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Handwerkzeug

 

Monatelang hab ich mir hin und her überlegt, wie ich mein Werkzeug am besten aufbewahren kann.

Soundso oft brauche ich meine Messer, die Pinzetten und Zangen, um auch fernab vom heimischen Herd zu kochen. Ich habe mir Prospekte schicken lassen, habe in Internet-Shops gestöbert, meinen Schreiner genervt ob er mir einen Einsatz für einen Koffer anfertigen kann. Natürlich gibt es für solche Fälle Lösungen, ich bin ja nicht der Erste, der sein Geraffel etwas organisierter aufbewahren möchte: Es gibt Koffer mit Magnetschienen, der Zubehör-Handel für Fotografen arbeitet mit Schaumstoff-Einlagen, die sogar maßgefertigt werden können. Aber so richtig zugesagt hat mir keine der angebotenen Lösungen. Also bin ich in den Army-Shop gefahren und habe mir erstmal eine stabile Aluminiumkiste besorgt, in die ich mein Werkzeug dann in seinen Original-Schachteln gelegt habe.

Die Ultima Ratio war das zwar irgendwie auch nicht, aber ich konnte so wenigstens sicherstellen, dass ich nun alles wichtige Werkzeug auf einmal dabei hatte, wenn ich ausgerückt bin. Dennoch: Beim Abwägen der möglichen Vor- und Nachteile von unterschiedlichen Lösungen hatte ich mich bereits so in die Details und Optionen verrannt, dass ich gar keinen Sinn mehr für einfache und gute Lösungen hatte.

Bis ich dann in einem Katalog eine unauffällige Werkzeugrolle entdeckte. So eine, wie sie schon mein Opa hatte. Die wurde fix bestellt. Mit einer ordentlichen Portion Wachs habe ich das Leder tüchtig eingerieben, es fühlt sich jetzt ganz wunderbar weich und geschmeidig an. Sogleich bestückt und nach Gebrauch locker aufgerollt, verschlossen mit einem umgewickelten Riemen, ist dies eine einfache, doch fachgerechte und vor allem zweckmäßige Methode zu Aufbewahrung und Transport der wertvollen und empfindlichen Schneidwerkzeuge.

Weil die Werkzeugrolle doch schmäler ist, als meine großen Messer lang sind, habe ich mir nochmal eine entsprechend große Version aus Kalbs- und Schweineleder von einem südafrikanischen Freund anfertigen lassen. Dessen Vater hat sein Handwerk in den fünfziger Jahren in Offenbach gelernt und ist in den Siebzigern nach Afrika ausgewandert, hat dort eine Manufaktur gegründet. Heute werden bei Cape Cobra in allerbester, handwerklicher Tradition edle und hochwertige Handtaschen und andere Lederwaren gefertigt, im Auftrag für Luxusmarken und für den Verkauf in eigenen Ladengeschäften. In der Hauptsache also eigentlich eher ein Sortiment für Damen. Meine neue Werkzeugrolle ist zwar keine Handtasche, doch sie ist so schön geworden und ich habe soviel Freude daran, dass ich nun meine Frau etwas besser verstehe.


6 Kommentare

  1.   Hubert Knauff

    Ahh sehr gut,
    an eine Werkzeugrolle aus Leder habe ich auch immer gedacht. Es war nur leider unmöglich einen Ledermacher oder Sattler zu finden der sie mir anfertigt.
    Gute Idee, von allen Möglichkeiten definitiv die beste seine Messerei aufzubewahren.

  2.   Paul

    Ohne viel Worte 😉
    Google & Co.: Fine-und-Sons-Werkzeugrolle Leder


  3. Kinders, ich habe hier in CO einen Sattler, der macht Euch das viel schöner und viel günstiger als Ihr euch das träumen ließet. Südafrika? Gern … – ich bin überzeugt, daß man hierzulande mit nur ein bißchen gutem Willen jederzeit einen Sattler findet, der einem alles, was das Herz begehrt so hinschneidert, wie man’s gern hätte. Aber wie war das mit den Propheten im eigenen Lande?

  4.   schock

    Viel Gedöns um die Lösung eines Problems, das wohl jedermann, i.e.jeder Mann, für sich und sein Hobby-Zubehör ohne viel Gedöns und ohne Südafrika bemühen zu müssen, gelöst bekommt.

  5.   Tilman Ahr

    Gab es irgendeinen Grund, der die üblichen Messerrollen ausgeschlossen hat?

    Die sind im Prinzip doch genau dasselbe, nur in passendem Format für alle gängigen Kochmesser…

    Gut, meist sind sie aus Kunstleder, Segeltuch oder Nylongewebe. Dafür haben viele Trageriemen, Fächer für Kleinkram oder andere praktische Details. Billiger sind sie meist auch – wenn auch.

  6.   Fine

    Ich finde die Werkzeugrollen sehen super aus! Ich überlege auch schon seit Langem wie ich meine Normteile und Werkzeuge am Besten verstauen kann und diese dann auch nicht so viel Platz wegnehmen. Danke für die Beschreibung.