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Schweiztour

 

Über Weihnachten bin ich ein bisschen herumgegondelt. Zu Essen gab es bei der Schweiztour recht viel. Auch sonst konnte ich mir einiges einverleiben.

Tierschutz Schweiz: Wie die Schweizer mit ihren Tieren, notabene mit gutem Fleisch umgehen, davon sind wir Deutschen mehrheitlich Lichtjahre entfernt. Schon klar, es ist ein kleines Land und manches spricht sich schneller herum. Als einst jemand einen Aufruf gegen Käfighühner startete, brauchte es dafür keine Regierung und kein Gesetz. Innerhalb von Wochen kaufte niemand mehr die Quäleier und das Problem war vom Tisch.

Mich führte diesmal der Weg nach Scuol im Unterengadin. Dort entdeckte ich eine Metzgerei von Weltklasse. Sieht man sich die Homepage an, dann weiß man, was ich meine: www.hatecke.ch

Die Metzgerei nennt sich HATECKE und Ludwig Hatecke ist der sympathische Chef. Ein hochintelligenter, weitergereister Schöngeist, der aussieht, als würde er ständig Hollywoodangebote ablehnen.

hatecke

Mit meinem Handy habe ich die Theke aufgenommen. Vorne lagert Fleisch, unglaublich marmoriert und gepflegt präsentiert, dahinter kommen ungefähr acht Sorten Wurst. Die Quertheke beherbergt die wahren Wunder der Metzgerei, nämlich luftgetrocknete Spezialitäten aus den Bergwäldern des Unterengadins, oder beispielsweise Bündnerfleisch von Rindern aus dem Tal.

Was bei uns Bio ist, könnte man im Engadin bei der Tierzucht als den Normalfall sehen. Einen großen Teil tragen die Verbraucher dazu bei. Eine Rote Wurst kostet selbst in einer Berghütte 12 Franken, damit können alle gut leben, auch der Bauer und letztlich das Tier. Übrigens: acht Sorten Wust finde ich genug. Man denke an die Vielfalt des Brotes und was davon wirklich schmeckt.

19 Kommentare

  1.   Paulmann

    Eine Rote Wurst (Bockwurst) für 7 bis 8 € halte ich für ziemlich daneben, Tier mit Fleisch zu synonymisieren auch.
    Die 12-Franken-Bockwurst spar mir dann auch als Allesfresser, doch das Tier in der Wurst lebt trotzdem nicht mehr und schon gar nicht gut, dass ist nur die alte Mär von glücklichen Bio-Schlachtvieh.
    Irgendwie habe ich in letzter Zeit den Eindruck, dass sich hier ein neuer Schwerpunkt „Nahrungsmittelethik“ auftut.
    Ich weiß nicht, ob ich mich da freuen soll, denn die gängige Anpreisung der Lösung mit „Bio“ und „Handwerk“ scheint nur in einer bestimmten Nische zu funktionieren, dort wo auch die 12-Franken-Bockwurst und die Pseudo-Beschränkung im Luxus der X Wurst- und Brotsorten und des ausgewählten Spitzenfleischs zu Hause sind.

  2.   Karl Honegger

    Lieber, mein Lieblingskoch, Herr Klink, ich verstehe Ihre leicht euphorische Beurteilung in Sachen Schweizer, Engadiner Viehzucht und Fleischtheke. Die Ferienluft da oben tut das Seinige dazu. Als Wanderer, der schon an tausenden von Bauerhöfen vorbei kam und die Augen nie zukneifte oder schloss, möchte ich Ihnen zum Teil widersprechen. Jeder zweite Bauernhof in der Schweiz, auch im Engadin, hat in Sachen Tierschutz seine Leichen im Keller, bio hin oder her. Zudem entsteht der vorwiegende Teil des Bündnerfleisches aus importierten Edelstücken von südamerikanischen Rindern. Ausserdem schlucken die Engadiner Bauern ziemlich leer, wenn sie an eine 12 Franken Rotwurst denken.
    Herzliche Grüsse und alles Gute für Ihr neues Jahr.

  3.   maxizwo

    Die empfohlene Website des Fleischers ist zwar recht …na sagen wir mal: schick, aber letztlich doch, äh, …nichtssagend?


  4. Klar ist man auf Reisen ethusiasmiert, und die Homepage läßt wirklich nur ahnen. Man muss es aber gesehen haben. Ich denke die Zukunft des guten Metzgerhandwerks hat erst begonnen. Weg vom Preiskampf und dafür bessere Qualität, den Rest übernehmen die Discounter.

    An den Herrn Paulmann noch: Klar fühle ich mich nur für eine gewisse Nische zuständig, sonst würde ich ja eine Dönerbude umtreiben. Ich finde der Blog sollte auch für Nischenbewohner reserviert sein (es sind gar nicht so wenige).
    Blogs außerhalb der „Nische“, in denen man alles billiger haben kann, wo darüber diskutiert wird ob man T-Shirts, die von indischen Kindern eingefärbt wurden, statt für 3 Euro vielleicht irgendwo für zwofuffzich kriegen kann, und Hackfleisch noch nachgeschmissen bekommt, die sind, so wahr mir Gott helfe, nicht mein Terrain. Ich weiß, Deutschland ist ein Armenhaus, aber ich mache nicht mit.
    Herzliche Grüße und nichts für Ungut, Vincent Klink


  5. ah, das hatte ich noch vergessen. Ich meinte nicht eine Wurst in die bloße Faust, sondern mit Teller, Besteck, Serviette und Rösti. Und was die Tierzucht angeht, so ist klar, dass nicht alles okay ist. Wer aber mal die 1000-Viecher-Ställe im Osten und in Nordeutschland gesehen hat, der weiß was ich meine.
    Gruß Vincent Klink

  6.   Matthias

    Ja, ich habe beim Hatecke auch schon eingekauft (Filiale Zernez), er verbürgt sich ja für Fleisch ausschließlich aus Engadiner Tieren – was ihn von der großen Masse der Bündner Fleischtrocknereien unterscheidet (@Karl Honegger). Aber ich glaube, dass er nur dank der Touristen und ihrer Bereitschaft, im Urlaub auch mehr auszugeben, überleben kann (Stichwort ethusiasmiert). Ich bin im Urlaub auch bereit, für solche Spezialitäten einfach mal nicht aufs Geld zu schauen. Aber: Hätte eine Hatecke eine Überlebenschance z.B. in Stuttgart? Ich glaube, nein. Bio hin, Bio her, Hatecke ist sauteuer, wesentlich teurer als mein Biolandmetzger Rühle (was auch wieder was mit unterschiedlichen Agrarsubventionen zu tun haben könnte), und ich denke, er hat für sich, in seiner hochtouristisierten Region ein tolle Nische gefunden. Da kaufe ich nächsten Sommer wieder meine Salziz!
    N‘ guten Rutsch allerseits.
    PS @Vincent Klink: Habe Ihr Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen, amüsiere mich köstlich. Wenn die Wielandshöhe keinen Spaß mehr macht, Umsatteln auf Literat oder Essayist.

  7.   Sauzahn

    Es sind nicht nur die bösen Discounter, die unserer Lebensqualität zu Leibe rücken – es ist vor allem die von allen guten Geistern verlassene EU-Bürokratie. Viele kleine Metzgereien (Warmverwurster), die ihre Bauern kannten, ja die noch ein gut abgehangenes Stück anbieten konnten, waren nicht mehr in der Lage die finanzielle Last für ein EU-verordnungsgerechtes, es sollte wohl eher EU-verödungsgerechtes heißen, Schlachthaus zu tragen und haben aufgegeben.
    Selbstverständlich hatten diese Metzgereien auch nicht die gewaltige Wurstauswahl, weil es unnötigen Zukauf bedeutet hätte.
    Und, liebe Billigkäufer, die waren nicht viel teurer als diese Hochglanzplastinate aus der Kühltheke.

  8.   Paulmann

    Ein Blog ist halt seiner Natur gemäß offen und nicht für Nischenbewohner, sonst wär es ein newsletter an erwählte Adressaten.
    Ich finde die dezdierte Ansage „hier in meiner Nische derer, die es sich leisten können Handwerk & Qualität, den Rest übernehmen die Discounter“ abstoßend.
    Deutschland ist kein Armenhaus, wenn höhere Preise tatsächlich derQualität zu gute käme fände sich sicher ein Kompromiss, aber die Bockwurst auf Hüttenpreisniveau (das über Qualität oft genug gar nichts sagt) ist eben nicht annähernd eine Garantie für gutes Handwerk oder auch nur erträgliche Viehhaltungs- und Schlachtungsbedingungen, sondern oft genug nur ein hübsch verbrämter Extraprofit.
    Ungeachtet dessen wünscht Herr Paulmann ein Gutes neues Jahr.

  9.   Wolfgang Bommer

    Was mir gut gefällt ist die Tatsache, Qualität vor Quantität. Und hier scheint mir nichts überladen zu sein. Werde bem nächsten Skiurlaub mal vorbei schauen. An der Homepage finde ich gute Ansätze, muß aber etwas mehr Inhalt zeigen, um Glaubwürdig rüber zu kommen.
    Ciao
    Wolfgang Bommer

  10.   Hannes

    Lieber Sauzahn, ich stimme Ihnen im vollsten Maße zu! Genau so ist es! Haben Sie sehr schön auf den Punkt gebracht!