Offene Daten – offene Gesellschaft

Das Recht auf Daten

Von 19. November 2010 um 13:59 Uhr
Tim Berners Lee London

Tim Berners-Lee spricht in London über OpenData im internationalen Kontext

Es sei ein wichtiger Moment, sagte der britische Premierminister David Cameron in einer Videobotschaft im Rahmen des OpenGovernmentData Camp. Und kündigte an, dass ab sofort die Ausgaben aller Ministerien über 25.000 Pfund als OpenData veröffentlicht würden. Ab dem heutigen Freitag sollen diese Daten jeden Monat aktualisiert in maschinenlesbaren Format im Datenkatalog der Regierung data.gov.uk zu finden sein.

Ende Mai hatte die neugewählte Regierung aus Konservativen und Liberalen dieses Vorhaben angekündigt.

“Wir wollen die transparenteste Regierung der Welt sein”, sagte Cameron und versprach ein “Recht auf Daten” – Bürger sollen künftig verlangen können, Informationen als weiterverwendabere Datensätze zu erhalten.

Francis Maude, der Minister für Kabinettsangelegenheiten, sprach angesichts der Veröffentlichung der Datensätze von einem “ungemütlichen Vorgang” für Politiker. Er erwarte, dass noch manch peinlicher Moment bevorstehe. Seine Motivation, die Transparenz der Regierung voranzutreiben, erklärte Maude ausführlich in einem Beitrag im Guardian. “Help us to spend your money better”, schloss der Minister seine Ausführungen vor etwa dreihundert Zuhörern, helft uns, euer Geld besser zu verwalten.

Tim Berners-Lee, der gerne als “Erfinder” des World Wide Web bezeichnet wird, berichete auf dem Camp über den internationalen Aspekt von OpenData. Selbst in China würde begonnen, Regierungdaten zu veröffentlichten. Seiner Meinung nach sollten vor allem auch Journalisten mit solchen Datensätzen arbeiten. “Data driven journalism is part of the future”, so der Wissenschaftler, der die britische Regierung zusammen mit anderen in einem “Transparency Board” berät.

Einige Zeitungen und NGO hatten die heute offiziell veröffenlichte Daten vorab erhalten und erste Projekte und Auswertungen auf die Beine gestellt – hier eine Auswahl:

Spot light on spend (anschauliches Verzeichnis der Daten)

DataBlog des Guardian (verschiedene Auswertungen)

Timetric (interaktive Diagramme)

Im Laufe des Tages soll noch das Projekt OpenCorperates starten, das die Informationen über die Ausgaben nach den begünstigten Firmen durchsucht und die Aufttragsvergabe der britischen Regierung beobachten will.

Mehr Informationen zur Veranstaltung im Live-Blog des Guardian oder auf Twitter unter #openuk.

Kategorien: Datenpolitik
Leser-Kommentare
  1. 1.

    was spricht in deutschland dagegen?

  2. 2.

    @AntonAigner: Lesen Sie bspw. das Interview mit Fr. Lohmann vom BMI hier im Blog: http://blog.zeit.de/open-data/2010/11/12/innenministerium-rohdaten-lohmann/

    • 19. November 2010 um 15:05 Uhr
    • Lorenz Matzat
  3. 3.

    ich halte die datenoffenlegung fuer sehr gut.
    allerdings spiegeln die daten in deutschland sicher nicht die wirklichkeit wider[siehe arbeitslosenzahlen, schulden etc]. Es macht nur sinn, wenn die veroeffentlichten daten auch die wirklichkeit widerspiegeln und nicht das wunschdenken der regierung. Zudem ist datenmanipulation in D ja schon regierungsprogramm. Leider.
    gruss aus thailand
    dschungelmann

    • 20. November 2010 um 07:56 Uhr
    • zensamui
  4. 4.

    [...] ZEIT.de: “Die britische Regierung soll die transparenteste der Welt werden, wünscht Premier David Came… [...]

  5. 5.

    25.000 Euro, das wäre doch eine saubere Grenze für die Agrarsubventionen. Ca. 55 Milliarden Euro werden in der EU jährlich ausgeschüttet. Davon alleine ca 8 Milliarden Euro / Jahr in Deutschland.

    Stattdessen hat die ‘Verbraucherschutzministerin’ Ilse Aigner, die auch für die Landwirtschaft zuständig ist, sofort nach einem EU Gerichtsurteil alle Daten sperren lassen. Selbst die Daten welche nicht an individuen gehen und definitiv laut des EU Gerichtsbeschlusses nicht betroffen sind.

    Vermutlich bekommen die langsam Angst dass die Bürger den Schwachsinn (sorry für das Wort) des Agrardumping in Drittländer (Zerstörung von Betrieben in Afrika und Asien) nicht mehr akzeptieren werden.

    Desweiteren kann es nicht sein dass die Agrarsubventionen nahezu linear ausbezahlt werden. Es kann doch nicht sein dass oberhalb von 5000 Euro nur noch eine Schwelle/Absenkung um 3 oder 4% kommt. Haben die noch nie was von Economies of Scale gehört.

    Da gehört eine radikale Obergrenze von 20000 oder 25000 Euro/Betrieb und Jahr her (immer noch sehr viel Geld). Indem die großen immer mehr bekommen werden die ‘normalen’ Betriebe zerstört.

    Dann liesse sich vermutlich schon viele Stellen in den Ministerien etc einsparen. Ehrliche Marktpreise ohne Subventionen, dann wären vermutlich 50% der Mitarbeiter der Landwirtschaftsämter, der Landes- und Bundesministerien und bei der EU arbeitslos.

    Alleine die Zuckerindustrie (die Raffinierien und industriellen Verarbeiter) bekommen in Europa bestimmt 1 Mrd Euro an direkten EU Agrarsubventionen. Am Beispiel der Firma Südzucker, welche 42 Millionen in Deutschland und dann noch 60 Mio Euro für den Polnischen Tochterbetrieb erhalten zeigt sich der Irrsinn.

    Neben den Agrarsubventionen, was ist mit den Zahlungen der Kommunen, der Landkreise und der Länder ? Speziell auf kleineren Ebenen würde da so manches aufkommen. Die Gemeinden veröffentlichen noch nicht mal richtige Haushaltszahlen. Die Veröffentlichung würde offenlegen welche Zuschüsse der Länder in die Gemeinden gehen. So manches wird da nur realisiert weil es zu 70 bis 80% bezuschusst ist.

    • 21. November 2010 um 22:32 Uhr
    • kausz
  6. 6.

    [...] der seine Kollegen bearbeiten muss. Es war sicher nicht einfach, die davon zu überzeugen, die Ausgaben aller Ministerien regelmäßig zu veröffentlichen. Wir haben ihn beraten, aber letztendlich muss er diese Ratschläge dann zu etwas formen, das [...]

  7. 7.

    [...] die Bereiche Kriminalität, Polizeiarbeit und Justiz bringen. Die Kriminalitätskarte ist Teil der Open-Government-Initiative der konservativ-liberalen Regierung in [...]

  8. 8.

    [...] Die monatliche Veröffentlichung jeder Ausgabe eines Ministeriums über 25.000 Pfund signalisiert folgendes: Sie möchten, dass die Leute darauf [...]

  9. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

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