Es geht auch ohne Fernsehen

Wer ist Benjaman Kyle?

Von 23. November 2012 um 13:13 Uhr

“Hallo. Sie wissen nicht, wer ich bin, und um ehrlich zu sein, weiß ich es selbst nicht.” Der Mann, der diese Worte spricht, hat graues Haar, blaue Augen und ist 1,80 Meter groß. Wie alt er ist, weiß man dagegen nicht. Man schätzt ihn auf 60, ungefähr. Er nennt sich Benjaman Kyle, doch es ist nicht sein richtiger Name. Benjaman Kyle, B.K. – die Initialen sind nach der Burger King Filiale gewählt, hinter der er im August 2004 bewusstlos gefunden wurde. Das Leben eines Mannes endete hinter diesem Fast Food Restaurant in Richmond Hill, Georgia. Das Leben des Benjaman Kyle begann.

© Adam Harbottle/Wikipedia

Als der Mann, der sich heute Benjaman Kyle nennt, im Krankenhaus aufwachte, konnte er sich an nichts erinnern. Nicht an seinen Namen, nicht an seine Adresse, nicht an Freunde oder Verwandte, und nicht einmal an sein eigenes Gesicht im Spiegel. Er hatte keine Papiere mehr mit sich, vermutlich wurde er ausgeraubt und mit mehreren Schlägen auf den Kopf bewusstlos geschlagen. Argwöhnisch beobachteten ihn die Ärzte, Psychologen behandelten ihn zunächst für Schizophrenie. Die tatsächliche Diagnose kam erst später: Kyle leidet unter einer dissoziativen Amnesie, dem vollständigen oder teilweisen Verlust von Erinnerungen.

Es klingt wie eine Geschichte aus Hollywood, doch sie ist wahr. Das eigentliche Leiden von Benjaman Kyle begann aber erst, als die körperlichen Schmerzen aufhörten: Denn Kyle hatte weder einen Ausweis noch eine Sozialversicherungsnummer. Und ohne Papiere bekam er nach der Entlassung aus dem Krankenhaus keine Wohnung, keine staatlichen Hilfen, kein Bankkonto und vor allem: keinen Job, obwohl er ausreichende Kenntnisse aus dem Restaurant-Gewerbe mitbrachte. Nachdem er selbst in Obdachlosenheimen abgewiesen wurde, landete er schließlich auf der Straße.

Offiziell gilt Kyle als vermisst

Erst Jahre später, mit der Hilfe einer Krankenschwester, machte Kyle sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit. Über lokale Zeitungen und Politiker weckten sie das Interesse der Medien, traten schließlich in bundesweiten TV-Shows auf. Seine Fingerabdrücke und DNA wurden vom FBI schon früher durch alle verfügbaren Datenbanken des Landes gejagt – doch ohne Ergebnis. Noch heute ist Kyle der einzige Bürger, der als vermisst geführt wird, obwohl sein Verbleib bekannt ist. Obwohl Kyle sich an diverse Ereignisse und Orte aus den Gebieten um Denver und Indianapolis erinnern konnte, meldete sich bis heute niemand, der ihn kennt. Das Medienecho verstummte im Jahr 2010 schließlich. Kyle war wieder am Anfang und fragte sich, was wohl schlimmer sei: Nicht zu wissen, wer man ist, oder die Erkenntnis, dass einen ohnehin niemand vermisst.

Zufällig stieß zur gleichen Zeit der Filmstudent John Wikstrom auf die Geschichte. Und er entschloss sich, noch einen weiteren Versuch zu unternehmen. Mit Finding Benjaman versuchte Wikstrom nun mithilfe des Internets, die wahre Identität von Kyle herauszufinden und mit einigen Vorwürfen aufzuräumen. Etwa, dass die ganze Geschichte eine Ente, ein Fake sei.

Seitdem Wikstrom vergangenes Jahr erstmals den Film vorstellte gibt es immer wieder kleine Erfolge zu vermelden: Anfang des Jahres bekam Kyle einen vorübergehenden Ausweis ausgestellt. Zudem sah ein Restaurantbesitzer den Film online und entschied sich, Kyle einen Aushilfsjob zu geben. Eine weiterer Freiwilliger richtete ihm einen Schuppen zurecht, sodass er nicht mehr auf der Straße leben muss. Nur eines bleibt weiter unbekannt: Der richtige Namen des Benjaman Kyle.

Kategorien: Dokumentation
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Benjamin Kyle hat sogar als er versucht hat mit dem Staat Kontakt wegen des weiteren Vorgehens von der zuständigen Beamtin mitgeteilt bekommen, dass obwohl er vor ihr stehe er offiziel gar nicht existiert

    • 18. Januar 2013 um 17:02 Uhr
    • Hans Wurst
  2. Kommentar zum Thema

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