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Technik

Fire TV: Amazon stellt neue Set-Top-Box vor

Von 2. April 2014 um 19:38 Uhr
Fire TV (© Andrew Burton/Getty Images)

Fire TV (© Andrew Burton/Getty Images)

Nur wenige Wochen nachdem Googles Streaming-Stick Chromecast mit einiger Verzögerung den Weg nach Deutschland geschafft hat, betritt ein weiterer bekannter Name den Markt: Das Online-Kaufhaus Amazon hat am Mittwoch Fire TV vorgestellt – eine Set-Top-Box als Alternative zu Apple TV, Roku und Chromecast. Die Box soll 99 US-Dollar kosten und ist vorerst nur in den USA erhältlich. Pläne für einen Verkauf in Europa gibt es noch nicht.

Schon länger wurde über eine neue Amazon-Hardware fürs Wohnzimmer spekuliert. Mit Fire TV zeigt Amazon, dass es längst nicht mehr nur um das Streaming von Inhalten geht, sondern auch darum, womit die Inhalte letztlich ausgeliefert werden.

Peter Larsen von Amazon sagte während der Präsentation in New York, dass die jetzigen Geräte vor allem drei Schwachstellen aufweisen: Suche, Leistung und ein geschlossenes Ökosystem. All das möchte Amazon mit Fire TV verbessern.

Technik

Die kleine, flache schwarze Box ist nicht nur kompakter als Apple TV oder das in den USA beliebte Roku, sondern soll auch mehr Leistung bringen als die Geräte der Konkurrenz. Ein Vierkernprozessor mit 1,7 Gigahertz und 2 Gigabyte Ram bildet die Grundlage. Wichtiger für die Nutzer aber dürften die Reaktionsgeschwindigkeiten sein, die Amazon verspricht: So sollen Filme bereits im Hintergrund gepuffert werden, was ein sofortiges Abspielen garantiert.

Neben dem üblichen HDMI-Ausgang verfügt Fire TV über einen Netzwerkanschluss, einen Wlan-Adapter sowie einen optischen Ausgang für Audio. Die Fernbedienung unterstützt auch Sprachbefehle, mit denen sich das Angebot durchsuchen lässt.

Die Anschlüsse des Fire TV (Bild: Amazon)

Die Anschlüsse des Fire TV (Bild: Amazon)

Angebot

Fire TV wird mit Apps von bekannten TV- und Streaming-Anbietern ausgeliefert, darunter auch mit der Konkurrenz von Netflix und Hulu, mit Sportangeboten der MLB und NBA, sowie den Videoportalen YouTube und Vimeo. Larsen kritisierte die Konkurrenz von Apple, die Amazons eigenen Streaming-Dienst nicht in Apple TV aufnimmt und deshalb ein geschlossenes System bilde. Auch Microsoft, das mit seiner Xbox-Live-Mitgliedschaft die Nutzer gleich zweimal zur Kasse bittet, bekam einen Seitenhieb ab.

Amazon dagegen wolle den Kunden die größtmögliche Auswahl an Inhalten und Anbietern bieten. So soll Fire TV seinen Nutzern vorschlagen, bei welchem Angebot sie die gewünschten Filme oder Serien am günstigsten finden.

Das klingt interessant, allerdings enthält die Funktion zum Start lediglich Angebote von Amazons Instant Video und der NBC-Tochter Hulu – wenig hilfreich also. Überhaupt bildet natürlich Amazons eigener Streaming-Service die Basis von Fire TV, und dürfte deshalb einen prominenten Platz in der Bedienoberfläche einnehmen. Außerdem sollen Inhalte, etwa Fotos, die in Amazons Cloud liegen, einfach auf dem Fernsehbildschirm angezeigt werden können.

Ein zweites Feature namens ASAP soll anhand der Vorlieben der Nutzer stetig neue Inhalte finden und vorschlagen können, sowie diese bereits im Hintergrund puffern. Amazon bezieht sich also hier ähnlich wie Netflix auf Big Data – Nutzerinformationen, auf deren Basis ziemlich genaue Analysen des Fernsehverhaltens entstehen.

Spiele

Eine weitere Funktion sind Spiele. Für knapp 40 Dollar gibt es einen Controller für die Steuerung wie bei Konsolen sowie 1.000 Coins, mit denen sich Spiele kaufen lassen. Es seien aber auch bereits 1.000 kostenlose Spiele im Angebot, heißt es.

Amazon geht es um das wachsende Segment der Gelegenheitsspieler. Da Fire TV auf Android basiert, könnte es somit auch eine Alternative zu kostengünstigen Konsolen wie der Ouya darstellen. Mit den Amazon Game Studios arbeite der Konzern außerdem bereits an eigenen Titeln.

Fire TV als Hub für eigene Inhalte

Eigene Inhalte sind das Stichwort. Sie dürften durch Fire TV für Amazon noch einmal wichtiger werden. Seit vergangenem Jahr ist Amazon selbst als TV-Produzent im Geschäft. Eigenproduzierte Serien wie Alpha House mit John Goodman wurden bereits um eine zweite Staffel verlängert. Die Kritiken der ersten Serienrunde waren allerdings durchschnittlich.

Mit dem Fire TV erhofft sich Amazon eine Chance, die eigenen Inhalte noch einfacher an die Zuschauer zu bringen. Zwar soll Fire TV viele verschiedene Anbieter bündeln, aber Amazon dürfte die eigene Box vor allem dazu nutzen, die Kunden an Inhalte aus Amazon Instant Video, sowie womöglich bald auch dem eigenen Spiele-Store, heranzuführen.

Denn darauf basiert letztlich Amazons Geschäftsmodell: dem Verkauf von Gütern. Und von Büchern und eBooks, die bereits erfolgreich über den Kindle verbreitet werden, geht es nun also um Bewegtbilder.

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VHX: Filme im Selbstvertrieb

Von 11. März 2014 um 09:16 Uhr

vhx

Der Comedian Anziz Ansari hat es getan. Die YouTube-Stars Grace Helbig und Hannah Hart mit ihrem Film Camp Takota ebenfalls. Und auch Kevin Spacey möchte es tun: Sie alle nutzen die Plattform VHX, um ihre Filme online zu vertreiben.

Seit gestern ist VHX der breiten Öffentlichkeit verfügbar. Zwei Jahre lang befand sich die Plattform in einer Betaphase für ausgewählte Filmemacher. Rund 350 Filme wurden in dieser Zeit über VHX vertrieben. Die Auswahl dürfte nun schnell größer werden, da sich ab sofort jeder interessierte Macher, ob Hobby- oder Profifilmer, registrieren kann.

VHX ist einer der interessantesten Dienste im immer stärker wachsenden Geschäft mit dem Selbstvertrieb. Die Plattform bietet interessierten Filmemachern vor allem eines: Die nötige Infrastruktur. Die Inhalte liegen wie bei Vimeo (das dieser Tage ebenfalls noch einmal seine On-Demand-Seite gepusht hat) auf den Servern von VHX.

Integration in die eigene Website

Doch im Gegensatz zu Vimeo mit seinen Pro-Accounts verlangt VHX keine einmalige oder jährliche Gebühr. Stattdessen behält die Plattform 10 Prozent und 50 Cent von jedem “Verkauf” ein. Möchte ein Filmemacher seinen Film etwa für 10 Euro vertreiben, bekommt VHX bei jeder Transaktion 1,50 Euro. Die restlichen 8,50 Euro landen direkt beim Urheber – ein durchaus fairer Deal. “Die Zuschauer sind in diesem Fall nicht die Kunden von Apple & Co. Es sind deine Kunden”, sagte der Mitgründer Jamie Wilkinson am Rande des SXSW-Festivals.

Auch VHX lässt sich dabei in die eigene Website integrieren, damit die Inhalte den direkten Weg zu den Fans nehmen können. Wer etwa die Seite von Camp Takota aufruft, bekommt alle Streaming- und Downloadoptionen angezeigt. Ein Klick auf den Link öffnet eine Seitenleiste mit der Bezahlung, die wiederum über VHX abgewickelt wird. Der Vorteil: Die potenziellen Zuschauer merken kaum, dass Kauf und Download tatsächlich über einen externen Dienst ablaufen. Für die Uploader bietet VHX Optionen wie Geoblocking, Pre-Order oder Merchandise-Pakete an.

Zwar ist der Weg zu einem erfolgreichen Selbstvertrieb aus finanzieller Sicht für viele Filmemacher immer noch unattraktiv – wenn man nicht gerade eine Million YouTube-Fans hat. Doch ein schwindendes Geschäft mit traditionellen Filmverleihen und schleppenden Veröffentlichungszeiträumen führt dazu, dass immer mehr von ihnen mit diesem Modell experimentieren.

Besonders für Filme, die über erfolgreiche Crowdfunding-Kampagnen bereits ein internationales Publikum mitbringen, dürfte der Vertrieb in Eigenregie in Zukunft noch einmal interessanter werden. Gerade wenn er, wie im Fall von VHX, auch andere traditionelle Wege nicht ausschließen muss. Denn die Rechte an den Inhalten bleiben immer nur bei einer Person: den Machern.

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Vimeo stellt neuen Videoplayer vor

Von 7. Januar 2014 um 15:58 Uhr

Zweieinhalb Jahre ist es her, als Vimeo das letzte große Update seines Players durchführte. Seitdem hat sich wenig bei Vimeo, aber viel in Sachen Technik verändert. Gerade im Vergleich zu YouTube wirkte Vimeo immer etwas schwerfällig. Das Vorspulen innerhalb von Videos klappte nicht immer, HD war oft langsam, immer wieder gab es Kompatibilitätsprobleme mit Browsern, und natürlich basierte der Player in vielen Fällen, wenn man nicht die Betaversion nutzte, auf Flash.

Die Zeiten sind vorbei. Heute stellte Vimeo alle Videos auf einen neuen Player um. Der sieht zwar oberflächlich fast genauso aus wie der alte, ist aber tatsächlich von Grund auf neu gebaut. Im Entwicklerblog stehen alle Details. Hier eine kleine Auswahl der wichtigsten Neuerungen:

  • Geschwindigkeit: Vimeo spricht von rund 50 Prozent schnelleren Ladezeiten. Ob das stimmt, sei dahingestellt. Sicher ist, dass die Videos deutlich schneller starten und vor allem auch das Vorspulen nun problemlos und fast verzögerungsfrei funktioniert – und das auch im HD-Modus.

  • HTML5: Für alle Nutzer, die einen HTML5-fähigen Browser nutzen, bekommen nun auch den HTML5-Player standardmäßig angezeigt. Das ist vor allem für die mobile Nutzung ein wichtiger Faktor: Der gleiche Player kann nun über verschiedene Endgeräte hinweg ausgespielt werden. Zudem sind Videos dadurch responsiv, lassen sich also je nach Ansicht besser verkleinern oder vergrößern.

  • Untertitel und Closed Captions: Ein großer Vorteil von YouTube lag darin, Untertitel anzeigen zu können und sogar für Inhalte auf Englisch automatisch erstellen zu können – ein großer Pluspunkt für hörbehinderte Menschen oder einfach, um Inhalte einem internationalen Publikum anbieten zu können. Auch Vimeo bietet ab sofort Untertitel an. Diese können über ein Caption-File im Uploadfenster hinzugefügt werden.

  • In-Player-Purchases: Seit vergangenem Jahr richtet sich Vimeo mit seinem On-Demand-Angebot an Filmemacher, die ihre Arbeiten direkt und zu besseren Konditionen als etwas auf iTunes verkaufen möchten. Der neue Player gibt Regisseuren wie etwa Sean Dunne und seinem Film Oxyana die Option, komplette Filme direkt aus dem Trailer heraus anbieten zu können – etwa auf der eigenen Website. Auch die Option des “Tip-Jars” für freiwillige Spenden soll demnächst noch integriert werden.

Fazit: Das Update war lange überfällig. Ein neuer Player dürfte zwar nicht dazu führen, dass die Macher reihenweise von YouTube abwandern, aber die bessere Geschwindigkeit und Kompatibilität dürfte vor allem den Zuschauern gefallen und die mobile Nutzung deutlich erleichtern.

Doch die Konkurrenz schläft nicht: Gerade kündigte YouTube auf der Technikmesse CES das Streaming in 4K-Auflösung an. Das ist zwar im Moment nur für wenige Menschen von Nutzen, doch auch hier sollte Vimeo besser bald nachlegen und nicht wieder zweieinhalb Jahre warten.

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Social Video: Instagram bekommt Videofunktion

Von 20. Juni 2013 um 20:06 Uhr
Instagram CEO Kevin Systrom (© Justin Sullivan/Getty Images)

Instagram CEO Kevin Systrom (© Justin Sullivan/Getty Images)

Nach Foto kommt Video: Am Donnerstag hat Facebook wie erwartet die neue Videofunktion seines Bilderdienstes Instagram vorgestellt. Die Videos dürfen eine Länge von bis zu fünfzehn Sekunden haben und können wie Fotos direkt aus der mobilen App heraus aufgenommen werden. Dreizehn neue Filter ermöglichen die Nachbearbeitung. Die Clips fügen sich nahtlos in den bekannten Instagram-Stream ein. Eine neue Technik namens Cinema soll die Aufnahmen nachträglich stabilisieren. Außerdem können die Nutzer wählen, welches Bild zur Vorschau angezeigt wird.

Wie erwartet, orientiert sich Instagram an Twitters Videodienst Vine, der seit Anfang des Jahres verfügbar ist. Auch bei Vine können die Nutzer bis zu sechs Sekunden Video aufnehmen, und anschließend direkt in ihr Twitterprofil einbinden oder direkt in der App anderen Vine-Usern folgen. Im Gegensatz zu Vine aber spielt Instagram die Videos nicht als Endlosschleife ab. Auch das Embedden individueller Clips, etwa in Blogs, scheint bei Instagram nicht möglich zu sein.

Über eine Videofunktion für Instagram wurde schon länger spekuliert, spätestens seit Twitter mit Vine in den Markt eingestiegen ist. Nach einem eher verhaltenen Start nimmt der Dienst inzwischen Fahrt auf – auch dank der erst kürzlich veröffentlichten Android-Version. Zuvor war Vine bloß Apple-Nutzern vorbehalten. Kürzlich sollen Vine-Videos erstmals die Zahl von Instagram-Bildern auf Twitter übertroffen haben. Allerdings hatte Instagram kurz nach der Übernahme durch Facebook vergangenes Frühjahr die Twitter-Integration abgeschaltet, wodurch die Bilder nicht mehr direkt im Twitter-Client angezeigt werden konnten. Auch den Zugriff von Vine auf die Facebook-API hat das Netzwerk mittlerweile eingeschränkt. Es zeigt: Facebook und Twitter konkurrieren inzwischen um die Nutzer.

Vine-Shares überholen Instagram auf Twitter (Grafik: topsy.com)

Vine-Shares überholen Instagram auf Twitter (Grafik: topsy.com)

Facebook sucht nach einem Geschäftsmodell für Instagram

Für Facebook ist Video kein neues Geschäftsfeld. Nach einer comScore-Analyse war das Netzwerk im Mai die zweitgrößte Videoplattform in den USA, nach YouTube. 60 Millionen Nutzer guckten insgesamt 727 Millionen Videos. Auch erlaubt Facebook schon länger, aus der mobilen App heraus Videos direkt vom Smartphone in das Profil hochzuladen. Wirklich populär ist die Funktion nicht.

Mit Instagram soll sich das nun ändern. 130 Millionen Menschen nutzen nach eigenen Angaben den Dienst monatlich. Viel Potenzial für neue Werbemöglichkeiten also. Bis jetzt hat Instagram nämlich kein Geschäftsmodell. Wie ReadWrite schreibt, müsste Facebook dazu gar keine Werbung direkt auf Instagram einblenden. Stattdessen könnte es gänzlich auf sogenannte native Werbung setzen: Werbetreibende produzieren gezielt kurze Clips für Instagram und veröffentlichen sie auf dem eigenen Profil. Facebook sorgt, wie auch schon jetzt mit seinen “Promoted Posts” dafür, dass die Inhalte entsprechend verbreitet werden. Vine-Kampagnen wie #sixsecondagainstaids experimentieren bereits mit den Möglichkeiten.

Die Voraussetzung ist, dass der neue Dienst auch von den Nutzern angenommen wird. Nicht alle glauben daran. “Was auch immer es sein wird”, heißt es beim Technikblog PandoDaily, “die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es a) nichts taugt und b) kein Erfolg wird”. Autor Hamish McKenzie sagt, die einzige und wahre Stärke von Facebook seien seine Verbindungen, sein globales Netz aus mehr als einer Milliarde Menschen, die zusammen ein neues Internet bilden. Facebooks Produkte dagegen seien meist schreckliche Kopien von erfolgreichen Konkurrenten. Jüngstes Beispiel: Die App Poke, eine Kopie des beliebten Dienstes Snapchat, die Facebook in nur zwölf Tagen zusammenschusterte und damit vor allem Spott erntete.

Einen Vorteil aber hat Instagram: Die bestehende und treue Nutzerbasis. Facebook muss sich in diesem Fall nicht erst gegen die Konkurrenz beweisen, sondern ergänzt einen populären Dienst lediglich um eine neue Funktion. Sicherlich hofft Facebook, dass die Nutzer, die zurzeit sowohl Instagram als auch Vine nutzen, künftig nur auf eine App setzen. Gleichzeitig warnen Kritiker davor, dass die Videofunktion die Stärken Instagrams verwässern könnte.

Kurze Clips liegen im Trend

In jedem Fall ist offenbar auch Facebook davon überzeugt, dass das Potenzial von kurzen Videoclips noch nicht ausgeschöpft ist. Schon länger buhlen Dienste um den Social-Video-Markt. Bereits Anfang 2009 versuchte das Startup 12 Seconds einen Videodienst für Twitter einzuführen. Das Unternehmen stellte 2010 den Betrieb ein. Wenig später trat Viddy auf den Plan, es folgten unter anderem Socialcam, Klip, Mobli und Cinemagram. Sie alle bieten ähnliche Funktionen: Eine kurze Aufnahmelänge, trendige Filter, simple Bearbeitungsmöglichkeiten und Social-Media-Integration. Obwohl es die Dienste schon länger gibt, haben sie Analysen zufolge seit der Einführung von Vine Nutzer verloren. Mit Instagram dürfte die Situation nicht einfacher werden.

Doch weshalb sind die kurzen, meist unterbelichteten und verwackelten Momentaufnahmen eigentlich so beliebt? Hat das Format einen Mehrwert oder sehen wir künftig nur noch mehr bewegte Aufnahmen von Katzen und Essen?

Die Antwort liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Zum einen ist der Wechsel zum Bewegtbild der natürliche Gang der Dinge. Je mehr Menschen Smartphones benutzen und die Nutzung mobiler Datenverbindungen steigt, desto attraktiver wird auch das Teilen von Videos. Sechs bis fünfzehn Sekunden klingen nach wenig und sind doch genug, um Kontext zu liefern, kleine Geschichten zu erzählen – wie die artverwandten Gifs zeigen. Die Mikroinhalte, die Twitter etablierte, könnten sich bald auch auf Video übertragen. “Wir glauben, dass Einschränkungen die Kreativität fördern”, sagte Twitter-Gründer Jack Dorsey im Jahr 2007. Erste Vine-Memes deuten das Potenzial bereits an.

Filmemacher entdecken Vine

Schon jetzt ist Vine zur Dokumentation beliebt, und das nicht nur unter Journalisten. Das Magazin Wired glaubt, dass die Bombenanschläge von Boston einen ähnlichen Effekt auf Vine hatten wie die Proteste auf dem Tahrir-Platz für Twitter. Beide Dienste wurden von den Menschen vor Ort verstärkt genutzt und somit rasch bekannter.

Auch Filmemacher experimentieren mit dem neuen Format: Auf dem Tribeca Filmfestival etwa gab es in diesem Jahr erstmals die “6 Second Films” Competition. Vinetune ist ein nettes Mashup, das Musikvideos aus den Hashtags von Vines erstellt. Daft Punk veröffentlichten die Trackllist ihres neuen Albums via Vine. Auf YouTube widmen sich inzwischen eigene Kanäle den besten Vines.

Ob Video for Instagram eine ähnliche Entwicklung machen kann, ist fraglich. Die nichtvorhandenen Embed- und Loop-Funktionen könnten sich zum Nachteil herausstellen, schränkt es doch das virale Potenzial der Inhalte ein. Vielleicht zeigen die Videos auf Instagram also tatsächlich nur nette Urlaubs- und Familienszenen. Für den Rest gibt es ja immer noch Vine.

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Google Street View Hyperlapse

Von 10. April 2013 um 13:08 Uhr

Teehan+Lax Labs haben mit Google Street View Hyperlapse ein nettes Tool gebastelt, mit dem sich über Googles Street View schnell eigene Hyperlapses erstellen lassen. Die Website (funktioniert nur in Google Chrome richtig) bietet nicht mehr Optionen, die über ein “von A nach B” hinausgehen, aber wer sich mit Code auskennt, kann das ganze auch selbst hosten. Dabei kommen dann so Sachen wie das folgende Video dabei heraus. Schade nur, dass Street View durch die ganzen grauen Blöcke in Deutschland eher mau aussieht.

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YouTube knackt die Milliarden-Marke, mobile Nutzung steigt

Von 21. März 2013 um 11:42 Uhr
© YouTube

© YouTube

Eine Milliarde Menschen nutzen YouTube monatlich. Diese Zahl gab das Unternehmen nun bekannt. So beeindruckend die Zahl der unique User ist, noch interessanter ist, wie sich die Besucher aufschlüsseln. In einem Blog-Eintrag gibt YouTube etwas Einblick in die Nutzerstruktur, die YouTube (und andere) als “Generation C” beschreibt, basierend sowohl auf ihrem Alter, als auch auf den vier Vorlieben: Connection, Community, Curation und Creation.

Marketingsprech beiseite, hier die Zahlen: 2012 ist die mobile Nutzung von YouTube um 76 Prozent gestiegen und liegt nun fast auf dem Level der klassischen Computernutzer. 67 Prozent der Generation C sehen YouTube dabei auf zwei oder mehr Geräten, der Trend zum Second Screen bleibt also bestehen und wenn die Entwicklung der Smartphones so weitergeht, wovon auszugehen ist, dürfte YouTube so schnell keine Nutzerprobleme bekommen.

Wann gucken die Menschen Videos auf ihrem Smartphone oder Tablet? Vor allem, wenn sie auf jemanden oder etwas warten (41 Prozent). Knapp die Hälfte sucht dabei aktiv nach Inhalten (47 Prozent), während 18 Prozent Videos von Freunden über soziale Netzwerke empfohlen bekommen.

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Vimeo jetzt mit On-Demand Funktion

Von 13. März 2013 um 13:27 Uhr

vimeo

Videos auf Plattformen wie YouTube oder Vimeo zu präsentieren hat sicherlich viele Vorteile für Filmemacher, aber nimmt ihnen gleichzeitig auch ein wenig Kontrolle. Denn sie haben nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie machen das Video publik und jeder kann es kostenlos anschauen, oder sie machen es privat und verwehren es damit einem größeren Publikum. Beide Optionen sind nicht so wirklich attraktiv, wenn man mit seinen Inhalten auch etwas Geld verdienen möchte. Zwar lässt sich über YouTube an Werbeeinblendungen mitverdienen, wirklich rentabel ist das aber erst ab einer gewissen Zuschauerzahl.

Mit dem “Tip Jar” hatte Vimeo vor einigen Monaten versucht, den Uploadern entgegenzukommen. Ähnlich wie bei beim Dienst Flattr können die Zuschauer den jeweiligen Filmemachern einen frei gewählten Geldbetrag zukommen lassen, etwas Taschengeld für die Mühen sozusagen.

Auf dem SXSW in Austin präsentierte die Plattform jetzt den nächsten, logischen Schritt: Vimeo On Demand. VimeoPRO-Nutzer können künftig ihre Arbeiten für einen von ihnen festgesetzten Preis anbieten. Das ist ähnlich, wie es viele Filmemacher bereits auf ihrer eigenen Website machen, hat aber natürlich den Vorteil, dass sämtliche Server- und Streamingkosten auf Vimeo umgelegt werden. Dafür behält Vimeo 10 Prozent der Einnahmen ein, die restlichen 90 Prozent erhalten die Macher, was durchaus fair ist (zum Vergleich: auf iTunes ist die Verteilung 70/30). Allerdings kostet auch die VimeoPRO-Mitgliedschaft bereits 160 Euro im Jahr, was es zu bedenken gilt. Die Macher können zudem entscheiden, ob sie den Film nur für eine gewisse Dauer oder bloß in bestimmten Regionen anbieten möchte. Unklar ist, ob diese Funktion auch “Pay what you want” unterstützt, also quasi eine Mischung aus Tip Jar und On Demand.

Die Bezahlung läuft über Kreditkarte oder PayPal. Zum Start bietet u.a. der Oscar-nominierte Don Hertzfeldt seinen animierten Kurzfilm It’s Such a Beautiful Day (2011) für 2$ on-demand an.

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YouTube mit neuem Layout

Von 7. Dezember 2012 um 13:01 Uhr

Das neue Layout: viel Weiß

Wer heute YouTube besucht, wird merken, dass die Seite etwas anders aussieht. Seit heute nämlich gibt es das “neue YouTube” für alle Nutzer, das sich an das Layout anderer Googledienste, wie etwa Google+ oder Gmail, anlehnt.

Abgesehen von sehr viel Whitespace sind einige Änderungen besonders auffällig. Zum Beispiel, dass nun alle Episoden einzelner Shows (sprich Playlisten) direkt aus dem Player heraus abrufbar sind und nicht erst zwischen Empfehlungen in der rechten Spalte mühsam herausgepickt werden müssen.

Zum anderen sollen die Abonnements der Kanäle stärker in den Vordergrund rücken: Sie stehen nun prominent in der linken Spalte und lassen sich einfacher entdecken und verwalten, und synchronisieren ab sofort auch plattformübergreifen mit den Apps (sicherlich nicht zufällig stellte Google vor wenigen Tagen die offizielle neue iPad-App vor). All das ist keine Überraschung, schließlich investiert die Plattform besonders viel Zeit und Geld in ihre Premiumkanäle und möchte diese Inhalte noch stärker hervorheben.

Der Player an sich hat ebenfalls ein kleines Facelift bekommen und ist nun dunkler, wirkt etwas schnittiger und bietet einige Optionen mehr. Die bekannten Embed-, Statistik- und Social-Media-Funktionen wirken zudem etwas aufgeräumter. Insgesamt ist es ein funktionales Update, mit dem sich die meisten Nutzern schnell anfreunden dürften. Oder nicht?

Update: Offenbar nicht. Nicht nur in den Kommentaren hier, auch sonst scheint man von dem neuen Design nicht wirklich begeistert zu sein.

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