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Streit unter Zschäpes Anwälten – Das Medienlog vom Mittwoch, 29. März 2017

 

Um Beate Zschäpe herum tobt der Streit zwischen ihren alten und neuen Verteidigern. Nachdem ihre drei Stammanwälte Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm ihre eigene Entlassung aus dem Verfahren beantragt hatten, kontern ihre beiden Vertrauensanwälte Mathias Grasel und Hermann Borchert die Vorwürfe, die sich aus den sogenannten Entpflichtungsanträgen ergeben: Als „Unverschämtheit“ bezeichneten sie laut Süddeutscher Zeitung in einem Brief an das Oberlandesgericht die Behauptung, sie hätten die alten Anwälte falsch über den Willen von Zschäpe informiert. Die hatte nämlich drei von vier Befangenheitsanträgen von Heer, Stahl und Sturm gegen das Gericht zurückgenommen, weil sie angeblich nicht in ihrem Sinne seien.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

„Hat demnach also Zschäpe in ihrem Brief gelogen, als sie schrieb, sie habe von nichts gewusst?“, fragt SZ-Autorin Wiebke Ramm.

Borchert und Grasel nehmen dazu keine Stellung und beziehen sich auf ihre anwaltliche Schweigepflicht. Deren Verletzung werfen die beiden den Altverteidigern vor, weil sie in ihren Anträgen aus der Kommunikation unter den beiden Anwaltslagern zitiert hätten.

Angesichts des wieder aufflammenden Kleinkriegs im Zschäpe-Lager stellen wir auf ZEIT ONLINE fest, „dass es in dem Verfahren viel zu viele unerwartete Wendungen gab, durch die immer neue Verzögerungen eintraten“. Durch solche Vorkommnisse verlängert sich „die Zeit, die das Gericht mit Bürokratie statt mit Aufklärung verbringt“. Zur Erinnerung: Der Prozess läuft seit bald vier Jahren. In unserer Übersicht geben wir einen Überblick, wie es auf dem Weg zum Urteil weitergeht.

Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 30. März 2017.

5 Kommentare

  1.   MiBalser

    Es tobt ein asymetrischer Krieg zwischen den VerteidigerINNEn, bei dem
    unter die Gürtellinien mit Hate-Wort-Kanonen geschossen wird.
    Dem Ruf und der Professionalität der Anwaltschaft ist das nicht dienlich.

  2.   Bleiben Sie sachlich

    Sie tun genau das, was Frau Zschäpe will. Ständig in den Focus gerückt werden. Sie kommt sich schon wie ein Star vor.
    Wie wäre es, wenn die Medien den ganzen Prozess ignorieren würden? Und erst, wenn er abgeschlossen ist, folgt ein sachlich-informativer Bericht. Das entspricht meinem Verständnis von gutem Journalismus.

  3.   MiBalser

    Anwälte können / dürfen nicht eigenmächtig sozusagen im eigenen Namen über den Kopf der MandantINNen hinweg ins Blaue hinein Befangenheitsanträge stellen.
    Wäre das hier so ohne Wissen und Wollen ihrer Mandantin gewesen, die davon
    – heißt ihrer Befangenheitsbesorgnis – nichts wissen will, begründet das
    die Besorgnis der unprofessionellen Inkompetenz der Pflichtverteidiger
    wegen Hyper-Aktivität (ADHS).

  4.   Ironischer Pragmatiker

    Mich würde langsam wirklich Interessieren was dieser Prozess mittlerweile kostet.
    Frau Zschäpe, je nachdem wie Schuldig sie gesprochen wird oder auch nicht, ist ohnehin schon sozial verurteilt, den Namen kennt nun wirklich jeder.
    Das die Medien auf derlei Anwaltspossen reinfallen und dazu berichten kann ich mir nur mit langeweile erklären…
    und ich habs auchnoch gelesen :-/

  5.   nimue14

    Ich wünsche mir, dass ich den Namen Tschäpe nur noch einmal höre: Wenn sie endlich im Knast sitzt.