Der tägliche Blick nach München. Was wird verhandelt? Wie berichten die Medien?

„Taktik und Rituale“ – das NSU-Medienlog vom 7. Mai 2013

Von 7. Mai 2013 um 08:33 Uhr

Richter Manfred Götzl hat den NSU-Prozess bis zum 14. Mai unterbrochen. In der Zeit soll über die Befangenheitsanträge gegen die Richter entschieden werden. Hier sind die Berichte zum ersten Prozesstag.

 

Gestelzte Rituale: Der Verteidiger Beate Zschäpes, Wolfgang Stahl, hätte den Befangenheitsantrag schon vor zwei Wochen stellen können, schreibt Stern.de. Es werde Gamze Kubaşık, die Tochter eines der Mordopfer, viel Kraft kosten, wieder nach München zu kommen.

"Nazibraut im weißen Blazer": So überschreibt taz-Autor Deniz Yücel seine kritische Kolumne über Qualitätsmedien und deren Berichterstattung. Auch andere Kommentatoren echauffieren sich über andere Kommentatoren, die sich am ersten Tag vor allem für Äußerlichkeiten Zschäpes interessieren.

Nahezu alle deutschen Zeitungen machen mit dem NSU-Prozess auf und platzieren seitenfüllende Reportagen. So etwa die Süddeutsche Zeitung ("Erste von rechts" auf Seite drei ist derzeit noch nicht online). Ein Online-Artikel fasst das Geschehen im Gerichtssaal zusammen.

Foto

 

Zschäpe und das Bild rechter Gewalt: "Die hohe Gewaltbereitschaft von Frauen ist immer noch stark tabuisiert", kommentiert Hannelore Crolly in der Welt. "Beate Zschäpe, dem Gesicht des Terrors, das adrette, nette Mädel abzunehmen, das nur seine beiden Jungs bekochen wollte, würde diesen Irrtum verfestigen." Das wäre ein "zweiter und endgültiger Verrat an den Opfern des NSU".

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Kategorien: Medienschau
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Die Justiz lässt sich von den Neonazis vorführen. Dieser Prozess hätte niemals vor diesem „königlich Bayrischen Amtsgericht“ landen dürfen. Der Schaden für das Ansehen Deutschlands wird unermesslich sein.

  2. 2.

    Natürlich kann ich es nicht belegen, aber ich habe schon länger den Verdacht, dass es sich bei Frau Zschäpe um eine hochgradig manipulative Persönlichkeit handelt, und vor allem die Presse fällt auf sie herein, indem sie ihr Spiel mitspielt. Wenn ich mich recht entsinne gab es da diese Gefängnisepisode, wo sie andere Inhaftierte aufgewiegelt haben soll, eine ihr nicht genehme Gefangene zu verprügeln. Was ist eigentlich aus dieser Geschichte geworden?

    • 7. Mai 2013 um 10:27 Uhr
    • JB
  3. 3.

    Es ist ein Strafprozeß.
    Ein wichtiger Strafprozeß, sowohl national alsauch international.
    Aber eben ein Strafprozeß.
    Niemand hat ein Recht auf tätige Reue, sie kann lediglich bei der Strafzumessung eine Rolle spielen.
    Niemand hat ein Recht auf eine selbstbelastende Aussage einer Angeklagten.
    Die Kleidung der Angeklagten mag für die Öffentlichkeit interessant sein, ob sie für den Prozeß von Interesse sein sollte?
    Und noch etwas. In weniger politisch und gesellschaftlich interessanten Strafprozessen, auch häufig mit großem Leid für die Opfer verbunden, kümmern sich Medien, Richter, Behörden und die Öffentlichkeit einen feuchten Kehricht um die Betroffenen.
    Das Ganze ist ein Medienhype, und in diesem Ausmaß ein rein deutscher.
    Dieser Medienhype entspricht dem schlechten Gewissen eines ganzen Landes, hat doch auch die Presse versagt und auch nach mehreren ähnlichen Morden an Bürgern ausländischer Herkunft kein großes Thema daraus gemacht.
    Für mich stellt sich nur eine Frage. Lebe ich in einem Land, in dem es staatlich alimentierten und staatlich gedeckten Rechtsterrorismus zumindest gab?
    Diese Frage wird in diesem Prozeß nicht beantwortet werden.

  4. 4.

    Muss ich den Sinn dieses Blogs verstehen?

  5. 5.

    der stern sollte öfter focus lesen
    http://www.focus.de/politik/deutschland/nazi-terror/eine-gaenzlich-ueberfluessige-aktion-kloeckner-kritisiert-fehlendes-kreuz-im-nsu-gerichtssaal_aid_960068.html
    „Die Zschäpe-Verteidiger beantragen in dem Schriftsatz laut FOCUS, dass auch „Richter, Vertreter des Generalbundesanwalts, Justizbedienstete und Polizeibeamte“ penibel durchsucht werden. Auch sie könnten theoretisch Waffen einschmuggeln. Eine Antwort des Oberlandesgerichts stand zunächst aus.“
    wußte dieser am 14.4.2013 zu berichten.

  6. 6.

    Wer geglaubt hat sie käme im Sack, hat von der Realität keine Ahnung.
    Diese Frau ist überzeugter Nazi und als solche will sie für den Prozess auch gut Aussehen, wenn schon die Kameraden zuschauen.

    Zudem warum soll sie traurig schauen?
    In ihrer Welt waren ihre Taten ein Dienst am Vaterland und somit kein Grund sich zu schämen.

    Haben die Mitglieder der Baader Meinhof Bande traurig geschaut vor Gericht?
    In einem wirren Kopf gibt es kein Gefühl der Schuld und der Scham.
    .

  7. 7.

    Trug Frau Zschäpe diesen Blazer auch schon vor Ihrer Verhaftung? Hat sie vielleicht diesen bei einem Verbrechen getragen. Will sie uns mit ihrer Farbauswahl etwas sagen? Fragen über Fragen.
    Leider nimmt die Berichterstattung mit Masse groteske Züge an. Banalitäten werden aufgebläht zu relevanten Themen. Was ist aber mit den juristischen Fakten.
    Wie begründet die Verteidigung den Befangenheitsantrag gegen das Gericht? Wie werden die Nebenkläger mit welchen Anträgen auf das Gericht zugehen? usw.. Das sind doch die interessanten Fragen.
    Bitte mehr Fakten und weniger Mode und Societygeschwafel.

  8. 8.

    Gratulation – Zeit-online. Als nicht geladenes Medium eine Presseschau zu präsentieren finde ich eine gelungene Idee.
    Die Umsetzung als Blog empfinde ich hingegen als …tja … weiß auch nicht … ich hatte Schwierigkeiten, das anzuklicken, weil es billig wirkt. Aber gut, die Möglichkeit einen Schnellüberblick über Pressemeldungen zu bekommen und diese auch verlinkt nachverfolgen zu können, ist sehr versöhnlich.
    Danke an die Zeit.

  9. 9.

    Der Auftritt wäre vielleicht gar nicht so wirksam gewesen wenn das bisher gezeigte Foto nicht so abgrundtief häßlich gewesen wäre. Kriminelle sehen im echten Leben eben nicht so böse aus wie auf Fahndungsfotos. Manche Leute haben anscheinend ein Problem damit.

    • 7. Mai 2013 um 11:21 Uhr
    • B_Wiese
  10. 10.

    Zit: denn Staatsanwaltschaft und Richter würden sich künftig weigern, über etwas zu verhandeln, das nicht Gegenstand der Anklage ist.“

    Auch den Rechtsaat nicht begriffen.

    • 7. Mai 2013 um 11:32 Uhr
    • TDU
  11. 11.

    Diese Berichte sind doch as usual, je nach Nähe zum Boulevard. Es wird sich schon noch beruhigen, wenn Fachkenntnis, Zuhören und Denken gefragt sind.

    • 7. Mai 2013 um 11:36 Uhr
    • TDU
  12. 12.

    „Die hohe Gewaltbereitschaft von Frauen ist immer noch stark tabuisiert“
    Naja, weil alle die Augen zumachen, was nicht sein darf…
    Ein älteres Buch kann da für etwas Aufklärung sorgen:
    „Erschießt zuerst die Frauen“ (Eileen MacDonald)
    Der Titel war, wenn ich mich recht erinnere, ein Zitat von einem Offizier der gegen die IRA kämpfte…

    Leider ist die Todesstrafe keine Abschreckung und ich bin prinzipiell dagegen, kann aber Menschen mit weniger Standhaftigkeit verstehen!

    Dieser ganze Prozess spiegelt die Lächerlichkeit der deutschen Justiz wunderbar wider. Neben der wirklich hirnverbrannten Vergabe der Sitzplätze bin ich mir sicher, dass eine vermutlich rechtsradikale und menschenverachtende Person in München keine Höchststrafe bekommen wird – da standen schon andere vor gericht und gingen flink wieder auf die Straße!

    c.

    • 7. Mai 2013 um 11:56 Uhr
    • cielo
  13. 13.

    Keine schlechte Figur, die Tschäpe da bei Prozeßeröffnung gemacht hat. Auch ihre Verteidiger haben das gemacht, was man von guten Verteidigern einfach erwarten darf: diesem Gericht mal strafprozessual gezeigt, wo’s langgeht und ihre Möglichkeiten ausgeschöpft. Auf jeden Fall lassen sich Stahl, Heer und Sturm nicht für dumm verkaufen und auch nicht die Butter vom Brot nehmen. Schon gar nicht von einem Gericht, daß noch nicht mal die Stühle im Saal verteilen kann.

    Natürlich wird der Befangenheitsantrag der Verteidiger meiner Erwartung nach als unbegründet abgelehnt werden, aber so ergibt sich womöglich doch ein Revisionsgrund: und die Verteidiger haben diese Möglichkeit also auch nicht verschenkt.

    • 7. Mai 2013 um 12:04 Uhr
    • F. Hofmann
  14. 14.

    Erst ein riesen Aufschrei, weil nicht alle in den Gerichtsaal dürfen und heute berichten die Medien in erster Linie darüber, wie Fr. Zschäpe aussah. Mein „Favorit“ ist die BZ: „Der Teufel hat sie hübsch gemacht“.

    Vielleicht hätte man die Presseplätze doch besser dem „Metal Hammer“, dem „Kicker“ oder der „Bravo“ gegeben…

    • 7. Mai 2013 um 12:17 Uhr
    • Afa81
  15. 15.

    Eigentlich haben die Medien alles schon gesagt. Warum noch Verhandlung?

  16. 16.

    Ob Nazi-Braut oder Agenten-Braut, steht bis heute nicht fest.

    Das sollte immer wieder mal erwähnt werden.

    • 7. Mai 2013 um 12:25 Uhr
    • tom
  17. 17.

    Weshalb ist es eine „Zumutung“, wenn sich das Gericht die erforderliche Zeit nimmt, um über einen Antrag zu entscheiden? Sorgfalt geht vor Hektik

    • 7. Mai 2013 um 12:27 Uhr
    • localjudge
  18. 18.

    Wieso war man so pikiert, dass die Brigitte vom Prozess berichten darf?

    Alle großen Medien bereiten das Thema nicht anders als eine durchschnittliche Frauenzeitschrift auf. Die Befürchtungen, die Brigitte würde nur über Zschäpes Modestil berichten, wird von allen großen „seriösen“ Redaktionen bei weitem übertroffen.

  19. 19.

    man hat den eindruck , daß wir mit der welle der berichterstattung erdrückt werden .
    bekleidungsdeatails, haarfarbe, nebenkläger mit finanzproblemen us.w.
    Dabei werden wichtige fakten schon jetzt unter den teppich gekehrt !

    welche rolle spielte der staat mit seinen ämtern?

    mord unter aufsicht der behörden?

    und wurde bisher ein beamter/angestellter zur verantwortung gezogen?

    Nein, es wurde geschreddert!

    mit den prozess wird uns ein „Knochen“ hingeworfen, damit wir uns auf zschäpe & co voll konzentrieren !
    bloß nicht fragen zu den verquickungen der ämter fragen!

  20. 20.

    Erstens: Der Blazer ist schwarz oder ist jemand farbblind- gar bewusst und mit
    Absicht !
    Als Nicht-Frau und Laie frage ich mich ,was sollte die Angeklagte anziehen ?
    Einen Minirock würden bestimmt viele als provokant verurteilen. Helle Farben
    wären auch ungut. Rot wäre gar eine Beleidigung der Opfer,…..
    Aus schwarzem Blazer wird wissentlich weiß gemacht.
    Was ist die Absicht dahinter, die Leser sind auch nicht blind ?????!!!!!!

  21. 21.

    „Es wird sich schon noch beruhigen, wenn Fachkenntnis, Zuhören und Denken gefragt sind“ (Kommentar 11, TDU) Leider wird es wohl nicht so sein, dann wird nur der Anteil an Unsinn erhöht. Schreiben muß man ja etwas, und wo die Kenntnis fehlt, Zuhören und Nachdenken uncool sind und die Auflage nicht steigern wird die Berichterstattung auf diesem Niveau wie gehabt fortgesetzt.

    • 7. Mai 2013 um 16:15 Uhr
    • odyss
  22. 22.

    Der Freudsche Versprecher

    Sowohl direkt nach dem Bekanntwerden der zehn Mordfälle als auch nach dem Bekanntwerden der vermutlichen Attentäter begann schon die Schlacht der Bilder bei der Übertragung der Nachrichten um diese Gruppe. Schon die von der Polizei erstellten Fahndungsfotos, die überall die Glasfassaden der jeweiligen Wachen schmückten, zeigten und zeigen ein sympathisches Trio, die auch als Urlaubsanimateure in einem Feriendorf hätten arbeiten können. Auch heute mit dem Beginn des NSU-Prozesses wird eine Frau Zschäpe vorgeführt, die keiner Menschenseele was antun könnte. Natürlich ist sie auch ein Mensch und kein Monster, wahrscheinlich stammt sie auch aus einer Familie wie alle anderen, natürlich ist sie ein Wesen wie DU und ICH. Doch der Prozess und auch die ganze NSU- Debatte zeigt auch eine Haltung jener Menschen in dieser Gesellschaft, die mit Ihrem Tun und Handeln gemäß einem „Freudschen Versprecher“ jenes Gedankengut offenbaren, welches in vielen Institutionen wohl ziemlich stark verankert ist. Eben diese Haltung und auch diese Überzeugung macht eine Gruppe von Nationalsozialisten so Salonfähig, das sie fast 13 Jahre lang mordend und raubend quer durch Deutschland ziehen können, ohne dass irgendeine Behörde sie stoppen kann.
    Trotz der vielen Pleiten und Pannen im NSU – Verfahren bleibt der Glaube, wenn auch mit einem bitteren Beigeschmack, zum Rechtsstaat bestehen. Hier wird in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit nicht nur eine Frau Verurteilt, sondern eine ganze Gesinnung, die menschenverachtend und verbrecherisch agiert.

    • 8. Mai 2013 um 11:12 Uhr
    • Tarik
  23. 23.

    Da neben Frau Tschäpe und den Mitangeklagten der Verfassungsschutz mit seinen geschredderten Akten und all den anderen Ungereimtheiten nicht mit auf der Anklagebank sitzt, kann dies sowieso kein gerechtes Verfahren sein. Daß es unser Staat selbst ist, vor dem man nach wie vor am meisten Angst haben muß, beweist z. B. u. a. der für mich bisher skandalöseste aller „Justitzirrtümer“ im Fall des Gustl Mollath!

    • 8. Mai 2013 um 11:14 Uhr
    • Unverblümt
  24. 24.

    Zur Beurteilung des Aussehens jedwedes Menschen und der Art, sich zu geben: Mit zunehmender Lebenserfahrung wächst die Sicherheit, darin den wahren Charakter eines Menschen zu erkennen: So, wie jemand wirklich ist, so sieht er auch wirklich aus! Der grundsätzliche Charakter eines Menschen ist m.M.nach angeboren. Beispiel: Man nehme sich einmal Fotos vor, die ein und die selben Menschen einmal als Kleinkind und dann als Erwachsenen zeigen und beachte vor allem den Blick: Wie jemand von Anfang an in die Welt hineinschaut, so schaut er auch am Ende noch in die Welt hinein! Der einzige Unterschied kann nur darin bestehen, ob jemand damit(mit sich) glücklich geworden ist, oder nicht.

    • 10. Mai 2013 um 12:42 Uhr
    • Unverblümt
  25. Kommentar zum Thema

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