Offene Daten – offene Gesellschaft

Offene Daten genügen nicht

Von 26. März 2012 um 12:54 Uhr

Screenshot des Datenportals der Bundesregierung

Die britische Regierung hat sich gerade selbst gelobt. Wenn es darum gehe, Datenbestände von Behörden öffentlich zugänglich zu machen, sei das Land führend in der Welt, sagte Kabinettsminister Francis Maude bei einer Tagung zum Thema Open Data in Birmingham. Die entsprechende Seite, data.gov.uk, sei die größte ihrer Art, mehr als 40.000 Datensätze stünden dort bereits zur Verfügung.

Das klingt toll. Doch der Zugang zu den Rohdaten ist nur der erste Schritt. Denn Rohdaten erreichen nur Spezialisten. Wer mit ihnen etwas anfangen will, muss sich mit vielen Werkzeugen auskennen, muss im Zweifel programmieren und Grafiken bauen können. Nur dann lassen sich aus ihnen sinnvolle Informationen gewinnen.

Maude hat das auch angedeutet. Immerhin sagte er, offene Daten seien “das Rohmaterial einer neuen industriellen Revolution”.

Etwas klarer drückte sich in diesem Zusammenhang der Chief Information Officer der amerikanischen Regierung aus. Steven VanRoekel sagte laut einem Bericht des Nieman Journalism Labs vor kurzem an der Harvard Law School, eine solche staatliche Datenplattform sei nur eine “dumme Leitung” (dumb pipe).

Die USA haben mit data.gov eine ebensolche Seite wie die Briten. Damit die Inhalte jedoch von Nutzen wären, müssten sie aufgearbeitet werden, findet VanRoekel – und zwar von der Regierung selbst.

“Wir müssen mit dem Datengeschäft aufhören und mit dem Plattformgeschäft anfangen”, sagte er und meinte, die Regierung selbst solle damit beginnen, die Instrumente und Apps anzubieten, um die Daten lesen und verstehen zu können. Ohne diese finde niemand “die Nadel im Heuhaufen”, ja er könne nicht einmal den Heuhaufen sehen. Zu viele Daten gebe es inzwischen. Er wolle data.gov daher zu einer echten Open-Data-Plattform ausbauen.

Das klingt, als sind die Briten nur bei der schlichten Masse führend. Wenn es um die Möglichkeiten offener Daten geht, denken die USA längst weiter. Zumindest aber soll die britische Seite data.gov.uk in den kommenden Monaten überarbeitet werden, damit sie für Firmen leichter nutzbar sei, kündigte Maude an.

Und wie weit ist Deutschland bei dem Thema? Nunja. Die Datenplattform des Bundes existiert zumindest schon einmal als Website. Ein Prototyp mit ersten Datensätzen soll 2013 fertig sein. Vielleicht. Von der Entwicklung eigener Apps ist das zuständige Bundesinnenministerium wahrscheinlich noch weit entfernt.

Kategorien: Datenpolitik, Datenprojekt
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Das Ganze aber bitte in der Hand einer Bundesbehörde die nicht von der Regierung abhängig ist. Dazu könnte man das statistische Bundesamt umbauen, mit Fokus insbesondere auf Gesetze zur Geheimhaltung von Informationen, die neu geregelt werden müssen (z.B. dürften bei aller Offenheit niemals alle mikroökonomischen Daten veröffentlicht werden). Mit einer Webseite und ein Paar Softwaretools ist es nicht getan, die Organisation dahinter muss stimmen.

    Es muss eine vierte Gewalt neben Legistiver, Judikativer und Exekutiver geschaffen werden: Die Informative, denn Wissen ist Macht.

  2. 2.

    die informative ist gut. politiker solltes sowieso gezwungen werden jedes ihrer gespraeche das nicht privat ist aufzuzeichnen.

  3. 3.

    Apps? Was ist Apps? (Kommse in fuffzehn Jahren nochma widda.)

    • 26. März 2012 um 16:19 Uhr
    • vera
  4. 4.

    [...] post: Datenportal: Offene Daten genügen nicht Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Digital und verschlagwortet mit auf-ihrer, daten, [...]

  5. 5.

    die Datenpolitik der Bundesregierung bzw. des Statistischen Bundesamtes ist ein Katastrophe. Sie stellen nur kaum verwertbare, schlecht aufbereitete Makrodaten ins Netz. Sobald es um relevante Mikrodaten geht, wird der Bürger, aus dem die Daten gewonnen werden erheblich zur Kasse gebeten. Das ist natürlich höchst undemokratisch und Bevorteilung von Unternehmen und reichen Privatpersonen. Mit einem kostenlosen Zugang zu den Daten wäre der Transparenz schon sehr viel gedient.
    Vom heimischen Schreibtisch aus bekommt man wesentlich besser Daten aus den USA, Kanada und England, gratis und mit einem sehr gut zu bedienenden Statistik-Tool.

    • 26. März 2012 um 17:13 Uhr
    • Calvino
  6. 6.

    Dieser Artikel verwundert mich etwas. Ich selbst interessiere mich zwar nicht besonders für Daten aus Deutschland, aber wer diese tatsächlich sinnvoll verwerten kann, der besitzt die notwendigen Programme, um dies zu tun. Und wenn nicht, dann kann man dank Linux auch gratis jedes Tool bekommen, welches das Herz begehrt.

  7. 7.

    Ach, ich liebe den Statistischen Jahrsbericht von destatis, ein wunderbares PDF, vervorragend am Bildschirm zu lesen und es ist sooooo einfach, die Daten da raus nach Excel zu kopieren. Das Statistische Bundesamt weiß eben, was Service ist.

  8. 8.

    [...] ZEIT.de: “Um offene Daten zu verstehen, braucht es Programme. Die USA wollen solche auf ihrer Site data… [...]

  9. Kommentar zum Thema

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