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Verteidiger halten die Füße still – Das Medienlog vom Donnerstag, 30. März 2017

 

Insgesamt sechs Befangenheitsanträge der Anwälte von Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben gegen die NSU-Richter standen im Raum – und wurden durch gestern ausgeteilte Beschlüsse sämtlich abgelehnt. Weiter offen ist allerdings der Antrag von Zschäpes Verteidigern auf ihre eigene Entlassung. „Wenn das Gericht sich heute mit diesem Antrag befasst hätte, wären wohl Alt- und Neuverteidiger auf offener Bühne aufeinandergetroffen“, mutmaßt Christoph Arnowski vom Bayerischen Rundfunk – dazu sei es jedoch genauso wenig gekommen wie zu inhaltlichen Fortschritten.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

„Das Zerwürfnis zwischen den beiden Verteidigerteams von Zschäpe, das zuletzt hinter den Kulissen für Wirbel gesorgt hatte, war am Mittwoch kein Thema im Gerichtssaal“, schreibt Wiebke Ramm von der Süddeutschen Zeitung. Auf ZEIT ONLINE beschäftigen wir uns mit dem Hintergrund dieses Streits, den Zschäpe selbst ausgelöst hat. „Dass die drei Altverteidiger unverdrossen weitermachten, sich in ihren Zielen nicht beirren ließen, dürfte die Angeklagte geärgert haben“, sodass sich Zschäpe danach sehnte, ein Stück Kontrolle zurückzuerlangen. Das gelang ihr, indem sie mehrere Befangenheitsanträge ihrer Verteidiger eigens zurücknahm. Klar ist demnach: „Die Verweigerung ihres Segens ist nichts anderes als ein Manöver im verteidigungsinternen Führungskampf.“

Wie Annette Ramelsberger von der Süddeutschen Zeitung berichtet, hat sich Zschäpe im Streit unter ihren Verteidigern gestern erneut in einem Brief an das Gericht gewandt und die Entpflichtung ihrer Altverteidiger gefordert – wie es die Anwälte selbst bereits getan hatten.

Bewegung komme indes in die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem weiteren Umgang mit dem psychiatrischen Gutachten über Zschäpe: Nach Ostern soll der Bochumer Professor Pedro Faustmann aussagen, der sich methodenkritisch mit dem Gutachten des vom Gericht bestellten Psychiater Henning Saß befasst hat. Beauftragt haben ihn Zschäpes Altanwälte. Ebenfalls geladen werden könnte der Freiburger Psychologe Joachim Bauer, mit dem Zschäpe mittlerweile gesprochen hat – anders als mit Gutachter Saß. Die mögliche Folge: „Zschäpes Seele ist noch für viele Verhandlungstage gut“, bilanziert Autorin Ramelsberger.

Das nächste Medienlog erscheint am Freitag, 31. März 2017.

7 Kommentare

  1.   samson2006

    Es ist unerträglich, wie diese Angeklagten unseren Staat vorführen. Irgendwann muss mal Schluss sein. Diese ständigen Befangenheitsanträge haben doch nur ein Ziel, das Wegsperren für immer aufzuhalten. Liebe Justiz, macht dem allem endlich ein Ende. Ich kann es nicht mehr lesen und hören.

  2.   Hill

    @samson2006
    wegsperren für immer aus welchen Grund?
    Bis heute ist kein Einziger Beweis erbracht worden das es sich so abgespielt hat wie die Staatsanwaltschaft behauptet.
    Die Angeklagten führen den Staat vor?
    Es ist wohl ehr so das der Staat sich hier selber vorführt. Auch ist es der Staat bzw seine Organe wie Staats/Verfassungsschutz der hier auf die Anklagebank gehören.
    Wer hier fordert das man kurzen Prozess machen solle hat entweder Angst das Wahrheit zu Tage kommt oder aber ist ein Feind der Demokratie oder gar beides?

  3.   Malteserkreutz

    Im Grunde ist aber auch ganz gut, dass die Hauptangeklagte hier alles Mögliche und Unmögliche durchspielt. Dann könnte sich, wenn sie final zu lebenslänglicher Haft mit Sicherheitsverwahrung verurteilt würde, auch niemand beklagen, es wäre ein reiner Schauprozess gewesen.

  4.   Tom Orrow

    Wer bezahlt eigentlich diese Heerscharen an Anwälten? Sind die tatsächlich alle von uns Steuerzahlern gesponsort oder hat diese Terroristin finanzielle Unterstützer?

  5.   korberg

    Solche Hellseher wie oben, die offenbar genau wissen, wer hier welches Verbrechens schuldig ist, dürften händeringend in der Justiz gesucht sein (und würden bestimmt kräftig bezahlt) – einfach mal bewerben!

  6.   fliegenklatsche

    Warum kommen immer wieder die gleichen fragen auf?

    Es knn sicher nicht alles ermittelt werden, aber der größte teil ist doch abgearbeitet, es wäre doch mal sinnvoll einfach ab zu warten und nicht nur bloße vermutungen los zu treten und damit angst zu schüren.

  7.   Nemo99

    Ich frag mich, wieso hier soviele auf das schmale Brett Sicherungsverwahrung kommen.

    Dazu ein kurzer Wikiauszug:
    „Den Sicherungsverwahrten werden jedoch mehr Hafterleichterungen gewährt, da für sie der Aufenthalt gerade nicht an ihre Schuld anknüpft, sondern der Sicherungsverwahrte sich dort einzig zum Schutze der Allgemeinheit vor ihm befindet“

    Bei der Sicherungsverwahrung geht es also nicht um die Strafe, sondern um den Schutz der Allgemeinheit vor weiteren möglichen Taten.

    Nun hat Frau Zschäpe allerdings selbst wenn alle Anschuldigungen zutreffen sollten bei keiner der Taten abgesehen von der Brandstiftung, für die sie meiner Meinung nach verurteilt werden wird, aktiv mitgewirkt.

    Von daher sehe ich nicht, wie die Gefahr direkt von ihr ausgehen sollte. Die einzige Gefahr, die ich sehe ist, dass sie durchaus wieder radikale Taten decken würde.