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„Dina Foxx“ im ZDF: optional crossmedial

 
Dina Foxx (© ZDF)
Dina Foxx (© ZDF)

Dina Foxx, war da nicht mal was? Richtig, vor drei Jahren versuchte sich das ZDF mit Wer rettet Dina Foxx? an dem damals nach eigenen Angaben ersten crossmedialen Krimi im deutschen Fernsehen. Die Geschichte der jungen Protagonistin und einem mysteriösen Mordfall gab es im TV, wer die Auflösung wollte, musste dafür akribisch im Netz recherchieren. Jetzt ist Dina Foxx zurück, zumindest dem Namen nach. Dina Foxx – Tödlicher Kontakt ist keine Fortsetzung der Geschichte, sondern eine Fortsetzung des Formats. Es ist eine andere Dina, ein anderer Fall, aber wieder dürfen die Zuschauer im Internet miträtseln.

Das müssen sie aber nicht unbedingt, was gleich den wichtigsten Unterschied zum Vorgänger darstellt: Die Handlung von Tödlicher Kontakt ist abgeschlossen in den beiden 45-minütigen TV-Filmen, die am heutigen und kommenden Montagabend um 23:55 im ZDF (und am Sonntag um 19:30 auf ZDFneo) ausgestrahlt oder seit Sonntag auf der Website des Projekts gestreamt werden können. Dort gibt es exklusiv einige Hinweise und Details, die den Fall für die Zuschauer klarer machen.

Der beginnt so: Dina Foxx (Katharina Schlothauer) arbeitet in einem Berliner Burgerladen. Auf ihrer Geburtstagsparty beobachtet sie, wie ihr Bruder Aaron mit einem zwielichtigen Freund Pillen nimmt. Am nächsten Morgen klappt er sichtlich verwirrt auf der Straße zusammen und fällt ins Koma. Dina forscht nach und gerät in einen Kampf zwischen militanten Umweltschützern, einem Pharmakonzern, der genmanipulierte Tomaten auf den Markt bringen möchte und einer mysteriösen Seuche. Wie hängt das alles zusammen? Und vor allem: Wie kann Dina Aaron retten?

Tödliche Klischees

Wem das Drehbuch noch nicht genug Klischees bietet, der findet sie in der Inszenierung von Max Zeitler. Da ist die junge Berlinerin mit dem Pixie-Cut, die auf den Sofas ihrer Freunde pennt. Der immer wieder ins Englisch abdriftende Freund Jason, der neben seiner Rolle aus schluffiger Familienvater ein Hacker ist. Der mysteriöse Anzugträger mit Dreitagebart, der Dina folgt. Der durchgeknallte Wissenschaftler, der aus einem Lagerhaus heraus DNA-Sequenzen analysiert. Und das ist nur eine Auswahl der Stereotypen, die Dina Foxx allein im ersten Teil mit reichlich Zeitlupenaufnahmen, On-Screen-Media und viel hipper Musik in ein vermeintlich modernes Fernsehformat presst.

Nun lag der Reiz des ersten Teils von Dina Foxx ebenfalls nicht in der filmischen Umsetzung. Den Machern des Ufa Labs und der Redaktion des Kleinen Fernsehspiels gelang es damals vielmehr, parallel zur TV-Ausstrahlung den Zuschauern einen Mehrwert im Netz anzubieten. Drei Wochen lang durften die Fans rätseln, täglich kamen neue Hinweise auf der Website hinzu. Die Spurensuche führte sie durch extra angelegte Facebook-, Twitter- und Flickr-Accounts und brachte sie in einem Forum zusammen. Das war anspruchsvoll und funktionierte, auch wenn dem Experiment der große Erfolg verwehrt blieb.

Die Website von "Dina Foxx" (Screenshot)
Die Website von „Dina Foxx“ (Screenshot)

Schnitzeljagd im Netz

Auf der Website finden die Zuschauer auch diesmal zusätzliches interaktives Material. Zum einen eine siebenteilige Webserie, die noch einmal rund 25 Minuten Material liefert und einige Details zur Verschwörung enthüllt. Zum anderen ein Spiel, in dem die Zuschauer nach einer Registrierung per E-Mail die erwähnte DNA aus dem Film analysieren müssen. Das tun sie, indem sie im Stil eines Smartphone-Games kleine Knobelaufgaben lösen und sich so Level für Level zur Lösung vorarbeiten.

Der interessanteste Teil aber ist die Ermittlung selbst. In ebenfalls sieben Folgen bekommen die Ermittler im Netz interaktive 360-Grad-Videos, die zusätzliche Hintergründe enthalten. In der ersten Folge geht es etwa um einen Talkshow-Auftritt zwischen einem Umweltschützer und der Chefin des Pharmakonzerns, der im Film nur kurz erwähnt wird. An einigen Stellen des Videos poppen kleine Rätsel auf, die es zu lösen gilt. Denn nur wer alle Rätsel und Levels des Spiels löst, kann den zweiten Teil des Films bereits vor der TV-Ausstrahlung nächste Woche freischalten.

An dieser Stelle erinnert Tödlicher Kontakt am ehesten an den Vorgänger. Denn damals wie heute müssen die Zuschauer selbst aktiv werden: Einige der Fragen lassen sich recht leicht über eine Google-Suche beantworten. Für andere muss man schon etwas genauer suchen. Erneut haben die Macher von Dina Foxx mehrere Domains registriert und „gefälschte“ Websites, Accounts und Videos erstellt.

Kompromiss aus TV und Web

Umso bedauerlicher ist es, dass die Umsetzung und Gestaltung so altbacken wirkt. Die Steuerung durch Videos und Rätsel ist mühsam, die Aufmachung der Website bieder. Beides steht im Gegensatz zum jungen und zeitgemäßen Anspruch, den Dina Foxx verfolgt. Dass es das ZDF technisch besser kann, hat es erst vergangene Woche mit der crossmedialen Doku Last Hijack gezeigt.

Vielleicht liegt es daran, dass die Website im Fall von Tödlicher Kontakt streng genommen eben nur ein Bonus ist. Wer vor drei Jahren den ersten Teil von Dina Foxx sah und die Lösung erfahren wollte, musste ins Netz gehen und dort drei Wochen lang die Hinweise verfolgen. Das war zwar ambitioniert, aber offenbar nicht massentauglich genug. Denn da die Auflösung nicht mehr zurück ins Fernsehen gespielt wurde, blieb sie lediglich einer verschworenen Community vorbehalten.

Für den zweiten Teil gehen die Macher deshalb einen Kompromiss ein: Wer den Fall nur im Fernsehen verfolgt, bekommt am Ende des zweiten Teils trotzdem die Lösung. Wer es nicht erwarten kann, kann online miträtseln und bekommt dabei noch Antworten auf einige ungeklärte Fragen und muss diesmal auch keine drei Wochen lang am Ball bleiben. Das ist zwar zuschauerfreundlich, aber längst nicht mehr so revolutionär.