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Milchmädchen-Rechnungen

Von 18. Januar 2012 um 22:21 Uhr

1 kg Äpfel oder Birnen bei Anlieferung zur Versaftung 0,08 Euro
1 kg w.o. aus kontrolliertem Anbau (mit Nachweis) zur Versaftung 0,15 Euro
1 kg Getreide Sackware 0,26 Euro
1 kg Grillhaxen vom Schwein Vlies-Schnitt 1,39 Euro
1 kg Hähnchen TK 1,63 Euro
1 kg halbes Schwein (HKl E wie „Extra“) 1,99 Euro
1 kg Mangold 2,25 Euro
1 kg Äpfel 2,55 Euro
1 kg Schalotten 3,25 Euro
1 kg Rehwild in der Decke 4 Euro
1 kg Lachsforelle 7,95 Euro
1 kg Ochsenherz-Tomaten 8 Euro
1 kg Panko Paniermehl 8,11 Euro
1 kg industriell hergestellter Schokoriegel 8,60 Euro
1 kg Büffel-Mozzarella 12,75
1 kg Kräutersaitling (Zuchtpilze) 13,90
1 kg Presa Iberica de Bellota (Schwein aus Spanien) 25,90
1 kg industriell hergestellter Tete de Moine in Röschen 35,90
Alle Preise ohne MwSt.

Nun ein paar Milchmädchen-Rechnungen:
Wenn ich also 10 Kilogramm Äpfel aufsammle und zur Sammelstelle bringe, kann ich mir vom Erlös ein ganzes Vollkornbrötchen kaufen.
Oder:
Für fast sechs Kilo Schweinshaxe ist schon ein Kilo Tomate zu bekommen. Toll.
Jedoch:
Für ein Kilo Panko-Paniermehl braucht’s  schon mehr als 30 Kilo Getreide… das ist mühsam.
Wenn noch ein paar andere Milchmädchen mitrechnen, wird’s noch spannender:
Eine Handwerker-Meisterstunde entspricht 180 Kilo Getreide.
Ein Auto-Außenspiegel (grundiert) kostet dasselbe wie 225 Kilo Schweinehaxen (Vlies-Schnitt).
Alles richtig?

Kategorien: Allgemein, Warenkunde
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Nein.
    Total krank.

    • 19. Januar 2012 um 00:09 Uhr
    • Heike von Au
  2. 2.

    Ich machte vor 2 Jahren im Herbst einen Kurzurlaub am Bodensee.
    Die Ferienwohnung gehörte einem Nebenerwerbsbauern, der einen Obsthof
    bewirtschaftete. Mich störte das viele Fallobst in der gesamten Region, das unter den Bäumen vergammelte. Ich sprach meinen Vermieter darauf an. Er sagte mir, dass er für “Saftobst” 0,10 € und für Tafelobst 0,14 € pro Kilo von der Genossenschaft bekäme. Er könne es sich finanziell nicht erlauben, einen Erntehelfer einzustellen, der das Fallobst aufsammeln würde.

    Von der Ernte am Bodensee geht die Reise in die Ballungszentren und
    das Obst kostet dann im Laden 2,55 € pro Kilo.
    Diese Reise nennt man “Mehrwert”.
    Gut, dazwischen liegen Lagerkosten, Frachtkosten, Vermarktungskosten etc.

    Kann der Obstbauer aus dem Erlös noch die Reparaturkosten für seinen Trecker in der Meisterwerkstatt seines Vertrauens bezahlen?
    Irgendwann wird ihm die Lust vergehen und er gibt seinen Hof auf.
    Dann wird uns noch mehr Obst aus Neuseeland und Südafrika im Supermarkt anlächeln.
    Man sollte dem Handel einmal ins Gedächtnis rufen, dass auch er dem
    Gemeinwohl vepflichtet ist.
    Der Handel, der das geringste Risiko trägt, hat den höchsten Gewinn.

    • 19. Januar 2012 um 09:01 Uhr
    • Der alte Koch
  3. 3.

    Lieber Christian,

    vielen Dank für Deine “Rechnung”, die man nicht oft genug allen möglichen Leuten um die Ohren hauen sollte. Ich werde das gerne “mit”tun! Schön, dass es noch Gastronomen gibt, die mehr denken und wollen, als nur um ihren eigenen Kosmos zu kreisen.

    Liebe Grüße Peter

    • 19. Januar 2012 um 09:59 Uhr
    • Peter Urban
  4. 4.

    eigentlich haben wir alle das selbst in der Hand! Doch die Geiz ist Geil Mentalität ist seeehr weit verbreitet, auch bei Leuten, die den Euro nicht umdrehen müssen.
    Discounter und Tengelmänner kann man meiden, der Gemüsetürke und der Metzger um die Ecke würden sich freuen…..

    • 19. Januar 2012 um 10:32 Uhr
    • raimund freund
  5. 5.

    Dass ein Kilo Schokoriegel (industriell gefertigt) mehr als 5 mal soviel kostet wie ein Kilo Hähnchen, muss einen betroffen machen. Überhaupt scheinen die Relationen hier mächtig aus dem Ruder zu laufen.
    Wenn man das Glück hat in unmittelbarer Nähe gleich zwei gute Apfelbauern (einer davon überzeugter Slow Food-Förderer, der zudem auch tolle Essige etc. herstellt) zu haben, dann kann man nur hoffen, dass diese über die Direktvermarktung “ein bissel” besser verdienen.

  6. 6.

    Tja, gescheite Tomaten sind halt nicht billig….

    • 19. Januar 2012 um 21:51 Uhr
    • Peter Kunze
  7. 7.

    @ P.K.
    sind Ochsenherz-Tomaten denn “gescheite” Tomaten?

    • 19. Januar 2012 um 22:13 Uhr
    • schneckenschliem
  8. 8.

    @6+7
    Habe noch nie soviel für Ochsenherzen bezahlt wie hier aufgeführt, kaufe allerdings nur in der Saison. Und sie sind nicht nur “gscheit”, sondern vorallem super lecker!
    Matthias

    • 19. Januar 2012 um 23:35 Uhr
    • Matthias
  9. Kommentar zum Thema

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