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Netzfilm der Woche: „Ebola Ambulance“

 
Gordon Kamara (© New York Times)
Gordon Kamara (© New York Times)

Gordon Kamara beendet den Anruf und blickt in die Ferne. „Es hört nie auf“, sagt er. Das „es“, von dem er spricht, ist Ebola. Kamara ist Sanitäter in Liberias Hauptstadt Monrovia und ein sogenannter First Responder: Gibt es in der Millionenstadt einen neuen Verdachtsfall, rücken er und ein Dutzend andere Teams aus, um die Erkrankten zu desinfizieren und zu den Sammelstellen zu bringen, wo sie medizinische Hilfe bekommen. Über 4.000 Menschen sind in Liberia seit dem neusten Ebola-Ausbruch offiziell erkrankt, etwa 2.500 starben. Impfungen oder ein Heilmittel gegen das Virus gibt es nicht. Etwa 60 Prozent der Erkrankten überleben nicht. Die Ärzte können nur versuchen, die Leiden der Erkrankten zu lindern, die Bevölkerung aufzuklären und Häuser zu desinfizieren.

Der Videojournalist Ben C. Solomon hat im Auftrag der New York Times den Helfer bei der Arbeit begleitet. Seine Kurzdoku Ebola Ambulance gibt einen bedrückenden Einblick in den Alltag mit der Epidemie. Sie liefert Bilder zu den zahlreichen Geschichten, die uns aus den Krisengebieten erreichen.

Der Großteil Monrovias besteht aus Slums, die Armut ist ein Nährboden für das Virus. Viel zu wenige Helfer kämpfen mit den Behörden, die falsche Prioritäten setzen und mit dem Unmut der Bevölkerung. In einer Szene transportieren Kamara und sein Kollege eine kranke Frau ab, eine Menschentraube schreit die Helfer an. In einer anderen weisen die Ärzte der Sammelstelle Kamara ab, weil sie keine neuen Kranken aufnehmen können. Kamaras Hilflosigkeit entlädt sich erst in Wut, dann in Resignation.

Gordon Kamara weiß, dass er und seine Kollegen nicht jeden retten können. Dennoch begibt er sich jeden Tag aufs Neue in Lebensgefahr. Seine Familie hat er bereits vor Monaten an einen anderen Ort gebracht. Für Kamara ist das Risiko zu hoch, seine Frau und die fünf Kinder möglicherweise anzustecken. Geblieben sind ihm nur die wenigen Fotos seiner Familie, die über seinem Bett hängen.

Es sind Momente wie dieser, in denen Ebola Ambulance die Situation in den betroffenen Gebieten am deutlichsten macht. Die Epidemie fordert nicht nur die Leben der Erkrankten, sie isoliert Ärzte, Helfer, die gesamte Gesellschaft. Und es wird so schnell nicht aufhören. „Ebola wird noch lange hier sein“, sagt Kamara am Ende des Films. Das sehen die meisten Experten ähnlich. Nur ein gemeinsames, internationales Handeln vor Ort kann die Epidemie eindämmen. Aufklärung. Ärzte. Hilfsgüter. Und mehr Helfer wie Gordon Kamara.

2 Kommentare


  1. Gäbe es in Afrika mehr Leute wie Gordon Kamara statt solche, die ihn bei der (gefährlichen) Arbeit anschreien, wäre Ebola kein Problem.

  2.   Kolumna

    Bewundernswerter Helfer. Wie kann man Leute wie Gordon, die sich komplett für die Hilfe aufopfern, angemessen unterstützen? Diese Frage ist existenziell für die Menschen dort. Und wenn die tödliche Seuche in Westafrika nicht besiegt werden kann, auch irgendwann für uns.

 

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