Vöckla Award
Vöcklabruck ist eine mittelkleine Stadt in Oberösterreich, wo diese Woche die vom Bezirksfernsehen initiierte Verleihung der so genannten Vöckla-Awards stattfand. Grüne Glaspokale in der Gestalt eines kopflosen Männertorsos, die an Likör- oder Magenbitterflaschen erinnern, wurden in den Bereichen Wirtschaft, Innovation, Tourismus usw. vergeben. Im Sport wurde der SC Schwanenstadt geehrt, der letzte Saison zweiter in der Ersten Liga, so heißt in Österreich die zweite Leistungsstufe, geworden ist.
Mir hat man einen Sonderpreis in Kultur verliehen, was zur Folge hatte, dass ich von dieser Preisverleihungsgala, dieser provinziellen Oskar-Verzeihung in der Nacht zuvor geträumt hatte. Und in diesem Traum plädierte ich dafür, dass man den Vöckla Award schon aus rein phonetischen Gründen umbenennen müsse. Denn Award? Aword? Ewort? Da weiß ja niemand, wie das auszusprechen ist. Außerdem schlägt sich das Vöckla A mit dem A von Award, hat man im Zentrum dieses Preises ein phonetisches A-A. Man müsse also, habe ich im Traum argumentiert, wie bei Franzobel eine Zusammenziehung zu Vöcklaward machen, gut, das klingt wie Schulwart oder Vöcklamarkt, der Nachbargemeinde, ist also auch nur suboptimal, Vöcklawort geht aber auch nicht, das erinnert zu sehr an Völkermord, aber man könnte den Award zu Edward ausbauen, das gäbe dann den Vöckla Edi. Gut? Na ja. Obwohl es den Oskar schon gibt, berief man sich bei mir im Traum auf den Gründer des Bezirksfernsehens Ossi Stadler und nannte den Preis fürderhin Vökla-Ossi. Verliehen wurde dann eine Art Riesen-Knabbernossi, ein Wurstpokal, hergestellt beim regionalen Metzgermeister.
Soweit im Traum. Die Realität war nicht ganz so lustig. Und obwohl solche Awards, wie sie in Österreich zur Selbstbefeuerung der Provinz-Schickaria bald überall abgehalten werden, teils peinlich, teils grotesk sind, gibt es doch rührende Momente, die alle sonstige Eitelkeit vergessen machen: Den Preis für Soziales bekam ein Herr Plainer, der seit 30 Jahren seine nach einem ärztlichen Kunstfehler vom Kopf abwärts gelähmte Frau pflegt, dafür sein ganzes Heim umbaute. Die bewegenden Bilder von diesem Paar trieben einem Tränen in die Augen und das Publikum zu Standing Ovations. Die menschliche Größe dieses Mannes ist bemerkenswert und vorbildhaft.
Die Unterseite des grünen Vöckla-Glaspokals, gefertigt in der Glashütte Schwanenstadt, gleicht übrigens einem Aschenbecher – und als solcher wurde er am selben Abend von mir auch noch verwendet.
Träume sind manchmal, nun ja, sehr … interessant.
Aber über den Vöckla Award hab ich mir auch schon Gedanken gemacht. Ich wohne ja mehr oder minder in der Nähe.
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