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Videoaufnahme gefährdet Zschäpes Glaubwürdigkeit – Das Medienlog vom Freitag, 11. März 2016

 

Es ist ein weiteres Indiz, das die Hauptangeklagte belastet: Beate Zschäpe hat sich offenbar an der Produktion des NSU-Bekennervideos beteiligt, wie es im Vermerk einer BKA-Beamtin heißt. Die Kommissarin soll nächsten Dienstag im NSU-Prozess aussagen. Damit sei „die Rekonstruktion eines wichtigen Beweismittels gelungen“, analysiert Tim Aßmann auf tagesschau.de. Es gebe jedoch eine Einschränkung beim Vorwurf der Mitarbeit: „Zweifelsfrei belegen lässt sich das aber auch mit den jüngsten Erkenntnissen des BKA nicht.“

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Im Raum steht der Verdacht, Zschäpe habe eine Sendung über den Kölner Nagelbombenanschlag vom 9. Juni 2004 mit einem Videorekorder aufgezeichnet. Die Ausstrahlung begann schon etwa zwei Stunden nach der Tat – daher sei es „faktisch unmöglich“, dass die mutmaßlichen Täter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt daheim in Zwickau das Gerät hätten anschalten können, schreibt die Ermittlerin einem dpa-Bericht zufolge. Allerdings ist nicht bewiesen, dass es tatsächlich Zschäpe war, die sich um die Aufnahme kümmerte.

Sollte es so gewesen sein, wäre dies indes ein sehr sicherer Hinweis darauf, dass Zschäpe in die Tat eingeweiht war – und nicht erst später davon erfuhr, wie sie in ihrer Aussage vom Dezember behauptet hatte. Der Nebenklageanwalt Mehmet Daimagüler kommentierte die Erkenntnis am Donnerstag mit den Worten: „Zschäpes Glaubwürdigkeit war vorher bei null, jetzt ist sie unter null.“

„Das neueste Indiz dürfte damit die Wahrscheinlichkeit weiter erhöhen, dass die 41-Jährige zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt und sogar eine besondere Schwere der Schuld festgestellt wird“, analysiert Markus Decker in der Frankfurter Rundschau. Hätte Zschäpe die Aufnahme nicht gefertigt, hieße dies, dass es einen Unterstützer der Terrorzelle gegeben habe, der die Aufgabe übernommen habe.

Das nächste Medienlog erscheint am Montag, 14. März 2016.

12 Kommentare

  1.   Baugruber

    Eigenartige Überschrift….ist es tatsächlich eine Gefährdung, wenn Zschäpes Glaubwürdigkeit ins Wanken gerät ?

  2.   Baugruber

    Diese Videoaufnahme “ gefährded“ Zschäpes Glaubwürdigkeit nicht, sondern untergräbt sie….was gut ist, oder ?
    Manchmal wäre ein wenig mehr Sensibilität im Umgang mit Sprache ein Segen !

  3.   rechtsstaatlicher Irrsinn

    Ein Irrsinn mit welchem rechtsstaatlich aufgeblasenen Verfahren dieser Prozess geführt wird. Haben wir in Deutschland keine anderen Probleme, die der aufgewendeten Zeit, dem verwendeten Steuergeld und der Arbeitsstunden unserer Staatsdiener nicht eher bedürfen als dieser Prozess?
    Wenn die Politik ein Zeichen gegen rechtsradikales Handeln setzen möchte, dann sollte man schnellstens zu einem harten aber gerechten Urteil kommen, anstatt Frau Zschäpe und ihren Anhängern monatelang eine Bühne zur Selbstdarstellung zu geben!
    Unser Rechtsstaat verkommt zu einem Schatten seiner selbst.

  4.   sandor clegane

    na, das ist aber mehr als dünn…
    Einen Videorekorder kann man auch per Zeitschaltung einschalten (lassen). So eine Funktion haben doch fast alle Geräte.

    Wenn man mehr nicht hat, ist das sehr wenig.

    Nicht daß ich Frau Z. für Unschuldig halte und Ihr ihr Theater abkaufe – aber meine Meinung reicht halt nicht für eine rechtsstaatliche Verurteilung.

    Ganz davon abgesehen, daß der ganze Prozess meiner Meinung nach ohnehin eine einzige Posse ist, um von den Verstrickungen des Verfassungsschutzes abzulenken.

  5.   mike

    „Es gebe jedoch eine Einschränkung beim Vorwurf der Mitarbeit: “Zweifelsfrei belegen lässt sich das aber auch mit den jüngsten Erkenntnissen des BKA nicht.” “

    Und warum dann der reißerische Titel?

    Es ist halt eine weitere unbewiesene Behauptung der Anklage.

  6.   Vladimir

    Falls sie damals mit einem Wohnmobil unterwegs waren ist zu überprüfen ob es über eine Satellitenantenne verfügt hat. Wenn ja, ist es möglich gewesen, dass die beiden einen/den Videorekorder mitgenommen und die Aufnahmen selbst gemacht haben.

  7.   izquierd

    „Die Ausstrahlung begann schon etwa zwei Stunden nach der Tat – daher sei es “faktisch unmöglich”, dass die mutmaßlichen Täter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt daheim in Zwickau das Gerät hätten anschalten können, schreibt die Ermittlerin einem dpa-Bericht zufolge.“

    Die entscheidenden Worte sind hier „mutmaßliche Täter“. Bisher gibt es ja noch gar keinen Beweis, dass Mundlos und Böhnhardt den Anschlag in der Keupstraße verübt haben. Dann ist es eben faktisch ohne Weiteres doch möglich, dass Mundlos und Böhnhardt daheim in Zwickau das Gerät angeschaltet haben. Wo soll da das Problem sein?! Oder soll die Argumentation etwa ernsthaft sein: Weil vermeintlich Zschäpe den Medienbericht über die Keupstraße aufgenommen hat, müssen Mundlos und Böhnhardt die Täter sein. Und wenn Mundlos und Böhnhardt die Täter sind, dann kann ja nur Zschäpe den Medienbericht aufgezeichnet haben. Das wäre dann allerdings einen lupenreiner tautologischer Schluss. Egal wie man hier argumentiert, etwas wirklich Belastbares lässt sich aus diesem Detail nicht logisch ableiten. Deshalb verwundert es um so mehr – eigentlich nicht wirklich, der Grund für dieses Verhalten liegt ja eindeutig auf der Hand, dass diese Nicht-Meldung in den Medien so aufgebauscht wird. Die Medien täten mal gut daran, endlich den wirklich relevanten Fragen im NSU-Prozess nachzugehen. Aber da habe ich meine Hoffnung – bis auf ganz wenige Ausnahmen – eigentlich schon aufgegeben…

  8.   Cem Özgönül

    „…Einen Videorekorder kann man auch per Zeitschaltung einschalten (lassen). So eine Funktion haben doch fast alle Geräte….“

    Dem Vernehmen nach wurde während der Aufnahme wiederholt manuell zwischen den Sondersendungen von n-tv und wdr hin- und hergeschaltet.

    Izquierd, Ihr Verweis auf einen Zirkelschluss wäre dann bedenkenswert, wenn man dies als zweifelsfreien Beweis verkaufen wollte. Davon ist aber hier nicht die Rede. Es ist indes tatsächlich ein weiteres starkes Indiz in einer mittlerweile doch recht dichten Kette. Wenn die drei nix mit dem Anschlag zu tun hatten, warum dann überhaupt diese gezielte, manuell gesteuerte Aufnahme? Wieviele deutsche Privathaushalte haben Ihrer Meinung nach Video-Aufzeichnungen dieser Sonder-Sendungen? Und wie wahrscheinlich ist es, dass ausgerechnet die Angehörigen eines dieser Haushalte Jahre später als Hauptverdächtige in der Angelegenheit auffallen? Lassen Sie es mich mal so sagen: dass ich an vier Wochenenden in Folge einen Sechser im Lotto lande, dürfte wahrscheinlicher sein.

    Das wäre – mal wieder – doch ein bißchen viel Zufall, finden Sie nicht? Und korrigieren Sie mich, falls ich mich irren sollte: aber so weit ich mich erinnere, hat doch Zschäpe selber in ihren verlesenen Einlassungen die beiden Uwes als Täter bezeichnet. Die Annahme ihrer Täterschaft kann sich also unter anderem auch auf Zschäpes Zeugnis stützen.

  9.   Kleopatra

    Das eigentliche Problem ist, dass es der Staatsanwaltschaft (und der deutschen Politik) nicht darauf ankommt (und genügt), B. Z. möglichst lange ins Gefängnis zu stecken. Für eine lange Haftstrafe würde an sich die schwere Brandstiftung genügen. Der Versuch, nachzuweisen, dass sie an den Morden beteiligt war, und zwar „möglichst“ an allen, ist aber schwierig zu Ende zu führen.
    Man darf auch nicht vergessen, dass es in einem rechtsstaatlichen Strafverfahren nicht darum geht, „die Wahrheit“ zu erfahren, sondern zu klären, ob jemand bestraft werden darf. Deshalb sind alle moralisch aufgeladenen Aufforderungen an Angeklagte, „die Wahrheit“ zu sagen, unsinnig. Der Angeklagte ist nicht verpflichtet, zur Sache auszusagen. Punkt.

  10.   izquierd

    @Cem Özgönül

    „Izquierd, Ihr Verweis auf einen Zirkelschluss wäre dann bedenkenswert, wenn man dies als zweifelsfreien Beweis verkaufen wollte. Davon ist aber hier nicht die Rede. Es ist indes tatsächlich ein weiteres starkes Indiz in einer mittlerweile doch recht dichten Kette.“
    Ob Sie das nun als einen Beweis oder als ein starkes Indiz bezeichnen ist eigentlich völlig egal, weil so oder so ein Zirkelschluss ein Zirkelschluss bleibt! Und von einer „dichten Kette“ an Indizien kann man im NSU-Prozess wohl auch kaum sprechen, das sieht man ja auch schon daran, dass sich die prozessuale Beweisaufnahme endlos hinzieht und sich oft nur in irrelevanten Nebensächlichkeiten ergibt, welche oftmals nur in der bereits vorhandenen Erkenntnis münden, dass Zschäpe eine Rechtsextremistin ist und möglicherweise über eine manipulativen Charakter verfügt. Das erweckt nur noch den Eindruck einer Prozesssimulation! Leider!

    „Wenn die drei nix mit dem Anschlag zu tun hatten, warum dann überhaupt diese gezielte, manuell gesteuerte Aufnahme? Wieviele deutsche Privathaushalte haben Ihrer Meinung nach Video-Aufzeichnungen dieser Sonder-Sendungen?“
    Sie stellen hier leider die komplett falsche Frage! Die Frage müsste doch wohl eher lauten: Wie viele Rechtsextremisten im Untergrund haben Video-Aufzeichnungen dieser Sondersendung? Dann näher wir uns nämlich so langsam dem Kern. In der medialen Berichterstattung und auch in Ihrer Argumentation wird nämlich gerne unterschlagen, dass die Daten-Sammelwut (gefundene Stadtpläne, Videomitschnitte, Daten über politische Gegner des Trios – im Übrigen in einer Größenordnung, die das Trio unmöglich alleine angefertigt haben kann (!),…) nichts mit der Mord-/Anschlagsserie zu tun haben muss. Hier kann es nämlich auch schlicht und einfach um die Erfassung des politischen Gegners und entsprechende Propaganda gehen. Wir haben es hier also bestenfalls nur mit einem ganz schwachen Indiz zu tun, welches aber medial komplett überhöht wird, eben weil die sonstige Beweislage so mager ist!

    „Das wäre – mal wieder – doch ein bißchen viel Zufall, finden Sie nicht?“
    Und somit brauchen sie hier auch nicht mit Zufall zu argumentieren, weil Sie schlicht und einfach eine Motivlage voraussetzen, die nicht gesichert ist und ausschließlich vom „Ergebnis“ – also der Mord- und Anschlagsserie – her gedacht wird und völlig ausblendet, dass für die Daten(Video-)sammlung auch andere naheliegende Erklärungen (siehe obige Erklärung) geben kann. Auf die wirklich „harten“ Beweise, also z.B. solche mit direktem Tatortbezug von Mundlos und Bähnhardt, warten wir ja bisher vergebens…