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Angeklagter Wohlleben meldet sich zu Wort – Das Medienlog vom Freitag, 18. November 2016

 

Unerwartet meldete sich am 322. Verhandlungstag einer der Angeklagten zu Wort: Ralf Wohlleben, der die NSU-Mordwaffe Ceska 83 beschafft haben soll. Er bestritt, an einer Schlägerei beteiligt gewesen zu sein, die sich im Sommer 1998 ereignet hatte. Geschildert hatte den Gewaltakt der Mitangeklagte Carsten S. Wohlleben warf diesem vor, er wolle ihn um jeden Preis belasten, berichtet Wiebke Ramm in der Süddeutschen Zeitung. Beiden wird vorgeworfen, am Transport der Waffe beteiligt gewesen zu sein, S. gilt als Kronzeuge gegen Wohlleben.

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In den vergangenen Wochen hatte das Gericht etliche Zeugen zu dem Vorfall an der Haltestelle gehört. Eines der zwei Opfer hatte bestätigt, dass sie von einer Gruppe Neonazis in ein Holzhäuschen gedrängt wurden. Am Donnerstag sagte das zweite Opfer aus. Keiner von beiden konnte bestätigen, dass Wohlleben unter den Angreifern war.

Der Verhandlungstag verlief schleppend: Mehrmals wurde die Sitzung unterbrochen, weil Wohllebens Anwälte ein Befangenheitsgesuch gegen die Richter stellten – wie bereits am Vortag. Grund war, dass die Richter entschieden, trotz des im Raum stehenden Ablehnungsantrags weiter zu verhandeln. Angesichts der häufigen Unterbrechungen müsse man fragen, „ob sich der deutsche Rechtsstaat mit all seinen komplizierten Vorschriften nicht irgendwann ad absurdum führt“, merkt Christoph Arnowski vom Bayerischen Rundfunk an. So ließe sich das Verfahren theoretisch vollkommen ausbremsen. Im Verhandlungsstoff sei das Verfahren „keinen Millimeter weitergekommen“.

Das nächste Medienlog erscheint am Montag, 21. November 2016.