Nachrichten aus dem Zentrum

Wie man es aushält

Von florian.klenk 23. November 2006 um 14:40 Uhr

Wie man Österreich aushält, fragt Kollege Perger. Nun, ich lebe ja erst seit einem Jahr in Deutschland (auch hier herrscht ja bisweilen unerträgliche Stimmung – siehe Ostdeutschland – , aber eben auch soetwas wie “Überregionalität”) und vielleicht kann ich noch ein wenig zur Aufklärung beitragen. Man stumpft erstens ab, nimmt solche Dinge nicht mehr wahr, weil sie in ihrer Häufung langweilig werden. Und man hört aus Selbstschutz auf, österreichische Medien (vor allem die ach so gefürchtete, in Wahrheit meist stinklangweilige Krone) zu konsumieren. Man beginnt stattdessen ein Leben in kleinen etwas widerständigen Nischen (Zum Beispiel in diesem Weblog ;-) ).
Es gibt aber auch ein anderes Österreich. Man trifft es in der Provinz ebenso wie in der Stadt. Die Österreicher, so erkennt man bald, können da durchaus ein lustiges, weltoffenes Völkchen sein. Diese Seite kommt allerdings in den Medien kaum noch vor. Das hat zwei Gründe. Erstens: die Haider und Nazinazinazi-Fixiertheit der Medien (die leider noch immer notwendig ist: siehe StracheWestenthalerHaider) und zweitens: die Spira & Seidl-Ästhetik, die meistens nicht mehr zustande bringt, als den Österreicher als lächerliche, mitunter faschistische Deixsau auf zwei Haxen zu porträtieren (das geht eben leichter von der Hand, als ein wirklich gesellschaftskritisches Stück). Dazwischen gibt es wenig Journalismus, der Österreichs Gesellschaft beschreibt.
Was bei uns auch fehlt: die rote Linie, die zu überschreiten einem Politiker das Amt kostet. Es gibt sie nicht, weil das Land so klein ist – und sich daher alle kennen. Und wenn Journalisten und Politiker eben jeden Tag gemeinsam beim Heurigen saufen, dann fällt es eben schwer, den anderen ernsthaft den Rücktritt nahe zu legen.

PS: wie ich dieses Posting schreibe ereilt mich ein Email mit einem Aufruf des Bürgermeisters von Grein. Da kämpft gerade eine kleine Gemeinde um ihre Kosovaren. Das ist das widerständige Österreich, das ich mag.

Kategorien: Standard
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Sehr geehrter Herr Klenk,

    Bsp. aus Rheinland-Pfalz und meinem ehemaligen Wohnort Koblenz, 106 000 Einwohner,
    8,7 % Ausländer, schon als Großstadt geltend.

    Hier: “Am Morgen des 31.10.2006, 6.45 Uhr wurde Familie Yildirim gewaltsam aus den sakralen Räumlichkeiten der Kirche St. Peter, in Koblenz Neuendorf abgeschoben.”

    http://www.koblenz-bleiberecht.de/
    Weitere Berichte SWR,ZDF,…

    Trotzdem, weiter.

    Grüße

    C.Leusch

    Antworten

    • 24. November 2006 um 01:28 Uhr
    • —Christoph Leusch
  2. 2.

    Lieber Herr Klenk!

    Die Familien Ganiji und Malokaj in Grein dürfen bleiben!
    Hier der Link zu dem Bericht aus den Oberösterreichíschen Nachrichten: http://www.nachrichten.at/lokal/497064
    Ein Zeichen dafür, dass Österreich doch nicht so unterm Hund ist und aus lauter faschistoiden Deixsauen auf 2 Haxen besteht.
    Lg Ihre Weltbeobachterin

    Antworten

  3. Leserbrief zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)