Aktuelle Ereignisse im Live-Blog

Wikileaks veröffentlicht diplomatische Akten der US-Regierung

Von 28. November 2010 um 23:04 Uhr

Von Kai Biermann (kb), Carsten Lißmann (cl) und Karsten Polke-Majewski (kpm)

Schön, dass wir so viele Leser haben – so viele, dass wir unser Blog hier fortsetzen.

22.51 Manche Subject-Zeilen der Originaldokumente sagen schon alles: Lame Duck German Governor Kicked Upstairs as New Energy Commissioner in Brussels”. Gerecht wird diese Zeile Günther Oettinger wohl aber eher nicht. (kpm)

22.45 Aus den Originaldaten von Wikileaks: Am 11. Februar traf Hamburgs damaliger Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) Kanzlerin Angela Merkel. Später erzählte von Beust dem amerikanischen Botschafter, Merkel sei “sehr, sehr wütend – wütender als er sie je gesehen habe.” Grund für die Verärgerung seien Unionsabgeordnete im Europäischen Parlament gewesen, die im Februar gegen die erste Fassung des Swift-Abkommens gestimmt hatten. Merkel befürchte, so die Depesche aus der Berliner US-Botschaft, dass der Eindruck entstehe, Europa nehme die Bedrohung durch den Terrorismus nicht ernst genug. (cl)

22.43 Und Leser Oliver Heine überlegt, was einzelne Menschen überhaupt dazu bringt, solch prekäre Dokumente weiterzugeben.

22.37 Unser Leser trektor stellt eine interessante Frage:Die USA sind viel mehr stabilisierend innerhalb der Weltpolitik als das den meisten der nun irgendwie so angenehm aufgeregt ‘Enthüllungen’ Entgegenfiebernden bewußt zu sein scheint. Im Nahost-Konflikt und hinsichtlich des Konfliktes mit dem Iran etwa sähe es weitaus schlimmer aus, wenn nicht die USA unter der jetzigen Führung vermitteln aber auch behindern würden….

Warum vertrauen die Menschen Wikileaks und Averenge blind und wieviel hat das mit dem generellen Mißtrauen gegenüber ihrer eigenen Politikerkaste zu tun?”

22.35 Wikileaks ist wieder online. Unter http://cablegate.wikileaks.org können die ersten Rohdatensätze (knapp 200) durchsucht werden. (cl)

22.33 Ein besonderes Licht werfen die Dokumente offenbar auf den schwierigen politischen Prozess, der zwischen Iran und den Vereinigten Staaten abläuft. So drängten Israel und einige arabische Verbündete die USA offenbar zu einem Militärschlag gegen den Iran. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak soll im Juni 2009 gesagt haben, es gebe ein “Zeitfenster von sechs bis 18 Monaten”, in dem ein militärisches Eingreifen zur Zerstörung der Nuklearanlagen im Iran günstig sei, schreibt der Guardian.

Nach Ablauf dieser Zeit wäre ein Militärschlag mit nicht mehr akzeptablen Kollateralschäden verbunden. Der saudische König Abdullah habe mit Blick auf Iran von den USA verlangt, “der Schlange den Kopf abzuschlagen”. Auch Staaten wie Bahrain und Ägypten hätten ähnliche Einschätzungen zur Iran-Politik geäußert. Eine dokumentierte Aufzeichnung des amerikanischen Verteidigungsministers Robert Gates gibt ihn mit den Worten wieder, wenn nicht bald eine diplomatische Lösung im Iran erreicht sei, werde es zur Verbreitung von Atomwaffen oder zu einem israelischen Militärschlag kommen – oder beides.

Wäre ein solcher Militärschlag aber überhaupt möglich? Kritiker behaupten: Nein. (kpm)

22.18 Transparenz ist nicht gleich Transparenz. Zwar hat Wikileaks sich dem Gedanken verschrieben, jedem alles zugänglich zu machen. Doch haben sich die beteiligten Medien im Fall der diplomatischen Dokumente selbst zensiert: Welche der Depeschen wie in ihren Berichten und Datenbanken auftauchen, beschreibt die New York Times exemplarisch: Zuerst habe die Redaktion selbst all jene Informationen ausgelassen, die “vertrauliche Informanten” in Gefahr bringen, oder die “nationale Sicherheit” gefährden könnten. Dann habe man das übrige und zur Veröffentlichung vorgesehene Material der US-Regierung gesandt und diese um Anmerkungen gebeten. Die gab es auch. Die Redaktion der Times habe anschließend “einige, nicht alle” Bedenken der Regierung berücksichtigt und entsprechende Depeschen nicht verwendet. Ähnlich ist auch der Spiegel vorgegangen.

Alle Bedenken und Anmerkungen seien mit den übrigen an der Veröffentlichung beteiligten Medien geteilt worden. Und wurden von ihnen ähnlich umgesetzt. Siehe Guardian und der Spiegel. (kb)

22:05 Das Technikblog Techcrunch schreibt unter Bezug auf die New York Times, die diplomatischen Kabel enthielten auch einige Hinweise zum Einbruch in Rechner von Google und des Dalai Lama Anfang des Jahres: das chinesische Politbüro habe die Hacks organisiert.

Ein chinesischer Kontakt der US-Botschaft in Peking berichtete ihr demnach im Januar, der Angriff, der dazu führte, dass Google sich zeitweise aus China zurückzog, sei eine koordinierte Aktion gewesen. Regierungsmitarbeiter, private Sicherheitsexperten und “Internet-Outlaws”, demnach wohl Hacker, hätten sie ausgeführt. Seit 2002 seien sie immer wieder in Rechner der amerikanischen Regierung und anderer westlicher Staaten eingebrochen. (kb)

21:34 Die Webseite von Wikileaks ist immer noch sehr schwer erreichbar. Alle, die einen Blick auf die originalen Dokumente werfen wollen, werden von den Machern auf guardian.co.uk verwiesen. Die Guardian-Redaktion hat die Rohdaten auf einen Google-Server ausgelagert, der dem Ansturm jedoch auch nicht immer gewachsen ist. (cl)

21:27 Das Pentagon hat im August die Sicherheitsregeln für den Einsatz von USB-Sticks verschärft, schreibt Associated Press. (cl)

21.22 Manche der Depeschen haben fast literarischen Wert. Die New York Times dokumentiert die sehr ausführliche Beschreibung eines US-Diplomaten über eine dagestanische Hochzeit. Die kaukasische Prominenz ist versammelt und der Berichterstatter tief beeindruckt vom Alkoholverbrauch auf der dreitägigen Veranstaltung. (cl)

21.15 Der Sprecher von Präsident Barack Obama hat sich zu Wort gemeldet. Robert Gibbs sagt, diplomatische Dokumente wie die veröffentlichten Kabel enthielten ehrliche und oft unvollständige Informationen. In ihnen drücke sich nicht die politische Linie der amerikanischen Regierung aus und diese Kabel beeinflussten auch keine Entscheidungen.  Allerdings könnten solche Kabel (wenn sie bekannt werden) private Diskussionen mit ausländischen Regierungen und Oppositionsführern gefährden. “Präsident Obama unterstützt ein verantwortliches, zuverlässiges und offenes Regieren daheim und in aller Welt, aber solch rücksichtsloses und gefährliches Handeln widerspricht diesen Zielen”, sagte Gibbs. (kpm)

21.11 Interessanter ist die Einschätzung von Guido Westerwelle als Außenminister. Die amerikanischen Diplomaten, so schreibt Spiegel Online, sähen sich vor die Herausforderung gestellt, wie sie mit einem Politiker umgehen sollten, der ein “Rätsel” sei, mit wenig außenpolitischer Erfahrung und einem “zwiespältigen Verhältnis zu den USA”. (kpm)

21.04 Was auf Spiegel Online über die amerikanische Einschätzung der Kanzlerin zu lesen ist, ist wenig schmeichelhaft formuliert, in der Sache aber nicht sonderlich überraschend. Da steht beispielweise, die Kanzlerin sehe die internationale Diplomatie vor allem unter dem Gesichtspunkt, welchen Profit sie innenpolitisch daraus ziehen könne. Ein Gemeinplatz, den man jedem anderen Regierungschef ebenso vorhalten könnte. Auch dieser zweite Satz gibt eher die allgemeine Kommentarlage der deutschen Presse des Februars wieder: Merkel habe das “Joch der Großen Koalition abgeschüttelt, nur um jetzt mit einem FDP-CSU-Doppel-Joch belastet zu sein”. (kpm)

20.44 Die amerikanische Regierung hat die Veröffentlichung der Dokumente aus der US-Diplomatie “aufs Schärfste” verurteilt. Die Freigabe der Dokumente sei “unverantwortlich und gefährlich”.

20:36 Der New York Times zufolge sollen Amerikanische und Südkoreanische Offizielle mehrfach die Chancen eines vereinigten Korea diskutiert haben. Nach Einschätzung der US-Botschafterin in Seoul glauben die Südkoreaner, Chinas Zustimmung zur Entmachtung des Regimes in Pjöngjang lasse sich erkaufen. Die Bedenken in Peking ließen sich mit “Business-Deals” lindern. Die entsprechende Depesche sei im Februar dieses Jahres geschrieben worden. (cl)

20.33 Eine gute Zusammenschau dessen, was die Medienpartner von Wikileaks berichten, findet sich auf WL Central.

20.30 Nun ist auch Wikileaks wieder zu erreichen, nur bislang noch ohne neue Dokumente. Hier zumindest hübsch dargestellt der Twitterfeed der Organisation.

20.29 Der Guardian berichtet, Saudi-Arabien habe die USA aufgefordert, den Iran zu bombardieren.

20.21 Am frühen Abend wird gemeldet, die offizielle Seite von Wikileaks stehe unter Feuer und sei nicht mehr zu erreichen. Letzteres zumindest gilt immer noch.

20.16 Der Spiegel konzentriert sich auf die Einschätzung von Politikern aus aller Welt durch die amerikanischen Diplomaten: Afghanistans Präsident Karsai  sei von “Paranoia” getrieben, Russlands Premier Putin ein “Alpha-Rüde”. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wird skeptisch bewertet,  Ägyptens Präsident Husni Mubarak habe den unter George W. Bush begonnenen Irak-Krieg für gefährlichen Unsinn und den damalige US-Präsidenten für unbelehrbar gehalten.

Auch deutsche Politiker bekommen ihr Fett weg: CSU-Chef Horst Seehofer wird als “unberechenbar” charakterisiert, Außenminister Guido Westerwelle (FDP) als “aggressiv”. Kanzlerin Angela Merkel bescheinigen die Amerikaner, “selten kreativ” zu sein und das Risiko zu meiden. Verteidigungsminister von Guttenberg dagegen kommt gut weg. (kpm)

20.14 Die USA haben nach Darstellung des Guardian versucht, die Führung der Vereinten Nationen auszuspionieren.

19.59 Die New York Times, der britische Guardian, Le Monde aus Paris, El Pais aus Madrid und der Spiegel mit Spiegel Online haben vorab einen Teil der Dokumente veröffentlicht. Mal sehen, wie sich ihre Schwerpunktsetzung unterscheidet. (kpm)

18 bis 19 Uhr Die geplante Veröffentlichung wirft ganz neue Fragen auf. Zum Beispiel diese: Zu den bekannt gemachten Irak- und Afghanistan-Kriegsdokumenten konnte man denken: Im Krieg stirbt die Wahrheit immer zuerst, also muss man dokumentieren, was dort geschieht. Diplomatie kann man allerdings auch als Alternative zum Krieg verstehen. Aber kann Diplomatie dieser Aufgabe noch nachkommen, wenn sie Gefahr läuft, auch im Prozess der Entscheidungsfindung öffentlich gemacht zu werden? Denn viele Berichte, die Botschaften an ihre Regierung absetzen, dienen zwar der Meinungsbildung, sind aber nur Teil dessen, was auf die Entscheidung einer Regierung einwirkt. (kpm)

Sonntagnachmittag Wikileaks wird an diesem Sonntagabend neue Dokumente aus der amerikanischen Regierung veröffentlichen. Es ist das dritte Mal, dass die Organisation solche vertraulichen, teils geheime Regierungsdokumente online stellt.

Es soll sich um hunderttausende diplomatische Depeschen und Berichte handeln, die zwischen dem amerikanischen Außenministerium in Washington und diplomatischen Vertretungen der USA in aller Welt ausgetauscht wurden.

Glaubt man einem am Samstag versehentlich von Spiegel Online publizierten und bald wieder zurückgezogenen Bericht, so handelt es sich um „insgesamt 251.287 sogenannten diplomatischen Kabeln, die US-Botschaften, -Konsulate und -Vertretungen aus aller Welt an das US-Außenministerium in Washington geschickt haben, und mehr als 8000 Direktiven des US-Außenministeriums an die diplomatischen Vertretungen in aller Welt.“

Ein einziger Bericht gehe demnach zurück bis ins Jahr 1966, die weitaus meisten seien jünger als 2004. Damals war das so genannte SIPRNet eingerichtet worden. Dieses Netzwerk dient dem amerikanischen diplomatischen Dienst als eine Art Intranet und ist eines seiner wichtigsten Kommunikationsmittel. Aus dieser Datenbank soll das Material stammen. Allein aus den ersten beiden Monaten dieses Jahres sollen 9005 Dokumente stammen.

Über den Inhalt der Dokumente ist in diesem Bericht zu lesen: „Die Berichte aus den Ländern sind in der Regel von Diplomaten verfasst, also Botschaftern, Konsuln oder ihren Mitarbeitern. Meist enthalten sie Einschätzungen der politischen Lage im jeweiligen Land, Gesprächsprotokolle, Hintergründe zu Personalentscheidungen und Ereignissen – oder auch Psychogramme einzelner Politiker.“

Wikileaks hatte im Juli schon 77.000 Dokumente zum Afghanistan-Krieg zugänglich gemacht. Im Oktober veröffentlichte die Plattform dann rund 400.000 geheime Unterlagen des Pentagons zum Irak-Krieg. (kpm)

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ich liebe das Internet! Öffentlichkeit schafft auch immer Ehrlichkeit. Ob das gut ist, kann man immer erst nachher wissen. Aber die Wahrheit sollte immer richtig sein!

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    • 28. November 2010 um 20:40 Uhr
    • Baywatch
  2. 2.

    “…Irak-Krieg für gefährlichen Unsinn und den damalige US-Präsidenten für unbelehrbar gehalten sei.”

    Das passiert wohl wenn man einen Satz anfängt, umstellt aber nicht nochmal liest.

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  3. 3.

    ist doch auch klar das Guttenberg gut bei der US-Regierung gut weg kommt, denunziert und verpetzt er doch seine Kollegen bei den Amerikanern

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  4. 5.

    Ich wusste immer dass deutsche Politiker ihre Befehle aus dem Weissen Haus erhalten. Nun ist es ja offiziell.

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  5. 6.

    @ Morricone: Ist korrigiert, herzlichen Dank für den Hinweis.

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  6. 7.

    Eigentlich gibts ja heute nen Tatort. Aber gespieltes ist halt nicht so spannend wie Reality-Newsticker :-)

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  7. 8.

    Schlußfolgerung: Amerikanische Diplomaten können Zeitung lesen. Große Überraschung!

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  8. 9.

    Wer die bisher veröffentlichten Informationen als gefährlich oder sensationell bezeichnet, ist aus meiner Sicht völlig naiv. Die bisher veröffentlichten “Enthüllungen” sind zwar peinlich aber nicht mehr als Polit-Boulevard. Die wirklich gefährliche Entwicklung findet sich eher im Verhalten von Wikileaks, dass mit seinem Verhalten unnötig politische Beziehungen verkompliziert und die Diplomatie (die seit jeher ein schmutziges, doppelbödiges Spiel ist) diskreditiert und verkompliziert. Der Versuch von Wikileaks Regierungen zu “erziehen” wird nur zu strengeren Geheimhaltungsbestreben dieser führen. Ideologen und Politromantiker sind seit jeher von der Realität ausgeschaltet worden, mal sehen wann dass mit Wikileaks passiert

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    • 28. November 2010 um 21:27 Uhr
    • Faca na Caveira
  9. 10.

    Früher tröstete man sich und sagte: “Gottes Mühlen mahlen langsam…”
    Die Veröffentlichungen lösen bei mir ein ähnliches Gefühl der Hoffnung und Genugtuung aus.

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    • 28. November 2010 um 21:35 Uhr
    • elron
  10. 11.

    Diese Einschätzung ist doch genau richtig. Es ist gut zu wissen, daß man in Ägypten so eine vernünftige Meinung hat.

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  11. 12.

    Was für eine Art News haben wir denn vorgesetzt bekommen die letzten 50 Jahre?
    Offizielle Verlautbarungen und Statements. Propaganda. Aber nie die Wahrheit. Das lässt tief blicken. Dass unsre Politiker nicht die Hellsten sind war ja auch nicht unbedingt ein Geheimnis. Dass sich die Guttenbergs mit Denunziation überbieten
    beim big brother wohl auch nicht. Briefing nennt sich das. Verdammt unappetitlich ist das alles. Das ist also die viel gerühmte Demokratie. Kim Jong Il lacht sich tot,

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  12. 13.

    elron Sie schrieben: “Die Veröffentlichungen lösen bei mir ein ähnliches Gefühl der Hoffnung und Genugtuung aus” – - .Welche Hoffnung? Dass Sie erfahren, dass die ‘Amis’ zynische Machtpolitiker sind? Was versprechen Sie sich denn davon? Eine Wendung der Dinge zum Besseren aufgrund irgendeiner Wahrheit, oder wollen Sie gar Konflikte sehen, Streit, Eskalationen, Zerwürfnisse, Abschottungen, kalte Kriegsschaften, oder gar heiße? Meinen Sie nach wikileaks nehmen sich dann alle etwas zurück und werden freundlicher und gehen einsichtig geworden offen aufeinander zu? Ich sage Ihnen, was geschieht: Man wird sich verstecken, noch viel viel mehr als man dies jetzt schon tut. Alles, was noch an die Öffentlichkeit dringt, wird noch falscher sein, als es jetzt schon ist. Wikileaks bereitet keine Zeit größerer Öffentlichkeit vor sondern genau dessen Gegenteil – beginnen Sie über die Befriedigung Ihrer Ressentiments hinaus zu denken.

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    • 28. November 2010 um 21:57 Uhr
    • trektor
  13. 14.

    Nummer 11 sollte eigentlich eine Antwort auf Nummer 2 sein – damit’s verständlich wird.
    D.h. es ist erfrischend zu wissen, daß Ägypten den Irak-Krieg verurteilt und den damaligen Präsidenten Amerikas Bush für unbelehrbar hielt: genau richtig.
    Was die Bemerkung über Präsident Karzai anbelangt: so ist sie sehr unsensibel, allerdings kann man verstehen, daß man in Afghanistan paranoid reagieren kann, wenn man bedenkt, wie man mit allen Mitteln diesem Lande einheizt, ohne jegliches Mitgefühl für die Afghanen, nur aus Machtgier, aus Nichteinsehenwollens der eigenen Fehler, aus Besessenheit, den Angriff 9/11 zu rächen.

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  14. 15.

    Selektive Öffentlichkeit und selektive Ehrlichkeit können genauso manipulieren wie lügen. Dies sieht man z.B. auch an diversen Verschwörungstheorien.

    Bleibt nur zu hoffen, dass die Wiki-Dokumente ein vollständiges Bild der Situation darbieten. Ich hoffe auch, dass man in Zukunft auch bei Wikileaks aus anderen Ländern Dokumente findet um besser beurteilen zu können was normal ist und was nicht.

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    • 28. November 2010 um 22:16 Uhr
    • Klaus
  15. 16.

    Stimme völlig zu! Das ganze bewegt sich auf dem Niveau von Gala, Bunte, Bild. Bloß leider geht es hier um Bereiche, wo man mit dieser Art von Indiskretion wirklich Schaden anrichten kann. Die betroffenen Regierungen sollten augenzwinkernd ein paar ähnlich markige Sprüche über die direkt verwickelten US-Diplomaten veröffentlichen und die Sache dann einfach übergehen. Hier hat sich Wikileaks wirklich ziemlich vergaloppiert, zumal die sowieso erstmal in ihrem eigenen Laden aufräumen müssten.

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    • 28. November 2010 um 22:22 Uhr
    • Runzelkartoffel
  16. 17.

    “Angela Merkel sei nicht kreativ; Westerwelle sei aussenpolitisch unerfahren” – was ist da so sensationell neu, als ob dieses nicht eh schon jeder weiss …

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    • 28. November 2010 um 22:31 Uhr
    • Ulrich Beckmann
  17. 18.

    wahrheit oder luege…..

    mir ist noch nicht so ganz klar, wer jetzt das groessere problem hat-
    Wikileaks oder die verfasser der “geheimdokumente”, politiker und diplomaten,
    die doch offensichtlich intern anders reden und in der oeffenlichkeit
    nicht die wahrheit sagen…..

    …nun, dazu faellt mir der schoene witz von frueher ein:

    beim uebergang der stelle des politischen redaktionsleiters auf den juengeren
    kollegen einer grossen deutschen, serioesen tageszeitung fragt der juengere
    den aelteren kollegen:

    “nun sag mir doch bitte noch zum abschluss und aufgrund deiner grossen erfahrung,
    woran ich erkenne, dass ein politiker im interview die wahrheit sagt oder ob er luegt!?”

    “nun”, sagt der aeltere kollege, “das ist ganz einfach: wenn der politiker sich im gespraech
    mit der hand, mehr beilaeufig und zufaellig, an der nase reibt, dann sagt er die wahrheit;

    wenn er im gespraech sich etwas verlegen am ohr zupft, dann kannst du davon ausgehen,
    dass er die wahrheit sagt.

    aber wenn er den mund aufmacht, dann luegt er!”

    mit besten gruessen und eine schoene adventszeit….

    ms

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    • 28. November 2010 um 22:34 Uhr
    • m.s
  18. 19.

    Vorlaüfige Zusammenfassung: Afgeblasene Heinzelmännchen bezeichen aufgeblasene Heinzelmänchen als aufgeblasene Heinzelmännchen.
    Und davon werden wir nun regiert.
    Wann ist das nächste Gipfeltreffen dieser Leute? Ich freue mich darauf.

    Antworten

  19. 20.

    Na, das ist doch was!

    Kompliment an die Redaktion, ein live-ticker ist so nah dran wies nur geht;)

    aber loben wir den tag nicht vor dem abend, mal gucken was ihr so alles bringt…

    Antworten

    • 28. November 2010 um 22:35 Uhr
    • Debatz
  20. 21.

    Wahrheit is sinnlos, außer man will sie.

    Antworten

    • 28. November 2010 um 22:40 Uhr
    • Frank Unrein
  21. 22.

    sehr schön, dass ihr einen live-ticker drauß macht. Das zeugt doch noch von etwas Schneid. Vielleicht kann man unserer Presse ja doch noch eine Chance geben ;) Aber abwarten, wass ihr drauß macht.

    Westerwave hätte ich persönlich auch nicht als Außenminister eingesetzt, der hat mir sogar eine seiner Reden geschickt, wo er auf der einen Seite “hü” sagt und auf der nächsten “hott” – der sagt, was ihm am meisten bringt, ein Wendehals mit Karriereambitionen. Schön dass die USA das auch gemerkt hat.

    Dass bezüglich Israel, Iran und USA was am kochen ist, passt übrigens zu ein paar anderen Informationen, die im Netz umhergeisterten und als “Verschwörungstheorie” abgetan wurden. Manchmal ist eben doch etwas dran. Also nicht voreilig Schlüsse ziehen, sondern investigativ nachprüfen!

    Mal sehen was noch so kommt, das muss man erstmal alles auseinander klabüsern und abgleichen.

    Antworten

    • 28. November 2010 um 22:48 Uhr
    • Debatz
  22. 23.

    Am Anfang war das “Wort”…

    Worte haben immens grosse Macht.
    Und den Worten folgen Handlungen. Wie diese aussehen werden, ist zunächst
    noch offen…
    Hoffen wir auf kluge Bedachtheit allerseits.

    Antworten

    • 28. November 2010 um 22:54 Uhr
    • essilu
  23. 24.

    Zunächst eine sprachliche Anmerkung: Wäre “Telegramm” statt “Kabel” nicht gebräuchlicher?

    Zum Inhalt:
    Da stecken keine großen Überraschungen drin. Dennoch halte ich die Sache insgesamt für eher unschön, weil es eher der Profilierung von WL zu dienen scheint als der Information der Allgemeinheit.

    Antworten

  24. 25.

    Ich hoffe, die USA können diese Angelegenheit mit etwas Abstand auch sportlich sehen und ihre Lehren daraus ziehen.

    Etwa, dass Daten, die man erfasst hat, auch benutzt werden. Dass es kontraproduktiv ist, ein kostspieliges, empfindliches System aufzubauen, das man weder kontrollieren kann, noch verhindern, dass es entgegen seinem eigentlichen Zweck eingesetzt wird. Oder, dass verschiedene Regierungen und Organisationen wohl noch ausführlichere Sammlungen von US-Diplomatenberichten haben. Und so weiter, und so fort …

    Abgesehen davon hat es die USA wohl eher zufällig getroffen. Wobei natürlich, Smiley lässt grüßen, Zweifel angebracht sind: War es ein Zufall und steckt nicht vielleicht eine bestimmte Absicht hinter einzelnen der Dokumente?

    Einen Zufall angenommen, hätte stattdessen auch die deutsche Diplomatenkorrespondenz oder die gesammelten Informationen unserer Behörden über alle Bundesbürger verfügbar gemacht werden können.

    Ich denke, in Berlin und an verschiedenen anderen Orten werden in der nächsten Zeit viele IT-Verantwortliche ein Unzahl saudummer Fragen von Leuten beantworten müssen, die dafür zwar völlig unqualifiziert sind, aber panische Angst um das eigene Pöstchen haben — und gerade deswegen gefährlich sind.

    Kai Hamann

    Antworten

  25. 26.

    in den letzten 50 Jahren???? Es gab auch schon Politik vor dieser Zeit. Politik ist von jeher nicht wahrheitsgemäß, wer soetwas erwartet ist schlichtweg komplett naiv.
    Das lässt in der Tat tief blicken.
    Diese Sichtweise auf Politik, die auch Wikileaks innehatt,dass Politik oder Demokratie wahrheitsgemäß sein sollte, verkennt deren beider innere Funktionsweise. Dieser weitere “Erziehungsversuch” von Seiten Wikileaks ist an Kurzsichtigkeit in seinen Folgen nicht zu überbieten.

    Die vorrangegangenen Veröffentlichungen von Wikileaks über den Irak Krieg finde ich nicht gut aber nachvollziehbar. Aber wo liegt bitte die gesellschaftliche Relevanz für diese Veröffentlichungen?

    Wird dadurch auch nur ein einziger unschuldiger Zivilist weniger sterben?
    Wohl kaum dies ist nur eine weitere ideologisch verblendete Eskalationstufe im Privatkrieg von Herrn Assange.

    Antworten

    • 28. November 2010 um 22:58 Uhr
    • Faca na Caveira
  26. 27.

    Die Wahrheit verkompliziert scho mal ein Lügengebäude.

    Das gefärhliche an Geheimdiensten ist, dass sie manchmal diktatorische Elemente ausüben dürfen unter dem Deckmantel der Demokratie. Ich rede von Folter, von Mord, von Lügen und Korruption. All dies gibt es in demokratischen Staaten und zwar durch den Staat bzw seine Bürokratie und Regierung.

    Das Gefährliche ist nicht Wikilieaks. Das gefährliche ist, dass die Regierungen ihr Volk dort belügen, wo es nichts mit Sicherheit zu tun hat, sondern mit Machterhalt und dubiosen Handlungen.

    Eine wahre Demokratie braucht Fakten, braucht Wahrheit, braucht Enthüllung, zumindest dann, wenn die Geheimdienste stasi-mäßig agieren und das Vertrauen der Bürger abhanden gekommen ist.

    ich danke Wikilieaks von ganzem Herzen.

    Antworten

    • 28. November 2010 um 23:06 Uhr
    • Buh
  27. 28.

    Also, wenn das die brisanten Enthüllungen sein sollen, die ich hier im Artikel lesen konnte – na ja !
    Eigentlich Boulevard, nur das es zufällig Regierungen statt B-Promis sind.
    Ich finde es etwas dreist, von Enthüllungen zu sprechen, wenn zuvor Regierungen um Bewertung gebeten wurden.

    Ist natürlich schon in Ordnung, ich denke, es sollte wirklich Grenzen geben für das, was Medien veröffentlichen dürfen.

    Aber der Hype um diese Sache ist wirklich unnötig.

    Antworten

    • 28. November 2010 um 23:08 Uhr
    • stringa
  28. 29.

    Die USA wollen Saudi- Arabien demokratisieren mit Wikileaks!

    Die USA ist der latente Vasal der Saudies. Jene wollen besser heute als morgen iranisches Blut, für deren billige Öl- Lieferungen!
    In 2001 wollten Sie europäisches und amerikanisches Blut der Banker und einen zweiten Golfkrieg……..alles wurde erfüllt. Die Banker hatten zig MRD. der Saudies im World Trade Center NY verzockt, und Saddam spielte beim Ölpreis in Dollar nicht mehr mit. Also Kopf ab! Die USA gehorchte, und mobilisierte den Umsturz. Der Ölpreis stieg enorm von 1998 -2010. Die dekadenten Saudischen Scheichs ca. 10000 werden bald Geschichte sein, weil jene schlicht die Menschrechte mit Füssen treten. Dies wurde in den vergangenen Monaten immer markanter in den europäischen Medien publiziert. Scheichs werden vor europäische Gerichte gezerrt, und verurteilt. Das gab es noch nie…. noch Fragen…

    Antworten

    • 28. November 2010 um 23:18 Uhr
    • guido
  29. 30.

    Die Wahrheit hat oft mehrere Gesichter und kann auch zerstörerisch sein.
    Wikileaks zeigt durch die neuesten Veröfflichungen ihre Verantwortungslosigkeit gegenüber der Bevölkerung auf der ganzen Welt. Es sind schon aus geringeren Gründen Kriege entstanden.
    Ich will jetzt nicht sagen, das Wikileaks der Initiator für den 3. Weltkrieg sein könnte, aber Sie unterstützen auch nicht die freundschaftlichen Beziehungen zwischen einzelnen Staaten. Wer hört denn gerne die ungeschminkte und reine Wahrheit über die eigenen Person? Ich nicht unbedingt…

    Antworten

    • 30. November 2010 um 11:13 Uhr
    • kawum
  30. 31.

    Wir fordern alle Offenheit und Transparenz und schreiben doch mit einem Nickname. Warum, weil wir es letztlich doch nicht wollen. Ich fände es gut, wenn jeder zu seinen Worten und Taten stehen würde, aber das ist Realitätsfern. Glasnost und Perestroika müssten m.E. auch im Westen / im Rest der Welt Einzug halten, aber ich befürchte, dass diese Aktion von Wikileaks viele Institutionen noch akribischer in ihren Geheimnisschutz investieren lassen; und damit wir selbst ebenso. Sicher gibt es Informationen mit denen nicht alle umgehen können, aber wo ist dann der tatsächliche Datenschutz i.S. der schützenswertigen und -pflichtigen Daten. Ich finde es hier sehr schwierig ein Thema zu beschreiben, wenn man durch den Verkauf von Informationen an den Staat (Finanzamt) Millionär werden kann und andererseits zum Staatsfeind wird, wenn Info.massen verbreitet werden. Wo ist der klassische Watergate-Journaluismus, der differenziert aufdeckt. Wikileaks hat m.E. den Fehler gemacht, undifferenziert zu verbreitern. Ich bin Ingenierur und keine Journalist, aber ich wünsche mir Informations- und Meinungsfreiheit, der fundiert und differenziert ist. Albrecht Fiedler

    Antworten

    • 12. Dezember 2010 um 09:14 Uhr
    • Albrecht Fiedler
  31. Kommentar zum Thema

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