Es geht auch ohne Fernsehen
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Kurzfilm

“Iwwerzwersch” – Breaking Bad im Saarland

Von 2. April 2014 um 13:54 Uhr

Eigentlich dachten wir, die besten Breaking-Bad-Parodien seien spätestens mit Breaking Bad Jr. durch, aber jetzt kommt noch ein Nachzügler aus, aufgepasst, dem Saarland. Dort leben der Metzgermeister Walter Weiss und der etwas schluffige Jesse Brinkmann. Sie finden sich zusammen, um illegal Schweinskäs im großen Stil zu kochen – denn Walters Zahnarztrechnung ist sonst nicht zu bezahlen.

Was folgt, dürften die Fans der erfolgreichen US-Serie natürlich kennen. Walter und Jesse verlagern ihre Produktion in einen alten Wohnwagen und suchen nach einem Abnehmer für die fettige Delikatesse. Unter dem Decknamen Iwwerzwersch (der “Überzwerg”) entwickelt sich Walter zum Mysterium – und lockt damit gleichzeitig die beiden Polizisten Helmut Recht und Werner Ordnung auf den Plan.

Die knapp zwölf Minuten bieten wunderbaren Dialekthumor (Untertitel in Hochdeutsch gibt es natürlich auch), der ein wenig an Sinnlos im Weltraum oder den sächsischen Kurzfilm SIMPLYClever erinnert. Doch die Sprache ist nur ein Teil des Gags. Tatsächlich ist Iwwerzwersch recht aufwändig und liebevoll produziert und versucht sogar, die für Breaking Bad so typische Farbpalette zu kopieren.

Iwwerzwersch ist außerdem ein Quasi-Nachfolger der Webserie Recht & Ordnung über zwei saarländische Polizisten, die auch im Film auftauchen. Die Serie gibt es auch auf YouTube, und wurde von der Produktionsfirma Goreholio erstellt.

“Eisch benn der, wo dat Zeisch hey kocht”!

(via)

Kategorien: Kurzfilm

Film zum Welt-Down-Syndrom-Tag: “Liebe ist kein Argument”

Von 21. März 2014 um 12:51 Uhr

Der 21. März ist Welt-Down-Syndrom-Tag. Vor einigen Tagen hat der Vimeo-Nutzer Christopher ein Video hochgeladen, das sich nicht nur mit dem Down-Syndrom beschäftigt, sondern auch mit ZEIT ONLINE. Die Idee kam ihm nämlich beim Lesen eines Artikels auf dieser Website.

Im Juli 2011 schrieb der Autor Claas Relotius über ein Elternpaar, das bereits ein Kind mit Down-Syndrom hatte und nun ein zweites erwartete. Nach der ersten Diagnose würde auch dieses mit einer Behinderung auf die Welt kommen. Die Eltern entschieden sich damals, es trotzdem auf die Welt zu bringen.

Der Artikel sorgte für viele unterschiedliche Reaktionen bei den Lesern. Viele wünschten der jungen Familie Glück und alles Gute. Andere sahen die Entscheidung der Eltern kritisch – und sagten das mit mal mehr, mal weniger Taktgefühl.

Der Kurzfilm Liebe ist kein Argument greift bereits in seinem Titel einen Leserkommentar auf und liest in seinen elf Minuten weitere der rund 160 Kommentare unter dem Artikel vor.

Die kritischen, bisweilen auch beleidigenden Stimmen schneidet der Macher mit Bildern eines lebensfrohen Mädchens mit Down-Syndrom zusammen. Das ist bewusst selektiv und blendet einen Teil, nämlich den positiven, der Kommentarkultur aus. Doch der daraus entstehende Gegensatz macht nachdenklich. Stellt er doch die Frage, ob man als Außenstehende/r überhaupt über die Entscheidung der im Artikel erwähnten Eltern urteilen kann.

Für den Macher des Films geht es überhaupt nicht nur darum, zu hinterfragen, ob die Anonymität im Internet für möglicherweise verletzendere oder auch schlicht ehrlichere Äußerungen führt – eine Frage, die in diesem Kontext kaum zu beantworten ist. Wie er jedoch auch schreibt, geht es ihm vor allem um den “Blick auf die Realität hinter den Kommentaren”.

(via)

Kategorien: Kurzfilm, Netzfilm

Short: “Mrs Peppercorn’s Magical Reading Room”

Von 19. März 2014 um 16:12 Uhr

Ein bisschen Disney-Feeling bleibt bei diesem Kurzfilm nicht aus: Mrs Peppercorn’s Magical Reading Room nimmt die Zuschauer und die neunjährige Eloise mit in einer Reise in ein kleines und unheimliches Dörfchen in Cornwall. Die Zuflucht besteht für Eloise in Büchern. Doch als sie plötzlich die Wahrheit hinter einem seltsamen Buchladen und seiner verschrobenenen Inhaberin entdeckt, verwischen die Grenzen zwischen Realität und Traum. Regisseur Mike le Han ist damit ein wunderbarer kleiner Fantasyfilm gelungen, dessen Produktionsdesign sich nicht vor Spielfilm-Produktionen zu scheuen braucht.

Kategorien: Kurzfilm

Die “Short of the Week” Awards 2014

Von 5. März 2014 um 15:26 Uhr

Wer Kurzfilme liebt, kommt um Short of the Week nicht herum. Das Blog ist die inzwischen wohl beste Adresse für anspruchsvolle Kurzfilme im Netz. Das ist kein Zufall, denn die Betreiber sind eng mit der Videoplattform Vimeo verbunden. Viele Filmemacher reichen ihre Filme mittlerweile direkt bei Short of the Week ein. Über das Blog und die Vimeo Staff Picks werden sie anschließend einem breiten Publikum vorgestellt.

Rund 200 Kurzfilme hat Short of the Week im vergangenen Jahr vorgestellt. Und wie schon in den Jahren zuvor, haben sie auch in diesem Jahr wieder die besten gekürt. Neun Gewinner gibt es. Einige, wie The Record Breaker und Orange Drive haben wir hier bereits vorgestellt.

(Englische Untertitel per Klick auf CC im Player)

Interessant ist der Gewinner des “Kurzfilm des Jahres”: The Runners ist erst seit wenigen Monaten im Netz und eigentlich eine ungewöhnliche Auswahl. Denn weniger geht es dabei um eine kreative Geschichte, um tolle Effekte oder überzeugende Schauspieler.

Die beiden britischen Macher haben über mehrere Monate hinweg Menschen bei ihrer täglichen Laufrunde im Park angesprochen und ihnen dabei persönliche, man möchte sagen zu persönliche Fragen gestellt. Ihre Idee war, dass die Menschen vielleicht offener oder ehrlicher antworten, wenn sie außer Atem sind. Und tatsächlich: Mal sind die Antworten irritiert, mal hoffnungslos offen, aber stets ungemein menschlich. Das hat auch die Macher beeindruckt, wie sie in einem Artikel im Guardian erzählen:

“After each trip we found ourselves exhausted but increasingly inspired. I became quite envious of this state of mind and the focus that the runners expressed. It made me excited about being human and about their sense of peace and understanding of the present. It made me want to be part of it.”

Ob The Runners deshalb der mutmaßlich beste Kurzfilm ist, den es auf Short of the Week im vergangenen Jahr gab, sei dahingestellt In jedem Fall lohnt sich auch ein Blick auf die weiteren Gewinner.

Kategorien: Kurzfilm

Kurzfilm: “Confessions of a Pedalphile”

Von 26. Februar 2014 um 14:33 Uhr

Es ist eines der letzten gesellschaftlichen Tabus, doch Merv möchte nicht mehr schweigen: Merv mag kleine Kinder…fahrräder. Seine Geschichte ist tragisch: Erst mit 26 Jahren nahm er die Stützräder ab und kommt seitdem nicht mehr von den kleinen Zweirädern los. Ob in pinker Farbe oder mit Spiderman-Emblem, mit kleinem Körbchen oder Klingel: Wann immer Merv an einem Kinderfahrrad vorbeikommt, kann er sich nicht beherrschen. Ob ihn ein Zwangsbesuch im “Big Bike Camp” heilen kann?

Die Mockumentary Confessions of a Pedalphile von Edward Valibus Phillips läuft in diesen Tagen in der Auswahl des jährlichen VELOBerlin Film Award. Noch bis zum 29. März können die Zuschauer im Netz über ihren Lieblings-Radfilm abstimmen.

Kategorien: Kurzfilm

Kurzfilm: “The Roving Typist”

Von 18. Februar 2014 um 17:38 Uhr

Das erste Mal erfuhr ich von C.D. Hermelin in einem Artikel auf The Awl im vergangenen Jahr: “The Internet Hates Me“. Darin beschreibt Hermelin, wie er vor einiger Zeit nach New York zog und sich aus Geldmangel mit einer Schreibmaschine in die Parks der Stadt setzte, um für etwas Kleingeld den Menschen spontane Geschichten zu schreiben. Der Roving Typist war geboren.

Doch eines Tages verbreitete sich ein Bild von ihm ohne Kontext im Internet. C.D. Hermelin würde plötzlich zum Sinnbild des New Yorker Hipsters: Arbeitslos, verschroben, weltfremd und mega vintage. Und er erlebte, was schon andere vor ihm erfahren mussten: Es ist nicht leicht, ein Meme zu sein.

Mark Cersosimo von Vimeo hat dem Roving Typist nun allerdings ein gleichnamiges Porträt spendiert, in dem der 26-jährige deutlich besser weg kommt. Es ist die Geschichte eines Autors, der sein Talent mit in den Park nahm – und dort bis heute fast täglich neue Kurzgeschichten in seine Schreibmaschine hackt.

Kategorien: Kurzfilm

Stop-Motion-Kurzfilm: “Junkhead”

Von 29. Januar 2014 um 16:20 Uhr

Wenn es um anspruchsvolle Hobby-Filmprojekte geht, dürfte der japanische Künstler Takahide Hori alias Yamiken in diesem Jahr die Messlatte schon jetzt recht hoch gesetzt haben. Vier Jahre lang hat er in seiner Freiteit an dem Stop-Motion-Film Junkhead gearbeitet, den es seit kurzer Zeit auf YouTube gibt.

Die Arbeit hat sich gelohnt. In Junkhead geht um eine dystopische Zukunft. Ein Mensch von der Erdoberfläche wird auf eine Mission in die Unterwelt geschickt, in der sich die menschlichen Klone vor einigen Jahrhunderten nach einer Revolution zurückgezogen haben. Doch die Mission schlägt fehl, und der Protagonist – oder jedenfalls sein Kopf – befindet sich plötzlich inmitten seltsamster Geschöpfe wieder.

Vor allem das Set-Design von Junkhead ist beeindruckend. Aber auch die Animation und die Soundeffekte können sich für ein Ein-Mann-Projekt wirklich sehen lassen. Eine Fortsetzung ist übrigens nicht ausgeschlossen: Gerade sucht Hori auf Indiegogo nach Unterstützern, auch wenn die angepeilten 100.000 US-Dollar sicherlich eine stolze Summe sind.

(via)

Kategorien: Kurzfilm

Online: Kurzfilme des Sundance Film Festival 2014

Von 17. Januar 2014 um 12:08 Uhr

Sundance-Film-Festival-2014-Logo

Das Sundance Film Festival ist nicht nur eines der wichtigsten für die amerikanische Indiefilmszene, sondern auch eines, das die “Konkurrenz” im Netz nicht ablehnt, sondern fördert. Nicht nur erlaubt Sundance im Gegensatz zu anderen Festivals seit einigen Jahren, dass die ausgewählten Filme auch vorab oder gleichzeitig online stehen dürfen. Für dieses Jahr geht Sundance bereits zum zweiten Mal eine Kooperation mit YouTube ein.

Auf dem Kanal des Sundance Film Festivals gibt es deshalb auch in diesem Jahr eine Auswahl von Filmen zu sehen, die in der Kurzfilmkategorie laufen. Der Film, der zwischen dem 16. und 24. Januar die meisten Abrufe hat, bekommt zudem den YouTube Audience Award bei der Preisverleihung am 25. Januar verliehen.

Hier ist die komplette Playlist der 15 ausgewählten Kurzfilme:

Zusätzlich bietet YouTube täglich Zusammenfassungen des Festivalsgeschehens an. YouTube-Persönlichkeiten wie Shira Lazar und Casey Neistat diskutieren in Live @ Sundance jeweils eine Stunde täglich über die Filme und Ereignisse des Tages. Auch gibt es kurze Vorstellungen der Filmemacher, die bei Sundance auftreten.

Wie die Kooperation zwischen Sundance und YouTube oder dem TIFF und Vimeo zeigt, geht der Trend dahin, dass sich Filmfestivals und Online-Plattformen nicht mehr argwöhnisch betrachten, sondern aufeinander zugehen. Das alte Credo, dass Kurzfilme erst einen Festivallauf machen müssen bevor sie online erscheinen, hat zunehmend ausgedient. Stattdessen müssen Festivals zeigen, dass sie den Gästen vor Ort im Kino sowohl einen Mehrwert bieten können, als auch gleichzeitig die Möglichkeiten des Internets nutzen.

Kategorien: Kurzfilm