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Zschäpe lässt Psychiater nicht als Zeugen aussagen – Das Medienlog vom Mittwoch, 5. April 2017

 

Eigentlich sollte am Donnerstag der Psychiater Joachim Bauer über die Gespräche berichten, die er mit der Angeklagten Beate Zschäpe geführt hat. Doch das fällt vorerst aus. Zschäpe hat Bauer nicht von seiner Schweigepflicht entbunden, was die Aussage hinfällig macht, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Der Grund für diesen Schritt: Bauer war vom Gericht als Zeuge geladen worden und nicht wie gewünscht als Sachverständiger. Daher wäre er von den Richtern zu seinen Eindrücken befragt worden, seine psychiatrische Diagnose wäre in den Hintergrund gerückt.

Zschäpes Anwalt Mathias Grasel sagte der Deutschen Presse-Agentur, er habe Bauer nun eigenständig als Sachverständigen geladen. Dadurch verzögert sich der Vorgang, Bauers Aussage wird nun Anfang Mai erwartet. Die Verteidiger legen Wert darauf, dass Bauer als Sachverständiger geladen wird und nicht als Zeuge, da Bauer zu dem Schluss gekommen ist, Zschäpe habe im Untergrund an einer abhängigen Persönlichkeitsstörung gelitten. Die Anwälte meinen, ihre Mandantin sei nur eingeschränkt schuldfähig gewesen.

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Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 6. April 2017.

4 Kommentare

  1.   Tanat

    Eines neuen Gutachters bedarf es nicht. Er wäre das Zeichen, dass die Richter sich selbst kein Bild von dem geistigen Zustand der Angeklagten machen können.

    Es wäre ein Offenbarungseid menschlicher Reife, wenn ein ganzes Gremium von Richtern (im Alter über 50) Psychologen braucht, um einen Menschen einzuschätzen.

  2.   Ivonne F.

    Also wenn eine abhängige Persönlichkeitsstörung (wenn denn eine vorgelegen haben sollte) für eine Schuldunfähigkeit „ausreichen“ sollte – dann ist eigentlich die Mehrheit der Verurteilten in den Gefängnissen schuldunfähig. Sei es PTBS, sei es antisoziale Persönlichkeitsstörung… Die Prävalenz für psychische Störungen ist dort schließlich am höchsten.

    Was kommt als nächstes von dieser manipulativen Nazi-Frau? Der Versuch als schuldunfähig zu gelten weil sie an Rechtschreibschwäche leidet?

  3.   GOE101

    In früheren Meldungen hieß es, dass der Psychiater keine Qualifikation auf dem Gebiet der forensischen Psychiatrie besitzt und damit nicht als Gutachter aussagen darf/kann sondern nur als Zeuge. Davon finde ich aber in der Meldung nichts. Hat sich da ewats geändert?

  4.   T. Rex

    Zitat“Eines neuen Gutachters bedarf es nicht. Er wäre das Zeichen, dass die Richter sich selbst kein Bild von dem geistigen Zustand der Angeklagten machen können.

    Es wäre ein Offenbarungseid menschlicher Reife, wenn ein ganzes Gremium von Richtern (im Alter über 50) Psychologen braucht, um einen Menschen einzuschätzen.“

    Ich denke, das ist eine arg einfach Sichtweise. Gerade wenn es um Psychopathen geht (und bei solchen Schweren Straftaten wie denen des NSU ist das sicherlich irgendwo eine Voraussetzung) ist es doch für einen Laien nahezu unmöglich diesen zu durchschauen und einzuschätzen! Ein Gutachter ist hier absolute Pflicht!