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Neuer Zschäpe-Verteidiger macht Anwaltstrio zu Statisten – Das Medienlog vom Mittwoch, 8. Juli 2015

 

Es war ein kurzer Auftritt, aber ein auffälliger: Am Dienstag nahm zum ersten Mal der neue, zusätzliche Verteidiger von Beate Zschäpe, Mathias Grasel, auf der Anklagebank Platz. Er beantragte als Erstes eine Prozessunterbrechung, um sich in den komplexen Verfahrensstoff einarbeiten zu können. Richter Manfred Götzl entschied, den NSU-Prozess für diese Woche pausieren zu lassen. Die Reporter blicken aus diesem Anlass auf das Verhältnis zwischen Grasel und dem angestammten Anwaltstrio Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl: „An Selbstbewusstsein scheint es dem (…) Anwalt ebenso wenig zu mangeln wie seinen drei Kollegen“, beobachtet Karin Truscheit von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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Der neue Pflichtverteidiger und seine Mandantin hätten sich im Gerichtssaal angeregt unterhalten, so wie Zschäpe und Heer es früher taten. „Doch Heer und seinen Kollegen bleibt am Dienstag nur noch die Beobachterrolle“, schreibt Truscheit. Außer Grasel äußerte sich an diesem Tag niemand zur Erweiterung des Anwaltsteams. „Wie gefrustet und sauer sie sind, ist Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl aber auch so anzusehen“, schreibt Christoph Arnowski vom Bayerischen Rundfunk. Sie seien nun „Statisten, die keine große Einflussmöglichkeit mehr haben“. Dennoch würde der Prozess ohne sie platzen, weil sie mit der Materie vertraut sind.

Grasel wirke „zumindest an seinem ersten Tag wie ihr Gegenentwurf“, schreibt Kai Mudra von der Thüringer Allgemeinen. Der Jurist könne „es als ersten kleinen Erfolg verbuchen“, dass das Gericht seinem Antrag auf eine Unterbrechung der Verhandlung stattgab.

Zschäpe hatte vor einiger Zeit eine mögliche Aussage in Aussicht gestellt. Deshalb „wächst bei Anwälten der Nebenkläger die Hoffnung, die Angeklagte werde (…) endlich reden“, heißt es im Bericht von Frank Jansen im Tagesspiegel. Grasel allerdings sagte Journalisten, derzeit gebe es keine andere Option als zu schweigen.

Was aber, wenn nicht eine neue Strategie, ist der Mehrwert eines zusätzlichen Verteidigers? „Es liegt auf der Hand, dass Grasel Zschäpes Wünsche durchsetzen soll“, schrieb ich bei ZEIT ONLINE. Schließlich war es die Hauptangeklagte, die den Münchner Anwalt als Ergänzung durchgesetzt hatte. Unklar ist, auf welche Weise Grasel anhand des bisher verhandelten Stoffs aus 216 Prozesstagen mitarbeiten kann – denn diesen zu verstehen, ist eine Fleißarbeit: „Wie der Jurist sich vernünftig auf ihre Verteidigung vorbereiten will, ist zweifelhaft.“

Auffällig war die Reaktion Zschäpes auf Grasels Anwesenheit. Sie schien „wie ausgewechselt“ neben dem „eher spröde wirkenden Anwalt“, schreibt Jansen vom Tagesspiegel. Noch deutlicher wird Tanjev Schultz von der Süddeutschen Zeitung: „Zschäpe nimmt die Haltung einer Flirtenden ein, der Anwalt wirkt zurückhaltend, aber zugewandt.“ Nun wirke es, „als genieße sie ihren kleinen Triumph“. Zuvor war sie mit dem Antrag auf Absetzung ihrer Anwältin Anja Sturm gescheitert.

Der Kasseler Strafverteidiger Knuth Pfeiffer findet es allerdings „vermessen“, zu einem derart späten Zeitpunkt ins Verfahren einzusteigen. Er habe Zweifel daran, dass Grasel neben dem Aktenstudium genug Zeit für Zschäpes Verteidigung hat, sagte er der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen. In jedem Fall halte er die Bestellung von vier Anwälten für einen Angeklagten für sehr ungewöhnlich.

Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 9. Juli 2015.

23 Kommentare

  1.   JK68

    Sturm, Heer und Stahl, wer hat denn dieses Namens Trio zusammengestellt. Sollte einem doch zu denken geben ;-)

  2.   Antonia

    Der neue Anwalt scheint die Angeklagte zu beruhigen. Weshalb?
    Möglicher Weise sitzt er aber nicht als jemand neben ihr, der zum „Wünsche erfüllen“ herhalten soll für die so dominante Z., sondern um eigentlich Relevantes unter Verschluss zu halten. Nein, keine Killer-Aufträge im VS-/Staatsauftrag, sondern um ein Netzwerk zu decken. Das, würde ich es hier nennen, dazu führen würde, dass der Post nicht online ginge.

  3.   gthm

    „Zschäpe nimmt die Haltung einer Flirtenden ein“

    Mich irritiert, dass die Presse aus dieser Frau, die mutmaßlich an den Morden mehrerer Menschen direkt oder indirekt beteiligt war, fast einen Popstar macht, dessen kleinste Regung von größtem Interesse oder von irgendeiner Bedeutung sein soll.
    Die Person wird interessanter dargestellt als das komplexe Geschehen der Wahrheitsfindung vor dem Hintergrund der Mitwirkung von Pflichtverteidigern, die einer Verbrecherin dazu raten, nicht auszusagen und so nicht an der Aufklärung einer scheußlichen Mordserie mitzuwirken, die sie mit zu verantworten hat. Es mag ihr Vorteil sein, wenn die Kläger ihr letztendlich nicht alles nachweisen können, was sie womöglich zu verantworten hat und es ist ihr Recht, aber im Interesse der Allgemeinheit und sympathisch ist diese Strategie nicht.


  4. Wenn Beate Zachäpes Schuld nicht nachgewiesen werden kann, muss endlich der fällige Freispruch erfolgen. Dieser Prozess dauert schon viel zu lange und bringt keine neuen Erkenntnisgewinne. Es scheint fast, so als ob dieser Prozess nur als eine Show inszeniert wird, damit der Pflicht genüge getan wurde. Das ganze NSU-Theater ist eine Farce. Eingedenk der Tatsache, dass dieses Trio vom Verfassungsschutz teilweise finanziert wurde, muss man fragen in wie weit der Popanz Neonazismus erst aufgebaut wurde um ihn dann zu bekämpfen. Der ganze Kampf gegen den sogenannten „Rechtsextremismus“ ist ein Kampf gegen potemkinsche Dörfer. Es wird Zeit, dass dieser Spuk endlich aufhört und sich unsere Justiz einer anderen Art von Kriminalität zuwendet, die in unserem Land eine wesentlich bedeutendere Rolle spielt und unter der das Volk wirklich leidet. Die Rede ist von der Ausländerkriminalität.

    Es ist statistisch bekannt und nachgewiesen, dass in Deutschland die Gruppe der Nicht-Deutschen dreimal häufiger an Delikten wie Körperverletzung und Vergewaltigung beteiligt ist.

    Weiterhin ist bekannt geworden, dass während der Grenzkontrollen beim G7 Gipfel der Polizei hunderte Straftäter ins Netz gingen. Die Forderung nach Wiedereinführung der Grenzkontrollen ist daher nur sachlich logisch und richtig. Die Kriminalität im Grenzbereich, Diebstahl, Telefonbetrug (Stichwort Enkeltrick, und ähnliches), Bandenkriminalität, Verfestigung von Clanstrukturen die ganze Stadtgebiete beherrschen und so weiter belasten unser Volk und bedürfen der juristischen und polizeilichen Bearbeitung.

  5.   Karl Müller

    @ 3,

    Und mich irritiert welche Oberflächlichkeiten und Vorverurteilungen die Medien sow eiter propagieren. Angesichts der inhaltlich dünn bis dubios zu bezeichenden „Beweise“ und Gutachten scheint sich auch keine hinterfragende Stimme erheben zu wollen.

    Für Sie scheint ja der Schuldspruch auch schon ergangen zu sein, warum eigentlich?

    Wollen Sie das so sehen, oder interessiert Sie die Widersprüchlichkeit der bisher vorgelegten Gutachten etc wirklich nicht?

    Es kommt tatsächlich der Eindruck auf das hier versucht wird, mit unzähligen Ansätzen, medial lieber an der Oberfläche zu bleiben.

  6.   Karl Müller

    @ 2 Es wurde doch schon hinreichend „Relevantes“ vorgetragen, worauf die Anwaltscrew der Z. so garnicht eingestiegen ist?

    Die Z. wird überleben solange sie schweigt, und dann auch einen unglücklichen Unfall haben, wie es bei mutmaßlichen oder tatsächlichen -redefreudigen- Rechtsextremisten seit Heinz Lembke leider usus ist?

  7.   Fliegenklatsche

    Wieder nix neues, ihr neuer kann ihr auch nur raten nichts zu sagen.

    Weiß der denn wenigstens etwas mehr über ihre Rolle im NSU trio?

    Bisher machen sich die Verteidiger ja anscheind nicht besonders viel arbeit das ganze mal aufzuarbeiten.

    Zeugen die Stirn bieten und sie weich zu kochen oder ihnen aussagen zu entlocken die sie brauchen können oder andere abzulenken das sie nicht angesprochen werden ist aus meiner sich keine besondere Verteidigung.

    Klar zum schluss zählt das ergebniss, aber was wenn sich später etwas anderes nachweisen lassen würde?

  8.   Paul

    Über den Mangel an Inhalten wundert sich beim NSU-Prozess und der Berichterstattung ja längst keiner mehr, aber nun erreichen wir neue Tiefen und verkaufenen was wir gesehen und gedeutet haben wollen.

    @ JK68 …und immer hoffe ich, dass nun keiner mehr mit dieser völlig abgedroschenen und längst erledigten Namensnummer kommt … aber einer kommt immer, der das immer noch für erwähnenswert oder gar relevant hält.


  9. @gthm

    Und mich irritiert, dass Ihrer werten Meinung nach das Urteil bereits gefällt ist. Das muss ich in der bisherigen Berichterstattung wohl übersehen haben.

  10.   HH4

    Zum Kotzen, dass ich ihre Spielchen über Steuern mit finanzieren muss. Schäpe ist kein flirtender Teenie, sondern das Mitglied einer Mörderbande, die für ihre Beteiligung lebenslänglich hinter Gitter gehört.