Das Blog der Köche, Gastronomen und Gourmets

Trendy Küche?

Von 17. November 2009 um 13:47 Uhr

Immer wieder werde ich von Journalisten gefragt, welche neuen Trends zu erwarten seien. Jedesmal antworte ich mit “Keine Ahnung, denn um Trends kümmere ich mich nicht.”

Die so Abgespeisten halten mich dann irgendwie für ignorant oder weltfremd. Meine Beweggründe, mich nicht um Trends zu kümmern, haben aber mit meiner Erfahrung zu tun. Wer sich um Trends kümmert, handelt sich ein Publikum ein, das man als “trendy” bezeichnen könnte. Solches Publikum braucht ständig trendigen Nachschub, wandert aber trotzdem irgendwann mal dorthin ab, wo gerade ein besserer Trend geboten wird.

So kommt beispielsweise ein Trendy-Koch nie zu einem Stammpublikum, dafür ist er jedoch der Liebling der Medien, die Trends unbedingt brauchen, um darüber zu berichten. Die gut gebratene Ente nämlich, mit würzigem Rotkohl, ist zwar das Glück des Gasts, aber keine Berichterstattung wert.

Heute lese ich, dass der im letzten Jahr als Koch des Jahres gefeierte Nils Henkel, der im Moment genau das kocht, was ihm letztes Jahr seine Auszeichnung eingebracht hat, tja, er wäre vom Gaullt Millau abgewertet, sozusagen im Verschiss. Zuviel Chemie, heißt es in der Beurteilung.

Im Magazin des Zürcher Tagesspiegel lese ich von dem Autor Christian Seiler folgende Sätze:
“Ich habe höchsten Respekt für alle Köche, die ihre Speisen nicht camouflieren, sondern zubereiten… Der Trend, Speck und Ei in Pralinenform zu servieren und Gulasch als Watte am Stiel, ging um die Welt. Das experimentelle Kochen wurde zur Kunst erklärt. Wenn die artifizielle Verklärung des Essens nun langsam verebbt und nur noch schwach an der Peripherie nachhallt, so mündet der alte Trend nicht in einen neuen Trend. Die puristische Konzentration auf außergewöhnliche Produkte, die Entdeckung der nötigen Sorgfalt, um sie angemessen zuzubereiten und präsentieren zu können ist alles, nur kein Trend.”

Kategorien: Allgemein, Menschen
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Genau! Hier heißt es wie in der achitektur “Form follows function”, sondern der Geschmack überzeugt das Auge – nicht anders herum!

    Schon “De dikke van Dam” von Johannes van Dam gelesen? Er kann so wunderbar ungekünstelt genießen….

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    • 19. November 2009 um 14:43 Uhr
    • Katjusche
  2. 2.

    Sorry: Architektur. Da waren die Finger schneller als das Hirn ;-)

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    • 19. November 2009 um 14:44 Uhr
    • Katjusche
  3. 3.

    Man mag vom GM halten, was man will. Die Abstrafung von Lafer war vielleicht übetrieben, aber in der GM-Welt zwingend. Nils Henkel zu bestrafen, dass er chemikalische Prozesse in Gang bringt, nämlich einfach kocht, wofür man ihn im letzten Jahr noch hochgelobt hat, grenzt für mich an Volksverarschung und ist imho den schwindenden Leserzahlen des GM und dem eigenen Image geschuldet.
    Ihn nach der Übernahme von Dieter Müller gleich mit 19 Punkten zu bedenken, hielt ich für ebenso fragwürdig. Interessant, was ich heute gelesen habe: http://blog.rewirpower.de/index.php/2009/11/18/kopenhagener-universitat-richtet-lehrstuhl-fur-kulinarische-chemie-ein/

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  4. 4.

    Es hilft nichts, Herr Klink: Ein Mann Ihres Kalibers muss (!) etwas zur Sache sagen. Auch zu den Dingen, die ihm nicht passen. Auch zu den Dingen, die er für weniger wert und für kurzlebig hält. Jemand mit Ihrer Kompetenz und von Ihrem Renommee, der sich zudem oft in der Öffentlichkeit zu Wort meldet, hat eine Verpflichtung, zu seinem Fachgebiet Stellung zu nehmen und Frager nicht von oben herab abzuspeisen. Was würden Sie zu Ihrem Hausarzt sagen, wenn Sie ihn um Auskunft über die Schweinegrippe-Impfung bäten und er Sie an das Robert-Koch-Institut verweist mit der Bemerkung, er sei Allgemeinmediziner und die saisonalen Gesundheitstrends seiner Patienten fänden nicht sein Interesse. Er würde stechen und kassieren, mit allem anderen möge man ihm vom Hals bleiben. Arroganter Bursche, oder? Wer, wenn nicht Fachleute vom Schlage eines Vincent Klink können dem Laien auf seiner gastrosophischen Reise beistehen? Und der Journalist hat hier die wichtige Aufgabe eines Multiplikators. Niemand möchte, dass Sie Ihre Meinungen ändern, aber fundierte, konstruktive Kritik ist allemal besser, als Fragesteller niederzuknüppeln.

    In diesem Sinne freue ich mich auf alle Ihre Beiträge.

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    • 19. November 2009 um 19:15 Uhr
    • 123stein
  5. Kommentar zum Thema

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