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Videos zeigten Mundlos und Böhnhardt in Köln – das Medienlog vom 24. Juni 2013

 

Bilder, die keiner sehen wollte: Die taz zitiert den Anwalt der Familie von Theodoros Boulgarides, der 2005 in München durch drei Kopfschüsse in seinem Schlüsseldienstladen starb, mit einem brisanten Vorwurf. Ermittler hätten Überwachungsvideos, die den Nagelbombenanschlag von 2004 auf einen Friseurladen in Köln zeigen, nur lückenhaft ausgewertet, sagte Yavuz Selim Narin.

An jedem Werktag fassen wir im NSU-Prozess-Blog die wichtigsten Medienberichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Der Jurist ließ sich laut dem Bericht von Marlene Halser und Andreas Speit im Bundeskriminalamt Überwachungsvideos vom Musiksender Viva zeigen, der nahe des Tatorts ansässig war, als der Sprengsatz explodierte. Auf den sechs Videokassetten sind demnach Böhnhardt und Mundlos mehrfach zu sehen, wie sie einen Hartschalenkoffer platzieren und später mit Mountainbikes den Tatort verlassen.

Die Süddeutsche Zeitung gab schon am Samstag einen Ausblick auf eine Sitzung des NSU-Untersuchungsausschusses am heutigen Montag: Die Beweisaufnahme des Gremiums ist zwar bereits abgeschlossen, dennoch wollen die Abgeordneten einen weiteren Zeugen hören. Denn vor wenigen Wochen gab es neue Akten mit überraschenden Erkenntnissen über eine V-Person. Was auch die Prozessbeteiligten mit Interesse verfolgen.

Eine türkische Zeitung macht den erstmals zweisprachigen Spiegel-Titel zum Thema. Die in Türkisch und Deutsch erschienene Geschichte widmet sich zwar der Protestbewegung in der Türkei, das Blatt zieht aber eine Parallele: Die Sabah kritisiert, dass der Spiegel eben keine zweisprachige Ausgabe brachte, als die NSU-Morde bekannt wurden.

Der Spiegel zeige sich jetzt als Unterstützer und Freund der Türken, so die Analyse der Zeitung. Damals aber habe das Magazin „nicht gerade feinfühlig“ berichtet. Die Sabah ordnet den Spiegel nun den Magazinen zu, die die These einer türkischen Mafia unterstützten und rechtsextremistische Motive der NSU-Täter gar nicht in Betracht zogen.

Dazu muss man wissen, dass die Sabah ein regierungsfreundliches Blatt ist. Die Türkei-Ausgabe erwähnte die Proteste im Land nur marginal, brachte dagegen die Reden Erdogans immer groß. Erwartbar, dass sie den Spiegel für seine Schwerpunktsetzung angreift.

Das Nachrichtenportal dünya bülenti greift eine Meldung der Stuttgarter Nachrichten auf. Demnach fürchtet der V-Mann Rainer Öttinger, umgebracht zu werden.

Ende vergangener Woche berichtete die englischsprachige Ausgabe der Deutschen Welle online über die Aussage des Angeklagten Carsten S. In englischsprachigen Medien war nichts über den NSU-Prozess zu finden. Hinweise? Gern an nsublog@zeit.de

Das nächste Medienlog erscheint am Dienstag, den 25. Juni.

 

2 Kommentare


  1. Wir brauchen mehr Überwachung und mehr Auswerter. (Evtl. wollen ja ein paar ex-Stasi-Leute ihre (warum auch immer gekürzte) Rente aufbessern?)

    Und wir brauchen mehr Vorgaben aus dem Ausland, wie die hiesigen Medien in der Vergangenheit hätten berichten sollen.
    Aber der Spiegel ist ja geradezu selbst schuld, von wegen kleinen Finger gereicht.


  2. Eine komisch kurze Meldungsschau.
    Die Querelen über Schwerpunktsetzung sollten aus dem NSU-Blog rausgehalten haben. Dieser sollte sich thematisch eindimensional halten und nicht Politiken durcheinanderbringen und damit unnötigerweise das Thema zerfransen.

    Das Videobeweismaterial ist eines der vielen Steinchen in einem Mosaik, dass mich immer sprachloser zurücklässt. Wut und Bitterkeit kollidieren und lassen mich bei dem Thema etwas lethargisch zurück.