Es geht auch ohne Fernsehen

Netzfilm der Woche: “In the Pines”

Von 27. Januar 2013 um 14:00 Uhr

Eine Stimme auf dem Anrufbeantworter. Eine junge Frau, die alleine durch die Wälder stapft. Eine besorgte Mutter am Telefon. Mehr als diese wenigen Einstellungen brauchen Zeek Earl und Chris Caldwell von Shep Films nicht, um mit ihrem Kickstarter-finanzierten Kurzfilm In the Pines die Assoziationen der Zuschauer zu wecken. In den weiteren acht Minuten spielen sie geschickt mit deren Erwartungen.

Schnell klärt sich, dass es sich bei der Stimme auf dem Band und der Frau in den Wäldern um die gleiche Person handelt. Sie erzählt, dass sie auf dem Weg zu einem Treffen sei. Doch zu welchem? Dass sie nicht böse sei, dass ihre Mutter es nicht verstehe. Was nicht versteht? Erst nach wenigen Minuten kommt die Auflösung, mit der wohl kaum jemand gerechnet hat: Es geht um ein Treffen mit Außerirdischen, die die junge Frau bereits einmal entführt haben sollen und zu denen sie nun wieder Kontakt sucht.

An dieser Stelle könnte der Film Gefahr laufen, in Unglaubwürdigkeit abzudriften. Doch In the Pines spielt geschickt mit den übernatürlichen und den psychologischen Aspekten, ohne sich auf eine definitive Antwort einzulassen. Erzählt die Frau die Wahrheit oder ist sie schlicht verrückt? Hinweise gibt es für alle Zuschauer, die genau aufpassen. Dazu die Bilder: In immer schnelleren Schnitten, gepaart mit Makros und Aufnahmen aus den Olympic Mountains nahe Seattle, entwickelt In the Pines eine packende Intensität, die durch Soundtrack von Daniel K. Caldwell und seinem post-rockigen Crescendo noch verstärkt wird.

Kategorien: Netzfilm der Woche
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Schöner Film.
    Etwas abtörnend ist die Tatsache, das die ‘seltsamen’ Morsezeichen der Ausserirdischen von der Amateurfunkbake ‘CS3B’ auf Madeira kommen :)

    http://www.ncdxf.org/beacon/beaconschedule.html

    73,
    Ekki

    • 27. Januar 2013 um 17:24 Uhr
    • Ekki
  2. 2.

    “Hinweise gibt es für alle Zuschauer, die genau aufpassen.”

    Das ist aber eine wirklich fiese Bemerkung.

  3. 3.

    What the hell? Und was wollen die Autorinnen des Filmes damit ausdrucken? ihre Kindheitstraum/Alptraum oder die Konflikt der Modernen Gesellschaft, in denen die Kinder ihre Elternhäuser verlassen, und nicht mehr zurückkehren: Fredie Mercury hat dieses Thema in seinem Bohemian Rhapsudy viel philosophischer bearbeitet als dieses eher kindliches Filmchen. Die Filme von heute sind unfähig eine konkrete Aussage zu treffen und verbergen ihre Unfähigkeit hinter tolle Musik und ein tolles Video wie neulich R’ha. Und solche (literarisch gesehen) billige Produktionen werden millionenfach angeschaut und sogar von der Zeit als etwas fabulöses entdeckt. Das zeigt wiederum der traurigen Stand der literarischen Verständnis der heutigen Gesellschaft: Eine Null, Nirvana, Nichts, bla bla, Kurze Sätze benutzen, schleim, cool. Wenn man die künstlerische Fähigkeit der alten Generationen wie Goethes Faust (nur knappe 30-50 Seiten groß!) mit den heutigen literarischen Werken und Romane (heute: 200-600 Seiten bla bla!) vergleicht, dann stellt man sich die Frage: Was ist schief gelaufen? Ich habe mal das Gedichtsammlung von Jim Morrison gekauft, um etwas über seine Kunst zu verstehen. Es ist ein Buch von etwa 300 Seiten in A5. Auf jede Seite ist ein Gedicht von ihm geschrieben. Ein Gedicht von ihm ist dieses: “Im smoking”!!!!!! Das Nichts lässt sich also heute gut verkaufen! Einfach traurig.

    • 27. Januar 2013 um 18:40 Uhr
    • chavez
  4. 4.

    Ja, es ist schon sehr schlimm. Das alles. Mit unserer Kultur und Gesellschaft. Und den kurzen Sätzen und überhaupt. Käsebrot. Aber ganz im Ernst: Vielleicht sollte man nicht für alles gleich Goethe zum Maßstab nehmen, meinen Sie nicht?

  5. 5.

    Die Kunst war schon immer ein Spiegel der gegenwärtigen Lebensumstände / Gesellschaft / Kultur. Dass alles sich Ihrer Meinung alles immer mehr Richtung Quanität bewegt, scheint doch exakt unsere derzeitige Welt zu beschreiben…

    • 27. Januar 2013 um 19:44 Uhr
    • dëfr
  6. 6.

    @Kühl,
    Sie haben Recht: Man muss nicht immer Goethe als Maßstab nehmen, aber nach der Aussage von dem Kommentator dëfr (Nr. 5) wiederspiegelt die Kunst den “gegenwärtigen Lebensumstände / Gesellschaft / Kultur”. Ein gewisser Bankier Sarrazin schreibt ein Buch und darin schimpft er offen über andere Menschen und… Sein Buch wird ein Bestseller 1,3 Millionen. Ein Dieter Bohlen schreibt ein Buch und schildert darin die genau Umstände der Geschichten über seine Genitalien und wird ein Bestseller. Vor 30 Jahren hätten beide Autoren es schwer gehabt einen Verlag zu finden, wenn heute aber jemand wie Goethe schreiben würde, wird keinen Verlag finden können, der seine Werke veröffentlicht. (Dafür kenne ich ein Beispiel!). Das heißt die Normen der Kultur der heutigen Gesellschaft ist vom ganz anderen Charakter, nämlich den der Sarrazin, Dieter Bohlen, Fußball-Helden und die Leitmotiven, die in den amerikanische Filme zu finden sind. Die Ami-Filme lenken die Jungend dorthin, wo sie als Imperialmacht sie haben wollen: Bloße keine Familie, lieber für sich leben, alleine leben, nur als Konsumenten leben. Ja eine Familie ist eine Gefahr für ein Imperialmacht. Eine Familie ist eine Einheit von mehrere Personen und lässt sich schlechter lenken und manipulieren als eine einzelne Person, und genau, das wird hier in diesem Kurzfilm den jungen Zuschauern übermittelt: Verlässt die Familie, eine größere Macht (hier: Alien) wird euch im Empfang nehmen!

    • 27. Januar 2013 um 23:52 Uhr
    • chavez
  7. 7.

    @ chavez: Das sind übrigens Autoren: http://schedule.sxsw.com/2012/events/event_FS12500

    • 28. Januar 2013 um 00:34 Uhr
    • raflix
  8. 8.

    @chavez:
    Ihre Kritik am amerikanischen Kulturimperialismus überzeugt nicht wirklich. Sie glauben eine Tendenz des amerikanischen Films beobachten zu können, die Familie zu entwerten, und nehmen diesen Kurzfilm als Beispiel dafür? Das finde ich, vorsichtig ausgedrückt, sonderbar.

    • 28. Januar 2013 um 08:57 Uhr
    • walter otto
  9. Kommentar zum Thema

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