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Die Ankläger zeigen Härte – Das Medienlog vom Mittwoch, 13. September 2017

 

Die Bundesanwaltschaft hat ihr Plädoyer abgeschlossen: Sie fordert lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe. Der Mitangeklagte Ralf Wohlleben soll zwölf Jahre in Haft, Carsten S. drei Jahre, Holger G. fünf Jahre. Die Überraschung des Tages war, dass Bundesanwalt Herbert Diemer für den fünften Angeklagten André E. zwölf Jahre wegen Beihilfe zum versuchten Mord forderte. Diemer beantragte einen Haftbefehl wegen Fluchtgefahr, E. wurde im Gericht festgenommen. Heute wird entschieden, ob er bis Prozessende in Untersuchungshaft sitzen wird.

Die Anklage „fordert zu Recht harte Strafen“, kommentiert Frank Jansen im Tagesspiegel. In dem Schlussvortrag sei „ein gigantisches Gemälde des Terrors“ entstanden, das aus Sicht der Opfer und Hinterbliebenen jedoch „enorme Lücken“ habe.

An jedem Werktag sichten wir für das NSU-Prozess-Blog die Medien und stellen wichtige Berichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de.

„Die Anklage hat hart hingelangt“, schreibt Annette Ramelsberger in der Süddeutschen Zeitung. Dabei habe sie jedoch die Rolle der Sicherheitsbehörden im NSU-Komplex, besonders des Verfassungsschutzes, „von jeder Verantwortung freigesprochen“. Zudem bestehe weiter ein generelles Problem: dass zwar die Richtigen auf der Anklagebank säßen, doch nicht die Helfer des NSU, die dort ebenfalls hingehörten.

Konrad Litschko von der taz wertet die harte Forderung gegen Zschäpe als Signal. Der Staat wolle Härte zeigen, wo er zuvor unzureichende Aufklärung geliefert habe. Und noch immer seien Fragen offen, zumal Zschäpe in ihrer Aussage nur wenig preisgegeben hatte. „Die Mauer des Schweigens über die Unterstützer bleibt intakt. Und das ist der bittere Beigeschmack.“ Für den Schutz, den Zschäpe ihren Kameraden bietet, werde sie einen hohen Preis zahlen.

In einer Analyse stellt dpa-Autor Christoph Lemmer heraus, dass die Bundesanwaltschaft sich auf viele Beweise stützt, „die sie im Prozess stets abgelehnt hatte“. Eingebracht wurden sie von der Nebenklage, mit der die Vertreter des Generalbundesanwalts notorisch im Streit lagen. „Überraschend“ sei dies, aber möglicherweise im komplizierten juristischen Gerüst der Anklage begründet.

Wir bei ZEIT ONLINE nennen das Plädoyer „eine fein gezeichnete Bilanz der 13 Jahre, die der NSU im Untergrund gelebt hat“. Für Zschäpe ist die Strafmaßforderung demnach „eine Bilanz des Scheiterns“. Ihr taktierendes Verhalten während des Prozesses hat sich nicht gelohnt – weder das Schweigen zu Beginn noch ihre spätere lückenhafte Aussage.

„Es spricht einiges dafür, dass das Gericht diesem Antrag folgen wird“, kommentiert Wolfgang Blieffert von der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen.

Nebenklageanwälte bezeichneten den zusätzlichen Antrag auf Sicherungsverwahrung allerdings teilweise als überflüssig. Diese Kritik sei nach der vorangehenden Kritik an der Bundesanwaltschaft überraschend, schreibt Tobias Krone vom Deutschlandfunk. Allerdings gelte für Zschäpe: „Es kann und darf für sie keinen Weg aus dem Gefängnis geben, nicht solange die heute 42-Jährige tatfähig ist.“

Durch Agenturberichte findet der NSU-Prozess auch in den internationalen Medien starken Widerhall – etwa in der BBC, der türkischen Daily Sabah, dem New Indian Express oder den New York Daily News. Ein Hintergrundstück in englischer Sprache liefert zudem die Deutsche Welle.

Das nächste Medienlog erscheint am Donnerstag, 14. September 2017.

Spuren des NSU

  • Pösen, 13. April 1996

    Jugend in der rechtsextremen Szene

    An einer Brücke über der Autobahn 4 bei Pösen hängt Uwe Böhnhardt im April 1996 einen Puppentorso mit der Aufschrift „Jude“ auf und stellt eine Bombenattrape ab. Böhnhardt wird für die Tat zunächst verurteilt, später jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Heute ist die Anklage überzeugt, dass Böhnhardt gemeinsam mit Komplizen für die Tat verantwortlich war.

  • Jena, 6. Oktober 1996

    Jugend in der rechtsextremen Szene

    Im Oktober 1996 stellen Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt eine Bombenattrappe auf einer Jenaer Sportanlage ab.

  • Weimar, 1. November 1996

    Jugend in der rechtsextremen Szene

    Im November 1996 besuchen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in SA-Uniform gekleidet die KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Sie erhalten einen Platzverweis.

  • Jena, 2. September 1997

    Jugend in der rechtsextremen Szene

    Auf dem Theaterplatz in Jena stellen Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt im September 1997 einen Koffer mit Hakenkreuz ab. Darin befinden sich zehn Gramm TNT-Sprengstoff.

  • Jena, 26. Dezember 1997

    Jugend in der rechtsextremen Szene

    Auf dem Jenaer Nordfriedhof finden Passanten im Dezember 1997 einen leeren Koffer mit Hakenkreuzen. Die Tat wird dem späteren NSU zugeschrieben.

  • Jena, 26. Januar 1998

    Abtauchen in den Untergrund

    In Garage Nummer 5. des Garagenkomplexes an der Kläranlage unterhalten Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt eine Bombenwerkstatt. Am 26. Januar finden Fahnder dort Sprengstoff, die drei flüchten.

  • Chemnitz, 18. Dezember 1998

    Überfall auf Edeka-Markt

    Mundlos und Böhnhardt überfallen einen Chemnitzer Supermarkt und erbeuten 30.000 DM. Als ein Jugendlicher die Verfolgung aufnimmt, schießen sie mehrmals auf ihn.

  • Nürnberg, 23. Juni 1999

    Anschlag in Nürnberg

    In einer Nürnberger Gaststätte findet ein Putzmann eine Taschenlampe auf einer Toilette. Als er versucht, sie anzuknipsen, explodiert sie, das Opfer erleidet Verbrennungen. Für den Anschlag sollen Mundlos und Böhnhardt veranwortlich sein. Sie berichteten dem Angeklagten Carsten S., in Nürnberg „eine Taschenlampe hingestellt“ zu haben.

  • Chemnitz, 6. Oktober 1999

    Überfall auf Postbank

    Überfall auf eine Filiale der Postbank in Chemnitz. Die Täter erbeuten 5.700 DM.

  • Chemnitz, 27. Oktober 1999

    Überfall auf Postbank

    Beim Überfall auf eine Chemnitzer Postfiliale erbeuten Mundlos und Böhnhardt 62.800 DM.

  • Nürnberg, 9. September 2000

    Mord an Enver Simsek

    An einer Nürnberger Ausfallstraße erschießen Mundlos und Böhnhardt den Blumenhändler Enver Simsek, der gerade seinen Stand aufgebaut hat. Der 38-Jährige hinterlässt seine Frau und zwei Kinder.

  • Chemnitz, 30. November 2000

    Überfall auf Postbank

    In der Chemnitzer Postfiliale, die ganz in der Nähe ihrer Wohnung liegt, rauben die Täter 38.900 DM.

  • Köln, 19. Januar 2001

    Anschlag in der Kölner Probsteigasse

    Kurz vor Weihnachten 2000 hinterlässt Mundlos oder Böhnhardt eine Christstollendose im Lebensmittelgeschäft eines Iraners in Köln. Am 19. Januar 2001 öffnet die 19-jährige Tochter des Inhabers, Mashia M., das Behältnis. Es explodiert, M. erleidet schwere Verbrennungen.

  • Nürnberg, 13. Juni 2001

    Mord an Abdurrahim Özüdogru

    Der 49-jährige Abdurrahim Özüdogru wird in seiner Nürnberger Schneiderei erschossen. Er hinterlässt eine Tochter.

  • Hamburg, 27. Juni 2001

    Mord an Süleyman Tasköprü

    In Hamburg stirbt der 31-jährige Händler Süleyman Taşköprü durch mehrere Kopfschüsse in seinem Lebensmittelladen. Er hinterlässt eine Tochter.

  • Zwickau, 5. Juli 2001

    Überfall auf Postbank

    Erstmals schlagen Mundlos und Böhnhardt außerhalb von Chemnitz zu. In einer Postfiliale in Zwickau besprühen sie Angestellte und Kunden mit Reizgas. Sie flüchten mit 74.400 DM.

  • München, 29. August 2001

    Mord an Habil Kilic

    Mundlos und Böhnhardt erschießen den 38-jährigen Gemüsehändler Habil Kiliç in seinem Geschäft. Er hinterlässt seine Frau und seine Tochter.

  • Zwickau, 25. September 2002

    Überfall auf Sparkasse

    In einer Zwickauer Sparkasse greifen die Täter mehrere Menschen mit Reizgas an, aus dem Tresor lassen sie sich 48.500 DM aushändigen.

  • Chemnitz, 23. September 2003

    Überfall auf Sparkasse

    In einer Chemnitzer Sparkasse lässt sich der Tresor aufgrund einer Zeitschaltung nicht öffnen. Die Täter verletzen zwei Angestellte und entkommen mit 435 Euro aus der Kasse.

  • Rostock, 25. Februar 2004

    Mord an Mehmet Turgut

    Durch drei Schüsse stirbt der 25-jährige Imbissverkäufer Mehmet Turgut. Er war erst kurz zuvor nach Rostock gekommen.

  • Chemnitz, 14. Mai 2004

    Überfall auf Sparkasse

    Beim Überfall auf eine Sparkassenfiliale in Chemnitz schlagen die Täter einer Angestellten einen Gewehrkolben ins Gesicht. Sie erbeuten 33.175 Euro und Reiseschecks im Wert von mehreren Tausend Euro.

  • Chemnitz, 18. Mai 2004

    Überfall auf Sparkasse

    Gerade vier Tage nach dem vorigen Überfall dringen Mundlos und Böhnhardt in eine weitere Filiale der Chemnitzer Sparkasse ein. Sie erzwingen die Herausgabe von 73.815 Euro.

  • Köln, 9. Juni 2004

    Anschlag in der Kölner Keupstraße

    Beim Kölner Nagelbombenanschlag werden 22 Menschen verletzt, teils lebensgefährlich. Die Täter parken ein Fahrrad mit einer Bombe auf dem Gepäckträger vor einem Friseursalon. Bei der Explosion werden Nägel durch die Gegend geschleudert. Eine Überwachungskamera filmt die zwei Männer, bei denen es sich um Mundlos und Böhnhardt handeln soll.

  • Nürnberg, 9. Juni 2005

    Mord an Ismail Yasar

    Ismail Yasar steht in seinem Nürnberger Dönerimbiss, als ihn mehrere Schüsse treffen. Der 50-Jährige stirbt am Tatort. Zurück bleibt sein 15-jähriger Sohn.

  • München, 15. Juni 2005

    Mord an Theodoros Boulgarides

    Der 41-jährige Grieche Theodoros Boulgarides stirbt durch drei Kopfschüsse in seinem Münchner Schlüsseldienst-Laden. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

  • Chemnitz, 22. November 2005

    Überfall auf Sparkasse

    Im November 2005 überfallen die Täter dieselbe Filiale, die sie rund anderthalb Jahre zuvor ausgeraubt hatten. Ein Zeitschloss verhindert die Öffnung des Tresors. Mundlos und Böhnhardt flüchten ohne Beute.

  • Dortmund, 4. April 2006

    Mord an Mehmet Kubasik

    Mundlos und Böhnhardt töten den 39-jährigen Kioskbetreiber Mehmet Kubaşık in Dortmund. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

  • Kassel, 6. April 2006

    Mord an Halit Yozgat

    Nur zwei Tage nach dem vorigen Mord schießen Mundlos und Böhnhardt in einem Kasseler Internetcafé auf den Betreiber Halit Yozgat. Der am Tatort anwesende Verfassungsschützer Andreas T. will den sterbenden 21-Jährigen nicht hinter dem Tresen liegen haben sehen.

  • Zwickau, 5. Oktober 2006

    Überfall auf Sparkasse

    Uwe Böhnhardt überfällt alleine eine Sparkassenzweigstelle in Zwickau. Bei einem Handgemenge schießt er einen Auszubildenden in den Bauch und verletzt ihn lebensgefährlich. Der Tresor ist mit einem Zeitschloss gesichert, Böhnhardt flieht ohne Geld.

  • Stralsund, 7. November 2006

    Überfall auf Sparkasse

    In einer Stralsunder Sparkassenfiliale schießt Uwe Mundlos zweimal in die Luft, Uwe Böhnhardt plündert den Tresorraum und die Kasse. Sie nehmen mit 84.995 Euro mit.

  • Stralsund, 18. Januar 2007

    Überfall auf Sparkasse

    Mundlos und Böhnhardt überfallen erneut die Sparkasse in Stralsund. Die Beute beträgt 169.970 Euro, die höchste Summe der Überfallserie.

  • Heilbronn, 25. April 2007

    Mord an Michèle Kiesewetter

    Während einer Pause wird die 22-jährige Polizistin Michèle Kiesewetter auf der Heilbronner Theresienwiese erschossen, ihr zwei Jahre älterer Kollege Martin A. überlebt schwer verletzt. Die Täter nehmen ihnen die Pistolen ab.

  • Oberweißbach,

    Kiesewetters Heimatort

    Im thüringischen Oberweißbach wuchs die 2007 erschossene Polizistin Michèle Kiesewetter auf. Hier soll das spätere Opfer in einen Konflikt mit Neonazis geraten sein.

  • Wulfen, 2007 bis 2011

    Sommerurlaube

    Auch Terroristen brauchen Urlaub: Auf dem Campingplatz Wulfener Hals auf Fehmarn verbringen Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt seit 2007 jedes Jahr ihren Sommerurlaub, meist blieben sie einen Monat lang. Urlaubsbekanntschaften besuchten sie später zu Hause. Auch für den Sommer 2012 reservierten sie einen Platz.

  • Arnstadt, 7. September 2011

    Überfall auf Sparkasse

    Überfall auf eine Sparkassenzweigstelle in Arnstadt. Die Täter schlagen einer Angestellten auf den Kopf und zwingen den Filialleiter mit Pistole am Kopf zum Tresor. Als dieser sich nicht öffnen lässt, flüchten sie mit dem Kassenbestand von 15.000 Euro.

  • Eisenach, 4. November 2011

    Überfall auf Sparkasse

    Der letzte Überfall der Serie: Mundlos und Böhnhardt erbeuten 71.900 Euro aus einer Eisenacher Sparkassenfiliale. Sie flüchten auf Mountainbikes zu einem Wohnmobil, mit dem sie in ein Wohngebiet fahren. Als sie von einer Polizeistreife aufgespürt werden, gibt es einen kurzen Schusswechsel, dann begehen Mundlos und Böhnhardt Selbstmord.

  • Eisenach, 4. November 2011

    Das Ende des NSU

    Nach dem Banküberfall in Eisenach flüchten Mundlos und Böhnhardt in einem Wohnmobil vor der Polizei. In einem Wohngebiet im Stadtteil Stregda erschießt Mundlos seinen Komplizen, legt Feuer im Fahrzeug und richtet sich selbst.

17 Kommentare

  1.   JonyDoe

    @Peter Schnidt
    „Während der gesamten Tatserie war es nicht offensichtlich dass ein ausländerfeindliches Motiv zugrunde lag .“

    Warum gab es dann nach dem letzte Mord in Kassel eine
    Demonstration auf der gefordert wurde das die „Nazimorde“ endlich
    aufgedeckt werden müssen?

  2.   bx16v

    Es mag das Gute Recht der Anklagevertreter sein in diesem Fall die höchst mögliche Strafe wegen vermuteter Mitwisserschaft zu fordern?
    Lebenslänglich wegen Mitwisserschaft und die Zuerkennung der besonderen schwere der Schuld und wegen Wiederholungsgefahr die anschließende Sicherungsverwahrung der Angeklagten Zschäpe.
    Wobei ich mich frage welche Wiederholungsgefahr vorhanden sein könnte da die angeblichen Haupttäter ja aus dem Leben geschieden sind und deshalb in Zukunft ja eine „Mitwisserschaft“ ausgeschlossen ist!
    M.E. aber war und ist es die absolute Pflicht der Verteidiger ihre Mandanten effectiv zu verteidigen.
    Deshalb die Frage:
    Warum haben die Verteidiger nicht vehement Beweisanträge zugunsten ihrer Mandanten gestellt um dadurch die äußerst dünne Beweisführung der Staatsanwaltschaft auf den Prüfstand zu legen?
    Warum hat die Verteidigung nicht gegenüber der Anklage darauf bestanden endlich und zeitnah Strengbeweise wie DNA Spuren an Tatorten und Waffen, sowie einwandfrei zuordbare Mordwaffen und glaubwürdige Tatzeugen vorzulegen?
    Wieso hat die Verteidigung de einzig an einem Tatort unstreitig während eines der Morde zugegen gewesenen bewaffneten VS Mitarbeiter nicht kreuzverhörmäßig in die „Zange“ genommen?
    Warum haben die Verteidiger nicht die überlange U-Haft und die extrem lange Prozessdauer von über 4 Jahren höheren Gerichten bis hin zum EU Gerichtshof zur Überprüfung vorgelegt?
    Das zögerliche und in weiten Teilen nicht stattfindende Agieren der Verteidigung ist schlichtweg unverständlich!

  3.   holzhammernarkose

    Ich bekomme Bauchweh bei der Strafforderung. Was hat die Regierung – die Staatsanwaltschaft ist ausführendes Organ der Bundesregierung- zweifelsfrei bewiesen? Die beiden Uwes und Frau Zschäpe haben jahrelang im Untergrund gelebt und hatten Helfer, rechtsextreme oder/ und vom Staat bezahlte.
    Der Beweis für keine einzige Tat des Trios konnte erbracht werden. Selbst die Brandstiftung, angeblich durch Frau Zschäpe allein durchgeführt- ist nicht ausreichend ermittelt.

  4.   Tom Hauzenberger

    Peter Schnidt
    In der Tat wird diese Frage nicht nur von Ihnen aufgeworfen. – Eingedenk der Bilder der RAF-Morde der 70ger, bei denen die entführten Opfer in Bildern verhöhnt wurden und Bekenntnisschreiben stets auf dem Fuß folgten – und das nicht erst posthum, wie im Falle des „NSU“ – kann man das durchaus diskutieren. Vergessen Sie aber nicht, dass ein terroristischer Modus operandi der Gruppenmitglieder des späteren „NSU“ bereits vor dem Untertauchen (26.1..1998) mit Bombenattrappen – darunter der antisemitische Puppentorso an einer Autobahnbrücke, Briefbomben eingeübt wurde. – Hier bekennt sich eine Gruppe als antisemitisch (sog Judenstern) und pro-nationalsozialistisch (Hakenkreuz) und setzt sich einem bestimmten Verfolgungsdruck aus, der wie auch für den Puppentorso zu einem Verfahren gegen Böhnhardt führt. – Die Sprengstoffanschläge von Nürnberg (1999) und von Köln, Probsteigasse 2000/2001 und Köln, Keupstrasse 2004, sind als Mordanschläge nicht gegen individuelle Personen (wie bei OK-Delikten) zu werten, sondern als rassistisch, ideologisierte Appell-Taten, indem sie migrantische, sprich iranisch, türkische und griechische Milieus angreifen, um neben einkalkulierten zufälligen Opfern Furcht und Schrecken zu verbreiten. – Bei den 9 hinrichtungsartigen Ceska-Morden ist das Alleinstellungsmerkmal, das diese Mordserie von OK-Delikten bewusst abhebt, die selbe Tatwaffe, mit der die Verbrechen quer durch die Republik in einem Zeitraum von fünfeinhalb Jahren verübt werden. – Zusammen mit den Opfer-Bildern (der ersten 3 Morde) wird zudem das ganze Spektrum der Verbrechen in dem sog. Bekenner-Video, das sich als zynisch-menschenverachtende Zeichentrick-Parodie gibt und das aber tatsächlich erst nach dem Tod von Böhnhardt und Mundlos nicht zuletzt durch Beate Zschäpe das Licht der Öffentlichkeit 2011 erblickt, nachträglich mitgeteilt.

  5.   Marybeth

    Es wird dort wohl auch im Namen Jesu Recht gesprochen, wie es da aussieht

  6.   Hückel-Ra

    Das Ganze scheint mir ein s.g. „Geschmäckle“ zu haben! Und viele Fragen bleiben offen. Na ja wie lange sind die Verschlußzeiten in Deutschland für s.g. Verfassungsschutzakten und Ähnliches? Bestimmt mehrere Jahrzehnte wenn nicht sogar ein halbes Jahrhundert. ob sich dann noch ein Schwein für die Tatsachen interessiert?

  7.   izquierd

    „In einer Analyse stellt dpa-Autor Christoph Lemmer heraus, dass die Bundesanwaltschaft sich auf viele Beweise stützt, „die sie im Prozess stets abgelehnt hatte“.“
    Da dachte ich doch glatt zunächst die dpa-Anlayse könnte interessant werden. Blöd nur, dass sich die dpa-Analyse gar nicht mit Indizien und Beweisen für die Täterschaft von Mundlos/Böhnhardt (bzw. Zschäpe) beschäftigt, sondern lediglich Indizien und Beweise für rechtsextreme Gesinnung des Trios anführt. Das ist hier aber nicht weiter wirklich relevant, denn dieses ist ja komplett unstrittig. Damit ist die dpa-Analyse eigentlich komplett uninteressant. Aber sie zeigt trotzdem exemplarisch sehr schön die Problematik des gesamten Prozesses auf: Hat sich dieser im Kern ja auch nicht mit der Frage der Täterschaft von Böhnhardt/Mundlos beschäftigt (sondern in erster Linie mit Nebenkriegsschauplätzen) und komplett kritiklos die Version der GBA übernommen, obwohl im Laufe des Prozesses haufenweise das Trio entlastendes Material durch Untersuchungsausschüsse, (wenige) Journalisten und Blogger bekannt geworden ist. Offensichtlich ist das alles nicht prozessrelevant. Hier irritiert dann besonders das Verhalten der „Verteidiger“ Zschäpes. Haben diese doch gänzlich darauf verzichtet die Tatversion – welche so ja nicht einmal mehr von den Nebenklägern geteilt wird – anzugreifen. Und das wäre bei dem bekannt gewrodenen Material wirklich ein leichtes gewesen.
    Der Prozess ist wirklich eine einzige Farce!

  8.   Latif Prada

    Der Staatsanwalt übertüncht mit seiner harten Forderung die Unwilligkeit des Staats die externen Helfer, Helfershelfer und die Ermöglicher beim Staat selbst, insbesondere beim Verfassungsschutz zu verfolgen.

  9.   TINE.maxx

    @ Grauer Falke
    Die Frau heisst ZSCHÄPE…

  10.   JungleFacedJake

    Ungereimtheiten, Schweigegebote, nebelhafte Wahrheitsfindung, dazu mediale Spekulationen und vages Wissen von ‘Terror-Experten‘.
    Manipulieren Geheimdienste, Minister und Behördenchefs den Wissens- und Erkenntnisstand des Gerichts durch Versagen oder Beschränkung von Aussagegenehmigungen für beamtete Zeugen oder durch Blockade von Zeugen aus dem militanten, mörderischen Biotop?
    “Als Angler liebe ich die Stille und die Schweigsamkeit der Fische.
    Auch am Haken hört man sie nie quaken.“ (Funny van Dannen, »Der Fisch«)