlingsunterkunft in Dortmund. Dabei geht es nicht nur um kleine Gebäude, sondern durchaus um Kirchen mit ehemals 1.000 Sitzplätzen, die die städtischen Infrastrukturen und die Dörfer nun anders prägen als zuvor.
Über die Ursachen kann man in unserem Forschungsbereich und darüber hinaus nun trefflich sprechen und diskutieren. Das wäre aber womöglich eher ein Thema für eine zweite Mail – und geht über den Wunsch hinaus, Ihnen diese Ergänzung in schriftlicher Form zukommen zu lassen. Für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Interesse bedanke ich mich. – Mathias Eberle


Leserbrief zu „Wirkungsloses Instrument“ von Alice Bota

Frau Bota stimme ich in ihrer Beurteilung, dass Sanktionen kein wirkungsloses Instrument sind, im Ergebnis zu. Der internationale Frieden beruht darauf, dass es internationale Regeln gibt, die international eingehalten werden. Werden diese gebrochen (Russland hat mit der Annektion der Krim mindestens deren zwei verletzt: den GUS-Vertrag von 1991 und das Budapester Protokoll von 1994), muss dies geahndet werden, sonst beweist man, dass man sie nicht ernst nimmt, womit sie ihren Zweck verfehlen. Krieg als Mittel der Ahndung scheidet heute aus. Also bleiben nur Sanktionen.Dennoch muss ich mich der Forderung, die Sanktionen gegen Russland aufzuheben anschließen – leider. Ich sehe nicht ein, dass Russlands Bruch internationalen Rechts sanktioniert wird, Israels Annektionen im West-Jordan-Land, die trotz UN-Resolutionen (Nr. 242 vom 22. November 1967 und Nr. 338 vom 22.10.1973 forderten Israel – erfolglos – zum Rückzug aus den besetzten Gebieten einschließlich Ostjerusalems auf, das sich Israel aber „ auf ewig ungeteilt“ 1980 rechtswidrig einverleibt hat) nicht nur nicht zurückgenommen, sondern ausgeweitet werden (z.B: „Siedlungsaußenposten legalisiert“ in dpa vom 5.2.18), dagegen nicht – nicht einmal öffentlicher Protest dagegen wird erhoben. – Hans-Günter Reither


Leserbrief zu „Was wissen Sie über Wirtschaft?“ von Uwe Jean Heuser

In dem oben genannten Artikel der aktuellen Zeit- Ausgabe kommt ziemlich an Anfang des Textes der Satz vor :“ Baden-Württemberg etabliert gerade das Wirtschaftsfach an seinen Schulen“.Dem muss ich widersprechen, weil ich selbst an einer Hauptschule -Teilortschule von Villingen-Schwenningen – das Fach WL/I = Wirtschaftslehre/ Informatik seit Mitte der 80er Jahre bis zu meiner Pensionierung im Jahr 2006 unterrichtet habe. Leider ist kurz danach dieses Fach einer erneuten Lehrplanrevision zum Opfer gefallen. In dieser Lehrplan- Neugestaltung wurden immer drei Fächer zu einem Fächerverbund zusammengefasst. Wir haben im Fach Wirtschaftslehre den Schülern ab Klasse 7 grundlegendes Wissen zum Themenbereich Wirtschaft vermittelt, wobei immer ganz aktuelle Beispiele im Vordergrund standen. Im Fachbereich Informatik lernten die Schüler mit einer aktuellen Textverarbeitung umzugehen und auch mit Datenverarbeitung und Tabellenkalkulation zu arbeiten. Zusätzlich konnten die Schüler im Fach Technik mit einer kleinen computergesteuerten Maschine arbeiten und mit Hilfe einer leicht verständlichen Programmierungs-Software eigene Programme erstellen und damit der Maschine Aufgaben stellen, die diese dann ausführte. Diese Fächerkombination kam zu damaliger so in keiner anderen Schulart vor außer der Hauptschule. Wir vermittelten den Schülern damit Fähigkeiten, die ihnen bei einer späteren Berufsausbildung von erheblichem Nutzen sein konnten. Es ist deshalb natürlich erfreulich, dass dieses Fachwissen jetzt wieder in den Lehrplan aufgenommen werden soll. Meines Wissens ist es aber im Augenblick nur für Realschulen und Gymnasien vorgesehen. Für die Hauptschulen ist dagegen eine Wiederbelebung des alten Fachbereichs leider nicht vorgesehen – schade !! – Gert Henke


Leserbrief zu „Die Putztruppe von Hellersdorf“ von Thomas Assheuer

Mit diesem reißerischen Artikel machen sie sich zum Komplizen wie blutrünstige Journalistik mit dem Terrorismus. Derartige Machwerke müssen ohne mediales Echo verschwinden. – Heinz Erhard


Leserbrief zu „Kassenlose Gesellschaft“ von Marc Brost et. Al.

Die Erwartungshaltung der Teilnehmer bei erwähnten Digitalgipfel hat mich amüsiert. Was ist schon zuvor losgetreten worden: Die Energiewende zum Beispiel… heiße Luft und nichts dahinter. Von Lobbyisten zerrieben, die nur Risiken und weniger die Chancen sehen. Beim digitalen Aufbruch ist das ähnlich. Wenn jemand durch notorisches Herumtippen auf Mobilgeräten auffällt, ist er/sie noch lange nicht einschlägig kompetent.
Bürger haben vorwiegend mit kommunalen und auch schon mal Landesbehörden zu tun. Ob der Bund im Stande ist, hier viel zu bewirken, sei angezweifelt. Da sind die bekannten Betondecken dazwischen und zwischen den Ländern Brandmauern.
Das hat doch das Chaos in der Flüchtlingskrise ab 2015 hinlänglich demonstriert: Migration gab es auch schon in den Jahrzehnten davor, aber die betroffenen Verwaltungen hatten keinen Datenkontakt geschweige -austausch. – Dr. Wolfgang Thiel


Leserbrief zu „Wirkungsloses Instrument“ von Alice  Bota

ich bin ganz ihrer Meinung, dass es notwendig war und ist Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Sicher haben die Sanktionen dazu beigetragen, dass der Expansionsdrang der Russen zunächst einmal nachgelassen hat. Allerdings beweisen die Sanktionen wieder einmal die Doppelmoral der westlichen Welt. Israel hat seit 1967 gegen das Völkerrecht verstoßen: Durch die Besetzung des West-Jordanlandes, die Besiedlung des West-Jordanlandes, die Annexion der Golan-Höhen sowie der Annexion Ost-Jerusalems. Bis heute wurden keine Sanktionen verhängt und die illegale Besiedelung wird sogar intensiviert. Dem Westen und insbesondere der Bundesrepublik scheint das völlig egal zu sein. Israel bekommt alles was es haben will; ganz besonders modernste Waffen. Für die Kanzlerin ist das „Existenzrecht“ Israels(eine Worthülse wie Grenzverletzung und Republikflucht) sogar Staatsräson; was immer das heißen mag. Mit Moral soll man daher den Russen nicht kommen. Wenn Ostdeutsche gegenüber Russland nachsichtiger sind liegt das auch daran, dass man im Osten diese Doppelmoral gegenüber Israel nie mitmachte und das Unrecht an den Palästinensern nie verdrängte. – Horst Krüger


Leserbrief zu „Geniale Monster“ von Hanno Rauterberg

heißt im Umkehrschluß, dass „echte“ Kunst nur von übergriffigen, gewalttätigen, Orgien feiernden und sich selbst und anderen schadenden Künstlern stammen kann? Ja, der kreative Prozess bringt den Menschen in intensivsten Kontakt mit sich selbst und das Ergebnis ist der pure Selbstausdruck. Aber dass „gute“ Kunst nur aus dem tiefsten Abgrund heraus entsteht, ist reine Bewertung. Das Kunstwerk bekommt seine Kraft durch Wirkung auf den Betrachter. Das bedeutet: für den Künstler gelten Gesetze, für die Kunst der individuelle Zugang des Betrachters. – Katja Wiesenthal


Leserbrief zu „Wie antisemitistisch ist Deutschland“ von Laura Cwiertnia et al.

Ich habe am 24.1 2018 mit meiner Schwester  eine Reise nach Israel angetreten und kam 31.1 2018 zurück. Ich war Gott froh als ich wieder zu Hause war .Denn soll  viel Hass und Gemeinheit, die mir und meiner Schwester entgegen schlug war sehr verletzend. Nun lese ich in Ihrem Dossier von 1.2 das, das gleiche Juden in Deutschland passiert. Wo führt das noch hin. – Anneliese Flad


Leserbrief zu „Royas neue Kleider“ von Caterina Lobenstein

da scheint wohl in der Vorfaschingsfreude einiges schiefgegangen zu sein beim Zusammenstellen des Politikteils der Ausgabe 6. Der nicht uninteressante Artikel “Royas neue Kleider” hätte sich gut im Dossier gemacht — da sind ja jetzt offensichtlich die Artikel, die früher im Zeit-Magazin waren. Leider hat er aber mit Politik so rein gar nichts zu tun. Während ausführlich zum Antisemitismus berichtet wird, fehlt jegliche Stellungnahme zum Einmarsch der Türkei in Syrien – aber ich vergass, hier geht es ja “nur” um die Kurden, die auch von allen anderem Medien im wahrsten Sinne des Wortes totgeschwiegen werden. Der Gruselroman auf der letzten Seite hat dann zwar durchaus Tatort-Niveau, hat aber in einer Rubrik die sich „Recht & Unrecht” nennt nichts verloren, denn wo ist hier bitte schön das Recht? Aber immerhin wissen wir jetzt (dringlichste und deswegen erste Frage) was Herr Söder zu Fasching trägt. Der kann dann jetzt bitte auch kommen um diesen Kinderfasching an Journalismus abzulösen. Da gibts die „ollen Kamelle” wenigstens umsonst…- Sebastian Böser


Leserbrief zu „Wer paktiert hier mit Kriminellen“ von Lisa Nienhaus und Felix Rohrbeck

Ich schätze Herrn Kibucki als schillernde Figur in der deutschen Politiklandschaft. Als Strafverteidiger oder gesellschaftspolitischen Taktgeber hätte ich Ihn allerdings nur ungern. Anders als es Herr Kubicki darstellt, macht es keinen Unterschied, ob ein Mitarbeiter der Finanzverwaltung oder eine Privatperson eine Steuerdaten-CD ankauft. In beiden Fällen scheidet eine Strafbarkeit wegen Hehlerei in aller Regel mangels Sacheigenschaft der Daten aus. Das muss jeder Jurastudent in einer Zweitsemesterklausur wissen. Dass er zudem die Beteiligung an Cum-Ex-Geschäften durch Bankvorstände als geradezu rechtlich geboten bezeichnet, lässt tief blicken. Bei einer solchen Verbindung von juristischem Unsinn und gesellschaftspolitischem Wahnsinn ist es nur gut, dass Herr Lindner ein Einsehen hatte: Es ist besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren. – Dr. Jonathan Wennekers


Leserbrief zu „Wie antisemitistisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Diese Nachricht stammt aus dem Berlin der frühen Neunziger Jahre. Ein Passant – männlich, etwa 40 Jahre alt – biegt aus der Kottbusser Straße in das Fraenkelufer und setzt hier, 200 Meter vor der Synagoge, seine Kippa auf. Schon vor 25 Jahren erschien es klug, sich in muslimisch geprägten Vierteln nicht als Jude zu outen. Dieses Verhalten wurde jedenfalls nicht erst von der jüngsten Flüchtlingswelle ausgelöst. Diese Nachricht stammt aus Hamburg, zehn Jahre später. Am Rande des Billstedter Marktplatzes liegen drei Stolpersteine, die deportierten Juden gewidmet sind. Mehrmals sah ich Speichelpfützen darauf glänzen. Zum Schluss waren die Steine angeschmolzen, weil irgendjemand ein Lagerfeuer darauf angezündet hatte. – Martin Wiener


Leserbrief zu „Wie antisemitistisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Könnte es sein, dass der Hass zwischen Juden und Antisemiten in der Idee vom auserwählten Volk wurzelt? Die erwählte Gruppe kann ja gar nicht anders, als sich für überlegen zu halten. Ihr Gott ist immerhin der einzige und obendrein Schöpfer der Welt. Lieblinge des Chefs. Die Nichterwählten können so schwerlich als gleichwertige Mitmenschen gelten. In dem Zusammenhang könnte man Antisemitismus als Revolte gegen auferlegte Minderwertigkeit sehen, als antielitäre Retourkutsche gegen Selbstüberhöhung. Biller fragen? Ich bin mir bewusst, dass die Nazis die Selbstüberhöhung auch ohne Gott hingekriegt haben, wiewohl Hitler es zum unsterblichsten Arschloch aller Zeiten geschafft hat. Es geht mir darum, den Mechanismus aufzuzeigen, der mir von grundlegender Bedeutung erscheint bei der Erzeugung von Ungleichwertigkeit und damit Hass. Es beginnt mit sich hinaufträumen und endet mit dran glauben. – Winfried Kamps


Leserbrief zu „Royas neue Kleider“ von Caterina Lobenstein

Wenn das Wort „WERT“ für die Beschreibung der totalen Frauenmissachtung benutzt, also im deutschen Sprachgebrauch  toleriert wird (Zitat:„alte WERTE“), muss dann eine vollkommen konträre und nicht kompatible Demokratie mit gleichen Rechten für Männer und Frauen  als „WERT-LOS“  bezeichnet werden? Mittlerweile wird sogar ein Mord in Deutschland mit der Bezeichnung  „Ehre“ geadelt. Schlampiger Sprachgebrauch oder bewusste Gehirnwäsche? – Aber was solls, in Deutschland ist es ja mittlerweile auch selbstverständlich, dass Kühe inzwischen Babys bekommen statt Kälber. Die dümmsten suchen übrigens ihren Metzger selber.. – Roswitha Poethke


Leserbrief zu „Wann bin ich endlich an der Reihe?“ von Mark Schieritz

ich möchte noch zwei Themen hinzufügen, die für lange Termin-Wartezeiten
verantwortlich sind – oder sind es Fake-News? Alle wollen kompromißlos zum gleichen Facharzt. Wenn ein Kassenarzt zu viel arbeitet, also zuviel Kosten auslöst, wird er in Regreß genommen. Dies hätte zunächst nichts mit seiner Bezahlung zu tun, sondern einfach mit verschriebenen Midikamenten???? Übrigens: Sozialhilfeempfänger sind besser gestellt als Kassenpatienten. Sie werden nicht in Regeß genommen, weil keiner Kostenfolgen beobachtet Fake News??? – Dipl. Kfm. Johannes Barth


Leserbrief zu „Die kassenlose Gesellschaft“ von Marc Brost et. Al.

In der Mitte Ihres Artikels nennen Sie das zentrale Problem: „Aber es scheint, als habe sie (Frau Merkel) überhaupt keine Idee davon,…“. Das System Merkel dient und diente von Beginn lediglich an dem Machterhalt. Digitalisierung, ökologische Wende, Verkehrspolitik, Flüchtlingskrise – immer nur Plattitüden und etwas Aktionismus, aber keine Inhalte. Es steht zu befürchten, dass rückblickend die Ära Merkel als verlorene 16 Jahre in die deutsche Geschichte eingeht. Mit schlimmen Folgen für unsere Zukunft. – Rainer Funke


Leserbrief zu „Wann bin ich endlich an der Reihe“ von Mark Schieritz

Die abgebildete Statistik zeigt, dass das Problem der Ungleichbehandlung nicht wirklich dramatisch ist. Die Wartezeit für einen Kassenpatienten auf einen Facharzttermin ist um Durchschnitt etwas länger, dafür zahlt der Privatpatient das dreifache. Das nennt sich Marktwirtschaft. Es gibt zwei Lösungen dieses Problems. Entweder, die Honorare werden gesetzlich angeglichen, dann würde es für Kassenpatienten teurer und für Privatpatienten billiger (keine realistische Lösung) oder man ersetzt das kapitalistische System gegen ein staatliches Gesundheitssystem, in dem das Geld effektiv für die optimale Behandlung aller Bürger eingesetzt wird, ohne hunderte Krankenkassen mit hoch bezahlten Vorständen, teuren Bürokratien, ohne Aktiengesellschaften, die Sozialbeiträge (Kranken- und Pflegeversicherung) in Dividende für Aktionäre verwandeln. Dann würde es für alle besser und kostengünstiger. Das wäre für die Bürger die beste Lösung, dies wird jedoch nie so kommen, da in dem bestehenden System Milliarden zu verdienen sind. – Rainer Funke


Leserbrief zu „Fehler 404“ von Martin Spiewak

Sehr richtig schlussfolgern Sie in Ihrem Artikel zum Ende hin, dass es die SchülerInnen nicht per se schlauer macht und zu besseren Leistungen führt, wenn wir digitale Medien im Unterricht nutzen. Sicherlich ist es heute moderner zu skypen, als wie damals einen Brief nach Australien zu schicken und motiviert den ein oder anderen eventuell zu ein bisschen mehr Beteiligung im Unterricht. Das, was das Lernen ausmacht, ist jedoch nicht das digitale Medium sondern die Auseinandersetzung und der Diskurs mit anderen Menschen, egal ob in Australien oder am Nebentisch. In dieser Auseinandersetzung über einen Lerngegenstand entstehen erst die Verknüpfungen, die es braucht, um etwas zu verstehen und in neuen Situationen anwenden zu können. Unendlich viel Geld zu verschleudern in die Investition lauter technischer Geräte, die meistens schon nach fünf Jahren wieder völlig überholt, defekt oder unbrauchbar geworden sind, sind in meiner Wahrnehmung die völlig falsche Investition. Wie Sie richtig feststellen, versinken die meisten SchülerInnen außerhalb von Schule ohnehin in Vereinzelung an ihren Computern, Handys oder Laptops und es wäre komplett kontraproduktiv auch die Lernzeit in Schule zu einer falsch verstandenen individualisierten Lernzeit hinter einem Bildschirm zu nutzen. Natürlich lässt sich gelegentlich Digitalisierung gut einsetzen, um Lernen sichtbar zu machen (im Sinne Hatties) oder die SchülerInnen voranzubringen im Sinne von „lerne zu programmieren, damit du nicht programmiert wirst“. Wir kommen trotzdem nicht drumherum anzuerkennen, dass das, was Schülerleistungen verbessert, eine Lehrkraft ist, die in der Lage ist, Prozesse und Lernen im Unterricht gut zu steuern, einen Diskurs der SchülerInnen untereinander zu initiieren und innerhalb dieses Prozesses sinnhafte Phasen des Übens und Vertiefens von Kenntnissen und Fertigkeiten einzubauen. Das ist eine Fähigkeit von Lehrkräften, die ständig neu trainiert, hinterfragt und reflektiert werden muss – und zwar für jede Lerngruppe, jeden Inhalt und ggfls auch individuell für besondere SchülerInnen (wobei sich aus Erkenntnissen bestimmt auch generalisierende Aussagen treffen lassen) neu und anders. Somit sind wir LehrerInnen verdonnert zu lebenslangem Lernen. Die Räume für eine solch professionelle und teamorientierte Auseinandersetzung und Weiterentwicklung (besonders auch in multiprofessionellen Teams) sind durch eine immer höhere Arbeitsdichte im LehrerInnenalltag nur bedingt vorhanden und vorgesehen und weitgehend führen Lehrkräfte einen alleinigen Kampf hinter verschlossenen Türen, ohne die institutionalisierte Möglichkeit über das, was dort passiert, in einen echten Diskurs zu gehen. Diesbezüglich hat sich die Situation in den letzten 40 Jahren eher verschlimmert als verbessert. Wahrscheinlich nicht zuletzt deswegen, weil wir auch am Ort Schule offensichtlich dem Irrglauben folgen, dass sich Lernen auch digitalisieren lässt. Besser angelegt wäre das Geld in eine bessere räumliche Ausstattung der vielerorts maroden und beengten Schulen sowie in die Ausstattung von mehr Manpower im Unterricht selbst und der Reflexion desselben zur multiprofessionellen Begleitung hochkomplexen Unterrichtsgeschehens. – Nadja Hasse


Leserbrief zu „In der Gefriertruhe“ von Ursula März

„Hat man die Tat im Kopf […], glaubt man […] die Merkmale des Schlächtertyps zu erkennen. Stünde Josef S. als Paketbote vor der Tür, sähe man nur einen durchnittlichen Zeitgenossen.“ „Von den zwei Tätigkeiten […], gilt die eine als beruhigend, die andere als suchtanfällig.“ Es ist großartig, wie Ihnen in Ihren Essays und Reportagen Sätze  gelingen, die über das zu Berichtende hinaus reichen und die Kippeligkeit unserer Wahrnehmung und unseres Urteils deutlich machen. Labsal im Brei der reißerischen Schnellurteile. Danke! – Ingo Klamann


Leserbrief zu “Royas neue Kleider” von Caterina Lobenstein

Sie haben mit Ihrem Artikel einen interessanten Aspekt zur Flüchtlingsthematik hinzugefügt.Irritierend ist allerdings, dass in der Berichterstattung der Vater des Mädchens keine Rolle zu spielen scheint. Und so preisen Sie zwar die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der BRD (die ich in Anbetracht des reaktionären Abtreibungsgesetzes, das der Frau nach wie vor die Selbstbestimmung über ihren Körper verweigert, sowie der ungerechten Gehaltsdifferenzen bei Männern und Frauen unbedingt anzweifeln möchte), nehmen aber wie selbstverständlich hin, dass „Frauenangelegenheiten“ wie Kinder unter Frauen geregelt werden, also der Mutter und der Lehrerin.Und warum soll nur die Mutter ins Frauencafé gehen, um deutsche Mitbürger*innen kennenzulernen? Der Mann praktiziert weiter mit den anderen männlichen Flüchtlingen archaische Bräuche aus dem Heimatland? Ist das die angestrebte Form von Integration und Vorantreibung der Emanzipation von geflüchteten Frauen und Mädchen in Deutschland? Hoffentlich nicht. – Claudia Max


Leserbrief zu „Wie antisemitistisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Alarmierend wenn gerade Politiker von CDU und AfD davon sprechen, dass Flüchtlinge ihre Judenfeindlichkeit nach Deutschland importiert haben -so als ob uns eine gefährliche Krankheit getroffen hätte. Das kann nämlich leicht als Argument missbraucht werden, den deutschen Antisemitismus zu relativieren indem man in infamer Weise den  muslimischen Flüchtlingen dafür eine Mitverantwortung zuschiebt. Nur sollte langsam klar sein, dass die Judenfeindlichkeit der arabischen Flüchtlinge mit dem klassischen europäischen Antisemitismus wenig zu tun hat. Die Araber sind den Juden weniger aus religiösen oder gar rassistischen Gründen feindselig gesinnt -wie auch, wenn beider Religionen auf Abraham fußen und beide semitische Völker sind. Es sind vielmehr politische Gründe was sich in der Gründung Israels manifestierte. Nicht wenige Deutsche verstecken einfach ihren Antisemitismus hinter einer israelkritischen Einstellung. Aber man muss davon ausgehen (auch jüdische Verbände sollten das), dass für die meisten Deutschen Antisemitismus und Israelkritik nicht 2 Seiten derselben Medaille sind. Der europäische Antisemitismus hat ganz andere Wurzeln, die weit zurück in das Mittelalter reichen. Die Kirche konnte ihrem theologischen Antisemitismus ungestört frönen und jede Pest oder Hungersnot wurde den armen Juden in die Schuhe geschoben. Später, im 19.Jahrhundert, kam die rassistische Komponente dazu die in die Katastrophe der deutschen Judenvernichtung unter Hitler mündete. Man kann auch das Verbrennen einer israelischen Flagge in Berlin nicht mit der Feststellung kommentieren, dass man von der Annahme, in Deutschland könne es keinen Hass mehr auf Juden geben, nicht mehr ausgehen kann. Denn wenn nicht einmal klar ist ob nur Araber und nicht auch Deutsche beteiligt waren verbietet es sich vorschnell über die Bedeutung diese Vorfalls zu urteilen. Ganz unbestritten- so die vielen Zeugnisse deutscher Juden- die aktuellen  Pöbeleien und Handgreiflichkeiten aus antisemitischen Motiven. Haben manche Deutsche das Schlimmste aus ihrer jüngeren Geschichte etwa vergessen oder bis heute nicht richtig verstanden ? – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu „Wie antisemitistisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Die Auseinandersetzung mit dieser Frage ist deutsches Selbstverständnis und das ist gut so. Nicht nur wegen der Geschichte sondern auch deshalb, weil diese Frage wohl berechtigt ist. Die Äußerungen im Artikel aber sind zu vielseitig, sodass sie nicht hilfreich sind bei der Suche nach Antworten. Das Thema muss differenzierter behandelt werden. Wenn von antisemitischen Äußerungen durch Migranten die Rede ist, dann gehören sie nicht ohne weitere Erklärungen unter diesen Titel. Und ob das Verbrennen der Israelischen Flagge antisemitisch ist, kommt auf den Kontext an.  Es ist die souveräne Entscheidung des Israelischen Staates, den Davidsstern als nationale Flagge zu haben. Wenn nun jemand durch das Verbrennen der Flagge die Politik Israels kritisieren will, mag das je nach Gesetzeslage strafbar sein, antisemitisch ist das nicht. Es wäre auch den in Deutschland lebenden Juden sicher zum Vorteil, wenn der Antisemitismus weniger aufgeregt und mehr sachlich diskutiert würde. Eher ist es kontraproduktiv, in jedweden Vorgang Antisemitismus hineinzuinterpretieren. – Hendrik Takes


Leserbrief zu „Wie antisemitistisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Nach der Lektüre Ihres Beitrags, war ich zunächst betroffen von den Aussagen der Personen, die antisemitischen Angriffen ausgesetzt waren. Jeder ist einer zuviel. Der nächste Gedanke war aber, wie überglücklich die unter der brutalen israelischen Besatzung leidenden Palästinenser wären, wenn sie, natürlich mit umgekehrten Vorzeichen, nur über ähnliche Vorfälle berichten könnten. Was mich bei der Mehrzahl der Aussagen der von Ihnen ausgewählten Personen stört, dass sie der bei Juden weit verbreiteten Opfermentalität Ausdruck geben und mit keinem Wort auf die möglichen Ursachen in Nahost und das tragische Schicksal der palästinensischen Bevölkerung eingehen sowie auf den in Israel grassierenden Rassismus gegen Araber. Fälschlicherweise wird der arabischen Bevölkerung auch noch ein tief verwurzelter Antisemitismus zugewiesen. Wer sich aber zum Sprachrohr Israels macht, wie etwa der Zentralrat der Juden und leider auch die meisten jüdischen Kultusgemeinden, sollte sich über Kritik nicht beklagen, auch wenn sie in vielen Fällen unsachlich und antisemitisch daherkommt. In Bezug auf den Antsemitismus in Deutschland möchte ich auf die seriöse Forschungsarbeit von Professor Dr. Wilhelm Kempf von der Universität Konstanz hinweisen. Auch ist das Buch „Oliven und Asche“ vom Verlag Kiepenhauer und Witsch sehr empfehlenswert. – Wolfgang Behr 


Leserbrief zu „Die Putztruppe von Hellersdorf“ von Thomas Assheuer

Die Studierenden des ASTA an der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin, die für die Übermalung des vollkommenen Gedichts „ciudad“ von Eugen Gomringer gesorgt haben, sollten der Hochschule verwiesen werden. Denn sie haben den 10. Mai 1933 nicht verstanden. Sie sind Anstreicher. Ihre Hermeneutik unterscheidet nicht zwischen pragmatischen und poetischen Texten. Ihre intellektuelle Insuffizienz disqualifiziert sie für ein Hochschulstudium. Und sie verstehen nichts von Alleen, Blumen und Frauen. – Matthias Aschern


Leserbrief zu „Wie antisemitistisch ist Deutschland?“ von Laura Cwiertnia et al.

Das Dossier zum Antisemitismus in Deutschland fand ich nicht nur – vor allem wegen seiner Vielstimmigkeit – sehr interessant sondern vor allem äußerst erhellend. Auch finde ich die redaktionellen Einschübe und Überleitungen besonders anregend. Ich habe mich über diesen großen Beitrag sehr gefreut, auch wenn ich über manche Äußerung des Diskutanten eher entsetzt bin. Deshalb würde ich es sehr begrüßen, wenn Sie einige der angerissenen Diskussionsfäden in vertiefenden Beiträgen/Essays  fortspinnen könnten. Dabei denke ich z.B. an den „Punkt,“ … der die Diskussionen „so kompliziert [macht] wie nirgendwo sonst“. Nach meinen Wahrnehmungen  sind (leider) immer wieder Zeitgenossen – ob Juden dazu gehören, kann ich nicht sagen – nicht bereit, zwischen der Kritik an Israels (Besatzungs-, Siedlungs- und Gesellschafts-) Politik und dem Antisemitismus auch nur so weit zu unterscheiden, dass eine Handbreit Platz hat. Dass dies bei den Beiträgen von Frau Altaras und Herrn Shiran völlig anders ist und sie sich trauen, ihre Meinung bei Ihnen mit voller Namensnennung zu Protokoll zu geben, freut mich ganz außerordentlich. Die von Ihnen angesprochene Hilflosigkeit des verbreiteten (deutschen) Denkens trifft meine Gefühlslage und meine Einschätzung vollkommen; vielleicht könnten Sie in einem weiteren Beitrag  versuchen, Differenzierungsmöglichkeiten und grundlegende Festlegungen herauszuarbeiten, um das verwirrte Herumstehen beim Sichtbarwerden von Antisemitismus – schon bereits bei dümmlichen Diskussionen, besonders aber bei Übergriffen aus dieser Gesinnung heraus – zurück zu drängen. Einfache Lösungen dafür gibt es sicher nicht, ich denke aber, dass die Beiträge von Herrn Hizarci dafür einen guten Anfang bilden. Ein weiterer Punkt, der nach meinem Verständnis vertieft werden sollte, ist die Instrumentalisierung des (verpflichtenden) KZ-Besuchs. Insoweit ist Frau Jensen vollkommen zuzustimmen. Nach meinem Eindruck ist die gründliche und nachhaltige Distanzierung vom Antisemitismus – besonders, aber keineswegs nur in Deutschland – eine äußerst umfassende „Volkserziehungsaufgabe“, der sich freiwillig wohl kaum jemand unterziehen wird und die fast allen Politikern viel zu langwierig ist(deshalb das Verweisen auf den KZ-Besuch). Auch wenn der Antijudaismus Luthers im letzten Jahr wahrscheinlich teilweise etwas zu stark betont wurde, erscheint mir die starke christliche Wurzel – die dann leider auch im 3. Reich publikumswirksam eingebunden wurde – etwas zu kurz gekommen zu sein. Diese hat ja eine fast 2000jährige Geschichte, die auch mit dem 8.5.45 leider nicht zu Ende war. Ich denke, es wäre ein lohnendes Thema z.B. für Glauben und Zweifeln, mal ausführlicher darzustellen, welchen starken Einfluss antisemitische Prägungen noch die Kirchen in der jungen Bundesrepublik durch die Übernahme des vorhandenen Personals zu verarbeiten hatten. Auf solche – mir erst seit kurzem klar gewordene – subkutane und deshalb unbewusste Kontinuitäten (die schecklicherweise auch große Teile der ‚bekennenden Kirche‘ umfassten) dürfte die mich schockierende Äußerung von Frau Bejarano zum „nie aufhörenden“ Antisemitismus in Deutschland zurückzuführen sein. – Immanuel Stauch


Leserbrief zu „Die Putztruppe von Hellersdorf“ von Thomas Assheuer

Wo kommen wir hin, wenn die Kunst politisch korrekt zu sein hat? Schon werden Bilder abgehängt, Filme nachträglich „bereinigt“, empfindliche Studierendenseelen vor eventuell traumatisierenden Inhalten in klassischer Lektüre gewarnt. Wie weit ist es noch zum faschistischen Diktat, das Kunst als „entartet“ denunziert und Bücher verbrennt? – Dr. Christiane Deneke