Es geht auch ohne Fernsehen

Netzfilm der Woche: “R’ha”

Von 20. Januar 2013 um 13:45 Uhr

Es ist der Traum  jedes Regisseurs. Einen  Film drehen, ihn online veröffentlichen und wenig später klopfen die großen Filmstudios an die Tür. Für den Berliner Studenten Kaleb Lechowski ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. Sein 3D-animierter Science-Fiction-Kurzfilm R’ha wurde in einer Woche nicht nur über eine Million Mal abgerufen, sondern weckte auch das Interesse Hollywoods. Schon bald wird Lechowski für Gespräche nach Los Angeles fliegen.

Die Geschichte an sich wäre schon erstaunlich genug. Sie wird noch besser, wenn man sich die Umstände genauer ansieht. Denn Lechowski ist kein etablierter Filmemacher, sondern Student an der Mediadesign Hochschule in Berlin. R’ha ist erst der zweite Kurzfilm des 22-Jährigen. Abgesehen von einigen kleinen Experimenten mit der kostenlosen Software Blender hatte Lechowski kaum Erfahrung mit der Produktion eines computeranimierten Films. Sieben Monate arbeitete er weitestgehend alleine an dem Projekt, lediglich die Soundeffekte und Stimmen kamen  von Profis.

R’ha zeigt in seinen sechs Minuten nur ein Fragment eines größeren Universums. Lechowski selbst nennt The Matrix und Terminator als Einflüsse, aber auch andere klassische Science-Fiction-Zutaten haben offenbar ihren Weg in den Film gefunden: Es geht um einen Kampf zwischen Aliens und Maschinen, um ferne Planeten und eine Zerstörung galaktischen Ausmaßes. R’ha sieht dabei nicht nur gut aus, sondern funktioniert gerade deshalb, weil er nicht zuviel erzählt: Zwischen der kurzen Rückblende und dem geschickt offen gehaltenem Ende fällt es nicht schwer, sich eine komplexe Geschichte vorstellen zu können.

Und vielleicht erfährt Lechowski ja ein ähnliches Schicksal wie Neill Blomkamp: Der Südafrikaner drehte 2005 einen Kurzfilm, auf den Hollywood ebenfalls aufmerksam wurde. Einige Jahre später entstand daraus ein erfolgreicher Spielfilm. Der Titel? District 9.

ZEIT ONLINE: Sie stehen inzwischen mit Vertretern aus Hollywood in Kontakt?

Kaleb Lechowski: Ja, den ersten Kontakt hatte ich mit [dem Filmmanager, Anm.] Scott Glassgold, einen Tag vor der Online-Veröffentlichung. Ich war mehr als überrascht! Ich hätte nicht damit gerechnet, dass der Film derart erfolgreich sein würde. Inzwischen haben viele ihr Interesse bekundet. Ich bin gespannt, was sich in den kommenden Gesprächen in Los Angeles ergeben wird.

ZEIT ONLINE: Haben Sie denn bereits Ideen für einen möglichen Feature-Film auf Basis von R’ha entworfen?

Lechowski: Definitiv. Ich arbeite schon seit längerem am Konzept dieser Alienrasse, und mit dem Film ergab sich der Startschuss für ein ganz neues Universum.

ZEIT ONLINE: Welche Rolle messen Sie der Veröffentlichung von Filmen auf Vimeo und YouTube zu?

Lechowski: Vimeo ist bloß eine Plattform. Ich verdanke meinen schnellen Erfolg sicherlich vor allem dem Engagement von Scott Glassgold, der für eine breit gefächerte Veröffentlichung gesorgt hat. Festivals sind auch eine gute Methode, um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Doch ich denke nicht, dass der Film so rasch verbreitet worden wäre, wie es jetzt der Fall war.

ZEIT ONLINE: Gehen Sie jetzt als gefeierter Filmemacher überhaupt noch an die Uni zurück?

Lechowski: (lacht) Noch hat sich nichts verändert. Ich denke, ich muss diese Phase einfach genießen.

Kategorien: Netzfilm der Woche
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Unglaubliche Geschichte, aber eine echt coole…

  2. 2.

    Gelungene Geschichte – und vor allem mal keine xte Fortsetzung oder Neuverfilmung. Kein Wunder das Hollywood gerannt kommt.

    Jetzt fehlt nur noch der Mumm auch was größeres daraus zu machen.

    • 20. Januar 2013 um 18:03 Uhr
    • cerbero
  3. 3.

    Hat der “Regisseur” nie “Battlestar Galactica” gesehen? Diese Geschichte ist mitnichten originell.

    • 20. Januar 2013 um 18:36 Uhr
    • badjesus
  4. 4.

    Ein krudes Werk voller Genre-typischer Versatzstücke, dem man seine ausgeborgten Elemente in allen Einzelteilen ansieht. Vor allem muss es in Hollywood kreativ wirklich schlimm aussehen, wenn man jetzt schon Leute anheuern will, die neben etwas technischer Fertigkeit vor allem zeigen, dass sie Fanboy können. Das entsprechende Sprech dazu hat der Filmemacher ja schon drauf: Fragment eines größeren Universums. Ne, klar. Unweigerlich wird folgen: Trilogie, Franchise, Spin-offs. Ja, das ist der Stoff, aus dem Hollywoods Träume gemacht sind.

    • 20. Januar 2013 um 19:51 Uhr
    • Der Balrog
  5. 5.

    Nur kein Neid!
    Ich finde das eine wirklich gelungene Arbeit! Respekt!

    • 20. Januar 2013 um 20:54 Uhr
    • oannes
  6. 6.

    @#4

    Zuerst fällt es in Hollywood sicher auf, dass es sich bei dem Regisseur um einen 22-jährige Studenten handelt. Üblicherweise müssen die Lernenden damit anfangen zuerst das Handwerk oder die Kunst zu beherrschen. Ein junger Maler, der Vorbilder nacheifert und sich deren Kunsthandwerk aneignet wird sicher auch ihr Verständnis erhalten. Die wahre Kunst die eigene Handschrift kommt später. Und hier das Potentzial dazu erkennen und zu fördern, darauf kommt es an. Da das Filmgeschäft eine teure Angelegenheit ist, kommen zusätzliche Einnahmen sicher der Sache zugute. Ich habe dafür Verständnis. Ihren Vorwurf finde ich nicht angemessen.

    • 20. Januar 2013 um 21:04 Uhr
    • schrippe
  7. 7.

    Das hat nichts mit Neid zu tun, sondern damit, dass an diesem Filmchen nichts besonders ist. Das vierte Open-Movie-Projekt der Blender Foundation, Tears of Steel, wurde hier auf diesem nämlichen Blog nicht mit solch warmen Worten bedacht wie R’ha. Nein, da wurde die schwache Story zurecht bemängelt, aber bei diesem kruden Amalgam namens R’ha sieht man darüber hinweg.

    Es sei dem Filmemacher herzlich vergönnt, dass er in Hollywood groß rauskommt, aber eine Bereicherung werden seine zukünftigen Filme sicher nicht darstellen. Das wage ich mal nach dem ‘Genuss’ dieses Filmchens zu sagen.

    • 20. Januar 2013 um 21:27 Uhr
    • Der Balrog
  8. 8.

    Bemerkenswert – 7 Monate ohne Vorkenntnisse? Der junge Herr wird sein Leben lang nichts anderes gemacht haben als 3D moddeling und Siencefiction Filme gucken. Storryboard, moddling, texturing, rigging, animation, rendering – macht man für 6 Minuten Film nicht so nebenbei im Studium. Das klingt zu schön um wahr zu sein.

    Man könnte sich auch vorstellen das anders herum ein Schuh draus wird. Die Privatschule auf der Herr Lechowski für rund 650 Euro im Monat studiert ist sicher vorzueglich conected, vieleicht sogar nach Hollywood.

    Mit Sicherheit spielt Neid eine Rolle wenn diese Geschichte in zweifel gezogen wird, denn die Bilder und die technische Qualität sind hervorragend. Doch wer die Materie kennt kratzt sich bei dieser fantastischen Geschichte ungläubig am Kopf. Doch wie jeder Youtube “Das ist Fake!” Diskussion gilt ja auch hier: Wunder gibt es immer wieder.

    • 20. Januar 2013 um 21:32 Uhr
    • Peter Enis
  9. Kommentar zum Thema

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