Es geht auch ohne Fernsehen

“Breaking the Taboo”: Der falsche Drogenkrieg

Von 7. Dezember 2012 um 20:05 Uhr

1971 rief US-Präsident Richard Nixon, schockiert vom steigenden Heroinkonsum amerikanischer Soldaten in Vietnam, einen neuen “Staatsfeind Nummer Eins” aus: die illegalen Drogen. In den 40 folgenden Jahren versuchten die USA und viele ihrer politischen Partner, mit einem rigorosen War on Drugs das Problem auf die harte Tour zu lösen. Mit drakonischen Strafen, neuen Behörden und militärischen Aktionen in Kolumbien, Mexiko und Afghanistan wollten sie die Produktion von Heroin und Kokain schon im Ansatz stoppen und die Zahl der Abhängigen senken.

Die Erfolge dieser Drogenpolitik sind im Rückblick, da sind sich die meisten Experten einig, ernüchternd. In Kolumbien übernahmen die Farc-Guerrillas und die Kartelle ganze Bundesstaaten, in Brasilien kontrollieren Drogenringe die Favelas. In Mexiko hat die von Ex-Präsident Calderón ausgerufene Offensive gegen die Kartelle seit 2006 fast 50.000 Menschenleben gefordert. In Afghanistan entwickelt sich der Anbau von Mohnpflanzen zum einzig rentablen Geschäft für die Bauern – und treibt sie damit in die Hände der Taliban. Und in den USA? Hier hat die Kriminalisierung der Drogendelikte das größte Gefängnissystem der Welt geschaffen, das Jahr für Jahr Milliarden Dollar verschlingt. Während die Zahl der Drogenabhängigen und Opfer steigt.

Die einstündige Dokumentation Breaking the Taboo, die in Zusammenarbeit mit der Global Commission on Drug Policy entstanden ist, beschreibt die Geschichte dieses erfolglosen Kampfes. Erzählt von Schauspieler Morgan Freeman und mit Interviews mit Drogenexperten und ehemaligen Staatschefs wie Bill Clinton oder dem Brasilianer Fernando Cardoso gespickt, begleiten die Macher jüngere politische Versuche, eine neue globale Drogenpolitik anzustoßen. Eine Politik, die nicht auf der Vernichtung und Verdrängung von Drogen basiert, sondern auf Legalisierung, Kontrolle, Aufklärung und Dialog mit den Abhängigen.

Breaking the Taboo ist insgesamt eine gelungene Arbeit und gute Einführung in das Thema, die einzig in den letzten Minuten etwas sentimental wird.

Update: Der Film wurde von den Machern inzwischen depubliziert.

Kategorien: Dokumentation
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Endlich spricht jemand die Wahrheit aus. Zu viel Blut klebt schon an unseren Händen! Solche Art Politik kann nicht die Lösung für das 21. Jahrhundert sein. Wir müssen alle pragmatisch und intelligent an das Phänomen Drogen herangehen. Ein Umdenken ist zwingend notwendig.

    • 7. Dezember 2012 um 20:23 Uhr
    • James
  2. 2.

    Definitiv ist ein Umdenken. Das traurige daran: Gerade Deutschland will mit aller Macht an dem alten Denken festhalten, während die meisten Länder um uns herum immer liberaler werden. Mit einer Ausnahme: Ausgerechnet die liberale Niederlanden rudern immer mehr zurück, der teilweise schon erfolgte um nächstes Jahr wohl komplette Ausschluss von Ausländern aus den Coffeeshops sprechen Bände. Ich blogge zum Thema auf keinwietpas.de

    • 8. Dezember 2012 um 15:32 Uhr
    • Stefan Müller
  3. 3.

    Auf diesen Film habe ich lange gewartet. Es tut sich etwas – und zwar gewaltig. Ich weiß nicht, ob ich so weit gehen sollte, Bill Clinton einen Befürworter der Legalisierungs-Bewegung zu nennen, aber das ist auch zweitrangig. Die Dokumentation macht eines jedoch sehr deutlich: Womit man als Pro-Legalisierungs-Aktivist immer noch zu kämpfen hat, ist das billige Vorurteil der, wie sie im Film genannt werden, Gläubigen der Anti-Drogen-Kampagnen, man sei selber Abhängig oder auch nur Drogenkonsument und nur solche Leute beträfe die Forderung nach Legalisierung und staatlich regulierter Verfügbarkeit von Drogen.

    Das es darum gar nicht geht, sollte nun einer breiteren Öffentlichkeit klar werden. Auch wenn man völlig gegen Drogen ist, sprechen rationale Gründe klar für die Legalisierung aller Drogen – zumindest für die Legalisierung von Marihuana. Ich warte auf eine synchronisierte oder wenigsten untertitelte Fassung und die Ausstrahlung im Fernsehen, denn die schlimmsten Fossile schauen eher keine Filme auf Youtube. Die Botschaft muss aber in der Gesamtbevölkerung ankommen.

    Die Auswirkungen der Prohibition haben sowohl im globalen Maßstab, wie auch in ganz individuellen Lebensläufen schon genug Schaden angerichtet. Die Folgen der Prohibition sind schlimmer als der Schaden, den Drogen anrichten können.

    Bei Frau Merkel und Frau Dyckmans ist das aber wohl noch nicht angekommen, und wird es wohl auch nie. Aber wie sagte Gorbatschow schon zu Honecker: “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!”

  4. 4.

    Der Film gefällt mir auch sehr gut. Da gibt´s übrigens auch ne gute Webseite. Hier erfährt man noch viel mehr über die Hintergründe der Drogenwirtschaft und vor allem was sie in den Herstellerländern anrichtet:

    http://www.drogenmachtweltschmerz.de/

  5. 5.

    Sehr gute Doku! LEGALIZE IT !!!

    • 13. Dezember 2012 um 15:26 Uhr
    • Johannes Strack
  6. 6.

    Vielen Dank für diesen sehr guten Bericht!
    Es würde mich sehr freuen wenn ihr auch über die folgende Aktion berichten könntet!
    http://antonioperi.wordpress.com/2013/01/06/operation-weedstorm/

    • 12. Januar 2013 um 02:55 Uhr
    • Stefan
  7. 7.

    Mit dem US-Präsidenten der gerne Marihuana rauchte und Koks nahm, haben uns die sonst so konservativen USA etwas voraus.
    Besonders interessant ist, dass nicht einmal Obamas Gegner eine funktionierende Negativ-Kampagne aus seinem Drogenkonsum machen konnten.

    Nicht die Droge ist das Problem sondern die Sucht und die Sucht gibt es auch ohne Drogen
    Um überhaupt eine Studie über die positiven Effekte von MDMA bei PTBS zu machen mussten Schweizer Ärzte lange lange Kämpfen.
    Die jetzige Gesetzgebung bezüglich psychotroper Substanzen ist objektiv Falsch.
    Täglich verwenden Millionen Drogen-User in Dosis und Wirkstoff-Konzentration unkontrollierte Produkte.
    Das müssen wir ändern!
    Ärzte brechen das Tabu!

    • 6. Februar 2013 um 18:57 Uhr
    • Anna Brennstoff
  8. Kommentar zum Thema

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