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David Foster Wallace – „Das hier ist Wasser“

 

Im Jahr 2005 gab David Foster Wallace den Absolventen des Kenyon College eine Abschlussrede (Transkript), die heute unter dem Titel This is Water bekannt ist. Anders als die optimistischen Reden, die bei solchen Anlässen in der Regel fallen, hat Wallace einen anderen Fokus gewählt. Wallace erzählt vom Alltag, der die Studenten nach ihrer Ausbildung erwartet, die immergleiche banale Routine und zunehmende Desillusionierung mit dem Leben, den nervigen, hässlichen Mitmenschen, der stetige Kampf um Geld und Macht.

Für Wallace sind das aber nicht die Zeichen einer allgemeinen Zukunftslosigkeit, sondern vielmehr Auswüchse des Egozentrismus, der Annahme, dass sich alles nur um uns dreht. Deshalb gibt es Hoffnung in den Gedanken eines jeden Einzelnen. In einer fast philosophischen Herleitung kommt Wallace schließlich zu dem Schluss, dass Offenheit, Achtsamkeit und Empathie gegenüber anderen Menschen entscheidend seien, um aus den festgefahrenen Denkmustern auszubrechen. Das sei die wahre Freiheit und die Alternative zum gewöhnlichen Geisteszustand: Nicht die Fähigkeit zu denken, sondern die Entscheidung für das, worüber es sich nachzudenken lohnt:

That is real freedom. That is being educated, and understanding how to think. The alternative is unconsciousness, the default setting, the rat race, the constant gnawing sense of having had, and lost, some infinite thing.

Die Rede gilt, leider auch aufgrund von Wallaces Selbstmord drei Jahre später, inzwischen als Klassiker, für einige sogar als die famous last words des Autors, und es gibt sie auch in einer deutschen Ausgabe (hier ein Auszug). Die Videoproduktionsfirma The Glossary hat sie nun auf zehn Minuten gekürzt und mit einem Video illustriert. Es lohnt sich aber unbedingt, die volle Rede zu lesen. Nicht nur für Studenten.

4 Kommentare

  1.   Patrice Montagnon

    Ich habe so gelacht…ganz toll !!!

  2.   Michael Altewischer

    Das Video kenne ich, die Hintergründe bisher nicht. Gleichwohl ein wunderbares Werk der Kreativen und – wenn auch verstorben – eine sehr gute Rede von DFW. Das heute viel zitierte Wörtchen Achtsamkeit (im Umgang mit sich und der Umwelt), wird hier grundlegend erklärt.


  3. […] via Zeit Online: David Foster Wallace – “Das hier ist Wasser” […]

  4.   deaXmac

    Ich hasse es wie die Pest, dass exzellente, kreative Menschen immer erst sterben müssen, bevor man sich -ach wie betroffen – Ihren Botschaften widmet, um im Anschluß an die üblichen Inszenierungen von Betroffenheitsszenarien
    unmittelbar zur Tagesordnung überzugehen.
    Ja @ 1: „Ich habe so gelacht…ganz toll !!!“

    „Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich“

    Dies auch zum Tod von Frank Schirrmacher mit großem Respekt vor einem mutigen Mann und seiner Lebensleistung..

 

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