Der tägliche Blick nach München. Was wird verhandelt? Wie berichten die Medien?

Was zieht die Zuschauer in den Gerichtssaal, was erwarten sie vom Verfahren?

Von 11. Juni 2013 um 08:04 Uhr

Die Plätze auf der Zuschauertribüne im NSU-Verfahren sind knapp. Die Schlange vor dem Gerichtsgebäude ist zwar nicht mehr so lang wie am Anfang, doch noch immer kommen viele Besucher zu den Prozessterminen. Was zieht die Zuschauer in den Gerichtssaal, was erwarten sie vom Verfahren? Unser Autor Tom Sundermann hat nachgefragt.

Sylvia Dilans, Rentnerin aus München: Ich bin Rentnerin und habe Zeit, darum bin ich heute zum Prozess gekommen. Ich möchte die Verhandlung einmal aus erster Hand verfolgen, weil ich nicht immer nur darüber lesen will. Die Arbeit der Ermittlungsbehörden macht mich richtig betroffen. Es ist schrecklich, dass sie bei den Morden an lauter Türken und Griechen nicht auf rechtsextreme Täter geschlossen haben. Dass sie stattdessen die Angehörigen beschuldigt haben, ist wirklich traurig.

Ich bin sicher, dass Beate Zschäpe hart verurteilt wird. Eigentlich frage ich mich, warum man so ein langes Gezeter im Prozess macht. Aber wir sind nun mal ein Rechtsstaat. Die Arroganz von dem Mädel finde ich unverschämt, sie sollte in Sträflingsklamotten kommen und in einem Glaskasten sitzen. Ihr hochnäsiges Auftreten ist eine Beleidigung für unsere Gerichtsbarkeit.

Benedikt Funke, Student aus München: Ich beobachte den Prozess, weil ich Jura studiere. Später möchte ich mal Richter oder Strafverteidiger werden. Interessant finde ich vor allem das Auftreten der Angeklagten – den Ablauf eines Verfahrens kenne ich ja schon aus dem Studium. Ich habe das Gefühl, dass das Urteil in der Öffentlichkeit schon gefallen ist, darum ist es wichtig, sich den Prozess ganz sachlich anzusehen. Der Verdacht gegen die Angeklagten wiegt natürlich sehr schwer, aber wir müssen das Urteil abwarten. Der Prozess wird sicher ein gerechtes Ergebnis bringen.

Christine Bakoyannis, Studentin aus Starnberg: Ich bin Deutsch-Griechin, darum bin ich sehr gespannt auf das Verfahren. Ich habe mir vor Augen geführt: Es hätte auch mich treffen können oder jemanden aus meiner Familie. Es ist ein Glück, dass die Mordserie ein Ende gefunden hat – wäre das noch länger weitergegangen, hätte irgendwann eine unerträgliche Angst unter Migranten in Deutschland geherrscht. Damit hätten die Rechten gewonnen.

Der Staat muss jetzt zeigen, dass er sich nicht provozieren lässt. Darum ist es nicht schlimm, dass das Verfahren so lange dauern soll. Besser ist, wenn alles gründlich geschieht und wir viel über die Hintergründe erfahren. Dann tragen die Nazis keinen Sieg davon.

PS: Gerne hätten wir auch Fotos gezeigt, aber die Befragten wollten sich nicht fotografieren lassen. Und das Recht am Bild muss man wahren, gerade in einem Gerichtsgebäude.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Warum respektieren Sie nicht einfach, dass manche ihr Bild nicht im Netz oder der Zeitung haben wollen? #fail

    • 11. Juni 2013 um 10:16 Uhr
    • haburg
  2. 2.

    Was soll der überflüssige Kommentar im Postskriptum? Die Worte wirken für sich, und das die entsprechenden Personen ein Gesicht haben, davon ist doch auszugehen. Wofür soll es wichtig sein, wie die aussehen? Reiner Voyeurismus und das Bedauern darüber, dass man ihn nicht ausleben kann.
    Zeitungen können ofenbar nicht mehr anders. welchen Informationswert hat z.B. das alberne Bild oben? Zeigen, wie es aussieht, wenn Zuschauer in einen Gerichtssaal strömen, damit man nicht selber hin muss?

    • 11. Juni 2013 um 10:28 Uhr
    • oranier
  3. 3.

    Aus Ihrem PS sieht man, dass diese NSU- und anderweitige rechte Umtriebe schon Erfolg haben. DAS ist das eigentliche Problem, völlig unabhängig von den konkreten Figuren und Akteuren. Das Unterdrückungs- und Einschüchterungspotenzial der braunen Brut ist wieder aus dem noch fruchtbaren Schoß gekrochen…

    • 11. Juni 2013 um 11:02 Uhr
    • Meine@Meinung
  4. 4.

    “kindisches” P.S.: Warum sollten den Fotos veröffentlicht werden??? Infomationsgehalt gleich 0, genauso wie die Fotos der Angeklagten einem langsam auf die Nerven gehen

    • 13. Juni 2013 um 10:57 Uhr
    • digidus
  5. 5.

    Also ich will mir demnächst auch mal ein eigenes Urteil im Gerichtssaal bilden. Auch weil die Medienberichterstattung beim Thema oft nicht gerade unabhängig und seriös zu sein scheint. Z.B. das Medien-Theater um Plätze deute ich als Angriff der vierten Gewalt auf die Unabhängigkeit der dritten Gewalt.

    Dabei soll bislang an jedem Tag jeder Interessierte, darunter auch Journalisten ;-) , Zugang zum Saal erhalten haben. Wenn er/sie denn pünktlich da war.

    • 13. Juni 2013 um 18:29 Uhr
    • Bernd Derksen
  6. Kommentar zum Thema

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