Taktlose und sich widersprechende Zeugen – das Medienlog vom 25. Juni 2013

Das Gericht hat nun damit begonnen, die einzelnen Morde der Terrorzelle aufzuarbeiten. Den Anfang macht der Fall des 2001 ermordeten Änderungsschneiders Abdurrahim Özüdoğru aus Nürnberg. Im Mittelpunkt der Berichterstattung zum NSU-Prozess standen vor allem das Verhalten der geladenen Polizisten, Özüdoğrus ehemalige Nachbarin Sabine M. und der Empfänger des Briefes von Beate Zschäpe, Neonazi Robin S. – die Nebenklage will ihn als Zeugen laden.

An jedem Werktag fassen wir im NSU-Prozess-Blog die wichtigsten Medienberichte, Blogs, Videos und Tweets zusammen. Wir freuen uns über Hinweise via Twitter mit dem Hashtag #nsublog – oder per E-Mail an nsublog@zeit.de

Am 14. Prozesstag wurden erstmals Zeugen befragt. Die geladenen Polizisten fallen durch unsensible Aussagen auf deklarierte der Tagesspiegel in seinem Titel. Frank Jansen schrieb, dass die damals ermittelnden Kommissare mit ihren beiläufigen Kommentaren erahnen ließen, „warum die Nürnberger Polizei zunächst wenig davon hielt, einen rassistischen Mord in Betracht zu ziehen.“ So beschrieben sie Özüdoğrus Wohnung, von der auch Fotos gezeigt wurden, als unordentlich und den Ermordeten laut damaligen Ermittlungen als „aufbrausend“. Tom Sundermann von ZEIT ONLINE fügte in seinem Bericht hinzu: „Warum überhaupt Fotos von Özüdoğrus Wohnung gezeigt werden müssen, wo der Mord doch im Geschäft stattfand, bleibt zudem rätselhaft.“ Auch Spiegel Online und die Süddeutsche Zeitung schrieben von „unterschwelligen Ressentiments“ beziehungsweise „wenig Taktgefühl“ (Süddeutsche Zeitung) der Kripo-Beamten.

Nachmittags wurden die Bekennervideos der Terroristen vorgeführt, darunter auch das bekannte „Paulchen Panther“-Video und zwei Vorgängerversionen. Gisela Friedrichsen von Spiegel Online ging dabei als einzige Berichterstatterin detailliert auf das Verhalten der Angeklagten ein. Sie schrieb, dass Zschäpe die Aufnahmen des Ermordeten auf der Leinwand ignorierte; André E. an seinem Computer herumtippte und Ralf Wohlleben sowie Holger G. imaginäre Punkte anstarrten. Carsten S. schien „als einziger von den Grausamkeiten, die aus jedem Tatort-Foto spricht“, berührt zu sein.

Nachtrag: Auch die Europa-Ausgabe der türkischen Tageszeitung Sabah widmet dem 14. Verhandlungstag eine Meldung und beschreibt kurz das Verhalten der Angeklagten. Während Carsten S., Holger G. und André E. sich die Fotos des Ermordeten ansahen, habe Beate Zschäpe sofort den Kopf weggedreht, beobachtet der Autor.

Marlene Halser legte im taz-Artikel Verwirrende Aussage den Fokus auf die Zeugin Sabine M.. Ihre Wohnung lag damals direkt gegenüber Özüdoğrus Werkstatt. M. sagte aus, zwei Schüsse an besagtem 13. Juni 2001 aus der Änderungsschneiderei gehört zu haben. Danach verstrickte sie sich in Widersprüche. Die ehemalige Nachbarin hatte angegeben, die Leiche des Schneiders in der Werkstatt gesehen zu haben, obwohl sie das zuvor bei keiner Befragung erwähnt hatte. M. brach während der Befragung in Tränen aus und erklärte, sie hätte Angst davor, dass sie „jemand wegmacht.“ Laut Halser muss das Gericht nun beraten, ob die Frau ein weiteres Mal in den Zeugenstand berufen wird – „und ob ihr dann ein Rechtsanwalt als Beistand zur Seite stehen soll.“

Auch der Welt-Live-Ticker und die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Besuch der blonden Dame) konzentrierten sich auf M., die aussagte, zwei verdächtige Männer und eine blonde Frau in der Werkstatt gesehen zu haben. Ob es sich bei der blonden Frau um Zschäpe handelt, konnte nicht geklärt werden.

Lena Kampf von stern.de berichtete in Party machen mit NSU-Terroristen über den Neonazi Robin S. und seine Verbindung zur Terrorzelle. Er soll Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe schon seit 2006 gekannt haben. S., Empfänger eines 26-seitigen Briefes von Zschäpe, soll nun als Zeuge gehört werden. So fordert es der Rechtsanwalt Thomas Bliwier in seinem am Montag gestellten Antrag. Er vertritt die Familie des in Kassel ermordeten Halil Yozgat. Tanjev Schultz schrieb in der Süddeutschen Zeitung, dass laut Zschäpes Verteidigung von S. „nichts tat- und schuldrelevantes“ zu erwarten sei.

Im NSU-Bundestagsausschuss in Berlin sagte erstmals ein ehemaliger baden-württembergischer V-Mann-Führer einer Frau namens „Krokus“ aus. Sein Deckname war Rainer Oettinger. Um ihn zu schützen, wurde der pensionierte Verfassungsschützer für die Befragung von einem Maskenbildner geschminkt. Spiegel Online (NSU-Untersuchungsausschuss: Wir haben die Arbeit der Polizei gemacht) und die Stuttgarter Zeitung (Ein Mann mit Maskerade) berichteten, dass die Frau laut Oettinger keinen direkten Zugang zur rechten Szene Nordwürttembergs gehabt hätte. Die Aussagen Oettingers gaben aber Einblick in die Arbeitspraxis des Verfassungsschutzes: Laut Katja Bauer von der Stuttgarter Zeitung wurde „Krokus“ von ihm „umgesteuert“ und sollte fortan die Linkspartei beobachten.

Keine Berichte in englischsprachigen Medien.

Das nächste Medienlog erscheint am Mittwoch, den 26. Juni.

 

Videos zeigten Mundlos und Böhnhardt in Köln – das Medienlog vom 24. Juni 2013

Bilder, die keiner sehen wollte: Die taz zitiert den Anwalt der Familie von Theodoros Boulgarides, der 2005 in München durch drei Kopfschüsse in seinem Schlüsseldienstladen starb, mit einem brisanten Vorwurf. Ermittler hätten Überwachungsvideos, die den Nagelbombenanschlag von 2004 auf einen Friseurladen in Köln zeigen, nur lückenhaft ausgewertet, sagte Yavuz Selim Narin.

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14. Prozesstag – Der Mord an Abdurrahim Özüdoğru

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Am 14. Prozesstag beschäftigte sich das Gericht mit dem Mord an Abdurrahim Özüdoğru. Der 49-jährige wurde am 13. Juni 2001 in seiner Änderungsschneiderei in Nürnberg erschossen. Zum Fall wurden am Vormittag zwei Polizeibeamte vernommen, die nach dem Mord ermittelten. Am Nachmittag wurden die Bekennervideos der Terroristen vorgeführt. Eines der Videos soll Beate Zschäpe vor ihrer Verhaftung an verschiedene Medien und Institutionen geschickt haben. Es zeigt Fotos der Anschläge, die in Sequenzen aus der Zeichentrickserie „Der rosarote Panther“ eingebettet sind.

 

Verhör beendet – das NSU-Medienlog vom 21. Juni 2013

Carsten S. wurde zum vorerst letzten Mal vor dem Münchener Oberlandesgericht vernommen. Darüber berichteten unter anderem die Süddeutsche Zeitung, (Wohlleben-Verteidiger fordern Freilassung) und der Tagesspiegel. In beiden Berichten steht die Tatsache im Vordergrund, dass Ralf Wohllebens Verteidiger seine Freilassung fordern.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet weiter von den Kontakten, die S. zum V-Mann Timo B. hatte. B war eine Führungsfigur in der Thüringer Neonazi-Szene war. Sein Name tauchte auf einer Festplatte von S. auf, berichtet auch die türkischsprachige Zeitung Zaman. Unter dem Titel: Carsten S. macht Zschäpe-Verteidiger nervös, fasst Tom Sundermann auf ZEIT ONLINE den Prozesstag zusammen. Eine Rückschau auf die gesamte Aussage S.´s, sendete München.TV.

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13. Prozesstag – Carsten S.

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Die Sachverständigen haben Carsten S. wie geplant abschließend vernommen, die Sachverständigen hatten aber nur noch wenige offene Fragen. Insgesamt wurde S. 26 Stunden lang vernommen. Er belastet vor allem den Mitangeklagten Ralf Wohlleben. Dessen Verteidiger wollen die Aussage für unverwertbar erklären, weil sie ihm selbst keine Fragen stellen konnten.

 

Schweigen über rechte Ideologie – das Medienlog vom Mittwoch 19. Juni 2013

Suggestivfragen der Nebenklage, Zweifel an der Abkehr von seiner rechten Vergangenheit – die Berichterstattung über den elften Verhandlungstag dreht sich um Details der Aussage des Angeklagten Carsten S. Ein weiteres Thema: Die Aussage eines Beamten vor dem bayerischen NSU-Untersuchungsausschusses.

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12. Prozesstag – Carsten S.

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Am zwölften Prozesstag wurde Carsten S. wie erwartet weiter durch die Verteidiger der Nebenkläger verhört. Am Ende der Vernehmung entschuldigte sich S. bei den Angehörigen der Opfer.

Hier der Artikel unseres Autoren Tom Sundermann über den zwölften Verhandlungstag.

 

 

Solidarität mit Jenaer Jugendpfarrer – das Medienlog vom Dienstag, 18. Juni 2013

Der Angeklagte Carsten S. wird am Dienstag, dem elften Prozesstag, weiter vernommen. Die vergangenen Prozesstage, an denen Carsten S. ausgesagt hat, haben der Bayerische Rundfunk und die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Audiodatei) nachgezeichnet.

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Der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Markus Köhler, bestätigte der Süddeutschen Zeitung, gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe werde in einem weiteren Fall wegen versuchten Mordes ermittelt. Es gehe um einen Rohrbombenanschlag in Nürnberg aus dem Jahr 1999.

In einer gemeinsamen Presseerklärung haben 20 Nebenkläger-Anwälte zur Solidarität mit dem Jenaer Jugendpfarrer Lothar König aufgerufen. König steht in Dresden vor Gericht, er soll 2011 am Rande einer Demonstration gegen einen Neonazi-Aufmarsch zur Gewalt gegen die Polizei aufgerufen haben.

Die Presseerklärung veröffentlichten unter anderem das Blog des ARD-Terrorismusexperten Holger Schmidt, Publikative.org und das Blog von stern.de. Laut Schmidt deutet der bisherige Prozessverlauf darauf hin, dass der Vorwurf gegen Lothar König nicht zu halten sei. Der Autor kritisiert zudem, dass nicht alle Anwälte der Nebenklage die Solidaritätsbekundung unterschrieben haben.

Die Europa-Ausgabe der türkischen Zeitung Sabah berichtet unter dem Titel Das türkische Geheimnis auf der Liste von den Kontakten, die der Angeklagte Ralf Wohlleben im Chatdienst ICQ gespeichert hatte. Demnach sollen unter den 63 Namen 7 türkische gewesen sein. Ein Kontakt auf der Liste sei ein Deutscher, der in Istanbul lebe. Einer der Türken sei in Russland. Was genau es mit den Kontakten auf sich hatte, ist laut Bericht der Sabah unklar.

Englischsprachige Onlinemedien veröffentlichten erneut keine Berichte über den Prozess.

Das nächste Medienlog erscheint am Mittwoch, den 19. Juni.

 

11. Prozesstag – Befragung Carsten S.

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Der elfte Prozesstag ging wie erwartet mit der Befragung des Angeklagten Carsten S. durch die Nebenklagevertreter weiter. S. gibt unter anderem zu die untergetauchten mutmaßlichen Rechtsterroristen, Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gedeckt zu haben.