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Hoffnungen der Opfer verfehlt? – Das Medienlog vom Montag, 20. März 2017

 

Der NSU-Prozess geht dem Ende entgegen, auch, wenn eine kürzlich erlassene Frist für die letzten Beweisanträge von Richter Manfred Götzl wieder aufgehoben wurde. Wie es in den kommenden Tagen weitergeht, ist unklar. Ein vorläufiges Fazit von Deutsche-Welle-Reporter Marcel Fürstenau fällt jedenfalls düster aus: „Für die Opfer-Angehörigen wäre selbst eine wegen Mordes verurteilte und auf Dauer weggesperrte Zschäpe zu wenig.“ Von der Hauptangeklagten hätten sich die Nebenkläger nämlich Erklärungen erhofft, wieso die Morde gerade ihre Angehörigen trafen. Dass sie dazu nicht mehr wusste, als sie in ihrer eigenen Erklärung angegeben hatte, stuft der Prozessbeobachter als unglaubwürdig ein.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

Das nächste Medienlog erscheint am Dienstag, 21. März 2017.

3 Kommentare

  1.   claus gahr

    Wieso sollte sich ein Angeklagter-in, denn selber ans Messer liefern? Niemand von uns und von den Nebenklägern würde dieses tun. Deshalb ist diese Forderung mehr als naiv.
    Ich bin auch überzeugt, dass wenn die Nebenkläger wüssten, wieso und warum würde es noch größere Wunden reißen, statt die Seele zu heilen..
    Es waren 2 fehlgesteuerte rechtsradikale Mörder, ohne Hirn und jegliche Empathie für deren Opfer und deren Angehörigen. Es wurde sinnlos einfach kaltblütig und aus Lust am Morden getötet. Das Einzige was leider nie geklärt wird, da die Justiz kein Interesse an der Verfolgung, wäre herauszufinden wer die Opfer und die Örtlichkeiten ausgesucht hat. Hier sind Mitwisser und Helfer, die noch unbehelligt frei rumlaufen.
    Wie komme ich darauf? Ich habe mir den Tatort in Heilbronn angesehen, diese Tat ist unmöglich ohne Helfer vorzubereiten und auszuführen. Da wäre die verdammte Pflicht der Justiz alles Mögliche anzustellen um die Helfer ausfindig zu machen. Wenn man diese Helfer fasst hat man auch diejenigen, die die anderen Morde vorbereitet haben. Da bin ich sicher.

  2.   PLA-Sachsen

    Es ist zum Haare-Ausreißen, während ich in diesem Medien-Log nichts über die Zeugin – eine Rechtsanwältin vom „Sauerland-Prozeß“ – finde, die dem Gericht Informationen eines Sauerland-Mandanten zur Anwesenheit des CIA und anderer beim Kiesewetter-Mord vorgetragen hat, lese ich den Kommentar von Claus Gahr, in dem dieser einfach davon ausgeht, daß die Morde von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos ausgeführt wurden, obwohl es dafür überhaupt keinen hieb- und stichfesten Beweis gibt, d.h. keine Zeugenaussagen, keine Fingerabdrücke oder DNA-Spuren etc. Es gibt nicht einmal einen Beweis oder ein ernstzunehmendes Indiz für die bloße Abwesenheit der Uwes an auch nur einem einzigen Tatort – 27 an der Zahl, wenn Sprengstoffanschläge und Banküberfälle mitgerechnet werden. Daß unter diesen Umständen die Anklagen gegen Zschäpe und die anderen Angeklagten wegen Mithilfe überhaupt aufrechterhalten bleiben, halte ich persönlich für einen Justizskandal. Gleichzeitig wird die Verwicklung der Geheimdienste immer offensichtlicher. Und die Verteidiger von Beate Zschäpe stellen nach wie vor keinen einzigen Beweisantrag zur Entlastung ihrer Mandantin wegen der fehlender Beweise für die Beteiligung der Uwes und der immer dichterer Indizien für die Beteiligung der Geheimdienste. Statt dessen haben die „neuen“ Zschäpe-Anwälte offenbar ihre Mandantin zu der wenig glaubhaften schriftlichen Aussage bewegt, sie habe im nachhinein von den Uwes von deren Beteiligung an den Morden, auch dem Kiesewetter-Mord, gehört. Natürlich ohne eine Möglichkeit zum Kreuzverhör Zschäpes nach einer solchen unglaublichen Aussage! Aber wer hätte dieses Kreuzverhör durchführen können? Etwa ihre Anwälte? Wohl gemerkt: Dieses, ohne jeglichen Beweisdruck abgegebene Pseudogeständnis Zschäpes (stellvertretend für die vermeintlichen Täter) ist m.E. die EINZIGE Bestätigung der Hauptthese der Bundesanwaltschaft. Oder ist da jemand hier in der Runde anderer Meinung?
    @Claus Gahr: Sie schreiben selbst: „Ich habe mir den Tatort in Heilbronn angesehen, diese Tat ist unmöglich ohne Helfer vorzubereiten und auszuführen. Da wäre die verdammte Pflicht der Justiz alles Mögliche anzustellen um die Helfer ausfindig zu machen. Wenn man diese Helfer fasst hat man auch diejenigen, die die anderen Morde vorbereitet haben. Da bin ich sicher.“ – Ist Ihnen nicht klar, daß unter diesen Umständen von einer Aufklärung der Morde keine Rede sein kann, und daß deswegen die Anklagen im Münchner Prozeß substanzlos sind? Warum sollte bei diesen ganzen Ermittlungsmängeln und Ungereimtheiten ausgerechnet die durch nichts bewiesene Täterschaft der Uwes stimmen?

  3.   PLA-Sachsen

    Korrektur:
    In meinem Beitrag ist mir ua folgender Fehler Unterlaufen:

    Ich habe geschrieben: „Es gibt nicht einmal einen Beweis oder ein ernstzunehmendes Indiz für die bloße ABWESENHEIT der Uwes an auch nur einem einzigen Tatort“

    Richtig soll es natürlich heißen: „Es gibt nicht einmal einen Beweis oder ein ernstzunehmendes Indiz für die bloße ANWESENHEIT der Uwes an auch nur einem einzigen Tatort“