Das Blog der Köche, Gastronomen und Gourmets

Milchmädchen-Rechnungen

Von 18. Januar 2012 um 22:21 Uhr

1 kg Äpfel oder Birnen bei Anlieferung zur Versaftung 0,08 Euro
1 kg w.o. aus kontrolliertem Anbau (mit Nachweis) zur Versaftung 0,15 Euro
1 kg Getreide Sackware 0,26 Euro
1 kg Grillhaxen vom Schwein Vlies-Schnitt 1,39 Euro
1 kg Hähnchen TK 1,63 Euro
1 kg halbes Schwein (HKl E wie „Extra“) 1,99 Euro
1 kg Mangold 2,25 Euro
1 kg Äpfel 2,55 Euro
1 kg Schalotten 3,25 Euro
1 kg Rehwild in der Decke 4 Euro
1 kg Lachsforelle 7,95 Euro
1 kg Ochsenherz-Tomaten 8 Euro
1 kg Panko Paniermehl 8,11 Euro
1 kg industriell hergestellter Schokoriegel 8,60 Euro
1 kg Büffel-Mozzarella 12,75
1 kg Kräutersaitling (Zuchtpilze) 13,90
1 kg Presa Iberica de Bellota (Schwein aus Spanien) 25,90
1 kg industriell hergestellter Tete de Moine in Röschen 35,90
Alle Preise ohne MwSt.

Nun ein paar Milchmädchen-Rechnungen:
Wenn ich also 10 Kilogramm Äpfel aufsammle und zur Sammelstelle bringe, kann ich mir vom Erlös ein ganzes Vollkornbrötchen kaufen.
Oder:
Für fast sechs Kilo Schweinshaxe ist schon ein Kilo Tomate zu bekommen. Toll.
Jedoch:
Für ein Kilo Panko-Paniermehl braucht's  schon mehr als 30 Kilo Getreide… das ist mühsam.
Wenn noch ein paar andere Milchmädchen mitrechnen, wird's noch spannender:
Eine Handwerker-Meisterstunde entspricht 180 Kilo Getreide.
Ein Auto-Außenspiegel (grundiert) kostet dasselbe wie 225 Kilo Schweinehaxen (Vlies-Schnitt).
Alles richtig?

Kategorien: Allgemein, Warenkunde
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Nein.
    Total krank.

    • 19. Januar 2012 um 00:09 Uhr
    • Heike von Au
  2. 2.

    Ich machte vor 2 Jahren im Herbst einen Kurzurlaub am Bodensee.
    Die Ferienwohnung gehörte einem Nebenerwerbsbauern, der einen Obsthof
    bewirtschaftete. Mich störte das viele Fallobst in der gesamten Region, das unter den Bäumen vergammelte. Ich sprach meinen Vermieter darauf an. Er sagte mir, dass er für „Saftobst“ 0,10 € und für Tafelobst 0,14 € pro Kilo von der Genossenschaft bekäme. Er könne es sich finanziell nicht erlauben, einen Erntehelfer einzustellen, der das Fallobst aufsammeln würde.

    Von der Ernte am Bodensee geht die Reise in die Ballungszentren und
    das Obst kostet dann im Laden 2,55 € pro Kilo.
    Diese Reise nennt man „Mehrwert“.
    Gut, dazwischen liegen Lagerkosten, Frachtkosten, Vermarktungskosten etc.

    Kann der Obstbauer aus dem Erlös noch die Reparaturkosten für seinen Trecker in der Meisterwerkstatt seines Vertrauens bezahlen?
    Irgendwann wird ihm die Lust vergehen und er gibt seinen Hof auf.
    Dann wird uns noch mehr Obst aus Neuseeland und Südafrika im Supermarkt anlächeln.
    Man sollte dem Handel einmal ins Gedächtnis rufen, dass auch er dem
    Gemeinwohl vepflichtet ist.
    Der Handel, der das geringste Risiko trägt, hat den höchsten Gewinn.

    • 19. Januar 2012 um 09:01 Uhr
    • Der alte Koch
  3. 3.

    Lieber Christian,

    vielen Dank für Deine „Rechnung“, die man nicht oft genug allen möglichen Leuten um die Ohren hauen sollte. Ich werde das gerne „mit“tun! Schön, dass es noch Gastronomen gibt, die mehr denken und wollen, als nur um ihren eigenen Kosmos zu kreisen.

    Liebe Grüße Peter

    • 19. Januar 2012 um 09:59 Uhr
    • Peter Urban
  4. 4.

    eigentlich haben wir alle das selbst in der Hand! Doch die Geiz ist Geil Mentalität ist seeehr weit verbreitet, auch bei Leuten, die den Euro nicht umdrehen müssen.
    Discounter und Tengelmänner kann man meiden, der Gemüsetürke und der Metzger um die Ecke würden sich freuen…..

    • 19. Januar 2012 um 10:32 Uhr
    • raimund freund
  5. 5.

    Dass ein Kilo Schokoriegel (industriell gefertigt) mehr als 5 mal soviel kostet wie ein Kilo Hähnchen, muss einen betroffen machen. Überhaupt scheinen die Relationen hier mächtig aus dem Ruder zu laufen.
    Wenn man das Glück hat in unmittelbarer Nähe gleich zwei gute Apfelbauern (einer davon überzeugter Slow Food-Förderer, der zudem auch tolle Essige etc. herstellt) zu haben, dann kann man nur hoffen, dass diese über die Direktvermarktung „ein bissel“ besser verdienen.

  6. 6.

    Tja, gescheite Tomaten sind halt nicht billig….

    • 19. Januar 2012 um 21:51 Uhr
    • Peter Kunze
  7. 7.

    @ P.K.
    sind Ochsenherz-Tomaten denn „gescheite“ Tomaten?

    • 19. Januar 2012 um 22:13 Uhr
    • schneckenschliem
  8. 8.

    @6+7
    Habe noch nie soviel für Ochsenherzen bezahlt wie hier aufgeführt, kaufe allerdings nur in der Saison. Und sie sind nicht nur „gscheit“, sondern vorallem super lecker!
    Matthias

    • 19. Januar 2012 um 23:35 Uhr
    • Matthias
  9. 9.

    Ich liebe Milchmädchenrechnungen! 😉

    Jeder EU-Bürger, Frauen und Kinder mitgerechnet, zahlt 120 Euro Agrarsubventionen im Jahr. Mit Mehl und Hefe vom A**i gibt das 360kg Brötchenteig. Ein Brötchen hat 0,08kg Gewicht. Macht 4500 Brötchen pro Jahr oder etwa 12 pro Person und Tag. Soviel kann ich gar nicht essen.

    Oder anders: Unser Dorf hat nur noch einen einzigen Vollerwerbslandwirt. 3500 Einwohner * 120 = 420000 Euro pro Jahr, die wir ihm auch gleich geben könnten. Er hätte dann schlappe 35000 Euro im Monat (100x Hartz IV) und wir könnten seine Erzeugnisse zu denselben günstigen Preisen wie bisher kaufen. Guter Deal.

    Oder?

    • 21. Januar 2012 um 11:20 Uhr
    • 6bb6
  10. 10.

    Na, ja ochsenherzförmige Tomaten sind in der Regel stark überschätzt was ihren Geschmack betrifft – zum Glück gibt es weit bessere und die sind auch in der Saison meist noch teurer wenn man sie kaufen muss… – aber was für ein Wohlgeschmack…

    • 21. Januar 2012 um 19:40 Uhr
    • Peter Kunze
  11. 11.

    Und wenn ich mit meinem Milchmädchen beim Autor einmal essen geh, muss ich ein ganzes Schwein mitbringen.
    Ein (Küchen-)Handwerker sollte nicht so über die Sätze eines anderen Handwerkers staunen müssen.

    • 21. Januar 2012 um 20:01 Uhr
    • Kfz-Meister
  12. 12.

    Über die Produktpreise wird die Arbeit entwertet und über die Arbeit der Mensch. Nur damit Anton Schlecker & Cie. auf den Listen der Reichsten landen. Wir haben’s wahrlich weit bringen dürfen.

  13. 13.

    „ochsenherzförmige Tomaten sind in der Regel stark überschätzt“ … das war doch der Satz, den ich vom Tomatenpapst hören wollte.

    • 22. Januar 2012 um 19:12 Uhr
    • schneckenschleim
  14. 14.

    Schlechter deal, außer evtl. für den einen Landwirt.
    Sie aber werden sich bei diesem von Ihren 10 € im Monat vielleicht gar nichts so Spannendes kaufen können. Was wollen Sie denn z.B. mit einem Doppelzentner Weizen?
    Mit Direktzahlungen verbessern Sie sich gegenüber dem Modell EU, in dem unser Geld verschwindet, nicht zwangsläufig.
    Merke: Nicht jede Zahl, die man groß hochrechnen kann, begründet gleich eine sinnvolle Aussage.

  15. 15.

    Ich denke, es macht Sinn sich als Konsument von Lebensmitteln im allgemeinen (Fleisch, Milchprodukte, Gemüse, Obst) wieder mehr auseinanderzusetzen (Herstellung/Herkunft)

    Hier eine interessante Herangehensweise auch für Menschen aus der Stadt
    http://www.solidarische-landwirt...

    Und hier grundsätzliche Informationen
    http://www.meine-landwirtschaft.de

    • 23. Januar 2012 um 11:59 Uhr
    • pritzi
  16. 16.

    Wir haben auch ein paar Fallobstwiesen um den (ehemaligen) Hof im Bodenseeraum. Das Aufsammeln wurde immer den Kindern aufgegeben, die dann pro Eimer Äpfel (ca 20 kg) 1 Mark (später 1 Euro) bekommen haben, an einem Nachmittag konnte man dann 15 Mark holen wenn man sich reingehängt hat, für Kinder viel Geld.

    Aber eine Familie ist damit echt nicht zu ernähren, ein Verwandter Obstbauer lässt seine Äpfel mittlerweile auch liegen und arbeitet bei der Straßenmeisterei.

    • 23. Januar 2012 um 12:31 Uhr
    • d_bolle
  17. 17.

    Der Gemüsehändler oder Metzger „um die Ecke“ kauft doch i.d.R. nicht direkt beim Produzenten ein, sondern beim Grossisten. Und wer sagt, dass der Grossist nicht genauso die Preise drückt, indem er wegen eines Cent Unterschied statt aus Deutschland aus Neuseeland einkauft, wie Aldi, Lidl und Co.?

    Ansonsten sind zumindest die Versaftungspreise gar nicht so furchtbar, wie sie auf den ersten Blick aussehen. 1l Apfelsaft kostet bei Aldi Süd beispielsweise derzeit 49 Cent: http://www.aldi-sued.de/de/html/product_range/2744_15501.htm
    Und das ist inklusive 19% Mehrwertsteuer (nur Äpfel und Leitungswasser haben 7%, Getränke sonst generell 19%), also bleibt als Nettopreis 41,2 Cent.

    Als Zutaten für 1l Apfelsaft braucht man (alle Mengen geschätzt):
    * 1,3 kg Äpfel für 10,4 Cent
    * 1/5 kWh Strom, insbesondere für den Entzug von Wasser zur Herstellung von lagerfähigem Apfelsaftkonzentrat: ca. 3 Cent
    * Lagerung des Konzentrats: ca. 1 Cent
    * Wiedervermischung mit Wasser, Verpackung, Sterilisation: 1 Cent
    * 1 Tetra-Pack: ca. 5 Cent
    Zusammen also knapp über 20 Cent, die Hälfte des Nettoverkaufspreises.

    Für Transport zum Laden, Aufstellen der Ware im Laden, anteilige Zeit der Kassierin und Zahlungssystemkosten (entweder für den Geldtransporter oder Bankprovisionen bei Zahlungen mit Karte) gehen 10 bis 20 Cent drauf. Im Schnitt bleibt Aldi ein Gewinn von höchstens 5 Cent.

    Jag

  18. 18.

    Ich habe ein neues Ziel in meinem Leben. Ich werde der einzig verbliebene Vollerwerbslandwirt in Berlin.

    3,5 Mio. Einwohner * 120,- Euro im Jahr = 420,- Mio. Euro im Jahr

    Dann baue ich Ochsenherz-Tomaten an. Da ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung seine Nahrungsmittel aus der Armenspeisung bezieht und ein nicht zu unterschätzender Teil der Meinung ist, dass ochsenherzförmige Tomaten stark überschätzt sind, brauche ich gar nicht soviel anbauen – 100 Kilo im Monat müssten völlig ausreichen, um den Bedarf decken.

    Kann mir jemand sagen wie ich an die Subventionen komme und ob ich die 420 Mio. versteuern muss. Sollte meine Idee einen Haken haben, hätte ich auch noch genug Geld in meiner »Kriegskasse«, um diesen zu lösen.

  19. 19.

    Danke, danke für diese Zahlen.
    Man betrachte sie einmal unter Lobby-Aspekten.

    An Tiefkühlhähnchen oder Schweinefleisch kann bei diesen Presien fast niemand mehr irgendetwas verdienen, daher können diese Lebensmittel auch unwidersprochen permanent gedisst werden.

    Anders verhält es sich mit Getreide-Sackware: ein bisschen quetschen, eine homöopathische Dosis Nüsse und Trockenfrüchte dazu, ein bisschen aufgesprühtes Vitamin und so können 1kg à 0,26 zu kg-Preisen von 4 bis 8 € als Müsligesundessen verkauft werden.
    Diese astronomischen Spannen gelingen mit Schweinehälften nie.

    Ich beginne zu ahnen, wo die Ursache für das mediale Dauerfeuer, auf Fleisch aus Gesundheits-, Tierschutz-, Menschenschutz-, Klimaschutz,-sowie ästhetischen Gründen zu verzichten, herrührt.

    Und warum für Apfelsaft nirgendwo geworben wird.

  20. 20.

    Wird Zeit dass der Handel aus der Gleichung genommen wird oder? Heute auf Bio-Zustelldienste umsteigen!

    • 23. Januar 2012 um 13:16 Uhr
    • seqastian
  21. 21.

    Dei Wertigkeiten gegenüber Waren und Personen in unserer Gesellschaft
    stimmen nicht mehr. So bekommen z.B. „Neukunden“ bei den Banken höhere Zinssätze für Tagesgeld als „Altkunden“, die bereits 40 Jahre Kunde sind. Beständigkeit und Ehrlichkeit zählen nicht mehr.

    • 23. Januar 2012 um 13:24 Uhr
    • Heiner Bremer
  22. 22.

    Naja, so stimmt das überhaupt nicht.

    Es ist umgedreht: je mehr Gewinn, desto generell mehr Risiko, und je mehr Risiko, desto generell mehr Gewinn…

  23. 23.

    Die Mittel zum Leben…

    Beruflich bedingt (Lebensmitteltechnologe) verfolge ich den zunehmenden Preiswahnsinn bereits zwei Jahrzehnte. Menschen kaufen bedenkenlos billigste Fleischwaren, Gemüse und Obst, ohne dass bei Fleischpreisen von unter 3Euro je kg die Alarmglocken schrillen. Gleichzeitig achten viele peinlichst genau darauf, welches Hochleistungsöl ihr Fahrzeug erhält und sie tragen überteuerte outdoor-fashion. In sich stopfen manche Menschen das billigste Essen.
    Schade…

    Es ist jedem selbst überlassen. Das nennt man Freiheit.

    • 23. Januar 2012 um 13:39 Uhr
    • IQ130
  24. 24.

    1 KG ein halbes Schwein?

    1KG = 1/2 Schwein?

    Kann mir das bitte mal einer näherbringen, danke?!

    • 23. Januar 2012 um 13:46 Uhr
    • RuedigErm
  25. 25.

    Milchmädchen sollten nicht länger Abitur machen dürfen. Nicht nur, dass die OECD unlängst festgestellt hat, dass in Deutschland die drittteursten Lebensmittelpreise gezahlt werden (also der reale Preis des Apfels, nicht in Relation zum angeblichen Gehalt, das so hoch nicht sein kann, wenn der Pole nicht mehr Spargel stechen will), der Artikel ignoriert auch die logischen Zusammenhänge.

    Auf einem Hektar können sie circa 2800 Apfelbäume stellen, durchschnittlich. Jeder Baum alleine bringt zwischen 10 und 20 Kilo Äpfel pro Jahr. Macht also pro Hektar 4480€. Der Bauer, der lediglich einen Hektar bewirtschaftet, er existiert nicht.

    Baden-Würtemberg hat bspw. 11000 Hektar Apfelanbaufläche. Da dort nicht jeder Bauer Apfelbauer ist, kann man sich ja grob ausrechnen, was auf einen Apfelbauern an Gesamtertrag kommen wird. Arme Leute sind das nicht und hey, es sind Äpfel! Einfach mal deren Nährwert beachten, da sind die Preise völlig okay. Und auch nicht vergessen, wie produktiv Landwirtschaft heute ist-das ist nicht umsonst ein Studienfach!

    Nervt langsam, wenn dauernd geschrieben wird, man könne in Deutschland mit Lebensmitteln kein Geld verdienen, obwohl sie nirgends in Europa (mit Ausnahme von Schweden und Liechtenstein) mehr für einen Apfel zahlen, als in Deutschland-und zwar ganz real, in Euro!

  26. 26.

    „Jeder EU-Bürger, Frauen und Kinder mitgerechnet…“

    Sind Sie wirklich ganz sicher, dass Sie sogar Frauen zu den EU-Bürgern rechnen wollen???

    • 23. Januar 2012 um 13:54 Uhr
    • Hagmar
  27. 27.

    mäh. ich finde diese gegenüberstellung interessant, zeigt sie bei zweitem blick doch, wie viele komplexe faktoren auf die preisbildung von lebensmitteln einwirken: technische modernisierung, preiskampf im fleisch- und geflügelsektor, die interne aufstellung und regulation des handels.

    auf produzentenseite ist ohne ende kapital in maschinen und gebäuden versenkt, das nicht so eben in produktionsanlagen für ochsenherztomaten oder tete-de-moine-hobelbänke transformiert werden kann. ein landwirt hat nicht die innovationszyklen einer softwareschmiede. wissen spielt eine rolle, absatzwege spielen eine rolle, klima spielt eine rolle. tradition oft auch, vielleicht eher durch die hintertür.

    die kategorie des raums, der früher die allokation landwirtschaftlicher nutzungen bestimmt hat, ist im jetzigen system vollkommen irrelevant, außer für sympathische romantiker.

    ich frage mich, wie eine solidargemeinschaft der gesellschaft / der kunden mit landwirtschaftlichen erzeugern aussehen kann, die sich einerseits deutlich vom status quo abhebt, und andererseits nicht auf moralpredigten ohne tatsachengrundlage beruht.

    • 23. Januar 2012 um 14:00 Uhr
    • knus horlanski
  28. 28.

    Weite Kreise der Konsumentenschaft sind durch allumfassende Berieselung mit Werbung aus verschiedensten Medien gleichgeschaltet oder – zu deutsch – verblödet. Man kauft immer mehr Imagelebensmittel (oder etwas mit Lebensmittelimage) als ein tatsächliches Produkt. Die Lebensmittelindustrie müht sich erfolgreich, dies weiter zu steigern. Einfaches Beispiel: Vollmilch kostet, pro Liter, die Hälfte einer Markenbuttermilch, obwohl ja bei der Markenbuttermilch schon was fehlt. Oder mit Obstverarbeitungsresten und Zucker gestreckter Joghurt kostet das 4-5 fache eines echten Vollmilchjoghurts – der mit einem Löffel Marmelade verrührt – ein besseres Produkt abgeben würde. So traurig das Ganze ist – mit zunehmendem Verarbeitungsgrad sinkt die geschmackliche und physiologische Qualität der Lebensmittel, aber der Ladenpreis steigt. Wer’s braucht…..

  29. 29.

    @Dönhoffserbe – Sie schreiben es: Jeder hat es in der Hand, sich dem Diktat der Lebensmittelindustrie zu entziehen. Die Preise bei selbstvermarktenden Bauern, deren Produkte ich bis auf Feld und Rinderbox zurückverfolgen kann, liegen nicht prohibitiv über jenen, die Aldidl für Industrieware aufruft; ebenso ist es mit Obst und Gemüse von Selbstvermarktern, denen „Bio“ nicht nur ein Etikett ist. Und gerade Ihr Beispiel mit dem Fruchtjoghurt gefällt mir gut, weil wir das schon seit Jahrzehnten so machen. Wie heißt der alte Lebensmittelbetriebswirt-Grundsatz: Wer glaubt, daß im Fruchtjoghurt aus dem Kühlregal Früchte sind, der glaubt auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten.

  30. 30.

    Erzeugerseitig hat die Landwirtschaft sich vom Vollverwertungsbetrieb zum Halbzeughersteller optimiert. Statt Futtermittel im eigenen Betrieb über die arbeitsintensive Tierhaltung zu veredeln, gibt es fast nur noch große Höfe die Raps, Weizen und Mais „machen“ und dann an der Warenterminbörse verkaufen. Ein großer Teil der Wertschöpfung fällt dann anderen Spezialisten zu, die ihrerseits nur einen Schritt z.B. Mast machen. Der zu mästende „Besatz“ wird meist zugekauft. Durch diese Aufsplitterung in Teilmärkte werden die einzelnen „Spezialisten“ über zwischengeschaltete Händler unter einen enormen Preisdruck gesetzt, denn jeder Händler macht seinen Profit immer über den Einkauf.

  31. 31.

    Sehen Sie, und genau hier liegt der Denkfehler. Sie legen als Basis den Verkaufspreis von € 0,49 an, das jedoch ist der subventionierte Listenpreis zu dem der Discounter nach knallharter Kalkulation und drücken der Preise beim „Hersteller“ der Äpfel, in unserem Falle also dem Landwirt, festgesetzt hat.

    Dieser Preis enthält weder ein gerechtes Auskommen für die Produzenten, noch sind die Kosten für potenzielle Umweltschäden (auch so ein tolles ökologisches Produkt wie Saft benötigt in der Herstellung bspw. Energie) noch sind gerechte Gehälter für die Angestellten des Handelsunternehmens einkalkuliert.

    Die wahren Kosten der Herstellung sind im Preis des Produktes wenn überhaupt nur anteilig enthalten. Bevor das Produkt in Ihrem Einkaufswagen landet haben es nämlich schon diverse Teilnehmer der Lieferkette subventioniert, bevor dann der Gewinn von den oberen 10000 abgeschöpft wird…

    • 23. Januar 2012 um 15:05 Uhr
    • deDude
  32. 32.

    Der originale (!) „Presa Iberica de Bellota“ zu 25,90 Euro das Kilo ????
    Hier, in Deutschland ??

    Nennen Sie bitte die Einkaufsquelle Herr Mittermeier- Danke!

    • 23. Januar 2012 um 16:40 Uhr
    • Köhler
  33. 33.

    „Sind Sie wirklich ganz sicher, dass Sie sogar Frauen zu den EU-Bürgern rechnen wollen???“

    Wenn es nach mir ginge …

    • 23. Januar 2012 um 17:11 Uhr
    • 6bb6
  34. 34.

    Hallo,
    meine Einkaufsquelle ist http://www.enologos.com
    Mit diesem Fleisch werden allerdings nur Gastronomen beliefert.
    Eine andere sehr gute Quelle für HighEnd-Fleisch ist: http://www.otto-gourmet.de
    Preis für Presa Bellota incl MwSt dort: 56 Euro
    Beim Preisvergleich ist zu beachten, dass der Gastro-Preis keine MwSt enthält,
    der exakte Zuschnitt anders sein kann, die Abnahme-Menge eine andere ist und
    der Vertriebsweg/Lieferweg auch.

  35. 35.

    soviel kostet ein halbes Schwein pro kg im Angebot eines CC-Marktes von letzter Woche, netto, also ohne MwSt.

  36. 36.

    Wieso spanischen Schinken in Deutschland kaufen? Leute, wacht auf! Kauft das Zeug da, wo es herkommt. Das erfordert zwar ggf. Kenntnisse der Landessprache, bietet aber den Vorteil, parasitäre Zwischenhändler auszubooten. Falls sich ein Lieferant weigert, „seinen“ Zwischenhändler mit Gebietsschutz zu übergehen, droht ihm mit der EU-Wettbewerbsbehörde. Die Herrschaften dort sind immer froh, wenn sie einen Erfolg vermelden dürfen. Ich habe das schon erfolgreich praktizert.

  37. 37.

    Der Metzger um die Ecke und der Gemüse-Türke kaufen auf dem gleichen Großmarkt ein wie die Discounter und der Mann auf dem Wochenmarkt. Das Produkt muss nicht unbedingt in der gleichen Handelsklasse liegen. Wir kaufen Bioware sowohl auf dem Markt als auch bei Discountern ein. Manchmal gibt es Unterschiede, bei anderen Sachen wieder nicht.
    Die Metzger dürfen meistens auch nicht mehr selbst schlachten. Daher ist der Supermarkt-Schlachter nicht anders zu bewerten als der Metzger um die Ecke. Metzger, die wirklich wissen, woher ihr Tier kam und wie es ernährt wurde, dürften außerhalb der Bioszene eine aussterbende Spezies sein.
    Unser Brot ist von einem Biobauern, da stimmt die Sache noch, es gibt keinen Zwischenhandel. Das ist aber selten zu verwirklichen.
    Dass aber die, die wirklich die schwere Arbeit amchen, also die Bauern, so wenig für ihre Waren bekommen, ist ein Skandal. Zum Teil haben sie es aber selbst verursacht, indem sie konventionell anbauen anstatt biologisch. Bei letzterem bekommt der Bauer mehr für sein Produkt, vorausgesetzt, er kann es vermarkten.

    • 23. Januar 2012 um 18:52 Uhr
    • kerle51
  38. 38.

    Statt die Äpfel vergammeln zu lassen (naja, da freuen sich wenigstens Waschbär, Siebenschläfer, Igel etc.), könnte man sie evtl. selbst pressen und hausgemachten Saft und Apfelwein/Most/Viez verkaufen. Der bringt, jedenfalls bei uns, je nachdem wie geschickt er vermarktet wird und wie cool die Kunden sind, zwischen 80 Cent und 1,75 Euro.

    Mit ein bisschen Gefasel von „sortenreinem Jahrgangsapfelwein“ kann man auch locker 4 Euro und mehr rausholen.

  39. 39.

    „Leute, wacht auf! Kauft das Zeug da, wo es herkommt.“

    Ich bin ja wach! Und glaube, dass Sie ein bisshen wahnsinnig sind: nach Spanien fahren, für 500 € Sprit rausblasen, für ein Stück Schinken ? Oder „schnell mal“ Kaffee holen gehen, in Kenia; oder den Tee direkt vom Feld pflücken, in China.. ?

    • 24. Januar 2012 um 16:47 Uhr
    • zwosel
  40. 40.

    …..Und glaube, dass Sie ein bisshen wahnsinnig sind: nach Spanien fahren, für 500 € Sprit rausblasen…

    Ich bestelle beim Erzeuger im Online-Shop und zahle nur die Paketgebühr. Wer denken kann, ist stets klar im Vorteil.

  41. 41.

    @Dönhofferbe
    Ich finde es wesentlich spannender ein vergleichbare, die gibt es, aus der Heimat zu bekommen. Gott sei Dank scheren sich diese Erzeuger keinen Deut um die Bestimmungen aus Brüssel.

    • 24. Januar 2012 um 23:30 Uhr
    • Sauzahn
  42. 42.

    @sauzahn: Schtimpt. Wenn ich nur an die randvoll mit feinstem, fachgerecht zerlegten Wildbret gefüllten Kühltruhen dieses unter Kennern berühmten Jägers denke … 😉

  43. 43.

    Endlich fangen wir die Preise zu hinterfragen.
    Ich ging auf der Strasse und sah, wie ein 7-jähriger Junge mit Brot Fußball spielte.
    Da ich das Glück hatte und im Sommer bei meinen Großeltern in dorflicher Umgebung Zeit verbrachte, weiß ich wieviel arbeit es bedeutet, bis ein Dorfbecker ein leib Brot herstellte. Dabei war er so beschäftigt, dass die Kunden, die von „Außen“ kamen, kein Brot bekamen. Er backte nur für die Nachbarn aus unmittlbarer Umgebung und ihre Nachkommen.
    Wenn ich Brot abholte, sagte mir: „Grüß deinen Großvater“.

    Diese Zeiten sind vorbei. Inzwischen benutzen wir Getreide sogar als Brennmittel …..
    Ich frage mich manchmal ob wir wissen, was wir uns selbst antun?

    • 26. Januar 2012 um 13:24 Uhr
    • Anna
  44. 44.

    „Wer denken kann, ist stets klar im Vorteil.“

    Leute, die solche Ansagen verbreiten, fallen klar in die Kategorie „Ar…..ch“.

  45. 45.

    Da bleibt einem die Spucke weg, mehr davon, das öffnet die Augen – echt klasse. Danke

    • 26. Januar 2012 um 17:49 Uhr
    • silberbauer
  46. Kommentar zum Thema

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