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Netzfilm der Woche: „Magnesium“

 

Isabel ist jung, gut aussehend, eine talentierte Turnerin und – schwanger. Ausgerechnet vor der wichtigen Qualifikation für die Europameisterschaften droht ihr großer Traum zu platzen. Für Isabel kommt nur eine Abtreibung infrage. Doch ihr Arzt sagt, dass sie fünf Tage Bedenkzeit abwarten muss, bevor er den Eingriff durchführen kann. Für Isabel beginnt ein Kampf mit sich selbst.

Magnesium ist ein niederländischer Studentenfilm von Sam de Jong, der in diesem Jahr bereits auf mehreren renommierten Festivals lief. Es geht um eine ambitionierte Sportlerin, die wie viele junge Talente ihre Gesundheit dem Erfolg unterordnet; ein Umfeld, dass Zahlen, Weiten, Punkte kennt, aber keine körperliche Schwäche duldet; eine Familie, die vor lauter Bewunderung für ihre Tochter die Signale nicht erkennt.

Nicht nur in dieser Hinsicht erinnert der Kurzfilm an Darren Aronofskys oscarnominierten Thriller Black Swan, in dessen Fokus die Psyche einer ambitionierten Balletttänzerin steht. Auch stilistisch ähneln sich die Filme: Magnesium wurde ebenfalls auf einer Super-16-Kamera gefilmt, was dem Film die typisch analoge Körnigkeit verleiht. Gleichzeitig setzen die Macher fast ausschließlich Handaufnahmen ein. Die verwackelten Bilder und die extreme Nähe der Kamera zur Protagonistin wirken zunächst irritierend, fast Übelkeit verursachend.

Doch das Stilmittel funktioniert grandios: Die unstetige Kamera reflektiert den Gemütszustand von Isabel, den inneren Konflikt, der sich langsam aufbaut und schließlich buchstäblich mit einem Knall entlädt. Am Ende stellt Magnesium mehr denn je die Frage, was eigentlich Erfolg bedeutet – und was wir alles dafür zu tun bereit sind.

8 Kommentare


  1. Die unstete Kamera funktioniert nicht.

    Sie nimmt nicht zu oder merkbar ab so das der Zuschauer den Beützzustand ablesen könnte, sonder ist naherzu zufällig mal still in Senen die man sonst wohl nicht verwakeln konnte ( Autofahrt ).

    DAs Closeup verhindert oft das man die Sene als Gantzes verstehen kann oder nehr von der den anderen Charaktären verstehen könnte. Da aber Mentschen Stimmungen acuh davon abhänig machen wie andere Leute auf die Situation regiren fehlt hier oft ein bischen.

    Allerdings ist es alles in alles ein Toller Film geworden der sich gut eignet mal wieder über Dinge nachzudenken. Nur die Stilmittelwahl gefällt mir aus den genannten Gründen nicht so sehr.

  2.   frage

    Warum „Magnesium“ ? Das weiße Pulver das die Turner benutzen ist doch Kreide oder MagnesiA ?


  3. @frage: Das was Sie mit Magnesia meinen ist nichts anderes als Magnesiumcarbonat, oder?

    @Tusoalsob: Interessant, dass wir das so anders sehen. Ich fand z.B. die Szene beim Arzt, als die Kamera plötzlich ruhig ist sehr wirksam im Vergleich zum „Trubel“ in der Turnhalle etwa.

  4.   Panic

    Die Kamera ist fantastisch. Und ich sehe es komplett anders als Kommentar #1 Es gab für mich nicht eine Szene, in der die Kamera etwas verborgen hätte und es gab auch keinen Moment, in dem das Closeup das Verständnis blockiert hat. Ganz im Gegenteil. Für mich war die Kamera Stilmittel, um das Außenrum gezielt zu reduzieren. Denn Isabel war in „ihrer“ eigenen Welt und die bestand eben nur aus ihr.

    Salut

  5.   andimai

    Ich denke, dass der Film „Magnesium“ heisst, ist der künstlerischen Freiheit geschuldet.
    Das Zeug, dass man beim Turnen verwendet heisst tatsächlich Magnesia ( auch auf Niederländisch: http://nl.wikipedia.org/wiki/Magnesia oder Chalk http://nl.wikipedia.org/wiki/Chalk ).


  6. Den Film finde ich etwas zu lang aber vom Inhalt unbedingt notwendig. Viele gäbe es zu sagen, über das Leben davor und danach aber der Film konzentriert sich leider nur auf die Abtreibung. Es handelt sich in Deutschland weitgehend um ein Tabu-Thema frei darüber zu diskutieren, wie es betroffenen Frauen wirklich mit Abtreibung geht. Was fehlt ist die Tatsache, dass zum Kindermachen eigentlich zwei gehören. Was ist mit dem Vater? Und warum werden Hilfsangebote zum Austragen von Kindern nicht thematisiert? Ich finde das Mädchen ziemlich alleingelassen.

  7.   andimai

    Die Kameraführung zeigt, dass der Trend wohl mehr und mehr in Richtung Google Glass geht. Es scheint mir nur eine Frage der Zeit bis die ersten First-Person-Films kommen, die komplett mit Google Glass gedreht sind.


  8. […] Für zwanzig Minuten ertragbar und mit einigen sehr schönen Einstellungen, aber am Ende so subtil wie eine Michael Bay Produktion. Es ist wirklich schade, dass auch der Nachwuchsfilm nur noch mit der emotionalen Brechstange Aufmerksamkeit generieren kann. MAGNESIUM ist Sophies Entscheidung für die moderne Leistungsgesellschafft. Zu viel auf einmal für meinen Geschmack. Gefunden bei Zeit Online. […]

 

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