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Wenn’s vor Gericht mal wieder länger dauert – Das Medienlog vom Freitag, 27. Januar 2017

 

Wie lange mag der NSU-Prozess noch dauern? Klar ist: Das Verfahren ist thematisch so gut wie abgeschlossen, alle relevanten Punkte sind behandelt, nur die Vernehmung des psychiatrischen Gutachters Henning Saß zieht sich hin. Andererseits: Wendungen und immer neue Anträge haben das Verfahren bereits auf zuvor ungeahnte Länge gedehnt. Nun hat das Gericht wieder neue Termine angesetzt: Bis Januar 2018 stehen neue Verhandlungstage, wie die Süddeutsche Zeitung und andere Medien berichten. Dies allerdings „höchst vorsorglich“, wie es in einem Schreiben des Strafsenats heißt. Die Termine müssen also nicht zwangsläufig genutzt werden – denkbar ist das nach nun dreieinhalb Jahren Prozessdauer jedoch durchaus. Bisher waren Sitzungen bis zum Herbst dieses Jahres geplant.

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Am Donnerstag wurde vor Gericht weiter der Sachverständige Henning Saß vernommen, der eine psychiatrische Expertise über die Hauptangeklagte Beate Zschäpe erstellt hat. Richter Manfred Götzl befragte ihn detailliert zu den Beobachtungen, die er im Verlauf des Prozesses von Zschäpe machte. Es war eine große Bandbreite an Verhaltensweisen: „Saß schildert Gleichgültigkeit, Resignation, Aufmerksamkeit, mal kühl sachliches Interesse, mal ein scherzender Austausch mit ihren Verteidigern oder ein spöttisches Lächeln“, bilanziert Eckhart Querner vom Bayerischen Rundfunk.

Vor Gericht „wird der Mensch Beate Zschäpe zerlegt“, schreibt Annette Ramelsberger von der Süddeutschen Zeitung (kostenpflichtig). Sie betont die Tragweite der Einschätzung des Psychiaters: „Glaubt er ihr nicht, wird ihr auch das Gericht nur schwer glauben.“ Seine Analyse, in der Zschäpe mit mehr als 100 Adjektiven beschrieben wird, sei zwar unspektakulär aber „vernichtend“.

Das nächste Medienlog erscheint am Montag, 30. Januar 2017.