Es geht auch ohne Fernsehen

Morris Lessmore und seine fliegenden Bücher

Von 26. Januar 2012 um 09:53 Uhr

Am Dienstag wurden die Oscarnominierungen bekannt gegeben. Wie immer sind auch fünf animierte Kurzfilme darunter. Einer davon ist Die fantastischen fliegenden Bücher des Morris Lessmore, eine Produktion des ehemaligen Pixar-Illustrators William Joyce und des Regisseurs Brandon Oldenburg.

Unmittelbar nach der Nominierung hat das Animationsstudio Moonbot den kompletten Film auf Vimeo veröffentlicht. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Selbst in der sonst so aufgeschlossenen Animationsfilmszene werden viele populäre Produktionen oft nur mit großer Verzögerung online gestellt.

Die Macher  von Die fantastischen fliegenden Bücher scheinen verstanden zu haben, wie man heutzutage einen Film richtig präsentiert: nicht nur auf der Leinwand, sondern in verschiedenen Formaten und Medien. Im Verlauf des vergangenen Jahres haben sie nicht nur ein zehnteiliges Making-of für das Web produziert, sondern auch eine eigene iPad App für Kinder entwickelt, die sich des “digitalen Geschichtenerzählens” bedient und mit Erzähl- und Spielpassagen eine zweite Ebene jenseits des Films einführt. Damit ist Die fantastischen fliegenden Bücher nicht nur ein Animationsfilm, sondern gewissermaßen auch ein interaktives Ebook.

So digital der Film ist, so “analog” ist im übrigen der Inhalt: Die fantastischen fliegenden Bücher erzählt die Geschichte des jungen Morris Lessmore, der sich nach einem Sturm in einer fabelhaften Welt voller fliegender Bücher wiederfindet, die ihn aufnehmen. Ohne Dialog auskommend, erinnert der Film in seiner Retro-Optik an alte Technicolor-Produktionen und Stummfilme, die nicht zuletzt dank des Oscar-Favoriten The Artist eine Rückkehr feiern. Im Stile klassischer Disney- und Pixar-Animationen zerfließen die Grenzen zwischen Realismus und Fiktion, unbewegliche Gegenstände werden zum Leben erweckt und eine gewisse Rührseligkeit fehlt auch nicht.

Kategorien: Animation, Kurzfilm
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Mein Gott, in einem Zeitalter von iPad und Smartphones…, einfach herzerwärmend und berührend. Bücher in gedruckter Form sterben hoffentlich nie aus.

    *

    • 26. Januar 2012 um 11:44 Uhr
    • Miss Brendel
  2. 2.

    Der Artikel erwähnt nicht, dass man i-Tunes installieren muss, bevor man den Film legal herunterladen kann. i-Tunes zu verlangen finde ich zwar legitim, aber ich mag mich trotzdem nicht darauf einlassen.

    • 26. Januar 2012 um 14:24 Uhr
    • Marone
  3. 3.

    Liebe/r Marone,

    für den Film brauchen Sie kein iTunes – sie können ihn direkt im Artikel sehen. Was Sie meinen ist die interaktive App, für die Sie allerdings nicht nur iTunes, sondern auch ein iPad benötigen.

  4. 4.

    Ein Kurzfilm, der zeitnah im Web präsentiert wird, ändert an dem ansonsten, gerade in Deutschland, jämmerlichen Zustand von legalen Streamingangeboten u.ä. zeitgemäßen Zugängen zu aktuellen Filmen aber auch gar nichts.

  5. 5.

    Wunderschön!!!

    • 27. Januar 2012 um 11:26 Uhr
    • Pannenjulchen
  6. 6.

    [...] Zeit Netzfilmblog) Share this:TwitterFacebookGefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. [...]

  7. 7.

    [...] Jahr stellte das Studio Moonbot seinen animierten Kurzfilm Die fantastischen fliegenden Bücher des Morris Lessmore online. Eine nette Geste, schließlich war der Film zu diesem Zeitpunkt für einen Oscar nominiert [...]

  8. Kommentar zum Thema

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