Offene Daten – offene Gesellschaft

Transparenz macht Entwicklungshilfe besser

Von 30. Mai 2011 um 14:40 Uhr
Schweden Entwicklungshilfe Gelder

Die schwedische Regierung dokumentiert ihre Entwicklungskooperationen auf openaid.se

Entwicklungshilfe ist umstritten. Die einen sehen darin ein Geldverbrennungsprogramm mit minimalem Nutzen; die anderen verweisen auf diverse Indikatoren, die die Erfolge von Entwicklungsbemühungen belegen.

Open Data kann in diesem Bereich durch Transparenz Vertrauen schaffen. So lautet zumindest der Ansatz der Weltbank. Vor einem Jahr begann sie damit, ihre Datensätze zu öffnen und sie im Angebot data.worldbank.org zu präsentieren. Inzwischen lassen sich darüber für nahezu alle Länder der Erde 7.000 Entwicklungsindikatoren abfragen: Etwa zu Bildung, Energie, Arbeitsmarkt oder Wirtschaftstätigkeit. Die Daten können dann in maschinenlesbaren Formaten heruntergeladen werden, was erlaubt, aus ihnen Karten und Diagramme zu bauen.

Was also geschieht nun mit den Milliarden, die Industriestaaten an die sogenannte Dritte Welt überweisen? 2005 erarbeitete die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) die Pariser Erklärung zur Effizienz von Entwicklungshilfe. Aus diesem ging dann 2008 die “International Aid Transparency Initiative” IATI hervor. Sie ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Staaten, Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen mit derzeit 19 Partnerländern. Dank einheitlicher Kriterien wollen diese Entwicklungsvorhaben besser aufeinander abstimmen und besser evaluieren.

IATI selbst will keine Datenbank aufbauen. Dafür aber hat die Organisation in diesem Frühjahr einen Standard für Daten zu Entwicklungsvorhaben veröffentlicht. Er legt fest dass in einem maschinenlesbarem Format (XML) fünf grundlegende Informationen gespeichert werden: Wer ist beteiligt? Worum geht es? Was soll bis wann erreicht werden? Wie lassen sich die Vorhaben einordnen und was sind die finanziellen Details?

Schema des IATI Standards (Quelle: iatistandards.org)

Entsprechend ausgezeichnete Daten werden in dem IATI-Register verzeichnet. Das ist noch recht leer, aber es existiert auch erst seit Februar 2011. Bald sollen sich dort 140 Vorhaben der Weltbank finden. Zwei weitere große Organisationen haben sich außerdem bereit erklärt, ihre Projekte IATI-konform zu dokumentieren, die Gates Stiftung sowie die Hewlett Foundation.

Die Bundesregierung beziehungsweise das zuständige Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) hält die Ziele von IATI für zu ambitioniert. Zwar wolle man bis zum Ende des Jahres international vereinbarte Transparenzziele angehen, heißt es dort. Die Umsetzung des IATI-Standards aber müsse solange zurückgestellt werden, “bis entsprechende Ressourcen frei werden”.

Bislang dokumentiert das BMZ seine Hilfsgelder in Höhe von sechs Milliarden Euro nicht sehr zugänglich. Ein wenig lässt sich über sie im Portal offenerhaushalt.de erfahren. Befriedigend jedoch ist das nicht, vor allem im angesichts von Beispielen wie openaid.se. Auf dieser Seite beschreibt die schwedische Regierung mit Hilfe von Visualisierungen ausführlich ihre Arbeit im Entwicklungsbereich.

Kann die transparente Darstellung von Entwicklungsgeldern die Entwicklungszusammenarbeit überhaupt besser machen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Claudia Schwegmann im Artikel Why did transparency on farm subsidies fail?. Anhand der EU-Agrarsubventionen stellt die Autorin Überlegungen an, warum trotz offensichtlichen Missbrauchs des Geldes sich die Vergabepraxis nicht geändert hat. Ihre Bilanz des Agrarbereichs ist ernüchternd. Doch kommt sie zu dem Schluss, dass Transparenz die zugrunde liegenden Faktoren ändern kann: “Wenn Akteure der Zivilgesellschaft mit Zugriff auf Informationen, Mittel und schlagkräftigen Netzwerken an Verhandlungen teilnehmen, ändert sich das System.”

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Im Prinzip sollten solche Systeme auf alle Staatsausgaben angewendet werden. Obama macht momentan einen ersten Versuch damit. So hofft man, Schwund und Verschwendung abbauen zu können und dem Wähler die Möglichkeit zu geben, nachzuprüfen, wohin sein Geld fließt.

    • 30. Mai 2011 um 17:13 Uhr
    • joG
  2. 2.

    Kritik an der Entwicklungshilfe galt viele jahre lang als politisch inopportun und als geschäftsschädigend. Die Nehmerländer nach guter Regierungsführung und Verantwortungsbewußtsein gegenüber der eigenen Bevölkerung zu fragen entsprach nicht der politischen Höflichkeit. Aber sollte man nicht aus Fehlern lerenen. Wir brauchen eine Analyse der Ergebnisse von 50 Jahren Entwicklungshilef in Afrika. Aber diese Analyse wird es nicht geben, so lange wir nicht wissen, welche Projekte wir finanziert haben.Das BMZ ist auch heute noch nicht transparent” bis entsprechende Ressourcen frei werden”! Gibt es denn etwas Wichtigeres als Transparenz bei der Verwendung von Steuermitteln?
    Volker Seitz,Botschafter a.D. und Autor “Afrika wird armregiert”

    • 31. Mai 2011 um 10:38 Uhr
    • Volker Seitz
  3. 3.

    Die sollen sich erst mal um unser Land kümmern statt um den Rest der Welt. Hier gibt es Probleme genug.

  4. 4.

    [...] ZEIT.de: “Weltbank und OECD nutzen offene Daten, um Hilfsprojekte zu dokumentieren. Die Bundesregierung… [...]

  5. 5.

    Open data ist nur so gut, wie der Wille des Befragten bzw. die Transparenz der Erhebung. Man kann es sich buchstäblich vorstellen, wie in einem „offenen Haushalt“ Dinge künstliche verschoben oder umdeklariert würden.

    • 1. Juni 2011 um 01:15 Uhr
    • nik--
  6. 6.

    Claudia “Schwingmann” heißt tatsächlich Schwegmann. Sehr interessant auch ihr Post zur Frage ob Internet und Beteiligung zur Armutsbekämpfung beitragen können http://tinyurl.com/65go6dw

    • 1. Juni 2011 um 10:10 Uhr
    • somed
  7. 7.

    @somed: Danke für den Hinweis.

    • 1. Juni 2011 um 11:11 Uhr
    • Lorenz Matzat
  8. 8.

    Schoen, dass die Transparenz-Debatte auch in deutschsprachigen Medien gewuerdigt wird und ebenfalls schoen, dass Claudia Schwegmann’s Arbeit auf diesem Gebiet gewuerdigt wird die in Deutschland sehr aktiv ist. Allerdings gibt es eine ‘globale’ Debatte die sich sehr vielfaeltig mit den Herausforderungen, Moeglichkeiten und Grenzen von ‘Transparenz’ auseinandersetzt-angefangen von der Frage, was man durch Zahlen messen kann, bis hin zu Themen wie einem begrenzten Buergerinteresse an EZ-Ausgaben oder Frage, wie schwierig es ist in einem am Ende des Tages politischen Arbeitsfeld mit ‘wissenschaftlichen Methoden’ zu argumentieren. Vielleicht lohnt sich fuer Interessierte ein Blick auf ‘Aid transparency-From standards to innovative accountability and action’(http://aidnography.blogspot.com/2011/02/aid-transparency-from-standards-to.html) als Denk- und Diskussionsanstoss.

    • 3. Juni 2011 um 13:39 Uhr
    • aidnography
  9. Kommentar zum Thema

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