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Vegetarische Gänseleber?

 

Für’s Vegetarische habe ich sehr viel übrig, und den vielen guten Gründen, kein Fleisch zu essen, ist eigentlich nur ein wirkliches Argument entgegen zu stellen:
„Fleisch schmeckt verdammt gut!“
Allerdings nicht das, was freundlich geschätzt 80% der Bevölkerung an Billigfleisch vertilgen. So gesehen ist Fleischessen ein wirklicher Skandal.

Jetzt kam ein Schreiben von der Tierschutzvereinigung Peta, deren Arbeit ich sehr achte und für wichtig finde, auch wenn sie oft militant auftreten. Im Grunde haben die Leute Recht, Tierquäler gehören verprügelt.

Dem Schreiben, das ich gerade gelesen habe, entnehme ich nun allerdings einen völlig falschen Ansatz. Als Koch werde ich gebeten, mich an einem Wettbewerb zu beteiligen:

„Peta veranstaltet einen Wettbewerb, um einen hervorragenden Koch zu finden, der als erster in der Geschichte eine authentische Version vegetarischer Fois Gras herstellen kann.“

Also meine lieben Petaleute, mit so einem Wunsch muss man sich an die Chemiefirmen Nestlé, Knorr & Co wenden. Allenfalls noch an die Jünger von Ferran Adria, die sich mit Küchenchemie ziemlich auskennen. Die naturnahe Küche, um die es mir geht, darf nicht durch Surrogate verhunzt werden.

Der Wunsch nach vegetarischer Gänseleber ist legitim, aber das ändert nichts an der Schwachsinnigkeit des Gedankens. Bei meinem täglichen Speiseplan achte ich immer auf die Gegenwart einiger vegetarischer Gerichte. Die müssen so sein, dass man nicht merkt dass etwas fehlt, deshalb habe ich auch keine Vegetarische Karte, die ich genauso diskriminierend empfinde wie den Seniorenteller, ganz zu schweigen von den infamen Pumuck-Kindertellern.

Irgendwie komisch, viele Vegetarier kämpfen ständig mit dem Verzicht des Fleisches. Ich behaupte, so kommt kein glückliches Leben zustande. Man muss es irgendwie hinkriegen, gar nicht mehr ans Fleisch zu denken, das Fleischlose nicht als Mangel anzusehen, sondern als Gewinn. Das geht, und irgendwann mal hat man dann vielleicht auch vergessen, dass ein Milchlammbraten wahnsinnig gut schmecken kann.

Noch etwas an die lieben Petakämpfer:
Macht weiter so, aber bedenkt immer, ganz ohne Kompromisse geht es nicht. Was machen wir eigentlich in zehn Jahren, wenn Forscher womöglich entdeckt haben, dass ein abgeschnittener Salatkopf fürchterlich schreit, wir aber ihn bislang nicht hören konnten? Und was ist mit der Milch, die wir den Kälbern wegnehmen?

PS:
Man könnte sich doch mal den Fast-Vegi-Firmen Maggi, Knorr etc. widmen. Denen ist es beinahe gelungen, aus einer Hühnersuppe ein vegetarisches Gericht zu machen. In vier Tellern Hühnersuppe sind nur noch 4 Gramm Trockenhuhn enthalten. Das Produkt schmeckt wahnsinnig nach Huhn, weil die entsprechenden Geschmacks- und Aromaverstärker gewaltige Power haben. Bei solcher Chemie könnte man doch das bisschen Resthuhn ganz weglassen.
Liebe Petaleute, wollen wir diesen Konzernen nicht mal eine Fuhre Mist vor die Bude kippen, damit sie vollends ganz die Finger vom Fleisch lassen. Ich wäre gerne dabei. Apropos Vegi-Gänseleber, diese Firmen kriegen das hin, ein ehrlicher Koch nie.

Liebe Grüße, Vincent

20 Kommentare

  1.   flawed

    Die Petaleute denken schon lange an die Milchen, die wir den Kälbern wegnehmen. Deswegen gibt es auch Peta-Kampagnen gegen das Milchtrinken.

    Eine Hühnersuppe ohne Huhn wäre dagegen sicher in deren Interesse, genauso wie schon Fleischersatz aus Soja.

  2.   Daniel

    PETA ist eine militante Gruppe für Stars, Sternchen und Neureiche, die nichts anderes mit ihrer Freizeit anfangen zu wissen oder meinen sich so irgendwie „profilieren“ zu können. Eine Artgerechte Tierhaltung halte auch ich natürlich für extrem wichtig, aber ich finde es schlimm dass es Menschen gibt denen das Wohl des Tieres über das der Menschen geht… das muss sone Art Projektion oder verirrtes Helfersyndrom sein. Leider leben wir z.B. in einem Land in dem Hunde mehr Rechte und Freiheiten genießen als Kinder. Deswegen kann ich solche publicitysüchtigen Vereine wie PETA überhaupt nicht ernst nehmen… die sind schlimmer als die Zeugen Jehovas und fast so „aggressiv“ wie Scientology. Ich halte die extreme Einstellung von PETA fast schon für pervers. Und eine Gänseleberpastet ohne Gänseleber? Wie lächerlich… Überhaupt – wer wirklich vegetarisch oder vegan leben will, sollte auch auf Ersatzprodukte verzichten. Wenn schon, denn schon.

    P.S.: Tja, was tun wenn der Salatkopf schreit? 😉 Dann muss man Frutarier werden: http://de.wikipedia.org/wiki/Frutarier

  3.   Sinniger Armin

    Lieber Vincent
    Ein Lebewesen, das zwei Augen am gleichen Ort hat wie wir, das zwei Ohren am gleichen Ort hat wie wir, das eine Nase, ein Gehirn, ein Herz, eine Leber, zwei Nieren und und und, am genau gleichen Ort hat wie wir, zu vergleichen mit einem Salatkopf, ist etwas, dass immer wieder aus der Argumentenkiste von Fleischverehrern zu entnehmen ist. Tiere sind unsere Brüder und Schwestern, sie fühlen wie wir, sie spüren Freud und Leid wie wir, haben Angst wie wir und können das Leben geniessen wie wir. Salat hingegen ist die Nahrung sowohl von Tieren als auch von Menschen. Mit solchen Argumenten helfen Sie Millionen von Menschen, sich ihren Fleischkonsum und ihr brutales Verhalten gegenüber unseren Schwestern und Brüdern zu rechtfertigen. Mit traurigem Gruss, ein Veganer.

  4.   foo

    „Salat hingegen ist die Nahrung sowohl von Tieren als auch von Menschen.“

    Tiere hingegen sind die Nahrung sowohl von Tieren als auch von Menschen.

  5.   photorin

    „Tiere hingegen sind die Nahrung sowohl von Tieren als auch von Menschen.“

    Menschen hingegen sind die Nahrung sowohl von Tieren als auch gelegentlich von Menschen.

  6.   Astrid

    Lieber Vincent,

    bei Fois Gras geht es ja nicht darum, dass jemand Fleisch zubereitet und isst. Das tue ich auch. Es geht um die widerliche Prozedur des Stopfens, das den Gänsen unsagbare Schmerzen bereitet (nicht umsonst ist die Prozedur in fast allen EU-Ländern verboten). Würde Fois Gras aus einer normalen Leber einer halbwegs fair gehaltenen Gans gemacht, hätte ich auch kein Problem damit.

    Was ich von der PETA halte, sage ich hier lieber nicht.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Astrid

  7.   Antonietta

    Der menschlichen Gesundheit ist der Fleischverzehr alles andere als zuträglich, enthält Fleisch doch übermäßig Fett und Cholesterin, dafür aber keine Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Menschen, die tierische Produkte verzehren, tragen ein 10mal höheres Risiko, an einem Herzleiden zu erkranken, und ein um 40% höheres Krebsrisiko. Doch auch das Risiko für andere Krankheiten ist höher, so z.B. für Schlaganfall, Fettleibigkeit, Bliddarmentzündung, Osteoporose, Arthritis, Diabetes, Impotenz und Lebensmittelvergiftung.

  8.   Fritz

    Sie sprechen mir aus der vegetarischen Seele. Vor allem, weil Sie sich gegen diesen grauenhaften Fleischersatz aussprechen. Wer Fleischgeschmack möchte, soll in Gottes Namen seine Gänseleber oder sein Schnitzel verdrücken und lieber seltener, aber dafür richtig gutes Fleisch verzehren. Vegetarismus ist nichts für Flagellanten: gute vegetarische Gerichte schmecken grundsätzlich anders als Fleisch und kitzeln den Gaumen, weil sie authentisch sind.

    Peta hätte besser daran getan, einen Wettbewerb für vegetarische Küche zu veranstalten, bei dem der Genuss im Vordergrund steht. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen: wer die vegetarische Küche genießt, sehnt sich nicht mehr nach Fleisch.

  9.   Sauzahn

    Es mit sowieso ein Rätsel weshalb diese Veganer immer Fleischgerichte „nachbauen“ wollen. Anständig zubereitetes Grünes schmeckt doch tausendmal besser als so ein Fleischsurrogat.

  10.   Jasmin

    Hallo,

    mich macht es sehr nachdenklich, dass viele Leute scheinbar nicht mehr ohne Schwarz-Weiss-Denken auskommen können. Fleisch schlecht – Gemüse gut? Da muss ich ganz klar widersprechen! Wir essen ca. 1 – 2 Tage die Woche Fleisch, haben lange nach einem guten Metzger gesucht und nun einen gefunden, der ausschließlich Fleisch von Tieren aus der Region in Weidehaltung und ohne lange Lebendtransporte verkauft. Dementsprechend kostet dieses Fleisch etwa das 5-fache von dem Billig-Zeug aus der Fleischtheke vom Discounter. Dies ist mit der Grund, warum wir nur so selten Fleisch essen, die andere Ursache ist, dass übermäßiger Fleischkonsum tatsächlich schädlich ist. Seit Anbeginn des menschlichen Lebens essen wir nicht nur rein vegetarisch (oder gar vegan), sondern immer auch zu einem unbestimmten Prozentsatz fleischliche Nahrung. Daran kann ich nichts Verwerfliches erkennen! Leider hat der Konsum tierischer Lebensmittel signifkant zugenommen, weswegen die konventionelle Massentierhaltung ein probates aber meiner Ansicht nach indiskutables Mittel zur Billigfleisch-Beschaffung geworden ist. Ich gehe mittlerweile so weit, dass ich nur noch in Bioland-Restaurants Fleisch esse oder wenn ich gesichert weiss, dass es in dem betreffenden Restaurant Fleisch gibt, das „mir passt“! Mittlerweile habe ich viele Leute in meinem Bekanntenkreis von dieser Methode überzeugt und ich denke, dass ich auf diese Weise deutlich mehr für den Tierschutz getan habe, als irgendwelche militanten Vegetarier. Ich habe es ehrlich gesagt satt, mir von anderen, „besseren“ Tierschützern anhören zu dürfen, dass ich nicht authentisch bin, weil ich zu den bösen Fleischessern gehöre! Peta propagiert eine vegetarische Ernährung von Katzen und Hunden, was so unnatürlich für diese Tiere ist, dass sie mit zig Zusatzmittelchen gesund erhalten werden müssen. Das ist für mich mindestens ebenso sehr Tierquälerei, wie das Essen von Fleisch (wohlgemerkt immer tiertransportfreiem Weideland-Fleisch vom örtlichen Metzger). LG, Jasmin